Sammy

HMJ 7786 Elfentanz

Trakehner | Stute | 12 Pkt. | HMJ: 222 Pkt. || DR: L (0) | SPR: S (4) | MIL: E (0)

HMJ 7786 Elfentanz
Sammy, 10 Okt. 2019
Wolfszeit, Zaii, Cooper und 2 anderen gefällt das.
    • Sammy
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      Das erste Turnier
      21. November - 24. November
      12.622 Zeichen | 7 Punkte

      "Sammy, das sieht ja schon richtig gut aus!", rief Edward vom Zaun meines Reitplatzes herüber. Mein Makeover-Pferdchen, HMJ 7786 Elfentanz, drehte nervös die Ohren, lauschte jedoch sogleich wieder meiner Stimme. "Stimmt, unser Elfenpferd macht sich ganz toll!", antwortete ich Edward, nachdem ich mein Stütchen beruhigt hatte. Beinahe drei Wochen waren nun vergangen, seitdem ich mich das erste Mal auf Elfentanz' Rücken geschwungen hatte und die Stute machte unglaubliche Fortschritte. Da mein Elfenpferd mir immer unmittelbares Feedback gab, fiel es mir leicht, das Tempo an die sechsjährige Stute anzupassen. Verstand meine Elfe etwas nicht, blieb sie einfach stehen und spielte unsicher mit den Ohren. Hatte sie eine Aufgabe jedoch gemeistert, war sie mit umso mehr Elan und Freude bei der Sache. In drei Tagen würden wir auf unser erstes Dressurturnier fahren. Eigentlich war es ein Turnier für Jungpferde - zu welchen Elfentanz offiziell nicht mehr zählte - doch ich hatte den Veranstalter durch die Geschichte des schönen Pferdes dazu bewegen können, uns starten zu lassen. Es handelte sich um ein kleines Vereinsturnier der Klasse E. Somit waren verhältnismäßig wenig Menschen zu erwarten und ich hoffte, dass dies Elfentanz ihren Einstieg in die Turnierwelt erleichtert würde. Da es nun mit großen Schritten auf den Dezember zuging, rückte auch unsere Teilnahme an der Horse Makeover Show näher und langsam sollte ich wirklich meine endgültige Kür auf die Beine stellen. Aber eins nach dem anderen. Ich konzentrierte mich wieder auf Elfentanz' schwungvollen Trab. Das war bisher die Lieblingsgangart der Stute. Die Galopparbeit klappte auch schon ziemlich gut, doch Elfentanz war beim Galopp auf gebogenen Linien noch ein wenig unsicher, weswegen wir uns um diesen Punkt erst einmal vom Boden aus kümmern würden. Für das Turnier mussten wir nur einmal auf jeder Hand um die ganze Bahn galoppieren und das klappte reibungslos. Ich verlagerte mein Gewicht und rahmte Elfentanz mit den Schenkeln ein, um sie auf den Zirkel abzuwenden. Mit dem inneren Zügel gab ich nur einen ganz leichten Impuls und strahlte, als mein Elfenpferd promt abwendete. Elfentanz liebte unsere Dressurstunden. Danach erschien sie mir immer viel selbstbewusster. Vor zwei Tagen hatte sie sich sogar gegen Cassidy durchgesetzt, die im Rang eigentlich über Elfentanz stand. In ein paar Wochen wollte ich auch meine Zicken, also die ranghöchsten Stuten wieder zur Herde lassen. Ich wechselte durch den Zirkel und saß zweimal aus, um auf dem richtigen Fuß leichtzutraben. Beim Aussitzen wurde mein Elfenpferd kaum merklich schneller. Das tat sie, weil sie das Aussitzen mit dem folgenden Angaloppieren verband. An sich saß ich im Training noch so gut wie nicht aus, um Elfentanz zu entlasten. Ich strich Elfentanz beruhigend über den glänzenden Hals und stellte erfreut fest, dass die Stute erneut Muskeln aufgebaut hatte. Daran hatten wir in den letzten Wochen hart gearbeitet. Immerhin machten die richtigen Muskeln beim Reiten einen unglaublich großen Unterschied. Mitte der kurzen Seite parierte ich Elfentanz aus dem Trab heraus zum Halten durch. In den meisten E-Dressuren wurden nur Wechsel zwischen einer Gangart verlangt, doch da Elfentanz im Trab so toll vorankam, hatte ich den Halt aus dem Trab bereits geübt. Mein Elfenpferd kam ohne Eile zum Halten. Natürlich stand sie noch nicht geschlossen da, wie ein Profi, doch sie hatte sauber gehalten und wartete nun ruhig auf mein nächstes Kommando. Ich ließ die Zügel lang und lobte mein Elfenpferdchen, als ich sie im Schritt trocken ritt. Meiner Meinung nach waren wir fit für das Vereinsturnier. Morgen würden wir an Elfentanz Gleichgewicht im Galopp arbeiten und Tag darauf hatte Elfentanz frei. An diesem Tag würden wir maximal einen schönen Spaziergang unternehmen - vielleicht zusammen mit Hollywood Undead II.

      ~*~

      Endlich war der 24. November und damit der Tag des Turniers gekommen. Ich konnte es kaum noch erwarten und versuchte mich so gut wie möglich zu beruhigen, um Elfentanz nicht mit meiner Aufregung anzustecken. Auch wenn ich im positiven Sinne aufgeregt war, würde es das junge Pferd nervös machen. Und ich wollte, dass mein Elfenpferd so viele positive Erinnerungen wie nur möglich an diesen Tag behielt. Das Turnier begann erst am Nachmittag, daher hatte ich viel Zeit, um Elfentanz vorzubereiten. Ich bürstete ihr Fell auf Hochglanz und flocht dann zum allerersten Mal in ihrem Leben ihre Mähne ein. Das war nicht vorgeschrieben, doch mir war danach. Und je eher Elfentanz die Abläufe vor großen Turnieren kennenlernte, desto besser. Als ich Elfentanz schließlich Transportgamaschen und Transportdecke anlegte, lagen wir immer noch gut in der Zeit. Sattel- und Zaumzeug waren bereits im Hänger verstaut, genauso wie ein Netz mit Heu und ein Eimer für Wasser. Ana stellte gerade noch Elfentanz' Putzkiste in den Lagerraum, damit wir dem Stütchen vor unserem großen Auftritt die Hufe noch einmal auskratzen konnten und in der Lage waren, mit einem weichen Tuch auch noch das letzte Staubkörnchen von ihrem dunkelbraunen Fell zu wischen. Elfentanz ging anstandslos in den Hänger. Das klappte schon seit unserem nachgeholten Fohlen-ABC ganz gut und ich hatte Elfentanz zwischendurch immer wieder mal verladen und war ein paar Minuten mit ihr durch die Gegend gefahren, damit sie sich vor einem Turnier nicht unnötig aufregte. Ich band mein Stütchen sorgfältig fest und gab ihr dann einen Kuss auf die samtweiche Nase. "Bis gleich meine Süße, wir haben es nicht weit.", sagte ich liebevoll zu dem Pferd und stieg aus dem Hänger. Gleich darauf waren Edward und ich auch schon unterwegs zu Elfentanz' allererstem Turnier. Ana schaute uns wehmütig hinterher. Aber sie wurde auf dem Gestüt gebraucht. Edward hingegen kannte die Abläufe noch nicht so gut und war daher entbehrlicher als die junge Frau. Da ich Ana aber erlaubt hatte, heute mit Bearing Spots - ihrem neuen Lieblingspferd - auf den Platz zu gehen, hielt der Wehmut meiner Freundin sicherlich nicht lange an. Edward summte ein fröhliches Liedchen und ich konzentrierte mich aufs Fahren.
      Nach guten fünfundzwanzig Minuten Fahrt, bog ich auf den Parkplatz eines kleinen Reitvereins ein. Ich sprang aus dem Auto und überließ es Edward, uns anzumelden. Jetzt musste ich dringend nach meinem Elfenpferd sehen. Während der Fahrt war die Stute ruhig gewesen, doch als ich jetzt den Hänger betrat, stand sie mit hocherhobenem Kopf da und wackelte nervös mit den Ohren. "Alles gut, meine Süße. Ich weiß schon, das sind fremde Geräusche und Gerüche, aber Edward und ich sind bei dir.", säuselte ich und kraulte Elfentanz' Hals mit festen Bewegungen. Langsam entspannte sich die Stute und als Edward mit unserer Startnummer zurückkam, drückte Elfentanz gerade vertrauensvoll ihr Maul in meine Hand. "Hey ihr Turteltauben, sollten wir uns nicht langsam mal ans Werk machen?", fragte der junge Mann grinsend. Ich streckte ihm die Zunge heraus und gab ihm einen Wink, die Rampe des Pferdehängers zu öffnen. Dann band ich meine Trakehnerstute los und führte sie rückwärts die Rampe hinunter. Auf der Hälfte der Rampe wieherte ein Pferd und Elfentanz machte einen erschrockenen Satz rückwärts. Sofort war ich wieder an ihrer Seite und strich ihr beruhigend über die Stirn. Es war klar, dass meine Elfe Angst hatte, doch ihr Vertrauen in mich, bestärkte mich in meiner Entscheidung, sie so früh zum Turnier gemeldet zu haben. Edward befreite die junge Stute von der Transportausrüstung, dann gingen wir mit Elfentanz spazieren. Die meisten anderen Teilnehmer waren ebenfalls schon da und die Konkurrenz war überschaubar. Von der Klasse her konnte Elfentanz wahrscheinlich all diese Pferde schlagen, doch mit ihrer Vergangenheit war das eine ganze andere Frage. Allerdings erwartete ich nicht, dass wir uns heute platzierten. Ich wollte, dass Elfentanz Erfahrungen sammeln konnte. Mit der ersten Schleife rechnete ich nach frühestens einem Dutzend Starts. Und das auch nur, wenn an diesem Tag wirklich alles reibungslos klappte. Aber das war auch völlig in Ordnung so. Elfentanz bekam alle Zeit, die sie brauchte. Etwa eine halbe Stunde vor unserem Start kehrten wir zu unserem Hänger zurück. Edward kratzte Elfentanz' Hufe aus, während ich an ihrem Kopf stand und ihr gut zuredete. Die Stute schwitzte ein wenig, hatte sich jedoch einigermaßen beruhigt, als weder fremde Menschen noch Pferde etwas von ihr gewollt hatten. Gemeinsam sattelten wir Elfentanz auf und bandagierten ihre Beine. Bei Turnieren der höheren Klassen waren Bandagen selbstverständlich nicht mehr erlaubt, aber am Anfang der Turnierpferde-Karriere, waren sie noch kein Problem. Eigentlich brauchte Elfentanz sie schon gar nicht mehr, doch ich ging lieber auf Nummer sicher, da ich nicht wusste, wie sie bei diesem Turnier reagieren würde. Ich zog meine weiße Bluse und mein schwarzes Jackett über und schloss die Reitkappe. Ein Zylinder war mir auf einem Vereinsturnier doch übertrieben erschienen. Dann übernahm ich Elfentanz von Edward und schwang mich in den Sattel. Sofort fühlte ich die Anspannung der jungen Stute. Edward ging dicht neben uns her, als wir zum Abreitplatz ritten. Dort angekommen, wärmte ich Elfentanz nach dem ihr bekannten Schema auf und spürte, wie sich die braune Stute allmählich entspannte. Ich redete permanent auf mein Stütchen ein und sie hatte die Ohren aufmerksam nach hinten gedreht. Plötzlich rempelte uns ein riesiger Fuchs an und Elfentanz machte quietschend einen Satz nach vorne. Ich war so mit ihr beschäftigt, dass ich nicht einmal Zeit hatte, dem Reiter des Fuchses einen bösen Blick zuzuwerfen. Allerdings bekam ich ein paar Minuten später mit, wie er vom Platz verwiesen worden war, weil sein Pferd beinahe frontal in ein anderes gerannt wäre. Blöd war nur, dass der Kontakt mit dem unerzogenen Pferd Elfentanz völlig aus dem Konzept gebracht hatte. Plötzlich war die Stute fahrig und unkonzentriert und ich hatte keine Zeit mehr, um sie zu beruhigen, da wir in diesem Moment aufgerufen wurden. Ich ritt im Schritt zur Halle und lächelte Edward etwas gequält zu. Elfentanz fühlte sich an wie ein Pulverfass. Ich wusste aus Erfahrung, dass die Stute nicht durchgehen würde, doch ihre abgehackten Tritte waren sicher nichts, was die Richter beeindrucken würde. Als wir im Trab in die Halle einritten, war von Takt nichts zu spüren und Elfentanz reckte den Hals wie eine Giraffe, um sich umsehen zu können. Die Reithalle hatte ich ihr vor unserem Auftritt ja nicht zeigen dürfen. Der Halt bei X klappte nur mehr oder weniger und ich grüßte die Richter mit rotem Kopf. Die mussten denken, dass ich völlig verrückt war, mit einem scheinbar so untrainierten Pferd hier mitzumachen. Ich trabte Elfentanz erneut an und begann meine Kür. Die gesamte Aufgabe dauerte nur etwa fünf Minuten und kurz vor dem Ende merkte ich plötzlich, wie mein Elfenpferd sich entspannte. Ihr Trab wurde schwungvoll, sie wölbte den Hals und reagierte wie gewohnt auf jede noch so kleine Hilfe. Als ich diesmal im Trab die Mittellinie herunterritt, hatte ich ein Grinsen im Gesicht. Wir parierten bei X zum Halten durch, ich verabschiedete mich mit einem weiteren Gruß von den Richtern und verließ im Schritt die Halle. Das war vielleicht keine Glanzleistung gewesen und sicherlich würden wir hier und heute keinen Blumentopf gewinnen. Aber Elfentanz hatte ihr erstes Turnier bestritten und zum Ende hin war sie hervorragend gelaufen. Wer weiß, wie es ausgegangen wäre, wenn dieser Fuchs uns nicht angerempelt hätte? Edward kam uns mit einem ebenso breiten Grinsen entgegen, wie ich eines im Gesicht hatte und gemeinsam kümmerten wir uns um unser Elfenpferd. Als ich meine braune Stute gerade auf den Hänger führte kam der Veranstalter zu uns. "Tolle Stute haben sie da. Und nach ihrer Vergangenheit war das ein ziemlich phänomenaler erster Auftritt. Ich werde sie im Auge behalten, vielleicht ergibt sich irgendwann einmal die Möglichkeit, ihnen dieses Pferd oder einen ihrer Nachkommen abzukaufen.", sagte der Mann mit den grau-melierten Haaren freundlich und dankte uns dann noch für die Teilnahme. Glücklich und zufrieden fuhren wir nach Hause. Heute Abend hatte Elfentanz sich ein extra leckeres Abendessen verdient und ich war schon gespannt auf unser nächstes Turnier. Demnächst wollte ich auch schon beginnen, an den Lektionen für Dressuren der Klasse A zu arbeiten. Die dort verlangten Lektionen spielten alle im Schritt oder Trab und sollten damit für Elfentanz zu packen sein. Und der Galopp war nach unserem Balance-Training vor zwei Tagen auch schon wesentlich besser geworden. Wie auch immer - für uns ging es steil bergauf.
    • Sammy
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      Unsere Teilnahme an der Horse Makeover Show

