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Bracelet

Hannifee ♥

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Hannifee ♥
Bracelet, 5 Apr. 2020
Zion, Gwen und AliciaFarina gefällt das.
    • Bracelet
      & so begann der Ernst des Lebens
      April 2020

      April. In Schweden kehrte allmählich der Frühling ein und ließ nicht nur die traumhafte Landschaft rund um unser Gestüt, sondern auch meine etwas eingestaubte Motivation wieder aufblühen. Dies musste genutzt werden und kam gerade Recht: immerhin hatte ich da ein paar Youngsters die darauf warten angeritten zu werden.
      DVTS' Cascadeur de la Vie, DVTS' Seattle's Wintertime, DVTS' Colour the Nightsky, Bambina und Caddylack hatten die letzten Monate überaus große Fortschritte an der Longe gemacht und auch muskulär hatte sich bei ihnen viel getan. Ebenso waren sie alle schon an das Gebiss gewöhnt. Aus diesen Gründen war es nur mehr eine Frage der Zeit wann der nächste Schritt fällig war und so wollte ich ihn mit ihnen diesen April machen.
      So weit waren allerdings noch nicht alle meine Schätze. Sir Bacardi hatte ich bisher besonders viel Zeit gelassen. Obwohl es zwar immer hieß Vollblüter wären Frühentwickler, wollte ich Backi unter keinen Umständen verheizen. Er musste nicht auf Biegen und Brechen als Zweijähriger auf die Rennbahn. Deshalb starteten wir erst jetzt, wo der braune Vollbluthengst sich körperlich bereits vom staksigen Leichtgewicht weg hin zu einem ganz schön athletischen jungen Pferd entwickelt hatte. Ihn wollte ich deshalb diesen Monat schrittweise an das Zaumzeug, samt Gebiss, gewöhnen. Longiert war er bereits seit einigen Monaten und auch mit der Stangenarbeit war er vertraut. Trotzdem musste dies noch weiter vertieft werden, da das Angaloppieren nach wie vor eher ein Hineinrennen aus dem Trab war und der Trab meist zu Anfangs erstmal übersprungen wurde. Immerhin hieß ein kleiner Wink mit der Peitsche natürlich automatisch Galopp und Bocken, außer die Energie war dann mal draußen; dann hatten wir noch dieses typische Trabrasen, das sich statt dem Galopp zeigte, zu beheben. Aber das war ganz normal für Bacardis Ausbildungsstand. Im Grunde machte er sich dafür allerdings gar nicht so schlecht.
      Chestnut hatte ich innerhalb der letzten beiden Monate fertig angeritten. Dies hieß für mich, dass er unterm Reiter auf beiden Händen Schritt Trab und Galopp ging. Dabei fiel es ihm noch sehr schwer im Galopp das Gleichgewicht zu halten. Vor allem im Rechtsgalopp fiel er mir nach wie vor ab und zu aus und auch das Angaloppieren klappte noch keinesfalls auf den Punkt. Dennoch hatte er sich von Anfang an überaus lernwillig gezeigt. Er wollte gefallen und alles richtig machen. Das, in Kombination mit seinen raumgreifenden Gängen, ließen mich doch sehr hoffen, dass in diesem Hengst, den ich bereits als Fohlen gekauft hatte, das große Potential schlummerte.
      Aber nicht nur Chesi war bereits geritten. Auch klein Vina hatte sich ganz schön entwickelt. Sie hatte ich besonders spät angeritten, was allerdings dem Umstand geschuldet war, dass sie tatsächlich eine Spätentwicklerin war und ein paar Pausen dazwischen hatte um sich gut auswachsen zu können. Nun beherrschte sie aber bereits all ihre Gangarten, wenn auch am Trab noch herumgefeilt werden muss.
      Damit auch meine übrigen Youngsters bald hier hin kämen mussten sie jedoch erstmal einen Reiter auf ihrem Rücken dulden. Aus diesem Grund übte ich mit Wintertime, Cascadeur de la Vie, Colour the Nightsky, Bambina und Caddylack seit dem Ersten dieses Monats die unterschiedlichsten Dinge auf ihrem Rücken zu akzeptieren.
      Casi stach dabei mal wieder besonders positiv hervor. Obwohl er von außen betrachtet seit es wärmer wurde immer unter Strom stand und die Frühlingsgefühle hoch kamen schlug sein Wesen stets stärker durch als seine Hormone: Seine neugierige, selbstsichere Art und seine Gutmütigkeit dem Menschen gegenüber machten einem Neues besonders leicht. Egal was ich auch auf seinem Rücken anstellte blieb er brav stehen und drehte lediglich die Ohren in meine Richtung. Aus diesem Grund passierte diesen Monat etwas für mich ganz Besonderes. Mitte April war ich mit Anastasia und Cascadeur am Platz. Nachdem ich ihn ausgiebig an der Longe gearbeitet und etwas Bodenarbeit gemacht hatte hielt Ana ihn mir fest und ich stellte wie bereits einige Male zuvor meinen Fuß in den Bügel des Sattels, den ich davor vier Mal auf Casi liegen hatte. Ich ruderte damit etwas umher, ehe ich mich vorsichtig auf den Rücken des Trakehners legte. Nun war praktisch mein ganzes Gewicht auf ihm. Er stand nach wie vor recht entspannt da, also lobte ich ihn überschwänglich und wiederholte dies noch ein paar Male. Dann war es soweit: Ich schwang vorsichtig mein zweites Bein über den Rücken des Schecken und stieg auch in den zweiten Bügel. ,,Guuuuter Bub!'',sagte ich das gefühlt dreidutzendste Mal an diesem Tag und strich ihm ausgiebig über seinen Hals. ,,Na? Dann wollen wir doch mal.'',sagte Anastasia grinsend und begann langsam zu gehen. Casi drehte ein Ohr in ihre Richtung, das Andere blieb nach hinten gedreht. ,,Na komm.'',fügte Ana hinzu und er setzte sich vorsichtig in Bewegung. Nach ein paar Schritten hielt sie ihn wieder an und ich stieg ab. Erst dann realisierte ich was gerade passiert war: ich saß tatsächlich zum allerersten Mal im Sattel eines Pferdes aus meiner eigenen Zucht. Plötzlich stiegen mir die Tränen in die Augen. Es war ein ganz besonderer und rührender Moment; Ich konnte mich noch ganz genau an Casis Geburt 2016 erinnern und nun hatte er sich zu so einem prächtigen Hengst entwickelt und akzeptierte mich auf seinem Rücken. Unbeschreiblich!
