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Waldvoegelchen

Heimerdinger - Trakehner - Hengst

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Heimerdinger - Trakehner - Hengst
Waldvoegelchen, 20 Okt. 2013
    • Waldvoegelchen
      Bericht Heimerdinger 1
      Eine stockende Ankunft


      Mit dem klingeln des Weckers stand ich auf. Natürlich wurde mir sofort schwarz vor Augen, aber der Wecker stand etwas weiter von meinem Bett entfernt, da ich ihn sonst im Schlaf ausmachen würde. Heute stand der neue Hengst auf dem Plan. Mit der Erziehung meiner beiden Fohlen hatte ich zwar auch schon relativ viel zu tun, aber ich war nicht komplett ausgelastet. Außerdem wollte ich ein reitbares Pferd haben. Eingeritten war er noch nicht komplett, doch das ließe sich ja mit der Hilfe eines Ausbilders ändern.
      Also ging ich ins Badezimmer und putzte mir die Zähne, kämmte mir die Haare und ärgerte mich, wie jeden Tag, dass ich immer abends duschen gehe. So förderlich für die Frisur war das nämlich nicht. Auf Frühstück hatte ich noch keinen Appetit, also begab ich mich zu meinem kleinen Offenstall. Die Fohlen standen mittlerweile zusammen. Ich stopfte ein wenig Heu in den Trog. Der deutsche Herbst lässt lagsam das Gras verkümmern, also mussten die Kleinen etwas mehr als sonst bekommen.
      Nachdem ich die Tränke kontrolliert hatte, machte ich mich auf den Weg zu meiner Ausbildung als Physiotherapeutin. In meinem 1. Lehrjahr war der Beruf noch ziemlich entspannt. In der Schule hocken, Notizen machen und lernen. Zum Glück musste ich die Ausbildung nicht bezahlen, wie die meisten.
      Nach der Schule stieg ich direkt in den Bus nach Hause, war froh das mein Freund schon den Hänger vorbereitet hatte und machte mich auf den Weg zu einem Freund von Rain, da er selbst in Schottland wohnte. Also hatte der Hengst schon eine längere Reise hinter sich. Er nahm mich liebevoll in Empfang und führte mich zu dem Pferd, Heimerdinger. Ein bildhübscher Palomino, muss man schon sagen. Mit Interesse schaute der Hengst mich an, doch als ich anfing ihn an der Stirn zu kraulen schüttelte er leicht den Kopf und ich senkte meine Hand wieder.
      Als ich ihn verladen hatte ging es los. Die Fahrt dauerte normalerweise insgesamt nur eine Stunde, doch auf den Dörfern fuhren wir gefühlt immer hinter Treckern, hielten an jeder roten Ampel und auf der Autobahn gerieten wir dann auch noch in stockenden Verkehr. Hätte ich doch den gleichen Weg nehmen sollen wie auf der Hintour. Das war nun aber nicht mehr zu ändern und nach geschlagenen 2 Stunden kamen wir dann auch zu Hause an.
      Mein Freund hatte den Offenstall schon vorbereitet, also führte ich Heimerdinger nur kurz auf dem Hof herum, damit er sich ein wenig die Beine vertreten konnte.
      Als er dann im Offenstall stand, schmiss er sich als allererstes in den Dreck und wälzte sich. Naja, zumindest fühlt er sich gleich wohl.
      Ich beobachtete ihn noch eine Weile und ging wieder in das Haus meiner Eltern. Dort lernte ich ein wenig für meine Ausbildung und träumte schon von meiner Zukunft mit Heimerdinger.
    • Eselchen
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      Erster Bericht


      Gelassen stand der junge Hengst am Putzplatz und ließ sich von seiner Besitzerin striegeln. Meine Schritte gingen in dem Treiben des Hofes leicht unter und so bemerkte Waldvoegelchen mich erst, als ich schon fast neben ihr stand.
      „Hallöchen! Du bist Waldvoegelchen, oder? Und das ist bestimmt Heimerdinger.“, begrüßte ich die sympathische Frau und reichte ihr die Hand.
      „Ja. Herzlich Willkommen auf meinem Hof!“, sagte sie freundlich und legte den Striegel zurück in den Putzkasten.
      „Also – ich soll dir ja helfen den kleinen Schatz einzureiten, nicht wahr? Kennt er denn schon den Sattel, oder müssen wir das noch üben?“, fragte ich freundlich und ging zum Kopf des Trakehners. Heimerdinger schnupperte interessiert an meiner Jacke und ich streichelte seinen Hals. „Angeblich soll er den Sattel schon kennen, aber so richtig ausprobiert haben wir es noch nicht.“, erklärte Waldvoegelchen mir und putzte den Kleinen weiter. „Okay, dann würde ich sagen, dass wir heute damit beginnen. Also als erstes würde ich dich bitten, ihn ein bisschen abzulongieren, bevor wir das Satteln üben.“, schlug ich vor und machte mich dann beim Putzen nützlich.
      Während Waldvoegelchen und ich also dafür sorgten, dass Heimerdinger glänzte wie ein Honigkuchenpferd, stand der junge Hengst brav da. Er ließ seine Unterlippe entspannt hängen und entlastete einen Huf. Seine Ohren lauschten dem Stallgetümmel und seine Augen waren halb geschlossen. Ab und zu schaute er sich nach uns um, wenn sein Name erklang. Einfach ein wahrer Prachtkerl.
      „Dann wollen wir doch mal schauen, wie sich der Kleine bewegt.“, sagte ich fröhlich, als Waldvoegelchen Heimerdinger zum Reitplatz führte. Die Sonne schien durch die goldbrauen Blätter und vertrieb ausnahmsweise die trüben Wolken.
      Ich trug den Sattel und eine Schabracke, während Heimerdinger wie ein Engel neben seiner Besitzerin herlief und sich neugierig die Umgebung anschaute.
      Am Reitplatz angekommen legte ich die Sachen ab und öffnete den Beiden das Tor, ehe ich mich an den Zaun lehnte und zusah, wie Waldvoegelchen anfing, den Hengst zu longieren.

      Sie führte ihn zuerst eine Runde an der Longe und schickte ihn dann von sich weg. Heimerdinger wusste, was er tun sollte und ging dann unbeeindruckt auf den Zirkel.
      „Feiner Junge.“, lobte Waldvoegelchen den jungen Trakehner und ich schaute den Beiden begeistert zu.
      „Bewundernswert, dass er schon so gut auf Stimme hört!“, rief ich ihr zu und beobachtete den Schritt des Hengstes.

