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sadasha

It's me, Amira! ♀ | Anglo Araber | prämiert

It's me, Amira! ♀ | Anglo Araber | prämiert
sadasha, 29 Jan. 2020
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    • sadasha
      Fohlen ABC | März 2016 | von Ravenna
      Kaum auf der Gips Reminder Ranch angetroffen wurde ich von einer plappernden jungen Frau begrüßt – natürlich war das Alexis. An meinem ersten Tag hatte sie keine Gelegenheit gehabt mich kennenzulernen, was mich kaum zu einem ruhigen Frückstück kommen ließ. Mein Rührei wurde kalt, doch Alexis nicht müde mir Fragen in den Bauch zu löchern.
      Der erste Abend wieder allein in meinem Bett war, nicht nur angesichts dessen das es auch ein fremdes Bett war, eigenartig nachdem ich es über eine Woche mit Verena geteilt hatte. Es gab zum Frühstück eine Einweisung, ich wollte zunächst nach meinen Jungs sehen und anschließend einem der Häftlinge mit den Paddocks der Fohlen und Jungpferde helfen. Anschließend würde ich mich ihrem Training widmen, einige waren schon länger hier, von einer Halfterführigkeit konnte man wohl noch nicht reden. Beim ersten Rundgang am Hof war mir besonders das Rappfarbene Fohlen Amira aufgefallen, mit ihr wollte ich in nur zwei Wochen schon eine Fohlenschau hier in der Nähe besuchen. Nicht die besten Voraussetzungen, aber hier hatte ich schließlich nur die Arbeit mit den Pferden – nicht noch das Museum. Ich wollte über den Tag verteilt immer eine Viertelstunde Training investieren. Alexis berichtete das sie schon das Halfter kenne, ab und an auch schon geführt worden war – für eine Fohlenschau reiche es aber längst nicht aus.
      Das säubern der Paddocks kostete mich und den ehemaligen Häftling knapp zwei Stunden, wir sprachen dabei nicht übermässig viel, trotzdem erfuhr ich zumindest seinen Namen. Es handelte sich dabei um Bellamy, seine Schwester hatte ich erst von weitem zu Gesicht bekommen. Er war es auch der mir im Nebengebäude des Stalls in dem ich die verschiedenen Halfter der Fohlen mit dazu gehörigem Strick fand. Das von Amira hatte ein schönes Bordeauyrot und der Strick in schwarz und bordeaux. Am Fohlen angekommen musste ich ein bisschen Fummeln da es ein wenig klein war und nicht über den schwarzen Kopf des Jährlings passte. Amira zeigte sich dabei unbeeindruckt, sie wurde zwar bisher wenig gearbeitet schien aber von der Mutter ein gutes Urvertrauen mitbekommen zu haben. Neben mir stand auch gleich noch ein anderes Fohlen, unwirsch schob ich es an der Nase von mir fort. Es gefiel mir einfach nicht wenn da ständig wer meinte am Rücken herum zu kauen. Schließlich verließ ich mit einer neugierigen Amira die mir ohne Widerstand an den Anbindeplatz folgte, lag sicherlich auch nicht an der Möhre vor ihrer Nase. Am Anbinder band ich sie nicht an,sondern der Strick war nur locker um die Eisenstange gelegt. Die Putzkiste schien für sie auch kein Problem zu sein, mit lautem Schnauben machte sie zwar ihre Aufregung kund. Das kleinen Nüstern schnäbelten an der Box herum, die Zähne nahmen die Bürsten um sie herum zu schleudern. Ich setzte mich auf einen zweiten der Koffer beobachtete sie in Ruhe, spielte dabei mit einer langen Gerte. Amira zeigte auch an ihr reges Interesse, ließ mich gewähren als ich ihre Beine hinauf und hinab strich, über den Hals zu den Ohren ließ sie sich streichen. Hatte ich da etwa ein kleines Naturtalent entdeckt? Aber beim zweiten Mal an den Ohren zog sie unwirsch den Kopf weg, sah sich verwundert um, spielte dann wieder an der Box. Ich lächelte in mich hinein. Nach fünf Minuten nahm ich die erste Bürste aus dem Kasten zeigte sie ihr ehe ich damit in feinen Bewegungen über ihren Rücken fuhr. Sie drehte sich einmal nach links beobachtete was ich da tat, verlor schnell das Interesse und steckte die Nase wieder in den Kasten. Nach einem ersten putzen sah ich mir an was sie zu den Hufen sagte. Zumindest hier war sie nicht vollkommen auf Neuland unterwegs, schließlich kannte sie den Hufschmied schon. Anschließend ging es mit dem Fohlen am Strick noch einmal quer über den Hof bevor sie zurück zu ihren Freunden auf die Weide durfte.

      In den folgenden Tagen widmeten wir uns den Grundlagen des Fohlen ABC´s. Unsere Spaziergänge führten aber auch über den Trailpacours der zum Hof gehörte. Dabei machte ich es mir zu gute das auch ältere, erfahrenere Pferde zugegen waren an deren Fersen wir uns heften konnten. Dort lernte sie das Podest kennen, den Slalom und ihre Lieblingsaufgabe schien die Brücke zu sein. Mit der Möhre als Belohnung, ihrer eigenen Neugierde kamen wir im Training wirklich ziemlich schnell voran. Erste Ansätze zum Longieren fingen wir bereits an, arbeiteten sie jedoch nicht so sehr hinaus. Bellamy begleitete mich auf den ersten Spaziergängen außerhalb der Ranch mit einem der anderen Pferde oder Fohlen. Längst konnte ich mir nicht die Namen aller Pferde merken aber Candy hatte ich fast sofort als erstes Kennengelernt.

      Aushilfe bei den Jungpferden | März 2016 | von Canyon
      Normalerweise fuhr ich ja nur auf die Gips Reminder Ranch, wenn ich mal wieder ein paar der vielen Pferde trainieren wollte, heute war meine Hilfe aber in einem ganz anderen Gebiet gebraucht. Verena hatte sich bei mir gemeldet, weil es mal wieder auf der großen Ranch jede Menge Arbeit gab und die Mitarbeiter bereits mit all dieser überfordert waren. Natürlich freute ich mich darauf, die Ranch und ihre Pferde mal von ganz anderer Seite kennenlernen zu dürfen.
      Zum Glück war ich zur Zeit ganz in der Nähe unterwegs gewesen, weswegen der Weg nicht allzu lang war, wie normalerweise. Außerdem passierte ich dadurch bereits früh am Morgen die Hofeinfahrt, wo mich Verena sofort freundlich begrüßte, denn mittlerweile kannten wir uns schon recht gut.
      Da Verena jedoch gleich wieder an die Arbeit musste, rief sie nach Octavia, welche ich bereits bei meinem letzten Mal auf der Ranch hatte kennenlernen dürfen. Das junge Mädchen erinnerte mich immer wieder an die Schwester meines Freundes Shadow, denn sie ähnelten sich nicht nur im Aussehen, sondern in ihrem ganzen Verhalten.
      Auch Octavia schien nicht sonderlich daran interessiert, mit mir ein Gespräch anzufangen, führte mich jedoch gleich zu meiner ersten Arbeitsstelle und erklärte mir, was wir jetzt tun würden.
      Als erstes auf meiner Liste standen alle Jungpferde der Ranch, was nicht gerade wenig waren. Sie lebten in einem Offenstall, wo sie ganztägig Auslauf hatten.
      Wir begannen bei den Stuten; Eine bunt gemischte Herde verschiedenster Farben. Die erste Stute, welche vor mir stand, hatte eine besondere Scheckung und so wie mir Octavia erklärte, hieß sie Crimetime und war Bereits eine etwas ältere Ponystute. Crime folgte uns auch hinein in den Offenstall, wo wir die Tränken kontrollierten und dann die Heunetze wieder frisch auffüllten.
      Mittlerweile hatten sich mehrere um uns gescharrt und Octavia kam kaum noch hinter her, mir alle Namen zu nennen, welche ich mir sowieso nicht merken würde.
      »Die Fuchsstute da hinten heißt Blossom Magic und daneben, das ist Colonel's Charity, die beiden sind noch recht scheu.«
      Außerdem zeigte sie mir noch die neuste Stute auf dem Gestüt It's me, Amira!, sowie noch die hübsche Natsu's Little Harley und VK Aquila T Mistery. Nachdem sich alle an mich als neue Person gewöhnt hatten, ließen sie sich auch ohne Probleme streicheln, was ich auch sehr ausführlich tat. So viele junge Stuten hatte ich schon lange nicht mehr um mich gehabt! Zusammen mit Octavia untersuchte ich dann alle Jungpferde noch nach Verletzungen, zum Glück hatte keiner welche, und weiter ging es zu den Junghengsten, welche auf der anderen Seite des Stalls standen.
      Auf den ersten Blick zählte ich sechs und Octavia bestätigte diese Vermutung, als sie mir all ihre Namen nannte.
      Der älteste und auch größte von den Hengsten war ein braunes Vollblut namens Wildfire xx, welches flott auf uns zu kam, als Octavia seinen Namen rief. Auch das hübsche Paint Horse VK Gunna Whiz folgte seinem Weidefreund und mit ihm kamen auch die anderen langsam angetrabt. Besonders niedlich war der kleine Bellamy' O, welcher neben den anderen wie ein Spielzeugpferd aussah. Er hielt sich etwas im Hintergrund, kam schließlich auch zu uns, als sich alle anderen um uns versammelt hatten. Bei den Hengsten fingen wir mit dem Streicheln und nach Verletzungen absuchen an, was genauso viel Spaß wie bei den Stuten machte.
      Lil Nucu Omira schien etwas in Spiellaune, beruhigte sich jedoch etwas, als er merkte, dass jetzt erstmal Streicheln angesagt war.
      Vorallem VK Funky's Wild Berry, ein weiteres hübsches Paint Horse, genoss meine intensives Streicheln und lief mir auch hinter her, als ich mit Octavia in den Offenstall ging, um dort nach dem Rechten zu schauen.
      Auch hier füllten wir das Heu nach und kontrollierten die Tränken, doch zum Glück war auch hier alles in Ordnung, sodass Octavia und ich die Arbeit den den Jungpferden beendeten und zum nächsten übergingen.

      Pflege | September 2016 | von Sosox3
      Mein Weg führte heute zu einer Freundin von mir in Canada. Sie war die Woche verhindert und ich sollte mich um ihre Verkaufspferde kümmern. Ich hatte mich in einem Rappen verguckt und musste sagen, ich war froh Alan’s Psychedelic Breaksfast longieren zu dürfen. Der große Rappe zeigte sich von einer tollen Seite und hörte auf die Signale die man ihm gab. Als ich mit dem Longieren fertig war, brachte ich ihn auf eine Weide und machte mich wieder in den Verkaufspferdestall um die Overo-Stute Annie get your Gun. Die Stute schaute mich neugierig an und testete mich zu Beginn auch gleich aus. Ich putzte sie und sattelte sie dann ehe ich mir Blazing Flame schnappte und auch sie putzte. Ich nahm sie als Handpferd mit und machte einen Ausritt auf Annie. Die Stuten vertrugen sich gut und als ich wiederkam, schnappte ich mir die 2 Jährige Stute Colonel’s Charity und machte ein wenig Bodenarbeit mit ihr. Auch sie arbeitete gut mit und als nächste kam Comeback of a fallen Goddess um diese zu longieren. Ebenso tat ich es mit Crescent Wolf und dem Junghengst Dynur. Allesamt longierte ich sie in allen Gangarten und hatte mit letzteren einiges zu kämpfen.
      HGT’s Enjoy Nature war ein schicker Brauner und mit ihm gönnte ich mir eine kleine Pause und zum Abschluss einen Spaziergang.
      Am nächsten Tag stand ich früh auf um die nächsten Pferde zu arbeiten. Die erste war It’s me, Amira! , die ich auf einen morgendlichen Spaziergang begleitete. Kunis war weniger gut drauf heute und so machte ich mit ihm nichts, ich putzte ihn nur und stellte ihn dann auf die Weide. Magnificent Crow arbeitete ich unterm Sattel und machte viel Galopparbeit, welche ihr sichtlich gut tat. Sie schnaubte oft ab und ich lobte sie am Ende. Miss Holly Golightly hatte eine interessante Farbe und auch sie ritt ich heute. Ich putzte und sattelte sie. Ritt ein wenig in der Halle und Aaron kam mit Moon’s Naela in die Halle. „Danke, dass du mir hilfst“, lächelte ich und stieg dann ab. Only known in Texas war so verdammt zickig, dass ich sie nur auf die Weide stellte. Sheza Bat Cat war ein Fohlen von meiner ehemaligen Stute und so war sie genauso ruhig wie sie und so ritt ich mit ihr aus, so wie mit den Freizeitpferden und Western Dancer. Pount’s Püppchen war eine artige Stute. Soviel ich wusste war sie ein Araber-mix, doch war sie nicht zu temperamentvoll wie ich zu Anfang angenommen hatte. Hot Spot war auch eine liebenswerte Stute und ihr Charakter machte sie zum Top-Pferd für die Ferienranch. Black Sue Dun It, ein Engel in schwarzer Jacke und Fell aus Seide. Ihre Gänge waren federnd und gut zu sitzen, sodass sie mir kaum aus dem Kopf ging. Striga war eine interessante Stute mit mir noch unbekannter Rasse. Sie war nämlich ein Azteca. Sie putzte ich gemütlich und longierte sie dann in allen Grundgangarten.

      Moonlight Shadows | Oktober 2016 | von Occulta
      Draussen war alles noch dunkel und still. Nebel lag bedrückend dicht über den Feldern und um die Gebäude von Pineforest Stable. Doch ich mochte diese Stimmung, sehr sogar. Es war als loyale Teil-Engländerin wohl mein ideales Klima. Ich hatte mich nie irgendwo mehr zuhause gefühlt als hier, auf diesem Hof mit meinen Pferden. Ein bisschen fröstelte es mich dann aber doch, als ich zum Hauptstall lief. Ich versteckte mein Gesicht in meinem Schal und rieb mir die Hände, bevor ich nach dem kalten Tor griff und es aufschob. Ich betätigte den Lichtschalter und lief zuallererst mit prüfendem Blick durch den Stall, um abzuchecken, ob die Pferde munter waren. Dabei hatte ich ein besonderes Ziel: Dublins Box. In ihr wartete nebst der Scheckstute eine wackelige, schwarze Gestalt, die gerade gierig nach der Milchbar suchte. Daedra war erst wenige Tage alt und trug eine warme Fohlendecke, damit sie einen Schutz gegen die Kälte hatte. Ihr kurzes, flauschiges Fohlenfell war da nämlich noch nicht besonders hilfreich. Liebevoll betrachtete ich die gekrümmten Tasthaare an ihrer Schnauze und die grossen Ohren. Die kleine stammte von Sacramento ab, wodurch sie zwei tolle Blutlinien vereinte. Sie hatte sicherlich eine grosse Zukunft vor sich. Ich lief weiter an den nächsten Pferden vorbei. Bei Pointless‘ leerer Box blieb ich abermals stehen. Sie fehlt mir sehr. Trotz allem Ärger den sie mir bereitet hat, haben wir doch viel zusammen erlebt und ich wollte ihr eine Chance geben. Ich bin gescheitert… Ich unterdrückte den Kloss, der sich in meinem Hals zu bilden drohte und setzte meinen Rundgang fort. Bisher hatte ich es nicht über mich gebracht, die Box von Pointless neu zu besetzen, doch das würde sich heute ändern. Denn heute wollten wir die zweijährigen Nachwuchsrennpferde in den Hauptstall bringen. Sechs Stück waren es, die von diesem Tag an den Ernst des Lebens kennenlernen mussten. Doch erstmal verlangten die bereits durchtrainierten Vollblüter meine Aufmerksamkeit. Die ersten Pfleger trudelten im Hauptstall ein und wir begannen mit den Stallarbeiten. Die erste Gruppe fürs Training machte sich bereit, bestehend aus Campina, Fly Fast, Sunday Morning, Spotted Timeout, Shades of Gray, Gleam of Light und Caspian. Wir hatten die Gruppenzusammensetzung erst gestern wieder den momentanen Rennleistungen der einzelnen Pferde angepasst und diskutiert, wer wo mitlaufen musste. Sympathy for the Devil, Iskierka, Coulee, Chiccory, A Winter’s Day, Painting Shadows und Cassiopeia bildeten die zweite Gruppe. Die Dreijährigen folgten in der dritten Gruppe, bestehend aus Sumerian, Framed in History, One Cool Cat, Cabinet of Caligari, Kaythara und Captured in Time. Nachdem alle drei Gruppen durch waren (ich selbst durfte immernoch nicht mitmachen, wegen meiner Rippen), war es endlich soweit. Ich liess es mir nicht nehmen, den nicht mehr ganz so kleinen Merino selbst hinauf in seine neue Box zu führen. Auf dem Weg zu den Weiden wechselte ich einen Blick mit Jonas, der im Nebenstall Heu verteilte. „Guten Morgen, Occu“, murmelte er lächelnd, und ich wusste genau, was ihn beschäftigte. Ich hatte ihm noch immer keine Antwort gegeben. Ich zögerte es seit Tagen hinaus und ging ihm aus dem Weg, weil ich mir immer noch nicht sicher war. Ich erwiderte seinen Gruss und stolperte dann rasch weiter, um den Anschluss zu den Pflegern nicht zu verpassen. Ajith schnappte sich Miss Moneypenny, Quinn übernahm Primo Viktoria und Parker fing Riven ein. Bevor die Jungstuten wussten, wie ihnen geschah, wurden sie aus der Weide geführt. Sie kannten die Prozedur, denn wir waren oft genug mit einzelnen Jungpferden aus der Gruppe spazieren gegangen. Trotzdem wieherte Dolly aufgeregt, während Shira, Thalia und Counterfire ihren Kolleginnen aufgeregt neben dem Zaun folgten. Ich beobachtete die Fohlen wie in Trance, dann konzentrierte ich mich wieder auf meine eigene Aufgabe – Merino. Die Junghengste hatten die Aufregung natürlich mitbekommen und waren nun ebenfalls etwas aufgewühlt. Sie bewegten sich dynamisch, sodass ich mir einen Moment lang Sorgen um klein Mambo machte, der als jüngstes Gruppenmitglied oftmals rücksichtslos angerempelt wurde. Wir beeilten uns mit dem Einfangen. Ich ging mit Merino voraus; hinter uns folgten April mit Simba Twist und Charly mit Bring me to Life. Die sechs bezogen ihre neuen Boxen und brauchten erstmal einen Moment um zur Ruhe zu kommen als sie realisierten, dass dies kein Spaziergang war.
      Ich kümmerte mich inzwischen um den ersten Neuzugang, der heute ankam. Es handelte sich um eine Vollblutstute namens Amira, die ich von Verena O’Connor gekauft hatte. Eigentlich hätte sie schon früher zusammen mit Yoomee ankommen sollen, doch sie wurde, warum auch immer, länger in der Quarantäne gehalten. Jetzt hatte sie jedenfalls endlich grünes Licht bekommen und stürmte aus dem Transporter auf den sicheren Boden. Offenbar hatte sie den langen Flug und den Transport bis hierher nicht sonderlich gemocht. Ich prüfte ihre Beine auf Verletzungen und bedankte mich bei Hans, der die kleine vom Flughafen her zu uns gebracht hatte. Die immer noch aufgeregten Stutfohlen waren natürlich gleich wieder voller Bewegung, als ich ihnen den Neuankömmling brachte. Ich beobachtete die Gruppe eine Weile, für den Fall, dass es Schwierigkeiten gab, doch wie immer beliessen die Zicken es bei ein paar Quietschern und Drohgebärden. Amira hatte jedenfalls keine Probleme sich unterzuordnen und so blieb die Atmosphäre friedlich. Ich seufzte erleichtert und begab mich zurück zum Hauptstall. Es war Zeit, mit Empire State of Mind rauszugehen. Ich hatte mir vorgenommen, mit dem Schimmelhengst heute einen ausgiebigen Herbstwald-Galopp zu machen. Also holte ich ihn raus und putzte ihn gründlich. Er mutierte langsam zu einem Teddybär, doch noch war es zu früh für eine Schur. Ausnahmsweise hatte das Schimmeltier mal keinen gelben Fleck, was mich sehr freute. Ich nahm mir Zeit beim Kämmen des gelblichen Schweifes und nahm mir vor, diesen bald einmal zu waschen, damit er wieder etwas weisser wurde. Ich sattelte und zäumte den Hengst, dann machten wir uns auf den Weg. Wenige Minuten vor uns war eine Gruppe mit Mikke, Indiana, Cantastor und Rosenprinz aufgebrochen, doch ich hatte nicht unnötig stressen wollen und ging deshalb gerne alleine. Ganz alleine bin ich ja sowieso nicht, dachte ich schmunzelnd und klopfte Empire liebevoll auf den Hals. Die Blätter raschelten bei jedem von Empires Schritten im Laubwald hinter der Wilkinson Farm. Ich hatte Rosie auf dem Farmgelände nicht gesehen, war mir aber sicher, dass sie um diese Zeit auch irgendwo im Gelände unterwegs sein musste. Und tatsächlich: wenig später trafen wir auf sie und Bintu. Der feurige Araber tänzelte herausfordernd, als er Empire sah. Ich achtete stets auf das Ohrenspiel meines Schimmels, als ich mich den beiden näherte. „Hi Rosie! It’s been a while.“ „Yes, sure has. Everyone’s doing fine at Pineforest?“ “Except for Pointless… yep.” “Ahh… I heard of it. I’m very sorry.” “It’s alright, ‘the show must go on’, haha. Are you busy working with Farasha?” “I am currently only lunging her to get her some new muscles. I don’t think it would be wise to ride her already, would you agree?” “Absolutely. Give her enough time and she will be just fine.” “Oh, and there’s something else - she’s gained a bit of weight, so I will let the vet check her again soon…” “You think she was already pregnant again when you bought her?” “It’s very likely. Tough it’s strange that nobody mentioned it to me – maybe it was an accident and they didn’t even know.” “Or maybe you’re just over-feeding her?”, schlug ich grinsend vor. “No, but seriously – checking her sure is a good thing.” Empire wurde langsam ungeduldig, und auch Bintu konnte kaum stillstehen. Also verabschiedeten wir uns und führten unsere Wege fort. Nach den versprochenen Galopps kehrte ich mit Empire zurück auf meinen eigenen Hof und sattelte ihn ab. Er hatte ein wenig geschwitzt, also bürstete ich ihn gut durch und ging sicher, dass er trocken war, bevor ich ihn ganz wegräumte.
      Gegen Mittag begrüsste ich mein neues Criollo Fohlen, ein Dunkelfuchs namens el Alba Ardiente. Er war ein interessanter zukünftiger Hengstanwärter, denn er hatte gute Abstammung und einen korrekten Körperbau. Besonders seine Beinstellung war makellos und vielversprechend. Nachdem ich ihn mit den anderen Hengstfohlen bekanntgemacht hatte, kümmerte ich mich um die Minis. Miss Mini Dakota und Chocolate Chip sahen sofort auf, als ich die Weide betrat. Seit Alufolie weg war, hatte Daki wieder die Herdenführung übernommen, und Chip war ihr dauernd auf den Fersen, um ihr den Posten streitig zu machen. Ich streichelte die beiden zur Begrüssung, ehe ich von sämtlichen Ponys umzingelt wurde. In solchen Momenten fragte ich mich, ob wir in Zukunft nicht doch lieber ganz auf das Müsli zum reinlocken am Abend verzichten sollten. Die Ponys wussten jedenfalls ganz klar, dass Ich einer der bediensteten Futterspender war. Ich hörte ein Bellen, dann rief meine kleine Nichte nach mir. „Ach ja, es ist ja schon Mittag!“, rief ich überrascht und verstrubbelte Jackys Fell. Die Hündin war zusammen mit Sheela den ganzen Weg vorausgeeilt, während Zira brav bei Lily blieb. Ein Wunder, dass die sonst so Kinderscheue Hündin Lily vertraut, stellte ich zufrieden fest. Aber ich schätze sie hat sich mittlerweile einfach an sie gewöhnt. Wir verschwanden im Haus und machten uns je ein Sandwich, welches wir auf Lilys Vorschlag hin mit zu den Minis nahmen und unterwegs verspeisten. „Du musst es gegessen haben, bevor du die Weide betrittst! Sonst wirst du totgetrampelt“, warte mich das Mädchen. Ich lachte amüsiert und genoss jeden Bissen. Nach dem Essen half mir Lily bei der Fellpflege der neuen Shetty-Stute Snottles Peppermint. Das Shetty hatte mir einfach auf den ersten Blick gefallen, und das obwohl ich eigentlich kein Shetty-Fan war. Zum Glück stach sie unter den Minis nicht allzu sehr hervor. Aber ihre zottelige Mähne war nur schwer zu bezwingen, besonders mit all dem getrockneten Schlamm, der sich darin verfangen hatte. Andererseits sahen Rapunzel und Tigrotto auch nicht gerade wie Engel aus. Um die beiden kümmerten wir uns im Anschluss. Tic-Tac und Kicks-a-Lot konnten es nicht lassen, immer wieder zu uns hinzukommen um an unseren Jacken herumzuziehen. Zu allem Überfluss beobachtete Dressy Miss Allegra das Spiel der beiden Halbstarken aufmerksam, und ich sah es förmlich in ihrem Kopf rattern. Bestimmt würde sie die beiden früher oder später nachahmen. Die Jungen Pferdchen hatten eben nichts als Flausen im Kopf. „Genau wie du“, tadelte ich Lily künstlich. Sie lachte und warf mir ein paar Blätter an. „Bald ist Halloween! Verkleiden wir eines der Ponys? Biiiitteee!“ Ich stimmte seufzend zu und versuchte mir Papillon d’Obscurité als Zombiepferd vorzustellen. Der Gedanke war äusserst witzig, wenn man bedachte, dass die Stute solchen Spielereien eher nüchtern gegenüberstand, besonders wenn Kinder involviert waren. Silhouette of a Rose passte da schon viel besser, wobei ich sie aber eher als Barbiepferd vor meinem inneren Auge sah, genau wie Lady Diva. „Aus Daki lässt sich bestimmt ein tolles Geisterpony machen“, überlegte Lily laut. Wir schmiedeten noch etwas weiter Verkleidungspläne, ehe wir zu den Mini-Hengstchen wechselten. Beck’s Experience, Glenns Caress, Arctic Blue und Nachtfalke kannten keine Scham wenn es darum ging sich einzusauen. Einzig Rumpelstielzchen, der wohl noch nicht lange genug dabei war um angesteckt zu werden, war gnädig mit Lily und mir gewesen. Die anderen mussten wir insgesamt über eine Stunde lang sauber bürsten. Irgendwann legte ich den Striegel beiseite und sagte zu Lily: „Wir lassen es für heute gut sein, morgen sehen die eh wieder genau gleich aus. Ausserdem reicht es sonst nicht mehr um mit dem Zebra zu arbeiten.“ Lily liess sich das nicht zweimal sagen und sprang sofort auf. „Ich geh schon mal voraus, räum du das Putzzeug weg!“ „Danke“, stiess ich empört aus, aber sie war bereits auf dem Weg, gefolgt von Sheela und Jacky. Zira blieb diesmal mir treu. „Du bist wohl immer da, wo die anderen zwei gerade fehlen, hmm?“, murmelte ich belustigt.
      Die Arbeit mit Thairu war heute unspektakulär, denn wir machten nur einen Spaziergang mit ihr. „Siehst du, wie grumpy sie ist? Da willst du dich im Moment nicht draufsetzen, glaub mir“, erklärte ich der enttäuschten Lily während dem Laufen. Ich betrachtete das Zebra, während es neben mir her schlurfte. Bist du krank, oder was ist los? Etwas Sorgen bereitete sie mir schon, andererseits waren keine Krankheitssymptome sichtbar. Vermutlich hat sie einfach einen schlechten Tag, überlegte ich schulterzuckend. Wir waren in zügigem Tempo unterwegs, denn ich musste gleich im Anschluss nochmals zwei Jährlinge abholen gehen. Das Besondere dabei war, dass beide Abkömmlinge meines geliebten Stromers waren. Bisher hatte ich tatsächlich keinen seiner Nachkommen selbst behalten, denn wer hätte gedacht, dass ich ihn schon nach so kurzer Zeit verlieren würde? Nun sah alles anders aus, und ich freute mich darauf, die beiden Jungpferde auszubilden. Ob sie ihrem Vater ähnlich sein werden? Ich hoffte es sehr. Es handelte sich um eine Stute und einen Hengst, die gegensätzlicher nicht hätten sein können. Blossom Magic, die eher schreckhaft und abweisend war, wohingegen Snap in Style vorwitzig und verspielt schien. Die beiden waren übrigens bisher die einzigen Vertreter für den Jahrgang 2015 auf Pineforest Stable, doch ein weiterer Zuwachs war bereits geplant, nämlich ein Jährling von Caprice, den ich auf einer auswärtigen Fohlenweide platziert hatte. Ein Kumpel von mir besass nämlich zwei Vollblutfohlen, für die er einen weiteren Spielpartner gesucht hatte.
      Später arbeitete ich mit Estragon Sky aka Artemis in der Halle. Der weisse Achal Tekkiner taute langsam etwas auf, wenn ich mich mit ihm beschäftigte. Am Anfang war er total unzugänglich gewesen, doch mittlerweile genoss er Streicheleinheiten und arbeitete deutlich williger mit. Trotzdem gab es auch heute wieder etwas Ärger, sobald wir am Fenster der Reiterstube vorbeikamen, denn dahinter versteckten sich die schrecklichsten Monster. Ich versteifte mich nicht zu sehr auf seine Mätzchen und lockerte ihn stattdessen mit vielen Übergängen. Als ich fertig war, und den Hengst wieder zum Nordstall führte, entdeckte ich Jonas vor Halluzinations Box. Er hatte die Stute offenbar kurz zuvor geritten und kümmerte sich nun noch etwas um sie. Er hatte mich noch nicht bemerkt. Ich blieb stehen und dachte nach, dann öffnete ich verlegen den Mund. „Hast du Lust, nachher mit Diarado und mir rauszukommen? Du musst Circus Dancer eh noch bewegen.“ „Als ob ich nein sagen könnte…“, murmelte er lächelnd und nickte. Ich erwiderte das Lächelnd erleichtert und versorgte Artemis. Wir holten Diarado und Dancer gleichzeitig raus und begannen sie zu putzen. „Sollte nicht eigentlich ich den Rappen reiten? Ich meine, ich bin doch hier der Bösewicht, der dich in Verlegenheit bringt“, scherzte Jonas nach einer Weile des peinlichen Schweigens. Ich konterte: „Ich dachte, du wolltest der Prinz auf dem weissen Pferd sein?“ Er grinste breit. Überhaupt schien er ziemlich fröhlich und lebhaft. Das steigerte mein schlechtes Gewissen, denn ich dachte wieder daran, dass jetzt so lange hatte zappeln lassen. Andererseits hast du doch auch Jahre lang mit mir gespielt, ist das nicht mehr als fair? Ich entwirrte Diarados Schweif und kratzte seine Hufe aus, dann war er bereit zum Satteln. Ich holte wie immer seinen Springsattel, denn ich ritt am allerliebsten damit. Dressursättel waren nicht so meins. Als wir beide fertig waren, ritten wir vom Hof weg in Richtung Galoppwiese. Wir redeten viel unterwegs; so viel wie schon lange nicht mehr. Die Themen waren für mich zweitrangig, mir tat es vor allem gut, seine Stimme zu hören und von Zeit zu Zeit einen Blick auf diese wunderschönen Augen zu erhaschen. Es wurde schon dunkel, und so langsam kroch der Nebel wieder vom Fluss her über die Landschaft. Wir galoppierten auf Jonas‘ Lieblingsstrecke am Waldrand und bogen dann Richtung Fluss ab. Ein Stück des Weges führte durch den Pinienwald, dessen Boden zwischen den rauen Stämmen nur spärlich bewachsen war. Hier gab es kaum Blätter, nur eine dicke Schicht von Piniennadeln, die das ganze Jahr über den Waldboden bedeckte. Jonas und ich alberten ein wenig herum, sodass ich am Ende im Damensitz auf Diarados Sattel sass, während Jonas wie ein Cowboy einhändig auf Dancer um uns herum trabte. „So Schluss jetzt, du machst Dancer ganz hibbelig!“, rief ich lachend. „Very well milady, then follow me to the old castle”, erwiderte er geheimnisvoll. Wir ritten Seite an Seite zur berüchtigten, kreisrunden Lichtung im Pinienwald mit dem Steinhaufen in der Mitte. „Weisst du, was mich an der Legende immer schon gestört hat? Der Pinienwald steht erst seit siebzehnhundertirgendwas hier, und gehörte damals einem reichen Lord. Ich bezweifle, dass sich Banditen hier einnisten konnten.“ Jonas stieg ab und verknotete Dancers Zügel, damit sie nicht über den Hals rutschen konnten. Währenddessen antwortete er auf meine Bemerkung: „Vielleicht wollte auch einfach jemand etwas Besonderes aus dieser Lichtung machen, um jemand anderen zu beeindrucken. Oftmals ist es romantischer, wenn geheimnisvolle Plätze wie dieser eine interessante Geschichte haben.“ „Da könntest du recht haben“, meinte ich, und liess mich ebenfalls von Diarados Rücken gleiten. Wir setzten uns ins kühle Gras, wobei ich förmlich spürte, wie mein Po dreckig wurde, weil der Boden unter dem Gras feucht war. „Du kannst auch auf meinen Schoss sitzen, wenn dir das lieber ist.“ Crap, bin ich so durchschaubar? Ich zögerte einen Moment, dann folgte ich seiner Einladung tatsächlich. Zum Glück war es dunkel, denn meine Ohren fühlten sich heiss an und ich war mir sicher, dass sie rot angelaufen sein mussten. Wir sassen eine Weile schweigend da und sahen den Pferden beim Grasen zu. Der Mond schien sehr hell, sodass man beinahe die Grashalme zählen konnte. Die Schatten der Pferde waren ebenfalls deutlich zu erkennen. Irgendwann bemerkte Jonas: „Und was war der wahre Grund, dass du mich hier raus entführt hast?“ „Ich schulde dir noch eine Antwort, nicht?“, meinte ich zögernd. Er umarmte mich zärtlich und flüsterte mir ins Ohr. „Dann erlöst du mich endlich?“ Ich spürte meinen Herzschlag laut und deutlich, sodass ich mich beinahe fragte, ob er ihn nicht auch hören konnte. Dann überkam mich ein seltsames Gefühl, wie eine Stimme, die mich dazu aufrief, alle scheu abzulegen und für einmal die hartnäckige Vernunft in mir auszuschalten. Als Resultat drehte ich den Kopf und küsste ihn rasch. Er sah mich überrascht, dann mit einem breiten Lächeln an und bevor ich etwas anderes tun konnte, erwiderte er meine Geste mit einem weiteren, leidenschaftlicheren Kuss. „Tut mir leid, ich schätze, ich bin etwas ausser Übung…“, murmelte ich, als meine Lippen wieder frei waren. „Dann wird es Zeit, diese Übung wieder aufzunehmen.“ Ich genoss jede Sekunde mit ihm. Aber ganz konnte ich meine Vernunft dann doch nicht ausschalten. „Es wird spät, wir sollten zurückgehen, bevor jemand uns vermisst.“ Er setzte einen Hundeblick auf, doch ich strich ihm mit der Hand übers Gesicht und begab mich zu Diarado. Wir ritten zurück zum Hof. Es war mittlerweile fast acht Uhr, aber offenbar hatte sich niemand Sorgen um uns gemacht. Wir versorgten die beiden Hengste und ich gab Diarado zur Belohnung ein paar Karotten. Der Hengst hatte schön warm mit seiner Fleecedecke, die er trug, damit er nicht zu viel Winterfell produzierte. Jonas schlich sich zu mir und legte sein Kinn auf meine Schulter. „Na gut, von mir aus“, lachte ich, denn ich hatte seine Gedanken durchschaut, bevor er etwas sagen konnte. Er grinste zufrieden und folgte mir nach dem Stallrundgang ins Haus. Als wir reinkamen, sah uns Lily vorwurfsvoll vom Sofa aus entgegen, meinte dann aber „wurde auch Zeit“ und „es läuft Harry Potter im Fernsehen“. So landeten wir am Ende wie eine Familie auf dem Sofa und sahen fern. Was für eine Patchwork-Familie, dachte ich schmunzelnd, und lehnte mich liebevoll an Jonas‘ Schulter.

      Weihnachtliche Nachwehen | Dezember 2016 | von Veija
      "Du kannst doch nicht einfach...", fing ich an und starrte meine Schwester fassungslos an. "Du hast die alle zurückgekauft? Wie.. ? Wie hast du die alle wieder bekommen? Und vor allem: wo sollen wir mit denen hin? Wir haben hier keinen Platz O..." "Wir ziehen wieder nach Kanada.", sagte meine Schwester bestimmend und breitete eine Karte vor mir aus. "Schau mal, so könnte unsere neue Ranch aussehen. Aber es gibt tausende Ranchs in Kanada, wir können kaufen, was wir wollen! Wir haben so viel Geld...", schwärmte sie und so langsam gefiel mir die Idee doch ein wenig. Nicht, dass Bracelet keine wunderbare Gastgeberin war- wir wollten bald wieder etwas eigenes haben und wieder alle Pferde um uns herum haben, so wie es sich gehörte. "Wen hast du denn alles wieder gekauft?", fragte ich sie dann, damit ich die ungefähren Kosten im Blick behalten konnte. "Drama Baby, Wildfire, Priamos Ruffia Kincsem, Snap in Style und Blossom Magic.", trällerte sie freudig und ich schlug mir mit der Hand an den Kopf. "Oh mein Gott. Was sollen wir denn mit den ganzen Vollblütern?!" "Trainieren Bell! Trainieren! Wir führen das Erbe der Gips Reminder Ranch fort und bringen die Pferde auf die Rennbahn! Das ist das, was Verena wollte und was sie gerade aufbauen wollte!", tadelte Octavia mich beinahe und ich nickte. "Ja, ja du hast recht."
      "Es waren zwei schöne Tage hier mit Auguri, sie hat Dakota sogar neues Zubehör gekauft... aber lass uns noch vor Silvester zurück nach Kanada fliegen.", bat sie mich und ich schaute mich flehend an. "Vor Silvester wird das glaube ich nichts mehr werden... schließlich müssen wir das zu erst mit Brace besprechen, wir schulden ihr ja auch Geld." "Jetzt sei kein Spielverderber Bell, wir schaffen das.", pflichtete Octavia mir bei. Kurz seufzte ich. "Na gut, ziehen wir zurück nach Kanada!"

