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Cascar

Himmawallajugaga

Stute | Achal Tekkiner | * 02.02.2012 | im Besitz seit 21.02.2015 / 20.05.2017 | gekrönt: ja | gechippt: ja | geimpft: ja | Decktaxe/Leihgebühr: 310J

Himmawallajugaga
Cascar, 23 Nov. 2017
Lye, Kathrin Pirett und MeisterYoda gefällt das.
    • Cascar
      Sammelbericht (Canyon)
      [01.05.2017]

      Liebste Mio

      Da du mittlerweile weder per Telefon, noch per Skype oder gar per E-Mail erreichbar bist, muss es nun also über den langen Weg gehen, nämlich per Post. Die Vorstellung ist witzig, dass dieser Brief einen weiteren Weg zurücklegen wird, als ich es je getan habe und das für wenige Euro.
      Seit mittlerweile mehreren Monaten herrscht Funkstille. Was ist nur passiert? Was ist mit der alten Zeit geschehen? All die Jahre, in denen du mir nie von der Seite gewichen bist, verweht vom Winde. Ich konnte dich gut verstehen, aber mittlerweile ist eine lange Zeit seit dem vergangen. Ich will meine beste Freundin nicht verlieren!

      Allerdings will ich dir nicht schreiben, um dich mit Vorwürfen zu bewerfen. Ich brauche dich, dich meine Freundin und ich hoffe, dass du mir die Ehre erweist und diesen Brief nicht ignorierst. Es ist mein letzter Versuch, das Alte zu erhalten und trotzdem neu zu beginnen.

      Bei uns auf der Tyrifjord Ranch hat sich in den letzten Monaten so einiges getan. Wir sind gewachsen und gewachsen, haben unsere Können bewiesen und erste Fohlen gezogen. Die Ranch würde dir gefallen, glaube mir. Ich weiß, dass du in Nevada glücklich bist, aber auch Norwegen ist etwas ganz besonderes.
      Bart kann mittlerweile von einer Box zu nächsten laufen und vor allem die Katzen haben es ihm angetan. Endlich kann er zu ihnen ins Heu krabbeln und sich auf die Kleinen stürzen. Capucine hat sich mittlerweile damit abgefunden, dass auch Asuka einen Platz im Schlafzimmer hat, auch wenn alles auf dem Bett ihr gehört und sie dieses Gebiet agribisch verteidigt.
      Seit Weihnachten habe ich endlich einen Ersatz für meine geliebte Anaba gefunden. Es war ein Geschenk des ganzen Hofes und ich kann mich an kein Weihnachten erinnern, welches so überraschend für mich war. Striga ist noch jung und ziemlich unerfahren, jedoch habe ich endlich wieder ein Pferd gefunden, welches es mit meiner heiß geliebten Anaba aufnehmen kann.

      Auch Nico hat endlich etwas gefunden, was ihn antreibt. Mittlerweile beherbergen wir auf unseren Hof sechs Warmblüter für den Vielseitigkeitssport. Nicos Auswahl: Nur Pferd mit Macke ist Pferd. Vielleicht kennst du Bijou noch. Kurz vor Weihnachten zog seine Freundin Shari ein und kurz darauf auch schon Colour Splash. Beide Stuten sind nicht nur hübsch, sondern auch ziemlich zickig, zeigten jedoch von Anfang an Talent. Die Krönung wollen wir auch nicht mehr lange hinauszögern, nur fehlte uns bis jetzt die Zeit für die Reise. Shari ist mittlerweile trächtig und du glaubst es nicht, aber Nico sprüht nur so vor Vorfreude!
      Seit einigen Tagen kamen dann auch die letzten drei Sportpferde hinzu. Unsere gemeinsame Freundin Bracelet überließ Nico ihren Hengst Deo Volente und wir nutzten die Chance, sie gleich in Schweden zu besuchen. Nicos größtes Heiligtum: Ghostly Phenomenon. Du weißt gar nicht, wie er aus dem Häuschen war, als das Pferd seiner Träume dann endlich in unserem Stall stand. Meine Freude hielt sich etwas in Grenzen, so hübsch er auch ist, es wird eine Menge Arbeit kosten, ihn auszubilden. Über Sweet Prejudice kann ich dir leider noch nicht so viel erzählen, interessant ist das einzige, was mir zu ihr einfällt.

      Ach Mio, wie sehr vermisse ich deine Stimme und wie sehr hoffe ich, dass es dir gut geht! Irgendwann komme ich dich besuchen meine Kleine, irgendwann. Vielleicht nehme ich Malte mit, auch er wollte schon immer einmal Wildpferde sehen. Ich glaube, mit Malte würdest du dich gut verstehen, er ist ein guter Freund.

      Habe ich dir schon erzählt, dass Bella und ihr, mittlerweile Ex-Freund, Robin nach Norwegen gekommen sind? Es gab einige Komplikationen in Dänemark und ich glaube, mittlerweile ist auch Bella mit ihrer Entscheidung zufrieden. Sie hat ziemlich oft nach dir gefragt, sagen konnte ich ihr leider nicht sehr viel.

      Leider gibt es auch schlechte Neuigkeiten. Grenzfees Hufehe haben sich wieder bemerkbar gemacht, sodass sie nun wieder in der Box leben muss. Ich habe so gehofft, dass sie es für immer überstanden hat... Damit sie nicht alleine ist, steht nun auch Teufelstanz wieder im Stall. Ich hoffe jedoch auch, dass wir diesmal früh genug eingegriffen haben und der Tierarzt bis zum Beginn des Frühlings wieder grünes Licht für die Weide gibt.

      Außerdem ist vor wenigen Tagen Nicos Vater gestorben. Ein Autounfall, ich will nicht tiefer ins Detail gehen, es weckt zu viele Erinnerungen. Unerwartet hat Nico den Großteil des Vermögens geerbt und auch wenn noch nicht genau geklärt ist, wie viel es sein wird, kann dies ein weiterer Schritt für uns sein! Du weißt, von Nicos Vater habe ich nie viel gehalten und auch Nicos Verbindung war nie allzu tief, aber er trauert doch ganz schön. Gestern früh habe ich ihn nach Drammen zum Flughafen gebracht, mittlerweile sollte er gut gelandet sein. Er will sich bis zum Abend bei mir melden.

      Ich weiß nicht, was in Zukunft auf uns zukommen wird, aber ich bin mir sicher, dass es ziemlich spannend wird!

      Es tat gut dir zu schreiben, auch wenn ich nicht weiß, wann und wo er dich erreicht. Vielleicht sinkt das Schiff oder das Flugzeug stürzt ab, ich weiß es nicht. Aber eines weiß ich genau: Ich will dich nicht verlieren.

      Von ganzem Herzen,
      Deine Charly


      Liebe Charly,

      Ich empfing deinen Brief gestern Abend mit großer Verwunderung. Hast du jemals vorher einen Brief geschrieben?
      Du hattest Glück, dass ich ihn noch erhalten habe, denn mittlerweile sollte ich auf dem Weg nach Utah sein. Sei mir also nicht böse, wenn meine Antwort aus Zeitgründen ziemlich knapp ausfällt.
      Ich freue mich sehr von dir, deiner Familie und den Pferden zu hören und sobald ich die Zeit finde, werde auch ich dir berichten, weshalb ich in den letzten Monaten eine so unzuverlässige Freundin gewesen war. Ich hatte wichtige Gründe und ich bin mir sicher, dass du sie verstehen wirst.

      Fühle dich gedrückt,
      Mio


      Liebste Mio

      Es erwärmte mir dein Herz, das kleine Stück Papier von dir in den Händen halten zu dürfen. Dir geht es also gut, das ermöglicht mir meine erhoffte Erleichterung. Und ja, vor wenigen Jahren schrieb ich einen Brief an meine Großmutter, obwohl ich leider zugeben muss, dass dieser nie ankam.
      Viel verändert hat sich bei uns noch nichts. Noch nicht. Gestern kam Nico ziemlich erschöpft aus London wieder. Ich merkte jedoch sofort, dass ihn etwas anderes beschäftigte, was nicht mit seinem Vater zu tun hatte. Am Abend unterbreitete er mir dann seine Idee: Ein neues Gestüt. Diese Vorstellung passte gerade so überhaupt nicht in mein Leben. Ich bin hier doch glücklich? Unsere kleine verträumte Ranch mitten am See. Aber Nico schwärmte so sehr von einem internationalen Sportgestüt, einer kleinen Zucht und einer eigenen Reitschule, dass ich ihm nicht lange widersprechen konnte. Er meinte, dass wir jetzt das Geld und die Kraft hätten, dies zu tun und wer weiß, wann dies nochmal der Fall sein sollte.
      Ach Mio, so viel Veränderung, schon wieder! Bereits heute morgen ist er in seinen Wagen gestiegen und gen Norden gefahren. Zurückgekommen ist er noch nicht. Ich spüre die Entdeckungslust und die Vorfreude in mir. Es wäre wieder ein Umzug für die Pferde, aber diesmal ein endgültiger, das steht für mich fest!
      Aber was rede ich da. Erst einmal muss ein Ort gefunden werden und das Gestüt muss gebaut werden. Das wird dauern, ziemlich lange dauern.

      Ansonsten hat sich nicht viel geändert. Malte hat sich in den letzten Tagen intensiv mit Prejudice beschäftigt und versucht, die eigenwillige Stute besser kennenzulernen. Ein bisschen mag ich sie mittlerweile ja auch, sie hat etwas besonnenes an sich, vor allem dann, wenn sie auf der Weide ist. Sie scheint das Leben abseits des Stalls zu lieben und plötzlich eine ganz andere zu sein.
      Rubina steht kurz vor der Geburt des Fohlens. Nico leidet darunter, dass er sie und seinen Marid in den nächsten Tagen unbedingt trennen muss, er hat es schon viel zu lang hinausgezögert.

      Weißt du, ich glaube Excelsior und Jeanie vermissen dich immer noch. Ich habe eine gute Reitbeteiligung für beide gefunden und Vuyo tut sein bestes, die beiden zu beschäftigen. Er gibt jetzt hin und wieder Reitunterricht und scheint voll in seinem Element gelandet zu sein. Den Pferden scheint es zu gefallen und auch von den Schülern bekommen wir nur positive Rückmeldungen. In der Hinsicht wäre es gar nicht so schlecht, auch die Reitschule zu erweitern. Allerdings bräuchten wir dazu noch einige weitere Pferde. Nur Abs, Milosch, Jeanie und Exel sind einfach zu wenig. Zum Glück haben wir die Befugnis, auch noch Elliot ab und zu einzusetzen und der junge Braum macht immer größere Schritte in Richtung Schulpferd. Trotz seines unerfahrenen Alters fliegen dem Süßen die Mädchenherzen nur so zu! Er suhlt sich richtig in der Aufmerksamkeit. Aber ich muss wirklich zugeben, dass er ein hübscher Kerl geworden ist.

      Du glaubst es nicht, aber letztens hat Nico tatsächlich nach dem Verkauf eines Pferdes geweint. Das Pferd hieß Eik und auch ich habe den großen Kerl geliebt. Allerdings mussten wir einsehen, dass wir uns etwas überschätzt hatten, was ihn betraf. Er war echt ein guter Kerl, jedoch brauchte viel Aufmerksamkeit und die konnten wir ihm leider nicht geben. Immerhin haben wir mit Worgait, Marid und Co bereits so einige Pferde, welche es nicht scheuen, ihre Meinung offen kundzutun.
      Aber natürlich gibt es auch andere Kunden. Unsere drei Vollbluthengste Golden Ebano, Valentines Alysheba und Osgiliath haben sich gesucht und gefunden. Die drei bleiben mittlerweile auch über Nacht, wenn die Temperaturen nicht in den Minusbereich sinken, auf der Weide und verstehen sich trotz ihrer Hengstmanieren prächtig.

      Ach Mio, wie sehr wünschte ich dich zu mir. Bei einem Glas Wein auf der Veranda könnten wir uns unsere Geschichten austauschen, lachen und das Leben genießen. Es fällt mir schwer, ohne eine Freundin wie dich, das Leben vollkommen zu lieben. Klar, mit Tuva verstehe ich mich sehr gut und es hat nicht lang gedauert, bis wir bemerkten, dass wir den selben Alkoholgeschmack teilen, aber sie ist nur eine Freundin.

      Ich will deine Zeit nicht allzu sehr verbrauchen, aber es freut mich, dass wir nun einen Weg gefunden haben, unsere Freundschaft aufrechtzuerhalten.

      Die wärmsten Grüße,
      Deine Charly


      Liebe Charly,

      Wieder habe ich dich warten lassen. Allerdings sind wir erst vor wenigen Tagen aus Utah zurückgekehrt und wie du dir vorstellen kannst, ist der Weg nach Vegas zum nächsten Briefkasten nicht der kürzeste. Da ich heute morgen jedoch für uns einkaufen war, habe ich gleich die Chance genutzt und den Brief auf die Reise geschickt.

      Irgendwo in deinen Worten versteckt sehe ich noch die alte Ranch, welche wir beide zusammen entstehen lassen. Saint Gorge, wenige Boxen, nur ein alter Reitplatz, dafür das Meer gleich vor den Füßen. Warum ist es euch beiden so wichtig geworden, alles immer größer werden zu lassen? Gibt es nicht bessere Möglichkeiten so viel Geld einzusetzen?

      Es freut mich allerdings zu hören, dass auch meine liebste Bella den Weg zu euch gefunden hat. Richte ihr die liebsten Grüße aus! Vielleicht werde ich mich in den nächsten Tagen mal bei ihr melden. Hast du auch etwas von Linn gehört? Wie geht es ihr auf Island?

      Addison versucht mich ständig dazu zu überreden, dass wir euch mal besuchen kommen. Er möchte dich und natürlich auch die Pferde selbst einmal kennenlernen. Ich bin noch nicht soweit Charly, noch nicht. Lass mir die Zeit, lass mich abschalten, lass mich wer anders sein. Nevada und die Mustangs geben mir all das, was ich so lange gesucht habe. So lang. Ich will es noch nicht hergeben oder teilen, erst wenn ich all das schöne hier in mir aufgesogen habe. Verstehe mich bitte.

      Der kleine Kuckunniwi entwickelt sich prächtig. Endlich hat Anaba ihn freigegeben. Ich merke die Veränderung die er gerade durchlebt, merke, wie er sich und seine Freiheit findet und wie sehr Anaba ihn liebt. Fast schmerzt es mich, dass sie mich nicht an ihn heranlässt, aber wir wollten es ja so. Er sollte so aufwachsen, wie es die Pferde auf den weiten Weiden Amerikas tun sollten.
      Für Hidalgo, Morrigans Hidalgo, und Chosposi tut es mir Leid, dass sie aufgrund ihres Hengststatus nicht mit zu den anderen Pferden dürfen. Dafür haben sie sich beide und die Verbindung zu ihnen hat sich in letzter Zeit um einiges verstärkt.
      Du glaubst es nicht, aber Varys und Imagine There's No Heaven sind mittlerweile, du wirst es nicht glauben, ausgewachsen. Zusammen mit Triumph genießen sie die Jugend, auch wenn Addi vor hat, im Sommer anzufangen sie jedenfalls etwas auszubilden.

      Ach ja, Addi, er ist ein guter Freund für mich geworden. Wir sind uns näher, als ich mich jemals bei einem Menschen gefühlt habe, näher als Shadow mir je gewesen war und doch sind wir kein Paar. Wir sind Gefährten, welche zusammen das tun, was sie für richtig erhalten. Wir wollen die Wildpferde erhalten und die Menschheit davon abhalten, diese wunderbaren Tiere wie Müll zusammenzutreiben, wieder auseinanderzureisen und dann auf dem ganzen Erdball zu verteilen.
      Wenn wir einmal bei diesem Thema sind, so werde ich dir gleich erzählen, was ich in Utah zu suchen hatte. Eine Freundin von Addi rief an. Sie meinte, dass sie ein komisches Paar entdeckt hatte. Ein weißer Hengst und eine junge braune Stute, verletzt. Amy, seine Freundin, erzählte, dass die beiden neu in der Gegend sind und es so schien, als wären sie extra so nah an die Auffangstation gekommen, um Hilfe zu suchen. Anfänglich wusste ich nicht, was Addi so in Aufregung versetzte. Ich sollte ihm vertrauen und da ich das sowieso tat, vertraute ich ihm. Erst im Nachhinein, nachdem Hengst und Stute mithilfe von Addi eingefangen wurden, erzählte er mir die ganze Geschichte. Vielleicht werde ich dir die Geschichte auch irgendwann erzählen können, heute würde der Brief jedoch zu lang werden. Es war ein Abenteuer pur und auch jetzt, nachdem beide Pferde wohlbehalten auf einer Weide bei uns stehen, fühle ich immer noch das Adrenalin der Freiheit in meinen Adern pochen. Für dich wird es unverständlich sein, für mich war es das Beste, was mir je passiert ist. Der Hengst heißt Cloud, während seine hübsche Freundin den Namen Zonta trägt. Ihre Beine schienen von einem Zaun verletzt wurden zu sein, in welchem sie sich verfangen hatte. Obwohl sie viel Blut verloren haben muss, steht sie immer noch sicher auf allen Vieren und lässt sich nichts anmerken. Anbei schicke ich dir ein Bild von den Beiden, damit du die Schönheit verstehen kannst, welche sie ausstrahlen.

      Ich habe dir auch noch nicht erzählt, dass seit einiger Zeit ein Paint Horse bei uns wohnt. Vielleicht hast du schonmal von ihr gehört. Sie stand lange bei Rachel und später bei Verena, welche ja auch... du weißt es ja, ich muss es nicht erwähnen. Raised from Hell steht deswegen zusammen mit Addis My Canyon und Battle Cry auf einer Weide und auch wenn Canyon oft genervt von Raised ist, hat sie sich hier doch ganz gut eingelebt. Ich bin gespannt, wie sie allerdings im Sommer mit den Temperaturen zurecht kommen wird.

      Ansonsten gibt es auch hier nicht allzu viel neues. Chill und Buck sind von der Schule genervt und Heather ist immer noch eine bemerkenswerte Frau. Sie hat es uns ermöglicht nach Utah fahren zu können und hat Tag für Tag alleine die Pferde versorgt. Zum Glück sind unsere drei Jüngsten, Dawn, Time In A Bottle und Kwatoko, mittlerweile soweit, auch einige Tage alleine überleben zu können. Das hätte ich mir nie erträumt. Sie waren unsere Sorgenkinder und mittlerweile benehmen sie sich genauso wie Kuckunniwi.

      Nun bist auch du auf dem neuesten Stand, was die Triple R Ranch angeht. Ich erwarte bereits jetzt deinen nächsten Brief und auch wenn ich es nur ungern zugebe, so hat es doch seinen Reiz, per Brief eine Konversation zu führen.

      Mit aller Liebe,
      Mio


      Liebste Mio

      Was für eine Geschichte und vielleicht ist es dir ja schon bald möglich, mir die Vollversion davon anzuhören! Clouds und Zontas Bild hat mich tief berührt. Diese Anmut und Wildheit, sie steckt den beiden in allem Knochen. Aber was habt ihr nun mit ihnen vor? Cloud ist ein Wildpferd, Zonta ebenso. Wollt ihr gegen euer Ziel arbeiten und die beiden eingesperrt lassen?
      Da du mir Bilder geschickt hast, muss auch ich dich mit welchen von unseren Pferden erfreuen. Rubina hat vor zwei Tagen erfolgreich ihren zweiten Sohn zur Welt gebracht. Ich hätte Nico filmen müssen, als er ihn das erste Mal gesehen hat! Er war begeistert und begeistert, aber das war ich auch, denn der kleine ähnelt nicht nur stark seiner hübschen Mutter, sondern hat auch interessante Markierungen an Kopf und Flanke, welche auch Marid im Gesicht trägt. Der kleine Mytos ist ein wahrer Prachtkerl geworden und ein guter Start in die Fohlensaison dieses Jahr!

