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Cascar

HMJ Benevolence

Stute | Barockpinto | * 2012 | im Besitz seit 21.04.2020 | gekrönt: nein | gechippt: nein | geimpft: nein | Decktaxe/Leihgebühr: –

HMJ Benevolence
Cascar, 21 Apr. 2020
MeisterYoda, Canyon, Zion und 2 anderen gefällt das.
    • Cascar
      Vergabe von HMJ Benevolence an Ann England
      [21.04.2020 - 2.445 Zeichen - 3 Punkte]

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      "HMJ Benevolence geht an das Winterscape Stud, vertreten durch Ann England! Hoffentlich kannst du dir deinen Traum eines Herzenspferdes mit diesem Schützling erfüllen und bereust es nicht, dich hier beworben zu haben.", spricht Nico laut und deutlich in sein Mikrofon. Ann neben mir schlägt die Hände vor das Gesicht und ich grinse sie an. In ihren Augen entdecke ich sowas wie Freudentränen. Es dauert einige Sekunden, bis sie sich gefasst hat und aus der Zuschauermenge mit den Leuten, die allesamt mindestens einen Kopf größer sind als sie, heraustritt. Gerührt ergreift sie das beige Seil, worauf die Rappstute, die ab heute zur Familie gehört, leicht zusammenzuckt und den Kopf hebt. Ann bemüht sich, ihr gegenüber auf Distanz zu bleiben und führt sie recht problemlos von der Präsentationsfläche. Der weiteren Vergabe der HMJ-Pferde lauschen wir im Hintergrund.
      Kaum sind wir außer Sichtweite der übrigen Pferde, wird Benevolence schon munterer und unruhiger. Sie macht zwar keine Anstalten, sich loszureißen, spielt aber nervös mit den Ohren, wechselt zwischen dem Vorweggehen und sich ziehen lassen und wiehert immer wieder. Eine Antwort erhält sie heute nicht. Stattdessen bringt Ann sie direkt auf die noch leere Weide und nimmt ihr das Halfter ab, worauf sich Benevolence beeilt, von uns wegzukommen. "Ob du das jemals wieder rauf bekommst?", scherze ich und deute auf den Zaum. Ann lächelt schief. "Das wird wirklich Arbeit, oder?", fragt sie nach einer Weile, in der wir Bene beim wälzen und herumtraben und aufgewühltem Wiehern zuschauen. Ich nicke stumm. "Aber schau", sage ich, "Es geht ja nicht um's Gewinnen. Und einem Pferd ein neues Leben zu ermöglichen, bereust du nie, glaub mir."

      Ann hatte auf der Messe Anfang März in Auckland das Prospekt von HMJ Benevolence am Stand des Horsemakeover zufällig in die Hände bekommen und anfänglich nur überflogen. Erst nach einigen Stunden auf der Veranstaltung rückte sie mit der Sprache heraus und erklärte, sie würde diese Rappstute nicht mehr aus dem Kopf bekommen und suche ja nun schon ewig nach einem eignen Pferd und überhaupt. Ich kenne das Szenario von Spearmint nur zu gut. Benevolence war einfach ihre Stute und so erfolgte noch am selben Tag die Bewerbung. Dass wir nun, nur einen knappen Monat später, tatsächlich beide in Schweden sind - ich mehr als seelische Unterstützung als wirkliche Hilfe - hätte wohl keiner so wirklich gedacht. Noch sieben Tage stehen uns bevor.
      Wolfszeit gefällt das.
    • Cascar
      Aller Anfang ist schwer
      [22.04.2020 - 11.105 Zeichen - 8Pkt.]