      Das gleiche Prozedere sollten auch Wintertime und Nightsky durchlaufen.
      Wintertime war in Summe ein klein wenig skeptischer als Casi. Aus diesem Grund überstürzte ich mit ihr auch nichts um keine schlechte Erfahrung zu provozieren. Ganz langsam gewöhnte ich sie diesen Monat aber ebenfalls bereits an den Sattel, den ich immer wieder auf ihren Rücken legte, damit ruckelte, die Steigbügelriemen auszog und mit den Bügeln ihren Bauch abrieb. Nachdem sie dies gut annahm schloss ich dann auch immer wieder den Gurt und öffnete diesen wieder, ehe ich sie dann auch erst mit hinaufgezogenen, dann mit heruntergelassenen Steigbügeln longierte. Da das Timing stimmte passierte außer ein paar kleinen Bucklern im Galopp auch nichts aufregendes. Schon beim ersten Mal schnaubte sie zum Ende der Einheit zufrieden ab und signalisierte mir damit, dass ich soweit alles richtig machte.
      Die härteste Nuss jedoch war unser Prinzesschen. Colour the Nightsky hat nämlich, wie wir es schon in Fohlentagen befürchtet und vorhergesagt hatten, das Temperament ihrer Mutter geerbt. Nightmare war eine überaus feurige Stute und ihre Tochter ließ kaum einen Tag aus an dem sie uns nicht zeigte, dass das mit dem der-Apfel-fällt-nicht-weit-Prinzip nicht nur so ein dahingesagtes Sprichwort war. Obwohl sie es bereits als Jährling konnte schien sie nun selbst das Hineinführen von der Koppel noch nie gekannt zu haben. Wie ein kleiner Wildfang trieb sie unsere Stallburschen damit in den Wahnsinn. Edvin und Erik wollten sie schon gar nicht mehr nehmen, weswegen sie meist an Melvin hängen blieb, der doch ein Händchen für die schwierigeren Exemplare hatte. Trotzdem nennte er sie nur noch ,,das Monster'' wenn er von ihr sprach. Hierbei war auch er es, der sich zum ersten Mal traute es auszusprechen: ,,Ist wie Brouk!'' und damit hatte er ganz Recht. Mein verlorener Nightmaresohn, Colours Halbbruder, war ebenso, wenn nicht noch eine Schippe schwieriger. Eventuell sollte ich mir ab sofort ruhigere Hengste aussuchen, wenn ich die Stute decken ließ. Nun konnte man aber bei den beiden nichts anderes mehr tun als sie gut zu erziehen. Bei Nightsky sah ich dabei noch die größten Chancen, denn sie hatte noch keine einzige schlechte Erfahrung gemacht seit sie auf die Welt gekommen ist und auch Nightmare hatte ich selbst erzogen; sie war nun zumindest immer anständig.
      Leicht war aber dementsprechend die Arbeit nicht. Es hätte aber wohl schlimmer kommen können. Immerhin reagierte sie auf die feinste Körpersprache. Ohne Stimmkommando oder Peitsche konnte ich sie bereits nun, als dieses Jahr Vierjährige, auf den Punkt antraben, angaloppieren und durchparieren. Dies übte ich sogar schon frei mit ihr. Außerdem war sie vergleichen mit Brouk Menschen gegenüber grundsätzlich freundlich; sie konnte ihre Energie nur noch nicht zügeln. Mir gegenüber war die Overostute allerdings doch sehr bemüht sich richtig zu verhalten. Sie akzeptierte ebenso Schritt für Schritt meine Vorbereitung auf den Sattel und ließ sich im April auch diesen bereits zumindest auflegen, wofür ich auch sie immer überaus überschwänglich lobte. Alles in Allem war die Hübsche ja dennoch ein ganz tolles Pferd; jung war sie eben noch.
      Bambina und Caddylack hatte ich seit März in Anastasias Obhut übertragen. Sie waren ihre ersten Jungspunde, die sie anreiten sollte. Aus diesem Grund stand ich ihr tatkräftig zur Seite und unterstützte sie wo ich konnte. Auch eine Art Unterricht gab ich ihr immer mal wieder und da sie auch oft bei meiner Arbeit mit den anderen Youngsters zusah lernte sie so auch etwas. Aus diesem Grund war ich guter Dinge. Immerhin ließen sich auch die Beiden schon mit Sattel longieren und tolerierten die ersten Aufstiegsvorbereitungen.
      VK Gunna Whiz war nun mittlerweile seit September 2018, also nun den achten Monat, unterm Sattel. Da meine Westernkenntnisse nicht überdurchschnittlich hoch waren hatte er die ersten Monate davon eine recht ruhige Zeit gehabt in denen ich lediglich die Basics abfragte. Dies schien ihm jedoch gar nicht geschadet zu haben, da er sich mittlerweile schon sehr schön ausbalancieren konnte und bereit für mehr war. Seit er allerdings seit Ende Februar von einem externen Westerntrainer zwei bis dreimal die Woche geritten wurde zeigte sich, dass er eigentlich schon weiter wäre; so machte er doch sofort recht große Fortschritte. Ich stand dabei meist am Rand des Platzes und sah den beiden bei der Arbeit zu. Auch wenn es auf dem Gestüt oft drunter und drüber ging nahm ich mir diese Zeit. Immerhin konnte ich dabei ja auch noch etwas lernen, was mir dann zugute kam wenn ich Nano und Husky ritt.
      Eine weitere erfreuliche Neuigkeit hatte vier weiße Beine und eine schicke Blesse. ,,Hannifee’’: eine überaus hübsche Rabicano-Stute. Sie kam nämlich diesen April bei uns an. Die sportlich gebaute Siebenjährige hatte ich in einer Anzeige gefunden und mich nach langem Hin und Her für sie gemeldet. Wiedererwartens entschieden sich die Vorbesitzer tatsächlich für mich und ehe ich mich versah zog die beliebte Trakehnerstute auch schon auf dem DVTS ein. Sie machte überaus Spaß unterm Sattel und würde wohl einerseits sportlich, andererseits aber auch später in der Zucht aufgrund ihrer besonderen Farbe eine große Bereicherung für mich sein. Ich war gespannt wo unser gemeinsame Weg uns noch hinführen würde.
    • Bracelet
      die Eisheiligen kündigen sich an
      Mai 2020

