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Mohikanerin

Glimsy [3/20]

a.d. Unbekannt, v. Unbekannt

Glimsy [3/20]
Mohikanerin, 10 Juni 2022
Bracelet gefällt das.
    • Mohikanerin
      Rennen E zu A / Jogging | 16. Juni 2022

      Eifellust / Glimsy / Global Vision / Harlem Shake LDS / Fieberglas / Pay My Netflix

      Winter, bald würde der Frühling folgen und ich konnte es kaum erwarten, dass die Pferde wieder ins Volltraining gehen würden. Für wenigen die Rennen, die in der kalten Jahreszeit angeboten wurden, reichten kurze Trainingseinheiten, wie Ausdauerfahren oder einmal Tempo in der Woche. Eifellust kam Anfang des Monats zu uns. Die braune Stute hatte sich nicht nur ohne Zickerei in die Herde eingegliedert, sondern lief ebenso ruhig am Sulky. Während ich aus dem Paddock herausführte, bereitete Nour Vision vor, der dieses Jahr seine letzte Saison fahren würde. Der Hengst hatte seine besten Jahre hinter sich, aber zeigte noch immer Spaß und Elan bei den Rennen. Dennoch ritt meine Schwester ihn immer mehr, um den Übergang zum Reitpferd einzuleiten. Im Stall machte jeder für sich das Pferd sauber und hing den Wagen an.
      „Wo ist Vriska? Wollte sie nicht mitkommen?“, fragte ich Nour, die gerade die Trense einlegte.
      „Die musste geradeheraus zu den Jungpferden, weil eine der Stuten wohl durch den Zaun wollte“, berichtete sie. Ich seufzte, aber nickte schließlich.
      Als die Pferde am Sulky hingen, führten wir sie heraus und sprangen im Schritt auf den Sitz. Meine Schwester erzählte wieder von Moonwalker, mit dem sie letzte Woche in Kalmar das Amateurrennen gewann. Der Hengst war ihr Liebling, was man ihr nicht verübeln konnte. Gleichmäßig und vollkommen gelassen gab er sich auf der Bahn, während er zu Hause selbst vor einem Vogel panisch wegsprang. Eifellust und auch Vision waren die Ruhe in Form eines Pferdes.
      Zwanzig Minuten wärmten wir die Tieren im Schritt auf, dann folgte der erste Trab für sieben Minuten. Eifel schnaubte mehrfach ab und plätscherte lauffreudig durch den Sand. Trotz des Dauerregen der letzten Wochen trocknete den Bodenbelag der alten Trainingsbahn gut ab – was nichts an dem Dreck am Spritzschutz änderte. Als wir zum Hof zurückkehrten, sahen wir alle aus, als hätten wir uns im Matsch gesuhlt, doch jeder wirkte zufrieden. Nour fütterte den Pferden jeweils einen großen Becher und Glimsy vom Paddock. Shaker stand noch mit Bandagen in der Box, denn er hatte am Morgen bereits seinen Heat und sollte zudem für zwanzig Minuten in den Aquatrainer.
      „Machst du den Falben?“, fragte ich meine Schwester, als sie den Kaltbluttraber wegstellte.
      „Ja, kann ich machen“, nickte sie hilfsbereit. Dann legte ich der Stute ihr Equipment um und war eine Weile später auf der Bahn. Mit Glimsy fuhr ich auf Tempo. Auf der Meile legte sie gut zu, aber bevor sie ihre Höchstgeschwindigkeit erreichte, nahm ich die Rappstute an der Leine zurück und legte eine kurze Schrittpause ein. Nach einem Handwechsel nach links trabte ich an. Glimsy war feinfühlig und tänzelte etwas auf der Stelle, als Wassertropfen einer kleinen Pfütze an ihren Bauch kamen.
      Am Abend saßen wir zusammen am Tisch, auch Papa kam dazu, der mit Tyrell einige Hengste angeschaut hatte.
      „Henne überlegt, ob Fieberglas von Walker gedeckt werden soll“, erzählte er.
      „Wieso? Die ist doch gerade im Training?“, hakte ich verwundert nach. Die braune Stute mit seltsamen weißen Punkten im Fell lief am Wochenende das erste Mal in dem Jahr ein Rennen, kämpfte sich sogleich auf den zweiten Platz und brachte damit für Außenseiterwetten ein gutes Sümmchen ein. Ich hielt mich aus dem Geschäft heraus, bevorzugte es, im Wagen zu sitzen.
      „Schon, aber sie ist jetzt bereits 12 Jahre und wohl nicht mehr ganz so fit am Sulky“, erklärte Papa.
      „Dann passt aber Walker ziemlich gut“, schwärmte meine Schwester sofort wieder von ihrem Liebling.
      „Ich habe ihm davon abgeraten“, sagte Tyrell dann und erntete böses Funkeln von ihr, „sie wirkte sehr nervös, da wäre der Hübsche keine gute Wahl. Plano könnte ein schönes Bild herrschen und die Schwächen ausgleichen. Der Vater wäre ebenso der gleiche.“
      „Das stimmt“, merkte ich an, „oder Anti? Der bringt viel Ruhe mit und vielversprechendes Tempo.“
      Die Männer nickten beinah synchron. Letztlich konnten wir nur Empfehlungen aussprechen, Züchter mussten am Ende selbst entscheiden. So kam es auch dazu, dass sich die beiden doch ein Training mit Netflix anschauen. Vriska hatte unseren Chef noch etwas bekehrt und wollte unbedingt, dass die Pilzstute zu dem Rappen kam.
      „Die Kleine hatte ein gutes Gespür. Pay My Netflix zeigte auf dem Sand eine gute Form, dazu sehr balanciert und geduldig“, erzählte Papa.
      „Aber der Hengst ist doch im Umgang etwas bekloppt, zumindest wenn Basti ihn führt“, äußerte ich berechtige Zweifel.
      „Wie kommst du denn darauf?“, nahm er mich wenig für voll, „die beiden sind ein super Team.“
      Wenig überzeugt nickte ich. Vielleicht beeinflusst mich andere Dinge, dass ich wenig von seinem Fahrer hielt, aber es war nicht meine Aufgabe, Hengste zu suchen. Wenn das Training gut lief, versuchte ich zumindest meine Begeisterung zu zeigen, wenn im nächsten Jahr, Nachwuchs auf dem Hof sein würde.

      © Mohikanerin // Lars Alfvén // 4848 Zeichen
      zeitliche Einordnung {Ende Februar 2021}
    • Mohikanerin
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      kapitel tjugotre | 12. Juli 2022

      Glimsy / Just a Bear / Anthrax Survivor LDS / Osvominae / Maxou / HMJ Divine / Legolas / Binominalsats / Satz des Pythagoras / Caja

      Vriska
      Mit dröhnendem Kopf öffnete ich die Augen. Nicht nur ein Hund lag auf meinen Beinen am Bettende, sondern auch ein kräftiger Arm auf der Brust. Nur schwammig erinnerte ich mich an die Nacht, was wohl weniger an den zwei leeren Weinflaschen neben dem Bett lag und diversen Bieren am Feuer, viel mehr, war es die Trance, in der mich befand. Vollkommen übermüdet huschten einzelne Bilder durch den Kopf, die von Lars über mir gebeugt, dominiert wurden. Sagen wir es: Wir mochten uns.
      Durch die nur halb zugezogenen Vorhänge, bemerkte ich das Chaos im Raum. Überall lagen unsere Kleidungsstücke und dazwischen sehr viele benutzte Kondome, die wir wohl sehr ungeschickt zum Müll schafften. In meinem Magen zog es sich beängstigend zusammen, denn so erinnerte ich mich wieder, dass irgendwann mein Karton aus dem Schrank leer war. Das erklärte zumindest das feuchte Bett. Vorsichtig hob Lars an, der müde den Kopf hob.
      „Wie spät ist es“, wisperte er heiser.
      „Kurz nach Elf“, stellte ich mit erschrecken fest. Leise brummte er und zog sich die Decke über den Kopf. Aber bei der Unordnung konnte ich mich nicht wieder umdrehen.
      „Wo willst du hin?“, jammerte er, als ich den ersten Fuß aus dem Bett setzte und direkt etwas Schleimiges zwischen den Zehen spürte. Das fehlte mir noch! Ich zuckte zurück und setzte ihn woanders ab.
      „Aufräumen“, erklärte ich und erhob mich. Lars verharrte unter Decke, aber meinetwegen konnte er noch weiterschlafen. In der Schublade des Schreibtisches waren Mülltüten. Leise riss ich eine ab und sammelte die Gummis auf. Dann sortiere ich noch unsere Kleidung und öffnete das Fenster. Mein Zimmer war zu einem Tiergehege mutiert.
      Zu meinem Entsetzten roch es hinter der Tür nicht besser. Ein säuerlicher Geruch kroch an meinem Schleimwänden hinauf und hielt sich fest wie ein Parasit. Erst nach weiteren Schritten ins Wohnzimmer erblickte ich das dortige Chaos. Auf dem Tisch standen unzählige leere Weinflaschen, Biere und sogar Schnaps. Lange musste die Truppe noch dort gesessen haben. Selbst Teller mit Essensresten begrüßten mich. Flink trugen mich meine Füße ins Badezimmer, wo ich mich Lars Shirt entledigte und unter die Dusche sprang. Ich versuchte geschehenes Revue passieren zu lassen, aber immer wieder schwebte Lars vor und entflammte damit selbiges Feuer vom Abend. Alles an ihm war perfekt, ohne auf jede seiner Einzelheiten einzugehen, denn ich wollte ihn nicht auf sein Aussehen reduzieren, obwohl es bei Gott kein Geheimnis war.
      Gerade als ich den Duschvorhang zog, öffnete sich die Badezimmertür. Nackt stand plötzlich Niklas im Rahmen und schluckte nervös, als auch sein Blick auf mich fiel. Mit dem feuchten Stoff bedeckte ich mir, nur er verharrte wie eingefroren.
      „Du hast ein neues Tattoo“, bemerkte ich, um die Situation erträglicher zu machen.
      „Ja“, murmelte er rau. Ihm schien jedoch alles egal und lief einfach weiter zum Porzellanthron. Für mich war die Sache klar. Gerade als ich den Vorhang wieder schließen wollte, verfingen sich die kleinen Rollen der Duschvorhanghalterungen und nichts bewegte sich mehr.
      „Das wird nichts, lass es einfach“, fühlte sich Niklas durch das Kratzen des Metalls gestört. Ich schwieg und nahm mir ein Handtuch zumindest. Warum musste das alles am ersten Feiertag so furchtbar beginnen?
      Während mir die Situation mit jedem Atemzug unangenehmer wurde und frischen Schweiß auf den Rücken trieb, kümmerte ihn das seltsame Aufeinandertreffen gar nicht, nein, viel mehr schien er den Raum gar nicht mehr verlassen zu wollen. Er stand entspannt am Waschbecken, das Wasser bereits ausgeschalten, und starrte mich erwartungsvoll an. Sein Blick auf den meinen gerichtet, der immer wieder über seine Brust und Arme wandert. Zögerlich klopfte mein Herz, während im Kopf Altes an die Oberfläche drang. Von einem auf den anderen Moment verspürte ich Verlangen nach ihm, das, was mich in der Gegenwart von Erik antrieb und nicht loskommen wollte. In der Therapie wurde das Gefühl als ‘normal’ betitelt, aber so fühlte es sich nicht an.
      “Warum bist du wieder da? Hättest du nicht bleiben können, wo du warst?”, Niklas Stimmenfarbe klang noch immer rau und nun verärgert.
      “Tatsächlich dachte ich, dass es dir angenehmer ist, mich wiederzusehen. Aber gut, ich suche mir was anderes”, gab ich umgehend nach. Ihn als Feind wollte ich nicht und umzuziehen könnte auch dabei helfen, ihm aus dem Weg zu gehen.
      “Du bist seltsam”, merkte er an und hielt mich auf, den Raum zu verlassen. Etwas wollte er klären, aber ich konnte mir nur schwer vorstellen, was. Eine Weile standen wir noch im Badezimmer herum, das durch die Fußbodenheizung eine angenehme Temperatur hatte. Zu meiner Dankbarkeit legte sich Niklas ein Handtuch um die Hüfte und setzte sich auf den Deckel der Toilette. Ohne große Umschweife erzählte ich ihm, was in der Heimat passierte, von meiner Wiederaufnahme der Therapie, dass ich entschied meine Tabletten zu nehmen und auch mehr auf mich zu achten. Geduldig hörte er zu und stellte seine Fragen erst in Sprechpausen.
      “Und mit Erik hast du alles geklärt?”, kam Niklas auf das einzig Schwierige zurück.
      “Ich weiß es nicht genau. Ehrlich gesagt, vermisse ich ihn sehr, aber er hat es sich selbst zuzuschreiben und ich warte auch nicht. Worauf auch? Dass er sich spontan dazu entscheidet, dass glückliche Familie spielen, doch ziemlich doof für ein Kind ist?”, erhob ich die Stimme, was den Hund aus dem Schlafzimmer an die Tagesordnung brachte. An der Holztür kratzte es sanft, aber ich schickte ihn wieder weg. Das Klappern der Krallen auf dem Holzboden verstummte wieder.
      “Von mir wirst du keinen Tipp bekommen, schließlich sagte ich von Anfang an, dass der nichts für dich ist”, zuckte Niklas mit den Schultern und erhob sich schließlich von dem Porzellan.
      “Danke, sehr reizend”, ich wollte mit den Augen und drehte mich auch zur Tür.
      “Auch wenn ich den Kerl in deinem Bett nicht mag, wird der sicher nicht spontan zu seiner Ex zurückrennen, wenn es ihm gerade passt”, setzte er seine Ansprache fort, als gäbe es einen Anlass dafür, “dann hält er sich wenigstens von Lina fern.”
      Verblüfft sah ich Niklas nach, der zurück ins Zimmer lief und die Tür schloss. Lina und Lars? Wirklich? War da etwas gelaufen? Zumindest würde es einiges Erklären, aber ich konnte es mir kaum vorstellen, denn sie war blind vor Liebe und könnte ihrem Freund nie etwas antun. Erst recht nicht, mit einem anderen zu flirten.

