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Veija

Gun and Slide

Gun and Slide
Veija, 22 Aug. 2020
    • Veija
      Pflegebericht für alle meine Pferde
      August 2014, by Veija
      Gähnend erhob ich mich aus meinem Bett. Heute würde ich mich um alle meine Pferde kümmern. Das hieß, ich hatte einen sehr langen Tag vor mir. Langsam torkelte ich ins Badezimmer und stieg in die Dusche. Gestern Abend hatte ich mich einfach nur müde ins Bett geschmissen, da der ständige Regen einen einfach nur müde machte. Als ich fertig mit duschen war, zog ich mir eine Jeans an, meine Reitstiefel, eine langärmige Bluse und einen weißen Westernhut. Den, den ich so gut wie immer trug wenn ich auf dem Hof rumlief. Nun doch endlich wach sprang ich die Treppe runter, schnappte mir einen Apfel und ging über den Hof in den Stall. Zu erst wollte ich nach meinen vier Schätzen sehen. Mit Schätzen meinte ich meine Englischen Vollblüter. Zur Zeit hatte ich 4 Stuten, doch bald kam noch ein Hengst dazu, der meine Mädels bestimmt aufmischen würde..
      Generell waren in letzter Zeit sehr viele neue Pferde hinzugekommen, doch ich würde mich ja wie gesagt heute gut um alle Tiere kümmern.
      Das erste Pferd war Hell, die heute sehr unruhig wirkte. "Na mein Mädchen", flüsterte ich ihr zu und seufzte leise. Ich musste mich wirklich mehr mit meinen Tieren beschäftigen. Die Stute legte die Ohren an und blickte mich skeptisch durch die Gitter an. "Ist ja gut...", flüsterte ich und holte mir ihr Halfter. Die vier kamen heute in die Führanlage, damit sie langsam wieder Muskeln aufbauten. Schließlich hatten sie lange gestanden. Das lange Stehen war auch ein Grund, weshalb ich mir bald Hilfe auf den Hof holen wollte. Jemanden, der die Tiere morgens auf die Koppel brachte und Abends wieder reinholte. Nicht mehr und nicht weniger. Und das auch nur, wenn ich wegen dem Ausbildungsbetrieb nicht hier war. Oder er würde sich auch in meinem Betrieb einfinden, damit wir schneller arbeiten konnten, denn es standen noch immer Aufträge an.
      Als ich Hell dann nach einigem Probieren aufgehalftert hatte, kratzte ich ihr schnell die Hufen aus und brachte sie in die Führanlage. Es folgten mit weniger Schwierigkeiten Supernova, ihre beste Freundin, Faster und Jagger. Ich stellte die Anlage so ein, dass sie im langsamen Schritt vor sich hin trotten konnten, und nicht sofort weitergeschoben wurden, wenn sie einmal kurz stehen blieben. Ich hatte schon zu viele schlechte Erfahrungen mit diesen Anlagen gemacht, als dass ich sie schneller einstellte. Zurück im Stall fing ich an die Boxen der vier zu misten. Ich war damit nun doch recht schnell fertig. Die Tränken der EV's waren kontrolliert und sie hatten genügend Heu. Nun jedoch kam die Schwierigere Aufgabe. Das Mischen des Zusatzfutters. Ich konnte das überhaupt nicht leiden und vermischte mich ständig, weshalb ich lieber zu wenig als zu viel gab. Zu erst schnappte ich mir Hells Eimer. Da die Stute zur Zeit weder im Sport noch in Umständen war, bekam sie von allem ein wenig. Vom Hafer, der Luzerne, der Kleie, den Gerstenflocken und den Maisflocken bekam sie je eine halbe Schaufel. Von den Rübenschnitzeln gab es eine Ganze.
      Nova und Faster bekamen das Selbe, Jagger bekam nur eine halbe Schaufel Rübenschnitzel.
      Als ich damit fertig war, ging ich zur Führanlage und stellte sie ein wenig schneller, so dass die Pferde traben mussten. Da ich ja dabeistand, konnte ich mir genau die Bewegungsabläufe der einzelnen Tiere anschauen. Da ich keine Auffälligkeiten feststellen konnte, stellte ich die Anlage aus und nahm Hell und Nova zusammen an die Hand. Die anderen Beiden konnten noch kurz warten. Nachdem ich nochmal die Hufen kontrolliert hatte, kamen die zwei in die Box und stürzten sich sofort auf ihr Kraftfutter. Ab sofort würden sie das jeden Tag bekommen. Jedoch anders rationiert, wenn sie wieder im Training standen. Ich ging zurück und holte Faster und Jagger. Die beiden älteren Stuten trotteten gemütlich neben mir her und warteten geduldig, bis ich nach dem Hufekratzen ihre Halfter abgenommen hatte und sie sich auf ihr Futter stürzen konnten. Nun waren schon einmal ein paar Pferde geschafft, doch es standen noch viele weitere vor mir und der Tag war noch lang. Ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass wir gerade erst 8 Uhr hatten. Das hatte wirklich sehr fix gegangen.
      Nun waren meine Hengste an der Reihe. Ich ging die Stallgasse entlang und an jeder Box wurden mir Nasen entgegen gestreckt. Kurz überlegte ich, ehe ich die Halfter von Ready for Action, End of Day, King Bee und Enjoy Nature holte. Enjoy Nature und End of Day nahm ich in die Linke, Action und King Bee in die rechte Hand. Mit den vier Fohlen ging ich auf die Koppel und lies sie toben. Am Ende des Abends würde ich sie wieder reinholen, denn immer eingesperrt in der Box war für die Kleinen alles andere als gut. Als ich das gemacht hatte, mistete ich ihre Boxen aus und kontrollierte ihre Tränken. Dann gab ich jedem Fohlen ausreichend Heu und betrachtete mit das Kraftfutter. Jedes Fohlen bekam eine Schaufel Hafer und eine halbe Schaufel Rübenschnitzel. Vom Rest jeweils nur eine Hand voll. Ich wollte die Mägen der Kleinen nicht zu sehr belasten. Trotzdem sollten die Tiere groß und stark werden. Als ich damit fertig war, überlegte ich was ich mit den anderen Hengsten anstellen konnte. Blue, Winny, Dead, Funky und Gen wollte ich auf die Koppel bringen. Nur Spooky wollte ich ein wenig reiten. Schließlich neigte sich der Tag doch schneller dem Ende als gedacht. Natürlich konnte ich sie nicht zusammen an die Hand nehmen, weshalb ich jeden Hengst einzeln auf die Koppel brachte. Sie hatten alle einen kleinen abgetrennten Teil für sich, weit weg von den Stuten, da ich ja wusste wie meine Hengste reagieren konnten. Als die 5 nun auf der Koppel waren, ging ich zu Spooky und begrüßte ihn kurz. Da ich mich nun doch etwas beeilen musste, putzte ich ihn schnell und schwang mich nach dem satteln in den Sattel. Der Hengst kannte mich ja schon und wusste auch was ich von ihm verlangte, weshalb er brav unter mir her ging. Eigentlich hatte ich heute nicht so recht Lust den Hengst ordentlich zu reiten, weshalb es bei ein paar Runden Schritt, Trab und Galopp blieb. Im Stall sattelte ich ihn wieder ab und kontrollierte die Hufe. Jedoch war er nicht fertig mit Arbeiten, denn der Kleine war ziemlich dick geworden. Ich führte ihn in die Führanlage und stellte sie ein. Dort musste er noch ein wenig abspecken.
      Dann fing ich an die Boxen auszumisten. Die der Hengstfohlen waren schon fertig, weshalb ich nur noch die der sechs großen Hengste machen musste. Alles in allem waren die Tiere sehr pflegeleicht, weshalb ich dort recht schnell fertig war. Ich kontrollierte die Tränken und gab allen Heu, ehe ich das Kraftfutter rationierte. Genuine bekam eine halbe Schaufel Hafer, Luzerne, Kleie, Gesternflocken, Maisflocken und Rübenschnitzel. Das Selbe bekamen auch Dead, Blue und Winny. Funky bekam eine ganze Schaufel Rübenschnitzel und für Spooky musste ich wieder anders rationieren. Der Hengst bekam eine ganze Schaufel Hafer und eine Ganze Rübenschnitzel, Luzerne, Kleie, Gerstenflocken und Maisflocken gab es jeweils eine Halbe. Nach einem Blick auf die Uhr ging ich zu Spooky, und befreite ihn aus der Führanlage, ehe ich ihn in die Box brachte und er sich schnaubend auf sein Futter stürzte. Auch die anderen Hengste kamen nach und nach wieder in ihre Boxen, ehe ich mir die Hengstfohlen schnappte und auch sie wieder in den Stall brachte. Es war mir dabei doch zu gefährlich, die Stuten neben die Hengste auf die Koppel zu stellen. Seien die Hengste noch so klein. Als ich damit fertig war, ging ich zu meinen Stuten. Ohne groß zu fackeln kamen Bella, Lena, Holly, Princess, Vice, Devil, Rosy und Amarula auf die Koppel. Amarula, Devil und Rosy bekamen jedoch jede einen seperaten Teil auf der Koppel, da sie noch relativ neu in der Gruppe waren. Ich flitzte in den Stall und mistete alle Boxen aus, ehe ich die Tränken kontrollierte und den Pferden ihr Heu gab. Das Kraftfutter rationieren klappte dieses Mal sehr einfach, da alle erwachsenen Pferde von Allem eine halbe Schaufel bekamen. Die beiden Fohlen Snapper Little Lena und Miss Holly Golightly bekamen jede eine halbe Schaufel Hafer, eine halbe Schaufel Rübenschnitzel und vom Rest jeweils nur 1-2 Hände, wie die Hengstfohlen.
      Als ich damit fertig war, ging ich die Tiere wieder einsammeln. Zwar hatten sie nur gute 1 1/2 Stunden auf der Koppel gestanden, aber besser als nichts.
      Ich schnappte mir zu erst Holly und Lena. Bei Lena musste ich verdammt vorsichtig sein mit dem was ich tat, da die kleine blind war. Um so wichtiger war es, dass ich sie immer mit Holly zusammen hatte, da die kleine Rappstute der Blinden zeigte wo sie langgehen konnte und sie auch warnte, vor allem was ihr gefährlich werden konnte. "Hallo Lena", sagte ich zu der Kleinen und streichelte ihren Kopf. Natürlich lagen ihre Ohren flach am Kopf, doch wer konnte es ihr verübeln? Ich fragte mich nur stark, wie ich sie longieren konnte, oder ob das komplett flach fiel.. Ich würde schon sehen. Ruck zuck standen die Beiden in ihren Boxen und vorsichtig tastete sich Lena mit ihrem Kopf vor, bis sie im Kraftfuttereimer versank und wie Holly genüsslich kaute. Als nächstes holte ich Bella, Princess und Vice rein. Devil, Rose und Amarula brachte ich alle einzeln rein, was natürlich wieder etwas dauerte. Als sie jedoch alle drinnen waren, konnte ich mich der letzten Gruppe Pferde widmen, die ich in meinem Stall fand. Meine kleine aber feine Turniertruppe, die keine war. Da ich mich ein wenig beeilen musste, brachte ich Chocolate zusammen mit Gipsy auf die Koppel, Striga zusammen mit Gulrót, Palimé mit Vin, und Skrúður zusammen mit Hængur und Maxi. Schnell mistete ich die Ställe aus, kontrollierte die Tränken und gab den Tieren Heu.
      Gipsy und Choco bekamen vom Kraftfutter von allem eine halbe Schaufel und von den Rübenschnitzeln eine ganze, die erwachsenen Isis bekamen von allem eine halbe Schaufel. Striga und Gulrót bekamen von den Schnitzeln eine halbe Schaufel und vom Hafer eine Halbe, vom Rest jeweils nur 2 Hände voll.
      Als nun alle ihr Futter hatten, ging ich auf die Koppel und holte zu erst Striga und Gulrót rein. Dann Gipsy und Chocolate. Dann Palimé und Vin und zum Schluss die 3 Isländerhengste. Als alle zufrieden kauend in ihrer Box standen, wischte ich mir einmal über die Stirn. Nicht viel gearbeitet mit den Pferden heute und trotzdem total k.o. Leicht unzufrieden ging ich ins Haus und schnappte mir etwas zu essen, ehe ich entschied mir doch etwas Richtiges zu machen. Die nächsten Tage würde ich die Pferde der Reihe nach durchtrainieren, und mir endlich einen Stallburschen einstellen, denn so konnte es definitiv nicht weitergehen.

      Aaron, der Neuzugang
      Oktober 2014, by Veija
      Aus Verenas Sicht:
      Hektisch hüpfte ich aus dem Bett und mein Blick flog zur Uhr. Verdammt, dachte ich mir. Mein neuer Trainer und Stallbursche würde bald ankommen. Ich musste die Dusche heute bleiben lassen und lief einfach in Alexis' Zimme rein. "Aufstehn, Aaron ist fast da!", sagte ich und drehte mich um. Ich sah gerade noch, wie sie erschrocken aus dem Bett fiel und dumpf auf dem Boden aufkam. "Sorry!", sagte ich gerade noch so, da hüpfte ich schon die Treppe runter, während ich mir meine Stiefel anzog. Ich öffnete die Haustür und da stand er schon. "Ich..äh.. wollte gerade klopfen", sagte er und grinste verlegen. Da stand er nun, unser neuer Trainer und Stallbursche. Ich konnte wirklich Hilfe gebrauchen. Besonders wenn ich mal ein paar Wochen weg war um Pferde zu trainieren, beruhigte es mich ungemein, wenn ich neben meiner Cousine und Auszubildenden noch jemanden am Stall hatte, der Ahnung von Pferden hatte. Sein fragender Blick riss mich aus den Gedanken. "Äh, ja klar! Willkommen auf der Gips Reminder Ranch. Ich bin Verena, die Leiterin des Hofes. Und da ist Alexis, meine Cousine und Auszubildende", gerade hatte ich den Satz beendet, lief Alexis schon die Treppe runter und fiel beinahe noch hin, hätte ich sie nicht so halb aufgefangen. "Pass auf", zischte ich leise, während sie Aaron überschwänglich die Hand schüttelte.
      "Na dann wollen wir mal..", sagte ich nun wieder lächelnd zu dem Neuen und zeigte ihm zunächst sein Zimmer. Es lag zwischen meinem und dem von Alexis. Der Arme tat mir jetzt schon leid.
      "Alexis?", fragte ich und drehte mich um. Natürlich stand sie genau hinter mir. "Würdest du Frühstück machen, ich zeig Aaron den Hof." Missmutig willigte sie ein und Aaron und ich verliesen die obere Etage, um nach draußen zu gehen. "Wir sind gerade erst aufgestanden, deshalb stehen noch alle Pferde im Stall", sagte ich zu ihm und führte ihn ein wenig auf der Anlage herum, ehe wir in den Stall gingen. Er war begeisterter Springreiter und natürlich gefiel ihm unser Springplatz besonders gut. Nur fehlte uns leider noch ein Pferd für ihn. Doch das würde sich bald schon noch finden.
      Im Stall angekommen, gingen wir zu erst die Stuten der Westernstallung durch. Bella, Lena, Holly, Princess, Vice, Devil, Cherokee, Amarula, Dancing, Summer und Hope. Besonders gefielen ihm Cherokee und Wimpy, da die beiden ein wenig eigen waren, was ihren Charakter anging. Danach gingen wir zu den Hengsten der Westernstallung und ich zeigte ihm Gen, Spooky, Ready for Action, Pow, Dayli, King, Enjoy, Ali, Winny und Blue. Spooky fand er aufgrund seiner Farbe sehr interessant und auch Blue entlockte ihm ein Lächeln. Er war kein so großer Westernfan, doch er sagte, er würde die ganze Materie gerne erlernen.
      Die Englischen Volllbüter interessierten ihn auch sehr, und er konnte gar nicht sagen ob er Hell, Nova, Jagger, Faster oder Walker am tollsten fand.
      "Nun kommen wir zum letzen Teil, meinen Sportpferden", sagte ich und zeigte ihm die restlichen Pferde: Choco, Gipsy, Striga, Skrúður, Vin, Hængur, Maxi, Palimé, Gulrót, mein neues Fohlen Peppy und meine beiden DRP's Cuba und Spirit.
      "Der Tekke und die Reitponys machen etwas her", sagte er. "Springen die auch?", fragte er mich dann, was ich mit einem Nicken beantwortete. "Generell kannst du mit allen meinen Pferden springen, doch wir werden die noch ein richtiges Springpferd hier auf den Hof holen, versprochen", sagte ich lächelnd und konnte das Strahlen in seinen Augen erkennen.
      Nachdem wir mit der Inspektion fertig waren, gingen wir ins Haus, wo Alexis uns das Frühstück gemacht hatte. Während des Frühstücks erzählte Aaron uns einiges aus seinem Leben, und dass seine Familie früher einmal Pferde gehabt hatte, doch er war zu groß für sie geworden und ein richtiges Springpferd konnten sie sich nicht leisten. Nachdem dannd er Hog, wo er Springstunden nahm, bankrott gegangen ist, hatte er den Traum vom Springen aufgegeben. Meine Anzeige hatte ihm neuen Mut gemacht, weshalb er nun hier war, um wieder mit Pferden zu arbeiten. "Das höre ich gerne!", sagte ich. "Wie wärs denn mit einem kleinen Ausritt? Alexis?", fragte ich in die Runde und sah in das vor Glück grinsende Gesicht meiner Cousine, was wohl ein eindeutiges 'Ja' war. "Aaron?", fragte ich nun an ihn gewandt und er antwortete: "Na klar, warum nicht", antwortete er lächelnd und ich biss ein letzes Mal in mein Brötchen. "Alex, räumst du ab? Ich mach dein Pferd dann soweit fertig, bis du zu uns kommst", sagte ich und blickte nun in ein sehr, sehr verärgertes Gesicht. Doch ich hatte noch ein Attentat auf sie vor, dass sie nicht ausschlagen würde. Zusammen mir Aaron ging ich dann wieder die Pferde durch, bis er sich für eines entschieden hatte. Er wollte Choco näher kennenlernen und holte ihn schonmal aus der Box, band ihn an dieser an und fing an zu putzen. Ich war mir nicht ganz sicher, welches Pferd ich holen sollte und suchte deshalb zu erst das Pferd für Alexis aus. Sie hätte mich sicher umgebacht, hätte ich ihr einen der Isländer geholt, weshalb ich sie auf meinen gelehrigen, aber stütmischen Pow setzte.
      Ich war in der Versuchung, Devil zu reiten, doch damit hätte ich die beiden Hengste verrückt gemacht, weshalb ich mich für meinen Wallach Gipsy entschied. Ein wenig Abwechslung tat ihm sicherlich gut.
      Nachdem ich Gipsy und Pow geputzte hatte, kam Alexis in den Stall und steuerte sofort den Hengst an. Sie wusste genau, dass ich niemanden außer mir Gipsy reiten lies, da er mein ein und alles war.
      Aaron sah etwas unbeholfen mit dem Westernsattel aus, weshalb ich Alexis anwies ihm zu helfen. Etwas anderes erregte meine Neugierde. Peppy brummelte ein wenig unbeholfen und tapste um ihre Mutter herum. Ihre Vorderbeine standen ein wenig komisch, weshalb ich sofort meinen Tierarzt des Vertrauens anrief. "Hallo Dr. Canary, hier ist Verena. Wäre es möglich, dass Sie in den nächsten Tagen einmal vorbeikämen? Mein vor kurzem geborenes Stutfohlen läuft nicht klar und scheint Probleme mit den Vorderbeinen zu haben....Ja, ja ok. Gut. Es wird jemand hier sein", antwortete ich ihr und legte auf. "Was ist los?", Alexis hatte sich hinter mich gestellt und schaute Peppy zu, wie sie langsam in der Box umherging. Auch Aaron hatte sich zu uns gesellt. "Ich habe gerade den Tierarzt angerufen, Dr. Canary soll sich die Stute in den nächsten Tagen einmal ansehen." Damit war das Gespräch beendet und ich machte mich daran, Gipsy zu satteln. Alle drei Pferde hatten einfache Wassertrensen im Maul und ihre älteren Sättel. Auch die Pads waren ein wenig älter. Die neuen Sachen, die ich vor kurzem gekauft hatte, wurden nur für die Shows benutzt. Ich zog allen drei noch Bandagen an, ehe ich den Sattelgurt bei Gipsy nochmals nachzog und als erste auf den Hof ging. Dort schwang ich mich hoch und ging vor. Hinter mir Aaron, als Schlusslicht Alexis. Ich zeigte den Beiden, doch vor allem Aaron die Gegend. Wir ritten an einem Fluss vorbei, der in einen See mündete. "Hier kann man im Sommer sehr gut mit den Pferden schwimmen. Ist auch hier in der Gegend der einzige See, in den man mit Pferden rein darf", erklärte ich den beiden, ehe wir umdrehten und ein Stück galoppierten. Ich hatte mich neben Aaron gesellt, weil ich sehen wollte, ob er sich auf dem Tekken halten konnte- aber auch, weil Choco manchmal ganz schön abgehen konnte, wenn er wollte. Nach dem kurzen Galopp ging ich wieder nach vorne und dann waren wir auch schon wieder am Hof, sattelten die drei Pferde ab und brachten sie auf die Koppel. Nun waren die anderen Pferde dran und ich beauftragte Aaron, sich um die Englischen Vollblüter zu kümmern, während ich mich um die Hengste und Stuten der Westernstallung kümmerte und Alexis sich um die Turnierpferde.

      Aus Aarons Sicht:
      Ich hatte von meiner Chefin den Auftrag bekommen, mich um die Englischen Volllbüter zu kümmern. Auf Hell sollte ich besonders aufpassen, da sie wohl eine kleine Zicke war. Etwas unsicher betrachtete ich mir die Palominostute, aber ebenso die Braune in der Nachbarbox, die ständig ihren Kopf zu Hell neigte und sie anbrummelte. Die Beiden schienen sich wohl zu verstehen, weshalb ich sie ans Halfter nahm und sie zusammen nach draußen auf die Koppel brachte. Nova, wie an dem Schild der Braunen stand, war das Gegenteil der hellen Stute. Sie war ruhig und gelassen, aber auch etwas trotzig, wenn ich nicht den Weg ging, den sie gehen wollte. An der Koppel angekommen, zog ich zu erst ihr Halfter aus, was sich als großer Fehler bewies, denn als sie davon galoppierte, setzte Hell einfach nach, riss den Kopf hoch und galoppierte ebenfalls über die Koppel. "Mist..", fluchte ich und ging ihr nach. Etwas widerwillig kam sie dann doch auf mich zu und lies sich das Halfter ausziehen. Meine Chefin hatte zum Glück nichts davon mitbekommen, weshalb ich nun die anderen Pferde rausholte. Jagger und Faster brachte ich auch zusammen raus. Als letztes war dann der braune Hengst dran, der mich wohl besonders ins Herz zu schließen schien. "Mal ein Kerl unter den ganzen Weibern, nicht war mein Junge?", fragte ich den Hengst und streichelte seinen Kopf, den er mir sanft in die Hand schmiegte. Er musste leider alleine stehen, da er nicht mit den Stuten zusammendurfte. Doch er konnte über den Zaun hinweg mit ihnen schmusen- es sei denn, eine von ihnen kam zum schmusen zu ihm rüber. "Armer Junge..", flüsterte ich, ehe ich die Halfter an die Zaunpfähle hing, in den Stall ging und mit dem Ausmisten anfing. Meine Chefin hatte Recht gehabt: heute morgen war noch niemand im Stall gewesen, weshalb ich einiges zu tun hatte mit ausmisten, Wasser geben und füttern. Das Füttern war so eine Sache für sich, da jedes Pferd unterschiedliche Kraftfutteranteile bekam. Bis ich da drin war, würde es wohl eine ganze Weile dauern...

      Aus Alexis' Sicht:
      Murrend stiefelte ich zu den Turnierpferden rüber. Alexis mach dies, Alexis mach das, Alexis mach mach mach.. summte ich vor mich hin, ehe ich an den Boxen ankam. Choco und Gipsy waren schon draußen. Die nächsten die ich also rausbringen konnte waren Palimé und ihr Fohlen Peppy. Zu ihnen auf die Koppel stellte ich noch Gulrót und Striga, damit die Fohlen und Jungpferde ein wenig zusammen waren. Dann brachte ich Skrúdur, Maxi und Haengur auf die selbe Koppel. Ich überlegte kurz ob ich Spirit dazu stellen konnte. Aber sie hatten genug Platz um sich aus dem Weg zu gehen, weshalb ich ihn also zu den beiden Hengsten stellte. Dann waren nur noch Vin und Cuba da, die ich doch zu den Fohlen und Palimé stellte. Dann war meine Palominostute nicht ganz so überfordert mit den Kleinen. Kaum waren alle draußen, fing ich auch schon an die Boxen zu misten und ihnen Wasser und Futter zu geben...

      Aus Verenas Sicht:
      Ich musste mich um die meisten Pferde kümmern, doch das war kein Problem, denn mir gehörten sie ja auch alle. Ich hatte mich mit dem Handy schon auf die Suche nach einem Springpferd für Aaron gemacht, und mir waren auch schon ein paar ins Auge gesprungen, doch ich war mir noch nicht so sicher, ob ich sie holen würde, denn Aaron war erst einen Tag hier. Die Verkäuferin war mir jedoch sehr vertraut, und falls sie nichts für Aaron waren, würde sie die Pferde auch zurücknehmen.
      Am Westernstall brachte ich zu erst die Fohlen zusammen auf eine Koppel. Lena, Holly, Hope, Ready for Action, King, Enjoy und End waren glücklich nochmal miteinander draußen sein zu dürfen. Bald konnte ich sie nicht mehr zusammen auf die Koppel bringen, da einige eingeritten würden und ins Training kamen. Doch solange sie klein waren, konnten sie ihr Leben noch genießen. Gen und Spooky brachte ich zu Pow auf die Koppel, der bis dato alleine gestanden hatte. Ali, Blue und Winny kamen auch zusammen. Dann waren die Hengste auch schon alle draußen. Bei den Stuten brachte ich Devil und Amarula zu Palimé, Vin und Cuba. Da Palimé die Chefin dieser Herde war, würden Devil und Amarula sich unterordnen müssen.
      Bella brachte ich mit Vice und Cherokee auf die Koppel, ehe als letztes meine beiden neueren Pferde rausstellte: Summer und Moon, wie ich sie gerne nannte. Als alle draußen waren, mistete ich die Boxen und stattete sie alle mit Heu aus, ehe ich jedem der Pferde Kraftfutter rationierte, bevor ich Alexis und Aaron ins Haus schickte etwas zu kochen, denn es war schon Abend geworden in der wunderschönen Türkei und es war schon am Dämmern. Nun mussten alle Pferde wieder rein, was ich auch in einer dreiviertel Stunde geschafft hatte.
      Ich ging ins Haus, wo die beiden auf mich warteten und wir gemeinsam etwas aßen. "Und wie gefällt es dir bis jetzt hier, Aaron?", fragte ich ihn. "Ganz gut, wirklich!", antwortete er mir und grinste bis über beide Ohren. Ich lies es damit gut sein und lächelte kurz. "Morgen ist wieder viel zu tun, geht euch ausruhen, ich räum das hier auf", sagte ich und fing an die Spülmaschine einzuräumen. Die beiden gingen nach oben, während ich die Küche in Ordnung brachte und die Person anrief, von der ich die Springpferde kaufen wollte. Ich durfte mir die Tiere mal anschauen kommen.
      Voller Vorfreude ging ich noch einmal kurz durch den Stall, um zu schauen, ob auch wirklich alles in Ordnung war. Dann ging ich ins Bett. Morgen würde ich die Tiere gucken fahren.

      Reining LK 5 - LK 4
      Januar 2015, by Veija
      Heute war wieder einer der Tage, an denen ich gar nicht aus dem Bett aufstehen wollte. Ich hatte mir so viel vorgenommen, was ich am Ende des Tages erledigt haben wollte, dass ich es jetzt schon für einen Fehler hielt und am morgigen Tag vor Muskelkater sterben würde.
      Seufzend erhob ich mich aus dem Bett und ging duschen, ehe ich mir meine Thermoreithose und einen warmen Pulli anzog. Dazu meine gefütterten Stiefel. Mit einer dicken Jacke bewaffnet ging ich nach unten, um etwas zu essen. Caleb und die anderen waren schon im Stall und machten ihre Pferde fertig. Natürlich war ich wieder die Letzte. Doch da ich die Chefin war, war das egal.
      Ich zog also meine dicke Jacke an und ging in den Stutentrakt, wo ich zunächst Bella auf die Koppel brachte. Sie brauchte heute nicht trainiert zu werden, weshalb sie ihr Leben heute im Schnee genießen durfte. Zwar stand sie alleine draußen, doch es kamen später noch andere Pferde dazu.
      Caleb hatte sich Lil Princess Gun geschnappt, Aaron machte Vice fertig, ich holte Devil aus der Box und Alexis sattelte gerade Cherokee Rose. Princess sollte in Western von der LK 5 auf die LK 4 in der Reining gebracht werden, Vice ebenfalls, Devil von der LK 4 auf die LK 3 und Rosy ebenfalls auf die Lk 4. Doch das war noch nicht alles. Ich wollte heute alle meine Pferde mit Hilfe meiner Angestellten weiterbilden. Also ans Werk:
      Devil zickte mal wieder rum wie sie es so oft tat, doch nach einer Weile war sie genau wie die anderen Pferde gesattelt und wir gingen in die Halle. Nach dem Nachgurten schwangen wir uns alle in die Sättel und ritten die Pferde warm. Während Caleb Alexis und Aaron erklärte, wie sie die Pferde zu trainieren hatten und anfingen erste Spins zu drehen, übte ich mit Devil das angaloppieren auf der richtigen Hand, das Stoppen und die Roll Backs. Immer wieder schaute ich zu meinen Angestellten rüber, wie sie die Pferde ritten. Doch mit Calebs Hilfe hatten sie die Tiere bald so weit, dass sie ordentliche Spins konnten, Back Ups kein Problem mehr waren, sie einfache Galoppwechsel ritten konnten und die Tiere langsame Roll Backs konnten. Zufrieden lächelte ich und klopfte Devil den Hals, ehe ich eine leichte Pattern durchritt und sie definitiv in der LK 3 starten konnte. Ich schwang mich vom Pferd, schnappte mir Vice und schwang mich auf ihren Rücken, während Aaron Devil wegbrachte. Auch mit Vice ritt ich eine einfache Pattern um zu schauen, ob sie in der LK 4 starten konnte. Ja, sie konnte. Ich stieg ab, übergab sie Alexis und setzte mich auf Cherokee, die natürlich total rumzickte und es nicht einsah, mit Sporen geritten zu werden. Doch sie fügte sich ihrem Schicksal und ritt Caleb und Princess genau hinterher, da wir die selbe Pattern ritten. Es war zwar etwas umständlich, doch es klappte. Sehr zufrieden lobten wir die Pferde und brachten sie wieder in den Stall, wo Aaron und Alexis schon Summer und Honey sattelten. Ich machte mein Pferd fertig und brachte sie mit Decke auf die Koppel zu den Anderen. Auch Princess kam auf die Koppel, ehe Caleb und ich uns Amarula und Moon fertig machten. Moon wurde mit Bosal geritten, weshalb ich sie lieber selber übernahm, als sie dem radikalen Caleb zu überlassen. Auch wenn es mir nicht gefiel, dass er meine Zicke Amarula ritt. Nach und nach waren wir fertig mit satteln und gingen in die Halle, wo wir uns nach dem Nachgurten in die Sättel schwangen. Da wir alle Pferde von der LK 5 in die LK 4 bringen mussten, war das Training klar: Caleb und ich machten vor, Aaron und Alexis machten nach. So dauerte es nicht lange, bis die Pferde langsame Spins beherrschten, Back Ups kein Problem mehr waren und die Roll Backs einigermaßen klappten. Alles musste heute etwas schneller gehen, weshalb wir die Pferde schon in den Stall brachten, sie absattelten, ihnen die Decken auflegten und sie auf die Koppel brachten.
      Die nächsten Pferde waren die neueren Pferde, mit denen wir etwas langsamer machen mussten. So waren wir sehr schnell mit Angelic Desolation, Born to Die, Goddess und Croatoan in der Halle und brachten ihnen die Grundlagen der Westernkunst bei. Jedoch dauerte es bei ihnen doch etwas länger, so dass wir Goddess, also das Pferd, das schneller lernte, gegen Sheza tauschten. Sheza war durch ihre Platzierungen sehr talentier, weshalb wir sie auch sehr schnell fertig hatten und alle Pferde absatteln und auf die Koppel bringen konnten. Nun folgten die Hengste.
      Genuine Lil Cut, Funky Powerbabe, Dead or Alive und What Lies Ahead waren die nächsten Kandidaten. Auch diese mussten in der Westernklasse von der LK 5 auf die LK 4 gebracht werden.
      Nach dem putzen und satteln waren wir erneut schnell in der Halle und ritten die Pferde warm, ehe die Übungen an der Reihe waren. Die 4 lernten schnell, weshalb wir nach knapp einer halben Stunde richtigem Training fertig waren und wir sie wieder in den Stall bringen konnten. Wir sattelten ab, legten die Decken auf und brachten sie auf die Koppel. Mittlerweile schneite es einzelne Flöckchen, weshalb die nächsten Pferde leider nicht mehr auf die Koppel kommen würden.
      Es folgten die letzten vier Pferde. Zues konnte man ja sowieso nicht anpacken- noch. So machten wir Gun and Slide, Flintstone, Sympathy for the Devil und Siku fertig. Auch sie waren alle relativ neue Pferde und brauchten lange zum warm werden mit uns. Doch es dauerte nicht lange, da liefen sie einzelne Figuren der Westernreitere beinahe perfekt, weshalb wir hier auch nach knapp einer Stunde fertig waren. Wir brachten sie zurück in den Stall und stellten sie dann doch auf die Koppel. Hengste waren nicht so empfindlich wie die Stuten oder unsere Fohlen.
      Draußen war es jetzt schon dunkel, doch die restlichen Pferde wollten auch noch trainiert werden. Doch nun wurde es kompliziert: Ich sollte Gipsy reiten und von der LK 4 in die LK 3 bringen, Aaron würde Emilio im Springen von E nach A bringen, Alexis würde Black Ops von E nach A im Springen bringen und Caleb würde Snuff in der Dressur weiterbringen. Das sah nach einem riesen Durcheinander in der Halle aus, als Caleb Trabstangen aufbaute, Alexis und Aaron die Hindernisse richteten und ich mittendrin mit Gipsy lief. Wir entschieden uns dann um, so dass Alexis und Aaron die Hälfte der Halle nutzen konnten, sowie Caleb und ich die Andere, da wir weniger Utensilien brauchten. Gipsy war wie immer leicht zu reiten und war sehr schnell in allen Lektionen sicher, weshalb ich ihn rasch gegen Steel Heart tauschte, die ich vor kurzem erst eingeritten hatte. Aber auch sie machte gut mit und wir hielten und sehr an Snuff und Caleb, da sie ja die selben Übungen machten wie wir. Aaron und Alexis waren schon vor uns aus der Halle verschwunden, da sie ja auch früher angefangen hatten. Auch Caleb ging irgendwann, so dass ich alleine mit Snuff in der Halle war. Lächelnd lobte ich die Stute, als sie sich schön bog, um die Kehrtvolte zu reiten. Sie war wirklich talentiert, weshalb ich es auch für heute gut sein lies.
      Als ich mit ihr in den Stall ging um sie abzusatteln, waren schon alle Boxen gemistet und alle Pferde wieder in ihren Boxen. Zufrieden sattelte ich die Stute ab und stellte sie weg, nachdem ich sie gelobt hatte. Nächsten Monat hatte ich mehr Zeit für die Pferde und würde sie alle ordentlich trainieren.

      Tierarztbericht für alle Pferde
      Februar 2015, by Loulou
      Heute hatte ich wieder einen Großauftrag vor mir. Ich sollte alle Pferde von Verena behandeln. Von meiner Wohnung bis zu ihr war es nicht sehr weit, weshalb ich sehr schnell bei ihr war. Außerdem freute ich mich, da ich meine Beiden Pferde Snuff und Steel Heart besuchen konnte. Leider mussten mich meine Pferde verlassen, da ich beruflich bedingt umziehen musste und die Pferde nicht mitkommen konnten.
      Bei Verena angekommen verwickelte mich Caleb zunächst in ein Gespräch und wollte mich gar nicht mehr gehen lassen. Als ich mich dann endlich von ihm lösen konnte, kam mir Verena auch schon entgegen und umarmte mich lächelnd. Wir redeten eine Weile, bevor wir uns zu dem ersten Pferd begaben. Die erste war Drag me to Hell, die ihre alte Besitzerin sofort erkannte. Sie wiehrte mir freudig entgegen und streckte ihren Kopf aus der Box heraus, um gestreichelt zu werden. "Na mein Mädchen?", sagte ich und nahm sie raus. Es folgte eine allgemeine Untersuchung aller Vitalwerte, doch die waren top in Ordnung. Ich schaute mir ihren Pass an, ehe ich die nötigen Impfungen auffrischte und ihr die Wurmkur verpasste. Zum Schluss wurde sie gechippt, was ihr nicht so wirklich gefiel, aber das musste sein.
      Schon waren wir mit ihr fertig, ehe Verena schon das zweite Pferd holte. Es war Supernova, die mich auch noch erkannte. Lächelnd streichelte ich ihren Kopf und überprüfte ebenfalls ihre Vitalzeichen, frischte die Impfungen auf, gab ihr eine Wurmkur und chippte sie. Fertig war auch Nova.
      Nun kam Verena mit einer wunderschönen Red Roan Sabino Stute. Ich überprüfte wie bei den anderen zuvor ihre Vitalzeichen, frischte die Impfungen auf, gab ihr eine Wurmkur und chippte sie.
      Als nächstes war Faster an der Reihe. Ich überprüfte wie bei den anderen zuvor ihre Vitalzeichen, frischte die Impfungen auf, gab ihr eine Wurmkur und chippte sie.
      Nun war ein Hengst an der Reihe. Firewalker hies der Gute. Auch seine Vitalzeichen wurden überprüft, seine Imfpungen aufgefirscht, die Wurmkur verpasst und der Chip unter die Haut gesetzt. Das Selbe geschah auch mit dem kleinen Hengst Filly. Augen auf betrachtete ich nur durch die Box hindurch, ihr fehlte nichts, da der Tierarzt erst vor Kurzem nach ihr geschaut hatte.
      Wir waren fertig mit den Englischen Vollblütern und gingen zu den 3 Pferden der Angestellten. Der alte Wallach Emilio war der erste, um den ich mich kümmerte. Ich checkte seine Vitalzeichen, frischte Impfungen auf, gab ihm die Wurmkur und setzte den Chip unter seine Haut. Alles lies er brav über sich ergehen, ehe ich ihm ein Lekerli hinstreckte, welches er genüsslich fraß.
      Das nächste Pferd war Black Ops. Sie kannte ich auch noch, auch wenn sie sich nicht mehr an mich erinnern konnte. Ich überprüfte wie bei den anderen zuvor ihre Vitalzeichen, frischte die Impfungen auf, gab ihr eine Wurmkur und chippte sie.
      Das letzte Pferd der drei war ein Isländer Mix, mit einer sehr schönen Farbe. Die Kleine war zunächst etwas zickig, doch auch hier klappte alles. Ich überprüfte wie bei den anderen zuvor ihre Vitalzeichen, frischte die Impfungen auf, gab ihr eine Wurmkur und chippte sie.
      Der erste im Sportstall war Gipsy. Ihn kannte ich auch noch. Er war neben Bella Verenas Lieblingspferd. Ich konnte mir nicht vorstellen, was wohl geschehen würde, wenn einem der Beiden etwas zustoßen würde. Ich überprüfte wie bei den anderen zuvor seine Vitalzeichen, frischte die Impfungen auf, gab ihm eine Wurmkur und chippte ihn. Schon war der Wallach fertig.
      Die nächste war eine sehr ungewöhnliche Stute. Eine Kreuzung aus Quarter Horse und Andalusier. Doch auch ihre außergewöhnliche Rasse konnte sie nicht vor dem Tierarzt schützen. Ich überprüfte wie bei den anderen zuvor ihre Vitalzeichen, frischte die Impfungen auf, gab ihr eine Wurmkur und chippte sie.
      Es folgten Skrúður, Vin, Hængur, Gulrót, Harley, Náttdís und Eldrian Antrax, deren Vitalzeichen alle in Ordnung waren, weshalb ich sie impfen konnte bzw die Impfungen auffrischen konnte. Allen verpasste ich eine Wurmkur und chippte die Pferde, die noch nicht gechippt waren.
      Bei Snuff und Steel Heart ging ich besonders gründlich vor, da die Beiden erst vor ein paar Tagen in Verenas Stall gewechselt hatten. Die beiden hatten etwas erhöhte Temperatur, doch das kam durch den Stress und die ganzen neuen Pferde. Dennoch konnte ich impfen, Wurmkur verpassen und chippen. Schon waren wir mit den Sportpferden fertig, weshalb Verena und ich zu den Westernpferden gingen. Zu erst waren die Hengste dran.
      Die ersten waren Genuine und Spooky. Es folgten Ready for Action und Stütchen. Mit Stütchen war natürlich Funky Powerbabe gemeint, doch für mich und Verena war er mehr weiblich, als männlich. Genau so stellte er sich auf an, als wir chippen wollten. Doch es sei ihm verziehen. Die nächsten waren King Bee, Enjoy und Ali. Gefolgt von What Lies Ahead, Gun and Slide und Charly. Bei ihnen klappte auch alles super, weshalb ich schnell bei Flintstone, Sympath und Siku war.
      Nun kam der schwierigste Kandidat: Zues. Impfen mussten wir mit dem Blasrohr, die Wurmkur mischten wir ihm in sein Futter. An chippen war nicht zu denken.
      Schon waren wir fertig mit den Hengsten, weshalb es zu den Stuten ging. Die erste war Bella, die mich neugierig beäugte. Sie kannte mich ja auch schon lange. Lächelnd klopfte ich ihren Hals, ehe ich ihre Vitalzeichen untersuchte, sie impfte, ihr die Wurmkur gab und schließlich chippte.
      Bei Snapper Little Lena war das Ganze etwas schwieriger. Die Stute war nämlich blind und reagierte auf alles ganz anders, als die anderen Pferde. Wir holten ihr Holly Golightly zur Hilfe, damit sie sich an ihr orientieren konnte. Ständig hatte sie ihre Nase an Hollys Fell, um sich zu vergewissern, dass sie noch da ist. Die Untersuchung verlief noch sehr gut. Das impfen und die Wurmkur ging auch noch, nur das chippen machte ihr und Holly ein wenig Probleme. Doch alles verlief gut, weshalb wir uns den restlichen Pferden widmen konnten.
      Princess Gun, Vice, Devil, Cherokee Rose, Amarula, Moonrise, Summertime, Dawn of Hope, Honey, Angelic Desolation, Born to Die, Comeback of a fallen Goddess, Croatoan, Raised from Hell, Sheza, Secret, Wusel und Crow. Mal verlief die Untersuchung sehr gut, mal hatten wir ein paar Probleme. Doch nun waren wir fertig und Verena zeigte mir noch voller Stolz ihr erstes Paint Horse Fohlen. Aquila. "Wirklich eine Schönheit", sagte ich und wir gingen noch ein wenig ins Haus, um zu reden. Schließlich verabschiedete ich mich von ihr und ihren Mitarbeitern, ehe ich nach Hause fuhr.

      Distanz E auf A
      Februar 2015, by Veija
      Im Moment war mal wieder gar keine Zeit für die Pferde. Ein Wunder, dass ich mit dem Trainieren nachkam. Doch heute würden wir uns um alle Tiere kümmern, schließlich sollten sie bald Kör- und Krönbereit sein!
      Ich schmiss Bellas Vielseitigkeitssattel auf ihren Rücken, Aliena kümmerte sich um Princess, Alexis kümmerte sich um Wimpy, Caleb um Amarula und Aaron um Shadow, die mit Abstand die bravste von allen war.
      Die Strecke war schnell ausgesucht: die selbe wie für alle anderen Pferde, die wir auf A bringen wollten. Also ging es nach dem satteln schon los. Zunächst über den Hof, auf den Feldweg. Dann eine lange Schrittstrecke, einen Berg hoch im Galopp, ein wenig Trab, eine lange Schritstrecke, eine Galoppstrecke und eine lange Trabstrecke. Dann waren wir auch schon wieder daheim und konnten sagen, dass die Pferde mit ein wenig mehr Training fertig für die Klasse A waren. Fertig für ihre Box stellten wir die 5 Pferde weg, ehe 5 andere an der Reihe waren.
      Nun ging es um Summer, Honey, Ally, Bailey und Goddess. Wir entschieden uns spontan, wer wen reiten sollte, wobei ich mich für Goddess entschied. Schließlich konnte ich nicht immer die selben Pferde reiten- aber es gab welche, auf die ich niemand sonst lies; normalerweiße. Zu diesen Pferden gehörten Gipsy und Bella.
      Also ging es ans satteln. Wir brauchten ein wenig länger, als vorher, weil die 5 auf der Koppel gestanden hatten und dementsprechend aussahen. Doch endlich ging es los!
      Wir ritten die selbe Strecke wie eben: zunächst über den Hof, auf den Feldweg. Dann eine lange Schrittstrecke, einen Berg hoch im Galopp, ein wenig Trab, eine lange Schritstrecke, eine Galoppstrecke und eine lange Trabstrecke. Dann waren wir auch schon wieder daheim. Leider dämmerte es nun, weshalb diese fünf die Letzten für heute waren. Nach dem absatteln kamen sie in die Box, wo sie reichlich Heu und Kraftfutter bekamen, damit das Training in den nächsten Tagen besser weitergehen konnte. Nun gingen alle ins Bett und freuten sich auf morgen- oder auch nicht. Denn es stand noch mehr Arbeit an.
      Schon am frühen Morgen waren wir alle auf den Beinen und machten Toy, Sheza, Grace, Gen und Spooky fertig.
      Nun standen wir vor der Frage, wer die Hengste reiten sollte. Zum Schluss entschieden wir uns dafür, dass ich meinen geliebten Spooky ritt und Caleb sich Gen schnappte. Aliena ritt Toy, Alexis Sheza und Aaron Grace. Nach dem satteln also ritten wir auf den Hof, wo wir uns nach dem nachgurten auf die Pferde setzten. Wir ritten die selbe Strecke wie am Tag zuvor und konnten am Ende des Trainings 5 erfolgreich in der Klasse A laufenden Pferde vorstellen. Etwas schneller als gestern machten wir die Tiere für die Koppel fertig, ehe neue fünf folgten. Funky, Ali, Winny, Blue und Flint. Auch mit ihnen waren wir ruck zuck auf der Strecke und wieder zurück. Für zehn Pferde hatten wir heute noch Zeit. Doch wir alle wollten Feierabend machen, weshalb wir uns doch sehr beeilten. Die nächsten waren: Dash, Suke, Sol, Gipsy und Emil.
      Hier waren die Reiter sofort klar- naja, zwei davon. Gipsy würde ich reiten und Emilio würde von keinem Anderen außer außer Aaron geritten werden. Nach dem satteln ging es auf die Pferde und auf die Strecke. Weil wir ein wenig auf den alten Wallach achten mussten, blieben Aaron und ich ein wenig zurück, während die anderen drei ihre Pferde ganz normal trainierten. In dieser Zeit verquatschten Aaron und ich uns, so dass wir viel zu spät am Hof ankamen, und es schon dunkel wurde. Da wir nichts riskieren wollten, beließen wir es für heute dabei und brachten alle Pferde weg.
      Am morgigen Tag waren alle ziemlich schlecht gelaunt. Sie hatten alle Muskelkater- verständlicherweise. Doch die Arbeit musste getan werden und wir waren fast fertig!
      Es fehlten nur noch: Skrudi, Vin, Hartmut, Letty, Ops, Snuff, Heart und Maracuja, die bald wieder zurück an Ofagwa gehen würde. Nichts desto trotz, trainierte ich sie mit.
      Wir mussten die Pferde zwar aufteilen, und mit Snuff, Heart und Cuja zu dritt gehen, doch es lohnte sich allemal.
      Am Ende des Tages waren alle Pferde in Distanz auf der Klasse A angelangt! Wir hatten zwar über einen Monat mit dem ganzen Training gebraucht, doch hauptsache wir konnten sie jetzt weiter fördern.

      Distanz A- L
      März 2015, by Veija
      Auch Blue, Flint, Pathy, Siku und Sol kamen nicht um das Training herum. So wurden die Hengste nach und nach von mir und meinen Mitarbeitern gesattelt, ehe es raus auf den Hof ging, wo wir uns auf die Tiere setzten. Ich war am Überlegen, ein paar der Pferde zu verkaufen, doch leider konnte ich mich von keinem der Pferde trennen, weshalb sie dann doch wieder alle blieben.
      Auch in Canada wütete zur Zeit ein Sturm, jedoch war er nicht so stark wie der in Europa, weshalb wir einen Ausritt beziehungsweise einen Trainingsritt wagen konnten. Doch schon nach wenigen Schritten merkte ich, dass Blue nicht so gut drauf war wie sonst. Ich schickte die anderen schonmal vor, ehe ich mich von seinem Rücken schwang und mir den Hengst einmal genauer ansah. Er war doch recht schlank geworden. Da er jedoch vor kurzem erst entwurmt worden war, konnte er zumindest keine Würmer oder Sonstiges haben. Geeimpft war der Hengst auch komplett. "Seltsam...", murmelte ich und kontrollierte die Sattellage nochmal, ehe ich den Gurt doch ein wenig lockerte, da er Probleme beim Atmen zu haben schien. Ich machte mir jedoch weiter nichts draus, da Blue auch sonst eher eine ruhige Seele war und recht unauffällig.
      Ich schwang mich wieder in den Sattel und trabte den Anderen nach, die wir sehr schnell einholten, da sie im Schritt geblieben waren. Schon jetzt merkte ich, dass Blue ein wenig besser lief. Also schien das nur an dem Sattelgurt gelegen zu haben, dass der Hengst nicht richtig gelaufen war. Doch warum er so mager war konnte ich mir nicht erklären..
      Nach und nach bauten wir fünf immer mehr an Tempo auf, bis wir schließlich wieder am Stall angekommen waren. So schnell konnte eine Trainingseinheit zu Ende sein, dachte ich mir lächelnd und stellte Blue in seine Box. Jedoch legte ich ihm eine Decke auf und gab ihm ein wenig mehr Kraftfutter, besonders welches, wovon er schneller zunahm. Dann ging ich zum Arbeitsplan und strich auch diese Pferde durch.

      Darling
      April 2015, by Veija
      Schon früh am Morgen waren meine Mitarbeiter und ich auf den Beinen. Schließlich stand heute eine Art "Frühlingsputz" an, in dem wir alle Pferde bewegen wollten und ihnen ein wenig Aufmerksamkeit zukommen lassen.
      Wir begannen im Stutentrakt, wo Caleb, Aaron, Alexis, Aliena und ich nacheinander Bella, Princess, Devil Rosy, Amarula, Shadow, Summer und Like Honey and Milk in die Führanlage brachten, ehe wir uns um die Boxen kümmerten. Nach einer halben Stunde waren diese wieder sauber, so dass wir in jede Box einen Sack "Streupellets" schütteten, ehe wir die Heunetze auffüllten, das Wasser kontrollierten und jedem Pferd seine Ration Kraftfutter dosierten. Dann kamen die 8 Pferde wieder rein. An eine Pause war jedoch nicht zu denken, da wir nun Angelic Desolation, Bailey, Goddess, Croatoan, Sheza, Crow, Grace & Pluie in die Führanlage brachten, ehe wir auch deren Boxen ausmisteten. Raised from Hell und Annie blieben im Stall. Annie sollte sich noch ein wenig einleben, bevor es an die Arbeit ging. Raised from Hell bekamen wir nur mit Mühe ausgemistet, da sie noch nicht wirklich händelbar war. Seufzend schüttelte ich den Kopf. Sie war wohl ein Pferd, dass man brechen musste, um mit ihr arbeiten zu können. Caleb und ich würden uns in der nächsten Zeit wohl mit ihr beschäftigen müssen... Nun kamen die 8 wieder rein und stürzten sich auf ihr Kraftfutter.
      Weiter ging es zu den Hengsten. Gen, Spooky, Funky, Ali, Winny, Blue, Flint und Pathy kamen ebenfalls in die Führanlage. Siku stellten wir in den Round Pen, Sol kam kurz auf die Koppel. Zues stand noch immer in Penals eingezwängt auf einem Stück der Koppel, weshalb wir ihn nicht ausmisten mussten. Erneut waren wir nach einer guten halben Stunde fertig, so dass alle Pferde wieder in ihre Boxen zurück konnten- ganz zum Leidwesen von Sol, dem das bisschen Gras, was zur Zeit auf der Wiese war, sichtlich schmeckte.
      Weiter ging es zu den Vollblütern, wo wir in den letzten Tagen zwei Neuzugänge bekommen hatten.
      Erneut brachten wir die Pferde in die Führanlage. So waren Hell, Nova, Jagger, Faster, Abby, Zucker, Manni und April innerhalb 5 Minuten in Bewegung. Faster stellten wir in den Round Pen, da wir ihn nicht gerne mit den Stuten zusammenliesen. Nach etwa einer halben Stunde waren wir soweit fertig, dass die Pferde wieder reinkonnten.
      Es war fast geschafft, denn es fehlten nur noch 2 Stallteile. Nun waren wir also bei den Sportpferden angelangt: Gipsy kam auf die Koppel, Skrudi, Vin, Haengur und Glaeta kamen zusammen mit Ops, Oca, Snuff und Heart in die Führanlage. Emilio, Antrax, Maracuja, Callus und Kunis stellte ich auf verschiedene Koppeln. Für die Pferde viel zu schnell waren wir fertig mit der Arbeit, denn sie wollten liebend gerne noch weiter grasen. Doch alles fanden wieder ihren Platz in ihren Boxen.
      Nun gingen wir zu den Jungpferden in den großen Offenstall. Lächelnd begrüßten wir Lil, Holly, Action, King, Enjoy, Striga, Gulrót, Peppy, Dawn, Wildfire, Harley, Charly, Secret, Wusel, Náttdís, Aquila, Nucu und Nani. Wir verbannten alle Fohlen aus dem überdachten Bereich des Stalls, so dass wir in Ruhe ausmisten konnten. Aliena und Alexis gingen zudem noch über die Koppel und äfpelten diese ab. Als wie fertig waren, konnten die Fohlen und Jungpferde wieder unter den überdachten Teil. Es fing nun ziemlich stark an zu regnen, weshalb alle unter Dach wollten. Natürlich spielte Wildfire wieder mit dem Stroh und schmiss alles durch den Stall. Lachend schauten wir den Tieren zu, ehe wir überlegten, ihnen beim nächsten Misten auch Pellets zu geben. Doch uns war es lieber, die Fohlen schliefen im warmen Stroh.
      Wieder im Hauptstall angekommen, zog mich Caleb zur Seite. "So... something changed", sagte er unerwartet zu mir und ich merkte, wie mein Herz in meiner Brust hämmerte. "Something changed?", fragte ich ihn. "Yes, darling", sagte er in seinem charmanten Ton. In letzter Zeit hatte er mich immer öfter darling genannt, ohne dass er mir wirklich aufgefallen war- naja, jetzt viel es mir auf. "I'm sorry..", sagte er noch leise, ehe er seine Lippen auf die Meinen presste. Völlig verwirrt reagierte ich einfach gar nicht und stand stocksteif vor ihm, ehe ich den Kuss leicht erwiderte. Viel zu plötzlich löste er sich von mir und verschwand einfach in der regnerischen Nacht. "Wow..", sagte ich leise und strich mir über die Lippen, bevor ich ein unterdrücktes Lachen hörte. Aaron hatte uns gesehen. "Na was der Kerl vorhat...", sagte er unschuldig und zuckte mit den Schultern. Natürlich wusste er über Calebs Vorhaben bescheid, doch er wollte mir nichts verraten. Verwirrt ging dann also zurück ins Haus, wo ich mich nach dem Duschen sofort ins Bett legte.

      Trail LK 5- LK 4
      April 2015, by Veija
      Heute sowie die nächsten Tage hatten sich meine Mitarbeiter und ich viel vorgenommen. Alle Westernpferde sollten in Trail trainiert werden. Für Genuine und What Lies Ahead kam Catalina extra zu uns, diese beiden wären also schon raus. Cherokee Rose ebenfalls.
      Also blieben noch Gun and Slide, Flintstone, Sympathy for the Devil, Siku, Solitary, Lil Princess Gun, Wimpys Little Devil, Dancing Moonrise Shadow, Lovely Summertime, Like Honey and Milk, Goddess, Sheza bat cat, Marly's Pluie und Annie get your Gun. Alles sollen von LK 5 auf LK 4 trainiert werden, außer Annie. Diese war schon auf LK 4 und sollte auf LK 3 gebracht werden.
      Da dies nicht von heute auf morgen gehen konnte, teilten wir die Pferde in 3 Gruppen auf. Jedes Pferd würde dann jeden dritten Tag drei Wochen lang etwas arbeiten müssen.
      Wir fingen also am ersten Tag mit Gruppe 1 an. Nach fleißigem Aufwärmen der 5 Pferde ging es an die Basics: zunächst wurden also Schlangenlinien, Zirkel, ganze Bahnen und halbe Bahnen geritten, ehe es an die Stangenarbeit ging. Wir machten den ganzen Tag nichts anderes, außer über Stangen zu reiten, durch sie durch zu gehen, Drehungen in einem Viereck aus Stangen zu machen und rückwärts durch ein L zu gehen. Auch die nächsten zwei Tage passierte mit den anderen 9 Pferden nichts weltbewegendes.
      Bei der zweiten Einheit stellten wir zu den Stangen noch Pylonen auf, die uns bei den Schlangenlinien halfen. Auch das war noch nichts schweres. Nun kam auch eine Brücke hinzu, die jedoch bei keinem der Pferde für großes Aufsehen sorgte. Im Schritt, Trab und Galopp wurden die Tiere immer feiner, weshalb die Stunden nicht mehr so lange dauerten.
      Bei der dritten Trainingseinheit kam das Tor dazu, was einigen Pferden sehr große Probleme bereitete, weshalb das Training hier sehr lange dauerte.
      Wir hängten noch ein paar Tage dran, so dass die Pferde in der vierten Trainingseinheit alle einen Parcours laufen konnten, dieser lautete wie folgt:
      1. Walk through box and over bridge to gate.
      2. Ride hand gate.
      3. Jog over poles and through serpentine.
      4. Lope over poles and into chute on right lead.
      5. Back chude.
      6. Jog over poles.
      7. Lope over poles and to box on left lead.
      8. Walk into box, turn 360 degrees rifht and walk out over poles to finisch.

      Alle Pferde stellten sich mehr oder weniger gut an. Mit Annie ritt ich einen schwierigeren Parcours, so dass nun alle Pferde die gewünschte Leistungsklasse hatten.

      Reining LK 4 - LK 3
      Mai 2015, by Veija
      Kurz blickte ich auf die Uhr. Halb 6. Tja, heute und die nächsten Tage hatten meine Leute und ich viel vor. Genuine Lil Cut, Cherokee Rose, What Lies Ahead, Gun and Slide, Moonrise Shadow, Lovely Summertime, Like Honey and Milk, Flintstone, Sympathy for the Devil, Comeback of a fallen Goddess, Sheza bat cat, Siku und Solitary mussten in der Reining von der LK 4 auf die LK 3 gebracht werden, Eldrian Antrax, Marly's Pluie, Cauldron und Annie get your Gun in Springen von E auf A, Hollywood's Silver Dream in Springen von A auf L, My Blue Gun, My Possible Pasts, Hot Smoking Chex und Wimpys Little Devil in Reining von LK 5 auf LK 4 und Lil Princess Gun in Reining von LK 3 auf 2. Dann waren endlich alle wichtigen Pferde trainiert und fertig für die Turniersaison.
      Nachdem ich also mein Team geweckt hatte, schnappte sich jeder eines der LK 4/3 Pferde und machte es fertig, ehe wir mit 5 Pferden in der Halle standen. Draußen war es noch zu kalt zum Training, weshalb auch die Vollblüter, die normalerweise früh am Morgen trainiert wurden, erst gegen 11 oder 12 Uhr auf die Bahn kamen.
      Insgesamt mussten wir 3 Teams "bilden". Das erste und zweite Team waren je 5 Pferde, im dritten Team dann nur 3 Pferde. Da wir genau wussten, was wir trainieren mussten, war die erste Trainingseinheit der ersten 5 Pferde auch schon rum. Nun war es schon 9 Uhr, eher gesagt halb 10, ehe wir die nächsten 5 in der Halle hatten. Und es waren 13 Uhr, bevor wir die letzten 3 Pferde der Truppe in der Halle waren. Sagenhafte 15 Uhr, bis wir verschnaufen konnten.
      Nun waren die 5 Springpferde dran. Heute ritten wir nur die E Hindernisse und einfache A Hindernisse, morgen würden wir das Niveau steigern.
      Also letztes waren die 5 Westernpferde dran. 4 davon mussten von LK 5 auf 4, eins von 3 auf 2. Also ritt ich letztere, welche übrigens Lil Princess Gun war und überlies den anderen die anderen 4 Pferde. Caleb hatte ständig ein Auge auf die 3 und auch Aliena machte ihre Sache gut, auch wenn My Blue Gun sie ab und an einfach verarschte. Nach eineinhalb Stündigem Training beendeten wir den Tag und brachten alle Pferde wieder auf die Koppel.
      Am nächsten Tag gönnten wir den Reinern eine Pause und arbeiteten nur mit den Springpferden. Am Tag darauf waren dann die Westernpferde wieder dran, die wir in Reining trainierten. Am Abend konnte man sagen, dass sie alle eine Stufe höher starten konnten.

      Thunderstorm? Are you kidding?!
      Juni 2015, by Veija
      Benommen schaute ich auf die Uhr. Schon 12? Draußen krachte es einmal laut, was mich zusammenfahren lies. Der Wetterbericht hatte doch Recht behalten. Es schüttete wie aus Eimern und immer wieder zuckten Blitze vom Himmel, gefolgt von einem höllischen Lärm. Ich stand auf und blickte nach draußen. Ich konnte meinen Augen kaum trauen! Da standen meine Pferde, im Gewitter!
      Sofort war ich hellwach und zog mich mehr schlecht als Recht an, ehe ich nach unten stürmte und meine Mitarbeiter zusammenrief: "WER von euch hat die Pferde raus gestellt?!", fragte ich die vier doch keiner wollte mir antworten. "Leute, Regenjacken an und ab! Guckt dass die alle zurück in den Stall kommen!", fauchte ich sie an und zog mir ebenfalls meine Regenjacke an, ehe ich zu den Zuchtstallungen stürmte. Bella, Amarula, Grace und Nova bekam ich alle zusammen in den Stall, ehe mir Brother, Spooky und Funky schnappte und sie in den Stall brachte. Eigentlich musste ich die Pferde nur von ihren Paddocks in den Stall scheuchen, doch das war leichter gesagt, als getan. Schließlich sahen alle Boxen aus wie Sau, weil sich noch niemand erbarmt hatte, diese zu misten. Kurz seufzte ich. Also musste ich nachher ran.
      Nun ging es weiter zu den Vollblütern. Hell, Jagger, Faster, Augen auf, Zucker und Wild Reflex waren von der Koppel schon wieder in ihrem Stall. Lamperd, Nyanda, Sacramento, Scoubidou, Seattle Slew, Pria und Horror brachten Caleb und ich noch zusammen in ihre Stallungen. Auch die beiden Stalltrakte der Vollblüter waren noch nicht gemacht. Seufzend verdrehte ich die Augen und machte mich nun mit Caleb und Aaron im Schlepptau auf zum Trainingsstall. Zum Glück hatten Aliena und Alexis schon fast die Hälfte der Pferde im Stall! So befanden sich Genuine, Gipsy, Lil Princess, Skrudi, Wimpy, Cherokee, What Lies Ahead, Gun and Slide, Moon, Summertime, Dawn of Hope, Emilio. Like Honey and Milk, Flintstone, Sympathy for the Devil, Goddess, Sheza, Sweety und Siku schon im Stall. So holten wir zu fünft noch Náttdís, Eldrian, Solitary, Pluie, Cauldron, Annie, Silver, Blue Gun, Possible Pasts, Smoking Chex, King Gun, Sue und Ravi in den Stall. Auch ihre Boxen mussten alle noch gemacht werden, doch zunächst gingen wir zu den Jungpferden am Offenstall.
      Crescent Wolf, Crow, Holly, Harley, Ocarina, Raised from Hell, Lena, Striga, Aquila und Peppy Ann kamen in den Offenstall für die Stuten, dessen Stalltür ich schließen konnte, damit die Pferde für den Tag drin blieben. Zues musste leider in seinem provisorischen Paddock bleiben, so Leid es mir tat. Wildfire, Omira, Kunis und Gunna Whiz kamen in ihren Offenstall, wo ich ebenfalls die Tür schloss. Seufzend trug ich nun jedem auf, welche Pferde er zu misten und zu füttern hatte.
      Also ging ich in den Zuchtstall und kümmerte mich um die dortigen Pferde. Im Moment erwartete keines der Tiere Nachwuchs, was auch nicht so schlecht war, denn ich war ja gerade erst dabei, eine Zucht aufzubauen. Da konnten die Tiere ruhig noch ihr Leben genießen, fernab vom täglichen Training. Eigentlich hatten es die Zuchtpferde und die Jungpferde bei mir am Besten. Sie konnten den ganzen Tag fressen und ihr Leben genießen.
      Kurz lachte ich, ehe ich kopfschüttelnd den Stall verlies. Ich war schon fertig und bereitete nun das Mittagessen vor, was wir um geschlagene 17 Uhr essen würden. Tja, die Pferde gingen eben vor.

      Reining LK 3 - LK 2
      Juni 2015, by Veija
      Nun waren die Reiner dran, was wohl ein wenig mehr Arbeit geben würde. Da hatten wir Wimpys Little Devil, My Blue Gun, Your possible Pasts und Spooks Gotta Gun, die von LK 4 auf LK 3 gebracht werden mussten, Gun and Slide, Dancing Moonrise Shadow, Lovely Summertime, Flintstone, Sympathy for the Devil, Sheza bat Cat, Siku und Solitary die von LK 3 auf LK 2 gebracht werden mussten und Lil Princess Gun, die in den nächsten Tagen in der LK 1 laufen würde.
      Heute trainierten wir nur die 4 Pferde, die bald in LK 3 laufen sollten. Wir verfeinerten ihre Stops, beschleunigten die Spins, kontrollierten ihre Speed Controls und werkelten an ihren Flying Changes. Nach gut 2 Stunden hatten wir erschöpfte Pferde und Reiter, die sich auf eine Pause freuten. Den Pferden war diese gegönnt, doch die Reiter mussten noch arbeiten. Die ersten 5 Pferde der LK 2 Klasse waren in der Halle und wurden 2 Stunden bewegt, ehe die restlichen 3 und Princess dran waren. Princess ritt ich, auch wenn Caleb mir ständig Befehle zufauchte, wie ich die Stute zu reiten hatte. Ich seufzte. Er meinte es nur gut und im Endeffekt war er ein besserer Trainer als ich, doch das würde ich vor ihm nie zugeben.
      Am Ende des Tages hatten wir alle 13 Pferde fertig. Die nächsten 3 Tage arbeiteten wir kürzer, aber dennoch so, dass wir einen ordentlichen Erfolg erzielten und das Training nach 5 Tagen abschließen konnten.

      Destiny
      Juli 2015, by Veija
      Langsam reckte ich mich in meinem Bett, ehe ich mich dann doch begannte und aufstand. Nach einer kurzen Dusche, die mal wieder sinnlos war, da ich in einer Stunde wieder nach Pferd riechen würde, zog ich mir eine Jeans und ein kurzes, kariertes Hemd an. Natürlich durfte mein Hut nicht fehlen, wobei ich heute einen schwarzen anzog. Meine Haare band ich davor noch zu einem tiefen Zopf, ehe ich in meine Boots schlüpfte und nach unten an den Frühstückstisch ging, den Aaron freundlicherweise schon gedeckt hatte. "Danke", sagte ich zu ihm, ehe ich mich an den ansonsten leeren Tisch setzte. "Wo ist der Rest?", fragte ich ihn dann, worauf er nur mit einem schulterzucken antwortete. Auch gut, dachte ich mir und schmierte mir mein Brot, ehe ich die neuste Post checkte, die seit neustens Nachts mit der Zeitung kam. Es war mir ganz recht, da ich Post sowie Zeitung dann schon am Frühstückstisch lesen konnte, allerdings tat mir der Postbote leid, da es nachts doch ein wenig ungemütlich hier draußen wurde- besonders im Winter.
      In letzter Zeit bekam ich vermehrt Bewerbungen zu Praktikas oder Ausbildungen, ja auch Jobanfragen! "Eigentlich könnten wir hier noch Unterstützung gebrauchen, oder Aaron? Besonders wenn wir bald auf das neue Gestüt ziehen.", sagte ich mehr zu mir selbst als zu ihm, ehe ich ein Räuspern in der Tür vernahm. Da stand ein fremder junger Mann in Jeans und Karohemd, der bestohlen zu Boden sah. "Ja, bitte?", fragte ich ihn, ehe ich einen Blick hinter ihn warf. Dort stand Caleb und schaute mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. "Mein Auto ist hier in der Nähe liegen geblieben, ich habe eine kleinen Isländerhengst dabei und wir wussten nicht wohin, leider habe ich hier mit meinem Handy keinen Empfang", erklärte er mir kleinlaut, ehe ich einen Blick mit Caleb tauschte und ihm zunickte. Das hieß, dass der Fremde wohl keine bösen Absichten vorhatte und ich mit Aaron zusammen wohl mit ihm klarkommen würde. "Wo ist dein Pferd denn?", fragte ich ihn dann, ehe ich ein fremdes Wiehren hörte und nach draußen sah, wo ich einen kleinen Red Dun farbenen Isländerhengst sah, der wie verrückt um Alexis herumtänzelte.
      "Gut, lass uns mal nach deinem Pferd schauen", sagte ich und stand auf. Er wollte zwar protestieren, ich stahl mich jedoch einfach an ihm vorbei und ging zu dem Hengst der sich panisch umsah. "Whoaaaa", sagte ich leise und beruhigend zu dem Tier und nahm ihn Alexis aus der Hand, ehe wir auf den Stall zugingen. "Ich stelle ihn gerade in eine Box, abseits meiner Pferde, dann kann er sich ein wenig beruhigen, ehe wir den Wagen holen und zu deinem Auto fahren, okay?", fragte ich ihn und wartete die Antwort nicht ab, vernahm jedoch aus dem Augenwinkel ein kurzes Nicken.
      "Wie heißt er denn?", fragte ich ihn beiläufig und nickte dann. "Dynur, ein schöner Name", erwiderte ich dann, ehe Caleb schon mit dem Pick Up auf dem Hof stand, in den der Fremde und ich einstiegen. "Wie heißt du eigentlich?", kam es mir dann in den Sinn, ehe ich einen Blick über die Schulter zu dem Mann warf, der auf der Rückbank des Pick Ups Platz genommen hatte. "Riley", sagte der junge Mann leise. "Riley Fortin." "Ein schöner Name.."murmelte ich noch, ehe auch ich mich vorstellte. "Ich bin Verena O'Connor und der Herr hier neben mit ist Caleb O'Dell."
      Nun waren wir auch an seinem Auto angekommen, welches sich Caleb sofort anschaute. In dieser Zeit unterhielt ich mich weiterhin mit Riley, da Caleb ihm unmissverständlich erklärt hatte, dass er niemanden brauchte, der ihm über die Schulter schaute. "Nimm's ihm nicht krumm, er ist eben so", erklärte ich ihm schulterzuckend, worauf hin er mich nur fragend ansah. "Wo wolltest du eigentlich hin?", fragte ich ihn dann. "Ach.. ich fahre ein wenig durch die Gegend, immer auf der Suche nach einem Job", antwortete er mir und Caleb blickte kurz mit einer hochgezogenern Augenbraue zu mir, ehe er sich die Hände an seiner Hose abklopfte und zu uns kam."Der hier fährt nirgendwo mehr hin, der Motor ist hin", erklärte er Riley, der die Hände über dem Kopf zusammenschlug. "Und jetzt?", murmelte er eher zu sich selbst als zu uns, dennoch beantwortete ich seine Frage für ihn: "Da du ja ein Pferd hast, wirst du ja wohl reiten können. Wie wärs wenn du ein paar Tage bei uns bleibst und im Stall bei den Pferden hilfst, dafür brauchst du nichts zu bezahlen?", fragte ich ihn und er nickte dankend. "Gut, lass uns zurückfahren, wir rufen einen Abschleppdienst."
      Eine gute Stunde später waren wir samt seinem Auto und Hänger auf der Ranch. Riley ging natürlich sofort zu seinem Hensgt, der sich grummelnd an ihn schmiegte.
      Ich räusperte mich kurz. "Nichts da, an die Arbeit junger Mann!", sagte ich lachend und ging mit ihm zum Offenstall, wo die Jungpferde standen. Wir hatten vorher noch Kraftfutter gemischt, welches wir in die Futterraufen im Stall schütteten. Außerdem standen verteilt auf den Koppeln Eimer, damit auch die rangniedrigeren Pferde Energie bekamen. Viele verteufelten ja das Kraftfutter bei Jungpferden, da es nur in den Kopf gehen solle, doch ich war ein totaler Befürworter. Man sah es den Tieren an, dass sie allmählich immer kräftiger wurden.
      Zunächst ließ sich kein Pferd blicken, ehe ich laut nach ihnen rief.Zu erst kamen Crescent Wolf, Magnificient Crow und Natsu's Little Harley. DIcht dahinter Miss Holly Golightly und Snapper Little Lena, wobei diese nie bei der Gruppe waren sondern immer den Eimer nahmen, der am weitesten vom Stall weg war.
      Ocarina of Time kam auch noch zum Stall, während Raised from Hell nie zum Fressen kam. Das würde noch lustig werden mit der Stute, dachte ich mir seufzend und betrachtete Striga und Princess Peppy Ann, die sich immer mehr angefreundet hatten in letzter Zeit. Auch Aquila T Mistery und Bella'S Dun Gotta Gun standen immer zusammen und hielten sich auch ein wenig vom Stall weg, da sie zusammen mit Gunna Whiz die jüngsten Vertreter waren.
      Bei den Stuten fertig ging es zu den Hengsten. Wildfire kam sofort auf uns zugerannt und wollte seine Streicheleinheiten abholen, die Riley ihm auch gab. Kunis kam auch sofort zu uns, während Lil Nucu Omira sich ein wenig Zeit ließ, dann aber auch zu uns kam. Zues bekam kein Kraftfutter, der hatte genug Energie und zeigte sie uns jedes Mal aufs Neue, wenn wir zu ihm gingen. "Was ist denn mit dem passiert?", wollte Riley wissen. "Ich habe ihn vom Schlachter aus schlechter Haltung geholt, wurde leider viel zu früh von der Mutter getrennt und war immer Rangniedrigster. Aufgrund seiner Farbe, da ich ja auch auf Farbe züchte, konnte ich den Hengst nicht stehen lassen. Mal schauen, was aus ihm wird", erklärte ich ihm, ehe wir zu den Vollblütern gingen.
      Die Pferde waren auch aufgeteilt nach Stuten und Hengsten und standen bei dem schönen Wetter alle auf der Koppel. Die übliche Bande, also Drag me to Hell, I've got the moves like Jagger, Faster, Augen auf ich komme, Zuckerschock und Wild Reflex, kamen sofort angelaufen, als sie uns mit den Eimern sahen. Rasch waren sie im Stall am Trog, um die ersten zu sein, die etwas zu fressen bekommen. Nyanda, Praimos Ruffia Kincsem, My lovely Horror Kid und Deadly Ambition ließen sich deutlich mehr Zeit, ehe sie doch langsam in den Stall kamen. Gott sei Dank vertrugen sie sich alle super gut, weshalb es be ihnen nie Kämpfe oder ähnliches gab.
      Bei den Hengsten waren Firewalker und Lamperd recht schnell bei uns, ehe nach und nach Sacramento, Scoubidou und Seattle Slew kamen, die sich wohl nich nicht so wohl bei mir fühlten- leider. Nun schauten wir in der Zuchtstallung vorbei, wo alle Pferde auf ihren Paddocks standen. Lächelnd bekamen Bella Dun Del Cielo. Spooks Gotta Gun, Supernova, Funky Powerbabe, Amarula van Helsing, Goodbye Graceful, Hollywood's Silver Dream, Soul Sisters Brother of Time und Stormbringer, meiner neusten Ergänzung der bunten Truppe, ihr Futter. Im Trainingsstall trafen wir kein Pferd an, da diese alle auf der Koppel standen und sich den Bauch vollschlugen.
      Je nach Training bekamen dann Genuine Lil Cut, Cielos Double Dun It, Lil Princess Gun, Skrúður
      Wimpys Little Devil, Cherokee Rose, What Lies Ahead, Gun and Slide, Dancing Moonrise Shadow, Lovely Summertime, Crusing's Dawn of Hope, Emilio, Like Honey and Milk, Flintstone, Sympathy for the Devil, Comeback of a fallen Goddess, Sheza bat Cat, My sweet little Secret, Siku, Náttdís, Eldiran Antrax, Solitary, Marly's Pluie, Cauldron of Renascence, Annie get your Gun, My Blue Gun, Your possible Pasts, Hot Smoking Chex, Hollywood's King Gun, Black Sue Dun It, Ravi, Blazing Flame, Snuff, HGT's Enjoy Nature, Ahyoka und schließlich die zwei neusten Woodstock Lady und Call of Pripyat ihr Futter. "Fertig", sagte ich und sah auf die Uhr. Ich war um 6 aufgestanden, um 18 Uhr waren wir jetzt fertig mit den Pferden. "Ach Dynur fehlt noch, oder?", fragte ich ihn und ging wieder in die Futterkammer, wo wir das Futter für den jungen Hengst vorbereiteten, dem Riley es dann auch gleich brachte.
      Nun gingen wir rein und setzten uns an den Küchentisch, wo meine anderen Mitarbeiter schon etwas gekocht hatten. Zusammen aßen wir zu Abend, ehe wir ins Büro gingen und ein wenig Papierkram regelten. "Ab sofort bist du auf Zeit hier eingestellt, Riley. So wie du heute mit den Pferden umgegangen bist, kannst du auch gerne länger bleiben, da wir hier dringend neue Unterstützung gebrauchen könnten!", erklärte ich ihm doch er nickte dankend ab. "Ich bleibe erstmal diesen Monat, dann können wir ja weiter sehen", erklärte er lächelnd, drückte mir die Hand und verließ mein Büro.
      Nach einem Blick auf den Kalender stockte mir fast der Atem. Morgen würden Catalina und Clarence kommen!
      Schnell schlich ich mich also ins Bett, um morgen ausgeruht früh aufzustehen.

      Springen E auf A
      Juli 2015, by Veija
      Seufzend strich ich ein paar Namen auf einer Liste durch, wo die Trainingspferde drauf standen. Es waren im Endeffekt einfach viel zu viele Pferde, die wir mit 6 Leuten trainieren mussten, weshalb ich wohl bald an Personal aufstocken müsste- schon wieder.
      Heute hatten wir uns My lovely Horror Kid, Eldrian Antrax, Cauldron, Hell, Zuckerschock und Wimpys Little Devil vorgenommen. Nach dem satteln fanden wir uns auch schon auf dem Platz wieder, wobei Horror, Antrac und Cauldron in der Halle trainiert wurden, da sie schon eine Stufe höher waren als die anderen 3 Pferde. Den ganzen Vormittag verbrachten wir damit, den Pferden die Hindernisse schmackhaft zu machen und ließen es dann gut sein, damit die nächsten 6 an die Reihe kommen konnten. Diesmal waren es Pluie, Annie, Blaze, Jagger, Faster und Genuine. Ich ritt die stürmische Blaze, die sich heute nicht kleinkriegen lassen wollte. Ständig verweigerte sie oder warf die Stangen ab. Ich seufzte kurz und legte die Stangen ein Stück nach unten, ehe ich das Ganze nochmal versuchte. Dann klappte es und ich legte sie wieder hoch. Siehe da, die Stute konnte also doch springen!
      Als die Pferde dann fertig waren aßen wir etwas zu mittag, ehe wir weitere 6 Pferde aus ihren Boxen holten. Princess, What Lies Ahead, Gun and Slide, Shadow, Summertime und Sympathy for the Devil. Mit ihnen waren wir sehr schnell fertig, da sie alle sehr schnell lernten, so dass wir uns nun den restlichen Pferden widmen konnten. Es fehlten uns noch My Blue Gun, Possible Pasts, Smoking Chex, Ravi, Snuff, Enjoy Nature, Woodstock Lady und Augen auf, wobei letztere in Dressur trainiert wurde. Ich selbst schnappte mir Abby, mit der ich alleine auf den Dressurplatz ging. Es dauerte eine ganze Weile bis ich so ordentlich aufgewärmt hatte und sie locker an meinen Hilfen ging. Doch nach einer guten Stunde hatte ich ein schön gelassenes, locker laufendes Pferd unter mir, mit der es Spaß machte, zu trainieren. Ich schaute nun bei den anderen 5 vorbei, die immer wieder die Pferde unter sich tauschten und fleißig am Springen waren. Ich lachte kurz und brachte Abby dann weg, ehe ich den anderen half.

      Military E- A
      August 2015, by Veija
      "Hopp, hopp, hopp!", sagte ich und schubste Alexis weiter den Flur entlang. "Pferde trainieren!" "Aber ich will nicht!" "Du musst aber" - seufzen. Nicht nur von Alexis, sondern auch von Riley, der mitllerweile bei uns ziemlich eingespannt wurde und anpacken musste, wo gerade Not am Mann war. "Ja, Riley, du auch", sagte ich etwas schnippisch zu ihm und schob auch ihn den Gang entlang. "Come on", sagte Caleb und schnippte seine Kippe weg. Seit neustem rauchte er, was mir gar nicht in den Kram passte. "Caleb!", fauchte ich ihn an und sofort zuckte er zusammen, hob die Zigarette auf und schmiss sie, als sie ganz aus war, in den Mülleimer. "You should stop smoking.. it smells terrible!", sagte ich ihm doch er rollte nur mit den Augen und ging dann auf den Stall zu, wo die Arbeit auf uns wartete. Ich nehme mir Skrúður und Trainiere ihn in Distanz von L auf M, Riley und Alexis ihr trainiert Eldrian Antrax und Cauldron of Renascence in Dressur von A auf L, Alexis, Aaron und Caleb ihr schnappt euch Snuff, Lovely Summertime und Sympathy for the Devil und trainiert sie in Springen von A auf L. Gebongt?", fragte ich alle und bekam ein nicken zur antwort. "Gut, an die Arbeit!", verkündete ich fröhlich und ging zur ox von Skrudi, um ihn mir fertig zu machen. Nach dem putzen schmiss ich ihm seine Decke und einen Vielseitigkeitssattel auf den Rücken, ehe ich ihm die Trense anlegte und mit einem Helm auf dem Kopf den Hof verließ. Im Moment regnete es sehr viel hier in Kanada, weshalb ich für Training außerhalb der Halle immer passende Momente abwarten musste. Diesmal schien ich jedoch Glück zu haben und konnte mir ruhig Zeit lassen mit unserem Ritt. Als ich um die Ecke bog, sah ich schon wie Eldrian sich in der Dressur versuchte und an den neuen Übungen scheiterte. Kurz grinste ich. Der Hengst hatte sich so gut gemacht und war für meine Poloponyzucht so relevant, dass er das einfach hinbekommen musste, da glaubte ich fest an ihn. Skrudi war von seiner Kondition her schon sehr gut, weshalb ich sofort traben und galoppieren konnte, als wir aufgewärmt waren. Wir ritten eine Strecke, die er schon sehr gut kannte, aber diesmal zügiger und auch ein paar kleine Umwege, damit die Strecke länger wurde. Nach einer guten Stunde rief mich Alexis an, welche Pferde nun an der Reihe waren. "Schnappt euch Ravi, Blazing Flame, Lil Princess Gun, Wimpys Little Devil und What Lies Ahead. Trainiert sie in Military von E nach A. Wenn einer von euch früher fertig ist, holt der sich noch Woodstock Lady. Dann machen wir Schluss für heute.", gab ich Anweisungen und hörte, wie ALexis im Hintergrund die Pferde verteilte. Dann legte sie auf. Ich trieb Skrudi ein wenig an, damit er mir nicht unter dem Hintern einschlief. "Guter Junge", sagte ich und klopfte seinen Hals, der schon ordentlich nass vom Schwitzen war, weshalb ich mich entschied, umzudrehen. Schließlich wollte ich nicht, dass der Hengst krank wurde.
      Auf dem Rückweg begegnete ich Caleb, der mir mit Woodstock Lady entgegen kam. Wir nickten uns kurz zu, ehe ich auf dem Hof ankam, Skrudi schnell absattelte und ihm eine Decke auflegte. Dann machte brachte ich ihn in seine Box und gab ihm noch seine Kraftfutterportion. Da die anderen wohl noch lange nicht zurückkommen würden, entschied ich mich dazu, Like Honey and Milk zu satteln und in Hunter under Saddle von LK 3 auf LK 2 zu bringen. Gesagt getan. Nach 10 Minuten war ich mit ihr in der Halle und ging die Grundlagen nochmal alle durch. Honey fand es komischerweise heute gar nicht lustig, dass sie ständig Zug im Maul hatte, doch da musste sie durch, weil ich sie hier nicht mit durchängenden Zügeln reiten konnte. So stand mir eine ganze Stunde voller Diskussionen und Streitereien an, bis Honey einigermaßen ordentlich lief. Ich ließ sie dann aber auch in Ruhe, weil ich unser Training mit einem positiven Ergebnis abschließen wollte. Dann brachte ich sie wieder in ihre Box. Im Stall traf ich die anderen, weshalb wir nun ins Haus gingen und gemeinsam zu Abend aßen.
      Am nächsten Tag ging es wieder früh los. Naja, was hieß früh, es war 10 Uhr. Von 7 bis 10 hatten wir die Pferde gefüttert und auf die Koppeln gebracht, jetzt ging es ans Training. "Caleb, Aliena, Alexis, Aaron und Riley, ihr teilt euch folgende Pferde auf: Annie get your Gun Trail LK 2 auf LK 1, Hot Smoking Chex Trail LK 3 auf LK 2, My Blue Gun & Your possible Pasts Reining LK 3 auf LK 2 und Enjoy Nature Reining LK 5 auf LK 4. Ich fahre mit Hollywood King Gun und Black Sue DunIt zu unseren Nachbarn, um sie in Barrel Race und Pole Banding weiter zu bringen. Bis heut Abend dann!", verkündete ich die Tagesplanung. Alle nickten zufrieden, weshalb ich nun in den Stall ging und mir King und Sue schnappte, die ich sattelte und in den Hänger stellte. Hier war es üblich, dass die Tiere komplett gesattelt in den Hänger kamen. Natürlich trennte ich die beiden großräumig voneinander, doch ich hatte wenig Hengste, die ausgeprägte Hengstmanieren hatten, so dass ich mir da keine Sorgen machen musste. Bei der Halle angekommen kam mir der Besitzer entgegen der mir seinen Azubi vorstellte. "Oh gut, willst du reiten? Ich hab zwei Pferde dabei, kann jedoch nur eins davon reiten, gleichzeitig geht ja schlecht.. dann kannst du direkt mal andere Pferde kennen lernen.", schlug ich dem jungen Mann vor, der aufgeregt nickte. "Gut, komm mit", sagte ich und führte ihn zum Hänger, wo wir zu erst meine rabenschwarze Sue ausluden, die ich ihm in die Hand drückte, ehe ich meinen Hengst aus dem Henger holte. Er hatte kaum Zeit die Pferde zu bewundern, da war ich schon beinahe bei der Halle. "Kommst du?", fragte ich ihn und hielt ihm die Tür auf. Die Halle war so groß, dass wir gleichzeigt Barrel Race und Pole Banding trainieren konnten. Gemeinsam wärmten wir die Pferde also auf, ehe es losging. Mit King hatte ich gerade mehr zu kämpfen als der junge Mann mit Sue, bei denen es super klappte. King reagierte kaum auf meine Hilfen, wir fielen sogar bei der zweiten Tonne einmal hin. Da der Hengst jedoch sehr flink war, stand er kurze Zeit wieder auf den Beinen. Ich hatte mir natürlich aus Reflex am Sattelknauf festgehalten und konnte noch rechtzeigtig mein Bein wegziehen, bevor er auf es draufgefallen wäre.. Nach einer kurzen Pause machten wir jedoch weiter, da es langsam spät wurde und wir das Training heute noch abschließen mussten. Mittags hatten mich die anderen angerufen, wen sie noch trainieren sollten. Arbeit war ja genug da, weshalb ich ihnen noch Comeback of a fallen Goddess und Marly's Pluie aufs Auge drückte. Goddess musste in Cutting von LK 4 auf LK 3 gebracht werden. Pluie in der Pleasure von LK 3 auf LK 2.
      Als ich dann spät am Abend heim kam, waren alle Pferde versorgt in ihren Boxen. King und Sue stellte ich noch dazu, gab ihnen Kraftfutter und ging dann erschöpft ins Bett.

      the prisoners
      Oktober 2015, by Veija
      Es war Anfang Oktober, 5 Uhr morgens. Das Wetter war bescheiden- eher schlecht als recht, denn es regnete. Ab und zu donnerte es auch, aber es war ja auch Gewitter gemeldet- schon wieder. Heute würden wir die Sonne wohl nicht zu Gesicht bekommen, doch das brauchten wir auch nicht, denn wir würden heute mit der gesamten Mannschaft ins Gefängnis fahren. Warum? Tja, das wussten die anderen auch noch nicht. Zu erst mussten wir jedoch die Pferde füttern, weshalb wir alle ja auch schon um 5 Uhr aufstehen mussten. Alexis übernahm den Verkaufsstall, Caleb kümmerte sich um die Zuchtstallung, Aliena übernahm die Vollblüter und Aaron später die Jungpferde. Zu guter Letzt übernahm ich die Trainingspferde.
      Als wir damit fertig waren, sprangen wir alle schnell unter dich Dusche, packten etwas zu essen ein und machten uns mit dem 7-Sitzer und dem Pick Up auf den Weg zum Gefängnis, wo wir eine Aktion unterstützen wollten, die jugendlichen Kriminellen half, wieder festen Boden unter den Füßen zu bekommen. Es dauerte gute 2 Stunden, ehe wir am Gefängnis ankamen, die Autos am Parkplatz parkten und erstmal alle Sachen im Auto ließen, die wir wahrscheinlich nicht durch die Sicherheitskontrolle bekommen hätten. So blieben alle Handys im Auto und auch Caleb ließ, wenn auch wiederwillig, sein Messer im Wagen. So gingen wir also "unbewaffnet" zum Eingang und wurden sofort in eine große Mensa geführt, wo die Gefangenen schon auf uns und andere Rancharbeiter warteten. Ich hatte eine Präsentation vorbereitet, so wie die anderen auch, die wir den Gefangenen zeigen würden, damit sie eine Ahnung davon hatten, was sie auf den Höfen erwartete. Beim Rundumblick fielen mir sofort 4 Personen ins Auge, drei Jungs und ein Mädchen, die zusammen an einem Tisch saßen, wovon zwei Jungs den dritten argwöhnisch ansahen. Dieser grinste sie jedoch nur süffisant an und das Mädchen legte ihm eine Hand auf den Arm, sagte ihm etwas und schon wandte er den Blick wieder nach vorne, während die anderen beiden Jungs ihn noch seltsam anschauten. "Schaut euch die vier da hinten mal an", sagte ich zu meinen Mitarbeitern und sie nickten. Caleb setzte ebenfalls sein süffisantes Grinsen auf und schaute damit das Mädchen der vier an. Von dem Jungen rechts von ihr, der ihr sehr ähnlich sah, bekam er einen ziemlich eindeutigen Blick ab, so dass Caleb den Blick abwendete. Nun erhob der Chef des Gefängnisses das Wort.
      "Da nun alle eingeladenen Personen angekommen sind, herzlich willkommen Ihnen allen. Sie wissen hoffentlich alle warum Sie hier sind", begann er seine Rede und uns wurde etwas zu trinken gebracht. "Von einem Gefängnis in Colorado wissen wir, dass die Arbeit mit Pferden Jugendliche stark verändern kann. Sie alle", sagte er und zeigte zu erst auf die Gefangenen, dann auf uns: "haben ein besseres Leben bei diesen Leuten verdient. Sie werden die Chance haben, auf einer Ranch zu leben und zu arbeiten, wieder zur Schule zu gehen und sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Die Arbeit auf der Ranch wird so lange dauern, wie sie Ihre Gefängnisstrafe hier eigentlich absitzen müssten. Wenn sie dann Fuß gefasst haben, können sie selbst entscheiden, ob sie weiterhin auf der Ranch bleiben wollen, oder ob Sie einen anderen Weg einschlagen möchten. Ich wiederhole es nur gerne noch einmal, es ist eine riesen Chance für Sie, etwas aus ihrem Leben zu machen. Ruinieren Sie sich das nicht. Over and out.", sagte der stämmige Mann zum Schluss noch und gab das Wort an die erste Ranch. Insgesammt standen 7 Ranches zur Auswahl, wovon wir die letzte waren, die sich vorstellte. Ich schmiss meinen Stick in den Laptop, startete die Präsentation und wandte mich den Jugendlichen zu.
      "Hallo und herzlich willkommen auch noch einmal von mir und meinen Mitarbeitern. Ich bin Verena O'Connor, das ist meine Cousine Alexis O'Connor, das Aaron Felhorn, Caleb O'Dell, Aliena O'Dell und unser neusterZugang Riley Fortin. Wir kommen von der Gips Reminder Ranch in Kanada und möchten Sie heute aufmerksam auf unseren Hof machen.", sagte ich und atmete einmal tief durch. Es waren doch viele Augen die mich anstarrten und wissbegierig zwischen der Leinwand und meinen Mitarbeitern hin und her sahen. Nun ergriff Caleb das Wort, der nicht so nervös war und mir einfach nur unter die Arme greifen wollte, obwohl er keine Ahnung von der Präsentation hatte. "An erster Stelle steht das Wohl der Pferde auf unserer Ranch. Ich sag es Ihnen sofort klipp und klar wie es ist. Sehen wir einen von euch, der die Pferde misshandelt, seinen es unverdiente Schläge, Tritte oder Sonstiges, sei es mutwillig falsch gemischtes Futter...", sagte er und merkte, wie das Mädchen, welches sich als Octavia herausstellte große Augen machte. "Ja Octavia, man kann ein Pferd umbringen, wenn man sein Futter falsch mischt. Das ist so. Also wo war ich.. ach ja.. wenn ihr den Pferden Leid antut, geht es für euch zurück ins Gefängnis. Es kommt jedoch auf die Schwere des Vergehens an, wir werden da jedoch nicht zimperlich sein. Wenn ihr jedoch meint, euch gegenseitig an die Gurgel zu gehen, dann schön. Wir schicken euch nicht zurück, aber ihr müsst mir Konsequenzen rechnen..", erklärte er und ich räusperte mich, damit ich wieder die schönen Seiten des Ranchlebens erläutern konnte. "Zur Zeit besitzen wir um die 60-70 Pferde. Es kommen und gehen immer andere Pferde, so dass ihr nie mit den Selben arbeiten werdet. Wenn ihr also mit uns auf den Hof kommt, sollte euch bewusst sein, dass wir euch zunächst einen Monat beobachten, wie ihr füttert, mistet, Pferde auf die Koppel bringt, im Haushalt helft und und und.. Bemerken wir besonderes Interesse an den Pferden, bringen wir euch das Reiten bei und ihr dürft uns auf Turniere und Ausritte begleiten.", erklärte ich und setzte dann zu meiner ersten Frage an. "Wer von euch ist denn schon einmal geritten?", fragte ich die jungen Menschen und sah zu meiner Erleichterung, dass Octavia aufzeigte. Ich schenkte ihr ein kurzer Lächeln und sah dann in die Runde. Es sah relativ karg aus. "Wer von euch möchte denn reiten lernen?", zaghafte Hände hier und da, Octavias Hand ganz weit nach oben gestreckt. Die anderen 3 an ihrem Tisch hoben ebenfalls kurz die Hände. "Gut", sagte ich. "Sehr gut. Wisst ihr warum ihr auf der Gips Reminder Ranch besonders gut aufgehoben seit? Wir haben viele Pferde der Westernsparte, Quarter und Paint Horses. Wir haben jedoch auch zwei Missouri Foxtrotter, die es nicht so oft gibts. Zudem haben wir eine ganze handvoll Englische Vollblüter, wir haben Dressur, Spring, Distanz und Military Pferde. Eininge sind auch im Fahrsport tätig. Isländer und Ponies gibt es auch!", erklärte ich ihnen freundlich und sah, wie Octavia sich zu dem Mann an ihrer rechten wandte und ihm freudenstrahlend etwas erzählte. Er strich ihr sanft über den Arm und bewegte sie dazu, wieder nach vorne zu schauen. "Ihr werdet also eine riesige Auswahl an Pferden haben, mit denen ihr täglich arbeiten könnt. An Wochenenden gilt es auch früh aufstehen, auch wenn ihr abends mal raus feiern wart.. ja, das dürft ihr bei uns auch. Jedoch kommt immer einer oder ein paar von uns mit. Wir sind schließlich auch noch jung und möchten das Leben genießen.", sagte ich und lachte kurz, als Caleb mir einen vorwurfsvollen Seitenblick zuwarf. "Ich denke das war alles, wenn ihr noch fragen habt kommt gerne hier zu uns rüber. Danke für eure Aufmerksamkeit!", beendete ich meine Rede und setzte mich unter Applaus wieder an unseren Tisch. Wir redeten eine ganze Weile mit den jungen Leuten, erklärten ihnen noch mehr über den Hof und verließen dann mit den anderen Arbeitern den Raum. Wir bekamen Mappen vorgelegt und sollten uns die Jugendlichen näher anschauen. Es dauerte eine ganze Weile, ehe wir alle Mappen durch hatten und uns wirklich für die 4 entschieden, die ich mir am Anfang schon ausgesucht hatte. Zu meiner Freude hatte jeder der 35 Jugendlichen einen Platz auf einer Ranch gefunden... Voraussetzung war, dass sie dort hin wollten. Auf einer Liste die uns vorgelegt wurde, standen die Namen derer drauf, die auf unsere Ranch wollten. Es waren 7 Leute, von denen wir vier sicher mitnehmen würden, die anderen 3 waren unsicher, weshalb wir zunächst die sicheren Kandidaten verkündeten. "Bellamy Blake, Octavia Blake, Finn Collins und Jonathan Murphy, wenn ihr möchtet, könnt ihr mit zu uns", sagte ich ihnen und die vier nickten. Sie durften aufstehen und ihre Sachen zusammenpacken. Nun standen noch 3 Leute auf unserer Liste.
      Emily, Grace und Ethan. Ich schaute meine Mitarbeiter kurz an. Wir hatten im Auto keine Plätze mehr frei, da im Pick Up nur 3 Sitze waren. Sie schüttelten bedrückt den Kopf. "Leider können wir im Moment nur 4 neue Arbeiter aufnehmen, doch ich weiß welche Ranches euch gerne hätten, da werdet ihr es auch sehr gut haben!", erklärte ich Emily, Grace und Ethan. Ich schüttelte ihnen die Hand und wir 6 machten uns dann zu unseren vier auf. Sie stellten sich uns nochmal einzeln vor und Jonathan wollte einfach nur John oder Murphy genannt werden.
      "Finn und Murphy zu mir, Bellamy und Octavia zu Caleb", sagte ich freundlich und hielt Finn und Murphy die Tür auf, so dass sie in den 7-Sitzer steigen konnten. Bellamy und Octavia gingen zusammen mit Caleb in den Pick Up. Die restlichen Mitarbeiter kamen mit zu mir, so dass es auch gleich losgehen konnte. Die Fahrt dauerte nicht allzulange, so dass wir recht schnell am Hof ankamen und Octavia ohne zu warten aus dem Auto raussprang, um sich umzusehen. Ich wollte ihr noch nachrufen, da nickte mir ihr Bruder, wie ich erfahren hatte, zu und sprang ihr hinterher, um sie am Arm fest zu halten. "O, warte doch", sagte er leise und schaute etwas eingeschüchtert zu mir rüber. Finn und Murphy waren auch schon ausgestiegen und schauten sich mit großen Augen um. "Willkommen in eurem neuen Zuhause!", sagte ich freundlich und blickte in 4 endlos zufriedene Gesichter. "Ich habe euch 2 Zimmer fertig gemacht, eins mit 3 Betten, eins mit 2. Wenn es für dich, Octavia jedoch oke ist, können du und dein Bruder zusammen in einem Zimmer schlafen, anstatt du alleine und die drei Jungs zusammen?", fragte ich sie und sah, wie sie fragend zu ihrem Bruder sah. "Okay, dann das Einzelzimmer. Die Zimmer liegen ja nebeneinander", sagte ich und zeigte auf ihr Gepäck. "Holt euer Zeug, ich zeig euch die Zimmer. Und ihr anderen, ab an die Arbeit!", frügte ich mit Nachdruck an, weil ich sah, wie Caleb mich wieder angaffte. "Caleb, now", sagte ich lachend und gab ihm einen Klaps gegen den Arm. Entschied mich dann jedoch, Caleb mitzunehmen. Ich traute John und Bellamy noch nicht so wirklich über den Weg, vor allem da sie sich die ganze Zeit herablassend anschauten. "Das klappt ja mit euch 3 auf einem Zimmer, oder?", fragte ich skeptisch und schaute zwsichen den 3 Jungs hin und her. "Ja..", sagte Bellamy dann und setzte ein Lächeln auf, ehe er seiner Schwester einen Arm um die Schultern legte und sie zu sich heran zog. Er flüsterte ihr etwas ins Ohr, ehe sie zu strahlen anfing und sich umschaute. "Ich glaube, ich habe genau das richtige Pferd für dich, Octavia", sagte ich und zauberte ihr ein noch größeres Lächeln ins Gesicht. Unterwegs kam uns Amy Lee entgegen, die auch erst seit kurzem hier war. "Amy hat zur Zeit ein Einzelzimmer, aber falls du dich mit ihr verstehst, Ocativa, könnte ihr gerne zusammen in eins", erklärte ich lächelnd, nachdem ich Amy vorgestellt hatte. Dann waren wir an den Zimmern angekommen und ich ließ die 4 in Ruhe auspacken. In der Zwischenzeit ging ich runter in die Küche und bereitete einen kleinen Snack vor, da die vier bestimmt Hunger hatten. Zwischendruch kam Amy in die Küche, um zu fragen, was sie arbeiten solle. In der letzten Zeit ging leider alles etwas drunter und drüber, weshalb die Arbeitspläne natürlich auch hinterher hingen. "Geh die anderen fragen welche Pferde noch übrig sind, die kannst du dann arbeiten", sagte ich lachend. "Spätestens in zwei Tagen sind die neuen Pläne fertig, dann hast du fest zugeteilte Pferde", erklärte ich ihr und fing Octavia ab, die schon fertig mit auspacken war. Sie setzte sich an den Tisch und aß meine Snacks mit Freude, während sie etwas über ihr bisheriges Leben erzählte. Auch Bellamy, Finn und Murphy kamen nach einer Weile in die Küche, um sich zu uns zu gesellen.
      Dann gingen wir zum Offenstall, wo die Jungpferde der Gips Reminder Ranch standen. Nach und nach stellte ich ihnen die Pferde vor. Snapper Little Lena, Miss Holly Golightly, Striga, Natu's Little Harley, Raised from Hell, Ocarina of Time, VK Aquila T Mistery, Magnificient Crow, Crescent Wolf, Blossom Magic, Invest in Enterprise, VK Funky's Wild Berry, Day Gone By, das namenlose Fohlen, welches wir Bellamy 'O tauften, Dynur fra Frelsi, Call of Pripyat, VK Bella's Dun Gotta Gun, Kunis, VK Gunna Whiz, Lil Nucu Omira, Wildfire xx und Zues. Octavia war sofort von den Fohlen begeistert, während Murphy sich besonders für Zues interessierte. Na das konnte ja was werden, dachte ich mir lachend und ging dann mit den vier in den Stall. Zu erst waren die Zuchpferde dran: Amarula van Helsing, Bella Dun Del Cielo, Cherokee Rose, Funky Powerbabe, Goodbye Graceful, Hollywood's Silver Dream, Souls Sisters Brother of Time, Sacramento xx, Spooks Gotta Gun, Stormbringer, Supernova, Wimpys Little Devil und Yoomee. Anscheinend war kein Pferd dabei, was den vier gefiel. Aber das lag wahrscheinlich auch daran, dass sie sowieso nicht mit ihnen arbeiten durften. Dann ging es weiter zu den Vollblütern: Drag me to Hell, I've got the moves like Jagger, Faster, Augen auf! Ich komme, Zuckerschock, Wild Reflex, Nyanda, Scoubidou, Seattle Slew, Priamos Ruffia Kincsem, My lovely Horror Kid, Deadly Ambition, HGT's Massacre Boy, Chocolate Dream und Versatilely Gold. Hier war Octavia nun Feuer und Flamme. Sie wusste gar nicht, welches Pferd sie als nächstes Steicheln sollte. Kurz lachte ich. "Leider dauert es noch eine ganze Weile, bis du eines von diesen reiten darfst, Octavia.", entmutigte ich sie und sah ihr an, wie enttäuscht sie war. "Naja, vllt darfst du dich bald mal auf Chocolate Dream setzen", sagte ich lächelnd und zeigte ihr den Hengst, der ihr brummelnd die Nase entgegenstreckte. "Der ist wunderschön", sagte sie leise und streichelte über seine Nase. "Ja, das ist er."
      Flink klapperten wir nun die Pferde im Trainingsstall ab: Siku, Firewalker, Solitary, Skrúður, Eldrian Antrax, Cauldron of Renascence, Ravi, Blazing Flame, Snuff, Ahyoka, Horror Halloween, Nojrsodsch, Maracuja Limes, Bijou, Náttdís van Ghosts, Genuine Lil Cut, What Lies Ahead, Gun and Slide, Lovely Summertime, Sympathy for the Devil, Comeback of a fallen Goddess, My sweet little Secret, Marly's Pluie, Crusing's Dawn of Hope, Annie get your gun, My Blue Gun, Your possible Pasts, Hot Smoking Chex, Sheza bat cat, HGT's Enjoy Nature, Woodstock Lady, Ciel.os Double Dun It und Lucy never say goodbye.
      Spätestens jetzt war mindestens ein Pferd dabei, wofür sich die vier begeistern konnten. Außer natürlich Octavia, denn sie war für jedes Pferd zu begeistern. "Ich hoffe, euch hat der kleine Rundgang gefallen und ihr habt ein Pferd gefunden, das ihr später mal arbeiten möchtet.", erklärte ich ihnen fröhlich. "Doch bis da hin, ab an die Arbeit", fügte ich nun lachend bei und drückte jedem eine Mistgabel in die Hand, mit denen ich sie in die Boxen schickte, wo die Pferde schon auf der Koppel standen.
    • Veija
      Reining LK 2 - LK 1
      Januar 2016, by Veija
      "Beweg deinen Arsch!", sagte ich murrend zu Caleb und zog ihm die Decke vom Leib. "Wieso bist du eigentlich noch im Bett?! Du weißt genau so gut wie ich, wie viel zu tun ist!", knurrte ich ihn an. "Lass mich, ich hab Kopfweh", sagte er und riss mir die Decke aus den Fingern. "Caleb!", knurrte ich erneut und zog an der Decke. "Wir haben Aspirin, jetzt mach!" "Na gut", murrte er und griff nach meinen Armen, so dass ich, unbeholfen wie ich war, wegrutschte. Mit einem Ruck zog er mich auf sie drauf ins Bett. "Und was bekomm ich dafür?", fragte er mich süffisant grinsend, wie er es so oft tat, und zog mich näher an sich ran. "Caleb, lass das!", sagte ich und strampelte mich frei. Hätte er mich wirklich festgehalten, hätte ich keinerlei Chancen gehabt, doch er ließ locker und ich flog etwas weniger elegant auf den Boden. Schnell rappelte ich mich auf. "Steh jetzt auf!", sagte ich sauer und verließ mich hochrotem Kopf sein Zimmer. Natürlich musste ich im Flur auf Alexis stoßen. "Was ist denn mit dir passiert?", fragte sie mich und ich nuschelte nur in meinen nicht vorhandenen Bart hinein. "Nichts, an die Arbeit! Schick alle in die Reithalle, da teil ich die verdammten Aufgaben ein", maulte ich sie an und verschwand in meinem Zimmer. Ich knallte die Tür zu und sank daran herunter. Warum machte Caleb sowas immer? Warum tat er mir das immer wieder an? Er hatte mir mehr als deutlich gezeigt, dass ich keine Chance bei ihm hatte. Ich hatte mich mit Svejn vergnügt und auf einmal schien Caleb wieder Interesse zu haben? Verrückte Welt. Nichts desto trotz musste ich mich wieder aufraffen und zur Reithalle gehen, die Pferde mussten trainiert werden. An der Halle warteten schon alle auf ihre Befehle und ich zückte kurz mein Handy, um den Plan für diesen Monat vorzulesen. "Folgende Pferde müssen wir trainieren: Eldrian Antrax Trail LK 5 auf LK 4, Kunis, Blazing Flame, Ahyoka und Western Dancer in Dressur von E nach A, Monster Delusion & Versatilely Gold in Dressur A nach L sowie Zuckerschok in Dressur von L nach M. Priamos Ruffia Kincsem in Springen von E nach A, Marly's Plui & Annie get your Gun in der Pleasure, Pluie LK 2 auf 1, Annie LK 5 auf 4. Crescent Wolf, My Sweet Little Secret, Magnificient Crow, Miss Holly Golightly, Snapper Little Lena & Only Known in Texas müssen eingeritten werden, von Holly und Lena lasst ihr jedoch die Finger, die mache ich.", erklärte ich und machte eine kurze Pause. "Nun die Diziplin, für die unsere Ranch eigentlich bekannt ist. DunIts Smart Investment & Chocolate Dream Reining LK 5 auf 4. HGT's Enjoy Nature LK 4 auf 3, Comeback of a fallen Goddess LK 3 auf 2. Gun and Slide, Sympathy for the Devil, Sheza bat Cat & Your possible Pasts LK 2 auf 1. Bekommen wir das hin?", warf ich dann in die Runde und bekam von allen ein lautes "JA" zu hören. "Gut, wer macht wen?", fragte ich dann in die Runde und sah zu erst zu Caleb, Aliena und Amy Lee, meinen drei Westerncracks. "Ich mach Gun and Slide, Sympathy for the Devil, Sheza bat Cat, Your possible Pasts, Comeback of a fallen Goddess, Marly's Pluie und..." "Ich glaub das reicht erstmal", sagte ich lachend. Calebs Leidenschaft war das Training, weshalb ich ihn auch immer zu erst fragte. Er war einfach der Beste von uns allen. "Ich nehme dann Annie get your Gun, DunIts Smart Investment, Chocolate Dream, Only Known in Texas, Magnificient Crow und My sweet little Secret.", sagte Amy Lee und notierte sich die Namen in ihrem Handy. "Ich nehme dann Eldrian Antrax, Crescent Wolf und HGT's Enjoy Nature.", erklärte Aliena und verschwand sogleich, um mit den Tieren anzufangen. "Caleb du nimmst dir Murphy mit, Aliena du nimmst dir Finn mit", sagte ich noch und schaute zu Octavia und Bellamy. "Ihr beide kommt nachher mit mir mit", sagte ich lächelnd. Ich hatte es gerne, wenn Bellamy und seine Schwester zusammen waren, denn Bellamy konnte sehr aufbrausend werden, wenn er nicht wusste, wo seine Schwester war. "Aliena, Riley und Aaron, welche Pferde macht ihr?", fragte ich dann und blickte zu den dreien rüber. Aaron war der erste der sich meldete: "Ich will Priamos Ruffia Kincsem, Monster Delusion und Versatilely Gold machen", erklärte er und ich nickte. "Riley du?", fragte ich den jungen Mann dann. "Ich mache Western Dancer und Kunis", erklärte er und schaute nun zu Alexis, die als letzte an der Reihe war. "Ich mache dann Blazing Flame, Ahyoka und Zuckerschock", schlussfolgerte sie und ging an die Arbeit. Heute und auch die nächsten Tage würde es voll werden in der Halle und auf dem Round Pen. Die Reitplätze waren leider unbrauchbar im Moment. "Dann kommt Bellamy und Octavia, gehen wir die Pferde holen", erklärte ich lächelnd und ging vor. Mein Weg führte mich zur Koppel, auf der Holly und Lena standen. Beide standen dösend im Schnee und auf einen Pfiff hin hoben sie den Kopf, um auf mich zuzukommen. Lena hatte es momentan gar nicht leicht, denn durch ihre Blindheit und den Schnee konnte sie den Boden nicht gut unter sich fühlen, weshalb sie nur zögernd hinter Holly hertrabte. "Na ihr zwei Hübschen, alles gut?", fragte ich streichelte die beiden. "Octavia nimm dir Holly", sagte ich und reichte ihr das Halfter. Ich selbst holte mir Lena, die das Ganze Prozedere von wegen Aufhalftern und Putzen nur zu gut kannte. Mit den beiden Pferden gingen wir in ihre Boxen, da der Putzplatz komplett belegt war und ich mit Lena bis jetzt immer in der Box gestanden hatte, um sie zu putzen. "Bellamy du kannst deiner Schwester helfen, bei Lena würde ich das gerne alleine machen", erklärte ich und sah den fragenden Blick. "Stimmt, das könnt ihr ja gar nicht wissen.. Lena wurde hier auf dem Hof geboren und hat im Fohlenalter wegen einer schlimmen Augenentzündung das Augenlicht verloren, sie ist komplett blind, leider. Deshalb bin ich bei ihr auch so vorsichtig und lass eigentlich niemanden an sie heran.", erklärte ich. "Und die kann man später trotzdem reiten?", fragte Bellamy mich und ich nickte. "Ja genau, die kann man später auch reiten. Du wirst sehen, dass sie mal ein tolles Pferd werden wird", sagte ich zu ihm und nahm Lena die Decke ab, ehe ich anfing sie zu putzen. Was ich dann machte? Das war schon so zur Routine geworden, dass ich es gar nicht großartig aufführe: Gewöhnung an die Kommandos im Round Pen, Sattel auflegen, Trense drauf, immer wieder longieren, bei Lena viel mit Stimme arbeiten, Reiter drauf, und und und. Am Ende des Monats waren nun alle Pferde in den jeweiligen Klassen aufgestuft.