      Nach einigen Runden gab Waldvoegelchen ihm das Kommando zum Traben. Heimerdinger setzte sich also in Bewegung und zeigte sich von seiner besten Seite.
      Waldvoegelchen ließ ihn viele Schritt-Trab-Übergänge laufen und sorgte so dafür, dass der Hengst nicht nur sehr aufmerksam war und schnell reagierte, sondern auch dafür, dass er seinen Kopf nach knappen zwanzig Minuten auf beiden Händen tief trug. Er war fast vor dem Vorwärtsabwärts, was von guter Vorarbeit zeugte.
      „Lass ihn bitte noch ein bisschen Galoppieren, ja?“, rief ich seiner Besitzerin zu und wenige Sekunden später galoppierte Heimerdinger in einem gleichmäßigen Tempo. Ab und zu versuchte er nach außen auszubrechen, aber Waldvoegelchen hielt ihn ruhig auf dem Zirkel.
      Wieder bat ich Waldvoegelchen darum, ihn viele Übergänge laufen zu lassen und als er das auch auf der anderen Hand mit Bravour gemeistert hatte, erklärte ich Waldvoegelchen unser weiteres Vorgehen.
      „Also, den Kleinen hast du wirklich super longiert! Und er ist auch wirklich schön anzusehen! Noch dazu sein grandioser Gehorsam.“, sagte ich zu Waldvoegelchen und ging dann zu ihr auf den Reitplatz.
      „Danke – er ist einfach ein wahrer Schatz!“, sagte sie fröhlich und kraulte den Hals des Hengstes.
      „Ich würde sagen, dass wir jetzt mal den Sattel auflegen und dann schauen wir, was er macht. Wenn er ihn so akzeptiert, würde ich dich bitten, dass du ihn noch einige Minuten mit Sattel longierst. Okay?“, fragte ich und erhielt ein strahlendes Nicken als Antwort.
      „Dann lass uns anfangen!“
      Waldvoegelchen schmuste ein wenig mit Heimerdinger, während ich den Sattel und die Schabracke vom Rand holte. Mit der einen Hand hielt ich den Sattel und mit der anderen versuchte ich die Satteldecke auf seinen Rücken zu legen.
      „Guter Junge. Das machst du super!“, lobte Waldvoegelchen ihren kleinen Spatz, der die Satteldecke ohne weiteres akzeptierte. Er schaute zwar interessiert in meine Richtung, aber bewegte sich keinen Millimeter.
      „Super!“, sagte ich und kraulte seinen Hals.
      „Dann schauen wir doch mal, was du zu dem Sattel sagst.“, sagte ich zu dem Hengst und ließ ihn kurz an dem Sattel schnuppern. Dann trat ich an seine Seite und hob den Sattel über seinen Rücken. Völlig kaltgelassen stand Heimerdinger da und beschnupperte seine Besitzerin. Als ich den Sattel dann vorsichtig auf seinen Rücken gleiten ließ, reagierte der Hengst gar nicht. Waldvoegelchen lobte ihn ausgiebig und ich konnte problemlos den Sattelgurt festziehen.
      „Guter Junge!“, sagte ich und klopfte seine Schulter.
      „Den kennst du schon, nicht wahr? Da haben deine Vorbesitzer ganze Arbeit geleistet!“, stellte ich fest und lächelte Waldvoegelchen an, die ihren Schatz ganz begeistert kraulte.
      „Mein Kleiner – Das ist wunderbar!“, sagte sie leise zum ihm und fuhr mit der Hand über seine Stirn.
      „Dann longier ihn doch bitte noch ein bisschen. Hast du Dreieckszügel?“, fragte ich sie und positionierte mich wieder am Rand.
      „Ja – die sind in seinem Spind! Willst du damit arbeiten?“, fragte sie mich und ich nickte.
      „Okay – ich bin gleich wieder da!“, rief ich ihr zu und wendete mich ab.
      Kurze Zeit später kam ich mit den Dreickern in der Hand wieder zum Reitplatz. Waldvoegelchen ließ Heimerdinger gerade antraben und der Hengst lief brav seine Runden.
      „Und Gaaalopp!“, wies Waldvoegelchen ihn an und der Hengst wechselte in einen fleißigen Galopp.
      Er lief so, als wenn er gar keinen Sattel auf seinem Rücken hätte und brachte Waldvoegelchens Lippen zu einem begeisterten Lächeln.
      Einige Minuten später war Heimerdinger wieder im Schritt und schnaubte ab.
      „Guter Junge. Fein gemacht!“, lobte Waldvoegelchen ihn und holte ihn zu sich.
      „Die andere Hand bitte auch noch.“, rief ich ihr freundlich zu und sah den Beiden fröhlich zu.
      Es ist einfach schön mit solchen Pferden zu arbeiten. Schön entspannt.
      Es vergingen noch einige Minuten und Heimerdinger arbeitete fleißig mit. Er war ein wahrer Prachtkerl und versuchte die ganze Zeit seiner Besitzerin zu gefallen.
      Als sie ihn dann wieder zu sich holte, war er schon gut am Schwitzen und ich ging zu ihnen.
      „Das ist echt super!“, sagte ich zufrieden und öffnete den Sattelgurt um die Dreieckszügel zu befestigen.
      Vorsichtig zog ich den Sattelgurt wieder an und wandte mich dann an Waldvoegelchen.
      „Hast du ihn schon mal damit gearbeitet?“, fragte ich sie und erhielt ein Kopfschütteln als Antwort.
      „Dann lass uns das jetzt ganz vorsichtig probieren!“, sagte ich freundlich und fädelte die Riemen durch die Gebissringe.
      Ich schnallte die Dreiecker so locker wie möglich ein und lobte den Hengst. Man sah, dass es in seinem Kopf arbeitete und er kaute auf dem Gebiss. Sein Kopf war erhoben, aber als er den Widerstand spürte, senkte er den Kopf. Sofort folgte ein Lob und der Hengst spitzte seine Ohren. Wieder hob er den Kopf und senkte ihn wieder, als er den Druck spürte.
      „Guter Junge!“, sagte ich und kraulte seinen Hals.
      „Führ ihn doch bitte ein kleines Stück.“, wies ich Waldvoegelchen an und sie forderte ihren Schatz auf, ihr zu folgen.
      Etwas unsicher folgte er ihr. Man merkte, dass ihn der Wiederstand auf dem Gebiss beschäftigte, aber er schlug sich gut.
      Nach einem Lob seiner Besitzerin entspannte er sich und trug den Kopf tief. Er folgte Waldvoegelchen aufmerksam und als die Beiden wieder zu mir kamen, lobte ich ihn.
      „Ich würde sagen, wir haben unser heutiges Programm durch!“, sagte ich zufrieden und öffnete die Dreiecker.
      Wenig später verließen wir den Reitplatz und ich verabschiedete mich.


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    • Eselchen
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      Zweiter Bericht

      Die Sonne hatte sich heute hinter einer dichten Mauer aus Wolken versteckt und es fielen bereits einige Tropfen auf den Boden, als ich Waldvoegelchens Hof erreichte.
      Die Nässe vertrieb nicht nur die verbliebenen Vögel, sondern auch das rege Treiben des Stalles in die geschützten Bereiche.

      Im Stall angekommen entdeckte ich nach kurzer Zeit Waldvoegelchen vor der Box von Heimerdinger.
      „Guten Morgen!“, begrüßte ich die stolze Besitzerin und erhielt ein ebenso freundliches „Naa?“, als Antwort.
      „Wie sieht’s heute aus? Habt ihr noch ein bisschen mit dem Sattel herumexperimentiert?“, fragte ich Waldvoegelchen.
      „Da du ja schon einige Tage nicht mehr hier warst, habe ich mir gedacht, dass ich ihn ein wenig mit Sattel longiere. Und das hat er wirklich super gemacht. Er lässt sich davon gar nicht mehr stören!“, erzählte sie mir begeistert und strahlte über das ganze Gesicht.
      „Super! Ich würde sagen, dass wir heute mit den ersten richtigen Kräftigungsübungen beginnen. Das heißt, dass der Kleine wieder mit Dreieckszügeln laufen und auch schon das erste Gewicht tragen wird.“, erklärte ich ihr, während sie Heimerdinger aus der Box holte und anband.
      Den Putzkasten hatte sie schon vorher geholt und so konnten wir direkt anfangen den Hengst zu säubern.
      Während Waldvoegelchen die Hufe des jungen Trakehners auskratzte, begann ich damit, die lange Mähne zu verlesen und danach zu kämmen. Selbiges tat ich mit dem Schweif, ehe ich mir eine Wurzelbürste schnappte und die Beine abbürstete.
      Waldvoegelchen striegelte in der Zeit Heimerdingers Fell und verlieh ihm dann mit der Kardätsche ein wenig mehr Glanz.
      „Magst du mir eben Tragen helfen?“, fragte Waldvogelchen mich und wir gingen mit dem Putzkasten zur Sattelkammer.
      Heraus kamen wir dann mit Sattel, Satteldecke, Trense, Dreieckszügeln und Gamaschen.
      Wieder bei Heimerdinger angekommen luden wir die Sachen ab und Waldvoegelchen sattelte ihren Schatz schnell, während ich ihm die Gamaschen anlegte.
      Nachdem Waldvoegelchen ihm dann auch noch die Trense angelegt hatte, konnten wir schnell zur Reithallte gehen. Auf dem Weg dorthin machte ich noch einen Umweg zu meinem Auto, aus dem ich dann ein leichtes 15-kg Gewicht mitnahm.

      In der Reithalle angekommen warteten die Beiden schon auf mich und ich lud das Gewicht am Rand ab.
      „Longier ihn doch bitte ein Bisschen ab. In allen Gangarten und mit vielen Übergängen, damit das Kerlchen schön aufmerksam bleibt.“, wies ich sie freundlich an und nahm mir dann einen Stuhl und setzte mich mit in die Reitbahn.
      Waldvoegelchen ließ ihren Hengst erst einige Runden im Schritt laufen und forderte ihn ab und an zum Stehen auf, ehe sie ihn langsam antraben ließ.
      Eine knappe Runde später ließ sie ihn wieder zum Schritt durchparieren und lobte ihn mit weicher Stimme, bevor sie ihn wenige Schritte später wieder zum Traben aufforderte.
      „Guter Junge! Das machst du klasse!“, rief sie ihm zu und lächelte.
      Sie konnte wirklich stolz auf dieses Glückspferd sein.
      Dieses Spiel der Übergänge währte knappe 10 Minuten und der junge Trakehner schnaubte zufrieden. Waldvoegelchen ließ ihn zum Stand durchparieren und schnallte die Longe um. Dann ließ sie ihn wieder auf den Zirkel gehen und das Spiel wiederholte sich.
      Nach wenigen Minuten forderte Waldvoegelchen Heimerdinger dann zum Galoppieren auf und der Hengst fiel in einen ruhigen Galopp. Nach einer Runde brachte sie ihn wieder zum durchparieren und lobte ihn. Der Hengst lief eine halbe Runde, ehe seine Besitzerin ihn wieder anwies zu galoppieren.
      „Fein Heimerdinger. Klasse!“, rief sie ihm lobend zu und ließ ihn wieder zum Trab durchparieren.
      Wieder wechselte sie die Hand und ließ den Hengst erneut einige Male Trab-Galopp- und Galopp-Trab-Übergänge laufen.