      Auch hat sich wegen des neuen Gestüts einiges ergeben. Sicher war, dass wir am Tyrifjord bleiben wollen. Wir lieben ihn und es wäre sinnlos, diese Heimat bereits aufzugeben. Drei Tage dauerte es nur, bis Nico mit einer faszinierenden Idee zurück kam. Im nördlichen Teil vom Tyrifjord liegt eine recht große Insel namens Sorøya. 1.7qkm groß und nahezu unbewohnt. Nur ein paar wenige Bauernhäuser stehen dort, der Rest ist Wald, Wiese und Feld. Nico schaffte es, genau diese Insel für uns zu gewinnen! Es tut mir fast Leid um dieses Paradies, aber noch mehr freue ich mich darauf, eine eigene kleine Welt nur für uns und unsere Pferde.
      Die Verhandlungsgespräche laufen bereits und ich bin, wie du dir sicherlich vorstellen kannst, ziemlich gespannt, was das betrifft.

      Das Training mit den Pferden läuft nun langsam wieder an. Einen Großteil übernimmt natürlich Malte, da Petyr nun öfter wieder in der Welt unterwegs ist. Ihn zieht es hinaus, während Malte das ruhige und stetige Leben auf dem Gestüt genießt. Ich bin ganz erstaunt, dass Nico mittlerweile ordentlich zupackt und auch wenn sein Fokus nur auf seinen eigenen Pferden liegt, so ist seine Aufenthaltszeit im Stall in den letzten Wochen um einiges gestiegen.

      Am Wochenende war uns meine Schwester besuchen. Sie wohnt, wie du ja weißt, in Oslo und hat leider mit Pferden nichts am Hut. Dafür konnte ich ihren neuen Freund, sowie ihren Adoptivsohn endlich kennenlernen. Etwas enttäuscht bin ich schon, dass Alexandra so lange gebraucht hat, mich hier zu besuchen, der Weg ist ja nicht unendlich weit! Trotzdem ist sie meine Schwester und man liebt seine Schwester. Dimitri schien ganz fasziniert von dem Gestüt, während Alex natürlich nicht begeistert war. Ich kann das gar nicht verstehen, dass es Menschen geben kann, die diese fantastischen Geschöpfe nicht mögen. Wie kann man in einem Pferd nichts weiter sehen als ein Pferd?

      Ansonsten nimmt hier alles seinen gewohnten Lauf. Die Sonne geht auf, und sie geht wieder unter. Genauso wie es immer war.

      Ich vermisse dich!
      Deine Charly


      Liebe Charly

      Der kleine Mytos berührt mir mein Herz, denn in ihm sehe ich seinen Vater. Auch wenn ich mich nie mit Marid verstanden habe, so ist es doch ein Stück Erinnerung und ein Teil meiner Vergangenheit.

      Wieder habe ich länger gebraucht, um dir zu antworten. Aber bei uns wird die Arbeit wieder mehr, denn die Winterpause ist vorbei und schon bald beginnt wieder die Zeit des Einfangens und da müssen wir bereit sein.
      Cloud und Zonta werden so lange bei uns bleiben, bis Zontas Wunden verheilt sind. Addi hat sich die größte Mühe gegeben und auch wenn es nicht immer einfach war ein Wildpferd zu versorgen, schien auch Zonta mit der Zeit zu bemerken, dass wir nur helfen wollen.
      Addi ist seit Clouds Ankunft anders. Oft liegt er draußen auf der Weide und beobachtet den Hengst. Er scheint tief in Gedanken versunken zu sein und in Erinnerungen zu schwelgen. Er erzählte mir, dass er Cloud bereits kannte. Es verwunderte ihn, wie der Hengst nach Utah kam, da er Cloud hier in Nevada kennengelernt hatte. Er meinte, dass Cloud es gewesen war, welcher ihm nach dem Tod seiner Frau wieder Kraft gegeben hatte. Er selbst konnte es nicht erklären, aber er erzählte mir von dem Bild eines leuchtenden weißen Pferdes, so anmutig und edel, so ehrlich und voller Hoffnung, dass ich nicht daran zweifelte, dass es so gewesen war. Cloud bedeutet für Addi alles und vielleicht ist es ein Zeichen, dass genau dieser Hengst jetzt wieder aufgetaucht ist.
      Natürlich forschten wir weiter, denn Addi hatte Fragen. Wie kam Cloud nach Utah? Wo war seine Herde? Es dauerte nicht lange und wir fanden beim BLM unsere Antwort. Mittlerweile haben wir dort einige Kontakte, mit welchen wir wegen der Mustangs in Verbindung stehen und mit der Hilfe einer Freundin, fanden wir heraus, dass Cloud und eine braune Stute, vermutlich Zonta, die Flucht geschafft hatten, kurz nachdem sie transportiert worden waren.
      Vielleicht hat Addi gar nicht so unrecht. Vielleicht ist dieser Hengst wirklich ein Zeichen der Hoffnung und wahrscheinlich ist es Absicht, dass er bei uns gelandet ist. Cloud scheint sich nicht unwohl zu fühlen, obwohl er von den Zäunen umgeben ist. Trotzdem ist er noch ein freies Pferd und sobald der Zeitpunkt gekommen ist, werden wir uns von ihm verabschieden müssen.

      Allerdings muss ich dir dringend noch etwas erzählen! Heather hat, du glaubst es kaum, ihren Neffen aufgenommen. Das ist nicht irgendein Neffe, nein, dass ist ein entlassener Häftling mit einigen Vorstrafen und hinzu kommt, dass er genauso alt ist wie ich. Problem des Ganzen: Er sieht ziemlich gut aus und ist natürlich ein riesiges Arsch. Heather meint, dass die Ranch die beste Möglichkeit sei, Jacob wieder auf die Bahn zu bringen, auch wenn ich mich frage, ob das bei ihm überhaupt noch möglich ist. Er ist ein Angeber und ein ziemlich fauler Idiot. Chill und Buck freuten sich natürlich über „ihren großen Bruder“ und dank Jacob ist die Aufmüpfigkeit der beiden nochmals gestiegen.
      Addi freute sich gar nicht über den plötzlichen Einzug. Verständlich. Er kennt Jac nicht und hat Angst um seine Pferde. Jedoch konnte er Heather den Gefallen nicht abschlagen, immerhin ist auch Jac sein Neffe und auch wenn Addi lange keinen Kontakt mehr zu seiner zweiten Schwester hatte, sind sie trotzdem miteinander verwandt.
      Ich selbst weiß noch nicht genau, wie ich zu Jac stehe. Bis jetzt hat er mich meist ignoriert und etwas enttäuscht bin ich schon, dass solch nette Menschen wie Addi und Heather solche unhöflichen Verwandte haben.
      Jedenfalls versucht Addi nun, Jac mit in die tägliche Arbeit einzugliedern. Etwas Erfahrung mit Pferden hat er bereits, da auch seine Mutter Pferdebesitzerin gewesen ist. Anscheinend liegt das in der Familie. Bis jetzt hat er sich nur meistens um die Arbeit gedrückt, ob er selbst auch Pferde mag, weiß ich also noch nicht so genau.
      Ich bin gespannt, wie sich das Ganze entwickelt. Immerhin ist Jac der erste Fremde seit meiner Ankunft auf der Ranch und das birgt für uns alle ein Gefahrenrisiko. Jacob Moore, ich bin ziemlich gespannt, ob das gut ausgehen wird.

      Mit den besten Grüßen,
      Mio


      Liebste Mio!

      Oho! Ein junger, gut aussehender Mann, welcher total unhöflich ist? Na wenn das kein Anfang einer Liebesgeschichte sein kann! Auch ich habe daran nie geglaubt, bis es mir selbst widerfahren ist. Und schau, wo ich jetzt gelandet bin. An meiner Seite ein Mann, der genauso ein Idiot ist wie die Jungs, die mich früher in der Schule immer bloßgestellt haben und mit so einem habe ich auch noch ein Kind. Pass‘ also ja auf dich auf!
      Aber ich meine das wirklich ernst. Solche Männer sind meist so von sich überzeugt, dass sie nicht auf eventuelle Opfer achten.

      Die Geschichte mit Cloud, puh, da musste ich mir die Tränen von der Wange wischen. Das Ganze hat sich fast wie ein Film vor meinen Augen abgespielt. Ich stelle mir das wahrhaftig vor, wie ein weißer und reiner Hengst, einem zerstörten jungen Mann wieder ein Ziel zum Leben gibt. Fast könnte ich darüber ein Buch schreiben, oder, warum schreibst du kein Buch darüber?
      Grüße Addi von mir, ich mag ihn, er scheint ein anständiger Kerl zu sein und er scheint dafür verantwortlich, dass du wieder so lächeln und nach vorne schauen kannst!

      Vuyo hat sich nun auch endlich wieder ein Pferd gekauft und erstaunter hätte ich nicht sein können, als er da mit einer zierlichen Edelhaffi Stute stand, welche auch noch den Namen Curly Lure trägt und als ob das noch nicht genug wäre, ist sie auch noch ziemlich eigensinnig und zickig. Aber er hat vor, sie mit in die Reitschule zu nehmen und sie dort vielleicht zu einem anständigen Reitpferd ausbilden.

      Mittlerweile haben auch die Planungen für das neue Gestüt begonnen. Die Insel ist bereits vermessen und wir machen uns zur Zeit auf die Suche nach Pferdebesitzern, welche mit auf die Insel ziehen wollen und uns so unterstützen. Nico hat einen Freund in der Türkei, welcher mit einer Freundin zusammen ein kleines Arabergestüt leitet. Sie scheint ziemlich still und einzelgängerisch zu sein, jedoch will sie wegen der Unruhen in ein sicheres Land und wird wahrscheinlich zu uns nach Norwegen ziehen. Ihre Forderungen waren jedoch, dass sie ein eigenes und beheiztes Stallgebäude für ihre Araber bekommt, in welchem sie auch wohnen kann. Das wird sie jetzt wohl auch bekommen. Nico meint, dass sie dem Gestüt gut tun wird und ich bin gespannt, wie er das meint.
      Auch kommt Fiona mit ihren Pferden aus den USA zurück zu uns. Petyr freut sich natürlich höllisch auf sie und auch ich bin froh, wieder ein bekanntes Gesicht zu sehen. Wir werden so viel Hilfe wie möglich gebrauchen, wenn es soweit ist.

      Nicos angehende Zucht nimmt zur Zeit krasse Ausmaße an. Anstatt es bei ein paar wenigen Pferden zu belassen, ist die Anzahl seiner Stuten mittlerweile auf sechs gewachsen, wobei jedoch eine weitere bereits gekauft ist. Zum Glück sind es bis jetzt nur drei Hengste und ein Jungpferd, welche tatsächlich auch alle mal recht anständig sind.

      Ich freue mich auf deinen nächsten Brief!
      Deine Charly


      Liebe Charly,

      Bei uns wird es wieder wärmer und im Sonnenuntergang kann man wunderbare Bilder der Pferde schießen. Ich habe leider nicht viel Zeit, deswegen wird dies ein sehr kurzer Brief. Ich hoffe trotzdem, dass du dich über die Bilder freust!
      Anbei natürlich noch kleine Erklärungen zu den hübschen Pferden, welche du siehst.
      » Varys und Imagine There‘s No Heaven kennst du natürlich noch. Hier endlich mal ein aktuelles Bild von ihnen. Der gefleckte Popo gehört natürlich zu Triumph.
      » Unsere Jüngsten: Time In A Bottle, Dawn und Kwatoko. Seit einigen Tagen dürfen sie mit auf die große Weide, es ist erstaunlich, wie schnell sie sich an ihre Herde gewöhnt haben.
      » Es ist das erste Bild von Anaba und Kuckunniwi, dass ich dieses Jahr schießen konnte. Immer noch hält Anaba Abstand zur Herde und selbst Addi ist so langsam verwundert. Dafür geht es dem kleinen Kucku blendend und so langsam sieht man auch den Vater in ihm.
      » Raised from hell zusammen mit Aquena. Na? Kennst du Raised noch? Sie ist ein tolles Pferd und selbst ich sehe kaum, dass sie eigentlich kein Wildpferd ist. Zusammen mit Flotten von Mutanten erobert sie die Wildnis, wie ich es anfangs nicht für möglich gehalten hatte.
      » Hier eine kleine Hengstherde im Sonnenuntergang. Silent Bay sieht man nur sehr schlecht hinter dem Strauch, dafür steht Imoad, oder eigentlich In the Middle of a Dream gut sichtbar im Vordergrund, wie immer. Daneben siehst du Frekur und etwas weiterhinten Quisquilloso, obwohl du den wahrscheinlich schon von meinen letzten Bildern kennst, er ist ziemlich fotogen.
      » Auf dem letzten Bild sind, von links nach rechts, die drei restlichen Stuten zu sehen. Valhalla, Quicksilver und Atius Tirawa.

      Ich hoffe, du freust dich über die Bilder!
      Mio


      Liebste aller Mios!

      Die Bilder sind der Hammer! Ich vermisse deine fotografischen Künste auf unserer Ranch, auch wenn Tjarda auch ziemlich gute Bilder schießt, malt sie trotzdem besser.
      Da auch meine Zeit wegen Umzug ziemlich knapp ist, habe ich es dir gleichgetan und in den Umschlag einfach einige Bilder gesteckt, in der Hoffnung, dass sie dir gefallen.
      » Na, erkennst du, wer hier auf der Weide abgebildet ist? Charelle und April Rain müsstest du erkennen, bei den anderen habe ich Nachsehen mit dir. Die Namen sind auch nicht leicht zu merken. Himmawallajugaga, Devrienterreuth, Sysahlreuth, Zuckerschock und Raja, sie bilden unsere Vollblutherde und zeigen auch mit aller Macht, wie viel Energie sie besitzen.
      » Malte. Anfangs wehrte er sich gegen ein Foto, aber als er hörte, dass es für dich ist, konnte ich ihn endlich umstimmen. Das wunderhübsche Tier auf dem er sitzt heißt Angus, ein Suffolk Punch und der neue Liebling aller. Am Strick sind natürlich seine Schätze Félagi und Óslogi. Jeden Sonntag macht er einen Ausritt mit ihnen. Du würdest ihn wirklich mögen.
      » Und schon wieder Malte. Diesmal jedoch heimlich geschossen, wie man an der schlechten Qualität unschwer erkennen kann. Zu seiner rechten siehst du Black Lemontree, während das junge Mädchen, eine Reitschülerin, seinen Junghengst Dynur hält.
      » Hier nochmal unsere Jungpferde Aspantau, Abe‘s Aelfric und Mios Jelda, sowie ein hübsches Portrait von I‘ve got a blue soul.
      » Und zum Schluss nochmal ein unbekanntes und ein bekanntes Gesicht für dich. Einmal Abraham van Helsing, sowie natürlich deine Ocarina of Time, welche bei den Bildern nicht fehlen durfte. Auch sie entwickelt sich so langsam prächtig!

      Ich hoffe, dass wir beide endlich mal wieder mehr Zeit für einander finden!
      Deine Charly!


      Charly, ich komme! Ich komme zu dir! Ich habe es getan, ein Flugticket ist gekauft, erwarte mich...
    • Cascar
      Rückkehr nach Neuseeland
      [20.05.2017]

      "Das ist ja Himmi!", rief ich überrscht aus, als ich mit der gerade geputzten CH's Unglück vom Putzplatz in Richtung Roundpen ging. Mein mitgeführtes Pferd blieb auch gleich stehen und spitzte die Ohren, bevor sie wieherte und Himmi antwortete. Die Stute uns gegenüber hatte ordentlich zugelegt - sowohl an Muskeln, als auch an Fellglanz. Oliver führte sie. "Na? Überrschung.", meinte er grinsend und kurzerhand änderte ich meinen Kurs und wir brachten gemeinschaftlich beide Stuten auf die Koppel in der Nähe des Turnierstalls.
      Dort begann augenblicklich ein mächtiges Getobe und Gezicke zwischen den Tekkinerstuten, aber sie schienen sich zweifelsohne beide über das Wiedersehen zu freuen. Erst als sie einigermaßen friedlich nebeneinander zu grasen begannen, machte ich mich auf den Rückweg zum Putzplatz, um aufzuräumen und ganz vielleicht auch eine neue Box im Stutenstall einzustreuen …
    • Cascar
      Sammelbericht
      [21.05.2017]

      "Na dann wollen wir mal.", meinte ich enthusiastisch und zog mit einer Truppe Reitschülerinnen im Sonnenschein und mit Cheetah und CH's Unglück in die leere Reithalle. Der Lärmpegel war generell ganz schön hoch - wir sprachen hier von durchschnittlich Neunjährigen. Trotzdem machte mir das Reitstundengeben immer viel Spaß: Heute ritten immer zwei, nach einer halben Stunde wurde gewechselt.
      "Feli, nimm die Hacken noch ein bisschen runter!", rief ich einem rotblonden Mädchen zu, das daraufhin gleich viel besser auf Cheetah saß. "TÜR FREI?", rief es da von draußen. "Ist frei!", rief ich zurück und Carina betrat hinter mir die Halle mit Earl Grey's Darjeeling im Dressuroutfit. "Morgen!", rief sie strahlend zu uns und ich hab den Gruß lächelnd zurück, bevor ich den Unterricht wie gewohnt fortsetzte. Wir teilten uns die Halle einmal durch zwei, sodass Carina ihr Pferd in Ruhe Longieren und schließlich auch reiten konnte. Ich musste zugeben, dass sie auch ohne meine Hilfe viel ruhiger geworden war und das wirkte sich natürlich auch auf ihr Pferd aus. Als wir nach einer Stunde zusammen die Halle verließen, sagte ich ihr das, was Carinas Lächeln noch verbreiterte. "Danke, Cas."