      Zitternd huschte ich ins Stallgebäude. Mein hellgelber Regenmantel brachte einen Hauch Farbe in den tristen, grauen Tag. Der Wind peitschte den Regen gegen die Fenster, ein wenig der kalten Nässe war sogar noch mit mir herein gekommen als ich mich ins Trockene gerettet hatte. ,,Brrr.'',stieß ich aus und schüttelte mich, ein wenig wie ein nasser Hund. Heute war einer dieser Tage an denen meine Stimmung ganz besonders mies war. Ich war weniger genervt als melancholisch. Etwas was auch nicht all zu oft vorgekommen war in letzter Zeit. Auch während des harten Winters hier in Schweden hatte ich mich eigentlich stets glücklich und wohl hier gefühlt, heute jedoch war ich mit einem Mal wie ausgewechselt: ich fühlte mich einsam, ertappte mich wie ich die Menschen vermisste, die ich bei meinem Umzug zurück gelassen hatte und dass ich ein Gefühl hatte, das mir sagte, dass mir alles über den Kopf wachsen würde. Ob dies jetzt auch so war oder nicht sei einfach mal so in den Raum gestellt; das war wohl Ansichtssache. Dass das aber so war wohl bei so einem riesigen Gestüt nicht verwunderlich. Ich wusste allerdings, dass ich allmählich wirklich ein paar mehr Entscheidungen treffen musste. Ich drückte mich schon viel zu lange davor, endlich mehr Mitarbeiter einzustellen; vorwiegend Bereiter, die mich bei der Arbeit mit den Pferden unterstützten. Abgesehen davon war der Umzug für einige meiner Schätze nach Irland ebenfalls schon längst überfällig, allerdings war nun das HMJ dazwischen gekommen und ich konnte, beziehungsweise wollte, HMJ Grace nicht einfach mal für eine Woche alleine lassen und auch die anderen Pferde nicht im Training benachteiligen; ich war ohnehin schon durch meinen Aufenthalt auf der Lindö Dalen Stuteri lange genug nicht hier gewesen.
      Seufzend ließ ich den Kopf hängen und schlenderte hinüber zur Box von der Pflugel. Sie stand entspannt drinnen und zog geschickt die letzten Halme des Mittagsheus aus ihrem Heunetz. Dreaming Of Better Days betrachtete sie währenddessen neidisch von der Seite aus. Sie hatte ihre Portion bereits verdrückt. Ganz normal, denn es war bereits späterer Nachmittag. Eigentlich würden die Pferde zu dieser Uhrzeit draußen stehen, da aber beinahe schon ein Sturm wütete hatte ich die Stallburschen für heute angewiesen sie nicht mehr raus zu stellen. Am Vormittag hatte es nur leicht geregnet, da stand Grace das allererste Mal im Regen draußen, mit ihrer neuen, schicken Decke. Sie und Dreamy waren dabei einige Male wild losgerast und hatten sich am anderen Ende der Koppel kurz vorm Zaun wild eingebremst. Amelia hatte mir erzählt, dass sie versucht hatte sie zu beruhigen, doch, dass Grace, wer hätte das je erwartet, Dreamy die ganze Zeit über aufgestachelt hatte und wild bockend den matschigen Boden zerlegt hatte. Wie ein Westernpferd wäre sie dabei regelrecht geslidet, einmal hat es sie wohl dann tatsächlich auch auf die Schnauze gezaubert. Sie war allerdings sofort wieder aufgestanden und weiter galoppiert, so meine Mitarbeiterin.
      Trotz dieser Eskapaden, wie nicht nur Grace sie hatte, und der Tatsache, dass manche meiner Sportpferde nicht ansatzweise zu der billigen Sorte gehörten, kamen sie alle jeden Tag nach draußen, auch bei Schlechtwetter, solange es dieses zuließ. Momentan war das allerdings selbst mit der optimistischsten Betrachtung auf die Dinge nicht der Fall, denn die altertümlichen Weisheiten über die Eisheiligen machten ihrer Zuverlässigkeit alle Ehre. Morgen war Mamertus als erster an der Reihe. Ein eigenartiger Name wie ich fand; stammte laut Melvin, der sich dabei überdurchschnittlich gut mit solchen Dingen auskannte, von einem katholischen Bischof, dem nachgesagt wird zu Lebzeiten wahre Wunder vollbracht zu haben und immer noch vom ein oder anderen Mitglied der christlichen Glaubensgemeinschaft angerufen wird, wenn jemand an hohem Fieber oder Erkrankungen der Brust litt und ebenso, wie passend zur momentanen Wetterlage: es große Dürreperioden gab. Aber nicht nur den Regen brachten sie uns, sondern quittierten das Ganze auch noch symapthischerweise mit Temperaturen die mich schockfrosteten. Gerade hatte es sechs Grad, die sich allerdings wie minus Fünf anfühlten.
      ,,Na es hilft ja nix, Gracey.'',murmelte ich während ich die Schultern ein letztes Mal hoch zog und mein Kinn im wärmenden Kragen meiner Jacke versinken ließ, ehe ich die Stute aus ihrer Box holte. Auch das Paddock war bei den Pferden heute zu, was so manch einer gar nicht lustig fand. So der Terrorkrümel gegenüber. Die schwarze Stute hingegen schien das ganze sehr gelassen zu sehen, folgte mir auch brav als ich sie holte.
      Am Putzplatz angelangt, bless god, dass besagter direkt im schützenden Stall war, drehte ich erstmal das Wasser lauwarm auf und spritze Grace' matschbedingten Klumpfüße ab. Die braungraue Masse löste sich rasch und verschwand im Abfluss. Zum Glück musste ich nur die Fesseln und Hufe abspritzen, der Rest war schon gut durchgetrocknet und ich konnte diesen mit einem Metallstriegel gut abziehen nachdem ich ihre Beine mit einem Handtuch weitestgehend getrocknet hatte. Die nasse Regendecke hatten ihr unsere fleißigen und umsichtigen Stallburschen bereits ausgezogen; dafür hatte sie eine dünne Fleecedecke um bekommen. Für diese Temperaturen absolut angemessen. Ich ließ sie auch während des Putzens gerne erst hinten, dann vorn über, während ich den aufgedeckten Teil des Pferdekörpers putzte. Bevor wir hinüber in die Halle gingen nahm ich ihr die Decke jedoch wieder hinunter und ersetzte diese durch eine Wasserabweisende, um auch das Sattelzeug trocken zu halten.
      Auch wenn es wohl keine zweihundert Meter vom Stall zur Halle waren reichte dies vollkommen aus um mir das Mark in den Knochen gefrieren zu lassen. Der Wind trug dabei wohl die Hauptschuld. Grace schien ebenfalls nicht sonderlich begeistert; auch wenn die Decke das Gröbste von ihr abgehalten hatte war ihre Mähne, wie auch das übrige unbedeckte Fell, dem man dies jedoch nicht so deutlich ansah, doch ordentlich nass geworden. ,,Was ein Sauwetter.'',fluchte ich und straff mir die Kapuze aus dem Gesicht. Anastasia ritt gerade unseren Neuzugang Hannifee. Die wunderschöne Rabicanostute entwickelte sich großartig bei uns! Vorwiegend wurde sie zwar von mir geritten und ausgebildet, Ana durfte sie aber auch einmal die Woche locker bewegen, womit mein Azubi die größte Freude hatte. ,,Na wie macht sie sich heute?'',fragte ich lächelnd, während ich mit Grace zum Aufwärmen an der Hand Schritt ging. Die Bereiterin parierte zum Schritt durch und strahlte über beide Ohren. ,,Sooo gut Brace! Sie macht wirklich Spaß heute. Obwohl sie zu Anfangs wirklich spritzig war hat sie jetzt sehr gut mitgearbeitet und trabt wirklich wie eine ganz Große.'',gab sie dann keuchend zurück: ,,Jetzt noch eine Schrittpause und dann geht's noch ein wenig an die Galopparbeit.''
      Nach ein paar weiteren Runden im Schritt mit meiner Rappstute, in denen ich Anastasia ein wenig über die Schulter gesehen hatte, musste dann auch mein Makeoverpferdchen arbeiten. Immerhin sollte auch sie mal so schön sportlich aussehen wie Fee, wobei ich da schon ein wenig meine Zweifel bei hatte. Grace' Exterieur deutete darauf hin, dass sie eher ein Dressurpferd wäre, wohingegen die Rabicanostute einen viel zierlicheren Körperbau hatte, der eindeutig Spring- und Militarytalente versprach. Dennoch konnte man ja nie zu einhundert Prozent wissen wo die Begabung eines Pferdes lag. Ich hatte schon einige Pferde mit Springabstammung einige Jahre später im großen Viereck wieder getroffen, und genauso hatten mich schon Dressurpferde überrascht, die keine schlechten Springer abgaben, wobei letzteres ja wohl wirklich deutlich seltener vorkam. Aber wer weiß mit was Grace uns noch überraschen würde. Irgendwie hatte ich ja den geheimen Wunsch sie irgendwann mal zumindest eine E-Vielseitigkeit zu reiten. Nicht weil ich mir hierbei mit ihr große Chancen erwartete, nein; dafür hatte ich andere Kandidaten im Stall stehen, sondern einfach aus dem Grund weil diese niedrige Klasse in dieser Sparte bereits so viel von Pferd und Reiter abverlangte. Generell war nichts anstrengender als die Ausbildung und das Training eines Vielseitigkeitspferdes. Aber darauf kam es nicht an: Ich wollte, dass Grace eines Tages diese körperliche Fitness mitbrachte. Damit könnten wir unserer Arbeit ganz offiziell das Sahnehäubchen aufsetzen. Das Potential dazu zweifelte ich bei der Stute mittlerweile nicht mal mehr an. Mir war klar: Sie war definitiv ein Trakehner, gezogen für den Sport, mit all den dazu erforderlichen Veranlagungen und die konnten alle mehr oder weniger springen und ordentlich galoppieren, wenn man sie richtig zu fördern wusste. Auch vor der Kutsche gingen sie alle recht gut, was man bei den zierlichen Tieren ja fast nicht vermuten würde. Andererseits musste man dabei bedenken, dass selbst ein Shetty bei ausreichender körperlicher Fitness ohne Probleme dazu im Stande war eine kleine Kutsche mit zwei Leuten zu ziehen. Man sehe sich meinen kleinen Pinochio an.
      Die heutige Intervalltrainingseinheit, die ich genauso aufbaute wie die letzten Male, zeigte mir allerdings wieder einmal wie weit wir von solchen Überlegungen mit Grace noch weg waren. Trotzdem machte sie stetig Fortschritte. Nach besagter Einheit ging ich mit ihr noch ein wenig Schritt, ehe es wieder zurück in den gemütlichen Stall ging.
      Hier angekommen kratzte ich der Stute noch die Hufe aus, ehe ich sie in die Box stellte und das nächste Pferd für heute herrichtete. Als ich damit fertig war deckte ich Grace nochmal rasch um, damit sie auch nicht mit der verschwitzen Decke da stand und sich verkühlte.
      Um halb Elf drehte ich meine letzte Runde durch den Stall. Über Nacht kam es zu einem Temperaturabfall von bis zu minus einem Grad. Da dies unter dem Gefrierpunkt lag konnte ich nicht ruhig schlafen, bevor ich manchen der Pferde nicht doch noch eine Fleecedecke übergeworfen hatte. Ein ungünstiger Zeitpunkt, da die meisten bereits dösten und ich mit Taschenlampe vorrücken musste um nicht den ganzen Stall wach zu machen. Leider hatte es der Wetterbericht so kalt allerdings gar noch nicht angesagt gehabt, weshalb es nun einfach noch nötig war. Bevor ich meine Wind-und-Wetter-Aktion beendet hatte schaute ich auch noch schnell bei Gracey rein. Sie lag entspannt eingemümmelt in den Sägespänen ihrer Box und döste vor sich hin. Niedlich!
    • Bracelet
      der ganz normale, alltägliche Wahnsinn

