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Golden Comet ♀

33 Schleifen

Golden Comet ♀
ceres, 17 Apr. 2017
Cascar, peachyes, Cooper und 4 anderen gefällt das.
    • ceres
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      28. Dezember 2016, ©Zion
      Kurzes Update
      Buskerud – Norwegen
      Die einst kleine süße Ranch hatte sich zu einem relativ großen Reitstall entwickelt, allerdings ist dieser alte Charme erhalten geblieben. Wie jeden Morgen begannen Malte und ich mit der Stallarbeit. Vorher wurde die Pferde auf ihre Weiden gebracht und sie schienen sich sehr über den dicken Schnee zu freuen. „Malte, fährst du heute die Schubkarre?“, fragte ich. Er nickte genervt. Die klirrende Kälte machte uns nichts aus. Also begannen wir mit der Stallarbeit und arbeiteten uns durch die Boxen. Währenddessen unterhielten wir uns über die Zukunftsplanung und überlegten wie wir unser Training aufstellten. Wir kamen zum Entschluss, dass wir eine Reitschule aufmachen wollte, aber wann, das stand noch in den Sternen. Nachdem die Boxen blitzsauber waren und die Sonne durch die dicken Wolken gekommen war, entschloss ich mich dazu auszureiten und Malte schloss sich an. Zusammen machten wir Braddock und Oslogi fertig und stiegen auf. Die Ponys stapften schnaufend durch den Schnee und der warme Atem stieg in Nebelschwaben nach oben. „Na Lust auf ein kleines Wettrennen?“, stachelte Malte mich an. Ohne eine Antwort trieb ich Braddock an und ging vorerst in Führung. Doch diese Rechnung hatte ich ohne den sturen Braddock gemacht, denn der blieb schnurstracks stehen und katapultierte mich fast aus dem Sattel. Malte, der nun zu lachen begann, gewann das Rennen.

      Sandpoint – Idaho
      Nach dem ganzen durcheinander mit dem Verkauf der Ranch, dem Umzug und allem Drum und Dran war viel Zeit vergangen und es gab Höhen und Tiefen. Die Fohlen entwickelten sich prächtig und die anderen Pferde kamen auch super miteinander klar. Auch wir hatten uns hier auf Atomics Valley gut eingelebt und waren mehr als zufrieden. Mein kleiner Finley war mittlerweile schon ein Jahr alt und ist mein treuer Begleiter. Da Vriska im Moment eher wenig Zeit hat, habe ich ihr angeboten, ihre Painthorse Stute mitzuversorgen. Am Morgen brachten Scott, Lucy und ich brachten zuerst Kisshimbye, Aiyana, Havanna Girl, Magnificent Crow, Heretic Anthem, Pallaton, Spezial Luna Zip und Ginger Rose auf die eine Weide. Anschließend führten wir Mayor Jetsetter Oak, Chapter 24 und GH’s Acapulco Gold auf die Hengstweide. Heute hatten die Pferde ihren freien Tag und durften über die verschneiten Weiden tollen und einfach nur Pferd sein.