      Ein paar Tage später

      "Was haben wir noch vergessen?", fragte ich meine Schwester und schaute die drei dick eingepackten Pferde an. Alan's Psychedelic Breakfast, Dakota und Raspberry hatten alle drei ihre Transportgamaschen und die verschiedenen Decken an, die sie während dem Transport im Flugzeug schützen würden. Bei Bracelet hatten wir uns schon verabschiedet. Traurig war sie schon sehr, dass wir sie so schnell wieder verlassen würden, aber sie konnte uns verstehen und freute sich, dass wir uns eine neue Ranch gekauft hatten und es nun endlich wieder geschafft hatten, unseren Hintern hoch zu bekommen und uns aufzurappeln- schließlich wurden wir ja auch nicht jünger.
      Es dauerte eine ganze Weile, bis die Pferde im Flugzeug waren, schließlich wurden sie alle drei sediert und dann eingeladen. Auch der Flug schien sich schier ewig hinzuziehen, weshalb die Pferde dann umso froher waren, als sie endlich über die Koppeln unserer kanadischen Ranch galoppieren konnten. "Wir holen die anderen aber auch jetzt sofort, was sagst du O?", fragte ich meine Schwester und sie nickte. So dauerte es nicht lange, ehe wir Magic Lanijos, den wir erst vor kurzem gekauft hatten, GRH's Unbroken Magic, Baby Doll Melody, VK Bella's Dun Gotta Gun, It's me, Amira!, Gun and Slide, Vaena, die uns bald verlassen würde, Seattle Slew, Wolfs Bane, GRH's Unbroken Soul of a Devil, VK A Gun Colored Lena, Zues, DunIts Smart Investment, Snapper Little Lena und VK Funky's Wild Berry auf der Ranch hatten. In den nächsten Tagen würden dann noch die fehlenden Pferde folgen, ehe die Ranch wieder komplett war und wir mit dem weiteren Training beginnen konnten. Ich freute mich schon riesig darauf, endlich die anderen Pferde wieder in die Arme zu schließen.
    • sadasha

      Ein kleines großes bisschen Verantwortung | März 2017 | von Veija
      Bellamy
      Kaum hatten wir die Stutkrönung mit DunIts Smart Investment überstanden, merkten wir zum ersten Mal, wie viel Verantwortung so ein Haufen Pferde mit sich brachte. Am Morgen ausschlafen, weil man erst am Abend eingeteilt war, ging nun nicht mehr. Wir mussten morgens um 7 Uhr aufstehen, alle Pferde füttern und auf die Koppeln bringen, was Octavia und ich heute auch schon gemacht hatten. "Wen willst du heute reiten? Oder sollen wir versuchen, mit allen etwas zu machen?", fragte ich sie und sie sah von ihrem Schreibtisch auf. "Wir sollten zunächst einmal klären, wer sich um welches der Pferde kümmert- schließlich müssen sie ja alle versorgt werden.", erwiderte sie nur und schnappte sich zwei Zettel. Einen schob sie, zusammen mit einem Kulli, zu mir herüber. "Schreib mal auf, wen du versorgen willst. Wir haben 27 Pferde.", erklärte sie und ich nickte.
      Eine ganze Weile kritzelten wir auf den Blättern herum, verglichen die Namen und zählten nach. Jetzt endlich hatten wir die beiden finalen Listen in den Händen. "Ich kümmere mich also um A Shining Chrome, Alans Psychedelic Breakfast, Baby Doll Melody, Dakota, DunIts Smart Investment, um die du dich auch ab und an kümmerst beziehungsweise reitest, Unbroken Soul of A Devil, Unbroken Magic, Gun and Slide, Snapper Little Lena, A Gun Colored Lena, Funkys Wild Berry und Zues.", las ich meine Liste vor und sah dann zu meiner Schwester. "Ich versorge dann Drama Baby, It's me, Amira, Lady Gweny, Magic Lanijos, Blossom Magic, Snap in Style, Priamos Ruffia Kincsem, Prias Colourful Soul, Raspberry, Seattle Slew, Bellas Dun Gotta Gun, Wildfire,Wolfs Bane und Zoltaire.", sagte sie und ich nickte. "Super, dann hätten wir das geklärt.", sagte sie knapp. "Hängst du die Zettel im Stall an die Pinnwand? Dann können wir sie uns immer anschauen, bis wir wissen, wer wen versorgt.", lachte sie und ich nickte. "Klar.", meinte ich und schaute auf die Uhr. 10 Uhr. "Kochst du etwas zu essen für um 12? Dafür kümmere ich mich um Barbie und bereite ihn aufs einreiten vor.", versuchte ich zu verhandeln und sie lachte. "Klar. Aber mach es ordentlich.", lachte sie noch und schüttelte grinsend den Kopf, als ich das Zimmer verließ. Ich ging hoch in mein Zimmer, um mich umzuziehen, denn in Jogginghose konnte ich schlecht reiten. In Kanada herrschten so langsam frühlingshafte Temperaturen, doch nachts wurde es noch ziemlich kalt, weshalb wir fast alle Pferde eindecken mussten. Später, wenn die Ranch mal so richtig ins Rollen kam, waren noch Offenställe geplant, doch alles mit der Zeit.
      Wieder unten angekommen zog ich mir die Westernboots an und packte mich in Schal, Mütze und Jacke ein. Dann schnappte ich mir die beiden Zettel und ging aus dem Haus. Flüchtig sah ich zum zugefrorenen See, auf dem Surtout, der alte Rottweilerrüde von Verena, bestimmt seinen Spaß gehabt hätte, doch auch er war bei der Explosion der Ranch gestorben. Kurz seufzte ich und lief beinahe mehr, als dass ich ging, zum Stall und öffnete die schwere Tür. Wohlige Wärme schoss mir entgegen und ich konnte wieder durchatmen. So früh morgens war es doch noch ziemlich kalt. Schnell heftete ich die beiden Zettel an die Pinnwand und ging zu den Boxen der Pferde. Gefüttert hatten wir sie heute am frühen Morgen schon, gemistete oder gar auf die Koppel gebracht war noch keines der Pferde. Ich fing also damit an, die Türen zu den Paddocks eines jeden Pferdes zu öffnen, damit sie wenigstens etwas frische Luft schnappen konnten, während ich hier herum tüftelte.
      Ich blickte mich in der Stallgasse um und würde wirklich heute mit Barbie anfangen, damit Octavia merkte, dass ich meine Versprechen durchaus hielt. "Na mein Hübscher, groß bist du geworden.", begrüßte ich den Hengst und streichelte ihm über die Nase. Egal welches Pferd ich mir anschaute, Traurigkeit hatten sie alle im Blick. Ob sie wussten, was genau passiert war oder warum sie, nach all dem Stress, nun hier in dieser Stallung mit Octavia und mir standen? Doch wer wusste das schon. Ich band Barbie am gegenüberliegenden Putzplatz an und nahm mir eine der Bürsten, ehe ich sanft über sein Fell strich. Er war nicht schmutzig, aber er sollte sich daran gewöhnen, von Menschenhand angefasst und überall berührt zu werden. Das Putzen hatte da einen ganz tollen Nebeneffekt, da es den Hengst massierte. Barbie legte den Kopf schief und machte den Hals lang, was zeigte, dass er die kreisenden Bewegungen wirklich genoss. Als ich den Körper auf beiden Seiten gestriegelt hatte, machte ich mich an die Beine. Auch hier war ich vorsichtig, denn der Hengst war ein Jungpferd und alles kam ihnen zunächst als Bedrohung vor. Doch der Hengst blieb gelassen. Er hatte wohl doch einiges von seiner Oma geerbt. Nachdem ich mich nun auch um seine Hufe und seine Mähne gekümmert hatte, band ich ihn los und stiefelte mit ihm zur Halle. Es war schon mühsam, die schwere Tür auf zu bekommen, doch wir schafften es und gingen ins Warme. Barbie plusterte sich sofort auf und schnaubte einmal laut, ehe er im Kreis um mich herum tänzelte- da kam wohl doch der Hengst raus, denn schließlich roch alles nach anderen Pferden. Ich klickte nur den Führstrick aus dem Halfter und schickte ihn von mir weg, damit er sich die Beine vertreten konnte. Ich verließ die Halle derweil wieder und ging in den Stall, wo ich mir seine Box ansah. Sie musste nicht komplett ausgemistet werden, weshalb ich damit schnell fertig war und in die Box zu Alan ging, mit dem ich auch sehr schnell fertig war. Bei Baby Doll war es ein wenig mehr Arbeit, doch auch sie hatte ich noch relativ schnell fertig. Kurz schaute ich auf die Uhr: Essenszeit. Ich ging also Barbie wieder einfangen und brachte ihn in seine Box, ehe ich ins Haus zu Octavia ging.
      Gegessen hatten wir relativ schnell ohne große Konversation, so dass ich schnell wieder in den Stall gehen konnte und mir meine Liste anschaute. GRH's Unbroken Magic, GRH's Unbroken Soul of a Devil, VK A Gun Colored Lena, VK Funky's Wild Berry, A Shining Chrome, It's me, Amira, PFS' Blossom Magic, PFS' Snap in Style, Prias Colourful Soul, Wolfsbane und Zoltaire brachte ich auf die Koppel, da wir heute mit den Jungpferden nichts machen würden. Auch Snapper Little Lena durfte mit den Kleinen auf die Koppel, ich hatte noch nicht so ganz rausgefunden, wie ich richtig mit der Stute arbeiten sollte, weshalb ich sie lieber noch eine Weile Pferd sein lassen wollte. Auch Zues stand auf der kleinen Koppel neben den Stallungen alleine herum, und fristete sein Leben dort. Auch bei ihm wusste ich noch nicht so wirklich, was ich mit ihm anstellen wollte. Kastrieren stand jedoch bei seiner Abstammung außer Frage. Einschläfern auch, denn Verena lag etwas an diesem verfluchten Pferd, weshalb wir uns mit ein paar Trainern kurzschließen, und nach Lösungen forschen wollten, bevor wir entschieden, was wir mit ihm machen wollten. Laut einem bekannten von Verena konnte Zues bereits longiert werden. Doch seit er wieder hier war, war er unausstehlicher denn je, weshalb ich mich nicht an ihn heran traute.
      Mit wem ich heute auf jeden Fall arbeiten wollte, war Alan's Psychedelic Breakfast. Schnell war der Rappe gesattelt und wir fanden uns in der Halle ein, wo ich ihn zunächst ein wenig warm ritt und dann auf beiden Händen lediglich die Grundgangarten übte, bevor ich noch Schritt-, Trab-, und Galoppstangen auf den Boden legte und ein wenig mit ihm übte. "Braver Bursche.", lobte ich den Hengst und brachte ihn nach dem Abreiten in den Stall, machte ihn fertig und brachte ihn dann auf die Koppel. Baby Doll Melody und Dakota longierte ich lediglich ein wenig, damit sie heute zumindest etwas Bewegung hatten. Was ich mit DunIts Smart Investment anstellen wollte, wusste ich noch nicht so genau, weshalb ich mir zu erst Gun and Slide schnappte, ihn sattelte und die selben Übungen in der Halle mit ihm machte, die ich auch mit Alan gemacht hatte. Zum Einen wurde ich dabei sattelfester, zum Anderen wurde er bewegt.
      Nach dem Training kam auch er auf die Koppel, ehe ich mir nun doch Candy schnappte, sie sattelte und auch mit ihr das gleiche Training absolvierte, wie ich mit Alan und Blue zuvor auch gemacht hatte. Nach getaner Arbeit durfte sie dann auch auf die Koppel und erfreute sich des Lebens. Nun fing ich mit Misten und füttern an.

      Octavia
      Mein Bruder war so nett gewesen, den Großteil der Pferde, um die ich mich kümmern sollte, zu versorgen, damit ich kochen und mich um den Haushalt kümmern konnte. Nun endlich machte ich mich auf den Weg in den Stall und schaute kurz auf meinen Zettel, ehe ich die Boxen abging, um zu schauen, wer noch im Stall stand und mit wem ich noch etwas machen musste. Drama Baby, Lady Gweny, Seattle Slew und Wildfire xx stellte ich in die Führanlage, da sich die Vollblüter gemütlich die Beine vertreten konnten. Priamos Ruffia Kincsem stand noch im Stall, doch da sie mehr oder weniger noch in Babypause war, kam sie auf die Koppel zu ihrer Tochter. Wer mir noch blieb waren Raspberry und Magic Lanijos. Anfangen würde ich mit Raspberry. Ich holte sie aus der Box, putzte und sattelte sie und verließ den Hof zu einem kleinen Ausritt, den die Stute sichtlich genoss, denn sie liebte Ausritte.
      Etwa eine Stunde waren wir unterwegs, ehe wir wieder auf dem Hof ankamen und ich die Stute fertig für die Koppel machte. Auch Drama Baby, Lady Gweny, Seattle Slew und Wildfire befreite ich aus ihrem Elend und brachte sie auf die Koppel. Mit panischem Blick schaute ich Wildfire zu, wie er wie ein Bekloppter über die Koppel fegte- irgendwann würde er sich etwas brechen, da war ich mir ziemlich sicher. Da er jedoch bald auf die Rennbahn sollte, hatte ich darauf recht wenig Lust.
      Als letztes Pferd für heute blieb mir noch Magic Lanijos, mit dem ich allerdings nicht sonderlich viel machen wollte, da ich ihn langsam ans Einreiten gewöhnen wollte. Ich holte ihn mir also aus der Box und fing an, ihn gründlich zu putzen. Das kannte er bereits ein wenig und machte mir dabei auch keine Probleme. Auf dem Hof übte ich dann die Stimmkommandos zum Losgehen und Stehenbleiben. Auch das verstand der kleine Hengst super, so dass auch er auf die Koppel durfte.
      Ich mistete noch die Boxen und gab allen ihr Heu, ehe es Abend wurde und ich zusammen mit Bellamy wieder alle Pferde in den Stall brachte.
      Ganz schön viel Verantwortung, so ein Haufen Pferde.

      It´s me Amira!, Prävention A, GI | 2017 | von Cooper
      Der nächste Auftrag ging ein und diesmal ging es mir dabei nicht so gut wie sonst. Denn dieser Auftrag wurde von Bellamy und Octavia Blake gegeben, die beiden die mit ansehen mussten wie die Ranch von Verena im Oktober 2016 explodierte. Ich hatte davon gehört und gehofft das keine verletzt wurde, leider war das nicht der Fall gewesen. Ich hatte mit Verena eine ziemlich guten Kontakt gehabt, da auf unserem Gelände zur der Zeit auch nicht alles glatt lief, war das alles ziemlich viel auf einmal. Ich hatte den beiden damals mein Beileid zugesprochen und bot Ihnen Hilfe an, falls sie diese benötigten. Nachdem der Auftrag digital eingegangen war, rief ich Octavia an um mit ihr über den Termin zu sprechen, zudem fragte ich sie auch, wie es ihr die letzten Monate erging. Sie Antwortete das alles soweit in Ordnung sei und sie sich neu organisiert hätten, zudem eine neue Ranch besäßen, die den Namen 'Blakes Crow Meadow' trug. Zudem waren sie im Aufbau einer Trainingsstätte. Da ihr Gelände immer noch in Kanada lag, konnte ich mit dem Jeep direkt am nächsten Tag hinfahren. Am Abend bereitete ich alles vor, legte eine neue Kundenakte an sowie eine neues medizinisches Dokument für It´s me Amira. Als ich diese Sachen im Büro vorbereitete, erinnerte ich mich erst daran das Amira ja eines der ersten Fohlen von Aikon Aszu war und freute mich diese morgen wieder zu sehen. Als ich mit den Vorbereitungen fertig war, verbrachte ich den Abend mit Simon weitere Trainingspläne zu gestalten, außerdem überlegten wir, ob und wie wir unser Gelände ausbauen.

      Am nächsten Morgen stand ich gegen acht Uhr auf, es war sonnig und relativ warm. Wie jeden morgen nahmen wir an der Fütterung der Pferde teil und schauten das jedes von Ihnen ein Tagesprogramm hatte. Nach dem Frühstück dann verabschiedete ich mich von Simon und fuhr nach Alberta.
      Angekommen, begrüßten mich die beiden herzlich und führten mich ein wenig über ihr Gelände, führten mich anschließend zu Amira wo ich sie kennen lernen durfte. Amira war deutlich größer wie Aywy, was mich ein wenig überraschte, aber glücklich machte. "Sie entwickelt sich ja prächtig" sage ich, wobei ich Amira über das Gesicht streichelte. Sie schien keine wirkliche scheu zu zeigen und begeisterte mich weiter mit ihrer Farbe, die sie ihrem Vater zu verdanken hatte. Nachdem die Stute sich ein wenig an mich gewöhnt hatte, legte ich mit der Prävention, also der Untersuchung durch. Zuerst begutachtete ich Nüstern, Zähne und Mundraum sowie die Augen und deren Reflexe. "Alles supi" erwiderte ich nachdem Octavia mich fragte wie es denn aussieht, und dokumentierte anschließend die Ergebnisse. Weiter tastete ich den Körper von Amira ab, die das vor allem am Bauch und teilweise an den Beinen, als unangenehm empfand und öfters versuchte mich davon abzuhalten. Im nachhinein konnte ich alles begutachten um Parasiten oder Verletzungen auszuschließen. Auch die Hufen machten einen starken Eindruck. Zuletzt kontrollierte ich noch ihre Vitalzeichen die Puls, Herzrhythmus, Atmung und Temperatur beinhaltete. Diese Untersuchung lief ohne weiteren Zwischenfälle ab und auch die Ergebnisse waren mehr als zufriedenstellend. Schnell dokumentierte ich alles und weiter war noch die Grundimmunisierung an der Reihe, also Influenza, Tetanus, Herpes und Tollwut. Bevor wir dies machte, war es uns wichtig das Amira ein wenig Pause bekam zudem wollte ich noch nach ihren Grundgangarten sowie Gelenken schauen um sicher zu gehen, das alles korrekt entwickelt. In der Halle war Amira ein vollwertiger Araber, als sie antrabte hob sie ihren kleinen Schweif soweit in die höhe wie es nur ging. Beim Beobachten ihrer Bewegungen konnte ich keine Defizite feststellen. "Lass sie nicht zu viel laufen, ich möchte sie nicht zu sehr beanspruchen, da sie ja dann die Immunisierung bekommt" rief ich Octavia zu, die Amira beruhigte und wieder in den Stall brachte wo ich ihr dann noch die Immunisierung gab. Bei den Immunisierungen war es ein wenig schwierig, da aber Octavia Trainerin war und im Moment weitere Ausbildungskurse belegte, konnte sie das Mixfohlen gut bändigen, außerdem hatte sie einfach ein gutes Händchen dafür. Ich lobte Amira ausgiebig nachdem auch die Wurmkur erfolgreich verabreicht wurde. Ich schaute auf die Uhr, es waren gute vier Stunden vergangen, da Octavia und ich und zwischendurch mal verquatscht hatten. Zuletzt dokumentierte ich noch alles, fertigte einen Impfpass für Amira an und übergab ihn dann an Octavia. Nachdem ich aufgeräumt sowie mich verabschiedet hatte fuhr ich gegen 5 Uhr wieder nach Chatahoochee Hill's.

      Radioactive - the prisoners 2.0 | Mai 2017 | von Veija
      "Oh mein Gott, Bellamy.. schau mal!", rief Octavia durchs Haus nach oben und ich hörte, wie sie ungeduldig von einem aufs andere Bein trippelte. "Die haben den jährlichen Tag der offenen Tür- Tag im Gefängnis aus dem wir kommen. Sollen wir nicht auch Jugendlichen eine Chance auf das geben, was Verena uns gegeben hat?", rief sie mir entgegen und ich grummelte etwas in meinen nicht vorhandenen Bart hinein, ehe ich die Treppe herunter lief. "Und wie hast du dir das vorgestellt? Hallo alle zusammen, unsere Anleiter sind frühzeitig gestorben, aber wir haben die letzten drei Wochen unserer Frist auch so geschafft und sind nun hier, um Jugendliche aus dem Knast zu holen... glaube kaum, dass das klappt." "Ach Bell lass es uns doch bitte probieren. Komm schon. Lass uns welchen eine Chance geben!", trällerte sie und ich rollte mit den Augen. "Schön, zeig mal die Anzeige."
      "Was machen Finn und Murphy eigentlich?", fragte ich O nach einer Weile des Schweigens. Betreten zuckte sie die Schultern. "Ich habe nichts mehr von ihnen gehört, seit sie weg gegangen sind. Auch nicht von Emily, Ethan und Grace.", sagte sie schulterzuckend. "Hm, schade...", meinte ich beiläufig und starrte weiter ausdruckslos auf den Computer. "Gut... lass ihnen eine E-Mail schreiben. Mal schauen was sie antworten. Schreibst du ihnen? Dann geh ich schon nach den Pferden schauen. Aber schreib nichts von unserer Frist, dass wir eine Zeit ohne Aufsicht waren. Ich habe keine Lust nachträglich wieder sitzen zu müssen. Oder dass uns unsere Arbeit hier als Trainer aberkannt wird, wegen so etwas dummem...", erklärte ich O und sie nickte. "Fein. Bring du die Pferde raus, ich kümmere mich hierum.", gab sie mir mit zu verstehen und schob mich vom Laptop weg. "Jetzt mach schon, hau ab.", sagte sie augenrollend und öffnete das E-Mail Fenster, was wohl mein Stichwort war, zu gehen.
      Draußen angekommen wollte ich nach den Pferden schauen. Da sie schon alle auf den Koppeln standen, blieb der Gang zum Stall aus. Zu erst steuerte ich die Koppel der Jungstuten an, auf der ich GRH's Unbroken Magic, A Gun Colored Lena, Dante's Wild Lady, It's me, Amira!, PFS' Blossom Magic, Prias Colourful Soul und Wolfs Bane erblickte. Alle schienen munter zu sein und erfreuten sich ihres Lebens, weshalb ich weiter zu den Junghengsten ging. A Shining Chrome, Cruel Twist of Fate, GRH's Unbroken Soul of a Devil, VK Funky's Wild Berry, Magic Lanijos, PFS' Snap in Style und Zoltaire tobten zusammen und rangelten, wie es Junghengste nun mal taten. Eine Weile blieb ich stehen und schaute ihnen dabei zu, bevor ich weiter zur Stutenkoppel ging, auf der mit Abstand die meisten unserer Pferde standen. Schon von weitem sah ich Baby Doll Melody, Dakota und DunIts Smart Investment, die zusammen grasten. Als ich näher heran kam, erkannte ich auch die restlichen Pferde. Magnificiant Crow, Snapper Little Lena, Drama Baby, Flashlight, Lady Gweny, Priamos Ruffia Kincsem, Raspberry und Zuckerschock. Auch diese Pferde beobachtete ich eine Weile, ehe mir die neuste Stute im Bunde auffiel. Minnie Maus. Das neuste Pferd von Octavia. Wir hatten sie von Gwendolyn von der Nahanni River Ranch. Octavia hatte mir schon seit Wochen in den Ohren gelegen, dass sie ein gut ausgebildetes Buschpony haben wollte, damit sie selbst in ihrem Training weiterkommen konnte. Schlussendlich hatte ich nachgegeben und wir hatten das Pony teuer gekauft. Ich hatte Octavia jedoch angedroht, wenn sie mit ihr keine Gewinne erzielen würde, würde ich sie wieder an Gwen zurück geben. Das war natürlich nur ein Scherz gewesen. Die kleine Maus wuchs mir von Tag zu Tag mehr ans Herz- keine Ahnung wie sie das machte. Wenn es doch nur bei den anderen Pferden auch so einfach wäre, deren Herz zu gewinnen... Doch ich war guter Dinge, dass sie das auch bald schaffen würde, denn Raspberry und auch Flashlight zeigten immer mehr Interesse an der kleinen Rappstute, so dass sie wohl bald zur Herde gehören würde.
      Zum Schluss meines Rundgangs fehlten noch die Hengste, die auf mehrere Koppeln, fernab der Stuten aufgeteilt waren, damit sie sich nicht die Köpfe einschlugen. Gott sei Dank waren sie alle recht friedlich- sah man von Zues ab. Wir wussten noch immer nicht, was wir mit ihm machen wollten, weshalb er noch immer auf seinem Koppelstück sein Leben für sich alleine dahin fristete und das tat, was Pferde nun mal taten. Fressen, fressen und nochmal fressen. Ich schüttelte kurz seufzend den Kopf und ging weiter zu den Koppeln, wo ich schließlich alle Hengste fand. Alan's Psychedelic Breakfast hatte in dem Rappen Chapter 24 einen wirklichen Freund gefunden. Die beiden kannten sich schon von früher und hielten wie Pech und Schwefel zusammen. Ganz zum Leidwesen von Gun and Slide, der, bevor Chapter wieder zu uns gekommen war, der beste Kumpel von Alan war. Seitdem hatte er sich etwas abgeschottet und hielt sich vor allem mit Wildfire xx und VK Bella's Dun Gotta Gun, mit denen er jedoch ziemlich ruppig umging, machten sie auch nur einen Schritt in die Richtung der beiden anderen Hengste. Golden Ebano stand noch immer etwas abseits, würde jedoch, soweit ich das sehen konnte, bald der Herde etwas näher kommen.
      Im Großen und Ganzen war ich jedoch mehr als zufrieden mit unseren Pferden, so dass ich wieder zu Octavia nach drinnen ging und mich über ihre Schulter beugte. "Und, was sagen sie?", fragte ich neugierig, ehe mir auffiel, dass O sich umgezogen hatte. "Zieh dich um, wir fahren rüber.", sagte sie und drehte sich freudig herum. "Sie freuen sich riesig uns zu sehen. Ich schieße noch ein paar Bilder der Pferde, dann können wir los.", sagte sie und ich nickte.
      In Windeseile hatte ich mich umgezogen und traf O beim Rover. "Komm schon, ich warte schon ewig hier!", tadelte sie mich doch ich rollte nur mit den Augen. "Ewig.. vielleicht zwei Minuten.", meinte ich genervt und stieg ein. Mit einem mulmigen Gefühl im Magen startete ich den Motor und wir fuhren in Richtung Gefängnis.
      Es dauerte eine gute Stunde, ehe wir dort angekommen waren und uns einen Parkplatz gesucht hatten. Wir stiegen aus und atmeten einmal schwer durch. "Willst du da wirklich nochmal rein?", fragte ich O, die betreten von einem auf das andere Bein trat, ehe sie zögerlich antwortete: "Ja, helfen wir ein paar Jugendlichen.", sagte sie entschlossen, warf ihre Haare nach hinten und stolzierte vor mir her, ehe wir am Eingang ankamen und einmal durchsucht wurden. Dann gingen wir zur Rezeption, bekamen unserer Besucherausweise und standen dann unserer alten Aufseherin gegenüber. Ich schluckte. "Mr. und Mrs. Blake, Sie wollte ich eigentlich hier nie wieder sehen.", sagte sie streng und schaute abwechselnd zwischen mir und O hin und her. "Wir.. wir sind hier wegen dem Tag der.. der offenen Tür. Wir wollen.. Jugendlichen ermöglichen, wieder auf den rechten Weg zu kommen... mit den Pferden.. auf unserer Ranch, so wie die O'Connors es damals bei uns gemacht.. haben...", stammelte ich und sofort hellte sich die Miene von Mrs. P. auf. "Erzählen sie mir, wie geht es .. wie heißt sie, Verena? Wie geht es ihr und der Ranch?", fragte sie neugierig ehe O und ich einen mitleidigen Blick wechselten. "Sie ist tot. Ebenso wie eine Menge Mitarbeiter der alten Ranch und ein ganzer Haufen Pferde...", sagte ich traurig und konnte Mrs. P. im Gesicht absehen, wie Leid es ihr tat. "Warum das?", fragte sie nach einiger Zeit der Stille. "Eine Explosion.", murmelte O betreten und wir lächelten zaghaft. "Das ist ja schrecklich.. und Sie beiden, was ist nun mit Ihnen?", fragte sie dann, ehe wir ihr unsere Geschichte erzählten. Angefangen bei totaler Verzweiflung, über den Aufenthalt in Schweden und die Hilfsbereitschaft all unserer Freunde. Zum Schluss vom Blakes Crow Meadow, wo wir das Erbe der Gips Reminder Ranch fortführen wollen. Dazu gehörte nun mal auch, dass wir Jugendlichen die selbe Chance bieten wollen, wie Verena uns geboten hatte. "Ich bin begeistert.. was diese junge Frau alles für Sie beide getan hat... unbeschreiblich.", erklärte sie und ich fügte in Gedanken hinzu 'und doch musste sie viel zu früh sterben'.
      "Kommen Sie, ich führe Sie ein wenig herum. In den 1,5 Jahren ihrer Abwesenheit hat sich einiges geändert.", erklärte sie und wir gingen eine Weile im Gefängnis herum, ehe wir bei allen Anderen ankamen. Erstaunte und verwunderte Blicke trafen uns, als sie uns und vor allem die Besucherausweise sahen. Wir setzten uns in eine der hinteren Reihen und hörten dem Gefängnischef dabei zu, als er seine Rede von der Wichtigkeit dieses Projektes hielt und immer wieder verstohlen zu uns schaute, ehe er uns doch tatsächlich auf die Bühne rief. Widerwillig standen O und ich auf, gingen auf die Bühne und erzählten auch den Gefangenen und Besuchern dieses Tag der offenen Tür, warum wir hier waren und vor allem, wie wir es so weit geschafft hatten. Auch erzählten wir wie viel uns an diesem Projekt lag, und dass wir gerne weiteren Jugendlichen die Chance geben wollen, das zu erreichen, was wir erreicht haben.
      Plötzlich stand einer der Gefangenen auf, blickte zu uns hoch und sagte: "Vergebt ihr auch dritte Chancen?"Ich hatte gar nicht so schnell reagiert, wie O von der Bühne sprang und, ein wenig zu schnell für die Aufseher, auf den jungen Mann zurannte. "Murphy!", quietschte sie und fiel ihm um den Hals. Da er Handschellen anhatte und sich nicht wirklich abfangen konnte, fielen er und O beinahe auf den Boden, doch ein beherzter Griff der Polizisten hielt die Beiden auf den Beinen, denn diese waren nun auch dort angekommen. Widerwillig ließ Octavia von Murphy ab und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. "Was machst du hier, wo ist Finn?", hörte ich sie drauf los quasseln, nachdem auch ich von der Bühne und näher zu den Beiden hingegangen war. "Das können Sie gerne später klären.", meinte Mrs. P. und bedeutete Murphy mit einem strengen Blick, sich wieder hinzusetzen. Kurz schluckte ich, ehe ich wieder meinen Platz in den hinteren Reihen einnahm. Octavia wies ich an, sich neben mich zu setzen. Einen letzten Blick warf ich zu Murphy hinüber, ehe ich leise seufzte und meine Hände zur Faust faltete. Was auch immer er angestellt hatte, ihn würden wir auf jeden Fall mit auf unsere Ranch holen, egal was sein würde.
      Jetzt blieb nur noch die Frage, wen wir noch mitnehmen würden. Platz hatten wir für drei neue Mitarbeiter.
      Neben Murphy waren mir noch zwei weitere Gefangene aufgefallen. Einen jungen Mann, den ich etwas jünger als mich schätzte namens Travis Elmore und einen ebenfalls jungen Mann, der Ähnlichkeiten mit Caleb hatte und sogar den selben Nachnamen trug.
      Eine ganze Weile dauerte es, bis sich alle Ranches vorgestellt hatten und wir gemeinsam im Speisesaal essen wollten. Bewusst setzten wir uns zu unserem alten bekannten Murphy an den Tisch. Vorwurfsvoll schaute ich ihn an. "Was hast du angestellt, dass du wieder hier gelandet bist?", fragte ich ihn und verschränkte meine Arme vor der Brust, ehe ich mich doch dazu entschied, etwas zu essen. Murphy schien nicht wirklich mit der Sprache heraus zu rücken, weshalb wir ihn einfach essen ließen. "Wir können auch darüber sprechen wenn wir auf der Ranch sind...", meinte ich beiläufig und widmete mich wieder meinem Teller, was einen verwunderten Seitenblick von Murphy zur Folge hatte.
      Es dauerte noch eine Weile des Papierkrams, ehe wir Murphy, Travis und Connor mitnehmen konnten. Gemeinsam gingen wir zum Auto und setzten uns rein, bevor wir zur Ranch zurückfuhren.
      Die Fahrt verlief stillschweigend, weites gehend erkannte ich aber ein helles Strahlen in den Augen der drei, die sich sichtlich darüber freuten, endlich aus dem Bunker hinaus auf eine Ranch gehen zu können. "John kennen wir bereits, wir haben lange Zeit zusammen im Gefängnis gelebt.", lockerte ich irgendwann die Stimmung. "Euch beide, Travis und Connor, müssen wir erst einmal kennen lernen. Doch ich hoffe, ihr habt genauso viel Spaß an den Pferden wie wir, denn darum geht es ja. die Arbeit mit den Pferden."
      "Wir werden Sie nicht enttäuschen.", sagte Travis mit einem strahlendem Lächeln im Gesicht. "Bellamy..", antwortete ich Travis und zeigte zu Octavia, die neben mir auf dem Beifahrersitz saß. "Und das ist Octavia, meine Schwester. Also Finger weg von ihr.", scherzte ich und erntete dafür einen harten Schlag von meiner Schwester gegen den Oberarm. "Autschi.", lachte ich und sah im Rückspiegel, wie sich John, Travis und Connor verschmitzt ansahen und herzlich drauf los lachten. Verdammt, Connor hatte das selbe süffisante Grinsen wie Caleb. Ob sie verwandt waren?

      It's me, Amira! + PFS' Blossom Magic - Schrecktraining | Mai 2017 | von FrauHolle
      Nachdem ich schon zwei Tage bei Octavia und Bellamy verbracht hatte und eines ihrer Pferde trainiert hatte, stand heute das Schrecktraining von zwei jungen Stuten an. Früh am Morgen machten Octavia und ich und ans Vorbereiten. An einem Hula Hoop Reifen knoteten wir bunte Luftballons, an eine Peitsche knoteten wir kleine Stücke Flatterband. Der große Gymnastikball, eine Plane, Hütchen, Autoreifen, Eimer und ausreichend Stangen bauten wir uns auf dem Platz auf. Aus meinem Auto holten wir die Schwimmnudeln, aus denen wir einen kleinen Bogen zum durchlaufenbauten, sowie einen Regenschirm und einen Müllsack, den ich an eine Gerte gebunden hatte. Nach einer guten halben Stunde hatte sich der Platz in ein großes Spieleparadies für Pferde verwandelt und ich freute mich riesig auf das Training. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg zur Weide. Octavia hatte sich entschieden, heute mit PFS' Blossom Magic zu arbeiten, denn die Stute war nicht ganz einfach und Octavia kannte ihre Pferde besser als ich. Ich durfte heute mit It's me, Amira! arbeiten, ein Arabermix mit viel Temperament. Wir führten Amira und Magic zum Putzplatz und fingen an, ihnen behutsam das Fell zu striegeln. Beide waren erst zwei Jahre alt und noch sehr unsicher, was wir bei unserer Arbeit natürlich berücksichtigen mussten. Octavia holte zwei Knotenhalfter und zwei lange Stricke aus der Sattelkammer und wir machten uns samt Pferde auf den Weg Richtung Reitplatz. Schon von weitem erkannte Magic, dass der Reitplatz heute anders aussah als sonst und blieb erschrocken stehen. Amira, die die bunten Sachen auf dem Platz zuvor noch gar nicht bemerkt hatte, ließ sich von Magics Unruhe anstecken und tänzelte nervös umher. Wir versuchten, die Pferde mit unserer Stimme zu beruhigen und gingen weiter auf den Platz zu. Kurz bevor wir am Tor, welches schon offenstand, waren, setzte Magic zum Umdrehen an und zog am Strick. Octavia hingegen blieb völlig ruhig und auch ich versuchte immer wieder, meine nervöse Stute zu beruhigen. „Na das fängt ja schon mal gut an“, lachte Octavia, „wir haben noch nicht mal angefangen und die beiden lassen sich jetzt schon nicht mehr beruhige“. „Warte ab, wenn wir den beiden ein bisschen Zeit lassen werden sie mutiger“, versicherte ich ihr. Und tatsächlich: Stück für Stück traute sich Amira weiter auf den Platz und Magic folgte ihr. Wir kraulten den Pferden zufrieden den Hals und fingen an, sie über den Platz zu führen. Während Amira sich mutig an die ersten Gegenstände traute, tänzelte Magic aufgeregt zwischen Plane, Ball und Hütchen umher. Ich versuchte, Amira von Magics Aufgeregtheit abzulenken und zeigte ihr die Autoreifen. Neugierig schnüffelte sie an den runden Gummidingern und ich führte sie einige Male um einen der Reifen herum. Danach stellte ich mich in den Reifen und schickte sie am langen Strick in einem kleinen Kreis um mich herum. Artig drehte sie ihre Runden, bis ich sie wieder in die Mitte holte und versuchte, sie dazu zu bringen, durch den Reifen zu laufen. Mit wackeligen Beinen setzte sie ihr eines Bein in den Reifen, zog es dann allerdings erschrocken wieder zurück. Immer wieder gab ich ihr das Zeichen, durch den Reifen zu laufen, bis sie es schließlich wagte und das Hindernis erfolgreich überwand. Octavia hatte ihre Stute inzwischen schon besser im Griff und hatte sich an den ersten Gegenstand, die Plane, gemacht. Mit allen Vieren auf der Plane zu stehen war für Magic kein Problem, doch sobald Octavia die Plane hochheben wollte, sprang die Stute erschrocken zurück. „Longier sie mal im Trab über die Plane rüber“, rief ich zu Octavia. Sie ließ den Strick etwas länger und schickte Magic um sie herum. Kurz vor der Plane machte Magic eine Vollbremsung, drehte um und rannte in die andere Richtung. Octavia schickte sie wieder in die richtige Richtung und lenkte sie zur Plane hin. Prustend blieb Magic vor der Plane stehen. Octavia hingegen machte von hinten Druck, bis ihre Stute mit einem riesigen Satz über die Plane sprang. „So war das jetzt aber nicht geplant“, ich musste laut lachen, denn der Sprung hatte einfach zu komisch ausgesehen. Im Trab schickte Octavia sie noch eine Runde im Kreis und wieder über die Plane. Mit großen Schritten lief Magic hektisch über die Plane. „Das sieht ein bisschen so aus, als würde Magic durch heißes Feuer oder so laufen“, schmunzelte Octavia. Inzwischen hatte ich Amira an den Regenschirm gewöhnt und sie in Schlangenlinien um einige Hütchen geführt. Anfangs war Amira noch sehr skeptisch gegenüber neuen Sachen, doch gewöhnte sich, im Gegensatz zu ihrer Freundin Magic, sehr schnell daran. Ich wagte mich mit ihr an den Bogen aus den Schwimmnudeln. Neugierig schnupperte Amira an der Nudel, die wir jeweils an den Enden in zwei Hütchen gesteckt hatten. Todesmutig nahm Amira Anlauf und stürmte unter der Schwimmnudel hindurch. Beinahe hätte sie mit dem Strick die ganze Konstellation umgehauen, doch ich konnte diese gerade noch auffangen. Immer und immer wieder führte ich sie durch den Bogen, bis sie schließlich ruhig im Schritt unter der Schwimmnudel durchlief. Auch Magic ließ sich nun ruhig über die Plastikplane führen und Octavia war gerade dabei, Magic vorsichtig mit der Plane an den Beinen zu berühren, als ich mit Amira rüber zum Ball schlenderte. Ohne etwas zu sagen, ließ ich die beiden in Ruhe weiter üben, denn sie waren auf einem guten Weg. Umso mehr Zeit hatte ich für Amira, die nun den Ball von allen Seiten unter die Lupe nahm. Entgeistert schaute sie mich an, als ich den Ball plötzlich ein Stückchen vorwärts rollte. Ich kickte den Ball leicht nach vorne und lief mit Amira hinter ihm her. Zuerst fand sie dies total komisch, doch dann entdeckte sie, wie lustig es ist, wenn etwas vor einem wegläuft. Mutig und bestimmt lief sie auf den Ball zu und schubste ihn mit ihrem Kopf zur Seite. Begeistert lobte ich sie und Amira lief, ohne dass ich etwas machen musste, hinter dem Ball her und kickte ihn erneut weg. Der Ball ist auf jeden Fall kein Problem für sie. Ich schaute nach Octavia, die sich nun an das Flatterband gemacht hatte. Magic stand völlig erstarrt und mit angelegten Ohren da, während Octavia das Flatterband über ihren Rücken gleiten ließ. Immer wieder legte sie es zurück auf den Boden, gab ihrem Pferd eine kurze Pause und nahm es danach wieder hoch. „Versuch mal, mit dem Flatterband wegzulaufen und Magic hinter dir her zu führen. Dann denkt sie, das Flatterband hätte Angst vor ihr und würde weglaufen“, gab ich Octavia als Tipp. Sie ließ den Strick etwas länger und lief mit dem Flatterband voraus. Etwas zögerlich folgte Magic ihr über den Platz und schaute dem Band gespannt nach. Auch Amira fand die ganze Sache höchst interessant und folgte Octavia und dem Band mit ihrem Blick. Nach guten zehn Minuten konnte Octavia Magic mit dem Band überall berühren, ohne dass Magic aussah, als würde sie jeden Moment wegrennen. Octavia machte sich nun an den Schwimmnudelbogen und an den Müllsack, während ich Amira den Luftballonreifen zeigte. Zwischendurch warf ich immer mal wieder einen Blick auf Octavia und gab ihr Tipps. Amira hatte sich im Laufe des Trainings wirklich toll entwickelt und war gegenüber neuen Sachen viel offener. Schon nach kurzer Zeit erlaubte sie es mir, den Reifen über ihren Hals zu legen und wir drehten eine Runde, mit dem Luftballonreifen um ihren Hals, über den Platz. Ich führte sie durch das Stangen-Mikado, was wir in der einen Ecke des Platzes aufgebaut hatten. Etwas unkoordiniert stakste Amira über die Stangen, doch zeigte keinerlei Angst. Auch der Eimer und der Müllsack war nur für einen kurzen Moment gruselig, doch schon nach kurzer Zeit kein Problem mehr für sie. Auch Magic hatte große Fortschritte gemacht. Zwar war sie insgesamt immer noch sehr unruhig, doch ließ sich viel besser auf Octavia ein und gewöhnte sich langsam an die ungewohnten Gegenstände. Magic brauchte deutlich mehr Zeit als Amira, bis sie von unseren Vorhaben überzeugt war, doch ich war wirklich beeindruckt, wie gut Octavia sich mit der Stute geschlagen hatte. Nach über zwei Stunden Schrecktraining waren sowohl wir, als auch die Pferde völlig am Ende. Amiras und Magics Köpfe rauchten, als wir die beiden nach ihrem wohl verdienten Abendbrot zurück auf die Weide brachten. Nach dem Mittagessen räumten wir die Sachen zurück an ihren Platz, beziehungsweise in meinen Kofferraum. Die Tage bei Bellamy und Octavia waren mal wieder viel zu schnell vergangen, doch ich musste dringend nach Hause zu meinen eigenen Pferden. Traurig, aber trotzdem mit einem Lachen auf dem Gesicht, verabschiedete ich mich von den beiden Geschwistern. „Wir sehen uns bestimmt bald mal wieder“, murmelte Octavia in meine Schulter, als sie mich umarmte. „Vielleicht kommt ihr mich ja bald mal auf meinem Hof besuchen“, lud ich die beiden ein. Winkend standen Bellamy und Octavia auf der Hofeinfahrt, als ich langsam vom Hof rollte. Ich hatte die beiden wirklich sehr ins Herz geschlossen!