      „Ruuhiger. Ruhiger. Ruhiger.“,wiederholte ich mantraartig. Anastasia saß gerade auf Take my Hand und versuchte bereits das dritte Mal auf der Mittellinie Viererwechsel zu reiten. Handy spielte da allerdings wenig mit und raste los sobald Ana abwendete. „Parier die mal durch.“,sagte ich schließlich kopfschüttelnd. Meine Bereiterin seufzte: „Ich verstehe das einfach nicht. Was hat sie denn plötzlich?“ „Sie läuft nicht weg weil sie heiß wird. Ich glaube sie hat genug für heute. Sie kann’s einfach noch nicht. Nicht weil du’s ihr nicht gut genug erklärst, sondern weil sie es körperlich nicht schafft und das hat sie wohl schon im Kopf wenn wir sie abwenden.“,analysierte ich. Ana schaute traurig. „Komm, lass mich das nochmal testen. Sie soll noch einen schönen Fliegenden springen, dann reicht‘s für heute. Aber du bist jetzt auch schon so verkopft.“,sagte ich schließlich mit ziemlich neutralem Tonfall, auch wenn ich wusste, dass Anastasia das sicher zu denken gab. Die Brünette stieg ab und ich klopfte ihr auf die Schulter. „Mach dir keinen Kopf. Morgen wird’s wieder besser! Mach du in der Zwischenzeit schon mal Akira warm. Amelia hat sie bestimmt schon gesattelt. Ich reite dann anschließend die Aky und du lässt dir Simple Little Melody fertig machen und holst sie sobald ich Akira übernehme. Spiel ein wenig mit ihr. Üb das mit den Fliegenden, für dich. Du weißt, dass du eine gute Reiterin bist.“,versuchte ich Ana aufzumuntern. Ich wusste wie viel Spaß es ihr machte mit Melody, die ja mittlerweile S*** fertig und top im Training war, an den Lektionen zu feilen. Grundsätzlich war Anastasia ja einer sehr einfühlsame Reiterin, der es ein leichtes war Pferden neue Lektionen beizubringen oder bereits erlernte zu verbessern. In Handy hatte sie wohl gerade einmal wieder ihre Grenzen kennengelernt. Die Stute wusste schon wie sie uns austricksen konnte. Hier kam mir jedoch meine langjährige Erfahrung in der Pferdeausbildung zu Gute. Und auch reiterlich war ich schließlich auch schon weiter als Anastasia und konnte so noch ein paar Knöpfe mehr drücken als Ana.