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      Die erste Nacht als Pferdebesitzerin in Schweden schlafe ich unruhig. Schon sechs Uhr morgens sind meine Augen weit geöffnet und ich kann sie beim besten Willen nicht mehr schließen. Durch die Fenster fällt das fahle Licht des Morgens bereits auf die getäfelte Wand gegenüber. Es dauert keine zehn Minute und ich beschließe, die Wärme des Betts zu verlassen und dann lieber abends zeitig schlafen zu gehen. Vorsichtig – um Cascar nicht zu wecken – stehe ich also auf und ziehe mich an. Ich merke hier drin bereits, dass die Temperaturen draußen eisig sind und so mumme ich mich in Schal und mehrere Jacken, bevor ich das Haus verlasse.
      Möwen fliegen und rufen über mir, während ich mich ganz alleine auf dem Weg zu HMJ Benevolence mache. Mein Atem bildet selbst jetzt, Ende April, noch Wölkchen in der Luft und der Sand unter meinen Stiefelsohlen ist über Nacht hart gefroren. Dafür ist das Wetter klar und der Himmel blau.
      Ich erreiche die Koppel und betrachte die zusammengewürfelte Herde mit den Händen in den Taschen. HMJ Charity steht mir am nächsten und grast mit einem Seitenblick auf mich. Einige andere Pferde dösen in einer Gruppe, HMJ Grace tut dasselbe etwas abseits. Und Bene knabbert am hintersten Koppelende an den herabhängenden, noch braunen Zweigen einer jungen Buche. Ich seufze. Mein Pferd macht seiner Beschreibung alle Ehre. Ich fische mir also Benes schwarzes Knotenhalfter mit dem langen Seil vom Haken neben dem Weidetor – ebenfalls etwas steif vor Kälte – und mache mich auf den Weg. Um die Gruppe in der Koppelmitte mache ich einen großen Bogen und nähere mich dann im Zickzack der Rappstute. Sie blickt schon bald auf und verharrt angespannt auf der Stelle. Ich beginne leise auf sie einzureden, doch davon hält Bene offensichtlich nicht viel, denn sie kehrt auf der Hinterhand um und beginnt von mir wegzutraben. Zumindest dieses Verhalten entspricht einem unverdorbenen jungen Pferd. Ich lasse mich nicht entmutigen und folge ihr.
      Die Koppel ist ziemlich weitläufig für solche Manöver. Insgeheim verfluche ich die Idee, die HMJ-Stuten alle zusammen auf einer Weide unterzubringen. Es dauert nicht lange und die ganze Herde setzt sich in Bewegung, während ich nur Benevolence beharrlich folge. Die ihrerseits versucht krampfhaft, auf mich zu achten und gleichzeitig, sich die übrigen Pferde vom Leib zu halten. Mehrmals droht sie im vollen Galopp zu beißen und schlägt aus. Zu wehren weiß sie sich also sehr gut.
      Mir ist bewusst, dass die Kondition meines Pferdes im Augenblick alles andere als gut ist. Und ich gebe zu, ich habe gehofft, das würde mir in die Karten spielen. Umso beeindruckter bin ich an diesem allerersten Tag von Benes Temperament und ihrem Durchhaltevermögen. Während andere Pferde nach und nach und besonders da sie mitbekommen, dass ich hinter dem Rappschecken in ihrer Mitte her bin, abdrehen und uns aus dem Weg gehen, trabt und galoppiert sie fast eine halbe Stunde vor mir her. Trotz der geringen Temperaturen schwitzt sie zusehends und auch mir wird ordentlich warm. Schließlich aber hält sie und blickt mich vorwurfsvoll an. Als ich mich ihr nähere, bleibt sie zwar, wo sie ist, verlagert ihr Gewicht aber warnend auf die Hinterhand. Sobald sie deutlich zu steigen beginnt, schnalze ich mit der Zunge und schicke sie mit dem Seil von mir weg, wiederum auf eine Trabrunde. Nur jetzt ist Benevolence erschöpft und sie ist klug genug um zu erkennen, dass sie mit mir kooperieren muss, freundlich kooperieren muss, um eine Pause zu bekommen.
      Und so halftere ich sie schließlich doch noch auf und wir verweilen eine Weile nebeneinander, um Atem zu schöpfen. Bene macht sogar Anstalten, ein wenig zu kauen und ich bin mit einem Mal sehr stolz. Diese Hürde hätten wir also gemeistert.