      Buskerud – Norwegen
      Als wir wieder zurück auf dem Hof waren, begrüßten uns Charly und Nico, die anscheinend gerade auf dem Weg zu den Weiden waren. Da Malte und ich im Moment nichts zu tun hatten, setzten wir uns an die Planung für die Reitschule und zählten die Pferde auf, die auf alle Fälle dazugehören werden. „Also die Ponys auf alle Fälle!“, sagte Malte. Ich zählte meine Ponys zusammen … Bixs, Bella Donna O Sole Mio (unsere beiden Neuzugänge), Glamour’s Rubina, Blazing Flame, Belle, Hendersin und Braddock. „Mhh ich glaube, Jupiter kommt auch dazu, hier hat er einfach zu wenig Verwendung“, warf ich ein. Malte stimmte zu und machte eine Liste mit allen Pferden.
      Nachdem unsere freie Zeit vorbei war, beschäftigten wir die anderen Pferde. Da ich meinen ganzen Pferden nicht mehr gerecht wurde, habe ich mir Reitbeteiligungen angeschafft, die mir so ziemlich bei allem helfen. Reitbeteiligungen sind eventuell das falsche Wort, da eine Person gleich mehrere Pferde versorgt und reitet. Angefangen bei den Vollblütern, um Sir Benny Miles kümmere ich mich höchstpersönlich, da er der Liebling von meiner Cousine Fiona ist. Die anderen also Ramazotti, Darjeeling, Stiffler, Scoubi, Nyanda, Drama Baby, Firewalker und Sir Golden Mile waren unter der Obhut von Liz Larson. Liz ist eine Powerfrau, die weiß wie man mit temperamentvollen Vollblütern umgeht. Sie ist gerade 20 Jahre jung und auf dem Weg Trainerin zu werden und hilft bei uns aus. Sie hat meistens rosa oder blaue Haare die ihr bis zur Schulter reichen. Ihre Augen sind eisblau und wie bereits gesagt ist sie eine Powerfrau mit Willensstärke. Für die Friesen, also Filou, Nienke, Modjo, Batman und Xinu übernahm ich selbstverständlich die Pflege. Die Ponys teilten wir uns immer unterschiedlich auf und in der Reitschule hatte sie ja dann genug Abwechslung. Sacarina und Strolch wurden ebenfalls von uns allen versorgt wie Scion und die anderen Fohlen auch. Harvey, Solsikke und Golden Comet standen unter meiner Obhut und der von James Gordon. Der Engländer hat eine Springkarriere hinter sich und suchte nun Abwechslung und Entspannung hier bei uns in Norwegen. Bevor White Face verkauft wurde, wurde er von Malte gepflegt und geritten.
      Am frühen Abend entschieden wir uns für eine Kutschfahrt mit den Friesen, da Nienke rossig war und es so für eine Kutschfahrt mit Hengsten eher ungünstig war, spannten wir das erste Mal Filou an. Nach anfänglichen Zickerein lief alles einwandfrei und Malte, Charly, Nico, Bart und ich als Kutscher verbrachten einen schönen Abend im Winterwonderland von Norwegen.
    • ceres
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      Wütend flog ein geschossener Pfeil nach dem anderen an mir vorbei. War einer abgeschossen, zog ich ruppig den nächsten aus dem Köcher, legte diesen abermals an und beschoss die große Eiche einige Meter vor mir. Mittlerweile war die Rinde zerlöchert und auf dem Boden vor dem Baum lag ein Haufen voller Pfeile, welche es nicht durch die dicke Rinde geschafft hatten.
      Ich hatte bereits den nächsten Pfeil in der Hand, als die Stimme meiner Mutter durch das offene Küchenfenster schallte und ich diesen reflexartig wieder in den Köcher rutschen ließ. „Skye, verdammt nochmal, der Baum kann nichts dafür! Lass den endlich in Ruhe!“ Ich warf einen Blick über die Schulter. Mit wehenden roten Haaren hatte sie sich aus dem offenen Fenster gelehnt, schüttelte kurz warnend den Kopf und knallte dann das Fenster mit voller Wucht zu.
      „Weißt du, ich sag‘ es ja nur ungern, aber diesmal hat deine Mutter vielleicht wirklich Recht.“ Jetzt wirbelte ich zur anderen Seite herum und funkelte meine Freundin böse an. Diese saß, vollkommen entspannt, in der Schaukel zwischen den Rosensträuchern, verstummte allerdings bei meinem warnenden Gesichtsausdruck schlagartig.
      „Tu nicht so als wüsstest du Bescheid! Du weißt gar nichts! Niemand weiß was! Das ganze Leben war eine verdammte LÜGE!“ Ich zog rasend vor Wut einen nächsten Pfeil aus meinem Köcher, legte ihn an und – Paulettes Hand legte sich beruhigend auf meinen Arm. „Skye, Süße, was hältst du davon, wenn du eine Weile zu mir ziehst? Du musst raus hier, mal wieder etwas anderes tun. Wie lang‘ warst du schon nicht mehr im Stall?“
      „Der Stall kann mich mal!“ Hatte ich etwa geschrien?
      „Jaja verstehe ich ja, aber ich brauche dich dort, ohne dich ist alles blöd.“ Paulette legte ihren unendlich treu blickenden Hundeblick auf „Bitte, lass mich nicht im Stich. Jetzt wo, du weißt schon, es mit Joshua aus ist-“
      „Erwähne – nie – wieder – DIESEN NAMEN!“ Jetzt schrie ich, definitiv. Ich hielt mir kurz den Mund zu, unterdrückte ein paar Tränen und schüttelte Paulettes Hand ab. Vor meinem Auge tauchten die Bilder des letzten Jahres auf. Im traurigen schwarz weiß, versteht sich. All diese glücklichen Momente wurden gefüllt mit Schmerz und Trauer und hinterließen nur eine leere Hülle aus zartem Papier, bereit, sofort zu zerreißen, sobald der Wind auffrischte. „Lass mich.“ Sagte ich schwach und wenig überzeugend. Ich wusste selbst gut genug, dass Paulettes mich nicht lassen würde.

      Ich hatte meine Sachen eilig gepackt, mich dann von meiner Mutter verabschiedet und stand nun mit Paulettes an der Bushaltestelle, einige Meter von unserem Haus entfernt. Mit hängenden Schultern und krummen Rücken diente der Pfosten einer Straßenlaterne als Halt, ohne diesen läge ich längst auf dem nassen Bürgersteig.
      „So kurz vor meinem Geburtstag.“ Ungläubig schüttelte ich den Kopf und trat dann gegen einen recht großen Stein, welcher erstaunlich weit flog, dafür, dass es nur ein kleiner Tritt gewesen war.
      „Na ja, ich weiß nicht.“ Meinte Paulette und blickte kurz von ihrem Handy auf. „Ich finde es so besser. Überleg‘ mal, dann hätte er mit dir gefeiert und hätte so tun müssen, als wäre alles in Ordnung und hätte dann danach Schluss gemacht, wäre ja auch nicht so pralle. So kannst du jedenfalls dein neues Lebensjahr mit neuer Hoffnung beginnen und es ist nicht gleich versaut.“
      Ich lachte trocken und trat dann an einen weiteren Stein. „Hoffnung worauf? Auf nochmal so einen Idioten? Männer sind Schweine, außerdem will ich keine neuen Beziehungen. Wer will mich schon haben...“
      „Ach Mädel!“ Paulette seufzte. „Du machst mir mein Leben nicht gerade einfacher. Komm‘ jetzt, da vorne ist der Bus.“