      „Na komm.“,sagte ich ruhig, während ich mich auf den Rücken der braunen Stute setzte. Diese sah Anastasia hinterher wie sie die Halle verließ. „So du Filou. Konzentrier dich.“,gab ich grinsend von mir und holte mir die Stute im Schritt rasch ans Bein, ehe ich sie locker nach vorne trabte. Sie schnaubte bereits ganz schön, da wir schon über ihrer normalen Arbeitszeit lagen. Deswegen wollte ich die Wechselgeschichte nun auch rasch hinter mich bringen. Bevor ich allerdings an die Fliegenden ging ließ ich Handy ordentlich vor galoppieren, führte sie wieder zurück und ließ sie wieder nach vorne ziehen. Anschließend holte ich sie mir schön aufs Hinterbein und ritt einen Umkehrtwechsel. „Auußengalopp.“,nörgelte ich leicht mit dem Trakehnertier unter mir, das in diesem Moment nur so auf den Wechsel lauerte. Erst eine halbe Runde später ließ ich sie schließlich umspringen und wiederholte das Spiel in die andere Richtung. Da sie hier gut bei mir war ging’s dann wieder auf die Diagonale. Ich spürte schon davor wie Handy sich anspannte, den Rücken wegdrücken wollte und ordentlich Gewicht in den Zügel gab. „Neein.“,sprach ich ruhig mit ihr und führte sie absichtlich einmal mehr zurück. Schrittübergang. Angaloppieren. Schritt. Galopp. Wechsel! „Braaaaav!“,rief ich und lobte die Stute. Auf der nächsten Diagonale wiederholte ich das Ganze. Wieder gesetzt und durch. „Seehr Brav.“,lobte ich, ehe ich nach vier Sprüngen noch einen Wechsel einbaute. „Guuut!“,gab ich schließlich von einmal von mir, parierte sie zum Schritt durch und ließ die Zügel lang. Ich klopfte sie und ritt mit ihr aus der Halle hinaus. Da am Dressurviereck gerade Melvin mit dem Traktor unterwegs war und den Boden machte beschloss ich kurzerhand noch eine kleine Runde um die Koppeln mit ihr zu drehen. Als wir wieder zurück waren übergab ich sie an Amelia und sputete zur Dressurarena, wo Ana gerade Akira abtrabte. „Du kannst sie schon haben wenn du willst.“,rief mir meine Bereiterin gleich entgegen. „Gerne.“,gab ich zurück und wir vollführten den zuvor angesprochenen Pferdetausch.

      Nachdem ich Aky fertig gearbeitet hatte wies ich Anastasia noch an als nächstes unseren Neuzugang Hokuspokus zu longieren, wenn sie mit Melody fertig war. Anschließend war auch noch Hannifee an der Reihe, die heute einen ruhigeren Trainingstag am Programm hatte. Sie hatte sich die letzte Zeit gut gemacht, wurde zur Zeit nur dreimal richtig dressurmäßig gearbeitet, einmal die Woche ausgeritten und einmal longiert. Für mehr bot sich leider auch nicht die Zeit im Moment, da gerade andere Prioritäten anstanden. Trotzdem baute die außergewöhnlich gefärbte Stute stetig an Muskeln auf und machte weiterhin ihre Fortschritte. So war es dann im Endeffekt auch gar nicht so wichtig, dass sie wohl auch fünfmal die Woche auf Pump Dressur geritten hätte werden können. Generell war sie ja zur Zeit noch am Anfang ihrer Karriere bei uns. Dennoch brachte mich das wieder an den Punkt, dass ich mir eingestehen musste, dass wir eigentlich mehr Personal hier auf dem DVTS brauchen würden.

      Nachdem das mit Anastasia geklärt war brachte ich Aky zurück in den Stall, wo sie unsere Pflegerin, aka Mädchen für Alles, Amelia, übernahm um sie zu versorgen.