      „Super! Der Kleine schlägt sich echt klasse! Ich würde sagen, dass wir jetzt die Dreieckszügel einschnallen können.“, sagte ich freundlich und holte die Dreicker vom Hallenrand. Mit ihnen ging ich dann zu Heimerdinger und seiner Besitzerin.
      Entspannt öffnete ich den Sattelgurt und fädelte die Schlaufe der Dreieckszügel ein, ehe ich den Sattelgurt wieder anzog.
      Dann schnallte ich sie so ein, dass Heimerdinger seinen Kopf noch eine Handspanne weit vor die Senkrechte bekommen konnte.
      „Guter Junge!“, lobte Waldvoegelchen ihn und ich erklärte ihr die nächsten Schritte:
      „Ich würde dich jetzt bitten, wieder einige Schritte mit ihm zu laufen. Rede mit ihm, lob ihn, beschäftige ihn ein bisschen.“
      Wie angewiesen trat Waldvoegelchen einige Schritte vorwärts und brachte ihren Hengst mit Schnalzen und „Komm mein Dicker!“, dazu ihr zu folgen.
      Währenddessen versuchte er einige Male seinen Kopf hoch zu tragen, nahm ihn dann aber etwas runter, wenn er den Widerstand spürte.
      „Klasse Heimerdinger!“, lobte ihn seine Besitzerin und ich forderte sie dazu auf, jetzt einfach einige Minuten lang kreuz und quer durch die Halle zu laufen.

      Nach wenigen Minuten hatte Heimerdinger anscheinend den Zweck der Dreieckszügel auf seine Weise verstanden. Er lief mit gesenkten Kopf entspannt neben seiner Besitzerin her und schnaubte ab und an.
      „Feiner Junge.“, sagte Waldvoegelchen leise zu ihm und streichelte seinen Hals. „Okay, komm bitte wieder zu mir!“, rief ich ihr zu und ging ihnen ein kleines Stück entgegen.
      Als die Beiden dann bei mir angekommen waren, streichelte ich sanft den Hals des Trakehners.
      „Das macht er schon richtig super! Ich würde dich bitten, dass du jetzt versuchst ihn mit den Dreieckszügeln zu longieren. Erst mal nur im Schritt. Und wenn du merkst, dass er sich so verhält wie er soll, kannst du ihn auch kurz traben lassen. Wunder dich dann aber nicht, wenn er erst nicht reagiert, weil er vermutlich seinen Kopf nach oben nehmen möchte.
      Treib dann einfach ein bisschen nach und lobe ihn ausgiebig, wenn er dann trabt. Es reicht dann auch eine Viertelrunde. Hauptsache er kapiert, dass das nichts Schlimmes ist. Okay?“, erklärte ich Waldvoegelchen und setzte mich dann wieder auf meinen Stuhl.

      Waldvoegelchen schickte den Hengst also auf den Zirkel und ließ ihn einige Runden im Schritt gehen. Nur ab und an wurde er etwas langsamer und versuchte stehenzubleiben, weil ihn die Bewegung im Maul etwas verunsicherte.
      Aber sobald Waldvoegelchen leise schnalzte war der kleine Kerl auch schon wieder voll bei der Sache.
      „Lass ihn jetzt ruhig einmal antraben!“, rief ich ihr zu und lächelte. Heimerdinger stellte sich echt gut an.

      Waldvoegelchen gab ihm also das Kommando zum Antraben und entgegen meiner Erwartungen, wechselte der junge Hengst ohne Umschweife in einen ruhigen Trab.
      „Klasse Heimerdinger! Super!“, lobte ihn seine Besitzerin und ließ ihn wieder durchparieren.

      „Super! Lass ihn das noch mal machen!“, wies ich Waldvoegelchen an und beobachtete glückselig, wie der Trakehner bilderbuchmäßig antrabte.
      So vergingen einige Minuten und als ich Waldvoegelchen darum bat, ihn jetzt zum Stehen zu bringen, bildeten sich schon Schweißflecken auf dem hellen Fell ihres Pferdes.
      „Ein wahrer Prachtkerl. Ehrlich. Ich hätte nicht gedacht, dass er sich so gut schlägt.“, sagte ich zu Waldvoegelchen, als ich bei ihnen ankam.
      „Er ist aber schon ganz schön am Schwitzen. Ich würde sagen, dass er für heute genug geleistet hat. Die Gewichte können wir auch nächstes Mal noch benutzen. Die rennen ja nicht weg.“, sagte ich fröhlich und streichelte den klebrigen Hals den Hengstes, ehe ich die Dreieckszügel öffnete und um den Hals von Heimerdinger legte.
      Langsam schlenderten wir zusammen aus der Halle auf den verregneten Hof. Im Stallgebäude angekommen half ich noch beim Absatteln und verabschiedete mich dann mit einem Lächeln.
      „Wir sehen uns dann nächste Tage. Bitte üb das Longieren mit Dreieckszügeln bis ich wiederkomme. Das Galoppieren damit lässt du aber bitte noch. Dazu brauch er noch ein bisschen mehr Muskeln, ja?“, sagte ich und trat hinaus in den Regen.


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    • Eselchen
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      Dritter Bericht