      Aushilfe im Trainingsstall
      März 2016, by Canyon
      Nachdem ich zusammen mit Octavia bereits die Jungpferde versorgt und betüddelt hatte, ging es für uns beide weiter zu den großen Pferden, bei welchen wir auch Verena und ein paar andere Mitarbeiter trafen. So schnell wie sie konnte, hatte mich Octavia abgeladen und war dann an die andere Seite des Stalls verschwunden, wo ich John erkennen konnte.
      Zum Glück hatte Verena jetzt die Verantwortung übernommen und sagte mir was zu tun war.
      Sie begleitete mich zu den Hengsten, denn auch diese wollten so langsam auf die Weiden gebracht werden, um das angenehme Wetter etwas genießen zu können. Es waren nicht viele, sodass ich nur einmal würde laufen müssen. HGT's Enjoy Nature kannte ich bereits von einem Distanztraining, weswegen mir Verena auch gleich sein Halfter in die Hand drückte. Dazu bekam ich noch Gun an Slide, ein ebenfalls sehr ausgeglichener und ruhiger Hengst. Da Verena ihre Pferde etwas besser kannte, nahm sie sich den etwas schwierigeren Possibility und den nervösen, aber trotzdem überaus hübschen Hollywood King Gun. Ein Mitarbeiter, ich glaube er hieß Arthur oder Aaron oder so was, nahm gleich noch die beiden verbleibenden Pferde, also den Wallach Cielos Double Dun It und Sympathy for the Devil. Zu dritt brachten wir die drei Pferde auf ihre Weiden, bevor wir uns wieder zurück in den Stall begaben und dort uns noch um die Stuten kümmerten.
      Die Stuten waren hier definitiv in der Überzahl, sodass sich zu uns dreien nun auch wieder Octavia und John dazu gesellten, damit wir zu dritt nicht allzu oft zu den Koppeln laufen mussten.
      »Only Known in Texas und Annie get your Gun kommen in die Führanlage, sobald alle Pferde auf den Weiden sind. Alle anderen kommen raus.« gab Verena an alle die Anweisungen, bevor sie die Pferde auf die Mitarbeiter aufteilte. Je mehr jetzt mit Hand anpackten, desto schneller ging alles.
      »Aaron«, so hieß er also, »Du nimmst Miss Holly Golightly und Snapper Little Lena, Octavia am besten Marly's Pluie und Sheza bat cat. John – Du kannst Comeback of a fallen Goddess, sowie Your possible Pasts auf die Koppel führen. Ich würde dann DunIts Smart Investment und My sweet little Secret. Mio, für dich bleiben dann noch Magnificent Crow und Striga. Ich hoffe mal, dass alle mir jetzt ordentlich zugehört haben, damit nichts schief geht!«
      Striga kannte ich schon, da war sie noch ein Fohlen, weswegen ich mich freute zu hören, dass ich sie mal wieder sehen konnte. Natürlich war aus dem hübschen Fohlen eine noch viel hübschere Jungstute geworden, welche genauso artig wie früher war. Crow kannte ich zwar noch nicht und war mit ihr im Umgang etwas vorsichtiger, doch auch sie war recht geduldig und trotzdem etwas nervös. Ich halfterte beide Stuten auf und führte sie dann aus ihren Boxen und hinaus aus dem Stall, wo bereits Verena mit Candy und Sweety auf mich wartete, da ich ja den Weg zu den Weiden noch nicht wirklich kannte.
      Als alle Pferde auf ihren Weiden waren, ging ich zurück in den Stall und führte mit Verena noch die beiden anderen Stuten in die Führanlage. Ich bekam die hübsche Texas und Verena nahm sich Annie, welche sich beide auf etwas Laufen zu freuen schienen.
      Da nun auch hier alle Pferde versorgt waren, ging ich mit Verena zu den nächsten Pferden, welche auch noch etwas Pflege brauchten.

      Horse & Dog Trail
      August 2016, by Veija

      Teilnehmer:
      1. Fiona O'Brien mit Pallaton & Willow
      2. Jani mit Baraija & Tala
      3. Linn Petri mit Vidja & Flóki
      4. Alicia Grey mit Fina & Püppi
      5. Nicolaus du Martin mit Marid & Asuka

      Anfang August
      Leise trommelte ich auf dem großen Tisch in der Küche herum. Wir waren mittlerweile 13 Personen hier auf der Ranch und noch immer hatte jeder von uns eigentlich viel zu viel zu tun, weshalb ich mir nicht so ganz sicher war, wie meine neue Idee ankommen würde. Von der Ferienranch ganz zu schweigen, von der eigentlich nur Svejn etwas wusste. So langsam trudelten meine Mitarbeiter dann ein. Murphy, Finn, Bellamy und Octavia waren die ersten, denn die vier hingen immer gemeinsam auf dem Hof rum. Naja, so ganz stimmte das nicht, Finn und Murphy standen oft zusammen und Bellamy und O. Die ersten beiden beziehungsweise der erste, also Finn, würde uns bald verlassen. Murphy würde noch eine Weile bleiben.
      Nun kam Svejn angerollt und lächelte mir gequält zu. Seit seinem Reitunfall war er an den Rollstuhl gefesselt. Naja, nicht für immer, aber eine Weile. Aliena, Alexis und Aaron tauchten auf, Caleb und Amy Lee sowie Riley. Unser Neuzugang Nick ließ auf sich warten, aber er war auch eigentlich, so gemein es klang, nicht wirklich wichtig für mein Vorhaben. Wichtig waren lediglich Aliena und Caleb, wobei ich den Rest gerne dabei hatte, um ihnen zu erzählen, warum bald fremde Pferde, fremde Hunde und vor allem eine Hand voll fremder Leute auf der Ranch herumlief.
      "Da ihr nun alle da seit...", fing ich an und sah von Gesicht zu Gesicht. "Möchte ich sagen, dass hier bald ein Horse & Dog Trail stattfindet und sich sogar schon fünf Personen mitsamt ihren Pferden und Hunden angemeldet haben. Octavia war sofort Feuer und Flamme- leider war sie da die Einzige. "Boah das ist ja cool! Und die kommen dann alle mit ihren Hunden ? Ich liebe Hunde, das wird total toll! Darf ich helfen? Oh bitte lass mich dabei helfen!", quasselte sie doch Caleb unterbrach sie. "We... have a lot of work to manage.." "We have a lot of people who can manage..", sagte ich und lächelte ihn an. "Man Caleb, jetzt sei kein Spaßverderber!", sagte Octavia und schlug ihn gegen den Arm. Caleb konnte das ja mal gar nicht leiden und setzte an, sie zurück zu hauen- das war so seine Art. Doch nach einem kurzen Blick zu Bellamy, der Caleb ziemlich vielsagend anstarrte, ließ er den Quatsch bleiben. "Wir haben eine ganze Menge an Pferden, die für diese eine Woche aus dem Training genommen werden können und einfach ihr Leben als Pferd auf der Koppel genießen können. Mit dem Training hängen wir eh nach, diese Turniersaison können wir bis auf ein paar Pferde vergessen, also was solls?", meinte ich dann schulterzuckend. "Bin dabei.", sagten einige und nickten mir zu, ehe sie wieder ihrer Arbeit nachgingen. Nur Caleb blieb sitzen und starrte mich an. "You don't agree with anything I plan or do. Neighter with the prisoners or with this project." "I need to admit that this might be a good project. If you need help, I'll help you.", sagte er und verschwand dann auch- nur Svejn war noch da. Das sah ich allerdings erst, als ich mich geknickten Hauptes umdrehte, und den Raum verlassen wollte. "Eine schöne Idee ist es ja.", sagte er lächelnd und nahm meine Hand in die Seine. "Ich würde dir ja helfen.. aber..", sagte er und drehte sich mit dem Rollstuhl einmal im Kreis, nachdem er meine Hand losgelassen hatte. "Vielleicht kannst du mir doch helfen.", meinte ich lachend und küsste ihn kurz. "Wie?", wollte er neugierig wissen, doch ich zuckte nur die Schultern. Nächste Woche würden die Teilnehmer kommen, es war noch viel zu tun!

      Mitte August
      Eine Woche war jetzt vergangen und wir hatten es geschafft, alles rechtzeitig her zu richten. Die fünf Boxen waren mit frischem Stroh ausgestreut, die Gästezimmer waren sauber gemacht und ein wenig verziert worden und auch eine kleine Überraschung hatte ich mir ausgedacht, welche zudem ein wenig Werbung für die Gips Reminder Ranch sein würde. Ein richtiges Programm hatte ich nicht auf die Beine gestellt, denn es war mein erster Kurs und irgendwie hatte ich nicht so wirklich daran gedacht. Tja, würde schon schief gehen, denn ich hatte nun keine Zeit mehr und die ersten Gäste kamen schon!!
      Die erste Besucherin war Fiona O'Brien mit Paint Horse Pallaton und Australien Shephard Willow. Ich begrüßte sie ganz herzlich, ehe wir ihr Pferd ausluden und den schicken Wallach in seine Box brachten. Willow verstand sich sofort mit meinem Rottweilerrüden, so dass ich Fiona in aller Ruhe ihr Zimmer zeigen konnte. Sie war schon einige Male auf der Ranch zu Besuch gewesen, weshalb sie sich auf eigene Faust umsah. Um 13 Uhr solle sie mich bei der Halle treffen, dann würde es eine Überraschung geben.
      Unser nächster Gast war Jani mit ihrer Paint-Araberstute Baraija. Mit 92% Araberanteil war nicht mehr viel von dem Paint übrig geblieben, aber ich hoffte, dass diese 8% im Training doch durchschlagen würden, da Araber nicht gerade meine Lieblingspferde waren, weil sie mir einfach zu nervös waren. Vielleicht war das auch einfach nur ein Vorurteil gegenüber dieser Rasse und Jani und Baraija würden mir das Gegenteil beweisen. Ebenfalls dabei hatte Jani ihre Mini Australien Shephard Hündin Tala. Auch dieses Trio wurde von mir allerherzlichst empfangen. Zu erst luden wir die Araberstute aus, ehe wir sie in den Stall in ihre Box brachten. Dann folgte Jani's Zimmer. Ausnahmsweise durften die Hunde mit ins Haus, da ich keine ganze Meute von Hunden auf dem Hof herumlaufen haben wollte, da ja auch fremde Pferde hier waren. Nach dem Auspacken leitete ich Jani an Octavia weiter, die auch Fiona eingesammelt hatte, um den beiden dann nochmal eine Führung über den Hof zu geben.
      Ich wollte gerade nach Svejn sehen, als gleich zwei Trailer auf den Hof rollten. Seufzend lief ich die Treppe also wieder runter und auf den Hof, wo ich sofort ein Lächeln aufsetzte. Als erstes war Linn Petri auf den Hof gefahren. Mit an Bord war ihre Isländerstute Vidja und ihr Isländischer Schäferhund, der nur knappe 50cm und mich zunächst staunen ließ. "Der sieht aber lustig aus, für ein Schäferhund.", sagte ich und tätschelte seinen flauschigen Kopf. "Es ist ja auch ein Isländischer Schäferhund, die sehen ganz anders aus." "Ja, das seh ich.", sagte ich lachend und zeigte ihr dann, wo sie ihre Stute hinstellen konnte, ehe ich Bellamy dazu rief, der ihr dann gleich ihr Zimmer zeigte.
      Nun ging ich zu Alicia Grey, die auch schon ein paar Mal hier auf der Ranch gewesen war und Pferde trainiert hatte, deshalb hatte ich sie ihre Norwegerstute Fina alleine ausladen lassen. Dabei hatte sie ihren Hund Püppi, eine Mini Bullterrierhündin. Jani und Alicia waren die einzigen beiden, die neben dem Gruppentraining auch Einzeltraining bekommen würden, da ich ihre beiden Pferde in Trail aufstufen sollte.
      Kaum hatte ich auch Alicia ihr Zimmer gezeigt, so kam der letzte Teilnehmer auf den Hof gefahren. Der einzige Mann in unserer Runde, Nicolaus du Martin mit seinem Shagya Araberhengst Marid, der wohl alles andere als einfach war. Auch mit von der Partie war der Whippetrüde Asuka, welcher sich als wirklich gutherzig herausstellte. Nachdem also auch das letzte Pferd in der Box verstaut, alle Autos aus dem Weg gefahren und alle Zimmer bezogen waren, durften sich alle auf dem Hof umsehen oder etwas essen, was Alexis in der Küche gezaubert hatte. Auch die anderen Mitarbeiter fanden sich nach und nach in der Küche ein, wo wir über ein paar Themen plauderten, was jedoch dauernd von winselnden Hunden unterbrochen wurde. Mit 18 Leuten und 6 Hunden war das Haus wohl doch irgendwie zu klein, weshalb sich Caleb und Aliena sputen mussten, damit wir drei zusammen schon mal in den Stall vorgehen konnten. Doch davor machte ich noch eine kleine Ansage: "Hört mal kurz alle zu.", sagte ich laut und schaute zu, wie alle die Köpfe hoben, Gäste sowie Mitarbeiter. "Aliena, Caleb und ich gehen schon einmal vor in den Stall, um eine kleine Überraschung vorzubereiten. Ich treffe euch alle nicht wie vereinbart um 13 Uhr am Stall, sondern um 14 Uhr in der Halle. Die Hunde sind bitte an der Leine zu führen und werden euch später von meinen Mitarbeitern abgenommen, denn ihr werdet anders beschäftigt sein. Eure Pferde brauchen wir erst einmal nicht..", erklärte ich und wollte mich gerade umdrehen, um zu gehen, ehe mir noch etwas einfiel: "Achso, bitte bringt eure Reithelme mit in die Halle.", sagte ich und schaute mir ihre verdutzten Gesichter an. Ich konnte mir genau vorstellen, was sie dachten: Reithelme, ohne Pferde?
      Insgeheim lachte ich mir ja ins Fäustchen, ehe ich mit Aliena und Caleb in den Stall ging. "Also, was hast du vor?", fragte mich Aliena. "Damit sie ein Gefühl dafür bekommen, wie es ist, einen Trailparcours auf einem ausgebildeten Pferd zu reiten, werden wir jetzt 6 Pferde fertig machen, die wir gleich unter den Teilnehmern aufteilen.", erklärte ich und sah in das verdatterte Gesicht von Caleb. "6 Pferde?" "Eins für mich, einer muss ihnen ja zeigen, was sie machen sollen.", sagte ich lachend und betrachtete meine Pferde. Gar nicht so einfach, sechs davon aus zu wählen, doch meine Wahl fiel schließlich auf folgende 6 Pferde: Sympathy for the Devil, Annie get your Gun, Bella Dun Del Cielo, Cielos Double Dun It, Gun and Slide und Sheza bat Cat.
      Annie war im Trail auf LK 1, Pathy und Bella auf LK 3, Gipsy, Gun and Slide und Sheza auf LK 4. Ganz zufrieden war ich mit meiner Auswahl nicht, aber ich wollte nicht nur Pferde auf LK 4 anbieten, sondern auch bessere. Bella und Gipsy hatte ich gar nicht mit rein nehmen wollen, aber da so viele Pferde im Moment nicht im Training standen, mussten wir die Pferde holen, die gerade da waren. Wir machten die sechs Pferde fertig und brachten sie gesattelt nach und nach in die Halle, wo wir sie an der Bande anbanden. Wir bauten ein paar kleinere Hindernisse auf, 5 um genau zu sein, die meine Kursteilnehmer durchreiten konnten. Ich hatte bewusst Hindernisse aus einer Walk and Trot Beginner Klasse geholt, da die Aufgaben nachher mit den Hunden auch nur Leichte sein würden. Die erste Aufgabe bestand aus 6 Stangen, wenn man die Stangen anritt, trabte man zu erst über zwei Stangen, wendete nach rechts ab, trabte wieder über zwei Stangen, wendete erneut ab und übertrabte die letzten zwei Stangen. So lagen also zwei Stangen auf 3 Uhr, zwei auf 6 und zwei auf neun. Sie konnten zu erst im Schritt überritten werden und später im Trab. Das zweite Hindernis war einfach ein kleines Quadrat aus vier Stangen, in das man hineingehen und sich einmal um 360° drehen würde. Dann ritt man heraus, über drei Schrittstangen, bog links ab und trabte über drei Stangen, fertig war diese Station. Die nächste Station hatte, oh wunder, wieder etwas mit Stangen zu tun. Jetzt konnten meine Teilnehmer diese Übung im Schritt üben, in der Prüfung wurde sie jedoch im Trab geritten. Dabei lag eine Stange auf 2 Uhr, eine auf 9 und eine auf 4 Uhr, das war also ein wenig schwieriger, die Abstände genau einzuschätzen, als bei der anderen Stangenübung mit 6 statt 3 Stangen. Die nächste Übung war wahnsinnig einfach, zumindest für mich- für die Teilnehmer vermutlich nicht. Zwei Stangen lagen parallel nebeneinander, welche zu erst im Schritt durchritten werden mussten, bis man komplett durch die Stangen durch war, dann wurde rückwärts gerichtet. Das letzte Hindernis war ein einfaches Tor, welches jedoch kein Tor sondern ein Seil war, was man öffnen und schließen musste.
      Nach einem Blick auf die Uhr hatte ich noch eine halbe Stunde Zeit, weshalb ich mir zusammen mit Aliena und Caleb jeweils ein Pferd schnappte und die Übungen schon einmal durchging. Nachdem wir alle fünf Übungen gemacht hatten, nahm sich jeder ein anderes Pferd und machte das nochmal. Wir banden die Pferde wieder fest und gingen nach draußen, um die Kursteilnehmer abzuholen. Octavia, Finn, Murphy und Bellamy übernahmen die Hunde und gingen schon mal vor in die Halle. "Da ihr nun alle da seit, möchte ich euch die Überraschung zeigen, kommt mit.", sagte ich lächelnd und zusammen gingen wir in die Reithalle, wo die sechs Pferde standen und uns neugierig ansahen. Doch nicht nur die Pferde schauten verdattert, als auf einmal so viele Leute in der Halle waren, auch meine Kursteilnehmer schauten verwundert, als sie meine Pferde da stehen sahen. "Damit ihr zu erst einmal ein Gefühl für die Aufgaben bekommt, reitet ihr heute nur meine Pferde. Zu erst ohne Hunde, dann später mit.", erklärte ich und sah in aufgeregte Gesichter. "Das sind ja Bella und Gipsy.", sagte Fiona begeistert und ging zu Gipsy rüber. "Ist eigentlich eine Premiere, dass jemand fremdes Bella oder Gipsy reiten darf.", lachte ich. "Also Annie get your Gun ist die braune Frame Overostute hier. Nicolas ich möchte, dass du sie reitest. Sie ist im Trail auf LK 1, testet ihre Reiter aber auch gerne aus, weshalb sie deinem Shagya Araberhengst sehr nahe kommt.", erklärte ich und sah zu, wie Nicolas seinen Helm anzog und der Stute über die Nase streichelte, ehe er aufstieg. "Reite sie ganz gemütlich im Schritt warm, lass sie nicht über die Hindernisse gehen, das kommt gleich.", erklärte ich und sah dann zu den anderen Teilnehmern.
      "Der Rosenschimmelhengst hier ist Sympathy for the Devil, Pathy genannt. Jani ich möchte, dass du ihn reitest, da er genau so eine treue Seele ist wie deine Baraija. Er ist im Trail auf LK 3. Reite ihn auch warm und bleib bitte noch von den Hindernissen weg. Bisschen aufpassen mit den Stuten, aber Pathy ist da ein ganz cooler, der macht nichts viel, sollte also kein Problem sein.", erklärte ich ihr und wandte mich dann an Fiona. "Ich möchte, dass du Gipsy reitest. Du müsstest ihn ja schon kennen, viel muss ich nicht erklären. Sei bei ihm aber vorsichtig im Maul.", erklärte ich ihr und sie stieg, über beide Ohren grinsend, auf. Ich selbst würde Bella reiten, weshalb noch Sheza und Gun and Slide übrig blieben. "Linn dir übergebe ich Sheza und Alicia du bekommst Gun and Slide. bei dem du ein bisschen mit den Stuten aufpassen musst. Ran an die Stangen.", sagte ich und nachdem alle aufgesessen und warm geritten hatten, fing ich an die Übungen zu erklären. "Hier vor mir liegen 6 Stangen, zwei auf 3 Uhr, zwei auf 6 Uhr und zwei auf 9 Uhr. Ich reite an und verlangsame mein Pferd vorher, damit sie sich die Stangen anschauen kann. Die guten Trail Pferde nehmen dann die Nase runter und schauen sich die Sache kurz an, ehe sie drüber gehen. Ihr dürft so langsam reiten wie ihr wollt, aber ihr dürft nicht stehen bleiben. Wenn das im Schritt geübt wurde, kann das im Trab geritten werden, so wie es bei der Prüfung auch gemacht werden muss.", erklärte ich meinen Teilnehmern, ehe es zum nächsten Hindernis ging. "Das hier ist ein Quadrat, in das ihr hineinreitet und euch einmal um 360° dreht, dann hinausreitet und über diese drei Stangen hier im Schritt geht. Ihr biegt nach links ab und trabt dann über die nächsten drei Stangen.", erklärte ich Hindernis Nummer 2. "Es wird sich die ganze Woche um diese fünf Hindernisse drehen, ärgert euch also nicht, wenn es heute noch nicht klappen will.", fügte ich aufmunternd bei und ritt zu Hindernis Nummer 3. "Hier liegt eine Stange auf 2 Uhr, eine auf 4 Uhr und eine auf 9 Uhr. Das Ganze wird im Trab geritten, ihr könnt beziehungsweise müsst es jedoch im Schritt üben, sonst kann das nicht klappen.", sagte ich und ritt auch dieses Hindernis einmal vor, ehe ich zu Nummer 4 überging. "Das hier ist einfach.", lachte ich und ging mit Bella einmal durch die parallel liegenden Stangen hindurch, stoppte und ritt rückwärts wieder raus. "Viel erklären muss ich hierzu nicht. Zum nächsten auch nicht.", sagte ich dann und führte ihnen das Tor vor. Ich lobte Bella für ihren fehlerfreien Ritt und gab sie Octavia, damit sie sie wegbringen konnte. "Jetzt seit ihr an der Reihe. Fiona und Gipsy Station 1, Jani und Pathy Station 2, Linn und Sheza Station 3, Alicia und Gun and Slide Station 4 und Nicolas und Anni Station 5."
      Es war ein wunderschöner Nachmittag, bei dem niemand zu kurz und alle auf ihre Kosten kamen. Nachdem alle ihre Station geübt hatten und es auch einigermaßen geklappt hatte, hatten wir die Hunde dazugenommen, jedoch immer nur einzeln, damit die Hunde auch wirklich bei ihren Besitzern blieben und es kein heilloses Durcheinander von Pfeifen und Stimmen gab. Alle hatten sich gut geschlagen, so dass wir die Pferde zusammen fertig für die Boxen gemacht hatten, ehe jeder sich um sein Pferd gekümmert hatte und wir nun gemütlich zu Abend aßen. "Morgen machen wir das Ganze mit euren Pferden.", prophezeite ich schon einmal. "Jedoch morgen komplett ohne Hunde. Heute habt ihr ja jeder nur eine Station geübt, morgen werden wir jeder jede Station reiten.", erklärte ich, ehe wir den Abend gemütlich ausklingen ließen.
      Am nächsten Morgen waren alle Kursteilnehmer um 10 Uhr mit ihren Pferden in der Halle. Man sah müde Gesichter, aufgeregte Gesichter und dann war da Nicolas, der dem Ganzen sehr skeptisch gegenüber trat. "Was ist los, Nicolas?", fragte ich ihn und verschränkte die Arme vor der Brust. "Marid ist kein Boxenpferd, er ist ziemlich blöd eben beim Satteln gewesen, weiß nicht ob er mich hier nicht gleich abbuckelt.", erklärte er mir und ich seufzte. "Sag sowas doch früher, er kann auf eine kleine Koppel. Octavia zeigt dir nachher den Weg.", sagte ich. "Möchtest du trotzdem diese Einheit mitreiten oder willst du lieber aussetzen?", fragte ich ihn. "Ich gehe lieber eine Runde ins Gelände mit ihm, heute Mittag bin ich wieder dabei." "Alles klar, reitet nicht zu weit weg, es gibt schon bald Mittagessen.", sagte ich freundlich und öffnete den beiden die Tür, damit sie nach draußen reiten konnten. Wieder bei den anderen angekommen schaute ich in die Runde. "Wer möchte anfangen?", fragte ich und Fiona schien darauf zu brennen, mit ihrem Paint Horse Wallach das Versuchskaninchen zu sein. "Station 1 hast du ja gestern schon mit Gipsy geübt, Pallaton scheint mir ein kluges Kerlchen zu sein, das sollte also kein Problem sein.", erklärte ich und sah ihr dabei zu, wie sie den Wallach langsam an die Stangen heran führte und sogar ohne eine der Stangen zu berühren hinüberritt. "Gut, versuch es mal im Trab.", erklärte ich und sah ihr zu. "Guuut! Der hat Talent, dein Kerlchen!", sagte ich und rief dann Jani und Baraija auf, die entgegen meiner Erwartungen wirklich eine ruhige Stute war, ganz anders, als die Araber, die ich sonst so kannte. "Reite langsam heran und lass sie dann gucken, bleib aber nicht stehen.", erklärte ich und sah den beiden zu, wie sie ihren ersten Versuch wagten. Die letzte Stange touchierte Baraija, aber das war nicht schlimm. "Nicht schlimm, dreh sie sofort herum und geh das Ganze von der anderen Seite.", erklärte ich ihr und sie nickte, wendete ihre Stute und überschritt die Stangen erneut. "Genau, super.", sagte ich und schaute dann zu Linn und Vidja, die als nächstes dran waren. Ich wusste, dass Isländer nicht sprangen, deshalb war ich mehr als gespannt, wie Vidja sich schlagen würde, doch die Stute machte einen guten Job und ließ sich von den bunten Stangen auf dem Boden nicht unterkriegen. "Super macht ihr das!", lobte ich die beiden. Heute gingen alle die Hindernisse nur im Schritt, damit die Pferde die Sachen kennenlernten. Heute Mittag würden einige schon traben. Alicia und Fina schlugen sich auch wirklich super, so dass die beiden auch die ersten waren, die das Quadrat ausprobieren durften. "Hierbei müsst ihr wirklich darauf achten, dass ihr die Pferde langsam dreht.", erklärte ich und sah Fina zu, wie sie sich abmühte, rum zu kommen. "Fina ist eben kein richtiges Westernpferd, die das kennen, sich so eng zu drehen. Aber keine Sorge Alicia, das kann sie lernen! Das ist wirklich kein Problem!", versicherte ich ihr, nachdem ihre Stute zum gefühlten hundertsten Mal aus dem Quadrat herausgestolpert war. "Das üben wir heute Abend nochmal." "Linn und Vidja sind die nächsten.", sagte ich und schaute den beiden zu. Vidja hatte es viel einfacher, da sie kleiner war und einen kürzeren Rücken als Fina hatte, so kam sie besser rum. "Gut, reicht schon.", sagte ich, nachdem sie auch über die Schrittstangen gegangen war. Jani und Baraija hatten keine Probleme, ebenso wenig wie Fiona und ihr Paint Wallach. Wir übten die anderen drei Stationen auch noch eine Weile, ehe die erste Einheit beendet war. Dann wurden die Pferde weggebracht und es ging zum Essen, wo auch Nicolas wieder zu uns stieß.
      Am Nachmittag waren dann alle fünf Teilnehmer wieder dabei. Die vier Teilnehmer, die heute morgen schon dabei gewesen waren, zeigte Nicolas und Marid, was sie gelernt hatten, so dass ich den Teilnehmern gespannt von der Bande aus zusehen konnte. Ab und an ging ich zu ihnen und half ihnen ein wenig. Bevor es wieder Abendessen gab, hatten alle Teilnehmer jede Station nochmal ausprobiert und wenigstens einen fehlerfreien Durchlauf gehabt. Ich hatte in dieser Einheit auch erfahren, dass Nicolas gar nicht Nicolas sondern Nicolaus hieß, peinlich, aber wenigstens zog sich das nicht durch die ganze Woche.
      Nach dem Abendessen fanden sich Alicia und Fina sowie Jani und Baraija wieder in der Halle ein. "Ihr vier habt euch wirklich schon super geschlagen, ich würde die beiden Pferde jetzt nur kurz selbst über die Hindernisse reiten und gegebenenfalls Korrektur reiten. Dann können sie auch schon in der LK 4, also in Klasse A starten.", erklärte ich und die beiden nickten. Ich schnappte mir zu erst Fina. Auf Alicias Hof hatte ich ihren Norweger Remi schon ein paar Mal geritten. Seit dem waren mir die Norweger ans Herz gewachsen, weshalb ich nicht aufgeben wollte, Fina im Quadrat drehen zu lassen. Ich stieg also nicht auf, sondern ging neben ihr her ins Viereck und lenkte sie dann im Kreis. Sie war auf der Hinterhand ziemlich flink, aber auf der Vorhand sehr schwerfällig, weshalb ich sie mit dem Fingernagel in die Schulter zwickte, damit sie aufpasste, was sie da vorne machte. Auf der einen Hand klappte das Ganze dann auch wirklich gut, auf der anderen nicht so gut. "Aber hast du gesehen Alicia, wie sie auf einmal die Vorhand einsetzen konnte, nachdem ich sie immer und immer wieder gezwickt habe, damit sie aufpasst?", sagte ich und sie nickte. Weh tat das der Stute natürlich nicht, es diente lediglich dazu, dass sie darauf achtete, wo sie ihre Beine hinsetzte. Ich probierte das drehen nun aus dem Sattel heraus und es sah schon viel besser aus, als heute morgen. Ich durchritt die anderen Hindernisse auch, bei denen es keine Probleme gab, ehe ich Alicia ihr Pferd in die Hand drückte. "Bitte das Quadrat probieren.", sagte ich und schnappte mir Baraija, stellte die Bügel ein und stieg dann auf. Der Stute merkte man ihren Paintanteil doch noch an, auch wenn es nur noch 8% waren. Leichtfüßig überschritt sie die Stangen. Lediglich am Tor hatte sie Probleme, einfach mal ihren Hintern still zu halten. Das konnte ich ihr aber auch nicht ausreden, weshalb ich einfach mein äußeres Bein die ganze Zeit an ihren Bauch hielt, damit sie am Tor stehen blieb. "Das wars eigentlich schon.", erklärte ich, nachdem ich auch die anderen Übungen mit der Stute geritten hatte. "Du noch einmal und dann ist Feierabend.", erklärte ich und schickte die beiden nachher zufrieden in den Stall, ehe Nicolaus mit dem gesattelten Marid in die Halle kam. "Darf ich vielleicht ein bisschen für mich üben? Das fuchst mich, dass ich heute morgen nicht mitmachen konnte...", gestand er mir kleinlaut. "Ich kann gerne hierbleiben und dir Tipps geben, wenn du möchtest. Ich kann aber auch gehen.", sagte ich nett und er schüttelte den Kopf. Er schien wohl in seinem Stolz geknickt. "Ich würde gerne alleine versuchen." "Gut, sag mir morgen früh vor dem Training wie es war und ob etwas nicht geklappt hat.", erklärte ich und ließ ihn dann alleine, ehe ich ins Haus und todmüde ins Bett fiel.
      Tag 3 und 4 waren weniger spektakulär, morgens waren jeweils Gruppenstunden, nachmittags Einzelstunden mit den Hunden, wobei diese eigentlich noch Nebensache waren. Spannend wurde es wieder am fünften und sechsten Tag, da wir nun die Hunde richtig mit einbanden. Bei der Station 1 musste der Hund auf der linken Seite neben dem Pferd herlaufen, aber ebenfalls über die Stangen gehen, weshalb wir am Morgen die ganzen Hindernisse mit den Hunden zu fuß durchschritten hatten, damit die Tiere langsam lernten, wo sie laufen mussten. Bei Station 2 war es egal, auf welcher Seite der Hund lief. Bei Station 3 sollte er rechts laufen. Bei Station 4 sollte er außerhalb der beiden Stangen beim Durchreiten mitlaufen. Dann sollte er sich ablegen und liegen bleiben, bis das Pferd wieder rückwärts aus den Stangen raus war. Bei dem Tor lag ein kleines Quadrat aus Stangen, wo der Hund abgelegt wurde, ehe das Tor durchritten und der Hund hinterher gerufen wurde. Besonders amüsant war der Ritt von Jani, Baraija und Tala, da die junge Hündin schier zu übereifrig war und Baraija dauernd vor die Hufe lief, was die Stute gar nicht so lustig fand. Mit viel Ruhe bekam das Trio jedoch den Parcours auf die Reihe. Asuka fand die kleine Pfütze- wie auch immer das Wasser in die Halle gekommen war, viel interessanter als das Training und wälzte sich zur Freude aller im Wasser, ehe ein völlig nasser und von oben bis unten sandfarbener Hund zu seinem Herrchen Nicolaus lief und sich neben ihm schüttelte. Marid erschreckte sich und machte einen Satz zur Seite, jedoch blieben alle unverletzt. Linn, Alicia und Fiona hatten keine Probleme mit ihren Hunden, auch wenn Fionas Pferd Pallaton so langsam schlapp machte. "Der hat Muskelkater, glaubst du mir das?", hatte ich dazu nur gesagt und lachend den Kopf geschüttelt.
      Der letzte Abend war doch recht amüsant und ging noch bis in die halbe Nacht, ehe am nächsten Morgen alle abreisten.
      Zu erst machte sich Jani mit ihrem Pferd Baraija und ihrem Hund Tala auf den Weg. Das Verladen verlief problemlos und ich wünschte den dreien eine gute Heimreise. Auch Linn und Alicia verschwanden relativ schnell und problemlos. Ihre Pferde ließen sich gut verladen und so winkte ich den Trailern noch hinterher, ehe ich zu Nicolaus, den ich noch immer die ganze Zeit versehentlich Nicolas nannte, ging. "Weißt du warum ich dich die ganze Zeit so nenne? Ich habe einen neuen Mitarbeiter der Nicholas.", sagte ich lachend und schaute ihm beim Verladen von Marid zu. Asuka half dabei kräftig, naja eher weniger, denn er bellte die ganze Zeit. Nach einer Weile und viel Geduld von Nicolas... Nicolaus' Seite, war das Pferd verladen und sie verließen den Hof.
      Fiona hatte mich gefragt, ob sie noch einen Tag bleiben und Gipsy nochmal reiten durfte. Widerwillig hatte ich zugestimmt und sie noch einen weiteren Tag hier behalten, bei dem sie Gipsy auf einem kleinen Ausritt reiten durfte, während ich mit Bella neben ihr her ritt. Als dann auch Fiona die Ranch verlassen hatte, viel ich erschöpft auf die Couch, von der mich Caleb unsanft runterschubste. "Was machst du da? Glaubst du die Boxen misten sich alleine?" Der Alltag konnte wieder beginnen.

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      Hunter und die Kunst des Westernreitens
      Gun and Slide Reining Auffrischung
      Samson Horsemanship E-A, PFS' Heart of Ocean im Gelände, Scarlet in Birth Galopprennen A-L
      September 2016, by Veija
      Caleb
      Vor ein paar Monaten hatte ein gewisser Hunter Crowley bei Verena angefragt, ob sie nicht nach Lincolnshire, in den Westen Englands fliegen und ihm die Westernreiterei ein wenig näher bringen könnte. Zugesagt hatte sie, jedoch nicht, wann sie Zeit finden würde, um zu ihm zu fliegen. Da sie allerdings durch den Umzug und die neuen Pferde gar keine Zeit hatte, rüber zu fliegen, sollte ich das nun machen. Ich konnte nicht nur besser reiten als sie, ich würde dem Mann, der leider etwas älter als ich war, schon etwas beibringen.
      “Ich will Gun and Slide mitnehmen, damit er nicht nur auf seinem Pferd, sondern auch auf einem richtig ausgebildeten Pferd lernen kann.”, sagte ich zu Verena und sie nickte. “Ja, ist oke. Nehm ihn mit und richte Hunter schöne Grüße von mir aus, er müsste mich ja mich ja noch kennen.”, lachte sie und klopfte mir auf die Schulter. Also ging ich in den Stall, denn meine Tasche war schon gepackt, ich müsste nur noch das Pferd fertig machen. Während ich Gun and Slide, welchen wir alle auch liebevoll Blue nannten, die Transportgamaschen anlegte, rief Verena am Flughafen an und quatschte mit ihrem Lieblingsmensch dort, dass wir ein Pferd rüberfliegen würden. Schnell war alles geklärt, so dass Verena Blue und mich nach Calgary fahren konnte. Die Fahrt dauerte nicht lange, so dass Blue und ich in Null Komma nichts im Flieger saßen, bzw standen, denn ein Pferd konnte ja bekanntlich nicht sitzen.
      Die Reise nach England überstanden wir beide mehr als gut, so dass wir am späten Abend auf Bear Brook EC ankamen. Hunter begrüßte uns freundlich und zeigte mir, wo ich Blue hinstellen konnte. Er schien mehr als überrascht darüber, dass ich ein Pferd mitgebracht hatte, doch er würde später noch sehen, was ich damit vor hatte. Wir aßen noch gemeinsam zu Abend, ehe wir ins Bett gingen.

      Am nächsten Morgen war ich schon früh auf den Beinen und sattelte Gun and Slide, ehe mir Hunter über den Weg lief. “Hast du Zeit mit auszureiten? Dann kannst du ein wenig über deine Erfahrungen erzählen.”, sagte ich zu ihm und er nickte. In Windeseile hatte er Samson, seinen Gypsy Vanner Wallach gesattelt und es konnte losgehen. Hunter zeigte mir ein wenig die Gegend und erzählte mir auch ein wenig von sich, was vielleicht von Belang sein würde. So auch, dass der den Motorsport liebte und selbst Motorrad fuhr. “Ich war lange Zeit beim Rodeo, bin Bullen geritten und hab mich einmal fast selbst umgebracht. Hab lange im Rollstuhl gesessen und kann von Glück reden, dass ich wieder laufen und sogar reiten kann. Von da an war es mit der Karriere als Rodeoreiter leider vorbei.”, erklärte ich ihm schulterzuckend und merkte sofort, dass er sich anders verhielt, als ich ihm von meiner Rollstuhlzeit erzählte. Anscheinend hab es da etwas, über das er absolut nicht reden wollte.
      Desweiteren erzählte er mir von seiner reiterlichen Laufbahn, auch dass er eher im Spring- und Militarysport zu finden war und eher weniger etwas mit dem Westernreiten zu tun hatte. Er hatte eine seiner Stuten, Princess Sansa, auf einer Krönung im Westernsattel vorgestellt. “Ach, dich habe ich glaube ich sogar reiten sehen an dem Tag.”, meinte ich beiläufig. “Wirklich?”, fragte Hunter fast ungläubig. “Ja, wir sind dort mit einer unserer Paint Stuten hin gefahren… doch doch, ich meine mich zu erinnern, dass ich noch mit Verena darüber geredet hatte, dass man mit Snaffle Bit zweihändig reitet und dass dein Pferd ein wenig zu viel geblinkt hat.” “Du warst das?” “Ich war was?” “Gine meinte, sie hätte mitbekommen, dass jemand aus dem Publikum gesagt hatte, dass ich falsch reite et cetera.” “Ja, denke das war ich.”, meinte ich lachend und zupfte einmal an Blues Trense, da er wieder in der Gegend herum schaute und nicht mehr auf den Weg, wo er eigentlich langlaufen sollte. “Hast du deinen Ritt von der Krönung zufällig aufgenommen oder aufnehmen lassen? Dann könnten wir uns den gleich auf deinem Hof anschauen und ich kann dir sagen, was du besser machen kannst beziehungsweise kann dann schon sehen, was du überhaupt kannst.”, erklärte ich und er nickte. “Ja, zufällig hab ich das sogar auf Video.”, meinte er, bevor wir schweigend zurück zum Hof ritten. Wenn ich ihn nichts fragte, schwieg er. Aber Verena hatte mich schon vorgewarnt, dass er charakterlich wirklich eigen war und ich aufpassen musste, was ich sagte, da ich ziemlich aufmüpfig sein konnte. Hunter bezahlte mich ja auch, da musste ich auch mal in den sauren Apfel beißen und netter tun, als ich eigentlich war. Wir machten also die Pferde fertig für die Koppel- Hunter hatte ein kleines Stück Weide abgesteckt für Gun and Blue, so dass er zwar raus konnte, aber von Hunters Pferden weg blieb.
      Zusammen gingen wir nach drinnen und setzten uns in die Stube, wo der Braunhaarige das Video in den Fernseher schmiss. Im Schritt ritt er in die Halle und hielt in der Hallenmitte an. “So weit so gut.”, sagte ich und nickte. “Was ich dir noch zu den Klamotten sagen will, die sind eigentlich gut so, du darfst dir aber auch ruhig etwas Farbe zutrauen. Dein Hemd hätte zum Beispiel auch rötlich sein können, so wie dein Pad. Aber das ist komplett dir überlassen, welche Farben du auswählst. Was ich zu der Hose zu sagen habe… die ist auch gut so, wenn du jetzt jedoch zum Beispiel eine Reining reiten wölltest, könntest du auch Chaps tragen. Die sehen im englischen ganz anders aus, als im Westernreitsport.”, sagte ich und suchte ein Bild auf Google, um ihm zu zeigen, was ich meinte. Diese Westernchaps gingen nämlich von der Gürtellinie bis auf den Boden. “Bevor wir jetzt weiter machen lass dir gesagt sein, dass jeder etwas anders trainiert als der andere. Verena achtet zum Beispiel auf andere Dinge, als ich es tue. Dementsprechend kann ich dir jetzt nichts aufzählen, was dich zum Profi-Westernreiter macht. Ich kann dir lediglich Hilfen anbieten, die auch ich gelernt habe, die mir geholfen und mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin.” “Das ist schon okay.”, meinte er dann knapp und schaute von der Fernbedienung zu mir, anscheinend wartete er auf mein Ok, dass er den Film wieder laufen lassen konnte.
      Um ihn nicht länger warten zu lassen nickte ich.”Linke Hand ganze Bahn im Walk, das heißt Schritt… dann Jog, super. Oh.. oh.. was hat sie denn jetzt?”, fragte ich mehr mich selbst als Hunter und beobachtete Sansa dabei, wie sie die Ohren in den Nacken legte und wie verrückt mit dem Schweif schlug. Dann erkannte ich Hunters Fehler. “Also zu erst: Ich dachte bis gerade noch, dass du die Zügel in zwei Hände nimmst.. auf einem richtigen Westernturnier hättest du sofort abbrechen und die Halle verlassen können, aber da haben die Richter nichts gesagt. Mit Snaffle Bit, also Wassertrense, reitet man zweihändig und bis zu einer gewissen Klasse. Sobald es erlaubt ist Bit with Shanks, also die Westernkandare, zu benutzen, reitet man einhändig…. Die hat aber auch einen blöden Trab... “, kommentierte ich dann und schüttelte den Kopf. “Spul mal zurück bis da hin, wo du antrabst.”, erklärte ich und er spulte zurück. “Stop.”, sage ich irgendwann. “Hast du gesehen? Beim Antraben bist du ihr voll in den Rücken geknallt und hast den Takt verloren. Das stört sie, deshalb die angelegten Ohren. Aussitzen ist nicht immer so einfach.”, sagte ich dann lachend und nickte ihm zu, dass er wieder auf Play drücken sollte. Dann stoppte er Sansa aus dem Trab. Dort hatte ich nichts zu meckern, dann ging es jedoch wieder los. Er machte eine 360° Drehung und galoppierte aus der Wendung heraus an. “Stop.”, sagte ich und schnappte mir selbst die Fernbedienung, woraufhin er mich zwar verdattert ansah, aber nichts sagte. Ich hatte das leise Gefühl, dass ich ihn zu sehr kritisierte und ihm das nicht passte, aber damit musste er leben- oder eben sagen, dass es ihm nicht passte. Noch war er jedoch still. “Kannst du mir erklären, was das darstellen sollte?”, fragte ich ihn und kratzte mich grinsend am Hinterkopf. “Das.. sollte… ähm.. wie nennt man das.. Spin? Ich glaube ich wollte einen Spin machen. Oder Roll Back, irgendwie so hieß das doch…”, nuschelte er und ich nickte. “Leider hast du das irgendwie zusammen geworfen und beides zusammen gemacht, was so natürlich absolut unzulässig ist. Kennst du den Unterschied zwischen Spin und Roll Back?”, fragte ich ihn dann nett und konnte seinen Kopf rauschen sehen, er dachte wirklich nach. “Ein Spin ist eine Hinterhandwendung?” “Ist das eine Frage, oder eine Aussage?”, fragte ich scherzhaft und bekam einen bösen Blick von ihm ab. “Ja ok, du hast recht.”, meinte ich dann. “Wie viele?” “Was meinst du, wie viele?” “Na wie viele Hinterhandwendungen man machen muss, damit es ein richtiger Spin wird.” “Ist das eine Fangfrage?” “Nein… okay ich sag es dir, es sind 4. Das werde ich dir mit Blue auch noch zeigen.”, erklärte ich dann nett. “Und was ist ein Roll Back?”, fragte ich ihn dann und gähnte einmal. Theorie war so langweilig. Aber Hunter hatte mich, beziehungsweise Verena, darum gebeten. Also musste ich das hier durchziehen. “Ein Roll Back ist… eine 360° Drehung, die…” “Bööp. Falsch. Ein Roll Back ist nur eine 180° Drehung, die durch einen Sliding Stop eingeleitet wird. Nicht so gute Pferde und Reiter machen erst den Sliding Stop, verharren ein paar Sekunden und machen dann mit dem Roll Back weiter. Richtig gute Pferde und Reiter machen den Sliding Stop und springen sofort rum, bevor das Pferd richtig steht. Aber das ist wirklich schwer, nicht nur für das Pferd…”, erläuterte ich ihm. “Und was macht man dann?” “Dann galoppiert man los.” “Richtig!”, lobte ich ihn und drückte auf Play. “Galoppwechsel sind anscheinend kein Problem, auch wenn ich dir noch zeige, wie man die beim Westernreiten einleitet und reitet, ist ein bisschen anders als im Englischen, glaube ich. Aber ist nicht schlimm, dass verstehst du sofort, du kannst Pferde ja wechseln lassen.”, Kritik und Lob in einem, wow. Er ritt mit Sansa einen Zirkel und erweiterte diesen dann ganz komisch, auch wenn er nicht wirklich schneller wurde. “Was machst du da?”, fragte ich ihn beiläufig und drückte auf Stopp. “Ich äh.. reite Galopp, also Lope. Der wird ja immer so mega langsam geritten, also hab ich..” “Stop.”, sagte ich lächelnd. “Jetzt rutschst du in die Pleasure ab. In der Reining wird sehr wohl schnell galoppiert, kann ich dir auch auf Blue zeigen.”, legte ich ihm dar. “Die kleinen Zirkel werden meist langsamer galoppiert, die großen Zirkel ziemlich schnell. Speed Control nennt man das auch. Zumeist werden ein kleiner Zirkel und dann zwei Große geritten, ehe es einen fliegenden Galoppwechsel an X gibt und das Ganze in umgekehrter Reihenfolge auf der anderen Hand geritten wird. Aber das ist auch Patternabhängig.”, quatschte ich ihn voll. “Ich weiß, dass ist viel zu lernen, aber ich zeig dir morgen auch nochmal alles in der Praxis, oder heute Abend schon, mal sehen.”, beruhigte ich ihn und klopfte ihm auf die Schulter. Wieder drückte ich auf Play und schaute mir an, wie sie übr die vier Stangen gingen. “Super, hast sie schön gucken lassen, ohne dass sie stehen bleibt… warum gehst du bis vor die Wand?... Oh je…”, kommentierte ich sein Rückwärtsrichten dann. “Riesen Baustelle, aber leicht zu beheben.”, munterte ich ihn auf. “Als von Anfang an: Warum bist du bis vor die Wand geritten, um sie rückwärts zu richten?” “Es fällt ihr dann leichter, hab ich gedacht…”, verteidigte er sich und ich nickte. “Akzeptables Argument.”, musste ich zugeben. “Dann zum Rückwärtsrichten, dem Back Up. Du blockierst sie, sitzt irgendwie auf dem Video total gegen die Bewegung, schon leicht nach vorne geneigt. Da hast du bestimmt nicht dran gedacht.”, meinte ich erneut schulterzuckend. “Sowas kommt immer aufs Pferd an, bei manchen Pferden muss man nur minimal sein Gewicht nach hinten verlagern, bei manchen Pferden muss man vorne enorm Zug aufbauen, bei manchen Pferden muss man nur die Beine vom Bauch nach vorne wegstrecken oder mit Stimmkommando und Druck gegen den Bauch arbeiten, da kann ich dir jetzt keine hundert prozentige Lösung geben, das musst du selbst lernen, bei jedem Pferd anders.”, sagte ich lächelnd und drückte wieder auf Play. Hunter schwieg schon die ganze Zeit… Entweder passte ihm das Ganze hier nicht, oder ich hatte ihn in seinem reiterlichen Wissen gekränkt, keine Ahnung. Aber beim Reiten würde er bestimmt nochmal aufblühen, dachte ich mir und schaute nochmal zum Fernseher. “Ja… auf der Vorhand latscht sie eben genau wegen dieser Fehler, aber deshalb bin ich ja hier.” Wir schauten ein wenig weiter, während Hunter im Galopp die Halle verließ. “Oh, mach das nie. Nie, nie, nie.”, lachte ich. “Du hattest jetzt nur eine Wassertrense drin, bei Bit with Shanks, also den Kandaren, müssen wir oft absteigen und das Gebiss den Reitern vorführen, dann wird die Trense wieder angezogen und aus der Halle geführt. Ansonsten immer im Schritt, höchstens im Trab die Halle verlassen… Oh, das wars ja schon.”, sagte ich, als das Band zu Ende war. Nach einem Blick auf die Uhr wurde mir klar, dass wir noch reiten gehen konnten. “Gut, ich sattel eben meinen Blue. Kommst du dann gleich in die Halle? Samson brauchst du nicht. Ich will dir ein paar Dinge auf meinem Hengst zeigen.”, erklärte ich und er nickte, ehe ich aufstand und zu Blues abgesteckter Koppel ging.
      “Och Blue…”, seufzte ich und zog ihm das Halfter an, ehe ich mein durch Schlamm komplett braunes Pferd an der Stallwand anband und putzte. Irgendwann gab ich es auf, ihn komplett sauber zu bekommen und putzte ihn nur da, wo der Sattel lag. Dann sattelte ich ihn legte ihm auch Bandagen und Skid Boots an, bevor ich mit ihm in die Halle ging und ihn warm ritt. Irgendwann kam Hunter dazu, der mich bei manchen Übungen einfach nur fragend ansah. So zum Beispiel, als ich mit Blue Spins übte, er in der Schulter total steif war und ich die Zügel teilte, so dass ich in jeder Hand einen hatte, ehe ich den linken Zügel ganz normal hielt und mit dem rechten Blues Kopf auf mein Knie zog, während ich ihn mit dem rechten Bein im Kreis herum drückte. “Der läuft nicht so schön wie er laufen kann, der soll sich biegen.”, sagte ich knapp und zog seinen Kopf auch auf mein anderes Bein. Dann gab ich wieder die Hilfen zum Spin, den er dieses Mal wesentlich besser machte als das letzte Mal.
      Ich ritt zu Hunter, stieg ab und er konnte aufsteigen. “Ich hab ihm extra die Wassertrense angezogen, damit das für dich einfacher ist, weil du ihn dann mit beiden Händen reiten kannst.”, erklärte ich ihm und überlegte dann. “Reite zu erst einmal einfach wie du möchtest, Schritt, Trab und Galopp, damit du dich an ihn gewöhnen kannst.”, war meine Anweisung, die er auch genau so befolgte. Nach einer Weile bat ich ihn, zu mir in die Mitte zu kommen. “Gut, ich würde gerne Elemente aus der Pleasure, dem Trail, der Reining und der Horsemanship üben, womit magst du anfangen?”, fragte ich ihn und verschränkte die Arme vor der Brust, ehe ich selbst noch etwas an meinen Satz dran hängte: “Am besten mit der Reining, wenn ich du wäre. Weil das kannst du mit deinem Tinker nicht machen.”
      “Ja oke, dann üben wir davon was.”, sagte er und ich nickte. “Fall mir ja nicht runter.”, lachte ich und ging ein paar Schritte zur Seite, damit er und Blue Platz hatten. “Wir starten mit dem Back Up. Dazu lehnst du dich… Stop!”, sagte ich gerade noch rechtzeitig, bevor Blue wie ein verrückter nach hinten lief. “Langsam, Hunter!”, knurrte ich ein wenig- ich war kein guter Lehrer. “Hör am besten zu erst zu.” “Na gut.”, murmelte der Mann und setzte sich locker in den Sattel. “Zu erst nimmst du die Zügel richtig in beide Hände… ja genau, oben drüber wird so eine Brücke gemacht.. ja.. super.”, erklärte ich, ehe ich wieder ein paar Schritte von den beiden weg ging. “Dann verlagerst du dein Gewicht auf dein Gesäß, bevor du die Beine nach vorne hin ein wenig wegstreckst, die Zügel minimal annimmst und ein paar Mal whoa sagst. Je langsamer du das alles machst, desto langsamer geht er, wirst du hektisch, rennt er. Glaub mir, er kann rückwärts so schnell laufen wie er vorwärts traben kann, das ist kein Problem.” - ich machte ich ja auch keinen Druck oder so, dachte ich im Nachhinein. Aber Hunter konnte damit bestimmt umgehen, falls nicht, würde ich das merken. “In der Reihenfolge wie ich das gesagt habe. Zu erst das Gewicht, dann Beine und Zügel und erst dann die Stimme… ja… wow, super!”, lobte ich die Beiden, als Blue langsam nach hinten ging. Ein paar Mal schnalzte ich noch, da er unruhig mit den Ohren zuckte und gar nicht so recht wusste, was er da eigentlich machen sollte. Als er mein Schnalzen jedoch hörte, ging das Ganze ein wenig flüssiger und nicht mehr so stockend. “Alle Hilfen weg… ja.. genau. Eaaaasssyyy. Ja, super.”, dirigierte ich die beiden. “Das war wirklich klasse, super gemacht ihr zwei!”, lobte ich sie und überlegte dann. “Für den Spin… erst zuhören, dann machen.”, ermahnte ich ihn. “Für den Spin…”, setzte ich wieder an, unterbrach mich dann jedoch selbst wieder. “Stell dich mal gerade in die Bügel, dann setz dich wieder hin.”, befahl ich und lief ein paar Runden um das Pferd. “Ich dachte du hättest eine schiefe Hüfte, aber sah nur so aus, alles gut.”, sprach ich und erklärte dann weiter, setzte also zum dritten Mal an: “Für den Spin, wir machen ihn zu erst rechts herum, versetzt du deine beiden Hände so, so dass deine linke Hand die Position deiner rechten einnimmt und die rechte nach rechts hin Platz macht. Mach das mal.. ja, genau. Reicht das nicht, gehst du mit den Händen weiter nach rechts. Genau.. wieder in die Mitte. Dann streckst du dein rechtes Bein vom Pferdebauch weg.. später nimmst du nur minimal den Druck weg, aber jetzt zum üben übertreiben wir lieber ein bisschen… nimmst also das Bein komplett vom Bauch weg, bevor du dein linkes Bein an den Bauch legst, mit der Ferse Impulse gibst und rhythmisch schnalzt. Auf Turnieren wird immer vier Mal auf jeder Seite gedreht, du machst aber so viele wie du schaffst, und wenn es nur eine Umdrehung ist.”, erklärte ich und nickte ihm dann zu. “Und los.” Er machte, was ich ihm aufgetragen hatte und Blue drehte sich. Er war wirklich das perfekte Anfängerpferd. Bei Anfängern war er vorsichtig und machte lieber etwas langsamer, als zu schnell. Bei Erfahrenen oder Profis wusste er genau was zu tun war und machte immer, was von ihm verlangt wurde. Kaum zu glauben, dass Verena diesen Hengst verkaufen wollte, da würde ich auf jeden Fall dazwischen gehen, und wenn ich ihn selbst kaufen müsste.
      Hunter schlug sich gut, so dass er nach zwei Runden auf der rechten Seite auch zwei Runden auf der linken Seite schaffte. “Ziel ist es dabei, möglichst schnell zu spinen, das Pferd mit der Hinterhand fast auf einem Fleck drehen zu lassen und nachher auch genau auf den Punkt aufzuhören und zum Stehen zu kommen, ohne zu überdrehen.” , erklärte ich und sah ihn nicken. “Gut, dann galoppier gleich mal auf der rechten Hand an. Mach einen kleinen Zirkel und zwei Große. Bevor du an X ankommst nimmst du die Zügel ein wenig nach links und nimmst dein linkes Bein weg, das rechte legst du an. Dann müsste er umspringen. Später, wenn du das besser kannst und nochmal zu mir ins Training kommen willst, wirst du es sehr viel präziser lernen…” “Und wie?”, wollte er wissen und ich grinste. “Später, wenn du das besser kannst, hälst du ihn auf der rechten Hand, bis du genau auf X bist. Linkes Bein weg, rechtes dran, Zügel nach links. Da die Pferde bei den großen Zirkeln wirklich schnell galoppieren, hast du dafür nur ein paar Sekunden Zeit, das ist das Schwierige daran… Vom Langsamen auf den langsamen Zirkel wechselst du bitte nicht, da hat er Probleme und springt dauernd nach, der hebt dich aus dem Sattel, wenn er nicht mehr hinterher kommt.”, lachte ich. “Los, hopp. Galopp.. ach und nimm ihn um Himmels Willen gleich langsam zurück, der soll nicht stoppen. Du fliegst aus dem Sattel.”, warnte ich ihn vor und sah ihm dann zu, wie er zu erst den langsamen Zirkel galoppierte, ehe er auf den großen ging und Blue einen Zahn zulegte, welchen Hunter total aus dem Gleichgewicht brachte. Er hatte wohl nicht damit gerechnet, dass er so schnell werden würde. Ich lachte still in mich hinein und schaute ihm weiter zu. Der Galoppwechsel war mehr schlecht als recht, aber darüber sah ich mal hinweg. Beim Verlangsamen auf den kleinen Zirkel hatte Hunter ein paar Probleme, aber er bekam das selbst wieder in den Griff. Schließlich kam er vor mir zum Stehen. “Du bist besser, als ich gedacht habe. Respekt… und das sag ich nicht jedem.”, meinte ich zwinkernd und klopfte Blues Hals. Er war schon ganz schön am Pumpen, aber er hatte es ja gleich geschafft, schließlich hatte er zwischen den Übungen immer wieder ein wenig Pause. “Jetzt noch zwei Übungen, die können wir verbinden. Den Sliding Stop machst du zu erst aus dem Trab, dann aus einem langsamen Galopp. Klar, rutschst du dann nicht spektakulär über den Boden mit Blue, aber wenn ich dich in vollem Tempo stoppen lassen, fliegst du mir durch die Halle, und das wollen wir beide nicht. Also trab mal an.. ja genau.. weiter.. weiter… dann lehnst du dich stark nach hinten, Beine nach vorne und sag whoa… ja genau! Jetzt im Galopp.”, gab ich wieder Befehle und schaute ihm zu, wie er das Ganze aus dem Galopp machte. Blue stoppte, Hunter flog nach vorne. “Nicht schlimm. Jetzt machst du das so genau nochmal, wenn du stehst, sortier erst deinen Sitz… Dann Zügel so weit es geht nach rechts, linkes Bein dran, rechtes Bein weg und Küsschen geben. Dann springt er rum und galoppiert los. Nehm die Zügel am besten in eine Hand und halt dich mit der anderen am Horn fest, beim Galopp jetzt auch schon.”, versuchte ich ihm zu erklären und schaute ihm dann zu. Er galoppierte, stoppte, überlegte… und sprang dann rum. Man sah wirklich, wie ein richtiger Ruck durch seinen Körper ging, als Blue angaloppierte. Zum Glück hatte er die Zügel nur locker in eine Hand gehabt, sonst hätte er ihm total im Maul herum gezogen. “Jetzt auf der anderen Hand”, rief ich ihm zu und wartete, bis sie das auch da gemacht hatten. “Gut, reite ihn im Schritt noch ein paar Runden.”, sagte ich zum Schluss und nahm mein Pferd dann in Empfang. “Und, wie fühlt es sich an?” “Ich bin total baff, so viel Neues.. Alles ganz anders, und doch reagiert Blue total fein auf meine Hilfen, auch wenn ich nicht so recht Ahnung davon hatte, was ich da eigentlich gemacht habe.”, schwärmte er. Ich lachte. “Reining war das Schwerste, aber du musst morgen die gelernten Sachen bei Samson anwenden, vielleicht reite ich ihn auch morgen früh mal kurz selbst, um zu sehen, was er eigentlich kann.” “Ja, klar. Kein Problem, kannst du gerne machen.”, erlaubte Hunter mir, ehe wir beide in Richtung Stall gingen, wo sich unsere Wege trennten. Ich machte Blue für die Box fertig, Hunter kümmerte sich um seine Pferde. Im Haus trafen wir uns dann wieder, wo er mich auf etwas ansprach: “Ich habe noch zwei Pferde die trainiert werden müssten, hast du Lust?” “Eigentlich schon, worum gehts denn?”, fragte ich dann und stand auf, da Hunter zur Tür gegangen war und mich erwartungsvoll anschaute. Also gingen wir zusammen zum Stall, wo er mir zu erst Scarlet in Birth zeigte. “Noch ein Vollblut, als hätte ich davon nicht schon genug zu Hause.”, sagte ich seufzend, lachte jedoch. “Galopprennen A auf L wäre es bei ihr.”, erklärte mir Hunter, ehe wir weitergingen zu einem lustig gescheckten Deutschen Reitpony aus der Zucht von Occulta: PFS’ Heart of Ocean “Und hier wäre es Military auch von A auf L.”, erklärte er mir und ich nickte. “Ich ruf gleich mal auf der Ranch an, ob sie mir Nick hier hin schicken können, dann kann ich dir beide Pferde trainieren, sonst nur das Reitpony, ich habs nicht so mit Vollblütern.”, meinte ich schulterzuckend. Hunter nickte und ließ mich dann alleine stehen. Ich zückte mein Handy und rief kurz bei Verena an, ehe ich ihr erklärte, warum ich Unterstützung von Nick brauchte. Sie willigte ein und schickte ihn mit dem nächsten Flug nach England.

      Am nächsten Morgen kam Nick dann auf Bear Brook EC an. Ich schickte ihn jedoch zu erst ins Bett, bevor ich ihn an das Pferd lassen wollte. “Also Hunter, sattelst du Samson? Dann fangen wir mit dem Training an.”, sagte ich und klatschte motiviert in die Hände. “Kann das noch eine Stunde warten? Ich muss noch was dringendes erledigen…”, murmelte er und wuschelte sich einmal gestresst durch die Haare. “Ja, kein Thema, dann schnapp ich mir einfach Heart of Ocean und mache was mit ihm.”, meinte ich knapp und ging mir den DRP Hengst von der Koppel holen, ehe ich ihn gründlich putzte und dann mit ihm in die Halle ging. Ich wollte ihn ein wenig freispringen lassen. Hunter hatte mich vorgewarnt, dass der Hengst psychisch total kaputt war. Da ich selbst eher grob im Umgang mit den Pferden war, hatte ich mir hier etwas tolles zugemutet, denn Feinfühligkeit lag mir absolut nicht. Beim Putzen hatte ich jedoch versucht ruhig, aber konsequent mit ihm umzugehen, was auch wirklich geklappt hatte, denn bis jetzt war das Pferd ziemlich ruhig, auch wenn seine Ohren panisch hin und her zuckten und er die Augen weit aufgerissen hatte. Ich fragte mich, was das Pferd wohl mitgemacht hatte, dass er so kaputt war. Doch ich musste das Beste aus der Situation machen und grenzte die Halle ein wenig ab, ehe ich A und L Sprünge aufbaute. Im Springen war der Hengst schon auf M, weshalb das eigentlich kein Problem für ihn sein sollte. “Na komm.”, sagte ich und schnalzte ein paar Mal, damit er vor mir weg nach außen trabte. Schließlich galoppierte er an und sprang auch ohne Abwurf über die Hindernisse. Das Ganze machte ich drei Runden lang, ehe ich ihn einfach ein wenig sich selbst überließ. Zu meiner Verwunderung sprang er von sich aus ein paar Mal über die Hindernisse, beziehungsweise nur über eins: das Höchste. Er sprang rüber, trabte aus, wendete und sprang wieder rüber. Verstehen konnte ich das nicht, aber vielleicht liebte er das Springen einfach?
      Nach einer Weile fing ich ihn mir dann wieder ein und brachte ihn weg, ehe ich Hunter davon berichtete. “Ja, er ist wirklich nicht von schlechten Eltern, sind beide ziemlich springbegabt.” “Ach deshalb vielleicht…”, murmelte ich und strich Samson über die Nase. “Ein hübscher Braunschecke ist das.”, merkte ich an und schaute im gleichen Moment total verdattert zu Hunter, weil er angefangen hatte zu lachen. “Der ist ein Rappschecke, ein Farbwechsler.” “Wow.”, merkte ich an und grinste, ehe ich in die Halle ging und mir überlegte, womit ich die beiden quälen konnte. Ich entschied mich, mit ihnen eine einfache Horsemanship zu reiten, denn es war ja auch das, in was ich Samson trainieren sollte. Ich hatte nie viel für die Bustaben an den Seiten übrig, doch heute orientierte ich mich mal ein wenig danach. Bei A kam Hunter gleich mit Samson rein. Zu seiner Rechten war dann der Bustabe F, zu seiner Linken K. Neben K war E. Ich stellte also zwischen K und E eine Pylone auf den Boden. Die nächste Pylone stellte ich zwischen E und H, denn H folgte an der langen Seite sofort nach E. Genau gegenüber, zwischen B und M stellte ich die dritte Pylone. Das wars auch schon für heute, mehr würden wir nicht machen.
      Hunter kam nun endlich in die Halle und schaute verdattert von einem Fleck zum Anderen. “Keine Panik, ich erkläre dir gleich alles.”, munterte ich ihn auf und schickte ihn erst Mal alleine auf sich los, damit er Samson warm ritt. “Willst du sofort loslegen oder soll ich erst mal vorreiten?” “Vorreiten.”, sagte er knapp und schwang sich von Samsons Rücken. Ich stieg auf und ritt den Wallach zu erst ein wenig quer durch die Halle, ehe ich zum Halleneingang ritt. “Die erste Pylone ist A, die Zweite B und die Dritte C. Wenn es in der Pattern heißt, Walk to A, reitest du im Schritt bis zu Pylone A. Jog at A… ach, ich zeig es dir einfach. Die Pattern kannst du ja selbst lesen, wenn du danach reiten musst.”, sagte ich lachend und trieb Samson im Schritt an. Ab Pylone A trabten wir dann bis zu B, wo ich ihn stoppte. Das war ein wenig holprig, aber noch vertretbar. Ich gab ihm die Hilfen zum “Spin”, denn wir mussten eine 180° Drehung machen, es passierte jedoch nichts. “Naja, hier muss ich dann beim nächsten Mal ran, du brauchst das nicht zwingen. Wollte dir das nur mal zeigen.”, sagte ich lachend, stieg dennoch ab und fing an, ihn von links nach rechts weg zu schieben. Ich piekste ihm dafür mit dem Fingernagel in die Schulter und schnalzte, bis er Koloss sich bewegte und anfing, sich von mir weg zu bewegen. Ich machte das eine ganze Runde lang, ehe ich wieder aufstieg und es erneut versuchte. Nun drehte er sich- wenn auch schwerfällig. Er war aber auch ein Koloss von Pferd, ich wusste gar nicht, dass Tinker so fett sein konnten. Nachdem wir uns dann gedreht hatten, trabte ich ihn an und ritt ihn in einem Halbkreis zu C, ehe ich neben C stoppte und ein paar Schritte nach hinten ging, genauer gesagt eine Pferdelänge, was er wirklich super machte.”So, du bist dran.”, sagte ich und schwang mich von Samsons’ Rücken, ehe ich Hunter hinauf half- das war schonender für den Rücken.
      Die beiden schafften das ganz gut- es war ja auch alles nicht schwer, wenn man reiten konnte und das konnte Hunter definitiv. “Wenn du es hinbekommst, dass er die Drehung morgen hinbekommt, gebe ich dir eine neue Pattern zum Üben, abgemacht?”, fragte ich ihn und spornte seinen Kampfgeist an. “Alles klar, ich geh dann mit Ocean ins Gelände.”, sagte ich ihm und ließ die Beiden üben. Bevor ich mir Ocean schnappte, aß ich noch etwas. Dann ging ich auf die Koppel und nahm mir den Hengst, bevor wir zum Stall gingen und ich ihn putzte und sattelte. Dann zog ich meine Schutzweste und meinen Helm an, ehe wir ins Gelände gingen. Ich war ja gespannt, ob ich gleich wieder auf der Erde liegen würde, denn bis zur Strecke führte ich ihn, ehe ich nachgurtete und aufsteigen wollte. Sofort lagen seine Ohren flach am Kopf und er spannte sich an. “Du bist mir ein Affe, ich hab gar nichts gemacht, lass den Quatsch.”, sagte ich genervt und entschied mich dann dazu, ihn ein wenig über das Gelände zu führen. Ich machte also die Zügel auf der einen Seite los, so dass ich diese wie eine kurze Longe benutzen konnte, damit er in einem gewissen Abstand von mir mitlief. Das klappte sogar besser, als ich gedacht hatte, so dass er auch einen Sprung so an der Hand schaffte, ehe ich die Zügel wieder fest machte und ohne zu zögern aufstieg. Ich ließ die Zügel doch recht locker und ritt ihn einfach ein bisschen über die Wiese gehen, da hin, wo er gerade wollte, ehe ich langsam die Zügel aufnahm und ihn angaloppieren ließ. Immer wieder schmiss er seinen Hintern in die Luft. Hunter hatte mir geraden, ihn nicht grob anzufassen, weshalb ich mir das einfach gefallen ließ- einem anderen Pferd hätte ich längts eine rüber gezogen, aber bei Ocean war das eher kontraproduktiv, weshalb ich ihn einfach auf einem Zirkel galoppieren ließ, den ich immer kleiner machte, bis er so sehr mit seinem Gleichgewicht zu kämpfen hatte, dass er das Buckeln total vergaß. Nach und nach vergrößerte ich den Zirkel wieder und steuerte aus der Biegung heraus auf den ersten Sprung zu, so dass der Hengst sofort all seine Konzentration auf den Sprung legen musste, sonst wäre er da voll hinein gekracht. So ging es auch mit allen anderen Hindernissen: meinte er, dass er rumzicken musste, ritt ich ihn in immer kleiner werdenden Zirkeln. Benahm er sich wieder, wurden diese Größer. Im Wassergraben meinte er auch einmal, er müsste wieder auf stur stellen, so dass er im Wasser seine Runden drehte, zwar nur im Trab, aber ich handelte sofort.
      So kam es dann auch, dass ich mit einem total braven, aber vor allem auch fix und fertigen Hengst am losen Zügel zurück zu Hunter geritten kam. “Was hast du denn mit dem angestellt?”, fragte er mich- man hörte seine Sorge in der Stimme. “Er musste heute einfach wahnsinnig viel galoppieren. Wenn er mir gebuckelt hat oder total gegen die Hand gegangen ist, habe ich ihn auf dem Zirkel galoppiert und den Kreis so lange verkleinert, bis er so sehr mit seinem Gleichgewicht beschäftigt war, dass er keine Zeit mehr hatte, Quatsch zu machen- und so nass ist er, weil wir so eine Einheit auch im Wassergraben machen mussten, weil er mir da gestiegen ist.”, erklärte ich ihm und sah ihm an, dass ihm das nicht passte. “Ich würde jetzt schon sagen, dass er in einer höheren Klasse laufen kann. Du kannst ihn vermutlich viel besser trainieren als ich, denn er und ich passen absolut nicht zusammen, weshalb ich das Training jetzt hier abbreche. Tut mir Leid.”, erklärte ich und stieg ab, ehe Hunter mir seinen geliebten Hengst abnahm. Military war leider nicht meine Stärke und ich hatte auch nicht die Nerven, mich mit so einem Pferd auseinander zu setzen, weshalb ich das Training abbrach. Vom Potenzial her konnte er locker in der Klasse L laufen, er brauchte eben nur noch etwas Training- ganz verfehlt hatte ich mein Ziel also nicht.
      Mittlerweile war dann auch Nick wach, so dass wir mit Scarlet in Birth’ Training anfangen konnten. Das würden wir nur heute und morgen machen, denn dann konnte Hunter sie selbst weiterbilden. Bei Vollblütern war es leider nicht mit ein paar Mal rennen getan, sie mussten jeden Tag auf die Bahn. Während Nick die hibbelige Stute fertig machte, blätterte ich durch das Trainingsbuch. “Oh schau mal, das letzte Mal wurde sie von einem Mitarbeiter von Occulta trainiert, dann kann sie nur gut auf der Bahn sein.”, meinte ich zu Nick. “Sie haben Starts geübt und ein Intervalltraining abgeleistet, 1000 Meter, wobei die letzten 400 Meter in 30 Sekunden zurückgelegt wurden. Das schaffen wir auch.”, sagte ich lachend. “Mal schauen, wie wir das ausbauen können.”, murmelte ich und schaute ihm zu, wie er professionell den Sitz des Sattels überprüfte. “Können wir?”, fragte ich und nahm das Trainingsbuch mit zur Bahn. “Wärm die erst mal im Schritt und Trab auf der Bahn auf, dann sehen wir weiter.”, erklärte ich und setzte mich auf den Zaun der Rennbahn, ehe ich auf mein Handy schaute und Trainingszeiten verglich. “Das letzte Mal ist sie circa 5 Furlongs galoppiert, wir machen heute sofort 6, das sind immerhin ungefähr 200 Meter mehr.”, redete ich mit mir selbst und suchte Markierungen an der Bahn, die ich dann auch fand. Nun kam Nick auf mich zu. “Wir machen heute einen fliegenden Start.”, sagte ich knapp und sprang vom Zaun, ehe ich zeigte, wo er starten und wo er sie ausgaloppieren lassen sollte. “Alles klar.”, sagte Nick, wendete und galoppierte sie an. Ich schaute auf meine Stoppuhr, hielt sie mir vor die Nase und drückte auf den Knopf, als er vor mir durchstartete. “Na komm, zieh.”, murmelte ich in meinen nicht vorhandenen Bart und schaute den Beiden gespannt zu. Scarlet war wirklich ein gutes Pferd, die Pferde der Gips Reminder Ranch mussten sich da wirklich in Acht nehmen, denn gegen sie zu gewinnen wäre nicht einfach, das sagte mir dann auch meine Stoppuhr- 109 Sekunden, gar nicht schlecht!
      Als Nick wieder bei mir vorbei kam, sagte ich ihm die Zeit. Er nickte und ritt die Stute ein wenig trocken, bevor wir sie im Stall fertig für die Box machten. “Morgen früh starten wir um 5.”, erklärte ich und ging dann ins Haus- es war schon spät.

      Am nächsten Morgen traf ich Nick pünktlich um fünf auf der Rennbahn, Scarlet war aufgewärmt und wir konnten loslegen. “Galoppier sie 2 Furlongs langsam, dann einen schnell, dann wieder zwei langsam. Dann kommst du zur Startbox.”, erklärte ich ihm und ging schon mal vor zu den Startboxen. Scarlet machte, was Nick von ihm verlangte und so kamen sie heil bei mir an. Die Stute in die Startbox zu bekommen war gar nicht so einfach, doch nach einer Weile stand sie drin. “Genau wie gestern, zieh ein wenig mehr an auf den letzten hundert Metern.”, erklärte ich und schon öffnete sich die Startbox. Scarlet schoss mit Nick nach vorne und ich schaute den beiden zu, wie sie galoppierten. Auf den letzten Hundert Metern streckte sich Scarlet immer mehr, bis sie ins Ziel flogen. Ich lächelte, bei einem Blick auf die Uhr. Da war noch so viel Potenzial nach oben, bei der Stute. Fast 109 Sekunden, aber eben nur fast. Sie war schneller als gestern.
      Am Nachmittag hatte ich dann wieder eine Einheit mit Hunter. Heute klappte es schon viel besser, so dass ich ihm eine neue Aufgabe zuteilte: der Halbkreis wurde jetzt nicht mehr getrabt, sondern galoppiert. Ich schaute den beiden eine Weile zu, ehe ich Hunter von unseren Erfolgen mit Scarlet erzählte und Nick und ich uns auf den Heimweg machten- Zuhause warteten auch Pferde.

      Pflege
      September 2016, by Veija
      Nun waren meine Trainingspferde dran, mit denen ich doch etwas mehr machen wollte. Anfangen tat ich heute morgen mit meinem geliebten Cielos Double Dun It, den ich sattelte und mit dem ich dann einen gemütlichen Ausritt durch die Pampa Kanadas machte.
      Kaum war ich wieder zurück am Hof, brachte ich Gipsy wieder weg schnappte ich mir Dakota, meine Polo Ponystute und sattelte sie, ehe ich mit ihr in die Halle ging. Dort übte ich ein paar schnelle Starts und ein paar Hinterhandwendungen, denn die musste Dakota als gutes Polo Pony genau können. Anschließend ging ich zu Gun and Slide, den ich mittlerweile immer mehr lieb gewonnen hatte und brachte ihn nur gerade auf die Koppel, damit er sich vom Horse & Dog Trail erholen konnte. Ocarina of Time, Raised from Hell und Scarlet Sun brachte ich ebenfalls auf die Koppel, damit sie ein wenig toben konnten. Dann hatte ich auch schon alle Pferde geschafft.
    • Veija
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      Springen A- L
      September 2016, by Bracelet
      Fliegen. Das war definitiv keine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Zumindest nicht solange es nicht auf dem Rücken eines Pferdes stattfand. Nervös krallte ich mich in die Armlehne des dunkelgrünen Sessels des Airbusses. ,,Evangeline. Gib's endlich zu du hast Flugangst.'',stieß Joey neben mir augenrollend aus. ,,Ich? Nein. Ich doch nicht.'',tat ich ihn daraufhin genervt ab. Möglichweise hatte er Recht. Doch es half nichts. Ich wollte unbedingt nach Kanada. Ich hatte bereits Fotos gesehen und unser Reiseziel war wirklich absolut traumhaft. Es würde sich lohnen.
      Einige Stunden später hatte ich endlich wieder festen Boden unter den Füßen. Am liebsten hätte ich diesen geküsst, was ich auch tatsächlich beinahe mehr oder weniger freiwillig getan hätte, da meine Knie so unfassbar weich geworden waren. ,,Komm endlich.'',meckerte Joey schon wieder. Ich schnaufte und trottete hinter dem großgewachsenen Schnösel hinterher. Auch wenn er manchmal noch so süß aussah; mit seinen dunkelbraunen, zotteligen Haaren und seinen mittelgrünen Augen, hätte ich mir in diesem Moment nur gewünscht, dass das Karma ein einziges Mal den Richtigen erwischen würde. Immerhin war es nicht okay was er vor kurzem getan hatte.
      ,,Oh guten Tag.'',sagte ich freundlich als wir endlich auf der wunderschönen Ranch angekommen waren und mir die Besitzerin, eine relativ junge Frau, die Hand reichte. ,,Ich habe euch schon zwei Zimmer frei gemacht. Ich zeige sie euch schnell.'',entgegnete sie etwas schüchtern und ging voraus. Ich zog meinen unpassenden, pinken Mädchenkoffer hinter mir her und folgte ihr. Als wir angekommen waren traute ich erst meinen Augen gar nicht. Das Zimmer war wirklich schön. Etwas rustikaler eingerichtet; ganz im Westernstil. Sehr hell und freundlich. Das Bett sah am bequemsten aus und schien mich nach dem Langstreckenzug magisch anzuziehen. ,,Das hier ist deins, Evangeline.'',sagte die Dame und stellte sich mir anschließend als Verena O'Connor vor. Anschließend bot sie mir das Du-Wort an und meinte, wir könnten uns erst mal ausruhen und morgen zeige sie uns dann die Pferde und das Anwesen.
      Nach einer wunderbaren, erholsamen Nacht und einem ausgiebigem Frühstück schlüpfte ich in meine Reitbekleidung. So ging es dann in Verenas Büro und sie zeigte uns die Pferde und das Whiteboard mit den Trainingsplänen. Zusammen mit Joey sollte ich diesen Monat, welchen ich zur Gänze auf der Gips Reminder Ranch verbringen durfte, 11 Pferde trainieren.
      Das erste Training stand eine Stunde später auch schon an. Es ging auf einen mehr oder weniger entspannten Distanzritt. Die beiden Pferde dabei waren zwei edle Vollblüter. Araber. Eine Rasse mit der ich sonst eher wenig zu tun hatte. Dennoch war ich angenehm überrascht als ich begann mit dem schönen Schecken Bahar zu arbeiten. Schon beim Putzen und Satteln stellte sich heraus, dass er ein überaus angenehmes Gemüt hatte. Er war sofort aufgeschlossen mir gegenüber und sehr gehorsam. Joey befasste sich zur selben Zeit mit Teasie. Die ebenso bildhübsche Scheckstute schien allerdings das Stillstehen in der Stallgasse absolut nicht leiden zu können. Genervt scharrte sie mit dem Huf und trippelte auf der Stelle hin und her.
      Der Ritt an sich gestaltete sich für mich sehr angenehm. Bahar ging gut vorwärts und hatte eine absolut atemberaubende Ausdauer. Auch Teasie, deren Vorwärtsdrang von Joey sogar noch gezügelt werden musste, machte eine gute Figur. Wir erkundeten das Gelände im Umkreis der Ranch und kontrollierten immer wieder, bei den regelmäßigen Pausen, die Herzfrequenz der beiden Pferde. Es sah gut aus. Die Distanzklasse A würden sie wohl ohne Probleme erreichen können.
      Als wir nach diesem kleinen Probetraining wieder am Stall ankamen durften sich die beiden auf der Koppel ausruhen, während ich und Joey schon zu den nächsten beiden Kandidaten gingen. Arsil und My lovely Horror Kid, ebenfalls zwei hoch im Blut stehende Pferde sollten ihre Ausdauer verbessern und anschließend auf der Distanzklasse A stehen. Joey entschied sich dabei für Arsil. Ich machte mich mit Horror vertraut, welche ihrem Namen heute höchste Ehre machen sollte. Zuerst zeigte sie sich freundlich und ließ sich beim Putzen verwöhnen. Doch sobald ich mit dem Sattel kam war klar: Diese Stute hatte überhaupt keine Lust mit mir zu arbeiten. Sie schlug genervt mit dem Schweif und warf ihren Kopf immer wieder hoch in die Luft. Einmal versuchte sie mich zu beißen, konnte aber durch den etwas kürzeren Anbindestrick nicht. Als sie dann startklar war und wir zum Platz Warmreiten gehen wollten zeigte sie wunderschöne Seitengänge im Kreis um mich herum. ,,Heey!'',stieß ich energisch auf und gab ihr einen Impuls mit dem Zügel. Es half kurzzeitig. Dann testete sie mich weiter auf meine Führungsqualitäten. Einige Minuten später schien ich mich vom Boden aus durchgesetzt zu haben. Aber kaum saß ich im Sattel begann die Schwerstarbeit von vorne. Zuerst wollte sie mir nicht Schritt gehen sondern Traben. Dann ließe sie sich nicht mehr antraben sondern ging rückwärts. Dennoch blieb ich hart und wir setzten unsere Trainingseinheit fort. Sobald sie etwas müder wurde schien das Problem behoben. Doch dann galoppierte sie wie von einer Biene gestochen an und hielt ganz plötzlich. daraufhin folgte ein fliegender Übergang in eine Galopppirouette. Dann sprang sie hoch in die Luft und riss mir die Zügel aus der Hand. Irgendwie schaffte ich es dennoch mich zu halten und sie einzufangen. Anschließend verhielt sie sich allerdings ungewöhnlich gehorsam und unsere Trainingseinheit wurde unerwartet dennoch ein voller Erfolg. So störrisch sie anfangs auch war. Talent hatte sie allemal und auch Arsil hinkte ihr um nichts hinterher.
      Nach diesem anstrengenden Ritt gönnte ich mir erst mal eine kleine Mittagspause. Anschließend wollte ich etwas Dressurarbeit mit Shiryo, einem Pferd, welches mich in meiner Zeit bei Verena besonders faszinierte. Sie war wirklich ganz besonders; eigen. Ich putzte sie sehr ausgiebig bei unserer ersten Begegnung. Im Glauben der Cremello würde anschließend für längere Zeit weiß bleiben. Nunja - zumindest ein guter Vorsatz war es und die Stute war tip-top für die Dressurstunde herausgeputzt. Anschließend legte ich ihr eine dunkelblaue Schabracke auf den Rücken, sattelte sie und stattete ihre Beine mit ebenso dunkelblauen Bandagen aus. Dann noch schnell getrenst und schon konnte es los gehen. Unsere Trainingseinheit startete mit ausgiebigen zehn Minuten Schritt am langen Zügel. Shio, wie sie von allen liebevoll genannt wurde, genoss die Bewegung und ebenso das gemütliche dahin schleichen während ihr Stallkamerad Firewalker bereits fleißig arbeitete. Er wurde ebenfalls von der Einsteiger- auf die Anfängerklasse ausgebildet und war voll und ganz konzentriert bei der Sache. Shio tat es ihm anschließend gleich während ich unterschiedliche Hufschlagfiguren und Tempiwechsel mit ihr vollführte. Die engeren Volten und Trabverstärkungen lagen ihr besonders gut. Das aus dem Trab anhalten gelang hingegen am wenigsten, was die neuen Lektionen anging. Sie schien sich nicht allzu gerne plötzlich abzustoppen beziehungsweise heute generell stehen zu bleiben. Dennoch verlief das Training erfolgreich und würde wohl bei erneuter Vertiefung bald Früchte tragen.
      Zu guter Letzt für den heutigen Tag folgte eine Springtrainingseinheit mit Dun Its Smart Investment. Die wunderschöne Stute war zwar etwas stur aber dennoch sehr mutig und wendig, was sie für die Anfängerklasse im Springsport natürlich sehr interessant machte. Sie schien Talent zu haben. Möglicherweise konnte man da noch mehr rausholen aber dies würde sich wohl in Zukunft zeigen. In der heutigen Stunde nahm ich zuerst ein paar kleinere Sprünge mit zwei Vorlegestangen aus dem Trab. Dann ein etwas höheres Kreuz mit Vorlegestange aus dem Galopp. Nach einem besonders schönen Sprung ließ ich es für heute gut sein. Sie sollte immerhin mit einem positiven Bild vor Augen die heutige Einheit beenden. ,,Guuuutes Mädchen!'',lobte ich sie und streichelte sie am Hals ehe ich die letzten paar Schrittrunden mit ihr begann.
      Am darauffolgenden Tag begann ich erneut mit Candy, wie Verena sie zu nennen pflegte. Heute sollte es schon etwas anspruchsvoller werden. Ich hatte mir zuvor einen kleinen Parcours aufgebaut, den ich am Ende der Stunde mit ihr absolvieren wollte. Für den Anfang hieß es jedoch wieder fleißig aufwärmen, dann ein paar Bodenstangen auf gerader und gebogener Linie im Trab, ein paar im Galopp, überspringen und anschließend ein kleines Kreuz nehmen. Diesmal ohne Vorlegestange. Da dies so gut klappte ritt ich sie schon bald auf einige Sprünge des Parcours einzeln zu. Sie zog sehr schön und ließ sich jedoch auch immer gut zurück nehmen. Obwohl Springen für Westernpferde wohl eine sehr ungewöhnliche Aufgabe war mauserte sie sich zur Musterschülerin. Der Parcours am Ende überraschte mich noch einmal mehr. Was für ein tolles Pferd!
      Kurz darauf baute ich die Hindernisse etwas höher. Joey würde Gun and Slide im Springen von A nach L trainieren und ich würde vom Boden aus Aaron unterrichten, der mir von Anfang an sehr symphytisch war. Er würde mit meiner Hilfe mit seiner bildhübschen Stute Scarlet Sun eine Klasse höher erreichen. Zumindest hieß es das für die Stute - der Reiter selbst war bereits bis Anfang M sattelfest. Generell fand ich, dass er wirklich gut ritt. Ein paar Kleinigkeiten gab es natürlich auszumerzen aber ich war fest davon überzeugt, dass er Scarlet gut ausbilden würde. Sie war ebenfalls ein sehr artiges Exemplar und machte alles gut mit.
      Nach einer erfolgreichen Reitstunde ging es für mich und Joey dann Mittagessen. Danach longierte ich Shio über ein paar Bodenstangen um ihr ihren Rücken noch ein wenig mehr zu stärken und ihren Vorwärts-Abwärts-Drang etwas zu unterstützen. Danach ging es mit Joey ins Gelände. Er ritt Hollywood King Gun und ich die bildhübsche My Sweet Little Secret, welche im Military von E nach A trainiert werden sollten. Nach kurzer Zeit aufwärmen teilten sich meine und Joeys Wege. Ich ritt mit Sweety gemütlich noch ein wenig Schritt hinaus ins Gelände. Dabei dachte ich darüber nach wie Joe nur auf die Idee gekommen war einfach nicht mehr im Stall aufzukreuzen und dann plötzlich mein Ausbildungspferd mit in ein anderes Gestüt zu nehmen. Ich war absolut enttäuscht von ihm. Die Stute war mir sehr ans Herz gewachsen und er wusste dies. ,,Wiieh.'',riss es mich aus den Gedanken und Sweety unter mir scheute vor einem Baumstamm neben uns. SIe ging mit ihren Vorderbeinen augenblicklich in die Höh, drehte sich und galoppierte wie wildgeworden in Richtung Stall. Ich nahm augenblicklich die Zügel an. Kaum Reaktion. Meine Hilfegebung wurde stärker. Ich zupfte kurz an den Zügeln. Immer noch keine Reaktion. ,,Heeey Ruuhig.'',versuchte ich es noch einmal mit dem Einsatz meiner ruhigen Stimme ehe ich beschloss sie mir vorne umzudrehen. Sie stockte und reduzierte in der Wendung ihr Tempo. Dann ging sie rückwärts. Mir war klar - dies war wohl ein langwierigeres Problem.
      Im Laufe des kommenden Monats trainierten ich und Joey Verenas Pferde weiter. Candy zum Beispiel wurde ein ausgezeichnetes Springpferd, Shio ein tolles Dressurtalent und Sweety lernte mutiger zu werden, über Naturhindernisse der Klasse A zu springen und im Gelände, zumindest unter meiner Leitung, nicht panisch zur Ranch zurück zu laufen, wenn sie vor etwas Angst bekam. Damit war unsere Arbeit auch schon getan und ich und Joey verabschiedeten uns freundlich von unseren tollen Gastgebern.