      Es war nun kurz vor Acht, morgens, und somit also höchste Zeit, dass die Pferde auf die Koppel kamen. Melvin war gerade dabei den Beinschutz und die Fliegenhauben an die Pferde zu montieren. „Hej!“,grüßte ich ihn, was er freundlich erwiderte. „Sehr gut ihr seit ja schon voll bei der Sache.“,stellte ich fest als ich auch die übrigen Stallburschen in den Boxen entdeckte. „Jaja. Schon fast ein wenig spät.“,erwiderte er kritisch während er Vacondas Ohr durchs Koppelhalfter fädelte. Die Stute machte es ihm nicht leicht. Sie hatte noch Heu und wollte sichtlich lieber darin ihre Nase drin versenken. „Ach, das passt schon. Hauptsache richtig.“,merkte ich locker an. HGT‘s Nightmare in der Nebenbox wartete auch schon und steckte ihr Köpfchen in die Stallgasse; auch sie bereits im Alienlook.

      „Ich mache Takada rasch die Gamaschen drauf und nehme sie dann zusammen mit Nighti.“,sagte ich. „Okay, dann mach ich noch Christmas Joy und wir gehen gleich mit allen Vieren.“,meinte Melvin. Gesagt getan.

      Erst warteten die vier Grazien geduldig. Dann beschloss Nightmare los zu traben und Joy quittierte das mit einem heftigen Buckeln. Von jetzt auf gleich liefen sie los und galoppierten wild über die Wiese. Ein wunderschöner Anblick! Es dauerte nicht lange, da kamen sie an Winterzauber und Vintage Gold vorbei, die zuvor schon rausgebracht wurden und eben noch genüsslich gegrast, sich nun aber anstecken hatten lassen und mitliefen. Ich musste lächeln. Was eine Rasselbande. Viel Zeit zum Zusehen blieb allerdings leider nicht.

      Nachdem wir die nächste Partie bestens aus Dempsey, Hummels Enterprise, Cherokee Gold und Give me Chocolate raus gebracht hatten ließ ich Melvin zusammen mit den anderen weiter machen und huschte zu den Fohlen, beziehungsweise Jungpferden, hinüber. Backfett entdeckte mich als erste und streckte mir sofort ihr graues Näschen entgegen. „Helloow.“,begrüßte ich sie mit viel zu hoher Tonlage. Mit meinen Fohlen redete ich tatsächlich wie mit Kleinkindern, was auch nicht aufhörte wenn sie etwas älter wurden. Mit DVTS‘ Magic Movements zum Beispiel sprach ich auch nach wie vor so, obwohl der schicke Vollbluthengst von Magic Attack und aus meiner Roanstute I‘ve got the moves like Jagger mittlerweile überhaupt nicht mehr nach Babypferd aussah. „Wiieh.“,unterbrach Aiana meinen Gedankenausflug und holte mich zurück in die Realität. Auch sie wollte nun endlich etwas zu naschen haben. „Jaaja. Ihr seit mir ja welche.“,meinte ich seufzend und holte zwei kleine Äpfelchen aus meiner Tasche hervor. „Stopp!“,rief ich schließlich als auch DVTS‘ Daeny mich von hinten überfiel. „Ich muss den erst teilen.“,jammerte ich und halbierte die beiden rotgrünen Früchte mit meinem Taschenmesser: „So. Na da habt ihr.“

      Nachdem ich im alles kontrolliert und die Mäuse auf die Koppel entlassen hatte ging es noch zu DVTS‘ Takinou, der zur Zeit in einer der Abfohlboxen stand. In den nächsten Tagen sollte er in die Youngsterstallungen übersiedeln, wobei ich schon alles hergerichtet hatte, die Tränke in der entsprechenden Box aber einfach nicht funktionieren wollte, weshalb zur Zeit diese Zwischenlösung gefunden werden musste. „Na komm, Hüscher.“,sprach ich ihn an, bevor ich auch ihm die Gamaschen anlegte und Fliegenhaube, wie Halfter aufsetzte. „Los geht’s.“,sagte ich dann und ging mit ihm zu den Koppeln, wo er zusammen mit Pluie und Brouk stand, was ganz gut funktionierte. Takinou zeigte sich im Gegensatz zu den Stuten von vorhin ziemlich unspektakulär. Keine zwei Trabtritte von mir weg, gerade so, dass er das Gefühl hatte ich würde ihn nicht sofort wieder greifen und mitnehmen, steckte er die Nase auch schon in die leider nicht mehr ganz so saftige Wiese. Leider waren Teile schon sehr angefressen und ob es sich auszahlte jetzt noch ein weiteres Wiesenstück abzusperren wusste ich auch nicht. Immerhin begann ja schon der September und damit war die Koppelsaison erfahrungsgemäß ja leider auch schon bald wieder an ihrem Ende angelangt; vollkommen kaputtgetreten, weil zu feucht, sollte sie ja auch nicht werden um nächstes Frühjahr wieder ganz regeneriert zu sein.

      „Brace, wen soll ich denn als nächstes fertig machen?“,rief Amelia schließlich. „Äää.“,stammelte ich erstmal und musste erst überlegen wer heute aller noch auf dem Plan stand. „Springen will ich erst am Nachmittag. Anastasia soll heute noch Waldjunge, N‘oubliez Jamais, Seattle‘s GT‘aime, Master of Gold, Costa de la Bryére und Party Shaker longieren, bitte. Die brauchen nur ein wenig Bewegung, aber keine richtige Arbeit. Ich werde jetzt den Vormittag noch Dressur reiten. Starten wir vielleicht mit It‘s Showtime, dann Roommate, Traumfänger und zu guter letzt würde ich gerne noch Sir Donnerhall machen.“,beschloss ich dann. „Ach und Amelia?“,rief ich dann noch als sie sich schon auf den Weg machen wollte: „Hast du die Körung von Lead Me Home schon genannt?“ „Nein das mache ich aber heute Mittag gleich noch.“,kam zurück. „Mhm.“,murmelte ich darauf, ein wenig besorgt darüber, dass wir die Prüfung verpassen könnten wenn sie vergessen sollte. Ich hatte immer gerne alles rasch geregelt und in trockenen Tüchern.