      Lars schlief noch immer tief und fest, als ich mich umzog. Die Decke lag neben ihm und nur ein kleines Stück davon, bedeckte seinen sonst freien Körper. Vorsichtig nahm ich den Stoff, um ihn zu wärmen. Aber er bemerkte meine grobmotorischen Züge und drehte sich auf den Rücken.
      “Möchtest du nicht wieder ins Bett kommen?”, lächelte Lars schief und griff liebevoll nach meiner Hand.
      “Doch, aber ich muss erst mal Ordnung machen”, erklärte ich, aber er gab mir keine Chance, es weiter zu erläutern. Stattdessen löste er das Handtuch von meiner Brust und zog mich geschickt auf seine Hüfte. Kaum saß ich, breitete sich wohlige Wärme in mir aus, die nur von leichten Schmerzen durchbrochen wurde. Meine Hände waren überall, strichen über seine breiten Schultern und Rücken, ohne dass sich unsere Lippen voneinander lösten. Wir drehten und wendeten uns im Bett, bis ich die offene Tür bemerkte.
      „Gibt es ein Problem oder haben wir seltsame Vorlieben?“, fauchte ich Niklas an, der sich mittlerweile eine Hose übergezogen hatte und im Rahmen lehnte.
      „Ich wollte noch mal mit dir Reden, aber du scheinst beschäftigt“, lachte er.
      „Jetzt nicht mehr.“ Ich war genervt und meine Lust vergangen. Lars grinste nur belustigt, als gäbe keinen Grund für meinen Ärger. Die Decke legte er sich fein säuberlich über die Hüfte und kreuzte die Arme über den Kopf.
      „Jetzt hau ab, ich bin gleich im Wohnzimmer“, meckerte ich und warf ihm ein Kissen entgegen. Endlich drehte er sich weg.
      „Das fängt schon gut an“, sprach zu Lars und rollte mit den Augen.
      Er lachte.
      „Ach, ist doch alles gut. Wir machen später weiter.“ Er erhob sich und haben ihm ein flüchtigen Kuss. Kurz überlegte ich, ob es überhaupt vernünftig war, ihn zu küssen, als wären wir ein Paar, aber sein höfliches und zufriedenes Lächeln vertrieb diesen.
      „Geduld gehört wohl nicht zu deinen Stärken“, bemerkte ich beiläufig und reicht ihm sein Shirt, als mir ein frisches aus dem Schrank nahm.
      „Worauf sollte ich denn warten?“, fragte er.
      Ich zuckte mit den Schultern und verließ das Zimmer.
      Eigentlich wollte ich nach dem Aufräumen noch etwas schreiben, denn erst um vierzehn Uhr sollte ich die Boxenpferde füttern und im Anschluss hatte ich geplant, Bruce im Ponystall zu besuchen. Allerdings stellte sich das Chaos als noch größer heraus, nun auf den zweiten Blick. Niklas hatte es sich auf der Couch bequem gemacht, starrte auf sein Handy und lachte zwischendrin. War das seine Definition von ‘noch einmal reden’? Zumindest schwieg er und ich begann die leeren Gläser und Flaschen zu verräumen, möglichst leise, um Lina nicht zu wecken. Glücklicherweise kam mir unserer Spülmaschine entgegen, die jegliches dreckiges Geschirr schluckte.
      „Was sitzt du hier eigentlich so nutzlos herum? Hast du nicht irgendwas zu tun?“, fragte ich Niklas, der mich mittlerweile durch seine reine Anwesenheit nervte.
      „Doch schon, aber ich warte auf Lina“, antwortete er nüchtern ohne sich vom Bildschirm zu lösen. Entschieden warf den feuchten Lappen über seine Schulter und dieser landete sogar auf dem Gerät. Ich lachte leise.
      Er setzte gerade an, sich zu beschweren, als Lars den Raum betrat.
      „Kleines, ich helfe dir.“ Selbstsicher huschte ein Lächeln über seine Lippen. Ich schnappte mir wieder den Lappen und überreichte ihn. „Du kannst den Tisch abwischen.“
      Er nickte und begann sofort. Im nächsten Augenblick waren wir sogar wie fertig. Neben der Haustür stellte ich noch das letzte leere Konservenglas ab und damit sah das Wohnzimmer inklusive Küche aus wie neu.
      „Frühstücken wir noch, bevor wir reiten?“, bewusst legte er den Schwerpunkt auf das Satzende. Mit seinen Händen packte Lars an meine Hüfte und zog sich näher an mich heran. Instinktiv drehte ich mich. Sanft zog sich die Mundwinkel in seinem Gesicht nach oben und in seinen Augen trat wieder das Funkeln auf, das mir erneut den Atem raubte. In meinem Bauch wollte das Kribbeln nicht aufhören und drückte meine Lippen auf seine. Es fühlte sich verdammt gut mit ihm an, erst recht, weil es vollkommen ungezwungen war.
      „Ihhhh“, ertönte es von der Seite, als wäre Niklas ein Kleinkind.
      „Geh du mal deine Freundin holen, oder wollt ihr allein Essen?“, wechselte ich das Thema.
      Er zuckte mit den Schultern und setzte sich provokativ auf einen Stuhl am Tisch. Genervt stöhnte ich. Offenbar hatte ich ziemlich viel verpasst, denn so seltsames Verhalten von Niklas, war mir neu. Also stampfte allein zu Linas Tür und klopfte vorsichtig. Sie stand ohnehin einen Spalt offen, der reichte, um meinen Kopf durchzustecken. Dahinter bewegte es sich nicht nur, nein, sie stand sogar schon unentschlossen vor ihrer Kommode.
      “Wie komme ich zur Ehre deiner Anwesenheit?”, fragte sie, ohne nennenswert den Kopf zu wenden. Stattdessen zog sie eine andere Schublade auf, um scheinbar willkürlich hineinzugreifen.
      “Guten Morgen”, sagte ich zunächst, “ich wollte fragen, ob du mit frühstücken möchtest oder lieber allein mit Niklas. Dein Kerl zeigt nur wenig Interesse, mir zu antworten.”
      “Lügnerin!”, ertönte es sogleich aus dem Hintergrund von Besagtem.
      “Ihr Frühstück gleich? Dann frühstücken wir mit euch”, entschloss sie kurzerhand und griff sich weitere Kleidungsstücke aus der Schublade. “Oder hast du andere Pläne, Niki?”, beteiligte sie ihren Freund doch noch an der Entscheidung.
      „Eigentlich würde ich lieber dich frühstücken, dafür brauchen wir die anderen nicht“, gab er mit ernster Tonlage zu verstehen. Dennoch konnte ich mir mein Lachen nicht verkneifen, angesichts der Umstände, dass Niklas meins unterbrach.
      „Ich glaube, das wird nicht passieren“, sprach sie befangen, die Wangen Schweinchenrosa angelaufen und wühlte hastig in der Schublade herum.
      „Du glaubst?“, setzte der Kerl seine Mission fort, „wir sind doch nicht in der Kirche.“
      „Schätzungsweise hat er keine Lust auf Lars und mich“, zuckte ich mit den Schultern. „Aber es kann nicht immer nach ihm laufen. Also, willst du oder nicht?“
      „Ich will“, sprach sie rasch, aber wühlte weiterhin wie ein Eichhörnchen beim Nestbau in ihrem Klamotten herum, „Also mit euch Frühstücken."
      “Geheiratet hätte ich dich auch”, scherzte ich. Nun kam auch der Andere im Wohnzimmer auf wahnwitzige Idee.
      “Ein Traum, zwei hübsche Damen”, noch bevor er seine innigsten Wünsche mit uns teilte, unterbrach ich ihn: “Das wollen wir gar nicht wissen, was du dir nachts im Bett vorstellst.”
      Selbst Niklas lachte kurz auf.
      Glücklicherweise fand meine Mitbewohnerin endlich ein Ende in ihrer Schublade und hatte sich Stoff übergeworfen. Dieser schmeichelte er ihr sehr. Der hellblaue Wollpullover bildete nicht nur einen hell-dunkel Kontrast zu den, noch offenen, dunklen Haaren, sondern untermalte ihre leuchtenden Augen. Zudem konnte sie mit ihrem Körper einfach alles tragen und wirkte wie jeden Tag perfekt durchgestylt. Oft war ich neidisch und fühlte mich wie die hässliche Freundin, aber verbog die böse Stimme in meinem Kopf hinter einer stählernen Pforte.
      Zusammen liefen wir die fehlenden Meter zum Tisch, der in einem klösterlichen Schweigen gehüllt war. Niklas hatte wieder sein Handy zwischen den Fingern, sodass er seiner Freundin keinerlei Beachtung schenkte, obwohl sie neben ihm stand und ein Guten-Morgen-Kuss erwartete.
      „Ehrlich gesagt, raubst du mir meinen Schlaf“, sagte Lars mit tickenden Gesichtszügen. In seinem lieblichen Worten fühlte ich mich Zuhause, wie nie zuvor. Ich konnte mir nicht erklären, was ihn so sehr an mir lag. Am liebsten wäre ich im Bett geblieben, nur er, ich und die Decke. Allerdings gab es noch Dog, der auf der Couch ruhte.
      „Ihr seid doch eklig“, fauchte Niklas, als hätten wir unbeschreibliches gesagt oder getan. Langsam wurde ich mir sicher, dass seine Andeutung im Bad ernst gemeint war, dass ich verschwinden sollte. Meine eigentlicher Arbeitskollege erhob sich, sah abfällig zu Hulk, bevor wir uns zusammen dem Frühstück widmeten. Während er Zwiebeln schälte und Schnitt, holte ich oder viel mehr, wollte ich meinen Haferjogurt aus dem Kühlschrank holen. Da wurde mir bewusst, dass überhaupt nichts für mich gab. Lina konnte nicht wissen, dass ich kommen würde und bei unserer Ankunft hatten alle Geschäfte geschlossen.
      „Was suchst du?“, fragte Lars und das Haken auf dem Brettchen verstummte.
      „Etwas Essbares für mich“, antwortete ich niedergeschlagen und stellte fest, dass selbst mein Lager an Zutaten aufgebraucht war.
      „Aber da war ganz viel?“
      „Ja, alles mit Tier.“
      Bedauerlich nickte er.
      „Dann lass uns Brunch bestellen. Da finden wir sicherlich für dich das Richtige“, schlug er vor und gab mir im selben Atemzug einen Kuss auf die Stirn.
      „Das kannst du dir gar nicht leisten“, mischte sich auf einmal Niklas ein, als gäbe es keine anderen Sorgen, „dein Vater muss schließlich noch Glimsy abbezahlen. Oder du gibst dein hässliches Vieh ab, damit ihr Überleben könnt?“
