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Mohikanerin

// Huracan [3]

Lusitano

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// Huracan [3]
Mohikanerin, 27 Aug. 2021
Zion, Wolfszeit, MeisterYoda und 2 anderen gefällt das.
    • Sosox3
      Trainingsbericht
      September 2021
      Dressur E-A
      Dressur E-A
      Huracan mit Tamara Jones
      Deloryan mit Brooke Scott


      Tamara Jones | Der lackschwarze Lusitanohengst mit den zwei kleinen Abzeichen war nun seit knapp einem Monat da und wir konnten guten Gewissens in die ersten E- und A-Dressuren gehen. Die Anfänge mit ihm waren zunächst etwas schwieriger, denn mit seiner Hektischen und nervöse Art, war er auch noch übermütig dazu. So mussten wir erstmal etwas mehr Ruhe reinbringen, bevor wir mit den Grundlagen anfangen konnten: Die Tempi. Dabei achtete Ich beim warmreiten auch darauf, dass er am Zügel ging und sich auch etwas löste. Sobald der Hengst den Kopf runter nahm und den Rücken aufwölbte, gab ich ihm mehr vom Zügel und gab nach. Es dauerte nicht lange, da begriff er, wie er laufen musste und auch bei den Tempi hörte er mehr auf den Reiter und trug sich vermehrt selbst. Auch die Übergänge verfeinerten sich zunehmend in den Gangarten und ich konnte ihn auch aus dem Trab diskussionslos halten. Was ihm ziemlich leicht fiel, waren die Bahnfiguren, da er auch einwandfrei auf die Hilfen, die ich ihm gab reagierte. Das Rückwärtsrichten hingegen fand er nicht so gut, er verstand den Sinn dahinter nicht und ihm diesen Nahe zu bringen, brachte mich öfter mal an die Grenzen meiner Erfahrung und Lösungsvorschläge, sodass ich Nate öfter nach Hilfe fragen musste. Die Kehrtwendung allerdings wurde zu einer unserer Lieblingslektionen, denn er war ziemlich wendig, dafür, dass er ein doch langes und im Rechteck stehendes Pferd war. Mit Nate schauten wir auch regelmäßig nach Fehlern oder Sachen die wir verbessern konnten, damit er noch präziser die Lektionen ausführen konnte. In dem Monat hatte sich auch seine Oberlinie ziemlich verbessert und der Rücken kam noch etwas höher und auch der Unterhals bildete sich zunehmend zurück. Für uns ein super Fortschritt. Um Abwechslung in unseren Trainingsplan zu bringen, nahm ich auch die Stangenarbeit mit auf um an seiner Versammlung zu arbeiten. Anfangs fiel ihm auch das Schwer, er kannte Stangen auf dem Boden aus Portugal gar nicht, sodass ich die ihm auch an der Longe zunächst beibrachte und ihm die Angst nach kurzer Zeit nahm. Alles in allem machte er sich aber sehr gut.


      Brooke Scott | Ich hatte Deloryan in der letzten Zeit immer mehr in der Dressur gefördert, doch ihm fielen einige Sachen noch schwer. Darunter waren auch die Schenkelweichen, die ich ihm heute näher bringen wollte mit ein paar Übungen, damit er bald seine ersten A-Dressuren mit mir gehen konnte. Nach einer etwas längeren Lösungsphase ritt ich ihn im Schritt eine Runde. Im Schritt beginnend wollte ich die Bande zur Hilfe nehmen, da es im freien Raum für ihn noch zu schwierig war. Ich nahm die Zügel etwas auf und stellte ihn an der langen Seite der Bande nach rechts und versuchte das Hinterbein von der Bande zu lösen. Rechts stellte ich ihn und Links löste ich den Zügel etwas und nahm nach ein paar Schritten mein rechtes Bein etwas nach hinten. Es ging mir nicht darum, dass er beim ersten Mal die komplette lange Seite schaffte. Ich nahm die Zügel noch etwas auf um seinen Schritt zu verkürzen. Ganz zart war schon etwas zu erkennen und so nahm ich eine Vorübung mit zum heutigen Training dazu. Die Vorhandwendung an der Ecke C/H. Ich parierte auf dem zweiten Hufschlag durch und stellte Ray rechts und ‘schubste’ sein rechtes Hinterbein Stück für Stück rum, sodass wir am Ende Parallel zur Bande auf dem ersten Hufschlag standen. Dasselbe machte ich nun auch zur anderen Seite hin. Das was ich nun mit ihm gemacht hatte, passierte nur vorwärts im Schenkelweichen. Linksrum gings schwerer, weil er links etwas mehr gegen drückte. Doch der Fortschritt war links dafür umso größer, als er das erste Mal seine Vorhandwendung machte. Wichtig bei dieser Aufgabe war es mir, dass wir das ganze mit kompletter Ruhe bestritten um dann mit der Schenkelweiche an der Bande der langen Seite weiter zu machen. Ich wollte, dass er das linke Hinterbein übertreten ließ, doch das rechte musste ich noch etwas Begrenzen. Die ersten Male lief er etwas abgehackter, doch er begriff was ich von ihm verlangte. Danach trabte ich ihn auf dem Zirkel an und versuchte es im Trab. Anfedern, lösen, anfedern, lösen, anfedern, lösen, wiederholte ich leise vor mir her, während ich den Braunen an der Bande stellte und ihn vom Schenkel weichen ließ um dann wieder auf dem Zirkel zu traben und dann das Prozedere zu wiederholen. Seine Kopf-Halshaltung ging dabei auch höher und er bot sich dabei selbst an. Er hatte sofort an Selbsthaltung gewonnen und so wollte ich das Training heute positiv beenden und in den nächsten Tagen etwas intensivieren.
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    • Sosox3
      Trainingsbericht
      Oktober 2021
      Dressur A-L
      Dressur A-L

      Coffee Breath mit Brooke Scott
      Prias Colourful Soul mit Octavia
      Legolas mit Samu Häkkin
      Huracan mit Tamara Jones
      Ceara Isleen mit Aimee