      Bevor ich mit der Dressurarbeit für heute begann holte ich noch Dreaming Of Better Days zusammen mit HMJ Grace aus der Box. Die Beiden waren wirklich vom ersten Tag an ein Herz und eine Seele und stritten auch praktisch nie, was ich für Stuten schon in gewisser Weise untypisch fand. Allerdings waren ja sowohl Grace als auch Dreamy wirklich zwei Schätze. „Na kommt ihr Zwei.“,sagte ich, nachdem sie erstmal stehen blieben und sich gegenseitig beschnupperten, nachdem ich die Pflugel aus ihrer Box geholt hatte. Für die Beiden ging es leider nach wie vor am Vormittag auf die Schlechtwetterkoppel, um Grace‘ Gewicht weiter gut im Auge behalten zu können, wobei man wirklich schon sagen musste, dass sie nicht wiederzuerkennen war.

      Der Vormittag endete zur Abwechslung mal ohne weitere, außergewöhnliche Vorkommnisse. Ich hatte also endlich mal in Ruhe Zeit mir etwas warmes zu essen zu kochen. Anschließend telefonierte ich noch mit Ginger, die mir von Tamana, Meereen, For Pleasure, Belmonts Beo und An Affair to Remember berichtete, denen es wohl zur Zeit allen ganz gut ging. In Zukunft wollte ich mir trotzdem irgendwann mal wieder selbst ein Bild machen und vorbei schauen.

      Nach dem Essen ging es für mich wieder zurück zum Stall. I‘ve got the moves like Jagger, Scarlet Sun, Donella, Birdcatcher, Sookie, Angels Kiss, Pinochio, Wastl, Hollywood King Gun, Romulus, Cornetto, Dreammaker, Cotsworlds Eik, Magic Attack, Mihály, Black Pearl und Golden Eye waren bereits schon wieder auf der Koppel. Zu Mittag waren sie nämlich zum Kraftfutter herein geführt worden, wie es bei den meisten meiner Pferde der Fall war. Drinnen geblieben war CLC‘ Papermoon, mein Neuzugang, den ich vor kurzem sehr spontan übernommen hatte. Für ihn war es der letzte Ausweg. Leider waren dabei aber Seiten seines Passes verloren gegangen und seine Vorgeschichte nicht mehr komplett rekonstruierbar, was ich wirklich schade fand. Trotzdem war ich froh das hübsche Pony gerettet zu haben und war gespannt auf den gemeinsamen Weg, wobei vor allem Anastasia ihn zur Zeit ritt, da sie nochmal etwas zierlicher war als ich.

      Ich hingegen wollte als nächstes Breathing your Love reiten, gefolgt von meinen beiden ebenfalls neu hinzugekommenen Barockpintos Miss Moonlight und Averything Black.

      Am Nachmittag folgte dann das Springen mit meinen Spring- und Vielseitigkeitspferden für diesen Tag.
    • Bracelet
      [​IMG]
      Dressurtraining
      E->A - Dezember 2020