      Das Führen von der Koppel ist heute kein Problem. Mittlerweile ist es nach sieben und auf dem Hof beginnt das alltägliche Leben. Wir sehen Pfleger und kurz auch Nico und einen Traktor, von dem Bene erstaunlicherweise überhaupt keine Notiz nimmt. Das scheint sie schon zu kennen.
      Mit einigen Umwegen gelangen wir dann in den Roundpen, in dem ich mein Pferd eine weitere Runde führe, bevor ich es laufen lasse und wir uns an das gegenseitige Kennenlernen machen. Ich weiß aus Erzählungen, dass die Stute Angst vor engen Räumen hat. Das macht sich auch im Roundpen schon bemerkbar: Bene scheint neue Kraft geschöpft zu haben und ist wieder am Traben. Dabei wirft sie den Kopf immer wieder warnend nach Innen, in meine Richtung. Wann immer ich mich bewege, beschleunigt sie. Einige Male wechselt sie abrupt die Hand. Ich lasse sie, ändere aber nichts an der Situation. Als sie etwas ruhiger wird, gehe ich in der Mitte des Zirkels in die Hocke und beobachte sie mit gesenktem Blick. Da bekomme ich das erste Mal Benes Aufmerksamkeit. Ich weiß, dass meine Geste alles andere als Dominanz zeigt, im Gegenteil. Aber in der Vergangenheit war es ja auch übermäßige Dominanz, die Bene so verschlossen hat werden lassen. Die Rappstute kommt nicht zu mir, befindet sich aber mittlerweile im Schritt. Als ich mich langsam und leise redend aufrichte, zuckt sie zusammen und beginnt wieder zu traben, schnaubt aber schließlich und pariert wieder.
      Unschlüssig bleibe ich, wo ich bin und überlege schon, wie ich das zu einem guten Abschluss bringe. Meiner Meinung nach haben wir in diesem ersten Training erreicht, was es zu erreichen gibt. Nur Einfangen müsste ich sie wieder. Mittlerweile ist es fast acht und vom Meer her ziehen dunkle Wolken auf, die nach jeder Menge Regen aussehen. Die Zeit drängt also gewissermaßen.
      Ich beginne also mit Benevolence mitzugehen und dabei jede Runde etwas weiter zu ihr aufzuschließen. Irgendwann gehen wir tatsächlich und im Schritt nebeneinander her, aber als ich im Gehen den Strick an Benes Halfter befestige, macht es in ihrem Kopf wohl Klick und sie springt regelrecht rückwärts. Das Seil in meiner Hand wird schlagartig heiß, aber ich versuche das unangenehme Brennen zu ignorieren und mein Pferd wieder unter Kontrolle zu bekommen. Die Rappstute steigt jetzt, immer wieder und direkt vor mir. Dabei ist sie abwechselnd in einer Rückwärts- und Seitwärtsbewegung.
      In dem Moment tritt Cascar ans Tor, wie ich aus dem Augenwinkel bemerke, und späht durch die Holzleisten. „Schau, sie ist nicht aggressiv. Sie steigt nicht mal ansatzweise in deine Richtung.“, sagt sie im gemäßigten Ton, aber hörbar. Ich spüre, wie sich der Funken Angst in meiner Brust etwas legt. Sie hat Recht. „Aber sie hört auch nicht auf!“, sage ich und höre den leichten Anflug von Panik in meiner Stimme selbst. „Ja, hör auf, auf sie zuzugehen, lass den Strick los.“, rät meine Freundin und so bleibe ich stehen und lasse das Pferd laufen. Es folgen noch einige Buckler, aber schließlich bleibt das Pferd so weit entfernt von mir wie nur möglich stehen. Erschöpft und schwitzend. Mittlerweile regnet es. „So. Jetzt hat sie zwar für den Moment gewonnen, du hast aber auch die Möglichkeit, das Spiel nochmal ganz von vorne aufzuziehen.“, meint Cas und deutet auf das Ende des Stricks, das nicht weit von mir im Sand liegt. „Aber sie war heute schon super. Ich will es nicht am ersten Tag gleich übertreiben.“, widerspreche ich. „Du kannst sie aber auch nicht mit Samthandschuhen anfassen, nur weil du nicht weißt, was sie in ihrer Vergangenheit schon alles durchgemacht hat.“, erhalte ich als Antwort und ich weiß, dass das stimmt. Wäre Benevolence Yacedor, würde ich ihm das auch nicht durchgehen lassen. Also hole ich Luft und ergreife den Strick – unter den wachsamen Blicken von Bene und Cascar gleichermaßen – und schicke mein Pferd mit der rechten Hand auf den Hufschlag. Sensibel ist die Stute ohne Frage. Es braucht nur sehr wenig Druck und sie geht praktisch durch die Decke, aber glücklicherweise habe ich lange genug mit Vollblütern gearbeitet, um halbwegs damit umgehen zu können. Für einige Minuten zirkelt Bene also recht friedlich. Die Wolken sind nun über uns und es regnet spürbar. Der Wind nimmt auch zu – Umwelteinflüsse, die der Stute vertraut scheinen. Zumindest beunruhigt sie es nicht zusätzlich. „Frag sie nach einem Handwechsel.“, meint Cascar und das tue ich, wenn auch nicht ohne Zweifel. Aus der Ferne und eher zaghaft, worauf der Rappe noch versucht, der Hilfe davonzurennen, aber als ich etwas deutlicher auf meine Anweisung bestehe, reagiert Bene auf meine Körpersprache und dreht. Mein Herz macht gleich einen aufgeregten Hüpfer. „Und nochmal.“, kommt es vom Zaun.