      Nathan Scott | Die erste komplett volle Reitstunde mit fünf Reiterpaaren stand an und ich hatte für jeden etwas dabei. Jeder sollte zunächst zeigen, was sie in der L-Dressur konnten und ich würde dann auf die Fehler mit passenden Übungen anfügen. Die erste im Bunde war Brooke mit ihrem Ausnahmetalent Coffee Breath. Beide hatten eine schöne Haltung und besonders die Gänge waren gut zu sitzen und trotzdem zeigte er viel Raumgriff und Schwung dabei. Der Braune tat sich schwer bei der Versammlung, nicht dass Brooke ihm das nicht selber beibringen könnte, das hatte sie bereits. Nur konnte sie das noch verbessern. Ziel für die beiden war es seinen doch großen Bewegungsablauf etwas kleiner und schneller bekamen. Die erste Übung diente zur Lastaufnahme und der Versammlung. Dabei sollten sie weniger geradeaus und mehr gebogene Linien reiten, da das Pferd in der Wendung die Hüfte abkippte und mit dem angewinkelten Hinterbein die Last, sowohl seine als auch Brooks vorwärts aufwärts wegspringen im Galopp. Nun sollte sollte sie Coffee noch einmal antraben. “Denk mal an Schritt, aber reite keinen. Zurücktreiben und rausschwingen. Die deutlichen Tempiunterschiede verbessern dabei die Lastaufnahme!” Dabei blieb sie auf dem Zirkel und man konnte deutlich die Tempounterschiede sehen, die sie ritt. Dabei trieb sie ihn zurück und sobald sie merkte, dass ihm die Kraft ausging, schwang sie aus. “Sehr gut. Mach sie kürzer, reit sie schneller. Denk an Schritt und reit wieder raus. So jetzt galoppierst du mal an… Nein, nicht so zaghaft, das Bein muss untertreten. Jaa, genau so. Du musst den ersten Sprung dynamisch reiten!” Aimee schaute dabei gespannt zu, auch wenn sie sich mit Ceara noch in der Lösungsphase befand. Sie konnte sich scheinbar auch was davon abschauen. “So, jetzt gibst du ihm mal eine Pause nach der anstrengenden versammelten Arbeit.” “Komm Aimee, die nächste Versammlungsübung im Galopp machst du. Im Trab hast du sie ja schon gut versammelt. Vor der Versammlung forderst du erst einmal ihren Grundgalopp und dann über kürzeres Treiben an den linken Zügel ran versuchst du das Pferd zu versammeln.” Ceara zeigte einen kurzen typischen Ponygalopp. Deutlich weniger Raumgriff als der Koloss davor. “Dann reitest du sie weiter in den linken Zügel rein und über die Diagonale einfach die Zügel aus der Hand kauen lassen. Guut genau so. Jetzt parier sie mal in den Schritt durch und lass sie sich mal dehnen. So muss das!” Während Ceara sich nun etwas dehnte und eine kurze Pause machte, widmete ich mich Tamara mit Huracan, die sich gerade an den ersten Traversalen probierte. Dabei fiel mir auf, dass ihnen die Rechtstraversalen schwerer fielen als die Linkstraversalen, vorallem weil sie die Beine des Hengstes nicht so ganz mit bekam. “Tamy, gib ihm ganz kleine halbe Paraden. Auf der Diagonalen gibt der grade Gas, nimm ihn mal etwas zurück. Halt ihn am laufenden mit verschiedenen Tempi, auch wenn du gleich angaloppierst. In der Wendung schiebst du ihn mehr mit der Hinterhand nach außen, nicht so kurz halten am linken Zügel. Ja… genau so. Dann parierst du nochmal durch in den Trab und gehst ins Schulterherein. Wenn er ordentlich auf der Linie geht parierst du ihn im Schulterherein wieder in den Schritt. Immer mal wieder übergänge reiten im Schulterherein. Wichtig, damit er die Traversalen checkt!” Dann schaute ich zu Samu mit seinem Hengst Legolas, der an der Verbesserung seiner Versammlung arbeitete. Ich schätzte die Art wie der junge Mann sein Pferd ritt, mit einer Harmonie, die man so selten sah. Jedoch trug sich Legolas nur sehr wenig, also gab ich den beiden dahingehend Tipps. “Du willst ja, dass er sich mehr trägt. Tragen tuts Hinterbein deswegen dürfen die Übergänge nicht auf die Vorhand ausgerichtet sein, sondern das Hinterbein vermehrt zum Unterfußen und zur Lastaufnahme anzuregen. Du trabst jetzt nochmal an, wir gehen jetzt an die fortgeschritteneren Übergänge. Sobald du merkst, dass er sich vorne stützen will, verkürzt du die Tritte und wenn du merkst, er setzt sich aufs Hinterbein, das Hinterbein beugt sich zur Lastaufnahme, ab da lässt du ihn in den Schritt. fallen.” Ich schaute aufmerksam zu, bis Octavia Probleme mit ihrer Stute Prias Colourful Soul bekam. Die vorher noch so aufmerksame Stute pollterte im Galopp mit hoch aufgesetztem Hals und hoher Kopfhaltung durch die Halle. Legolas interessierte sich keine Sekunde dafür, sondern arbeitete artig weiter. Die übrigen drei machten der Stute Platz. “Wenn sie so rennt, versuche ihren Kopf rum zu reißen. Damit bremst du sie ab! Wenn das nicht klappt, lass sie gegen die Bande laufen!” Doch Octavia hatte sie nach wenigen Sekunden wieder unter Kontrolle. “Octavia, wovor hat sie sich erschreckt?” “Ich weiß es nicht… sie hat manchmal so Aussetzer”, sagte sie außer Atem. Ich ließ sie die Stute abreiten. “Wir machen später noch ein kleines Antischrecktraining.” Octavia hatte sich vorher von einer guten Seite beim Abarbeiten der Lektionen gezeigt. Mehr als das verfeiern der Bahnfiguren konnte ich ihr im Moment nicht anraten. Nach dem Octavia als erstes die Halle verließ, folgten auch die anderen.
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    • Sosox3
      Trainingsbericht
      November 2021
      Dressur L-M
      Huracan mit Tamara Jones
      Nathalie mit Brooke Scott

      Tamara | Huracan hatte sich in der Zeit in der er bei uns war vom Stierkampfpferd zum eleganten Dressurler entwickelt und nun war der Sprung von Klasse L-M fast geschafft. Gerade in den letzten Wochen hatten wir vermehrt an den fliegenden Wechseln gearbeitet und durch die Halben Paraden eine bessere Anlehnung erarbeitet. Heute hatten wir wieder eine Stunde bei Nate, zwar keine Einzelstunde wie gehofft, denn Brooke hatte mit unserem Berittpferd Nathalie ähnliche Schwierigkeiten beim Erarbeiten des fliegenden Wechsels wie ich. Während wir die Pferde in der Lösungsphase im Trab arbeiteten achtete Nate genau auf uns beide und wie wir die Pferde auch stellten. Huracan hatte heute einen nicht ganz so guten Tag im Gegensatz zu Nathalie, die sich schon mehr dehnte und sich im Genick öffnete. Vielleicht war es heute auch ein Fehler öfter mal auf Brooke und ihren Schecken zu schauen, denn ab und zu deprimierte es mich zu sehen, dass ihr Weg besser funktionierte als meiner. Ich gab mir Mühe, die Ecken durch zureiten als mir Nate ans Herz legte die Ecke auch als rechten Winkel zu reiten und beim Ausreiten der Ecke auf ein Bergauf zu achten. Ich gab mir Mühe Cani heute zu motivieren, aber ganz bei mir war er nicht. Brooke war schon ein paar Schritte weiter und übte die ersten fliegenden Wechsel. Als Kani sich dann endlich mal löste und das Genick öffnete, begann ich mit dem Schulterherein auf gebogenen Linien. Während ich mir die Mühe machte Kani vorm auseinanderfallen zu hindern hatte Brooke mit Nathalie die ersten Wechsel geritten. “Sehr gut, Brooke!”, lobte ihr Bruder sie und ich fühlte mich in dem Moment nicht unbedingt besser. Ich seufzte auf und parierte in den Schritt durch. Sowohl Cani als auch ich hatten die Pause verdient um nochmal Kräfte zu sammeln und uns zu fokussieren .. auf die Dinge die wichtig waren. Ein gutes Miteinander. “Na komm Tammy! Zeig uns, dass Cani den fliegenden Wechsel verstehen kann.” “Nate, ich glaub heute ist kein guter Tag dafür…” “Na komm, galoppier ihn mal aus dem Schritt an und reite mal auf dem Zirkel im Wechsel.” Ich atmete tief ein und galoppierte Cani an. Nach einem kurzen Bocken lief er konzentrierter als vorhin und bot sogar die Versammlung an. Während Cani und ich nun auch endlich die ersten Wechseln schafften, war noch nicht so flüssig wie es sollte, aber ich wollte die Einheit heute so verlassen und dafür ein gutes Ende haben, anstatt mich da jetzt mehr reinzusteigern und am Ende frustrierter wieder rauszukommen.
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    • Sosox3
      Trainingsbericht
      Dezember 2021
      Dressur M-S
      Dressur M-S
      Huracan