      Auftakt in ein neues Leben

      Oktober 2016, by Veija
      In den letzten Wochen war viel auf der Ranch passiert. Ein ganzer Haufen Pferde hatte uns verlassen, ein paar waren dazu gekommen. Einige Mitarbeiter und ich hatten an einem Dressurturnier teilgenommen, an dem Aaron und Augen auf! Ich komme, sogar den ersten Platz gemacht hatten!
      Worauf wir besonders stolz waren war, dass Bellamy und Zuckerschock es geschafft hatten, den 3. Platz zu ergattern! Sehr zum Leidwesen von Octavia, die Bellamy regelrecht angeschrien hatte, weil sie eine Platzierung ergattern wollte. Nun waren wieder alle Zuhause und es hätte ja Ruhe einkehren können, wenn da nicht noch immer die Idee wäre, um zu ziehen. Svejn und ich wollten uns heute einen potenziellen Hof anschauen, denn die Ambitionen der Gips Reminder Ranch hatten sich ein wenig geändert, und auch dieser Hof gab nicht mehr das her, was er einmal versprochen hatte.
      "Svejn jetzt komm schon!", sagte ich etwas genervt und drehte den Autoschlüssel in meiner Hand hin und her. "Ich komm ja schon...", sagte er genervt und humpelt voran. Er durfte mittlerweile wieder laufen und auch reiten, aber das Laufen schien ihm noch ziemliche Probleme zu machen, weshalb er seinen Alltag lieber reitend verbrachte- zum Leidwesen seines Physiotherapeuten, denn dieser hatte ihm verboten, zu viel zu reiten. Aber er kannte Svejn mittlerweile ja sehr gut, er konnte nicht ohne reiten.
      Endlich waren wir im Auto und ich konnte los fahren. Die Fahrt verlief eigentlich relativ stillschweigend, denn Svejn musste sich auf sein Handy konzentrieren, um mir den Weg zu sagen- ich musste mich auf die Straße konzentrieren, denn diese Ranch lag wirklich weit ab vom Schuss, aber dennoch in der Nähe der Ferienranch und unserer alten Ranch.
      Dort angekommen schauten wir uns schon skeptisch um, denn die gesamte Ranch wirkte verlassen, überall waren die Zäune kaputt, Hecken und hohes Gras wucherten überall. "Hm, nicht das, was ich mir erhofft hatte.", sagte ich niedergeschlagen zu Svejn, der wohl meine Meinung teilte. "Komm, wir gehen erst mal zum Haus und lassen uns alles zeigen.", meinte er schulterzuckend und zusammen gingen wir zum Haupthaus, wo auch schon auf uns gewartet wurde. "Guten Morgen Mr. & Miss O'Connor.", sagte die junge Dame, die weder Svejn noch ich korrigierten. Svejns Name war einfach zu kompliziert. "Vorweg muss ich ihnen leider sagen, dass die Ranch in keinem guten Zustand ist, denn mein Vater ist vor etwa einem Jahr von uns gegangen und seit dem steht die Ranch leer.", erklärte sie und und fing an, uns eine kurze Runde durch das Haus zu führen. "Warum hatte ihr Vater eigentlich ein so großes Haus?", fragte ich die Dame dann bei der Tatsache, dass hier mein Team dreimal reinpassen würde. "Sie werden gleich bei der Führung sehen, dass sie hier eine riesige Ranch betreten haben. Deshalb ist auch das Haus sehr groß.", sagte sie und führte uns aus dem Haus heraus in die obere Ecke der Ranch. Dort waren zwei Offenställe mit 3 großen Koppeln. "Hier könntest du deine Pferde hin stellen.", sagte ich freudig mit einem Blick auf den Offenstall, bei dem eine große Koppel war. "Und hier könnten die Jungpferde stehen.", schwärmte ich, ehe wir weiter gingen. Es gab ein kleines Gemüsefeld, einen See und nun kamen wir an der Rennbahn an. "Wow.", sagte ich begeistert. Es war um mich geschehen, diese Ranch würde unser neues Zuhause werden. Svejn hatte meinen Blick gesehen und zwanghaft gelächelt, wir würden so viel Arbeit in die Ranch stecken müssen, bevor wir hier einziehen konnten, doch er wusste, dass wir das schaffen konnten.
      Die junge Frau zeigte uns noch den Rest der Ranch, zum Beispiel die drei großen Ställe mit Paddocks und Koppeln, die Offenställe, die Reithalle aber auch die beiden Reitplätze. Neben der Ranch gab es noch einiges an Weideland und einen großen Wald, den wir mit kaufen konnten. "Wir werden uns morgen melden.", verabschiedeten wir uns dann, ehe wir uns auf den Weg nach Hause machten. Diese Fahrt verlief wesentlich lauter. Ich quatschte Svejn die Ohren voll mit der Ranch und dass ich sie unbedingt haben wollte, auch wenn sie einfach viel zu groß für uns war. "Aber wir könnten Einsteller nehmen.", meinte ich dann und er nickte.
      Am Abend erzählte ich meinen Mitarbeitern von der Ranch und schon am nächsten Morgen befand ich mich wieder dort- diesmal in Begleitung von Caleb, damit er sich ein Bild vom Hof machen konnte. Ich legte noch immer viel Wert auf seine Meinung, weshalb ich sein OK haben wollte, bevor ich den Kaufvertrag unterschreiben wollte. Er segnete die Ranch ab und ich unterschrieb den Kaufvertrag, nachdem ich den Preis noch ein wenig gedrückt hatte. Nun kamen die verkauften Pferde der Ranch zugute, denn ohne diesen Verkauf hätten wir die neue Ranch nicht kaufen können und solange wir noch hier lebten, konnten wir die alte Ranch nicht verkaufen.
      So kam es, dass wir eine ganze Weile erst die Pferde auf der alten Ranch versorgten und dann auf die neue Ranch fuhren, um die Zäune zu reparieren, die Stallungen neu zu verputzen, und und und.

      Nun war der Tag des Umzugs endlich gekommen, auf den ich schon so lange gewartet hatte. Leider würde es nur ewig dauern, alle Pferde rüber zu bekommen, denn wir hatten noch immer 63 Pferde. Vermutlich würden bald noch ein paar Pferde den Besitzer wechseln, aber diese 63 Tiere würden allesamt mit auf die neue Ranch kommen. Ein grober Plan, wo welche Pferde hinkamen, war schon gemacht- und da man hier in Kanada oder generell in Amerika nicht so zimperlich war, was Pferde verladen anging, hatten wir uns ein paar einfache Trailer geliehen, in die die Pferde einfach hinein sprangen. Um jedoch trotzdem Verletzungen zu vermeiden, würden alle Pferde Transportgamaschen tragen, denn ganz leichtsinnig musste man ja nicht sein.
      Anfangen wollten wir mit den Jungpferden, da diese am längsten brauchen würden, bis wir sie im Hänger hatten. VK A Gun Colored Lena, Like Twist and Gun, VK Drag's Solo Queen, PFS' Blossom Magic sowie Wimpys Little Devil und ihr Fohlen GRH's Unbroken Soul of a Devil waren die ersten Pferde, die wir verluden und zur neuen Gips Reminder Ranch fuhren. Es dauerte eine ganze Weile, bis wir die Tiere im Trailer hatten, doch sobald alle drin waren, waren wir ruck zuck auf der neuen Ranch und konnten die Tiere auf die Koppel entlassen. Wimpys Little Devil war wirklich ein Ruhepol, was ich nicht gedacht hatte. Ich ließ sie mit ihrem Fohlen noch ein paar Tage bei den Stutfohlen laufen, ehe Devil abgesetzt wurde und die Stute ihre Box im Trainingsstall bezog, denn wir wollten sie wieder aufbauen und im Sport laufen lassen.
      Die nächsten Pferde waren die Hengstfohlen VK Bellas Dun Gotta Gun, Bellamy' O, VK Funky's Wild Berry und PFS' VK' Snap in Style. Zusätzlich fuhren noch Cielos Double Dun It und Chocolate Dream mit. Choco und Gipsy fanden ihren Platz in ihren Stallungen, die anderen Pferde kamen auf die Koppel.
      Nun schauten wir erneut ein wenig nach den Plätzen, wo die Pferde hinkommen sollten, so dass wir in windesweile Arsil, Bahar, Daryl gone Mad, Golden Ebano, Sacramento XX, Scoubidou, Silberstern, Seattle Slew, Turf Runnder, Wildfire, Firewalker, Stiffler, Drag me to Hell, Drama Baby, My lovely Horror Kid, Nyanda, Priamos Ruffia Kincem, Shiryō, Supernova, Teasie, Wolfs Bane, Zuckerschock, Abraham van Helsing, Alan's Psychedelic Breakfast , Cauldron of Renascence , Eldrian Antrax, Funky Powerbabe, Gun and Slide, Hollywood King Gun, Hollywood's Silver Dream, Spooks Gotta Gun, Stormbringer, Amarula van Helsing, Augen auf! Ich komme, Bella Dun Del Cielo, Kristy Killings , Marly's Pluie , Snuff, Blazing Flame, Comeback of a fallen Goddess, Dakota, DunIts Smart Investment, My sweet little Secret, Ocarina of Time, Raspberry, Scarlet Sun, Snapper Little Lena, Striga, VK Aquila T Mistery, Samug, Thjalve van de Jötunheimr und Moon's Pumpkin auf der neuen Ranch hatten. Lediglich bei Zues und Raised from Hell hatten wir unsere Probleme, so dass wir sie beide sedieren mussten, um sie verladen zu können. Sie fanden auch beide einen Platz auf den Koppeln, wo sie 24/7 stehen würden, bis wir mit ihrem Training weiter gekommen waren, dass wir sie anfassen konnten. Zues würde auch bald kastriert werden. Zwar war das schade um seine Abstammung, aber wir konnten das Risiko nicht mehr eingehen und hofften, dass er es als Wallach zumindest ein wenig einfacher haben würde als jetzt als Hengst.
      Erschöpft fiel ich am Abend auf die Couch. "Ich glaube morgen gibts nen freien Tag.", lachte ich und schaute in die Runde, denn noch waren alle Mitarbeiter in der Stube bei mir. "Also.. Pferde misten, füttern und auf die Koppel bringen morgens. Es wir keins trainiert, geritten oder sonst was. Macht, was ihr wollt.", lachte ich und schaute in eine Runde zufrieden nickender Gesichter.

      Weihnachtliche Nachwehen
      Dezember 2016, by Veija
      "Du kannst doch nicht einfach...", fing ich an und starrte meine Schwester fassungslos an. "Du hast die alle zurückgekauft? Wie.. ? Wie hast du die alle wieder bekommen? Und vor allem: wo sollen wir mit denen hin? Wir haben hier keinen Platz O..." "Wir ziehen wieder nach Kanada.", sagte meine Schwester bestimmend und breitete eine Karte vor mir aus. "Schau mal, so könnte unsere neue Ranch aussehen. Aber es gibt tausende Ranchs in Kanada, wir können kaufen, was wir wollen! Wir haben so viel Geld...", schwärmte sie und so langsam gefiel mir die Idee doch ein wenig. Nicht, dass Bracelet keine wunderbare Gastgeberin war- wir wollten bald wieder etwas eigenes haben und wieder alle Pferde um uns herum haben, so wie es sich gehörte. "Wen hast du denn alles wieder gekauft?", fragte ich sie dann, damit ich die ungefähren Kosten im Blick behalten konnte. "Drama Baby, Wildfire, Priamos Ruffia Kincsem, Snap in Style und Blossom Magic.", trällerte sie freudig und ich schlug mir mit der Hand an den Kopf. "Oh mein Gott. Was sollen wir denn mit den ganzen Vollblütern?!" "Trainieren Bell! Trainieren! Wir führen das Erbe der Gips Reminder Ranch fort und bringen die Pferde auf die Rennbahn! Das ist das, was Verena wollte und was sie gerade aufbauen wollte!", tadelte Octavia mich beinahe und ich nickte. "Ja, ja du hast recht."
      "Es waren zwei schöne Tage hier mit Auguri, sie hat Dakota sogar neues Zubehör gekauft... aber lass uns noch vor Silvester zurück nach Kanada fliegen.", bat sie mich und ich schaute mich flehend an. "Vor Silvester wird das glaube ich nichts mehr werden... schließlich müssen wir das zu erst mit Brace besprechen, wir schulden ihr ja auch Geld." "Jetzt sei kein Spielverderber Bell, wir schaffen das.", pflichtete Octavia mir bei. Kurz seufzte ich. "Na gut, ziehen wir zurück nach Kanada!"

      Ein paar Tage später
      "Was haben wir noch vergessen?", fragte ich meine Schwester und schaute die drei dick eingepackten Pferde an. Alan's Psychedelic Breakfast, Dakota und Raspberry hatten alle drei ihre Transportgamaschen und die verschiedenen Decken an, die sie während dem Transport im Flugzeug schützen würden. Bei Bracelet hatten wir uns schon verabschiedet. Traurig war sie schon sehr, dass wir sie so schnell wieder verlassen würden, aber sie konnte uns verstehen und freute sich, dass wir uns eine neue Ranch gekauft hatten und es nun endlich wieder geschafft hatten, unseren Hintern hoch zu bekommen und uns aufzurappeln- schließlich wurden wir ja auch nicht jünger.
      Es dauerte eine ganze Weile, bis die Pferde im Flugzeug waren, schließlich wurden sie alle drei sediert und dann eingeladen. Auch der Flug schien sich schier ewig hinzuziehen, weshalb die Pferde dann umso froher waren, als sie endlich über die Koppeln unserer kanadischen Ranch galoppieren konnten. "Wir holen die anderen aber auch jetzt sofort, was sagst du O?", fragte ich meine Schwester und sie nickte. So dauerte es nicht lange, ehe wir Magic Lanijos, den wir erst vor kurzem gekauft hatten, GRH's Unbroken Magic, Baby Doll Melody, VK Bella's Dun Gotta Gun, It's me, Amira!, Gun and Slide, Vaena, die uns bald verlassen würde, Seattle Slew, Wolfs Bane, GRH's Unbroken Soul of a Devil, VK A Gun Colored Lena, Zues, DunIts Smart Investment, Snapper Little Lena und VK Funky's Wild Berry auf der Ranch hatten. In den nächsten Tagen würden dann noch die fehlenden Pferde folgen, ehe die Ranch wieder komplett war und wir mit dem weiteren Training beginnen konnten. Ich freute mich schon riesig darauf, endlich die anderen Pferde wieder in die Arme zu schließen.

      Teilnahme an den 66. Reiterspielen, Neujahrsturnier
      Januar 2016, by Veija
      "Bellamy du bist dir sicher, dass du und Gun and Slide das Ding rocken könnt?" "Na hör Mal Octavia, du kennst unseren Blue doch! Der ist begeistert von Stangenarbeit! Ich melde ihn an und du wirst schon sehen.", sagte ich trotzig zu meiner Schwester und klickte mich weiter durch das Internet. Grund zu unserer kleinen Diskussion war mein Fund eines Neuhjahrsturnieres, bei dem nicht nur Dressur oder Springen gezeigt werden konnten, sondern auch die Westernreiterei ihren Platz fand. Genauer gesagt war eine Trail Pattern ausgeschrieben, die sich nach einem kurzen Blick drauf als sehr einfach raus stellte- LK 5 halt. "Das ist ein Einsteigerturnier, O. Blue ist schon in der LK 4. Für ihn ist das locker zu schaffen und für mich ist das eine riesen Chance zu zeigen, was ich aus der letzten Trail Stunde alles mitgenommen habe!", sagte ich total begeistert zu ihr. "Na wenn du meinst, mach halt. Aber üb' vorher, ich will nicht, dass du uns blamierst.", sagte sie mit einem resignierenden Schulterzucken und wandte sich um.
      Es dauerte nicht lange, da hatte ich die Anmeldung geschrieben und abgeschickt. Ich druckte mir flink die Pattern aus und lief, eher als dass ich ging, zum Stall und zu Blues Box. "Komm Blue, wir...", fing ich an und schlug mir dann mit der flachen Hand an den Kopf. "Natürlich... genau jetzt.. du bist doch... na gut. Muss ich dich halt erst sauber machen.", murrte ich und legte meinem Schecken das Halfter an. Er war voller Schlamm und Gras und Mist und Schnee und was wusste ich schon, was er auf seinem Paddock angestellt hatte. Der Schnee war nämlich noch nicht so viel, so dass wir die Pferde noch auf die Koppel und auf die Paddocks lassen konnten. Was ich nun davon hatte, sah ich ja. Ein total verdrecktes Pferd, welches sich bestimmt insgeheim ins Fäustchen lachte, weil ich ihn jetzt zu erst einmal ordentlich schrubben musste. Ich brachte Blue also zum Putzplatz und verbracht eine geschlagene Stunde damit, ihn halbwegs nach einem gepflegten Pferd aussehen zu lassen, bevor ich ihn sattelte. Wir hatten neue Sättel kaufen müssen, nachdem der Großteil der Ausrüstung bei der Explosion auf der Ranch zerstört worden war, weshalb ich nicht wusste, welcher Sattel nun Blue gehörte. Doch zu erst brauchte ich ein Pad. Es sah vermutlich witzig aus, wie ich dort in der Sattelkammer stand und alle Pads auf die Fellfarbe absuchte, die Blue hatte. Als ich dann eines gefunden hatte, dessen Haare nach denen von Blue aussahen, nahm ich es mit und warf es Blue auf den Rücken. Dann verschwand ich wieder und kramte in den Sätteln herum, bis ich einen gefunden hatte, der vermutlich passen würde, ehe ich zurück zu Blue ging und ihm auch diesen auf den Rücken warf- natürlich sanfter als das Pad. Schnell war der Gurt angezogen, so dass ich wieder verschwinden und eine Trense sowie ein wenig Beinschutz holen konnte.
      Wieder bei Blue angekommen legte ich ihm die Gamaschen um die vorderen Beine, ehe ich mir seinen Kopf zu mir rüberzog und das Halfter gegen die Trense tauschte. Ich zog den Sattelgurt noch ein wenig fester und ging dann mit dem Hengst zusammen in die Halle. Als wir durch die Stallgasse gingen, blieb es nicht aus, dass er ein wenig Theater machen musste, um zu zeigen, dass er ein Hengst war- noch. Wir überlegten ja, ein paar der Hengste zu kastrieren, auch wenn es schade um Blues Farbe wäre, wenn für die Paint Horse Zucht war er mit seinem dominanten Splash Gen bestimmt interessant- aber es war ja nur eine Überlegung, sicher war noch nichts.
      Als wir es dann endlich geschafft hatten, bei der Halle anzukommen, schob ich die schwere Tür auf und ging mit dem Hengst rein. Ich zog die Tür wieder zu, damit wenigstens ein bisschen Wärme in der Halle blieb, bevor ich mit dem Schecken in die Mitte der Halle ging und nochmal nachgurtete. Erst dann stieg ich auf und musste feststellen, dass das hier wohl doch nicht Blues Sattel war, sondern von einem anderen Pferd. Oder Octavia hatte ihn geritten, denn ich musste wieder absteigen und meine Steigbügel richtig einstellen. Erneut stieg ich auf und stand ein paar Mal im Sattel auf, ehe ich mich wieder hinsetzte, damit ich auch wirklich richtig im Sattel saß. Dann fing die eigentliche Arbeit erst an, wenn man davon absah, dass ich eine geschlagene Stunde gebraucht hatte, um ihn zu putzen. Viel schlimmer konnte es da nicht werden. Da es so kalt war und Blue sich heute auf seinem Paddock bestimmt nicht viel bewegt hatte, hielt ich ihn lange im Schritt und ritt diverse Biegungen und Kurven und Ecken, damit er gründlich aufgewärmt wurde. Im Trab wiederholte ich das Ganze so gut ich konnte, ehe ich ihn nur kurz auf beiden Händen galoppierte, damit ich auch alle Gangarten abgefragt hatte. Damit fertig ließ ich ihn langsam ausgaloppieren und zum Schritt kommen, denn Sliding Stops konnte ich leider noch nicht, dazu fehlte es mir an Erfahrung und auch an professionellem Training, doch das war alles für dieses Jahr geplant, denn Octavia und auch ich wollten unsere Trainerscheine machen und dann, so wie Verena und die anderen der alten Gips Reminder Ranch, Pferde trainieren. Nicht nur unsere, sondern auch Fremde. Bis dahin dauerte es jedoch noch eine Weile, oder wir stellten einen Trainer ein, der im Namen des Blakes Crow Meadow trainierte, was jedoch die Zukunft schon bringen würde, darüber machten wir uns im Moment keine Gedanken. Wichtig für uns beziehungsweise für mich war nun dieses Neuhjahrsturnier, für welches Blue und ich trainieren wollten. Erschrocken fuhr ich zusammen, als mein Hengst mich wieder in die Gegen wart zurückholte, indem er gelangweilt den Kopf nach unten machte, und so die Zügel aus meiner Hand riss. "Na das bist du jetzt selbst schuld.", sagte ich genervt und zog seinen Kopf hoch, ehe ich ihn antriebt und mal versuchte, ihn nur mit meinen Beinen zu lenken. Wieder musste ich feststellen, dass der Hengst einfach viel mehr konnte, als ich mir bewusst war. Nach einer Runde und einem eher holprigen Wechsel auf die andere Hand hielt ich ihn an und kramte die Pattern aus meiner Hosentasche. Die Brücke und das Tor konnten wir hier nicht üben, dazu fehlte uns das Equipment. Die Stangenarbeit und das Rückwärtsrichten konnte sehr wohl hier auf unserer Ranch geübt werden. Ich steckte die Pattern also wieder weg, stieg ab und schleppte Blue hinter mir her zur Bande, wo die Stangen lagen. Ich schnappte mir eine und legte sie ab. Das Ganze wiederholte ich so oft, bis ich ein Viereck aus 4 Stangen, 4 aufeinanderfolgende Schrittstangen und 4 Trabstangen genau so angeordnet hatte, wie sie auf der Ausschreibung waren. Stolz schaute ich mir mein Werk an und stieg wieder auf, ehe ich ihn einfach locker im Schritt kreuz und quer durch die Halle lenkte, damit er sich die Hindernisse anschauen konnte.
      Als ein paar Minuten verstrichen waren lenkte ich ich auf die Schrittstangen zu und war wieder erstaunt darüber, was der Hengst doch alles konnte. Zwar hatte ich Caleb, Verena und die anderen schon oft gesehen, dass sie den Hengst geritten hatten, jedoch hatte ich nie so genau darauf geachtet, was er alles konnte. Denn auch das Viereck, was wir nach den Schrittstangen übten, war kein Problem. Ich musste nur drauf achten, dass Blue sich langsam drehte, und keinen Spin machte.
      Bei den Trabstangen allerdings hatte ich ganz schöne Probleme, ihm klar zu machen, in welche Richtung ich wollte. Frustriert hielt ich ihn an und ging das Ganze im Schritt einmal durch, damit er wusste, wo ich hin wollte, so dass er im Trab schon von alleine in die richtige Richtung lief, ehe mir etwas einfiel. Das war zwar bei der LK 5 nicht erlaubt, aber im Training konnte ich es ja versuchen. Ich nahm die Zügel in meine linke Hand, denn wie auch O war ich Linkshänder, und lenkte ihn einhändig, indem ich die Zügel an seinem Hals anlegte, wenn ich die Richtung ändern wollte. Nun klappte die Übung besser, da ich mich mehr auf meine Beine und nicht auf das Durcheinander meiner Hände konzentrieren musste, so dass ich es nach ein paar Durchläufen wieder zweihändig probierte, und es natürlich schon viel besser klappte. Dann ritt ich ihn noch im Schritt trocken und machte Schluss für heute, denn dafür, dass er total aus dem Training war, hatte er heute viel arbeiten müssen.
      Im Stall sattelte ich den Hengst ab, bürstete kurz über und zog ihm eine der Decken an, ehe ich ihn in die Box stellte und seine Paddocktür zu machte. Er musste ja, jetzt wo er so geschwitzt war, nicht unbedingt draußen in die Kälte laufen. Nach einem Blick auf die Uhr schloss ich auch die Paddocktüren der anderen Pferde, da es doch schon sehr kalt draußen geworden war, und sie sich ja nicht erkälten mussten. Futter und Wasser hatte Octavia schon kontrolliert, weshalb ich nun ins Haus ging und ihr von Blues und meinen Fortschritten erzählte. Sie war wirklich begeistert und freute sich schon darauf, mich bei dem Turnier begleiten zu dürfen.

      Die nächsten Tage übte ich immer wieder mit Blue, so dass er lernte, auf mich zu hören, denn er wurde früher nie von mir geritten und ein Pferd umzugewöhnen war durchaus etwas schwieriger. Am morgigen Tag würden wir uns auf den Weg zum Turnier machen, weshalb ich Blue heute einen entspannten Tag im Gelände gönnte. Wir machten eine große Runde im neuen Terrain, ritten am Ghost Lake vorbei und trafen sogar auf ein paar Leute, die sich freundlich mit uns unterhielten und sich riesig freuten, dass wieder ein paar mehr Pferde in diese Gegend kamen.
      Am nächsten Morgen war es dann so weit. "O, hast du alles? Eigentlich können wir die Pferde nicht alleine lassen, du musst hierbleiben- oder zumindest heute Abend wieder hier hin fahren, um nach dem Rechten zu sehen... und..." "Bell komm mal wieder runter, das ist alles geklärt.", sagte sie augenrollend und ich funkelte sie wütend an. Ich hasste es, wenn sie mit den Augen rollte. Doch noch mehr hasste ich es, wenn ich der Grund dazu war. "Was haben wir geklärt?", fragte ich sie nervös und trat von einem auf den anderen Fuß hin und her. "Na dass wir einen Tag früher fahren, damit du vor Ort noch ein wenig üben kannst, ich aber heute Abend heim fahre, nach dem Rechten schaue, hier schlafe und dann morgen früh so schnell ich kann wieder rüber fahre." "Achso... ja.. ja okay. Wir hatten tatsächlich schon alles geklärt.", murmelte ich und sah mir meinen Koffer an, in den ich alles, was ich brauchen würde, irgendwie hineingesteckt hatte. "Bell du hast jetzt alles schon dreimal kontrolliert, wenn du jetzt was vergessen hast, bringe ich es dir morgen mit.", sagte Octavia und klappte meinen Koffer zu. "Ja okay.. Dann lass uns Blue fertig machen.", sagte ich und ging aus meinem Schlafzimmer, ehe ich in der Tür kehrt mache und mit einem lauten Rumpeln gegen Octavia knallte. "Ey.. was.. pass doch auf!", protestierte sie doch ich schob sie nur unsanft zur Seite, was sie dazu brachte, mir mit einem fragenden Blick nachzusehen, während ich derweil auf meinen Schrank zusteuerte und einen schwarzen, kleineren, eher dreieckig geformten Koffer herauskramte. "Mein Hut.", sagte ich anteilnahmlos und stolzierte vor ihr aus der Tür. "Dann hättest du mich ja trotzdem vorwarnen können...", motzte sie, doch ich hörte ihr gar nicht mehr zu, da ich schon längst die Treppe runter, und aus der Tür hinaus auf den Hof gegangen war, von wo aus ich sofort auf den Stall zusteuerte, in dem Blue stand. Dort angekommen schnappte ich mir sein Halfter und ging zu seiner Box, in der er noch halb dösend und mit hängenden Ohren stand. "Aufwachen Dickerchen, wir fahren zum Turnier!", sagte ich freudig und öffnete die Tür, ehe ich ihn aufhalfterte und in die Stallgasse führte. Dank Sleezy und Decke war er kaum dreckig, weshalb ich nur kurz über die Beine ging, die Transportgamaschen anlegte und wir ihn dann auch schon verladen konnten. Seine Ausrüstung war schon eingepackt, so dass ich nur nochmal kurz ins Haus musste, meinen Hut holte, Octvavia Bescheid sagte und wir uns ins Auto setzten.
      Die Fahrt über verbrachten wir meistens mit Schweigen, ließen es uns jedoch nicht nehmen, den ein oder anderen Witz zu reißen. Das Gelände, auf dem das Turnier stattfinden sollte, fanden wir ohne Probleme und sogar das Parken klappte relativ gut, so dass wir nach etwa einer halben Stunde am Turnier schon Blue ausgeladen und in seine Box gestellt hatten, die wir uns mieteten, damit wir einen Tag früher anreisen konnten. Es waren noch kaum Menschen da, weshalb wir den Hänger abhingen und das Auto auf dem naheliegenden Parkplatz parkten, damit die anderen Teilnehmer auch Platz für ihre Hänger und Pferde hatten. Den Großteil des Tages verbrachten Octavia und ich im Ort, in dem das Turnier stattfand, bevor ich am Abend noch eine kurze Runde mit Blue in die Halle ging, um ihn ein wenig zu bewegen. Ocvtavia hatte sich bereits wieder auf den Heimweg gemacht, am nächsten Morgen würde sie wieder hierher kommen, um mich reiten zu sehen, denn ich war relativ früh an der Reihe, sogar als zweites.
      Die Nacht über verbrachte ich in einem kleinen Hotel nahe des Turniergeländes, da wir uns noch keinen Wohnwagen leisten konnten. "Guten Morgen, Blue.", begrüßte ich meinen Hengst und streichelte ihm über die Nase, ehe er mich anbrummelte und ich kurz lachte. Ich zog ihm Decke und Sleezy aus, ehe ich ihn nochmal gründlich putzte und sein Langhaar zurecht machte. Ich fing auch an, seine Mähne in kleinen Strähnen seinen Hals entlang einzuflechten, da Pferde mit offener Mähne bei solchen Trail- Prüfungen nicht so gerne gesehen wurden, dafür waren die Reining Klassen da.
      Nach dem Putzen nahm ich Blue an die Hand und ließ ihn noch etwas neben seiner Box grasen, während ich mir meine Pattern nochmal anschaute. Ich hatte alles in meinen Kopf bekommen, so dass ich sie mir mit geschlossenen Augen vorstellen konnte.Nach einem Blick auf die Uhr entschied ich mich, Blue noch ein paar Minuten zu gönnen, ehe ich ihn an seiner Box anband und ihn sattelte, denn wir waren in ungefähr einer Stunde dran- vorher wollte ich ihn jedoch noch warmreiten. Fertig gesattelt und herausgeputzt betrachtete ich mein Werk und fuhr dann erschrocken zusammen, als ich ein lautes "Buh" hinter meinem Rücken hörte. Blue, der meine Schwester schon lange gesehen hatte, stupste sie nur mit der Nase an und brummelte. "Ja Blue, alles gut.", sagte O fröhlich und umarmte mich kurz. "Pass mal gerade auf ihn auf, ich zieh mich noch schnell um.", meinte ich beiläufig und schob sie aus dem Weg, damit ich an ihr vorbei zum Wagen gehen konnte, in dem meine Turniersachen lagen. Schneller als gedacht hatte ich mich umgezogen und setzte den Westernhut auf meinen Kopf, ehe ich wieder zu den Beiden zurückging, um mir mein Pferd zu schnappen und ein wenig warm zu reiten. Dann waren wir dran.
      "Jetzt geht es um alles oder nichts, Blue.", sagte ich zu meinem Hengst und klopfte ihm kurz den Hals. Als ich die Halle betrat fielen mir als erstes die ganzen Fotografen auf, die sich natürlich riesig über so eine coole Farbe wie Blue sie hatte, freuten. Erst dann flog mein Blick zu den Hindernissen. Ich lenkte auf die Nr. 1 zu, welches das Quadrat aus 4 aneinanderliegenden Stangen war. Kurz davor hielt ich mein Pferd an und grüßte die Richter, ehe ich Blue in das Quadrat lenkte und anhielt. Langsam drehten wir uns um 360° nach rechts, ehe wir über die Stange schritten und uns zu Hindernis Nr. 2 begaben, welches aus 4 auf dem Boden liegenden Schrittstangen bestand. Damit Blue sich besser auf die Stangen konzentrieren konnte, gab ich die Zügel ein wenig nach. Dankbar senkte er den Kopf und schaute sich die Stangen an, ehe wir über sie drüber gingen. Als nächstes folgte die Brücke, die wir so nicht wirklich hatten üben können, doch da Blue ein schon so erfahrenes Trail- & Allround- Pferd war, ging er im gemütlichen Schritt hinüber und ignorierte das hohl klingende Geräusch der Bretter. Nun musste ich die Zügel ein wenig aufnehmen und ihn nach links stellen, ehe ich mit einem leisen Küsschengeräusch und unterstützenden Hilfen auf der linken Hand angaloppierte, nach links abwendete, die kurze Seite im Galopp ritt, erneut links abwendete und ihn dann mit einem leisen "Easy" zum Trab durchparierte, ehe wir über die erste Stange trabten. Ich wandte ihn rechts ab und übertrabte die zweite Stange. Nach erneutem links abwenden folgte die dritte Stange, zum Schluss nach einem letzten rechts abwenden die vierte Stange. So waren wir also Schlangenlinien über Stangen geritten, ehe wir auf Hindernis Nr. 6 zutrabten. Zwei parallel liegende Stangen, die vorne durch eine schräg liegende Stange begrenzt waren. Übermütig trabte ich hinein und hielt Blue in letzter Sekunde mit einem scharfen "Whoa" an. Das war knapp gewesen! Ich sollte meine reiterlichen Fähigkeiten wohl nicht überschätzen, dachte ich mir im Nachhinein.
      Langsam verlagerte ich mein Gewicht nach hinten, nahm die Zügel leicht an und unterstützte Blue mit meiner Stimme, so dass wir wieder rückwärts aus dem Hindernis raus gehen konnten. Ich wandte ihn nach links ab und hielt ihn auf das letzte Hindernis zu, was ein Tor war. Sorgsam positionierte ich ihn daneben, öffnete das Tor, lenkte ihn mehr schlecht als recht hindurch und schloss es wieder, ehe ich Blue so hinstellte, dass ich die Richter verabschieden konnte. Freudig klopfte ich Blues Hals und ließ ihn aus der Halle traben, bevor wir wieder bei Octavia ankamen. "Bellamy, ihr wart einsame Spitze, das sah so gut aus!", sagte sie total aufgeregt zu mir, während ich nur über beide Ohren grinste. "Ich bin so stolz auf Blue.", sagte ich und klopfte erneut den Hals des Hengstes. "Mal abwarten, wie gut wir abgeschnitten haben.", sagte ich noch und ritt mein talentiertes Pferd zurück zu seiner Box.

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      Tricks lernen

      März 2017, by Frau Holle
      Mittwoch (Anreisetag)
      Ich wuchtete das frische Stroh aus der Schubkarre. Seit heute Morgen war ich nun dabei, alles für meine Gäste herzurichten. Ich verteilte das Stroh in den Boxen, kontrollierte alle Tränken und stopfte Heunetze. Selbst das Reiterstübchen hatte ich auf Vordermann gebracht: Die Bänke und Tische waren abgewischt, die Heizung aufgedreht und der Kühlschrank war mit reichlich Getränken und Snacks für zwischendurch gefüllt. Ich freute mich riesig auf meine Gäste, denn immer wenn ich einen Kurs auf meinem Hof veranstaltete, kam viel mehr Leben auf meinen Hof. Ich fegte gerade noch einmal durch die Stallgasse, als ich plötzlich das erste Auto auf die Ranch fahren hörte. Ich stellte meinen Besen zur Seite und eilte nach draußen. Mit wilden Handbewegungen zeigte ich der Fahrerin, wo sie ihr Auto und den Hänger am besten hinstellen konnte, denn es würden noch vier weitere Autos samt Hänger kommen und der Platz auf meiner Ranch war sehr begrenzt. „Hey, ich bin Veronika“, sie war aus dem Auto gestiegen und streckte mir freundlich ihre Hand entgegen. Ich stellte mich kurz vor uns fragte schließlich: „Wie war die Anreise? Hat alles geklappt?“. Veronika erzählte mir von ihrer weiten Anreise aus Wales, während wir gemeinsam die Hängerklappe öffneten. Rhoda stand total entspannt auf dem Hänger und ließ sich ruhig von Veronika rückwärts aus dem Hänger führen und ich zeigte den beiden Rhodas Box. Nachdem die Stute sich zufrieden ans Heunetz gestellt hatte, packten wir Veronikas Kofferraum aus. „Wow das ist ja mal ein Eimer“, ich hielt einen riesen großen Eimer mit bunten Leckerlies in der Hand. „Ohne die geht es bei Rhoda gar nicht. Glaub mir, das wirst du auch spätestens morgen feststellen“, Veronika lachte herzlich. Gerade als wir ihre Sachen in die Sattelkammer bringen wollten, rollte ein weiteres Auto auf meinen Hof. Es war Elisa, die mit ihrer Stute aus Kanada angereist war. Elisa war mir sofort sympathisch und auch ihr Pferd war eine liebe, neugierige Stute. Etwas zurückhaltend schnüffelte sie an meiner Jackentasche und ich rückte ein Willkommensleckerli heraus. Auch Beverly durfte in den nächsten Tagen in einer großen Paddockbox leben. Als wir alle Sachen, und alle Pferde, untergebracht hatten, setzten wir uns gemütlich ins Reiterstübchen und ich bat Elisa und Veronika etwas zu trinken an.
      Wir drei verstanden uns sofort. Veronika erzählte viel von ihrem Hof in Wales, den sie sich vor kurzem aufgebaut hatte. Auch Elisa erzählte uns von ihrer täglichen Arbeit.
      Wir waren total ins Gespräch vertieft, als ich zwei Scheinwerfer durch die Scheibe des Reiterstübchens sah. Auch Bellamy hatte den weiten Weg aus Kanada auf sich genommen, um an meinem Kurs teilzunehmen. Mit seinem dunklen Wuschelkopf stieg er aus dem Auto und begrüßte die drei Mädels, die vor ihm standen. Bellamy führte seinen Paint Horse Hengst aus dem Hänger, nachdem Veronika und ich ihm die Hängerklappe geöffnet hatten. Gun and Slide ging in aller Ruhe aus dem Hänger und guckte sich erst einmal neugierig um. Liebevoll tätschelte Bellamy seinem Pferd über die Nüstern und brachte ihn schließlich in die Box. Ich glaube, Bellamy war ein bisschen überfordert, als wir drei Mädels anfingen, ihn mit Fragen zu bombardieren. Doch Bellamy kam nicht wirklich dazu, viel zu erzählen, denn schon kurz darauf rollte Nancy auf den Hof. Ihr Tinkerhengst Rainy Afternoon bekam die Box neben Gun and Slide. Neugierig beschnupperten sich die beiden Hengste über die Wand und wir beobachteten noch einen Moment, wie die beiden sich kennenlernten. Jetzt fehlte nur noch meine Schwester Jessica. War ja klar, die, die am nächsten dran wohnt, kommt als letztes. Ich brach mit Nancy, Bellamy, Veronika und Elisa zu einem Hofrundgang auf. Wir schlenderten vom Aktivstall zum Hengstoffenstall, machten einen kleinen Abstecher zum Longierzirkel und gingen schließlich zum kleinen Platz, an den direkt die Halle anschließt. Am Reiterstübchen und an der Miniranch vorbei, gingen wir zum Agilityplatz. Wir liefen ein kleines Stück den Deich hoch und guckten uns von dort aus das Wasser an. „Ich liiiiiebe das Meer“, schwärmte Nancy. Wir gingen den Deich wieder herunter, an der Miniranch vorbei und schließlich zum großen Platz und zur Longierhalle. Gerade als wir die Runde beendet hatten, fuhr ein letztes Auto auf meinen Hof. Ich erkannte sofort das Auto meiner Schwester und lief ihr grinsend entgegen. Jessi hatte zwei Pferde dabei: Mit Samira wollte sie an dem Kurs teilnehmen und mit ihrem Hengst Haru hatten wir für nächsten Montag einen schönen Strandritt geplant. Haru durfte seinen Urlaub die nächsten Tage auf der großen Wiese verbringen und Samira kam zu den anderen in den Stall. Es war schon spät und nachdem Jessi sich bei allen vorgestellt hatten, verabredeten wir uns für Morgen und gingen ins Bett.


      Donnerstag
      Die Laune war bestens, das Wetter war wunderschön und die Kursteilnehmer freuten sich auf das erste Training. Wir putzen die Pferde und machten uns alle zusammen auf den Weg zum großen Reitplatz. „Jetzt könnt ihr erstmal alleine arbeiten, damit ich sehe, wie ihr mit euren Pferden zurechtkommt. Macht die Pferde warm und lenkt die Aufmerksamkeit auf euch“, erklärte ich den anderen. Die Teilnehmer verteilten sich auf dem Platz und fingen mit der Bodenarbeit an. Ich nahm jedes Paar genau unter die Lupe und machte mir ein Bild, auf welchem Stand sie waren. Während manche schon Seitengänge vom Boden aus zeigten, hatten andere Probleme, ihr Pferd rückwärts zu richten. Nach einer knappen viertel Stunde trommelte ich meine Schüler wieder zusammen, denn ich hatte mir von jedem einen ersten Eindruck verschafft. „Ich zeige euch nun die erste Übung. Die ist ziemlich einfach und ich denke, ihr werdet die heute alle hinkriegen“, erzählte ich. Ich zeigte mit Gun and Slide, wie man einem Pferd das „Nein“ sagen beibringen kann. Jeder suchte sich eine ruhige Ecke und fing an, das „Nein“ sagen zu üben, während ich bei jedem nacheinander vorbeischaute und Tipps gab. Beverly war die erste, die den Trick verstanden hatte. Begeistert klopfte Elisa ihr den Hals. Jessi hingegen hatte noch ein wenig Schwierigkeiten. „Du musst die Belohnung präziser, im richtigen Augenblick, geben“, gab ich ihr als Tipp. Veronika und Bellary waren auf einem guten Weg und auch Nancy arbeitete sehr gut mit ihrem Pferd. Nach einer dreiviertel Stunde beendeten wir die erste Trainingseinheit und machten es uns zur Mittagspause im Reiterstübchen gemütlich.

      Während Nancy und Veronika gegen 13 Uhr zu einem Spaziergang am Strand aufgebrochen waren, hatte ich die vielen Fragen von Jessi, Bellamy und Elisa beantwortet und einiges über die Zirzensik erzählt. Gegen 15:30 Uhr versammelten wir uns alle wieder auf dem Platz. „Jetzt kann jeder individuell arbeiten. Ich denke Übungen wie Kompliment, Spanischer Gruß oder Flehmen wären für den Anfang geeignet. Ihr könnt euch eine Übung aussuchen und ich komme rum, um euch zu helfen“, sagte ich zu meinem Schülern, „bis dahin könnt ihr natürlich nochmal das Nein sagen üben“.
      Nancy hatte sich für das Kompliment entschieden, denn sie wollte ihrem Pferd unbedingt das Liegen beibringen. Deshalb übte sie zuerst das Kompliment, danach das Knien und daraus konnte sie dann das Liegen erarbeiten. Nancy hatte sich ein ziemlich großes Ziel gesetzt, aber ich mochte motivierte Schüler. Ich zeigte ihr genau, wie sie beim Kompliment vorgehen musste und ließ sie dann alleine üben. „Wenn du meine Hilfe brauchst kannst du jederzeit Bescheid sagen“, sagte ich ihr, während ich zu Bellamy ging. Er hatte in der Zwischenzeit weiter am „Nein“ sagen gearbeitet und hörte mir nun gespannt zu, als ich ihm erklärte, wie er beim Flehmen vorgehen musste. Von Bellamy war ich wirklich begeistert, denn er arbeitete sehr ruhig, aber konsequent. Als auch er auf dem richtigen Weg war, ging ich zu meiner Schwester. Sie hatte schon ein bisschen Erfahrung mit der Zirzensik, da sie mir schon öfter beim Training zugeguckt hatte, und war schon fleißig dabei, Samira den Spanischen Gruß beizubringen. Ich gab ihr noch kurz einen Verbesserungsvorschlag, bevor ich mich auf den Weg zu Veronika machte. Auch sie hatte sich, genau wie Jessi, für den Spanischen Gruß entschieden und ich machte den Vorschlag, dass die beiden zusammen üben könnten. „Wenn einer Hilfe braucht, versucht euch erst gegenseitig zu helfen. Ansonsten bin ich jederzeit für euch da“, sagte ich zu Jessi und Veronika. Elisa hatte sich gewünscht, Beverly beizubringen, einen Teppich auszurollen. Ich holte einen kleinen Teppich aus der Halle und zeigte Elisa, wie sie vorgehen musste. Jeder war beschäftigt und ich ging herum und half den anderen bei Problemen und Fragen. Alles war perfekt: Die Sonne lachte, die Pferde waren motiviert und alle Teilnehmer waren fleißig am üben. Wir beendeten das Training mit viel neuem Wissen und freuten uns schon riesig auf den morgigen Tag.


      Freitag
      „Heute findet das Training auf dem Agilityplatz statt“, rief ich über den ganzen Hof, denn die Meute hatte sich zum Putzen auf dem Hof verteilt. Knappe 20 Minuten später standen alle auf dem Grasplatz bereit. Ich erzählte den Plan für das heutige Training: „Ihr könnt gerne alle Hindernisse, die ihr hier seht, ausprobieren. Lasst eure Pferde immer ganz viel Zeit zum Gucken und lasst es ruhiger angehen. Ihr solltet auf jeden Fall alle das Podest ausprobieren. Ich stehe euch gerne bei Fragen zur Seite“. Veronika blieb als erstes beim Podest und versuchte, Rhoda davon zu überzeugen, auf das Podest zu steigen. Es dauerte einige Zeit aber schließlich stand Rhoda mit beiden Vorderbeinen auf dem Podest. „Super!“, lobte ich die beiden, „jetzt kannst du weiter am Spanischen Gruß üben oder die anderen Hindernisse ausprobieren. Später kommst du dann nochmal zum Podest und versuchst es erneut“. Auch Jessica hatte Samira schnell überzeugt und klopfte ihrer Stute zufrieden den Hals. Bellamy hingegen wurde mit der Zeit etwas sauer, denn Gun and Slide wollte nicht auf das Podest und stand stur vor Bellamy. „Mach einfach 10 oder 15 Minuten etwas anderes und versuche es dann in einem neuen Anlauf nochmal“, ich versuchte, Bellamy wieder ein bisschen zu beruhigen. Elisa schaffte es sofort, ihre Beverly aufs Podest zu kriegen und konnte sich kurz darauf wieder an die anderen Hindernisse machen. Nun war Nancy an der Reihe und lockte Rainy mit einem Leckerli in der Hand aufs Podest. Es dauerte zwar einige Zeit, aber Nancy blieb geduldig und schaffte es schließlich. Während die anderen ihre Pferde in die Pause brachten, blieb ich noch kurz mit Bellamy und Gun and Slide auf dem Platz und versuchte es noch einmal mit dem Podest. „Du darfst nur nicht die Geduld verlieren“, sagte ich zu ihm. Ich half ein bisschen nach und zum Glück stand Gun and Slide am Ende mit seinen Vorderbeinen auf dem Podest. Erleichtert brachte Bellamy seinen Hengst in die Box und wir machten es uns im Reiterstübchen gemütlich, tranken Tee, aßen Kekse und quatschten bis der Arzt kommt.

      Heute Nachmittag trafen wir uns wieder auf dem großen Reitplatz. Nancy machte sich daran, das Kompliment weiter zu üben. Für Elisa hatte ich den Teppich bereit gelegt und auch sie machte sich an die Arbeit. Jessica und Veronika hatten große Fortschritte im Spanischen Gruß gemacht und Samira und Rhoda waren höchst konzentriert bei der Sache. Während die Mädels fleißig am üben waren, ging ich noch einmal mit Bellamy und Gun and Slide zum Podest. Mit viel Ruhe und Geduld schafften wir es ein weiteres Mal und Gun and Slide stand brav auf dem Podest.
      „Kommt mal bitte kurz zusammen“, schrie ich über den Platz. Ich wollte meinen Schülern erzählen, wie sie ihren Pferden das Drehen beibringen können. „Ihr nehmt eure Gerte, stellt euch auf die linke Seite und tippt mit der Gerte die rechte Seite eures Pferdes an“, zum Vorführen hatte ich mir Samira ausgeliehen. Jeder probierte, meine Worte umzusetzen und schon bald sah ich die ersten drehenden Pferde.
      Für heute war ich zufrieden mit den Leistungen von Mensch und Pferd. „Feierabend“, rief ich über den Platz und die fünf führten ihre Pferde in die Boxen.


      Samstag
      Der Himmel hatte sich leicht zugezogen, aber zum Glück regnete es nicht und wir konnten trotzdem draußen trainieren. Das Kompliment klappte bei Nancy und Rainy inzwischen wunderbar und heute zeigte ich ihr, wie sie nun zum Knien übergehen konnte. Meine Schwester übte noch weiter am Drehen, denn das klappte noch nicht einwandfrei. Veronika hatte sich gewünscht, Rhoda das Plié beizubringen und diesen Wunsch wollte ich ihr natürlich erfüllen. Ich erklärte ihr ganz genau, wie sie vorgehen musste: „Wenn du Rhoda vorher ein Stück nach hinten schickst, stehen ihre Hinterbeine weiter von den Vorderbeinen entfernt und es ist leichter für sie, das Gewicht zu verlagern und sich auszubalancieren. Das ist genau wie bei uns Menschen: Wenn wir breitbeiniger stehen, haben wir einen viel festeren und sichereren Stand, als wenn wir mit den Füßen zusammen stehen“. Veronika nickte und machte sich an die Arbeit.
      Elisa hatte inzwischen am Drehen und am Teppich ausrollen gefeilt und war nun gespannt auf die nächste Übung. Ich zeigte ihr das Küsschen geben und Elisa war völlig begeistert von der Übung und wollte diese ihrem Pferd unbedingt beibringen. Bellamy war ein letztes Mal zum Podest gegangen und kam mit einem Grinsen auf dem Gesicht zurück auf den Reitplatz. „Klappt einwandfrei“, er strahlte bis zu beiden Ohren. Er sollte sich als nächsten daran machen, Gun and Slide das Teppich ausrollen beizubringen. In aller Ruhe erklärte ich ihm die Übung. Meine Schwester war inzwischen ziemlich zufrieden mit dem Drehen und ich zeigte ihr die nächste Übung: Das Flehmen.
      Zufrieden beendeten alle Kursteilnehmer die Trainingseinheit und gingen in die wohl verdiente Mittagspause.

      Mit neuer Energie starteten wir am Nachmittag das Training. Für Nancy war dies ein ganz besonderes Training, denn sie schaffte es nach kurzer Zeit, Rainy zum Knien zu bringen. In ihrem Gesicht machte sich ein stolzes Grinsen breit und Nancy kraulte ihrem Hengst zufrieden den Hals. Ich ging zu Bellamy, der mich heute ziemlich überraschte. Wie selbstverständlich gab er Gun and Slide das Kommando und der Hengst rollte den kompletten Teppich aus, ohne einmal zu zögern. „Wow, wie hast du das denn so schnell hinbekommen?“, fragte ich ihn begeistert. „Ich glaube, diese Übung gefällt ihm“, lachte Bellamy. Ich schickte ihn zu Veronika, die gerade dabei war, am Plié den Feinschliff vorzunehmen. Veronika erklärte Bellamy, wie er das Plié üben konnte und Bellamy befolgte Veronikas Anweisungen. Ich ging zu Jessica, denn für sie stand heute der Spanische Schritt an. „Du stellst dich neben dein Pferd. Am besten gehst du erst einmal an der Bande entlang, das ist am Anfang einfacher. Dann tippst du abwechselnd das linke und das rechte Bein an. Die Koordination der Beine ist für die Pferde meist sehr schwierig, deshalb ist er sehr wichtig, dass du genau im richtigen Moment belohnst“, erklärte ichmeiner Schwester.
      Elisa zeigte ich heute den Spanischen Gruß, den sie ihrem Pferd unbedingt noch beibringen wollte. Möglichst genau versuchte ich ihr, den Spanischen Gruß zu erklären und sie machte sich daraufhin an die Arbeit. Nancy war total begeistert, dass Rainy nun das Knien konnte und war vor lauter Euphorie nicht mehr zu stoppen. „Jetzt kannst du mit ihm üben, dass er auf Antippen der Hinterbeine seine Beine einknickt. Wenn er das beherrscht, kannst du versuchen, ihn aus dem Knien zum Liegen zu bringen“, mit diesen Worten hatte ich Nancy noch mehr motiviert und sie fing sofort an, auf dieses Ziel hinzuarbeiten.

      Sonntag
      Der letzte Tag stand an. Heute Nachmittag wollten wir alle gemeinsam an den Strand und dort trainieren. Ich wünschte Nancy so sehr, dass sie Rainy heute zum Liegen bringen würde, denn dafür war sie schon fleißig am üben. Veronika hatte sich für den letzten Tag das Küsschen geben vorgenommen und war dabei, Rhoda zu überzeugen, ihre Nase in Veronikas Gesicht zu drücken. Alle fünf Teilnehmer waren wirklich sehr selbstständig und so war immer jeder, auch ohne Anweisungen von mir, beschäftigt. Bellamy, der schon große Fortschritte beim Plié gemacht hatte, hatte sich für den letzten Tag, genau wie Veronika, das Küsschen geben vorgenommen. Auch ihm zeigte ich, wie er ans Küsschen geben rangehen musste. Jessica hatte sich für heute keine neue Übung vorgenommen, sondern wollte an den bisherigen Lektionen feilen, was ich sehr vernünftig fand. Ich gab ihr noch ein paar Tipps zum Drehen und zum Spanischen Schritt, bevor ich sie alleine weiter üben ließ. Elisa hatte sich für den Schluss noch eine leichtere Übung ausgesucht, um die Zeit bei mir noch möglichst effektiv zu nutzen, Beverly allerdings nicht zu überfordern. Mit einem Leckerli in der Hand zeigte ich ihr, wie das Flehmen funktionierte.
      Nach einer guten Stunde beendete ich das Training. Alle waren zufrieden…Außer Nancy, die Rainy etwas enttäuscht zurück in den Stall brachte. „Heute Nachmittag am Strand, in der neuen Umgebung, schaffen wir es eh nicht, ihn zum Liegen zu bringen“, sagte Nancy traurig zu mir. „Selbst wenn, dann kannst du zu Hause immer noch weiter üben“, munterte ich sie auf. Nancy und ich gingen zu den anderen, die schon im Stübchen auf uns warteten, denn wir wollten unsere letzte gemeinsame Mittagspause zusammen verbringen.

      Gegen 15 Uhr standen alle auf dem Hof bereit und freuten sich riesig auf das Training am Strand. Veronika ging mit Rhoda voran, die anderen folgten ihr in einer langen Kolonne.
      Gemeinsam liefen wir den Deich hinauf, auf dem einige Pferde stehen blieben und sich die Nordsee anguckten. Durch den weichen Sand stapften wir bis zum Wasser. Auch wenn die Pferde alle etwas aufgeregt waren und sich nervös in der neuen Umgebung umsahen, waren alle artig und folgten ihren Besitzern. Beverly, die schon mit den Hufen im flachen Wasser stand, wich erschrocken zurück, als eine Welle an ihre Beine klatschte. Die beiden Hengste standen noch etwas weiter vom Wasser weg und beobachteten skeptisch, wie die Stuten sich nach und nach ins Wasser trauten. Samira stampfte mit ihrem Huf im Wasser herum und machte die anderen um sich herum ziemlich nass. Auch Rhoda hatte sich ins Wasser getraut und stand nun, etwas unbegeisterter als die anderen, im Wasser und guckte Veronika fragend an. Sie ging mit ihm ein Stückchen am Strand entlang und übte im Wasser den Spanischen Gruß, sodass er ordentlich spritze. Inzwischen hatten sich auch Rainy und Gun and Slide weiter ans Wasser getraut und streckten neugierig die Nase ins kühle Nass. Wir hatten ziemlich Glück mit dem Wetter, denn es war keine einzige Wolke am Himmel zu sehen und die Sonne strahlte mit meinen Kursteilnehmern um die Wette.
      Über zwei Stunden verbrachten wir am Strand. Jeder festigte noch einmal alle Lektionen der letzten Tage, die Pferde plantschten um die Wette und wir gingen noch ein kleines Stück, am Wasser entlang, spazieren. Der perfekte Abschluss stellte der Sonnenuntergang dar, der sich wunderschön am Himmel zeigte. Unser Ausflug zum Strand war wirklich ein schöner Abschluss gewesen und Pferde, sowie Menschen, beendeten diesen Kurs mit einem tollen Erlebnis und sehr guter Laune. Nachdem die Sonne fast untergegangen war, machten wir uns auf den Weg über den Deich zurück zum Hof.
      „Nancy, komm noch mal kurz mit“, flüsterte ich ihr zu. Ich ging mit Nancy und Rainy auf den großen Reitplatz, während die anderen ihre Pferde ein letztes Mal in die Boxen brachten. Nancy war immer noch enttäuscht, dass sie es nicht schaffte, ihren Rainy zum Liegen zu bringen und ich hoffte so sehr, dass wir es heute noch schaffen werden. „Komm, versuche es doch nochmal“, machte ich ihr Mut. Nancy versuchte es immer und immer wieder, doch ihre Motivation ließ nach. Wir wollten gerade aufgeben, als es endlich geschehen war: Etwas zögerlich knickte Rainy aus dem Knien mit den Hinterbeinen ein und legte sich vor Nancy ab. Für einen Moment bleib Nancys Herz stehen, denn sie einfach nur überglücklich. Auch ich war nun sehr erleichtert, denn Nancy würde so mit einem Strahlen auf dem Gesicht nach Hause fahren. Nancy schob alle Leckerlies in Rainy rein, die sie noch in der Jackentasche hatte, bevor Rainy wieder aufstand. „Danke!“, sie fiel mir glücklich um den Hals. „Dafür nicht“, sagte ich zu ihr, „ich habe ja gesagt wir schaffen das noch“. Die anderen hatten ihre Pferde weggebracht, standen begeistert am Zaun und freuten sich für Nancy.
      Damit war der letzte Tag einfach nur perfekt gelaufen und wir setzten uns alle zusammen ein letztes Mal ins Reiterstübchen, wo wir bis tief in die Nacht saßen und quatschten.

      Montag – Abreisetag
      Der Kurs war vorbei und alle, außer meine Schwester, waren dabei, ihre Sache in ihrem Auto zu verstauen. Bellamy war der erste, der sich auf den Weg nach Hause machte. „Vielen Dank für alles! Der Kurs war wirklich sehr lehrreich gewesen. Wir kommen gerne wieder“, Bellamy verabschiedete erst die anderen, und dann mich.
      Auch Elisa machte sich schon früh am Morgen auf den Weg nach Hause. „Toller Hof und ein toller Kurs. Gerne wieder!“, sagte Elisa zu mir und umarmte mich zum Abschied.
      Kurz darauf fuhren auch Nancy und Veronika mit ihren Pferden vom Hof. Etwas traurig war ich ja schon, auch wenn ich die Ruhe auf meinem Hof immer genoss. Aber meine Schwester blieb mir ja noch einen Tag länger erhalten und ich freute mich riesig auf unseren gemeinsamen Strandritt.

      Tricks, die Bellamy und Blue gelernt haben:
      "Nein" sagen
      Podest
      Teppich ausrollen
      Plié
      Küsschen geben

      Kontrolle, Impfen & Wurmkur

      März 2017, by Veija
      Auch unsere eigenen Pferde blieben vor unseren tierärtztlichen Kontrollen nicht verschont. So hatte das Los am heutigen Tage unseren Gun and Slide getroffen, den wir bald auf einer Körung anmelden wollten. Ich hatte mich schon am frühen Morgen zu seiner Box aufgemacht, sodass ich ihn mir jetzt rausnehmen konnte. Ich halfterte ihn also auf, führte ihn auf den Hof und drückte ihn Octavia in die Hand, damit sie ihn mir im Schritt und im Trab zeigte. "Passt. Alles gut.", sagte ich und nickte, ehe ich ihn an der Stallwand anband und abtastete. Auch hier schien alles in Ordnung zu sein. Ein Blick in Ohren, Augen, Maul und Nüstern war auch vielversprechend, so dass ich noch Fieber maß und ihm dann die Wurmkur in die Maulspalte drückte, welche er widerwillig schluckte. Es folgten noch die Impfungen und ich konnte ihn wieder in seine Box bringen, ehe ich die Tür zum Paddock öffnete- auf die Koppel kam er heute wegen der Impfungen nicht mehr, morgen dafür aber wieder.

      Ein kleines großes bisschen Verantwortung
      März 2017, by Veija
      Bellamy
      Kaum hatten wir die Stutkrönung mit DunIts Smart Investment überstanden, merkten wir zum ersten Mal, wie viel Verantwortung so ein Haufen Pferde mit sich brachte. Am Morgen ausschlafen, weil man erst am Abend eingeteilt war, ging nun nicht mehr. Wir mussten morgens um 7 Uhr aufstehen, alle Pferde füttern und auf die Koppeln bringen, was Octavia und ich heute auch schon gemacht hatten. "Wen willst du heute reiten? Oder sollen wir versuchen, mit allen etwas zu machen?", fragte ich sie und sie sah von ihrem Schreibtisch auf. "Wir sollten zunächst einmal klären, wer sich um welches der Pferde kümmert- schließlich müssen sie ja alle versorgt werden.", erwiderte sie nur und schnappte sich zwei Zettel. Einen schob sie, zusammen mit einem Kulli, zu mir herüber. "Schreib mal auf, wen du versorgen willst. Wir haben 27 Pferde.", erklärte sie und ich nickte.
      Eine ganze Weile kritzelten wir auf den Blättern herum, verglichen die Namen und zählten nach. Jetzt endlich hatten wir die beiden finalen Listen in den Händen. "Ich kümmere mich also um A Shining Chrome, Alans Psychedelic Breakfast, Baby Doll Melody, Dakota, DunIts Smart Investment, um die du dich auch ab und an kümmerst beziehungsweise reitest, Unbroken Soul of A Devil, Unbroken Magic, Gun and Slide, Snapper Little Lena, A Gun Colored Lena, Funkys Wild Berry und Zues.", las ich meine Liste vor und sah dann zu meiner Schwester. "Ich versorge dann Drama Baby, It's me, Amira, Lady Gweny, Magic Lanijos, Blossom Magic, Snap in Style, Priamos Ruffia Kincsem, Prias Colourful Soul, Raspberry, Seattle Slew, Bellas Dun Gotta Gun, Wildfire,Wolfs Bane und Zoltaire.", sagte sie und ich nickte. "Super, dann hätten wir das geklärt.", sagte sie knapp. "Hängst du die Zettel im Stall an die Pinnwand? Dann können wir sie uns immer anschauen, bis wir wissen, wer wen versorgt.", lachte sie und ich nickte. "Klar.", meinte ich und schaute auf die Uhr. 10 Uhr. "Kochst du etwas zu essen für um 12? Dafür kümmere ich mich um Barbie und bereite ihn aufs einreiten vor.", versuchte ich zu verhandeln und sie lachte. "Klar. Aber mach es ordentlich.", lachte sie noch und schüttelte grinsend den Kopf, als ich das Zimmer verließ. Ich ging hoch in mein Zimmer, um mich umzuziehen, denn in Jogginghose konnte ich schlecht reiten. In Kanada herrschten so langsam frühlingshafte Temperaturen, doch nachts wurde es noch ziemlich kalt, weshalb wir fast alle Pferde eindecken mussten. Später, wenn die Ranch mal so richtig ins Rollen kam, waren noch Offenställe geplant, doch alles mit der Zeit.
      Wieder unten angekommen zog ich mir die Westernboots an und packte mich in Schal, Mütze und Jacke ein. Dann schnappte ich mir die beiden Zettel und ging aus dem Haus. Flüchtig sah ich zum zugefrorenen See, auf dem Surtout, der alte Rottweilerrüde von Verena, bestimmt seinen Spaß gehabt hätte, doch auch er war bei der Explosion der Ranch gestorben. Kurz seufzte ich und lief beinahe mehr, als dass ich ging, zum Stall und öffnete die schwere Tür. Wohlige Wärme schoss mir entgegen und ich konnte wieder durchatmen. So früh morgens war es doch noch ziemlich kalt. Schnell heftete ich die beiden Zettel an die Pinnwand und ging zu den Boxen der Pferde. Gefüttert hatten wir sie heute am frühen Morgen schon, gemistete oder gar auf die Koppel gebracht war noch keines der Pferde. Ich fing also damit an, die Türen zu den Paddocks eines jeden Pferdes zu öffnen, damit sie wenigstens etwas frische Luft schnappen konnten, während ich hier herum tüftelte.
      Ich blickte mich in der Stallgasse um und würde wirklich heute mit Barbie anfangen, damit Octavia merkte, dass ich meine Versprechen durchaus hielt. "Na mein Hübscher, groß bist du geworden.", begrüßte ich den Hengst und streichelte ihm über die Nase. Egal welches Pferd ich mir anschaute, Traurigkeit hatten sie alle im Blick. Ob sie wussten, was genau passiert war oder warum sie, nach all dem Stress, nun hier in dieser Stallung mit Octavia und mir standen? Doch wer wusste das schon. Ich band Barbie am gegenüberliegenden Putzplatz an und nahm mir eine der Bürsten, ehe ich sanft über sein Fell strich. Er war nicht schmutzig, aber er sollte sich daran gewöhnen, von Menschenhand angefasst und überall berührt zu werden. Das Putzen hatte da einen ganz tollen Nebeneffekt, da es den Hengst massierte. Barbie legte den Kopf schief und machte den Hals lang, was zeigte, dass er die kreisenden Bewegungen wirklich genoss. Als ich den Körper auf beiden Seiten gestriegelt hatte, machte ich mich an die Beine. Auch hier war ich vorsichtig, denn der Hengst war ein Jungpferd und alles kam ihnen zunächst als Bedrohung vor. Doch der Hengst blieb gelassen. Er hatte wohl doch einiges von seiner Oma geerbt. Nachdem ich mich nun auch um seine Hufe und seine Mähne gekümmert hatte, band ich ihn los und stiefelte mit ihm zur Halle. Es war schon mühsam, die schwere Tür auf zu bekommen, doch wir schafften es und gingen ins Warme. Barbie plusterte sich sofort auf und schnaubte einmal laut, ehe er im Kreis um mich herum tänzelte- da kam wohl doch der Hengst raus, denn schließlich roch alles nach anderen Pferden. Ich klickte nur den Führstrick aus dem Halfter und schickte ihn von mir weg, damit er sich die Beine vertreten konnte. Ich verließ die Halle derweil wieder und ging in den Stall, wo ich mir seine Box ansah. Sie musste nicht komplett ausgemistet werden, weshalb ich damit schnell fertig war und in die Box zu Alan ging, mit dem ich auch sehr schnell fertig war. Bei Baby Doll war es ein wenig mehr Arbeit, doch auch sie hatte ich noch relativ schnell fertig. Kurz schaute ich auf die Uhr: Essenszeit. Ich ging also Barbie wieder einfangen und brachte ihn in seine Box, ehe ich ins Haus zu Octavia ging.
      Gegessen hatten wir relativ schnell ohne große Konversation, so dass ich schnell wieder in den Stall gehen konnte und mir meine Liste anschaute. GRH's Unbroken Magic, GRH's Unbroken Soul of a Devil, VK A Gun Colored Lena, VK Funky's Wild Berry, A Shining Chrome, It's me, Amira, PFS' Blossom Magic, PFS' Snap in Style, Prias Colourful Soul, Wolfsbane und Zoltaire brachte ich auf die Koppel, da wir heute mit den Jungpferden nichts machen würden. Auch Snapper Little Lena durfte mit den Kleinen auf die Koppel, ich hatte noch nicht so ganz rausgefunden, wie ich richtig mit der Stute arbeiten sollte, weshalb ich sie lieber noch eine Weile Pferd sein lassen wollte. Auch Zues stand auf der kleinen Koppel neben den Stallungen alleine herum, und fristete sein Leben dort. Auch bei ihm wusste ich noch nicht so wirklich, was ich mit ihm anstellen wollte. Kastrieren stand jedoch bei seiner Abstammung außer Frage. Einschläfern auch, denn Verena lag etwas an diesem verfluchten Pferd, weshalb wir uns mit ein paar Trainern kurzschließen, und nach Lösungen forschen wollten, bevor wir entschieden, was wir mit ihm machen wollten. Laut einem bekannten von Verena konnte Zues bereits longiert werden. Doch seit er wieder hier war, war er unausstehlicher denn je, weshalb ich mich nicht an ihn heran traute.
      Mit wem ich heute auf jeden Fall arbeiten wollte, war Alan's Psychedelic Breakfast. Schnell war der Rappe gesattelt und wir fanden uns in der Halle ein, wo ich ihn zunächst ein wenig warm ritt und dann auf beiden Händen lediglich die Grundgangarten übte, bevor ich noch Schritt-, Trab-, und Galoppstangen auf den Boden legte und ein wenig mit ihm übte. "Braver Bursche.", lobte ich den Hengst und brachte ihn nach dem Abreiten in den Stall, machte ihn fertig und brachte ihn dann auf die Koppel. Baby Doll Melody und Dakota longierte ich lediglich ein wenig, damit sie heute zumindest etwas Bewegung hatten. Was ich mit DunIts Smart Investment anstellen wollte, wusste ich noch nicht so genau, weshalb ich mir zu erst Gun and Slide schnappte, ihn sattelte und die selben Übungen in der Halle mit ihm machte, die ich auch mit Alan gemacht hatte. Zum Einen wurde ich dabei sattelfester, zum Anderen wurde er bewegt.
      Nach dem Training kam auch er auf die Koppel, ehe ich mir nun doch Candy schnappte, sie sattelte und auch mit ihr das gleiche Training absolvierte, wie ich mit Alan und Blue zuvor auch gemacht hatte. Nach getaner Arbeit durfte sie dann auch auf die Koppel und erfreute sich des Lebens. Nun fing ich mit Misten und füttern an.

      Octavia
      Mein Bruder war so nett gewesen, den Großteil der Pferde, um die ich mich kümmern sollte, zu versorgen, damit ich kochen und mich um den Haushalt kümmern konnte. Nun endlich machte ich mich auf den Weg in den Stall und schaute kurz auf meinen Zettel, ehe ich die Boxen abging, um zu schauen, wer noch im Stall stand und mit wem ich noch etwas machen musste. Drama Baby, Lady Gweny, Seattle Slew und Wildfire xx stellte ich in die Führanlage, da sich die Vollblüter gemütlich die Beine vertreten konnten. Priamos Ruffia Kincsem stand noch im Stall, doch da sie mehr oder weniger noch in Babypause war, kam sie auf die Koppel zu ihrer Tochter. Wer mir noch blieb waren Raspberry und Magic Lanijos. Anfangen würde ich mit Raspberry. Ich holte sie aus der Box, putzte und sattelte sie und verließ den Hof zu einem kleinen Ausritt, den die Stute sichtlich genoss, denn sie liebte Ausritte.
      Etwa eine Stunde waren wir unterwegs, ehe wir wieder auf dem Hof ankamen und ich die Stute fertig für die Koppel machte. Auch Drama Baby, Lady Gweny, Seattle Slew und Wildfire befreite ich aus ihrem Elend und brachte sie auf die Koppel. Mit panischem Blick schaute ich Wildfire zu, wie er wie ein Bekloppter über die Koppel fegte- irgendwann würde er sich etwas brechen, da war ich mir ziemlich sicher. Da er jedoch bald auf die Rennbahn sollte, hatte ich darauf recht wenig Lust.
      Als letztes Pferd für heute blieb mir noch Magic Lanijos, mit dem ich allerdings nicht sonderlich viel machen wollte, da ich ihn langsam ans Einreiten gewöhnen wollte. Ich holte ihn mir also aus der Box und fing an, ihn gründlich zu putzen. Das kannte er bereits ein wenig und machte mir dabei auch keine Probleme. Auf dem Hof übte ich dann die Stimmkommandos zum Losgehen und Stehenbleiben. Auch das verstand der kleine Hengst super, so dass auch er auf die Koppel durfte.
      Ich mistete noch die Boxen und gab allen ihr Heu, ehe es Abend wurde und ich zusammen mit Bellamy wieder alle Pferde in den Stall brachte.
      Ganz schön viel Verantwortung, so ein Haufen Pferde.

      Radioactive - the prisoners 2.0

      Mai 2017, by Veija
      "Oh mein Gott, Bellamy.. schau mal!", rief Octavia durchs Haus nach oben und ich hörte, wie sie ungeduldig von einem aufs andere Bein trippelte. "Die haben den jährlichen Tag der offenen Tür- Tag im Gefängnis aus dem wir kommen. Sollen wir nicht auch Jugendlichen eine Chance auf das geben, was Verena uns gegeben hat?", rief sie mir entgegen und ich grummelte etwas in meinen nicht vorhandenen Bart hinein, ehe ich die Treppe herunter lief. "Und wie hast du dir das vorgestellt? Hallo alle zusammen, unsere Anleiter sind frühzeitig gestorben, aber wir haben die letzten drei Wochen unserer Frist auch so geschafft und sind nun hier, um Jugendliche aus dem Knast zu holen... glaube kaum, dass das klappt." "Ach Bell lass es uns doch bitte probieren. Komm schon. Lass uns welchen eine Chance geben!", trällerte sie und ich rollte mit den Augen. "Schön, zeig mal die Anzeige."
      "Was machen Finn und Murphy eigentlich?", fragte ich O nach einer Weile des Schweigens. Betreten zuckte sie die Schultern. "Ich habe nichts mehr von ihnen gehört, seit sie weg gegangen sind. Auch nicht von Emily, Ethan und Grace.", sagte sie schulterzuckend. "Hm, schade...", meinte ich beiläufig und starrte weiter ausdruckslos auf den Computer. "Gut... lass ihnen eine E-Mail schreiben. Mal schauen was sie antworten. Schreibst du ihnen? Dann geh ich schon nach den Pferden schauen. Aber schreib nichts von unserer Frist, dass wir eine Zeit ohne Aufsicht waren. Ich habe keine Lust nachträglich wieder sitzen zu müssen. Oder dass uns unsere Arbeit hier als Trainer aberkannt wird, wegen so etwas dummem...", erklärte ich O und sie nickte. "Fein. Bring du die Pferde raus, ich kümmere mich hierum.", gab sie mir mit zu verstehen und schob mich vom Laptop weg. "Jetzt mach schon, hau ab.", sagte sie augenrollend und öffnete das E-Mail Fenster, was wohl mein Stichwort war, zu gehen.
      Draußen angekommen wollte ich nach den Pferden schauen. Da sie schon alle auf den Koppeln standen, blieb der Gang zum Stall aus. Zu erst steuerte ich die Koppel der Jungstuten an, auf der ich GRH's Unbroken Magic, A Gun Colored Lena, Dante's Wild Lady, It's me, Amira!, PFS' Blossom Magic, Prias Colourful Soul und Wolfs Bane erblickte. Alle schienen munter zu sein und erfreuten sich ihres Lebens, weshalb ich weiter zu den Junghengsten ging. A Shining Chrome, Cruel Twist of Fate, GRH's Unbroken Soul of a Devil, VK Funky's Wild Berry, Magic Lanijos, PFS' Snap in Style und Zoltaire tobten zusammen und rangelten, wie es Junghengste nun mal taten. Eine Weile blieb ich stehen und schaute ihnen dabei zu, bevor ich weiter zur Stutenkoppel ging, auf der mit Abstand die meisten unserer Pferde standen. Schon von weitem sah ich Baby Doll Melody, Dakota und DunIts Smart Investment, die zusammen grasten. Als ich näher heran kam, erkannte ich auch die restlichen Pferde. Magnificiant Crow, Snapper Little Lena, Drama Baby, Flashlight, Lady Gweny, Priamos Ruffia Kincsem, Raspberry und Zuckerschock. Auch diese Pferde beobachtete ich eine Weile, ehe mir die neuste Stute im Bunde auffiel. Minnie Maus. Das neuste Pferd von Octavia. Wir hatten sie von Gwendolyn von der Nahanni River Ranch. Octavia hatte mir schon seit Wochen in den Ohren gelegen, dass sie ein gut ausgebildetes Buschpony haben wollte, damit sie selbst in ihrem Training weiterkommen konnte. Schlussendlich hatte ich nachgegeben und wir hatten das Pony teuer gekauft. Ich hatte Octavia jedoch angedroht, wenn sie mit ihr keine Gewinne erzielen würde, würde ich sie wieder an Gwen zurück geben. Das war natürlich nur ein Scherz gewesen. Die kleine Maus wuchs mir von Tag zu Tag mehr ans Herz- keine Ahnung wie sie das machte. Wenn es doch nur bei den anderen Pferden auch so einfach wäre, deren Herz zu gewinnen... Doch ich war guter Dinge, dass sie das auch bald schaffen würde, denn Raspberry und auch Flashlight zeigten immer mehr Interesse an der kleinen Rappstute, so dass sie wohl bald zur Herde gehören würde.
      Zum Schluss meines Rundgangs fehlten noch die Hengste, die auf mehrere Koppeln, fernab der Stuten aufgeteilt waren, damit sie sich nicht die Köpfe einschlugen. Gott sei Dank waren sie alle recht friedlich- sah man von Zues ab. Wir wussten noch immer nicht, was wir mit ihm machen wollten, weshalb er noch immer auf seinem Koppelstück sein Leben für sich alleine dahin fristete und das tat, was Pferde nun mal taten. Fressen, fressen und nochmal fressen. Ich schüttelte kurz seufzend den Kopf und ging weiter zu den Koppeln, wo ich schließlich alle Hengste fand. Alan's Psychedelic Breakfast hatte in dem Rappen Chapter 24 einen wirklichen Freund gefunden. Die beiden kannten sich schon von früher und hielten wie Pech und Schwefel zusammen. Ganz zum Leidwesen von Gun and Slide, der, bevor Chapter wieder zu uns gekommen war, der beste Kumpel von Alan war. Seitdem hatte er sich etwas abgeschottet und hielt sich vor allem mit Wildfire xx und VK Bella's Dun Gotta Gun, mit denen er jedoch ziemlich ruppig umging, machten sie auch nur einen Schritt in die Richtung der beiden anderen Hengste. Golden Ebano stand noch immer etwas abseits, würde jedoch, soweit ich das sehen konnte, bald der Herde etwas näher kommen.
      Im Großen und Ganzen war ich jedoch mehr als zufrieden mit unseren Pferden, so dass ich wieder zu Octavia nach drinnen ging und mich über ihre Schulter beugte. "Und, was sagen sie?", fragte ich neugierig, ehe mir auffiel, dass O sich umgezogen hatte. "Zieh dich um, wir fahren rüber.", sagte sie und drehte sich freudig herum. "Sie freuen sich riesig uns zu sehen. Ich schieße noch ein paar Bilder der Pferde, dann können wir los.", sagte sie und ich nickte.
      In Windeseile hatte ich mich umgezogen und traf O beim Rover. "Komm schon, ich warte schon ewig hier!", tadelte sie mich doch ich rollte nur mit den Augen. "Ewig.. vielleicht zwei Minuten.", meinte ich genervt und stieg ein. Mit einem mulmigen Gefühl im Magen startete ich den Motor und wir fuhren in Richtung Gefängnis.
      Es dauerte eine gute Stunde, ehe wir dort angekommen waren und uns einen Parkplatz gesucht hatten. Wir stiegen aus und atmeten einmal schwer durch. "Willst du da wirklich nochmal rein?", fragte ich O, die betreten von einem auf das andere Bein trat, ehe sie zögerlich antwortete: "Ja, helfen wir ein paar Jugendlichen.", sagte sie entschlossen, warf ihre Haare nach hinten und stolzierte vor mir her, ehe wir am Eingang ankamen und einmal durchsucht wurden. Dann gingen wir zur Rezeption, bekamen unserer Besucherausweise und standen dann unserer alten Aufseherin gegenüber. Ich schluckte. "Mr. und Mrs. Blake, Sie wollte ich eigentlich hier nie wieder sehen.", sagte sie streng und schaute abwechselnd zwischen mir und O hin und her. "Wir.. wir sind hier wegen dem Tag der.. der offenen Tür. Wir wollen.. Jugendlichen ermöglichen, wieder auf den rechten Weg zu kommen... mit den Pferden.. auf unserer Ranch, so wie die O'Connors es damals bei uns gemacht.. haben...", stammelte ich und sofort hellte sich die Miene von Mrs. P. auf. "Erzählen sie mir, wie geht es .. wie heißt sie, Verena? Wie geht es ihr und der Ranch?", fragte sie neugierig ehe O und ich einen mitleidigen Blick wechselten. "Sie ist tot. Ebenso wie eine Menge Mitarbeiter der alten Ranch und ein ganzer Haufen Pferde...", sagte ich traurig und konnte Mrs. P. im Gesicht absehen, wie Leid es ihr tat. "Warum das?", fragte sie nach einiger Zeit der Stille. "Eine Explosion.", murmelte O betreten und wir lächelten zaghaft. "Das ist ja schrecklich.. und Sie beiden, was ist nun mit Ihnen?", fragte sie dann, ehe wir ihr unsere Geschichte erzählten. Angefangen bei totaler Verzweiflung, über den Aufenthalt in Schweden und die Hilfsbereitschaft all unserer Freunde. Zum Schluss vom Blakes Crow Meadow, wo wir das Erbe der Gips Reminder Ranch fortführen wollen. Dazu gehörte nun mal auch, dass wir Jugendlichen die selbe Chance bieten wollen, wie Verena uns geboten hatte. "Ich bin begeistert.. was diese junge Frau alles für Sie beide getan hat... unbeschreiblich.", erklärte sie und ich fügte in Gedanken hinzu 'und doch musste sie viel zu früh sterben'.
      "Kommen Sie, ich führe Sie ein wenig herum. In den 1,5 Jahren ihrer Abwesenheit hat sich einiges geändert.", erklärte sie und wir gingen eine Weile im Gefängnis herum, ehe wir bei allen Anderen ankamen. Erstaunte und verwunderte Blicke trafen uns, als sie uns und vor allem die Besucherausweise sahen. Wir setzten uns in eine der hinteren Reihen und hörten dem Gefängnischef dabei zu, als er seine Rede von der Wichtigkeit dieses Projektes hielt und immer wieder verstohlen zu uns schaute, ehe er uns doch tatsächlich auf die Bühne rief. Widerwillig standen O und ich auf, gingen auf die Bühne und erzählten auch den Gefangenen und Besuchern dieses Tag der offenen Tür, warum wir hier waren und vor allem, wie wir es so weit geschafft hatten. Auch erzählten wir wie viel uns an diesem Projekt lag, und dass wir gerne weiteren Jugendlichen die Chance geben wollen, das zu erreichen, was wir erreicht haben.
      Plötzlich stand einer der Gefangenen auf, blickte zu uns hoch und sagte: "Vergebt ihr auch dritte Chancen?"Ich hatte gar nicht so schnell reagiert, wie O von der Bühne sprang und, ein wenig zu schnell für die Aufseher, auf den jungen Mann zurannte. "Murphy!", quietschte sie und fiel ihm um den Hals. Da er Handschellen anhatte und sich nicht wirklich abfangen konnte, fielen er und O beinahe auf den Boden, doch ein beherzter Griff der Polizisten hielt die Beiden auf den Beinen, denn diese waren nun auch dort angekommen. Widerwillig ließ Octavia von Murphy ab und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. "Was machst du hier, wo ist Finn?", hörte ich sie drauf los quasseln, nachdem auch ich von der Bühne und näher zu den Beiden hingegangen war. "Das können Sie gerne später klären.", meinte Mrs. P. und bedeutete Murphy mit einem strengen Blick, sich wieder hinzusetzen. Kurz schluckte ich, ehe ich wieder meinen Platz in den hinteren Reihen einnahm. Octavia wies ich an, sich neben mich zu setzen. Einen letzten Blick warf ich zu Murphy hinüber, ehe ich leise seufzte und meine Hände zur Faust faltete. Was auch immer er angestellt hatte, ihn würden wir auf jeden Fall mit auf unsere Ranch holen, egal was sein würde.
      Jetzt blieb nur noch die Frage, wen wir noch mitnehmen würden. Platz hatten wir für drei neue Mitarbeiter.
      Neben Murphy waren mir noch zwei weitere Gefangene aufgefallen. Einen jungen Mann, den ich etwas jünger als mich schätzte namens Travis Elmore und einen ebenfalls jungen Mann, der Ähnlichkeiten mit Caleb hatte und sogar den selben Nachnamen trug.
      Eine ganze Weile dauerte es, bis sich alle Ranches vorgestellt hatten und wir gemeinsam im Speisesaal essen wollten. Bewusst setzten wir uns zu unserem alten bekannten Murphy an den Tisch. Vorwurfsvoll schaute ich ihn an. "Was hast du angestellt, dass du wieder hier gelandet bist?", fragte ich ihn und verschränkte meine Arme vor der Brust, ehe ich mich doch dazu entschied, etwas zu essen. Murphy schien nicht wirklich mit der Sprache heraus zu rücken, weshalb wir ihn einfach essen ließen. "Wir können auch darüber sprechen wenn wir auf der Ranch sind...", meinte ich beiläufig und widmete mich wieder meinem Teller, was einen verwunderten Seitenblick von Murphy zur Folge hatte.
      Es dauerte noch eine Weile des Papierkrams, ehe wir Murphy, Travis und Connor mitnehmen konnten. Gemeinsam gingen wir zum Auto und setzten uns rein, bevor wir zur Ranch zurückfuhren.
      Die Fahrt verlief stillschweigend, weites gehend erkannte ich aber ein helles Strahlen in den Augen der drei, die sich sichtlich darüber freuten, endlich aus dem Bunker hinaus auf eine Ranch gehen zu können. "John kennen wir bereits, wir haben lange Zeit zusammen im Gefängnis gelebt.", lockerte ich irgendwann die Stimmung. "Euch beide, Travis und Connor, müssen wir erst einmal kennen lernen. Doch ich hoffe, ihr habt genauso viel Spaß an den Pferden wie wir, denn darum geht es ja. die Arbeit mit den Pferden."
      "Wir werden Sie nicht enttäuschen.", sagte Travis mit einem strahlendem Lächeln im Gesicht. "Bellamy..", antwortete ich Travis und zeigte zu Octavia, die neben mir auf dem Beifahrersitz saß. "Und das ist Octavia, meine Schwester. Also Finger weg von ihr.", scherzte ich und erntete dafür einen harten Schlag von meiner Schwester gegen den Oberarm. "Autschi.", lachte ich und sah im Rückspiegel, wie sich John, Travis und Connor verschmitzt ansahen und herzlich drauf los lachten. Verdammt, Connor hatte das selbe süffisante Grinsen wie Caleb. Ob sie verwandt waren?

      Inventur
      September 2015, by Veija
      "O wir haben 15 Westernsättel und 8 Westernpferde aktiv im Training. 4 sind mehr oder weniger im Training beziehungsweise werden die gerade angeritten, VK A Gun Colored Lena wechselt bald den Stall und kommt zu den Trainingspferden, Zues gibts auch noch, Ceara Isleen, die nun wieder bei uns ist, Dakota nicht zu vergessen und Kunis...", meinte ich und betrachtete die Sattelkammer. "Jap, sind 17 Pferde auf 15 Sättel. Aber die Jungpferde können wir mit Pads ausgleichen.", sagte O schulterzuckend und klopfte mir auf die Schulter. Die Jungpferde werden schon nicht sterben. Außerdem kann man mit Pads sehr viel wett machen- und einige der Pferde, die du aufgezählt hast, reiten wir momentan gar nicht." "Stimmt, da hast du auch wieder recht.", sagte ich und schloss die Tür hinter uns, als wir die Sattelkammer wieder verließen. "Machst du jetzt noch was mit den Pferden?", fragte ich meine Schwester. "Ja, ich wollte mit DunIts Smart Investment ausreiten. Kommst du mit? Baby Doll Melody könnte bestimmt einen Ausritt vertragen.", sagte sie und ich nickte. "Ja, genau. Sind beide im Stall? Hey warte.. eigentlich könnten wir Murphy, Travis und Connor mitnehmen, was sagst du?" "Das wäre voll die gute Idee!", sagte sie freudig. "Travis und Connor könnten sich Gun and Slide und Alan's Psychedelic Breakfast schnappen, Murphy Genuine Lil Cut.", schlug sie vor und ich nickte. "Gehen wir ihnen mal die gute Nachricht verkünden!", sagte ich lachend und klapperte mit O die Ställe nach unseren Mitarbeitern ab. Schließlich fanden wir sie am Zaun, wo sie Magnificient Crow, Snapper Little Lena und Stormborn beobachteten. "Sind die drei Hengste schon wieder drinnen?", fragte ich und sah, wie alle drei zusammen zuckten. O und ich sahen uns kurz an und lachten. "Wir wollten euch nicht erschrecken, eher eine gute Nachricht überbringen.", meinte ich mit hochgezogener Augenbraue. "Oh cool, welche denn?", fragte mich Travis. "Das sag ich euch, wenn ihr mir sagt ob VK Bella's Dun Gotta Gun, Whinney und Chapter 24 wieder im Stall sind.", stellte ich ein Ultimatum. "Jaja, die sind wieder drinnen. Hau raus, Bell.", paffte Murphy und sah mich auffordernd an. "Travis du gehst dir Blue schnappen, Connor du holst dir Alan und Murphy du gehst dir Gen suchen. O schnappt sich Candy und ich hole mir Melody. Wir fünf gehen Ausreiten.", erklärte ich und sah alle auffordernd an. Sofort schwärmten sie, über beide Ohren strahlend, in alle Richtungen aus und machten ihre Pferde fertig.
      Auch ich holte mir Baby Doll von der Koppel und war in Windeseile bereit, aufzubrechen. Connor und Travis brauchten ein wenig Hilfe, doch Murphy zeigte sich freundlich und half den beiden beim Satteln, so dass wir nach einer halben Stunde in etwa losreiten konnten. Da wir zwei Anfänger in der Gruppe hatten, wurde es nur ein lockerer Schrittausritt, der auch nicht lange dauerte.
      Zurück am Hof angekommen brachte jeder sein Pferd in die Box und ich hatte noch Zeit, bei den anderen Pferden vorbei zu schauen. Sie grasten alle friedlich auf der Koppel und hatten bestimmt wenig Lust, gleich wieder in den Stall zu müssen.
      Lange würde dem nicht mehr so sein, denn wir wollten umziehen und hatten uns vorgenommen, auf einen Aktivstall umzustellen und so wenigstens mehr Pferden die Möglichkeit zu geben, mehr auf der Koppel zu stehen, als sie es jetzt taten.
    • Veija
      Von kalt zu warm - Umzug nach New Mexiko
      September 2017, by Veija
      Samstag
      Octavia
      "Bellamy ich hasse die Kälte hier in Kanada.", sagte ich am Frühstückstisch zu meinem Bruder und hatte sofort die Aufmerksamkeit aller Mitarbeiter. "O, hier sind es 19 Grad, welche Kälte meinst du?", fragte Bellamy mich und verschränkte die Arme vor der Brust. "Ich meine die kommende Kälte. Kaum eines der Pferde hat eine Decke, hier fällt so viel Schnee dass man nichteinmal die Haustür aufbekommt, die Pferde schieben so viel Winterfell, was du zum Reiten kaum sauber bekommst und wie willst du hier im Winter ausreiten? Richtig, gar nicht. Du versinkst im Schnee.", erklärte ich und verschränkte ebenfalls die Arme vor der Brust. "Wenn ich einwerfen darf...", fing Murphy an: "Die Landschaft ist hier das ganze Jahr über wunderschön. Die Seen sind traumhaft und die Berge erst...", sagte er und schaute zwischen Bellamy und mir hin und her. "John hat recht. Ist es das nicht wert?", fragte Bellamy. "Nein Bell. Ich.. ich habe mir schon verschiedene Höfe im Rest von Amerika angesehen, in New Mexiko zum Beispiel wäre es dauerhaft warm.", schwärmte ich und zückte mein Handy, um allen die Ranch zu zeigen. "Die hat echt Potenzial.", meinte Travis. "Jede Koppel scheint dort ein kleines Stück Wald zu haben und es fließt ein Bach durch quasi jede Koppel, in dem sich die Pferde auch abkühlen können.", schlussfolgerte er, ehe er erschrocken die Luft einzog und Murphy und Connor anschaute. "Wir dürfen das Land doch gar nicht verlassen, oder?", fragte er traurig und schaute zu mir auf. "Ich weiß nicht...", musste ich zugeben. "Aber das bringen wir in Erfahrung, sollte es zur Diskussion stehen und..." "Von mir aus.", sagte Bellamy plump. "Was?", fragten die restlichen vier, inklusive meiner Wenigkeit gleichzeitig. "Von mir aus können wir umziehen.", meinte er lächelnd. "Ich rufe da mal an und O du fragst im Gefängnis nach, ob unsere drei Schützlinge uns begleiten dürfen.", sagte er, bevor er anfangen musste zu lachen. "Jetzt schaut doch nicht so verdutzt. Ich besitze von Kanada nur schlechte Erfahrungen und traurige Erinnerungen. Ich bin sofort dabei, sollte es klappen und wir umziehen können.", sagte er und stand auf, um den Tisch abzuräumen. "Okay.", sagte ich noch immer total neben der Spur. "Dann kümmern wir uns mal drum- nachdem die Pferde versorgt sind.", lachte ich und schaute auf meine Liste der Pferde, wer wen machen sollte. "Murphy du gehst mit Bellamy und schaust nach folgenden Pferden: Alan's Psychedelic Breakfast, Baby Doll Melody, Chapter 24, DunIts Smart Investment..." "Gott O, gib mir einfach die Liste.", fluchte Murphy und riss sie mir aus der Hand, ehe er ein Foto davon machte und sie mir danach wiedergab. "Gut, das sind 14 Pferde nach denen Bellamy und ich schauen sollen, wir gehen dann schon mal.", sagte er knapp und er und Bellamy verließen den Raum. "Was ist denn mit dem los?", fragte Travis und ich zuckte mit den Schultern. "Hat bestimmt seine Tage...", murmelte Connor und verkniff sich sein dummes Grinsen, als ich ihn böse ansah. Noch immer hatte ich mich nicht getraut zu fragen, ob er mit Caleb verwandt war oder nicht. Das würde mir mein Leben doch um einiges erleichtern, aber ich trauerte noch zu sehr um ihn und alle anderen, die auf der Ranch verstorben waren, auch wenn es jetzt schon fast ein Jahr her war.
      Ein Jahr.. wie die Zeit verging. Seit einem Jahr mussten Bell und ich uns alleine durchkämpfen. Wir schafften das auch gut, das stand außer Frage. Doch vermisste ich Verena und Caleb und auch all die anderen jeden Tag. Ob das irgendwann aufhörte? Sie zu vermissen und den Schmerz zu spüren? Ein Anfang wäre ein Umzug. Weg aus Kanada, weg von den schrecklichen Erinnerungen, welche immer und immer wieder vor meinem geistigen Auge aufblitzten, wenn ich am Unfallort vorbeifuhr oder ein Brief im Briefkasten war, der mit der Versicherung und dem Vorgang der Explosion zu tun hatte. Noch immer beschäftigte sich die Polizei mit dem Fall und ließ uns einfach nicht in Ruhe. Bellamy nahm mir zwar die meiste Arbeit ab, die mit der alten Ranch zu tun hatte, doch ich bekam natürlich viel mit, da wir meist zusammen zu Terminen mussten. "O?", riss mich irgendwann eine Stimme aus den Gedanken. "Was sollen wir machen? Du siehst nämlich nicht so gut aus...", sagte Travis, der mich aus den Gedanken gerissen hatte. "Oh, nein nein. Mir geht es gut. Ich war nur in Gedanken versunken. Kein Grund zur Sorge.", beruhigte ich ihn. "Wir drei machen die Küche fertig und gehen dann nach den Jungpferden schauen, was sie so anstellen. Vielleicht gehen wir eine Runde mit drei der Pferde spazieren, mal sehen.", sagte ich und stand auf, um den Tisch abzuräumen. Connor und Travis halfen mir ohne murren und motzen...

      Bellamy
      "Was war das denn, Murphy?", fragte ich den jungen Mann neben mir, als wir zusammen zu den Westernpferden gingen. "Bin heute morgen wohl mit dem falschen Fuß aufgestanden.", antwortete er knapp und ich lachte kurz auf, ehe mich sein fragender Blick traf. "Dann freu dich, wir müssen alle Boxen misten." "Oh man...", kam nur noch zurück, ehe wir den Stall betraten und er sich einmal kurz streckte, bevor wir gemeinsam zum Laufstall der Stuten gingen. Wir halfterten uns Baby Doll Melody, DunIts Smart Investment, Ginny my Love, die wir seit kurzem unser eigen nennen durften und die sich gut eingelebt hatte, Jade, Magnificient Crow, Snapper Little Lena, Stormborn und VK A Gun Colored Lena nach und nach auf und brachten sie auf die Koppel, ehe wir uns zu den Hengsten begaben. Alan's Psychedelic Breakfast, Chapter 24, Genuine Lil Cut, Gun and Slide, VK Bellas Dun Gotta Gun und Whinney kamen nach und nach auf ihre verschiedenen Koppeln und erfreuten sich des Lebens, dass sie endlich toben und fressen durften. Blue wälzte sich sofort und war nun nicht mehr braun-weiß sondern Ton in Ton braun. "Murphy fang du bei den Stuten an, ich mach zu erst die Hengste und geb denen dann auch gleich Heu und Kraftfutter.", wies ich meinen Mitarbeiter an und schaute ihm noch nach, wie er aus dem Stall verschwand, um sich eine Schubkarre zu holen. Ich tat es ihm gleich und fing mit Alan's Box an, arbeitete mich nach und nach bis zu Whinneys Box vor. Es dauerte eine Weile, bis alle Boxen gemistet waren und ich anfangen konnte, das Heu und Kraftfutter zu verteilen. Jeder der Hengste bekam nur eine sehr kleine Portion davon, da sie nicht wirklich aktiv im Training waren und sonst nicht wussten, wo sie mit ihrer ganzen Energie hin sollten.
      Als ich damit fertig war ging ich zu Murphy und half ihm, den Laufstall der Stuten zu misten. Ruck zuck waren wir fertig, füllten Heu in die Netze und gingen zum Stallabteil, in dem die Englischen Vollblüter untergebracht waren. Auch hier brachten wir zu erst die Hengste nach draußen. Schnell waren Firewalker, Golden Ebano, Peacful Redemption, Seattle Slew, Stiffler, Wildfire xx und ZM's Zanaro auf ihren Koppelabteilen. Leider stand jeder der Hengste für sich alleine. "Auf der neuen Ranch will ich das ändern.", sagte ich total aus dem Kontext gerissen und sah die Ratlosigkeit in Murphys Gesicht. "Was.. willst du ändern?", fragte er mich. "Dass die Hengste alle alleine stehen. Ich will auf der neuen Ranch Kleingruppen zusammenstellen. So dass sie sozialisiert bleiben und nicht total durchdrehen vor Einsamkeit. Desweiteren überlege ich, ein paar der Hengste kastrieren zu lassen. Wer brauch schon so viele Hengste, wenn er nicht aktiv züchten möchte? Vor allem, da wir uns auf die Paint und Quarter Horses konzentrieren wollen.", erklärte ich ihm und er nickte. "Die Stuten auch alle raus?", fragte er mich, als wir wieder im Stall angekommen waren. Ich nickte. "Die können auch alle zusammen auf das Abteil neben die Westernstuten.", erklärte ich ihm. "Ich fange schon mal an zu misten. Du schaffst das!", pflichtete ich ihm bei und fing mit der Schubkarre in die Box von Firewalker, um mit dem Misten anzufangen. Immer wieder sah ich Murphy mit Pferden an mir vorbei gehen. So waren Drama Baby, Priamos Ruffia Kincsem und Zuckerschock innerhalb ein paar Minuten auf der Koppel. Dann half er mir mit dem misten und füttern sowie dem Verteilen des Kraftfutters, so dass wir es noch vor dem Mittagessen schafften, unseren Teil der Abmachung zu erfüllen- fast. Ein paar Pferde fehlten noch, doch die würden es auch bis nach dem Mittagessen im Stall aushalten können. So gingen Murphy und ich nach drinnen und fingen an, das Mittagessen vorzubereiten, da O mit den anderen beiden Jungs noch unterwegs war.