      Es waren einige regnerische Tage vergangen, seitdem ich das letzte Mal bei Heimerdinger und seiner Besitzerin gewesen war. Ausnahmsweise schien heute nochmal die Sonne durch die tristen Wolken und tauchte den Hof in ein gedämmtes Licht, als ich mit meinem Wagen dort ankam.
      Das rege Treiben auf Waldvoegelchens Hof überdeckte das Geräusch der zufallenden Autotür und ich ging mit einem Lächeln zum Stallgebäude, in welchem ich den bereits gesattelten, jungen Trakehner und seine Besitzerin nach kurzer Zeit entdeckte.
      „Hallöchen ihr Süßen!“, begrüßte ich die Beiden und trat zu ihnen.
      „Hallo Eselchen!“, sagte Waldvoegelchen freundlich und tätschelte den Hals ihres Hengstes.
      „Und? Wie geht’s euch heute so? Bereit für die ersten Gewichte?“, fragte ich lächelnd und fuhr mit der Hand über das seidige Fell von Heimerdinger, der gelassen aber aufmerksam vor seiner Box stand.
      „Klar! Wir haben ja auch fleißig mit den Dreieckszügeln geübt!“, erklärte sie mir und blickte zufrieden zu dem jungen Hengst.
      „Super! Dann lass und doch in die Halle gehen und dann kannst du ihn ein wenig ablongieren, bevor wir dann die ersten Gewichte verwenden! Geh du schon mal vor. Ich hole nur noch kurz das Gewicht aus dem Auto!“, erklärte ich ihr und ging dann mit zügigen Schritten voraus.
      Als ich dann die Halle betrat, war Heimerdinger schon einige Runde im Schritt gelaufen und Waldvoegelchen forderte ihn auf anzutraben.
      Wie ich es inzwischen von dem Trakehner gewohnt war, reagierte er vorbildlich und wechselte in einen ruhigen, aber ordentlichen Arbeitstrab. Seinen Kopf trug der Hengst schon nach einigen Schritt-Trab-Übergängen recht tief und ich war begeistert von den Trainingsergebnissen.
      „Da habt ihr aber ganz schön ordentlich dran gefeilt! Der läuft ja fast schon wie ein ganz großer!“, lobte ich Pferd und Mensch und lächelte.
      Es machte wirklich Spaß den Beiden beim Arbeiten zuzusehen, da es vor Harmonie und Vertrauen nur so glänzte.
      Nachdem Waldvoegelchen Heimerdinger auch noch einige Male galoppieren gelassen hatte, rief sie den Hengst zu sich und schnallte die Longe um, ehe sie ihn wieder auf den Zirkel schickte. Auf der anderen Hand ließ sie ihren Spatz auch erst einige Runden im langsamen Schritt laufen, ehe sie ihm das Kommando zum Traben gab.
      „Guter Junge!“, tönte es durch die Halle und ein entzücktes Lächeln lag auf den Lippen der stolzen Besitzerin.
      Als sie Heimerdinger dann angaloppieren ließ, schallte ein entspanntes Schnauben durch die Halle und man sah dem Hengst seine Zufriedenheit wirklich an.
      „Ihr macht das klasse!“, rief ich ihnen zu und lächelte. „Wollen wir jetzt die Gewichte ausprobieren?“
      „Gerne!“, antwortete Waldvoegelchen und brachte Heimerdinger erst in einen langsamen Schritt und dann zum Stand.
      Der Hals des Hengst war ganz leicht verschwitzt und er schaute sich neugierig zu mir um, als ich mit dem Gewicht über der Schulter zu den Beiden ging.
      „Braver Junge. Das hast du ganz fein gemacht!“, lobte ich ihn und ließ den mit Sand gefüllten Nylonschlauch auf den Boden gleiten.
      „Also. Ich hab mir das so gedacht, dass einer von uns Beiden den Süßen festhält, während die Andere das Gewicht behutsam über den Sattel legt. Wenn er dann ruhig bleibt wird das Gewicht nach wenigen Sekunden wieder heruntergenommen und der Kleine kräftig gelobt.“, erklärte ich ruhig und streichelte den Hals des jungen Trakehners.
      „Das machen wir einige Male und wenn er sich gut anstellt solltest du ihn auch noch ein oder zwei Runden, mit dem Gewicht im Sattel, führen. Okay?“
      „Geht klar.“, antwortete Waldvoegelchen fröhlich und hielt die Longe recht kurz. Ich nahm dann das Gewicht hoch und ließ Heimerdinger daran schnuppern und zeigte ihm, dass das Ding ganz ungefährlich ist. Als er den Schlauch dann für uninteressant empfand, trat ich an seine linke Seite und hob das Gewicht über den Sattel. Langsam ließ ich es dann in den Sattel gleiten.
      Der Hengst spannte sich zwar etwas an, als er das Gewicht auf seinem Rücken spürte, blieb aber ansonsten ruhig stehen und beknabberte seine Besitzerin.
      „Braver Junge. Das machst du super!“, lobte Waldvoegelchen ihren Hengst und streichelte über dessen Nüster.
      Ich ließ das Gewicht noch einige Sekunden auf dem Sattel, ehe ich es dann vorsichtig wieder herunternahm.
      „Klasse Heimerdinger!“, sagte ich leise und streichelte über den Hals den Trakehners.
      Ich wartete einige Momente, lächelte Waldvoegelchen an und hob das Gewicht dann wieder in den Sattel. Der Hengst spannte sich wieder etwas an, aber war trotzdem ein wahrer Engel.
      Nach wenigen Sekunden zog ich das Gewicht wieder von seinem Rücken und klopfte seinen Hals.
      „Das macht er klasse.“, sagte ich zu seiner stolzen Besitzerin und lächelte. „Auf ein Neues.“
      Also hob ich das Gewicht wieder über seinen Rücken und ließ es dann langsam in den Sattel. Dieses Mal spannte sich der Hengst nicht so sehr an und ich ließ das Gewicht nun etwas länger oben.
      „Super! Braves Kerlchen.“, flüsterte seine Besitzerin ihm zu und ich ließ das Gewicht wieder zu Boden kommen.
      „Ich würde sagen, dass du ihn beim nächsten Versuch ruhig ein Stück auf und ab führen kannst. Mal schauen was er dazu sagt.“, erklärte ich und begann das Spielchen von vorne.
      Der Hengst blieb wieder ruhig stehen und das Gewicht ignorierte er inzwischen.
      „Dann führe ihn doch bitte ein Stück.“, wies ich Waldvoegelchen freundlich an und ließ eine Hand auf dem Gewicht ruhen, damit es nicht herunterrutschen konnte.
      Wie erwartet ließ sich der Hengst gar nicht beeindrucken. Aufmerksam stolzierte er seiner Besitzerin hinterher und beknabberte ihren inzwischen von Sabber getränkten Ärmel.
      So drehten wir dann einige Runden durch die Halle und Heimerdinger lief so, als wenn nichts wäre.
      „Guter Junge. Klasse!“, sagte Waldvoegelchen immer wieder liebevoll und nach gefühlten 20 Minuten bat ich sie darum, jetzt anzuhalten.
      „Der benimmt sich ja wie ein alter Hase!“, spaßte ich und nahm das Gewicht aus dem Sattel, um es auf den Boden zu legen.
      Während ich dann vorsichtig den Hals des jungen Trakehners streichelte erklärte ich Waldvoegelchen unser weiteres Vorgehen.
      „Also – da sich der Kleine so gar nicht von dem Spektakel beeinflussen lässt, würde ich dich bitten, dass du bis zum nächsten Mal selbstständig mit dem Gewicht übst. Ich lasse dir dann einen 30-kg Schlauch hier, den du nach zwei weiteren Einheiten auch gerne ins Training mit einbeziehen darfst. Wenn ich dann das nächste Mal wieder hier bin, würde ich gerne den ersten Reiter auf den Kerl setzen. Also eigentlich sollte sich dann einer von uns über seinen Rücken legen und sich einige Meter tragen lassen. Das wäre das Ziel für das nächste Mal.“, erklärte ich freundlich.
      Nachdem Waldvoegelchen dies mit einem zufriedenen Lächeln bestätigt hatte, gingen wir zurück zum Stall. Während Waldvoegelchen Heimerdinger absattelte, holte ich das 30-kg Gewicht aus meinem Auto und brachte es in die Sattelkammer, ehe ich mich noch schnell von den Beiden verabschiedete und zufrieden wieder zurück nach Hause fuhr.



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    • Eselchen
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      Vierter Bericht


      Die gelbbrauen und roten Blätter und der triste Himmel zeigten mir wieder einmal, wie schnell die Zeit doch vergeht. Es waren wieder einige Wochen seit meinem letzten Besuch bei Waldvoegelchen und ihren Heimerdinger vergangen und ich war wirklich gespannt, was die Beiden in dieser Zeit noch so geschafft hatten.
      Durch den unfreundlichen Wind hindurch ging ich über den recht verschlafenen Hof zum Stall. Mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen trat ich ein und fand auch schnell den gesattelten Heimerdinger vor seiner Box.
      „Na Großer? Du hast ja ganz schön an Figur zugelegt.“, sagte ich anerkennend und fühlte über die Ansatzmuskulatur an seinem Hals.
      „Hey Esel!“, rief Waldvoegelchen mir zu und hielt Longe und Peitsche in ihrer Hand. „Na? Wie geht’s dir?“, fragte sie mich freundlich und legte die Sachen neben ihrem Hengst ab und streichelte über seine Brust.
      „Ich bin begeistert! Ihr habt echt was geschafft!“, lobte ich die Beiden und lächelte.
      „Ja, wir haben wirklich viel gemacht.“, erklärte sie mir stolz. „Du hattest mir ja gesagt, dass ich ihn weiter mit den Gewichten arbeiten soll. Und das hab ich gemacht. Und man sieht ja auch schon ein bisschen die Wirkung. Er sieht auf jeden Fall nicht mehr ganz so schlaksig aus. Und das Gewicht interessiert ihn auch nicht.“
      Ihre Augen strahlten förmlich vor Stolz und sie blickte Heimerdinger liebevoll an.
      „Na dann würde ich doch sagen, dass wir heute mal den Reiter selbst ausprobieren.“, sagte ich fröhlich und wir machten uns auf den Weg zur Reithalle. Auf dem Weg dorthin holte ich mir noch schnell meinen Helm und meine Schutzweste, ehe ich mit zügigen Schritten hinter den Beiden herlief.
      In der Halle angekommen, legte ich die Sachen zur Seite und nahm auf meinem Stuhl am Rande der Bahn Platz.
      „Longierst du ihn wieder ein wenig ab?“, fragte ich Waldvoegelchen freundlich und lehnte mich entspannt zurück.
      Waldvoegelchen ließ ihren Schatz erst einige Runden in einem ruhigen Schritt auf der linken Hand laufen und ließ ihn dann mit ruhigen Kommandos antraben und fast direkt wieder durchparieren.
      So machte sie es einige Minuten und wechselte dann die Hand und genau dasselbe zu wiederholen. Immer mal wieder schnaubte der junge Trakehner entspannt und seine Besitzerin lobte ihn zufrieden.
      Ein warmes Lächeln lag auf ihren Lippen und sie redete sanft mit Heimerdinger.
      Meine Wenigkeit entspannte sich auf dem Stuhl und beobachtete die Beiden. Ich war wirklich begeistert von den Ergebnissen, die sich das Team innerhalb weniger Wochen erarbeitet hatte.
      Heimerdinger war nun soweit, dass er mit den Dreieckszügeln zurechtkam und Gewichte bis 30 kg akzeptierte.
      Und heute sollte er auch noch zum ersten Mal einen Reiter tragen.

      „Okay – dann lass ihn doch bitte noch ein bisschen galoppieren und dann können wir anfangen!“ , rief ich Waldvoegelchen zu und lächelte. Es machte einfach Spaß mit ihnen zu arbeiten.

      Einige Zeit später rief Waldvoegelchen Heimerdinger zu sich und klopfte seine leicht angeschwitzte Schulter.
      „Ihr Beiden macht das echt klasse!“, lobte ich sie und stand auf, schnappte mir elegant meinen Helm und meine Schutzweste und machte mich auf den Weg zu den Beiden. Währenddessen schlüpfte ich in die Weste und setzte den Helm auf.
      „Na dann wollen wir doch mal gucken, was du dazu sagst.“, spaßte ich und drehte wieder um, um die Aufstiegshilfe zu holen.
      „Also, du hältst ihn bitte einfach nur fest und redest mit ihm. Okay?“, wies ich Waldvoegelchen freundlich an und platzierte die Aufstiegshilfe neben dem jungen Hengst.
      Seine Ohren spitzten sich und er drehte interessiert seinen Kopf zu mir.
      „Du kleiner Schleimer.“, flüsterte ich liebevoll und stellte mich dann auf die Aufstiegshilfe. Heimerdinger stand brav wie ein Lamm, bewegte sich nicht und verfolgte aufmerksam meine Bewegungen.
      „So, ich werde jetzt ein wenig Druck auf seinen Rücken ausüben und mich dann wieder zurückziehen. Das mache ich immer wieder, bis ich mich über seinen Rücken legen kann.“, erklärte ich ihr und begann dann mit der Übung.
      Heimerdinger ließ sich von den ersten Schüben gar nicht beeindruckt. Er wandte sich an seine Besitzerin und beknabberte sie liebevoll, während ich den Druck immer weiter steigerte.
      Nach einiger Zeit war ich schon dabei mich vorsichtig über seinen Rücken zu legen. Mein Gewicht hielt ich größtenteils noch mit meinen Füßen auf der Aufstiegshilfe und Heimerdinger war komplett ruhig.
      „Klasse Dicker. Fein machst du das!“, lobte ich ihn und unterbrach die Übung. „Führ ihn doch ein, zwei Runden kreuz und quer durch die Halle. Sonst langweilt sich die Maus noch zu tode.“, forderte ich sie lächelnd auf und schaute ihr dabei zu, wie sie von Heimerdinger verfolgt wurde. Er benahm sich wie ein treudoofer Hund und das zauberte mir ein grinsen ins Gesicht.
      „Was ist so lustig?“, rief Waldvoegelchen dann durch die Halle und schaute mich verunsichert an.
      „Ach nichts – nur dass dein Pferd mich gerade an einen treudoofen Labrador erinnert!“, erklärte ich ihr spaßhaft und sie fing an zu lachen. Gelassen stimmte ich ein und die Beiden kamen langsam wieder zu mir.
      „Hach ja – ihr seid einfach zu knuffig!“, lachte ich und streichelte den Hals von Heimerdinger.
      „Ich würde sagen, dass ich mich jetzt mal elegant und vorsichtig in seinen Sattel schwinge. Die Maus hat die ganze Zeit über Nichts gemacht und ich glaube, du kannst es auch kaum erwarten das erste Mal in seinem Sattel zu sitzen.“, erklärte ich ihr und lächelte.
      Heimerdinger war wirklich ein Engel. Gelassen stand er bei seiner Besitzerin, während ich die Aufstiegshilfe positionierte und die Steigbügel des Sattels herunterließ.
      „Guter Junge.“, flüsterte Waldvoegelchen und kraulte seine Schulter. Ich erklomm in der Zeit die Aufstiegshilfe und richtete noch einmal meinen Helm.
      „Achtung – ich versuche es jetzt mal.“, sagte ich ruhig und fasste an die Vorder- und Hinterzwiesel des Sattels. Vorsichtig hob ich mein rechtes Bein an und führte es langsam über seinen Rücken. Heimerdinger spitzte interessiert seine Ohren, blieb aber ruhig stehen.
      „Klasse Dicker.“, sagte ich lobend und zog mich dann langsam in seinen Sattel. Dort saß ich dann ganz ruhig und streichelte über den Mähnenansatz.
      „Super machst du das! Feiner Junge!“, lobte Waldvoegelchen ihn begeistert, während Heimerdinger dastand, als wenn er sein ganzes Leben lang nichts anderes gemacht hätte.
      Ich saß knappe zwei Minuten ganz ruhig oben, ehe ich mich vorsichtig wieder auf den Boden begab. Lobend streichelte ich über die Schulter des Hengstes und lächelte.
      „Und nochmal.“, sagte ich freundlich und begann das Spiel von neuem. Heimerdinger war wieder der Engel in Person und ich saß insgesamt acht Mal auf und wieder ab.
      Als ich zum neunten Mal wieder aufstieg, blieb ich oben und bat Waldvoegelchen darum, ihn einige Meter weit zu führen.
      Der kleine Kerl lief freudig hinter seiner Besitzerin her und ich ließ mich einfach tragen. Ab und zu streichelte ich über seine Schulter oder seine Kruppe, aber er machte nichts.
      „Du bist so ein braves Pony. Das ist unglaublich.“, sagte ich anerkennend, als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte.
      „Na Vögelchen? Möchtest du auch mal?“, fragte ich sie freundlich und ein Strahlen verzierte ihre Augen.
      „Holst du eben deinen Helm? Ich passe solange auf deinen Dicken auf.“, bot ich ihr an und ehe ich mich versah, hatte ich die Longe in den Händen und Waldvoegelchen spurtete aus der Halle, um keine drei Minuten später mit Helm auf dem Kopf zurück in die Halle zu rasen.
      Ich hielt den entspannten Hengst an der Longe fest, während Waldvoegelchen die Aufstiegshilfe positionierte und sich mit einem engelsgleichen Grinsen in seinen Sattel schwang.
      „Wow. Feiner kleiner Kerl:“, flüsterte sie und streichelte über die Mähne des Hengstes.
      „Möchtest du ein paar Schritte geführt werden?“, fragte ich überflüssigerweise und erhielt ein eifriges Nicken als begeisterte Antwort.
      Also führte ich die Beiden noch einige Minuten kreuz und quer durch die Halle, ehe ich Heimerdinger lobend zum Stehen brachte.
      Mit wackeligen Beinen stieg Waldvoegelchen ab und kraulte stolz ihren Schatz.
      „Und nächstes Mal üben wir dann die ersten Hilfen.“, sagte ich und wir gingen zurück in den Stall …

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    • Eselchen
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      Fünfter Bericht