      Insgesamt drei Seitenwechsel gibt es. Als ich den Druck danach vollkommen von Bene nehme und mich von ihr abwende, bleibt sie zögernd stehen und macht dann tatsächlich einige zaghafte Schritte in meine Richtung. Den Kopf schwenkt sie dabei von lins nach rechts, als würde sie sich Sorgen darüber machen, was ihre Beine da mit ihr tun. Trotzdem kann ich mich ihr schließlich zuwenden und ihre Stirn streicheln, wie bei einem ganz normalen Pferd. Und sie lässt es zu. Glück durchströmt mich und ich muss unwillkürlich grinsen. Der Regen prasselt auf uns nieder, lässt Benes Mähne an Stirn und Hals kleben und vermischt sich mit ihrem Schweiß.
      Von ihrem Kopf gehe ich mit der Hand weiter ihren Hals entlang und an die Schulter. Sie steht jetzt still und lässt mich ihren Rücken streicheln. Plötzlich ohne Hast, aus der Nässe zu kommen, mache ich weiter mit ihrer Kruppe und den Beinen. Auf der anderen Seite ebenso. Dann gehen wir zusammen zum Tor. „Gut gemacht, ihr zwei!“, freut sich Cascar und wieder sind wir auf dem Weg zur Weide zu dritt. Da stehen mittlerweile schon weniger Stuten und mümmeln trotz des Regens zufrieden am Heu, das sie von den Pflegern zum Frühstück bekommen haben. Als wir näher kommen, wiehert mein Pferd, erhält aber - wie gestern – keine Antwort. Ich drehe Bene gleich hinter dem Eingang zu mir und nehme das Halfter ab. Kraft zum Davonrennen hat sie nach der physischen wie psychischen Arbeit sicher keine mehr, also geht sie gemütlich zu einer Heuecke etwas abseits von den anderen Pferden und genehmigt sich ihr Frühstück. Erst da merke ich, wie wahnsinnig hungrig und durchweicht ich eigentlich bin. Auf dem Weg zum Essen wird mir auch direkt kalt und ich mache extra einen kleinen Umweg zu unserer Ferienwohnung, um die zwei nassen Wollpullis und Hosen gegen trockene Sachen zu tauschen.

      Während des Essens werten wir dann das heute Gelernte ausführlich aus. Ich genieße mein Käsebrot und überlege etwas, bevor ich ausspreche, was mir wirklich merkwürdig an Bene vorkommt: „Es ist irgendwie nur wahnsinnig schwierig, ihr nahe zu kommen. Wenn man einmal da ist, dann wehrt sie sich kaum noch. Und den Traktor heute Morgen oder den Wind fand sie auch nicht schlimm, aber sobald jemand direkt auf sie zugeht und etwas von ihr will, macht sie komplett dicht.“ Das bringt mich zum Grübeln. Woher kann ein solches Verhalten kommen? „Ein Beleg dafür, dass sie nicht grundlegend aggressiv ist. Und ein Fakt, auf dem du gut aufbauen kannst. Probier es doch heute Abend mal mit Futter.“, schlägt Cascar vor. Bene scheint mir zwar nicht das Kaliber Pferd, das sich mit Leckereien bestechen lässt, aber was soll’s? Einen Versuch ist es sicher wert.
    • Cascar
      Gespräche über alte Zeiten
      [29.04.2020 - 7.904 Zeichen - 5 Pkt.]

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      „Vielleicht war das alles doch keine so gute Idee.“, sage ich niedergeschlagen. Es ist vier Uhr nachmittags und Cascar sitzt mir in unserer gemeinsamen Ferienwohnung gegenüber. Meine Klamotten sind vom stetigen Küstenregen draußen durchweicht, mir ist kalt, meine Chaps sind schlammig und seit vorgestern plagt mich ein Schnupfen. Ich fühle mich nicht besonders gut und trotzdem geselle ich mich jeden Tag zu HMJ Benevolence und jeden Tag arbeiten wir im Roundpen und an den Manieren im gemeinsamen Umgang. Das heißt aber auch, dass wir ständig dabei sind zu klären, wer das Sagen hat. Jeden Tag dauert es mindestens eine halbe Stunde, bis ich die oft völlig verdreckte Rappstute eingefangen habe und nochmal mindestens genau so lange, bis wir auf dem Sandboden auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Am Ende ist dann meist alles gut und das Putzen und Führen zum Beispiel wird zunehmend entspannter. Aber alles andere strengt mich wahnsinnig an. Zu sehen, wie viele andere HMJ-Teilnehmer in kürzerer Zeit größere Fortschritte erzielen, macht mich völlig fertig.