      Octavia
      Nachdem wir die Küche aufgeräumt hatten, gingen wir zusammen zu meinen englisch gerittenen Pferden in den Stall. "Travis du schnappst dir Hot Spot und Minnie Maus. Connor du nimmst dir Samarra und ich schnappe mir Flashlight und Raspberry. Dann unauffällig folgen.", gab ich die Anweisung und ging vor ihnen weg in Richtung Koppeln. Die Vollblüterstuten standen noch nicht draußen, die Westernpferdstuten jedoch schon, also hatten Bellamy und Murphy sich meine Liste doch zu Herzen genommen und arbeiteten nach meinen Anweisungen, was mich zum Grinsen brachte. Zusammen stellten wir die Stuten auf ihr Koppelabteil und gingen wieder in den Stall. "Um es einfach zu machen mistet jeder das Pferd, welches er eben auf die Koppel gebracht hat. Zusätzlich machst du, Connor, noch Flashlight. Dann kann ich mit dem Heu und Kraftfutter geben schneller anfangen und wir können flotter weiter machen.", sagte ich und fing, als wir wieder im Stall angekommen waren, sofort mit Raspberrys Box an. Die Stute war mir wahnsinnig ans Herz gewachsen und eines meiner Lieblingspferde hier auf der Ranch. Sie mochte ich wirklich nicht missen, dachte ich mir und fuhr mit der Schubkarre auf den Misthaufen, ehe ich neues Stroh holte und die Box neu einstreute. Dann fing ich an, allen ihr Heu in die Netze zu stopfen und ihnen ihre Ration Kraftfutter in die Tröge zu geben. Als wir fertig waren, sah ich auf die Uhr. Wir hatten nicht so lange gebraucht, wie ich gedacht hatte. "Kommt wir gehen noch zu den Offenställen der Jungpferde und schnappen uns drei, mit denen wir eine Runde drehen. Wir haben ja noch genug Zeit.", sagte ich zu Travis und Connor, die beiden nickten und folgten mir dann.
      Zu erst schauten wir nach den Hengsten, welche irgendwie noch alle verträumt im Offenstall lagen. A Shinig Chrome, Abe's Aelfric, Cruel Twist of Fate, Culain, GRH's Unbroken Soul of a Devil, Magic Lanijos, PFS' Snap in Style, PFS' Unclouded Summer Skies, der seit kurzem auch bei uns war, Sir Golden Mile, VK Funky's Wild Berry und Zoltaire schlummerten friedlich vor sich hin. Lediglich Zues und Sparkled Wings, der Mustang den wir seit kurzem adoptiert hatten, standen zusammen ziemlich weit abseits. "Oh je, da müssen wir nochmal schauen. Zues und der zusammen... die machen sich gegenseitig scheu.", sagte ich kopfschüttelnd. "Misten können wir nicht, wenn die alle noch schlafen.", lachte ich und wir gingen rüber zu den Stuten, die schon alle auf den Beinen waren. Ashinta, Dante's Wild Lady, Dress to Impress, Ginger Rose, GRH's Unbroken Magic, I've got a blue soul, It's me, Amira!, Sweet Revenge, PFS' Blossom Magic, Prias Colourful Soul und Wolfs Bane tobten über die Koppel, fraßen oder standen an der Heuballe. "Gut, die können wir misten.", sagte ich und ging auf die Suche nach Mistgabeln und einer Schubkarre. Beim Hengststall wurde ich fündig und so misteten wir zu dritt in aller Schnelle den Stall aus, streuten neu ein und verteilten eine Menge Streicheleinheiten. Danach gingen wir schnell noch mit Blossom Magic, Prias Soul und Wolfs Bane eine Runde spazieren, ehe wir uns doch noch an den Hengstfohlenstall wagen konnten und schließlich zum Mittagessen ins Haus gehen konnten. "Oh, ihr seid aber schon fleißig.", sagte ich lächelnd und betrat die Küche, in der es unbeschreiblich gut roch. "Was gibts denn?", fragte Connor neugierig. "Oh, Pizza!", stellte er dann fest und setzte sich an den Tisch. "O, hast du schon im Gefängnis angerufen?", fragte mein Bruder mich irgendwann. "Ne, noch nicht. Du in New Mexiko?" "Ne, noch nicht. Mach ich aber heute Mittag.", sagte er und ich nickte. "Gut, dann schnapp ich mir gleich unsere drei Jungs und versorge die restlichen Pferde, ja?", fragte ich ihn. "Gut. Ich erledige dann gleich beides. Ranch und Information. Dann könnt ihr noch was mit den Pferden machen.", sagte er und ich nickte. "Gut. Und jetzt lass uns essen, ich hab so einen Hunger!", lachte ich und setzte mich ebenfalls an den Tisch.
      "Welche Pferde fehlen denn noch?", fragte Bellamy mich, während wir uns alle auf die Pizza stürzten. "Ceara Isleen, A King of Magic, Abraham van Helsing, Dakota, Náttdís van Ghosts, Skrúður, Thjalfe van de Jötunheimr und Væna frá glæsileika eyjarinar. Ach und Kunis, aber der ist ja unser Sorgenkind. Haben wir schon all seine Decken gewaschen?", fragte ich dann in die Runde. "Ja, hab ich gleich nachdem der Tierarzt da war.", meldete sich Travis zu Wort und ich nickte. "Gut. Die Box müssen wir ja komplett misten.", erklärte ich dann.
      Nach etwa einer Stunde waren wir fertig mit Essen und die drei Jungs gingen mit mir zu den restlichen Pferden. "Ceara Isleen muss raus, King of Magic, Abraham, Dakota, Alfi und die drei Isländer.", sagte ich zu meinen Mitarbeitern. "Husch, husch.", lachte ich und kümmerte mich selbst um Kunis, welchen ich aus der Box nahm und am Putzplatz ganz abseits anband. Ich mistete die Box gründlich, streute sie dann neu ein, gab ihm Heu und brachte ihn dann wieder in die Box. Anschließend gingen Murphy, Travis, Connor und ich nach drinnen, um zu schauen, wie weit Bellamy war.

      Bellamy
      Kaum waren die vier verschwunden, hatte ich mir das Telefon geschnappt und ein wenig herum telefoniert. Im Gefängnis ging alles soweit klar, solange wir mit einem in New Mexiko kooperierten und uns von diesen Leuten Besuche gefallen ließen. Auch bei der Ranch schien zunächst alles klar zu sein, so dass wir am nächsten Tag eingeladen waren, die Ranch anschauen zu dürfen.
      Ich war gerade fertig mit telefonieren, als O und die anderen rein kamen. "Und?", fragte O sofort neugierig. "Murphy, Travis und Connor dürfen uns nicht begleiten.", sagte ich niedergeschlagen und sah den Schock, der sich auf ihre Gesichter legte. "Aber...", fing Connor an und stockte, als er mein Grinsen sah. "Nein, ihr dürft mitkommen. Allerdings ändern sich die Auflagen ein wenig und wir müssen mit einem Gefängnis in New Mexiko kooperieren. Dann geht alles klar.", sagte ich und erntete wütende Blicke, doch das war es mir wert gewesen. "Die Ranch können wir im Übrigen morgen besuchen fahren. O und ich werden fliegen, euch gehört also für einen Tag die Ranch.", erklärte ich und schon wischen die wütenden Blicke stolzen Blicken. "Oh, cool.", sagte Connor und strahlte. "Hoffentlich klappt dann alles und wir haben es bald warm.", zitierte er mehr oder weniger O von heute morgen und lachte. "Den Rest des Tages habt ihr frei, O und ich kümmern uns um den Rest. Damit ihr morgen alles alleine schafft.", sagte ich und schickte sie dann aus der Küche, um mit meiner Schwester noch einiges zu bereden.
      Gegen Abend holten wir alle Pferde wieder in den Stall, bevor wir ins Bett gingen.

      Sonntag
      Octavia
      Aufgeregt wie noch nie zuvor saß ich neben meinem schlafenden Bruder im Flugzeug. Heute morgen war alles drunter und drüber gegangen. Ich hatte unsere drei Mitarbeiter nicht gerne alleine gelassen, obwohl sie mir ständig versicherten, keinen Unfug anzustellen. Dann hatte ich noch beinahe meinen Rucksack vergessen, in dem alles wichtige für eine Übernachtung in New Mexiko war und und und. Jetzt endlich saßen wir im Flieger und es dauerte nur noch ein paar Minuten, bis wir landen würden.
      Nach der Landung kümmerte Bellamy sich um ein Taxi, welches uns zum Hof in der Nähe von Albuquerque bringen würde, denn da stand die neue Ranch. Schnell waren wir da und sahen uns schon ein wenig um, bevor der Makler kam. Er stellte sich vor und führte uns nochmal herum. Den alten Besitzern war der Hof zu groß und zu teuer in der Unterhaltung gewesen, weshalb sie sich eine kleinere Anlage gekauft hatten, die jedoch hier ganz in der Nähe war und eine Geländestrecke beinhaltete, die wir sehr gerne auch bei Bedarf mitbenutzen durften. "Oh, das trifft sich ja gut.", sagte ich freudig und wir gingen alle Ställe und Reitplätze durch. Eine Halle gab es hier auch, die jedoch für Dressurreiten gedacht war. Groß genug für eine Westernhalle war sie jedoch, so dass wir nur den Sand austauschen mussten. Im Großen und Ganzen gefiel uns die Ranch bis auf ein paar Kleinigkeiten.
      So einigten wir uns auf einen Preis, unterzeichneten die Verträge und konnten die Anlage unser eigen nennen.
      Am nächsten Tag waren wir wieder auf unserer Ranch in Kanada, erzählten allen die freudige Nachricht und fingen an, unsere Sachen zu packen.


      Ein paar Tage später
      Octavia
      Alle Sachen waren gepackt und die Möbel, die mitkamen, das Pferdezubehör und alles weitere war schon auf dem Weg zum neuen Hof. Den Pferden wollten wir keine 22 Stunden Autofahrt antun, weshalb sie wohl oder übel doch fliegen mussten. 62 Pferde mussten also eingedeckt, verladen und zum Flughafen gebracht werden. Anschließend sediert, verladen und geflogen. Travis und Connor waren zusammen mit unseren Sachen mit den beiden Trucks mitgefahren, um Bellamy, Murphy und meine Wenigkeit später in Empfang zu nehmen. Natürlich mit den 62 Pferden, was auch sonst.
      Es dauerte schier ewig, alle Pferde in den Hänger zu bekommen- und noch länger, alle zu sedieren und in den Flieger zu kriegen. Nach einer gefühlten Ewigkeit waren wir dann endlich in der Luft- einer aufgeregter als der Andere.
      Kurz nach dem Landen bekam ich die Nachricht, dass Travis und Connor seit ein paar Stunden an der Ranch angekommen waren und schon fleißig dabei waren, alles einzuräumen und an Ort und Stelle zu tragen. Ich lächelte kurz und gab Bellamy die Nachricht weiter, ehe wir um das Flugzeug herum gingen, und dabei halfen, alle Pferde wieder auszuladen. Natürlich waren wir eine ziemliche Attraktion auf dem Flugplatz. Wann sah man schon so viele Pferde aus einem Flugzeug steigen?
      Nach gut zwei Stunden war alles geklärt und die Pferde in den Hängern, um sie in ihr neues Zuhause zu bringen, welches wir dann auch am Abend erreichten.
      Alle Pferde kamen in die für sie vorgesehenen Boxen und durften sich erst einmal ausruhen. Viele der Tiere legten sich erschöpft hin und schliefen sofort ein.
      Auch wir fünf Zweibeiner fielen quasi sofort ins Bett und schliefen beruhigt ein, dass alles fast genau nach Plan verlaufen war und wir jetzt die nächsten Tage ein wenig verschnaufen konnten.

      Alte Gesichter
      Oktober 2017, by Veija
      Octavia
      Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dieses Gesicht nie wieder zu sehen, doch hier stand er nun. Caleb. Mit leichten Narben im Gesicht, die von einer Verbrennung zu sein schienen. "Aber du...", fing ich an und stockte, als Bellamy zu mir an die Tür kam, nachdem ich nicht auf seine Frage, wer denn an der Tür sei, reagiert hatte. "Wie...", stotterte er und schaute genauso verdutzt wie ich. "Nun bist du uns eine Erklärung schuldig.", fand Bellamy seine Worte wieder und schob mich zur Seite, um Caleb ins Haus zu lassen.
      Wir baten ihm einen Platz auf der Couch und etwas zu trinken an, ehe wir ihn erwartungsvoll anstarrten und auf eine Erklärung hofften. Er seufzte und fing dann an zu reden. Von der Explosion, dass er tote Freunde und Pferde gesehen hatte, dass er zuvor an der Leitung repariert hatte, ehe sie ein paar Tage später in die Luft flog, dass er nicht mit der Schuld leben konnte und abgehauen sei, sich, sich nun aber den Konsequenzen stellen wollte und uns ausfindig gemacht hatte... "Dich trifft keine Schuld.", unterbrach Bellamy seine Geschichte. Die Spurensicherung hat herausgefunden, dass... ach ich weiß nicht mehr was sie gesagt haben, aber deine Reparaturarbeiten sind nicht daran schuld, das wusste ich schon von Anfang an." - Stille.
      Es dauerte eine Weile, bis auch ich meine Gedanken wieder in Worte fassen konnte. "Du hast uns das alles alleine durchstehen lassen, obwohl du... obwohl du nicht tot warst?", fragte ich ihn mit einer Ausdruckslosigkeit in der Stimme, die selbst mein Bruder noch nicht oft zu hören bekommen hat. "O, er hatte.." "Nein, lass ihn selbst sprechen, Bell.", sagte ich und fixierte Caleb genau. Er schien sich seiner Antwort nicht sicher zu sein, stammelte ein paar unverständliche Worte.. "Ich konnte es nicht.", sagte er schließlich und es schien so, als wäre von dem alten Caleb kaum noch etwas übrig. "Hast du eine Bleibe für die Nacht? Sonst kannst du hier übernachten, wir haben noch was frei. Ich muss das erst verarbeiten.", sagte O, zeigte in die Richtung in der das freie Zimmer war und verschwand.

      Bellamy
      Ich schaute meiner Schwester betrübt nach, richtete meinen Blick dann jedoch wieder auf Bellamy. "Wie erging es dir bis jetzt?", fragte ich ihn dann und sah einen Hauch des süffisanten Grinsens, dass er früher immer auf dem Gesicht gehabt hatte. "Nicht schlecht, ich kann nicht klagen... außer meiner Verbrennung geht es mir gut. Hatte allerdings keinen festen Job bis jetzt und bin natürlich relativ blank bei Kasse... ich bin hier, weil ich hoffe, dass ich hier wieder anfangen kann.", murmelte er und ich schaute ihn fragend an. "Ich konnte die ja nie richtig leiden... sag ich dir ganz ehrlich, aber Familie lässt man nicht im Stich. Und dazu gehörst auch du." erwiderte ich ihm und stand auf, um ihm auf die Schulter zu klopfen. "Ruh dich aus und schlaf eine Nacht, morgen fängst du an, nachdem ich allen erklärt habe, warum du noch lebst.", sagte ich und zeigte ihm sein Bett für die Nacht. Dann ging auch ich in mein Zimmer und schlief relativ schnell ein.

      Am nächsten Tag
      Bellamy
      Ich hatte zum Frühstück alle zusammen gerufen und sie schon seelisch auf das vorbereitet, was sie gleich sehen würden- und wurde nicht enttäuscht. Connor und Caleb fiel die Kinnlade runter, ehe Connor aufsprang und Caleb in die Arme nahm. "Du dummer Idiot...", murmelte er und man glaubte fast, eine Träne in seinen Augen zu sehen. Auch Murphy schien ziemlich überrascht und schaute mich fragend an.
      Schließlich setzten wir uns und redeten über alles, was Caleb uns gestern erzählt hatte... "Und so sind wir zu dem Entschluss gekommen, ihn hier wieder aufzunehmen und als Mitarbeiter und Trainer anzustellen.", erklärte ich und sah in zustimmende Gesichter. Betsy, die noch ganz neu hier war, verstand zwar kein Wort, umarmte Caleb jedoch freudig. "Habt ihr Gun and Slide noch?", fragte Caleb mich nun und ich nickte. "Komm mit, ich zeig ihn dir. Er hat sogar ein Fohlen."
      Einen kleinen Fußmarsch mussten wir zurücklegen, bis wir an der Box von Blue angekommen waren. Doch auch er schien sich zu erinnern, wer hier vor ihm stand und brummelte leise, ehe er seinen Kopf an Calebs Schulter schmiegte. "So muss ein Wiedersehen aussehen."

      Fuchsjagd 2017 auf Sandringham Manor

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      November 2017, by Rhapsody
      -- Leslie --
      Oktober war Leslies Lieblingsmonat. September war immer noch ein bisschen Sommer, und November schon fast Winter; der Oktober war noch nicht ganz bitterkalt, die Blätter waren schön bunt – und es war Jagdzeit.
      Am liebsten hätte sie dieses Jahr ja selbst mitgemacht. Nicht unbedingt mit Gambit, natürlich, aber irgendein Pferd hätte sich schon gefunden. Blöderweise fand dieses Jahr die Jagd auf Sandringham Manor statt – und alle Jocks hatten Teilnahmeverbot gekriegt. Irgendwo verständlich, aber wirklich begeistert war Leslie nicht gewesen.
      Also hatte sie das Nächstbeste getan und sich Hals über Kopf in die Organisation geschickt. Zusammen mit Logan war sie die Strecke mehrmals abgeritten, hatte Pferde vom Flughafen abgeholt, auf die umliegenden Höfe verteilt und fuhr diese täglich ab. Das füllte so ziemlich den ganzen Tag, sodass sie jeden Abend todmüde ins Bett fiel – zum Leidwesen von Bernie und Snafu. Bernie, weil sie selbst dann gezwungen war, sich ab acht Uhr abends so leise wie möglich zu verhalten, und Snafu, weil der jetzt mit Goldie alleine trainieren musste.

      Dementsprechend war Leslie am Tag der Jagd auch schon um halb fünf wach. Auf Zehenspitzen schlich sie ins Bad, wusch sich schnell und tapste dann barfuß über den Gang zu Beau und Snafus Zimmer und klopfte sachte an.
      Fast gleichzeitig drückte sich dann auch schon Beau durch einen Minispalt in der Tür (durch den er gar nicht hätte passen sollen – immerhin war er bestimmt dreimal so breit wie Leslie. Mindestens) und schob sie in Richtung Treppe nach unten.
      Frühstück gab es für die beiden nicht. „Cooper ist eh schon angepisst, dass ich andauernd woanders bin,“ flüsterte Beau und steuerte Leslie an der Küche vorbei direkt an die Haustür. Draußen war es noch dunkel; nur ein leichtes, dunkelgraues Band war schon am Horizont zu erkennen. Der Hof rund um das Mitarbeiterhaus war umhüllt von Nebel und es roch nach Regen. Solange der sich für den restlichen Tag verzogen hatte, war Leslie das ganz recht.
      Wie ein kleines Kind schlappte sie Beau hinterher, der zuerst die Tür in die Sattelkammer des A-Stalles aufsperrte. Als er das Licht anmachte, war Leslie für einen kleinen Moment geblendet, dann ging sie die Spinde der Gastpferde durch. Im A-Stall waren nicht wirklich viele Boxen freigewesen; die Junghengste standen seit ein paar Tagen wieder über Nacht in den Boxen und nahmen dementsprechend Platz weg. Ein Paint Horse aus New Mexico, ein Holsteiner und ein Trakehner aus Deutschland bewohnten seit Anfang der Woche die drei freien Boxen und schienen sich ganz gut mit den Boxennachbarn zu verstehen. Dementsprechend kam Beau auch schnell wieder, nachdem er Leslie in der Sattelkammer zurückgelassen hatte.
      Die Spinde waren immer noch verschlossen, beim kurzen Inventarcheck schien auch nichts zu fehlen. „Gehen wir weiter,“ flüsterte Leslie. Wenn man den Geräuschen der Pferde in der Box trauen konnte, waren die zwar eh schon wach und verlangten auch schon langsam ihr Futter, aber irgendwie wollte sie trotzdem so leise wie möglich reden.

      Im C-Stall war dann der Großteil der fremden Hengste untergebracht. Der stand im Winter meistens eh leer – Esther verfolgte die Philosophie, dass auch Hochleistungssportler mal ein bisschen Pause brauchten und nahm deswegen am Anfang Oktober keine Trainingspferde mehr an – und war somit für die restlichen 9 Gasthengste frei. Auch hier checkte Leslie kurz, ob die Spinde nach wie vor verschlossen waren und ob auch wirklich nichts fehlte. Beau knipste das Licht in der Stallgasse an, guckte kurz in jede Box und zog Leslie dann auch schon wieder quer über den Hof.
      Langsam aber sicher meldete sich dann doch ihr Magen. Um kurz nach 5 schalteten sich immer mehr Lampen in den Ställen und Häusern an, und ihre innere Uhr sagte ihr, dass es jetzt wirklich Zeit fürs Frühstück war. Trotzdem trottete sie hinter Beau her und versuchte, das Magengrummeln einfach zu ignorieren.
      Funktionierte semi-gut. Als die beiden im Stutenstall angekommen waren und Leslie gerade Spind Nummer 3 von 7 aufsperrte, knurrte ihr Magen so laut, dass Moses kurz darauf den Kopf in die Sattelkammer steckte.
      „Ich dachte, hier drin ist ein Bär,“ sagte er grinsend, als er Leslie entdeckte. Die verdrehte nur kurz die Augen; Moses war wirklich einer der einzigen Menschen, die sie kannte, der frühmorgens (um 5 Uhr. 5 Uhr morgens frühmorgens) schon zu Witzen aufgelegt war. Einer der Gründe, warum sie den B-Stall mied, bis sie wirklich wach war.
      Gerettet wurde sie von Beau, der sich an Moses vorbeischlängelte und wortlos die restlichen vier Spinde inspizierte. Dann fiel sein Blick auf die Uhr und unter wildem Fluchen stürmte er aus der Sattelkammer. Leslie konnte ihn gerade noch auf dem Weg zum Parkplatz einholen.
      „Keine Frühstückspause?“ keuchte sie ihm hinterher.
      Er öffnete die Fahrertür eines dunkelblauen Yaris‘. „Keine Frühstückspause.“

      -- Idony --
      Wenn man monatelang jeden Tag um die gleiche Uhrzeit aufstand, dann war das irgendwann so in einem drin, dass man an jedem Nicht-Arbeitstag um fünf hellwach war. So ging es Idony heute – Training fiel für die nächsten paar Tage aus und Cam war so nett gewesen und hatte ihr freigegeben, damit sie später bei der Jagd konzentriert mitreiten konnte.
      Trotzdem – sie war um Punkt fünf Uhr wach gewesen und nach ein paar Minuten hatte sich herausgestellt, dass sie das mit dem Weiterschlafen vergessen konnte. Also war Idony zwei Stunden später schon mit den meisten Arbeiten fertig. Benihana versorgen, Benihanas neue Boxennachbarin Minou und die Reitponystute Cíola zusammen auf die Weide stellen, Stallgasse fegen und nett zu den Gästen sein.
      Gegenüber von Billies Box stand eine Scheckstute, die jeden Schritt und jedes Atmen im Stall genaustens im Blick hatte. Jedes Mal, wenn Idony kurz zu ihr hinübersah, stand die Stute woanders – mal im Paddock, mal in der Box, mal genau auf der Schwelle. Idony ließ sie kurz mit sich selbst allein und huschte an die Box des Scheckens. Die Stute hatte in etwa die gleiche Größe wie Benihana, wirkte aber zugleich imposanter als auch gebrechlicher als der Holsteiner gegenüber.
      „Schon mal die Konkurrenz begutachten?“ kam plötzlich von hinten. Idony zwang sich, nicht wie ertappt zu gucken, als sie sich umdrehte und eine junge Frau vor ihr stand – mit einem breiten Grinsen.
      Die Frau streckte auch sogleich ihre Hand aus. „Alexandra Cordes. Und das hinter dir ist Possy Pleasure Mainstream.“
      Als hätte sie ihren Namen verstanden, schnaubte die Stute und schlich sich dann sogleich wieder nach draußen auf den Paddock. Idony räusperte sich und nahm die Hand der Frau. „Idony Berqvist – aber ich bin keine Konkurrenz, ich arbeite hier.“
      „Oooh,“ machte Alexandra. „Und da dürft ihr gar nicht mitmachen? Das ist ja auch schade. Da gibt’s sowas mal und ihr werdet ausgeschlossen.“
      Ein bisschen überrumpelt von den vielen Worten in der kurzen Zeit blinzelte Idony Alexandra erst mal an. Dann registrierte sie die Worte erst. „Ach nein, das ist wirklich nicht schlimm – jetzt im Herbst sind hier so viele Jagden, also wer will—“
      „Oooh,“ machte Alexandra wieder. Possy Pleasure Mainstream kam wieder in die Box und reckte den Hals nach ihr. „Ich werde jetzt auch mal gucken, wo die zweite im Team bleibt – allmählich sollten wir ja mal beginnen, die Pferde fertig zu machen.“
      Mit einem Winken verabschiedete sich Alexandra wieder und ging aus dem Stall. Neben den Stallburschen, die die Futtereimer wieder von vor den Boxen einsammelten, war Idony die einzige im Stall. Also nutzte sie die Gunst der Stunde und richtete Benihana schon einmal so weit her, dass sie dieser später nur noch den Sattel auf- und die Trense anlegen musste.

      -- Leslie --

      Treffpunkt der Reiter war um halb elf auf dem Dressurviereck. Bis dahin hatte Leslie Zeit, den Matsch aus Painted Blurs Fell zu bürsten. Pünktlich hatte sich der natürlich in die nächstbeste Matschpfütze geschmissen – und von denen gab es auf den Weiden gerade genug. Soweit wäre es gar nicht gekommen, wären Leslie und Beau zur Stelle gewesen. So wie es war hatte nämlich Cooper Blurry auf die Weide gebracht, der hatte die Chance ergriffen – und jetzt stand Leslie in der Stallgasse des A-Stalls und versuchte, den noch feuchten Matsch so gut wie möglich aus dem Fell zu bekommen.
      Eigentlich wäre das eine Fall für die Waschanlage, dachte sie und schrubbte an einem Fleck an der Flanke des Hengstes. Eigentlich – nur leider war es kurz nach zehn, und wenn man Bernie und Cat glauben konnte, dann waren die ersten Gäste auch schon am Platz versammelt.
      (Beau hatte sich übrigens verkrümelt und frühstückte. Während Leslie nasse Matschflecken ausbürsten durfte, die vermeidbar gewesen wären. Schöner Tag war das heute.)
      10:15 Uhr ließ sie dann die Bürste fallen und schnappte sich Blurrys Sattel. Weg waren die Flecken zwar nicht, aber sollte sich jemand der Gäste drüber beschweren – naja, dann ließ sie Cooper die Sache handeln. Sie hatte gleich erst mal ein Date mit ihrer Müslischale.

      Gerade hatte Leslie Blurry das Gebiss ins Maul geschoben, als auch schon Esther in den Stall kam. Die drei Gäste, deren Pferde im A-Stall untergebracht waren, hatten sich schon längst auf den Weg zum Viereck gemacht – schön rausgeputzt mit Turnierjackett, hellen Hosen und weißen Schabracken. Leslie wusste also, dass sie spät dran war (und das würde Cooper auch noch den ganzen lieben langen Tag hören, ob er es wollte oder nicht). Dass jetzt aber schon die Chefin nach ihr sah, das hätte sie aber nicht gedacht.
      „Schon fertig,“ rief sie Esther entgegen und steckte den Zipfel des Nasenriemens noch schnell unter die dafür vorgesehene Lasche. „So gut wie’s eben ging,“ murmelte sie dann noch vor sich hin, nahm Blurry die Zügel vom Hals und führte ihn die Stallgasse hinab.
      Esther sah sich den Hengst kurz von beiden Seiten an, seufzte und zuckte dann mit den Schultern. „Sauberer wird er jetzt eh nicht mehr,“ sagte sie und klopfte Leslie kurz auf die Schulter. „Wenn du mir noch kurz helfen könntest?“
      Per Räuberleiter schwang sich Esther in den Sattel und nahm die Zügel auf. „Ich kehr‘ noch schnell, dann bin ich sofort da,“ versprach Leslie, aber Esther winkte ab.
      „Der Dreck liegt später auch noch da, wenn wir weg sind. Du solltest dir das jetzt lieber mit ansehen.“
      Gut, das ließ sich wahrscheinlich niemand zweimal sagen. Hinter dem großen Rappen und ihrer Chefin schloss Leslie das Stalltor und folgte den beiden dann in Richtung Viereck.

      -- Idony --
      „Guten Morgen und natürlich herzlich Willkommen auf Sandringham Manor.“
      Das Stimmenwirrwarr auf dem Dressurviereck verstummte augenblicklich. Neben Idony hörten sogar die zwei Geschwister auf, die schon seit sie aufgetaucht waren die Köpfe zusammengesteckt hatten, zu tuscheln. Fast alle Köpfe drehten sich nach vorne in Richtung Eingang. Vor der Kulisse des Herrenhauses saß Esther im Sattel von Blurry, hinter ihr Logan und Frank.
      „Ich freue mich, euch alle hier begrüßen zu dürfen. Das ist die erste Jagd seit fast 13 Jahren, die auf unserem Gestüt stattfindet, und ich bin sehr gespannt, wie es ausgeht.

      Ich möchte auch gar nicht groß um den heißen Brei herumreden, schließlich wollen wir alle so bald wie möglich los. Wir haben eine Strecke von etwa 15 Kilometern vor uns. Nach etwa sieben gibt es für alle eine kleine Pause auf einem benachbarten Hof. Die Pferde dürfen grasen und für uns Menschen gibt es auch ein paar Snacks. Abschließend treffen wir uns auf der Wiese ein, auf der unser Geländetraining startet. Wer besonders aufmerksam ist, wird auf dem Weg dorthin auch etwas ganz Besonderes im Wald entdecken.
      Die Regeln lauten wie bei jeder Jagd. Um einen sicheren Ablauf zu gewähren, bete ich euch alle, euch gleich euren Platz im Feld zu finden und diesen, wenn möglich, nicht zu verlassen. Und, das ist ganz wichtig: reitet nie quer zu den anderen Reitern. Außerdem dürfen die Master, die euer Feld anführen, niemals überholt werden – die kennen die Strecke und sind dafür zuständig, dass alles gut abläuft. Für die Springer sind meine Kollegen Logan Reid und Frank Montgomery zuständig,“ Esther gestikulierte auf die zwei Trainer hinter ihr, „die Nicht-Springer hören auf mein Kommando.“
      Idony sah sich ein bisschen in den Reihen rum. Einige Reiter hatten ein schmales Lächeln auf den Lippen, andere sahen Esther stockernst ins Gesicht.
      „Zu eurer Sicherheit bilden die Schlusslichter die sogenannten Schlusspiköre. Jeder noch so gute Reiter fällt mal vom Pferd – für den Fall sind die Schlusspiköre da. Sie sind auch ein bisschen die Schiedsrichter, die alles sehen.
      Auf der Strecke gibt es 15 Hindernisse, inklusive Bachläufen und feste Naturhindernisse. Sollte euer Pferd vor dem Hindernis verweigern, dann dreht am besten sofort ab und reitet um das Hindernis herum. So kann es keine Staus geben und ihr und eure Pferde werden nicht verletzt.
      Außerdem bitte ich euch grundsätzlich, aufzupassen. Wir haben einige Pferde dabei, die noch recht jung und stürmisch sind. Wenn ihr die Jagd ohne dickes Knie abschließen möchtet, dann reitet nicht zu arg auf – vor allem nicht, wenn das Pferd eine rote Schleife im Schweif trägt.
      Recht viel mehr gibt es auch nicht zu sagen, also fange ich gleich mit den Feldeinteilungen an.“
      Die ersten Reiter zogen die Gurte nach und ließen die Steigbügel herunter. Esther kramte einen Zettel aus ihrer Jacketttasche hervor und räusperte sich.

      „Feld Eins ist das erste springende Feld mit Philipp Gerdes und Daitona, Nicolaus du Martin und Ghostly Phenomenon, Elena Redling und Couleur du Deuil, Leticia Weidner und Ingénue, Octavia Blake und Raspberry, Mio Wild und Raised from Hell, Malte Tordenvaerson und Belmonts Brock und Gwendolyn Campbell und Neelix. Euer Master ist Logan Reid und euer Schlusspikör ist Idony Bergqvist.“

      Während alle, die gerade aufgerufen wurden, sich auf eine Seite des Vierecks verteilten, blätterte Esther um. „Feld zwei als zweites springende Feld mit Occulta Smith mit Co Pilot de la Bryére, Ciaran Duclair und Shenandoah, Eddi Canary und Pajero, Jonas Moser und Diarado, Lisa Zimmermann mit Halluzination, Isa Neyer mit Jonquil, Ikarus Dragomir mit Pitú, Tassilo Greving und Cover the Sun und Charlotte von Eylenstein mit Grenzfee. Euer Master ist Frank Montgomery, der Schlusspikör ist Katharina Karenin.

      Das letzte Feld mit mir als Master besteht aus Addison Moore mit My Canyon, Janina Lohmann mit Nemax, Elliot Hadley mit Vychar, Bellamy Blake mit Gun and Slide, Franziska Ziegler mit Cadeau, Nate Prescott und Dark Chocolate, Alexandria Cordes und Possy Pleasure Mainstream, Tamara Meyrohe mit Walking in the Air, Marie Wortkötter mit Macaruja, Vuyo Ndour mit Aspantau und Artemis Fortounis mit Bahar. Euer Schlusspikör ist Bree Price.“
      Ein paar Sekunden gab Esther den Leuten, um sich aufzuteilen, dann steckte sie den Zettel wieder in ihre Tasche. „Ihr könnt jetzt aufsitzen. Feld 1 macht sich in wenigen Minuten auf den Weg, ein paar Minuten später Feld 2 und dann Feld 3. Ich wünsche euch eine schöne und angenehme Jagd und natürlich viel Glück.“

      -- Leslie --
      Gemeinsam mit Bernie und Snafu hatte Leslie Esthers kleiner Ansprache vom Rande des Dressurvierecks gelauscht. Als das letzte Feld mit Blurry an der Spitze und Siana als Schlusslicht vom Platz ritt, seufzte Leslie erst einmal laut. Passend dazu grummelte ihr Magen.
      Wie auf Knopfdruck drehten sich Bernie und Snafu zu ihr um. „Schon wieder Hunger?“ scherzte Bernie.
      „Immer noch,“ grummelte Leslie. „Aber ich werd mich jetzt umdrehen und auf schnellstem Weg ins Haus gehen und schön und lange frühstücken.“
      Snafu grinste sie kurz an, dann schweifte sein Blick über ihre Schulter ab. Seine Augen wurden für einen Moment weich – und Leslie wusste genau, was sie erwartete. Mit einem lauten Stöhnen schlug sie sich die Hände vor die Augen.
      „Leslie, fertig soweit?“ kam es von hinter ihr in einer allzu familiären, tiefen Stimme. „Die Millers haben gerade angerufen, wir sollen gleichkommen – hab ich was verpasst?“
      Als sie die Hände von den Augen nahm, sah sie, dass Snafu schon antworten wollte, also ergriff sie lieber selber die Initiative.
      „Nein, gar nichts. Gehen wir.“ Schwungvoll drehte sich Leslie um, packte Beau beim Oberarm und zog ihn hinter sich her in Richtung Parkplatz.
      Schon wieder.

      -- Idony --
      Billie gefiel das Hinterhergetrotte ganz und gar nicht. Während der ersten Trabstrecke hätte die langbeinige Stute gleich mal versucht, einen wuchtigen Draught-Hengst und eine zierliche Buckskinstute zu überholen – also hatte Idony sie auf eine Volte abgewendet und sich tief in den Sattel eingesessen. Sowohl der Mann auf dem Draught als auch die junge Frau auf der Stute schienen ihr das aber nicht übel zu nehmen. Immer wieder versuchte die Holsteinerstute, irgendwie an der Gruppe vorbeizuziehen – bis sie sich dann nach dem ersten Galopp anscheinend damit abgefunden hatte. Ungeduldig kauend, aber wenigstens ein Schritt in die richtige Richtung.
      Idony selbst kam auch dann erst richtig in den Genuss – bis dahin hatte so gut wie jeder seinen Platz in der Gruppe gefunden. Im Schritt unterhielten sich die meisten, lachten miteinander. Wenn Logan das Handzeichen für den Trab oder Galopp gab, verstummten jedoch alle und vor den Hindernissen wurde eine schöne Reihe gebildet. Pferd nach Pferd hüpfte über die Zäune, kletterte einen Wall hinunter und watete durch einen Bachlauf.

      Die Reiter schätzte Idony als ziemlich erfahren ein; keiner kam über den Hindernissen ins Straucheln. Eine Rappstute weiter vorne im Feld schlug den ein oder anderen Haken zur Seite, aber die Reiterin schien sich dadurch nicht aus dem Konzept zu bringen zu lassen. Trotzdem stoppte bei jedem Seitensprung kurz Idonys Herz und sie nahm Billie vorsichtshalber gleich ein bisschen zurück – sollte die Reiterin den Halt verlieren und stürzen, war es immerhin ihre Aufgabe, alle wieder einzusammeln.
      Trotz hakenschlagender Stute erreichten alle Reiter als erstes die Zwischenstation auf dem Bauernhof der Familie Wright ohne Zwischenfälle. Von einem kleinen Wäldchen ging es direkt an den Schaf- und Kuhweiden vorbei, direkt auf den kleinen Platz vor dem Guthaus. Ein paar Stallburschen von Sandringham Manor wuselten schon umher; auf ein paar Aufstelltischen standen Gläser und Wasserflaschen, auf anderen eingewickelte Sandwiches.
      Nachdem den Pferden die Zaumzeuge abgenommen und die Sattelgurte gelockert wurden, gab es für die Reiter dann das verdiente Lunch. Die alte Mrs Wright füllte Wassereimer für die Pferde auf und die Stallburschen verteilten sie schließlich. Nach und nach kamen auch Frank und Esthers Felder an, als allerletzte Cat auf Ironic. Im Gegensatz zu ihrer Gruppe sah sie ein bisschen abgekämpft aus, also machte sich Idony kurzerhand auf den Weg zu ihr.
      Ironic blubberte freundlich, als er Billie entdeckte. Als die ihm aber keinerlei Beachtung schenkte, sondern lieber ein paar vertrocknete Grashalme abrupfte, bekam er sich auch schnell wieder ein und spielte lieber mit dem Wassereimer, dem ihn ein Stallbursche hinhielt.
      Cat lächelte Idony müde an. „Du siehst ja richtig frisch aus.“
      „Kann ich von dir nicht wirklich behaupten,“ sagte Idony. „Schwere Gruppe?“
      „Die Gruppe nicht unbedingt,“ Cat nahm ihren Reithelm ab und fuhr sich durch die Haare. „Eine Stute, ich glaub ein Vollblut. Rote Schleife im Schweif, also sollte ich nicht so überrascht sein, aber im Schritt schien sie noch besser drauf zu sein.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Ich musste noch keinen retten, aber wir haben ja noch ein paar Kilometer vor uns.“
      „Dann solltest du ganz schnell irgendwo Holz finden und drauf klopfen.“
      „Bietest du mir deinen Kopf an?“
      Idony rollte mit den Augen, dann streckte sie die Hand nach Ironics Zügeln aus. „Los, hol dir noch was zum Essen bevor nichts mehr da ist.“

      -- Leslie --
      Ja gut, vielleicht hatte Leslie den Aufwand einer solchen Jagdorganisation ein bisschen unterschätzt. Mittlerweile war es nach 12 Uhr mittags und bis auf ein paar Gurken bei der Essensvorbereitung hatte sie immer noch nichts zwischen die Zähne bekommen. Wenn sie nicht Essen ausgab, dann schleppte sie Getränkekisten, Wassereimer oder was auch immer die alte Wright sie auch machen ließ.
      „Wenn das hier rum ist,“ sagte sie leise und bedrohlich, als Beau ihr noch eine Wasserkiste in die Brust stieß, „dann schuldest du mir ein drei Gänge Menü. Selbst gekocht. Alles andere akzeptiere ich nicht als Entschuldigung.“
      Beau, der sonst eigentlich sehr gefestigt wirkte, bekam seine kleine Sorgenfalte zwischen den Augenbrauen. Jackpot. „Irgendwie sowas sollte ich hinkriegen.“
      „Das hoffe ich für dich.“

      -- Idony --
      Der zweite und letzte Abschnitt begann ein bisschen ruhiger als der erste – zumindest für Idony. Im Schritt ging es wieder zurück in das kleine Wäldchen, an einer Abzweigung jedoch geradeaus statt rechts.
      Wie als hätten die Pferde nie etwas anderes gemacht, kletterten sie einen Wall hinab, galoppierten dann geschlossen und ruhig an und nahmen die ersten paar Hindernisse des letzten Streckenabschnitts mit Leichtigkeit. Erst kurz vor der letzten Galoppstrecke verweigerte eine große Rappstute weiter vorne im Feld. Ihr Reiter fing sich gerade noch über dem Hals hängend. Die Stute ging zwei Schritte mit hochgerissenem Kopf rückwärts. Idony nahm schon Billies Zügel an, kurz davor, einzugreifen – immerhin kamen schon die nächsten Pferde, die auch über das Hindernis springen wollten, und so ein Stau konnte ziemlich blöd hinausgehen – doch dann trieb der Reiter die Stute schon seitlich und machte einen großen Bogen um den Zaun und kurz darauf nahmen beide wieder ihren Platz im Feld ein.
      Als von Logan an der Spitze das Kommando zum Suchen kam, saßen plötzlich alle aufrechter im Sattel. Alle nahmen ihre Pferde zurück, ließen die Galoppsprünge verkürzen, und sahen sich links und rechts im Gebüsch des Waldes um. Wo genau der Fuchsschwanz versteckt war, wusste Idony auch nicht; sie selbst verließ sich also darauf, dass Billie sich mit dem hintersten Platz im Feld abgefunden hatte, stellte sich in die Bügel und reckte selbst den Hals, um besser sehen zu können. Bis auf ein paar orangefarbene Blätter fand sie aber nichts, und auch die Teilnehmer gingen leer aus. Ein wenig enttäuscht setzte sich Idony wieder in den Sattel ein. Billie spielte kurz mit den Ohren, erwartete eine Parade, galoppierte aber dann letzten Endes ruhig weiter.
      Wenige Meter voraus endete der Wald schon; dann waren sie eigentlich schon wieder mitten auf dem Gestüt. An den leeren Paddocks vorbei, um das Haupthaus herum, dann tauchte auch schon das Dressurviereck vor dem Feld auf, mit dem aufgebauten Sprung. Einer nach dem anderen, wie in den letzten Stunden, sprangen die Pferde darüber. Als Idony und Billie auf dem anderen Ende des Hindernisses ankamen, waren die ersten Reiter schon abgestiegen.
      Wenige Minuten, nachdem ein paar Jocks die ersten Eichenbrüche verteilten, kam auch das zweite Feld an – ebenfalls erfolglos, wie sich schnell herausstellte. Trotzdem schien die Stimmung heiter zu sein; die Reiterin mit der nervösen Stute aus Idonys Feld erzählte im größten Detail und mit ausladenden Armbewegungen jedem im Umkreis von fünf Metern, wie sie sich dreimal schon fast am Boden liegen sah.

      Erst, als dann zwanzig Minuten nach dem ersten Feld Esther und ihre Gruppe auf dem Platz eintrafen, schwenkte jemand ein orangefarbenes Stück Pelz hin und her. Als die Gruppe sich dann auch langsam lichtete, bekam Idony einen ersten Blick auf den Gewinner: die Reiterin war noch jung und saß auf einer hellen, schweren Buckskinstute. Sie grinste, umklammerte den Fuchsschwanz eisern und unterhielt sich angeregt mit der Frau, die Idony heute Morgen im Stall getroffen hatte. Auch das Pferd kam Idony bekannt vor – da musste sie später gleich mal gucken, ob die Stute nicht sogar neben Minou einquartiert wurde.
      Esther platzierte sich wieder in die Mitte des Vierecks. Als jeder Teilnehmer seinen Eichenbruch in der Hand hielt, verkündete sie die Siegerin – Tamara Meyrohe aus Deutschland, deren Stute tatsächlich nur ein paar Boxen neben Benihana stand – und bedankte sich bei allen, die irgendwie geholfen hatten. „Und zur Feier des Tages lade ich Euch alle herzlich zum Jagdgericht ein – nachdem die Pferde versorgt wurden, versteht sich.“
      Ein wirkliches Jagdgericht im klassischen Sinn war es nicht – Idony hatte sich noch nicht mit Bree und Cat unterhalten können, ob es in deren Feldern irgendwelche Vergehen gab, aber das konnte sie sich kaum vorstellen – sondern eher ein Dinner im Herrenhaus. Die Piköre waren ebenfalls eingeladen – trotzdem ließ sich Idony viel Zeit im Stall, stopfte Billie Stroh unter die Abschwitzdecke und weichte die Kühlgamaschen in aller Ruhe ein.
      Ein bisschen verspätet und mit eiskalten Fingern kam Idony dann im Speisesaal an. Cat hatte ihr einen Platz freigehalten, direkt vor dem Teller mit Hühnchen. Um sie herum hatten die anderen schon mit dem Essen begonnen, also lud sie sich sofort ein bisschen Fleisch, Gemüse und Brot auf, ohne noch groß nachzudenken. Der Hunger war erst gekommen, als sie vor dem Speisesaal gestanden war und das Essen gerochen hatte. Komisch, wie man einfach vergessen konnte, hungrig zu sein.

      -- Leslie --
      Leslie, auf Cats anderer Seite, lud sich ihren Teller dreimal mit allem Möglichen auf, probierte jedes der drei verschiedenen Desserts und schnappte sich anschließend noch das übrige Mousse au Chocolat von Beaus Teller. Das schuldete er ihr ja schließlich.

      Hunter under Saddle LK 5 - LK 4
      November 2017, by Veija
      Bellamy
      Etwas unruhig trat ich von einem auf den anderen Fuß und zog im Sekundentakt die Gardine vom Fenster weg, nur um sie sogleich wieder los zu lassen und so davor zu schieben. Geschlagene 10 Minuten veranstaltete ich diese Show schon, bis ich die Warterei nicht mehr aushielt, mich umdrehte und sogleich in Octavia hineinlief. "Er kommt schon noch, es ist ein weiter Weg von Kanada bis hier her.", sagte sie zu mir und ich nickte geistesabwesend. Heute sollte Herr O'Conell kommen und ein paar Tage bleiben. Er war ein alter Freund von Verena und ein sehr guter Westerntrainer. Er schuldete Verena eine Menge, weshalb er uns hier auf dem Blakes Crow Meadow so viel unter die Arme griff und sogar keine Kosten und Mühen scheute, nach New Mexiko zu fliegen, wenn wir seine Hilfe brauchten.Und so stand ich nun hier im Wohnzimmer und wartete nervös auf sein Eintreffen. Er hatte inzwischen schon eine Viertelstunde Verspätung, doch irgendwie hatte ich mir das gedacht. Solch einflussreiche Menschen kamen des Öfteren zu spät.
      Gerade als ich die Hoffnung schon aufgegeben hatte, fuhr ein Jeep auf den Hof. "O, da ist er!", sagte ich freudig und stürmte zur Tür, ehe ich mich fasste und in normalem Tempo hinaus ging. Dass Caleb mir folgte, hatte ich gar nicht mitbekommen. Erst, als er sich mit verschränkten Armen neben mich stellte. "Kennst du ihn?", flüsterte ich Caleb zu und bekam ein Nicken als Antwort. "Hallo Laurence.", sagte Caleb und umarmte ihn kurz. Ich, der ihn nur unter dem Namen Mr. O'Conell kannte, kam mir bei der Begrüßung total blöd vor. "Bellamy du kannst mich aber auch ruhig Laurence nennen, wir kennen uns nun doch schon ein wenig.", sagte der Mann und schaute sich um. "Ein schönes Fleckchen Erde habt ihr hier in New Mexiko gefunden. Und warm ist es hier auch noch.", lachte er und schaute sich ein wenig um. "Lasst uns aber erstmal reingehen. In dieser Mittagshitze kann man kein Pferd trainieren.", sagte er und zusammen holten wir sein Gepäck, ehe wir ins Haus gingen. Octavia hatte im Esszimmer ein paar gekühlte Getränke vorbereitet, sodass Laurence es sich erstmal ein wenig gemütlich machen konnte. Wir setzten uns hin und tauschten Geschichten aus, ehe wir gegen sechs Uhr abends nach draußen gingen und uns die Pferde anschauten, bei denen uns Laurence helfen sollte. Zehn Pferde sollten in der Reining auf LK 4 gebracht werden, drei Pferde eingeritten, ein Pferd umgeschult auf Western, ein Pferd in der Reining auf LK 3, zwei Pferde in Hunter under Saddle und ein Pferd im Cutting. Viel zu tun also.
      "Zeig mir die Pferde mal alle.", befahl Laurence mir dann und wir gingen zu den Koppeln. "Die Grullodame mit der tollen Splashed Scheckung ist VK A Gun Colored Lena. Wahnsinnige Abstammung, tolles Pferd. Aber alles andere als einfach. Die Schimmelstute da hinten ist Stormborn. Noch nicht lange hier. Die helle Grullastute da mit dem Braunstich ist Snapper Little Lena. Leider schon im Fohlenalter erblindet, aber ein tolles Pferd. Die Bay Dun Stute mit dem weißen Gesicht ist Jade. Hat lange gestanden und muss nochmal antrainiert werden. Da hinten das ist Ginny my Love, Jades Tochter. Wurde bis jetzt leider nur englisch geritten, müssen wir also einmal komplett umschulen. Die Appaloosastute ist Baby Doll Melody.", erklärte ich und Laurence nickte. "Die kenn ich, Verena hatte sie damals. Wurde dann verkauft. Was wurde aus ihr?", fragte er mich. "Sie wurde vernachlässigt und wir haben sie von einem Händler zurück gekauft. Ich weiß nicht, was ihr in der Zwischenzeit passiert ist.", erklärte ich und sah dann wieder zu den Pferden. "Die Rappstute ist Magnificient Crow und die Dunolinostute ist DunIts Smart Investment. Wahnsinnig talentiertes Tier.", sagte ich und wir gingen dann weiter zu den Hengsten. "Der bunte Braunfalbe da ist VK Bella's Dun Gotta Gun. Selbst gezogen aus Bella und Spooky. Der Appaloosa ist Whinney. Auch noch recht neu hier. Der Rappschecke ist Chapter 24, den haben wir auch wieder aufgekauft. Alan's Psychedelic Breakfast ist der Rappe mit den hochweißen Beinen. Genuine Lil Cut ist der Splashed White Fuchs da hinten. Hier vorne am Zaun zu guter Letzt ist mein Lieblingspferd, Gun and Slide. Er und Candy haben ein wirklich hübsches Fohlen.", erklärte ich ihm und streichelte Blue über die Nase. "Dann lass uns mit den Pferden anfangen, die ihr einreiten wollt. Hol mir mal den Hengst in den Round Pen und mach die beiden Stuten fertig.", sagte er zu mir und ging schon mal zum Round Pen. Ich schickte Travis und Connor los, um Smartie und Stormborn zu holen, während ich mir Gotta Gun holen ging. Ich halfterte ihn auf und brachte ihn dann zu Laurence. "Ich teste einmal kurz was er schon kann.", sagte er, klickte den Strick aus dem Halfter und schickte ihn von sich weg. Er schnalzte und gab Kommandos und ich schaute ihm neugierig dabei zu. "Der kann schon einiges.", sagte Laurence irgendwann und klopfte dem verschwitzten Pferd den Hals. "Kannst ihn wegbringen, das reicht.", sagte er und klickte den Strick wieder ein. Als nächstes war Stormborn an der Reihe, die noch nicht so viel konnte wie Barbie. Sie zeigte sich oft missmutig und hatte kein Verständnis dafür, was Laurence von ihr wollte. Nie wurde sie böswillig, versuchte jedoch mehr als einmal, ihn hinters Licht zu führen und auszutricksen. "Mit der habt ihr noch einiges an Arbeit vor euch. Grundkommandos und Grundbenehmen, würde ich sagen Bellamy.", erklärte er und übergab Connor die Stute wieder, ehe er sich Smartie widmete. "Mit ihr ist noch nicht so viel gemacht worden.", gestand ich kleinlaut und erntete einen bösen Blick von Mr. O'Conell. "Wie führt ihr eure Ranch? Ihr müsst euch mehr um die jungen Pferde kümmern.", fluchte er und schickte auch die letzte Stute im Bunde von sich weg. Laurence machte ihr sofort klar, wer der Chef war und zeigte ihr, wo es lang ging. Wider Erwarten benahm die Stute sich wirklich top und verstand sogar auf Anhieb, was von ihr verlangt wurde. Als er sich einmal ruckartig vor sie stellte, stoppte sie und macht einen fast perfekten Roll Back, um in die andere Richtung zu galoppieren. "Mach nicht, dass ich sie euch abkaufe. Die hat Talent, das kann ich dir sagen.", lachte er und lies sie auf sich zukommen, um ihr den Führstrick anzulegen und sie wieder aus dem Round Pen heraus zu führen. "Mit dem Cuttingpferd müssen wir auf eine benachbarte Ranch fahren, der kann auch da ausgebildet werden.", erklärte ich Laurence dann und er nickte. "Lass uns den holen und rüber fahren."
      Gesagt getan. Genuine wurde fertig gemacht, verladen und in kurzer Zeit waren wir auf der benachbarten Ranch angekommen. Wir luden Gen aus, schauten bei seinem ersten Training kurz zu und fuhren dann wieder zurück zum Blakes Crow Meadow. Ich wusste, dass er dort gut aufgehoben war und konnte ihn getrost in aller frische in ein paar Wochen wieder abholen.
      Den Rest des Abends hatten wir noch Candy und Blue trainiert. Candy wurde von Laurence geritten während ich auf Blue saß und die Anweisungen befolgte, dir mir gegeben wurden. Alles in allem war es ein gutes Training und beide Pferde kamen in ihrer Ausbildung ein großes Stück weiter.
      Der nächste Morgen war mehr als stressig. Wir fingen mit Ginny my Love an und Laurence hatte alle Hände voll zu tun, sie irgendwie dazu zu bekommen, am lockeren Zügel trotzdem noch vorwärts zu gehen. Während er sich also um Ginny kümmerte, nahm ich mir die drei Pferde vor, die eingeritten werden sollten. Ich übte die Grundkommandos, brachte Storm bei, dass sie auf den Menschen achten sollte und konnte schon Pads und Sättel auf Smartie und Barbie drauf legen. Nach gut zwei Stunden kümmerten wir uns dann um die anderen Reiningpferde, was so gut wie den ganzen Tag andauerte. Am Abend waren dann wieder Candy und Blue dran.
      Das ging einen ganzen Monat so weiter. Zwischenzeitlich hatten wir noch Gen von der Ranch abgeholt und mit Freuden festgestellt, dass ihm das Training doch sehr geholfen hatte.
      Plötzlich bekam ich einen Anruf. My sweet little Secret sollte wieder abgegeben werden. Schnell hatten wir sie wieder hier auf der Ranch und nutzten sofort aus, dass Laurence noch hier war. So blieb er noch eine Woche und trainierte neben den anderen Pferden auch noch Secret, und zwar in Trail von LK 4 auf LK 3.
      "Habt ihr eigentlich noch Platz hier auf der Ranch?", fragte er mich an seinem letzten Abend vor der Abreise und ich überlegte kurz. "Kommt drauf an.", meinte ich fragend und schaute ihn an. "Braucht ihr noch einen Trainer?", fragte er und blickte aufmunternd zu mir herüber. "Eigentlich immer. Besonders so einen guten wie du es bist.", sagte ich und er nickte. "Ich melde mich in den nächsten Tagen nochmal. Aber euer Fleckchen Erde hier gefällt mir.", lachte er und so verbrachten wir noch einen gemütlichen Abend.

      Elenas Besuch bei Bellamy und Octavia
      PFS' Snap in Style und PFS' Stromer's Victory Bodenarbeit
      Gun and Slide Springtraining (Reitunterricht durch Elena)
      Magnificient Crow Springen E- A + Reitunterricht von Elena
      Dezember 2017, by Friese
      Der nächste Auftrag stand schon an. Dieses Mal ging es zu Bellamy und das besondere daran war, dass ich nicht nur mit einem Pferd trainieren sollte, sondern zugleich auch Reitunterricht geben sollte. Ich bot dies schließlich auch an und freute mich, dass jemand das Angebot nun in Anspruch nahm. Des Weiteren würde mein Junghengst Stormer’s Victory mit mir reisen. Bellamy und ich waren bei einem Telefonat draufgekommen, dass er ja der Halbbruder zu seinem Snap in Style war und so hatten wir beschlossen ein kleines Familientreffen zu machen. Ich freute mich schon sehr darauf und war gespannt wie die beiden Hengste aufeinander reagieren würden. Ob Pferde wussten, wenn sie miteinander verwandt waren? Ich bezweifelte es, aber wir fanden es einfach eine schöne Idee und Occu würde sich bestimmt auch über Bilder von dem Treffen freuen. Zudem konnte mein Hengst so schon Auswärtserfahrung sammeln. Ich machte ihn in der Früh fertig, den Hänger hatten wir bereits gestern schon geladen und so konnten wir schnell los. Ich band den Hengst an und klopfte ihm dann den Hals. Simon saß bereits im Auto. Er sollte mich und Vic zum Flughafen fahren und mir noch bei all den schriftlichen Sachen helfen. Nachdem wir damit fertig waren, verabschiedete ich mich von ihm und ich checkte ein. Der Flug verlief relativ reibungslos und wir kamen zur angezeigten Zeit am Flughafen in New Mexico an. Hier holte ich Bellamy ab und half mir dabei Vic aus seiner Transportbox zu holen. Wir luden ihn in seinen Hänger und er meinte, dass er jetzt schon ein paar Ähnlichkeiten mit seinem Hengst hatte. Wir fuhren zu seinem Hof und er half mir auch hier wieder dabei Vic auszuladen. Ich klopfte ihm den Hals und brachte ihn vorab in seine Box. Ich klopfte ihm ein weiteres Mal den Hals. Bellamy führte mich zur Weide und zeigte mir auf dieser Magnificient Crow. Bei ihr handelte es sich um eine hübsche dreijährige Rappstute. Gemeinsam holten wir sie nach drinnen und putzten sie. Heute würden wir mit dem Freispringen starten. Hier konnte ich das Potenzial eines Pferdes beurteilen. „ Als erstes fange ich mit freispringen an, damit ich beurteilen kann, ob ein Pferd überhaupt das Potenzial hat, auf die neue Stufe. Des Weiteren kann ich hierbei auch sehen, ob das Pferd überhaupt Lust an der ganzen Sache hat. Klar kann man ein Pferd auch trainieren, wenn es keine Lust hat, aber das ist dann für einen selbst und das Pferd nur Qual. Auf den Turnieren macht es ja auch relativ wenig Sinn, wenn das Pferd keine Lust hat“ erklärte ich ihm und er nickte. Ich würde ihm alles ganz genau erzählen, damit er es bei seinem Trainingshof auch anwenden konnte. Wir machten die Stute fertig und gingen dann in die Halle. Bellamy’s Schwester hatte bereits die Halle mit Hindernissen und der Absperrung bestückt. Wir ließen die Stute vom Strick und trieben sie ein bisschen an. Crow fiel in den Galopp und preschte auf das erste Hindernis zu. Sie war ein bisschen zu schnell dafür, deshalb sprang sie auch viel zu weit. Ich kicherte ein bisschen und schrieb mir dies jedoch trotzdem auf. Die ersten Anläufe sahen alle wirklich sehr ulkig aus, nachdem sie sich jedoch eingesprungen hatte klappte es auch. Ich klopfte ihr nach den Runden den Hals und führte sie noch ein bisschen mit Bellamy ab. „ Also Potenzial ist bestimmt da, aber das muss natürlich jetzt gefordert werden. Würde sagen wir fangen morgen mit der ersten Stunde an, okay?“ erklärte ich und wir brachten die Stute noch ein bisschen auf die Weide. Danach gingen wir mit unseren beiden Jährlingshalbbrüdern spazieren. Wir unterhielten uns über Bellamy’s Jobwechsel und was er beachten sollte. Ich war hierbei nicht so eingestellt, dass ich ihm nicht helfen würde. Es gab genug Aufträge für jeden und so könnten meine Pferde bei einer weiteren Person ins Training gehen. Und wie hieß es immer so schön? Konkurrenz belebt das Geschäft!

      Am nächsten Mittag stand die erste Einheit an. Wir gingen mit der Stute, nach dem Putzen und fertig machen in die Halle. Dort standen bereits die Hindernisse auf E-Höhe und Bellamy begann damit die Stute warm zureiten. „ Bellamy, du musst auf deine Fersen achten“ meinte ich und er lachte. Scheinbar war dies ein ihm bekanntes Problem. Nachdem die Stute war warm, begann wir mit einfachen Lösungsarbeiten. „Mehr mit dem Schenkel dran. Sie wird dich gleich einfach wegdrücken“ sagte ich und noch während ich es aussprach trabte die Stute einfach in eine andere Richtung wie Bellamy eigentlich wollte. „Macht nichts, das passiert mir auch manchmal.“ Gerade wenn man selbst viele Pferde hatte und sich immer wieder auf andere einstellen musste, dann dauerte das Zusammenfinden immer ein bisschen. „ Wollen wir mit den ersten Sprüngen anfangen?“ fragte ich nachdem dies einigermaßen von Statten gegangen war. Er nickte und wir besprachen wie er auf die Sprünge reiten sollte. Direkt vor dem Sprung gab ich ihm nochmal ein paar Tipps. Den ersten Sprung riss die Stute dennoch. „ Du musst dich beim ersten Mal tiefer in den Sattel setzten und die Zügel ein bisschen fester halten. Verstehst du wie ich meine? Du hast die Zügel während du auf den Sprung zu geritten bist und dann kurz vor dem Absprung einfach weggeschmissen“ meinte ich und klopfte der Stute den Hals als er an mir vorbeikam. Ich ließ ihn auf ein weiteres Hindernis zureiten. „ Du musst sie führen. Überlass nicht ihr die ganze Arbeit“ waren meine Anweisungen. Die Stute zögerte kurz und genau da sagte ich „ Schenkel dran!“ Wir trainierten noch ein bisschen. Das folgende Training würde sich abwechseln zwischen ihm und Octavia. Diese war leider noch wegen einem Turnier verhindert, aber auch sie wollte noch etwas lernen für den Ausbildungsberuf. Nach dem Training sprachen Bellamy und ich alles Positive und Negative nochmal durch. Ich erklärte ihm ein weiteres Mal wie er auf einen Sprung hinreiten musste. „ Du darfst die Wendungen nicht zu eng machen. Sie kann sonst nicht einschätzen wie sie abspringen muss und das könnte gefährlich werden. Es sollten mindestens immer drei bis vier Galoppsprünge vor dem Hindernis in der Geraden sein. Du musst währenddessen auch mehr Spannung am Pferd halten. Damit meine ich nicht unbedingt die Zügel viel kürzer nehmen, sondern einfach die Ellenbogen am Pferd lassen und angewinkelt lassen. Du hast sie oft einfach ausgestreckt vor oder über dem Sprung. Du solltest nicht unbedingt mehr Tempo aufnehmen vor einem Sprung. Wenn wir uns später ein paar Videos ansehen, dann kann ich dir zeigen was ich meine. Oftmals kommen gerade unerfahrene Pferde nicht damit klar, wenn du kurz vor dem Sprung bremst oder treibst. Viele Pferde kommen dann nicht mit der Vorderhand hinterher und könnten stolpern. Dazu kommt, dass das Hindernis dadurch oft gerissen wird“ erklärte ich ihm ausführlich. Das heutige Training war somit beendet und ich wollte noch ein bisschen mit meinem eigenen Hengst trainieren. Ich band ihn vor seiner Box an und putzte ihn dann. Damit kam er mittlerweile schon gut klar. Wir hatten es auch oft geübt. Ich ging mit ihm auf den Platz und übte dort Vorderhand- und Hinterhandwendungen an der Hand. Ich klopfte ihm den Hals. Er machte wirklich gut mit und folgte auf den Druck, welchen ich ihm gab. Er drehte die Hinterhand brav um, wenn ich leicht gegen seinen Schenkel drückte. Ich klopfte ihm nach dem Training seinen Hals und brachte ihn auf seine Gastweide. Seine Box war von einem der Stallburschen gemacht worden. Prinzipiell hätte ich dies auch alleine gemacht, aber ich sollte meinen Arm noch nicht zu stark belasten. Der Tag verstrich noch relativ schnell und abends kam Octavia wieder auf dem Hof an. Wir besprachen nochmal alles zu dritt und klärten auch, dass ich morgen die Stunde mit ihr machen würde. Hierfür würden wir jedoch nicht Crow nehmen sondern ein bereits weiter trainiertes Pferd. Ich ging noch duschen und dann ging es ins Bett.

      Am nächsten Morgen machte ich gemeinsam mit Bellamy Crow fertig. Wir gingen in die Halle. Dort würden wir die nächste Zeit trainieren, da das Wetter noch nicht sehr beständig war. „ Schauen wir mal, ob es heute ein bisschen besser klappt“ meinte ich und Bellamy ritt die Stute in aller Ruhe warm. Danach ging es mit dem Reitunterricht los. Ich gab ihm immer wieder Tipps und er bemühte sich sehr diese umzusetzen. Er hatte scheinbar auch noch über das Training von gestern nachgedacht, weil er versuchte das bereits gestern genannt richtig zu machen. Nachdem er ein paar Runden gesprungen war und es eigentlich relativ gut ausgesehen hatte, tauschten wir. Ich stieg auf den Rücken der Stute und ritt erst einmal alle drei Gangarten und ein paar Bahnfiguren. Sie sollte sie kurz auf mich einstellen. Als nächstes ritt ich die Rappstute auf einen Sprung zu. Ich klopfte ihr den Hals nachdem sie brav mitgemacht hatte und gut über den Sprung gezogen hatte. Wir überwandten noch ein paar Sprünge und ich lobte sie ausgiebig. Ich ritt sie am langen Zügel ab und brachte sie auf die Weide. Bis ich wieder in der Halle war, hatte Octavia Gun and Slide bereits warmgeritten. Ich klopfte ihm zur Begrüßung kurz den Hals und dann begannen wir auch schon. „ Du kennst dich ja ein bisschen besser aus. Reit erst mal und ich korrigier dich dann“ meinte ich. Gesagt, getan. Ich sah mir alles genau an und gab ihr ein paar Tipps. Sie hatte schon öfter Unterricht gehabt als ihr Bruder und so waren diese mehr Feinheiten als Grundlagen. Wir konnten das Training nach ein paar Tipps und Aufgaben beenden. Sie musste die nächsten Tage über alleine einige Sachen üben und ich würde sie mir nochmal anschauen, wenn wir das nächste Mal Unterricht hatten. Nachdem mein Auftrag für heute erledigt war, ging ich wieder zu meinem kleinen Hengst. Ich klopfte ihm den Hals und ging gemeinsam mit ihm auf den Platz. Ich übte wieder ein bisschen mit ihm. Ich wollte heute das Rückwärtsrichten nochmal verfeiner und war echt froh, dass ich meinen Hengst hatte mit zu Bellamy und Octavia nehmen können. So hatte ich endlich mal richtig Zeit für ihn. Nachdem Training putzte ich meinen kleinen Hengst nochmal und sah Bellamy und Octavia dann bei der Arbeit mit ihren anderen Pferden zu. Auch hier gab ich hin und wieder Tipps. Ich konnte das Trainer sein einfach nicht so leicht abstellen. Abends half ich Octavia noch beim Kochen und nach dem Essen ging ich duschen. Da morgen wieder ein langer Tag werden würde, würde ich heute auch nicht mehr zu lange machen. Dennoch wollte ich noch ein bisschen in meinem mitgebrachten Buch lesen. Hier wurde das Westernreiten nochmal genauer erklärt.

      Am nächsten Morgen traf ich mich als erstes mit Bellamy und seinem Jährling. Gemeinsam gingen wir mit unseren beiden EVBs auf den Platz und ich zeigte ihm wie ich mit dem Hengst arbeitete. Ich half ihm bei dem Rückwärtsrichten und wir lobten die beiden. Morgen wollten wir sie ein bisschen zusammen laufen lassen, die beiden hatten sich durch den Zaun schon kennengelernt. Ich brachte die beiden auf ihre Weiden und Bellamy machte in der Zwischenzeit Magnificient Crow fertig. Ich klopfte ihr den Hals als wir uns in der Halle trafen und übernahm sie dann von ihm. Ich wollte sie heute ein bisschen reiten und morgen würden wir wieder Reitunterricht machen. Ich klopfte der Stute den Hals und ritt sie in aller Ruhe warm. Danach begann ich mit dem Training. Die Hindernisse waren minimal höher als ihre gewohnten Sprunghöhen und so trieb ich sie vorsichtig, aber bestimmt über die ersten Hindernisse. Am ersten stießen ihre Füße an, aber sie merkte so, dass sie bei den weiteren die Beine einfach ein bisschen näher an den Körper ziehen musste. Dies tat sie dann auch und nachdem wir den Parcours mehrere Male gesprungen waren, ritt ich sie ab. In der Zwischenzeit ritt Octavia Gun and Slide warm. Mit ihm wollte sie heute meine gestellten Aufgaben durchgehen. Bellamy verstellte hierfür die Hindernisse und wir redeten ein bisschen. Ich übergab ihm danach Magnificient Crow und er kümmerte sich um die Rappdame. Octavia ritt nun die Sprünge, welche ich ihr gestern mit auf den Weg gegeben hatte. Hin und wieder gab ich ihr nochmal Tipps, aber heute sollte kein normaler Reitunterricht werden. Ich klopfte Gun and Slide den Hals und ging zu den Jährlingen auf die Weide. Ich sah ein bisschen zu und klopfte beiden den Hals. Ich holte meinen kleinen am Abend wieder rein und gab ihm sein Heu. Ich klopfte ihm noch ein letztes Mal den Hals und ging ins Haupthaus. Dort half ich Octavia beim Essen machen und beim Tisch decken. Als Bellamy zu uns kam, war das Essen schon fertig und wir konnten essen. Ich ging danach noch duschen und bald schon ins Bett.

      Die nächsten Tage verliefen auch nicht wirklich anders. Ich trainierte jeden zweiten Tag Magnificient Crow und konnte hier wirklich Fortschritte vermerken. Auch beim Unterricht mit Bellamy und Octavia ging es sehr gut voran und ich war mehr wie zufrieden mit meinen Klienten. Des Weiteren trainierten wir immer wieder mit unseren beiden Jährlingen und es würde mich wirklich traurig machen, den Hof zu verlassen, aber ich war mir sicher, dass ich mit allen in Kontakt bleiben würde und sie auch auf Turnieren wieder sehen würde. Ich freute mich hier schon sehr drauf.

      Ein paar Tage vor meiner Abreise ritt nur noch ich Magnificient Crow. Ich wollte nochmal ein bisschen intensiver mit der Quater Horse Stute arbeiten und sie auf das neue Level heben. Dies gelang mir auch und so konnte ich sie Bellamy und Octavia an meinem vorletzten Tag auf A-Niveau vorreiten. Ich gab ihnen danach beiden ein letztes Mal Unterricht. Octavia wieder auf Gun and Slide und Bellamy auf einem anderen Pferd. Nachdem wir damit fertig waren, ging ich eine große Runde mit Vic spazieren. Hierbei leistete mir Bellamy mit Snap in Style Gesellschaft. Dies würde mein letzter Spaziergang mit ihnen werden und so kosteten wir die ganze Zeit aus. Wieder auf dem Hof angekommen packte ich meine Sachen in den Hänger des Gestüts. Ich half Octavia am Abend wieder zu kochen und aß danach mit ihnen noch in aller Ruhe. Wir blieben noch lange sitzen und ließen den letzten Tag gemeinsam schön ausklingen.

      Am nächsten Morgen packte ich bereits im Morgengrauen meine Sachen und machte Vic für die Reise fertig. Er durfte vorher noch ein bisschen in der Halle laufen und sich hier seine Energie komplett rauslassen. Ich klopfte ihm danach den Hals. Nun ging es schon ans Verladen. Bellamy half mir hierbei und Octavia übergab mir noch ein kleines Carepaket für mich und meinen Hengst. Kurz darauf verabschiedete ich mich bereits herzlich von ihr und fuhr mit Bellamy zum Flughafen. Dort half er mir beim einchecken und allen weiteren Sachen. Ich war zwar auf der einen Seite traurig, aber auf der anderen auch wieder froh bald daheim zu sein.
    • Veija
      Bodenarbeitskur
      März 2018, by Gwen
      Es war noch früh am Morgen, als ich bereits auf Townsend Acres meine Runden zog. Wie zu jedem größeren Event zog es mich auf das Gestüt meiner Geschäftspartnerin. Hier hatten wir die besten Möglichkeiten, um Gastpferde und deren Besitzer unterzubringen. Außerdem war die riesige Halle ideal im Winter.
      Fünf Teilnehmer würde ich heute erwarten. Alle kamen aus einer anderen Ecke der Welt und würden den heutigen Tag hier bei uns verbringen. Gemeinsam mit Matthew richtete ich also fünf große Boxen mit Paddock für die Gäste her. Außerdem würden einige Teilnehmer auch über Nacht bleiben und erst am nächsten Morgen wieder abreisen, so dass ich auch im Gästehaus noch einmal die Zimmer kontrollierte.
      Da um neun Uhr morgens die erste Stunde unseres Kurses startete, würde der Großteil schon sehr früh eintrudeln. Das Jahr begann entspannt mit einem Grundlagenkurs in der Bodenarbeit. Eine schöne Abwechslung für Pferd und Reiter im Winter. Gerade auch für die, die unter dem teilweise ungemütlichen Wetter doch mehr litten.
      Uns würden die Minusgrade und der dichte Schneefall nicht stören, denn Stall und Halle boten genug Platz und zum Aufwärmen ging es in den Seminarraum, wo dann bereits Kaffee und Tee warten würden. Unsere Teilnehmer sollten stets bestens umsorgt werden. So ging ich auch noch ein letztes Mal die Teilnehmerliste und die Anmeldungen durch, immerhin sollte der Kursleiter informiert sein und seine Kunden gebührend in Empfang nehmen können.

      Pünktlich neun Uhr standen wir alle gemeinsam in der Halle und aufmerksame Blicke, sowohl von Menschen als auch von Pferden, musterten mich. Ich begrüßte alle Teilnehmer nochmals herzlich und begann mit dem Organisatorischem. Angesetzt war für den Vormittag von neun bis zwölf Uhr eine Gruppenstunde.
      So konnte ich mir ein Bild von den Teams machen, um dann in den Einzelstunden intensiver an den Problemen und Wünschen arbeiten zu können. Von zwölf bis dreizehn Uhr war dementsprechend eine Mittagspause für alle eingeplant, ehe es dann im Stundentakt mit den Einzelstunden weitergehen würde.
      Für den Abend war ein gemütliches Beisammensein geplant. So konnte man das Gelernte verinnerlichen, nochmals Fragen stellen, die eventuell später aufgekommen waren und natürlich gab es nach so einem langen Tag auch ein ausgiebiges Abendessen.
      Doch nun standen wir am Anfang und allesamt waren motiviert. Das freute mich besonders und aufmerksam musterte auch ich die Teilnehmer. Es handelte sich um eine bunt gemischte Gruppe, sowohl von den Pferden als auch von den Besitzern und ich freute mich jetzt schon auf den lehrreichen Tag.
      Wir begannen die Gruppenstunde mit den grundlegenden Führübungen, alleine schon, um die Pferde bei den frostigen Temperaturen aufzuwärmen. Außerdem schadete es auch uns Menschen nicht, sich ein wenig zu bewegen, um der Kälte entgegen zu wirken.
      Also bat ich die Teilnehmer, im Schritt ihre Runden in der Halle zu drehen. Dabei konnte ich bereits erste Auffälligkeiten entdecken. Die Erziehung eines Pferdes begann bereits bei den alltäglichen Handlungen wie Putzen, Führen, der Respekt beim Füttern und auf die Weide bringen.
      So war die Bodenarbeit gerne hoch angepriesen, denn sie setzte an ähnlichen Punkten an und brachte dementsprechend auch schnell Erfolg im allgemeinen Umgang mit dem Pferd. Am auffälligsten war die weiße Vollblutstute. Sie hieß Smooth Gravity, war drei Jahre alt und bereits von ihrer Besitzerin als eher problematisches Pferd angemeldet worden.
      Schon beim Führen war sie sehr guckig, sprang gerne zur Seite und wahlweise auch auf die Besitzerin, weil sie sie einfach nicht beachtete. Käthe, ihre Besitzerin, hatte dementsprechend alle Hände voll zu tun und hielt gerne etwas mehr Abstand von den anderen Pferden, um nicht weitere Konflikte herauszufordern.
      Im Gegensatz zu dem englischen Vollblut hatten wir auch einige amerikanische Rassen in der Gruppe. Zum einen Mayor Jetsetter Oak, ein fünfjähriger Quarterhengst, welcher mit seinem Besitzer Collin angereist war. Grundsätzlich zeigte sich Mayor als äußerst sympathisches Pferd und machte wenig Probleme, wenn nicht alles so neu gewesen wäre, als dass er sich doch sehr stark aufregte.
      Das gescheckte Gegenstück dazu war Gun and Slide, sieben Jahre alt und ein gekörter Painthengst. Er war eindeutig der Ruhepol der Gruppe. Souverän lief er seine Runden und gab seiner jungen Begleiterin die Sicherheit, welche sie brauchte. Der Hengst war nämlich mit einem achtjährigen Mädchen unterwegs: Betsy. Natürlich war sie nicht alleine zu uns gekommen, sondern der Besitzer des Hengstes, Bellamy, hatte sie begleitet. Generell sollte der Fokus heute aber auf Betsy liegen und obwohl sie noch recht unsicher wirkte, machte sie ihre Sache wirklich gut.
      Auch aus England hatten wir Besuch: Dark Royale, ein schicker Hannoveranerhengst schritt neben seiner Begleitung her. Bernadette, oder lieber Bernie genannt, hatte erst seit kurzem den Hengst in ihrer Obhut. Mit seinen fünf Jahren hatte man ihm etwas mehr Zeit gegeben, doch nun sollte es langsam losgehen.
      Wie der Großteil ließ sich auch Dark Royale zu gerne von der Umgebung ablenken und Bernie musste ihn regelmäßig daran erinnern, dass sie da war und die Richtung entschied und er nicht einfach dorthin lief, wohin er gerade schaute. Da glich er sich sehr stark dem letzten Pferd der Gruppe. Quicksilver war eine fünfjährige Mustangstute, die auch lieber in der Weltgeschichte umherschaute, anstatt ihrer Besitzerin Tiara Aufmerksamkeit zu schenken.
      Abgesehen von Gun and Slide waren also alle Pferde recht umweltorientiert, dementsprechend würden wir vorerst mit einfacheren Konzentrationsaufgaben beginnen. Ich bat die Teilnehmer in eine Abteilung und erklärte, dass sie ihr Pferd immer zum Halt bringen sollten, sobald ich das Kommando gab.
      Direkt im Voraus gab ich die Anweisung mit, dass die Pferde auf Schulterhöhe bleiben sollten und wer diese Grenze übertrat, sollte sanft rückwärts geschickt werden, bis er wieder in seinem Bereich war. „Und ihr bleibt stehen. Das Pferd bewegt sich auf seine Position, nicht ihr passt euch an“, erklärte ich lächelnd und begann die Übung.
      Viel Kontext barg diese noch nicht, doch das war begründet, denn sie würde mir erst einmal noch näherbringen, wie es um die Charaktere der Reiter stand. Die Pferde ließen sich recht schnell einschätzen, doch auch die Menschen spielten eine große Rolle. Waren die Besitzer konsequent? Gaben sie klare Anweisungen? Oder wussten sie selbst nicht ganz so recht, wo es eigentlich langgehen sollte.
      Insgesamt dreimal ließ ich die Gruppe anhalten und wieder antreten. So konnte ich mir von jedem ein Bild machen. Ich rief sie zusammen in einen Kreis in der Mitte und erklärte die Grundlagen, die man im Umgang mit einem Pferd mitbringen sollte.
      „Wenn wir von unseren Pferden einfordern, dass sie stets mit Fokus und Motivation arbeiten, müssen wir das Gleiche selbst erst einmal leisten“, erzählte ich. „Wir sind diejenigen, die den roten Faden in der Hand haben. Alle eure Pferde sind von Grund auf bereit, mit euch zu arbeiten. Aber natürlich machen sie das nicht ohne Motivation.“
      Ich erklärte es kurz anhand der Teilnehmer und gab so schon die ersten Tipps. Bernie und Collin waren zum Beispiel Menschen, welche sehr aufmerksam waren und ihre Pferde sofort korrigierten, sobald sie sich aus der geforderten Position bewegten. Und wenn Bernie das bei Dark Royale fünfmal hintereinander machen musste, dann tat sie das.
      „Gerade junge Pferde hinterfragen immer wieder. Sie fordern die Bestätigung ein und die müssen wir ihnen geben und wenn es noch so oft ist. Konsequenz ist nichts Negatives, sondern bildet den roten Faden unserer Arbeit. Pferde möchten klare Regeln und die sollten möglichst immer und jeden Tag übereinstimmen.“
      Betsy war wiederum aufgrund ihres Alters und ihrer Unerfahrenheit noch etwas unsicher. Sie wollte möglichst fair gegenüber dem Pferd handeln und agierte so gerne zu vorsichtig. Doch da zeigte sich der Vorteil, wenn unerfahrene Menschen mit erfahrenen Pferden arbeiteten.
      Gun and Slide wusste, was von ihm verlangt wurde und verzieh Betsy Fehler beziehungsweise hinterfragte ihre Anwesenheit nicht. Das gab Betsy Sicherheit und sie lernte auch die Richtigkeit dessen, was sie tat.
      Käthe hingegen war grundlegend auch eine sehr sichere Person, die auch wusste, was sie wollte und doch brachte Smooth Gravity diese Sicherheit ins Schwanken. Die Stute war nicht einfach vom Charakter und Käthe hatte mir bereits am Morgen erklärt, dass sie doch manchmal darüber nachdachte, ob dieser Kauf so schlau gewesen wäre.
      Das zeigte sich in ihrer Beziehung und als feinfühliges Wesen bekam die Stute natürlich diese Schwankungen mit. Aufgrund ihres Temperaments äußerte sich das bei ihr dann auch noch direkter. „Das Tolle an solchen Pferden ist aber, dass sie dir jeden Fehler aufzeigen. Und dass sie unglaublich sensibel und menschenbezogen sind. Wenn ihr einmal eure Beziehung geklärt habt, wird sie ein tolles Pferd. Glaub mir!“
      Bei Tiara und Quicksilver war es ähnlich, nicht so extrem wie bei der Vollblutstute, doch auch hier waren die Fronten noch nicht ganz geklärt. Quicksilver war als Verlasspferd zu Tiara gekommen, zeigte im neuen Stall dann aber doch gerne rüpelhaftes Benehmen.
      Da man die Probleme bei der Wurzel anpacken musste, begannen wir bei den grundlegenden Führübungen. Das Pferd sollte stets auf seiner Position bleiben, der Mensch gab die Richtung an. Jeder durfte so für sich seine Runden drehen. Aufgaben waren vorerst klar vom Menschen vorgegebene Richtungswechsel, ebenso wie Anhalten und Rückwärtsrichten.
      Ich begleitete jedes Paar immer ein Stück und gab Tipps, um die Ausführung der Aufgaben zu verbessern. „Fragt eure Pferde nicht, ob sie jetzt bitte mit euch rechts abbiegen. Ihr arbeitet gerade gemeinsam und ihr entscheidet jetzt, dass ihr rechts abbiegt und die Richtung wechselt. Natürlich muss man so fair sein und das Pferd darauf vorbereiten und eine Reaktion zu lassen. Aber nicht das Pferd entscheidet die Richtung.“
      Bei Betsy und Bernie wurden die Seile somit von Übung zu Übung auch lockerer, so dass die Pferde immer aufmerksamer auf Stimme und Körper ihrer Menschen achteten, ohne dass die beiden direkt mit Strick oder Stick agieren mussten.
      Collin zum Beispiel musste ich immer wieder daran erinnern, dass er Mayor durchaus mehr Raum lassen konnte. Nachdem er den Hengst nach dem Anhalten mehrmals korrigiert hatte, kam die Aufmerksamkeit des Pferdes allmählich zu ihm. Nun hieß es Nachgeben und diese Aufmerksamkeit belohnen.
      Bei Tiara achtete ich auf eine besonders konsequente Weise, denn Quicksilver war ein Pferd, die, wenn sie einmal etwas machen durfte, es immer und immer wieder machte. Also war es Tiaras Aufgabe, immer und immer wieder zu sagen „Nein, das möchte ich nicht“. Zwischenzeitlich wirkte sie deshalb auch etwas frustriert, bis es plötzlich bei der Stute Klick machte, sie passend stehen Blick und schon auf Tiaras Körperspannung reagierte und rückwärts trat.
      Dieser Erfolgsmoment motivierte die Besitzerin direkt und sie lobte ihre Stute überschwänglich. Ich lächelte und nickte ihr zu, auch die kleinen Schritte sollten belohnt werden und direkt schossen Quicksilvers Ohren nach vorne und sie schien auch an Motivation gewonnen zu haben.
      Bei Käthe und Smooth Gravity blieb ich mit am längsten. Bei der Stute war teilweise eher das Problem, dass sie zu früh und falsch reagierte. Wenn Käthe nur stehen blieb, konnte es durchaus sein, dass die Stute weiterlief oder stehen blieb. Oder aber sie wich zur Seite oder direkt nach hinten aus, weil sie keine Ruhe finden konnte und in Bewegung bleiben wollte.
      Also nahm ich Käthe in die Mitte und erarbeitete mit den beiden das Jojo-Spiel. Sie schickte ihre Stute zurück und holte sie dann wieder zu sich. Zurück klappte mit Smooth Gravity wunderbar, aber das herholen war kompliziert. Doch das wiederum wurde mit Ruhe und Sicherheit bei Käthe belohnt, denn wenn sie bei ihr stand, gab es eine Pause.
      Es dauerte ein Weilchen, bis die Stute auch auf das Herholen reagierte und es kostete Käthe deutlich Nerven. Doch als Smooth Gravity das System verstanden hatte, kam sie gerne näher. Dort gab es eine Pause. „Ich weiß, es ist unglaublich schwer, aber bleibe entspannt. Du musst selber die Ruhe in Person sein, sonst hat Smooth niemanden, an dem sie sich orientieren kann“, erklärte ich Käthe und ging mit ihr noch einmal die Führübungen durch.
      Inzwischen war der Fokus der Stute auf Käthe übergegangen und so bekam sie auch mit, wenn ihre Besitzerin stehen blieb oder rückwärtsging. Und sie reagierte nicht über, denn wenn sie die Aufgabe erfüllte, gab es eine Pause, in der sie stehen und herumschauen durfte.
      Mit den anderen ging ich dann erst zum Jojo-Spiel über. Ziel war es, das Pferd möglichst nur durch Stimmkommando und das leichte Vor- und Zurückwippen zu bewegen. Käthe und Smooth gönnte ich hingegen eine Pause. Sie durften danebenstehen und zuschauen. Für die Stute war jetzt schon alles sehr aufregend und anstrengend gewesen.
      Aufmerksam musterte ich die Teilnehmer und die gesamte Gruppe war von Betsy begeistert. Inzwischen war die Kleine bei uns angekommen und fing an Spaß zu haben. Gun and Slides Ohren waren auch stets bei ihr und so wippten die beiden synchron immer vor und zurück, während Betsy begeistert grinste.
      „Betsy macht es am besten vor. Nicht so viel denken! Wir denken inzwischen zu viel, wie wir was am besten machen und dann, ob wir es jetzt am besten gemacht haben. Intuition und Gefühl sind so wichtig. Pferde denken nicht an das was vorher war oder das, was als nächstes kommt, für sie ist nur der jetzige Moment interessant und in dem sollten wir auch sein.“
      Auch bei Collin und Bernie sah es inzwischen wirklich gut aus. Bernie gab ich den Tipp, vermehrt Pausen einzulegen. Gerade wenn Dark Royale top mitmachte, war eine Pause perfekt. Inzwischen war er zwar fünf Jahre, doch es fehlte ihm noch deutlich an Konzentration und Geduld.
      Das war nicht untypisch, wenn er jetzt erst begann zu arbeiten, auch er musste sich erst einmal auf diese doch intensiven Stunden einstellen. Bernie hatte dafür aber ein sehr gutes Gefühl und kam dem Hannoveraner immer sehr entgegen, so dass er gerne mitmachte.
      Auch bei Collin sah die Übung sehr gut aus. Ihn bat ich, Mayor teilweise längere Pause bei ihm zu geben, die Nähe zuzulassen und den Hengst zum Beispiel auch zu kraulen. Dem Quarter fehlte es ab und an doch noch an Gelassenheit. Neue Umgebung, neue Pferde, das alles war aufregend, nur Collin war bekannt und das musste dieser Nutzen.
      Quicksilver erlangte hingegen langsam ein Gefühl für die jeweiligen Freiräume. „Jedes Pferd und auch jeder Mensch hat seinen Bereich. In diesem möchten wir niemanden lassen, beziehungsweise wenn, dann nur jemanden, den wir wirklich gut kennen und dem wir vertrauen. Wir wollen, dass die Pferde unseren Bereich respektieren, also müssen wir auch ihren respektieren.“
      Bei Tiara war es oft so, dass sie Quicksilver zu nah kam, wenn sie mit etwas Nachdruck ihre Position deutlich machte. Das war vollkommen richtig so, doch sie musste den Bereich der Stute akzeptieren. Es spiegelte sich nämlich dann im Herholen, wenn Quicksilver immer einen Schritt zu viel machte und beinahe Tiara anschubste.
      Als sich das aber einpegelte, wurde auch das Spiel der beiden leichter und leichter. Wir bauten eine kurze Pause ein, in der ich bereits die Theorie für die nächsten Übungen darlegte. Es sollte nun um die Verschiebung von Vorder- und Hinterhand gehen. Idealerweise so, dass eine Zuwendung des Blickes reichte, damit die Pferde sich bewegten.
      Zu Beginn musste natürlich erst erklärt werden, was gefordert war. So gut wie jedes Pferd meiner Gruppe reagierte aber intuitiv richtig und das aus unterschiedlichsten Gründen. Gun and Slide war sehr fein ausgebildet und verstand Betsys Position sofort. Mayor und Quicksilver hatten bereits mit dem Rückwärtsrichten die Form verstanden und reagierten deshalb mit Weichen auf den Druck auf die Hinterhand.
      Bei Dark Royale war es auch reiner Instinkt, aber eher aus Ruhe und Neugierde, während Smooth Gravity zum Beispiel sofort wich, weil sie Käthe ungern in ihrem Bereich haben wollte. „Dafür ist der Bereich auch ideal. Wir können unseren Pferden lehren, den Abstand beziehungsweise Bereich immer einzuhalten. Heißt, wenn wir unseren Bereich verschieben, tun sie das Gleiche, um den Urzustand wiederherzustellen.“
      So erarbeiteten wir uns in den Grundzügen die Vorder- und Hinterhandwendung. Vorerst reichte pro Hand ein Schritt in die richtige Richtung. Man musste klein anfangen und jeden Schritt loben, statt direkt eine gesamte Wendung einzufordern.
      Das Gleiche machten wir bei dem Seitwärts auf beiden Seiten: Ein guter Schritt wurde belohnt und so wurden die Pferde motiviert, noch mehr anzubieten. Die Zeit neigte sich auch rasch dem Ende zu und als Abschlussübung wiederholte ich noch einmal das Führen mit Stehenbleiben und Rückwärtsrichten.
      Bereits jetzt waren Unterschiede deutlich. Inzwischen waren sowohl Pferde als auch Menschen angekommen und alle waren entspannter und fokussierter. Der Ankunftstrubel vom Morgen war verflogen. So reagierten die Pferde auch viel genauer und aktiver, ebenso traten aber auch die Menschen souveräner auf.
      So funktionierte das Führen bereits ohne Überholen und Anrempeln und damit beendete ich die erste große Einheit. Ich dankte den Teilnehmern und entließ sie in ihre Mittagspause. In dieser erwarteten die Pferde ihre Gastboxen mit frischem Heu und auch die Teilnehmer bekam ein Büffet gestellt und konnten sich für den Nachmittag stärken.

