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Occulta

Golden Sunset

† 06.12.2015, Kolik

Golden Sunset
Occulta, 6 Dez. 2015
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    • Occulta
      Geschichte:
      Ankunft im neuen Stall I 21.09.2012

      Endlich kam die riesige Galoppbahn in Sicht; die Tannen verbargen noch den Blick auf das Innere des Hofes. Ich war total aufgeregt. Klar war ich schon vorher auf dem Hof gewesen und hatte mich vergewissert, dass alles fertig war. Mein Mann und ich hatten ebenfalls hart mitangepackt und so war der Bau relativ rasch vorangekommen. Aber dennoch: nun würde ich die Reaktion der Pferde sehen, und ob - und das war das wichtigste – es ihnen gefiel. Ein paar Kleinigkeiten fehlten noch, wie z.B. der Belag für den Sandplatz. Aber im Grossen und Ganzen war alles fertig. Auch ein paar Möbel im Haupthaus waren schon da. Nun bogen wir mit dem Camion auf das Strässchen zum Hof ab. Schon fuhren wir an den Tannen vorbei und ich erhaschte einen kurzen Blick auf die lange Galoppbahn. Die Dimensionen versprachen unglaublich tolles Galopp Training und ich stellte mir bereits Stromer vor, mit dem ich über die Bahn preschte. Ich wurde aus meinen Gedanken geweckt, als wir auf den kleinen Parkplatz bogen. Wir hielten und ich stieg aus, um meine Beine nach der langen Fahrt zu bewegen. Ich atmete die Landluft ein und den leichten Geschmack von frischem Tannenholz, Farbe und einen Hauch des Pinienwaldes. Dann lief ich mit meinem Mann nach hinten und öffnete die Klappe des Camions. Daki röchelte mir gleich entgegen, so nach den Motto „Ich will zuerst raus, nimm mich zuerst!“ Ich zögerte nicht und nahm sie an den Strick um sie die Rampe runter zu führen. Klack – Klack – klack, ihre Hufe klangen lustig auf dem frischen Asphalt. Aufgeregt schnupperte Daki in der Luft und sah rund herum. All die neuen Eindrücke waren unglaublich spannend für die Mini Stute. Hinter uns führte mein Jack Sunset von der Rampe. Die beiden steckten kurz die Köpfe zusammen um zu checken, ob alles okay sei (Daki mit ihrer starken Persönlichkeit war schliesslich die Leitstute und Sunset schloss sich an), dann wollte Daki schon zu den nächsten Grasbüscheln loslaufen. Schliesslich musste sie in „ihrem“ neuen Territorium alles gleich probieren. Aber ich lief in die andere Richtung los und sie folgte. Wir führten die beiden erstmal in ihre neue Box, direkt im Nebenstall. Dort wurden nämlich vorerst die Fohlen und Kleinpferde untergebracht, bis die Offenställe auf den Weiden fertiggestellt waren. Neugierig beschnupperten die beiden je ihre Boxen. Sie befanden sich gleich nebeneinander und waren, im Gegensatz zu jenen im Hauptstall die Gitter oben hatten, in der mitte der Trennwände einen horizontalen Spalt breit vollständig offen, sodass grosszügiger Sozialkontakt möglich war. Miss mini Daki scharrte neugierig in der frischen Einstreu, Schnaubte laut und schüttelte den Widerrist. Sunset blickte auf und wieherte kurz, um zu prüfen, ob noch andere Pferde da waren. Ihre hohe Stimme war so niedlich! Dann liessen wir die beiden vorläufig alleine und holten die restlichen Pferde. Wir hatten noch nicht alle mitnehmen können, weil zu wenig Platz im Camion war. Wir brachten also nacheinander noch Campina, Flower, Fake und Bella auf den Hof. Die drei Fohlen brachte ich ebenfalls in den Nebenstall, später würden sie sich alle eine grosse Weide teilen. Bella würde später in den Hauptstall kommen, ich brachte sie jedoch erst mal in den Nebenstall zu Daki und Sunset, damit sie nicht alleine war. Dann machten ich und mein Mann uns wieder auf den langen Weg, um die restlichen Pferde zu holen.

      Tag der Auktion

      Als ich heute Morgen aufwachte, wunderte ich mich zunächst über die weisse Decke meines Zimmers. Mein Zimmer hat doch eine gelbe Decke! Dann fiel es mir wieder ein. Wir sind ja schon umgezogen! Sofort stand ich auf und öffnete das Fenster. Die Vögel zwitscherten vom Pinienwald her. Ein herrlicher morgen. Dann sah ich auf den Terminkalender neben meinem Bett. Der heutige Tag war rot umkreist und es stand ganz klein „Auktion“ darunter. Heute war die Vollblut Auktion, bei der ich mir erhoffte, ein paar zukünftige Renn- und Zuchtpferde zu kaufen. Wenige Minuten später hatte ich gefrühstückt und öffnete die Haustüre. Jack schlief noch – kein Wunder, die Auktion war erst am Nachmittag. Ich beschloss erstmal noch eine Runde Bodenarbeit mit Daki und Sunset zu machen. Da fiel mir plötzlich ein: heute um 11 Uhr würden ja noch die neuen Miniature Pferdchen kommen! Mein Mann hatte die beiden auf dem Weg zur Arbeit bei einer kleinen Privatzucht entdeckt und sich sofort in sie verliebt. Da wir ja nun mehr als genug Platz hatten, hatte ich zugestimmt die beiden zu übernehmen. Allerdings wollte mich mein Mann überraschen und hatte mir deshalb noch nicht verraten, wie sie aussahen. Wie auch immer; ich lief nun in den Nebenstall wo mich Daki schon ungeduldig begrüsste. Es war ein Ritual, dass sie jeden Morgen als erste raus durfte. Ich nahm ihre Halfter vom Haken der Boxentür und öffnete die Box. Sofort kam sie mir entgegen und prüfte, ob ich auch genügend „Proviant“ dabei hatte. Zufrieden schnaubte sie und ich zog ihr das Halfter über. Dann holte ich gleich noch Sunset aus der Nachbarsbox und band beide nebeneinander unter dem Vordach des Nebenstalls fest. Zuerst striegelte ich beide gründlich durch, dann ging ich mit der Glanzbürste über’s Fell, bis beide wiederschön glänzten. Schliesslich kratzte ich noch die kleinen Hüfchen aus und löste die Stricke wieder. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es schon viertel nach zehn war. Ich führte Daki und Sunny auf den grossen Aussenplatz. Dort begann ich ein paar Zirkus Lektionen mit ihnen zu üben. Eine halbe Stunde später war Miss Mini Daki fünf Mal abgehauen und auf die Galoppbahn gerannt, ich jeweils fluchend hinterher, Sunset hatte gelernt zu steigen, was sie nun jedes Mal tat, wenn ihr etwas nicht passte, und Daki hatte nun endgültig genug, weshalb ich sie beim letzten Ausflug in ihrer Box beim Heufressen fand. Nach diesem wunderbaren Durcheinander war ich völlig kaputt und wollte schon zurück ins Haus, als ein Anhänger auf den Parkplatz fuhr. Oh nein, noch zwei mehr von diesen Biestern! Ich lief auf den Mann zu, der gerade ausgestiegen war und die Rampe des Transporters öffnete. „Guten Tag, haben die beiden die Fahrt gut überstanden?“ Er grunzte nur ein knappes „Ja“ und führte die Minis die Rampe runter. Dann verabschiedete er sich wieder und fuhr davon. Ich betrachtete die beiden neugierig. Der eine war ein windfarbenes Hengstchen, die andere eine braune Stute. Beide liefen schön brav mit, als ich sie auf die Weiden führte. Das Hengstchen bekam eine eigene grosse Weide, das Stütchen stellte ich daneben, später holte ich dann Daki und Sunset dazu. Die Offenställe würden bald fertig sein; es fehlten nur noch ein paar Kleinigkeiten, doch die Pferdchen konnten bereits einziehen. Neugierig beschnupperten sie sich, und das Stütchen – Chocolate Chip war ihr Name – quieckte ab und zu aufgeregt. Auch mit Arctic Blue, dem Hengstchen mit den ausgesprochen guten Manieren, verstanden sie sich durch den Zaun super. Zufrieden lief ich zurück zum Haus.
      Nach dem Mittagessen fuhren mein Mann und ich zur Auktion. Es waren nicht so viele Leute da wie erwartet, was ein gutes Zeichen war, denn es handelte sich um eine sehr bekannte Veranstaltung. Wir Namen Platz auf der kleinen Tribüne in der Auktionshalle und warteten gespannt auf das erste Pferd. Bis zur Pause gefiel mir aber eigentlich kein Pferd so richtig. In der Pause selbst liefen wir ein wenig zwischen den parkenden Transportern umher und sahen uns die Pferde an. Ein fast gänzlich weisses Fohlen stach mir sofort ins Auge. Ich war fasziniert von seinem eleganten Körperbau, dem schneeweissen Fell und den kleinen schwarzen Punkten auf dem Kronrand der Hufe. Seine Augen blickten klar und freundlich, und es schien überhaupt nicht aufgeregt. Ich besprach mich kurz mit meinem Mann, dann stand fest: dieses Fohlen wollten wir kaufen. Zurück auf der Tribüne beobachteten wir eine Apfelschimmel Stute, die fast schon über den Hallenboden schwebte. „Nummer 17: Iskierka“. Alle schienen begeistert von ihr und es wurde ein Gebot nach dem anderen gemacht. Plötzlich ertönte das Geräusch eines Traktors hinter der Halle. Sofort stieg die Stute, schlug nach allen Richtungen aus, riss sich los und rannte quer durch die Halle. Der Führer lag am Boden und hielt sich mit vor Schmerz verzerrtem Gesicht das Bein und Iskierka wäre beinahe noch über ihn drüber gerannt. Ich hatte noch nie ein Pferd so toben sehen. Und ich war anscheinend nicht die einzige; fast sämtliche Bieter zogen ihre Gebote augenblicklich zurück und der Besitzer der Stute sah enttäuscht zu Boden. Anscheinend hatte er gehofft, sie würde sich ausnahmsweise benehmen. Ich wechselte einen kurzen Blick mit meinem Mann. Wir hatten beide gesehen, dass sie schwierig im Umgang war, jedoch auch, dass sie grosses Rennpotential hatte. Entschlossen hob ich die Hand und bot für sie. Es bot niemand sonst mehr mit, also bekamen wir sie für einen Schnäppchenpreis. Dann, drei Nummern weiter, kam der nächste unserer Favoriten: eine braune Stute namens Felicita. Auch sie schien etwas unsicher und zuckte einmal zusammen, als jemand seine Jacke auszog. Aber als es dann still in der Halle war, zeigte sie ausgezeichnete Gänge und folgte brav. Diesmal war es nicht so leicht mitzubieten, aber da wir Iskierka so günstig bekommen hatten, blieb uns mehr Geld zur Verfügung und so bekamen sie schlussendlich doch noch. Nun warteten wir nur noch auf das weisse Fohlen. Mein Herz machte einen Hüpfer, als sein Name verkündet wurde. A Winter’s Day – gar nicht so schlecht. Wir boten eifrig und bekamen dann endlich den Zuschlag. Nach der Auktion verluden wir die neuen Pferde. Iskierka wollte zuerst partout nicht einsteigen, deshalb luden wir zuerst die anderen ein, in der Hoffnung, dass sie es ihnen gleichtun würde. Winter stieg wie ein Musterknabe ein und auch Felicita folgte, jedoch etwas zögernd. Dann starteten wir einen neuen Versuch mit Iskierka. Es war deprimierend zu sehen, wie die schöne Stute stieg und austrat. Am Ende schafften wir es mit sehr viel Geduld, Ruhe und der Hilfe von 3 anderen Leuten, sie doch noch einzuladen. Dann fuhren wir endlich in den Stall zurück. Beim Aussteigen sprang Iskierka unkontrolliert aus dem Transporter, verletzte aber zum Glück niemanden. Ich führte sie, während mein Mann Felicita und das Fohlen führte. Ich hatte den ganzen Weg einen richtigen Kampf mit der Schimmelstute, denn sie versuchte immer wieder zu drängeln, zu steigen und sich loszureissen. Endlich in der Stallgasse angekommen stellte ich sie einige Boxen entfernt neben Stromer und Sunday. Wie erhofft beruhigte sie sich ein wenig, als Felicita in die Box neben sie gebracht wurde. Die Neuankömmlinge wurden von den anderen Pferden durch die Gitterstäbe hindurch aufmerksam beobachtet, und die Hengste waren natürlicherweise etwas aufgedrehter als sonst, aber das würde sich bald legen. Winter brachte ich zu den anderen Fohlen auf die Weide. Am Abend zählte ich meine blauen Flecken von Iskierka, war aber, wenn ich so darüber nachdachte, eigentlich doch glücklich sie vermutlich sogar gerettet zu haben. Wer weiss, was sonst mit der hübschen Stute passiert wäre?

      Sammelpflegebericht für alle Pferde: Ein typischer Arbeitstag. 09.11.2012

      Heute war wiedermal ein purer Arbeitstag: zuerst eilte ich zu den Weiden um bei Daki, Sunset und Chip um ihre Weideboxen auszumisten und Wasser und Raufutter nachzufüllen. Neben mir hüpfte meine neue Jack-Russel Hündin Jacky ungeduldig auf und ab. Ich hatte sie mit acht Wochen von der Züchterin abgeholt, was eher früh war, aber sie war jetzt mit 10 Wochen schon neugierig und in keiner Weise ängstlich. Sie hatte sich gut eingelebt und tapste mir brav hinterher. Allerdings hatte sie eine kurze Leine an, damit ich sie anbinden konnte, wenn ich zu den Pferden ging. Ich wollte ja nicht, dass sie getreten wurde. Die drei mini Stütchen bekamen noch etwas dünnere Decken, denn es war wieder etwas wärmer geworden (trotzdem wollte ich nicht, dass sie zu viel Fell bildeten). Als ich die Weide verliess, um zu den beiden mini Hengstchen zu gehen, wollte mir Daki schon hinterher laufen. Ich sagte amüsiert zu ihr: „Zu den Hengstchen kommst du besser nicht mit. Aber…“ nach kurzem Zögern gab ich ihrem treuen Blick nach und öffnete das Weidetor so weit, dass nur sie hinausschlüpfen konnte. Ich wusste genau: Miss Mini Daki kam überall mit mir mit wie ein Hund. Auch ohne Seil. Und wenn sie abhauen würde, dann eh in die Futterkammer. Ich band Jacky vom Weidepfosten los und sie beschnupperte Daki sofort neugierig. Als ich zu den Hengstchen reinging, begann Daki entspannt aussen am Zaun zu grasen, während Jacky ihr zwischen den Beinen hindurch flitzte. Ich machte mir keine Sorgen um sie, weil Daki ja klein war und die Hufe vorsichtig aufsetzte. Ich kümmerte mich nun um Blue und Prinz. Die beiden hatten sich seit Prinz‘ Ankunft prächtig verstanden und dösten oft entspannt nebeneinander. Ich mistete zuerst wieder die Box und streute neues Stroh rein, dann legte ich noch einen Heuhaufen hin, weil Raufutter besser ist für die Zähne und füllte die beiden Wassereimer wieder auf. Jeder hatte einen eigenen, damit sie auch sicher genug hatten. Dann zog ich auch ihnen die leichteren Decken an und lief anschliessend zu den Fohlen. Die sahen, weil es Winteranfang war, besonders pelzig aus. Ich hatte ihnen zwar schon eine Decke angezogen, jedoch eine eher dünne. Schliesslich sollten sie auch etwas robust werden. Ich lief an Campina vorbei, die mir kurz darauf gelangweilt hinterher lief. Ich wusste, dass sie meine Anwesenheit immer mit Spannung und Abwechslung verbanden, aber heute mussten sie ausnahmsweise verzichten. Auch Flower lief mir hinterher und kniff mir spielerisch ins Hosenbein. Ich packte ihr Ohr um ihr zu signalisieren, dass ich in Ruhe gelassen werden wollte. Währenddessen spielte Jacky mit Fake und Kabuki. Auch Daki fand schnell jemanden zum Zanken: Flower, die sich wieder von mir entfernt hatte. Nur Winter stand etwas abseits und beobachtete die Anderen. Nach dem ich auch mit der Box der Fohlen fertig war, lief ich zu ihm und kraulte ihn ein wenig. Er taute sofort auf und begann mir frech in den Ärmel zu kneifen. Ich joggte etwas davon und forderte ihn auf, mir zu folgen. Nach einer Weile trabte und galoppierte er mir hinterher und auch Campina schloss sich uns an. Aber ich musste bald weiter und mich auch noch um die Anderen kümmern. Deshalb verliess ich die Weide und lief mit Jacky und Miss Mini Daki zum Nebenstall. Daki Blieb bei Goia stehen und leistete ihr etwas Gesellschaft, während ich bei der neuen Criollo-Stute Moon Kiddy anfing. Ich hatte sie, Goia, Flint, Summer, Pilot und Love in den Nebenstall umgesiedelt, damit der Hauptstall nun vollkommen für die Vollblüter genutzt werden konnte. Als ich in allen Nebenstallboxen die Einstreu gewechselt und frisches Heu hingelegt hatte, rief ich Daki und lief die kurze Strecke zum Hauptstall. Neugierig erkundeten Daki und Jacky das Gebäude, während ich mich der Reihe nach um Stromer, Sunday, Light und Spot kümmerte. Spot und Light waren ebenfalls neu. Nach ihrer Ankunft hatte ich beschlossen, dass die Stuten im südlichen Teil des Hauptstalles und die Hengste im nördlichen stehen sollten. Als ich mit den Hengsten fertig war, lief ich zu den Stuten wo Daki und Jacky schon warteten und mit Felicita schmusten. Iskierka, die kleine Diva, war etwas speziell und fand Daki anscheinend nicht besonders anziehend. Auch vor Jacky hatte sie eher Angst, weil ihr das kleine, wilde, bällende Ding nicht geheuer war. Ich mistete die Box des Sensibelchens und befasste mich zu guter Letzt mit Felicita. Am Nachmittag durften alle Pferde auf die Weiden.

      Alltag auf Pineforest Stable 05.03.2013

      Wie jeden Samstag stand ich früh auf und schlang mein Müsli runter, bevor ich dann in den Hauptstall lief und den Stallburschen beim Füttern half. Alle Pferde warteten schon ungeduldig und besonders Spot klopfte mit dem Huf gegen die Boxentür. Er bekam deshalb als Letzter sein Futter. Die Vollblüter im Hauptstall bekamen eine spezielle Futtermischung, die ihnen die nötigen Vitamine und Mineralstoffe für ihre Rennleistungen brachte. Diese Futtermischung schmeckte wohl auch besonders gut, denn wenn Pferde, die aus irgendeinem Grund gerade nicht im Rennsport tätig waren, stattdessen normales Futter, wie das der Nebenstall-Pferde bekamen, assen sie deutlich weniger und langsamer. Auch im Nebenstall wurde die Schubkarre mit dem Futter schon freudig erwartet und viele der Pferde „röchelten“ aufgeregt. Anschliessend brachten wir den Pferden auf den Weiden ihre Heu und Stroh Portionen, denn die bekamen wenn überhaupt nur wenig Getreidefutter. Es war schon recht warm an diesem Morgen und der Schnee war fast gänzlich geschmolzen. An manchen Stellen tauchten erste Frühlingsblumen auf und die Gräser begannen sich wieder aufzurichten. Auch die Luft roch nach Frühling und man hörte überall Vögel zwitschern. Da der geschmolzene Schnee die Weiden matschig werden liess, wurden Teile der Weiden zur Schonung des frischen Grases abgetrennt. Die Mini-Pferdchen waren immer süss anzusehen, wenn sie angerannt kamen, sobald der Futterwagen in Sicht war. Arco wieherte schon aufgeregt als wir die Weide betraten. Anschliessend liessen wir erstmal alle Pferde in Ruhe fressen, dann lief ich erneut zur Mini-Pferdchen Weide. Um neun Uhr kamen dann ein paar Kinder, die regelmässig am Wochenende mit den Mini-Pferdchen spielten und sie putzten. Ich blieb zuerst wie immer etwas dabei und half mit. Unsere Minis waren zwar allesamt super lieb im Umgang und sehr menschenbezogen, aber kommunizierten natürlich auch untereinander als Herde und dabei gab es öfter mal kleine Zankereien. Daki’s Nüstern durchstöberten schon wieder meine Hosentaschen nach Leckerlies und Chip versuchte gerade Goldy in den Hintern zu beissen. Ich packte sie am Ohr und ermahnte sie, denn solange die Kinder anwesend waren, hatte sie sich gefälligst zu benehmen. Arco und Prinz wurden separat geputzt, weil sie ja Hengstchen waren. Besonders an Diva’s knallrotem, flauschigen Winterfell hatten die Kids Freude. Die Minis sahen allgemein wie kleine Plüschkugeln aus. Bei Prinz kam man kaum noch durch den dichten Schweif; ein Frisör-Termin stand für alle an. Später am Morgen arbeitete ich mit Light und Stromer auf der Rennbahn, während mein Mann Spot und Sunday bewegte. Auch Felicita und Iskierka waren trainiert worden, allerdings schon am frühen Morgen. Am Mittag ritten ich und mein Mann gemeinsam mit Ronja und Burggraf aus. Der Boden war auf den Feldwegen recht gut, sodass wir auch viel galoppieren konnten. Auf den Feldern war es dafür allerdings zu matschig. Auf dem kleinen Gelände-Parcours in der Mitte der Rennbahn trainierten wir anschliessend noch etwas für die kommenden Distanzprüfungen. Beim Mittagessen liessen wir uns etwas mehr Zeit. Wir assen wie eigentlich immer mit allen Lehrlingen und Stallhelfern gemeinsam im Restaurant in der Halle. Dort wurde über den Tagesplan und die bereits verrichteten Arbeiten geredet, oder auch über allerlei sonstige Themen.
      Danach ritt ich mit Julia und Jonny, zwei der Helfer, auf den Aussenreitplatz. Ich ritt auf Flint, Julia auf Shadow und Jonny auf Summer. Wir stellten ein paar Stangen auf und bereiteten einen kleinen Western-Parcours auf. Während 45 Minuten trainierten wir diverse Bahnfiguren, Stops, Spins und vieles mehr. Flint war langsam richtig gut im Stoppen, er reagierte auf die feinsten Gewichtshilfen. Auch Summer machte gute Fortschritte, sie hatte allerdings ordentlich Winterfell, was das Westernpferde-Image ein wenig verfälschte. Sie sah lustig aus, wie sie mit all dem Teddy-Fell umher galoppierte. Shadow hingegen hatte sehr feines Fell und fror schnell, wenn sie gerade nicht bewegt wurde. Etwa um 3 Uhr nachmittags ritt ich mit Pilot in der Springstunde mit, die immer Samstags auch offen für Leute aus der Nachbarschaft war. Es kamen oft andere Leute mit ihren Pferden um in der grossen Halle zu trainieren. Einer der Helfer, Freddy, ritt mit Costa mit. Wir machten wieder mal Witze und lachten viel, alle waren fröhlich aufgelegt weil der Frühling kam. Nach der Springstunde ritt ich Peace, den ich ebenfalls noch nicht lange hatte. Er war noch sehr schreckhaft und unkonzentriert, was das Training zur Herausforderung machte, allerdings war bereits eine deutliche Besserung bemerkbar. Trotzdem erschreckte er sich vor einer Taube, die vor seiner Nase durch die Halle flog. Der kräftige Dreijährige bockte mich beinahe runter. Als ich ihn wieder beruhigt hatte, war er dann auch ganz schön verschwitzt, obwohl er geschoren war. Ich beschloss noch ein wenig mit ihm Seitengänge zu üben, zum Abkühlen ritt ich ihn dann noch eine Runde auf der Galoppbahn im Schritt. Nun war ein wenig Spass und Abwechslung mit den Criollos geplant: Ich sattelte Moon, nachdem ich Peace zurück in die Box gebracht hatte, und mein Mann holte Feline. Moon zappelte ungeduldig während wir auf Feline und meinen Mann warteten. Als er endlich kam stiegen wir vor dem Nebenstall auf und ritten zur Galoppbahn. Dort wärmten wir die beiden erstmal im Schritt ein. Anschliessend trabten wir an und machten einige Tempowechsel. Auch Schulterherein übten wir ein wenig. Schliesslich galoppierten wir auch. Nun da es schon fast 6 Uhr war kam starker Wind auf und fegte durch die Tannen des Galoppweges. Es war aber trotzdem noch recht warm und die Abendstimmung mit dem rötlich gefärbten Himmel war wunderschön. Wir beschlossen ein kleines Rennen zu machen. Zuerst ritten wir zur Begrenzung der Rennbahn und zogen den Pferden die Sättel aus. Wir legten sie über den Zaun, dann stiegen wir wieder auf und begaben uns auf die Startposition. Auf sein Zeichen hin preschten wir los. Es war ein herrliches Gefühl gegen den Wind zu galoppieren und die Tannen links und rechts vorbeifliegen zu sehen. Am Anfang lag mein Mann in Führung, dann holten Moon und ich aber auf. Nach der halben Runde waren wir Kopf an Kopf, aber Moon wurde langsam etwas müde. Deshalb verloren wir am Ende knapp. Aber das machte nichts, schliesslich war es ein Spass-Rennen. Wir holten die Sättel wieder und versorgten Moon und Feline. Danach ging ich mit Bella in die Halle und mein Mann mit Sparrow ins Gelände. Ich arbeitete mit Bella an der Losgelassenheit und der Balance, dazu liess ich sie auch über Stangen traben. Um 9 Uhr abends lief ich dann erschöpft zum Haus zurück um das Abendessen zu geniessen. Danach schauten mein Mann und ich einen Horror-Film bevor wir um 11 Uhr nochmals zur Kontrolle durch die Stallgassen liefen. Alles war ruhig und viele Pferde schliefen schon. Pilot röchelte mir zu, als ich an seiner Box vorbei lief. Ich ging ein wenig zu ihm in die Box und kraulte ihn an der Stirn. Dann ging ich ins Bett, voller Vorfreude auf den nächsten Tag.

