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Mohikanerin

Glymur

Hengst | Gekört | (c) Elii

Glymur
Mohikanerin, 6 März 2020
    • Mohikanerin
      Dressur E zu A | 27. Mai 2014

      „Gwen! Gut, dass ich dich hier finde!“ meinte Elisa grinsend und fing mich gerade noch am Start der Geländestrecke ab. Ich parierte Altair durch und kam zu ihr getrabt, um zu fragen, was denn wichtiges los wäre. „Ein neuer Kunde! Fynja hat angerufen und würde gerne ihren Hengst trainieren lassen. Wäre toll, wenn du sie zurückrufen würdest.“ - „Kein Problem, wenn du mir ihre Telefonnummer gibst?“ meinte ich grinsend, nahm den Zettel entgegen und steckte ihn in meine Hosentasche.
      Nach dem Training machte ich mich direkt auf den Weg in mein kleines Büro, um alle wichtigen Unterlagen zum Ausfüllen bei mir zu haben. Dann tippte ich flott die leicht verschmierte Nummer auf dem Zettel ein und wartete auf eine Antwort vom anderen Ende. „Ah, Guten Morgen! Hier ist Gwendolyn Campbell vom WHT Ausbildungsbetrieb. Mir ist zu Ohren gekommen, dass Sie gerne ihren Hengst zu uns bringen würden?“ meldete ich mich gut gelaunt und hörte der Besitzerin aufmerksam zu. „Da muss ich Sie leider enttäuschen, Gangreiten bieten wir nicht an. Aber eine Stufenerhöhung in der Dressur wäre sofort möglich.“ erklärte ich kurz und entschuldigte mich noch einmal, dass wir die gewünschte Disziplin nicht anboten, allerdings war auch keiner auf dem Spezialgebiet der Isländer bewandert, so dass wir dort auch keine falschen Versprechungen machen wollten.
      „Nächste Woche Montag klingt gut.“ meinte ich und schrieb mir die Ankunft des Hengstes in meinen kleinen Kalender. „Dann bis Montag, auf Wiedersehen!“ verabschiedete ich mich und kurz nachdem ich aufgelegt hatte, überflog ich die Anmeldung des Hengstes, um schon einen groben Trainingsplan auf stellen zu können, alles andere würde sich bei unserem Kennenlernen klären.
      Der Isländerhengst zog mich sofort in seinen Bann, als Fynja ihn aus dem Hänger führte. „Das Kopfabzeichen ist ja außergewöhnlich!“ begann ich zu schwärmen und man sah Fynja an, wie stolz sie auf ihren kleinen Hengst war. „Oh ja, er ist sowieso was ganz besonderes.“ lächelte sie glücklich und kraulte Glymur die Stirn. „Pass gut auf ihn auf.“ grinste sie mich an. Schon nach kurzer Zeit waren wir per Du, denn das war wesentlich angenehmer, als die formellen Formen.
      Für das Training durfte Glymur bei uns auf der Ranch wohnen. Seine Box war schon hergerichtet, doch bezüglich der langen Fahrt brachten wir ihn erst einmal auf seine Weide. „Schön habt ihr es hier! So ruhig und so naturbelassen.“ meinte Fynja und schaute sich um. Ich grinste, denn manchmal war es hier gar nicht so ruhig und friedlich wie es wirkte, doch sie hatte recht, hier in Kanada war es wirklich toll!
      „Na dann werde ich mal verschwinden! Rufst du mich an, wenn ihr so weit seid?“ fragte mich Fynja und ich bejahte, ehe ich sie zum Auto brachte und nach Hause schickte, da sie sich kaum von ihrem Hengst trennen konnte. Glymur würde es direkt heute noch an den Kragen gehen, damit ich mir einen Überblick über seine Stärken und Schwächen machen konnte. Außerdem hatte ich bisher eher weniger mit Isländern zu tun gehabt und so war das auch für mich eine ganz neue Erfahrung.
      Mit einer Karotte bewaffnet lief ich zur Weide und besuchte den hübschen Hengst. Glymur war ein wahres Goldstück und kam sofort, als er mich nur sah. Die Karotte knusperte er gutgelaunt hinunter und ließ sich auch ohne Probleme von der Weide führen. Im Umgang war er wirklich einwandfrei und ich freute mich immer mehr auf die Zusammenarbeit mit ihm. Seine Zeit auf der Weide hatte er auch sehr ausgiebig genutzt, wie ich während des Putzens schnell bemerkte, denn er war ein richtiger Dreckspatz geworden und das gerade bei seinem schönen weißen Abzeichen. Dafür konnte ich die lange Putzeinheit nutzen, um mich mit dem Isländer anzufreunden und Glymur war mir sofort sympathisch. Für heute würde er sich mir erst einmal an der Longe zeigen dürfen, weshalb es mit Kappzaum und Longe in die Halle ging. Erst einmal durfte sich Glymur in Ruhe umschauen, immerhin war für ihn alles neu. Doch den taffen Hengst konnte man nicht so schnell aus der Fassung bringen und schon bei unserer ersten Trainingseinheit zeigte er sich äußerst selbstbewusst und lernbereit.
      An der Longe zeigte sich schnell, dass Glymur über sehr schöne Gänge und eine solide Grundausbildung verfügte. Was sehr interessant werden würde, war das Thema Anlehnung. Zwar suchte Glymur auch an der Longe den Weg „nach unten“, dennoch kam noch keine konstante Selbsthaltung zu Stande. Allerdings war das bei seinem Alter und Ausbildungsstand auch überhaupt nicht tragisch, denn dafür war er schließlich hier. Für mich stand aber fest, dass neben dem reiterlichen Training stets die Longeneinheiten eingefügt werden würden, um versteckte Fehler von Anfang an zu meiden und Glymur auch ohne reiterliche Einwirkungen und Hilfen in einer gesunden und vor allem konstanten Haltung laufen zu lassen. Für heute reichte es jedoch und so löste ich die Longe, um Glymur noch ein wenig in der Halle laufen zu lassen. Dabei demonstrierte er mir auch direkt die zwei zusätzlichen Gangarten Tölt und Pass und ich war wirklich fasziniert von diesen Bewegungsabläufen.
      „Na dann, schlaf gut!“ meinte ich zu Glymur, welcher anscheinend recht zufrieden mit seiner Unterkunft war und genüsslich an seinem Heunetz rupfte. Mit seinen Boxennachbarn hatte er sich auch sofort verstanden und so stand einer ruhigen ersten Nacht wohl nichts mehr im Wege. Ich löschte das Licht und machte mich selbst auf den Weg ins Bett. Ab sofort galt meine Aufmerksamkeit dem Isländerhengst und schon morgen sollte es losgehen.
      Ich war immer ein wenig aufgeregt, wenn es zum ersten Mal auf den Rücken eines fremden Pferdes ging, denn man wusste nie, wie man miteinander auskam. Bei Glymur hatte ich da zwar keine Sorge, dennoch war er erst mein zweites Berittpferd und noch war ich ein Frischling in diesem Beruf. Umso dankbarer war ich über die Unterstützung von Elisa, die mir mit ihrer langjährigen Erfahrung stets für Rat und Tat zur Seite stand. Heute Morgen hatte ich mich mit ihr getroffen und den Trainingsplan durchgesprochen, um mir auch wirklich bei allem sicher zu sein. Außerdem wollte sie unserem ersten Training beiwohnen und mir eventuell noch den ein oder anderen Tipp mit auf den Weg geben.
      Glymur schien gut geschlafen zu haben, zumindest verbrachte ich den größten Teil der Zeit damit, das Stroh aus Mähne und Schweif zu sammeln, ehe ich ihn überhaupt fertig machen konnte. Wie auch beim Putzen war er auch beim Satteln ein Engel und so konnten wir schnell gemeinsam zum Reitplatz laufen, wo Elisa uns bereits erwartete. Auch ihr gefiel der Isländer von Anfang an, obwohl sie eigentlich kein Liebhaber dieser Rasse war. „Na dann zeig mal, was du kannst.“ meinte sie lächelnd zu Glymur und auch ich machte mich fertig. Doch bevor wir loslegten, absolvierte ich erst einmal in aller Ruhe die Aufwärmephase, denn für mich war sie das A und O des Trainings. Heute wollte ich Glymur erst einmal ein wenig testen, schauen was gut lief und wo Baustellen vorhanden war. Über seine Grundlagen hatte ich mich bereits bei Fynja informiert, so dass ich diese jetzt als Basis für das kommende Training nehmen würde. Ich ritt den Hengst in allen drei Gangarten, testete Biegung, Wechsel und Seitengänge und baute viele Abwechslungen mit ein.
      Am Ende der Stunde hatte ich mir schnell ein Urteil gebildet, was mit dem von Elisa übereinstimmte. Die Grundlagen bei Glymur saßen, ebenso wie seine Reaktionen auf die Hilfen., jedoch mussten wir dringend an der Anlehnung arbeiten. Glymur lief wunderbar im vorwärts-abwärts, kam aber gerne zu tief und rollte sich dann ein. Ebenso blieb er nicht auf einer Höhe, sondern „wippte“ immer ein wenig hin und her. Eine zweite große Baustelle war die Trabverstärkung, denn dabei gab Glymur gerne seinen Isländerveranlagungen nach und wechselte bevorzugt in den Pass. Ich war mir aber sicher, dass Glymur und ich das in den kommenden Wochen ohne große Rückschritte hinbekommen würden, denn der Hengst strotzte nur so vor Arbeitselan und Motivation.
      Da wir am Vormittag nicht gar so viel gemacht hatten, wurde Glymur gegen Abend noch einmal gearbeitet. Diesmal legte ich das Augenmerk wieder auf die Bodenarbeit und nahm den Hengst an die Longe. Diesmal galt es aber für ihn, seinen Kopf und Körper anzustrengen, denn mit den unterschiedlichsten Übungen wollte ich ihm beibringen, wie er sich selbst und später das Reitergewicht am besten tragen würde. Zur Hilfe nahm ich Trabstangen, Pylonen und das ein oder andere Cavaletti. Schnell war die gesamte Halle gut bestückt mit Durchgängen, Slaloms oder Hindernissen. Nach der Erwärmung ging es für Glymur auch schon los und zu Anfang stand die Arbeit im Zeichen der aktiven Hinterhand. Mit Stangenarbeit forderte ich Glymur auf, seine Hinterhand zu aktivieren und auch seine Bauchmuskeln anzustrengen. Denn nur wenn der Schub wirklich von hinten kam, konnte er sich vorne fallen lassen. Von Natur aus besaß Glymur raumgreifende Gänge und nach kurzer Zeit kam auch seine Hinterhand noch verstärkter zum Vorschein. Nun nahm ich die Durchgänge und Pylonen mit dazu, um auch Glymurs Kopf weiter zu fördern und seine Balance zu stärken. Wir wechselten aus den Zirkeln und manchmal musste Glymur auch ganze Bahn laufen, obwohl er an der Longe war. Doch der Hengst war eifrig dabei und schien seinen Spaß zu haben und am Ende schien ich mein Tagesziel auch erreicht zu haben, denn als er noch einmal normal an der Longe lief, streckte er sich nach unten und schnaubte ab. Mit diesem tollen Ergebnis beendete ich die Trainingseinheit und kümmerte mich um Glymurs leibliche Wohl, so dass er für Morgen wieder fit sein würde.
      Ab sofort folgten wir einem festen Plan, welcher Glymur das Lernen erleichtern sollte. Am Vormittag machten wir leichte Bodenarbeit und ich festigte jeden Tag mehr die Selbsthaltung von unten. Am Nachmittag ritt ich Glymur meistens und durch die Arbeit an der Longe zuvor, konnte er das Gelernte unter dem Reiter leichter umsetzen. Dabei ähnelte sich der Aufbau der Einheiten stark, denn während des Reitens machten wir kaum was anderes als während des Longierens. Auch hier gehörten Pylonen und Trabstangen zu der Grundlage meines Trainings, um Glymur auch unter dem Reiter zu beschäftigen.
      Schnell stellte sich bei dem Isländerhengst der Lernerfolg ein und er fiel so gut wie kaum noch aus dem Takt. Außerdem hatte er sich wunderbar eingelebt und auch die Kommunikation zwischen uns beiden lief immer problemloser ab. Elisa schaute auch ab und an mal vorbei und gab mir einige Hinweise, welche einem als Reiter gerne nicht auffielen. Im Großen und Ganzen machten wir schneller als gedacht Fortschritte und die erste Baustelle war so auch im Nu beseitigt.
      Zwei Wochen lang hatte ich mich wirklich nur mit Glymurs Selbsthaltung beschäftigt, welche jetzt vom Boden aus und vom Reiten her schon sehr gut passte. Nun war das zweite „Problem“ an der Reihe, die Trabverstärkung.
      Da ich selbst noch nie auf einem Isländer geritten war, hatte ich mich doch ein wenig erschreckt, als Glymur plötzlich in den Pass gewechselt hatte. Dem Hengst selbst schien das auch aufgefallen zu sein, denn er war nur Sekunden später wieder in den Trab gefallen. Nun wollten wir daran arbeiten, dass dieser Wechsel gar nicht mehr geschah, immerhin war die Trabverstärkung eine Grundübung jeder A-Dressur. Erneut begann ich dabei vom Boden aus, um Glymur mit Hilfe von meiner Seite, erst einmal die Grundlage zu zeigen. Eine gute Basis dafür hatte unser vorheriges Training schon geschaffen und so würden wir auch hier hoffentlich keine Probleme haben. Leider gestaltete sich das Ganze doch ein wenig schwieriger und es war gar nicht zu einfach, Glymur zu erklären, dass er auch raumgreifender im Trab werden konnte. Ich investierte viele Stunden in die Longeneinheiten, ehe ich mich wagte, dass Ganze von oben aus zu probieren.
      Das gestaltete sich anfangs auch gar nicht so einfach, doch ich merkte schnell, wie wir es erst einmal üben konnten. Auf der Diagonalen fiel Glymur die Trabverstärkung wesentlich leichter und so begannen wir, es ohne großes Tamtam in unser Reittraining einzubauen. Ich wollte verhindern, dass wir uns auf dieses Problem versteifen würden, weshalb ich es bei dem Reiten erst einmal nur nebenbei behandelte und mein Plan war von Erfolg gekrönt.
      Glymur fühlte sich nicht überfordert und arbeitete weiter fleißig mit, das hatte irgendwann zur Folge, dass er manche Dinge von selbst anbot. Bei unseren Wechseln durch die ganze Bahn hatte ich ihn bisher immer nur schneller traben lassen, ohne direkt die Trabverstärkung zu fordern. Seit einigen Tagen bot Glymur diese jedoch von selbst an. Ich merkte den deutlichen Schub aus der Hinterhand und seine längeren Schritte. Vorsichtig reagierte ich auf sein Angebot und nahm es in die Arbeit mit auf. Anfangs war er noch etwas unsicher und viel dann gerne einmal wieder aus dem neuen Takt. Doch mit jedem Training wurde es besser und sicherer, so dass unsere Erfolge einer linearen Funktion glichen: Es ging stetig aufwärts.
      So konnte ich nach einem Monat Aufenthalt von Glymur bei mir sagen, dass er es bald geschafft hatte! Auch Fynja freute sich sehr über meine Nachrichten, denn jede Woche schickte ich ihr eine Mail, um sie auf dem neusten Stand zu halten. Glymur lief inzwischen einwandfrei, natürlich für die höheren Qualifikationen immer noch verbesserungswürdig, doch wir hatten uns nicht umsonst erst einmal niedrigere Ziele gesteckt. Natürlich erwartete auch Glymur eine Art Abschlussprüfung, denn zu dem A-Niveau gehört immer noch ein bisschen mehr. Kurzerhand hatte ich uns bei einem kleinen Vereinsturnier eines Gestüts im Nachbarort gemeldet. Dabei wollte ich schauen, ob das Gelernte bei Glymur wirklich saß und er es auch in einer Stresssituation abrufen konnte, oder ob einfach nur die Routine unsere Erfolge geschaffen hatte.
      Da nun das Turnier anstand, wechselte unser Trainingsaufbau wieder und ab sofort kam neben der Gymnastik auch das Eintrainieren der A-Dressur dazu. Ich war nicht wirklich ein Fan von diesen Aufgaben und es fiel mir schon immer schwer, sie zu lernen. Zum Glück gab es bei einer A-Dressur noch nicht gar so viele Übungen und angesagt werden würde sie auch während des Turniers. Glymur arbeitete wie die letzten Wochen immer bereitwillig mit, auch wenn er den fortlaufend gleichen Ablauf der Übungen langweilig fand. Als Belohnung gab es dafür ab und an einen kleinen Ausritt, damit auch Glymur sich entspannen konnte. Außerdem war er so neugierig, dass er am liebsten ganz Kanada erkundet hätte.
      Nach zwei weiteren Wochen war es so weit. Mühsam hievte ich mich halb sechs morgens aus dem Bett, um mich für das Turnier fertig zu machen. Auch Glymur war noch nicht ganz fertig, obwohl ich ihn gestern schon gewaschen und eingenäht hatte. Neugierig begrüßte mich der Hengst, als ich den Stall betrat und wartete auf sein Frühstück. Während er genüsslich fraß, putzte ich ihn und deckte ihn dann ein. „In einer halben Stunde geht’s los!“ meinte ich lächelnd zu ihm und klopfte noch einmal sanft seinen schönen Hals. Meine Mutter würden uns fahren, so dass ich mich voll und ganz auf die Prüfung konzentrieren konnte. So half sie mir auch, die gesamte Ausrüstung einzupacken und Glymur einzuladen. Wie immer zeigte sich der Hengst problemlos und wir konnten uns auf den Weg machen.
      Auf dem Turniergelände wimmelte es schon nur so vor Reitern und Pferden. Aus irgendeinem Grund mochte ich diese Atmosphäre gar nicht, das war mir immer ein wenig zu gestresst. Deshalb suchte ich einen Stellplatz möglichst weit entfernt von diesem ganzen Trubel und auch Glymur schien das besser zu gefallen. Wir waren ziemlich weit vorne an der Reihe, so dass ich mich jetzt schon um die Vorbereitungen kümmerte. Immerhin musste Glymur noch fertig gemacht werden und auch ich müsste mich bald umziehen. Meine Mutter kümmerte sich derweil um Anmeldung und Startnummer und eine Stunde später ritt ich Glymur auf dem Abreiteplatz warm. Es würde nicht mehr lange dauern, bis wir an der Reihe waren und obwohl ich ein wenig aufgeregt war, waren wir doch das entspannteste Paar auf dem ganzen Platz. Allerdings hatten wir auch kein festes Ziel vor Augen. Wir machten hier mit, damit Glymur die Chance bekam, alles kennenzulernen und seine Grundlagen zu festigen. Kurze Zeit später wurden wir aufgerufen und dann waren wir auch schon vollkommen in unserem Element.
      Pure Erleichterung überfiel mich, als wir es dann tatsächlich geschafft hatten! Ich war stolz auf Glymur, denn der hatte die Aufgaben wirklich souverän gemeistert, sogar noch besser, als im Training! Leider hatte uns ein kleines Malheur wahrscheinlich einige Punkte gekostet. Wie gelernt hieß es Wechsel durch die ganze Bahn und Schritte verlängern, im Trab, nur dass Glymur plötzlich seine Dressurveranlagung entdeckte und ein wenig zu motiviert seine Beine warf. Dem dicken Haflinger vor uns, dem wir deshalb leider beinahe auf dem Hinterteil klebten, fand das nicht ganz so lustig und buckelte los, was natürlich auch Glymur und unseren Nachfolger aus der Fassung brachte, wobei unser Isländer sich bei dieser Gelassenheitsprüfung immer noch am besten zeigte. Letztendlich verließen wir das Viereck mit einer 6,4, was ich dann für unsere Verhältnisse sehr gut fand! Immerhin ging es nicht um eine Platzierung und bei dem heutigen Turnier waren sie auch sehr streng gewesen, denn den ersten Platz machte eine 7,0.
      Glymur hatte sich zumindest von seiner besten Seite gezeigt und ich war mir nun vollends sicher, dass er bereit war, wieder zurück zu Fynja zu kehren. Die war völlig aus dem Häuschen, als sie die Neuigkeiten hörte und freute sich natürlich riesig, dass sie Glymur bald abholen könnte.
      Schon eine Woche später sollte der Isländer die Ranch verlassen. Friedlich graste er auf „seiner“ Weide, während ich mich mit Fynja unterhielt und ihr von seinen Fortschritten berichtete. „Es war wirklich amüsant.“ meinte ich lächelnd, als wir bei dem Turnier angekommen waren. „Ich muss aber auch sagen, dass die Pferdeeinteilung einfach schlecht gewesen war, denn der Haflinger war wirklich nicht der fleißigste.“ verteidigte ich noch Glymurs Patzer und fand gleich noch einen Grund, kein Fan von Turnieren zu sein. „Auf jeden Fall ist er jetzt so weit, dass ich guten Gewissens sagen kann: Dieser Kerl ist bereit, eine A-Dressur zu laufen!“ lächelte ich und Fynja strahlte über das ganze Gesicht. Wir machten noch den Papierkram im Büro fertig und dann hieß es auch schon Abschied nehmen.
      In dem letzten Monat war Glymur mir wirklich ans Herz gewachsen und ich würde diesen hübschen Isländerhengst vermissen. „Na dann, Tschüss mein Hübscher!“ meinte ich und gab ihm zur Stärkung noch einen Apfel mit auf dem Weg, ehe Fynja ins Auto stieg und die Auffahrt hinab fuhr.

      © Gwen | 18676 Zeichen

    • Mohikanerin
      Dressur A zu L | 7. November 2014

      „Genug auf der faulen Haut gesessen, wird Zeit neue Pferde kennen zu lernen.“ Ich sprach oft mit mir selbst, so auch als ich für meinen neuen Auftrag meine Utensilien ins Auto verstaute. Mein Weg führte mich zu Fynja und ihrem Hengst Glymur, einem Isländer. Ich war auf ihrem Hof schon einmal zu Gast gewesen und freute mich auf ein erneutes wiedersehen. Freundlich wurde ich begrüßt nachdem ich nach der längeren Fahrt endlich ankam und schnell kamen wir beiden Frauen ins Gespräch.Ich durfte sogar noch schnell Kempa besuchen und ihr Hallo sagen ehe ich mich meinem neuem Schüler widmete. Fynja hat mir genau geschildert wie weit der Hengst in der Dressur schon stand und wo er noch kleine Schwächen hatte, nun wollte ich mir ein eigenes Bild machen. Fynja begleitete mich noch zu Glymur und ließ uns beiden allein sobald wir am Putzplatz uns einander bekannt machten. Ich putze den Isländer mit seiner ungewöhnlichen Scheckung, er war wahrlich ein Blickfang auch schon vor der Putzaktion. Leise sprach ich mit Glymur und absolvierte nachdem er sauber war ein kleines Berührungstraining. „Braver Junge“ lobte ich ihn und forderte gleich danach die Hufe zu auskratzen. Der Hengst war sehr umgänglich und ich freute mich schon ihn zu reiten. Das Satteln klappte auch ganz unkompliziert und beim Trensen schmeichelte ich mich mit einem Leckerchen noch einmal ein. Danach ging es in Richtung Reithalle und auf dem Weg dorthin absolvierte ich ein kleines Führtraining um meine Position noch ein wenig zu festigen. „Ui, ihr seid ja schon soweit. Ich bin auch gleich da, ich möchte gern ein wenig zuschauen.“ Und schon war Fynja schnellen Schrittes wieder weg, während ich in den Sattel stieg und mit dem Aufwärmen begann. Kurze Zeit später gesellte sich die Hofbesitzerin wieder zu uns und machte es sich bequem. Glymur war angenehm zu sitzen und aufmerksam bei der Sache. Nach dem aufwärmen begann ich mit einigen Übungen um die Hinterhand zu aktivieren und erzielte ebenso eine konstante Anlehnung des Hengstes. Nach einem Lob kamen wir zur nächsten Aufgabe. Die Tempis waren keine so große Sache mehr für den Isländer, hatte doch Fynn schon fleißig mit ihm Trainiert, nur im Galopp waren noch einige Defizite vorhanden. Wir übten uns noch fleißig den Versammelten Trab und die Anfänge des Versammelten Galopps ehe ich zu einer kleinen Entspannungspause ansetzte. „Er hat sich wirklich schon verbessert du hättest ihn vorher sehen sollen, ständig ist er in den Tölt oder in den Pass geraten“, lächelt mir Fynja entgegen. „Naja, das Problem hat er ja jetzt weniger. Er braucht nur noch ein wenig mehr Aktion im Galopp.“ Das war meine Einschätzung und ich lobte noch einmal den Schecken tätschelnd den Hals. Danach nutzte ich nochmal so viel Zeit um Glymur an 8-Meter-Volten und halbe Volte links und rechts zu gewöhnen. Und siehe da, er konnte sich gut biegen und stellen lassen. Fynja konnte stolz auf ihren Süßen habe. „So für heute reicht es, du hast gut mitgemacht.“ Noch einmal lobte ich den Hengst ausgiebig ehe ich nach dem Abreiten aus dem Sattel stieg und den guten noch nachbereitete. Zum Schluss teilte ich Fynja noch meinen Trainingsplan mit und verabschiedete mich bis zum nächsten Tag.

      Die nächsten Tage waren wir fleißig am Trainieren und ich schaffte es Glymur sanft und mit viel Fantasie in den Lektionen der L-Dressur einzuführen. So waren Volten und Bahnwechsel schnell kein Ding mehr und auch die Versammelten Gangarten klappten immer besser. Neben dem ersten herantasten an Außengalopp, Kurzkehrt und der Hinterhandwendung waren auch Longeneinheiten und Ausritte mit auf dem Programm und recht schnell freute der Isländer sich auf meine Ankunft.

      „Hi, Fynja. Heute ist das Abschlusstraining.“ Nach einer herzlichen Begrüßung war ich auch schon bei meinem Schützling. Sanft stupste er mich zur Begrüßung an und ließ sich für das Training wie gewohnt zurecht machen. Nachdem Sattel und Trense saßen führte ich den interessanten Schecken in die Reithalle und überprüfte noch einmal den Gurt ehe ich aufstieg. Zu meinem Glück waren Isländer nicht so groß und ich brauchte zum Aufstieg keine Hilfe. Nach ordnungsgemäßem Aufwärmen, welches das Aktivieren der Hinterhand beinhaltete ging es auch gleich an die Kurzkehrtwendung. Die ersten Übungen kannte Glymur schon und schaffte sie dementsprechend gut. Die Vorwärtsbewegung in der Volte hielt ich nun vermehrt auf und verstärkte dafür die Seitwärtsbewegung, woraufhin die Hinterhand einen immer kleineren Kreis beschrieb. So kamen wir zum Schluss zum Kurzkehrt und der Isländer verdiente sich ein überschwängliches Lob. Selbst Fynja war begeistert was alles in ihrem Liebling steckte, sie wollte es sich nicht nehmen lassen bei der Letzten Trainingseinheit dabei zu sein und hatte es sich in der Halle bequem gemacht. Ich gönnte dem Hengst eine Pause ehe es an den Außengalopp ging. Auch hier kannte er die einleitenden Übungen schon sodass ich nun einen Schritt weiter gehen konnte. Der Außengalopp an sich klappte, nur ihn zu Halten noch nicht so ganz. Wir übten bis ich eine Verbesserung erreichte und zufrieden gönnten wir uns eine weitere Pause. Zum Abschluss waren noch einige Versammlungen im Trab und Galopp zu üben, bis ich auch mit der Aufgabe so gut wie zufrieden war. „Super, das klappt ja wie am Schnürchen.“ Ich lobte Glymur ausgiebig und setzte spontan zu einer Hinterhandwendung an. Der Hengst zuckte mit seinen Ohren und kam meinen Hilfestellungen prompt nach. Meine Vorbereitenden Übungen haben ihre Aufgabe erfüllt sodass es für dem Isländer nicht schwer fiel meinen Anforderungen nach zu kommen. Und damit hatte er auch die L-Dressur gemeistert. Begeistert schmiegte ich mich an dem sanften Hengst und lobte ihn ein letztes Mal ehe ich mit dem Abreiten begann. Fynja half mir noch bei der Versorgung ihres Schecken und war überglücklich über seine Leistung.

      © Jojomaus | 5841 Zeichen

    • Mohikanerin
      Hoffnungsvoll / April | 22. Juni 2020

      HMJ Holy / Wunderkind / Vintage / Smorre / Lotti Boulevard / Nachtschatten / Almost Illegal / Outer Space / Alfred‘s Nobelpreis / Graf Heinrich / Rainbeth / Songbird / Milska / Glymur / Schneesturm

      Folke
      Nun konnte es endlich los gehen. Holy war nun vom gesundheitlichen Standpunkt aus vollkommen in Ordnung, die Hufe hatten die erste Korrektur bekommen und die Hufeisen sitzen fest. Die Hufschmiedin, die auch ein Pferd bei sich aufgenommen hatte, gab uns nach der Hufbehandlung auch einige weiterführende Tipps, die ich dankend entgegennahm doch eher nicht umsetzen werden. Holy bekam von uns eh kein Huffett, da ich das von den Trabern meines ehemaligen Chefs schon kannte - der größte Teil ist Mist und macht die Hufe nur noch schlimmer, als sie schon waren. Ein tägliches Wasserbad hielt ich jedoch für angebracht. Worüber ich froh bin ist, dass Heddas Aufregung und Stress im Bezug auf das Horse Makeover verloschen ist und ich nun wie mit einem fast normalen Menschen mit ihr und dem Pferd arbeiten kann. Die Pause nach dem Impfen haben wir mit leichten Spaziergängen genutzt, bei denen sie nicht wie beim ersten Mal einfach abgehauen ist. 10 Minuten durfte Hedda sich auch schon drauf setzen, da Holy offensichtlich kein Problem damit hatte. Tyrell hielt dies als nicht so gut, aber zum Glück kann ich mich bei unserem Pferd mit meiner Meinung durchsetzen.
      „Morgen können wir mit dem Training anfangen“, sage ich am Morgen zu Hedda, die schon am Frühstückstisch sitzt und alles vorbereitet hat. „Vriska kommt dann gleich rüber und wir machen einen gemeinsamen Trainingsplan“, erkläre ich ihr. Sie nickt und schiebt sich den Löffel mit Cornflakes in den Mund.
      Nach Dem Essen habe ich Vriska eine kurze Nachricht geschickt, dass wir nun so weit sind und schon einige Minuten später klopft es. Ich lasse sie in die Wohnung und wir setzen uns an den Tisch.
      „Wie du wahrscheinlich mittlerweile weißt, haben wir hier am Hof eine App in der wir alle Pferde anlegen. Jeder kann dort den Pferden aktuelle Informationen eintragen und das wichtigste sind natürlich die Trainingseinheiten. Der Trainingsplan kann eingesehen werden, verändert und angepasst. Also Tyrell hat dort richtig Arbeit hinein investiert.“, erklärt Vriska. Um alles besser sehen zu können, hat sie das Tablett aus dem Aufenthaltsraum mitgebracht. Sie zeigt mir wo ich drücken muss und als erstes legen wir Holy als Datensatz an. Ich tippe bei dem Namen HMJ Holy ein, trage die Farbe, Alter und wann wir sie bekommen habe. Dann zeigt Vriska noch wo das Bild vom Pferd hin kann und Hedda wählt eins vom Shooting des ersten Tages aus. So weit, so gut. Als nächstes gehen wir erstmal in die Gesundheitsabteilung, trage alles ein, was in den letzten Tagen gemacht wurde. Dafür hatte Hedda den Pass schon geholt damit wir alles genau machen können.
      „So, dann überlegen wir jetzt wie es mit dem Training ist. Frecherweise habe ich mir Holy heute früh schon mal auf dem Paddock angeschaut und geguckt woran wir arbeiten können und was erst mal nicht so wichtig ist. Wir hatten uns ja dafür entschieden mit Holy über Freiarbeit, also besonders Intrizen Training, Muskeln aufzubauen. Doch die Zeit würde gar nicht ausreichen, um sie in drei Monaten zu einem wunderbaren Reitpferd zu machen. Ich denke, dass sollten wir uns alle hier als Ziel setzen und das ist zu schaffen. Dafür habe ich euch ein Pulver besorgt, dass ihre Muskeln fördert und auch für ganze körperliche Empfinden gut ist.“, erzählt Vriska. „Aber das ist doch sicher teuer?“, merke ich vorsichtig an. Sie schüttelt mit dem Kopf. „Nein, mach‘ dir da mal keine Gedanken. Um es Optimal zu gestalten machen wir an einigen Tagen zwei Einheiten mit ihr. Hedda und ich fangen heute schon an, da das Clickern nicht wirklich körperlich anstrengend ist. Morgen dann die ersten Freiarbeitsübungen. Dann kommt sie auch für 20 Minuten in den Aquatrainer. Später kannst du, Folke, dann auch mit ihr an der Doppellonge anfangen. Am besten kommt ihr nach her mal vor zum Laden, dann gucken wir nach einen Kappzaum für Holy.“, antwortet Vriska und wir diskutieren noch etwas über das alles. Als dann die Entscheidung getroffen ist, tragen wir alles im Plan ein.
      25.04. - Clickern
      26.04. - Freiarbeit, Aquatrainer
      27.04. - Freiarbeit
      28.04. - Freiarbeit, Aquatrainer
      29.04. - Pause
      30.04. - Doppellonge, Freiarbeit
      01.05. - Doppellonge, Aquatrainer
      Vriska verlässt den Raum und wir machen uns auch fertig. Für mich steht nun Stallarbeit an und Hedda ist auch dran bei den Stuten.
      Vriska
      Nach der Besprechung heute geht es erst mal an die Arbeit, da demnächst die Jungpferde von Bruce wieder an den Hof kommen. Bei ihm reicht der Platz für die Pferde nicht, aber wir haben zum Glück genug. Deswegen kontrolliere ich die Weiden und bringe auch schon Heuballen. Ich freue mich schon, da Krít auch Zwillinge geboren hat, die beide zwar sehr klein noch sind aber alle sind wohlauf und kerngesund. Dennoch möchte er beide Pferde abgeben. Mit dem vibrieren meines Telefon werde ich aus dem Gedanken geholt. In 20 Minuten beginnt die Clickereinheit mit Holy. Rasch stelle ich den Traktor wieder in die Halle und gehe dann weiter zum Putzplatz auf dem das Team schon auf mich wartet. Anders als erwartet ist Folke doch heute mit dabei. Ich bin froh darüber, weil ich noch nicht so ganz gut mit Hedda klar komme aber das wird sicher noch besser. Genüsslich kaut Holy am Strick von Folke und Hedda putzt in der Zeit. „Die Hufen sehen so viel besser aus“ sage ich zu den Beiden und Hedda stimmt mir zu. Folke scheint als hätte er nicht nicht gehört, aber ich möchte mich auch nicht noch mal wiederholen. Das wäre etwas bescheuert.
      „Ich würde vorschlagen, dass wir uns erstmal um das Kappzaum kümmern. Im Shop habe ich gestern zusammen mit Valeria Kappzäume gemacht und langsam wird die Auswahl größer. Da finden wir sicher etwas passendes für Holy“, sage ich und Beide sind begeistert. Zusammen laufen wir an der Halle und den Weiden entlang zum kleinen Shop am Hof. Folke muss draußen warten und sich um das Pony kümmern, während Hedda und ich rein gehen. Das Mädchen bestaunt das Sortiment und würde am liebsten alles mitnehmen. Aus dem hinteren Lager hilft sie mir beim Tragen. Momentan sind die Kappzäume noch in Einzelteilen, aber das lässt sich rasch ändern. Zum besseren Einstellen und verändern des Zaums produzieren wir sie einzeln.
      Nach ewigen hin und her probieren haben wir eine Kombination die Holy passt - aber Folke nicht gefällt. Das Kappzaum ist nun grün und rosa. “Und was anderes passt ihr nicht?”, hinterfragt Folke. Ich schüttel den Kopf. “Leider habe ich auch nicht die Zeit jetzt neue Teile zu produzieren, Du weißt, wir müssen die Traber trainieren und bald zu den Rennen fahren.”, erläutere ich ihn. Er nickt.
      Folke
      Mein Handy vibriert. Ich gucke drauf und stelle fest, dass ich nun mit Wunderkind und Vintage arbeiten sollte. “Hier beiden, ich muss mich verabschieden. Die Pflicht ruft. Wenn was ist, ich hab das Headset auf. Dann ruft mich an.”, sage ich zu beiden Damen und drücke Vriska die Stute in die Hand, die beinah sehnsüchtig mir nach guckt, oder eher meinem T-Shirt das auch völlig vollgesabbert ist.
      Auf dem letzten Renntag hat Wunderkind sich ganz böse verletzt, weswegen er nur langsam sich bewegen soll, aber auf keinen Fall herum stehen kann. Deswegen haben wir entschieden, ihm vorn die Eisen zu entfernen und durch Duplos zu ersetzen. Auch darf er in den Aquatrainer hat uns der Tierarzt bestätigt. Dafür hatte ich eine sehr kreative Idee. Über den Verband ziehe ich eine feste Plastiktüte, die ich mit ausgemusterten Terrabändern am Bein sehr fest um mache und darüber noch einen Hufschuh, damit die Tüte nicht reisst. Vom Hersteller haben wir auch bestätigt bekommen, dass sie Schuhe Wasserfest sind. Also kann es losgehen. Ich hole das Wunderkind aus seine Paddock und taste noch mal das Bein ab. Erst nach dem Training wechsle ich dann Verband und er kann dann für einige Minuten ohne stehen. Leider ist die Wunde zu tief und es ist zu gefährlich das Dreck dran kommt, deswegen trägt er den ganzen Tag den Verband. Wie gewohnt steht er ruhig und lässt sich problemlos untersuchen. Auch das putzen genießt er, dennoch merkt man dem Hengst seinen Energieüberschuss an. Als ich ihm das Halfter für den Aquatrainer umlege, das Vriska entworfen hat, fängt er an den Kopf hochreißen und sehr laut zu schnauben. Wenn ich es nicht besser wüsste und nur die Geräuschkulisse wahrnehmen würde, wäre es eindeutig ein Heutrockner oder Staubsauger. “Ganz ruhig, Dicker”, sage ich zu ihm und streiche ihm über den Hals. Als ich ihn los führe fängt er an hektisch herum zu tänzeln und völlig unkonzentriert zu sein. Mehrere male lasse ich ihn einen Kreis laufen, bis er etwas ruhiger geworden ist. Bevor wir zum Trainer laufen, gehen wir eine kleine Runde über den Hof damit er noch etwas mehr Auslauf bekommen und mehr von der Welt sehen kann. Auf Grund seiner Verletzung darf er derzeit nur mit unter Aufsicht auf die Weide. Die Runde über den Hof und dem Hengst sehr gut getan und ich wir können wieder in die Reithalle. Dort habe ich den Aquatrainer schon vorbereitet. Ich führe ihn in das Gerät und stelle einen leichten Wellengang ein. Wunderkind liebt wasser, was ihn natürlich dazu animiert zu spielen. Einige Minuten lasse ich ihn und dann stelle ich das Band an. Zufrieden schnaubt er ab und für 20 Minuten kann er nun Schritt laufen unter erschwerten Bedingungen.
      Nach dem Training merkt man ihn direkt an, wie geschafft er ist und auch zufrieden. Deswegen lege ich als erstes das gebastelte Schutzding von seinem Bein ab und auch den Verband. Die Wunde sieht schon viel besser aus und ich mache noch mal Manuka Honig drauf. Wir sind alle sehr überzeugt von dem Honig, der antiseptisch wirkt. Medikamente bekommt der Hengst nicht, auch die Schmerzmittel bekommt er nicht mehr. Wunderkind ist nun soweit fertig und widme mich Vintage. Dem Hengst geht er zum Glück gut. Ich hole ihn aus seiner Box und putze ihn.
      Vriska
      Folke hat sich nun von unserer kleinen Gruppe verabschiedet, da er noch arbeiten muss. Ich habe meine Trainingspferde schon fertig und Tyrell macht heute Abend den Stalldienst mit Max. Also kann ich mich mit Hedda voll und ganz auf Holy konzentrieren. Wir gehen auf den Reitplatz an der kleinen Reithalle, da kann sie schon die anderen Stuten sehen und ist gleichzeitig weit weg von den Hengsten. Als erstes wollen wir ihr das Klicken des Clickers beibringen. Holy ist ein sehr mutiges Pferd und wie viele andere natürlich futtermotiviert. Deswegen wird es leicht sie konditionieren auf das Klick. Danach soll es weitergehen mit dem Intrizen Training, aber das wird erstmal ein langer Weg. Auch weil ich bald nicht mehr so viel Zeit haben werde, so wie Folke und Hedda dann viel Alleine machen muss, aber ich werde mal mit Collin reden, vielleicht kann er zwischendurch mal mit den Mädels arbeiten.
      Wir stehen auf dem Reitplatz und ich erkläre Hedda erst mal ein paar Sachen über das Clickern, bevor es los geht. Dann zeige ich ihr auch erst die Übung. Neugierig steckt Holy ihren Kopf zu mir und hat nach wenigen Wiederholungen schon verstanden, wie die Übung funktioniert, doch Hedda soll es noch ein paar mal machen. Da die Stute heute noch ihren Ruhetag hat, können wir sie nicht noch ein paar Runden longieren. Schon jetzt zeigt Holy Interesse an dem Training und macht gute Ansätze für das Intrizentraining. Sie bietet schon einiges an und hebt das Bein wenn Hedda die Hand hebt. Ich beobachte die beiden Mädels und würde nur eingreifen, wenn etwas falsch läuft. Damit wir gegen alle Erwartungen das Pony einfangen sollten, hat Hedda noch eine Longe am Kappzaum mit dran. Nach ungefähr 20 Minuten beenden wir die Einheit und bringen die Stute zurück zu ihrem Paddock, doch die weigert sich und möchte nicht weiter. Auf Grund des Intrizen Training, müssen wir das jedoch akzeptieren und eine andere Lösung finden. „Was machen wir jetzt?“, fragt Hedda verzweifelt. „Ich habe eine Idee, warte“, sage ich zu ihr. Ich gehe einige Meter weg und hole mein Telefon aus der Tasche. „Collin, denkst du es ist okay, wenn ich mir Smorre hole? Holy möchte nicht mehr in ihre Box und ich verstehe sie da auch … ok … ja .. dann machen wir das so“, unterhalte ich mich mit Collin am Telefon und lege auf.
      „Kommst du kurz alleine klar?“, frage ich Hedda bevor ich abhaue. Sie nickt und ich laufe rüber zum Hengstpaddock, den dazwischen steht ein Wallach - ein Tinkerwallach. Dieser ist nicht nur vom Charakter sehr ruhig, sondern fühlt sich in der Truppe nicht wohl. Da wir noch einige Paddocks frei haben, werden die beiden auf einen der hinteren Paddocks an der Stuten Sommerweide kommen. Dort haben sie auch ihre Ruhe. „Na du“, begrüße ich den Fuchs und lege ihm ein Halfter um, das offensichtlich auch nicht passt. Das ist jedoch gerade nicht wichtig, er soll ja nicht mitkommen, was ich er auch ohne Halfter machen würde. Ich kehre mit ihm zurück zu Holy und Hedda. Neugierig beschnüffeln sich die beiden Tinker. Holy quietscht ein paar Mal und das wars. Beide sind tiefenentspannt. Sogar Holy die sonst immer an irgendetwas herum kaut steht ruhig da. „Aber das ist doch ein Hengst“, wirft Hedda vorwurfsvoll ein. Ich schüttle den Kopf und stelle ihr den Wallach vor. Sie freut sich und wir gehen zusammen zum Paddock. Als erstes tauschen wir kurz die Pferde, weil ich nicht weiß wie das Chaoten Pony auf den Paddock reagiert. Smorre ist eh ruhig, deswegen kann Hedda ihn im Anschluss dort ab machen. Holy behält erst einmal noch ihr Halfter um, das Hedda ihr angelegt hat, als ich den Fuchs geholt habe.
      „Die mögen sich“, sagt die kleine Schwester von Folke als wir die beiden Tinker noch beobachten. Sie stehen schon beieinander und putzen sich. Glücklich wirken sie auf den ersten Blick aber das kann natürlich jeden Augenblick umspringen. Folke kommt in der Zeit von dem Training mit Vintage wieder. Er guckt nicht schlecht als er die beiden Pferde sieht, muss sich aber erst mal um den Hengst kümmern. Später kommt er dann dazu.
      „Was denn hier passiert? Da ist man für eine halbe Stunde weg und schon hat Holy neue Freunde“, sagt er scherzhaft zu mir.
      „Holy wollte nicht mehr in ihre Box und da hatte Vriska die Idee sie ist Smorre hier her zu stellen.“, antwortet Hedda.
      „Hoffentlich rennen die beiden nicht die halbe Nacht hier herum. Sie hat schließlich noch Ruhetag“, macht sich der Herr etwas Sorgen, ich winkte nur ab und verabschiede mich. Der Tag war lang und beginnt morgen wieder sehr früh.
      26. April
      Folke
      Es ist noch sehr früh am Morgen doch auf dem Hof ertönen bereits Traktoren Geräusche. Valeria und Vriska haben heute Stalldienst. Hedda und ich sitzen am Tisch und Frühstücken, natürlich fällt es nicht aus, dass über Holy gesprochen wird. „Wir können ja gleich mal gucken gehen“, schlage ich vor und Hedda springt natürlich direkt auf, wie es in ihrer Natur liegt. Ich decke den Tisch ab und ziehe mich dann ebenfalls um. Hedda ist direkt fertig aber soll auf mich warten, weil ich nicht weiß was uns erwartet.
      Der Himmel ist strahlend blau und die Morgensonne ist für die Jahreszeit sehr warm. Bald ist auch schon der meteorologische Sommeranfang. Die Vögel sind auch schon aktiv und zwitschern.
      Oh Gott ist mein erster Gedanke als wir bei Holy ankommen. Das Pony ist sehr dreckig und auch am weiß der Mähne sieht man wunderbar, dass sie sich die halbe Nacht gescheuert haben muss. Wir haben vergessen ihr ihre Decke umzulegen, sodass nun wir einen dreifarbigen Schecken haben. Hedda ist auch der Schock ins Geschicht geschrieben. Trotzdem sind beide Pferde sehr ruhig und spielen mit einander. „Leider müssen wir euch jetzt trennen“, sage ich zu Holy und nehme den Strick, den wir am Tor liegen lassen haben. Holy Blick sieht nach Enttäuschung aus, aber ich versichere ihr, dass sie wieder zurück darf zu ihrem Smorre. Gemeinsam gehen wir zur großen Reithalle. Für Holy steht nun erst einmal Aquatraining auf dem Plan. Hedda putzt sie gründlich und ich bereite das Gerät vor. „Ich wäre soweit“, rufe ich meiner Schwester zu und sie bringt die Tinker Stute her. Ihren Schweif hat sie eingeflochten. Das Pony sieht nun wieder viel Besser aus. Da sie den Aquatrainer noch nicht kennt, nehme ich meiner Schwester das Pferd ab und zeige es ihr zunächst. Mit einigen Leckerlis guckt sie dann auch neugierig und geht mir ohne Probleme nach. Hedda hat in der Zeit noch einen zweiten Strick geholt und befestigen die die Haken an der Seite des Halfters. Dann schalte ich das Laufband ein und lasse das Wasser einlaufen. Fröhlich läuft die Stute vor sich her und bleibt immer mal wieder etwas stehen und versucht mit dem Wasser zu spielen. „Ich glaube, sie mag Wasser“, sage ich zu Hedda die fröhlich ein Video macht. In kurzen Instanzen erhöhe ich den Wasserstand bis auf 40 cm. Nach insgesamt 20 Minuten lasse ich das Wasser ab und wir holen die Stute aus dem Gerät. Man sieht ihr an, dass sie völlig geschafft ist, weswegen Hedda sie abtrocknet und ich das Solarium in Gang setze. „Das sollte ihre Muskulatur entspannen“, sage ich zu Hedda, die mich mit Fragezeichen im Gesicht anguckt. „Schaffst du das alleine?“, frage ich sie dann, als Holy entspannt im Solarium steht. Meine Schwester nickt und so kann ich mich nun an die Arbeit machen.
      Auf dem Plan stehen nun erst einmal Lotti und die Schwarze. Die beiden Stuten sind langsam soweit um zur Körung zu können, da Tyrell aber möchte, dass sie eine richtige Körung machen und kein Zuchtrennen machen haben Vriska und ich uns besprochen und wir gehen nun mit den beiden Stuten auf die Trainingsbahn zum Gangtraining. Dort haben wir mehr Platz und die meisten Pferde haben dort auch mehr Platz.
      Vriska
      „Geschafft“, sage ich zu Valeria, als ich den Trecker weggebracht habe und die den Stuten das Heu in die Gasse gelegt hat. „Ich muss dann auch schon weiter, Folke und ich gehen mit den beiden normalen Trabern auf die Trainingsbahn“, erzähle ich ihr. Sie macht nun auch etwas mit einer ihren Stuten. Folke kommt dazu und berichtet mir vom Aquatraining. „Na da wird sie sich aber angestrengt haben.“, antworte ich. Wir lachen und holen Lotti sowie die Schwarze vom Paddock. Es ist natürlich fies, dass wir die beiden vom Heu wegziehen müssen, aber sie bekommen dann gegebenenfalls noch eine eigene Portion nach dem Reiten. Ich habe mir Lotti genommen, da die Stute noch einer besseren Hand bedarf. Folke ist noch nicht ganz so fit im Gangpferdetraining, deswegen wird die Schwarze für ihn einfacher sein. Zusammen putzen wir die Stuten und fangen an zu satteln, als Hedda kommt. „Holy steht jetzt wieder bei Smorre, ich hab ihr die Stelle eingeschmiert und die Decke umgelegt. Was kann ich jetzt machen?“, fragt sie motiviert. „Geh doch mal zu Tyrell ins Büro, der kann dir das besser sagen“, antwortet Folke nur. Sie nickt und verschwindet wieder. „Krass, dass sie schon alleine Holy verarzten kann“, sage ich überrascht. „Wir sind halt nicht komplett unfähig“, antwortet er und lacht. Er lacht viel ist mir aufgefallen.
      Wir reiten im Schritt los, erst mal sehr locker mit durchhängenden Zügeln. Allerdings weiß ich noch gar nicht, worüber ich mich mit ihm unterhalten soll, also schweigen wir uns bis zur Trainingsbahn an. Die Situation ist mir ziemlich unangenehm, weswegen ich ihm dann einfach was über Nachtschatten erzähle. „Die Stute hatte ich damals gefunden noch Bruce, da er eigentlich die Traber wollte. Das hat nun aber sein Bruder Tyrell übernommen. Kennst du Bruce?“, frage ich ihn um ihn zum Gespräch zu animieren. Er schüttelt den Kopf. „Bruce hat das hier eigentlich alles in die Wege geleitet. In Deutschland ist der Hof halb abgebrannt, durch einen verheerenden Waldbrand. Das ist leider sehr typisch in Brandenburg, weil durch den Krieg und die Russen sehr viel Munition und Bomben noch herum liegen. Dann hat er im Internet ein Ausschreiben gesehen für dieses Gelände und sich beworben. Als wir dann genommen wurden, hat man und das Gelände ausgebaut und erweitert. So sind wir hier in Schweden gelandet. In Deutschland haben wir dann angefangen schwedisch zu Lernen, aber hier vor Ort ist es deutlich einfacher wenn man im Kontakt mit Einheimischen ist.“, fange ich an zu erzählen. Folke sagt dann etwas auf schwedisch, was in dem Moment leider nicht verstehe. Wir reden kurz drüber und dann erzähle ich weiter: „Auf jeden Fall kamen dann nach und nach die Pferde, bevor wir überhaupt hier waren. Mit einem großen Transporter sind wir dann gekommen. Wir sind mit Auto und Fähre hier her. Das erste was mir auffiel waren die hohen Spritpreise, aber zum Glück fährt unser Hoftruck mit LPG Gas, so das wir sozusagen überhaupt nichts mehr zahlen. Meiner ist ein Diesel.“
      An der Trainingsbahn angekommen zeige ich Folke einige Übungen zum Tölt vorbereiten und worauf er achten soll. Dann fängt jeder für sich an die Pferde zu trainieren. Lotti hat heute einen guten Tag. Motiviert hört die Stute mir zu und reagiert sehr fein auf meine Hilfen. Auch der Tölt ist heute ziemlich Taktklar. Immer mal wieder beobachte ich Folke, der offenbar auch sehr viel Spaß mit der Schwarzen hat. „Hast du Lust auf ein Passrennen?“, frage ich ihn kurz bevor die Einheit zu Ende ist. Schockiert guckt er mich an. „Also bei den Isländern ist das Normal. Man stellt sich nebeneinander und dann hat man 200m für den Pass. Aber wir können mit den Mädels natürlich viel länger den Pass halten. Dafür sind sie schließlich gezüchtet worden“, erzähle ich ihm. Für Lotti war das erste mal Pass unterm Sattel beinah eine Überwindung, vorher ist sie nur am Sulki Pass gegangen und mit den Rennen hat sie keine guten Erfahrungen gemacht, deshalb wollte ich ihr unbedingt den Spaß am Pass laufen wieder bringen, was mit Passrennen sehr gut funktioniert hat. Ich erkläre ihm kurz und knapp welche Hilfen er geben muss und wie die Schwerpunktverteilung ist. „Bereit?“, frage ich ihn. Er nickt. „Los“, sage ich dann. Schon nach wenigen Metern habe ich Lotti im Pass und gebe Gas. Meine Haltung lässt natürlich zu wünschen übrig, aber darum geht es zum Glück nicht. Auch Folke ist sehr schnell mit Nachtschatten unterwegs und hat und bereits überholt. Sonst hat Lotti immer die Nase vorn, deswegen gebe ich ihr noch etwas mehr Zügel und treibe sie mit der Stimme. Die erste Kurve kommt und langsam holen wir wieder auf. Folke hat mit der schwarzen Probleme das Tempo zu halten und sie fällt immer wieder in den Tölt. Das ist unsere Chance. Ich gebe noch mal etwas mehr Gas mit ihr und wir haben die Beiden überholt. Doch er hat sie bereits wieder in den Pass gelegt und gibt deutlich mehr Gas, sodass die Beiden uns wieder überholen. Nach einer Runde hat Folke ganz klar gewonnen. Wir freuen uns sehr und reiten noch eine Runde Schritt. Die beiden Stuten sind fix und fertig aber wirken auch glücklich, sonst hätten wir das nicht gemacht. „Das war ziemlich cool“, sagt er und streicht der schwarzen Stute über die Mähne. Nachtschatten schnaubt ab und streckt sich. „Vielleicht reiten wir mal ein richtiges Passrennen“, schlägt er dann vor. Ich gucke ihn verwirrt an. „Bei uns am alten Gestüt gab es einen Jockey, der die Pferde nie am Sulky hatte. Für ihn gab es nur Rennen, die geritten gemacht wurden. Ausschreibungen dafür zu finden ist immer sehr Rar, aber ich kann ihn mal fragen, ob er uns welche schicken kann“, erklärt er mir. „Oh das wäre ziemlich cool, aber dann müssten wir noch mehr Üben. Lotti und Nachtschatten fallen dann allerdings weg, weil sie sollen nach der Körung zum Hengst“, erzähle ich ihm. „Ach, ich suche da schon wen heraus. Vintage hätte sicher daran deutlich mehr Spaß. Der Sulky ist überhaupt nicht sein Ding, aber er macht es mit. Nobel und Alfi wären sicher auch davon begeistert“, sagt er.
      Am Hof steht Hedda schon und begrüßt uns. „Was habt ihr den gemacht. Die Pferdchen sind doch völlig platt“, sagt sie. „Ein Passrennen“, sagt Folke trocken und Hedda fragt nicht weiter Tyrell scheint ihr den Auftrag gegeben zu haben, die Sättel und Trensen zu putzen, zum Glück, dann müssen wir das nicht mehr machen. Das ist immer eine sehr lästige Aufgabe. Für Hedda ist das aber das richtige. Einige Meter später ist dann auch Tyrell, der mit uns sprechen möchte. „Bruce hat gerade angerufen. Krít hat Zwillinge bekommen und er würde sie gern herbringen, sowie seine ganzen Jungpferde. Man hat ihm Grundlos die Weide im Nachbardorf gekündigt. Er war mal wieder sehr verzweifelt“, erzählt er uns. Ich steige vom Pferd und frage noch ein paar mal nach. Dann einigen wir uns auf eine Uhrzeit. Schließlich müssen wir noch die Weiden überprüfen. „Gut, dann werden wir das tun“, antworte ich meinen Chef und er geht wieder. Zusammen mit Hedda macht er gerade das Zubehör sauber. „Warte mal! Können wir uns dann Hedda kurz leihen?“, frage ich noch. Er nickt.
      „Hedda!“, rufe ich fast einmal über den ganzen Hof. Motiviert kommt sie angerannt. „Ja?“, fragt sie.
      „Hol‘ dir mal Ali von dem Paddock, wir gehen die Weiden kontrollieren“, sage ich zu ihr. Sie nickt erfreut und rennt direkt ein Halfter holen.
      „Dann kommt sie mal raus, wenns für dich in Ordnung ist“, sage ich zu Folke.
      „Ja klar, wen nehmen wir dan?“, fragt er gespannt.
      „Ich dachte, dass ich Alfi nehme und du holst die Nobel.“, antworte ich, als wir die beiden Stuten nach dem füttern wieder zum Paddock bringen.
      „Das klingt nach einem Plan“, sagt er und wir gehen die Hengste holen. In der Zeit ist Hedda auch schon dabei sich den kleinen Hengst fertig zu machen.
      „Alle fertig?“, frage ich in die Runde. Ein zustimmendes Ja ertönt und wir reiten im Schritt los. Dieser Ausritt wird etwas entspannter. Wir reiten durch die Allee zu den großen Weiden im Wald. Dort sollen die beiden Jungpferdegruppen vom Bruce hin. Unsere Jungspunde kommen dann da auch dazu. Im Moment grasen sie auf zwei Weiden am Hof, aber so hätten die Pferde dann noch mehr Freunde. „Der Plan ist es jetzt, dass wir die Zäune und kontrollieren und gucken ob alles in Ordnung ist. Der Strom ist derzeit aus, aber den hat Tyrell schon geprüft, als er gestern hier war. Da wir überlegt hatten unsere Kleinen erst mal hierher zu bringen. Das Schicksal hat uns erhört“, erzähle ich. Die Gruppe trennt sich. Ich öffne das Tor mit Alfi. Der Hengst ist so ein Traum. Mit ihm kann man echt alles machen. Outer Space reagiert sehr empfindlich auf dem Schenkel und sucht immer nach Bestätigung, weswegen man mit Leckerlis in der Tasche alles schafft. Durch seine Sensibilität kann ich ohne es überhaupt schon mal mit ihm gemacht zu haben, das Tor öffnen und korrekt eiinzureiten. Ich lobe ihn und stecke ein Leckerli in den Automaten. Genüßlich frisst er seinen Snack. Im langsamen Tölt reiten wir an der Zaun innen Seite entlang. Auf dieser Weide ist alles okay. Hier sollen dann die Stuten rauf, Auch als ich mir noch die Weide Ansicht angucke, stelle ich keine Probleme fest. Auch Folke und Hedda entdecken nichts, als wir uns wieder treffen am Startpunkt. „Wie hast du das mit Alfi und dem Tor gemacht?“, fragt Folke überrascht. Offenbar hat er uns dabei beobachtet. „Nun, Alfi reagiert ja sehr sensibel und wurde ja vorher schon ziemlich viel in der Dressur gefördert, weswegen diese Übunge nur eine Zusammensetzungen von verschiedenen Hilfen war. Zu dem war ich auch zu faul abzusteigen, und wollte das erst einmal probieren.“, erzähle ich ihm.
      „Sehr cool, können wir sowas mal am Hof machen?“, fragt Hedda dann. Ich nicke. Dann reiten wir weiter. Hedda und Ali sind ein gutes Team. Der kleine Welsh Hengst ist leider all die Jahre zu kurz gekommen, obwohl er so ein Schatz ist. In Deutschland durfte er noch regelmäßig in der Reitschule oder in den Kinderferien mit laufen, aber sowas haben wir bisher nicht hier in Schweden angestrebt. Deswegen stand er hier die meiste Zeit nur herum. Zwischendurch habe ich ihn in die Führanlage gesteckt und ihn als Handpferd mitgenommen. Das nun Hedda, und Folke, da sind, kommt ihm zu gute. Sie hat sehr viel Spaß mit ihm und auch Ali ist echt froh wieder eine Beschäftigung zu haben. Die Beiden können noch viel voneinander lernen und ich werde das auch weiter fördern. Folke und Nobel haben sich von Anfang an gut verstanden. Aktuell trainieren die Beiden eigentlich für das große Derby im Juli, aber auch Entspannung ist mal wichtig. Unter dem Sattel ist er ein genauso tolles Pferd wie am Sulky. Sonst hätte Folke sich dort auch nicht drauf gesetzt. Er ist zwar ein sattelfester Reiter aber auf Angstpferde und Problempferde möchte er sich nicht setzen. Eben wegen seiner Schwester, die sehr viel Aufmerksamkeit bedarf, möchte er das Glück nicht heraufbeschwören. So reiten wir durch den Wald und genießen die Natur. Mittlerweile ich fast Mittag und wir müssen uns beeilen rechtzeitig zum Essen dazu sein. Also legen wir am Ende noch einen kleinen Galoppteil ein. Für Folke mit Nobel heißt das aber sehr schnell Tölten, da der Hengst bisher keinen Galopp angeboten hat und nun nicht der richtige Zeitpunkt ist das heraus zu kitzeln. Er wirkt auch nicht so motiviert um zu galoppieren.
      Am Hof angekommen machen wir die Pferde fertig und bringen sie weg. Auch wir gehen alle noch mal in unsere Häuser und zu waschen und etwas anzuziehen. Mit Reitsachen im Essensraum zu sitzen ist nicht so gut. Valeria hat heute gekocht. Es gibt Pasta mit einer Käse Gemüse Pfanne. Sehr lecker! Den Broccolie hat sie von unseren Nachbarn, die Möhren sind von unserem eigenen Beet. Der Käse ist von unserem Kuhbauern, der einen kleinen Hofladen hat, den seine Frau betreibt. Auch sie sitzt hier heute mit ihrem Mann beim Essen. Wir alle unterhalten uns über das was bereits passiert ist. Die ganze Runde ist sehr familiär und herzlich. Ich freue mich über diese Situation. Nun ist erstmal Pause. Hedda geht noch mal bei Holy gucken und geht dann gemeinsam mit Folke zurück ins Haus. Sie hat noch Schulaufgaben zu machen. Ich muss jetzt auch noch Wäsche waschen von mir und Max, weil er dafür unser Haus putzt. Doch heute ist der letzte Tag, da er nun endlich zurück in seine Hütte kann.
      Folke
      Mittlerweile es Abend und für Holy steht nun noch eine Einheit auf dem Plan. Vriska und Hedda wollen heute das erste mal die Stute richtig longieren und das Clickertraining mit einbauen. Da mich das ganze sehr interessiert, gehe ich mit und gucke mir die Situation an. Hedda kennt sich schon gut mit Pferden aus deswegen vertraue ich ihr da. Während Vriska noch nicht da ist, machen wir zusammen schon die Stute fertig, die mit Smorre noch immer ein gutes Team darstellt.
      Dann kommt Vriska um die Ecke und wirkt auch leicht genickt. “Was ist los?”, frage ich darauf total schockiert. Sie seufzt kurz und sagt: “Die Akademie hat mich ins Förderprogramm aufgenommen und ich freue mich auch eigentlich total, dass ich dafür ausgewählt wurde. Doch ich habe kein Pferd für die Nationalmannschaft, deswegen muss ich absagen.” Irgendwie fehlten mir die Worte. Doch ich wollte ihr bei der Situation unterstützen. “Hast du schon mal mit Tyrell gesprochen? Vielleicht finden wir eine gemeinsame Lösung. Auf jeden Fall werden wir eine finden.”, versuche ich sie auf zu muntern. “Bisher nicht, aber das ist mir auch unangenehm”, antwortet sie. Hedda ist noch mit Holy beschäftigt und bekommt von dem Gespräch nicht viel mit. “Du musst anders denken. Es für uns alle eine Möglichkeit den Hof zu präsentieren.”, antworte ich. Ich kenne schließlich die Situation, da ich ja immer für Höfe auf den Rennen gestartet bin. “Ich werde nach dem Training mal zu ihm gehen”, antwortet Vriska. Noch einen Moment reden wir darüber und dann kommt Hedda mit Holy dazu.
      Am Platz setze ich mich daneben und beobachte die drei. Vriska erzählt Hedda wie es heute ablaufen wird bei der Einheit und welches Ziel sie haben. Holy sieht noch sehr fertig aus vom heutigen Aquatraining, deswegen ist sie ziemlich entspannt aber auch unaufmerksam.
      28. April
      Vriska
      Es hätte eigentlich nicht schlimmer kommen. Heute muss ich die Entscheidung abgeben, ob ich dem Nationalteam beitrete oder nicht. Das Gespräch mit Tyrell war noch nicht, mir fehlte bisher einfach der Mut. Ich atme tief durch und dann kommt er natürlich um die Ecke. Irgendwie ist er wie ein Vater für mich, obwohl er gar nicht so viel älter ist als ich. “Wir müssen reden”, sagt er darauf hin. Mein Herz rutscht mir in die Hose und schon kullern die ersten Tränen. Ich mache es mir immer schwerer als es sein sollte, doch für mich ist es immer schwierig mit stressigen und unangenehmen Situationen umzugehen. “Ach Vriska. Ganz ruhig. Komm wir gehen zu dir, da haben wir Ruhe.”, sagt er darauf hin und legt seinen Arm auf meine Schulter. Zusammen gehen wir in meine Hütte. Dann trinke ich ein Schluck Wasser und setze mich zu ihm an den Tisch. Tyrell möchte nichts zum trinken. “Dein Leiter hat mich gestern angerufen und nachgefragt ob du schon eine Entscheidung getroffen hast wegen deiner Teilnahme im Nationalteam. Deswegen möchte ich dir ein Angebot machen, weil es schwierig wird eins der Fohlen im Team zu reiten.“, beginnt er. Ich würde mich schon echt drüber freuen und versuche mir auch auszumalen, wie es sein würde, aber für mich ist das Thema im Kopf schon durch. „Weißt du schon, dass Max auch eingeladen wurde?“, erzählt er weiter. Schock. Wie konnte er denn eingeladen werden, wenn er nicht mal in der Lage ist mir richtig Unterricht zu geben? Das erschließt sich mir einfach nicht. Allerdings hat er auch viel mehr Erfahrung und reitet seit dem er klein ist. Wirklich kennen tue ich ihn aber auch nicht obwohl wir seit quasi zwei Monaten zusammen wohnen. Als Freunde kann man uns allerdings nicht bezeichnen. Ich schüttle den Kopf. „Er hat schon seine Teilnahme bestätigt. Aber auch ich würde ich gern im Team sehen, deswegen haben Bruce und ich telefoniert. Er hat ein Angebot bekommen, dass er Glymur kaufen kann. Den müsstest du kennen.“, lacht Tyrell. „Waaaaaas“, antworte ich wieder völlig schockiert. „Wir würden dir Glymur für das Nationalteam zur Verfügung stellen, aber du musst im Gegenzug weiterhin die Pferde trainieren. Schließlich wird es etwas schwierig mit Stalldienst, aber wir brauchen dich auch hier am Hof.“, Tyrell wird still. Ich schweige auch. Noch eine Weile reden wir über die Situation und sind uns einig. Ich kann im Nationalteam starten - mit Glymur. Tyrell und Bruce werden nun in die Wege leiten, dass der Hengst zu uns auf dem Hof kommt.
      Als Tyrell gegangen ist habe ich noch einige Minuten still am Tisch gesessen, bis ich den Mut gefasst habe meinen Kursleiter anzurufen. „Hej, Herr Norberg, ich habe mit meinem Chef gesprochen. Sehr gern würde ich Ihre Einladung zum Nationalteam annehmen.“, sage ich mit zittriger Stimme. „Vriska, da freuen wir uns sehr. Tyrell sagte schon, dass du sicher zustimmen wirst. In den nächsten Tagen wirst du alles wichtige per Mail zugeschickt bekommen.“, antwortet er und legt kurzer Zeit später auf.
      Geschafft. Das war ein großer Schritt für mich und auch eine Menge Überwindung gekostet diese Entscheidung zu treffen. Ich fühlt sich etwas an, als würde ich die Leute und den Hof im Stich zu lassen. Doch nun habe ich erst mal noch Training mit Hedda und Holy. Auf dem Plan steht noch einmal Freiarbeit für sie. Ich ziehe mir meine Schuhe an und checke bei dem Gang zum Anbinder nochmal meine Mails. Noch habe ich keine Mail bekommen, was ich aber auch nicht wirklich erwartet habe. Hedda und Holy sind schon fertig mit der Vorbereitung und zusammen gehen wir zum Platz. Heute werde ich teilweise nur zu gucken, weil Hedda das bald eh alleine schaffen muss. Auch Folke ist wieder dabei und soll auch mal mit der Stute arbeiten. Zum aufwärmen gehe beide Mädchen erst mal einige Runden im Schritt am lockeren Strick am Kappzaum. Instinktiv senkt die Stute ihren Kopf und Hals und Hedda lobt sie zufrieden. Die Beiden sind jetzt schon so ein großartiges Team und ich freue mich, dass sie zueinander gefunden haben. Zum Anfang beginnt Hedda mit Holy das beim Kopf senken und Klick, ein Leckerchen gibt. Aber Holy ist ja nicht doof, für Leckerchen würde sie alles tun. „Ich hab mir gestern Videos auf Instagram angeguckt und würde gern mit Holy Spanischen Schritt machen. Können wir damit schon anfangen?“, fragt Hedda mich neugierig. „Können schon, aber wir müssen darauf achten, dass Holy nicht anfängt zu betteln um ein Leckerchen zu bekommen. Sondern sie soll sich anbieten und mit dir arbeiten. Also wäre es gut, wenn sie aus dem Betteln heraus das anbietet und du es rechtzeitig unterbinden“, versuche ich ihr zu erklären. Irgendwie klingt das blöd und nochmal mit der richtigen Wortwahl erzähle ich es ihr. Sie nickt und nimmt die Gerte zur Hand. Wahrscheinlich hat sie das im Internet so gesehen. Vorsichtig touchiert sie das Bei der Stute und bei einer Reaktion zieht sie die nach Oben wie auch den Strick und klickt im selben Moment. Erstaunt bin ich über ihre Fähigkeit so schnell mit dem Clickern zu reagieren. Holy sieht im Gesicht ziemlich glücklich aus. Nach einigen Wiederholungen beginnt sie mit der Arbeit an der Longe. Auch hier arbeitet die Stute aktiv und schlurft nicht mit der Hinterhand. Hedda bleibt auch immer gut dran mit der Stimme, dass Holy vorwärts läuft und sich auch streckt.
      „Habt ihr super gemacht heute“, lobe ich die Beiden als wir zurück zum Anbinder gehen. „Dankeschön“, bedankt sie sich. „Dann muss sie heute Abend noch in den Aquatrainer und dann hat sie erst mal einen Tag Pause.“, füg sie noch hinzu. Ich nicke. Für mich geht es nun weiter zum nächsten Pferd. Tyrell hat mir erzählt, dass heute zwei neue Pferde kommen und in den kommenden Tagen noch eine Standardbred Stute. Bei dem Training mit Hedda hatte ich schon eine Nachricht von meinem Chef bekommen, dass die Pferde nun da sind und ich bitte mir beide mal angucken kommen soll. Deswegen mache ich nun einen Schritt schneller, da er die Pferde erste mal vorn in die Gastpaddocks gestellt hat. „Das sind die Beiden also?“, frage ich gespannt, als ich bei Tyrell ankomme. „Ja, und beide haben ganz grausame Namen“, ärgert er sich.
      „Ach Namen sagen doch nichts aus. Wie heißen sie denn?“, frage ich neugierig.
      „Der Hengst ist Graf Heinrich und die Stute Rainbeth.“, sagt er trocken.
      „Ach Heini und Betti sind doch tolle Spitznamen.“, antworte ich lachend. Mit ernster Miene guckt er mich an und höre auf.
      „Wo hast du die denn aufgetrieben?“, frage ich einige Minuten später.
      „Du kennst noch Ida aus dem Haus vorne an der Straße. Die hatte mich vor ungefähr einer Woche gefragt, ob ich die beiden Pferde übernehmen könnte, da sie sonst zum Schlachter kommen. Sie selbst hat die Pferde geerbt von ihrem Bruder, der wohl alles in seinem Haus und Garten hatte. Er hatte auch noch eine weitere Stute und einen Wallach, doch ein Mädchen aus dem Dorf ist die beiden Pferde immer geritten ist, hat sie übernommen. Nur die beiden Eumel wollte niemand offenbar.“, erzählt er.
      „Und was ist sonst mit denen?“, frage ich weiter.
      Tyrell zickt mit den Schultern. „Die waren wohl mal auf der Rennbahn aber eher schlecht als recht. Heini kann wohl schon ein bisschen was Dressur angeht, aber Betti ist wohl nicht ganz so einfach.“, erklärt er.
      „Und mit der soll ich nun arbeiten?“ - „Ja, aber mit Beiden“, antwortet Tyrell trocken. Mit großen Augen gucke ich ihn an.
      „Dann soll es so sein“, antworte ich.
      29. April
      „Maaaaaan“, rufe ich genervt in den Raum als der Wecker klingelt. Es ist 5 Uhr am morgen und ich habe Stalldienst mit Valeria. Also stehe ich auf, mache mir einen Kaffee und ziehe mich um. Duschen muss ich gar nicht, weil ich danach eh wieder Stinke wie ein Tigerkäfig.
      „Guten Morgen“, begrüßt Valeria mich fröhlich. Wie schafft sie es nur so happy zu sein am Frühen Morgen. Das erschließt sich mir nicht. Dennoch versuche ich freundlich zu sein und wir beginnen bei den Stuten mit dem Sauber machen. Dann legen wir das Heu hin und holen sie von der Weide. Als nächstes stehen die Hengste auf dem Plan. Heute dauert es etwas länger und erst nach vier Stunden sind wir fertig. Dann gehe ich erst mal zurück in die Hütte um zu duschen, weil wir dann zum Frühstück gehen. Zusammen sitzen wir alle am Tisch und unterhalten uns über den heutigen Plan. Auch unsere Teilnahme im Nationalteam ist ein Thema. Doch Max und ich wechseln kein einziges Wort. Ich denke er ist nicht so erfreut, dass wir es Beide soweit geschafft haben. Aber das ist sein Ding und nicht meins. Ich freue mich natürlich darüber aber möchte ihn auch nicht noch weiter unnötig damit belasten.
      Als erstes beginnt die Arbeit mit Betti. Tyrell wusste gestern nicht, wie weit die Stute ist, also werde ich heute sie erst mal nur longieren und auch einen Gurt umlegen. Den sollte sie kennen, da sie wohl einige Rennen mitgelaufen ist, wenn auch nicht erfolgreich. Doch das ist für uns nicht allzu wichtig, da wir vielseitige Standardbreds züchten, die zwar das Talent für Passrennen haben, aber genauso motiviert für die Arbeit unter dem Sattel sind, besonders in der Dressur. Mit angelegten Ohren begrüßt die Stute mich und ich gehe langsam auf sie zu. Nervös dreht Rainbeth mir ihren Po zu und gehe wieder einige Schritt zurück. Von so einem großen Pferd die Hufen abzubekommen ist nicht unbedingt meine Intention. Doch ich bleibe hartnäckig, bis die Stute merkt, dass ich keine Bedrohung darstelle. Dann kommt sie sogar zu mir und ich darf ihr das Halfter anlegen. Zusammen gehen wir zum Anbinder und ich putze sie langsam. Als ich den Bauch berühre wird sie direkt unruhig und schlägt nervös mit dem Schweif. Den Gurt lasse ich also heute lieber doch weg. Gegen das anlegen vom Kappzaum hat sie nichts und läuft mir zum Platz beinah motiviert nach. Als erstes darf Betti sich den Platz selbst angucken und ich lasse ihr den Strick locker und sie kann selbst entscheiden wohin sie möchte. Mit lauten atemgeräuschen geht sie den Platz ab und wirkt eher nach einem Hengst, als eine Betti zu sein. Freundlich lobe ich die Stute und teste immer wieder ihre Aufmerksamkeit durch kurze Züge am Stricke. Erst nach einigen Wiederholungen wendet sie sich mir zu und scheint nun bereit zu sein. Zum Aufwärmen möchte ich Rainbeth nun noch dehnen und stellen. Doch schon mit der einfachsten Übungen durchs Genick hat sie große Schwierigkeiten, weswegen es ratsam wäre, wenn sich ein Osteopath dieses Problem anguckt. Um ihr nicht noch mehr Schmerzen zuzumuten, lasse ich sie nur noch ein wenig traben und höre dann auf. Auf dem direkten Weg kommt die Stute zurück auf ihren Paddock. Im Anschluss mache ich mich auf den Weg zu Tyrell, der wieder in seinem Büro sitzt.
      Vorsichtig klopfe ich an der Tür. “Herein”, ertönt es. “Ach hey, was los?”, sagt er im Anschluss als ich durch die Tür trete. “Rainbeth sollte mal einem Osteo vorgestellt werden. Beim Putzen hat sie sehr nervös reagiert im Bauch- und Rückenbereich und beim Longieren war das biegen und stellen zeigte sie sich ebenfalls sehr unmotiviert.”, erkläre ich ihm. Er nickt. “Gut, dann werde ich einen Termin vereinbaren. Bitte vergiss nicht, dass noch in ihr Profil einzutragen”, antwortet Tyrell mir. “Dankeschön”, antworte ich und möchte das Büro wieder verlassen. Doch dann sagt er noch etwas: “Denk dran, morgen kommt Glymur und ein Trainer aus Deutschland. Du hast dann direkt zwei Trainingseinheiten. Bruce bringt dafür noch Skrú vorbei.”, sagt mein Chef mir. “Was, morgen schon?”, frage ich schockiert. “Ach hatte ich das vergessen zu sagen? Tut mir leid. Eins weißt du auch noch nicht, aber du wurdest zwar für das Team ausgewählt, aber du musst noch angenommen werden. Das heißt, du musst noch die Prüfung bestehen. Deswegen haben wir für dich und Max den Trainer organisiert.”, fügt er hinzu. Mir entgleisen die Gesichtszüge. Puh, das hatte ich nicht erwartet. Ich nicke und verlasse das Büro. Jetzt muss ich auch noch eine Prüfung machen. Das schaffe ich nicht.
      “Ach gut das ich dich treffe”, sagt Folke als ich vom Büro komme. “Huch! Was los?”, frage ich ihn erschrocken.
      “Wollen wir mit Alfi und Nobel etwas trainieren für die gerittenen Passrennen? Ich habe schon mit Tyrell gesprochen, der findet die Idee gar nicht so schlecht.”, antwortet der junge Schwede. Ich nicke und wir gehen in den Stall um die Hengste fertig zu machen. Alfi war heute deutlich hibeliger als sonst und auch Nobel scheint Hummeln im Po zu haben, nur mit viel Geduld gelang es uns die Pferde in Ruhe zu putzen. Auch der Weg vom Hof war alles andere als ein Zucherschlecken. Dennoch wollten wir uns nicht entmutigen lassen und stiegen schon auf. Plötzlich hatten wir ganz andere Pferde unter uns. Beide Hengste schnaubten zufrieden ab und waren problemlos händelbar. Zum Glück.
      “Und freust du dich schon auf Glymur morgen?”, fragte Folke neugierig. Offenbar wussten es alle am Hof nur ich nicht.
      “Ich weiß nicht. Eigentlich wollte ich dir und Hedda doch helfen mit Holy, aber wenn ich zur Akademie gehe, dann werde ich nur am Wochenende am Hof sein. Und auch in der Zeit muss ich dann hier arbeiten und Tyrells Pferde bereiten.”, antworte ich nachdenklich während ich Alfi ein wenig im Genick stelle und etwas am Schenkel weichen lasse.
      “Ach mach’ dir da mal keine Gedanken. Das schaffen wir auch ohne dich”, sagt er uns fängt an zu lachen. Zum Glück nimmt er mir das nicht übel. Mich überrascht es auch extrem, dass ich überhaupt in der Auswahl stehe für das Nationalteam. Wirklich viel reiterliche Erfahrung kann ich schließlich nicht nachweisen. Vor knapp 3 Jahren kam ich erst nach Deutschland und wurde dann zu meinem Glück gezwungen. Heute denke ich, dass es die beste Entscheidung überhaupt war, denoch hat Max deutlich mehr Erfahrung. Dann reißt mich Folke wieder aus meinem Gedankengang. “Wir sind jetzt an der Bahn. Ich würde sagen, wir reiten die Pferde erstmal noch etwas mehr warm und machen dann ein schönes Intervalltraining. Anfangs etwas Tölt und dann im Pass.”, schlägt er vor. Ich nicke nur und gehe auf die Grasfläche der Bahn um einige Biegungen zureiten. Heute ich Alfi ziemlich steif und scheint auch nicht so motiviert zu sein für Dressurarbeit. Doch leider muss das sein, sonst könnte er sich verletzen, wenn wir aufs Tempo setzen. Folke hingegen hat mit Nobelpreis ein leichtes Spiel. Der Hengst ist sogar fast übermotiviert und versucht ihm jeden Schritt voraus zu sein. Dabei biegt er sich super schön und lässt einwandfrei sein Genick stellen. Auch die Seitengänge funktionieren problemlos. Etwas neidisch schiele ich immer wieder zu dem Paar rüber. Aber Alfi wird dann doch etwas kooperativer und versucht sein bestes. Dann sind wir uns einig - das richtige Training kann nun beginnen. Im Schritt reiten wir zunächst ca. 500m nebeneinander her und Tölten dann an. Erst ein Stück im Arbeitstempo und legen dann im Tempo zu. Bevor die Pferde in den Pass fallen bremsen wieder in den Schritt ab und reiten wieder 500m. So machen wir das einige Bahnen lang bis wir statt Tölt den Pass bevorzugen. Alfi ist nun voll dabei. Nur mit leichter Hilfe lege ich den Hengst in den Pass und versuche das Tempo zu steigern. Folke hingegen hat es nun etwas schwieriger, da Nobelpreis ziemlich mit ihm herum diskutiert. Nervös zieht der Hengst seinen Kopf nach oben und erweitert die Nüstern. Folke versucht ihn zu beruhigen doch ohne erfolg. Im starken Trab rennt der junge Mann los und ist nicht aufzuhalten. “Aber wir haben doch eigentlich Pacer und keine Traber”; rufe ich leicht belustigt dem Team nach. Nicht mal einen müden Gedanke scheint Folke an mich zu verschwenden und braust im Trab an uns vorbei. Erst auf der nächsten langen Seite bekommt er den Hengst wieder in den Schritt und brüllt genervt ihn an. “Boah, du Mistsau Pferd”, höre ich nur und muss wieder lachen. Alfi läuft stattdessen in einer schönen Haltung im Schritt vorwärts. Auch das Tempo ist sehr angenehm. “Ja, Lach du nur”, antwortet er mit genervt.
      “Wollen wir mal tauschen?”, biete ich Folke motiviert an. Er nickt und wir steigen ab um die Pferde zu tauschen. Nun sitze ich auf Nobelpreis, der direkt wieder anfängt sich zu sperren und sich zu weigern. “Mach’ du mal weiter mit Outer Space im Intervall. Ich versuche Nobel zu vernunft zu bringen”, rufe ich Folke zu. Er geht wieder auf die Bahn und setzt das Training fort. Ich fange mit Nobelpreis wieder von vorn an. Erst mal im Schritt einige Biegungen und dann Tölt-Schritt Übergänge um die Durchlässigkeit zu verbessern. “Prima”, lobe ich den Hengst, der zufrieden abschnaubt. Das Intervalltraining werde ich mit ihm nicht fortsetzen, aber Pass muss er heute noch mal laufen, um die Erziehungsaspekt beizubehalten. Nach dem er wieder deutlich lockerer im Genick ist, gehen wir wieder auf die Bahn und treibe ihn in den Galopp. Wenn auch nicht erwünscht, lege ich den Hengst aus den Galopp in den Pass. Oh Wunder - Nobel zeigt sich gelassen und ohne große Diskussion geht er über in den Rennpass. Kurz vor der kurzen Seite bremse ich langsam und gemütlich ab. Als wir wieder im Schritt sind, wende ich ihn und reite im Schritt zurück zu Folke. Angekommen bei den Beiden klatscht er erst mal. “Na das war doch mal richtig gut. Wir können ja erst mal weiter hin mit ihm aus dem Galopp heraus den Pass fördern. Hoffentlich zeigt er das dann im Rennen nicht. Aber es war ja auch heute das erste mal unter dem Sattel dieses Training”, sagt Folke und entspannt reiten wir zurück an den Hof. Dort sattle ich die Hengste ab während mein Kollege das Futter für sie zubereitet. “FOOOOOOOOOOLKEEEEEE”, ertönt es dann. Hedda ist da. “Jaaaaaa”, antwortet er genauso. “Können wir was mit Holy machen”, fragt sie dann aufgeregt. “Ne, heute nicht. Die wird sicher richtig Muskelkater haben von den letzten Tage. Heute hat sie mal Pause.”, sagt er darauf hin. Hedda verzieht ihr Gesicht und macht einen Schmollmund. “Aber du kannst ihr die Salbe rauf machen und ein paar Leckerein geben, wenn du willst”, fügt Folke dann hinzu. Sie nickt aufgeregt und verlässt wieder den Stall. Dann kommt er auch aus der Futterkammer heraus und stellt den beiden Jungs ihr Futter in die Box. “So, guten Appettit.”, sagt er zu ihnen und streicht beiden Pferden über die Nase. Als hätten sie seit Tagen nichts gefressen, stürzen sie sich auf das Kraftfutter.
      “Was jetzt steht noch auf dem Plan?”, frage ich Folke als wir auch den Stall verlassen. Er guckt auf die Uhr. “Es ist jetzt 16 Uhr. Ich sollte mal lieber zu Hedda und Holy gucken gehen. Du könntest mit Songbird noch arbeiten. Ich schicke dir dann Hedda dazu.”, schlägt er vor. “Gute Idee”, sage ich und laufe zum Stutenpaddock.
      Songbird ist mittlerweile schon 7 Jahre alt und wir haben bisher so gut wie gar nicht mit ihr gearbeitet, hauptsächlich, weil andere Pferde die Priorität hatten. Doch jetzt ist auch sie an der Reihe. Während ich die Stute vom Paddock hole und putze, überlege ich mir, was ich mit ihr machen kann. Das einfache Longieren beherrscht sie schon ganz gut, weswegen ich heute den Grundstein legen werde fürs Reiten - mehr oder weniger. Ich hole aus der Sattelkammer die Doppelzügel sowie ein Kappzaum mit Gebiss. Natürlich muss ich erst einmal herum probieren was ihr passt, bis ich was passendes gefunden habe - Mademoiselle und sie haben die gleiche Größe. Dann kann es los gehen. Hedda stößt auch dazu und gemeinsam gehen wir zum Reitplatz an der kleinen Reithalle. Dort beginne erst mal das Shetty zu longieren. Übermotivert springt die Kleine in die Luft und freut sich offenbar sehr darüber, dass sie sich bewegen darf. Nach einigen Runden hat sie die überschüßige Energie abgebaut und kann mit der richtigen Arbeit anfangen. Ich ändere die Zügel und hänge beide Stücke in die Gebissringe ein. Als erstes versuche ich der Stute zu zeigen, was wir nun tun werden mit Hilfe der Gerte. Sie kennt schon einfaches Stellen und Biegen mit der Gerte was ich nun auch wunderbar auf die Doppelzügel umsetzen kann. Hedda schaut gespannt am Zaun zu.
      Songbird war mit der heutigen Arbeit fertig und ich entschied auch Feierabend zu machen. Morgen wird schließlich noch ein anstrengender Tag, auch steht am Abend noch eine Einheit mit Holy an. Bevor ich gehe muss ich den Dreien noch einige Tipps und Tricks auf den Weg gehen, sonst könnte das Projekt noch scheitern. Das möchte keiner von uns.
      Nach einer erholsamen Dusche und setze ich mich noch an den Computer. Der Trainer der morgen kommt, soll wohl sehr bekannt sein und auch schon andere Nationalteams trainiert haben. Nur sagt mir sein Name überhaupt nichts. Bei der Recherche stelle ich fest, dass der Herr ganz andere Trainingsmethoden hat als ich, weswegen ich mir unsicher bin, ob eine Einheit mit ihm so angebracht wäre.
      30. April
      Gleich kommt mein Pferdchen an, freue ich mich dann doch ziemlich. Natürlich ist es eine große Ehre für mich und ich natürlich bin ich auch sehr glücklich darüber, dass mich der ganze Hof dabei unterstützt. Doch ich möchte ungern meine Umgebung verlassen, auch wenn es für eine gute Sache ist. Nach einer wohltuenden Dusche bin ich gerade dabei mir mein kleines Frühstück zuzubereiten, als das Telefon klingelt. “Isaac?”, gehe ich an meine Handy, da ich die Nummer nicht kenne. “Falkbeck, wir sind in ungefähr einer halben Stunde da. Bitte bereiten sich sie darauf vor”, sagt ein schlecht gelaunter Mann, der nur der Trainer sein kann. Durch sein Nuscheln konnte ich nur Schwer den Namen hören, doch ausgeschlossen, es ist der Typ. Langsam kippt dann auch meine Laune, aber ich versuche weiterhin erfreut zu sein, so ein großartiges Pferd von Tyrell gestellt zu bekommen. Deswegen mache ich mir noch ein Toast, dass ich auf dem Weg zum Stall zu mir nehme. Mein Chef wartet dort auch schon, offenbar hat er einen genauso tollen Anruf bekommen. “Guten Morgen”, begrüße ich ihn freundlich. “Na, biste soweit?”, fragt er neugierig.
      Ich nicke nur.
      Tyrell schon draußen und der Hänger fährt den Hof hoch. “Dein Ponsky ist da!”, ruft er in den Stall. Ich mache die Box noch fertig und beeile mich raus zu kommen, da sind die beiden Herren schon dabei das Pferd auszuladen. “Wo waren Sie denn?”, fragt Herr Falkbeck ziemlich genervt. “Entschuldigung, ich habe noch die Box fertig gemacht.”, antworte ich leicht genervt. “Ach ist doch alles gut”, mischt sich Tyrell direkt ein. Dann sagt der Alte auch nichts mehr. Man, das nervt mich jetzt schon extrem, aber ich versuche mir nichts weiter anzumerken. Dann drückt er mir Glymur in die Hand. “Also heute um 18 Uhr ist dann Training”, fügt er noch hinzu. Langsam laufe ich mit dem Hengst zur Box und stelle ihn dort erstmal hinein, da ich noch einige Pferde vorher arbeiten muss. Rain Beth, Holy, Schneesturm und Milska kommen in die Führanlage. Dann hole ich mir noch Nachtschatten und Lotti zu Ausreiten. Die Braune Stute nehme ich als Handpferd und übe noch mal die Pferde in jeder Situation ruhig zu haben.
      Folke
      Während Vriska mit zwei Trabern ausreiten geht, nehme ich mich nochmal Holy an, die derzeit noch in der Führanlage ist. Ich halte die Maschine an und hole die Stute raus, um sie in den Aquatrainer zu bringen. Holy baut immer besser in der Muskulatur auf und auch ihr Verhalten hat sich bereits gebessert. Wir sind alle Stolz auf die Stute.
      Nach dem Vriska wieder kommt, habe ich bereits die Stuten zurück gebracht und Vintage, Wunderkind, Outer Space und Nobel in die Anlage gestellt. Im Gelände waren sie Stute wohl auch sehr gut, weswegen wir uns dann erst mal zum Essen setzen und den letzten Gemeinsam Tag genießen.
      Vriska
      “Halte deine Arme ruhiger, tiefer in den Sitz und versuche mehr mit deiner Hüfte mitzuschieben, um den Hengst nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen”, mault mich der Falkbeck voll. Man geht der mir auf den Geist. Was soll das nur werden ...
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    • Mohikanerin
      Nationalteam I | August 2020 (eingefügt 05.02.2021)
      Herkules // HMJ Divine // WHC' Ahvani // Curly Lure // Doo Wop // WHC' Candela // WHC'Mitena // WHC' Mimithe // WHC'Minya // Minnie Maus // British Gold // Miss Leika // (Beastly Domina) Mijou// Sunny Empire // Briair // Lancasters Peppermint //Nathalie

      Glymur // Kempa // Snúra // Snotra // Satz des Pythagoras // HMJ Holy // St. Pauli's Amnesia


      Was bisher geschah … Vriska und Max hatten es in das Schwedische Nationalteam geschafft. Die erste Woche am Standort in Stockholm haben sie erfolgreich gemeistert in ihren Expertenteams. Nun steht die erste Studienreise an nach Kanada, was sie erst am Vortag erfahren haben. Ziel ist es zu lernen und das ganze schwedische Team kennenzulernen und auch die Gegner?

      Vriska
      Nach Kanada? Wie aufregend! Mit meinen Eltern war ich damals schon ein paar mal in Toronto, aber reiten in Kanada ist etwas neues für mich. Völlig übermüdet kommen wir am Flughafen an, die Pferde sind bereits abgegeben und wir besprechen mit unserem Trainer wie der weitere Verlauf ist.
      “Bitte versucht alle zusammen zu bleiben hier, wir müssen alle das Flugzeug bekommen. Genau das gleiche bei der Ankunft. Also bitte, ihr seid fast alle Volljährig. Ihr schafft das.”, sagt Frau Wallin, meine Gangtrainerin. Wir sind 5 Leute im Gangpferdeteam und ich bin froh das es nicht so viele sind.
      “Sind das die Anderen”, tuschelt mich Milena von der Seite an.
      “Ich denke ja”, flüstere ich zurück. Sie zeigt vorsichtig mit dem Finger auf einen Typen, den sie offenbar ganz gut findet. “Denkst du, dass ich den kennenlernen kann.”, fragt sie mich neugierig. Ich zucke nur mit den Schultern. “Versuch es doch einfach, aber ich weiß nicht so recht was Englischreiter mit uns Isländer Reiter anfangen sollen. Unsere Pferde laufen deren Meinung nach ja eh nur gequält und überhaupt nicht durch den Rücken.”, antworte ich. “Mhm, du hast recht. Vielleicht ist es in der Freizeit dann einfacher, als hier gestresst am Flughafen”, versucht Milena einsichtig zu sein doch guckt immer zu ihm rüber.
      “Weißt du was? Wir gehen da jetzt einfach rüber. Erst in 20 Minuten müssen mir zum Flieger zumal sie ja auch mit kommen”, antworte ich. Dann ziehe ich meiner neuen Freundin am Arm rüber zu den Jungs. Verlegen steht sie neben mir. “Hey ihr. Ich wollte uns einfach mal ganz Spontan vorstellen. Das ist Milena und ich bin Vriska. Wir gehen mit zu den Gangsalatreitern. Wer seid ihr?”, frage ich neugierig. Alle wirken sehr erstaunt über unseren Mut. “Wir sind Matts, Niklas, Björn, Chris, Filey, Erik und Hannes. Einer ist gerade noch unterwegs. Ursprünglich hatten wir uns alle für Dressur oder Springen beworben, doch unser Team wurde immer Kleiner, deswegen machen wir jetzt Eventing.”, erzählt der Große, den Milena gut findet. “Und was ist das?”, fragt Milena vorsichtig. “Hahaha, mit unseren Pferden reiten wir drei Disziplinen in einem Wettbewerb - Geländespringen, Dressur und Springreiten. Je nachdem was auch auf Turnieren ist, reiten wir die Arten auch einzeln.”, erklärt er. “Wer bist du von den Aufgezählten?”, frage ich dann neugierig nach. In Milenas Augen sehe ich, dass sie am liebsten aus ihrer Haut heraus möchte, doch ich halte sie weiterhin am Arm. “Ich bin der Niklas”, antwortet er und zwinkert mit einem Auge mir zu. Ich hoffe er versteht es nicht falsch, mein Typ ist er aber überhaupt nicht. “Na gut, wir gehen dann wieder. Man sieht sich dann in Edmonton”, verabschiede ich mich von den Jungs. Als wir wieder bei unserer Truppe sitzen, Max der mich noch immer vollkommen ignoriert, stößt der Abtrünnige zu der Jungsgruppe. Unsere Blicke treffen uns kurz und schaue schnell weg wieder zu Milena. Sie sieht meinen Blick und zieht mich Beiseite.
      “Ach also doch?”, fragt sie kichern.
      “Ey lass das. Der sieht einfach nur gut aus!”, antworte ich leicht genervt.
      “Aber die anderen sind doch viel heißer?”, fragt sie dann extrem schockiert.
      “Komm wir müssen zum Check-in”, sage ich zu ihr und versuche vom Thema abzulenken. Zum Glück ist sie manchmal etwas dümmlich und springt drauf an. Auf dem Weg zum Terminal gucke ich immer mal wieder kurz zu ihm, auch er scheint ab und an drüber zu gucken. Jedes mal versuche ich mir nichts anmerken zu lassen und schaue dann schnell weg. Hoffentlich denkt er nichts oberflächliches von mir. Mal sehen.
      Nach schon 2h ist der erste Zwischenstopp - In Frankfurt. Der Anschlussflug ist erst in eineinhalb Stunden, in der Zeit sollen wir wieder so gut wie es geht zusammen bleiben und am besten auch was essen, da wir danach erstmal 7,5h fliegen.
      “Man ich hasse fliegen”, beschwere ich mich bei Milena, die schon wieder nur Augen für die Jungs hat.
      “Hallo, hörst du mir überhaupt zu?”, frage ich sie und fuchtle mit meiner Hand vor ihrem Gesicht herum.
      “Ähm … es hast du gesagt?”, gibt sie zu nicht zugehört zu haben.
      “Ich sagt, dass ich fliegen hasse. Das ist so lästig. Warum fliegen wir so extrem weit nur zum üben und kennenlernen?”, jammere ich.
      “Ach reiß dich zusammen. Wir sind doch da fast zwei Wochen, ist doch voll cool. Wir sind alle volljährig und keine Eltern. Dann noch mit den Pferden - Besser kann es nicht sein. Nicht mal irgendwas bezahlen müssen wir.”, freut sie sich. Wenn Milena könnte, würde sie den ganzen Flughafen zusammen schreien, aber dafür fehlen ihr auch einfach die Eier.
      “Die haben hier überhaupt nichts veganes”, beschwere ich mich wieder bei meiner Freundin, die fröhlich ein Salami Brötchen nach dem anderen neben mir verschlingt.
      “Ja dann musst du dir halt was anderes aussuchen”, sagt sie mit vollen Mund. Ich rolle nur mit den Augen und entscheide mich dann für einen blöden Salat mit Falafel. Besser als gar nichts. Dann geht es auch schon weiter ins Flugzeug. Die längste Strecke liegt nun vor uns.
      Im Flugzeug versuche ich die Strecke zu verschlafen, immer wieder wenn ich wach werde ist Milena nicht da. Wo ist die Bloß? Dann schlafe ich wieder ein.
      Völlig übermüdet steige ich aus. Wo wir sind, weiß ich nicht. Auch Milena ist nicht da, also folge ich einfach Max, der nicht ganz so begeistert ist. “Was willst du?”, fragt er genervt.
      “Schlafen”, antworte ich halbtot. Er nickt nur und zeigt mir kurz wo wir warten sollen, auch Frau Wallin ist da.
      “Und wie war’s bisher?”, fragt sie mich total fröhlich und wach.
      “Anstrengend, ich will einfach nur weiter schlafen”, antworte ich ihr ganz trocken und lege meinen Kopf auf meine Hände, die über die Lehne des Stuhles hängen.
      “Vriiiiiska”, kreischt es in mein Ohr.
      “Alteeer, was los?”, erhebe ich mich langsam und höchst genervt. Dann bemerke ich Milena mit den Abtrünnigen. Direkt ändert sich mein Gesichtsausdruck. Hoffentlich sehe ich nicht so furchtbar aus wie ich mich fühle.
      “Müde oder?”, fragt er und lacht kurz. Ich nicke. “Komm ich helf dir”, sagt er und reicht mir seine Hand um mir hoch zu helfen.
      “Danke”, bedanke ich mich.
      “Wir müssen rein, Frau Wallin will auch noch mal kurz zählen und irgendwas sagen”, berichtet mir Milena. Der Abtrünnige winkt mir zur Verabschiedung und geht zurück in seine Gruppe. Aufmerksam versuche ich Frau Wallin zu folgen aber meine Gedanken sind ganz woanders. Im Flugzeug werde ich nochmal Milena fragen was wir bei Ankunft machen sollen. Man könnte sagen, dass ich einen Jetlag habe.

      Während das Schwedische Nationalteam ziemlich fertig sich noch 300km auf dem Weg zum Gestüt macht, laufen dort die Vorbereitungen auf Höchsttouren.

      Jace
      “Samu, sind die Boxen alle fertig”, rief ich durch den Stall während ich die letzte Schubkarre mit Stroh heran fuhr. Bis auf die Tunierpferde waren die meisten unserer Pferde auf den Sommerkoppeln, sodass genug Boxen frei waren für unsere Gäste. Denn auf dem Whitehorse Creek Stud wurden zwei Nationale Teams erwartet, weshalb schon die ganz Woche der Hof auf Hochglanz gebracht wurde.
      “Ja, wenn du mit dieser hier fertig bist schon”, antwortete der blonde Mann aus der Nachbarbox. “Uff, da müsste es gewesen sein”, sagte ich wenig später. Der Stall war nun blitz blank und alle Boxen waren frisch eingestreut. “Es kann nicht mehr allzulange dauern bis das schwedische Team ankommt, meinte Luchy”, sagte der blonde Finne der gerade aus der Sattelkammer kam. “Das kanadische Team kommt erst heute Abend”, sprach Samu weiter.
      Es war gerade erst einmal 11 Uhr und wegen den ganzen Vorbereitungen waren meine Trainingspferde diese Woche ganz schön kurz gekommen.
      “Ich schnapp mir gleich noch Herkules und kontrolliert die Koppelzäune, ich glaube auf der Sommerkoppel war irgendwo etwas kaputt”, sagte ich zu Samu und verschwand in Richtung Koppel wo der Buckskinhengst friedlich graste. Eigentlich war es nur eine Ausrede gewesen um noch schnell eine Runde Ausreiten zu gehen bevor der ganze Trubel beginnen würde. Ich schnappte mir den großen Hengst, packte eine Trense drauf und schon ging es in Richtung der Sommerkoppeln. Ich ritt tatsächlich die Zäune ab fand aber natürlich nichts, weil wir die Zäune ungefähr 20mal diese Woche kontrolliert hatten. An der Fohlenkoppel hielt ich Herkules einen Moment an und genoss einen Moment die Ruhe.
      “Riiiing, Riiiing”, unterbrach mein Handy die Ruhe. “WAS?”, meldete ich mich leicht genervt. “Das Schwedische Team kommt an und du sollst herkommen”, meldete sich Samu. “Ok. Bin in 5 Minuten da”, nuschelte ich genervt und legte auf.
      “Na dann Großer zurück zum Hof”, sagte ich zu dem Buckskin und drückte sanft meine Schenkel gegen seinen Bauch. Im Trab ging es zurück zum Hof, wo ich gerade noch Rechtzeitig ankam. Allerdings hatte ich keine Zeit mehr mein Pferd weg zu stellen. “Sieht so aus als wärst du jetzt das vierbeinige Begrüßungkomitee”, sagte ich zu dem Hengst. Ich bemerkte wie Lina mich ein wenig böse anfunkelte. Sie war wohl immer noch sauer, dass ich sie gestern mit Divine allein gelassen hatte, aber ich konnte schließlich nichts dafür das Luchy beschlossen hatte, dass Samu und ich die neuen Deppen vom Dienst waren. “Jace, dass du auch immer so trödeln musst”, zischelte Samu mir zu und setzte danach gleich ein lächeln auf, da das Shuttel vorfuhr. Brav stand wir nun dort aufgereiht Luchy, als Hofbesitzern und dann Lina, Samu und ich als Gästebetreuung. Das schwarze Shuttel hielt an und die Türen öffneten sich. Der Hengst neben mir begann mein T-Shirt anzuknabbern. “Lass das Herkules”, flüsterte ich dem Hengst zu und schob seinen Kopf zu Seite. Gespannt beobachte ich nun wie die Leute austiegen.

      Vriska
      „Das soll ein Hof sein auf dem ein Nationalteam trainiert“, beschwert sich ein männliches Geschöpf aus der hinteren Reihe.
      „Jetzt reiß dich mal zusammen Chris. Du weißt ganz genau, dass wir noch jeder Zeit rausfliegen können.“, antwortet ein Anderer und da muss ich kurz schlucken. Für mich war das etwas festes, was mir niemand mehr nehmen kann, doch jetzt können wir immer noch jeder Zeit aus dem Team gehen. Der Flugstress hat mich schon ans Ende getrieben, was soll das jetzt erst werden? Auch Milena ist zum Glück langsam zur Ruhe keimen und vorsichtig wecke ich sie im Bus: „Schlafpudel, wir sind da.“
      Ein kleiner Sabberfaden tropft auf ihr Shirt herunter und sie wischt ihn weg. „Was wir sind da?“, schreit sie aus alter Gewohnheit heraus. Ich nicke. Komm wir müssen heraus.
      „Hey hier Lieben. Die Islandreiter kennen mich bereits, ich bin Frau Wallin und die Trainerin für die Islandtruppe. In den 14 Tagen gehöre ich zu den Haupttrainern und werde auch Unterricht geben für alle anderen.“, stellt sich unsere Trainerin vor. Wir jubeln. Auch die Jungs machen sich einen Spaß heraus.
      “Männer, wenn ihr ein Problem habt, dann könnt ihr auch direkt wieder umdrehen!”, tadelt sie die Truppe. Stille.
      “Geht doch, also wo waren wir … ach ja. Als erstes macht ihr eure Pferde, dann habt ihr erstmal Freizeit. Um 18 Uhr beginnt dann ein gemeinsamer Grillabend mit Tanz und Musik. Und ja Vriska. Ich habe veganes Zeug für dich besorgt”, lacht sie. Was für Veganes Zeug frage ich mich, weil mir reicht doch auch Gemüse. Na gut. Nett von ihr.
      Milena und ich sind nun abgelenkt von den Jungs. Jetzt stehen die Pferde wieder im Mittelpunkt. Aus dem Transporter holt Milena und Max ihre Pferde raus. Ganz hinten steht dann mein Glymur, der mich mit einem grummeln begrüßt. “Na du”, sage ich zu ihm und streiche ihm über die Nase, dann führe ich ihn langsam aus dem Transporter. Leider können Milena und ich nun nicht zusammen zum Stall da ihre Stute Kempa rossig ist, darauf reagiert Glymur sehr gern. “Komm jetzt”, ziehe ich am Strick. Nervös reißt er seinen Kopf nach oben, kurz danach ist er wieder ruhig. Was ein Stress denke ich mir.
      “Die Pferde kommen auf die Weide”, sagt ein junger Mann im Stall zu mir.
      “Oh danke, das hatte man uns noch nicht mitgeteilt.”, bedanke ich mich und er zeigt mir wo ich lang muss. Schnell finde ich die Weide, löse den Strick und beobachte noch eine Weile, als mich plötzlich jemand auf der Schulter antippt. Hektisch drehe ich mich um - der Abtrünnige steht neben mir. Innerlich kocht es in mir hoch und gefühlt steigt meine Körpertemperatur auf 55° hoch. “Oh hey”, begrüße ich ihn.
      “Ist das dein Pferd?”, fragt er mich neugierig.
      “Ja, das ist Glymur. Meiner ist es nicht, den habe ich von meinem Chef gestellt bekommen um am Team teilnehmen zu können”, erzähle ich ihm. Ganz ruhig, sagt eine Stimme in meinem Kopf. Dann atme ich kurz durch. Verwundert guckt er mich an mit einem leicht skeptischen Blick.
      “Ach aber ist doch cool. Ich hab mein Pferd endlich abkaufen können, im Team bin ich ja schon fast zwei Jahre.”, berichtet er. Ich nicke und dann verabschiedet sich wieder.
      Als er aus der Reichweite ist, kommt Milena angerannt.
      “Und was hat er gesagt? Hat er dir gesagt wie er heißt? Will es sich mit dir heute treffen?”, bewirft sie mich mit Fragen.
      “Ganz ruhig! Wir haben uns nur kurz über die Pferde unterhalten. Nein, keine Ahnung wie er heißt”, antworte ich ihr.
      “Sonst hast du doch auch immer eine große Schnauze. Warum nicht jetzt?”, stichelt Milena mich. Ich winke ab und wir gehen zusammen unsere Sachen holen um das Zimmer zu beziehen.
      “Halbpension ist das hier oder?”, stellt Milena mir eine Frage. Mit meinen Gedanken bin ich aber noch an der Weide und überlege, wie ich hätte das kurze Gespräch besser führen können. Offenbar scheint ja doch Interesse an mir zu haben. Mhm. “Vriiiiska”, nervt Milena weiter. Ich gucke zu ihr. “Mh?”, erkundige ich mich.
      “Ich habe dich gefragt, ob das hier Halbpension ist oder nicht”, wiederholt sie.
      Ich zucke mit den Schultern: “Ja, ich denke schon.”
      “Ach gut, dann hast du Kochdienst für immer”, sagt sie und lacht. Ich nicke und lachte mit ihr. Ihren Frass möchte niemand zu sich nehmen.
      “Ist Linh gar nicht bei uns mit ihm Zimmer?”, erkundige ich mich bei Milena, die immer mehr Plan von allem hat.
      “Ne, die hat ein Zimmer mit Anna, die sind doch beide schon im Jugendkader gewesen. Best Buddys und so”, erklärt sie. Wieder nicke ich nur.
      “Na gut, schade.”, erwidere ich.
      Für die nächsten zwei Wochen ist das unsere neue Heimat und ich bin gespannt was noch auf uns zukommt. Am liebsten würde ich mich jetzt in meinen Laden setzen und mehr Zeug für die Pferde machen, aber ich habe hier weder Material noch sonst irgendwas. Also Freizeit ist schon was blödes, wenn man sonst sowas nicht hat. Milena sitzt vorm Fernseher und lackiert sich ihre Nägel neu. Im Gegensatz zu einer Tussi ist Milena sehr grobmotorisch und versucht sich der Gesellschaft anzupassen. Ich hingegen bin nichts davon, weil ich mache was ich möchte und für gut befinde. Das wird wohl einer der Gründe sein, wieso ich bis vor dem Team außerhalb des Hofes keine Freunde hatte. Also klar, als ich noch in London bei meinen Eltern gewohnt habe, war ich schon eher eine Tussi und mir war sehr wichtig was andere von mir denken. Nach dem ersten Dreck auf meiner Kleidung auf dem Pferdehof hat es Klick gemacht in meinem Hirn, wen juckt es. Auf dem Pferdehof sehen wir alle aus wie Sau, wenn man gearbeitet hat. Am Abend wird dann geduscht und noch eine Waschmaschine angemacht - fertig. Sauber.
      “Vriiiiiiska. Wo bist du schon wieder?”, nervt Milena wieder.
      “Ey, wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass du meine kleine Schwester bist und nicht meine beste Freundin. War wieder in den Gedanken fest gehangen. Was wollen wir denn jetzt machen?”, frage ich sie.
      “Ich würde gern Shoppen gehen.”, sagt sie und lacht. Um ihr hoffentlich den Wunsch erfüllen zu können, nehme ich mein Handy aus der Tasche um nach zu gucken.
      “Also ich muss dich leider enttäuschen. Das Internet ist super langsam und auch ist hier nichts als Wald”, berichte ich ihr. Enttäuschung macht sich breit in ihrem Gesicht.
      “Na gut, dann gucken wir uns halt mal den Hof an.”, schlägt sie vor.
      Noch immer habe ich meine graue Jogginghose an und dazu meine Badelatschen und wunderschöne Reitsocken drüber gezogen. Hübsch ist anders. Milena hingegen hat sich aus der Tasche meine Hotpant gezogen und dazu Reitstiefeletten.
      “Sattelst du jetzt auf Western um?”, frage ich sie scherzend.
      “Vielleicht finde ich dann einen Sexy Cowboy”, lacht sie und macht komische Cowboyartige Bewegungen.
      “Du bist doch völlig durch”, sage ich nur und wir verlassen das Zimmer. Die Sonne ist die Welt mittlerweile sehr erwärmt und die Wahl einer langen Hose war nicht so gut.

      Jace
      Während Samu dafür sorgte, dass die Pferde unserer Gäste auf den richtigen Weiden landeten, waren Lina und ich damit beschäftigt alle ihre Zimmer zu zeigen. Zum Glück waren die meisten von ihnen schnell und Aufmerksam, sodass die Zimmer schnell verteilt waren. So hatte ich vielleicht endlich ein wenig Zeit um mich meinen Pferden zu widmen. Als ich über den Hof lief sah ich, dass Samu und Lina an einer der Koppeln standen und ein kleines Pferdchen bewunderten. “Wen bewundert ihr denn da?”, fragte ich und blieb stehen. Das Pferd war dunkelbraun und hatte eine auffällige Zeichnung, allerdings war es für meinen Geschmack definitiv zu klein. Ich fand meine Tinker ja schon nicht so groß, aber dieses hier war eigentlich schon ein Pony. Zudem lief es auch sehr seltsam. Es lief etwa in der Geschwindigkeit vom Trab auf und zu, aber es sah ganz seltsam aus. Der Hengst schmiss seine Vorderbeine ganz seltsam hoch als wäre der Boden heiß oder so. “Warum läuft der so seltsam, ist der Kaputt?”, fragte ich die beiden neben dir. “Maaaan Jace hast du noch nie einen Isländer gesehen?”, erwiderte Samu lachend. “Der ist nicht kaputt der soll so laufen. Das nennt man Tölt”, erklärte Lina so gleich. “Der Tölt ist wie der Schritt auch ein Viertakt, weshalb Tölt echt bequem sein soll”.“Und ihr starrt das Pony da an, weil ….?”, fragte ich immer noch ein wenig irritiert davon warum man wollen sollte das sein Pferd so seltsam lief. Der Hengst war inzwischen ein paar Meter von uns entfernt stehen geblieben und beäugte uns neugierig. “Das Kopfabzeichen sieht fast aus wie, das von Alecs neuem Fohlen”, murmelte ich. “Das liegt ja auch daran ,dass er hier Ahvanis Papa ist.”, sagte Lina so gleich. “Das ist dieser Glym…. Glym…. Glymur? … Ich dachte irgendwie er sei kein Pony und würde laufen wie ein normales Pferd”, sagte ich. “Heißt das Ahvani läuft dann auch so komisch? Ich sollte Alec definitiv besuchen und das Überprüfen”,sagte ich heroisch und wollte in Richtung Hof verschwinden. “Du geht nirgendwo hin! Du kannst mir gefälligst helfen Mina und Empires Koppeln abzuäppeln. Du hast dich vorhin ja schon davor gedrückt”, protestierte der Finne. “Außerdem hast du mir eigentlich schon gestern versprochen,dass du mir mit Divine hilfst”,murmelte Lina. Verdammt sie war wohl wirklich noch beleidigt, weil ich sie gestern vergessen hatte. “Ok, ok ich helf dir mit der dämlichen Koppel”, gab ich klein bei. Mit Samu zusammen machte ich mich also auf den Weg zur Scheune um den Weidemann und Mistgabeln zu holen. Doch wir kamen nicht bis zur Scheune denn auf dem Hof standen zwei junge Frauen und sahen ein wenig ratlos aus in welche Richtung sie zuerst gehen sollten. “Hallo Ladies, kann man euch irgendwie helfen?”, bot ich sogleich meine Hilfe an. “Jace, benimm dich”, flüsterte mir Samu zu und boxte mir gegen den Arm. “Oh, richtig vielleicht sollte ich mich ersteinmal vorstellen. Ich bin Jace und der nette junge Mann hier neben mir ist Samu”, sagte ich und setze ein charmantes Lächeln auf. “mhmhm”,räusperte sich Samu neben mir. “Das ist nicht was ich meinte”, raute er mir zu.

      Vriska
      “Ähm, ich weiß gar nicht. Meine Freundin hier wollte Shoppen gehen, was sich auf Grund der Lage jetzt erledigt hat, deswegen wollten wir einfach mal alles angucken”, antworte ich und ziehe am Arm von Milena die mit einem breiten Grinsen winkt.
      “Ich bin Milena und die garstige Ziege hier ist Vriska”, fügt sie noch hinzu. Einen bösen Blick werfe ich ihr zu.
      “Sag ich ja”, kommt dann direkt. Am liebsten würde ihr jetzt in den Arm boxen, aber ich sollte mein Temperament mal in den Griff bekommen.

      Jace
      “Soll ich euch den Hof zeigen”, bot ich mich sogleich an. “Das Highlight hier sind Momentan definitiv die Fohlenkoppeln”, erwähnte ich nebenbei. “Jace”, tadelte Samu mich. “Sorry Bro, wir sind für die Zufriedenheit der Gäste verantwortlich, also sorg ich dafür. Ich fürchte du musst allein deine Koppel abäppeln”, raunte ich ihm mit einem Verschmitzten Grinsen zu. “Schon euch kennenzulernen ihr zwei. Ich geh dann mal weiter arbeite, ihr seid bei meinem Charmarten Kollegen sicher gut aufgehoben”, verabschiedete Samu sich und der ironische Unterton in seiner antwort blieb mir nicht verborgen.

      Milena
      „Ach Mensch komm doch mit? Wir müssen uns doch alle hier besser kennenlernen wenn wir so lange euch auf dem Nacken liegen. Vriska ist sicher auch dabei dir dann nach der Tour rasch zu helfen. Sie ist eh Hobbylos.“, lache und halte ihm am Arm fest. Von Vriska ernte ich wieder böse Blicke.
      „Fohlen würde ich gern sehen! Auf dem Hof von dem ich komme gibt es keine. Wir haben nur Sportpferde, die wir zu reiten und dann wieder verkaufen. Nur meine beiden Stuten kommen aus einer Zucht, das eine Fohlen steht sogar bei Vriska. So haben wir uns kennengelernt, auch schon vor dem Nationalteam. Zusammen waren wir auch in der Ausbildung in der Akademie bei Kalmar.”, erzähle ich wie aus einem Wasserfall.
      “Ach die Kría meinst du? Die ist schon ziemlich cool. Aber die Kleine ist ja mittlerweile schon verkauft aber muss noch abgeholt werden. Ansonsten ja klar, ich helfe gern beim Abäppeln, muss ich sonst ja auch im Alltag machen”, erzählt Vriska.
      “Jetzt versuch doch mal etwas freundlicher zu sein”, tadel ich sie. Langsam nervt ihre Laune nur noch. Auch ich bin ziemlich müde, aber ich hatte langsam kein Urlaub mehr.
      “Ignoriert sie einfach, Vriska ist ziemlich untervö….”, dann unterbricht sie mich.
      “Milena, langsam reicht es”, kommt es genervt aus ihr.
      “Ist ja okay, aber dann versuch doch mal etwas netter zu sein. Deine Augenringe schreiben zwar gerade eine dritte Staffel, aber meine sind auch schon bei der zweiten. Wir machen uns jetzt coole zwei Wochen und dann gucken wir weiter”, versuche ich sie zu erziehen. Sie winkt ab und wir gehen los zur Hoftour.

      Jace
      “Also das Gebäude hier wo wir gerade vorstehen ist der Stall für unsere Privatpferde, allerdings werdet ihr aktuell nur wenige Pferde auf dem Hof selbst finden”, erklärte ich und deute auf den Torstall. “In dem Stall hinter euch, wo jetzt eure Stuten und Wallache wohnen, sind normalerweise die Zucht- und die Reitschulpferde untergebracht.” ergänzte Samu und zeigt auf das Gebäude hinter uns, bevor wir um das Unterhaus herum gingen. Im Auslauf standen die Haflingerstute und Doo Wop. “Das hier sind Curly Lure und Doo Wop. Die beiden stehen nicht auf der Sommerkoppel, weil sie auf Diät sind”, sagte ich und zeigte auf den runden Kugelbauch der Criollo Stute. “Deshalb kommen sie nur halbtags auf die Koppel” Die beiden Stuten waren an den Zaun gekommen um sich ein Leckerlie zu erbetteln. “Eigentlich wohnen hier noch mehr Stuten, aber die sind Babybedingt auf der Fohlenkoppel”, erläuterte ich weiter. “Was habt ihr eigentlich für Pferde mitgebracht?”, fragte Samu die Beiden.

      Vriska

      “Wir sind mit Isländern unterwegs. Ich hab einen Hengst, den Glymur. Milena hat zwei Stuten.”, antworte ich darauf hin.
      “Ich kann für mich selbst reden. Meine beiden Pferdchen sind wie schon gesagt auch Isländer und Stuten. Kempa ist 10 Jahre alt und die habe ich vor ungefähr 3 Jahren von meiner Mutter bekommen. Vergangenes Jahr habe ich in im Urlaub mich in Snúra verliebt und sie direkt mitgenommen. Sie ist 8 jahre alt und deutlich mehr Potenzial als Kempa, aber ich hab beide total gern.”, fügt Milena noch hinzu.
      “Seid ihr im Kanadischen Team?”, frage ich gespannt.

      Samu
      “Ah, cool Glymur haben wir schon entdeckt. Er ist ja auch der Papa von Alecs Fohlen, echt hübsch geworde die kleine Maus”, sagte ich freundlich. “Nein, wir sind nicht im kanadischen Team, wobei sie glaub ich Nachwuchs suchen.”, antwortete ich Vriska freundlich. “hier hinter dem Auslauf folgen noch die Hengstboxen, die kleine Reithalle, die Longierhalle und die Führmaschine, aber ihr werdet den Hof schon noch früh genug genauer kennenlernen. Wer will Fohlen sehen”, grätsche Jace voll im Flirtmodus dazwischen.

      Milena
      „Iiiiiich will Fohlen sehen“, springe ich aufgeregt auf der Stelle.
      „Ach ja Glymur, der war schon lange ein Traum von mir seit dem ich reite und den auf einem Turnier gesehen habe. Mein Chef und sein Bruder haben den Gottseidank im Verkauf entdeckt, dazu kam dann noch das Angebot von Schweden. Zwei Fliegen auf einem Schlag. Bis jetzt kann ich es immer noch nicht fassen“, schwärmt Vriska.
      „Niemand interessiert deine One Love Glymur Geschichte. Den kannst du ja nicht mal richtig reiten“, faucht Max sie an, als er mit Snotra an uns vorbereitet.
      „Überfordere dein armes Pony nur weiter. Du bist doch nur eingeschnappt, weil ihr Beide die Quali bekommen habt und Tyrell sie eher als Hofvertretung sieht als dich“, verteidige ich meine Freundin.
      „Das denkst wohl auch nur du“, schnaubt er zurück und treibt Snotra vorwärts. Ich schüttle mit dem Kopf. Vriska sagt nichts dazu und ignoriert ihn vollkommen.
      „Ohne mich könnte er sie nicht mal mehr reiten“, flüstert sie leise vor sich her.
      „Mach dir nichts daraus. Du und Glymur werden die T4 rocken.“, versuche ich sie ein wenig auf zu muntern. In ihrem Blick sehe ich die Enttäuschung, da sie ihn eine Zeitlang echt gut fand und jetzt ist er so extrem Anti. Manche Menschen verstehe ich echt nicht.
      „Können wir dann weiter?“, frage Heiter noch mal nach.

      Jace
      “Meine Güte ist der immer so schlecht drauf?”, fragte ich die Mädels, während wir in Richtung Fohlenweide schlenderten.
      Wie immer kamen Candela und Mitena sofort geschlendert. In den letzten Wochen hatte Mitena sich echt entwickelt und wurde von Tag zu Tag mutiger. “Ihr müsst mal vom Tor weg ihr zwei”, sagte Samu zu den Stuten und schob sie zu Seite. “Das hier sind die beiden ältesten Fohlen Candela und Mitena. Gerade Mitena ist Luchys ganzer Stolz”, begann ich ein wenig von meinem Schützlling zu schwärmen. Die Dappels glänzen goldig auf der kleinen Palominostute.
      Candela war gerade dabei sich den beiden Frauen anzunähern, als ein kleines Fuchsfohlen angeflitzt kam und es nur knapp schaffe vor uns zu bremsen.
      “Wer bist du den?”, fragte Milena das kleine Fohlen ganz entzückt. “Das ist Mimithe, eine der Zwillinge”, sagte Samu grinsend. “Da hinten kommt auch ihre Mama mit ihrer Schwester”, ergänzte er noch und deutete auf die braune New Forest Stute die wiehernd auf uns zu trabte.

      Milena
      “Also eigentlich ist der ziemlich cool. Aber als damals dann alle Azubis gemustert wurden, wurden Vriska und Max für die Quali gewählt. Sie sind beide vom gleichen Hof und er scheint das nicht so gut zu verkraften.”, erzähle ich offen. Wieder wirft Vriska mir böse Blicke zu.
      “Ich hab doch nichts schlimmes erzählt, ist doch so”, füge ich hinzu.
      “Aber es gibt noch mehr Gründe, denke ich”, sagt Vriska noch.
      “Ich find es voll lustig, dieses Jahr gibt es total viele Zwillinge. Bei Vriska am Hof sind auch Zwillinge, Stute gesund und auch die beiden Fohlen. Ein Kumpel von mir in Deutschland hat auch gesunde Zwillinge”, erzähle ich weiter, dann hocke ich langsam hin und Mimi kommt neugierig wieder zu mir. Vorsichtig streiche ich ihr über den Kopf.

      Jace
      “Ja, wir waren auch ein wenig Überrascht, als es zwei Fohlen wurden und dann auch noch so hübsche”, erzählte Samu um das Thema zu wechseln.
      Mimi hatte schnell beschlossen, dass von Milena keine Gefahr ausging und begann auch so gleich sie anzuknabbern. “Bei der kleine musst du Aufpassen, sie ist ganz schön frech” warnte ich sie noch. Minnie Maus war inzwische bei uns angekommen. Die verschmuste Stute forderte auch sofort ein Streicheleinheit bei Vriska ein, während die kleine Minya sich hinter ihr versteckte.
      “Es ist echt erstaunlich, wie unterschiedlich die Fohlen doch sind”, sagte ich während ich Mitena ein wenig streichelte. Candela fand uns langweilig und war schon wieder dabei Gras zu fressen.

      Währenddessen bei den Jungs …

      Niklas
      Gemeinsam sitzen wir mit kalten Bier vor unseren Bungalows und halten unsere Gespräche über die neuen Mädchen ab. Anna und Linh sind gerade gegangen um ihre Pferde zu besuchen.
      “Leute, ihr wisst was heute Abend wieder ansteht”, beginne ich zu sagen.
      “Jauu, wir müssen den Mädls zeigen wer der Chef ist”, antwortet Chris.
      “Richtig. Deswegen: Wer zuerst sich eine klärt, darf dieses Jahr Kapitän der Mannschaft sein.”, schlage ich vor. Die letzten Jahre habe ich immer Gewonnen, allerdings habe ich dieses Jahr echt ein Problem. Zur Zeit habe ich mit Anna was am laufen, deswegen zählt es nicht und ich muss eine von den neuen bekommen.
      “Warum müssen wir das jedes Jahr aufs neue machen?”, fragt mein bester Kumpel.
      “Brudi, wir müssen den Weibern klar machen, dass nur wir die Punkte für die Mannschaft holen können und sie zu machen haben, was wir sagen.”, erkläre ich ihm noch mal und Boxe ihm in den Arm. Er nickt und ist wieder Still. Alle feiern wie jedes Jahr die Aktion, nur ist offenbar dieses Jahr nicht ganz so bei der Sache. Nachher werde ich mal etwas ergründen wieso.

      Jayden
      Ich war gerade mit British fertig geworden und hatte die Stute weggebarcht, als ich die Jungs Entdeckte. Ich könnte eine Pause ganz gut gebrauchen. “Hey darf man sich zu euch setzen?”, fragte ich nach. Ich war schon ein wenig neugierig, wie die Jungs in einem Nationalteam so drauf sind. Scheinbar hatten sie sehr fragwürdige Traditionen, soweit ich aus dem Gespräch entnehmen konnte.

      Niklas
      “Selbstverständlich, willst du auch mitmachen? Den Kapitän können wir dir zwar nicht anbieten, aber wenn du gewinnst, kannst du dir aussuchen was du willst oder wir machen sollen.”, schlage ich dem neuen vor.
      “Wer bist du denn?”, frage ich ihn darauf hin. “Stell dich doch mal kurz vor”, füge ich hinzu.

      Jayden
      “Ne, lass mal”, antworte ich dem jungen Mann, der sich nicht vorgestellt hatte. “Also ich bin Jayden und arbeite hie als Bereiter in der Sparte der Vielseitigkeit. Wer seid ihr alle?”, stellte ich mich vor.

      Niklas
      “Schade, ist jedes Jahr ziemlich lustig”, antworte ich ihm. Offenbar scheint er nicht so offen für unsere Scherze zu sein, aber nicht schlimm. “Also ich bin Niklas und seit 4 Jahren im Team. Die anderen sind Chris, Björn, Erik, Finley, Hannes, Matts und ..”, da stoppe ich mit der Vorstellung der Jungs, weil mein Kumpel schon wieder weg ist. “Gut und mein besten Kumpel kann ich dir nicht vorstellen, weil er sich schon wieder aus dem Staub gemacht hat. Seit dem wir die Reise am Flughafen in Stockholm begonnen haben, ist er andauernd weg. Es nervt langsam”, beschwere ich mich.
      “Ganz ruhig, ich glaub er hat sich schon wen ausgeguckt”, antwortet Björn.
      “Du wirst recht haben”, antworte ich wieder gelassener.
      “Sollten wir dann nicht langsam mal Alk für den Abend besorgen? Der Kasten ist fast leer. Aber sag mal, wie ist es hier bei euch in Kanada? Wie kauft man hier am besten Alkohol, weil bei uns in Schweden ist es extrem teuer und es gibt auch nur in ausgewählten Läden welchen. Meistens holen wir den mit der Fähre in Deutschland und dann direkt richtig viel”, erkundige ich mich bei Jayden.

      Jayden
      “Also bei uns kauft man den Alkohol ganz normal im Getränkeladen. Hier muss man eher darauf achten wo man trinkt, da das trinken in der öffentlichkeit strengsten untersagt, genauso wie in Fahrzeugen”, erklärte ich den Jungs.

      Niklas
      “Ah wie Krass, hast du Bock mit uns in die Stadt zu fahren was kaufen?”, frage ich ihn.
      “Ihr vom Hof seit natürlich alle herzlich eingeladen zum Grillabend”, lade ich ihn ein.

      Jayden
      “Klar, warum nicht ich bin gerade eh fertig mit meinen Pferden”, antworte ich den Jungs. “Ich denke wir werden alle gerne kommen”, meinte ich noch. “Nur eine frage, wie gedenkt ihr in die Stadt zu kommen, hier fährt kein Bus”, wies ich die jungs darauf hin.

      Niklas
      “Ihr habt doch sicher ein Auto oder so?”, frage ich ihn etwas entblüft. “Ansonsten nehmen wir halt die Pferde.”, schlage ich vor.

      Jayden
      “Natürlich haben wir ein Auto”, sagte ich lachend. “Allerding ist mit dem einen Jamie gerade unterweg und mit dem anderen Luchy und eure Trainerin, die wollte noch irgendetwas einkaufen gehen”, erläuterte ich den Jungs die Lage.. “Na, dann sattelt eure Pferde”,sagte ich noch und stand auf.

      Niklas
      “Jungs, ihr habt den Chef gehört - Auf Auf!”, sage ich lachend, “Denkt an festes Schuhwerk - Sicherheit geht vor!”, füge ich noch hinzu. In der Hütte ziehe ich Reitstiefel an und halte noch das T-Shirt in der Hand, dennoch entscheide ich mich dagegen. Noch kurz vorm rausgehen greife ich meine Handschuhe und den Helm, dann geht es zu Smoothie, die mit den anderen Stuten auf der Weide steht.
      “Smooth, kommst du bitte”, rufe ich meine Schimmelstute und pfeife einmal. Im Trab und gespitzten Ohren kommt sie auf mich zu. Kurz führen wir ein sehr intimes Gespräch und laufen zum Stall, damit ich sie dort noch putzen kann.
      “Ey Jungs mit oder ohne Sattel?”, frage ich in die Truppe.

      Jayden
      “Also ich werde ohne reiten”, antworte ich Niklas und putzte meiner Perlinostute den Kopf, bevor ich begann die Hufe auskratzen. Miss Leika kratze mit den Hufen ungeduldig über den Boden. “Lass, das Leika du machst dir doch nur deine Eisen kaputt”, schimpfte ich mit der Stute und klopfte ihr auf die Schulter damit sie aufhörte.

      Niklas
      “Ihr habt gehört, Eier Quetschen!”, rufe ich in die Runde. Völlig gelassen steht Smoothie da bis es los geht. Sollte ich meinem Kumpel Bescheid sagen, dass wir jetzt Alk besorgen? Pech, er wird sehen was er davon hat.
      “Also Cheffe, du weißt uns ein, wir folgen dir”, sage ich zu Jayden und klopfe ihm auf die Schulter. Dann gehe ich zu meiner Stute, die ich aus der Stallgasse führe und steige auf. Lange habe ich nicht mehr solche Schmerzen verspürt. Nach einigen Minuten wird es besser.

      Jayden
      Vor dem Stall hatte ich mich auf meine Stute geschwungen. Ich war ein wenig amüsiert über Niklas der scheinbar nicht sonderlich oft ohne Sattel ritt. Ich hatte das Glück das Leike kein sonderlich ausgeprägten Widerrist hatte. “Mir nach”, rief ich der Truppe zu und ritt zur Hofeinfahrt. “Passt auf euren Kopf auf”, warnte ich sie noch kurz bevor wir die niedrige Durchfahrt des Torstalls passierten.

      Niklas
      “Zu Spät”, rief ich Jayden zu nachdem Chris sich schön den Kopf gestoßen hat. “Du Trottel”, kommentierte ich seine erste Erschütterung. Er winkte nur ab.
      “Ihr Dorfmenschen, reitet ihr oft ohne Sattel?”, frage ich neugierig.

      Jayden
      “Ja, klar besonder die Ausritte im Sommer, wenn es zum Bach runter geht machen wir ohne Sattel, der würde sonst Nass werden”, antwortete ich ein wenig belustigt. “Im Winter hat das auch manchmal Vorteile, der Po bleibt schön warm”. Es dauerte nicht lange da kamen wir in den Wald. “Wie trittsicher sind eure Pferde? Entweder wir nehmen den kurzen Weg, der ist allerding sehr steil und steinig, da hat sich so manche unerfahrenes Pferd auch schon mal hingepackt oder wir nehmen den etwas längeren Weg der flacher ist.”, fragte ich die Jungs als wir an die Stelle kamen, wo der schmale Trampelpfad abzweige.

      Niklas
      „Das sollten die hinbekommen. Die Pferde sind alle im Training zum Geländespringen, da ist so ein bisschen Hügellandschaft kein Problem“, sage ich selbstsicher und folge Jayden auf seiner hellen Stute.
      „Was reitest du mit ihr für Turniere?“, frage ich.

      Jayden
      “Ich reite hauptsächlich Spring- und Geländetuniere mit ihr”,antworte ich dem Reiter hinter mir. “Achtung, dieses Stück ist besonder Steil, am besten lasst ihr eure Pferde einfach laufen”. Am Ende des Weges würde das Flusstal sein. Von dort aus müssen wir nur noch dem Fluss folgen und dann würden wir in der Stadt sein.

      Als die Mädchen sich die Fohlen angeguckt haben, das Kanadische Team nun auch ihren Weg zu Whitehorse Creek gefunden hat und die Jungs so viel Alkohol gekauft haben, das man damit Bayern für 8 Jahre versorgen kann, beginnt nun allmählich der Grillabend. Selbst die Trainer haben schon die ersten Schlückchen zu sich genommen. Die Stimmung ist locker und spaßig. Als DJ agieren verschiedene Musikboxen die miteinander verbunden sind und alle können jeder Zeit Musik zur Playlist hinzufügen. Mittlerweile liegt auch schon Essen auf den Grill und das Beilagen Buffet ist angerichtet.

      Vriska
      „Los sprich ihn doch mal an. Stell dich nicht so an. Ich komme auch mit“, sagt Milena zu mir, die in weniger als 10 Minuten schon zwei Bier sich hinter gekippt hat. Mein Radler ist noch immer verschlossen, weil ich den Deckel nicht aufbekomme. Fröhlich schubst sie mich vor sich her und tippt den mir noch unbekannt an. „Heyo, das ist Vriska. Sie findet sich mega heiß. Ach ja, kannst du ihr Radler auf machen? Sonst hat sie noch weiter schlechte Laune und ich denke, dass können wir hier alle nicht gebrauchten“, Quatscht sie wie aus einem Wasserfall den Abtrünnigen voll. „Öhm, klar“, antwortet er und ich reiche ihm meine Flasche. Mit einem gezielten Schlag seiner Hand auf dem Tisch mit der Flasche ist der Deckel offen. In der Zeit ist Milena verschwunden ich stehe sehr unbeholfen da. Wenn es nicht so warm wäre, würde ich sagen, dass ich aussehe wie ein im regenstehender Pudel.
      „Danke“, antworte ich kurz gebunden.
      „Und was jetzt?“, fragt er mich freundlich.
      „Gute Frage“, erwidere ich.

      Lina
      “Wow, was du da mit der Flasche gerade gemacht hast ist verdammt cool”, sagte ich zu dem jungen Mann. “Hallo, ich glaube ich hab mich bei euch noch garnicht vorgestellt. Ich bin Lina”, sprach ich weiter.

      Vriska
      „Hey du, ich muss jetzt leider wieder rüber“, sagt er und haut ab. Lina und ich schauen uns.
      „Hashtag Unangenehm?“ sage ich mit leichten Fragezeichen in den Augen. Wir lachen.
      „Wir können uns gern später unterhalten aber ich muss Milena suchen. Die trinkt immer so viel auf Partys und wird dann super unangenehm. Das versuche ich zu verhindern.“, erkläre ich ihr und winke ich zur als ich die kleinen Grüppchen abklappere. Man wo steckt die bloß. Wie kann man so schnell sein. Da fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Sie hängt bei den Jungs ab und wer sitzt da auch bei? Natürlich Max. Mir bleiben nun nur zwei Sachen - Abhauen und Zimmer oder Milena retten. Bei beiden Möglichkeiten stehe ich wie der Idiot da, obwohl das tue ich auch so. Im Gegensatz zu allen anderen sehe ich aus wie frisch von der Couch aufgestanden. Zwar habe ich noch immer eine Jogginghose an, aber natürlich eine andere, wer hat schon nur eine Jogginghose. Zum Glück ist das eher eine Sportjogginghose und nicht eine Baumwolle wie vorhin. Dann hätte Milena mich vermutlich geköpft. Auf dem ersten Blick tragen alle anderen Kurze Hosen oder ein Kleid, alle sehr elegant - und dann ich. Kein Wunder das er nicht mit mir reden wollte. Auch ihn bemerke ich in der Truppe bei den Jungs, immer wieder gucke zu ihm rüber bis ich bemerke das er mich erwischt hat. Er winkt mich zu sich. Gewappnet mit einem großen Schluck aus meinem Radler gehe ich rüber.
      „Warum guckst du immer nur, du kannst doch auch mit mir sprechen?“, sagt er und legt ziemlich cool seinen Arm um meine Schulter, dann zieht er mich an sich heran in die Truppe hinein.
      „Siehst du Vriska, war das jetzt so schlimm?“, scherzt Milena und kippt von der Bank.
      „Mein Gott, wie viel habt ihr noch in die hineingefüllt? Der Abend ist nicht einmal eine Stunde jung“, sage ich empört ich möchte zu Milena, doch der heiße Kerl hält mich fest. Einen bösen Blick werfe ich ihm zu, doch er geht nicht drauf ein und hält mich weiter fest. Ich gebe auf. Niklas beugt sich zu ihr und hilft ihr hoch, dann bin ich wieder entspannt.
      „Guck Vriska, es läuft auch ohne dich alles glatt“, scherzt sie wieder.
      „Na dann, kann ich ja zurück ins Zimmer“, sage ich und freue mich innerlich wirklich schon auf mein Bett, doch ich werde wieder festgehalten.
      „Nein, Fräulein, du bleibst“, sagt er zu mir und hält mich an der Hüfte. Ich verstehe die Welt nicht mehr, was gteht hier ab?
      „Ach hast du schon wen?“, scherzt Niklas der nun zu uns stößt.
      „Neee, aber Milena meinte, dass sie mal etwas Spaß vertragen könnte, deswegen versuche ich sie am Gehen zu hindern.“ erklärt mein heißer Typ seinem Kumpel.
      „Viel Erfolg. Ich gehe mit Milena erstmal Tanzen“, sagt Niklas und haut mit meiner Freundin im Arm ab.
      „Jetzt lass mich los“, langsam werde ich sauer.
      „Ja ja alles gut. War doch nur ein Scherz“, entschuldigt er sich.
      Wir setzen uns auf die Bank und beobachten das Geschehen.
      „Warum trinkt sie immer gleich so viel? Es hat doch nicht mal richtig angefangen“, jammere ich mich bei ihm aus.
      „Du hast echt keine Ahnung. Ich kenne sie auch nicht länger als dich und du beschwerst dich nur. Da ist mir deine Freundin lieber“, sagt er ehrlich zu mir.
      Wieder springe ich sauer auf, dann realisiere ich erst, was er gesagt hat. Natürlich hat er recht und setze mich wieder.
      „Sag ich ja“, fügt er dann hinzu.
      „Sorry, mich nervt das einfach nur mit Milena. Wir wollten uns zusammen einen lustigen Abend machen und dann ist sie jetzt schon Sturzbetrunken und Angelt sich den ersten Typen den sie findet. Bei meinem Glück darf ich dann auch heute draußen Schlafen“, sage ich zu ihm und bemerke, dass ich schon wieder jammere.
      „Lehn dich zurück und entspann dich“, sagt er zu mir und Streicht mir über den Oberschenkel. Irgendwie fühlt es sich gut an, aber wenn ich es nicht besser wüsste, scheint er auch genauso oberflächlich zu sein wie seine Kumpels.
      „Können wir es beim Reden belassen?“, bitte ich ihn. Er nickt.
      „Das Pony vorhin ist dein Partner im Team oder?“, fragt er interessiert.
      „Für Euch mag das ein Pony sein, aber Glymur ist ein Islandpferd. Sie mögen körperlich nicht die größten sein, doch im Herzen sind die Größten.“, sage ich zu ihm. Irgendwie sollte es aber klüger klingen als es dann war. Blöd. Aber er muss lachen.
      „Dann war das halt dein Pferd fürs Team“, korrigiert er sich.
      „Ach du bist doch doof“, sage ich zu ihm und setze mich auf seinen Schoß. Er legt seine Arme um mich.
      „Was geht denn hier ab?“, fragt Milena, die mit Niklas wieder kennt.
      „Ju, können wir kurz mal“, sagt Niklas mit ernster Miene zu ihm. Er nickt und beide gehen. Milena zieht mich auf die Tanzfläche und allmählich fange ich doch an Spaß zu haben.

      Niklas
      „Was soll denn der Mist?“, frage ich meinen Kumpel sehr ernst.
      „Wir haben uns doch nur unterhalten und du hast sogar mit ihrer Freundin getanzt, obwohl du was mit Anna zu laufen hast. Also eigentlich müsste ich dich voll schnauzen.“, beschwert er sich bei mir.
      „Du weißt ganz genau, dass dich das nichts angeht. Zumal du eh nicht in der Lage bist das Team zu leiten, also behalte deine Finger schön bei dir!“, erkläre ich ihm nochmal und dann gehen wir zurück.

      Vriska
      Ich sehe die Beiden zurückkommen und er scheint nicht glücklich zu sein, wird wohl ein scheiss Gespräch gewesen zu sein.
      „Geh lieber zu ihm“, sagt Milena ernst und ich laufe rüber.
      „Was denn“, mault er mich an.
      „Sorry das ich mich bei dir erkundigen wollte was los ist. Du wirkst so wütend“, sage ich vorsichtig zu ihm, schließlich möchte ich mir die Chance nicht verspielen.
      „Ja, Niklas ist nicht so begeistert, dass du auf meinem Schoß saßt. Wir haben da so eine blöde Wette im Team, wer zuerst sich ein Mädchen krallt von den neuen, darf Kapitän sein für die nächste Saison. Sonst hat Niklas immer gewonnen aber jetzt wollte ich meine Chance mal nutzen …“, sagt er eh ich ihn unterbreche.
      „Bitte was. Du hast dich nur mit mir unterhalten wegen eurem blöden Spiel? Es reicht, ich gehe“, völlig aufgelöst will ich los gehen, doch er hält mich Arm fest und zieht mich fest an ihm.
      „Ne bitte bleib, ich möchte wirklich nur ein Gespräch mit dir führen. Ich finde dich nett und Milena meinte ja auch, dass du mich gut findest. Also lass uns doch einfach gucken, wo uns das hinführt“, schlägt er vor und guckt extrem niedlich.
      „Na gut, unter einer Bedienung“, sage ich verschmitzt zu ihm.
      „Die wäre?“, fragt er gespannt.
      „Wir essen jetzt erstmal was“, lache ich und wir gehen zum Buffet.

      Lina
      Jace hatte ich den ganzen Abend noch nicht gesehen, aber eigentlich will ich ihn auch gar nicht sehen. So hatte ich mich mit einigen Leuten unterhalten, doch so langsam verschwanden die ersten ins Bett. Also saß ich allein am Feuer und starrte in die Flammen. Auf einmal setzte sich jemand neben mich. “Ach Samu du bist es”, sage ich ein wenig enttäuscht. “Wow, wenn das nicht eine freundliche Begrüßung ist”, antworte er mit ironie in der Stimme. “Du bist doch blöd”, sagte ich zu meinem besten Freund und boxte ihn gegen den Arm. “Wen hast du denn eigentlich erwartet?”, fragte er nun etwas gefühlvoller nach. “Du weißt genau wen ich erwartet hab”, antworte ich und rollte mit den Augen. “Jaja, deinen Jace hast du erwartet. Tja da muss ich dich leider enttäuschen, den habe ich vorhin irgendwo mit einer Gruppe Mädels gesehen, voll im Flirtmodus”, antwortete mir der Finne. “Ach man ich versteh diesen Mann einfach nicht”, sagte ich und lehnte mich an seiner Schulter an “Einmal ist er total süß und nett und dann ist aufeinmal wieder so… so Jace halt”, jammerte ich ein wenig vor mich in. Samu nahm mich in den Arm und sagte” Du vergisst jetzt mal deinen Herzensbrecher und wir genießen den restlichen Abend. Ich geh und Marshmallow und Kekse holen, dann gibt es erst einmal leckere S'mores”. “Vergiss die Schokolade nicht”, rief ich ihm noch hinterher als er verschwand um die Zutaten zu holen.

      Vriska
      “Warte mal bevor wir essen.”, unterbreche ihn bevor er sich setzen kann. “Guck Lina sitzt dort alleine herum, wollen wir uns nicht dazu setzen?”, frage ich rhetorisch und laufe mit meinem Teller. In meinem Kopf rollt er mit den Augen aber folgt mir.
      “Na du, sorry das ich so schnell weg musste. Wie ist dein Abend bisher?”, frage ich sie gespannt.

      Lina
      “Naja, geht so”, antworte ich Vriska. “Aber jetzt kommt der bessere Teil. Kennst du Smores?”, fragte ich Vriska und ihre Begleitung. Samu kam gerade auch wieder um die Ecke, beladen mit einer großen Packung Kekse,Marshmallows und Schokolade. “Oh, da ist Samu ja schon”, sagte ich und ging Samu entgegen um ihn etwas von seiner riesen Ladung abzunehmen.

      Vriska
      “Nein sagt mir gar nichts, aber ich möchte erst mal was richtiges essen. Auf dem Flug hier war es einfach unmöglich etwas veganes zu finden.”, erzähle ich fröhlich und schiebe mir eine Gabel voll mit dem Gemüse in den Mund.
      “Du sei mir nicht böse, aber ich werd mal rüber gehen zu den Jungs”, sagt er zu mir. Ich gucke ihn verwundert an und nicke dann. Dann geht er.
      “Also wo waren wir? Ach ja, S’Mores. Nein kenne ich nicht. Was ist denn da drin?”, frage ich Lina.

      Lina
      “Eigentlich ganz simpel. Man nimmt ein Marshmallow brät ihn gut durch und packt ihn zwischen zwei Kekse. Je nach Geschmack kann man auch noch Schokolade oder ähnliches dazu packen”,erklärte ich Vriska. “Wie war euer Flug denn, es ist ja ganz schön weit von euch hierher. Ich kann dir sagen du kannst dich schon darauf vorbereiten, das dein Pferd morgen ganz schön müde sein wird. Divine war ganz schön fertig als wir ankamen. Ihr habt doch den Tinker bei euch, wie Läufte es denn so mit ihr?”, erzählte ich schon deutlich besser gelaunt.

      Vriska
      “Ja das denke ich auch, aber morgen haben wir am Nachmittag auch erst Training, wenn ich Frau Wallin richtig verstanden habe. Allerdings wollen die auch irgendwelche Spiele zur Teambildung machen. Mal gucken.”, fange ich an zu erzählen. Dann fragt Lina mich nach Holy.
      “Ach Holy meinst du? Vor meiner Abreise habe ich noch bis zum letzten Tag mit ihr gearbeitet, damit Hedda und Folke weniger zutun haben. Für die drei tut mir es leid, dass ich nun nur noch im Normalfall am Wochenende dort bin. Aber ich denke, dass sie Holy auch ohne mich in eine gute Richtung lenken. Bei ist das Weiße Pferdchen oder?”, erkundige ich mich.

      Lina
      “Das ist schön das es bei euch so gut Läuft. Ja, genau ich trainiere Divine. Wir haben vor zwei Wochen angefangen ihn zu reiten. An sich macht er das auch echt brav, aber das Problem ist dass er alleine nicht Läuft. Er läuft nur wenn ein anderes Pferd neben ihm läuft. Wir haben den Verdacht, dass es dadurch kommt, dass es vermutlich nur zweispännig gefahren wurde”, erzählte ich munter. “Du hast aber auch ein echt schicken Kerl mitgebracht”, kommentierte Samu der gerade dabei war die ersten Marshmallows zu rösten.

      Vriska
      “Freut mich zu hören! Holy durfte aktuell nur den Reiter als Gegenstand am Boden kennenlernen, aber ich denke sie fangen jetzt auch an mit dem Reiten. Hedda saß ja schon mal drauf, was wohl ganz gut geklappt hat.”, erzähle ich weiter.
      “Vriiiiisiiiii!”, brüllt Milena zu mir und kommt angerannt.
      “Sach ma’. Wie alt bist du eigentlich? 8 Jahre? Ich unterhalte mich gerade”, tadel ich sie und merke, dass ich wie meine Mutter klinge.
      “Sorry aber dein Dude knutscht ne Andere”, erzählt sie mir belustigt.
      “Also erstens kann man das freundlicher erzählen und zweitens ist es nicht mein Dude. Ich fand ich bisher nur ganz gut, aber wenn er wen anderes hat, freut mich das natürlich. Dann kann ich mich nun besser auf unser Team konzentrieren”, sage ich zu Milena, die schon wieder abhaut. Ich schüttle nur meinen Kopf und drehe mich zurück zu den anderen Beiden. In meinem Kopf tausende Bilder von dem kurzen Moment mit ihm und auch die Vorstellung, dass er offenbar schon jemand hat. Es schüttelt sich in mir und ich brülle: “STOP!” Alle gucken zu mir. “Entschuldigung”, füge ich dann hinzu und alle machen weiter. Man, jetzt mache ich mich hier auch noch zum Affen.
      “Ich würde mich gern gleich weiter unterhalten, aber ich muss mal kurz weg. Bin gleich wieder da.”, sage ich zu Lina und Samu. Dann stehe ich auf und renne weg. Genau, Rennen ist gerade das richtige. Mitten auf dem Hof stehe ich und überlege wohin, in den Wald? Zur Straße? Oder nur zu Glymur. Die Entscheidung fällt auf Glymur, der genüsslich in seiner Box das Heu knabbert.
      “Auch wenn wir uns noch nicht lange kennen, hoffe ich, dass du nicht so Idiot bist wie alle anderen Kerle in meinem Umfeld”, erzähle ich meinem Hengst als er hektisch den Kopf hoch reißt. Bitte nicht schon wieder der Kerl, denke ich, als dann Max im Eingang steht.
      “Was willst du denn hier?”, frage ich ihn entsetzt.
      “Eigentlich wollte ich nur zu den Stuten, aber hab dann hier Licht gesehen und war neugierig. Da du jetzt hier bist, wollte ich eigentlich den Moment nutzen, um mich bei dir zu entschuldigen. Die letzten zwei Wochen war ich echt ein Arsch und das ist nicht richtig, du hast hier den Platz genauso verdient wie ich.“, sagt Max mit einem imaginären eingezogenen Schwanz.
      „Schon gut, aber geh jetzt bitte. Ich brauche meine Ruhe“, würge ich ihn ab. Er nickt und verlässt den Stall. Endlich bin ich allein. Erschöpft lehnte ich mich an die Box von meinem Pferd und genieße die fast Stille. Aus dem Hintergrund hört man nur die Feier, die immer noch kein Ende findet.

      Milena
      “Hast du nicht gemacht!”, grölt Niklas als ich zurückkomme.
      “Highfive”, sage ich zu ihm und hebe meine Hand. Er und seine Kumpel bis auf Ju schlagen ein.
      “Krasse Aktion”, sagt der eine.
      Mittlerweile denke ich schon, dass es nicht nett gegenüber meiner besten Freundin war aber ich wollte auch mal coole Freunde haben. Wie auch Vriska gehörte ich immer zu der komischen Randgruppe, die zwar da sind aber nur wirklich existieren, wenn man was braucht. Aber jetzt darf ich auch mal was machen.
      “Hast du Lust mit zum Wasser zu kommen?”, reißt mich Niklas aus meinen Gedanken
      “Ja klar sehr gern. Wollen wir die anderen auch noch fragen?”, frage ich ihn. Er nickt. Ich laufe die kleinen Grüppchen ab und lande am Ende wieder am Feuer, wo Vriska vorhin noch war. Doch sie ist mal wieder nicht da. Dennoch frage ich die anderen Beiden vom Hof: “Habt ihr Lust mit ans Wasser zu kommen?”

      Samu
      “Du bist scheinbar nicht die einzige, die die Männerwelt nicht versteht”, meine ich lachend zu Lina nachdem Vriska verschwunden war. Mittlerweile waren die ersten Smorese fertig. “Für heute bis du mein Lieblingsmann”, neuschte Lina während sie ihre Smores verspeißte. “Ich fühle mich sehr geehrt”, antworte ich ein wenig gespielt hochnäsig, was dazu führte, dass Lina so sehr lachen musste dass sie sich fast verschluckte. “Willst du mich eigentlich umbringen”, sagte Lina lachend, als sie wieder Luft bekam.

      Währenddessen bei Jace.

      Jace
      Ich hatte mich zu einer Gruppe gutaussehender Mädels gesellt von denen einige schon eine Menge intus hatten, wobei ich zugegebenermaßen auch ganz gut dabei war. Ich saß neben einer hübschen Blondine die sich mir als Abigail vorgestellt hatte. Mit der Gruppe hatten wir eine ganz Weile Bierpong gespielet, das hatte allerding ein Ende gefunden als eins der Mädels mit irgendeinem Jungen verschwunden war und ein paar andre Hunger bekommen hatten. “Wie gefällt es dir bisher hier?”, frage ich Abigail. “Mit dir gefällt es mir sehr gut hier”, antwortete sie und platzierte sich auf meinem Schoß. “Echt du hast echt wundervolle Augen, dieses blau und dieses braun, einfach Wow”, flüsterte sie mir zu und strich mir durchs Haar. “Das bekomm ich öfters zu hören”, raunte ich zurück und setzte meinen Flirtblick auf.

      Lina
      “Einfach göttlich diese Dinger”, sagte ich fröhlich vor mich hin mapfent zu Samu. Mein bester Kumpel hatte es mal wieder geschafft den Abend zu retten. “Ganz schön klebrig das Zeug. Ich geh mal meine Finger waschen”, sagte ich nachdem ich alle Smores erfolgreich verputzt hatte und stand auf um in Richtung Haus zu laufen. Auf dem Weg begegnete ich Milena, die uns fragte ob wir schwimmen gehen wollte. “Später vielleicht”, antwortete ich im vorbeigehen. Auf dem Weg zu Haus kam ich an den Tischen vorbei und entdeckte ihn. Jace saß dort mit einem Mädchen auf dem Schoß und sah nicht gerade abgeneigt aus. War ja klar typisch Jace. Ich spürte wie eine Mischung aus Enttäuschung und Wut in mir hochstieg. Ich spürte wie sich Tränen an bahnten und dann übernahmen meine Füße die Kontrolle. Zielstrebig trugen sie mich zur Sommerkoppel. Meine Augen suchten die Koppel nach etwas bestimmten ab und am Waldrand fand ich was ich suchte. Das weiße Fell leuchtete nahezu im Mondlicht. “Divine”, rief ich leise über die Koppel und schon sah ich wie der weiße Fleck am Waldrand sich in Bewegung setzt. Eine halbe Minute später stand der weiße Freiberger vor mir. “Warum ist er nur so? Ich dachte er hätte es endlich kapiert, aber kaum kommt ein hübsches Mädchen schaltet er sein verdammtes Gehirn ab.”, schrie ich den Hengst schon fast an während mir die Tränen über das Gesicht rannen. Der Hengst schnupperte mir übers Gesicht und pustete mir freundlich seine warme Luft ins Ohr. “Sorry, du kannst ja nix dafür mein großer”, sagte ich nun etwas sanfter und strich dem Hengst durch die wuschelige Mähne. Auf Einmal knackt es irgendwo in der Entfernung und Divine richtete Aufmerksam die Ohren auf. “Was war das denn?”, flüsterte ich. Nervös begann Divine nun mit dem Schweif zu schlagen.


      Vriska
      Noch genießte ich die Ruhe, eh ich durch weinenartige Geräusche gestört werde. Langsam öffne ich meine Augen und merke nur im Augenwinkel das jemand vorbei rennt. Da steigt in mir meine Helfersucht wieder hoch, ich erhebe mich und werde der Person folgen um zu gucken, ob ich etwas tun kann. Der Weg führte mich zu einer großen Weide auf der offensichtlich Lina bei dem Freiberger ist.
      „Erschreck dich nicht!“, rufe ich ihr flüsternd zu. Schnell dreht sie sich um.
      „Alles gut bei dir? Willst du reden?“, frage ich sie freundlich als ich auf ihr zu gehe. Vorsichtig strecke ich dem Hengst meine Hand entgegen und werde beschnuppert.

      Lina
      “Naja, es ist wegen Jace er ist einfach ein Idiot”, sagte ich zu Vriska. Nachdem der weiße Hengst Vriska inspiziert hatte beruhigte er sich auch wieder ein wenig. “Ein Idiot der scheinbar nur mit seinem Schw... denkt”, fügte ich noch hinzu. “Scheinbar sind die Pferde die einzigen Männer den man trauen kann”, sagte ich während ich Divine den Schopf aus der Stirn strich.

      Vriska
      So traurig das auch ist, ich musste Lachen. „Dem habe ich nichts weiter hinzufügen. Ich dachte echt, dass ein Kerl an mir interessiert ist, den ich heute früh das erste mal in meinem Leben gesehen habe. Irgendwie hat es in mir ein total wohlfühlendes Gefühl auslöst als ich ihn sah, naja blöd. Hoffentlich entpuppt sich mein Glymur nicht als so derartig Schwanzgesteuert.“, erzähle ich ihr um sie auf zu muntern.
      „Ich hab ne Idee! Irgendwie habe ich mitbekommen das die jetzt alle wohl Baden gehen. Wollen wir da auch mal hingehen und denen einen Streich spielen oder sie schockieren?“, schlage ich vor und während ich es ausspreche geht die Idee in meinem Kopf offenbar durch eine Tür.

      Lina
      “Oh ja, das klingt nach einer super Idee”, sagte ich begeistert und wir machten uns auf den Weg zum Fluss. “Gegen eine hübsche Stute wirst du kaum eine Chance haben”, erwiderte ich lachend. “Hier in der Nähe steht ein Fohlen von deinem hübschen Kerl. Ich wollte die Tage eh Alec besuchen, wenn du willst nehm ich dich mit, dann kannst du dir die kleine mal Ansehen”,fügte ich noch hinzu. Nach ein paar Meter zog ich sie auf einen Pferd zwischen den Büschen “Hier, entlang”, flüsterte ich. “Wenn wir von hier kommen können sie uns nicht sehen”

      Vriska
      „Ah cool! Sehr gern, machen wir.“, flüstere ich ihr zu. Als wir bei der Truppe ankommen fällt die Ultimative Idee ein.
      „Guck mal die sind alle Baden, du müsstest Jace Kleidung erkennen oder? Lass und die richtig nach Kindermanier mit nehmen und irgendwo hinpacken. Niemand weiß das wir hier waren. Schließlich hat es keiner mitbekommen, außer das wir bei unseren Pferden waren.“, schlage ich Lina vor und halte meine Hand vor meinem Mund, damit ich nicht lache.

      Lina
      “Oh, super Idee. Praktischerweise ist es gleich der Haufen da vorne”,flüsterte ich und deutet auf einen kleinen Kleiderhaufen. Die badenden waren ein ganzes Stück weiter Flussabwärts, sodass es kein Problem sein würde die Klamotten unbemerkt zu stibitzen. Leise schlichen wir zu dem Kleiderhaufen und sammelten ihn auf, bevor wir genauso lautlos wie wir gekommen waren wieder im Gebüsch verschwanden. “Lass uns die Sachen auf dem Hof irgendwo verstecken, soll er mal sehen wie er zurück kommt”, schlug ich vor und musste mich echt zusammenreißen um nicht zu kichern.

      Vriska
      „Sehr gut! Machen wir. Aber bevor wir am Hof sind müssen wir noch den Sand von unseren Schuhen entfernen, das fällt sich vielleicht auf!“, sage ich noch zu ihr und nehme mir das T-Shirt aus dem Haufen, den sie auf dem Arm hat und wische meine Schuhe ab.
      „Waschen wird er wohl schaffen“, füge ich schelmisch hinzu.

      Lina
      Auch ich säuberte meine Füße und es ging zurück zum Hof, wo wir im Stall auch einen Ort fanden, wo Jace so schnell nicht suchen würde. “Das war eine super Idee”, sagte ich zu Vriska und gab ihr ein high five. “Wie wärs wenn wir zurück zum Feuer gehen?”.

      Die Stimmung von Vriska und Lina war nun wieder besser, nachdem beide innerhalb von kurzer Zeit von ihren Typen sehr enttäuscht wurden. Dennoch gab es für Vriska keinen Grund dafür, schließlich hatte Ju nichts falsch gemacht, lediglich ihre beste Freundin hat nun keine weiße Weste mehr. Nach ungefähr einer Stunde war der Pegel der Badenden nicht mir auf hochtouren, weswegen schnell der Entschluss gefasst wurde zurück zu gehen und sich wieder auf höhere Zahlen zu bringen. Doch für Jace gab es eine böse Überraschung. Alle konnten sich wieder ankleiden, schließlich war der größte Teil nackt in den Fluss gegangen, so wie er auch. Nur fand er seine Sachen nicht mehr. Freundlicherweise stellte Niklas ihm seine Hose zur Verfügung, damit er nicht gänzlich unbekleidet zurück muss. Für alle war es dennoch sehr lustig - Jace’ Begeisterung hielt sich jedoch in Grenzen.
      Zur gleichen Zeit am Hof konnten Vriska und Lina sich nicht zusammenreißen und mussten Samu von der Aktion erzählen. Anfangs war er sehr negativ demgegenüber gestimmt, doch als Jace wütend zurück kam, musste er auch ziemlich lachen und war auf der Seite der Mädels.

      Jace
      Ein wenig sauer stapfte ich den Weg zum Hof zurück. Irgendein Idiot hatte meine Klamotten versteckt. Am Feuer saßen Samu, Lina und Vriska und schienen sich zu Unterhalten. “Warum hast du kein T-Shirt an?”, fragte Samu mich. “Weil irgendein Idiot meine Klamotten versteckt hat”, knurrte ich. “Habt ihr gesehen wer es war?”. “Nein, wir waren die ganze Zeit hier”, antwortete Lina unschuldig und Vriska nickte bestätigend. “Ich werde mir jetzte erstmal neue Klamotten und ein Bier holen”, brummte ich bevor ich im Haus verschwand. In meinem Zimmer zog ich Jeans und T-Shirt aus der Kommode und zog mich an. Danach begab ich mich auf die Suche nach Niklas um ihm seine Hose zurück zu bringen. “Danke nochmal, du bist echt ein Ehrenmann”, bedankte ich mich immer noch sehr schlecht gelaunt.

      Niklas
      “Kein Problem, Diggi. Immer wieder gern. Setzt du dich dann wieder zu uns?”, antworte ich Jace, der mir meine Hose zurückgibt. “Wir wollen jetzt noch eine Runde ‘ich habe noch nie’ spielen. Werde jetzt auch noch die Loser am Feuer davon überzeugen mit zu machen, vielleicht steckt in denen ja auch was cooles”, füge ich noch hinzu und gehe zum Feuer.
      “Hey ihr, habt ihr Lust ein Trinkspiel mitzuspielen. Alle anderen machen auch mit, also wird ziemlich lustig”, begrüße ich die Drei am Feuer. Fragend guckt Vriska die Beiden abwechselnd an.
      “Was sagt ihr?”, fragt sie dann.

      Samu
      “Warum eigentlich nicht”, antwortete Lina drene Lauen um einiges besser zu sein schien als vorher. Ich für meinen Teil konnte zwar drauf verzichten, aber es war vermutlich besser wenn ich mitging. Nicht das Lina noch irgendwelche Dummheiten anstellt. Zudem befürchte ich auch, dass sie noch eine emotionale Stütze gebrauchen konnte, denn ich hatte mitbekommen, dass Jace mit einer von den Mädels nicht ganz erfolgreich geflirtet hatte. “Ich mach auch mit”, schloss ich mich Lina also an.

      Niklas
      “Willkommen bei der ersten Ich-habe-noch-nie Runde auf dem Whitehorse Creek. An alle unter 18 Jahren, bitte verlasst nun die Runde, alle über 18, lasst euch aus. Bitte seid ehrlich!”, beginne ich das Spiel einzuleiten. Die Gruppe jubelt.
      “Dann beginnen wir nun. Reihum, darf jeder eine Frage bzw Aussage treffen. Mit Abstimmung kommen auch Wahrheit oder Pflicht Aufgaben dazwischen. Los gehts”, rufe ich.

      Etwas Zeit vergeht ... (gekürzt)

      “Finde ich gut”, sage Ju und zieht überzeugt seine Schuhe aus.
      “Leute, wir haben alle großen Spaß, aber ich hab gerade mal auf die Uhr geschaut. Es ist schon halb 4 Uhr und morgen müssen wir sicher früh aufstehen.”, sage ich und mache die Musik aus. Alle stimmen mir zu. Milena ist in der Zeit schon auf mir eingeschlafen. Ich ziehe meinen Kumpel an mich heran: “Ich würd gern Milena mitnehmen. Ist für dich Okay zu Vriska mit zu gehen?”
      Mal wieder setzt er seinen Blick auf, der einem direkt verrät, dass er unzufrieden ist mit der Situation aber aus der Freundschaft heraus es akzeptiert.
      “Ich würde dann nur gern noch frische Sachen raus holen und mein Zahnputzzeug”, antwortet er bloß und geht vor. Vriska scheint schon auf dem Zimmer zu sein, da ich sie nirgendwo mehr sehe. Milena habe ich auf den Arm genommen und trage sie in Richtung meines Zimmer.

      Samu
      Endlich erlöste Niklas uns von dieser Runde. Ich sah , dass Jace sich schnell verpisste um mir nicht zu begegnen, aber heute hatte ich auch gar keine Lust mehr ihm Vorzuhalten was für ein bescheuerter Idiot er eigentlich war. Ich begleitet Lina noch bis auf ihr Zimmer “Dir sind die Hormone heute auch ganz schön zu Kopf gestiegen oder?”, fragte ich sie. Ich hatte sie noch nie so stur erlebt. “Mmmm.. Jace ist einfach so ein Vollidiot”, murmelte ich nur noch. “Schlaf gut Lina”,verabschiedete ich mich und ging in mein eigenes Zimmer. Ich putze mir noch schnell die Zähne und zog mich um bevor ich schließlich müde ins Bett fiel. Morgen würde ich Jace eine ordentliche Standpauke halten.

      Vriska
      Endlich ins Bett, dachte ich nur noch bis es klopfte. “Milli, du wirst doch wohl noch in der Lage sein eine Tür zu öffnen”, stieß ich nur noch genervt aus. Langsam öffnet sie sich “Ähm, genau deswegen bin ich hier. Sie will wohl lieber bei Niklas drüben schlafen und wie vorhin schon befürchtet muss ich jetzt hier schlafen”, sagt Ju verlegen und steht mit Badelatschen und einer kleinen Tragetasche in der Tür. Völlig schockiert und wütend gucke ich zu ihm. “Grundsätzlich stellt das kein Problem dar, aber wir haben offenbar das einzige Zimmer mit Doppelbett und nach dem Abend bin ich mir nicht so ganz sicher, ob ich mit jemanden der solche Freunde hat in einem Bett schlafen möchte”, sage ich.
      “Du kein Problem, ich würde auf dem Boden schlafen. Bitte schick mich nur nicht darüber”, bettelt er mich fast an. Er tut mir schon irgendwie leid wie er dasteht, obwohl er mehr als ein Kopf größer ist als ich.
      “Na gut, du kannst mit ins Bett. Aber nicht berühren, dann sind deine Finger ab!”, drohe ich ihm. Er nickt und geht noch ins Bad. Ich habe mich in der Zeit in mein viel zu großes WM T-Shirt geschmissen und es mir im Bett bequem gemacht.
      “Achtung”, warnt Ju ich als er dazu kommt.
      Einige Minuten liegen wir Schweigend nebeneinander, als er dann doch noch ein Gespräch anfängt: “Ich muss jetzt einfach Fragen, vielleicht liegt es auch am Alkohol, aber was Milena vorhin gesagt hat, dass war schon ihr Ernst oder?” Etwas überrascht gucke zu ihm, da ist dunkel ist, kann er aber sicherlich mein Gesichtsausdruck nicht wahrnehmen. “Die viel wichtigere Fragen ist ja, ob Milena recht hatte mit dem, was sie mir gesagt hat”, erwidere ich etwas nervt.
      “Nein. Ganz Klar. Niklas hat so eine blöde Wette gemacht um zu gucken wie weit sie für ihn gehen würde.”, fängt er an zu erzählen.
      “Die kleine Kuh. Die braucht morgen gar nicht ankommen”, sage ich zu ihm und innerlich fällt mir ein Stern vom Herzen, dass er offenbar doch nicht so wie seine Freunde ist. Im ersten Moment.
      Noch einige Minuten unterhalten wir uns, bis sich jeder zur anderen Seite dreht um versucht zu schlafen. Aber ich kann nicht schlafen, irgendwie ist mir warm und kalt gleichzeitig, schließlich liegt gerade ein ziemlich toller Typ neben mir der scheinbar auch interessiert an mir ist. Ich drehe mich und uns bemerke, dass er sich auch zurück auf den Rücken gelegt hat. Vorsichtig lege ich meinen Kopf auf seine Brust. Ich glaube, noch nie habe ich eine so bemuskelte Brust unter meinem Kopf gesprüht. Auch kann ich nicht wiederstehen meine Hände auf seinen Oberkörper zu legen. Als ich mich sicher fühle atme ich tief durch und schließe die Augen, aber ich merke das Ju doch noch wach ist und seinen Arm um meine Taille legt. Mit der anderen Hand streicht er mir durchs Haar. “Gute Nacht. Hoffentlich darf ich dennoch meine Finger behalten”, sagt er noch. Ich schmunzle nur und schlafe endgültig auf vermutlich dem besten Platz der Welt ein.

      Lina
      Zusammen mit Samu, Luchy und Jayden war ich gerade dabei das Frühstücksbuffet aufzubauen. Weil die Sonne so schön schien hatten wir beschlossen das ganze draußen auf zu bauen. Eigentlich hätte Jace auch helfen sollen, doch der war einfach nicht aufgetaucht. “Wo ist eigentlich Jace?”, fragte Jayden nachdem wir fertig waren mit Aufbauen. “Ohh, den gehe ich holen”, sagte Samu freudig und verschwand ins Haus. “Warum ist Samu denn so gut drauf?”, fragte Luch ein wenig erstaunt. Normalerweise gehörte Samu zu der Sorte Mensch die vor dem ersten Kaffee zu nichts zu gebrauchen waren. “Ich glaub der hat heute besonders gut geschlafen”, antworte ich schmunzelnd. Jayden und ich wussten natürlich warum Samu so gut gelaunt heute war, aber Luchy hatte von der Aktion gestern natürlich nichts mitbekommen.

      Jace
      Ich wurde davon wach, dass irgendwer gegen meine Tür hämmerte und kaum eine Sekunde später stand Samu im Zimmer. “Du dämlicher Vollidiot”, schnauze er mich an und in meinem Kopf meldete sich ein pochen zusammen mit Kopfschmerzen. “Kannst du ein wenig leiser sein?”, wenig verwirrt zu Samu und blinzelte in das helle Sonnenlicht. “Nein kann ich nicht. “, schimpfte er weiter und zog die Vorhänge auf. “Ahhh, mach das wieder zu”, sagte ich empört und kniff die Augen zusammen. “Nein, den Kater hast du dir verdient. Was ist in deinem dämlichen Gehirn falsch gelaufen, dass du erst jemanden abfüllst und wenns ihm schlecht geht lässt du ihn einfach allein, du dämlicher Esel”, schimpfte er weiter. “Und eigentlich hättest du uns heute morgen helfen sollen. Herzlichen Glückwunsch du darfst die Koppel heute komplett allein abäppeln”, sagte er noch bevor er endlich verschwand. Diese Kopfschmerzen würde mich noch Umbringen. Ich warf erst einmal ne Aspirin um irgendeinen Art von Gedanken fassen zu können. Langsam rollte ich aus dem Bett und begab mich ins Bad. Auf dem Weg dahin fiel ich erst einmal fast über den Kleiderhaufen auf dem Boden. In meinem Schränkchen wurde ich zum Glück auch fündig. Ich warf mir eine Aspirin ein und spritze mir erst einmal Wasser ins Gesicht. Was war gestern Abend nur passiert ich konnte mich nur noch daran Erinner ,dass ich mit Abigail geflirtet hatte und dann waren wir Schwimmen gewesen. Nach dem Schwimmen waren mein Klamotten auf einmal weg gewesen und Niklas hatte mir seine Hose geliehen. An mehr Erinnerte ich mich nicht mehr. Ich fuhr mir durch die Haare und stellte fest das ich roch wie ein Brauerei. “Jetzt brauch ich erst einmal eine Dusche”, sagte ich zu meinem Spiegelbild. Gesagt getan. 10 Minuten später stieg ich halbwegs wach aus der Dusche. Das es heute noch wärmer war als gestern, entschied ich mich nur ein Tanktop zu meiner Reithose an zu ziehen, bevor ich mich runter begab.

      Milena
      “Guuuuten Morgen”, begrüßt mich Niklas, neben dem ich offenbar liege. An viel erinnere ich mich, war wohl doch etwas viel. Müde gucke ich unter die Decke - Fuck.
      “War es wenigstens gut?”, frage ich ihn noch völlig verschlafen. Er nickt und streicht mir die Haare aus dem Gesicht. Langsam raffe ich mich auf und möchte nach meiner Unterwäsche greifen, als die Tür auffliegt.
      “Was geht denn hier ab?”, ruft Anna wütend. In Niklas Gesicht sieht man schon eine Art Bestätigung, aber auch scheint es ihm sehr unangenehm sein. Auch Hannes kommt.
      “Ach Diggah”, sagt sein Bruder nur und geht mit seiner nun wahrscheinlich Ex-Freundin wieder.
      “Bevor ich's vergesse, Herr Holm kommt gleich und er hat ziemlich schlechte Laune”, kommt er nochmal zurück und sagt uns bescheid.
      “Los schnell”; sagt Niklas hektisch zu mir. So schnell wie ich kann ziehe ich mich an und verlasse das Zimmer, doch dann steht schon Herr Holm vor mir.
      “Ich hoffe, dass ich nicht das wonach es aussieht.”, sagt er verärgert. Ich entschuldige mich und laufe rüber zu meinem Zimmer. Doch Vriska liegt noch im Bett mit … warte mal, ist das Ju.
      “Als ob du dir auch gegönnt hast”, lache ich als ich rein gehe. Offenbar haben sie noch geschlafen.
      “Was willst du?”, fährt sie mich verärgert an.
      “Eigentlich ist das auch mein Zimmer, aber ich kann auch rüber zu Linh ziehen, die ist wenigstens nicht so eklig wie du”, reagiere ich gekonnt, obwohl es nicht so gut ist, mit meiner eigentlich besten Freundin zu sprechen. Ohne noch etwas zu sagen, gehe ich kurz Duschen und haue ab zu meinen Pferden, da wir schließlich selbst die Boxen sauber machen müssen.

      Vriska
      Als Milena dann wieder weg ist, versuche ich Ju zu wecken, der noch schläft wie ein Stein. Langsam kommt er zu sich.
      “Hatten wir … ?”, fragt er vorsichtig.
      “Nein nein, alles gut. Wir haben nur zusammen in einem Bett geschlafen, aber du musst jetzt so schnell wie möglich gehen. Vor einer Stunde hätten wir alle schon im Stall sein müssen um sauber zu machen. Offenbar sind nun auch unsere Trainer schon auf Tour”, erkläre ich ihm und muss etwas lachen. Direkt ist er entspannt, zieht sich an und geht Richtung seines Zimmer. Kurz schaue ich ihm nach und höre schon Herrn Holm ziemlich laut werden. Hoffentlich nimmt er mir das nicht übel, aber eigentlich ist sein Kumpel schuld. Dank mir hatte er wenigstens einen Platz im Bett.
      “Vriska?”, kommt dann Frau Wallin in mein Zimmer, als ich mich gerade anziehe. Erschrocken drehe ich mich um und nicke.
      “Denk dran, du bist noch in der Probezeit. Nur mit einiger Überzeugung konnte ich dafür Sorgen, dass du im Team konntest. Eigentlich sollte ich dir das nicht sagen, aber ich muss dir den Ernst der Lage vermitteln. Direkt die erste Nacht mit einem der höheren Klassen zu verbringen mag reizvoll sein, aber es geht um deine Zukunft”, versucht sie mir freundlich zu sagen, aber ich höre nur das negative heraus.
      “Er hat nur …”, möchte ich mich zur Situation äußern, aber sie unterbricht mich.
      “Mir ist egal was passiert ist und was nicht. Denk nur an meine Worte und jetzt flott. In 30 Minuten gibt es frühstück”, sagt Frau Wallin und verlässt mein Zimmer. Irgendwie ist in meinem Zimmer mehr Verkehr als auf der Autobahn. Schnell hüpfe ich noch in meine Hose und mache mich auf die Suche nach Lina. Vielleicht kann sie mir helfen was das Saubermachen angeht. Es ist noch immer erst der erste richtige Tag, also keine Ahnung wo was ist. Ich bin froh zu wissen, wo mein Pferd ist. In dem Moment wird mir auch klar, dass er nicht eingedeckt ist. Also nochmal zurück ins Zimmer um die Decke zuholen und wieder raus nach Lina suchen.

      Lina
      “Lina” kam Vriska rufend auf mich zugelaufen, als ich gerade über den Hof lief um Mina und Briair noch schnell ihr Frühstück zu bringen, bevor es für die beiden wieder auf die Koppel ging. “Guten Morgen Vriska, du siehst ja aus wie aus dem Bett gefallen”, begrüßte ich die junge Frau die auch noch eine Decke unterm Arm trug.

      Vriska
      “Lange Geschichte, aber dazu später. Jetzt ist erstmal was anderes wichtig. Wir müssen alle in einer halben Stunde beim Frühstück sein und ich muss Gylmis Box noch sauber machen. Wo finde ich das ganze Equipment. Oder kannst du mir helfen? Weil wie du siehst, muss ich ihn noch eindecken, wegen des Exzem”, sage ich so schnell wie ich sprechen kann, hoffentlich hat sie mich verstanden.

      Lina
      “Natürlich helf ich dir. Komm mit”, sagte ich und zog Vriska hinter mir her. “Und wegen des Ekzems stellst du ihn am besten auf eine der Hof nahen Koppel, da sind weniger Mücken”, erklärte ich ihr und holte Schubkarre und Mistgabel aus der Lagerkammer.

      Vriska
      “Boah danke, kannst du schon mal anfangen mit Misten? Dann decke ich ihn ein und stelle ihn schnell raus.”, sage ich und warte nicht auf die Antwort. Stattdessen ziehe ich ihn am Halfter aus der Aussenbox, schmeiße ihm die Decke über den Kopf und springe schnell raus. Nur mit meinem Gewicht lenke ich ihn zu Weide. Gekonnt öffne ich vom Rücken meines Pferdes das Tor, reite ein und springe wieder runter.
      “Gut gemacht Dicker. Wir sehen uns später nochmal, aber ich muss jetzt echt weiter.”, lobe ich Glymur und schiebe ihm ein Leckerchen in den Mund.
      “Elegant”, sagt Hannes zu mir.
      “Ich kann jetzt nicht”, antworte ich nur und renne wieder zurück zur Box.

      Lina
      Ich hatte bereits angefangen die Box zu misten, während Vriska ihren Hengst auf die Koppel brachte. Als sie um die Ecke kam war ich schon fast fertig mit der Box. “Muss nur noch wieder ein bisschen Stroh rein”, sagte ich zu Vriska. “Das findest du da um die Ecke, ich bring die Schubkarre schonmal weg”, sagte ich zu ihr und schob die Schubkarre Richtung Misthaufen.


      Vriska
      “Boah, ich bin dir was schuldig. Danke!”, sage ich und hole mit der Forke etwas Heu für die Ecken. Dann warte ich auf Lina, die gerade wieder kommt.
      “Frühstückt ihr eigentlich mit uns?”, frage ich sie erleichtert.

      Lina
      “Jep, wir haben extra schon geschuftet damit ihr ein schönes Frühstück bekommt”, sagte ich fröhlich zu Vriska. “Komm lass uns zum Frühstück gehen ich hab echt hunger”, sagte ich und deutete mit dem Kopf in die Richtung wo das Buffet aufgebaut war.

      Vriska
      “Danke dir. Wie viel hast du denn gestern noch mit bekommen? Na auf jeden Fall hat Niklas Milena mit zu sich genommen, dementsprechend musste Ju mit zu mir. War bei den beiden gelaufen ist, will ich lieber nicht wissen aber ich kann es mir halt echt schon denken. Ich bin so unglaublich enttäuscht von ihr. Aber bevor du jetzt fregst, nein, bei uns ist nichts gelaufen. Man könnte sagen, wir haben gekuschelt, aber das war’s.“, berichte ich ihr aufgeregt, weil Milena kann ich es ja nicht erzählen. Irgendwie macht es mich auch traurig, weil ich sonst niemanden wirklich im Team habe und die Zeit hier am Hof ist leider endlich.

      Lina
      “Das klingt ja als hätte der Abend für dich das gewünschte Ende genommen”, meinet ich fröhlich zu Vriska. Inzwischen war wir bei den anderen angekommen. Jace saß mit Sonnenbrille im Gesicht am Tisch. “Hat der Herr auch mal den Weg hierher gefunden”, stichelte ich. Von Jace kam nur ein brummen, scheinbar hatte er einen fetten Kater. “Das hat er definitiv verdient”, raunte ich Vriska zu während wir uns ein Platz am Tisch suchten. Auch Samu sah sehr schadenfroh aus und saß mit einem breiten lächeln im Gesicht am Tisch. Vom kanadischen Team waren schon fast alle da. Nur Ella gab gerade um die Ecke und ich hörte wie sie zu Mr. Cunningham etwas sagte:” Abigail geht es nicht gut, sie lässt das Frühstück ausfallen”.

      Vriska
      “Eigentlich hätte ich lieber gehabt, dass er nicht bei mir gewesen wäre. Ich hab da so ein schlechtes Gefühl”, antworte ich noch als wir uns setzen.
      “So leider müssen wir nochmal über die vergangene Nacht sprechen. Es war zu lang, zu laut und zu aktiv. Habt ihr eure Triebe nicht im Griff? Offenbar ist die Hälfte von euch nicht in der Lage das eigene Verhalten zu reflektieren und was weiß ich noch. Heute Abend bitten ich Namen von allen Trainern um etwas mehr Diskretion. Wir machen hier keine Klassenfahrt, sondern wir sind hier zum Training um eure Leistung zu verbessern. Nun aber zum Tagesprogramm. Bis zum frühen Nachmittag habt ihr erstmal noch Ruhe und Zeit zum Aufräumen, dann habt ihr in kleinen Gruppe alle Dressurtraining. Die Gruppen werden noch rechtzeitig bekannt gegeben. Frau Wallin erstellt gerade einen Zeitplan, wer also wenn ihr irgendeine Zeit oder Konsultation bevorzugt, wendet euch an sie. Und heute Abend kommt noch mal eine Aktion zur Festigung eure Beziehung, aber nicht so wie ihr es gestern definiert habt. Nun guten Appetit.”, macht Herr Holm eine Ansage und mir ist das richtig unangenehm dazu zu gehören. Während er spricht schiele ich immer wieder zu Ju rüber und auch er guckt immer wieder zu mir. Milena sitzt auch mit an dem Tisch der Jungs und scheint ziemlich viel Spaß zu haben. Niklas versucht allerdings ihn daran zu hindern hier her zu blicken. Der ist so ein Idiot.
      “Ich hab irgendwie gar keinen Hunger”, sage ich Lina und blicke auf meinen leeren Teller, während sie nicht genug in sich hinein stopfen kann.

      Lina
      “Willst du nicht mal einen Kaffee trinken?”, fragte ich Vriska die bis jetzte noch garnichts gegessen hatte. Ich hingegen verschlang mit Vergnügen meinen Obstsalat. “Lina, Samu, Jace, Jayden nach dem Frühstück kommt ihr mal bitte zu mir in Büro”, sagte Luchy noch und sie schien nicht gerade begeistert. Vermutlich bekamen wir nochmal unsere ganz persönliche Standpauke. Nun sah Samu nicht mehr ganz so fröhlich aus, aber auch meine gute Laune war ein klein wenig getrübt. Nichtsdestotrotz freute ich mich auf den Tag, da ich echt gespannt war wie denn das Training von einem National Team aussehen würde.

      Vriska
      Als ich noch mal rüber gucke, treffen sich aber nun mein Blick und der von Niklas. Irgendwie bin ich total schockiert als er aufsteht mit Milena und zu uns an dem Tisch kommt. Das kann doch nichts werden …
      “Was ist eigentlich dein Problem?”, fragt Niklas provokant.
      “Grundsätzlich nicht, aber ich kann Typen, die nicht mit ihren Gehirn denken nicht leiden und dann auch noch der Meinung sind, Ihnen gehört die Welt.”, antworte ich genervt. Der einzige Weg das hier zu unterbinden ist zu verschwinden, doch das wird mir verwehrt. Aggressiv zieht er mich am Arm zurück in den Stuhl
      “Was auf Mädchen, du lässt Ju in Ruhe, sowie alles was sich in meinem Umfeld befindet. Dann hast du kein Problem.”, sagt er und geht wieder. Wie ein Schosshund folgt Milena im.
      “Ach ja, ich hole nachher noch meine Sachen. Ich hab kein Bock auf dich”, fügt sie noch hinzu.
      Schockiert gucke ich Lina und drehe verwirrt meinen Kopf.
      “Hast du ne Ahnung was ich getan habe?”, fasse ich den Mut Lina zu fragen.

      Lina
      “Was für ein Arsch” sagte ich Kopfschüttelnd zu Vriska. “Ich glaube sie ist machofiziert. Die beruhigt sich schon irgendwann wieder”, sagte ich nur. Während die eine hälfte der Leute sehr gut gelaunt waren und ausgelassen vor sich hin plapperten, während die andre hälfte deutlich mitgenommen von gestrigen Abend waren. “Wenn deine tolle Freundin da nichts mehr von dir wissen willst, darfst du mich gerne heute begleiten”, meinet ich nur zu Vriska. “Die kleinen Fellknäuel sind viel netter als deine Freundin” sagte ich lächelnd. Damit meinte ich vor allem die kleinsten Bewohner hier auf dem Hof.

      Vriska
      “Danke für das Angebot, vielleicht komme ich da später darauf zurück, aber ich brauche jetzt erstmal etwas Zeit für mich.”, sage ich zu ihr, stehe auf und gehe. Mir ist das gerade alles zu viel. Im Zimmer setze ich mich auf das Bett, das Bett in dem in der Nacht noch alles gut war und ich mich extrem gut gefühlt habe. Allerdings wird das Thema nun durch sein, weil ich kein Interesse daran habe mich mit dem Typen anzulegen. Niklas hat einfach eine zu hohe Stelle im Nationalteam, das möchte ich keinesfalls riskieren.

      Lina
      Nach dem Frühstück war es nun an der Zeit unsere Standpauke ab zu holen. Zähneknirschend stand ich auf und ging zusammen mit Samu zu Luchy. Jayden und Jace warteten dort bereits. “Na dann los”, sagte Jace und klopfte an der Tür. “Kommt rein”, kam die Antwort von drinnen. Wir vier traten ein und standen aufgereiht und fast alle mit einem Unschuldigen Blick vor unserer Chefin. “Leider muss ich mich den Worten Herrn Holm anschließen. Gerade von euch hätte ich das nicht erwarten”, sagte sie und sah uns alle mit ernstem Blick an.” In Zukunft erwarte ich von euch, dass ihr vernünftiger seid. Aber ich hab auch noch ein kleine Überraschung für die meisten von euch . Lina, Samu und du Jayden ihr dürft heute Nachmittag an dem Dressurtraining teilnehmer unter der Bedinung ,dass ihr vorher alle eure Stallarbeiten erledigt habt. “, sagte sie zu uns. “Wow, danke für diese Chance”, bedankte ich mich bei meiner Chefin. “Jace, was dich angeht habe ich gehört du hast gestern wohl nicht deine Stallarbeiten erledigt, deshalb musst du die nächsten zwei Tage allein die Koppeln und Paddock abäppeln und zwar auch die der Gäste. Wenn ich sehe das du dich anstrengst darfst du heute auch mit reiten”, beendete sie ihre Rede. Mit gemischten Gefühlen verließ ich das Büro. Einerseits freute ich mich auf das Training, andererseit fand ich echt echt unfair, dass Jace diese Chance auch bekommen sollte. Schließlich war er nicht ganz unschuldig an diesem Desaster. Aber ich wusste genau ,dass man bei Luchy garnicht erst anfangen brauchte zu Diskutieren. Also begann ich wohl oder übel damit die Pferde auf die Koppel zu bringen.

      Ju
      “Milena, kannst du mal bitte gehen. Ich würde gern mit Niklas alleine sprechen”, sage ich zu seiner neuen kleinen Freundin, die eingeschnappt dann geht.
      “Danke”, rufe ich ihr noch nach aber sie hat bereits die Tür hinter sich zugeknallt. Die scheint ja ganz schöne Komplexe zu haben.
      “Was ist denn dein Problem mit Vriska? Ich mein, du hast doch jetzt aktiv deinen Posten als Kapitän verteidigt.”, frage ich ihn mit ernster Miene.
      “Bruder, die ist nichts für dich. Sich auf so jemanden einzulassen, wäre ein Fehler. Du hast schon so viele komische Weiber gehabt und jedes mal habe ich dich dabei unterstützt darüber hinweg zu kommen. Diesen Schritt möchte ich überspringen. Wir haben hier so viele neue coole Mädchen im Team, da musst du dir echt nicht den größten Außenseiter wählen. Du bist cool und beliebt, nutze das doch als Chance.”, sagt er zu mir. Direkt springen mir Schlagworte wie jemand und Außenseiter ins Ohr, was ich überhaupt nicht verstehe. Niklas war schon immer etwas abgehoben aber erst in den letzten Jahren hat er sich so seltsam entwickelt. Bisher dachte ich immer, dass es nur eine Phase ist und es wieder besser wird. Scheinbar aber nicht.
      “Ich bin alt genug die Entscheidung selbst treffen zu können”, ranze ich ihn an.
      “Selbstverständlich, aber dann musst du am Ende nicht wieder ankommen, weil sie Schluss gemacht hat oder plötzlich einen anderen Typen hat. Ich bin dann nicht mehr für dich da. Also Entscheide selbst was dir wichtiger ist. Wir kennen uns seit dem Kindergarten und ich glaube langsam echt, dass ich dich besser kenne als du dich selbst.”, sagt er genervt und geht ins Badezimmer.
      “Jetzt bleib doch mal hier. Immer wenn es für dich unangenehm wird, gehst du. Das ist jetzt aber keine Lösung. Ich möchte wegen ihr nicht unsere Freundschaft aufs Spiel setzen, doch im gleichen Gedanken möchte ich nicht, dass du einen Keil zwischen uns treibst, nur weil du ein persönliches Problem hast.”, sage ich zu ihm und folge ihm.
      “Weißte was, mach was du willst, aber belaste mich nicht weiter mit der. Ich kann die einfach nicht ab. Jeden bevormundet sie und macht ein auf Obermutter, aber das ist sie nicht. Die scheint irgendwelche Komplexe zu haben, die wahrscheinlich auf familiäre Probleme beruhen. Das soll sie aber nicht an uns auslassen, sondern selbst mit klar kommen”, beleidigt er sie dann noch. Dann schiebt Niklas mich aus dem Badezimmer. Nun muss ich mich erstmal setzen und mir Gedanken machen. Vriska finde ich schon sehr nett und ich mag die Art, dass sie sehr offensiv interessiert an mir ist. Bisher habe ich immer alles getan um einem Mädchen zu gefallen, diesmal ist das gar nicht notwendig, auch wenn es sehr Oberfläch zu sein scheint.

      Jace
      Irgendwie hatte ich es ja schon verdient, dass ich jetzt allein die Koppel abäppeln durfte. Beim Frühstück hatte mich Jayden über den Verlauf des gestrigen Abends aufgeklärt und ich verstand warum Samu so sauer gewesen war. Ich sollte mich bei Abigail entschuldigen meine Verhalten war echt nicht ok gewesen. Also ging ich noch bevor ich mit der Arbeit anfing zu Abigail Bungalow und klopfte. Es dauerte ein paar Minuten bis jemand öffnete. "Was willst du?", ranzte mich ein zierliche braunhaarige Frau an. "Ich möchte mich bei Abigail entschuldigen", antwortete ich dem unfreundlichen Mädchen. "Ahh dann bist du also der Typ der sie abgefüllt hat. Ich sag dir nur eins verpiss dich", sagte sie böse und knallte mir die Tür vor der Nase zu. Wow war dies Mädel unfreundlich gewesen. Im Moment würde das mit dem Entschuldigen also nichts werden. Also machte ich mich Kopfschmerzen geplagt auf den Weg Schubkarre und Mistgabel zu holen um damit zu beginnen die Koppeln ab zu äppeln. Die wenigen Pferde, die die Nacht in der Box verbracht hatten standen inzwischen auf der Koppel die andern drei scheinen sich echt Mühe zu geben mit ihren Aufgaben bis heute Nachmittag fertig zu sein. Wobei auch ich zugeben musste, dass ich alles geben würde um an dem Training teilzunehmen zu nehmen. Es war schon immer ein Traum von mir gewesen ein Teil des internationalen Team zu sein. Jetzt wo ich so kurz davor stand zumindest für ein paar Tage dazu zu gehören verbockt ich es natürlich mal wieder. "Warum bist du eigentlich immer so dämlich Jace", sagte ich zu mir selbst. "Ja, das wüsste ich auch gern", ertönte eine Stimme hinter mir. Ich brauchte mich nicht um zu drehen um zu wissen wer da stand. "Alec, was machst du hier?". Ich war erstaunt meinen besten Freund hier an zu treffen, da er eigentlich seit einem. Jahr die Außenstelle des WHC leitet. Ich dreht mich um und da stand er. Im Gegenlicht wirkte er noch ein wenig größer als sonst. "Ich bin hier um dein Gehirn zu waschen du Idiot. Lina hat mich angerufen und mir von deiner unehrenhaften Schantat erzählt. Was zur Hölle hast du dir dabei gedacht?" fragte Alec in einem strengen Tonfall. Alec war für mich immer wie ein großer Bruder gewesen und er kannte mich besser als ich mich selbst." Ich hab gar nicht gedacht", murmelte ich resigniert." Naja, so wie Lina es erzählt hat klang es als hätte du auf jeden fall nicht mit deinem Hirn gedacht", erwiderte Alec. Er hatte ja Recht und ich wusste es auch. "Wir haben ein ähnliches Gespräch schon einmal geführt und ich möchte ungern schon wieder den Scherbenhaufen hinter dir wegräumen. Ich will doch nur vermeiden, daß das gleiche passiert wie damals", ermahnte er mich. Damals war ein Kapitel, was ich so nie wieder erleben wollte.



      Ein komisches Gefühl lag in der Luft, die Energie vom gestrigen Abend habe hatte sich angestaut und schien nicht verschwinden zu wollen. Während sich Vriska mit Folke und Tyrell telefonierte und versuchte sich Tipps zum Umgang mit der Situation zu holen. War Milena dabei sich ihr neues Zimmer, alleine, einzurichte. Sie wirkte glücklich, doch etwas reue schien sie schon zu haben. Doch wie auch Ju wird sie von Niklas unter Druck gesetzt und in ihrem Alter fehlt es noch an der Erfahrung das zu erkennen. Wir können nur hoffen, dass es besser wird.
      Frau Wallin hatte nun auch den Zeitplan aufgehangen und Erika schrie dies auch quer über den Hof. Aufgeregt kamen alle zum Schwarzen Brett uns Musterten ihre Gruppen.

      Vriska
      “So jetzt mal ganz ruhig. Gruppe jetzt geht dann jetzt los, Pferd holen und dann auf zum Reitplatz oder in die Halle. Bitte achtet darauf, dass besonders die Springreiter die Steigbügel lang machen, heute ist Dressurunterricht. Zugucken dürft ihr gern, viel Erfolg!”, sagt Frau Wallin die sich aus der Traube von Menschen gekämpft hat.
      Mit Niklas und Ethan in der Halle bei Herrn Holm, na toll. Ich denke ich echt, dass sie mir was rein drücken will. Doch das ist zum Glück nun nicht mehr so wichtig. Endlich reiten. Mit Herr Holm hatte ich bisher noch nie Training gehabt aber schon oft beobachtet, er scheint sehr Ernst zu sein aber man lernt viel.
      Aufgeregt laufe ich raus um Glymur zu holen, der Schlafend auf dem Boden liegt. Langsam gehe ich auf ihm zu, weil ich ihn nicht erschrecken möchte.
      “Gaaaanz ruhig! Wir gehen jetzt in die Halle”, drohe ich ihn an. Neugierig spitzt der Isländer die Ohre und steht auf. Zufrieden lobe ich ihn und gehe zum Anbinder, an dem ich ihn fertig mache.

      Lina
      Ich hatte es locker geschafft alle Stallarbeiten zu erledigen und da Jace für die nächsten Tage die Koppeln machen musste, hatte ich auch schon die ersten Pferde geschafft. Ich hatte gerade den Junghengst Lancasters Peppermint zurück auf die Weide gebracht und sah auf einmal eine riesigen Menschnetraube vor dem schwarzen Brett. Samu stand ein wenig abseits und ich Gesellte mich zu ihm. “Wow, wie schnell man alle mit einem Zeitplan aus dem Häuschen bringen kann”, sagte ich erheitert zu Samu. Es dauert ein paar Minuten bis die Menschenmenge sich zerstreute. “Samuuuuu ich darf mit Chloe reiten”, quietsche ich aufgeregt als ich auf den Plan gesehen hatte. Chole und ihr Fuchswallach waren super bekannt in Kanada, weil sie als jüngste Reiterin im Team gleich zweimal Gold bei Olympia geholt hatte. Wie ein Flummi hüfte ich vor Samu auf und ab.”Jetzt beruhig dich doch mal”, sagte der Finne und hielt mich fest damit ich aufhörte zu hüpfen.

      Vriska
      Aufgeregt mache ich mich auf dem Weg zur Halle bei der ich auch auf Niklas treffen, ein junger anderer Mann ist auch da, ebenso Herr Holm.
      „Ich freue mich, dass jetzt wenigstens Pünktlich seid. Dann setzt euch mal auf eure Pferde, dann geht es erstmal mit dem Warmreiten los“, sagt Herr Holm.
      Ich gurte noch einmal nach und Steige auf. Das Niklas diese schöne Stute gehört, hätte ich nicht gedacht. Auf dem Gelände von unserer Akademie hatte ich sie bereits mehrfach bewundert, so dass ich jetzt noch viel schockierter bin. Aber auch die Stute von dem anderen Typen hat es mir sehr angetan, eine wunderschöne Scheckin.
      “Vriska, achte mehr auf eine Beine, du klammerst dich zu sehr an Glymur, deswegen läuft er auch viel zu schnell im Schritt. Atme tief durch und dann geht es weiter”, ruft Herr Holm mir zu. Ich pariere meinen Hengst durch in den Stand, schließe die Augen und denke an die vergangene Nacht. Direkt merke ich, dass ich ein lächeln aufsetze und meine Muskelatur sich löst. In dem Moment schnaubt auch Glymur ab.
      “Siehst du, direkt ist auch dein Pony mehr bei dir und entspannt.”, sagt Herr Holm und muss tatsächlich auch lächeln. Das bestätigt sich nur in meiner Gedankenwelt und ich werde daran festhalten. Als ich im Schritt wieder anreite, ist Glymur entspannt und läuft deutlich langsamer als vorher. Immer wieder schaue ich zu Niklas rüber, der wirklich gut reiten kann. Seine Stute aktiv vorwärts ohne so rennig zu sein wie mein Hengst. Auch ignoriert sie vollkommen, dass ein Hengst mit in der Halle ist. Nur mit wenigen Einwirkungen scheint er sie zu reiten, was mich auch wieder sehr schockiert. Nach dem wie er zu mir ist, dachte ich wirklich, dass er einer von diesen vermeintlich guten Reitern ist, die aber einfach nur ein gutes teures ausgebildetes Pferd haben und nur darauf herum sitzen.
      “So Vriska, wie ist das mit Glymur. Kannst du mit ihm auch im Trab arbeiten, oder wäre Tölt für ihn einfacher”, erkundigt sich unser Trainer.
      “Ähm, ich würde ihn erstmal etwas auf dem Zirkel etwas tölten, dann sollte er für den Trab lockerer sein.”, antworte ich. Er nickt und ich lege los. Aus dem Augenwinkel bemerke ich, dass wir nun Publikum haben und einen erkenne ich direkt. Ju sitzt dort. Direkt fällt meine Entspannung in eine Unsicherheit um. Auf dem Zirkel fällt mir Glymur in den Trab und lässt sich nicht mehr bremsen. Hektisch versuche ich ihn wieder umzustellen was mir nicht gelingt. Überzeugt stellt sich Herr Holm vor meinen Hengst, der direkt bremst. Unerwartet kippe ich nach vorn und falle ihm unsanft auf den Rücken.
      “Was war denn das?”, fragt Herr Holm mich nun etwas sauer.
      “Sorry, ich war unaufmerksam”, entschuldige ich mich. Von weitem sehe ich Niklas schelmisch Grinsen.
      “Konzentriere dich auf dein Pferd und nicht wer noch hier ist. Das hilft dir nicht”, rät unser Trainer mir und nicke zustimmend. Als ich wieder im Schritt anreite, schließe ich immer wieder die Augen um mich an die schöne Nacht zu erinnern. Glymur schnaubt wieder ab. Meine Konzentration liegt nun wieder bei meinem Pferd, diesmal klappt der Tölt auch deutlich besser. Herr Holm ist in der Zeit mit Ethan beschäftigt, der offenbar auch einige Probleme mit seinem Pferd hat. Im Vergleich zu der Stute von Niklas scheint sie sehr wohl zu merken, dass ein Hengst mit in der Halle ist und versucht immer wieder ihm zu imponieren. Niklas hingegen steht an der Bande und unterhält sich mit Ju. Eigentlich sollte ich jetzt ganze Bahn reiten aber da möchte ich nicht lang, also gehe ich auf den mittleren Zirkel und muss mir erst mal etwas von Herrn Holm anhören, der davon nicht sonderlich begeistert ist.
      “Vriska, Sie können auch gehen wenn sie ein Problem mit Anweisungen haben”, sagt er zornig zu mir. Niklas lacht.
      “Und Sie hören auf mit Ju zu flirten. Es wird jetzt geritten. Traben sie Smoothie erst mal auf dem Zirkel und ... “, ermahnt Herr Holm dann auch ihn. Etwas Schadenfreude macht sich in mir Breit. Dann reite ich auch ganze Bahn entlang und Ju lächelt mir zu. Wieder fällt die Anspannung von mir. Glymur bietet sich heute im Tölt extrem gut an. Er setzt sich auf die Hinterhand, ist locker im Rücken und zeigt eine hohe Aufrichtung.

      Lina
      Da wir noch eine ganz Menge Zeit hatten bis wir unsere Pferde holen mussten, schlug ich Samu vor in die Halle zu gehen und den drei dort zu zusehen. “Wow, sind das schöne Pferde”, sagte ich zu Samu als wir die Halle betraten. “Ja, die sind ganz nett”, erwiderte er nur. Ju stand bereits an der Bande und wir gesellten uns zu ihm.

      Vriska
      Es wurden immer mehr Zuschauer und wieder wurde ich unsicher. Aber Glymur blieb gelassen. Dieses Pferd ist einfach unglaublich.
      “So, Ihre Pferde müssten nun Warm sein. Dann können wir anfangen. Erstmal bilden Sie eine Abteilung mit Vriska an der Spitze, gefolgt von Niklas und Ethan. In der zweiten Ecke wird angetrabt, aussitzen”, weist Herr Holm uns ein. Böse Blicke ernte ich von Niklas, der wohl lieber vorn geritten wäre.
      Gefolgt von vielen Bahnfiguren, reiten wir auch verschiedene Seitenweisende Lektionen, die Glymur und mir besonders schwer fallen, doch Herr Holm gibt uns gute Tipps, die mir sehr geholfen haben. Am Ende reiten wir noch einige Runden ab bevor wir wieder zurückgehen, da die nächste Gruppe am Tor steht. Ich sehe das auch Milena da ist, als ich zu ihr gehe, dreht sie sich weg von mir zu Finley. Na gut, offenbar schein ich doch ein super furchtbarer Mensch zu sein. Als ich dann weiter laufe mit Glymi kommt Niklas mit seiner Stute an mir vorbei.
      “Ich hätte nicht gedacht, dass dein kleines Pony so viel Power hat”, scheint Niklas mich zu loben. Verwirrt gucke ich zu ihm.
      “Danke?”, frage ich vorsichtig, aber dann beachtet er mich schon wieder nicht mehr. Zusammen mit Ju gehen sie die Stute wegbringen. Einmal dreht er sich zu mir um aber Niklas unterbindet das direkt. Versteh das mal einer.
      Glymur dusche ich nach dem absatteln einmal ab um ihm sein Ekzem zu behandeln. Dann bekommt er wieder seine Decke um.

      Lina
      Ein wenig aufgeregt stand ich neben meiner Stute Nathalie vor der Halle und wartet auf die anderen beiden. Da sah ich auch schon Chloe mit ihrem Fuchswallach Diamond um die Ecke kommen. Die Tür der Halle öffnete sich und Max und Jace ritten mit ihren Pferden hinaus. Der Buckskin Hengst begann sich auch gleich ein wenig aufregung, als er an Nathy und mir vorbei ging. Chloe führte ihren Wallach auch schon in die Halle, sobald auch Max hinausgegangen war.”Wo bleibt denn nur Ju” murmelte ich leise vor mich hin, als ich Nathalies Sattelgurt nach zog. Kaum hatte ich den Gedanken fertig gedacht stand er auch schon in der Hallentür. “Warum bist du zu spät?”, fragte Herr Holm.


      Fortsetzung folgt ...

      © Mohikanerin & Wolfszeit | 98031 Zeichen

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    • Mohikanerin
      Nationalteam II | 07. Februar 2021
      St.Pauli’s Amnesia // Glymur // Satz des Pythagoras // Snotra // Kempa // Snúra // Blávör // HMJ Holy //
      Nathalie // (Beastly Domina) Mijou // Briair // Legolas // HMJ Divine // LMR Fashion Girl // Black Lady // Flanell D’Egalité // Farena van Hulshóf // Cleavant ‘Mad Eye’// Nurja // Vakany // British Gold
      Checkpoint // Oline // Windrose // Caja


      Ju
      “Tut mir Leid, aber Amnesia wollte nicht mitkommen. Sie ist seit dem Flug total komisch”; sage ich wehmütig zu meinem Trainer. Er nickt und ich gehe rein. In der Halle sind schon Lina und Chloe. Während ich mich noch etwas um Amy kümmere und sie etwas vom Boden Aus noch arbeite, kommt Niklas dazu und setzt sich zielstrebig an die Seite. Hoffentlich kann er sich etwas zusammen reißen.
      “Ist das eine Sankt Pauli Stute?”, fragt mich Chloe überrascht als sie an mir vorbereitet.
      “Tatsächlich ja. Sieht man es ihr an?”, stelle ich ihr eine Rückfrage. Sie lacht.
      “Ja, die haben alle so einen speziellen Kopf. Tolle Stute hast du da.”, flirtet sie offenbar ein wenig mit mir.
      “Deiner ist aber nicht schlecht”, steige ich darauf ein.
      “Weiter so”, brüllt Niklas vom Rand zu. Doch das passt Herrn Holm mal wieder gar nicht.
      “Ihr seid zum Training hier, wenn ihr euch unterhalten wollt, dann später. Und Niklas, wenn Sie sich nicht zusammenreißen, dann können sie gehen. Und zwar nach Hause”, macht unser Trainer eine Aussage. Chloe reitet weiter und ich steige auf. Amnesia ist heute wieder besonders zickig. Ich gebe ihr den ganzen Zügel und trotzdem schlägt sie mit ihrem Kopf herum. Erst nach einigen Runden ganze Bahn ist sie wieder sie selbst und ich kann den Zügel aufnehmen.

      Lina
      Chloe ritt auf ihrem Wallach als würde es nichts einfacheres geben. Der Fuchswallach schritt schön voran und wenn man ihn so ansah bekam das Wort Schritt gleich eine ganz neue Bedeutung. “Lina, lass deine Stute mehr vorwärts gehen”, rief Herr Holms mir zu. Ich versuchte mich wieder auf die Scheckstute unter mir zu Konzentrieren und trieb sie ein wenig an. “Nimm deine Zügel ein wenig mehr auf und lass sie nicht so auseinander fallen”, kam es sogleich hinterher. “Lina konzentrier dich”, sagte ich zu mir selbst. Doch daraus wurde nichts denn ich nahm Nikals abfälligen Blick wahr den er mir zuwarf. Auch wenn es nur ein paar wenige Sekunden waren, die ich mich nicht konzentrierte rechte es schon aus, dass meine Stute fast über ihre eigen Füße fiel. “Na, los Nathy dem Iditot zeigen wir was wir können”, flüsterte ich meiner Stute zu und nahm meine Zügel wieder vernünftig auf und Konzentrierte mich nur noch auf mein Pferd. Es zeigt tatsächlich Wirkung, denn so gleich nahm Nathalie eine ganz andere Haltung ein und begann aktiv mit der Hinterhand untertreten. “So ist es besser”, lobte Herr Holm mich. “Denk auch jetzt schon daran eure Pferde ein wenig zu biegen”, fügte er an alle Gewandt hinzu und ich lenkte meine Stute auf den Zirkel.

      Niklas
      Natürlich musste ich mal wieder ne große Fresse haben, aber was solls. Hoffentlich nimmt sich Ju die, die passt deutlich besser zu ihm - bekannt, gutaussehend und kann richtig gut reiten. Aber auch Lina machte auf dem Pferd eine gute Figur, auch wenn es nicht lassen konnte sie böse anzugucken, entschied ich mal etwas freundlicher zu sein.
      Während Ju immer wieder Probleme mit seiner neuen Stute hatte, musterte ich Lina auf ihrer Scheckstute. Als sie vorbei ritt musste ich einfach was sagen: “Du kannst besser reiten als ich dachte. Dein Pferd macht aus echt was her.”

      Lina
      “Danke”, erwiderte ich nur kurz angebunden und blieb mit den Gedanken bei meiner Stute. Wow, Niklas konnte ja scheinbar auch nette Dinge sagen. “Eure Pferde sollten nun genug vorbereitet sein. Ich möchte von euch mal ein wenig Seitengänge sehen und zwar im Trab”, rief der Trainer. Die Aufgabe freute mich, denn Seitengänge waren die Spezialität meiner Stute. Ich trieb sie in den Trab und nach ein paar lockeren Runden begann ich erst einmal langsam ein wenig Stellung und schließlich sogar das Schulterherein dazu zu nehmen. Nathalie war heute besonders fein an den Hilfen, sodass ich kaum Schwierigkeiten hatte.

      Vriska
      Nach dem ich mit dem Fahrrad in der Stadt etwas einkaufen war, stellt ich fest das noch Lina und Ju reiten, also führte mich der Weg geradewegs zur Großen Reithalle in der vorhin schon war mit Glymur. Als ich reinkam sah ich dass sie schon am Abreiten waren. Leider sah ich auch, das Ju und Chloe sich sehr intensiv unterhielten, als sie nebeneinander her ritten.
      “Tja Vriska, da bist du wohl zu spät”, piesackt mich Niklas. Ich ging aber nicht weiter drauf ein, sondern wandte mich an Lina.
      “UUUUnd wie war’s?”, rief ich ihr zu. Ihre Stute war völlig durchgeschwitzt aber Beide strahlten förmlich, was auch meine Laune direkt wieder verbesserte.

      Lina
      “Es war super”, antwortete ich Vriska, die inzwischen auch in die Halle gekommen war. “Die Zuschauer scheinen sie nur noch Angesport zu haben”, erzählte ich und strich Nathy über den verschwitzen Hals. “Ich glaube ich werde draußen noch ein paar Runden Schritt reiten. kommst du mit?”, fragte ich Vriska. “Wie war es bei dir, Glymur scheint ja als wäre er ein wahres Powerpaket”, plappert ich fröhlich vor mich hin.

      Vriska
      “Ja klar, können wir machen”, antwortete ich ihr und wir verließen die Halle. Beim rausgehen warf ich noch eine Blicke in seine Richtung, aber er schien mich nicht mal gesehen zu haben.
      Unerwartet höre ich Schritte hinter uns, als wir uns weiter über den Unterricht unterhalten. Neugierig drehe ich mich um.
      “Was willst du denn hier?”, frage ich Niklas genervt, der offenbar uns verfolgt.
      “Ich möchte mit euch reden”, sagt er dann.
      “Warte mal Lina. Hast du das auch gehört?”, frage ich schockiert und gucke suchend in der Luft herum.

      Lina
      “Was, meinst du etwa dieses Säuseln des Windes?”, sagte ich nur zu Vriska und ließ meine Stute weiter trotten. Doch sie blieb stehen um sich zu Schütteln.

      Niklas
      Irgendwie muss ich meinen Ruf verbessern, also muss ich mich bei den Außenseitern versuchen etwas einzuschleimen.
      “Es tut mir leid, wenn ich so eklig zu euch war. Manchmal habe ich mich nicht unter Kontrolle.”, sagte ich, obwohl die beiden offenbar versuchten mich zu ignorieren.
      “Wenn ihr Lust habt, heute Abend machen wir noch mal eine kleine Runde mit ein Paar auserwählten. Ihr seid herzlich eingeladen, diesmal wird nicht so übertrieben wie gestern”, lud ich die Beiden ein, eh mich wieder umdrehte um zurück zu Ju zu gehen, der sich offenbar sehr gut mit Chloe verstand.
      “Und ist sie was für dich?”, fragte ich neugierig nach, als er allein mit Amnesia die Halle verließ.
      “Das kann ich schlecht einschätzen. Sie ist sehr nett aber auch etwas eingebildet. Mal gucken was sich hier noch entwickelt, aber nach der letzten Trennung habe ich eigentlich keine Lust auf was festes”, sagte er zu mir.
      Wir reden noch weiter über was heute Abend stattfinden soll, bevor wir uns gedanken um Mittagessen machen, dass wir selbst machen müssten. Aber weder ich noch Ju können Kochen, vielleicht kann man sich was organisieren bei den anderen.
      +
      Lina
      “Der glaubt auch er könnte uns verarsche oder?”, sagte ich zu Vriska, als Niklas wieder verschwunden war. Inzwischen waren wir am Waschplatz angekommen und ich war abgestiegen. “Kannst du sie mal kurz halten”, sagte ich und drückte ihr die Zügel in die Hand. Ich sattelte Nathalie ab und verschwand kurz um ihr Halfter zu holen. Als ich zurück kam, war meine Stute geradewegs dabei Vriska voll zu sabbern und versuchte sich an ihr zu schubbern.

      Jace
      Nach dem Training kam ich endlich dazu mich mit Alec zu Unterhalten. Wir saßen auf der Bank vor der Hauskoppel und beobachteten Mina und Briair die friedlich in der Sonne dösten. “Warum bist du denn eigentlich immernoch hier. Hast du Zuhause nichts zu tun?”, fragte ich meinen Kumpel. “Na, ich hab schon genug zu tun, aber dich kann man ja scheinbar nicht unbeaufsichtigt lassen”, tadelte er mich. “Ja, du hast ja recht”, gab ich zerknirscht zurück. “Hast du dich wenigsten bei dem Mädel entschuldigt?”. Alec sah mich scharf an. “Ich habs versucht, aber ihr Freundin hat mich gar nicht erst reingelassen”. “Verständlich. so einen Deppen wie dich würde ich auch nicht rein lassen”, sagte er lachend.

      Vriska
      “Ich weiß nicht, vielleicht meint er es wirklich ernst? Hingehen werde ich auf jeden Fall, wenn das die einzige Möglichkeit ist Ju näher kennen zu lernen.”; sagte ich leicht in mich selbst versunken. Immer wieder sagte ich mir, dass er ein gutes Mensch sein wird und nur ein normales Gespräch mit Chloe geführt haben wird.
      “Langsam bekomme ich echt Hunger. Hast du Lust mit Samu zu mir rüber zu kommen? Ich war vorhin einkaufen und würde jetzt was kochen.”, lud ich Lina ein.

      Lina
      “Naja, wir werden sehen. Ich denke mal ich werde auch kommen“, mir war aufgefallen wie Gedankenversunken sie war. Ich nahm ihr die sabbernde Stute ab und begann sie ab zu trensen. “Klar kommen wir vorbei. Vorher bringe ich aber noch diese Schönheit hier auf die Koppel”,antwortete ich während ich begann die Stute abspritzen. “Was kochst du denn leckeres?”, fragte ich sie.

      Vriska
      “Okay dann werde ich gleich rüber gehen, lasst euch ruhig Zeit, dauert ungefähr eine Stunde bis es fertig ist. Ich werde Gemüse mit Reis machen, dazu Soja Sauce”, sage ich zu ihr und gehe still zurück in meinem Zimmer. Dort wasche ich mit zunächst die Hände und setze mich hin.
      Am liebsten wäre ich nun Zuhause, dann könnte ich weiter mit Songbird arbeiten oder Lulu wieder zu reiten. Die Zeit hier mit neuen Leuten finde ich gut, aber ich habe zu viele Möglichkeiten nach zu denken und das zieht mich schon ganz schön wieder runter.
      Langsam hatte ich wieder die Kraft und Motivation gefasst etwas zu essen zu zubereiten. Also stand ich auf, holte die Aubergine, Zucchini, Paprika und Möhren aus dem Kühlschrank. “Ach mist”, sagte ich. Ich hab vergessen den Brokkoli heraus zuholen, als dann schon das ganze Gemüse kleingeschnitten in der Pfanne war. Also nochmal schneiden. Als ich mich endlich wieder hingesetzt hatte und mir meinen Skizzenblock genommen hatte, Klopfte es an der Tür. Ich guckte hoch, da die Tür offen ist. Niklas und Ju.
      “Na was wollt ihr schon wieder? Unruhe Stiften?”, fragte neugierig.
      “Nee wir haben Hunger, können wir etwas mit Essen?”, erkundigte sich Niklas. Ich stand auf.
      “Mh könnte noch für euch reichen”, antwortete ich. “Aber es dauert noch einen Moment”, fügte ich noch hinzu. Völlig selbstverständlich kommen sie in mein Zimmer und setzen sich mit an den Tisch.

      Lina
      Auf dem Weg zu den Koppeln entdeckte ich Jace der mit Alec zusammen an der Hauskoppel saß. Also war er wirklich gekommen. Es war schon immer so gewesen, dass Alec derjenig war der Jace entweder den Arsch rette oder ihn wieder zu Vernuft brachte. Zwischen den beiden herrschte so etwas wie eine magische Verbindung und es war faszinierend wie anders Jace war, wenn Alec in der Nähe war. Nichts desto trotz war ich immer noch böse auf Jace, also ging ich wortlos an den beiden Vorbei.
      “Hey Samu. Da steckst du also”, rief wenige Minuten später als ich Samu gefunden hatte. “Hast du mich etwa gesucht?”fragte er und schloss die Tür der Box die er gerade gemistet hatte. “Vriska lädt uns zum Essen ein, kommst du mit?”, fragte ich den jungen Mann. “Klar klingt nach einer super Idee”, sagte er und wir machten uns auf den Weg zu Vriskas Hütte.

      In der Hütte von Vriska war nun reges treiben und auch gab es keine weiteren Anfeindungen. Doch das der Abend nun so verlaufen würde, damit hatte keiner Gerechnet. Die Trainer hatten alle wieder Schwarzen Brett versammelt um eine Ansage zu machen.

      Vriska
      “Schön das ihr alle hier seid. Damit der heutige Abend nicht genauso verläuft wie der gestrige haben wir uns eine schöne Sache überlegt um nun euren Kampf- und Teamgeist zu fördern. In vierer Teams werdet ihr um einen großen Preis kämpfen - Neben einem Taschengeld in Höhe von 2000 Dollar bekommt ihr einen Maßsattel sowie einen Wunsch frei. Damit ihr aber nicht miteinander Arbeiten könnt, gibt es für jedes Team andere Rätsel. Ich sage nun die Teams an, also hört gut hin. Team 1: Samu, Max, Milena und Jace. Team 2: Linh, Chloe, Chris und Hannes. Team 3: Emilia, Jayden, Finley und Abigail. Team 4: Vriska, Lina, Ju und Niklas. Team 5: Ethan, Anna und Jacob Team 6: Noha, Raphael und Ella.
      Also findet euch zusammen, nehmt euch die von uns vorbereiteten Rucksäcke. Bitte macht euch den GPS Tracker in die Hose, damit wir euch wiederfinden können wenn was ist. So und nun lasst die Spiele beginnen.”, sagt Frau Wallin an, die mit Herrn Holm und Luchy vor uns allen steht. Schnell laufe ich zu Lina rüber.
      “Musste ja wieder klar sein, denkst du die Trainer machen das mit absicht?”, frage ich sie skeptisch.

      Lina
      “Irgendetwas werden sie sich schon dabei gedacht haben”, erwiederte ich Schulterzuckend. Nikals und Ju hatten sich schon unseren Rucksack geschnappt und kamen auf uns zu. “Und da kommt auch schon der Rest”, sagte ich und deutete auf die beiden Jungs.

      Samu
      “Ich hoffe du hast aus gestern Gelernt”, meinte ich zu Jace. “Ja, und du hast Recht die Aktion heute morgen hab ich definitiv verdient. Danke”. “Wo sind eigentlich die anderen beiden?”, frage er sogleich und sah sich ein wenig ratlos um.

      Vriska
      “Na Mensch, die Herren der Schöpfung”, sage ich sarkastisch.
      “Wir freuen uns auch sehr euch wieder zu sehen”, antwortet Niklas ironisch.
      “Das ist schön, dann macht mal eure Pferde fertig, wir treffen uns dann hier”, sage ich überzeugt und Jogge zur Box. Je schneller wir vom Hof kommen, umso besser sind unsere Chancen. Das Geld könnte ich ziemlich gut gebrauchen, weil dann könnte ich Anfangen Glymur abzuzahlen.

      Milena
      “Boah, zum Glück bist du hier”, sage ich zu Jace als ich mit Max auch dazu stoße.
      “Und was jetzt? Ich hab sowas von keine Lust drauf”, nörgel ich.

      Lina
      Auch ich beeilte mich zu meiner Stute zu kommen da sie nicht wie die Pferde der anderen drei in der Box stand, hatte ich den weitesten Weg. Um auf dem Rückweg Zeit zu sparen schwang ich mich kurzerhand auf ihren Rücken. "Na los Nathalie", sagte ich zu der Stute und im Trab ging es zum Hof. Kaum auf dem Putzplatz angekommen sprang ich von der Stute runter und rannt in die Sattelkammer um mir ihre Trense zu schnappen.

      Jace
      "Ich vermute hier bleiben dürfen wir nicht", sagte ich zu der Gruppe und schnappte mir den Rucksack.

      Niklas
      “Ich hoffe einfach, dass wir schnell sind. Wirklich Lust den ganzen Abend nur mit den zu verbringen habe ich nicht”, sage ich genervt zu Ju, während wir zu den Pferden eilen.
      “Ach das wird bestimmt lustig”, versucht er mich aufzumuntern.

      Vriska
      Als die Gruppe wieder vollständig ist, ziehe ich die Helmlampe auf und ziehe unseren Rätselzettel aus dem Rucksack.
      “So Leute, hier steht ‘Wir haben kleine grüne Hüte, und wir leben hoch auf den Kronen.
      Im Herbst fallen wir auf den Boden, Kinder sammeln uns und basteln niedliche Figuren.’ Darunter ist dann geschrieben ‘Schon gelöst? Das ging ja schnell. Jeder nimmt 5 Stück mit und dann geht es weiter mit 5 Galoppsprüngen Richtung Süden’ Habt ihr eine Idee?”, lese ich vor und frage in die Gruppe, den allen Fragezeichen im Gesicht geschrieben sind.
      “Vielleicht irgendwas das an Bäumen wächst im Wald?”, schlägt Niklas überraschend vor.
      “Gute Idee, vielleicht Tannenzapfen? Halt, die haben keine Hüte”, wirft Ju dann etwas ratlos ein. Erwartungsvoll blicke ich zu Lina, die bisher nichts gesagt hat.

      Lina
      “Es sind Eicheln”, sagte ich enthusiastisch. “Ich weiß auch wo wir welche finden”,fügte ich hinzu trieb meine Stute in Richtung des kleinen Wäldchens, wo die alte Eiche stand. “Kannst du die Eicheln sammeln du kommst besser auf dein Pferd wieder rauf”, sagte ich zu Vriska als wir dort angekommen waren.

      Vriska
      “Das war richtig gut”, sage ich zu Lina und steige ab. Auch die Jungs sind nicht bemüht abzusteigen also sammle ich 20 Stück und gebe jeden ihre 5 Eicheln.
      “So aber 5 Galoppsprünge? Ich mein, mein Glymi hüpft ja ganz anders als eure Pferde. Zumal wer kann aus dem Stand einfach mal 5 Sprünge abzählen?”, rege ich mich leicht auf, als ich wieder aufs Pony steige.
      “Smoothi sollte das hinbekommen”, kommt Niklas aus dem verborgenen. Er holt aus dem Rucksack den Kompass und richtet die Stute aus. Dann springt Smoothie 5 Mal und er holt sie zurück in den Stand.
      “So angekommen, was jetzt?”, fragt er gespannt. Offenbar kommt langsam das kleine Kind aus ihm heraus.
      “Also ich bei mir steht, gucke auf Zettel 3. Den hat bestimmt einer von euch”, sage ich.

      Lina
      Ich sah in meinen Rucksack “Ich hab nur Zettel 4”, stellte ich kurz darauf fest. Nathalie machte den Hals lang um sich einen Snack von einem Ast über ihr zu holen. “Lass das, Nathi “, sagte ich empört zu der Stute und trieb sie ein Stück vor, sodass der ast außer Reichweite war. ”Ju, hast du den Zettel”, frage ich den jungen Mann der uns bisher einfach gefolgt ist ohne aufzufallen.

      Ju
      “Öhm ja sieht so aus. Ich lese mal vor. Hier steht: ‘Mensch, ihr seid ja schon weit gekommen.’ Leute. Da ist einfach ein Gedicht. Die Mädels können sicher damit mehr anfangen. Also ich lese weiter ‘Ich kenn ein Haus, gar wohl erbaut, das klingt und tönet hell und laut, du hörst von fern sein Rauschen. Viel Gäste spielen drin umher, von diesen wirst du nimmermehr nur einen Ton erlauschen. Es wandelt stets von Ort zu Ort, die Gäste wandeln mit ihm fort - dies Haus sollst du mir nennen.’ - Alter das ist voll schwer. Darunter steht noch ‘Dort angekommen, findet ihr an eine, kleinen Fels mit dem nächsten Rätsel. Gute Reise’.”, lese ich aufmerksam und ruhig vor.
      Natürlich regt es mich ein wenig auf, dass ich keinen Plan habe worum es geht. Doch noch viel mehr verwundert mich Niklas, der seit dem wir unterwegs total komisch ist.
      Während die Mädchen sich beraten reite ich zu Niklas, der verzweifelt nach Internetempfang sucht.
      “Und schon was gefunden?”, scherze ich.
      “Ne Mann. Hier ist voll das Loch”, echauffiert er sich.
      “Sag’ mal, was denn los? Du bist so … normal?”, frage ich ihn dann doch.
      “Ach nichts. Alles gut. Irgendwie habe ich doch voll Lust drauf. Der Abenteuerfaktor fehlt aber noch”, sagt er.

      Lina
      “Meinen die vielleicht ein Bach oder einen Fluss oder sowas”, dachte ich laut. “Ich glaube ich habe eine Idee wo wir hinmüssen. Und falls du Internet suchst, das wirst du hier nicht finden”, sagte ich im vorbereiten zu Niklas. Im Trab hielt ich auf den Wald zu bevor ich nach einem Busch meine Stute durch parierte.Im dunkeln kaum zu sehen begann dort ein schmaler Pferd “Ich hoffe eure Pferde sind alle trittsicher und passt auf eure Köpfe die Äste hängen hier tief”, sagte ich noch bevor ich auf den kleinen schmalen Trampelpfad abbogt. In steilen engen Serpentinen führte er eine Böschung hinab. Es war gar nicht so leicht den Weg zu sehen, doch Nathalie kannte den Weg gut genug um und sicher entlang zu führen.

      Niklas
      “Das wird wohl der Bach sein”, sagte ich zu Lina, der Wir alle fleißig nach Ritten. Nach einigen Minuten suchen fand ich den Zettel versteckt in einer Felsspalte, an die man nur zu Pferd kommen konnte. So gut ich in der Schule gelernt hatte, las ich das kleine Gedicht auf dem Zettel vor. Da kam Lina direkt wieder der nächste Einfall, dass damit nur ein kleines Häuschen mitten im Wald sein kann in dem Jäger oder Reisende übernachten können im Schutz vor Bären oder schlechtem Wetter. Der Weg dorthin war deutlich angenehmer als zum Fluss, den wir vorher überqueren mussten, was für Smoothie beinah eine Herausforderung war. Sie wehrte sich vehement gegen das Wasser und nur mit Biegen und brechen gelang es mir meine Stute vom Sprung aus dem Stand. Begeistert klatsche Ju und wir mussten lachen. Das war meine Chance. Vriska und mein bester Freund blieben einige Meter zurück, schwiegen sich dennoch an.
      “Deine Stute ist deutlich besser gesprungen als meine”, sagt ich zu Lina, als ich einige Meter vor trabte. Sie gucke nur zu mir und nickte.
      “Ich merk schon, du hast keine Lust auf ein Gespräch. Aber ganz ehrlich, es tut mir furchtbar Leid wie ich bisher war. Das war nicht cool. Ich hoffe wir können nochmal bei Null anfangen, da du doch ziemlich cool bist. Mit Menschen habe ich echt immer Startschwierigkeiten und versuche dann mehr zu sein als ich bin. Tut mir leid. Echt.”, versuchte ich es mich bei ihr zu entschuldigen. Wieder traf ein Schweigen in der Gruppe ein, da sie meine Worte offenbar wieder ignoriert hatte. Auch als ich mich umdrehte, schüttelte Vriska nur völlig entsetzt mit dem Kopf. Was stimmt bloß nicht mit dem Weibern immer. Jetzt versucht man schon wieder nett zu sein und wird dann trotzdem wie der letzte Idiot behandelt.
      Angekommen an der Hütte warteten schon zwei Trainer.
      “Ihr seid schon da, super. Das ging viel schneller als gedacht. Wir haben für alle hier einen Checkpoint gemacht und ihr seid die ersten. Bisher also, herzlichen Glückwunsch. Die Pferde könnt ihr dort drüben hinstellen und dann in die Hütte kommen zu einem Mitternachtssnack. Netterweise haben wir für jeden auch ein Bier, der möchte”, sagte uns der Trainer vom Kanadischen Team.
      “Ach cool, dankee”, bedankte ich mich sehr herzlich und war extrem froh endlich etwas Alkohol zur Verfügung zu haben.

      Lina
      Ich band meine Stute an dem Hochseil neben der Schimmelstute von Niklas an. Die beiden Stuten bummelten sich freundlich an. Scheinbar verstanden die Pferde sich deutlich besser. Ich betrachte sein Pferd. Die Stute scheint ein edle Abstammung zu haben. Freundlich blickte sie mich mit ihren dunklen Augen an. “Na, du”, ich hielt der Stute meine Hand hin und ließ sie an mir schnuppern, bevor ich ihr über den Hals strich. “Du scheinst ja recht freundlich zu sein”, sagte ich zu der Schimmelstute. Konnte jemand mit so einem netten Pferd wirklich so ein Idiot sein? Etwas nachdenklich blieb ich neben meinem Pferd stehen bis Vriska ihr Pferd auch angebunden hatte. “Bis jetzt läuft es für uns ja super”, sagte ich zu ihr als wir gemeinsam die Hütte betraten. Drinnen war ein kleines Buffet aufgebaut mit allerlei Snacks..

      Vriska
      Nach einer halbstündigen Pause ging es für uns weiter. Die Trainer berichteten uns erneut worauf wir achten sollen, dann ging es weiter. Wieder formierten wir uns in die klassische Verteilung, wir Mädels vorn und die Jungs folgen uns unauffällig. Schon nach einigen Metern wurde klar, war sie uns noch mal eingewiesen haben. Mehrere Baumstämme liegen auf dem Weg und können nicht umritten werden. Für die drei mit ihren Warmblütern stellt das kein Problem da, aber für mich mit Glymur ist das dann doch äußerst schwierig. Niklas und Ju warten bereits auf der anderen Seite, während Lina und ich noch Rätseln wie es weiter geht. Dann hatten wir eine Idee, ich versuche mit meinem Hengst einfach im Schritt rüber, vielleicht hüpft er von sich selbst rüber. Auch Lina ist schon vor mit Nati und die Drei warten nun auf mich. Doch mein Hengsti wirkt nicht sonderlich motiviert den Baumstamm zu überqueren.
      “Und jetzt, hat einer von euch noch eine Idee?”, frage ich in die Runde. Ju zuckt mit den Schultern, aber Niklas kommt näher und macht einen Vorschlag.
      “Willst du mal absteigen und ich versuche mit ihm rüber.”, sagt er zu mir. Ich nicke und steige ab. Niklas drückt Ju seine Stute in die Hand und steigt über den Baumstamm. Die Steigbügel stellt er nicht mal ein, sondern steigt direkt auf und ich halte noch gegen.
      “Mensch, ich hätte nicht gedacht, dass man auf dem Kleinen so bequem sitzt. Dann gucken wir mal”, sagt er und ich gehe zur Seite. Erst mal schnaubt Glymur zufrieden ab eh Niklas kurz mit ihm warm wird. Dann versucht er meinen Hengst anzutraben was nicht so gut klappt, da er Hilfen für den Tölt gibt.
      “Wo ist der Schalter für Trab? Das geht nicht”, flucht Niklas.
      “Wenn du galoppieren willst, geht das auch aus dem Tölt.”, rufe ihn zu.
      Darauf hin galoppiert auch schon Glymur und meistert mit bravour die im Weg liegenden Baumstämme.
      “Siehste, da müssen einfach mal Profis ran”, scherzt Niklas.
      “Jaja ist klar. Was würden nur ohne dich machen”, gehe ich darauf ein. Wir lachen. Dann steigt er wieder ab und begebe mich zu meinem Pferd. Wir reiten ein wenig weiter bis mir einfällt, dass wir gar nicht wissen wohin.
      “Lina, du müsstest den nächsten Zettel haben. Kannst du mal gucken?”, frage ich sie.

      Lina
      Ich kramte kurz in meinem Rucksack und fand den Zettel. “Jep”, sagte ich und faltete den Zettel. “Ääähhh, Leute…? Hier sind nur komische Symbole auf dem Zettel. Ich hab keine Ahnung was das bedeuten soll”. Ich sah den Zettel nochmal an. “Hier ist noch ein Hinweis. Unser Gold klimpert nicht, es glänzt in der Sonne und wiehert in der Nacht. Hat jemand von euch eine Idee was das Heißen soll?”

      Ju
      “Oh Symbole, das kann ich immer recht gut.”, sage ich halte neben Lina an, die mir den Zettel gibt.
      “Vermutlich wird damit ein Pferd gemeint sein, vielleicht sogar noch im Bezug auf dem Fellfarbe, also ein Fuchs. Aber was sollen wir damit anfangen?”, frage ich irritiert in die Gruppe.
      “Eventuell ist damit ein Fuchsbau gemeint?”, fällt Niklas ein und wir beide gucken zu Lina, die sich hier besser auskennt.

      Lina
      “Fuchsbau….”, mumelte ich vor mich hin, während ich überlegte. “Ahh.. ich glaub ich weiß wo wir hinmüssen”, ich trieb meine Stute in den Trab.Ich folgte einem Waldweg und hielt an einer kleinen Hütte an. Am Eingang der Hütte stand groß zum Fuchstanz geschrieben. “Das hier ist eine Wildtierauffangstation. Hier in der Gegend sind sie bekannt für einen kleinen Fuchs den sie von Hand aufgezogen haben und der ihnen folgt wie ein Hund. In der Touristensaison ist hier ein Campingplatz und ein Restaurant, was besonders beliebt ist, weil es hier Abends eine Wildfütterung gibt. Als Highlight darf man den kleinen zahmen Fuchs am Ende streicheln. Nur dann ist noch die Frage was wir hier sollen. Ju hast du vielleicht noch etwas auf dem Zettel gefunden?”. Nahe am Weg stand eins der Wildtier gehege wo es auf einmal raschelte. Nathalie begann mit den Ohren zu spielen und neugierig in die Richtung des Geräusches zu blicken. Jus Stute begann ein wenig zu tänzeln. Von einem der Pferde kam ein nervöses wiehern, als es erneut raschelte. Auf Einmal hüpfte ein kleiner dunkler Fellball an das Gitter. Meine Scheckstute zuckte zusammen und ein paar der Pferd machten sogar einen hüpfer zur Seite. Frech keckerte der kleine Waschbär uns sah uns mit seinen Knopfaugen an. “Ganz ruhig Nathy das ist nur ein Waschbär”, redete ich meiner Stute zu und strich ihr über den Hals. Nach ein paar Minuten beruhigten sich die Pferde wieder und Ju berichte was auf dem Zettel stand.

      Für die Truppe ging die Reise noch einige Zwischenstopps weiter und gemeinsam kamen sie als erstes am Hof zurück. Da die Schnitzeljagd insgesamt länger gedauert hat, als gedacht entscheiden alle Trainer, dass die Pferde in den Stall sollen und die Teilnehmer ins Bett. Am nächsten Tag ist der Treffpunkt wieder am Schwarzen Brett um 10 Uhr. Die Müdigkeit steht allen im Gesicht, doch so ist das. Das Leben mit Pferden ist hart und kurze Nächte sind vorprogrammiert.

      Lina
      “Guten Morgen, alle zusammen. Im Gegensatz zu gestern seht ihr heute ja alle sehr Munter aus”, begrüßte Herr Holm alle Teilnehmer. In der Hoffnung, dass wir heute wieder am Training teilnehmen dürfen, lungerten Samu und ich in der Nähe der Gruppe rum. “Heute steht folgendes auf dem Plan: Da wir ja gestern eine Dressureinheit hatten, steht heute das Springen auf dem Plan. Für alle die keine Springpferd haben oder nicht mit ihrem Pferd am Training teilnehmen wollen, besteht die Möglichkeit ein Pferd geliehen zu bekommen, dafür meldet ihr euch bei Frau Montrose. Das Training ist für alle verpflichtend. Egal, ob ihr eigentlich Springt oder nicht. Das Training heute soll das gegenseitige Verständnis für die Disziplinen der anderen fördern. Heute Nachmittag, dürfen dann die Gangreiter dann mal zeigen, was sie darauf haben. Wir haben hier zwar keine Ovalbahn, aber eine längere Galoppstrecke rund um den Vielseitigkeitsplatz. Dabei sind alle die nicht selber reiten verpflichtet sich das ganz anzusehen.” Er sagte noch wann und wo sich getroffen wird und danach stürzen sich wie immer alle, auf das Schwarze Brett um zu sehen wann sie mit wem reiten. “Duu, ich glaube Jace wollte sich gestern bei mir entschuldigen”, erzählte ich Samu müde und gähnte herzhaft. “Das hat mich einfach nicht schlafen lassen, ich hoffe ich fall nicht vom Pferd”, jammerte ich Samu an.

      Vriska
      ‘Det är lite för tidigt för mig. (Es ist zu früh für mich)’, denke ich mir, als ich mit meinem Kaffee in der Hand und noch in der Freizeitkleidung zur Besprechung komme. Herr Holm hat bereits angefangen zu sprechen und mustert mich, als ich mit der Kapuze über den Kopf mich in die Truppe stelle. Dann redet er weiter.
      “Dann kannst du heute mal zeigen, was du nicht kannst”, muckt Max auf. “Mh?”, hinterfrage ich nur und dann verstummt er wieder. Offenbar wollte er wieder eine Diskussion beginnen, doch darauf habe ich jetzt gerade echt keine Lust.
      Während alle zum Brett gehen, um zu gucken in welche Gruppe sie sind, warte ich deutlich Abseits von allen. Frau Wallin kommt zu mir.
      “Wie siehst du den aus? Hättest du dir nicht wenigstens was richtiges anziehen können. Wenn es so weitergeht mit dir, muss ich deinen Chef anrufen.”, droht sie mir und erwartet eine Erklärung. Ich murre sie an und sage nichts.
      “Vriska, ich meine das Ernst. Du bist keine 15 mehr.”, fügt sie hinzu und geht. Jeder Schluck Kaffee scheint mir mehr Energie zu geben, die ich jedoch bei jedem Atemzug wieder verliere.
      Alle haben auf dem Zeitplan geguckt, nur ich stehe in der Gegend herum. “Allvarligt (Ist das dein Ernst)”, schreie ich. Frau Wallin dreht sich wieder zu mir um. Ihre Blicke scheinen mir einen Dolchstoß zu geben. “Skynda dig, Vriska (Beeil dich)”, zischt sie mich an.
      “Behöver du hjälp? (Brauchst du hilfe?)”, fragt mich jemand und ich merke eine Hand auf der Schulter. Blitzartig drehte ich mich um. Niklas steht hinter mir und funkelt mich mit seinen Augen an.
      “Klar, warum nicht”, sage ich aus der Leere meines Gesichtes heraus. “Aber ich muss mich erst mal umziehen”, füge ich hinzu. Er folgt mir. Vor dem Bungalow schlage ich Niklas die Tür vor der Nase zu. Ich höre ein mürrisches Knurren, aber davon nicht beeinflusst wechsle ich die Kleidung. Wenige Minuten später laufen wir in den Stall zu Glymur, der noch immer in seiner Box steht. Sauber machen, kann ich nach dem Unterricht.
      “Bist du schon mal gesprungen?”, fragt Niklas mich neugierig, während ich meinem Hengst das Halfter umlege und aus der Box heraus führe. An seinem Schweif zieht er das Stroh hinter sich her. Ohne mir weiter darüber Gedanken zu machen, binde ich ihn an.
      “Ja, schon einige male. Mit Glymi allerdings noch nicht. Ich weiß allerdings, dass er es bis A kann.”, erkläre ich ihm, als ich an der Sattellage das Fell reinige.
      “Wenn du mir schon helfen willst, kannst du das Sattelzeut holen. Das muss da vorn sein, es steht mein Name dran”, sage ich abfällig zu ihm und zeige Richtung Sattelkammer. Er nickt und geht los. Wenig später haben wir zusammen mein Pferd fertig gemacht und laufen zum Reitplatz. Damit Glymur sich schon etwas aufwärmen kann, laufe ich mit beiden Zügeln in der Hand über seinen Hals dorthin. Er begreift schon worum es geht.
      “Hast du auf die Uhr geguckt?”, werde ich von Frau Wallin angefahren.
      “Ja, aber ich bin jetzt da.”, antworte ich genervt und steige auf. Niklas hält mir gegen und gurtet noch mal nach.
      “Tack (Danke)”, antworte ich und reite im Schritt los.
      “Ach Niklas. Vergreif dich doch nicht immer an den Erstis”, ruft sie Niklas zu, der sich an den Rand setzt und nicht weiter drauf eingeht.
      “So, da jetzt endlich alle da sind, können wir anfangen. Als erstes wärmt ihr eure Pferde noch etwas auf. In der Zeit wende ich mich jedem Einzeln zu.”, erklärt sie und guckt durch die Gruppe.

      Lina
      Ich war mit Nathalie schon am Schritt reiten als Vriska, auch endlich auftauchte, in der Begleitung von Niklas. Heute Morgen war sie schon zu spät bei der Ansprache gewesen. Sie sah weder besonders wach noch besonders begeistert aus. Nathalie stolperte und erinnerte mich somit daran mich auf sie zu konzentrieren. So schwer es mir auch fiel, wandte ich mit meine Gedanken von Vriska ab und konzentrierte mich auf die Scheckstute. Sanft treib ich Nathy an, sodass sie in den Trab fiel. Die Stute war heute relativ nervös und hitzig. Das sie heiß wurde, war normal bei Springen, doch so nervös hatte ich sie noch nie erlebt. “Ruhig Nathy, alles gut meine süße”. “Locker sitzen, Lina”, kam es von der Trainerin. Ich hatte gar nicht gemerkt wie angespannt ich war. “Und gib ihr mehr Zügel”. Ich versuchte mich ein wenig zu lockern und ließ den Zügel länger. Schon gleich hörte Nathalie auf mit dem Kopf zu schlagen und lief gleich ein wenig entspannter. Kurz darauf merkte ich auch was, besser gesagt, wer der Grund dafür war. Jace stand mit ein paar anderen Jungs zusammen am Zaun. Er war mit gestern Abend bei der letzten Heufütterung im Stall begegnet und hatte irgendwas von Entschuldigung und er sei ein Idiot gefaselt. Ich hingegen hatte ihn ignoriert, weil ich ihn zur Zeit lieber so wenig wie möglich sehen möchte. Natürlich hatte meine sensible Stute mein Stimmungsumschwung noch vor mir gemerkt. Die Scheckstute schnaubte, als wollte sie mich beruhigen. Um mich nicht weiterhin zu blamieren, weil es so schien, als sei ich zu blöd zum Reiten, fokussierte ich mich vollständig auf meine Stute. Ich begann Biegungen zu reiten damit sie lockerer wurde und nach ein paar Handwechseln begann sie abzuschnauben. Ich war so sehr auf Nathalie fokussiert, dass ich fast in Chris und seinen Wallach hineinritt. “Pass doch auf”, patzte er mich an. “Sorry”, murmelte ich zurück. “Was ist denn heute los mit euch. Der eine zu spät, der andere schafft es nicht mal geradeaus zu reiten”, schnautze Frau Wallin uns an. “Jetzt reißt euch zusammen und reitet vernünftig”. Scheinbar hatte nicht nur ich heute schlecht geschlafen.

      Vriska
      Es war nicht leicht, mich zusammenzureißen ohne Frau Wallin für ihre blöden Sprüche fertig zu machen. So gut es ging, konzentriere ich mich auf mein Pferd. Glymur spielt sich heute besonders auf, weil nur eine Stute mit auf dem Platz ist, die ihm offenbar immer wieder schöne Augen macht. “So mein Junge, entweder wir sind jetzt mal wieder ein normales Pferd oder ich lass dich hier alleine stehen”, ranze ich ihn an. Nervös schüttelt er mit seinem Kopf. Kurz gucke ich mich - niemand hat das kleine Gespräch mit meinem Pferd mitbekommen und ich treibe ihm vorwärts, damit er etwas aktiver vorwärts geht.
      “Okay Vriska, ich fange mit dir an. Als erstes trabst du mit deinem Pferd einige male über die Cavalettis. Danach gehen wir über zur Kombination. Dort trabst du über die zwei Cavalettis, galoppierst an und über den Oxer. Also los”, sagt meine Trainerin zu mir. Ich nicke und trabe Glymur an. Mit einer hohen Aufrichtung schwingt er seine Beine nach vorn und federt bei jedem Sprung gut ab. Mit meinem Gewicht lenke ich ihn zu den Cavalettis. Geland schwebt er über diese. Ich höre bestätigende Rufe von den Jungs. Ein kleines Lächeln erstrahlt mein Gesicht. Mehrere male haben die Cavalettis gut funktioniert und ich bereite mich mit Glymur auf die Kombination vor, deswegen galoppiere ich ich zunächst zwei Runden auf dem Zirkel, um seine Aufmerksamkeit zu testen. Alles gut, somit pariere ich ihn zurück in den Trab durch und peile die Kombination. Die beiden Stangen nimmt er mit bravour, ich galoppiere an, der Hengst macht einen kleinen Sprung, verfängt sich mit den Vorderbeinen im Oxer. Wir stürzen. Unkontrolliert fallen wir vorn’ über und er begräbt mich unter seinem Körper. In meiner Vorstellung liegen wir einige Minuten bewegungslos auf dem Boden. Ich spüre wie die Jungs zu uns gerannt kommen, Frau Wallin ruft bereits den Notarzt. Mit der wenigen Luft, die ich bekomme, taste ich die Beine von Glymur ab. Es scheint alles okay zu sein und er steht auf. Nur ich komme nicht hoch, doch Niklas kommt mir zu Hilfe. “Bleib’ liegen”, ruft er.

      Lina
      Ein krachen reißt mich aus meiner Konzentration und ich sehen nur noch wie Glymur seinen Reiter unter sich begräbt. “Oh, Gott Vriska”, rufe ich nur noch und bin im gleich Moment von der noch traben Nathalie gesprungen. Dies war so verdutzt, dass sie stehen blieb, wo sie war. Wie paralysiert laufe ich rüber zu der Unglücksstelle, wo sich die Jungs bereits versammelt hatten. “Vriska, geht es dir gut?”. Ich zitterte vor Aufregung und wollte mich durch die Jungs zu ihr vor wühlen, doch etwas hielt mich auf, jemand. Jemand hatte seine arme um mich geschlungen und hielt mich fest. “Lina, beruhig dich. So bist du nicht hilfreich”, redet jemand auf mich ein. “Beruhig dich”, sagte die Stimme. Ich atmete tief durch und braucht ein paar Augenblick um die Situation zu begreifen. Jace hielt mich fest umschlossen, denn ich zitterte wie Espenlaub. Glymur war inzwischen Aufgestanden und stand mit gesenktem Kopf etwas abwesend daneben. Nathalie stand immer noch verwirrt in der Ecke, nur dass sich inzwischen einer der Jungs zu ihr gesellt hatte. “Lina, hör mir zu. Du musst dich beruhigen, wenn du ihr helfen willst”. Jace hielt mich immer noch fest. Vom Hof her kam Luchy angelaufen um zu sehen, was passiert war. Ich sah wie Samu und Melina gerade aus der Halle kamen und ihr Pferde schnell in die Box brachten. Scheinbar hatte sich die Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitet. “Der Notarzt wird erst in 10 Minuten da sein. Solang darf sie sich nicht bewegen”, sagte Frau Wallin, die gerade das Gespräch beendet hatte.

      Nachdem der Krankenwagen samt Notarzt war, konnte kurze Zeit später Entwarnung gegeben werden. Vriska hat sich nur die Schulter ausgekugelt, eine Rippenprellung und einen Schocken. Über die Nacht muss sie noch im Krankenhaus bleiben. Währenddessen am Hof …

      Milena
      “Was ist denn passiert”, frage ich neugierig in die Gruppe.
      “Sei ruhig, das Thema hatten wir in den letzten Minuten so oft. Die Beiden haben den Abstand zwischen Cavaletti und Oxer unterschätzt und sind zusammen im Hindernis gelandet.”, entgegnet Niklas genervt.
      “Ist ja gut”, sage ich widerwillig.
      “So Leute, das ist schrecklich aber es ist nichts weiter schlimmes passiert. Wenn es euch emotional nicht allzusehr trifft, schnappt euch eure Pferde wieder und wir machen weiter im Plan. Etwas positives hat die Sache jedoch. Seid euch immer bewusst, was passieren kann und wie Schlimm ein Unfall enden könnte. Bleibt aufmerksam und denkt nicht, dass euer Pferd das alles regelt. Das Tier vertraut euch.”, sagt Herr Holm und geht zurück in die Reithalle. Mein Training ist bereits so gut wie zu Ende und ich bringe Kempa zurück in den Stall. Dort nehme ich den Beinschutz ab, bringe den Sattel zurück und gebe meiner Palomino Stute noch etwas zur Stärkung. Danach kann sie zurück auf die Weide. Zufrieden wälzt sie sich im trockenen Gras und trabt zu den anderen Stuten.
      Im nächsten Moment befinde ich mich in meinem Zimmer und überlege wie was ich in meiner freien Zeit machen kann. Nachher werde ich mit Snúra am Gangreiten teilnehmen, weil Kempa gestern schon genug tun musste. Es klopft. Neugierig gehe zur Türe, öffne. Vor mir steht Niklas vor mir.
      “Was machst du hier?”, frage ich überrascht.
      “Ich wollte dich sehen”, erwidert er und drückt mich in den Raum.

      Lina
      Nachdem Vriska versorgt war, hatte ich mich immerhin so weit beruhigt, um wieder auf mein Pferd zu steigen. Ich muss mich zusammenreißen, auch wenn das Gefühlschaos in meinem Kopf das recht schwierig machte. Das Training verlief sehr gut und ich hatte das Gefühl, dass Nathalie heute zu Hochform auflief. Nachdem Training versorgte ich die Gescheckte Stute und entließ sie auf die Weide. Nach der ganzen Aufregung beschloss ich mich meiner Lieblingstätigkeit, neben dem reiten zu widmen, allerdings nicht hier. Hier war zu viel los, besser gesagt hier ist zu viel Jace. Der Vorfall eben hatte mich reichlich verwirrt, nachdem er sich die letzten Tage zu genug demonstriert hatte, dass er weder ein Gewissen noch Interesse an mir hatte, war er heute so anders.
      Ich war auf mein Zimmer gegangen, um einen Rucksack zu holen, darin mein Zeichenzeug. Auf den Weg nach unten begegnete mir Samu. “Hey, alles ok bei dir?”, fragte er besorgt. “Ja, alles gut ich brauch nur etwas Zeit für mich”. “Kann ich dir irgendwie helfen?”, fragte der Finne. “Eigentlich nicht…. Könntest du vielleicht Legolas übernehmen?, der Rest ist versorgt”, fragte ich ihn zögerlich. Zielsicher schlug ich den Weg zu den Koppel ein und erblickte am Waldrand einen weißen Fleck. Leise betrat ich die Wiese und ging auf das weiße Pferd zu. Sobald er mich kommen hörte, hob er den Kopf. “Na komm mein kleines Einhorn”, flüsterte ich eher als ich reif. Der Hengst setzte sich in Bewegung und kam auf mich zu getrottet. Ich zog mich auf seinen Rücken, ritt von der Weide runter und schloss das Tor hinter mir. “Na los mein hübsche, du weißt wohin”, flüsterte ich dem Freiberger zu. Zuverlässig schlug der Hengst den richtigen Weg ein. Allein seine weiche Mähne unter meinen Fingern beruhigten meine Gefühle soweit, dass ich das alles für eine Weile vergessen konnte.

      Vriska
      Langsam erwachte ich. Aber wo bin ich. Für mich verging eine Ewigkeit bis ich realisiert habe, dass ich im Krankenhaus liege. Rechts neben mir stehen einige Maschienen, die immer wieder komische Piep-Geräusche von sich geben.
      “Hallo?”, rufe ich in der Hoffnung, dass jemand kommt. Wenig später kommt ein Arzt rein, er stellt sich als mein behandelter Arzt vor. Dann erzählt er mir, was passiert ist. “Kann ich jemanden anrufen?”, frage ich erschöpft. Er nickt und zeigt auf das Telefon neben meinem Bett, daraufhin verlässt er den Raum. Kurz dreht sich mein Arzt noch mal um. “Wenn was ist, drück den Knopf neben deinem Bett. Dann kommt eine Schwester. Und Essen gibt es in einer Stunde”, fügt er hinzu. Dann schließt er die Tür.
      Ich versuche mich aufzurichten, aber meine Schulter schmerzt stark und auch das Atmen fällt mir schwer. Langsam bewege ich meinen rechten Arm zum Telefon und wähle die Nummer vom Büro. Tut. Tut. Tut. Stille. “Lindö Dalen Stuteri, Vad kan jag göra för er? (Was kann ich für Sie tun)”, höre ich Tyrell sagen.
      “Tyrell … ich bin’s”, flüstere ich. Meine Erschöpfung hört man deutlich raus.
      “Gut, dass du anrufst. Weißt du eigentlich, was ich mir für Sorgen gemacht habe?”
      “Tut mir Leid. Skit händer, va? (shit happens)”
      “Jetzt erzähl’ mir bitte, woran du dich noch erinnerst und wie es dir geht.”
      “Ich kann nicht so gut atmen und mir tut die Schulter weh. Was passiert ist. Mhm. Glymur und ich haben den Abstand zwischen Oxer und Cavaletti zu Lang eingeschätzt, er hat mir vertraut und wir sind gefallen. Dann wachte ich im Krankenhaus auf. Der Arzt sagte, dass ich mir meine Schulter ausgekugelt hatte und einige meiner Rippen geprellt sind. Ich habe keine Gehirnerschütterung. Jag börjar bli trött. (Ganz ehrlich, ich bin einfach nur müde)”, erläutere ich ihm. “Gå till sängs. (Leg dich schlafen)”, antwortet er mir.
      Ich lege den Hörer beiseite und schlafe ein.
      “Miss Isaac! You’re food is ready”, weckt mich eine nette Dame. “Ah, thank you”, bedanke ich mich und richte mich langsam auf. Noch immer liegt er Hörer neben mir. Ich hänge ihn zurück in die Halterung und beginne an zu Essen.

      Lina
      Zuverlässig hatte Divine mich an mein Ziel gebracht. Wir waren gerade aus den Vorhang aus Pflanzen geglitten. Dahinter lag die wunderschöne Lichtung, an die ich mich gerne zurückzog. Das hier ist mein Refugium. Sacht glitt ich vom Rücken des Weißen Hengstes und meine Füße berührten das weiche Gras. Ich blieb einen Moment stehen und atmete durch, während ich den Stab beobachte wie er glitzern durch die Sonnenstrahlen flirrte, lauschte den Geräuschen um mich herum. Divines leises atmen, der Wind der sacht durch die Blätter fuhr und etwas entfernt, der Bach der gurgelnd über die Steine floss. Ich merkte wie das Gefühlschaos in mir endgültig abebbte und sich mein Körper entspannt. Ich ließ mich auf dem alten bemoosten Baumstumpf nieder und nahm meinen Zeichenblock aus dem Rucksack. Ein zerknittertes Blatt fiel heraus und blieb auf dem Gras liegen. Neugierig stapfte Ivi näher und stupste das Blatt an. Ich wusste was drauf war und sogleich kam das Gefühlschaos in mir wieder hoch. Zitternd streckte ich meine Hand danach aus. Ich hob es auf und strich es glatt. Die Zeichnung zeigte einen jungen Mann auf einem Pferd. Da war er wieder Jace, wie ein Geist der mich heimsucht. Wütend zerknüllte ich das Blatt und warf es fort. “Muss er mich denn überallhin verfolgen?”, fragte ich … ja wen eigentlich mich, das Pferd was vor mir stand und mich fragend und freundlich aus seinen großen braunen Augen anstarrte. “Tut mir leid mein hübsche, du kannst ja nichts dafür”, wehmütig strich ich dem Freiberger den Schopf aus der Stirn. Freundlich rieb er den Kopf an meiner Schulte und schubste mich fast von meinem Baumstumpf. Gedankenverloren streichelte ich den Kopf des Pferdes. Nach einer Weil löste ich mich von dem Hengst und begann zu zeichnen.

      Am Nachmittag bereiten sich die Gangreiter mit ihren Pferden auf das besondere Training vor, während alle anderen herzlich Eingeladen sind das Geschehen mitzuerleben. Vriska liegt im Krankenhaus unter Beobachtung. In der Zeit hatten Milena und Niklas einen gemeinsamen, sehr intensiven, Nachmittag. Er hat sein Springtraining verpasst und die Trainer haben ziemlich schlechte Laune. Wirklich schlechte Laune.

      Milena
      Im Stall stehen wir bereit und bekommen erste Einweisungen von Frau Wallin, die mich konstant ignoriert und somit meine Frage nicht beantwortet, ob wir frei reiten sollen, um die Rasse zu präsentieren oder ernsthaftes Training vor uns steht. Es fällt mir ziemlich schwer ihrem Gesprochenen zu Folgen. Auch meine Stute Snúra scharrt nervös mit dem Huf. In meinem Kopf schweben tausend andere Dinge herum, als an das zu denken, was gleich passiert.
      “Ich wette mit dir, dass Vriska sich nur vor der Blamage bewahren wollte, die ihr jetzt passiert wäre”, flüstert Max mir zu, der mit Blá an mir vorbei läuft. Zu langsam begreife ich, was er wollte, um zu antworten. Linh kommt zu mir.
      “Denkst du Vriska geht es gut?”, fragt sie mich freundlich.
      “Ich weiß es nicht. Wir hatten vor zwei Tagen einen Streit und haben seitdem nicht viel miteinander gesprochen. Aber ich denke ja, sonst wäre die Stimmung eine andere und die vom Rettungsteam haben ja gesagt, dass sie nochmal Glück gehabt hat.”, antworte ich ihr.
      “Håll käften! (Halt die Klappe)”, mault mich Frau Wallin an, als ich kichern mit Linh ankomme. Die hat echt ein Problem mit mir. Linh entfernt sich mit Móra direkt von mir und steigt etwas weiter weg auf ihre braune Stute auf.
      “So ihr lieben. Ich freue mich, dass alle da sind. Wir beginnen erstmal mit etwas einfachen - Warmreiten. Unsere Gangreiter zeigen euch jetzt, wie sie die Gangpferde auf die nachfolgende Prüfungssituation erwärmen. Als erstes Starten wir mit einer Viergangprüfung und danach folgt eine Fünfgangprüfung. Darum bitte ich, dass alle mit einem Fünfgänger während der V3 in die Mitte kommen. Zum Ende, nach einer kleinen Pause, reitet ihr eine T3. Bei Fragen aus dem Publikum stehe ich gerne zur Verfügung. Ich werde die Prüfungen kommentieren, damit ihr einen Eindruck habt, wer richtig mit seinem Pferd umgeht und wer nicht. Am Ende werde ich auch Noten verteilen. Als Hinweis für die Teilnehmer - die Note wird bereits in eurem Portfolio eingetragen, also strengt euch an. Viel Erfolg”, sagt Frau Wallin an und stellt sich an den Rand.
      Ich merke jetzt erst, dass wir nur Linh für die V3 haben, da Kempa und Blávör Fünfgänger sind.

      Jace
      Seit heute Vormittag hatte ich Lina nicht gesehen. Auch bei der Gangvorführung sah ich sie nicht, so langsam mache ich mir Sorgen um sie. Samu stand etwas abseits mit Jayden und Luchy. Auch wenn ich mir Sorgen um Lina machte, mit ihm wollte ich heute lieber nicht reden. Ich wusste, dass er immer noch sauer war wegen der Sache, die am ersten Abend vorgefallen war. Nervös stand ich an der Bande und spielte mit meinen Fingern.

      Milena
      Im Schritt bereite ich Snúra auf den Tölt vor, immer wieder halte ich sie an und reite dann an. An der kurzen Seite Stelle ich sie mit der Schulter herein, um die Vorderhand elastischer zu machen und die Hinterhand aktiver. Meine Blicke schweifen immer wieder zu Linh, die mit Móra auch Übungen macht, jedoch ist ihre Stute deutlich interessierter und engagierter als Snúra, die jeden Schritt als eine Qual empfindet. Obwohl sie sehr arbeitswillig ist, zeigt schon jetzt nicht ihre Höchstform.
      “So ihr lieben. Linh zeigt nun die V3 mit Móra.Viel Erfolg”, sagt Frau Wallin an. Max und ich steigen von unseren Pferden und gehen in die Mitte.
      “Für alle, die die Prüfung nicht kennen, werde ich kurz diese Spezielle Prüfung erklären. Die V3 wird normalerweise in einer Gruppe von 3 bis 5 Reitern geritten. Es gibt 5 Aufgabenteile, wobei die schlechteste Note aus Aufgabenteil zwei bis vier gestrichen wird, sodass die Gesamtnote sich aus vier Einzelnen Noten zusammensetzt. Die Noten werden direkt nach der Prüfung präsentiert. Genaueres kann auf dem Notenzettel bei der Meldestelle eingesehen werden. Auf einem Turnier richten drei Sportrichter. Heute bin ich allein.”, erklärt sie. Das Publikum klatscht.
      Gespannt beobachte in Linh. Móra steht und sie atmet tief durch. Aus dem Stand tölten die Beiden an.
      “Die Prüfung beginnt”, sagt Frau Wallin an.
      “Wir sehen nun das ruhige Tempo Tölt, im vergleich zum langsamen Tempo kann das Pferd etwas schneller vorwärts. Das schwierige an den langsamen Bewegungen ist, dass der Reiter mit seinen Hilfen den Isländer im Takt hält, ohne Steif dabei zu werden. Für das Pferd ist es eine große Anstrengend. Die Hinterhand sorgt für den nötigen Schwung, um die hoch weiten Bewegungsabläufe der Vorderhand zu unterstützen und den Reiter dementsprechend zu tragen.
      Linh du machst das Super. Weiter so.”, lobt die Trainerin.
      Vorsichtig gucke ich zu Max, der Linh die ganze Zeit ziemlich komisch nachschaut. Aber das geht mich nichts an. Als ich durch die Zuschauer gucke, fällt mir auf, dass Niklas nicht da ist. Anna auch nicht. In meinem Kopf eröffnen sich plötzlich tausende Szenarien, wo die Beiden sind und warum er vorhin mit mir im Zimmer war.
      “So, nun folgt Aufgabenteil zwei. *Pause* Langsames bis mittleres Tempo Trab. Bevor ich dazu komme, möchte ich noch Anmerkungen zum ersten Teil geben. Móra war an einigen Stellen, besonders beim Wechsel von der kurzen zur langen Seite, zu schnell und verlor den Takt. Nichtsdestotrotz konnte Linh sie immer wieder gut Auffangen. *Pause* Im Aufgabenteil zwei, kann der Reiter selbst entscheiden, ob er aus dem Tölt in den Trab umstellt oder vorher noch einmal in den Schritt durchpariert. Jedoch sind nur wenige Schritte im Schritt zulässig. Bevor ihr euch fragt: Die Prüfung wird nur auf einer Hand geritten, bei der Nennung kann der Reiter selbst entscheiden, ob er auf der linken Hand oder rechten Hand vor reitet. Linh stellt Móra rechts vor. Der Vorteil dabei ist, dass die meisten Nennungen auf der linken Hand, somit ist es wahrscheinlicher das man rechts alleine die Prüfung reiten kann.”, erzählt Frau Wallin.
      Die restliche Zeit höre ich nur noch wenig zu. Linh reitet Móra natürlich hervorragend vor und es ist nur mit einer sehr guten Note zu rechnen. Sogar den schnellen Tölt meistern die Beiden, als wäre es das leichteste auf der Welt.
      “So, nun kommen wir zum Ende. Linh und Móra haben euch heute eine großartige Leistung gezeigt. Ich vergebe hierfür eine 7,9. Wie schon am Anfang gesagt, ist Móra teilweise im Tölt zu schnell geworden und im schnellen Tempo ging der Takt stellenweise verloren. Im Trab war so gut wie alles perfekt, aber du klammerst dich noch zu sehr am Zügel, sodass der Kontakt immer wieder zu stark am Pferdemaul war. Der Schritt war sehr gut gefedert mit einer schönen Haltung deiner Stute. Der Galopp ist noch ausbaufähig. Doch wir wissen Beide, dass das euer Problem ist. In den Kurzen wurde sie immer zu schnell und es schien, als hättest du die Kontrolle über ihr Tempo verloren. Aber im Großen und ganzen eine sehr gute Leistung. *Pause* Du kannst noch einige Runden Schritt reiten und dann folgen die Fünfgänger. Bitte reitet eure Pferde auch noch etwas im Schritt. Ich sage dann wann es los geht.”, unterbricht mich Frau Wallin in meinen Gedanken. Ich beobachte, wie sie sich dem Publikum zuwendet und einige Fragen beantwortet. Währenddessen gurte ich den Sattel von Snúra noch einmal nach und steige auf. Komischerweise hält Max mir gegen und ich nicke ihm freundlich zu. Es scheint, als würde er merken, dass etwas nicht stimmt.

      Jace
      Mir ließ das ganze keine Ruhe. Nachdem die erste Reiterin die Vorführung beendet hatte, verließ ich die Halle. Nervös tippe ich eine Nummer in mein Telefon. “Na los Alec, nimm schon ab”, raunte ich während ich nervös auf und ab lief. Es tutute zweimal dann nahm er endlich ab. “Alec”,rief ich in das Gerät. “Was ist los Jace, warum bist du so aufgeregt?”, kam es ruhig wie immer von der anderen Seite. Alec hatte das Talent total gelassen zu bleiben. “Es ist wegen Lina, ich habe sie seit heute Morgen nicht gesehen”, sagte ich und fuhr mir durch die Haare. “Jace, jetzt beruhig dich erst mal. Hast du einen von den Anderen gefragt?”, sagte er mit ruhiger Stimme. “Divine fehlt, Alec was ist, wenn ihr etwas passiert ist”. “Ganz ruhig Jace, ich bin eh auf dem Weg zu euch. Beweg’ dich nicht vom Fleck bis ich da bin, verstanden! Ich bin in 10 Minuten da”, kam es nur recht gelassen von ihm zurück. “Ok”, sagte ich kurz angebunden und legte auf. Ich rannte zur Koppel um Fashion Girl und Black Lady von der Koppel zu holen. Im Trab ging es mit den Stuten zurück wo ich sie vor dem Torstall anband. Gerade als ich mit den Tresen in der Hand aus der Sattelkammer kam, rollte Alecs Wagen vor, was mich zum Stehen brachte. “Jetzt mal ganz ruhig Jace”, sagte Alec während er ausstieg. “Hast du überhaupt überall auf dem Hof geschaut?”, fragend sah er mich an. “Ja, hab ich, also ich gebe ja zu manchmal bin ich ein Idiot, aber nicht Grenzdebil”, antwortete ich ihm ein wenig patzig. “Ok, ist ok Kleiner”, mit einem Grinsen klopfte er mir auf die Schulter. Du bleibst hier und ich gehe mal Samu fragen, ob er weiß, wo sie ist und mach’ keine Dummheiten bis ich wieder da bin ja. ich habe keine Lust dich zum hunderstenmal aus der Scheiße zu ziehen”. Für meinen Geschmack war sein dämliches Grinsen viel zu breit. Natürlich dachte er mal wieder ich übertreibe nur. Etwas grummelig wartete ich also auf meinen vielleicht nicht mehr besten Freund. Um nicht aus zu rasten, kraulte ich Fashion Girl die weiße Stirn und entspannte mich einen wenig.
      Nicht mehr ganz so entspannt war ich allerdings, als Alec, Samu und Jayden zusammen zurückkamen. “Was ist los, ihr wisst auch nicht wo sie ist?”, fragte ich und blickte Samu an. “Nein Jace, aber Ersten ist sie alt genug um allein zu entscheiden, was sie tut und zweitens wollte sie etwas Abstand von dir”, sagte er, wobei den letzten Teil betonte. “Und genau deshalb, wirst du hier bleiben während Alec, Jay und ich sie suchen gehen. Verstanden!” grummelte mich der Finne an. “Da müsst ihr mich hier schon anbinden”, ranzte ich ihn an. “Jace!”, ermahnte mich Alec und warf mich einen scharfen Blick zu. “Ist ja ok”. Somit verkrümelte ich mich also, da ich ja gerade von der Suche, die ich angezettelt hatte ausgeschlossen wurde.

      Alec
      Nachdem ich dafür gesorgt hatte, dass Jace blieb, wo er war, Stieß ich wieder zu Jayden und Samu, die bereits Girly, Lady und Flanell fertig gemacht hatten. “So wen von den drei bekomme ich”, fragte ich neugierig. “Du hast heute die Ehre Flany zu reiten”, sagte Jayden. “Na dann los”, sagte ich fröhlich. Ich bin mir ziemlich sicher, Jace hat heute mal wieder übertrieben und Lina ist einfach nur gemütlich ausreiten und hat die Zeit vergessen. Ist mir auch schon öfters passiert.

      Zur gleichen Zeit im Krankenhaus …

      Vriska
      Das Essen war ziemlich gut, sogar richtig Knorke. Als ich es mir wieder bequem machen wollte in dem Krankenbett klingelt das Telefon.
      “Isaac?”, gehe ich neugierig an’s Telefon.
      “Hej Kleine, hier ist Folke. Der alte Sack vom Hof”, scherzt er am andere Ende der Leitung.
      “Freut mich dich zu hören, was ist los?”
      “Tyrell meinte, dass du die Aufmunterung gebraucht kannst, deswegen dachte ich, dass ich anrufe und dir vom Terrortinker erzähle. Also, Hedda und Eorann machen ziemliche Fortschritte …”, ich unterbreche Folke.
      “Halt, Stop. Wer ist Eorann?”, frage ich schockiert.
      “Ach, ich hatte dir noch nicht erzählt, das ich eine Freundin habe? Sorry. Wird wohl untergegangen zu sein. Wir sind seit ungefähr zwei Wochen zusammen”, klärt er mich auf.
      “Ich bin seit knappen vier Tagen nicht da und gefühlt bricht die ganze Welt auseinander?”
      “Du weißt doch, dass ich nicht der Typ bin, der das allen unter die Nase hält. So wo waren wir, ach ja. Eorann und Hedda arbeiten täglich mit Holy. Besonders das longieren, bei dem du geholfen hast, dass ihr Nahezubringen, macht meiner Schwester besonders viel Spaß. Die Stute lernt extrem schnell und verlangt sogar jeden Tag neue Übungen zu machen. Wir müssen jedes Training anders gestalten, damit sie nicht auf blöde Gedanken kommt. Schön ist auch, dass wir mit ihr üben in der Box zu stehen. Heute stand sie bereits eine Stunde ohne Aufsicht. Erst als wir wieder kamen, wollte Holy die Box zerlegen. Auf der Weide hat sie etwas Futter bekommen. Morgen wollen wir dann zum See gehen, etwas Schwimmen, weil ihr das so gefällt im Aquatrainer.”, erzählt Folke mit viel Freude.
      “Toll, ich weiß nicht was ich sagen soll. Ich macht das toll. Leider muss ich dann auch auflegen, dass Atmen fällt mir schwer und möchte gern wieder zum Hof.”, antworte ich ihm. Er verabschiedet sich und legt auf. Vorsichtig packe ich den Hörer beiseite. Innerlich geht mir einer ab, weil Holy sind in den wenigen Tagen immer besser entwickelt. In mir geht wieder die Hoffnung auf, dass die Stute noch ein gutes Reitpferd wird für Hedda.

      Zurück auf dem Hof, machen sich Milena und Max für die Fünfgangprüfung bereit. Doch Vriskas beste Freundin ist sehr nervös und das überträgt sich natürlich auch auf Snúra, die entspannt im Schritt vorwärts rennt. Dabei fällt sie immer wieder auf die Vorderhand.

      Milena
      “Diese F2 ist auch eine spezielle Prüfung, da die Noten vom Aufgabenteil Tölt und Rennpass verdoppelt werden. Allerdings wird nur zweimal Pass gezeigt. *Pause* Hier im Tölt sieht man gut, wer ein besseres Team mit dem Pferd bildet. Max sitzt entspannt auf Blávör, die ein aktives Ohrenspiel hat und konzentriert im guten Takt vorwärts läuft. Snúra von Milena hingegen schlägt hektisch den Kopf von links nach rechts und möchte sichtlich der Situation entfliehen. Für sowas gibt es bei der Benotungen ein Minus, bei besonders guten Leistungen wie Linh mit Móra im Trab, gibt man ein Plus. Sollte es einem Noten Gleichstand im Finale geben, wird nach solchen Faktoren geguckt, um den ersten Platz ermitteln.”, klärt meine Trainerin das Publikum auf. Es ist mir unangenehm, dass ich es nicht schaffe Snúra gerecht zu werden. Aus dem Frust heraus bremse ich ab, steige ab und verlasse die Reithalle. Das will ich mir nicht mehr geben. Im Paradeschritt schreite ich mit Snúra zum Stall. Aus der Halle höre ich nur irgendwas von Disqualifiziert und einer 6, aber das nehme ich so hin. Im Stall lasse ich mich mit dem Rücken an einer Box fallen. Der kalte Boden kühlt förmlich meinen ganzen Körper ab. Ich bin komplett durchgeschwitzt. Das war zuviel für mich. Snúra schubert sanft an mir. “Alles gut meine Hübsche, es liegt nicht an dir. Ich bin das Problem”, sage ich und streiche ihr langsam über den Nasenrücken.

      Alec
      “Mal abgesehen davon ,dass Jace heute ein aufgekratztes Huhn ist. Was ist denn so bei euch auf dem Hof los?”, fragte ich die beiden Jungs, während wir Seite an Seite durch den Wald ritten. “Ziemlich viel Trubel”, antwortete Samu. “Naja und ein paar hübsche Mädels schwirren hier auch rum, aber da bist du ja zum Glück keine Konkurrenz”, fügte Jayden fröhlich hinzu.
      “Jay, sei kein Jace, das sind unsere Gäste”, ermahnte ihn Samu. “Ach, die Jungs sehen auch nicht schlecht aus”, kommentierte ich lachend. “Aber der hübscheste von allen wartet Zu Hause auf mich”. Flanell schüttelte den Kopf und schnaubet. “Entschuldigt eure Majestät, ihr seid natürlich der Hübscheste”, fügte ich lachend hinzu und strich ihm über den grauen Hals.

      Lina
      Meine Finger zeichneten von ganz allein, bis Divine den Kopf hob und ein leises Wiehern Ausstoß.”Was ist mein großer, was hörst du?”, fragend beobachtete ich den Hengst und lauschte. Ganz entfernt hörte ich Hufgetrappel. Wer könnte da bloß sein? Außer mir und Samu kennt keiner diesen Ort. Auf einmal merkte ich, dass die Sonne verschwunden war. Wie lange hatte ich hier gesessen. Das Hufgetrappel kam näher und mischte sich nun mit Stimmen. Schnell packte ich meine Sachen ein und wollte schon gehen, als Ivi das Zerknüllte Papier anstupsen. Schnell warf ich auch das in meinen Rucksack. Niemand durfte das finden, vor allem nicht Jace. Ich lauschte einen Moment, ich kannte die Stimmen. Alec und Samu waren definitiv dabei und noch ein weiterer, aber das konnte ich nicht ganz zuordnen.

      Alec
      “Wartet wir sind fast da, weiter reiten wir nicht”, sagte Samu. “Wo sind wir fast?”, fragte ich. “An ihrem Lieblingsort”, antwortete der blonde Finne kurz angebunden und wollte gerade an mir vorbeireiten. “Nein, ihr zwei wartet hier. Ich weiß, du bist ihr bester Freund Samu, aber wenn sie nicht Mal dir gesagt hat, wo sie ist, war das vermutlich Absicht. Ich gehe”, sagte ich und trieb Flanell an Samus Pferd vorbei. Ich folgte einem kleinen Trampelpfad, bis zu einer Stelle, wo ein Pflanzenvorhang war. “Lina, bist du da?”, rief ich. “Wenn du Jace dabei hast, könnt ihr euch direkt wieder verpissen”, kam es als Antwort. “Nein, nur ich”, antworte ich ihr, dann war es einen Moment still.
      Nach ein paar Minuten kam erst ein weißer Pferdekopf und dann auch Lina durch den Vorhang aus Efeu. “Oh, wer ist denn der hübsche Kerl?”, fragte ich sie um sie nicht gleich mit dem eigentlichen Grund der Suche zu konfrontieren. “Das ist HMJ Divine, hat dir nicht irgendeiner von diesen Hirnis schon von ihm erzählt?”, fragte sie brummig. “Ja, .. einer von den Hirnis, hat mir bereits von ihm Berichtet. Darf ich erfahren, warum sie Hirnis sind?”, fragte ich vorsichtig. “Wenn du mir eine Umarmung gibst und die anderen beiden weg schickst, erzählt ich es dir vielleicht auf dem Rückweg”, murmelte sie.

      Milena
      “Alles gut bei dir?”, fragt Herr Holm, der den Stall betritt.
      “Nein, nichts ist gut. Niklas ist ein Arsch, ich kann nicht reiten und meine eigentlich beste Freundin will nichts mehr von mir wissen. Ich will das nicht mehr”, antworte ich offen mit einigen Tränen in den Augen. Er setzt sich zu mir.
      “So ist das mit den Älteren, die denken nur das eine, wenn sie euch jungen Mädchen seht. Und wegen Vriska. Morgen sollte sie eigentlich wieder hier sein, dann braucht sie sicher auch deine Hilfe. Mach’ dir nicht so einen Stress. Ich werde mit Frau Wallin auch noch mal reden, ob du später noch mal einen Leistungstest machen kannst”, bietet er mir an und reicht mir die Hand zum aufstehen.
      “Tack”, bedanke ich mich. Er nickt mir freundlich zu und geht. In mir ist neuer Mut geschöpft, vielleicht auch, weil ich mit jemanden drüber sprechen konnte. Zufrieden schnaubt Snúra ab.Ich nehme ihr das ganze Reitzeug ab und bringe sie auf die Weide. Dort steht Niklas. Das hat mir gerade noch gefehlt. Gekonnt versuche ich ihn zu ignorieren, aber als ich das Tor öffnen möchte, hält er mich am Arm.
      “Vorhin war schön”, sagt er und zieht mich an ihn heran. Ich versuche mich zu befreien aber er hält mich fest.
      “Was willst du?”, entgegne ich ihm genervt.
      “Dich”, antwortet er und küsst mich. In mir schaltet sich alles ab.
      Im nächsten Moment lässt er mich los und geht.
      “Va fan, din jävel? (Was soll das, du “Mistkerl”?)”, rufe ich ihm zurück. Kurz dreht er sich um und streckt die Zunge heraus, dann geht Niklas weiter. Das soll mal einer verstehen. Snúra hat sich in der Zeit neben der Weide einige Grashalme gesucht.
      “Komm’, geh’ lieber bei deinen Kameraden fressen”, sage ich zu ihr und löse den Strick vom Halfter. Im Trab geht sie zu den Anderen. Pferd müsste man sein, denke ich und setze mich an den Rand. Ich stelle meine Beine auf und lege meine Arme um diese. Es fühlt sich nicht richtig an, was macht der mit mir. In dem einen Moment, ist er der beste Mensch der Welt und im anderen zieht er mich alles unter den Beinen weg, ich stürzte in ein Loch.
      “Milena?”, höre ich jemanden meinen Namen sagen. Ich drehe mich um. Linh kommt mit Móra. Direkt an der Weide nimmt sie das Zeug vom Pferd runter und lässt sie zu den Anderen.
      “Was war denn heute los mit dir? Du bist doch sonst so gut mit Snúra unterwegs”, fragt sie und stellt sich neben mich.
      “Ach … Männer”, antworte ich trocken.
      “Milena, wir sind wegen der Pferde hier. Nicht wegen der Typen. Die haben alle nichts im Hirn außer … ihren primären Geschlechtsorganen.”, sagt sie und lacht.
      “Du drückst dich immer so gediegen aus”, antworte ich ihr.
      “Wenigstens lachst du jetzt. Komm, wir gehen zu dir auf’s Zimmer. Zu mir wäre doof, da ist Anna”, sagt sie. Zusammen gehen wir und machen etwas zu essen.

      Alec
      Ich hatte die beiden Jungs weg geschickt und noch einen Moment mit Lina gewartet, bevor wir aufstiegen. “So, jetzt sind wir allein”, sagte ich zu der Frau auf dem weißen Hengst. “Mmmm, also das wichtigste weißt du ja schon, aber eigentlich ist da noch viel mehr”, druckste die junge Frau rum. “Also genaugenommen hat das ganze angefangen, als ich mit Divine aus Schweden zurückgekommen bin. Ich fasse es mal kurz zusammen. Ich habe ihn meine Lebensgeschichte und Ängste offenbart. Er hat mit mir geflirtet. Ich hab ihm gesagt ich liebe ihn, aber ich brauche Zeit. Dann war alles soweit gut und naja den Rest kennst du, dann hat er mit einer Anderen rumgemacht und sich wie ein Arsch benommen”, alles kam aus ihr wie ein Wasserfall. “Mmm .. ok ich kann eindeutig verstehen, warum du nichts mit ihm zu tun haben willst. Weißt du was, wir beide machen uns einen schönen Abend und morgen, werde ich mir mal Jace vornehmen”, sagte ich zu Lina. “Das klingt nach einer grandiosen Idee”, nach dem Gespräch wirkte Lina schon gleich ein wenig fröhlicher und begann mir von Divines Training zu erzählen.

      Jace
      “Wir haben deine angebetet gefunden”, rief Jayden als er die Stallgasse betrat in der ich gerade mistete. “Aber wie es aussieht, möchte sie gerade mit niemandem außer Alec reden. Also viel Spaß, allein”, sagte er und verschwand sogleich wieder. Immerhin hatten die drei sie gefunden. Irgendwie war ich erleichtert, aber gleichzeitig war ich auch ein wenig enttäuscht, dass ich wohl keine Chance haben würde, mein Fehler wieder gut zu machen.

      In der Halle war das Training wirklich zu Ende und die Sonne untergegangen. Das gemeinsame Abendessen steht nun auf dem Plan. Langsam aber sicher trudeln alle an und Herr Holm möchte der ganzen Truppe was ansagen. Während dessen im Krankenhaus bei Vriska.

      Vriska
      Das halte ich nicht mehr aus. Ich will hier weg. Spontan fasse ich die Entscheidung mich selbst zu entlassen.
      “Hello?”, rufe ich. Eine Krankenschwester betritt den Raum. Ich erkläre ihr die Situation und sie holt den Arzt.
      “Frau Isaac, sie müssen noch beobachtet werden.”, versucht er mir einzureden.
      “Nein, ich möchte hier weg. Wenn es mir nicht gut geht, komme ich wieder”, versichere den Arzt. Er nickt. Zur Kontrolle sieht er sich alle Werte noch einmal an und tastet mich ab. Nach dem Gespräch mit Folke bin ich nochmal eingeschlafen, seit dem geht es mir besser.
      “Wen sollen wir Anrufen? Sie haben Betäubungsmittel im Blut und können deshalb nicht alleine gehen”, erklärt er mir. Ich nicke und suche aus meinem Handy die Nummer von Frau Wallin.
      “Ich bin gleich wieder da”, sagt er und verlässt den Raum.

      Niklas
      Milena denkt wirklich, dass ich mich so schnell auf jemanden Einlasse. Umso mehr Spaß macht es mir, sie wie ein Fisch am Haken wackeln zu lassen. Mit Ju und Chris laufe ich zum Abendmahl.
      “Ich freue mich, dass alle Gesichter da sind. Einige habe ich heute bei dem Gangtraining vermisst.”, fängt er an zu reden. Natürlich merke ich die Blicke, die er mir zu wirkt. Arrogant lehne ich mich in den Holzstuhl.
      “Wo war ich? Ach ja. Morgen kommt der Rest aus dem Schwedischen Team, die es nicht geschafft haben bei dem ersten Flug mit zu kommen. Also seid freundlich!”, er stoppt zu sprechen. Das Handy von Frau Wallin klingelt.
      “Ja, das bin ich. .. mh .. Muss das sein? … ja … ja … ja, okay. Ich fahre los. Wiederhören”, höre ich. Herr Holm guckt sie neugierig an.
      “Ich soll Vriska abholen, sie möchte nicht weiter im Krankenhaus bleiben. Es geht ihr schon deutlich besser”, höre ich sie flüstern. Mein Trainer nickt und sie verlässt die Runde.
      “Diggah, deine Ische kommt wieder”, sage ich zu Ju und Boxe ihn in den Oberarm.
      “Aua. Was soll dis? Und es ist nicht meine Ische. Ich fand’ sie ganz Nett, das war’s.”; antwortet mein bester Freund.
      “Jetzt stell’ dich nicht so an”
      “Wer stellt sich denn hier an? Du hast gerade mit Zwei was am Laufen und machst beiden Mädls Hoffnungen. DU solltest dir Gedanken machen.”, pöbelt Ju.
      “Håll käften! (Verdammt noch mal, Ruhe!)”, meckert Herr Holm mit uns.
      “Ihr könnt nach her den Schwanzvergleich weiter machen. Jetzt bin ich dran. *Pause* Gut, also morgen kommt der Rest, seid Nett und habt heute noch viel Spaß. Morgen gibt es keinen Tagesplan, erstmal. Am Abend machen wir ein Training mit Flutlicht, ein Teamtraining. Es werden von uns Punkte vergeben, eure Partner könnt ihr euch selbst aussuchen. Und jetzt: Guten Appetit!”, spricht er zu Ende. Natürlich lasse ich mir nichts anmerken, aber das ich wieder so laut gesprochen habe, wusste ich nicht. Eigentlich sollte das nicht so laut sein. Hoffentlich haben Milena und Anna nicht mitbekommen.

      Hannes
      Während gefühlt alle Teilnehmer des Abendbrotes mitbekommen hatten, dass mein großer Bruder also know as das größte Arschloch wieder mal mehrere sogenannte “Ischen” am Start hatte, beschäftigte ich mich mehr mit meinem Essen als den dämlichen Tischgesprächen. Gott sei Dank war nach Herr Holms Ansprache etwas Ruhe eingekehrt, doch man hörte es an jeder Ecke tuscheln. Ob Menschen auch Probleme hatten, die nichts mit ihrer Fortpflanzung und ihren Trieben zu tun hatten? Während ich auf meinem Teller herum stocherte ließ ich den Blick durch den Raum schweifen und nahm Blickkontakt zu Max und Finley auf, die anscheinend ähnlich genervt von der Situation waren wie ich. Um mich etwas abzulenken, ließ ich das heutige Springtraining in meinem Kopf Revue passieren; Checkpoint und ich waren selbst in so kurzer Zeit zu einem guten Team zusammengewachsen und ich war gespannt, was die restliche Zeit hier in Kanada noch bringen würde. Niklas riss mich aus meinen Gedanken “Na wen hast du dir geklärt, Kleiner?”. “Skit på dig, diggih!” (Fick dich!), entgegnete ich ihm angepisst.

      Jace
      Nach der Stallarbeit freute ich mich wenigstens auf mein Abendessen. Ich war etwas nach den Anderen angekommen, weshalb ich natürlich auffiel als ich den Raum betrat. “Hey Jungs, ist bei euch noch Platz?”, fragte ich Niklas. “Klar, setz dich dazu”, bekam ich als Antwort und somit setzte ich mich. “Hab ich was verpasst, warum sind alle so ruhig hier?”.

      Niklas
      “Nichts. *Pause* Na gut. Also Herr Holm hat erzählt, dass wir morgen quasi den ganzen Tag frei haben. Am Abend gibt es ein Partnertraining auf dem Platz mit Flutlicht. Unseren Partner dürfen wir uns aussuchen. Vermutlich wird das ‘Wir geben einander Reitunterricht Ding’ und Pferdetausch. Zumindest haben wir das letztes Jahr so gemacht. Ach und Vriska kommt gleich wieder, die Wallin holt sie aus dem Krankenhaus ab. Scheint es wohl nicht lange ohne Ju auszuhalten”, sage ich am Ende scherzhaft zu meinem Kumpel und stoße ich leicht an. Damit er nicht wieder herum heult.
      Unauffällig suche ich Milena, die nicht dazusein scheint. Auch Anna ist nicht da. Hoffentlich streiten sich die Beiden nicht.

      Hannes
      Als Niklas fast schon panisch durch die Gegend schaut, wahrscheinlich um seine Herzensdame für den Abend auszuwählen, muss ich mein Lachen unterdrücken und stattdessen stoße ich etwas Luft aus, was mir komische Blicke des ganzen Tisches einbringt. In diesem Moment hallten Niklas’ Worte in meinem Kopf “Partnertraining” und ich überlegte mir, mit wem ich gerne ein Team bilden wollen würde - vielleicht Max oder Finley oder doch Linh? Nun schaute ich ebenfalls in der Gegend rum, um verzweifelt mit jemandem Blickkontakt aufzunehmen. Junge mach doch einfach deine Klappe auf, sagte ich zu mir im Stillen. Schließlich drehte sich Finley um und ich fragte ihn durch wildes Herumfuchteln mit den Händen und einer seltsamen Mimik, ob wir ein Team bilden wollten, also Jace mich ablenkte und fragte “Jo Hannes, weißt du schon mit wem du das ‘tolle’ Partnertraining absolvieren willst?”. “Ähhh… ähhhh.. was? Achso ähm ich dachte eigentlich an Finley wieso?”, antwortete ich verdutzt.

      Lina
      “Naja, ich vermute, das ich es mit meinen üblichen Trainingspartnern für heute ordentlich verkackt habe”, antwortete Jace auf Hannes frage, bevor er weiter mein Essen mampfte. “An deiner Stelle würd ich es mir überlegen, du hast nicht häufig eine Chance auf ein so cooles Pferd”. Da war er ja wieder, der alte Jace. Im vorbeilaufen funkelte ich ihn böse, bevor ich mich wieder zu Alec in die Ecke verkrümelte. Wie schaffte es dieser Mann denn nur immer so Großkotzig zu sein. Am liebsten wurde ich jetzt etwas nach ihm Werfen. “Lina, mach hier keine Szene, das ist nicht zu empfehlen. Freu dich lieber auf das beste Springtraining, deines Lebens”, redete Alec auf mich ein. “Wo wir schon dabei wären, wo nehme ich ein Pferd dafür her”, fragte er scherzhaft. Das brachte mich zum Lächeln “Ach, Alec wir haben einen Stall voller Pferde. Am besten nimmst du Farena, das passt doch größenmäßig perfekt”, begann ich nun mit ihm rumzublödeln.

      Hannes
      “Ach ja? Meinst du deiner ist so viel hochkarätiger? Auf jeden Fall hätte ich dann mal mehr Farbe unterm Sattel.”, scherzte ich mit Jace. “...achja ich helfe einem Bruder gern aus der Patsche.”, ergänzte ich noch auf seinen ersten Satz. Er lächelte und konterte sofort “Das werden wir ja sehen, ist das dann ein Ja zum Team der absoluten Perfektion?”. Ich konnte nicht anders als zu lachen, aber schließlich lächelte ich und nickte zustimmend.

      Vriska
      “Danke, dass sie mich abgeholt haben.”, sage ich zu Frau Wallin als wir am Hof aussteigen.
      “Bitte benimm dich den restlichen Tag. Du kannst dir nicht vorstellen, wie viele graue Haare ich wegen dir bekomme”, antwortet sie. Ich nicke und gehe in den Essenssaal. Natürlich sind die Jungs wieder ziemlich laut und somit nicht zu übersehen. Allerdings halte ich ausschau nach Milena - nicht da. Aber Lina sitzt auch dort. Kurz seufzte ich und mache mich auf den Weg dorthin. So eine kurze Strecke hat mir noch nie so schwer gefallen wie heute.
      “Ach unser Unfallopfer ist wieder da. Wie geht es dir?”, fragt Niklas erstaunlich freundlich.
      Perplex antworte ich: “Eigentlich ganz gut. Die Atmung fällt mir noch schwer durch die Rippenprellung. Tack för att du frågar. (Danke der Nachfrage)”, antworte ich ihm und schmunzel. Ich gucke zu Ju, der Wortlos am Tisch sitzt. Aber Männer können mir echt den Buckel herunterrutschen.
      “Ist hier noch Platz?”, frage ich Lina und setze ich mich ganz frech zu ihr. “Habe ich irgendwas verpasst?”, füge ich noch hinzu.

      Lina
      “Klar, setzte dich. Naja… viel verpasst hast du nicht. Morgen ist Training mit Partnertausch. Wie gehts dir eigentlich?”, fasst ich zusammen. “Naja und weil Jace ein Idiot ist, ist diese hübsche Mann morgen mein Partner. Das ist Alec. Alec das ist Vriska.”, vermittelte ich.

      Vriska
      Ich mustere Alec von oben bis unten. Nicht schlecht denke ich. “Passiert heute noch was?”, frage ich sie dann.
      “Saufen natürlich”, höhnt es aus der Ecke.
      “Du irriterar, Niklas (Du nervst, Niklas)!”, rufe ich ihm zu.
      “Dafür, dass du vorhin fast gestorben bist auf dem Weg, hast du ne ganz schön große Fresse auf einmal”, droht er mir.
      “Man alter, setz’ dich wieder hin.”, ruft Ju ihn zurück. Mit einem Zähneknirschen geht er zurück.
      “Wollen wir uns nach draußen setzen? Hier sind mir zu viele Leute und eine entspannte Runde am Lager hat doch was. Denkst du nicht?”, frage ich Lina, die ziemlich abwesend zu sein scheint.

      Lina
      Vriskas fragen, riss mich aus meinen Gedanken. “Ja, gerne”, antworte ich ihr. “So ihr zwei ich lass euch mal kurz allein, ich ruf mal grad Zuhause an “, meldete Alec sich ab und verschwand in die andere Richtung. Die kühle Nachtluft tat gut und brachte ein wenig mehr Klarheit in meine Gedanken.

      Hannes
      “Kann nicht einfach mal Ruhe sein…Niklas halt doch einmal deine Klappe und lass alle in Frieden”, murmelte ich vor mich hin und hoffte, dass es niemand hören würde. Wieder abgelenkt durch die Mitmenschen am Tisch, die allesamt ihre Köpfe umdrehten, als Vriska und Lina den Speisesaal verließen. Niklas schien irgendwas zu Ju zu tuscheln und ich verdrehte bloß die Augen, dämlicherweise hatte Nik das mitbekommen und starrte mich genervt an. “Was denn Kleiner? Neidisch? Du kannst doch ne Frau nicht von nem Kerl unterscheiden”, feixte er arrogant. Mir fehlten die Worte und ich hielt nur meinen Mittelfinger hoch - was ein Arsch. Jace stupste mich lachend an und und signalisierte durch seinen Blick, dass er Niklas genauso lächerlich fand. So stopfte ich das letzte Bisschen Essen in meinen Mund und stand noch kauend auf und lief zum Stall, um Checkpoint noch einen Besuch abzustatten.
      Im Stall war bereits das Licht an, was mich etwas verwunderte, dennoch ging ich schnurstracks auf den lackschwarzen Hengst zu, der seinen Kopf hob und leise brummelte. “Na Dicker, gar nicht so schlecht hier, was?”, fragte ich ihn und tätschelte seinen schönen Kopf, mit der ungewöhnlichen Blesse. Sein Interesse an mir weichte aber seinem Hunger, weshalb er den Kopf wieder ins Heu tauchte. Da ich unter keinen Umständen wieder in den Speisesaal wollte, beobachtete ich ihn noch eine Weile.

      Vriska
      Ein laues Lüftchen weht und lässt das Feuer tanzen. Gespannt beobachte ich die kleinen Funken, die in der Luft schweben und verglühen. Es ist besser wieder am Hof zu sein, auch wenn es nicht meine gewohnte Umgebung ist, fühle ich mich mit den Menschen hier sehr wohl, denn auch wenn einige von ihnen, nicht unbedingt freundlich sind, versuchen sie etwas zu verstecken. Warum verstecken Menschen etwas? Ist es ihnen peinlich? Wollen sie die Wahrheit nicht erkennen? Oder fehlt es an Empathie?
      Schritte kommen von hinten. Nur eine Person kenne ich, die solche Bewegungen macht - Milena.
      “Ach schon wieder da?”, fragt sie neugierig und setzt sich dazu.
      “Offenbar, ja”, antworte ich abwesend. Ich wende ihr keinen Blick zu, sondern beobachte noch immer die Flamme gespannt.
      “Schön”
      “Ja.”
      “Willst du dich nicht unterhalten oder was ist?”, kommt nun etwas genervt von meiner besten Freundin.
      “Ich … ich brauche Ablenkung”, antworte ich und wende mich zu ihr.
      “Oh okay. Dann ist alles gut? Ich hab’ mit Niklas geschlafen”, offenbart sie mir.
      “Wer hätte es gedacht, sonst hättest du dir auch kein Einzelzimmer geben lassen”, entgegne ich trocken.
      Milena schweigt. Ruhe. Endlich Ruhe.
      “Lina, soll ich dir was von Holy erzählen?”, frage ich wenig später Lina, die auch mit am Feuer sitzt.

      Der Abend endet ohne weitere Vorkommnisse, so dass der Tag ruhig beginnt. Alle kommen pünktlich zur Besprechung und die restlichen aus dem Schwedischen Team erscheinen, der dritte Jahrgang aus dem auch Niklas und Anna sind. Aufgrund eines großen Turnier in Schweden, war es für sie nicht möglich früher zu erscheinen.

      Niklas
      “Schön, dass ihr alle heute pünktlich sein. Wie gestern schon gesagt, habt ihr freies Training mit euren Pferden aber denkt dran, dass heute Abend noch ein Training ist. Strapaziert die Tiere nicht zu sehr am Vormittag. Der Rest des Teams ist vor weniger als einer Stunde am Hof angekommen. Also wer sie noch nicht kennt das sind Emilia, Mika, Ambrose und Darya.”, stellt Herr Holm. Freundlich winke ich dem rest zu. Endlich sind die normalen Menschen da.
      “Bevor ihr sie nun überfordert, esst erst mal in Ruhe. Bis später.”, sagt er und geht aus dem Raum.

      Mika
      Wir hörten Herr Holm aufmerksam zu, auch wenn mein Blick durch die Traube von Personen schweifte, viele Typen und ein paar Mädels zwischen ihnen, sah nach Drama aus. Ehe wir uns aufteilten ergriff ich kurzer Hand das Wort “Ähm Hej, ja ich bin Mika, der Nigga hier ist Ambrose, sorry warn Spaß Bro, und die süße Russin hier ist Darya, nennt sie einfach Dasha.”, Ambrose boxte mich auf den Arm und wir beide lachten, während Dasha nur schüchtern lächelte und “Hej” murmelte. “Um uns noch etwas weiter vorzustellen…”, fuhr Ambrose fort, “Wir kommen vom gleichen Hof wie Vriska und Max, okay vorher waren wir woanders, aber jetzt sind wir ebenfalls auf dem LDS, da ein neuer Trainer des Vereins Collin Jones uns auf den Hof geholt hat. Joa meine schöne Grulla Stute Oline seht ihr später, der zickige Fuchs aka Caja gehört zu Mika hier und die hübsche braune Winnie wird von Dasha geritten. Aber wir gehören alle zum Verein im Fältrittklubben. Auf eine schöne Zeit!”, beendete Ambrose seine Rede und gestikulierte eine Bierflasche, die er imaginär zum Anstoßen in die Luft streckte. Ich lachte und “stieß mit ihm an”. Auch wenn ich nicht der Fan von öffentlichen Liebesbekundungen war, hatte ich das Gefühl Darya als mein Eigen zu markieren und zog sie in meinen Arm und drückte ihr sanft einen Kuss aufs Haar, was mir von Ambrose Seite ein Kotzgeräusch einbrachte. Aus der Gruppe gegenüber kamen Jubelrufe und seltsame Geräusche, weshalb ich die Augen verdrehte und Dasha nur noch fester hielt. Mein Held des Tages war ein Mann namens Jace, der uns aus der unangenehmen Situation befreite und uns den Weg zum Stall zeigte. Gezwungenermaßen musste ich Dasha loslassen und holte Olli vom Transport und führte sie zusammen mit den anderen in den Stalltrakt. Glücklicherweise hatten die Pferde die lange Reise echt gut weggesteckt und durften sich nun etwas erholen und sich an die neue Umgebung gewöhnen. Bevor wir uns zum Frühstück los machten, räumten wir noch schnell unser ganzes Gerümpel in die Sattelkammer.


      Lina
      Gut gelaunt hatte ich heute Morgen die morgendliche Heurunde gemacht und bei der Gelegenheit auch gleich die Pferde der Nachzügler bewundert. Am besten gefiel mir die Fuchsstute. Freundlich hatte sie, mich aus ihrer Box beobachtet und sich noch ein wenig extra Heu geklaut. Der Abend war gestern noch sehr schön gewesen und es hatte mich gefreut noch einiges über Holy zu erfahren. Fröhlich ging ich zum Frühstück und sah auch schon gleich Vriska und Milena an einem Tisch sitzen. “Guten Morgen ihr zwei”, begrüßte ich sie fröhlich.

      Vriska
      “Guten Morgen”, begrüßt Milena Lina fröhlich. Ich nicke mal wieder nur. Die Nacht war blöd. Egal wie ich mich hingelegt habe, schmerzte meine Schulter oder mein Brustkorb. Irgendwann schlief ich im Sitzen ein. Im Spiegel hatte ich bereits meine Augenringe betrachtet. Da hat nicht mal Make-Up was gebracht.
      “Lina! Siehst du die drei? Das sind die neuen”, versucht Milena ihr zu zuflüstern. Jedoch spricht sie so laut, dass sogar Niklas vom Nachbartisch es hören konnte. Mit prüfenden Blicken guckt er zu ihr.
      “Schlecht geschlafen oder warum sagst du nicht irgendwas, worauf ich eingehen kann?”, fragt er mich dann verwundert. Ich knurre zurück und stochere müde in dem Gurkensalat herum. Es scheint mir, als würden die Schmerzmittel aus dem Krankenhaus nun Nebenwirkungen ausbilden. Meine Stimmung ist noch gedrückter als sonst, alles tut mir weh und alles was ich möchte ist nach Hause zu fahren. Doch den Flug würde ich sicher auch nicht schaffen.
      “Alles gut bei dir?”, fragt nun auch Milena. Offenbar muss ich nun doch antworten. Sonst bildet sich noch eine Traube um mich herum und ALLE werden fragen, was mit mir los ist.
      “Ich habe beschießen geschlafen, mir tut alles weh und ich glaube, dass mein Gurkensalat mit mir spricht. Reicht das für’s erste?”, sag ich genervt und stehe auf.

      Darya
      Als wir vom Stall zurückgekommen waren, wurden wir Niklas, zum Tisch gewunken und setzten uns dazu. Auch wenn ich diesen Kerl nicht kannte, war ich froh, dass ich am weitesten von ihm weg sitzen konnte. Mika schien meine Anspannung zu merken und drehte sich zu mir um und lächelte mich beschwichtigend an und drückte sanft meinen Oberschenkel unter dem Tisch - ich bedanke ihn mit einem kleinen Grinsen. Wie immer gliederten sich Ambrose und Mika super in die Gruppe ein und ich saß nur still da, starrte in die Leere und stocherte im Frühstück herum. Am anderen Ende des Tisches saß eine junge Frau, die mir irgendwie bekannt vorkam, ich beneidete sie um die coole Haarfarbe, doch irgendetwas stimmte mit ihr nicht, sie sah noch anteilnahmsloser aus als ich und auch irgendwie traurig, weshalb mir rausrutsche “Was ist mit ihr?”, leider hatten es alle am Tisch mitbekommen - na toll.

      Niklas
      “Ach, beachte sie gar nicht. Sie hatte gestern einen Reitunfall, war im Krankenhaus und wollte am Abend unbedingt wieder zurück kommen. Bestimmt wollte sie Ju einfach wieder sehen”, scherze ich noch.
      “Ja klar, ganz bestimmt. Wir haben gestern nicht einmal miteinander gesprochen”, wirft er direkt ein.
      “Das war doch nur ein Witz”, merke ich an und rolle mit den Augen.
      “Habt ihr Lust eine Runde auszureiten? Kanada ist schöner als ich dachte, aber nichts ist so schön wie Schweden!”, frage ich in die Runde und stehe auf. Ju folgt mir.

      Vriska
      Müde schleppe ich mich zu Glymur, den Lina mir freundlicherweise schon auf die Weide gestellt hat. Sogar mit seiner Decke. Aufmerksam schnalze ich ihm zu. Neugierig hebt er seinen Kopf, schüttelt sich und kommt gemütlich auf mich zu. Seine Blesse ist bedeckt mit einigen Kratzern.
      “Tut mir Leid”, sage ich zu ihm und streiche über die Wunden. Er schnuppert an meinem Arm, mit seinen Lippen knuspert er an meinem Ärmel. Ich muss lachen.
      “Nein, dass kannst du nicht essen.”, entgegne ich in dem Moment.
      “Weißt du, ich kann heute sicher nichts mit dir machen. Wenn ich könnte, würde ich gern ausreiten mit dir, einfach nach Hause.”, flüstere ich und lehne mich mit dem Rücken am Zaun an. Er streckt den Hals durch diesen und scheint mir einfach zuzuhören.

      Lina
      “Dann kennst du noch nicht die schönsten Ecken”, grölte Jace und verließ zusammen mit den beiden Jungs den Raum. “Tja, sieht so aus als wären wir nur noch zwei”, sagte ich zu Milena, die mir gegenüber saß. “Wie ist das eigentlich ein Islandpferd zu reiten”, fragte ich neugierig. “Naja, im Prinzip ist es nicht anders als bei jedem anderen Pferd”, antworte mir das blonde Mädchen.“Eure Vorführung gestern hab ich leider verpasst. Darf ich dir vielleicht beim Training zusehen?”.

      Jace
      “Du hast da ein echt hübsches Pferd”, sagte ich zu Ju, der gerade mit seiner Rappscheckstute um die Ecke kam. “Sieht echt edel aus“, sagte ich noch bevor ich mir Girlys Halfter schnappte, um sie von der Koppel zu holen. Ich hatte mich heute Gegen Herkules entschieden, der Buckskin hatte in den letzten Tagen schon genug getan. Wie als könne die Stute Gedanken lesen, stand sie schon am Tor und wartete. “Na Süße, Wartes du schon”, begrüßte ich sie und strich ihr über die hübsche weiße Stirn. Freundlich schnaubte sie und genoss die kleine Streicheinheit. Nachdem ich sie gehalftert hatte, ging es mit der Stute im Schlepptau zurück zu den beiden Jungs, die schon dabei waren ihre Pferde zu putzen.

      Milena
      “Ähm … wollen wir nachher drüber reden? Ich würde gern mit Ausreiten gehen, außer du kommst auch mit. Pass auf, wir machen das so. Wir machen nachher das Partnertraining, dass zeige ich dir was und du kannst dann gern auch Kempa nehmen”, sage ich hektisch zu Lina und stehe auf ohne auf ihre Antwort zu warten.
      “Niklas warte, ich komme auch mit”, rufe ich ihm nach.
      “Dann mach Lack”, sagt er mit seiner Schimmelstute am Halfter. Ich nicke und renne weiter zur Stutenweide, auf der ich Snúra mit dem Halfter nehme.
      “Komm’ wir müssen uns beeilen”, treibe ich die Stute vorwärts. In der Gasse angekommen, sehe ich wie Jace sich mit Ju unterhält über Amnesia. In dem Moment merke ich, dass ich ziemlich neidisch bin. Natürlich sind meine beiden Mädels auch hübsche Pferde, doch wenn Ju mit Amnesia einen Raum betritt leuchtet alles.
      Ohne meine Stute anzubinden, steht sie entspannt in der Gasse bei den anderen Stuten. Noch putzen alle anderen ihre Pferde, doch ich habe Snúra schon fertig.
      “Wie hast du das gemacht?”, fragt Niklas überrascht.
      “Wir machen unsere Pferde nicht schickimicki sauber. Hauptsache der Dreck ist weg, wo das Zubehör liegt. Schließlich geht es hier um nichts”, scherze ich und setze meinen Helm auf.

      Ambrose
      Gerade als die anderen herauseilten, um ihre Pferde für den Ausritt fertig zu machen, schlenderten wir gemütlich hinterher und schlossen uns der Truppe an. „Ey chillt doch mal, was eine Eile!“, rief ich den anderen belustigt zu und grinste. Dasha meldete sich bedenklich zu Wort „Wartet mal, unsere Pferde sind gerade nach einem langen Flug angekommen, das wäre doch doof jetzt ihnen auch noch den Stress anzutun.“ Wie immer hatte sie recht und wir stimmten ihr geknickt zu. Gerade in diesem Moment stieß Miss Montrose zu uns und unterbreitete ein Angebot, dass wir nicht ablehnen konnten. Sie begleitete uns zum Stall und zeigte uns drei Pferde, welche sich über einen Ausritt freuen würden. Royal Champion, ein Hengst aus der Hofeigenen Zucht, der wirklich etwas hermachte, den sich natürlich Mika als erstes schnappte. Dasha konnte sich nicht von ihren Trakehner trennen und griff zu Vakany, die ein wirklich außergewöhnliche Zeichnung hatte. „Haben sie einfach ein entspanntes Pferd für mich?“, fragte ich Miss Montrose. „Luchy, Bitte. Ich denke British Gold könnte gut zu dir passen.“, antwortete sie lächelnd und drücke mir das Halfter der Stute in die Hand. Nachdem jeder nun sein Pferdchen hatte, beeilten wir uns die drei hübschen Warmblüter fertig zu machen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Fertig gestriegelt und geschniegelt standen wir mit den anderen vor dem Stall und warteten darauf, dass es losgeht.

      Lina
      Pff, auf den Ausritt kann ich gerne verzichten. Aber ich hatte heute Vormittag eh etwas anderes vor. Ich hatte nämlich Luchys Tochter versprochen mit ihr heute den Vielseitigkeitsplatz zu erkunden, zu Pferd versteht sich natürlich. Also machte ich mich auf dem Weg zum Haupthaus und klopfte. Colin öffnete mir die Tür. “Hey, ich wollte mir mal euer Kind ausleihen”, sagte ich zur Begrüßung. “LIINA”, kam da auch schon das kleine Mädchen angerannt. “Gehen wir jetzt auf den Geländeplatz?”, fragte mich die kleine.”Ja, genau. Hol deine Reitsachen dann gehts los”, sagte ich ihr und schon flitzte sie davon. “Meinst du ich kann mir Nurja ausleihen?”, fragte ich Colin während ich wartete. “Ja klar, das sollte kein Problem sein”, meinte er nur.
      Ein paar Minuten später war ich mit Aleen im Schlepptau auf dem Weg die Pferde zu holen. “Wen darf ich heute reiten?”, fragte sie neugierig. Normalerweise ritt die kleine ihr Shetty Farena, doch da ich befürchtet, dass die kleine vermutlich im Wassergraben versinken würde, durfte sie heute wen anders reiten. “Du, meine süße darfst heute Mad Eye reiten”, sagte ich und deutete auf den grasenden Schecken. “Möchtest du ihn rausholen?”.”Ja”, rief die kleine und nahm sein Halfter entgegen.

      Milena
      Mittlerweile hat sich die Gruppe deutlich vergrößert. Einige der Teilnehmer sind mit neu.
      “Ach, ich bin Milena”, stelle ich mich kurzer Hand vor. Im Vergleich zu den Anderen komme ich mir mit Snúra ziemlich klein vor.

      Mika
      „Jo ich bin Ambrose, Bitte keine Spitznamen, danke.“, stellte sich mein bester Kumpel vor und lachte sie etwas flirty an. Sie grinste und schaute danach fragend zu uns. „Hej, ich bin Mika und das hier neben mir ist meine Freundin Darya“, stellte ich nun uns beide auch vor. Höflich wie sie ist antwortete Darya die Hand ausstreckend, „Dasha, freut mich dich kennenzulernen!“.

      Milena
      “Ich freue mich auch euch kennenzulernen”, antworte ich. Aktiv treibe ich Snúra vorwärts, da sie einige Probleme hat hinterher zukommen.
      “Leute, ich drehe um”, sage ich gefrustet, während die Anderen sich unterhalten. Niklas hält Smoothie an wartet auf mich.
      “Ach, setzt dich bei mir mit rauf und nimm dein Pony als Handpferd. Passt schon”, sagt er und gibt mir die Hand. Vorsichtig steige ich auf den Rücken von Snúre und schwinge mich auf den Rücken seiner Stute. Kurzer Hand schnelle ich die Zügel an das Reithalfter. Plötzlich kann sie das Tempo mithalten.
      “Und besser?”, fragt er schelmisch.
      “Natürlich.”, antworte ich.
      “Halt dich ruhig fest”, fügt er noch hinzu und trabt Smoothie an.
      Angekommen an bei der Gruppe pariert er sie wieder durch. Verwirrt mustert Ju uns.
      “Was wird das denn, wenn’s fertig ist? Ich dachte schon, dass ihr im Busch verschwunden ist”, kommentiert er unsere Ankunft.

      Jace
      “Naja, siehste doch. Das wird ein romantischer Ausritt”, antwortete ich neckisch auf Jus frage. “Ein paar gute Pferde hab ihr euch da geben lassen“, sagte ich nun an die drei neuen gewandt. “Gerade der kleine Champ hat ordentlich etwas darauf”.

      Lina hat inzwischen zusammen mit Aleen Mad Eye und Nurja fertig gemacht und war am Vielseitigkeitsplatz angekommen. Nach einer kurzen Aufwärmphase für die Pferde ging es an die Erkundung des Platzes.

      Lina
      “Was möchtest du als erstes Probieren?”, fragte ich das kleine rothaarige Mädchen. “Das da”, sagte sie und deutete auf den vorderen Teich mit dem Wassereinsprüngen. “Na gut, dann lass uns mal schauen ob Mad Eye Wasser mag”, sagte ich und ging mit Nurja Richtung Wasserloch. Zuverlässig lief die Freibergerstute hinein. Als das Wasser ihr bis zu den fessel ging, drehte ich sie um und hielt sie an. “Na los, komm einfach her. Lass den Zügel schön lang, damit Mady sehen, kann was unter ihm ist”, erklärte ich der kleinen. Der Ponywallach trottet brav bis zum Ufer, wo er sich erst einmal einen Drink genehmigte, bevor er weiter in Wasser ging. Als der Ponymann etwa bis zu den Knien drin stand, begann er im Wasser zu planschen. “Super macht ihr zwei das. Pass nur auf das er sich nicht hinlegt”, lobte ich Aleen und ließ auch Nurja ein Stück weiter hinein. Gut das es heute recht warm, war denn Mad Eye sorgte gerade dafür, dass wir alle ziemlich nass wurden.

      Mika
      “Achja, stattlich sieht er ja aus, hab gehört der hat nen hohen Blutanteil? Und wie testen wir jetzt am besten, was er so alles drauf hat?”, fragte ich Jace und war stolz wie Oskar, da ich auf einem solch krassen Pferd saß, wobei mir im gleichen Moment meine kleine Zicke fehlte. Ich drehte mich im Sattel um und hielt Ausschau nach Dasha, die nur kurz hinter ritt. Ihre Stute Vakany schien sich nur wenig für die Hengste der Gruppe zu interessieren und Darya grinste bis über beide Ohren, “Na freust dich wohl über die bunte Trakistute? Deine ist ja auch echt langweilig mit dem Einheitsbraun”, stichelte ich sie. Wie zu erwarten setzte sie sofort eine entsetzte Miene auf und fing an zu protestieren. “Ey lass meine Winnie in Ruhe! Dein fetter Fuchs ist auch nicht besser, zumal meine auch kein Biest ist!”, polterte Dasha los, sodass ich nur noch lachen musste. Um sie zu besänftigen gab ich klein bei und sendete ihr einen Luftkuss, worauf Jace gleich reagierte “Jaja romantisch, sag ich doch.”. Ambrose steckte etwas weiter hinten in der Gruppe und versuchte British nach vorne zu bringen, die Stute überinterpretierte seine Hilfen und galoppierte freudig los, wobei sich Ambrose etwas erschrak und im Sattel rumhüpfte, wie ein Reitanfänger. Die gesamte Gruppe verfiel in Gelächter und Niklas kommentierte die Situation recht passend “Jaja die reiterliche Elite von Schweden”, was das Gelächter nur noch vertiefte.

      Milena
      Ich hätte wirklich zurück reiten sollen. Die Älteren sind eine ganz andere Nummer, als Vriska oder Max. Gespannt folge ich den Gesprächen, kann jedoch nicht genau Nachvollziehen, worum es sich handelt. Um das Eis zu brechen stelle ich eine Frage in die Runde: “Wie seid ihr denn dazu gekommen, ein Teil im Nationalteam zu werden?”
      “Gute Frage, das weiß ich tatsächlich von euch noch gar nicht. Also fange ich einfach mal an. Mein Opa ist im Sommer 1956 bei den Reitspielen in Schweden mitgeritten und hat den zweiten Platz gemacht, da sich seine Stute nach dem vorletzten Sprung vertreten hat und eine Fesselverletzung zugezogen hat. In seine Fußabdrücke ist jedoch mein Onkel getreten, weil mein Vater nichts mit Pferden anfangen konnte. Als ich aufwuchs verbrachte ich mehr Zeit mit ihm als mit Vater, sodass ich früh auf dem Rücken eines Pferdes saß. Mit 6 Jahren habe ich mein erstes Pony von Onkel bekommen. So ging es immer weiter, bis ich mit 15 Jahren plötzlich nichts mehr hatte, was ich im Turniersport erreichen konnte. Nur noch die Großen Veranstaltungen hatte ich nicht besucht, was allerdings an meinem Alter lag und nicht an der Leistung. Als ich mit der Schule fertig war, reiste ich um die Welt und bekam das Angebot mit zur Elite zu kommen. Jetzt bin ich hier mit Smoothie.”, erzählt Niklas.
      In mir macht sich eine Traurigkeit breit, weil meine Geschichte total unspektakulär und langweilig ist. Deswegen halte ich mich zurück und warte gespannt auf die nächste Story.

      Darya
      Niklas Geschichte hörte sich an wie eine Filmstory, doch er konnte gut erzählen und zog so alle in seinen Bann. Erstaunt von meinem eigenen Mut fing ich an zu erzählen “Bei mir war es wenig spektakulär, allerdings reite ich schon eine ganze Weile, eigentlich von der Pike an. Ich bin mit meinen Eltern erst vor ein paar Jahren nach Schweden gezogen, wir lebten im europäischen Teil Russlands auf dem Anwesen meiner Großeltern. Unsere Familie züchtete Trakehner von Beginn ihrer Entstehung an, deshalb auch meine persönliche Gebundenheit zu dieser Rasse, ein Stück Heimat eben. Allerdings fokussierten sich alle primär auf die Zucht und nicht auf Leistung oder ähnliches, weshalb ich recht spät erst zur klassichen, gesunderhaltenen Dressur fand, zugegebenermaßen mit dem Pferden ohne Sattel durch die Wälder zu heizen war schon cool.”, beendete ich lächelnd meine Rede. Mika, der offensichtlich erstaunt war, dass es aus mir wie ein Wasserfall sprudelte setzte nun ebenfalls zum Wort an, “Meine Family hat nichts mit Pferden am Hut, doch sie haben mich immer unterstützt, auch wenn meine Hobbys besonders in der Pubertät sehr schwankten, von Rocker über Skater bis hin zum heutigen Pferdenarr. Ich hatte Glück, dass wir finanziell sehr gut aufgestellt waren und ich so früh neben der Gitarre und dem Skateboard schon das erste Pferd besaß. Als Action liebender Kerl, fand ich mich früh in der Vielseitigkeit zu Hause und heizte deshalb mit meinem damaligen Buschpony durch die Gegend, obwohl mir die Dressur auch liegt und ich wert darauf lege meine Pferde gesunderhaltend zu trainieren. Caja kam Anfang des Jahres in meine Hände und sie hat ordentlich Feuer unter dem Hintern, eigentlich auch schöne Gänge, aber langsam mag sie nicht so gern.”. Auch wenn ich es unhöflich fand, dass nun auch Ambrose das Wort ergriff und nicht die anderen der Gruppe zu Wort kommen ließ, erzählte er nun auch seine Story. “Jo, ich weiß eigentlich gar nicht mehr wie ich zu den Pferden gekommen bin, bestimmt durch ein Chick, was ich mal geil fand”, lachte er und setzte fort “jedenfalls habe ich Talent und keine reichen Eltern oder gar ein eigenes Gestüt, so arbeitete ich hart, um mir durch Turniergewinne und Stallarbeiten ein eigenes Pferd zu finanzieren, damals hatte ich einen süßen Mixwallach, den ich selbst bis zu den S-Lektionen der Dressur zusammen mit meinem Trainer ausbildete. Leider mussten wir ihn bereits Anfang 2019 einschläfern lassen. Olli stammt genau wie Caja, Checkers und Winnie vom Gut Naundorf und gehört seit Januar zum Team ‘Entspannung pur’”, kam er zum Ende.

      Fortsetzung folgt ...

      © Mohikanerin, Wolfszeit & Zion | 99345 Zeichen

    • Mohikanerin
      Nationalteam Teil III | 28. Februar 2021
      Satz des Pythagoras // St.Pauli’s Amnesia // Snúra // Glymur // HMJ Holy // Alfred’s Nobelpreis // Schneesturm // Outer Space // Rainbeth // Kempa
      Checkpoint // Oline // Caja // Windrose
      HMJ Divine // LMR Fashiongirl // LMR Royal Champion // British Gold // Vakany // Rumkugel // Miss Grisella Braun


      Jace
      “So,genug gequatscht”, unterbrach ich die Vorstelllungsrunde, als Girly ein wenig anfing zu tänzeln. “Wer hat Lust auf ein kleines Wettrennen?”, fragte ich und lenkte die braune Stute auf eine Wiese die sich neben dem Weg erstreckte. Aus der Gruppe gab es von den meisten Zustimmung. Ich ließ Girly weiterhin im Schritt, bis alle auf der Wiese waren. “Na, dann zeigt mal was ihr so drauf habt”, rief ich und ließ die Zügel meiner Stute lang. Sofort schoss sie los und gab Vollgas. Für einen Moment waren wir an der Spitze. Doch die anderen besonders Mika mit Champ holten relativ schnell auf.

      Niklas
      “Ich muss leider passen, hab schließlich einen Gast auf dem Pferd”, sage ich Jace ab.
      “Aber ich kann doch auch … “, fängt Milena an.
      “Nein, alles gut”, flüstere ich ihr zu.
      Wir trennen uns von der Gruppe, Ju folgt uns.
      “Kommt noch jemand mit uns?”, fragt er. Alle verneinen und wir machen uns zu dritt durch den Wald. Wo wir genau lang können oder nicht, weiß ich allerdings auch nicht so recht.
      “Wieso macht ihr nicht mit?”, ruft mein Bruder mir nach.
      “Weil unsere Pferde was Wert sind im Vergleich zu euren”, rufe ich zurück. Was er darauf antwortet, kann ich nicht mehr verstehen.
      Nach ungefähr einer Stunde sind wir endlich am Hof zurück.

      Hannes
      Ob das nen Dreier im Busch wird, dachte ich im Stillen, als Niklas, Milena und Ju davonritten, allerdings musste ich mich wieder auf Checkers konzentrieren, da er ein ordentliches Tempo vorlegte und schnaubend an Royal Champion mit Mika anschloss, der mich schelmisch angrinste. Darya sah etwas verloren aus, kein Wunder eine Dressurprinzession auf einem Springgaul, so ein Tempo war sie gar nicht gewöhnt, lachte ich in mich hinein. Allerdings schien der Schein zu trüben, denn in null komma nichts stritt sie mit mir, Mika und Jace um den ersten Platz. Sie drehte sich einmal kurz nach Ambrose um, der auf British Gold entspannt hinterhertrottete und ich nutze den Moment der Unaufmerksamkeit und drängte mich frech vor sie.

      Jace
      Zusammen mit Mika und Hannes erreichte ich den Rand der Wiese. “Gar nicht so schlecht”, sagte ich anerkennend zu den anderen, während ich Girly wieder in den Schritt brachte. Wir warteten auf Ambrose, bevor wir unsere Tour fortsetzen. “Was reitet ihr eigentlich für Disziplinen”, fragte ich den Rest der Truppe interessiert. “Ich komme ja eigentlich aus dem Fahrsport, bin aber inzwischen in der Vielseitigkeit Zuhause”, führte ich aus.

      Ambrose
      “Warum muss bei euch immer alles so hektisch sein, können wir nicht einmal chillen und es langsam angehen?”, drückte ich zwischen tiefen Luftzügen raus und tätschelte British, die wahrscheinlich gern noch schneller gelaufen würde, den Hals und pariere sie durch. “Ach cool, ja ich fühle mich auch im Eventing zu Hause”, antwortete Mika auf Jace’ Frage. Als auch ich wieder zu Luft gekommen war, sprach ich für Dasha und mich, “Wir beide mögen es eher gemütlich und diszipliniert, wir sind die Dressurcracks, natürlich nicht auf Droge oder so.”

      Vriska
      Offenbar war ich am Zaun auf der Weide eingeschlafen. Unsanft weckt mit Niklas, der zusammen mit Milena auf Smoothie sitzt.
      „Na du Schlafmütze. Ohne richtige Männlichkeit findest du wohl nicht in den Schlaf“, scherzt er. Milena steigt ab und führt Snúra in die Stallung. Auch Ju mit Amnesia folgt ihr. Nur der hochnäsige steht noch da und betrachtet mich.
      „Ich dachte, du wolltest netter sein. Vor zwei Tagen hast du dich noch bei mir entschuldigt“, merke ich provokant an.
      „Dann verzeihen Sie mir, min älskade (meine Liebste)“, sagt er und verbeugt sich.
      „Nicht mal im Traum“, entgegne ich entschlossen und möchte aufstehen. Doch durch die Überbelastung der anderen Schulter, schaffe ich nicht die nötige Kraft aufzubauen um mich hochzudrücken.
      „Komm‘ ich helfe dir“, sagt Niklas plötzlich vollkommen freundlich, lässt seine Stute an Ort und Stelle stehen, kommt zu mir und greift mir vorsichtig unter die Arme.
      „Tack, aber wäre nicht nötig gewesen“, bedanke ich mich. Plötzlich steht er sehr nah vor mir, erst jetzt begreife ich, wie groß der Kerl eigentlich ist. Für einen Moment gucken wir uns ganz tief in die Augen, eh ich einen Schritt zurück setze um dieser unangenehmen Situation zu entfliehen. Zum Glück ruft ihn Milena in dem Moment: „Wo bleibst du? Ist dein Pferd betoniert oder was?“
      „Tack“, bedanke ich mich erneut und laufe zu meiner Hütte. Ich komme mir warnsinnig schnell vor, doch selbst eine Schnecke könnte mich gerade überholen. Wo ist eigentlich der Rest Gruppe, überlege ich, doch verschwende keinen weiteren Gedanken mehr an die.

      Jace
      “Ich glaube wir sollten uns langsam auf den Rückweg machen”, sagte ich zu der Truppe und wendete die Stute. Da der Weg durch den Wald deutlich kürzer war, schlug ich diesen Weg ein. Nach ungefähr einer halben Stunde hatten wir den Hof wieder erreicht. “So, da wären wir wieder”, sagte ich und schwang mich von meinem Pferd.”Ihr seid echt cool drauf. Hat echt Spaß gemacht mit euch”. Ich begann die Stute abzusatteln und hängte die nasse Schabracke in die Sonne.

      Darya
      Nachdem uns Jace über den kürzesten Weg wieder zurück zum Gestüt brachte, begannen wir die Pferde abzusatteln, um sie anschließend wieder auf die Weide zu bringen. Eigentlich wollte ich mich nochmal bei Miss Montrose bedanken, aber sie war gerade nicht in Sichtweite. Stattgdessen widmete ich mich wieder Vakany, die heute ganz wundervoll war. Mika riss mich aus den Tagträumen, “Min älskade” (meine Liebste) und umarmte mich von hinten und schlang seine Arme um mich, wobei er mich kurz kitzelte und mir ein grelles Kichern entwich. Er küsste mich sanft auf den Hals, als ich hörte, dass noch jemand den Stalltrakt betrat, drehte ich mich panisch und etwas peinlich berührt um. Es waren Milena, Niklas und Vriska, die uns etwas verwirrt anschauten, aber nur lächelten und sich den Kommentar verkniffen. Flüchtig drückte ich Mika einen Kuss auf die Wange und brachte endlich die hübsche Stute weg. Ambrose schien schon wieder auf Weibersuche zu sein.

      Lina
      Inzwischen war der Ausflug zum Wasser mit Aleen beendet und die beiden Pferde standen wieder glücklich auf der Koppel. Die Anderen waren vom Ausritt zurückgekehrt. Auf dem Weg zurück von den Koppel zum Stall begegnete ich Vriska, die sich furchtbar langsam in Richtung Hof bewegte. “Vriska, kann man dir irgendwie helfen?”, fragte ich sie, als ich sie eingeholt hatte, was bei ihrem Tempo nicht sonderlich schwierig war.

      Vriska
      “Nein, alles gut. Niklas hat mir gerade schon hochgeholfen”, erzähle ich.
      “Obwohl … Ich hab hunger, denkst du ich kann noch was vom Frühstück bekommen?”, füge ich hinzu.

      Lina
      “Vom Frühstück eher nicht mehr. Hast du mal auf die Uhr geschaut”, sagte ich lachend. “Aber ich weiß, wo ein Kühlschrank, voll mit Essen steht”, sagte ich und deutet Richtung Mitarbeiterunterbringungen.

      Vriska
      “Das wäre richtig Knorke”, antworte ich lachend und zusammen gehen wir zur Unterbringung.
      “Kommt keiner”, flüstere ich ihr zu, während Lina für mich etwas Reis von gestern rausholt. Zusammen laufen wir in mein Zimmer, in dem ich den Reis in der Mikrowelle noch mal warm mache. In meinem Kopf schwebt schon wieder der kurze Moment, in dem Niklas so extrem dicht vor mir stand. Es schien, als hätte er irgendwelche Zeichen gesendet. Vermutlich bilde ich mir das aber auch nur ein. Einbildung. Alles nur Einbildung. Ich atme Tief ein und wieder aus. Ganz ruhig. Er ist nur das kleine reiche verwöhnte Kind aus der Nachbarschaft, dass direkt heult, wenn er was nicht haben kann. Schon allein aus diesem Grund kann der Typ mich kreuzweise. Meine Hände formen sich zu einer geballten Faust voller Wut. Ich bemerke wie Lina mich beobachtet, als würden meine Augen die Gedanken an die Wand projizieren. In mir schreit alles, es ist so laut, dass ich es nicht mehr trage. Ich schreie, nun wirklich.

      Lina
      “Alles Ok”, fragte ich etwas perplex. Doch Vriska wütet einfach weiter. “Egal, warum du dich so fühlst lass es einfach raus”. Ich konnte sie nur zu gut verstehen. Ich hätte Jace gestern gerne selbst zerfetzt, doch leider hatte Alec mich davon Abgehalten. Vermutlich war es besser so. Somit saß ich einfach nur da und beobachte Vriska.

      Ambrose
      All die Turteltäubchen hier kotzten mich dermaßen an, dass erstmal kurz etwas Luft brauchte und über den Hof spazierte, doch schon an der nächsten Ecke traf ich auf ein Girl, EMilia glaube ich. Untervögelt war ich ja schon dachte ich im Stillen und ging bewusst auf sie zu. “Hej Hübsche”, begrüßte ich sie etwas provokant. Sie lachte und winkte sofort ab. Aha hard to get also, weshalb ich mich so dicht vor sie stellte, dass sie verwundert nach hinten stolperte und ich sie geradezu auffangen musste - Plan hat funktioniert. Sie schaute verlegen zur Seite, aber bedankte sich trotzdem. “Vielleicht nochmal von vorn, ich bin Ambrose und du gefällst mir.”, sagte ich wieder etwas zu forsch. “Du siehst aber auch nicht schlecht aus.”, gab sie zu, während sie immer noch in meinen Armen hing und sich langsam aufrappelte . “Hi, ähm Emilia, also Emi, hab schon viel von dir gehört.”, erwiderte sie nun etwas selbstsicherer. Warum auch immer musste ich lachen und fragte Emi anschließend, ob sie noch etwas mit mir machen wollte vor dem Training.

      Vriska
      „Mehr oder weniger okay. In meinem Körper ist Krieg. Es schreit in mir, es schmerzt, aber ich weiß nicht was das ist.“, murmle ich teilweise etwas undeutlich vor mich her.
      „Ich erzähle dir mal was. Erst seit 2,5 Jahren reite ich. Vorher war ich ein typisches Stadtkind, jedes Wochenende bin ich mit meiner Clique feiern gegangen in diversen Clubs in London. Und natürlich gab es nicht nur Alkoholexzesse. Je mehr ich genommen habe, umso weniger ich selbst. Doch genau darauf war ich auf. Meine Mutter musste mich oft von der Polizei abholen, weil ich mal wieder in irgendeiner Gasse herum lag. Trotzdem war sie mir nie böse, vermutlich, weil meine kleine Schwester das sonst mitbekommen hätte. Mein Vater kenne ich nicht persönlich, aber ihm gehört eins der größten Finanzunternehmen in England. Zu meinem 18. Geburtstag hat er mich zu sich in die Firma eingeladen. An mehr erinnere ich mich nicht, nur das Mama mich am nächsten Tag aus dem Krankenhaus abholen musste. Sie hat auch die folgenden zwei Jahre alles versucht um mich aus dem Umfeld heraus zu bekommen. Der letzte Schritt war, dass ich mit meiner Schwester zu meiner Tante nach Deutschland gehe über die Sommerferien. Tante Eva hat ein Pferd - einen Isländer. Natürlich sollte ich mich als Erziehungsmaßnahme um dieses Pferd kümmern. Zu dem Zeitpunkt waren Pferde für mich einfach nur dreckig und ich hatte Angst. Doch Bruce und Tyrell haben mich dabei unterstützt. Im Anschluss bin ich bei Eva geblieben und jetzt sitze ich hier. Die Gedanken, die ich damals in London hatte, waren genau die gleichen, die ich jetzt habe.“, erzähle ich ihr offen. Meine Geschichte gehört zu mir und wenn jemand fragen würde, würde ich auch jeder Zeit die Story erzählen. Aber es fragt nie jemand. Es musste raus aus meinem Kopf. Wirklich.

      Lina
      “Wow. Das waren eine Menge Informationen”, sagte ich und musst einen Moment darüber nachdenken. Vriskas Geschichte, ist so anders als meine, aber auch wieder nicht. “Ich werde jetzt nicht sagen, dass ich weiß wie du dich fühlst, weil das nicht Wahr wäre. Aber ich kenne das Gefühl, wenn die Vergangenheit einen einholt”, sagte ich, um die Stille im Raum zu unterbrechen. Ich zögerte einen Moment, ob ich es ihre erzählen sollte. Immerhin hatte der letzte dem ich es erzählt hatte, sich von mir abgewandt. “naj…”, begann ich zögerlich. “... ich bin auch ohne Eltern aufgewachsen. Meine Mutter verließ mich und meine Geschwister als wir noch klein waren. Mein Vater hat uns dann bei unserer Tante abgestellt und ein neues Leben ohne uns angefangen. Wir hatten zwar noch Kontakt, aber nur sehr wenig, weil ich mich mit meinen Halbgeschwistern nie verstanden habe. Meine Tante hatte ein paar Kutschpferde. Naja und so verbrachten meine Schwester und ich jede frei Sekunde im Stall und natürlich ließen wir uns das auch nicht nehmen zu reiten. Ich kann sagen ich hatte eine gute Kindheit bis zu dem einen Tag an dem der Unfall passierte. Bei dem Unfall kamen meine Tante und mein Lieblingspferd ums Leben. Du musst wissen er war alles für mich. An dem Tag verlor ich alles, was ich hatte. Mein Vater wollte uns nicht. Er sorgte für das nötigste, aber da war keine Art von Beziehung. So verbrachte ich viel Zeit, bei Samu auf dem Hof seiner Eltern, bis ich zusammen mit ihm hierherkam. Naja und dann kam Divine der mich an all das Erinnerte”, erzählte ich. “Vermutlich fragst du dich jetzt, Warum erzählt sie mir das alles?. Die Antwort ist, ich weiß es, nicht”, endete ich. Seltsam irgendwie war es einfach aus mir rausgeflossen. Tja, scheint so, als hätten wir beide jemanden gebraucht, der einfach nur Zuhört. Ein seltsame Stimmung lag in der Luft.

      Mika
      Zurück von den Weiden schlenderte wir gemütlich zurück zum Hof, um uns dann zum Mittag im Speisesaal zu versammeln. Im Vergleich zu sonst waren wir mal nicht die letzten, obwohl ich mit “wir” diesmal auch nur mich und Dasha meinte, keine Ahnung wo sich Ambrose wieder umher trieb. Kurzerhand entschied ich mich für einen recht kleinen Tisch, Drama brauchte ich nicht beim Essen, und setzte mich hin und zog Dasha auf meinen Schoß solang noch keiner da war. Sie lehnte sich entspannt und auch etwas erschöpft zurück, sodass ich den Duft ihrer Haare aufsaugen konnte und erst jetzt merkte ich, wie müde ich auch war, Jetlag war nicht zu unterschätzen dachte ich. “Kleines Mittagsschläfchen bis zum Training nachher?”, flüsterte ich ihn ihr Ohr, sie nickte gähnend. Im selben Moment betraten Ambrose und ähh ich war mir nicht sicher wer sie war in den Saal, könnte Emilia sein. Die beiden strahlten wie Tschernobyl und ich hoffte sehr, dass sie keine Strohreste in der Unterwäsche hatten. “Na ihr Schlafmützen? Das hier ist Emilia, aber ihr kennt sie ja eigentlich.”, stellte er uns euphorisch vor, doch mehr als ein gutgemeintes Lächeln brachten wir nicht hervor. Nun nahmen auch die beiden am Tisch Platz und es war noch ein Platz übrig. Hannes, mit dem ich mir gerade den zweiten Platz des Rennens teilte, gesellte sich zu uns.

      Niklas
      Milena war ziemlich schnell zusammen mit Snúra aus dem Stall heraus. Wo sie sich herum trieb, wusste ich allerdings auch nicht mehr. Hoffentlich kommt sie gleich zum Essen, da alle anderen kaum noch was haben, habe ich einige von ihnen eingeladen bei uns zu essen. Ju sollte schon vor der Hütte im Freien einige Sitzgelegenheit errichtete. Meiner Stute Smoothie gebe ich zum Abschied noch einen Kuss auf die Stirn.
      Mein Weg zurück führt mich am Essenssaal vorbei, aus dem ich Stimmen wahrnehmen konnte.
      “Hannes? Du solltest doch wissen, dass es kein Mittagessen gibt.”, sage ich zu ihm und stehe in der Tür mit verschränkten Armen. Es dann sehe ich, dass Ambrose, Darya und Mika ebenfalls am Tisch sitzen. Einen Moment überlege ich, ob die Menge an Essen reicht.
      “Wenn ihr wollt, kommt mit. Ich koche gleich für so gut wie den ganzen Verein”, biete ich den anderen an und mache eine passende Armbewegung.

      Jace
      “Was macht ihr denn hier für eine Party?”, fragte ich die Gruppe, die sich im Essensaal versammelt hatte. “Hat euch keiner gesagt das es ihr euch selbst um euer Mittagessen kümmern müsst”, sagte ich grinsen. “Naja, ich gehe jetzt einkaufen, soll ich euch vielleicht etwas mitbringen”, bot ich an.

      Darya
      “Oh entschuldigung, das wussten wir nicht.”, stammelte ich peinlich berührt herum. Die Herren der Schöpfung waren mal wieder etwas lapidarer unterwegs und bettelten förmlich nach Essen, weshalb ich mich gezwungen sah noch einmal höflich zu antworten, “Das ist lieb Jace, Niklas hatte angeboten für uns zu kochen, wenn er noch etwas braucht, wären wir dir echt dankbar, wenn du uns was mitbringst.”. Ambrose mal wieder durch meine gute Erziehung belustigt lachte mich aus, was ihm aber einen bösen Blick von Mika einbrachte - die Genugtuung reicht mir. “Jace soll dich vielleicht jemand begleiten?”, fragte ich unschuldig noch.

      Jace
      “Na, wie siehts aus Nikals, braucht ihr noch was?”, wandte ich mich an den jungen Mann neben mir. “Wenn du so charmant fragst, sag ich nicht Nein”, antwortete ich dann Dasha auf ihre Frage.

      Niklas
      “Oh, dann kann ich ja was richtiges Kochen. Ich bräuchte drei Gläser Preiselbeeren und noch eine weitere Packung Pilze, welche ist egal.”, antworte ich erst mal und denke laut weiter: “Sahne müsste noch reichen, weitere Pilze habe ich bestellt, das Hack ist auch noch genug, Mehl ist in der Küche, Zitronensaft auch, Dill habe ich vorm Haus gesehen.” Ich überlege. “Ach ich bräuchte noch 2kg festkochende Kartoffeln”, sage ich. Aus meiner Tasche ziehe ich ein Bündel Geld und weiß nicht so genau, wie viel man beim Einkaufen bezahlt. 50 C$ sollten reichen und drücke Jace den roten Schein in die Hand. “Falls was übrig bleibt, kauf dir was schönes”, sage ich etwas flirty und lache.

      Jace
      “Natürlich, mein liebster”, antwortete ich säuselnd. “Also wer mit will, bitte folgen”, sagte ich noch und stiefelte lachend aus dem Raum. Jayden, der vorhin noch mal auf dem SMA war um Alec dort zu helfen, hatte das Auto freundlicherweise direkt auf dem Hof stehen lassen. Ich stieg schonmal in den schwarzen Jeep und warte auf meine Mitfahrer. “Wow, es sind ja gefühlte 100 Grad hier drin”, schimpfte ich ein wenig als ich mich auf dem Sitz niederließ und ließ die Fenster runterfahren.

      Ambrose
      “Dude wir kommen mit!”, rief ich Jace, der bereits kehrt gemacht hatte, hinterher. Emilia ließ ich um ehrlich zu sein etwas links liegen und eilte los und sah, dass Mika und Dasha mir folgten. “Ach wenn’s ums Essen geht ist er ganz vorn dabei!”, rief Mika mir zynisch zu. Ich lachte und zeigte ihm den Mittelfinger. Gemeinsam stiegen wir in den schwarzen Jeep und Jace zündete den Motor an. “Dude ich bin zwar schwarz, aber kochende Hitze feier ich jetzt nicht so. Schmeiß doch mal die Klimaanlage an!”, befahl ich Jace und boxte ihm lachend gegen die Schulter. “JA Gebieter”, gab er ironisch zurück und lachte ebenfalls. Obwohl die Fahrt zum Supermarkt nicht sonderlich lang war, schienen Dasha und Mika eingeschlafen zu sein; belustigt stupste ich Jace an und gestikulierte, dass er mal in den Rückspiegel schauen sollte. Bei der angenehmen Ruhe im Auto ließ ich mein Blick über die Landschaft schweifen, die sogar ziemlich ähnlich zu Schwedens war. “Wirklich wundervoll”, murmelte ich schläfrig, bis mir schließlich auch die Augen zu fielen.

      Niklas
      Während Jace für mich die restlichen Zutaten holt, bereite ich in der Küche die Füllungen vor. Als erstes schneide ich ungefähr 1 kg Zwiebeln, damit ich das Hack sowie die Pilze darin anbraten kann. Die Pilze schneide ich dafür ebenfalls klein und packe die in eine andere kleine Schüssel.
      “Ju?”, rufe ich nach draußen, wo er bereits mit Chris sitzt und sich unterhält.
      “Ja?”, antwortet er wenig später.
      “Kannst du mir bitte Dill, Petersilie und Majoran reinbringen”, frage ich ihn.
      In der Zeit hole ich das Hackfleisch aus dem Kühlschrank und lege es in eine große Schüssel. Bevor ich ein Ei, die Gewürze und Brötchenreste hinzufüge, wasche ich noch einmal die Hände. Dann kommt auch schon mein bester Freund in die Küche und legt mir die gewünschten Kräuter hin, ich bedanke mich und er geht wieder raus zu den Anderen. Also schneide ich noch die die Petersilie und den Majoran klein, werfe es mit zum Hackfleisch. Dann schlage ich das Ei dazu, füge die Brötchenkrümel hinzu und die Gewürze wie Salz und Pfeffer. Natürlich darf der Senf nicht fehlen. Nun kann ich kneten. Aus der Masse forme ich kleine Bällchen, die im ersten Moment eher an Köttbullar erinnern aber keine werden. Für Kroppkakor habe ich von meinem Opa ein eigenes Rezept gelernt. Dafür erhitze ich eine große Pfanne mit Olivenöl auf dem Gasherd. Während die Pfanne heiß wird, mache ich mit der vegetarischen Füllung weiter. Die nächste Pfanne steht bereits auf auf dem Herd und ist warm. Ich schmeiße eine große Handvoll Zwiebeln in das Öl. “shite (Mist)”, rufe ich durch den Raum, als das heiße Öl an meine Hand spritzt. Außerdem habe ich den Knoblauch vergessen zu schneiden. Also halte ich kurz die Hand unter kaltes Wasser, trockne sie ab und nehme den Knoblauch aus dem Kühlschrank. In Lichtgeschwindigkeit ist der Knoblauch kleingeschnitten und ich nehme einen Esslöffel Knoblauch, werfe ihn mit zu den Zwiebeln. Für einige Minuten lasse ich die Zwiebeln glasig werden und tue die kleingeschnittenen Pilze dazu.
      “Lieferservices”, sagt Jace und kommt rein.
      “Oh danke! Genau im richtigen Moment”, antworte ich ihm und nehme die Lebensmittel entgegen. Als er den Raum wieder verlassen hat, kommt Anna. Auf sie hätte ich wirklich verzichten können.
      “Brauchst du noch Hilfe?”, fragt sie. Ich nicke und stelle ihr die Packung Kartoffeln hin.
      “Die müssen alle geschält werden”, kommentiere ich und hole aus der Schublade einen Kartoffelschäler. Ohne was zu sagen, fängt sie an die Kartoffeln zu schälen. Ich schneide die restlichen Pilze und packe alle zusammen in die Pfanne. Nachdem sie schön braun gebraten sind, nehme ich einige Löffel dieser heraus und wollte sie mit zum Hack machen. Erst dann bemerke ich meinen Fehler. Ich habe bereits die Bällchen gemacht, obwohl die Pilze und Zwiebeln fehlen. Genervt werde ich alle wieder in die Schüssel und knete erneut alles durch. Ich prüfe noch einmal, ob wirklich alles drin ist. Diesmal ja.
      “Warum hast du mit Milena geschlafen?”, reißt mich Anna aus meinem Flow.
      “Weil ich Lust hatte, betrunken war und es verlockend war”, antworte ich ihr, ohne sie anzugucken. Dabei drücke ich in der Schüssel voller Hackfleisch herum.
      “Also liebst du mich nicht?”, fragt sie. Ich überlege. Soll ich ehrlich sein? Für mich ist Liebe ein großes Wort, mit viel Bedeutung. Je öfter man es sagt, desto weniger bedeutet es. Anna ist noch zu Jung, um das wirklich nachvollziehen zu können.
      “Doch”, antworte ich kurz und lege die fertigen Bällchen in die heiße Pfanne. Ich brate sie scharf an und nehme sie wieder heraus.
      Nach einer Überlegungspause antwortet sie mir: “Warum guckst du mich dann nicht an?”
      “Förlåt, men jag är upptagen. (Sorry, ich bin beschäftigt)”, fahre ich sie an. Dann gucke ich doch zu ihr. Sie legt den Schäler beiseite, steht auf und geht nach draußen zu den Anderen. Endlich kann ich in Ruhe weiter machen. Die Pfannen nehme ich alle vom Herd und stelle den Topf voller Kartoffeln darauf, dass sie kochen können.
      “Ju, ich geh’ duschen. Kannst du zwischen durch nach den Kartoffeln gucken?”, rufe ich ihm zu und gehe ins Bad.

      Jace
      Nachdem ich mit meiner sehr hilfreichen Begleitung vom Einkaufen zurück war und wohlgemerkt alleine, die Einkäufe zu Niklas brachte, weil die Schlafmützen noch pennen, kehrte ich zum Auto zurück. “Wir sind zurück, ihr Schlafmützen”, rief ich und riss die Autotür auf. Keine Reaktion von den Insassen. “Uff, wie können die bei den Temperaturen nur Pennen”, murmelte ich. Ich habe da schon eine Idee. Ich ließ die Tür offen und ging zu den anderen vor dem Haus. “Wer von euch hat denn, Lust den Schlafmützen da drüben eine kleine Abkühlung zu verschaffen”, sagte ich und deutete auf das Auto.

      Hannes
      Jace, der gerade vom EInkauf zurückgekehrt war, schlug vor die Neuankömmlinge anständig aufzuwecken. Meine Idee mit Eimern auf sie zu schütten, war nicht sonderlich schlau, da sie nach wie vor im Jeep saßen. “Hat jemand Wasserpistolen?”, fragte ich in die Runde und erntete ordentlich Gelächter, “Rich kids ey, das macht man mit nem Wasserschlauch!”, “Nimm doch Pistole aus deiner Hose!” kam lachend zurück. Jace deutete auf einen Schlauch in der Ecke, den ich übermütig zum Auto zog, leise den anderen ein Zeichen gab den Wasserhahn aufzudrehen. Das Wasser schoss geradezu aus dem Schlauch, sodass ich ihn fest packen musste, um nicht die Kontrolle zu verlieren. Aus dem Auto ertönten quietschende und erschrockene Töne und die drei sprangen wie angestochen in die Luft und fingen danach an heftig zu gackern. Ambrose und Mika rannten auf mich zu und hoben mich hoch, während Dasha den Schlauch griff und mich ordentlich einseiften. Nun kamen auch die anderen mit Wassereimern dazu und wir lieferten uns eine legendäre Wasserschlacht. So viel Spaß hatte ich nie in meiner Kindheit…
      Niklas
      Die Dusche tat gut. Nicht nur, dass es draußen furchtbar warm ist, koche ich zusätzlich ein ziemlich deftiges Gericht. Die Kartoffeln waren mittlerweile fertig und Ju hatte sie schon abgegossen sowie abgeschreckt. Mit nur einem Handtuch am Leib stehe ich in der Küche und stampfe die Kartoffeln mithilfe eines Kartoffelstampfers. In die Masse gebe ich zwei Eier, etwas Muskat und Salz. Auch das Mehl darf nicht fehlen. Ich forme zwei ungefähr gleichgroße Rollen und schneide sie jeweils in 12 Scheiben. Darin drücke ich mit meinem Daumen ein Loch, lege entweder ein Fleischbällchen oder etwas … Mist. Ich habe vergessen, die Pilzfüllung fertig zu machen. Da ich für die Soße eh noch mal die Pfannen erhitzen muss, kommen die Pilze zurück ihre Pfanne. Aus dem Kühlschrank nehme ich den Gorgonzola und schneide ihn so gut es geht in würfel, die mit in die Pfanne kommen. Nach dem der Käse geschmolzen ist, nehme ich sie runter und befülle weiter die Kartoffelklöße. Den Topf mit Wasser habe ich erneut aufgesetzt, um dort die Klöße ziehen zu lassen. Damit ich sie unterscheiden kann, haben die mit Fleisch Kräuter in der Kartoffelhülle. Sie müssen noch mal 20 Minuten ziehen, sodass ich in Ruhe die Soße zubereiten kann. Doch als erstes muss ich die Preiselbeer Beilage machen.
      “Und wie weit bist du?”, fragt mich Ju, der fast Liebevoll mit seinen Händen an der Hüfte anfasst und mir über die Schulter ins Ohr flüstert.
      “20 Minuten noch”, antworte ich lachend. Er lässt mich natürlich direkt wieder los und stellt sich neben mich.
      “Willst du dir nicht mal was anziehen?”
      “Es ist so warm draußen. Gefällt dir mein Handtuchrock etwa nicht? Soll ich für meinen Liebsten ein anderes Outfit wählen?”
      Wir lachen und blödeln einige Minuten weiter herum. Ich nehme mir seinen Rat zu Herzen und ziehe mir eine Unterhose sowie Kurze Hose drüber.
      “T-Shirt ziehe ich trotzdem nicht an”, rufe ich Ju zu, der das Essen beobachtet.
      “Mach’ was du willst. Aber nicht das ich wegen dir noch meine sexuelle Gesinnung ändere”, antwortet er schelmisch.
      Die Klöße sind fertig, die Preiselbeermasse mit etwas Rotwein und Vanille mittlerweile abgekühlt und die Soße mit Sahne, etwas Mehl und Milch angedickt in dem Sud aus den Fleischbällchen. Zusammen mit meinem Kumpel servieren wir das Gericht.
      “Essen ist fertig.”, rufen wir raus.
      “Was das”, fragt jemand.
      “Kroppkakor.”

      Jace
      Nass, kamen wir rübergelaufen, sobald Niklas verkündete, dass das Essen fertig ist. “Das sieht ja grandios aus”, lobte ich Niklas. “Wo hast du so kochen gelernt?”, fragte ich ihn. “Warte bis du es probiert hast bevor du urteilst”, kam es von einem der Jungs frech. “Ey, Jace du Faulpelz”, kam es von Jayden der gerade aus dem Stall trat. “Denk dran, du bist heute dran das Wasserfass auf der Sommerkoppel aufzufüllen. Viel ist nicht mehr drin. Und abäppeln musst du auch noch”, sagte er während es rüber kam. “Jaja, keine Sorge das mach ich gleich noch. Jetzt komm her und chill erstmal n bisschen”, erwiderte ich. Jayden setzte sich seufzend und betrachte das was Inzwischen auf dem Tisch stand. “Wer von euch kann denn so gut kochen?”, fragte er etwas verwundert.

      Niklas
      “Mein Opa hat mir beigebracht zu kochen .. und unsere Hausdame, die sonst für uns kocht. Man könnte behaupten, dass es eins meiner kleineren Hobbys ist neben der Pferde.”, erzählte ich stolz. Dann wendete ich mich Jayden zu. “Ich habe natürlich gekocht. Das ist Kroppkakor ein schwedisches Kartoffelklöße Gericht mit einigen Veränderung meinerseits. Die mit den Kräutern haben eine Fleischfüllung und die ohne sind mit einer Pilz-Gorgonzola Füllung. Dazu serviert eine Sahnesoße und Preiselbeeren”, erkläre ich ihm.
      “Wenn du willst, nimm dir auch einen Teller. Es ist genug für alle da”, füge ich noch hinzu. Von weiten sehe ich auch Lina und Vriska anschleichen.

      Lina
      “Der hat mir heute noch gefehlt”, mumelte ich vor mich hin. Nachdem unangenehme Stille im Zimmer geherrscht hatte, hatte Vriska vorgeschlagen, mal zu sehen, was die anderen so machen. Wo sie waren, war nicht sonderlich schwierig herauszufinden, denn sie unterhielten sich lautstark über Niklas tolle Kochkünste. Ich versuchte einen Platz möglich weit Weg von Jace zu finden, was sich aber als relativ schwierig gestaltet, da er natürlich in der Mitte des Tisches saß. Die einzigen freien Plätze waren zwischen Ju und Niklas, direkt gegenüber von Jace. Etwas hilflos sah ich mich nach einer Alternative um.

      Niklas
      “Willkommen in der Runde”, begrüße ich die beiden Mädchen, die dazu kommen. Vriska knurrt mich nur an.
      “Keiner hat dich gezwungen hierher zu kommen”, zische ich sie an. Ich sehe wie sie mich von unten nach oben mustert.
      “Wenn du mit kommst, kannst du gern noch mehr sehen”, sage ich schelmisch zu ihr.
      “Ich verzichte, danke.”, winkt sie ab.
      “Wollt’ ihr was essen?”, biete ich einen Moment später an. Keine Antwort also gehe ich zurück zu Ju, aber auch sie nehmen den Weg dorthin. Ich bemerke, dass Lina sich schwer tut, sich mit an den Tisch zu setzen. An Ju scheint es wohl nicht zu liegen, der hat eigentlich keinen Stress mit irgendwen, also kann es nur Jace sein. Vorsichtig ziehe ich sie zur Seite und flüstere ihr zu: “Soll ich den woanders hinbringen?” In meinem Ton schwingt etwas ernsthaftes mit und kann mir auch nicht erklären, wieso mir das gerade so wichtig erscheint.

      Lina
      Ich sah Niklas einen Moment verwirrt an, bevor ich registrierte, dass er mir eine Frage gestellt hatte. “Ich fürchte, wenn du ihn nicht auf den Mond schießen kannst, kannst du mir leider nicht helfen”, antwortete ich ihn leicht zynisch. Ich hatte durchaus gemerkt, dass er mir ernsthaft helfen wollte. Bisher hatte ich, gedacht er, sei genauso hoffnungsvoll in sich selbst verliebt wie Jace, doch scheinbar musste ich diesen Gedanken nochmal überdenken. Niklas schien immerhin ein Fünkchen Empathie zu besitzen, im Gegensatz zu Jace, der dämlich grinsend mit den anderen Jungs rum scherzte.

      Niklas
      “Dabei kann ich leider nicht helfen, soweit ist Elon noch nicht Menschen im Weltall auszusetzen”, antworte ich lachend. Sehr wohl habe ich seit dem ersten Abend mitbekommen, dass da was im argen ist.
      “Jace, komm’ mal bitte. Hilf mir mal beim Aufräumen”, rufe ich den Kerl zu mir. Die Mädchen nehmen sich einen kleinen Teller mit etwas vom Essen und können nun in Ruhe essen. Doch in mir herrscht eine Ruhe ein und will unbedingt wissen, was los ist.
      “Du sag mal. Was stimmt den bei euch Beiden nicht? Ihr seid ihr zusammen auf einem tollen Hof und geht einander ziemlich aus dem Weg. Das ist doch keine gute Atmosphäre. Pferde nehmen das war und das tut niemanden gut”, sage ich ernst zu ihm.
      Ich muss wieder an Opa denken, der vor einigen Jahren verstorben ist, dem immer wichtig war, dass am Hof eine gewisse Freundlichkeit herrscht. Natürlich muss man sich nicht um den Hals fallen, aber der Respekt sollte vorhanden sein.

      Lina
      “Danke”, mumelte ich noch Niklas zu, bevor ich mich an den Tisch setzte. Ein wenig erleichtert, das ich zu mindesten Jace nicht ertragen muss. Das essen schmeckte einfach fantastisch und erst jetzt bemerkte ich wie riesig mein Hunger eigentlich war.So schaufelte ich fröhlich mein Essen in mich rein.

      Jace
      In der Küche angekommen, stellte mir Niklas eine Frage, die so ähnlich vor ein paar Tagen schon mal gehört hatte. Sofort verschlug es mir meine Gute Laune. “Naja… mmm… Um ehrlich zu sein, bin ich mir nicht so ganz sicher”, druckste ich herum. “Jonathan Cristopher Sherwood, wer hat dir eigentlich ins Hirn geschissen”, hörte ich die Stimme meines besten Freundes in meinem Kopf. Alec war weitaus unentspannter gewesen als Niklas jetzt gerade und er hatte mich auch am Leben gelassen, also beschloss ich es zu erzählen.“Ok….Ich fasse es mal kurz. Eigentlich dachte ich Lina hätte mich gefriendzoned, dann war auch eine ganze Weile alles gut zwischen uns… Naja und dann hab ich vor ein paar Tagen vergessen da ich ihr mit Divine helfen wollte. Und was an euren ersten Abend passiert ist, weißt du ja.” Erzählte ich zögerlich. “Und seitdem geht sie mir aus dem Weg”, endete ich. Das Blut war mir in die Wangen geschossen. Sehr konzentriert wischte ich an der Pfanne rum. Irgendwie war es mir Mega unangenehm, dass es Scheinbar auch den anderen auffiel, das etwas zwischen mit und Lina nicht stimmte.

      Mika
      Gegen Niklas kann man sagen was man will, aber kochen und reiten kann der Kerl vom feinsten, er zauberte eine meiner Lieblingsspeisen Kroppkakor. Da wir pitschnass waren, zog ich das triefende T-Shirt aus und hängte es in die Sonne, viele der anderen taten es mir gleich, was vielen Mädels der Runde gefiel, Dasha guckte mich schockiert an und zog dann provokant auch ihr Shirt aus und mir fiel fast die Kinnlade runter. Ich war froh, dass sie so einen ollen cockblocker Sportbh anhatte, der ihre Boobies, die mir gehörten, gut verdeckte. Beeindruckt griff ich ihren Teller und meinen und befüllte beide mit sowohl vegetarischen, als auch normalen Klößen. Mein Magen knurrte und ich schaufelte mir viel zu große Bissen in den Mund, sodass meine Backen prall gefüllt waren. Niklas schaute mich grinsend an und neckte mich, “Na Hamsterbäckchen schmeckt’s?”. Da ich nicht in der Lage war zu sprechen, hielt ich nur einen Daumen nach oben, es war wirklich verdammt lecker. “Er möchte sagen es schmeckt ihm hervorragend, es ist eine seiner Lieblingsspeisen.”, antworteten Dasha und Ambrose im Chor und verfielen ins Lachen. Ich verdrehte die Augen, die beiden kannten mich wohl doch zu gut. Zu meinem Erstaunen drehte sich Dasha weg und widmete sich der Gruppe um Ju, Lina und Vriska, wie mutig sie doch auf einmal war, solang Ju seine Finger bei sich behält, machte mir das auch nichts aus, denn es war wichtig, dass sie neue Freunde fand, sonst war ich immer der Einzige mit Ambrose, der für sie da war.

      Darya
      “Hej, sorry ich wollte euch nicht unterbrechen, aber ich würde euch auch gern ein bisschen kennenlernen.”, sagte ich etwas verlegen. Lina, die etwas abwesend schien bedankte mich sofort mit einem Lächeln und lud mich sozusagen in die Gruppe ein, während Vriska einfach still dasaß. “Vriska und Lina ihr macht doch beim diesjährigen HMJ mit oder? Hab das über Social Media etwas verfolgt, Divine ist ja wirklich ein Prachtstück”, versuchte ich ins Gespräch zu kommen.

      Lina
      “Danke, das war ja auch ein Haufen Arbeit”, bedankte ich mich bei Dasha. “Wenn du möchtest, kannst du ihr später kennenlernen”, bot ich ihr an und sie nickte zustimmend. “Tatsächlich war sein Training bis es ans Reiten ging relativ unkompliziert”, begann ich fröhlich vor mich hinzuplappern. Über Divine könnte ich stundenlang reden.

      Darya
      “Oh ich würde gern mehr über das Training hören!”, sprudelte es förmlich aus mir heraus, “also natürlich wenn die anderen nichts dagegen haben.”, fügte ich fix hinzu. Ju musste kurz lachen über meine wahrscheinlich etwas zu korrekte Art. “Interessiert dich denn etwas bestimmtes, weil ansonsten sitzen wir wahrscheinlich noch morgen hier?”, fragte sie daraufhin lachend. “Naja eigentlich alles, aber um es genauer zu machen, vielleicht in welcher Richtung ihr unterwegs seid und wo du mit ihm vielleicht mal hin möchtest? Wie ihr die Mähne so lang und dick bekommen habt, würde mich auch sehr interessieren, Winnies kurze Fusseln sehen leider nicht so schön aus.”, plapperte ich weiter.

      Lina
      “Aktuell sind wir sehr viel Ausreiten. Denn der kleine Mann bewegt sich in Hallen oder auf Reitplätzen nur sehr spärlich, oder wenn ein zweites Pferd dabei ist. Ansonsten versuche ich aktuell herauszufinden wie ich ihn auch in der Halle reiten kann. Mein Ziel ist es eigentlich ein Vielseitigkeitspferd aus ihm zu machen. Ich habe nämlich selten ein Pferd erlebt, was so zuverlässig überall hingeht”, erzählte ich . “Naja, das mit der Mähne hat viel Zeit und Liebe benötigt. Einerseits hat uns unter Tierarzt mehrere Nährstoffmängel festgestellt. Und dann ist er auch noch Ekzemer. Zum Glück nicht so krass. Naja, wegen seinem Ekzem wird er ein bis zweimal die Woche gewaschen und seitdem wir das fleißig machen, wächst die, Mähne. Vielleicht solltest du bei Winnie mal eine Blutanalyse machen lassen”,riet ich Dasha

      Darya
      “Danke für den Tipp! Ich habe sie auch noch nicht lange, sollte ich wirklich mal in Betracht ziehen.”, bedankte ich mich bei Lina und unterhielt mich noch ein bisschen mit ihr über Divine.

      Niklas
      Kurz musste ich nachdenken, weil ich zwar verstand, was er mir da gesagt hat aber irgendwas muss noch fehlen.
      “Schwierig”, fing ich an.
      “Viele Möglichkeiten hast du nicht, es ist zumindest einfacher für euch Beide, wenn ihr nichts miteinander habt. Sollte nämlich das dann enden, wird es noch schlimmer. Am Hofen haben wir dafür eigentlich eine Regel, ein Quasi jeder kann jeden wann er will. Nur … Anna hat das noch nicht so wirklich geschnallt, entweder man teilt sich Gegenseitig oder man lässt es. Sonst gibt es nur Stress”, erzähle ich ihm dann. Jetzt wo ich es ausspreche klingt es ziemlich makaber, als wären wir eine Sekte. Doch wir haben alle das gleiche Ziel, also müssen wir gemeinsam daran arbeiten.

      Vriska
      Gespannt folgte ich dem Gespräch, aber wirklich konnte ich nichts dazu beitragen. Innerlich zog es mich irgendwie zu Niklas, doch das geht nicht. Dennoch richtete ich immer wieder mein Blick zur Hütte in der er ist mit Jace. Jetzt begreife ich erst, dass die sich darin unterhalten und ich bin total neugierig worum es da geht.
      “Lass dich nicht täuschen”, sagt Ju ruhig zu mir.
      “Wenn der was will, dann tut er alles dafür.”, fügt er noch hinzu.
      “Ja … nein. Alles gut”, lenke ich ab. Doch er scheint schon gemerkt zu haben, dass meine Blicke immer wieder zu seinem Oberkörper gehen.
      “Warte mal”, sagt er nun und zieht selbst sein Shirt aus.
      “So, jetzt kannst du zu mir gucken und dich nicht von einem Idioten kontrollieren lassen.”, lacht Ju.

      Jace
      Ich schwieg eine Weile. Es gab da nämlich einige Dinge, die im ihn nicht erzählt hatte.Nicht nur das Seine Regel klang als würde sie in eine Kommune leben, sondern auch, weil ich genau wusste, dass mich solche Regeln wieder zu jemandem machen würden, der ich nie wieder sein wollte. Als ich noch mit Alec in der Stadt wohnte, war ich ähnlich wie Niklas gewesen. Jedes Mädchen was ich haben wollte bekam ich eigentlich immer. S** bedeutet für mich nichts. Das und ein paar andere Dinge machte mich irgendwann zu einem gewissenlosen Arsch. Nicht nur den Mädels gegenüber, die ich verführte, sondern auch meinen Freunden gegenüber, bis ich niemanden mehr hatte außer Alec. Alec hatte auch nur zu mir gehalten, weil er zu der Zeit in mich verliebt war. Doch ich war natürlich zu dämlich, um das zu kapieren. Naja, irgendwann hat auch er mich im Stich gelassen. Naja, das er mich auch im Stich gelassen hatte war ich selber schuld, immerhin hatte ich seiner kleinen Schwester irgendwann das Herz gebrochen. Und dann hatte ich nichts mehr, keine Freunde, kein Zuhause, absolut gar nichts.”Naja, ich kann Anna verstehen, für manche ist S** halt mehr als nur ein körperliches Verlangen”, sagte ich nach einer Weile zögerlich. “Außerdem, … hat Lina mich nicht direkt gefriendzoned… sie hat um Zeit gebeten”, flüsterte ich schon fast. Ich ließ nicht viele hinter meine Fassade blicken, weshalb ich auch wenig echte Freunde hatte, denn durch irgendetwas hatte ich auch meisten diese vergrault. Umso mehr wunderte ich mich jetzt drüber, das ich hier in diese Küche stand und mit Niklas überhaupt über solche Dinge redete.

      Niklas
      “Na also, lass ihr Zeit. Aber deswegen muss man einander nicht ignorieren. Aus eigener Erfahrung heraus geht es ihr nur um das ganze Gefühlezeug, was sie gerade nicht gebrauchen kann. Sei normal zu ihr, als wäre sie eine gute Klassenkameradin. Am besten suchst du das Gespräch. Wenn du willst, kann ich das einleiten .. ich geh dann auch. Aber so ist nicht gut. Für ein Beide nicht.”, antworte ich mitfühlend und klopfe ihm auf die Schulter.

      Jace
      “Nein, schon gut. Ich schaff das schon selbst”, sagte ich zu ihm. Das Geschirr war inzwischen sauber, sodass ich den Raum verließ. Das Gespräch war mir unangenehm gewesen.
      Ich sah zu dem Platz, wo ich vorher gesessen hatte. Lina unterhielt sich angeregt mit Dasha und Ju hatte sich inzwischen auch das Shirt ausgezogen. “Ihr scheint ja Spaß zu haben”, sagte ich lachend an Ju und Vriska gewandt und setzte mich wieder dazu.

      Vriska
      “Ach, die Kleine kommt mit ihrem Blick von Nik nicht weg.”, sagt Ju zu Jace und deutet dabei auf seinen Körper.
      “Ha ha lustig.”, füge ich genervt hinzu und will aufstehen.
      “Du machst Situationen nicht besser, wenn du immer gehst.”, sagt Niklas der Jace offenbar gefolgt ist. Mit seiner einen Hand berührt er einen meinen Hals und wie unter Kontrolle setze ich mich wieder.
      “Geht doch”, antwortet er.
      “Wie sieht es eigentlich mit deiner Schulter aus, kannst du wieder reiten?”, fragt Ju.
      “Ich kann nicht mal richtig reiten, denke nicht, dass ich überhaupt aufs Pferd raufkomme”
      “Dann helf’ ich dir halt hoch”, kommentiert Niklas und legt seine Hand auf meinen Oberschenkel. Nervös gucke ich zu ihm, sage nichts und versuche auch nicht die Hand beiseite zu packen.
      “Wir können es gern probieren”
      “Na dann machen wir nachher das Training zusammen.”
      “Deal”, antworte ich Niklas.
      Ich bemerke jetzt erst, wie schockiert Ju und Lina zu mir gucken. Niklas hat immer noch sein Hand auf meinem Oberschenkel.

      Lina
      “Ähhh Vriska… du konntes vorhin nicht mal schnell als eine Schnecke gehen und willst auf ein Pferd steigen? Du bist sicher nicht auf deinen Kopf gefallen”, sagte ich und starrte sie weiterhin schockiert an. Und ganz ehrlich, Niklas war mir immer noch ein wenig suspekt. “Ju, sagt doch auch mal was”, sagte ich empört und boxte leicht gegen seinen Arm. “Au”, kam es nur von Ju und er rieb sich den Arm. “Vriska, das ist vollkommen verrückt!”, schloss ich aufgebracht an.

      Jace
      Etwas verwirrt, sah ich zwischen den beiden Parteien hin und her. “Ähhh….ich glaube, das solltest du nochmal überdenken, Vriska”, trug ich wenig hilfreich zum Gespräch bei. “Danke Jace, du bist ja doch für etwas gut”,kam es von Lina. Scheinbar war sie so perplex, dass sie wohl keine Zeit hatte mich zu hassen.

      Vriska
      Ich gucke ernst zu Ju und erwarte ihn bei meiner Idee.
      “Ähm … Eigentlich soll man sich nach dem Fall auf jeden Fall wieder auf’s Pferden setzen aber einen Tag später mit Schmerzen, halte ich auch nicht unbedingt für die beste Idee”, kommentiert er, was die Anderen auch gesagt haben.
      “Zum Glück kann ich Entscheidungen selbst treffen. Außerdem kann ich auch wieder Absteigen, wenns nicht geht”, verteidige ich meine Idee. Niklas hält sich aus der Diskussion heraus und rutscht mit einer Hand weiter rein. Sein Griff ist fest und in mir wird es warm. Ehrlich gesagt fühlt es sich gut an. Er hat es mir schon angetan.
      “Ich dachte wir wären Freunde”, schnaube mich meine eigentliche beste Freundin an. Niklas zieht ruckartig seine Hand von meinem Oberschenkel.
      “Warte”, rufe ich ihr nach, doch sie ist schon weg. Natürlich versuche ich ihr nachzugehen, doch schon das aufstehen funktioniert nicht so richtig.
      “Merkste selbst, wah?”, merkt Ju an und geht Milena nach. Abfällige Blicke kommen zu mir und Niklas von ihm, bevor er meiner Freundin nach geht.

      Lina
      “Ihr seit doch alle gleich”, schrie ich Jace und Niklas an. “Ihr denkt alle nur an das eine!”. Auf einmal war es gespenstisch ruhig, denn alle Gespräche am Tisch waren verstummt. Alle starrten zu uns rüber. Ich überlegte kurz, ob ich aufhören sollte, doch ich entschieden mich dagegen. “Habt ihr noch nie was von Gefühlen gehört, Ihr Steinzeitmenschen”, damit war mein Vortrag beendet und ich stapfte wütend davon.

      Jace
      Wow, so wütend habe ich Lina noch nie erlebt. Naja ein Vorteil hatte es, es hatte mich in meinem Verdacht bestätigt, was genau ich falsch gemachte hatte.
      “Das ist genau der Grund, warum wir solche dämlichen Regeln nicht haben”, zischte ich Niklas noch zu, bevor ich aufsprang und mich auf die Suche nach Lina machte. Ich rannte, als erstes in die Sattelkammer um nachzusehen, ob sie sich schon wieder ein Pferd geschnappt hatte um zu verschwinden.
      Alle Sättel waren da, die Trensen auch. Ich drehte mich um zu den Spinden. Alle zu, doch… aus Lina Spind lugte etwas vor. Die Tür des Spindes, war nicht ganz geschlossen, sodass
      ich ihn öffnete. Ein zusammengeknülltes Stück Papier purzelte mir entgegen.

      Vriska
      “Jetzt drehst du auch noch durch”, schreie ich Lina nach. Doch sieh dreht sich nicht mal um. Für mich ist nun auch der richtige Moment zu gehen, als Niklas das merkt, hilft er mir wieder. Ich bedanke mich und schleppe mich zum Zimmer. In meiner Tasche suche ich nach meiner Notfallschachtel.
      “Tack gode Gud (Gott sei dank)”, spreche ich mit mir selbst. Ich nehme die Schachtel, stecke auch noch das Feuerzeug in die Hosentasche und gehe nach draußen. Hektisch suche ich nach einem Platz zum Rauchen. Das Gras ist trocken und ich möchte natürlich nicht den Hof anzünden. Auf einem Tisch auf einem gepflastert Stück erblicke ich einen Aschenbecher und mache mich auf den Weg.
      Befreiend brennt meine Lunge. Ich huste.
      “Vielleicht solltest du aufhören”, sagt Milena und setzt sich zu mir. Ohne zu fragen, nimmt sie sich ebenfalls eine und zündet sie an.
      “Jag är verkligen ledsen, Milena. (Es tut mir wirklich leid)”, entschuldige ich mich bei meiner Freundin.
      “Ach alles gut. Ich hatte nur schlechte Laune. Wir haben alle unsere Bedürfnisse.”, antwortet sie und pustet den Rauch in die Luft.
      “Aber …”, versuche ich mich heraus zu reden, oder möchte die Situation erklären. Doch sie hat mich gar nicht danach gefragt.
      “Nichts aber, ich bin auch nicht besser. Komm’ mit zur Reithalle. Ich will mit Snúra etwas trainieren. Du bist jetzt meine Trainerin”, sagt sie und lacht. Nachdem wir aufgeraucht haben, geht Milena in ihr Zimmer und ich gehe schon mal in den Stall. Wenig später kommt sie mit der Isländer Stute in den Stall.
      “Es ist echt Warm, hoffentlich ist es kühl in der Halle”, merkt sie an und beginnt die Stute zu putzen.

      Jace
      “Lina?”, fragte ich und klopfte an ihrer Zimmertür. “Verpiss dich Jace”, kam die Antwort. “Ich muss mit dir reden”, sagte ich und öffnete die Tür. Prompt flog mir ein Buch entgegen.”Jace, raus”, kam es nochmal von Lina. “Lina, hör mir zu”, ich trat in das Zimmer und schloss die Tür hinter mir. “Ich weiß, ich war blöd”, begann ich. Sie stand am geöffneten Fenster und sah nach draußen. “Ich hätte nichts mit Abigail anfangen sollen und schon gar nicht hätte ich sie abfüllen und dann alleine lassen sollen es tut mir leid”,sagte ich. Mit Tränen in den Augen drehte sie sich zu mir um. Wütend blickte sie mich an. “Jace, du bist sie ein verdammter Idiot”, fauchte sie mich an. “Und ein Feigling bist du auch”, schrie sie weiter und boxte mir vor die Brust. Sie warf mir weitere Dinge an den Kopf und boxte weiter auf mich ein. Ich stand einfach nur da und ließ sie machen. Nach einer Weile hörte sie auf und weinte nur noch. Ich nahm sie in den Arm. “Es ist ok. du bist verdammt süß wenn du wütend bist”, schrezte ich. Ich war mir nicht sicher ob sie weinte oder lachte. “Und du ein verdammt süßer Idiot”, nuschelte sie kurz darauf und löste sich von mir. Plötzlich kam mir eine Idee. “Lina, was hältst du davon, wenn wir noch mal von vorne Anfangen. Ein Neustart sozusagen. Wir vergessen alles und beginnen ganz von vorn”, erläuterte ich meine Idee. “Das klingt nach einer verdammt guten Idee, sagte sie und hatte ein breites Lächeln im Gesicht. Ich verließ den Raum und schloss die Tür hinter mir. Kurz atmete ich durch, bevor ich an die Tür klopfte. “Herein”, kam es kichernd von der anderen Seite. “Hallo, ich bin Jace”

      Vriska
      “Na dann los”, sagt Milena zu mir und zusammen liefen wir in die Halle. Also ich schleppe mich her dorthin.
      “Setz’ dich erst mal”, schlägt sie und reicht mir einen Stuhl. Ich bedanke mich und beobachte die Beiden zunächst.
      “Versuche Snúra auch beim Warmreiten mehr auf die Hinterhand zu bringen. Auch das Warmreiten hat einen Effekt”, rufe ich ihr zu. Milena bremst die Stute, richtet sie einige Schritte rückwärts und reitet wieder an.
      “Viel Besser”, schmunzel ist. Weiter konzentriert sie sich auf ihr Pferd.
      Unbeachtet nehme ich mein Handy aus der Hosentasche und scrolle durch die Instagram Timeline. Nur langweilige Beiträge, bis ich ein Bild von Folke und seiner Freundin Eorann sehe. Bisher wusste ich nicht, wie sie aussieht. Doch nun ein Bild. Misstrauisch betrachte ich das Bild. Gern würde ich es liken, aber Tyrell meinte, dass ich mein Handy in der Tasche lasse. Also scrolle ich weiter. Da tauscht er schon auf mit Nobel.
      “Ach Zuschauer”, ertönt es von Milena. Erschrocken drehe ich mich um. Niklas und Ju stehen am Eingang.
      “Wollt ihr euch nicht mal was anziehen?”, sage ich zu den Beiden. Im Kontrast zu zwei halbnackten Kerle und ich mit Hoodie und Kapuze auf dem Kopf.
      “Vielleicht solltest du dich lieber mal ausziehen”, antwortet Niklas.
      “Das geht dich gar nichts an”, schnaubt Milena ihn an.
      “Jetzt lass die Kerle und tölte Snúra an. Achte darauf, dass sie nicht direkt los sprintet. Sie muss erst versammelt sein und die Hinterhand aktivieren”, rufe ich ihr zu. Über ihren Sitz bremst sie die Stute ab und baut mit den Hilfen mehr Kontakt auf. Dann töltet sie los.

      Lina
      “Hallo, Jace ich bin Lina”, antwortete ich den jungen Mann der in meiner Tür nach. “Verstehst du was von Pferden, Jace”, fragte ich ihn. “Na, klar ich bin der beste Pferdeflüsterer der Welt”, sagte er mit stolz aufgerichteter Brust. “Na, dann komm mal mit und ich Zeig dir mein Problem”, sagte ich und schlüpfte kichernd an ihm vorbei. “Ey, warte auf mich”, rief Jace mir nach und das spornte mich nur an schneller zu laufen. “Du musst wohl schneller werden, du lahme Ente”, rief ich ihm zu und rannte die Treppe nach unten.

      Milena
      “Hallo, hier bin ich”, rufe ich meiner Freundin zu, die schon wieder mit ihrem Handy beschäftigt ist.
      “Sorry”, antwortet sie abgelenkt. Ich bremse mit Snúra vor ist.
      “Du musst mir nicht helfen, aber ich dachte das könnte mir helfen, nach dem ich gestern so elendig verkackt habe”, erzähle ich ihr.
      “Wie du hast verkackt?”, fragt sie.
      “Ach ja, du warst ja in der Klinik. Wir hatten eine Prüfungssituation. Ich war unkonzentriert, Snúra nervös und dann kam das eine zum anderen und ich hab abgebrochen.”, erläutere ich kurz.
      “Okay, mach’ mal noch ein wenig mit ihr, dann wechseln wir das Pferd”, schlägt Vriska vor.
      “Wie, wir wechseln das Pferd?”, frage ich verdutzt.
      “Ich lasse einen der Kerle Glymur fertig machen und sollen den her bringen. Dann kannst du den Champ mal nehmen.”, erzählt sie.
      “Wie einer der Kerle”, kommentiert Niklas.
      “Los hop, ihr habt gehört was zu tun ist. Macht das Pferd fertig”, kommandiert sie herum. Ohne noch was zu sagen, gehen Niklas und Ju.
      “Na hoffentlich wird das was”, sage ich zu Vriska und lache. Mit Snúra tölte ich an.

      Jace
      Am Ende der Treppe hatte ich sie eingeholt. “Hab ich dich”, rief ich triumphierend und hielt sie fest. “Tja, du bist wohl doch keine lahme Ente”, kam eine freche Antwort. “Wo geht's hin?”, fragte ich neugierig. “MMM… du hast doch bestimmt vom HMJ gehört, oder?”, fragend sah sie mich an. “Naja, eins dieser Pferde steht hier auf dem Hof und ist zufälligerweise mein Schützling. Auf dem Weg dahin erzählte sie mir was sie mit Ivi die letzten Tage gemacht hatte. Bei dem Hengst angekommen, halfterte Lina ihn und dann ging es zurück zum Putzplatz. Friedfertig und brav trottete der Freiberger uns hinterher.

      Niklas
      “Oh Hallo, Wer seid ihr und was habt ihr mit Lina und Jace gemacht?”, scherze ich und binde Glymur an. Ju hat schon eine bürste geholt und putzt den Hengst.
      “So ein Pony ist schon seltsam”, kommentiert er.
      “Da hast du vollkommen recht.”, stimme ich ihm zu. Hektisch guckt uns der blauäugige an. Um nochmal zu prüfen, ob der Hengst wirklich geritten kann, überprüfe ich die Beine und die Reaktion der Muskulatur. Es scheint wirklich alles gut zu sein, doch als Ju den Sattel holt, springt er panisch Beiseite.
      “Ich glaube, dass wird nichts”, sagt er dazu.
      “Jetzt stell’ dich nicht so an, als würdest du Pferde überhaupt nicht kennen”, fauche ich ihn an und nehme ihm den Sattel ab. Vorsichtig gehe auf Glymur zu und streiche ihm mit einer Hand über den Kopf. Neugierig beschnuppert er den Sattel. Langsam nähere ich mich dem Rücken. Diesmal streiche ich ihm mit der Hand über den Rücke und lege meinen Arm ab. Zufrieden schnaubt er ab und lässt mich den Sattel ablegen. Bevor ich weiter mache, nehme ich den Sattel erneut ab und beginne von vorn, etwas schneller. Glymur ist vollkommen entspannt auch das schließen des Gurtes stellt kein Problem dar.
      “Jetzt doch mal die Trense”, weise ich Ju zusammen. Widerwillig geht er in die Sattelkammer und kommt zurück mit der Trense.
      “Tack”, sage ich und lege dem Hengst diese an. Zusammen gehen wir zurück zur Reithalle.
      “Dein Pferd hat ein Problem”, sage ich zu Vriska, die schon wieder am Handy ist. Ungezügelt nehme ich es ihr weg.
      “Ey”, beschwert sie sich.
      “Dein Pferd hat ein Problem”, wiederhole ich.
      “Was ist denn mit dem?”, fragt sie.
      “Er hatte Angst vor dem Sattel, aber ich hab’s jetzt erstmal regeln können.”, erkläre ich ihr. Milena ist noch mit Snúra beschäftigt, also beschließe ich Kurzerhand die Steigbügel auf meine Länge einzustellen und mich auf das Pony zu setzen.

      Lina
      Während Jace den weißen Hengst putzte, widmete ich mich seiner Mähne. Unter der dicken langen Mähne tendierte er bei diesem Wetter immer zu schwitzen. “So, Jace jetzt will ich dir mal unser Problem zeigen”, sagte ich und führte Ivi zur Aufstiegshilfe. Jace hielt mir freundlicherweise gegen, sodass ich aufsteigen konnte. “Hier draußen läuft er wunderbar”, sagte ich und drückte dem Hengst meine Schenkel gegen die Flanken. Ich ritt ihn bis zu Halle. “Tür frei bitte”, rief ich und bekam gleich ein “Ist Frei “, als Antwort. Ich durchschritt das Tor mit Divine. “Und hier drinnen, passiert das”, sagte ich. Brav ging Divine genau eine Runde außen rum, bevor er wie von Zauberhand auf der Mittellinie einparkte. “Und genau das passiert, jede einzelne Runde”, sagte ich resigniert. Aufmerksam beobachtete Divine die anderen Pferde und der Halle. Als Niklas mit den Isländer Hengst relativ nah an uns vorbei ritt, lief er von alleine los und lief perfekt neben Glymur her. “Ja, und da wären wir auch schon bei dem zweiten Problem”.

      Vriska
      Schon waren wir zu dritt in der Halle. Noch immer kann ich nicht fassen, dass er sich auf mein Pferd gesetzt hat, doch begreife warum er das tut. Sein Umgang mit den Tieren ist großartig und auch Milena bewundert ihn gerade dafür. Sie hat sich mit Snúra in die Mitte gestellt, da sie noch sehr unsicher mit zwei Hengsten in der Halle. Milena steigt ab und wartet, bis Nik das Pferd frei gibt. Mein erster Gedanke ist der Stallburschen Kalender, der bei in Schweden im Aufenthaltsraum hängt.
      “Nimm’ ihn nicht so eng. Der braucht seinen Freiraum”, rufe ich ihm zu. Natürlich diskutiert er nicht mal sondern wendet das gesagt an.

      Jace
      Divine zog sein üblichen Verhalten ab. “Niklas könntest du zu Demonstrationszwecken bitte mal ein paar Bahnfiguren reiten?”, bat ich den jungen Mann auf Glymur. Lina ließ demonstrativ die Zügel von Divine lang. Wie immer, blieb der weiße Hengst in perfektem Tempo neben dem anderen Pferd egal in welche Richtung es ging. Zirkel, Schlangenlinien, Handwechsel alles kein Problem. “So, hat einer von euch vielleicht eine Lösung dafür?”, fragte Lina. “Wir haben schon alles Mögliche versucht. Alleine in der Halle parkt er nach einer Runde und bewegt sich dann keinen Meter mehr. Ist ein anderes Pferd dabei klebt er an ihm und macht einen auf perfektes Quadrille Pferd, das ist zwar manchmal ganz cool, aber sehr unpraktisch, wenn man zukünftig Turniere reiten möchte”, ergänzte ich.

      Niklas
      “Dein Pferd hat Trennungsängste aus der Fohlenzeit”, sage ich kurz angebunden zu Lina, die neben mir her reitet. “Wenn du das wegbekommen willst, bleibt dir nur Bodenarbeit. Viel Bodenarbeit. Du musst mit sein Kopf umprogrammieren, aber nicht dass er sich dann auf dich fokussiert sondern auf die Arbeit. Also jedes mal, wenn er neben einem anderen Pferd ist, wendest du ab und trabst an. Nicht vorher, nicht danach, sondern genau daneben. Das Ziel ist, ihn positiv zu verstärken. Am besten verbindest du es mit Clickern.”, erkläre ich ihr trocken. Lina sagt nichts und hört gespannt zu. Also erkläre ich weiter: “Am besten übt ihr auf dem Platz. Eine Freundin stellt sich mit einem Pferd an den Rand. Erst am Boden, dann auch vom Sattel aus. Dann sollte das was werden. Aber überfordere ihn nicht, bestrafe ihn nicht. Das ist sein Fluchtinstinkt.”

      Lina
      “Klingt als würde das eine Menge Arbeit werden”, kommentierte ich Niklas Tipp. “Na, dann werden wir wohl mal üben gehen”, sagte ich und lenkte den Freiberger auf die Mittellinie. Irgendwie sahen Niklas und Glymur ziemlich gut zusammen aus. Ich war so abgelenkt, da ich vergaß abzusteigen. “Sieht der auf jedem Pferd so gut aus”, wollte ich eigentlich denken, doch scheinbar hatte ich es laut ausgesprochen. Denn von Milena und Vriska, bekam ich ein lautes Ja, als Antwort. Egal wie blöd ich ihm am Anfang fand, Ahnung von Pferden und vom reiten hatte er definitiv. “Lina, bis du da festgewachsen oder kommst du jetzt mal”, riss mich Jace aus meiner Faszination. “Noch nie nen Kerl auf nem Pferd gesehen oder was?”, kam es feixend von Ju.

      Darya
      In der Luft schwebte eine unangenehme Stille, alle waren entweder wütend oder entschuldigend weggerannt und nun saß ich hier etwas allein in der Runde und entschied mich wieder zu Mika und Ambrose zu gesellen. Emilia war mittlerweile dazugestoßen und saß provokant auf Ambrose‘ Schoß, der ihre Schenkel eng umfasste - wie schön dünn ihre Beine waren dachte ich und verglich sie mit meinen Kloppern und starrte sie dabei an, was sie natürlich merkte. „Ist was?“, fragte sie etwas verunsichert. „Nein nein alles gut, ich war grad bloß in Gedanken versunken, tut mir leid.“, gab ich beschämt zurück. Mika, der mich aus meiner unangenehmen Situation befreien wollte, zog mich auf seinen Schoß, er war immer noch nass, aber bei der Hitze war es ganz angenehm. „Jo wo sind denn eigentlich alle hin?“, fragte Ambrose, der anscheinend mal wieder nichts gecheckt hatte. Mika und ich lachten gemeinsam und schüttelten herablassend die Köpfe. „Wollen wir vielleicht mal in der Reithalle nachsehen?“, schlug ich nun vor. Emilia waren Gruppenangelegenheiten immer sehr zuwider, weshalb sie sich ins Zimmer verabschiedete, Ambrose schien einen Moment lang zu überlegen, ob er ihr folgen sollte, aber entschied sich dagegen und schloss sich uns an.
      In der Reithalle schien Hochbetrieb zu sein und Jace und Lina standen plötzlich mit Divine da, so konnte ich den schönen Hengst auch mal sehen, dachte ich. „Noch mehr Zuschauer.“, sagte Vriska, aber ich konnte nicht sagen, ob sie Genervt war, oder es ihr egal war. Ich fühlte mich etwas fehl am Platz und gab hektisch zurück, „Oh wir können auch wieder gehen, wir wollten nur gucken, wo …“. „Ach Püppchen entspannt dich mal, klar könnt ihr zugucken.“, unterbrach Niklas der da so oben ohne auf dem Pferd saß, er gab eine gute Figur mit dem Isländer ab, also nur reittechnisch natürlich.

      Lina
      Als nun noch mehr Leute die Halle betraten, stieg ich dann doch mal von meinem Pferd ab. “Wenn dir hier zu viel los ist, kannst du gerne mit mir kommen. Ich geh mit dem hübschen hier jetzt auf den Platz”, verkündete ich und stiefelte aus der Halle. Am liebsten wäre ich ja da geblieben und hätte Niklas weiter beim Reiten zu geschaut, doch jetzt forderte Divine erst mal meine Aufmerksamkeit. Vor dem Stall nahm ich Sattel und Trense ab und ließ Divine einfach so da stehen. Der würde eh nicht weggelaufen. In der Sattelkammer tauschte ich das Reitzeug gegen, ein Knotenhalfter und warte auf Jace, der ein weiters Pferd holen wollte.
      Kurz darauf kam Jace mit Rumkugel zurück und wir gingen zum Reitplatz.

      Alle am Hof kämpften mit den heißen Temperaturen, doch mittlerweile ist die Sonne untergangen. Eine romantische Stimmung liegt in der Luft. Bevor es zu Pferd geht, gibt es Abendessen. Spontan haben die Trainer beschlossen den Grill anzuheizen.

      Vriska
      „Heute Abend steht was besonderes an. Hoffentlich hat jeder von euch einen Partner gewählt, denn das Partnertraining steht an. Das besondere ist, dass ihr die Pferde tauscht. Es werden immer drei Paare gleichzeitig auf dem Platz im Flutlicht reiten. Doch bevor wir anfangen, könnt ihr euch stärken. Da es heute
      bestimmt etwas länger wird, ist morgen frei. Außerdem sollen die Temperaturen auf 32 Grad ansteigen. Und nun: Guten Appetit!“, sagt Herr Holm an. Unmotiviert betrachte ich den Grill. Nur Fleisch steht zur Auswahl, im Kartoffelsalat ist Ei und im Nudelsalat Mayonnaise. Ich wähle somit nur eine kleine Auswahl von Gurken und Mais. Spannend. Bei der Wahl meines Platzes ist die Auswahl genauso groß wie vom Essen. Entweder ich setze mich zu Max und Hannes, oder neben Niklas, der gerade mit Anna rum macht. Doch lieber das Pärchen als Max. Unauffällig setze ich mich an den Tisch und fange an die Gurken in meinen Mund.
      „Da passt sicher noch mehr herein“, kommentiert Niklas. Offenbar hat er mich doch bemerkt. Anna ignoriert mich.

      Lina
      Um mich etwas abzukühlen, war ich nach dem Training mit Divine erst mal Duschen gegangen. Somit kam ich jetzt beim Abendessen mit noch tropfenden Haaren an, was aber eigentlich angenehm kühl war. Mit meinem voll beladenen Teller machte ich mich dann auf die Suche nach einem Sitzplatz. Schließlich entdeckte ich Hannes, der zusammen mit Jace und ein paar anderen an einem großen Tisch saß. “Hey Jungs ist bei euch noch ein Plätzchen frei?”, fragte ich, bevor ich mich auf einen freien Stuhl setzte. “Na, eigentlich war das ja mein Platz”, beschwerte sich einer der Jungs. “Sei ein Gentleman Chris und hol dir einen neuen Stuhl”, bekam er sogleich von den anderen zu hören.

      Ambrose
      Mittlerweile hatten wir uns alle beim Abendbrot versammelt und ich hatte für unsere Dreier Clique ein lausches Plätzchen zwischen den anderen gefunden. „Jo Männers, wir haben noch keine Partner, lässt dich da ne entspannte Lösung finden.“, fragte ich in die Runde und sofort meldete sich Anna, die Niklas einen Todesblick schenkte und mich dann anschließend charmant anlächelte und sagte „Ich mach mit dir, mein Pferd ist glaube ich nicht so entspannt wie deins, das wird interessant.“. Na super Beziehungsstress, da ist ja so gar nicht meins. Anschließend fragte Ju, ob Dasha mit ihm ein Team bilden wollte, wobei sich Mika sofort dafür einsetzte, dass er zeitgleich mit den beiden auf dem Platz sein wollte. „Alles gut, sie gehört zu dir, aber ich dachte sie würde gern mal Amnesia reiten.“, besänftigte Ju ihn entspannt. Er schenkte ihm ein ehrliches Lächeln. „Und mit wem mach ich jetzt?“, fragte Mika nun gekünstelt beleidigt. Gerade in diesem Moment lief Samu mit Jayden an uns vorbei und wendete sich uns zu. „Wenn du magst, machen wir. Briar soll auch mal neue Reiter kennenlernen.“, schlug er freundlich vor, sodass Mika nur zustimmen konnte und mit ihm einschlug. Jetzt wo alles geklärt war verschlang ich gierig das geile Gegrillte Zeugs, also das Essen in Kanada lässt nichts zu wünschen übrig.

      Vriska
      Mein Teller ist leer, alles was Essen könnte an der Auswahl ebenfalls. Besorgt kommt Frau Wallin zu mir und sagt: “Du hast doch nicht wirklich vor heute mit zu reiten.”
      “Doch, wenn’s nichts wird, steige ich halt ab”, antworte ich gelassen.
      “Bitte sei vorsichtig”, antwortet sie. Natürlich überdenke ich direkt, wer ihr das gesagt haben könnte, da bleibt Ju nur übrig. Irgendwie versucht er immer die Welt zu verbessern, aber das wird nichts. Das Ziel ist zu groß.
      “Also, die ersten drei Paare können ihre Pferde fertig machen.”, sagt Herr Holm.
      “Hier”, ruft Niklas direkt und guckt zu mir. Ich nicke ihm zustimmend zu.

      Lina
      Als die Trainer verkündeten, dass die ersten sich fertig machen können, begann ich mich nach meiner Partnerin umsehen. Es dauerte nicht lange und ich fand sie zusammen mit Vriska und Niklas ein paar Tische weiter. “Hey Milena, gehen wir auch mit?”, rief ich ihr zu.
      “Ja, können wir gern machen”, antwortet sie. “Wir gehen auch mit”, teilte ich den Trainern mit. “Na, dann zeige ich dir mal dein Pferdchen für heute, ich hoffe, du bist Bereit für eine Herausforderung”, sagte ich und ging zusammen mit Milena in Richtung Hauptstall. Ich hatte die Stute schon vorhin von der Koppel geholt. Kaum betraten wir den Stall, kam auch schon ein Kopf über die Boxentür. “Ah, da ist sie ja auch schon”, sagte ich und deute auf ihre Box. “Das ist Miss Griselda Braun. Entschuldige ihr misstrauische Art, sie war mal ein Tierschutzfall”, erklärte ich. Wie immer schaute Griselda mir angelegten Ohren aus ihrer Box und guckte vor allem Melina sehr böse an.

      Milena
      “Es ist jetzt nicht dein Ernst?”, frage ich Lina geschockt, die mir offenbar einen Teufel geben will. Sie lacht. “Bitte, bitte nicht. Die kommt sicher nicht mal raus aus der Box”, flehe ich. Sie verneint und drückt mir das Halfter der gescheckten Stute in die Hand. Also eine Herausforderung. Na gut. Langsam gehe ich zur ihr, misstrauisch schnappt sie nach mehr.
      “Jetzt mal ganz ehrlich. Warum machen wir direkt jetzt das Training, in zwei Stunden hätte ich sie bestimmt aus der Box draußen.”, sage ich verärgert zu Lina, die sich ziemlich schlapp lacht. Warum ist Vriska nicht an meiner Stelle? Die konnte durch Bruce so viel über Problempferde lernen. Ich hingegen hatte immer die tollen Reitschulpferden. Aber Angst und mein Fluchtgedanke hilft der Stute auch nicht. Selbstsicherheit ist der Plan. Ich laufe im Stall auf und wieder ab. Dann atme ich tief durch ich kralle mir ein Leckerli aus der Hosentasche und halte es ihr hin. Die Ohren von bewegen sich minimal nach vorn und ich weiß, dass auf dem richtigen Weg bin. Während sie abgelenkt das Genussmittel genießt, lege ich ihr vorsichtig das Halfter um. Lina öffnet mir die Box und die Stute stürmt heraus. “Ruhig”, sage ich zu Ihr. Als würde sie sich Gedanken macht, bleibt sie stehen und ich kann sie anbinden.
      “Siehste, ist gar nicht so schwer”, scherze ich und Lina beobachtet uns gespannt.

      Lina
      Etwas belustigt schaute ich Milena dabei zu wie sie Grisi aus der Box holte. “Du weißt aber schon ,dass das ein Pferd ist und kein Löwe?”, fragte ich leicht ironisch. Ich brachte ihr Griselda Putzbox und stricht der Scheckstute sanft über den Hals und begann sie zu kraulen. “Siehst du sie kann ganz freundlich sein”, sagte ich während die Stute begann den Hals langzumachen. “Wen darf ich eigentlich heute reiten?”, fragte ich die junge Frau die sich gerade mit Striegel und Kardätsche bewaffnete.

      Ambrose
      Bei der Frage, wer in der ersten Trainingsgruppe sein wollte, lehnte ich mich entspannt zurück und versuchte mich etwas zu entspannen, bis Anna sich hektisch meldete und fast schon kreischte “Ambrose und ich machen auch noch mit!”. Genervt verdrehte ich meine Augen und hievte mich aus dem Stuhl hoch und versuchte Anna auf dem Weg zum Stall einzuholen. Das wird ja ein Spaß mit Anna, die die ganze Zeit abgelenkt ist und nur kontrollieren will, was Niklas macht. Deshalb beschloss ich sie vorerst zu ignorieren und mich ausschließlich mit Oline zu beschäftigen und trat gelassen an ihre Box. “Na Olli, hast du die Reise gut überstanden?”, fragte ich die hübsche Falbstute, die ihren Kopf rausstreckte, um mich zu begrüßen. Soweit sah sie ganz fit aus und ich denke ein bisschen Bewegung könnte ihr guttun. Schnell griff ich das Halfter heben der Box und holte sie anschließend raus, um sie dann anzubinden. “Ganz schön fett geworden, Dicki.”, neckte ich meine Stute und strich ihr über den ziemlich runden Bauch, während sie mich mit einem argwöhnischen Blick bedachte. Während ich Olli putze, führte Anna ihre Stute vorbei, die ich noch gar nicht gesehen hatte - hochgewachsen, dressurbetont, samtiges braun und glänzte wie verrückt, natürlich war auch die Mähne eingeflochten. Meine Fresse müssen die Eltern reich sein, so wie das Pferd und sein Zubehör aussah. Die beiden kamen neben mir zum Halten, sodass Anna ihre Stute anbinden konnte und sie mir anschließend vorstellte, “So das hier ist meine Lubumbashi oder einfach Lubi, schwedisches Warmblut und ebenfalls Dressur geritten.”. Kurz ließ ich von Oline ab und begrüßte die außerordentlich hübsche Stute. “Das da...”, ich deutete auf mein Dickerchen, “...ist Oline oder einfach Olli oder Dicki, dänisches Warmblut und auch dressurbetont.”, stellte ich die beiden nun auch miteinander vor und Anna tätschelte sofort ihren Kopf. Gemeinsam bereiteten wir die Pferde vor und ich musste schlucken, als Anna mit ihrem Kram ankam: Glitzer, alles personalisiert und, wie sollte es auch anders sein, teuer. Etwas verlegen schaute ich auf mein einfaches Zeug, welches teilweise noch von meinem Wallach Piko stammte.

      Jace
      Während die ersten zu ihren Pferden verschwanden, saß ich noch zusammen mit den anderen gemütlich beim Essen. “Sagt mal Jungs, wie seit ihr eigentlich so zu euren Pferden gekommen?”, fragte ich neugierig in die Runde.

      Milena
      “Lach’ nicht so doof”, sage ich zu Lina, die immer noch einfach nur da stand. Gekonnt greife ich nach einer Bürste, um Grisi zu putzen, die natürlich in die Bürste beisst. Ich gehe einen Schritt zurück und lasse sie die Bürste betrachten, die Grisi neugierig inspiziert. Dann darf ich sie weiter putzen. So mache ich weiter, bis es zum satteln geht. Lina hat mir bereits alles gebracht.

      Vriska
      “Du bist mir auf vielen Ebenen heute klar im Vorteil”, sage ich zu Niklas, als wir die Pferde putzen.
      “Warum?”, fragt er dümmlich mit einem dreckigen Grinsen.
      “Ich bin teilzeit behindert und auf meinem Pferd hast du auch schon gesessen”, erkläre ich ihm. Über meine Wortwahl muss er lachen und stimmt mir zu. Mein Satteln muss Niklas mir helfen, nicht nur, weil ich so klein bin sondern auch meine Arme nicht helfen kann.
      Am Platz angekommen, sind wir die ersten. Frau Wallin ist mittlerweile auch dabei und beachtet kritisch, als Niklas mir auf’s Pferd hilft. Ich spüre einen Schmerz, doch als ich sitze, ist wieder alles gut. Ungewöhnlich zuhause fühle ich mich auf dem Rücken von Smoothie. Auch er hat sich schon auf meinen Hengst gesetzt und zusammen reiten wir die Pferde warm.

      Mika
      Als die anderen eine ganze Weile verschwunden waren, entschieden Dasha und ich, dass wir unserem Zimmer mal einen Besuch abstatten, unsere Sachen auspacken und vielleicht auch noch eine Runde schliefen. Da Dasha keine Anstalten machte aufzustehen, beschloss ich kurzer Hand sie einfach über meine Schulter zu werden und sie eben so ins Zimmer zu bringen. “Wollen wir nicht mal nach den Pferden sehen?”, fragte sie etwas beunruhigt, da sie sich wie immer Sorgen um ihren ‘geliebten Schatz’ machte. “Ach quatsch, wir befinden uns hier auf einem äußerst renommierten Hof, auf dem die Pferde gefühlt 24/7 verwöhnt werden.”, wehrte ich den Vorschlag freundlich ab und setzte sie vor den Treppen zu den Zimmern ab.

      Ambrose
      Kurz nachdem Niklas und Vriska sich zum Reitplatz begaben, waren auch wir fertig mit dem Vorbereiten der Pferde, zumindest dachte ich das, bis Anna aus der Sattelkammer mit Bandagen zurückkam und mühsam begann sie Lubi anzulegen. “Du weißt schon, dass die Teile nichts bringen oder? Mit einer Bandagierunterlage vielleicht noch ein bisschen Schutz, aber ansonsten unterbrichst du so eher die Blutzufuhr.”, belehrte ich sie etwas verwundert darüber, dass sie wirklich mit vollem Ernst die Teile da ranklatschen wollte. “Okay.”, gab sie leise, aber auch etwas genervt zurück und feuerte die weißen Stoffteile in die Ecke und ergänzte schließlich noch “aber sie neigt dazu sich vorne in die Fesselbeugen zu treten.”. Etwas belustigt verschwand ich in der Sattelkammer und kam mit einem Paar Hufglocken zurück, “Hier versuchs mal damit, ich schau mir das im Training gleich mal an.” Anna bedankte sich und legte die Teile an, sodass wir endlich auch zum Reitplatz gehen konnten.
      Gentleman wie ich bin, bat ich ihr an sie aufs Pferd zu setzen oder ihr zumindest zu helfen, eigentlich wollte sie bereits abwehren, doch als sie Niklas und Vriska zusammen reiten sah, griff sie nach meinen Händen und packte sie auf ihre Hüfte und zählte von drei runter. Sie machte ein gutes Bild auf Oline, die noch gar nicht zu merken schien, dass dort oben jemand anderes saß. Mit der Aufsteigshilfe schwang ich mich nun auch auf Lubis Rücken, die doch größer, aber vor allem schlanker als Olli war.

      Lina
      Nachdem Milena es geschafft hatte Grisi fertig zu machen, ohne gefressen zu werden und ich auch noch schnell Kempa fertig gemacht hatte, trudelt auch wir endlich auf dem Reitplatz ein. “Warte, ich halte dir gegen”, sagte ich zu Melina die der Scheckstute einen nervösen Blick zu warf. “Keine Sorge, du kannst das. Ich habe die gesehen wie du mit deinen beiden Umgehst, ich stell dir doch kein Pferd hin, was du nicht reiten kannst. Im Grunde ist Grisi sehr fein geritten, doch sie kann manchmal echt stur sein. Du darfst ihr nur nicht zuviel Druck machen”, erklärte ich Ihr. Auch wenn Grisela ein wenig schwierig sein konnte, im Grunde genommen ist sie ein kluges Pferd. Melina stieg auf die Aufsteighilfe und kletterte auf die Stute.
      Vriska
      Natürlich hatte ich mitbekommen, wie Anna zu uns geguckt hat und versuchte Niklas eifersüchtig zu machen mit Ambrose. Doch er hatte das gar nicht gesehen und war auf Vollkommen auf Glymur konzentriert. Lina und Milena sind auch am Platz angekommen. Wirklich gut gelaunt scheint das Pferd, welches sie bekommen hat, nicht zu sein.
      Im Schritt reite ich zum Ambrose, der gerade mit Lubi unterwegs ist. “Du Ambrose.”, spreche ich ihn an. “Mh?”, antwortet er entspannt. “Ich brauch’ was. Du weißt was ich mein”, erkläre ich ihm. “Alles klar, machen wir nachher”, kommt von ihm und er wendet die Stute ab.
      “Vriska, versuch’ dich mehr in den Sattel zu setzen, wenn es geht”, sagt Herr Holm zu mir. Dann halte ich Smoothie an und er kommt zu mir. Er richtet meine Beine hin. Irgendwie es anders als auf den Isländern. Vermutlich sitze ich für die richtigen englischen Reiter wie der letzte Kartoffelsack auf dem Pferd.
      “Niklas, setze dich weiter nach hinten in den Sattel. Der Schwerpunkt bei einem Islandpferd ist etwas weiter hinten im Sattel. Deswegen sattelst du etwas weiter hinten.”, erklärt Frau Wallin ihm. Direkt setzt er sich anders hinten ohne zu diskutieren. Das bewundere ich an ihm, einerseits ist er immer in Abwehrhaltung, doch sobald er auf dem Pferd sitzt, scheint es diesen Niklas nicht mehr zu geben.
      “Konzentriere dich auf Smooth und nicht auf dein Pferd. Niklas macht den nicht kaputt”, ruft Herr Holm mir zu.

      Lina
      Auch ich war inzwischen aufgestiegen. Kempa machte keinerlei Probleme. Mit der größe der Isländerstute hatte ich keinerlei Probleme, einzig die Gangart war ein wenig seltsam. Typisch kurze Ponyschritte, aber irgendwie auch nicht. “Melina, lass den Zügel länger, dann rennt Grisi auch nicht so”, rief ich dem Mädchen auf der Scheckstute zu. Sogleich befolgte sie meine Anweisung und schon wurde Grisi und auch ihre Ohren lagen gleich nicht mehr ganz so fest an ihrem Kopf. Ich trieb Kempa ein wenig an damit sie ein wenig fleißiger Vorwärts ging.
      “Lina, auch wenn wir gerade die Pferde warmreiten, sollte Kempa und auch du ordentlich arbeiten. Gib’ ihr etwas mehr Zügel, Schultern zusammendrücken, und Hände weiter nach Oben. Und du schiebst keinen Kinderwagen, sondern sitzt auf dem Pferd. *Pause* Achte auch auf deine Beine. Deine Haken sind zu weit unten, versuch deine Fußsohle locker nach außen zu lehnen. Dann sind sie automatisch richtig.”, kommentiert Frau Wallin und läuft neben mir her. Sogleich versuchte ich die Kritik der Trainerin anzuwenden. Wow, jetzt erst merkte ich wie lange ich keine richtige Reitstunde hatte. Wenn wir hier auf dem Hof Stunde hatten, wärmten wir in der Regel alleine auf. Und gerade ich ließ es da häufig erst mal gemütlich angehen. Das hier war definitiv eine andere Nummer. “Schon besser”, kam es von der Trainerin als Kommentar.

      Ambrose
      Während ich bemüht war Lubi anständig warm zu reiten, ließ Anna Oline nur so vor sich hin stolpern - kein Wunder, dass ihr Riesengaul sich in die Fesselbeugen tritt. Durch die paar extra Zentimeter war ihr Schritt aber deutlich bequemer als der von Olli, obwohl ich doch zu tun hatte mich selbst beisammen zu halten, um auch ordentlich die Hilfen geben zu können.
      “Ambrose, Lubi bewegt sich in Zeitlupe. Treibe sie mehr vorwärts, verlagere dein Gewicht mehr nach hinten. Sie stolpert die ganze Zeit, weil du ihr kaum Raum gibst sich zu strecken und fällt dadurch auf die Vorderhand.”, kommentiert Herr Holm. Vielleicht war ich doch generell etwas zu entspannt, weshalb ich mich aufrichtete und sofort die Anweisungen von Herrn Holm umsetzte und die Stute vorwärts trieb und tatsächlich suchte sie nun den Weg nach unten und in die Länge. “Hui warum ist die denn so schnell im Schritt?”, rutsche es mir dann heraus, was den Anderen ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Tatsächlich war ich mehr besorgt um mein eigenes Pferdchen und schaute deshalb oft zu Anna, die irgendwie abwesend schien. “Anna, so bezaubert du auf dem Pferd aussiehst, musst du Olli nicht dermaßen versammeln. Außerdem muss dein Blick durch die Ohren gehen und nicht auf deine Hände. Du solltest spüren, was die machen, ansonsten wäre ein Besuch beim Arzt angebracht. Komm’ dann bei A mal auf den Zirkel, wir müssen an deinem Sitz arbeiten”, ruft Herr Holm Anna zu, die nicht mal guckt oder überhaupt so wirkt als würde sie zuhören. Natürlich habe ich damit recht. Sie erreicht A und reitet einfach weiter. “Hallo, hörst du mir zu? Wenn du nicht mal schaffst die einfachsten Anweisungen zu begreifen, steig’ ab und geh’”, kommt nun von ihm empört.

      Milena
      Stolz reite ich mit Grisi über den Platz, die hektisch zu jedem Pferd gibt. Sogar nach Smoothie schnappt sie, aber Vriska ignoriert es gekonnt. “Milena. Du musst nicht jeden Schritt vom Pferd treiben. Das ist eine super schlechte Angewohnheit von dir. Setz’ dich still hin und arbeite mit dem Gewicht, nicht mit dem Haken im Pferdebauch”, sagt Frau Wallin zu mir, die merkt, dass ich etwas überfordert mit der Scheckstute. Gern würde ich mit meinen Beinen aufhören doch jedes mal, wenn ich mich nicht darauf konzentriere, beginne ich wieder. Doch Grisi erinnert mich jedes mal daran, dass sie es blöd findet. Wenn ich anfange dreht sie sich hektisch zu mir und schlägt mit dem Schweif. Also lege ich mein Augenmerk auf die Beine. Ich erwische mich dabei, auf die Beine zu gucken, statt zu Grisi zu gucken. Im Schritt binde ich einige Bahnfiguren ein, damit ihr nicht langweilig wird.

      Lina
      “So, eure Pferde sollten jetzt warm sein, nehmt den Trab dazu. Bei den Isländer dürft ihr auch tölten wenn es euch einfacher fällt”, sagte Herr Holm. Tölte, äh ja richitg ich saß ja auf einem Isländer. Doch wie sollte das denn bloß funktionieren? Am besten versuche ich es erstmal die Stute in den Trab zu bekommen. Ich setzte mich also ein wenig tiefer in den Sattel und nahm den Zügel minimal nach, bevor ich der Stute die Hilfen für den Tab gab. Doch die kleine Palominostute machte mir einen Strich durch die Richtung. Kempa hob den Kopf nach oben und töltete los. Auch wenn das Tölt war, war ich mir ziemlich sicher, dass sich das so nicht anfühlen sollte. “Ähhh, kann mir mal jemand erklären wie das funktioniert mit dem Tölt?”, fragte ich während ich die Stute wieder in den Schritt brachte. Da wandte sich Frau Wallin an mich: “Also, so schwer ist das nicht. Setz dich in Vollsitz, also tief im Sattel, Arme locker, Schenkel nach innen. Nun musst du mehr Spannung bekommen, dann reagiert auch Kempa. Verkürze langsam und sanft die Zügel, verlagere das Gewicht mehr nach hinte, damit der Motor startet. Mit einigen halben Paraden vermittelst du ihr, dass gleich was kommt. Mit dem Unterschenkel drückst du leicht, um sie vorwärts zu bekommen. Nun müsste sie im Tölt sein und du musst die Spannung halten, mit leichten Paraden ihre Haltung aufrecht behalten. Wenn du die Spannung verlierst, dann stellt sie in den Trab um, da Kempa kein Naturtölter ist und viele Hilfen benötigt.” Mit der Hilfe von Frau Wallin, hatte ich es tatsächlich geschafft, die Stute in den Tölt zu bekommen. Doch nach einer halben Runde, musste ich sie in den Trab umstellen. Der Tölt der Stute war verdammt bequem. “Wow, jetzt verstehe ich warum alle Isis wollen”, murmelte ich ein wenig erstaunt vor mich hin. Ich trabte die Stute ein paar Runden, bevor ich es erneut versuchte anzutölten. Dieses Mal schaffte ich es auch schon den Tölt länger zu halten. Es macht richtig Spaß mit der Stute zu rumzudüsen.

      Niklas
      Ich hatte Glymur bisher nur getrabt, weil ich nicht wirklich Interesse hatte Gangsalat unter mir zu haben. Umso besser konnte ich mit ihm Traben. Auch wenn die Schritte ziemlich kurz waren, erschien mit der Schwung so viel größer als bei Smoothie. Dann bemerkte ich, dass Vriska als einzige im Schritt ist. Also bremste ich ihren Hengst ab und reite auf dem zweiten Hufschlag neben ihr her. “Du musst nicht schneller, wenn du nicht willst”, versuchte ich sie aufzumuntern. Ihr Gesicht sah aus, als wäre nicht ansatzweise alles gut.
      “Passt schon”, antwortet sie kurz gebunden. Beim erreichen des Hufschlags, trabe ich Glymur wieder an.

      Vriska
      Emotionen und Gefühle verstecken liegt mir nur bedingt. Traben wollte ich nicht. Schon bei dem Gedanken daran, schüttelt sich mein Körper. Dann viel mir etwas interessantes ein. Smoothie ist ein Standardbred, ein edler Standardbred. Deswegen kann es sein, dass sie tölten kann. In mir fasst sich neuer Mut, also bereite ich sie vor, wie jedes Jungpferd, dass ich bisher unter dem Sattel hat. Anfangs beginne ich erste Temposchübe aus dem Halt und eine höheren Haltungen. Dann baue ich Spannung auf und Smoothie töltet einige Schritte. Mein Gesicht strahlt vor Freude. “Wow”, sagt Frau Wallin und auch Herr Holm ist überrascht.
      “Bitte was?”, fragt Niklas schockiert, der gerade nicht begreifen kann, was seine Stute da gemacht hat. “Nochmal”, fordert er direkt. Also versammle ich sie erneut, baue Spannung auf und Smooth töltet wieder an. Diesmal kann sie einige Schritte mehr halten und ich pariere sie direkt in den Schritt durch.

      Alle Teilnehmer hatte ein erfolgreiches oder zumindest Aufschlussreiches Training. Während die letzten noch dabei waren ihre Pferde wegzubringen, waren die anderen dabei, ein Lagerfeuer anzuzünden.

      Lina
      “Ey Jungs, macht euch mal nützlich und holt nochmal ein bisschen Holz”, sagte ich zu Jace, Ju und Niklas die es sich gerade bequem machen wollten. “Das da sieht ganz schön traurig aus”, ergänzte ich und deute auf das recht kleine Feuer. Die drei murrten zwar ein bisschen, aber machten sich dann doch auf den Weg zum Holzlager. Kurz darauf, kamen sie dann mit ein paar weiteren Jungs und einer großen Ladung Holz zurück.

      Vriska
      Ambrose hatte mir nach dem Training den Brokkoli übergeben und am Feuer entschied ich nun für uns alle eine Aufmunterung zu schaffen. Auch Milena hat es nun auch mitbekommen. Bis auf Lina und sie kennt niemand meine Story, weswegen sie kurz hinterfragt: “Denkst du, dass eine gute Idee?”
      “Ja”, sage ich kurz und schließe das Blatt wie es sich gehört - holländisch. Den Rest wackel ich ab.
      “Will jemand anfangen?”, frage ich freundlich in die Runde. Niemand meldet sich, aber die Jungs kommen mit neuem Holz wieder.
      “Was wird denn das hier?”, kommt von Niklas und setzt sich zu Milena.
      “Wonach sieht es denn aus?”, antwortet meine beste Freundin gernevt. Also nehme ich den ersten Zug, den zweiten, den Dritten und gebe weiter. Motiviert nimmt Niklas das Brokkoli Papier entgegen. Auch er zieht zweimal kräftig und gibt weiter zu Ju. Dann macht er die Runde.

      Jace
      Inzwischen war der Brokkoli bei mir angekommen und auch ich hatte ein paar Züge genommen. So wünscht man sich doch einen Tagesabschluss. Nun war nur noch Lina übrig, die noch etwas skeptisch dreinblickte. “Lin, sei kein Frosch, ich weiß, dass es nicht dein erstmal ist”, neckte ich sie ein wenig. Ein paar erstaunte Blicke richten sich auf sie.”Na los”, sagte ich nur und drückte ihr den Brokkoli in die die Hand. Einen Moment lang zögerte sie noch und schien zu überlegen, ob das eine Gute Idee war. “Ach, Scheiß drauf”, kam es dann nur noch von ihr und zum Erstaunen der meisten, nahm sie auch einen kräftigen Zug, bevor sie den Brokkoli wieder an Vriska reichte.

      Ambrose
      „Jo Diggi wenn ihr schon mein Zeug raucht, hätte ich doch auch schon gern einen Zug davon.“, protestierte ich lachend und zerrte ihn förmlich aus Vriskas Hand und nahm einen tiefen Zug. Gutes Zeug haben die Schweden, nicht zu harzig, einfach perfekt und vor allem nicht gepunscht. „Respekt, wusste gar nicht, dass du bauen kannst!“, lobte ich Vriska, als ich mir das Teil nochmal näher anschaute. Entspannt ließ ich mich tiefer in den Stuhl sinken und reichte den Blunt weiter. Plötzlich packte mich jemand an den Schultern und griff nach dem Brokkoli. „Ey!...“ - „Ganz ruhig Dicker, kein Zug hier ohne mich, muss aber gleich zum Training.“, antwortete Mika, der sich nun zu erkennen gab. Er warf einen Blick in die Runde und blieb auf Ju stehen, „Kommst du mit? Die zweite Gruppe ist dran und du machst doch mit Dasha. Ich hab auch noch was von dem Zeug, dann verpasst du nichts.“, fragte er ihn schließlich.

      Niklas
      „Ich hatte schon zwei Züge“, sagt Ju zu Mika und folgt ihm zum Stall. Das kann nichts werden denke ich. Dann schweift mein Blick und Anna, die nach dem Vriska erneut zwei Züge genommen hat, auch tief inhaliert. Offenbar waren alle schon ziemlich breit. Besonders die Kleine, die Aktion imitiert hat, schien gut dabei zu sein.
      „Wisst ihr warum es so viele Verschwörungstheorien gibt?“, fragte sie nachdenklich in die Runde.
      „Nein, aber du wirst uns sicher gleich aufklären“, Scherze ich.
      „Also gut. Ich denke, dass die mehr wissen als wir. Deswegen gibt es auch die Diagnose Gotteskomplexe. Wir wurden erschaffen von Göttern, also sind ein Teil von denen. Und die, die das haben, sind quasi mehr von denen. Die Verschwörungstheorien sind also Erinnerungen von der Welt, unserer Götter, weil kein Mensch war jemals so intelligent Pyramiden bauen zu können. Sonst gäbe es ja noch mehr. Ägypten war quasi der Ort, an dem die ersten Menschen wieder gelassen wurden“, fängt sie an. In Gruppe sieht man nachdenkliche Gesichter, die den Sternenhimmel betrachten.
      „Irgendwie macht das total Sinn“, antwortet Anna. Auch ich machte mir meine Gedanken darüber. In mir kamen fragen auf, die sie sicher beantworten kann. Oder jemand anderes.
      „Aber warum führen wir dann miteinander Krieg?“, frage ich ohne jemanden anzugucken.
      „Das ist total einfach. Wir haben uns weiter entwickelt und es liegt in unserer Natur. Schließlich sind wir nur da, um für die Götter eine Bewohnbare Welt zu schaffen. Damit sie uns, ihre Kinder, nicht umbringen müssen, haben sie in die Genetik gelegt, dass wir es von selbst tun“, wirft Milena ein. Ich brumme zustimmend.

      Lina
      "Ich glaube eher da liegt ein Konstruktionsfehler in den Menschen vor", sagte ich nachdenklich. "Ich glaube nicht, daß die Götter vorgesehen habe das wir irgendwann schlau genug werden um das Weltall zu erkunden", murmelte ich vor mich hin. Nachdenklich betrachte ich den Mond der inzwischen am Himmel erschienen war und ein silbriges Licht auf uns warf. Der Mond faszinierte mich sodass meine Gedanken abschweiften. "Ich sag euch Freunde, irgendwo da draußen sitzt irgendwer der uns beobachtet", kam es von irgendwem.

      Jace
      Es herrschte eine sehr entspannte Stimmung am Lagerfeuer und die Flammen tanzen lustig im Feuer. Während die andern Irgendwas über Götter faselten was ich nicht ganz peilte gingen meine Gedanken wo ganz anders hin. Mein Blick schweift über die Gruppe bis sie bei Lina hängen blieb. Nachdenklich blickte sie in den Himmel. So entspannt wie jetzt hätte ich sie schon lange nicht mehr gesehen. Über was sie wohl Nachdenkt?

      Vriska
      „Natürlich werden wir beobachtet und nicht nur von den Göttern“, werfe ich ein. „Ach ja?“, fragt Milena, die offenbar beim düppeln ziemlich dumm wird.
      „Ja klar, ich hab da so zwei Theorien und bin mir nicht sicher, ob sogar beide Stimmen. Situation eins. Ihr geht irgendwo hin und wisst nicht mehr was ihr wolltet, stimmt’s?“, vergewissere ich mich. Ein zustimmendes Raunen geht ums Feuer.
      „Ihr alle habt schon mal Sims gespielt und eine Aktion abgebrochen. So ist das dann, aber das geht noch viel tiefer. Und zwar sind wir Teilnehmer einer TV-Show. Jeder Mensch ist ein Sender und wenn wir hier gemeinsam sitzen, ist es ein Crossover das inszeniert wurde aus Werbezwecken. Deswegen denken wir auch nach. In dem Moment reden wir zum Publikum. Wenn also was vergessen wird, dann haben die das entschieden, um die Serie zu steuern.“, erkläre ich.
      „Und deswegen ist Niklas so ein Arsch?“, fragt Milena.
      „Ja fast. Das sorgt halt dafür, dass mehr Klick generiert werden von deinen und seinen Fans. Deswegen haben Lina und Jace auch so eine komplizierte Beziehung miteinander. Das bringt Klicks, ein Haufen Klicks. Und Klicks sind Geld oder wie auch immer die das in den anderen Dimensionen machen. Vielleicht verlängern die Zuschauer auch ihr Leben mit unseren Leid, wetten oder sowas.“, sprudelt es aus mich heraus.

      Lina
      "Ey unsere Beziehung ist gar nicht kompliziert", beschwerte ich mich. "Aber wenn deine Theorie stimmt bin ich wenigstens der insgeheime Publikumsliebling",sagte ich mir einem breiten Grinsen. "Bei den Komplizierten Beziehungen wollen nämlich alle immer wissen wie es ausgeht und egal wie sehr sich die Parteien zu Streiten, am Ende bleiben sie doch aneinander kleben", plappete ich weiter. "Na ja, dachte ich weiter nach, aber das heißt auch,... Dass Niklas gaaanz tief in sich drin" dabei deute ich mir auf die Brust," eigentlich ein ganz lieber ist", endete ich stolz. Das war das Ergebnis meiner Analyse aller Serien die ich so kannte.

      Ambrose
      “Junge junge, wart ihr noch nie breit? Ist ja anstrengend mit euch, genießt doch einfach die Ruhe und das Gefühl von vollkommener Schwerelosigkeit.”, maulte ich wegen der tiefgründigen Gespräche. Ich hatte es schon oft erlebt, dass die Menschen sehr verrückte Sachen von sich gaben, wenn sie ein paar Zügen genommen hatten. “Sagt mal wo sind hier eigentlich die Süßigkeiten? Ich bekomme immer solchen Hunger vom Brokkoli.”, fragte ich nun in die Runde und wurde komplett ignoriert, da alle den Gesprächen und Theorien lauschten.

      Darya
      Das Gras war auf dem ganzen Hof zu riechen und ich war etwas neidisch gerade keinen Zug nehmen zu können, allerdings freute ich mich auch das Pferd von Ju zu reiten. Gemeinsam holten wir die Stuten aus ihren Boxen und begannen sie fertig zu machen, wobei mein Blick immer wieder auf Amnesia fiel, eine wahnsinnig anmutige Stute. Mika hatte Caja etwas entfernt angebunden, da sie doch manchmal etwas zickig werden konnte, dennoch versuchte er sich mit ins Gespräch einzubringen. Winnie schien noch etwas schläfrig von der Reise zu sein, da sie deutlich empfindlicher war als sonst. “Oh na da wünsche ich dir viel Spaß mit ihr, pass auf, dass du deine Schenkel nicht zu stark anlegst.”, warnte ich Ju, der aber lachte und antwortete gelassen, “Ich reite nicht zum ersten Mal und auch unsere Pferde waren nach der Anreise erschöpft.” Aus der Ecke tönte ersticktes Gelächter, Mika krümmte sich vor Lachen und wir guckten ihn verwirrt an, als er wieder zu Luft kam erklärte er sich selbst, “Sorry, aber ihr habt Probleme, wollt ihr mal die Zicke hier reiten? Auch wenn du deine Schenkel von ihr weg hast, rennt sie los.”. Ich verdrehte die Augen und lachte, da Caja ihm wirklich schon manchmal unter dem Arsch wegrannte. “Wo bleibt denn Samu?”, fragte Ju um das Thema zu wechseln. “Komme schon!”, rief es am Stalleingang. Er führte eine weiße Stute mit sich, die ein sehr interessantes Mal im Gesicht hatte, welches ich so noch nie gesehen hatte. “Das ist Briair. Das da in ihrem Gesicht ist übrigens ein Bloodmark, weil ihr so seltsam schaut. Keine Sorge das ist ne ganz liebe und geduldige”, stellte er uns die hübsche Stute war. “Na dann wünsche ich dir viel Spaß mit dem Fuchstier hier.”, entgegnete Mika und klopfter der Stute auf den Po.

      Samu
      “Na, mit der werde ich schon fertig”, sagte ich und band die Stute auf der Stallgasse an. “Hübsche Tierchen habt ihr da mitgebracht”, sagte ich anerkennend, als ich ein Blick auf die beiden neuen Pferde warf. Mikas Stute war ein hübscher Fuchs mit einer breiten Blesse. Sie sah meiner Sally recht ähnlich, doch charakterlich schien sie eher das komplette Gegenteil zu sein. Sie blickte ziemlich zickig drein und deute ab und zu auch an irgendwo reinzubeißen. Auch Dashas Stute wirkte nicht besonders glücklich über die nächtliche Trainingseinheit. Einzig Bri döste entspannt vor sich hin und genoss die Putzeinheit.

      Mika
      So sehr ich meine Stute zwar liebte, war ich äußerst froh mal ein gelasseneres Pferd zu reiten, das es mit Caja doch immer ein kleiner Kampf war. Selbst der Osteopath konnte nichts finden, weshalb wir nun aufs Training setzen, um sie ruhiger und gelassener zu bekommen. Hoffentlich kommt Samu mit ihr klar und denkt nicht, dass wir dieses Pferd versaut haben. Am Boden hatte sie aber mittlerweile ausreichend Vertrauen gesammelt und ließ sich zumindest von mir gut händeln. “Wa Dicke?”, fragte ich sie und genoss eine kleine Kuscheleinheit mit ihr.

      Niklas
      „Natürlich bin ich ein lieber Kerl“, stimme ich Lina zu.
      Mittlerweile ist Ambrose dazu gekommen und schiebt seine typische schlechte Laune, schließlich sind nicht alle so still wie er, sondern genießen den Zustand auf ihre eigene Art und Weise.
      “Süßigkeiten haben wir nicht”, wendet sich Milena ihm zu. Ich habe gar nicht mitbekommen, was er zu sagen hatte. Langsam merkte ich auch, wie die Stimmung kippte und es der richtige Moment war zu gehen.
      “So ich werde mich dann zurückziehen. Es gibt noch einiges zu tun.”, merke ich an und gucke zu den Beiden, die mich seit Minuten intensiv betrachtet haben.

      Vriska
      “Also wie immer?”, fragt Ju genervt als Niklas den Platz verlässt. Mit Anna. Und Milena. Erschrocken schüttel ich mit dem Kopf und Ju guckt zu mir.
      “Ja klar, aber du bleibst auf deiner Seite”, sage ich zu ihm und lache. Gekonnt setzt er sich zu mir und legt seinen Arm um meine Schulter. Perplex bleibe ich an der Stelle sitzen und bewege mich kein Stück mehr.

      Lina
      Gedankenverloren sah ich in den Himmel. Die Sterne leuchteten inzwischen Hell am Himmel und auch die Wolken, die sich vor den Mond geschoben hatten, verzogen sich nun. Ein klares kühles Licht fiel auf uns. In meinen Gedanken versunken hatte ich gar nicht gemerkt, dass Niklas, Anna und Milena gegangen waren. Zufällig streifte mein Blick Vriska und Ju neben mir. Er hatte seinen Arm um sie gelegt, doch Vriska sah abgespannt aus. “Hat eigentlich sonst noch einer von euch hier Hunger?”, fragte Jace auf einmal und kam mit einer Tüte voll mit Süßigkeiten vom Hof her.

      Vriska
      “Nein, danke”, antworte ich Jace und betrachte dabei die Tüte intensiv. In mir kommt ein Verlangen hoch, jedoch kann ich schwer einschätzen, ob es die Süßigkeiten sind oder der hübsche Typ neben mir. Zur Ablenkung krame ich mein Handy aus der Hosentasche. Erst jetzt sehe ich, dass Folke mir eine Nachricht gesendet hat. Sie ist lang, sehr lang. “Hej Vriska. Jag hoppas du mår bra. (Ich hoffe, es geht dir gut.) Henne war heute da, der Sohn von meinem Chef aus Kalmar. Zusammen haben wir mit Alfi, Nobel, Snow und Betti gearbeitet. Dabei stellt sich nicht nur heraus, dass die Gurte der Sulky ungeeignet sind, sondern das Alfi eine schiefe Hüfte hat. Der Arme hatte heftige Schmerzen aber mit einem kräftigen Ruck konnte er das Hüftgelenk wieder an die richtige Stelle drücken. Er hat nun erstmal Pause und dann werden wir langsam mit ihm Anfangen. Eorann möchte mit ihm am Boden weiterarbeiten. Nobel braucht etwas mehr Erziehung, aber ist auf einen guten Weg. Snow muss braucht mehr Sicherheit und Ausdauer zum Fahren, sonst fehlt es ihr an nichts. Betti ist ebenfalls unerzogen, dadurch möchte sie Dinge auf ihre eigene Art regeln. In den nächsten Tagen kommt der Zahnarzt, um ihr die Zähne zu machen. Und jetzt fragst du dich sicher was mit Holy ist? Sie kommt ebenfalls mit zum Zahnarzt. Henne hat auch bei ihr sich alles mal angeschaut. Der Rücken ist super, die Beine sind in Ordnung. Leider gibt es auch Probleme. Ihr Sprunggelenke weisen Ansätze von Spat auf, da er aber kein Tierarzt ist, muss das näher untersucht werden. Grundsätzlich schränkt es die Arbeit mit ihr nicht ein, sie sollte nur mehr Zeit bekommen zum Warm werden, sodass ihre Sprunggelenke mit Gelenkflüssigkeit gefüllt werden und die Bewegungen fließender sind.”, lese ich konzentriert, als Ju mich aus dem Lesefluss bringt.
      “Was liest du da so lange?”, flüstert er mir zu.
      “Folke hat mir ein Update geschickt vom Hof”, berichte ich ihm und muss grinsen. Es ist komisch, wenn sich jemand dafür interessiert. Er nickt und zieht mich näher an sich.
      “Ich möchte mit lesen”, sagt er darauf hin. Ich halte mein Handy anders, sodass Ju ebenfalls alles sehen sollte.
      “... fließender sind. Hedda habe ich davon bisher nichts gesagt, ich möchte sie nicht enttäuschen. Eorann hat schon Erfahrung mit solchen Problemen und möchte noch mehr helfen. Außerdem: Sie hat schon wieder ein Halfter kaputt gemacht. Aus dem Shop habe ich mir ein neues genommen, für Nobel gab es ein neues Gebiss und Henne hat ebenfalls was gekauft. Nur damit du dich nicht wunderst. Ich habe dabei etwas Unordnung zurückgelassen aber versuche es die nächsten Tage wieder zu sortieren. Ansonsten liebe Grüße vom ganzen Team und wir freuen uns, wenn du wieder da bist. Varma hälsningar, (liebe Grüße) Folke.”, lese ich zu Ende. Auch Ju scheint schon fertig zu sein und fragt mich, wer Holy ist. Ich erzähle ihm von dem Terrortinker, der im Zuge einer Rettungsaktion zu uns kam. Nun ist es eine Art Wettstreit, wer in einer bestimmten Zeit am meisten mit einem Pferd schafft mit Blick auf Tierschutz. Anfangs konnte ich noch mit ihr arbeiten, dann kam das Team und nun ist Folkes Freundin und Hedda dabei.

      © Mohikanerin, Wolfszeit, Zion | 97.659 Zeichen

    • Mohikanerin
      Nationalteam Teil IV | 07. März 2021
      Baroness Of the Guard // Antigone // WHC’ Candela// WHC’ Mitena // Abe’s Aelfric // Crystal Sky// HMJ Divine// Nabuko// PFS’ Caruso // Miss Leika// Acerado// Saturn// Finest Selection//Chessqueen// Maskotka // Vikar
      Glymur // HMJ Holy // Kempa // St.Pauli’s Amnesia // Satz des Pythagoras // Blávör // Snúra


      Vriska
      In der Runde ist Ruhe eingekehrt. Ein bekanntes Gesicht tritt dazu. “Was ist denn hier für eine Trauerrunde?”, fragt Max überrascht.
      “Bis eben haben wir die Ruhe der Natur genossen”, zischte ich ihn an. Im Flammenschein sah ich, dass er die Augen verdrehte und sich zu uns setzte.
      “So und was geht hier jetzt ab?”, stört er wieder Ruhe.
      “Håll käften!”, beschimpfte ich Max an.
      “Selber!”
      “Boa, könnt ihr mit dem Kindergarten aufhören?”, mischte sich nun auch Ambrose ein, der wie alle anderen, die Ruhe genießen mochte.
      “Wollen wir ins Bett gehen?”, flüsterte mir Ju zu. Ich verabschiedete mich von allen, besonders Lina, die sich offenbar Sorgen machte.

      “Darf ich wieder mit in Bett oder diesmal auf dem Boden?”, fragte er liebevoll. Tatsächlich habe ich mir darüber keine Gedanken mehr gemacht, aber wäre es nicht besser, wenn er wie ein Hund auf dem Boden schläft?
      “Nein, du kannst mit ins Bett kommen”, bot ich ihm an.
      Es ist still. Die Stille wird immer wieder durch leises Gelächter vom Feuer unterbrochen. Ebenfalls bin ich der Meinung, dass aus einigen Zimmern weiter stöhnen die Ruhe stört. Durch meinen Kopf strömen tausend Gedanken. Wieso macht Milena sowas? Wieso bin ich hier? Ich hätte am Hof bleiben sollen, oder sogar nach den Ferien zurück zu meinen Eltern nach London. Dort war alles gut. Meine Freunde haben mich unterstützt, ich hatte Spaß. Vielleicht war doch nicht alles gut? Ich habe viele Nächte und Tage in diversen Krankenhäusern verbracht, meine Eltern haben sich immer Sorgen gemacht. Wieso? Sie hätten sich mehr Kümmern sollen. Jetzt liege ich hier, fühle mich unwohl und warum? Meine Eltern hat es nie wirklich interessiert, was mit mir ist. Es war nur wichtig, dass die Noten stimmen. Mein Gewicht. Meine Kleidergröße. Sein ganzes Leben dreht sich um Zahlen. Es war nur wichtig, wie ich auf sein Team wirke.
      “Du bist ja noch wach.”, sagt Ju plötzlich und guckt zu mir. An meiner Wange laufen Tränen herunter.
      “Ich kann das nicht mehr”, antworte ich und fange endgültig an zu weinen.
      “Ach, Kleines. Hör auf zu weinen. Wir kennen uns nicht, oder kaum. Wie es dir lieber ist. Aber du bist ein starkes Mädchen. Was auch immer los ist, es werden bessere Zeiten kommen. Ich kann dir nicht sagen, wann oder wie lang es dauern wird. Aber ich weiß, dass es besser wird. Und ich habe bisher niemanden getroffen, der sich so gegen Niklas Magie wehren konnte”, muntert er mich auf. Bei dem letzten Satz muss ich sogar lachen, schließlich bin ich fast schwach geworden. Er legt sich wieder hin. Seine Schulter ist nun der einzige Platz den brauche und möchte.

      Lina
      Eine Weile, nachdem Vriska das Feuer verlassen hatte, beschloss auch ich ins Bett zu gehen. Heute waren immerhin ein anstrengender Tag gewesen. “Ciao Leute”, verabschiedete ich mich in die Runde und machte mich auf den Weg zu meiner Wohnung. “Warte Lina”, kam es von Jace. “Ein wenig verwirrt drehte ich mich um. ”Ich begleite dich”, sagte er und legte mir den Arm um die Schultern. “Hast du Sorge, dass ich auf den zwei Metern gefressen werde?”, fragte ich ihn neckisch. “Nein, eigentlich nicht. Eigentlich wollte ich mit dir Reden”, antwortete er. Inzwischen standen wir vor der Tür des Mitarbeitergebäudes. Der Hof lag dunkel und still hinter uns. Die einzige Lichtquelle waren die zwei kleinen Lampen neben der Tür, die ein gelbliches Licht auf uns warfen. Ich drehte mich zu Jace um und sah ihn an. “Jace… Ich denke, ich muss das alles erst einmal verarbeiten. Es war ziemlich viel in den letzten Tagen. Ich denke, ich muss das Erst einmal verarbeiten. Und ich denke, wir sollten wirklich noch einmal ganz von vorne beginnen und das ganze erst einmal langsam angehen”, erklärte ich ihm. “Ok”, ich konnte sein Ausdruck nicht ganz deuten er schien einerseits enttäuscht, aber auch wieder nicht. Dieser Mann verwirrte mich eindeutig. ”Wir sehen uns morgen”, sagte ich und ging ins Haus. Müde und erschöpft schleppte ich mich in mein Bett.

      Vriska
      “AUFSTEHEN. ALLE.”, weckt mich die kratzige Stimme von Frau Wallin, die offenbar auch eine kurze Nacht hatte. Hoffentlich gibt es keinen Ärger, dachte ich mir. Mein Blick geht nach links auf die andere Bettseite, auf der Ju lag. Doch wo ist er? Ich klopfe an die Badezimmertür, keine Reaktion. Langsam öffne ich die Tür - niemand da. Komisch. Rasch ziehe ich mir etwas über und gehe zu dem Raum, in dem gefrühstückt wird. Dort sehe ich bereits Ju bei Niklas sitzen. Auch Milena und Anna sind da, die sich nun prächtig vertragen. Nervös bleibe ich am Türrahmen stehen und gucke, wo ich hin soll. Lina ist noch nicht da, generell scheinen nur die Schweden anwesend zu sein. Also bleibt mir nichts anderes, als mich dort zuzusetzen.
      “Na gut geschlafen, Kleines?”, fragt Ju freundlich und legt wieder seinen Arm um mich.
      “Mehr oder weniger.”, antworte ich kurz gebunden.
      “So Leute, schön das ihr da sein. Es tut mir leid, dass ich euch so früh wecken musste. Heute kommt der Schmied für einige Pferde. Also wenn eure dazu müssen, sagt mir bitte jetzt Bescheid. Ansonsten trainiert ihr heute für euch. Wir werden für euch da sein, wenn ihr Hilfe braucht aber schätze ihr seid alle Volljährig und müsst selbst wissen, was ihr macht. Deswegen möchte ich auch gar nicht wissen, warum es so stark am Feuer gerochen habt. Aber denkt dran, vor jedem Turnier müsst ihr zum Drogenscreening. Für euch steht Ende Oktober die Qualifikation für das nächste Semester an.”, erklärt Herr Holm und setzt sich zurück zu den anderen Trainern.
      “Nach dem Niklas deinen Hengst gestern schon reiten durfte, sogar zweimal, würde ich heute auch gern mal das Island-Feeling bekommen”, sagt Ju selbst sicher. Skeptisch gucke ich zu ihm.
      “Wenn du möchtest, aber ich setze mich nicht auf deine Stute. Smoothie war mir gestern bereits zu groß”, antworte ich.
      “Ich bin ja dafür, dass Nik Smoothie uns heute mal oben ohne präsentiert”, entscheidet Milena und fängt an zu kichern. Anna steigt mit ein. Um keinen zu beleidigen, beiße ich mir auf der Zunge herum. Die beiden Weiber nerven mich gerade so sehr, dass ich am liebsten den nächsten Flug nach Hause nehmen würde. Interessehalber ziehe ich mein Handy aus der Hosentasche und prüfe bei Google die Flüge. Tatsächlich gibt es einen Last-Minute-Flug in 4h, aber dann müsste aber Glymur hier bleiben. Das geht nicht. Gerade als ich das Ding zurück in meine Hosentasche stecken, als es Vibriert. “Hej alles gut bei dir? Du hast dich nicht gemeldet. Wenn was ist, sag’ bitte Bescheid. Ich mache mir Sorgen”, schreibt Tyrell.
      “Ist das dein Freund?”, fragt Ju neugierig, als er offenbar mit liest.
      “Nein, nein. Das ist mein Chef.”, antworte ich kurz und packe mein Handy schnell weg.
      “Aber da war …”, fängt er an zu sprechen. Natürlich weiß ich, worauf er hinaus möchte. Mein Hirn schalltet schnell und ich küsse ihn.
      “Das war ja nicht weiter anzusehen. Endlich hat einer von euch den Schritt gemacht”, seufzt Niklas erleichtert.

      Lina
      Das Klingeln meines Weckers riss mich aus meinem Schlaf. Träge rollte ich aus dem Bett. Jetzt brachte ich erst mal eine schöne Dusche. Der Tag heute würde anstrengend genug werden. Ich hatte nämlich Schmieddienst. Das hieß den ganzen Tag Pferde holen, beruhigen, Hufe halten, das volle Programm.
      Zwanzig Minuten später trudelte ich dann auch bei Frühstück ein. Bisher waren nur wenige da, obwohl es schon spät war. Mit den Augen überflog ich die Tische in der Hoffnung jemanden zu entdecken, mit dem ich Frühstücken konnte. Ich hatte gerade Vriska entdeckt, da kam Jayden an. “Ah, gut das ich dich gefunden hab”, sagte er erleichtert. Er wirkte als sei er hergerannt. “Alles, gut du siehst aus als seiest du einen Marathon gelaufen?”, fragte ich ihn. “Ääääää, … nein. Baroness ist durch den Zaun gerannt, hat ihn kaputt gemacht und jetzt rennen alle Pferde von der Koppel, besonders die Fohlen überall um. Vor allem die beiden Jungstuten scheinen ihre Freiheit zu genießen. Also bitte hilf uns die ganzen Tierchen wieder einzufangen”, erklärte er ein wenig hektisch.
      Na toll das war's wohl mit einem entspannten morgen. Ich folgte Jayden und sah das Chaos. Fiama fraß gerade die frisch gepflanzten Blumen am Reitplatz. Mimithe und Donut fegten über den Platz und sahen nicht so aus als wollten sie sich von Hazel und Samu fangen lassen. Immerhin hatten Quinn und Sheena schon Mijou, Minnie Maus, Briar und Vakany eingefangen. Venice war das einzige Fohlen, was sich zu benehmen wusste und bei seiner Mama blieb. Während Mitena gemütlich auf dem Rasen graste, demonstrierte Candela gerade ihr Springtalent und setzte elegant über den Zaun vom Reitplatz, um den Ponys in ihrem Auslauf einen Besuch abzustatten. Die Fellponystute, die das Chaos verursachte hatte, kam geradewegs auf mich zu gerannt.
      “Stop Nessi”, reif ich der Stute zu und breitete die Arme aus. Die Stute, die scheinbar nicht mit widerstand, gerechnet hatte, legte einen wunderschönen Sliding Stop ein und blieb verblüfft vor mir stehen. Scheinbar wollte die Stute doch Westernpferd werden. Noch bevor die Stute es sich anders überlegen konnte, schnappte ich mir eine Strähne ihrer Mähne und führte die daran zum leeren Ponyauslauf um sie dort zu parken.
      “So, genug Auslauf für dich”, sagte ich zu der Stute bevor ich mir überlegte wie wir jetzt noch die andern Pferde einfangen konnten.

      Vriska
      So schnell Lina da war, war sie auch schon wieder weg. Von draußen hörte man hektisches Rufen und Pferdegetrappel. In mir spielte sich das reine Chaos ab. Ich verabschiede mich und renne raus. Offenbar hatte eine der Ponystuten am Hof den Zaun zerstört, in mir lässt es mich jedoch nicht los. Auch, wenn ich Glymur noch nicht lange kenne, weiß ich, dass er unberechenbar sein kann und teilweise seine Hormone nicht im Griff hat.
      “Habt ihr Glymur gesehen?”, frage ich panisch.
      “Nein, der müsste draußen stehen”, ruft Lina im Stress zurück.
      Zur Sicherheit gehe ich in den Stall und hole den Strick von ihm, mache mich auf den Weg zur Weide. Es ist Tag der offenen Tür. Super. So schnell ich mit meiner Verletzung rennen kann, gehe ich zu Lina, die noch immer Schwierigkeiten hatte die fliehenden Ponys zu bekommen. Eins, dass mir nicht bekannt ist, läuft mir in die Arme und ich lege den Strick um ihren Hals.
      “Wir haben ein großes Problem.”, sage ich zu Lina und reiche ihr das Pony.
      “Ein größeres als frei laufende Ponys und Fohlen? Bist du schwanger?”, scherzt sie.
      “Nicht ich, aber bald alle Stuten. Entweder hat jemand das Tor nicht richtig zu gemacht, oder Glymur hat herausgefunden, wie dieses aufgeht. Er steht nicht mehr auf der Weide. Checkpoint steht noch da und frisst. Doch das Testotier ist weg.”, sage ich verzweifelt zu ihr.

      Lina
      “Oh, dann müssen wir ihn wohl zuerst finden”, antwortete ich und stellte Antigone zu Nessi auf den Paddock. Das hatte ja noch gefehlt ein frei laufender Hengst.
      “Eigentlich gibt es nicht allzu viele Möglichkeiten”, sagte ich zu Vriska, während ich schon loslief, “unsere Stuten, stehen fast alle auf der Sommerkoppel, da müsste er schon verdammt weit gelaufen sein. Ich vermute, er wird eher zu euren Stuten gelaufen sein”. Da die Gastpferde deutlich näher am Hof standen, war es deutlich wahrscheinlicher das der Hengst eher da auf Erkundungstour sein würde. Mein Verdacht bestätigte sich leider, als ich um die Ecke des Stalls bog. Hinten bei den Stutenkoppeln galoppierte etwas Schwarz Weißes auf den Zaun zu.

      Vriska
      “Kom hit, Fähundar! (Komm her, Idiot)”, brülle ich meinen Hengst an. Erschrocken bleibt er stehen und spitzt die Ohren. Langsam laufe ich Glymur zu, der entspannt am Gras zupft.
      “Nochmal gut gegangen?”, fragt Lina vorsichtig.
      “Ich weiß es nicht.”, antworte ich und nehme ihn an den Strick. Vertraut folgt er mir. Nun bleibt uns nur zu beten. Mittlerweile hat auch Frau Wallin wind davon bekommen.
      “Hat er seine Arbeit verrichtet?”, fragt sie.
      “Ich weiß es nicht. Er stand auf der Weide”, erkläre ich ihr. Sie nimmt mir den Hengst ab. Durch das kurze Joggen bin ich noch immer aus der puste und bekomme schlecht Luft. Langsam folge ich Gruppe. Frau Wallin stellt den Hengst zurück, wo er hing gehört und bindet den Strick zusätzliches als Verschluss ran.
      “Geht’s?”, fragt sie dann, als ich angeschlichen komme.
      “Mehr oder weniger”
      “Am besten setzt du dich erst mal hin”, rät meine Trainerin mir. Sie hat recht. Langsam gehe ich zurück in den Saal, in dem noch immer die Truppe sitzt.
      “Alles gut?”, fragt Ju mich, als ich mich dazu setze.
      “Mehr oder weniger. Tausend Leute stellen mir die gleichen Fragen stellen. Glymur hat sich aus dem Staub gemacht, wie die Ponys vom Hof. Dann ist er zu unseren Stuten.”, erzähle ich.
      “Warte was? Dein Monster war bei unseren Stuten? Der macht die unrein!”, fängt Milena an sich aufzuregen.
      “Was ist denn jetzt dein Problem? Ich kann das Pferd nicht bemuttern”, schnaube ich sie an. Anstatt mir diesen Stress anzutun, hätte ich zurück in mein Zimmer gehen sollen. Milena nervt mich schon wieder total. Erst macht sie gestern einen ‚Es tut mir so unglaublich leid, ich hab dich so lieb‘ und jetzt ist Nik wieder aktuell. Immer bin ich das fünfte Rad am Wagen.
      „Es reicht mir mit dir. Ich merke, dass du neidisch bist auf das, was ich mit Niklas habe. Und Anna.“, beginnt nun Milena wieder. Es scheint sie wirklich zu stören, dass ich sie ignoriere. Innerhalb weniger Tage hat sie es geschafft ihren Charakter um 180 Grad zu wenden, was sagt das über sie aus?
      „Hallo? Hörst du mir zu?“, die Wut kocht in hier hoch und langsam hebe ich meinen Kopf. Dabei fällt mir auf, dass Anna ihre Hand hält.
      „Was möchtest du von mir hören? Dass ich stolz auf dich bin, dass du mit Niklas geschlafen hast und Anna? Oder soll ich mich entschuldigen, dass ich vom Pferd gefallen bin und deswegen du nicht mehr die primäre Rolle bei den Trainern bist?“, erwidere ich.
      „Wenigstens habe ich schon mit jemanden geschlafen und nicht wie du, die jeden Typen anweist, nach dem er eine feste Bindung sucht. Mehr möchte. Du missbrauchst jeden emotional und dann liegst du in deinem Bett, heulst und fragst dich, wieso doch keiner mag. Denk‘ mal drüber nach“, keift sie.
      Plötzlich ist es still. Jemand lässt seine Gabel auf den Teller fallen. Wenn nun noch ‚Cut‘ gerufen werden würde, wäre ich glücklich. Dann wüsste ich, dass es ein Traum war.

      Niklas
      Während die Weiber ab Diskutieren sind, überlege ich die ganze Zeit, wer von den beiden seine Tage hat. Es ist doch nicht normal, dass sich jeder hier anzickt. Vriska ist Jungfrau? Das hätte ich nicht erwartet. Sie gehört zu den interessanten Menschen. Einerseits zeigt sie ihre harte Seite, niemand kann ihr etwas, doch mit dem richtigen Schalter sind die lammfromm. Als würde ich Smoothie von D-Ring auf Kandare verwechseln.
      „Ich kenne da jemanden, der das ändern kann.“, sage ich unbedacht zu Vriska, die nervös auf ihrer Unterlippe herum beißt und immer wieder ihren Kiefer anspannt. Das ist eine blöde Angewohnheit. Als ich jünger war, habe ich das auch getan und heute, wenn es besonders stressig ist, mache ich es noch immer.
      „Wisst ihr was? Wenn jetzt schon der ganze Raum aufmerksam dem Gespräch folgt: Ja, es kann sein das ich Männer emotional missbrauche, doch das tue ich nicht bewusst. Ich möchte einfach nichts Festes. Ja, ich bin Jungfrau und genug von euch, werden das sicher als kostenlose Matratze betrachten. Könnt ihr vergessen. Und nun noch zu dem Offensichtlichen. Ja, ich bin magersüchtig. Ja, meine Brüste sind fast nicht da. Ja, mein Kreuz ist trotzdem so breit wie von einem Bodybuilder. Ja, ich komme nicht aus Schweden und auch nicht auf Deutschland. Ich bin Britin. Und ja, ich war drogenabhängig und kämpfe seit fast 3 Jahren mit den Folgen“, sprudelt es auf Vriska heraus, bevor Frau Wallin sie dabei stoppt. Mittlerweile ist es unangenehm, was ich zu ihr gesagt habe. Als ich mich entschuldigen möchte, sagt Herr Holm zu uns: „Anna, Niklas und Milena - Gespräch.“
      „Und was ist, wenn ich nicht mitkommen möchte? Was hab ich den mit dem Zickenkrieg zu tun?“, entgegne ich ihm angepisst.
      „Dann rufe ich jetzt dein Vater an“, antwortet er und zieht sein Telefon aus der Tasche.
      „Ok, ok, ok. Sorry“, versuche ich die Situation wieder geradezubiegen und stehe auf. Gemeinsam verlassen wir den Raum und setzen uns in eine ruhige Ecke auf dem Hof.
      “Ich kann nachvollziehen, das ihr jung seid, euch ausprobieren wollt’ und jeden Tag etwas Neues entdeckt. Auch ich war jung, experimentell. Aber das ist hier kein Spiel, ihr seid nicht mehr in der Schule. Das Land zahlt sehr viel Geld dafür, dass die Jugend im Sport gefördert wird. Und wie zeigt ihr euren Dank dafür? Ihr macht euch gegenseitig schlecht, demotiviert euch. Jeder von euch ist ein Teil des Teams. Zusammen müsst ihr stark sein.”, beginnt Herr Holm. Es ist jedes Jahr das Gleiche. Mein Trainer muss mich immer wieder auf den Boden, der Tatsachen zurückholen. Im ersten Jahr war es schwierig für mich an das Team anzupassen, viele Stunden musste ich damit verbringen mit ihm darüber zu reden und vor allem diskutiert. Es endete mit einem Streit mit meinem Vater. Seit dem versuche ich jedes Gespräch zu vermeiden im Verein, in dem er beteiligt werden soll. In dem Fall kommt dazu, dass ich 26 Jahre alt bin und eigentlich in der Lage bin meine Probleme selbst zu lösen. Jedoch wird vieles in die Familie mit getragen, besonders wenn man zu den obersten zehntausend gehört.
      “Niklas. Hörst du mir zu?”, riss mich Herr Holm aus meinen Gedanken.
      “Wenn ich ehrlich sein kann, nein. Es ist jedes Jahr das gleiche, jedes Jahr reite ich mich tiefer in den Mist und lerne nicht daraus.”, antworte ich ihm mit ernster Miene.
      “Okay, ich denke, du weißt, worum es geht. Du kannst nun gehen. Ich möchte mit den Beiden allein weiter sprechen. Benimm dich, bitte.”, erwidert er und ich stehe auf, um zu gehen.

      Jace
      Erschrocken fuhr ich hoch als es an meine Tür klopfte. Kurz darauf stand Samu im Zimmer. “Ey, was ist eigentlich mit dir. Liegst hier und pennst, während unten voll das Chaos herrscht”, schimpft er. “Was…?”, murmelte ich und fuhr mir müde mit den Händen übers Gesicht. “Ness hat mal wieder einen Zaun zerstört und dann sind alle Stuten mit ihren Fohlen auf dem Hof herumgerannt und haben sich nicht einfangen lassen”.
      “Samu, erzähl mir gleich, lass mich erst mal wach werden”. Scheinbar hatte der Finne erst einmal genug gemeckert, denn er verkrümelte sich tatsächlich. Ein Blick auf meinen Wecker verriet mir, dass ich verschlafen hatte. Scheinbar habe ich meinen Wecker überhört. Die Sache zwischen Lina und mir, naja eigentlich meine Doofheit, hatte mich nicht schlafen lassen. Tatsächlich war ich zu dem Schluss gekommen, dass ich auch auf mich sauer gewesen wäre, gerade bei meiner Vergangenheit. Und genau diese hatte mich auch in meinen Träumen heimgesucht. Ich muss diese Gedanken eindeutig für heute beiseiteschieben, denn scheinbar gab es schon genug Drama auf den Hof für heute. Ich quälte mich aus dem Bett, um erst einmal zu duschen. Aus müden Augen sah mir mein Spiegelbild entgegen. Die Spuren der letzten Nacht waren deutlich sichtbar. Naja, vielleicht sah ich nach einer Dusche ja besser aus.
      20 Minuten später saß ich geduscht auf der Terasse hinter unserm Haus. Für ein Frühstück in der großen Truppe war ich heute definitiv zu müde.
      “Guten Morgen, du Waschbär”, kam Quinn gut gelaunt aus der Küche und stellte mir einen Kaffee vor die Nase. Ich gähnte nur. Doch das schien sie nicht zu stören, denn sie setzte sich einfach dazu und begann fröhlich zu plappern. “Das Beste hast du heute schon verpasst”, bekam ich mit bevor ich lieber in meinen Kaffee starrte, denn zuhören war zu anstrengend.

      Vriska
      Während Herr Holm sich die Drei geschnappt hatte, nahm auch Wallin mich zur Seite. Vieles hatte ich erwartet, was sie sagt, jedoch nicht das.
      “Vriska, du weißt, was du unterschrieben hast?”, fragt sie wehmütig. Obwohl ich nicht genau wusste, worauf sie hinaus möchte, nickte ich ihr zu.
      “Dann solltest du wissen, dass die Teilnahme am Team Voraussetzungen hat, die du nicht erfüllst. Sogar noch schlimmer, du hast gelogen. *Gedankliche Pause* Eine Sucht und erst recht eine Drogensucht setzt eine ärztliche Bescheinigung voraus, dass du dich in Therapie befindest oder es länger als fünf Jahre her ist.”, klärt sie mich auf. In mir bricht eine Welt zusammen. Offenbar war ich so aufgeregt bei dem Gespräch vor ein paar Monaten, dass ich das überlesen habe. Es ist das erste Mal, dass ich davon höre.
      “Bevor du was sagst, wir finden eine Lösung dafür und natürlich kannst du noch beim Training bleiben. Nichtsdestotrotz muss ich es heute noch melden. Tut mir leid.”, sagt sie und befindet sich auf den Weg zu ihrer Hütte.
      “Frau Wallin? Welche Lösungen gibt es dafür?”, frage ich sie.
      “So oder so, wirst du das Team erst einmal verlassen müssen. Dann könnten wir dich zum Dienstarzt schicken, der das weiter untersucht. Je nachdem wie die Ergebnisse ausfallen, werden wir gucken wie es weiter geht. Okay?”, erwidert sie.
      “Okay.”, antworte ich und lasse mich auf den Boden sacken.

      Lina
      In der Hoffnung endlich noch ein wenig ruhen genießen zu können, bevor der Schmied kam, doch der Frühstücksraum stellte sich als alles andere als ruhig raus. Überall wurde getuschelt. Ich brauchte einen Moment um die Situation zu verstehen, bis ich Vriska in einer Ecke entdeckte. Sie sah niedergeschlagen aus. “Hey, alles Ok bei dir?”, fragte ich, als ich bei ihr angekommen war.

      Vriska
      “Auf kurz oder lang, hat sich der Verein erstmal erledigt. Möchte gerade aber wirklich nicht drüber reden, sondern die restliche Zeit in vollen Zügen genießen.”, erkläre ich ihr als ich wieder aufstehe. Eh ich weiter spreche, stütze ich mich an der Wand ab.
      “Hast du vielleicht irgendwas pferdiges für mich? Glymur muss nicht unbedingt geritten werden.”, frage ich sie im Anschluss.

      Lina
      “Mmmm, ich nehme mal an, dass du möchtest eher ein Pony haben? Du sahst auf Smoothie eher nicht so glücklich aus”, überlegte ich laut. “Also je nachdem was du machen möchtest, könntest du dir ein der Shetty schnappen und mit dem ein wenig Bodenarbeit oder so was machen oder du kannst etwas Größeres zum Reiten haben. Wonach ist dir denn so?”, fragte ich Vriska. Ich konnte sehr gut nachvollziehen, weshalb sie lieber Beschäftigung wollte, als darüber zu reden.
      “Du fragst mich ja Sachen. Was willst du denn jetzt machen?”, antwortet sie nachdenklich und scheint nicht ganz bei der Sache zu sein.
      “Ich habe gleich Schmiededienst, deshalb haben meine Pferdchen heute vermutlich frei. Du kannst auch gerne Pferde holen und Hufe halten, aber ich denke mal das entspricht nicht deinen Vorstellungen von Entspannung”, scherzte ich. “Aber ich könnte dir eins von meinen Pferdchen anbieten, damit du es bespaßen kannst”, erläuterte ich.
      “Dann hätte ich gerne was zum Ausreiten, denkst du jemand anderes vom Hof möchte auch mitkommen? Ich weiß nämlich nicht so recht, ob dann vor Sonnenuntergang wieder ankomme”, lacht sie.
      “Ah das passt gut, Alefric würde sich bestimmt mal wieder über einen Ausritt freuen. Klar, ich denke Samu oder Jace haben bestimmt ein wenig Zeit mitzukommen. Und ansonsten finden wir bestimmt noch, wen anders”.
      “Gute Idee, hilfst du mir beim Suchen der beiden und beim fertig machen?”, frage Vriska.
      “Ja, klar helfe ich dir noch”, antworte ich und ging in Richtung Tür.
      Draußen dauert es auch nicht lange bis wir auf Samu trafen. “Hey Samu, Vriska sucht noch eine Ausreitbegleitung, hättest du vielleicht Lust sie zu begleiten? Ich würde ja mitgehen, aber ich habe ja heute das Date mit dem Hufschmied gewonnen”, sprach ich ihn an.
      “Klar, kein Problem, ich wollte heute eh mit Sky ausreiten gehen. Wann möchtest du denn los, jetzt gleich?”, wandte er sich an Vriska.

      Vriska
      Es ist großartig sein eigenes Pferd zu haben, oder zumindest halb. Doch es fehlt mir einfach eins der Tiere zu nehmen und mit ihm zu arbeiten.
      “Danke dir Samu. Und Lina, dir auch. Zu Hause kann ich einfach mein nehmen und gucken, welches Pferd mit der Arbeit dran ist”, erkläre ich den Beiden und ziehe mein Handy aus der Tasche. Sie gucken ziemlich verblüfft als ich ihnen die App vom Hof erkläre.
      “Guck’, das ist die Akte von Holy. Hier steht, was sie aktuell gefüttert bekommt. Außerdem welche Medikamente verabreicht werden müssen. Wie ich sehe, schlafen alle noch, aber Eorann wurde eingetragen, dass die Stute am Morgen in den Aquatrainer soll und am Nachmittag nochmal longiert werden. Hedda hat ein Kommentar hinterlassen. Bitte aufpassen, die hat einen großen Cut an der Brust durch den Unfall mit dem Zaun.”, präsentiere ich und lese Heddas Kommentar vor. Offenbar hat sie wieder den Reitplatz zerstört, aber dazu müsste sicher was im Stalllog stehen. Neugierig swipe ich zum Stallmenü.
      “Ach guckt. Hier hat Folke den Schaden eingetragen. Holy hat wohl beim Longieren sich erschreckt, losgerissen und die ganze kurze Seite an der Reithalle mitgerissen. Begeistert hat Tyrell kommentiert mit, super…”, erkläre ich weiter.
      “Wow, das ist echt cool. Wir sollten hier sowas auch anschaffen”, sagte Samu begeistert. “Ja, dann würde einer von euch endlich mal daran denken Divines Spind zu reparieren”, steuerte Lina bei und sah Samu ein bisschen vorwurfsvoll an.
      “Tyrell und ich haben die entworfen. Alle Daten werden in einer Cloud gespeichert, aber ich möchte euch nicht mit der technischen Seite vorquatschen, sonst stehen wir morgen noch hier. Es ging ihm sehr schlecht nach dem Tod seines Vaters, dem Brand, der gerade so umgangenen Privatinsolvenz… Da brauchte er Ablenkung. Ich kann ihn fragen, ob ihr auch die Anwendungen bekommen könnt. Ihr könnt dann auch vom PC aus darauf zugreifen und Dinge ausdrucken”, erläutere ich weiter und merke, dass wieder dieses Gefühl in mir hochkommt. Ohne mir was anmerken zu lassen, kneife ich mir in den Arm. Mein Therapeut hat immer zu mir gesagt, dass ich mich ohne Fingernägel kneifen soll, statt den Hass gegen jemanden zu richten und erst recht nicht weitere Schritte zu unternehmen. Ich atme tief durch.

      Lina
      Vriska wirkte ein wenig angespannt, weshalb ich das Thema wechselte. “Ok, genug von der Technik, aber jetzt werde ich dir mal dein Pony Vorstellen. Samu wir kommen dann vor den Hauptstall, wenn wir fertig sind”, sagte ich zu den Beiden, bevor ich mir Vriska in Richtung Koppel ging.
      Dort angekommen, ergab sich ein idyllisches Bild. “Ach, wie friedlich die doch sein können”, sagte ich zu Vriska, mit Blick auf die grasenden Pferde. Divine stand mit Nabuko und den anderen Ponys am Bach. Staub flog durch die warme trockene Luft und obwohl es noch früh war zirpten schon die ersten Grillen.
      Aelfric, stand wie immer etwas Abseits von der Herde. “Darf ich dir vorstellen, der kleine braune da mit der Zottelmähne ist deiner”, sagte ich und deutete auf das Pony. Während wir auf das Pony zugingen, erzählte ich ihr ein paar Dinge zu dem kleinen Pony, “Also Rici ist ein ganz lieber, ein wenig zurückhalten und eigenbrötlerisch, aber er kann echt Spaß machen”. Aelfric hob den Kopf und sah uns neugierig entgegen.

      Vriska
      “Rici also, okay”, flüsterte ich dem Hengst zu, als ich ihm vorsichtig das Halfter über den Kopf zock. Etwas überrascht zeiht er den Kopf nach oben, eh er mich erblickt hat. Beruhigend streiche ich ihm über seine Stirn, als seine blauen Augen mich anfunkeln. Zusammen verließen wir die Weide und Lina hatte noch einen Schecken direkt mitgenommen.
      “Wer ist das?”, frage ich neugierig.
      “Caruso, aus der einer Zucht aus England”, erklärt sie mir.
      Auf dem Rückweg zum Stall wechselten wir beide keine weiteren Worte miteinander, offenbar hatte sich auch irgendwas mit sich selbst zu klären. Irgendwie schon sehr ironisch. Eigentlich könnte dieses Treffen, der beste Sommer unseres Lebens sein, doch stattdessen scheinen wir eher das Gegenteil zu empfinden und vermutlich würde sie genauso gern den Ort verlassen. Jedoch kann dieser nichts dafür, denn es ist wunderschön hier. Es ist eher das drum herum: Männer, die sich wie vierjährige verhalten.
      Am Stall hilft sie mir beim Putzen des Hengstes. Als sie mit dem Sattel ankommt, stoppe ich sie schockiert.
      “stopp, stopp, stopp. Das Ding soll ihm passen? Guck’ doch mal!”, sage ich zu ihr, als der Sattel auf dem Rücken von Rici liegt. Ich nehme ihre Hand und ziehe sie langsam unter dem Polster des Sattels entlang. Verdutzt guckt sie mich an, als wüsste sie nicht so ganz was ich meine.
      “Merkst du das? Da bildet sich total die Brücke und links drückt ihm das Polster. Ich hole mal meinen Sattel, der hat Gelpolster und sollte auch von der Länge besser liegen.”, äußere ich und verlasse den Stall, eh ich mit meinem Sattel ankomme und ihm auflege.
      “Schau, viel besser. Der Sattel ist deutlich kürzer und Rici wirkt viel entspannter”, weise ich sie drauf hin und lege auch nur mein Gummipad drunter, dass nur den Effekt des Schutzes vom Sattel hat.

      Lina
      “Na Rici, dann haben wir zwei wohl morgen einen Termin beim Sattler”, sagte ich zu dem Pony. “Ja, ist auch nicht sein Sattel. Er ist erst seit dem Frühling unterm Sattel und ich reite ihn aktuell nicht viel. Dadurch das er noch wächst, ist das leider immer ein wenig schwierig mit ihm, aber danke für den Tipp, ich werde gleich morgen mal mit unseren Sattler sprechen”.
      Nachdem Vriska fertig gesattelt hatte, reichte ich ihr noch seine Trense.

      Vriska
      “Ich kann dir gern die Artikelnummer geben und die Nummer vom Hersteller, oder ich lass dir den hier und hole mir in Schweden einen neuen. Nur als Idee.”, schlage ich ihr vor, eh ich dem Hengst die Trense anlege. Lina wirft mir einige kritische Blicke zu, aber ich kann es mir nicht nehmen lassen auch den Sitz des Gebisses zu kontrollieren.
      “Alles gut, mach’ dir keine Gedanken”, scherze ich. Mit dem Gebiss passt alles. Lina hält mir gegen und ich steige langsam auf den Hengst auf. Freundlich guckt er zu mir, als ich im Sattel sitze. Gemeinsam gehen wir zum vereinbarten Treffpunkt als ich Milena erblicke.
      “Menar du allvar? (Im Ernst?)”, sage ich genervt zu ihr, während sie sich mit Samu unterhält.
      “Vriska, ich möchte mit dir reden. Deswegen halte ich es für keine schlechte Idee, dann Kempa sich etwas lockern und du dich hoffentlich auch.”, schlägt sie mir vor.
      “Nej, Jag orkarinte se på dig. (Nein, haub ab. Verschwinde.)”, pfeife ich sie an. Stur schültet sie mit dem Kopf.
      “Ich möchte mich doch nur bei dir entschuldigen.”, versucht Milena mich vorsichtig zu überzeugen.
      “Denkst du nicht, dass das etwas viele Entschuldigungen werden sollen in so kurzer Zeit?”
      “Nog … (schon)”, antwortet sie verlegen.
      “Ich gebe dir die Chance, aber komm’ jetzt”, ranze ich sie wieder an und treibe den Hengst im Schritt vorwärts. Samu steht derweil sprachlos neben uns und folgt mir dann im Schritt mit seinem Schimmel.

      Samu
      “Pidä hauskaa molempien kanssa (Viel Spaß mit den Beiden)”, rief mir Lina noch ein wenig ironisch hinterher, während ich mit den beiden Streithähnen Richtung Wald verschwand.
      “Es wäre sehr gut, wenn ihr zwei friedlich bleibt, das nächste Krankenhaus ist ein bisschen weiter Weg”, ermahnte ich die beiden Mädels. Ich hatte Vriska recht schnell eingeholt, auch wenn das der fleißigste Schritt war, den ich bei Ric je gesehen hatte. Melina, hatte mit ihrem Pony schon ein wenig mehr Mühe mit ihrer Isländerstute.

      Lina
      Ich war ein wenig schadenfroh, das Samu die Beiden jetzt an der Backe hatte. Naja, er wird das schon schaffen, schließlich ist er der einfühlsamste Mensch, den ich kenne. Und egal was kommt, er ist ein Idealer Streitschlichter. Kurz nachdem die dreier Gruppe verschwunden war, kam auch schon der Schmied. Ich begrüßte ihn, bevor ich ihm Caruso hinstellte. “Na, hast du Spaß Lina”, kam es von Jace, der gerade dabei war Vikar zu putzen, wohlgemerkt ohne Tshirt, da es auch jetzt schon gut 25 Grad hatte. “Jace, an deiner Stelle wär ich mal nicht so frech”, sagte ich scherzend zu ihm und musste mich zusammenreißen nicht auch noch ein Kommentar über sein nicht vorhandenes Outfit zu machen. Mit ihm zu Scherzen fühlte sich seltsam an, gerade nach dem Gespräch gestern Abend. Faszinierend beobachtet wie Jace die Mähne des Hengstes kunstvoll einflocht. “Seit wann kannst du denn Sowas?”, fragte ich ein wenig verwundert. Das hatte ich von Jace nicht erwartet. Ja Tunierzöpfchen oder so, aber einen französischen Zopf und dann auch noch mit der dicken Mähne des Tinkers, das erfordert schon einiges an Geduld. “Seit ich Pferde mit so langer Mähne reite”, kam es nur als Antwort.

      Vriska
      “Keine Sorge Samu, ich verscharre sie dann im Wald”, scherze ich und bekomme einen beinah tödlichen Blick zugeworfen. Direkt versucht sie sich auf irgendwelche Art und Weise für irgendwas zu rechtfertigen, was ich jedoch konstant ignoriere und mich viel mehr darauf konzentrieren muss, dass der junge Hengst vor lauter Nervosität meinerseits, die Beine haken in den Bauch bekommt. Irgendwann hatte ich mir angewöhnt immer meine Beine zu bewegen, wenn ich nicht weiter weiß. Erst dauert fast 10 Minuten, so mein Empfinden im Kopf aber wird vermutlich ansatzweise so lange gedauert haben, bis meine Beine sich beruhigt haben.
      “Weißt du Milena, es ist mir vollkommen egal.”, sage ich und hoffe, dass sich die Sache damit gegessen hat.
      “Du hast mir wirklich nicht zu gehört. Ist mal wieder typisch. Aber Gut, dann wiederhole ich mich, nog. Es tut mir Leid, dass ich im Essenssaal so zu dir war. Doch gestern Abend hatte ich die beste Nacht meines Lebens”, beginnt sie zu sprechen. Offenbar hatte auch Samu mit bekommen, was gestern Abend passiert ist, als Niklas mit ihr und Anna das Feuer verlassen hat, denn er rollt mit den Augen.
      “Milena, wir wollen hier jetzt keine Bettgeschichten hören.”, ermahne ich sie.
      “Man, hör’ mir doch mal richtig zu. Ich .. Es geht nicht darum, dass wir zu Dritt im Bett was miteinander hatten. Sondern es geht um Anna. Niklas war nur hübsches Beiwerk. Viel interessanter war die Erfahrung mit ihr und ich denke … Nein, ich weiß nun was ich fühle und was ich will.”, erzählt sie.

      Samu
      “Langsam Melina, du wolltest dich gerade Entschuldigen, nicht über dich Reden, auch wenn das natürlich sehr schön ist, das du jetzt weißt, was du fühlst”, versuchte ich vorsichtig Melina in ihrem Redefluss auszubremsen und sie wieder auf das eigentliche Thema zu lenken. “Und du Vriska”, sagte ich während ich vor sie ritt, um sie ein wenig auszubremsen, da sie immer noch ein ganz schönes Tempo darauf hatte, “musst ihr wenigstens die Chance geben, sich zu entschuldigen”, ermahnte ich sie.

      Vriska
      “Mach’ ich doch. Sie darf doch gerade reden”, pampe ich nun auch Samu an, obwohl das nicht die feine englische Art ist, die mich meine Mutti gelehrt hat.
      “Ja, alles gut aber ich muss das dazu sagen, damit das alles einen Sinn ergibt”, geht Milena nun in die Verteidigung. Alles, was ich gerade höre, sind einfach Phrasen ohne inhaltliche Bewandtnis, aber äußere mich nicht weiter dazu. Vielleicht sollte ich sie wirklich ausreden lassen.
      “Also ich hatte also gestern den Abend meines Lebens. Es schien auch Anna so ergangen zu sein, weil wir zusammen noch auf mein Zimmer gegangen sind. Wenig später kam Niklas dann dazu, hatte einen großen Streit mit Anna. Ich war so sauer, dass ich es an dir ausgelassen hatte. Es tut mir leid, so ist man nicht zu seiner besten Freundin.”, entschuldigt sie sich schlussendlich.
      “Das erklärt jedoch nicht, wieso du erstens dann heute beim Essen so an ihm geklebt hast und zweitens dich so aufgeregt hast, weil mein Pferd seinem Instinkt gefolgt ist.”, sage ich genervt zu ihr.
      “Ja, da hast du recht. Du gibst mir einfach immer das Gefühl gegen dich ankommen zu müssen. Es provoziert einen immer, weil du von Natur aus alles kannst. Außerdem weiß ich, dass Niklas dich kennenlernen will und … und das will ich nicht. Ich hatte ihn zuerst.”, gibt sie dann zu.
      “Er ist doch kein Spielzeug, dass man sich einfach so nimmt und ich denke, dass ich alt genug bin. Mit jedem Satz, den er sagt, eigentlich bei allem, was er tut, merkt man, wie sehr er mit sich selbst zu kämpfen hat und um jede kleine Aufmerksamkeit ringt. Auch nach dem, was du mir erzählt hast. Niklas will nur auch mal etwas für sich allein haben und vor allem Liebe abbekommen. Ich habe genug eigene Probleme, um die ich mich kümmern muss. Da kann ich nicht noch Anfang seine Mutterfigur zu ersetzen, die er sich in seinem Kopf erschaffen hat, die von Grund auf immer gegen ihn ist. Ich bitte dich. Du weißt, dass ich keine Lust auf irgendwelche Männer habe mit Komplexen.”, sage ich und muss sogar lachen. Milena setzt mit ein.

      Samu
      Wow, wo bin ich hier nur reingeraten, dachte ich, während die beiden Mädels ihre Probleme ausführten. “Na geht, doch. Meint ihr, ihr Schafft es dann einen Tag friedlich zu sein?”, sagte ich zu den Mädels und dachte mir noch im Stillen wofür ich jetzt eigentlich da war. Warum hatten sie es nicht allein geschafft miteinander zu reden.

      Niklas
      In meinem Zimmer entschied ich mich dazu eine heiße Dusche zu nehmen. Die Aktion von Milena und auch Anna in der Cafeteria war mir zu viel, viel zu viel. Während das Wasser auf mich einprasselt versagen meine Knie und ich lasse mich auf den Boden sinken. Mein Körper zittern, mein Herz rast. Es wird schwarz vor meinen Augen.
      Im nächsten Moment finde ich mich in einem Raum wieder, ich friere. Der Boden ist weich, bei einem genaueren Blick scheint es Sand zu sein, bedeckt mit Stroh.
      “Hallo? Ist da jemand?”, rufe ich verzweifelt. Niemand antwortet und ich versuche einen Weg herauszufinden. Ich laufe an den Wänden entlang, die aus Holz sind. Einige Lichtstrahlen fallen in die Dunkelheit. Mein Puls steigt immer weiter an und auf meinem Rücken läuft der Schweiß hinunter. Es ist wieder die Scheune. Verzweifelt schreie ich nach Hilfe, suche einen Weg nach Draußen. Doch es gibt keine Tür, oder ein Fenster.
      “Niklas? Alles gut”, höre ich plötzlich Ju rufen, der mich besorgt anguckt nach dem er im Badezimmer vor mir steht. Verunsichert nicke ich.
      “Komm’, steh’ auf. Der Schmied ist da.”, fügt er noch hinzu und verlässt wieder den Raum.
      “Ich bin in Kanada, unter der Dusche. Es ist Sommer, kurz vor 11 Uhr im Jahr 2020. Mein Name ist Niklas Olofsson, ich bin 26 Jahre jung”, flüstere ich vor mich hin. Dann atme ich tief durch, schalte den Wasserhahn ab und greife nach einem Handtuch.
      Wenig später gehe ich zusammen mit Ju in den Stall.
      “Wirklich alles gut?”, fragt er besorgt erneut nach. Ich nicke nur. Natürlich ist ihm bewusst, dass nicht alles gut und ich wieder ein Flashback hatte. Wir haben nie drüber gesprochen. Er ist ein guter Freund. Ju hinterfragt nicht, akzeptiert es und unterstützt einem egal was passiert ist oder wird. Wieder verliere ich mich in meinen Gedanken.

      Lina
      “So, der ist fertig, kannst du ihn mir einmal bitte vorführen?”, sagte der Schmied zu mir und unterbrach so mein Gespräch mit Jace. “Klar”, antwortete ich, band den Junghengst los und lief mit ihm erst im Schritt und dann im Trab ein paar mal mit ihm Hin und Her. “Super, passt so, dann kannst du den nächsten Kandidaten holen”.
      “Die nächste Stute steht schon direkt in der ersten Box”, sagte ich zu dem Schmied und brachte den frisch beschlagenen Hengst zurück zu Koppel.
      Als ich zurückkam, hatte der Schmied schon angefangen Miss Leikas Hufe zu machen. Jace war zum Glück mit seinem Hengst verschwunden. Da der Schmied scheinbar erst einmal allein zur recht kam, machte ich mich auf die Suche nach dem nächsten Pferd. Ein Blick auf die Liste verriet mir, dass es Niklas Stute war. Also hieß es Niklas suchen. In der Hoffnung, dass er schon bei seiner Stute war, wollte ich im Stall suchen.
      Dort fand ich ihn auch tatsächlich mit Ju.
      “Hey, Nikals…”, begann ich und kam in Stocken als ich merkte, das er sein Shirt komplett falsch rum anhatte. “... Warum hast du das T-Shirt falsch rum an?”, fragte ich ein wenig verwirrt. “Aber eigentlich wollte ich dir nur sagen, dass Smoothie die nächste beim Schmied ist”, teilte ich ihm mit. Niklas sah mich ein wenig verwirrt an, als habe er nicht zugehört und stattdessen antworte Ju. “Alles klar, danke für die Info”. Ich blieb noch einen Moment stehen und überlegte, ob ich gehen sollte oder nicht, doch ich entschloss mich zu gehen. Denn was auch immer da los war, es ging mich nichts an. “Also ich bin dann draußen, wenn ihr irgendwas braucht”, hängte ich zögerlich an und verließ den Stall wieder.

      Niklas
      “Oh, danke für den Hinweis”, sagte ich etwas verspätet zu Lina, zog mein Shirt über den Kopf und drehte es um.
      “Schaffst du es allein?”, frage Ju und wandte sich dann zu Lina: “Du sag mal, ist Amy dann auch gleich an der Reihe?”
      “Äää, ja”, antworte Lina.
      “Also soll ich sie auch gleich mitbringen?”, frage ich meinen besten Freund. Er nickt und ich gehe los zur Weide. In meinem Kopf kommen immer wieder die Bilder hoch von dem Staub, der im Lichtstrahl tanzt.
      “Vielleicht ist es doch besser, wenn ich dich begleite”, sagt Ju zu mir, als er angejoggt kommt.
      “Danke”, sage ich still. Ich versuche mir so gut es geht nichts anmerken zu lassen, doch es scheint klar zu sein, dass mit mir etwas nicht stimmt.
      Wenig später kommen wir mit den beiden Stuten am Stall an. Smoothie ist voll mit Grasflecken.

      Ju
      “Kannst du das regeln?”, fragt mich Nik mit leicht zitternen Händen, als er mir seine Stute in die Hand drückt.
      “Natürlich”, antworte ich ihm.
      “Super, es geht um das Eisen hinten links. “, merkt er noch an, eh er sich wieder am Stall entfernt. Vermutlich sucht er sich nun eine ruhige Stelle und setzt sich in die Sonne, hoffe ich. Aber ich bin nicht sein Betreuer, solang er nicht mit mir drüber sprechen möchte, kann ich nicht viel für ihn tun.
      “Er ist nicht so scheiße, wie man denkt.”, sage ich zu Lina, die den Schmied bei seiner Arbeit betrachtet.
      “Ja, Nik verhält sich oft unausstehlich und hat sich nicht im Griff”, beginne ich an zu erzählen. Vermutlich will sie das alles gar nicht hören, aber ich muss mit wem drüber sprechen, damit es mich selbst nicht belastet. Außerdem war er nicht unbedingt nett zu ihr, also fühlt es sich an, als wäre ich ihr zumindest eine Entschuldigung schuldig. Ich binde seine Stute etwas weiter von der Cremello Stute an, da sich die beiden Pferde nicht kennen und ich nicht weiß, wie diese auf Smoothie reagiert. Entspannt versucht sie vom Boden einige Krümel zu fressen. Noch bevor Lina was sagen kann, rede ich weiter.
      “Ich habe ihn sitzend in der Dusche gefunden. Er hatte wieder einen Zusammenbruch. Das ist das erste Mal seit Monaten. Vermutlich fragst du dich jetzt, warum ich dir das erzähle. Eigentlich will ich mich nur in seinem Namen entschuldigen, weil er damit wirklich Schwierigkeiten hat einzuschätzen, wie weit er gehen kann.”

      Lina
      Aufmerksam hörte ich Ju zu. Ich schweig einen Moment und sah Smoothie dabei zu, wie sie am Boden nach Futter suchte. “Ist schon ok. Ich denke viele von uns haben ein Päckchen mit sich herumzutragen”, antwortete ich ihm und musste an meine eigene Vergangenheit denken. “Du bist ein echt guter Freund für ihn, jeder braucht jemanden wie dich”, ich wusste nicht genau warum ich das sagte, aber ich hatte das Gefühl das sagen zu müssen. Seitdem Niklas mir geholfen hatte, hatte ich schon das Gefühl, das da mehr war als der coole Niklas. “Mag sie Möhren?”, fragte ich Ju und deutete auf die Stute.
      “Ja, sie liebt die, aber darf nicht so viele fressen, weil Möhren viel Fruchtzucker haben und Nik auf ihre Figur achten will. Ach ja, hast du irgendwas was er machen kann? Ich denke, dass ihn hier allein auf dem Hof herumlaufen zu lassen ist doch nicht so gut. Nach so einer Situation ist er eine tickende Zeitbombe.”, antwortet er offensichtlich besorgt.
      “Na, das muss er ja nicht wissen und von einer Möhre wird sie schon nicht gleich 10 Kg zunehmen”, antworte ich und steckte der Stute trotzdem ein Stück Möhre zu.” Naja, er kann doch bestimmt mit einem Akkuschrauber umgehen, oder? Dann könnte er Divines Spind reparieren”, antwortete ich ihm auf seine Frage.

      Ju
      “Tatsächlich kann er noch mehr. Am Hof in Schweden hat er die viele Zäune selbst gebaut und alle unserer Spinde. Die Muskeln sind nicht nur Deko.”, erzähle ich ihr und muss lachen.
      Dann verabschiede ich mich kurz von ihr und mache mich auf die Suche nach dem Kerl. Mein erster Anlaufpunkt ist unser Zimmer, in dem ich ihn weder erwartet habe, noch angetroffen. Von Lina weiß ich, dass nicht weit weg vom Stall eine Wiese ist.
      “Nik, Lina braucht deine Hilfe”, rufe ich ihm zu.

      Niklas
      “Meine handwerklichen Fähigkeiten werden verlangt?”, frage ich belustig, als ich zurück in den Stall komme mit meinem Shirt in der Hand.
      “Vorher müsste dein Pferd noch zurück”, sagt Lina zu mir.
      “Ach, das übernehme ich, wenn Amy fertig ist”, wirft Ju fix ein. Ich bedanke mich bei ihm und wende mich dann Lina zu.
      “Also was soll ich tun?”, frage ich während ich mich etwas vor ihr aufrichte und runterschaue.

      Lina
      Wow, er war verdammt groß. Ich blicke zu ihm hoch “Also du hast eindeutig Gemeinsamkeiten mit deinem Pferd”, sagte ich halb scherzend, halb ernst gemeint.
      “Du, könntest mal deine Fähigkeiten nutzen und Divines Spind reparieren”, sagte ich ihm. Wenn ich mal so recht darüber nachdachte, konnte ich irgendwie nachvollziehen, was Vriska an ihm fand.
      “Komm ich zeig dir den Weg”, sagte ich und ging in Richtung Scheune um nach den Nötigen Werkzeug zu suchen.
      Natürlich lag es ganz oben auf dem Regal, ich wollte gerade nach dem Hocker suchen, doch Niklas schob mich einfach zu Seite.
      “Ich mach schon”, und keine Sekunde später hatte er auch schon den Werkzeugkoffer in der Hand.
      “Na gut, wenn wir das dann haben, zeig ich dir deine Baustelle.”

      Ju
      Während Lina mit Niklas verschwunden war, stand ich allein mit dem Schmied im Stall, der mit Amy deutlich schneller fertig war als erwartet.
      “So, ich brauche dann das nächste Pferd”, sagte er zu mir.
      “Öhm, ich würde Ihnen gern helfen aber ich bin nicht von ihr.”, entschuldige ich mich bei ihm.
      “Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit”, sagte er genervt. Also gucke ich mich hektisch im Stall um eh ein Pferd in einer Box entdecke, deren Hufe eindeutig länger nicht mehr an der Reihe waren, da die Sohle bereits deutlich über die Eisen wuchs. Vorsicht begrüße ich das Tier, dass mich neugierig an der Hand beschnuppert. Ich nehme den … vorsichtig gucke ich unter den Bauch … den Hengst an den Strick und binde ihm bei dem Schmied an, der sich direkt an die Arbeit macht.
      “Lina müsste gleich wieder da sein”, sage ich zu ihm und schnappe mir die beiden Stuten, um sie zurück auf die Weide zu bringen. Samu, Milena und Vriska kommen mir entgegen, die offenbar vom Ausritt wieder da sind.

      Niklas
      “Gladeligen, Lina (Sehr gern, Lina)”, antworte ich ihr. Einen Moment gucken wir uns tief in die Augen, eh mich abwende und mir den Schrank anschaue. Ich höre wie sie rasch den Raum verlässt. Als erstes Räume ich ihre Sachen aus dem Stall, die deutlich besser sortiert sind, als ich gedacht hätte. Die Kleine macht auf mich einen sehr verstreuten Eindruck, deswegen habe ich einen ziemlich chaotischen Spind erwartet. Womit ich jedoch richtig liege, sind die Anzahl an Dingen, die in sich ihm befinden. Mehr als vier Schabracken hatte ich bereits in der Hand, sowie die verschiedensten Salben, Cremen und Sprays. Von einigen ist sogar die Mindesthaltbarkeit seit mehr als einem Jahr vorbei. Doch es geht mich natürlich nichts an und ich stelle sie ebenfalls zu dem anderen Zubehör. Dann mache ich mich an die Arbeit. Ich löse die Scharniere von den Türen, stelle sie an einen anderen Spind. Mehrere Bretter sind ebenfalls abgebrochen, die ich mit Winkeln neu befestige. Die linke Tür ist mit ihrem Scharnier nicht mal ansatzweise in der Waage.
      Das Ein- und Ausräumen hat wirklich länger gebraucht, als die Reparatur an sich. Um Lina nicht noch mehr zu nerven, bringe ich das selbstständig zurück in den Schuppen, aus dem wir es geholt hatte. Dann begebe ich mich zurück in den Stall, in dem sich Lina und Ju sich über die Pferde unterhalten.
      “Ich melde mich zur Bereitschaft”, scherze ich, als ich ankomme.

      Lina
      “Ah, da ist ja der Ritter in glänzender Rüstung”, scherzte ich übertrieben theatralisch. “Es fehlen nur noch Saturn und…” ich schaute mich kurz um, doch die Box von Ace war leer “wo ist denn Acerado hingekommen?”, fragte ich Ju.
      “Der braune der das in der Box stand? Der ist schon beim Schmied”, antwortete Ju.
      “Oh, dann geht das heute aber schnell”, sagte ich ein wenig verwundert. Unser Schmied wurde noch nie für seine Geschwindigkeit bekannt. “Ausnahmsweise scheint es hier ja doch mal Menschen zu geben, die von allein Arbeiten”, verkündete ich fröhlich.

      Samu
      Die beiden Mädels und ich waren inzwischen ziemlich weit gekommen und die Sonne stand schon recht Hoch am Himmel. Die Stimmung war deutlich lockerer geworden und alle schienen den Ausritt zu genießen. Zumindest für den Moment schienen alle friedlich zu sein. Wir hatten den Waldrand erreicht und vor uns eröffnete sich eine riesige Bergwiese und im Hintergrund konnte man den Gletscher erkennen, wo sogar zu dieser Jahreszeit noch Schnee lag. Mein Schimmelhengst blieb aufmerksam stehen und sah zu den Felswänden hoch.
      Wie zwei kleine Bergsteiger kletterten Schneeziegen die Steilwände entlang.” Seht nur ihr zwei, Schneeziegen”, wies ich Vriska und Milena daraufhin.

      Vriska
      “Oh wie niedlich”, schwärmte Milena, als sie auch die Ziegen betrachtet hatte.
      In der Zwischenzeit habe ich über den Kuss mit Ju nach gedacht und wie gut es sich angefühlt hat. Es ist seit dem letzten ziemlich viel Zeit vergangen, genau genommen mehr als 2 Jahre. Als ich am Atomics Valley ankam, habe ich oft darüber nachgedacht, wie es mit Bruce wäre. Jedoch hat keiner von uns Beiden den Schritt gewagt. Seitdem er nicht mehr so häufig am Hof ist, haben wir uns auch ein wenig aus den Augen verloren.
      “Lina meinte das eure Beiden bitte am Stall bleiben sollen”, wieß Ju ein, als am Hof ankamen und er Smoothie und Amy zurück auf die Weide brachte.
      “Oh, danke. Machen wir”, bedanke ich mich bei Ju.
      “Was ist den mit Nik, dass du seine Stute mit wegbringst?”, fragt Milena etwas besorgt.
      “Der hat gerade anderes zu tun. Nichts wildes”, scherzt Ju und geht weiter.
      Am Stall angekommen, steigen wir alle von unseren Pferden. Als meine Füße den Boden berühren, zieht es deutlich in meinem Rücken und vor Schmerz verziehe ich das Gesicht.
      “Alles gut?”, fragt Samu. Um ihn nicht zu verunsichern, sage ich ja und nehme alles vom Pferd herunter. Dabei hilft er mir alles wegzubringen. Der Schmied ist gerade fertig mit einem braunen Hengst, sodass ich ihm den nächsten Kandidaten direkt dazu stellen kann. Auch Samu bindet seinen Schimmel an. Erst jetzt fällt mir auf, dass Lina sich wirklich gerade mit Niklas unterhält, der ziemlich selbstsicher neben ihr steht und kein einziges hochnäsiges Kommentar abgibt. Jedoch kann Milena keinen Spruch verkneifen.
      “Hey Lina, um dein Kopfkino etwas zu beruhigen. Ja, der Rest von ihm ist genauso groß”, sagt sie und geht mit Kempa weiter zu Weide. Es scheint ihm sichtlich unangenehm zu sein und er guckt kurz verärgert zu ihr, aber geht nicht weiter darauf ein.
      “Hast Niklas irgendwas verabreicht?”, flüstere ich Ju zu, zu dem ich mich etwas abseits gesellt habe.
      “Nein, der … er hatte vorhin einen kleinen Aussetzer und seit dem ist der so. Ist aber nichts Neues. Heute Abend ist er wieder der gleiche Arsch wie immer”, versichert er mir. Ich nicke überrascht aber frage nicht weiter nach.
      “Willst du hier bleiben oder wollen wir irgendwas machen?”, frage ich dann.
      “Nein, nein. Ich möchte hier bleiben und das Gespräch beobachten. Irgendwas ist ganz anderes.”, antwortet er verunsichert.
      “Ach gut, dass ich euch gefunden habe”, sagt Herr Holm, der auch ohne Shirt auf uns zu kommt.
      “Was ist los? Und willst du dir nicht mal was überziehen?”, sagt Ju etwas überrascht. Ich inspiziere unauffällig den Körper vom Trainer und bin sehr überrascht wie gut er noch in Form ist für sein Alter.
      “Bist du neidisch? Falls ihr die anderen trefft, sagt den mal bitte Bescheid, dass wir heute Abend gegen 20 Uhr für ungefähr eine Stunde Theorieunterricht haben und danach einen kleinen Filmabend machen. Bevor ihr fragt, ja Anwesenheit ist beim Unterricht Pflicht.”, scherzt er. Bevor er weiter geht, erklärt Herr Holm, dass auch alle vom WHC eingeladen sind ihr Wissen aufzufrischen. Wir bedanken uns für die Information und ich gehe allein zu den beiden Turteltauben rüber,

      Lina
      Natürlich hatte Milena mal wieder einen dämlichen Kommentar auf lager. Ich ignorierte sie einfach.
      “Na, ihr zwei”, kam Vriska zu uns rüber. “Ich soll euch zwei mitteilen, das heute Abend Theorieunterricht und Filmabend ist”, unterbrach sie unser Gespräch.
      “Wieder da und die Sonne ist noch da”, begrüßte ich Vriska. “Hat dir Rici gefallen?”, fragte ich sogleich.
      “Ja, er war ziemlich bequem. Es ist auch schön mal wieder was anderes Kleines zu reiten. Zu Hause sitze ich nur noch auf den Trabern oder auf dem Sulky.”, antwortet sie.
      “Sehr schön. Aber so ein Traber muss doch auch cool zu reiten sein, oder? Wenn der Schmied fertig ist, bin ich erst einmal fertig. Ich würde dann Limo und Eis für alle die wollen Spendieren”, schlug ich vor. Der Schmied ist gerade dabei den letzten von Aelfrics Hufen zu machen.

      Samu
      Die ist heute gut gelaunt, dachte ich mir als ich Lina entdeckte, die sich scheinbar gut mit Niklas unterhielt. “Limo und Eis klingt super”, stimmte ich meiner Freundin zu als ich vorbeiging. “Ich geh dann schon mal alles vorberieten, ihr und alle anderen können dann gerne auf unsere Terrasse kommen, wenn ihr so weit seid”, fügte ich noch hinzu und verschwand in Richtung Haus.

      Vriska
      “Du kannst dich ja im demnächst mal auf Smoothie setzen, sie ist auch ein Standardbred”, warf Niklas ein, bevor ich was sagen konnte. “Hat er sonst noch was gesagt hat?”, wandte er sich nun zu mir und sprach möglichst leise, in der Hoffnung, dass Lina es nicht mitbekam. Ich schüttelte nur mit dem Kopf und in seinem Gesicht machte sich eine Erleichterung breit. Während er sich in das Gespräch mit Lina kehrte, betrachtete ich sein Körper und besonders seine Brust, die genau auf meiner Augenlinie befand.
      “Wenn du willst, kannst du auch ein Foto mit mir machen”, bot er lachend an, als wäre er etwas Besonderes. Was Niklas auf irgendeine Art und Weise natürlich ist, aber nein. Vriska. Nicht weiter drüber nachdenken, sagte ich in Gedanken zu mir.
      “So er kann weg.”, sagte der Schmied und eh Lina sich dem Pony zuwenden konnte, band ich ihn ab.
      “Ich bringe ihn zurück”, sage ich nur zu ihr ging mit ihm los zur Weide. Mein Hirn spielt im Moment verrückt und jeder der Typen verdreht etwas, ist anziehend oder eher ausziehend. Vielleicht sollte ich mich eher auf die Mädchen konzentrieren, dann kann das nicht passieren. Obwohl, wenn ich so an Milena denke, die vorher nie solche Gedanken mir gegenüber geäußert hat, lässt sich nicht ausschließen, dass ich mein erstes Mal mit einer Frau habe.

      Lina
      “Oh, ja Smoothie würde ich gerne mal ausprobieren”, sagte ich begeistert als Niklas das vorschlug. Bevor ich überhaupt reagieren konnte, hatte Vriska sich schon das Pony geschnappt und war mit ihm verschwunden. “Sag mal wie kommt es eigentlich, dass du so ein hübsches Pferd besitzt. Ich mein, ich habe zwar keine Ahnung von Trabern, aber sie scheint echt gut zu sein”, fragte ich neugierig.
      Irgendwie hatte ich Interesse an Niklas gefunden. Ich hätte niemals erwartet, dass ich mal so einen Frauenhelden interessant fände, aber Niklas war irgendwie anders. Hinter seiner Fassade schien etwas zu schlummern, was ihn schwer zu belasten schien.
      “Standardbreds bzw. alle Trabrennpferde haben in Schweden eine lange Tradition. Aus dem Grund hat Opa es sich zur Aufgabe gemacht dieser Rasse mehr als ein reines Rennpferd einzuhauchen. Viele Jahre hat er damit verbracht die richtigen Elterntiere zu suchen und anzupaaren. So entstand auch Satz des Pythagoras, wie sie mit vollem Namen heißt. Öfter hat er auch englische Vollblüter mit hereingezogen um mehr Temperament zu bekommen. Außerdem sind bei der Rasse alle Fellfarben erlaubt und Opa hat immer ein Gräuel gegen die Deutschen Rassen gehabt, die durch die deutsche Kriegsführung im langweiligen Braun gezüchtet wurden. Bevor ich sie hatte, hatte ich ein schwedisches Warmblut. Und bekommen habe ich sie zur Aufnahme in den Verein, bevor er starb.”, erzählt er offen. Natürlich sind seine Blicke nicht zu übersehen, die er mir zuwirft. “Beindruckende Geschichte”, sagte ich, bevor der Schmied mich unterbrach, den nun auch mit Sky fertig war. “Begleitest du mich?”, fragte ich, während ich den Schimmel losband, um ihm zur Koppel zu bringen. Natürlich begleitete er mich. “Hast du ein Glück ein eigenes Pferd zu haben, ich träume davon seit ich ein kleines Mädchen bin”, fing ich an zu erzählen.

      Niklas
      “Bei uns in der Familie ist es üblich, dass jeder sein eigenes Pferd hat neben den Zuchtpferden. Damit kein Streit entsteht. Vielleicht sprichst du da mal mit Vriska drüber, sie hat Glymur noch nicht lange und eine Traberstute in Aussicht”, erzähle ich dann Lina. In mir fühle ich eine Erleichterung, dass ich mich mit jemanden Unterhalten kann, der mich nicht auf meinen Körper reduziert. Doch bevor ich irgendwas passiert muss ich sie darauf ansprechen.
      “Du, ich muss jetzt aber mal was fragen, bevor … was weiß ich. Was ist das mit dir und Jace, ist das was Ernstes?”, frage ich sie auf dem Rückweg zum Hof, nach dem sie Sky zu den anderen Pferden gestellt hat.

      Lina
      “Naja, das ist… Kompliziert”, fing ich ein wenig zögerlich an. Seltsamerweise vertraute ich ihm, obwohl ich ihn gerade einmal ein paar Tage kannte. “Das ganze fing an als ich für das HMJ in Schweden war. Seltsam wie einem Gefühle erst klar werden, wenn man weit entfernt von jemandem ist. Dann habe ich ihn in einem schwachen Moment meine Vergangenheit offenbart und meine Gefühle offenbart und er ist einfach ... Jace. Sagen wir mal seine Reaktion war nicht angemessen. Aber nein das ist nichts Festes und das war es auch nie. Ich denke, er verschweigt mir irgendwas und da Ehrlichkeit für mich eine Grundvoraussetzung ist... Naja, er hat seine Chance fürs Erste verspielt”, erzählte ich ihm offen. “Auch wenn mein Verstand mir sagt, dass es vollkommen logisch ist ihn auf den, Mond zu schießen, so ist das mit den Gefühlen leider nicht so einfach, vor allem wenn man ihn jeden Tag sehen muss.”, endete ich.

      Niklas
      “Und warum hast du nicht angerufen?”, scherzte ich, nach dem sie von Schweden sprach. Damit konnte ich wenigstens wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Kurzerhand stellte ich mich ihr vor den Weg. Noch einmal warf ich einen Blick auf unsere Umgebung, weit und breit war niemand zu sehen. Zum Hauptteil des Hofes waren noch einige Meter. Vorsichtig lege ich meine Hände an ihre Hüfte.
      “Was denkst du?”, frage ich sie sanft und gucke ihr tief in die Augen.
      “Ich weiß nicht “, antworte sie zögerlich und versucht meinem Blick auszuweichen. “Ich kenn dich doch gerade mal ein paar Tage. Woher weiß ich den, das du kein böser Vergewaltiger bist”, scherzte sie dann aber gleich. Sie flirtete eindeutig mit mir.
      “Deswegen habe ich dich vorher gefragt. Wollte dich nicht in Verlegenheit bringen, tut mir leid.”, antworte ich verlegen.
      “Außerdem, wenn es danach gehen würde… Ich bin deutlich größer als du und aufjedenfall stärker. Dann hätte ich dich bereits in den nächsten Busch gezogen.”, scherze ich eh ich still werde und kurz nachdenke. Dann hebe ich sie nach oben, hänge sie mir wie einen Schal über die Schulter und laufe Richtung Hof weiter. Natürlich zappelt sie, aber Lina hat keine Möglichkeit dem zu entfliehen.

      Lina
      “Ey, wo willst du hin”, schimpfte ich lachend und wehrte mich ein wenig, aber natürlich hatte ich keine Chance gegen ihn. Seine muskulösen Arme hatten mich fest im Griff. Niklas schien auch schon genau zu wissen, wohin er wollte. Zielsicher steuerte er auf seine Hütte zu. Vor der Tür musste er mich absetzen um aufzuschließen. Erstaunlicherweise war die Tür aber nicht abgeschlossen und ein leicht verdutzter Ju sah uns entgegen. “Äääh Hi”, stammelte ich und das Blut schoss mir in die Wangen. Ihn hatte ich hier nicht erwartet. “Niklas wollte mir nur … etwas zeigen”, stammelte ich weiter. Vielleicht sollte ich jetzt lieber die Klappe halten, ich klang, wie eine 12-jährige die von Ihren Eltern erwischt worden war.

      Niklas
      “Hoffentlich nur den Inhalt des Kühlschranks und nicht seiner Hose”, antwortet Ju scherzhaft.
      “Lina denk dran, der Rest wartet auf Eis und Limo. Beeilt euch. Jace wartet schon auf dich.”, fügt er noch hinzu und geht. Ich gehe in die Hütte und krame in meiner Tasche nach einer kurzen Hose. Typisch sieht der Raum aus wie ein einziges Schlachtfeld.
      “Du kannst auch in den Büffelstall hereinkommen, offenbar wolltest du dir ja etwas angucken”, scherze ich und zeihe meine Reithose herunter. Natürlich werfe ich sie nur auf den Boden. Meine kurze Hose habe ich jedoch immer noch nicht gesehen.
      “Wow, ein typisches Jungszimmer. Irgendwie hätte ich bei dir mehr, Ordnung erwartet”, antwortete sie mir, nach dem sie einen kritischen Blick durch den Raum geworfen hatte.
      “Ordnung? Nur, weil ich Geld habe? Zu Hause habe ich eine Reinigungskraft, die macht das.”, antworte ich etwas eingebildet und erwische mich direkt dabei, dass ich dieselbe Antwort noch ein mal in einer anderen Betonung von mir gebe. Endlich finde ich eine kurze Hose, die zwar von Ju ist, aber der wird schon kein Problem damit haben. Rasch ziehe ich sie mir über und merke erst jetzt, dass diese etwas eng anliegt. Kurz gucke in den Spiegel, ja passt. Dann ziehe ich wieder meine Reitstiefel und nehme Lina an die Hand mit nach draußen.
      “Komm wir gehen lieber, bevor noch irgendwelche Gerüchte aufkommen”, sage ich rasch zu ihr und schließe die Tür ab.
      “Ach, der Weltenbummler ist da”, sagt Ju freundlich zu mir. Weltenbummler ist unser Codewort für ‘Ich habe nichts gesagt, keine Sorge’
      “Haha ja, wir hatten uns etwas verquatscht an der Weide”, weiche ich schnell aus, um Lina nicht noch einmal in Verlegenheit zu bringen.
      “Deine Hose zeichnet aber eindeutig was anderes ab”, merkt dann Milena an.

      Lina
      “Kann sie eigentlich auch was anders außer dummen Kommentare Abgeben?”, sagte ich mit gesenktem Stimmer zu Niklas. Die Limonade stand bereits auf dem Tisch, sodass nur noch das Eis fehlte. “Ich geh dann mal das Eis holen”, sagte ich und verschwand im Haus. Bevor ich allerdings in den Keller ging, flitze ich noch in mein Zimmer, um mich umzuziehen. Aus Gewohnheit hatte ich heute am Morgen eine Reithose angezogen. Bei den sommerlichen Temperaturen draußen würde ich allerdings bald schmelzen, wenn ich weiter darin rumlief.
      Kurz entschlossen Griff ich mir eine kurze Jeans und ein Croptop aus meiner Kommode und zog mich um, meine Stiefel tauschte ich gegen Sneaker.
      Als ich wieder unten war kam mir Jace im Flur entgegen. “Lina, du hast dich nicht etwa was mit dem, oder?”, fragte er ein wenig zu harsch. “Nein und selbst wenn, geht dich das gar nichts an. Ich bin alt genug, um selbst zu wissen mit wem ich schlafe und ich bin auch nicht den Besitzt, Jace. Außerdem scheinst du mir kein bisschen besser zu sein als er.”, erwiderte ich ein wenig zickig. Diese Antwort schien ihm für Erste zu reichen, denn er trollte sich in die Küche.
      “Der Eiswagen ist da”, rief ich als ich nach draußen ging, mit einem Tablett voll mit Eis. Ich stellte das Tablett ab und nahm mir auch sogleich ein Fruchteis “Bedient euch”.
      “Na, haste dich extra noch hübsche gemacht”, kam ein dämlicher Kommentar von einem der Jungs. “Sagen die, die hier alle halb nackt rumrennen”, erwiderte ich nur und setzte mich an den Tisch.
      Jace kam aus der Küche zurück mit einem seiner komischen Proteinshakes und setzte sich Demonstrativ neben mich. “Jetzt mach hier mal nicht das Alphamännchen”, zischte ich ihm zu.

      Niklas
      „Daaaaaas ist meins“, griff Vriska rasch vom Tisch das einzige Wassereis. Natürlich fiel mir direkt auf, dass sie ihr Shirt ebenfalls entblößt hatte und nun ihm ihren Calvin Klein dasaß. Ju zog eine seiner Brauen hoch und legte merklich seine Hand auf ihren Oberschenkel, um sein Gebiet abzustecken. Dann ließ ich meinen Blick durch die Runde streifen. Milena ignorierte mich nun und unterhielt sich mit Samu über ihre Pferde. Zu Lina hatte sich nun Jace gesellt, der offenbar nicht begeistert von unserem gemeinsamen Ausflug scheint.
      „Nå … Had ni? (Und, hattet ihr?)“, flüstert Ju mir zu.
      „Ein Gentleman genießt und schweigt. Men, nej. (Aber nein)“, antworte ich vertrauensvoll. Er nickt nur und spricht mit Vriska weiter.
      „Das ist doch Bullshit! Du hast ’nen Korb bekommen, die zweite Enttäuschung dieses Tages!“, belustigt sich Anna, die gerade zum Tisch kam und unser Gespräch verfolgt hat.
      „Hmm?“, murre ich sie enttäuscht an.
      „Ich habe euch gesehen auf dem Weg. Du hast deine Hände an ihre Hüfte gelegt und ihr schöne Augen gemacht, so wie du es immer machst!”, wirft sie mir vor eh sie vorfährt. Vorsichtig werfe ich einen Blick zu Jace, in dem es vor Wut kocht. In der Runde ist es nun mucksmäuschenstill. Viele gucken zu mir, aber auch im Wechsel zu Anna und Lina, der das am unangenehmsten zu sein scheint.
      “Nur, dass du heute nicht das bekommen hast, was du unbedingt wolltest, du Bastard. Zum Glück ist das seit gestern Abend mit uns vorbei.”, belustigt Anna sich an der Situation, eh sie sich mit Milena von der Runde entfernt. Natürlich hat sie sich vorher noch ein Eis genommen.
      “Ich bring’ dich um”, schreit mich nun Jace voller Wut an. Lina hat Schwierigkeiten ihn zurückzuhalten, aber es gelingt ihr dennoch.
      “Was habe vorhin zu dir gesagt? Ich bin alt genug selbstständig Entscheidungen treffen zu können, außerdem war er nicht aufdringlich, nach dem ich nein gesagt habe”, flüstert sie ihm zu. Doch es war nicht so leise wie sie dachte, denn alle haben es gehört.
      “Ich werde dann mal gehen”, versuche ich mich zu verabschieden.
      “Nein, dass kannst du vergessen. Du bleibst hier”, stoppt mich Ju und setzt sich auf meinen Schoss.

      Jace
      Wütend war ich aufgesprungen, und vermute Lina, war der einzige Grund warum ich diesem Idioten nicht eine verpasste. Aufgebracht verließ ich den Tisch und stapfte in den Keller, wo mein Boxsack hin.
      Wütend schlug ich immer wieder auf den Sack ein und wünschte, dass es das Gesicht von Niklas war.
      “Na, genug abreagiert”, kam es aus dem Türrahmen nach einer Weile. Ich hielt inne um mich Umzudrehen. Samu stand im Türrahmen. “Wie lange stehst du da schon?”, fragte ich ihn.
      “Lang genug”, antwortet er nur knapp. Erst jetzt merkte ich wie sehr mein Knöchel schmerzten, weil ich natürlich nicht klug genug gewesen war sie zu schützen.
      “Also Jace falls du jetzt wieder in der Lage bist vernünftig zu denken, würde ich gerne wissen, wo du dir eigentlich das Recht hernimmst über Linsa Entscheidungen zu Urteil?”, frage ich ganz ruhig und gelassen, ganz nach seiner Art. Er war immer der Vernünftige. Statt ihm zu antworten, drehe ich mich wieder um und schlug erneut zu. “Fuck”, Gleich nach dem ersten Schlag bereute ich es auch schon gleich wieder, denn dieser letzte Schlag hatte ausgereicht, dass die Haut an meinen Knöchel aufplatzte.
      “Hier”, Samu reichte mir ein Taschentuch und einen Eisbeutel. Dankbar nahm ich das ganz entgegen und ließ mich in den Sessel in der Ecke sinken. “Gedenkst du mir auch zu antworten?”, hakte Samu weiter nach.
      “Mmmpf”, war meine einzige Antwort. Woher hatte ich mir dieses Recht genommen? Das war tatsächlich eine gute Frage. Ich vermute, eigentlich war da mehr zwischen ihr und mir als ich wahrhaben wollte. Nein ich vermute es nicht nur, es war da gewesen und ich hatte mich wie ein Arsch verhalten, ganz der alte Jace. “Ich bin einfach ein Idiot”, murmelte ich eigentlich zu mir selbst, denn Samus Anwesenheit hatte ich schon wieder vergessen. Verdammte Eifersucht. Bei jedem anderen wäre es mir egal gewesen, aber nicht bei ihr. Ich hatte das Bedürfnis Lina zu schützen, vor allem vor Leuten wie Niklas. Naja, eigentlich gehörte ich selbst zu den Leuten, oder? Kann sich ein Mensch so krass in seinen Grundzügen verändern? Scheinbar nicht, ich hatte ja glorreich das Gegenteil bewiesen.
      Erst jetzt fiel mir auf das Samu noch immer Türrahmen stand.
      “Darf ich dich mal was fragen: Wie schaffst du es eigentlich immer so verdammt beherrscht zu sein?”, fragte ich ihn. Schon oft hatte mich, es genervt wie ruhig er war und vernünftig, denn so hat er schon die ein oder andere Aktion gecancelt.

      Lina
      Jace, war wütend abgdampft und Samu war im gefolgt, vermutlich um sicherzustellen, dass er nichts dummes anstellte.
      Na großartig, jetzt hatte wirklich jeder mitbekommen, was zwischen mir und Jace war. Besser gesagt was da nicht war.
      “Glotz nicht so blöd”, fauchte ich die verblieben an, die sich reichlich zu amüsieren schienen. Mein Leben schien gerade wie ein Jengaturm zusammenzufallen. Wie kann man in so kurzer Zeit so viel Chaos verursachen … Wobei nein, nicht es ging schon länger als die paar Tage, die das Nationalteam da waren. Es hatte alles mit Divine angefangen, als mich meine Vergangenheit einholte. Am liebsten würde ich weglaufen, wie ich es sonst Tat, doch ich konnte nicht.

      Ju
      “Eh wir alle in unserem Selbstmitleid ertrinken und versuchen den anderen die Schuld dafür zu geben, sollten wir Spaß haben und den Tag genießen. Was haltet ihr davon, wenn wir schwimmen gehen? Amy könnte die Erfrischung gebrauchen”, schlage ich den verbleibenden vor.
      “Nein, ich will nicht ins Wasser, aber ich komme mit”, antwortet Vriska. Bevor ich da nochmal nachhaken werde, nickte ich zustimmend.
      “Ja gut, ich komme auch mit. Smooth ist aber rossig. Wäre cool, wenn wir nur Stuten nehmen könnten”, warf Niklas dann ein.
      “Ich werde Samu auch mal fragen. Lina, wenn Jace auch mitkommt, geht es für dich auch klar? Zur Not hetze ich Ju dann auf ihn.”, versucht Vriska sie ebenfalls davon überzeugen. Auch Niklas guckt mit seinen funkelnen Augen zu ihr.
      Sie brauchte einen Moment, bis sie merkte, das sie angesprochen war. “Ja, ist schon ok”, antworte sie dann.

      Vriska
      “Gut, dann gehe ich mal die beiden Männer suchen”, antworte ich erfreut und laufe in die Richtung, in die sie verschwunden sind. Ich sehe eine Tür, die in einen Keller zu führen scheint und nehme auch Samus Stimme war. Hier werde ich richtig sein, hinke die Treppe herunter und stehe neben Samu, der mich kurz verwundert anschaut.
      “Wir wollen zum Bach uns erfrischen, ach und nur Stuten, wenn ihr Pferde mitnehmen wollt. Ihr seid nicht nur herzlich eingeladen, sondern auch äußert erwünscht.”, lade ich die beiden ein. Eh Jace sich herausreden kann für ich noch etwas dazu: “Auch du Jace. Wir würden uns freuen.”
      “Ja, klar kommen wir mit. Wir kommen gleich hoch”, antworte Samu, denn Jace schien ein wenig verwirrt zu sein.
      “Okay, wir machen uns dann fertig und treffen uns in spätestens 30 Minuten vor dem Hauptstall”, erkläre ich den beiden und gehe wieder hoch zu den anderen auf der Terrasse.

      Niklas
      Ju hatte sich auf den Weg zur Hütte gemacht, um sich etwas anzuziehen und Vriska die anderen zu suchen. Nun saßen nur noch Lina und ich da.
      “E-Es tut mir leid. Ich hatte extra geguckt, dass uns niemand sieht, … Ich wollte dich nicht in eine unangenehme Situation bringen, weil ich mich nicht im Griff habe. Tut mir wirklich leid.”, versuche ich mich bei ihr entschuldigen. Doch aus welchem Grund? Ich schätze, dass die Zeichen nicht nur von mir gesendet wurden, sie ist eindeutig drauf eingegangen.
      “Ist schon ok, du kannst nichts dafür das Jace ein eifersüchtiger Wachhund ist”, antworte sie “und auch nicht das mein Leben so chaotisch ist”, fügte sie noch ganz leise hinzu.
      Verlegen grinste ich sie an, stand auf und hielt ihr meine Hand hin. Fragend blickt sie mich an.
      “Komm’ wir holen Smooth. Du kannst dich dann daraufsetzen und ich laufe mit”, schlug ich ihr vor. Offenbar konnte ich ihr damit wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

      Lina
      “Ähh warte kurz, ich muss mich noch kurz umziehen”, entschuldigte ich mich und flitzte auf mein Zimmer. Ich nutze den Moment für mich, um mich wieder zu sammeln, schlimmer konnte es ja wohl nicht mehr werden.
      Kurz darauf kam ich in Shorts und Bikini zurück. Angesichts der Temperaturen hatte ich beschlossen, dass ein Shirt wohl überflüssig sei.
      “So, dann können wir los”, sagte ich, als ich wieder vor Niklas stand. “Meinst du eigentlich Vriska will laufen oder nicht?”, überlegte ich laut auf dem Weg zur Koppel, als mir einfiel das Vriska ja nur einen Hengst dabeihatte.

      Niklas
      “Da Ju ja Amy nimmt, denke ich, wird es sie mit daraufsetzen”, sage ich kurz und taste mich vorsichtig zu ihrer Hand vor.
      “Hej, wartet”, ruft Ju uns dann zu und kommt angelaufen. Schnell nehme ich Linas Hand wieder aus meiner.
      Gemeinsam gehen wir die Pferde holen und unterhalten uns etwas über diese. Ju spricht die meiste Zeit, als hätte er heute Quasselwasser getrunken, worüber ich jedoch zum glücklich war. Immer wieder warf ich einen Blick zu ihr, doch sie war sehr in das Gespräch mit ihm vertieft, sodass es ihr nicht auffiel. Auf der Weide kamen unsere beiden Damen direkt zum Zaun. Sowohl Amy als auch Smoothie sind zwei richtige Arbeitstiere. Egal wie viel man ihnen gemacht hat, sie wollen und können immer wieder. Jetzt, wo die Schuhe auch wieder schön sind, sollte es auch kein Problem darstellen. Ich nahm meiner Schimmel Stute das Halfter ab und warf es neben das Tor. Wer sollte so ein Ding schon stehlen? Dann legte ich ihr das Knotenhalfter um, dass ich geholt hatte, als Lina sich umzog. Dazu habe ich einen Langen Strick genommen, dessen Ende ich an den unteren Verschluss anband. Unüberlegt hob ich Lina auf den Rücken meiner Stute. Sie lachte und wir liefen los. Auch Ju hatte sich schon auf seine Stute gesetzt.
      “Wann war der Treffpunkt?”, fragte ich noch mal nach, nachdem ich auf meine Uhr am Handgelenk geschaut hatte.
      “Nog, zehn nach eins”, antwortete Ju nach kurzem Nachdenken.
      “Oh dann müssen wir uns beeilen. 5 Minuten noch”, sagte, ich joggte los. Da ich viel Bodenarbeit mit Smoothie bisher gemacht habe, trabt sie direkt mit an und Lina fällt nach Vorn. Die Stute bremst direkt ab, um sie aufzufangen.

      Lina
      “Ey, du hättest mich warnen können, dass ein Pferd keine Zwerge gewohnt ist”, beschwerte ich mich gespielt, beleidigt bei Niklas. Ich sortierte mich wieder und ließ die Stute nun von mir aus antraben. Scheinbar war Smoothie es nicht gewohnt, von andren geritten zu werden, während ihr Besitzer nebenherlief.
      Im Trab kamen wir schnell wieder am Hof an und wir waren nicht die letzten, denn Vriska war die Einzige, die schon vor dem Stall wartete.
      “Typisch, Jace immer der letzte”, rief ich ihn fröhlich entgegen als er und Samu mit ihren Stuten und die Ecke kamen.
      “Und du willst scheinbar hoch hinaus”, kam es gleich von ihm zurück.
      “Ey, Smooth ist nicht viel größer als Masko, als hättes du mich noch nie auf einem großen Pferd gesehen”, erwiderte ich. Wobei er insofern recht hatte, das Smoothie durch ihre langen schlanken Beine um einiges größer aussah als meine Hannoveraner Stute.
      “Aber sie macht doch eine gute Figur auf ihr, va?”, scherzte Niklas noch.
      “Ach Jace ist doch nur eifersüchtig, weil sein Pferd nicht das größte ist”, scherzte Samu.
      “Zum Glück kommt es nicht immer auf die Größe an, sondern auf die inneren Werte”, warf nun noch Vriska ein, die auch so ein Zwerg ist wie ich.
      “Na, los wenn wir hier noch länger rumstehen, schrumpft sein Pferd noch”, fügte der Finne belustigt hinzu und treib seine Fuchsstute an.
      Ich konnte Jace ansehen, dass er am liebsten noch einen blöden Kommentar gemacht hätte, doch er begnügte sich lieber damit Samu zu folgen.

      Niklas
      Immer wieder warf ich einen prüfenden Blick zu Lina, die wirklich eine gute Figur auf meiner Stute macht. Doch wurde dann von zwei mir bekannten Stimmen aus den Gedanken gezogen.
      “Wir kommen auch mit”, sagt Milena sehr knapp bekleidet auf ihrer Scheckstute in Begleitung von Anna, die ebenfalls auf einer Isländerstute sitzt.
      “Wie kommt es denn, dass Max dir Blávör überlassen hat?”, frage ich verwirrt, denn bis auf ich durfte noch niemand auf seinen Stuten sitzen.
      “Er hielt es für eine gute Idee, weil es ihm nicht so gut geht”, antwortet Anna sehr von sich überzeugt.

      Vriska
      “Aha, okay. Was hat er denn?”, frage ich darauf hin. Ich versuchte mein Interesse zu verschleiern, denn obwohl er ein ziemlicher Arsch seit der Aufnahme im Verein ist, war unsere gemeinsame Zeit in Deutschland was wirklich Besonderes. Ich vermisse es wirklich, wie viel Mühe er sich gegeben hat, wenn ich mal wieder schlechte Laune hatte am Hof. Doch sein Ego hat es nicht verkraftet, dass wir beide gut genug sind, um den Hof zu vertreten im Verein.
      “Alles gut”, flüstert Ju mir zu, der vor mir auf Amnesia sitzt.
      “Ja, alles gut.”, antworte ich und meine Hänge wandern hoch zu einer Brust. Vorsichtig drücke ich mich an ihn heran. Natürlich spüre ich, dass sein Körper sich direkt entspannt.
      “Ach, der hat ziemliche Kopfschmerzen und irgendwas ist mit seiner Mutter”, antwortet dann Milena. Ich gehe nicht weiter drauf ein und versuche mich auf das hier und jetzt zu konzentrieren.
      Am Wasser angekommen, nutzt Ju meine Unaufmerksamkeit und schubst mich rein.
      “Was stimmt mit dir nicht?”, rufe ich ihm wirklich aggressiv zu. Auch er springt nun rein und taucht vor mir wieder auf.
      “Man, ich hatte mein Handy noch in der Tasche”, sage ich dann verärgert.
      “Jetzt mach’ dir mal keine Gedanken.” antwortet er und guckt sich das Modell an.
      “Das iPhone 11 pro kann bis zu 4 Meter tief ins Wasser für maximal 30 Minuten am Stück”, erklärt er und nimmt es mir ab. Kurz verlässt er das Wasser, zieht seine Schuhe und das Shirt aus. An einem Baum legt er die ganzen Sachen hin. Ich folge ihm, um auch dort meine vollkommen in Wasser getränkten Reitschuhe hinzustellen. Hoffentlich sind sie wieder trocken, wenn wir zurückgehen.

      Samu
      Während die ersten schon schneller im Wasser lagen, als ihnen lieb war, rutsche ich vom Rücken meiner Stute runter und legte meine Schuhe am Ufer ab. Mein Seepferdchen konnte es sich nicht nehmen lassen Jace und seiner Stute einfach in Wasser zu folgen und sich natürlich erst einmal reinzulegen. So brav wie Sally auch war, manchmal war sie einfach eine Knalltüte.
      Smoothie die eigentlich mit Lina am Ufer wartete, bis Niklas seine Schuhe und sein Handy beiseite legte, fühlte sich scheinbar von Selection animiert und begann im flachen Wasser zu planschen, sodass alles in ihre Umgebung nass wurde.
      “Na, du bist ja ein Spielkind”, sagte Lina lachend und ließ sie Stute weiter ins Wasser treten.
      “Also Jace, ich finde du bis noch viel zu trocken”, rief ich und ging ins Wasser, um diesen Zustand zu ändern. Mein Pferd dachte sich scheinbar dasselbe, denn Sally stand gerade prusten wieder auf und schüttelte sich. Kurz drauf hatte ich ihn auch schon erreicht und schubste ihn von seinem Pferd.

      Lina
      So wie die Schimmelstute im Wasser spielte, erinnerte sie mich stark an Divine, was meine Laune gleich noch ein wenig verbesserte. Der Stute stand das Wasser inzwischen bis zum Bauch und es fehlte nicht mehr viel, bis sie schwimmen würde. Da ich durch ihre Planscherei schon nass war, sparte ich es mir Schuhe und Hose auszuziehen und ließ die Stute in die Mitte des Flussbetts treten. Sobald sie den Boden unter den Füßen verlor, ließ ich mich von ihrem Rücken gleiten und schwamm neben ihr her. “Na, jetzt kommt doch endlich rein. Seid ihr wasserscheu”, rief ich dem Rest zu, der immer noch am Ufer stand.

      Vriska
      Ich stellte mich zu Niklas ans Ufer. Wasser ist nicht mein Element. Verärgert gucke ich an mir herunter, denn ich hatte als Einzige eine lange Hose an, was nun auch Nik vernommen hatte.
      “Du kannst die auch ausziehen. Dir guckt schon keiner was ab”, sagte er belustigt.
      “Ne, ne alles gut”, lenkte ich ab. Natürlich war nichts gut. Ich hasse es, wenn Kleidung förmlich an mir klebt und sich noch enger anfühlt.
      “Komm, du kannst meine Hose haben, wenn du willst. Oder besser sagt, die Hose von Ju. Ich habe noch eine Boxershorts drunter”, bot er mir dann an. Kurz musste ich drüber nachdenken aber stimmte dann zu. Er zog sich provokant seine Hose runter, jedoch etwas zu harsch und plötzlich stand Niklas mit herunter gezogenen Hosen vor mir. Milena hatte offenbar recht gehabt. Doch um es ihm nicht noch schwieriger zu machen, drehte ich mich schnell um, eh sich seine Shorts wieder hochgezogen hatte.
      “Spart es euch doch bitte für zu Hause auf”, rief Anna nun sehr eklig zu, dass auch Lina darauf aufmerksam wurde.
      Keiner von uns Beiden ging auf ihr Kommentar ein, stattdessen drückte er mir die kurze Hose in die Hand und ich verschwand im Busch.
      “Es muss dir doch nicht peinlich sein”, sagte er dann und kommt näher zum Busch, in dem ich mich gerade umziehe.
      “Geh’ weg”, versuche ich ihn zu verscheuchen aber vergeblich.
      “Alles gut?”, frage er dann wehmütig. Es war natürlich klar, dass er unbedingt zu gucken wollte oder was auch immer mal wieder perverses in seinem Kopf los ist.
      “Das ist Geschichte”, versuchte ich das Thema zu beenden. Niklas sagte nichts weiter und schien ziemlich gerührt zu sein. Seitdem es immer mehr Narben wurden, habe ich niemanden mehr meine Beine betrachten lassen und auch im Haus trug ich zu 90 % eine hautfarbene kniefreie Leggings.
      Gemeinsam gingen wir wieder Richtung und ich hielt Niklas am Arm fest.
      “Bitte sei vorsichtig mit ihr. Verletz sie bitte nicht”, ermahnte ich ihn.
      “Ich gebe mein Bestes”, gestand er mir und stürmte ins Wasser. Im Austausch kam Ju mit Amy her.
      “Alles gut? Hat er dich betatscht?”, hinterfragte Ju harsch.
      “Ja, es ist alles gut.”, beruhigte ich ihn dann wieder. Erleichtert atmet er aus und versucht mich wieder aufs Pferd zu ziehen. Spielerisch wehrte ich mich, doch natürlich war er deutlich kräftiger und ich liege im nächsten Moment wie ein Sack Reis über dem Rücken der Stute.

      Lina
      Natürlich war mir die Szene am Ufer eben nicht entgangen. Nach der ersten Irritation stellte sich bei mir erstaunlicherweise eher Neugierde ein. “Sag mal, was läuft da eigentlich zwischen dir und Vriska?”, fragte ich neugierig, denn auch wenn die Situation eben eindeutig sehr seltsam war, ging er mit Vriska so anders um als mit den anderen Mädels aus dem Team. “Also du musst mir auch nicht antworten”, fügte ich noch hinzu, weil ich auf einmal doch sehr unsensibel vorkam.

      Niklas
      “Nej, alles gut. Deine Frage ist schon berechtigt … “, fing ich an zu Lina zu sagen. Normalerweise würde ich nun abwinken, mir irgendwas ausdenken, aber es fühlte sich nicht richtig an. Ungeschickt warf ich immer wieder einen Blick zu ihr und Ju ans Ufer, die aber Beide lachend sich unterhielten.
      “Eigentlich würde ich jetzt sagen wollen, dass ich nur gucken möchte, ob sie für diesen Moment die richtige für Ju ist. Aber das wäre Nonsens. Nog … mehr oder weniger. Ich bin jetzt ehrlich zu dir. Es ist als würden wir beide ein Spiel miteinander spielen, in dem wir gegenseitig testen, wie weit der andere geht, ohne irgendetwas davon wirklich ernst zu meinen. Mir macht es einfach unglaublich Spaß andere … du weißt schon. Aber mit dir ist das anders. Ich. Ich spiele mit dir nicht.”, versuchte ich nun mein Verhalten zu verteidigen, was mir deutlich schwerer fiel als ich dachte.
      “Sie ist verschlossen, sucht nach Aufmerksamkeit und hauptsächlich nach jemanden, der auf sie achtet. Jemanden, der ihr hilft das Gepäck zu tragen. Krampfhaft schreit sie innerlich danach. Und … wie sage ich das jetzt. Vriska gibt mir das Gefühl, dass ich ihr helfen soll und mit jeder Kleinigkeit, die ich mache, scheint es besser zu werden. Es ist als würde ich sie psychisch Befriedigen und das schwimmt auf mich über.”, spreche ich weiter. Mittlerweile klingt es schwachsinnig was ich erzähle und hoffe, dass Lina das reicht.

      Lina
      Da war es wieder, das Gefühl, dass da mehr hinter steckte als der coole Macho, den Niklas nach außen hin gibt. Je mehr ich ihn kennenlernte, umso mehr verstand ich sein Verhalten. “Mit dir hat sie einen guten Gepäckträger”, antworte ich nachdenklich, weil ich nicht wusste, was ich sonst sagen sollte.
      Smoothie, deren Gegenwart ich schon fast vergessen hatte, pruste mir auf einmal in den Nacken.
      “Na, du was willst du denn Jetzt”, fragte ich die Stute und drehte sich zu ihr um. Grob schubste ich die Stute an, sodass ich fast umfiel.

      Niklas
      Geschickt fing ich Lina auf und setzte sie kurzerhand zurück auf den Rücken meiner Stute.
      “Bevor wir uns falsch verstehen. Ich möchte auf keinen Fall ihr Gepäck tragen. Es ist eher … ich genieße jeden Moment, in dem sie danach bettelt, dass ich ihr helfe”, gebe ich zu und fühle mich nicht wirklich wohl damit. Von hinten höre ich jemand durchs Wasser patschen, nervös drehe ich mich um. Vriska und Ju kommen dazu. Ich spüre wie das Blut in meinen Kopf hochsteigt. Hoffentlich hat es keiner gehört.
      “Du, komm’ mal mit”, sagt Ju zu mir, ich entschuldige mich kurz Lina. Vriska bleibt bei ihr.
      “Was los?”
      “Vriska hat es nicht mitbekommen, aber ich weiß ganz genau worüber du mit Lina gesprochen hast. Bitte. Bitte, versau es mir nicht. Nicht schon wieder”, fleht er mich förmlich an. Natürlich weiß er darüber Bescheid.
      “Mach’ dir keine Gedanken, ich werde versuchen sie nicht weiter zu provozieren und zu schikanieren.”, beruhige ich ihn.
      “Danke, aber bitte lass deine sadistische Ader nicht an ihr aus”, fügt er noch hinzu eh Ju sich wieder Vriska widmet.

      Lina
      Na, toll. Natürlich hatte ich es mal wieder geschafft, in das einzige Fettnäpfchen weit und breitzutreten. “Sag mal Vriska, Niklas hat erzählt du hättest Glymur gekauft. Wie hast du das eigentlich finanziert?”, fragte ich um das Gespräch auf ein hoffentlich sicheres Terrain zu lenken.
      “Ähm … Da scheint Nik was falsch verstanden zu haben. Er gehört mich nicht komplett. Also Tyrell und Bruce haben mir ihn geschenkt, da ich nun seit knapp 2 Jahren zur Familie gehöre und wirklich viel gearbeitet habe. Besonders am Anfang noch auf freiwilliger Basis, ohne Geld dafür zu bekommen. Jedoch ist das eigentlich gar nicht so ausschlaggebend. Sagen wir es mal so. Mein Vater hat eine große Firma in England und jedes Jahr bekomme ich eine Gewinnausschüttung, weil mit 5 % gehören, deswegen habe ich eigentlich keine Sorgen in diese Richtung. Aber ich lebe sehr verschwenderisch …”, erzählt sie mir offen und verschluckt die letzten Worte. Na herzlichen Glückwunsch, da hatte ich scheinbar gleich das nächste Fettnäpfchen gefunden. “oh, ich wollte jetzt nicht … “, stammelte ich etwas verlegen. Irgendwie war ich heute scheinbar der Elefant im Porzellanladen. Ein wenig verlegen, spielte ich mit der Mähne der Stute und war ein wenig erleichtert, als ich sah, dass die Jungs wieder zu uns kamen.

      Niklas
      “Willst du ihn noch mal sehen, oder warum guckst du so interessiert?”, frage ich Vriska provokant.
      “Nein, ich verzichte aber danke für die Nachfrage”, antwortet sie und Ju guckt böse zu mir. Natürlich was es wieder genau das worüber wir gesprochen hatten. Ich hielt es für das richtige mit Lina etwas abseits von den anderen zu gehen. Neugierig folgt mir meine Stute, auf der sie noch immer saß. Auf dem Weg blieben wir bei Samu stehen, der noch immer nicht zu glauben scheint, dass ich es nur gut meine mit ihr. Das, was in mir brodelt, ist anderes. Es fühlt sich so nahbar an, echt. Jedoch ist es zu früh darüber zu sprechen, schließlich verbindet uns bisher nur das reiten.
      “Pass gut auf sie auf, sonst hast du hier keinen Spaß mehr”, sagte er zu mir und warf mir einen kritischen Blick zu.
      “Ich gebe mein Bestes”, gab ich zu und führte sie weiter. Etwas Abseits steig Lina von meiner Stute ab und setzte sich in die Sonne, während Smoothie weiter im Wasser spielte.
      “Bedrückt dich etwas?”, fragte ich sie dann. Lina ist still geworden und scheint sich über irgendetwas Gedanken zu machen. Irgendwie macht es mich unsicher, sie so zu sehen. Genauso blöd finde ich, dass alle nur schlechtes in mir sehen.

      Lina
      “Irgendwie scheine ich aktuell einfach alles falsch zu machen”, sagte ich und ließ mich auf den warmen Sand sinken. “Es ist so viel passiert in den letzten Monaten”, fügte ich hinzu. “Ich dachte gerade, dass ich mein Leben in den Griff bekomme und dann scheint einfach alles einzustürzen”, begann ich zu reden. Es war schon seltsam, dass ich gerade dabei war, einem Mann, den ich gerade einmal vier Tage kannte, alles zu offenbaren, aber irgendwie fühlte es sich richtig an. Vielleicht gerade, weil ich ihn kaum kannte. “Naja, damit du das ganz verstehen kannst, muss ich ganz vorne Beginnen, in meiner Kindheit. Unsere Mutter hat meine Familie und mich verlassen, als ich noch sehr klein war, ist mit irgend so einem Typen durchgebrannt. Von heute auf Morgen stand mein Vater mit drei kleinen Kindern allein da. Somit zogen meine älteren Geschwister und ich zu meiner Tante. Mein Vater war nicht viel Zuhause, ständig auf Geschäftsreise. Er hat uns zwar geliebt, ist aber nie darüber hinweggekommen, dass seine Frau ihn verlassen hat. Das heißt soviel wie, auch wenn er Zuhause war, haben wir ihn nur selten zu Gesicht bekommen. So kam es, dass ich meine Zeit hauptsächlich mit meiner Tante im Stall verbrachte. Sie hatte einen Kutschbetrieb, so kam ich zu den Pferden. Und natürlich gab es für mich auch ein ganz besonderes Pferd. Vijami kannte ich, seit er ein Fohlen ist wir sind zusammen aufgewachsen und irgendwann zusammen über die Wiesen gefetzt, aber zu ihm später mehr. Mein Bruder ist, sobald er konnte ausgezogen, sodass nur noch meine Schwester und ich übrig waren. Mein Vater hat sich nämlich irgendwann eine neue Familie gesucht und uns gemieden. Naja und an meinem 12. Geburtstag passierte es”. Ich musste einen Moment innehalten, von diesem Unfall hatte ich bisher fast niemandem erzähl und es fiel mir immer wieder schwer darüber zu sprechen. Meine Kehle wurde eng und ich wusste, hörte ich jetzt auf zu sprechen würde ich vermutlich daran erstickte. Niklas setze sich vor mir und griff nach meinen Händen. Also sprach ich mit einem Beben in der Stimme weiter “Meine Tante wollte mich Überraschen. Sie hatte Vijami angeschirrt und hübsch gemacht, denn sie wollte ihn mir schenken. Sie warteten draußen vor dem Hof auf der Straße, während meine Schwester mich holte. Eine der Angestellten meiner Tante, kam gerade mit einem der Jungpferde von einer Trainingsfahrt zurück, als ein LKW laut hupend vorbeiratterte. Da Jungpferd erschrak und rannte panisch los, die beiden Kutschen trafen aufeinander und ich musste mit ansehen, wie sich die Deichsel durch Vijamis Brust bohrte und meine Tante durch die Luft flog”, ich hielt einen Moment inne, um noch einmal tief Luft zu holen. “Beide Menschen und beide Pferde starben bei dem Unfall. Meine Tante war unsere letzte wirkliche Bezugsperson gewesen. Mein sogenannter Vater schickte uns einfach auf ein Internat in der Stadt, statt sich um uns zu kümmern. Nie wieder, hatte ich mir geschworen, wollte ich etwas mit ihm zu tun haben. Er hatte seine eigenen Kinder einfach im Stich gelassen. Naja, so kam es dann, dass ich nach der Schule auswanderte und hier herkam”.
      Ich blickte Niklas einen Moment lang an wie er einfach nur dasaß und zuhörte, bevor ich weitersprach. “Naja, du fragst die jetzt bestimmt, was das mit hier und heute zu tun hat. Lange Zeit war ich hier sehr glücklich und dachte zu mindesten, ich habe mein Leben im Griff, doch dann kam das HMJ. Durch die ganze mediale Aufmerksamkeit fiel meinem Vater scheinbar doch ein, dass er noch andere Kinder hatte und hat sich gemeldet. Ich habe ihm bis heute noch nicht geantwortet, weil ich nicht weiß, ob ich ihm das jemals verzeihen kann.
      Und noch etwas, Divine ist Vijami unheimlich ähnlich. Nicht äußerlich, denn ein Finnpferd hat relativ wenig mit einem Freiberger gemeinsam, aber sein Charakter. Das mag jetzt vielleicht absolut bescheuert klingen, aber manchmal habe ich das Gefühl Divine ist die Wiedergeburt von Vijami. Aber zurück zum eigentlichen Punkt: An dem Abend, wo ich mit Divine ankam, hatte ich dann einen kleinen Nervenzusammenbruch und den Rest der Geschichte kennst du schon”, endete ich kaum hörbar. Eine Träne löste sich aus meinem Augenwinkel und tropfe vor mir in den Sand.

      Niklas
      Gespannt lauschte ich der wirklich lange Geschichte, die mir Lina da erzählte. Viele Dinge schossen mir durch den Kopf und eigentlich wollte ich ihr gern helfen, doch mir fiel natürlich nichts ein. Vielleicht könnte ich sie mit irgendwas aus meinem Leben aufmuntern, aber ich wollte natürlich ihre Geschichte nicht weniger wertig machen. Deshalb entschied ich das einzige Mittel zu nehmen, dass ich habe - lange Arme und einen breiten Oberkörper. Ohne sie zu erdrücken, zog ich sie an mich. Ich hörte die Kleine schluchzen. Auch ich musste mich zusammenreißen nicht mitzuweinen.
      “Weißt du, ich kann gerade nichts Aufmunterndes sagen, ich kann nur für dich da sein. Aus eigener Erfahrung weiß ich, das Sätze wie ‘das wird schon wieder’ oder ‘du schaffst das’ nicht wirklich das mit bringen, was man von ihnen erwartet.”, fing ich an mit ihr zu reden.
      “Aber ich kann dir sagen, dass ich ansatzweise nachempfinden kann, wie es dir jetzt gerade geht. Ich hatte vorhin in der Dusche wieder mal einen Break down mit Flashbacks zu der Scheune meines Onkels.”, ich stoppte. Mit feuchten Augen blicke in den Himmel und atme mehrfach tief ein und wieder aus. Dann entschied ich, Lina die Zeit zu geben, die sie gerade braucht.

      Milena
      “Denkst du wirklich, dass das eine gute Idee ist”, fragte ich noch einmal Anna, die mir gestern einen Plan verriet, in dem sie Niklas das Leben zur Hölle machen will.
      “Ja, zu 100 %. Du weißt doch selbst wie er ist und ich habe das nun mehr als 8 Monate mit mir machen lassen, weil ich es für das richtige hielt. Bis ich dich traf.”, sagte sie verliebt zu mir. Ich nickte ihr zustimmend zu. Tausende von Gedanken schwirren durch meinen Kopf, weil ein Teil davon ist, Ju die Wahrheit zu verraten. Gerade dieser Teil beängstigt mich. Was geht mir die Beziehung der beiden Männer etwas an, schließlich langen diese Dinge in der Vergangenheit aber Anna war getrieben von ihrer Rachsucht.
      “Lass und doch erstmal etwas Spaß mit den Pferden haben”, versuchte ich sie ein wenig abzulenken, doch Anna war nicht zu bremsen. Im Trab ritt sie zu Ju und Vriska, die gerade andere Dinge im Kopf hatten.
      “Ju, können wir kurz sprechen?”, fragte sie kurz. Er nickte und zu dritt entfernten wir uns von Vriska, die uns verwirrt nachschaute.

      Ju
      Etwas verwundert folgte ich den beiden Mädels, ohne wirklich zu verstehen, weshalb sie mit mir sprechen wollten.
      “Weißt du noch, was wir uns kennengelernt haben?”, fragte sie dann, ohne wirklich die richtigen Worte zu suchen. Vriska weiß natürlich nicht, dass ich Niklas und Anna damals einander vorstellte. Vor allem weiß sie auch nicht, dass wir damals ein Paar waren. Milena wurde offenbar schon eingeweiht und unterstützte sie bei unserem Gespräch.
      “Natürlich erinnere mich noch daran. Es war schließlich eine schöne Zeit”, erinnerte ich mich zurück.
      “Da hast du recht. Aber weißt du, Niklas war in der Zeit nicht wirklich begeistert davon. Als du uns einander vorgestellt hast, war ich erst ziemlich unsicher, ob ich wirklich mit dem besten Freund meines Freundes Kontakt haben sollte. Jedoch erschien es mir eine gute Möglichkeit zu sein, dass wir beide uns besser kennenlernen können. Niklas schien allerdings anderes in seinem Erbsenhirn zu haben. Ungefähr nach zwei Wochen rief er mich jeden Tag an. Anfangs unterhielten wir uns viel über dich und mich, was ich mit dir machen könnte. Sowas halt. Irgendwann wurde jedoch daraus, woran Nik gerade denkt, was er gern mit mir machen wollte. Das faszinierte mich und ich entschied eines Nachts zu ihm zu fahren.”, erzählte sie offen, teilweise beschämt.
      “Und was willst du mir damit nun sagen?”, frage ich sie trocken.
      “Niklas hat es nicht ausgehalten, dass du jemanden kennenlernst und er alleine da steht”, versuchte Anna mich nun davon überzeugen, dass es eine große Verschwörung ist.
      “Anna bist du wirklich so naiv und denkst, dass Niklas und ich nie miteinander sprechen? Ich kenne diese Version schon. War’s das?”, fragte ich sie dann genervt. Schockierte gucke sie mir nach, als ich zurück zu Vriska gehe. Natürlich wusste ich nur Teile davon, aber ich wollte nicht das sie die Freundschaft kaputt machte. Bruder vor Luder oder so.

      Milena
      Offenbar schien der erste Teil des Plans schon mal nicht aufzugehen und ich versuchte Anna nun noch das was folgen sollte, auszureden. Doch wie besessen machte sie sich nun auf den Weg zu Jace und nur mit Mühe konnte ich ihr und Blávör auf Snúra folgen. Vielleicht war es doch nicht so das Richtige mit ihr.
      Als ich bei Jace ankam, war Anna bereits dabei ausgewählte Teile ihrer Beziehung zu erzählen. Geschichten, in denen Niklas sich bei irgendeiner Party abgeschossen hatte und mit irgendjemanden im Badezimmer wiederfand. Geschichten, in denen er wahllos auf Anna losgeht, sie für irgendwas beschuldigt und teilweise mit der Hand ausholt. Alles das, was man aus irgendwelchen Talkshows kennt. Jedoch zweifle ich langsam daran, ob das alles der Wahrheit entspricht. In Jace kochte es bereits und als Anna ihm nun noch sagte, dass sie genau weiß, dass Lina nur eine weitere auf seiner Liste ist, stieg er aus. Gedanklich. Aus Angst erzählte sie ihm das ganze, weil sie nicht wollte, dass noch jemand leiden musste.

      Samu
      Etwas verwundert beobachtete ich wie Anna und Melina zu Jace rübergingen, nachdem sie mit Ju geredet hatte. Keine Ahnung was sie ihm erzählten, aber ich konnte erkennen, das es nichts Gutes in ihm heraufbeschwor. Er schien förmlich größer zu werden, als er wütend begann loszustampfen. Nein, da konnte nichts Gutes bedeuten. Er war schon halb bei Lina und Niklas angekommen und das Bild, was sich bot, würde ihn definitiv nicht beruhigen, denn Lina lag schluchzend in seinen Armen. Eilig sprang ich vom Rücken meiner Stute, um ihm zu folgen.
      “Was bist du nur für ein Scheißkerl”, schreit er Niklas an. Jace kochte vor Wut, da konnte jeder sehen. Niklas sah zu ihm hoch und schob ich gleichen Moment Lina hinter sich.
      Jace stand nun genau vor ihm und blickte ihn scharf in die Augen. “Deine Ex hat mir alles erzählt”, zischte er ihn wütend an und hob den Arm mit geballte Faust.
      “Nein, Jace tu das nicht”, rief ich und legte noch mal an Tempo zu… Doch bevor ich ihn erreichen konnte, landete seine Faust in Niklas Gesicht.

      Niklas
      Das hatte ich nicht kommen sehen. Noch bevor ist realisierte, dass Jace mir gerade mit voller Wucht die Nase zertrümmert hat, merkte ich, wie das Blut herunterläuft.
      “Alter was stimmt mit dir nicht?”, fragte ich geplagt durch Schmerzen. Mittlerweile hatte sich eine Traube um uns herum gebildet und Lina schreckhaft aufgestanden.
      “Vielleicht solltest du DICH lieber fragen, was mit dir nicht stimmt. Was du Anna angetan hast, machst du nicht mit Lina”, schrie er mich an und wollte ein weiters mal ausholen, doch Samu der sich inzwischen durch die Leute gequetscht hatte, stellte sich dazwischen. “Jetzt halt mal die Luft an Jace”, sagte er in einem scharfen Ton. “Nein, Samu geh mir aus dem Weg. Das verdient dieser Bastard”, erweiterte er und versuchte an dem Finnen vorbeizukommen.
      “Junge, wie wäre es denn, wenn du mich vorher fragst und einer gerade 18-Jährigen nicht direkt glaubst. Die kommt halt einfach nicht klar, dass ich keine Lust mehr hatte auf ihren Kindergarten.”, versuchte ich mich zu verteidigen, auch wenn es mir gerade wirklich egal ist. Ich merkte nur noch wie mir schwarz vor den Augen wurde und nach hinten wegkippte.

      Ju
      “Großartige Leistung, Jace. Bist du stolz auf dich?”, pampte ich ihn nun auch noch an.
      “Macht euch mal nicht in die Hose. Er wird an einer gebrochenen Nase schon nicht sterben”, sagte er immer noch wütend.
      “Könnte den mal bitte jemand entfernen? Tack”, rief ich in die Runde und Samu versuchte so gut er konnte, den Kerl von hier wegzubringen.


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  • Zuchtname: Glymur
    Rufname: Glymi

    Aus der: Elding
    Mutter: Unbekannt Vater: Unbekannt
    Den: Hýreygur
    Mutter: Unbekannt Vater: Unbekannt
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    Geschlecht: Hengst
    Rasse: Isländer
    Geburtsdatum: 11. Juli 2009
    Farbe: Smokey Black Schecke Splash
    Abzeichen: Scheckungsbedingt (Kopf und Beine)
    Stockmaß: 145 cm

    Charakter:
    Glymur ist ein Traum von Pferd. Er hat butterweiche Gänge, die jedoch mit einer hohen Knieaktion versehen sind und raumgreifend sind. Seine beiden zusätzlichen Gangarten Pass und Tölt sind beide von sehr guter Qualität. Im Alltag ist er ein wahrer Gentleman und stets bei der Sache. Jedoch braucht er eine Bezugsperson, mit der er durch Dick und Dünn gehen kann, dann ist er das perfekte Pferd.Momentan befindet er sich in einer Umschulung zum Western, da er bald schon Teil des ersten Equestrian Drill Teams auf Joelle sein wird. Hierbei geht es um eine Quadrille, die gespickt mir Westernlektionen ist. Glymur hat aufgrund seiner Intelligent viel Spaß an der Arbeit und zeigt gute Eignungen.
    ____________________________________

    Gencode: EE aa nCr nSty nT nSpl
    Zuchtzulassung: Ja
    Gesamtnote: 9,13
    Nachkommen: -

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    HK 466
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    Dressur: L / L
    Springen: E / E
    Military: E / A
    Fahren: E / E
    Rennen: -
    Gangreiten: E / M
    Western: E / A
    Distanz: -

    Gänge: 5

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    184. Militaryturnier (28.05.2014)

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    183. Militaryturnier (07.05.2014)

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    205. Fahrturnier (22.06.2014)

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    267. Springturnier (26.09.2014)

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    257. Springturnier (30.06.2014)

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    11. Gangturnier (25.10.2014)

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    9. Gangturnier (05.08.2014)


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    64. Synchronspringen (26.11.2014)

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    286. Springturnier (05.12.2014)

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    294. Dressurturnier (28.11.2014)
    ____________________________________

    Besitzer: Mohikanerin
    Zucht: Unbekannt
    VKR: Elii
    Ersteller: Elii
    Punkte: 14
    ____________________________________

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