      Ich war so einfältig gewesen zu glauben, dass ich mich dagegen wehren könnte, mit zum Stall fahren zu müssen. Kaum hatte ich meine Sachen auf Paulettes Bett geschmissen, zog sie mich mit ihrer immer wieder erstaunlichen Kraft aus dem Zimmer und zwang mich dazu, mitzukommen. Hätte ich mich gewehrt, hätte sie mich im Keller bei den Fahrrädern eingeschlossen. Dort war es dunkel und Dunkelheit konnte ich vor allem jetzt nicht gebrauchen.
      Ich hatte Angst davor wieder in den Stall zu gehen. All die Menschen, welche Fragen stellen würden. Meist waren es genau diese Fragen, welche ich auf keinen Fall hören wollte. Stumm war ich ihr trotzdem gefolgt, hatte mich auf ein klappriges Fahrrad gesetzt und radelte nun mit ihr die Landstraße entlang.
      „Es gibt übrigens ein neues Pferd im Stall.“ Paulette zerbrach die Stille zwischen uns.
      „Und? Was geht mich das an?“ Sagte ich genervt und wich einem weiteren Schlagloch im Boden aus.
      „Ach nichts, nur so. Es ist eine sehr hübsche Stute, die würde dir gefallen.“
      „Paulette du weißt, dass du mich selbst mit hübschen Pferden nicht locken kannst. Es ist vorbei.“
      Sie blieb stumm und ich wollte bereits erleichtert ausatmen, als sie etwas sagte, was mich schockte.
      „Ich habe der Frau vorhin geschrieben, dass du Interesse an einer Reitbeteiligung hast.“
      „Du hast WAS?!“ Ich bremste abrupt ab. Etwas unschlau meinerseits, denn ich fand nicht gleich mit beiden Füßen Halt und der Abstand zum Graben war nicht sehr groß. „Bitte sage das nochmal.“
      Paulette hatte um einiges eleganter gehalten und blickte zu mir zurück. „Weißt du Skye, ich glaube dir nicht, dass du keine Pferde mehr magst. Du hast nur Angst davor.“
      „Du sollst nicht so tun als würdest du mich verstehen!“ Fauchte ich sie an und ich spürte, wie in mir alles überkochte. Ruppig und völlig von Sinnen stieg ich wieder auf mein Fahrrad. „Dann los! Los zeig‘ mir dieses Pferd und ich warne dich, wenn es nicht so schön ist wie beschrieben dann-“ Ich fuhr mit meiner Hand über meine Kehle und funkelte Paulette feindlich an. „Dann willst du bestimmt nicht mehr meine Freundin sein.“

      Die Big Bear Ranch war eine dieser Ställe, in denen die reichen Eltern auf der hübsch möblierten Veranda saßen, Kaffee trunken und während ewig dauernder Gespräche immer mal ihren Kindern durch die Glasscheibe zwischen ihnen stolze Blicke zuwarfen. Die Kinder währenddessen saßen auf faulen Pferden, welche es gar nicht mehr merkten, wenn ihre Reiter so an den Zügeln zogen, dass das Gebiss schon fast auf der anderen Seite aus dem Maul fiel. Natürlich gab es nicht nur Kinder, obwohl diese mit ihrer Lautstärke all die anderen übertrumpften und es so schien, als wäre ihre Zahl um einiges größer, was sie allerdings nicht war. Allerdings war mir auch die ältere Brigade zu absurd, als dass ich je einem von ihnen auch nur im geringsten näher gekommen war.
      Paulette war da anders. Sie kannte hier jeden, verkehrte mit jedem und hatte sogar mit den Eltern Geduld, welche nichts von Pferden verstanden und trotzdem immer wieder damit prahlten, wie toll ihr Kind ritt. Ich hasste es. All diese Sinnlosigkeit der so nichtigen Probleme. Ich verstand es nicht und wollte es auch nicht verstehen und das hatte ich von Anfang an offen gezeigt. Ich hatte mich nicht wie viele mit gutem Aussehen oder teuren Klamotten bekannt gemacht, sondern durch gutes Reiten. Von Jahr zu Jahr war ich in meinem Rang und meiner Anerkennung aufgestiegen, hatte all das genossen und mein Leben geliebt. Ich war rund um zufrieden gewesen, bis Joshua kam.
      Er hatte mein Leben grundlegend verändert und selbst ich wusste nicht, warum ich ausgerechnet jetzt, nach zwei Jahren wieder einen Fuß auf dieses Gestüt setzte, wo ich doch beschlossen hatte, von vorne anzufangen.
      „Wahrscheinlich kennt dich eh keiner mehr.“ Beruhigend legte Paulette mir eine Hand auf die Schulter. Ich war am Stalltor stehen geblieben, meine Beine hatten einfach nicht mehr weiter gewollt. Vor mir lag der helle und freundliche Gang, mit den großen Boxen. Friedliches Schnauben und Kauen erklang aus ihnen, Stroh raschelte und ein Spatz erzählte von einem der Balken aus seine Geschichte.
      Es war Mittagszeit und Mittag bedeutete auf der Big Bear, dass wirklich alle Ruhe machen mussten. Kein Traktor fuhr, keine Kinder schrien und kein Hufgeklapper war zu hören. Ich liebte diese Zeit und doch wusste ich, dass es Paulettes Absicht gewesen war, mich ausgerechnet jetzt hier her zu schleifen. Sie hatte ein schlaues Köpfchen, das musste ich ihr lassen.
      „Komm, sie wartet bereits auf uns.“ meinte Paulette und zog mich in die Stallgasse.
      „Wer wartet auf uns?“ Ich versuchte mich vergeblich zu wehren, aber ich hätte genauso gut versuchen können, einem Pottwal die Zähne zu putzen. Es brachte nichts.
      „Das wirst du schon sehen, Skye“, sagte sie und drehte sich breit grinsend zu mir um. „Jetzt komm schon, lass‘ dich nicht so ziehen!“