      Auf dem Putzplatz trafen wir Oliver, der gerade Spotted Frischkäse putzte und - mittlerweile problemlos und alltäglich - sattelte und trenste. Ich war gleich ganz stolz bei dem Anblick der Beiden.
      Das Absatteln und Überputzen der Reitschulpferde überließ ich, unter meiner Aufsicht, den Kindern, bevor wir die Stuten zu fünft auf die Koppel brachten. Danach verabschiedete ich mich von den Mädels und betrat selbst den Turnierstall, wo die hochträchtige Spearmint vor sich hin döste. "Na meine Mädchen?", begrüßte ich sie warm und herzlich und betrat ihre Lichtdurchflutete Box. Eines ihrer Ohren zuckte, ansonsten war sie aber die Ruhe selbst und genoss jegliche Streicheleinheiten, die sie von mir erhielt. Ich strich lange durch Spearmints schwarzen Schopf, bevor ich sie tatsächlich aufhalfterte und wir gemeinsam zurück zum Putzplatz taperten.
      Dort war Oliver soeben mit Spotti in Richtung Roundpen verschwunden; dafür putzte Alois seine Razita und spritzte ihre Beine ab. Die beiden kamen gerade vom Springtraining und schwitzten deshalb. Ich winkte zum Gruß, dann band ich mein Pferd neben Early an und begann das ganze viele Winterfell wegzuputzen. Spearmint genoss Aufmerksamkeit, Sonne und den leichten Wind, der ihre Ohren umspielte. Ich erzählte ihr einige Neuigkeiten und fühlte einige Male nach dem Fohlen, dass sich im Bauch der Mutter räkelte. Ruhig und glücklich bugsierte ich die werdende Mama dann auf die Koppel, zu Cheetah und Unglück.
      Auf dem Rückweg sammelte ich gleich noch Celebration of Dance ein, die ich auch putzte und anschließend auf dem Reitplatz longierte. Die Scheckin war mittlerweile recht gut erzogen und arbeitete gern - auch mit dem Sattel auf dem Rücken. So verschlug es uns auch heute auf einen Spaziergang im Reitoutfit quer über den Hof. Dabei fing ich Carina ab, die mit Early fertig war und auf der Suche nach eventuellen neuen Aufgaben war. Ich schickte sie zum Ausmisten, ging den Weg dorthin aber mit ihr zusammen und entließ Celli gleich - ohne Sattel und Trense - auf die Koppel. Dann half ich Earlys Besitzerin beim Aufräumen und Misten bis circa um eins. Oli und Alois hatten zwischenzeitlich schon Empire of Darkness und Klappstuhl geputzt und longiert; nun ging es für uns zu dritt an die übrigen Pferde des Hengststalls. Meinen Ashqar putzte und sattelte ich selbst und sorgfältig - Carina machte Bem-Te-Vi fertig. Die beiden sahen zusammen recht putzig aus und hinzu kam, dass das blonde Mädchen kaum Erfahrung mit Hengsten hatte. So wurde diese alltägliche Prozedur zu einem wahren Spaß.
      Alois vergesellschaftete sich inzwischen mit Trafalgar Law und als alle fertig waren, zogen wir in die Reithalle, in der Alois am Morgen schon mit Razita trainiert hatte. Die Sprünge dort bekamen E-Höhe und die folgenden anderthalb Stunden ritten wir die Pferde erst warm, dann führten wir sie schonend an die recht neue Herausforderung heran. Letztendlich waren wir alle mit unseren Leistungen wohl sehr zufrieden und wir begaben uns völlig verschwitzt auf den Rückweg zum Stall. Da gab es für alle drei Pferde eine kühle Dusche, bevor es auf die Koppel ging.
      Auf dem Weg dorthin trafen wir Oliver mit Empire of Grace. Die Beiden machten einen Spaziergang und ich stellte im Vorübergehen zufrieden fest, dass der junge Hengst schon nicht mehr so übermütig und respektlos, sondern folgsamer war.
      Im Folgenden verschlug es uns in den Oststall. Dort traf ich vor allem Ann, die Yacedor Gepir gerade sattelte, und kurzerhand nahm sich Carina Kazoom vor und ich mir Distraction. Die letzteren beiden Hengste wurden heute nicht geritten; stattdessen auf dem Reitplatz longiert, während Ann und Yacedor ihre Bahnen zogen. Zuletzt waren da nun noch unsere drei Neuankömmlinge von gestern - Worgait hatte am Morgen seine erste Trainingseinheit mit dem Pferdeflüsterer gehabt und ich halfterte ihn deshalb, ganz wie ich es mir abgeschaut hatte, auf und obwohl mir ein wenig mulmig zumute war, führte ich den Hengst am normalen Seil auf die Koppel. Er stand dort zurzeit alleine, aber nur durch einen Zaun von den anderen Tekkinern getrennt.
      Himmawallajugaga und Charelle hingegen hatten ihre erste Nacht gut überstanden. Während unsere Freunde den Stall ausmisteten, holten Ann und ich sie von der Weide, auf die sie am Morgen gebracht worden waren, und gingen mit einigen Umwegen zum Putzplatz. Dort wurde aller Transportmief einmal weggeputzt und -gewaschen, außerdem die Mähne geschnitten und das Gangbild bewundert. Die beiden durften ihren Ruhetag dann weiter auf der Koppel genießen.
    • Cascar
      Stufenerhöhung Distanz (L/M)
      [09.06.2017]

      Ashqar, mein Freund, begrüßte mich auch an diesem Morgen, bevor auf der Koppel hoch das Gras stand, mit einem freudigen, hellen Wiehern. Wie es bereits Routine war, folgte er mir am Zaun bis zum Tor, ließ sich dort bereitwillig aufhalftern und von mir mit zum Training nehmen. Es war noch früh und der Tau glänzte in den Gräsern, die Vögel sangen.
      Auf dem Weg zum Putzplatz begegneten uns Oliver und Himmawallajugaga - unseren neuen Trainingspartnern. Denn Himmi und Ashqar liefen auf der gleichen Stufe und sollten in den kommenden Wochen und Monaten zu wahren Weggefährten werden.
      Oli und ich begrüßten uns an diesem Tag mit einem Handschlag, während sich die Pferde beschnupperten. Ich ging eigentlich davon aus, dass Ashqar ein vernünftiger Hengst war und mit Stuten klarkam - wie sich im Laufe des Putzens herausstellte, war das sicher der Fall. Das Problem war eher, dass der Schecke Himmi selbst einfach toll fand. Das äußerte sich durch einiges Imponiergehabe; kurz nach dem satteln musste ich mein Pferd ein wenig maßregeln, da es so unaufmerksam war, dass ich seine Hinterhand kaum mehr wegbewegt bekam. Oliver quittierte das mit einem Grinsen.
      Abgesehen davon verlief aber alles problemlos und wir konnten wohlbehalten gegen halb zehn in die Sättel steigen und den Hof nebeneinander verlassen. Es ging in den Wald, in Richtung Stadt. Insgesamt fünf Stunden würden wir unterwegs sein; Verpflegung, Regensachen, Handys und das Pulsmessgerät für die Pferde hatten wir dabei.
      Wir ließen es locker angehen, ritten viel Schritt und Trab und eher selten, in Anstiegen, Galopp. Beide Pferde standen gut im Training, Ashqar vielleicht etwas besser, und bestanden das L-Niveau dieses Tages - auch pulsmäßig.
      Als wir am späten Nachmittag heimkehrten war es wohl Oliver, der etwas blass und müde war und der Distanzreiterei offensichtlich nicht zu viel abgewinnen konnte.

      Trotzdem ging es gleich am nächsten Morgen wieder nach draußen. Und am Tag darauf, wie am Tag darauf. Insgesamt vier Wochen lang trainierten wir mit den beiden Pferden, die sich im Übrigen grundsätzlich gut verstanden, auf verschiedenen Strecken, in verschiedenen Tempi und allmählich zunehmender Streckenlänge, bis ich überzeugt davon war, dass Beide in einem mittleren Distanzritt starten konnten.

      Probiert wurde das knappe anderthalb Wochen später. Dieses Mal fand der Ritt, eine offizielle Veranstaltung, nördlich der WCS statt. Wieder fuhr meine Mum, Jeannine, Oli und mich mit dem LKW und den Pferden. Nur dieses Mal war das Wetter eher schlecht - es regnete hin und wieder und dichte Wolken bedeckten den Himmel.
      Dafür war es nicht so warm. Schon halb zehn verschlug es Oliver, Himmawallajugaga, Ashqar und mich zur Startlinie und anschließend auf die Bahn. Die Pferde waren in Topform und sprühten nach einer Ruhewoche nur so vor Energie. Ich hatte das Gefühl, auf einem Pulverfass zu sitzen.

      Genau so verlief der Ritt letztendlich. Ashqar und ich hängten Himmi und Oli relativ früh ab und trabten beinahe die gesamte Strecke, ausgenommen einem Teil des zweiten Drittels, das wir aufgrund des steinigen Bodens im Schritt gingen. Es lief alles recht gut, nur war mein Pferd nach dem Lauf sichtlich erschöpft - der Schweiß machte weiße Flocken an Ashqars Hals und er atmete schwer. Ich führte ihn mit einer Decke auf der Kruppe trocken, bis das zweite Pärchen auch eintraf, mit einem Wiehern begrüßt wurde und anschließend mit uns seine Runden zog. Nachdem unsere Schützlinge auch etwas getrunken hatten und im Hänger am Heu zupften, kümmerten wir Reiter uns erst um uns. Dazu gehörten auch Essen und Trinken, vor allem aber trockene Sachen anziehen. Erst gegen 17:00 traten wir den Heimweg an.

      Auf der Fahrt ventilierten Oli und ich unseren Ritt und kamen ehrlich zu dem Schluss, dass die Pferde der heutigen Herausforderung mehr als gewachsen gewesen waren und ohne Sorge M-Distanzen laufen konnten.
    • Cascar
      Sammelbericht ('Wie gewohnt.')
      [14.06.2017]

      Als ich an diesem Morgen aufwachte, prasselten die Erinnerungen der vergangenen Tage nur so auf mich ein. Über dem Pferderennen vergangenen Sonntag hing in meinen Gedanken eine schwarze Wolke. Es war so viel passiert: Nach dem grauenhaften Sturz auf der Rennbahn war meine Freundin Ruby bewusstlos in das Krankenhaus eingeliefert worden. Ihr linker Arm war nach den Ärzten dort gebrochen und außerdem hatte ihr vierter Wirbel etwas abbekommen; zwei Rippen und den Nacken hatte sie sich geprellt, war aber ansonsten glimpflich mit einer Gehirnerschütterung davon gekommen. Ihr Pferd, Devrienterreuth, befand sich bis heute in der Tierklinik und war operiert worden.
      Diego, Rubys Bruder, machte sich große Sorgen, vor allem um seine Schwester, und wurde von seinen Freunden auf dem Hof bestmöglich umsorgt. Jeden Tag fuhr er in das Krankenhaus, nach Auckland, und morgen würde ich ihn begleiten.
      Das Leben auf dem Hof indes wurde gezwungen, seinen gewohnten Gang zu gehen. Obgleich Devris Box leer war, mussten die restlichen Pferde gepflegt und bewegt werden, Geld eingenommen.
      Noch am Sonntag hatte ich den guten Distraction in das Roundpen geführt und longiert und wie gewohnt Lucifer gefüttert. Ställe ausgemistet, ich hatte sogar Oliver von Devris Sturz erzählen müssen, da er nicht dabei gewesen war. Das war mir nicht leicht gefallen und der Bereiter hatte mir mit offenem Mund zugehört, während er Razita geputzt hatte. Auch Paul, Ann und Carina hatten durch mich davon erfahren - Paul kannte die rothaarige junge Frau zwar nicht, hätte sich aber vielleicht ausgeschlossen gefühlt. Die drei erschienen versetzt auf dem Hof; am Montagnachmittag Paul, um Rhodus zu putzen und spazieren zu gehen, Dienstag Carina und Ann; die eine, um Earl Grey's Darjeeling in der Halle zu reiten, die andere, um mit Yacedor Gepir Dressurlektionen aufzufrischen. Wie gewohnt.
      Angesichts der momentanen Umstände freute es mich aber umso mehr, dass Spearmint und Walli wohlauf waren und dass Celli und Spotti nun endlich unter dem Sattel gingen und deshalb in den Anfängen trainiert werden konnten. Es lenkte mich auch gewissermaßen gut ab, mit Ashqar für Stunden durch das Gelände zu streifen, oder Himmawallajugaga und Charelle zu besuchen. Ein paar mal versuchte ich mir auch vorzustellen, wie es sich anfühlte, nicht von, sondern mit einem Pferd zu stürzen. Das hab ich auf, ich hatte ja keine Ahnung. Aber letztendlich waren es immer meine zwei Kollegen, zu denen mein Kopf zurückkehrte und ich hoffte so, so sehr, dass es ihnen bald besser gehen würde.
    • Cascar
      Stufenerhöhung Distanz (M/S) / Alpenquerung I
      [23. - 30.07.2017]

      Prolog & Tag 1

      "Einen Reiterhof 'Wiesenhof' zu nennen ist ungefähr so kreativ, wie eine polnische Busgesellschaft 'Polbus'." Marc sitzt auf der Rückbank und bekundet auf diese Weise indirekt sein Unverständnis darüber. "Ach sei still.", meint in dem Moment auch Ann neben mir. Sie fährt - oder besser - manövriert den sperrigen LKW mit immerhin vier Pferden im Bauch heldenhaft über die süddeutschen Autobahnen. Zwei Mal standen wir schon im Stau und wir haben etliche Baustellen hinter uns. Nun aber sind es kaum mehr hundert Kilometer bis zu unserem Zielort - dem besagten Wiesenhof bei Garmisch. Von dort werden wir unsere Alpenquerung beginnen, in diesem Ort steckt quasi die erste rote Pinnadel auf der Wanderkarte, die unser treuer Begleiter sein wird. Ich freue mich schon seit Wochen auf den Wanderritt vor und bin besonders gespannt darauf, unseren fünften Mitstreiter kennen zu lernen - außer uns vieren und dem Bergführer mit seinem Pferd kommt nämlich noch ein Artemis Fortounis mit seinem Araber mit. Deswegen aufgeregt bin ich einerseits, weil Artemis meiner Meinung nach ein Jungenname ist und andererseits, weil die zwei von Hara Artemis kommen, dem Arabergestüt schlechthin.
      Im Moment habe ich aber genug damit zu tun, die lange Adresse des Wiesenhofs in das Nawi einzugeben, während das Auto unebenen Straßenboden überquert. "Soll ich mal?", fragt Marc grinsend, als ich meine Eingabe zum dritten Mal lösche. Ich rolle genervt mit den Augen und bewältige mein Vorhaben schließlich. Kurz darauf verlassen wir die Autobahn und folgen einer Landstraße durch einige Dörfer und Waldgebiete.
      Die Stimmung im Wagen ist - abgesehen von der Vorfreude - ziemlich still. Wir alle vier sind müde von der langen Reise aus Neuseeland; der Grund, warum Paul auf dem Sitz hinter mir so untypisch ungesprächig ist. Erst gestern sind wir nämlich in Frankfurt gelandet und haben dann alle im gemieteten LKW übernachtet. Auf dem Wiesenhof nun werden sich vor allem die Pferde zum ersten Mal seit vielen Stunden wieder richtig die Beine vertreten können, bevor es in fünf Tagen losgeht. Wir haben unsere Anreise aus genau diesem Grund auf den 23. Juli gelegt.

      Gegen 14:00 rollt das große, silberne Ungetüm die gepflegte Schotterauffahrt des Wiesenhofes hinauf. Nachdem der Wagen geparkt und der Motor abgestellt ist, steigen wir vier kurzerhand aus. Aus dem Inneren des Hängers wiehert es laut. "Horch, Dizzy möchte mit.", sage ich und deute mit einem Finger nach oben. Paul nickt müde: "Jaja, ich auch.", und gähnt herzhaft. Ich grinse und folge Ann auf das Hofgelände.
      Als die ersten Stallgebäude in Sicht kommen, pfeift Marc anerkennend. Die Anlage ist sehr weitläufig und modern; das Holz, mit dem die Halle verkleidet ist, ist noch golden und das offensichtliche Wohnhaus zu unserer Linken macht ebenfalls einen sehr gepflegten Eindruck. Zaghaft Tasten wir uns in Richtung der Haustür, um eventuell zu klingeln, und es erschrecken sich wohl alle, als wir wider Erwarten von hinten angesprochen werden. "Hallihallo.", meint da nämlich eine Frauenstimme, sodass ich herumfahre. "Hi.", entgegne ich und trete nach vorn (aus dem einfachen Grund, dass ich die einzige bin, die Deutsch spricht). "Ich bin Cascar Winterscape. Wir sind die Wanderreitgruppe." - "Das dachte ich mir. So viel Englisch hört man in Bayern nicht; ich bin Frau Jonas und mir gehört die Anlage.", darauf macht sie, nicht ohne Stolz, eine ausladende Handbewegung in Richtung der schier am Horizont verschwindenden Weiden. "Habt ihr's gut gefunden?"
      So entwickelt sich ein recht angenehmes Gespräch zwischen Frau Jonas und mir. Es tut mir für den Moment nur leid, dass es die Anderen nicht verfolgen können. Ich werde Ihnen später erzählen, was für eine herzliche Persönlichkeit uns da bei sich wohnen lässt. Rein äußerlich, muss man sagen, traut man jener das kaum zu: Frau Jonas ist etwas untersetzt und dicklich, ungefähr so groß wie Ann (also kleiner als ich), hat hellblond gefärbtes Haar und ein von Wetter und Alter (ich schätze sie auf Mitte Fünfzig) gegerbtes Gesicht. Außerdem zeigen ihre Mundwinkel nur nach oben, wenn sie lächelt und ich schätze sie von ihrer Körperhaltung rein intuitiv als eine sehr konsequente und dominante Person ein. Nichtsdestotrotz hilft sie uns tatkräftig beim Entladen des LKW's und übernimmt am Führstrick gleich Ashqar, der so als erster den Boden der Voralpen betritt. Frau Jonas geht außerdem vorneweg, während ich Kazoom, Paul Himmawallajugaga und Marc Distraction in die vorgegeben Richtung bringen. Ann stellt in der Zwischenzeit den Wagen auf einen dafür ausgewiesenen Parkplatz.
      Die Pferde sind - soweit ich das auf dem kurzen Weg bis zur Weide sagen kann - noch müder als wir: Ashqar ganz vorn ist ganz lammfromm, Kazooms Ohren hängen zur Seite und er trägt den Kopf auf Schulterhöhe. Es ist ihm sogar egal, dass uns zeitweise andere Pferde begegnen.
      Aufregend wird es erst, als wir den Pferden die Halfter abnehmen - das sattgrüne Gras scheint in den Vollblütern neue Lebensgeister zu wecken. Kurzerhand werden da mit wild geschütteltem Kopf Runden im Galopp gedreht, Dizzy muss sich erst einmal wälzen und Himmi hält in eindeutigen Gesten die Hengste auf Abstand. ("Die Henne im Korb … ", murmelt Marc an dieser Stelle.) "Es sind ja doch Vollblüter!", meint Frau Jonas über die Szenerie mit gespielter Überraschung und ich grinse unwillkürlich.
      Nun, da die Pferde glücklich und versorgt sind, überkommt mich die Müdigkeit wie ein Stein. Nur mit Mühe und noch deutlich stillschweigender machen wir es uns in dem LKW bequem, der für uns die nächsten Tage als eine Art Wohnmobil agiert, und beenden diesen Tag vergleichsweise frühzeitig, um 15:30.