      Die Sonne schien kräftig durch die, langsam verschwindenden Wolken und der Hof wurde aus dem tristen Herbst kurzzeitig erweckt. Die Pferde und Menschen genossen die letzten richtigen Sonnenstrahlen des Jahres in vollen Zügen und es herrschte reges Treiben auf dem Hof.
      Mit wirklich guter Laune fuhr ich auf Waldvogelchens Hof. Heimerdinger war fast eingeritten – es fehlten nur noch die grundlegenden Hilfen – dann konnte er endlich sein Leben als Reitpferd starten.
      Mit federnden Schritten ging ich vom Parkplatz aus hinüber zum Stall, wo Heimerdinger und Waldvoegelchen schon auf mich warteten.
      „Na, ihr Hübschen?“, fragte ich fröhlich und ging zu ihnen.
      „Hey Esel!“, antwortete Waldvoegelchen und streichelte über Heimerdingers Schulter. „Wie geht’s dir heute?“
      „Super! Das Wetter ist wunderbar und heute können wir mit den Hilfen anfangen! Was sagst du dazu?“, erzählte ich euphorisch und lächelte.
      „Das ist super!“, sagte sie und zog Heimerdinger das Halfter vom Kopf und legte ihm vorsichtig die Trense an. Innerhalb weniger Minuten waren wir dann in der Halle und begonnen direkt mit der Arbeit.
      Auf dem Weg in die Halle hatte ich mir noch schnell meinen Helm und meine Schutzweste geschnappt. Auch wenn Heimerdinger bis jetzt immer total lieb und brav war – man kann nie wissen, wie sie auf neue Situationen reagieren.
      „Dann wollen wir doch mal.“, sagte ich zuversichtlich und stellte die Steigbügel passend für mich ein.
      Waldvoegelchen befestigte derweil die Longe mit der Longierbrille an Heimerdingers Trense und ich gurtete kurz nach.
      „Ich würde dich bitten, dass du ihn erst mal einfach nur ein bisschen zulaberst, während ich zwei, drei Mal auf- und absteige, damit Heimerdinger sich daran gewöhnt, ja? Und danach würde ich dich bitten, dass du uns beide eine Runde auf der linken und eine Runde auf der rechten Hand führst, ehe wir das Longieren probieren, okay?“, wies ich Waldvoegelchen freundlich an und holte schnell die Aufstiegshilfe von der Bande.
      Wieder bei dem jungen Hengst und seiner Besitzerin angekommen, positionierte ich diese an seiner linken Seite und erklomm dann vorsichtig und langsam seinen Rücken.
      Heimerdinger war brav wie immer: Er beschnupperte liebevoll seine Besitzerin und spitzte kurz seine Ohren, als ich ihn leise lobte. Knappe 20 Sekunden blieb ich ruhig in seinem Sattel, ehe ich mich wieder auf den Boden begab. Anerkennend kraulte ich kurz seine Kruppe und lächelte seiner Besitzerin zu, ehe ich mich erneut in den Sattel schwang.
      Wieder blieb ich kurz oben und stieg dann wieder ab, um den jungen Trakehner zu loben.
      Das machte ich noch zwei Mal, ehe ich aufstieg und im Sattel blieb. Meine Füße schob ich in die Steigbügel und ich nahm die Zügel in die Hand. Ich nahm sie soweit auf, dass sie zwar nicht mehr durchhingen, aber auch keinen direkten Zug auf das Maul des Pferdes ausübten.
      Heimerdinger spitzte gespannt seine Ohren und drehte seinen Kopf interessiert in meine Richtung. Dabei kam leichter Zug auf den rechten Zügel und der Hengst stoppte verwirrt die Bewegung.
      „Ist okay Junge.“, sagte ich freundlich und lächelte. „Von mir aus, können wir jetzt die zwei Runden drehen.“
      Also führte Waldvoegelchen uns eine Runde auf der linken und eine Runde auf der rechten Hand, ehe sie zur Mitte der Reitbahn ging und Heimerdinger auf den Zirkel schickte.
      Die ganz Zeit über hatte ich nichts gemacht, außer leise mit Waldvoegelchen zu plaudern.
      Nun aber, fing ich an das junge Pferd sanft mit meinem linken Schenkel nach außen zu drücken. Heimerdinger reagierte vor allem auf die Kommandos seiner Besitzerin, aber trotzdem lobte ich ihn.
      Ich fing an, gleichmäßig zu treiben und Heimerdinger war erst etwas unsicher, entspannte sich aber mit der Zeit.
      „Würdest du ihm jetzt das Kommando zum Traben geben? Ich treibe dann leicht mit den Schenkeln mit.“, wies ich Waldvoegelchen freundlich an und nickte.
      „Süßer – Teeeraab.“
      Wie gesagt trieb ich den Hengst vorsichtig vorwärts und nach wenigen Sekunden wechselte Heimerdinger in einen etwas holperigen Trab. Ich ging direkt in den Entlastungssitz und schon nach einer halben Runde bat ich Waldvoegelchen darum, ihn wieder in den Schritt zu bringen.
      „Feiner Junge – das hast du klasse gemacht.“, sagte ich lobend und lächelte.
      Genau dasselbe Spiel wiederholten wir einige Male und wechselten dann die Hand. Dort machten wir es ebenso und Heimerdinger schien langsam die Bedeutung des treibenden Schenkels zu verstehen.
      „Okay – lass uns eine kurze Pause einlegen.“, sagte ich freundlich.
      Während Waldvoegelchen ihren Hengst dann zu sich holte, erklärte ich ihr, dass ich nun gerne die richtungsweisenden Hilfen erarbeiten würde, indem sie Heimerdinger führte und ich dazu die entsprechenden Hilfen gab.
      Gesagt getan: Waldvoegelchen lief kreuz und quer durch die Halle, während ich Heimerdinger an den seitwärtstreibenden Schenkel und unterstützend dazu, an leichte Impulse am Maul gewöhnte.
      Der Hengst schlug sich klasse. Er hatte bereits nach einigen Minuten kapiert, dass ihm der Druck an der Seiten und den Maulwinkeln nichts schlimmes taten.
      „Guter Junge.“, sagte ich und bat Waldvoegelchen freundlich darum, die Longe auszuschnallen und weiter durch die Halle zu laufen.
      Gesagt getan – Waldvoegelchen lief erneut kreuz und quer durch die große Halle und Heimerdinger folgte ihr zufrieden. Er nahm meine Hilfen als Unterstützung an und nach einer Viertelstunde bat ich Waldvoegelchen anzuhalten.
      „Das macht er wirklich klasse!“, sagte ich zufrieden und stieg ab. „Ich würde sagen – Herzlichen Glückwunsch zum Reitpferd.“, spaßte ich und lächelte. Heimerdinger war nun bereit für den großen Weg als Reitpferd.
      Nur die Hilfen beim Reiten sind noch nicht 100%-ig gesichert und werden noch einige Trainingseinheiten beanspruchen.
      Aber die werden die Beiden auch ohne mich schaffen …

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    • Waldvoegelchen
      Pflegebericht 2

      Mit gleichmäßigen Bewegungen striegelte ich den jungen Hengst, der genüsslich schnaubte. Wir hatten uns in den letzten 3 Monaten richtig gut angefreundet und ich vertraute Dingo völlig. Er war nicht typisch Jungpferd, weshalb wir beide schnell alles voneinander lernten, ohne blödes austesten oder faules rumgeschlurfe. Inzwischen hatte er schon schöne Muskeln, über die man gerne mal mit der Hand fuhr. Ich hatte auf ihm nicht mehr das Gefühl, dass er schon nach 15 Minuten kaputt war, ich konnte problemlos 40 Minuten reiten, ohne ihn übermäßig zu schonen.
      Als er fertig gezäumt war, den Sattel ließ ich heute mal weg, führte ich ihn aus der Stallgasse. Die Kälte schlug mir ins Gesicht, aber ich hatte eine Mütze auf und Handschuhe an. Ich führte den Kleinen neben eine Bank und stieg auf.
      Im gemütlichen Zotteltempo ritt ich eine Runde um den Block. Man musste ja nicht immer auf dem Platz warmreiten, das wäre ja langweilig. Am Stall gingen wir direkt in die Halle und sofort konzentrierte Heimerdinger sich. Man merkte, dass er Lust hatte zu arbeiten und ich freute mich.
      Einem Besucher drückte ich kurz die Zügel in die Hand, um seinen Sattel zu holen.
      Ich nahm die Zügel auf und hievte mich auf seinen Rücken. Ein paar Bahnfiguten im Schritt beschrieben den Anfang, bis ich dann in den Trab überging. Für ein Großpferd machte er recht kleine Schritte, aber dafür gleichmäßig und balanciert. Als Heimerdinger anfing, guckig zu werden, ritt ich im Slalom um seine Konzentration zurückzufordern, aber er langweilte sich langsam wirklich. Vielleicht sollten wir nächstes mal ein paar Trabstangen aufbauen.
      Nach noch ein paar Gangartübergängen ritt ich ihn trocken, legte ihm eine Decke auf, kontrollierte seine Hufe und führte ihn in seine Box, dort wartete schon sein Futter, auf welches er sich gierig stürzte.
    • Waldvoegelchen
      Pflegebericht 3
      Ankunft in Kanada