      Frustriert bemerke ich in diesem Moment, wie mir die Tränen in die Augen steigen. Cascar seufzt leise und nimmt mich dann in den Arm. „Aller Anfang ist schwer.“, sagt sie – nicht sehr hilfreich. „Und es hat ja auch seinen Grund, warum Bene im Tierschutz gelandet ist.“, mahnt sie. Ich nicke und kann ein Schluchzen nicht unterdrücken. „Ich ha-hab nur das Gefühl, wir fangen jeden Tag wieder bei Null an.“, flüstere ich. „Ach nein, sag das nicht. Der Punkt wird kommen, da zahlt es sich doppelt und dreifach aus, dass du durchgehalten und kontinuierlich mit ihr gearbeitet hast. Und vor allem konsequent.“ Ich weiß, dass Cascar Recht hat, aber ich fühle mich so müde und leer, dass mir ihre Worte im Moment nicht wirklich helfen. „Lass uns zu Nico gehen und etwas über Benes Vergangenheit herausfinden.“, schlägt sie da vor. „Wir kennen ihre Geschichte doch.“, sage ich mürrisch. „Dann gehe ich eben alleine!“, meint Cas und da weiß ich, dass ich sie begleiten werde.


      Das erhoffte Gespräch mit Nico kommt nach dem Abendessen zustande. Er hat einen dunkelblauen Schnellhefter mit mindestens fünfzig Seiten mitgebracht. Ein guter Anfang, beschließe ich und rutsche gespannt auf meinem Stuhl hin und her. Das warme Abendessen hat mir neue Lebensgeister eingehaucht. Damit kommt auch Zuversicht.

      „Also, wo fangen wir am besten an?“, fragt Nico rhetorisch und schlägt den Hefter auf. „Nach tierärztlicher Untersuchung ist Benevolence etwa acht Jahre alt. Ihre ursprüngliche Herkunft und der Züchter sind komplett unbekannt, sie war weder gechippt, noch gebrannt, als sie zu uns kam.“ Ich höre aufmerksam zu und frage dann: „Aber wir kennen die Vorbesitzer, nicht?“ Nico nickt mit ernster Mine. Ein deutsches Paar aus der Nähe von München. Sie haben einen Gnadenhof und beschäftigen sich die meiste Zeit und ehrenamtlich mit dem Import von Pferden aus Rumänien und Ungarn. Daher kommt auch deine Stute.“ Ich stutze. Diese Information ist mir neu. „Sie sieht aber nicht so aus, als wäre sie in irgendeinem Hinterhof in Rumänien gezogen worden, um als Pferdefleisch zu enden.“, meine ich. Wiederum nickt Nico, wenn auch nachdenklich. „Dafür ist ihr Körperbau auch zu rassetypisch und nach allem, was man von Bene auf der Koppel sieht, ist sie ganglich nicht untalentiert.“, meint auch Cascar. „Ja, denkbar wäre, dass sie aufgrund ihrer Fellfarbe oder vielleicht auch einfach zufällig im Schwarzhandel gelandet ist.“ Ich lache auf: „Ein Rappe im Schwarzhandel, hm?“ Mein Gegenüber grinst. „Damit wäre denkbar, dass sie aus einem der Nachbarländer nach Rumänien gelangt ist. Ein Pferd über eine Grenze zu schmuggeln, ist schwer genug. Wobei die Grenzen innerhalb der EU offen sind. Es bleibt also ein ganzer Kontinent als mögliches Herkunftsgebiet.“ Ich seufze resigniert. „Was haben die Vorbesitzer für Angaben machen können?“ Nico kramt in seinem Hefter und legt mir dann eine Fotokopie vor. Ich atme entsetzt ein – auf dem Bild ist mein Pferd zu erkennen, praktisch nur noch identifizierbar über die vier weißen Flecken am Bauch. Ansonsten ist nicht viel von ihr übrig – die Hüftknochen und Schulterblätter stechen hervor, lassen sie überbaut und den Kopf merkwürdig groß wirken. Mähne und Schweif sind verfilzt und feuchter Dreck klebt überall. Der dünne Hals wird von einem spröden ledernen Halsband umschlossen, den gesenkten Kopf ziert ein Halfter, das provisorisch aus den Plastikfäden eines Heuballen geknüpft ist. „Sicherlich kein leichter Anblick. Das Foto stammt aus Rumänien, Irina hat es aufgenommen, ihre Vorbesitzerin. Kurz darauf haben sie das Pferd gekauft – ohne Papiere, nicht einmal einen Namen hatte sie. Aber ein Pferd, das dort landet ist ja auch nicht mehr als Arbeits- oder Reitpferd gedacht.“ Ich nicke, wie gebannt auf das Foto starrend. „Dafür sieht sie ja heute wieder super aus. War das auch ... Irinas Verdienst?“, fragt Cascar. „Tatsächlich wurde Benevolence wieder vollkommen gesund und hat auch schon wieder gut zugelegt. Außer an Muskeln vielleicht. Das eigentliche Problem zeigte sich dann aus ihrer Kämpfernatur: Sie war völlig unberechenbar, sobald es ihr besser ging. Irina konnte sie füttern und gelegentlich einfangen, zum Putzen oder für den Schmied oder Tierarzt. Aber für die kontinuierliche Arbeit fehlte ihr einfach die Zeit. Wenn man jeden Tag über 50 Pferde zu versorgen hat, ist das wohl nicht erstaunlich.“ – „Und ihr Mann?“, hakt Cas nach. „Oh, Bene und Männer – das lässt man lieber bleiben. Sowohl im pferdigen als auch im menschlichen Sinne.“, Nico lacht und ich merke, wie sympathisch er mir ist. „Ich würde ja fast schon sagen, gegenüber dir ist sie zahm, Ann.“, meint er und zwinkert mir zu. Ich werde ein bisschen rot und senke den Blick. „Ich weiß nicht. Ich habe nicht das Gefühl, dass wir Fortschritte machen.“, räume ich ein und betrachte beschämt meine Hände. Es ist nie einfach, das eigene Versagen einzugestehen. „Glaub mir, das einzige, was Bene hilft, ist jemand, dem sie vertrauen kann. Und sie hat in ihrem kurzen Leben schon so viel erlebt und gesehen, dass sie dazu eine Menge Zeit braucht. Bleib dran!“ Und da Nico ja nun schon der zweite Mensch in vierundzwanzig Stunden ist, der mir das sagt, fühle ich mich tatsächlich ein bisschen besser.