      Einmal waschen und schneiden bitte! 09.03.2013

      An diesem Morgen trommelte ich alle Lehrlinge und Stallhelfer pünktlich um 10:00 Uhr auf dem kleinen Platz in der Mitte des Hauptstallgebäudes zusammen. Zuvor hatten wir alle gemeinsam die Boxen ausgemistet, die Pferde gefüttert und auf die Weiden gebracht. Ich hob an: "Ihr wisst alle warum wir hier sind, oder?" Ein paar riefen freudig "Jaaa", andere hielten Scheren und Shampoo-Flaschen hoch. "Gut, dann lasst den Spass beginnen!" Wir liefen gemeinsam zu den Weiden der Mini-Pferden. Zuerst wurde allen Pferden Halfter und Strick angelegt. Anschliessend liefen alle gemeinsam mit den Pferden wieder hoch zum Hauptstall. Dort banden wir sie nebeneinander auf dem kleinen Platz in der Mitte an. Nun holte jemand einen Schlauch und alle nahmen sich etwas Seife aus der Waschbox. Chip schien schon zu ahnen worum es ging und versuchte am Strick Herren zu entkommen. Aber nichts da! Im nächsten Moment wurde sie auch schon nass. Alle Pferden wurden gründlich mit spezieller Pferde Seife eingegeben. Prinz zappelte die ganze Zeit, weil er kitzlig war. Daki war zu beschäftigt mit dem Sack Karotten, der neben der Waschbox lag, um sich über die Wascherei zu ärgern. Goldy hingegen genoss es sichtlich, denn das Einshamponieren war gleichzeitig auch eine Art Massage. Sie verzog genüsslich die Lippen und streckte sich. Arco nahm das Ganze gelassen hin, er blieb einfach cool stehen und genoss die warme Frühlingssonne. Diva schnüffelte mit Chip, die sich mittlerweile etwas beruhigt hatte. Nachdem wir das Shampoo wieder ausgewaschen hatten, wurden die Pferdchen trocken gerieben und die Hufe eingefettet. Als das Langhaar auch einigermassen trocken war, begannen wir daran rumzuschnippeln. Wir kürtzten es ordentlich und zupften auch ein wenig, damit es nicht ganz so wuschelig war. Prinz' Schweif war am schwierigsten zum stutzen, denn er war äusserst füllig und es war deshalb schwierig gerade abzuschneiden. Am Ende waren alle Pferdchen wieder trocken, ordentlich gekämmt und seidig. Besonders Divas rotes Fell fühlte sich ganz weich an. Sie hatten alle schon angefangen ihr Winterfell zu verlieren, also würde es wohl bald wieder schön warm werden. Als wir ein wenig aufgeräumt hatten, brachten wir die Minis zurück auf die Weiden und liessen sie für den restlichen Tag in ruhe. Wenigstens war es nicht mehr matschig, sodass sie nicht gleich wieder schmutzig wurden.

      Der Mini-Tag

      An diesem sonnigen Morgen wurde ich wie immer früh von meinem Mann geweckt, der unten in der Küche schon das Frühstück vorbereitete. Er hatte gerufen „ Das Spiegelei ist fertig! Wenn du nicht aufstehst wird es kalt.“ Ich sprang aber nicht sofort auf, sondern lauschte noch ein wenig den Geräuschen aus der Küche. Was hatte ich doch für ein Glück, dachte ich. Ein wundervoller grosser Hof, viele gute Pferde, ambitionierte und unkomplizierte Pfleger und einen gewissenhaften Mann, der mir am Morgen schon den Tag mit einem leckeren Frühstück versüsste. Schliesslich stand ich doch auf, denn ich konnte dem Geruch von gut gewürztem Spiegelei nicht länger wiederstehen. Fertig angezogen hüpfte ich wie immer die letzten Stufen der Treppe hinab und setzte mich an den Tisch. Als wir fertig gegessen hatten, warf ich einen Blick auf meinen Kalender. Heute war ich wiedermal ein Minipferdchen-Tag, stellte ich fest. Diesen besonderen Tag hatten wir zweimal im Monat eingeplant. Denn an so einem Tag unternahmen wir immer irgendwas Besonderes mit den Minis. Die anderen Pferde wurden zwar auch bewegt, aber im Vordergrund standen für einmal die ganz Kleinen. Ich spazierte gemütlich zu den Weiden, wo ich schon eifrig begrüsst wurde. Ein hohes Wiehern schallte mir von der vordersten Weide entgegen, wo Daki, Goldy und Chip schon neugierig warteten. Auf der Weide dahinter horchten nun auch Prinz und Arco auf. „Hey meine Süssen!“ rief ich erfreut. Die Minis waren etwas ungewöhnlich in ihrem Verhalten, denn meine kleine Gruppe bestand überwiegend aus neugierigen, schnell gelangweilten Individuen. Deshalb freuten sie sich auch jedes Mal riesig, wenn jemand an den Weiden vorbeilief. Sie kamen dann jeweils angaloppiert und streckten neugierig den Kopf über den Zaun. Zugegeben: ein wenig Verfressenheit wirkte da auch noch mit. Ich betrat die Weide und wurde sogleich von allen Seiten belagert. Aber ich machte ihnen schnell klar, dass ich es nicht sonderlich mochte, wenn man mir an den Ärmeln rumzog, denn das war völlig respektlos. Kopfschüttelnd murmelte ich „Ich muss mal ein ernstes Wörtchen mit Lisa und Lewis reden. Die beiden verwöhnen euch zu sehr.“ Ich lief zum Offenstall und schnappte mir ein paar Halfter, die an der einen Wand des Stalls ausser Reichweite der Minis angehängt waren. Dann halfterte ich nacheinander Daki, Goldy und Chip auf. Dabei fiel mir auf, dass sich Lady noch nickt hatte blicken lassen. Etwas besorgt band ich die Minis kurz am Zaun an und machte mich dann auf die Suche nach Lady. Doch es war keine Spur von ihr zu sehen. Ich wollte schon Ajith anrufen, den ich heute Morgen schon auf dem Weg zu den Weiden gesehen hatte, da hörte ich jemanden rufen. „Heeeey! Hier drüben!“ „Ja, ich seh sie! Schnell!“ Ich erkannte die Stimmen sofort und rannte zu den Tannen der Galoppbahn. Dort bot sich mir ein lachhaftes Schauspiel: Ajith und Lisa versuchten verzweifelt Lady zu fassen, die immer wieder unter den Tannen hindurch flitzte und knapp entkam. Gemeinsam schafften wir es dann, die kleine Dame einzufangen. „Warum war sie überhaupt hier draussen?“, wollte ich auf dem Weg zurück zu der Weide wissen. „Sie ist mir heute Morgen ausgebüxt als ich den Stall mistete. Ich hatte wohl das Tor nicht richtig geschlossen. Sie hat es geschafft, es aufzuschieben und hinauszuschlüpfen.“, erzählte Ajith, immer noch ausser Atem. Lisa meinte: „Ich kam dann wie immer vom Waldweg her dazu.“ Ich schmunzelte und meinte: „schon okay, kann jedem mal passieren.“ Wir schnappten je zwei Pferdchen; ich nahm Daki und Chip, Lisa nahm Goldy und Lady und Ajith schnappte sich die Halfter von Arco und Prinz. „Ich dachte mir, wir könnten zum Fluss, baden gehen.“ Die anderen nickten freudig. Wir spazierten also Richtung Osten auf dem Kiesweg zum Fluss. Als wir an der Rennbahn vorbei kamen, sah ich meinen Mann mit Paint trainieren. Die Lackschwarze Stute mit den Weissen Beinen und dem auffälligen Kopfabzeichen raste an uns vorbei und ein paar Grasstückchen spickten uns entgegen. Lisa starrte ihr beeindruckt hinterher. „Sie macht Fortschritte.“ Bemerkte Ajith mit seinem typischen indischen Akzent. Ich nickte, und beschloss später am Abend auch noch ein wenig mit Sunday zu üben.
      Wenig später liefen wir den kleinen Uferhang zum Fluss hinunter. Zuerst wollten die Pferdchen nicht wirklich ins Wasser, doch schliesslich brachten wir alle ins kühle Nass. Bald waren alle am Scharren, Schwimmen oder einfach nur Herumwaten. Ich hatte Goldy kurz Lisa überlassen, und war nun mit Daki am Schwimmen. Die Kleine hielt sich gut über Wasser, und ich musste auf ihre kleinen Hufe aufpassen, die schwungvoll das Wasser aufwirbelten. Es war lustig anzusehen, wie sie die Nüstern knapp über Wasser hielt, sodass auch ja kein Wasser hinein kam. Als wir schliesslich erschöpft aber glücklich zurück beim Ufer waren und die Minis schon wieder grasten, legten wir Menschen uns noch ein wenig ins Gras, um die Sonne zu geniessen. Prinz und Arco hatten wir an einem anderen Baum angebunden als die Stuten, da sie ja unkastriert waren. Besonders Prinz guckte immer wieder zu den verlockenden Damen hinüber, die da so seelenruhig im Schatten der Bäume grasten.
      Danach schnappten wir uns die Stricke wieder und liefen zurück auf den Hof. Zwischendurch joggten wir noch etwas, damit die Minis auch mal zum Traben kamen. Lady galoppierte sogar neben Lisa her. Die Mini-Stütchen durften den restlichen Tag noch auf den kleinen Grasbereichen zwischen Halle und Nebenstall verbringen, denn so sparten wir uns das Rasenmähen. Sie waren uneingezäunt, aber Ajith und Lewis, der nach dem Mittag auch noch gekommen war, behielten sie im Auge.

      Kleiner Wanderritt 02.10.2013

      Ich war gerade am Frühstück essen, als ein Spatz durch das Fenster hereingeflattert kam. Er war noch eher jung, konnte aber offensichtlich fliegen. Er flatterte wild in der Küche herum, umso mehr als ich versuchte ihn einzufangen, um ihn rauszubringen. Schliesslich gelang es mir, ein Küchentuch über den zierlichen Vogel zu werfen und ihn beim Fenster wieder fliegenzulassen. Nach dieser kleinen Abwechslung machte ich mich an die eigentliche Arbeit: Pferde trainieren. Ich half wie immer zuerst den Pflegern beim Füttern, dann schnappte ich mir Ronja und Muffin. Ich putzte und sattelte die beiden, denn ich wollte zusammen mit Quinn einen kleinen Wanderritt als Übung für Distanzritte machen. Wir nahmen gewöhnliche Vielseitigkeitssättel und beim einen befestigte ich Satteltaschen für die Karte, Proviant und Wasser. Anschliessend führte ich Muffin nach draussen und stieg auf, während Quinn das Selbe mit Ronja tat. Wir ritten los, vorbei an der grossen Halle und den Weiden, dann an der Rennbahn. Als wir die Galoppbahn gekreuzt hatten und an einem grossen Laubbaum vorbei ritten, umwehten uns ein paar gelbliche Blätter. "Nun ist der Herbst also wirklich hier.", stellte Quinn fest. Ich nickte. "Gestern sah ich bereits Kastanien an den Bäumen und die Äpfel bei Ms Tsubakis Stall sind auch schon reif." Wir ritten eine Weile ruhig weiter, dann bogen wir auf ein Feld ab. Ab und zu vergewisserte ich mich mit hilfe der Karte, dass wir noch auf dem rechten Pfad wandelten. Die meisten Wiesen hier waren weder eingezäunt, noch wurde hier angebaut. Lediglich an manchen Stellen um den Wald musste man eine Schaf- oder Kuhwiese durchqueren, die oftmals mit einfachen Steinmauern abgegrenzt waren. Ronja lief schön ruhig, kam aber nicht so leicht an den Zügel, wenn ich sie aufnahm. Ich liess sie heute aber sowieso eher in lockerer Anlehnung laufen. Wir trabten nun in Richtung Wald, dann auf einem Trampelpfad hindurch. Anschliessend ritten wir weiter in Richtung Fluss, überquerten diesen mittels einer Brücke und galoppierten dann ein Feld hinab. Insgesamt ritten wir eine grosse Runde und kamen schliesslich auch bei Ms Tsubakis Hof vorbei. Dort banden wir die beiden Pferde am Weidenzaun an und gaben ihnen ein wenig Wasser mit den Kübeln von der Weide. Wir durften das, denn Tsubaki war eine gute Freundin. Ich tätschelte Ronja zufrieden, dann lief ich zu Muffin und streichelte seine Stirn. "Wollen wir Tsubaki noch besuchen gehen oder lieber zurückreiten?", fragte ich Quinn. Sie sah in Richtung Sonne und meinte, dass wir besser weiter sollten. Ich nickte und band Ronja wieder los. "Wollen wir für den Restweg Pferde tauschen?", fragte ich. "Jap, why not.", kam die Antwort sogleich. Ich übernahm die Zügel von Graf und hielt Ronja noch kurz fest, damit Quinn gut aufsteigen konnte. Dann schwang ich mich selbst in den Sattel. Muffin war zum Reiten ganz anders als Ronja. Er versammelte sich fast von selbst und präsentierte sich stolz. Ab und an tänzelte er ein wenig, schien vor Energie zu zerbersten. "Der ist ja heute gut gelaunt", bemerkte ich zu Quinn gewannt. Sie murmelte etwas von wegen "wohl schonwieder zu viel Müsli gekriegt" und nickte. Wir genossen den restlichem Ritt in vollen Zügen. Wir pausierten noch einige Male, bis wir schliesslich Zuhause ankamen. Dort wurden wir schon freudig von den Mini Stuten empfangen, die mal wieder freilaufen durften (oder ausgebüxt waren). Wir verräumten Muffin und Ronja und gesellten uns dann zu den anderen Pflegern, die währenddessen ein paar Plastikstühle auf den Grasstreifen vor der vordersten Weide gebracht hatten. Wir tranken selbstgemachte Limonade und beobachteten dazu die Mini Hengste auf der hinteren Weide. Und natürlich liessen auch die Stütchen nicht lange auf sich warten. Kaum ein paar Minuten nachdem wir uns gesetzt hatten, kamen sie vom Nebenstall her angetrabt und bettelten nach Aufmerksamkeit. Goldy stiess mit ihrer feinen Oberlippe fast Lewis Glas um. Zum Glück konnte Quinn dies gerade noch verhindern. "Du hast gute Reflexe Kleine." bemerkte Lewis dankbar. Quinn wurde ein wenig rot und lächelte schüchtern. Ich wandte mich wieder den Minis zu. Die Hengstchen spielten ein wenig, jetzt da sie zu dritt waren, war deutlich mehr Bewegung in der Gruppe. Caress verfolgte Arco im Galopp, während Prinz ihm spielerisch in die Kruppe zu beissen versuchte. Die Stuten waren jetz vollkommen relaxt neben uns am grasen. Ich machte mit dem Handy ein Foto von Queenie und Chip, die Kopf an Kopf das saftige Gras zupften. Schon kam wieder Daki und versuchte an meinem Handy zu knabbern. Offensichtlich wollte sie beschäftigt werden. Also joggte ich mit ihr zum Hauptstall (sie lief mir ohne Seil hinterher), holte dort ein paar Karottenstückchen aus dem Schrank und machte wieder bei den Stühlen ein paar Übungen mit ihr. Die anderen sahen erst begeistert zu, dann sprang Rosie plötzlich auf und holte ebenfalls Karottenscheibchen. Bald darauf hatte sich fast jeder ein Mini geschnappt und trainierte das Kompliment, Absitzen, oder Abliegen. Daki arbeitete super mit und plumpste sofort ins kühle Gras, wenn ich "down" sagte und ihr auf den Rücken tippte. Auch Lady wa brav, hatte aber spätestens beim Steigen keine Lust mehr. Also liessen Jonas und Ajith, die zuvor mit ihr gearbeitet hatten, sie in Ruhe. Auch die anderen hörten nach fünfzehn Minuten auf und liessen die Pferdchen wieder grasen. Wir genossen den restlichen Abend draussen und gingen erst um halb elf nach Hause.

      Winterwunderland 25.01.2014

      Ich schnappte mir den Rucksack, einen Schal, die dicke Winterjacke, die Skihose, ein paar wollige Socken, wasserdichte Handschuhe, eine blaue Mütze und die warm gefütterten Schuhe, dann schlüpfte ich durch die Tür nach draussen. Es hatte so viel Schnee! Alles war weiss und wenn ich einen Schritt tat, sank ich sofort kniehoch im weissen Pulverwasser ein. Die Sonne schien, der Himmel war kitschig blau mit ein paar wenigen Federwolken. Alles war still, die Welt wie eingefroren. Ich stapfte durch die Schneedecke, Jack folgte hinter mir. Jacky hüpfte wie ein Häschen, sonst kam sie nicht voran. Ich hielt und klopfte auf meine Oberschenkel, sodass sie auf meine Schulter hochsprang. So trug ich sie bis zum Hauptstall, wo Lewis, Quinn, Lisa und Ajith bereits warteten. Wir holten uns alle einen Strick und liefen zu den Weiden wo die Minis schon warteten. Jeder schnappte sich ein Pferdchen, ich nahm natürlich meine Daki. Jack schnappte sich Caress, auf den er besonders stolz war, Lisa nahm Queeny mit ihrem Fohlen, Quinn nahm Chip, Ajith Goldy und Lewis nahm Arco. Ich klopfte kurz auf Daki's Rücken, sodass Jacky darauf sprang. Wir hatten das beim Klickern oft genug geübt, sodass die cremello Stute die Hündin auf ihrem Rücken duldete. Jacky machte auf mein Handzeichen hin Platz und wir setzten uns in Bewegung. Wir verliessen den Hof in Richtung Galoppwiese, was sich als mühsam erwies, aufgrund des Tiefschnees. Daki musste ordentlich stampfen und Jacky hatte Mühe, das Gleichgewicht zu halten. Auch die anderen Minis bevorzugten es, in den Spuren des Vordersten zu laufen. Und natürlich kamen auch die Pfleger ins Schwitzen. Schon nach kurzer Zeit öffnete ich den Reissverschluss meiner Jacke, da ich zu warm hatte. Wir wanderten, auf der Galoppwiese angekommen, durch den Schnee in Richtung Osten, bis wir den Pinienwald erreichten. Der Waldboden war kaum Schneebedeckt und man sah vielerlei Spuren von Kleintieren an den Stellen, an denen er doch etwas Weiss war. Wir tappten nun wieder nebeneinander durch das Unterholz und plapperten fröhlich. Jacky lief jetzt natürlich wieder selber. Die Minis schienen entspannt und alle Ohrenpaare waren nach vorne gerichtet. Ab und zu versuchte Chip nach einem kargen Gebüsch oder so zu schnappen. Jacky bellte sie dann jeweils an, worauf die Stute eine leicht mürrische Mimik auflegte. Bald kamen wir zu einer kleinen Feuerstelle mit selbst gebauten Bänken. Ich packte eine Kanne Tee aus meinem Rucksack und begann, allen etwas in die mitgebrachten Becher einzuschenken. Quinn und Lewis machten in der Zwischenzeit die Feuerstelle bereit zum anzünden. Die Minis hatten wir an den Bäumen rundherum angebunden. Ich stand, als ich mit dem Tee fertig war, auf und brachte ihnen ein paar der kleinen Äpfel, die Quinns Familie uns gesponsert hatte. Sie besassen nämlich selber einen bescheidenen Bauernhof mit Kühen und Schafen und einigen uralten Apfelbäumen. Da die Äpfel zu klein für den Verkauf waren, bekamen wir sie gratis, solange wir sie selber pflückten. Die Minis zermatschten die Äpfel genüsslich und ich ging zurück an meinen Platz, wobei Jacky gleich an getrottet kam und auf meinen Schoss wollte. Ich kraulte mit der einen Hand ihr Ohr, während ich mit der anderen den Tee hielt. Es war Waldbeer Tee. Als es genügend Glut hatte, brätelten wir. Chip kam angelaufen (die Stricke waren lang) und wollte etwas von meinem Brot haben, ich gab ihr aber nur einen Kuss auf die frechen, kleinen Nüstern. "Du hattest deinen Apfel, Madame." Sie ging erfolglos weiter zu Lisa. Jacky döste auf meinem Schoss, denn die junge Hündin war müde vom balancieren. Etwa eine halbe Stunde später machten wir eine Schneeballschlacht am gegenüberliegenden Waldrand. Dann kehrten wir aber in Richtung Stall zurück, da wir alle müde und durchnässt waren. Die Minis genossen das trockene Heu im Offenstall.