      Am 26. Juli trifft ein roter, mir bisher nicht bekannter Wagen mit einem gewöhnlichen Pferdeanhänger ein. Wir putzen gerade sorgfältig unsere (mittlerweile ganz gut erholten) Schützlinge auf dem dafür ausgewiesenen Putzplatz, als uns eine Frauenstimme (!) auf Englisch anspricht: "Hey, ich bin auf der Suche nach einer Miss Winterscape … ?" Ich sehe von Ashqars gerade ausgekratztem Huf auf und unsere Blicke treffen sich. Kurzerhand setze ich den Huf ab, rapple mich auf und versuche auf dem Weg zu der Unbekannten einerseits meine Haare aus dem Gesicht zu streichen, andererseits meine Hände an der karierten Reithose abzuwischen. Schließlich kann ich dem Neuankömmling getrost die Hand hinhalten und mich vorstellen: "Das bin ich. Nur 'Cascar' reicht." - "Artemis Fortounis.", entgegnet mein Gegenüber und ich komme nicht umhin, wissend zu nicken. Meine Überraschung sieht die junge Frau wahrscheinlich aber trotzdem in meinen Augen, denn sie grinst. "Hallo.", macht da auch ein ebenfalls grinsender Paul hinter mir und winkt, auf Himmis Kruppe gestützt. Die übrigen Reiter schließen ihre Begrüßung herzlich an und nachdem alle vorgestellt sind, mache ich mich zusammen mit Artemis auf die Suche nach Frau Jonas - schließlich gibt es ein weiteres Pferd aus einem Pferdehänger zu bugsieren.
      Auf dem Weg zu einem der unübersichtlichen Stallgebäude, durch das geschäftige Treiben des Hofes, unterhalte ich mich mit unserer zukünftigen Wegbegleiterin: "Wie war die Anreise, bist du sehr müde?" - "Ach, nein. Bahar und ich kommen aus Norwegen; mit der Fähre sind es insgesamt anderthalb Reisetage, aber in einer Zeitzone. Und vom Verkehr her sind wir gut durchgekommen. Wie war es denn bei euch, ihr alle seid doch nicht von hier, oder?", steigt Artemis bereitwillig ein. Bei "hier" macht sie mit den Fingern imaginäre Gänsefüßchen in die Luft. Nachdem sie so ein paar Sätze geredet hat, glaube ich nun auch ihren Akzent als norwegisch (oder nicht? Nennen wir es "europäisch") identifizieren zu können. Das ändert erstmal nichts daran, dass Artemis mir durchaus sympathisch ist - sie ist vielleicht ein paar Jahre älter als ich, ich schätze sie auf Anfang zwanzig. Es ist durchaus möglich, dass sie jünger ist, das ist schwer zu beurteilen - die langen schwarzen Haare und das damit gar nicht so nordische Aussehen verleihen der Frau quasi zeitlose Schönheit.
      "Nein, wir kommen ja aus Neuseeland. Da war die Anreise ein bisschen weiter … ", fahre ich scherzhaft fort. "Ist das nicht total stressig für die Pferde?", fragt Artemis und ich glaube ehrliche Besorgnis in ihrem Blick zu erkennen. "Wenn wir mit mehreren Pferden unterwegs sind, reisen wir mit einem Frachtflugzeug. Zum Verladen werden die Pferde sediert und in der Maschine selbst sieht es eigentlich aus wie in einem richtigen Pferdestall. Das ist nicht wie Früher, pro Pferd eine Holzbox.", erkläre ich und schüttle nachdrücklich den Kopf. "Außerdem sind wir schon seit drei Tagen hier und bleiben nach der Alpenquerung noch zwei Wochen, damit sich der Aufenthalt lohnt.", füge ich hinzu und da scheint Artemis beruhigt. Mittlerweile sind wir im Hauptstall des Wiesenhofs angelangt und Frau Jonas lässt tatsächlich nicht lange auf sich warten - sie ist mit einigen Reitschülern gerade dabei, einen Fuchswallach zu putzen, der seinerseits zufrieden döst. "Frau Jonas, das ist Frau Fortounis aus Norwegen.", sage ich unverblümt auf Deutsch, sobald wir nahe genug sind. "Freut mich.", meint Frau Jonas und schüttelt der jungen Frau die Hand. "Alles gut?", fragt sie und Artemis nickt. "Verstehst du Deutsch?", hakt sie nach. Artemis nickt erneut. "Sprichst du Deutsch?", frage ich und sie schüttelt lächelnd den Kopf. So ist das also. Trotz dieser halben Sprachbarriere einigen wir uns schließlich darauf, das Pferd von Artemis vom Hänger zu holen und vorerst auf die Nachbarweide der neuseeländischen Vollblüter zu stellen, um eine allzu heftige Konfrontation zu vermeiden. Und - gesagt, getan - kurz darauf grast Bahar friedlich. Der gescheckte Hengst zeigt bisher ausgezeichnete Manieren und scheint auch sonst einer von der ruhigen Sorte zu sein. In Gedanken gehe ich schon durch, mit welchem Pferd ich Bahar am besten vergesellschafte, um den anfänglichen Rangordnungskampf flach zu halten.

      Am Nachmittag ist es Ashqar, der, nachdem beide Parteien genügend Zeit hatten, um sich zu beschnuppern und zu beschauen, die Seite des Zauns wechselt. Mit mir schauen Artemis und Marc dem wahrhaft bunten Treiben zu: Die beiden Hengste gehen im ersten Moment mit gespitzten Ohren aufeinander zu und berühren sich mit der Nase. Kurz darauf legt Ashqar seine Ohren an und tritt mit dem linken Vorderhuf nach Bahar. Der reagiert mit einem leichten Steigen und dreht dem anderen Hengst warnend die Hinterhand zu. Da dreht mein Pferd ab und beginnt einen imposanten Sprint, dem sich Bahar kurzerhand anschließt. "Man sollte meinen, dass das kein Problem ist. Die sprechen doch beide arabisch.", meint Marc neben mir trocken, während er mit verschränkten Armen das Gerangel beobachtet. "'Kastanie' und 'Meer' ist da nur vielleicht nicht die beste Kombination.", steigt Artemis lächelnd ein. Kaum zehn Minuten später haben sich die Pferde auch beruhigt und widmen sich wieder dem Gras - nicht, ohne sich hin und wieder skeptische Blicke zuzuwerfen, aber das ist unter Hengsten vermutlich üblich. Später, am Abend, wagen wir dann den Schritt und stellen die Araber zu den drei Tekkinern. Wieder gibt es Stress, aber keine ernsthaften Auseinandersetzungen. Schnell ist geklärt, dass Bahar mit seinem ruhigen Temperament den letzten Platz der Rangordnung bekleidet und er seinerseits gibt sich wohl damit zufrieden. "Dein Pferd ist klug.", lobe ich deshalb Artemis. Sie grinst: "Nur manchmal. Es gibt auch Situationen, da ist er eine ganz schöne Pfeife."
      Den Abend lassen wir am Lagerfeuer ausklingen. Morgen ist Packen angesagt und dann wird es schon bald losgehen. Ich bin mehr als gespannt und meine Vorfreude steigt im gelben Schein des Feuers ins Unermessliche.

      Gegen sieben Uhr Morgens am 28. Juli trifft erneut ein Auto mit Pferdehänger ein - die Reifen des dunkelblauen VW Passat hinterlassen dunkle Spuren im noch taufrischen Gras, als der Fahrer am Rand des Parkplatzes wendet. Er wird von uns, die wir nun zu fünft im Eingang des LKW's stehen, sehnsüchtig erwartet. Alle haben schon Reithosen, Wanderschuhe und die Wetterjacke an, über Pauls rechter Schulter hängen Satteltaschen.
      "Guten Morgen!", ruft der Mann aus dem VW - unser Bergführer - nachdem er den Motor abgestellt und die Tür geöffnet hat. Er ist kleiner als ich, sogar kleiner als Ann und seine drahtige Gestalt erzählt die Geschichte von vielen Bergtouren. Sein schlohweißes Haar und der halblange, aber gepflegte Bart lassen auf ein vergleichsweise hohes Alter schließen, vielleicht Ende 60. Im Folgenden tritt er auf uns zu und begrüßt jeden Einzelnen von uns mit festen Händedruck und entschlossener Mine. "Helga mein Name.", stellt er sich schließlich vor. "Vor- oder Nachname?", flüstert Artemis mir vorsichtig über die Schulter ins Ohr und ich erwidere "Vorname.", denn ich habe die Tour im Internet gebucht. Helgas Nachname ist - glaube ich - Bischof. Der Mann selbst verfolgt unseren englischen Wortwechsel nicht und holt stattdessen sein Pferd aus dem Hänger - augenscheinlich ein Apaloosawallach, der Heu kauend und ein wenig dicklich vor uns steht. Ich liege wohl richtig, wenn ich sage, Pferd und Reiter passen sehr gut zusammen. "In Ordnung. Dann schlage ich das Satteln vor … ?", frage ich Helga und er stimmt mit einem Nicken zu. "Gegen acht geht's los."

      Und so kommt es, dass alle Pferde pünktlich und zumindest gesattelt auf dem Parkplatz stehen. Ann wird abgestellt (sie hat sich freiwillig dazu bereiterklärt) um die zahlreichen Zügel der Pferde festzuhalten, während wir übrigen das Gepäck an den Sätteln befestigen. Ein jeder hat einen Schlafsack mit, Verpflegung für den Tag sowie diverse Taschen mit Pferdefutter und -decken. Unseren eigene Rucksack tragen wir Reiter zusätzlich auf dem Rücken; in ihm sind nur leichte Dinge wie Anziehsachen. Außerdem haben wir alle unser Handy im Rucksack - falls wir vom Pferd fallen und in der Wildnis verloren gehen.
      Die Pferde selbst tragen alle Trensen ohne Sperriemen und Distanzsättel - Ausnahmen bilden Ashqar, Bahar und Helgas Pferd ("Quintus"), die jeweils einen Westernsattel auf dem Rücken wissen. An den Beinen haben alle sechs Gamaschen und außerdem Hufschuhe. So ausgerüstet blicke ich grimmig den Bergen entgegen, während ich nachgurte und dann aufsteige.
      "So. Dann hört mir mal alle zu.", meint Helga, während er Quintus mit dem Kopf gegenüber den Fronten unserer Pferde dreht. "Erstmal herzlich Willkommen zu unserer Alpenquerung und viel Spaß.", meint der Guide förmlich, aber ehrlich. "Für unterwegs gibt es ein paar Regeln, ", fährt er fort, "die da wären: Zum ersten bleiben wir in der Gruppe, egal was passiert - fällt einer vom Pferd, hält die Gruppe an, stürzt jemand ab, geht niemand einzeln hinterher - " Als Helga Artemis und mein erschrockenes Gesicht sieht, lacht er warm und meint: "Keine Sorge, in den dreißig Jahren, in denen ich Reiter über die Alpen bringe, ist noch nie etwas derartiges passiert. Aber ihr müsst davon gehört haben." Das beruhigt mich. Und Artemis, denke ich, auch. "Also. Die Gruppe bleibt zusammen. Zweitens wird bergab ausschließlich im Schritt geritten. Bitte nehmt eure Pferde immer zurück, sie können das zusätzliche Gewicht auf dem Rücken genau so wenig einschätzen wie ihr. Sollte das Pony trotzdem zu schnell werden, biegt es - Volte, laterale Biegung, irgendwas. Lenkt es notfalls den Hang nach oben." Ich nicke und gehe in Gedanken durch, was ich den Neuseeländern dann noch alles auf Englisch erklären muss. "Drittens werden wir Dinge wie Kühe, Viehgatter und Gewitter erleben, die dem Vertrauen zwischen euch in dem Tier viel abverlangen. Schaut euch die Umgebung an, seht neue Dinge vor eurem Pferd, steigt ab, wenn es sich etwas nicht traut. Das war's erstmal, alles weitere erkläre ich am Berg, sofern es nötig ist. Alles klar?", meint Helga zum Schluss und blickt fragend in die Runde. Ich stimm eilig zu und während sich die Karawane in Bewegung setzt, wiederhole ich die Regeln für Marc, Paul und Ann auf Englisch.
      Diese erste Tagestour umfasst bereits vierzig Kilometer und mehrere hundert Höhenmeter. Schon bald nachdem wir den Wiesenhof verlassen haben (von Frau Jonas haben wir uns übrigens schon gestern Abend verabschiedet) treffen wir auf eine Landstraße. Dieser folgen wir im Gänsemarsch - Helga und Quintus vornweg, es folgen Paul und Himmi, Ann auf Kazoom, dann Bahar und Artemis und vor mir noch einzig Marc auf Distraction. Die Pferde sind - mit Ausnahme von Quintus, der seelenruhig am langen Zügel dahindackelt, äußerst aufgeregt und ambitioniert. Selbst Bahar trägt seinen Kopf hoch und Artemis muss ihn mächtig zurückhalten, damit er bei dem leichten Anstieg zu unseren Füßen nicht antrabt. Ashqar indes hat scheinbar Stress, den Anschluss an die Gruppe nicht zu verlieren - zumindest wiehert er hin und wieder und versucht sich aus der Anlehnung zu heben. Im Großen und Ganzen, auch weil wir auf unsere Formation und die vorbeifahrenden Autos achten müssen - verläuft diese erste halbe Stunde in angestrengtem Schweigen. Als wir die Straße schließlich in den Wald verlassen, sind Anns und meine Wangen gerötet.
      Im Wald indes ist es kühl und die Vögel zwitschern. Bisher haben wir mehr als Glück mit dem Wetter, denn bis auf ein paar Cumuluswolken hindert nichts die Sonne daran, auf uns zu strahlen. Unter dem steten Wechsel von Licht und Schatten werden auch die Vollblüter ruhiger (wenn auch nicht ausgelasteter) und der breite Weg erlaubt es uns, in Paaren nebeneinander zu reiten. So ergreift Marc die Gelegenheit beim Schopfe und gesellt sich zu Artemis - seine, für die junge Dame vermutlich etwas aufdringlich wirkende Fülle an Fragen wird unterbrochen, als Helga uns zum Trab auffordert "solange es noch geht". Ich bin mir nicht sicher, wie er das meint, schnalze aber mit der Zunge und lasse Ashqar mehr Kopffreiheit. Der Schecke wittert seine Chance und versucht kurz zu galoppieren, bevor ich ihn einfange und in die langsamere Gangart zwinge. Nicht nur ich habe augenscheinlich mit meinem Pferd zu kämpfen - auch Kazoom wollte einen kleinen Sprint einlegen und Ann zügelt ihn mit einem energischen "Na!". Ich bin zugegebenermaßen beeindruckt von ihrer Konsequenz und dem Einfühlungsvermögen; sie kennt Kazoom eigentlich nur vom Sehen und reitet ihn hier zum ersten Mal und trotzdem scheinen die zwei als eine Einheit zu funktionieren. Das gleiche fällt mir aber wenig später bei Artemis auf und ich treibe Ashqar neben Bahar, um nach dem Durchparieren mit ihr reden zu können. Tatsächlich aber traben wir geschlagene vierzig Minuten - dann wird der Weg schmaler und steinig, wir biegen erneut ab und plötzlich folgen wir im Schritt einer heftigen Steigung des Geländes. "Artemis, hast du noch mehr Pferde oder nur Bahar?", stelle ich schließlich die Frage, die mir die ganze Zeit auf der Zunge gelegen hat. Sie lächelt mir über die Schulter zu, während sich ihr Pferd am langen Zügel hochkonzentriert einen Weg über die großen Steine sucht. "Kennst du Hara Artemis?" - "Ja!" - "Mir gehören da alle Pferde.", sagt sie, nicht ohne Stolz in der Stimme - "Ui!", mache ich. "Und wo kommst du her? Ursprünglich, meine ich.", frage ich weiter und schneide so ein neues Thema an. "Aus Griechenland.", meint Artemis zögernd. 'Das passt. So vom Aussehen und der Statur.', denke ich für mich. "Was hat dich nach Norwegen verschlagen?", fahre ich fort - und in den kommenden Stunden, während unsere Pferde den steilen Pfad durch den Wald nach oben kraxeln, unterhalten wir uns über unsere Lebensgeschichte. So haben Artemis und ich mit der Auswanderei ja so einiges gemeinsam und ich habe das Gefühl, mit der jungen Frau gedanklich auf einer Wellenlänge zu sein.
      Hin und wieder werfe ich einen Blick nach vorn und versuche so den Verlauf unseres Pfades ausfindig zu machen.
      Nach knappen vier Stunden Weg machen wir die erste richtige Pause. Wir befinden uns an einem Bach, die Bäume sind schon ein wenig kümmerlicher als noch vor einigen Stunden und die Pferde schwitzen alle - der Anstieg, die Höhe und das viele Gepäck fordern in dieser Form ihren Tribut. Gierig schlürfen sie alle das klare Gebirgswasser und auch ich bin froh, in meine Schnitte beißen zu dürfen und neue Sonnencreme aufzulegen. (Ich habe bestimmt schon Sonnenbrand auf den Armen, zumindest brennen sie.) Als wir keine Stunde später unseren Weg fortsetzen, reihe ich mich hinter Helga und Paul ein, was meinem Ashqar ein leises Wiehern entlockt - seit einigen Monaten nun werden Himmawallajugaga und der Hengst zusammen trainiert und fahren auf dieselben Turniere. Ich lüge wohl nicht, wenn ich behaupte, Ashqar sei unsterblich in die dunkle Stute verliebt. So versucht er auch auf dem Weg ständig ihre Aufmerksamkeit zu erlangen und ich richte immer mal wieder ein warnendes Wort an ihn. "Na Cassi, alles klar?", fragt Paul zwinkernd nach hinten. "Ja. Mein Pferd mag dein Pferd.", sage ich. "So? Der Reiter mag auch den Reiter, so ein Zufall.", meint er grinsend, während er erst auf sich, dann auf mich deutet. "Wa-", ich bin kurz sprachlos und lache dann, "Du Witzbold. Solche Sprüche sehen dir gar nicht ähnlich!" Sicher, ob Paul das nun ernst meinte oder nicht, bin ich mir aber nicht. Ich nehme deshalb ein neues Thema auf, sein nassgeschwitztes T-Shirt betrachtend. "Ist dir warm?" - "Frag doch was Sinnvolles.", ruft Marc darauf hinter mir. "Aha?", mache ich grinsend. "Frag, was du tun kannst, damit ihm nicht mehr warm ist. Da sagt er dir, du sollst hinter ihm weggehen, jede Wette.", neckt Marc und ich halte Ashqar kurzerhand und lasse ihn an mir vorbeiziehen, nicht ohne ihm verlegen grinsend einen Klaps auf den Arm zu verpassen. "Ich sage nur, wie es ist.", verteidigt sich Marc mit einer erhobenen Hand, Paul schweigt. Ich sehe ja nur seinen Rücken, aber ich nehme an, er lächelt in sich hinein.
      Da sich Ann und Artemis hinter mir angeregt unterhalten, begnüge ich mich für's Erste mit Ashqars Gesellschaft - auf normalen Distanzritten ist das ja auch so. Stunde um Stunde vergehen, ohne dass mir langweilig wird, denn die Landschaft um uns herum ändert sich ständig: Der Wald wird nun überwiegend von Nadelgehölzern und engstehenden Büschen beherrscht und gegen 16:00 verlassen wir diese Landschaft endgültig. Vor uns erstreckt sich einer weiter Wiesenhang mit wenig Steinen im Boden. Am oberen Ende, in vielleicht 3 Kilometern Entfernung, erspähe ich so etwas wie ein Haus. Helga lässt die Gruppe halten. "Das da oben ist unsere Unterkunft, die Lohmerhütte. Sie wird von einer befreundeten Familie im Sommer bewirtschaftet und nimmt regelmäßig meine Gruppen auf - nur falls ihr eher da seid und euch vorstellen müsst.", meint er grinsend. Es stellt sich heraus, dass dies der offizielle Vorschlag für einen Galopp ist. Ich sehe Ashqar prüfend an, während wir die ersten paar Schritte im Schritt zurücklegen - der Hengst schwitzt, die Mähne klebt förmlich am Hals, und seine Nüstern sind gebläht. Probehalber gebe ich ihm eine Trabhilfe, der der Schecke Folge leistet und schließlich auch eine zum Galopp. Da rollt das Pferd den Kopf ein, holt mächtig Schwung und zieht sich mit jedem Galoppsprung kraftvoll den Berg nach oben - nach zwanzig Sekunden hat Ashqar keine Lust mehr, den Rest des noch so langen Weges legen wir im Schritt zurück. Ein Blick nach hinten zeigt mir ähnliche Ergebnisse bei den anderen - die einzigen, die weiter als wir gekommen sind, sind Himmi und Paul. Dizzys Ohren unter Marc hängen vor Erschöpfung zur Seite und der Rappe scheint im Gehen zu dösen, Bahar und Artemis sehen beide recht fertig aus und Ann auf Kazoom rangelt gerade ein wenig mit dem Hengst, weil er augenscheinlich gerne das frische Almgras probieren möchte. "Na Kazoom, wart's ab, bis in dem Gras Kuhfladen liegen, da vergeht dir schon der Appetit!", ruft Marc da dem Dunkelbraunen zu. So kommen wir an diesem Tag letztendlich doch als geschlossene Gruppe an unserer ersten Etappe an.