      Als die Sonne unterzugehen beginnt, verziehen sich die dunklen Regenwolken und so wird die weitläufige schwedische Landschaft in ein mystisches Licht getaucht. Wie üblich und trotz Schnupfen, das Gesicht im Schal vergraben und die Hände tief in den Jackentaschen, statte ich Bene noch einen Besuch ab. Das heißt in unserem Fall, ich gehe zum Zaun und betrachte aus der Ferne, wie sie sich etwas abseits von den anderen Stuten am Gras oder manchmal auch Heu güttlich tut. Wie zu erwarten lag sie heute schon wieder im Dreck. Insgeheim merke ich mir, dass ich beim nächsten Vet-Check mal frage, ob es nicht sein kann, das ihrer Haut etwas fehlt und ich etwas zufüttern sollte. Allgemein scheint es mir eine gute Idee, sie mal gründlich durchchecken zu lassen. Vielleicht hat sie ja auch Schmerzen? Augenblicklich beginne ich mir Sorgen zu machen. Was, wenn ich ihr jeden Tag auf den Geist gehe und sie geht mir aus dem Weg, weil sie körperlich nicht in der Lage ist, mit meinen Ansprüchen mitzuhalten?

      In diesem Moment blickt Bene auf, in meine Richtung und setzt sich dann in Bewegung. Erst langsam, dann trabt sie und stachelt damit auch HMJ Charity und HMJ Grace an. Zum ersten Mal sehe ich, wie gut sie sich trotz ihrer fehlenden Bemuskelung trägt und verstehe, was die Leute damit meinen, wenn sie sagen, Bene könne laufen. In mir prickelt es und ich spüre Hoffnung. Wenn ich sie so sehe, weiß ich doch, dass die Rappstute alles ist, wonach ich je gesucht habe. Jetzt müssen wir uns nur noch dauerhaft vertragen. Und das bedeutet – wie Cascar und Nico heute unabhängig voneinander bemerkt haben – nun mal kontinuierliche Arbeit.

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    • Cascar
      Sammelbericht
      [04.12.2020]