      Von kalt zu warm - Umzug nach New Mexiko | September 2017 | von Veija
      Samstag
      Octavia
      "Bellamy ich hasse die Kälte hier in Kanada.", sagte ich am Frühstückstisch zu meinem Bruder und hatte sofort die Aufmerksamkeit aller Mitarbeiter. "O, hier sind es 19 Grad, welche Kälte meinst du?", fragte Bellamy mich und verschränkte die Arme vor der Brust. "Ich meine die kommende Kälte. Kaum eines der Pferde hat eine Decke, hier fällt so viel Schnee dass man nichteinmal die Haustür aufbekommt, die Pferde schieben so viel Winterfell, was du zum Reiten kaum sauber bekommst und wie willst du hier im Winter ausreiten? Richtig, gar nicht. Du versinkst im Schnee.", erklärte ich und verschränkte ebenfalls die Arme vor der Brust. "Wenn ich einwerfen darf...", fing Murphy an: "Die Landschaft ist hier das ganze Jahr über wunderschön. Die Seen sind traumhaft und die Berge erst...", sagte er und schaute zwischen Bellamy und mir hin und her. "John hat recht. Ist es das nicht wert?", fragte Bellamy. "Nein Bell. Ich.. ich habe mir schon verschiedene Höfe im Rest von Amerika angesehen, in New Mexiko zum Beispiel wäre es dauerhaft warm.", schwärmte ich und zückte mein Handy, um allen die Ranch zu zeigen. "Die hat echt Potenzial.", meinte Travis. "Jede Koppel scheint dort ein kleines Stück Wald zu haben und es fließt ein Bach durch quasi jede Koppel, in dem sich die Pferde auch abkühlen können.", schlussfolgerte er, ehe er erschrocken die Luft einzog und Murphy und Connor anschaute. "Wir dürfen das Land doch gar nicht verlassen, oder?", fragte er traurig und schaute zu mir auf. "Ich weiß nicht...", musste ich zugeben. "Aber das bringen wir in Erfahrung, sollte es zur Diskussion stehen und..." "Von mir aus.", sagte Bellamy plump. "Was?", fragten die restlichen vier, inklusive meiner Wenigkeit gleichzeitig. "Von mir aus können wir umziehen.", meinte er lächelnd. "Ich rufe da mal an und O du fragst im Gefängnis nach, ob unsere drei Schützlinge uns begleiten dürfen.", sagte er, bevor er anfangen musste zu lachen. "Jetzt schaut doch nicht so verdutzt. Ich besitze von Kanada nur schlechte Erfahrungen und traurige Erinnerungen. Ich bin sofort dabei, sollte es klappen und wir umziehen können.", sagte er und stand auf, um den Tisch abzuräumen. "Okay.", sagte ich noch immer total neben der Spur. "Dann kümmern wir uns mal drum- nachdem die Pferde versorgt sind.", lachte ich und schaute auf meine Liste der Pferde, wer wen machen sollte. "Murphy du gehst mit Bellamy und schaust nach folgenden Pferden: Alan's Psychedelic Breakfast, Baby Doll Melody, Chapter 24, DunIts Smart Investment..." "Gott O, gib mir einfach die Liste.", fluchte Murphy und riss sie mir aus der Hand, ehe er ein Foto davon machte und sie mir danach wiedergab. "Gut, das sind 14 Pferde nach denen Bellamy und ich schauen sollen, wir gehen dann schon mal.", sagte er knapp und er und Bellamy verließen den Raum. "Was ist denn mit dem los?", fragte Travis und ich zuckte mit den Schultern. "Hat bestimmt seine Tage...", murmelte Connor und verkniff sich sein dummes Grinsen, als ich ihn böse ansah. Noch immer hatte ich mich nicht getraut zu fragen, ob er mit Caleb verwandt war oder nicht. Das würde mir mein Leben doch um einiges erleichtern, aber ich trauerte noch zu sehr um ihn und alle anderen, die auf der Ranch verstorben waren, auch wenn es jetzt schon fast ein Jahr her war.
      Ein Jahr.. wie die Zeit verging. Seit einem Jahr mussten Bell und ich uns alleine durchkämpfen. Wir schafften das auch gut, das stand außer Frage. Doch vermisste ich Verena und Caleb und auch all die anderen jeden Tag. Ob das irgendwann aufhörte? Sie zu vermissen und den Schmerz zu spüren? Ein Anfang wäre ein Umzug. Weg aus Kanada, weg von den schrecklichen Erinnerungen, welche immer und immer wieder vor meinem geistigen Auge aufblitzten, wenn ich am Unfallort vorbeifuhr oder ein Brief im Briefkasten war, der mit der Versicherung und dem Vorgang der Explosion zu tun hatte. Noch immer beschäftigte sich die Polizei mit dem Fall und ließ uns einfach nicht in Ruhe. Bellamy nahm mir zwar die meiste Arbeit ab, die mit der alten Ranch zu tun hatte, doch ich bekam natürlich viel mit, da wir meist zusammen zu Terminen mussten. "O?", riss mich irgendwann eine Stimme aus den Gedanken. "Was sollen wir machen? Du siehst nämlich nicht so gut aus...", sagte Travis, der mich aus den Gedanken gerissen hatte. "Oh, nein nein. Mir geht es gut. Ich war nur in Gedanken versunken. Kein Grund zur Sorge.", beruhigte ich ihn. "Wir drei machen die Küche fertig und gehen dann nach den Jungpferden schauen, was sie so anstellen. Vielleicht gehen wir eine Runde mit drei der Pferde spazieren, mal sehen.", sagte ich und stand auf, um den Tisch abzuräumen. Connor und Travis halfen mir ohne murren und motzen...

      Bellamy
      "Was war das denn, Murphy?", fragte ich den jungen Mann neben mir, als wir zusammen zu den Westernpferden gingen. "Bin heute morgen wohl mit dem falschen Fuß aufgestanden.", antwortete er knapp und ich lachte kurz auf, ehe mich sein fragender Blick traf. "Dann freu dich, wir müssen alle Boxen misten." "Oh man...", kam nur noch zurück, ehe wir den Stall betraten und er sich einmal kurz streckte, bevor wir gemeinsam zum Laufstall der Stuten gingen. Wir halfterten uns Baby Doll Melody, DunIts Smart Investment, Ginny my Love, die wir seit kurzem unser eigen nennen durften und die sich gut eingelebt hatte, Jade, Magnificient Crow, Snapper Little Lena, Stormborn und VK A Gun Colored Lena nach und nach auf und brachten sie auf die Koppel, ehe wir uns zu den Hengsten begaben. Alan's Psychedelic Breakfast, Chapter 24, Genuine Lil Cut, Gun and Slide, VK Bellas Dun Gotta Gun und Whinney kamen nach und nach auf ihre verschiedenen Koppeln und erfreuten sich des Lebens, dass sie endlich toben und fressen durften. Blue wälzte sich sofort und war nun nicht mehr braun-weiß sondern Ton in Ton braun. "Murphy fang du bei den Stuten an, ich mach zu erst die Hengste und geb denen dann auch gleich Heu und Kraftfutter.", wies ich meinen Mitarbeiter an und schaute ihm noch nach, wie er aus dem Stall verschwand, um sich eine Schubkarre zu holen. Ich tat es ihm gleich und fing mit Alan's Box an, arbeitete mich nach und nach bis zu Whinneys Box vor. Es dauerte eine Weile, bis alle Boxen gemistet waren und ich anfangen konnte, das Heu und Kraftfutter zu verteilen. Jeder der Hengste bekam nur eine sehr kleine Portion davon, da sie nicht wirklich aktiv im Training waren und sonst nicht wussten, wo sie mit ihrer ganzen Energie hin sollten.
      Als ich damit fertig war ging ich zu Murphy und half ihm, den Laufstall der Stuten zu misten. Ruck zuck waren wir fertig, füllten Heu in die Netze und gingen zum Stallabteil, in dem die Englischen Vollblüter untergebracht waren. Auch hier brachten wir zu erst die Hengste nach draußen. Schnell waren Firewalker, Golden Ebano, Peacful Redemption, Seattle Slew, Stiffler, Wildfire xx und ZM's Zanaro auf ihren Koppelabteilen. Leider stand jeder der Hengste für sich alleine. "Auf der neuen Ranch will ich das ändern.", sagte ich total aus dem Kontext gerissen und sah die Ratlosigkeit in Murphys Gesicht. "Was.. willst du ändern?", fragte er mich. "Dass die Hengste alle alleine stehen. Ich will auf der neuen Ranch Kleingruppen zusammenstellen. So dass sie sozialisiert bleiben und nicht total durchdrehen vor Einsamkeit. Desweiteren überlege ich, ein paar der Hengste kastrieren zu lassen. Wer brauch schon so viele Hengste, wenn er nicht aktiv züchten möchte? Vor allem, da wir uns auf die Paint und Quarter Horses konzentrieren wollen.", erklärte ich ihm und er nickte. "Die Stuten auch alle raus?", fragte er mich, als wir wieder im Stall angekommen waren. Ich nickte. "Die können auch alle zusammen auf das Abteil neben die Westernstuten.", erklärte ich ihm. "Ich fange schon mal an zu misten. Du schaffst das!", pflichtete ich ihm bei und fing mit der Schubkarre in die Box von Firewalker, um mit dem Misten anzufangen. Immer wieder sah ich Murphy mit Pferden an mir vorbei gehen. So waren Drama Baby, Priamos Ruffia Kincsem und Zuckerschock innerhalb ein paar Minuten auf der Koppel. Dann half er mir mit dem misten und füttern sowie dem Verteilen des Kraftfutters, so dass wir es noch vor dem Mittagessen schafften, unseren Teil der Abmachung zu erfüllen- fast. Ein paar Pferde fehlten noch, doch die würden es auch bis nach dem Mittagessen im Stall aushalten können. So gingen Murphy und ich nach drinnen und fingen an, das Mittagessen vorzubereiten, da O mit den anderen beiden Jungs noch unterwegs war.

      Octavia
      Nachdem wir die Küche aufgeräumt hatten, gingen wir zusammen zu meinen englisch gerittenen Pferden in den Stall. "Travis du schnappst dir Hot Spot und Minnie Maus. Connor du nimmst dir Samarra und ich schnappe mir Flashlight und Raspberry. Dann unauffällig folgen.", gab ich die Anweisung und ging vor ihnen weg in Richtung Koppeln. Die Vollblüterstuten standen noch nicht draußen, die Westernpferdstuten jedoch schon, also hatten Bellamy und Murphy sich meine Liste doch zu Herzen genommen und arbeiteten nach meinen Anweisungen, was mich zum Grinsen brachte. Zusammen stellten wir die Stuten auf ihr Koppelabteil und gingen wieder in den Stall. "Um es einfach zu machen mistet jeder das Pferd, welches er eben auf die Koppel gebracht hat. Zusätzlich machst du, Connor, noch Flashlight. Dann kann ich mit dem Heu und Kraftfutter geben schneller anfangen und wir können flotter weiter machen.", sagte ich und fing, als wir wieder im Stall angekommen waren, sofort mit Raspberrys Box an. Die Stute war mir wahnsinnig ans Herz gewachsen und eines meiner Lieblingspferde hier auf der Ranch. Sie mochte ich wirklich nicht missen, dachte ich mir und fuhr mit der Schubkarre auf den Misthaufen, ehe ich neues Stroh holte und die Box neu einstreute. Dann fing ich an, allen ihr Heu in die Netze zu stopfen und ihnen ihre Ration Kraftfutter in die Tröge zu geben. Als wir fertig waren, sah ich auf die Uhr. Wir hatten nicht so lange gebraucht, wie ich gedacht hatte. "Kommt wir gehen noch zu den Offenställen der Jungpferde und schnappen uns drei, mit denen wir eine Runde drehen. Wir haben ja noch genug Zeit.", sagte ich zu Travis und Connor, die beiden nickten und folgten mir dann.
      Zu erst schauten wir nach den Hengsten, welche irgendwie noch alle verträumt im Offenstall lagen. A Shinig Chrome, Abe's Aelfric, Cruel Twist of Fate, Culain, GRH's Unbroken Soul of a Devil, Magic Lanijos, PFS' Snap in Style, PFS' Unclouded Summer Skies, der seit kurzem auch bei uns war, Sir Golden Mile, VK Funky's Wild Berry und Zoltaire schlummerten friedlich vor sich hin. Lediglich Zues und Sparkled Wings, der Mustang den wir seit kurzem adoptiert hatten, standen zusammen ziemlich weit abseits. "Oh je, da müssen wir nochmal schauen. Zues und der zusammen... die machen sich gegenseitig scheu.", sagte ich kopfschüttelnd. "Misten können wir nicht, wenn die alle noch schlafen.", lachte ich und wir gingen rüber zu den Stuten, die schon alle auf den Beinen waren. Ashinta, Dante's Wild Lady, Dress to Impress, Ginger Rose, GRH's Unbroken Magic, I've got a blue soul, It's me, Amira!, Sweet Revenge, PFS' Blossom Magic, Prias Colourful Soul und Wolfs Bane tobten über die Koppel, fraßen oder standen an der Heuballe. "Gut, die können wir misten.", sagte ich und ging auf die Suche nach Mistgabeln und einer Schubkarre. Beim Hengststall wurde ich fündig und so misteten wir zu dritt in aller Schnelle den Stall aus, streuten neu ein und verteilten eine Menge Streicheleinheiten. Danach gingen wir schnell noch mit Blossom Magic, Prias Soul und Wolfs Bane eine Runde spazieren, ehe wir uns doch noch an den Hengstfohlenstall wagen konnten und schließlich zum Mittagessen ins Haus gehen konnten. "Oh, ihr seid aber schon fleißig.", sagte ich lächelnd und betrat die Küche, in der es unbeschreiblich gut roch. "Was gibts denn?", fragte Connor neugierig. "Oh, Pizza!", stellte er dann fest und setzte sich an den Tisch. "O, hast du schon im Gefängnis angerufen?", fragte mein Bruder mich irgendwann. "Ne, noch nicht. Du in New Mexiko?" "Ne, noch nicht. Mach ich aber heute Mittag.", sagte er und ich nickte. "Gut, dann schnapp ich mir gleich unsere drei Jungs und versorge die restlichen Pferde, ja?", fragte ich ihn. "Gut. Ich erledige dann gleich beides. Ranch und Information. Dann könnt ihr noch was mit den Pferden machen.", sagte er und ich nickte. "Gut. Und jetzt lass uns essen, ich hab so einen Hunger!", lachte ich und setzte mich ebenfalls an den Tisch.
      "Welche Pferde fehlen denn noch?", fragte Bellamy mich, während wir uns alle auf die Pizza stürzten. "Ceara Isleen, A King of Magic, Abraham van Helsing, Dakota, Náttdís van Ghosts, Skrúður, Thjalfe van de Jötunheimr und Væna frá glæsileika eyjarinar. Ach und Kunis, aber der ist ja unser Sorgenkind. Haben wir schon all seine Decken gewaschen?", fragte ich dann in die Runde. "Ja, hab ich gleich nachdem der Tierarzt da war.", meldete sich Travis zu Wort und ich nickte. "Gut. Die Box müssen wir ja komplett misten.", erklärte ich dann.
      Nach etwa einer Stunde waren wir fertig mit Essen und die drei Jungs gingen mit mir zu den restlichen Pferden. "Ceara Isleen muss raus, King of Magic, Abraham, Dakota, Alfi und die drei Isländer.", sagte ich zu meinen Mitarbeitern. "Husch, husch.", lachte ich und kümmerte mich selbst um Kunis, welchen ich aus der Box nahm und am Putzplatz ganz abseits anband. Ich mistete die Box gründlich, streute sie dann neu ein, gab ihm Heu und brachte ihn dann wieder in die Box. Anschließend gingen Murphy, Travis, Connor und ich nach drinnen, um zu schauen, wie weit Bellamy war.

      Bellamy
      Kaum waren die vier verschwunden, hatte ich mir das Telefon geschnappt und ein wenig herum telefoniert. Im Gefängnis ging alles soweit klar, solange wir mit einem in New Mexiko kooperierten und uns von diesen Leuten Besuche gefallen ließen. Auch bei der Ranch schien zunächst alles klar zu sein, so dass wir am nächsten Tag eingeladen waren, die Ranch anschauen zu dürfen.
      Ich war gerade fertig mit telefonieren, als O und die anderen rein kamen. "Und?", fragte O sofort neugierig. "Murphy, Travis und Connor dürfen uns nicht begleiten.", sagte ich niedergeschlagen und sah den Schock, der sich auf ihre Gesichter legte. "Aber...", fing Connor an und stockte, als er mein Grinsen sah. "Nein, ihr dürft mitkommen. Allerdings ändern sich die Auflagen ein wenig und wir müssen mit einem Gefängnis in New Mexiko kooperieren. Dann geht alles klar.", sagte ich und erntete wütende Blicke, doch das war es mir wert gewesen. "Die Ranch können wir im Übrigen morgen besuchen fahren. O und ich werden fliegen, euch gehört also für einen Tag die Ranch.", erklärte ich und schon wischen die wütenden Blicke stolzen Blicken. "Oh, cool.", sagte Connor und strahlte. "Hoffentlich klappt dann alles und wir haben es bald warm.", zitierte er mehr oder weniger O von heute morgen und lachte. "Den Rest des Tages habt ihr frei, O und ich kümmern uns um den Rest. Damit ihr morgen alles alleine schafft.", sagte ich und schickte sie dann aus der Küche, um mit meiner Schwester noch einiges zu bereden.
      Gegen Abend holten wir alle Pferde wieder in den Stall, bevor wir ins Bett gingen.

      Sonntag
      Octavia
      Aufgeregt wie noch nie zuvor saß ich neben meinem schlafenden Bruder im Flugzeug. Heute morgen war alles drunter und drüber gegangen. Ich hatte unsere drei Mitarbeiter nicht gerne alleine gelassen, obwohl sie mir ständig versicherten, keinen Unfug anzustellen. Dann hatte ich noch beinahe meinen Rucksack vergessen, in dem alles wichtige für eine Übernachtung in New Mexiko war und und und. Jetzt endlich saßen wir im Flieger und es dauerte nur noch ein paar Minuten, bis wir landen würden.
      Nach der Landung kümmerte Bellamy sich um ein Taxi, welches uns zum Hof in der Nähe von Albuquerque bringen würde, denn da stand die neue Ranch. Schnell waren wir da und sahen uns schon ein wenig um, bevor der Makler kam. Er stellte sich vor und führte uns nochmal herum. Den alten Besitzern war der Hof zu groß und zu teuer in der Unterhaltung gewesen, weshalb sie sich eine kleinere Anlage gekauft hatten, die jedoch hier ganz in der Nähe war und eine Geländestrecke beinhaltete, die wir sehr gerne auch bei Bedarf mitbenutzen durften. "Oh, das trifft sich ja gut.", sagte ich freudig und wir gingen alle Ställe und Reitplätze durch. Eine Halle gab es hier auch, die jedoch für Dressurreiten gedacht war. Groß genug für eine Westernhalle war sie jedoch, so dass wir nur den Sand austauschen mussten. Im Großen und Ganzen gefiel uns die Ranch bis auf ein paar Kleinigkeiten.
      So einigten wir uns auf einen Preis, unterzeichneten die Verträge und konnten die Anlage unser eigen nennen.
      Am nächsten Tag waren wir wieder auf unserer Ranch in Kanada, erzählten allen die freudige Nachricht und fingen an, unsere Sachen zu packen.


      Ein paar Tage später
      Octavia
      Alle Sachen waren gepackt und die Möbel, die mitkamen, das Pferdezubehör und alles weitere war schon auf dem Weg zum neuen Hof. Den Pferden wollten wir keine 22 Stunden Autofahrt antun, weshalb sie wohl oder übel doch fliegen mussten. 62 Pferde mussten also eingedeckt, verladen und zum Flughafen gebracht werden. Anschließend sediert, verladen und geflogen. Travis und Connor waren zusammen mit unseren Sachen mit den beiden Trucks mitgefahren, um Bellamy, Murphy und meine Wenigkeit später in Empfang zu nehmen. Natürlich mit den 62 Pferden, was auch sonst.
      Es dauerte schier ewig, alle Pferde in den Hänger zu bekommen- und noch länger, alle zu sedieren und in den Flieger zu kriegen. Nach einer gefühlten Ewigkeit waren wir dann endlich in der Luft- einer aufgeregter als der Andere.
      Kurz nach dem Landen bekam ich die Nachricht, dass Travis und Connor seit ein paar Stunden an der Ranch angekommen waren und schon fleißig dabei waren, alles einzuräumen und an Ort und Stelle zu tragen. Ich lächelte kurz und gab Bellamy die Nachricht weiter, ehe wir um das Flugzeug herum gingen, und dabei halfen, alle Pferde wieder auszuladen. Natürlich waren wir eine ziemliche Attraktion auf dem Flugplatz. Wann sah man schon so viele Pferde aus einem Flugzeug steigen?
      Nach gut zwei Stunden war alles geklärt und die Pferde in den Hängern, um sie in ihr neues Zuhause zu bringen, welches wir dann auch am Abend erreichten.
      Alle Pferde kamen in die für sie vorgesehenen Boxen und durften sich erst einmal ausruhen. Viele der Tiere legten sich erschöpft hin und schliefen sofort ein.
      Auch wir fünf Zweibeiner fielen quasi sofort ins Bett und schliefen beruhigt ein, dass alles fast genau nach Plan verlaufen war und wir jetzt die nächsten Tage ein wenig verschnaufen konnten.
    • sadasha

      Auf der Bahn | Februar 2018 | von Veija
      Octavia
      Ich war noch nicht zu spät! Dachte ich lachend und klapperte zu erst die Boxen ab. Einige der Pferde waren schon auf dem Putzplatz und wurden fürs Training fertig gemacht, nur wer es war konnte ich jetzt nicht genau sagen. An It's me, Amira!'s Box blieb ich stehen. Sie war eines von zwei Augen auf! Ich komme - Fohlen, welche auf der alten Ranch gezogen wurden. Leider hatte das Schicksal es mit Amiras Mutter nicht gut gemeint, denn sie war im vergangenen Jahr plötzlich verstorben. Traurig waren wir alle über den Verlust dieser tollen Stute, doch wir waren auch froh, dass wir einen so tollen Nachkommen von ihr hatten wie Amira. Sie lernte so wahnsinnig schnell, auch wenn wir uns sicher waren, dass sie, genau wie ihre Mutter, kein Rennbahncrack werden würde. Noch war sie zwar nicht eingeritten, aber wir würden es zu erst mit der Rennbahn versuchen. Wenn es nicht funktionieren sollte, dann würde sie in den Südstall wechseln und umtrainiert werden, zu einem Vielseitigkeitspferd. Vielleicht lag die Distanz ihr ja auch, wir wussten es nicht.
      Ich halfterte sie nun schnell auf und ging zur Koppel. Nebendran stand PFS' Snap in Style. Ein sehr vielversprechender Junghengst, den es auch bald unter den Sattel verschlagen würde. Ich machte Amiras Halfter ab und ließ sie laufen. Sofort tobte sie davon und pflückte sich einzelne Grashalme vom Boden auf. Sie genoss es wirklich noch nicht im Training zu sein. Auch Schnappy, wie der Hengst von allen witzigerweise genannt wurde, graste friedlich vor sich hin und ließ sich von der Dame gar nicht stören.
      Endlich war ich am Putzplatz angekommen und sah, dass niemand mehr da war. Hmpf, da hatte ich die Jockeys wohl verpasst. Ich ging also schnellen Schrittes zur Rennbahn und konnte in der Ferne Candlejack, Wildfire xx und Peacful Redemption erkennen, die alle drei in Galopprennen noch auf der Stufe E waren und so gut gegeneinander laufen konnten. Es dauerte eine Weile, bis die Pferde in den Boxen waren und die Türen aufflogen. Alle drei schossen sofort nach vorne und ich konnte im Endeffekt gar nicht sagen, wer von ihnen als erster ins Ziel schoss. Aber eines war sicher: es war bei allen Pferden noch ausbaubar. Als die Jockeys schließlich an mir vorbei kamen, berichteten sie mir kurz über die neusten Trainingserfolge der Pferde und ich nickte zustimmend. Die drei Hengste kamen nach dem Absatteln in die Führanlage, damit sie trocken wurden und die Jockeys übernahmen nun Wolfs Bane, PFS' Blossom Magic und Drama Baby, welche von den Mitarbeitern der Ranch schon gesattelt und warm geführt worden sind. Auch die drei Damen waren noch auf Stufe E, weshalb ich mir von dem Rennen noch nicht so viel erwartete. Ein Rennpferd auszubilden dauerte eben seine Zeit. Doch wir hatten auch wahre Asse hier im Stall stehen. Ich schaute mir den Beginn des Rennens an und war vom Kampfgeist der Drei begeistert. Während sie also abgeritten wurden, schnappte ich mir Jack, Wildfire und Redemption und brachte sie auf die Koppel, wo sie sich sofort über das Gras her machten.
      Als ich zur Führanlage zurück kam, standen schon die drei Stuten dort. Im Stall fragte ich die Jockeys noch wie es gewesen ist, und sie murmelten irgendwas zustimmendes. Stiffler und Daryl Gone Mad waren mittlerweile beide auf der Stufe A. Und während die beiden auf der Rennbahn waren, machte ich schon Zuckerschock und Priamos Ruffia Kincsem fertig. Zucker war mittlerweile auf S, Pria auf S*. Sie hatten beide schon Fohlen bekommen und sollten nun wieder ein wenig antrainiert werden. Zuckerschock sollte auf alle Fälle wieder aktiver im Sport laufen, bei Pria waren wir uns da noch nicht so sicher, ob sie in den Sport zurück sollte oder als Zuchtstute verblieb. Bis wir uns dahingehend geeinigt hatten, wurde sie wieder antrainiert. Schaden konnte das auf alle Fälle nicht. Die letzten beiden der Vollblütertruppe waren Firewalker, der auf S* war und Seattle Slew, der in der Klasse S lief. Firewalker hatte immer mehr abgebaut, was seine Rennleistungen angingen, so dass wir bei ihm wirklich am Überlegen waren, was wir mit ihm anstellen sollten. Auch heute kam er Seattle Slew nicht hinterher. "Bringt das noch was?", fragte ich einen unserer Jockeys und er überlegte kurz, schüttelte dann jedoch den Kopf. "Aber versucht es noch eine Weile. Wenn nicht, nehmt in aus dem Rennsport, ihr tut damit niemandem etwas gutes, wenn ihr ihn drin lasst.", sagte er und ich nickte. Na dann... aber wir hatten ein paar Top Nachwuchsrennpferde, die seinen Platz bestimmt schnell einnehmen würden.

      Manchmal, da musst du deinen eigenen Weg gehen. | April 2018 | von Veija
      Octavia
      "Raspberry... ich weiß nicht, was ich machen soll.", sagte ich zu meiner geliebten Stute und strich ihr über den Kopf. "Hier bleiben will ich nicht, aber weggehen kann ich nicht, oder?", fragte ich eher mich selbst als mein Pferd, welches mir eh nicht antworten konnte. Aus der Ferne konnte ich die Rennbahn sehen, auf der unsere Pferde trainiert wurden. Es sah so aus, als wäre Candlejack gerade dort. Es standen eine Menge Leute drum herum, so dass ich meine Stute wendete, und auf die Rennbahn zuritt. "Was gibts denn hier zu sehen?", fragte ich in die Runde der Mitarbeiter und sie blickten besorgt auf. "Wir wollten nur.. ähm..", da sah ich schon, was sie wollten. Drama Baby lag knapp hinter Jack und bemühte sich, dem Hengst hinterher zu kommen. "Wir haben nicht so früh mit dir gerechnet, Octavia. Bellamy hat das autorisiert... er meinte, die zwei könnten gegeneinander laufen." "Was ein Quatsch!", fluchte ich und fuchtelte mit den Armen herum, damit die beiden Jockeys signalisierten, dass sie die Pferde auslaufen lassen sollten, denn das hier machte in der Tat weder für Jack, noch für Drama einen Sinn. "Der bekommt gleich was zu hören...", fluchte ich und wartete, bis beide Pferde bei mir ankamen. "Ab sofort gehen die Vollblüter erst wieder auf die Bahn, wenn ich, und nur ich, das autorisiert habe. Mein lieber Bruder Bellamy hat ab heute nichts mehr mit den Rennpferden am Hut. Bringt sie weg, und versucht sowas bloß nicht noch einmal.", gab ich Anweisungen und ritt Raspberry zum Stall, wo ich sie einem Pfleger in die Hand drückte, der sie absattelte und auf die Koppel brachte. Die Lage hier spitzte sich immer wieder zu, Bellamy hatte zwar Ahnung von Westernpferden, aber mit Vollblütern kannte er sich nicht aus. Leider versuchte er es aber immer wieder, so dass wir immer wieder aneinander gerieten. Im Haus traf ich dann auf ihn. "Bellamy! Was in Gottes Namen hast du dir dabei gedacht, Drama Baby und Candlejack gegeneinander in einem Trainingsrennen laufen zu lassen! Ich hab das eben abgebrochen, ich dachte ich spinne!", fuhr ich ihn an und er tat, wie immer, als wüsste er von nichts. "Du... ich... ach..!", knurrte ich, fuhr mir einmal durch die Haare und ging, trotz Bellamys Versuchen, mich wieder zum Umdrehen zu bewegen, nach draußen. Dort schnappte ich einmal Luft, kam wieder ein wenig runter und hatte nun endgültig einen Entschluss gefasst: Ich musste hier weg. Mit meinen Pferden und mitsamt der Vollblüter, denn die würden nicht hier bleiben. Auf dieser Ranch war einfach kein Platz für zwei große Zuchten und Arten von Pferden. Irgendwer kam immer zu kurz.
      Am nächsten Morgen hatte ich mich an die Rennbahn gestellt und organisierte das Training. Ein richtiger Trainer fehlte mir zwar noch immer, aber ein wenig hatte ich mich in dem Genre eingelebt und wusste, wovon ich sprach. Nach und nach kamen die Pferde an die Bahn und die Jockeys fragten nach dem heutigen Training. "Candlejack warm reiten, eine halbe Meile im lockeren Galopp und dann zieh mal an, ich möchte mal schauen, was er kann.", sagte ich und schaute dem Training gespannt zu. Zwischen lockerem Galopp und vollem Galopp sah man bei diesem Hengst einen riesigen Unterschied. Er fegte nur so an mir vorbei, als ich die Zeit stoppte und zufrieden nickte. Ausbaufähig, aber mit das beste Pferd, was ich hier besaß. Dann war Wolfs Bane an der Reihe. "Nimm sie heute locker ran. Eine halbe Meile lockerer Galopp, viertel Meile anziehen, viertel Meile auslaufen lassen.", erklärte ich und stoppte auch bei ihr die Zeit, als sie die viertel Meile im vollen Galopp an mir vorbeischoss. Sie war leider sehr spät eingeritten worden und würde nie der Renncrack werden, aber für ein paar Rennen und Treppchen würde es reichen, das Potenzial eines ersten Platzes hatte sie vermutlich nicht mehr, aber man täuschte sich ja immer wieder in Pferden und ihrem Können. Nun kam einer meiner Lieblinge, Wildfire xx. Der Jockey war der selbe, wie eben bei Jack, also konnte ich ihm nochmal das Gleiche auftragen. Halbe Meile locker, halbe Meile volles Tempo. Wildfire war nicht nur mein Liebling, weil er schon ewig dazu gehörte, sondern auch, weil er mit das schnellste Pferd war, welches wir hier besaßen. Er war auch schon ein paar Distanzturniere gegangen und hatte sogar einmal den dritten und einmal den zweiten Platz gemacht, aber sein Zuhause war auf der Rennbahn. Auch seine Zeit war super, weshalb ich nun auf meinen Plan schaute, um zu sehen, welches Training Stiffler nun bekommen sollte. Ihn mochte ich auch sehr und er war mit Abstand das Vielseitigste Vollblut, welches wir hatten. Die Wahrscheinlichkeit, später aus ihm Vielseitigkeits- und Rennpferde zu ziehen, war sehr hoch. "Gleiches wie bei Wolfs Bane, lass es ihn heute locker angehen.", gab ich Anweisungen und schaute dem Training kurz zu, ehe auch schon Seattle Slew an der Bande stand. "Warmreiten auf der Bahn, viertel Meile lockerer Galopp, dreiviertel Meile durchstarten, viertel Meile auslaufen lassen. Power ihn heute mal ordentlich aus. In ein paar Wochen läuft er ein Rennen, dafür muss noch einiges getan werden.", sagte ich und schickte die Beiden auf die Bahn. Nun kam Stiffler wieder zurück und der Jockey übergab ihn einem Pfleger, ehe er PFS' Snap in Style in die Hand gedrückt bekam. "Stiff war heute nicht so gut in Form, vielleicht sollte er morgen mal Pause machen?", merkte der Jockey an und ich nickte. "Ist notiert.", sagte ich und schaute Seattle Slew zu, der heute wirklich sein Bestes gab. Fasziniert verfolgte ich den Galopper mit meinen Augen, ehe mich ein Räuspern aus den Gedanken riss. "Ja?", fragte ich und stotterte dann: "Oh... ja... Style.. ähm.. was haben wir letztes Mal gemacht?" "Fliegende Starts geübt." "Gut, das machen wir heute auch wieder. Galoppier ihn locker, starte dann, nimm ihn zurück und starte wieder. Mach das ein paar Mal dann geb ich dir Handzeichen, ob er heute noch rennt, oder ob wir es beim Starten belassen.", sagte ich und er nickte. Ich half ihm noch beim Aufsitzen und streichelte Style kurz über die Kruppe. "Braver Junge.", sagte ich und sah den Beiden zu. Wir hatten den Hengst aus England von Pineforest Stables und setzten wirklich große Hoffnungen in ihn. Naja, so ganz war er nicht aus England. Nur sein Vater kam von dort. Seine Mutter war unsere Supernova gewesen. Kurzzeitig hatte Style auch in England gelebt, war aber zusammen mit PFS' Blossom Magic wieder zurück zu uns gekommen. Style schlug sich gut bei den fliegenden Starts, so dass wir es für heute auch gut sein ließen. Ich winkte den Jockey ab und er kam zum Ausgang geritten. "Willst du ihn nicht am Wochenende am Rennen hier in Albuquerque anmelden? Der macht sich so gut, er soll das auch mal zeigen." "Findest du? Er ist noch nie eine längere Strecke gelaufen. Geschweige denn ein richtiges Trainingsrennen.. ich finde, in etwa einem Monat können wir darüber reden, aber noch nicht.", meinte ich und er nickte. Alle Jockeys hier hatten mehr Erfahrung als ich, doch sie respektierten meine Meinungen, denn mir lag eben auch das Wohl der Pferde am Herzen, und ich wollte meine Cracks nicht schon in jungen Jahren kaputt machen oder viel zu früh starten lassen. Das nächste Pferd war Firewalker. Bei ihm war ich mir absolut unsicher, was mit ihm passieren sollte. Ich hatte an einen Verkauf gedacht, aber die Jockeys meinten, ich solle ihm noch eine letzte Chance geben, bevor er als 'nicht-Rennbahn-tauglich' verkauft werden würde. Hier stand der Hengst nun mit meinem besten Jockey und bekam seine letzte Chance. "In die Startbox und dann gib alles, sonst geht er weg.", erklärte ich und schaute auf meinen Zettel. "Mach, dass er bleibt.", flüsterte ich leise und nur für mich, denn ich mochte Walker und wollte eigentlich, dass er blieb. Er stand in der Startbox, das Signal ertönte und die Tür flog auf. Walker kam besser weg als sonst und ich stoppte die Zeit, sah ihn an mir vorbeirauschen aber dann sogleich wieder langsamer werden. Ich schlüpfte unter dem Zaun durch und lief zu Pferd und Reiter. "Ist was passiert?", fragte ich geschockt und griff ins Zaumzeug. "Der hat schlicht und ergreifend keine Kondition mehr.", sagte der Jockey und ich ballte innerlich meine Faust. "Was haben die anderen denn mit ihm gemacht in letzter Zeit?", fragte ich ein wenig genervt und streichelte Walkers Kopf. "Bau seine Kondition nochmal auf, dann wirst du sehen, dass er rennen kann.", sagte der Jockey mir und klopfte mir auf die Schulter. "Du wirst es nicht bereuen.", sagte er und ging mit mir zusammen zum Ausgang. Wir hatten fast alle Pferde durch. Nun war Blossom Magic an der Reihe. Genau wie Style war sie ein Pineforest Stables Pferd und die Anlaufstelle, für hervorragende Vollblüter. "Halbe Meile halbes Tempo, halbe Meile volles Tempo.", gab ich meine Anweisungen und half dem Jockey auf den Rücken. Auch bei Drama Baby und Peacful Redemption verlief das Training ähnlich. Nur Daryl Gone Mad hatte heute Pause, denn er schien mal wieder eine Phase zu haben, in der er nicht so sonderlich fit war, was leider des Öfteren passierte. "Das wars dann für heute, danke Leute!", verabschiedete ich die Jockeys, denn sie hatten den Rest des Tages frei, bis sie am nächsten Morgen wieder auf der Matte standen. Für mich fing die Arbeit nun eigentlich erst an. Zu erst wollte ich nach meinen beiden Zuchtstuten schauen. Priamos Ruffia Kincsem und Zuckerschock. Bei beiden hatte ich nun entschieden, sie aus dem Rennsport zu nehmen und es bei Zuchtstuten zu belassen. Ich hatte genug gute Nachwuchspferde im Stall, dass es auf diese Beiden eben geldtechnisch nicht ankam.
      Auch bei den Jungpferden hatte sich einiges getan. Die kleine Truppe bestand mittlerweile aus: Sweet Revenge, Sir Golden Mile, Prias Colourful Soul, I've got a blue soul, It's me, Amira! und Culain. Diese sechs Pferde würden ebenso den Stall wechseln, wie ihre großen Verwandten es tun würden.
      Nun fehlten neben Raspberry noch meine Vielseitigkeitspferde und meine Freizeitpferde sowie die Jungpferde, die in diesem Stalltrakt beheimatet waren. Zu erst schaute ich also auf der Koppel vorbei, auf der sich Mystical Champion, Zoltaire, Dante's Wild Lady und Abe's Aelfric tummelten. Ich rief die Pferde kurz an den Zaun, streichelte sie und machte mich dann wieder auf in den Stall. Ich hatte hier schon einige Pferde umgestellt, so dass ich nun 12 Pferde hier stehen hatte. Angefangen bei Whiskey, der sich wirklich super machte. Raspberry stand schon nicht mehr im Stall, da ich sie heute morgen schon ganz früh bewegt hatte. Magic Lanijos und Free Willy waren auch nicht mehr hier, da auch sie schon von Pflegern auf die Koppel gebracht worden waren. Bei Whiskey übernahm ich dann kurzerhand das Ruder und brachte auch ihn raus. Dabei sah ich auch Flashlight, Samarra und Minnie Maus, die mit LMR Fashion Girl, Bree, Vin, Blazing Flame und meinem neusten Kauf Natsu's Little Harley über die Weide tobten. Auch sie würden alle mitkommen.
      Da ich heute keine Lust mehr auf sonstige Arbeit hatte, ging ich in mein Zimmer und an meinen PC, um mich nach Höfen umzusehen. Wichtig war eben genug Platz, und eventuell eine schon vorhandene Rennbahn. Ansonsten eben genug Fläche, um eine zu bauen. Tatsächlich fand ich ein passendes Grundstück in der Nähe von Albuquerque. Eigentlich hatte ich nicht hier bleiben wollen, aber ich mochte das Klima hier und so war ich nicht allzuweit weg von der Ranch und meinem Bruder. Ich hatte hier schließlich unter den Angestellten auch Freunde gefunden, die ich ungerne einfach zurück lassen wollte.
      Ich vereinbarte einen Termin und fuhr das Gelände anschauen. Es passte wie die Faust aufs Auge und schon am Abend war der Kauf abgewickelt. Manchmal, da muss man einfach seinen eigenen Weg gehen. Auch, wenn es einem zunächst schwer zu fallen scheint.
      Ich ließ den Kauf ein paar Tage sacken, ehe ich allen davon erzählte. Einige waren begeistert, andere wiederum gar nicht- Bellamy zum Beispiel. Aber er musste sich damit abfinden, denn es war das, was ich wollte. Und so kam es, dass wir, also meine Pferde und ich, zwei Wochen später das neue Gelände bezogen. Ein neues Zuhause, ein neuer Name, neue Mitarbeiter, neue Chancen.
      Willkommen auf der Blakes Farm und den Blakes Racing Stables.