      Die Lohmerhütte ist eigentlich keine richtige Hütte; das Gebiet im Umfeld ist zwar steinig, aber es wachsen noch Bäume und eigentlich agiert das kleine Haus mit Stallanbau als Wohnhaus für die Familie, die hier tatsächlich einige Kühe und Ziegen betreut (im Sommer sind die aber auf der Alm). Die Versorgung wird trotzdem über einen privaten Lift sichergestellt, wie ich bei der Ankunft feststelle. Sobald das dumpfe Getrappel der Pferdehufe auf der Wiese zu hören ist, öffnet sich die schon angegraute Haustür und ein Mann mittleren Alters - mit ein wenig Bierbauch - tritt uns entgegen. "Grüß Gott!", ruft er und hebt die Hand - wir grüßen zurück und halten vor ihm, sitzen ab. "Herzlich Willkommen auf der Lohmerhütte, ich bin der Jochen und meine Frau ist die Katrin - KATRIN!", ruft er da über die Schulter in das Haus. "JAA!", kommt es zurück und wenig später schütteln wir einer blonden, etwas jüngeren Dame die Hand. "Herzlich Willkommen auch von mir.", meint sie lächelnd. "Da zeige ich euch erstmal die Unterkunft für eure Pferde, was?", erklärt Jochen und geht voraus. Ich mag den Typen, aber ich finde ja auch, dass Menschen mit österreichischem Dialekt (und das, obwohl wir noch in Deutschland sind!) sehr sympathisch sind. Jochen jedenfalls gehört dazu; in aller Ruhe bringt er unsere müde Gruppe hinter das Haus. Dort befindet sich ein Anbau als Unterstand für die Pferde; er ist etwas knapp von der Größe, weshalb der Stallbesitzer uns anbietet, einige Pferde im Kuhstall unterzubringen. Nach einem kurzen Gespräch auf Englisch einigen wir uns darauf, Quintus und Himmi diesen exquisiten Ort beziehen zu lassen, während die Hengste draußen nächtigen.
      Im Anschluss satteln wir alle recht stillschweigend unsere Pferde ab und Putzen sie, um Luft an die Haut zu lassen. Außerdem werden alle Hufe kontrolliert und alle Stellen, an denen die Ausrüstung gerieben haben könnte (bis jetzt ist alles in Ordnung - toitoitoi). Jochen bleibt in der Zeit bei uns und befragt uns über unseren Aufstieg. Er muntert uns außerdem damit auf, dass damit der ärgste Teil, nämlich mehr als 1000 Höhenmeter pro Tag, abgeschlossen sei und der Weg ab jetzt spannender verlaufen würde. Das hebt die Stimmung wieder etwas und den Pferden geht es nach ein paar Schlucken aus dem Kuhtrog und einigen Happen frischen Grases auch gleich sichtlich besser. "Glückwunsch, das habt ihr heute schonmal gut gemacht.", meint Helga dann zu uns, während wir mit unserem ganzen Gepäck zurück zum Hauseingang ziehen. "Und eine Stärkung habt ihr euch redlich verdient.", fügt Jochen hinzu. "Oder, Helga?" Zu unserer Erleichterung pflichtet Helga Jochen bei und wir finden uns keine zehn Minuten später und noch völlig ungewaschen und in Pferdesachen an einer großen Holztafel ein. Katrin stellt bald darauf einen riesigen Topf Spagetti auf den bereits gedeckten Tisch und einen beinahe ebenso großen Topf Tomatensoße. "Ich habe mir überlegt, damit kann man nichts falsch machen.", meint sie grinsend, während sie Platz nimmt. "Nehmt euch ruhig, guten Appetit." Auch ohne Deutsch zu können verstehen diese Aufforderung ausnahmslos alle und für eine halbe Stunde verfällt der Raum in gefräßige Stille. Dann ergreift Paul das Wort: "Wifeile Hohenmaitter legen wir mogen suruck?" und mir fällt beinahe die Gabel aus der Hand, weil er das auf Deutsch fragt und zwar Helga. Der lächelt und überlegt kurz, bevor er erwidert: "Ungefähr 530 nach oben und 270 nach unten. Und von der Strecke her mehr als Heute, so 70 Kilometer." Paul sieht mich da dann doch fragend an und ich übersetze quer über den Tisch ins Englische. Da nickt er lächelnd und sagt zu Helga: "Danke."
      Auch abgesehen davon entwickeln sich allmählich, der Sättigung folgend, Tischgespräche. Helga, Jochen und Katrin kommen ins Gespräch und während ich die drei und uns am Tisch beobachte, frage ich mich, ob die Bauern keine Kinder haben - es macht zumindest den Anschein, so wie sich Katrin um uns kümmert und wie sie und Jochen hier leben. Zu fragen traue ich mich nicht, denn es geht mich eigentlich nichts an. "Hey, Cassi. Spielst du mit Skat?", fragt Marc mich, die Spielkarten schon in der Hand. "Ähm … Ann kann das besser - woher hast du die Karten?", meine ich verblüfft. "Aus meiner Hosentasche.", meint mein Gegenüber, "Damit ich im Fall eines Absturzes und des sicheren Todes zumindest keine Langeweile bekomme." Ich grinse. "Ne du, im Skat war ich noch nie gut. Aber wirklich, frag Ann. Und Artemis kann bestimmt auch Skat." - Artemis nickt schüchtern. So werden Paul und ich zu Zuschauern und wir wechseln die Sitzordnung etwas - Ann, Artemis und Marc setzen sich an das Tischende und beginnen zu spielen, während ich mich neben Paul niederlasse. "Hey.", sage ich und schenke ihm noch Wasser nach. "Na?", fragt er zurück. Wir plaudern ein wenig und schließlich frage ich ihn, ob er mit Himmi klar kommt und ob er Rhodus, seinen Ardennerhengst, vermisst. "Naja", beginnt er, "Ich würde die Tour schon gerne mal mit ihm machen. Aber Himmi ist ein cooles Mädchen und Rhodus' Hufe würden vermutlich gar nicht in die Wegrinne passen.", sagt er scherzhaft. Später frage ich Paul auch, woher er Deutsch kann und er erzählt von seinem Aufenthalt in Deutschland für ein Jahr, wo er ja auch seinen kleinen Trabant gekauft hat, mit dem wir damals zusammen Rhodus vom Flughafen abgeholt haben.
      Insgesamt macht sich an diesem Abend gute Laune breit; wir gehen alle früh schlafen (und alle schlafen in einem Bettenlager!), denn morgen wird der Weg erneut seinen Tribut fordern.

      Tag 2

      Am nächsten Morgen wache ich völlig fertig auf. In unserem Zimmer ist es stickig, weil irgendjemand in der Nacht das Fenster geschlossen hat - es hat gewittert. Nun ist es 6:30 und der Himmel, den ich auf dem Rücken liegend durch das Fenster erspähen kann, ist blau und beinahe wolkenlos. Neben mir liegt Ann, auf der anderen Seite Artemis. Beide schlafen noch und so rapple ich mich möglichst lautlos auf, schnappe mir meine Waschtasche und Anziehsachen und stehle mich in der Kühle des Morgens in das Badehäuschen.
      Ich putze gerade Zähne, als mich das Plautzen der Tür höllisch erschreckt und Paul eintritt. "Hi Cascar.", nuschelt er. Ich gebe - noch mit der Zahnbürste im Mund - einen gurgelnden Laut von mir und Spucke aus. "Ich würde ja gerne duschen gehen …", meint Paul da unsicher. Ich sehe ihn fragend an: "Mach?" - "Umdrehen."
      Wenig später höre ich Paul merkwürdig atmen und er ist erstaunlich schnell fertig, mit dem Duschen. Er fragt von der anderen Seite der getönten Scheibe: "Cassi? Kannst du bitte das Handtuch rüberschmeißen?" Kommentarlos folge ich seiner Bitte und wenig später erklärt er, es gäbe kein warmes Wasser. "Bist du wenigstens wach.", necke ich.

      Nach dem Versorgen der Pferde und einem ausgiebigen Frühstück sattelt zum zweiten Mal jeder seinen Schützling. Schon beim Tragen von Ashqars Westernsattel fällt mir auf, was mir alles wehtut, obwohl die Langstreckenreiterei ja eigentlich nichts Ungewöhnliches für mich ist (wie muss nur denen der Po wehtun, die es nicht gewohnt sind!?). Trotzdem beschwert sich keiner und in weniger als vierzig Minuten sind alle fertig. Wir bedanken und verabschieden uns daraufhin von Jochen und Katrin und steigen dann auf - vor uns liegt der unmittelbare Aufbruch in die österreichischen Alpen.

      Helga führt die Gruppe - wie gestern zu Beginn im Gänsemarsch - einen Pfad abseits der Lohmerhütte entlang. Während der kommenden halben Stunde werden die Bäume kleiner, bis wir die Baumgrenze auf 1800 Metern Höhe überqueren und für einige Minuten die Aussicht genießen. Dann haben wir den Kamm von Katrins und Jochens Hausberg erreicht und steigen über einen Bergpfad wieder in das Tal ab.
      Während dieser ganzen Zeit sind die Pferde erstaunlich ruhig - vielleicht sind sie ja auch noch müde. Auf jeden Fall macht keiner Sperenzchen (außer dass Bahar einmal laut Wiehern muss) und auch sonst erlaubt zum Beispiel das Wetter gute, entspannte Laune. Nach einer guten Stunde ruft Helga von Quintus' Rücken: "Wir sind jetzt in Österreich!" und ab da reiten wir unsere Pferde alle den Berg noch steiler hinunter.
      Es ist tatsächlich schwierig, die Tiere zu zügeln - nicht nur Bahar und Dizzy fallen einmal in den Trab, worauf die Reiter sie jeweils erfolgreich versuchen, quer zum Hang zu stellen.
      Schließlich erreichen wir eine Art Zwischenfuß des Berges, ein Plateau. Es ist eingerahmt von Berggipfeln und hat insgesamt wohl einen Durchmesser von mehreren Kilometern. Es wachsen bräunliches Gras und Wiesenblumen, keine Bäume. Durchzogen wird es von einem kleinen Bach. Schon als ich es zu sehen beginne, muss ich Ashqar halten, um diese Schönheit der Natur für einen Moment still auf mich wirken zu lassen. Es geht - wie ich dabei bemerke - nicht nur mir so, denn auch Artemis und Ann halten mit mir. Danach müssen wir im Galopp zur Gruppe aufschließen - wiederum eine willkommene Abwechslung zu den langen, konzentrationsintensiven Schrittstrecken. Am Rand des Felsenkessels dann folgt logischerweise wieder ein kleiner, felsiger Anstieg. Von dem schließlich erreichten Joch aus erblicken wir einen ausgedehnten, wunderbar türkisblauen Gebirgssee. "Der See da ist unser Ziel. Trinkt alle nochmal was, die nächste richtige Pause gibt es erst dort unten!", warnt Helga just in diesem Moment vor. Wir gehorchen ausnahmslos und die Pferde dürfen ein wenig Gras zupfen, bevor wir uns wiederum auf einen kräftezehrenden Abstieg machen. Glatte zweieinhalb Stunden im Schritt, in ständiger Anlehnung zum Bremsen, später, erreichen wir, aus dem Wald tretend, das Ufer des Sees. Es ist nun Mittag und wir suchen uns ein lauschiges, ausreichend großes Plätzchen und machen eine ausgedehnte Pause; den Pferden nehmen wir sogar zum Grasen und Trinken die Sättel ab. Wir Reiter hingegen packen unsere Lunchpakete aus und lassen es uns schmecken ("Das ist aber eine komische Weintraube." - "Marc, das ist eine Stachelbeere!?"). Helga erzählt uns danach, was wir als nächstes und insbesondere für den heutigen Tag noch vorhaben: "Also. Wir sind jetzt im österreichischen Tirol, etwa auf 1200 Metern über dem Meeresspiegel. Heute haben wir schon etwa 28 Kilometer zurückgelegt, es folgen nochmal so viel. Wir müssen heute noch über den Fernpass und nächtigen dann in einer Pension - keine Angst, es ist eine Pension mit Bauernhof - in Irm." Nach dieser Ansage sind erstmal alle wieder frohen Mutes. Das Satteln geht allen leicht von der Hand und kurz nach unserem Aufbruch traben wir sogar eine ganze Weile, solange wir am Seeufer sind. Als Paul zu Helga aufschließt, um ihm nach einem Bad im See zu fragen, wehrt der aber ab - aus Zeitgründen. Er versichert uns aber, dass wir einmal an einem See nächtigen werden und da noch ausreichend Zeit für Badespaß haben werden.
      Diese Aussicht ist bei knapp 28°C natürlich verlockend.
      Was bei 28°C aber auch passieren kann, und das besonders in den Bergen, ist die Bildung eines Wärmegewitters. Einem derartigen Ungetüm nun sehen wir uns nach einiger Zeit schreckerfüllt gegenüber, als wir den Bergpfad verlassen und auf die Straße einbiegen, die in den Fernpass mündet. "Helga! Was machen wir denn jetzt!", ruft Ann auch gleich ein wenig panisch nach vorn. Kazoom unter ihr dreht auch ein Ohr nach vorn, als würde er eine Antwort ebenso eifrig erwarten, wie seine Reiterin. Helga dreht sich im Sattel um, während Quintus vor den Autos weiter stur im Schritt geradeaus läuft und sagt: "Nichts. Das Gewitter ist noch mehr als 15 Kilometer entfernt. Der Fernpass selbst ist nur circa 20 Kilometer lang. Mit anderen Worten - wenn wir uns beeilen, sind wir im Windschatten des Gewitters, bevor es uns erreicht." Und so bricht ein wenig Stress in der Gruppe aus. Wir halten in einer Nische für den Bus, ziehen alle unsere Regenjacken an und Pferde wie Dizzy, Himmi und Kazoom bekommen vorbeugend Nierendecken. Dann reihen wir uns mit vielen Autos und Motorrädern auf der in Kurven ansteigenden Serpentine ein und traben den Weg nach oben, während in der Ferne der Donner grollt. Niemand möchte gerne mit seinem Pferd in einen Sturm kommen und so treiben wir unsere Pferde ausnahmslos entschlossen zur Eile an; Paul und Himmi galoppieren sogar teilweise, was ich persönlich im Straßenverkehr ja nicht für klug halte, aber … Als wir den Wendepunkt oben erreichen, schwitzen die Pferde in der schwülen Luft, Bahar hinter mir atmet aus weit geblähten Nüstern. Am Horizont sind bereits Blitze zu sehen und das Gewitter ist unüberhörbar. Für jeden von uns ist es in diesem Moment schwer, ruhig zu bleiben. Und trotzdem müssen wir als Reiter eigentlich über der Situation stehen und dem Pferd Sicherheit geben. "Es ist alles gut! Wir reiten jetzt runter und wieder unterhalb der Baumgrenze!", sagt Helga, als die Vollblüter merklich nervös werden. "Im Schritt.", fügt er noch hinzu. Kaum haben wir die gegenteilige Hangneigung von eben abzuschreiten begonnen, setzt der Regen mit dicken, platschenden Tropfen ein. Ich spüre sie zuerst auf meinem Helm und setze rasch die Kapuze auf. Die anderen Reiter tuen es mir nach - und das ist gut so. Denn keine zehn Minuten später prasselt der Regen (abwechselnd in flüssiger Form und als Hagel) auf uns nieder. Der Donner in der Ferne belegt, dass wir in das Gewitter gekommen sind - trotzdem wir uns beeilt haben. Helga weiß das und mahnt die Gruppe, zusammen zu bleiben, während wir quälende zwei Stunden den Fernpass nach unten zockeln. Immer wieder überholen uns Autos mit ihren grellen Scheinwerfern, was die Pferde neben dem Wetter zusätzlich unruhig macht. Andererseits ist es wahrscheinlich gut, dass jeder mit seinem Schützling zu reden und zu tun hat - so muss sich keiner gezwungen fühlen, sich auf das laute Grollen in den Wolken zu konzentrieren.
      Schließlich verlassen wir aber den Pass und biegen wieder auf einen schmaleren Weg in den Wald ab. Ich atme erleichtert aus, weil die Bäume uns nun gewissermaßen schützen. Auch Helga scheint, obwohl ich ja nur seinen Rücken sehe, etwas froh und wir traben ein Stückchen, um geringfügig trockener zu werden. An der nächsten Wegkreuzung steht dann auch ein Wegweiser, der Irm in einer zeitlichen Entfernung von zwei Stunden ausweist. Weil es nach wie vor regnet und wir alle irgendwie nass sind und der Boden es zulässt, entschließen wir uns zu einem einstündigen Trab, mit dem wir die Pension erreichen sollten.

      Tatsächlich verlassen wir bald darauf den Wald und erblicken die Stadt im Tal. Das Gewitter ist wieder auf dem Abmarsch, aber die Feuchtigkeit ist, zumindest mir, bis auf du Knochen gekrochen. Mir ist außerdem kalt.
      Die Pferde schütteln sich der Reihe nach kräftig und das letzte Stück bergab steigen wir ab, um unsere Kameraden zu führen. So erreichen wir letztendlich müde, aber wohlbehalten die Pension "Goldene Feder".

      Unsere Bleibe für diese Nacht verfügt über warmes Wasser. (Ein erleichtertes Aufatmen von Paul.) Das ist in Hinsicht auf unsere Lage ein großer Gewinn. Außerdem haben heute auch die Pferde ein festes Dach über dem Kopf, was wiederum ein Pluspunkt ist; die Pension ist ein gepflegter, gelb verputzter Drei-Seiten-Hof mit rankenden Weinpflanzen an den Hauswänden und insgesamt zwei Ställen. In einem sind Ziegen untergebracht, der andere beherbergt neben vier eigenen Pferden der Hofbesitzer etliche (elf? zwölf?) Gastboxen, von denen sechs für unsere best Buddies hergerichtet sind. Obwohl wir alle frieren (wie ich nach einigen kurzen Gesprächen weiß) lassen wir uns mit dem Absatteln, Eindecken und Versorgen unserer Pferde Zeit. Erst danach widmen wir uns unserer eigenen Körpertemperatur und dem überflüssigen Wassergehalt unserer Kleidung. Zum wiederholten Mal sind wir danach völlig kaputt und ausgehungert.
      Dieses Mal sitzen wir im Gastraum und essen mehr oder minder schweigend à la Carte. Im Anschluss verteilen wir uns auf die drei für uns gebuchten Zimmer: Helga allein, Paul und Marc teilen sich eins und wir Mädels werden demnach das Dreibettzimmer beziehen. Gequatscht wird an diesem Abend dann auch nicht viel, eigentlich nichts von Belang. Ann, Artemis und ich sind wohl nur froh, dass wir uns in ein warmes, trockenes Bett kuscheln und die Augen schließen dürfen.