      Nach langen, von anfänglichen Zweifeln geplagten Überlegungen und einem langen Praktikum auf dem Gestüt Silbersee entschied ich mich nun vollends für einen Umzug nach Kanada. Ich stand schon lange in E-Mail Kontakt mit den beiden Besitzerinnen der Lake Mountain Ranch und ich verstand mich mit beiden auch sehr gut. Aus anfänglichen formalen Dingen wurde schnell so etwas wie eine Brieffreundschaft und die Herzlichkeit der beiden half mir ungemein bei der Entscheidung. In dem Moment wohnte ich noch bei meinen Eltern und hatte mein Abitur und eine Ausbildung zur Pferdewirtin genossen.
      Ich war zwar unglaublich familienbezogen, aber irgendwann musste man sich auch lösen und meine Eltern waren froh, dann einen so schönen Urlaubsort kostenlos zur Verfügung zu haben.
      Es standen nun schon zig Umzugskartons im Haus, viele, vor allem die Pferdesachen, standen auch im Schuppen. Das war eine gute Gelegenheit, mein Messi-Dasein zu beenden. Ich war furchtbar unordentlich und hatte so viele Sachen in irgendwelchen Schubladen gestapelt, die ich nun alle wegwarf. Ich würde den Unterschied gar nicht bemerken, da ich diese Schubladen immer nur öffnete, um neue Dinge aufzubewahren, die ich nie im Leben brauchen würde.
      Ich hätte nie gedacht, dass der Tag der Abreise wirklich so schnell da sein würde, aber es war fast soweit. Ich entschied mich, die Pferde mit dem Flugzeug transportieren zu lassen, da die Schiffreise einfach zu lang dauern würde. Lieber für ein paar Stunden Stress als gleich für mehrere Wochen.
      Ein Tag vor dem Abflug überraschten mich meine Freunde zu Hause: Eine Abschiedsparty! Ich war so gerührt, dass ich meine Tränen nicht zurückhalten konnte. Alle umarmten mich herzlich und ich bekam ein so süßes Abschiedsbild, wie man sich das gar nicht vorstellen konnte! Ganz vorn standen meine Eltern, hinter ihnen alle meine Freunde. Alle hatten pferdige Utensilien in der Hand, zum Beispiel eine Karotte, eine Trense oder eine Gerte. Außerdem bekam ich ein T-Shirt, auf dem alle unterschrieben hatten. Der Abend war so schön, dass ich beinahe einen Rückzieher gemacht hätte, aber am nächsten Tag begab ich mich doch zum Flughafen, wo mir meine Eltern nochmal die liebsten Glückwünsche mitgaben.
      Der Flug verlief problemlos und ich wurde von Eileen direkt von dort abgeholt, da ich kein Auto oder ähnliches hatte. Den Weg zum Gestüt verbrachten wir in einer regen Unterhaltung darüber, wie wir uns denn gegenseitig vorgestellt hatten und dass sich die Stimme am Telefon ganz anders angehört hatte und und und. Es war schon 23 Uhr, als wir auf dem Hof ankamen, trotzdem war Rose wach und umarmte mich erst mal herzlich. Die beiden halfen mir mit meinem Gepäck, was ja eigentlich nicht viel war. Komisch, ich hatte mich von so vielem getrennt und ich fühlte mich gerade eher, als wäre ich in den Urlaub gefahren. Eileen fragte mich, ob ich Hunger hatte, was ich verneinte. An dem Abend saßen wir noch bei einem Gläschen Wein zusammen und schnackten, bis die beiden mich in mein Zimmer entließen, in dem ich erst einmal müde ins Bett viel. Trotzdem tat ich kein Auge zu. Dies war nun mein neues zu Hause… Ich fühlte mich zunächst fremd und einsam, trotz der Herzlichkeit der beiden. Irgendwann zwischen 4 und 5 Uhr verfiel ich dann doch in einen tiefen Schlaf.
      Als ich am nächsten Morgen meine Augen langsam öffnete, fiel mein Blick erst auf den Wecker, worauf ich schlagartig wach war. 10 Uhr?! Ich hatte seit Ewigkeiten nicht so lange geschlafen. Ich begab mich schnell ins Badezimmer und machte mich fertig, worauf ich dann Rose aufsuchte. Sie lachte, ich hätte mich doch nicht so beeilen brauchen, wäre doch klar, dass ich einen kleinen Jetlag hätte. Erleichtert atmete ich durch.
      Rose zeigte mir an diesem Tag den gesamten Hof mit allen seinen Facetten, lies mich derweil auch ein paar Arbeiten verrichten, damit ich auch auf Touren kam. Ungewohnt war für mich, dass ich meine eigenen Pferde nicht versorgen konnte, die waren schließlich noch in Quarantäne. Da ich aber die tierärztlichen Untersuchungen alle schon zu Hause verrichten ließ, würden sie auch bald herkommen können.
      Nach dem absolut unglaublich leckeren Mittagessen, das Eileen zubereitet hatte, setzten wir uns zu dritt zusammen und arbeiteten schon mal einen groben Arbeitsplan für mich aus. In den ersten Tagen würden mich die beiden begleiten, damit ich die Pferde kennen lernte und mich nicht verlief. Nach einigen Wochen war eine gewisse Routine eingekehrt. Ich kannte die Pferde, die Gebäude und Wege. Obwohl ich mich sehr wohl fühlte, mein zu Hause war es immer noch nicht. Das Heimweh plagte mich jeden Abend, deshalb war ich immer froh über Beschäftigung. Ich arbeitete mehr als verlangt war, um mich abzulenken du Eileen und Rose machten sich schon Sorgen. Ich beteuerte immer, dass es mir gut ging, dass ich mich gut eingelebt hatte doch die beiden glaubten mir nie ganz.
      Besser wurde es dann, als ich meine vier Pferde aus der Quarantäne abholen konnte. Bei der Station angekommen füllte ich schnellstmöglich alle Papiere aus und überraschenderweise sollte ich auch noch die Daten für ein fünftes Pferd eintragen. Ich erklärte, dass das nicht stimmen könne, das wäre nicht mein Pferd. Der Sekretär holte dann einen Brief für mich heraus, ich laß ihn:

      Liebe Helena,
      ich hätte gerade gerne dein Gesicht gesehen: Ein fünftes Pferd? Ja, stimmt! Weißt du, ich dachte du brauchst noch ein größeres Geschenk, das dir den Start dort drüben erleichtert. Und da ich dich ja gut kenne und dich beobachtet habe, als du diesen Hengst schon als Fohlen so angeschmachtet hast, dachte ich mir: Den bekommt sie!
      Du bist jetzt stolzer Besitzer des Junghengstes Donnerschall!


      Ich traute meinen Augen kaum, das konnte nicht sein! Wahrhaftig träumte ich schon seit der Geburt dieses Hengstes von ihm, und jetzt sollte er meiner sein?

      Ich hoffe du kümmerst dich gut um ihn. Sollte ich mal Zeit haben, besuche ich dich und werfe ein Auge auf ihn! Und schick mir bitte ganz viele Fotos!
      In Liebe, deine Jenny

      Diese Frau! Ich hasste und liebte sie zugleich! Wie konnte sie mir denn so ein unverschämt tolles Geschenk machen? Auf dem Gestüt würde ich sie sofort anrufen. Ich lachte und betrat langsam den Bereich, in dem meine Pferde standen. Die großen einzeln und die Fohlen in einer Box. Alle schauten sie in meine Richtung. Die Tränen standen in meinen Augen und ich konnte sie nicht länger zurückhalten. Nacheinander umarmte, kraulte und schmuste ich Brött, Crime, Heimi und Jack. Dann betrachtete ich Donnerschall. So ein prachtvoller Junghengst. Er spielte mit seinen Ohren, bis ich schnalzte und so seine Aufmerksamkeit auf mich lenkte. Behutsam kraulte ich ihn zwischen den Ohren und er genoss es sichtlich.
      Zwei Hängerladungen später standen meine Lieblinge dann in ihren Boxen auf der Lake Mountain Ranch. Ich hoffte, dass sie sich schnell einleben würden. Sofort fühlte auch ich mich heimischer, schließlich gehörten meine Pferde zu meinem zu Hause und dies war doch ein Stück Heimat für mich.
      Drei Tage später waren die schönen schon viel entspannter, den Stress merkte man ihnen kaum mehr an und vor allem die Fohlen sind wunderbar in der kleinen Herde angekommen. Mein Arbeitsplan würde sich jetzt nach und nach ändern, wo ich mit meinen Pferden weiterarbeiten konnte. Brött war wieder viel tippeliger in der Zeit geworden, in der ich nicht darauf achten konnte. So eine Quarantänestation fütterte die Tiere nun mal nur und überprüfte die Gesundheit. Nun denn, da musste ich halt wieder ganz von vorn anfangen. Jedes Mal beim Hufekratzen tat Brött wieder so, als könne sie kein Gleichgewicht halten und beim Putzen lief sie schon beinahe vor mir weg, natürlich nur aus Jux, aber durchgehen lassen konnte ich es ihr nicht. Zum einen band ich sie wieder enger an und zum anderen bekam sie sogar kleine Karottenstückchen, wenn sie bei einem Huf wenigstens 5 Sekunden stehen blieb.
      Mit Crimetime war alles einfach, sie arbeitete gut mit, wenn ich mit Bodenarbeit anfing und ging auf alles neugierig zu, das sie noch nicht kannte. Sie stellte sich bei allem vorbildlich an und ich wusste im Moment nichts mit ihr anzufangen, schließlich machte sie alles korrekt und war zusätzlich unglaublich gelassen.
      Heimerdinger und Jack bekamen beide die gleiche Trainingskur. In den Wochen der Quarantäne hatten sie ordentlich abgebaut, nachdem sie eigentlich so gut auf die Turniersaison vorbereitet waren und sogar schon 2 erste Plätze belegten. Jetzt sahen sie jünger aus als sie waren, so ganz ohne Muskeln und ich longierte die beiden hauptsächlich. Springen konnte ich sowieso knicken, aber geritten wurden die beiden auch 2-3 Mal in der Woche.
      Donnerschall war noch nicht eingeritten aber wir liefen gemeinsam schnurstracks darauf zu. Ich machte mit ihm viele Vertrauensübungen und auch er wurde viel longiert. Seine Gänge waren schon jetzt ein Traum, auch wenn er nicht sehr trittsicher war, wie man an kleinen Stolperern erkennen konnte.
      Alles in allem lief es zwar nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte, aber schöner. Die Zukunft hier war alles, was ich mir wünschte.
    • Waldvoegelchen
      Pflegebricht 4
      Alltag