      Ein kurzer Besuch | Mai 2018 | von Veija
      Octavia
      Ein Umzug bedeutete nicht gleich, dass die Arbeit liegen bleiben durfte. Schon seit einer geraumen Zeit trainierten meine neuen Jockeys mit den Rennpferden für die nächste Stufe. Heute war das letzte Training und ich wollte zuschauen, um die Zeiten zu stoppen und zu sagen, wie das Training im nächsten Monat weiter gehen sollte. Zur Zeit hatte ich hier auf der Farm nur Travis, der mir wirklich mit allem, was er hatte, zur Seite stand und mir half, wo er nur konnte. Heute morgen hatte er meinen Dienst übernommen und sich um Priamos Ruffia Kincsem und Zuckerschock gekümmert. Die Beiden waren von mir aus dem Rennsport gezogen worden und standen zur Zeit auf der Koppel. Bald würde ich jedoch anfangen, sie in der Dressur, im Springen und im Geländespringen zu trainieren. Denn nur für die Zucht waren sie auf jeden Fall zu wertvoll, sie konnten ruhig noch ein wenig selbst tun. Auch die Fohlen und Jungpferde, It's me, Amira!, Culain, I've got a blue Soul, Prias Colourful Soul, Sir Golden Mile und Sweet Revenge hatte er freundlicherweise schon gefüttert und gemistet und mir sogar Tasmania geputzt und fertig gemacht. Tasmania war mein neues Track- Pony. Sie war eine Quarab- Stute. Also eine Kreuzung aus Quarter Horse und Araber und selbst schon vereinzelt Rennen gelaufen, doch das war nicht ihre Welt gewesen. Ich hatte sie bei einem Rennen entdeckt und natürlich war mir ihre Farbe direkt ins Auge gestochen. Auch, dass ihre Besitzer absolut unzufrieden mit ihr waren. Ich hatte also ein Angebot abgegeben und sie auch tatsächlich sehr zügig gekauft. Kaum zu glauben, dass sie jetzt schon einen Monat bei uns war- und ich bereute keine Sekunde. Ich liebte dieses Pferd jetzt schon. Und auch Travis hatte sie lieb gewonnen. "Hallo meine Süße.", sagte ich und hielt ihr meine Hand hin, damit sie einmal daran schnuppern konnte. Ich stellte mich neben sie, gurtete nach und band sie los, ehe ich auf dem Hof aufstieg und zur Rennbahn ritt. Dort waren schon Wildfire xx, PFS' Snap in Style und Peacful Redemption auf der Rennbahn. Sie sollten im Galopprennnen heute auf die Stute A gebracht werden und es sah wirklich gut aus, auch wenn sie sie noch aufwärmten. Tassi merkte man an, dass sie sich an ihr altes Leben noch immer erinnerte, denn sie legte manchmal noch die Ohren an, wenn wir die Rennbahn betraten und schien sich daran zu erinnern, wie sie bei nicht betreten der Bahn ausgepeitscht und sogar schon misshandelt wurde. "Ist gut, Tassi.", sagte ich und klopfte ihren Hals, ehe ich sie nach rechts wandte und stehen blieb. Ich setzte mich aufrecht in meinem Westernsattel hin und sah den drei Hengsten zu, wie sie in die Startbox geführt wurden. "Ging es schon los?", kam auf einmal eine Frage wie aus dem Nichts, rechts von uns. Tassi riss den Kopf hoch und starrte Travis mit aufgerissenen Augen an. "Woah... du hast uns aber erschreckt. Aber nein, geht gleich los.", sagte ich und warf ihm zwei Stoppuhren in die Hand. "Wildfire und Schnappi, ich messe Clyde.", erklärte ich ihm. Er hasste noch immer Snap in Styles Spitznamen, doch damit musste er sich abfinden. Snap in Style war von Anfang an Schnappi für mich gewesen und so würde es auch bleiben. "Boxen zu und... los!", sagte ich und drückte auf den Knopf meiner Uhr. Eine Zeit lang sah es so aus, als würde Snap in Style ganz klar die Führung übernehmen, doch Wildfire holte auf und auch Clyde kam auf einmal wie von der Tarantel geschossen nach vorne. Wildfire schaffte es schließlich, als erster an uns vorbei zu rauschen, jedoch dicht gefolgt von Schnappi und Clyde. "Zeig mal die Zeit von deinen. Oh wow... die sind alle drei schon super gut!", freute ich mich und drehte mich einmal nach hinten um. Jetzt waren Candlejack und Daryl Gone Mad an der Reihe, ebenfalls auf Stufe A zu bringen. Auch sie waren schnell aufgewärmt und würden heute einen fliegenden Start machen, denn Daryl hasste die Startbox noch immer. Ab und zu ging er rein, aber heute war nicht daran zu denken. Ich stoppte dieses mal Jack, Travis Daryl. Beide Pferde schossen nach vorne und es war lange nicht klar, wer sich an die Spitze setzen würde. Beide Pferde waren wahre Kämpfer und konnten es nicht leiden, wenn sie verloren. Jack kam ein wenig eher ins Ziel, da Daryl nach ihm geschnappt hatte und so Zeit verloren hatte. "Mist..", murmelte ich, lenkte Tassi herum und trabte in die Richtung der beiden Pferde. "Halt Daryl das nächste mal ein wenig von Jack weg, damit er gar nicht die Chance hat, zu schnappen. Bei einem richtigen Rennen müsst ihr euch sofort an die Spitze setzen. In der Gruppe ist pure Hölle für unseren Braunen.", erklärte ich seinem Jockey und er nickte. Er ärgerte sich schon seit dem ersten Tag über Daryl, doch ich wusste, dass er dieses Pferd liebte, denn er liebte die Herausforderung und da war dieses Pferd genau das richtige für ihn.
      Es ging nun weiter mit den Stuten, die alle zusammen laufen würden. Drama Baby, PFS' Blossom Magic, Wolfs Bane und auch unsere neue Rappstute, Tigres Eye, sollten auf die Stufe A gebracht werden. Ich packte bei vier Pferden mit an und hielt mit Tassi Tigres Eye im Zaum, ehe wir sie in die Startbox brachten und dann im gestreckten Galopp zurück zu unserer Position ritten. Tassi liebte es auf der Bahn oder im Gelände zu galoppieren, aber sie war eben kein Rennpferd.
      "Travis stopp bitte Draga und Magic, ich hole unsere neue und Bane.", sagte ich und packte die vierte Stoppuhr aus meiner Jackentasche aus. Ich lief die ganze Zeit mit mindestens fünf Uhren über das Gelände, was oft für verwirrte Blicke sorgte, schließlich war Vollblütertraining immer nur morgens und nicht den ganzen Tag lang. Als alle vier Stuten in der Box waren, flogen die Türen auf und sie hielten das Feld sehr lange geschlossen, bis auf Wolfs Bane waren die Pferde sehr, sehr stark, was das Rennen anging. Bane war auch gut, jedoch hatten wir sie erst spät gestartet und sie brauchte eben einfach länger, so dass sie nach zweihundert Metern zurück fiel und das Tempo nicht mehr halten konnte. Ich stoppte trotzdem weiter, denn wir brauchten Zeiten, mit denen wir arbeiten konnten. Ich konnte am Ende gar nicht sagen, wer als erstes an uns vorbei geschossen war, aber die Zeiten waren bei allen drei Pferden super, bei Bane noch annehmbar und ausbaufähig.
      Auch Stiffler, der heute alleine laufen würde und L fertig gemacht werden sollte, machte sich super und lief eine gute Zeit. Seattle Slew, der nun seit heute auf Stufe S* lief, stand Firewalker ein wenig nach, denn dieser hatte sich auf der neuen Ranch wirklich aufgerappelt und lief nun S**. Ich freute mich riesig, dass alle Pferde sich hier so gut machten und blicke positiv auf die Zukunft.

      Alles beim Alten | Juni 2018 | von Veija
      Octavia
      "Hey Trav, wie weit bist du mit den Vollblütern?", fragte ich meinen bislang einzigen Angestellten und mittlerweile guten Freund Travis, der sich mit der Hand einmal die nasse Stirn abwischte und sich hinsetzte. "Die Jungpferde hab ich jetzt alle, stehen auf der Koppel. Also I've got a blue soul, It's me, Amira!, Prias Colourful Soul, Culain, Sir Golden Mile und Sweet Revenge. Des Weiteren stehen Priamos Ruffia Kincsem und Zuckerschock schon auf der Weide", erklärte er mir und schien stolz, sich endlich alle Namen merken zu können. "Und wie lief das Training heute morgen?", fragte ich ihn dann und er überlegte. "Ich war so frei und hatte mir Tasmania mit auf die Bahn geholt...", murmelte er nun etwas leiser, doch ich nickte nur. "Kein Problem, dafür haben wir sie ja.", meinte ich und forderte ihn dann auf, weiter zu erzählen. Candlejack und Daryl Gone Mad hatten heute ein gutes Traininsgrennen. Daryls Jockey hat ihn heute relativ eng an der Bande gehalten, seinen Kopf leicht seitlich, damit er nicht nach Jack schnappen konnte. Jacks Jockey hat ihn dementsprechend ein wenig außen gehalten, als es nötig gewesen wäre, doch sie haben ja noch eine Weile, bis sie sich wieder beweisen müssen. Vielleicht wäre es gut, Jack und Daryl ein paar Wochen einzeln laufen zu lassen, damit sich beide Jockeys nur auf ihre Pferde konzentrieren müssen und nicht noch aufpassen, dass Daryl niemanden beißt.", erklärte er mir und stand wieder auf, ehe er die Mistgabel wieder aufhob und weiter die Boxen ausmistete. Ich schnappte mir auch eine Gabel und ging in die nächste Box, um ihm ein wenig zu helfen. Dann erzählte er weiter. "Ich glaube als nächstes waren dann Drama Baby, PFS' Blossom Magic, Wolfs Bane und Tigres Eye dran. Wir hatten jedoch Drama und Blossi zusammen laufen lassen und Bane und Tigres Eye. Sozusagen die sehr guten Pferde mit den weniger Guten, denn Bane muss noch aufholen und Tigres Eye muss lernen, wie man rennt.", sagte er und kratzte sich dann am Kopf. "Oh.. ich hab ganz vergessen, Jack und Daryl waren gar nicht die Ersten heute morgen. Ganz am Anfang waren Wildfire xx, PFS' Snap in Style und Peacful Redemption an der Reihe. Ein sehr spannendes Rennen, denn sie sind alle drei wahnsinnig gut. Vielleicht haben wir doch bald einen Triple Crown Champion hier im Stall stehen.", schwärmte er und überlegte dann wieder, als ich ihn nur fragend ansah. "Stiffler, Seattle Slew und Firewalker haben sich auch gut gemacht.", antwortete er mir dann. "Das waren glaube ich alle.", sagte er und schaute mich an. Ich musste nun auch überlegen. "Ja, hast Recht. Waren alle.", merkte ich an und war auch schon mit der Box fertig, die ich angefangen hatte. "Ich geh dann mal noch rüber zum Nordstall. Wenn du fertig bist kannst du dazu kommen, dann machen wir einen Ausritt.", sagte ich ihm und er nickte, lächelte mir aber freudig hinterher. So langsam wurde er ein richtiger Pferdenarr... so langsam. Und er freute sich um jede Sekunde, die er im Sattel verbringen durfte.
      Im Nordstall angekommen schaute ich auf meinen ausgehangenen Plan, welches Pferd heute was machen sollte und was es zu fressen bekam. Noch waren alle Pferde im Stall, doch ich wollte sie jetzt nach und nach raus bringen. So holte ich als erstes meine beiden Wallache, Magic Lanijos und Zoltaire und brachte sie auf die Koppel. Es folgten die Jungpferde, Dante's Wild Lady, Abe's Aelfric und Mystical Champion. Alle Tiere freuten sich riesig, endlich auf der Koppel rennen zu dürfen und preschten im Eiltempo von mir weg. Blazing Flame, LMR Fashion Girl, Samarra, Vin, Bree, Crimetime, die seit kurzem wieder hier war, Minnie Maus, Natsu's Little Harley, Ocarina of Time, Empire of Grace, Free Willy und Whiskey kamen auch auf die Koppel. Lediglich Flashlight und Raspberry ließ ich in der Box und holte sie jetzt für unseren Ausritt raus. Ich putzte und sattelte sie und als ich damit fertig war, kam Travis die Stallgasse entgegen geschlendert. "Das hat aber gedauert, schau dich mal um, bis auf Boxen misten und füttern bin ich hier komplett fertig.", sagte ich lachend und drückte ihm Flashlight in die Hand. Zusammen gingen wir vom Hof, gurteten nach und stiegen dann auf. Eine ganze Weile waren wir im Gelände unterwegs und wir trauten uns heute sogar an den Galopp. Travis war sehr stolz auf sich und ich klopfte ihm beim Vorbeireiten auch auf die Schulter. "Das war ein guter erster Versuch, nicht auf der Bahn und nicht auf dem Reitplatz. Aber Berry und Light sind wahre Schätze.", sagte ich und stieg vor dem Stall ab. Travis tat es mir gleich und so sattelten wir die Pferde im kühlen Inneren des Stalls ab, ehe auch die letzten beiden Pferde dieses Stalles auf die Koppel konnten. Dann machten Travis und ich uns daran, die restlichen Boxen zu misten, ehe wir uns den verbliebenen Tag frei nahmen und tatsächlich zusammen ins Schwimmbad fuhren.

      Kurzer Pflegebericht | Dezember 2018 | von Veija
      für Priamos Ruffia Kincsem, BR Prias Raveday, Drama Baby, I've got a blue soul, Tigres Eye, Prias Colourful Soul, Tasmania, Candlejack, Culain, Daryl Gone Mad, Peacful Redemption, PFS' Snap in Style, Wildfire xx, Magic Lanijos, Raspberry, Empire of Grace, Mystical Champion und Whiskey, BR Princess Peppy Gaia, Moon's Gealach, Cleavant 'Mad Eyes', GRH's Princess Peppy Ann, Ceara Isleen, Baby Doll Melody, A Shining Chrome, Pocahontas, Náttdís van Ghosts, Citizen Fang, Skrúður, Thjalfe van de Jötunheimr, Fenicio, Lajos, Myrkvidr, Whinney, Atlanta, Heretic Anthem, Ghost's Phenomena, Zoltaire, Blazing Flame, Zuckerschock, LMR Fashion Girl, Samarra, It's me, Amira!, Vin, PFS' Blossom Magic, Bree, Crimetime, Dante's Wild Lady, Wolfs Bane, Natsu's Little Harley, CHH' Mr. Buckminster, Ocarina of Time, Abe's Aelfric, Free Willy, Firewalker, Seattle Slew, Sir Golden Mile, Stiffler, Sweet Revenge

      Viel zu tun gab es auf einer Ranch immer. Und so konnte es passieren, dass man so viel zu tun hatte, dass man der Arbeit gar nicht mehr hinterher kam. So eine Zeit war in letzter Zeit gewesen. Nichts klappte so, wie es klappen sollte und nichts blieb so, wie es bleiben sollte.
      Den Pferden ging es gut, keine Frage. Sie genossen ihre Pause auf der Koppel und fraßen sich die Bäuche rund. Jetzt, da das Jahr fast zu Ende war, und das neue schon in den Startlöchern stand, wurde man träger, schwerfällig. Man machte Pläne für das kommende Jahr, ließ das laufende jedoch ganz außer Acht, irgendwie.
      Auf ein neues und hoffentlich erfolgreiches Jahr.
    • sadasha

      Dein Geschenk zu Weihnachten Teil I | Dezember 2018 | von Ravenna & Veija
      Caleb
      Seit dem Unfall von Ylvi war einige Zeit vergangen. Genauer gesagt drei Wochen. Am letzten Wochenende war Betsys Turnier mit Black Sue Dun It gewesen und… sie hatte das Ding gerockt. Die anderen Mädchen hatten mit heruntergefallenen Kinnladen am Zaun gestanden, während ich das Mädchen überschwänglich aus dem Sattel gehoben, uns einmal um die eigene Achse gedreht und dann wieder aufs Pferd gesetzt hatte. Beim Pole Bending hatte sie den ersten Platz mit Sue gemacht und die anderen wirklich hinter sich zurückgelassen. “Damit hab ich nicht gerechnet.”, hatte sie gelacht und fast angefangen zu weinen. Ich hatte sie gedrückt und ihr versichert, dass sie den ersten Platz verdient hatte und die anderen sich bestimmt nicht mehr über sie lustig machen würden. Dem war jedoch nicht so, leider. Am Mittwoch war die Kleine todtraurig aus der Schule gekommen. Sie wurde geärgert, weil es nicht ihr eigenes Pferd gewesen war. Pferde leihen konnte schließlich jeder. Meine Überlegung war es nun, ihr Sue zu schenken. Naja, zumindest zur Hälfte. Aber das musste ja niemand wissen- niemand außer Bellamy, denn dem gehörte das Pferd ja- und genau in dessen Büro saß ich gerade. Bellamy war mal wieder hinter einem Stapel Papier verschwunden und konnte mich eigentlich gar nicht wirklich sehen. “Du… solltest jemanden einstellen, um den Papierkram zu machen. Unser Heu wird auch knapp, von der Einstreu brauch ich gar nicht erst anzufangen…”, sagte ich und erkannte dann ein paar schwarze Locken, die hinter dem Papierberg herausschauen. “Wenn ich hier mal Ordnung reinbekommen würde, dann wüsste ich das. Und dann wüsste ich auch, wie viel Geld wir diesen Monat noch übrig haben, um solche Dinge zu kaufen.”, murrte er und ich verschränkte meine Hände hinter meinem Nacken. “Naja, dann such dir einfach mal Hilfe. Hier auf der Ranch rennen genug Menschen rum- und ansonsten frag doch einfach O. Sie bekommt das drüben ganz alleine mit Travis auf die Reihe.”, lachte ich und verstummte sofort wieder, als mein Gegenüber mir einen Blick zuwarf, der keine Fragen offen ließ. “Apsopos O… sie möchte wieder zu uns kommen. Sie verkauft zur Zeit einige Pferde und auch die Ranch.” “Aber was ist denn aus ihren Rennpferden geworden?” “Hat sie noch, zumindest eine Handvoll davon. Die würden mit ihr zurückkommen.” “Und die Sportpferde?” “Na, von irgendwas muss sie sich doch trennen, wenn sie verkleinern will.”, lachte Bellamy nur. “Ja dann kann sie ja den Papierkram erledigen.”, scherzte ich und Bellamy nickte. “Aber nicht für allzu lange.”, sagte er und ich schaute ihn fragend an. “Nicht?” “Nein.” Damit war das Thema beendet.
      “Bell… was ich eigentlich wollte.. Betsy war so gut am Wochenende auf Sue, da wollte ich dich einfach fragen, ob wir sie ihr nicht schenken können. Nicht ganz, nur 50%. Aber dann kann sie diesen dämlichen Gören sagen, dass das Pferd ihr gehört.”, schlug ich ihm vor und er nickte. “Wenn du das für richtig hälst, ist es okay. Kannst sie ihr ja zu Weihnachten schenken, ist ja bald. Aber ich wette, sie hätte lieber Blue genommen.” “Oh nein, den geb ich nicht her. Und ja, zu Weihnachten ist eine gute Idee!”, sagte ich lachend und stand auf. “Ach, ehe du gehst.. schau nochmal nach Ylvi, sie hat nach dir gefragt.” Ich nickte, drehte mich um und verschwand aus dem Zimmer. Ylvi… Sie lebte jetzt hier im Haupthaus, nicht mehr drüben bei mir. Irgendwie hatte das unsere… Beziehung auf Eis gelegt. Ich besuchte sie nicht oft, blieb selten länger als eine halbe Stunde und redete nicht viel. Ich erzählte ihr, wie mein Tag gewesen war, was ich gearbeitet hatte und was ich am nächsten Tag arbeiten würde. Mein Weg führte mich auch direkt nach draußen auf den Hof, wo ich mich auf Smart Lil Vulture setzte, den ich vor der Tür angebunden hatte, und in Richtung der hinteren Koppeln ritt. Ich blickte noch einmal zum Haus zurück und wurde das Gefühl nicht los, dass mich jemand beobachtet hatte.

      Ylvi
      Wie ein Idiot stand ich am Fenster, spähte durch die Gardinen und sah Caleb auf Vulture verschwinden. Der Hengst hatte sich wirklich gemacht. Wie oft hatte ich Caleb bei der Arbeit mit dem Hengst beobachtet in diesem Sommer. Es ging auf den Winter zu, wenn auch hier noch immer fast angenehme 11 Grad herrschten.
      Nach der OP waren meine Eltern in den nächsten Flieger gestiegen um mich hier zu besuchen. Mein Vater hatte belustigt festgestellt das meine Schwäche für Rappschecken kaum zu übersehen war. Meine Mutter hatte das ganze weit weniger gut aufgenommen. Nach einer Woche waren sie verschwunden, ich wurde allein gelassen. Mal abgesehen davon, dass Bellamy neben der Büroarbeit wirklich oft herein kam um unter Kontrolle zu haben das ich mich nicht weit aus dem Bett oder dem Zimmer bewegte. Zweimal am Tag hieß es den Verband zu wechseln, bei der Aufgabe unterstützte mich eine mobile Krankenpflege. In den ersten zwei Wochen hatte ich auch nicht viel getan als geschlafen oder gegessen.
      Abwechslung boten die Besuche von Louis. Neben der Tätigkeit in seiner eigenen Bar, kam er oft vorbei um mir Gesellschaft zu leisten. Manchmal begleitete ihn auch seine Schwester Lilly, die mir mit ihrem losen Mundwerk dazu verhalf meine dunklen Gedanken für einige Stunden zu verbannen. Sie kutschierte mich auch gern in einem Rollstuhl über die Ranch, denn noch war ich selbst zu schwach auf den Beinen. Außerdem bewegten sie meine Pferde, dafür war ich ihnen am meisten Dankbar. Mit Inyan hatte Louis natürlich keine Probleme, mit Ravn verhielt es sich da etwas anders. Am dritten Tag nachdem Caleb mich zur Ranch zurück genommen hatte, war er nach einer missglückten Trainingseinheit von dem Wallach zu mir hinauf gekommen. In der Zeit bewegte Lilly gerade Lady Gweny im Gelände. Ich musste lächeln als er mir berichtete das der Wallach sich bei ihm keinen Zentimeter vom Aufstiegsblock fort bewegt hatte. Daher hatte er beschlossen den eigenwilligen Valravn nicht zu bewegen. Mit Fylgia hatte er sich ein wenig vor der Kutsche vergnügt, da er selbst zu groß war um die zierliche Stute zu reiten. Auf einem dieser Ausflüge hatte er mich gestern mitgenommen, in eine dicke Decke gehüllt hatte er mich aus dem Haus getragen und hatte beschlossen wir machen eine kurze Tour um die Koppeln der Ranch. Als wir im gemächlichen Schritt wieder die Ranch betraten kam uns ein reitender Caleb entgegen. Die Worte die er an Louis richtete verstand ich nicht - es war Lakota - aber den Unterton von unmut vernahm ich deutlicher darin. Mir war ein bisschen unbequem zumute auf meinem Sitz...noch hatte ich keine sonderliche Erlaubnis für große Ausflüge draußen. Obwohl Caleb nicht oft zu mir kam - dieser Teil schien ihm nicht entgangen. Dann gab er dem Pferd unter sich einen Wink los zu laufen, als er auf meiner Höhe war, zog er sich leicht am Hut, nickte und ein feines Lächeln zuckte über seine Züge. Dieser Tage wurde ich nicht schlau aus ihm, aber war ich das je?
      Noch verblüffter war ich als ich sah welches Pferd er da ritt. Es war Ravn! “Hast du ihn darum gebeten?” flüsterte ich zu Louis, der nur den Kopf schüttelte. Ich lächelte in mich hinein...also war Caleb womöglich von allein auf die Idee gekommen. Zwischen all seinen Aufgaben nahm er sich tatsächlich die Zeit meinen Wallach zu reiten.
      Langsam kehrte ich aus meinen Gedanken ins hier zurück, löste mich vom Fenster, griff nach meinen Sachen um hinunter in das Bad zu gehen. Nach dem Wechsel des Verbandes wollte ich eine schnelle Dusche nehmen. Danach lief es wohl darauf hinaus das ich versuchte gemeinsam mit Bellamy Herr seines Chaos zu werden. Kleine Aufgaben konnte ich zumindest wieder erledigen.

      Caleb
      Mein Tag war mal wieder so voll gepackt mit Aufgaben gewesen, dass ich es erneut nicht geschafft hatte, bei Ylvi vorbei zu schauen. Nun war es schon fast neun Uhr und das Feierabendbier rief nach mir.
      Nach meinem seltsamen Gespräch mit Bellamy heute Mittag war ich mit Vulture zu den Koppeln geritten, wo ich einen neuen Zaun ziehen sollte. Das Equipment hatte ich mir am Morgen mit dem Traktor schon her gefahren, angefangen zu arbeiten hatte ich allerdings noch nicht. Ich band den Hengst an einem Zaunpfahl an und ließ ihn grasen, während ich anfing, den Zaun zu ziehen. Zwischendurch machte ich immer mal wieder eine kurze Pause, um etwas zu essen oder einen Schluck zu trinken. Gegen vier Uhr musste ich dann zurück zur Ranch- Reitstunde mit Betsy und Sue. Sie hatte zwar Blue reiten wollen, aber Gun and Slide war kein Pole Bending Pferd und sie wollte ja in dieser Disziplin besser werden.
      So hatte ich ihr beim Satteln geholfen und die Stute abgeritten. Sue war im Moment so voller Energie, dass ich sie lieber selbst abritt, bevor ich Betsy auf ihren Rücken ließ. Warum Sue im Moment so ein Energiebündel war, konnte ich nicht sagen. Auf jeden Fall meinte sie heute buckeln zu müssen, was ihr allerdings nichts als Ärger mit mir einbrachte. Betsy hatte sich zerknirscht an den Zaun gestellt, weil ich die Stute heute anders anpacken musste als sonst und keinen Ton zu mir gesagt, als sie an der Reihe war. Sue hatte stark schnaufend und verschwitzt da gestanden, doch das hatte sie sich selbst zuzuschreiben. Ein Glück für sie, dass ich sie nicht turniermäßig vorstellte, denn sonst wäre das richtige Training ähnlich verlaufen.
      Bei Betsy konnte sie jetzt jedoch wirklich entspannen. Schritt und viel Trab, dann erst Galopp. So übten die Beiden ganz in Ruhe und ich musste ihnen nicht viele Verbesserungen oder Kommandos entgegen rufen. Kurz vor fünf war die Sonne schon untergegangen, jetzt hatten wir halb sechs. Zum Glück besaßen wir große Strahler, die den ganzen Platz erleuchteten. Es war jedoch kälter als die letzten Tage, zumindest der Wind fühlte sich kälter an. “Wir lassen Sue heute im Stall, leg ihr auch eine Abschwitzdecke drauf, nicht dass sie krank wird.”, hatte ich zu Betsy gesagt und hatte mich dann an meine eigentliche Arbeit begeben. Boxen misten. Natürlich hatte niemand es für nötig gehalten meinen Part zu übernehmen, während ich auf der Koppel Zaunpfähle eingeschlagen hatte. Von halb sechs bis halb neun hatte ich also im Stall gestanden und Mist geschaufelt. Dann war ich nach drinnen gegangen, unter die Dusche gesprungen und auf die Couch gefallen.
      Kurz seufzte ich. Ein wenig vermisste ich Ylvi hier schon. Ob ich sie doch besuchen gehen sollte? Ich kramte mein Handy raus und schrieb ihr eine kurze Nachricht, ob sie noch wach sei und ob ich noch kurz rüberkommen konnte. Insgeheim hoffte ich fast auf ein nein, aber irgendetwas zog mich doch zu ihr. Wie konnte das, was wir hatten, durch ihren Umzug ins Haupthaus so… kaputt gegangen sein? Ich schüttelte den Kopf und wollte so die Gedanken vertreiben. Ein arbeitsreicher Tag lag hinter mir und ich hatte keine Lust, darüber nachzudenken. Jetzt zählte die Ruhe und das Bier und…. mein vibrierendes Handy.

      Ylvi
      Nachdem ich Bellamy geholfen hatte ein wenig seines Chaos zu beheben - er hatte tatsächlich beinahe vergessen den Mitarbeitern ihren Lohn zu zahlen, hatte ich mich in das untere Zimmer zurück gezogen. Dort stapelten sich Bücher an der Wand, genau mein Gebiet. Nun saß ich bereits eine gute Stunde auf der kleinen Couch las, als ich bemerkte wie mein Handy blinkte. Ich entsperrte den Bildschirm, Calebs Name leuchtete bei WhatsApp in der Beschreibung. Ich sah nur die Hälfte der Nachricht. Mein Herz wummerte...ich legte es beiseite, versuchte zu ignorieren das er mir geschrieben hatte. Las ein, zwei Sätze nahm gar nichts auf von dem was die Worte mir erzählten.
      Dann ergriff ich doch hektisch mein Telefon, öffnete den Chat und las seine Frage. “When your not sleeping, shall I come?” stand dort. Mein Daumen rief die Tastatur zum Vorschein. Ich tippte ein einfaches “Sure” ...löschte dann den text, schloss das Handy wieder. Ich starrte an die Wand, während ich spürte wie mir heiß und kalt zugleich wurde. Es war fast zwei Wochen her seitdem ich ihn in Natura und vor allem allein gesehen hatte. Ich sah hinab auf mein Handy im Schoß, welches mir nun den Blick auf die Seiten des Buches versperrte. Erneut öffnete ich den Chat. Sah auf die Buchstaben der Tastatur die wieder aufgeploppt war. Ein leichtes Lächeln huschte über mein Gesicht, dann tippte ich den kleinen Text und verschickte ihn mit klopfendem Herzen. Dann ließ ich mein Handy wieder in der Tasche verschwinden, nicht ohne die Vibration wieder einzustellen. Mit dem Buch in der Hand verschwand ich schließlich in das Zimmer im hinteren Teil des Hauses. Von hier hatte ich einen guten Blick auf das Gästehaus. Ich schaltete das Licht nicht ein, entzündete nur die vier großen Kerzen und meine kleine Nachttischlampe. Mehr Licht benötigte ich jetzt nicht. Auf das Buch würde ich mich ohnehin nicht konzentrieren können. Aufgeregt wie ein Kind zu Weihnachten konnte ich gar nicht richtig still halten.

      Caleb
      Ich hatte ein paar Schluck aus der Bierflasche getrunken und mein Handy auf die Couch gelegt. Eine ganze Zeit lang passierte nichts. Als es dann vibrierte und die Antwort von Ylvi erschien musste ich herzlich lachen. “Don’t forget the beer.”, stand dort geschrieben. Vergiss das Bier nicht.. typisch Ylvi. Ich stand auf, schnappte mir meine Flasche und stellte unwillkürlich fest, dass ich dort noch eine stehen hatte. Wir hatten oft hier zusammen gesessen und ein Feierabendbier getrunken, dass ich es mir wohl angeeignet hatte, immer zwei mit ins Wohnzimmer zu bringen. Da Ylvi schon eine ganze Weile weg war, war dies mir schon lange nicht mehr passiert. Heute schien ich jedoch mit den Gedanken eh nicht bei der Sache zu sein. Wann hatte ich Ylvi das letzte Mal alleine getroffen? Vor einer Woche? Vor zwei Wochen? Ich wusste es nicht mehr.
      Kurz föhnte ich mir durch meine blonden Locken, ließ den Hut bewusst auf der Kommode liegen, zog nur meine Stiefel und meine Jacke an und ging langsam rüber zum Haupthaus. Es war mittlerweile halb zehn, ein paar der Arbeiter waren schon in den Betten und auch der Großteil des Haupthauses war dunkel. In Ylvis Zimmer brannten ein paar Kerzen, kein Licht. Fragend schaute ich zu ihrem Fenster rüber, grinste dann jedoch nur kopfschüttelnd und setzte meinen Weg fort.
      Im Haus angekommen zog ich die Stiefel aus, hängte meine Jacke auf und ging mit den zwei Bierflaschen in der Hand zu ihrem Zimmer. Ich klopfte und ging dann rein. “Hey.”, sagte ich leise und schloss die Tür hinter mir. Ylvi stand von ihrem Bett auf, kam auf mich zu, erwiderte meinen Gruß und streckte sofort die Hand nach dem Bier aus. “Jaja. Darfst du sowas überhaupt schon wieder trinken?”, fragte ich sie und reichte ihr die noch geschlossene Flasche, ehe ich an meiner Offenen nippte.

      Ylvi
      Wie alt war ich? 23! Und wieso hatte ich verdammt nochmal schwitzige Hände? Ich fühlte mich etwa um 10 Jahre jünger. Zum Kotzen. Ich hätte gern Caleb auf dem Absatz umgedreht aus der Tür hinaus befördert und versucht nie wieder an ihn zu denken. Stattdessen ging ich auf ihn zu, griff nach dem Bier das er mir entgegen reichte. Auf seine Frage zuckte ich mit den Schultern “Zumindest nehm ich keine Medikamente mehr die sich damit nicht vertragen.” ich hatte auch kein offizielles Verbot nach Alkohol bekommen. Zumindest nicht das ich wüsste. Da es in diesem Zimmer keine Couch gab die ich zum sitzen hätte anbieten können nahmen wir auf dem Bett nebeneinander Platz. Caleb sah fertig aus, hob jedoch sein Bier und leise klirrten unsere Flaschen gegeneinander. “Ich hatte bisher gar keine Gelegenheit dir zu danken das du Ravn bewegst. Ich hab dich schon zweimal dabei gesehen. Das du zwischen deinen ganzen anderen Aufgaben noch dazu kommst ist wirklich nett. Wird Zeit das Bellamy endlich ein paar andere Helfer einstellt. Waren die Bewerbungsgespräche dahingehend eigentlich erfolgreich? Das hab ich gar nicht so mitbekommen in der letzten Zeit.”
      Ich war mir der Nähe zwischen uns bewusst, jedoch berührten meine Füße kaum den Boden, die Haltung nach vorn gebeugt war nicht ganz gut. Also musste ich von ihm abrücken, mir eines der Kissen in den Rücken legen und mich anschließend dagegen lehnen. Vielleicht hatte ich es mit meiner Aktivität heute ein wenig übertrieben.

      Caleb
      Auf ihre Aussage mit den Medikamenten zuckte ich nur die Schultern. “Okay, nicht dass ich dich hier noch vergifte.”, lachte ich und wir tranken eine Weile schweigend unser Bier. Wir setzten uns auf ihr Bett. Unser Wohnzimmer mit der Couch drüben im Gästehaus vermisste ich jetzt schon. “Oh ja, Ravn.”, sagte ich als hätte sie mich von irgendwo zurück ins hier und jetzt geholt. “Ja, Arbeit hab ich genug, du willst gar nicht wissen was ich heute alles gemacht habe.”, grummelte ich und antwortete ihr zunächst auf ihre Frage. “Ja, einen hab ich eingestellt. Naja, Bellamy. Aber ich wollte ihn. Cayce, hat auch ein Pferd dabei. Whitetails Shortcut. Shorty. Tolles Pferd, bin den mal auf einem Rodeo geritten, aber das ist eine lange Geschichte.”, sagte ich nur und nippte wieder an der Flasche. Ylvi setzte sich um und auch ich stand vom Bett auf, ehe ich mich auf den Stuhl daneben setzte. “Das Bett ist echt wahnsinnig unbequem.”, sagte ich zu ihr und erhaschte noch einen kurzen Moment ihres verwirrten Gesichtsausdruckes, ehe sie mich wieder normal ansah. “Und ja… Cayce greift mir hier jetzt schon wahnsinnig unter die Arme. Er ist auch Trainer, hilft mir bei den Reiningpferden. Ich würde die gerne nächstes Jahr aktiver vorstellen. Wir haben so gute Nachzuchten und auch ältere Hasen hier, die gehören in die Arena, nicht auf die Koppel.”, erklärte ich ihr und sie nickte verständnisvoll. “Aber heute war nicht mein Tag.”, seufzte ich schließlich und fuhr mir einmal durch die Locken. Sie waren lang geworden, fielen nicht mehr sonderlich hübsch nach unten. Ylvi sah mich auffordernd an, weshalb ich zu erzählen anfing. “Angefangen hat der Tag damit, dass ich mir Zaun und Draht zu einer der Koppeln gefahren habe, um dort zu arbeiten. Ich hatte was vergessen, kam zurück und bin dann zu Bellamy gegangen, weil er kurz Zeit hatte. Hab ihn gefragt ob wir nicht Betsy die Stute Sue schenken können zu Weihnachten. Naja, zumindest 50%. Weil sie immer so von den anderen geärgert wird und dann kann sie sagen, das Pferd gehört ihr. Vielleicht lassen die anderen sie ja dann in Ruhe?” Ylvi nickte. “Dann hab ich mir Vulture geschnappt, bin zur Koppel zurück und.. achja, O kommt zurück hier her. Aber vielleicht hat Bellamy dir schon davon erzählt? Auf jeden Fall… zur Koppel zurück und hab da gearbeitet. Ganz fertig bin ich nicht, muss da morgen nochmal hin. Hatte dann Reitstunde mit Betsy und Sue und bei Gott… dieses Pferd. Keine Ahnung was sie hatte, aber ich musste sie heute so hart anpacken, das kenn ich gar nicht von ihr. Betsy stand dann auch in der Ecke und hat kein Wort mehr zu mir gesagt. Glaube das gibt Probleme, wenn die Stute ihr.. halb ihr.. gehört. Aber naja.. dann habe ich Boxen gemistet. Hat ja keiner für nötig gehalten das zu tun, während ich Zaun machen war. Dann war ich duschen, saß auf der Couch und bin nun hier- morgen wird vermutlich nicht besser, denke das Heu kommt dann und wer lädt es ab? Ich…”, grummelte ich und nahm noch einen Schluck Bier. So viel hatte ich in den letzten Wochen nicht mit Ylvi geredet, weshalb sie jetzt leicht erschlagen in ihrem Bett saß. Zumindest hatte ich das Gefühl, dass es so war.

      Ylvi
      Ich schwieg einen Moment, ordnete die Fülle an Informationen, überlegte auf was ich darauf als erstes Antworten sollte. Ich hatte dabei einen dümmlichen Gesichtsausdruck, ganz sicher. Caleb grinste erst, lachte dann ein wenig. Ich erwiderte. “Wo ist nur der verschwiegene Cowboy hin?”, legte dann die Hand auf den Mund. Wie im Chat die Affen Smileys. “Daran bist du Schuld.” das klang beinahe verwegen wie Caleb es sagte. “Ich freue mich aber das du zumindest etwas Unterstützung durch Cayce hast. Die Idee für Betsy ist großartig! Kinder können so abartig zueinander sein, vor allem Mädchen in dem Alter. Dabei hat sie die Pubertät noch vor sich. Ich denke ein Pferd kann ihr dabei helfen sich zu entwickeln. Außerdem bist du als Trainer dann ja nicht aus der Welt...oder eben Cayce. Ich hab dich heute morgen bei Bellamy gesehen. Ist doch sicherlich ätzend ständig ihn fragen zu müssen? Bei all den guten Ideen und Plänen die dir so vorschweben.” Caleb war Vorarbeiter der Ranch, hatte viele der wichtigen Aufgaben der Ranch übernommen. Machte die Dienstpläne, das Futtermanagement. Im Grunde fehlte nicht viel zu dem Punkt das er alles auf der Ranch bestimmte. Trotzdem war der Name der Ranch Blakes Crow Meadow und die finale Entscheidung wurde stets von Bellamy getroffen. Dieser hatte mir jedoch, nicht gerade durch die Blume, zu verstehen gegeben das ihm die Aufgabe über den Kopf wuchs. Auch die Rückkehr von O würde nicht viel ändern, denn sie hatte nicht vor in die Ranch ihres Bruders einzusteigen. Ganz freiwillig kam sie wohl auch nicht zurück, wenn ich es nicht falsch verstanden hatte. Bellamy wusste das er sich etwas überlegen musste, wenn die Ranch in geordneten Bahnen weiter laufen sollte. Ich hatte die Rechnungen gesehen, das Chaos...und fragte mich in welchen Zügen Caleb über das Problem überhaupt Bescheid wusste.

      Caleb
      Meine Bierflasche neigte sich dem Ende zu und auch die Uhr schritt Stück für Stück voran. Lange würde ich wohl nicht mehr hier bleiben, genoss die Gesellschaft von Ylvi nun doch in vollen Zügen. Sie hatte mir gefehlt. Und sie fehlte mir verdammt nochmal drüben im Haus auch. Aber ihr das zu sagen? Das war nicht ich. “Oh ja und frag mich erst mal. Cayce ist ein wahnsinnig guter Reiter. Vielleicht können wir zusammen nochmal anfangen zu Ropen!”, erklärte ich ihr stolz und sah auch bei ihr ein Lächeln aufflackern. Sie wusste, wie sehr ich das Lassoschwingen liebte, hatte es aber eine ganze Weile nicht mehr tun können. Nur vom Bullenreiten hielt ich mich fern. Auf einen Bronc würde ich bei Gelegenheit bestimmt nochmal steigen. “Und mit Betsy glaube ich auch.”, sagte ich ihr dann. “Und eigentlich kann ihr hier jeder auf der Ranch helfen. Hier rennen genug Trainer und Leute mit Ahnung rum.”, lachte ich. Dann seufzte ich abfällig. “Es ist ätzend. Einerseits bin ich die Nummer eins auf dem Hof, was die Arbeit angeht, andererseits muss ich für jede Erlaubnis zu Bellamy rennen und ihn anflehen, etwas neues kaufen zu dürfen. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie anstrengend das ist.”, erklärte ich ihr und drehte die Bierflasche in meiner Hand hin und her, ehe ich den letzten Schluck daraus trank. “Ich bin froh, dass er es geschafft hat, das Heu zu bestellen. Kommt ja nun zum Glück morgen, viel ist nicht mehr da. Viele Pferde fressen eben viel.”, sagte ich und stand auf, streckte mich kurz. “Ich würde gleich auch wieder gehen. Es war ein langer Tag.”, meinte ich beiläufig, setzte mich jedoch wieder hin und stellte die Flasche auf den Boden. So ganz war ich noch nicht vom Gehen überzeugt.