      Tag 3

      Als ich am nächsten Morgen den Stall betrete, fällt mir augenblicklich Ashqars schlechte Laune auf: Der Hengst macht keine Anstalten mich zu begrüßen und entlastet in seiner Box mit zu mir gedrehtem Po. Sogar als ich mit dem Austeilen des Futters beginne dreht er sich nur zögerlich um, während Bahar und Dizzy schon eifrig kauen. Deshalb geselle ich mich letztendlich zu meinem Pferd.
      Ashqar schielt ein wenig zu mir, während er frisst und ich ihm leise erzähle, dass wir nur noch heute reiten werden und morgen Ruhetag ist und dass das Wetter heute viel besser als gestern ist. Währenddessen streichle ich sanft seinen Hals. "Na? Eine kleine männliche Mimose?", fragt Paul, der sich wohl eher unbemerkt (schon wieder!) angeschlichen hat und nun mit einem Arm an den Gitterstäben des Boxenfensters angelehnt zu Ashqar und mir sieht. "Keine Seltenheit.", erwidere ich trocken. "Hey, ganz ruhig.", wirft er da ein. "Sag mal … Hast du Hunger? Ich kenne dich nur so, wenn du Hunger hast." Und tatsächlich hat Paul vermutlich nicht unrecht; zusammen verlassen wir den Stall und begeben uns zum Frühstück im Speisesaal der kleinen Pension. Die alltäglichen Gespräche nehmen da wieder ihren Lauf; sie beginnen vonseiten Anns mit: "Es soll heute aber nicht gewittern, oder?" Helga beruhigt sie, es sei lediglich Regen vorhergesagt, der gegen 18:00 einsetzen wird. Zu diesem Zeitpunkt befinden wir uns höchstwahrscheinlich schon nicht mehr auf dem Pferderücken.
      Die Frage nach der Route ist dann Artemis' Beitrag zum Morgengespräch. Wieder muss Helga auf einen Biss in seine Käseschnitte verzichten: "Heute legen wir nochmal knapp 70 Kilometer zurück, wir werden circa acht Stunden unterwegs sein. Die Route wird uns allen Einiges abverlangen, besonders da wir schon anfänglich erschöpft sind. Dafür ist unsere Zielhütte am Waldrand gelegen und verfügt über Weiden und Ställe, sodass unser Ruhetag morgen sehr lohnend sein wird.", schließt er. Einzig der lange Weg zu diesem idyllischen Platz dämpft meine Vorfreude.

      Wenig später putzen, satteln und bepacken wir die Pferde beinahe routiniert. Selbst das Anlegen der Hufschuhe wirft keine Fragen mehr auf ("Ist das zu fest?" - "Ist es schlimm, wenn der Klettverschluss da drüber schaut?") und so können wir pünktlich 8:00 aufbrechen.
      Von unserer Pension aus, die ja ein wenig außerhalb von Irm liegt, biegen wir durch das taunasse Gras in Richtung des Stadtzentrums ab. Es stellt sich heraus, dass Irm über eine sehenswerte Altstadt verfügt, die wir quasi im Vorbeigehen besichtigen können. Außerdem fließt dort ein gleichnamiger Fluss durch das Tal, dem wir bis aus dem Städtchen hinaus folgen werden.
      Diesen Plan setzen wir im frühen Sonnenschein und besserer Laune (wäre Ashqar ein Mensch, würde ich sagen, er redet wieder mit mir) direkt um. Demnach ist die Irm ein klarer, breiter Gebirgsbach und schlängelt sich zwischen zahlreichen Felsabbrüchen hindurch. Die Stadt an ihrem Ufer schläft zwar noch, als wir hindurch reiten, sodass das Hufgetrappel noch weit zu hören ist, sieht aber trotzdem einladend und puppig aus. Meiner Meinung nach viel zu schnell verlassen wir die Zivilisation wieder und widmen uns altbekannten, steilen Waldwegen parallel des schmaler werdenden Bachs. Mit zunehmender Höhe haben die Pferde mächtig zu kämpfen, halten sich aber tapfer und im zügigen Schritt. Das einzig Gute an der Höhe ist, dass neben der dünner werdenden Luft auch die Dichte an Ungeziefer abnimmt. So haben wir oberhalb der Baumgrenze immerhin nicht mehr mit Bremsen und Fliegen zu tun.
      Stattdessen öffnen sich vor uns weite Ebenen mit blühenden Blumen aller erdenklichen Farben; gelb, lila, orange, das Blau der Vergissmeinnicht. Um die herrlichen Blüten schwirren andere Insekten wie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge und auch die Pferde würden wohl am liebsten mal die Alpenkräuter kosten - zumindest schaut sich Kazoom neugierig um und Himmawallajugaga wagt in einem Augenblick von Pauls Unaufmerksamkeit einen Bissen in das saftige Gras. Sie kommt ungestraft davon und probiert es ab da immer mal wieder.
      Plötzlich hat Ashqar unter mir einen Stellenschock, indem er heftig zusammenzuckt, den armen Bahar auf sein Hinterteil auflaufen lässt und mit gerecktem Hals nach links schaut. Da bemerke ich auch das braune Murmeltier, das wohl gerade - zu schnell für meinen Hengst - aus seinem Bau aufgetaucht ist und uns nun ebenso entsetzt beobachtet, wie Ashqar es. Ich lache und kraule den Mähnenkamm meines Pferdes; der Hengst mach daraufhin noch einmal einen kleinen Satz, beruhigt sich aber recht schnell wieder und wir können unseren Weg fortsetzen.
      Den ganzen Vormittag bewegen wir uns so im Kraut- und Strauchbereich mit einigen herausragenden Felsen dazwischen. Nach unserer Mittagspause steigen wir dann weiter auf und sehen uns zum ersten Mal mit einem echten Problem konfrontiert: Nach einer Rechtskurve am Hang kreuzt ein riesiges Geröllfeld unseren Weg. Zwischen den grauen, losen Steinen aller Größen ragen zwar Gräser und Blumen hervor - das ist aber (auch laut Helga) kein Garant für die Festigkeit des Bodens.
      Quintus geht mit unserem Reiseleiter im Schritt heldenhaft voran. Wahrscheinlich macht der Wallach das jeden zweiten Tag, denn ich kann richtig beobachten, wie er mit den Vorderhufen Steine auf ihre Festigkeit testet, bevor er einen Schritt macht. Helga lässt ihm dazu den Zügel lang und auch bezüglich der Wegwahl viel Raum. "Macht einfach langsam, wir haben ja Zeit. Steigt lieber ab, wenn es euch zu brenzlich wird.", meint er, bevor wir anderen den steinigen Untergrund betreten.
      Als erstes sind Paul und Himmi an der Reihe. Die Stute tippelt nervös am Weg, kann sich augenscheinlich nicht entscheiden, ob sie bei der wartenden Pferdegruppe bleiben oder Quintus folgen soll. Schließlich macht sie aber mit hoch erhobenen Kopf einen kleinen Satz nach vorn und zockelt dann, ohne viel auf den Weg zu schauen und auch mit einigem Gestolper dem Wallach hinterher. Kazoom wiehert daraufhin, bevor Ann ihn mit einem Schnalzen antreibt. Der Dunkelbraune ist vorsichtiger und bleibt immer wieder stehen und scharrt sogar einmal. Seine Reiterin lobt ihn für seine Experimentierfreudigkeit, steigt aber schließlich ab und führt den Hengst auf die andere Seite, da er augenscheinlich sehr unsicher ist.
      Als nächstes folgt ein gelassener Bahar mit Artemis auf dem Rücken. Die zwei sind augenscheinlich ein eingespieltes Team, denn es gibt kaum eine Diskussion vor den ersten Felsen - der Araber geht einfach behutsam los, auf die Steine zu, und dann trittsicher von einem zum anderen. Artemis lobt ihren Hengst, während mein Ashqar, obwohl Dizzy und Marc noch da sind, nervös tänzelt. "Ist doch gut!", sage ich zu ihm und als Marc mir anbietet, zu zweit loszugehen, willige ich dankbar ein. Auch mein Schecke ist einer von der schnellen Sorte und ich halte ihn zurück, damit er nicht zu traben versucht. Trotzdem tritt Ashqar nicht fehl und agiert auch sonst sehr trittsicher. Distraction lassen wir so hinter uns zurück, aber der Rappe hat allgemein eher die Ruhe weg und lässt sich von Marc bereitwillig navigieren.
      So sind nach etwa zwanzig Minuten alle wohlbehalten auf der anderen Seite angekommen. Helga lobt uns: "Sehr schön. Dann geht es jetzt noch einige Stunden hier oben, auf dem Berg, und nachher auch wieder weiter unten weiter, bevor wir die Hütte erreichen."
      Diese Aussage entlockt mir einen Seufzer, denn meine Konzentration ist ganz schön am Boden. Ich schätze, ich muss einfach mal wieder richtig schlafen. Ashqar scheint das auch zu denken, denn er dümpelt die kommenden Kilometer ein bisschen vor sich hin. Der Weg erlaubt es nun - er ist wieder ein bisschen breiter und ein wenig abfallend, bald tauchen Sträucher neben dem Weg auf.
      Erst gegen 17:00 sehe ich die Hütte hinter dem nächsten Tal, die wir alle eine halbe Stunde später glücklich und erschöpft erreichen.

      Tatsächlich ist dieser Bau, obwohl drin, über der Gaststubentür, ein Schild mit "Diese Hütte wird mit dem Hubschrauber ver- und entsorgt" steht, ziemlich großräumig und modern. Neben dem Haus, das neben uns die betreibende Familie und etliche Wanderer beherbergt, gibt es wie versprochen ein geräumiges Stallgebäude, dessen Eingang auf eine gut befestigte, weiträumige und bisher leere Koppel zeigt. Erleichtert atmen wir auf, als wir die Szenerie im nachmittäglichen Sonnenschein erblicken.

      Heute sind wir so auch sehr schnell mit dem Absatteln, Putzen und versorgen der Pferde, denn die Vierbeiner werden hier alles haben, was sie brauchen. Und auch unserem gemeinsamen Ruhetag sehen wir glücklich entgegen; auf 2000 Metern Höhe können wir heute einen wunderschönen Sonnenuntergang in den Bergen beobachten (der vorhergesagte Regen tritt nicht ein?), Karten spielen und den Tag ausklingen lassen. Beinahe die Hälfte unserer Reise ist schon geschafft.
    • Cascar
      Stufenerhöhung Distanz (S/S*) / Alpenquerung II
      [01. - 05.08.2017]

      Tag 4 & Tag 5

      Gestern haben wir rein gar nichts getan. Sogar ausschlafen konnten wir, denn Helga hat am frühen Morgen für uns den Koppelzaun und die Pferdeanzahl kontrolliert und die Tiere gefüttert. So konnten wir unser Frühstück gegen 10 genießen, als auch die meisten Wanderer schon weitergezogen waren. Das einzig Aufregende, das passierte, war die Ankunft zweier neuer Wanderreiter - in Begleitung eines Braunen (Wallachs) und einer dunklen Fuchsstute.
      Die Pferde zu vergesellschaften, auf dem Terrain und dem eher eingeschränkten Platz, trauten wir uns nicht und so ließen wir den Neuankömmlingen den Stall und sperrten unseren Vollblütern und Quintus jenen ab. Das Wetter ließ es zu und für alle Fälle bekamen die Vierbeiner für die Nacht leichte Decken.
      Mit den Besitzern der Warmblüter kamen wir später noch in das Gespräch - sie machen einen zweitägigen Ritt und kommen aus einem nahegelegenen Tal, das wir auch noch überqueren müssen, zur Hütte und werden sozusagen heute mit uns in die gleiche Richtung reiten.

      So ist unsere Karawane am Morgen noch um zwei Pferde größer, die in der Frühe ihr Heu mampfen, während die Reiter eifrig satteln und Gepäckstücke puzzeln. Ich kann an dieser Stelle sagen, meinem Po hat der Ruhetag gut getan (den Anderen bestimmt auch; es beklagt sich niemand) und ich bin erneut voller Elan und Motivation. Das überträgt sich wohl auf Ashqar, der heute, wie ich beim Losgehen merke, auch schon wieder eine kleine Rennsemmel ist. Allgemein, alle Vollblüter scheinen mir recht aufgeregt und bis wir am Mittag das gesuchte Tal erreichen, ist es für Alle sehr schwer, die Pferde zu zügeln. Schließlich verabschieden wir uns dort aber von unserer warmblütigen Begleitung und folgen erneut einem Fluss flussaufwärts, also auf einem bequemen, breiten Wanderweg durch die karg bebäumte Landschaft. Hier können wir dann auch einige Strecken traben und, auf nicht so steinigem Grund, galoppieren. Das Wetter hält bis hierhin und wir sehen uns lediglich einer neuen Herausforderung gegenüber: Am Ende des Weges gibt es ein Tor, und zwar zu einer waschechten Kuhalm.
      Das Problem ist, als wir davor stehen, dass der Boden ein rostiges Gitter mit dachförmigen Metallstangen ist, unter dem ein Rinnsal aus Wasser entlangfließt. Nach Helga hält das wohl die Rinder vom Ausbruch aus - schlimmer ist, dass auch die Pferde, nicht einmal Quintus, darüber gehen wollen. "Dizzy könnte vielleicht drüber springen.", meint Marc dazu scherzhaft, während der Reihe nach die Pferde alle Viere in den Boden stemmen und partout nicht weitergehen wollen. Marcs Vorschlag ist aber wahrscheinlich aufgrund des Gepäcks nicht ernsthaft umsetzbar, wir probieren es gar nicht erst. Stattdessen steigen ausnahmslos alle ab und führen ihren Schützling, über das Gestänge, während der entsetzte Blicke nach unten wirft und ein wenig schwankt. Auf der anderen Seite stelle ich fest, dass das hier wahrscheinlich ein größeres Hindernis war, als das Geröllfeld vorgestern und Artemis gibt mir recht, während sie Bahars Hals streichelt.

      Unseren Weg, weiterhin durch das Tal am Fluss, setzen wir dann erstmal und erneut auf dem Pferderücken unbeirrt fort. Als wir die ersten Kuhglocken hören, bereiten wir uns auf Helgas Anweisung hin auf einen Ausbruch unseres Pferdes vor. Ashqar spitzt die ganze Zeit neugierig die Ohren, bleibt letztendlich aber ruhig, wenn auch nervös auf Abstand, als neben dem Weg plötzlich eine schwarz-weiße Kuh kauend im Gras liegt.
      Dizzy hingegen bleibt stehen und schaut das fremde Wesen mit gewölbtem Hals an, Bahar ist es wieder, der ungerührt weitergeht und bald darauf hinter Quintus die Gruppe anführt - Kazoom und Himmi haben es auch vorgezogen, einen größeren Bogen zu machen, weshalb Ann und Paul jeweils versuchen von oben Überzeugungsarbeit zu leisten, um ihre Pferde etwas näher an das Schwarzweiß zu bringen. So sollen die zwei den Respekt behalten, aber ihren Argwohn verlieren. (Helga und Artemis sind in dieser Zeit so lieb und warten weiter vorn auf uns.) Nach glatten zehn Minuten wendet sich das Blatt allerdings, da es der Kuh wortwörtlich zu bunt wird und sie deshalb aufsteht. Wir Reiter brechen unsere Annäherungsversuche daraufhin vorsichtshalber ab und beschließen, das Ganze bei nächster Gelegenheit und vielleicht geführt noch einmal zu versuchen.
      Zu unserem Glück (oder Pech?) begegnen wir aber keinen anderen Vierbeinern mehr; die einzigen Almbewohner, die wir noch zu Gesicht bekommen, sind vollkommen außer Reichweite oder wir sehen sie erst gar nicht und hören nur das Gebimmel. Insofern müssen wir jegliche Prozeduren in die Zukunft verschieben und Ann stellt im Weiterreiten fest, dass die ganze Tour eigentlich auch eine Art überdimensionales Schrecktraining darstellt.
      Jedenfalls erreichen wir eine gute Stunde später unbeschadet eine Straße. Sie mündet in Sichtweite in einen auf einer Seite von Fenstern durchbrochenen Tunnel - laut Helga ein weiterer Meilenstein auf dem Weg durch die Alpen. Wir blicken uns alle ein wenig unsicher an, als wir den Asphalt betreten; ein Tunnel, der zu beiden Seiten und nach oben hin geschlossen ist? Mit Pferden als Fluchttieren?
      Noch bevor ich etwas fragen kann, biegt Helga ab und nimmt einen Weg in Angriff, der mit Schotter befestigt ist und schlicht parallel zum Tunnel verläuft. Schon bald wird klar, dass dieser Weg sehr lang und monoton verläuft und wir ihm gut zwei Stunden folgen werden, bevor wir schließlich an der Straße in ein kleines Dorf im Tal absteigen. Dort werden wir im Übrigen auch unser Nachtlager aufschlagen.
      Aber vorerst steht der gelbe Schotterweg mit Tunnel und Berg zur Linken und einen Abhang mit Steinen und Wiese zur Rechten bevor. Hier scheint die Sonne ziemlich stark und es ist nicht windig, sodass Pferd und Reiter schnell in's schwitzen kommen. Außerdem nerven nun wieder Fliegen und Bremsen. Mit anderen Worten - ich bin sehr froh, als der Weg zuende ist und wir uns auf der Straße einreihen. Derartige Benimmproben sind inzwischen für kein Pferd mehr problematisch, nicht einmal für Himmawallajugaga. Und so kommt es auch, dass wir unsere Unterkunft, dieses Mal eine Scheune, am späten Nachmittag und bei strahlendem Sonnenschein erreichen.
      Schnell wird allerdings klar, dass das keine der luxuriösen Gasthäuser ist, in die wir bisher eingekehrt sind - die Räumlichkeiten beschränken sich auf die Fläche in der Scheune, ein Bad hinter einer Trockenbauwand und den vollen Heuboden, der uns als Bett und Nachtlager dienen wird.
      Die Pferde satteln wir also draußen ab und binden sie im Bauch der Scheune an einen etwas maroden Balken an. Er ist lang genug für alle, sodass wir jedem eine gehörige Portion Heu zuschaufeln können. Problematisch ist dann, dass wir noch einmal in den Ort müssen, um im Supermarkt Verpflegung für uns Menschen zu besorgen. Kurzerhand stellen wir auch fest, dass das beste Transportmittel für Nahrung für sechs Leute wohl ein Pferd ist. Bahar ist der unglückliche (und der ruhigste), der daraufhin noch einmal aufgezäumt wird und einen Sattel mit geleerten Taschen aufgelegt bekommt. Er folgt Artemis, Ann und mir ("Die Frauen kochen. Keine Frage." – Marc) ohne zu mucken, macht auch keine Fluchtanstalten und wartet brav mit Artemis vor dem Supermarkt. Außerdem ist er sehr geduldig, während wir Mädels uns nicht auskeksen mit dem erneuten Bepacken der Taschen. (Ann sieht Bahar irgendwann mitleidig an und meint, er habe es als Hahn im Korb wirklich nicht leicht mit uns. Recht hat sie.)
      Nach insgesamt fünfzig Minuten Einkaufsbummel kehren wir schließlich vollbepackt zu den Männern (um das Vokabular beizubehalten: In die "Höhle") zurück und picknicken später ganz spartanisch vor dem Scheuneneingang. Nachdem dann alle satt sind, holt jeder sein Pferd nach draußen und lässt es noch knapp zwei Stunden grasen - dann brich auch schon die Dunkelheit herein. Die Pferde müssen an diesem Tag tatsächlich angebunden schlafen und wir rollen unsere Schlafsäcke eben im Heu aus. Das geht, mal so eine Nacht.

