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Zion

Kürbis schüttelt sich

erstes Kennelernen in Kanada | HG sadasha, Pferd Canyon, Bewegung 2D und Halfter Mohikanerin

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Kürbis schüttelt sich
Zion, 8 Okt. 2019
Bracelet, Zaii, Veija und 5 anderen gefällt das.
    • Zion

      Le Royal Danois
      “Ey du Schlafmütze!...hallo?...mach doch endlich auf!”, hörte ich, noch schlaftrunken, Joris grölen. Demotiviert schob ich meinen Organträger zur Tür und öffnete sie zögerlich. “Was äh willst du denn? Noch nicht genug Pferdescheiße geschaufelt?”, begrüßte ich unseren Azubi und der Sarkasmus triefte förmlich aus mir. Joris, der eine Backpfeife imitierte, bekam einen Lachanfall und feixte “Man bist du ein Morgenmensch. Schon vergessen unsere neue Stute kommt heute!”. Erst jetzt wurde mir klar, dass es bereits um zwölf war und wir tatsächlich ein Pferd erwarteten. Just in dem Moment knallte ich ihm die Tür vor dem Kopf zu, steckte mir die Zahnbürste in den Mund, zottelte währenddessen die Klamotten über und kochte Kaffee um richtig wach zu werden. Willow und Finley waren beim Türöffnen rausgeschlüpft. Hinter mir fing es plötzlich an zu schnurren und ein gewisser Theodore forderte sein Futter ein. Während ich das Trockenfutter in die Napf kippte und die Zahnpasta ausspuckte, klingelte auch noch mein Handy. “...äh hallo?”, fragte ich in den Hörer - es war Peter, der mich informierte, dass soeben unsere Stute angekommen war. Mit dem kleckernden Kaffeebecher stolperte ich aus der Wohnung und runter zur Hofeinfahrt.

      “Guten Morgen, Sonnenschein”, begrüßte mich Val mit einem Zwinkern. Im Gegenzug kniff ich ihr in die Hüfte, sodass sie quiekend einen Satz zur Seite machte. Der Rest des Teams schaute uns belustigt an und dachte sich wahrscheinlich seinen Teil. Ich meine wir beide sind single und etwas necken schadet ja nie. Sobald die Hängerklappe geöffnet worden war, konzentrierten sich alle auf das Punktetier. Der Spediteur übergab mir die Papiere der äußerst attraktiven Knabstrupper Stute, während Val sie auslud. Die Stute stupste neugierig alle des Teams an und fing an die Kleidung anzuknabbern und abzulecken. “Ah du bist wohl eher der orale Typ”, entgegnete Val und alle prusteten los. “ Das ist Fortun, neunjährig und schon relativ weit ausgebildet und wie ihr seht ausgeschlossen und hübsch. Val sie kommt in deine Obhut, wenn du magst.”, erklärte ich der Gruppe und Valeria nickte kräftig, um meine Frage zu beantworten. “Was Fortun? Sie sehen aus Keks”, unterbrach Alexie die kurze Ruhe und löste somit wieder einen Lacher in der Gruppe aus. “Na gut, dann bist du eben Cookie”, konterte Val und tätschelte den Hals der Fuchstigerstute.

      Um sich einzugewöhnen, bekam Cookie eine Paddockbox neben Valquiria und sie verstanden sich auf anhieb.


      Zwei Tage später...

      Es war einer der wenigen Tage, an denen ich pünktlich, wenn auch nur aufgrund des Weckers, aufstand. Der Flug nach Kanada zur Auslosung der Pferde des Horsemakeovers stand bevor. Fliegen gehörte noch nie zu meinen liebsten Tätigkeiten, weshalb ich schon vor Nervosität nicht schlafen konnte. Während ich meine letzten Sachen packte, vernahm ich ein leises Klopfen an meiner Tür und ging zur Tür hinüber. “Val, was machst du denn um diese Uhrzeit hier?”, fragte ich verwirrt und etwas benommen von der Müdigkeit. Ohne zu antworten schlüpfte sie an mir vorbei in die Wohnung. Anscheinend verlegen zupfte sie sich an ihrem Pullover rum und senkte den Blick zum Boden. “Ich… ähh….du… Ich hab hier was für dich”, stammelte sie kurz angebunden und drücke es mir ohne den Blick zu heben in die Hand. “Es ist gegen deine Flugangst… ich dachte es könnte helfen”, fuhr sie langsam fort. Aus der zusammengeknüllten Tüte schaute ein kleines Plüschtier, eine Zeitschrift und eine Packung mit Tabletten. Da dieses Verlegene und das Necken zwischen uns beiden schon über Monate anhielt, packte ich die Tüte beiseite und machte langsam ein paar Schritte auf sie zu. Bevor sie irgendwas sagen konnte, presste ich meine Lippen auf ihre und zog sie an mich ran. Sie erwiderte den Kuss und gab sich meiner Umarmung hin. Um einer unangenehmen Situation vorzubeugen ließ ich sie langsam los, holte meine Tasche, Vals Tüte und meinen Autoschlüssel. Valeria stand immer noch verwirrt inmitten meiner Wohnung, doch bevor ich aus der Wohnung ging drückte ich ihr einen Kuss auf die Wange und sagte “Ciao, Süße”. Meine nicht pferdigen Haustieren werden derweil von allen anderen versorgt, vermissen werde ich sie definitiv. Minuten später saß ich in meinem Ram, um zum Flughafen zu fahren.