      Paulette zog mich bis zu einer der Boxen in einem Nebenstallgebäude. Hier standen vor allem die Hengste oder Privatpferde, dessen Besitzer zu viel Geld hatten. Jede Box hatte einen eigenen Auslauf und waren kurz vor meinem Verschwinden aufs Neueste renoviert wurde.
      Das Gebäude lag genauso still da wie bereits der Hauptstall und war auch fast genauso verlassen. Fast, denn einige Meter vor mir saß, auf einem alten Hocker, eine Frau. Sie hatte ergrautes und lockiges Haar, welches ihr seicht über die Schultern fiel und ihr Gesicht verdeckte. Ich konnte eine Trense in ihrer Hand erkennen und eine Bürste lag auf ihren Knien.
      Als sie uns kommen hörte, blickte sie auf und ich konnte einen ersten Blick auf ihr Gesicht werfen. Es erstaunte mich, dass sie eine Sonnenbrille trug. Der Stall war nur schwach beleuchtet und selbst meine guten Augen hatten einiges zu tun. Es überraschte mich, wie alt sie war. Den Haaren und der aufrechten Haltung nach zu urteilen, hätte ich sie um einige Jahre jünger geschätzt. Mit ihrem Gesicht im Zusammenspiel erkannte man jedoch, wie lange sie bereits auf dieser Welt war und es erstaunte mich abermals, dass ausgerechnet sie sich als die Frau entpuppte, mit welcher wir verabredet waren.
      Paulette war ohne Umschweife auf sie zu gegangen, hatte ihr die Hand entgegen gestreckt und zu der Frau etwas gesagt. Ich war am Eingang stehen geblieben und konnte so nicht hören, was es gewesen war. Dann zeigte Paulette auf mich, warf mir einen weiteren kurzen Blick zu und winkte mich dann hektisch zu sich.
      Aus den Gedanken gerissen, stolperte ich vorwärts, verfing mich in meinen eigenen Schnürsenkeln und kam nur knapp vor Paulette zum Stehen, welche breit grinste. Ich warf ihr einen bösen Blick zu. Das sollte sie schön sein lassen, ich hatte ihr immerhin noch nicht verziehen.
      „Miss Wilson, das ist meine Freundin Skye. Ich hatte Ihnen ja bereits von ihr erzählt.“ Meinte Paulette überhöflich. „Skye, das ist Miss Wilson.“ Sagte sie zu mir gewandt und deutete dann auf die vor uns sitzende Frau. Ich fand es von ihr etwas unverschämt, so offensichtlich auf sie zu zeigen, wo sie doch genau vor uns saß.
      „Erlaubt mir bitte, sitzen zu bleiben. Meine Knochen sind nicht mehr die jüngsten.“ Meinte Miss Wilson und auf ihrem faltigen Gesicht erschien ein kleines Lächeln. „Es freut mich, dich endlich persönlich kennenzulernen, Skye. Paulette hat bereits viel von dir erzählt!“ Ihre Sonnenbrille verwirrte mich, ich hasste es, wenn ich die Augen von Menschen nicht sehen konnte.
      „Natürlich nur Gutes!“ Fügte Paulette grinsend hinzu. „Miss Wilson, dürfte ich Skye die hübsche Comet zeigen?“
      „Aber natürlich, aber natürlich!“ Überschwänglich wedelte die alte Dame mit der Hand. „Los ihr Beiden, Paulette, du weißt ja wo alles ist. Ich werde hier bleiben.“

      „Paulette, was mache ich nochmal hier?“ Fragte ich flüstern zu meiner Freundin gewandt, als diese mich zu einer der hinteren Boxen zog. Paulette antwortete mir nicht, sondern schob nur den Riegel beiseite und stieß die Tür auf.
      „Tadaaa!“ Meinte sie schwungvoll und breitete ihre Arme aus. „Darf ich vorstellen? Golden Comet!“
      Ich musste zugeben, Golden Comet war eine überaus erstaunliche Vertreterin ihrer Rasse und da die Big Bear für ihre Saddlebredzucht bekannt war, hatte ich bereits einige hübsche Pferde gesehen. Allerdings übertraf diese hier viele ebenjener.
      „Wow.“ Bekam ich nur noch heraus und kurze Zeit später stand ich neben der Stute in der Box, hielt ihr meine Hand hin und blickte in die dunklen und weichen Augen.
      „Natürlich ein reinrassiges American Saddlebred, 2009 geboren und mit einer perfekten Größe von 1.63m. Sag‘ mir Skye, geht‘s noch besser?“ Fragte sie mich und bevor ich antworten konnte, beantwortete sie sich ihre Frage selbst. „Ja! Es geht noch besser! Nämlich in dem ich dir sage, dass sie westerngeritten ist, aber auch ein Gangtalent auf hohem Niveau ist. Insgesamt hat sie bereits sechs Platzierungen bei den unterschiedlichsten Turnieren ergattert und bekam ihr Training auf einem der bekanntesten Gestüt in ganz Kanada – Sag‘ mir also liebe Skye, was gibt es da noch auszusetzen?“
      Ich hatte längst aufgehört Paulette zuzuhören. Mir waren Siege und ihre Ausbildung egal. Sie hatte ihre Nase in meinen Haaren vergraben, jedoch merkte ich auch ihre Unsicherheit. Ihre Ohren waren unruhig und ihr Schweif bewegte sich leicht von einer Seite zur anderen. Langsam tastete ich mich vor, strich ihr die Stirn entlang und ließ meine Hand dann an ihrem muskulösen Hals herab gleiten.
      „Wow“, hauchte ich wieder. „Das Pferd will ich haben.“
      „Nicht so voreilig, meine liebe Skye! Erst einmal kannst du sie als Reitbeteiligung haben, alles weitere kommt danach, ja?“
      „Jaja!, meinte ich nur unkonzentriert. „Schwafel nicht, zeige mir lieber das Putzzeug!“
      „Warte! Skye!“ Rief mir Paulette hinterher, als ich mich bereits auf den Weg zum Putzzeug machen wollte, ohne selbst genau zu wissen, wo dieses war. „Ich muss dir noch was sagen.“ Sie hielt mich am Ärmel auf und zog mich zu Comet in die Box, welche und misstrauisch beäugte.
      „Ja was denn?“ Fragte ich ungeduldig und blickte ständig über Paulettes Schulter hinweg.
      „Ich glaube du weißt das mit Miss Wilson noch nicht.“
      „Was weiß ich noch nicht? Ich weiß, dass sie gerne Sonnenbrillen trägt, muss ich mehr wissen?“
      Paulette seufzte. „Du bist so unendlich liebreizend. Sie trägt diese Sonnenbrille nicht aus Spaß, sie ist blind.“
      „Hä?“ Verständnislos blickte ich Paulette an. „Du meinst, sie sieht gar nichts mehr?“
      „Ja genau. Deswegen wollte ich dir nur sagen, dass du versuchen sollst darauf zu achten, nie lautlos an sie heran zu treten. Spreche sie immer an, sobald du in ihrer Nähe bist und versuche so viele Dinge wie möglich zu beschreiben, wenn du sie tust.“
      „Aber warum hat sie dann ein Pferd? Sie ist doch blind?“ Ich merkte wie mein einer Mundwinkel schlaff herab hing, während der andere sich nach oben gezogen hatte und lauter Falten um meine Nase bildete. Meine Körpersprache sprach meine Gedanken aus.
      „Ach Skye, sie war natürlich noch nicht immer blind. Ich wollte dich nur drauf vorbereiten, damit du Bescheid weißt. Und jetzt los! Hol‘ das Putzzeug und lege los!“