      Wir hatten bisher einen goldenen Oktober, der sich auch heute wieder blicken ließ. Morgens war es noch recht frisch, doch durch die Stallarbeit wurde einem schnell warm. Gegen 11 machte ich mich auf zu Heimerdinger. Der junge Hengst zeigte unglaublich viel Potential und dank des schönen Wetters entschied ich mich, mit ihm auf den Platz gehen.
      Ich putzte ihn, schnappte mir Sattel und Trense und führte ihn neben mir her. Seine Ausrüstung hin ich an den Zaun, auch den Strick, und begann mit etwas Bodenarbeit. Heimi war von Anfang an voll dabei, er folgte mir auf Kommando und blieb auch ruhig stehen, wenn ich ihn dazu aufforderte.
      Anschließend sattelte und trenste ich ihn, steig auf seinen Rücken und ging direkt in einem sauber gerittenen Schritt einige Runden. Ich musste ihn treiben, damit er aus den Puschen kam. Aufmerksam war er wie immer, doch leider ziemlich unmotiviert. Im Trab ritt ich einige Bahnfiguren, Heimi schlurfte nur so vor sich hin. Als Rose vorbeikam bat ich sie, mir ein paar Trabstangen hinzulegen.
      Ich hielt davor an um dann aus dem Stand anzutraben, der Kleine berührte nahezu jede Stange. Ich entschied mich, eine Runde zu traben und auf der Gerade darauf zuzureiten, das klappte super, also versuchte ich das gleiche nochmal, nur dass ich aus der Kurve kam. Der Hengst berührte nur die erste Stange, beim zweiten Verushc gar keine mehr. Als es das dritte Mal auch super geklappt hatte, hielt ich das nächste Mal wieder davor an um aus dem STand anzutraben. Es klappte sichtlich besser als das Mal davor, aber er trat bei den ersten Schritten noch nicht genug unter. Ich trieb ihn jedes Mal ein wenig ernergischer, bis ich zufrieden mit dem Ergebnis war. Auf den Punkt genau passte es noch nicht, jedoch hatten wir noch viel Zeit, daran zu arbeiten.
      Ich galoppierte noch zwei kontrollierte Runden und ritt dann noch ein paar Schlangenlinien im Trab. Er war noch nicht perfekt ausbalanciert, aber das würden wir noch hinkriegen.
    • Waldvoegelchen
      Pflegebericht 5
      Unsere Teilnahme am 1. Glühweinritt



      Die Kälte zog sich inzwischen durch ganz Kanada, kein Zentimeter ohne Schnee und Eis. Kein Wunder also, dass der Wagen mal wieder nicht ansprang. Scheißteil! dachte ich. Glücklicherweise hatten wir nicht nur ein Auto auf dem Hof, also holten wir Heimi kurz aus dem Hänger, um das Auto zu wechseln.
      Der Weg an sich verlief ohne Probleme, ich plante ohnehin immer mehr Zeit ein - wegen der Glätte auf den Straßen.
      Wir kamen dann sogar noch überpünktlich auf dem Gelände des Ausbildungsbetriebs an und ich ließ Heimi erstmal die anderen Pferde beschnuppern, nachdem ich mir den ersten Glühwein gönnte.
      Die ersten Pferde liefen mit ihren Reitern los und auch ich stieg auf meinen frisch gestriegelten Heimi - der schon wieder völlig eingeschneit war. Bevor wir losritten grub er mit seinen Nüstern im Schnee, bis er merkte, dass es ziemlich kalt am Kopf wurde.
      Da ich wusste, dass ich absolut untalentiert im Weihnachtsbaumschlagen bin, nahm ich mir nur eine kleine Säge mit. Im Wald fand ich dann ein ganz niedliches Bäumchen, etwa 70cm groß, das ich ganz gemütlich mitnehmen konnte.
      Da Heimi ja ein sehr schlaues Pferd war, löste sogar er der Riegel des Tores. Öffnen konnte er es nicht, aber ich lehnte mich nach vorn und stieß es auf, alles kein Problem. Als ich dann aber das Limbo bestehen musste, war ich echt am verzweifeln. Heimi hatte ziemlich raumgreifende Gänge, weshalb ich manchmal eher 10cm statt 15 von der Stange entfernt war. Außerdem vestand er es nicht auf Anhieb, dass er den Kopf senken musste und das dritte Problem war, dass er mein zurücklehnen als Hilfe zum Anhalten interpretierte. Ich schummelte dann einfach, stieg ab und führte ihn unter der Limbostange hindurch. Als mich jemand verwirrt anschaute, nach dem Motto: Das zählt aber nicht! sagte ich nur lachend: "Wieso, wir sind beide unter der Stange durchgegangen!"
      Stillstehen war ja nie ein Problem für Heimi, aber da unser Baum so klein war, musste ich jedes Mal, wenn ich eine Kugel anhängen wollte, absteigen. Außerdem waren die Kugeln zu groß und fielen immer herunter. Als der Baum dann irgendwie ganz kärglich 3 Kugeln hielt, holte ich mir einen Glühwein, der absichtlich bis oben zum Rand vollgefüllt war. Als ich dann auf der anderen Seite der Brücke ankam, hatte Heimi einen roten Fleck auf seiner Schulter und meine Hand war ganz klebrig. Der Ritt durch den Weihnachtswald gefiel mir richtig gut. Heimi schaute sich alles neugierig an - genau wie ich - bis wir wieder am Ausgangspunkt angelangt waren.
      Nachdem alle wieder da waren, machten wir die Pferde fertig und gesellten uns zu den warmen Heizpilzen, mit Glühwein in der Hand.
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  • Album:
    Wohlverdienter Ruhestand
    Hochgeladen von:
    Waldvoegelchen
    Datum:
    20 Okt. 2013
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    19
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    Von: Until Tomorrow
    m.v: Silmpy's Ronja
    v.v: Unbekannt

    Aus der: Summer Wine
    m.v: Unbekannt
    v.v: Unbekannt

    Geburtsdatum: 09.05.2007

    Geburtsort: Deutschland
    Geschlecht: Hengst
    Rasse: Trakehner
    Fellfarbe: Palomino
    Stockmaß: 170 cm
    Gesundheit: Heimerdinger ist gesund.
    Besitzer: Waldvoegelchen
    Pferd erstellt von/VKR:Rain


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    Galopprennen Klasse: E - Einsteiger
    Western Klasse: E - Einsteiger
    Spring Klasse: S - Schwer
    Military Klasse: S* - Schwer
    Dressur Klasse: S - Schwer
    Distanz Klasse: E - Einsteiger


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    Heimerdinger ist sehr bodenständig. Er lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen und war auch nie sehr verspielt, aber neugierig. Er erkundet gerne alles Neue und ist sehr lernwillig sowie hochintelligent, weshalb ein erfahrener Reiter mit ihm arbeiten muss, damit ihm nicht langweilig wird. Heimerdinger schmust nicht gern, ist aber sehr bezogen auf seine Artgenossen.


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    1. Platz 265. Dressurturnier
    2. Platz 295. Dressurturnier
    2. Platz 333. Dressurturnier
    3. Platz 394. Dressurturnier
    2. Platz 473. Dressurturnier

    2. Platz 204. Militaryturnier
    2. Platz 200. Synchron-Militaryturnier

    1. Platz 260. Militaryturnier
    1. Platz 300. Militaryturnier

    2. Platz 309. Springturnier
    3. Platz 322. Springturnier
    3. Platz 336. Springturnier
    2. Platz 367. Springturnier
    1. Platz 393. Springturnier


    Gekört:
    Nein
    Decktaxe: //
    Nachkommen: //


    Zubehör
    Trab.png
    Trab Winter mit Zubehör