      Bericht vom 20.12.2019
      4.999 Zeichen | 3 Punkte

      Ich zog die Schultern hoch bis zu den Ohren und ließ sie mit dem Ausatmen nach hinten unten sinken. Das war meine Lieblingstechnik, um mich zu beruhigen. Soeben hatte ich meine Startnummer für die Horse Makeover Show geholt und bevor ich zurück zu meiner geliebten Trakehnerstute HMJ 7786 Elfentanz ging, wollte ich sichergehen, dass ich gelassen war. Das Training mit meinem Elfenpferd lief hervorragend und wir hatten inzwischen bereits die ersten Schleifen sammeln können. Und obwohl das Publikum bedeutend kleiner war, als bei anderen Shows und Turnieren, war mein Lampenfieber heute größer. Daher hatte ich mir auch sehr viele Gedanken darum gemacht, was ich heute zeigen wollte. Entschieden hatte ich mich schlussendlich für eine Demonstration von Elfentanz' Vertrauen in mich. Daher würden wir von allem etwas zeigen und ich war schon sehr gespannt, wie die Vorstellung bei den anderen Trainern ankommen würde. Als Elfentanz mich kommen sah, spitzte sie ihre braunen Öhrchen und brummelte mir entgegen. Diese kleine Geste vertrieb sogleich jegliche Aufregung aus meinem Körper und ich nahm liebebvoll den Kopf der Stute in die Arme. "Wir machen das schon, mein Spatz.", flüsterte ich ihr ins Ohr. Elfentanz war bereits auf Hochglanz geputzt und ihre Mähne in ordentliche Zöpfchen geflochten. Außerdem hatte Ana Elfentanz bereits mit Bandagen und meinem Bareback-Pad ausgestattet. Ich wollte die ersten Lektionen nämlich vom Boden aus zeigen und dabei war ein Sattel hinderlich. Gerade war Johanna mit ihrem Pony an der Reihe und ich drückte der jungen Frau beide Daumen. Ich bedauerte es ein wenig, das Meiste der Show zu verpassen, doch Elfentanz ging vor. Ich holte den Zaum der Stute, überprüfte mein eigenes Outfit und band Elfentanz dann los. Ich wollte die braune Stute ein wenig herumführen, damit sie locker blieb. Bislang war Elfentanz nämlich unglaublich gelassen. Allerdings war die Show auch so organisiert, dass wir alle genügend Platz für unsere Pferde hatten, was mit dem üblichen Turniertrubel nicht vergleichbar war. Ana und ich führten Elfentanz weg vom Hänger und die große Stute spitzte die Ohren und richtete sich auf. Sie kannte die Abläufe inzwischen und wusste genau, dass es nun bald losging.
      Als wir endlich aufgerufen wurden, war ich mehr als erleichtert. Elfentanz war zwar ein wenig hibbelig, ließ sich aber gut kontrollieren. Meine Nerven jedoch gingen allmählich mit mir durch. Bevor ich die Halle betrat, atmete ich noch einmal tief durch und lief dann schnurstracks zu X, wo ich die Richter grüßte. Ich konnte bereits die verwirrten Gesichter sehen, da ich alleine in die Halle gekommen war. Elfentanz stand mit Ana vor dem Eingang. Ich blickte die Richter an und hob die Stimme: "Ich stelle Ihnen heute mein Makeover-Pferd HMJ 7786 Elfentanz vor. Der Schwerpunkt unserer Arbeit lag bisher auf dem Vertrauensaufbau. Daher möchte ich demonstrieren, was wir in diesem Hinblick bereits erreicht haben." Ich drehte mich zu Ana um und nickte der jungen Frau zu. Diese nahm Elfentanz das Halfter ab. Ich pfiff leise durch die Zähne und meine wunderschöne Elfe setzte sich in Bewegung. Ana schloss die Bandentür und unsere Kür begann. Was ich nun zeigte, hatte ich mir zum Teil von dem bekannten Trainer Parelli abgeschaut und zum Teil vom Verhalten junger Pferde auf der Koppel. Ich ließ Elfentanz erst einmal zu mir kommen und strich ihr liebevoll über die Nase. Dann joggte ich los - Elfentanz dicht neben mir. Wir bewegten uns quer durch die ganze Halle. Mal hielt ich an, mal lief ich Rückwärts. Mal rannte ich, mal schlich ich nur so vor mich hin. Elfentanz reagierte auf jeden meiner Schritte, bis wir zum Schluss der Aufgabe sogar im Seitwärtsgang durch die Halle schritten. Diese Lektion hatten wir erst vor kurzem erarbeitet, doch meiner Stute bereiteten die Seitengänge so viel Freude, dass ich beschlossen hatte, die Lektion in unsere Kür einzubauen. Gleich darauf stand ich mit Elfentanz wieder bei X und trenste Stute auf. Eine Aufstieghilfe stand schon bereit, sodass ich mein Elfenpferd dorthin dirigierte und von dort aus auf ihren Rücken stieg. Die Stute blieb brav stehen, wie sie es gelernt hatte. Die Zuschauer waren angenehm leise und Elfentanz beachtete sie kaum. Mit einem leichten Schenkeldruck ließ ich die Stute im Schritt antreten und trabte gleich darauf los. Ich liebte Elfentanz' Trab und ich konnte an den Gesichtern der Richter erkennen, dass sie beeindruckt waren. Als ich mein Stütchen angaloppierte, schlich sich ein Grinsen auf mein Gesicht. Ich konnte noch immer kaum glauben, wie weit wir in dieser kurzen Zeit gekommen waren. Elfentanz' Ohren waren permanent nach hinten gerichtet und sie lauschte auf jedes meiner Signale. Wir bewegten uns auf ein kleines Hindernis zu und Elfentanz flog in einwandfreier Springpferdemanier darüber hinweg. Ich parierte die Stute bei X zum Halten durch, verabschiedete mich von den Richtern und verließ lächelnd die Halle. Nun hieß es warten. Aber ich war wahnsinnig stolz auf meine Hübsche.
    • Sammy
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      Dressur Klasse E-A
      31. Dezember 2019
      4.295 Zeichen | 4 Punkte
      "Hallo, meine Hübsche! Bereit für deinen ersten Stufenaufstieg?", fragte ich fröhlich, als ich an diesem Morgen den Paddock meiner Trakehnerstute HMJ 7786 Elfentanz betrat. Die junge braune Stute hatte sich seit ihrer Ankunft auf meinem Gestüt unglaublich entwickelt. Obwohl sie über wunderschöne Grundgangarten verfügte, hatte es bisher "nur" für Platzierungen im Springen gereicht. Das lag ganz einfach daran, dass sich Elfentanz im Springparcours ganz auf die Hindernisse konzentrierte. Bei Dressurturnieren war die schöne Stute dagegen recht abgelenkt. Aber ich war zuversichtlich, dass wir dieses Problemchen mit der Zeit auch noch in den Griff bekommen würden.
      Vor knapp zwei Wochen hatten wir dann unseren ersten Auftritt vor der Konkurrenz gehabt. Und zwar bei der Horse Makeover Show. Elfentanz war etwas nervös gewesen, weshalb wir den ersten Platz um einen Punkt verpasst hatten, doch ich war dennoch sehr stolz auf die Leistung meiner geliebten Stute. Heute jedoch ging es um etwas vollkommen anderes. Elfentanz sollte den Aufstieg in die Klasse A der Dressur schaffen. Inoffziell hatte sie das selbstredend längst, doch ich brauchte ein Abschlusstraining, um sie auch offiziell hochstufen zu dürfen. Genau das wollten wir heute abhalten. Nächsten Monat wollte ich die Stute dann im Springen trainieren, um eine gleichmäßige Ausbildung zu gewährleisten.
      Ich holte Elfentanz vom Paddock in den Stall und band sie auf der Stallgasse fest. Dann putzte ich das kastanienbraune Fell der schönen Stute und sattelte sie anschließend auf. Das alles klappte inzwischen vollkommen reibungslos und ich rieb dem Stütchen liebevoll über den Hals. Es war noch recht früh am Morgen, doch heute war der 31.12. - Silvester. Da wollte ich mit meinen Pferden kein Risiko eingehen und ritt nur sehr zeitig und auch nur direkt auf dem Gestüt. Ich war sehr gespannt, wie Elfentanz diese Nacht überstehen würde, doch ich hoffte das Beste.
      Wir liefen mit flotten Schritten über den Hof und in der Halle angekommen schloss ich sowohl die Hallentüren, als auch die Bandentür. Sicher war sicher. Dann stellte ich mein Elfenpferd auf der Mittellinie auf, gurtete nach und schwang mich leichtfüßig in den Sattel. Wie üblich ritt ich meine Elfe zunächst in aller Ruhe warm, bevor ich mit der A-Dressur begann. Für den Stufenaufstieg hatte ich mit Elfentanz das Rückwärtsrichten, das Viereck verkleinern und vergrößern, die Vorhandwendung und die Schritt-Galopp-Übergänge erarbeitet. Inzwischen saßen diese Übungen beinahe perfekt. Ich ritt Elfentanz im Mitteltrab die Mittellinie hinunter und parierte bei X zum Halten durch, um imaginäre Richter zu grüßen. Dann trabte ich wieder an und wendete auf die linke Hand ab. Nachdem ich einige Zirkel, Volten und einfache Schlangenlinien geritten war, parierte ich Elfentanz aus dem Trab bei A zum Halt durch und ließ die Stute eine Pferdelänge rückwärts treten. Zügelhilfen brauchte ich dabei sogut wie keine, Elfentanz reagierte hauptsächlich auf meine Stimme und meine Gewichtsverlagerung. Gleich darauf ließ ich die fleißige Stute im Schritt antreten und galoppierte sie in die zweite Ecke der langen Seite im Arbeitstempo an. Elfentanz sprang eifrig vorwärts und ich brauchte eine halbe Runde um die Bahn, um sie in ein ordentliches Tempo zu bringen. Wir ritten auch im Galopp einen großen Zirkel, dann parierte ich mein Stütchen aus dem Galopp zum Schritt durch und ritt an beiden langen Seiten Viereck verkleinern und vergrößern. Anschließend wechselten wir durch die ganze Bahn und galoppierten erneut an. Diesmal auf der anderen Hand. Nachdem wir noch ein paar Bahnfiguren im Trab gegangen waren, parierte ich Elfentanz auf dem zweiten Hufschlag zum Halten durch und stellte sie leicht nach außen, um sie mit der Hinterhand Tritt für Tritt um ihre Vorhand herumzudirigieren. Als das geschafft war, ritten wir das Viereck verkleinern und vergrößern auf der anderen Hand und wiederholten dann auch die Vorhandwendung auf dieser Hand. Anschließend ritt ich zurück zu X, verabschiedete mich mit einem weiteren Gruß von den nicht vorhandenen Richtern und klopfte Elfentanz anschließend begeistert den Hals.
      Damit hatte Elfentanz den Aufstieg in die Klasse A der Dressur offiziell mit Bravour gemeistert! Nun konnte das neue Jahr kommen. Wir waren definitiv bereit.
    • Sammy
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      Neues Jahr, neues Glück?!
      09. Januar 2020
      21.726 Zeichen | 10 Punkte
      Gähnend rollte ich mich herum und schlug auf meinen Wecker, um den nervtötenden Piepston auszustellen. Das blöde Ding hatte seit Neustem eine Macke und schaltete automatisch auf diesen Ton um, anstatt mir meine geliebte Aufwachmusik zu gönnen. Es war Anfang Januar und heute hatte ich mir einen trainingsfreien Tag eingeplant. Auf meinem Programm standen heute diverse Planungen für das Jahr und vielleicht der ein oder andere entspannte Ausritt in das herrlich schneebedeckte Gelände, rund um mein Gestüt. Meine englischen Vollblüter hatten heute Morgen frei, daher konnte ich es mir erlauben, länger im Bett zu bleiben. Die Morgenfütterung bekamen meine Angestellten auch ohne mich hin. Ich drehte mich auf den Bauch, legte den Kopf auf die Arme und ließ das letzte Jahr Revue passieren. Es war einiges vorgefallen. Gutes, wie Schlechtes. Das nun kommende Jahrzehnt war das wohl Entscheidendste meines Lebens. Würde ich den richtigen Mann finden? Würde ich Kinder haben? Wie entwickelte sich das Gestüt und vor allem die Zucht? Würden all meine Verkaufspferde ein schönes Zuhause finden? Und ganz aktuell: Wie würde meine schöne Trakehnerstute HMJ 7786 Elfentanz beim Abschlusswettbewerb des Horse Makovers abschneiden? Letzteres war für meine Zukunft als Trainerin natürlich enorm wichtig. Wer sich in diesem Wettbewerb platzierte, würde mit Sicherheit auch in Zukunft genügend Aufträge bekommen. Und auch die Prestige für mein Gestüt wäre enorm. Allerdings zweifelte ich in letzter Zeit daran, ob mein großes Gestüt der richtige Ort für eine sensible Stute wie Elfentanz war. Ich liebte das Stütchen und sie liebte mich, doch ich war mir nicht sicher, ob sie hier wirklich jemals zur Ruhe kommen konnte. Anderen Pferden gegenüber war Elfentanz noch immer sehr scheu und zurückhaltend und gerade von Hengsten hielt sie überhaupt nichts. Auf Springturnieren glänzte mein Makeoverpferdchen absolut, bei der Dressur gingen ihr noch zu sehr die Nerven durch. Daher hatte ich mich auch gegen die Teilnahme an einem Stutbuchwettbewerb entschieden. Es war einfach noch zu früh. Dafür stand mit meinem Elfentanz bereits morgen das Abschlusstraining für den Aufstieg in die Klasse L der Dressur an. Im Training machte sich Elfentanz ganz wunderbar. Sie war intelligent, arbeitete immer fleißig mit und wollte unbedingt gefallen. Zumal ihre Grundgangarten ein echter Traum jedes Dressurreiters waren. Dennoch - momentan spielte ich mit dem Gedanken, die schöne Stute nach dem Wettbewerb an jemanden zu verkaufen, der einen kleineren Hof sein eigen nannte. Oder jemanden, der noch gar kein Pferd hatte und Elfentanz in einem kleinen, ruhigen Pensionsstall unterbringen konnte. Allein der Gedanke mich von dem jungen Pferd zu trennen, bereitete mir Bauchschmerzen, doch ich wollte, dass es Elfentanz an nichts fehlte. Ich seufzte und schlug die Bettdecke zurück. Dann schüttelte ich den Kopf, um den traurigen Gedanken zu vertreiben. Diese Entscheidung musste ich noch nicht jetzt fällen. Elfentanz hatte in den letzten drei Monaten so viele Fortschritte gemacht, vielleicht lernte sie ja noch, mit dem Trubel der mit einem Gestüt wie meinem nun einmal einherging, umzugehen. Ich sprang unter die Dusche, kuschelte mich in meinen Lieblingspulli und eine Leggins und ging hinunter in die Küche. Dort bereitete ich mir ein leckeres Frühstück bestehend aus Obstsalat, Latte Macchiato und Naturjoghurt zu und setzte mich in mein Wohnzimmer auf die Couch. Dort stand schon mein Laptop bereit. Außerdem bedeckten diverse Blätter meinen Wohnzimmertisch. Unter anderem waren das die Baupläne für mein Gestüt. Der Umsatz im letzten Jahr war - vor allem durch meinen Trainingsbetrieb - ziemlich gut gewesen, daher hatte ich mich entschieden, in neue Anlagen zu investieren. Die ein oder andere davon würde mir mit Sicherheit noch mehr Trainingspferde einbringen und auch das Training mit meinen eigenen Vierbeinern erleichtern.
      Die erste und wichtigste Veränderung war ein Umbau der Stallungen. Da ich mich von vielen Pferden trennte, hatte ich für diese Maßnahme endlich den benötigten Platz. Stuten- und Hengsttrakt würden zukünftig komplett voneinander getrennt sein. Der gesamte Hengsttrakt wurde abgerissen, der Stutentrakt blieb bis auf vier neue Putzboxen mit Rotlichtanlagen so wie er war. Direkt an den Stutentrakt sollte eine Reithalle angebaut werden. Vom Stutentrakt aus, kam man in der Mitte der langen Seite in die Halle hinein. An die kurze Seite bei A sollte es einen zweiten Ausgang geben, der direkt an den Hengsttrakt anschloss. So mussten wir bei Regen, Unwetter und im Winter nicht immer über die gesamte Anlage laufen, um mit den Pferden zu trainieren. Weiterhin sollte es auf dieser Seite meines Gestüts einen kleinen Außenreitplatz und einen weiteren überdachten Roundpen geben. Die Anlagen auf der anderen Seite würden immer noch meine Haupttrainingsorte sein, doch gerade wenn ich einmal Events auf meinem Gestüt veranstaltete, gestaltete sich das alltägliche Training meiner Pferde eher schwierig. Auf diese Art und Weise konnte ich den Weg, der zu Koppeln und Stallungen führte einfach absperren und meine Pferde und Pfleger hätten ihre Ruhe. Die zweite große Neuerung war ein Pferdeschwimmbad. Ich besaß viele Sportpferde, die außerhalb der Wintermonate mehr als zwölf Stunden auf den weitläufigen Koppeln verbrachten. Da waren Verletzungen leider keine Seltenheit. Ganz davon abgesehen, war Schwimmtraining eine hervorragende Methode, um Muskeln aufzubauen. Gerade bei Jungpferden, um sie auf das Einreiten vorzubereiten, aber auch bei Sportpferden, die nach einer Verletzung wieder antrainiert werden sollten. Das Schwimmbad kostete mich fast so viel, wie meine großzügige Reithalle, doch es war schon lange mein Traum gewesen, eine solche Anlage mein Eigen nennen zu dürfen. Die vorerst letzte Neuerung war mein ganzer Stolz, da mir nicht bekannt war, dass es in der näheren und ferneren Umgebung eine solche Anlage gab. Das Training meiner Rennpferde hatte mich in diesem Winter vor größte Herausforderungen gestellt, da die Bahn zur Zeit unmöglich zu benutzen war - trotz dem Spezialboden auf meiner Sandbahn. Deshalb hatte ich beschlossen, eine Indoor-Rennbahn zu errichten. Sie würde die Sandbahn ersetzen. Damit war sie zwar ein wenig kleiner, als meine normale Grasrennbahn, doch ich konnte meine Vollbüter im Winter genauso trainieren, wie im Sommer. Früher hatte ich mit den Vollblütern im Winter einfach andere Trainingsschwerpunkte bearbeitet, zum Beispiel hatten vermehrt Bodenarbeit, Spaziergänge und Dressur auf dem Plan gestanden. Doch seit Successful Dream im Training war, klappte das nicht mehr so wirklich. Die junge Stute wurde fürchterlich unleidig, wenn sie nicht richtig rennen durfte. Und das war bei dieser Witterung nunmal weder im Gelände noch auf der Bahn möglich. Daher hatte das junge Vollblut des Öfteren versucht, in der Halle durchzustarten, was beinahe damit geendet hätte, dass wir beide in der Bande hingen. Seit letztem Jahr hatte ich nun ein weiteres Pferd, das so tickte - Little Miss Backyard. Die wunderschöne Scheckstute war beinahe noch eigensinniger als Dreamy und machte das Training zwar interessant, aber auch ein wenig anstrengend. Die beiden Stuten waren im Moment reine Pulverfässer und das wollte ich im nächsten Winter unbedingt vermeiden. Die Investition, die ich für diese Rennbahn war enorm, doch ich hoffte, damit auch ein wenig Geld reinholen zu können. In den USA flog man seine Rennpferde oft in wärmere Staaten, um sie auch im Winter starten zu lassen. Ich bot nun mit meiner Rennbahn englischen Trainern die Möglichkeit, dasselbe hier zu tun. Außerdem würde ich benachbarten Höfen anbieten, ihre Pferde im Winter entweder bei mir einzustellen oder zum Training herzufahren. Das würde natürlich auch wieder Einnahmen bringen. Die Indoor-Rennbahn würde eine bewegliche Startbox und diverse Tribünen besitzen. Außerdem sollte es Kameras geben, um das Training seines Tieres aufzuzeichnen und zu analysieren. Wenn all diese Vorhaben erst einmal in die Tat umgesetzt waren, würde mein Gestüt definitiv eines der bestausgestattetsten in ganz England sein.
      Ich lächelte bei dem Gedanken daran und klappte dann meinen Laptop auf, um den Fohlenkalender zu öffnen. Im letzten Jahr hatte ich mir endlich meinen Traum erfüllt und zwei Stuten von meinem Spitzenhengst Levistino decken lassen. Der Trakehner war der erste und noch immer einzige Gewinner von Jolympia und darauf war ich mächtig stolz. Die Entscheidung darüber, welche meiner Stuten ich von Levistino decken lassen sollte, war mir absolut nicht leicht gefallen. Die beiden Stuten, auf die meine Wahl gefallen war, waren meine Cremellostute Samiyah und meine Chestnut-Frame-Overo Stute Mahira. Beide hatten eine sehr gute Abstammung und bereits einige Schleifen eingeheimst. Außerdem erhoffte ich mir durch ihre Fellfärbung interessante Farben für die beiden Fohlen. Weiterhin war mein absoluter Liebling - Levistino's Enkelin Leveneza trächtig von meinem Trakehnerhengst Cadeau. Ihr Fohlen würde als deutsches Sportpferd eingetragen werden und hoffentlich die Talente seiner Eltern erben. Und dann war da natürlich noch Corde de la Cerise. Occulta hatte die schöne Stute im letzten Jahr von Levistino decken lassen, was bedeutete, dass ich noch ein reinrassiges Trakehnerbaby erwartete. Auch meine beiden Hannoveranerstuten Unannounced Pleasure und Reminiscent Inspiration waren hochträchtig. Während Reminiscent Inspiration von meinem Hannoveranerhengst Incendio gedeckt worden war, hatte ich bei Pleasure meine erste Vollblut-Warmblut-Paarung vorgenommen. Die wunderschöne Buckskin-Tobiano Stute war trächtig von meinem erfolgreichen Vollbluthengst Pawaneeh, der durch seine hervorragende Abstammung glänzte. Auf dieses Fohlen war ich besonders gespannt.
      Aber natürlich würde ich auch einige reinrassige Englische Vollblutfohlen bekommen. Meine Stute Backup war ebenfalls trächtig von Pawaneeh und meine geliebte Kazumi Princess El Assuad, der Nachkomme der berühmten Khiara El Assuad, war trächtig von meinem Rapphengst El Racino. Dies bedeutete, dass hoffentlich bald acht niedliche Pferdebabys meinen Hof bevölkern würden. Die Termine waren von Ende Januar bis Mitte März angesetzt und ich war sehr gespannt, ob meine Stuten sich daran halten würden. Ich checkte die Termine für die Kontrolluntersuchungen der Stuten und nahm mir vor, gleich heute nach den Abfohlboxen zu sehen. Man konnte ja nie wissen, ob eine der Stuten auf die Idee kam, ihr Baby früher auf die Welt zu bringen. Eigentlich hätte ich auch Successful Dream gerne decken lassen, doch die Stute war mir noch zu unausgelastet, um Mama zu werden. Vielleicht würde sie im nächsten Jahr ihr erstes Fohlen bekommen. Ich träumte noch eine Weile vor mich hin und stellte mir die acht niedlichsten Pferdebabys vor, die meine Fantasie hervorbringen konnte. Insgeheim träumte ich ja von einem Silver Buckskin aus der Anpaarung von Levistino mit Samiyah, doch diese Chance war extrem gering. Außerdem wollte ich mit den Fohlen Geld verdienen, was bedeutete, dass ich sie verkaufen musste. Und das würde mir auch schon ohne außergewöhnliche Fellfarben schwer genug fallen...