      Während das Flugzeug auf der Startbahn beschleunigte, schmiss ich mir zwei Tabletten ein und drücke das Plüschtier fest in meiner Hand.
      Etwas benommen fischte ich mein Handy aus der Tasche und versuchte mich durch den Flughafen zu navigieren. Ich fand auch eine Nachricht von Caleb auf meinem Handy, der mir die Adresse seiner Ranch schickte.
      Als endlich mein Koffer auf dem Band zu sehen war, schnappte ich ihn mir und suchte schnellstmöglich die Taxihaltestelle. Kurzerhand war mein Gepäck im Kofferraum verstaut und der Taxifahrer hatte die Adresse in sein Navi eingegeben. Nach einer gefühlten Ewigkeit ließ mich der Fahrer an der Einfahrt zur Ranch raus. Schon während der Fahrt war mir Kanadas Schönheit aufgefallen, doch Calebs Ranch war der Wahnsinn. Kurz nach meiner Ankunft wurde ich auch schon von Caleb und Octavia begrüßt, meine Wenigkeit allerdings war mehr auf die Lospferde gespannt. “Na weißt du schon, welches zu dir gehört?”, fragte Caleb neugierig. Ich muss so verwirrt und überfordert geguckt haben, sodass er sogleich hinzu fügte “Check deine Mails, Mann”. Ich lachte auf und ärgerte ich mich über meine gewohnte Verpeiltheit. Trotz der schlechten Internetverbindung aktualisierte sich meine Mailapp und schon wurde mir die eine langersehnte Mail angezeigt. “Und was ist?”, fragte Caleb mindestens genauso neugierig wie ich. “Einen wunderschönen Frederiksborger Hengst mit außergewöhnlicher Blesse und einer tollen Fuchsfarbe!”, quietschte ich wie ein kleines Mädchen. Caleb und Octavia nickten zustimmend und signalisierten mir, ihnen zu folgen. Während ich den beiden schnellen Schrittes folgte, schaute ich mir die Ranch an: ein großer Reitplatz, ein Roundpen und eine tolle riesige Reithalle. Es war noch morgens, weshalb sich der Nebel noch nicht gelichtet hatte und sich magisch über die Felder zog. Mir fielen große überdachte Boxen auf und angrenzende kleine Weidestücke. Außerdem bemerkte ich die unterschiedlichsten Pferde und tatsächlich auch Ponys. “Here we go”, sagte Caleb lässig und zeigte auf ein Weidestück mit einem abgemagerten, aber hübschen Fuchs, der sich gerade wälzte. Ich war sofort gefesselt von dieser momentan kraftlosen Kreatur. Kurzerhand zückte ich mein Handy und machte ein Bild von ihm, während er aufstand und sich schüttelte. Trotz der Zeitverschiebung antworteten fast alle in unserer “Unser Leben ist ein Ponyhof”- Gruppe, alle außer Val. Wahrscheinlich schlief sie, hoffentlich. Mir kribbelten die Finger und ich konnte es kaum erwarten, den jungen Hengst kennenzulernen. Also stellte ich mich vorerst an den Weiderand, um seinen persönlichen sicheren Ort nicht zu stören. Auf mein “Hey, Hübscher”, reagierte er nur mit einem kurzen Heben des Kopfes. Was hatte ich auch erwartet? Auch weitere Versuche wie schnalzen, rufen oder einladenden Gesten waren sinnlos. Es war mir schon fast peinlich, dass ich keine Aufmerksamkeit von HMJ 6345, so wurde er in der Mail bezeichnet, bekam. Typisch vernachlässigtes Barockpferd dachte ich im Stillen, denn es war nicht verwunderlich, dass er kein Bock auf Menschen hatte, nachdem er Ewigkeiten keine Aufmerksamkeit bekommen hatte und so nachtragend wurde. Ohne wirklich nachzudenken stieg ich durch den Weidezaun und trat ihm direkt gegenüber. Ich versuchte möglichst defensiv auszusehen und selbst ruhig und furchtlos zu sein. Tatsächlich nahm mich der Hengst war und trottete langsam auf mich zu, im gleichen Zuge weichte ich nach hinten und streckte ihm meine Hand entgegen. Je näher er zu mir kam, desto mehr gingen seine Ohren nach hinten. Gedankenlos hockte ich mich auf den Boden, was man normalerweise nicht machen sollte, aber es schien zu helfen, denn seine Ohren schnellten nach vorne und er beschnupperte meinen ganzen Körper. “Guter Junge” flüsterte ich langsam und begann seinen Hals zu streicheln, wenn auch nur für einen kurzen Moment, aber der Grundstein war gelegt. Um seine Bereitschaft nicht zu überstrapazieren, zog ich mich auch recht schnell wieder zurück. Im Stillen dachte ich an die kommende Zeit mit ihm, wie es ihm auf unserem Hof in Deutschland gefallen würde und wie er sich entwickeln würde.

