Cascar

"Hold your breath and count to ten."

Eine erschreckende Momentaufnahmne.

"Hold your breath and count to ten."
Cascar, 14 Juni 2017
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    WCS - Impressionen
    Hochgeladen von:
    Cascar
    Datum:
    14 Juni 2017
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  • Ich freute mich, kurz gesagt, riesig darauf, an diesem schönen, wenn auch etwas wolkenverhangenen Wochenende einmal so wenig um die Ohren zu haben, dass ich als Zuschauer mit nach Auckland fahren konnte, um unsere Tekkiner bei einem offiziellen Pferderennen zu begutachten. Seit neuestem, besser seit Ruby Devrienterreuth gekauft hatte, reichte ein Pferdehänger nicht aus und wir fuhren mit dem LKW und neben Devri noch mit Kazoom und Distraction zum Turnier. Insgesamt dreißig Minuten dauerte die Fahrt, mit ein paar hundert Metern Stau, und wir erreichten wohlbehalten das Renngelände.
    Dort herrschte bereits reges Treiben: Etliche Bürger der neuseeländischen Hauptstadt zogen auf dem rauen Gras umher, unterhielten sich, tranken Bier oder füllten Wettscheine aus. Pferde wurden umhergeführt und gesattelt, Musik gespielt. Ich aber sah mich nur kurz um, denn mein Dad, Diego, Maria und Ruby, unsere Jockeys, machten mit unserer Hilfe die Tekken fertig und begannen kaum eine halbe Stunde später auch mit dem Warmführen.
    Die Wettkämpfe heute waren nicht allzu anspruchsvoll. Und trotzdem war heute ein besonderer Tag - Ruby würde zum ersten Mal mit ihrem eigenen Pferd an einem Rennen teilnehmen - und hoffentlich siegen. Ich selbst füllte den Schein aus, mit dem ich je zwei Dollar auf Ruby, Diego und Maria setzte. Sieg.
    Dann nahm ich mit Alois auf einer der hölzernen Tribünen platz, die für Besitzer reserviert waren und wartete ungeduldig auf den Start. Nach etwa zehn Minuten bereute ich es, nicht noch einmal auf's Klo gegangen zu sein, doch noch während ich meine Möglichkeiten abwägte, gingen die ersten Rennpferde für das zweite Rennen auf die Bahn. Als drittes galoppierten Devri und Ruby, gut erkennbar an der auffälligen Fellfarbe des Pferdes und der blau-weißen Kutte des Reiters, zu den Startboxen und wurden dort ohne Komplikationen von einem Helfer zwischen die dunkelgrünen Stangen geführt. Ich betrachtete dann gedankenverloren die Bandenwerbung, bis auch alle anderen Teilnehmer ihren Platz gefunden hatten und die Durchsage zum baldigen Start abgegeben wurde.

    Das Rennen begann mit einem durchdringenden Klingeln und ehe ich mich versah, waren die Pferde auf der Bahn. Gleich zu Beginn ging es in eine Kurve und ich drückte Ruby fest die Daumen; erkennen konnte ich nichts, es handelte sich momentan um ein regelrechtes Pferdeknäuel. Beim Übergang auf die erste Gerade dann, hatte sich Ruby zwar innen, aber als vierte von sieben Teilnehmern eingereiht. Ich konnte schemenhaft erkennen, dass sie ihr Pferd noch arg zurückhielt, das seinerseits heftig gegen den Zügel arbeitete und bereits schwitzte. Mit der zweiten Kurve dann machte Ruby so einige Reiter gut, befand sich schon an zweiter Stelle, als es in die Zielgerade ging - da ließ die Reiterin dem Pferd die Zügel lang und Devri sprintete los. Jeden Muskel konnte ich unter ihrem weichen, kurzen Fell erkennen und der Schaum tropfte förmlich von ihrem Hals. Ich krampfte meine Hände ungeduldig zusammen, meine Fingernägel bohrten sich in die Handflächen, alle möglichen Leute um mich herum riefen und schrien - und dann stand die Zeit für einen kurzen Moment still.
    Es war ein Moment, wie ich ihn noch nie erlebt hatte und wie ich ihn nie zu erleben gehofft hatte: Urplötzlich gab Devrienterreuths rechtes Vorderbein nach und die Stute kippte im vollen Tempo nach unten weg. Ihr Schwerpunkt überholte die Vorderhand, das Pferd überschlug sich, Ruby ging mit nach vorn gestreckten Händen zu Boden. Noch bevor sie aufkam, waren die anderen Teilnehmer da und konnten nichts mehr tun, um ihre Pferde von dem gestürzten Paar wegzulenken. Ich musste zusehen, wie meine Freundin von einem dutzend Hufen überrannt wurde.

    Kurz herrschte entsetzte Stille auf den Tribünen, dann wurden panische Rufe laut. Das Blut pochte in meinen Ohren und mein Papa, neben mir, war käseweiß im Gesicht. Er hatte die Zähne fest zusammengebissen, sodass die Kiefermuskeln hervortraten und ich tat es ihm wohl schlagartig nach, als sich das Pferd zwar versuchte aufzurichten, aber hoffnungslos scheiterte und - noch viel schlimmer - Ruby sich nicht bewegte.
    Schwankend richtete ich mich auf, zusammen mit Alois drängelten wir uns ungehalten und rücksichtslos durch die gaffenden Zuschauer, während der Krankenwagen schon über den Grasstreifen fuhr und die übrigen Teilnehmerpferde eingefangen wurden.