      Es ist einer dieser goldenen Herbsttage, von denen in Gedichten manchmal die Rede ist. Spearmint, Spotted Frischkäse, Mrs. Fluffy, Cheetah und Versatilely Gold grasen im Morgennebel auf der kleinen Weide neben unserem Haus. Ich beobachte sie während des Frühstücks und stelle dabei fest, dass VGold für den Winter dringend eine Decke braucht. Sie baut mir mit zunehmender Kälte viel zu sehr an Gewicht ab. Mrs. Fluffy macht derweil ihrem Namen alle Ehre, genau so wie Spotti. Spearmint besitzt ihre Decke schon, denn sie wurde vorgestern von Olli geschoren. Seit einigen Wochen reite ich meine gescheckte Stute wieder regelmäßig und genieße das sehr! Auch wenn ich die WCS nun leite und mit Mum und Tommy meistens alleine auf dem Hof bin, lege ich viel Wert darauf, den Kontakt zu meinen Freunden und den Pferden nicht zu verlieren.
      So bin auch weiterhin ich es, die Spearmint's Cavale Miellée ausbildet … obwohl Oliver zugegebenermaßen ein Auge auf die junge Stute geworfen hat. Er hat ja nun schon immer eine Leidenschaft für Schecken und Westernpferde und insofern denke ich doch ernsthaft über ein gewisses Weihnachtsgeschenk nach …
      Marc hat in den vergangenen Monaten ordentliche Gewinne mit seinem Hengst Empire of Darkness abgesahnt. Auf regionalen wie nationalen Turnieren ist das Paar den meisten Teilnehmern ein wohlgekannter Begriff. Aus erster Hand weiß ich, dass der Reiter auch ein Auge auf Empires Sohn, Empire of Grace, geworfen hat. Wohl in der Hoffnung, dieser möge in die Fußstapfen seines Vaters treten.
      Bixs, Bem-Te-Vi und Hic Rhodus, hic salta! sind unsere beliebtesten Reitstundenpferde (neben Cheetah). Die Wallache machen sich unter der Pflege und Förderung meiner Mum und Pauls ganz hervorragend. Bixs und Bemme werden sogar für einige Reiterspiele trainiert.
      Klappstuhl indes hat in letzter Zeit körperlich wie geistig enorm abgebaut. Im Moment ist er mein Sorgenkind. Händeringend suche ich nach einem passenden Reiter für ihn, habe dafür eigentlich schon Ann im Auge, die ihrerseits mit Yacedor Gepir und ihrer Stute HMJ Benevolence allerdings mehr als genug um die Ohren hat … Während ich also meinen Kaffee schlürfe und mir Gedanken um meine Pferdewelt mache, wird die Haustür geöffnet und Olli und Marc treten zusammen mit Stani ein. Plappernd bedienen sie sich an der Kaffeekanne und keine zwanzig Minuten später treten wir gemeinsam auf den Hof hinaus.
      Ich mache mich direkt auf den Weg zur Südweststallung. Ashqar und Distraction wollen bewegt werden. Für Cyclone, Kazoom und Vorgabt geht es heute eine Runde auf die Weide, während Oliver Blomquist longiert und Marc Antar ibn Dahr und Lucifer bewegt. Kaisa ist wie gewöhnlich schon vor Ort und striegelt Cherti. Unter seiner Betreuung ist der gescheckte Hengst in letzter Zeit wahrhaft aufgeblüht!

      Nach einer kurzen Mittagspause mit selbstgemachte Hot Dogs geht es im Hauptstall an die Arbeit. Stani hat die Stuten mit Nachwuchs, also Himmawallajugaga mit Himalaya, Devrienterreuth mit Deciphering Perfection und Charelle mit Chocolate Dazzle, bereits am Morgen auf die Weide gebracht. Mich erwartet hier eine unruhige Taste of Desire und eine sanfte Omega. Beide Stuten haben mächtig an Muskelmasse zugelegt, besonders Tasty. Ich trainiere die Rappstute regelmäßig in der Vielseitigkeit und freue mich häufig über ihre Intelligenz (und Omegas Tollpatschigkeit). Olli reitet CH's Unglück und Marc A Caramel Touch. Der beschreibt die Araberstute gern als "quirlig".
      Carina hatte in letzter Zeit in ihrem persönlichen Leben einige Rückschläge. Das Training mit Earl Grey's Darjeeling läuft deswegen mehr schlecht als recht. Von Olli weiß ich, dass sie über einen Verkauf er dunklen Stute nachdenkt. Für heute bedeutet es aber vorerst, dass die Gute mit den Fohlen auf eine Weide darf.
      Mein ganz persönlicher Augenstern unter den Theken ist ja zurzeit Ashinta, die auf der Rennbahn enorme Erfolge verzeichnen darf. Das verdanke ich nicht zuletzt Diego, der mit dem Training der gescheckten Stute hervorragende Arbeit leistet!
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  • Album:
    Wettbewerbspferde - Horse Makeover 2020
    Hochgeladen von:
    Cascar
    Datum:
    21 Apr. 2020
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    Zuchtname des Pferdes: HMJ Benevolence
    Rufname: Bene

    Besitzer: Ann England
    Vorbesitzer: unbekannt
    Vorkaufsrecht: Canyon

    Tierarzt: Benni Becks
    Hufschmied: –
    Ausbilder: Ann England
    Reitbeteiligung: keine


    Stall: Hauptstall (bisher Lindö Dalen Stuteri, Schweden)
    Weide: direkt an der Box; zurzeit alleine

    Einstreu: Stroh
    Futter: Heu, Saftfutter

    Anmerkungen: Nur von Ann zu führen
    und zu füttern, HÖRBAR nähern!