      Wovon auch immer der hochnäsige Typ sprach, das ging zu weit.
      „Du kannst dich nicht immer in das Leben anderer einmischen, nur weil du in Geld schwimmst“, tadelte ich Niklas.
      „Natürlich kann ich das, siehst du doch. Außerdem sei du doch mal ganz ruhig. Du bumst meinen Vater und lässt dich von deinen für deine Jungfräulichkeit versteigern“, preschte er in volle Wucht mit seinen Worten auf mich zu. Vom letzten Fakt wusste niemand etwas, nicht einmal meine Mutter. Gerade, als ich ihn fragen wollte, woher er das wusste, fiel es mir wie Schuppen von den Augen – Erik. Doch auch ihm hatte ich nichts davon erzählt. Getränkt in Scham, kullerten die ersten Tränen über meine Wangen, die ihn zum Grinsen brachten, aber Lars zu noch mehr Fürsorglichkeit. Aggressiv richtete er sich gegen Niklas, der das alles nur als einen schlechten Scherz auffasste. Was sie genau sprachen, konnte ich nicht mehr hören, zu stark drängten sich all die alten Gefühle und Bilder an die Oberfläche und verstopften den Gehörgang.
      „Kleines, wir gehen ins Zimmer. Du brauchst Abstand zu dem“, sagte Lars klar zu mir und zog mich mit. Der Hund sprang von der Couch auf, folgte uns ebenso. Lina konnte ich es nicht übelnehmen, dass sie schwieg. Für sie war es sicher zu viel und ihr fehlten die Worte, außerdem konnte ich sie nicht, für die Taten ihres Freundes verantwortlich machen.
      Lange saß ich nehmen Lars auf der Bettkante und weinte in seine Schulter. Dabei strich er mir beruhigend über den Rücken, sang dabei ein schwedisches Volkslied. Aber verstummte schließlich.
      „Okay, genug Selbstmitleid. Zumindest eine Tatsache geschah aus freien Stücken, oder nicht?“, zur Aufmerksamkeit tippte Lars mich an, damit ich ihn ansah. In mich gekehrt, nickte ich.
      „Na siehst du, also was ist schlimm daran?“, versuchte er mir Mut zuzusprechen.
      „Das er es weiß und es als Vorwurf formuliert hat“, schluchzte ich heiser.
      „Der ist nur ein verwöhntes, reiches Kind. Wie soll der sonst durchs Leben kommen, als anderen ihres schwerzumachen und Taten vorzuwerfen?“
      „Er hat es auch nicht leicht“, versuchte ich trotzdem Niklas in Schutz zu nehmen, wofür es keinen Grund gab.
      „Kleines, entweder du sprichst mit mir darüber, um einzusehen, dass es nichts gibt, wofür du dich schlecht fühlen sollst oder ich gehe jetzt zu den Pferden, damit du weiter dich im Bett herumrollst und weinst“, zuckte Lars mit den Schultern, als wäre er genervt. Dass seine Hand weiter auf meinem Oberschenkel lag und meine Finger umspielte, zeigte mir allerdings das komplette Gegenteil.
      Ich seufzte.
      „Dass ich was mit seinem Vater hatte, stört mich nicht, denn es hat Spaß gemacht, aber das sollte nie an die Öffentlichkeit kommen, weil es in Form einer geschäftlichen Abmachung entstand. Und …“, es schauerte mir überhaupt die Worte in den Mund zu nehmen, aber ich musste, wenn ich mich verändern wollte, „es waren andere Zeiten. Ich hatte mit verschieden Umständen zu kämpfen und da kam die Angelegenheit gut, also es war aus freien Stücken.“
      „Beruhigend, dass wir nicht zur Polizei gehen sollten.“ Ein höfliches Lächeln huschte über seine Lippen. „Aber, was für Umstände?“
      „Du gibst auch keine Ruhe, oder?“, kam nun auch ein Lachen von mir.
      „Ich möchte mein Gegenüber kennen und du gefällst mir, also muss ich wissen, mit was für Absurditäten Niklas noch ankommen wird.“
      Von meinem Stuhl nahm die Jacke, in der noch eine Schachtel Zigaretten steckte, lief zur kleinen Terrassentür, die zum Zimmer gehörte. Daran stellte ich mich, dass Lars mich weitersehen konnte. Zu meiner Überraschung erhob er sich und nahm ebenfalls eine heraus. Noch hielt inne, bevor es wie ein Wasserfall aus mir heraussprudelte. Ich erzählte ihm von den Drogen, meiner ersten Liebe und wie alles zerbrach. Auch Erik erwähnte ich. Zwischendrin stellte Lars Fragen, die ich ihm geduldig beantwortete.
      „So, und jetzt? Das ist alles Vergangenheit. Es liegt hinter dir. Natürlich sind es keine schönen Dinge, auch traurig, wie wenig deine Familie dich in den Schutz nahm, aber an deinen Aufgaben wächst du. Wenn auch nicht mehr körperlich“, ich lachte bei seinen Worten. Aber Lars hatte vollkommen recht und gab mir das erste Mal das Gefühl, dass meine Geschichte angesprochen werden musste.
      „Danke, dass du für mich da bist“, schmiegte ich mich eng an ihn und er legte die Arme um meinen Rücken.
      „Selbstverständlich, du brauchst mich.“
      Wieder im Zimmer, schloss die Tür hinter uns und Lars reichte mir den kleinen Schieber mit den Wochentagen, in dem meine Medikamente waren. Am Bett stand, wider Erwarten, eine Wasserflasche und schon, hatte ich die größte Herausforderung am Morgen gemeistert, obwohl es mittlerweile bereits Mittag war.
      „Fühlst du dich bereit für Osvo?“, kam es aus heiterem Himmel. Kurz dachte ich nach.
      „Noch nie bereiter“, sagte ich voller Tatendrang, nahm seine Hand und stolzierte durchs Wohnzimmer mit ihm. Die beiden aßen, ohne uns. Wer weiß, wie lang wir im Zimmer gesessen hatten, aber mir war der Hunger vergangen.
      „Lina“, sprach ich bewusst nur sie an, „Lars und ich machen jetzt Osvo fertig, also wenn es dich interessiert, kannst du in einer halben Stunde zur Halle kommen.“ Eilig nickte sie. Als Niklas sich dazu äußern wollte, reichte ein böser Blick ihrerseits, dass Hulk verstummte.
      Dog folgte uns unauffällig, als wir durch die Tür traten, in die Kälte. Am Himmel stand die Sonne und brachte die oberste Schicht des Schnees zum Schmelzen, dennoch so schwach, dass es sofort wieder gefror. Ein rutschiges Unterfangen begrüßte uns, aber mit den Händen ineinandergeschlungen, kamen wir heil am größten Stallgebäude an. Lautes Gewieher begrüßte uns und besonders laut, musste sich Anti Gehör verschaffen, der seine bisherige Lebenszeit auf der Weide verbrachte. Zunächst stand er allein, bis der richtige Partner gefunden wurde. Ich ging auf ihn zu. Neugierig hob Anti den Kopf, beschnupperte die seltsame Sache, die wir im Volksmund als Hand bezeichneten. Mit aufgeblähten Nüstern wieherte er mir schrill ins Ohr, bevor er eine kleine Runde durch die Box drehte. Den Paddock dahinter, beachtete er gar nicht.
      Obwohl die vorletzte Box im Gang schon am Tag zuvor mit einer hellen Stute belegt war, verspürte ich erst jetzt einen stechenden Druck im Herzen. Lubi würde ich wohl nur noch auf dem Turnier sehen, im Stall von jemand anderes. Vermutlich brauchte ich einen Augenblick, bis dieser Umständen wirklich in meinem Kopf ankam, besonders, wo ich nun Klarheit empfand. Seufzend legte ich meine Hand an die Gitter. Das Stütchen, dass sonst bei den Einstellern stand, kam interessiert zu meiner Hand, um daran zu lecken. Von der anderen Seite streckte mir Maxou ihren Kopf entgegen, doch ihr Hals war nicht ansatzweise lang genug, um mich zu erreichen. Stattdessen wählte sie den Nächstmöglichen und fummelte mit der Oberlippe an Lars‘ Kapuze.
      “Dein Pony hat mich gehasst, bis du plötzlich da warst”, erwähnte er dann aus dem Nichts.
      “Ich glaube kaum, dass ein Tier solch starke Emotionen empfinden kann”, sprach ich ungläubig, auch wenn ich mir vorstellen konnte, was er meinte, schließlich wollte Maxou auch am Anfang nichts mit mir zu tun haben.
      “Doch, deinem Pferd traue ich das zu”, Lars trat näher an mich heran, “sie ist auf mich losgegangen, wenn ich ihr die Decke wechseln wollte.”
      “Das tut mir leid.”
      Kaum hatte ich Maxou begrüßte und ausgiebig an ihrer Lieblingsstelle am Hals gekratzt, kam ein Sulky in den Stall gefahren, mit Nour im Bock. Sie trug ihr dunkles Haar offen über den Schultern, das Gesicht vollkommen verdreckt, aber sie strahlte. Angespannt war ein sehr kräftig anmutendes Pferd, deutlich schmaler als ein Freiberger, wie Lina sie immer mehr anschleppte, aber breiter als unsere Traber.
      „Wer ist das?“, flüsterte ich Lars ins Ohr und zupfte an seiner Jacke.
      „Das Pferd? Glimsy“, erklärte er, bevor seine Schwester bei uns hielt.
      „Ach, der Herr hat auch den Weg zum Stall gefunden“, scherzte Nour. Sie nahm die Leinen in eine Hand, um mit der anderen sich die Brille abzunehmen und das Gesicht abzuwischen. Jetzt bei Tageslicht mutete sie genauso elegant an, wie ihr Bruder, auch wenn ich Lina deutlich attraktiver fand.
      „Natürlich“, nickte Lars, „dennoch musste ich zunächst andere Angelegenheiten klären.“ Dabei schaute er schief zu mir.
      “Angelegenheiten also. So, so. Ich verstehe. Dann mein Glückwunsch, du durftest einen Lars haben, aber gewöhne dich nicht daran”, schmunzelte sie. Normalerweise reagierte ich schnell, doch für den Augenblick erschien mir mein Kopf begriffsstutzig. Ihre Worte konnte ich nur schwer einordnen. Die Rappstute tänzelte derweil gelangweilt auf der Stelle und versuchte Maxou zu begrüßen, die nicht einmal mit der Wimper zuckte.
      “Was meint sie?”, richtete ich meine Frage zu Lars, der verärgert seine Schwester anblickte.
      “Kleines, darüber sprechen wir noch, aber nicht jetzt”, versuchte er abzulenken, aber ich wollte das Thema nicht im Sand verlaufen lassen. Entschlossen legte ich die Arme auf seinen Schultern ab, gekreuzte hinter seinem Kopf und suchte innigen Augenkontakt. Zunächst wich der große Mann aus, bis die Situation unausweichlich wurde.
      “Tut mir leid Brüderchen, aber ich möchte nicht das nächste nette Mädchen zugrunde gehen sehen, weil du ihr das Herz brichst”, lehnte sich Nour zu ihm, bevor sie das verschwitzte Pferd in Bewegung setzte. Obwohl ich genau hörte, was sie ihm sagte, ignorierte ich es.
      “Vivi, ich mache mir nur nicht viel aus festen Beziehungen“, erklärte er mit bestimmten Unterton, gerade als ich meine Arme lösen, fügte er noch hinzu: „Aber du darfst natürlich trotzdem bei mir bleiben.“
      “Vielleicht will ich das gar nicht”, nuschelte ich, ohne den Blick von seinen Augen zu lösen. Lars gab sich besonders viel Mühe dabei, seine Stimmung hinter einem Vorhang aus Starrheit zu verstecken, doch je länger ich ihn musterte, umso weiter wurden die Pupillen. Ebenso spannte es an meiner Hüfte.
      “Nun, dann muss ich mir wohl jemanden anderes suchen, der mit mir in der Sattelkammer verschwindet”, scherzte er.
      “Musst du wohl.”
      Zu beschreiben, was zwischen uns knisterte, konnte ich nicht. Stattdessen verfiel ich ihm komplett und das lag eher weniger, an der erfreulichen Nacht. Lars hörte zu und schob mich nicht in eine Schublade, denn auf mich war ohnehin keine zugeschnitten. Sein Lächeln verzauberte mich in jedem Moment, den wir teilten und löste dabei eine Flut von Gefühlen aus, die meine Sehnsucht nach Erik wegspülten und vergruben. Manchmal tauchte ein Bild zwischen den Trümmern auf, aber es war nicht mehr, als eine schöne Erinnerung an alte Zeiten, die Zukunft stand vor mir.
      Immerhin konnten wir unsere Lust zügeln, denn Osvo wartete uns, obwohl es mir leichten Druck in den Magen setzte, in seiner Anwesenheit auf einem Pferd zu sitzen. Und wenn dann noch Zuschauer da sein würden – Nein, Vriska, du schaffst das, versuchte ich mir weiß zu machen. Und als ich dann von ihm ein Halfter in die Hand gedrückt bekam, setzte ich vollkommen aus. Stumm folgte ich ihm nur und auf dem Paddock hinter dem Roundpen strahlte mich besagte Rappstute an. Auf dem Nasenrücken trug sie eine große Blesse und an den Beinen drei äußerst niedliche Socken. Kaum bemerke Osvo uns, lief sie mit gespitzten Ohren den Zaun entlang. Das Tor öffnete er und etwas überfordert, hielt ich das Halfter in die Luft. An der Schulter stupste mich ein weiteres Pferd an, eine braune Stute, die allerdings zügig das Interesse verlor.
      „Einfach über die Ohren ziehen, oder hast du gar keine Ahnung?“, schmunzelte Lars.
      “Würde ich dir näherkommen, wenn ich keine Ahnung habe?”, versuchte ich den Funken aufrechtzuhalten, aber er schüttelte nur den Kopf mit unverständlichen Worten in den hohen Kragen seiner Jacke zu brabbeln. Vorsichtig zog ich das über ihr Maul und drückte die Ohren nach unten. Osvo schenkte dem Ganzen keine Aufmerksamkeit, sondern wartete, bis ich fertig war. Auf dem Weg zurück in den Stall erklärte Lars die Feinheiten der Stute. In den Ecken kürzte sie gern ab, wenn man den Schenkel nicht rechtzeitig anlegte und über den Sitz die Tritte verkürzte. Am Maul war sie empfindlich und bevorzugte eine konstante Haltung mit wenigen Paraden, eine Sache, die schwierig für mich werden konnte.
      In der Gasse putzte ich das dunkle Fell ausgiebig, bis der Großteil des Drecks auch auf dem Boden verteilte. Osvo hatte eins ihrer Hinterbeine angewinkelt und lehnte entspannt in den beiden Stricken. Dann kam auch Lars wieder, mit einem Sattel im Arm und einer Trense über der Schulter.
      „Könnte ich Gebisslos reiten?“, fragte ich unsicher.
      „Du kannst es versuchen, klar“, nickte er und übernahm das Satteln. Ich huschte unter dem Strick hindurch, um die Treppe auf die Tribüne zu nehmen. Von da aus kam ich am schnellsten in die Sattelkammer, in der mein Schrank stand. Schon aus der Ferne lächelte mich die Neon-Pinke Hackemore an. Erst, als ich danach griff, bemerkte ich eine Karte neben meinem Helm. Ungewöhnlich trocken wurde meine Kehle, als ich das handgemalte Motiv sah, das nur von einem Kleinkind stammen konnte. Langsam fasste ich nach hier und starrte eine Weile auf die Vorderseite. Obwohl die Zeichnung eher einer Schmiererei glich, erkannt ich sofort mein Pferd darin. Maxou hatte ihre lustige Kappe auf, die zum Schutz und Polstern des Genicks war, wenn sie ein Halfter trug. Meine Finger zitterten, während alles in mir schrie, die Klappkarte nicht zu öffnen. Aber die Neugier übertönte das alles. Sie war von Erik, der mir nur das Beste wünschte. Er wählte seine Worte wie immer sehr bewusst und versuchte von den Umständen abzulenken, die uns trennten. Stattdessen vermittelte er mir das Gefühl, noch immer nah in meinem Leben zu stehen und noch bevor ich überhaupt alles gelesen hatte, legte ich sie zurück. Wieder flossen Tränen, über meine Wangen, die ich mit einem Blick zur Decke versuchte aufzuhalten. Nichts in der Welt würde ihn aus meinem Leben verbannen können, auch wenn ich ihn nicht mehr an meiner Seite haben wollte, für den Augenblick.
      “Irgendwann”, murmelte ich in mich gekehrt und trampelte aufgewühlt aus dem Raum. Kaum war ich von den Treppen herunter getreten, sah ich Lina neben Osvo stehen mit einem zufriedenen Grinsen von einem Ohr zum anderen. Der Herr hatte bestimmt seinen Willen noch bekommen, nach dem mir meiner verwehrt wurde. Unfair. Würde ich fragen, käme keine spezifische Antwort, deswegen schwieg ich, auch, dass ich die Karte im Schrank fand. Sie sprach ohnehin mit Lars über einen der Hengste, den sie wohl in letzter Zeit arbeitete. Also wandte ich mich ab, um der Stute den gebisslose Zaum anzulegen. Beinah automatisch öffnete sie das Maul und sie schaute nicht schlecht, als kein Metall in ihrem Maul landete.
      Im Augenwinkel sah ich Nour auf der Tribüne, die sich ein Brot in den Mund stopfte und Samu mit seiner Freundin. Die beiden hingen eng aneinander, bestimmt froh, mal etwas Zeit füreinander zu haben. Am Abend, wenn es im Zimmer etwas ruhiger wurde, konnte ich Gespräche belauschen, die problemlos durch die Tür hallten. Zudem war die Runde alles andere als leise.
      „Was ist denn? Möchtest du nicht aufsteigen?“ Lars stand schon auf der anderen Seite des Pferdes und hielt den Steigbügel gegen, aber ich haderte mit mir, ob ich wirklich so weit war, aufzusteigen.
      „Ich weiß nicht“, sprach ich meine Zweifel an.
      „Du schaffst das, schließlich bist du gestern sogar gefahren. Keiner verlangt von dir, Pirouetten zu drehen, aber etwas Schritt und Trab sollte im Rahmen deiner Möglichkeiten sein“, dann lehnte er sich über den Sattel zu mir und sprach etwas leiser: „Außerdem haben wir doch schon geübt, vielleicht stellst du dir das einfach vor.“
      „Ein ziemlich absurder Gedanke“, warf ich ihm vor, aber er zuckte belustigt mit den Schultern.
      „Aber los, sonst schläfst du heute Nacht allein“, noch bevor das letzte Wort über seine schmalen Lippen wirbelte, hatten meine Hände flink den Gurt um ein Loch fester gezurrt und ich schwang mich auf das Pferd. Osvo war kaum größer als ich, also eine Leichtigkeit für mich.
      „Na bitte. Offenbar bist du bestechlich.“ Lars lief die ersten paar Runden noch mit, einerseits um mir Tipps zu geben, andererseits um mir Sicherheit zu schenken. Wie ein Anfänger versuchte ich die richtige Position im Sattel zu finden, setzte mich andauernd um. Lars hielt den Arm vor Osvos Kopf, wodurch sie abbremste.
      „Etwas weiter nach vorn und Beine lockerer im Bügel“, wies er mich an. Mit einem tiefen Atemzug durch die Lungen versuchte ich meinen Puls wieder zu normalisieren, aber in der Brust trommelte es wie bei afrikanischen Urvölkern.
      „Nicht so“, lachte Lars und legte selbst Hand an. Bestimmt legte er mein Bein zurecht, schaute sich auch, das andere an, das ich selbst platzierte. „Viel besser und so bleiben. Denk an den Wassereimer in der Hüfte, der darf nicht überlaufen.“
      Durch leichten Druck am Bein setzte sich Osvo in Bewegung. Sofort verspürte ich einen Unterschied. Gleichmäßig schob ich mich durch den Sattel und meine Begleitung kletterte gekonnte die Bande hoch, um sich oben auf den Rand zu setzen. Allein der Schritt war eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Zu viele Emotionen prasselten auf mich ein, um es genauer benennen zu können und als ich prüfend noch einen Blick zur Tribüne warf, wurde mir bewusst, dass es immer mehr Leute dazu kam. Der Druck kam wieder, Druck wie bei meiner Abfahrt. Es gab keinen Grund dafür, zumindest redete ich mir das ein. Selbst meine Schwester und Mutter tauchten aus heiterem Himmel auf, auch wenn die kleinste nur Augen für Niklas hatte. Dass er nach Lina noch kam, löste vermutlich das Zittern meiner Hände aus. Auf einer großen Volte versuchte wieder ein Gefühl für das Pferd zu bekommen und mich von der Massenansammlung abzulenken. Ich schloss die Augen, um tief Luft zu holen. Auch Osvo schnaubte in dem Moment ab. Meine Hand klopfte ihr sanft den Hals.
      „Bei A auf den Zirkel und antraben“, rief mir Lars zu. Ohne weiteres Versagen zu schnüren und damit eventuell auf Widerstand zu stoßen, trabte ich die dunkle Stute. Locker ließ sie den Hals fallen. In ihrem Sattel fühlte ich mich ganz anderes, im Vergleich zu Lubi. Ihre Schritte waren kürzer, aber ebenso gefedert und weich. Obwohl wir nur auf dem Zirkel blieben, schwebte ich auf Wolke sieben, in meinem Kopf, jeden Sieg ergattern zu können. Nach einem Handwechsel holte ich Osvo wieder zurück in den Schritt und kam langsam auf meinen Ausgangspunkt. Meine Zuschauer waren wie gelöscht, sodass ich im Sattel sicherer wurde. Lars korrigierte noch einige Male meinen Sitz, durch freundliche Zurufe und sorgte dafür, dass Osvo nicht nur aktiver vorwärts trat, sondern auch die Balance fand. Volten fielen ihr schwer. Erst in der Versammlung im Schritt setzten sich ihre Hinterbeine mehr in den Schwerpunkt und jede Wendung auf der kleinen Kreislinie, unterstützte sie. Zum Ende galoppierte ich sogar noch und wurde mit einem ungefragten fliegenden Wechsel überrascht.
      Vollkommen durchgeschwitzt glänzte das blau-schwarze Fell in der Deckenbeleuchtung und an den hellen Abzeichen zeichnete sich die Farbe des Sandes ab. Wie Grisu, der kleine Drache, traten Dampfwölckchen aus ihren Nüstern und die Abschwitzdecke erfüllte ihren Zweck, als Lars sie in den weichen, dunkelblauen Stoff hüllte. Breddlopp - Daley Lovin 2018 stand in großen Buchstaben an der Seite aufgedruckt.
      „Ihr habt das Potenzial füreinander“, stellte er begeistert fest.
      „Hat wirklich Spaß gemacht, danke.“
      Mir fehlten die Worte, einzig ein leuchtendes Grinsen schmückte meine Lippen. Auf der rechten Seite lief Osvo vollkommen entspannt und augenscheinlich ebenso glücklich, auf linken Lars. Im Augenwinkel bemerkte ich seine prüfenden Blick. Ihn so plötzlich nah zu haben, bedeutete mir unbeschreiblich viel.
      „Ich wusste gar nicht, dass du so gut reiten kannst“, merkte Mama an, als ich an ihr vorbeikam.
      „Okay.“ Mein Lächeln erlosch. So wie ich diese Frau kannte, interessierte sie sich ohnehin nicht viel für meine Leistungen. Selbst als wir mit dem Cheerleader Team bei der Landesmeisterschaft waren, schenkte sie mir keinen Augenblick, viel wichtiger war der Zoobesuch mit meiner kleinen Schwester.
      Durch das Tor verließ ich die Reitbahn und sattelte mit Lars’ Hilfe die Stute ab. Sie fraß genüsslich den Inhalt ihrer Schüssel, verteilte mehr als die Hälfte auf dem Beton. Eine kleine Sauerei lag unter dem Maul.
      „Also, darf ich sie öfter reiten?“, beugte ich mich zu Lars hinüber, der gerade die Trense im Eimer reinigte.
      „Mh?“, brummte er zwischen dem Geklapper.
      „Ob das Angebot steht?“, spezifizierte ich.
      „Papa muss noch zustimmen, aber meinerseits steht dem nichts im Weg“, er hob sich und legte seine Arme an meine Hüfte, „ihr saht super aus und denk daran, nie dein Lächeln zu verlieren.“
      “Da muss ich Lars zustimmen”, trat Lina freudestrahlend von der Halle her ran, “Schön, dich wieder auf dem Pferd zusehen.”
      „Stimmt schon, aber ich halte mich erstmal zurück“, stellte ich klar, damit sie nicht von mir erwartete, eins der schwierigen zu nehmen.
      “Alle gut, ich erwarte nicht, dass du dich gleich an eines der Monster wagst”, beschwichtigte sie augenblicklich, “außer vielleicht an das, was sich als süßes kleines Pony tarnt.”
      „Maxou ist kein Monster“, protestierte ich umgehend, die sofort den Kopf aus der Box streckte.
      „Hör nicht zu, die sind blöd zu dir“, flüsterte ich in das kleine helle Ohr, das sich interessiert in meine Richtung drehte.
      „Du hättest sie mal die vergangenen Monate erleben sollen, dein Pony war an Wechsellaunigkeit kaum zu übertreffen. Du musst irgendwelche Zauberwirkung auf sie haben“, begründete Lina ihre Aussage, „Sie hat es einem wirklich nicht immer leicht gemacht.“
      “Na, wenn du das sagst”, knurrte ich beleidigt. Aus der Jackentasche wühlte ich nach einem der Leckerlis, die ich für gewöhnlich in jeder fand, so natürlich auch in dem Augenblick. Gierig fummelte sie ihre Belohnung von der Handfläche wie eine Schnapsschildkröte.
      “Immerhin versucht sie nicht, dich loszuwerden”, fügte ich schulterzuckend hinzu. Lars schielte mir zu, mit tiefer Stirn, als hätte er Wind von dem Gespräch bekommen mit Niklas. Für einige Sekunden schien sie irritiert, wirkte fast so als läge ihr bereits ein Kommentar auf der Zunge, doch augenscheinlich fügten sich die Puzzlestücke schnell zusammen. Postwendend wurde ihre Ausstrahlung zurückhaltender.
      „Tut mir leid, dass Niklas vorhin so eklig zu dir war“, sagte sie kleinlaut. Kurz kam mir in den Sinn, vom Zwischenfall zu sprechen, doch wollte ihr nicht den Tag versauen. Die Worte rutschten wie ein hartes und trockenes Brot meine Kehle herunter.
      “Schätzungsweise wäre es ihm lieber, wenn ich wieder gehe”, versteckte ich seine Aussage hinter einer Vermutung. Da mischte sich auch Lars wieder ein: “Dann kommst du halt zu mir, ich freu mich.”
      “Hättest du wohl gern.”
      „Ich weiß nicht, was los ist mit ihm, aber natürlich bleibst du, wo du bist, schließlich ist es auch dein Haus“, sprach sie zu mir.
      „Er möchte sicher bei dir sein und ich störe dann halt, erst recht, wenn“, der Klumpen kehrte im Hals wieder, denn ich ging davon aus, dass es mit Lars mehr werden würde. Diesen Zahn zog mir seine Schwester allerdings.
      „Wenn was?“, kam er zu Wort, als würde Lars genau wissen, was in meinem Kopf herumschwebte.
      „Wenn du mehr Zeit mit mir verbringst“, stammelte ich unsicher, wie es bei meinem Gegenüber ankommen würde. Aber Lars lachte.
      “Aber das ist doch nicht dein Problem, wenn er oder wir uns an dir stören”, versuchte Lina offenbar noch den Grund zu verstehen, “Nein, nein, du bleibst schön, wo du bist, sofern du dich nicht aktiv anders entscheidest.”
      „Dass es für mich okay wäre, eins der anderen Häuser zu nehmen, bist du dir bewusst?“, merkte ich noch an, dann wurde Osvo dringlicher mit ihrem Scharren auf dem Boden. Noch immer tropfte Schweiß förmlich aus dem Fell, deshalb löste ich die Stricke, schaltete die roten Lampen an und stellte sie ohne Decke darunter. Skeptisch hob sie den Kopf, bemerkte allerdings in der nächsten Sekunde, wie wohltuend das Licht war.
      “Mmm, ja …”, überlegte sie kurz, “aber ich möchte nicht, dass du dich vertreiben fühlst.”
      “Du treibst sie nur in meine Arme und damit kann wohl jeder leben”, zuckte Lars mit den Schultern. Langsam nervte mich seine selbstverliebte Art, die mich bei Niklas in den Wahnsinn trieb. Kaum zischte dieser Gedanke durch Kopf, musste dieser natürlich auch erscheinen, mit einem nervigen Anhängsel namens Madly. In seinem Blick sah man deutlich die Verzweiflung und einfach, war meine Schwester nicht loszuwerden.
      „Jetzt sage es doch“, jammerte sie, aber ohne Kontext, wusste ich nicht, was sie von ihm wollte.
      „Kannst du die Erwachsenen kurz allein lassen?“, bat ich Madly.
      „Nö“, kam es aus der Pistole geschossen.
      “Bring das mal bitte in die Sattelkammer”, intervenierte Lina und drückte ihr kurzerhand den durchnässten Fleecehaufen in die Hand, der vor Kurzem noch auf dem Rücken der Stute verweilt hatte. Diese sprang mit einem panischen Schrei zurück, um den Geruch zu entfliehen.
      “Ihr werdet schon noch sehen, was ihr davon habt”, rief sie übermütig zu uns, aber verschwand zur schützenden Tribüne, auf der gerade jemand anderes auf einem Pferd beobachtet wurde.
      “Was werden wir sehen? Dass es ohne sie nervenschonender ist?”, scherzte Lina mit gesenkter Stimme, sich wohl bewusst, dass die fehlenden Wände, den Raum ziemlich hellhörig machten.
      “Weiß nicht”, zuckte ich mit den Schultern. Lars hatte sich wie in Luft aufgelöst, auf einmal stand ich zwischen Lina und Niklas, der mich genauso böse anblickte, wie meine Schwester zu vor.
      „Ich bringe das Pferd weg, offensichtlich bin nicht erwünscht“, entschloss ich dann kurzerhand.
      „Du hast es erfasst“, grinste Niklas unverfroren. Eine Frechheit!
      “Niklas!”, tadelte Lina ihn sofort, “Sie hat doch gar nichts getan.”
      “Doch”, er verschränkte die Arme und sah zu mir. Ich versuchte das Gespräch der Beiden zu ignorieren, aber zu sehr interessierte es mir, was sein Problem war. Erst recht, nachdem wir eigentlich ein sehr freundliches Gespräch im Badezimmer gehabt hatten.
      “Ihr versteht es nicht, aber ich kann nicht mit ihr und dir in einem Raum sein, also entscheid dich”, stellte er ihr ein Ultimatum.
      “Du willst ernsthaft, dass ich mich zwischen euch entscheide?”, fragte sie entsetzt, als könne sie seine Worte nicht begreifen.
      “Engel, ich möchte nur mit dir allein sein, aus Gründen. Wir können das gern besprechen, aber versprich mir, dass wir erst einmal Zeit füreinander haben”, hallte es durch die Halle, zwischendurch durchbrochen von Hufschlag.
      “Okay, ja”, willigte sie nach einem kurzen Moment der Stille in die Worte ihres Freundes ein, eine diffuse Gefühlslage in ihrer Stimme mitschwingend.

      Am Abend in der Reithalle

      Lina
      Vor einer viertel Stunde war die Luft erfüllt von Frohsinn, von Musik bis in die Herzen der Leute getragen. Auch ich war erfüllt von Glück und Stolz. Bereits beim Aufwärmen, merkte ich, dass Ivy heute in Höchstform war und vor den Zuschauen schien er noch mal eine Schippe daraufzulegen. Er wirkte nahezu, als sei der junge Freiberger dafür geschaffen worden, unter den Blicken der Zuschauer über den Sand zu schweben. Divines Bühnenpräsenz übertrug sich auch auf mich. Das erste Mal fühlte ich mich annähernd wohl unter den Blicken des Publikums. Enya und Lego hatten selbstverständlich auch geglänzt. Es war schade, dass sie nur so selten auf dem Pferd saß, sie hatte ein Händchen für die Tiere, sicher einer der Gründe, weshalb sie so gut in ihrem Beruf war.
      Mittlerweile saß anstelle der blonden Schwedin, allerdings Samu im Sattel seines Hengstes, denn seine Freundin wurde zu einem Notfall in die Klinik gerufen. Anstelle der fröhlichen Musik war die Halle nun erfüllt von einem nüchternen Viertakt von den Hufen, die gleichmäßig im Sand aufsetzen.
      Abwesend starrte ich auf die aufmerksam nach hinten gerichtet weißen Ohren, die in meinem Blickfeld aufragten. In mir herrschte ein Chaos aus Empfindungen, die unter dem schwinden Adrenalin, an die Oberfläche schwappten. Die Schutzschilde nach außen hin waren hochgefahren, doch der sensible Hengst unter mir spürte es dennoch. Behutsam setzte er die Hufe in den Sand, bei jedem Schritt nachspürend, ob sich etwas veränderte. Noch immer hing mir das Gespräch mit Niklas beziehungsweise eher ein Monolog seinerseits im Kopf. Nur langsam konnte ich all die Bruchstücke zu einem Gesamtbild zusammenfügen, die Verbindungen herstellen und all die Zusammenhänge erkennen.
      > Haluatko kertoa minulle, mitä sinulla on mielessäsi?
      “Möchtest du mir erzählen, was dich beschäftigt?”, durchbrach Samus sanfte Stimme die Stille in der großen Halle. Ich seufzte, es war alles zu viel auf einmal, um den Berg an Informationen allein bewältigen zu können.
      So begann ich also all das wiederzugeben, was Niklas mir offenbarte. Angefangen bei dem Grund, der seine Zeit fraß, Binomialsats. Ein Hengst, der von seiner geliebten Schimmelstute abstammte und seinen Erzählungen nach, ähnlich aufbrausend und Verhaltens-kreativ war. Noch am selben Tag, wie der Tierarzt bestätigte, dass Smoothie nicht aufgenommen hatte, war Niklas wohl den Schritt gegangen, den Hengst zu kaufen. An sich sprach nicht dagegen. Zu gut konnte ich nachvollziehen, dass mein Freund etwas haben wollte, was seine Stute überdauern würde, sollte sie eines Tages mal nicht mehr, sein, auch wenn sie mit ihren gerade einmal zehn Jahren noch weit entfernt davon war. Sicher würde ich einiges geben, um etwas mehr als Erinnerungen an meinen kleinen Vili zu haben, aber bei einem Wallach gestaltete sich das schwierig. Nein, der Grund für das lange Schweigen war nicht das Tier an sich, es war die Art, wie er zu dem Pferd kam. Bino hatte nicht zum Verkauf gestanden, aber wie er so war, hatte er mit den bunten Scheinchen gewedelt, um seinen Willen zu bekommen. Für mich war es nicht vorstellbar, wie es zu rechtfertigen, war einem jungen Menschen sein Pferd wegzunehmen. Es betrübte mich, dass mein Freund so handelte, aber Menschen sind nun mal nicht unfehlbar, erst recht nicht, wenn sie von Emotionen getrieben werden.
      Als sei dies noch nicht genug gewesen, hatte Niklas noch mehr zu beichten gehabt, Vriska betreffend. Tief in meinem Inneren hatte ich bereits eine Vorahnung gehabt, dass zwischen den beiden noch eine gewisse Anziehung herrschte, doch es so deutlich zu hören tat weh, auch wenn ich mittlerweile wusste. Gleichzeitig wusste ich nicht, damit umzugehen. Vriska war zu diesem Zeitpunkt nicht ganz sie selbst gewesen, aber wer war denn die wirkliche Vriska? Sie nicht wirklich abgewiesen zu haben, begründete Niklas damit, dass er schon lange Kenntnis davon gehabt hatte, was sich zwischen Erik und Moa anbahnte und er sie somit nicht verletzen wollte.
      > Sinulle tapahtui taas jotain, vai mitä?
      “Da ist ja wieder einiges passiert bei dir, hm?”, stellte Samu am Ende der Erzählung fest.
      Ich seufzte, mir all das von der Seele zu reden half, das wirbelnde Durcheinander in mir ein wenig abzubremsen, aber es wurde nicht klarer, was ich fühlte.
      > Kyllä ja nyt... En tiedä
      “Ja und jetzt weiß ich nicht …”, murmelte ich und strich durch das lange Fell, welches seidig zwischen meinem Finger entlang glitt.
      > Mitä mieltä olet Vriskasta ja miten edetä
      “Wie du zu Vriska stehst und wie es weitergehen soll”, beendete er meinen Satz, als hätte er meine Gedanken gelesen. Volltreffer, bezüglich des verlorenen Schäfchens tat sich ein gigantischer Zwiespalt in mir auf. Auf der einen Seite hatte sich, trotz des holprigen Starts, eine Freundschaft zwischen uns entwickelt, auf der anderen fühlte sich mit den neuen Fakten an, als sei es nicht aufrichtig gewesen.
      > Sinun pitäisi puhua hänelle, mutta olen varma, että tiedät sen.
      “Du solltest mit ihr reden, aber das weißt du sicher”, fügte er hinzu, nach einem Moment der Stille hinzu.
      > Ei tänään, en voi
      “Nicht heute, das kann ich nicht”, wisperte ich und nickte langsam mit dem Kopf. Eine ganze Stunde war mittlerweile vergangen und die beiden Pferde mehr als trocken und runtergekühlt. Tiefenentspannt schnaubte Ivy, als ich mittels einer winzigen Gewichtsverlagerung auf die Mittellinie lenkte, wo ich hielt. Die letzten zehn Minuten war er bereits mit hängendem Kopf herum getrottet und schlief beinahe dabei ein. Verständlich, für gewöhnlich saß ich nicht länger als eineinhalb bis zwei Stunden im Sattel, Warm- und Abreiten inklusive. Dieses Limit war mittlerweile bei Weitem erreicht.
      > Oletko jäämässä?
      “Wie lange bleibst du noch”, fragte ich meinen besten Freund, als ich aus dem Sattel glitt. Obwohl ich mich innerlich zurückzog, war menschliche Nähe ein Anker, den ich jetzt benötigte, um nicht den Bezug zu Realität zu verlieren.
      > Niin kauan kuin tarvitset minua, pikkuinen, mutta etkö olisi mieluummin ystäväsi kanssa?
      “So lang wie du mich brauchst, Kleines”, sprach er sanftmütig, “aber willst du nicht lieber bei deinem Freund sein?” Mit den Augen folgte ich seiner angedeuteten Kopfbewegung in Richtung der Tribüne, von denen sich nach dem kleinen Ritt das Publikum schnell verstreute. Nur ein Beobachter war verblieben, Niklas. Saß er tatsächlich die ganze Zeit dort, anstatt sich eine sinnvolle Beschäftigung oder zumindest einen gemütlicheren Ort zu suchen? Wow, beeindruckendes Durchhaltevermögen. Aus dem konfusen Mischmasch schien sich bei seinem Anblick ein schwaches Gefühl heraus zu kristallisieren, welches sich wie Nebel einschlich und alles weiter in den Hintergrund rücken ließ. Mein Gesichtsausdruck schien offenbar eindeutig, denn der Finne begann Legos Sattelgurt zu locker und die Steigbügel hochzuschlagen.
      “Na, dann komm Lina, bevor dein Pony noch einschläft”, lachte er schließlich und setzte den großen Rappen in Bewegung. Divine hatte tatsächlich die dunklen Augen geschlossen und döste erschöpft. Auf das leichte zupfen am Zügel, reagierte er nicht. Erst als ich ihn ansprach, hob sich der Kopf und die helle Statur erwachte langsam wieder zum Leben. Wäre es nach dem Hengst gegangen, hätte ich ihn wohl auch einfach an Ort und Stelle stehen lassen können.
      “Du sahst wundervoll aus mit Ivy. Du solltest ihn öfter vor Publikum zeigen ”, lächelte Niklas, der von seinem Platz aus hinzukam. Geschmeichelt lächelte ich, verspürte doch eine leichte Unsicherheit, ob der kräftige Warmblüter tatsächlich so ansehnlich war.
      „Das sagtest du jetzt nicht nur, weil du mein Freund bist?“, brachte ich meinen Zweifel zum Ausdruck. Immerhin war Ivy ein kleiner Trampel, was er auch sogleich bewies, indem sein Huf in der Bewegung unangenehm mit meinem Knöchel kollidierte. Ein leichter Schmerz schoss wie ein Blitz durch den Knochen und ließ mich leise fluchen.
      “Alles in Ordnung?“, fragte Niklas, von den mehr als eindeutig ausfälligen Worten in Besorgnis versetzt.
      „Ja“, presste ich zwischen den Zähnen hervor, „geht schon wieder.“ Ebenso schnell, wie es gekommen war, ebbte das Stechen ab, ließ nur ein schwaches Pochen zurück. Das würde, trotz der dicken Winterstiefel, ein hübsches Andenken geben. Leicht lädiert setzte ich die letzten Meter zum Putzplatz fort, wobei Ivy ein wenig besser darauf achtete, was seine Füße taten.
      „Du bist dir sicher, dass ich mir den Fuß nicht anschauen soll?“, hakte mein Freund nach und nahm, noch bevor ich überhaupt die Gelegenheit dazu hatte, den Sattel von Divines Rücken und hängte ihn auf einen der Halter.
      “Ja, ich werde es knapp überleben”, nickte ich und löste das Leder vom Kopf des Pferdes.
      “Da habe ich aber Glück gehabt”, schmunzelte Niklas und legte seine Hände an meine Taille. Unter seiner zärtlichen Geste verdichte sich der wabernde Nebel in meinem Inneren und verdeckte all die Sorgen, die wie kleinen Dämonen mit ihren glühenden Augen am Rande lauerten.
      “Und ich kann mich glücklich schätzen, dass du mir jetzt sicher verraten willst, ob du das ernst meintest, was du eben über Ivy sagtest”, blickte ich ihn fragend an. Meine Hände machten sich derweil selbstständig auf den Weg über seine Brust, die er mal wieder mit kaum mehr verhüllte als mit einem Shirt und einer leichten Jacke darüber.
      “Natürlich, Engelchen”, sprach er und zog mich noch ein Stück weiter an ihn heran, “Von dem, was ich bisher gesehen habe, schätze ich dein Kleiner bringt L bis M Potenzial mit, vielleicht auch mehr. Und was dich angeht, du solltest dich öfter aus deiner Komfortzone hervorwagen und der Welt deine Fähigkeiten zeigen. Versteckt dich nicht, nur weil dir keiner deine Fähigkeiten auf einem Blatt Papier bescheinigt hat.” Es erfüllte mich mit Stolz, wie er über mein Pferd sprach, auch wenn ich kein Stück weit zu seiner Veranlagung beigetragen hatte. Noch viel mehr wurde mein Herz erwärmt von seinen letzten Worten. Nur selten sprach jemand so deutlich aus, dass er an mich glaubte.
      “Du meinst also, ich sollte auf Turnieren reiten?”, blickte ich fragend zu ihm hoch.
      “Oder du musst mehr Weihnachtsfeiern organisieren”, feixte er und ein Funkeln trat in seine strahlenden Augen.
      “Hör auf mich auf den Arm nehmen zu wollen“, beschwerte ich mich und wollte ihn von mir schieben, doch das ließ ihn unbeeindruckt. Stattdessen grinste er frech, beteuerte seine Unschuld und machte nicht mal Anstalten seinen Griff zu lockern.
      “Ich will euch zwei Schnukis ja nicht den Spaß verderben, aber Lina, dein Pferd hat noch Bandagen daran und sicherlich möchte er auch die Zöpfchen loswerden”, unterbrach Samu just in dem Augenblick. Meine Augen schielten zu Lego, der brummelte und die Nase bereits nach den Plastikschüsseln in den Händen des Finnen ausgestreckte. Bandagen trug der Rappe nicht mehr, aber bezüglich der Frisur war er auch noch nicht weiter. Allerdings zeugte die Schere, die aus seiner Gesäßtasche ragte, davon, dass er das nun ändern wollte. Beiden Hengste stellte er eine Schüssel mit Futter vor die Nase, die auch augenblicklich inspiziert wurde.
      “Na gut, seist du freigesprochen”, säuselte ich an meinem Freund gewandt, “aber nur weil das Einhörnchen ins Bett möchte.”

      Etwas später in der Hütte

      Der Moment, wenn man die Dusche ausstellte und die vergleichsweise kühle Luft einem über die Haut strich, war ausnahmslos der unangenehmste Teil dieses Prozesses. So ergriff ich unverzüglich eines der Handtücher von der Halterung neben der Dusche und hüllte meinem Körper in den weichen Stoff. Angenehm warm empfing der Boden meine Füße und ich tapste hinüber zu dem beschlagenem Spiegel, griff nach der Bürste und begann das wirr war auf meinem Kopf zu ordnen.
      “Ich dachte, du wirst da drinnen noch zum Fisch”, feixte Niklas, als ich zwanzig Minuten später die Tür zum Wohnzimmer öffnete. Seine Worte wurden begleitet von einem gleichmäßigen Klackern, was ich im ersten Moment nicht ganz einzuordnen wusste.
      “Ein Fisch in der Dusche? Das wäre aber unpraktisch, ist doch viel zu wenig Wasser drin”, lachte ich und trat um die Ecke herum. Der Herr stand an der kleinen Küchenzeile und schnippelte geschäftig etwas.
      “Dann ist es ja gut, dass du dich nicht verwandelt hast”, grinste er, zerschnippelte weiter die Tomaten auf seinem Schneidebrett. In einer Pfanne auf dem Herd brutzelte bereits etwas vor sich hin, was ich als Omelett identifizierte. Ungeduldig, wie ich war, wollte etwas von dem Gemüse aus der Schüssel stibitzen, da hatte er schon mein Handgelenk umfasst. Warum musste er denn auch so hervorragende Reflexe haben?
      “Nicht so ungeduldig, Madame, hier wird nichts geklaut”, mahnte er mich.
      “Aber das sieht so lecker aus”, jammerte ich und befreite meinen Arm aus seinem Griff, ” und ich habe Hunger.”
      “Es ist doch gleich fertig, Engelchen”, schmunzelte er vollkommen ungerührt von meinem Einwand. Stattdessen widmete er sich seiner Pfanne, wendete den Inhalt und holte schließlich sogar ein weiteres der metallen Behälter aus dem Schrank.
      “Ich hoffe doch stark, mit gleich meinst du nicht erst in zwanzig Minuten, denn bis dahin bin ich bestimmt verhungert”, hielt ich ihm vor, verzog mich aber dennoch auf die Couch. Huch, was war denn das dort? Auf dem kleinen Tischchen, neben dem Sitzmöbel, stand ein rechteckiger Karton, sorgfältig eingeschlagen in blaues Geschenkpapier, welches mit bunten Sternchen und kleinen Einhörnern mit grüner Mähne bedruckt war. Doch das Auffälligste daran war die große pinke Schleife, die obendrauf thronte. Neugierig inspizierte ich das Geschenk. In der linken oberen Ecke klebte ein kleines Schild, worauf unverkennbar in Vriskas Handschrift mein Name stand. Aber wie war es hier nur plötzlich hingekommen? Auf dem Weg ins Bad war ich dort, doch bereits vorbeigekommen und ich hätte schwören können, es wäre noch nicht dort gewesen.
      “Schatz, stand das hier schon die ganz Zeit?”, fragte ich voller Verwunderung meinen Freund.
      “Ja, hast du es vorhin nicht bemerkt?”, stellte er eine eher rhetorische Gegenfrage und widmete sich wieder dem Herd. Den Indizien nach konnte der Karton nur von meiner Mitbewohnerin stammen. Mit Neugierde, die weiterhin anstieg, kamen allerdings auch die Gefühle wieder hervor, die an den Rand gedrängt worden waren. Unentschlossen starrte ich das Päckchen an. Angesicht der Lage konnte ich nicht einordnen, ob dies ein Geschenk aus Höflichkeit sei oder ob eine ernsthafte Motivation dahintersteckte. Ebenso war die Gefühlslage Vriska betreffend noch immer ungeklärt. Mir fielen ungefähr ähnlich viel pro wie kontra Argumente ein, doch letzten Endes siegte die Neugierde. Wissbegierig hob ich den Karton an und schüttelte leicht. Kein Mucks drang daraus, auch war er von geringem Gewicht, was dafürsprach, dass sich etwas Weiches darin befinden musste. Zaghaft zupfte ich am Ende der Schleife, die sich daraufhin löste und auseinander glitt. Sorgsam löste ich den Klebefilm an den Seiten, wickelte den Karton aus. Heller, blau-grauer Stoff kam unter der Pappe zum Vorschein. Eingefasst war die Schabracke in einem zarten Grün, doch der wirkliche Hingucker, war der Aufdruck. Im rechten Drittel prangte ein stilisiertes weißes Einhorn mit einem Regenbogen, als Hula-Hoop-Reifen. Neben der Schabracke lag auch eine kleine Karte in dem Karton. Neben ein paar freundlichen Weihnachtsgrüßen waren nur wenige Worte darauf geschrieben, aber aus diesen konnte ich entnehmen, dass die Schabracke ein wahres Unikat war. Beeindruckt strich ich über den gesteppten Stoff, dass Vriska Trensen bastelte, war mir bereits bekannt, aber dass sie ebenso wunderschöne Schabracken zustande brachte, war etwas Neues. Sie hatte wahrhaftig ein Talent für das Gestalten und herstellen solcher Dinge. Es war ein wundervolles Geschenk, doch es änderte nur geringfügig etwas an meine Gefühlslage. Samu sagte bereits, dass es wohl eine Weile benötige, bis die negative Assoziation verschwinden würde. Doch im gleichen Zug ermutigte er mich dazu, Vriska die Chance zu lassen, zu zeigen, dass dies Vergangenheit war und bleiben würde. Glücklicherweise akzeptierte sie, dass ich vorübergehend etwas Freiraum benötigte und verschwand zu Lars.
      “Lina, kommst du, Essen ist fertig”, forderte mich Niklas auf und stellte zwei Teller auf den Tisch. Ich ließ den Deckel wieder auf die Schachtel sinken und lief hinüber zum Esstisch.
      “Das sieht wie immer hervorragend aus”, sprach ich ein Lob aus und nahm den bunten Teller genauer in Augenschein. Auf einem Omelett breite sich eine Vielfalt an Gemüse aus, mit einigen leicht angeschmolzenen Stücken Feta durchmischt.
      “Von wem war nun das wundersame Päckchen?”, fragte mein Freund interessiert nach.
      “Vriska, eine Schabracke”, antworte ich nur knapp. Dies war kein Thema, was ich heute weiter ausweiten wollte. Er nickte nur und steckte sich einen großen Bissen in den Mund. Ich tat es ihm gleich, verbrannte mir beinahe die Zunge an einer heißen Tomate, aber abgesehen davon, schmeckte es so lecker, wie es aussah.
      “Anderes Thema”, fing ich an, “wie ist dein wundersamer Hengst, ist er auch so temperamentvoll wie Smoothie?” Es interessierte mich ernsthaft, ob die Andersartigkeit in den Genen lag oder womöglich doch etwas war, was ein Alleinstellungsmerkmal der Schimmelstute war.
      “Ähnlich auf jeden Fall, aber ziemlich verzogen”, umschrieb ihn knapp. Ein wenig mehr Informationen hatte ich mir schon erhofft, aber offensichtlich war es kein Gesprächsthema, welches ihm recht war.
      “Klingt nach einer Herausforderung”, lächelte ich freundlich, hielt mich aber mit weiteren Fragen zurück. Der weitere Verlauf des Gespräches handelte eher von alltäglichen Dingen, wie beispielsweise, dass Caja mich früher oder später noch in den Wahnsinn trieb. Mal hatte die ängstliche Stute einen guten Tag und machte riesige Fortschritte und dann folgten meist viele Tage, in denen das Training rückläufig war. So hatte ich aufgehört, die blauen Flecken zu zählen, wenn sie mit ihren Zähnen mal wieder schneller war als ich.
      Nach Beendigung der Mahlzeit sammelte ich das Geschirr ein, brachte es direkt zur Spüle und ließ sogar Wasser hinein. Schließlich konnte ich nicht immer so ein Chaos wie am geistigen Abend hinterlassen. Niklas war dabei nur wenig hilfreich, denn anstatt abzutrocknen begnügte er sich damit mich zu beobachten.
      “Wartest du noch auf eine schriftliche Einladung?”, versuchte ich es mit einer letzten Aufforderung, die allerdings eher wirkungslos schien.
      “Nein”, grinste er verschmitzt und trat heran, um mir die Arme um den Körper zu schlingen, “eher auf den Nachtisch.” Zärtlich strichen seine Hände über meinen Körper, erweckten das schlummernde Feuer in meinem Inneren.
      “Nicht so eilig”, sprach ich bestimmt und löste seine Hände von mir, “ich habe vorher noch etwas anderes für dich.” Interessiert blickte er mich an: “Wirklich, was denn?”
      “Na, wir haben Weihnachten. Hast du das schon vergessen?”, scherzte ich und lief zu meinem Zimmer.
      “Natürlich nicht”, hörte ich Niklas noch sagen, bevor ich in den Raum trat. Zielstrebig lief ich zu dem Regal, wo ich den Umschlag hinter ein paar Bücher versteckt hatte und holte selbigen hervor. Golden schimmerten die Verzierungen, mit denen ich zumindest versucht hatte, den eher weniger hübschen Umschlag ansehnlich zu gestalten. Mit einem breiten Grinsen kehrte ich ins Wohnzimmer zurück, wo Niklas es sich auf der Couch bequem gemacht hatte. Ich tat es ihm gleich und überreichte ihm den Umschlag erfreut: “Frohe Weihnachten, Niklas.” Begierig beobachtete ich, wie er den Umschlag geschickt öffnete und einen ersten Blick hineinwarf.
      “Was genau soll ich mit einem Haufen Papier?”, fragte er irritiert und zog die Blätter hervor.
      “Das ist nicht nur Papier”, begann ich zu erklären, “Das ist die Einwilligungserklärung und die nötigen Informationen zu einer Studie zu einer neuartigen, aber sehr Erfolg versprechenden Therapiemethode bei belastungsbedingter Arthrose und Spat. Du müsstest nur noch unterschreiben und dann könnte Smoothie ein Teil der Studie sein, sie ist eine perfekte Kandidatin.”

      © Mohikanerin, Wolfszeit // 61.743 Zeichen
      zeitliche Einordnung {25. Dezember 2020}
    • Mohikanerin
      Rennen A zu L / Rennvorbereitung | 14. Juli 2022

      Glimsy / Harlem Shake LDS / Eifellust / Global Vision / Fieberglas / Pay My Netflix

      Hätte ich mich nie darauf eingelassen, dachte ich insgeheim, als ich frierend am Hof aus dem Sitz stieg und erst Shaker und dann mir eine Decke umlegte. Vom Kinn tropfte der Dreck aus dem Wald, lief mir langsam am Hals in den Kragen. Ich konnte nicht mehr spüren, ob es Schweiß oder Pfütze war am Körper. Aber immerhin sah Shaker ebenso schmutzig aus.
      Der Sohn meiner Erzfeindin-Stute erledigte seine Arbeit als Rennpferd im Übermaß gut. Natürlich, den Geduldsfaden hatte er von seiner Mutter bekommen, aber ebenso viel geistige Stabilität, wie sein Vater. Vintage wäre von seinem Wesen genau das richtige Pferd für mich gewesen – eifrig, geduldig und Fehler verzeihend. Allerdings lag es außerhalb meiner Macht zu entscheiden, welches Pferd blieb und welches nicht. Deswegen war ich froh, dass ich heute ein weiteres Mal mit Shaker im Training war.
      „Und, wie war seine Zeit?“, hakte Bruno nach und reichte mir Tasse Kaffee, als hätte bereits gerochen, dass ich genau diese dringend benötigte.
      „Der Durchschnitt waren 1:12,5 Heute, also 3 Millisekunden besser als gestern“, erklärte ich. Zuneigend strich ich Shaker über den Hals, der spielerisch mit dem Kopf nickte. Der Strick klapperte am Metall.
      „Dann nehmen wir ihn mit zur Wiederqualifikation. Denkst du nicht auch?“ Seiner Frage bedarf keine Antwort, denn der Hengst zeigte Tag für Tag mehr, was in ihm steckte. Erst gestern, als ich mit den Geschwistern zusammen ein Jogging fuhr, spürte ich deutlich, dass Shaker mehr wollte als neben Glimsy und Vision zu trödeln.
      Wir einigten uns darauf, dass wir am Wochenende ihn mitnahmen. Nour wollte ohnehin heute noch nennen. Nur sie hatte alle Rennen im Umland im Blick, denn ich hatte das Gefühl, wir wären nur noch unterwegs, von einem zum Nächsten.
      „Ach, und noch was“, kam unser Trainer zurück, „du gehst dann nachher noch die Samen holen? Die Tierärztin kommt morgen früh zum Besamen.“ Verdutzt blickte ich ihn an. Ich hörte zum ersten Mal, dass mein Tagesplan offenbar noch eine Autofahrt beinhaltete. Seufzend sah ich in meine Tasse. Das ständige Autofahren ging mir gehörig gegen den Strich.
      „Aber ich wollte noch Eifellust longieren“, sagte ich nachdenklich.
      „Das ist nicht so wichtig. Ich wollte nachher noch eine Runde auf die Bahn mit ihr“, bedachte er.
      „Eine nur?“, grinste ich, bessere Laune in der dunklen Flüssigkeit findend.
      „Nein, eher fünf“, lachte Bruno und klatschte die Hände zusammen. „Siebzehn Uhr dann. Ihr werdet dort erwartet.“
      Prüfend blickte ich auf die Uhr am Handgelenk. Zwei Stunden. Damit hätte kaum Zeit, um mich fertig zu machen und ein weiteres Pferd zu schaffen, also entschied ich mich dagegen, noch Maxou an der Hand zu arbeiten. Je nachdem, wie sie heute unterwegs wäre, könnte es zwanzig oder fünfzig Minuten dauern, bis sie ihre Balance hatte und losgelassen war.

      „Du siehst aber schick aus“, musterte mich Nour, als ich am Auto auf sie wartete. Tatsächlich trug ich meine liebste schwarze Jogginghose und eine offene Bomberjacke, auf der Nase meine Brille, denn schon ganzen Tag über juckten die Kontaktlinsen tierisch.
      „Nur für dich“, scherzte ich.
      Sie nickte belustigt und öffnete das Auto auf Knopfdruck. Die Stöpsel in der Tür schnellten hoch, um die Tür freizugeben. Auch ich stieg ein, schnallte mich an und Nour fuhr los. Es wunderte mich, dass sie das Steuer übernahm, aber ich kommentierte es nicht.
      „Wo müssen wir eigentlich hin?“, hakte ich nach. Die Mission kannte ich, aber den Weg nicht. Ein Grund mehr, weshalb sie fuhr.
      „Rennbahn. Was dachtest du?“, grinste sie. Natürlich. Nour wollte mich nach wieder zu Basti schubsen, wer sonst nichts zu tun hatte, als auf jemanden wie mich zu warten. Im Sitz verschränkte ich die Arme und lehnte mich tiefer in das Polster.
      „Anicura oder Amtstierarzt“, zuckte ich mit den Schultern.
      „Kein blöder Gedanke, aber nein. Man hat uns direkt frisches Sperma abgefüllt und tiefgefrorenes aus Gothenburg geschickt“, erklärte sie.
      „Verstehe. Glimsy soll dann ein Fohlen bekommen, oder?“, hakte ich nach, um das Gespräch am Laufen zu halten.
      „Genau, aber erst mal abwarten. Irgendwas von der Bestellung fehlt noch.“

      Angekommen auf der Bahn stupste mich meine Kollegin von der Seite an. Am Geläuf brannten die Flutlichter und zwei Pferde liefen friedlich ihre Runden. Einen der beiden erkannte ich sofort: Basti und Netflix. Der Rapphengste glänzte erhaben im kalten Licht, erhellte damit den Platz noch stärker. Muskeln zeichneten sich klar am ganzen Körper und man sah ihm den ausgezeichneten Trainingszustand an.
      „Willst du hier Wurzeln schlagen? Einen Moment haben wir noch zum Zusehen“, grinste sie und zog mich am Arm mit. Ich weigerte mich ein wenig, schließlich wollte ich weder seltsam wirken noch ihn stören.
      „Das andere Pferd ist Fieberglas. Seine Erfolgsstute. Sie hatte gerade eine Winterpause aber soll nächste Woche auch wieder Rennen. Du wirst dich noch umgucken. Das Pferd kennt keine Grenzen, die läuft und läuft und läuft“, berichtete sie mir euphorisch. Eine Sache schätzte ich Nour aufrichtig. Es gab keine Konkurrenz, sondern nur Mitstreiter bei den Rennen. Für jeden Sieg freute sie sich, sah in allem etwas Positives. Selbst, als ein Pferd in letzter Sekunde an ihr und Walker vorbeizog, stieg sie grinsend vom Sulky. Sie lobte den Hengst für sein nobles Verhalten und beglückwünschte der jungen Fahrerin für das riskante Manöver.
      Und was Fieberglas betraf: Ich wusste von dem Talent der braunen Stute mit seltsamen weißen Flecken im Fell. Bastis Rennpferde hatte im Blick, ein Vorteil davon, dass Trainingslisten und Starts online einsehbar waren. Mittlerweile sammelte ich einen ziemlich aussagekräftigen Datensatz an. Ich machte mir Notizen zu allem Warnung fand. Nenne mich verrückt, aber ich brauchte es am Abend, um überhaupt ein Auge zuzubekommen. Lars belächelte mich dafür und zweifelte an meinem geistigen Zustand.