      Ylvi
      Ich verschwieg ihm besser das ich das Heu bestellt hatte...nach der enormen Hitze des Sommers war es gar nicht einfach gewesen einen guten Händler aufzutreiben. In einer besseren Gegend hätte man das Heu selbst machen können. Dazu gab es in New Mexico allerdings keinerlei Chance. “Ich bin Bellamy die letzte Zeit ein wenig zur Hand gegangen, dem wird langsam klar das er sich mit der Ranch vielleicht übernommen hat. Ich denke er ist heilfroh, dass du ihm den Arsch rettest, wirklich. Das würde er so vielleicht nicht sagen...aber als Außenstehende kann ich das denke ich ganz gut beurteilen.” ich lächelte ihn an...das war ein insgeheimes Lob an ihn. Bekam er nicht oft. Das Konzept der Ranch war gut...nur Lage, Planung und Ausführung haperten. Ich hatte nicht viel Ahnung von Marketing, aber so steuerte Blakes Crow Meadow deutlich in die Pleite. Bellamy hatte angedeutet einige Pferde verkaufen zu müssen. Ein Blick auf den Bildschirm des Handys zeigte, das Mitternacht unaufhörlich näher rückte. Ich hatte nicht einmal die Hälfte meines Bieres getrunken, durch das Halten in meiner Hand war es nun auch schon warm. Das zur Seite beugen um es auf dem Schrank neben dem Bett abzustellen gestaltete sich als schwieriger. Bei der zu schnellen Drehung des Oberkörpers zuckte ich zusammen, konnte den Handgriff zur Narbe nicht vermeiden und atmete zischend ein. “Manchmal vergess ich das.” Caleb hatte reagiert, war aufgesprungen, nahm das Bier aus der Hand und stellte es zur leeren Flasche auf den Boden. Er sagte nichts, sein Blick hatte jedoch etwas tadelndes...es war der verkniffene. Genau der selbe den ich so oft bekommen hatte, wenn im Unterricht nicht alles lief wie es sollte. Er saß nicht wieder auf dem Stuhl sondern hatte sich auf die Bettkante gesetzt. Ich wollte nicht das er ging...das Wort “Bleib” blieb mir jedoch in der Kehle hängen, es kam mir einfach nicht über die Lippen. Ich wollte ihm nicht zeigen wie sehr ich ihn vermisst hatte. Dabei war es nur ein verdammtes Wort! Er schien meinen Konflikt zu spüren, anders konnte ich es mir nicht erklären. Sein Blick hatte meinen fixiert. “Ja bitte?” Ich spürte das Herz schneller schlagen in meiner Brust. Wie sollte ich sagen was ich wollte. Ich hatte die letzten Wochen beschissen geschlafen...die andere Seite meines Bettes schien so verdammt leer. Ich konnte selbst nicht fassen in welch kurzer Zeit ich mich daran gewöhnt hatte jemanden neben mir zu haben. Bei Max hatte ich es gehasst...nicht schlafen können eben, weil er neben mir lag. Jetzt allerdings, konnte ich teilweise nicht schlafen eben, weil niemand...jemand nicht neben mir lag. Und ich hasste diese Abhängigkeit. Wann zum Teufel war das passiert? Das war nicht in meinem Plan gewesen. “Was ist?” drängte Caleb nach, jetzt leichte Sorge in der Stimme. Hatte er Angst die unbedachte Bewegung schmerzte noch immer? Ich schüttelte den Kopf, lächelte...dann kam es mir über die Lippen. “Bleib.” nur gehaucht, scheu wie bei einem Reh. Das klang nichtmal nach mir. Wo war die Selbstbewusste Ylvi hin verschwunden?

      Caleb
      Ein Wort. So leise gehaucht, dass ich es fast nicht verstanden hatte. ‘Bleib’. Ich lächelte. “Geht das wirklich? Mit deiner Op und so…”, murmelte ich und Ylvi nickte, sie schien nun wieder etwas mehr Mut gefasst zu haben. Wieder zerriss es mich innerlich, dass unsere… Beziehung in den letzten Wochen so kaputt gegangen war. Ich hatte einfach Angst Ylvi zu verletzen. Sie war nicht mehr so zerbrechlich wie vor ein paar Wochen. Aber ihre OP hatte mir mal wieder vor Augen geführt, weshalb ich nicht der Beziehungstyp war. Ich hatte keine Lust mir ständig Sorgen um jemand anderen zu machen, auf jemand anderen aufzupassen, für jemanden da zu sein… aber Ylvi… sie brachte mich zu all dem… machte mich zu so jemandem, ohne dass ich mich verändern musste. Bis jetzt hatte sie mir noch keinen Vorwurf gemacht, dass ich die letzten Wochen so selten hier war. Vermutlich konnte sie sich denken warum. Arbeit über Arbeit- und dann meine inneren Konflikte. “Caleb?” Ylvi sah mich an. “Ja.. ja. Dann bleib ich hier.” erwiderte ich. “Lass mich nur eben meine Stiefel von vorne holen. Und bitte sag mir, dass Bellamy hier nicht in aller Herrgottsfrühe mit Frühstück hineingeplatzt kommt.”, murmelte ich und wir lachten beide. “Die Zeit wo ich Frühstück am Bett bekommen habe ist vorbei. Normalerweise helfe ich ihm und den anderen in der Küche damit.”, sagte sie noch.
      Ich stand auf, holte leise meine Stiefel ins Zimmer und versuchte Amba dabei nicht zu wecken. Den Hund hatte Bellamy vor langer Zeit mal hier angeschleppt, aber wirklich etwas arbeiten tat er nicht mit ihr. Traurig musste ich an Surtout denken… und als ich wieder im Zimmer war, sah ich zu Ylvi. “Hab ich dir mal von Surtout erzählt?” Sie schüttelte den Kopf. “Eben, als ich Amba im Flur gesehen habe, ist mir der Hund wieder eingefallen. Verena hatte mal einen Rottweilerrüden, Surtout. Sie ist mit ihm und Gipsy mal einen Horse & Dog Trail gegangen. Seltsamer Hund, hat sie aus Frankreich gehabt und war nach einem Werwolf aus einem Buch benannt.” Ylvi lachte. “Ich hoffe er hat euch nicht gefressen?” “Nein, nein… war ein lieber Kerl, eigentlich. Aber total fixiert auf sie. Ist eigentlich ganz gut, dass er mit ihr gestorben ist. Der würde ohne sie eingehen.”, erklärte ich ihr und fing an, mich auszuziehen. Meine Boxershorts hielt ich an, schlüpfte dann unter die Decke. Allein das reichte, um die alte Vertrautheit zwischen uns wieder herzustellen. Ich legte meinen Arm unter ihren Kopf und sie kuschelte sich an mich an. Wir schwiegen, genossen den Moment und waren im Nu eingeschlafen.
      Plötzlich schreckte ich aus dem Schlaf hoch. Jemand hatte die Tür aufgerissen, war ins Zimmer gekommen und an der Stimme der Person erkannte ich, wer es war. Betsy. “Ylvi du wolltest uns doch beim Früh….oh.. Caleb!”, sagte sie erschrocken und ich zog mir die Decke über den Kopf. Vielleicht funktionierte bei ihr ja noch das Schema, wenn ich sie nicht sah, sah sie mich auch nicht… Funktionierte leider nicht. “Ich.. äh… ich... “, stammelte sie und verließ prompt das Zimmer. Erst dann kam ich wieder unter der Decke raus und sah zu Ylvi, die auch am Lachen war. “Das biegst du wieder gerade!”

      Ylvi
      “Das wird sie so schnell nicht vergessen.” stellte ich nüchtern fest. Konnte mir das Lachen aber nicht verkneifen. “Gut das sie uns nicht dabei gesehen hat.” Caleb beugte sich vor, stahl sich einen Kuss von meinen Lippen. Löste sich dann kurz,sah mich an und setzte einen weiteren Kuss auf meine Stirn. Ohne viele weitere Worte zog er sich an. “Ob das jetzt alle Wissen, oder ob ich unbeobachtet aus dem Haus komme?” fragte er verschmitzt. Ich zuckte mit den Schultern. “Ich glaube nicht das Betsy es jedem erzählt. Sie ist ein Kind...wie viel versteht sie schon von dem was sie gesehen hat.” Ich zog mir mein Shirt über den Kopf, vorsichtig, wegen des Verbandes. “Ooh ich denke sie versteht schon eine ganze Menge, glaub mir.” Ich streckte ihm die Zunge raus. “Na los, verschwinde, da draußen wartet eine Ranch auf deine Anwesenheit. Glaub mir...ich kann es fast gar nicht erwarten euch wieder zu unterstützen, langsam fällt mir die Decke auf den Kopf.” ich schaute auf den Flur hinaus, sah niemanden und winkte Caleb zu “freie Luft.” er huschte halb aus der Tür, blieb dann stehen, zwinkerte mir zu und verschwand dann erst. Es war gewesen als sei nicht zwei Wochen Funkstille gewesen. Wir hatten dort angeknüpft wo wir begonnen hatten...ein seltsames Gefühl, aber irgendwie auch beruhigend.
      Ich konnte mir den ganzen Morgen das blöde Grinsen nicht vom Gesicht wischen. Als ich in die Küche kam fand ich Betsy darin nicht vor. Also bereitete ich allein das Frühstück vor...langsam kam ich mir vor wie die Hausangestellte hier. Wann hatte ich das angefangen? Ich wollte wieder raus auf die Ranch. Sinnvolleres tun als eine Belegschaft von knapp 20 Mann mit Essen zu versorgen. “Du siehst beschissen aus.” kommentierte ich Bellamy der mit Augenringen bis nach Bagdad in die Küche gestiefelt kam. Davon war er nicht ganz begeistert, warf mir eine unflätige Geste zu und goss sich den Kaffee in eine Tasse und schaufelte Zucker hinein. Nach dem dritten Löffel sprach ich ihn an. “Du bist wieder nicht ganz bei der Sache.” Bellamy seufzte. “Ich hab gestern einfach mal drei der gekörten Hengste zum Verkauf gestellt...es haben sich tatsächlich 4 Interessenten gemeldet. Ich tu es nicht gern, aber ...du weißt das Geld hätten wir nötig.” in dem Moment knallte die Tür zur Küche. “Das hast du nicht getan!” ein brodelnder Caleb stand dort in der Tür. Er hatte zur Abwechslung zum Frühstück mit den anderen erscheinen wollen. Ich hörte Bellamy neben mir die Luft einziehen. Wo war das Loch im Boden? Ich konnte es gerade ziemlich gut gebrauchen.

      Caleb
      Ich hatte es geschafft mich unbemerkt aus dem Haupthaus in den Stall zu verkrümeln. Frühstücken wollte ich heute ausnahmsweise mit den anderen zusammen, alleine wurde das auf Dauer doch ziemlich einsam, vor allem da der Rest gemeinsam im Haupthaus frühstückte.
      Bis es allerdings so weit war, hatte ich noch ein bisschen Arbeit vor mir. Vulture brachte ich aus der Box auf seinen Paddock in die Nähe von einem der Trainingshengste. Dort bekam er auch sein Kraftfutter. Ich mistete schnell seine Box und vier Weitere von den anderen Hengsten, damit ich dies heute Abend nicht mehr machen musste. Nach einem Blick auf die Uhr hatte ich noch etwa eine halbe Stunde Zeit, bis es Essen gab. Ich rationierte also auch das Kraftfutter für die anderen Pferde und musste ganz schön aufpassen, das Futter nicht zu vermischen, bei so vielen Eimern. Auf jedem der Eimer stand jedoch der Name des Pferdes drauf, weshalb ich sie nach Paddock und Koppelteil sortiert auf die Laderampe meines Pick Up stellte, und dabei Cayce über die Füße lief. „Morgen.“, sagten wir beide und er blickte mich unter seinem schwarzen Cowboyhut skeptisch an. „Hast was liegen gelassen, Cowboy.“, lachte er und warf mir meinen Hut entgegen. Reflexartig riss ich die Hände in die Luft und schaffte es sogar, den Hut zu fangen, ohne ihn dabei mit meinen Fingern zu zerquetschen. „Mach doch sowas nicht, hast du mal auf die Uhr geschaut?“, fragte ich ihn lachend und setzte mir meinen Hut auf den Kopf. „Und, was gibts zu tun?“, fragte mich der junge Mann und ich überlegte. „Grade nichts mehr. Kraftfutter hab ich fertig. Würde sagen Frühstück ist angesagt.“, sagte ich zu ihm und er nickte. „Ich muss noch was im Haus holen, ich komme gleich.“, antwortete er und verschwand.
      Ich ging also zum Haupthaus, zog meine Stiefel, den Hut und die Jacke am Eingang aus und hörte Stimmen aus der Küche. Was ich dort hörte, wollte ich zunächst gar nicht glauben. Mit einem Satz stand ich bei Bellamy, hatte die Tür zugeknallt. „Bist du des Wahnsinns? Welche Hengste?!“, fuhr ich ihn an und sah, wie alle Anwesenden einen Kopf kleiner wurden oder langsam den Raum verließen. “Alan’s Psychedelic Breakfast, Gun and Slide und Genuine Lil Cut.” Ich sah ihn an. “Oh glaub mir wenn du Blue verkaufst bist du ein toter Mann!”, knurrte ich und sah wie Ylvi ihren Kopf noch weiter einzog. “Wir… wir haben Geldprobleme Caleb… ich muss ein paar Pferde verkaufen…” “Und dann verkaufst du die besten Hengste die wir haben? Bist du bescheuert?”, warf ich ihm entgegen und machte einen Schritt auf ihn zu. Ich war Bellamy körperlich noch immer ein wenig überlegen gewesen, doch wie ich ihn kannte, baute er sich gerade auch vor mir, sackte dann jedoch augenblicklich in sich zusammen. “Ich kann das nicht mehr, mir wächst das alles über den Kopf.. die Pferde, die Arbeiter… die Ranch…”, murmelte er kleinlaut und setzte sich an den Frühstückstisch. “Das Heu war wahnsinnig teuer, ich weiß nicht, wie ich das bezahlen soll…”, keuchte er und ließ sein Gesicht in seine Hände sinken. “Mir gehen die Ideen aus…”
      Ich atmete tief durch, öffnete meine Fäuste. Schlagen hatte ich ihn nicht wollen, aber aus Reflex war dies passiert. Dieser dämliche Idiot! “Also…”, murmelte ich nun mit sanfterer Stimme. “Du stehst jetzt auf, nimmst die Pferde aus dem Netz, wir frühstücken… und dann überlegen wir uns, wie wir die Ranch retten können.”

      Ylvi
      Das Frühstück über schien Bellamy verschwiegener. Caleb und Cayce unterhielten sich gut. Caleb nutzte die Runde auch gleich als eine Art Teambesprechung. Ich merkte wie er wichtige Aufgaben an Cayce gab, Murphy sollte seine Boxen übernehmen. Einen der anderen Ex-Häftlinge teilte er zum Zaunbau ein, dort wo er gestern begonnen hatte. Ich merkte dabei schnell wie er sich den Vormittag frei schaufelte um mit Bellamy zu sprechen.
      Als ich ihn gesehen hatte, da war mir kurz eiskalt geworden. Ich hatte schon gesehen zwischen ihn zu springen, wenn er Bellamy anging. Wobei ich herzlich wenig hätte ausrichten können. Seine geballten Fäuste waren mir nicht entgangen, auch nicht die Wut die in seinen ersten Worten geflackert hatte. Ich hätte nur darauf hoffen können das er mich nicht verletzten würde, falls ich dazwischen ging.
      Dass sie jedoch - endlich - gemeinsam eine Lösung suchen wollten gefiel mir. Das hätte Bellamy schon viel eher tun sollen. Aber wer konnte es ihm verübeln...ich erinnerte mich an seine Worte vom Vortag. “Ganz ehrlich...ich hab nichtmal die High School beendet, war im Jugendknast und anschließend bin ich auf der Gips Reminder Ranch gelandet. Ich hab in meinem Leben noch nie etwas richtig auf die Reihe bekommen und dann komm ich auf die bekloppte Idee eine ganze fucking Ranch zu leiten. Als O noch hier war ging das ja noch, aber dann? Ganz ehrlich...wär Caleb nicht gekommen, dann wäre das ganze schon viel eher vor die Hunde gegangen.” Ich hatte ihm gesagt er sollte Caleb einweihen. Die Angst dieser würde ihn auseinander nehmen hatte dann wohl die Oberhand behalten. Das war Stolz an falscher Stelle, das hatte ich ihm allerdings nicht gesagt...das war ihm hoffentlich bewusst. Ich wusste Caleb würde alles für die Pferde tun, einige abzugeben wäre sicherlich nicht die schlechteste Idee...aber dabei sollte sorgsam ausgewählt werden welche. Unnötige Esser zum Beispiel...und das waren die Hengste die er eingestellt hatte nicht.
      Nach dem Frühstück verschwanden alle um den ihnen zugewiesenen Aufgaben zu widmen. Ich war im Begriff die Küche zu verlassen hinter Caleb und Bellamy, drehte nach links ab um Richtung meines Zimmers zu gehen. Da erklang Calebs Stimme “Ylvi, ich denke bei der Ranch Rettungsaktion kannst du uns behilflich sein.”

      Caleb
      Bellamy war vor dem Frühstück verschwunden und hatte hoffentlich die Hengste aus dem Netz genommen. Ich war noch immer verdammt wütend auf ihn, weshalb ich mich beim Essen auch nur mit Cayce unterhalten hatte. Die Einen standen früher, die Anderen standen später auf. Auch Betsy hatte kaum ein Wort gesagt, fast die ganze Zeit betrübt auf den Boden geschaut. Etwas Leid tat die mir ja schon. Zu erst hatte sie mich und Ylvi im Bett gesehen, jetzt einen heftigen Streit zwischen Bellamy und mir. Ich müsste heute auf jeden Fall noch mit ihr sprechen und ihr einige Dinge erklären. Sie war schließlich noch ein Kind. Sie verstand nicht alles, was hier vor sich ging.
      In Bellamys Büro marschierten jetzt Ylvi, er und ich. Dort sah ich den mittlerweile kleineren Papierberg, zu dem Ylvi wohl einiges beigetragen hatte. Ich zog Ylvi einen Stuhl zum Schreibtisch dazu und setzte mich neben sie, auf der anderen Seite Bellamy. Ich seufzte kurz. “Wie schlimm ist es denn nun, Bellamy?” Ich sah die Anspannung aus seinem Körper weichen. Er schien froh zu sein, endlich mit der Sprache rausrücken zu können. “Es ist noch nicht das Ende der Ranch. Aber es ist kurz vor Ende.”, fing er an. “Und das heißt?” “Um die Ranch vor dem Bankrott zu retten müssen wir Pferde verkaufen. Einige Pferde. Oder die ganze Ranch.”, ich schluckte. Naja, eigentlich sah man es in meinem Kopf rattern. “Hmm ein Umzug wäre nicht das Schlechteste.”, sagte ich und Bellamys als auch Ylvis Kopf flogen in meine Richtung. “Verkaufen?”, fragte Bellamy ungläubig und ich nickte. “New Mexico ist schön und gut, aber was hat man von einer Ranch wenn man hier nicht einmal Rinder halten oder Heu selbst machen kann? Futter kostet Geld. In Alberta kamen wir immer mit unserem eigenen Futter rund… und.. ich habe mich selbst schon ein wenig umgesehen gehabt… ich bin so weit, dass ich etwas eigenes aufbauen möchte.” Damit schien Bellamy erstmal baff.

      Ylvi
      Das mit der eigenen Ranch...tja...wir hatten es einige Male als Thema gehabt. Aus Spaß, vielleicht. Doch ich hatte darin das glitzern in den Augen von Caleb gesehen. Der Wunsch existierte eine ganze Weile, Jahre vielleicht. Im Grunde jedoch hatte ich geahnt - diese Ranch...die Pferde hier, würde er nicht zurück lassen. Wieso war er sonst nach dem Unfall zurück gekehrt...wohl eher weniger aus Nächstenliebe zu Bellamy oder den Ex-Häftlingen. Es waren die Pferde, jedes einzelne lag ihm am Herzen.
      Ich setzte mich weiter nach vorn, Bellamy sagte keinen Ton. “Bellamy, ganz ehrlich...das halte ich für keine schlechte Idee. Caleb übernimmt ohnehin als Vorarbeiter alle relevanten Aufgaben. Überschreib ihm auf dem Papier die Ranch. Du bist aus der Sache raus...kannst dich anderen Sachen auf der Ranch selbst widmen. Dingen von denen du tatsächlich eine Ahnung hast. Marketing technisch...Logistisch gesehen, ist auch ein Umzug sinnvoll. Das Land hier ist karg, sowieso schon warm. Und Klimaerwärmung wird ein Thema sein in den kommenden Jahren. Man kann hier bleiben, versuchen mit teurem Heu über die Runden zu kommen. Oder man beschließt in eine andere Region sich zu orientieren. Wir haben die Gerätschaften, die Mitarbeiter um das alles zu bewerkstelligen.” Caleb nickte während ich mit meinen Händen gestikulierte. Die Vorstellung mit der ganzen Ranch umzuziehen legte sich zwar wie ein schwarzes Tuch auf meinen Magen, aber im Grunde war es eine wichtige Entscheidung. Es gäbe einige Sachen die man außerdem planen könnte für eine Ranch an einem anderen Ort. Die Aufnahme weiterer Häftlinge, denn die Gelder die wir vom Staat davon bekamen waren wirklich nicht unerheblich, außerdem hatten wir so eine gute Handvoll an Arbeitern. Die Aufsicht wäre schwierig, aber Lösungen ließen sich sicherlich finden. “Ich bleibe außerdem...selbst wenn ihr mir erstmal kein Gehalt auszahlt. Ich kam hier auf die Ranch um ein bisschen Abenteuer in mein Leben zu kriegen. Wie könnte ich euch jetzt einfach mit Problemen allein lassen?” das hatte noch andere Gründe. Wie könnte ich Caleb zurück lassen? Betsy allein mochte Wissen das wir etwas miteinander teilten...Aber insgeheim schlug mein Herz auch für diese Ranch.

      Bellamy
      Ich schwieg. Caleb schwieg. Ylvi schwieg. Unsere Köpfe ratterten, unsere Gedanken drehten sich. Also meine zumindest. Ich ließ meinen Kopf in die Hände sinken. “So hatte ich mir das nicht vorgestellt, glaubt mir… ich dachte ich müsste weiterführen, was Verena angefangen hatte. Alle Pferde verkaufen? Das hätte ich nicht übers Herz gebracht…”, erklärte ich und sah zum ersten Mal Mitgefühl in Calebs Blick. “Ylvi hat… nicht ganz unrecht.”, setzte er an und ich hob meinen Kopf wieder. “Wenn du mir die Ranch überschreibst, wir umziehen… ich hab noch eine Menge Geld, von der Abfindung damals.. hab alles gespart für etwas Eigenes.. dann kann ich das alles hier wieder hochziehen.”, erklärte er mir und ich nickte, schwieg wieder und dachte nach. “Und.. Ylvi scheint uns auch erhalten zu bleiben. Sie könnte eine Website oder sonst irgendwas für uns gestalten, ihr fällt da schon was ein.”, sagte er weiter und stieß die junge Frau einmal sanft mit dem Arm an. Ylvi nickte. “Wir müssen nur… also einige Pferde werde ich auf jeden Fall verkaufen.”, meinte Caleb dann. “Aber nicht die Besten.”, fügte ich an und er nickte. “Das wäre dumm.”, antwortete er mir gefasst, gar nicht mehr wütend oder beleidigend.
      “Ich glaube ich muss eine Weile darüber nachdenken…”, sagte ich dann und stand auf, sah zum Fenster raus und schaute den Mitarbeitern zu, wie sie die Pferde auf die Koppeln brachten. Als ich mich umdrehte, stand Caleb hinter mir. “Nein. Musst du nicht. Du hättest schon viel früher nachdenken sollen.”, meinte er, noch immer gefasst. “Es scheint, als hätte ich keine andere Möglichkeit mehr?”, fragte ich in die Runde und Caleb als auch Ylvi schüttelten den Kopf. “Du wirst ja nicht rausgeworfen.”, lachte Caleb und klopfte mir auf die Schulter. “Du bekommst nur… weniger Aufgaben.”, meinte er und ich nickte. “Also gut…. Caleb O’Dell. Die gehört ab sofort die Blakes Crow Meadow Ranch. Sieh es als vorzeitiges Weihnachtsgeschenk.”, sagte ich und schüttelte seine Hand. “Ein Weihnachtsgeschenk mit vielen Schulden.”, sagte er, fing dann aber auch an zu lachen und schaute zu Ylvi rüber, die auch ein leichtes Lächeln auf dem Gesicht hatte. “Meine erste Amtshandlung wird sein, dass wir drei uns zum Abendessen in der Bar von Louis in Albuquerque treffen, sieben Uhr, und dort über das weitere Schicksal gemeinsam entscheiden.”, sprach Caleb und ging zur Tür. “Und jetzt… an die Arbeit. Die macht sich nicht von alleine.”, meinte er und verschwand aus der Tür.
      “Puuuh…”, sagte ich und ließ mich auf den Stuhl hinter dem Papierberg fallen. “War das das richtige?”, fragte ich Ylvi und senkte meinen Kopf wieder auf meine Hände.

      Ylvi
      Ich zuckte mit den Schultern. “Das ganze hätte schlimmer laufen können.” dann klopfte ich auf den Tisch, sah wie Bellamy den Kopf hob. “Außerdem..um deine Worte zu zitieren. Vielleicht ist es das was Caleb gesucht hat? Du hast es ihm gewünscht. Erinnerst du dich?” Bellamy , immernoch besorgt drein blickend, lächelte allerdings. Die Narbe in seinem Gesicht verzog sich deutlich dabei. “Touché” Ich zuckte die Schultern dazu, lächelte. Ja vielleicht war das ein Weg um Caleb von der inneren Unruhe abzulenken die ihn von Zeit zu Zeit befiel.
      “Gut..ich würde sagen...du machst schonmal eine kleine Liste fertig für Pferde die zum Verkauf stehen. Ich werde derweil mein Zimmer im Gästehaus wieder beziehen. Ich brauche keine ganztags Betreuung mehr, ich vermisse mein eigenes Bett. Anschließend komme ich wieder rüber um dir beim abheften der Dokumente zur Hand zu gehen. Dann können wir Caleb heute Abend eine Übersicht der Finanzen geben...sowie der Sachen die noch fehlen. Deal?” Bellamy sah sich auf seinem Schreibtisch um, der sich schon deutlich geleert hatte. “Vielleicht sollte Caleb sich überlegen dich als Chef mit ins Boot zu holen, du scheinst zum Sklaventreiber geboren.” Es war ein Witz, das merkte ich sofort, ich streckte die Zunge heraus. Anschließend machte ich mich auf den Weg meine wenigen Habseligkeiten im Gästeraum zusammen zu packen. Ich ließ das Haupthaus gern zurück. Ich hatte die Ruhe des Gästehauses vermisst, meine kleine Oase der Ruhe. Ich gabelte Laurence im Flur auf. “Laurence? Kannst du mir eben bei der Tasche helfen? Für mich geht es vorerst wieder zurück ins Gästehaus.” “Klar, gib her.” “Sag mal, ich hab ein wenig heute morgen mitbekommen...wie schlimm ist es?” wir gingen langsam hinüber zum Gästehaus. “Es wird ein paar Veränderungen geben...das bleibt nicht aus. Aber mach dir vorerst keine Sorgen. Bellamy und Caleb schaukeln sich schon zusammen.” Laurence zog die buschigen Brauen zusammen. “Das wird ja auch mal Zeit!” brummte er schließlich. Ich lächelte in mich hinein...wahr wohl nicht schlecht. Laurence trug mir die Tasche bis hinauf in mein Zimmer, stellte sie vor dem Bett ab. ich bedankte mich bei ihm. Bevor Laurence das Zimmer verließ verweilte er kurz im Türrahmen. “Junge Dame...ich würde fast behaupten es war Gottes Segen das er sie zu uns geschickt hat. Wer weiß, vielleicht hat Verena das aus dem Himmel für uns eingefädelt. Jemand wie du hat uns auf der Ranch gefehlt...die gute Seele.” damit verschwand er aus der Tür. Ich blieb ein wenig erstaunt zurück. Laurence war ein guter Kerl, ich wusste das er schon auf der Gips Reminder Ranch gearbeitet hatte. Seine Bezeichnung der guten Seele schien mir allerdings etwas bizarr. Ich half nur Freunden aus...viel mehr noch...alle Chaoten waren im Laufe der letzten Monate einfach zum Teil meiner Familie geworden. Unfassbar das ich noch nichtmal ein Jahr hier war!

      Caleb
      Draußen atmete ich einmal tief durch. Hui, die Ranch gehörte nun mir. Noch nicht offiziell, aber bald würde sie komplett mir gehören, mit allen Pferden, allen Mitarbeitern und allem drum und dran. Ich wünschte mir schon seit Jahren eine eigene Ranch, aber jetzt so plötzlich eine zu besitzen? Unbeschreiblich. Ich atmete noch einmal tief durch und ging in den Stall, um Murphy beim Boxen misten zu helfen. Er schwieg, gut für ihn. Ein paar fragende Blicke flogen zwar zu mir rüber, aber er fragte mich nichts. Als ich damit fertig war, sattelte ich mit Vulture und ritt zu Connor, der den Zaun reparierte. Ich ging ihm kurz zur Hand, so dass wir schnell zurück zur Ranch reiten konnten. “An das Kraftfutter habt ihr ja heute Morgen auch gedacht, oder?”, fragte ich ihn und er schüttelte den Kopf. “Frag Cayce, keine Ahnung.”, ich rollte mit den Augen. Also ritt ich quer über die Ranch, um Cayce zu suchen, den ich schließlich auf dem großen Reitplatz fand. “Hey Cayce, das Kraftfutter habt ihr heute Morgen ja verteilt, oder?”, fragte ich ihn und er nickte. “Klar, ist erledigt. Habs auch schon für heute Abend gemischt.” “Gut, ich bin heute Abend mit Bellamy und Ylvi weg, einige Dinge regeln.”, sagte ich und er nickte.
      Jetzt musste ich nur noch Laurence finden. Ihm wollte ich die Ranch heute Abend überlassen, wenn ich nicht da war. Vulture sattelte ich ab und brachte auf einen der Paddocks. Dort machte er sich sofort wieder über das Heu… Mist, das Heu! Ich fluchte, lief zum Haus und stürmte in Bellamys Büro, wo auch Ylvi saß und ihm zu helfen schien. “Das Heu? Kam es? Wo ist es? Ich hab keinen Anhänger gesehen.” Nervös schaute ich auf meine Uhr. “Alles erledigt Caleb. Cayce und die anderen haben es schon abgeladen.”, erklärte er mir und ich nickte. “Okay… dann ist es ja gut. Ich bin dann mal Füttern, und dann können wir auch schon fast wieder los.”, erklärte ich und verschwand wieder. Im Stall fing ich an, das Heu in die Boxen zu verteilen. Als ich damit fertig war, lief mir auch Laurence vor die Füße. “Hey, du müsstest heute Abend auf die Ranch aufpassen. Bellamy, Ylvi und ich sind in Albuquerque und müssen einige Dinge regeln.”, erklärte ich ihm und er nickte, stellte aber keine weiteren Fragen. “Ich hoffe ihr bekommt das hin.”, meinte er und verschwand dann wieder. Im Stall war ich nun fertig, weshalb ich schnell duschen ging, mich fertig machte, meinen Notizblock schnappte und zum Auto ging, wo ich auf Bellamy und Ylvi wartete. Bellamy ließ nicht lange auf sich warten und auch Ylvi erschien nach einer Weile.

      Ylvi
      Ich hatte mein Tablet mit in die Tasche gestopft...einige Notizen würden sicherlich nicht schaden. Ich freute mich auf die Bar, ich war lang nicht mehr drin gewesen. Andererseits würden wir dort auch eine ruhige Ecke vorfinden, sicherlich gab uns Louis eines der kleineren Hinterzimmer. Diese nutzte er oft für geschlossene Veranstaltungen.
      Caleb stand an seinem Pick-Up. Vorn hatten tatsächlich drei Leute Platz, also warf ich die Tasche auf den Rücksitz, rutsche bis an den Fahrersitz und Bellamy setzte sich direkt daneben.
      Im Sandwich eingeklemmt zwischen Caleb und Bellamy fuhren wir also nun knapp eine Stunde in Richtung Albuquerque. Louis Bar befand sich im Speckgürtel der Stadt, eigentlich hatte ich bisher angenommen dieser Teil war nicht einmal Part von Albuquerque. Wobei das jetzt wahrscheinlich auch keine Rolle spielte. Calebs Blick ging nach vorn auf die Straße. Die Situation war irgendwie seltsam. Das Radio war kaputt. Also begann ich einfach zu erzählen womit Bellamy und ich uns heute beschäftigt hatten. Kontoauszüge sortiert, alle nötigen Zahlungen getätigt. “Ich hab die Daten alle mal digitalisiert auf meinem Tablet. Dann haben wir nebenbei eine gute Basis mit der du arbeiten kannst.” klar Daten konnten verloren gehen. Ich wusste auch das Caleb nicht unbedingt Technik Affinitäten teilte...aber ein Haufen Blätter zu sortieren, im schlimmsten Falle zu verlieren. Sonderlich nützlich erschien mir das ganze nicht. “Wir haben außerdem einen Anwalt ausfindig gemacht, der zwischen Weihnachten und Neujahr zur Ranch kommt um die Papiere offiziell zu übertragen.”

      Caleb
      Die Fahrt über war ich relativ still, hörte Ylvi zu und nickte hin und wieder. „Ich habe mir auch schon Gedanken dazu gemacht, welche Pferde wir verkaufen sollten. Ylvi du hast doch die Liste aller Pferde auf deinem Tablet? Auch die von O?“, sie nickte. „Gut.“, erwiderte ich und parkte mein Auto vor der Bar. Wir gingen hinein, wurden von einem freundlichen Louis begrüßt und sofort in eines der hinteren Zimmer geführt. Wir redeten eine Weile, besprachen sinnloses, waren vertieft in belangloses, als die Tür aufflog und niemand anderes den Raum betrat, als Octavia. “Da bist du ja endlich.”, grummelte ich, stand auf, und umarmte sie kurz. Auch Ylvi und Bellamy taten es mir gleich. Bellamy schien verwundert. “Ich wusste nicht, dass du auch kommst.”, sagte er zu ihr und zog ihr einen Stuhl vom Tisch, damit sie sich setzen konnte. “War auch eher eine spontane Idee von mir. Wenn sie jetzt zu uns zurückkommt, sollte sie sich auch einbringen. Schließlich will O ja auch Pferde verkaufen.”, erklärte ich und Octavia nickte. “Genau, aber lasst uns erst was essen.”, trällerte sie und ich lachte kurz. Irgendwie hatte ich diesen gut gelaunten Vogel vermisst.
      Wir bestellten Essen, was uns Louis auch schnell brachte. Erneut drehte sich das Gespräch um belanglose Dinge, ehe ich das Wort erhob. “Ich habe mir schon lange Gedanken darüber gemacht, was ich mit einer eigenen Ranch machen würde.. wo sie sein sollte, was sie verfolgen sollte, womit ich mein Geld verdienen würde…”, alle starrten mich an. “Dass Pferde weg müssen ist mir ganz klar, wir haben eh zu viele, die nur fressen und sonst nichts tun… in meinen Augen muss sich eine Ranch durch die Pferde quasi von selbst tragen.”, erklärte ich ihnen und hatte nun wirklich die gesamte Aufmerksamkeit von allen in diesem Raum erlangt. “Ich dachte daran, wieder zurück nach Kanada zu gehen. Ich habe mir im Internet schon Gelände angeschaut, zwei stehen zur Auswahl. Beide wieder in der Nähe von Calgary und Okotoks.” Ich sah ein wenig Panik in Bellamys Gesicht. “Zurück nach Kanada?”, fragte er unsicher und ich nickte. “Ich kenne keinen besseren Fleck auf diesem Planeten, um Pferde und Rinder zu züchten. Ja, Rinder gehören auch zu dem neuen Plan.” Bellamy nickte. “Es ist.. deine Ranch.”, murmelte er kleinlaut doch ich schüttelte den Kopf. “Ich sage nur, wie ich es mir vorstelle… außerdem… wir haben viele gute Westernpferde, die nicht mehr, oder noch nicht im Sport laufen. Touristen sind immer eine gute Geldquelle. Sie könnten die Landschaft erkunden, natürlich mit einem von uns dabei, könnten bei der Rinderarbeit und bei den Pferden helfen. Die Menschen geben eine Menge Geld für sowas aus.” Einstimmiges Nicken. “Deshalb bin ich zu dem Entschluss gekommen, alle Quarter-, Paint- und Appaloosahorses zu behalten.” “Klingt… vernünftig.”, sagte Ylvi und schaute auf ihr Tablet. “Ich habe hier eine Liste mit den Pferden, ich lese sie euch einfach mal vor. Gekörte Hengste wären demnach Alan’s Psychedelic Breakfast, Genuine Lil Cut, Gun and Slide und Hollywoods Silver Dream.” Caleb nickte. “Ungekörte Hengste wären A Shining Chrome, Chapter 24, Citizen Fang, Chocolate Shades, General’s Coming Home, GRH’s Bellas Dun Gotta Gun, GRH’s Funky’s Wild Berry, GRH’s Unbroken Soul of a Devil, Gunners Styled Gangster, Smart Lil Vulture, Whinney und Zues.” Wieder ein Nicken von Caleb. “Außerdem Nachtschwärmer und Chocolate Dream.”, fügte er an. “Ich nehme an die Fohlen bleiben auch alle?”, fragte Ylvi mich und tippte etwas in ihr Tablet ein. Ich nickte, und sie las die Namen vor: “PFS’ Unclouded Summer Skies, BR Dress to Impress, BR Colonels Lil Joker, Jacks Inside Gunner, Colonels Blue Splash und BR Colonels Golden Gun.” “Genau. Jetzt noch die Stuten und Cielos.”, meinte Caleb und Ylvi nickte. “Cielos bleibt, dann die gekrönten Stuten Baby Doll Melody, Bella Cielo, Colonels Smokin Gun, DunIts Smart Investment, Ginny my Love, GRH’s A Gun Colored Lena, Jade, Kristy Killings, Raised from Hell und Wimpys Little Devil. Nicht gekrönte Stuten sind A Walking Honor, Black Sue Dun It, California Rose, Chou, Easy Going, Face Down, Ginger Rose, GRH’s Aquila T Mistery, GRH’s Unbroken Magic, Heretic Anthem, Honey’s Aleshanee, Lady Blue Skip, Magnificient Crow, My sweet little Secret, Only Known in Texas, Picture of a Ghost, Snapper Little Lena, Stormborn und die Mixstute Striga.” Ylvi tippte fleißig Häkchen hinter die Namen der Pferde. “Dazu kommen noch Whitetails Shortcut, der Wallach von Cayce und Bittersweet Temptation, ein schwarze-weißer Paint Horse Hengst, den ich dazu gekauft habe.”, erklärte ich allen und sie nickten fleißig. “Væna fra glæsileika eyjarinar würde ich auch gerne behalten. Sie, Choco, Nachtschwärmer und Striga sind die einzigen Außenseiter, würde ich sagen, die ich fest behalten will.”, erklärte ich und sah dann zu Octavia rüber. “Genau, Ylvi tipp mal mit.”, sagte sie und nahm eine Liste aus ihrer Tasche. “Ich habe mir auch viele Gedanken gemacht, wen ich behalten möchte und wen ich verkaufen würde… bleiben sollen Tigres Eye, Priamos Ruffie Kincsem, BR Prias Raveday, Drama Baby, Raspberry, I’ve got a blue soul, Prias Colourful Soul, Tasmania, Candlejack, Culain, Empire of Grace, Daryl Gone Mad, Peacful Redemption, PFS’ Snap in Style und Wildfire xx. Bei einem guten Platz wären Empire of Grace noch zu verkaufen.”, erklärte Octavia und Ylvi tippte sich die Finger wund. Ein bisschen Leid tat sie mir ja schon, aber sie war es durch ihren Job ja gewöhnt, viel an solchen Geräten zu hängen. “Jetzt kommen wir dann wohl zu den potenziellen Verkaufspferden.”, sagte Ylvi und ich nickte. “Lies einfach einen Namen vor und wir sagen pro Argumente, warum das Pferd bleiben soll, oder Kontra Argumente, warum wir es verkaufen sollen.”, erklärte ich und sah zu Ylvi. “Meine Pferde zählen wohl auch dazu, wir gehören ja auch zur Ranch und ziehen mit um. Inyan, Lady Gweny, Fylgia und Valravn bleiben auch.”, sagte sie. Wir nickten einstimmig. Wir konnten ja schlecht verlangen, dass sie ihre Pferde verkaufte. Sie hatte doch nur vier davon und alle bedeuteten ihr eine Menge. Dann gingen wir die Liste Pferd für Pferd durch.

      Behalten:
      Seattle Slew -> wird als Touristenpferd behalten, wird kastriert
      Sir Golden Mile -> Octavia möchte ihn als Rennpferd übernehmen
      Stiffler -> soll noch gekört werden und ein paar Fohlen bekommen, dann wird er kastriert werden und als Wallach für die Touristen bleiben
      Moon’s Gealach -> wird von Ylvi gekauft
      Cleavant ‘Mad Eyes’ -> bleibt als Tourisrenpferd
      Abe’s Aelfric -> wird kasteriert und bleibt dann als Touristenpferd
      Ceara Isleen -> Umschulung zum Ranchpferd, später dann als Touristenpferd gedacht
      Blazing Flame -> Octavia möchte die Stute haben
      Skrúður -> Umschulung zum Ranchpferd, evtl. ein paar Fohlen ziehen und dann kastrieren, später evtl. als Touristenpferd

      Verkaufen:
      BR Princess Peppy Gaia
      GRH’s Princess Peppy Ann
      Pocahontas
      Náttdís van Ghosts
      Thjalfe van de Jötunheimr
      Fenicio
      Lajos
      Myrkvidr
      Atlanta
      Ghost’s Phenomena
      Magic Lanijos
      Zoltaire
      Zuckerschock
      LMR Fashion Girl
      Samarra
      It’s me, Amira!
      Vin
      PFS’ Blossom Magic
      Bree
      Crimetime
      Wolfs Bane
      Natu’s Little Harley
      CHH’ Mr. Buckminster
      Ocarina of Time
      Empire of Grace
      Free Willy
      Firewalker
      Mystical Champion
      Whiskey
      Sweet Revenge

      “Das war nun doch schwerer, als ich dachte.”, sagte ich und schaute mir die Liste auf dem Tablet nochmal an. “Doch.. doch. So bin ich zufrieden.”, meinte ich und sah in die Runde. Zustimmendes Nicken. “Ich würde gerne Morgen schon nach Kanada fliegen und mir die beiden Grundstücke anschauen. Möchte jemand mit?”, fragte ich Bellamy, Octavia und Ylvi und wartete.


      Ylvi
      In meinen Gedanken hüpfe ich gerade wie Hermine auf meinem Stuhl auf und ab, Arm gereckt, Finger schnippend um zu signalisieren, das ich mit von der Partie war. Tatsächlich speicherte ich meine Datei ab, ließ das Tablet wieder in der Tasche verschwinden und sah erst dann in die Runde. Weder O. noch Bellamy schienen sich wirklich dafür zu interessieren. Ich musste nicht erst zu Caleb schauen um zu Wissen das sein Blick auf mir lag. Als ich auf sah, hatte er mich fixiert. Sein Kopf legte sich nur leicht schief, sein Gesicht mit einem Mal ein fragendes Buch. Meine Augenlider schlossen und öffneten sich bewusst, ein Lächeln um meine Lippen. Unsere stumme Kommunikation machte ihm bewusst das ich mit dabei war. “Dann würde ich sagen, nehmt ihr meinen Pick-Up zurück zur Ranch.” sprach Caleb zu den anderen beiden. Ich fischte mein Tablet wieder heraus. “Ich such dann mal nach einem Flug für dich.” ich wusste nicht wieso ich nicht uns sagte...Ich wollte nicht Preis geben das ich mit Caleb flog. Ich war nicht bereit dafür den anderen zu stecken das vielleicht mehr als das Geschäft mich mit zog. “Ylvi kommst du dann bei mir mit?” fragte Bellamy. Ich winkte ab. “Mhm..nein, also. Ich werd wohl die Nacht noch hier bei Caleb und Louis verbringen. Denke ich werd dann meinen Verbandswechsel direkt morgen im Krankenhaus machen.” “Ja gut. Dann nehm ich Bellamy in meinem Auto mit, dann lassen wir den Pick-Up hier, dann hast du einen fahrbaren Untersatz, wenn du wieder zurück willst.” bot sich O an. “Guter Vorschlag, machen wir das so.”
      Wir verabschiedeten uns von O und Bellamy, blieben allerdings vor der Bar stehen bis die Lichter verschwunden waren. “Ich werd dann mal Lilly eine SOS Nachricht schicken.” Caleb sah mich etwas verwirrt an. “Naja ich hab keine Wechselkleidung, schon gar nichts was Kanada tauglich wäre. Außerdem, den Verband muss ich tatsächlich wechseln.” “Stimmt, daran hab ich jetzt gar nicht gedacht. Gut das Louis fast meinen Kleidungsstil hat. Noch ein Bier?” “Hell yes.” damit drehten wir uns um, betraten wieder die Bar. Caleb half mir auf einen der Barhocker hinter denen Louis stand und uns beide gesichtslos ansah. Ob sich Caleb sein - keine Miene verziehen - irgendwie von ihm abgeschaut hatte? “Ihr habt fast vier Stunden meine Hinterzimmer blockiert. Das klang ja nach einer richtigen Krisensitzung.” typisch native redete er um den heißen Brei, zeigte neugierde...fragte aber nicht bohrend nach. Obwohl ich mir sicher war das es ihm auf der Zunge brannte. “Das muss dir Caleb erzählen.” ich musste derweil ein Gähnen hinter meiner Hand verstecken...und widmete mich der Suche nach einem Flug für den nächsten Tag.

      Caleb
      Das war… anstrengend gewesen. Ich nahm das Bier von Louis entgegen und legte meinen Kopf einmal in meine Hände. Auch an mir nagte mittlerweile eine ziemliche Müdigkeit. Als ich den Kopf wieder hob, sah mich Louis noch immer fragend an. “Oh Louis, wo soll ich anfangen... “, murmelte ich und sah seine nach oben gezogenen Augenbrauen. “Also gut…”, setzte ich an und erzählte ihm alles, was seit heute Morgen passiert war.
      Als ich zu Ende erzählt hatte, war meine Bierflasche auch am Ende angekommen und Louis hatte mir lautlos eine Neue hingestellt. “Das klingt…”, fing er an, bediente einen Kunden, davon gab es schließlich genug hier, und setzte dann wieder an: “Das klingt.. nach viel Arbeit und vielen Veränderungen.” “Ja.. so ist es.”, sagte ich und schaute zu Ylvi, die noch immer nach Hotels und Flügen schaute. Ob sie wohl schon etwas gebucht hatte? “Nach Calgary, am Besten. Die beiden Höfe sind einmal circa 30 Minuten und einmal 45 Minuten von da weg.”, erklärte ich und sie nickte. “Und dann zieht ihr alle von hier weg?”, fragte Louis nach einer Pause. “Ich… denke ja, dass sie alle mitkommen… es wird mir so fehlen, dich nicht mehr so nahe bei mir zu haben.”, sagte ich zu ihm und wurde doch etwas sentimental. “Hey, noch bist du nicht weg, Junge.”, sagte er und haute mir über die Theke einmal gegen die Schulter. “Noch bist du hier und trinkst mein Bier… was du übrigens mal bezahlen könntest…”, merkte er an und ich lachte. “Ich will gar nicht wissen, wie viel Geld ich schon hier gelassen habe.” Auch Ylvi lachte nun. Wir schauten uns an und schienen das Gleiche zu denken. “Oder wie viel Geld wir schon für Bier ausgegeben haben, was wir dann im Gästehaus auf der Ranch getrunken haben.”, sagte sie und Louis und ich stimmten in ihr Lachen ein. “Ach bevor ich es vergesse, kannst du mir ein paar Hemden und Hosen leihen?”, fragte ich Louis und er schüttelte nur grinsend den Kopf. “Klar, ihr schlaft dann bestimmt hier?”, fragte er und wir nickten. “Waschté, ich bring dir morgen früh etwas vorbei. Aber bezahl wenigstens das Zimmer…”, brummelte er und ich rollte mit den Augen, nahm meinen Geldbeutel aus der Hosentasche und bezahlte es im jetzt sofort. Ylvi machte Gestiken auch etwas davon zu bezahlen, doch ich winkte ab. “Das in Calgary wird teurer, ich denke wir schaffen nur eine der beiden Ranches am Tag. Es gibt viel zu sehen und anzuschauen. Da kannst du dich finanziell beteiligen.” “Okay.”, meinte sie und steckte ihren Kopf wieder über den Bildschirm.

      Ylvi
      Etwa nach 20 Minuten hatte ich alles unter Dach und Fach. Louis war gerade verschwunden um die Vordertür abzuriegeln. Die Bar hatte jetzt offiziell geschlossen. “Ich hab uns in Calgary ein Hostel gebucht, einfach...aber auch preiswert. Da wir eh den ganzen Tag unterwegs sind, wird das seinen Zweck erfüllen. Morgen früh gegen 8 kommt Lilly mit ein paar Sachen für mich vorbei. Um 12 geht der Flug...am besten geht es schon etwa 10 Uhr zum Flughafen. Dann haben wir genug Zeit um das Gepäck abzugeben. Ich hab uns bereits online eingechekt, dann sparen wir uns das vor Ort. “ dann nahm ich zwei große Schluck meines Bieres und hielt Caleb den Rest hin. Ich trank auch immer wieder mit, aber sonderlich viel dann auch wieder nicht. Irgendwie hatte es sich da eingeschlichen das Caleb den Rest davon trank.
      Louis brachte uns in das schlichte Zimmer im Dachgeschoss. “Ich würd fix noch die Couch fer…” Caleb fiel ihm ins Wort. “Lass mal...geht schon so.” Louis gab keinen Kommentar, doch ein breites Lachen auf seinen Lippen schien sich der Lakota nicht verkneifen zu können. Dann verschwand er aus der Tür...ich ließ mich auf das Bett sinken, direkt auf den Rücken. “Was für ein Tag.”

      Caleb
      Louis verschwand und Ylvi legte sich auf das Bett. Ich wollte es ihr gleichtun, blieb jedoch stehen und zog meine Sachen aus. Erst dann legte ich mich auf das Bett und unter die Decke. “Ja, der Tag hat mich auch ziemlich fertig gemacht.”, sagte ich zu Ylvi, die aufstand und sich ebenfalls auszog, um dann zu mir unter die Decke zu kommen. Es dauerte wirklich nicht lange, da waren wir eingeschlafen.
      Am nächsten Morgen wachte ich auf, weil Ylvi einen Wecker gestellt hatte. Ich brummte, drehte mich um und legte mir das Kissen über den Kopf. So fertig war ich schon lange nicht mehr gewesen. Auch Ylvi schien nicht wirklich begeistert davon, aufzustehen. Nachts war ich immer wieder aufgewacht und hatte eine Weile nicht mehr einschlafen können, so viele Gedanken waren in meinem Kopf hin und her gekreist. Langsam richtete ich mich jedoch auf, zog zumindest meine Hose an und öffnete die Tür, denn ich dachte, ich hätte etwas gehört gehabt. “Oh schau mal, unsere Sachen.”, sagte ich zu Ylvi und hob die beiden Reisetaschen auf. Diese schmiss ich aufs Bett, öffnete sie und schob dann die Tasche mit der Frauenkleidung zu Ylvi rüber, die sich mittlerweile auch aufgerichtet hatte. Aus meiner Tasche nahm ich ein Hemd, zog es an und stopfte mein altes Hemd vom Boden in eine Ecke der Tasche. “Louis scheint das hier abgegeben zu haben. Lilly wollte mir ja noch helfen.”, schlussfolgerte Ylvi und ich nickte. Dann klopfte es wirklich an der Tür. Ich öffnete, bat Lilly herein und verschwand für die Zeit nach unten, während die Beiden den Verband wechselten. Eine ganze Weile unterhielt ich mich mit Louis, ehe Ylvi und die Kleine mit den Taschen die Treppe herunter kamen. “Hab alles eingepackt.”, sagte Ylvi zu mir und ich nickte. Wir verabschiedeten uns von Louis und Lilly, packten alles in den Pick - Up und fuhren zum Flughafen- relativ schweigend. Auch das Warten verlief ohne große Worte, ich nickte auch einmal ein und wurde durch ein sanftes Rütteln an meiner Schulter geweckt. Müde schaute ich in Ylvis Gesicht. “Komm, lass uns ins Flugzeug.” Wir stiegen ein, bezogen unsere Plätze und… schliefen für die nächsten sieben einhalb Stunden ein. Leider hatten wir die schöne Aussicht auf Colorado, Wyoming und Montana verpasst. Aber vielleicht würden wir es ja auf dem Rückflug schaffen, wach zu bleiben und uns die Landschaft anzuschauen.
    • sadasha

      Dein Geschenk zu Weihnachten Teil II | Dezember 2018 | von Ravenna & Veija
      Ylvi
      Die unsanfte Landung ließ mich hoch schrecken, ich brauchte auch einen kurzen Moment ehe ich mich orientiert hatte. Ich drückte in der enge des Flugzeuges meinen Rücken durch, dehnte meinen Nacken. Die Position halb schief auf Calebs Schulter schlafend hatte dem nicht ganz wohl getan. Die Flugbegleiter baten uns noch einige Minuten zu warten, wir hatten den Flug knapp 20 Minuten zu früh erreicht. Das Bodenpersonal schien sich aber bereits zu sammeln.
      Caleb schien auch wach geworden zu sein, ähnlich wie ich rieb und dehnte er sich den Nacken. Da wir nur Handgepäck hatten konnten wir nach verlassen des Gates direkt in Richtung Ausgang verschwinden. Dort suchten wir uns ein Taxi. Durch die Zeit hier mit der Gips Reminder Ranch, hatte Caleb eine alte Bekanntschaft ausfindig gemacht. Sie würde uns für die nächsten drei Tage die wir hier blieben ihren Wagen leihen.
      Die Frau die uns entgegen kam, trug Stiefel...aber nicht nur Stiefel. Sie gingen ihr bis über das Knie. Es verlängerte ihre Gestalt, sie hatten auch einen knapp 10 cm hohen Absatz. Ein kurzer, also wirklich kurzer Rock. Die Jacke mit weitem Plüsch besetzt...Ich zuckte zusammen als ich ihr Gesicht sah. Hui..mit Schminke hatte sie nicht gespart. Caleb hüstelte, als sie mit einem “Juuuhu Caleb.” auf uns zu gestöckelt kam. Ich war mir ziemlich sicher...die sah nicht nur aus wie ein Rodeohäschen, sie war sicherlich eine. Sie zog Caleb zu ihrer Brust, küsste ihn auf die Wange, auf denen der Abdruck ihres Lippenstiftes zurück blieb. “Ylvi..das ist Monique.” Ich hatte fast erwartet, sie würde mich mit einem Bitch-please Blick mustern. Stattdessen kam sie vor mich, überragte mich dabei locker um beinahe zwei Köpfe. Mich zog sie allerdings auch in eine Umarmung, küsste mich auch auf die Wange. Schien also nicht ihre spezielle Caleb Begrüßung zu sein. Oder sie wollte nicht das ich mich schlecht fühlte.
      Sie gab Caleb einen Schlüssel in die Hand, ein rosa Einhorn hing daran. Anschließend führte sie uns zu ihrem Wagen. Es handelte sich um eine schwarze Dodge. Ich blieb kurz einen Moment verdutzt stehen. Den Wagen hatte ich der drallen Monique nicht zugestanden. Das bewies allerdings wieder - Urteile nicht vorschnell. Vielleicht kleidete sie sich auch einfach nur gern..wie sie eben gekleidet war? Caleb und sie unterhielten sich noch ein wenig, er gab mir schonmal den Schlüssel. Mit den Taschen stiefelte ich also in Richtung der Kofferklappe, öffnete und erstarrte. Ich spürte förmlich wie sich meine Netzhaut weg ätzte als ich das Innenleben erblickte. Rosa..pink...und zwar alles vor mir. Das bisschen das ich vom Armaturenbrett sah, die Ledersitze...der ganze verdammte Kofferraum. Ich warf das Zeug rein. Monique wünschte Caleb alles gute. “Dann bis in drei Tagen.” erwiderte er. Ich gab ihm die Schlüssel wartete bis sie fort war. “Monique also, ja?” meinte ich spöttisch, sah ihr hinterher. “Ich hab nie behauptet das ich Geschmack hatte als ich jünger war.” ich lachte ein wenig. “Warte bis du die Inneneinrichtung zu Gesicht bekommst.” klopfte auf seine Schulter, lachte und ging um den Wagen herum zur Beifahrertür. Als ich sie öffnete stand da ein vom Donner gerührter Caleb, ungläubig auf das Innere blickend. Von hier aus hatte ich mehr Blick auf die Einrichtung...der Schalthebel...sogar die verdammten Pedale...rosa oder Pink. “Na? Doch lieber einen Wagen mieten?” Caleb schüttelte langsam den Kopf, schluckte. “Na immerhin ist er von außen schwarz.” scherzte er, nicht ganz ernst.
      Damit stiegen wir also in den Wagen, mein Tablet in der Hand, half ich ihm dabei aus der Stadt heraus zu finden. “Gut das du den Kasten bei hast, die genaue Richtung krieg ich sicherlich nicht mehr zusammen.” dann schwiegen wir wieder eine Weile. Ich konnte nicht umhin, mein Handy zu zücken und ein Foto von Caleb hinter dem rosa Lenkrad zu machen. “Wehe das landet im Chat für die Ranch.” ich grinste ihn an…”Huups.”

      Caleb
      Ich starrte wütend zu Ylvi rüber. Bing...bing...bing… Machte es bei unseren beiden Handys. Ylvi starrte auf Ihres und kam aus dem Lachen nicht mehr heraus. Ich kramte meins aus der Tasche und schaute auf das Display. ‘Hübsch Caleb, steht dir.’, stand da von Bellamy. ‘Oh Caleb, ich wusste ja dass du strange bist.. aber das hätte ich nicht erwartet.’, stand da von Octavia. ‘Caleb was geht denn bei dir?!’, hatte Cayce geschrieben. ‘OMG CALEB!’, schrieb Betsy. Wir hatten auf dem Hof zwei WhatsApp Gruppen, einmal mit, und einmal ohne Betsy. In der ohne das Mädchen wurden manchmal ganz andere Dinge geschrieben. “Na danke dafür.”, sagte ich zu Ylvi, starrte sie noch einmal wütend an und startete dann den Motor. “Ich dachte wirklich Monique wäre über diese Phase hinweg…”, grummelte ich in mich hinein und fuhr auf den Highway.
      Morgen würden wir uns die Ranch anschauen, heute würde es zeitlich zu knapp werden. Eine Ranch kaufte man nicht in einer Stunde. “Hast du Lust noch was essen zu gehen?”, fragte ich Ylvi, als ich in die Straße des Hotels einbog. Sie nickte. “Vorher noch etwas frisch machen?”, sie nickte wieder. “Na gut.”, murmelte ich. Meine Wut war verflogen, etwas witzig war das Auto ja schon- und das Bild würde uns immer an diesen Trip hier erinnern.
      Ich parkte das Auto im Parkhaus und wir stiegen aus, gingen zur Rezeption, checkten ein und gingen auf unser Zimmer. “Mach du dich zu erst fertig.”, sagte ich zu ihr und Ylvi verschwand im Bad. Wir hatten beide keine sonderlich schicke Kleidung dabei, weshalb wir uns auch nicht großartig umzogen. Als Ylvi fertig war ging auch ich ins Bad und machte mich ein wenig frisch. “Na dann lass uns essen gehen, sagte ich zu ihr und ließ tatsächlich meinen Cowboyhut auf dem Bett liegen. “Nimmst du den nicht mit?”, fragte Ylvi mich und ich schüttelte den Kopf. “Ich muss ja nicht schon wieder direkt auffallen.”, sagte ich zu ihr. Bei dieser Aussage dachte ich an mein Auftreten im Krankenhaus und die klirrenden Sporen. Mit der verwaschenen blauen Jeans und den Westernstiefeln würde ich hier bei genauerer Betrachtung zwar auch auffallen, aber nicht so sehr wie noch mit dem Hut. Wir stiegen ins Auto, fuhren zu einem Restaurant ganz in der Nähe, ein bisschen kannte ich mich ja hier noch aus, und parkte dort auf dem Parkplatz. Wir gingen rein und bekamen tatsächlich noch einen Platz. Dort bot ich Ylvi einen Stuhl an und setzte mich ebenfalls an den Tisch.

      Ylvi
      Ich rieb meine Hände aneinander, setzte mich schließlich auf sie - es waren -6 Grad...und mein Körper hatte sich noch nicht an die Kälte gewöhnt. Das war tatsächlich eine Tatsache die mir Caleb wirklich mal erklären musste. Wieso zum Teufel Kanada? Das einzige was ich von diesem Staat wusste waren: ne Menge Schnee, irgendwas mit Ahorn und natürlich eine unfassbare Artenvielfalt an Tieren. Darunter Wölfe, Elche, Rentiere und natürlich auch Bären. Ich konnte Schnee nicht ausstehen. Klar so Winterritte hatten schon was...aber Schneechaos, Schnee schippen. Ich hatte mich zwischendurch schonmal gefragt was mich da geritten hatte. War ich nicht zur Blakes Crow Meadow gekommen, eben weil sie in New Mexico war? Tja, da hatte sich innerhalb weniger Stunden mein Leben ganz schön auf den Kopf gestellt. Und mein blöder Witz war es auch noch gewesen, der Bellamy auf die fixe Idee gebracht hatte Caleb die Ranch zu überschreiben. Ich hatte sogar gemeint ein Umzug sei sicherlich nicht schlecht. Und jetzt waren wir hier...in Calgary. Die nächsten Tage schauten wir uns zwei der potentiellen Ranches an. Wahnsinn.
      “Jetzt wo wir unsere Ruhe haben. Erzähl mir doch mal wieso es eigentlich nach Kanada geht. Soweit ich weiß bist du nicht hier geboren? Was sind deine genauen Pläne für eine Ranch?”

      Caleb
      Wir saßen beide am Tisch, hatten uns ein wenig umgesehen und auch schon Essen bestellt. Die Kellner hier waren wirklich fix und hatten uns schnell bedient, so dass wir nicht lange hatten warten müssen. Als Ylvi mir eine Frage stellte seufzte ich kurz und ließ meine Gabel sinken. Ja, warum eigentlich? Dass ich mich einfach nicht von diesem Land und von der Erinnerung an Verena trennen konnte würde ich ihr wohl kaum verraten.
      “Nein, geboren bin ich hier nicht aber ich bin durch das Rodeo viel gereist, habe viel gesehen und war auch sehr oft in Kanada, mal auf kleinen, mal auf großen Rodeos… dann habe ich Verena kennen gelernt… und habe mich noch mehr in dieses Land verliebt.”, gestand ich ihr und aß weiter, ich ließ mir Zeit mit dem Antworten, wollte meine Aussagen mit Bedacht auswählen. “In der Zeit auf der Gips Reminder Ranch habe ich viel erlebt, bin viele Pferde geritten und viele Turniere gegangen, hier und auch in ein paar Staaten in den USA. Montana und Wyoming zum Beispiel habe ich oft mit Pferden besucht, aber die Landschaft hier in Alberta? Die grünen, weitläufigen Wiesen, kaum Zäune und wenn, dann kilometerweit entfernt…”, ich sah Ylvis Blick und wusste genau, was sie dachte. Genau das gab es auch in Staaten der USA. Weitläufige, grüne Wiesen und auch alles Andere… “Ich weiß nicht.. kennst du das nicht, dass man sich in etwas verliebt und gerne dort hin zurückkehren möchte? Natürlich nicht genau zurück.. aber in das Land schon?”, fragte ich sie und sie nickte. “Und was sind deine genauen Pläne für eine Ranch?”, fragte sie mich dann und wieder musste ich überlegen. “Sie soll weitläufige Koppeln haben, wir brauchen aber auch für jedes Pferd eine Box. Es müssen nicht immer alle Pferde im Stall stehen, aber hier kann der Winter teilweise ziemlich hart werden und dann bräuchten wir für jedes einen warmen Platz. Außerdem möchte ich gerne Rinder halten.. Whiteface.. wer hätte es gedacht.”, erklärte ich und sie lachte. “Ja, wer hätte gedacht, dass du dir Kühe mit einem weißen Kopf kaufst.”, zog sie mich auf. “Außerdem brauchen wir große, gute Reitplätze und am besten eine oder zwei Hallen, um die Pferde ordentlich trainieren zu können… und Bungalows… oder kleine Mitarbeiterhäuser… aber das kann man ja alles noch bauen.”, erklärte ich ihr und sah sie an. “Also so richtig… weiß ich noch nicht was ich möchte. Also ich weiß es schon, aber ich kann mich nicht entscheiden, was ich wichtiger finde.”

      Ylvi
      Caleb wählte seine Worte mit Bedacht. Es schien als kaue er auf ihnen herum, ehe sie seine Lippen verließen. Nicht als fiele es ihm schwer sie auszusprechen. Vielmehr beschlich mich das Gefühl als wolle er mich schonen. War es das? Ich legte leicht den Kopf schief, beobachtete seine Haltung die offen war. Doch seine Hand spielte mit dem Ende der Gabel. Wunderlich was mir nach all der Zeit mit ihm auffiel. Es gab keine Illusionen.. natürlich, die Antwort die er mir gab war richtig, aber da war noch etwas anderes. Um mich abzulenken konzentrierte ich seiner zweiten Antwort zu lauschen, nahm die Worte wahr... allerdings entschlüpften sie mir durch das andere Ohr nach draußen. Ich hörte nur Koppeln, Boxen...Halle... Training.
      In Gedanken jedoch war ich noch bei der ersten Frage. Wieder war ihr Name gefallen, Verena. Natürlich war er das..hier hatte alles begonnen für ihn. Wie Louis es mir damals auf dem Berg gesagt hatte..Verena hatte alles für ihn geändert. Damit hing sein Herz, ein Teil seines Bewusstseins nicht nur an ihr,sondern auch an dem Land das für ihn einiges verändert hatte. Es fiel mir schwer mein wehmütiges Seufzen zu unterdrücken. Ich würde vielleicht ewig in ihrem Schatten stehen. Dann erinnerte ich mich an Laurence Worte..die gute Seele der Ranch. Vielleicht hat Verena dich für uns hierher geführt.
      Ob er wohl Recht hatte? Mir gefiel der Gedanke das sie aus der Anderswelt in diese blickte und den Nornen vielleicht etwas Zugeflüstern hatte. Laurence hatte von Gott gesprochen, für mich spielte er weniger eine Rolle als die Götter des Nordens..aber vielleicht war er einfach nur eine andere Bezeichnung für meinen Allvater? In Bellamzs Büro hatten Bilder von ihr gehangen. Für mich würde Verena auf ewig ein Geist bleiben von dem wenige sprachen. Ich beugte mich ein wenig vor, sah Caleb an, fasste nach seiner Hand. “Tut mir Leid..deine zweite Antwort wirst du mir nochmal geben müssen. Kannst du mir von ihr erzählen? Jeder erwähnt sie, für mich ist sie nur ein Geist. Ich könnte Bellamz oder O. fragen...aber,ich weiß nicht. Ich würde es gern von dir wissen. Ich hätte gern ein Bild von ihr, mehr als nur Bruchstücke.” das konnte nach hinten los gehen, furchtbar schief gehen. Aber ich wollte offene Karten zwischen uns... er verhielt sich stets Loyal,das war einer seiner besten Eigenschaften. Daher fügte ich noch hinzu “Ich hoffe du weißt, dass du offen mit mir sprechen kannst. Du musst mich nicht schonen.” Ich lächelte aufrichtig in seine Richtung. Wir waren kein Paar, er hätte das Recht sich der Antwort zu entziehen. Ich wollte nicht zu forsch sein, es war kein Befehl...eine offene Bitte vielmehr.

      Caleb
      So langsam waren wir fertig mit Essen, als mir Ylvi eine Frage stellte, die ich nicht so ohne weiteres beantworten konnte. “Lass uns nicht hier über sie sprechen.”, erklärte ich ihr und schien sie für den Moment befriedigt zu haben, denn sie hakte nicht weiter nach. Wir sprachen über dieses und jenes, blieben jedoch bei Gesprächen über Pferde und Ranches. Wir teilten uns noch die Eiskugeln zum Nachtisch, denn eine ganze Portion hätten wir beide nicht mehr geschafft, bezahlte jeder von uns die Hälfte der Rechnung und wir gingen zurück zum Auto, womit wir wieder ins Hotel fuhren und auf unser Zimmer gingen. Man sah uns beiden an, dass wir wirklich geschafft vom Flug waren. “Und du willst ihre Geschichte wirklich jetzt noch hören?”, fragte ich Ylvi und sie nickte überschwänglich. “Ja.”, war ihre Antwort und ich nickte, schwieg jedoch eine ganze Weile, während sie mich gebannt ansah und darauf wartete, dass ich etwas sagte.
      “Verena war… eine Visionärin.”, fing ich an und überlegte dann weiter. “Ich glaube sie hatte ihr Leben schon bis zum Tod durchgeplant und den Pferden gewidmet. Sie hat stets in allem das Gute gesehen und nicht nur zweite, sondern auch dritte und vierte und fünfte Chancen gegeben, auch was mich angeht. Nicht umsonst hat sie mir eine Ohrfeige verpasst, mich gefeuert und vom Hof geschmissen, als ich ihr sagte, Zues wäre unbrauchbar und ich hätte ihr doch gesagt, dass sie es bei ihm zu nichts bringen würde…Sie hat mir mehr als einmal einen Fehltritt verziehen und mir wieder ihr Herz geöffnet.”, erklärte ich ihr weiter und sah in ihren Augen etwas aufblitzen. “Hasst du Zues deshalb?”, fragte sie mich doch ich schüttelte den Kopf. “Ich hasse ihn nicht.. ich gebe ihm nur irgendwie die Schuld an allem, auch wenn er absolut nichts dafür kann.” Ylvi nickte. “Die vielen Chancen hat sie also den Pferden und den Menschen gegeben. Zues, Raised from Hell, Wimpys Little Devil… alles so hoffnungslose Fälle. Aber schau dir Hell und Devil heute mal an… was sie bei ihnen erreicht hat… nur zu Zues konnte sie nie durchdringen.. und jetzt kann sie es nicht mehr. Aber abbringen ließ sie sich von nichts, dieser Sturkopf der immer seinen Willen durchsetzen musste. Nichts und niemand in der Welt hätte sie dazu gebracht, eines der Pferde aufzugeben. Sie hatte eine gute Seele und liebte die Pferde über alles.”, wieder nickte Ylvi. Was sollte sie auch groß dazu sagen? “Mir gegenüber war sie immer ein wenig… impulsiv. Irgendwie wie ich…Ich brachte sie auch oft genug auf die Palme, mit meinen Andeutungen…. Achso, apropos Chancen.. schau dir Bellamy und Murphy und Octavia an. Alles ihr Werk. Hätte sie ihnen keine zweite Chance gegeben, was wäre wohl aus ihnen geworden? Ich möchte das auf jeden Fall auch weiterführen. Solchen Menschen eine zweite Chance geben, ihnen etwas bieten und zu etwas verhelfen.”, sagte ich und schwieg dann wieder eine ganze Weile. “Mit ihr konnte man nicht gut streiten. Sie war schnell den Tränen nahe und Enttäuschungen sah man ihr sofort im Gesicht an. Sie war jemand, der von den anderen gemocht und gut behandelt werden wollte… vermutlich konnte ich aus diesem Grund ihr Herz nie erreichen und hatte sie an Svejn verloren. Svejn ist eine andere lange Geschichte…”, seufzte ich. “Sie legte jedoch viel Wert auf meine Meinung und wurde sehr schnell unsicher, wenn ich ihr vor den Kopf stieß und ihr erklärte, wie dämlich und dumm ihre Idee war…”, wieder schwieg ich. “Sie verlangte den Pferden aber auch Leistung ab. Schau dir Bella oder Gipsy an, oder auch Choco. Oh Gott Choco!”, ich lachte. “Durch ihre Affinität zu diesem Pferd ist mir der Haflinger erst auf den Hof gekommen! Sie glaubte zwar nie daran, dass andere Rassen gut in dieser Sportart sein würden, aber irgendwie hatte sie einen Narren an diesem Hengst gefressen… und Choco ist gar nicht so schlecht im Westernsport.”, sagte ich und Ylvi lachte auch kurz auf. “Ansonsten.. ich zeige dir mal ein paar Fotos, wenn wir wieder in New Mexico sind. Dann kannst du dir sie besser vorstellen.”, sagte ich noch und überlegte. “Ich glaube, mehr fällt mir gerade nicht ein.”, meinte ich und drehte mich zu Ylvi um. Ich hatte in dem Stuhl im Zimmer Platz genommen, während sie sich auf dem Bett ausgebreitet hatte. “Hast du noch Fragen?”

      Ylvi
      Ich hatte mich auf das Bett fallen lassen, aufmerksam seinen Worten gelauscht. Der Geist füllte sich mit einer Art von Person. Mit jedem Satz den er mir gab,konnte ich mir ein besseres Bild von ihr machen.
      Er endete, schwieg kurz. In diesem kurzen Moment richtete ich mich auf. Ob ich noch Fragen hatte? Viele...aber diese musste ich nicht jetzt beantwortet bekommen. Also schüttelte ich den Kopf. “Danke.” flüsterte ich, für ihn gerade so hörbar. Ich hätte noch anfügen können, das ich wusste das es ihm schwer gefallen war. Das ich ahnte, dass ihn meine Frage erstaunt hätte. Aber in mir kam das Gefühl auch, dass dies zu viel wäre. Es bedurfte keiner Erklärungen. Über den Raum hinweg sahen wir uns einfach an, ohne zu blinzeln, dann huschte nur ein Zucken über seine Lippen, er blinzelte. Ich hatte ohne Worte verstanden, Caleb wie es schien auch. Als er sich erhob um in das Bad zu gehen, ließ ich mich wieder zurück sinken. Mir steckte der Flug in den Knochen, ein wenig tat mir doch irgendwie meine heilende Wunde weh - es begann langsam die Zeit in der sie zu jucken anfing.
      Ich unternahm wirklich den Versuch wach zu bleiben, aber meine Lider waren einfach zu schwer. Also glitt ich in das Land meiner Träume. Sie waren wirr...vollkommen wirr. Aber eine Art von Lichtgestalt die der Verena auf den Fotos wirklich unglaublich ähnlich sah, führte mich zu einem Pferd. Ohne weiter darüber nachzudenken ging ich auf dieses zu, schwang mich auf seinen Rücken und ritt über eine Landschaft die mir gänzlich unbekannt war. Erst zurück auf der Ranch sollte mir klar werden, das ich in meinen Träumen auf Zues geritten war. Sie würden mich nicht in Frieden lassen. An diesem Tag, in diesem Traum, entstand eine erste Idee in meinem Kopf.

      Caleb
      Als ich aus dem Bad zurückkam war Ylvi schon eingeschlafen. Ich seufzte kurz, deckte sie zu und legte mich dann ebenfalls unter die Decke. Wieder hier zu sein, in Calgary, nahe dem Ort an dem alles angefangen hatte und an dem alles hätte enden können… Meine Gedanken hielten mich fast die ganze Nacht wach. Ylvi wachte einmal nachts auf, zog sich flink um und schlief dann sofort wieder ein.
      Ich musste doch die Augen eine Weile zu gemacht haben, denn als ich von Ylvi geweckt wurde, fühlte ich mich wie vom Truck überrollt. Ich hab einen gequälten Laut von mir, richtete mich auf, stellte meine Füße auf den Boden und ließ meinen Kopf auf meine Hände sinken, die ich auf meine Beine gestützt hatte. „Alles in Ordnung?“, fragte Ylvi mich vorsichtig. „Ja.“, meinte ich leise und fuhr mir einmal durch die Haare. „Mach du dich im Bad fertig, ich muss noch ein paar Telefonate führen.“, erklärte ich ihr und sah sie ins Bad huschen. Tatsächlich rief ich die beiden Ranchbesitzer an und klärte, welche wir heute und welche wir morgen besuchen gehen würden. Meinen Favoriten würden wir uns morgen anschauen gehen, die andere Ranch heute. Ylvi besuchte nicht sonderlich lange im Bad, so dass ich auch noch duschen gehen und mich umziehen konnte. „Frühstück?“, fragte ich sie als ich wieder herauskam. Sie nickte. „Frühstück und Kaffee…“, erwiderte ich ihr und gähnte lange.
      Als wir in Richtung Essraum gingen erzählte ich ihr, welche Ranch wir heute besuchen gehen würde und welche morgen. Dass bei der morgigen Ranch noch 30 Whiteface Kälber, Rinder und Kühe inbegriffen waren, verschwieg ich ihr mal lieber.

      Ylvi
      Da Caleb ein wenig fertig aussah, orderte ich ihn auf den Beifahrersitz und klemmte mich selbst hinter den Sitz des Fahrzeuges. Ich hatte Glück, der Sitz ließ sich nicht nur nach vorn sondern auch nach oben verstellen. Ich konnte kaum über das Lenkrad hinaus blicken. “Schaffst du das?” dabei klopfte er sich seine Hand auf die linke Brust. Ich nickte, startete den Motor.
      Starr nach Navigationsgerät fuhr ich aus Calgary heraus, nach Westen. Es waren knapp 43 Kilometer, eine Fahrt von einer guten halben Stunde. Irgendwo hinter einer Art Feriensiedlung mit dem Namen Redwood Meadows Bogen wir auf eine kleiner Straße, die es eigentlich nicht verdiente diesen Namen zu tragen. Tannen rechts, Tannen links. Plötzlich fuhren wir unter einem Eingangsschild hindurch. Vor uns befand sich tatsächlich Wald und eine Ranch.
      Begrüßt wurden wir von einen Herren der etwa in seinen 50ern sein musste. Als ich ihn auf uns zukommen sah, musste ich innerlich Lächeln. Er sah Louis ziemlich ähnlich. Er hatte schwarz, silberne Haare in zwei langen Zöpfen geflochten, trug eine große Brille. Unmissverständlich ein Native. “Mr. O’Dell?” Caleb nickte, lächelte. “Sie haben mit meinem Sohn telefoniert. Mein Name ist Jonathan Clearwater.” Wir reichten uns jeweils die Hände. Dann begann er zu erzählen, erst ein wenig über das Tal hier. “In den 40ern gab es einen großen Waldbrand, die freien Flächen die zurück blieben hat mein Stamm für sich genutzt. Sie müssen auf dem Weg hierher an dem Golfplatz vorbei gekommen sein?” “Ah, dann war es gar keine Stadt.” “Doch, schon..nur noch wenige wohnen hier. Meine Familie hat jahrelang hier auf der Farm gelebt.” Trotz des Feuers blieb ziemlich viel an Nadelwald übrig. Das Haupthaus war praktisch vor lauter Bäumen gar nicht auffindbar. Insgesamt schien es nur 3 andere Häuser zu geben, die eher Bungalows glichen. Viel Platz für Mitarbeiter...oder Gäste blieb da nicht. Das Stallgebäude hatte genau 10 Boxen, daran angeschlossen gab es zwar eine riesige Lagerhalle, die zu zwei Hallen abgetrennt werden konnten. Einen Platz jedoch suchten wir ein wenig vergeblich. Und zwischen den Wegen, immer wieder kleine lichte Orte um die man eine Wiese gezogen hatte. Hübsch war es ja...für eine Zucht und Ranchbetrieb war das ganze allerdings etwas zu waldig. Das sah man auch Caleb an. Mr. Clearwater ließ uns nach seiner Rundtour auch alles in Ruhe allein anschauen. “Stallgebäude müssten wir erneuern...irgendwo außerhalb Wiesen anpachten. Wald roden um einen Platz zu bauen, überhaupt auch einen Round Pen. Für Rinder wäre das hier auch nicht so geeignet.” zählte Caleb auf. Ich drehte mich im Kreis. “Für die Pläne die im Raum stehen ist der Ort hier nicht sonderlich geeignet.” pflichtete ich ihm bei. Nachdem wir den halben Tag hier verbracht hatten, hieß es schließlich sich von Mr. Clearwater zu verabschieden. In unserem Rosa-Traum von einem Auto gab ich nun also die andere Adresse ein. “Ich muss ganz ehrlich sein. Angenommen ich hätte tatsächlich eine eigene Ranch aufgebaut, dann wäre der Ort hier klasse. Die Landschaft, der Platz. Ich mag das Haupthaus sehr gern - ist immerhin möbliert. Ich hätte für den Anfang ohnehin wenig Pferde. In Anbetracht der Tatsache allerdings das es eben die Blakes Crow Meadow Ranch ist - wird es das hier nicht sein.” sprach Caleb währenddessen. “Gut, aber die Einrichtung war nun wirklich ziemlich old school. Ich hab ja nichts gegen alte Einrichtung, aber vieles davon hätte man wohl nicht mehr nutzen können.” “Da magst du Recht haben.”

      Caleb
      Anstatt zur anderen Adresse zu fahren fuhren wir wieder ins Hotel. Wir waren beide immer noch ziemlich geschafft, oder zumindest ich war ziemlich geschafft, so dass wir uns im Hotel etwas zu essen aufs Zimmer brachten, dort gemeinsam aßen und uns dann ins Bett legten. Wir schauten noch eine Weile eine Sendung über irgendwas mit Indianern, ehe wir den Fernseher aus machten und uns schlafen legten.
      Am nächsten Morgen waren wir beide fitter und dementsprechend auch motivierter. Wir ließen es uns gut gehen bei dem ausgiebigen Frühstück, welches uns geboten wurde, ehe ich mir hinters pinke Steuer setzte. “Es ist und bleibt stockhässlich.”, sagte ich zu Ylvi, warf ihr einen Blick zu und stieg in ihr Lachen ein. Die zweite Ranch lag etwa eine halbe Stunde südöstlich von Calgary, an einer wunderschönen Flussgabelung. Auch sah man von hier ein paar kleinere Berge und auch die großen Rocky Mountains. “Der Ausblick gefällt mir.”, sagte ich zu Ylvi und sie schien meine Meinung zu teilen.
      Wir fuhren an einem Ranchschild mit der Aufschrift “Bow River Ranch” vorbei. Dann folgte ein langer Weg, der rechts und links aus großen Koppeln bestand. “Schau mal, wie schön.”, sagte Ylvi und auch ich war begeistert von den weitläufigen Wiesen und den angrenzenden Waldstücken. Wie weit das wohl zur Ranch gehörte?
      Auf dem Gelände hielten wir vor dem Hauptgebäude. Es war in einem älteren Stil erbaut, aber keinesfalls hässlich oder urig, sondern einladend und freundlich. Es öffnete sich die Haustür und der Besitzer der Anlage kam heraus. “Hallo, ich bin Jackson Duncan.”, stellte er sich vor und schüttelte zuerst Ylvis, dann meine Hand. “Ich führe sie ein bisschen herum.”
      Schon als ich meinen Fuß in den ersten Stalltrakt setzte, war es um mich geschehen. Ich sah Ylvi an und auch sie schien die Ranch zu mögen. Verschiedene Stalltrakte, Offenställe, zwei Reitplätze, eine wirklich sehr große Halle, viel Platz, um selbst noch etwas zu bauen und zwei Round Pens. Einen etwas kleineren und einen Größeren. Ansonsten bot die Ranch viel, viel Platz. Viel Platz zum Bauen, viel Platz zum Umstrukturieren, weitläufige Wiesen und den Fluss, der teilweise überquert werden musste, um auf die anderen Wiesen zu kommen, die dazu gehörten.
      "Das beste sehen Sie gleich, doch dazu müssen wir eine Weile reiten.", sagte er und führte uns zurück zu den Autos, wo jetzt jemand mit drei Pferden stand.

      Ylvi
      Noch bevor ich hätte nach den Zügeln greifen können, nahm sie Caleb entgegen. “Mr. Duncan, auf dem Ritt werden wir leider nur zu zweit sein.” dieser ließ das unkommentiert. Ließ den Mitarbeiter aber den Braunen fort nehmen. Wehmütig sah ich zu wie sich Caleb in den Sattel schwang, seinen Rappen neben mir zum stehen brachte und mir vollkommen unnütz durch die Haare strubbelte. “Bald darfst du auch wieder.” neckte er mich. Ließ den Rappen antraben und folgte einen Pfad hinauf Mr. Duncan. Ich verschränkte die Hände vor meiner Brust. Unfair.
      Ich hatte nichtmal eine Vorstellung wie lange sie weg sein würden! Ich vertrieb mir erst die Zeit damit im Auto zu sitzen. Anschließend streunerte ich noch einmal allein über den Hof. Viele Leute gab es hier nicht, auch der Stalltrakt war bis auf drei vier Boxen nicht mehr belegt. Bow River Ranch. Ich ließ mir den Namen über die Lippen rollen. Erinnerte mich das wir vorhin an einem Fluss vorbei gekommen waren. Auf einer der Koppeln war sogar ein Bach. Ich nahm an daher rührte der Name. Nach gut einer Dreiviertelstunde klingelte mein Handy. Caleb war gerade dabei mir diverse Fotos zu schicken. Darauf sah ich Blockhütten, drei an der Zahl...Weiden..und auch dort der Bach - dieses Mal sehr viel breiter, als er hier im Tal war. Das ganze lag in einem Talkessel, auf dem Bild hätte ich nicht sagen können wie breit es war. Doch auf den Bildern konnte ich die Berghänge sehen, sie waren schroff und mit Schnee bedeckt.
      Etwa eine Stunde später kamen Caleb und der Typ der uns die Ranch gezeigt hatte wieder zurück. Ich zog mir meine Kopfhörer aus den Ohren. Die Verabschiedung lief eigentlich ziemlich schnell. Ich fuhr zurück nach Calgary. Caleb packte oben im Zimmer unsere ganzen Sachen zusammen. In der Zwischenzeit kümmerte ich mich um den Check-out vom Hotel. Zusätzlich hatte er mir sein Handy in die Hand gedrückt. Ich suchte also in seinen Kontakten nach Moniques Nummer, rief sie an. Es dauerte auch nicht lang, dann ging sie auch schon an das Telefon. “Caleb, ihr seid also zurück?” “Nein,nein. Ylvi hier. Also ja wir sind zurück. Wir würden in etwa 10 Minuten bei dir sein und dir deinen Wagen wieder bringen.” “Ylvi, also. Gut dann halte ich mich bereit.”
      Dieses Mal fuhr .Ccaleb, auf meinem Schoß und zwischen den Beinen befand sich unser Gepäck. Unterwegs sprachen wir zunächst nicht, jeder hing den Gedanken an die Ranch nach. Caleb und Monique tauschten die Position hinter dem Steuer, er verzog sich auf die Rückbank. “Wie hat euch mein Baby gefallen?” Keine Antwort..nur ein Hüsteln von mir, da ich mir ein Lachen verkniff. Dann ein sehr sarkastisches “Ganz hervorragend!” von Caleb. “Nicht wahr?” Monique schien den Sarkasmus nicht verstanden zu haben. Daher setzte Caleb noch nach “Ich hätte gedacht die Phase sei endlich mal an dir vorüber gegangen.” keine Antwort, aber ich sah wie sich Monique auf die Lippen bis. Ihr Gesicht sah aus als sei sie gerade auf dem Klo beschäftigt. Ich sah lächelnd aus dem Fenster.
      Der Check-In am Flughafen dauerte ewig, wir kamen gerade Rechtzeitig an das Gate als auch schon unser Flug aufgerufen wurde. “7 Stunden Flug zurück..ich hab absolut keine Lust.” grummelte Caleb. Wir hatten in der vergangenen Nacht auch einiges an Schlaf nachgeholt, daher vergnügten wir uns mit zwei Filmen auf meinem Tablet. Darunter “the Rider” der uns beide nun nicht wirklich überzeugen konnte - er war einfach unfassbar langatmig. “Man merkt richtig das es Laiendarsteller sind.” flüsterte ich. um den Gast neben mir am Fenster nicht zu stören. Anschließend philosophierten wir über die Möglichkeiten mit der Ranch. Kein Zweifel...noch einmal Immobilien anschauen würden wir wohl nicht müssen.
      Lilly war diejenige die uns vom Flughafen zur Bar mitnahm. Hier war früher morgen, was mich vollkommen aus dem Konzept brachte. Mal ganz davon abgesehen das es unfassbar warm war im Gegensatz zu Kanada. Caleb und Louis unterhielten sich über die Ranch. Lilly und ich packten schon mal das Gepäck wieder in den Pick-Up von Caleb. “So, zurück zum Rest?” fragte mich Caleb, ich zuckte bisschen zusammen - hatte nicht erwartet das er plötzlich neben mir auftaucht. “Ja...genug auf Reisen gewesen.”

      Caleb
      Von der Bar zur Ranch zurück unterhielten wir uns wieder über die Möglichkeiten, die diese Anlage bot und noch im Auto rief ich Mr. Duncan an, und sagte ihm zu. Umzugsmonat wäre der Januar. Mitte Januar vermutlich, mal sehen, wann wir hier in New Mexico alles gepackt bekommen würden.
      “Ylvi ich hab dir noch gar nicht gesagt, was noch zur Ranch gehört.”, sagte ich, als wir wieder auf dem Blakes Crow Meadow angekommen waren und unsere Sachen von der Ladefläche des Pick Ups nahmen. “Eine Herde von Whitefacerindern. 30 Stück.” Doch anstatt mich geschockt oder fragend anzusehen, fing sie lauthals an zu lachen. “Was, echt? Oh Caleb.”, sagte sie und schlug mir auf den Arm, ehe sie kopfschüttelnd wegging. “Hey was denn?”, rief ich ihr nach doch sie antwortete mir nicht mehr.
      Am Abend erzählten Bellamy und ich der gesamten Ranch, was Sache war und stellten ihnen frei, mit umzuziehen oder zum Frühjahr zu kündigen. Erstaunlicherweise war jeder bereit, das neue Kapitel aufzuschlagen und die Reise mit uns anzutreten.
      “Es gibt noch etwas, dass ich euch sagen möchte. Eine Ranch finanziert sich eben nicht von alleine…”, fing ich an und schaute in gespannte Gesichter. “Ylvi hab ich es schon gesagt, aber zu der Ranch gehört eine Herde von 30 Whitefacerindern, die ich mitgekauft habe. Sieht wohl so aus, als seien wir jetzt bald wirklich im Viehgeschäft.”, alle nickten, keiner widersprach mir. “Außerdem gehört zu dem Gelände etwa eine halbe Stunde Ritt eine alte Ferienranch. Undenkbar wäre es nicht, unser Konto durch Touristen ein wenig aufzustocken.. achja, hier für jeden eine Kopie der Verkaufspferde. So können wir uns jetzt schon nach geeigneten Käufern umhören.”, erklärte ich und gab jedem einen Zettel. Schweigen. Jeder war in seinen Gedanken versunken, auch Betsy sagte kein Wort. Vereinzeltes Nicken, aber auch zerknirschte Blicke bei der Liste der Pferde. “Es steht einem jeden von euch frei, eines der Pferde zu erwerben. Doch unter meinen Namen bleiben sie nicht.”, sagte ich und kam vielleicht ein wenig harscher rüber, als ich es beabsichtigt hatte. “Also Sue und Blue behältst du, oder?”, fragte mich Betsy dann vorsichtig und ich nickte. “Sue und Blue bleiben. Nur die Pferde, die da auf der Liste stehen, werden verkauft.”, sagte ich zu ihr und sie nickte. Damit löste ich unsere kleine Versammlung auf und ging rüber in den Stall, wo ich nach Vulture schaute. In ein paar Tagen war Weihnachten. Vorher musste ich noch einige Geschenke kaufen und noch einiges erledigen.


      Wenige Tage später war Heiligabend. Weihnachten wurde von den Blakes Geschwistern und auch von Caleb noch immer ein wenig nach deutscher Tradition gefeiert, etwas, dass Verena damals nach Amerika und auf ihre Ranch mitgebracht hatte. Am 23. hatten alle Mitarbeiter zusammen einen Weihnachtsbaum ausgesucht und gemeinsam geschmückt. Betsy hatte es nicht lassen können, kleine Pferde an den Baum zu hängen, gefolgt von kleinen Cowboyhüten. “Die sind extra für dich.”, hatte sie zu Caleb gesagt, welcher sie nur lachend in den Arm genommen hatte. Betsy tat allen auf der Ranch gut.
      An Heiligabend selbst feierte die ganze Ranch zusammen. Sie waren mittlerweile wirklich wie eine Familie füreinander. Selbst Cayce gehörte schon dazu, obwohl er noch gar nicht so lange dort war. Es wurde gemeinsam gekocht, gegessen und sich dann gemütlich ins Wohnzimmer zum Weihnachtsbaum gesetzt, unter dem eine ganze Menge Geschenke lagen. “Großartige Geschenke gibt es dieses Jahr nicht.”, sagte Bellamy, als er sich mit einem Glas Sekt vor den Baum gestellt hatte. “Anfangen möchte ich jedoch mit Caleb, der das ein Geschenk von uns allen bekommt, welches größer nicht sein könnte. Wir alle zusammen schenken dir die Pferde und das Equipment dieser Ranch.”, verkündete dieser und hob sein Glas. Caleb starrte ihn derweil nur mit offenem Mund an. “Ihr schenkt mir das alles?”, fragte er ungläubig und Bellamy sowie die anderen nickten. “Fast alles. Das Gelände nicht, das werden O und ich verkaufen. Aber alles andere. Und nun Prost. Auf Caleb, unseren neuen Chef!”, sagte er, stieß mit seinem Glas an und alle Mitarbeiter tranken darauf. “Die anderen sollen natürlich nicht leer ausgehen. Hier auf dem Boden stehen kleine Geschenke mit euren Namen drauf.”, sagte er und hob ein Geschenk auf, welches er Betsy gab. Diese machte als erste auf und hielt ein Schokopferd in der Hand. “Wie süß!”, kommentierte sie ihr Geschenk und umarmte Bellamy kurz. Auch alle anderen, ausgeschlossen Caleb, hatten ein Schokopferd geschenkt bekommen. Bei allen außer Betsy war noch ein Umschlag mit Geld in der Box gewesen.
      “Dell noch eine Kleinigkeit für dich.”, sagte Bellamy dann und übergab dem Vater von Betsy ein kleines Geschenk. Er machte es auf und hielt ein Foto seiner Tochter in der Hand. Sie saß auf Sue, gehalten von Caleb, und hielt ihren Pokal stolz in die Höhe. “Habe ich gemacht, toll geworden, oder?”, sagte Ylvi und er nickte. Man sah ihm an, dass er stolz auf seine Tochter war. Dann stand Caleb auf und schnappte sich eines der letzten Geschenke unterm Baum. “Bellamy das hier ist von uns allen für dich. Damit du dein wirres Köpfchen mal sortieren kannst.”, lachte er und gab ihm das Päckchen. Dieser machte es auf und hielt einen Notizblock mit einem Taschenrechner in der Hand. “Ja, das habe ich wohl dringend gebraucht.”, lachte er. “Danke euch allen.”, sprach er in die Runde und traf auf lächelnde Gesichter und vereinzeltes Nicken. “Jetzt zu dir Betsy.”, sagte Caleb und holt das kleinste der Geschenke unter dem Baum hervor. “Wir alle haben lange überlegt, was du dir wohl zu Weihnachten wünschen könntest.”, sprach er und überreichte ihr das kleine Geschenk. Betsy traute sich zunächst gar nicht, es wirklich auf zu machen. Doch dann riss sie die Verpackung in tausend Teile und öffnete die kleine Kiste. Darin lag ein Zettel, nichts weiter. Sie nahm ihn aus der Box, faltete ihn auf und las das Geschrieben laut vor. ‘Hiermit erhältst du 50 Prozent.’ “Ich erhalte 50 Prozent von was?”, fragte sie verwirrt und schaute uns nacheinander an. “Komm.”, sagte Caleb, stand auf und ging zur Haustür. Langsam öffnete er sie und als Betsy sah, wer dort draußen auf sie wartete, sprang sie freudestrahlend aus der Haustür nach draußen. Dort stand nämlich unsere geliebte Black Sue Dun It mit einer roten Schleife um den Hals, gehalten von Betsys Vater Dell. Diesem fiel sie zuerst um den Hals, dann der Stute. “Ihr schenkt mir die Stute? Wahnsinn!”, rief sie und war den Tränen nahe. “Danke, danke, danke!”, jubelte sie und umarmte uns alle der Reihe nach.

      Caleb
      Den Abend ließen wir gemeinsam gemütlich ausklingen, es gab noch einige Geschenke die verteilt und ausgepackt wurden. Cayce hatte tatsächlich ein Foto von mir und seinem Pferd, als ich für ihn angetreten war, gemacht und schenkte es mir. Auch für Ylvi hatte ich mir etwas überlegt, was ich ihr jedoch erst im Bett überreichte. “Ich dachte schon ich bekomme gar nichts von dir.”, scherzte sie und ich lachte. “Naja, warte mal ab, mach es zuerst auf.” Ylvi riss das Papier herunter und hielt… einen Kalender in der Hand. “Damit du deine Arzttermine alle zusammen an einer Stelle hast und sie so hoffentlich nicht mehr vergisst.”, erklärte ich ihr und wurde sofort geschlagen. “Doofkopf… aber danke.”, sagte sie und gab mir einen Kuss. “Hier, das ist von mir, für dich. Wollte es dir nicht vor allen geben.”, erklärte sie und überreichte auch mir ein Geschenk. „Vorsichtig, scharfe Munition.“, lachte sie und ich hörte augenblicklich auf, die kleine Kiste zu schütteln. Vorsichtig öffnete ich das Geschenk und… hielt eine kleines Gewehr in den Händen. „Ein Schlüsselanhänger?“, ich lachte. „Ein kleines Gewehr. Das häng ich Vulture ans Halfter!“, scherzte ich und drehte es in meinen Fingern hin und her.
    • sadasha

      Kurze Pflege für die Verkaufspferde | Mai 2019 | von Veija
      BR Princess Peppy Gaia, GRH's Princess Peppy Ann, Pocahontas, Náttdís van Ghosts, Thjalfe van de Jötunheimr, Feinicio, Lajos, Myrkvidr, Atlanta, Ghost's Phenomena, Magic Lanijos, Zoltaire, Zuckerschock, LMR Fashion Girl, Samarra, It's me, Amira!, Vin, PFS' Blossom Magic, Bree, Crimetime, Dante's Wild Lady, Wolfs Bane, Natsu's Little Harley, CHH' Mr. Buckminster, Ocarina of Time, Empire of Grace, Free Willy, Firewalker, Mystical Champion, Whiskey und Sweet Revenge

      Seit die Ranch nach Kanada umgezogen war, war hier unten in New Mexico nicht mehr viel los. Ich hatte mir aushilfsweise zwei Stallburschen eingestellt, die sich ein wenig um das Füttern und Misten der Pferde sowie das Gelände kümmerten. So hatte ich Zeit, mich voll und ganz dem Verkauf der Tiere zu konzentrieren. Bis jetzt waren noch nicht viele Käufer eingetrudelt, doch das sollte sich ändern, sobald ich die Verkaufshomepage, die Flyer und auch die Telefonate geführt hatte, die ich schon so lange vor mir her schob. Octavia hatte außerdem den Wunsch geäußert, mit dem Verkauf von Empire of Grace noch ein wenig zu warten. Vielleicht wollte sie ihn doch behalten.

      Schicksal | Nachtrag für August 2019 | November 2019 | von Ravenna & Veija
      Pflegebericht für: Cielos, Whitetails Shortcut, Alan's Psychedelic Breakfast, Chapter 24, Genuine Lil Cut, Gun and Slide, Hollywoods Silver Dream, Nachtschwärmer, A Shining Chrome, Bittersweet Temptation, Chocolate Shades, Citizen Fang, General's Coming Home, GRH's Bella's Dun Gotta Gun, GRH's Funky's Wild Berry, GRH's Unbroken Soul of a Devil, Gunners Styled Gangster, PDS' Unclouded Summer Skies, Smart Lil Vulture, Whinney, Zues, Mirabelle, Golden Sugar, Above the Sky, An Affait to Remember, Cleavant 'Mad Eyes', Dakota, Nahimana, Absolute Bullet Proof, Ceara Isleen, Kunis, Silent Bay, Væna fra glæsileika eyjarinar, Tigres Eyes, Sparkled Wings, Tweekay, Skrúður, Chocolate Dream, Bree, Empire of Grace, Priamos Ruffia Kincsem, Blazing Flame, BR Prias Raveday, Drama Baby, Raspberry, I've got a blue soul, Prias Colourful Soul, Tasmania, Candlejack, Abe's Aelfric, Culain, Daryl Gone Mad, Peacful Redemption, PFS' Snap in Style, Seattle Slew, Sir Golden Mile, Stiffler, Wildfire xx, Baby Doll Melody, Bella Cielo, Colonels Smokin Gun, DunIts Smart Investment, Ginny my Love, GRH's A Gun Colored Lena, Jade, Kristy Killings, Magnificient Crow, Raised from Hell, Verdine, Wimpys Little Devil, A Walking Honor, Black Sue Dun It, California Rose, Chou, Easy Going, Face Down, Ginger Rose, GRH's Aquila T Mistery, GRH's Unbroken Magic, Heretic Anthem, Honey's Aleshanee, Lady Blue Skip, My sweet little Secret, Only Known in Texas, Picture of a Ghost, Miss Independent, Snapper Little Lena, Stormborn, Striga, Tainted Whiz Gun, Dual Shaded Ace, BR Dress to Impress, BR Colonels Lil Joker, Jacks Inside Gunner, Colonels Blue Splash, BR Colonels Golden Gun, It's me, Amira!, Zoltaire, Zuckerschock, Thjalfe van de Jötunheimr, Náttdís van Ghosts, Firewalker, Magic Lanijos, Whiskey, Myrkvidr, Free Willy, Wolfs Bane, Pocahontas, Mystical Champion, Vin, Lajos, Ocarina of Time, Crimetime, Fenicio, Ghost's Phenomena, GRH's Princess Peppy Ann & BR Princess Peppy Gaia

      Ylvi
      Die letzten Tage waren vergangen wie in einem unheimlichen Traum. Wir hatten versucht von Kanada aus die Klärung des Visums in Gang zu bringen. Leider war das nicht von Erfolg gekrönt. Mit meiner Beschäftigung auf der Ranch genügte es nicht um das Visum zu verlängern. Auch die nötigen Untersuchungen nach meiner OP waren nicht ausschlaggebend gewesen.
      Ich hatte bereits alles nötige mit meinen Eltern geklärt. Vorerst würde ich bei ihnen unterkommen bis ich wieder nach Kanada reisen durfte. Wie oft ich des Nachts wachgelegen hatte konnte ich gar nicht mehr zählen. Unzählige Tränen waren geflossen. Zu groß die Angst in meinem Inneren das ich vielleicht gar keine dauerhafte Genehmigung bekommen würde. Caleb hatte sich als stark an meiner Seite versucht...seine wirklichen Gedanken jedoch blieb mir momentan verborgen. Seine Arme um meine Hüfte des Nachts gaben mir jedoch den nötigen halt. Noch zwei Wochen reichte meine Genehmigung...dann musste ich Kanada auf ungewisse Zeit verlassen. Das machte mich völlig fertig.
      Einem Geist gleich lief ich seit Tagen über die Ranch. Ravn hatte mich vorgestern aus dem Sattel befördert - ich war nicht bei ihm gewesen. Dafür hatte ich mit einem blauen Fleck am Bauch den Preis gezahlt. Deutlich war der Abdruck des Horns zu erkennen. Deshalb waren Westernsättel eigentlich mal nicht meine Lieblinge gewesen.
      Was würde geschehen, wenn ich tatsächlich keine Genehmigung bekam? Nicht nur würde das meine...ja Beziehung zu Caleb auf eine harte Probe stellen oder das Ende bedeuten. Was würde aus den Pferden? Mittlerweile hatte ich 5 von ihnen. Inyan wäre versorgt...ich wusste das sowohl Tschetan als auch Louis den Wallach bewegen würden. Ich hatte doch erst vor einiger Zeit begonnen mit Gealach zu arbeiten. Lady Gweny...Ravn und Fylgia. Letztere würde ich natürlich nachholen. Doch sie erneut über Kontinente mit dem Flugzeug zu transportieren. Das würde ich ihnen ungern antun wollen. Das beste wäre sie auf der Ranch zu belassen. Es gab Leute die sich ihrer annehmen würden. Aber ich? Ohne Pferd? Schwer vorstellbar. Ich wollte nicht weg….hier war meine Heimat!

      Ich schluchzte erneut schwer auf. Spürte die sanften Nüstern eines Pferdes in meinem Gesicht. Inyans Punkte fielen mir sofort auf als ich die Augen wieder öffnete. Ich stand hier inmitten meiner Herde, gelehnt an den kräftigen Hals meines Valravn und weinte mir- mal wieder - die Augen aus dem Kopf. Verzweiflung war wohl das richtige Wort für meinen derzeitigen Zustand. Schritte in meinem Rücken. Kleine Füße, zögerliche die folgten. Meine Augen hielt ich geschlossen. Versuchte das laute schluchzen zu unterdrücken schaffte es ja doch nicht. Ich spürte eine raue Hand auf meiner Schulter. Eine ungleich zartere Bewegung an meiner Hüfte. Ich wusste das Kaya sich an mich lehnte. Ihre zarten Arme lagen um meine Hüfte. Ob das Mädchen verstand welch Kummer mich plagte oder ob sie einfach meine Tränen trocknen wollte wusste ich nicht. Es gab keine Worte. Nur ihre Umarmung. Die Hand auf meiner Schulter die sanften Druck ausübte. Ich holte keuchend Luft, die ich offenbar angehalten hatte. Blinzelte durch den Schleier der Tränen, drehte den Kopf und sah Louis. Wie kam es nur das ausgerechnet immer er da war? Sollte nicht Caleb an seiner Stelle sein? Zu meiner allgemeinen Verzweiflung hatte sich innerhalb der letzten Woche auch noch vollkommene Verwirrung gesellt. Letzteren sah ich nur nachts, wenn ich vor lauter Tränen erschöpft im Bett einschlief, nicht mehr in der Lage die Augen offen zu halten. Ich spürte förmlich wie sich Caleb mir entzog. Hatte was wir teilten noch eine Chance? Oder stand der Kuss mit Louis unausgesprochen zwischen uns?
      Wir standen alle stillschweigend im Unterstand zwischen den Pferden die sich hierher zurückzogen, wenn die Sonne zu sehr vom Himmel brannte. Nicht wie in Mexico...aber warm genug. Mir gelang es zwar immerhin meine Atmung und die Tränen in den griff zu bekommen, während wie so da standen. Meine Gedanken glichen aber eher einen Sturm. Ich entzog mich schließlich der Hand auf meiner Schulter, duckte mich um Kaya in den Arm zu schließen und hauchte ein “Danke” in ihr Ohr. Das Mädchen löste sich von mir, lächelte und huschte dann aus dem Gebäude. “Ich vermute mal du hattest keinen Erfolg mit dem neuen Antrag?” seufzte Louis. Ich schüttelte hoffnungslos den Kopf. “Ich habe am Morgen mit meiner Familie telefoniert damit ich vorerst bei ihnen unter komme. Bisher habe ich noch keinen Flug buchen können. Ich will nicht fort.”
      Im Reflex fand sich meine Hand in der von Louis wieder, ich starrte darauf, flackerte zu ihm hoch und er nahm seine Hand fort als habe er sich verbrannt. Wir hatten den Kuss nie wieder erwähnt. Aber er stand bei jeder Berührung der letzten Tage noch immer zwischen uns wie ein Damoklesschwert. “Sag wenn ich irgendetwas tun kann, ja?” ich hatte keine Kraft für eine Antwort nickte nur...und wand mich dann zwischen den Ponys davon aus dem Unterstand.

      Caleb
      >>Meine Aufenthaltsgenehmigung ist abgelaufen..ich muss Kanada verlassen bis die Visumsfrage geklärt ist.<<, immer wieder hallten diese Wort in meinem Kopf nach. Für uns alle war das ein Schock gewesen, insbesondere Ylvi und mich. Sie konnte die Ranch nicht einfach verlassen. Was würde aus den Pferden werden… was würde aus uns werden? Innerlich fluchte ich. Immer… und immer wieder. Hätte ich mich damals nicht auf sie eingelassen, würde mir ihr Abschied auch nicht so schwer fallen… Hätte ich mich nicht auf sie einlassen sollen? Doch. Natürlich. Unsere gemeinsame Zeit war zwar von Höhen und Tiefen geprägt gewesen… und was irgendwie als “Zeitvertreib” angefangen hatte, war ernster geworden. Eine Möglichkeit, wie sie auf jeden Fall hierbleiben konnte, konnte ich ihr bieten. Mit einem Ring. Aber wollte ich das? Caleb O’Dell verheiratet? Mit einer Deutschen? Nicht mit jemandem vom Rodeo, was sich wohl alle Welt denken würde. Ich verwarf den Gedanken wieder. Dazu war ich nicht bereit… aber wenn sie so bleiben durfte?
      Ich atmete einmal schwer durch und konzentrierte mich wieder auf meine Reitschüler. Ab und zu, wenn gerade wieder ein bisschen Luft auf der Ranch war, hatte ich angefangen, ein wenig Reitunterricht zu geben. Gerade waren Gipsy und Shorty auf dem Platz. Cayce hatte mir seinen Wallach für George geliehen. Der junge Mann hatte wirklich Talent! Auf Gipsy saß ein junges Mädchen, etwa so alt wie George. Lizzy. “Beine ran Liz.”, rief ich ihr rüber und schaute dann wieder zu George, der Shorty auf dem Zirkel galoppierte. Lizzy trabte den hellen Wallach gerade ganze Bahnen. “Das sieht schon gut aus!”, rief ich beiden rüber und winkte sie dann zu mir. “Wir gehen heute noch ein bisschen an die Manöver. Lizzy du wartest hier bei mir, Gipsy und George sind zuerst.”, erklärte ich und sie positionierte ihr Pferd an der Bande. “Du startest bei X, galoppierst zwei langsame und dann einen schnellen Zirkel. An X stellst du ihn gerade und lässt ihn wechseln. Dann einen schnellen und zwei langsame Zirkel. An X Stoppen. Dann geb ich weitere Anweisungen.”, sagte ich und schickte ihn los. Mir war gar nicht aufgefallen, dass sich Betsy, Tschetan und Kaya hinter mich an den Zaun geschlichen hatten, und zusahen, bis Betsy mir auf die Schulter tippte. “Hey Cowboy.”, sagte sie lachend und ich knuffte sie in die Seite. Die beiden anderen Kinder sahen mich argwöhnig an. Einen richtigen Draht fand ich nicht zu ihnen, es war aber vermutlich auch noch zu früh, zu urteilen. “Kannst du mir gleich auch noch Unterricht auf Blue geben?”, fragte mich die kleine und ich nickte. “Wenn du ihn dir jetzt fertig machen gehst und sofort her kommst, ja. Ich muss gleich zu den Rindern hoch. Könnt ihr mir Devil auch fertig machen?”, fragte ich die Kinder. Mir war aufgefallen, dass alle drei nach einer Aufgabe auf der Ranch suchten. Ja, sie waren Kinder. Ja, sie spielten viel… aber bevor sie anfingen allen möglichen Unsinn zu machen, gab ich ihnen lieber Aufgaben. “Tschetan und Kaya wenn ihr mitkommen wollt könnt ihr Sue und Face Down satteln.” Wider Erwarten nickten beide und verschwanden dann mit Betsy. Sollte ich Louis noch fragen, ob ich die beiden mitholen durfte? Ich schrieb ihm eine kurze WhatsApp und bekam nur ein OK zur Antwort. Ich glaube er war froh, wenn die beiden Beschäftigung bekamen. “Jetzt nochmal zu euch.”, sagte ich zu den beiden Reitern auf dem Platz. “George nochmal.” Ich schaute ihm zu und nickte. “Abreiten und wegbringen.”, erklärte ich ihm. “Lizzy willst du auch mal versuchen? Lass Shorty ruhig von sich aus umspringen, der ist in der Ausbildung schon weiter als du. Er macht vieles alleine. Lass die Zügel locker, leg dein äußeres Bein ran und er macht das.”, erklärte ich ihr und sah ihr bei ihren Zirkeln zu. “Prima. Reicht.”, sagte ich und schaute ihnen beim Abreiten zu. Nun kamen die Kinder mit den vier Pferden zurück. Blue brummelte die Stuten an und machte seinen Hals ganz schön rund. “Betsy ruck mal kräftig am Zügel, der hat sich zu benehmen, hier wird jetzt nicht gedeckt!”, rief ich ihr zu und sie machte, was ich von ihr verlangt hatte. Sofort hörte Blue auf und konzentrierte sich wieder auf das Mädchen. Ich nahm Devil entgegen und nach dem nachgurten schwangen wir vier uns in den Sattel. Der Ritt zu den Rindern war sehr schweigsam. Ab und zu erzählte Betsy etwas, ansonsten konzentrierten wir uns auf den Weg. Neben viel Schritt trabten wir auch eine kurze Strecke und galoppierten auch ein Stück. “Bei den Rindern bleibt ihr auf alle Fälle im Schritt.”, erklärte ich den Kindern. Ich ritt zwar das einzige Pferd mit Cow Sense, man konnte aber nie wissen. “Ich möchte auch nur kontrollieren, ob alles ok ist, mehr nicht.”, erklärte ich ihnen und öffnete den Zaun, damit sie alle durchreiten konnten. Nachdem ich selbst durchgeritten war, schloss ich ihn wieder und trabte auf sie zu. Die Rinder waren auch schon zu sehen. Gemütlich kamen wir immer näher. “Bleibt hier stehen.”, sagte ich und ritt alleine zwischen den Rindern durch. Ein Kalb machte mir ein bisschen Sorgen, so dass ich mir mein Lasso nahm und es einfing. “Whoaaa…”, sagte ich zu Devil, sprang ab legte das Kalb auf die Seite. Er hatte sich in ein wenig Stacheldraht verfangen. “Mist..”, fluchte ich. Das hieß eigentlich, dass der Zaun irgendwo defekt war. Ich entfernte den Stacheldraht und nahm aus der Satteltasche ein wenig Blauspray, was ich dem Kalb auf die Wunde sprühte. Dann ließ ich es wieder laufen, rollte mein Lasso auf und ritt zu den Kindern zurück. Ich zückte mein Handy und rief Cayce an. “Ja, Caleb hier. Komm mal mit dem Truck zu den Rindern, hier hatte sich ein Kalb im Zaun verfangen, ich bin mit den Kindern hier, wir reiten einmal rundherum und schauen ob etwas kaputt ist.” “Cayce kommt mit dem Truck her, wir teilen uns auf. Betsy kommst du mit mir links rum? Tschetan und Kaya könnt ihr rechts rum am Zaun vorbei reiten?”, fragte ich sie und sie nickten. “Betsy hast du die Walkie Talkies dabei?” Sie nickte und gab Tschetan ohne zu zögern eins davon. ”Wir treffen uns auf der anderen Seite. Wenn was ist…”, erklärte ich und zeigte auf das Walkie Talkie in Betsys Hand. Sie nickten und ritten zurück zum Zaun. Wir folgten ihnen und unsere Wege trennten sich.
      Tatsächlich fanden Betsy und ich nahe der Hütten ein Stück Zaun, der kaputt war. “Sagst du den beiden Bescheid? Sie sollen trotzdem weiter reiten und nachschauen.”, sagte ich zu Betsy und sie nickte. Auch Cayce sagte ich Bescheid, dass er schon mal hier hoch kam und den Zaun reparierte.
      Tschetan und Kaya fanden unten am Wald noch eine Stelle, die Betsy und ich uns anschauten. Auf dem Weg dorthin war uns Cayce mit dem Truck begegnet, so dass ich mir von ihm ein wenig Werkzeug mitgenommen hatte und den Zaun reparieren konnte. “Danke für eure Hilfe.”, sagte ich zu den dreien und steuerte Devil in Richtung Heimweg. Ich öffnete den Kids wieder den Zaun, schloss ihn und wir ritten zurück zur Ranch. Dort stand schon die Heulieferung auf dem Hof, die ich ganz vergessen hatte. Bellamy kam schon ziemlich genervt auf mich zugelaufen. “Wo sind denn die Papiere schon wieder?!”, fragte er und hielt Devil an. “Ich mach die fertig, kümmer du dich ums Heu.”
      Ich stieg ab, grüßte den Lieferanten kurz und lief dann ins Haus. Nach einer Weile hatte ich die verflixten Zettel und die Rechnung gefunden. Ich drückte ihm alles in die Hand und lief einmal quer über den Hof zum Traktor, um die Heuballen abladen zu können.
      Als ich eine Stunde später damit fertig war, aß ich in der gemeinsamen Küche schnell etwas und fiel ins Bett. Ylvi schlief bereits im Bett. Am nächsten Morgen war ich auch schon vor ihr wach und in der Stadt. Es gab dort noch einiges, was ich wegen der Umbauten regeln musste.

      Ylvi
      Calebs Seite des Bettes war kalt, leer. Wie so oft in letzter Zeit. Hatte ich anfangs noch einen Knoten im Hals verspürt, war es nun nur einem Seufzen gewichen. In den vergangenen Tagen, den Wochen seit den Brief hatte ich zu oft gemixte Signale von ihm erhalten. Oder hatte es bereits zuvor begonnen?
      Ein halbes Jahr war vergangen seitdem wir Weihnachten gemeinsam gefeiert hatten. 6 Monate in denen so viel passiert war.
      Ich warf die Decke von mir fort. Vor dem Haus fehlte der rote PickUp..er schien also auch gar nicht auf der Ranch zu sein. Ich zuckte die Schultern, zog mich fix an. Anschließend genehmigte ich mir ein fixes Frühstück in der Küche. Laurence kam herein, sah mich und lächelte. “Caleb schon wieder auf Wanderschaft?” “Aye” antwortete ich dem alten Mann knapp. Ich wollte jetzt eigentlich keine Konversation führen. “Habt ihr bereits miteinander geredet?” bohrte dieser allerdings weiter nach. Meine Hand die eine Tasse Kaffee Richtung Lippen bewegt hatte hielt inne. Verwirrt sah ich Laurence an. “Er könnte dich mit Leichtigkeit hier halten. Ich hab dem Trottel schon zweimal gesagt er soll dir einen Ring an den Finger stecken.” grummelte Laurence in seinen stoppeligen Bart. Ich schluckte. Das war nie zum Thema gekommen. Ich hatte sogar keinen Gedanken daran verschwendet. Niemals hatte ich mich verheiratet gesehen. Nichtmal mit Caleb hatte ich diese Gedanken gehabt. Natürlich...wir hatten einander viel gelehrt. Von emotional unbrauchbar hatten wir uns zumindest zu etwas wie einer Beziehung hinreißen lassen. Wie viel Bestand diese hatte zeigte sich nun sehr gut - keine. Waren wir am Ende einander nur Lehrmeister gewesen?
      Aber natürlich...mit einer Heirat würde ich bleiben können...ohne Probleme sogar. Ich würde nie wieder ein Visum beantragen müssen. “Pack ihn bei den Eiern und sprich es an. Du würdest fehlen hier auf der Ranch.” damit verließ Laurence die Küche. Aber ich wusste...ich würde Caleb darum niemals bitten. Ein Gefühl welches ich nicht zu beschreiben vermochte machte mir bewusst - eine Heirat mit Caleb würde niemals funktionieren.
      Ich verzog mich in den Offenstall meiner Pferde. In der morgendlichen Sonne machte ich deren Paddock sauber, schob die schwere Schubkarre vor mir her zum Misthaufen quer über den Hof der Ranch. Dort angekommen, keuchte ich bereits wie ein Maikäfer. Noch war ich nicht gänzlich an diese Arbeit gewohnt. Cayce begegnete mir mit einigen der Rinder. Mir fiel auch kurz der wieder aufgetauchte rote PickUp auf. Um Caleb möglichst nicht zu begegnen setzte ich mich ab. Ich schnappte mir eine der Trensen, war unschlüssig welches der Pferde ich nehmen wollte. Schlussendlich fiel die Wahl auf Valravn. Nur am Rande nahm ich wahr das Inyan nicht da war. Mit wenigen Handgriffen legte ich ihm die Trense an, schwang mich auf den Rücken und verschwand in Richtung der Hütte in den Hügeln. Dort oben gab es um die Koppeln der Jungpferde einige schöne Pfade. Wir tauchten gerade ein in das Dickicht des Waldes als ich Hufgetrappel hinter mir vernahm. Neugierig drehte ich mich um. Dort näherte sich Inyan. Auf seinem Rücken saß Louis. Sie waren noch weit entfernt. Konnte ich so tun als habe ich sie nicht gesehen? Ich hieß Ravn angaloppieren. Allerdings versagte mir der Hengst den Dienst. Zu hart waren meine Beine in seinen Bauch gepresst. Stattdessen bäumte er sich vorn auf. Darauf nicht vorbereitet rutschte ich mit meinen Shorts hilflos einfach seinen Rücken hinab. Sicher landete ich auf meinen Beinen. Dieser Fail entlockte mir ein leichtes Lächeln. “Hast du andere Pläne,ja?” flüsterte ich meinem Wallach zu. “Ich habe dein Pferd verzaubert.” kam es stattdessen von Louis der meine Worte gehört haben musste. “Ist das so?” wandte ich mich an ihn, zog die Augenbrauen hoch.Ich sah wie sich Louis gleichfalls von seinem Pony schwang, neben mir stehen blieb und grinsend lächelte. “Möchtest du lieber spazieren?” ich zuckte die Schultern. Louis klopfte meine Schulter, schob die Unterlippe vor und ging voran. Offenbar nahm er mir jetzt die Entscheidung ab.
      Wir liefen lange den Weg hinauf. Schweigend. Kaum Worte zwischen uns. “Caleb ist ein Narr….ich würde nicht zögern.” sprach Louis dann endlich die Worte mit denen er all die Schritte bis hier her gehadert hatte. Ich musste nicht fragen. Ich ahnte, nein wusste sogar, das er die kurze Konversation mit Laurence gehört haben musste. Da waren andere Schritte im Flur gewesen als Laurence aus dem Haus gegangen war. Ich hatte mich also nicht verhört. Louis war stehen geblieben, ich spürte plötzlich seine Hand an meinem Handgelenk. Nicht fest, beinahe bittend. Meine Nackenhaare stellten sich auf, ich sah auf seine Hand...dann huschte mein Blick zu ihm auf...ich spürte wie er die Hand von meinem Handgelenk nehmen wollte. “Wenn die Dinge anders wären.” hörte ich Worte...verstand dann das sie aus meinem Mund kamen, das mein Verstand sie produziert hatten. Ich wusste das es keine Lüge war. Schon eine ganze Weile waren da Gefühle für Louis gewesen...entfacht nicht erst durch seinen Kuss. Dieser Idiot hatte mir beinahe ebenso schnell mein Herz gestohlen wie Caleb. Das sich letzterer nun von mir entfernte...glich beinahe der Verdammnis. “Ich muss schon die ganze Zeit über diesen Impuls unterdrücken.” kam es gedrungen von Louis. Wieder mein Blick in seine Augen. Ich sah das funkeln in ihnen….wieder bedurfte es keiner Worte. Trotzdem glich Louis einem wartenden Schakal. “Dann tu es nicht.” Verräter! schrie es kurz in mir. Dann verlor ich mich in dem Kuss mit Louis. Weniger zaghaft als jener erste vor ein paar Wochen. Zudem mit dem Unterschied das ich mich von ihm einnehmen ließ. Kein Abstand mehr zwischen uns, seine Hand auf meiner Hüfte, in meinem Haar. Meine eigenen Hände um ihn geschlungen. Ich spürte mich wanken, von ihm gehalten stand ich jedoch sicher. Louis brach den Kuss, ich erschrak drehte mich plötzlich fort...die Hände gekrallt in Ravns Mähne. Was war das nur mit ihm? Ich musste schwer einatmen..mein Bauch spielte genauso verrückt wie meine Gedanken. Louis kam zu mir, sein Kopf legte sich auf meine Schulter. “Du kannst mich nicht belügen...auch ich bin in deinem Herzen...das weiß ich nun.” flüsterte er in einer tiefen Stimme. Dann war er fort. Ich nahm seine Schritte wahr. Dann die von Inyan. Als ich mich zu ihm drehte saß er bereits wieder auf dem Wallach. Sein Gesicht hatte beinahe etwas triumphierendes..”Du weißt wo du mich für deine Entscheidung findest.” er trieb dem Wallach die Füße in den Bauch, dieser preschte aus dem Stand im Galopp den Waldweg wieder hinab. Ravn wollte hinterher, kurz hatte ich zu tun, den manchmal widerspenstigen Wallach zu zähmen. Ich sah in die Richtung von Louis und Inyan die immer kleiner wurden. Oh ja...ich wusste wo ich ihn fand...und auch wenn er die Frage nicht ausgesprochen hatte. Ich kannte sie...wusste welches Angebot er mir soeben unterbreitet hatte.

      Caleb
      Ich saß hinterm Steuer meines Pick Ups und starrte ins Leere. Es regte mich auf, dass ich nichts tun konnte, nein es kotzte mich wirklich an, nichts tun zu können… oder tun zu wollen. Jeden Tag ging ich spät ins Bett, jeden Tag stand ich früh auf und es war wirklich so, dass ich Ylvi aus dem Weg zu gehen versuchte. Ich hatte heute morgen ein Treffen in Calgary vorgeschoben, um nicht mit ihr aufwachen zu müssen. Ich hatte ein Treffen gehabt, so war es nicht… nur war dieses schon seit ein paar Stunden vorbei. Als sich mein Blick wieder gefangen hatte und ich seufzend meine Augen schloss, klopfte es an der Scheibe. “Sir, sie stehen schon eine ganze Weile im Parkverbot, bitte fahren sie den Wagen weg.”, sagte mir einer der Polizisten, die neben meinem Auto standen. Der andere im Polizeiwagen schaute düster zu mir herüber. Ich nickte nur stumm, startete den Motor und fuhr zum Geschäft, um noch ein paar Leckerlis für die Pferde und ein wenig neues Putzzeug zu kaufen. “Hey Caleb.”, begrüßte mich die junge Frau an der Kasse. “Wie läuft es so auf der Ranch?”, fragte sie mich nett. “Viel Arbeit. Ist immer viel Arbeit.”, erklärte ich ihr und bezahlte meine Einkäufe, ehe ich alles auf die Ladefläche des Pick Ups warf und wieder zur Ranch fuhr. Als ich ausladen wollte, gesellte sich Laurence zu mir. Ich schaute zu ihm rüber und er hatte wieder dieses: ich erzähle dir jetzt eine Lebensweisheit und du kannst nichts dagegen tun, nur zuhören. "We accept the love we think we deserve: from Stephen Chbosky.”, sagte er ohne mich auch nur im Ansatz auf so ein Zitat vorzubereiten. “Und du mein Freund, bist gerade auf einem ganz falschen Weg. Warum behälst du sie nicht hier? Du weißt, dass du es kannst und du weißt auch, dass du jemanden wie sie verdient hast. Lass die Liebe zu und frag sie endlich, ob sie dich heiraten will!”, fügte er an und packte mich an der Schulter. Laurence packte für sein Alter wirklich, wirklich feste zu. “Nimm sie nachher mit auf einen Ausritt. Du brauchst keinen Ring, frag sie einfach. Frag sie bevor es zu spät ist.” “Bevor sie weg ist…”, korrigierte ich ihn doch er schüttelte nur den Kopf. “Bevor es zu spät ist, Caleb. Du warst in letzter Zeit nicht viel hier. Es gibt.. sie hat.. sie bekommt hier andere Chancen.”, stammelte er und schaute in mein fragendes Gesicht. Selbst nachdem er meine Schulter losgelassen hatte und gegangen war, stand ich noch immer stocksteif neben meinem Truck und dachte über seine Worte nach. Es gibt für sie hier andere Möglichkeiten, zu bleiben? Was meinte er damit? “Hey Caleb!”, rief mir Octavia zu, die gerade mit Raspberry an mir vorbei ritt. Da kam mir eine Idee. “Hey O warte, ich hol mir ein Pferd und komm mit dir mit!”, rief ich ihr zu und hatte im Handumdrehen Vulture gesattelt und zu ihr aufgeschlossen. “Dass du Zeit hast, mit mir auszureiten.”, lachte O und strich ihrer Stute kurz über den Hals. “Das hast du wohl Laurence zu verdanken.”, murmelte ich. “Wieso das?” “Er hat mir eben wieder eine seiner Weisheiten unter die Nase gebunden und gesagt, wenn ich will, dass Ylvi bleiben kann, soll ich um ihre Hand anhalten, bevor es dafür zu spät ist und sie eine andere Chance bekommt, hier zu bleiben. Weißt du, was er damit meinte?”, fragte ich sie ganz offen und ehrlich und hielt Vulture an, um ihre folgenden Worte besser verstehen zu könne. “Weißt du… Ylvi und Louis… sie sind sich glaube ich näher gekommen.”, erklärte sie mir. Ich schloss für eine Sekunde seufzend meine Augen, ehe ich sie wieder öffnete und meinen Hengst wieder antrieb. “Was weißt du darüber?”, fragte ich sie schließlich. “N..nichts weiter. Wirklich nicht.”, antwortete sie mir und lenkte ihre Stute auf den linken Pfad rüber. Wir ritten eine Weile schweigend nebeneinander her, ehe ich sie fragte: “Sollte ich denn? Soll ich sie fragen, ob sie mich heiraten möchte?” O lachte kurz auf. “Caleb das kann ich dir doch nicht beantworten.“

      Ylvi
      Wir sahen uns an. Was tat ich eigentlich hier? Wie auf Drogen hatte mich der Weg am Abend nicht zum Haupthaus gebracht. Stattdessen stand ich auf der Türschwelle von Louis. Meine Hände im Rücken verschränkt. Ich zog mir die Haut neben meinen Nägeln ab. Der leichten Feuchtigkeit zu urteilen die ich spürte musste ich bereits Bluten. Der Schmerz drang jedoch nicht zu mir durch. “Willst du rein kommen?” Nein “Ja” hauchte ich.
      Mir war als würde ich mein Herz in der Brust nicht länger schlagen hören. Mit betreten seines Flures fiel plötzlich all die Anspannung ab. In meinen Gedanken war kein Caleb mehr. Nur der Wille an diesem Ort zu bleiben blieb zurück. Louis fasste meine Schultern schob mich vom Flur leise in Richtung seines Schlafzimmers. “Die Kinder sind schon im Bett.” flüsterte er mir zu. Da das Gästehaus nicht über ein Wohnzimmer verfügte und die Küche in Richtung Haupthaus ging, schien das Schlafzimmer die beste Wahl um ungestört zu sprechen. Mir wurde bei dem Gedanken allerdings flau in der Magengegend. Dann schloss sich die Tür hinter uns. Zum ersten Mal seit der Türschwelle sah ich Louis wieder direkt in die Augen. Die Haltung seines Körpers, seine Augen..sie sprachen von gespielter Gefasstheit. Diese Beherrschung die ich auch bei Lilly gesehen hatte. Die typisch war für einige Natives. Trotzdem sah ich den lauernden Schakal in seinen Augen wieder. Louis stellte keine Frage. Wir sahen einander nur an. Er wartete geduldig bis ich endlich den Mut fand die Worte über meine Lippen zu bringen. Sekunden wurden zu Minuten. Dann begann er plötzlich zu Lachen, einfach so. Ich legte den Kopf schief. Die Anspannung löste sich und plötzlich lachte auch ich scheu. Louis überbrückte die Distanz zwischen uns...zog mich an seine Brust und wir lachten weiter. “Wann müssen wir uns um einen Termin in Calgary kümmern?” flüsterte er schließlich als ich noch scheu hüsteln musste. Hatte ich gedacht Caleb und ich agierten gut miteinander...so bedurfte es mit Louis keiner Worte. Er würde mich zur Frau nehmen. Ich hatte diese Entscheidung bereits getroffen und er wusste es auch ohne das ich es ausgesprochen hatte. Das ganze wirkte beinahe surreal. Wir würden das liebende Ehepaar spielen müssen, wenn die Auslandsbehörde die Ehe prüfte. Doch würde ich die liebende Ehefrau spielen müssen? Das ganze könnte viel zu einfach werden. Die Art mit der er mich ansah, berührte und beschütze machten es mir so unfassbar einfach. “So früh wie möglich.” hauchte ich - schließlich müsste ich in weniger als einer Woche verschwinden. Louis schob mich ein wenig fort von sich, hoch mein Kinn. “Das ist das verrückteste was ich jemals getan habe.” sprach er, wieder halb lachend. Ich konnte nicht umhin das Lachen zu erwidern. “Gewöhn dich schonmal dran. Das Leben mit mir kann aufregend werden.” “Aber nicht das du mir aus den Latschen kippst wie das letzte Mal.” “Dafür hab ich ja jetzt einen neuen Schrittmacher und regelmäßige Kontrollen.” ich dachte an jenen Tag auf dem Berg. Ich wäre dort oben gestorben. Louis hatte mich am Leben gehalten. Hatte mein Leben gerettet. Vielleicht hatte das Universum damals bereits einen Wink gegeben wem ich mit meinem Leben trauen konnte. Erinnerte mich auch an seine seltsamen Worte. “Was ist mit der Symbiose?” Louis schaute leicht verwirrt. “Damals..auf dem Berg. Bevor ich ausgenockt bin. Du meintest das Caleb ein Wolf sei, während du in mir einen Raben siehst. Du sprachst davon, dass diese beiden Geschöpfe in einer Symbiose lebten. Ist das jetzt hinfällig?” “Ah..jetzt erinnere ich mich. Dabei darfst du aber nicht vergessen. Raben binden sich fürs Leben. Es kommt der Tag an dem eine Symbiose nicht länger ausreicht.” Plötzlich kam mir etwas in den Sinn. “Du wolltest es schon damals,oder? Du...dich beschützt auch ein Rabe als Totem. Nicht wahr?” Wir standen noch immer in dieser Umarmung beieinander, er zog mich wieder an seine Brust. “Thečhíȟila.” Louis hauchte mir einen Kuss auf die Stirn. Seine Hände krallten sich in meinen Rücken, die Hüfte. Ich hörte das leichte Knurren von seinen Lippen. Kein ton der mich überraschte. Mochte ein Rabe ihn schützen, so blieb er für mich selbst doch der Schakal. Ich fand mich selbst dabei wie ich die Geste wiederholte, meine Fingernägel krallten sich in seinen Rücken, die Schulterblätter. Spürte seine Zähne an meinem Hals. Caleb so ähnlich und doch so anders. Ich bot ihm den Hals dar, legte das Gewicht auf meinen Hacken, gehalten von seinen Armen. Mein Körper war ein elender Verräter. Er war es schon bei Caleb gewesen. Bei Louis tat er keine Ausnahme. Nur mit dem Unterschied das sich hier auch mein Verstand nicht dagegen zu wehren versuchte. Ich biss die Zähne fest aufeinander als Louis Hand seinen Weg unter mein Shirt fand. Die letzten Wochen der Ungewissheit, des Alleinseins. Endlich nicht mehr allein sein. Er spielte und neckte mich. So leicht fand ich mich ein in dieses Spiel. Sanft wurde ich auf einer Decke aus Fell gebettet. Als er zu mir kam fand er mich offen vor sich. Ein Kuss auf meine Lippen, dann spürte ich ihn in mir. Diese Vertrautheit war überwältigend. Wir agierten wie Zahnräder die nahtlos ineinander griffen.
      Louis hielt mich danach im Arm, während sich unser Atem nur langsam beruhigte. Ich spürte sein Gewicht auf mir, meine Hand kratzte über seinen Rücken. Fühlten die Muskeln, die Wirbelsäule und den kleinen Film aus Schweiß über unseren Körpern. Worte lagen mir auf den Lippen die sie dennoch nicht verließen. Ineinander verschlungen schliefen wir ein. Im Halbschlaf merkte ich noch wie Louis die Felldecke über uns breitete. Das erste Mal in Monaten schlief ich völlig unbehelligt.

      Caleb
      Seit Wochen war ich immer dem selben Muster gefolgt. Spät ins Bett, früh wieder raus. Ich hatte das Gespräch mit Ylvi vermeiden wollen, denn sie hatte bis jetzt immer tief und fest geschlafen. Heute war dem nicht so, denn sie war nicht da, und ich konnte mir denken, wo sie sich aufhielt. Es war die unruhigste Nacht seit Langem und als am Morgen der Wecker klingelte, fühlte ich mich wie vom Zug überrollt.
      Das Frühstück mit den Arbeitern verlief größtenteils schweigend. Octavia warf mir ein paar mitfühlende Blicke zu, doch sagen tat niemand etwas zu mir. Meinen Kaffee füllte ich in einen Thermobecher, ehe ich meinen Hut von der Ablage auf meinen Kopf setzte und das Haus verließ. Noch immer waren weder Louis, noch Ylvi oder die Kinder zu sehen. Ich hatte einen anderen Weg einschlagen wollen, doch meine Füße führten mich zielsicher zum Offenstall von Ylvis Pferden. Als ich sie auch hier nicht sah, atmete ich hörbar erleichtert auf. War es wirklich Erleichterung, die sich von meinem Herz löste? Oder Gewissheit? Wo sollte sie sonst sein? Ich beschloss meine Gedanken in die hinterste Ecke meines Kopfes zu verbannen und mich auf die anstehende Arbeit zu konzentrieren. Auf einer Ranch war schließlich immer etwas zu tun und sei es nur das Herumfahren mit dem Truck, um den Anderen aus dem Weg zu gehen. Dazu sollte es allerdings nicht kommen. Ich war zurück ins Haus gegangen, um meine Schlüssel zu holen. Als ich wieder rauskam und zu meinem Auto gehen wollte, sah ich Louis und Ylvi auf dem Hof, die in Richtung des Haupthauses gingen. Ylvis Blick fiel von Louis auf meinen roten Pick Up, zurück zu Louis und schließlich zu mir. Als sich unsere Blicke trafen, blieb ich stocksteif stehen und… Ruckartig war Louis Hand von Ylvis Hüfte verschwunden. Besänftigend hob er seinen Arm und machte einen Schritt auf mich zu, ehe er erneut stehen blieb und auf meine geballten Fäuste starrte. Meinen Schlüssel hatte ich schon lange auf den Boden fallen lassen. “Es ist nicht das… wonach es aussieht.”, meinte er in einem ruhigen Ton. “Das ist es nie.”

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      Allein durch diesen Satz kochte die ganze angestaute Wut in dem blonden Mann hoch, die sich die letzten Wochen, ja sogar die letzten Monate angesammelt hatte. Caleb machte noch zwei, drei Schritte auf die Beiden zu, ehe er erneut stehen blieb und abwechselnd zwischen ihnen hin und her schaute. “Caleb… ich… wir…”, fing Ylvi an und machte einen kleinen Schritt auf Caleb zu. Louis, der die Augen nicht mehr von den Fäusten seines Gegenübers lassen konnte, stellte sich schützend vor sie. “Hast du Angst dass ich eine Frau schlage? Hältst du mich für so jemanden? Louis komm schon!”, schnaubte Caleb. Die Gedanken des Mannes bewegten sich in einer Abfolge von Bildern, Sätzen und Taten die ihm fast den Verstand zu nehmen drohten. Zwischen seiner unbezwingbaren Wut schwankte er in den Gefühlen für die Frau die dort neben seinem langjährigen Freund stand. Seine zur Faust geballten Finger, gruben sich in die Haut seiner Handfläche. Eine Art der Erinnerung wo er sich befand. Ylvi biss sich auf ihre Lippen, ihr Blick glich dem eines geschreckten Rehs. Der Indianer streckte die Schultern, sein Gesicht gab keine Regung seiner inneren Gefühle Preis. Caleb kannte ihn, kannte diese Regungslosigkeit. Louis beobachtete ihn ganz genau, würde blitzschnell reagieren können. Caleb war sich bewusst. Schlug er zu. Dann würde Louis nicht unbeteiligt bleiben. “Ich sah dich nie eine Frau schlagen. Dafür hast du zu viel Respekt.” Louis gab ein Seufzen von sich. “Ich frage mich nur wie viel Respekt in dir für mich noch übrig geblieben ist. Ich sprach falsch. Es ist genau wonach es aussah. Caleb...ich habe ihr gegeben, was du nicht gewillt warst zu tun. Wochenlang hattest du eine Wahl. Verurteilst du mich dafür ihr die Chance zu geben zu bleiben wohin es ihr Herz zieht? Und damit meine ich nicht mich Kola….sondern vielmehr diesen Ort.”
      Caleb lauschte den Worten seines Gegenübers, horchte in sich hinein und versuchte mit allen Mitteln seinen Körper und die Wut nicht die Oberhand gewinnen zu lassen. Ruhig zu bleiben, zuerst nachzudenken, bevor er handelte. Diese Beherrschung zu erlangen hatte ihn Jahre gekostet und er war sich in diesem Moment ganz und gar nicht sicher, ob nicht doch alles umsonst gewesen war. Nicht nur die Arbeit, seine unbändige, plötzlich ausbrechende Wut in den Griff zu bekommen, sondern auch sein Zulassen der Gefühle. Sich jemandem öffnen, ihn Platz in seinem Leben finden zu lassen nach dem Tod der Frau, die er so sehr geliebt hatte. Von emotional unbrauchbar bis hin zu jemanden, der wieder lieben konnte, ja Liebe zuließ. Doch nun stand er hier. Wurde von eben dieser Person betrogen...mit seinem besten Freund. Der Mensch, der ihm vor Jahren das Leben gerettet hatte und ihn schon lange begleitete. Genau dieser Mensch hatte die Nacht mit seiner Freundin verbracht. “Damit meinst du nicht dich,mein Freund?”, keifte der Cowboy den Indianer an. “Statt vorher mit mir zu reden hüpfst du einfach mit ihr ins Bett?”, setzte Caleb nach und machte noch einen Schritt auf Louis zu. Ylvi verschwand für kurze Zeit aus seinen Gedanken, mit ihr würde er später reden. “Caleb komm runter… wir können darüber reden.”, versuchte Louis die Situation zu retten, doch der Mann ging darauf nicht ein. Er war jetzt nah genug an ihm dran, um auszuholen und zuzuschlagen. Seine Hand zuckte, seine Faust wurde geballter, er atmete schwer… doch schlug noch nicht zu. “Ich warte.”, knurrte er. Louis sah dem alten Freund in die Augen, sah die Wut darin. Er wusste egal für welche Worte er sich entscheiden würde. Es wäre nicht genug. “Es tut mir Leid.” sprach er aus tiefster Seele.

      Der Indianer bemerkte die schnelle Bewegung, seine Ohren hörten den entsetzten Aufschrei von Ylvi. Im selben Augenblick reagierte jede Zelle seines Körpers mit Schmerz. Ein kräftiger Kinnhaken hatte ihn getroffen. Caleb hielt sich die Knöchel der rechten Hand, doch seine Augen funkelten zwischen den anderen beiden hin und her. Ein kalter Blick streifte sie beide. “Mir auch.”
    • sadasha
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      Gut Schwarzfels
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      01. Februar 2020 | Einreiten "It's me, Amira!" | 5940 Zeichen von sadasha

      „Guten Morgen.“, grüßte ich die junge Rappstute mit den blauen Augen und schob die Boxentür auf um zu ihr zu gelangen. Amira wandte sich sofort zu mir um und taxierte mich. Hatte ich Futter dabei? Nun... Nein. Das Futter musste sie sich nun zuerst verdienen, denn mit ihren fünf Jahren war sie mehr als bereit dazu eingeritten zu werden. Ich halfterte sie auf und führte sie raus auf die Stallgasse und band sie hier an. Amira sah mir hinterher, als ich in der Sattelkammer verschwand um das Putzzeug zu holen. Sie war neugierig, aber nicht nervös. Eine gute Grundlage für das, was ich heute vor hatte. Die hübsche Stute kannte bereits das Fohlen ABC und war dadurch im alltäglichen Umgang sehr gelassen. Auch anlongiert war sie bereits. Dennoch überprüfte ich hier ihren Ausbildungsstand indem ich sie auf dem Platz in allen Grundgangarten auf beiden Seiten longierte. Amira war ein Wildfang, hier und da gab es einen enthusiastischen Buckler. Alles in Allem aber durchaus vertretbar. Nun hieß es Amira an Gewicht auf ihrem Rücken und ein Gebiss in ihrem Maul zu gewöhnen. Ich startete damit ihr einen leichten Übungssattel aufzulegen. Sobald Amira Zeichen von Unwohlsein, wie Kopf hochschmeißen oder zur Seite wegtänzeln zeigte, wirkte ich beruhigend auf sie ein und nahm das Gewicht wieder weg, wenn sie das nicht besänftigte. Doch Amira überraschte mich. Sie blieb schon nach wenigen Übungseinheiten gelassen stehen. Sie schenkte mir einen Blick oder ein Ohr, schlug vielleicht mal ein wenig genervt mit dem Schweif. Doch sie ließ die Prozedur über sich ergehen. Erleichtert begann ich nun damit den Gurt ein wenig fester zu machen. Das fand die Stute nicht sehr spannend, da sie bereits Longiergurte kannte. Es war durchaus ein Vorteil, dass Amira erst so spät eingeritten wurde. Viele wichtige Grundlagen waren ihr bekannt und erleichterten jetzt den Einstieg. Wir waren mittlerweile an Tag fünf unseres Trainings. Wir wurden uns immer vertrauter. Die Rappstute baute schnell Vertrauen zu mir auf und band sich an mich. Kleine Rituale, wie die Möhre zur morgendlichen Begrüßung manifestierten sich in unserer Beziehung. Auch die Massagen nach den Trainingseinheiten genoss die sonst so spritze Rappstute. Ich mutete ihr heute zu ein Gebiss länger als fünf bis zehn Minuten im Maul zu tragen. Amira kaute wie immer darauf herum, spielte damit. Mit gespitzten Ohren beobachtete sie mich und merkte irgendwann, dass ich nicht vor hatte ihr die Trense bald abzunehmen. Im Gegenteil, ich zog Dreieckszügel durch die Gebissringe und befestigte sie am Übungssattel. Sie waren so eingestellt, dass die Stute ausreichend Bewegungsfreiheit hatte, aber dennoch eine sichere Führung bekam. Ich führte sie nun wieder einmal in die Halle und begann sie zu longieren. Die neue Montur ließ uns hier noch einmal von vorne beginnen. Amira musste ihr Gleichgewicht, die Balance und Kontrolle in allen drei Gangarten finden. Wir begannen im Schritt und arbeiteten uns als dieser zufriedenstellend war über den Trab bis rauf zum Galopp. Je Einheit arbeiteten wir 30 Minuten. Ohne Zwang. Sie hatte Tage an denen wir eine halbe Stunde lang nur im Schritt longierten und Tage, wo sie mir bewies, dass sie sich schon sehr gut im Griff hatte und das sogar auf beiden Händen. Die linke Hand bevorzugte sie ganz klar. Es war interessant zu sehen, wie sie immer sicherer wurde. Wir arbeiteten jetzt vermehrt auf der rechten Hand. Erst als ich auch hier zufrieden war mit ihrer Stellung, Losgelassenheit und Ruhe in der Bewegung, ging ich einen Schritt weiter. Isaac half mir Amira zu halten. Ich wusste zwar, dass die Stute vertraut war mit Gewicht, doch das zuerst einseitige Gewicht eines Reiters, war eine ganz andere Geschichte. Ich sprach beruhigend auf sie ein und legte mich zuerst leicht über ihren Rücken. Amira hob zwar ein wenig ihren edlen Kopf, blieb aber sonst entspannt. Nach ein paar Minuten ließ ich mich wieder auf den Boden gleiten und wiederholte die Prozedur ein paar mal. „Das ist ein Witz für sie.“, kommentierte Isaac und streichelte der Vollblutstute über den Nasenrücken. Ich sah ihn prüfend an. „Meinst du?“, fragte ich neckend. „Dennoch setze ich mich erst morgen in den Sattel.“, schloss ich. Isaac nickte. Wir beendeten das Training für heute und starteten am nächsten Tag ausgeruht mit dem nächsten Meilenstein. Wieder legte ich mich über den Rücken. Fünf Minuten, zehn Minuten. Dann ließ ich mich wieder zu Boden gleiten und schwang mich mit etwas mehr Elan in den Sattel. Tausend Steine fielen mir vom Herzen, als Amira ruhig stehen blieb. „Schockiert dich das?“, fragte Isaac. Gute Frage, dachte ich. Eigentlich nicht, aber mein Unterbewusstsein trug dennoch die Angst vor diesem Schritt in sich. Ich lächelte zufrieden und machte die ersten Schritte zusammen mit Amira an der Longe. Vom Sattel aus konnte ich sie mit den Hilfen vertraut machen, ihr Wege eröffnen und versperren. Sie hatte einen kleinen Sturkopf. Wie beinahe jedes Vollblut, das ich bisher geritten bin wollte sie immer zuerst mit dem Kopf durch die Wand. Doch mit der Zeit lernte sie, dass ich noch gnadenloser, noch sturer war. Sie lernte mir mehr zu vertrauen und mir zu folgen. Nach einer weiteren Woche des Trainings lösten wir die Longe. Isaac blieb trotzdem bei uns in der Halle. Für Amira machte es keinen Unterschied ob die Longe dran war oder nicht. Die Longe war schon seit Tagen nur ein Helfer in der Not. Eine Not, die nie eintraf. Wir übten in den folgenden Tagen und Woche abwechselnd sowohl das Reiten auf dem Reitplatz, als auch das im Gelände. Solange, bis wir beide zufrieden und sicher waren, dass Amira auch ohne Begleitpferd überall souverän zu reiten war. Stolz streichelte ich den Widerrist, kraulte den Mähnenansatz. „Gutes Mädchen.“, lobte ich sie. „Jetzt bekommst du eine richtige Aufgabe.“ Ich freute mich Amira eine ganz neue Welt eröffnet zu haben. Sie wird voll in ihrem Einsatzgebiet als Reitpferd aufgehen, da war ich mir sicher.

    • sadasha
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      Gut Schwarzfels
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      01. Februar 2020 | Dressur E-A "Maleficent" & "It's me, Amira!" | 3747 Zeichen von sadasha

      Die letzte Zeit ist so viel passiert. Die zwei ersten Stuten für meinen Neubeginn waren auf dem Hof und hatten sich eingelebt. Ja, in der kleinen Herde ging es manchmal heiß her, aber so sind sie nunmal, die Stuten. Lorelei brachte Ruhe in die beiden Rappstuten und sie sitteten sich immer genauso schnell, wie sie aufkochten. Mehr als kleine Rangeleien waren es bisher nicht. Im schlimmsten Falle musste ich sie eben trennen. Doch daran dachte ich jetzt noch nicht. Erstmal stand die Ausbildung der beiden im Fokus. Da konnte ich gleich auch noch lernen, was ich bei künftigen Kunden beachten wollte und ging nicht unvorbereitet, ohne Erfahrung in mein neues Business als Pferdetrainer. Isaac half mir wo immer er konnte. Zumindest solange er in Deutschland war. Es war ein Privileg für mich ihn zu Besuch auf dem neuen Gestüt zu haben, denn er war nicht nur Gast und guter Freund, sondern auch ein tatkräftiger Mitarbeiter. Es war nicht meine Art ihm den Wunsch zu helfen abzuschlagen. Ich freute mich und nutzte das auch aus um die zwei Rappen weiterzubilden. Er nahm die eine, ich die andere. Maleficent und Amira gewöhnten sich so an uns beide als Reiter und lernten schnell den Unterschied zwischen den Tempi innerhalb der Tempi. Denn bei einer A Dressur waren Rahmenerweiterungen gefragt, sowohl im Trab, als auch im Galopp. Auch an der korrekten Aufstellung der beiden mussten wir arbeiten. Maleficent war dabei ihrer Vollblutfreundin immer eine Nasenspitze voraus. Ihre Anlehnung war von Natur aus korrekter und ihr Anblick war generell „runder“. Sie eignete sich wunderbar als Dressurpferd und ich liebäugelte damit sie einzufahren. Ihr kräftiger Körperbau, wäre ein Traum vor der Kutsche. Aber erstmal hatten wir ausreichend Arbeit vor uns. Wir ritten vielerlei Übergänge und Bahnfiguren um das Beste aus den Stuten herauszulocken. Immer wieder bauten wir interessante Übungen ein, wie Stangenarbeit oder Geländeritte um die Stuten sowohl bei Laune zu halten, als auch zu kräftigen. Sie arbeiteten sehr willig mit und kamen gegen Ende der Ausbildung merklich besser miteinander aus. Es war schön anzusehen, wie sich das gemeinsame Training auch auf das Verhalten in der Herde auswirkte. „Noch ein letzter Tag. Fremde Umgebung. Die Feuerprobe.“, erklärte ich Isaac grinsend. Ich freute mich das Training erfolgreich abzuschließen und lud die beiden Stuten gemeinsam mit Isaac auf den Hänger. Wir fuhren zu einem Gehöf etwa 20km entfernt und machten die Stuten dort fertig. Wir durften hier den Reitplatz nutzen. Neugierig und in Amiras Fall etwas aufgekratzt sahen die zwei schwarzen Schönheiten sich um. Fremde Pferde, reges Treiben und ein riesiger Kangal zerrten an der Gelassenheit der beiden. Amira ging immer wieder ein paar Schritte zur Seite und ließ ihrem Unwohlsein freien Lauf. Ich hatte damit zu kämpfen sie ruhig zu halten und schlug Isaac deshalb vor die beiden erstmal etwas herumzuführen, bis sich auch Amira an die Umgebung gewöhnt hatte. Gut 15 Minuten waren wir unterwegs, ehe auch die Vollblutstute ihren Kopf entspannt senkte und sich problemlos auf den Reitplatz führen ließ, wo noch zwei weitere Reiter trainierten. Wir saßen auf und ritten los. Sofort waren beide Stuten in ihrem Element und folgten unseren Hilfen. Anlehnung, Korrektheit, Losgelassenheit. Begriffe die uns in der Aufwärmphase egal waren, die die Stuten aber zum Teil schon umsetzten. Wir waren überrascht über das gute Verhalten der beiden, sobald wir in den Sätteln saßen. Im weiteren Verlauf des Trainings besserte sich das Gesamtbild und wir konnten zufrieden und guten Gewissens den Beritt abschließen. Beide Stuten würden sich von nun an in einer A-Dressur ordentlich vorstellen lassen, wenn auch die Reiter dazu fähig waren sie anzuleiten.

    • sadasha
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      Gut Schwarzfels
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      06. März 2020 | Who Loves Candy – Dressur E-A | Maleficent & It's me, Amira! Dressur - A-L | 3942 Zeichen von sadasha

      „Nun denn mein Guter.“, sagte ich seufzend und holte das Nervenbündel Who Loves Candy aus seiner Box. Der Hengst war schon ein paar Tage auf dem Hof und sollte in der Dressur ausgebildet werden. Der absolute Horror, da dieses Pferd einfach nicht beisammen war. Das Training würde sehr mühselig werden, schleppend, Kräfte zehrend und was es nicht Alles für Umschreibung gibt, die dieses Dilemma treffen würden. Aber ich hatte es Steffen versprochen. Ich hatte versprochen seine Pferde mitzunehmen, wenn ich Zeit dafür fand und ich war kein Mensch, der seine Versprechen brach. Auf mich ist Verlass. Immer. Ich begann bei dem Hengst ganz von vorne. Ich hatte keine Lust nach zwei Minuten im Sattel den Boden zu küssen oder gar im Krankenhaus zu landen. „Das ist quasi Kindergarten-Wissen, du Riesenbaby.“, maulte ich und strich dem Hengst mit der Schabracke über den Rücken. Candy drücke den Rücken weg und machte einige Schritte zur Seite. Es war mir ein Rätsel, wie man ihn geritten haben soll. Es dauerte lange bis sich der Hengst an meine kleinen, penetranten Aktionen gewöhnt hatte. Aber nach gefühlt drei Jahrhunderten stand er still. Er war genervt von mir, aber das Gefühl konnte ich ihm ungefiltert zurückspiegeln.

      Umso mehr freute ich mich mit meinen Stuten weiter zu arbeiten. Denn Maleficent und It's me, Amira! arbeiteten besser mit. Die beiden Rappstuten hatte ich zuvor schon einmal ausgebildet und ich setzte da an, wo ich aufgehört hatte. Wir übten fleißig unsere Übergänge, das Rückwärtsrichten und die Kehrtwenden. Maleficent war unglaublich talentiert und es machte Spaß sie immer besser werden zu sehen. Bei Amira war mehr Feuer im Spiel. Es haperte hier und da an der Konzentration und ihr Vorwärtsdrang überrumpelte meine Pläne. Doch auch sie wurde stetig ruhiger, verließ sich mehr auf meine Hilfen und entspannte sich. Candy machte mir im Laufe der Zeit aber nur noch mehr Sorgen. Der Hengst lernte so langsam, dass wir nach mehreren Wochen Arbeit gerade das erste mal im Sattel unterwegs waren. Steffen kam immer mal vorbei und sah uns beim Training zu. Er hatte hier und da gute Ratschläge zur Hand und kannte sein Pferd wie kein anderer. „Sicher, dass du ihn nicht behalten möchtest?“, fragte ich irgendwann und sah Steffen schmunzeln. Er überlegte einen Moment und antwortete dann, dass er nicht dafür gemacht sei ein Pferd eine halbe Ewigkeit zu halten. Es machte ihn glücklicher Pferde aufzubauen und an einem gewissen Punkt in gute Hände abzugeben, sodass er sich einem neuen Pferd widmen konnte, welches seine Pflege notwendiger hätte. Ich verstand langsam wieso er Candy interessant fand. Der Hengst war ein Haufen Arbeit, hatte aber ein gutes Herz. Bis man es erreicht hatte dauerte es nur Jahrhunderte. Zwischendurch hatte ich das Gefühl ich würde eher sterben, als Candy erfolgreich eine A Dressur läuft. Doch kaum war ich kurz davor das Vollblut als hoffnungslosen Fall abzustempeln, da überraschte er mich. Plötzlich klappte das mit dem taktklaren Laufen. Plötzlich bog sich der Hengst ordentlich und schaffte es hier und da in Stellung zu gehen. Es waren klitzekleine Lichtblicke. Winzige Momente der Hoffnung, die mir so viel Mut gaben jetzt erst recht weiter zu trainieren. Candy machte fortan gute Fortschritte und lief dann tatsächlich so sicher und so gut, dass ich ihn Steffen noch einmal zum Abschluss vorstellte. Der Pferdehändler war begeistert und setzte sich nun auch einmal selbst in den Sattel. Auch bei ihm folgte Candy den Hilfen seines Reiters und machte eine gute Figur. Ich war heilfroh den Hengst nun „los“ zu sein. Sicher hatten wir am Ende Erfolg, aber der Aufwand dahinter war immens. Ganz anders als bei Maleficent und It's me, Amira! Die zwei liefen nun schon seit Wochen auf L-Niveau. Besonders stolz war ich auf die Kehrtwenden, die mir besonders bei Amira Probleme gemacht hatten. Heute liefen sie reibungslos und wir gingen fleißig Turniere um das Training zu manifestieren.
    • adoptedfox
      02. April 2020 | Pflegebericht für Lorelei, It's me, Amira und Maleficent | 1759 Zeichen
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      Ein neuer Morgen brach an. Ich wand mich aus den warmen Decken meines Bettes und schaltete den Wecker ab, der mich mit seinen schrillen Glockenschlägen geweckt hatte. Seufzend stand ich auf und trat ans Fenster. Eine dichte Nebeldecke hing auf dem Gut und es schien, als versuche sie es zu schützen. Ich lächelte sanft und ging ins Badezimmer um mich für den Tag fertig zu machen.
      Nachdem ich den letzten Schluck meines allmorgendlichen Kaffees getrunken hatte, zog ich meine Jacke an und lief über den Hof zum Stallgebäude. Ich öffnete das Schloss und noch bevor ich das massive Tor öffnen konnte, begann eines der Pferde mit dem Huf gegen die Boxentür zu klopfen. “Einen Moment noch!” rief ich lachend und ging in die Sattelkammer um die Futtereimer für das Frühstück vorzubereiten. Ich genoss die Ruhe des Morgens und lauschte dem mahlenden Geräusch der Pferde, die ihr Müsli fraßen. Zwanzig Minuten später standen Lorelei, It's me, Amira und Maleficent mit gesenkten Köpfen auf der Weide. Das Leben auf dem Gut machte mich glücklich, auch wenn ich nur wenig Zeit hier verbrachte. Hunter Crowley ermöglichte mir die praktischen Einheiten meines dualen Studiums auf seinem Gut zu absolvieren und ich war mehr als dankbar einen Chef wie ihn zu haben. Nach dem ausmisten der Boxen kehrte ich die Stallgasse und machte mich daran die Heunetze der Pferde zu befüllen. Bis die Glocken der nahegelegenen Kapelle zur Mittagszeit schlugen hatten die Pferde frei und da ich alle anderen Arbeiten bereits am Vortag erledigt hatte, nutzte ich die Zeit um die Spinde der drei Stuten aufzuräumen. Später würde ich zusammen mit Hunter die Pferde trainieren und vielleicht erlaubte er mir, mit der gutmütigen Suffolk Punch Stute Lorelei eine Runde ins Gelände zu gehen.
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  • Album:
    Gut Schwarzfels
    Hochgeladen von:
    sadasha
    Datum:
    29 Jan. 2020
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  • [​IMG]
    Amira
    It's me, Amira!

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    Exterieur
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    Rasse Anglo Araber
    Herkunft VK Performance Horses - Gips Reminder Ranch

    Geschlecht Stute
    Alter 2014, 5 Jahre

    Stockmaß 158cm
    Fellfarbe Rappe
    Abzeichen Unregelmäßige Blesse, 4x weiß
    vr [weißer Fuß] | vl [weiße Fessel] | hr [weiße Krone] | hl [halbweißer Fuß]


    ___________________________________________________
    Interieur
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    spritzig | zutraulich | gerissen

    Amira ist eine korrekt gebaute Rappstute mit auffälligen Abzeichen,
    die von ihrem Splash Gen hervorgerufen wurden. Sie ist eine temperament-
    volle Kombination aus Araber und Englischem Vollblut. Für Galopprennen
    ist sie nur bedingt geeignet, da ihre Mutter eher auf der Vielseitigkeitsseite
    steht und sie damit keine reinen Galopper-Linien in sich trägt. Sie wird ver-
    mutlich
    zu einem hübschen Allrounder heranwachsen.

    Sozialverhalten
    1 (schwierig) - 5 (unproblematisch)
    Herde [4] | Gegenüber Artgenossen [2] | Gegenüber Menschen [4]


    ___________________________________________________
    Zucht- & Besitzinformationen
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    [​IMG]
    Prämiert SK 470| Keine Nachkommen
    Gencode EeaanSPL

    Besitzer sadasha (Hunter Crowley)
    Vorbesitzer Veija (Octavia Blake)

    VKR verfallen
    Ersteller Cooper

    Kaufpreis 700 Joellen

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    Abstammung
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    aus der Augen auf! Ich komme

    von Aikonn Aszu
    von Bintu al Bahri
    aus der Farasha


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    Qualifikationen
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    Eignung Vielseitigkeit
    Dressur E A L M S
    Springen E A L M S
    Military E A L M S
    Distanz E A L M S

    Rennen E A L M S
    Western E A L M S
    Fahren E A L M S


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    Erfolge
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    574. Springturnier | 574. Dressurturnier | 587. Dressurturnier

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    431. Distanzturnier | 432. Militaryturnier | 439. Distanzturnier

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    593. Springturnier | 444. Distanzturnier

    inoffiziell

    xxx


    ___________________________________________________
    Ausbildungsstand
    ‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾
    Fohlen ABC [x] | Eingefahren [] | Eingeritten [x] | Gelassenheit []
    Problemverhalten x

    ___________________________________________________
    Gesundheit
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    ‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾
    Letzter Tierarztbesuch Mai 2017
    Letzter Hufschmiedbesuch

    Chronische Erkrankung
    Akute Erkrankung

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