      Tamara| Cani hatte sich toll gemacht. Nach ein paar schlechten Tagen, die er durch Blockaden im Rücken hatte und der Sattel neu angepasst werden mussten, waren wir wieder im Training unterm Sattel. Mir war es wichtig, immer mal wieder eine Aufgabe zu reiten, welche aber nicht immer die schwerste sein musste. Die meisten Trainings bestanden aus einer guten Lösungsphase, worauf ich besonders auf die Dehnung achtete, bevor ich den dunklen Hengst stellte. Genauso achtete ich aber auch auf sein Tempo im Trab, denn ich wollte nicht, dass er wieder auf der Vorhand herumlatschte. Eine Übung die ich selten außer Acht ließ, war das Viereck vergrößern aus der Mittellinie heraus. Besonders gern im Galopp mit hervorgeschobener Schulter. Was Kani noch schwer fiel, waren die Viertel Galopppirouetten. Da gelang es ihm nicht, die Last genug auf der Hinterhand aufzunehmen und so übten wir genau diese Aufgabe besonders. Heute war der Abschluss unseres Beritts und ich nahm mir vor noch einmal die S-Dressur S2 zu reiten. Beginnend mit dem Einreiten im versammelten Galopp. Von X-C ritten wir im versammelten Galopp um bei C auf die rechte Hand zu gehen und von R-K im Mitteltrab die Bahn durchquerten. Die kurze Seite war im versammelten Trab zu durchreiten und von F-B ein Schulterherein gefordert war. Bei B war eine Volte gefragt, nach der Volte traversierten bis G nach links gehend um vor Z im Mittelschritt die Hand zu wechseln. Im starken Schritt ritten wir dann durch die ganze Bahn im Wechsel. Als die Viertel Galopppirouetten heute uns doch gelangen, lobte ich ihn ausgiebig und ritten weiter. Die 3er und 4er Galoppwechsel klappten umso besser, es war so sein Ass im Ärmel. Bei den Galoppwechseln hatten wir Anfangs immer Probleme gehabt, doch als er verstand, was er machen sollte, hatte er Spaß daran und er wollte sie so oft zeigen wie es nur ging. Cani hatte sich in diesem Jahr gut gemacht und ist mehr aus sich heraus gekommen. Sein Temperament war nun ausgeglichener, doch bei Prüfungen zeigte er es den Richtern mit seinem Ausdruck und seinem Ehrgeiz. Er hatte gelernt, sich zu präsentieren und das gelernte umzusetzen und mit einer Wahnsinns Ausstrahlung. Ich war stolz ihn morgen für seine Heimreise fertig zu machen und ihm Lebewohl zu sagen, auch wenn wir auf kommenden Turnieren sicher noch von ihm hören und sehen konnten.

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    • Wolfszeit
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      Tierarztbericht | 10. Januar 2022


      Heute verschlug es mich nach Kiel auf einen landesweit bekannten Hof. Vor dem Stallgebäude wurde ich bereits von Carola Ampft erwartet, die mich auch sogleich zu dem Patienten führte. Mit meiner Tasche in der Hand folgte ich ihr bis zum Abbindeplatz, wo ich dann mit meiner Arbeit beginnen konnte. Ich begann direkt mit der Untersuchung an dem zwölfjährigem Lustitano, der mir als Huracan vorgestellt wurde. Frau Ampft hielt den Rappe fest, während ich ihn abhörte. Erst Herz und Lunge, dann noch die Darmgegend. Anschließend warf ich einen Blick in Ohren, Augen und Maul, wo alles zufriedenstellend aussah und auch Lymphknoten und Beine überprüfte ich auf Auffälligkeiten. Frau Ampft führte daraufhin den Hengst einmal im Schritt und danach im Trab die Stallgasse entlang. Die Bewegungen waren rhythmisch und taktrein, somit alles im grünen Bereich. Damit war die Untersuchung abgeschlossen und ich konnte mich auf den Weg zum nächsten Kunden machen.

      © Wolfszeit // Dr.Kemp //951 Zeichen
    • Mohikanerin
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      Beschlag für Huracan


      “Pass auf”, sagte man mir zu vor, als ich den Hinterhuf des Spaniers anhob und im nächsten Augenblick vor Schmerz gekrümmt auf dem kalten Beton lag. Irritiert sah der Rappe zu mir hinunter, stupste mich vorsichtig am Kopf an. Huracan bekam zum ersten Mal von mir Beschlag, zuvor hatte er zwar bereits welche, aber sonderlich vielversprechend wirkte die gesamte Hufpflege des Tieres nicht. Er stammte aus Portugal, soviel wusste ich bereits und hatte in Deutschland ein Trainingsaufenthalt genossen, um nun zur Körung zu kommen und verkauft zu werden. Dafür musste auch der Beschlag stimmen. Deswegen kürzte ich die Hufe deutlich. Der Strahl bekam eine ordentliche Form und auch von der Sohle nahm ich einiges ab. Natürlich mit bedacht, nicht nur zum Schutz vor einem erneuten Tritt, sondern auch im Sinne des Tierschutzes.
      Im Fahrzeug suchte ich mehrere Eisen aus und miss sie am Huf ab. Mehrfach wählte ich eine andere Größe, bis ich schließlich welche fand. Diese kürzte ich signifikant. Seine dunkeln Hufen waren breit, aber auch kurz, wodurch es bei Überlänge weiterhin Probleme beim Abrollen geben könnte. Etwas, worauf mich seine Bereiterin bereits hinwies. Nach einer geschlagenen Stunde ließ ich ihn mir noch einmal vorführen, ehe ich das nächste Pferd zur Pflege bekam.

      © Mohikanerin // 17. Februar 2022 // 1280 Zeichen
    • Mohikanerin
      (K)ein Tag wie jeder andere | 20. Februar 2022