    HMJ Benevolence' Spind folgt
    Portrait

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    Von: unb.
    – x –


    Aus der: unb.
    – x –

    Zur Zucht zugelassen:

    Züchter: unbekannt
    Zucht: unbekannt

    Gencode: unbekannt
    Vererbung: unbekannt

    Nachkommen: keine

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    Geschlecht: Stute (weiblich)
    Geburtsdatum: 2012
    Rasse: Barockpinto
    Herkunft: unbekannt

    Stock-/Endmaß: 163 cm
    Art: Pferd
    Typ: Warmblut

    Fellfarbe: Black Sabino
    Langhaar: schwarz
    Abzeichen: keine
    Sonstige Erkennungsmerkmale:
    Scheckung

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    Beschreibung:
    Benevolence hätte wohl die Welt offen gestanden.
    Die überaus schicke Stute kann ihre Beine nur so schmeißen; auch wenn man da bei ihrem
    anfänglichen Zustand definitiv zweimal hinsehen musste. Dennoch ist sie ein Kämpfer,
    die sich das Leben, das in ihr steckt, nicht nehmen lässt.
    Aber auch an Benevolence ist ihre Vergangenheit nicht spurlos vorbeigezogen. Nähert man sich
    ihrer Herde versteckt sie sich in der hintersten Ecke zwischen den anderen Pferden. Lässt man ihr
    die Wahl im Freien zu bleiben oder sich gemeinsam mit Artgenossen in einen Unterstand zu stellen,
    so steht die Stute lieber alleine in eisiger Kälte oder im strömenden Regen. Benevolence hat definitiv
    Angst vor engen Räumen und noch mehr davor, einem Menschen ausgeliefert zu sein. Kommt ein solcher
    ihm dann doch einmal zu nahe, schlägt die Panik allerdings rasch um und Benevolences Stimmung kippt.
    In diesen Situationen ist sie beinahe unberechenbar und beginnt wild zu steigen, was wohl früher der
    einzig funktionierende Ausweg für sie gewesen ist. Dabei sieht man in ihren Augen, dass sie eigentlich
    keineswegs aggressiv oder bösartig ist. Im Gegenteil: Unter dieser Fassade steckte wohl ein ganz
    besonders weicher und treuer Kern. Hat man einmal ihr Vertrauen, so ist sie ein Verlasspferd.
    Benevolence wurde an den Tierschutz abgegeben, da ihre früheren Besitzer leider nicht mehr mit ihr
    zurechtkamen. Sie zeigt gegenüber Menschen aggressives Verhalten, welches besonders gegenüber
    Männernauftritt. Der Vorbesitzer kaufte Benevolence unter falschen Angaben von einem Händler,
    sodass leider keine weiteren Angaben existieren. Benevolence zeigt außerdem eine bei
    Barockpintos eher unbeliebte Sabinoscheckung, sodass sie für die Zucht ungeeignet ist.


    [​IMG]

    Eignung: Dressur

    -

    Dressur: E A L M S S* S** S***
    Wendigkeit: E A L M S

    Turnierbedingter Aufstieg | Trainingsaufstieg | Potential

    [​IMG]
    Fohlen ABC:
    Longiert:
    Eingeritten:
    Eingefahren: ✘

    Reitweise: keine
    Beurteilung: keine

    Gelassenheitstraining:
    Hindernisgewöhnung:
    Hängergewöhnung:
    Startboxgewöhnung:

    Roundpen: nicht kompromissbereit; rennt und steigt
    für gewöhnlich, orientiert sich nicht am Menschen
    Reitplatz/Reithalle: -
    Gelände: -

    [​IMG]
    Gechippt:
    Geimpft:
    Bekannte Krankheiten: keine
    Anmerkungen: Hautkratzer und
    mittelmäßiger Ernährungszustand;
    fehlende Bemuskelung



    Hufzustand: mittelmäßig
    Prüfstand: verfallen
    Beschlag vorn: keiner
    Beschlag hinten: keiner
    Anmerkungen: sediert schmiedtauglich;
    etwas zu lange Hufe, weiches Horn