      Die Pause war schnell um und pünktlich 13 Uhr ging es mit den Einzelstunden weiter. Als erstes waren Gun and Slide und Betsy an der Reihe. Bellamy begleitete das junge Mädchen, überließ ihr aber eigentlich alles und war nur für den Notfall da.
      Das Paar besaß eine sehr gute Grundlage und da der Hengst auch bereits ein wahrer Profi war, wollte ich in der Einzelstunde den Fokus mehr auf Betsy legen und ihr noch etwas mehr Wissen mit auf die Reise geben. Laut Bellamy sollte sie demnächst ihr eigenes Pferd bekommen und sollte dafür bestens gewappnet sein.
      Da sie am Vormittag die ersten Übungen mit Bravour gemeistert hatten, gingen wir nur noch einmal kurz zu Beginn das Führen, Anhalten und Rückwärts durch. Auch das Weichen von Hinterhand und Vorderhand machten wir noch einmal, aber auch das saß einwandfrei. Also ging ich mit Betsy einen Schritt weiter.
      Sie sollte das Seil über Guns Hals legen und sich auf seine Schulterhöhe befinden und dann sollte der Hengst neben ihr hertraben, während sie normal weiterlief. Anfangs war ihr Kommando zu zögerlich und sie wurde langsamer, weil sie Angst hatte Gun würde nicht reagieren.
      Doch das langsamer werden bedeutete Gun nur, brav im Schritt zu bleiben. Nachdem sie aber diesen Schritt überwunden hatte und dem Hengst auch mehr Energie zum Antraben entgegenschickte, folgte ihr der Hengst wunderbar und blieb immer brav an ihrer Schulter.
      Auch übten wir das Zirkeln. Der Unterschied zum Longieren bestand darin, dass im Fokus nicht die gesunde Haltung des Pferdes stand, sondern dessen Aufmerksamkeit und Reaktion auf den Menschen. Durch kleinste Fingerzeige sollte Betsy den Hengst auf den Zirkel schicken und mit leichtem Einknicken im Körper aus jeder Gangart sofort zu sich reinholen können.
      Gun and Slide war dafür ideal, denn wenn Betsy alles richtigmachte, kam er sofort. Fehlte ihm der Impuls, blieb er auf dem Zirkel. Nach einer halben Stunde war Betsy voll drin und die anfängliche Unsicherheit war vollständig verflogen. Sie hatte unglaublich viel Spaß und auch Bellamy war sichtlich begeistert.
      Da die beiden schon so weit waren und wir noch Zeit hatten, gab ich den beiden zuletzt noch die ersten Instruktionen für das Seitwärts im Trab. Als Orientierungshilfe für Betsy begannen wir an der Bande. Zuerst sollte die Gun von der Band weg, in einem Halbzirkel um sie herum wieder zu Band traben lassen.
      Dann machten wir das Ganze andersrum und als der Hengst etwa auf zwei Uhr von ihr war, sollte sie loslaufen und ihn dazu auffordern, seitwärts zu treten. Intuitiv gelang der erste Versuch super, Betsy dachte nicht viel nach, sondern agierte einfach und so reagierte Gun auch sofort auf sie und trabte seitwärts die Bande entlang.
      Ich lobte die beiden ausgiebig und Betsy war sichtlich stolz. Das Ganze machten wir noch einmal auf der anderen Hand, da benötigten wir zwei Anläufe, denn diesmal wollte Betsy es auch wieder so perfekt machen und lief deshalb ein Ticken zu spät los, so dass Gun sich nicht mehr in einer guten Position für das Seitwärts befand.
      Das zweite Mal jedoch klappte einwandfrei. „Und wenn du dich sicher fühlst, kannst du das Seitwärts im Trab durch diese Position auch frei im Viereck abfragen, ohne dass ihr noch die Bande benötigt“, meinte ich fröhlich und lobte Betsy noch einmal. Wenn Bellamy sie so weiter förderte, würde aus dem jungen Mädchen eine tolle Reiterin werden.
      Im fliegenden Wechsel tauschten nun die Teilnehmer. Betsy verließ die Halle und Käthe trat ein. Aufmunternd lächelte ich sie und ihre Stute an. Zwar hatte die erste Einheit am Vormittag bei den beiden viel bewirkt, doch es waren nur kleine Schritte gewesen und so war Käthe nicht wirklich motiviert.
      Auch mit den beiden ging ich noch einmal die Übungen von vorher durch und ließ mir bei jeder Übung sehr viel Zeit. Das war auch besonders wichtig für Smooth Gravity. Die Stute neigte schnell zur Hektik, wenn man ihr nicht lieber zu viel Zeit gab.
      Wir arbeiteten noch einmal viel an dem Heranholen und bauten als wichtiges Signal den schwingenden Stick ein. Auf diesen leichten Druck reagierte die Stute sehr gut. Es galt: Wenn du auf den Druck hin zu mir kommst, ist er sofort weg. Und genau das schien eine gute Art und Weise für die Stute zu sein.
      So nahmen wir ihr auch auf anderem Wege die Angst vor dem Druck. Klappte dies, gingen wir über zum Zirkeln. Dort gingen wir sehr kleine Schritte, denn schon ein viertelster Zirkel war bei Smooth ein großer Erfolg und Käthe sollte sie sofort reinholen. So machten wir den Zirkel Schritt für Schritt vollständiger ohne, dass Smooth sich losreißen oder losrennen wollte.
      Zwischenzeitlich ließen wir Smooth immer mal einige Pausen und ich baute das sehr beliebte „Stick to me“ ein, was in der Parelli Arbeit gerne genutzt wurde. Dabei wurde das Pferd in fünf Zonen aufgeteilt und dort jeweils mit dem Stick berührt. Sobald es seine Aufmerksamkeit dem Menschen zuwandt, verschwand der Stick.
      Wir vereinfachten das Ganze in Hals, Rücken und Hinterhand. Smooth wurde dadurch jedoch zum einen sensibler auf Käthes Signale und andererseits aber auch entspannter bezüglich Berührungen. Mit dem Paar wagte ich dann auch einen ganz anderen Schritt. Nachdem Käthe die Stute noch ein paar Mal um sich herumlongiert und auch auf Kommando super reinholen konnte, bat ich sie, den Strick zu lösen.
      Erste Reaktion von Smooth Gravity war ein simples loslaufen und gefühlt weglaufen. Tatsächlich trabte sie zwar los, blieb aber auf einem großen Zirkel um Käthe herum. Sie war das einzige was sie kannte und was in der Situation vertraut war.
      Smooth war zwar problematisch, aber sie schätzte Käthes Mühen. „Und du suchst dir jetzt einen Moment, in dem du dich kleiner machst, leicht rückwärts gehst, den Stick schwingst und sie rufst. Und du hörst nicht auf, bis sie zu dir kommt“, erklärte ich und sah deutlich das Zweifeln in Käthes Blick.
      Doch sie tat es. Nachdem Smooth mit erhobenen Schweif noch einmal eine Runde gedreht hatte, machte Käthe sie mit einem Kommando auf sich aufmerksam, verkleinerte sich in ihrer Körperhaltung und schwang den Stick. Ein Ohr von Smooth richtete sich sofort auf Käthe und sie blieb in der Ecke der Halle stehen und drehte den Kopf zu Käthe. Doch sie zeigte keine Ambitionen zu kommen.
      Auch wenn Käthe sich vermutlich doof vorkam, machte sie weiter und versuchte Smooth zu motivieren. Die nächsten Sekunden waren gefühlt ewig, doch dann zuckte Smooth und trabte tatsächlich auf Käthe zu. Ein paar Meter vorher parierte sie auch zum Schritt durch und trat bis an ihre Besitzerin heran.
      Mit einem deutlichen Schnauben und dem Senken des Schweifes gab sie auch ihre Zufriedenheit preis und ließ sich doch gerne von Käthe die Stirn kraulen. Die war überglücklich darüber, denn damit gerechnet hatte sie definitiv nicht.
      „So blöd es klingt, aber manchmal muss man sich selber erst einmal ein bisschen albern machen. Smooth ist ein Pferd, das unglaublich sensibel und eigentlich sehr menschenbezogen ist. Und gerade wie jetzt an einem neuen Ort mit neuen Leuten, da zeigt sich dann doch die bereits vorhandene Bindung zu dir. Da bist du ihre Sicherheit und ich denke, das wird mit der Zeit auch noch besser werden!“
      Ich bat Käthe noch einmal, Smooth zurückzurichten, indem sie sich nur leicht aufbaute und nach vorne lehnte. Smooth reagierte wirklich sofort und genauso reagierte sie umgekehrt auf das Herholen. Die Stute schien allmählich auch deutlich Gefallen an diesem Spiel zu finden.
      Die beiden hatten heute einen großen Schritt gemacht. Ich erklärte Käthe, dass es noch dauern würde mit Smooth, aber wenn sie weiterhin so gut dranblieb, würde sie irgendwann ein tolles und fleißiges Pferd vor sich haben.
      Sichtlich müde verließen die beiden dann die Halle und machten Platz für Tiara und Quicksilver. Die beiden traten inzwischen auch schon wesentlich entspannter auf als heute Morgen. Ich fragte Tiara vorher nach ihren Wünschen, aber sie schien aktuell recht glücklich. Also entschied ich, ihr noch mehr theoretischen Input mitzugeben.
      Grundlegend war die Beziehung zwischen ihr und der Stute nämlich auf einem guten Level und mit mehr Routine würde diese sich auch festigen. Wir gingen also ebenso noch einmal als Aufwärmung die Übungen vom Vormittag durch und wechselten dann zum Zirkeln.
      Darauf wollte ich gerne den Fokus legen, denn es erforderte von Quicksilver Konzentration. Sie musste sofort mitbekommen, wenn Tiara ihr das Kommando zum Reinholen gab. Das erste Mal verpasste sie es, kam aber verspätet rein. Sie hatte verstanden was sie sollte. Aber auch das zweite Mal kam ihre Reaktion noch verzögert.
      Erst beim dritten Mal reagierte sie wirklich sofort. Das Ganze übten wir auch noch im Trab und Galopp und anscheinend schien Quicksilver gefallen daran zu finden, so dass sie im Galopp auch beinahe etwas zu motiviert auf Tiara zugestürmt kam und das Halten kaum packte.
      So gingen wir drei zu dem Seitwärts an der Bande über. Wieder erforderte es viel Konzentration von der Stute, aber diesmal auch von Tiara. Erstmal sollte auch sie Quicksilver von links nach rechts zirkeln und dann erst beim zweiten Mal loslaufen.
      Beim ersten Mal lief sie etwas zu spät los, so dass Quicksilver nur zwei Seitwärtsschritte machte und dann etwas verwirrt vor der Bande stand. Also noch einmal. Beim zweiten Mal gab ich Tiara direkt ein Kommando und es klappte. Quicksilver lief in schöner Selbsthaltung seitwärts.
      Auf der schlechten Seite der Stute brauchten wir ein wenig mehr Zeit, denn sie versuchte sich erst davor zu drücken. Also gingen wir einen Schritt zurück und fragten es im Schritt ab. Als Quicksilver da willig reagierte, klappte es auch im Trab direkt viel besser.
      Den Abschluss unserer Einzelstunde bildete noch einmal das Jojo-Spiel, bei welchem Tiara die Stute rückwärts schicken und dann wieder herholen sollte. Nach den heutigen Übungen lief das auch schon viel flüssiger ab als am Morgen. Tiara war sichtlich zufrieden mit dem Input und auch Quicksilver schien nicht unglücklich.
      16 Uhr waren dann Dark Royale und Bernie an der Reihe. Die beiden waren normalerweise vermehrt klassisch unterwegs, aber sehr offen für Neues. Dementsprechend motiviert trat Bernie auch in die Einzelstunde. Wir klärten zu Beginn noch aufgekommene Fragen vom Morgen, denn Bernie war jemand, der gerne Genaueres wissen wollte und auch einmal hinterfragte.
      Wir gingen nur noch einmal kurz die Übungen vom Morgen durch, denn diese Grundlagen saßen bei Dark Royale nun schon. Generell brachte der Hengst ein sehr gutes Grundgehorsam mit und mit der souveränen Bernie an seiner Seite gaben die beiden ein gutes Paar ab.
      Man merkte ihnen auch kaum an, dass sie sich erst seit kurzem miteinander beschäftigten. In Bezug auf die Ausbildung des Hengstes wollte ich also Bernie vorzugsweise die Grundlagen des Longierens an die Hand geben. Das Zurückschicken und Herholen saß schon recht gut, nun ging es also weiter mit dem Verschieben der Vorderhand auf Entfernung. Das war schlichtweg der Schritt, um Dark Royale auf den Zirkel zu schicken.
      Also rückwärts, dann seitwärts und dann vorwärts. Das erste Mal war von Dark Royales Seite etwas zögernd, wollte er doch erstmal wissen, ob Bernie die Kommandos denn wirklich so meinte. Danach klappte es aber einwandfrei auf beiden Händen.
      Ab und an musste sie den Hengst noch korrigieren, dass er wirklich auf dem Zirkel blieb und nicht kleiner wurde, anhielt oder zu ihr gelaufen kam. Aber mit der Routine wurde das immer besser. Auch im Trab klappte es schon gut. Den Galopp ließen wir vorerst außen vor, denn ich wollte mich vorzugsweise mit dem Wenden auf der Zirkellinie beschäftigen.
      Nach einem Versuch war das aber geklärt. Ich fragte Bernie, wie sie es an ihrer Stelle handhaben würde, sie machte es nach Gefühl und Dark Royale reagierte. Kurzum hatte er die Hand gewechselt und die Arbeit konnte weitergehen. „Wozu braucht ihr mich überhaupt?“, fragte ich grinsend und entschied, zur nächsten Übung weiterzugehen.
      Wir beschäftigten uns auch hier mit dem Seitwärts im Schritt und im Trab. Da Bernie aber kein Fan von der Banden-Variante war und ich sie auch so weit einschätzte, dass es ohne klappen würde, gingen wir direkt einen Schritt weiter. Die passende Position fürs Seitwärts saß bei Dark Royale sehr schnell. Sobald sich Bernie leicht an der Flanke befand und Druck ausübte, ging er seitwärts.
      Irgendwann reichte diese Position, also bat ich sie, mit dem Hengst auf dem Zirkel zu laufen und dann anzutraben. Wenn die beiden auf die offene Seite kamen, sollte Bernie von der gewohnten Longierposition nach hinten rutschen zu unserer eingeübten Position und sobald Dark Royale auch nur ansatzweise zur Seite schritt ausgiebig loben und wieder in die ursprüngliche Position gehen.
      Am Anfang war es eben wirklich nur ein Ohr nach hinten und ein leichtes Weichen mit der Hinterhand. Nach einigen Loben und Motivation nahm der Hengst jedoch jedes Bein in die Seitwärtsbewegung mit und ging im Trab seine ersten Seitwärtsschritte.
      Dafür hatte er sich eine ausgiebige Pause verdient. Zum Abschluss der Einzelstunde machten wir das Ganze noch einmal auf der anderen Hand und beendeten die Stunde dann mit einem super Ergebnis. Drei sehr saubere Schritte hatte der Hengst seitwärts hingelegt. Für einen Tag waren das schon wahnsinnig gute Ergebnisse und auch Bernie war sichtlich zufrieden mit ihrem Schützling.
      Und so neigte sich der Tag auch allmählich dem Ende und der letzte Teilnehmer stand vor mir. Es war Collin mit Mayor Jetsetter Oak. Der fünfjährige Dun blickte sich aufmerksam um, aber so langsam nahm die Anspannung im Pferd ab und wurde ruhiger.
      Wir gingen auch noch einmal die Übungen vom Vormittag durch und klärten noch offene Fragen. Wichtig waren bei Mayor viele Pausen, welche wir mit einem Gefühl von Sicherheit verknüpften. Der Hengst mochte sehr gerne Streicheleinheiten, also war das ein idealer Weg der Belohnung.
      Wir begannen als nächstes mit dem Zirkeln. Anders als bei den Vorgängern klappte das Reinholen von Mayor immer sehr gut, aber das Rausschicken und Draußenbleiben war bei dem Hengst gar nicht so einfach, denn nur zu gerne wollte der Quarter in die Mitte zum sicheren Punkt und dort stehen bleiben.
      Mit kleinen Schritten bauten wir uns also den Zirkel auf und es wurde von Mal zu Mal besser, bis Collin den Hengst ohne Probleme im Schritt und Trab um sich herum zirkeln konnte. Sogar ohne sich mitzubewegen, so dass der Hengst sich alleine um seinen Besitzer bewegte und auf dessen Kommandos wartete.
      Die beiden gewannen durch den heutigen Tag immer mehr Vertrauen zueinander und abseits von all den Lektionen, war dies wohl der wichtigste Effekt des Kurses. Wir arbeiteten daraufhin noch ein wenig an der Vorhand- und Hinterhandwendung und danach an dem Seitwärts.
      Auch bei dem Paar machte ich schon den Schritt zum Seitwärts im Trab. Vorher arbeiteten wir jedoch daran, dass Mayor auch neben Collin hertrabte, wenn der im normalen Tempo weiterlief. Das war wichtig, damit Collin in Ruhe Positionen wechseln und die Kommandos geben konnte.
      Bei Mayor dauerte es ein Weilchen bis er verstand, was Collin von ihm verlangte, so gingen wir weg vom Zirkel und erarbeiteten uns das Seitwärts vorerst an der Bande. Durch die vordere Begrenzung fiel es den Pferden leichter, den Druck des Menschen richtig einzuordnen und sobald das saß, gab es ein ausgiebiges Lob.
      Auch die beiden hatten heute viel geschafft und verließen sichtlich zufrieden die Halle. Ich schaute ihnen lächelnd nach, denn auch ich hatte den heutigen Tag geschafft. Nach den Einzelstunden erwartete die Gruppe zunächst ein ordentliches Abendessen und dann ein gemütliches Beisammensein mit Reden im Kaminzimmer. Dort gab es außerdem noch Tee und Kekse und ich gesellte mich auch dazu.
      Hier konnte man ideal noch einmal den vergangenen Tag Revue passieren lassen. Erfahrungen und Geschichten wurden ausgetauscht und noch offene Fragen wurden beantwortet. Gerne wurde ich für fachliche Fragen als Ansprechpartner genutzt. Aufgrund der weiten Fahrtwege aller Gäste endete der Tag relativ früh. Ich verabschiedete mich von der Gruppe und bedankte mich für den wirklich schönen Tag.

      Reitstunde für Betsy
      Mai 2018, by Veija
      Caleb
      "Guuut machst du das!", lobte ich Betsy, die mit Gun and Slide in einem Kreis um mich herum trabte. Sie half mir in letztes Zeit wahnsinnig viel mit den Westernpferden und fand immer mehr Spaß daran. Dell war nicht so begeistert, dass ich sie auf dem Hengst reiten ließ, doch ich versicherte ihm immer wieder, dass Blue Betsys beste Option war, etwas zu lernen. Schließlich hatte sie mit ihm zusammen auch den Bodenarbeitskurs bestritten und kannte ihn mittlerweile schon ziemlich gut. "Okay, halt ihn mal an.", gab ich ihr die Anweisung und sie hielt Blue an. Dann richtete sie ihn auf meinen Befehl langsam rückwärts. "Gut, genau. Geh mal im Schritt bis auf die Hälfte der Bahn. Halt ihn an, mach eine 90 Grad Drehung und komm wieder zu mir zurück. Bei der Drehung legst du nur die Zügel an seinen Hals, lass die Beine weg. Der soll nur eine halbe Drehung machen, keinen Spin. Falls er sich weiter dreht, sofort die Zügel in die Mitte und whoa sagen. Fall mir ja nicht runter.", lachte ich scherzhaft und sah ihr zu. Sie war wirklich gut und lernte unglaublich schnell. Ich schickte sie noch ein paar Mal so von mir weg, ehe sie das ganze auf beiden Händen auch im Trab konnte. "Magst du heute mal galoppieren?", fragte ich sie und sie nickte stolz. "Sag das aber nicht deinem Papa.", meinte ich lachend und klopfte kurz Blues Hals. "Wann immer du dich unsicher fühlst oder glaubst, ihn nicht mehr gebremst zu bekommen, halt dich am Sattelhorn fest und sag whoa. Blue bleibt dann stehen.", erklärte ich ihr denn ich sah, dass sie sich ein bisschen unsicher fühlte. "Okay?", fragte ich sie dann. "Okay.", antwortete sie nun stolz und ritt Blue auf den Zirkel. Sie ging zunächst eine Runde im Schritt um mich herum, ehe sie ihn angaloppierte. Blue sprang sofort richtig an und blieb, für ihn untypisch, in einem langsameren Galopp. Er war mit das beste und feinfühligste Pferd hier auf dem Hof und ein ganz besonderes Pferd für mich. Betsy galoppierte drei Runden, ehe sie ihn in den Trab und schließlich in den Schritt zurück nahm. "Andere Seite.", sagte ich und drehte mich um, um ihr dabei zuzusehen, wie sie auf der anderen Hand galoppierte, als ich Dell und Bellamy am Zaun stehen sah. Dell sah gar nicht begeistert aus, Bellamy jedoch schon. "Lass dich nicht beirren von den Beiden, du schaffst das!", gab ich ihr Mut und sie nickte. Sie ritt zu erst eine Runde im Schritt, dann galoppierte sie an. Blue sprang hier ein wenig holpriger und auf dem falschen Bein an, sprang dann jedoch um und galoppierte wieder so schön langsam wie eben. Nach drei Runden parierte seine junge Reiterin ihn zum Schritt durch und blieb dann stehen. Stolz umarmte sie den Hals des Hengstes und sprang dann runter. Fertig für heute. Auch ich ging schließlich zu ihr an den Zaun, denn sie war zu den beiden Zuschauern gegangen. "Und, sah doch gut aus.", sagte ich stolz und klopfte erst Betsy auf die Schulter, dann Blue auf die Kruppe. "Das sah wirklich gut aus.", sagte Bellamy lobend zu Betsy, welche stolz nickte und dann zu ihrem Vater sah. "Du wirst wirklich immer besser.", sagte dieser und das kleine Mädchen fing an, über beide Ohren zu grinsen. Ein Lob von ihrem Vater! Damit hatte sie sicher nicht gerechnet. Betsy gab mir Blues Zügel und verschwand dann mit ihrem Vater im Haus. Essenszeit. Bellamy blieb noch bei mir stehen und erklärte mir den neuen Arbeitsplan der nächsten Wochen. Ich sollte mit Zues ein wenig weiter kommen und einen ganzen Haufen Pferde einreiten. GRH's Aquila Mistery, GRH's Funky's Wild Berry, GRH's Unbroken Magic, GRH's Unbroken Soul of a Deil, Gunners Stylish Gangster, Honey's Aleshanee, Easy Going und General's Coming Home. Wenn ich Hilfe bräuchte, sollte ich mich an Laurence wenden. Er würde die nächsten Tage nicht vor Ort sein und übertrug mir die Verantwortung für den Hof. "Wo fährst du denn hin?", fragte ich ihn. "Verwandte besuchen. Weiß nicht genau, wie lange ich weg bin. Aber rechne mal mit einer Woche.", erklärte er mir, strich Blue kurz über die Nase und verschwand dann.
      Das konnte ja noch lustig werden, mit so vielen Pferden die alle das gleiche Training brauchten.
      Jetzt jedoch war Blue an der Reihe. Ich hatte ihn zu erst nicht Korrektur reiten wollen, doch nachdem er falsch angaloppiert war, wollte ich mal schauen, was da los war. Ich stellte die Steigbügel wieder länger und stieg auf, da war Betsy auch schon wieder da. Kurz lachte ich. "Kannst du niemand anderen nerven?", fragte ich sie und sie schüttelte den Kopf, ehe sie eine Möhre hinter ihrem Rücken heraus zauberte. "Die kannst du ihm gleich geben, warte noch ein paar Minuten.", sagte ich und nahm die Zügel auf. Da Blue wegen der Reitstunde eine Wassertrense an hatte, ritt ich ihn heute auch mit zwei Händen. Er sollte damit genauso präzise laufen wie mit der Kandarre, weshalb ich die Trensen auch nun nicht getauscht hatte. Ich galoppierte ihn zu erst auf dem Zirkel an, der gut geklappt hatte vorhin. Er sprang auch dieses Mal richtig an und ich ließ ihn auf der großen Spur schneller werden, ehe ich ihn auf der Kleinen zurück nahm. An X parierte ich zum Trab durch, auch wenn er einen Fliegenden Galoppwechsel machen wollte und nahm ihn dann zum Schritt zurück. So ritt ich ihn eine Runde im Schritt, ehe ich ihn wieder angaloppierte. Er sprang auch sofort richtig an, so dass ich ihn hier auch schneller und langsamer galoppieren ließ. Den letzten Kreis schloss ich nicht, sondern galoppierte am Zaun vorbei, und stoppte ihn kurz vor Ende mit einem Sliding Stop. Sofort nahm ich die Zügel an und gab ihm Kommando zum Back Up, was er fleißig machte. Dann hielt ich ihn an und lobte ihn kurz. Er durfte ein wenig verschnaufen, ehe ich die Zügel nach links nahm und er sich eine halbe Runde drehen sollte. Dann trabte ich ihn an und ritt ihn zu X, wo ich ihn aus dem Trab stoppte und sogleich Hilfen zum Spin gab. Zu erst rechts herum, dann links herum. Das klappte einwandfrei und ich ritt ihn ein paar Minuten am losen Zügel im Schritt ab. "Hast du gesehen, Betsy?", fragte ich als ich an ihr vorbei ritt. "Irgendwann kannst du das auch, wenn ich dich weiter trainiere." Ich sah wie ihre Augen groß wurden. "Ja, meinst du?", fragte sie mich und ich nickte. "Ja, aber natürlich. Du musst nur dran bleiben.", erklärte ich ihr und schwang mich von Blues Rücken. "Genug gearbeitet für heute mein Junge.", sagte ich, klopfte seinen Hals und ließ Betsy ihm endlich die Möhre geben. Freudig zerkaute er sie und wir gingen zu dritt zum Stall. "Ich hab die nächsten Wochen viel mit Einreiten zu tun. Wenn du willst, kannst du mir helfen.", sagte ich und sie sprang beinahe auf und ab vor Freude. "Gerne!", sagte sie und ich nickte.
      Blue war schnell versorgt, so dass ich mir heute als erstes Zues schnappte, den ich zwar nicht einreiten, aber arbeiten sollte. Mittlerweile war der anzufassen, ließ sich putzen und auch die Hufe waren kein Problem mehr. Im Round Pen arbeiteten wir seit einer ganzen Weile am nötigen Respekt, von dem er nicht sonderlich viel gegenüber Menschen hatte. Ich schickte ihn von mir weg und ließ ihn zunächst das Tempo bestimmen. Dann fing ich an. Schritt-, Trab- und Galoppübergänge sowie Richtungswechsel bestimmte ich nun. Zu erst widersetzte er sich mir gehörig, durchbrach meine Barriere oder trat nach mir. Ich ließ ihm das Ganze jedoch nicht durchgehen und blieb konsequent, so dass er nach einer Weile des Kämpfens einsah, dass ich hier der Chef war. Zues fing an zu kauen und sah sichtlich fertig aus. Also holte ich ihn zu mir, übte nochmal das Berühren am ganzen Körper und brachte ihn dann weg. Die nächsten Tage würde ich ihn immer mal wieder dazwischen dran nehmen, so dass er im Training blieb.
      Weiter ging es heute mit Easy Going. Die Stute war schon 8 und seit sie hier war hatte ich schon viel mit ihr gearbeitet, so dass ich sie heute im Round Pen gesattelt reiten konnte. Betsy staunte nicht schlecht, als ich auf dem Rücken der hellen Stute meine Runden drehte, denn bis vor zwei Wochen war an aufsitzen nicht zu denken. Sie machte sich jedoch immer besser, auch wenn sie ihren eigensinnigen Kopf des Öfteren durchsetzen wollte. Heute nahm ich zum Schritt und Trab auch den Galopp hinzu und ging nach dem Warmreiten vom Round Pen auf den Platz. Dort ritt ich sie zunächst ganze Bahn im Schritt und Trab, ehe ich sie auf dem Zirkel angaloppierte. Das klappte auf beiden Händen einigermaßen gut, so dass ich sie noch ein paar Bahnfiguren ritt und dann wieder zum Stall brachte. Ich sattelte sie ab und sah gerade Laurence, wie er mit Gangster vom anderen Round Pen zurück kam. Voll gesattelt und getrenst. "Das hast du aber schnell hinbekommen.", sagte ich nicht wenig begeistert und schaute mir den schicken Hengst an. "Wie lange hast du den bis jetzt? Vier Wochen?", fragte ich ihn. "Heute auf den Tag 4 Wochen. Der macht sich super. Wir sind schon an Reiningmanövern dran.", schwärmte er und ich lachte. "Dein nächster Crack ?" "Mein nächster Crack.", antwortete er nur, schnalzte, und ging mit seinem neuen Pferd in die Stallgasse. Ich machte mich mit Betsy auf den Weg zur Koppel, um Aquila zu holen, als Octavia um die Ecke kam. "Octavia!", rief Betsy erfreut und lief in ihre Arme. "Wir wollen Aquila reiten, kommst du mit?", fragte sie und O nickte. "Was treibt dich denn zu uns?", fragte ich sie und sie lachte nur. "Wollte mal sehen, ob ihr auch ohne mich zurecht kommt.", meinte sie schulterzuckend und nahm Aquila ans Halfter, ehe ich zu Magic ging und sie einfing. Auch Shanee, die seit kurzem bei uns war, schnappte ich mir noch, damit wir nicht nochmal zur Koppel laufen mussten. "Darf ich auch eins holen?", fragte mich Betsy aber ich schüttelte den Kopf. "Erinnerst du dich noch daran als ich sagte, dass nicht alle Pferde so lieb sind wie Blue?", fragte ich sie und sie nickte. "Die hier sind noch sehr jung und ich will nicht, dass sie dich über den Haufen rennen, wenn sie sich erschrecken.", erklärte ich ihr und sie nickte. "Klingt logisch.", meinte sie schulterzuckend und als wir am Putzplatz ankamen, durfte sie Shanee doch ganz kurz halten, während ich Magic anband. Schon jetzt merkte man, dass Shanee um einiges lieber und verschmuster war als Magic oder Aquila. "Wenn du magst kannst du Shanee putzen, pass aber ein bisschen auf.", sagte ich und Betsy nickte freudig. Sofort verschwand sie und kam mit ihrem Putzzeug wieder, womit sie auch gleich anfing die Stute zu putzen. Mit Aquila und Magic waren wir schnell fertig, so dass O zu Round Pen 2 und Betsy und ich mit Magic und Shanee zu Round Pen 2 gingen. Wir stellten Shanee in den Paddock neben den Round Pen, Magic nahm ich mit rein. Ich hatte eben schon ein Pad und einen Sattel auf die Panels gelegt, so dass ich Magic zunächst ein wenig longierte, ehe ich sie mit zum Rand nahm und sie am Pad schnuppern ließ. Wir hatten hier bis jetzt nur Pferde gehabt, die sich einfach und problemlos einreiten ließen. Auch Magic schien sich nicht am Pad zu stören, als ich es immer wieder auf ihren Rücken legte, wieder runter nahm und ihr gegen Brust, Bauch, Beine und Kruppe auf beiden Seiten klopfte. Irgendwann ließ ich es dann auf ihrem Rücken liegen, ehe ich den Sattel runter holte und sie auch daran schnuppern ließ. Dann legte ich ihn ihr auf den Rücken und schloss den Gurt. Das fand sie zunächst gar nicht so witzig, doch sie kannte das ja auch schon. Ich schickte sie wieder von mir weg und ließ sie im Schritt, Trab und Galopp mitsamt Sattel um mich herum laufen. Dann holte ich sie wieder zu mir in die Mitte und stellte mich neben sie. Ich rüttelte ein wenig am Sattel, sprang immer wieder ein wenig an ihr hoch und ließ es dann gut sein für heute, denn man merkte, dass sie sichtlich genug hatte.
      Mit Shanee klappte das ganze viel besser und ich konnte mich heute auch schon auf sie drauf setzen. Im Laufe des Abends machte ich mit Babytunte, Devil und Coming Home die selben Übungen.
      Das machte ich generell mit jedem der Pferde jeden Tag. Sie wurden ein wenig ablongiert, es folgte der Sattel und dann folgten zu erst die Übungen vom Boden, dann vom Sattel aus. Nach zwei Wochen konnte ich auf allen Pferden sitzen und sie im Round Pen Schritt, Trab und Galopp reiten. Nach weiteren vier Wochen konnte ich alle auf dem Platz in allen Gangarten reiten und fing an, ihnen einzelne Reining Manöver beizubringen. Am besten entwickelte sich jedoch Gangster, den Laurence ganz unter seine Fittische geholt hatte. Aber auch Zues machte sich super und akzeptierte mittlerweile den Sattel. An Reiten war bei ihm jedoch noch lange nicht zu denken.

      Neue Stallungen und Ausbau des Geländes
      Juni 2018, by Veija
      Bellamy
      Immer wieder war uns aufgefallen, dass es nicht die beste Idee war, die Stuten, Wallache und Hengste dieser Ranch so nah beieinander zu halten. Wir hatten einige Hengste, die waren bisher nur Turniere gelaufen und wussten gar nicht, was es heißt, eine Stute zu decken, doch ein paar hatten dies schon gemacht und stellten sich natürlich besonders an, wenn die rossigen Stuten in der Nähe waren. So hatten sich alle Mitarbeiter der Ranch zusammen gesetzt und überlegt, wie wir das ändern konnten. Hier auf dem Gelände standen noch viele Gebäude leer. So entschieden wir uns dafür, einen Stalltrakt umzubauen, um die Hengste auch räumlich weiter von den Stuten zu trennen.

      Zwei Monate später
      Zwei Monate hatte der ganze Umbau gedauert, doch endlich waren wir damit fertig und unsere Hengste konnten umziehen. Angefangen bei Smart Lil Vulture, der seit kurzem Caleb gehörte und sein ganzer Stolz hier auf der Ranch war. Er schien regelrecht verrückt nach diesem Pferd zu sein und wir waren uns alle sicher, dass sie es noch weit bringen würden- obwohl beide hitzige Sturköpfe waren. Aber vielleicht auch gerade deshalb. Das nächste Pferd war unser geliebter Zues, der jedoch keine Box, sondern ein Paddockabteil bekam, denn in der Box war er noch immer ungenießbar. Das nächste Pferd, welches in eine Box kam war Alan's Psychedelic Breakfast. Auch eines unserer liebsten Pferde. Als nächstes folgten Genuine Lil Cut und Gun and Slide. Schon beim Führen merkte man, dass man zwei absolut verschiedene Pferde an der Hand hatte. Denn Gen plusterte sich auf und brummelte alles und jeden an, während Blue ruhig neben seinem Führer her ging. Als diese beiden ihre neue Box bezogen hatten, gingen wir zurück und holten Hollywoods Silver Dream, Chapter 24 und Chocolate Shades. Auch diese fanden schnell ihren Platz in der Box. Wir wollten sie heute in der Box lassen, damit sie sich an ihr neues Zuhause gewöhnten, ehe sie am nächsten Tag wieder auf die Koppeln und die Paddocks kamen. Nun war Citizen Fang an der Reihe. Der Hengst würde zwar bald kastriert werden, aber noch war er ja Hengst und konnte nicht im alten Stall stehen bleiben. Zusammen mit ihm holten wir General's Coming Home und GRH's Bella's Dun Gotta Gun. Auch diese Pferde fanden schnell ihren Platz, wobei wir vielleicht das ein oder andere Pferd später nochmal tauschen würden, denn sie kamen nicht alle miteinander zurecht. Bei Menschen war dies ja auch oft so, dass manche sich einfach nicht riechen konnten.
      Zurück im alten Stall schnappten wir uns nun GRH's Funky's Wild Berry, GRH's Unbroken Soul of a Devil und Gunners Styled Gangster, der auch noch nicht allzu lange bei uns war. Das letzte Pferd war unser Appaloosahengst Whinney. Damit waren alle 15 Hengste in ihren neuen Stall umgezogen und wir beobachteten sie eine Weile, ehe wir mit gutem Gewissen in den alten Stall zurück gingen, und anfingen, die Stuten auf ihre Koppel zu bringen. Wir hatten uns dazu entschieden, sie ab sofort als ganze Gruppe zusammen zu lassen. So schnappten wir uns zu erst Chou, Colonels Smokin Gun und Heretic Anthem. Nachdem diese drei auf der Koppel waren entschieden wir uns dazu, immer je zwei Pferde auf einmal zu holen, denn sonst wären wir morgen noch dran. So waren die nächsten Pferde Baby Doll Melody, Bella Cielo, DunIts Smart Investment, Ginny my Love, Jade und Kristy Killings. Alle sechs freuten sich sichtlich, nun endlich und eigentlich viel zu spät über die Weide rennen zu dürfen. Als nächstes folgten dann Raised from Hell, Wimpys Little Devil, A Walking Honor, Black Sue Dun It, unser Wallach Cielos und Easy Going. Auch sie waren im Nu auf der Koppel und galoppierten ihrer Herde hinterher. Es folgten Face Down, GRH's A Gun Colored Lena, GRH's Aquila T Mistery, GRH's Unbroken Magic, Honey's Alehshanee und Magnificient Crow. Wir waren immer wieder erstaunt, wie viele farblich unterschiedliche Pferde wir doch hatten. Einfach ein bunter Haufen an Westernpferden mit den unterschiedlichsten Begabungen und Stärken. Es folgten nun My sweet little Secret, Snapper Little Lena, Stormborn und unser Mischlingspferd Striga. Dann waren alle Stuten auf der Koppel. "Hat denn niemand eine Kamera dabei?", fragte ich lachend und sah mich um. "Niemand? Wirklich? Hm.", sagte ich und zuckte mit den Schultern. Die Stuten und unser Wallach standen alle an dem kleinen See, der sich mitten auf der Wiese befand und tranken. Das wäre der perfekte Schnappschuss für unsere Homepage gewesen, weshalb wir auch Ylvie angestellt hatten. Aber wenn niemand etwas dabei hatte, dann konnte ich es nicht ändern. "So, nicht rumstehen, die Boxen wollen gemistet werden.", sagte ich lachend und scheuchte alle an die Arbeit, während ich noch eine Weile hier stand und meinen Pferden zusah. Verena und auch die anderen der Gips Reminder Ranch hatten ein riesiges Erbe hinterlassen, welches gepflegt und ausgebaut werden wollte. Wer weiß, vielleicht würden wir ab dem nächsten Jahr Zuchtfohlen verkaufen. Bislang hatten wir die Fohlen eher für uns behalten aber wer konnte schon in die Zukunft sehen.
    • Veija
      Ranchpferde
      Juli 2018, by Ravenna & Veija
      Ylvi
      Es brach bereits der Morgen an, der Motor verhallte als ich den Schlüssel im Schloss drehte. Den Wagen hatte ich mir von Bellamy leihen können. In den letzten Wochen hatte ich keinen Wagen benötigt, für einige Erledigungen nun allerdings schon. Außerdem hatte ich mal eine Bar in Albuquerque testen wollen. Eine Freundin habe vor einiger Zeit entschieden gesagt Zitat: “Die Anwesenheit von nur Pferden, tut dir nicht gut. Hast du Max in der Zwischenzeit mal angerufen. Neulich habe ich ihn in der Bar getroffen.” Max...wie lang hatte ich ihn nicht gesehen? Februar war es gewesen. Natürlich hatte ich mich nicht gemeldet, nicht auf seine Nachrichten reagiert. Manchmal, ja manchmal vermisste ich ihn. In den Nächten da die andere Seite des Bettes leer war, wenn ich wieder nicht schlafen konnte, es meinem Kopf nach Abwechslung verlangte und sogar mein Körper die Nähe eines anderen Menschen vermisste. Allerdings könnte dieses Sehnen von jedem anderen halbwegs vernünftigen Menschen getilgt werden.
      Meine Arbeit hier, die Reitstunden die mir Bellamy gab und auch die Hilfe am Hof hatten mich abgelenkt. Doch dann hatte Max mir eine weitere Nachricht gesendet. Ihr Inhalt? Er war unterwegs nach New Mexico, zu mir. Natürlich kam ich nicht umhin zugeben zu müssen das er hartnäckig blieb.
      Jetzt saß ich hier also, schaute nach links und sah ihn dort schlafend. Ich kann mich noch lebhaft an mein Jetlag erinnern. Nach seiner Ankunft hatten wir eine Bar besucht, miteinander gesprochen. Ich hatte Bellamy vorher angerufen, gefragt ob ich Besuch auf die Ranch bringen dürfte. Ich seufzte, lehnte mich im Sitz nach hinten und starrte die Garagenwand an. Das hier war ein Fehler. Mein Hirn wiederholte den Satz bereits seitdem ich mich ins Auto gesetzt hatte um ihn abzuholen. Damit nährte ich Erwartungen, nur um sie zu brechen.
      Er wollte einfach nur zu Besuch kommen, mich nicht aufgeben, irgendwo war die ganze Aktion ja schon...ja süß. Aber ich wusste im inneren, so gut es auch lief. Max würde niemals der Typ werden mit dem ich alt wurde, vielleicht würde es diesen niemals geben. Mein Job und die Pferde würden immer vorher kommen, das konnte ich einfach nicht ändern. Ich rüttelte ihn sanft an der Schulter. “Max, wir sind da, komm.” ich stieg aus knallte die Tür und fischte seinen kleinen Koffer von der Rückbank. Die Seitentür ging auf, Max schiebt sich mühsam aus dem gefährt und steht erst einmal am Dach lehnend, schüttelt den Kopf. “Muss wohl eingenickt sein.” Ich sage nichts, gehe ihm voran unter dem Vordach der Garage hinaus. Und da ist sie wieder eine der anderen Aussagen, die mir immer wieder durch den Kopf hämmerten. Was mach ich hier eigentlich? Etwas dummes, war ein anderer Teil meines Gehirns, der die Antwort gab. Es schien mir als wären da ein paar Menschen in meinem Kopf die mir immer wieder selbst die Fragen beantworteten. Eine der lautesten verkündete jedoch: Lebe im hier.
      Das tat ich nun also. Ich gab Max zu verstehen leise zu sein als wir das Haus betraten, noch immer teilte ich mir das Gästehaus nur mit Caleb, bisher gab es keine neuen Häftlinge aus dem Projekt die uns hier beehrt hätten. Natürlich war ich es der über den ersten Treppenansatz stolperte, kurz mit dem Gleichgewicht rang und dann auch noch den Koffer los ließ. “Alles in Ordnung?” flüsterte Max, während in meinem Kopf ein Bild von Caleb vorbei huschte. Aus dem Schlaf aufwachend nach der Waffe greifend. Ich hob den Daumen, scheuchte Max weiter. Als sich die Tür zu meinem Zimmer hinter mir schloss, schnappte ich hörbar nach Luft. Offensichtlich hatte ich diese angehalten.
      Ich ließ den Henkel des Koffers los, meine Hand schwitzte ein wenig...ich war nervös, wie bereits die ganze Zeit. Ich hatte ihm klar gesagt das ich nicht vorhatte zurück zu kommen. Den Wind aus den Segeln habe ich ihm auch genommen als er meinte er könne ja schließlich auch hier bleiben. Ohne Umschweife stand er nun vor mir, sah mir in die Augen, lächelte. Sein Versuch eines Kusses misslang, ich tauchte weg hinüber zum Schrank. “Ich mach dir dein Bett.” Ich spürte ihn plötzlich hinter mir, seine Hand vorn um meinen Bauch geschlungen, die andere schob mir das Haar aus dem Nacken. Ich verharrte, mein Körper erstarrte während mein Herz zu rasen begann. Meine Hände blieben an den Griffen, schlossen sich fest darum. Sollte ich leugnen das ich nicht wollte was er im Sinn hatte? Mein Kopf fiel in den Nacken, ungehindert entkam mir ein halbes Lachen. “Du bist fies.” murmelte ich. Seine Hand drehte mich um, drückte mich gegen den Schrank und ich wehrte mich nicht gegen seinen Kuss. Das hier ist ein Fehler flüsterte das Stimmchen...Lebe den Moment schrie jedoch ein anderes.


      Erst gegen Mittag erwachte ich wieder, noch immer irgendwie erschöpft und müde, außerdem hatte ich eine trockene Kehle. Die Flasche neben meinem Bett war leer. Max Atem strich meinen Nacken entlang, meine Haare dort stellten sich auf. Ich schälte mich aus seiner Umarmung, schlang mir eine der Decken um den Körper und schlich mich aus dem Zimmer. Selbst hier drinnen war die Hitze zu spüren, meine Füße genossen daher die Kühle der Fliesen in der Küche. Mit flinken Fingern holte ich mir ein Glas aus dem Schrank, füllte es mit Wasser aus der Leitung. In Gedanken versunken lehnte ich mit dem Rücken gegen die Spüle, trank einen Schluck, hielt mir das Glas gegen die Wange und schloss die Augen. “Had a long night?” ich brauchte lange bis ich die Stimme wahrnahm, dann das es Englisch war und ich zuckte zusammen, riss die Augen auf. “Caleb.” meine Stimme klang seltsam, hohl und hoch, na geil. Hier stand ich...gehüllt in eine Decke, die mir kaum bis unter den Po reichte. Peinlich? Kann ich! Aber auch Max bewies echtes Timing, denn der kam gerade in die Küche. Genau wie ihn die Natur auf diese Welt gebracht hatte. Von dem Mitbewohner hatte ich nichts berichtet. Caleb sah auf ihn, zog die Braue nach oben, fasste sich an den Hut, nickte - wie ich gelernt hatte ein üblicher Gruß hier auf der Ranch.”I’d tell you a penis jocke, but I don’t want to come off as cocky.” Dann drehte er sich wieder um, einen undefinierten Ausdruck in den Augen, den Max nicht sehen konnte da Caleb sich in meine Richtung drehte. Ich schluckte hart an dem Lachen, tarnte es als Lachen “Caleb...mein Mitbewohner hier.” stellte ich ihn vor, die Tür war gerade zugefallen. Max blinzelte “Nett…” war erstmal alles was Max von sich gab. Offensichtlich war er bei dem Treffen nicht weggekommen wie er es erwartet hätte. “Frühstück?” Max nickte “Ich geh mich mal anziehen.” damit verschwand er aus der Küche, auf meinen Lippen breitete sich jetzt das Lachen aus. Bei dem ganzen setzte ich auf Calebs Verhalten - er gehörte nicht zu den gesprächigsten Typen, so würde die Geschichte hoffentlich nicht auf dem halben Hof bekannt werden. Ich holte zunächst Speck aus dem Kühlschrank, schnitt einige Zwiebeln und Tomaten. Gerade als ich die Eier in die Pfanne warf, kam Max wieder die Treppe hinunter in die Küche. “Caleb ist manchmal etwas seltsam...in meiner ersten Nacht hier hat er sein Gewehr auf mich gerichtet. Ich war um 3 Uhr nachts draußen, da hat er mich für einen Einbrecher gehalten.” “Charmant.” Ich zuckte mit den Schultern “Das ist eben irgendwie Caleb, man gewöhnt sich dran.”
      Das Essen verlief ruhig, ich spürte das Max geknickt war. Das war eben Max, er fühlte sich schnell angegriffen. Eine der Eigenschaften die mich durchaus in den Wahnsinn treiben konnten. “Ich werd nachher zu den Ponys gehen. Ich hab heute Unterricht bei Bellamy mit Ravn. Willst du mitkommen?” Max nickte, lächelte. “Ich bin gespann dich beim reiten zu sehen.” dabei zwinkerte er verschmitzt, offensichtlich hatte das Essen seine Stimmung gehoben.

      Bevor es jedoch zur Reistunde ging, hieß es den kleinen Paddocktrail der drei aufzuräumen. Gemeinsam mit Max kontrollierte ich das Wasser, machte den Trail sauber und hängte neue Weidenzweige in die kleine Hecke. Da Max dabei eher weniger eine Hilfe war, drückte ich ihm das Halfter von Valravn in die Hand. “Führ ihn einfach mal raus, da ist ein Anbindebalken, leg den Strick da einfach drüber.” Max kannte zumindest das halftern, führte den Wallach hinaus und beschäftigte sich mit ihm. In der Zwischenzeit konnte ich meine Arbeit fortführen. Dabei schwirrte mir im Kopf herum wie ich Max am besten los werden konnte, nachhaltig.
      Es kam kein richtiges Gespräch zustande als ich Ravn fertig machte, allerdings legte Max Wert darauf mir wann immer er mochte einen Kuss auf die Lippen zu drücken. Ich verstand ihn nicht. Glaubte er Gefühle würden einfach so aus dem Boden wachsen? Das er nur genug Lieben musste, dass ich diese erwiderte?
      Eine gute halbe Stunde später fand ich mich auf dem Platz ein, sortierte schonmal meine Bügel, denn beim letzten Mal war Caleb meinen Wallach mit dem Sattel geritten.


      Caleb
      Ich verschwand aus der Küche, schnappte mir meine Stiefel und verließ das Haus. Diese Begegnung musste ich erstmal verdauen. Ylvi konnte zwar tun und lassen was sie wollte und auch schlafen mit wem sie wollte. Aber einerseits waren die zwei mir die halbe Nacht auf den Koffer gegangen, andererseits musste mir Ylvis Freund sein Ding ja nicht gleich ins Gesicht halten. Ich war nämlich weder schwul, noch bi und ganz bestimmt hatte ich keine Lust, mir jeden Morgen so eine Show bieten lassen zu müssen. Witzig wäre es schon gewesen, nur gingen mir mit Sicherheit irgendwann die Sprüche aus und der eine Spruch hatte ihrem Freund ja auch schon gereicht. Ich war anscheinend so unwichtig gewesen, dass sie mich mit keinem Wort erwähnt hatte. Pfff, sie würde noch sehen was sie davon hatte. Bellamy hatte mir nämlich wieder ihre Reitstunde mit Valravn aufs Auge gedrückt, vielleicht würde ihr Typ dann auch dabei zusehen, wie ich sie quälte. Eine herrliche Vorstellung, die mich zum Grinsen brachte und einen fragenden Blick von einem Mitarbeiter zur Folge hatte, der gerade mit einem Pferd an mir vorbei ging. “Hast du einen Clown gefrühstückt?”, fragte dieser und hielt an. Ich schüttelte noch immer grinsend meinen Kopf. “Nein, aber einen gesehen.”, sagte ich und setzte meinen Weg dann fort. Aus alter Gewohnheit fasste ich mir an den Gürtel, an dem sonst meine Pistole in ihrem Holster hing. Wenn ich auf die Wiesen außerhalb der Ranch fuhr hatte ich sie meistens dabei. Das Gewehr trug ich zudem nachts mit mir herum, wenn ich wieder einmal Wache führen musste. So hatten Ylvi und ich uns auch kennen gelernt. Ich wette, dieser Typ hatte sie auf einem total unspektakulären Weg kennen gelernt. “Pass auf wo du hintrampelst!”, fluchte Murphy auf einmal und stieß mir unsanft gegen die Schulter. Zu seiner Rechten führte er mein Pferd… moment.. mein Pferd? “Wo gehst du mit ihm hin?”, fragte ich ihn und griff schon nach dem Strick. “Bellamy sagte er soll morgens mit den anderen raus.”, verteidigte er sich und ich seufzte. “Heute soll er nicht mit raus. Auf dem Plan stehen andere Namen. Smart Lil Vulture ist keiner davon.”, pflichtete ich ihm bei und schnappte mir nun endgültig den Strick meines Pferdes. “Komm Vul, machen wir was sinnvolles.”, sagte ich und schlenderte mit meinem Braunen in Richtung Round Pen. Aus dem Augenwinkel sah ich Ylvi und ihren Stecher wieder, wie sie Ravn fertig machten. Sie waren noch nicht sonderlich weit, weshalb ich meinen Hengst in den Round Pen stellte, das Halfter auszog und dann die Tür schloss. Ich ging in den Stall, ein anderer Teil, so musste ich nicht an Ylvi vorbei, und holte Pad und Sattel aus der Sattelkammer. Zusätzlich holte ich noch eine Gelauflage, da Vulture für diesen Sattel noch zu schmal war. Er würde ihn eh nur zum Anreiten drauf haben, danach käme ein passender Sattel. Aber zum Anreiten holten wir für jedes Pferd diesen Sattel, denn er war sehr kurz geschnitten und vor allem sehr leicht. Mit diesen drei Sachen bepackt ging ich also zurück zum Round Pen und legte alles dort auf den Boden, ehe ich wieder einen Blick zu Ylvi warf, die mittlerweile ihre Steigbügel wieder auf sich eingestellt hatte und aufgestiegen war. Auf dem Weg zu den dreien überlegte ich mir schon, welchen Spruch ich Ylvis Typ reindrücken konnte und fand sogar einen.
      Am Platz angekommen stieg ich über den Zaun und warf einen kurzen Blick zu dem jungen Mann. “Didn’t expect to see you all dressed up, dude.”, sagte ich und setzte mein süffisantes Grinsen auf. Ich sah seinen verwunderten Blick und schaute dann zu Ylvi und Ravn. “Hey meine Süßen.”, sagte ich dann und hielt Ravn kurz meine Hand hin, ehe ich zu Ylvi hochsah und dann wieder ein paar Schritte von ihr weg ging. “Na, wie wärs mit aufwärmen? So können wir nicht arbeiten.”, gab ich ihr einen Rüffel und verschränkte die Arme vor der Brust.


      Ylvi
      Ich biss mir von innen auf die Oberlippe, wieder ein versuch nicht lächeln zu müssen, aber Caleb schien es gesehen zu haben. Hatte er mir gerade zugezwinkert? In dem kurzen Moment bevor er mir eine Rüge wegen des Aufwärmens gab?
      Ich gab Ravn also mehr Zügel, lehnte mich leicht nach vorn und mein Wallach setzte sich in Bewegung. In den letzten Monaten hatte ich durch das Training mit ihm viel erreicht. Er war definitiv rittiger geworden, zeigte sichtlich Spaß an der Arbeit. Bellamy hatte mich auf dem Wallach auch schon zweimal mit zum Treiben der Rinder genommen. Irgendwo in ihm steckte eben doch ein Pferd mit dem Gespür für Rinder. Sein Vater war ein Paint gewesen. Bisher hatte ich ihn nur selten im Western gefordert da mir einfach selbst das nötige know how fehlte. Gab ich es jedoch zu war es auch der Verdienst von Caleb, gerade seit dem Beginn des Frühjahrs war zunehmend er es gewesen der meinen Unterricht übernommen hatte. Im Schritt begann ich bereits Stops und Volten einzubauen um die Muskulatur von Valravn zu schulen. Caleb stand derweil an die Bande gelehnt, seine Arme vor der Brust verschränkt, der Ausdruck auf seinem Gesicht unergründlich wie immer. Manchmal hätte ich gern mein letztes Hemd gegeben um zu wissen was hinter seinen Augen vor sich ging.

      Nachdem Ravn auch im Trab schön locker lief, stoppte ich neben Caleb. Er gab mir einige Anweisungen zu den Übungen die er heute mit mir probieren würde. Doch bevor er mich los reiten ließ landete seine Hand an meinem Fuß. “Die hab ich dir nicht umsonst beim letzten Mal länger gelassen. Du bist hier nicht auf Fylgia in einem Springsattel unterwegs.” er schlug mir auf den Oberschenkel. Das Zeichen für mich den Fuß nach vorn zu nehmen, derweil stellte er die Bügel ein. Ich sah hinüber zu Max, der am Eingang stand, fast ein wenig gelangweilt. “Hätte nicht gedacht das er dein Typ ist.” Caleb war meinem Blick gefolgt. Ich zuckte mit den Schultern, Caleb nahm meinen Fuß und steckte ihn wieder in den Bügel ehe er die Seite wechselte. “Er hat mir die Nächte in Deutschland ein wenig versüßt. Jetzt werd ich ihn irgendwie nicht wieder los.” “Ach und wo er schonmal da ist, nutzt du ihn weiter für deine Zwecke?” Caleb klang nicht verwundert, nicht anklagend. War das Amüsement in seiner Stimme? Aber im Grunde hatte er Recht. “Ich bin halt nicht für eine Beziehung geeignet, das versteht er nicht.” Als Caleb soweit war meine Bügel einzustellen, klapste er Ravn auf die Hinterhand und murmelte etwas, das klang wie “da sind wir ja schon zwei”, doch den genauen Wortlaut hatte ich nicht verstanden. Wir würden uns heute der Verfeinerung der Galoppwechsel widmen. Dazu hatte er also die Stange auf den Boden gelegt. Clever. Er hatte sich meine allerliebste Übung herausgesucht, nicht.


      Caleb
      “Sieht schon viel besser aus so.”, sagte ich und schaute den beiden dabei zu, wie sie ihre Runden im Trab drehten. “Fühlt sich auch besser an.”, rief Ylvi vom anderen Ende des Platzes zu mir rüber und ich nickte. “Hättest auch was anderes sagen sollen.”, erwiderte ich ihr und taxierte Ylvis Freund- nicht Freund immer mal wieder aus dem Augenwinkel. Wir wurden ihn aber auch nicht los, denn er schien einfach nicht weggehen zu wollen. “Angaloppieren auf einem großen Zirkel, lass ihn locker laufen, ich will sehen wie er sich heute macht.”, gab ich die nächste Anweisung und stellte mich zwischen die Stangen. Eine ganze Weile schwieg ich und ließ die beiden ihre Runden galoppieren. “Lass die Zügel mal locker!”, fing ich dann an zu fluchen. “Der kann im Kreis galoppieren und weiß wie man die Spur hält, du hast hier ein eigenständig denkendes Westernpferd, was genau weiß, wie es seinen Job zu erledigen hat während du dem dauernd ins Handwerk pfuschst!”, brüllte ich nun zu ihr herüber und vernahm dann eine Männerstimme hinter mir. “Muss man sie denn wirklich gleich so anbrüllen?” “Wenn sie ihren Job nicht macht, ja. Und ich wüsste übrigens nicht, was dich das angeht.”, quittierte ich sein Einmischen in meinen Job und funkelte ihn wütend an. Wenn ich eins noch mehr hasste als unfähige Reiter, dann waren es unfähige Zuschauer die meinten, dass sie mehr Ahnung von meiner Arbeit hatten als ich. “Als Zuschauer ist man leise.”, setzte ich nach und sah wieder zu Ylvi, die mittlerweile ganz schön ins Schwitzen gekommen war. “An X traben und dann auf der anderen Hand angaloppieren, versau es nicht.”, gab ich meine nächste Anweisung und schaute ihr zu. Ravn parierte schon fast von selbst in den Trab durch, was Ylvi zu früh schien und sie ihn schneller weitertrieb. So sprang er falsch an. “Trab!”, rief ich und sah zu, wie Ylvi sich sichtlich nervös oder konzentriert, ich wusste es nicht, auf die Lippe biss. “Den Zirkel hier im Trab, Hand wechseln und angaloppieren. Selbe Übung. An X zum Trab dann auf der anderen Hand angaloppieren.”, schimpfte ich und steckte mir nun die Hände in die Hosentaschen. Ich hatte zwar vorgehabt Ylvi heute zu quälen, aber der Grund der Qual hatte sich in Luft aufgelöst, da sie den jungen Mann anscheinend loswerden wollte. Dass sie hier nun solchen Mist baute, daran war sie selbst schuld und musste damit leben, angeschrien zu werden. Wenigstens der nervige Zuschauer schien seinen Mund zu halten, vorerst.
      Ich schaute Ravn zu wie er wieder angaloppierte und kurz vor X in den Trab fiel. Ylvi zuckte nun nicht einmal mit der Wimper, war aber total angespannt und das merkte ihr Wallach auch. Doch sie schaffte die Übung und galoppierte richtig an. “Gut!”, lobte ich die Beiden und ließ sie auch auf dieser Hand ein paar Runden galoppieren. “Selbe Übung.”, rief ich ihr dann irgendwann zu und sie schaffte es diesmal sogar besser. “Mach das jetzt noch ein paar Mal, lass ihn aber zwischendurch Schritt gehen, damit er wieder ein wenig zu Atem kommt.”, sagte ich und ging an den Zaun, um mich an diesen zu lehnen. “Und du heißt?”, fragte ich den jungen Mann, der mich mittlerweile sichtlich verärgert ansah.

      Ylvi
      Mich auf die Übungen zu konzentrieren war gar nicht so leicht, denn Caleb befand sich nun in der Nähe von Max. Ich wusste nicht wie gut das ganze war. Aber ein Bauchgefühl nagte in mir und sagte das es vielleicht nicht allzu gut war.Oder?
      Ich war nervös, angespannt. Ich hatte Caleb vielleicht ein wenig zu viel verraten was Max anging. Ich bereute es, vielleicht. Zumindest reichte es aus um auch Ravn vollkommen aus dem Konzept zu bringen. Der Wallach spiegelte mich einfach zu sehr wieder. Außerdem hatte Caleb nicht ganz unrecht, ich pfuschte dem Wallach in seine Aufgabe. Sein Schweifschlagen gab mir das Indiz dafür. Wir befanden uns gerade auf der rechten Hand. Ich war drei Runden im Schritt gelaufen, dann spannte ich mich wieder an verlangte einen Trab und galoppierte in der Ecke. Ravn nahm wieder, kurz vor X die Sache selbst in die Hand, fiel von sich aus in den Trab. Es brachte mich aus dem Gleichgewicht, mehr als gewollt presste ich die Knie aneinander - das war zuviel. Ich spürte wie das Pony unter mir hielt, den Arsch einzog und im nächsten Moment bäumte sich Valravn auf. Mitten am höchsten Punkt schien er zu verharren, bis er schließlich in einer Drehung wieder zu Boden ging. Eine seiner Spezialitäten. Damit quittierte mir der Wallach den Dienst, der Versuch ihn nun sanft nach vorn zu schicken, brachte mir nur neuerliches Schweif schlagen. Ich ließ mich nach vorn sinken, spürte das Sattelhorn in meinem Bauch. “Tut mir Leid, Ravn.” Ich setzte mich tief in den Sattel, atmete zweimal ein und aus, verschloss meinen Geist. Ich wusste wieso von Caleb nichts kam...er hatte mir diese Atemübung gezeigt. Ich sollte lernen mehr auf Ravn zu vertrauen….Kontrolle auch abgeben zu können. Als ich meine Gedanken sortiert hatte, formulierte ich den festen Wunsch der Bewegung, hatte die Übung fester im Kopf. Und ließ Ravn noch einmal los zu laufen. Schritt, antraben….Galopp in der Ecke, ganze Bahn, zirkel, Trab bei X, sitzen, links herum angaloppiert. Wie aus der Trance erwachte ich wieder, lächelte und stoppte neben Caleb. “Besser.”
      Ja..das war eben Caleb, hier durfte man keine Lobreden erwarten. Ich fragte mich allerdings wieso Max aussah als habe er in eine saure Zitrone gebissen.

      Caleb
      “Max.”, sagte der junge Mann zwischen zusammengebissenen Zähnen. “Ich dachte ich soll ruhig sein?”, fügte er dann an und schien nicht begeistert, sich jetzt hier mit mir unterhalten zu müssen, nachdem ich ihm solche Sprüche reingedrückt hatte und ihn so angefahren hatte. Naja, angefahren hatte ich ihn nicht wirklich, eher darauf hingewiesen, dass ich seine Kommentare hier nicht brauchte und das hier ganz klar mein Revier war. “Ich kann es nicht leiden wenn Leute mir in meine Arbeit pfuschen. Ich weiß, was ich tue.”, erwiderte ich auf seine Frage hin und schaute nochmal zu Ylvi, die ertappt wieder wegschaute und Ravn zum Steigen brachte. Ich seufzte kurz, ließ sie aber in Ruhe, denn sie sollte selbst auf die richtige Lösung kommen. “Ich bin Caleb.”, sagte ich dann zu Max und er nickte. “Ich weiß.”, murmelte dieser und schien wirklich nicht darauf aus, mit mir zu sprechen. Trotzdem sprach ich weiter. Noch war meine Fragerunde nicht zu Ende. “Und die gute Ylvi hat mich mit keinem Wort erwähnt? Das wundert mich aber, so nah wie wir uns gekommen sind.”, streute ich weiter Salz in die Wunde. “Was… heißt nahe gekommen?”, fragte er zwischen zusammengebissenen Zähne und funkelte mich wütend an. Ich widerum lachte nur kurz auf: “Ha, das kann sie dir schon selbst sagen!”, sagte ich ihm amüsiert und stieß mich vom Zaun ab, um wieder in die Mitte zu gehen. Beim Vorbeigehen an Ylvi sagte ich einmal kurz “besser” und ließ die Beiden kurz alleine. Ich ging natürlich nur so weit weg, dass ich noch hören konnte, was sie nun sagen würden.

      Ylvi
      ”Hast du eine Fliege geschluckt?” fragte ich in Richtung Max, spielte dabei mit dem Muster am Sattel von Valravn herum. Max schüttelte nur den Kopf “Wir können später sprechen, nicht bei ihm.” damit deutete er vage in Calebs Richtung. Ich verstand nicht, zog die Augenbrauen kraus, wendete meinen Wallach.
      “Ich vermute Mal die Laus die ihm über die Leber gelaufen ist trägt deinen Namen?” fragte ich leise flüsternd als ich mich zu Caleb gesellte. Hatte Caleb vielleicht beschlossen mir zu helfen Max endgültig davon zu überzeugen, dass ich nicht die Frau seines Lebens war? Das könnte wirklich interessant werden. Mit Muskelkater ließ ich mich aus dem Sattel gleiten, löste ein wenig den Sattelgurt von Ravn, sah zu Caleb. Dieser hatte gerade die letzte Stange wieder an den Rand des Platzes gelegt. Häufig bekam ich noch letzte Instruktionen und Dinge die ich Üben sollte. Jetzt jedoch brannte ich auf die Beantwortung meiner gestellten Frage.

      Caleb
      Ich seufzte kurz und scharrte einmal mit meinem Fuß im Sand. Sie wollten wohl jetzt nicht jeden. Vermutlich, weil ich so nah bei ihnen stand und somit alles hören würde. Ylvi war somit schnell fertig mit ihrem Max, sodass sie sich schnell wieder bei mir wiederfand. Sie stellte mir die Frage, ob ich etwas mit seinem Verhalten zu tun hätte, woraufhin ich nur grinste und nichts weiter sagte. Sie lockere dann den Gurt von Ravns Sattel und ich räumte die Stangen an die Seite, die wir heute dann doch nicht gebraucht hatten, ehe ich kurz meinen Arm über ihre Schultern legte und sie drückte. „War eine gute Stunde. Morgen hab ich neue Übungen für dich die auf jeden Fall schwieriger sind.“, erklärte ich ihr und ließ sie dann los. Als wir in Richtung Ausgang gingen sah Max noch immer genervt aus. „Ich arbeite gleich mein Pferd und halte noch Unterricht für Betsy mit Gun and Slide. Also wenn du was lernen willst, kannst du oder ihr gerne zuschauen kommen.“, sagte ich und wartete kurz auf eine Antwort, ehe ich meiner Wege zum Round Pen und zu meinem Pferd ging. Vulture wiehrte mir schon aufgeregt zu, als hätte er auf mich gewartet. Heute standen einige neue Dinge auf dem Plan, denn ich hatte schon viel mit ihm geübt und wollte mich heute zum ersten Mal richtig drauf setzen. Ich freute mich schon riesig darauf, denn dieses Pferd konnte ich ganz nach meinen Vorstellungen ausbilden und niemand würde mir da reinquatschen. Ich war froh, dass Bellamy mir die Erlaubnis gegeben hatte, mir eins zu kaufen und hier auf die Ranch zu stellen.
      Ich ging also in den Round Pen und zog meinem Jungen sein Halfter wieder an. Als er dies wieder an hatte kraulte ich seinen Hals und wartete, bis Ylvi und Max auftauchten.

      Ylvi
      Half mir Caleb tatsächlich? Denn anders konnte ich mir seine halbe Umarmung nicht wirklich erklären. Mit dem verschwitzten Ravn am Zügel verließen wir den Platz. Max hatte seinem Ausdruck nach nicht das Bedürfnis dem Training beizuwohnen. Allerdings sprach er zunächst auch gar nicht mehr. Vor der Sattelkammer sattelte ich ihn ab, entledigte ihn von der Trense. “Ich hab ja nicht viel mitbekommen, aber welche Laus ist dir über die Leber gelaufen.” Max zuckte nur mit den Schultern.
      Ich parkte Ravn in der Dusche, orderte Max den Hahn aufzudrehen um Ravn die Füße zu kühlen. Allerdings hatte der Wallach eher im Sinn sich auch die Nase zu kühlen, er war wirklich ein kleines Wasserschwein und daher wurde ich gleich mit nass. Max stand gegen die Wand gelehnt, den Blick auf mir. Ich konnte nicht widerstehen, ein Strahl Wasser traf ihn direkt auf die Brust. “Kühlt das dein Gemüt?” “Ich wüsste etwas anderes das mein Gemüt kühlt.” Mit einem Sprung war er bei mir, Ravn erschreckte sich leicht bei der schnellen Bewegung, dann fand ich Max Lippen auf den meinen. Er war forsch, ungewohnt forsch. Irgendwie hatte ich eine vage Ahnung was Caleb vielleicht gesagt haben könnte. “Warte, wir müssen Ravn weg bringen.” außerdem wollte ich nicht von jemandem hier entdeckt werden. Max löste sich von mir, ein schmales Lächeln auf den Lippen.
      Eine gute halbe Stunde später hatten wir meinen Wallach versorgt, ich hatte sein Zeug ordentlich verstaut und den Putzplatz gereinigt. Das ganze hätte ohne die Unterbrechungen von Max vielleicht weniger lang gedauert. Ich stand am Kühlschrank nahm gerade einen tiefen Zug aus der Wasserflasche. “Hast du vor bei dem Unterricht nachher zuzusehen?” “Natürlich, dabei kann ich lernen.” “Ich kann dich davon nicht abbringen?” seine Stimme wurde dabei fast heiser, sein Gesicht in meinem Nacken, seine Hände an meinem Körper.

      Ich war ein schwaches Wesen, zumindest in diesen Dingen. Irgendwann waren wir aus der Küche in mein Zimmer gewechselt. Max schlief. Ich schlich mich also heraus, sammelte meinen BH vom Küchenboden. Nicht auszumalen wenn Caleb herein gekommen wäre. Dabei lief mir ein Schauer über den Rücken. Max wäre explodiert.
      Draußen schlug mir wieder die Hitze des Tages entgegen. Mein Weg führte mich Richtung des Round Pens, dort befand sich noch immer Caleb. Strich seinem Pferd Vulture gerade über die Stirn. Ich kletterte auf die erste Strebe um hinüber zu gucken, hing nun also dort. “Also...was hast du ihm erzählt.” fragte ich... belustigt?

      Caleb
      Die lassen sich ganz schön Zeit… dachte ich und hatte schon mal angefangen, Vulture mit dem Pad abzuklopfen. Desensibilisieren nannte man das, das machte ich mit allen Pferden, auch den Jährlingen. Schaden konnte es nicht. Hier war es meistens so warm, dass die Pferde keine Decke brauchten, weshalb kaum eines der Pferde diese Übung kannte, die ich mir hätte zu Nutzen machen können. Vulture stand relativ entspannt neben mir, taxierte mich jedoch aus dem Augenwinkel und schien darauf zu warten, dass ich fertig war. Ich hatte meine Übung allerdings bisher nur von der linken Seite gemacht, die rechte Seite war auch noch dran.. Da ging ich dann auch hin und wollte ihn auch hier sofort abklopfen, ehe er einen riesen Satz zur Seite machte. Tja, was auf der einen Seite klappte, musste auf der anderen nicht zwangsläufig auch funktionieren. Ich ging also in aller Ruhe nochmal auf ihn zu, packte ihn am Halfter und nahm ihn dann wieder mit in die Mitte zu mir. Ich ließ ihn am Pad schnuppern und bewegte es dieses mal langsamer und sanfter. “Na also… good boy…”, murmelte ich und konnte ihn nun hier auch komplett abklopfen. Als ich damit fertig war, ging ich mit ihm zum Rand des Round Pens, wo ich den Sattel hingelegt hatte. Ich legte ihm das Pad auf den Rücken und zeigte ihm kurz den Sattel, an dem er schnuppern konnte. Dann warf ich ihn sanft auf seinen Rücken und zurrte den Sattelgurt fest. Soweit so gut, bis hierher kannte er die Übungen auch alle. Ich stellte mich neben seinen Kopf und kraulte ihn ein wenig, ehe ich an Vultures Ohrenzucken bemerkte, dass etwas hinter mir war- und tatsächlich. Kaum hatte ich dem Weg den Rücken zugedreht, war Ylvi an den Round Pen gekommen- alleine. “Ich ihm erzählt?”, stellte ich Ylvi eine Gegenfrage und schmunzelte. “Ich habe nur die Wahrheit ein bisschen verschönert.”, fügte ich an und sah in ihr fragendes Gesicht. “Na ich hab ihm gesagt, dass ich mich gewundert habe, dass du mich mit keinem Wort erwähnt hast, so Nahe wie wir uns schon gekommen sind.”, sagte ich und fing nun an zu lachen. Auch Ylvi lachte kurz auf, sah dann aber verlegen zu meinem Braunen.

      Ylvi
      “Nahe gekommen?” fragte ich leise, lachte.. “Du Fuchs. Hilfst du mir etwa ihn los zu werden?” Ich schaute nach rechts und links, prüfte wie Stabil das Holz war. Dann kletterte ich die drei Streben nach oben, setzte mich oben drauf. Beobachtete das tun von Caleb. Unter mir ließ er den Braunen laufen, der Hengst war Calebs Vulture, das hatte ich direkt erkannt. Er brachte jetzt schon eine ganze Weile neben den üblichen Pflichten auf der Ranch Zeit auf um den Hengst zu trainieren. Ich wusste wie hart das manchmal sein konnte. Aber er bewies vollkommene Ruhe bei der ganzen Prozedur. Im Schritt und Trab ließ er den Hengst laufen, erst dann erhielt ich eine Antwort von Caleb. “Wo hast du so lang gesteckt, du hast das halbe Training verpasst.” Mit einem einzigen Fingerzeig galoppierte der Hengst an, ich musste also meine Stimme erheben bei meiner Antwort. “Tja, nach deinen Worten war Max sehr darauf bedacht mir zu zeigen...was für Qualitäten er hat.” “Hatten wir uns nicht darauf geeignet, dass ich sowas nicht wissen will?” “Na hör mal du hast ja schließlich gefragt!” gab ich belustigt wieder. Tatsächlich zeigte er mir aus dem Schatten seines Hutes heraus ein zähneblitzendes Lachen, welch seltener Anblick.
      Schließlich holte Caleb Vulture herein in die Mitte des Pens. Da ich dachte er sei fertig, drehte ich mich um kletterte in der Innenseite nach unten. Mich juckte es in den Fingern den Hengst zu streicheln. In der Zwischenzeit hatte Caleb die Führstricke um seine Brust gelöst, sie an das Halfter des Hengstes gelegt und den Kopf zu sich genommen. Ich war noch leicht verwirrt. Hatte er jetzt vor aufzusteigen? Er begann jedoch den Sattel kräftig zu klopfen, bewegte die Steigbügel, wechselte die Seite und wiederholte die Prozedur. Anschließend nahm er wieder die linke Seite ein. Schneller als erwartet stellte er sich plötzlich in den Sattel. Vulture zuckte nur leicht mit dem Kopf bei dem ungewohnten Gewicht. Wie aus Reflex machte ich einen Satz nach vorn, wollte den Strick fassen, den Hengst halten. Sah jedoch das Caleb alles unter Kontrolle zu haben schien, beruhigte mich dann. Mein geschnappter Atem jedoch war laut vernehmbar. Als er wieder aus dem Bügel auf dem Boden gelandet war, strich er Vulture lobend über den Kopf. “Kontrolle abgeben, damit hast du’s nicht, oder?” Er drehte sich dabei um, lehnte lässig halb an dem Hengst. Strich ihm über den Kopf. Wie aus Reflex trat ich nun näher, gab dem Hengst meine Hand, an der dieser Neugierig schnupperte. “Tja, was soll ich sagen. Nagel auf den Kopf getroffen.” Calebs Blick hob sich, ging jedoch an meinem Gesicht vorbei, irgendetwas hinter mir hatte seine Aufmerksamkeit erhalten. Als ich mich jedoch danach umdrehen wollte, spürte ich seine Hand plötzlich in meinem Nacken. Rauhe Lippen auf meinen. Mein Körper verkrampfte sich im Schock. Ein Kuss? Genauso schnell wie das ganze begonnen hatte, endete es, hinter uns eine Stimme. “Was glaubst du eigentlich was du da tust?!” das war Max, seine Stimme schrill vor Unglauben. Ja...was tat ich eigentlich? Ich drehte mich um, zog die Schultern hoch, den Kopf leicht schräg. “Emotional unbrauchbar? Ich habe dich nie angelogen, Max. Ich will keine Beziehung. Das hast du nie verstanden. Es tut mir Leid für dich, aber vielleicht verstehst du jetzt.” Bei meinen Worten ging ich an den Zaun, lehnte mich dagegen und sah ihn entschuldigend an. Er hob die Hände “Ich denke ich sollte wohl meine Sachen packen.” sein Ton war dumpf. Er ging.


      Caleb
      Ich starrte kurz von Ylvi zu Max, welcher, so schnell wie er gekommen war, auch wieder verschwand. Vulture schien auch die Welt nicht mehr zu verstehen. Eben war er noch Mittelpunkt allen Geschehens gewesen, nun scherte sich niemand mehr um ihn, naja fast. Ich umfasste die Führstricke in meiner rechten Hand fester, schaute wieder zu Ylvi und überlegte kurz, was ich nun sagen wollte. Sie hatte ihn loswerden wollen. Ich hatte ihr geholfen. Warum mich der Kuss nun nicht sofort wieder los ließ, das wusste ich nicht. Meine Hand ballte sich kurz zur Faust. Doch ein leises Brummeln meines Hengstes ließ mich wieder entspannen und lockerer mit dieser Situation umgehen. “Emotional unbrauchbar? Das muss ich mir für später merken.”, sagte ich zu Ylvi, klopfte ihr kurz auf die Schulter und sah in ihr perplexes Gesicht. Mein Lachen erwiderte sie zunächst nicht, schaute mich nur kurz an und dann wieder Max hinterher. Es war eben doch nicht so leicht, Menschen die man vermeintlich nicht brauchte, aus seinem Leben gehen zu sehen. Man vermisste sie immer. Es dauerte immer eine Weile, um über Menschen und Dinge hinweg zu kommen.
      Ylvi schaute nun wieder zu mir, sagte noch immer nichts. Da ich noch immer kein Mensch großer Worte war, sagte ich ganz einfach zu Ylvi: “Und jetzt raus hier, du störst mich beim Arbeiten, Zeit ist Geld.” Da war er wieder, der alte Caleb, der keine Gefühle zulassen konnte und wollte. Ylvi schluckte einmal, ging dann zum Tor und setzte ihren Weg nach draußen fort. “Du kannst Betsy suchen gehen und mit ihr Blue fertig machen.”, sagte ich zu ihr und wartete auf ein Nicken ihrerseits. Auf Gefühlsgequatschte hatte ich nun absolut keine Lust, das konnte sie gerne mit unserer 8- jährigen Betsy besprechen.

      Ylvi
      Die Tür hinter jemandem zu schließen war einfach, danach hört man keinerlei Gespräche mehr. Sie jedoch gänzlich aus dem Gedächtnis zu bannen gelang manchen nicht. Ich hatte nicht das Bedürfnis mit Caleb darüber zu sprechen. Verwirrung war es nicht das mich im Bann hielt. Eher die Tatsache das Caleb mir geholfen hatte, wenn die Methode auch seltsam war - sie war nachhaltig. Ich schloss das Tor, sah durch die Gitter zu Caleb. “Danke.” war das einzige was ich von mir gab. Es war aufrichtig gemeint, es klang herzlich und es entsprach der Wahrheit, ich war nicht wütend, perplex, das traf wahrscheinlich zu. Dann lächelte ich ihm zu, winkte und ging. Was sollte ich auch sonst tun?
      Ich half tatsächlich Betsy dabei Blue fertig zu machen. In den nächsten Stunden wollte ich das Haus meiden, Max genug Zeit geben sich ein Taxi zu holen. Eines jedoch stellte ich fest...dieser Caleb war mir viel ähnlicher als ich es bisher gewusst hatte.

      Erst am Abend führe mich mein Weg wieder in das Haus das ich mir mit Caleb teilte. In der Zwischenzeit hatte ich mit Lady Gweny Bodenarbeit gemacht, Betsy nach ihrer Reitstunde mit Blue erneut geholfen und zusammen mit Murphy Ställe gemistet. Jetzt gerade kehrte ich von einem zweistündigen Ausritt mit Fylgia wieder. War staubig, geschwitzt und freute mich jetzt auf eine kühle Dusche, selbst um 21 Uhr war es noch heiß in diesem Land. Im Flur warf ich die Schuhe in die Ecke, lief Barfuß in die Küche und holte mir ein Bier aus dem Kühlschrank. Mit wenig Mühe sprang ich auf die Anrichte, öffnete mein Bier und nahm einen tiefen Zug aus der Flasche. Hielt mir das kühle Glas gegen die Stirn, ich hatte nicht genug getrunken für heute.

      Caleb
      Als Ylvi gegangen war klopfte ich Vultures Hals und setzte meine Übung fort. Wir waren nämlich noch gar nicht fertig für heute, auch wenn ich mit meinen Gedanken nicht mehr so ganz bei der Sache war. Ich zog mir also Vuls Kopf nochmal rüber, stellte mich in den Steigbügel und sprang ein paar Mal hoch, ehe ich mein Bein über seine Kruppe hob und auf der anderen Seite in den Steigbügel setzte. Ich hatte mir vor dem Training meine Arbeitsschuhe angezogen, die ich bis über den Knöchel schnüren konnte. Jetzt, um das erste Mal auf Vulture zu sitzen, hatte ich sie aufgemacht und die Riemen sehr locker gezogen. Die Schnürsenkel hatte ich einfach auf den Seiten in den Schuh gesteckt. Warum? Es kam ziemlich oft vor, dass die Pferde buckelten und bockten und man runterfiel. Das schlimmste dabei war, wenn man im Steigbügel hängen blieb. Mich bekam man als Rodeoreiter zwar nicht so schnell aus dem Sattel, aber man musste ja keinen Unfall provozieren.
      Vulture allerdings war bis jetzt noch sehr ruhig. Er war zwar im Umgang nicht ganz einfach, aber sobald man ihn arbeiten wollte, zeigte er was er konnte und vor allem, dass er wollte. Ich schnalzte so also einfach mal mit durchgehangenen Führstricken und wollte lediglich, dass er vorwärts ging. Was schnalzen bedeutete wusste er und so ging er im Schritt vorwärts, war jedoch noch etwas verwirrt und wusste nicht, wo er hingehen sollte. Das Gute am Round Pen war, dass sie nie weit weglaufen konnten und immer eine feste Begrenzung hatten, an der sie sich orientieren konnten. So ging Vulture einfach außen am Zaun entlang im Schritt seine Runden. Das reichte auch für heute. “Whoa.”, sagte ich und er blieb stehen. Ich klopfte ihm den Hals und stieg dann langsam ab. “Good boy.”, sagte ich ihm und gab ihm ein Leckerli aus meiner Hosentasche. Bevor ich nun weitermachen konnte, schnürte ich meine Stiefel wieder zu und dann gingen wir zum Hengststall, wo ich ihn anband und flink absattelte. Dann kam er endlich auf die Koppel, worauf er schon die ganze Zeit gewartet hatte, denn er galoppierte wiehrend am Zaun entlang und wollte allen anderen Hengsten wohl sagen, dass er wieder da war.
      Gerade als ich mir Betsy und Blue abgeholt und mit ihnen auf den Platz gegangen war, kam Bellamy um die Ecke. “Na Caleb, was sagt der Unterricht mit Ylvi?” Irghs. Da wollte ich eigentlich gar nicht drüber reden. “Gut, sie macht sich gut. Sie muss nur lernen erstens mir, zweitens ihrem Pferd mehr zuzuhören und nicht über alles die Kontrolle haben zu wollen.”, erklärte ich ihm und er nickte, verschwand dann wieder. “Ach ja.”, sagte er und drehte sich nochmal um. “Ylvis Gast ist wieder abgereist, der sah nicht so begeistert aus.”, meinte er noch und ich nickte. “Kann passieren, wenn man kein Pferdefreund ist.”, antwortete ich nur schulterzuckend und lachte. “Wohl war.”
      Ich drehte mich zu Betsy um und half ihr auf Blue, denn sie war dazu doch noch ein wenig zu klein, um selbst auf das Pferd zu kommen. “Und, heute mal was neues?”, fragte ich sie und sie nickte lachend. Sie hatte in der kurzen Zeit wo ich sie unterrichtete so unglaublich schnell gelernt, dass ich ihr heute schon ein paar kleinere Reiningmanöver beibringen wollte. Und wer wäre dazu besser geeignet als unser von allen geliebter und top ausgebildeter Gun and Slide? “Gut reit ihn mal im Schritt und Trab warm, Galopp machen wir später.”, sagte ich zu ihr und schaute ihr von der Mitte des Platzes aus zu. Ich hatte den ganzen Tag noch kaum etwas gegessen und jetzt war es wirklich sehr heiß. Lediglich ein wenig Wind wehte und ein paar Wolken quetschten sich vor die Sonne, was unser Leben hier und heute ein wenig erträglicher machte. Betsy stellte sich gut an, sie hatte alles behalten, was ich ihr beim letzten Mal nahe gelegt hatte und setzte alles um. “Halt ihn noch ein bisschen mehr außen, damit er auf dem ersten Hufschlag läuft und nicht auf dem zweiten, das ist bei Turnieren wichtig.”
      “Guuut macht ihr das.”, lobte ich die Beiden und wies Betsy an, mit Blue zu mir in die Ecke zu kommen. “Wir üben jetzt Spins.”, sagte ich zu ihr und ein Grinsen legte sich auf ihr Gesicht. “Sowas schweres schon?”, fragte sie mich ganz entgeistert und ich lachte nur. “Schwer ist das nicht, Blue weiß auch, dass du das noch nicht kannst und wird langsam machen.”, erklärte ich ihr und sie nickte. “Setz dich jetzt mal ganz tief in den Sattel. Wir fangen rechts herum an. Dreh deinen Oberkörper dahin, wo du hinwillst. Gut. Dann nimm dein rechtes Bein ganz weit weg von Blues Körper. Nimm die Zügel nach rechts, die linke Hand aber nur bis zum Mähnenkamm, nicht weiter. Die rechte weiter, weiter… gut. Jetzt legst du dein linkes Bein an und schnalzt.”, erklärte ich ihr und ich sah, wie es in ihrem Kopf wirklich zu rauschen anfing. Doch sie machte alles was ich ihr gesagt hatte und Blue fing langsam an sich zu drehen. Da er doch sehr schlampte, was an der fehlenden Stärke von Betsy lag, präzise Hilfen zu geben, stellte ich mich neben seine Schulter und ging im Kreis mit, immer wieder tippte ich ihn vorne an, damit er auch wirklich das tat, was er sollte. “Wie du stehen bleibst, weißt du.”, sagte ich lachend zu Betsy und wartete, bis sie das Kommando zum Stehen gab. “Whoa.”, sagte sie und Blue blieb stehen. “Gut gemacht!”, lobte ich sie wieder und Betsy strahlte nun über beide Ohren. “Mach kurz Pause und dann versuchst du nochmal links herum.”, erklärte ich und ließ beide erstmal etwas verschnaufen. “Bein weg Betsy.”, sagte ich als sie sich links herum drehen wollte. Blue stand einfach nur und schaute zu mir. “Was hast du vergessen?”, fragte ich sie ganz ruhig, nicht tadelnd. Betsy ritt bei mir zum Spaß und das sollte auch noch eine ganze Weile so bleiben. “Weiß nicht?”, fragte sie unsicher. “Dreh dich in die Richtung, in die du willst. Und setz dich tief in den Sattel. Genau so, gut.”, erklärte ich ihr und schon drehte sich Blue in die gewollte Richtung. Ich half an der Schulter nochmal nach, doch es war gleich besser. Dann standen die beiden wieder und verschnauften. “Reit ihn noch ein wenig im Schritt und dann ist gut für heute, Ylvi hilft dir ihn fertig zu machen.”, sagte ich zu ihr und sie nickte. Ich konnte sie guten Gewissens alleine lassen, Betsy und Blue kamen mittlerweile wirklich super zurecht.

      Den ganzen Tag über hatte ich in der knallenden Hitze verbracht, war den ganzen Tag auf den Beinen gewesen und hatte weder Ylvi noch Max nochmal zu Gesicht bekommen. Zwischendurch war mir Bellamy noch auf die Nerven gegangen, ich müsse noch Zäune reparieren, doch darauf hatte ich heute wirklich keine Lust mehr. Mit einem Murren hatte ich abgewunken und ihm versichert, dass ich das am nächste Morgen direkt als erstes machen würde. Jetzt freute ich mich eigentlich nur noch auf ein kühles Bier und etwas zu essen, was ich mir am Morgen in den Kühlschrank gestellt hatte. Murrend stiefelte ich also in das Haus, welches ich auf meinen Wunsch hin bis jetzt nur mit Ylvi teilen musste. Bellamy hatte ein paar der Mitarbeiter hierher verlegen wollen, doch ich hatte ihn fast auf Knien angefleht, dieses Haus doch als Gästehaus zu lassen und nur mich hier wohnen zu lassen. Bellamy, der wirklich schnell weich zu kriegen war, hatte dem schlussendlich zugestimmt und nun bewohnte ich dieses Haus fast die ganze Zeit alleine. Es kamen noch nicht sonderlich viele Gäste. Ylvi war die einzige, die jetzt seit längerer Zeit hier wohnte und scheinbar so schnell auch nicht gehen wollte.
      Ich schloss nun also die Haustür, zog meine Stiefel an der Tür aus und stellte sie an ihren Platz. Ylvis Schuhe waren in die Ecke geworfen worden. Da hatte wohl jemand keine Lust mehr gehabt, sie an ihren Platz zu stellen. Auch mein Hut fand seinen Platz auf der Kommode und ich wuschelte mir einmal durch die blonden Locken, die durch den Hut ein wenig platt gedrückt waren. Mein Weg führte mich sofort ins Badezimmer, welches direkt neben der Haustür lag. Ich drehte den Wasserhahn auf und wusch mir einmal kurz die Hände und schließlich auch mein staubiges Gesicht. So ein Tag in der Sonne und fast überall umgeben von Sand und Staub hinterließ eben ihre Spuren…Dann ging ich in die Küche, hielt jedoch im Türrahmen inne. Da war sie wieder. Ylvi. Sie saß auf der Anrichte und hielt sich ein Bier, vermutlich meins, welches ich am Morgen in den Kühlschrank gestellt hatte, gegen die Stirn. “Das musst du aber mit mir teilen, ist eigentlich meins.”, sagte ich und verschränkte die Arme. Ylvi erschrak und ließ die Flasche beinahe fallen, sie hatte mich anscheinend noch nicht gehört. Fast in Zeitlupe kletterte sie von der Anrichte runter und lehnte sich mit dem Rücken daran. Unsere Blicke trafen sich, unausgesprochene Worte lagen in der Luft, bis ich mich schließlich vom Türrahmen abstieß und die Tür hinter mir zuzog, welche leise ins Schloss fiel.

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      Das Klicken verhallte im Raum, die Küche war groß, doch es gab wenig darin. Mit guten Ohren vernahm man deutlich das schließen der Tür. Es fand eine Taxierung über die Anrichte der Küche hinweg statt. Caleb lehnte sich dagegen. Ylvi, der aufgrund ihrer Größe die kleine Bar nur bis knapp unter das Schlüsselbein ging, musste sich auf die Zehenspitzen stellen um das Bier dort abzustellen. “Ihr habt hier in den Staaten wirklich grauenhaftes Bier, weißt du das?” Caleb griff nicht nach dem Bier, stattdessen lehnte er seine Arme auf die Anrichte. Der junge Mann beobachtete die kleinere Frau vor sich. “Wieso hast du es dir dann genommen?” “Na das wusste ich ja erst nachdem ich mir das Bier genommen hatte. Falls du dich an meinem Speichel also nicht ärgerst, darfst du den Rest sehr gern haben.” Für einen Moment begegneten sich ihre Blicke, hielten einander fest, beide vermochten nicht weg zu schauen. Da war etwas...sehnendes. Die Kraft, die Caleb in den wenigen Stunden über Ylvi gewonnen zu haben schien, besaß etwas glühendes, sengendes. Ylvi brach den Kontakt, sah auf die Anrichte, wusste sie dürfe nicht fühlen, nicht nachdem Max erst gegangen war. Trotzdem konnte sie das Gefühl von rauen Lippen auf den ihren nicht vergessen.
      Der blonde Mann hatte seinen Blick ebenfalls abgewandt, griff nun doch nach dem Bier. Er hatte lange überlegt, was er ihr antworten sollte. “Die Grenze haben wir eigentlich schon überschritten.”, sagte er grinsend und nahm einen langen Zug aus der Flasche. Ylvi hatte wieder aufgesehen und sah ihn verständnislos an. “Na über das Thema mit dem Speichel.”, sagte Caleb verschmitzt und lachte, ehe er ihr das Bier wieder hinhielt. Schulterzuckend nahm Ylvi die Flasche entgegen, doch sie musste sich dieses Mal etwas mehr strecken, da Caleb die Flasche höher gehalten hatte, damit sie diese nicht sofort erreichen konnte. “Du bist gemein.”, sagte sie zu ihrem Gegenüber, als sie die Flasche nun endlich erreicht hatte. Sie setzte die Öffnung an ihrem Mund an und leerte die restliche Flasche mit einem Zug. Provokant hielt sie sie ihm wieder hin. Caleb griff noch tatsächlich danach, hielt sie dann jedoch ins Licht und schwenkte sie einmal hin und her. “Das wars dann wohl mit dem Bier.”, murmelte der Mann und stellte die Flasche wieder auf der Anrichte ab. “Viel hast du mir ja nicht gegönnt.”, meinte er dann und schaute wieder zu Ylvi rüber, welche ihn nur grinsend ansah. “Es liegt nunmal nicht in meiner Natur zu teilen.” die junge Frau fischte die Flasche von der Anrichte. Hinter Caleb befand sich der Korb, in dem sie die Flaschen zu sammeln pflegten. Ganz bewusst war es Ylvi nicht, doch sie wollte die Anrichte zwischen ihnen los werden, zu sehr erinnerte sie die junge Frau daran wie unterlegen sie in der Größe dem blonden Mann vor sich war. Außerdem brauchte sie etwas zu tun. Die ganze Situation hatte etwas makabres an sich. Das Knistern in der Luft konnte keiner der beiden leugnen. “Trotzdem schulde ich dir wohl etwas. Deine List hat dazu beigetragen Max wohl dieses Mal für immer los zu werden.” Ylvi hatte die Flasche abgestellt. Lehnte sich nun auf Calebs Seite der Anrichte gegen das Holz. “List?” fragte er taxierend. Hatte er sich gerade einen Schritt nach vorn gewagt? Der junge Mann grinste, sah auf die kleinere Frau, wusste um seine Wirkung sah es in ihren Augen. Niemals hätte er es sich eingestanden, doch gerade in den letzten Stunden hatte er bemerkt wie ähnlich sie sich waren. Zumindest was ihre verqueren Ansichten zu anderen Menschen anging. Selten hatte er Frauen gesehen die ähnlich dachten, ähnlich fühlten. “Ich würde sagen ich habe ihm nur klar gemacht wie emotional unbrauchbar du bist.” Er gebrauchte dabei ihre Worte, er sah das Blitzen in ihren Augen vor Belustigung. “Ich sollte wohl unter die Dusche verschwinden.” flüsterte sie nur halb überzeugt, Ylvi zog sich zurück.
      Und zwinkerte?
      Vielleicht war es ihre Bewegung, das Zwinkern ihrer Augen. Im Gefecht der Situation fand sich die junge Frau gegen die Anrichte gepresst wieder, ihre Arme zwischen ihrer Brust und der Wand eingeklemmt. Ihr entwich ein überraschtes ‘Oh’ bei seiner schnellen Reaktion. Sie hatte ihn reizen wollen,ja. Hatte sie damit nicht gerechnet, nein.
      Er presste seinen Körper von hinten an sie, seine Hände besitzergreifend auf ihren Hüften, seine Lippen in ihrem Nacken. In einer anderen Situation hätte sie vielleicht Angst verspürt, jetzt war da nur ihre eigene Überraschung. Er spürte das rasen ihres Herzens anhand ihrer Halsschlagader, hörte ihr scharfes Einatmen als seine Lippen ihren Nacken küssten. Spürte wie sie sich nach hinten lehnte. Er lächelte, spürte wie sie auf ihn reagierte. “Ich wüsste ganz genau wie du mir dafür danken könntest.” Mit mehr Kraft als er der kleinen Person zugetraut hatte drehte sie sich in seinem Griff herum. Ihre Augen wieder funkelnd, vernebelt von Lust. Sie brauchte nicht lang um zu erkennen, das sie vor sich in ihren Spiegel blickte.
      Nun schien es um die beiden geschehen zu sein. Ylvi hatte sich in Calebs Armen umgedreht und schaute belustigt, gar fordernd zu ihm hoch. Caleb, der sich solch eine Aufforderung bestimmt nicht zweimal sagen ließ, fischte mit einer Hand seinen Hut vom Kopf, während die andere noch immer an Ylvis Hüften lag. Dennoch warf Caleb seinen Cowboyhut nicht unachtsam zu Boden. Er legte ihn auf der Anrichte ab und umfasste Ylvis Hüften dann wieder mit beiden Händen. Sie sahen sich kurz an, die Luft schien noch elektrisierender zu sein, als wenige Augenblicke zuvor. Ylvi schaute ihn noch immer an, atmete schwer, blieb aber stumm. Caleb hingegen fasste nun den Entschluss, dass es jetzt eh egal wäre, was gleich folgen würde. Dass sie beide Beziehungsunfähig waren, das war ihnen klar. Aber was sprach gegen ein wenig Spaß?
      Nach einer gefühlten Ewigkeit löste der blonde Mann sich aus seiner Starre, legte der kleineren Frau seine rechte Hand unters Kinn, hob es ein wenig an und drückte endlich seine Lippen auf die Ihren. Eigentlich hätte die Anspannung der Beiden abfallen müssen, doch genau jetzt baute sie sich noch mehr auf, wurde drängender und stärker. “Die Dusche ist groß genug für zwei.”, flüsterte Caleb ihr ins Ohr, ließ seine Hand wieder sinken, verteilte jedoch auf ihrem Hals und ihrem Schlüsselbein weitere Küsse. Hätten seine Hände die junge Frau nicht gehalten, dann wäre sie wohl in sich zusammen gesunken. Die Gefühle die er in ihr regte waren ihr natürlich nicht fremd, aber die Art wie er sie berührte. Er war besitzergreifend, dennoch sanft und zögerte nicht in seinen Taten. Caleb löste sich von Ylvi, nahm sie an der Hand, obwohl sie wollte, dass er nicht aufhörte. Eine Hand war um ihr Handgelenk geschlossen. Hätte man die Situation erst jetzt beobachtet hätte man ihn wohl für Rüde gehalten, in seiner Berührung lag jedoch keine Kraft. Ylvi ließ sich von ihm aus der Küche in den Flur leiten, sie widersetzte sich ihm nicht.
      Erst als sie spürte, dass er die Worte in der Küche ernst gemeint hatte, verlangsamte sie ihre Bewegung. Nicht etwa die Treppe hinauf wollte er, sondern den Flur bis zu seinem Ende, denn dort befand sich das Bad. Ihr Atem beschleunigte sich, ihr Hals wurde ihr plötzlich enger. Was sollte sie tun? Auch Max hatte diese Lektion schnell lernen müssen, Sex mit ihr gab es nur unter einer Bedingung...ihr Oberteil blieb an. Unter der Dusche hätte sie damit keine Chance. Caleb schien ihr zögern zu spüren, musste einfach das Zittern ihrer Hände merken. Fragend sah er sich zu ihr um, ihr Blick huschte in Richtung der Treppe. Sie fühlte sich wie ein zartes Reh in der Falle, wie er da auf sie zu kam und ihr wieder diese Küsse auf die Lippen setzte. Ohne Umschweife hob der Mann sie hoch. Ein Gefühl das irgendwo zwischen Panik und Verlangen lag überkam sie.
      So ganz konnte Caleb das Zögern, sogar das Zittern ihrerseits nicht verstehen. “Nicht unter der Dusche?”, flüsterte der Mann ihr ins Ohr, während er sie erneut gegen die Wand presste und ihren Hals mit Küssen übersäte. Sie schüttelte bestimmend den Kopf und erntete kurz einen fragenden Blick von Caleb, denn eben in der Küche hatte sie nicht den Anschein gemacht, als wöllte sie nicht. “Zimmer?”, flüsterte der blonde Mann dann und Ylvi nickte. Also schien es etwas mit der Dusche zu tun zu haben. Auch gut, dachte er und trug sie die Treppe hoch zu den Zimmern. Durch die ganze Arbeit hier auf der Ranch Tag ein Tag aus war es ihm wirklich ein Leichtes, Ylvi nach oben zu tragen und es strengt ihn auch kaum an. Er war zudem unglaublich froh, dass er zur Zeit noch alleine hier in diesem Haus wohnen konnte und dass nur die Gäste, die auf kurz oder lang auf der Ranch waren, hier untergebracht waren. Denn sonst hätte man sich solche Aktionen mit Sicherheit nicht erlauben können. Das Zimmer des Mannes lag direkt auf der linken Seite, weshalb er mit dem Fuß die fast immer nur angelehnte Tür aufstieß und Ylvi sanft aufs Bett legte. Da er gerade noch stand, zog er sich sein Hemd über den Kopf und stand nun oberkörperfrei vor ihr- und gerade er konnte sich so sehen lassen. Langsam ließ er sich wieder über Ylvi sinken und schob sie ein wenig weiter aufs Bett, damit er sich besser abstützen konnte. Da er sich nun halb ausgezogen hatte, war Ylvi auch dran und er fing an, ihr Shirt nach oben zu schieben. Langsam strich er es über den Bauch nach oben in Richtung Brust, ehe auch schon die Hand der zierlichen Frau auf der von Caleb lag und sie ihn erschrocken anschaute. Caleb wie er war hatte schon einen Spruch auf den Lippen, hielt sich aber zurück und fragte Ylvi stattdessen: “Wie war das mit Kontrolle abgeben?” Doch Ylvi änderte ihren Blick nicht, verstärkte nur den Druck auf der Hand des Mannes. “Egal wofür du dich auch zu schämen scheinst, Ylvi…”, fing er an und machte eine kurze Pause, ehe er sich mit seiner anderen Hand, die gerade nicht auf dem Bauch der Frau lag, an seine rechte Wange fasste: “Schlimmer als das hier kann es wirklich nicht sein.”
      Das schien sie überzeugt zu haben, zumindest ein bisschen, denn sie ließ zu, dass Caleb ihr Shirt noch ein wenig weiter nach oben schieben durfte, zumindest bis unter ihren BH. Dann legte sie erneut ihre Hand auf die Seine. “Narben beweisen doch eigentlich nur, dass man gekämpft und verdammt nochmal gewonnen hat.”, munterte er sie auf und setzte sich kurz auf. “Ich hab ja nicht nur das im Gesicht.”, erklärte er ihr dann. “Das stört mich wirklich. Aber schau mal.”, murmelte er und Ylvi merkte schnell, was er gemeint hatte. Überall auf seinem Oberkörper waren kleinere oder größere Narben, die auch an seiner Hüfte nicht aufhörten und unter dem Gürtel der Hose verschwanden. “So sehen Rodeoreiter eben aus… ehemalige Rodeoreiter.” Sie sog scharf die Luft ein als sie seine Narben sah, schluckte und unwillkürlich griff sie mit der anderen Hand an eine der Narben kurz über der Hose. Sie war lang, rötlich und sah aus als wäre sie mehrmals geöffnet worden. In ihr brach etwas, sie folgte der Narbe nicht länger, sah ihm stattdessen in die Augen. Sie brach den Kontakt nicht als sie seine Hand sanft von sich schob, mit der anderen Hand den Saum ihres Shirts griff und zögerlich nach oben über ihren Kopf schob. Falls er die Narben sah, die ihren linken Brustkorb zierten, so huschte sein Blick nicht dorthin. Er kniete sich vor ihr auf das Bett, langsam kam er auf ihren gestreckten Beinen zum Sitzen, stützte sich jedoch ab. Sein Gewicht lag nicht auf ihr, sein Blick hielt den ihren. Dann legte sie seine Hand unter ihre linke Brust. Ylvie trug keinen BH, keinen mit Bügeln sondern einen einfachen Sport-BH. Sie atmete zitternd ein. Sie hatte nicht gewusst wie empfindlich die Haut dort sein konnte, niemals hatte sie jemand dort berührt. Caleb lehnte sich nach vorn, schien die Narben für die sie sich jahrelang geschämt hatte zu ignorieren und küsste sie nun wieder gierig auf die Lippen. Sie hätte ihm nichts erklären können, selbst wenn sie gewollt hätte. Sein Kuss nahm sie mit, sie lehnte sich ihm entgegen. Zuckte nur kurz zusammen als sich seine rauen Hände ohne Umschweife unter den Stoff des BH’s auf ihre Brüste legten. Williger als für möglich gehalten ließ sie sich den Stoff über den Kopf ziehen. Rein aus Reflex wollte sie ihre Blöße bedecken, doch nun waren da wieder seine Hände. Sie packten ihre Handgelenke,nahmen sie fort über ihren Kopf während sein Oberkörper sie von ganz allein in die Laken des Bettes presste. Erst dann wanderte sein Blick auf ihren Oberkörper.
      Ylvis Narben sahen übel aus, ihre linke Brust war ebenfalls deformiert bzw. sah eben anders aus, als ihre rechte. Doch das waren eben keine Makel, es waren die Überreste gewonnener Kämpfe und dafür musste sich weiß Gott niemand schämen, das wusste er zu gut. “Irgendwann erzähl ich dir mal von meinen.”, sagte der junge Mann unvermittelt und schaute Ylvi wieder in die Augen. “Jede von Ihnen hat ihre eigene Geschichte. Die einen gut, die anderen weniger gut… Aber jetzt genug davon.”, sagte er und machte sich an seiner Hose zu schaffen, die mitsamt Socken sehr schnell ausgezogen hatte. So stützte er sich nun, nur noch in Boxershorts bekleidet, über Ylvi ab und seine Lippen fanden wieder die Ohren, ehe er weiter nach unten über ihren Hals bis zu ihren Brüsten wanderte und mit seinen Händen weiterhin über ihren zarten Körper strich. Irgendwann machte er sich auch an ihrer Hose und Unterwäsche zu schaffen, welche schnell ihren Platz auf dem Boden fand- ebenso seine Boxershort.

      Am nächsten Morgen war Caleb drauf und dran aufzustehen, doch als er sich umdrehte, lag die zierliche Frau noch immer neben ihm. Diese schaute ihn durch ihre Haare unauffällig an. “Bin das gar nicht gewöhnt, dass hier jemand neben mir liegt.”, murmelte er, ehe er sich im Bett aufsetzte und sich einmal durch die blonden Locken fuhr. Seine Boxershort hatte er wieder an, weshalb er sich hinstellte und sich einmal streckte. Die ersten Sonnenstrahlen schienen durch das Fenster und leuchteten Caleb, das Bett und die darin liegende Ylvi an. Erst nachdem er sich gründlich gestreckt hatte drehte er sich wieder zu der Frau um. “Guten Morgen, ganz vergessen.”, sagte nett und fing dann an, in seinem Schrank neue Kleidung für den heutigen Tag zu suchen. “Ich schätze mal du willst bestimmt heute morgen duschen?”, fragte er sie dann und sie nickte. Mittlerweile hatte auch sie sich im Bett aufgerichtet, aber das Laken um ihren Körper geschlungen. “Dann geh ich unten und du hier oben, wer zu erst fertig ist macht Frühstück.”, sagte Caleb lachend und verschwand dann aus dem Zimmer.