      Tag 6

      Das erste, was ich im Vogelgezwitscher des Morgens feststelle ist, dass ich nicht gut geschlafen habe. Zwar umgibt mich ein wohltuender Geruch nach Pferd und Heu, besagte Tiere kauen aber auch schon geräuschvoll und konnten ihre Hufe allgemein gefühlt die ganze Nacht nicht still halten. Kurzum: Es ist eben mal etwas anderes, mit seinem Pferd in einem Raum zu schlafen.
      Es ist jetzt 5:20 und draußen kriecht die Sonne langsam die steilen Berghänge hinauf. Wir befinden uns jetzt wohl im Herz der Alpen; das alles stelle ich frierend fest, weil ich mal auf's Klo muss. Danach versuche ich erneut geräuschlos, die lange Leiter zum Heuboden zu krabbeln, aber Distraction erkennt mich und wiehert tief. Darauf stimmen Bahar und Ashqar ein und in kürzester Zeit höre ich, wie sich meine Freunde über mir räkeln und zu unterhalten beginnen. Wenigstens haben wir auf diese Weise Zeit, alle nacheinander zu duschen (Das Wasser ist eiskalt!) und uns - danach schon etwas wacher - unser Frühstück schmecken zu lassen.
      Als wir das Scheunentor schließlich gegen sieben öffnen, um mit den Pferden Grasen zu gehen, ist bereits im anfänglichen Sonnenschein eine dichte Nebelbank vom Boden aufgestiegen. Uns scheint, als würden die Wolken sehr tief im Tal hängen. Dafür ist die Luft angenehm frisch und die Vierbeiner sind bald voller Lebensgeister. So trödeln wir nicht, packen unsere Sachen zusammen und brechen noch früher als sonst, etwa halb acht, auf. Übel nimmt mir Gott sei Dank keiner, dass ich unabsichtlich alle so früh geweckt habe.

      Unsere Sicht ist also heute schon in niedrigen Höhenlagen sehr eingeschränkt. Ich kann erkennen, dass Himmi hinter Quintus immer wieder den Hals reckt und die Augen weit aufreißt, um etwas zu erkennen - vergeblich. Unser Weg, der wiederum ansteigend und zwischen niedrigen Bäumchen über Wurzeln und Steine verläuft, taucht immer glatte 80 Meter vor uns aus grundlosem Weiß auf. Die Sichtverhältnisse zwingen uns so zum Schritt und selbst die Geräusche scheinen gedämpft - die Natur hält den Atem an. "Faszinierend.", meine ich irgendwann mal in die Stille und Artemis vor mir nickt mir über die Schulter zustimmend zu. Helga nutzt unsere allgemeine Langsamkeit für einen kleinen Vorhabensbericht: "Heute reiten wir nicht so weit, nur ca. 50 Kilometer. Nach dem Weg hier folgen wir fast die ganze Zeit Straßen und Forstwegen, wir sollten also gut voran kommen. Zeit für Pausen haben wir auch. Unser Ziel ist dann das Krämerjoch, davor gibt es nochmal einen etwas happigen Anstieg, und dann die Krämerjochhütte. Das ist die Unterkunft, an dem es einen See gibt.", den letzten Satz fügt Helga an Paul gewandt hinzu, der nickt. Er scheint ihn verstanden zu haben.
      Mit dieser Aussicht passieren wir schließlich, nachdem der Weg erst gerade, dann leicht abfallend verläuft, eine weitere Kuhalm. Nach knappen zwei Stunden mündet unser Bergpfad in Waldnähe auf die besagte Forststraße, die ebenfalls in Schlängellinien bergab verläuft. Mit zunehmend geringerer Höhe und dem Eintauchen in den Wald wird vorerst auch die Sicht besser und meine Hände werden endlich warm (es sind vielleicht 16°C). Nach einer Pause an einem Bach, der unseren Weg kreuzt und aus dem die Pferde trinken und wir unsere Trinkflaschen auffüllen, geht es aber wieder bergan und wir traben viel, am heutigen Tag. Selbst als wir auf eine Art Serpentinenstraße, dem Fernpass nicht unähnlich, einbiegen, ist so wenig Verkehr, dass wir unsere Reise im Trab fortsetzen können.
      Am frühen Nachmittag schließlich verlassen wir den Wald und die Straßen gerade dann, als ein feiner Nieselregen einsetzt. Nach Helga liegt, in den Wolken versunken, steil über uns das Krämerjoch. Ein steiniger, schmaler Pfad führt im Zickzack dort hin. Wieder fällt das Gekraxel sehr kraft- und zeitintensiv aus und je höher wir kommen, desto stärker wird der Regen. Zeitweise mutiert er sogar zu Graupel, sodass die langen Mähnen von Bahar, Ashqar und Quintus schon bald an den Hälsen kleben. Trotzdem schlagen wir uns alle wacker bis zur Hütte, die praktisch urplötzlich vor uns aus der Wolkenbank auftaucht. Sie ist von einem niedrigen Stromzaun umgeben und wir steigen vor dem Eingangstor ab und führen unsere Pferde durch das Gatter.
      "Servus!" und "Tag." grüßen uns gleich ein paar Wanderer, die unter einem Dach auf der Terrasse sitzen und ein Bier genießen. Alle grüßen höflich zurück. Helga lässt uns anschließend kurz draußen warten und Quintus festhalten, während er uns drinnen anmeldet. Kurze Zeit später taucht er wieder auf und sagt: "Also das Gepäck stellt ihr erstmal hier, unter dem Dach, ab. Die Pferde satteln wir dann ab und lassen sie frei laufen; das Grundstück ist eingezäunt, weil da draußen Ziegen von jemand anderem umherziehen. Die Pferde können jedenfalls nicht weg; Regendecken wären wohl angemessen." - "Gibt es keinen Unterstand?", fragt Artemis direkt im Anschluss auf Englisch, ich übersetze ins Deutsche. Helga antwortet: "Hinter dem Haus steht das Dach gut zwei Meter über, ansonsten nein. Es soll aber auch nicht gewittern, oder so." Artemis ist augenscheinlich nur mäßig überzeugt, aber ihr bleibt nichts anderes übrig, als ihren Bahar abzusatteln, zu putzen, in seine Regendecke zu wickeln und grasen gehen zu lassen. Ich selbst zweifle nicht daran, dass die Pferde die Strapazen der Reise alle gut überstehen werden - schließlich sind es Pferde. Und Vollblüter kommen vielleicht nicht so gut mit Kälte klar, kalt ist es ja aber auch genau genommen nicht. Nur uns Reitern, weil unsere Klamotten bis auf die Haut durchnässt sind.

      Dieses Problem ist nach einer knappen Stunde jedoch behoben und wir können den Abend erneut Karten spielend ausklingen lassen. Ein steter Blick aus dem Fenster beweist außerdem, dass die Pferde (auch im Nieselregen und teilweise bei Wind) sehr zufrieden aussehen und grasen, sodass wir alle einigermaßen beruhigt schlafen gehen können.

      Tag 7

      Eine Woche. Heute seit einer Woche sind wir unterwegs. Es kommt mir viel länger vor, vermutlich durch den ständigen Ortswechsel. Wiederum mit einem Seufzer pelze ich mich daraufhin 5:30 aus dem Doppelstockbett und mache mich in Kuschelsocken und Crocks daran, draußen nach den Pferden zu sehen. Schon während ich die Hüttentür öffne schlinge ich meine Strickjacke eng um meinen Bauch und kann ein Gähnen kaum unterdrücken. Als ich dann die Veranda verlasse, ist es Distraction, der mich - Gras mümmelnd - als erstes erblickt und leise wiehert. Ihm folgt Kazoom; beide Hengste kommen neugierig zu mir gestapft. "Ich bin kein Futterautomat.", maule ich die Pferde kurz darauf voll, mache aber gehorsam in Futterbeuteln das Kraftfutter für alle zurecht. Nachdem die Vierbeiner so versorgt sind, kann ich mich um mich selbst kümmern und finde mich bald darauf - 6:30 - zusammen mit den anderen und schon deutlich wacher zum Frühstück ein. Da passt es, dass uns Helga in unsere Tagesaufgabe einweiht: "So, liebe Leute. Nach so einigen Tagen in Österreich erreichen wir heute den Reschenpass und sind dann schon in Italien!" - "Wie viele Kilometer sind das noch?", frage ich nach. "Bis zum Reschenpass etwa 40 und bis nach Meran, unserem heutigen Aufenthaltsort, insgesamt 70.", gibt unser Tourleiter bereitwillig Auskunft.
      Da habe ich den Salat - erneut nicht weniger als den ganzen Tag im Sattel.
      Als wir aufbrechen, schwimmt die Hütte auf dem Joch noch immer im Nebel und vorerst geht es wieder bergab. Den See, von dem Helga erzählt hat und in dem Paul gerne baden wollte, haben wir nichtmal gesehen. "Sehen" ist ja aber allgemein schwierig - je tiefer wir kommen, desto mehr Wollen türmen sich über uns und als wir kaum eine Stunde unterwegs sind, beginnt es zu regnen. Wir legen deshalb eine Pause ein und legen den Pferden Nierendecken auf und ziehen uns alle eine Regenjacke an.
      Dann geht es aber nahtlos weiter, wir habe eine lange Strecke vor uns. Ich versuche Ashqar möglichst zügig im Schritt zu reiten, auch wenn es bergab geht, damit er nicht auskühlt - denn auch die Temperaturen fallen mit den Höhenmetern. Das Wasser scheint die Grade förmlich aus der Luft zu reißen. Ich wage in einer längeren Pause nahe des Tals schon nicht mehr, meinen Rucksack vom Rücken zu nehmen; das könnte kalt werden. Zum Glück geht es kurz darauf an der Straße weiter, sodass wir traben können; der Leichttrab macht zwar meine Hände nicht warm, aber zumindest Rumpf und Beine.
      Unsere Karawane zockelt so, wie ich an der gelben Ausschilderung erkenne, schon bald den Reschenpass nach oben. Es ist 13:00 und die Regenwolken bleiben undurchdringlich. Auch als wir den Wendepunkt der Straße erreichen und uns alle bergab bemühen, lässt der Niederschlag nicht nach, im Gegenteil, er verwandelt sich zeitweise in kleinkörnigen, schmerzhaften Hagel. "Gut, dass der Wind von hinten kommt.", meint Marc dort auch sarkastisch. Trotz der Kälte und der Nässe muss ich grinsen.
      So ackern wir uns Schritt für Schritt Meran entgegen; weder die Straße, noch die Wolkendecke scheinen ein Ende zu haben. Das Fell an Ashqars Ohren bildet schon kleine Zähnchen vor Nässe und ich lobe ihn immer wieder und hoffe, dass seine Motivation bei dem ganzen Wasser um die Hufe nicht flöten geht.

      Aber die Pferde halten durch - alle.
      Sie scheinen vorhergesehen zu haben, dass unsere Unterkunft an der Rennbahn in Meran für jeden von ihnen eine großräumige, warme und vor allem trockene Box bereithält. Dorthin verfrachten wir unsere Schützlinge, nachdem wir das Fell jeweils gründlich zum Trocknen aufgerauht haben. Die Vollblüter haben außerdem alle eine geliehene Abschwitzdecke mit dem Logo der Rennbahn (quasi ein Werbegeschenk) auf dem Rücken. (Helga hat für Quintus auch eine angeboten bekommen, aber dankend abgelehnt.)
      Nun zupft alles, was vier Beine hat, trocken gelegt und zufrieden an seinem Heu - lediglich wir Reiter sind es wieder, die frieren.

      Tag 8 & Tag 9

      Unser Ruhetag ist dieses Mal um einiges spannender, als der zuvor: Weil Sonntag ist und unsere Pferde in einem Stall der Meraner Pferderennbahn stehen, bekommen wir ein ebensolches Rennen live und in Farbe mit. Ausnahmsweise bin ich da ein ganz normaler Zuschauer - wir sitzen ja normalerweise in der Besitzerloge und schauen unseren eigenen Pferden beim Sport zu. Und ich kann sagen: So und im Kreis von Freunden ist ein Pferderennen sehr viel aufregender. Vor allem das Wetten und gemeinsame Fachsimpeln über das mutmaßliche Siegerpferd ("Der ist groß, macht große Schritte, gewinnt." - "Na Marc, vielleicht kann er aber auch - so wie du - seine Beine nicht koordinieren und wird deshalb … Vierter." – Ann). Außerdem ist das Wetter sehr viel besser als gestern und es ist wieder wärmer. Den Tag können wir also so richtig genießen.
      Wie unsere Pferde, im Übrigen. Den halben Tag stehen sie auf einem Paddock, im Halbschatten, und bekommen nur wenig des Trubels um das Pferderennen mit. Stattdessen werden ihre Boxen vom dortigen Pflegepersonal ausgemistet und wir, die jeweiligen Reiter, widmen uns der Fellpflege in ausgiebigem Maße.
      So geht der Tag erlebnisreich, aber nicht erschöpfend zuende und wir sehen alle gespannt unserer letzten und bisher größten Tagesetappe entgegen.

      Neunzig Kilometer. Neunzig Kilometer bergab bis zum Gardasee. Nach all den Strapazen und Leistungen der vergangenen Tage eine schiere Herausforderung.
      Schon halb sechs stehen Ann, Artemis und ich auf - wir sind die ersten, die das Bad unserer Pension benutzen und auch die, die die Pferde füttern werden. So beeilen wir uns alle mit der Morgentoilette und schweigen die meiste Zeit. Erst im Stall, den wir praktisch mit dem Überqueren der Straße erreichen, werden wir alle etwas gesprächiger. "Na, Bahar, gut geschlafen?", fragt Ann beim Eintreten den gescheckten Hengst, der uns neugierig entgegensieht. "Bestimmt. Gestern den ganzen Tag.", meint Artemis dazu. Wahrscheinlich erinnert sie sich daran zurück, wie das ruhige Pferd während des Putzens in ein tiefes Dösen verfiel.
      Ashqar macht eher heute einen schläfrigen Eindruck und auch die übrigen Pferde - Himmawallajugaga, Kazoom, Distraction und Quintus - werden erst mit dem entsprechenden Futter und dem Aufstieg der Sonne über die Baumwipfel wacher und motivierter. Gegen sechs Uhr zehn sind alle Vierbeiner versorgt und wir gesellen uns zu den Männern ("Eher Jungs, oder?") zum (menschlichen) Frühstück.
      Unser Aufbruch erfolgt kurz darauf und meinerseits auch innerlich mit Pauken und Trompeten, so merkwürdig aufgeregt bin ich. Wir verlassen alle miteinander zu Pferd das Gelände der Rennbahn und reiten im Schritt durch das noch etwas verschlafene Meran. Hinter uns türmen sich die Alpen. Einige Gipfel orange, durch die Sonne, die auf das feste Gestein scheint. Und vor uns erstreckt sich zwar ein bergiges Land, allerdings sind diese Berge niedriger und bewaldet oder führen Obst- und Weinplantagen. Ich merke schon in diesem Moment, dass die Gegend, in die wir reiten, wohl um einiges wärmer und heimeliger sein wird, als es das undankbare Gebirge war.

      Und wärmer wird es wortwörtlich - keine zwei Stunden später haben wir Meran hinter uns gelassen und arbeiten uns zielstrebig gen Süden vor, während die Sonne von einem klaren, blauen Himmel scheint. Es geht zwar die meiste Zeit bergab und zwar auf recht breiten, menschenleeren Schotterwegen, aber trotzdem sind alle Bewegungen recht anstrengend und schweißtreibend - bei Mensch und Pferd. Hinzu kommt die Eintönigkeit der Landschaft, die eben bei den regelmäßigen Pflanzreihen von Wein und Apfelbäumen eine logische Konsequenz ist. Ich muss mich zwingen, immer wieder etwas zu trinken und nicht wegzunicken. Ashqar denkt wahrscheinlich auch darüber nach - er wird lediglich wach gehalten durch die Bremsen, nach denen er beißen oder treten muss.
      Wir alle atmen auf, als wir in einem kleinen Ort eine Pause im Schatten einlegen und für kurze Zeit nichts tun können. Nur danach geht es munter weiter, aber nun im Trab. Neunzig Kilometer müssen ja an einem Tag auch erstmal geritten werden.
      Während das Thermometer gefühlt unerbittlich steigt, bestimmt schon über dreißig Grad, ackern wir uns Straßen, Feldwege und Trampelpfade entlang. Selbst für erfahrene Distanzpferde wie Bahar und Ashqar ist das eine ganz schöne Prozedur, wobei es am härtesten vermutlich den guten Quintus trifft, der die Hitze rassetechnisch ja weniger verträgt als die Araber oder Tekken. Letztere scheinen im Übrigen die Einzigen zu sein, die der Situation etwas abgewinnen können. Kazoom, Distraction und Hinmawallajugaga zockeln eifrig im Trab vorneweg und scheinen gar keine Pause, oder etwa derartiges, machen zu wollen. Sie sind an diesem Tag sozusagen der Motor der Gruppe.
      Das ändert sich bis zum frühen Abend nicht, als wir auf einer Anhöhe halten und in ein Tal schauen. "Aah.", macht Ann undefiniert - denn dort unten glänzt das weite und undurchdringlich blaue Wasser des Gardasees. Wenn wir das Ufer dieses Sees erreichen, haben wir es geschafft und tatsächlich beritten die Alpen durchquert.