      ~*~

      "Sammy?! Sagmal, kommst du heute auch mal noch nach draußen? Ich hab Holly und Elfentanz gesattelt. Komm schon, wir wollten doch ins Gelände!", weckte mich Edward, indem er an meine Haustür hämmerte. Ich schreckte von der Couch hoch und wankte zur Tür. Mist, da war ich doch einfach wieder eingeschlafen. Ich rieb mir die Augen und öffnete die Tür. Edward strahlte mich an und zog dann die Augenbrauen hoch. "Ähm Sammy, du hast da Tinte im Gesicht, weißt du?", grinste er. Ich wurde rot. "Ich hab über Fohlennamen nachgedacht und muss dabei eingeschlafen sein.", gab ich zu. Edward rollte nur die Augen. "Reitest du so aus? Ich meine, Elfentanz lässt dich sicherlich auch in dem Aufzug auf ihren Rücken, aber ich stelle mir das doch ein bisschen kalt vor.", zog er mich auf. Nun war es an mir, die Augen zu verdrehen. "Gib mir zwei Minuten, ich komme gleich.", rief ich, während ich schon auf dem Weg nach oben war.
      Kurz darauf stand ich dick eingepackt neben meinem Elfenpferd. Die junge braune Stute schnoberte mich liebevoll ab, als ich behutsam nachgurtete und ihr über den inzwischen recht muskulösen Hals strich. Edward saß bereits auf meiner Trakehnerstute Hollywood Undead II, die zu Elfentanz bester Freundin geworden war. "Wenn du dann mit deinem Liebesgeflüster fertig bist, könnten wir vielleicht los? Ich friere ja schon auf Holly fest.", maulte Edward gespielt genervt. Ich rollte nur mit den Augen, schwang mich auf Elfentanz' Rücken und ließ die Stute sofort antreten. Holly trabte ruckartig an, um zu uns aufzuschließen, was Edward unsanft durchrüttelte. "Blöde Kuh!", schmollte der, aber ich lachte nur. Edward's Eltern hatten Geld wie Heu, hatten ihn aber rausgeschmissen, weil er seinen Job in einem renommierten Stall hingeworfen hatte. Ich hatte den jungen Mann kennengelernt, als ich Elfentanz nach Hause gebracht hatte und ihm angeboten, auf meinem Gestüt mitzuarbeiten und dafür kostenlos hier zu wohnen. Mittlerweile war Edward mein bester Freund. Dass er schwul war erleichterte die ganze Sache, denn alle Mädchen, die ich kannte, verknallten sich sofort in den gut aussehenden Mann. Wir ritten vom Hof in Richtung Heide. Dort war ich im Winter nicht allzu oft, da man aufgrund der Witterung meist nur im Schritt reiten konnte, doch heute stand sowieso nur ein gemütlicher Spazierritt auf dem Plan. Elfentanz schritt ruhig vorneweg und ich konnte kaum glauben, welch große Fortschritte die Stute in den letzten drei Monaten gemacht hatte. Sie war so sehr über sich hinausgewachsen, wie es ich niemals erwartet hätte. Als ein Vögelchen aus einem Gebüsch flog, zuckte Elfentanz kurz zusammen und richtete beide Öhrchen nach hinten, um auf mich zu lauschen. Ich klopfte ihr beruhigend den Hals und es ging weiter. Früher wäre die sensible Stute in solchen Momenten völlig ausgeflippt. Wenn sie so weitermachte, wurde sie noch zum echten Verlasspferd. Das wäre bei ihrer Vergangenheit ein richtiges Wunder.
      Nach fast zwei Stunden kehrten wir auf das Gestüt zurück und versorgten Holly und Elfentanz umsichtig. Die zwei durften gemeinsam auf einen der größeren Paddocks, während ich mal einen Rundgang durch meine Stallungen machte. Heute begann ich im Hengsttrakt. Levistino und Cadeau waren gerade mit Samuel und Donald draußen im Gelände. Brian arbeitete mit seinem Liebling Amayyas in der Halle an ein wenig Bodenarbeit und Patrick ging mit Incendio spazieren. Somit waren die ersten beiden Hengste, die ich begrüßte, der Holsteiner Fantastic Fly und das deutsche Reitpferd Pride & Prejudice. Ich strich beiden über die samtenen Mäuler und ging dann weiter. Pawaneeh und El Racino standen gemeinsam mit Ojos Azules und Negresco auf der Koppel. Die vier Hengste verstanden sich recht gut und ich war sehr froh, dass Racino endlich Artgenossen gefunden hatte, mit denen er auskam. Weiter ging es zu Damon's Dynamo, Khamar al Sanaa und Shamal. Letzterer war heute so liebesbedürftig, dass er mich am liebsten gar nicht mehr gehen lassen wollte. "Heute Nachmittag mache ich auch mit dir einen schönen langen Ausritt, versprochen, mein Hübscher!", tröstete ich ihn, als ich meinen Rundgang fortsetzte. Die Ponyhengste Roi du Soleil, Hollybrook's Cheeky Jot, Rumpelstielzchen, Darkwood's Storm Dancing Feather und GE's Ljósfari begrüßten mich ausgelassen. Auch bei PFS' Artic Alinghi verbrachte ich ein wenig Zeit. Das süße Miniature Horse war mittlerweile fast ausgewachsen und versprach ein wunderschöner Hengst zu werden. In diesem Frühjahr würde ich bei ihm mit dem Dressurtraining beginnen und ihn dann langsam auf eine passende Hengstkörung vorbereiten. Die beiden Westernhengste Dissident Hawk und Golden Indian Summer standen ruhig gemeinsam auf ihrem Paddock und beobachteten das Treiben um sich herum. Im Frühjahr würden sie alle in provisorische Stallungen umziehen, damit der Stall umgebaut werden konnte. Doch noch hatten sie ihre wunderschönen Boxen mit den dazugehörigen Paddocks. Ich blickte mich ein letztes Mal im Hengststall um und ging dann weiter zu den Stuten. Dort begann ich bei den Westernpferden. Meine Criollo's PFS' Devil in Prada und Arriba schmusten ein wenig mit mir, während meine Paint Horse Stute My Golden Heart mich völlig ignorierte. Die schöne Stute war sehr aufmerksamkeitsbedürftig und scheinbar hatte ich ihr in letzter Zeit zu wenig davon gewidmet. The Morticains Daughter und Your possible Pasts standen zur Zeit sehr gut im Training und auch mein Nachwuchspferdchen Grace's Cookie 'n Cream machte sich gut. Die Welsh D Stute PFS' Daydream of Money war nun auch allmählich so weit, angeritten zu werden und ich war sehr gespannt darauf, ob sie so gut zu Roi du Soleil passen würde, wie ich mir das vorstellte. Meine beiden absoluten Lieblinge bei den Stuten waren aber das Trakehnerfohlen Jeune Mariée, die zu einer wunderschönen, eleganten Stute heranwuchs und mein Araberfohlen PFS' Isis. Im Grunde liebte ich sie jedoch alle. Picturesque Diova war wunderschön geworden und auch PFS' Beck's Little Diva und PFS' Glenn's Cookie brachten meine Augen zum leuchten. Beide hatten sich zu einmalig schönen Ponys entwickelt und würden meine kleine Nebenzucht um ein Vielfaches bereichern. Ich ging weiter und erreichte mein neuestes Pferd - Pashmina. Sie sollte die Partnerin für meinen Berber Amayyas sein und ich konnte noch immer kaum glauben, dass die edle Stute endlich mir gehörte. Als ich die Box von Where's Sleep erreichte, war ich nicht überrascht, die schöne Stute mit dem traumhaften Langhaar drinnen vorzufinden, während die meisten anderen Pferde den Nachmittag auf ihren Paddocks verbrachten. Sleepy wurde nicht gerne nass oder dreckig und hielt sich im Winter daher lieber drinnen auf, als draußen herumzutollen. Das war für mich völlig in Ordnung, Hauptsache war, dass die Stute die Möglichkeit bekam, nach draußen zu gehen. Meine Traberstuten Rainbow und Ehawee standen gemeinsam auf einem Paddock, da sie ziemlich unzertrennlich waren. Erst vor kurzem hatte ich entschieden, die beiden doch erst einmal zu behalten. Irgendwie träumte ich eben doch von zwei reinrassigen Dynamo-Fohlen. Cuchara tollte draußen herum und schenkte mir daher weniger Beachtung, aber dafür kamen meine beiden Araberstuten Saddy und My lovely Horror Kid sofort herein, als sie mich kommen hörten. Auch meine Ponys freuten mich, dass ich sie besuchte - obwohl ich das ja jeden Tag tat. Rosewell legte mir den Kopf auf die Schulter und Magical Moment drückte mir ihren Kopf gegen die Brust. Das hatte das wunderschöne Tier schon getan, als sie zu mir auf den Hof gezogen war und seitdem war es ihr Markenzeichen. Allerdings hatte sich mein Goldpferdchen vor zwei Wochen verletzt, weshalb sie nicht mit den anderen Ponies hinaus auf die kleine Koppel durfte. Dort standen also im Moment nur Naboo, Fairylike Facility, Aimiliani, Thousand Sunny, Isola della Pirateria, Porcelain Doll und Miniature America's Narnia. Meine englischen Vollblutstuten standen dafür alle in ihren Boxen, beziehungsweise auf den Paddocks. Princess und Backup würden demnächst in den Abfohltrakt umziehen, damit sie mehr Ruhe hatten. Für Dreamy, Kagami El Assuad, Ace of Spades, Success Story xx, Pirate's Pride, Bearing Spots, PFS' Storm Cat und Little Miss Backyard ging es dagegen mit dem gewohnten Training weiter. Die letzten drei sollten auch gleich Anfang des Jahres bei einem Suttbuchwettbewerb mitmischen, den sie sicherlich erfolgreich absolvieren würden. Nun fehlten nur noch meine heißgeliebten Warmblüter. Natürlich machte ich erst Halt bei meinen hochträchtigen Stuten Corde de la Cerise, Unannounced Pleasure, Samiyah, Mahira, Reminiscent Inspiration und Leveneza. Auch diese sechs Stuten würden demnächst umziehen, damit sie ihre Ruhe hatten. Lamira, Cassidy, Wild Lady Roxanne, Coeur de Lilith und Hollywood Undead II sollten dagegen weiterhin bei den Winterturnieren um den Sieg kämpfen. Vor allem auf Lilith war ich unsagbar stolz. Ihr erstes Fohlen konnte ich kaum erwarten, doch das war frühstens nächstes Jahr soweit, da die junge Stute erst vor kurzem gekrönt worden war. Ich ging weiter und öffnete die Tür zum Abfohltrakt. Alle acht Boxen waren bereits vorbereitet und dick eingestreut. Außerdem war die Wächter-Kammer geputzt und aufgeräumt. So nannten wir das kleine Zimmer, in dem in der heißen Phase immer einer von uns schlafen würde, um die Stuten zu beobachten, ohne sie zu stören. Ich lächelte. Meine Mitarbeiter hatten an alles gedacht und alles vorbereitet, bevor ich auch nur ein Wort sagen musste. Was konnte man sich als Arbeitgeber schon mehr wünschen?
      Als letztes machte ich einen Abstecher zu meinen Verkaufspferden. Auch wenn ich sie verkaufte, bedeuteten sie mir unglaublich viel. Daher tat ich mich bei manchen auch recht schwer, einen Besitzer auszuwählen. Dennoch hatten mich im letzten Jahr einige Pferde verlassen. Noch hier waren aber Hollybrook's Barakah al Sanaa, Candle in the Wind, Girlie, Apaches Tomahawk, Hollybrook's Tiny Girl, Hollybrook's Fairy Bluebird, Hollybrook's Zarin, Cirilla, Middle Ages, Ivory, Wannabe, Pangäa, Chaira, Napayné, Glammy, Eddi's Dead Pop Romance, Dream of Wyoming, BB's Harmony, Wüstentänzer, Juego, Pirate Island, American Baby, Hollywood Undead, Kolibri, Dorina, Branagorn, Hollybrook's Casanova, Hollybrook's Classic Moment, Hollybrook's Bloody Valentine, BMs Caradoc, Black Soul, Angels Fall First, Someone, Mizzi, Pierre, Salwa, Sharley, Little Miss Sunshine, Golden Flair, Precious Scream und Adina De Ra'idah. Dieses Jahr mussten sie unbedingt einen geeigneten Platz finden, denn ich brauchte den Platz für meine Zucht und die neuen Fohlen...
    • Sammy
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      Dressur Klasse A-L
      09. Januar 2020
      2.933 Zeichen | 4 Punkte

      Mein Rücken knackte, als ich mich streckte. Zur Zeit verbrachte ich definitiv zu viele Stunden am Schreibtisch, anstatt auf dem Pferderücken. Heute sollte sich das allerdings ändern. Zunächst einmal stand für mein Joelle Horse Makeover Pferdchen HMJ 7786 Elfentanz das Abschlusstraining in der Dressur für den Aufstieg in Klasse L an. Eigentlich hatte ich Elfentanz im Springen offiziell eine Klasse weiter trainieren wollen, doch die Springturniere liefen hervorragend, während es in der Dressur noch ein wenig hakte, da Elfentanz sich bei Dressurturnieren zu sehr auf das Publikum konzentrierte. Ich hatte die Hoffnung, dass dies in anspruchsvolleren Prüfungen nachlassen würde, wenn sich die Stute mehr auf die Dressurlektionen konzentrieren musste. Daher hatten wir in den letzten Wochen sehr hart an den Lektionen gearbeitet, die für den Aufstieg in Klasse L erforderlich waren. Zunächst einmal kamen die versammelten Gangarten hinzu, also der versammelte Trab und der versammelte Galopp. Zudem wurden an Lektionen der Außengalopp, der einfache Galoppwechsel, die Kurzkehrt und die Hinterhandwendung verlangt. Letztere hatte uns die meisten Schwierigkeiten bereitet, während die Galoppwechsel überhaupt kein Problem gewesen waren. Allerdings konnte Elfentanz sogar schon fliegende Wechsel - diese brauchte sie immerhin im Springparcours. Ich betrat die Box meiner geliebten Stute, putzte sie gründlich und sattelte sie anschließend auf. Mittlerweile brauchte Elfentanz für das normale Training weder Bandagen noch Gamaschen, da sie inzwischen aufpasste, wo sie hintrat. Wie gesagt, wir machten große Fortschritte. In der Halle angekommen, stellte ich mein Elfenpferd auf der Mittellinie auf, zog die Steigbügel herunter, gurtete nach und schwang mich leichtfüßig in den Sattel. Dann wärmte ich Elfentanz in aller Ruhe im Schritt und Trab auf und galoppierte sie kurz auf beiden Händen ab. Anschließend ritt ich eine simulierte Kür, bei der ich sogar nicht vorhandene Richter grüßte, um das Ganze so real wie möglich zu gestalten. Wir ritten im versammelten Trab die Mittellinie hinunter und grüßten die Richter. Dann ging es im Trab weiter. Wir zeigten Zirkel, doppelte Schlangenlinien, Schlangenlinien durch die Bahn und diverse Volten und Handwechsel. Im versammelten Trab ging es an der langen Seite entlang, bevor wir auf den zweiten Hufschlag ritten und zum Halt kamen. Dort zeigten wir die Hinterhandwendung, wechselten mit der Kurzkehrt die Hand und wiederholten das Ganze - inklusive weiterer Kurzkehrt - auf der anderen Hand. Dann war die Galopparbeit an der Reihe. Wir präsentierten den Außengalopp, wechselten mit einem einfachen Wechsel aus dem Zirkel und zeigten den Außengalopp auch auf der anderen Hand. Dann beendeten wir die Kür, indem wir die Richter ein weiteres Mal grüßten.
      Ich ließ die Zügel lang und lobte Elfentanz überschwänglich. Den Aufstieg in Klasse L der Dressur hatte sie mit Bravour gemeistert!
    • Sammy
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      Prophylaxe
      08. Januar 2020
      von Eddi
      1.498 Zeichen | 4 Punkte

      "Sammy! Lange nicht mehr gesehen!", rief ich fröhlich, als meine Freundin über ihren schneebedeckten Hof auf mich zukam. Ich war schon lange nicht mehr auf Hollybrook Stud gewesen und freute mich nun umso mehr, wieder einmal hier zu sein. Zumal Sammy ein neues, ganz besonderes Pferd hatte. Sie nahm am Joelle Horse Makeover teil und hatte in diesem Rahmen die Trakehnerstute HMJ 7786 Elfentanz bei sich aufgenommen. Ebenjene sollte ich nun kurz durchchecken, da schon in dieser Woche das Abschlussevent des Wettbewerbs startete.
      Sammy umarmte mich und führte mich gleich zu meiner Patientin. Elfentanz war wirklich wunderschön und beäugte mich neugierig. Allerdings sah sie nicht so aus, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Ihr Fell glänzte, die Muskeln spielten gut sichtbar unter dem gepflegten Braun. Mähne und Schweif waren seidig und dicht und ihre Augen blickten wach und intelligent. "Wow. Du hast einiges an Arbeit geleistet, hm?", fragte ich grinsend und Sammy lief nur rot an.
      Zunächst führte sie mir Elfentanz im Schritt und Trab vor. So konnte ich mich davon überzeugen, dass die Stute schön gleichmäßig lief. Auch die Beugeprobe verlief problemlos. Ich hörte Herz und Lunge ab, kontrollierte die Temperatur und schaute kurz in Ohren, Augen und Maul. Wie erwartet, war alles einwandfrei. Das heute war ja auch nur der Check vor der Prüfung, daher hatte ich damit gerechnet, dass alles okay war. Elfentanz war topfit und ich war sehr gespannt, wie sich die Stute noch entwickeln würde.
    • Sammy
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      Hufschmiedbericht
      von Elsaria
      18. Januar 2020
      Heute ging es nach England zu Samantha O´Neill. Ich kannte die junge Gestütsbesitzerin bereits vom Make Over Spektakel. Ihr wurde die Stute HMJ 7786 Elfentanz, der sie den Namen gab anvertraute. Diese wäre nun heute mein Kandidatin neben Bearing Spots. Mein Flieger ging letzte Nacht schon und ich war gerade im Mietauto für Hufschmiedbedarf auf dem Weg zum Hollybrook Stud. Ich hatte meine Lieblingsmusik im CD Player und summte zu den Liedern fröhlich mit. Endlich kam ich auf dem schön gepflegten modernen Hof an und wurde von Samantha begrüßt. Sie hatte mir schon einige Informationen bei der Auftragserteilung gegeben, da sie nur jetzt Zeit hatte fingen wir mit Elfentanz an. Die wunderschöne Trakehnerstute hatte ich noch total verwahrlost und abgemagert in Erinnerung. Erstaunlich was 3 Monate Pflege und Zuwendung ausmachen. Sam hatte gut mit ihr gearbeitet. Ich bewunderte die braune Stute als sie gebracht worden war. Sam stand bei Elfentanz und redete beruhigend auf sie ein. Ich ließ Elfentanz meine Hand beschnuppern und strich ihr sanft über den Hals. “ Na, meine Schöne, brauchst keine Angst zu haben, ich tue dir nichts, ich gebe dir nur ein paar neue Schuhe! Da stehen wir Frauen doch darauf, oder nicht?!” scherzte ich mit ihr. Ich holte die alten Eisen ab und schnitt die Hufen auf die richtige Länge ab. Ich lobte die Stute immer wieder. Ihre neuen Eisen waren bereits im Ofen. Ich holte eins, und schlug es auf dem Amboss auf ihre Größe zurecht dann brannte ich das Eisen auf das Horn. Ihr tat das nicht weh, es qualmte nur und es stank und manche Pferde werden da nervös, so auch Elfentanz. “Hoho, Süße ist ja gut!” sagte ich und lenkte die Stute dann ab. Ich machte dies gleich mit den anderen Hufen damit sie diese Prozedur nicht nochmal machen musste, und bekam ein Leckerlie, ich lobte die Stute. Inzwischen waren schon 45 Minuten vergangen, normalerweise wäre ich etwas schneller aber bei Elfentanz wollte ich mir Zeit lassen und alles mit der Ruhe machen. Hektik und nicht auf sie eingehen, wäre für die Stute genau das Falsche gewesen. Außerdem bot mir Samantha an, auf dem Hof zu übernachten, falls ich nicht beide an einem Tag schaffte, dies ließ den “Zeitdruck” etwas abfallen. Als die Stute sich wieder beruhigt hatte, nagelte ich die Eisen, die in der Zwischenzeit wieder kalt waren auf den Huf und zwickte die Enden der Nägel ab und feilte diese rund. Dies machte ich bei den anderen auch und fettete die Hufe zum Schluss noch ein. Brauchen würde es die Stute nicht, aber es sah einfach schön aus. Es war Mittag geworden ich wurde zum Essen eingeladen und nahm dankend an. Am Nachmittag wollte ich mich der nächsten Stute Bearing Spots widmen. Samantha erklärte mir wie die Stute aussah und wo sie sich befand, da sie am Nachmittag auf einem wichtigen Termin sei. Das Essen schmeckte wirklich vorzüglich. Nachdem ich mich etwas ausgeruht hatte ging ich wieder in den Stall und holte Bearing Spots aus ihrer Box. Die Stute war wunderschön, sie sollte auch die Eisen erneuert werden. Sie bekam Alueisen. Ich holte die alten Eisen herunter. Schnitt die Hufe wieder auf ihre Länge und strich der wunderschönen Stute den Hals. Dann nagelte ich die Alueisen auf ihre Hufen und fettete diese ein. Dann brachte ich sie wieder zurück in die Box räumte auf und fuhr nachhause.
    • Sammy
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      Es geht los!
      20.-27. April 2020
      Aufgeregt flogen meine Augen über den Bildschirm meines Laptops, als ich die heiß ersehnte E-Mail vom Veranstalter des diesjährigen Horse Makeovers las. In diesem Jahr sollte sich im Vergleich zum HMJ 2019 einiges ändern. Die Tiere stammten dieses Mal nicht von der Pferde Mafia, sondern waren vom Tierschutzverein auserwählt worden. Einige hatte man aus schlechter Haltung gerettet, andere waren beim Verein abgegeben worden. Aber auch für uns Teilnehmer gab es viele Neuerungen. Zum einen waren die Pferde diesmal schon im Vorfeld vorgestellt worden, zum anderen hatte man sich auf ein bestimmtes Pferd bewerben müssen. Obwohl ich unbedingt wieder Teil dieses großartigen Projekts hatte sein wollen, stand für mich von Beginn an fest, dass ich mich nur für ein Pferd bewerben würde, das zu meinem Gestüt passen würde. Im letzten Jahr hatte ich mich nämlich so sehr in meine Elfentanz verliebt, dass ich sie um nichts in der Welt wieder abgeben würde. Daher waren nur einige wenige Tiere für mich in Betracht gekommen. Als ich jedoch das Bild der feuerroten Vollblutstute HMJ Blessing gesehen hatte, war ich sofort überzeugt gewesen. Diese Stute sollte es sein. Laut der Beschreibung war Blessing ausgesetzt worden und man vermutete, dass sie früher auch schon Rennen bestritten hatte. Das bedeutete, dass ich es in diesem Jahr nicht mit einem komplett rohen Pferd zu tun haben würde. Seit meiner Bewerbung für Blessing war nun beinahe ein Monat vergangen. Ich hatte keine Ahnung, wie meine Chancen standen. Zwar hatte ich mich im letzten Jahr ganz gut geschlagen, doch ich hatte auch gehört, dass es gerade für Blessing mehrere Bewerber gab. Zu Beginn der Mail gab es einige einleitende Worte und Informationen, doch dann fiel endlich der Satz, auf den ich gehofft hatte: "Samantha O'Neill, das Horse Makeover Team freut sich, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass wir Sie als Trainerin für HMJ Blessing ausgewählt haben!" Ich strahlte. "Ana! Ana, komm doch mal!", rief ich ausgelassen. Kurz darauf rauschte eine kleine blonde Frau in mein Büro und blieb atemlos vor mir stehen. Ein Blick in mein leuchtendes Gesicht genügte. "Du bist dabei!", rief sie freudig. Dann umarmte sie mich stürmisch. Nach und nach kamen auch die Jungs herbei, die gerade mit der Stallarbeit beschäftigt gewesen waren. "Was ist denn hier los?", fragte Donald grinsend. Er fand uns Mädels immer ein wenig albern. Doch auch der rothaarige Trainer strahlte, als wir ihm die guten Neuigkeiten mitteilten. "Was schreiben sie denn noch? Wo und wann holst du Blessing ab?", fragte Brian, der ruhigste meiner Angestellten. Ich errötete. "Ich hab‘ ehrlich gesagt noch gar nicht weiter gelesen. Wollte euch erst die frohe Botschaft übermitteln.", lachte ich. Also drängten wir uns alle vor meinem Laptop, um die Mail zu Ende zu lesen. Momentan befanden sich alle Pferde des Makeovers auf der Lindö Dalen Stuteri in Schweden. Dort fand auch die Eröffnungsveranstaltung des Makeovers statt und wir hatten dann eine Woche Zeit, um unsere neuen Schützlinge auf die Heimreise vorzubereiten. Das gefiel mir ausnehmend gut. Ich kannte zwar die knappe Charakterbeschreibung von Blessing, doch niemand der Anwesenden hatte bisher mit dem jungen Pferd gearbeitet, also konnte auch niemand sagen, wie weit das Vollblut in ihrer Ausbildung war. So konnte ich mein Stütchen erst einmal kennen lernen, bevor ich es auf die stundenlange Reise nach England mitnahm. Außerdem war ich froh über die vergleichsweise kurze Entfernung von England nach Schweden. Die letztjährige Rückreise von Canada war doch recht strapaziös gewesen. Ich lächelte und klappte dann entschlossen meinen Laptop zu. Nun hatte ich einiges zu tun, um meine Abreise und natürlich Blessing’s Ankunft vorzubereiten.