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      Ylvi
      Ich sah ihm nicht lange hinterher, sondern ließ das Laken fallen, sammelte meine Sachen auf die über dem Boden verteilt waren und schlich hinüber in mein Zimmer. Dort griff ich mir lediglich neue Sachen, ein Handtuch und huschte in das Bad. Ich war noch nie jemand gewesen der sich dabei lange aufhielt. Ich entwirrte meine Haare aus dem halben Zopf den ich am Abend nicht entfernt hatte. Nebenbei stellte ich die Dusche an, dann schlüpfte ich darunter. Wie aus Reflex roch ich an meinem Arm, der noch immer leicht fleckig war vom Staub. Neben dem dominaten Geruch von Pferd, nahm ich auch den von Caleb wahr. Während ich meine Haare wusch, tanzten Bilder der letzten Nacht durch meinen Verstand.
      Das mit Caleb war seltsam. Ich hatte ihn niemals in Betracht gezogen. Als er mich hier auf dem Hof so überaus freundlich begrüßt hatte, die Art wie er mir die Stunden mit Valravn manchmal zur Hölle machte. Niemals. Und doch war es passiert. Was mich an dem ganzen jedoch am meisten faszinierte...ich hatte meine Scham über Bord werfen können. Niemals hatte mich ein Mann dazu gebracht, aber dieser raue Typ, mit seinen Narben hatte mir gezeigt das es nichts gab dessen ich mich schämen brauchte. Außenstehende könnten vielleicht vermuten ich ginge leichtfertig mit meinen Sexpartnern um…Doch wusste um seine macht, ich schlief nicht einfach mit irgendjemandem. Vor Max hatte es nur einen gegeben, mit Caleb waren es drei. Sie alle hatten mich Dinge gelehrt. Der Austausch von Energien war etwas heiliges, Energie trug weiter.
      Als ich aus der Dusche kam, schlang ich mir das kleine Handtuch um die Haare, zog den BH an, ein schwarzes Top und schlüpfte in die Reithose. Mit dem austreten aus der Dusche schüttelte ich meine Grübeleien ab. Was brachten sie mir jetzt? Ich zog die Hosenbeine nach oben - denn es war erst 7 Uhr und trotzdem schon unfassbar warm. Dabei fiel mein Blick auf die stoppeligen Beine. Well...das könnte ich auch mal wieder stutzen. Zuckte für den Moment jedoch die Schultern, schlüpfte noch in Socken.
      In der Küche sah ich niemanden, also schien ich die erste zu sein. Entwaffnend betrachtete ich den Kühlschrank...Speck, Eier und eine einzelne verschrumpelte Zwiebel. Wer war eigentlich mit dem Einkauf an der Reihe? Ich zuckte die Schultern, angelte nach einer Pfanne, goß Öl hinein und stellte sie auf den Herd. Nebenbei schnippelte ich den Speck und die Zwiebeln. Mit geübten Fingern landete dieses Gemisch in der Pfanne. Nebenbei öffnete ich die Eiverpackung - 6 ihrer Sorte würden ja wohl für uns reichen? Gerade als ich die Eier am Rand der Pfanne zerschlug betrat Caleb die Küche, Oberkörperfrei. “Der Kühlschrank gab nur Rührei her. Haben wir noch Brot?” überging ich seine Aufmachung. Was sollte ich auch tun? In der vergangenen Nacht hatte ich durchaus mehr gesehen.

      Caleb
      Ich hatte gar nicht vor mich wirklich zu beeilen, denn ich wollte mal sehen, was Ylvi aus dem Wenigen, was hier im Haus zu holen war, machen konnte. So ging ich gemütlich die Treppe hinunter, denn ich hatte ja ihr das obere Bad überlassen, und legte meine Kleidung auf den Boden. Ich stellte das Wasser an, eher kalt als warm, denn es war draußen eh schon warm genug und heute sollte es nochmal wirklich heiß werden, ehe ich mich unter die Dusche stellte. Ich war noch nie jemand gewesen, der über alles und jeden nachdachte. So auch jetzt nicht, denn meine Gedanken lagen schon wieder bei den Aufgaben für den heutigen Tag. Ich sollte den Zaun an der hinteren Stutenkoppel reparieren. Bellamy hatte davor schon ein paar Litzen gezogen, so dass die Pferde gar nicht mehr bis an den Zaun dran kamen. Der Weg dorthin ging am Rand des Flusses vorbei, also konnte ich mit dem Pferd gemütlich durch den Fluss reiten. Das Equipment hatte Bellamy mir gestern auch schon dort hingebracht.
      Was stand heute noch auf dem Plan? Vulture musste ich natürlich nochmal machen und auch Ginger Rose war heute wieder dran, sie hatte gestern Pause gehabt. Kaum hatte ich meine Gedanken zu Ende geführt war ich auch fertig mit Duschen. Ich zog mir die Boxershort an, eine weite Jeans und Socken. Durch meine Haare wuschelte ich einmal durch und beließ es dann dabei, die würden schon schnell genug trocknen. Das Handtuch und die alten Klamotten flogen in den Wäschekorb, ehe ich mir mein Hemd schnappte und in die Küche ging. Anziehen wollte ich es erst, wenn ich nach draußen ging- und stören konnte es Ylvi wohl nach letzter Nacht auch nicht mehr.
      In der Küche angekommen war Ylvi schon fleißig dabei Frühstück zu machen. Ich legte mein Hemd über den Stuhl und drehte mich ihr dann wieder zu, während ich sichtlich über ihre Frage nachdachte. “Ich glaube…”, antwortete ich und suchte die Schränke ab. “Ah, hier!”, rief ich irgendwann triumphierend aus und hielt meinen Fang in die Luft. “Toast.”, sagte Ylvi leicht abfällig und ich zuckte mit den Schultern. “Besser als gar nichts, oder?”, sagte ich und stellte es auf den Tisch. “Wieso hast du hier eigentlich kaum etwas zu essen?”, fragte Ylvi mich dann, während ich zwei Teller, Messer und Gläser auf den Tisch stellte. “Mittags essen wir immer alle zusammen im Haupthaus, deshalb brauch ich dafür hier nichts zu haben, und Frühstücken tu ich selten. Abends ist es eh meistens nur Bier. Das wird hier nie ausgehen- naja… gestern schon. Aber ich hatte auch keine Zeit zum Einkaufen.”, quasselte ich vor mich hin und war selbst erschrocken, wie viel ich in einem Satz gesagt hatte. “Aber jetzt lass uns essen.”, murmelte ich schließlich und Ylvi brachte die Pfanne auf den Tisch.
      Wir aßen in aller Ruhe und quatschten ein wenig über die Ranch und die Pferde, ehe wir schnell zusammen abspülten und ich dann auch mein Hemd anzog. Ich öffnete meinen Gürtel und den Knopf meiner Hose, damit ich das Hemd ordentlich dort hinein gesteckt bekam, ehe ich aus dem Augenwinkel Ylvi beobachtete, wie sie mir dabei zusah. Als ich sie ansah grinste sie nur, sagte jedoch nichts. “Glaub bloß nicht, dass wir letzte Nacht jetzt wiederholen.”, murmelte ich und wandte mich zum Gehen. Was auch immer sie jetzt sagen wollte ignorierte ich gekonnt, schnappte mir meinen Hut von der Anrichte, zog mir im Flur die Stiefel an und ging aus dem Haus, wo ich sofort in Bellamy hinein lief. Anhand der zufallenden Tür und den Schritten hinter mir hörte ich, dass Ylvi nun auch draußen stand. “Caleb da bist du ja. Du reparierst als erstes den Zaun bei den Stutenkoppeln..”, befahl er mir und ich rollte nur mit den Augen. “Yes.”, sagte ich nur und wollte eigentlich gehen, da fing er wieder an zu reden. “Hey, Ylvi. Stopp mal.”, rief er der jungen Frau nach, die auch schon gegangen war. Sie drehte sich auf dem Absatz um und sah wieder zu uns rüber. “Du kannst ihm eigentlich helfen. Dann hat der arme wenigstens Gesellschaft.”, befahl Bellamy, klopfte mir auf die Schulter und ging. Na toll. Ich schaute zu Ylvi und schüttelte augenrollend meinen Kopf. “In einer halben Stunde vorm Stutenstall.”, sagte ich nur und ging meiner Wege.

      Ylvie
      In meiner halben Stunde Zeit versorgte ich meine drei Schätze mit Wasser, füllte ihre Heunetze auf und stellte schonmal die Schubkarre in den Weg. Anschließend pfiff ich mir Ravn heran, mein Zeug befand sich eh in der Sattelkammer - nicht weit weg vom Stall der Stuten. Brav folgte der Scheckwallach mir am Strick, mittlerweile schien sich das Pferd wunderbar an die Hitze hier gewöhnt zu haben. Die Hitze hier war zumindest anders, der Schweiß trocknete beinahe direkt auf der Haut wieder. Mein Problem mit dem Trinken war aber nach wie vor da - ich trank einfach zu wenig. Mittlerweile trug ich immer eine kleine Plastikflasche bei mir am Gürtel, zusätzlich zu meinem Leatherman. Am Stall angekommen erwartete mich bereits Bellamy, zusammen mit zwei Pferden. Die Stute erkannte ich als Wimpys Little Devil, den anderen nur flüchtig vom sehen, allerdings war mir der Name nicht geläufig. Wollte er ein drittes Pferd nehmen um noch ein paar Dinge zu transportieren? “Dann beeilen wir uns am besten mit dem Satteln, nicht das wir in der Mittagshitze noch immer mit dem Zaun beschäftigt sind?” fragte ich ihn geschäftlich.

      Caleb
      Ich hatte mich direkt auf den Weg zum Hengststall gemacht, um nach Vulture zu schauen. Er hatte die Nacht auf seinem kleinen Koppelstückchen verbracht und lag dort noch immer im Gras. “Da hatte jemand aber eine lange Nacht, länger als ich?”, fragte ich den Hengst amüsiert und beim Klang meiner Stimme stand er auf und kam zu mir an den Zaun. Ich hatte mir im Stall eine Möhre geschnappt gehabt und hielt sie ihm hin. Genüsslich fraß er sie. Eine kurze Zeit blieb ich auch stehen, ehe ich in den Stall ging und das Kraftfutter für die 16 Hengste fertig machte. Es war morgens nicht viel, nur eine halbe Schippe Hafer und eine halbe Schippe Müsli, doch es reichte, dass sie sich jeden Morgen darauf freuten. Ich verteilte also das Futter an die Pferde und ging dann zum Stutenstall, um den sich Laurence heute morgen schon gekümmert hatte. Dort traf ich auch schon auf Bellamy mit Devil und Cielos an der Hand. Auch Ylvi war schon da, sie hatte Ravn mitgebracht. “Mit dem kommst du aber nicht mit.”, sagte ich plump zu der jungen Frau. “Wir brauchen da draußen Ranchpferde, nicht sowas wie Ravn. Kannst den wieder wegbringen, du nimmst den Wallach.”, sagte ich zu ihr und übernahm die Pferde von Bellamy mit einem Nicken. “Ich hab das Werkzeug schon zur Koppel gefahren, hab ich ja schon gesagt. Nehmt Satteltaschen mit dann könnt ihr den Rest wieder mitbringen.”, erklärte Bellamy uns und ich nickte. “Dann bring du Ravn weg, ich sattel die zwei hier schon mal.”, sagte ich dann zu Ylvi.

      Ylvi
      Ich öffnete den Mund, wollte protestieren, dann schloss ich ihn wieder. Was sollte ich sagen? Er hatte Recht. Ravn war nicht geeignet für die Rancharbeit...er verzieh Fehler nicht gut, stieg. Das konnten wir nicht gebrauchen. Also nickte ich, drehte mich gerade um. “Was denn keine Widerworte?” kam es von Caleb. Ich lächelte zynisch. “Touché.” zwinkerte.
      Ich brachte Ravn zurück zu seinen Stuten, der das zu genießen schien. “Treulose Nudel.” murmelte ich. Hängte das Halfter an den Haken des Offenstalles.
      Mit schnellem Schritt lief ich in Richtung Stutenstall zurück. Caleb hievte gerade den Sattel auf das mir unbekannte Tier. Ich angelte nach der Trense, hielt sie ihm hin. Streichelte über den Hals des Tieres. “Also...stellst du uns vor?”

      Caleb
      Da es doch ein Stückchen vom Stutenstall zu Ylvis Offenstall war, band ich die beiden Pferde am Balken vor dem Stall fest und putzte einmal schnell über. Sie waren ein wenig staubig aber sonst auch nichts. Beide Schweife flocht ich schnell ein und aus der Mähne machte ich je vier bis 5 einfache Zöpfe, damit der Wind ein wenig besser an den Hals kam und die Pferde dort nicht so schwitzten. Devil hatte ich schon fertig gesattelt und war gerade dabei, den Sattel auf Gipsy zu legen, als Ylvi- ohne Ravn, zurückkam. Dankend nahm ich die Trense entgegen und holte mir den Kopf des Braunfalben zu mir rüber, ehe ich ihm das Kopfstück anlegte. Wir hatten heute einfache Wassertrensen drauf, für unterwegs reichte das und einhändig konnte man die sowieso immer reiten. “Das ist Cielos, also wir nennen ihn alle Gipsy. Mit eines der ersten Pferde, die Verena hatte. Ein wahnsinnig tolles Pferd einer wahnsinnig tollen Frau.”, erklärte ich Ylvi und sah ihren fragenden Blick. “Jaja.. später vielleicht.”, speiste ich sie nur ab und drückte ihr ihr Pferd in die Hand. Ich befestigte noch schnell die Satteltaschen bei Gipsy und Devil und trenste dann auch meine Stute. “Los gehts. Sei lieb zu dem Wallach.”, sagte ich zu Ylvi und funkelte sie kurz an, ehe ich aufstieg und darauf wartete, dass sie es mir gleich tat. “Ganz ungewohnt so viel im Westernsattel zu sitzen, was?”, fragte ich sie lachend und trieb meine Stute vorwärts. Bis zur Stutenkoppel war es ein gutes Stück. Zu erst durch den Wald und dann eine ganze Weile am Fluss entlang, oder eben hindurch, wie wir das wollten.

      Ylvi
      Auf der Ranch gab es wahnsinnig viele Pferde, besonders welche die für die Rancharbeit geeignet waren. Wieso setzte er mir ausgerechnet dieses unter den Arsch? Ich spürte das war ein heikles Thema. Ich strich dem hübschen Wallach über die Nase, sah ihm in die Augen und reflektierte mich selbst. In Gedanken stellte ich mich ihm vor, das mochte albern sein. Ich hielt es jedoch nicht dafür. Dann strich ich über seine Nüstern, die neugierig an meiner Hand rochen. Dann sammelte ich die Zügel, setzte einen Fuß in den Sattel und zog mich hinauf. Dieser hier war für mich fast ein wenig zu groß, allerdings trotzdem überaus bequem. “Ich bin immer gut zu Pferden, Caleb. Ich glaube das solltest sogar du schon gesehen haben. Und...ja es ist ungewohnt, aber nichts woran ich mich nicht gewöhnen kann. Ich bin durchaus flexibel.” Ohne eine wirkliche Erwiderung setzte Caleb seine Stute in Bewegung. “Na komm Gipsy wir packen das schon.” flüsterte ich, folgte im Trab Caleb und parierte den Wallach erst durch als ich auf seiner Höhe war. Die Sonne schien bereits erbarmungslos vom Himmel, dabei war es gerade einmal 8 Uhr. Langsam verstand ich warum Caleb einen Hut trug. Ich fischte aus meiner Hüfttasche meine Sonnenbrille, sonst würde ich heute Abend Muskelkater im Gesicht haben vom ständigen verziehen der Gesichtszüge. Da niemand ein Gespräch begann schwieg auch ich, spielte mit dem geflochtenen Zopf des Wallachs. Seine Farbe gefiel mir, er hatte einen gemütlichen, weit ausschreitenden Schritt. Ich musste nichts tun damit er das Tempo hielt. Verena Schoss es mir durch den Kopf, ich konnte nicht leugnen das ich den Namen nicht kannte. Bevor ich mich auf die Anzeige von Bellamy gemeldet hatte, da hatte ich natürlich meinen zukünftigen Arbeitgeber gegoogelt. Ich hatte vom Unglück der Gips Reminder Ranch gelesen. Und unweigerlich hatte ich damit natürlich auch von Verena O’Connor gelesen. Daher mochten die Narben in seinem Gesicht stammen? Sie sahen aus wie Brandnarben. Aus dem Schleier meiner Haare sah ich ihn von der Seite her an. Was hatte er gesagt? Jeder von uns trug seine Narben? Recht hatte er...auch ich trug nicht alles meiner Gefühlswelt zu den Menschen hinaus. Ich fühlte mich seit diesem Morgen befreit, befreit von einer Angst. Einfach weg gewischt und das hatte dieser verschrobene Cowboy geschafft. Die Nornen trieben wirklich ein seltsames Spiel mit uns. Wieso mich das zum Lachen brachte konnte ich nicht sagen.

      Caleb
      Eine ganze Weile schwiegen wir beide und ließen uns einfach nur von unseren Pferden tragen. Irgendwann fing Ylvi an, in sich hinein zu lachen. “Wieso lachst du?”, brach ich die Stille doch sie winkte lediglich ab. “Nicht so wichtig.”, murmelte sie nur und konzentrierte sich wieder auf den Wallach unter ihr. “Gipsy ist ein tolles Pferd. Devil hier auch. Anfangs war sie nicht auszuhalten. So ein doofes Vieh.”, erklärte ich Ylvi und sie sah mich fragend an. “Auch dieses Pferd wollte Verena unbedingt haben… sie hatte wirklich ein Händchen für schwierige Pferde… Wimpys Little Devil heißt sie eigentlich, und glaub mir die war wirklich ein Teufel, als sie auf der Gips Reminder Ranch ankam. Als Fohlen ging sie auf andere Pferde los und als sie endlich von ihrer Mutter und der Herde getrennt war, ging sie auch auf Menschen los. Dann stand sie nur auf der Koppel rum, bis Verena sie kaufte. Ich kann mich noch an die Diskussionen erinnern… aber die Farbe sei doch so hübsch.. und die würde sich so gut in der Zucht machen… ja… genau das Gleiche hat sie mit Zues gemacht.. die Geschichte muss ich dir mal erzählen, da hat sie mir doch tatsächlich eine Ohrfeige gegeben und mich vom Hof geschmissen.”, ich fing an zu lachen. Die guten alten Zeiten. Wir waren jetzt aus dem Wald heraus und ritten in Richtung des Flusses. “Wir gehen zu erst ein Stück am Fluss vorbei, dann können wir durchreiten.”, erklärte ich Ylvi und schaute zu erst zu ihr, dann wieder geradeaus.


      Ylvi
      “Dafür das du sonst so Wortkarg bist, hast du mir in der letzten Zeit aber eine ganze Menge an Geschichten zu erzählen.” Ich vermisste den Wald fast augenblicklich als wir ihn verlassen hatten. Allerdings sah der Fluss inmitten des roten Sandes auch ziemlich verlockend aus. Ich fummelte in einer der Satteltaschen die Wasserflasche hervor, nahm einen Schluck und folgte dann Caleb am Fluss entlang. Der Pfad ließ ein nebeneinander nicht mehr zu, Gipsy fand seinen Weg sicher. Wobei ich mir sicher war...bis hierher hätte Ravn seine Sache sicher auch gut gemacht. “Wenn diese Pferde hier auch alle Mal nicht zuverlässig waren. Meinst du nicht man könnte aus Ravn auch ein Ranchpferd machen,oder ist da alles hoffnungslos?” Insgeheim hätte ich Verena sehr gern kennengelernt. Wie lange Caleb wohl für sie gearbeitet hatte? Ich hörte aus seinen Worten, das er in seiner Art sein Herz an diese Frau verloren hatte.

      Caleb
      “Ach, ich habe sonst nie jemanden der mir zuhört.”, lachte ich auf ihre Aussage hin, dass ich in letzter Zeit doch sehr gesprächig geworden war. Zu gerne dachte ich an unser Kennenlernen, nachts im Offenstall. Da war ich doch um einiges netter geworden als damals, dachte ich mir auch betrachtete den Fluss, in dem auch nicht mehr wirklich viel Wasser zu finden war. Es sollte also kein Problem darstellen, gleich dort hindurch zu reiten. Der Pfad wurde schmaler und ich ritt vor, da ich das Gelände auch besser kannte als Ylvi. Sie folgte mir schweigend, ehe sie mir eine Frage zu ihrem Ravn stellte. Ich lachte kurz auf und drehte mich zu Ylvi um. Auf mein Lachen hin sah sie mich verärgert an, ihre Frage war durchaus ernst gemeint gewesen. “Bis hierher hätte Ravn die Strecke mit Sicherheit auch geschafft, durch den Fluss wäre er vielleicht auch gegangen. Aber gleich an der Koppel binden wir einfach die Zügel am Sattelhorn fest, stellen die Pferde zum Grasen ab und dann heißt es Whoa. Das ist das Kommando zum Stehenbleiben. Sie halten sich dann auch in unserer Nähe auf. Und wenn sie zu weit weggehen, pfeife ich und sie kommen zurück. Sollte etwas sein, kann ich auf ihren Rücken springen und im Galoppieren die Zügel losknoten, während ich sie nur mit meinen Beinen und meinem Gewicht lenke. Drauf und los sag ich da immer- und es ist egal wer da drauf sitzt. Auch bleiben sie in jeder Situation ruhig. Auch wenn Pferde Fluchttiere sind, diese Pferde sind da ein wenig robuster. Das macht die Ranchpferde aus.”, erklärte ich Ylvi und sah in ein staunendes Gesicht. Gleich nach meiner Beschreibung lenkte ich Wimpy zum Fluss runter und wir gingen mit lautem Plantschen hinein. “Guut machst du das.”, lobte ich sie und wartete auf Ylvi, um zu sehen, ob sie keine Probleme hatte.

      Ylvi
      Nur ich hörte ihm zu? Na da übertrieb er jetzt aber, es gab schließlich genug Leute auf der Ranch. Aber bei genauerer Betrachtung, sah man ihn auch oft allein arbeiten. Allerdings mochte ich seine Art mit den Pferden zu arbeiten. Er hatte oft genug Feingefühl bei Ravn gezeigt, wenn er ihn Korrektur Ritt. Ich hatte ihn mit Vulture arbeiten sehen. Er war eben ein ganzer Horseman, das machte auch seine Ruhe aus. Sie färbte ab. Ich versuchte nicht krampfhaft ein Gespräch zu führen...das Schweigen fühlte sich nicht unangenehm an, sondern ich konnte gut einfach den eigenen Gedanken nachgehen. Ich hörte gespannt wie er von den Fähigkeiten der Ranchpferde berichtete, lächelte. Offensichtlich hatte er nie gesehen wie ich Ravn zu mir rufen konnte und der gescheckte Wallach im Trab auf mich zukam. Das ganze nahm ich ihm nicht übel, natürlich war mein Wallach im Nachteil, Gipsy und Wimpy und alle anderen Quarter waren seit Generationen für diese Art von Arbeit gezüchtet worden.
      Gipsy ging aufmerksam die Uferböschung hinab und suchte sich am langen Zügel einen Weg durch das Flussbett. Ich genoss dabei die Wasserspritzer die an meine Beine gelangten. “Na dann dauert das noch eine Weile mit Ravn” feixte ich als ich neben ihm war. “Mit was genau reparieren wir jetzt eigentlich den Zaun? Draht?” wir mussten nicht mehr lang unterwegs sein.

      Caleb
      “Die Pferde lernen das natürlich auch nicht immer ganz so leicht. Wir haben solche Fußfesseln, die die Pferde an die vorderen Beine gemacht bekommen. Damit können sie sich nicht schnell bewegen und lernen somit, ihren Fluchttrieb zu unterdrücken. Früher, wenn wir mit den Rindern manchmal ein paar Tage unterwegs waren haben wir die benutzt, wenn wir geschlafen haben. Das war auf jeden Fall besser, als die Pferde anzubinden.”, erklärte ich Ylvi. Es gab viele Gegner dieser und anderer Methoden, doch für uns war sie am praktischsten gewesen. Wir ritten etwas weiter den Fluss entlang und auf ihre Aussage zu Ravn nickte ich nur. Auf ihre Frage, mit was wir den Zaun denn reparieren würden, antwortete ich: “Ja, mit Draht aber auch mit Holzbrettern.” Da waren sie wieder, meine kurzen und knappen Antworten. Viel mehr sagte ich auch nicht mehr, bis wir am Zaun ankamen. Bellamy hatte vor dem Zaun großflächig mit weißem Flatterband abgesperrt, damit die Stuten nicht doch noch auf die Idee kamen, auszubüxen.

      Ylvi
      “Die Hobbel kenn ich sogar bereits. Mit Fylgia war ich schon einmal auf einem Wanderritt, da haben wir die Pferde daran gewöhnt und dann über Nacht so stehen gehabt.” In meinem Gedanken tauchte ein Bild von Stacheldraht auf, wie er in Gründerzeiten genutzt wurde um die Herde der Bisons vom Land der Bauern zu halten. Damals als noch Natives ungezwungen durch das Land gezogen waren. So hier auf dem Pfad reitend konnte man sich fast an diese Zeiten zurück erinnern. Als Kind war ich unfassbar fasziniert von Indianern gewesen. Hatte alles an Literatur verschlungen, sogar als Jugendliche versucht Lakota zu lernen, aber nie weiter verfolgt.
      Die Uferböschung war steiler auf dieser Seite, ich beugte mich nach vorn griff mit der freien Hand nach dem Sattelhorn. Als wir oben waren drehte ich mich nach dem Pfad um. Da nachher wieder runter? Hui! Aber nun ließ die Vegetation es wieder zu das beide Pferde nebeneinander her ritten. “Weißt du was...wenn wir schon in der Erzählphase sind. Stell mir auch gern Fragen. Es wäre ungerecht das ich dich Löchere und du keine Geschichten zu hören bekommst. Meinst du nicht? So als Freunde?”

      Caleb
      Der Weg lief in Weide über und Ylvi konnte mit Gipsy wieder neben mich reiten. Devil legte die Ohren an und holte aus, um nach dem Wallach zu schnappen, doch ich korrigierte sie, bevor sie ihre Attacke ausführen konnte. Manchmal war sie eben doch noch ein Biest und die alten Muster kamen wieder raus. “Tzzzzz.”, zischte ich, als sie es erneut versuchte und zog ihren Kopf urplötzlich herum. Ich konnte solch ein Verhalten absolut nicht leiden, und so konnte sie in der Mittagshitze kleine Volten drehen. Ich hielt schickte ihre Hinterhand fleißig nach außen, so dass sie nicht anfangen konnte, Spins zu drehen, denn diese wären ja nicht sonderlich schwer für sie gewesen. Ylvi und auch Gipsy schauten uns nur verdattert an, Ylvi sagte aber nichts dazu. Sie hatte das Schnappen von Devil mitbekommen und wusste auch, dass wenn ich auf eins pochte, dann gut erzogene Pferde- und da ging es eben auch nicht immer ganz so rosig zu. Als ich Devil wieder neben sie lenkte, behielt sie ihre Ohren zwar hinten, setzte aber nicht erneut zum Schnappen an. Erst dann konnte ich auf Ylvis Frage antworten. “Freunde? Ich hab dich fast erschossen und wir hatten Sex, macht uns das zu Freunden?”, fragte ich sie und setzte mein süffisantes Grinsen auf, bis wir beide in Lachen ausbrachen. “Hmm na gut. Wo kommst du eigentlich her und wie lief dein Weg bisher, dass du jetzt hier bist?”, fragte ich sie, stieg dann aber von Devil ab und knotete die Zügel am Sattelhorn zusammen, ehe ich sie grasen ließ. Ylvi tat es mir gleich und ich ging dann auf den kaputten Zaun zu. Zu erst verschaffte ich mir einen Überblick, ehe ich mich jedoch unter den Baum in den Schatten stellte. “Wir müssen ja nicht sofort anfangen.”, meinte ich nur zu Ylvi und sie nickte.

      Ylvi
      Touché, Sex machte uns vielleicht nicht unbedingt zu Freunden..aber er hielt die Fassade nicht lang bis er aufrichtig begann zu Lachen. Das ließ mich mit einstimmen. Ich entnahm den Satteltaschen wieder die Flasche mit Wasser. Der Versuch im Gehen bei steinigem Untergrund zu trinken endete mit einem Haufen Wasser das mir das Kinn hinab in den Ausschnitt lief. Na wunderbar. Ich wischte es hastig fort, dann leistete ich ihm im Schatten des Baumes Gesellschaft, reichte ihm das Wasser. Ich sank einfach auf den Boden, lehnte mich an den Baum. “Ein Autounfall hat mir diese hübsche Narbe verpasst als ich klein war..ich wäre fast gestorben daran. Lange habe ich nicht gewusst was es war, nur das meine Mutter am Steuer gesessen hatte. Unser Verhältnis war irgendwie schon immer gestört, je älter ich wurde desto mehr wurde mir klar das sie an der Flasche hing. Irgendwas aus der Vergangenheit, ich habe nie erfahren was es auslöste. Ich bin mit Beginn meiner Ausbildung ausgezogen, hab das ganze nicht mehr verkraftet. Die Pferde, das Reiten...mein Vater hat mich da unterstützt, das hat mir mein Leben erhalten. Der Auszug half das Verhältnis zu meiner Mutter ein wenig zu bessern. Aber im Grunde. Du kannst nicht heilen an dem Ort der dich krank machte. Also fiel es mir gar nicht schwer meine Sachen zu packen und hierher nach New Mexico zu kommen.” Caleb hatte sich inzwischen neben mich an den Baum gesetzt. Ich sah ihn nicht an, schaute nach vorn in die Landschaft und die beiden Pferde die so wunderbar verstanden im Moment zu Leben. Das hatte ich erst Lernen müssen...und wirklich gut war ich in manchen Sachen immer noch nicht damit. Das mit meiner Mutter ging mir seit je her mehr an die Rippen als es gehen sollte. Manchmal fragte ich mich ob vielleicht ich der Grund war? War ich so verkorkst geraten das meine Mutter damals zur Flasche griff? Natürlich...wenn sie nach einem Streit neben mir saß, kniete und weinte und mich um Entschuldigung bat war ich nur allzu willig ihr diese zu gewähren. Es zerriss mich innerlich. Eine Mischung aus Hass...und der Liebe, der Gedanke das sie doch schließlich meine Mutter war, die mich geboren hatte und mir im Grunde nichts böses wollte. Etwas unaussprechliches ging dann in mir vor...die Bilder gingen mir nicht aus dem Kopf. Damals war ich vor ihnen geflüchtet, bei meinem Auszug, hatte sie einfach ausgesperrt. Ich hatte mir Hilfe holen wollen. Aber wie erklärt man einem Psychologen das Träume einen verfolgen seine eigene Mutter zu verletzten? Also schwieg ich und machte das mit mir selbst aus. Vielleicht war ich auch deswegen hier in New Mexico gelandet. Allerdings konnte ich mir selbst darauf keine Antwort geben. Also konnte ich diesen Teil auch Caleb nicht sagen. Ich war mir sicher...irgendwann konnte ich eine Antwort darauf geben, momentan jedoch fehlte mir diese Erkenntnis.

      Caleb
      Natürlich hatte ich gesehen, wie das Wasser Ylvi in den Ausschnitt gelaufen war, hatte es jedoch nur mit einem Grinsen kommentiert, ehe ich meinen Blick wieder über die Weiten der Landschaft hatte gleiten lassen. Erst als sie mir mit der Wasserflasche vor der Nase herum wedelte, schaute ich wieder zu ihr, nahm die Flasche dankend entgegen und trank gierig einen Schluck. Im Moment war es einfach unsagbar heiß hier in New Mexico. Aber trotzdem liebte ich es hier, eigentlich mehr als in Kanada. Es war zwar heißt, aber man konnte abends noch stundenlang draußen sitzen und die Pferde beim Grasen beobachten, oder sogar die Sterne, wenn man Sternfan war. Und das alles ohne dicke Jacke, einfach nur in T-Shirt und kurzer Hose. Kurz sah ich zu Ylvi runter, denn sie war am Baum einfach auf den Boden gesunken. Auch sie musste sich zu erst an die Hitze hier gewöhnen, das stand außer Frage. Wir standen beziehungsweise saßen einfach kurz da, ehe Ylvi mir auf meine Frage von eben zu antworten. Ich hörte ihr aufmerksam zu und als sie fertig mit erzählen war, schien sie noch immer in Gedanken zu hängen, weshalb ich eine Weile lang schwieg. Erst als ich merkte, dass sie sich wohl wieder im hier und jetzt befand, antwortete ich ihr: “Das hört sich ja alles nicht so rosig an.” Was sollte ich auch mehr sagen? Ich stand auf, gab ihr die Wasserflasche zurück und ging mir den Zaun anschauen. Das Holz war einfach durchgefault und hatte den kleinen Sturm, den es vor einer Weile gegeben hatte, einfach nicht mehr ausgehalten. “Wir sind hier aber relativ schnell fertig, sind ja nur die vier Latten, der Pfahl und der Draht.”, sagte ich zu Ylvi und schaute mir an, was Bellamy uns hingelegt hatte. Genau das, was wir brauchten. Ich entfernte also den einen Pfahl aus dem Boden und rief Ylvi zu mir, damit sie den neuen kurz festhalten konnte, während ich ihn in den Boden schlug. Ich war froh, dass sie eine Frau war, die mit anpacken konnte und sich noch vor Arbeit zierte. Zusammen nagelten wir die vier Holzbretter fest, dann sagte ich Ylvi sie soll ein paar Schritte zurückgehen, denn ich fing an mit dem Draht herum zu experimentieren. Dazu hatte ich mir extra Handschuhe angezogen und eine Zange geschnappt. Doch der Draht war widerspenstiger, als ich gedacht hatte und flog mir sogar einmal aus der Hand. “Gut, dass du da gerade nicht gestanden hast.”, sagte ich und schaute zu Ylvi, die genau dort eben noch gestanden hatte, wo jetzt der Draht hin geschossen war. Doch mit etwas Kraft bekam ich den Draht dann dort hin, wo ich ihn haben wollte und machte ihn fest. “Du kannst den improvisierten Zaun von Bellamy weg machen gehen.”, wies ich sie an und Ylvi ging auf die Koppel, um den Zaun zu entfernen. Mittlerweile hatten unsere Stuten auch mitbekommen, dass hier hinten etwas im Gange war und fingen an, Ylvi zu belästigen. Ich band Gipsy kurzerhand doch am Baum an, schnappte mir Devil, öffnete kurz das Tor der Koppel um hinein zu reiten und fing dann an, die Stuten zu cutten, damit sie von Ylvi wegblieben. “Da bist du wieder in deinem Element, was?”, scherzte Ylvi und ich zuckte nur mit den Schultern.
      Als alle Stuten die junge Frau in Ruhe ließen und sie fertig war, verließen wir die Koppel und ich schaute kurz zum Himmel. Es müsste jetzt Mittagszeit sein. “Hast du Lust mit in die Stadt zu reiten und heute da was zu essen? Ich hab keine Lust auf Bellamy und seine Sippschaft.”, fragte ich Ylvi dann und lehnte mich im Sattel nach vorne, verschränkte die Arme auf dem Sattelhorn und schaute zu ihr runter.

      Ylvi
      Ich war dankbar als er mir die neugierigen Stuten vom Hals hielt - es vereinfachte meine Aufgabe um einiges. Den abgebauten Zaun aus Litzen verstaute ich noch in den Boxen die Bellamy hier her gebracht hatte.
      Als ich mich umdrehte sah ich Caleb auf mich zureiten. Sippschaft. So wie ich ihn ansah wirkte er wie ein Cowboy aus den Western Filmen die ich früher so oft gesehen hatte. Irgendwie bediente er damit ja schon ein Cliché, ich lächelte in mich hinein. Mir juckte die Frage auf den Zähnen, stellte sie jedoch noch nicht. Wieso hatte Caleb eigentlich nicht eine eigene Ranch? Er war sowieso schon der Vorarbeiter der gesamten Ranch, hatte also eine der wichtigsten Aufgaben. Als ich die Fotos für die Website gemacht hatte von den Pferden, war nicht etwa Bellamy derjenige gewesen der mir die Pferde alle beim Namen genannt hatte. Was mich daran erinnerte, das ich wirklich mal wieder an die Website musste. In den letzten Tagen hatte ich mich hauptsächlich für Arbeit auf der Ranch einspannen lassen - den Computer vermisste ich fast gar nicht dabei.
      Ich folgte meinem Instinkt, lehnte mich gegen die Stute, sah ihn einen Moment an. “Klingt nach einem Plan, dann seh ich gleich noch mehr von der Landschaft. Dann lern ich Gipsy gleich viel besser kennen.” Dann drehte ich mich um, band den Wallach los um mich federleicht in den Sattel zu schwingen. Allerdings spürte ich trotzdem Muskelkater, solcherlei Arbeit der letzten Tage war mein Körper nicht gewohnt. Und sagen wir mal so...die Nacht war auch nicht spurlos an mir hängen geblieben...ich war irgendwie müde. “Dann lass uns mal los reiten. Sollten wir Bescheid geben? Nachher vermisst man uns noch.”

      Caleb
      Ich schaute Ylvi dabei zu, wie sich in den Sattel schwang und lachte auf ihre Frage hin. “Nein. Ich bin des Öfteren unterwegs und nicht auffindbar und da du ja bei mir bist, machen sie sich schon keine Sorgen. Hauptsache die Arbeit, die anstand, wurde erledigt.”, sagte ich zu ihr und sie schaute mich an, als hätte ich ihre Frage falsch beantwortet. “Na komm.”, sagte ich zu Devil, schnalzte und drehte sie dann nach rechts. “Zur Stadt ist es eigentlich immer nur am Fluss entlang. Dann ein wenig Straße und dann sind wir da, wo ich hin will. Das Restaurant ist praktisch, da kommen fast alle mit Pferden hin. Man kann sie da anbinden und sie bekommen Heu und Wasser. Ist aber das einzige Restaurant, das so etwas macht. Läuft auch leider nicht so gut. Aber ich sag dem Besitzer schon lange, er soll eine Cowboykneipe draus machen.” “Eine Cowboykneipe?”, fragte Ylvi mich lachend. “Ja genau. Da reitest du mit deinem Pferd hin, betrinkst dich und dein Pferd bringt dich wieder heim.”

      Ylvi
      Amerika Land der unbegrenzten Möglichkeiten - da Ritt man unter Umständen auch ins Restaurant oder die Kneipe. “Das ist natürlich dann auch nur eine Aufgabe für Ranchpferde?” fragte ich, erntete ein Augenzwinkern und warf den Kopf lachend in den Nacken... irgendwie entwickelte sich das zum Running Gag.
      Dort angekommen, lockerten wir die Sättel der Pferde ein wenig, die Trensen machten wir ab und gingen hinein. Die Auswahl auf der Karte hielt sich in Grenzen, doch es gab zwei Gerichte die auch ich aß. Die Entscheidung fiel auf Pulled Pork mit Pommes. Dann sah ich mich in dem Restaurant um, die Inneneinrichtung hatte Flair. Der Typ der uns bediente hatte definitiv Gesichtszüge eines Indianers - das spiegelte sich auch im Restaurant wieder. “Also mehr Besucher hätte der Ort hier definitiv verdient, auch ohne Cowboykneipe.” flüsterte ich Caleb lächelnd zu, dieser zuckte nur mit den Schultern. Das Essen wurde uns gerade gebracht, vielleicht wollte er nicht mit mir in Anwesenheit des Kellners(oder Besitzers) reden.

      Caleb
      Während Ylvi sich für das Pulled Pork mit Pommes entschied, bestellte ich einen saftigen Burger, das hatte ich schon lange nicht mehr gegessen- außerdem ein kühles Bier. Sehr schnell wurde unser Essen an den Tisch gebracht und ich nickte dem Kellner zu, dieser tippte sich kurz an den Kopf. “Ja doch…”, murmelte ich und nahm nun doch meinen Hut vom Kopf, den ich bis jetzt nicht ausgezogen hatte. “Jedes Mal das Selbe.”, lachte ich und der Kellner stimmte in mein Lachen ein. Ylvi schaute nur zwischen uns beiden hin und her und schien zu ahnen, dass wir uns wohl schon länger kannten.
      Wir aßen und tranken relativ schnell zu Ende. Auch wenn Ylvi zunächst darauf bestand ihr eigenes Essen zu bezahlen, gab sie nach einem bösen Blick meinerseits dann doch auf und ließ mich bezahlen. Draußen gurteten wir die Sättel nach, zogen die Trensen wieder an und machten uns auf den Heimweg. Wir kamen wieder an der Stutenkoppel vorbei, von der Bellamy nun schon alles Equipment weggeräumt hatte, so dass wir geradewegs nach Hause reiten konnten. Dort angekommen sattelten wir die beiden Pferde ab, brachten sie auf die Weide und gingen dann unserer Wege. “Bis heute Abend.”, sagte ich zu Ylvi, zwinkerte, drehte mich dann um und ging ohne ein weiteres Wort zum Hengststall.
    • Veija
      This fragile heart
      November 2018, by Ravenna & Veija
      Ylvi
      “Was genau hast du denn vor? “ kam die Frage von Caleb als ich hinunter in die Küche kam. Um meine Schulter hing die Kamera, in meiner Tasche befand sich der Rest meiner Ausrüstung. “Louis will in die Stadt, das wollte ich direkt mal nutzen um Fotos zu machen. Ich hab da auf dem Tisch eine Liste mit Zeugs das ich außerdem kaufen soll von Bellamy, Murphy und so. Falls du auch etwas möchtest schreib es einfach mit auf.” Wir fuhren nicht oft nach Albuquerque, wenn einer dann doch fuhr - bekam er immer so eine Liste in die Hand gedrückt. Caleb und ich waren gerade eine knappe Woche wieder zurück auf der Ranch. Während er sich direkt in die Arbeit hatte gestürzt, musste ich einige Schritte zurück schalten. Ich hatte zwei Tage mit Schwindel zu kämpfen gehabt, mir war Regelmäßig schlecht gewesen. Bellamy hatte mir drei Tage Ruhe verordnet...auch Caleb war immer wieder im Gästehaus erschienen. Wie ein rastloser Kojote war er mir vorgekommen. “Bist du dafür wieder fit genug?” “Klar das war nur ein Migräneanfall.. zu wenig getrunken. Ein bisschen Stress.” Log ich, denn Schwindel war noch immer ein Bestandteil meines Zustandes. Caleb zog eine Augenbraue nach oben. “Louis ist bei mir. Was soll schon schief gehen?” “Dann mach dir einen guten Tag.” damit setzte er sich seinen Hut auf, verschwand aus der Haustür. Ich griff nach meiner Liste, tatsächlich hatte Caleb etwas darauf ergänzt. Seinen liebsten Tabak und Bier...und dahinter…”richtiges” in gutem Deutsch. Ich schmunzelte. Als er das erste Mal gefahren war hatte ich das ebenfalls geschrieben. Nach einem kurzen Frühstück, schlenderte ich schon mal nach draußen. Louis würde mich in den nächsten 10 Minuten abholen kommen.
      Mein Blick folgte gerade Murphy der mit einem der Quarter am Strick in Richtung der Führanlage ging. Ich zog die leichte Jacke etwas enger um mich, jetzt gegen 7 Uhr waren noch knapp 14 ºC, erst später würde es wärmer werden.
      Erst als ich wieder zur Auffahrt sah fiel mir der Geländewagen auf der, reichlich Staub aufwirbelnd, auf mich zugefahren kam. Natürlich wusste ich das Louis nicht allzu viel Geld hatte, doch dieser Wagen hatte nicht nur einen used-rostig Look, er war tatsächlich verrostet. In Deutschland wär das Teil wahrscheinlich niemals durch den TÜV gekommen. Ich starrte also den Wagen etwas entgeistert an, während ein lässig gekleideter Louis aus dem Wagen stieg. Unter einem roten Tuch auf dem Kopf lugten seine ordentlich in Zöpfe gelegten Haare hervor, eine kleine Feder flatterte im Wind. Auf dem Tuch selbst trug er ein Basecap das vielleicht mal rot gewesen sein könnte, mit einer Aufschrift die kein Mensch lesen konnte. Ein schwarzes Shirt, eine Jeans. Nichts im Vergleich zu seinem Aufzug in der Regalia. Ohne die Zöpfe, hätte man ihn auch gut und gerne für einen Latino halten können. “Du starrst, Kari-win.” sagte er lachend. “Was?” “Du starrst mich an.” “Nicht dich.. deinen Wagen. Fahren wir damit nach Albuquerque?” Louis legte den Kopf schief, schob die Lippen nach vorn(eine Geste die er oft machte, auch bei Lilly hatte ich es schon beobachtet) . “Ja, wieso?” Ich zuckte die Schultern. Immerhin war er bis hierher gekommen. “Lass uns los fahren.”
      “Willst du mir nicht erst noch den neuen von Caleb zeigen? “ Ich schüttelte den Kopf. “Das kann Caleb schön selbst machen. Komm damit wir heute Abend wieder zu Hause sind.”
      Die Sitzbank des Geländewagens war durchgehend, eine Vorrichtung zum Anschnallen war immerhin vorhanden. Louis lächelte als mein Verschluss einklickte, dann suchte er selbst nach dem Sicherheitsgurt - ein Indiz dafür, dass er das sonst nicht Tat vermutete ich einfach mal.
      Wir redeten nicht viel. Ob diese Eigenschaft Caleb wohl von Louis hatte? Daher nutze ich die Zeit um die Landschaft die an mir vorbei zog zu fotografieren, einige kleine Filme zu drehen. “Du bist nicht gut darin nichts zu tun, nicht wahr Kari-win?” Ich ließ meine Kamera sinken, statt einer Antwort gab ich eine Gegenfrage “Was bedeutet das eigentlich?” “Was?” feixte er.” “Win bedeutet Mädchen das weiß ich. Aber das davor.. ich hab es gegoogelt, aber ich wusste nichtmal genau wie es geschrieben wird.” “Rabe” Rabe? Ich verzog die Brauen.. “Raben-Mädchen?” Louis nickte. “Doch nicht etwa weil ich meinte ich wäre sicherlich eine Rabenmutter.” Kopfschütteln. “Verräst du es mir?” beinahe erwartete ich ein weiteres Kopfschütteln, aber es kam eine Antwort. “Dein Haar ist wie das Gefieder eines Raben. Außerdem habe ich von dir geträumt, darin hast du dich in einen Raben verwandelt. Deshalb gab ich dir diesen Namen.” Er hatte also von mir geträumt? Träume hatten etwas besonderes in sich.. ich selbst träumte intensiv des Nachts. Wie oft wachte ich auf, mit nassen Wangen. Nicht immer konnte ich mich an den Inhalt erinnern. Doch seltsamerweise, handelten auch manche meiner Träume von Raben. “Scheint mir kein schlechter Name zu sein. “ murmelte ich, lächelte. Nein das war er nicht.

      In der Stadt steuerten wir als erstes das Einkaufszentrum an. Jeder einen eigenen Wagen, erledigten wir die Einkäufe. Den Tabak für Caleb fand ich nicht, bis Louis mir verriet den gäbe es nur in bestimmten Läden im Stadtinneren. Soweit nach Albuquerque hatte ich eigentlich gar nicht fahren wollen. Trotzdem landete der Einkauf in etlichen Tüten auf der Ladenfläche des Wagens. Mittlerweile war die Temperatur deutlich gestiegen, ich entledigte mich daher meiner Jacke, im Top ließen sich knapp 29 °C leichter ertragen. Mal ganz davon abgesehen das der Wagen keine Klimaanlage besaß. “Ylvi, fang.” mir blieb gerade genug Zeit um den mir zugeworfenen Gegenstand zu erfassen, er prallte gegen meine Hand, gefangen hatte ich ihn allerdings nicht. Als ich mich danach bückte hielt ich den Autoschlüssel in der Hand. “Ich?” meine Stimme klang fasst ein wenig hoch, zu hoch. Ich räusperte mich “Bist du dir sicher?” Keine Antwort, stattdessen nahm Louis auf dem Beifahrersitz platz. Also stiefelte ich herum, setzte mich hinter das Lenkrad und hatte bei der Größe das Gefühl einen Panzer zu fahren. Es war zweierlei seltsam wieder Auto zu fahren - gerade mit dem Verkehr. Aber wie man so schön sagte, es war etwas das man wohl nie verlernen würde. Ich musste nur ein wenig umgewöhnung leisten, denn ich hatte hier keinen Schaltwagen. Vom Old Town ging es immer Richtung Osten der Stadt, das Sandia Peak Tramway war unser Ziel. ich wollte die Stadt ein wenig von oben sehen, hübsche Fotos machen die ich meiner Familie senden könnte. Ich musste ja nicht zugeben das ich die meiste Zeit eigentlich nur auf der Ranch herum lungerte.
      Begleitet von Native Rap (ich hatte bis hierhin gar nicht gewusst das es diesen tatsächlich gab) fuhr ich den Highway bis zur Talbahn. Ich sah hinauf , vor uns erstreckten sich die Sandia Mountains. Ich zog uns beiden ein Ticket für die Bahn. Mit uns stieg noch eine Masse aus älteren Leuten und Kindern ein. Ich drängte mich in eine der Ecken..mir zitterten schon die Hände. Ich hatte vergessen das mir enge Räume, große Höhen und viele Menschen missfielen. Louis schien das aufzufallen. Er stand dort, sah mich fragend an. “Panikattacken bei größeren Massen an Menschen manchmal.” flüsterte ich. Die sonst so selbstbewusste Ylvi ganz kleinlaut...wie ich das hasste. Immerhin war es besser geworden. Vor einigen Jahren hätte mich niemand hier rein zwängen können. In mir kämpfen verschiedene Emotionen, bevor ich sie gesichtet und sortiert hätte geht die Sonne unter. Louis Arme greifen von hinten um meinen Körper. Fest genug um klar zu machen das ein Entkommen unmöglich war. Ich mutierte zum Stock. “Hör mir zu” langsam geht er zurück, ich merke wie er gegen die Stange in inneren der Gondel lehnt. “Solange ich dabei bin, brauchst du keine Angst haben. Verstanden?” ich nicke, konzentriere mich einfach nur auf ihn. Auf die ungewohnte Umarmung seinerseits, ich wurde weicher in meiner Anspannung, mein Kopf legte sich gegen seine Schulter. Mein rasend Herz kam zur Ruhe, mit geschlossenen Augen konnte ich die anderen vollkommen ausblenden. Verbissenes Schweigen. Keine gute Basis für eine Unterhaltung. Das Rauschen der Motoren, die Stimmen neben uns. Vielleicht genügte das auch. Ich drücke seinen Unterarm, bringe nur ein gehauchtes “Danke” über die Lippen. “Wofür?” “Für das hier.” ich spüre ihn lachen als das ich es wirklich höre. Er neigt sich nah genug zu mir, sein Atem streicht mein Ohr. “Was meinst du?” Ich zuckte mit dem Kopf nach hinten gegen ihn. “Das weißt du ganz genau.” murmel ich, kaum mehr als ein Wispern gegen das Stimmengewirr um uns herum. Ob er es überhaupt gehört hatte? Louis zuckt die Schultern, der Impuls geht durch uns beide..so nah sind wir uns. “Schau nach draußen. Bevor die Bahn eröffnet wurde flog ein Passagierflugzeug gegen den Berg. Sieh genau hin dann kannst du dort noch einige Bruchstücke sehen.” Louis hatte uns beide gedreht, deutete hinunter. Ich gab mir wirklich Mühe, konnte allerdings nichts erkennen. “Ich seh da nix.” kam es mir fast ein wenig enttäuscht über die Lippen. “Besser?” “Was?” “Deine Angst.” er löste sich ein wenig von mir, ich blinzelte, sah auf meine Hände. “Kein Zittern.” verkündete ich, wackelte mit den Händen vor seinem Gesicht. Louis nickte anerkennend. Im nächsten Moment endete unsere Fahrt, denn insgesamt dauerte sie nur 15 Minuten. Wir stiegen aus. Entschieden uns zunächst einen Happen zu Essen ehe wir ein wenig auf Erkundungstour gehen würden. Das Essen war nicht schlecht. Jedoch bestellte ich nur einen Salat. Mir war schon wieder schlecht. Auch Louis schien das zu bemerken. “Caleb hat geschrieben das ich ein Auge auf dich haben soll.” Ach? “Hat er das ja?” ich klang genervt, missmutig erhob mich von meinem Stuhl klammerte mich an diesen bis die Motten verschwunden waren. Dann ging ich - gut das wir die Rechnung bereits bezahlt hatten.
      Wieder diese Emotionen, ich hielt die Luft an, schluckte alles herunter, öffnete dann wieder die Augen. Louis war mir gefolgt lief den Weg hinunter hinter mir her. An einem kleinen Aufstieg holte er mich ein, ich musste stehen bleiben um nach Luft zu schnappen. Eigentlich kam er sogar ganz praktisch. Er hatte nach meiner Hand gegriffen, während ich gerade das Gleichgewicht verlor, hielt er mich an der Hüfte fest. Louis dirigierte mich auf einen Felsen setzte mich ab, nahm daneben Platz. “Was stört dich daran?” “Ich ...er..” ja was störte mich daran? “Ich verstehe nicht wieso. Ich bin doch nur..ich. Um mich hat sich nie jemand wirklich gekümmert...und ich um keinen anderen. Er bringt mich vollkommen aus dem Konzept.” faselte ich unwirsch. “Ylvi..ich hab ihn seit Verena nicht so gesehen.” Ich sah ihn verdutzt an…Wie? “Das er sich um jemanden tatsächlich sorgt.” “Was spielt das schon für eine Rolle? Auf meine seltsame Art habe ich mich in ihn verliebt, aber ich kann niemals den Platz dieser Frau einnehmen.” damit war es raus. Die Lüge die ich versucht hatte in mir aufrecht zu halten, zerbrach. Und die Wahrheit das ich niemals gegen eine Tote Frau ankam. “Sie war seine Wölfin.” murmelte Louis. Mussten diese Natives eigentlich immer in Rätseln sprechen? “Er ist ein Wolf..auch wenn er manchmal versucht das zu verdrängen so braucht er doch einen festen Familienstand neben sich. Er vermag manchmal um sich zu beißen, aber die Menschen die ihm wirklich wichtig sind beschützt er. Erinnerst du dich an das Relay? Den Typen. Wärst du ihm egal. Er hätte ihm keine verpasst. Sieh. Verena mag seine Wölfin gewesen sein. Diese Chance hat er verstreichen lassen. Aber weißt du was?” er kam mir noch näher, griff nach meinem Arm. “Wölfe und Raben leben schon immer in einer Symbiose. Vielleicht hat der Große Geist euch zusammengeführt? Gib nicht auf, gib allem Zeit...vielleicht fügt sich alles.Triff dich mit anderen, quäle dich nicht. Vielleicht findet Caleb bald was er sucht.” ich horchte auf. Hatten sich Bellamy und Louis hinter meinem Rücken verbündet? Ich hörte mich hohl auflachen “Hast du das auch geträumt?” Es strömte so viel auf mich ein, dass ich nicht wusste, was los war..Wieso hatte ich Louis anvertraut, dass ich tatsächlich Gefühle für Caleb entwickelt hatte? Louis zuckte mit den Schulter, zwinkerte und lächelte. Anschließend nahm er mich in den Arm. “Du brauchst jetzt einen guten Freund...wann immer du willst, sei gewiss, dass Lilly und ich für dich da sind. Verstanden?” Mein Herz wollte nicht aufhören zu rasen. Wieder die Motten in meinem Sichtfeld. Dann setzte mein Herz für einen Herzschlag aus...nicht rein metaphorisch, es tat es wirklich. Ich war nicht mehr in der Lage Louis für seine ehrlichen Worte zu danken. Um mich herum wurde es schwarz.


      Caleb
      Ich saß noch immer auf der Ladefläche meines Pick Ups und kaute auf einem Grashalm herum. Es war nicht so, dass ich nichts zu tun hätte, ganz im Gegenteil. Gleich würde noch ein Cowboy kommen und sich um die Stelle als Rancharbeiter bewerben. Trainer konnte er auch sein, aber das war zweitrangig. Mit Bellamy, Laurence und mir hatte die Ranch eigentlich erstmal genug Trainer. „Hey, hey, hey Cowboy.“, stand auf einmal Betsy mit ihrer Quietschestimme und dem breiten Grinsen im Gesicht hinter meinem Wagen. „Wann darf ich Blue nochmal reiten?“, fragte sie mich und ich schlug mir in Gedanken mit der Hand gegen den Kopf. Klar, Betsy und Blue. Wie hatte ich das vergessen können. „Tut mit Leid, Betsy. Ich weiß nicht wo mir gerade der Kopf steht.“, entschuldigte ich mich bei ihr doch sie zuckte mit den Schultern. „Dann jetzt, Cowboy? Du hast ja anscheinend eh nichts zu tun gerade…“, sagte sie grinsend. Wann hatte sie eigentlich angefangen mich Cowboy statt Caleb zu nennen? Ich seufzte, rollte mit den Augen und sprang dann von der Ladefläche herunter. „Na gut, lass uns Blue holen gehen.“
      Wenig später standen wir mit dem gesattelten Gun and Slide auf dem Reitplatz. Ich hatte ihn schon ein wenig abgeritten. Wenn man solche voll im Training stehenden Pferde nicht täglich ritt, merkte man ihnen sofort den Muskel- und Konditionsabbau an. „Wann willst du denn mal auf einem Turnier starten?“ fragte ich Betsy und hängte ihr die kleinen Bügel ums Sattelhorn. „Wenn ich etwas besser bin?“, fragte sie und gab mir ihren Fuß, damit ihr ihr aufs Pferd helfen konnte. „Wenn du dich dran hälst bist du sehr schnell sehr viel besser.“, sagte ich lachend und wir hatten eine wirklich tolle gemeinsame Stunde. Betsy wurde wirklich jedes Mal besser und ich schwor mir, sie mindestens zweimal die Woche zu unterrichten. So entkam ich Bellamys sinnlosen Aufgaben, die die Stallburschen erledigen konnten und hatte trotzdem etwas zu tun. Ylvi war schon eine Weile mit Louis weg, weshalb ich sie heute nicht nerven konnte. “Lust auf einen kleinen Ausritt?”, fragte ich Betsy und sie nickte freudig. “Gut, gib mir fünf Minuten, ich hole Alan.”, sagte ich und verschwand im Stall. Dort machte ich mir in Windeseile Alan’s Psychedelic Breakfast fertig und ritt zurück zum Platz, wo ich das Mädchen aufsammelte und dann mit ihr das Gelände verließ. “Weißt du bald ist in einem kleinen Ort hier in der Gegend ein Turnier. Du könntest doch eine Disziplin starten?”, fragte ich Betsy irgendwann und streckte mich einmal kurz. Junge, Junge. Heute war wirklich ein Tag, an dem ich nicht viel arbeiten würde, so fertig war ich.
      “So ein richtiges Rodeo?”, fragte sie und ich sah die Vorfreude in ihren Augen. “Ja, aber ein Kleines.”, antwortete ich ihr und blickte zu ihr rüber, doch alle Freude war aus ihrem Gesicht gewichen. “Was.. was ist los?”, fragte ich sie und hielt Alan an. Auch Blue blieb automatisch stehen, als ich ein leises ‘whoa’ zusagte. “Ich kann nicht.”, antwortete sie knapp und trabte Blue an. Ich schickte Alan hinter ihr her und trabte vor sie, so dass sie wieder anhalten musste. “Wieso?”, fragte ich sie und griff nun in die Zügel von Blue, damit sie nicht wieder abhauen konnte. “Da sind viele Mädchen aus meiner… Klasse… und die sind alle besser als ich… ich kann da nicht hin, ich würde mich blamieren…”, sagte sie nun traurig und ich ließ die Zügel wieder los. “Welche Disziplinen machen die anderen Mädchen aus deiner Klasse denn?”, fragte ich sie schließlich, als wir weiter ritten. “Die meisten machen Pole Bending oder Barrel Racing…”, erklärte sie mir und ich lachte kurz auf. “Weißt du, dass Bellamy eine Stute hat, die im Pole Bending in der LK 2 läuft? Sue!”, erklärte ich ihr stolz und hielt Blue wieder an. “Wenn ich dir mit Sue helfe, würdest du dann starten?”, fragte ich sie. Ich hasste nichts mehr wie kleine Gören, die anderen nichts gönnten- und wenn ich Betsy so helfen, und den Mädels eins auswischen konnte, warum nicht. “Das würdest du tun?”, fragte sie mich und schaute mich mit großen Augen an. “Klar.”, erklärte ich und wendete Blue, damit wir uns auf den Rückweg machen konnten. “Ich muss nur noch meinen Vater davon überzeugen…”, murmelte sie und sah zu mir hoch. “Lass das mal meine Sorge sein. Wir zeigen es diesen Gören. Gib mir fünf!”
      Wieder am Hof angekommen machten wir die Pferde fertig, brachten sie auf ihre Paddocks und ich trug dem Mädchen auf, sich auf den Paddocks umzusehen und die abzuäppeln, auf denen kein Pferd stand. Nicht alle Tiere waren so lieb wie Blue oder Alan, da musste man mit ihr nichts riskieren. “Ich gehe dann mal Dell suchen.”, erklärte ich ihr und winkte kurz, ehe ich zum Hauptstall ging und mir dort den Mitarbeiterplan ansah. Dell müsste jetzt im Nebenstall sein und die Boxen misten. Ich ging dort hin und fand ihn auch in einer der Boxen. “Hey Dell.”, begrüßte ich den blonden Mann und hatte sofort seine Aufmerksamkeit. Ich war normalerweise nicht der Mensch für lange Gespräche mit den anderen Mitarbeitern, aber das hier war mir wichtig, denn diese kleine Frau wuchs mir immer mehr ans Herz. “Hör mal.. in der Nähe ist bald ein kleines Rodeo, bei dem ich gerne Betsy starten lassen würde und…hey, lass mich erst einmal ausreden, bevor du protestierst.”, murmelte ich meinen Satz und schaute ihn kurz wütend an. “Ich habe da einerseits an Betsy und Blue gedacht. Pleasure, Trail, Ranch Riding, Horsemanship.. sowas können die beiden rocken.” “Aber?”, fragte er mich dann und ich lehnte mich an die Boxentür. “Aber… nun kommt der Haken. Die anderen Gören aus ihrer Klasse sind auch da- und du weißt wie Mädchen sind… Betsy möchte nicht starten, weil die anderen alle Pole Bending oder Barrel Racing gehen, und die anderen Disziplinen ihrer nicht würdig sind.”, erklärte ich weiter. “Und…?” “Und… wir haben Black Sue Dun It. Sie läuft in der LK 2 und könnte mit Betsy zusammen den ersten Platz machen. Sie ist ein Schatz und ein besseres Pferd kann sie gar nicht haben. Was meinst du wie neidisch die anderen werden, wenn sie erst einmal erfahren, wem die Pferde gehören und wo Betsy überhaupt wohnt!”, sagte ich dann und wartete auf eine Antwort von Betsys Vater. “Hm.. na gut von mir aus. Wehe sie fällt runter, Caleb. Dann Gnade dir Gott.” “War das eine Drohung?”, fragte ich ihn augenzwinkernd und er zuckte mit den Schultern. “Solltest du nicht trainieren, wenn sie gewinnen soll?”, fragte er mich und ich nickte ihm dankend zu. Danach verschwand ich aus dem Stall und schnappte mir sofort Sue von der hinteren Koppel. Ich sattelte sie und ging dann zu den Paddocks, wo sich Betsy mit der Schubkarre herum ärgerte. “Hey Kleine, kommst du mit? Dein Vater hat ja gesagt.”, erklärte ich ihr und sofort strahlte ihr kleines Gesicht wieder. “Wirklich? Oh mein Gott!”, rief sie, ließ die Gabel fallen und kam auf uns zugelaufen. “Hey, immer langsam mit den jungen Pferden.”, sagte ich und hielt ihr eine Hand vor die Brust. “Pferde… langsam.. das weißt du doch.”, tadelte ich sie und drückte ihr dann die Zügel in die Hand. Wir gingen auf den kleinen Platz. Von dessen Rand holte ich die Poles und stellte sie großzügig auf. Wir fingen schließlich von vorne an. “Lass mich zu erst. Sie steht im Moment auch nicht voll im Training. Wer weiß, was sie noch kann.”, sagte ich zu Betsy und schickte sie auf den Zaun, auf den sie sich setzte und mir gespannt zusah. Da ich mich doch dazu entschieden hatte, zu erst zu reiten, stellte ich die Poles so hin, wie sie auch auf dem Turnier stehen würden, denn ich wollte ja sehen, was die Stute noch konnte. Ich wärmte sie ein wenig auf, galoppierte sie kurz und fragte die Fliegenden Galoppwechsel ab, von denen sie gleich eine ganze Menge brauchen würde. Dann ritt ich zum Eingang des Platzes und merkte schon, wie sie unruhig wurde. Als ich sie endlich laufen ließ schoss sie regelrecht nach vorne und umsprang eine Stange nach der Anderen. Nur die Letzte schaffte sie nicht ganz und musste so den Bogen viel zu groß nehmen, um wieder nach vorne galoppieren zu können. Ich stoppte sie am Ausgang und sah dann zu Betsy. “Und, meinst du die anderen werden neidisch?”, lachte ich und schaute in ein Gesicht, dessen Kinnlade herunter gefallen war, und noch nicht wieder aufgesammelt zu sein schien. “Na komm, du bist dran.”, sagte ich, übergab ihr das Pferd und stellte die Poles wieder weiter auseinander. “Schritt. Nur Schritt. Fang hinten an. Das verbindet sie nicht mit einem wirklichen Run. Wenn das klappt, Trab. Galoppiert wird heute noch nicht.”, erklärte ich ihr und sah sofort die Enttäuschung in ihrem Gesicht. “Du würdest schneller unten liegen, als dir lieb ist…”, murmelte ich und setzte mich dann auf den Zaun. “Und nimm sie einhändig. Dann kannst du dich später im Galopp wenn nötig am Sattelhorn festhalten.”, erklärte ich ihr und sie nahm die Zügel in die rechte Hand. Im Schritt klappte das ganze schon sehr gut. “Gut, trab mal an.”, rief ich ihr zu. “Nimm sie aber vorher kurz an, sie soll schön versammelt traben und dir nicht unter deinem Hintern wegrennen.” Betsy war eine gute Reitschülerin. Sie tat immer genau das, was man ihr sagte- und sie war gut darin. Beim Traben fing Sue an sich wunderschön in die Richtungen zu biegen, in die Betsy sie haben wollte. “Vielleicht versuchen wir gleich doch mal ein wenig Galopp. Galoppier sie mal auf dem Zirkel auf beiden Händen, damit du dich an sie gewöhnst.”, erklärte ich ihr und schaute ihr zu, ehe mein Handy klingelte. Normalerweise hatte ich das Ding nie dabei, doch heute morgen hatte ich es eingesteckt, als Ylvi mit Louis gefahren war. Und genau der rief mich gerade an. Louis. “Hey Louis…”, sagte ich und konnte gar nicht weiterreden, so schnell redete er. “Welches Krankenhaus, ich bin unterwegs.”, sagte ich außer Atem und schaute zu Betsy und Sue rüber. “Betsy etwas stimmt mit Ylvi nicht, Louis hat angerufen. Reite Sue ab und bring sie weg, sag den anderen Bescheid, ich muss sofort ins Krankenhaus.” Betsy nickte, hielt Sue an und sah mich mitfühlend an. “Okay.”, meinte sie leise und ich sprang vom Zaun, rannte zum Wagen und fuhr in das Krankenhaus, welches mir Louis gesagt hatte.
      Ich stürmte hinein und wurde natürlich von allen Menschen dort sonderbar angesehen, was dieses Mal nicht nur an meinen Cowboyklamotten lag, sondern auch daran, wie hektisch ich mich nach Louis umsah. Schließlich tauchte er in meinem Blickfeld auf. Er kam auf mich zu, legte einen Arm um mich und klopfte mir kurz auf den Rücken, was ich ihm gleich tat. “Wo ist sie? Was ist passiert?”


      Louis
      Ich gab zu etwas Angst auf caleb zu treffen hatte ich schon, gerade als er so gehetzt in den Warteraum gerannt kam. Die Fahrt hierher dauerte eine gute Stunde Fahrt. ich musste nicht auf die Uhr schauen um zu Wissen das er sehr viel schneller hierher gefahren war.
      Ich war im ersten Moment vollkommen Hilflos gewesen als Ylvi mir plötzlich zusammengesackt war. Ich hatte ihr im ersten Moment auf die Wange geschlagen, schon vorher hatte ich mitbekommen wie sie vermehrt geblinzelt hatte. Ich scholt mich einen Idioten. Als ich schließlich bemerkt hatte das sie einen vollkommen ungleichmäßigen Herzschlag hatte, zückte ich sofort mein Handy um den Notruf zu holen. Es wurde sofort ein Hubschrauber auf den Weg geschickt, unterdessen hatte die Frau am Telefon mit ernster Stimme Anweisungen zur Herzmassage gegeben. Ich hatte das ganze schon einmal getan, ich hatte jedoch etwas erschrocken die Luft eingezogen als ich die Narbe auf ihrem Brustkorb erkannt hatte. Ich hatte trotzdem fleißig die Massage begonnen. Nur eine Viertelstunde später landete der Hubschrauber, die Ärzte nahmen mich beiseite, taten ihre Arbeit. Kurz vor dem Abflug teilten sie mir noch mit in welches Krankenhaus sie gebracht werden sollte. Was genau mit ihr war - sagte mir niemand. Zunächst dachte ich auch gar nicht daran Caleb anzurufen. Im dauerlauf war ich den Berg wieder runter gerannt, in die Gondel eingestiegen und nervös im leeren Abteil auf und ab gegangen. Erst im Krankenhaus, auf meine Frage hin was denn nun mit ihr sei kam Calebs Name ins Gespräch. Ein Afroamerikaner mit schriller Frisur, nahm mich beiseite, in der Hand einige Papiere. “Entschuldigen Sie Sir. Sie gehören nicht zum direkten Verwandtenkreis, daher kann ich Ihnen nur sagen - sie ist soweit stabil. Für weitere Instruktionen benötigen wir die Person die in Ihrer Patientenverfügung steht.“ Ich horchte auf. War Ylvi also bereits in diesem Krankenhaus vorstellig geworden? Stammte daher diese Narbe? “Kennen Sie jemanden namens Caleb O’Dell? Er steht hier als Ansprechpartner drinnen” der Typ vor mir wedelte mit den Papieren in seiner Hand. Caleb! “Ich werde ihn direkt anrufen!”
      “Caleb? Caleb! Hör zu. Ich bin hier gerade im Krankenhaus. Kannst du her kommen, Ylvi ist hier..”

      Ich blinzelte, kehrte aus meiner Erinnerung zurück in die Gegenwart, sprang auf um Caleb in Empfang zu nehmen. “Ich bin leider genauso ratlos wie du, Kumpel. Mir wollen sie nicht viel sagen. Ich bin weder Verwandt mit ihr, noch ihr Ehemann..noch” “na ich doch genau so wenig!” kam es hektisch, wütend von Caleb. Ich verzog mein Gesicht, streckte vorwurfsvoll die Lippe nach vorn. “Lass mich doch ausreden. Dein Name steht in Ylvis Patientenverfügung.” Caleb, japste nach Luft, drehte mir den Kopf zu. Verwirrung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Aber noch bevor er reagieren konnte, kam auch schon der Pfleger von zuvor. Sein Name war Gordon. “Mr. O’Dell nehm ich an?” Caleb nickte. “Gehen wir dort hinüber um zu reden.” Ich wollte zunächst zurück bleiben, aber Caleb zog mich an meiner Schulter hinter sich her. Gordon war zunächst nicht ganz überzeugt, aber Calebs geknurrtes. “Er sollte es auch erfahren.” ließ den Afroamerikaner nur die Schultern zucken. Also wurden wir in eine Art Nebenraum des Wartezimmers geführt.

      Caleb
      “Patientenverfügung? Mein Name? Was? Wieso das denn?”, ging es weiter und meine Sorge wisch Verwirrung. Was hatte mein Name da verloren? Hatte sie keine Familie oder Freunde oder… da fiel es mir ein. Freunde. Wir waren wirklich gute Freunde geworden, wenn nicht auch viel mehr. Vielleicht stand er deshalb drin?
      Im sogenannten Nebenzimmer tigerte ich auf und ab und konnte gar nicht still stehen, bis mich Louis am Arm packte und mich in die Richtung des Pflegers drehte. Seine Hand, die sich in meinen Arm krallte, ließ mir gar keine andere Möglichkeit, als auf der Stelle stehen zu bleiben und ihm zuzuhören.
      “Wie Sie ja eben schon mitbekommen haben, stehen Sie, Mr. O’Dell, als Ansprechpartner in Ylvis Patientenverfügung. Das berechtigt sie dazu, Entscheidungen bezüglich des Abschaltens der Geräte zu treffen und..” “Des Abschaltens der was?”, fiel ich ihm ins Wort. Der Griff um meinen Arm wurde stärker. “Hör zu, halt den Mund.”, zischte Louis und sah mich eindringlich an. Der Pfleger wechselte erneut einen Blick zwischen uns beiden, ehe er sich räusperte und dann wieder ansetzte. “Es berechtigt Sie dazu, über das Abschalten der Geräte im Notfall zu bestimmen. Dies ist hier jedoch nicht der Fall.”, machte der Mann weiter und war einen Schritt zurück gewichen, als ich Ansätze gemacht hatte, einen Schritt auf ihn zuzugehen. “Ms. Seidl hat einen Herzschrittmacher. Irgendwann sind auch dort die Batterien leer und müssen getauscht werden. Dies ist kein Problem, wenn sich der Patient an die vereinbarten Termine hält. Leider hat Ms. Seidl dies nicht getan. Sie ist nicht zu ihrem Termin erschienen und auch auf ärztliche Schreiben nicht erschienen. So kam es, wie es kommen musste. Die Batterien haben den Geist aufgegeben. Ms. Seidl hatte Glück, dass sie in der Nähe eines Krankenhauses war, denn sonst würden wir jetzt nicht so miteinander reden…”, erklärte er und ich ballte die Hand zur Faust, was den Pfleger erneut nach hinten gehen ließ. Louis nickte ihm jedoch zu, er hatte meinen Arm noch immer fest im Griff. Das ließ den Mann vor uns wohl etwas entspannen, er hatte wohl Angst, dass ich ihn schlug. “Ms. Seidl befindet sich gerade im OP, die Batterien müssen ausgetauscht werden. Und sie Mr. O’Dell, sollten in Zukunft darauf achten, dass sie ihre Termine einhält.”, sagte er noch und wandte sich zum Gehen ab, ehe er sich noch einmal umdrehte. “Ich halte sie auf dem Laufenden, bitte warten Sie im Wartezimmer.”, damit verließ er den Raum, ließ die Tür als erkennbaren Hinweis offen und warf nochmal einen Blick über die Schulter. “Idiot da…”, murmelte ich und Louis ließ mich endlich los. “Wie konnte sie die Termine nur nicht einhalten...”, knurrte ich und sah in Louis ratloses Gesicht. “Komm, lass uns ins Wartezimmer gehen bevor wir wirklich noch eins auf den Deckel bekommen. Mehr als warten können wir schließlich nicht.” Also gingen wir ins Wartezimmer und setzten uns zu den anderen Menschen. Manche vergruben ihre Gesichter in ihren Händen, manche starrten einfach in die Leere. “Ich hasse Wartezimmer…”, murmelte ich und nahm nun endlich meinen Cowboyhut vom Kopf, um ihn auf meine Beine zu legen, was wieder seltsame Blicke auf mich zog. “Noch nie einen Cowboy gesehen oder was?!”, feixte ich die Personen an, die ganz schnell in andere Richtungen schauten. Als ich mir jedoch die Sporen ab machte, sah ich aus dem Augenwinkel, dass sie mich wieder alle ansahen. Wo war ich hier nur gelandet?

      Ylvi
      Mir schwirrte der Kopf...mir war unfassbar übel..und ich hörte ein Surren in meinen Ohren, das meinem verwirrten Verstand nicht vorwärts half. Der Geruch nach Desinfektionsmittel stand mir in der Nase, noch ohne die Augen zu öffnen wusste ich das ich in einem Krankenhaus lag.
      Ich blinzelte, sah vorerst nur verschwommen, dann klarer eine Gestalt auf einem Stuhl neben mir sitzen. Der Kopf war auf das Bett gesunken, die Augen geschlossen. Ich blinzelte verwirrt, sah mich im Raum um. Die Gestalt war Caleb, an meinem Fußende lag sein Hut, darauf die Sporen. Er schien zu schlafen, sonst war der Raum leer. Mein Kopf versuchte die letzten Stunden ins Gedächtnis zu holen. War ich nicht mit Louis unterwegs gewesen? Der Raum war Dunkel, nur Licht kam aus dem Fenster in der Tür. In meiner Hand steckte eine Kanüle, durch die Flüssigkeit in mich hinein lief. Das Surren stammte von dem Gerät das meinen Herzschlag aufzeichnete. Jetzt kamen mir meine Übelkeit bei der Wanderung wieder in den Sinn...mein Herz schien den Geist aufgegeben zu haben. Natürlich...schließlich hatte ich den Termin vergessen. Ich hatte darauf spekuliert noch Zeit zu haben. Sicherlich hatten sie Caleb diese Information gegeben...Ob er wohl sauer war das er und nicht meine Eltern in der Verfügung standen? Sie hatten sich all die Jahre Sorgen um mich machen müssen..ich hatte ihnen das nicht aufbürden wollen über den Ozean zu reisen um Entscheidungen zu treffen, die meine Gesundheit anbelangten. Ich streckte meine Hand aus, stoppte kurz...dann strich ich mit ihr über Calebs Wangen..ohne Worte. Ich hatte Angst den wenigen Mageninhalt von mir zu geben den ich vielleicht noch hatte. Es dauerte ein wenig, dann schreckte Caleb plötzlich nach oben, schien für einen Moment verwirrt wo er sich befand, dann fiel sein Blick auf mich.

      Caleb
      Einen ganzen Sturm hatten wir in diesem blöden Wartezimmer verbringen müssen, unter kritischen Augen der anderen Personen, die auf jemanden oder etwas warteten. Ich war wohl eingeknickt, denn wach würde ich, als mich Louis in die Seite stieß und mir sagte, er müsse nach Hause. Schließlich hätte er eine Bar zu führen und er konnte so kurzfristig keinen Ersatz besorgen oder gar schließen. Also saß alleine dort herum und fing irgendwann an, im Raum auf und ab zu tigern, wie ich es vorher im Nebenraum auch schon gemacht hatte- natürlich noch immer unter kritischen Augen. Irgendwann stand eine Frau auf, legte mir die Hand auf die Schulter und zeigte auf meinen Platz, auf dem mein Hut und meine Sporen lagen. „Herumlaufen bringt auch nichts, setzen Sie sich. Sie machen uns alle noch nervöser, als wir es ohnehin schon sind.“, legte sie mir nahe und ich nickte stumm, setzte mich wieder hin.
      So langsam wurde es leerer im Wartezimmer. Immer mehr Menschen gingen. Die Einen freudestrahlend, die anderen weinend und mit verquollenen Gesichtern. Endlich kam ein Pfleger herein und steuerte auf mich zu. Ich sprang sofort auf und mit einem lauten Klirren fielen meine Sporen auf den Boden. „Und?“, fragte ich ihn aufgeregt, doch er wies mich an mein Zeug aufzuheben und mitzukommen. Das tat ich dann auch und folgte ihm bis vor ein Zimmer. „Sie hat die OP gut überstanden und ist auch schon aus der Narkose aufgewacht. Sie ist jedoch gleich wieder eingeschlafen, da sie sehr erschöpft ist. Sie können gerne rein gehen und warten, lassen sie sie aber schlafen.“, dabei zeigte er auf meine Sporen, die eben einen heiden Krach gemacht hatten. „Alles klar. Dankeschön.“, sagte ich und der Mann nickte, ehe er verschwand. Hier stand ich nun, alleine vor Ylvis Zimmer. Nur eine Tür trennte uns. Als ich endlich Mut gefasst hatte, drückte ich die Tür leise auf und ging hinein. Meine Sachen legte ich leise auf dem kleinen Tisch ab, ehe ich mir einen Stuhl neben das Bett zog und mich dann darauf setzte. Nun hieß es wieder warten.
      Ich schien erneut eingeschlafen zu sein, denn jemand berührte meine Wange, als ich hochschreckte. Etwas orientierungslos schaute ich mich um, ehe ich Ylvi ansah und meine erste Freude, sie lebendig zu sehen, Wut wisch. Ich setzte an, hielt dann jedoch den Mund, da es ihr wirklich nicht gut zu gehen schien. So saß ich einfach hier, hatte ihre Hand ergriffen und meinen Kopf wieder auf ihr Bett gelegt.

      Ylvi
      Kurz flackerte es in seinem Blick, ein Schatten von Wut. Dann griff seine Hand nach der meinen, ein Schatten eines Lächelns auf den Lippen. Dann legte er den Kopf wieder auf das Bett, sein Gesicht dem meinen zugewandt.
      Ich schloss kurz die Augen, öffnete sie dann nochmal..ich spürte noch immer seinen Blick auf mir. Schwach drückte ich seine Hand. Unwillig die Stille zu durchbrechen...mit Anbruch der Dämmerung durfte er mir seinen Zorn gern entgegen bringen. Für den Moment war ich froh ihn an meiner Seite zu wissen. Mein Versuch wach zu bleiben scheiterte, alsbald rief mich der Schlaf wieder in seine Fänge.

      Erst als es fast rüde an der Tür klopfte, eine rundliche Schwester mit Essen in den Raum stürmte, das Tablett auf den Tisch lud und wieder verschwand wurde ich wach. Auch Caleb schreckte hoch, ließ ein stöhnen von sich hören..die Position in der er geschlafen hatte war sicherlich alles als bequem. Mich wunderte ohnehin wieso er noch hier war. In Deutschland durfte niemals jemand über Nacht bleiben..wie oft hatte ich im Krankenhaus nach meiner Mutter gerufen. Ich schob die Erinnerung beiseite. Sah etwas ungläubig auf das Essen auf dem Tablett. Kulinarisch wertvoll würde es wahrscheinlich auch hier nicht sein. Um eine Basis an Konversation zu schaffen deutete ich auf das Essen…”Hunger?” meine Stimme klang kratzig von der wenigen Nutzung der letzten Stunden.

      Caleb
      Es dauerte nicht lange, da hörte ich von Ylvi ein leises, regelmäßiges Atmen. Sie schien wieder eingeschlafen zu sein. Lange überlegte ich, was ich tun sollte, entschied mich dann jedoch das Zimmer kurz zu verlassen und etwas essen zu gehen, solange die Cafeteria noch auf hatte.
      Gesagt getan. Vorsichtig zog ich meine Hand aus der Ihren und verließ leise das Zimmer. Schnell hatte ich den Essraum gefunden und bestellte mir etwas. Zum Glück hatte ich mein Portmonee eingesteckt gehabt, welches ich im Wagen liegen gehabt hatte. Ich bezahlte, setzte mich an den Tisch und aß. So langsam wurde es leerer hier und der Pfleger, dem ich am Nachmittag anscheinend Angst gemacht hatte, kam mit ernster Miene auf mich zu. „Die Besuchszeit ist fast vorbei.“, sagte er mir und ich stand vom Tisch auf, legte meine Serviette auf das Tablett und sah ihn an. „Wenn Sie über Nacht bleiben möchten, müssen Sie sich vorne anmelden. Ansonsten muss ich Sie bitten, das Krankenhaus zu verlassen und…“ „Alles klar. Ich bringe mein Tablett weg und werde mich anmelden. Danke.“, antwortete ich ihm. Er nickte, machte kehrt und verschwand, während ich meine Sachen weg räumte, mir noch eine Flasche Wasser kaufte, mich für die Nacht anmeldete und dann wieder zu Ylvi ins Zimmer ging. Sie schlief noch, weshalb ich mich wieder zu ihr setzte und meinen Kopf auf das Bett legte.
      Irgendwann schien auch ich eingeschlafen zu sein, denn ich wachte durch einen Knall auf. Eine scheinbar noch unfreundlichere Frau als der Pfleger hatte Ylvis Essen auf den Tisch geknallt. Sofort legte ich eine Hand in meinen Nacken. „Ouch.“, meinte ich und dehnte meinen Hals ein wenig. Auf Ylvis Frage schüttelte ich nur den Kopf. „Ich hatte mir eben was geholt, als ich kurz raus war. Ess du nur. Und dann erzählst du mir, was zum Teufel du dir dabei gedacht hast.“, fing ich meinen Satz an und wurde zum Ende hin doch wütend. Ja, was hatte sie sich nur dabei gedacht?!

      Ylvi
      Zweifelnd sah ich zu dem Tablett, eine trockene Scheibe Brot...Käse der sich nach oben rollte. Ein Glas Wasser...und ein Joghurt. Narkosen schlugen mir auf den Magen. Das hatten sie schon immer. Ich rutschte langsam in eine sitzende Position, stellte das Bett darauf ein. Caleb half mir, legte das Kissen in meinen Rücken. Zunächst trank ich das Glas Wasser, wurde dabei ein wenig behindert, denn ein Schlauch unterstützte mich noch beim Atmen...sie rutschten mir ständig über die Ohren. Andererseits tat die Kanüle in meiner Hand bei jeder Bewegung weh. Langsam war auch das ziehen der Narbe an der Brust zu spüren. Wieder war sie geöffnet worden. Erst war es der Unfall gewesen, dann die Langzeitfolgen, schließlich der entdeckte Herzfehler. Man hatte mir als ich 14 war den Herzschrittmacher eingesetzt...zu oft hatte mein fragiles Herz einige Schläge ausgesetzt. Damals hatte man erklärt nach etwa 10 bis 15 Jahren würden die Batterien ihren Dienst versagen. In Deutschland hatte man mich noch einmal untersucht...in Albuquerque hatten sie mir ein Krankenhaus genannt. Dieses hatte die Kontrolle fortführen sollen. Den ersten Termin hatte ich tatsächlich mit Absicht verstreichen lassen. Ich hatte keinen eigenen Wagen gehabt, wollte Bellamy und Caleb nicht stören. Vor allem nachdem Caleb und meine erste Begegnung so wenig vielversprechend ausgesehen hatte. Anschließend war ich so eingespannt gewesen in meine Arbeit, die Hilfe auf der Ranch das ich es schlichtweg vergessen hatte. Dann hatte mich Caleb für ein paar Tage nach Dublin entführt. Ich griff wenig überzeugt nach dem Jogurt, er schmeckte künstlich nach Erdbeere, ran meine Kehle hinab und schien nun schwer in meinem Magen zu liegen. Die einfache Antwort auf Calebs Frage war - nichts. Ich hatte nicht nachgedacht...unbedarft gehandelt...zu sehr “im Moment” gelebt. Bei dieser Sache hatte ich es übertrieben...und ich hatte Angst diese simplen Worte an Caleb zu richten. Ich hatte seinen Vorwurf gehört...und trotzdem ehrte es ihn. Das er hier war, die Nacht hier verbracht hatte...das alles bewies das ich ihm nicht egal war. Sorge stand ihm ebenso im Gesicht wie die Wut. Ich kratze den Becher nicht aus, stellte ihn fort...seufzte und hob weniger Scheu den Blick. “Nichts. Ich habe mir nichts dabei gedacht. Das war dumm...das weiß ich.” ich war drauf und dran ein “aber” mitanzufügen ließ es dann jedoch besser sein. Ich wollte den Wolf nicht grollen hören, obwohl es ihm in der Brust sitzen musste.

      Caleb
      Der Joghurt schien ihr wirklich nicht zu schmecken, so langsam und zaghaft sie ihn löffelte. Wobei es auch sein konnte, dass ihr Kopf nach einer passenden Antwort auf meine Frage suchte, denn anstatt mir zu antworten, hatte sie sich aufgesetzt, getrunken und dann angefangen zu essen. Ich war aufgestanden und zum Fenster gegangen. Die Aussicht aus ihrem Zimmer war wirklich hässlich, sie konnte direkt auf die viel befahrene Straße schauen und auf der gegenüberliegenden Seite standen Häuser. Die Stadt konnte man gar nicht mit der Weitläufigkeit der Ranch vergleichen. Ich wusste genau, warum mich Louis nach meinem Rodeounfall so schnell es ging aus dem Krankenhaus geholt hatte- ich wäre darin zu Grunde gegangen. Es hatte zwar ewig gedauert, bis ich ohne Schmerzen einen Fuß in den Steigbügel hatte setzen können und bei Gott, Louis hatte mich fast wieder aufs Pferd geprügelt. In Gedanken hatte ich das Zimmer, das Krankenhaus und diese Stadt verlassen, als ich Ylvis zögerliche Stimme hinter mir hörte. Ich drehte mich um und sah sie an. Nichts? Sie hatte sich nichts dabei gedacht? War das ihr Ernst? Ich gab ein genervtes Grummeln von mir, setzte mich wieder auf den Stuhl an ihrem Bett, rückte aber ein wenig nach hinten, damit sie mehr Platz zum Essen hatte. “Und wie lange musst du noch hier bleiben? Ich müsste nämlich wieder zurück auf die Ranch…”, sagte ich dann, ohne auf ihre Antwort einzugehen. Diese Genugtuung würde ich ihr nicht geben, sollte sie ein bisschen schmoren.

      Ylvi
      Ich zuckte zusammen.. “Du nimmst mich mit.” sprach ich fast ein wenig zu flehentlich und ich hasste meinen Ton. “Ich geh hier sonst ein.” Caleb schien mir nicht zu widersprechen.
      Innerhalb von 10 Minuten hatten wir eine Schwester organisiert, ihr mitgeteilt das wir gehen würden. Einer der Ärzte sprach im Vertrauen zu mir...aber ich wollte nicht länger als nötig bleiben. Wundversorgung kannte ich mittlerweile zu genüge. Da sie mich nicht zwingen konnten, unterschrieben sie meine Entlassungspapiere.
      Ein Pfleger war es der mich neben Caleb her schob, dieser hatte seinen Hut wieder auf dem Kopf, die Sporen baumelten an seinem Gürtel, klirrten Klangvoll aneinander. Am Ausgang half mir Caleb auf die Füße, doch statt mich selbst Laufen zu lassen hob er mich ohne Umschweife auf seinen Arm. Nur das Aufstehen hatte mich meine ganze Kraft gekostet, ich schämte mich. Murmelte ein leises Dankeschön als er mich sanft auf dem Sitz des Wagens ab setzte. Wir schwiegen auch als wir die Stadt noch verließen...als wir auf dem Highway Richtung Blakes Crow Meadow waren atmete ich hörbar aus...eine Anspannung wich endlich von meinen Schultern. “Caleb..könnten wir uns darauf einigen Bellamy nichts davon zu erzählen?” ich sah auf meinen Schoß “Ich will nicht das er davon weiß.”

      Caleb
      Die Fahrt verlief schweigend. Jeder von uns war mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. Während ich das Lenkrad ab und zu fester umfasste, gar zerquetschte, war Ylvis Blick fast die ganze Zeit gesenkt, oder sie schaute zum Fenster hinaus.
      Endlich stellte sie mir die Frage, über die sie die ganze Zeit nachgedacht zu haben schien. Ich musste jedoch den Kopf schütteln, sah kurz zu ihr rüber und sagte dann: „Dieses Versprechen kann ich dir nicht geben. Als Louis angerufen hatte, war ich gerade mit Betsy am Trainieren. Ich habe ihr gesagt sie soll allen Bescheid sagen. Was du ihnen nun sagen wirst, das bleibt dir überlassen. Doch sie wissen, dass ich zu dir ins Krankenhaus gefahren bin. Bellamy möchte dich übrigens bitten, im Haupthaus zu bleiben. Unser Haus ist zu weit ab vom Schuss, wenn etwas ist.“ Je weiter ich sprach desto entgeisterter schaute sie mich an. Hilflos zuckte ich mit den Schultern. „Ich bin nur der Bote. Und wenn ich ab… später wieder arbeiten muss, bist du fast die ganze Zeit alleine im Haus.“, erklärte ich ihr und sie nickte zaghaft.
      Als wir auf den großen Hof führen kamen schon die anderen Mitarbeiter der Ranch raus und stellten sich vor meinen Pick Up. „So… your turn.“, sagte ich, stieg aus, öffnete ihre Tür und nahm ihr Gepäck aus dem Wagen. „Ylvi gehts dir gut??“, fragte Bellamy und ging einen Schritt auf sie zu, um ihr zu helfen, sollte sie sich helfen lassen.

      Ylvi
      Ich biss mir von innen auf die Lippen...hart, mein Blick huschte nach rechts aus dem Fenster, darauf konzentriert nicht zu weinen. Meine Nase kribbelte. Ich wollte nicht das alle Bescheid wussten. Wollte die Sorge der anderen nicht sehen. Ich würde gut und gerne vier Wochen ausfallen bis die Wunden halbwegs geheilt waren, noch einmal vier Wochen ehe ich wieder leichte Arbeit verrichten könnte. Sehr viel länger bis überhaupt daran zu denken war das ich wieder in den Sattel stieg. Vor allem aber wollte ich nicht ins Haupthaus ziehen...das Gästehaus hätte mir die Möglichkeit gegeben mich zurück zu ziehen vom Geschehen der anderen.
      Viel mehr hatte ich jedoch das Szenario im Kopf das Caleb mich los werden wollte, auch wenn mein Verstand wusste das dies gar nicht stimmen konnte, sponn sich mein Geist so etwas aus. Mein Herz zog sich dabei krampfhaft zusammen...und mir kam wieder in den Kopf wieso ich die Liebe schon immer verabscheut hatte. Sie machte uns Schwach, abhängig von anderen...nicht mehr in der Lage rational zu denken. Ich hasste wie ich fühlte, hasste meinen derzeitigen Zustand, hasste das mein Herz sich so an Caleb gebunden hatte. Vielleicht wäre es ja doch gar nicht schlecht gewesen, wenn mein dummes Herz seinen Dienst für immer versagt hätte. Doch das war auch nicht wirklich wahr...ich liebte das Leben in all seinen Facetten. Nur eben nicht mein fragiles Herz.
    • Veija
      Dein Geschenk zu Weihnachten Teil I
      Dezember 2018, by Ravenna & Veija
      Caleb
      Seit dem Unfall von Ylvi war einige Zeit vergangen. Genauer gesagt drei Wochen. Am letzten Wochenende war Betsys Turnier mit Black Sue Dun It gewesen und… sie hatte das Ding gerockt. Die anderen Mädchen hatten mit heruntergefallenen Kinnladen am Zaun gestanden, während ich das Mädchen überschwänglich aus dem Sattel gehoben, uns einmal um die eigene Achse gedreht und dann wieder aufs Pferd gesetzt hatte. Beim Pole Bending hatte sie den ersten Platz mit Sue gemacht und die anderen wirklich hinter sich zurückgelassen. “Damit hab ich nicht gerechnet.”, hatte sie gelacht und fast angefangen zu weinen. Ich hatte sie gedrückt und ihr versichert, dass sie den ersten Platz verdient hatte und die anderen sich bestimmt nicht mehr über sie lustig machen würden. Dem war jedoch nicht so, leider. Am Mittwoch war die Kleine todtraurig aus der Schule gekommen. Sie wurde geärgert, weil es nicht ihr eigenes Pferd gewesen war. Pferde leihen konnte schließlich jeder. Meine Überlegung war es nun, ihr Sue zu schenken. Naja, zumindest zur Hälfte. Aber das musste ja niemand wissen- niemand außer Bellamy, denn dem gehörte das Pferd ja- und genau in dessen Büro saß ich gerade. Bellamy war mal wieder hinter einem Stapel Papier verschwunden und konnte mich eigentlich gar nicht wirklich sehen. “Du… solltest jemanden einstellen, um den Papierkram zu machen. Unser Heu wird auch knapp, von der Einstreu brauch ich gar nicht erst anzufangen…”, sagte ich und erkannte dann ein paar schwarze Locken, die hinter dem Papierberg herausschauen. “Wenn ich hier mal Ordnung reinbekommen würde, dann wüsste ich das. Und dann wüsste ich auch, wie viel Geld wir diesen Monat noch übrig haben, um solche Dinge zu kaufen.”, murrte er und ich verschränkte meine Hände hinter meinem Nacken. “Naja, dann such dir einfach mal Hilfe. Hier auf der Ranch rennen genug Menschen rum- und ansonsten frag doch einfach O. Sie bekommt das drüben ganz alleine mit Travis auf die Reihe.”, lachte ich und verstummte sofort wieder, als mein Gegenüber mir einen Blick zuwarf, der keine Fragen offen ließ. “Apsopos O… sie möchte wieder zu uns kommen. Sie verkauft zur Zeit einige Pferde und auch die Ranch.” “Aber was ist denn aus ihren Rennpferden geworden?” “Hat sie noch, zumindest eine Handvoll davon. Die würden mit ihr zurückkommen.” “Und die Sportpferde?” “Na, von irgendwas muss sie sich doch trennen, wenn sie verkleinern will.”, lachte Bellamy nur. “Ja dann kann sie ja den Papierkram erledigen.”, scherzte ich und Bellamy nickte. “Aber nicht für allzu lange.”, sagte er und ich schaute ihn fragend an. “Nicht?” “Nein.” Damit war das Thema beendet.
      “Bell… was ich eigentlich wollte.. Betsy war so gut am Wochenende auf Sue, da wollte ich dich einfach fragen, ob wir sie ihr nicht schenken können. Nicht ganz, nur 50%. Aber dann kann sie diesen dämlichen Gören sagen, dass das Pferd ihr gehört.”, schlug ich ihm vor und er nickte. “Wenn du das für richtig hälst, ist es okay. Kannst sie ihr ja zu Weihnachten schenken, ist ja bald. Aber ich wette, sie hätte lieber Blue genommen.” “Oh nein, den geb ich nicht her. Und ja, zu Weihnachten ist eine gute Idee!”, sagte ich lachend und stand auf. “Ach, ehe du gehst.. schau nochmal nach Ylvi, sie hat nach dir gefragt.” Ich nickte, drehte mich um und verschwand aus dem Zimmer. Ylvi… Sie lebte jetzt hier im Haupthaus, nicht mehr drüben bei mir. Irgendwie hatte das unsere… Beziehung auf Eis gelegt. Ich besuchte sie nicht oft, blieb selten länger als eine halbe Stunde und redete nicht viel. Ich erzählte ihr, wie mein Tag gewesen war, was ich gearbeitet hatte und was ich am nächsten Tag arbeiten würde. Mein Weg führte mich auch direkt nach draußen auf den Hof, wo ich mich auf Smart Lil Vulture setzte, den ich vor der Tür angebunden hatte, und in Richtung der hinteren Koppeln ritt. Ich blickte noch einmal zum Haus zurück und wurde das Gefühl nicht los, dass mich jemand beobachtet hatte.