      „Und hat er schon einen Namen?“, fragte Caleb und riss mich aus meinen Tagträumen. Jetzt wo er fragte, strömten tausende Namen in meinen Kopf: Erasmus, Absalon, Aegir, Balger...Aber irgendwie passte keiner der Namen. Dank Google fand ich eine Seite, auf der die Zuchtgeschichte der Frederiksborger verzeichnet war und dort schaute ich mir die Urururururahnen, sozusagen die Stammväter dieser Rasse an und der Name “Morian” sprang mir sofort ins Auge. Euphorisch stupste ich Caleb an und sagte “Morian, er ist etwas besonderes, also wird er den Namen eines Stammvaters seiner Rasse tragen. Tja dann ist das wohl Morian.” Caleb grinste und ging danach weg, um seinen Aufgaben auf der Ranch nachzukommen. Ebenso erfreut teilte ich unserer Whatsapp Gruppe den Namen des Neulings mit. Da die Farbe seines Langhaars recht orangestichig war, kam Alex auf die Idee ihn “Kürbispony” zu nennen, aber dies sorgte nur für einen Lacher von allen anderen und für einen neuen Spitznamen für Morian.

      Am nächsten Tag

      Ich war so aufgeregt und konnte es kaum abwarten mit dem Kürbispony zu arbeiten. Statt zu frühstücken, trank ich einen schwarzen Kaffee, dessen Sorte mir sehr gefiel, und machte mich mit einem Knotenhalfter zu Morians Box. Eine Möhre durfte natürlich auch nicht fehlen. Es war durchaus möglich, dass ich zu euphorisch an die ganze Sache heranging und vielleicht zu viel auf einmal wollte, doch davon ließ ich mich nicht beirren. Diesmal schien Mo mich direkt wahrzunehmen und kam neugierig an die Boxentür. “Guten Morgen, Großer”, begrüßte ich den dunklen Fuchs und hielt ihm vorsichtig die Möhre hin, die er nach kurzem Zögern genüsslich annahm. Langsam öffnete ich die Tür und stellte ich mich zu ihm und begann vorsichtig seinen Körper abzustreichen, also zumindest den vorderen Teil und anschließend soweit er mich ließ. “Gut, Morian”, lobte ich den scheuen Hengst. Er trug bereits ein pfirsichfarbenes Halfter, welches ich vorsichtig öffnete und über die Ohren gleiten ließ. Ohne sein Kopf loszulassen, zottelte ich das zusammengeknüllte Knotenhalfter aus meiner großen Jackentasche und legte es ihm behutsam an, um mich gleich danach von ihm zu entfernen und ihm seinen Freiraum zu gewähren. Da ich mit dem “richtigen” Training noch warten wollte, bis unser gegenseitiges Vertrauen etwas gewachsen ist, entschied ich mich ihn auf sein Weidestück zu führen und ihn dort zu beobachten. Führen gehört zu den ersten Lektionen, die wir erarbeiten müssen, da er entweder anfängt zu traben und mich wegzudrängeln oder demütig mit angelegten Ohren widerwillig hinter mir her trottet.
      Trotz der Kälte genoss ich die Gegenwart Morians und die Minuten strichen ins Land.

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  • Album:
    LDS - Sattelkammer
    Hochgeladen von:
    Zion
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    8 Okt. 2019
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