      Steinway HMK // Huracan

      Abseits zwischen der kniehohen Hecken und dem alten Apfelbaum lag ich auf dem Rücken meines Hengstes, sah durch die hölzernen Äste hinauf in den wolkenverhangenen Himmel. Die Sonne hatte sich in all den Stunden keine Sekunde blicken lassen. Umso kühler zog den Wind über den ansonst argen Vorhof des Gestüts. Ich hatte nichts zu tun. Alles wurde hinterher geräumt oder sogar vorgeräumt, als wäre nicht in Lage selbstständig eine Aufgabe zu erledigen. Die meiste Zeit meines Tages verbrachte ich auf dem Hof, sofern es keine höfischen Angelegenheiten gab wie Pressetermine, an denen ich herumsaß und nett lächelte, oder gar Orte besuchte, an denen wir bereits tausendmal waren. Ich beneidete meine Tante, die arbeiten durfte und ein normales Leben führte, also wie ich es aus Serien kannte oder Büchern.
      Seufzend raffte ich mich auf und fasste langsam mit meinen Händen durch das weiche Fell des Hengstes. Für einen Augenblick hob er den Kopf, sah sich um und senkte diesen wieder. Weitere Stunden in der Kälte würde ich nicht mehr lange überstehen, doch dann erstarrte ich. In rosafarbenen Plüsch-Schlappen tappte mein Bruder den Pflastersteinweg entlang. Über dem, ansonst freien, Oberkörper schwebte ein seidener roter Mantel, mit seltsamen floralen Mustern. Sehr gewagtes Outfits, in New York könnte er damit bestimmt neue Trends setzen, aber im traditionellen und fast verklemmten Schweden.
      “Es sind sechs Grad. Ich erfriere, wenn ich dich ansehe”, stotterte ich provokant und umfasste mich weit mit meinen Armen, um meine Aussage zu unterstreichen.
      “Das sind zwei mehr als gestern”, lachte Fredrik vergnügt. Neben Ödön, meinem Pferd, hielt er an und strich ihm durch die dichte Mähne.
      “Was machst du eigentlich so früh schon hier?”, wunderte ich mich. Er gab nichts auf Konventionen, viel mehr, nutzte Fredi jeden Moment, um sie zu strapazieren. Wenn es nicht sein seltsamer Kleidungsstil war, brachte er seltsame Leute mit nach Hause oder hielt verächtliche Interviews ab mit nervigen Klatsch-Zeitschrift-Journalisten, ja. Das war der Alltag mit ihm, aber ich konnte gut damit leben. Es brachte etwas Aufregung und Abwechslung in unsere langweilige Familie. Mutter versuchte ihn stets mit Worten zur Vernunft zu bringen, während Vater ihn in eine Militärschule schickte – Doch bereits nach zwei Tagen schickten sie ihn zurück, zu aufsässig sei er und bringe nur Schande über die elitäre Schule. Glück für mich, denn ich genoss seine lockeren Sprüche im Privatunterricht.
      “Mein Spanier sollte jeden Augenblick kommen”, sagte Fredi freudestrahlend. Aufgeregt rutschte ich über den Po meines Pferdes herunter und begann wie eine Dreijährige, mich neben ihm zu bewegen.
      “Warum sagst du das nicht früher?”, stammelte ich mit vibrierender Brust, “aber, in dem Outfit?”
      “Natürlich, was soll ich denn sonst anziehen, wenn ich um vierzehn Uhr aufstehe?”, wunderte er sich und musterte den eigenen Stoff, zuckte dann mit den Schultern, “mir gefällt es.”
      Ich nickte nur. In wenigen Minuten würden sich vermutlich Fotografen um uns tummeln, schließlich kam nicht alle Tage ein wahrhaftiges iberisches Pferd zum schwedischen Hof. Natürlich war seine Herkunft etwas ausgeschmückt worden, nicht, dass der Rappe eine schlechte Abstammung hätte oder gar Ausbildung, nein, viel mehr glänzte seine Geschichte nicht von traumhaften Bildern. Geboren auf einem mittelständigen Gestüt irgendwo an der Küste von Portugal, wurde der Hengst früh zu einem Stiefkampfpferd ausgebildet und schließlich in Deutschland in der Dressur beritten. Was er mit diesem Pferd wollte, hatte er mir bis heute nicht erklären können, aber Fredi dachte sich selten etwas bei Dingen, die er tat.
      “Und wo bleibt dein stattlicher Rappe?”, blickte ich aus der Box heraus zu meinem Bruder, der fröstelnd die Stallgasse auf und ab lief.
      “Wenn ich das wüsste, würde ich nicht so sinnlos herumlaufen”, schnaubte er genervt. Von einer Stange an der Box ergriff er eine blaue Abschwitzdecke und hing sie zusätzlich über den Mantel.
      „Schon gut“, drehte ich mich augenrollend wieder zu Ödön, der auch in der Box nur seinen Kopf zu Boden streckte, um Fressalien in sich hineinzustopfen. Dieses Pferd war durch nichts aus der Ruhe zu bringen, auch nicht, als Fredi weiter durch den Stall tigerte und willkürlich Eimer im hohen Bogen zur Seite trat. Andere Tiere um uns herum schreckten aufgeregt nach oben, beruhigten sich, als die scheppernden Geräusche erklangen.
      „Du musst deinen Frust nicht an den Gegenständen hier auslassen, ruf doch lieber an“, versuchte ich für Frieden zu sorgen.
      „Es ist nicht meine Aufgabe“, wedelte er plötzlich mit der Hand. Eine der Pflegerinnen kam angelaufen und blieb senkrecht vor ihm stehen, die Arme am Rücken verschränkt.
      „Kümmern Sie sich darum“, erklärte Fredrik. Sie nickte zaghaft und verschwand wieder in dem Gang, aus dem sie kam. Leises Getuschel breitete sich echoartig im halb leeren Stall aus, verstummte wieder, bevor Schritte ertönten. Der blonde, strenge Zopf schwang von links nach rechts und ihr Gesicht blickte übertrieben freundlich in meine Richtung.
      “Kronprinz Fredrik, Ihr Pferd sollte gleich ankommen”, erklärte Madita, “soll ich Ihnen etwas zum Anziehen holen?” Ungeschickt musterte sie meinen Bruder von unten nach oben und schob die Unterlippe zwischen den Zähnen hindurch. Sie konnte schwer das Interesse an ihm verbergen, was auch er zu gern nutzte. Dass bereits mehr lief, schloss ich nicht aus, aber es war mir schlichtweg egal.
      “Nein, passt so. Ist seine Box vorbereitet?”, wich Fredi dem Thema geschickt aus. Ich wandte mich weg von den beiden Turteltauben, um dem Fuchs einen letzten Augenblick des Tages zu schenken. Gleichmäßig pulsierten seine Nüstern durch das Einstreu, bei der Suche nach weiteren Heuhalmen und der Schweif pendelte. Mit meinen Fingern strich ich durch das dichte Winterfell.
      “Was machen wir nur mit dir”, seufzte ich ahnungslos und verließ die Box. Langsam schloss ich die Tür, doch noch bevor ich einen Fuß vor den Stall setzt, knatterte ein riesiger, blauer Transporter über das Kopfsteinpflaster. Aufgeregt kam Fredrik hinter mir hervor. Als sicheren Schutzwall hielt er seine Hände fest an meinen Schultern, um keinen Windstoß abzubekommen, vergeblich würde sagen. Schließlich war mein Bruder beinah einen Kopf größer als ich, wenn auch nur halb so breit.
      “Und du denkst, dass das was nutzt?”, blickte ich über die Schulter hinauf zu ihm. Sein Blick war allerdings fokussiert zum Transporter. Ein älterer, dicker Mann mit weißem Haar und ungepflegtem Bart lief zur riesigen Klappe, solche Fahrzeuge kannte ich bisher nur von Bildern, oder aus der Ferne. So nah, stand noch nie an einem derartigen Koloss, faszinierend. Überall waren Türen, Klappen und Fenster, vieles was man entdecken konnte und als die Klappe sich öffnete, erblickte ich noch mehr. Kleine Lampen erhellten das Innere, in dem der wundervoll glänzte.
      “Eins musst du mir noch erklären”, flüsterte ich nur für ihn hörbar und spürte, dass seine Finger leicht in knochigen Schultern drückte, die nur von der dicken Jacke umhüllt waren.
      “Und was?”, fragte Fredrik scheinheilig, ohne den Griff zu lockern.
      “Warum holst ausgerechnet du dir ein Pferd? Du hast doch immer gesagt, die Tiere stinken und wirklich sicher sitzt du auch nicht im Sattel”, purzelte unbedacht die Wahrheit heraus. Doch anstelle mir darauf zu antwortet, trat der schwedische Kronprinz hinter mir hervor und nahm den lackglänzenden Rappen entgegen, zumindest versuchte er es. Das Tier trampelte wild auf der Stelle, riss den Kopf in die Luft und wollte unter keinen Umständen durch das hölzerne Tor eintreten.
      “Amelie”, säuselte mein Bruder mit flehender Stimme, “tu doch bitte was.”
      “Ach, ja? Was denn?”, provozierte ich. Der Mann hielt das ungestüme Pferd fest am Strick und die andere Hand lag fest am Halfter.
      “Jetzt mach’ schon”, schob er mich voran. Ich nickte.
      Ungebändigt schlug das Pferd noch immer die Hufe auf den Stein und wippte leicht nach oben. Einige Zentimeter hoben die Beine vom Boden ab, ehe ich den Strick aus seiner Hand nahm. Sanft sprach ich mit klaren Worten auf das Tier ein, das zum ersten Mal die Ohren aufstellte. Diese zuckten in meine Richtung und drehten sich mehrfach. Je mehr Raum ich dem Rappen gab, umso besser kam er mit der Situation zurecht. Behutsam drehte ich ihn von mir weg, um den Transporter und schließlich eine Runde über den Vorplatz. Langsam senkte sich sein Kopf und schließlich schnaubte er sogar ab.
      Am Himmel verdunkelte sich die Wolkenfront und färbte sich von einem hellen Grau in ein beängstigendes Dunkelblau. Der Transporter zog von dannen, während mein Bruder fest umschlossen die Decke an seinen Schultern hielt und jede Runde beobachtete. Huracan, wie mir sein Name betitelt wurde, trat mit großen Schritten voran ohne dabei meine Körpersprache zu ignorieren. Das Tier war aufmerksam und reagierte auf jede Kleinigkeit. So wanderten meine Gedanken nur für einen Augenblick zu dem Abendessen der Familie in einer Stunde und schon drehte er den Kopf weg, um diesen zum Rasen zu strecken. Dabei zog er mich mit sich. Ich geriet ins Stolpern, aber fing mich im letzten Moment noch. Erschrocken sah mich der Rappe an, als würde er sagen wollen: „Ach, bist du noch da?“ Deshalb nickte ich und versuchte es, ihn endlich in den Stall hineinzuführen. Die Geduld zahlte sich aus. Vorsichtig setzte Huracan den ersten Huf über die Schwelle, dann den nächsten und die letzten beiden. Vermutlich lockte ihn der Hafer, den Madita ihm vorbereitet hatte. Schon vor der Box pulsierten seine Nüstern, sodass ich ihm davor das Halfter über die Ohren zog. Die letzten Meter trat er allein hinein und steckte den Kopf in die Schale.
      „Du weißt, dass das ab sofort aber deine Aufgabe ist“, versuchte ich Fredrik aufzuklären, dass zum Reiten auch der Umgang mit dem Tier gehörte.
      „Wieso? Du bist doch da“, drehte er sich vergnügt auf der Stelle und lief weiter. Augenrollend folgte ich ihm durch den langen Flur, der ringsum mit Säulen besetzt war und einer Deckenmalerei, von Julius Kronberg, wenn ich mich nicht irrte. Wir hatten einige davon in den Fluren. Hinter jeder Tür könnte sich ein Raum verstecken, den zuvor nie gesehen hatte – oder mich nicht mehr daran erinnere, ihn je betreten zu haben. Mein Bruder hingegen, ja, der konnte einem im Schlaf sagen, wo welches Museumsstück stand, wann welche Vase wir geschenkt bekam und noch wichtiger: von wem. Erstaunlich schnell inhalierte er schon früh dieses Wissen und wollte immer mehr von Douglas, unserem persönlichen Butler, erfahren.
      “War ja klar, dass ich mich um dein Pferd kümmern soll”, rollte ich auffällig mit den Augen. Aber dann erstarrte ich, auch mein Bruder blieb wie angewurzelt an der Stelle stehen. Mutter tauchte vor uns auf, mit einem besorgten Gesichtsausdruck.
      „Dein Pferd?“, fragte sie empört nach und verschränkte die Arme.
      „Ja, wenn du zu hören würdest, wüsstest du, dass ich mir den Rappen gekauft habe“, spottete Fredrik. Zur Erklärung. Vor einigen Wochen waren wir auf einem Staatsbesuch in Deutschland, hauptsächlich um die Hände von irgendwelchen Menschen zu schütteln, die ich nicht kannte. Aber Mama war ein genauso großer Pferdefan, weshalb wir auf eine Veranstaltung fuhren. Dort verliebte sich Fredrik in den Rappen. Locker trabte das Pferd über den Rasen. In meinen geschulten Augen erkannt ich, dass das Tier mit ausreichend Schwung ausgestattet war und über mehr Tragkraft verfügt, als andere an dem Tag. Die Sonne spiegelte sich in seinem Fell und die Mähne liebevoll geflochten. Fredrik schwärmte über ihn, doch dass er wenig später schon nach Schweden kam, hatte ich nicht erwartet.
      “Du hast doch keine Ahnung”, schnaubte Mutter, “außerdem, was willst du damit?”
      “Ich will das Land vertreten!”