      ~*~

      Montag – 20. April 2020
      Eine knappe Woche später kam ich mit meinem Pferdetransporter auf der Lindö Dalen Stuteri in Schweden an. Die Fahrt war lang gewesen, aber im Grunde genommen hatte ich sie genossen. Es war schön einmal ganz ohne Stress im Auto zu sitzen. Ana hätte mich am Liebsten begleitet, doch auf dem Gestüt zu Hause lief die Fohlensaison auf Hochtouren, daher war meine rechte Hand dort unentbehrlich. Für mich selbst war es auch nicht ganz einfach gewesen, mich eine Woche aus der Planung herauszunehmen, aber um nichts in der Welt hätte ich mir die Teilnahme am Makeover nehmen lassen. Außerdem hatte ich meinen Laptop dabei, um mein geliebtes Team über alles zu informieren, was hier passierte. Aber natürlich auch, um selbst zu erfahren, was zu Hause auf dem Gestüt so los war. Als ich mein Auto abstellte, wurde ich von einer jungen Frau begrüßt, die mich sofort zu den Ferienhäusern führte und mir mein Heim für die nächste Woche zeigte. Ich bedankte mich, stellte meine Sachen ab und verschwand dann erst einmal unter die Dusche, um mir nach der langen Reise ein wenig Entspannung zu gönnen. Anschließend zog ich mich in aller Ruhe um und schlenderte ein wenig zwischen den Ferienhäusern umher. In einer knappen Stunde würde das Makeover offiziell beginnen und ich konnte es kaum noch erwarten, endlich Blessing zu treffen. Ich traf einige bekannte Gesichter, die ich bereits von diversen Turnierplätzen, Trainingsrunden und natürlich dem letzten Makeover kannte und so verging die Zeit doch wie im Flug. Ich nahm meinen Platz ein und blickte gespannt zu dem Podest, das im Vordergrund aufgebaut war. Nach einer kurzen Ansprache von Nicolaus du Martin wurde auch schon das erste Pferd herangeführt, ein schöner Schimmel. Die neue Besitzerin hatte ich bereits im letzten Jahr kennengelernt, wir waren harte Konkurrenten gewesen. Außerdem hatte sie in diesem Jahr Zwillingsfohlen von meinem geliebten New Forest Ponyhengst Hollybrook's Cheeky Jot gezogen. Als nächstes folgte eine schöne Scheckstute, die an Occulta Smith ging. Die junge Frau führte ihr Gestüt Pineforest Stable - genau wie ich Meines - in England und wir hatten uns schon des Öfteren gegenseitig Pferde verkauft. Außerdem stammte ein Großteil meiner American Miniature Horses aus Occu's Zucht und im letzten Jahr hatte ich es endlich geschafft, eines ihrer begehrten Vollblut-Zuchtfohlen zu ergattern. Auch Caleb O'Dell, der einen interessant gefärbten Schecken in Empfang nahm, kannte ich bereits. Caleb hatte sich bereit erklärt, dass Training meines Nachwuchs-Paint-Horses Grace's Cookie 'n Cream zu übernehmen und war auch beim letzten Horse Makeover schon dabei gewesen. Die nächsten drei Pferdeübergaben bekam ich nur noch verschwommen mit, denn ich hatte im Hintergrund einen großrahmigen Fuchs mit großen weißen Abzeichen entdeckt. Das musste Blessing sein! Tatsächlich wurde ich gleich darauf erwähnt und man übergab mir den Führstrick der schönen Stute. Blessing war hochgewachsen und hatte ein feines Gesicht, mit großen braunen Augen. Sie wirkte zu dünn und ihr Langhaar war stellenweise verfilzt, doch ich war auf den ersten Blick verliebt. Ich zupfte leicht am Strick und das Vollblut folgte mir gehorsam auf die Seite, wo sich bereits die anderen Teilnehmer mit ihren Pferden aufgestellt hatten, um sich den Rest der Rede anzuhören. Blessing's Augen blitzten ab und an ängstlich, ansonsten schien die junge Stute jedoch eher teilnahmslos. Nun ging es um die Unterbringung unserer Tiere, während dieser ersten und so wichtigen Woche und ich hörte aufmerksam zu. Wir durften sämtliche Trainingsanlagen des Lindö Dalen Stuteri benutzen. Außerdem kamen die Pferde auf die Weiden und wurden mit selbst angebautem Heu versorgt. Das war vielleicht mal ein Luxus. Ein erster Blick auf Blessing hatte in mir allerdings auch schon den Entschluss geweckt, die Stute zusätzlich mit Kraftfutter und speziellen Vitaminen zu versorgen, damit sie ein wenig an Gewicht zulegen konnte. Um die quasi nicht vorhandenen Muskeln würden wir uns dann nach und nach zusätzlich durch schonendes Training kümmern. Zuletzt stellte sich noch ein Mann namens Benni Becks vor, der beim Tierschutz arbeitete. Ich sah überrascht auf. Das war neu. Benni würde sowohl angekündigte, als auch unangekündigte Kontrollbesuche vornehmen. Allerdings machte mir das wenig aus. Ich legte sehr viel Wert darauf, dass mein Gestüt gut gepflegt und die Pferde rundum versorgt waren. Daher sollten mir auch spontane Besuche keine Probleme bereiten. Zudem wirkte Benni sehr sympathisch und keinesfalls so, als wolle er uns das Leben schwer machen. Damit wurde die Begrüßungsrede beendet und die Teilnehmer machten sich mit ihren Pferden auf zu den uns zugewiesenen Koppeln. Blessing folgte mir absolut problemlos, schien sich aber auch überhaupt nicht für das Treiben um uns herum zu interessieren. Auf der Koppel angekommen, löste ich den Führstrick und ließ Blessing laufen. Das junge Vollblut trottete mit hängendem Kopf weg und hielt sich auch von den anderen Pferden fern. Nachdenklich blieb ich am Zaun stehen. Ich hatte nun bis zum gemeinsamen Abendessen Zeit zu freien Verfügung, doch da ich mein Zimmer bereits bezogen hatte, konnte ich erst einmal hier bleiben. Ich beschloss, mein neuestes Familienmitglied zunächst nur zu beobachten. Ich wollte sehen, wie Blessing sich verhielt, wenn sie sich unbeobachtet fühlte. Die anderen Teilnehmer verschwanden nach und nach. Entweder, um sich einzurichten oder um sich mit ihren Pferden in Ruhe zu beschäftigen. Ich dagegen setzte mich an den Zaun und sah zu Blessing herüber. Die junge Stute stand abseits, rupfte ab und an ein paar Halme Gras und starrte ansonsten lustlos vor sich hin. Die anderen Pferde ignorierte sie komplett und diese hielten es mit ihr genauso. Wie Blessing so alleine da stand, gab sie ein Bild absoluter Traurigkeit ab und ich fragte mich, was die Stute in ihrem kurzen Leben wohl bereits durchgemacht hatte. Das Makeover Team ging davon aus, dass Blessing ein ehemaliges Rennpferd war. Da die junge Stute jedoch weder ein Brandzeichen hatte und man auch ihren richtigen Namen nicht kannte, war die Suche nach dem ehemaligen Besitzer ebenso erfolglos geblieben, wie die nach eventuell bereits bestrittenen Rennen. Ich runzelte die Stirn und überlegte, wie ich nun weiter vorgehen sollte. Die Sattlerei Royal Peerage hatte sich auch in diesem Jahr die Mühe gemacht, für jedes Makeover Pferd etwas zu spenden. Ich hatte mich für ein Starterset in rot entschieden. Das entsprechende Knotenhalfter trug Blessing bereits. Nun nahm ich die dazugehörige Futterschale und ging hinüber zu den Stallungen, um die Veranstalter nach etwas Leinsamen und Kleie zu fragen, damit ich für Blessing ein Mash anrühren konnte. Einige Vitamin- und Futterzusätze hatte ich mir selbst mitgebracht. Nachdem Nicolaus mir mein Futter übergeben hatte, ging ich zurück zu meinem Zimmer und suchte die Vitaminfläschchen heraus. Zunächst wanderten Vitamin A und K in die Futtermischung. Sie sorgten vor allem für stabile Knochen. Zudem unterstützte Vitamin A auch die Immunabwehr. Auch etwas Biotin fand seinen Weg in die Futterschale. Da Blessing recht poröse Hufe hatte, war das Vitamin sehr wichtig für sie. Sobald wir zu Hause waren, würde ich auch einen Hufschmied beauftragen, damit er sich ihre Hufe ansehen konnte. Ich schüttelte ein kleines Tütchen und gab Sojaprotein in das Futter. Eiweiß war essentiell für den Muskelaufbau und mit Sojaprotein hatte ich bei meinen Pferden zuhause schon sehr gute Ergebnisse erzielt. Ganz zum Schluss fügte ich dem Futter einige essentielle Aminosäuren hinzu, die ein Futterexperte für mich angemischt hatte, nachdem ich ihm von Blessing's Zustand berichtet hatte. Ich war als Gestütsleiterin bei der Futterzusammenstellung zwar selbst recht fit, doch wenn es dann so ins Detail ging, verließ ich mich doch lieber auf echte Fachleute. Dieses Futtergemisch sollte Blessing helfen, ein wenig Gewicht zuzulegen und auch langsam den Muskelaufbau fördern. Ich vermischte das Futter und übergoss es mit warmem Wasser, da das Mash so besonders leicht verdaulich war. Anschließend ging ich mit der Schale hinaus auf den Hof, stellte sie vor der Koppel ab und ging zu Blessing. Die Stute hob den Kopf, als ich an sie herantrat, blieb jedoch stehen und ließ sich einfangen. Ich konnte einfach nicht einschätzen, was im Kopf des jungen Vollbluts vorging. Was für ein riesengroßer Unterschied zu meinem letztjährigen HMJ-Pferd Elfentanz! Der Trakehnerstute hatte man ihre Emotionen quasi am Gesicht ablesen können. Blessing dagegen war viel verschlossener. Ich zupfte am Führstrick und Blessing folgte mir mit etwas Abstand. Dabei hob sie nicht einmal die Füße richtig. Ich schloss das Weidetor, nahm die Futterschale in eine Hand und führte Blessing ein Stück weit weg, damit sie ihr Abendessen in Ruhe genießen konnte. Als ich die Schale vor dem Fuchsstütchen abstellte und den Führstrick lang ließ, um ihr etwas Raum zu geben, senkte Blessing den Kopf und zog geräuschvoll Luft durch ihre geweiteten Nüstern ein. Vorsichtig senkte sie ihr weißes Maul in das Futter und nahm einen Happen.
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      Dann hob sie den Kopf wieder. Ein wenig Mash tropfte von ihrem Kinn und das Stütchen hatte die Ohren zurückgeklappt. Dabei sah sie richtig nachdenklich aus. Ich kicherte, was Blessing dazu veranlasste, mich überrascht anzusehen. Gleich darauf kippten ihre Ohren jedoch wieder zur Seite und sie verlor jegliches Interesse an mir. Ich aber hatte den Eindruck, dass ich gerade einen kurzen Einblick in Blessing's Charakter bekommen hatte: Auf ein aufgeschlossenes, junges Pferd, das neugierig auf die Welt war. Blessing fraß ihr Futter bis auf den letzten Krümel aus und schleckte sogar die Futterschale ab. Also schien es ihr zumindest geschmeckt zu haben, auch wenn man das ansonsten nicht wirklich gemerkt hatte. Ich trat an das Stütchen heran und strich ihm vorsichtig über den dünnen Hals. Um Mähne und Schweif würde ich mich in den nächsten Tagen kümmern, die sehr verfilzten Stellen würde ich aber wohl abschneiden müssen. Zudem hatte Blessing am Widerrist eine aufgescheuerte Stelle. Die würde ich mit Salbe behandeln und gut beobachten. Somit war auch klar, dass ich Blessing die nächste Zeit nicht mit Gurt longieren würde. Zuerst sollte die Verletzung ausheilen. Blessing ließ sich zwar überall berühren, doch als ich über ihren Bauch fuhr, zuckte sie kurz zusammen. Sattelzwang vielleicht? Auch ihre Hufe gab das junge Pferd mir nur ungern, widersetzte sich aber nicht. Ich bekam immer mehr das Gefühl, dass Blessing einfach tat, was von ihr verlangt wurde, um es möglichst bald hinter sich zu bringen. Ich hängte mir den Führstrick in die Armbeuge und begann damit, Blessing mit kleinen Bewegungen zu massieren. Der Kopf der Stute sank tiefer, doch so hatte sie vorhin auch auf der Koppel gestanden. Dennoch konnte die Behandlung Blessing ja nicht schaden, also machte ich weiter, arbeitete mich den dünnen Hals entlang, zur Schulter und das Vorderbein hinunter. Dasselbe wiederholte ich auf der anderen Seite. Dann warf ich einen Blick auf die Uhr und stellte fest, dass ich mich sputen musste, wenn ich rechtzeitig zum gemeinsamen Abendessen erscheinen wollte. Ich führte Blessing auf die Koppel, tätschelte ihr den Hals und ließ sie dann laufen. Blessing schlurfte wieder in ihre Ecke und würdigte die anderen Stuten keines Blickes.
      Ich betrachtete sie noch eine Minute, dann ging ich mit gerunzelter Stirn und ziemlich in Gedanken versunken zum Abendessen. Ich war nicht die Einzige, die etwas zu spät kam und es war ein sehr lustiges Beisammensein. Wir tauschten uns gegenseitig über unsere Pferde und geplante Trainingsabläufe aus, erzählten uns Einzelheiten über unsere jeweiligen Höfe und quatschten über Gott und die Welt. Niemand hielt mit seinen Plänen und Zielen hinter dem Berg, was ich sehr schön fand. Noch war von Konkurrenzdruck keine Spur. Als sich die Runde schließlich auflöste, war ich fix und fertig. Langsam machten sich doch die lange Fahrt und der aufregende Tag bemerkbar. Dennoch sah ich noch einmal kurz bei Blessing vorbei, um mich zu vergewissern, dass es meinem Stütchen an nichts fehlte. Auch jetzt noch stand Blessing abseits der anderen, allerdings hatte sie den Kopf erhoben und schaute über den Zaun hinweg. In dieser Pose sah sie regelrecht anmutig aus und ich ging leise weiter, um die junge Stute nicht dazu zu bringen, zurück in ihre fast schon apathische Haltung zu fallen. Es würden mit Sicherheit interessante drei Monate werden, davon war ich überzeugt.