      Das Vorreiten auf Golden Comet war das komischste, welches ich je in meinem Leben bestritten hatte. Miss Wilson saß mit ihrer Sonnenbrille in der Hallenmitte auf einem Hocker, hatte den Kopf leicht gesenkt und ohne mich sehen zu können, gab sie mir Befehle, so als wüsste sie genau, was mein kleiner Zeh in diesem Moment tat. Seitdem ich wusste, dass die Besitzerin blind war, kamen mir ständig bescheuerte Fragen in den Kopf, welche sich nicht abschalten ließen.
      Comet war eine der genialsten Pferde, auf welchen ich je gesessen hatte. Sie hatte Kraft und jede Menge Eleganz und mit ihrer unglaublich hinreisenden Ausstrahlung und dem hellen Haar sah sie aus wie eine Prinzessin. Eigentlich mochte ich diesen Mädchenkram von wegen Prinzessinenpferdchen nicht, aber dieses Pferd strahlte solch einen Stolz aus ohne Überheblich zu wirken, dass die Bezeichnung perfekt passte.
      Leider merkte ich, dass meine körperliche Kondition was das Reiten anging deutlich nachgelassen hatte. Trotz regelmäßigem Sport, schienen meine Waden einfach nicht mehr die Spannung halten zu können.
      Nach über einer Stunden in dem maßgeschneiderten und glänzenden Westernsattel stieg ich ab, völlig fertig mit mir und der Welt, schwebte ich auf Wolke 7. Paulette grinste breit von der Tribüne aus und auch Miss Wilson schien zufrieden. War ja auch nicht schwer, immerhin war sie blind. Trotzdem war ich überaus fasziniert von der alten Dame, welche ihre Stute so gut zu kennen schien, dass sie diese noch nicht einmal berühren musste, um zu wissen, wie es ihr ging.
      Ich war so erleichtert und mein erstes Gedanke war, Miss Wilson umarmen zu müssen, als diese mir erklärte, dass ich gerne öfter kommen dürfte und sie sich freuen würde, wenn ich die Reitbeteiligung ihrer Stute werden würde. Unsere Nummern wurden ausgetauscht und dann brachten wir die alte Frau zum Parkplatz, wo bereits eine Fast-Limousine samt Chauffeur auf sie wartete. Breit grinsend winkte ich dem Wagen hinterher, stockte dann jedoch mitten in der Bewegung und ließ die Hand sinken. Ich hatte schon wieder vergessen, dass sie mich nicht sehen konnte.

      Kurz bevor der Nachmittagstrubel auf dem Gestüt anbrach, schwangen Paulette und ich uns wieder auf unsere Fahrräder und fuhren zu unserer Lieblingsstelle. Die große Weide breitete ihre Äste über dem kleinen Bächlein aus und bot zwischen ihren Blättern ausreichend Platz, um entspannt die Natur genießen zu können.
      Paulette erzählte mir wieder von den Gestüt und den Pferde und diesmal hörte ich gerne zu. Der Gedanke an meine ursprünglichen Sorgen war auf meinem Kopf gelöscht, oder zumindest fast. Zumindest schaffte ich es, seinen Namen immer wieder erfolgreich zu verbannen, sobald die Erinnerung zurückkehrte.
      „Die Besitzer sind übrigens pleite, oder zu alt oder was weiß ich. Ich habe auch schon mal gehört, dass sie sich in die USA absetzen wollen, jedenfalls steht das Gestüt zum Verkauf. Frage ist natürlich wer es nun kauft und was daraus wird, obwohl ich mir fast sicher bin, dass es an die diese Winterbottoms geht. Claras Andeutungen letztens waren einfach zu überdeutlich. Die sollen ja verdammt viel Geld haben. Gut so, solange sie es fürs Gestüt einsetzen und endlich mal den Whirlpool für die Pferde bauen lassen. Aber eigentlich ist es mir auch egal, solange die Big Bear erhalten bleibt-“
      Verträumt blickte ich in die leicht schwingenden Äste des Baumes. Die Big Bear war mir egal, Golden Comet hatte mein Herz an sich gerissen und da ich mich sowieso nie mit den Besitzern oder anderen Pferdehaltern auseinandersetzte, trotzdem versuchte ich meiner Freundin einen Gefallen zu tun und Interesse zu zeigen. „Die Winterbottoms? Wer sind die denn?“
      „Ach, so eine reiche Familie, wohnt etwas abseits der Stadt auf einem großen Gutshaus mit jeder Menge Land und teuren Turnierpferden. Die Eltern sollen sehr abgehoben sein und viel von sich halten. Er hat irgendeinen wichtigen Posten in der Politik, frage mich nicht. Obwohl ich sagen muss, dass dieser Sohn nicht schlecht aussieht, habe den letztens erst auf einem Turnier erleben dürfen. Puh ist der abgegangen!“
      Ich lächelte selig. War ja klar, dass Paulette wieder auf das Thema Jungs zu sprechen kommen würde.

      Der restliche Abend fiel für uns ziemlich knapp aus. Kurz vor der Dunkelheit stiegen wir wieder auf die Fahrräder und fuhren die Landstraße zurück in Richtung Stadt. Paulettes kleines Zimmer gab nicht viel Platz her und so gab ich mich mit dem Platz auf dem alten Sofa zufrieden. Paulette hatte eigentlich darauf bestanden, dass sie dort schlafen würde, diesmal hatte ich jedoch Durchhaltevermögen gezeigt. Wenig später stellte ich fest, dass es wohl die richtige Entscheidung gewesen war, denn kurz nachdem Paulette sich ihre pinke Einhorndecke über den Körper gezogen hatte, hörte ich vom Bett her nur noch ihren flachen und ruhigen Atem. Ich starte in die Dunkelheit, dachte an Comet und das erste Mal seit vierundzwanzig Stunden schaffte ich es, wieder in die Zukunft zu blicken und diesmal war der größte Teil davon mit roten Rosen bedeckt.
      Ich seufzte ein letztes Mal, bevor auch mir meine Augen zufielen und ich ins Land der Dämmerung einkehrte.
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    • ceres
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      Wenn der Herbst anbricht, bleibe ich jedes Jahr einige Wochen Zuhause. Mein kleiner LKW verschwindet dann meist unter der Last der bunten Blätter auf dem Parkplatz der Big Bear Ranch und auch ich bewege nur noch selten einen Fuß vom Gelände. Die ersten Wochen im Herbst nehme ich mir jedoch nicht frei, sondern nutze diese Zeit für die intensive Pflege der Pferde vom Gestüt. Hin und wieder kommen auch von außerhalb Kunden, die sich nur wegen meiner Faulheit die Mühe des Weges machen. Für mich ist der Herbst die Zeit der inneren Ruhe und der Punkt, an dem der Kreislauf des Lebens in eine neue Runde geht.
      Heute braucht mich Skye. Seit einigen Wochen hat das junge Mädchen eine Reitbeteiligung auf der ausdrucksstarken Stute Golden Comet und ich folgte der Arbeit der Beiden mit vagem Interesse. Comet lief bahrhuf und trotz meiner Bedenken hatte sich Skye weiterhin dafür eingesetzt, dass das auch so bleiben sollte. Ich hatte schlussendlich nur die Schultern gezuckt und mich damit zufrieden gegeben. Skye war gebildet genug, um zu sehne, wann es nicht mehr funktionierte und dann würde ich da sein.
      Es war früher Morgen, der Nebel lag auf den Wiesen der Ranch und verschleierte mir die Sicht. Skye hatte Golden Comet bereits vor dem Stall angebunden, eine Decke lag auf dem zarten Körper des Fuchses. Comet genoss das frische Heu aus dem Sack vor ihrer Nase.
      "Na dann, ab an die Arbeit", sage ich, nachdem ich Skye begrüßt hatte. "Bitte einmal vorführen, junge Dame." Ich ernte von Skye einen missbilligenden Blick, sie sagt jedoch nichts. Liebevoll zieht sie Comet die Decke vom Rücken, bindet sie los und zeigt mir einmal die kraftvollen Gängen der Stute. Ich muss zugeben, dass sie auch ohne Hufe auf dem harten Beton einen guten Eindruck macht und ich zweifle Skyes Entscheidung nicht mehr zur Gänze an. Nach dem Vorführen begrüße ich Comet kurz und beginne dann mit dem ersten Huf. Skye währenddessen streichelt beruhigend den Hals der Stute und redet liebevoll auf sie ein.
      "Hast du was von Miss Wilson gehört?" Frage ich das Mädchen nachdem ich das alte Horn mit dem Hufmesser entfernt hatte und nun den Rand abknipste.
      Sie schüttelt nur den Kopf. "Seit zwei Wochen nun schon nicht mehr."
      Ich grunze nur kurz zur Antwort und wende mich dann dem zweiten Huf zu. Ich hatte länger gebraucht, um mich mit dem Gedanken anzufreunden, dass Anne Wilson die sehr talentierte Stute an ein so junges Mädchen vergeben hatte, aber nachdem ich Skye besser kennengelernt hatte, habe auch ich mich mit ihrer Entscheidung zufrieden gegeben.
      Zum Schluss raspelte ich Kanten der Hufe rund und richte mich dann stöhnend auf. "Das wars erstmal", sage ich, schiebe meine Brille wieder ein Stück auf dem Nasenrücken nach oben und wische mir die staubigen Hände an der Hose ab. "Achte bitte wirklich darauf, dass du die Hufe nicht all zu sehr belastest. Sie ist das zwar gewöhnt, aber trotzdem sind ihre Hufe nicht die perfekte Grundlage."
      Skye nickt genervt und führt ihre Stute zurück in den Stall. Ich folge ihr in kurzem Abstand und beobachte sie nachdenklich dabei, wie sie die Boxentür öffnet und kurz darauf wieder schließt. Ich wende meinen Blick ab, als sie zu mir blickt und greife zu einem Besen.
      "Lass." Plötzlich steht sie neben mir und nimmt mir den Besen aus der Hand. "Ich mache das." Ich nicke nur und lasse den Besen los.
      "Danke", sage ich, doch sie winkt nur ab.
      "Ich muss danke sagen." Sagt sie nur und wendet sich von mir ab. Ich kann den Blick noch nicht von ihr abwenden und kurz bevor sie den Stall verlässt rufe ich ihr nach.
      "Du fährst am Wochenende auf eine Stutkrönung?"
      Sie bleibt stehen und dreht sich überrascht um. Dann nickt sie. "Ja, nach Quebec."
      Ich weiß nicht was ich sagen soll und zeige ihr nur den hochgestreckten Daumen. Meine Gedanken hängen jedoch noch im Geschehen fest.
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    • ceres
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      Am Samstagmorgen befreie ich meinen kleinen Transporter von der Schicht der bunten Blätter. Mein Navi ist bereits eingerichtet und zeigt mir die Route. 48 Minuten bis nach Quebec, ich hoffe, dass es dabei bleibt. Ich habe Skye nicht eingeweiht, dass ich zuschauen werde. Nur bei Anne habe ich mich gemeldet und sie um die wichtigen Daten gebeten. Sie wird auch kommen.
      Knapp eine Stunde später parke ich meinen Transporter auf dem Parkplatz eines großen Gestüts. Ich muss bereits einmal hier gewesen sein, beruflich natürlich, denn der Stall strahlt etwas Bekanntes aus. An mehr erinnere ich mich nicht, zu viele Gestüte habe ich bereits gesehen.
      Ich finde einen der letzten Plätze auf der Tribüne. In der Hand halte ich das Programm für den heutigen Tag. Skye und Golden Comet werden die ersten sein, ich habe Mitleid mit ihnen.
      Pünktlich knackt der Lautsprecher und kündet den ersten Reiter an: "Als erste Starterin Golden Comet, geritten von Skye de Haan." Es folgt ein kurzer Applaus, den ich eifrig unterstütze, als Skye die Halle betritt. Comet sieht gut aus. Ihre Mähne liegt gekämmt auf einer Seite und ihr Schweif ist etwas eingeflochten. Ich sehe Skye die Aufregung unter ihrem Hut deutlich an, auch wenn ich mir bei ihren Fähigkeiten keine Sorgen mache, dass sie es nicht schaffen könnte.
      Skye hat wunderschöne Gänge und das zeigt sie von Anfang an. Sofort nach der Begrüßung fällt sie in einen ausdrucksstarken Trab mit erhobenem Schweif und gespitzten Ohren. Skye wirkt noch etwas verloren auf der Stute und aus der Ferne sehe ich, wie ihre Hände verkrampft die Zügel umfassen. "Locker werden, Skye, locker werden", murmle ich und ernte verwirrte Blicke meiner Sitznachbarn.
      Nach jedoch einem ersten Zirkel auf der linken Hand und einem darauffolgenden erstem Galopp, entspannt sich auch Skyes Haltung merklich und ich atme erleichtert aus. Mit einem einfachen Galoppwechsel springt Comet in der Mitte der Halle auf die andere Hand um und Skye pariert an der kurzen Seite zum Schritt durch. Auch im Schritt bewahrt Comet ihre Haltung unf zeigt mit gewölbten Hals ihre komplette Schönheit. Der Trab auf der rechten Hand sieht wackliger aus, ich erkenne jedoch nicht, ob Skye oder Comet die Probleme hat. Beide retuschieren ihr Problem jedoch in einer Schlangenlinie mit vier Bögen und parieren nach dieser wieder zum Schritt. Auf den letzten Metern zeigen sie noch einige Pferdelängen einen Seitwärtsgang und biegen dann auf die Mittellinie ab. Bei X bleiben sie stehen, Skye verabschiedet sich und zusammen verlassen sie am langen Zügel die Halle. Der Applaus schwillt auf und ich klatsche wohl am Lautesten.
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      „Blöder Stalldienst“, knurrte Paulette und schmiss unsanft einen weiteren Haufen in die Schubkarre. „Ich erfriere hier noch!“
      „Alles hat Vor- und Nachteile“, sagte ich. „Und zu einer Reitbeteiligung gehört nunmal Stalldienst dazu.“
      „Wenn ich den erwische, der sich das ausgedacht hat!“, schimpfte sie wieder, doch ich lächelte nur noch und schob die Schubkarre eine Box weiter.
      Der Winter war angebrochen. Seit Tagen schneite es durchgängig und auch wenn dadurch die Ausritte litten, war es umso schöner, wenn an manchen Tagen die Wintersonne zu uns durchdrang und ich trotz der Kälte das weiße Wunderland mit Golden Comet erleben durfte. Seit etwas mehr als einem Monat hatte auch Paulette endlich ihr Glück gefunden und ich freute mich für sie, aber auch ein Stückchen für mich, um unserer beider gewonnene Freiheit.
      Vaughn war etwas jünger als meine Comet und von einem weichen Braun mit genauso ausdrucksstarker Energie und Lebensfreude. Er gehörte dem Stallbesitzer, der jedoch für den jungen Hengst nicht genügend Zeit opfern konnte und Paulette sich schnell in dessen Sicht gedrängt hatte. Es ist ihr Glück und, laut ihr, auch ihr Untergang gewesen, denn der Pferdebesitzer übergab anstrengende Aufgaben gerne an sie, sodass sie Zeit für Vaughn nicht so reichlich war, wie anfangs erhofft.
      „Was glaubt der denn, dass ich sein persönlicher Diener bin?“, schnaubte sie.
      Ich lachte auf. „Ist das nicht der Sinn des Reitbeteiligungseins?“ Brummelnd schmiss Paulette den letzten Mist in die Schubkarre. „Ich bringe das weg und dann treffen wir uns für einen Ausritt ja?“
      Paulette nickte und ich klopfte ihr aufmunternd auf die Schulter. „Die Winterlandschaft wartet auf uns!“
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      Golden Comet, HGT's Massacre Boy, Vaughn, Layali

      Der Sommer brach über uns herein wie ein Sturm meiner Pfeile, die ich in manchen Momenten meines Lebens auf den Baum bei uns im Garten gejagt hatte. Nur diesmal war ich der Baum und nicht der Bogen und heißen Sonnenstrahlen waren die Pfeile. Sie trafen mich, nahmen mir den Weg zum Atmen und ließen mich im Glauben, jeden Moment ersticken zu müssen. Die grauen Wiesen sahen aus wie abgebrandt und der Staub war die Asche und das einzige, das noch von den ehemals saftigen Weiden des Frühlungs übrig geblieben war.
      Golden Comet und ich nutzten die schwülen Tage für eine Trainingspause. Mittlerweile standen die Pferde der Big Bear Ranch nur über Nacht unter freiem Himmel, am Tag dösten sie in ihren Boxen. Massacre, der Hengst des Gestütsbesitzersohnes, legte seinen Kopf regelmäßig in die Tränke, nur um den abgestandenen Schweiß sich vom Kopf spülen zu lassen.
      Paulette hingegen wollte sich nicht der Sommerhitze hingeben. Mit Vaughn arbeitete sie angestrengt mehrmals die Woche und obwohl der junge Hengst sonst sehr energiegeladen war, hatte der Sommer auch ihm die Kraft genommen, sich gegen Paulettes anstrengende Trainingseinheiten zu währen.
      Seit einigen Tagen hingegen gab es eine neue Stute im Stall. Layali hieß sie, eine Ausländerin aus Europa. Sie war ein Morgan Horse und gehörte einem jungen Mädchen, vielleicht im gleichen Alter wie ich es war. Sie schien bekannt mit den Winterbottoms zu sein und das bedeutete viel in dieser Gegend.
      Wenn der Himmel hin und wieder doch leicht bewölkt war, unternahm ich mit Comet Ausflüge zum nahegelegenen See. Dann plantschten wir gemeinsam im kühlen Wasser und entspannten unter den Bäumen am Ufer, wo die Sonne uns nicht stören konnte. Eigentlich genoss ich den Sommer, er zeigte mir, wie ausgeliefert wir Menschen doch der Macht der Natur sind. Die einzige Chance die ich hatte, war also, mich dem hinzugeben und das tat ich.
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      Golden Comet, Vaughn, HGT's Massacre Boy, Layali, Teufelstanz, I'll never Leave You

      Viel langsamer, als der Sommer gekommen und gegangen war, war der Herbst über uns hereingebrochen, hatte bis zum letzten Tag versucht, zu überleben, nur um Mitte November dann doch seine Kraft zu verlieren. Die Blätter worden von den Bäumen geweht und bis zur Mittagsstunde lag nun eisiger Reif auf der Natur. Es war ein Vorbild, wie es bald aussehen würde, wenn die wirkliche Kälte kommen würde.
      Ariana und ihre Stute Layali waren in den letzten Monaten zu Paulettes Erzfeinden geworden. Einen Grund gab es nicht. Sie waren einfach da und zu gut. Laut Paulette war sie zu gut in allem. Zu gut beim Reiten, zu gut im Aussehen und vor allem zu gut im Küssen und Paulette wusste, wovon sie redete. Immerhin hatte sie es sich zu Aufgabe gemacht, Ariane und den reichen Sohn der Winterbottoms dabei zu beobachten, wie sie sich gegenseitig bei jeder Gelegenheit um den Hals fielen. James und Ariana, gemeinsam gingen sie mit Massacre Boy und Layali auch Turniere in den unterschiedlichsten Sparten des Reitsports und das auch noch mega erfolgreich. "Die ist doch bestimmt mit dem Kerl zusammen, damit sie das beste Training in ganz Nordamerika bekommt. Is' doch klar!", sagte Paulette immer wieder. So gerne wie ich ihr da zustimmen würde, so sehr sah ich auch, dass die beiden durchaus verliebt schienen und dann redete ich mir immer ein, dass er sowieso nichts für mich wäre.
      Um mir etwas Geld dazuzuverdienen, hatte ich an den Wochenenden extra Stalldienst übernommen. In den letzten Monaten unter der Leitung von Karl Winterbottom, war das Gestüt immer mehr gewachsen und nun wimmelte es hier nur noch von Vollblütern und eleganten Gangpferden. Zwei der Neuankömmlinge waren so die Stute Teufelstanz und I'll Never Leave You, deren Boxen ich auch an diesem Sonntagmorgen, mit dicken Handschuhen und einer Wollmütze auf dem Kopf, entmistete.
      Es wurde Zeit, dass der Frühling kam und ich und Golden Comet wieder über die saftigen Wiesen springen könnten. Und dann, dass ihr Fohlen kommen würde. Vaughn war der perfekte Partner und ich könnte es auch Miss Wilson, dass ihr Wunsch eines Fohlens noch einmal in Erfüllung gehen würde und wer weiß, vielleicht würde auch damit mein erstes eigenes Pferd geboren werden.
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    • Sevannie
      Verschoben am 30.08.2019

      Grund: 6 Monate keine Pflege.
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  • Kategorie:
    Himmel - ungepflegte Pferde
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    ceres
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    17 Apr. 2017
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    Golden Comet
    *2009 | ♀
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    Flaxen Chestnut | 163cm
    American Saddlebred

    Comet ist eine äußerst bewegungsfreudige Stute, die gerne mal losrennt und dabei teilweise nicht mehr zu kontrollieren ist. Desweiteren reagiert sie sehr sensibel auf Veränderungen, sei es das Futter, der Reiter, die Pferde in ihrer Umgebung oder der Stall. Im Gesamtpaket ist sie dennoch eine freundliche und aufgeschlossene Stute die ihren 'festen' Menschen über alles liebt. Sie ist kein Anfänger- oder Kinderpferd, da sie unterm Sattel auch gerne durchgeht und eine starke, konsequente Hand braucht.
    Comet stammt aus England, was für ein Saddlebred eher ungewöhnlich ist. Sie wurde über das BearBrook EC verkauft und gelangte so zu uns.


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    Eingeritten |

    Eingefahren |

    Western S | S

    Distanz A | S*
    Fahren S | M
    Gang S*** | S***

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    100. GT | 390. WT | 117. GT | 392. WT | 374. GR | 192. SS | 396. WT | 126. GT

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    327. FT | 199. SS | 203. SS | 443. SS | 138. GT | 343. FT | 409. WT | 1: 444. ST

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    2: 444. ST | 344. FT | 312. DT | 211. SS | 334. MT | 447. DT | 212. SS | 448. ST

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    146. GT | 400. GR | 350. FT | 148. GT | 149. GT | 351. FT | 151. GT | 410. GR | 160. GT


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    [SK 454]

    Zur Zucht zugelassen |
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    Eingetragene Zucht: BBR

    Nachkommen

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    Tierarzt
    Letzter Besuch:
    Durchgeführt von:
    Ergebnis:


    Hufschmied
    Letzter Besuch: 19. September 2017
    Durchgeführt von: Big Bear Farrier
    Ergebnis: weiterhin bahrhuf, jedoch mit großer Vorsicht

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