      Ausritt mit Anubis, Burggraf und Donut 08.03.2014

      „Occu? Hey Occu!“ Die Stimme von Lisa riss mich aus meinen Gedanken. Ich war gerade dabei, den Rennsattel von Spot zu putzen, als die aufgedrehte Pflegerin hereingestürmt kam. „Wow wow wow, was ist denn mit dir los?“, fragte ich lachend. Sie räusperte sich, dann trällerte sie in übertrieben hoher Stimme: „Jonas fragt, ob du mit uns ausreiten kommst!“ Im Hintergrund hörte ich ein Geräusch und Sekunden später tauchte Jonas verlegen im Türrahmen auf. „Nunja, falls du Zeit hast natürlich. Muffin, Donut und Anu brauchen mal wieder Auslauf.“ Ich überlegte kurz und ging im Geiste meinen Tagesplan durch, ehe ich zufrieden nickte und den Schwamm weglegte. „Ich denke, das dürfte noch reinpassen, wir haben ja nicht gleich 3 Stunden oder?“, meinte ich in herausforderndem Tonfall. Die beiden nickten eifrig und Lisa überflutete mich gleich mit Fragen. „Welchen der drei nimmst du? Welchen Sattel willst du? Oder sogar ohne Sattel? Und Schabracke? Wollen wir bis zum Ende der Galoppwiese oder noch weiter oder in die andere Richtung? Sollen wir nochwartenmitputzenjetztbleibdoch hiiieeer!“ Ich war bereits am Putzzeug holen, nämlich das von Donut. Jonas grinste belustigt und schnappte sich das Halfter von Muffin, so blieb für Lisa nur noch Anu übrig. Wir liefen ‚Somewhere Over the Rainbow‘-summend zu den dreien. Ich band Donut direkt hinter Muffin an, Anu stand weiter vorne. Immer noch vor mich hin pfeifend begann ich, den Rappen durchzubürsten. Zuerst mit dem Striegel, dann mit der groben und schliesslich mit der weichen Bürste. Als ich auch die Hufe und das Langhaar geputzt hatte, holte ich den Sattel und die Trense. Donut machte beim Zäumen einen ganz runden Hals und suchte das Gebiss regelrecht. Auch Anubis liess sich ohne weiteres aufzäumen, Muffin sträubte sich jedoch zuerst ein bisschen, indem er den Kopf hochstreckte. Mit seiner üblichen Geduld schaffte es Jonas trotzdem, den Hengst zum Maul-Öffnen zu bewegen. Ich beobachtete, wie er ihm lobend auf die Schulter klopfte, kaum war das Nackenstück über die Ohren gestreift. „Seid ihr fertig?“, fragte ich rasch, um meinen leeren Blick zu begründen. Beide waren so weit, also liefen wir nacheinander aus dem Stall auf den kleinen Platz im Innenhof des Hauptstalls. Dort stiegen wir wie immer auf und gurteten nochmal nach, dann ritten wir los in Richtung Fluss. Ich hörte eines der Minipferdchen wiehern als wir in die Nähe der Weiden kamen. „Ist denen etwa schon wieder langweilig? Die durften doch erst heute Morgen auf dem Platz mit den Kindern spielen.“, bemerkte ich belustigt. „Mit den Kindern spielen – das ist der richtige Ausdruck!“, lachte Jonas. Lisa begann nach ein paar Minuten der Stille eifrig von ihren Erlebnissen als Trainerin zu erzählen. Jonas und ich sahen uns gleichzeitig an und rollten mit den Augen, um gleich darauf in Lachen auszubrechen. Lisa schwatzte währenddessen munter weiter, als hätte sie es nicht bemerkt, vielleicht hatte sie das ja tatsächlich nicht. Nach dem Fluss bogen wir rechts ein wenig ins Feld und galoppierten an. Es entwickelte sich ein kleines Rennen, bei dem Donut und ich anfangs vorne lagen, jedoch schnell eingeholt wurden durch den temperamentvollen Araber Anubis. Uns blieb auch nicht erspart, dass Muffin aufholte und an uns vorbeizog. „Macht nix mein dicker, die haben nen Vorteil.“, murmelte ich dem Ponyhengst ins Ohr. Am Waldrand bremsten wir wieder in den Trab, dann ritten wir südwärts und schliesslich in einer grossen Schlaufe zurück zum Hof. Dabei mussten wir den Fluss nochmals überqueren, diesmal bei einer Betonbrücke, die Muffin nicht geheuer war. Ich ritt extra nahe vor den beiden, damit Muffin sich anhängen konnte und es klappte; wir schafften es beim dritten Versuch doch noch. Muffin tänzelte zwar auf dem ganzen Weg darüber, aber er blieb bei uns. Da er sich auch auf dem restlichen Rückweg nicht wirklich beruhigte, gab mir Jonas seine Gerte, in der Hoffnung, dass er so etwas ruhiger werden würde. Es klappte leider nicht wirklich, aber Jonas nahm dafür bei unserer Wiederankunft noch ein paar Sprünge auf dem Platz. So konnte er den Achal Tekkiner noch etwas auspowern. Wir verräumten die Pferde in ihre Boxen und liefen anschliessend zu den Mini-Weiden. Ich öffnete das Zauntor und schon kamen die Stütchen angerannt. „Heyy Daki, halllooo, Chip lass das! Ach Queenie das kann man nicht fressen, au!“ Goldy, mit ihrem goldenen Charakter, war die einzige, die nicht versuchte, mich irgendwie zu beknabbern oder meine Schuhbändel aufzumachen. Dann war der Spuk auch wieder vorbei, denn Daki hatte wohl eine Stelle mit etwas frischem Gras unter dem Schnee entdeckt. Sie lief davon und alle anderen folgten ihr eifrig. Jonas schüttelte lachend den Kopf, denn die Hengstchen hatten so gar nicht Freude daran, dass sich ‚ihre‘ Stütchen vom Zaun entfernten. Arco und Caress standen beide mit gespitzten Ohren und geblähten Nüstern da, Arco trug ausserdem den Schweif elegant aufgestellt. In solcher Pose sah er richtig edel aus, fast wie ein zu klein geratener Araber. Plötzlich flitzte etwas Weisses an mir vorbei. Ich drehte mich erstaunt und entdeckte Kiwi, die in Richtung Lewis trabte, der vom Nebenstall her angelaufen kam. Die Kleine hatte sich gut gemacht, sie war kräftig geworden und hatte wolliges Babyfell. Lewis streichelte sie zur Begrüssung wie man es bei einem kleinen Hund getan hätte, und Kiwi verhielt sich auch nicht viel anders als ein solcher. Sie trottete Lewis hinterher, sogar als er weg von den anderen Minis zur Halle lief. Ich rief ihm noch hinterher, dass er auf die Kleine aufpassen solle. „Achja, Lisa, heute kommt noch ein neuer Pflegling für dich an. Eine Ministute namens Alufolie. Wir haben sie…“ Ich wurde durch Jonas‘ Gelächter unterbrochen. „Alufolie? Echt jetzt?“ „Ja, ihr Vater heisst Klofolie.“ Nun lachten wir alle herzhaft, denn die Namen waren nun wirklich etwas… seltsam. Doch nichts desto trotz mussten wir die Stute empfangen, weshalb wir pünktlich um sieben Uhr auf dem Parkplatz standen. Dort wurde sie nun rückwärts herausgeführt, unsere Alu. Der Name war schnell vergessen als wir die toll gefärbte Stute sahen. Ihre Kruppe war komplett weiss gesprenkelt und sie hatte einen ausgezeichneten Körperbau, daher war sie ja auch gekrönt worden. Wir bedankten uns beim Fahrer und führten die Stute erstmal alleine in den Offenstall, die anderen waren ja noch daran, den Hof unsicher zu machen und so konnte sie sich in Ruhe eingewöhnen. Sie machte sich auch gleich daran, mit den überaus neugierigen Hengstchen zu quietschen.

      Ein lustiger Ausflug 15.04.2014

      Über mir zwitscherte eine Blaumeise, träge hob ich den Kopf und blickte zu ihr empor. Ich lag unter dem grossen Laubbaum auf der Hengstfohlen Weide und genoss die kühle Brise, die mir die Haare zerzauste. Am Himmel waren bereits dunkle Wolken zu sehen, es würde wohl bald anfangen zu gewittern. Ganz in der Nähe graste eine kleine Gruppe von Fohlen, die Hengstchen. Sie interessierten sich nicht mehr sonderlich für mich, zu lange lag ich schon hier und beobachtete sie. Am Anfang waren sie jedoch die ganze Zeit gekommen und hatten an meinen Wanderschuhen geknabbert. Neben mir verlief eine dicke Wurzel durch den mit Rindenstückchen gespickten, nur spärlich bewachsenen Boden. Ich fuhr gedankenverloren mit den Fingern darüber, als wäre es der Arm von jemandem. Dann richtete ich mir so plötzlich auf, dass selbst die Fohlen zusammenzuckten. Da war doch was, jemand hat nach mir gerufen – dachte ich mir, und sah mich verwirrt um. Jonas kam vom Nebenstall her angerannt. „Occu! Occu, die Minihengstchen sind ausgebüxt!“ Na toll – dachte ich mir. Die Hengstchen durften zwar auch ab und zu frei auf dem Hof herumlaufen, so wie die Stuten, doch leider musste man sie ständig im Auge behalten, weil sie doch ab und an etwas weiter vom Hof weg wollten. Die Stuten hingegen bleiben immer da, wo es etwas zu fressen gab: Zuhause. Ich sprang auf, wischte mir kurz die Erdklümpchen von den Hosen und lief zum Weidentor. Jonas hielt es mir bereits auf, sodass ich nur hindurch zu schlüpfen brauchte. „In welche Richtung sind sie gelaufen?“, fragte ich schnellen Schrittes. „Das weiss niemand so genau; die Pfleger waren beschäftigt mit dem Füttern im Hauptstall und als sie zurück kamen waren die Hengstchen verschwunden. Auf dem Hof sind sie jedenfalls nicht mehr, wir haben überall gesucht.“ Ich rollte mit den Augen. Die Schuldigen wurden natürlich mal wieder geschützt, ‚die Pfleger‘ waren es, keine Personen mit Namen. Aber ich schwieg und schnappte mir, wie ich es in so einer Situation immer tat, den Sattel von Moon aus der Sattelkammer. Die Stute und ich waren ein eingespieltes Team, ich konnte ihr blind vertrauen und sie auch mir. Ausserdem hofften wir, die beiden Hengstchen mit zwei Stuten anzulocken. Jonas nahm Gini, die zwar noch recht neu auf dem Hof war, aber sich bisher sehr musterhaft benommen hatte und sich sehr fein lenken liess. Wir sattelten die beiden Stuten und zäumten sie mit ihrem Bosal; wir ritten die Criollos fast nur mit gebisslos. Dann trabten wir, mit Halftern und Stricken bewaffnet, ohne grosses Aufwärmen den Kiesweg in Richtung Fluss entlang, denn die beiden waren den ganzen Morgen über auf der Weide gewesen. Bei einer kleinen Waldinsel gleich am Flussufer machten wir halt und überblickten das Gelände um uns herum. Hier waren die Hengstchen schon einmal auf einem Fluchtversuch vorbeigekommen, deshalb hatten wir beschlossen, hier zuerst zu suchen. Und tatsächlich: etwas weiter vorne beim Ufer, durch das Gestrüpp gerade noch erkennbar, zeichneten sich die Silhouetten von zwei kleinen Pferdchen ab. Ich gab Jonas ein Handzeichen, dass er einen Bogen machen solle, sodass wir sie in Richtung Ufer einkesseln konnten. Durch das Wasser würden sie nicht fliehen – hoffte ich zumindest. Zunächst bestätigte sich dies auch, die beiden hoben die Köpfe und spitzten die Ohren (Lenny sah mit seiner langen Mähne fast aus wie ein Wildpferd). Doch dann schien der temperamentvolle Lenny förmlich einen Entschluss zu fassen, drehte sich gegen das Wasser und trabte mitten in die schwache Strömung. Er suchte sich seinen Weg auf einer Sandbank, die sich, wie ich jetzt erst begriff, geradewegs bis zu der Grossen Flussinsel durchzog. Wenige Augenblicke später kletterte der Hengst auf der anderen Seite aus dem Wasser und schüttelte sich. Als würde er uns auslachen, positionierte er sich auf einer mit Gras bewachsenen Uferstelle und gähnte entspannt, ehe er den Kopf zum fressen senkte. Ich konnte es noch immer nicht fassen und achtete nicht auf Arco, der hin und hergerissen zu Lenny starrte. Jonas versuchte mich noch zu warnen, doch da war es auch schon zu spät. Arco hatte ebenfalls einen Hüpfer ins kalte Nass gemacht und stampfte zur Insel. Zu allem Überfluss begann es jetzt auch noch zu regnen. „Na wenigstens sind sie jetzt auf der Insel, dort können wir sie leicht fangen. Kanntest du die Stelle vorher?“ meinte Jonas zu mir. „Nein, mir ist es nie aufgefallen… Aber die müssen wir uns merken, im Sommer können wir so zur Insel gehen und baden!“ antwortete ich begeistert. Insgeheim war ich stolz auf Lenny, der diesen Weg entdeckt hatte. Sonst gab es keinen Weg zur Insel, ausser man schwamm quer durch den Fluss. Nach kurzem Zögern überzeugte ich Moon, ebenfalls hindurch zu waten. Jonas und Gini folgten uns. Auf der Insel angekommen blieb ich mit Moon beim Ufer stehen, um den einzigen Fluchtweg zu versperren. Unterdessen machte sich Jonas daran, die Minis einzufangen. Er stieg ab und band Gini mit dem dritten Bosal-Zügel an den tief hängenden Ast eines Baumes. Dann lief er seitlich auf Arco zu, der sich dank seines gutmütigen Charakters auch gleich berühren und auf halftern liess. Ich beobachtete Jonas gespannt, als er auf Lenny zuging. Lenny sah ihn zuerst misstrauisch an, doch beschloss nach einem kurzen hin und her anscheinend, dass das Weglaufen zwecklos war. Jonas kam grinsend mit den beiden im Schlepptau zurück. Mittlerweile schüttete es wie aus Eimern und wir waren schon völlig durchnässt. Ich Lächelte ihm etwas schief entgegen und ritt auf ihn zu um ihm Arco abzunehmen. Dann wendete ich Moon geschickt und wir wateten zurück durch das Wasser ans andere Ufer.
      Wieder auf dem Hof brachten wir die Minis auf die Weide zurück und versorgten dann Moon und Gini. Dann rannten wir lachend zum Haus und trockneten uns gegenseitig mit frischen Frottiertüchern. Er stupste mich immer wieder an die Nase und ich stupste zurück, eine alte Spielerei bei uns beiden. Als nächstes machten wir uns für die Ankunft von zwei neuen Fohlen bereit, ein kleiner Isländer und ein Vollblutfohlen aus berühmter Zucht. Beide waren eingeflogen worden und vermutlich ziemlich gestresst und müde, daher musste bei ihrer Ankunft alles reibungslos verlaufen. Wir bereiteten zwei Boxen im Hauptstall vor, dort sollten sie sich erstmal einen Tag lang erholen, ehe sie zu den anderen Fohlen kamen. Gerade als wir fertig waren, kam ein Transporter auf dem Parkplatz an. Mittlerweile regnete es schon nicht mehr ganz so stark. Lewis, Lisa, Jonas und ich liefen ihm mit Regenjacken ausgerüstet entgegen und begrüssten den Fahrer. Es war Hans, der nette Bauer der unsere Neuankömmlinge jeweils am Flughafen abholte. Er wurde natürlich gleich zu einem Tee im Haus eingeladen, doch zuerst wollten wir die Fohlen versorgen. Wir öffneten die Klappe. Dies war jedes Mal wieder ein Moment der Spannung, denn man war immer neugierig, was sich in dem Transporter nun verbarg. Schnell wurde klar, dass die beiden Fohlen bei bester Gesundheit waren und uns aufmerksam entgegen schielten. Herkir, der Isländer, war schon ziemlich gross und fast bereit zum Einreiten. Alysheba hingegen war erst ein Jährling und noch sehr schlaksig. Lewis und ich führten beide rückwärts raus, was sie gut meisterten, und brachten sie dann ganz ruhig in den Hauptstall. Natürlich gab es seitens Alysheba ein mächtiges Gewieher, schliesslich wollte er auf sich aufmerksam machen und herausfinden, ob hier irgendwo vielleicht noch andere Fohlen waren. Auch in der Box drehte sich der Junghengst noch aufgeregt, anstatt wie Herkir das Heu zu fressen. Er sah sehr edel aus, trotz seines unfertigen Körperbaus. Herki sah mit seiner Wuschelmähne schon wie ein richtiger Isländer aus. Allerdings war er eher etwas zurückhaltend, fast schon scheu. Vermutlich weil er recht lange einfach auf einer Weide gestanden war. Nun war Hans aber dran, wir waren bereits wieder im Haus und hatten für alle Anwesenden Tassen bereitgestellt. “Aaand? How does business go?“, fragte Hans nach einer kurzen Pause. “Very well indeed, we’re certainly not unlucky. We’ve got several really good horses here and we won lots of competitions since we have this Stable.”, antwortete ich gelassen. Jack kam die Treppe runter und begrüsste Hans, dann schnappte auch er sich einen Stuhl und setzte sich. Wir plauderten etwas über den Hof und über englische Traditionen, bis hin zu militärischen Einsätzen der Pferde im ersten Weltkrieg. Es war äusserst interessant Hans zuzuhören, der noch viel von seinem Vater wusste. Schliesslich war es Zeit, sich zu verabschieden, denn wir mussten um halb sieben noch ein neues Pferd am Flughafen empfangen – Horror Kid. Die Araberstute war wohl manchmal sehr schwer im Umgang, weshalb wir sie lieber selber holen wollten. Eine Stunde später standen Jonas, Jack, Quinn und ich immer noch auf dem Flughafenparkplatz und warteten auf ihre Landung. Der Flug hatte anscheinend Verspätung, wenigstens regnete es jetzt nicht mehr. Es lag noch immer ein Geruch nach nassem Asphalt in der Luft. Quinn langweilte sich sichtlich, auch wenn sie es nicht zugab. Sie spielte die ganze Zeit über mit einer ihrer gelockten Haarsträhnen herum. Jonas und Jack waren im Gespräch über ein kommendes Qualifikationsrennen. Ich stand einfach nur daneben und genoss den Sonnenuntergang. Plötzlich kamen uns ein paar Flughafenhelfer mit einem rot leuchtenden Fuchs entgegen. Dies war unsere Araberstute! Im Licht der untergehenden Sonne glänzte ihr Fell überirdisch schön. Den edlen Kopf hatte sie nach oben geworfen und die Nüstern waren weit gebläht. Ihre lange, feurige Mähne und der buschige Schweif umwehten den dünnen, gebogenen Hals und die Sprunggelenke. Ich übernahm ehrfürchtig den Strick als sie bei uns ankamen und führte die Stute vorsichtig in den Transporter. Sie blieb zuerst unwillig stehen und sträubte sich mit ihrem ganzen Gewicht. Auch nach weiteren Versuchen glückte das Unterfangen nicht; Horror war noch immer nicht in den Anhänger gestiegen. Jonas und Quinn versuchten mit einer Longe nachzuhelfen, während Jack und ich sie lockten. Doch alles half nicht – nach einer halben Stunde stand die Stute noch immer draussen. Keuchend rieb ich mir die Stirn und dachte nach. Jedes mal wenn wir Horror in Richtung Rampe zogen, machte sie einige Schritte rückwärts. Mir kam plötzlich eine Idee: Ich testete, ob sich die Stute auch einfach so rückwärtsrichten liess. Sie spielte mit und trat brav zurück. Also drehte ich sie mit dem Hinterteil in Richtung Rampe und liess sie abermals rückwärts laufen. Es klappte, Schritt für Schritt lief sie die Rampe hoch. Dabei achtete ich darauf, dass sie nicht nach hinten schauen konnte. Schliesslich konnten wir nach hause fahren und die Stute in ihr neues Reich führen. Das Abendessen mit dem köstlichen Fruchtsalat danach hatten wir uns alle reichlich verdient.
      Jual, 06.07.2014

      Ankunft Falona, Golden Sunset und Calimero

      Seit der Eröffnung meines Hofes vor gut einem Jahr lief alles wunderbar. Die Pferde entwickelten sich prächtig, mein Ausbildungshof boomte. Nun fehlten mir nur noch ein paar Lewitzer.
      Dies sollte sich bald schon ändern, da ich kurz nach Caillous Krönung eine wunderbare Welsh B Stute von ihm decken lassen. Calimero war ohne Komplikationen zur Welt gekommen und ich wartete nun nur noch darauf, dass er bald alt genug ist, ihn von seiner Mutter zu trennen.
      In der Zwischenzeit zogen die Trakehnerstute Falona und die American Miniature Horse Stute Golden Sunset bei mir ein. Die beiden kamen kurz nacheinander und verstanden sich prächtig. Sie sollten nun auf den Wiesen bleiben, bis sie beide alt genug werden, um geritten beziehungsweise gefahren zu werden. Die Monate strichen ins Lande und nun war es kurz vor der Ankunft Calimeros. Am morgen ritt ich noch Donatella.
      Ich holte die Stute von der Weide, band sie an und begann meine Stute zu putzen. Sie und Fiorina hatten sich hervorragend eingelebt. Nachdem ihr Fell glänzte, sattelte ich sie und ging zum Platz.
      Ich ritt sie eine dreiviertel Stunde und ging dann noch etwas ins Gelände. Dona war sehr brav – anders kannte ich sie gar nicht. Gegen vierzehn Uhr sollte Calimero kommen und ich war gegen halb zwei wieder am Stall. Dona brachte ich auf die Weide. Die restliche Wartezeit überbrückte ich damit, die Weide abzuäppeln.
      Dann endlich kam der Transporter. Ich ließ alles stehen und liegen und ging schnellen Schrittes hin. Gemeinsam mit dem Fahrer lud ich den kleinen Mix aus, welcher sich lautstark ankündigte. Calimero kam zu den Stuten auf die Weide, ich bedankte mit beim Fahrer und sah meinem kleinen Hengst nun beim toben zu.
      © Jual
    • Occulta
      Saturday Night

      "Vollmond. Definitiv." Ich schüttelte müde den Kopf, als Reaktion auf eine von Spots Hüpfereien. Der Hengst war heute richtig mühsam; erschrak andauernd vor irgendwelchen Kleinigkeiten und buckelte, anstatt seine Energie für die Galopparbeit einzusetzen. Wenigstens erging es Quinn neben mir mit Fly nicht besser. Der sensible Vollblüter hätte sie beinahe von seinem Rücken befördert, als Katze Sushi aus dem Gebüsch geschossen kam. Spot mochte die Katzen, daher hatte es ihn recht wenig interessiert. (Die Kazen schliefen sogar hin und wieder auf seinem Rücken, wobei sie über die oberen Ränder der Boxen balancierten, um dann geschickt auf seiner Kruppe zu landen. Dieses Spektakel hatten wir Lewis zu verdanken, der den kleinen Miezen jeden Unsinn beibrachte.) Zugegebenermassen war es niedlich zuzusehen, wie Spot an der Katze schnüffelte, die Nüstern in ihr weiches, halblanges Fell drückte und die Ohren spitzte. Die Katze nahm dies vollkommen gelassen, legte jedoch die Ohren platt wenn es ihr zu viel wurde.