      ~*~

      Dienstag – 21. April 2020
      Am nächsten Morgen war ich schon vor dem Morgengrauen auf den Beinen. Auf meinem Gestüt Hollybrook Stud trainierte ich Galopprennpferde, daher war ich es gewohnt, vor den meisten anderen wach zu sein. Leichter Nebel hing über dem Lindö Dalen Stuteri und es war noch ziemlich frisch. Ich zog den Reißverschluss meiner Jacke enger und ging mit energischen Schritten los. Auf dem Weg zu den Koppeln begegneten mir nur wenige Leute. Die meisten Teilnehmer schliefen wahrscheinlich noch. Am Koppelzaun hielt ich Ausschau nach Blessing und entdeckte sie an beinahe derselben Stelle, an der ich sie gestern Abend zurückgelassen hatte. Wieder stand das Stütchen mit hängendem Kopf da und schien vor sich hinzudösen. Ich lief zum Aufenthaltsraum, da Nicolaus mir versprochen hatte, dort die Zutaten für Blessing's Mash abzustellen. Solange Blessing unterernährt war, bekam sie das nahrhafte Futter zweimal täglich. Ich fand einen Korb mit meinem Namen darauf und packte alles zusammen, um Blessings Futter anzumischen. Kurz darauf ging ich wieder hinüber zu den Weiden der Makeover-Stuten, schnappte mir Blessing's Führstrick und ging zu ihr hinüber. Wie auch gestern schon, ließ sich das junge Vollblut artig von der Koppel führen und senkte dann sogleich den Kopf in ihre Futterschale. Ich ließ Blessing in aller Ruhe frühstücken, dann band ich sie an einen Pfosten und begann vorsichtig, ihr kupferfarbenes Fell zu striegeln. Man sah Blessing die fehlende Pflege deutlich an. Ihr Fell war stumpf und rau, das Langhaar glanzlos. Doch daran würden wir nun tagtäglich arbeiten und die Futterzusätze sollten ihr Übriges tun. Ich hob Blessing’s Bein hoch, damit ich ihren Huf auskratzen konnte. Die Hufe waren wirklich in schlechtem Zustand. Nicolaus vermutete, dass dies von zu häufig wechselndem Beschlag kam und ich fand die Erklärung plausibel. Wahrscheinlich war Blessing zu früh und zu hart trainiert worden und hatte nicht wirklich menschliche Nähe erfahren dürfen. Das könnte ihre teilnahmslose Haltung verursacht haben. Aber natürlich waren das alles nur Spekulationen, keiner von uns kannte Blessing’s wahre Vergangenheit und so wie es aussah, würden wir auch nie etwas darüber erfahren. In Gedanken versunken stellte ich mir meinen Plan für den heutigen Tag zusammen. Nach dem Frühstück wollte ich mit Blessing in den Roundpen gehen und sie am Nachmittag vielleicht auch schon eine kleine Runde spazieren führen. Wenn das Vollblut nicht gerade geführt wurde, hatte ich noch nie gesehen, dass die Stute sich bewegte. Mal davon abgesehen, dass das ihrem Gesundheitszustand nicht gerade zuträglich war, war es auch ein sehr ungewöhnliches Verhalten für ein solch junges Pferd. Ich fuhr mit den Fingern durch die Teile ihres Schweifes, die nicht verfilzt waren. Dann massierte ich die Stute noch einmal. Für die Fahrt würde ich Transportzubehör benötigen. Der Reitzubehörbedarf Atomic Shop hatte eine spezielle Collection für die Makeover-Pferde angefertigt und bot jedem Teilnehmer 50% Rabatt. Dort würde ich mich später einmal umsehen und das passende Zubehör für Blessing bestellen. Nun hatte ich immerhin die genauen Maße der Stute.
      Ich brachte Blessing zurück auf die Koppel und ging über den Parkplatz hinüber zum Aufenthaltsraum. Dort erwartete mich ein reichhaltiges Frühstücksbuffet und ich traf den ein oder anderen munteren Mitstreiter. Occu war selbstverständlich mit unter den Frühaufstehern, da ja auch sie ihre Galopprennpferde normalerweise früh am Morgen trainierte. Ich lud mir Pancakes auf den Teller und übergoss sie mit Sirup. Dann schnippelte ich mir einen Apfel und ein paar Erdbeeren darüber und setzte mich an einen Tisch. Nachdem ich mein Frühstück genossen hatte, suchte ich mir einen ruhigen Platz um meine Yogaroutine zu absolvieren. Sie gehörte inzwischen fest zu meinem Tagesablauf. Anschließend kehrte ich zur Stutenkoppel der Makeover-Pferde zurück, um mit Blessing das erste Training zu absolvieren. Ich betrat die Koppel und rief Blessing's Namen, doch die junge Stute spitzte nicht einmal die Ohren, geschweige denn, dass sie in meine Richtung blickte. Ich nahm ihren Führstrick vom Haken an der Weide und ging hinüber zu dem Fuchsstütchen. Wie auch zuvor schon folgte mir Blessing brav. Da ich das Stütchen am Morgen schon geputzt hatte, konnten wir nun sofort mit unserer Trainingseinheit beginnen. Mein heutiges Ziel war es lediglich, Blessing ein wenig Bewegung zu verschaffen. Der Roundpen des Lindö Dalen Stuteri war gerade nicht belegt und so führte ich mein Stütchen hinein und schloss das Tor hinter uns.
      Ich löste den Führstrick von Blessing’s Knotenhalfter und die Stute bewegte sich mit langsamen Bewegungen zum Rand des Round Pen. Sie flüchtete zwar nicht vor mir, aber sie wollte eindeutig auch nicht unbedingt in meiner Nähe sein. Ich rollte den Führstrick zusammen, schnalzte auffordernd mit der Zunge und schlug den aufgerollten Strick leicht gegen mein Bein, um Blessing in Bewegung zu setzen. Die junge Stute lief auch gehorsam vorwärts, allerdings fehlten ihr dabei jegliche Energie und Anmut. Sie schlurfte regelrecht dahin und stolperte das ein oder andere Mal sogar über ihre eigenen Füße. Nun war mir natürlich bewusst, dass es viele Pferde gab, die keine schönen Grundgangarten besaßen, doch bei Blessing schien das nicht der Fall zu sein. Viel eher hatte ich den Verdacht, dass das Fuchsstütchen einfach nicht schön laufen wollte. Sie hielt den Kopf hoch erhoben, drückte den Rücken durch und trabte um mich herum.
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      Dabei erinnerte das junge Vollblut mehr an ein Kamel, als an ein junges Rennpferd. Ich trat schräg einen Schritt auf Blessing zu, um sie zum wenden zu bewegen, doch die Stute achtete überhaupt nicht auf mich. Sie drehte ihre Kreise und hoffte wahrscheinlich, dass das Training bald vorüber war. Also ging ich ein paar Schritte auf die Umzäunung zu und winkte mit den Armen, als ich in Blessing’s Sichtfeld kam. Nun drehte die Fuchsstute doch ab und wechselte die Hand. Auch auf dieser Seite machte Blessing im Trab keine gute Figur. Ich schnalzte erneut mit der Zunge und lief in schrägem Winkel zum Pferd, damit Blessing angaloppierte. Doch erst nachdem ich den Führstrick leicht in Blessing’s Richtung schwang, galoppierte die junge Stute verhalten an. Ebenso wie der Trab, wirkte auch ihr Galopp eher ungelenk und verhalten. Als wir auf die rechte Hand wechselten, wurde es noch schlimmer. Es war normal, dass ein Pferd auf einer Hand besser lief als auf der anderen. Doch Blessing war auf der rechten Hand so sehr im Ungleichgewicht, dass ich annahm, dass dieser Unterschied eher am bisherigen Training der Stute lag. Rennpferde liefen im Rennen gegen den Uhrzeigersinn, also auf der linken Hand. Viele Trainer machten sich nicht die Mühe, den Pferden einen ausreichenden Ausgleich zu bieten, sodass der Rechtsgalopp irgendwann ein wenig verkümmerte. Diese Vermutung hegte ich nun auch bei Blessing, da das junge Pferd auf der rechten Hand wirklich vollkommen unbalanciert in die Biegung ging. Ich drehte mich ein wenig von Blessing weg, um ihr zu signalisieren, dass sie das Tempo wieder verlangsamen durfte und die Stute fiel erleichtert zuerst in einen holprigen Trab und dann in den Schritt. Ihre Flanken hoben und senkten sich für einen solch kurzen Galopp viel zu schnell – das Vollblut hatte keinerlei Kondition. Ich holte ein kleines Notizbuch aus meiner Tasche und vermerkte mir alles, was mir auffiel. Dieses erste Training heute diente mir als Bestandsaufnahme, damit ich einen passenden Trainingsplan für Blessing erstellen konnte. Ich hoffte sehr, dass die Stute mir irgendwann ihr Vertrauen schenken würde und verstand, dass ich ihr nichts böses wollte. Dass sie so ungern lief, konnte viele Ursachen haben. Vielleicht war sie von ihren vorherigen Besitzern überfordert worden, vielleicht war sie zu schnell und zu hart vorwärts gedrängt worden oder vielleicht war sie auch einfach enttäuscht von ihren Menschen und hatte deshalb ihre Lauffreude verloren. Irgendetwas sagte mir jedenfalls, dass Blessing’s gesamte Lebenseinstellung sich ändern würde, wenn wir dieses Problem in den Griff bekamen. Meine Vollblüter liebten das Rennen. Würde man ihnen das nehmen, wären sie wohlmöglich genauso lustlos wie Blessing es nun war. Ich nahm mir vor, Blessing in der nächsten Woche – wenn wir dann auf meinem Gestüt in England waren - einmal zur Rennbahn zu führen, wenn meine Englischen Vollblutpferde gerade ihr Training absolvierten. Vielleicht motivierte es die Stute ja, wenn sie beim Training der anderen zusehen konnte. Blessing war stehen geblieben und ich trieb sie sacht wieder vorwärts, damit sie sich im Schritt abkühlen konnte. Die junge Stute schwitzte ziemlich, wobei das natürlich auch vom Stress herrühren konnte. Das Problem war nur, dass man der Stute ansonsten überhaupt nicht ansah, was sie gerade beschäftigte. Wieder machte ich mir einige Notizen und runzelte nachdenklich die Stirn. Blessing würde in jedem Fall schwieriger zu trainieren sein, als Elfentanz im letzten Jahr. Ich hatte ja schon oft mit sogenannten Problempferden gearbeitet, doch Blessing’s Verfassung war etwas völlig Neues für mich.
      Ich rief den Namen der Fuchsstute, doch Blessing ignorierte mich. Also ging ich auf sie zu und befestigte den Führstrick am Halfter, um das Training zu beenden. Ich hatte gesehen was nötig war und das reichte für den Vormittag allemal. Heute Nachmittag wollte ich mit Blessing eine Runde spazieren gehen, um zu sehen, wie sie sich dabei anstellte. Nun jedoch führte ich mein Makeover-Pferdchen ersteinmal zum Putzplatz, band sie fest und füllte einen Eimer mit Wasser, um den Schweiß aus ihrem Fell zu waschen. Blessing schien es gewohnt zu sein, abgewaschen zu werden, denn sie zuckte nicht einmal mit der Wimper, als ich mit dem nassen Schwamm ihren Hals entlangfuhr. Ich arbeitete langsam und gründlich und summte dabei leise vor mich hin. Als ich aufsah, entdeckte ich, dass Blessing ein Ohr nach hinten gedreht hatte und offensichtlich auf mich lauschte. Ich lächelte und summte weiter. Wenn das meinem Pferdchen gefiel, umso besser. Blessings Beine wusch ich besonders gründlich und entfernte all die Flecken, die sich auf den weißen Abzeichen angesammelt hatten und die nur durch die Bürste nicht hatten verschwinden wollen. Blessing’s Fell war zwar noch immer stumpf, aber zumindest nun wieder vollkommen sauber. Ich holte mir einen zweiten, kleineren Schwamm und trat an Blessing’s Kopf. Kurz blitzte das weiße in den schönen Augen der Stute auf und sie warf den Kopf nach oben, dann jedoch fiel sie wieder zurück in ihre unterwürfige Haltung. Ich strich ihr vorsichtig über die Nase und hielt ihr den feuchten Schwamm hin, damit sie daran schnuppern konnte. Doch das schöne junge Pferd interessierte sich nicht dafür. Ich seufzte bedrückt und wusch sachte Blessing’s Gesicht ab. Die Laterne umrahmte ihre wunderschönen großen Augen und direkt über der Maulspalte hatte Blessing einen kleinen grauen Fleck. Ansonsten war das Fell um Maul und Nüstern herum leicht rosa. Ich fuhr zärtlich mit den Fingern über die Ganaschen der Stute, strich ihr über Ohren und Stirn. Blessing schloss die Augen, aber ich konnte nicht sicher sagen, ob ihr die Berührungen gefielen. Das war wirklich schwierig. Nachdem ich das überschüssige Wasser an Blessing’s Körper mit einem Schweißmesser abgezogen hatte, kratzte ich ihre Hufe aus und verlas Mähne und Schweif. Heute Nachmittag wollte ich mich auch um die Kletten kümmern, die sich in den besonders verfilzten Stellen von Blessing’s Langhaar befanden.

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      Während meiner Mittagspause besuchte ich die Seite des Atomic Shop und klickte mich durch die verschiedenen Artikel. Schnell war klar, dass Blessing’s Zubehör blau sein sollte, doch ich brauchte eine Weile, bis ich mich auf einen bestimmten Ton festlegen konnte. Am Ende bestellte ich ein Halfter mit Teddyfell und dazu passendem Führstrick, eine hochwertige Abschwitzdecke aus Fleece, Bandagen und Fesselkopfgamaschen in der klangvollen Farbe „Venice Blue“. Ich hoffte, dass das Zubehör noch vor unserer Abreise ankommen würde, doch die Betreiberin des Shops sicherte mir die pünktliche Lieferung zu. Anschließend rief ich per Skype im Stallbüro an. Es dauerte gar nicht lange, dann sah ich Ana’s hübsches Gesicht in meinem Bildschirm. „Sammy! Wie war es gestern? Wie ist Blessing? Wann kommt ihr nach Hause?“, bombardierte mich die junge Frau sofort mit Fragen. Ich lachte. „Langsam, eins nach dem anderen. Wir kommen erst am Sonntag zurück, ich möchte die Woche gerne voll ausnutzen, damit Blessing sich ein wenig an mich gewöhnt. Sie würde zwar mit Sicherheit auch jetzt schon auf den Hänger gehen, aber ich fürchte, die Fahrt würde sie trotzdem großem Stress aussetzen. Ob das am Sonntag besser ist, sei mal dahingestellt, aber ich möchte es doch wenigstens versuchen. Außerdem habe ich gerade erst Ausrüstung bestellt, damit ich Blessing für die lange Fahrt ordentlich schützen kann. Wäre aber klasse, wenn ihr auf Sonntagabend die Box für Blessing fertig machen könntet. Ich würde sie gerne neben Elfentanz unterbringen. Die wird sie auf keinen Fall bedrängen. So. Ansonsten war der Tag gestern wirklich anstrengend, aber auch sehr schön. Es sind viele interessante Pferde und Teilnehmer dabei, sicher werden es aufregende drei Monate. Außerdem hat sich im Vergleich zum letzten Jahr viel geändert. Gut möglich, dass wir demnächst einmal Besuch von einem Beauftragten des Tierschutzverbandes bekommen. Aber das sollte ja weiter kein Problem sein. Heute Morgen war ich das erste Mal mit unserem Stütchen im Round Pen und ich kann nur sagen, dass das hier mein bisher härtester Fall wird. Blessing wird nie bösartig und zeigt sich auch so gut wie nie ängstlich. Aber sie will nicht laufen, nicht arbeiten, nicht kommunizieren. Später gehe ich mit ihr raus ins Gelände, vielleicht lockt sie das ein wenig aus ihrem Schneckenhaus. Und naja, ansonsten werden wir vor allem an Blessing’s Balance und am Muskelaufbau arbeiten. Viel mehr kann ich dir bisher noch nicht sagen. Aber jetzt bist du dran! Wie läuft es zu Hause? Wie geht es unseren werdenden Mamas? Und was machen Lamira und Lyna?“, berichtete ich eilig. Lyna di Royal Peerage war das erste Fohlen dieses Jahres und zudem auch Lamira‘ erster Nachwuchs. Allerdings warteten wir sehnsüchtig auf den Rest der Fohlenbande. Kagami El Assuad und Succesful Dream waren trächtig von dem Red Roan Hengst Smarty Jones. Levistino hatte Samiyah, Mahira und Corde de la Cerise gedeckt und ich wartete sehnsüchtig auf die Nachkommen meines Spitzenhengstes. Die lackschwarze Leveneza war trächtig von Cadeau. Der englische Vollblüter El Racino würde ebenfalls bald Papa werden, denn meine Vollblüter Kazumi Princess El Assuad und Backup erwarteten Fohlen von ihm. Und dann waren da natürlich noch meine Hannoveranerstuten Unannounced Pleasure und Reminiscent Inspiration. Während erstere von meinem Vollblüter Pawaneeh trächtig war, hatte ich Inspiration von dem Hannoveranerspringpferd Incendio decken lassen. Ich erwartete also noch eine ganze Menge Fohlen. Nun war es an Ana, mich auszulachen. Sie holte tief Luft und sagte: „Du musst grade schimpfen – stellst doch genauso viele Fragen wie ich!“ Dann wurde sie jedoch ernst, da sie wusste, wie viel mir meine Vierbeiner bedeuteten. „Ich persönlich glaube ja, dass es bei Kagami heute soweit sein könnte. Sie ist total unruhig und richtig zickig. Bei Ceri wird es wohl auch nicht mehr allzu lange dauern. Die anderen wanken mit ihren dicken Bäuchen über die Koppeln, aber wir wissen ja alle, wie schnell es im Endeffekt gehen kann.“ Ich biss mir auf die Lippe. Ich hasste es, nicht bei der Geburt der Fohlen dabei sein zu können. Gerade Kagami hatte jetzt einige Jahre lang kein Fohlen gehabt, weil sie bei der Entwöhnung von Princess so schwierig gewesen war. Dennoch war mir klar, dass ich ein super Team daheim auf dem Hof hatte und meine Pferde bestens versorgt waren. Ana deutete mein Schweigen richtig und sagte beruhigend: „Das wird schon alles, Sammy. Wir sind rund um die Uhr da und wechseln uns mit der Nachtwache im Fohlentrakt ab. Es wird alles gutgehen. Und in ein paar Tagen bist du ja auch wieder hier. Ansonsten läuft hier alles wie immer. Wir halten uns an deine Trainingspläne und ich war heute Morgen mit Coeur de Lilith draußen. Sie macht sich wirklich immer besser! Ich freue mich schon so, wenn sie ihr erstes Fohlen bekommt! PFS‘ Storm Cat und Bearing Spots haben heute morgen auch ein tolles Training absolviert und Brian springt grade mit Levistino. Ich glaube der Gute vermisst es, auf Turniere zu gehen.“ Ich lächelte. Mein Spitzenhengst Levistino hatte vor einigen Jahren Jolympia gewonnen und im letzten Jahr hatte ich entschieden, ihn nur noch als Deckhengst einzusetzen. Das aber schien dem Schimmel zu sehr zu langweilen, daher bereiteten wir ihn nun doch auf die kommende Turniersaison vor, damit er im Sommer wieder antreten konnte. Ich sah auf die Uhr und verabschiedete mich erschrocken von Ana. Zuvor nahm ich ihr aber das Versprechen ab, mich zu jeder Tages- und Nachtzeit anzurufen, falls eine meiner Stuten fohlen sollte. Eigentlich hatte ich schon längst wieder bei Blessing sein wollen, um sie für unseren Spaziergang bereit zu machen. Ich klappte meinen Laptop zu, zog mich um und lief hinüber zu den Koppeln. Einige der Makeover-Pferde fehlten. Wahrscheinlich waren sie mit ihren neuen Besitzern beim Training. Ich holte Blessing von der Koppel und überprüfte kurz Fell und Hufe. Da Blessing beinahe sauber war, hatte ich nicht viel zu tun, bevor wir uns auf den Weg machten. Es würde jetzt am Anfang auch noch kein sonderlich langer Ausflug werden, da ich Blessing keinesfalls überfordern wollte. Das Lindö Dalen Stuteri stellte uns sogar seine Rennbahn zur Verfügung, mit der Bitte, für Spaziergänge die innere Bahn zu verwenden. Genau das wollte ich heute Nachmittag tun. Im Grunde waren Blessing und ich uns noch immer fremd und ich wollte es nicht riskieren, dass sie sich womöglich in fremdem Gelände losriss und durchging. Auf der Bahn bot uns die Umzäunung zumindest ein wenig Sicherheit. Ich führte Blessing am Roundpen, dem Reitplatz und der Ovalbahn vorbei, entlang an den noch unbesetzten Hengstweiden und vorbei an meiner derzeitigen Behausung. Der Weg zur Trainingsbahn führte uns durch einen lichten Wald und Blessing hob argwöhnisch den Kopf. Auf dem Gestüt selbst kannte sie sich mittlerweile ganz gut aus, doch verlassen hatte sie es seit ihrer Ankunft noch nicht. Ich achtete ganz genau auf Blessing’s Körperhaltung. Obwohl ihr Kopf schon bald wieder herabfiel und sie weiterhin dahinschlurfte, sah ich, dass ihre wenigen Muskeln angespannt waren und unter dem Fell leicht zitterten. Ich sprach leise auf Blessing ein und lief energisch vorwärts, damit sie sah, dass ich mich vor nichts fürchtete. Bis wir die Trainingsbahn erreichten, lief eigentlich alles glatt. Blessing wirkte zwar nervös, folgte mir aber anständig. Als wir jedoch den Weg erreichten, der zum Überqueren der äußeren Bahn diente, stemmte Blessing die Beine in den Boden und rollte mit den Augen. Okay, das war zumindest einmal eine aufschlussreiche Reaktion. Dass Blessing sich vor der Bahn fürchtete, unterstützte meine Theorie, dass sie falsch trainiert worden war und ihre derzeitigen Probleme davon herrührten. Dies hier war zwar keine klassische Galopprennbahn, aber für Blessing wohl nah genug dran. Sofort verwarf ich meinen Plan, mit Blessing einen ruhigen Spaziergang um die Innenbahn zu machen. Stattdessen wendeten wir uns vom Eingang zur Bahn ab und blieben auf dem Weg, der um die äußere Bahn herumführte. So hatte Blessing die Strecke zwar immer im Blick und wurde so damit konfrontiert, musste sich aber noch nicht ihrer Angst stellen, in dem ich sie auf die Bahn führte. Davon abgesehen musste ich erst mit den Trainern des Lindö Dalen Stuteri sprechen, ob die Bahn einmal für ein bis zwei Stunden frei war. Nur dann konnte ich es wagen, mit Blessing die äußere Bahn zu überqueren. Nicht, dass die Stute sich plötzlich mitten auf der Bahn querstellte. Für heute jedoch reichte mir diese neue Erkenntnis über mein schönes Vollblutstütchen erst einmal aus. Wir hatten nun ganz konkret etwas, woran wir arbeiten konnten. Ich führte Blessing etwa eine Viertelstunde lang am Rand der Bahn entlang, dann machten wir uns auf den Heimweg. Die Stute fiel sichtbar in sich zusammen, als ihr klar wurde, dass es heute nicht auf die Bahn ging und wir wieder auf dem Weg zum Gestüt waren. Irgendwas musste bei ihrem Training auf der Rennbahn wirklich fürchterlich schief gelaufen sein. Mir war jedoch auch aufgefallen, dass Blessing tatsächlich nie aggressiv geworden war und ich glaubte fest daran, dass das junge Pferd sich tief im Innern jemanden wünschte, dem es vertrauen konnte.

      ~*~

      Freitag – 24. April 2020
      Schon vor dem Weckerklingeln war ich auf den Beinen. Übermorgen würden wir wieder nach Hause fahren! Es war unglaublich, wie schnell die Zeit hier in Schweden vorüberflog. Während der letzten beiden Tage war ich jeweils morgens und nachmittags mit Blessing zur Trainingsbahn spaziert. Zunächst waren wir eine Weile am Eingang gestanden, ohne, dass ich das junge Vollblut dazu gedrängt hatte, einen Huf auf die Bahn zu setzen. Anschließend waren wir dann im Schritt am Rand der Bahn entlanggelaufen. Gestern früh waren gerade zwei Pferde auf der Bahn trainiert worden, doch außer einem kurzen Aufreißen ihrer schönen Augen, hatte meine Blessing überhaupt nicht auf Tiere geachtet, sondern sich nur noch mehr in sich selbst verkrochen. Den Weg zur Trainingsbahn kannte Blessing mittlerweile und verlor daher auch nach und nach ihre sichtbare Anspannung. Das war allerdings auch nur insofern ein Fortschritt, als das mein Pferdchen sich nicht mehr so sehr ängstigte. An ihrer apathischen Haltung änderten auch unsere Spaziergänge an der frischen Luft nichts. Blessing zuckte wohl ab und an zusammen oder sprang zur Seite, wenn sie sich erschreckte, aber ansonsten schien sie ihre Umgebung überhaupt nicht richtig wahrzunehmen. Die einzige Ausnahme stellte unser Stehen am Eingang zur Bahn dar. Dort stand das junge Vollblut völlig unter Strom, rollte mit den Augen und bewegte sich keinen Millimeter. Außerdem begann Blessing jedes Mal stark zu schwitzen, wenn sie dachte, es gehe auf die Bahn. Das bereitete mir das Größte Kopfzerbrechen. Noch war mir nichts eingefallen, womit ich zu der jungen Stute durchdringen könnte, doch ich würde nicht aufgeben. Immerhin war dies unsere erste gemeinsame Woche. Heute sah unser Plan ein wenig anders aus. Am Vormittag wollte ich mit Blessing mal wieder in den Roundpen gehen, um die Stute ein paar Runden traben zu lassen und am Nachmittag wollte ich versuchen, sie wenigstens ein paar Schritte auf die Bahn zu führen. Ich hatte extra mit den Besitzern und Trainern des Lindö Dalen Stuteri gesprochen und sie hatten mir für heute Nachmittag grünes Licht gegeben. Wie jeden Morgen bereitete ich zuerst Blessing’s Frühstück vor uns fütterte die junge Stute. Für die Zeit auf dem Gestüt zu Hause hatte ich bereits einen Termin mit einem Hufschmied vereinbart und später am Tag wollte ich auch einen beim Tierarzt ausmachen. Diesem zusätzlichen Stress wollte ich Blessing allerdings nicht hier in Schweden aussetzen, zumal die Stute keine gesundheitlichen Probleme hatte, die sofortigen Eingriff erforderten. Blessing verputzte ihr Frühstück wie jeden Morgen bis auf den letzten Krümel und ich bildete mir ein, dass sie ganz langsam etwas mehr Gewicht zulegte. Aber es würde natürlich noch eine ganze Weile dauern, bis Blessing wie ein gesundes vierjähriges Vollblut aussah. Nachdem ich mich auch selbst gefüttert hatte, verschwand ich sofort wieder, um Blessing von der Weide zu holen. Mir war klar, dass ich mich gerade ein bisschen von den anderen abschottete, doch in Gedanken war ich einfach die ganze Zeit über bei meinem Makeover-Pferdchen. Ich holte Blessing von der Koppel und band sie am Putzplatz fest. Gestern Mittag hatte ich mich dem roten Langhaar der schönen Stute gewidmet, weshalb sie nun ziemlich wild aussah. Gerade aus der Mähne hatte ich einiges Herausschneiden müssen. Zudem hatte ich die gesamte Mähne auf sportliche Länge gekürzt. So würden die ehemals verfilzten Stellen nicht so lange herausstechen. Auch im Schweif hatte Blessing nun das ein oder andere „Loch“. Das war mir besonders schwergefallen, da Schweifhaare so lange brauchten, um wieder nachzuwachsen. Allerdings war mir auch nichts anderes übrig geblieben. Ich holte mir eine Kardätsche aus der Putzbox und begann damit, Blessings Fell zu Bürsten. Den Striegel hatte ich bisher nie genutzt. Zum einen war Blessing noch nie wirklich dreckig gewesen, zum anderen war sie so knochig, dass ihr die Behandlung mit dem Striegel wahrscheinlich nicht sonderlich gut gefallen hätte. Als Blessing’s fuchsfarbenes Fell in der Morgensonne glänzte, fuhr ich mit den Fingern durch Mähne und Schweif, kratzte die Hufe aus und schnappte mir anschließend meine Schmusebürste, um Blessing’s weißes Gesicht zu reinigen. Wie immer ließ die Stute nicht erkennen, ob ihr die Aufmerksamkeit nun gefiel oder nicht. Da ich seit unserem ersten Spaziergang aber wenigstens wusste, dass Blessing durchaus Angst zeigen konnte, machte ich weiter wie gehabt. Ich wollte Blessing gerade losbinden, da kam Collin auf mich zu. Auf dem Arm hatte er ein großes Paket und ich strahlte. Blessing’s Ausrüstung war da! Ich eilte dem jungen Mann entgegen und nahm ihm dankend mein Paket ab. Dann öffnete ich es, so leise wie möglich, um Blessing nicht unnötig zu erschrecken. Zum Vorschein kam eine Karte mit Glückwünschen für das Makeover. Die Sachen darunter waren in feines Papier gewickelt. Ich packte zuerst die wunderschöne karierte Fleecedecke aus. Dem folgten das Halfter mit Teddyfell, der gemusterte Strick, die Bandagen und zum Schluss die Gamaschen. Glücklich musterte ich mein neues Zubehör. Shopping mal anders. Als ich aufblickte, bemerkte ich, dass Blessing mich mit gespitzten Ohren beobachtete. Als sie meinen Blick bemerkte, sah sie aber schnell weg und ließ die Ohren zur Seite fallen. Ich nahm die Decke hoch und hob sie Blessing vor die Nase. Wie üblich interessierte sich die junge Stute nicht sonderlich dafür. Ich breitete die Decke aus, befühlte den weichen Stoff und legte sie dann über Blessing’s Rücken. Das Zubehör passte perfekt und die Farbe stand meinem jungen Vollblut wunderbar. Glücklich mit meiner Wahl nahm ich die Decke wieder ab und legte Blessing stattdessen die Gamaschen an. Auch sie passten wie angegossen und kamen wie gerufen für das heutige Training. Da Blessing so unkonzentriert war, hatte ich immer Angst, dass sie sich beim Freilaufen selbst in die Hacken trat und sich so verletzte. Dieses Risiko minimierten wir nun mit den Gamaschen. Ich packte die restliche Ausrüstung zusammen und verstaute alles in der Sattelkammer, in der jedem von uns ein kleiner Bereich freigeräumt worden war. Das Lindö Dalen Stuteri hatte wirklich ganze Arbeit für unsere Unterbringung geleistet. „So meine Süße, jetzt lass uns ein bisschen arbeiten!“, sagte ich fröhlich und führte Blessing hinüber zum Roundpen. Die Absprache mit den anderen Trainern funktionierte wirklich hervorragend. Jeder hielt sich an seine Trainingszeiten und jeder konnte alle Trainingsmöglichkeiten für sich und sein Pferd voll ausnutzen. Ich führte Blessing in den Roundpen und schloss das Tor hinter uns. Dann nahm ich der Stute den Strick ab und ließ sie mit einem leisen Schnalzen im Schritt vorwärts gehen. Immerhin brauchte es inzwischen nicht mehr mehr als das, um Blessing in Bewegung zu setzen. Auch sah die Stute durch das regelmäßige Putzen und das gesäuberte Langhaar wesentlich besser aus. Nur an ihrer inneren Verfassung hatte sich noch nichts verändert. Ich seufzte, bis ich an den Augenblick vorhin dachte, in dem Blessing mich beobachtet hatte. Der wache Blick, die gespitzten Ohren. Das war das junge Pferd, das ich hervorlocken wollte. Und eigentlich zeigte das ja auch, dass Blessing sich sehr wohl für mich interessierte und sich bisher nur einfach nicht traute, aus ihrem Schneckenhaus hervorzukommen. Aber im Grunde genommen war jede Sekunde, in der mein Pferdchen Interesse zeigte, ein Schritt in die richtige Richtung. Ich trat einen Schritt auf Blessing zu und forderte sie auf, in den Trab überzugehen. Blessing reagierte beinahe sofort, latschte aber wieder dahin, als wäre sie 35 Jahre alt und leide unter einem Hüftschaden. „Du bist doch so ein wunderschönes Pferd. Und noch so jung. Magst du nicht mal versuchen, ein bisschen anmutiger zu laufen? Ich bin mir ganz sicher, dass du das kannst.“, schmeichelte ich dem jungen Vollblut. Doch Blessing drehte nur weiter stoisch ihre Runden. Sobald wir daheim auf meinem Gestüt waren und der Hufschmied mir grünes Licht gegeben hatte, wollte ich Blessing’s Training mit ein paar Trabstangen bereichern. Damit musste die junge Stute zumindest darauf achten, wohin sie ihre Füße setzte. Vielleicht würde sie diese Herausforderung aus ihrer Lethargie herausholen. Vorerst genügte es mir aber, dass das junge Pferd zumindest ein wenig Bewegung bekam. In den Galopp wollte ich Blessing hier im Roundpen erst wieder bringen, wenn sich ihre Balance gebessert hatte. Sonst würde ich ihr mehr schaden als nützen. Plötzlich knallte irgendwo auf dem Hof etwas. Ich zuckte zusammen und Blessing machte einen Satz nach vorn und rannte im Stechtrab los. Das Ganze hielt nur etwa zehn Sekunden an, doch in dieser kurzen Zeitspanne hatte ich einen Blick auf einen wunderbaren Trab erhaschen können. Blessing hatte die Füße gehoben und war richtig untergetreten. „Ich hatte also recht.“, sagte ich leise. Dann ging ich zu dem schwitzenden Pferdchen hinüber, ließ die Stute anhalten und strich ihr beruhigend über die Stirn. Nur ein leichtes Flackern in Blessing’s Augen und ein kleines Zittern ihrer Muskeln verrieten mir, dass die Stute noch nicht so cool war, wie sie im Moment tat. Ich ließ das Stütchen stehen, den Strick fallen und begann damit, sie zu massieren. Blessing sollte lernen, dass sie nicht bestraft wurde, wenn sie sich erschreckte. Höchstwahrscheinlich war nämlich genau das in der Vergangenheit geschehen. Zumindest würde das erklären, warum Blessing sich so sehr in sich selbst verkroch, auch wenn sie noch Angst hatte. Das war eigentlich völlig untypisch für ein Pferd, lautete die Devise doch: Kampf oder Flucht, wobei Letzteres in der Regel überwog. Ganz allmählich hörte das Zittern unter Blessing’s Fell auf, die Stute schwitzte nicht mehr und ihr Atem wurde ruhiger. Ich ging wieder in die Mitte des Roundpen und forderte sie auf, erneut im Schritt anzutreten. Das war wichtig, damit ich das Training mit einem positiven Erlebnis abschließen konnte. Ich ließ das junge Vollblut nur noch zwei Runden auf jeder Hand laufen, dann hakte ich den Führstrick ein und führte sie zurück zum Putzplatz. Wichtig war ja schließlich nicht die Länge der Trainingseinheiten, sondern die Kontinuität. Ich nahm Blessing die Gamaschen ab und wusch das Pferdchen gründlich. Blessing schloss halb die Augen, was ich einfach einmal als gutes Zeichen wertete. Vielleicht erkannte die junge Stute ja langsam, dass ihr vor mir keine Gefahr drohte.

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      Als ich mich am Nachmittag in meinem Laptop einloggte, um Ana anzurufen, blieb der Anruf unbeantwortet. Sofort machte ich mir Sorgen. War etwas passiert? Ana und ich hatten diese Zeit ja extra vereinbart, warum nahm sie dann nicht ab? Unruhig tigerte ich auf und ab, bis ich nach einer halben Stunde schließlich das Telefon im Stallbüro anrief. Aufgrund der hohen Telefongebühren tat ich das normalerweise nicht, aber ich machte mir inzwischen riesige Sorgen. Aber auch hier ging keiner ran. Vor meinen Augen spielten sich die schrecklichsten Szenen ab und als plötzlich ein Skype-Anruf einging, ließ ich vor Schreck beinahe mein Handy fallen. „Sammy!!! Es ist eine Stute! Kagami hat ein Stutfohlen bekommen! Und mein Gott, sie ist so schön.“, schrie Ana ins Telefon. Mein Gesicht wurde aschfahl, bevor es sich wieder aufhellte. „Kagami hat gefohlt? Jetzt gerade? Erzähl mir alles!“, verlangte ich atemlos. Kagami war von dem Red Roan Hengst Smarty Jones gedeckt worden und ich hatte mir sehr viel aus dieser Anpaarung versprochen, zumal Kagami’s erstes Fohlen Princess etliche Rennen gewonnen hatte. „Kagami war heute morgen unausstehlich, deshalb haben wir sie vorsichtshalber im Stall gelassen. Kurz nach dem Mittagessen ist dann die Fruchtblase geplatzt und dann ging eigentlich alles ziemlich schnell. Kagami hat ihre Sache ganz toll gemacht. Ich bin mir nur mit der Farbe des Fohlens ein wenig unschlüssig. Es ist entweder ein Palomino oder tatsächlich ein Palomino Roan. Das werden wir aber wahrscheinlich erst in den nächsten Tagen sehen. Auf jeden Fall ist es gesund und munter und schon kräftig am Saugen. Es ist quasi gleich nach der Geburt aufgestanden und hat einfach nicht aufgegeben, wenn es zurück ins Stroh geplumpst ist. Ich glaube, da haben wir eine richtige Kämpferin bekommen.“, sprudelte Ana hervor. Ich lächelte und konnte es kaum noch erwarten, das neue Hollybrook-Baby zu bekommen. „Da du jetzt weißt, dass es ein kleines Stütchen geworden ist, wie willst du sie nennen?“, fragte Ana mich neugierig. Ich grinste. Jeder wusste, dass ich mir schon im Vorhinein immer einige Namen für die zukünftigen Fohlen überlegte, doch ich hielt sie streng geheim, bis das Baby dann da war. Gerade Ana machte das vollkommen wahnsinnig. „Ich habe zwei Namen im Auge. Einer davon wird es wohl werden.“, lachte ich und Ana schnaubte entrüstet. „Naja, du kommst ja übermorgen wieder her, spätestens dann wirst du es uns wohl sagen müssen!“, sagte sie leicht eingeschnappt. Dann machte sie eine kurze Pause und meinte: „Aber Sammy? Kagami macht uns ziemliche Schwierigkeiten. Sie ist fast ausgerastet, als ich die Box betreten wollte, um nach dem Fohlen zu sehen und selbst als wir ihr Futter gebracht und die Einstreu erneuert haben, hätte sie uns fast den Kopf abgerissen. Ich hab von den anderen gehört, wie sie damals bei Princess war und ich fürchte, diesmal ist es noch schlimmer.“ Ich hörte Ana geduldig zu und seufzte. „Ich hatte wirklich gehofft, dass es diesmal besser wird. Wenn sich Kagami’s Verhalten nicht ändert, werde ich sie nicht noch einmal decken lassen. Es ist nicht gut, wenn wir sie andauernd solchem Stress aussetzen. Aber jetzt beruhigt euch alle ersteinmal, immerhin ist das Fohlen gerade mal eine Stunde alt.“, beruhigte ich meine Freundin und Angestellte. „Wie steht es denn mit den anderen Stuten?“, fragte ich dann. Mit Kagami’s Fohlen hatten ja alle schon am Dienstag gerechnet und dann hatte sich die erfolgreiche Palominostute mit der großen Laterne doch noch ein paar Tage mehr Zeit gelassen. „Alles unverändert. Aber wir behalten sie im Auge und ich rufe dich sofort an, wenn es etwas Neues gibt!“, versprach Ana mir hoch und heilig. „Okay, dann gehe ich jetzt mal rüber zu Blessing. Kümmert euch gut um Kagami und ihr Baby und lasst euch von ihrem Gehabe nicht einschüchtern. Immerhin brauchen sie und ihr Kleines jetzt viel Pflege. Ihr könnt mich jederzeit anrufen, falls etwas sein sollte!“, schärfte ich Ana noch einmal ein. Dann verabschiedeten wir uns voneinander und ich ging hinaus zu den Stutenkoppeln. Kagami machte mir zwar Sorgen, aber ich freute mich riesig über das neueste Mitglied der Hollybrook-Familie und konnte es kaum erwarten das kleine Stutfohlen zu sehen. Ich hatte zwei Stutennamen mit „K“ auf meiner Liste, die mir besonders gut gefielen. Karma El Assuad und Khaleesi El Assuad. Sollte Kazumi Princess ebenfalls ein Stutfohlen gebären, würde ich beide Namen vergeben, denn bisher hatte ich mich noch nicht entscheiden können. Auch für einige der anderen Fohlen hatte ich bereits Namen im Kopf, doch endgültig entscheiden würde ich mich erst, wenn ich die Pferdebabys vor mir hatte. So in Gedanken versunken, wäre ich beinahe mit Occu zusammengestoßen, die mich lachend fragte, auf welcher Wolke ich denn gerade gewesen sei. Ich erzählte ihr die frohe Botschaft und sie beglückwünschte mich zu dem neuen Vollblutpferdchen auf meinem Gestüt. Occu besaß selbst Kagami’s Mutter, die berühmte Rennstute Khiara El Assuad und war daher natürlich besonders an deren Nachkommen interessiert. Wir unterhielten uns kurz über die Fohlen, die wir für dieses Jahr geplant hatten, dann ging ich weiter zu Blessing. Das Fell der jungen Stute war noch sauber vom Waschen, daher kratzte ich ihr nur kurz die Hufe aus und legte dem Vollblut Gamaschen an, bevor wir uns auf den Weg machten. Auch dieses Mal blieb ich wieder vor dem Eingang der Trainingsbahn stehen und ließ Blessing Zeit, sich zu beruhigen. Denn noch immer wurde die junge Stute nervös, wenn wir uns dem Bahneingang näherten. Dann führte ich sie ein Stückchen um die Bahn, wendete und blieb wieder vor dem Eingang stehen. Das wiederholten wir solange, bis Blessing sich nicht mehr aufregte, wenn wir den Bahneingang passierten. Ich atmete tief durch und machte einen Schritt auf die Bahn. Blessing warf den Kopf hoch und rollte die Augen. „Na komm mein Mädchen. Dir passiert hier nichts, versprochen. Ich möchte nur, dass du mit allen vier Hufen auf der Bahn stehst, mehr haben wir heute gar nicht vor.“, sagte ich leise zu dem verängstigten Stütchen. Blessing war zur Salzsäule erstarrt und auch ich bewegte mich nicht. Der Strick hing locker durch, denn ich wollte keinen Druck auf Blessing ausüben. Ich wartete in aller Ruhe ab, dass sie den nächsten Schritt machte. Nach einer gefühlten Ewigkeit – mir wurde schon langsam der Arm lahm – nahm Blessing ihren hübschen Kopf herunter und entspannte sich ein wenig. Ich ging einen Schritt rückwärts und das Spiel wiederholte sich. Ich verlor jegliches Zeitgefühl. Einige andere Teilnehmer des Horse Makeovers führten ihre Pferde an uns vorbei, doch Blessing beachtete sie gar nicht. Ihre großen schönen Augen waren einzig und allein auf die Trainingsbahn gerichtet. Allerdings hatte ich auch nicht erwartet, dass sich Blessing von anderen Pferden beeinflussen lassen würde. Die junge Stute stand immer noch stets abseits der anderen Pferde, daher hätte es mich gewundert, wenn sie nun Schutz bei ihnen suchen würde. Irgendwann waren wir soweit, dass Blessing mit den Vorderhufen auf der Trainingsbahn stand. Ich redete geduldig auf sie ein, drängte sie jedoch nicht. Blessing musste wirklich schlechte Erfahrungen auf der Rennbahn gemacht haben, sonst wäre das sonst so apathische Pferd nun nicht so ängstlich. Ich lockte des junge Pferd immer weiter vorwärts, bis wir schließlich in der Mitte der Bahn standen. Genau deshalb hatte ich vorher auch abgeklärt, wann wir unsere Übung durchführen konnten. Blessing sah sich mit geweiteten Augen um und zuckte bei jedem Geräusch zusammen. So kannte ich die junge Stute noch überhaupt nicht und mir tat das Herz weh, bei dem Gedanken, was sie wohl durchgemacht hatte. Ich trat auf Blessing zu und kraulte sie hinter den Ohren. Nach einer Weile senkte das Fuchsstütchen den Kopf. Ich lobte sie ausgiebig und führte sie von der Bahn hinunter. Für heute hatte ich mein Ziel erreicht, doch es würde noch ein langer Weg werden.

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      Samstag – 25. April 2020
      „Brrrrrrrr…Brrrrrrr…Brrrr.“ Erschrocken fuhr ich hoch, als mein Telefon auf dem Nachttisch vibrierte. Es war noch stockdunkel und ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass es drei Uhr in der Nacht war. Sofort war ich hellwach. Wer mich um diese Zeit anrief, hatte mir dringendes mitzuteilen. Ich nahm ab und meldete mich ängstlich. „Sammy?“, schluchzte Ana ins Telefon. Meine Kehle schnürte sich zusammen. Irgendetwas stimmte nicht. Ging es Kagami nach der Geburt vielleicht schlecht? Oder war etwas mit ihrem Baby? „Es geht um Leveneza. Sie hat ihr Baby bekommen. Zu früh. Und es ist so klein und schwach. Außerdem war es eine schwere Geburt, wir mussten den Tierarzt rufen. Gott, ich wünschte, du wärst da. Ich fühle mich so hilflos.“, weinte Ana. Ich schluckte. Leveneza war als eine der letzten Stuten gedeckt worden und hätte noch knapp drei Wochen bis zum Geburtstermin gehabt. „Beruhige dich, Ana. Das Baby lebt und der Tierarzt ist da, ja? Und Leveneza hat es einigermaßen überstanden?“, fragte ich. „Levi ist ziemlich fertig. Aber um ihr Baby mache ich mir mehr Sorgen. Sie steht nicht auf, versucht es nicht einmal. Der Tierarzt sagt, wir sollen sie halten, weil die Stutenmilch in diesen ersten Stunden so wichtig für das Fohlen ist. Aber ich wollte erst dich anrufen.“, berichtete Ana leise. „Alles gut, Ana. Der Tierarzt hat recht. Ihr müsst das Fohlen stützen, damit es Muttermilch bekommt. Levi ist so umgänglich, dass sie euch bestimmt keine Probleme macht. Auch sie will, dass es ihrem Baby gut geht, da bin ich mir sicher.“, versuchte ich die junge Frau zu beruhigen. Es war Ana’s erste Fohlensaison auf einem Gestüt und wenn etwas schief lief war das immer hart. Auch ich musste schlucken. Bisher hatte ich in meiner Laufbahn erst ein Fohlen verloren und das verfolgte mich noch heute. Die Stute damals hatte mir allerdings nicht gehört und an Leveneza hing ich wesentlich mehr. Es wäre furchtbar, wenn ihr Baby es nicht schaffen würde. Eine Träne rollte mir über die Wange. „Kannst du heute Nacht bei dem Kleinen bleiben? Morgen komme ich zurück und dann werden wir alles tun, um das Baby durchzubringen. Aber Ana, bis dahin müsst ihr durchhalten. Brian, Samuel und Donald wissen, was in einem solchen Fall zu tun ist. Das haben wir oft genug durchgesprochen. Gib mir Brian am Besten mal.“, sagte ich mit fester Stimme. Kurz darauf war mein junger Trainer am Apparat. Es wunderte mich nicht, dass all meine Trainingsreiter um diese Unzeit im Stall waren. Sie alle waren mit ganzem Herzblut für die Pferde da. „Natürlich, Sammy. Du hast völlig recht. Wir waren nur so aufgeregt, da haben wir deine Anweisungen einfach vergessen. Aber im Grunde wissen wir ja, was wir tun müssen. Ich verspreche dir, dass ich die Kleine durchbringen werde.“, sagte er. „Die Kleine? Es ist ein Stutfohlen?“, fragte ich heißer. Ich hatte mir für Leveneza irgendwie immer ein Stütchen gewünscht. Eines, das genauso elegant und bezaubernd war, wie die lackschwarze Schönheit selbst. Ich hörte, wie Brian lächelte als er antwortete: „Ja. Eine kleine Fuchsstute mit großen Abzeichen. Sie ist zwar winzig, aber wunderschön.“ Ich schluckte. „Okay, Brian. Dann versuch du bitte die anderen zu beruhigen und kümmere dich gut um das Kleine. Ich bin morgen zurück und dann schaffen wir das schon. Sag vor allem Ana, dass sie sich nicht zu viele Sorgen machen soll. Das hilft dem Baby nichts.“ Mit diesen Worten verabschiedete ich mich und legte auf. Inzwischen war es kurz vor vier, doch an Schlaf war nicht mehr zu denken. Um fünf stand ich für gewöhnlich sowieso auf, dann konnte ich es genauso gut gleich tun. Ich wischte mir die Tränen ab, schwang die Beine aus dem Bett und zog mich an. Da es mitten in der Nacht doch noch ziemlich kalt war, zog ich mir meine Jacke über und lief leise hinüber zu den Koppeln. Auch wenn Blessing mir noch nicht vertraute, ich musste jetzt das weiche Fell und den warmen Atem eines Pferdes spüren. Die Stuten des Makeovers sahen auf, als ich zu dieser unchristlichen Stunde auf der Koppel erschien. Selbst Blessing sah mir von ihrem Platz abseits der anderen entgegen. Ich ging auf das junge Vollblut zu und legte die Hand auf seinen warmen Hals. „Ach Blessing. Eine meiner Stuten hat ein Baby bekommen. Es ist ein kleines Fuchsstütchen, genau wie du. Es hat sogar große Abzeichen, wie du. Aber ich weiß nicht, ob es durchkommen wird. Die anderen sagen, dass es so klein und schwach ist und der Tierarzt hat uns auch nicht viel Hoffnung gemacht. Ich hasse es, mich so hilflos zu fühlen. Am liebsten würde ich sofort nach Hause fahren. Aber im Grunde genommen könnte ich ja doch nichts tun.“, ließ ich meiner Trauer freien Lauf. Blessing hielt ganz still und hatte die Ohren nach hinten in meine Richtung gewandt. Es war das erste Mal, dass sie das tat. Vielleicht brachte mich meine eigene Verzweiflung meinem Makeover Pferd näher. Im Moment genoss ich einfach nur den Augenblick.

      Als ich an diesem Morgen beim Frühstück saß, fragten mich mehrere Teilnehmer, ob es mir gutging. Die letzte Nacht war nicht spurlos an mir vorüber gegangen. Meine Augen waren rot und geschwollen und ich war ziemlich in Gedanken versunken. Ich erklärte ihnen bereitwillig die Situation und alle waren sehr mitfühlend und bemüht, mir Mut zu machen. Das kleine Fohlen, das ich noch nie gesehen hatte, hatte jetzt schon einen Fanclub. Alle wollten, dass das Stütchen überlebte. Als Nicolaus von der ganzen Sache hörte, fragte er, ob ich nicht heute schon abfahren wollte, doch ich lehnte dankend ab. Blessing und ich hatten heute noch einen wichtigen Schritt zu erledigen und ich war mir sicher, dass das Baby daheim bestens umsorgt wurde. Nach dem Frühstück ging ich zu meiner Fuchsstute hinaus und holte sie von der Koppel. Irgendetwas hatte sich verändert. Blessing beobachtete mich nun immer häufiger, wenn sie dachte, ich würde nicht hinsehen. Mir jedoch fiel die Veränderung durchaus auf und ich fragte mich, ob es mit meiner Traurigkeit heute Nacht zu tun hatte. Ich wollte Blessing heute früh nur ein wenig herumführen und heute Nachmittag dann noch einmal mit ihr auf die Rennbahn gehen. Morgen würden wir dann direkt nach dem Frühstück nach England aufbrechen. Immerhin hatten wir einen weiten Weg vor uns. Ich putzte die junge Stute gründlich und legte ihr Gamaschen an. Sie hatten sich in unserem Training schon einige Male bewährt und ich war heilfroh, dass Blessing’s Beine geschützt waren. Eine Verletzung war nun wirklich das Letzte, was wir brauchten. Nachdem Blessing fertig fürs Training war, band ich sie los und schlug heute einmal den Weg in die andere Richtung ein. Wir gingen vorbei an den Koppeln der Pferde des Makeovers und liefen dann einen kleinen Weg entlang, der laut Collin zu den Weiden der Jungpferde führte. Blessing schlurfte zwar immer noch vor sich hin, sah sich aber immer einmal wieder um. Das hatte sie früher nicht getan und dieser Funke von Interesse verdrängte meine trübselige Stimmung ein wenig. Immerhin machte das Fuchsstütchen Fortschritte. Blessing und ich waren nun jeden Tag gelaufen und hatten unsere Distanz allmählich vergrößert. Heute waren wir das erste Mal über eine Stunde unterwegs und legten zwischendurch auch kleinere Passagen im Trab zurück. Blessing begann im Trab zwar recht schnell zu schwitzen, kühlte im Schritt aber auch immer rascher wieder ab. Für mich ein sicheres Zeichen, dass ihre Kondition besser wurde. Wir liefen an den Koppeln entlang und beobachteten die Jungpferde, die dort herumtollten. Hoffentlich würde Leveneza’s Tochter im nächsten Jahr auch so über die Weiden springen können. Ich schüttelte den Kopf, um die Gedanken an das kleine Stutfohlen zu vertreiben. Als das Gestüt wieder in Sicht kam, war es bereits Mittag. Ich versorgte Blessing liebevoll, wusch sie gründlich ab und brachte sie dann zurück auf die Koppel. Blessing schlurfte sofort an ihren Stammplatz, blickte dann aber zu mir zurück, bevor sie ein paar Halme Gras rupfte. Ich lächelte. Wir machten definitiv Fortschritte, auch wenn sie klein waren.

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      An diesem Nachmittag telefonierte ich zuerst mit Ana. Samuel war gerade bei Leveneza und ihrem Baby und Brian hatte sich ein wenig hingelegt, da er die Nacht über und den ganzen Morgen auf die zwei Stuten aufgepasst hatte. Stündlich stellten sie das Babypferdchen auf, damit es ein wenig Muttermilch zu sich nehmen konnte und Leveneza unterstützte sie nach Kräften. Immerhin zog die junge Stute mit. Leider gab es auch immer wieder Stuten, die sich um solch schwächliche Fohlen nicht kümmerten. Ich war heilfroh, dass dies bei Leveneza eindeutig nicht der Fall war. „Jeder liebt die Kleine. Aber bei Kagami’s Fohlen ist es nicht anders. Es ist übrigens tatsächlich ein Roan! Wie toll, dass deine Wunschfarbe bei der Anpaarung herausgekommen ist. Das Kleine ist putzmunter und springt schon in der Box herum. Aber wir alle sind froh, wenn du wieder hier bist. Noch so eine Geburt möchte keiner von uns ohne dich erleben.“, schloss Ana ihren Bericht ein wenig traurig. „Ach Ana, so etwas wollen wir auch nicht noch einmal erleben, wenn ich da bin. Ich hätte das Ganze ja auch nicht verhindern können. Aber die erste Nacht hat das Baby überstanden, das ist schon einmal ein gutes Zeichen. Ich fahre morgen gleich nach dem Frühstück mit Blessing hier los. Vergesst ihr nur bitte über den ganzen Trubel nicht, die Box für unser Makeover-Pferdchen herzurichten. Blessing zeigt endlich ganz langsam Interesse an mir und ihr soll es an nichts fehlen. Ana hörte mir aufmerksam zu und sagte, dass die Box schon vorbereitet sei. „Wir müssen sie morgen nur noch einstreuen und Heu hineinlegen. Alles weitere ist erledigt.“, beteuerte sie mir. Wir verabschiedeten uns und Ana wünschte mir schon einmal eine gute Fahrt, da wir uns vor meiner Abfahrt morgen wohl nicht mehr hören würden. Wenn nichts Schlimmes dazwischen kam. Sofort schalt ich mich in Gedanken selbst. Solch eine negative Denkweise passt eigentlich überhaupt nicht zu mir und ich hatte ganz sicher nicht vor, mir diesen Zug anzueignen. Ich zog mich um, schnappte mir einen Apfel und ging hinüber zur Stutenkoppel. Blessing hob kurz den Kopf, als sie mich sah und ein Lächeln huschte über mein Gesicht. Ich hielt ihr den Apfel hin und nach kurzem Zögern nahm sie ihn mir vorsichtig von der Hand. Liebevoll strich ich Blessing über die weiße Stirn und führte mein Pferdchen dann von der Koppel. Wie gewohnt machte ich Blessing in aller Ruhe fertig und führte sie dann den Weg zur Trainingsbahn entlang. Inzwischen war das junge Vollblutpferd schon wesentlich entspannter, wenn wir hier entlang kamen. Vor dem Eingang der Trainingsbahn zögerte Blessing jedoch wieder und es dauerte wieder einige Zeit, bis ich sie auf der Bahn hatte. Anstatt das Training nun jedoch wie am gestrigen Tag zu beenden, führte ich Blessing weiter, um auf die innere Bahn zu gelangen. Wir würden nach unserem ausgiebigen Spaziergang heute Morgen jetzt nicht mehr viel machen, ich wollte lediglich, dass Blessing ein paar Schritte um die Bahn lief, um zu sehen, dass ihr dabei nichts passierte. Ein Zittern lief über den Körper der jungen Stute, doch dann setzte sie sich in Bewegung und folgte mir an der Hecke entlang. Ich ging nur etwa zweihundert Meter mit Blessing, dann drehten wir um und liefen dieselbe Strecke in die andere Richtung. Zum Schluss stellte ich mich mit der Fuchsstute an den äußeren Rand der Bahn und massierte sie ein wenig. Dazu hängte ich mir den Führstrick in die Armbeuge – man konnte ja nie wissen. Nach diesem Etappenerfolg führte ich Blessing wieder zurück zum Hof, befreite sie von ihrer Ausrüstung und bereitete ihr abendliches Mash zu. Dann rieb ich ihr sachte über das weiche, rosarote Maul und führte sie zurück zur Koppel. „Genieß deine letzte Nacht in Schweden, mein Mädchen. Morgen fahren wir nach England, in dein neues Zu Hause!“, sagte ich dann leise zu ihr, bevor ich zum Abschlussabendessen in den Aufenthaltsraum ging. Es war toll gewesen, sich jeden Tag mit den anderen Teilnehmern auszutauschen und das Training mit nur einem einzigen Pferd war pure Erholung für mich gewesen. Dennoch freute ich mich auf die morgige Heimfahrt und darauf, meinen Hof, meine Tiere und meine Angestellten wiederzusehen. Und natürlich freute ich mich ganz besonders auf die beiden neuen Hollybrook-Fohlen!

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      Sonntag – 26. April 2020
      Ich fütterte Blessing an unserem letzten Tag wie gewohnt früh am Morgen. Danach ging ich zurück in mein Zimmer und packte meine Sachen zusammen. Als ich zum gemeinsamen Frühstück aufbrach, war mein Zimmer bereits geputzt und all meine Sachen waren sicher im Auto verstaut. In der Sattelkammer befanden sich nun nur noch Blessing’s Halfter und Führstrick, die Fesselkopfgamaschen für vorne und hinten, sowie die Fleecedecke. Den Transporter hatte ich mit einem Heunetz ausgestattet, damit Blessing auf der langen Fahrt ein wenig Futter hatte. Wir hatten immerhin knapp fünfzehn Stunden Fahrt vor uns. Ich frühstückte, bis ich pappsatt war und packte mir mit Collins Erlaubnis ein Lunchpaket für die Fahrt. Einen Kanister mit Wasser für Blessing hatte ich selbstverständlich auch dabei. Nach dem Frühstück verabschiedete ich mich vergleichsweise schnell von den anderen Teilnehmern. Manche hatten eine noch längere Anreise als ich, andere hatten einen recht kurzen Weg. Dann holte ich Blessing von der Koppel, putzte sie kurz über, kratzte die Hufe aus und legte ihr dann Gamaschen und Decke an, um sie für den Transport vorzubereiten. Ich hatte mich gegen eine Sedierung entschieden, da Blessing bisher immer sehr ruhig gewesen war. Ich öffnete meinen Transporter und führte Blessing zur Rampe. Die Stute zögerte kurz, ging dann jedoch mit gesenktem Kopf die Rampe hinauf. Scheinbar war sie schon des Öfterem im Transporter gefahren. Ob das nun gut oder schlecht war, würde sich noch zeigen. Ich band mein Vollblut-Stütchen fest, versicherte mich, dass es ihr an nichts fehlte und schloss dann sorgfältig die Rampe. Dann verabschiedete ich mich nochmals von den anderen Teilnehmern und auch von den Veranstaltern. Benni versicherte uns allen grinsend, dass wir uns ja bald wieder sehen würden. Ich schmunzelte, stieg in mein Auto und fuhr winkend vom Hof. Dann drehte ich die Musik auf und stellte mich auf die Fahrt ein. Die Fahrt durch Schweden verlief relativ kurz und ereignislos. Schon nach knapp drei Stunden waren wir am Fähranleger von Rodby. Ich war ein wenig besorgt, wie gut Blessing die Überfahrt verkraften würde, zumal wir ja heute gleich zweimal mit der Fähre unterwegs sein würden. Daher hatte ich mich schon bei der Hinfahrt darauf eingestellt, auf dieser Route während der Überfahrt unter Deck bei meinem Pferd zu bleiben. Wir bekamen einen Platz auf der nächsten Fähre und ich steuerte mein Auto samt Hänger vorsichtig auf den uns zugewiesenen Platz. Sobald wir sicher standen, stellte ich den Motor ab, schloss das Auto zu und ging zu meinem jungen Vollblut in den Hänger. Blessing’s Augen wurden groß, als der Motor der Fähre lauter wurde und wir uns langsam in Bewegung setzten. Es war ein großes Schiff und dennoch war der Wellengang deutlich zu spüren. Ich strich meinem Stütchen beruhigend über den Hals und massierte sie ausgiebig, während ich leise vor mich hinsummte. Glücklicherweise dauerte die Überfahrt von Schweden nach Deutschland nicht allzu lange. Von Puttgarden, wo die Fähre anlegte, ging es quer durch den Norden Deutschlands, vorbei an Hamburg, Bremen und Dortmund. Auf den Straßen war nicht viel los und darüber war ich mehr als dankbar. Blessing war auf der Fahrt ziemlich ruhig und schwitzte auch nicht, als wir kurz vor der niederländischen Grenze eine längere Pause einlegten. Zu diesem Zeitpunkt waren wir bereits acht Stunden unterwegs. Das junge Pferd schlug sich jedoch sehr gut. Ich füllte erneut Blessing’s Wassereimer, entfernte Pferdeäpfel aus der Streu und füllte Heu nach. Außerdem band ich Blessing los und führte sie ein wenig auf dem Parkplatz des Autohofs herum. Ich hatte mich extra nicht für eine Autobahnraststätte entschieden, damit wir ein wenig mehr Ruhe hatten. Nachdem ich Blessing’s Muskeln gelockert hatte, bekam sie ihr Mash, wofür ich extra meinen Wasserkocher eingepackt hatte. „Nur noch knapp sieben Stunden mein Mädchen, dann sind wir endlich zu Hause.“, sagte ich liebevoll zu dem Pferdchen. Ich genehmigte mir einen großen Kaffee und besorgte mir im Drive In ein paar Burger. Dann ging es auch schon weiter. Wir durchfuhren ein Eckchen der Niederlanden und durchquerten anschließend Belgien. Nur noch ein Land lag zwischen uns und meinem geliebten England. Als wir den Fähranleger in Calais, in Frankreich erreichten, war ich ganz schön fertig. Nur noch drei einhalb Stunden, aber eine davon konnte ich mich auf der Fähre ausruhen. Ich holte mir einen weiteren Kaffee und ging schnell zur Toilette, während weitere Autos auf die Fähre fuhren. Wir waren unter den ersten gewesen, daher hatte ich einige Minuten Zeit, bis wir ablegen würden. Anschließend ging ich mit meinem Kaffee, zwei Brötchen und einem Apfel zu Blessing in den Hänger. Ich verfütterte den Apfel an sie und setzte mich auf den Boden. Blessing stand mit gesenktem Kopf da und döste vor sich hin und ein paar Minuten später war ich selbst eingeschlafen. Erst als die durchdringende Ansage über das Parkdeck schallte, dass wir in wenigen Minuten anlegen würden, wachte ich wieder auf. Nach diesem kurzen Schläfchen fühlte ich mich wieder frischer und war bereit für die letzte Etappe unserer Reise. Blessing machte zwar einen sehr müden Eindruck, ansonsten schien es der jungen Stute jedoch gut zu gehen. Ich strich ihr über die samtene Nase und setzte mich dann ans Steuer, um den Verkehr nicht aufzuhalten, sobald wir das Schiff verlassen durften. Nun ging es vorbei an London und Winchester, bis wir bei Southampton schließlich die Schnellstraße verließen. Kurz darauf fuhr ich auf der Landstraße durch den Wald und eine halbe Stunde später kam die Zufahrt zu meinem Gestüt in Sicht. Ich seufzte erleichtert auf. Eigentlich fuhr ich nie so lange Strecken am Stück, doch ich hatte Blessing keine Nacht im Hänger oder einem fremden Stall zumuten wollen. So war die Tortour zumindest schnell vorüber. Mittlerweile war es kurz nach ein Uhr und ich spürte überdeutlich, dass ich schon seit dem Morgengrauen auf den Beinen war. Als ich den Pferdehänger vor den Stall lenkte, kam mir Ana entgegen. Sie öffnete mir die Tür und umarmte mich. „Du siehst ganz schön fertig aus. Aber das ist ja nach dieser Fahrt auch kein Wunder! Blessing’s Box ist bereit, soll ich sie herausführen?“, begrüßte Ana mich. Ich schüttelte den Kopf: „Nein, das mache ich selbst. Sie kennt mich ja jetzt und hier ist alles neu für sie. Aber ich glaube, Blessing ist genauso müde wie ich, deshalb wird es bestimmt keine Probleme geben.“ Ana ließ die Rampe des Hängers herunter und ich trat zu meinem Pferdchen. Blessing blinzelte mich müde an und ich strich ihr liebevoll über den Kopf. „Na komm meine Süße, wir sind daheim. Du warst wirklich klasse!“, lobte ich sie. Dann band ich Blessing los und dirigierte sie vorsichtig die Rampe des Pferdehängers herunter. Das Stütchen blieb stehen und zog mit zitternden Nüstern Luft ein. Ich tätschelte ihren Hals und führte sie vorwärts zum Stutentrakt. Blessing folgte mir anstandslos und reagierte nicht auf das einzelne müde Wiehern, das uns entgegenschallte. Ich führte Blessing in die Box und nahm ihr Gamaschen und die Decke ab. Ihre Krippe war gefüllt, die Box dick eingestreut und die Tränke funktionierte. Blessing war so erschöpft, dass sie sich gar nicht großaratig umsah und ihre Boxennachbarin Elfentanz ließ sie in Ruhe. Elfentanz war kein aufdringliches Pferd, deshalb war es mir so wichtig gewesen, dass Blessing die Box neben ihr bezog. Ich betrachtete das junge Stütchen noch einen Augenblick lang, dann ging ich leise in den Abfohltrakt, um mir die beiden kleinen Fohlen anzusehen. Ich konnte mich vor Müdigkeit zwar kaum noch auf den Beinen halten, aber ich war eben Pferdebesitzerin mit Leib und Seele, da ging das Wohl der Vierbeiner vor. Leise betrat ich den Stall und lief sofort zu meiner Palominostute Kagami. Das schöne Tier döste stehend in seiner Box und in einer Ecke im Stroh entdeckte ich ein kleines, helles Bündel. „Hallo Baby“, flüsterte ich leise. „Begrüßen werde ich dich morgen, heute lasse ich dich schlafen.“ Kagami hatte die Augen geöffnet und kam vorsichtig zur Tür, um mich zu begrüßen und ich strich der Stute die weiße Mähne aus der Stirn. „Das hast du toll gemacht mein Mädchen. Ich werde mir dein Baby morgen genauer ansehen, okay?“, sagte ich liebevoll. Dann ging ich drei Boxen weiter zu Leveneza und ihrem Stutfohlen. Die Rappstute lag im Stroh, ihr winziges Baby direkt neben ihr. Brian döste in einer Ecke der Box. Als Ana die Boxentür öffnen wollte, schüttelte ich den Kopf. Der junge Mann hatte ein paar harte Tage und Nächte hinter sich und konnte jede Minute Schlaf gut gebrauchen. Zudem wollte ich auch Leveneza und ihr Kleines nicht aufwecken, da sie gerade so friedlich schliefen. Die Größe des Pferdebabys machte mir dennoch Angst. Es sah so klein und zerbrechlich aus, wie es da im Stroh neben seiner stattlichen Mutter schlief. Auf Zehenspitzen schlichen Ana und ich zurück in den Stutentrakt und sahen noch einmal nach Blessing. Das junge Vollblut hatte es sich im Stroh gemütlich gemacht und schlief tief und fest. Ich lächelte. Noch nie hatte ich gesehen, dass Blessing sich zum Schlafen hinlegte. Wahrscheinlich war sie die Weidehaltung mit anderen Pferden zusammen einfach nicht gewohnt gewesen. Ich lächelte und verließ den Stall. Dann wünschte ich Ana eine gute Nacht und ließ mich in Klamotten in mein Bett fallen. Das heute war ein wirklich langer Tag gewesen, aber ich freute mich bereits auf den Nächsten.

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      Montag – 27. April 2020
      Trotzdem ich nach der kräftezehrenden Fahrt erst spät ins Bett gekommen war, war ich am nächsten Morgen gewohnt früh auf den Beinen. Mein erster Weg führte mich natürlich in den Stutentrakt zu meinen Pferden. Blessing stand am hinteren Ende ihrer Box und sah durch ihr Fenster nach draußen. Ich rief nach ihr und sie wandte sich kurz nach mir um, bevor sie mich ignorierte. „Kleine Schritte.“, dachte ich mir. Immerhin hatte Blessing noch vor einer Woche überhaupt nicht reagiert, wenn sie mich sah. Da ich schonmal hier war, begrüßte ich gleich auch noch HMJ 7785 Elfentanz und ihre Freundin, die Palominostute Hollywood Undead II. Die beiden vernachlässigten Pferde waren inzwischen unzertrennlich. Ich ging die Boxenreihe entlang und knuddelte mit meinem Holsteinermädchen Coeur de Lilith, der Hannoveranerstute Cassidy und meiner alten Dame Wild Lady Roxanne. Anschließend betrat ich den Fohlentrakt und ging schnurstracks zu Leveneza und ihrem Baby. Die schöne Rappstute schwang ihren Kopf über die Boxentür und wieherte mir leise zu, als sie mich kommen sah. Ich ging auf sie zu und nahm ihren Kopf in die Arme. „Hallo, meine Schöne. Alles wird gut, ich passe jetzt auf dein Baby auf.“, tröstete ich sie, während ich die Box betrat. Das Pferdebaby lag zusammengerollt im Stroh und blinzelte mich vertrauensseelig an. Das Pferdekind hatte wesentlich mehr menschlichen Kontakt gehabt, als es Fohlen in ihrem Alter eigentlichen hatten. Brian saß immer noch in der Ecke und beobachtete das Fohlen aufmerksam. „Sie steht immer noch nicht alleine auf, aber ich habe trotzdem das Gefühl, dass sie es schaffen wird.“, sagte er leise und gähnte. „Geh schlafen Brian. Ich mache nur noch meinen Rundgang durch den Stall, dann passe ich auf die beiden auf. Du hast in den letzten Tagen mehr als genug getan.“, sagte ich dankbar. Der junge Mann nickte und stand schwankend auf. „Getrunken hat sie erst vor ein paar Minuten.“, sagte er noch. Ich dagegen kniete mich hin und strich dem Baby über den flaumigen Hals. Es schmiegte sich gegen meine Hand und zerfloss beinahe vor Rührung. Wir mussten dieses Fohlen unbedingt am Leben halten. Nur schwer konnte ich mich von Mutter und Kind losreißen, als ich weiter zu Kagami El Assuad und ihrer Tochter ging. Das kleine Tier war tatsächlich ein Palomino Roan und ich konnte mein Glück kaum fassen, diese seltene Fellfarbe gezüchtet zu haben. Die kleine Stute hatte ebenfalls gerade gefrühstückt und sprang nun ausgelassen in der Box herum. In einigen Tagen würden wir die beiden bereits auf die Koppeln hinaus bringen können. Auch Lamira und Lyna machten einen sehr guten Eindruck. Die eigensinnige Schimmelstute hatte ihre erste Geburt sehr gut überstanden und Lyna war ein richtiges Prinzesschen, das von allen auch genau so behandelt wurde. Ich stattete den restlichen trächtigen Stuten einen Besuch ab. Successful Dream stiefelte immer noch recht energisch auf der Koppel herum, während die anderen eher durch die Gegend wankten, wenn sie sich denn einmal bewegten. Ich lächelte. Es wunderte mich überhaupt nicht, dass mein junges Vollblut noch so agil war. Ana, Samuel und Donald machten gerade die Englischen Vollblutstuten PFS‘ Storm Cat, Bearing Spots, Little Miss Backyard, Success Story xx und Ace of Spades zum Training fertig. Von diesem würde ich mich heute allerdings fernhalten, um die Wache bei Leveneza und ihrem Fohlen zu übernehmen. Die Showpferde Where’s Sleep, Rosewell, My lovely Horror Kid, Saddy, Rainbow, Ehawee und Cuchara tummelten sich bereits auf den Koppeln. Sie wurden momentan weniger trainiert als die Vielseitigkeits- und Rennpferde, aber auch das würde sich in nächster Zeit wieder ändern. Auch die Ranchpferde PFS‘ Devil in Prada, Arriba, Your possible Pasts, The Morticains Daughter und My golden Heart waren zur Zeit nicht in intensiven Training. Meist ritten wir mit ihnen aus oder nahmen sie als Begleitpferde für die Jungtiere, die gerade ins Training kamen. Bevor ich meinen Rundgang nun auf den Koppeln fortsetzte, um meine Feenpferdchen, die Trainingspferde und Fohlen zu besuchen, ging ich erst einmal in den Hengststall, um meine Männer zu begrüßen. Die Vielseitigkeitspferde Cadeau, Fantastic Fly, Incendio, Pride & Prejudice und Levistino machten alle einen hervorragenden Eindruck. Auch bei den Showpferden Roi du Soleil, Shamal, Khamar al Sanaa, Negresco, Ojos Azules, Damon’s Dynamo und Amayyas war alles in bester Ordnung. Amayyas hielt wie üblich alle auf Trab, aber ich liebte meinen Geparden abgöttisch. Die beiden Westernpferde Golden Indian Summer und Dissident Hawk knabberten enttäuscht an meinem Ärmel, als sie entdeckten, dass ich ihnen nichts mitgebracht hatte. „Nehmt’s mir nicht übel meine Süßen, ich bin heute noch ziemlich müde. Morgen bringe ich euch etwas Leckeres, versprochen!“, vertröstete ich die Hengste lachend. Meine kleinsten Ponys waren bereits draußen auf den Koppeln. Der Isländer GE’s Ljósfari kam sofort zum Koppelzaun als er mich entdeckte. Das Islandpony war der geheime Liebling bei allen Gestütsbesuchern und hatte auch einen besonderen Platz in meinem Herzen. Die Minihengste Rumpelstielzchen und Darkwood’s Storm Dancing Feather stolzierten über ihre Weide und Hollybrook’s Cheeky Jot ignorierte mich. Der schöne Schecke war wahrscheinlich beleidigt, weil ich ihn solange alleine gelassen hatte. Cheeky und mich verband eine ganz besondere Beziehung und der Hengst hatte noch immer seinen eigenen Kopf. Mein Neuzugang, das spanische Warmblut Vingador stand momentan noch in einem der abgetrennten Hengstpaddocks, da er sich von einer schwerwiegenden Vernachlässigung erholen musste. Auch PFS‘ Arctic Alinghi, der wunderschöne Junghengst unter den Miniature Pferden stand zur Zeit noch alleine, da nicht sicher war, ob er sich mit den beiden älteren Hengsten verstand. Die Stuten unter den Trainingspferden standen noch im Stall. Unter ihnen waren die wunderhübschen Miniature-Pferdchen PFS‘ Beck’s Little Diva und PFS‘ Glenn’s Cookie. Mit beiden wollte ich demnächst das Training beginnen. Pashmina, Pirate’s Pride und die schöne Stute Galantis standen bereits gut im Training, während Picturesque Diova, Successful Glamour und Painted Crown Jewel ihre gesamte Karriere noch vor sich hatten. Letztere waren erst seit knapp zwei Wochen auf meinem Gestüt und ich konnte mein Glück immer noch kaum fassen, zwei solch vielversprechende Stuten ergattert zu haben. Im Fohlentrakt befanden sich derzeit nur noch die fast ausgewachsene Trakehnerstute Jeune Mariée, die Welsh D Stute PFS‘ Daydream of Money und das Araberstütchen PFS‘ Isis. Ganz zum Schluss stattete ich noch meinen Ponystuten Magical Moment, Thousand Sunny, Naboo, Aimiliani, Fairylike Facility, Isola della Pirateria, Miniature America’s Narnia und Porcelain Doll einen Besuch ab. Dann schaute ich noch einmal bei Blessing vorbei. Ich gab dem schönen Tier sein Frühstück und ließ Blessing dann in Ruhe. Heute Nachmittag durfte sie ein paar Stunden auf ein Stück Koppel, dass ich neben der Stutenkoppel abgetrennt hatte. Ansonsten aber hatte mein Makeover-Pferdchen heute frei. Immerhin war der Tag und überhaupt die ganze letzte Woche ziemlich anstrengend gewesen. Da hatte sich Blessing einen freien Tag redlich verdient. Fortschritte würden wir noch schnell genug machen. Ich dagegen hatte heute einiges zu tun. Erst einmal standen nun ein paar Stunden Wache halten bei Leveneza an und später am Tag wollte ich mir Gedanken über Blessing’s Trainingsplan machen, damit das Stütchen sich bald auf meinem Gestüt zu Hause fühlte. Ich hoffte wirklich sehr, dass ich Blessing weiter aus ihrem Schneckenhaus locken konnte und die Stute bald über die weitläufigen Weiden meines Gestüts toben würde. Den Grundstein hatten wir gelegt, nun hieß es behutsam weitermachen und darauf aufbauen. Ich war zuversichtlich, dass Blessing und ich tolle Partner werden würden.
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  • Album:
    Trainingsstall
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    Sammy
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    10 Okt. 2019
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  • HMJ 7786 Elfentanz
    --------------------------------------------------

    Spitzname: ?


    --------------------------------------------------
    ~ Abstammung ~
    Von: ?

    V: ?
    M: ?
    Aus der: ?
    V: ?
    M: ?
    --------------------------------------------------

    Rasse: Trakehner
    Geschlecht: Stute
    Geburtsdatum: 2013
    Stockmaß: 1,66m
    Fellfarbe: Brauner
    Kopfabzeichen: ///
    Beinabzeichen: ///

    --------------------------------------------------

    ~ Beschreibung & Charakter ~

    HMJ 7786 oder Elfentanz, wie wir die Stute genannt haben gehört zu den 15 geretteten Pferden aus einer illegalen Pferdemafia. Sie ist nun Teil des Horse Makeovers und kam in diesem Zuge auf das Hollybrook Stud Zuchtgestüt nach England.
    Elfentanz war höchstwahrscheinlich von Geburt an in den Händen der Pferdemafia und hat in ihrem Leben noch nicht viel Gutes erfahren. Sie ist ängstlich und unsicher uns besitzt keinen Funken Selbstvertrauen. Elfentanz war wohl mit mehreren sehr dominanten Pferden auf engem Raum eingepfercht, denn sie hat auch Angst vor den eigenen Artgenossen.
    Allerdings ist Elfentanz kein bisschen aggressiv. Sie hat wunderschöne Gänge, die sie nur zeigt, wenn sie sich unbeobachtet fühlt und kann mit viel Liebe und Fürsorge sicherlich einmal ein treuer Begleiter und vielleicht sogar ein vielversprechendes Sportpferd werden.

    --------------------------------------------------

    Punkte Horse Makeover: 222
    Pflegeberichte:
    105 Pkt.
    10.10.19: 20.149 Zeichen = 10 Pkt.
    11.10.2019: 17.501 Zeichen = 9 Pkt.
    12.10.2019: 11.431 Zeichen = 6 Pkt.
    13.10.2019: 8.240 Zeichen = 5 Pkt.
    14.10.2019: 5.986 Zeichen = 4 Pkt.
    18.10.2019: 50.436 Zeichen = 22 Pkt.
    20.10.2019: 8.416 Zeichen = 5 Pkt.
    18.11.2019: 30.244 Zeichen = 14 Pkt.
    20.11.2019: 20.263 Zeichen = 10 Pkt.
    24.11.2019: 12.622 Zeichen = 7 Pkt.
    31.12.2019: 4.999 Zeichen = 3 Pkt.
    09.01.2020: 21.726 Zeichen = 10 Pkt.

    Trainingsberichte: 8
    Dressur E-A im Dezember: 4 Pkt.
    Dressur A-L im Januar: 4 Pkt.

    HS-/TA-/ TR- Berichte: 12
    Prophylaxe, Impfen, Chippen am 11.10.2019 = 4 Pkt.
    Dressur E-A am 31.12.2019 = 4 Pkt.
    Prophylaxe am 09.01.2020 = 4 Pkt.

    Bewegungen: 38 Pkt.
    Wer ist HMJ 7786?: 5 Pkt.
    Der Tierarzt war da!: 6 Pkt.
    Eine Elfe tanzt!: 4 Pkt.
    Hilfe, ein Pferdefresser!: 8 Pkt.
    Portrait: 7 Pkt.
    Elfentanz zieht Kreise: 8 Pkt.

    Turnierteilnahmen: 32
    Teilnahme am 564. Dressurturnier: 1 Pkt.
    Teilnahme am 298. Synchronspringen: 1 Pkt.
    Teilnahme am 564. Springturnier: 1 Pkt.
    Teilnahme am 408. Militaryturnier: 1 Pkt.
    Teilnahme am 565. Dressurturnier: 1 Pkt.
    Teilnahme am 299. Synchronspringen: 1 Pkt.
    Teilnahme am 565. Springturnier: 1 Pkt.
    Teilnahme am 409. Militaryturnier: 1 Pkt.
    Teilnahme am 566. Dressurturnier: 1 Pkt.
    Teilnahme am 566. Springturnier: 1 Pkt.
    Teilnahme am 300. Synchronspringen: 1 Pkt.
    Teilnahme am 567. Dressurturnier: 1 Pkt.
    Teilnahme am 567. Springturnier: 1 Pkt.
    Teilnahme am 301. Synchronspringen: 1 Pkt.
    Teilnahme am 410. Militaryturnier: 1 Pkt.
    Teilnahme am RS 79: 5 Pkt.
    Teilnahme am 411. Militaryturnier: 1 Pkt.
    Teilnahme am 568. Dressurturnier: 1 Pkt.
    Teilnahme am 568. Springturnier: 1 Pkt.
    Teilnahme am 302. Synchronspringen: 1 Pkt.
    Teilnahme am 569. Springturnier: 1 Pkt.
    Teilnahme am 569. Dressurturnier: 1 Pkt.
    Teilnahme am 303. Synchronspringen: 1 Pkt.
    Teilnahme am 412. Militaryturnier: 1 Pkt.
    Teilnahme am 413. Militaryturnier: 1 Pkt.
    Teilnahme am 570. Dressurturnier: 1 Pkt.
    Teilnahme am 570. Springturnier: 1 Pkt.
    Teilnahme am 304. Synchronspringen: 1 Pkt.

    Turniergewinne: 31
    Monatssiegerin HMJ Oktober: 10 Pkt.
    3. Platz beim 299. Synchronspringen: 2 Pkt.
    Monatssiegerin HMJ November: 10 Pkt.
    2. Platz beim 300. Synchronspringen: 2 Pkt.
    2. Platz beim 301. Synchronspringen: 2 Pkt.
    3. Platz beim 303. Synchronspringen: 2 Pkt.
    3. Platz HMJ Dezember: 3 Pkt.


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    Besitzer: Sammy
    Vorbesitzer: Pferdemafia
    Ersteller: Canyon
    Vkr: Canyon

    --------------------------------------------------

    ~ Qualifikationen ~
    Dressur: L
    Springen: S
    Military:
    E

    --------------------------------------------------
    ~ Schleifen ~
    Monatssiegerin HMJ Oktober
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    Monatssiegerin HMJ November
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    299. SynSPR | 300. SynSPR | 301. SynSPR | 303. SynSPR
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    ~Dokumente~
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    Equiden- & Impfpass by Cooper
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    ~ Sonstiges ~
    Zuchtfähig:
    Nein
    Nachkommen: ///
    Punkte: 12 (4 Schleifen, 2x Training, Tierarzt, HS, Bild)

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    Hintergrund by Samarti! ♥
    Offizieller HG
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