      Ylvi
      Wie ein Idiot stand ich am Fenster, spähte durch die Gardinen und sah Caleb auf Vulture verschwinden. Der Hengst hatte sich wirklich gemacht. Wie oft hatte ich Caleb bei der Arbeit mit dem Hengst beobachtet in diesem Sommer. Es ging auf den Winter zu, wenn auch hier noch immer fast angenehme 11 Grad herrschten.
      Nach der OP waren meine Eltern in den nächsten Flieger gestiegen um mich hier zu besuchen. Mein Vater hatte belustigt festgestellt das meine Schwäche für Rappschecken kaum zu übersehen war. Meine Mutter hatte das ganze weit weniger gut aufgenommen. Nach einer Woche waren sie verschwunden, ich wurde allein gelassen. Mal abgesehen davon, dass Bellamy neben der Büroarbeit wirklich oft herein kam um unter Kontrolle zu haben das ich mich nicht weit aus dem Bett oder dem Zimmer bewegte. Zweimal am Tag hieß es den Verband zu wechseln, bei der Aufgabe unterstützte mich eine mobile Krankenpflege. In den ersten zwei Wochen hatte ich auch nicht viel getan als geschlafen oder gegessen.
      Abwechslung boten die Besuche von Louis. Neben der Tätigkeit in seiner eigenen Bar, kam er oft vorbei um mir Gesellschaft zu leisten. Manchmal begleitete ihn auch seine Schwester Lilly, die mir mit ihrem losen Mundwerk dazu verhalf meine dunklen Gedanken für einige Stunden zu verbannen. Sie kutschierte mich auch gern in einem Rollstuhl über die Ranch, denn noch war ich selbst zu schwach auf den Beinen. Außerdem bewegten sie meine Pferde, dafür war ich ihnen am meisten Dankbar. Mit Inyan hatte Louis natürlich keine Probleme, mit Ravn verhielt es sich da etwas anders. Am dritten Tag nachdem Caleb mich zur Ranch zurück genommen hatte, war er nach einer missglückten Trainingseinheit von dem Wallach zu mir hinauf gekommen. In der Zeit bewegte Lilly gerade Lady Gweny im Gelände. Ich musste lächeln als er mir berichtete das der Wallach sich bei ihm keinen Zentimeter vom Aufstiegsblock fort bewegt hatte. Daher hatte er beschlossen den eigenwilligen Valravn nicht zu bewegen. Mit Fylgia hatte er sich ein wenig vor der Kutsche vergnügt, da er selbst zu groß war um die zierliche Stute zu reiten. Auf einem dieser Ausflüge hatte er mich gestern mitgenommen, in eine dicke Decke gehüllt hatte er mich aus dem Haus getragen und hatte beschlossen wir machen eine kurze Tour um die Koppeln der Ranch. Als wir im gemächlichen Schritt wieder die Ranch betraten kam uns ein reitender Caleb entgegen. Die Worte die er an Louis richtete verstand ich nicht - es war Lakota - aber den Unterton von unmut vernahm ich deutlicher darin. Mir war ein bisschen unbequem zumute auf meinem Sitz...noch hatte ich keine sonderliche Erlaubnis für große Ausflüge draußen. Obwohl Caleb nicht oft zu mir kam - dieser Teil schien ihm nicht entgangen. Dann gab er dem Pferd unter sich einen Wink los zu laufen, als er auf meiner Höhe war, zog er sich leicht am Hut, nickte und ein feines Lächeln zuckte über seine Züge. Dieser Tage wurde ich nicht schlau aus ihm, aber war ich das je?
      Noch verblüffter war ich als ich sah welches Pferd er da ritt. Es war Ravn! “Hast du ihn darum gebeten?” flüsterte ich zu Louis, der nur den Kopf schüttelte. Ich lächelte in mich hinein...also war Caleb womöglich von allein auf die Idee gekommen. Zwischen all seinen Aufgaben nahm er sich tatsächlich die Zeit meinen Wallach zu reiten.
      Langsam kehrte ich aus meinen Gedanken ins hier zurück, löste mich vom Fenster, griff nach meinen Sachen um hinunter in das Bad zu gehen. Nach dem Wechsel des Verbandes wollte ich eine schnelle Dusche nehmen. Danach lief es wohl darauf hinaus das ich versuchte gemeinsam mit Bellamy Herr seines Chaos zu werden. Kleine Aufgaben konnte ich zumindest wieder erledigen.

      Caleb
      Mein Tag war mal wieder so voll gepackt mit Aufgaben gewesen, dass ich es erneut nicht geschafft hatte, bei Ylvi vorbei zu schauen. Nun war es schon fast neun Uhr und das Feierabendbier rief nach mir.
      Nach meinem seltsamen Gespräch mit Bellamy heute Mittag war ich mit Vulture zu den Koppeln geritten, wo ich einen neuen Zaun ziehen sollte. Das Equipment hatte ich mir am Morgen mit dem Traktor schon her gefahren, angefangen zu arbeiten hatte ich allerdings noch nicht. Ich band den Hengst an einem Zaunpfahl an und ließ ihn grasen, während ich anfing, den Zaun zu ziehen. Zwischendurch machte ich immer mal wieder eine kurze Pause, um etwas zu essen oder einen Schluck zu trinken. Gegen vier Uhr musste ich dann zurück zur Ranch- Reitstunde mit Betsy und Sue. Sie hatte zwar Blue reiten wollen, aber Gun and Slide war kein Pole Bending Pferd und sie wollte ja in dieser Disziplin besser werden.
      So hatte ich ihr beim Satteln geholfen und die Stute abgeritten. Sue war im Moment so voller Energie, dass ich sie lieber selbst abritt, bevor ich Betsy auf ihren Rücken ließ. Warum Sue im Moment so ein Energiebündel war, konnte ich nicht sagen. Auf jeden Fall meinte sie heute buckeln zu müssen, was ihr allerdings nichts als Ärger mit mir einbrachte. Betsy hatte sich zerknirscht an den Zaun gestellt, weil ich die Stute heute anders anpacken musste als sonst und keinen Ton zu mir gesagt, als sie an der Reihe war. Sue hatte stark schnaufend und verschwitzt da gestanden, doch das hatte sie sich selbst zuzuschreiben. Ein Glück für sie, dass ich sie nicht turniermäßig vorstellte, denn sonst wäre das richtige Training ähnlich verlaufen.
      Bei Betsy konnte sie jetzt jedoch wirklich entspannen. Schritt und viel Trab, dann erst Galopp. So übten die Beiden ganz in Ruhe und ich musste ihnen nicht viele Verbesserungen oder Kommandos entgegen rufen. Kurz vor fünf war die Sonne schon untergegangen, jetzt hatten wir halb sechs. Zum Glück besaßen wir große Strahler, die den ganzen Platz erleuchteten. Es war jedoch kälter als die letzten Tage, zumindest der Wind fühlte sich kälter an. “Wir lassen Sue heute im Stall, leg ihr auch eine Abschwitzdecke drauf, nicht dass sie krank wird.”, hatte ich zu Betsy gesagt und hatte mich dann an meine eigentliche Arbeit begeben. Boxen misten. Natürlich hatte niemand es für nötig gehalten meinen Part zu übernehmen, während ich auf der Koppel Zaunpfähle eingeschlagen hatte. Von halb sechs bis halb neun hatte ich also im Stall gestanden und Mist geschaufelt. Dann war ich nach drinnen gegangen, unter die Dusche gesprungen und auf die Couch gefallen.
      Kurz seufzte ich. Ein wenig vermisste ich Ylvi hier schon. Ob ich sie doch besuchen gehen sollte? Ich kramte mein Handy raus und schrieb ihr eine kurze Nachricht, ob sie noch wach sei und ob ich noch kurz rüberkommen konnte. Insgeheim hoffte ich fast auf ein nein, aber irgendetwas zog mich doch zu ihr. Wie konnte das, was wir hatten, durch ihren Umzug ins Haupthaus so… kaputt gegangen sein? Ich schüttelte den Kopf und wollte so die Gedanken vertreiben. Ein arbeitsreicher Tag lag hinter mir und ich hatte keine Lust, darüber nachzudenken. Jetzt zählte die Ruhe und das Bier und…. mein vibrierendes Handy.

      Ylvi
      Nachdem ich Bellamy geholfen hatte ein wenig seines Chaos zu beheben - er hatte tatsächlich beinahe vergessen den Mitarbeitern ihren Lohn zu zahlen, hatte ich mich in das untere Zimmer zurück gezogen. Dort stapelten sich Bücher an der Wand, genau mein Gebiet. Nun saß ich bereits eine gute Stunde auf der kleinen Couch las, als ich bemerkte wie mein Handy blinkte. Ich entsperrte den Bildschirm, Calebs Name leuchtete bei WhatsApp in der Beschreibung. Ich sah nur die Hälfte der Nachricht. Mein Herz wummerte...ich legte es beiseite, versuchte zu ignorieren das er mir geschrieben hatte. Las ein, zwei Sätze nahm gar nichts auf von dem was die Worte mir erzählten.
      Dann ergriff ich doch hektisch mein Telefon, öffnete den Chat und las seine Frage. “When your not sleeping, shall I come?” stand dort. Mein Daumen rief die Tastatur zum Vorschein. Ich tippte ein einfaches “Sure” ...löschte dann den text, schloss das Handy wieder. Ich starrte an die Wand, während ich spürte wie mir heiß und kalt zugleich wurde. Es war fast zwei Wochen her seitdem ich ihn in Natura und vor allem allein gesehen hatte. Ich sah hinab auf mein Handy im Schoß, welches mir nun den Blick auf die Seiten des Buches versperrte. Erneut öffnete ich den Chat. Sah auf die Buchstaben der Tastatur die wieder aufgeploppt war. Ein leichtes Lächeln huschte über mein Gesicht, dann tippte ich den kleinen Text und verschickte ihn mit klopfendem Herzen. Dann ließ ich mein Handy wieder in der Tasche verschwinden, nicht ohne die Vibration wieder einzustellen. Mit dem Buch in der Hand verschwand ich schließlich in das Zimmer im hinteren Teil des Hauses. Von hier hatte ich einen guten Blick auf das Gästehaus. Ich schaltete das Licht nicht ein, entzündete nur die vier großen Kerzen und meine kleine Nachttischlampe. Mehr Licht benötigte ich jetzt nicht. Auf das Buch würde ich mich ohnehin nicht konzentrieren können. Aufgeregt wie ein Kind zu Weihnachten konnte ich gar nicht richtig still halten.

      Caleb
      Ich hatte ein paar Schluck aus der Bierflasche getrunken und mein Handy auf die Couch gelegt. Eine ganze Zeit lang passierte nichts. Als es dann vibrierte und die Antwort von Ylvi erschien musste ich herzlich lachen. “Don’t forget the beer.”, stand dort geschrieben. Vergiss das Bier nicht.. typisch Ylvi. Ich stand auf, schnappte mir meine Flasche und stellte unwillkürlich fest, dass ich dort noch eine stehen hatte. Wir hatten oft hier zusammen gesessen und ein Feierabendbier getrunken, dass ich es mir wohl angeeignet hatte, immer zwei mit ins Wohnzimmer zu bringen. Da Ylvi schon eine ganze Weile weg war, war dies mir schon lange nicht mehr passiert. Heute schien ich jedoch mit den Gedanken eh nicht bei der Sache zu sein. Wann hatte ich Ylvi das letzte Mal alleine getroffen? Vor einer Woche? Vor zwei Wochen? Ich wusste es nicht mehr.
      Kurz föhnte ich mir durch meine blonden Locken, ließ den Hut bewusst auf der Kommode liegen, zog nur meine Stiefel und meine Jacke an und ging langsam rüber zum Haupthaus. Es war mittlerweile halb zehn, ein paar der Arbeiter waren schon in den Betten und auch der Großteil des Haupthauses war dunkel. In Ylvis Zimmer brannten ein paar Kerzen, kein Licht. Fragend schaute ich zu ihrem Fenster rüber, grinste dann jedoch nur kopfschüttelnd und setzte meinen Weg fort.
      Im Haus angekommen zog ich die Stiefel aus, hängte meine Jacke auf und ging mit den zwei Bierflaschen in der Hand zu ihrem Zimmer. Ich klopfte und ging dann rein. “Hey.”, sagte ich leise und schloss die Tür hinter mir. Ylvi stand von ihrem Bett auf, kam auf mich zu, erwiderte meinen Gruß und streckte sofort die Hand nach dem Bier aus. “Jaja. Darfst du sowas überhaupt schon wieder trinken?”, fragte ich sie und reichte ihr die noch geschlossene Flasche, ehe ich an meiner Offenen nippte.

      Ylvi
      Wie alt war ich? 23! Und wieso hatte ich verdammt nochmal schwitzige Hände? Ich fühlte mich etwa um 10 Jahre jünger. Zum Kotzen. Ich hätte gern Caleb auf dem Absatz umgedreht aus der Tür hinaus befördert und versucht nie wieder an ihn zu denken. Stattdessen ging ich auf ihn zu, griff nach dem Bier das er mir entgegen reichte. Auf seine Frage zuckte ich mit den Schultern “Zumindest nehm ich keine Medikamente mehr die sich damit nicht vertragen.” ich hatte auch kein offizielles Verbot nach Alkohol bekommen. Zumindest nicht das ich wüsste. Da es in diesem Zimmer keine Couch gab die ich zum sitzen hätte anbieten können nahmen wir auf dem Bett nebeneinander Platz. Caleb sah fertig aus, hob jedoch sein Bier und leise klirrten unsere Flaschen gegeneinander. “Ich hatte bisher gar keine Gelegenheit dir zu danken das du Ravn bewegst. Ich hab dich schon zweimal dabei gesehen. Das du zwischen deinen ganzen anderen Aufgaben noch dazu kommst ist wirklich nett. Wird Zeit das Bellamy endlich ein paar andere Helfer einstellt. Waren die Bewerbungsgespräche dahingehend eigentlich erfolgreich? Das hab ich gar nicht so mitbekommen in der letzten Zeit.”
      Ich war mir der Nähe zwischen uns bewusst, jedoch berührten meine Füße kaum den Boden, die Haltung nach vorn gebeugt war nicht ganz gut. Also musste ich von ihm abrücken, mir eines der Kissen in den Rücken legen und mich anschließend dagegen lehnen. Vielleicht hatte ich es mit meiner Aktivität heute ein wenig übertrieben.

      Caleb
      Auf ihre Aussage mit den Medikamenten zuckte ich nur die Schultern. “Okay, nicht dass ich dich hier noch vergifte.”, lachte ich und wir tranken eine Weile schweigend unser Bier. Wir setzten uns auf ihr Bett. Unser Wohnzimmer mit der Couch drüben im Gästehaus vermisste ich jetzt schon. “Oh ja, Ravn.”, sagte ich als hätte sie mich von irgendwo zurück ins hier und jetzt geholt. “Ja, Arbeit hab ich genug, du willst gar nicht wissen was ich heute alles gemacht habe.”, grummelte ich und antwortete ihr zunächst auf ihre Frage. “Ja, einen hab ich eingestellt. Naja, Bellamy. Aber ich wollte ihn. Cayce, hat auch ein Pferd dabei. Whitetails Shortcut. Shorty. Tolles Pferd, bin den mal auf einem Rodeo geritten, aber das ist eine lange Geschichte.”, sagte ich nur und nippte wieder an der Flasche. Ylvi setzte sich um und auch ich stand vom Bett auf, ehe ich mich auf den Stuhl daneben setzte. “Das Bett ist echt wahnsinnig unbequem.”, sagte ich zu ihr und erhaschte noch einen kurzen Moment ihres verwirrten Gesichtsausdruckes, ehe sie mich wieder normal ansah. “Und ja… Cayce greift mir hier jetzt schon wahnsinnig unter die Arme. Er ist auch Trainer, hilft mir bei den Reiningpferden. Ich würde die gerne nächstes Jahr aktiver vorstellen. Wir haben so gute Nachzuchten und auch ältere Hasen hier, die gehören in die Arena, nicht auf die Koppel.”, erklärte ich ihr und sie nickte verständnisvoll. “Aber heute war nicht mein Tag.”, seufzte ich schließlich und fuhr mir einmal durch die Locken. Sie waren lang geworden, fielen nicht mehr sonderlich hübsch nach unten. Ylvi sah mich auffordernd an, weshalb ich zu erzählen anfing. “Angefangen hat der Tag damit, dass ich mir Zaun und Draht zu einer der Koppeln gefahren habe, um dort zu arbeiten. Ich hatte was vergessen, kam zurück und bin dann zu Bellamy gegangen, weil er kurz Zeit hatte. Hab ihn gefragt ob wir nicht Betsy die Stute Sue schenken können zu Weihnachten. Naja, zumindest 50%. Weil sie immer so von den anderen geärgert wird und dann kann sie sagen, das Pferd gehört ihr. Vielleicht lassen die anderen sie ja dann in Ruhe?” Ylvi nickte. “Dann hab ich mir Vulture geschnappt, bin zur Koppel zurück und.. achja, O kommt zurück hier her. Aber vielleicht hat Bellamy dir schon davon erzählt? Auf jeden Fall… zur Koppel zurück und hab da gearbeitet. Ganz fertig bin ich nicht, muss da morgen nochmal hin. Hatte dann Reitstunde mit Betsy und Sue und bei Gott… dieses Pferd. Keine Ahnung was sie hatte, aber ich musste sie heute so hart anpacken, das kenn ich gar nicht von ihr. Betsy stand dann auch in der Ecke und hat kein Wort mehr zu mir gesagt. Glaube das gibt Probleme, wenn die Stute ihr.. halb ihr.. gehört. Aber naja.. dann habe ich Boxen gemistet. Hat ja keiner für nötig gehalten das zu tun, während ich Zaun machen war. Dann war ich duschen, saß auf der Couch und bin nun hier- morgen wird vermutlich nicht besser, denke das Heu kommt dann und wer lädt es ab? Ich…”, grummelte ich und nahm noch einen Schluck Bier. So viel hatte ich in den letzten Wochen nicht mit Ylvi geredet, weshalb sie jetzt leicht erschlagen in ihrem Bett saß. Zumindest hatte ich das Gefühl, dass es so war.

      Ylvi
      Ich schwieg einen Moment, ordnete die Fülle an Informationen, überlegte auf was ich darauf als erstes Antworten sollte. Ich hatte dabei einen dümmlichen Gesichtsausdruck, ganz sicher. Caleb grinste erst, lachte dann ein wenig. Ich erwiderte. “Wo ist nur der verschwiegene Cowboy hin?”, legte dann die Hand auf den Mund. Wie im Chat die Affen Smileys. “Daran bist du Schuld.” das klang beinahe verwegen wie Caleb es sagte. “Ich freue mich aber das du zumindest etwas Unterstützung durch Cayce hast. Die Idee für Betsy ist großartig! Kinder können so abartig zueinander sein, vor allem Mädchen in dem Alter. Dabei hat sie die Pubertät noch vor sich. Ich denke ein Pferd kann ihr dabei helfen sich zu entwickeln. Außerdem bist du als Trainer dann ja nicht aus der Welt...oder eben Cayce. Ich hab dich heute morgen bei Bellamy gesehen. Ist doch sicherlich ätzend ständig ihn fragen zu müssen? Bei all den guten Ideen und Plänen die dir so vorschweben.” Caleb war Vorarbeiter der Ranch, hatte viele der wichtigen Aufgaben der Ranch übernommen. Machte die Dienstpläne, das Futtermanagement. Im Grunde fehlte nicht viel zu dem Punkt das er alles auf der Ranch bestimmte. Trotzdem war der Name der Ranch Blakes Crow Meadow und die finale Entscheidung wurde stets von Bellamy getroffen. Dieser hatte mir jedoch, nicht gerade durch die Blume, zu verstehen gegeben das ihm die Aufgabe über den Kopf wuchs. Auch die Rückkehr von O würde nicht viel ändern, denn sie hatte nicht vor in die Ranch ihres Bruders einzusteigen. Ganz freiwillig kam sie wohl auch nicht zurück, wenn ich es nicht falsch verstanden hatte. Bellamy wusste das er sich etwas überlegen musste, wenn die Ranch in geordneten Bahnen weiter laufen sollte. Ich hatte die Rechnungen gesehen, das Chaos...und fragte mich in welchen Zügen Caleb über das Problem überhaupt Bescheid wusste.

      Caleb
      Meine Bierflasche neigte sich dem Ende zu und auch die Uhr schritt Stück für Stück voran. Lange würde ich wohl nicht mehr hier bleiben, genoss die Gesellschaft von Ylvi nun doch in vollen Zügen. Sie hatte mir gefehlt. Und sie fehlte mir verdammt nochmal drüben im Haus auch. Aber ihr das zu sagen? Das war nicht ich. “Oh ja und frag mich erst mal. Cayce ist ein wahnsinnig guter Reiter. Vielleicht können wir zusammen nochmal anfangen zu Ropen!”, erklärte ich ihr stolz und sah auch bei ihr ein Lächeln aufflackern. Sie wusste, wie sehr ich das Lassoschwingen liebte, hatte es aber eine ganze Weile nicht mehr tun können. Nur vom Bullenreiten hielt ich mich fern. Auf einen Bronc würde ich bei Gelegenheit bestimmt nochmal steigen. “Und mit Betsy glaube ich auch.”, sagte ich ihr dann. “Und eigentlich kann ihr hier jeder auf der Ranch helfen. Hier rennen genug Trainer und Leute mit Ahnung rum.”, lachte ich. Dann seufzte ich abfällig. “Es ist ätzend. Einerseits bin ich die Nummer eins auf dem Hof, was die Arbeit angeht, andererseits muss ich für jede Erlaubnis zu Bellamy rennen und ihn anflehen, etwas neues kaufen zu dürfen. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie anstrengend das ist.”, erklärte ich ihr und drehte die Bierflasche in meiner Hand hin und her, ehe ich den letzten Schluck daraus trank. “Ich bin froh, dass er es geschafft hat, das Heu zu bestellen. Kommt ja nun zum Glück morgen, viel ist nicht mehr da. Viele Pferde fressen eben viel.”, sagte ich und stand auf, streckte mich kurz. “Ich würde gleich auch wieder gehen. Es war ein langer Tag.”, meinte ich beiläufig, setzte mich jedoch wieder hin und stellte die Flasche auf den Boden. So ganz war ich noch nicht vom Gehen überzeugt.

      Ylvi
      Ich verschwieg ihm besser das ich das Heu bestellt hatte...nach der enormen Hitze des Sommers war es gar nicht einfach gewesen einen guten Händler aufzutreiben. In einer besseren Gegend hätte man das Heu selbst machen können. Dazu gab es in New Mexico allerdings keinerlei Chance. “Ich bin Bellamy die letzte Zeit ein wenig zur Hand gegangen, dem wird langsam klar das er sich mit der Ranch vielleicht übernommen hat. Ich denke er ist heilfroh, dass du ihm den Arsch rettest, wirklich. Das würde er so vielleicht nicht sagen...aber als Außenstehende kann ich das denke ich ganz gut beurteilen.” ich lächelte ihn an...das war ein insgeheimes Lob an ihn. Bekam er nicht oft. Das Konzept der Ranch war gut...nur Lage, Planung und Ausführung haperten. Ich hatte nicht viel Ahnung von Marketing, aber so steuerte Blakes Crow Meadow deutlich in die Pleite. Bellamy hatte angedeutet einige Pferde verkaufen zu müssen. Ein Blick auf den Bildschirm des Handys zeigte, das Mitternacht unaufhörlich näher rückte. Ich hatte nicht einmal die Hälfte meines Bieres getrunken, durch das Halten in meiner Hand war es nun auch schon warm. Das zur Seite beugen um es auf dem Schrank neben dem Bett abzustellen gestaltete sich als schwieriger. Bei der zu schnellen Drehung des Oberkörpers zuckte ich zusammen, konnte den Handgriff zur Narbe nicht vermeiden und atmete zischend ein. “Manchmal vergess ich das.” Caleb hatte reagiert, war aufgesprungen, nahm das Bier aus der Hand und stellte es zur leeren Flasche auf den Boden. Er sagte nichts, sein Blick hatte jedoch etwas tadelndes...es war der verkniffene. Genau der selbe den ich so oft bekommen hatte, wenn im Unterricht nicht alles lief wie es sollte. Er saß nicht wieder auf dem Stuhl sondern hatte sich auf die Bettkante gesetzt. Ich wollte nicht das er ging...das Wort “Bleib” blieb mir jedoch in der Kehle hängen, es kam mir einfach nicht über die Lippen. Ich wollte ihm nicht zeigen wie sehr ich ihn vermisst hatte. Dabei war es nur ein verdammtes Wort! Er schien meinen Konflikt zu spüren, anders konnte ich es mir nicht erklären. Sein Blick hatte meinen fixiert. “Ja bitte?” Ich spürte das Herz schneller schlagen in meiner Brust. Wie sollte ich sagen was ich wollte. Ich hatte die letzten Wochen beschissen geschlafen...die andere Seite meines Bettes schien so verdammt leer. Ich konnte selbst nicht fassen in welch kurzer Zeit ich mich daran gewöhnt hatte jemanden neben mir zu haben. Bei Max hatte ich es gehasst...nicht schlafen können eben, weil er neben mir lag. Jetzt allerdings, konnte ich teilweise nicht schlafen eben, weil niemand...jemand nicht neben mir lag. Und ich hasste diese Abhängigkeit. Wann zum Teufel war das passiert? Das war nicht in meinem Plan gewesen. “Was ist?” drängte Caleb nach, jetzt leichte Sorge in der Stimme. Hatte er Angst die unbedachte Bewegung schmerzte noch immer? Ich schüttelte den Kopf, lächelte...dann kam es mir über die Lippen. “Bleib.” nur gehaucht, scheu wie bei einem Reh. Das klang nichtmal nach mir. Wo war die Selbstbewusste Ylvi hin verschwunden?

      Caleb
      Ein Wort. So leise gehaucht, dass ich es fast nicht verstanden hatte. ‘Bleib’. Ich lächelte. “Geht das wirklich? Mit deiner Op und so…”, murmelte ich und Ylvi nickte, sie schien nun wieder etwas mehr Mut gefasst zu haben. Wieder zerriss es mich innerlich, dass unsere… Beziehung in den letzten Wochen so kaputt gegangen war. Ich hatte einfach Angst Ylvi zu verletzen. Sie war nicht mehr so zerbrechlich wie vor ein paar Wochen. Aber ihre OP hatte mir mal wieder vor Augen geführt, weshalb ich nicht der Beziehungstyp war. Ich hatte keine Lust mir ständig Sorgen um jemand anderen zu machen, auf jemand anderen aufzupassen, für jemanden da zu sein… aber Ylvi… sie brachte mich zu all dem… machte mich zu so jemandem, ohne dass ich mich verändern musste. Bis jetzt hatte sie mir noch keinen Vorwurf gemacht, dass ich die letzten Wochen so selten hier war. Vermutlich konnte sie sich denken warum. Arbeit über Arbeit- und dann meine inneren Konflikte. “Caleb?” Ylvi sah mich an. “Ja.. ja. Dann bleib ich hier.” erwiderte ich. “Lass mich nur eben meine Stiefel von vorne holen. Und bitte sag mir, dass Bellamy hier nicht in aller Herrgottsfrühe mit Frühstück hineingeplatzt kommt.”, murmelte ich und wir lachten beide. “Die Zeit wo ich Frühstück am Bett bekommen habe ist vorbei. Normalerweise helfe ich ihm und den anderen in der Küche damit.”, sagte sie noch.
      Ich stand auf, holte leise meine Stiefel ins Zimmer und versuchte Amba dabei nicht zu wecken. Den Hund hatte Bellamy vor langer Zeit mal hier angeschleppt, aber wirklich etwas arbeiten tat er nicht mit ihr. Traurig musste ich an Surtout denken… und als ich wieder im Zimmer war, sah ich zu Ylvi. “Hab ich dir mal von Surtout erzählt?” Sie schüttelte den Kopf. “Eben, als ich Amba im Flur gesehen habe, ist mir der Hund wieder eingefallen. Verena hatte mal einen Rottweilerrüden, Surtout. Sie ist mit ihm und Gipsy mal einen Horse & Dog Trail gegangen. Seltsamer Hund, hat sie aus Frankreich gehabt und war nach einem Werwolf aus einem Buch benannt.” Ylvi lachte. “Ich hoffe er hat euch nicht gefressen?” “Nein, nein… war ein lieber Kerl, eigentlich. Aber total fixiert auf sie. Ist eigentlich ganz gut, dass er mit ihr gestorben ist. Der würde ohne sie eingehen.”, erklärte ich ihr und fing an, mich auszuziehen. Meine Boxershorts hielt ich an, schlüpfte dann unter die Decke. Allein das reichte, um die alte Vertrautheit zwischen uns wieder herzustellen. Ich legte meinen Arm unter ihren Kopf und sie kuschelte sich an mich an. Wir schwiegen, genossen den Moment und waren im Nu eingeschlafen.
      Plötzlich schreckte ich aus dem Schlaf hoch. Jemand hatte die Tür aufgerissen, war ins Zimmer gekommen und an der Stimme der Person erkannte ich, wer es war. Betsy. “Ylvi du wolltest uns doch beim Früh….oh.. Caleb!”, sagte sie erschrocken und ich zog mir die Decke über den Kopf. Vielleicht funktionierte bei ihr ja noch das Schema, wenn ich sie nicht sah, sah sie mich auch nicht… Funktionierte leider nicht. “Ich.. äh… ich... “, stammelte sie und verließ prompt das Zimmer. Erst dann kam ich wieder unter der Decke raus und sah zu Ylvi, die auch am Lachen war. “Das biegst du wieder gerade!”

      Ylvi
      “Das wird sie so schnell nicht vergessen.” stellte ich nüchtern fest. Konnte mir das Lachen aber nicht verkneifen. “Gut das sie uns nicht dabei gesehen hat.” Caleb beugte sich vor, stahl sich einen Kuss von meinen Lippen. Löste sich dann kurz,sah mich an und setzte einen weiteren Kuss auf meine Stirn. Ohne viele weitere Worte zog er sich an. “Ob das jetzt alle Wissen, oder ob ich unbeobachtet aus dem Haus komme?” fragte er verschmitzt. Ich zuckte mit den Schultern. “Ich glaube nicht das Betsy es jedem erzählt. Sie ist ein Kind...wie viel versteht sie schon von dem was sie gesehen hat.” Ich zog mir mein Shirt über den Kopf, vorsichtig, wegen des Verbandes. “Ooh ich denke sie versteht schon eine ganze Menge, glaub mir.” Ich streckte ihm die Zunge raus. “Na los, verschwinde, da draußen wartet eine Ranch auf deine Anwesenheit. Glaub mir...ich kann es fast gar nicht erwarten euch wieder zu unterstützen, langsam fällt mir die Decke auf den Kopf.” ich schaute auf den Flur hinaus, sah niemanden und winkte Caleb zu “freie Luft.” er huschte halb aus der Tür, blieb dann stehen, zwinkerte mir zu und verschwand dann erst. Es war gewesen als sei nicht zwei Wochen Funkstille gewesen. Wir hatten dort angeknüpft wo wir begonnen hatten...ein seltsames Gefühl, aber irgendwie auch beruhigend.
      Ich konnte mir den ganzen Morgen das blöde Grinsen nicht vom Gesicht wischen. Als ich in die Küche kam fand ich Betsy darin nicht vor. Also bereitete ich allein das Frühstück vor...langsam kam ich mir vor wie die Hausangestellte hier. Wann hatte ich das angefangen? Ich wollte wieder raus auf die Ranch. Sinnvolleres tun als eine Belegschaft von knapp 20 Mann mit Essen zu versorgen. “Du siehst beschissen aus.” kommentierte ich Bellamy der mit Augenringen bis nach Bagdad in die Küche gestiefelt kam. Davon war er nicht ganz begeistert, warf mir eine unflätige Geste zu und goss sich den Kaffee in eine Tasse und schaufelte Zucker hinein. Nach dem dritten Löffel sprach ich ihn an. “Du bist wieder nicht ganz bei der Sache.” Bellamy seufzte. “Ich hab gestern einfach mal drei der gekörten Hengste zum Verkauf gestellt...es haben sich tatsächlich 4 Interessenten gemeldet. Ich tu es nicht gern, aber ...du weißt das Geld hätten wir nötig.” in dem Moment knallte die Tür zur Küche. “Das hast du nicht getan!” ein brodelnder Caleb stand dort in der Tür. Er hatte zur Abwechslung zum Frühstück mit den anderen erscheinen wollen. Ich hörte Bellamy neben mir die Luft einziehen. Wo war das Loch im Boden? Ich konnte es gerade ziemlich gut gebrauchen.

      Caleb
      Ich hatte es geschafft mich unbemerkt aus dem Haupthaus in den Stall zu verkrümeln. Frühstücken wollte ich heute ausnahmsweise mit den anderen zusammen, alleine wurde das auf Dauer doch ziemlich einsam, vor allem da der Rest gemeinsam im Haupthaus frühstückte.
      Bis es allerdings so weit war, hatte ich noch ein bisschen Arbeit vor mir. Vulture brachte ich aus der Box auf seinen Paddock in die Nähe von einem der Trainingshengste. Dort bekam er auch sein Kraftfutter. Ich mistete schnell seine Box und vier Weitere von den anderen Hengsten, damit ich dies heute Abend nicht mehr machen musste. Nach einem Blick auf die Uhr hatte ich noch etwa eine halbe Stunde Zeit, bis es Essen gab. Ich rationierte also auch das Kraftfutter für die anderen Pferde und musste ganz schön aufpassen, das Futter nicht zu vermischen, bei so vielen Eimern. Auf jedem der Eimer stand jedoch der Name des Pferdes drauf, weshalb ich sie nach Paddock und Koppelteil sortiert auf die Laderampe meines Pick Up stellte, und dabei Cayce über die Füße lief. „Morgen.“, sagten wir beide und er blickte mich unter seinem schwarzen Cowboyhut skeptisch an. „Hast was liegen gelassen, Cowboy.“, lachte er und warf mir meinen Hut entgegen. Reflexartig riss ich die Hände in die Luft und schaffte es sogar, den Hut zu fangen, ohne ihn dabei mit meinen Fingern zu zerquetschen. „Mach doch sowas nicht, hast du mal auf die Uhr geschaut?“, fragte ich ihn lachend und setzte mir meinen Hut auf den Kopf. „Und, was gibts zu tun?“, fragte mich der junge Mann und ich überlegte. „Grade nichts mehr. Kraftfutter hab ich fertig. Würde sagen Frühstück ist angesagt.“, sagte ich zu ihm und er nickte. „Ich muss noch was im Haus holen, ich komme gleich.“, antwortete er und verschwand.
      Ich ging also zum Haupthaus, zog meine Stiefel, den Hut und die Jacke am Eingang aus und hörte Stimmen aus der Küche. Was ich dort hörte, wollte ich zunächst gar nicht glauben. Mit einem Satz stand ich bei Bellamy, hatte die Tür zugeknallt. „Bist du des Wahnsinns? Welche Hengste?!“, fuhr ich ihn an und sah, wie alle Anwesenden einen Kopf kleiner wurden oder langsam den Raum verließen. “Alan’s Psychedelic Breakfast, Gun and Slide und Genuine Lil Cut.” Ich sah ihn an. “Oh glaub mir wenn du Blue verkaufst bist du ein toter Mann!”, knurrte ich und sah wie Ylvi ihren Kopf noch weiter einzog. “Wir… wir haben Geldprobleme Caleb… ich muss ein paar Pferde verkaufen…” “Und dann verkaufst du die besten Hengste die wir haben? Bist du bescheuert?”, warf ich ihm entgegen und machte einen Schritt auf ihn zu. Ich war Bellamy körperlich noch immer ein wenig überlegen gewesen, doch wie ich ihn kannte, baute er sich gerade auch vor mir, sackte dann jedoch augenblicklich in sich zusammen. “Ich kann das nicht mehr, mir wächst das alles über den Kopf.. die Pferde, die Arbeiter… die Ranch…”, murmelte er kleinlaut und setzte sich an den Frühstückstisch. “Das Heu war wahnsinnig teuer, ich weiß nicht, wie ich das bezahlen soll…”, keuchte er und ließ sein Gesicht in seine Hände sinken. “Mir gehen die Ideen aus…”
      Ich atmete tief durch, öffnete meine Fäuste. Schlagen hatte ich ihn nicht wollen, aber aus Reflex war dies passiert. Dieser dämliche Idiot! “Also…”, murmelte ich nun mit sanfterer Stimme. “Du stehst jetzt auf, nimmst die Pferde aus dem Netz, wir frühstücken… und dann überlegen wir uns, wie wir die Ranch retten können.”

      Ylvi
      Das Frühstück über schien Bellamy verschwiegener. Caleb und Cayce unterhielten sich gut. Caleb nutzte die Runde auch gleich als eine Art Teambesprechung. Ich merkte wie er wichtige Aufgaben an Cayce gab, Murphy sollte seine Boxen übernehmen. Einen der anderen Ex-Häftlinge teilte er zum Zaunbau ein, dort wo er gestern begonnen hatte. Ich merkte dabei schnell wie er sich den Vormittag frei schaufelte um mit Bellamy zu sprechen.
      Als ich ihn gesehen hatte, da war mir kurz eiskalt geworden. Ich hatte schon gesehen zwischen ihn zu springen, wenn er Bellamy anging. Wobei ich herzlich wenig hätte ausrichten können. Seine geballten Fäuste waren mir nicht entgangen, auch nicht die Wut die in seinen ersten Worten geflackert hatte. Ich hätte nur darauf hoffen können das er mich nicht verletzten würde, falls ich dazwischen ging.
      Dass sie jedoch - endlich - gemeinsam eine Lösung suchen wollten gefiel mir. Das hätte Bellamy schon viel eher tun sollen. Aber wer konnte es ihm verübeln...ich erinnerte mich an seine Worte vom Vortag. “Ganz ehrlich...ich hab nichtmal die High School beendet, war im Jugendknast und anschließend bin ich auf der Gips Reminder Ranch gelandet. Ich hab in meinem Leben noch nie etwas richtig auf die Reihe bekommen und dann komm ich auf die bekloppte Idee eine ganze fucking Ranch zu leiten. Als O noch hier war ging das ja noch, aber dann? Ganz ehrlich...wär Caleb nicht gekommen, dann wäre das ganze schon viel eher vor die Hunde gegangen.” Ich hatte ihm gesagt er sollte Caleb einweihen. Die Angst dieser würde ihn auseinander nehmen hatte dann wohl die Oberhand behalten. Das war Stolz an falscher Stelle, das hatte ich ihm allerdings nicht gesagt...das war ihm hoffentlich bewusst. Ich wusste Caleb würde alles für die Pferde tun, einige abzugeben wäre sicherlich nicht die schlechteste Idee...aber dabei sollte sorgsam ausgewählt werden welche. Unnötige Esser zum Beispiel...und das waren die Hengste die er eingestellt hatte nicht.
      Nach dem Frühstück verschwanden alle um den ihnen zugewiesenen Aufgaben zu widmen. Ich war im Begriff die Küche zu verlassen hinter Caleb und Bellamy, drehte nach links ab um Richtung meines Zimmers zu gehen. Da erklang Calebs Stimme “Ylvi, ich denke bei der Ranch Rettungsaktion kannst du uns behilflich sein.”

      Caleb
      Bellamy war vor dem Frühstück verschwunden und hatte hoffentlich die Hengste aus dem Netz genommen. Ich war noch immer verdammt wütend auf ihn, weshalb ich mich beim Essen auch nur mit Cayce unterhalten hatte. Die Einen standen früher, die Anderen standen später auf. Auch Betsy hatte kaum ein Wort gesagt, fast die ganze Zeit betrübt auf den Boden geschaut. Etwas Leid tat die mir ja schon. Zu erst hatte sie mich und Ylvi im Bett gesehen, jetzt einen heftigen Streit zwischen Bellamy und mir. Ich müsste heute auf jeden Fall noch mit ihr sprechen und ihr einige Dinge erklären. Sie war schließlich noch ein Kind. Sie verstand nicht alles, was hier vor sich ging.
      In Bellamys Büro marschierten jetzt Ylvi, er und ich. Dort sah ich den mittlerweile kleineren Papierberg, zu dem Ylvi wohl einiges beigetragen hatte. Ich zog Ylvi einen Stuhl zum Schreibtisch dazu und setzte mich neben sie, auf der anderen Seite Bellamy. Ich seufzte kurz. “Wie schlimm ist es denn nun, Bellamy?” Ich sah die Anspannung aus seinem Körper weichen. Er schien froh zu sein, endlich mit der Sprache rausrücken zu können. “Es ist noch nicht das Ende der Ranch. Aber es ist kurz vor Ende.”, fing er an. “Und das heißt?” “Um die Ranch vor dem Bankrott zu retten müssen wir Pferde verkaufen. Einige Pferde. Oder die ganze Ranch.”, ich schluckte. Naja, eigentlich sah man es in meinem Kopf rattern. “Hmm ein Umzug wäre nicht das Schlechteste.”, sagte ich und Bellamys als auch Ylvis Kopf flogen in meine Richtung. “Verkaufen?”, fragte Bellamy ungläubig und ich nickte. “New Mexico ist schön und gut, aber was hat man von einer Ranch wenn man hier nicht einmal Rinder halten oder Heu selbst machen kann? Futter kostet Geld. In Alberta kamen wir immer mit unserem eigenen Futter rund… und.. ich habe mich selbst schon ein wenig umgesehen gehabt… ich bin so weit, dass ich etwas eigenes aufbauen möchte.” Damit schien Bellamy erstmal baff.

      Ylvi
      Das mit der eigenen Ranch...tja...wir hatten es einige Male als Thema gehabt. Aus Spaß, vielleicht. Doch ich hatte darin das glitzern in den Augen von Caleb gesehen. Der Wunsch existierte eine ganze Weile, Jahre vielleicht. Im Grunde jedoch hatte ich geahnt - diese Ranch...die Pferde hier, würde er nicht zurück lassen. Wieso war er sonst nach dem Unfall zurück gekehrt...wohl eher weniger aus Nächstenliebe zu Bellamy oder den Ex-Häftlingen. Es waren die Pferde, jedes einzelne lag ihm am Herzen.
      Ich setzte mich weiter nach vorn, Bellamy sagte keinen Ton. “Bellamy, ganz ehrlich...das halte ich für keine schlechte Idee. Caleb übernimmt ohnehin als Vorarbeiter alle relevanten Aufgaben. Überschreib ihm auf dem Papier die Ranch. Du bist aus der Sache raus...kannst dich anderen Sachen auf der Ranch selbst widmen. Dingen von denen du tatsächlich eine Ahnung hast. Marketing technisch...Logistisch gesehen, ist auch ein Umzug sinnvoll. Das Land hier ist karg, sowieso schon warm. Und Klimaerwärmung wird ein Thema sein in den kommenden Jahren. Man kann hier bleiben, versuchen mit teurem Heu über die Runden zu kommen. Oder man beschließt in eine andere Region sich zu orientieren. Wir haben die Gerätschaften, die Mitarbeiter um das alles zu bewerkstelligen.” Caleb nickte während ich mit meinen Händen gestikulierte. Die Vorstellung mit der ganzen Ranch umzuziehen legte sich zwar wie ein schwarzes Tuch auf meinen Magen, aber im Grunde war es eine wichtige Entscheidung. Es gäbe einige Sachen die man außerdem planen könnte für eine Ranch an einem anderen Ort. Die Aufnahme weiterer Häftlinge, denn die Gelder die wir vom Staat davon bekamen waren wirklich nicht unerheblich, außerdem hatten wir so eine gute Handvoll an Arbeitern. Die Aufsicht wäre schwierig, aber Lösungen ließen sich sicherlich finden. “Ich bleibe außerdem...selbst wenn ihr mir erstmal kein Gehalt auszahlt. Ich kam hier auf die Ranch um ein bisschen Abenteuer in mein Leben zu kriegen. Wie könnte ich euch jetzt einfach mit Problemen allein lassen?” das hatte noch andere Gründe. Wie könnte ich Caleb zurück lassen? Betsy allein mochte Wissen das wir etwas miteinander teilten...Aber insgeheim schlug mein Herz auch für diese Ranch.

      Bellamy
      Ich schwieg. Caleb schwieg. Ylvi schwieg. Unsere Köpfe ratterten, unsere Gedanken drehten sich. Also meine zumindest. Ich ließ meinen Kopf in die Hände sinken. “So hatte ich mir das nicht vorgestellt, glaubt mir… ich dachte ich müsste weiterführen, was Verena angefangen hatte. Alle Pferde verkaufen? Das hätte ich nicht übers Herz gebracht…”, erklärte ich und sah zum ersten Mal Mitgefühl in Calebs Blick. “Ylvi hat… nicht ganz unrecht.”, setzte er an und ich hob meinen Kopf wieder. “Wenn du mir die Ranch überschreibst, wir umziehen… ich hab noch eine Menge Geld, von der Abfindung damals.. hab alles gespart für etwas Eigenes.. dann kann ich das alles hier wieder hochziehen.”, erklärte er mir und ich nickte, schwieg wieder und dachte nach. “Und.. Ylvi scheint uns auch erhalten zu bleiben. Sie könnte eine Website oder sonst irgendwas für uns gestalten, ihr fällt da schon was ein.”, sagte er weiter und stieß die junge Frau einmal sanft mit dem Arm an. Ylvi nickte. “Wir müssen nur… also einige Pferde werde ich auf jeden Fall verkaufen.”, meinte Caleb dann. “Aber nicht die Besten.”, fügte ich an und er nickte. “Das wäre dumm.”, antwortete er mir gefasst, gar nicht mehr wütend oder beleidigend.
      “Ich glaube ich muss eine Weile darüber nachdenken…”, sagte ich dann und stand auf, sah zum Fenster raus und schaute den Mitarbeitern zu, wie sie die Pferde auf die Koppeln brachten. Als ich mich umdrehte, stand Caleb hinter mir. “Nein. Musst du nicht. Du hättest schon viel früher nachdenken sollen.”, meinte er, noch immer gefasst. “Es scheint, als hätte ich keine andere Möglichkeit mehr?”, fragte ich in die Runde und Caleb als auch Ylvi schüttelten den Kopf. “Du wirst ja nicht rausgeworfen.”, lachte Caleb und klopfte mir auf die Schulter. “Du bekommst nur… weniger Aufgaben.”, meinte er und ich nickte. “Also gut…. Caleb O’Dell. Die gehört ab sofort die Blakes Crow Meadow Ranch. Sieh es als vorzeitiges Weihnachtsgeschenk.”, sagte ich und schüttelte seine Hand. “Ein Weihnachtsgeschenk mit vielen Schulden.”, sagte er, fing dann aber auch an zu lachen und schaute zu Ylvi rüber, die auch ein leichtes Lächeln auf dem Gesicht hatte. “Meine erste Amtshandlung wird sein, dass wir drei uns zum Abendessen in der Bar von Louis in Albuquerque treffen, sieben Uhr, und dort über das weitere Schicksal gemeinsam entscheiden.”, sprach Caleb und ging zur Tür. “Und jetzt… an die Arbeit. Die macht sich nicht von alleine.”, meinte er und verschwand aus der Tür.
      “Puuuh…”, sagte ich und ließ mich auf den Stuhl hinter dem Papierberg fallen. “War das das richtige?”, fragte ich Ylvi und senkte meinen Kopf wieder auf meine Hände.

      Ylvi
      Ich zuckte mit den Schultern. “Das ganze hätte schlimmer laufen können.” dann klopfte ich auf den Tisch, sah wie Bellamy den Kopf hob. “Außerdem..um deine Worte zu zitieren. Vielleicht ist es das was Caleb gesucht hat? Du hast es ihm gewünscht. Erinnerst du dich?” Bellamy , immernoch besorgt drein blickend, lächelte allerdings. Die Narbe in seinem Gesicht verzog sich deutlich dabei. “Touché” Ich zuckte die Schultern dazu, lächelte. Ja vielleicht war das ein Weg um Caleb von der inneren Unruhe abzulenken die ihn von Zeit zu Zeit befiel.
      “Gut..ich würde sagen...du machst schonmal eine kleine Liste fertig für Pferde die zum Verkauf stehen. Ich werde derweil mein Zimmer im Gästehaus wieder beziehen. Ich brauche keine ganztags Betreuung mehr, ich vermisse mein eigenes Bett. Anschließend komme ich wieder rüber um dir beim abheften der Dokumente zur Hand zu gehen. Dann können wir Caleb heute Abend eine Übersicht der Finanzen geben...sowie der Sachen die noch fehlen. Deal?” Bellamy sah sich auf seinem Schreibtisch um, der sich schon deutlich geleert hatte. “Vielleicht sollte Caleb sich überlegen dich als Chef mit ins Boot zu holen, du scheinst zum Sklaventreiber geboren.” Es war ein Witz, das merkte ich sofort, ich streckte die Zunge heraus. Anschließend machte ich mich auf den Weg meine wenigen Habseligkeiten im Gästeraum zusammen zu packen. Ich ließ das Haupthaus gern zurück. Ich hatte die Ruhe des Gästehauses vermisst, meine kleine Oase der Ruhe. Ich gabelte Laurence im Flur auf. “Laurence? Kannst du mir eben bei der Tasche helfen? Für mich geht es vorerst wieder zurück ins Gästehaus.” “Klar, gib her.” “Sag mal, ich hab ein wenig heute morgen mitbekommen...wie schlimm ist es?” wir gingen langsam hinüber zum Gästehaus. “Es wird ein paar Veränderungen geben...das bleibt nicht aus. Aber mach dir vorerst keine Sorgen. Bellamy und Caleb schaukeln sich schon zusammen.” Laurence zog die buschigen Brauen zusammen. “Das wird ja auch mal Zeit!” brummte er schließlich. Ich lächelte in mich hinein...wahr wohl nicht schlecht. Laurence trug mir die Tasche bis hinauf in mein Zimmer, stellte sie vor dem Bett ab. ich bedankte mich bei ihm. Bevor Laurence das Zimmer verließ verweilte er kurz im Türrahmen. “Junge Dame...ich würde fast behaupten es war Gottes Segen das er sie zu uns geschickt hat. Wer weiß, vielleicht hat Verena das aus dem Himmel für uns eingefädelt. Jemand wie du hat uns auf der Ranch gefehlt...die gute Seele.” damit verschwand er aus der Tür. Ich blieb ein wenig erstaunt zurück. Laurence war ein guter Kerl, ich wusste das er schon auf der Gips Reminder Ranch gearbeitet hatte. Seine Bezeichnung der guten Seele schien mir allerdings etwas bizarr. Ich half nur Freunden aus...viel mehr noch...alle Chaoten waren im Laufe der letzten Monate einfach zum Teil meiner Familie geworden. Unfassbar das ich noch nichtmal ein Jahr hier war!

      Caleb
      Draußen atmete ich einmal tief durch. Hui, die Ranch gehörte nun mir. Noch nicht offiziell, aber bald würde sie komplett mir gehören, mit allen Pferden, allen Mitarbeitern und allem drum und dran. Ich wünschte mir schon seit Jahren eine eigene Ranch, aber jetzt so plötzlich eine zu besitzen? Unbeschreiblich. Ich atmete noch einmal tief durch und ging in den Stall, um Murphy beim Boxen misten zu helfen. Er schwieg, gut für ihn. Ein paar fragende Blicke flogen zwar zu mir rüber, aber er fragte mich nichts. Als ich damit fertig war, sattelte ich mit Vulture und ritt zu Connor, der den Zaun reparierte. Ich ging ihm kurz zur Hand, so dass wir schnell zurück zur Ranch reiten konnten. “An das Kraftfutter habt ihr ja heute Morgen auch gedacht, oder?”, fragte ich ihn und er schüttelte den Kopf. “Frag Cayce, keine Ahnung.”, ich rollte mit den Augen. Also ritt ich quer über die Ranch, um Cayce zu suchen, den ich schließlich auf dem großen Reitplatz fand. “Hey Cayce, das Kraftfutter habt ihr heute Morgen ja verteilt, oder?”, fragte ich ihn und er nickte. “Klar, ist erledigt. Habs auch schon für heute Abend gemischt.” “Gut, ich bin heute Abend mit Bellamy und Ylvi weg, einige Dinge regeln.”, sagte ich und er nickte.
      Jetzt musste ich nur noch Laurence finden. Ihm wollte ich die Ranch heute Abend überlassen, wenn ich nicht da war. Vulture sattelte ich ab und brachte auf einen der Paddocks. Dort machte er sich sofort wieder über das Heu… Mist, das Heu! Ich fluchte, lief zum Haus und stürmte in Bellamys Büro, wo auch Ylvi saß und ihm zu helfen schien. “Das Heu? Kam es? Wo ist es? Ich hab keinen Anhänger gesehen.” Nervös schaute ich auf meine Uhr. “Alles erledigt Caleb. Cayce und die anderen haben es schon abgeladen.”, erklärte er mir und ich nickte. “Okay… dann ist es ja gut. Ich bin dann mal Füttern, und dann können wir auch schon fast wieder los.”, erklärte ich und verschwand wieder. Im Stall fing ich an, das Heu in die Boxen zu verteilen. Als ich damit fertig war, lief mir auch Laurence vor die Füße. “Hey, du müsstest heute Abend auf die Ranch aufpassen. Bellamy, Ylvi und ich sind in Albuquerque und müssen einige Dinge regeln.”, erklärte ich ihm und er nickte, stellte aber keine weiteren Fragen. “Ich hoffe ihr bekommt das hin.”, meinte er und verschwand dann wieder. Im Stall war ich nun fertig, weshalb ich schnell duschen ging, mich fertig machte, meinen Notizblock schnappte und zum Auto ging, wo ich auf Bellamy und Ylvi wartete. Bellamy ließ nicht lange auf sich warten und auch Ylvi erschien nach einer Weile.

      Ylvi
      Ich hatte mein Tablet mit in die Tasche gestopft...einige Notizen würden sicherlich nicht schaden. Ich freute mich auf die Bar, ich war lang nicht mehr drin gewesen. Andererseits würden wir dort auch eine ruhige Ecke vorfinden, sicherlich gab uns Louis eines der kleineren Hinterzimmer. Diese nutzte er oft für geschlossene Veranstaltungen.
      Caleb stand an seinem Pick-Up. Vorn hatten tatsächlich drei Leute Platz, also warf ich die Tasche auf den Rücksitz, rutsche bis an den Fahrersitz und Bellamy setzte sich direkt daneben.
      Im Sandwich eingeklemmt zwischen Caleb und Bellamy fuhren wir also nun knapp eine Stunde in Richtung Albuquerque. Louis Bar befand sich im Speckgürtel der Stadt, eigentlich hatte ich bisher angenommen dieser Teil war nicht einmal Part von Albuquerque. Wobei das jetzt wahrscheinlich auch keine Rolle spielte. Calebs Blick ging nach vorn auf die Straße. Die Situation war irgendwie seltsam. Das Radio war kaputt. Also begann ich einfach zu erzählen womit Bellamy und ich uns heute beschäftigt hatten. Kontoauszüge sortiert, alle nötigen Zahlungen getätigt. “Ich hab die Daten alle mal digitalisiert auf meinem Tablet. Dann haben wir nebenbei eine gute Basis mit der du arbeiten kannst.” klar Daten konnten verloren gehen. Ich wusste auch das Caleb nicht unbedingt Technik Affinitäten teilte...aber ein Haufen Blätter zu sortieren, im schlimmsten Falle zu verlieren. Sonderlich nützlich erschien mir das ganze nicht. “Wir haben außerdem einen Anwalt ausfindig gemacht, der zwischen Weihnachten und Neujahr zur Ranch kommt um die Papiere offiziell zu übertragen.”

      Caleb
      Die Fahrt über war ich relativ still, hörte Ylvi zu und nickte hin und wieder. „Ich habe mir auch schon Gedanken dazu gemacht, welche Pferde wir verkaufen sollten. Ylvi du hast doch die Liste aller Pferde auf deinem Tablet? Auch die von O?“, sie nickte. „Gut.“, erwiderte ich und parkte mein Auto vor der Bar. Wir gingen hinein, wurden von einem freundlichen Louis begrüßt und sofort in eines der hinteren Zimmer geführt. Wir redeten eine Weile, besprachen sinnloses, waren vertieft in belangloses, als die Tür aufflog und niemand anderes den Raum betrat, als Octavia. “Da bist du ja endlich.”, grummelte ich, stand auf, und umarmte sie kurz. Auch Ylvi und Bellamy taten es mir gleich. Bellamy schien verwundert. “Ich wusste nicht, dass du auch kommst.”, sagte er zu ihr und zog ihr einen Stuhl vom Tisch, damit sie sich setzen konnte. “War auch eher eine spontane Idee von mir. Wenn sie jetzt zu uns zurückkommt, sollte sie sich auch einbringen. Schließlich will O ja auch Pferde verkaufen.”, erklärte ich und Octavia nickte. “Genau, aber lasst uns erst was essen.”, trällerte sie und ich lachte kurz. Irgendwie hatte ich diesen gut gelaunten Vogel vermisst.
      Wir bestellten Essen, was uns Louis auch schnell brachte. Erneut drehte sich das Gespräch um belanglose Dinge, ehe ich das Wort erhob. “Ich habe mir schon lange Gedanken darüber gemacht, was ich mit einer eigenen Ranch machen würde.. wo sie sein sollte, was sie verfolgen sollte, womit ich mein Geld verdienen würde…”, alle starrten mich an. “Dass Pferde weg müssen ist mir ganz klar, wir haben eh zu viele, die nur fressen und sonst nichts tun… in meinen Augen muss sich eine Ranch durch die Pferde quasi von selbst tragen.”, erklärte ich ihnen und hatte nun wirklich die gesamte Aufmerksamkeit von allen in diesem Raum erlangt. “Ich dachte daran, wieder zurück nach Kanada zu gehen. Ich habe mir im Internet schon Gelände angeschaut, zwei stehen zur Auswahl. Beide wieder in der Nähe von Calgary und Okotoks.” Ich sah ein wenig Panik in Bellamys Gesicht. “Zurück nach Kanada?”, fragte er unsicher und ich nickte. “Ich kenne keinen besseren Fleck auf diesem Planeten, um Pferde und Rinder zu züchten. Ja, Rinder gehören auch zu dem neuen Plan.” Bellamy nickte. “Es ist.. deine Ranch.”, murmelte er kleinlaut doch ich schüttelte den Kopf. “Ich sage nur, wie ich es mir vorstelle… außerdem… wir haben viele gute Westernpferde, die nicht mehr, oder noch nicht im Sport laufen. Touristen sind immer eine gute Geldquelle. Sie könnten die Landschaft erkunden, natürlich mit einem von uns dabei, könnten bei der Rinderarbeit und bei den Pferden helfen. Die Menschen geben eine Menge Geld für sowas aus.” Einstimmiges Nicken. “Deshalb bin ich zu dem Entschluss gekommen, alle Quarter-, Paint- und Appaloosahorses zu behalten.” “Klingt… vernünftig.”, sagte Ylvi und schaute auf ihr Tablet. “Ich habe hier eine Liste mit den Pferden, ich lese sie euch einfach mal vor. Gekörte Hengste wären demnach Alan’s Psychedelic Breakfast, Genuine Lil Cut, Gun and Slide und Hollywoods Silver Dream.” Caleb nickte. “Ungekörte Hengste wären A Shining Chrome, Chapter 24, Citizen Fang, Chocolate Shades, General’s Coming Home, GRH’s Bellas Dun Gotta Gun, GRH’s Funky’s Wild Berry, GRH’s Unbroken Soul of a Devil, Gunners Styled Gangster, Smart Lil Vulture, Whinney und Zues.” Wieder ein Nicken von Caleb. “Außerdem Nachtschwärmer und Chocolate Dream.”, fügte er an. “Ich nehme an die Fohlen bleiben auch alle?”, fragte Ylvi mich und tippte etwas in ihr Tablet ein. Ich nickte, und sie las die Namen vor: “PFS’ Unclouded Summer Skies, BR Dress to Impress, BR Colonels Lil Joker, Jacks Inside Gunner, Colonels Blue Splash und BR Colonels Golden Gun.” “Genau. Jetzt noch die Stuten und Cielos.”, meinte Caleb und Ylvi nickte. “Cielos bleibt, dann die gekrönten Stuten Baby Doll Melody, Bella Cielo, Colonels Smokin Gun, DunIts Smart Investment, Ginny my Love, GRH’s A Gun Colored Lena, Jade, Kristy Killings, Raised from Hell und Wimpys Little Devil. Nicht gekrönte Stuten sind A Walking Honor, Black Sue Dun It, California Rose, Chou, Easy Going, Face Down, Ginger Rose, GRH’s Aquila T Mistery, GRH’s Unbroken Magic, Heretic Anthem, Honey’s Aleshanee, Lady Blue Skip, Magnificient Crow, My sweet little Secret, Only Known in Texas, Picture of a Ghost, Snapper Little Lena, Stormborn und die Mixstute Striga.” Ylvi tippte fleißig Häkchen hinter die Namen der Pferde. “Dazu kommen noch Whitetails Shortcut, der Wallach von Cayce und Bittersweet Temptation, ein schwarze-weißer Paint Horse Hengst, den ich dazu gekauft habe.”, erklärte ich allen und sie nickten fleißig. “Væna fra glæsileika eyjarinar würde ich auch gerne behalten. Sie, Choco, Nachtschwärmer und Striga sind die einzigen Außenseiter, würde ich sagen, die ich fest behalten will.”, erklärte ich und sah dann zu Octavia rüber. “Genau, Ylvi tipp mal mit.”, sagte sie und nahm eine Liste aus ihrer Tasche. “Ich habe mir auch viele Gedanken gemacht, wen ich behalten möchte und wen ich verkaufen würde… bleiben sollen Tigres Eye, Priamos Ruffie Kincsem, BR Prias Raveday, Drama Baby, Raspberry, I’ve got a blue soul, Prias Colourful Soul, Tasmania, Candlejack, Culain, Empire of Grace, Daryl Gone Mad, Peacful Redemption, PFS’ Snap in Style und Wildfire xx. Bei einem guten Platz wären Empire of Grace noch zu verkaufen.”, erklärte Octavia und Ylvi tippte sich die Finger wund. Ein bisschen Leid tat sie mir ja schon, aber sie war es durch ihren Job ja gewöhnt, viel an solchen Geräten zu hängen. “Jetzt kommen wir dann wohl zu den potenziellen Verkaufspferden.”, sagte Ylvi und ich nickte. “Lies einfach einen Namen vor und wir sagen pro Argumente, warum das Pferd bleiben soll, oder Kontra Argumente, warum wir es verkaufen sollen.”, erklärte ich und sah zu Ylvi. “Meine Pferde zählen wohl auch dazu, wir gehören ja auch zur Ranch und ziehen mit um. Inyan, Lady Gweny, Fylgia und Valravn bleiben auch.”, sagte sie. Wir nickten einstimmig. Wir konnten ja schlecht verlangen, dass sie ihre Pferde verkaufte. Sie hatte doch nur vier davon und alle bedeuteten ihr eine Menge. Dann gingen wir die Liste Pferd für Pferd durch.

      Behalten:
      Seattle Slew -> wird als Touristenpferd behalten, wird kastriert
      Sir Golden Mile -> Octavia möchte ihn als Rennpferd übernehmen
      Stiffler -> soll noch gekört werden und ein paar Fohlen bekommen, dann wird er kastriert werden und als Wallach für die Touristen bleiben
      Moon’s Gealach -> wird von Ylvi gekauft
      Cleavant ‘Mad Eyes’ -> bleibt als Tourisrenpferd
      Abe’s Aelfric -> wird kasteriert und bleibt dann als Touristenpferd
      Ceara Isleen -> Umschulung zum Ranchpferd, später dann als Touristenpferd gedacht
      Blazing Flame -> Octavia möchte die Stute haben
      Skrúður -> Umschulung zum Ranchpferd, evtl. ein paar Fohlen ziehen und dann kastrieren, später evtl. als Touristenpferd

      Verkaufen:
      BR Princess Peppy Gaia
      GRH’s Princess Peppy Ann
      Pocahontas
      Náttdís van Ghosts
      Thjalfe van de Jötunheimr
      Fenicio
      Lajos
      Myrkvidr
      Atlanta
      Ghost’s Phenomena
      Magic Lanijos
      Zoltaire
      Zuckerschock
      LMR Fashion Girl
      Samarra
      It’s me, Amira!
      Vin
      PFS’ Blossom Magic
      Bree
      Crimetime
      Wolfs Bane
      Natu’s Little Harley
      CHH’ Mr. Buckminster
      Ocarina of Time
      Empire of Grace
      Free Willy
      Firewalker
      Mystical Champion
      Whiskey
      Sweet Revenge

      “Das war nun doch schwerer, als ich dachte.”, sagte ich und schaute mir die Liste auf dem Tablet nochmal an. “Doch.. doch. So bin ich zufrieden.”, meinte ich und sah in die Runde. Zustimmendes Nicken. “Ich würde gerne Morgen schon nach Kanada fliegen und mir die beiden Grundstücke anschauen. Möchte jemand mit?”, fragte ich Bellamy, Octavia und Ylvi und wartete.


      Ylvi
      In meinen Gedanken hüpfe ich gerade wie Hermine auf meinem Stuhl auf und ab, Arm gereckt, Finger schnippend um zu signalisieren, das ich mit von der Partie war. Tatsächlich speicherte ich meine Datei ab, ließ das Tablet wieder in der Tasche verschwinden und sah erst dann in die Runde. Weder O. noch Bellamy schienen sich wirklich dafür zu interessieren. Ich musste nicht erst zu Caleb schauen um zu Wissen das sein Blick auf mir lag. Als ich auf sah, hatte er mich fixiert. Sein Kopf legte sich nur leicht schief, sein Gesicht mit einem Mal ein fragendes Buch. Meine Augenlider schlossen und öffneten sich bewusst, ein Lächeln um meine Lippen. Unsere stumme Kommunikation machte ihm bewusst das ich mit dabei war. “Dann würde ich sagen, nehmt ihr meinen Pick-Up zurück zur Ranch.” sprach Caleb zu den anderen beiden. Ich fischte mein Tablet wieder heraus. “Ich such dann mal nach einem Flug für dich.” ich wusste nicht wieso ich nicht uns sagte...Ich wollte nicht Preis geben das ich mit Caleb flog. Ich war nicht bereit dafür den anderen zu stecken das vielleicht mehr als das Geschäft mich mit zog. “Ylvi kommst du dann bei mir mit?” fragte Bellamy. Ich winkte ab. “Mhm..nein, also. Ich werd wohl die Nacht noch hier bei Caleb und Louis verbringen. Denke ich werd dann meinen Verbandswechsel direkt morgen im Krankenhaus machen.” “Ja gut. Dann nehm ich Bellamy in meinem Auto mit, dann lassen wir den Pick-Up hier, dann hast du einen fahrbaren Untersatz, wenn du wieder zurück willst.” bot sich O an. “Guter Vorschlag, machen wir das so.”
      Wir verabschiedeten uns von O und Bellamy, blieben allerdings vor der Bar stehen bis die Lichter verschwunden waren. “Ich werd dann mal Lilly eine SOS Nachricht schicken.” Caleb sah mich etwas verwirrt an. “Naja ich hab keine Wechselkleidung, schon gar nichts was Kanada tauglich wäre. Außerdem, den Verband muss ich tatsächlich wechseln.” “Stimmt, daran hab ich jetzt gar nicht gedacht. Gut das Louis fast meinen Kleidungsstil hat. Noch ein Bier?” “Hell yes.” damit drehten wir uns um, betraten wieder die Bar. Caleb half mir auf einen der Barhocker hinter denen Louis stand und uns beide gesichtslos ansah. Ob sich Caleb sein - keine Miene verziehen - irgendwie von ihm abgeschaut hatte? “Ihr habt fast vier Stunden meine Hinterzimmer blockiert. Das klang ja nach einer richtigen Krisensitzung.” typisch native redete er um den heißen Brei, zeigte neugierde...fragte aber nicht bohrend nach. Obwohl ich mir sicher war das es ihm auf der Zunge brannte. “Das muss dir Caleb erzählen.” ich musste derweil ein Gähnen hinter meiner Hand verstecken...und widmete mich der Suche nach einem Flug für den nächsten Tag.

      Caleb
      Das war… anstrengend gewesen. Ich nahm das Bier von Louis entgegen und legte meinen Kopf einmal in meine Hände. Auch an mir nagte mittlerweile eine ziemliche Müdigkeit. Als ich den Kopf wieder hob, sah mich Louis noch immer fragend an. “Oh Louis, wo soll ich anfangen... “, murmelte ich und sah seine nach oben gezogenen Augenbrauen. “Also gut…”, setzte ich an und erzählte ihm alles, was seit heute Morgen passiert war.
      Als ich zu Ende erzählt hatte, war meine Bierflasche auch am Ende angekommen und Louis hatte mir lautlos eine Neue hingestellt. “Das klingt…”, fing er an, bediente einen Kunden, davon gab es schließlich genug hier, und setzte dann wieder an: “Das klingt.. nach viel Arbeit und vielen Veränderungen.” “Ja.. so ist es.”, sagte ich und schaute zu Ylvi, die noch immer nach Hotels und Flügen schaute. Ob sie wohl schon etwas gebucht hatte? “Nach Calgary, am Besten. Die beiden Höfe sind einmal circa 30 Minuten und einmal 45 Minuten von da weg.”, erklärte ich und sie nickte. “Und dann zieht ihr alle von hier weg?”, fragte Louis nach einer Pause. “Ich… denke ja, dass sie alle mitkommen… es wird mir so fehlen, dich nicht mehr so nahe bei mir zu haben.”, sagte ich zu ihm und wurde doch etwas sentimental. “Hey, noch bist du nicht weg, Junge.”, sagte er und haute mir über die Theke einmal gegen die Schulter. “Noch bist du hier und trinkst mein Bier… was du übrigens mal bezahlen könntest…”, merkte er an und ich lachte. “Ich will gar nicht wissen, wie viel Geld ich schon hier gelassen habe.” Auch Ylvi lachte nun. Wir schauten uns an und schienen das Gleiche zu denken. “Oder wie viel Geld wir schon für Bier ausgegeben haben, was wir dann im Gästehaus auf der Ranch getrunken haben.”, sagte sie und Louis und ich stimmten in ihr Lachen ein. “Ach bevor ich es vergesse, kannst du mir ein paar Hemden und Hosen leihen?”, fragte ich Louis und er schüttelte nur grinsend den Kopf. “Klar, ihr schlaft dann bestimmt hier?”, fragte er und wir nickten. “Waschté, ich bring dir morgen früh etwas vorbei. Aber bezahl wenigstens das Zimmer…”, brummelte er und ich rollte mit den Augen, nahm meinen Geldbeutel aus der Hosentasche und bezahlte es im jetzt sofort. Ylvi machte Gestiken auch etwas davon zu bezahlen, doch ich winkte ab. “Das in Calgary wird teurer, ich denke wir schaffen nur eine der beiden Ranches am Tag. Es gibt viel zu sehen und anzuschauen. Da kannst du dich finanziell beteiligen.” “Okay.”, meinte sie und steckte ihren Kopf wieder über den Bildschirm.

      Ylvi
      Etwa nach 20 Minuten hatte ich alles unter Dach und Fach. Louis war gerade verschwunden um die Vordertür abzuriegeln. Die Bar hatte jetzt offiziell geschlossen. “Ich hab uns in Calgary ein Hostel gebucht, einfach...aber auch preiswert. Da wir eh den ganzen Tag unterwegs sind, wird das seinen Zweck erfüllen. Morgen früh gegen 8 kommt Lilly mit ein paar Sachen für mich vorbei. Um 12 geht der Flug...am besten geht es schon etwa 10 Uhr zum Flughafen. Dann haben wir genug Zeit um das Gepäck abzugeben. Ich hab uns bereits online eingechekt, dann sparen wir uns das vor Ort. “ dann nahm ich zwei große Schluck meines Bieres und hielt Caleb den Rest hin. Ich trank auch immer wieder mit, aber sonderlich viel dann auch wieder nicht. Irgendwie hatte es sich da eingeschlichen das Caleb den Rest davon trank.
      Louis brachte uns in das schlichte Zimmer im Dachgeschoss. “Ich würd fix noch die Couch fer…” Caleb fiel ihm ins Wort. “Lass mal...geht schon so.” Louis gab keinen Kommentar, doch ein breites Lachen auf seinen Lippen schien sich der Lakota nicht verkneifen zu können. Dann verschwand er aus der Tür...ich ließ mich auf das Bett sinken, direkt auf den Rücken. “Was für ein Tag.”

      Caleb
      Louis verschwand und Ylvi legte sich auf das Bett. Ich wollte es ihr gleichtun, blieb jedoch stehen und zog meine Sachen aus. Erst dann legte ich mich auf das Bett und unter die Decke. “Ja, der Tag hat mich auch ziemlich fertig gemacht.”, sagte ich zu Ylvi, die aufstand und sich ebenfalls auszog, um dann zu mir unter die Decke zu kommen. Es dauerte wirklich nicht lange, da waren wir eingeschlafen.
      Am nächsten Morgen wachte ich auf, weil Ylvi einen Wecker gestellt hatte. Ich brummte, drehte mich um und legte mir das Kissen über den Kopf. So fertig war ich schon lange nicht mehr gewesen. Auch Ylvi schien nicht wirklich begeistert davon, aufzustehen. Nachts war ich immer wieder aufgewacht und hatte eine Weile nicht mehr einschlafen können, so viele Gedanken waren in meinem Kopf hin und her gekreist. Langsam richtete ich mich jedoch auf, zog zumindest meine Hose an und öffnete die Tür, denn ich dachte, ich hätte etwas gehört gehabt. “Oh schau mal, unsere Sachen.”, sagte ich zu Ylvi und hob die beiden Reisetaschen auf. Diese schmiss ich aufs Bett, öffnete sie und schob dann die Tasche mit der Frauenkleidung zu Ylvi rüber, die sich mittlerweile auch aufgerichtet hatte. Aus meiner Tasche nahm ich ein Hemd, zog es an und stopfte mein altes Hemd vom Boden in eine Ecke der Tasche. “Louis scheint das hier abgegeben zu haben. Lilly wollte mir ja noch helfen.”, schlussfolgerte Ylvi und ich nickte. Dann klopfte es wirklich an der Tür. Ich öffnete, bat Lilly herein und verschwand für die Zeit nach unten, während die Beiden den Verband wechselten. Eine ganze Weile unterhielt ich mich mit Louis, ehe Ylvi und die Kleine mit den Taschen die Treppe herunter kamen. “Hab alles eingepackt.”, sagte Ylvi zu mir und ich nickte. Wir verabschiedeten uns von Louis und Lilly, packten alles in den Pick - Up und fuhren zum Flughafen- relativ schweigend. Auch das Warten verlief ohne große Worte, ich nickte auch einmal ein und wurde durch ein sanftes Rütteln an meiner Schulter geweckt. Müde schaute ich in Ylvis Gesicht. “Komm, lass uns ins Flugzeug.” Wir stiegen ein, bezogen unsere Plätze und… schliefen für die nächsten sieben einhalb Stunden ein. Leider hatten wir die schöne Aussicht auf Colorado, Wyoming und Montana verpasst. Aber vielleicht würden wir es ja auf dem Rückflug schaffen, wach zu bleiben und uns die Landschaft anzuschauen.
    • Veija
      Dein Geschenk zu Weihnachten Teil II
      Dezember 2018, by Ravenna & Veija
      Ylvi
      Die unsanfte Landung ließ mich hoch schrecken, ich brauchte auch einen kurzen Moment ehe ich mich orientiert hatte. Ich drückte in der enge des Flugzeuges meinen Rücken durch, dehnte meinen Nacken. Die Position halb schief auf Calebs Schulter schlafend hatte dem nicht ganz wohl getan. Die Flugbegleiter baten uns noch einige Minuten zu warten, wir hatten den Flug knapp 20 Minuten zu früh erreicht. Das Bodenpersonal schien sich aber bereits zu sammeln.
      Caleb schien auch wach geworden zu sein, ähnlich wie ich rieb und dehnte er sich den Nacken. Da wir nur Handgepäck hatten konnten wir nach verlassen des Gates direkt in Richtung Ausgang verschwinden. Dort suchten wir uns ein Taxi. Durch die Zeit hier mit der Gips Reminder Ranch, hatte Caleb eine alte Bekanntschaft ausfindig gemacht. Sie würde uns für die nächsten drei Tage die wir hier blieben ihren Wagen leihen.
      Die Frau die uns entgegen kam, trug Stiefel...aber nicht nur Stiefel. Sie gingen ihr bis über das Knie. Es verlängerte ihre Gestalt, sie hatten auch einen knapp 10 cm hohen Absatz. Ein kurzer, also wirklich kurzer Rock. Die Jacke mit weitem Plüsch besetzt...Ich zuckte zusammen als ich ihr Gesicht sah. Hui..mit Schminke hatte sie nicht gespart. Caleb hüstelte, als sie mit einem “Juuuhu Caleb.” auf uns zu gestöckelt kam. Ich war mir ziemlich sicher...die sah nicht nur aus wie ein Rodeohäschen, sie war sicherlich eine. Sie zog Caleb zu ihrer Brust, küsste ihn auf die Wange, auf denen der Abdruck ihres Lippenstiftes zurück blieb. “Ylvi..das ist Monique.” Ich hatte fast erwartet, sie würde mich mit einem Bitch-please Blick mustern. Stattdessen kam sie vor mich, überragte mich dabei locker um beinahe zwei Köpfe. Mich zog sie allerdings auch in eine Umarmung, küsste mich auch auf die Wange. Schien also nicht ihre spezielle Caleb Begrüßung zu sein. Oder sie wollte nicht das ich mich schlecht fühlte.
      Sie gab Caleb einen Schlüssel in die Hand, ein rosa Einhorn hing daran. Anschließend führte sie uns zu ihrem Wagen. Es handelte sich um eine schwarze Dodge. Ich blieb kurz einen Moment verdutzt stehen. Den Wagen hatte ich der drallen Monique nicht zugestanden. Das bewies allerdings wieder - Urteile nicht vorschnell. Vielleicht kleidete sie sich auch einfach nur gern..wie sie eben gekleidet war? Caleb und sie unterhielten sich noch ein wenig, er gab mir schonmal den Schlüssel. Mit den Taschen stiefelte ich also in Richtung der Kofferklappe, öffnete und erstarrte. Ich spürte förmlich wie sich meine Netzhaut weg ätzte als ich das Innenleben erblickte. Rosa..pink...und zwar alles vor mir. Das bisschen das ich vom Armaturenbrett sah, die Ledersitze...der ganze verdammte Kofferraum. Ich warf das Zeug rein. Monique wünschte Caleb alles gute. “Dann bis in drei Tagen.” erwiderte er. Ich gab ihm die Schlüssel wartete bis sie fort war. “Monique also, ja?” meinte ich spöttisch, sah ihr hinterher. “Ich hab nie behauptet das ich Geschmack hatte als ich jünger war.” ich lachte ein wenig. “Warte bis du die Inneneinrichtung zu Gesicht bekommst.” klopfte auf seine Schulter, lachte und ging um den Wagen herum zur Beifahrertür. Als ich sie öffnete stand da ein vom Donner gerührter Caleb, ungläubig auf das Innere blickend. Von hier aus hatte ich mehr Blick auf die Einrichtung...der Schalthebel...sogar die verdammten Pedale...rosa oder Pink. “Na? Doch lieber einen Wagen mieten?” Caleb schüttelte langsam den Kopf, schluckte. “Na immerhin ist er von außen schwarz.” scherzte er, nicht ganz ernst.
      Damit stiegen wir also in den Wagen, mein Tablet in der Hand, half ich ihm dabei aus der Stadt heraus zu finden. “Gut das du den Kasten bei hast, die genaue Richtung krieg ich sicherlich nicht mehr zusammen.” dann schwiegen wir wieder eine Weile. Ich konnte nicht umhin, mein Handy zu zücken und ein Foto von Caleb hinter dem rosa Lenkrad zu machen. “Wehe das landet im Chat für die Ranch.” ich grinste ihn an…”Huups.”

      Caleb
      Ich starrte wütend zu Ylvi rüber. Bing...bing...bing… Machte es bei unseren beiden Handys. Ylvi starrte auf Ihres und kam aus dem Lachen nicht mehr heraus. Ich kramte meins aus der Tasche und schaute auf das Display. ‘Hübsch Caleb, steht dir.’, stand da von Bellamy. ‘Oh Caleb, ich wusste ja dass du strange bist.. aber das hätte ich nicht erwartet.’, stand da von Octavia. ‘Caleb was geht denn bei dir?!’, hatte Cayce geschrieben. ‘OMG CALEB!’, schrieb Betsy. Wir hatten auf dem Hof zwei WhatsApp Gruppen, einmal mit, und einmal ohne Betsy. In der ohne das Mädchen wurden manchmal ganz andere Dinge geschrieben. “Na danke dafür.”, sagte ich zu Ylvi, starrte sie noch einmal wütend an und startete dann den Motor. “Ich dachte wirklich Monique wäre über diese Phase hinweg…”, grummelte ich in mich hinein und fuhr auf den Highway.
      Morgen würden wir uns die Ranch anschauen, heute würde es zeitlich zu knapp werden. Eine Ranch kaufte man nicht in einer Stunde. “Hast du Lust noch was essen zu gehen?”, fragte ich Ylvi, als ich in die Straße des Hotels einbog. Sie nickte. “Vorher noch etwas frisch machen?”, sie nickte wieder. “Na gut.”, murmelte ich. Meine Wut war verflogen, etwas witzig war das Auto ja schon- und das Bild würde uns immer an diesen Trip hier erinnern.
      Ich parkte das Auto im Parkhaus und wir stiegen aus, gingen zur Rezeption, checkten ein und gingen auf unser Zimmer. “Mach du dich zu erst fertig.”, sagte ich zu ihr und Ylvi verschwand im Bad. Wir hatten beide keine sonderlich schicke Kleidung dabei, weshalb wir uns auch nicht großartig umzogen. Als Ylvi fertig war ging auch ich ins Bad und machte mich ein wenig frisch. “Na dann lass uns essen gehen, sagte ich zu ihr und ließ tatsächlich meinen Cowboyhut auf dem Bett liegen. “Nimmst du den nicht mit?”, fragte Ylvi mich und ich schüttelte den Kopf. “Ich muss ja nicht schon wieder direkt auffallen.”, sagte ich zu ihr. Bei dieser Aussage dachte ich an mein Auftreten im Krankenhaus und die klirrenden Sporen. Mit der verwaschenen blauen Jeans und den Westernstiefeln würde ich hier bei genauerer Betrachtung zwar auch auffallen, aber nicht so sehr wie noch mit dem Hut. Wir stiegen ins Auto, fuhren zu einem Restaurant ganz in der Nähe, ein bisschen kannte ich mich ja hier noch aus, und parkte dort auf dem Parkplatz. Wir gingen rein und bekamen tatsächlich noch einen Platz. Dort bot ich Ylvi einen Stuhl an und setzte mich ebenfalls an den Tisch.

      Ylvi
      Ich rieb meine Hände aneinander, setzte mich schließlich auf sie - es waren -6 Grad...und mein Körper hatte sich noch nicht an die Kälte gewöhnt. Das war tatsächlich eine Tatsache die mir Caleb wirklich mal erklären musste. Wieso zum Teufel Kanada? Das einzige was ich von diesem Staat wusste waren: ne Menge Schnee, irgendwas mit Ahorn und natürlich eine unfassbare Artenvielfalt an Tieren. Darunter Wölfe, Elche, Rentiere und natürlich auch Bären. Ich konnte Schnee nicht ausstehen. Klar so Winterritte hatten schon was...aber Schneechaos, Schnee schippen. Ich hatte mich zwischendurch schonmal gefragt was mich da geritten hatte. War ich nicht zur Blakes Crow Meadow gekommen, eben weil sie in New Mexico war? Tja, da hatte sich innerhalb weniger Stunden mein Leben ganz schön auf den Kopf gestellt. Und mein blöder Witz war es auch noch gewesen, der Bellamy auf die fixe Idee gebracht hatte Caleb die Ranch zu überschreiben. Ich hatte sogar gemeint ein Umzug sei sicherlich nicht schlecht. Und jetzt waren wir hier...in Calgary. Die nächsten Tage schauten wir uns zwei der potentiellen Ranches an. Wahnsinn.
      “Jetzt wo wir unsere Ruhe haben. Erzähl mir doch mal wieso es eigentlich nach Kanada geht. Soweit ich weiß bist du nicht hier geboren? Was sind deine genauen Pläne für eine Ranch?”

      Caleb
      Wir saßen beide am Tisch, hatten uns ein wenig umgesehen und auch schon Essen bestellt. Die Kellner hier waren wirklich fix und hatten uns schnell bedient, so dass wir nicht lange hatten warten müssen. Als Ylvi mir eine Frage stellte seufzte ich kurz und ließ meine Gabel sinken. Ja, warum eigentlich? Dass ich mich einfach nicht von diesem Land und von der Erinnerung an Verena trennen konnte würde ich ihr wohl kaum verraten.
      “Nein, geboren bin ich hier nicht aber ich bin durch das Rodeo viel gereist, habe viel gesehen und war auch sehr oft in Kanada, mal auf kleinen, mal auf großen Rodeos… dann habe ich Verena kennen gelernt… und habe mich noch mehr in dieses Land verliebt.”, gestand ich ihr und aß weiter, ich ließ mir Zeit mit dem Antworten, wollte meine Aussagen mit Bedacht auswählen. “In der Zeit auf der Gips Reminder Ranch habe ich viel erlebt, bin viele Pferde geritten und viele Turniere gegangen, hier und auch in ein paar Staaten in den USA. Montana und Wyoming zum Beispiel habe ich oft mit Pferden besucht, aber die Landschaft hier in Alberta? Die grünen, weitläufigen Wiesen, kaum Zäune und wenn, dann kilometerweit entfernt…”, ich sah Ylvis Blick und wusste genau, was sie dachte. Genau das gab es auch in Staaten der USA. Weitläufige, grüne Wiesen und auch alles Andere… “Ich weiß nicht.. kennst du das nicht, dass man sich in etwas verliebt und gerne dort hin zurückkehren möchte? Natürlich nicht genau zurück.. aber in das Land schon?”, fragte ich sie und sie nickte. “Und was sind deine genauen Pläne für eine Ranch?”, fragte sie mich dann und wieder musste ich überlegen. “Sie soll weitläufige Koppeln haben, wir brauchen aber auch für jedes Pferd eine Box. Es müssen nicht immer alle Pferde im Stall stehen, aber hier kann der Winter teilweise ziemlich hart werden und dann bräuchten wir für jedes einen warmen Platz. Außerdem möchte ich gerne Rinder halten.. Whiteface.. wer hätte es gedacht.”, erklärte ich und sie lachte. “Ja, wer hätte gedacht, dass du dir Kühe mit einem weißen Kopf kaufst.”, zog sie mich auf. “Außerdem brauchen wir große, gute Reitplätze und am besten eine oder zwei Hallen, um die Pferde ordentlich trainieren zu können… und Bungalows… oder kleine Mitarbeiterhäuser… aber das kann man ja alles noch bauen.”, erklärte ich ihr und sah sie an. “Also so richtig… weiß ich noch nicht was ich möchte. Also ich weiß es schon, aber ich kann mich nicht entscheiden, was ich wichtiger finde.”

      Ylvi
      Caleb wählte seine Worte mit Bedacht. Es schien als kaue er auf ihnen herum, ehe sie seine Lippen verließen. Nicht als fiele es ihm schwer sie auszusprechen. Vielmehr beschlich mich das Gefühl als wolle er mich schonen. War es das? Ich legte leicht den Kopf schief, beobachtete seine Haltung die offen war. Doch seine Hand spielte mit dem Ende der Gabel. Wunderlich was mir nach all der Zeit mit ihm auffiel. Es gab keine Illusionen.. natürlich, die Antwort die er mir gab war richtig, aber da war noch etwas anderes. Um mich abzulenken konzentrierte ich seiner zweiten Antwort zu lauschen, nahm die Worte wahr... allerdings entschlüpften sie mir durch das andere Ohr nach draußen. Ich hörte nur Koppeln, Boxen...Halle... Training.
      In Gedanken jedoch war ich noch bei der ersten Frage. Wieder war ihr Name gefallen, Verena. Natürlich war er das..hier hatte alles begonnen für ihn. Wie Louis es mir damals auf dem Berg gesagt hatte..Verena hatte alles für ihn geändert. Damit hing sein Herz, ein Teil seines Bewusstseins nicht nur an ihr,sondern auch an dem Land das für ihn einiges verändert hatte. Es fiel mir schwer mein wehmütiges Seufzen zu unterdrücken. Ich würde vielleicht ewig in ihrem Schatten stehen. Dann erinnerte ich mich an Laurence Worte..die gute Seele der Ranch. Vielleicht hat Verena dich für uns hierher geführt.
      Ob er wohl Recht hatte? Mir gefiel der Gedanke das sie aus der Anderswelt in diese blickte und den Nornen vielleicht etwas Zugeflüstern hatte. Laurence hatte von Gott gesprochen, für mich spielte er weniger eine Rolle als die Götter des Nordens..aber vielleicht war er einfach nur eine andere Bezeichnung für meinen Allvater? In Bellamzs Büro hatten Bilder von ihr gehangen. Für mich würde Verena auf ewig ein Geist bleiben von dem wenige sprachen. Ich beugte mich ein wenig vor, sah Caleb an, fasste nach seiner Hand. “Tut mir Leid..deine zweite Antwort wirst du mir nochmal geben müssen. Kannst du mir von ihr erzählen? Jeder erwähnt sie, für mich ist sie nur ein Geist. Ich könnte Bellamz oder O. fragen...aber,ich weiß nicht. Ich würde es gern von dir wissen. Ich hätte gern ein Bild von ihr, mehr als nur Bruchstücke.” das konnte nach hinten los gehen, furchtbar schief gehen. Aber ich wollte offene Karten zwischen uns... er verhielt sich stets Loyal,das war einer seiner besten Eigenschaften. Daher fügte ich noch hinzu “Ich hoffe du weißt, dass du offen mit mir sprechen kannst. Du musst mich nicht schonen.” Ich lächelte aufrichtig in seine Richtung. Wir waren kein Paar, er hätte das Recht sich der Antwort zu entziehen. Ich wollte nicht zu forsch sein, es war kein Befehl...eine offene Bitte vielmehr.

      Caleb
      So langsam waren wir fertig mit Essen, als mir Ylvi eine Frage stellte, die ich nicht so ohne weiteres beantworten konnte. “Lass uns nicht hier über sie sprechen.”, erklärte ich ihr und schien sie für den Moment befriedigt zu haben, denn sie hakte nicht weiter nach. Wir sprachen über dieses und jenes, blieben jedoch bei Gesprächen über Pferde und Ranches. Wir teilten uns noch die Eiskugeln zum Nachtisch, denn eine ganze Portion hätten wir beide nicht mehr geschafft, bezahlte jeder von uns die Hälfte der Rechnung und wir gingen zurück zum Auto, womit wir wieder ins Hotel fuhren und auf unser Zimmer gingen. Man sah uns beiden an, dass wir wirklich geschafft vom Flug waren. “Und du willst ihre Geschichte wirklich jetzt noch hören?”, fragte ich Ylvi und sie nickte überschwänglich. “Ja.”, war ihre Antwort und ich nickte, schwieg jedoch eine ganze Weile, während sie mich gebannt ansah und darauf wartete, dass ich etwas sagte.
      “Verena war… eine Visionärin.”, fing ich an und überlegte dann weiter. “Ich glaube sie hatte ihr Leben schon bis zum Tod durchgeplant und den Pferden gewidmet. Sie hat stets in allem das Gute gesehen und nicht nur zweite, sondern auch dritte und vierte und fünfte Chancen gegeben, auch was mich angeht. Nicht umsonst hat sie mir eine Ohrfeige verpasst, mich gefeuert und vom Hof geschmissen, als ich ihr sagte, Zues wäre unbrauchbar und ich hätte ihr doch gesagt, dass sie es bei ihm zu nichts bringen würde…Sie hat mir mehr als einmal einen Fehltritt verziehen und mir wieder ihr Herz geöffnet.”, erklärte ich ihr weiter und sah in ihren Augen etwas aufblitzen. “Hasst du Zues deshalb?”, fragte sie mich doch ich schüttelte den Kopf. “Ich hasse ihn nicht.. ich gebe ihm nur irgendwie die Schuld an allem, auch wenn er absolut nichts dafür kann.” Ylvi nickte. “Die vielen Chancen hat sie also den Pferden und den Menschen gegeben. Zues, Raised from Hell, Wimpys Little Devil… alles so hoffnungslose Fälle. Aber schau dir Hell und Devil heute mal an… was sie bei ihnen erreicht hat… nur zu Zues konnte sie nie durchdringen.. und jetzt kann sie es nicht mehr. Aber abbringen ließ sie sich von nichts, dieser Sturkopf der immer seinen Willen durchsetzen musste. Nichts und niemand in der Welt hätte sie dazu gebracht, eines der Pferde aufzugeben. Sie hatte eine gute Seele und liebte die Pferde über alles.”, wieder nickte Ylvi. Was sollte sie auch groß dazu sagen? “Mir gegenüber war sie immer ein wenig… impulsiv. Irgendwie wie ich…Ich brachte sie auch oft genug auf die Palme, mit meinen Andeutungen…. Achso, apropos Chancen.. schau dir Bellamy und Murphy und Octavia an. Alles ihr Werk. Hätte sie ihnen keine zweite Chance gegeben, was wäre wohl aus ihnen geworden? Ich möchte das auf jeden Fall auch weiterführen. Solchen Menschen eine zweite Chance geben, ihnen etwas bieten und zu etwas verhelfen.”, sagte ich und schwieg dann wieder eine ganze Weile. “Mit ihr konnte man nicht gut streiten. Sie war schnell den Tränen nahe und Enttäuschungen sah man ihr sofort im Gesicht an. Sie war jemand, der von den anderen gemocht und gut behandelt werden wollte… vermutlich konnte ich aus diesem Grund ihr Herz nie erreichen und hatte sie an Svejn verloren. Svejn ist eine andere lange Geschichte…”, seufzte ich. “Sie legte jedoch viel Wert auf meine Meinung und wurde sehr schnell unsicher, wenn ich ihr vor den Kopf stieß und ihr erklärte, wie dämlich und dumm ihre Idee war…”, wieder schwieg ich. “Sie verlangte den Pferden aber auch Leistung ab. Schau dir Bella oder Gipsy an, oder auch Choco. Oh Gott Choco!”, ich lachte. “Durch ihre Affinität zu diesem Pferd ist mir der Haflinger erst auf den Hof gekommen! Sie glaubte zwar nie daran, dass andere Rassen gut in dieser Sportart sein würden, aber irgendwie hatte sie einen Narren an diesem Hengst gefressen… und Choco ist gar nicht so schlecht im Westernsport.”, sagte ich und Ylvi lachte auch kurz auf. “Ansonsten.. ich zeige dir mal ein paar Fotos, wenn wir wieder in New Mexico sind. Dann kannst du dir sie besser vorstellen.”, sagte ich noch und überlegte. “Ich glaube, mehr fällt mir gerade nicht ein.”, meinte ich und drehte mich zu Ylvi um. Ich hatte in dem Stuhl im Zimmer Platz genommen, während sie sich auf dem Bett ausgebreitet hatte. “Hast du noch Fragen?”

      Ylvi
      Ich hatte mich auf das Bett fallen lassen, aufmerksam seinen Worten gelauscht. Der Geist füllte sich mit einer Art von Person. Mit jedem Satz den er mir gab,konnte ich mir ein besseres Bild von ihr machen.
      Er endete, schwieg kurz. In diesem kurzen Moment richtete ich mich auf. Ob ich noch Fragen hatte? Viele...aber diese musste ich nicht jetzt beantwortet bekommen. Also schüttelte ich den Kopf. “Danke.” flüsterte ich, für ihn gerade so hörbar. Ich hätte noch anfügen können, das ich wusste das es ihm schwer gefallen war. Das ich ahnte, dass ihn meine Frage erstaunt hätte. Aber in mir kam das Gefühl auch, dass dies zu viel wäre. Es bedurfte keiner Erklärungen. Über den Raum hinweg sahen wir uns einfach an, ohne zu blinzeln, dann huschte nur ein Zucken über seine Lippen, er blinzelte. Ich hatte ohne Worte verstanden, Caleb wie es schien auch. Als er sich erhob um in das Bad zu gehen, ließ ich mich wieder zurück sinken. Mir steckte der Flug in den Knochen, ein wenig tat mir doch irgendwie meine heilende Wunde weh - es begann langsam die Zeit in der sie zu jucken anfing.
      Ich unternahm wirklich den Versuch wach zu bleiben, aber meine Lider waren einfach zu schwer. Also glitt ich in das Land meiner Träume. Sie waren wirr...vollkommen wirr. Aber eine Art von Lichtgestalt die der Verena auf den Fotos wirklich unglaublich ähnlich sah, führte mich zu einem Pferd. Ohne weiter darüber nachzudenken ging ich auf dieses zu, schwang mich auf seinen Rücken und ritt über eine Landschaft die mir gänzlich unbekannt war. Erst zurück auf der Ranch sollte mir klar werden, das ich in meinen Träumen auf Zues geritten war. Sie würden mich nicht in Frieden lassen. An diesem Tag, in diesem Traum, entstand eine erste Idee in meinem Kopf.

      Caleb
      Als ich aus dem Bad zurückkam war Ylvi schon eingeschlafen. Ich seufzte kurz, deckte sie zu und legte mich dann ebenfalls unter die Decke. Wieder hier zu sein, in Calgary, nahe dem Ort an dem alles angefangen hatte und an dem alles hätte enden können… Meine Gedanken hielten mich fast die ganze Nacht wach. Ylvi wachte einmal nachts auf, zog sich flink um und schlief dann sofort wieder ein.
      Ich musste doch die Augen eine Weile zu gemacht haben, denn als ich von Ylvi geweckt wurde, fühlte ich mich wie vom Truck überrollt. Ich hab einen gequälten Laut von mir, richtete mich auf, stellte meine Füße auf den Boden und ließ meinen Kopf auf meine Hände sinken, die ich auf meine Beine gestützt hatte. „Alles in Ordnung?“, fragte Ylvi mich vorsichtig. „Ja.“, meinte ich leise und fuhr mir einmal durch die Haare. „Mach du dich im Bad fertig, ich muss noch ein paar Telefonate führen.“, erklärte ich ihr und sah sie ins Bad huschen. Tatsächlich rief ich die beiden Ranchbesitzer an und klärte, welche wir heute und welche wir morgen besuchen gehen würden. Meinen Favoriten würden wir uns morgen anschauen gehen, die andere Ranch heute. Ylvi besuchte nicht sonderlich lange im Bad, so dass ich auch noch duschen gehen und mich umziehen konnte. „Frühstück?“, fragte ich sie als ich wieder herauskam. Sie nickte. „Frühstück und Kaffee…“, erwiderte ich ihr und gähnte lange.
      Als wir in Richtung Essraum gingen erzählte ich ihr, welche Ranch wir heute besuchen gehen würde und welche morgen. Dass bei der morgigen Ranch noch 30 Whiteface Kälber, Rinder und Kühe inbegriffen waren, verschwieg ich ihr mal lieber.

      Ylvi
      Da Caleb ein wenig fertig aussah, orderte ich ihn auf den Beifahrersitz und klemmte mich selbst hinter den Sitz des Fahrzeuges. Ich hatte Glück, der Sitz ließ sich nicht nur nach vorn sondern auch nach oben verstellen. Ich konnte kaum über das Lenkrad hinaus blicken. “Schaffst du das?” dabei klopfte er sich seine Hand auf die linke Brust. Ich nickte, startete den Motor.
      Starr nach Navigationsgerät fuhr ich aus Calgary heraus, nach Westen. Es waren knapp 43 Kilometer, eine Fahrt von einer guten halben Stunde. Irgendwo hinter einer Art Feriensiedlung mit dem Namen Redwood Meadows Bogen wir auf eine kleiner Straße, die es eigentlich nicht verdiente diesen Namen zu tragen. Tannen rechts, Tannen links. Plötzlich fuhren wir unter einem Eingangsschild hindurch. Vor uns befand sich tatsächlich Wald und eine Ranch.
      Begrüßt wurden wir von einen Herren der etwa in seinen 50ern sein musste. Als ich ihn auf uns zukommen sah, musste ich innerlich Lächeln. Er sah Louis ziemlich ähnlich. Er hatte schwarz, silberne Haare in zwei langen Zöpfen geflochten, trug eine große Brille. Unmissverständlich ein Native. “Mr. O’Dell?” Caleb nickte, lächelte. “Sie haben mit meinem Sohn telefoniert. Mein Name ist Jonathan Clearwater.” Wir reichten uns jeweils die Hände. Dann begann er zu erzählen, erst ein wenig über das Tal hier. “In den 40ern gab es einen großen Waldbrand, die freien Flächen die zurück blieben hat mein Stamm für sich genutzt. Sie müssen auf dem Weg hierher an dem Golfplatz vorbei gekommen sein?” “Ah, dann war es gar keine Stadt.” “Doch, schon..nur noch wenige wohnen hier. Meine Familie hat jahrelang hier auf der Farm gelebt.” Trotz des Feuers blieb ziemlich viel an Nadelwald übrig. Das Haupthaus war praktisch vor lauter Bäumen gar nicht auffindbar. Insgesamt schien es nur 3 andere Häuser zu geben, die eher Bungalows glichen. Viel Platz für Mitarbeiter...oder Gäste blieb da nicht. Das Stallgebäude hatte genau 10 Boxen, daran angeschlossen gab es zwar eine riesige Lagerhalle, die zu zwei Hallen abgetrennt werden konnten. Einen Platz jedoch suchten wir ein wenig vergeblich. Und zwischen den Wegen, immer wieder kleine lichte Orte um die man eine Wiese gezogen hatte. Hübsch war es ja...für eine Zucht und Ranchbetrieb war das ganze allerdings etwas zu waldig. Das sah man auch Caleb an. Mr. Clearwater ließ uns nach seiner Rundtour auch alles in Ruhe allein anschauen. “Stallgebäude müssten wir erneuern...irgendwo außerhalb Wiesen anpachten. Wald roden um einen Platz zu bauen, überhaupt auch einen Round Pen. Für Rinder wäre das hier auch nicht so geeignet.” zählte Caleb auf. Ich drehte mich im Kreis. “Für die Pläne die im Raum stehen ist der Ort hier nicht sonderlich geeignet.” pflichtete ich ihm bei. Nachdem wir den halben Tag hier verbracht hatten, hieß es schließlich sich von Mr. Clearwater zu verabschieden. In unserem Rosa-Traum von einem Auto gab ich nun also die andere Adresse ein. “Ich muss ganz ehrlich sein. Angenommen ich hätte tatsächlich eine eigene Ranch aufgebaut, dann wäre der Ort hier klasse. Die Landschaft, der Platz. Ich mag das Haupthaus sehr gern - ist immerhin möbliert. Ich hätte für den Anfang ohnehin wenig Pferde. In Anbetracht der Tatsache allerdings das es eben die Blakes Crow Meadow Ranch ist - wird es das hier nicht sein.” sprach Caleb währenddessen. “Gut, aber die Einrichtung war nun wirklich ziemlich old school. Ich hab ja nichts gegen alte Einrichtung, aber vieles davon hätte man wohl nicht mehr nutzen können.” “Da magst du Recht haben.”