      Gähnend öffnete ich die Tür des Haupthauses, wo mich sofort der kalte Wind erfasste und erschaudern ließ. Vom warmen Mittagessen vorm Kamin in die Eiszeit. Zitternd zog ich die Kapuze ins Gesicht und watschelte so rasch ich konnte hinüber ins Stallgebäude. Hier war Amelia schon fleißig gewesen und hatte mir unseren Neuzugang Cara Mia hergerichtet. Die hellbraune Stute hatte ich ohne zu suchen gefunden und sofort, ohne Probereiten, aus dem Ausland gekauft. Ich muss zugeben, dass meine Hauptbeweggründe ihr einwandfreies Exterieur, Gangwerk und ihre Abstammung war, die überaus interessant für die Zucht sein könnte. Momentan war jedoch erstmal wichtig sie solide auszubilden, denn Cara Mia stand noch ganz am Anfang. Aus diesem Grund legte ich gerade erstmal eine solide Basis für sie an, indem ich sie in der Dressur auf ein gutes A-Niveau brachte, schaute, dass sich ihr Gleichgewicht, ihre Durchlässigkeit und Anlehnung immer mehr verbesserten, was ganz gut funktionierte.
      Während ich die Braune ritt, machte auch Anastasia mit Hokuspokus Fortschritte in dessen Ausbildung. Der junge Hengst, für den es eine ganz gute Übung war trotz einer Stute in der Halle konzentriert zu arbeiten, war ebenso noch nicht weit und sollte wie auch Cara Mia erstmal A-Niveau in der Dressur erreichen. Ich ritt den Großen die meiste Zeit selbst, ließ aber auch Ana gerne mir ihm arbeiten, was ich immer gut fand, da es jeder Reiter etwas anders erklärte. Bei übersensiblen Pferden sparte ich mir das natürlich meistens längere Zeit, damit sie erstmal die Sicherheit hatten die Hilfen immer fast gleich zu bekommen, aber in Hokus‘ Fall war dies kein Problem; er nahm das gut an.
      Nachdem ich Cara Mia nach dem Training versorgt hatte übergab mir Amelia auch schon Hannifee, mit der ich gerade ebenfalls die A-Dressur anpeilte. Die letzten Tage waren ziemlich lustig mit ihr gewesen; da war ich sie nämlich gesprungen und das Wetter hatte vollsten Einfluss auf den Wildfang, denn sie hatte richtig Feuer unterm Hintern, was nicht nur in die richtige Richtung ging. Sie hatte jedenfalls Spaß, was ich auch zu schätzen wusste solange ich nicht unfreiwillig abstieg. Bei der heutigen Dressurarbeit arbeitete ich nun viel daran, dass sie mir zuhörte, was ganz gut klappte, wenn man von einer halbe lange Seite Bocken im ersten Galopp ansah.
      Währenddessen gingen Anastasia und Amelia ins Gelände. Sie übernahmen für mich das Ausdauertraining zweier meiner Hengste. Traumfänger war wirklich totbrav. Balounito hingegen konnte es schon hin und wieder, wenn er wollte. Anastasia konnte mit diesem Temperament allerdings gut umgehen und ich wusste, dass unser Traummännlein in seinem Dusel ohnehin nicht mitmachen würde, selbst wenn Balou alleine heim rennen würde. Somit machte ich mir da wirklich absolut keine Sorgen. Genausowenig wenn Amelia, die zwar ganz sicher im Sattel saß, aber nicht die atemberaubendste Reiterin war, mit Dreamy ins Gelände ging, auch alleine, und auch mit ihr ihr Ausdauertraining absolvierte. Dreaming Of Better Days war ja wirklich ein Engel.
      Ich hatte in der Zwischenzeit in der Springhalle ein wenig umgebaut. Letzte Woche hatte mir Melvin geholfen und wir haben mit dem Traktor ein paar A-Vielseitigkeitshindernisse in die Halle geräumt. Leider war der Boden der Geländestrecke momentan nicht gut genug um darauf zu trainieren, die Pferde mussten aber dennoch weiter ausgebildet werden, weswegen wir ein bisschen Indoor weiter arbeiteten und die guten Bodentage fürs Galopptraining draußen ausnutzten. Außerdem ließ ich auch den Aufbau fürs Springen stehen, denn vor allem mit Cherokee Gold brauchte ich diese. Die schicke Stute war gerade dabei ihr A-Niveau zu festigen, recht erfolgreich wie ich fand.
      Anschließend machte ich mir Cotsworlds Eik fertig, wobei ich mir ein wenig mehr Zeit ließ als üblich um uns beiden ein wenig Entschleunigung zu schenken. Zur Zeit war der Stall leer; die anderen Pferde standen auf der Koppel, Ana und Amelia waren nach wie vor unterwegs und die Stallburschen hatten frei, bis sie in etwa einer Stunde kommen würden um die Boxen nachzumisten. Ich genoss die Stille, konzentrierte mich ganz auf Eik, der entspannt den Kopf leicht absenkte und die Wärme des Solariums, genauso wie die sanfte Massage meinerseits genoss. Dass das einmal möglich wäre, hätte ich wohl noch vor zwei Jahren nicht für möglich gehalten. Als er Anfang 2017 zu mir kam wollte er einfach nicht alleine sein. Wir hatten diverse Kämpfe durchgemacht, wenn ein Pferd die Halle verließ, oder er alleine als erster in den Transporter sollte. Irgendwie hatte er sich über die Zeit aber an mich gewöhnt, genauso wie er den Umstand akzeptierte, dass ich nicht nachgab. Dabei war ich nie ungerecht zu ihm; er musste da aber einfach durch ohne komplett auszuflippen und sobald es gefährlich wurde, wurde ich unangenehm. Wenn er dann wieder nachgab, war alles gut und er das tollste Pferd der Welt. Alleine in der Box bleiben war für ihn nach wie vor nicht wirklich tragbar; er begann immer herumzutigern, wieherte ununterbrochen und zeigte sich hochnervös. Wenn ich allerdings bei ihm war war alles in Ordnung. Bei Ana war er mittlerweile auch schon viel ruhiger, sie konnte ihn auch alleine in der Halle reiten, aber wirklich locker war er trotzdem nicht. Nur bei mir hatte er gelernt, dass er all seine Verantwortung als Herdenchef auch mal abgeben konnte und entspannte sich, wie gerade eben.
      Eik war der erste, der den coolen Indoor-Vielseitigkeitsparcours testen durfte. Zu Beginn wirkte er zwar etwas skeptisch, schien dann aber doch Spaß gehabt zu haben. Der Schritt zur A fiel ihm nicht sonderlich schwer, obwohl ich ihn ja gerade erst mehr oder weniger in die normale englische Reiterei einführte. Davor war er ja meist auf der Rennbahn zu finden gewesen, was ich ihm allerdings bei seinem zunehmenden Alter nicht mehr zu lange zumuten wollte. Es ging darum eine Alternative für ihn zu finden. Nicht alternativ war das Ganze allerdings für Pluie, der mein erfolgreichstes Vielseitigkeitsnachwuchspferd seit jeher war. Dressur, Springen, Gelände; in allem zeigte er sich von seiner besten Seite und hatte schon diverse Jungpferdeprüfungen für sich entscheiden können. Trotzdem wollte ich dieses talentierte junge Pferd unter keinen Umständen verheizen, weswegen er bisher erstmal nur A-Military lief, das aber mit unfassbar viel Mut und Vermögen am Sprung. Der Roan begeisterte mich jedes Mal aufs neue. Genauso begeisterte mich aber auch Mihály, der zur Zeit auch Gelände-A ging. Ihn ritt ich für heute als letztes Pferd. Könnte er sprechen hätte er wohl gesagt „das Beste kommt zum Schluss“ denn das ungarische Halbblut hatte wirklich ein ziemliches Ego. Ich liebte das an ihm, denn auch ihn musste man aus diesem Grund nie zweimal bitten über ein Hindernis zu fliegen. Mihály war ohnehin fest davon überzeugt, dass er das mit Leichtigkeit schaffte und bockte dann meist noch einmal freudig hinterher, wobei der Bocksprung schon mal höher als das Hindernis ausfallen konnte.
      Nachdem auch der Fuchs zurück in seiner Box war, hieß es für mich Abendessen, während ich noch einmal die Trainingsfortschritte der letzten Monate Revue passieren ließ und Pläne für die kommende Saison ausheckte.
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  • Album:
    DVTS' Hauptstallungen ♥
    Hochgeladen von:
    Bracelet
    Datum:
    5 Apr. 2020
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    EXIF Data

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    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).

  • Hannifee
    ,,Fee''

    Abstammungsnachweis ~
    Aus der: ubk.
    Von: ubk.

    Grunddaten ~
    Rasse: Trakehner
    Geschlecht: Stute
    Stockmaß: 1,70
    Fellfarbe: folgt
    Gencode: folgt
    Fohlenjahrgang: 2013

    Beschreibung ~
    folgt (mutig, feurig,..)

    Ausbildungsstand ~
    Dressur: A
    Springen: E
    Military: E

    Erfolge ~

    -

    ~ noch keine ~

    Gesundheitszustand ~
    Gesundheit: ausgezeichnet
    Beschlag: Kunststoffhufeisen mit Stahl

    Besitzerdaten ~
    Besitzer: Bracelet
    Vorkaufsrecht: Mohikanerin
    Ersteller: Mohikanerin

    Sonstiges ~

    auf offiziellem Hintergrund:
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