      Wir arbeiteten eine halbe Stunde intensiv mit kleinen Sprintgalopps und trabten danach Seite an Seite um die Gehorsamkeit zu schulen. Die Pferde mussten ihr Tempo angleichen und auf gleicher Höhe bleiben. Es klappte ganz gut, trotz der angespannten Atmosphäre. Nach dem abkühlen im entspannten Schritt, bei dem wir insbesondere die immergrünen Nadeln der Tannen von weitaus kürzerer Distanz hatten betrachten durften, als dies angenehm üblich gewesen wäre, und uns auch ausserordentliche Grasstudien nicht verwehrt geblieben waren, brachten wir die Vollblüter in den Stall, um sie königlich zu versorgen. Sie bekamen ihr wohlverdientes Heu, ihre weiche Fleece-Decke und hübsch eingefettete Hufe. Ich schwang die schwarze Standard Abschwitzdecke über Spots Wiederrist und bewunderte einmal mehr die ausgebildeten Schultermuskeln beim zuknüpfen. Ein letztes Mal strich ich über die seidige Halspartie, beendete die Bewegung in einem freundschaftlichen Klaps und verliess dann das Territorium des Vollblüters. Auch Quinn kam mir bereits entgegen, sich mit dem Arm symbolisch über die Stirn wischend. "So what are we gonna do now?" Anstelle einer Antwort bedeutete ich ihr mit dem Zeigefinger und einem gespielt bedrohlichen Blick, mir zu folgen. Ich führte Quinn zu den Weiden und schliesslich in den Offenstall der Mini-Stuten. Dort schnappte ich mir zwei der schwarzen Halfter und gab Quinn das eine. "Take a pony, we're gonna have a bit fun." Belustigt über meinen Tonfall sah sie mich an und lief dann zu Goldy. Ich dachte ebenfalls kurz nach und entschied mich für Lady Diva. Sie sahen beide etwas zerzaust aus, aber wir werden sie später noch schick machen, beschloss ich im Stillen. Wir liefen mit den beiden Pferdchen zum gepflegten englischen Rasen neben dem Haus, eben dort wo wir letztens die gekörten Hengste des Nebenstalls für ein Fotoshooting aufgestellt hatten. Die kleinen Hufe konnten dem Gras nicht viel anhaben und der Untergrund war schön weich, optimal für Zirkuslektionen. Ich begann damit, mit Lady am langen Seil zwischen den Büschen hindurch Slalom zu joggen. Quinn tat es mir in die andere Richtung gleich. Nachdem wir auch einen (aufgrund meiner Ausdauer) nur kurzen Galopp nicht verschmäht hatten, hielt ich im Schatten des Kirschbaumes und nahm Ladys Vorderbein, um es nach vorne zu ziehen. Sie gab es willig und zog es auch nach einigen Sekunden nicht zurück. So weit, so gut - dachte ich und liess das Bein los, bedeutete ihr aber durch Anstupsen der Schulter, es weiterhin vorzustrecken. Es klappte, sie hielt das Bein vor und bekam ein Karottenscheibchen. Nun wollte ich sehen, ob sie das Kompliment noch beherrschte. Ich gab ihr die Stimmhilfen und das entsprechende Touchier Zeichen an der Brust, worauf sie so rasch reagierte, dass sie beinahe hingefallen wäre. "Abliegen kommt erst später", murmelte ich lachend. Ein Blick in Richtung Sunny verriet mir, dass es bei ihr nicht ganz so eifrig lief. Quinn gab sich alle Mühe, doch die Stute wolle nicht auf den Knien bleiben. Immer wieder lief sie rückwärts. Ich legte Divas Seil auf den Boden und eilte zu Hilfe. Vorsichtig nahm ich das linke Vorderbein der Stute und zog es sanft nach hinten, während Quinn die Hilfen gab und Sunny lobte. Wir übten dies einige Male, ehe wir zufrieden waren und Goldy in Ruhe liessen. Ich wandte mich wieder Diva zu, die friedlich am Gras zupfen war und sich nicht weit wegbewegt hatte. Spielerisch hüpfte ich auf sie zu und warf die Arme hoch, sodass sie den Kopf hochriss und stieg. "How many tricks does she know?", fragte Quinn mit leicht neidischem Unterton. Ich grinste nur und warf einen Blick auf die Uhr an meinem Handgelenk. Dann liess ich Lady Diva abliegen, setzte mich neben sie und legte den Kopf auf ihren Bauch, als wäre sie ein übergrosses Kopfkissen. Es war durchaus bequem; Lady konnte weiterfressen während ich sie halbwegs umarmend kraulte. Auch Goldy konnte schliesslich zum Abliegen gebracht werden, sie wirkte dabei jedoch noch deutlich unbehaglicher als Diva.

      Nach zehn Minuten hatte sogar Lady genug und versuchte mir in den Arm zu zwicken, weil sie aufstehen wollte. Ich strafte dies zärtliche einklemmen meiner Haut nicht, schliesslich war ich die gewesen, die sie genervt hatte. Um ihr dennoch zu zeigen, dass sie besser nicht zu ungehobelt mit ihrem Chef werden sollte, schickte ich sie einige Schritte rückwärts, sobald sie sich aufgerappelt hatte. Wir begaben uns zurück zu den Weiden. Dort angekommen hängte ich das Seil aus, öffnete das Zaun Tor der Mini-Stuten-Weide und gewährte der ganzen Herde ein wenig Freilauf. Alufolie, die Älteste der Stütchen und gegenwärtige Leitstute, drängelte sich zuerst durch die Öffnung und begrüsste Goldy und Diva mit einem kurzen Schnüffeln. Als sie sicher war, dass ihr alle Herdenmitglieder hinausgefolgt waren, lief sie zügigen Schrittes den Weg hinauf zum breiteren Kiesweg. Bei einem kleinen Baum am Wegrand stoppte sie, senkte den Kopf und begann, das saftige Gras zu bearbeiten. Ich warf einen Blick zu den Hengstchen und beschloss, kurz Arco kraulen zu gehen. Er kam sofort an getrottet und beschnüffelte mich, während ich kraulte. Auch Lenny wollte seine Schmuseeinheit nicht missen. Die Tränken sahen sauber aus, die Boxen ebenfalls – die Offenstallverantwortlichen erledigten ihren Job also trotz des Events gewissenhaft. Quinn und ich waren der bescheidenen Herde gefolgt, als würden wir dazugehören. Wir hatten tatsächlich gerade nichts Besseres zu tun, und das trotz der beinahe 70 Pferde, die auf dem Gestüt lebten. Der Grund dafür war, dass es genug Pfleger auf Pineforest Stable gab. In den letzten Monaten hatten wir insgesamt sechs neue Angestellte eingearbeitet, sodass nun drei Pfleger für die Offenställe (einer davon speziell für die Fohlen) verantwortlich waren und die restlichen jeweils drei oder vier feste Pfleglinge hatten. Mittels eines Monatsplans wurde hierbei immer etwas abgewechselt, sodass es Pferden und Pflegern nicht langweilig wurde. Elliot hatte das Aufstellen und Verwalten des Plans freiwillig und begeistert übernommen. Jeder Pfleger musste so zwar sieben Tage in der Woche für ‚seine‘ Pferde da sein, wenn er die tägliche Arbeit mit ihnen aber rasch und gründlich erledigte hatte er viel Freizeit dazwischen. Zudem hatten die Pferde immer sonntags Ruhetag, ausser wenn an diesem Tag Rennen oder Turniere stattfanden. Quinn hatte Paint und Kierka schon am Morgen bewegt, Fly eben noch mit mir zusammen. Sie hatte jetzt bis zur nächsten Fütterung nichts mehr zu tun, denn die Boxen waren auch schon sauber.
      Gerade wollten wir uns wieder in den Hauptstall verkrümeln, da hob Alu den Kopf und trottete langsam hinter uns her – woraufhin die ganze Gruppe natürlich folgte. Ich drehte mich zu der Stute um und kraulte ihr die Stirn unter dem flauschigen Schopf. “So you want to come with us? Okay then, let‘s discover the world!“, rief ich lachend. Quinn und ich waren uns einig und so liefen wir voran in Richtung Geländeparcours, die Minis hinter uns her lockend. Kiwi hatte etwas Mühe mitzuhalten, denn die kleine Stute liess sich dauernd ablenken und blieb stehen, doch Queenie zwickte ihrem Fohlen immer mahnend in die Kruppe, sodass sie nicht verloren ging. Narnia und Papillon hatten sich seit ihrer Ankunft sehr aneinander gehängt, die beiden konnte man fast immer zusammen beobachten. Chip drängte sich ab und zu wieder zu Alu vor um sie in Frage zu stellen. Die junge Stute war sehr dominant und aufmüpfig, doch Alu liess keine Diskussionen zu. Daki lief direkt hinter mir, sie war immer schon besonders anhänglich gewesen. Als wir die Rennbahn überqueren wollten, schrie uns plötzlich jemand von den Startboxen her entgegen. Ich erkannte Oliver, der mit fuchtelnden Armen und tief rotem Kopf auf uns zu stampfte. Ich zuckte zusammen und half Quinn rasch die Minis auf die andere Seite der Bahn zu scheuchen, denn Thomas und Lily standen mit Sunday und Light in den Startboxen und hatten eigentlich gerade trainieren wollen. „Sorry Ollie!“, rief ich peinlich berührt quer über die Bahn und schob Chip die letzten Zentimeter zu den anderen. Ich hatte ganz vergessen, dass es schon sechs Uhr war. Quinn und ich sahen uns einen Moment schweigend an, ehe wir in lautes Gelächter ausbrachen und uns ins Gras fallen liessen. Die Minis verteilten sich um den grossen Baumstamm mit den Büschen an beiden Enden, der als eines der Naturhindernisse diente, und grasten wieder friedlich. Quinn und ich beobachteten das Trainingsrennen mit dem spannenden Kopf-an-Kopf Part gegen Ende und genossen die letzten strahlen der Herbstsonne, die zu untergehen begann und den ganzen Hof in goldenes Licht tauchte.
      Langsam wurde es kühl. Ich zog Quinn mit einer edlen Geste auf die Beine und wir lockten die Minis fröhlich witzelnd zurück zu den Weiden, wo wir gleich den Offenstallpflegern dabei halfen, sie für die Nacht einzusperren. Heute mussten sie schon etwas früher rein, denn wir hatten in dieser Nacht einen besonderen Event.

      Quinn und ich schlossen uns um neun Uhr der fröhlich schnatternden Gruppe von Pflegern vor dem Hauptstall an. Es war bereits recht dunkel, doch der Mond erhellte die Nacht so sehr, dass man beinahe die säuberlich geschnittenen Grashalme am Rand zählen konnte. Unser Gärtner hatte sich mal wieder mächtig ins Zeug gelegt, obschon ihm die Minis einen Grossteil der Arbeit abnahmen. Auf ihren täglichen Streifzügen über das Hofgelände wirkten sie besser als jeder Rasenmäher. "Where are Lewis and Jonas?", murmelte ich eher zu mir selbst. Quinn zuckte mit den Schultern. Sie hatte letztens eine Auseinandersetzung mit Lewis gehabt, seitdem redete sie kaum noch mit - geschweige denn über ihn. Die Basis dieser plötzlichen Feindschaft war ebenso lächerlich wie rätselhaft, zumal Quinn und Lewis unter gewohnten Umständen den rationalen Denkern angehörten: eine Stoppuhr. Lewis hatte die Zeit gestoppt als Quinn mit Paint trainierte und dabei versehentlich die Reset-Taste gedrückt, sodass Quinn nochmals dieselbe Strecke neu hätte reiten müssen. Sie hatte sich darüber furchtbar aufgeregt, anstatt Paint, die gut in Form war, einfach nochmals laufen zu lassen. Mein Eingreifen in das daraus resultierende, unschöne Wortgefecht hatte wohl auch nicht zu einer Stimmungsbesserung unter den beiden geführt.
      Ich wollte mich schon umdrehen und nach den beiden suchen gehen, als Jonas und Lewis mit einem Sack voller Knicklichter auf uns zukamen. „Wo zum Teufel habt ihr denn die jetzt her?“, wollte ich freudig überrascht wissen. Wir hatten schon damit gerechnet, es den Event mit Windlichtern oder ähnlichem durchführen zu müssen. „Wir sind extra nach Birmingham gefahren und haben es gerade noch vor Ladenschluss geschafft. Die gab’s in ‘nem Bastelladen.“ Lewis erzählte dasselbe den rein englischsprachigen Pflegern, dann trat Elliot vor um den Event zu erklären:
      Er und Lisa würden die Knicklichter auf dem ganzen Hofgelände verstecken. Manche Verstecke waren sehr schwer zu finden, manche eher leicht. Es gab sogenannte Lager, das Ziel war, die Knicklichter dorthin zu bringen. Die Lager waren Hula-Hoop-Reifen, welche im Innenhof des Hauptstalls verteilt waren. Es gab zweier Teams, jedes Team hatte ein eigenes Lager. Ausserhalb der Lager war alles erlaubt: Man durfte den Gegnerischen Teams die Knicklichter gewaltsam (in gesundem Masse) entreissen. Wem das zu ruppig war, der konnte auch jemanden mittels Schere-Stein-Papier herausfordern (eine solche Herausforderung durfte man nicht ausschlagen), oder sich Challenges ausdenken. Alle Hilfsmittel waren erlaubt, solange niemand dabei zu Schaden kommen konnte. Man durfte immer nur 5 Knicklichter gleichzeitig auf sich tragen. Die überflüssigen mussten liegen gelassen werden. Am Ende gewann das Team mit den meisten Knicklichtern. Das Ende des Events war für zwölf Uhr festgelegt, danach würde es noch einen kleinen Brunch und eine warme Tasse Tee geben. Elliot und Lisa spielten nicht mit, da sie ja schon alle Verstecke wüssten. Dies alles klang vielleicht etwas merkwürdig und manch einer würde verwirrt auf solche Spiele in einem seriösen Renngestüt reagieren, doch den Menschen von Pineforest Stable war dies egal. Die Pfleger und hatten ein sehr freundschaftliches Verhältnis und pflegten dieses auch mit Abwechslung und vielen kreativen Ideen. Zweimal im Jahr hielten wir einen sogenannten ‚Rat der Pfleger‘, ein gemeinsames Essen an dem Rückblicke, Verbesserungen und Vorschläge aufgeführt wurden. Dort entstanden auch meist die grossartigen Event-Ideen. Wer nicht mitmachen wollte, der konnte beruhigt schlafen gehen, doch selbstverständlich waren auch diesmal alle sofort begeistert dabei gewesen, als Elliot den Vorschlag gemacht hatte.

      Ich hatte meine Geheimwaffe schon die ganze Zeit über neben mir liegen: Jacky. Ich hatte vor, sie nach den Knicklichtern suchen zu lassen, das entsprechende Kommando kannte sie schon lange. Nun wurden aber erstmal die Teams bestimmt. Wir konnten selber Gruppen bilden, aber das entpuppte sich als schwieriges Unterfangen. Ich hatte mir bisher kaum Gedanken darum gemacht, doch nun da es so weit war überlegte ich fieberhaft, mit wem ich gute Chancen gehabt hätte. Quinn! War der erste Gedanke, doch bevor ich reagieren konnte wurde sie von Rosie gefragt. Sie sah mich fragend an und ich zuckte mit den Schultern zum Zeichen der Gleichgültigkeit, konnte die Enttäuschung allerdings nur schwer verbergen. Okay, dann eben…Lewis? Ich sah mich hoffnungsvoll um und lief suchend geradeaus. Im nächsten Moment stiess ich mit Jonas zusammen. „Sorry! Ich hab dich nicht ge… Wollen wir?“ Ich unterbrach mich selbst bei der plötzlichen Entzückung, die aus dieser Idee folgte. Warum bin ich nicht gleich darauf gekommen? Vielleicht war es eine zu grosse Überwindung gewesen zu fragen… Warum eigentlich? Er war schliesslich ein Pfleger wie jeder andere auch. Kein Grund für mulmige Gefühle. Ich glaubte mir selbst nicht so recht und erschrak beinahe, als er den Kopf schief legte und meinte „Why not.“ Ich jubelte innerlich und begann, mit ihm Pläne zu schmieden.
      „Ich habe hier meine Geheimwaffe – Jacky. Was für eine Idee hast du?“
      „Wir könnten uns Herkir und Loki schnappen, sobald der Startschuss fällt. Mit ihnen sind wir schneller und trotzdem sind sie schön klein und wendig.“
      „Gute Idee, aber die beiden sind noch nicht lange Eingeritten und spielen bei dem ganzen Trubel vielleicht nicht mit… Ausserdem wette ich, dass die anderen sich auch schon zu solchen Gedanken vorgearbeitet haben.“
      „Besserer Vorschlag?“
      „Ne, aber wir müssen das genauer planen. Was tun wir, wenn die beiden durchbrennen?“
      „Wir bringen sie zurück und kleben ein Tape mit dem Schriftzug ‚Achtung Angsthase - in der Box lassen!‘ auf die Boxenwand.“
      Ich lachte und nickte.
      „Na gut. Wie kommen wir vor den anderen zu ihnen?“
      „Wir gehen gleich am Anfang zu den Boxen, der kürzeste Weg ist es, den unteren Eingang zu benutzen. Danach suchen wir je 5 Knicklichter und bringen sie ins Lager, erst dann planen wir weiter, denn ich kann mir nicht so recht vorstellen, wie gross das Gewusel hier sein wird.“
      „Gut, ich versuche Jacky vom Pferd aus zu dirigieren, aber das dürfte schwer werden… Vielleicht verlassen wir uns doch besser auf unsere Augen. Du gehst zuerst in Richtung Startboxen, ich zu den Offenställen. So wie ich Elliot und Lisa kenne, haben die bestimmt sogar bei den Minis etwas versteckt.“
      „Hoffentlich fressen die Biester nichts davon!“, lachte er.
      Wir sahen gespannt zu den anderen, denn langsam verebbte das Gemurmel und alle Blicke richteten sich wieder auf Elliot. Die Teams waren erfolgreich verteilt, also konnten die Lager zugewiesen werden. Jonas und ich hatten Glück – wir bekamen eines in der Nähe des Durchgangs zum Kiesweg. Es blieben uns noch einige Minuten Zeit um Vorbereitungen zu treffen oder etwas zu trinken, während die Leuchtstäbe versteckt wurden. Jonas und ich schlichen uns geschwind zu den Boxen der Isis und zogen ihnen schon mal ihr Zaumzeug an. Auf Sättel verzichteten wir der Sicherheit halber. Wir einigten uns darauf, dass ich Loki nehmen würde. Ich verflocht die Zügel etwas miteinander, damit er beim Fressen nicht hineintreten konnte, dann eilten wir zurück zum Lager.
      Das Spiel startete pünktlich um zehn Uhr. Elliot gab den ‚Startschuss‘ mit einer Trillerpfeiffe, woraufhin alle Teams in verschiedene Richtungen auseinanderstoben. Jonas und ich und Jacky sprinteten wie geplant sofort zum Nebenstall, es schien uns niemand zu folgen. Ich riss die Boxentür von Loki auf und führte ihn eilig hinaus. In diesem Moment kamen Lewis und Lily um die Ecke und schrien enttäuscht auf als sie sahen, dass wir schneller gewesen waren. Wusst ich’s doch! Triumphierend beobachtete ich, wie sie zu Ale stolperten. Draussen holte ich kurz Anlauf und schwang mich dann auf Lokis blanken Rücken. Als auch Jonas sicher auf Herkir sass, nickten wir uns kurz zu, dann trieb ich Loki in den trab in Richtung Weiden. Die Nebenstallpferde hatten ja zum Glück alle Laufboxen, so waren sie immer etwas in Bewegung und das Wegfallen des Einwärmens nicht allzu tragisch. Trotzdem wollte ich nicht gleich galoppieren. Auch die anderen teilten diese Einstellung. Jacky hüpfte aufgeregt umher, als ich schon auf dem Weg ein Knicklicht fand und mich an Lokis Seite baumeln liess um es hochzuheben. Ich streckte es ihr hin und liess sie dran schnuppern, dann rief ich „Such!“, grosse Hoffnung hatte ich jedoch nicht. Die Hündin sah sich ein wenig um, hüpfte weiter umher, suchte jedoch nicht wirklich. Ich zuckte mit den Schultern und trieb Loki weiter. Der Hengst war feurig durch das immerwährende Rufen der Leute und die vielen schnellen Bewegungen. Seine Mähne wirbelte wild, als ich mit ihm zum Offenstall von Gianna und Piroschka töltete. Auch dort fand ich nach einer kurzen Suche tatsächlich zwei Lichter, eines zwischen den Balken eingeklemmt und eines im Gras neben dem Zaun getarnt. Fieberhaft dachte ich nach, wo sonst noch gute Verstecke wären. Ich klapperte noch drei Offenställe ab, ehe ich fünf Knicklichter hatte und nun im Galopp zurück zum Lager jagte. Jonas war ebenfalls dort und warnte mich gerade rechtzeitig vor Rosie, die um die Ecke kam und auf mich zu rannte. Ich schaffte es vor ihr zum Ring und schmiss alle fünf Stäbe hinein, dann erst verschnaufte ich. Jonas hatte ein erfreutes und ehrgeiziges Funkeln in den Augen. Wir besprachen uns kurz und entschieden, gemeinsam weiterzumachen, da dies sicherer war. Wir trabten (Loki töltete lieber) zur Halle, voller Anspannung was uns dort erwarten würde. Darren, Ajith und April waren bereits da und suchten das Gebäude ab. Jonas beugte sich zu mir und murmelte: „Bestimmt sind ein paar drinnen vergraben.“ Ich nickte und wir ritten durch den Eingang nach drinnen. Dort riskierten wir es, Loki und Herkir stehen zu lassen um im Hallensand zu wühlen. Tatsächlich war dies eine wahre Goldgrube: gleich sechs Stück fanden wir. Doch als sich Jonas umdrehte um nach den Pferden zu sehen, sahen wir gerade noch Herkirs bunten Po im Eingang verschwinden. „Na toll! Schnell hinterher!“ Ich rappelte mich auf und stolperte auf den Eingang zu. Als die beiden Isis wieder in mein Sichtfeld kamen sah ich, dass Darren und Ajith sie führten und soeben aufstiegen. Jonas wollte schon in ihre Richtung rasen, doch ich hielt ihn zurück und meinte: „Lass gut sein, die holst du eh nicht ein und wenn dann nehmen sie dir im schlimmsten Fall die Knicklichter ab. Wir haben ja noch Jacky.“ Die kleine Hündin stand mit heraushängender Zunge und aufgerichtetem Schwanz da und sah mich erwartungsvoll an. Er starrte noch einen Moment zu Ajith, dann senkte er den Blick und nickte. „Weitersuchen oder ins Lager bringen?“, fragte ich herausfordernd. „Ins Lager, sonst ärgern wir uns umso mehr wenn wir voll beladen überfallen werden.“ Ich stimmte zu und wir joggten zu unserem Ring. So weit so gut, wir hatten nun schon 16 Knicklichter. Diesmal gingen wir in Richtung Haupthaus und dann zu den Büschen daneben, denn beim Haus selbst waren bereits etwa vier Leute versammelt. Wir suchten rasch in den Gebüschen. Ich Kroch in den grossen Rhododendron Busch, dort drin war es finster wie in einem Katzenmagen. Ich tastete mich vorsichtig voran, denn ganz am Ende des Buschs sah ich das verräterische Glimmen eines grünen Knicklichts. Plötzlich durchfuhr ein stechender Schmerz meine Hand und ich stiess ein wütendes „Au!“ aus. Jonas fragte von aussen, ob alles okay sei. Ich murmelte: „Nur eine Dorne, aber schau her, ich hab ein Knicklicht!“ Es raschelte und die dunkle Gestalt eines Kopfes erschien in einer Lücke des Gebüschs. Ich grinste und streckte ihm das leuchtende Stäbchen entgegen. Er streckte die Hand aus und zog mich aus dem Gebüsch. Dankbar klopfte ich mir die Erde von den Hosen und wischte ihm ein Blatt von den Schultern. Wir sahen uns kurz an und lachten, dann eilten wir in Richtung Hauptstall, denn Jonas hatte auch noch drei Stäbchen gefunden. Doch weit kamen wir nicht: plötzlich kamen David und Anne von der Seite her auf uns zu gerannt. Anne stiess mich unsanft zu Boden und wollte mir die Knicklichter aus der Hosentasche nehmen, doch sie hatte sich verschätzt, denn ich war recht wehrhaft. Ich rollte mich weg und zog sie nach unten, dann warf ich mich seitlich über sie und fixierte ihre Arme über dem Kopf. Keuchend lächelte ich sie an, sie versuchte sich frei zu zappeln. Jonas hatte etwas mehr Mühe mit David, denn dieser war nicht gerade klein und ein ebenbürtiger Gegner. Nach einer fast zweiminütigen Rangelei lag Jonas keuchend am Boden, Anne war geflohen und David hatte die meisten unserer Knicklichter. Ich stand auf und zog Jonas auf die Beine. „Na das war wohl nix… Wir brauchen eine neue Strategie“, meinte ich mürrisch. „Gehen wir in die Offensive?“ „Aber sicher!“, antwortete ich. Wir machten uns in der folgenden Stunde auf die Suche nach guten Opfern und eroberten auf diese Weise ganze 20 Knicklichter. Langsam wurde es schwer noch etwas zu finden, denn es waren kaum mehr Stäbchen versteckt.
      Um zwölf Uhr ertönte die Trillerpfeife; ich war zu dieser Zeit gerade auf der Galoppbahn und schlenderte nach dem Pfiff mit den Händen in den Hosentaschen zurück zum Lager. Als Jonas mir fragend entgegenkam zuckte ich mit den Schultern, dann grinste ich und angelte 3 Knicklichter aus der Hosentasche. Er legte den Arm über meine Schultern und wir tanzten übermütig zu Elliot und Lisa, die gerade am durchzählen waren.
      Wir hatten zwar nicht gewonnen, doch waren auch nicht die schlechtesten gewesen. Wir hatten uns alle versammelt zum Brunch, leider hatte es zu wenige Sitzplätze. Jonas, der sich einen Gartenstuhl ergattert hatte, lud mich ein auf seinen Schoss zu sitzen, was ich dankend annahm. Wir waren allesamt müde und trotz des ganzen Spasses froh, dass wir nun endlich im Begriff waren in die Betten zu kriechen. Den Tee genoss ich aber zuvor noch in vollen Zügen.

      Occulta
      Signs and Sins

      Dieser Morgen war ebenso kalt wie der Letzte. Es fiel mir aufgrund des offenen Fensters auf, durch das ein schneidend kalter Hauch drang, sodass ich meinen Arm mit unter die Decke nahm. Erst jetzt wurde ich richtig wach. Es war noch dunkel, wie immer wenn ich mich im Winter aus dem Bett quälen musste. Ich stutzte. Warum ist das verdammte Fenster sperrangelweit offen? Ich richtete mich auf und wollte Quinn in die Seite stupsen, um sie zu wecken. Da fiel mir ein kleiner Umschlag auf dem Teppichboden auf. Misstrauisch rutschte ich von der Bettkante und hob ihn auf. Ehe ich ihn genauer betrachtete, schloss ich das Fenster, denn ein erneutes Schaudern hatte mich durchschüttelt. Dann setzte ich mich halb unter die Bettdecke und wendete den Umschlag in meiner Hand. Er war vollkommen weiss, ohne jegliche Beschriftung. Vorsichtig riss ich ihn auf und sah hinein. Darin befand sich ein getrockneter Pinienzweig. Ein Schaudern durchfuhr mich, doch diesmal hatte es nichts mit der kühlen Luft zu tun. Auch Quinn war unterdessen aufgewacht und sah den Zweig verwirrt an. Es musste eine Botschaft sein, vermutlich vom Killer. Von wem denn sonst? Wir zeigten allen den Zweig und rasch breiteten sich die wildesten Gerüchte wie ein Feuer aus. "He wants to play with us, he will kill us all!", verkündete Lisa hysterisch. Ajith versuchte, sie zu beruhigen, doch es half nichts. Ich stand zwischen Lewis und Jonas, der mich nichteimal ansah. Was ist jetzt wieder los? Bin ich nun wieder Luft? Das ist ja zu erwarten gewesen. Dennoch ertappte ich mich bei einem enttäuschten Stirnrunzeln. Ich hielt es hier drin nicht mehr aus, also huschte ich durch den Türspalt und rief die Polizei an. Draussen herrschte die allmorgendliche Dunkelheit mit leichten Nebelschwaden.

      Als ich alle Fragen der Beamten bezüglich des morgentlichen Fundes geklärt hatte, lief ich zu den Weiden und setzte mich unter den grossen Baum auf der Ministutenweide. Ein paar Mitglieder der mittlerweile beachtlichen Herde gesellten sich zu mir und streiften als dunkle Silhouetten durch das nasse Gras. Ich erkannte bei genauerem Hinsehen Daki und Lady Diva, weiter hinten war ausserdem Goldy. Beim Anblick der schnaubenden und graszupfenden Pferdchen huschte mir ein Lächeln über die Lippen, das jedoch augenblicklich der stillen Leere in meinem Kopf wich. Ich war nicht jemand, der sich leicht geschlagen gab, und schon gar nicht ein Melancholiker; doch packte mich in letzter Zeit seit Jacks Tod oft eine unerklärliche Sehnsucht - vielleicht nach einem anderen Leben.
      Ich besitze ein wundervolles Gestüt mit prächtigen Pferden und viel Land. Ich bin weder arm, noch so reich, dass ich besonders viele Neider hätte. Dennoch bin ich verbittert, schweigsam und immer wieder den Tränen nahe. Ich dachte, es würde mit der Zeit besser werden, verfliegen wie der Nebel am Nachmittag. Aber meine Gedanken wurden bloss grauer. Wenn ich nachdenke, was mich wirklich, wirklich beschäftigt – die ganze Verantwortung die auf mir lastet, die Erinnerungen an Jack und natürlich die Leere, die er zurücklässt. Seit er weg ist, bin ich wieder mein altes Ich, die gefühlskalte, langweilige Individualistin. Die Geister in meinem Kopf sind wieder eingezogen und haben es sich bequem gemacht. Sie hinterfragen alles, was ich tue und sehe. Sie flüstern mir zu, dass alles keinen Sinn hat und Menschen ohnehin nur eine selbsterschaffene Lüge leben, mit dem Ziel, irgendwie ein Bisschen Glück zu finden, nur um am Ende festzustellen, dass sie bloss ein Tropfen auf dem glühenden Stein sind. Der einzige, der mich in diesen Tagen noch zu einem ernstgemeinten Lachen verführen kann, ist Jonas. Jeden Abend denke ich an seine Sanfte Stimme, an seine klaren, und doch geheimnisvollen Augen. In meinen Träumen stelle ich mir zärtliche Gesten vor - nichts Ernstes, denn danach strebe ich gar nicht mehr. Ich scheine ihn nicht für seinen Körper zu lieben, sondern für das, was er wirklich ist. Es ist schwer zu beschreiben; als währe ich in seinen Charakter verliebt. Im Traum begegne ich dem Jonas, den ich zwischen den Scherzen und den Alltagssituationen zu erkennen glaube. Eine seriöse, aufrichtige, feinfühlige und wunderschöne Version von ihm. Mag sein, dass meine Fantasie mit mir durchgeht. Wenn ich aufwache, bin ich jedenfalls allein. Ich habe so viele Leute um mich, doch alles was sie sagen verschwimmt und erscheint mir wertlos. Alle Taten, Ziele und Gewohnheiten; ich stelle sie in Frage, ohne eine Alternative zu wissen. Äusserlich mag es mir gut gehen, doch innerlich bin ich zerfressen. Jedes Mal wenn die Standardfrage auftaucht: "Geht's gut?" möchte ich sarkastisch loslachen, aber sie würden es nicht verstehen. Niemand könnte das, denn niemand denkt und fühlt wie ich. Ich bin einzigartig - das sagte meine Mutter immer. Doch es macht mich einsam. Will ich mich nicht doch der grauen Menge anschliessen und jeden Tag Lebensfreude vorspielen? Ich kann mich längst nicht mehr wirklich an den täglichen 'Glücksmomenten' erfreuen. Irgendwie hat die Realität ihren Reiz verloren. Das einzige, was das Kartenhaus zu stützen scheint, sind ein paar wenige Dinge, an denen ich mich festhalte. Meine Familie, die Pferde, Jonas... Würde er mich genauso quälen, wenn er dies alles wüsste? Würde er mich auslachen? Für verrückt und egoistisch erklären? Wo es doch so viel Leid auf dieser Welt gibt. Und doch - dies ist der Schmerz den ich fühle. Kein anderer muss ihn ertragen. Sie alle haben ihre eigenen Sorgen; meine Nervenzellen verspüren nur die meinigen. Vielleicht, aber nur vielleicht, würde er mich ja verstehen. Mich lieben. Wenn es denn dieses sagenumwobene Etwas wirklich gibt. Aber ich fühle mich als Verräter, wenn ich mir eine glückliche Zukunft mit ihm vorstelle. Eine Zukunft, die Jack nicht erleben kann. Dennoch… Ich muss meine Einsamkeit brechen, irgendwie zurück finden.
      In meinem Kopf spielten sich Szenen aus dem Alltag mit ihm ab. Und unsere besonderen Momente. Eigentlich war es doch recht offensichtlich, oder etwa nicht? Die Art wie er mich ansah, wie er mich umarmte und mich wieder neckte. Aber ich konnte mich genauso gut irren, und das war der Punkt. Ich wäre zu stolz für solch einen Fehltritt - ich müsste Jonas wegschicken, wenn es schieflaufen würde. Und das war das Letzte, was ich wollte. Da ertrug ich lieber weiterhin schweigend meine Last.

      Endlich wurde ein rötliches Leuchten am Horizont sichtbar. Ich seufzte und stand auf, um mit der Arbeit zu beginnen: Offenställe misten, Wiesen Säubern, Heu nachfüllen, wollige Minis striegeln und bürsten, Tränken reinigen und Weidezäune kontrollieren. Als ich auch mit den Fohlenställen fertig war, holte ich ein Mini nach dem anderen nach draussen, um es an den Zaun zu binden und das Langhaar zu stutzen. Besonders Papillon hatte es nötig, der schokobraunen Stute reichte der Schweif fast bis zum Boden. Viele Minibesitzer scherten ihre Pferde, doch ich tat dies jeweils erst kurz vor einer Show oder einem Fahrturnier, denn Winterfell war immerhin noch immer besser als jeden Tag eingedeckt zu werden. So kam es, dass im Moment nur Queenie und Alu geschoren waren. Sie waren beide letzten Samstag an einem Showspringen gewesen, wobei Alu sogar den vierten Platz geholt hatte. Rose, deren mit deutlichen, hellen Punkten durchsetztes Fell besonders schick aussah, wollte einfach nicht stillhalten. Sie zog den Schweif immer wieder weg und streckte den Hals in alle erdenklichen Richtungen. Aber auch sie entkam der Schere nicht. Narnia, deren Fell etwas heller war, hatte ebenfalls eine viel zu lange Mähne, die ich prompt auf etwas mehr als handbreit kürzte. Bei Tiki und Kiwi hingegen hatte ich nichts zu schneiden. Sie hatten zwar langsam eine ordentliche Mähne bekommen, aber die war noch kurz genug. Nun musste ich auch noch zu den Hengstchen überlaufen, denn auch diese beiden Fellkugeln warteten schon ungeduldig. Arco war fast einheitlich silbern im Winter; man sah seine Punkte kaum mehr. Glenns Aalstrich zeichnete sich hingegen umso stärker ab. Chip kam neugierig zum Zaun um zu sehen, ob es 'ihren' beiden Herren noch gut ging. Bloss, um gleich wieder die Ohren anzulegen und zickig mit dem Vorderbein zu stampfen, als sie und Lenny die Nüstern zusammensteckten. Schliesslich war ich fertig und klopfte erleichtert auf Arcos Hals, ehe er in die Freiheit entlassen wurde.

      Einen Moment stand ich tatsächlich ratlos da, bis mir in den Sinn kam, was ich als nächstes vorhatte. Ein neuer Hengst würde heute ankommen! Nicht irgendeiner, nein - Daydreaming Sorrow war es. Ich hatte schon immer grosses Interesse an dem Welsh Hengst gehabt, doch nie geglaubt, ihn tatsächlich einmal kaufen zu können. Mittlerweile müsste er schon fast beim Flughafen sein, spekulierte ich aufgeregt. Doch bevor Hans ihn abholte, musste er noch einem Gesundheitscheck unterzogen werden. Ich kümmerte mich in der Zwischenzeit um Pointless. Sie war kurz nach Sweets, Lady und Bluebell zu den erwachsenen Pferden in den Stall gekommen und nun bereitete ich sie auf das Einreiten vor. Gegen Abend würde eine weitere Vollblutstute fürs Training ankommen, jedoch gehörte sie einem Japanischen Geschäftsmann, der seit Jahren in England sein Unwesen trieb. Ich schmunzelte jedes Mal, wenn Lewis dies so beschrieb. Point war mürrisch heute. Anscheinend war ihr der Umzug gegen den Strich gegangen. Als ich die Boxentür aufschob, sah sie mir zwar entgegen, doch sobald ich ihren Hals berührte, um die Deckenschnallen zu öffnen, legte sie die Ohren platt und wollte mich in den Arm kneifen. Sofort reagierte ich und gab ihr einen lauten Klaps auf den Nacken, woraufhin sie erschrocken zurückwich. Sie legte danach die Ohren zwar seitwärts nach hinten, jedoch zögerlich und ohne aggressive Anstalten. Ich arbeitete nach der Massregelung wieder ganz normal mit ihr, denn nachtragend zu sein nützte bei Pferden bekanntlich überhaupt nichts. Nach einer halben Stunde, in der ich sie an der Longe um den Hof und in der Halle geführt hatte, liess ich es auch schon gut sein und bürstete sie gründlich. Sie kannte das Geführtwerden wie es in jedem Rennstall üblich war seit Fohlenalter, jedoch nur im Beisein der Mutter. Danach war sie auf Pineforest Stable nur hin und wieder geführt worden. Auch das Anbinden musste ich üben. Bei den ersten Versuchen hatte sie zwei Halfter zerrissen, trotz Panikhaken. Ich fragte mich noch immer, wie das hatte geschehen können, denn meine Anweisung an die Pfleger war ausdrücklich langsames, geduldiges Vorgehen gewesen. Jedenfalls klappte es jetzt schon besser: die Stute stand locker angebunden an der Boxenwand und schien die Striegelei sogar zu geniessen. Immerhin waren die Ohren jetzt locker zur Seite baumelnd. Nur der Schweif verriet hin und wieder eine gewisse Unruhe, wohl auf Ungeduld gründend. Ich packte sie zum Schluss wider warm ein, jedoch nur mit einer Netzdecke, denn ich hatte mich bisher nicht getraut, Point zu scheren. Sheela und Jacky, die mir schon den ganzen Morgen um die Beine wuselten, rauften sich gerade. Sie tollten spielerisch knurrend durch die Stallgasse und schubsten dabei fast eine Putzbox an der Wand um. Ich pfiff sie zu mir, als ich mit Point fertig war. Dann lief ich zum Parkplatz um Sorrow zu empfangen.
      Jonas schlich mir unterwegs hinterher und erschreckte mich, er hatte wohl, diesmal eher geschmacklos, wie ich fand, Mörder spielen wollen. Ich war erst etwas verwirrt, musste aber mehr lachen als mir lieb war, da er mich halb auskitzelnd in die Arme nahm. Augenblicklich stieg ein warmes Glücksgefühl in mir auf, ohne dass ich es unterdrücken konnte. Elliot, der sich über die Holzstangen vor dem Nebenstall lehnte, sah uns amüsiert zu. Ich sah ihn im Augenwinkel und erwartete jeden Moment einen dummen Kommentar - er kam auch. "You'd be an amazing couple, wouldn't you?" Ich wollte gerade den Mund aufmachen und etwas entgegnen, da antwortete Jonas plötzlich gespielt ernst: "Yes, surely. We are together – since yesterday." Stirnrunzelnd sah ich ihn an. "And why did I not know that?" "You’re clueless anyway", meinte Jonas frech. Wir lachten, ich jedoch eher schief. Dann liess er mich los und ich verschwand endgültig in Richtung Parkplatz. Was bedeutet das denn jetzt? Ernst gemeint war es sowiso nicht. Aber vielleicht insgeheim? Oder ich interpretiere schon wieder zu viel? Die Verwirrung war komplett, doch eine seltsame Zufriedenheit gleichermassen genährt. Ich lächelte heimlich und wollte gerade zum Hauptstall gehen, als der bereits erwartete, silberne Transporter vorfuhr. Hans schüttelte mir nach dem Aussteigen heftig erfreut die Hand, dann luden wir den bildschönen Welsh Hengst aus. Seine wuschelige Mähne fiel ihm wild über beide Seiten des mächtigen Halses und feine Wölkchen stiegen aus den geblähten Nüstern empor. Er musterte die Umgebung mit seinen kleinen, schwarzen Augen und spitzte die hübsch gebogenen Ohren in Richtung Hauptstall. Beim Führen wurde sofort klar, dass er total brav und gut erzogen war, denn er folgte wie ein Lamm, trotz der vielen Eindrücke. In seiner Box angekommen, tätschelte ich ihm zuerst den Hals, dann löste ich das Halfter und liess ihn fressen. Er hatte grossen Hunger vom langen Flug und würde sich einige Tage akklimatisieren müssen, immerhin kam er aus Kanada. Doch er sah top fit aus: sein Fell schimmerte in kräftigen Farben, die Hufe waren in makellosem Zustand und frisch beschlagen, der Behang war zwar mit Stroh bespickt, aber sonst sauber und der Schweif fiel wollig über seine Sprunggelenke. Ich schob zufrieden die Boxentür zu und gönnte dem Hengst seine Ruhe.

      Draussen erkannte ich Jonas und Lisa bei den Büschen vor dem Pflegerhaus. Ich blieb beim Eingang stehen und beobachtete die Szene einen kurzen Moment. Jonas stupste sie, und sah sie zwischendurch lange an. Was machen die beiden da? Reden natürlich, was sonst… Lisa lachte herzhaft und strich sich die blonden Haare aus dem Gesicht. Auf einmal wurde mir klar, wie hübsch sie doch war. Ein stechender Schmerz durchfuhr meine Rippen. Ist das etwa Eifersucht, Occu? Sei nicht dumm, die beiden kennen sich schon ne ganze Weile und sind gute Kollegen. Selbst wenn mehr dahinter stecken sollte, ginge es dich nichts an... Eigentlich müsstest du dich doch sogar darüber freuen oder? Hast du dir nicht nach Jack geschworen, frei und unabhängig zu bleiben? Ich wandte mich dennoch leicht bitter ab, an die schöne Illusion von zuvor denkend. Ich lief gespielt fröhlich zum Nebenstall, wo ich Herkir rausholte und am Holzgatter anband. Dann begann ich ihn gründlich zu putzen. Der Nachteil war, dass ich die ganze Zeit über das Gelächter dieser glücklichen Menschen ertragen musste. Ab und zu wagte ich einen Blick, um ihn dann nur schmerzlich betrübt wieder auf Herkirs hellrotes Winterfell zu richten. Fast hätte ich die beiden angefahren, sie sollen doch wieder zur Arbeit gehen. Ich biss die Zähne zusammen und sattelte, so schnell ich konnte, um dieser Situation zu entfliehen. Schliesslich töltete ich auf der Galoppbahn, um den Kopf frei zu bekommen. Herkir lief toll: geschmeidig und taktvoll. Seine Wuschelmähne tanzte lustig zur Bewegung seiner Schultern, während ich still sass. Der Galopp war noch etwas schwieriger, denn er sprang nicht gleich ein. In der Tat musste ich den Isländer eine viertel Runde bearbeiten, bis er angaloppierte. Sheela raste die ganze Zeit neben uns her und hatte eine riesen Freude an meiner Reitgerte.

      Nach diesem Ritt war es bereits Mittag. Ich gesellte mich mit meinem Sandwich zu den Pflegern, zusammen mit Sheela und Jacky. Als Jonas die Sattelkammer betrat, versuchte ich, nicht aufzusehen. Er blieb bei ein paar anderen stehen, wie ich aus dem Augenwinkel beobachten konnte. Schliesslich waren plötzlich alle am selben Gespräch beteiligt, und ich schien mich ausversehen durch mein in-der-Ecke-Stehen selbst zum Thema gemacht zu haben. Das ging so weit, dass Rosie irgendwann warum auch immer den Einwurf brachte, man müsse endlich einen neuen Mann für mich finden. Die meisten stimmten lauthals zu. Ich entgegnete ironisch, mich endlich auch der Gruppe zuwendend, dass ich ja anscheinend schon mit Jonas zusammen sei, worauf der mit dem Zeigefinger auf mich deutete und "exactly" meinte. Ich wusste nicht so recht, was ich davon halten sollte, also schwieg ich fortan, doch nicht ohne ein erneut aufflauendes Lächeln.

      Später am Abend kam die japanische Stute an. Sie wurde von ihrem Pfleger liebevoll Shio genannt, was wir natürlich weiterführten. Als danach langsam Ruhe auf dem Hof einkehrte, kam die alte Angst vor dem Mörder wieder auf. Ich schlief abermals im Pflegerheim. Wir unterhielten uns noch etwas in gemütlicher Atmosphäre im Aufenthaltsraum, ehe wir zu Bett gingen. Jonas sass etwas entfernt auf einem einsamen Sessel. Ab und zu erwischte ich ihn, wie er in meine Richtung sah, bis mir klar wurde, dass Lisa direkt neben mir sass. Mir pochte der Kopf immer mehr, je später es wurde. Ein Anflug von unglaublicher Müdigkeit war die Ursache. Im Verlaufe des Abends wollte Lewis plötzlich schwerzhaft wissen, wie Jonas und ich denn nun zueinander gefunden hätten. Ich bat Jonas lächelnd zur Erklärung, selbst gespannt darauf. Doch die Antwort war ernüchternd. Wir seien natürlich nicht zusammen. Ich grinste stur mit, auch wenn es ein wenig mehr weh tat, als ich erwartet hatte. Lisa und Quinn kontrollierten alle Türen und Fenster, ehe sie die Lichter löschten. Ich lag bald als letzte wach auf meiner Matratze und starrte die Decke an. Dann drehte ich mich um und schloss die Augen, eine feine Träne rollte mir die Wange hinunter.

      Occulta Der Weihnachtsball

      Last christmas I gave you my heart…“ Ich schaltete das Radio murrend aus. Immer diese Weihnachtslieder – sie gingen mir allmählich auf die Nerven. Was nützte das Fest der Liebe, wenn man niemanden zum lieben hatte? Ich seufzte, als ich an den Ball heute Abend dachte. Es war ursprünglich Jacks Idee gewesen, diesen zu veranstalten. Er hatte ihn bisher jedes Mal an Weihnachten durchgeführt und war Tagelang mit der Planung beschäftigt gewesen. Eigentlich hatte ich ihn dieses Jahr ausfallen lassen wollen, doch die Pfleger hatten die Planung kurzerhand selbst übernommen und mich überredet. Auch unsere Nachbaren und Verwandte oder Freunde aus ganz England waren eingeladen. Es würde wie jedes Jahr ein grosses Fest werden. Mir graute es schon jetzt bei dem Gedanken, den ganzen Abend rumzustehen und mit den anderen über Dinge zu plaudern, die mich eigentlich gar nicht interessierten. So zu tun, als hätte ich Spass, um niemandem den Abend nicht zu vermiesen… Ich fand es sowieso makaber ein solches Fest zu veranstalten, während draussen ein Mörder frei herum lief.
      Ich verräumte meinen Teller und lief nach draussen zur Reithalle. Dort waren Ajith, Lisa, Oliver, Elliot, Thomas und Rosie schon fleissig damit beschäftigt, die Holzplatten auf dem Sandboden zu fixieren. Wir hatten extra Bodenplatten zum Tanzen gemietet, denn auf dem Hallensand würde der Abend sonst nicht besonders angenehm werden. Zunächst musste ein etwa 30 cm hohes Metallgitter auf dem Boden zusammengebaut werden, dann konnten die Platten darauf fixiert werden. Sie glichen Parkettboden – ich war erstaunt, dass sie so schön neu und glänzend aussahen und dachte daran, dass wir sie auch so zurückgeben mussten. Es würde bestimmt viel Arbeit werden, sie am nächsten Tag zu reinigen. Ich beschloss, mich nützlich zu machen und packte mit an. Die Platten waren nicht besonders schwer, aber man musste auf die Finger aufpassen, die beim Ablegen leicht eingeklemmt werden konnten. Langsam nahm das Ganze Form an; Quinn, April und Lily brachten überall an den Hallenwänden Tannenzweige mit Weihnachtsschmuck an und Lewis installierte zusätzliche Lichterkettenbeleuchtung. Alle waren am helfen – nur Jonas fehlte, wie mir plötzlich auffiel. Ich fragte Oliver möglichst beiläufig nach ihm, während ich mit ihm gemeinsam die nächste Platte zum Gitter trug. “Jonas? Well, I haven’t seen him this mornin’, but ask Rosie. She’s made the operation schedule.” Ich nickte und lief nach dem Ablegen der Platte zu ihr. Ihre dunkelroten Locken fielen ihr wie immer seidig über die Schultern, ich beneidete sie darum. Meine viel helleren Haare wollten sich einfach nicht so ordentlich locken. Ich verdrängte dies und erfuhr, dass Jonas den ganzen Tag mit der Familie unterwegs war und vermutlich auch am Abend nicht aufkreuzen würde. Ein enttäuschter Stich durchbohrte meine Gedanken, ich liess mir jedoch nichts anmerken. Ich werde also nicht einmal mit ihm reden können, um der Menschenmenge auszuweichen und die Zeit totzuschlagen. Aber da war noch mehr als das, irgendeine tiefere Leere drohte sich auszubreiten. Hatte ich etwa insgeheim gehofft, dass er kommen würde, nur um seine Anwesenheit zu geniessen? Nein, das hatten wir doch alles schon. Ich bin darüber hinweg. Er würde so oder so nur mit Lisa rumhängen. Ich schüttelte kaum merklich den Kopf und lief rasch zu den Weiden um die Ministuten rauszulassen. Auf dem Weg kreisten meine Gedanken. Er hatte mich immer sehr freundschaftlich behandelt, um nicht zu sagen aussergewöhnlich. Mir kam es so vor, als hätte er mit den anderen kaum solche Blicke getauscht und auch nicht so viel mit ihnen herumgeblödelt. Also musste doch etwas dahinter stecken, oder? Ich war mir nur noch immer nicht sicher, was er wirklich empfand und solange er mich, wie in letzter Zeit, immer wieder auf rätselhafte Art und Weise ignorierte, würde ich auch nicht auf irgendein naives Gefühl eingehen. Vielleicht spielte er ja nur mit mir. Vielleicht war es eine von Lewis‘ und seinen dummen Wetten, wäre ja nicht das erste Mal. Aber würde er mir das wirklich antun? Er musste doch bemerkt haben, wie sehr ich darauf eingegangen war. Wie dumm von mir. Oder hatte er es sehr wohl bemerkt und versuchte nun, mich wieder abzuhängen, weil ihm das Ganze zu viel wurde und er lieber mit Lisa zusammenwähre? Vielleicht habe ich ihn ja auch von Anfang an missverstanden, vielleicht waren die ganzen Umarmungen und Andeutungen für ihn nur harmlose Spielereien… Oder er hatte mich in der Zwischenzeit aufgegeben und sich stattdessen an Lisa gehängt. Immerhin redete er mittlerweile viel häufiger mit ihr als mit mir. Und wenn es tatsächlich so war, dann war dieser Gefühlsumschwung nur ein weiterer Beweis dafür, dass er es nicht ernst meinen konnte.
      Die Minis trabten an mir vorbei aus dem Weidetor und verteilten sich auf der verschneiten Grasfläche um das Roundpen herum. Sie scharrten etwas in der kühlen, weissen Masse, bis sie auf ein paar zarte Grashalme stiessen, die sie dann genüsslich auszupften. Chip verscheuchte Lady von einer besonders guten Stelle, Papillon und Silhouette hingegen grasten Kopf an Kopf. Wir hatten inzwischen herausgefunden, dass die Stute nicht Dornröschen war, daher hatte ich ihr in Anlehnung daran den Namen ‚Silhouette of a Rose‘ gegeben. Die beiden Fohlen, Tiki und Kiwi, blieben nahe bei Queenie. Die Scheckstute hatte Tiki gut akzeptiert, worüber ich sehr froh war. Ausserdem spielten die beiden Fohlen immer freudig miteinander. Goldy, Alu und Daki standen ebenfalls nahe beieinander. Sie waren alle drei wollig wie Schäfchen. Nur Narnia stand etwas abseits. Ich überquerte den Weg zum Offenstall der Stuten und Prüfte, ob die Pfleger neben all den Vorbereitungen auch ihre normalen Arbeiten nicht vernachlässigt hatten. Ein wenig schmutzig waren die Tränken schon, aber noch nicht völlig verdreckt, und das Stroh sah auch noch okay aus. Natürlich hatten sie nicht Zeit für alles, aber die Pferde mussten als erste versorgt werden. Ich säuberte die Tränken kurz mit der Hand und prüfte danach den Stall der Hengstchen. Auch bei ihnen war das Stroh noch frisch, immerhin waren sie ja noch immer nur zu zweit. Arco und Caress waren übrigens aussergewöhnlich angenehme Hengste, die kaum Probleme machten. Das lag vermutlich daran, dass ‚ihre‘ Stuten gleich nebenan und immer in Sichtweite waren. Sie zankten sich auch selten, aber hin und wieder hatte trotzdem einer der beiden eine Schramme. Ganz ohne ging es eben doch nicht.

      Als es einzudunkeln begann, wurden gerade noch die letzten Kugeln an den Weihnachtsbaum in der Mitte der Tanzfläche gehängt. Auch das Essen war schon auf den Tischen aufgestellt und der Geruch nach heissem Apfelpunsch wehte mir süss entgegen. Nur der Christmas Pudding zerstörte das Bild meiner Meinung nach, denn ich mochte das Gebäck überhaupt nicht. Ich hatte mich trotz anfänglichem Zögern hübsch gemacht. Ich trug ein türkisfarbenes, relativ enges Kleid, welches mir bis etwa Mitte Oberschenkel kam und mitteldünne Träger hatte. Dazu hatte ich elegante schwarze Ballerinas an, denn ich hasste hohe Absätze, und kleine Perlenohrstecker. Die Haare hatte ich hochgesteckt zu einem komplizierten, aber unauffälligen Dutt.
      Die ersten Gäste kamen, auch meine Eltern. Wir redeten ein wenig, doch richtig amüsieren konnte ich mich nicht. Nach einer Weile zog ich mich in eine Ecke neben dem Eingang zurück und nippte an meinem Punsch. Etwas fehlte an diesem Abend, und im Stillen wusste ich ganz genau was. „Jonas!“ Ich liess beinahe mein Glas fallen, als mir jemand von hinten an die Nase fasste. Noch ehe ich mich umgedreht hatte wusste ich bereits, wessen Hand das war. „Und was ist mit deiner Familie? Ich dachte, ihr seid den ganzen Tag unterwegs…“ „Sie sind natürlich auch hier. Ich kann dich doch hier nicht im Stich lassen, nicht wahr? Der Abend hat noch gar nicht richtig angefangen und du stehst hier schon alleine im Dunkeln.“ Verlegen sah ich in mein Glas. Wenigstens war es dunkel genug um meine rosigen Backen zu verstecken. Wenn du wüsstest, wie sehr ich mich über deinen Anblick freue… Erst jetzt wagte ich es, ihn genauer zu betrachten. Er sah elegant aus in seinem schwarzen Anzug mit der ebenfalls schwarzen Schleife. Die Haare hingegen waren noch immer ungezähmt, doch genau so gefielen sie mir am besten. Ich zupfte mit schiefgelegtem Kopf ein wenig an seiner Schleife herum, als wollte ich sie geraderichten, sah ihm dabei nicht in die Augen und murmelte: „Du hast dich ja zur Abwechslung richtig in Schale geworfen.“ „Du siehst auch nicht übel aus.“ Ich drehte mich um, als Elliot das Mikro nahm und zu sprechen begann. “Dear guests, welcome to our yearly Christmas ball! We hope you will enjoy the evening and fill up the dance floor.” Als er fertig geredet hatte, ertönte Cha Cha Musik aus den Lautsprechern. Jonas tippte mir sanft auf die Schultern. „Lust zu tanzen?“ Tanzen? Das hat mir gerade noch gefehlt… Ich konnte zwar ein paar einfache Tanzschritte, doch besonders gut war ich nicht. Wenigstens füllte sich die Tanzfläche bereits, so würde niemand auf mich achten. Ich folgte ihm zögerlich und wir stellten uns in einer kleinen Lücke auf. Zum Glück schien er ebenso übel zu tanzen wie ich, so musste sich keiner von uns schämen. Nach dem Cha Cha folgte ein rassiger Foxtrott, bei dem ich mehrfach aus dem Takt geriet, danach lief zum Glück ruhigere Musik. Es kamen immer mehr Leute auf die Tanzfläche um den Baum, weshalb wir uns enger zusammenstellen mussten, um nicht ständig gegen die Nachbaren zu stossen. Durch die Nähe wurde mir schnell ziemlich warm, bis ich es nicht mehr aushielt und zum Eingang ‚flüchtete‘. Dort war es angenehm kühl, denn draussen verwirbelte ein frischer Wind den Schnee. Jonas war mir nicht gefolgt. Stand mit dem Rücken in meine Richtung neben Rosie, Lewis und Lisa. Sie schienen sich prächtig zu amüsieren, nur ich schluckte schwer. Ich drehte mich um und lief hinaus in den Schnee, bis ich die Musik nur noch leise hören konnte. Noch vor wenigen Sekunden war alles wie im Märchen gewesen. Ich wandelte, da ich sowieso schon so weit gekommen war, müde zur Weide der Hengstfohlen und lehnte mich an den Feldahornbaum. Die kalte Rinde fühlte sich rau an unter meinen Fingern. Ich fuhr die feinen Risse entlang und schloss die Augen. Ich bin so verwirrt… Einfach verwirrt. Ich verstehe es nicht. Vielleicht muss ich das auch nicht. Was spielt es für eine Rolle? Ich habe mich daran gewöhnt, alleine zu sein. Ich war es vor Jack, und ich werde es auch nach ihm sein. Plötzlich stupste mich eine weiche Schnauze an. Ich hatte nicht bemerkt, wie Simba näher gekommen war. Offenbar hatte jemand vergessen, das Offenstalltor zu schliessen. Er knabberte an meinem Arm, vermutlich wollte er spielen. Ich kraulte liebevoll die Stirn mit dem feinen Stern darauf und strich den langen Fohlenohren entlang bis an deren Spitze. Der Atem des Fohlens stieg in Wölkchen aus den Nüstern. Zum Glück hatte er seine schwarze Decke an. Auch mir wurde langsam kalt, Zeit zurück zu gehen. Ich lockte den goldenen Löwen zurück in seine Höhle und kontrollierte, ob die restlichen drei auch da waren. Simba streckte mir die Nase ins Gesicht als ich ihm zum Abschied darüber strich und ich murmelte leise „Ich bin gar nie alleine. Danke…“ Dann drehte ich mich um und schloss das Tor. Ich lief zügig zur Halle zurück. Als ich sie betrat wurde die Musik rasch lauter, sie war mir zuvor gar nicht mehr aufgefallen. Das Licht und das warme Geplauder der Leute umfluteten mich und irgendwie kehrte eine gewisse Freude und Genugtuung in mich zurück. Ich wurde sogleich von Quinn und Ajith empfangen, die mich besorgt umringten. “We already thought the killer took you! Don’t do that again“, scherzten sie. Wir liefen zu Darren und Lily. Ich dachte nicht einmal daran, zu Jonas hinüber zu schielen, warum auch. Er ist mir heute egal. Den restlichen Abend war ich aussergewöhnlich gut gelaunt und lachte viel, lenkte mich selbst ab und liess los. Loslassen – klingt gut.

      Occulta Der Gewohnte Ablauf inmitten von Trümmern

      Als wir bei den Hengstchen fertig waren, schlängelte ich mich geschickt durch den Zaun und schob das Tor der Stuten auf. Sofort war ein kleiner Kopf im Spalt zu sehen, und neugierige, grosse Augen prüften die Umgebung. Der Kopf gehörte zu Chip, die nun ihre Pelzohren nach hinten klappte und sich umdrehte um Goldy zu kneifen, die von hinten gedrängelt hatte. Die Stuten hatten eine Strenge Hierarchie, und Chip hatte Daki letztens von der Spitze verdrängt. Schliesslich öffnete ich das Tor ganz und die kleinen Pferde verteilten sich gemächlich im Schnee. Nur Kiwi zögerte. Sie hob vorsichtig den linken Vorderhuf und tauchte ihn in die kalte, weisse Masse, dann ging sie wieder rückwärts und suchte eine andere Stelle, an der der Schnee vielleicht tiefer lag. Schliesslich kämpfte sie sich doch noch zu Queenie vor, die bereits Tiki den Weg pflügte. Es war amüsant diese kleine Entenfamilie zu beobachten. Lewis begann bereits, den Stall zu misten, also eilte ich hinzu um ihm zur Hand zu gehen. Wir arbeiteten rasch aber gründlich und streuten zuletzt eine Schicht frisches Stroh ein, sodass der Stall wieder einmal wundervoll duftete. Die Minis sammelten sich unterdessen im Schnee ihre Eisklümpchen an den Beinen zusammen und holten sich weisse Schnauzen. Ich beobachtete eine Weile, wie Rose unter dem Apfelbaum scharrte und sich so einige Grashalme eroberte. Lady stand daneben und starrte in die Ferne, ehe sie ebenfalls zu scharren begann. Alu schien nicht so begeistert. Die graue Stute war in der Nähe von mir geblieben und beäugte den tiefen Schnee skeptisch. Ich ging zu ihr hin und kraulte sie etwas. Die Show würde um 17:00 beginnen, ich hatte also noch reichlich Zeit, Papillon und Chip vorzubereiten. Da Lewis und ich mit dem Misten nun fertig waren, machte ich einen Abstecher zur Galoppbahn, um zu sehen wie das Morgen-Workout lief. Aufgrund des vielen Schnees konnten die Jockeys nicht auf der Grasbahn Trainieren. Unter den Tannen der Galoppbahn hatte es hingegen dank der dichten Äste weniger Schnee, weshalb die Vollbluthengste sauber in einer Reihe die Bahn entlang donnerten. Die Stuten kamen in der Trainingseinheit danach dran.

      Um zwei Uhr holte ich Papillon und Chip von der Weide und brachte sie in den Innenhof des Hauptstalls zum Schären. Die dicke Wolle war ganz schön hartnäckig. Ich arbeitete mich vom Kopf nach hinten. Chip hielt schön still, da sie sich diese Prozedere schon gewöhnt war. Papillon hingegen zappelte vor und zurück, um dem nervig lärmenden, kleinen Ding zu entkommen. Bald lag haufenweise Fell am Boden und die beiden hatten kurzen aber weichen Stoppelpelz. Ich wusch bei beiden noch den Schweif und die Mähne, dann flocht ich die nassen Schweife, strich die Mähne ordentlich zu Recht und fettete die Hufe. Zuletzt nahm ich ganz wenig Öl und strich damit Augen und Nüstern ein. Ich verwendete wirklich nicht viel, da ich den Glanz eigentlich hässlich fand, den Richtern gefiel dies jedoch. Nun musste ich den frierenden Minis ihre schwarzen Fleece-Decken anziehen und sie vorübergehend in den Hauptstall stellen. Ich band sie vor Gleams Box an, damit ich in aller Ruhe den Anhänger vorbereiten konnte.
      Eine Stunde später befand ich mich zusammen mit Lisa auf dem Parkplatz vor der Showhalle. Es herrschte reges Treiben und alle Teilnehmenden entfernten emsig das letzte Bisschen Staub von ihren perfekten kleinen Barbiepferdchen. Ich hielt nicht viel von diesem extremen Aufhübschen, schliesslich waren die Pferdchen auch von Natur aus perfekt. Dennoch hatte die Stimmung in der Halle etwas magisches, zumal es draussen auch schon wieder schneite und drinnen alle fröhlich beieinander versammelt am Plaudern waren, mitsamt den Pferdchen. Ich fand ein paar befreundete Züchter und gesellte mich zu ihnen. Chip schnüffelte an einer Scheckstute, die knapp erreichbar neben ihr stand. Wenn sie nachher auch so nen schönen Hals macht, dann haben wir gute Chancen. Lisa hielt Papillon. Die junge Stute war ziemlich nervös, denn es war ihre erste Show. Wir starteten mit den beiden in der Halter Class, wo Aussehen und Bewegungen beurteilt wurden. Als es endlich losging, stellten wir uns hinter dem mit weissen Plastikbanden abgegrenzten Showbereich auf und liefen dann mit den anderen Teilnehmern im Gegenurzeigersinn hinein. Zunächst mussten wir antraben und eine Dreiviertelrunde laufen, dann in den Schritt parieren und auf die Mittellinie abbiegen. Anschliessend stellten wir die Minis im Halbkreis auf und positionierten sie für die Präsentation. Ich lief einen Schritt auf Chip zu und schnalzte etwas, damit sie, wie einstudiert, einen Schritt rückwärts trat. Anschliessend zupfte ich fein am feinen Lederhalfter, sodass sie die Vorderbeine ein wenig weiter vor nahm. Nun musste ich sie ein wenig beschäftigen, damit sie den Kopf schön oben hielt, einen hübschen Hals machte und die Ohren nach vorne richtete. Dazu tat ich so, als hätte ich ein Leckerli in der Hand. Es klappte, die Richter liefen durch die Reihen und begutachteten kritisch. Ich schielte zu Papillon und Lisa. Sie hatte sichtlich mehr Mühe, die aufgeregte Stute ruhig zu halten. Immer wieder machte sie einen Schritt vor, sodass Lisa sie neu hinstellen musste. Dennoch war ich zufrieden mit dem Ergebnis, das kurz danach verkündet wurde. Mit Chip hatte ich wieder einmal den zweiten Platz belegt, Sieger war eine Rappstute geworden. Papillon hatte es immerhin noch auf den siebten Platz von insgesamt 13 Teilnehmern geschafft. Wir lobten unsere Pferdchen eifrig und stellten sie für die Fotos auf, dann fuhren wir so schnell wie möglich nach Hause, damit sich die beiden ausruhen konnten.

      Occulta Die Feder im Sturm

      Endlich hatte ich mir den Traum eines weiteren Miniature Hengstes erfüllt! Er war ein wunderschöner Silver Buckskin, 3 Jahre jung und mehrfacher Youngster-Showsieger. Ich hatte ihn gestern abgeholt und über Nacht, da der Wetterbericht gut ausgesehen hatte, auf die Weide neben der Mini-Hengstchen Weide geschmissen. Die Nacht ohne Unterstand hatte ihm anscheinend nicht geschadet, denn er war aufmüpfiger denn je, als ich ihn zum Tor der Weide seiner zukünftigen Weidekumpels führte. Der kleine Mann, der auf den Namen ‚Darkwood‘s Storm Dancing Feather‘ hörte, drängelte sich immer wieder vor und schüttelte den Kopf. Die anderen beiden Rabauken sahen sich das Schauspiel zunächst aus einiger Entfernung an, doch als ich zum Tor kam, trottete uns Caresse mit ausgesprochenem Imponiergehabe entgegen. Unglaublich, wie sich so ein kleiner Fellball aufplustern kann! Dachte ich amüsiert. Ich liess die drei (Arco war mittlerweile auch aufgekreuzt) nochmals durch den Zaun aneinander schnuppern, dann öffnete ich das Tor vorsichtig. Ehe jemand entwischen konnte, hatte ich es wieder geschlossen. Als nächstes blieb ich neben ‚Stormy‘ stehen und schlichtete so aufkommende Unruhe. Es klappte gut, sodass ich ihn schon nach wenigen Minuten laufen liess. Sofort schoss die Truppe im Trab davon. Caresse jagte den Neuling einmal quer über die Weide und kniff ihm in die Flanke, bis dieser ausschlug. Aber schon bald unterwarf er sich und folgte Caresse zurück zu Arco, der schon nach wenigen Metern zum Fressen stehengeblieben war. Noch graste Storm etwas abseits, doch das würde sich bald ändern, da war ich mir sicher. Die Tränken der Minis waren laut Lisa schon am Morgen kontrolliert worden, auch gemistet war bereits.

      Als nächstes wollte ich noch bei den Stuten vorbeischauen. Die kleine Herde sah so schön bunt aus von weitem, dass ich gleich mit dem Mopho ein Foto schiessen musste. Daki begrüsste mich wie immer mit ihrer rosa Schnauze an meiner Hosentasche, während Chip an meinen Schuhen schnupperte. Lady und Rose blieben hinter den beiden dominantesten Stuten und sparten sich so Ärger. Chip war immer sehr gereizt wenn es darum ging, wer zuerst die Besucher begrüssen durfte. Ich lief nach einigen Minuten, in denen ich Daki liebevoll den Hals kraulte, worauf sie dasselbe bei Chip anfing, zu Sunny, Alu und Queenie, die noch immer entspannt unter dem Baum lagen. Ich kniete mich neben Alu und streichelte ihr sanft über den Rücken. Nach einer Weile kam Papillon mit Kiwi und Tiki im Schlepptau angelaufen. Ich war erstaunt, dass die beiden halbstarken der ebenfalls noch sehr jungen Stute anstatt ihrer Mutter bzw. Ziehmutter folgten, bis ich den Grund dafür verstand: Papillon verwarf aufgedreht den Kopf und quietschte, als Kiwi ihr spielerisch in die Seite kniff. Daraufhin trabten alle drei ein paar Meter, dann stieg Tiki und neckte Papillon so ebenfalls weiter. Sie spielen! Ich beobachtete die drei eine Weile begeistert und lehnte mich unterdessen gegen Alu, die sich das total cool gefallen liess. Die Sonne warf durch das Blätterdach des Apfelbaumes Lichtflecken auf das spärliche Gras darunter. Ich hätte den ganzen Tag daliegen können, denn man vergass leicht die Zeit und alle Sorgen der Welt, wenn man dem rhythmischen Kauen der Pferde zuhörte. Doch natürlich musste ich spätestens nach einer halben Stunde wieder meinen Pflichten als Pferdebesitzerin und Leiterin eines ganzen Gestüts nachgehen.

      Occulta Halloween Special auf Pineforest Stable

      Heute war es besonders Neblig, als ich zum Fenster raus blickte. Ich musste augenblicklich grinsen als ich feststellte, dass es Halloween war und die Szenerie perfekt passte. Doch richtig lustig würde es erst abends werden. Sheela kam schwanzwedelnd die Treppe rauf geschossen, als ich die Zimmertür öffnete. Sie schleckte mir die Hand ab, während Jacky kurz um mich wuselte, und dann wieder runter in die Küche hüpfte. Morgens war die kleine Jack-Russel Hündin nicht so liebevoll, da sie vor allem eines wollte: Futter. Das bekamen die beiden nun auch.
      Den Tag über war ich an einer Kostümparty und einer Halloween Show mit Unbroken Soul of a Rebel zu finden. Ich hatte den Paint-Hengst so bemalt, dass es aussah, als wäre er beim Übergang seiner Scheckung Frankenstein-mässig aus zwei verschiedenen Pferden zusammengenäht. Lewis hatte diese lustige Idee gehabt, und mir die Farben besorgt.
      Auf Pineforest Stable selber war nicht viel los; die Pfleger wollten ihre Arbeit möglichst früh erledigt haben, damit sie am Abend ausgehen konnten, also waren sie nicht sehr gesprächig. Ausser Ajith und Quinn, die ich erwischte, wie sie aufgeregt kichernd und flüsternd in Sundays Box standen. Sie gingen jedoch sofort wieder ihrer Arbeit nach, als sie sahen, dass ich sie beobachtete, sodass ich die beiden gar nicht erst auffordern musste. Ein zufriedenes Grinsen huschte mir dabei übers Gesicht – wie gut ich meine Mitarbeiter doch erzogen hatte. Ich genoss die Ruhe, wenn ich zuhause war, denn Feststimmung gab es auf der Party genug. Als ich gerade bei Burggraf stand und den Hengst sattelte, kam Jonas auf mich zu. „Hey Boss, heute Abend schon was vor?“ Ich hob erstaunt die Augenbrauen. „Nein… Warum?“ „Ach, ich hab grad überlegt, ob du mit an die Party in Birmingham kommen willst, aber mir ist eingefallen, dass ja jemand auf den Hof aufpassen muss.“ Mir klappte der Mund auf und ich wollte empört etwas erwidern, aber er verschwand schon wieder durch das Stalltor. Frechheit! Von wegen gut erzogen… Ich wandte mich wieder Muffin zu und zog den Gurt an.
      Als ich mit ihm, Jacky und Sheela vom Gelände zurückkam, hatte ich einen Entschluss gefasst. Quinn hatte am Morgen deutlich gemacht, dass sie weder an eine Kostümparty, noch an sonst irgendeine Saufveranstaltung mitkommen würde. Sie hatte sogar versucht, die Leute zu überzeugen, auf Pineforest Stable selbst zu feiern, anstatt alle auszugehen. Sie würde also bestimmt hier sein, um aufzupassen. Deshalb wollte ich nun doch auch nach Birmingham. Aber nicht dorthin wo Jonas ist, dachte ich mit einer herrlichen Genugtuung. Ich erzählte ihr von meinem Plan, sobald ich Burggraf versorgt hatte. Zu meiner Überraschung reagierte sie verstört. „No, you cannot…. I mean, you should stay here“, stammelte sie. „Why? You stay, right? I leave Sheela here to protect you, and If something happens you can always call me.“ „Probably, but what if some drunken people come here and mess things up?“ Ich verstand ihren Punkt; ich wollte auch nicht alleine im Dunkeln einer besoffenen, verkleideten Meute begegnen. „Fine, I’ll stay.“ Sie sah sehr erfreut aus und lief in Richtung Halle, bevor ich etwas Weiteres sagen konnte. Ich hingegen, machte mich auf den Weg zu den Minis. Die meisten von ihnen mussten heute für die Herbstshows geschoren werden, was ein ganzes Stück Arbeit war. Zum Glück halfen Lewis und Lisa mit. Wir führten zuerst Arco, Lenny, Storm und Caillean in den Innenhof des Hauptstalls. Dort banden wir die Flauschkugeln an und begannen, mit den Schermaschinen die dichte Wolle zu trimmen. Beim Kopf war ich besonders vorsichtig, aber auch der musste ein wenig bearbeitet werden. Alle hielten schön still, denn sie waren schon als Fohlen auf das Scheren vorbereitet worden. Auch Caillean stand Schulbuchmässig da und spielte mit dem Strick, anstatt sich um das lärmende Ding zu kümmern. Wir waren rasch fertig und konnten auch gleich die nächsten Kandidaten holen: Papillon, Daki und Lady. Letztere zappelte etwas, als ich die Maschine am Bauch ansetzte, doch mit etwas Geduld konnte ich sie auch dort von ihrem Pelz befreien. Nun fehlten noch Chip, Queen und Sunny. Ach, und natürlich die neue; Tigrotto. Ich hatte sie wenige Wochen nach Dante, dem Esel, übernommen, denn sie war eine hervorragende Showstute und hatte gute Bewertungen an den Fohlenschauen bekommen, an denen sie teilgenommen hatte. Um sie kümmerte ich mich als letztes. Dabei war ich zunächst eher vorsichtig, weil ich nicht wusste, wie gut sie an das Scheren gewöhnt war. Doch sie zickte nicht, sodass ich ebenfalls schon nach zwanzig Minuten fertig war. Nun hatten wir einen Berg aus Fell vor uns, und auf der Weide standen viele nackte Miniaturpferdchen. Lewis und ich machten uns daran, ihnen allen eine Decke anzuziehen, damit sie nicht kalt hatten, Lisa hielt unterdessen Sheela davon ab, den Fellhaufen auseinanderzunehmen. Es handelte sich um stabile, wasserabweisende Decken mit guten Verschlüssen, die sie in Position hielten. Sie waren ganz schön teuer gewesen, aber die Anschaffung hatte sich definitiv gelohnt. Tic-Tac, Rose, Alu und Kiwi durften ihren Pelz noch behalten, denn mit ihnen wollte ich erst im Frühling wieder starten. Zufrieden kraulte ich Daki, als alles erledigt war. Die kleine Stute knabberte mir liebevoll an der Regenjacke, als wäre ich ein anderes Pony.

      Am Nachmittag unterrichtete ich Rita auf Dod, damit sie auch ein Gefühl für Westernpferde bekam. Das klappte erstaunlich gut – naja, so erstaunlich war es doch nicht, denn sie brauchte nur einigermassen gerade zu sitzen, den Rest erledigte der fein ausgebildete Dod von selbst. Jedenfalls solange er kooperativ war. Als die Pflegerin zum dritten Mal auf dem Zirkel angaloppieren wollte, hatte der Hengst genug und beschloss kurzerhand, den Platz zu verlassen. Rita konnte kaum etwas tun, denn wenn Dod ein Ziel im Kopf hatte, musste man schon verdammt gut reiten können, um ihn wieder in den Griff zu bekommen. Ich eilte ihr zu Hilfe und fing ihn kurz vor dem Weg wieder ein. Danach arbeiteten wir noch etwas vom Boden aus weiter, das gefiel ihm deutlich besser. Ich überliess es Rita, ihn zu verräumen und ging direkt weiter zu Numair. Ich wollte mit ihm ebenfalls auf dem Platz arbeiten, allerdings zusammen mit Anubis und Lisa, die bereits in der Stallgasse des Nordstalls bereit standen. „Sorry, I’m late“, keuchte ich, denn ich war den Weg hochgerannt. „It’s okay, du kannst Deutsch mit mir sprechen, schon vergessen?“, meinte Lisa lachend. Ich schlug mir symbolisch mit der Hand gegen die Stirn und grinste, dann holte ich Numi aus der Box. Wir ritten eine Art Pas-de-Deux mit den beiden sonst Western gerittenen Hengsten. Sie machten gut mit, aber schaukelten sich nach dem ersten Galopp gegenseitig hoch und zeigten ihr südliches Temperament. Am Ende bauten wir mehr Galopp in die ‚Kür‘ ein als uns lieb war, doch wenigstens waren die beiden danach müde. Auch die anderen beiden Araber auf dem Hof, Islah und Amor, mussten noch bewegt werden. Allerdings konnte ich Amor nicht besonders gut mit Stuten laufen lassen, da er sich dann nicht mehr konzentrierte. Also schickte ich Lisa und ihn zusammen mit Donut unter David und Baccardi unter Jonas raus. Islah übernahm ich ebenfalls nicht selbst, sondern übergab sie Lewis, um stattdessen mit Blue Lady Liquor zu arbeiten. Mit ihr sprang ich einen leichten Parcours und übte dabei insbesondere das Springen aus der Kurve. Die junge Stute war noch nicht lange unter dem Sattel, also musste ich ihr Schritt für Schritt alle Tricks beim Springen zeigen.
      Später ging ich wieder mit Halluzination und Satine als Handpferd ins Gelände. Das hatte beim ersten Mal so hervorragend geklappt, dass ich es seither immer wieder versucht hatte – mit Erfolg. Die beiden Stuten schienen miteinander zu harmonieren. Auch auf der Weide standen sie oft beisammen. Satine machte mir trotzdem immer noch Sorgen. Sie nahm einfach kaum zu, egal wie viel ich zufütterte. Den Tierarzt hatte ich auch schon mehrfach bestellt, aber er meinte jedes Mal nur, ich solle weitermachen wie bisher. Während ich die beiden nach dem Ritt versorgte, berichtete mir Lewis, dass Islah wiedermal etwas faul, dafür umso schreckhafter gewesen war. Darren, der mit Piroschka mitgegangen war, hatte weniger Mühe gehabt.

      Als es dunkel wurde, verschwanden auch nach und nach die Leute, bis Quinn und ich als einzige im Hauptstall standen. Ich schlug vor, dass wir uns auch einen gemütlichen Abend machen sollten. Sie nickte erfreut und meinte, man könne ja ins Strohlager. Ich holte eine Taschenlampe, Tee in einer Kanne, Snacks und ein paar Brettspiele aus dem Haus. Dann öffneten wir die Luke zum Dachboden des Hauptstalls, wo das Stroh gelagert wurde. Sheela winselte, als wir ohne sie nach oben kletterten, doch sie war mittlerweile einfach zu gross, als dass ich sie hätte nach oben tragen können. Fairnesshalber liess ich auch Jacky unten. Ich legte den beiden eine alte Abschwitzdecke auf den Boden, auf der sie sich auf mein Zeichen hin platzierten. Der Dachboden war ein durchgehender Raum, nicht besonders hoch und vollgestopft mit Strohballen. Es hatte zwar Lampen hier oben, aber sie leuchteten nur dämmrig. Alle paar Meter gab es eine neue Luke, durch die das Stroh nach unten in die Stallgasse befördert werden konnte. Quinn und ich machten es uns im weichen Stroh neben den grossen Quadern gemütlich und begannen mit einer Partie Mühle. Ich merkte gar nicht, wie die Zeit verging, denn als ich beim nächsten Mal auf die Uhr sah, war bereits halb zwölf. Ich gähnte demonstrativ und fragte, ob Quinn noch etwas Tee wolle. Sie bejahte, also kletterten wir die Leiter hinunter und wollten gerade zum Haus, als ich Schritte vernahm. „Guess you were right with those drunken guys“, flüsterte ich mit besorgter Stimme. Ich hielt es für das Beste, nachzusehen und die Eindringlinge zu verscheuchen. Wir schlichen mit Sheela, die gerade mitten in der Ausbildung zum Schutzhund war, um den Hauptstall herum zum Roundpen, doch ich konnte niemanden sehen. Plötzlich sah ich zwischen den Tannen der Galoppbahn ein Licht auf und ab tanzen. „There! Sheela, go!“ Ich schickte die Hündin wie im Training auf das Ziel los, da ich mir sicher war, dass das Licht von einer Taschenlampe stammte. Sie flitzte los, bellte ein paarmal, doch dann wurde es still. Ich schluckte leer. „…Sheela?“ Keine Reaktion. Quinn und ich sahen uns an, dann liefen wir langsam in Richtung des Lichts. Als wir kurz davor waren, verschwand es jedoch. Von Sheela war keine Spur. „Oh no, she must have followed them – or they dognapped her!“, meinte Quinn, wobei sie bei dem Wort ‚dognapped‘ grinsen musste. Wie kann sie auch noch Scherze darüber machen? Wir müssen weiter, dachte ich aufgebracht. Schon sah ich ein neues Licht, diesmal beim Offenstall der Minihengstchen. Sofort rannte ich in die Richtung, denn ich wollte auf jeden Fall verhindern, dass die Typen den Minis etwas antaten, auch wenn ich mich mit Händen und Füssen würde wehren müssen. Als wir dort ankamen, war das Licht aber bereits wieder ausgegangen. Im Dunkeln stolperte ich über etwas im feuchten Gras liegendes und fiel beinahe ausgestreckt auf den Boden. Ich sah nicht, was der Gegenstand war, denn ich rappelte mich erschrocken wieder auf und rannte zur Halle, wo das nächste Licht aufflackerte. Quinn rief irgendwas von „there’s something hanging in the tree“, aber ich achtete mich nicht, zu fokussiert war ich auf mein Ziel. Schliesslich erreichte ich die Halle, und Quinn wenige Sekunden nach mir ebenfalls. Wir schlichen, abermals in völliger Dunkelheit, um das grosse Gebäude herum, auf der Suche nach irgendwelchen Gestalten. Warum ist es nur so dunkel? Ohne den Nebel würde ich sie bestimmt sehen. Plötzlich schrie Quinn kurz auf, es folgte ein kurzes Glucksen, dann Totenstille. Mittlerweile tatsächlich ängstlich drehte ich mich um und rief nach ihr, doch bekam keine Antwort. Das ist nicht möglich, der Mörder ist doch längst hinter Gittern! Ich wollte mein MoPho aus der Jackentasche holen, um endlich der Polizei anzurufen, doch es war weg. Ich suchte überall, sicher, dass ich es wie immer rechts gehabt hatte, doch es war nirgends zu finden. Als nächstes torkelte ich durch die Dunkelheit zum Haus, doch die Tür war verschlossen. Wie ist das möglich? Ich hatte sie doch offen gelassen, als ich Tee geholt hab... Langsam kam ich mir vor wie eine Geistesgestörte, die sich alles nur einbildete, denn auch den Schlüssel fand ich nirgends. Bestimmt bin ich im Strohlager eingeschlafen und träume alles nur, beschloss ich. Doch mit einem Kniff in den Arm wachte ich nicht auf. Unentschlossen blickte ich umher und sah dabei abermals das Licht, diesmal beim Nebenstall. Ich änderte meine Strategie und schlich mich darauf zu, immer im Schutz der Gebäude bleibend. Es schien zu klappen; diesmal verschwand das Licht nicht. Beim Näherkommen hörte ich aufgeregtes Getuschel und ein „shhh!“ An den Stimmen erkannte ich Lisa, Lewis, Jonas, Rosie und Ajith, doch da waren auch die Umrisse von weiteren. „What is happening?“, fragte ich, als ich nahe genug war, und erschreckte sie damit erfolgreich. Jemand machte Licht, sodass ich alle Gesichter erkannte. Es waren fast sämtliche der Pfleger. „Happy Halloween!...“, lachte Lewis, und die anderen stimmten mit ein. „Aber wie… Wo ist Sheela?“ Kaum hatte ich gefragt, kam die Labradorhündin Schwanzwedelnd auf mich zugehüpft. Sie haben mir also nur einen Streich gespielt, stellte ich erleichtert fest. Wir liefen alle zum Hauptstall und kletterten ins Strohlager, wobei Jonas mir Sheela hochhob und Jacky von Ajith mitgenommen wurde. Die beiden Hunde sahen sich sofort neugierig in diesem unbekannten Teil ihres Territoriums um, während die Pfleger mir erzählten, wie sie das Ganze geplant und durchgeführt hatten. Nachdem zuerst jeder gleichzeitig seine Sicht schildern wollte, sorgte Oliver für Ordnung und gab Jonas das Wort. „Aaaalso; wir haben die Idee schon vor Wochen gehabt, aber Quinn ist es hauptsächlich zu verdanken, dass wir es wirklich durchgeführt haben, sie hat die Leute zusammengetrommelt und hierbehalten. Zuerst mussten wir sicherstellen, dass du auch hier bleibst.“ „Ach deshalb warst du so frech“, unterbrach ich ihn. Er strich mir grinsend mit der Hand übers Gesicht, zum Zeichen, dass ich schweigen solle. „Jedenfalls war ich erfolgreich, oder?“ „Auf keinen Fall! Ich war sogar fast so weit, aus Trotz extra wegzugehen. Quinn war diejenige, die mich überzeugt hat zu bleiben.“ „Wie auch immer; wir anderen gingen also nach und nach, versteckten uns aber tatsächlich in der Halle. Als du ins Haus gegangen bist und den Schlüssel hast stecken lassen, hab ich ihn mir geschnappt, um später die Tür zu schliessen, damit du, nachdem dir Quinn hier oben so erfolgreich das Handy geklaut hat, nicht auf die Idee kommst, doch noch die Polizei zu rufen oder so. Dann haben wir uns mit den Taschenlampen positioniert und sind jedes Mal ein paar Meter weiter ins Gras gelegen, wenn ihr zu nahe kamt.“ „Ach deshalb hat Sheela nicht angegriffen – sie hat euch natürlich gleich erkannt…“ „Jap, und Elliot hat sie fixiert, damit sie nicht bellt. Über unseren abgetrennten fake-Arm beim Offenstall bist du leider nur drübergefallen, und auch den hängenden Mann hast du nicht gesehen.“ „Even as I wanted to call you back!“, warf Quinn ein. „Danach mussten wir uns einen Plan B überlegen, denn eigentlich war geplant gewesen, dass du es dabei natürlich merkst. Also haben wir Quinn bei der Halle entführt.“ „Dann wusstest du vom letzten Teil auch nichts?“, fragte ich Quinn lachend. „Nein, daher hatten wir auch Mühe, sie festzuhalten und vor allem zu verhindern, dass sie vor Lachen platzte!“, antwortete Lisa für sie. „Doch zuletzt hast du uns doch überlistet. Wir waren so abgelenkt, dass wir gar nicht bemerkt haben, wie du näherkommst…“ Ich stiess ein triumphierendes „yes!“ aus, und wir lachten alle herzhaft. „Nun hätte ich aber gerne meine Schlüssel und mein MoPho zurück“, sagte ich auffordernd. Quinn gab mir das Handy, doch Jonas hielt die Schlüssel nur grinsend auf. Ich stürzte mich auf ihn und nahm sie mir etwas unsanft, wobei er mich festhielt, sodass wir nebeneinander im Stroh lagen. Wir amüsierten noch etwas mit Brettspielen und Tee, ehe wir endlich alle zu Bett gingen.


      Occulta [​IMG] E-A

      Heute war ein wunderschöner Herbsttag, sodass wir fast nicht anders konnten, als das Wetter draussen zu geniessen. Wir beschlossen deshalb, gleich ein paar Trainingsfahrten mit den Miniature Horses zu drehen. Das einzige Problem war, dass Pineforest Stable nur zwei Mini-Kutschen besass. Also kamen heute nur Chocolate Chip und Papillon d’Obscurité in den Genuss eines Ausflugs. Wir beeilten uns mit dem Anschirren und konnten zeitig in Richtung Nordosten losfahren. Chip war eher der Country Pleasure Typ was das Fahren anging, während Papillon den selteneren Simple Pleasures angehörte – der Unterschied lag vor allem in der Vorhand Aktion. Bei Country Typen war diese eher horizontal und raumgreifend, bei den Simple Pleasure Pferden vertikal und imposant. Wir achteten deshalb darauf, dass die beiden in ihrer jeweiligen Art gut liefen. Bald kamen wir in den Laubwald und waren umgeben von bunten Blättern. In dieser Farbenpracht wagten wir einen kleinen Galopp. Ich war Mit Papillon unterwegs. Die dunkle Stute mit der hellen Mähne war ein echter Hingucker, auch wenn sie im Moment geschoren war. Bei Chip war das nicht anders, wobei sie eher mit ihrem ausgezeichneten Exterieur als mit der Fellfarbe bestach. Trotzdem gefiel mir der gräuliche Braunton ihres Fells auch gut. Und laufen konnte sie! Sie überholte mich und Papillon ohne Problem. Etwas eifersüchtig war ich in diesem Moment schon auf Lewis, der im anderen Sulky-artigen Gefährt sitzen durfte. Dafür war Papillons Auftritt mit den hochfliegenden Beinchen eindrucksvoller. Bei beiden Fahrstilen waren aber besonders auch die Entspanntheit und die Leichtigkeit, mit der die Pferdchen liefen wichtig. Es musste eben so aussehen als sei es ‚a pleasure‘ sie zu dirigieren, was es auch tatsächlich war. Wir waren sicher eine Dreiviertelstunde unterwegs, bis wir zurück auf den Hof bogen. Als wir ankamen, herrschte reges Treiben auf dem Sandviereck. Wir versorgten die beiden Minis, stellten fest, dass ein paar der anderen Stütchen fehlten und liefen hoch zum Viereck, um zu sehen, was los war. Lisa, Darren, Jonas und Ajith hatten einen kleinen Parcours aufgebaut und trainierten mit den Minis das Showspringen. Begeistert sah ich beim restlichen Training zu. Sie hatten sich dafür Arco, Rose, Sunny und Kiwi geschnappt. Der kleine Hengst war natürlich total aufgedreht und fand es nicht so cool, dass ‚seine‘ Stuten herumgejagt wurden. Er selber sprang aber ganz ordentlich, als wollte er ihnen imponieren. Die drei Stütchen selbst schienen nicht ganz so voller Energie, jedenfalls flitzten sie nicht auf die Hindernisse zu sondern blieben schön ruhig. Dafür sprangen sie umso schöner. Besonders Kiwi zeigte Potential, das sie vermutlich von ihrem Vater Glenns Caress geerbt hatte. Ich sah verträumt zu, wie ihr schneeweisses Langhaar aufflog und ihre Beine sich geschmeidig und beinahe Katzenartig bewegten. Irgendwann begann Jonas, die Stangen immer etwas höher zu stellen. Hierbei konnte Kiwi nicht mehr ganz so gut mit den Grossen mithalten. Immerhin kam sie etwa gleich hoch wie Sunny, während Rose und Arco um die Spitze konkurrierten. Den Rekord stellte schliesslich Arco auf, der momentan bereits auf 85cm kam, was ganz schön hoch für seine Trainingsstufe war. Das eigentliche Training hatte aber darin bestanden, den Minis das Springen an der Hand schmackhaft zu machen und ihnen die wichtigsten Kommandos beizubringen. Die Höhenmessung war nur zum Spass geschehen. Lisa, Ajith, Darren und Jonas hatten gute Arbeit geleistet: Alle vier Minis konnten nun mehr oder weniger ruhig am langen Seil über niedrige Hindernisse springen und so einen kleinen Parcours meistern. Kiwi und Rose taten es mit grosser Begeisterung, Sunny musste hingegen etwas mehr motiviert werden, aber ich war zuversichtlich, dass auch sie in Zukunft hin und wieder an eine entsprechende Show gehen könnte. Und bei Arco scheiterte das Ganze noch etwas an der Konzentration, was aber durch Übung sicherlich zu verbessern war. Am Ende wurden alle Minis mit Karotten und Heu versorgt, schliesslich hatten sie harte Arbeit geleistet.
      22 Nov. 2015
    • Occulta
      Letzter Bericht:

      Silhouetten im Nebel

      Ich befand mich gerade bei meiner neuen, gestreiften Freundin, als Lily wieder angerannt kam. Sie war schon den ganzen Morgen so hibbelig drauf und ich machte mir langsam Sorgen, dass in ihrem Müsli zu viel Zucker drin sein könnte. Thairu liess sich auch ein wenig anstecken und trabte den Kopf verdrehend von mir weg, nur um einige Meter entfernt einen kräftigen Buckler zu machen und danach wieder zu mir zu glotzen. „Komisches Tier“, murmelte ich grinsend, dann sah ich mich nach meiner kleinen Nichte um. Wenigstens hatte sie von dem kleinen Drama mit Golden Sunset nicht viel mitbekommen, das sich vorgestern ereignet hatte. Ich konnte es noch immer kaum ertragen, daran zu denken, wie die kleine Stute geschwitzt und sich gewälzt hatte. Sie hatte eine schwere Kolik bekommen, vermutlich, weil Spaziergänger ihr überreife Früchte gefüttert hatten. Wir hatten sofort den Tierarzt gerufen als Lewis es bemerkt hatte, aber es war auch gegen Abend trotz der ausgezeichneten Betreuung in der Tierklinik nicht besser geworden. Ich hatte daraufhin schweren Herzens mein Einverständnis gegeben, die Palominostute zu erlösen. Noch am selben Abend brachten die Pfleger Schilder an den Weidezäunen an, die das Füttern der Tiere verboten. Lilys Stimme brachte mich zurück in die Gegenwart. „Tante Occu, darf ich heute auf White Dream reiten?“ Ich seufzte erschöpft. Lily hatte die ganze vergangene Woche immer wieder danach gefragt und ich überlegte langsam ernsthaft nachzugeben, alleinschon, damit ich endlich Ruhe hatte. Das Mädchen war nun seit zwei Wochen hier und mindestens einmal am Tag auf dem Pferd gesessen; Trotzdem schien sie nie genug zu haben. „Biiiite“, las ich von ihren runden, dunkelbraunen Augen ab. „Na gut, aber nur in der Halle, und nur nachdem Lisa mit ihr gearbeitet hat.“ Das reichte anscheinend schon völlig, denn ich bekam eine kräftige Umarmung und musste augenblicklich lächeln. So nervig Kinder auch manchmal sein konnten, so waren sie doch immer sehr ehrlich und zeigten einem, was sie fühlten. Nicht so wie manche Erwachsene… Jonas winkte uns von der Halle her zu. „Hey Boss, warst du schon mit Empire draussen?“ „Vergiss es, ich hab mich schon mit Quinn verabredet“, murrte ich zurück, was sogar der Wahrheit entsprach. Er zuckte mit den Schultern und verschwand wieder um die Ecke. „Und was soll ich in dieser Zeit tun?“, fragte Lily erwartungsvoll. „Uhhm, what about… Du hast heute frei, darfst selbst entscheiden.“ Sie nickte fröhlich und lief zu den Mini Weiden. Na wer hätte das gedacht, schmunzelte ich und stand ebenfalls zum Gehen auf. Ich pfiff nach Zira, die durch das nasse Gras angehoppelt kam. Ihr Bauchfell kräuselte sich schon vor Feuchtigkeit und sie hatte dreckige Pfoten, mit denen sie an mir hochstehen wollte. Ich stiess sie etwas unsanft weg und liess sie sitzen, dann lobte ich sie. Ich musste die junge Hündin erst noch erziehen, aber die Grundkommandos klappten schon ganz gut. Auch die anfänglichen Stubenreinheits-Probleme hatten wir bereits überwunden. So konnte ich sie auch ohne Bedenken im Haus lassen, als ich zum Hauptstall ging, um Empire zu putzen. Stromer stand bereits in der Stallgasse angebunden und drehte sich nach mir um, als er das Stalltor knarren hörte. Ich streichelte ihn liebevoll und entdeckte im selben Moment Quinn, die mit der Wurzelbürste seine matschigen Beine bearbeitete. Ich meinte zu ihr, dass das nicht viel bringe und man die Beine auch morgen noch waschen könne, weil er ja sowieso wieder dreckig von der Weide käme. Daraufhin befasste sie sich in erster Linie mit der Sattellage. Ich führte unterdessen Empire aus seiner Box und band ihn ebenfalls an. Der völlig ausgeschimmelte Hengst hatte wiedermal ein paar schöne Mistflecken, die ich am liebsten mit Bleichmittel bearbeitet hätte, aber das wäre wohl keine gute Idee gewesen. Daher beschränkte ich mich auf einen Kuhstriegel und mehrfaches durchbürsten, bis nur noch ein paar hellgelbe Flecken übrig waren. Das Langhaar war ebenfalls verdreckt, aber ich entwirrte es nur etwas und löste die gröbsten Klumpen, den Rest würde ich morgen machen. Dafür kratzte ich die Hufe gründlich aus, damit keinerlei Steinchen mehr darin verklemmt waren. Weil er so schön geduldig dastand und die Beinchen artig hob, bekam Empire ein Karottenstückchen. Natürlich musste ich daraufhin auch Stromer eines geben, der schliesslich auch stillgestanden war. Endlich konnten wir satteln, zäumen und die beiden Hengste nach draussen führen. Ich war gut eingepackt in meine Winterjacke, mit Mütze, Handschuhen und Schal. Auf Empires Fleecedecke hatte ich aber diesmal verzichtet, da wir heute viel galoppieren wollten. Quinn und ich ritten los in Richtung Dorf, bogen dann nach Norden und kamen endlich zu einem Laubwald. Der Nebel als dicke Suppe über der Landschaft und man sah nur ein paar Meter weit. Wir liessen Stromer und Empire auf dem Waldweg lange traben, dann bogen wir auf einen Trampelpfad und jagten durch die Gebüsche bis zum Waldrand. Dort trabten wir wieder kurz, bevor wir zu einem geeigneten Feld kamen und die beiden Blüter erneut ziehen liessen. Es machte unheimlich Spass, durch den dichten Nebel zu preschen. Wir konnten es auch nicht lassen, auch ein kleines Rennen daraus zu machen, wer zuerst am Feldende ankam. Natürlich gewann Quinn mit Stromer überlegen, denn im Gegensatz zu Empire war er noch deutlich leichter. Empire hatte dafür länger Ausdauer, doch solch kurze Feldgalopps konnten die beiden Vollblüter ohnehin nicht erschöpfen. Nach einer halben Stunde im Gelände waren die zwei erst richtig fit und liessen sich kaum mehr zügeln in ihrem Eifer. Aber ich erinnerte Empire jeweils durch halbe Paraden daran, dass ich auch noch da war. Der Hengst versammelte sich schön und machte einen runden Hals, kombiniert mit feinstem Spicktrab. “Oi, I’m not used to this behaviour of yours, you could do that more often. “Though we’re not in a dressage competition right now, ‘kay”, meinte ich lachend. Empire drehte bloss die Ohren zurück um zu hören, ob ich etwas Wichtiges gesagt hatte. Dann stolzierte er weiter. Ich wollte dieses Jahr mit ihm an einem Weihnachts Dressurturnier teilnehmen und war daher glücklich, ihn so toll laufen zu fühlen. Es war, als würden wir über den Feldweg tanzen, mit einem immer gleichbleibenden Takt. Stromer hatte mittlerweile auch kaum mehr Mühe, den Takt zu halten und ausbalanciert zu traben. Das war früher ganz anders gewesen, als er frisch auf Pineforest Stable gewesen war. Die meisten Vollblüter wurden in erster Linie auf Geschwindigkeit getrimmt, Balance und versammeltes Tempo wurden oft unterschätzt, obwohl die meisten Pferde erst dadurch ordentlich Kraft in der Hinterhand entwickelten.

      Wir kehrten nach fast eineinhalb Stunden auf den Hof zurück und sattelten die Pferde ab. Als wir sie versorgt hatten, suchte ich Lily und fand sie noch immer mit einer Bürste bewaffnet bei den Mini-Hengstchen. Sie erzählte mir stolz, dass sie bisher Daki, Alu, Diva, Chip, Papillon und auch noch Tigrotto geputzt hatte. Ich prustete los vor Lachen, als ich die Frisuren bemerkte, die sie Arco mit ihrem Haargummi verpasst hatte. „Das ist nur zum hochstecken, damit ich besser an den Hals rankomme! Lach doch nicht so!“ Ich entschuldigte mich, noch immer Tränen in den Augenwinkeln. Die kleine lachte nun aber selbst auch herzhaft. „Okaaay, es sieht bescheuert aus. Aber es hilft!“ Plötzlich wurde sie leiser und senkte den Blick. „Sunny hatte auch so ne schöne, helle Mähne…“ Ich klopfte ihr tröstend auf die Schulter und fragte, ob ich ihr ein paar schöne Flechtformen zeigen solle, um sie abzulenken. Sie nickte eifrig. Wir nahmen uns gleich Arco als Modellpferdchen. Mein kleiner Schatz hatte kürzlich die Körung bestanden und war als drittplatzierter aus der Gesamtwertung hervorgegangen. Ich war unglaublich stolz, nun einen weiteren hervorragenden Miniature Zuchthengst zu besitzen. Und nächsten Frühling würden auch schon seine ersten Fohlen auf die Welt kommen, was ich bereits frühzeitig geplant hatte. Ich zeigte nun aber Lily erstmal einen Französischen Zopf mit der Mähne des kleinen Charmeurs. Es ging leider nicht ganz so gut, da ich seine Mähne erst kürzlich wieder geschnitten hatte, aber Lily sah trotzdem beeindruckt aus und die Sache mit Sunny war vorerst wieder verdrängt. Wir gingen zu den Stuten und fingen uns Rose ein, denn sie hatte noch ihre volle Haarpracht. Daran durfte Lily nun üben. Sie bekam am Anfang noch leicht ein Durcheinander mit den verschiedenen Strähnen, aber nach einer Weile klappte es ganz gut. Ich zeigte ihr auch noch das Einflechten des Schweifs, dann machten wir uns auf den Weg zum Haus um zu Mittag zu essen.

      Am Nachmittag war Lisa mit Dream in der Halle und Lily drängte mich, mein Versprechen zu halten. Schade, dass sie es nicht vergessen hat, dachte ich augenrollend, doch dann nickte ich und wir sahen Lisa bis sie fertig war zu. Lily klebte förmlich an der Scheibe der kleinen Reiterstube in der Halle. Dream lief durchaus hübsch und artig, aber ich machte mir dennoch Sorgen, ob die kräftige Ponystute das richtige Modell für meine kleine Nichte war. Die kleine schien sich jedenfalls keine Sorgen zu machen. Der von grauen Strähnchen durchzogene Schweif der Forest Stute wehte wie eine Fahne hinter ihr her, als sie über die Kombination sprang. Lisa hatte einen kleinen Parcours aufgebaut, weil sie für das Adventsspringen nächste Woche trainierte. Ich nickte zufrieden, als Dream auch das In-Out und den Oxer überflog. So würden die beiden garantiert gewinnen. Als sie fertig war, winkte uns Lisa zu sich. Offenbar hatte ihr Lily bereits von ihrem Vorhaben erzählt, denn sie stieg ab, als wir näher kamen und übergab dem kleinen Mädchen die Zügel. Lily strahlte wie ein Kleinkind, das gerade einen riesigen Lolli in den Fingern hielt. Sie streichelte die Stute liebevoll, dann half ich ihr in den Sattel. Wenigstens ist Dream kein Riese, dachte ich noch immer skeptisch. „Soll ich dich zuerst führen?“ Ich bekam ein bestimmtes „Nein!“ als Antwort. Lily nahm die Zügel auf und trieb Dream in den Schritt. Die Stute streifte mit ihrem blauen Augen meinen Blick und ich flüsterte kaum hörbar: „Sei lieb.“ Augenblicklich richteten sich die kleinen weissen Öhrchen auf, als hätte sie mich verstanden. Lily ritt zunächst im Schritt eine Runde auf der ganzen Bahn, bis sie sich an den Schritt der Stute gewöhnt hatte, dann machte sie eine Volte und liess Dream dehnen, wie ich es ihr gezeigt hatte. Die Stute begann, den Kopf zu senken und zu schnauben. Es wirkte, als sei sie total entspannt. Als Lily die Zügel wieder aufnahm (wobei sie ein wenig ein Durcheinander bekam), machte Dream sofort einen runden Hals und lief am Zügel. Ich musste schmunzeln, denn die Stute kam normalerweise nicht so freiwillig zurück. Vielleicht, weil Lily nur ein Federgewicht ist und daher wie ein Ausbinder wirkt, überlegte ich mir. Plötzlich trabte die Stute an und ich sah Lily bereits am Boden liegen, aber alles war okay: Dream zockelte brav auf dem äusseren Hufschlag, während sich Lily an ihren Takt anpasste und leichtritt. Nach einer Runde klappte es schon hervorragend. Nun musste selbst ich zugeben, dass die beiden ziemlich harmonisch wirkten. Vielleicht passt es auch einfach, stellte ich lächelnd fest. Lily tastete sich immer mehr an die Stute heran und begann, sie ein wenig anzupacken. Sie ritt ein paar Schlangenlinien und galoppierte am Ende sogar auf der Volte an. Dann musste ich sie aber bremsen und daran erinnern, dass Dream ja schon müde von der vorherigen Stunde war. Lily sah kurz enttäuscht, akzeptierte es dann aber grinsend und liess sich vom Rücken der Stute gleiten. „Das war richtig toll! Sie ist soooo lieb“, berichtete sie vergnügt. Lisa sah mich lächelnd an und meinte: „Ich verstehe wirklich deine Bedenken nicht. Dream war schon immer sehr brav und ausgeglichen.“ „Ja, aber im Parcours und im Gelände gibt sie immer extra Gas“, antwortete ich verteidigend. „Welches Pony schon nicht? Ich bin sicher, dass Paulchen sogar schlimmer war.“ Ich gab mich geschlagen und erlaubte Lily, fortan auch auf Dream Stunden zu nehmen. Wenn ich so darüber nachdachte, kamen mir meine anfänglichen Sorgen wirklich schon fast übervorsichtig vor. Aber ich war nunmal verantwortlich für das Wohl meiner Nichte und hatte mit Rachel genau geplant, welche Pferde sie reiten durfte. Mit einem Schaudern wurde mir klar, dass Rachel von diesem Planwechsel nicht sehr begeistert sein würde. Sie war von Anfang an nicht begeistert von dem Projekt gewesen, hatte aber ihrer Tochter zuliebe zugestimmt. Einerseits verstand ich die sorgenvolle Mutter, denn sie hatte auch selbst immer erfolgreich geritten, bis sie eines Tages einen üblen Unfall gehabt hatte und seither die meisten Pferde mied. Sie hatte sich aber hin und wieder dazu überreden lassen, auf Pineforest Stable auszuhelfen, wenn auch ohne sich selbst auf’s Pferd zu schwingen. Als ihre Tochter begonnen hatte, sich für die Vierbeiner zu interessieren, hatte sie ihr erlaubt, sich mit Shettys und kleinen Ponys abzugeben. Doch Lily reichte das auf Dauer nicht, also hatten wir vereinbart, dass sie einen Monat lang hier bleiben durfte. Rachel wusste, dass ich gut auf ihre Tochter aufpassen würde. Sie vertraute aber auch darauf, dass ich mich an die Spielregeln hielt. Dream ist ja wirklich lieb, da wird sie schon nicht ausflippen…, beruhigte ich mein Gewissen. Lily führte Dream selbstsicher zum Nebenstall und versorgte sie. Die zwei boten einen niedlichen Anblick, weil Lily die Stute immer wieder liebevoll kraulte und Dream genüsslich die Lippe verzog. Danach half mir Lily dabei, Die Stuten rauszubringen. Sie musste sicherstellen, dass der Weg überall mit den Zaunstücken abgegrenzt und das Weidetor offen war. Als sie mir rief, öffnete ich die Boxen der Stuten im Hauptstall und liess sie selber zur Weide laufen. Unterstützend lief ich hinterher und klatschte in die Hände, wenn die Gruppe irgendwo Halt machte.

      Als auch das erledigt war, halfen wir kurz beim Misten und kümmerten uns dann gemeinsam um Herkir. Das wollige Islandtier hatte sich so dermassen eingesaut, dass wir ihn duschen mussten, um ihn je wieder sauber zu bekommen. Da er am Abend noch mit April in der Dressurstunde laufen sollte, hatten Lily und ich uns die Aufgabe gestellt, der beschäftigten Pflegerin vorsorglich unter die Arme zu greifen. Ich machte das Shampoo und die Putzkiste bereit, während Lily dem Hengst das Halfter überstreifte. Danach führten wir ihn gemeinsam zum Innenhof des Hauptstalls, wo wir ihn anbanden. Ich weichte das lange Winterfell erstmal gründlich ein, bevor Lily es mit Shampoo und Wurzelbürste bearbeitete. Leider war Herkir ungeschoren, was die Prozedur nicht gerade erleichterte. Die Mähne und den Schweif mussten wir dreimal neu einweichen und ausspülen, bis sie wieder einigermassen blond waren. Wir badeten ihn übrigens mit warmem Wasser, was für alle Beteiligten angenehmer war. Herkir gefiel das baden trotzdem nicht so wirklich. Um uns zu strafen, schlug er mit dem Schweif hin und her, als wollte er eine Fliege verscheuchen, und spritzte uns so nebenbei nass.

      Am Abend kümmerte ich mich um Caprice. Die feuerrote Stute drehte sich sofort zu mir, als ich ihre Box betrat, denn sie wusste, dass ich immer ein paar Karottenstücke dabei hatte. Beim Putzen war sie dann aber doch wieder zickig und legte die Nüstern in Falten. Vielleicht war das auch einfach ihre Art zu zeigen, dass sie sich wohl fühlte, denn eigentlich fehlte es der Stute an nichts. Seit sie vor einem Jahr hier angekommen war, hatte sie sich prächtig entwickelt. Sie wurde zwar mittlerweile vor allem zur Zucht eingesetzt und nicht mehr zum Rennen, aber dazwischen förderten wir sie im Springen und insbesondere in der Dressur, worin sie ein Naturtalent zu sein schien. In der ganz grossen Liga konnten wir aber natürlich trotzdem nicht mithalten. Ich strich nachdenklich mit der Hand über das Seidige, aber stoppelige Fuchsfell. Wie wohl das diesjährige Fohlen wird? Wir hatten alle grosse Erwartungen in den kommenden Jahrgang, sowohl was den Rennsport, aber auch was die Farbenpracht anging. Ich hoffte, dass ihr Fohlen denselben, wunderschönen Kopf wie die Mutter haben würde. Mit ihren dunkel umrandeten Augen und der eleganten Blesse, kombiniert mit einer edlen Kopfform und feinen Ohren, war die Stute einfach ein Bild von einem Vollblut. Ich longierte sie eine halbe Stunde lang in der Halle und arbeitete dabei besonders an der Stellung und dem lockeren Gang. Die Stute neigte noch immer dazu, ihren eigenen Sturkopf durchsetzen zu wollen und nach aussen zu ziehen. Aber wenigstens lief sie in letzter Zeit schön ruhig auf dem Zirkel. Ausser, wenn es wieder ans Angaloppieren ging; dann folgten, wie auch heute, erstmal ein paar Bocksprünge. Solange sie dabei nicht gegen mich zielte, hatte ich nichts dagegen. Soll sie sich ruhig auspowern, dann läuft sie hinterher schöner. Gerade, als sie richtig schön zu dehnen anfing, hörte ich auf und liess sie austraben. So konnte sie das Training in guter Erinnerung behalten. Ich lobte sie ausgiebig und führte sie zurück zum Hauptstall, um sie zu versorgen. Ich packte sie für die Nacht in ihre warme Stalldecke, da ich nicht das Gefühl hatte, dass sie noch grossartig nachschwitzen würde. Dann ging ich weiter zum Nordstall, wo der Neuankömmling Skyrim auf mich wartete. Ich hatte den gekörten, sechsjährigen Reitponyhengst kürzlich von einer Bekannten erworben und unter meine Fittiche genommen, um ihn weiter zu fördern. Er zeigte Potential für die ganz hohen Klassen, weshalb er in Zukunft auch für die Zucht eingesetzt werden sollte. Der hübsche Hengst bestach ausserdem mit seiner tollen Scheckung und einem makellosen Charakter. Er war erst gestern angekommen, weshalb ich noch sachte mit ihm umging. Lily kam mit Zira, Jacky und Sheela angehüpft, kaum hatte ich Skyrim in der Stallgasse angebunden. „Ahhh, der Hübschling. Ich mag ihn“, meinte sie beiläufig, und streichelte Sky am Hals. „Er hat so einen lieben Gesichtsausdruck.“ Ich lächelte und drückte ihr eine Bürste in die Hand. „Da, wenn dir langweilig ist, kannst du mir gleich helfen.“ „Nur, wenn ich dann auch eine Runde auf ihm reiten darf!“ Ich rollte die Augen. „Nur im Schritt, du darfst mich auch zur Sicherheit führen“, meinte sie unnachgiebig. „Fine. Aber wehe du bürstest nicht sauber!“, scherzte ich. Wir hörten während dem Putzen noch etwas Musik und summten mit. Die Stimmung war hervorragend, auch die Pfleger, die vorbei liefen machten mit. Nur Jonas schien etwas kurz angebunden. Ob er wohl beleidigt ist wegen heute Morgen? Ich führte Sky in die Halle zum Aufsteigen. Eine halbe Stunde lang erprobte ich intensiv, was der Hengst schon alles kannte. Auch ein paar kleine Hindernisse übersprang ich, um zu sehen, wie er sich handeln liess. Ich hatte ihn nicht probegeritten, sondern auf das Urteil der alten Besitzerin vertraut, was ich nicht bereute. Er lief sehr fein und fast konstant am Zügel. Dressurmässig war er etwas weiter als im Springen; er hatte auch eher die Veranlagung für diese Richtung. Am Ende führte ich, wie versprochen, Lily ein paar Runden Schritt (okay, zugegebenermassen nahm ich es mit dem Führen nicht ganz so genau und lief eher einfach nebenher). Dem Mädchen gefielen die weichen Gänge des Ponys. Sie schwärmte später noch den ganzen Abend davon. Auch begann sie sich auszumalen, wie ein Fohlen von ihm und Dream aussehen würde, wozu ich vorerst nur schmunzelte. Denn was Lily nicht wusste war, dass Dream schon längst ein Fohlen von Sky erwartete. Deshalb war sie auch so ‚untrainiert‘, wie Lily gleich zu Beginn bemerkt hatte. Wir genossen den restlichen Abend drinnen bei einer Tasse heissem Kakao und einem Krimi, aber natürlich erst nachdem wir um neun Uhr nochmal nach den Pferden gesehen hatten.
      15 Dez. 2015
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    Gedenksteine
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    Occulta
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    6 Dez. 2015
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