      © Mohikanerin // Amelie // 11.725 Zeichen
      zeitliche Einordnung {September 2020}
    • Mohikanerin
      Alles eine Frage der Perspektive | 22. Februar 2022

      Steinway HMK // Huracan

      Als hätte ich es geahnt, klopfte es an der hohen Tür, die ins Gemeinschaftszimmer führte. Ich saß auf meinem Bett und starrte gedankenverloren auf den Bildschirm meines Laptops, auf dem die Startseite von Netflix mein Gesicht erhellte. Zuvor sah ich einen beliebigen Teeniefilm, den ich gar nicht näher betiteln könnte, schließlich ähnelte er so vielen anderen Filmen, die ich in den letzten Tage inhaliert hatte. Aus unerklärlichen Gründen entwickelte ich mit meinen frischen achtzehn Jahren ein enormes Interesse für Happy End Filmen. Vielleicht der Tatsache geschuldet, dass es für mich als Prinzessin nur schwer war, jemanden kennenzulernen. Ich durfte nicht ausgehen, verharrte die meiste meiner Zeit in dem riesigen Schloss, mit Angestellten, die nur Positives sagten. Aber, es klopfte.
      “Ja?”, rief ich mehr oder weniger genervt und erhob mich aus meinem zu weichen Bett, das ich all die Jahre zuvor nur zum Schlafen verwendete.
      “Der Kronprinz Fredrik wünscht Ihre Anwesenheit”, sprach Douglas freundlich, hielt dabei die Klinke der riesigen Tür in der Hand. Ich seufzte, griff nach Strickjacke auf dem Stuhl und lief auf unserem Butler zu. Ein breites und höfliches Lächeln lag auf seinen Lippen, so locker, dass man ihm glauben könnte, dass diese Arbeit das heiligste war. Dem war nicht so, zumindest nahm ich es an. Mir grauste schon die Vorstellung daran, dass ich meinem Bruder um jede Zeit des Tages beinah jeden Wunsch nachkommen müsste. Der Typ hatte viele Ideen und umso schwieriger war es, diese umgesetzt zu bekommen. Ihn jemals als König von Schweden zu sehen? Unmöglich.
      Douglas lief voraus. Wir durchquerten den Gemeinschaftsraum, in dem wie so oft Staub gewischt wurde. In wenigen Wochen stand die Eröffnung des Reichstag an, deswegen begannen jetzt schon die Vorbereitung dafür, unbegreiflich für mich, schließlich hatte dies nichts mit dem Schloss zu tun, aber meine einzige Verpflichtung war es ohnehin zu existieren. Vielmehr war es mein Bruder, der sich aktiv in die Regierungsgeschäfte mit einbrachte. Nachdem er sich galant vor dem Wehrdienst drücken konnte, stellte er immer wieder die Monarchie infrage. Nicht, es ihm wohlgesonnen war, eine gewisse Macht auszuüben, lieber wollte er Leute herumkommandieren, wofür auch immer. So nah stand ich meinem Bruder nicht, außer wir hatten mit den Pferden zu tun.
      Fredrik stand vor dem großen Standspiegel neben seinem Himmelbett, begutachtete sein neues buntes Outfit, dessen Anlass mir nur schwer begreiflich war. Von links nach rechts drehte er sich auf der Stelle, fummelte an dem weiten, mit Rüschen besetzten Hemd herum. Zu meinem Erstaunen war es weiß, keine einzige bunte Verzierung auf ihm, aber umso mehr stach die enge Hose heraus. Sie mutete an, als hätte von zwei jeweils ein Bein angeschnitten und sie wieder zusammengenäht. Eine Seite war hell, mit einem floralen Muster, während die andere gelb-schwarz gestreift war. Wo wollte er hin und was hatte das mit mir zu tun? Dann wurde es mir klar, ich erstarrte, hielt mich am Türrahmen fest, um nicht vor Lachen auf dem Boden zu laden.
      „Douglas, was wird das hier, wenn es fertig ist?“, flüsterte ich dem älteren Herren zu, der noch immer grinste wie ein Honigkuchenpferd.
      „Der Prinz möchte reiten, Prinzessin Amelie“, erklärte er. Dann konnte ich mich nicht mehr zurückhalten. Ich brach im lauten Gelächter aus, krümmte mich und schnappte zwischendurch nach Luft. Zum Missachten meines Bruders. Dieser sah im Wechsel an sich herab und in mein vor Freude verzerrtes Gesicht. Auch Douglas konnte sich nur schwer hinter dem Vorhang der Höflichkeit verstecken und lachte einige Male geräuschvoll auf. Schließlich könnte seine Anstellung davon abhängen, obwohl Fredrik ihn vermutlich niemals entlassen würde. In all den Jahren wurde er so was wie ein Vater, oder vermutlich mehr wie ein Opa für uns.
      “Aber nicht so”, kam ich wieder zur Luft und wischte mir mit dem Handrücken die Tränen von den Wangen.
      “Was ist dein Problem? Sieht doch wunderbar aus”, sagte Fredrik beinah entrüstet und ließ sich auf den goldenen Stuhl fallen, der mit roten Polstern bezogen war, ein Geschenk aus Deutschland, wenn ich mich nicht irrte.
      “Mein Problem ist, dass wir nicht auf die Fashion-Week gehen, sondern reiten. Da wird man dreckig und ich weiß, dass dir dreckige Kleidung nicht wohlgesonnen ist”, versuchte ich ihn zur Vernunft zu bringen, aber er blieb hartnäckig. Mit verschränkten Armen lehnte er sich weiter in die roten Polster und schlug die Beine übereinander. Innerlich verfluchte ich ihn dafür, dass er in jeder Situation ruhig blieb, den Plan beibehielt. Doch, war er in der Lage zu zweifeln, wie andere Menschen? Wie ich es tat an einigen Abenden, wenn ich allein in meinem riesigen Bett lag und nichts und niemanden in meinem Umfeld hatte? Ungewiss, aber ich hoffte es.
      “Offensichtlich begreifst du es. Es ist dein Problem, nicht meins”, um seiner, wahrlich richtigen, Aussagen Ausdruck zu verleihen, erhob er sich wieder aus dem antiken Sessel und stellte sich mit den Armen in der Hüfte vor mir auf, „alle sind immer besorgt über mein Auftreten, wie damit wirke und welche Schade ich damit über die Familie bringe. Aber es ist mir egal, weißt du? Ich mache mein Ding, fühle mich wohl, also.“ Seine kleine Rede endete mit tickenden Schultern. Ich stand vor ihm im Bademantel, keine gute Diskussionsgrundlage, wieso er nicht so auf ein Pferd steigen sollte.
      “Wir machen uns nur Sorgen”, sagte ich überzeugt, aber er sollte erneut mit den Augen und legte den Kopf ins Genick. Lautes und provokantes Ausatmen verstärkte seine Meinung zu dem Thema.
      “Amelie, du bist meine Lieblingsschwester” – nicht schwer, wenn ich die einzige Schwester bin – “aber hör auf wie unsere Eltern mit mir zu sprechen. Du bist vernünftig, also akzeptiere es”, für wohl eins der ersten Male klang Fredrik verärgert, rückblickend hatte er recht. Um keinen Streit auszulösen, nickte ich und drehte mich um. Mit einem Bademantel würde ich nicht aufs Pferd steigen, deswegen zog ich mir ein anderes Outfit in Zimmern an.
      So stand ich also in dem riesigen Ankleidezimmer, als durch mein Schlafzimmer betreten werden konnte. Die Schränke reichten hoch bis zur Decke und waren gefüllt mit Kleidung für jeden nur erdenklichen Anlass. Dennoch empfand ich den Umfang meiner Reitsachen als sehr gering, so blieb mir nur ein braune Reithose und die dicke North Jacke, die schon bei jedem Temperamentabfall trug. Ja, mir wurde schnell kalt.
      „Douglas?“, rief ich laut durch die halb geschlossene Tür, doch er hörte mich und stand in weniger als einer Minute bei mir.
      „Wie kann ich Ihnen behilflich sein, Prinzessin Amelie?“, sagte er mit aufrechter Körperhaltung, aber den Blick von mir gewendet.
      „Ich brauche warme Kleidung“, merkte ich an und warf dabei eine Hose nach der anderen durch den Raum, alles viel zu kalt für Schweden. Wieso hatte ich in all den Jahren nie darüber nachgedacht, obwohl ich seit jungen Jahren bei den Pferden im Stall war?
      „Dann werde ich Ihnen eine Auswahl zukommen lassen“, nickte Douglas und wollte sich gerade umdrehen, doch ich unterbrach ihn.
      „Nein, ich möchte selbst in den Laden gehen und mich umsehen“, erklärte ich. Die Teeniefilme hatten mir ins Gedächtnis gerufen, dass Shoppen gehen eine normale Tätigkeit meiner Altersklasse waren. Also wollte ich es zumindest ausprobieren, dann könnte ich immer noch als blöd abstempeln.
      “Das muss ich erst mit Ihren Eltern besprechen”, versuchte er mich in meiner Euphorie zu stoppen.
      “Wie bitte? Ich bin alt genug selbstständig Entscheidungen zu treffen, oder hast du vergessen, wer ich bin?”, hob ich meine Stimme an. Aus dem Schlafzimmer ertönten leise Schritte, die erloschen, als ich verstummte.
      “Entschuldigung”, kam Douglas ins Straucheln, “Sie sind die Prinzessin von Schweden, natürlich.” Wieder kamen die Schritte näher, bis ich den weißen Rüschenärmel meines Bruders sah. Bestimmt grinste er und vielleicht erfüllte sich sein Geist mit Stolz, dass er mir solch dämliche Ideen in den Kopf gesetzt hatte, aber jemandem verbieten herauszugehen? Unglaublich! So diskutierte ich noch viele Minuten mit unserem Butler, der schließlich nachgab und die Gegebenheiten prüfen würde, wie ich mich unter das Volk mischen könnte.

      “Wo kommt denn diese Durchsetzungskraft her?”, schielte Fredrik mich von der Seite an, als wir im Stall ankamen. Mir hatte man Ödön bereits aus der Box geholt, aber wie auf meinem Wunsch hin, nicht geputzt. Huracan hingegen war sauber, glitzerte sogar im warmen Licht der Deckenlampen. Seine Beine umwickelt mit rosafarbenen Bandagen und darunter, natürlich, glitzernde Unterlagen mit dem kleinen Logo der Krone. Nicht ganz passend zu seinem Outfit, wenn ihr mich fragt, aber was wusste ich schon. Mein Bruder liebte Glitzer, Glamour und bloß nicht normal sein. Normal war ein Standard des niedrigen Volke, wie er zu sagen pflegte. Und wenn die schwedische Krone so hoch angesehen werden sollte, lag es in seinem Interesse, dieses Privileg zu nutzen.
      „Ich will auch nicht immer herumsitzen“, versuchte ich ein sonniges Argument zu finden. Wieder grinste er mich an, aber legte seinen Arm über meine Schulter.
      „Weißt du, mich musst du nicht anlügen. Aber ich kenne einen Weg aus dem Gefängnis zu entfliehen”, flüsterte Fredi mir verheißungsvoll ins Ohr. Dieser Kerl war immer wieder für Überraschungen zu haben, dass er einen Weg hier heraus wusste, hatte ich mir aber schon seit Jahren gedacht. Ein junger, potenter Mann lässt sich nicht einsperren.
      „Na dann wird es Zeit, dass du mir diesen Weg zeigst, aber jetzt - reiten wir erst mal“, tanzte ich fröhlich zu meinem Hengst, der bereits neugierig in meine Richtung schielte. Je näher ich kam, umso größere wurden seine Augen, auch seine Nüstern füllten sich mit Luft und schnaubten mir schließlich mit aller Kraft ins Gesicht.
      „Du hast mir auch gefehlt“, strich ich ihm durchs dichte Fell und machte mich daran dieses zu säubern. Kleine Staubkörner schwebten wie Fabelwesen durch die Luft, glitzerten beinah so zahlreich wie das Fell des Rappen. Sie umspielten und entwickelten dabei eine Dynamik, die wohl auch Ödön spürte. Seine Muskeln zuckten aufmerksam, wenn ich der Bürste über ihn streifte und damit auch den letzten Staub in der Luft verteilte.
      „Was machst du da?“, kam dann auch wieder der Papagei, der offenbar Madita das Pferd satteln ließ.
      „Putzen?“, wunderte ich mich.
      „Und warum machst du das? Also wir haben hier genug Leute“, zeigte er um sich herum. Natürlich konnte Fredrik nichts mit solchen Zärtlichkeiten anfangen, auch wenn mehr von ihm erwartete.
      „Das nennt sich Partnerschaft. Ich gehe mit dem Tier eine Verbindung ein und diese Entsteht noch bevor ich im Sattel sitze“, versuchte ich ihm keine Vorwürfe zu machen, schließlich konnte er es nicht besser wissen. Woher auch? Unsere Eltern fehlte es daran, als wären sie Statuen in einer der Millionen Räume. So selten wie wir ein Gespräch mit ihnen führten, könnte man sie jedoch für welche halten.
      „Okay, darüber musst du mir bei Zeiten mehr erzählen“, schien er einsichtig zu sein. Ich überlegte kurz, aber hatte umgehend eine Idee. Die Wurzelbürste legte ich zurück in den Metalkasten und sammelte stattdessen einige Leckerlis heraus. Eins legte ich ihm auf die Hand. Dann gingen wir zu seinem Hengst, der mit hoch erhobenem Kopf nur mich ansah. Ich nahm seine Finger und formte sie zu einer flachen Hand. Interessiert brummte Huracan, sammelte dann den Brick vorsichtig mit der Oberlippe und Zunge von dem Körperteil ab. Fredrik zuckte nervös, aber ich strich ihm ebenfalls beruhigend über die Schulter. Die beiden Chaoten passten doch besser zusammen, als ich zuvor glaubte, auch, wenn beide gleichermaßen noch lernen mussten. Er stopfte das Pferd weiter mit Leckerlis voll zur Enttäuschung Ödöns, denn er war etwas zu dick und sollte so gut es ging auf Zwischenmahlzeiten verzichten.
      „Ich möchte ausreiten“, kam auf einmal Fredrik zu mir, als ich meinem Fuchs den Sattel auf dem Rücken befestigte.
      „Bitte, was willst du?“, blickte ich mit entgleisten Gesichtszügen meinen Bruder an, der sein rotes Jacket zu knöpfte und einen weiteren Schritt auf mich zu nahm. So gut er konnte, versuchte er sich mit einer Schmächtigkeit aufzubauen, wirkte dabei jedoch wie ein zärtliches Bäumchen im Wind.
      „Ausreiten, mit den Hufen über den steinigen Weg über uns, die Sonne im Nacken“, malte er ein schönes Bild, aber hatte offenbar nichts verstanden.
      „Also erstens, es regnet draußen und eklig. Zweitens, wir sind mitten in der Stadt und so schnell werden wir die Pferde nicht nach Bergshyddan bekommen“, erklärte ich, aber Fredrik zuckte natürlich nur mit den Schultern, als könne irgendwer am Hofe etwas am Wetter ändern.
      „Das heißt, du willst nicht mit mir ausreiten?“, fragte er ohne dabei überhaupt auf meine Argumente einzugehen. Mich störte das schlechte Wetter nicht, aber ich kannte meine Bruder gut genug, um zu wissen, dass er nach spätestens fünfzehn Minuten keine Lust mehr auf den Regen haben würde.
      „Wir machen es so, wenn du dich in den nächsten drei Tagen gut in der Reithalle schlägst, dann gehen wir ausreiten. Deal?“
      Fredrik drehte sich von mir weg, löste die Stricke von Seite des Halfters, das das Pferd über dem Halfter trug und ließ sich von Madita in den Sattel helfen. Ohne einen Blick zu mir zu wenden, lenkte er ziemlich grob das Tier aus dem Stall heraus, aber folgte dem Weg zur Reithalle. Offensichtlich hatte gefruchtet, allerdings kein Grund sich wie ein Kleinkind zu verhalten, egal.
      “Ödön, dem zeigen wir es”, lachte ich in das Ohr des Pferdes und führte ihn langsam aus der Stallgasse heraus.

      © Mohikanerin // Amelie // 13.579 Zeichen
      zeitliche Einordnung {September 2020}
    • Mohikanerin
      Lakritze und Elche | 12. Juli 2022

      Huracan / Steinway HMK / Baronne

      Wenn dich der Alltagstrott bekommt, musst du ihn einkriegen, oder so. Missmutig saß ich an meinem verzierten Schminktisch, den Blick hinaus zu dem großen Kirschbaum gerichtet, der mit seinen kahlen Ästen am Fenster kratzte. Kleine Knospen übersäten den alten Laubbaum, denn unser Uropa aus Japan geschenkt bekommen hatte.
      „Amelie?“, stürzte mein Bruder Hals über Kopf in das Zimmer. Wäre es nicht die kratzige Stimme gewesen, die mir verriet, dass er erst in der Nacht von einer Party zurückgekehrt war, deutete auch seine stinkende Kleidung darauf hin.
      „Es ist vierzehn Uhr. Wie siehst du eigentlich aus?“, stellte ich mit Erschrecken fest, als mein Blick ein weiteres Mal von Kopf bis Fuß wanderte. Er ging gar nicht darauf ein, sondern tanzte wie ein Maikind am Baum, um mein Bett herum. Ausgeschlafen wirkte er dennoch nicht.
      „Wir bekommen Besuch“, tönte er, als wäre es etwas Neues, dass jemand unser Schloss betrat. Augenrollend wendete ich mich ab. Abermals suchte ich auf dem Schlossplatz nach Unterhaltung, doch dieser ruhte im warmen Licht der Sonne, die sich durch eine kleine Wolkenwand kämpfte. Vor Wochen lag noch Schnee, den ich tatsächlich vermisste. Wir waren ein einziges Mal im Weiß ausreiten, denn Mama grauste der Gedanke, dass uns etwas passieren könnte.
      „Gustav kommt!“, sagte Fredrik voller Freund und ließ sich rückwärts auf mein Bett fallen.
      „Wirklich?“, sprach ich schrill. „Der war ewig nicht mehr da!“
      „Genau und er möchte die Pferde sehen“, auch mein Bruder hatte durch Huracan langsam seine Freude für die Tiere entwickelt, auch wenn er nicht mehr machte, als Reiten. Ich hatte versucht, ihm einen Anstoß zu geben, dass es noch viel mehr gab, doch er blockte ab.
      „Wann ist er denn da?“, fragte ich am Bett stehend. Mein Bruder hatte es sich bequem gemacht und ich überlegte bereits Douglas zu rufen, um es neu beziehen zu lassen oder es Selbstzutun. Unter seine Sonnenbrille hindurchsah er mich frech grinsend an. Dabei bildeten sich kleine Grübchen auf seiner Wange.

      Als hätte unser Besuch meine Frage gerochen, stand er plötzlich in der Tür, bekleidet in seinem Anzug des Militärs und wirkte noch viel erhabener, als beim letzten Mal. Gustav lebte mit seiner Familie in Dänemark und übernahm wichtige Aufgaben in der Luftwaffe. So genau hatte ich mich mit dem Thema nicht auseinandergesetzt, aber ich meine, dass aus einem Gespräch aufgeschnappt zu haben. Er war ein enger Freund meines Bruders. Wir wuchsen zusammen auf, bis schließlich beide ihren Wehrdienst antraten. Nur ich konnte mich geschickt dem entziehen.
      „Amelie, Fredrik!“, freudig erregt hob er die Arme und kam auf uns zugelaufen. Ebenso glücklich drückte ich mich an ihn. In meiner Nase lag sein Aftershave und an der Wange kitzelten verbliebene Barthaare.
      „Du bist groß geworden“, bemerkte er beiläufig, als wir zu den Stallungen liefen. Ein großer Teil der Familie folgte uns, nur um den Stolz in den Boxen zu präsentieren. Schon aus der Ferne hörte man Pferde wiehern und Scharren der Hufe auf dem Beton.
      „So lange ist es nicht her, dass du hier warst“, antwortete ich.
      Gustav lachte.
      „Nein, aber ich weiß nicht, was ich sagen soll“, grinste er zu mir hinunter. Der junge Mann neben mir war gut ein Kopf größer und schindete nur mit seiner Gestalt bereits Eindruck. Seine breiten Schultern und das kurze Haar trugen ebenso dazu bei. Er wirkte weder gefährlich noch einschüchternd, aber man verspürte Respekt in seiner Anwesenheit.
      „Hat man dir nicht beigebracht, dann über das Wetter zu sprechen?“, scherzte ich. Wie auch ich, hatte er jegliche Benimmregeln lernen müssen und Privatunterricht bekommen, bevor es zum Militär ging.
      „Es könnte wärmer sein“, nahm er sich dem an und blickte hinauf an den Himmel. Immer mehr Wolken verdeckten die Sonne.
      „Ich hätte lieber den Schnee zurück“, bemerkte ich.
      „Gewiss“, stimmte er abwesend zu. Vor uns lagen die Pferde, die in dem Moment so viel wichtiger schienen. Seinetwegen entwickelte ich die Leidenschaft, obwohl es meine Mutter sich bis heute Sorgen machte, wenn ich bei Ödön war. Zwei Pfleger holten auf Anforderung meines Bruders unsere Hengste heraus und führten sie hinaus. Sein Rappe tänzelte glänzend neben der schmalen Dame entlang, die ihn kaum halten konnte. Aber sie strahlte eine gewisse Ruhe aus, die sich langsam auf das Pferd übertrug. Meiner hingegen war ein Schäfchen, zupfte nur an der Jacke des Herren. Dieser interessierte sich nicht dafür und folgte der Dame. Vor uns hielten sie.
      Gustav trat näher an Huracan heran und strich ihm sanft über den verschwitzten Hals. Obwohl das Pferd jeden Tag bewegt wurde, schwitzte er durchgehend, weshalb er in der Box auch eine Decke trug.
      „Schönes Tier“, murmelte der junge Mann vertieft.
      „Wir sind auch sehr stolz“, kam Mama plötzlich aus dem Hintergrund hervor, als hätte sie etwas dazu beigetragen, dass wir den Lusitano am Hof hatten. Die Wahrheit lag jedoch viel weiter entfernt. Sie wollte nicht, dass Fredrik das Tier kauft, aber ihn interessierte es nicht sonderlich viel, was unsere Eltern sagten. Beinah rutschte mir die Zunge aus, aber mein Bruder stupste mich am Arm ab, als wüsste er, was ich sagen wollte.
      „Können wir den in Aktion sehen?“, fragte Gustav nach minutenlangen Schweigen.
      „Klar“, antwortete mein Bruder selbstbewusst. Die Pfleger liefen zurück in den Stall, um Huracan fertig zu machen. Gar nicht so leicht, denn abermals begann er hektisch zu tänzeln und legte die Ohren an. Ich schenkte der ganzen Aktion kaum Beachtung, hatte nur die Herrn mein Pferd abgenommen. Friedlich mümmelte Ödön im Heu, während ich mit einer Bürste das Fell striegelte.
      „Wir machen morgen etwas“, flüsterte ich in sein Ohr.
      In Gedanken verloren bemerkte ich Gustav nicht und unterhielt mich weiter mit dem Braunen. Ich erzählte von meiner Langeweile und da ich nichts mit mir anzufangen wusste.
      „Vielleicht solltest du dich aufs Reiten konzentrieren“, erschrak mich Gustav schließlich. Wie eingefroren verharrte ich auf der Stelle und blickte ganz langsam zu ihm hoch. In seinen Augen funkelten hundert Sonnen, mindestens Dutzend weitere Sterne und drehte mich um ihn. Für einen Moment verlor ich mich in ihnen, dass es unangenehm wurde.
      „Gewiss gar kein schlechter Plan“, gestand ich mir ein.

      „Reiten, mein Kind?“, schockiert blickte mit Mama Reithalle an, als Fredrik eher schlecht als recht unserem Besuch seinen Hengst präsentierte. Wir hatten uns einige weiter weg platziert, um ihn nicht zu stören.
      „Ja! Was soll ich sonst machen? Mit Kindern liegt es mir nicht und Handarbeit ist eher das Hobby meines Bruders“, versuchte ich ihr mein Dilemma darzulegen.
      „Das mag sein“, sie seufzte, „dann werden wir dir einen Hoflehrer besorgen. Wir schauen ein Jahr, wo es hinführt und dann reden wir noch mal, okay?“
      „Du bist die beste“, ich schloss sie fest in meine Arme.
      „In deinem Alter war ich auch noch vernarrt in Pferde. Das hast du von mir“, friedfertig strich sie mir über den Kopf und grinste. Lange hatte ich mich nicht mehr so Willkommen bei ihr gefühlt. Vielleicht sogar noch nie, schließlich drehte sich immer alles darum, was Fredrik tat oder eben nicht.
      „Und der junge Mann hat nichts damit zu tun?“, fragte sie, als wir zurückliefen in das altertümliche Gebäude, mit einem verräterisch Grinsen auf den Lippen. Nur selten zeigte sie sich derartig interessiert oder gar freundschaftlich.
      „Mama!“, zischte ich aufgeregt, aber leise, um möglichst keine Aufmerksamkeit zu erregen.
      „Du hast schon als Kind versucht, unauffällig immer das Thema auf ihn zu lenken. Deine Lieblingsüberleitung dafür waren Pferde. Nur, weil du denkst, dass ich alt bin, bin ich nicht doof“, noch immer zog sich ein Lächeln über ihre Lippen. Von dem Gespräch hatte keiner etwas mitbekommen, stattdessen versuchten sie Fredrik Tipps zu geben. Huracan lief friedfertig durch den Sand, aber von den Hilfen seines Reiters wollte er keine Umsetzen. Es dauerte noch eine Weile, bevor wir die beiden voreinander retteten und zum Schloss liefen zum Essen. Gustav erzählte Mama stolz von seiner Stute, die er mittlerweile bei sich am Hof hatte und noch für Paraden hübsch machte. Besonders gut gefiel natürlich Opa diese Erzählung, obwohl er kaum noch etwas mitbekam, interessierte ihn das Militär blendend. Ich enthielt mich des Ganzen, zu sehr schämte ich mich dafür, nichts nachweisen zu können. Natürlich blieb meiner Mama das Schweigen nicht unentdeckt.

      © Mohikanerin // Amelie // 8380 Zeichen
      zeitliche Einordnung {Februar 2021}
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    27 Aug. 2021
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    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).


  • Rufname: Cani
    Alter: 14 Jahre [12] / geboren: April 2008

    Aktueller Standort: Unbekannt, Kiel [GER]
    Unterbringung: Box [15h], Paddock [9h]

    –––––––––––––– a b s t a m m u n g

    Aus: Unbekannt

    MMM: Unbekannt ––––– MM: Unbekannt ––––– MMV: Unbekannt
    MVM: Unbekannt ––––– MV: Unbekannt ––––– MVV: Unbekannt


    Von: Unbekannt
    VMM: Unbekannt ––––– VM: Unbekannt ––––– VMV: Unbekannt
    VVM: Unbekannt ––––– VV: Unbekannt ––––– VVV: Unbekannt


    –––––––––––––– b e s c h r e i b u n g

    Geschlecht: Hengst
    Rasse: Lusitano [LUSIT]
    Farbe: Rappe
    Abzeichen: Stern, Schnippe, Kronenrand (h.l.)
    Stockmaß: 162 cm

    Charakter:
    regulierbar, temperamentvoll, verfressen, gelehrig

    * ehemaliges Stierkampfpferd

    –––––––––––––– g e s u n d h e i t

    Gesamteindruck: gesund, im Training,
    Krankheiten: keine
    Beschlag: Falzeisen [Stahl], Voll

    –––––––––––––– z u c h t

    Stand: 26.03.2022

    [​IMG]

    Gencode: Ee aa
    DMRT3: -
    Herkunft: Unbekannt, Fonte Boa [POR]
    Züchter: Travaris Alva

    Zuchtzulassung: Ja
    Verleih: Ja [370 J.]

    Gesamtnote: 7,47
    Breeders Crown: -
    Gänge: 3

    Nachkommen:
    3 / 8

    *2018, Alone at Night LDS, (a.d. Forbidden Fruit LDS)
    *2018, WHC' Humanoid Crashtest, a.d. Vakany)
    *2020, WHC' Zugzwang (a.d. Chessqueen)

    [​IMG]
    HK 513

    –––––––––––––– l e i s t u n g

    [​IMG] [​IMG] [​IMG]

    Dressur S ['S]
    –––––
    Starts 7
    Platzierung 0/1/1


    Springen E [A]
    –––––
    Starts 16
    Platzierung 2/3/4


    Western E [L]
    –––––
    Starts 0
    Platzierung 0/0/0


    Fahren E [A] – Rennen E [A]

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    –––––

    Gewinnsumme: 134,5 Joellen [0 skr]
    Niveau: International

    –––––––––––––– s o n s t i g e s

    Ersteller: Mohikanerin
    VKR: Mohikanerin
    Bezugsperson: Fredrik
    Besitzer: Fredrik von Schweden

    Punkte: Gekört
    Abstammung [0] – Trainingsberichte [4] – Schleifen [11] – RS-Schleifen [0] – TA [2] – HS [2] – Zubehör [2]


    –––––

    Spind – Hintergrund