      Letztendlich dauert es noch eine gute Stunde, bis wir den breiten Asphaltweg verlassen und die Wellen des Sees wirklich sehen können. Als Helga uns auffordert, abzusteigen und eine Pause zu machen, etwas zu trinken begreife ich erst nicht, dass wir alle es geschafft haben.
      "Wir haben die Alpen durchquert.", höre ich mich da auch zu niemand bestimmten sagen, während ich kurz darauf im Schneidersitz auf dem Boden sitze und Ashqar grasen lasse.
      Artemis scheint sich angesprochen zu fühlen, denn sie nickt, während sie nach unten stiert und hin und wieder etwas aus ihrer geöffneten Wasserflasche trinkt. "Wir haben's echt geschafft.", meint da auch Marc und er scheint - ganz unüblich - regelrecht ehrfürchtig zu sein. Paul indes betrachtet die Berge am Horizont und sagt gar nichts und Ann ist nicht bei uns, sondern mit Kazoom am Wasser und lässt den Dunkelbraunen mit kräftigen Zügen trinken. Helga steht mit Quintus auch etwas abseits und telefoniert - mit unserer Unterkunft, hat er gesagt. Von dort werden wir morgen, und alle Pferde in einem LKW, zurück nach Garmisch fahren; dort parken ja am Wiesenhof unsere Autos und Hänger.
      Weil es jetzt aber noch nicht so weit, sondern erst 18:00 am Vortag ist und wir augenscheinlich gerade Zeit haben, satteln wir die Pferde spontan ab und gesellen uns zu Ann und Kazoom an das Ufer. Es dauert nicht lange und Bahar und Himmi sind mit Artemis und Paul schon im Wasser (schwimmend!), während sich Ashqar und Dizzy noch zieren. Letztendlich überwiegt aber die Sehnsucht nach Abkühlung und wir planschen munter rund eine halbe Stunde. Danach stehen wir ein bisschen doof da, weil unsere Sachen nass sind und wir den Pferden die Sättel natürlich nicht mehr auf die nassen Rücken legen können. Und wieder ist es Helga, der uns mehr oder weniger rettet: Er verkündet, dass es nur noch knapp sieben Kilometer am Seeufer entlang wären, bis zu unserer Pension.
      So bekommen unsere Schützlinge zwar das Gepäck auf den Rücken, aber wir Reiter laufen und führen. Gegen 20:30 erreichen wir so unsere letzte Etappe - am Gardasee - und verbringen anschließend essend, lachend und spielend einen letzten Abend miteinander. Ich selbst betrachte das als (gelungenen) Abschluss unserer Alpenquerung.
    • Cascar
      Sammelbericht ('In den Alpen')
      [04.08.2017]

      Wie ich befürchtet habe, fiel uns der Abschied nach der Alpenquerung sehr schwer. Nachdem wir mit dem LKW alle zusammen und mit den Pferden zurück nach Garmisch gefahren waren und Frau Jonas erneut begrüßt hatten, verließen uns zuerst Helga und sein Wallach Quintus. Beide hatte ich wohl zu schätzen und zu lieben gelernt, denn es trieb mir die Tränen in die Augen, Leb wohl zu sagen.
      Vielleicht eigentlich schlimmer, aber doch ausichtsreicher bezüglich eines Wiedersehens verabschiedeten wir am Folgetag Artemis und Bahar. Speziell mein Ashqar schien dem Verlust seines gescheckten Kumpanen während des Verladens sehr zuzusetzen - er rannte am Koppelzaun auf und ab und wieherte wie wild.
      Letztendlich waren wir aber doch wieder allein. Und hatten Urlaub.
      Ich war eigentlich noch nie mit einem Pferd zu Spaßzwecken verreist, nicht einmal mit Spearmint. Nun aber hatten wir alle, jeder, richtig Zeit für sein Pferd. Also - für das Pferd, das er mit nach Deutschland gebracht hatte. Für Marc hieß das, er versorgte, putzte und ritt, speziell im Springtraining, Distraction und die zwei wurden mit der Zeit ein richtiges eingespieltes Team.
      Ähnlich verhielt es sich mit Ann und Kazoom - meine Freundin scheute nämlich nicht davor zurück, den Dunkelbraunen während des Reitens in die Anlehnung zu holen und ihm sogar einige einfache Dressurlektionen beizubringen. Für ein Rennpferd ein wahres Wunder!
      Tja. Und Paul und ich hatten Himmawallajugaga und Ashqar. Zwei Distanzpferde. Ich möchte nicht sagen, dass die Verteilung der Pferde bewusst war (war sie wirklich nicht!). Jedenfalls ritten wir, abgesehen an unseren Ruhetagen, an denen die Pferde schlicht geputzt wurden, stundenlang durch das vorälpische Gelände um Garmisch und hatten viel Zeit, uns miteinander zu unterhalten.
      Nun sind es noch zehn Tage, dann reisen wir zurück nach Frankfurt und von dort mit dem Flugzeug nach Neuseeland. Nach Hause.
    • Cascar
      Stufenerhöhung Springen (E/A)
      [23.11.2017]

      "Ach komm, das ist doch nicht dein erstes Mal!", sage ich scherzhaft zu Distraction, während er mit krampfhaft an die Brust gezogenen Kopf versucht, sein Vorderzeug zu beschnuppern. Das trägt er nur, wenn es an den Sprung geht und gerade heute scheint den Rappen das brennend zu interessieren. Himmawallajugaga, die am Anbindebalken neben Dizzy steht, macht da einen entspannteren Eindruck: Sie entlastet und verscheucht mit ihrem Schweif die letzten Fliegen des Sommers.
      Der anbrechende Winter ist bei uns immer das Trainingssignal: Die Distanz- und Galopppferde genießen das Ende ihrer Sportsaison und für alle, die in der Dressur und dem Springen aktiv sind, beginnt die trainingsintensive Jahreszeit. Himmi und Dizzy sind ja das heutige Beispiel dafür. Beide kennen den Sprung, sollen aber heute auch Bekanntschaft mit der Anfängerstufe machen. Dafür werde ich mit Distraction arbeiten, während Paul so lieb ist, sich einmal mehr der Rappschimmelstute anzunehmen. Wobei ja zu bemerken ist, dass Paul sein eigenes Pferd hat - nur ist Rhodus eher ein Westernkandidat. "Schau, Dizzy. Kannst dir eine Scheibe von Himmi abschneiden!", sagt Paul auch in dem Moment scherzhaft, als ich darüber nachdenke. "Mädels sind halt wesentlich cooler.", füge ich deshalb an. Paul schnaubt missbilligend und bindet wortlos sein Pferd los. Ich tue es ihm nach und gemeinsam machen wir uns auf den Weg - einmal quer über den Hof - zu unserem einzigen Reitplatz. Mein Dad war so lieb, uns schon im Morgengrauen, unmittelbar nach dem Füttern der Pferde, die Sprünge aufzubauen. Auf dem Platz sind wir heute die ersten, sodass wir noch ein wenig das Bild der tauüberzogenen Stangen genießen können. Wo können wohl angesichts der klaren Luft und frischen Temperaturen von Glück reden, dass der Boden nicht gefroren ist.
      Zuerst führen Paul und ich nebeneinander unsere Pferde warm. Dann wird das erste Mal nachgegurtet und die Pferde bekommen Gamaschen, Streichkappen und Hufglocken angelegt. Ich kontrolliere noch einmal Dizzys Ausrüstung, bevor ich aufsteige und sowohl Bügel, als auch Zügel aufnehme. Paul tut es mir nach und im Nu sind wir auf der Bahn und reiten die Pferde unabhängig voneinander mit verschiedenen Bahnfiguren und Gangartwechseln warm. Erst nach etwa vierzig Minuten beginnen wir mit einigen Cavalettis und Sprüngen auf der E-Höhe und -weite. Die neue Stufe bauen wir von da an schleichend ein: nachdem Paul und ich registriert haben, dass unsere Pferde gut warm sind, erweitern wir die Gymnastikstrecke um ein höheres Kreuz am Ende der Reihe. Distraction setzt ohne zu zögern darüber und meistert die Höhe, während Paul Himmi ein wenig überreden muss. Die Stute schnaubt gleich danach ausgiebig, während ihr Reiter sie lobt. "Mach mit ihr mal den Graben!", weise ich Paul an und wende Distraction, um eine weitere Kombination aus höheren Sprüngen zu probieren. Weil Dizzy an dem letzten mit dem Hinterhuf hängen bleibt, muss ich bald darauf durchparieren und absteigen, um das Hindernis wieder ordnungsgemäß aufzubauen.
      Nach insgesamt zwei Stunden beenden wir dann das Training. Das grobe, grundsätzliche Ziel ist erreicht: Beide Pferde trauen sich die A-Höhe zu. Einen solchen Parcours fehlerfrei in hervorragender Zeit zu bestreiten, ist eine Frage des regelmäßigen Trainings und der Erfahrung. Für's erste ist Pauls und mein Job also getan.
      Distraction und Himmawallajugaga bringen wir wieder auf den Putzplatz, wo wir das Fell der schwitzenden Pferde aufrauen und abtrocknen und schließlich mit einer Abschwitzdecke zudecken. Bis das Fell wieder trocken ist müssen die beiden jetzt in ihre Boxen und wohl oder übel fressend ausharren - für den Nachmittag steht ihnen dann ein ausgiebiger Koppelgang bevor.
    • Cascar
      Stufenerhöhung Springen (A/L)
      [01.12.2017]

      Der erste Dezember ist bei uns auf dem Gestüt einer der letzten Termine des Jahres, an dem wirklich trainiert wird. Die Zeit danach ist für gewöhnlich eine Ruhephase, bis Weihnachten. Deshalb machen Ann, Carina, Paul und ich auch genau heute unsere Pferde fertig, um noch eine Runde zu springen - auf deutlich erhöhtem Niveau im Vergleich zu vor drei Monaten. Erschwerend hinzu kommt, dass die Kälte mittlerweile klirrend ist. Ohne eine Reithalle macht das das Erwärmen der Pferde deutlich langwieriger.
      Nichtsdestotrotz sind alle gut gelaunt: Eingemummelt in Daunenjacken und Thermoreithosen haben Ann und ich Yacedor Gepir und Distraction aus dem Stall geholt, während Carina und Paul im Hauptstall nach Himmawallajugaga und Earl Grey's Darjeeling gesehen haben. Nun arbeiten wir alle nebeneinander am Anbindebalken an der Säuberung von Fell, Langhaar und Hufen unserer Pferde.
      "Himmi hat keinen Mähnenkamm.", stellt Paul fest und Carina reicht ihm wortlos den von Early. "Danke.", sagt Paul und hebt die Hände. Mir entgeht das Blitzen in seinen Augen nicht, während er Carina noch einen Moment länger über den Rücken seines Pferdes ansieht. Auch Ann schnaubt abfällig und wendet sich dann Gepirs Hufen zu. Alle vier Pferde haben schon Winterfell - wenn auch Early deutlich mehr als die Tekken - und das Putzen und Streicheln hat wieder einen gewissen Teddybäreffekt. Das bedeutet auch, dass das Scheren bald ansteht. Während ich so darüber nachsinne, stupst mich Distraction mehrmals mit seiner weichen Nase an und ich kraule gedankenverloren seine Stirn. Den schwarzen Hengst habe ich mittlerweile richtig lieb gewonnen - vor allem, da er das einzige Pferd ist, dass ich derzeit aktiv im Springen trainiere. Anders geht es wohl Ann auch nicht, die im Sommer zwar Kazoom durch die Alpen geritten hat, ansonsten aber einen sichtbaren Hang zu Gepir hat, mit dem sie regelmäßig auf Dressurturniere fährt. Earl Grey's Darjeeling indes gehört Carina und ich muss zugeben, dass die beiden immense Fortschritte machen, vor allem in ihrer Beziehung zueinander. Paul hat ja eigentlich sein eigenes Pferd, ist aber so lieb - und vielleicht auch ein wenig begeistert vom Kontrast - Himmawallajugaga zu reiten, besonders im Springen.
      Insgesamt sind wir also ein recht optimistisches, vollblutlastiges Quartett, das seinen kurzen Weg zum nördlich gelegenen Reitplatz antritt. Dort wartet nämlich Olli schon auf uns, mit fertig aufgebauten Sprüngen der Stufe A und L. Wir grüßen alle freundlich und Oliver winkt, dann beginnen wir damit, unsere Pferde warm zu führen. Earl Grey's Darjeeling wird sogar von Carina longiert, bevor es and Nachgurten und in den Sattel geht. Das Warmreiten dann erfolgt in der Abteilung und in allen drei Grundgangarten, mit verschiedensten Bahnfiguren. So kommt es, dass wir den ersten Sprung erst nach knapp zwanzig Minuten des Aufwärmens machen. Distractions Fell dampft da schon, aber nichtsdestotrotz ist mein Pferd frisch und voller Elan und Ehrgeiz am Sprung. Es macht mir richtig Freude, den Knaben zu reiten. Ein paar Blicke zur Seite verraten mir, dass die kalte Luft auch auf die anderen eine belebende Wirkung hat - gut zu erkennen an den roten Wangen der Reiter.
      Als es an die neue Stufe und damit höheren Hindernisse geht - die im Übrigen uns allen aus dem Einzeltraining bekannt sind - wird die Situation noch ein wenig aufgedrehter. Während Carina mit Early souverän die neue Höhe meistert und die beiden sichtlich zusammenarbeiten, braucht Gepir anfangs ganz schön Überzeugung durch Ann, um den Absprung zu wagen. Der Cremello ist eben nicht so für den Parcours gemacht, sein "Fliegen" ist eher das der Galopppirouette. Nichtsdestotrotz schaffen es schließlich auch diese beiden Gesellen heile durch die L-Kombination.
      Dann sind da noch Paul und Himmi. Da ist es eher der Reiter, der zusehends Respekt vor dem Sprung hat. Beim ersten kleinen Oxer reißt Paul ganz entsetzt die Augen auf und äußert dann: "Krass, geht die da weit hoch." Ich lache herzlich über diese Reaktion, denn ich kann mich noch sehr gut an meine ersten Springstunden mit Spearmint erinnern. Da ging es mir ähnlich.
      Naja, und dann gibt es da noch Distraction und mich. Der Rappe mit dem mittlerweile kuscheligen, wenn auch etwas klammen Fell setzt ohne zu zucken über die neue Höhe. Das liegt wahrscheinlich daran, dass wir die letzten Wochen vor Saisonende sogar schon einige S-Springen gemeinsam bestritten haben. Im Großen und Ganzen läuft dieses Training also mehr als glatt und vor allem ohne jeden Sturz und ja auch quasi ohne eine Verweigerung (Gepir hat nur gezögert … ). Nach insgesamt zwei Stunden im Sattel können wir deshalb glücklich aufatmen und absteigen. Es folgen noch schier endlose Runden des Trockenführens, bevor es zurück zum Putzplatz und für die Pferde zum Teil mit der Decke, zum Teil ohne auf die Koppel geht.
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  • Album:
    WCS - Hauptstall
    Hochgeladen von:
    Cascar
    Datum:
    23 Nov. 2017
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  • Stallinterne Informationen
    _________________________________

    Zuchtname des Pferdes: Himmawallajugaga
    Rufname(n): Himmi, Walla, Rose
    Besitzer: Cascar Winterscape
    Reitweise: Englisch
    Vorbesitzer: Canyon
    Vorkaufsrecht: Zambi

    Tierarzt: Eddi Caen
    Hufschmied:
    Ausbilder: Cascar Winterscape
    Reitbeteiligung:

    Stall: Stutenstall
    Weide: im Gelände liegende Koppeln
    Einstreu: Stroh
    Futter: Heu, Saftfutter;
    Kraftfutter 2x täglich
    Anmerkungen:

    Portrait:


    Abstammung
    _________________________________


    Von: Glucerinus
    Glacoom x Kjirgia

    Aus der: Hamba Nala
    Klimaxx x Hamba Senegal

    Zur Zucht zugelassen: ja
    [​IMG]
    Gewinnerin der SK 459


    Züchter: unb.
    Eingetragene Zucht:
    Akhal Teke Breeding Association (ATBA)
    / Winterscape Stables (WCS)
    Gencode: n. g.
    Vererbung: n. g.
    Nachkommen:


    Exterieur
    _________________________________

    Geschlecht: Stute (weiblich)
    Geburtsdatum: 02.02.2012
    Rasse: Achal Tekkiner
    Herkunft: Neuseeland

    Stockmaß/Endmaß: 170 cm
    Art: Pferd
    Typ: Vollblut

    Fellfarbe: Rappschimmel, metallic
    Langhaar: dunkelgrau
    Abzeichen:
    Sonstige Erkennungsmerkmale:


    Interieur
    _________________________________


    freundlich ◆◆ bösartig

    introvertiert ◆◆◆ extrovertiert

    intelligent ◆ unintelligent

    selbstbewusst ◆◆◆ unsicher

    sozial ◆◆ unsozial

    nervös ◆◆◆◆ beständig

    ausgeglichen ◆◆◆ unausgeglichen

    temperamentvoll ◆◆◆ ruhig

    aufmerksam ◆◆◆◆ unaufmerksam

    streitlustig ◆◆◆ friedlich

    naiv ◆ dominant

    loyal ◆◆◆◆ untreu

    arbeitsfreudig ◆◆◆ faul

    geduldig ◆◆◆ ungeduldig


    Charakterbeschreibung: Himmawallajugaga ist eine imposante und, im Vergleich zu anderen
    Pferden ihrer Rasse, recht große Erscheinung. So bringt sie eine gewisse Austrahlung, die nur
    einigen Tekkinern eigen ist, von Haus aus mit. Besonders auf Shows und in der Freiheitsdressur
    kann sie so Zuschauer in ihren Bann schlagen und für die Rasse begeistern.
    Charakterlich besitzt Himmi viele Eigenschaften, die sie außerhalb der Bahn zu einem
    ruhigen, verlässlichen Pferd machen, das gerne arbeitet gefordert werden will.
    Im Wettbewerb hingegen entwickelt sie einen eigenen Kopf, zeigt Ehrgeiz und Entschlos-
    senheit. Nicht zuletzt diese Eigenschaften machen den Schimmel zu einem guten Rennpferd.

    Geschichte: Himmawallajugaga stammt aus Neuseeland, wurde jedoch einst aufgrund der
    Auflösung der Tekkinerzucht nach Norwegen verkauft. Nun soll ebendiese wieder in das Leben
    gerufen werden, weshalb die Stute erneut einen Platz in der Herde der WCS findet.
    Der Schwerpunkt ihrer Förderung liegt derzeit im Renn- und Distanzbereich.


    Qualifizierungen & Erfolge
    _________________________________


    Eignung: Distanz, Galopprennen

    Springen: E A L M S
    Military: E A L M S
    Western:
    Distanz: E A L M S S* S** S***

    Galopprennen: E A L M S S* S** S***
    Fahren:

    Dressur: E A L M
    Gangreiten:
    Wendigkeit: E A L M S

    Turnierbedingter Aufstieg | Trainingsaufstieg | Potential

    Auszeichnungen:

    [​IMG][​IMG][​IMG][​IMG][​IMG][​IMG]

    2. Platz; 266. Distanzturnier | 1. Platz; 356. Galopprennen
    1. Platz; 440. Galopprennen | 1. Platz; 441. Galopprennen
    1. Platz; 442. Galopprennen | 2. Platz; 444. Galopprennen



    Ausbildungsstand
    _________________________________


    Fohlen ABC:
    Longiert:
    Eingeritten:
    Eingefahren:

    Beurteilung: Himmi ist stets konzentriert bei der Arbeit, möchte
    aber gefordert werden und ist selten erschöpft. So stellt sie an einen Trainer
    recht hohe Ansprüche.

    Gelassenheitstraining:
    Hindernisgewöhnung: ✔
    Hängergewöhnung:
    Startboxgewöhnung:

    Roundpen: schnell, konzentriert, buckelt gern
    Reitplatz/Reithalle: gibt nur ungern im Nacken nach,
    raumgreifende Gänge
    Gelände: schaut gerne alles an, für jeden Spaß zu haben,
    mag Wasser und Querfeldeinritte, trittsicher


    Gesundheitszustand
    _________________________________

    Gechippt: ja
    Geimpft: ja
    Bekannte Krankheiten:
    Anmerkungen:

    Hufzustand: annehmbar
    Prüfstand:
    Beschlag vorn:
    Beschlag hinten:
    Anmerkungen: etwas lange Hufe,
    nicht beschlagen