      © Mohikanerin // Vriska Isaac // 5861 Zeichen
      zeitliche Einordnung {März 2021}
    • Mohikanerin
      Dressur E zu A | 12. August 2022

      Glimsy / Minelli / WHC' Humanoid Crashtest / Maxou / Drivblesa

      Die Ohren gespitzt und der Blick neugierig zu dem schwarzen Ding in meinen Armen, beäugte mich Crash ganz genau, was ich vorhatte. Das junge Pferd hatte die ersten Schritte zum Reitpferd hinter sich, kannte das Reitergewicht und auch schon die ersten Hilfen. Somit legten wir den Grundriss für die Dressur, die heute auf dem Plan stand. Zur Sicherheit kam Lars mit in die Reithalle. Glimsy, die Nour unbedingt wieder fahren wollte, sollte erst mal im Sattel antrainiert werden. Ihr bisheriges Programm, seitdem sie aus Visby hierherkamen, bestand aus lockeren Ausritten am langen Zügel, nur wenig förderlich für die Muskulatur.
      „Bist du so weit?“, fragte mein Kollege freundlich nach, als ich den Gurt ein Loch fester zurrte.
      „Jetzt“, erklärte ich und ließ das Sattelblatt los.
      Er hielt am Steigbügel gegen, dass ich mich langsam in den Sattel schwingen konnte. Die Stute zuckte einmal zusammen. Lobend strich ihren Hals und steckte ihr ein Leckerli zu, dass sie eilig hinunterschlang. Als auch Lars auf dem Rücken des Pferdes saß, folgte ich zunächst in der Abteilung. Aufmerksam musterte Crash die Reithalle, ohne dabei eilig zu werden oder kopflos. Stattdessen war ein Ohr bei mir. Das andere drehte sie wie ein Sehrohr im Seekrieg. Willkürlich kaute Crash auf dem Gebiss, eher als wollte sie feststellen, ob es immer noch da war. Wenn es nach mir ginge, würde sie Gebisslos reiten, aber gerade bei den jungen Tieren in der Gewöhnungsphase war es meinem Chef wichtig, dass sie zunächst klassisch gearbeiteten wurden.
      Nach einer ausgedehnten Schrittphase mit Zirkeln, einfachen Schlangenlinien und Stangen, trabten wir in der Abteilung an. Aufgeregt trat das Kaltblut vor uns voran, während Crash in voller Entspannung folgte. Der entstehende Abstand störte sie nicht, stattdessen hielt sie das geforderte Tempo. Ich trabte leicht. Mit leichtem Druck hinter dem Gurt und Gewichtsverlagerung lenkten wir auf den Zirkel, trennten damit die Abteilung vollständig auf. Crash blieb fleißig bis zum Schluss. Auch Lars konnte im Laufe der Einheit noch Glimsy zur Ruhe bringen mit den grundlegenden Elementen der Dressur. Die Stute kam an den Zügel heran und die Schritte wurden gleichmäßiger.
      „Langsam wird es“, sagte er in der Stallgasse und nahm ebenfalls die Trense meiner Stute mit zur Sattelkammer. Ich löste stattdessen die Sattelgurte, um diese schließlich zur Seite zu hängen. Noch weitere Pferde waren auf dem Plan.
      „Das passt so gut. Ich bin auch gerade fertig geworden“, lachte Nour.
      „Sehe ich.“ Ein zartes Lächeln legte sich auf meine Lippen.
      „Mal wieder schlechte Laune?“, musterte sie mich.
      „Weiß nicht“, zuckte ich mit den Schultern, „alles wie immer, schätze ich.“
      „Du bist wirklich nie zufrieden. Aber wird schon“, langsam nickt sie einmal und führte Minelli an mir vorbei. In den großen dunklen Augen des Pferdes konnte ich ebenfalls Vorwürfe spüren. Mir kam abermals das Gefühl, hier nicht mehr hinzugehören. Es schrie förmlich in meinem Kopf.
      Nachdem Crash endlich aufgefressen hatte, brachte ich die Stute zurück auf den Paddock, um mich schließlich meinem eigenen Pferd zu widmen. Maxou kam auf mich zu getrottet und steckte den Kopf durch die Öffnung der Box. Interessiert zuckten die Ohren. Dann schnappte das Krokodil nach mir, nur, um sich ein Leckerli zu erbetteln. Durch Erik hatte das intelligente Pony schnell gelernt, wie man an die Dickmacher kam und in möglichst kurzer Zeit, sehr viele bekam. Nur ich sträubte mich, dem hinzugeben. Stattdessen schob ich sie weg und legte das Halfter um. Sie folgte mir zum Putzplatz, ohne weitere Versuche zu starten, mir ein Leckerli abzuschwatzen. Weiterhin hing ihr Blick an jeder Bewegung. Lars, der Glimsy ihre Decke umlegt hatte, kam mit der Fuchsstute zurück, die seit einiger Zeit zum Fahren bei uns war. Es fehlte an dem Grundverständnis für Hilfen und Balance. Da ich mich weiterhin sträubte, eins der Kaltblüter zu bewegen, übernahm er das.
      „Wieder auf den Platz?“, fragte Lars und legte die Bürste zurück in den Putzkasten.
      „Natürlich“, lächelte ich zuversichtlich. Aus der Sattelkammer holte ich mein Pad und ihr gebissloses Zaum. Er zurrte den Sattel fest, als ich wieder kam und ihm gleich tat. Maxou legte kurz die Ohren an, aber spürte, dass es wie immer nur das Pad war. Einen passenden Sattel hatte ich bis heute nicht, aber sah auch einen Grund dafür. Mit dem Pad waren wir beide zufrieden und sie lief zuverlässig damit.
      Zusammen betraten wir die Reitbahn und während Lars bereits Aufstieg und am langen Zügel warm ritt, arbeitete ich zunächst mit dem Pony vom Boden aus. Runde für Runde wurde sie elastischer im Genick und gab nach. Den Blick hielt Maxou bei mir, obwohl Blessa öfter sehr nah kam und das Pony Artgenossen verschmähte. Stolz klopfte ich ihren Hals.
      Schließlich führte sie in die Mitte der Reitbahn und stieg auf. Im Trab und Galopp forderte ich einfache Bahnfiguren und Handwechsel, legte die komplette Einheit einzig auf Einsteiger und Anfängerlektionen aus. Ihre Ausdauer gab mehr her, doch ihr Geist war noch immer in einem Nebel gelegt, der sich nur langsam lüftete. Das Pony hatte Stress bei jeder einzelnen Einheit. Mit Vertrauen und Ruhe versuchte ich ihr die nötige Sicherheit zu bringen, aber sie verschloss sich schnell. So kam auch die Arbeitsverweigerung zurück. Die Zügel gab ich vollständig nach und stieg ab. Maxou schnaubte ab und kaute. Nun hatte sie sich ein Leckerli verdient, das sie gierig verschlang. Ihre dunklen Augen blickten friedfertig in meine Richtung. Auch Lars war fertig und stieg von der Fuchsstute ab.
      „Und, wie war das Rennpferd unter dem Sattel?“, hackte ich freundlich nach, als wir zurück zum Putzplatz liefen.
      „Für irgendwen wird sie später ein toller Freizeitpartner“, erklärte er zuversichtlich und strich über den Mähnenkamm.
      „Später? Sie ist doch schon Neun“, skeptisch warf ich einen Blick auf Blessa, die vollkommen verschwitzt nach trottete.
      „Schon, ja, aber noch bleibt sie Rennpferd. Zumindest für dieses Jahr.“

      © Mohikanerin // Vriska Isaac // 5980 Zeichen
      zeitliche Einordnung {April 2021}
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  • Album:
    stall.
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    Mohikanerin
    Datum:
    10 Juni 2022
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    EXIF Data

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    640px
     

    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).


  • Glimsy ist 12 Jahre alt.

    Aktueller Standort: Lindö Dalen Stuteri, Vadstenalund [SWE]
    Unterbringung: Stutenpaddock


    –––––––––––––– s t a m t a v l a

    Aus: Unbekannt [Skandinavischer Traber]
    MMM: Unbekannt ––––– MM: Unbekannt ––––– MMV: Unbekannt
    MVM: Unbekannt ––––– MV: Unbekannt ––––– MVV: Unbekannt


    Von: Unbekannt [Skandinavischer Traber]
    VMM: Unbekannt ––––– VM: Unbekannt ––––– VMV: Unbekannt
    VVM: Unbekannt ––––– VV: Unbekannt ––––– VVV: Unbekannt



    –––––––––––––– h ä s t u p p g i f t e r

    Zuchtname: Glimsy
    Rufname: Glimsy
    Farbe: Rappe Splash
    [Ee aa nSpl]
    Geschlecht: Stute
    Geburtsdatum: April 2010
    Rasse: Skandinavischer Traber
    Stockmaß: 153 cm

    Charakter:
    ruhig

    * Glimsy läuft Trabrennen
    * 3 Gänger


    –––––––––––––– t ä v l i n g s r e s u l t a t

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    Dressur A [L] – Military E [L] – Fahren E [L] – Rennen A ['S] – Western E [A] – Distanz E [L]

    Ebene: International

    Juni 2022
    Jogging, Rennen E zu A

    Juli 2022
    Rennvorbereitung, Rennen A zu L

    August 2022
    Dressur E zu A
    x. Platz, x


    –––––––––––––– a v e l

    [​IMG]

    Gekört durch x im x 20x.

    Zugelassen für: Skandinavischer Traber
    Bedienung: -
    DMRT3: -
    Breeder's Crown: 1:18,9
    Leihmutterschaft: Nicht gekört / Nein [Preis]

    Fohlenschau: 0,00
    Materialprüfung: 0,00

    Körung
    Exterieur: 0,00
    Gesamt: 0,00

    Gangpferd: 0,00


    –––––––––––––– a v k o m m e r

    Glimsy hat 0 Nachkommen.
    • 20xx Name (von: Name)


    –––––––––––––– h ä l s a

    Gesamteindruck: gesund, im Training
    Krankheiten: keine
    Beschlag: Falzeisen [Stahl], Voll


    –––––––––––––– s o n s t i g e s

    Eigentümer: Bruno Alfvén [100%]
    Bezugsperson: Lars; Nour
    Züchter: [SWE]
    VKR / Ersteller: Mohikanerin

    Punkte: 3

    Abstammung [0] – Trainingsberichte [3] – Schleifen [0] – RS-Schleifen [0] – TA [0] – HS [0] – Zubehör [0]

    Spind – Hintergrund