      Caleb
      Anstatt zur anderen Adresse zu fahren fuhren wir wieder ins Hotel. Wir waren beide immer noch ziemlich geschafft, oder zumindest ich war ziemlich geschafft, so dass wir uns im Hotel etwas zu essen aufs Zimmer brachten, dort gemeinsam aßen und uns dann ins Bett legten. Wir schauten noch eine Weile eine Sendung über irgendwas mit Indianern, ehe wir den Fernseher aus machten und uns schlafen legten.
      Am nächsten Morgen waren wir beide fitter und dementsprechend auch motivierter. Wir ließen es uns gut gehen bei dem ausgiebigen Frühstück, welches uns geboten wurde, ehe ich mir hinters pinke Steuer setzte. “Es ist und bleibt stockhässlich.”, sagte ich zu Ylvi, warf ihr einen Blick zu und stieg in ihr Lachen ein. Die zweite Ranch lag etwa eine halbe Stunde südöstlich von Calgary, an einer wunderschönen Flussgabelung. Auch sah man von hier ein paar kleinere Berge und auch die großen Rocky Mountains. “Der Ausblick gefällt mir.”, sagte ich zu Ylvi und sie schien meine Meinung zu teilen.
      Wir fuhren an einem Ranchschild mit der Aufschrift “Bow River Ranch” vorbei. Dann folgte ein langer Weg, der rechts und links aus großen Koppeln bestand. “Schau mal, wie schön.”, sagte Ylvi und auch ich war begeistert von den weitläufigen Wiesen und den angrenzenden Waldstücken. Wie weit das wohl zur Ranch gehörte?
      Auf dem Gelände hielten wir vor dem Hauptgebäude. Es war in einem älteren Stil erbaut, aber keinesfalls hässlich oder urig, sondern einladend und freundlich. Es öffnete sich die Haustür und der Besitzer der Anlage kam heraus. “Hallo, ich bin Jackson Duncan.”, stellte er sich vor und schüttelte zuerst Ylvis, dann meine Hand. “Ich führe sie ein bisschen herum.”
      Schon als ich meinen Fuß in den ersten Stalltrakt setzte, war es um mich geschehen. Ich sah Ylvi an und auch sie schien die Ranch zu mögen. Verschiedene Stalltrakte, Offenställe, zwei Reitplätze, eine wirklich sehr große Halle, viel Platz, um selbst noch etwas zu bauen und zwei Round Pens. Einen etwas kleineren und einen Größeren. Ansonsten bot die Ranch viel, viel Platz. Viel Platz zum Bauen, viel Platz zum Umstrukturieren, weitläufige Wiesen und den Fluss, der teilweise überquert werden musste, um auf die anderen Wiesen zu kommen, die dazu gehörten.
      "Das beste sehen Sie gleich, doch dazu müssen wir eine Weile reiten.", sagte er und führte uns zurück zu den Autos, wo jetzt jemand mit drei Pferden stand.

      Ylvi
      Noch bevor ich hätte nach den Zügeln greifen können, nahm sie Caleb entgegen. “Mr. Duncan, auf dem Ritt werden wir leider nur zu zweit sein.” dieser ließ das unkommentiert. Ließ den Mitarbeiter aber den Braunen fort nehmen. Wehmütig sah ich zu wie sich Caleb in den Sattel schwang, seinen Rappen neben mir zum stehen brachte und mir vollkommen unnütz durch die Haare strubbelte. “Bald darfst du auch wieder.” neckte er mich. Ließ den Rappen antraben und folgte einen Pfad hinauf Mr. Duncan. Ich verschränkte die Hände vor meiner Brust. Unfair.
      Ich hatte nichtmal eine Vorstellung wie lange sie weg sein würden! Ich vertrieb mir erst die Zeit damit im Auto zu sitzen. Anschließend streunerte ich noch einmal allein über den Hof. Viele Leute gab es hier nicht, auch der Stalltrakt war bis auf drei vier Boxen nicht mehr belegt. Bow River Ranch. Ich ließ mir den Namen über die Lippen rollen. Erinnerte mich das wir vorhin an einem Fluss vorbei gekommen waren. Auf einer der Koppeln war sogar ein Bach. Ich nahm an daher rührte der Name. Nach gut einer Dreiviertelstunde klingelte mein Handy. Caleb war gerade dabei mir diverse Fotos zu schicken. Darauf sah ich Blockhütten, drei an der Zahl...Weiden..und auch dort der Bach - dieses Mal sehr viel breiter, als er hier im Tal war. Das ganze lag in einem Talkessel, auf dem Bild hätte ich nicht sagen können wie breit es war. Doch auf den Bildern konnte ich die Berghänge sehen, sie waren schroff und mit Schnee bedeckt.
      Etwa eine Stunde später kamen Caleb und der Typ der uns die Ranch gezeigt hatte wieder zurück. Ich zog mir meine Kopfhörer aus den Ohren. Die Verabschiedung lief eigentlich ziemlich schnell. Ich fuhr zurück nach Calgary. Caleb packte oben im Zimmer unsere ganzen Sachen zusammen. In der Zwischenzeit kümmerte ich mich um den Check-out vom Hotel. Zusätzlich hatte er mir sein Handy in die Hand gedrückt. Ich suchte also in seinen Kontakten nach Moniques Nummer, rief sie an. Es dauerte auch nicht lang, dann ging sie auch schon an das Telefon. “Caleb, ihr seid also zurück?” “Nein,nein. Ylvi hier. Also ja wir sind zurück. Wir würden in etwa 10 Minuten bei dir sein und dir deinen Wagen wieder bringen.” “Ylvi, also. Gut dann halte ich mich bereit.”
      Dieses Mal fuhr .Ccaleb, auf meinem Schoß und zwischen den Beinen befand sich unser Gepäck. Unterwegs sprachen wir zunächst nicht, jeder hing den Gedanken an die Ranch nach. Caleb und Monique tauschten die Position hinter dem Steuer, er verzog sich auf die Rückbank. “Wie hat euch mein Baby gefallen?” Keine Antwort..nur ein Hüsteln von mir, da ich mir ein Lachen verkniff. Dann ein sehr sarkastisches “Ganz hervorragend!” von Caleb. “Nicht wahr?” Monique schien den Sarkasmus nicht verstanden zu haben. Daher setzte Caleb noch nach “Ich hätte gedacht die Phase sei endlich mal an dir vorüber gegangen.” keine Antwort, aber ich sah wie sich Monique auf die Lippen bis. Ihr Gesicht sah aus als sei sie gerade auf dem Klo beschäftigt. Ich sah lächelnd aus dem Fenster.
      Der Check-In am Flughafen dauerte ewig, wir kamen gerade Rechtzeitig an das Gate als auch schon unser Flug aufgerufen wurde. “7 Stunden Flug zurück..ich hab absolut keine Lust.” grummelte Caleb. Wir hatten in der vergangenen Nacht auch einiges an Schlaf nachgeholt, daher vergnügten wir uns mit zwei Filmen auf meinem Tablet. Darunter “the Rider” der uns beide nun nicht wirklich überzeugen konnte - er war einfach unfassbar langatmig. “Man merkt richtig das es Laiendarsteller sind.” flüsterte ich. um den Gast neben mir am Fenster nicht zu stören. Anschließend philosophierten wir über die Möglichkeiten mit der Ranch. Kein Zweifel...noch einmal Immobilien anschauen würden wir wohl nicht müssen.
      Lilly war diejenige die uns vom Flughafen zur Bar mitnahm. Hier war früher morgen, was mich vollkommen aus dem Konzept brachte. Mal ganz davon abgesehen das es unfassbar warm war im Gegensatz zu Kanada. Caleb und Louis unterhielten sich über die Ranch. Lilly und ich packten schon mal das Gepäck wieder in den Pick-Up von Caleb. “So, zurück zum Rest?” fragte mich Caleb, ich zuckte bisschen zusammen - hatte nicht erwartet das er plötzlich neben mir auftaucht. “Ja...genug auf Reisen gewesen.”

      Caleb
      Von der Bar zur Ranch zurück unterhielten wir uns wieder über die Möglichkeiten, die diese Anlage bot und noch im Auto rief ich Mr. Duncan an, und sagte ihm zu. Umzugsmonat wäre der Januar. Mitte Januar vermutlich, mal sehen, wann wir hier in New Mexico alles gepackt bekommen würden.
      “Ylvi ich hab dir noch gar nicht gesagt, was noch zur Ranch gehört.”, sagte ich, als wir wieder auf dem Blakes Crow Meadow angekommen waren und unsere Sachen von der Ladefläche des Pick Ups nahmen. “Eine Herde von Whitefacerindern. 30 Stück.” Doch anstatt mich geschockt oder fragend anzusehen, fing sie lauthals an zu lachen. “Was, echt? Oh Caleb.”, sagte sie und schlug mir auf den Arm, ehe sie kopfschüttelnd wegging. “Hey was denn?”, rief ich ihr nach doch sie antwortete mir nicht mehr.
      Am Abend erzählten Bellamy und ich der gesamten Ranch, was Sache war und stellten ihnen frei, mit umzuziehen oder zum Frühjahr zu kündigen. Erstaunlicherweise war jeder bereit, das neue Kapitel aufzuschlagen und die Reise mit uns anzutreten.
      “Es gibt noch etwas, dass ich euch sagen möchte. Eine Ranch finanziert sich eben nicht von alleine…”, fing ich an und schaute in gespannte Gesichter. “Ylvi hab ich es schon gesagt, aber zu der Ranch gehört eine Herde von 30 Whitefacerindern, die ich mitgekauft habe. Sieht wohl so aus, als seien wir jetzt bald wirklich im Viehgeschäft.”, alle nickten, keiner widersprach mir. “Außerdem gehört zu dem Gelände etwa eine halbe Stunde Ritt eine alte Ferienranch. Undenkbar wäre es nicht, unser Konto durch Touristen ein wenig aufzustocken.. achja, hier für jeden eine Kopie der Verkaufspferde. So können wir uns jetzt schon nach geeigneten Käufern umhören.”, erklärte ich und gab jedem einen Zettel. Schweigen. Jeder war in seinen Gedanken versunken, auch Betsy sagte kein Wort. Vereinzeltes Nicken, aber auch zerknirschte Blicke bei der Liste der Pferde. “Es steht einem jeden von euch frei, eines der Pferde zu erwerben. Doch unter meinen Namen bleiben sie nicht.”, sagte ich und kam vielleicht ein wenig harscher rüber, als ich es beabsichtigt hatte. “Also Sue und Blue behältst du, oder?”, fragte mich Betsy dann vorsichtig und ich nickte. “Sue und Blue bleiben. Nur die Pferde, die da auf der Liste stehen, werden verkauft.”, sagte ich zu ihr und sie nickte. Damit löste ich unsere kleine Versammlung auf und ging rüber in den Stall, wo ich nach Vulture schaute. In ein paar Tagen war Weihnachten. Vorher musste ich noch einige Geschenke kaufen und noch einiges erledigen.


      Wenige Tage später war Heiligabend. Weihnachten wurde von den Blakes Geschwistern und auch von Caleb noch immer ein wenig nach deutscher Tradition gefeiert, etwas, dass Verena damals nach Amerika und auf ihre Ranch mitgebracht hatte. Am 23. hatten alle Mitarbeiter zusammen einen Weihnachtsbaum ausgesucht und gemeinsam geschmückt. Betsy hatte es nicht lassen können, kleine Pferde an den Baum zu hängen, gefolgt von kleinen Cowboyhüten. “Die sind extra für dich.”, hatte sie zu Caleb gesagt, welcher sie nur lachend in den Arm genommen hatte. Betsy tat allen auf der Ranch gut.
      An Heiligabend selbst feierte die ganze Ranch zusammen. Sie waren mittlerweile wirklich wie eine Familie füreinander. Selbst Cayce gehörte schon dazu, obwohl er noch gar nicht so lange dort war. Es wurde gemeinsam gekocht, gegessen und sich dann gemütlich ins Wohnzimmer zum Weihnachtsbaum gesetzt, unter dem eine ganze Menge Geschenke lagen. “Großartige Geschenke gibt es dieses Jahr nicht.”, sagte Bellamy, als er sich mit einem Glas Sekt vor den Baum gestellt hatte. “Anfangen möchte ich jedoch mit Caleb, der das ein Geschenk von uns allen bekommt, welches größer nicht sein könnte. Wir alle zusammen schenken dir die Pferde und das Equipment dieser Ranch.”, verkündete dieser und hob sein Glas. Caleb starrte ihn derweil nur mit offenem Mund an. “Ihr schenkt mir das alles?”, fragte er ungläubig und Bellamy sowie die anderen nickten. “Fast alles. Das Gelände nicht, das werden O und ich verkaufen. Aber alles andere. Und nun Prost. Auf Caleb, unseren neuen Chef!”, sagte er, stieß mit seinem Glas an und alle Mitarbeiter tranken darauf. “Die anderen sollen natürlich nicht leer ausgehen. Hier auf dem Boden stehen kleine Geschenke mit euren Namen drauf.”, sagte er und hob ein Geschenk auf, welches er Betsy gab. Diese machte als erste auf und hielt ein Schokopferd in der Hand. “Wie süß!”, kommentierte sie ihr Geschenk und umarmte Bellamy kurz. Auch alle anderen, ausgeschlossen Caleb, hatten ein Schokopferd geschenkt bekommen. Bei allen außer Betsy war noch ein Umschlag mit Geld in der Box gewesen.
      “Dell noch eine Kleinigkeit für dich.”, sagte Bellamy dann und übergab dem Vater von Betsy ein kleines Geschenk. Er machte es auf und hielt ein Foto seiner Tochter in der Hand. Sie saß auf Sue, gehalten von Caleb, und hielt ihren Pokal stolz in die Höhe. “Habe ich gemacht, toll geworden, oder?”, sagte Ylvi und er nickte. Man sah ihm an, dass er stolz auf seine Tochter war. Dann stand Caleb auf und schnappte sich eines der letzten Geschenke unterm Baum. “Bellamy das hier ist von uns allen für dich. Damit du dein wirres Köpfchen mal sortieren kannst.”, lachte er und gab ihm das Päckchen. Dieser machte es auf und hielt einen Notizblock mit einem Taschenrechner in der Hand. “Ja, das habe ich wohl dringend gebraucht.”, lachte er. “Danke euch allen.”, sprach er in die Runde und traf auf lächelnde Gesichter und vereinzeltes Nicken. “Jetzt zu dir Betsy.”, sagte Caleb und holt das kleinste der Geschenke unter dem Baum hervor. “Wir alle haben lange überlegt, was du dir wohl zu Weihnachten wünschen könntest.”, sprach er und überreichte ihr das kleine Geschenk. Betsy traute sich zunächst gar nicht, es wirklich auf zu machen. Doch dann riss sie die Verpackung in tausend Teile und öffnete die kleine Kiste. Darin lag ein Zettel, nichts weiter. Sie nahm ihn aus der Box, faltete ihn auf und las das Geschrieben laut vor. ‘Hiermit erhältst du 50 Prozent.’ “Ich erhalte 50 Prozent von was?”, fragte sie verwirrt und schaute uns nacheinander an. “Komm.”, sagte Caleb, stand auf und ging zur Haustür. Langsam öffnete er sie und als Betsy sah, wer dort draußen auf sie wartete, sprang sie freudestrahlend aus der Haustür nach draußen. Dort stand nämlich unsere geliebte Black Sue Dun It mit einer roten Schleife um den Hals, gehalten von Betsys Vater Dell. Diesem fiel sie zuerst um den Hals, dann der Stute. “Ihr schenkt mir die Stute? Wahnsinn!”, rief sie und war den Tränen nahe. “Danke, danke, danke!”, jubelte sie und umarmte uns alle der Reihe nach.

      Caleb
      Den Abend ließen wir gemeinsam gemütlich ausklingen, es gab noch einige Geschenke die verteilt und ausgepackt wurden. Cayce hatte tatsächlich ein Foto von mir und seinem Pferd, als ich für ihn angetreten war, gemacht und schenkte es mir. Auch für Ylvi hatte ich mir etwas überlegt, was ich ihr jedoch erst im Bett überreichte. “Ich dachte schon ich bekomme gar nichts von dir.”, scherzte sie und ich lachte. “Naja, warte mal ab, mach es zuerst auf.” Ylvi riss das Papier herunter und hielt… einen Kalender in der Hand. “Damit du deine Arzttermine alle zusammen an einer Stelle hast und sie so hoffentlich nicht mehr vergisst.”, erklärte ich ihr und wurde sofort geschlagen. “Doofkopf… aber danke.”, sagte sie und gab mir einen Kuss. “Hier, das ist von mir, für dich. Wollte es dir nicht vor allen geben.”, erklärte sie und überreichte auch mir ein Geschenk. „Vorsichtig, scharfe Munition.“, lachte sie und ich hörte augenblicklich auf, die kleine Kiste zu schütteln. Vorsichtig öffnete ich das Geschenk und… hielt eine kleines Gewehr in den Händen. „Ein Schlüsselanhänger?“, ich lachte. „Ein kleines Gewehr. Das häng ich Vulture ans Halfter!“, scherzte ich und drehte es in meinen Fingern hin und her.
    • Veija
      Umzug auf die Bow River Ranch - Canadian Flair
      Mai 2019, by Ravenna & Veija
      Mitte Feb. 2019
      Ylvi
      “Nehmen Sie bitte den Arm einmal nach oben.” der Weisung des Arztes folgend hob ich meinen linken Arm. Dabei tastete er an der Narbe herum die zurückgeblieben war von der zweiten OP für den herzschrittmacher. Die OP Wunde war gut verheilt. Was mich in den letzten Jahren gestört hatte war mittlerweile nur ein Schatten. Diese und die anderen Narben gehörten eben zu mir.
      “Kann ich denn jetzt wieder in den Sattel steigen, richtig anpacken?” fragte ich sehnsüchtig. Die Ranch steckte mitten im Umzug. O und ihre Pferde waren bereits drüben. Bellamy und Caleb organisierten die nächsten Flüge für die nächsten 20 Pferde die Cayce und Murphy zur neuen Ranch bringen würden. Unbeobachtet hatte ich bereits schwerere Arbeiten verrichten wollen, aber Bellamy und Caleb hatten Adleraugen auf mir. Der Arzt bedeutete mir mich wieder richtig anzukleiden. “Generell steht dem nichts im Wege. Denken sie aber bitte an ihren nächsten Kontrolltermin im Mai in Calgary. Nur zur Sicherheit damit meine Kollegin dort ihren Fall kennt.” ich nickte Pflicht gerecht. “Passen Sie trotzdem auf ihre Frau auf.” wandte sich der Arzt mit den Worten an Caleb. Seit meinem letzten Besuch hier hatte mich Caleb höchstpersönlich zu den Terminen gebracht. War besorgt gewesen als sich die Wunde ein wenig entzündet hatte, nachdem ich die Pflege hatte schleifen lassen zwischen Weihnachten und Neujahr. Wir hatten Mitte Februar, alles war vorbei. Ich hatte die ätzende Physiotherapie hinter mich gebracht. Man konnte dann auch mal aufhören mich zu bemuttern. Caleb lächelte, tippte sich an den Rand seines Hutes und murmelte ein “Aye”. Ein Wort das er von Svejn hatte. Er hatte mir die alten Bilder gezeigt...Verena,Svejn...ja ich habe sogar die Geschichten von Sarah und Cayden zu hören bekommen. Menschen die ich nicht gekannt hatte, die aber auf den Bildern aufgetaucht waren. So hatte ich auch Bilder von Moon zu Gesicht bekommen, dem Hengst der Gealachs Großvater war. Neben den Organisationen hatten wir Stunden damit verbracht durch diese Erinnerungen zu gehen. Ich hatte es genossen, gern jedem seiner Worte gelauscht. Mir ein Bild aufbauen können von der Person die er einst gewesen war. Oft hatten uns auch Bellamy und Octavia dabei zugehört. Auch Laurence hatte einen um den nächsten Abend Geschichten erzählt. Oft hatte ich einfach nur inmitten all dieser Menschen gesessen, ihnen stumm gelauscht. Ich hatte zuvor nicht gewusst wieviel Spaß das machte. Ich hatte sie alle noch ein Stück weiter kennenlernen dürfen.
      Caleb begleitete mich aus dem Krankenhaus heraus. Mein Gang war schwungvoll. Ich durfte wieder auf den Rücken eines Pferdes. Ich hatte vor zwei Wochen schon probiert mich auf Fylgia davon zu machen. Allerdings hatte Caleb wohl auch Betsy für sich gewonnen. Mit Caleb hinter sich her ziehend war sie nämlich in der Stallgasse aufgetaucht. Relativ wortlos hatte er mir die Stute aus der Hand genommen, Betsy auf ihren Rücken verfrachtet und beschlossen der kleinen eine Reitstunde auf ihr zu geben. Er hatte sich bedankt, dass ich sie vorbereitet hatte. Natürlich hatte ich das nicht dafür getan. Ich war sauer gewesen….Sauer auf ein 9 jähriges Kind! Ich hatte also am Rand gesessen, während Betsy einen kleinen Parcours mit Fylgia absolviert hatte. Jetzt allerdings, durfte ich wirklich wieder in den Sattel steigen.
      Die Fahrt über gingen wir eine Liste der Pferde durch die als nächstes Richtung Kanada ziehen würden. In zwei Wochen würde ein Umzugsunternehmen kommen. Wir hatten es in Auftrag gegeben. Alle Habseligkeiten aus den verschiedenen Häusern würden dann zum neuen Heim gebracht werden. Eine Woche später war der Flug von mir und Caleb geplant, im Gepäck unsere letzten Habseligkeiten und alle restlichen Pferde. “Sag mal. Was hälst du von der Idee das Louis mitkommt? Er hat sogar einen Käufer für seine Bar.”
      Das war eine überraschende Nachricht gewesen, Ende Januar hatte Louis sich entschlossen mit nach Calgary zu kommen. Er wollte wieder auf einer Ranch arbeiten, dabei kam ihm die neue Stellenausschreibung von Caleb gelegen. Seine jüngere Schwester Lilly würde ihn begleiten. Außerdem hatte er die Pflege für Kaya und Tschetan übernommen, Cousin und Cousine, deren Eltern nicht mehr lebten. Tschetan hatten wir bereits auf dem Indian Relay kennengelernt. Ein Junge von 12 Jahren, etwas ungestüm, ein guter Reiter. Seine jüngere Schwester Kaya kannte ich nur aus den Geschichten von Lilly.

      Caleb
      Ich war wirklich überrascht, als Ylvi mir davon erzählte, dass Louis mit nach Kanada kommen wollte. “Und das will er wirklich?”, fragte ich sie nochmals und sie nickte. “Er will wieder auf einer Ranch arbeiten. Und du brauchst noch neue Leute. Lilly kommt ja auch mit. Und Kaya und Tschetan. Dann hat Betsy auch Gesellschaft.”, schwärmte sie weiter und ich nickte. “Ich mein… wenn er mitkommen will, kann ich ihn nicht daran hindern. Tut gut noch jemanden dabei zu haben, der genau weiß, wie der Hase läuft.” “Caleb der Hase läuft gar nicht. Der hoppelt.” “Haha, ja sehr witzig.”, antwortete ich ihr und knuffte sie leicht in die Seite, musste dann aber auch lachen.
      “Heute sollen nochmal Pferde rüber fliegen. Zusammen mit Cayce und Murphy. Dann sind es ab heute Abend nur noch Bellamy, du und ich die hier sind.”, erklärte ich ihr. Irgendwie war alles schrecklich schnell gegangen. Direkt nach Weihnachten wurden die Pferde umgemeldet, ich als neuer Besitzer eingetragen, der Kaufvertrag für die neue Ranch in Kanada ausgefüllt und Stellen ausgeschrieben, obwohl noch niemand dort war. Es hatten sich einige gemeldet, aber ich hatte das in dem ganzen Trubel, der dann folgte, aus den Augen verloren. Ich war wieder für zwei Tage rübergeflogen, hatte mich dort mit einer Baufirma getroffen und erste Pläne ausgearbeitet, wie ich die Ranch ausbauen wollte. Vor dem Herbst würden die Stallungen nicht fertig sein, so wie ich sie haben wollte. Also hatte ich mich kurzerhand umentschieden und wollte zusätzlich zu den Offenställen auf den Koppeln, rund um den großen Reitplatz überdachte Penalboxen mit kleinen Paddocks. Für unsere Pferde, aber auch für Gastpferde. Das allerdings war sehr schnell realisierbar und würde auch fertig sein, sobald wir mit den ersten Pferden rüberkommen würden. 30 Boxen waren geplant, 15 an jeder langen Seite des Platzes. Das würde schon einmal viel weiterhelfen. Den Umbau der Stallungen wollte ich trotzdem noch. Nur würde dies eben bis zum Herbst dauern. Wirklich brauchen würden wir die Stallungen erst im nächsten Winter.
      Auch mussten Gästehäuser bzw. Wohnmöglichkeiten für die Ranchmitglieder gebaut werden. Ich würde mit Ylvi zusammen im Haupthaus wohnen. Im oberen Stockwerk war eine wirklich schöne Wohnung eingerichtet worden. Im unteren Teil des Hauses gab es eine Küche mit einem großen Essbereich, ein Badezimmer, einen großen Wohnbereich und ein paar kleine Schlafzimmer. Also eher etwas für Gäste, als für Mitarbeiter. Zusammen mit der Baufirma hatten wir uns die geeigneten Stellen zum Bau von kleinen Häusern, ähnlich wie WG’s, angeschaut. Jedes dieser Häuser sollte zwei Etagen haben und Platz für bis zu 5 Menschen bieten. Zwei dieser Häuser waren geplant, außerdem drei kleine Bungalows mit Platz für je 3 Menschen.
      Soweit so gut. Nachdem dies alles feststand, konnte ich wieder nach New Mexico fliegen und allen erklären, was soweit geplant war. Und dann… dann fing es auf einmal an, wirklich stressig zu werden. Octavia und Travis waren die ersten, die mit O’s Pferden zusammen nach Kanada fliegen würden. Wir hatten uns von einem Transportunternehmen große Trailer geliehen, damit wir mit unseren kleineren Anhängern, in den je drei Pferde passen, nicht tausend mal fahren mussten. Das Ein- und Ausladen der Pferde auf dem Hof und auf dem Flughafen war nicht das Problem. Das Einladen in die Boxen zum Fliegen schon eher. Nachdem einer der Menschen dort mich so aufgeregt hatten durch den Umgang mit den Pferden, hatte ich ihm die Liste aus der Hand genommen und dirigierte meine Tiere und Mitarbeiter nun selbst. “Tigres Eye… Priamos Ruffia Kincsem… BR Prias Raveday… Drama Baby… Raspberry… I’ve got a blue soul… Prias Colourful Soul… Tasmania… Candlejack… Culain… Daryl Gone Mad… Peacful Redemption… PFS’ Snap in Style… Wildfire xx....” Das war die erste Gruppe gewesen. Per Videochat hatte ich das Ausladen in Calgary beobachtet, was wesentlich besser geklappt hatte, als das Theater hier.
      Kaum eine Woche später organisierten Bellamy und ich den nächsten Flug für 20 Pferde, bei dem eigentlich Cayce und Murphy dabei sein sollten, jedoch plante ich kurzfristig um und schickte statt Murphy zwei Stallburschen mit, Jesse und Connor. Die würden sie drüben dringender brauchen, als wir hier. Zum zweite Trupp Pferde, deren Einladen am Flughafen schon viel besser klappte, gehörten: PFS’ Unclouded Summer Skies, BR Dress to Impress, BR Colonels Lil Joker, Jacks Inside Gunner, Colonels Blue Splash, BR Colonels Golden Gun, Moon’s Gealach, Cleavant ‘Mad Eyes’, Ceara Isleen, Væna fra glæsileika eyjarinar, Skrúður, Blazing Flame, Chocolate Dream, Abe’s Aeflric, Seattle Slew, Sir Golden Mile, Stiffler, Cielos, Baby Doll Melody und Bella Cielo.
      “Caleb? Hey Caleb? Ich hab Bell am Telefon, der Transporter ist da, um weitere Pferde mit zu holen.”, sagte Ylvi und riss mich so aus meinen Gedanken. “Okay, okay. Sag ihm wir sind gleich da.”, erklärte ich ihr und fuhr ein wenig schneller zur Ranch zurück. Zwischen dem ganzen Umzug war ich auf einen Absetzer in Alberta aufmerksam geworden, Dual Shaded Ace. Der Hengst hatte anfangs gar nicht zum Verkauf gestanden, doch nach langem hin und her hatte der Besitzer sich erbarmt. Vorausgesetzt, er würde ein paar Decksprünge von ihm bekommen, wenn er gekört wäre. Dem hatte ich so natürlich sofort zugestimmt und ihn dann… eigentlich für viel zu viel Geld gekauft. Er hatte es gut gehabt und nur zwei Stunden Fahrt auf sich nehmen müssen, um zur Bow River Ranch zu gelangen.
      Endlich waren wir auf dem Blakes Crow Meadow angekommen. Ich parkte den Wagen, stieg aus und ging sofort auf den Fahrer zu. Kurz schüttelte ich ihm die Hand, ehe Bellamy mir die Liste der Pferde in die Hand drückte, die wir jetzt einladen mussten. Gruppe eins, welche jetzt sofort eingeladen werden würden, waren: Colonels Smokin Gun, DunIts Smart Investment, Ginny my Love, GRH’s A Gun Colored Lena, Jade, Kristy Killings, Raised from Hell, Wimpys Little Devil, A Walking Honor, Black Sue Dun It, California Rose, Chou, Easy Going. Die zweite Gruppe, die später folgen würde, bestand aus: Face Down, Ginger Rose, GRH’s Aquila T Mistery, GRH’s Unbroken Magic, Heretic Anthem, Honey’s Aleshanee, Lady Blue Skip, Magnificient Crow, My sweet little Secret, Only Known in Texas, Picture of a Ghost, Snapper Little Lena, Stormborn und Striga.
      Als dritte und vorerst letzte Gruppe würden am späten Abend die Hengste folgen: Bittersweet Temptation, Whitetails Shortcut, Alan’s Psychedelic Breakfast, Genuine Lil Cut, Gun and Slide, A Shining Chrome, Hollywoods Silver Dream, Chapter 24, Citizen Fang, Chocolate Shades, General’s Coming Home, GRH’s Bella’s Dun Gotta Gun, GRH’s Funky’s Wild Berry, GRH’s Unbroken Soul of a Devil, Gunners Styled Gangster, Whinney und Zues. Mit diesen ganzen Pferden würden Laurence, Murhpy, Dell und natürlich Betsy auf die Reise gehen. Dell und Betsy mit dem ersten Flug, Murphy mit dem zweiten und Laurence mit den Hengsten. Betsy war gar nicht auszuhalten gewesen, so sehr war sie allen um die Beine herum gesprungen und hatte jedem erzählt, dass sie sich auf die Reise freute und hoffte, dass alle gut gehen würde.
      Am Abend kehrte jedoch endlich Ruhe ein. Bellamy versorgte die ganzen Verkaufspferde, während ich mich um meine beiden verbleibenden Pferde Nachtschwärmer und Smart Lil Vulture gekümmert hatte. Ylvi hatte nun endlich das ok ihres Arztes, wieder mit anpacken zu dürfen, weshalb ich sie alleine zu ihren Pferden Inyan, Lady Gweny, Fylgia und Valravn gehen ließ. Bellamy hatte sich wider erwarten bereit erklärt, noch eine Weile hier zu bleiben und die Pferde zu verkaufen. Im Mai wollte er dann nachkommen, spätestens. Dann sollte auch die Ranch in neuen Händen sein. Interessenten gab es viele, doch sie alle wollten den Preis drücken. Und das nicht gerade wenig. Ich gab Bellamy zwar in der Angelegenheit wirklich viel Freiheit, aber verschenken sollte er das Anwesen nicht. Das Geld kam schließlich nicht nur mir, sondern auch ihm zugute. Apropos Geld… nicht alle waren so erfreut über die Rinderherde gewesen, wie ich es war. Schon am ersten Tag hatte Cayce die halbe Herde einfangen müssen- da zu diesem Zeitpunkt noch keines der Ranchpferde drüben war, hatte er sich kurzerhand bei jemandem Pferde und Cowboys leihen müssen. “So knüpft man neue Freundschaften!”, hatte ich am Telefon gesagt und nur ein spöttisches Schnauben zur Antwort bekommen. “Ich hoffe du schaffst bald deinen Arsch hier rüber. Die Vollblüter machen mich wahnsinnig. Ich will die Ranchpferde hier haben!” “Ja, Cayce. So schnell geht das alles leider nicht.”, war meine niederschmetternde Antwort gewesen. Jetzt mittlerweile hatte er jedoch sein Pferd drüben und auch fast alle anderen Pferde, mit denen es einfacher war, die Kühe einzufangen.
      Ich hatte mich gerade mit Bellamy zusammen vor den Fernseher gesetzt, als auch Ylvi dazustieß. “Na, Arbeit erledigt?”, fragte Bellamy sie und sie nickte. “Es tut so gut, endlich wieder selbst arbeiten zu dürfen.” “Das klingt ganz nach dir.”, murmelte ich und wurde dafür in den Arm geboxt. “Hör mal Bellamy und ich sprachen gerade über Louis, Lilly und die beiden Kinder. Es wäre vielleicht sinnvoll, mal rüber zu fahren und mit ihm zu reden. Er hat ja schließlich auch noch Pferde. Kommen die mit, bleiben die hier, wo will er wohnen und und und… das sollten wir alles klären, bevor wir mit dem Rest nach drüben fliegen und vor unvollendeten Tatsachen stehen.” Ylvi nickte. “Klar, aber heute nicht mehr. Für heute haben wir alle genug getan.”, sagte sie und setzte sich zu mir auf die Couch. “Haben sich die anderen schon gemeldet?”, fragte sie mich und ich nickte. “Laurence und sein Flug fehlen noch, der Rest ist gut angekommen und alle Pferde haben den Flug gut überlebt.” “Das ist gut.”, erwiderte Ylvi und schaute zum Fernseher. Zu dritt ließen wir den Abend ausklingen. Lange hielten wir es nicht vor dem Fernseher aus, da wir alle todmüde und kaputt waren. Bellamy verabschiedete sich irgendwann und verschwand ins Haupthaus, Ylvi und ich machten uns auch auf den Weg ins Bett, wo wir auch ziemlich schnell einschliefen. Sobald am nächsten Morgen die Pferde versorgt waren, würden wir mit Louis reden. Darüber, wie er sich seine Zukunft vorstellte.

      Ylvi
      Mein Kopf lag auf Calebs Arm, mein Nacken war vollkommen verspannt bei der Position. Ich wollte mich allerdings auch nicht übermäßig bewegen um ihn nicht zu wecken. Seine andere Hand ruhte auf meiner Hüfte. Seltsam wie selbstverständlich wir mittlerweile jeden Abend in dasselbe Bett stiegen.
      Ich spürte seinen Herzschlag an meiner Schulter, ruhig und gleichmäßig. Sein Atmen das mich am Anfang so sehr gestört hatte, weil er oft mit geöffnetem Mund schlief, war mir nun so vertraut. Ich rutschte ein wenig weiter nach unten um meinen Kopf von seinem Arm zu nehmen, da schlang sich sein Arm um meine Hüfte fester um mich. “Morgen.” murmelte er in meine Haare. Ich hatte mir angewöhnt sie zu einem Zopf zu flechten, ich spürte den Druck in meinem Nacken. “Caleb, meine Haare” flüsterte ich lachend..”Und morgen.” Caleb befreite meinen Zopf von seinem Körpergewicht, zog mich herum , sodass ich ihn ansehen konnte. “Unser vorletzter Tag hier.” “Irgendwie seltsam...vor einem Jahr war ich zum ersten Mal hier. Jetzt geht es mit einer ganzen Ranch in ein komplett anderes Land. Uns erwarten ganz schöne Abenteuer.” mutmaßte ich. Außerdem hatte ich ein paar mehr an Pferden dazu gewonnen. “Wie könnte ich das vergessen? Ich hab dich für einen Dieb gehalten.” ich lachte, nickte. Ja, wie könnte ich je die auf mich gerichtete Waffe vergessen?
      Caleb zog mich enger an sich, seine Hände schoben sich unter mein Shirt, seine Zähne spürte ich an meinem Hals. Augenblicklich spürte ich die Antennen in meinem Körper erwachen...es war einfach viel zu lang her. Ein zischendes Ausatmen kam von mir. “Alles in Ordnung?” Ich gab keine Antwort, sondern küsste ihn einfach...er sollte bloß nicht aufhören.
      Vier Stunden später sattelte ich gerade Valravn. Direkt daneben machte Louis Inyan fertig. Caleb stand an der anderen Seite des Anbindeplatzes mit Vulture. Der Vorschlag alles weitere doch bei einem Ausritt zu besprechen war von mir gekommen. Louis war auf den Anruf von Caleb zur Ranch gekommen um zu besprechen wie und wann er umziehen würde, auch wegen seiner beiden Pferde. Aber wirklich Lust das im Büro zu machen hatte ich nicht verspürt. Daher mein Vorschlag mit dem Ausritt. Damit waren beide einverstanden gewesen. Außerdem hatten wir so noch einmal die letzte Chance uns von dieser Landschaft zu verabschieden.
      “Alle Bereit?” fragte Caleb, schwang sich behende in den Sattel. Neben mir sprang auch Louis auf den blanken Rücken von Inyan. Auch bei Ravn hatte ich mich für ein Reitpad mit Lammfell entschieden, musste mir dafür allerdings eine kleine Erhöhung suchen um in den Sattel zu kommen. Wir ritten im Schritt in Richtung der alten Stutenkoppeln. Vulture vorne weg. Die Ranch so verlassen zu sehen war gruselig. “Dann verrat mir doch mal welcher Hund dich gebissen hat für die Idee mitzukommen?”

      Louis
      Die wärme die von Inyan zu mir aufstieg fühlte sich wunderbar an. Auch wenn meine Muskulatur jetzt schon rebellierte. Seit dem Herbst hatte ich mich auf kein Pferd mehr setzen können. Zu viel war in der Bar zu tun gewesen. Zu oft war ich in die alte Heimat gefahren um dort Dinge zu erledigen, vor allem zu Regeln. Es war sonst nicht Calebs Art Fragen so unverblümt zu stellen, aber er wollte natürlich wissen was ihm bevorstand. In den letzten Monaten hatte sich einiges in seinem Leben geändert. Die Übernahme der Ranch war für ihn schon immer ein kleiner Traum gewesen. Wie oft hatten wir zu Rodeo-Zeiten davon geträumt? Dann hatte er wegen des Unfalls aufhören müssen. Und ich selbst? Tja..ich hatte für meine Familie aufgehört. Meinen Vater hatten die Rodeos am Leben erhalten, bis er bei einem Unfall ähnlich wie dem von Caleb querschnittsgelähmt war. Meine Mutter war bereits früh gestorben. Kaum noch erinnerte ich mich an ihr Gesicht. Für die Familie hatte ich selbst die Rodeos aufgegeben. Mit wenig Aussichten in Pine Ridge jemals eine vernünftige Arbeit zu finden war ich nach New Mexico gekommen. Die Bar hatte Lilly, mich und meinen Vater gut versorgt, aber es kostete Zeit. Die Pflege unseres Vaters hatte Lilly bis zu seinem Tod übernommen. Sie hatte selbst viel aufgeben müssen dafür, hatte mir auch oft in der Bar geholfen. Nun hatte sich die Schwester meines Vaters mit ihren Drogen das Leben genommen. Unschi, Großmutter hatte ihre beiden Kinder zu sich genommen. Ich war hin gefahren in den vergangenen Monaten um zu versuchen sie zu unterstützen. Schließlich war die Entscheidung gefallen beide zu mir zu nehmen. Die Wohnung über der Bar war zu klein für uns gewesen. Ich wusste um die Wünsche von Lilly. Familie wurde für unser Volk groß geschrieben...und ich wollte nicht das Lilly noch mehr verzichten musste.
      Erst nach all diesen Überlegungen brach ich mein Schweigen. “Ylvi hat dir sicherlich erzählt, das ich vor zwei Wochen meine Cousinen zu mir genommen habe. Kaya und Tschetan brauchen meine Zeit...ein geregeltes Leben. Das kann ich nicht bieten, wenn ich eine Bar leite. Das könnte ich aber wenn ich bei euch auf der Ranch arbeite. Außerdem genug Leute die die Kinder mit im Blick haben können. In Calgary haben sie die Chance eine gute Schule zu besuchen..” Caleb hatte mir gelauscht, die Zügel locker in der Hand auf den Knauf seines Sattels, die andere ruhte auf seinem Oberschenkel. Ich konnte sein Gesicht nicht sehen, denn es lag im Schatten seines Hutes. Jeder schwieg auf seine Weise, für Ylvi war das genannte ja nicht gänzlich neu. Caleb musste jedoch verstehen...er kannte die Umstände in Pine Ridge...die Drogen, der Alkohol, die Armut und die umgehende Verzweiflung. “Ich heiße dich gern im Team Willkommen, wenigstens noch jemand der Ahnung von der ganzen Arbeit hat. Cayce und du werden mir mit den Rindern sehr gut helfen können. Vor Ort könnten wir dich wahrscheinlich gut in ein Haus mit Betsys Vater stecken. Hast du dir schon Gedanken gemacht wie du deine Pferde rüber schaffst?” kam es von Caleb. Schwer unterdrückte ich ein Seufzen. “Darum muss ich mich nicht mehr kümmern. Sunka und Zinkala-win habe ich verkauft.” Calebs Kopf zuckte in meine Richtung. Von Ylvi kam ein vollkommen erschrockenes “WAS?!” und auch Caleb schien diese Frage ins Gesicht geschrieben. “Ich hab genug Pferde um mich die ich dann betreue. Außerdem...außerdem ermöglicht mir das Geld aus dem Verkauf der beiden Lilly auf das College in Calgary zu schicken. Sie ist ein heller Kopf, wenn ich das schon nicht auf die Kette bekommen habe zu studieren. So soll sie ihre Möglichkeiten doch wenigstens nutzen. Pferderennen sind auch gefährlich...ich muss auch an Kaya und Tschetan denken. Sie hatten es in ihrem jungen Leben wohl schwer genug.” ich schwieg kurz, musste dann doch Lachen. “Wir werden wirklich alt, Kola.” “Vielleicht solltest du dir endlich Mal eine Frau zulegen,mein Freund” murmelte Caleb, zwinkerte mir zu. “Mein Herz hab ich leider bereits hoffnungslos verloren. Das braucht bis es vergisst.” Ylvi sah mich an, senkte dann den Blick auf den Hals ihres Wallachs, sprach nicht. Caleb konnte die kurze Konversation nicht bemerkt haben. Dafür schien ich Talent zu haben. Schon einmal hatte ich die Frau eines anderen begehrt.

      Caleb
      So ganz wusste ich nicht, was ich ihm antworten sollte. So schwieg ich einfach und ließ die Umgebung auf mich wirken. Schon übermorgen würde ich Albuquerque verlassen. Es war ein gutes Zuhause für mich gewesen, in das ich zurückgekehrt war. Ein Zuhause und doch so viel mehr. Ich hatte mir eigene, neue Pferde zugelegt, hatte alte zurückbekommen und auch mit den bereits Vorhandenen hatte ich viel arbeiten können. Ich war wieder in den Trainingsbetrieb eingestiegen und einige Pferde trainiert. Dann war Ylvi aufgetaucht und hatte mein ganzes Leben auf den Kopf geschmissen. Wenn ich so darüber nachdachte, hatte sie es besser gemacht. Und auch Louis, der in meiner Nähe gewohnt hatte, hatte mir viel geholfen. Alte Zeiten aufleben lassen war etwas schönes, wenn man es mit einer anderen Person teilen konnte.
      Und jetzt waren wir an einem Wendepunkt angekommen. Louis hatte Kinder, Gott, Louis hatte Kinder. Er war jetzt sozusagen ein Vater. Louis… war Vater. Lilly war zwar auch bei ihm, aber das hier war etwas vollkommen anderes… Vulture schnaubte und fiel in einen lockeren Galopp. Er zuckte nervös mit den Ohren, als ich ihn durchparierte. Vermutlich konnte er fühlen, dass ich in Gedanken mal wieder nicht hier war und noch immer keine wirkliche Antwort wusste. Ich schaute kurz nach hinten und blickte in die fragenden Gesichter von Louis und Ylvi. Leise seufzend schaute ich wieder nach vorne. “Caleb?”, fragte Ylvi mich irgendwann und ließ ihr Pferde das von Louis überholen, um zu mir aufzuschließen. “Stimmt etwas nicht?”, fragte sie mich doch ich nickte. “Doch, doch. Alles okay. Ich habe nur an etwas gedacht…” Ylvi sagte nichts mehr, ließ ihr Pferd langsamer werden und ritt wieder hinter mir her.

      Ylvi
      Die ganze Geschichte hinter Louis Beweggründen dann nochmal direkt von ihm zu hören war eigentlich ganz gut. Lilly hatte wirklich großes Glück ihn als Bruder zu haben. Wobei er in seinem Leben viel geopfert hatte um sie aufzuziehen. In Anbetracht seiner Familienverhältnisse keine leichte Entscheidung. Schon allein die Tatsache das er Kaya und Tschetan bei sich aufnahm sprachen für seinen Familiensinn. Ich fragte mich wirklich wieso es keine Frau an seiner Seite gab. Caleb schien denselben Gedanken zu haben. Denn er sprach es an. Als Louis davon sprach sein Herz hoffnungslos verloren zu haben ruhte sein Blick auf mir. Ich hatte den Blick mit ihm unterbrochen und auf Ravns Hals geschaut. Ich hatte sowas in den letzten Monaten schon beinahe vermutet. Nie jedoch eine wirkliche Bestätigung bekommen. Um ehrlich zu sein hatte ich sie auch nicht haben wollen. Mit Caleb war das ganze schon verworren genug. Wir hingen in der Schwebe...weder zusammen noch wirklich getrennt. Das Wissen das da nun Louis war...das verwirrte mich nur noch mehr, denn auch er war mir so wichtig geworden. Ohne ihn wäre ich dort auf dem Berg gestorben. Niemand sprach. Auch Caleb hatte keine wirkliche Antwort auf diese Worte zu haben. Ahnte er etwas? Vulture war nervös, galoppierte ohne sichtbare Hilfe an und wurde von Caleb direkt wieder durchpariert. Louis und ich sahen zu ihm. Ravn drängte nach vorn...aber eine wirklich klare Antwort hatte ich nicht von Caleb. So hieß ich Ravn wieder langsamer.
      An anderer Stelle öffnete sich die Wiese vor uns. Ravn war deutlich angespannt, seine gesamte Muskulatur war zum reißen gespannt, nur meine Hand am Zügel verhinderte das er lief. So ein Galopp eignete sich jedoch auch wunderbar um die Gedanken klar zu kriegen, die Kälte würde ihr übriges tun. Also gab ich die Hand vor. Aus dem Schritt preschte Ravn vor, meine freie Hand krallte ich in seine wenige Mähne. Hinter mir hörte ich den mir mittlerweile vertrauten Lakota Schrei “Hoka Hey! Hoka Hey!” aus dem Augenwinkel sah ich Inyan heran preschen. Direkt neben mir Ritt bereits Caleb auf Vulture, der Hengst legte sich flach in den Galopp. Auf kurzen Rennen waren diese Pferde einst gezüchtet worden. Ravn war kein schnelles Pferd. Vulture und Inyan hatten keinerlei Mühe meinem Wallach zu folgen. Der Wind pfiff mir in den Ohren, die Kälte schlug mir unbarmherzig ins Gesicht. Mein Lachen wurde mit dem Wind von meinen Lippen genommen. Caleb lachte zumindest auch, gab seine Zügel weiter vor, hielt den Hut auf seinem Kopf. Auch Inyan nahm an Tempo zu. Ravn unternahm nicht einmal den Versuch mit den anderen beiden Pferden Schritt halten zu wollen. Stattdessen parierte ich ihn zu einem leichten Trab. So fit war ich noch nicht wieder. Auch das Rennen der beiden ging nur noch etwa 100 Meter, dann schienen sie genug zu haben, parierten und warteten bis Ravn und ich im Schritt aufgeholt hatten. “Bis ich wieder so einfach mehrere Meter galoppiere muss ich wohl noch etwas warten.” meinte ich belustigt. Inyan stand still. Der jüngere Vulture tänzelte, Caleb hatte seine Müh den Hengst ruhig zu halten. Das Rennen schien ein wenig die Stimmung gelockert zu haben. Allerdings blieb es trotzdem ruhig um Caleb, mit den Gedanken war er weit fort. Ich wusste das man ihn in solchen Momenten besser nicht störte. Die Pferde suchten sich im leichten Schnee selbst ihren Weg nach Hause.
      Meine Füße waren Eisklumpen, ich saß noch immer auf dem Pferd. Die Aussicht mit den kalten Füßen auf dem harten Boden zu knallen war nicht sonderlich erbauend. Caleb hatte sich von uns getrennt, da Vulture für die Nacht in einer der Boxen unterkommen würde. Seufzend ließ ich mich vom Pony rutschen, ging leicht in die Knie als mir der Schmerz von den Knöcheln aufstieg. Außerdem spürte ich jeden verdammten Muskel in meinen Beinen. Ich hielt mich daher an Ravn fest, der geduldig stand während ich mich wieder fing. Über seinen Mähnenkamm hinweg sah ich Louis. Er schien nicht zu bemerken das meine Aufmerksamkeit auf ihm lag. Seine Stirn hatte er auf die von Inyan gelegt, seine Hand strich immer wieder den Hals des Wallachs entlang. Ich konnte die Bewegung seiner Lippen sehen, aber kein Wort verstehen. Mein Starren schien nicht unbemerkt zu bleiben. Louis öffnete seine Augen wieder, sie huschten zu mir. Ich räusperte mich. “Louis...du weißt..du könntest ihn wieder haben, oder? Ich ..” seine erhobene Hand unterbrach meinen Redeschwall, er schüttelte den Kopf. “Dann wäre es mir zumindest eine Ehre, wenn du ihn reitest wann immer du willst, ja?” Es kehrte wieder sein Schalk zurück, ich bekam seine weißen Zähne zu gesicht. “Waschté” mehr kam nicht von ihm. Er zog Inyan die Trense vom Kopf nur um ihn in den Offenstall zu entlassen. Hastig beeilte ich mich auch Ravn vom Pad zu befreien, zog auch ihm die Trense vom Kopf und lockte ihn in Richtung des Tores, welches mir von Louis noch offen gehalten wurde. Ich stiefelte vor Ravn in den Paddock, neugierig trat auch Inyan jetzt an mich heran. Seine Nüstern pusteten mir seinen Atem auf die kalten Wangen, während Ravn an meiner Tasche zu zuppeln begann. Lady Gweny hielt sich ein wenig im Hintergrund. Fylgia kam mit angelegten Ohren angelaufen, schnappte Inyan in den Hintern der daraufhin aus dem Weg ging. Nur Ravn ließ sich von ihr nicht beirren. Ich streichelte natürlich auch Fylgia, die so nach meiner Aufmerksamkeit fragte. Damit keiner zu kurz kam stiefelte ich auch noch zu Gweny, prustete ihr in die Nüstern, kraulte ihre Lieblingsstelle an der Brust und den Ohren. Louis stand noch immer am Tor, sein Blick ruhte die ganze Zeit auf mir. “Sie mögen dich wirklich alle.” ich sah mich um...inmitten all meiner Rappschecken, zuckte lächelnd die Schultern. “Scheint so. Aber jetzt lass uns reingehen und was warmes zu trinken besorgen. Ich spür meine Zehen nicht!”
      Im Haupthaus hatte sich irgendwer des Kamins angenommen, Louis war in die Stallungen gegangen um Caleb Bescheid zu geben. In der Küche bereitete ich Kaffee vor, füllte sie in die Thermoskanne. Führte Reste der Brownies zutage und brachte alles auf einem Tablet in das Wohnzimmer. Louis kam als erstes zur Tür hinein. “Caleb ist gleich da.” Ich saß auf dem Teppich vor dem Kamin, rieb meine Hände und Füße. Meine Gedanken hingen nun bei Caleb, während ich in die Flammen starrte. Irgendwie war er heute wieder einmal besonders ruhig gewesen. Das hatte sicherlich mit den Ereignissen die noch vor uns stünden zu tun, auch ich war deshalb aufgeregt. Manchmal konnte ich verdrängen verstehen zu wollen was in Caleb vorging. Jetzt gelang mir das nicht..auch weil ich mannhaft damit beschäftigt war die Worte von Louis von mir zu drängen. Natürlich hatte ich es bemerkt...ich hätte blind sein müssen nicht zu spüren wie es um ihn stand. Und ich machte mir Vorwürfe….vielleicht, wenn Dinge anders wären. Dann hätte ich mir sogar vorstellen können Louis eine Chance zu geben. Im Grunde würde das meinem Herzen wohl weniger schaden als das was Caleb und ich irgendwie teilten. Hände an meinen Füßen...ich zuckte zusammen, mein Kopf ruckte herum. Louis hatte sich zur mir auf den Teppich gesellt, seine Hände hatten nach meinen Füßen gegriffen, massierten sie. “Da du so in Gedanken warst, dachte ich mach ich weiter womit du aufgehört hast?” Irritiert sah ich ihn an, entspannte dann allerdings meine Muskulatur. Massagen konnte ich ja wohl nicht von der Hand weisen. Die Vernunft in meinem Hirn schrie allerdings etwas anderes. Ich war unfair. Ich ließ mich einfach nach hinten fallen, schloss die Augen. Genoss die Zuwendung und die Wärme des Kamins. Vergessen die Brownies und der Kaffee.
      Das ins Schloss fallen der Haustür, die Schritte den Flur hinauf. Sie ließen mich erneut zusammen zucken, ich richtete mich abrupt auf, entzog Louis meine Füße. “Kaffee?” kieckste ich, sprang auf und hielt Louis die Kanne entgegen. Ernten tat ich seinen schelmischen Blick, ein wissendes, beinahe arrogantes Lächeln. Er gab seine Antwort indem er nickte. Gerade als die ersten Tropfen in die Kanne fielen betrat auch Caleb den Raum. “Ohh davon nehm ich bitte auch eine Tasse.” Also bekam auch Caleb seine Tasse Kaffee, er ließ sich auf dem Teppich neben Louis nieder. “Ich hab sogar ein paar Brownies aufgetrieben.” damit schob ich den Teller an den Rand des Tisches. Dann reichte ich Caleb seine Tasse, gab in meine einen Schuss Milch und hockte mich dann auch auf den Teppich. Für unsere Abreise ist schon alles vorbereitet. In 5 Stunden kommt der Trailer um uns samt Pferden einzusammeln. Anschließend geht es zum Flughafen.” “Dem Abenteuer entgegen” murmelte ich. Keine Erwiderung. Stille, dann sprach Louis. “Ich werde wohl erst in einem Monat nachkommen. Hab hier noch ein paar Behördengänge zu erledigen.” “Meld dich einfach, wenn es los geht.”
      Eine Viertelstunde später verabschiedete sich Louis von uns. Caleb und ich ließen uns anschließend wieder vor dem Kamin nieder. Mein Kopf lag an seinem Rücken, nebenher dudelte der TV aber so richtig schien keiner dem Programm zu folgen. Ins Bett zu gehen lohnte sich nicht für die wenigen Stunden.

      Caleb
      Ich war an diesem Abend mit den Gedanken noch immer nicht wirklich hier. Wo ich war? Keinen blassen Schimmer. Warum ich weg war? Nicht die geringste Ahnung. So vieles würde sich wieder ändern, von jetzt auf gleich. Hatte ich nun endlich das, was mich im Leben glücklich machte? Oder würden wir in einer Weile wieder umziehen? Was war es, dass das Leben ausmachte? Die Freunde? Die Familie? Geld? Ruhm?
      Diese Frage konnte wohl jeder nur für sich selbst beantworten. Meine Antwort stand in den Sternen. Weit weg, und doch ganz nah. Oder doch so fern?
      Ich beugte mich zu Ylvi rüber und gab ihr einen Kuss auf den Hals. „Ylvi wir könnten… uns die Zeit ein wenig vertreiben…“, flüsterte ich, drehte ihren Kopf zu mir und küsste sie auf die Lippen. „Jetzt da du… sogar eine kurze Strecke galoppieren konntest…“,murmelte ich weiter und küsste sie erneut. Ylvi lächelte kurz, rutschte dann zu mir herüber und setzte sich auf meinen Schoß. „Könnten wir…“, flüsterte sie und legte ihre Hand in meinen Nacken. „Jetzt, da du wieder redest und deine Gedanken sortiert hast..“, sagte sie frech und nahm meine Unterlippe zwischen ihre Zähne, zog leicht daran und ließ sie wieder los, ehe sie mir in die Augen sah und mich dann wieder küsste. „Ich hatte bloß so vieles im Kopf.. aber lass uns da im Flieger drüber reden...oder in Kanada...“, schlug ich ihr vor und sie nickte. Viele Möbel waren nicht mehr hier, die Couch allerdings stand noch in unserem Wohnzimmer. Ich stand auf, hielt Ylvi an mir fest und legte sie auf die Couch. Vorsichtig stützte ich mich rechts und links von ihr auf dem Sofakissen ab und beugte mich zu ihr runter, um sie erneut auf den Hals zu küssen. Wir wechselten eine Weile Küsse, ehe ich langsam Ylvis Oberteil über ihren Kopf zog. Auch ihre Hose und Unterwäsche war schnell verschwunden. Meine Sachen streifte ich mir über Kopf und Beine und schmiss sie ebenfalls neben das Sofa…
      Nach einem Blick auf die Uhr sprang ich hastig auf. “Ylvi komm.”, sagte ich und zog sie mit mir auf die Beine. Wir hatten viel zu lange auf dem Sofa verbracht und so langsam würde es eng werden, was Pferde verladen und den Flug anging. “Die drüben köpfen uns, wenn wir den Flieger nicht kriegen.”, lachte ich und sammelte meine Kleidung auf dem Boden ein, zog sie an und stand dann Bellamy gegenüber, der sich in der Küche einen Kaffee gemacht hatte. “Wie lange stehst du denn schon hier?”, fragte ich ihn und richtete mein Hemd. “Glaub mir, lange genug.”, sagte er und zwinkerte mir zu. Ich rollte mit den Augen, schlug ihn gegen die Schulter und setzte dann meinen Hut auf den Kopf, den ich hier in der Küche hatte liegen lassen. Ylvi kam nun auch zu uns und wir beide tranken schnell eine Tasse Kaffee, stopften noch einen der Brownies in den Mund, die Ylvi vom Wohnzimmertisch mitgebracht hatte, ehe ich in den Stall zu meinen beiden Hengsten hastete. Bellamy trug ich auf, Ylvi zu helfen, denn sie hatte mehr Pferde fertig zu machen.
      Vulture als auch Nachtschwärmer waren nicht sehr begeistert, dass ich sie mitten in der Nacht aus dem Schlaf riss. Nachtschwärmer ließ sich jedoch leichter aus der Box führen und für den Transport fertig machen, als Vulture. “Du bist eine Zicke.”, knurrte ich ihn an und ruckte einmal am Führstrick, als ich die Nase voll hatte. “Hör auf jetzt und benehm dich einmal deinem Alter entsprechend.”, sagte ich und legte die letzte Transportgamasche an. Der Trailer, der die Pferde mitnehmen sollte, war schon da, weshalb ich meine beiden Pferde schon auf die Rampe führte und im Inneren anband. Ylvi und Bellamy kamen nun auch und brachten die Pferde rein. “Bellamy lädst du das Zubehör mit den Kisten auf meinen Pick Up, Ylvi und ich holen schnell unsere Taschen.”, sagte ich zu ihm und er nickte, ehe er im Stall verschwand. “Jetzt aber schnell.”, lachte ich, nahm Ylvis Hand und lief zurück zum Haus. “Und du meinst der hat uns wirklich gesehen oder gehört?”, fragte mich eine unsichere Ylvi, als wir im Haus angekommen waren. “Ich glaube er blufft.” Ich lachte, warf mir meine Tasche über den Rücken und nahm die Größere von Ylvi auch in die Hand, so dass sie nur ihr Handgepäck tragen musste. Draußen auf dem Hof angekommen hielt ich abrupt an und drehte mich nochmal zur Haustür um. Ich schaute mir das Haus an, drehte mich einmal im Kreis und ließ meinen Blick über das gesamte Gelände schweifen. “Kaum zu glauben, dass wir diesen wunderbaren Ort verlassen.” “Oh Caleb jetzt werd nicht sentimental.”, sagte Ylvi und knuffte mich in die Seite. “Komm… bereit?” “Bereit.”

      Ylvi
      Ich spürte eine wärme in mir...fast als würde ich schwitzen...und dann musste ich doch wieder breit Lächeln. Bluffte Bellamy tatsächlich nur? Falls ja...so gab ihm Caleb definitiv genug zum Grübeln als er mit mir Hand in Hand ins Haus lief. Auch als wir am Trailer standen, den Blick auf die Ranch gerichtet, hielt er meine Hand fest umschlossen. Uns gingen verschiedene Gedanken durch den Kopf. Bellamy stand auf der Treppe des Haupthauses. Er würde noch eine ganze Weile hier bleiben, die Pferde versorgen, Verkäufe organisieren. Vor allem aber die neuen Besitzer einweisen.
      Es ging auf zu neuen Ufern.
      Es war angenehm die Fahrt über noch einmal dösen zu können. Der Fahrer saß vor uns, während Caleb sich zu mir auf die Rückbank gesellt hatte. Über einen Bildschirm konnten wir gut alle 6 Pferde beobachten. Sie standen in dem Trailer her zur Fahrtrichtung. Gweny schien etwas nervös, ich konnte ihr Ohrenspiel sehen. Die Nähe von Inyan und Fylgia schien ihr allerdings gut zu tun. Ich hatte erst etwas bedenken gehabt die beiden Stuten mit den Hengsten zu transportieren. Aber wir hatten diese zuerst eingeladen...anschließend waren meine Wallache gefolgt als Puffer. Anschließend hatten wir Gweny eingeladen, als letztes hatten wir Fylgia auf den Trailer gepackt. Ich war aufgeregt. Seit dem ersten Besuch im Dezember war ich nicht mehr hier gewesen. Caleb hatte sich “geweigert” mich mitzunehmen. Klar er hatte viel zu tun. Aber ich war einfach gespannt was in der Zwischenzeit alles passiert war. Ich tappte vor Aufregung mit meinem Bein, plötzlich krallten sich Calebs Finger in meinen Oberschenkel, drückten ihn hinunter. Ich sah zu ihm Lächelte verzeihend. “Du machst mich vollkommen wirr, Weib.” knurrte er mir ins Ohr. Ich ließ mich also weiter zurück in die Autositze sinken. Sah wieder auf den Bildschirm.
      Am Flughafen ging alles glatt, die Pferde wurden vor Ort gecheckt, die Pässe kontrolliert. Dann führten wir sie jeder einzeln in die für sie vorgefertigten Boxen. Fylgia war wie nicht anders zu erwarten, vollkommen ruhig. Daher drückte ich sie dem Fahrer in die Hand, der ja auch seine Erfahrung mit Pferden hatte. Ich selbst führte Gweny aus dem Hänger. Dann jedoch gab es ein schrilles Kreischen, das natürlich von Ravn kam. Der Wallach riss sich los von dem Flughafen mitarbeiter, trabte aufgeregt an Gweny und mir vorbei und hielt erst an als er neben Fylgia zum stehen kam. Ich rollte mit den Augen. Dabei hatte ich gehofft sein Kletten-Verhalten hätten wir langsam im Griff. Allerdings war das hier auch eine außergewöhnliche Situation. Das weitere Verladen verließ dann doch etwas geordneter.
      “Uff...und wieder 7 Stunden den Arsch platt sitzen.” murmelte ich eher zu mir selbst. Caleb verstaute eben mein Handgepäck, da ich selbst zu klein war um dort ran zu kommen. Der Frau neben mir am Fenster entlockte es allerdings ein Lächeln. Ich erhob mich um ohn durch zu lassen. Ich saß sehr viel lieber im Gang auf längeren Flügen. Caleb nahm seinen Hut ab, setzte sich neben mich hin und legte den Hut auf seinen Schoß. “Zumindest haben wir so nochmal ein bisschen Ruhe.” “Ruhe?...denkst du das wirklich?” Caleb zog eine Augenbraue hoch, sah mich an. Ich hob meine Hände “Ich hab schwitzehände, muss die ganze Zeit an die Pferde da unten denken. Ruhe würd ich das nicht bezeichnen.” meine Stimme klang dabei schaal und heiser. Mir war sogar ein bisschen schlecht bei dem Gedanken an die Pferde. Caleb zog mir an einem meiner flechtzöpfe die über meine Schultern fielen. Dafür erntete er einen verwirrten Blick. Was war das denn jetzt? “Na sieht...bei dem Gesicht sind deine Gedanken jetzt wohl nicht bei den Pferden.” kommentierte er lachend. Dafür bekam er einen Faustschlag gegen die Brust. “Och duu!”

      Caleb
      Ich stieg in ihr Lachen ein. Die Frau neben uns kam mir irgendwie bekannt vor, auch wie sie uns zuhörte und grinste, wenn wir etwas witziges sagten. Irgendwann wandte ich mich ihr zu. “Entschuldigen Sie, kennen wir uns?”, fragte ich die Frau und sie nickte. “Wenn sie Caleb O’Dell sind, dann ja.” In meinem Kopf kramte ich nach Namen oder Orten, doch so richtig wollte mir keiner einfallen. “Ist schon eine lange Zeit her.. damals in Las Vegas auf einem großen Turnier. Ich habe dich beim Team Roping total abgezogen.”, lachte sie. “Nein, Kit? Wow, dass ich dich nochmal wieder treffe!”, ich beugte mich zur ihr rüber, gab ihr einen Kuss auf die Wange und umarmte sie kurz. “Kit und ich waren früher wirklich.. Erzfeinde, wie man so schön sagt. Das eine Mal gewann sie, das andere Mal gewann ich. Wie lange ist das her… etliche Jahre!”, ich lachte. Dann schaute ich von Ylvi zurück zu Kit. “Das ist Ylvi. Eine… sehr gute Freundin von mir.”, ich legte ihr kurz meine Hand aufs Bein. Für Kit reichte diese Geste wohl. “Soso…”, schmunzelte sie und sah uns beide abwechselnd verschmitzt an. “Ich hab dich aber wirklich nicht erkannt, du hast dich total verändert!”, wandte ich mich wieder an meine alte Bekanntschaft. “Was ist aus deinem braunen Lockenkopf geworden? Und deine Stute… Halley.. hast du die noch?” “Meine braunen Locken sind blonden Haaren gewichen. Irgendwann hab ich sie mir dann abrasiert und jetzt wachsen sie nach. Sind aber noch nicht sonderlich lang, wie du sehen kannst.”, erklärte sie mir. Wie hätte ich sie auch erkennen können? “Halley habe ich schon lange nicht mehr, sie ist bei ihrem ersten und einzigen Fohlen gestorben. Der kleine Hengst hat es auch nicht geschafft. Das war vor.. drei Jahren. Seit dem saß ich nicht mehr auf dem Pferd.” “Das tut mir Leid.”, kam es von Ylvi, die sich hinter meinem Rücken bestimmt etwas ausgeschlossen fühlte, bei unserem Gespräch. Generell schaute sie nicht wirklich glücklich drein. Ob ich sie eben verletzt hatte? Aber was waren wir denn? Freunde? Freunde mit gewissen Vorzügen? Verliebt? Auch eines der Dinge, was mir ständig im Kopf herum schwirrte. Louis spielte da auch eine große Rolle. Er meinte zwar ich würde nichts merken, aber ich kannte ihn. Ich merkte, wenn er etwas im Schilde führte. Auch Ylvi hatte gestern Abend sichtlich seltsam gewirkt, als sie den Kaffee mit einer Quietschstimme verteilt hatte.
      “Und was arbeitest du im Moment?”, fragte ich sie. “Nichts, bin auf der Durchreise. Mal hier, mal da etwas.” “Wenn du noch Arbeit suchst, wir sind gerade auf dem Weg zu meiner neuen Ranch.” “Was? Du? Eine Ranch? Wow Caleb das freut mich für dich!”, sagte sie lachend und gab mir einen Klaps aufs Bein. “Endlich, Cowboy. Ich dachte schon du wirst nie sesshaft.” “Also eigentlich… war ich schon lange Zeit sesshaft.”, korrigierte ich sie. “Ich komme euch auf jeden Fall mal besuchen!”, sagte sie. “Klar, wieso auch nicht. Schließlich fliegen wir in die gleiche Richtung.” Wir unterhielten uns noch eine Weile. Ylvi döste in der Zwischenzeit immer wieder weg. Auch ich war nicht den ganzen Flug wach. Kurz vor der Landung wachte ich jedoch wieder auf und hatte Ylvis Kopf auf meiner Schulter liegen. Eine sehr gute Freundin… Dieser Satz ging mir immer wieder durch den Kopf und ließ mir keine Ruhe. Auch Kit sah mich grinsend an, als ich meinen Kopf sachte auf den von Ylvi sinken ließ. “Ach komm Caleb. Das da ist mehr als.. ich zitiere: sehr gute Freunde.”, sagte sie zu mir und schien nun wirklich eine Antwort haben zu wollen. “Es ist kompliziert. Reicht dir das als Antwort?”, ich sah sie an. “Nein… ich muss wohl doch zu dir auf die Ranch kommen, wenn ich mehr wissen will.”, sagte sie lachend und ich stimmte in ihr Lachen mit ein. Auch Ylvi regte sich wieder, nahm ihren Kopf von meiner Schulter und sah raus. “Landeanflug. Hab auch nichts mehr von den Pferden gehört, denen scheint es gut zu gehen.”, erklärte ich ihr und sie nickte beruhigt. Dann ging es runter.

      Ylvi

      Traf mich ein Tritt in die Magengegend? Nein...wir hatten nie darüber gesprochen was wir eigentlich waren. Kit zu erklären wie und was es war hätte zu lang gedauert. Natürlich...ein zugeständnis von Caleb hätte mir besser gefallen, mein Herz schien sich ein wenig zu verknoten. Als jedoch seine Hand auf meinem Bein lag, seine Finger kurz zudrückten. Da durchlief mich mit einem mal eine unfassbare Wärme, der Knoten in meinem Herzen schien sich zu lösen. Zitterte ich? Oder war das flaue Gefühl im Magen eher auf den beginnenden Start zu schieben?
      Ehrlich gesagt bekam ich weiter gar nicht wirklich mit was die beiden zu besprechen hatten. Zu sehr kreisten meine Gedanken um Calebs Worte. Ich ertappte mich dabei wahllos ins leere zu Starren. Ich hasste in diesem Moment was es in mir tat. Es wühlte mich auf. Machte mich Glücklich und Ängstlich. Machte mich aber auch so unfassbar wütend. Wieso passierte das ausgerechnet mir? Mir die ich jahrelang versucht hatte so etwas von mir weg zu stoßen. Fühlte sich so jeder der sein Herz an jemanden verloren hatte?
      Irgendwo in meiner ewigen Starrerei, dem lauschen von Calebs gleichmäßigem Barriton war ich eingeschlafen. Die Momente in denen ich wach war, nicht weiter relevant..ich wechselte höchstens meine Position im Sitz. Zwischendrin hatte ich bemerkt, dass sich die beiden nicht mehr unterhielten. Da wurde mir bewusst wie oft Caleb früher unterwegs gewesen sein musste...er schien ja wirklich den halben Kontinent zu kennen. Mit einem Lächeln schlummerte ich ein letztes Mal davon. Erst das Lachen von Caleb ließ mich wieder wach werden. Ich rieb mir die Augen, unterdrückte ein Gähnen. Draußen war es hell. Schnee lag überall herum.
      Wir trennten uns von Kit, der wir eine gute Reise wünschten. Sichtlich erschöpfte Pferde (was sicherlich auch an der Sedierung lag) , brachten wir auf den Trailer des Fuhrunternehmens. Einen Vorteil jedoch hatte die klirrende Kälte dann doch - sie machte mich wacher. Nachdem wir fertig mit dem Aufladen waren, fühlte ich mich längst nicht mehr so gerädert. Die Straßen waren frei, in nur 20 Minuten würden wir fast da sein. “Es hat schon Vorteile das wir nicht mehr fast 2 Stunden in die nächste größere Stadt fahren müssen.” dabei sah ich aus dem Fenster auf die verschneite Landschaft. Beim letzten Mal hatte noch keiner gelegen.

      Caleb
      Die Verabschiedung von Kit fiel mir doch schwerer, als ich gedacht hatte. Es war immer wieder schön alte Bekannte zu treffen und die alten Zeiten aufleben zu lassen. Eine Person würde ich jedoch nie wieder sehen, diese Zeit würde ich für mich alleine, immer in meinem Herzen tragen. Das konnte mir keiner nehmen, solange ich lebte.
      Die Pferde einzuladen ging sehr schnell, Vulture benahm sich sogar seines Alters entsprechend und machte mir das Leben nicht schon wieder schwer. Ylvi und ich waren todmüde, wobei sie ziemlich wach blieb und nur ich es war, der ständig einnickte und durch eine Kurve oder einen Hubbel in der Straße den Kopf hoch riss.
      Endlich waren wir am Tor zur Ranch angekommen. Bow River Ranch. Es war mit Abstand das schönste Schild, welches ich seit langem gesehen hatte- und dabei gehörte auch das mir. “Oh schau Mal Ylvi, wie schön!”, sagte ich auf einmal hellauf begeistert und klebte mein Gesicht förmlich an die Scheibe, denn links stand meine Rinderherde auf der Weide, während rechts einige Pferde grasten. “Genau so habe ich mir das vorgestellt. Wie toll das aussieht!” Ylvi lachte. “Du kommst ja aus dem Staunen nicht mehr raus.”, murmelte sie und sah zu mir rüber. Ich nickte, noch immer sichtlich begeistert, und schaute dann nach vorne, wo die halbe Ranch schon mitbekommen hatte, dass wir endlich ankamen. Allen voran standen Cayce und Octavia. Letztere mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht. Das Fahrzeug hielt an und Ylvi und ich stiegen aus. Sofort wurden wir von O umarmt und ich bekam auch einen Kuss auf die Wange. Cayce jedoch kam mit verschränkten Armen auf uns zu. “Tauchst du auch endlich mal auf, du alter Hund.”, sagte er, fing dann an zu lachen und umarmte zu erst mich, dann Ylvi. Auch Dell, Betsy und Murphy umarmten uns kurz, ehe sie das Equipment der Pferde ausluden. Die anderen waren auf der Ranch verteilt und arbeiteten. “Dann komm Ylvi, lass uns unsere Pferde ausladen.”, sagte ich zu ihr, nachdem ich unsere Taschen auf der Treppe zum Haupthaus abgestellt hatte. Die würden wir später wegräumen, die Pferde hatten schon viel zu lange im Trailer gestanden. Nachtschwärmer drückte ich Cayce in die Hand, Vulture lud ich selbst aus, tauschte seinen Transportschutz gegen koppeltaugliches Equipment und brachte ihn dann auf eine der kleinen Koppelstücke, wo die Hengste untergebracht wurden. Auch Nachtschwärmer wurde auf eines der Stücke gestellt. Die Pferde von Ylvi kamen alle zusammen auf die noch freie Weide mit dem Offenstall. “Caleb es gibt noch einiges, dass geklärt werden müsste.”, sagte Cayce zu mir, als wir wieder zurück zum Haupthaus gingen. “Ich weiß. Aber zu erst muss ich ins Bett, das ist der schlimmste Jetlag den ich je hatte.”, sagte ich zu ihm, hob meine sowie die große Tasche von Ylvi auf und ging ins Haus. “Hier hat sich auch einiges getan, aber das zeig ich dir morgen.”, erklärte ich Ylvi. “Lass uns hoch gehen und uns aufs Ohr hauen.” Ylvi folgte mir zielstrebig, wurde dann jedoch langsamer, als ich ihr die Tür zu einem Schlafzimmer aufhielt. “Na komm, stimmt schon alles so.”, sagte ich zu ihr, trat hinter ihr ein und schloss die Tür.

      Ylvi
      Ich war etwas verwirrt..”Ich würd nur schnell mein Zeug in mein Zimmer bringen, dann komm ich wieder her?” ich war halb in den großen Raum hinein gegangen. Hielt dann jedoch Inne...er hatte in einer Art Panoramafenster Ausblick hinaus auf die Weiden der Farm. Es gab bisher noch leere Bücherregale an der einen Wand. Daneben befand sich ein kleiner Ofen. Gegenüber ein Bett das den Ausdruck riesig definitiv verdient hatte. Außerdem gab es auch einen großen Schrank.
      Mir blieb bei dem Anblick schon die Atmung weg...die ganze Einrichtung entstammte dem Landhausstil..war allerdings auch wieder schlicht gehalten. Es stand kein unnützes Dekor umher. Mein Blick wurde wieder gefangen genommen von der Aussicht aus dem Fenster. Dann spürte ich von hinten einen Körper der sich an den meinen schob..Calebs Hände griffen von hinten sanft um meine Hüfte. In dieser Bewegung drehte er uns..er schien sich auf das Fensterbrett gesetzt zu haben. “Du hast mir überhaupt nicht zugehört,oder?” “Mhm?” fragte ich halb da halb im Staunen. Das Lachen aus Calebs Kehle verschaffte mir eine Gänsehaut, wie es sein Atem in meinem Nacken immer tat. Mein Körper dieser ewige Verräter. Dann spürte ich ihn jedoch Seufzen. “Es gäbe schon einen Raum in dem….also.” wieder kurze Stille er druckste, ich wartete wollte ihn nicht stören. Vielleicht ahnte ich auch bereits was er sagen wollte, doch ich wollte es von seinen Lippen hören. Ich wusste wieso ich an ihm lehnte...es würde ihm schwerer Fallen, wenn ich ihm in die Augen sah. “Ich dachte, da wir ja ohnehin schon so oft beim jeweils anderen im Bett schlafen...Ich dachte das hier könnte unser Zimmer sein?” “Ist das etwa eine Frage Mr. O’Dell?”” flüsterte ich heiser. “Befehlen könnte ich dir ohnehin nichts...und ich bin kein Typ der Bettelt...ich denke das weißt du.” Ich schubste meinen Ellenbogen nach hinten. “Och duu!” schimpfte ich wieder. Drehte mich dann um und sah ihn an. “Damit gehen die Gefühlskrüppel wohl ein neues Kapitel an, hm?” Caleb nahm den Kopf schief, zog die Schultern hoch. “Sieht ganz so aus.” Erst wollte ich ansetzen, das ich mir das vor einem Jahr nicht hätte denken können...Wir hatten es nicht angesprochen...aber im Grunde machten wir damit vor der ganzen Ranch Publik das wir ein Paar waren...bzw. Caleb tat dies. Schließlich hatte er das ganze hier eingefädelt. Ich lächelte, umarmte ihn einfach nur und platzierte meinen Kopf an seiner Brust. Allerdings nicht lang bis mich ein Gähnen unterbrach. “Ab ins Bett!” damit packte mich Caleb plötzlich, schwang mich wie einen nassen Sack über seine Schulter und ließ sich dann gemeinsam mit mir auf das Bett fallen. Ich streifte Hose, Socken ab. Befreite mich von meinem BH und zog mir mein Shirt wieder an. Caleb tat es mir gleich, nur blieb er nur in Shorts. Auf einen Knopfdruck fuhr die Jalousie herunter, schlagartig war es dunkel im Raum. Ich fand wie von selbst in seinen Arm, hörte sein gleichmäßiges Atmen. Die Bow River Ranch würde für alle ein neuer Anfang sein. Mit diesem Gedanken schlief ich ein.


      Anfang März

      Caleb
      So langsam kehrte etwas Ruhe ein- wirklich nur sehr langsam. Cayce hatte nach meiner Ankunft sehr viel zu besprechen gehabt. Und wie ich schnell feststellen musste, war noch wahnsinnig viel zu tun, bis wir die Ranch halbwegs fertig nennen konnten. Gerade war es neun Uhr morgens, wir saßen alle in der großen Küche des Haupthauses zusammen und frühstückten. Es hatten sich wirklich alle gut eingewöhnt. Sowohl die Zwei- als auch die Vierbeiner. Dass Ylvi und ich zusammen in diesem Haus und im selben Zimmer wohnten schien niemanden überrascht zu haben. Unser Outing hatte ich mir viel spannender vorgestellt gehabt, als es letzten Endes gewesen war. Betsy hatte heute frei, weshalb ich sie mit Sue zu den Rindern mitnehmen wollte. So zumindest der Plan. “Betsy hast du heute schon was vor?”, fragte ich, zuerst in Richtung Betsy, dann in Richtung ihres Vaters. “Ähm nein, wollte mit Sue ausreiten, sonst noch nichts.”, erwiderte sie. “Das passt doch, magst du mit mir zu den Rindern mitkommen? Sie stehen in Richtung Ferienranch, ist ein Stückchen bis dahin.”, erklärte ich und sah zu Dell, der nickte. Erst dann schaute ich wieder zu Betsy und lächelte sie freundlich an. “Nur wenn Ylvi auch mitkommt.”, sagte sie und schaute mich grinsend an. “Soso.. Ylvi?”, fragte ich in Richtung der jungen Frau gewandt. “Klar, warum nicht.”
      Gesagt, getan. In Windeseile waren Sue, Devil und Inyan geputzt und gesattelt. In den Satteltaschen, die wir allen drei Pferden übergeworfen hatten, war ein wenig Werkzeug für eventuell kaputte Zäune und Thermoskannen mit warmem Kaffee und Kakao für Betsy. “Dann kanns ja losgehen.”, sagte ich und trieb Wimpy an. Mit ihr ritt ich vor, in der Mitte folgte Betsy und das Schlusslicht bildete Ylvi mit Inyan. Im gemütlichen Schritt wateten die Pferde durch den Schnee. Nach einer Weile sah ich die Bäume am Fluss und auch vereinzelte Rinder, die im Schnee nach etwas zu fressen suchten. “Ich muss wohl nachher nochmal neues Heu her fahren.”, sagte ich zu mir selbst und schrieb es auf meine To-Do Liste. Ich musste wirklich so langsam mal anfangen, die Dinge aufzuschreiben. So viel konnte sich ja kein Mensch merken!
      “Und, sind sie nicht hübsch?”, fragte ich Betsy, die mittlerweile neben mir ritt. Auch Ylvi hatte zu uns aufgeschlossen, als ich die Zügel annahm und wir drei stehen blieben. “Die haben ja auch alle weiße Gesichter!”, sagte sie aufgeregt und schaute zu Devil, die ebenfalls ein weißes Gesicht und blaue Augen hatte. “Haben die auch blaue Augen? Oh sag… die müssen blaue Augen haben!”, quasselte sie vor sich hin doch ich schüttelte den Kopf. “Nein, keine blauen Augen.” “Oooooh…”, kam es enttäuschend von ihr, ehe sie den Blick abwandte und ihn über die Herde gleiten ließ. “Kommt, wir reiten zum Zaun und schauen, ob alles in Ordnung ist.”, sagte ich und die beiden nickten, ehe wir uns wieder in Bewegung setzten. Den ganzen Vormittag verbrachten wir hier draußen. Als wir wieder auf der Ranch ankamen, waren wir wahrhafte Eiszapfen. Jesse, Connor und Murphy wurden von mir dazu verdonnert, sich um die Pferde zu kümmern, damit wir reingehen und uns aufwärmen konnten. Wir saßen eine Weile gemütlich vor dem Kamin und schlürften warmen Kakao. Plötzlich sprang ich auf, hastete zum Küchentisch, nahm mir einen Block und einen Stift und fing an zu kritzeln. “Was schreibst du da?”, fragte mich Betsy doch statt einer Antwort bekam sie nur “Schhh.. schh..” zu hören. Auch Ylvi hatte sich zu mir rüber gebeugt und schaute auf den Block. Oben drauf stand in großen Buchstaben: To Do, gefolgt von Spiegelstrichen mit Dingen, die ich erledigen musste. Als erstes stand dort: Rinder Heu. Fett unterstrichen.

      Ylvi
      Ich las die Punkte der Liste durch. “Wie wärs, du die Rinder...und ich kümmer mich um Punkt vier?” Die Stuten umweiden?” Ich hing halb über seiner Schulter, sah wie er die Hand hob und unleserlich daneben krackelte: Ylvi.
      Gut damit schien die Aufgabe wohl verteilt zu sein. “Oooh darf ich helfen?!” sah mich Betsy bittend an. Ich plusterte die Backen auf. Klar, Hilfe wäre nicht schlecht. Allerdings hatte ich dabei eher an jemanden wie O gedacht...oder Cayce. “Meinetwegen kannst du mit kommen.” sagte ich schließlich mit den Achseln zuckend. Wieder angepellt vor der Tür liefen wir jedoch Louis in die Arme. “Louis!” rief ich aufgeregt, lief dem Indianer entgegen und umarmte ihn stürmisch. Erst dann nahm ich Lilly wahr. Neben ihr stand ein wütend drein blickendes Kind, das mir allerdings schon fast bis unters Kinn ging. Seine Haare waren anders als die von Louis kurz, standen in alle möglichen Richtungen ab. Unverkennbar schien das Tschetan zu sein. Ich winkte ihm zu, erhielt jedoch keine Antwort. Halb hinter Lilly stand ein Mädchen, ihre Haare befanden sich in zwei geflochtenen Zöpfen. Mit einer Hand klammerte sie sich einen Stoffhasen vor die Brust die andere hielt sich an Lillys Hand fest. Scheu sah sie hinter dem Rücken der jungen Frau hervor. Ich umarmte also Lilly weitaus weniger stürmisch. Sah dann zu dem Mädchen. “Hey..ich bin Ylvi. Louis hat dir vielleicht schon von mir erzählt?” Schweigen. Ich deutete auf Betsy neben mir. “Schau...das ist Betsy. Sie müsste in deinem Alter sein.” wieder keine Antwort, nur diese unglaublich traurigen Augen die mich anstarrten...dann hinüber zu Betsy. “Sie spricht nicht”, seufzte Lilly leise. “Wieso spricht sie nicht?” plapperte Betsy. Rein aus Reflex schubste ich ihr an die Schulter. “Aber sie hat Ohren die hören. Sprich nicht als wär sie nicht da!” tadelte ich das Mädchen. Gosh, ich war nicht ihre Mutter! Augenblicklich tat mir mein Verhalten leid. Betsy sah auf den Boden. Ich drehte mich halb zu Louis. “Caleb ist drinnen. Er wollte zwar noch Heu fahren, aber ich denke ihr habt noch viel zu besprechen. Lilly , wenn du möchtest kannst du die Kinder rein bringen?” “Ach...die beiden wissen sich meistens ganz gut zu beschäftigen. Kann ich dir helfen?” Das Angebot kam mir fast wie gelegen. “Das kannst du tatsächlich!Betsy und ich wollten gerade die Pferde holen um die Stuten umzuweiden. Wir könnten dich auf Ravn packen. Eine Hand mehr ist sicher nicht schlecht.”
      Tschetan schien an sich zwar ein wenig seltsam wütend auf alle, doch er nahm seine kleine Schwester pflichtbewusst unter seine Hand. Ich bot ihm an auch ins Haus hinein zu gehen falls ihnen Kalt wurde.
      Im Stall kam mir Cayce entgegen. “ Cayce! Warte mal eben. Die neue Verstärkung ist da, Louis ist gerade bei Caleb. Was hattest du gerade vor?” “Futter ist fertig...ich wollte Heu zur neuen Stutenweide bringen.” “Prima, wenn du eh im Traktor hockst, bringst du auch was bei den Rindern vorbei? Hatte Caleb vor, aber ich weiß nicht wie lange er dafür braucht.” Cayce fasste sich an den Hut, nickte “Aye Chefin.” drehte bei und ging. Dabei hatte er nicht spöttisch geklungen. Chefin? Perplex sah ich ihm nach. Schüttelte dann den Kopf. Lilly und ich halfen Betsy beim Sattel von Sue, denn so ganz allein hievte sie den Sattel noch nicht auf den Rücken der Stute. Für alles andere behalf sie sich mit einer kleinen Trittleiter.

      Caleb
      Ich hatte Ylvi und Betsy leise bis zur Tür gehen hören, dann jedoch mischten sich vertraute Stimmen unter die Ihren. Louis war wohl da. Auf die beiden Kinder war ich ja wirklich sehr gespannt. So würde etwas mehr Leben auf den Hof kommen- und mehr Arbeit natürlich, bei drei Kindern- und Lilly.
      Das seltsame Gespann bestehend aus Louis, Tschetan und Kaya kam zu mir ins Wohnzimmer. Ich stand auf und fiel zuerst meinem alten Freund in die Arme. “Hallo Louis.”, sagte ich und klopfte ihm auf den Rücken. “Hallo ihr zwei, ich bin Caleb.”, stellte ich mich vor und blickte freundlich zu ihnen runter. “Ihr könnte gerne raus gehen und euch ein wenig umsehen. Kommt nur wieder rein, wenn es zu kalt wird.”, sagte Louis zu den Beiden, welche nickten und dann aus dem Raum verschwanden. Louis derweil setzte sich aufs Sofa, nahm sich ebenfalls eine Tasse Kakao. “Habt ihr den Flug gut überstanden?”, fragte ich ihn, und er nickte. “Die Kinder haben zum Glück fast die ganze Zeit geschlafen, Kaya ist noch ängstlicher, als sie es ohnehin schon ist.”, antwortete er und ich nickte. “Ist auch für sie eine große Umgewöhnung.”, meinte ich und legte meinen Notizblock zur Seite. “Eigentlich solltet ihr ja auf die kleine, alte Ferienranch ziehen. Zusammen mit Dell und Betsy. Nun ist es aber so, dass die Häuser noch nicht ganz fertig sind. Einer der Bungalows ist fertig, da sind zwar nur drei Schlafzimmer, aber eines mit Doppelbett. Da könntet ihr übergangsweise wohnen. Tschetan und Kaya zusammen? Dann müsste es passen.” “Klar, das ist kein Problem. Wo wohnen denn die anderen?” “Verteilt auf der Ranch. Octavia wohnt im Moment mit Travis hier, die anderen in den restlichen, halbfertigen Häusern. Hat alles doch ein bisschen länger gedauert.”, erklärte ich. “Wenigstens machen sie im Stall große Fortschritte, die 30 Außenboxen sind schon so gut wie fertig, sie mussten jetzt aufhören zu bauen wegen dem plötzlichen Schnee. Aber noch ein paar Dachplatten dann können wir Pferde dort hinein stellen.”, sagte ich zu ihm und er nickte.
      Gerade, als ich zu einem neuen Satz ansetzen wollte, kam Cayce ins Wohnzimmer. “Du könntest echt mal auf dein Handy schauen. Du musst jetzt die Arbeiten offiziell verteilen, nicht nur unter der Hand.”, grummelte er und umarmte Louis kurz. “Was ist denn?”, fragte ich ihn. “Ich habe dir geschrieben, dass Ylvi mich abgefangen hat und gefragt hat, ob ich auch Heu zu den Rindern bringen soll. Wollte ich jetzt machen, aber von dir wollte ich wissen ob ich ihnen auch Stroh mitnehmen soll, da wir dringend neues Heu bestellen müssen und die Kühe das Stroh besser vertragen als die Pferde.”, quatschte er drauf los. “Ja, ist gut. Ich schreibs mir auf mit dem Heu.”, antwortete ich ihm, bevor er wieder nach draußen ging. “Chef zu sein ist schon etwas anderes, als Chef zu spielen.”, lachte Louis, während ich auf meinem Block herum kritzelte. “Oh ja, wem sagst du das.”
      Wir redeten noch eine Weile über die Arbeit auf der Ranch, und dass er sich einfach zunächst einmal einbringen solle, wo immer er Arbeit sehen würde. Die persönlichen Aufgaben würden nach und nach dazu kommen. Da ich Wert darauf legte, jeden Morgen zusammen hier zu frühstücken, hatte ich die jeweiligen Listen mit den täglichen Aufgaben in den Flur gehangen. So sah sie morgens jeder und konnte seinen Namen hinter eine Aufgabe schreiben. “Ich werde dann mal sehen, wo die zwei Kinder abgeblieben sind.”, sagte Louis. “Wenn du sie hast komm nochmal her, ich zeige euch den Bungalow.”, bot ich ihm an doch er winkte ab. “Wir finden den schon.”, meinte er und verschwand dann auf dem Hof.
      Wieder zurück im Wohnzimmer schnappte ich mir den Hörer und rief bei einem Heulieferanten an, bei dem Verena auch immer Futter besorgt hatte. Wir hatten Glück und er konnte sogar heute noch liefern. Den Rest des Tages verbrachte ich zusammen mit Murphy und Travis damit, die kleinen, eckigen Heuballen vom Laster in die Scheune zu werfen und zu stapeln. Die großen Rundballen luden wir mit dem Traktor ab und stapelten sie in der Halle nebenan. Gegen Abend löste sich der Trubel auf dem Hof auf. Ich stand vor dem großen Fenster im Schlafzimmer und sah über den Hof. Hier war es wirklich wunderschön. Ich war gespannt, wie es hier aussehen würde, wenn alles zu blühen anfängt.

      Ylvi
      Nachdem wir uns damit vergnügt hatten die Stuten auf die andere Weide zu bringen, war es etwas schwierig gewesen Betsy los zu werden. Nicht, dass mir das Kind auf die Nerven ging...sie erledigte ihre Aufgabe zusammen mit Sue ja wirklich gut. Allerdings schien Lilly irgendwas auf der Seele zu brennen. In Gegenwart des Kindes schien sie keine Worte an mich richten zu wollen. So war die Arbeit schweigend verlaufen, abgesehen von den Berichten Betsys über den Umzug, die ersten Wochen und natürlich ihre neue Schule. Als wir Kaya allein über den Hof hatten schlendern sehen hatten Betsy die Gelegenheit genutzt um vielleicht Freundschaft zu schließen. Lilly hatte ihr erklärt das Kaya ein bisschen anders war, nicht sprach. Betsy hatte die Nachricht nickend aufgenommen und war anschließend davon gelaufen.
      “Louis wird es nicht einfach haben.” seufzte Lilly als sie Betsy hinterher sah. “Ich hab mich ja bisher nicht getraut zu fragen…” erwähnte ich ohne eine direkte Frage zu stellen. “Kaya war dabei als ihre Mutter sich die Pulsadern aufgeschnitten hat. Tschetan hat sie gefunden. Kaya hat seitdem kein Wort gesprochen. Die Ärzte sprechen von Mutismus. Irgendwann wird sie schon wieder anfangen...aber so ängstlich wie sie auch ist. Vielleicht tut es ihr ganz gut zusammen mit Betsy zur Schule zu gehen, oder die Ranch an sich. Aber ich mach mir schon Sorgen um Louis. Er hat so viel getan für mich...jetzt schickt er mich zur Uni und soll mit den Kindern allein bleiben?” “Calgary ist nicht weit fern...ruf mich an und ich hol dich ab. Außerdem geb ich dir das versprechen öfter mal nach ihm zu schauen,ja?” Ich hatte sie in den Arm genommen. Allerdings hatte ich auch keine Ahnung. Wie brachte man ein Kind dazu zu sprechen nach so einem Erlebnis? Vor allem aber auch in Anbetracht der Dinge die das Kind ja auch vorher bereits erlebt haben musste. Betsy schien Kaya die Ranch zu zeigen. Mehrere Male kamen sie an uns vorbei. “Betsy? Komm mal rüber.” rief ich, winkte sie heran. “Fylgia ist heute noch nicht bewegt worden. Wenn ihr wollt könnt ihr mit ihr eine kleine Runde um die Koppeln machen. Ich denke auch Kaya wird ihre Freude haben.” Damit hatte ich dann auch meine Ponystute an Bewegung für diesen Tag abgespeist. “Oh können wir mit Halsring raus?” Ich schüttelte den Kopf. “Auf dem Platz irgendwann anders...aber noch kennt sie ja nicht viel von der Umgebung. Nimm bitte das Sidepull.” Damit verschwanden beide Kinder, Betsy nahm Kaya vertrauensvoll an der Hand. Als sie uns später begegneten, sahen wir eine lächelnde Kaya auf dem Rücken meiner Ponystute, Betsy führte sie am Zügel. Kaya drückte noch immer mit einer Hand den Stoffhasen an ihre Brust. Lilly schluckte schwer, lächelte dann aber seelig. “Andere Kinder werden ihr gut tun. So quirlig wie Betsy ist.” “Vor allem haben sie auch eines gemeinsam. Auch Betsy hat vor einiger Zeit ihre Mutter verloren...sie kennt den Schmerz der damit einher geht.” sprach ich traurig. Lilly antwortete nichts darauf. Wir halfen noch dabei die Rundballen zu verstauen. Anschließend verzog ich mich für einige Stunden in mein Büro im Haupthaus. Caleb hatte es mir einrichten lassen...es war klein, aber die Aussicht in Richtung der Berge war toll. Die neue Website für die Bow River Ranch war an der Reihe. Ich hätte natürlich die alte einfach wiederverwenden können. Aber mir war nach etwas neuem gewesen.
      Es war bereits 21 Uhr als ich mich von der Arbeit lösen konnte, draußen strahlte mir der abnehmende Mond entgegen. Wie üblich wenn Schnee lag erschien der Nachthimmel in einem dunklen Rot. Ich schaltete den PC aus, schnappte mir mein Handy und schlenderte durch den Flur die Treppe hinauf in das Zimmer das ich mir mit Caleb teilte. Es fühlte sich mittlerweile ganz normal an. Für Aufregung hatte das Outing nicht wirklich gesorgt….ganz so als wäre es den anderen bereits klar gewesen. Ich blieb im Flur noch einmal stehen...schaute aus dem Fenster auf den Hof. Von hier aus konnte ich Licht im Bungalow sehen in dem Dell, Betsy und nun auch Louis und seine Familie untergebracht waren. Bisher hatte ich keinen Gedanken daran verschwendet...aber mein Versprechen auf Louis acht zu geben...auf die beiden Kinder. Es jagte mir einen Schauer über den Rücken. Ich konnte es nicht zuordnen, wandte meinen Blick ab und ging hinauf. Als ich die Tür hinter mir schloss sah ich Caleb am Fenster stehen, das Feuer loderte im Kamin. Kurz war ich versucht “Ich bin zu Hause Liebling” spöttisch zu sagen, dann lächelte ich ihm einfach nur zu. Caleb löste sich vom Fensterbrett, zog mich an der Hüfte zu sich und küsste mich. “mhm..das wollt ich den ganzen Nachmittag tun.” murmelte er. Welch seltsame Worte von ihm...und da war er wieder, der Schauer an meinem Rücken.
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  • Album:
    BRR Zuchthengste
    Hochgeladen von:
    Veija
    Datum:
    22 Aug. 2020
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  • Exterieur
    Name: Gun and Slide
    Rufname: Blue
    Alter: 2010, 10 Jahre
    Geschlecht: Hengst
    Größe: 1,54m
    Rasse: American Paint Horse
    Fellfarbe: Bay Dun Splash (EeAaDDSplSpl)

    Stammbaum
    von: unbekannt
    aus der: unbekannt


    Charakter & Beschreibung:
    Blue hat sich mit den Jahren zu einem wirklichen Verlasspferd entwickelt. So war er früher Neuem gegenüber sehr vorsichtig, geht er nun unerschrocken auf alles zu und meistert zusammen mit seinem Reiter jede Aufgabe. Im Training ist er noch immr sehr gelehrigt und versucht die Aufgaben stets gut zu meistern. Der Hengst wird mittlerweile auch von der kleinen Betsy geritten, was wohl alles weitere über ihn aussagt.

    Zuchtinfos
    Gekört/Gekrönt: ja
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    [HK 490] Außergewöhnliche Farben
    Nachkommen: Dress to Impress, aus der DunIts Smart Investment
    BR Double Gunslide, aus der Colonels Smokin Gun
    BR Raised to Slide, aus der Raised from Hell
    (Gunslinger N' Outlaws, Gimme that treat)

    Besitzer: Veija
    Vorbesitzer: -
    Gezüchtet bei/Zucht:

    VKR: kira

    Kaufpreis:
    Zu Verkaufen: nein

    Qualifikationen:
    eingeritten
    eingefahren


    Dressur E
    Springen L
    Military A
    Distanz L
    Galopprennen E

    Western

    Reining LK 1
    Trail LK 4
    Hunter under Saddle LK 4

    Erfolge:
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    1. Platz 243. Fahrturnier, 2. Platz 307. Westernturnier, RS 66 Neuhjahrsturnier, 3. Platz 400. Westernturnier, Teilnahme an der Fuchsjagd 2017 auf Sandringham Manor

    Tricks:
    "Nein" sagen
    Podest
    Teppich ausrollen
    Plié
    Küsschen geben

    Gesundheit:
    Gesundheitszustand: geimpft, entwurmt
    Letzter Besuch: März 2017

    Hufschmied
    Hufzustand: gut
    Letzter Besuch:
    Beschlag: