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Mohikanerin

Götterdämmerung LDS

Götterdämmerung LDS
Mohikanerin, 6 Juli 2021
    • Mohikanerin
      Dressur E zu A | 21. Juli 2021

      Götterdämmerung LDS // Forbidden Fruit LDS

      Erschöpft sackte ich in die Holzliege, die neben dem Roundpen stand und starrte in die Luft. In Schweden war es beinah kalt im Vergleich zu den beiden Wochen in Kanada, was mir ehrlich gesagt nicht negativ stimmte. Gerade als ich über warmes Bad in der Wanne nachdachte, kam Tyrell.
      „Was liegst du denn so faul darum?“, fragte er belustigt stellte sich so vor die letzten Sonnenstrahlen, die in mein Gesicht schienen.
      „Ich nutze die freie Minute, um mich zu entspannen“, sagte ich.
      „Na, wenn du nichts zu tun hast, kannst du dich mit Fruity für das nächste Turnier vorbereiten“, lachte Tyrell und verschwand Richtung Reithalle. Hatte ich das gerade richtig gehört? Ich soll mit Fruity, seinem aktuellen Liebling auf dem Turnier starten? Die Saison endete in ungefähr vier Wochen und in der Nächsten hatte ich meine Abschlussprüfung. Wie stellte er sich das vor? Hastig rannte ich ihm nach und holte ihn kurz vor dem Büro ein.
      “Wann soll ich denn mit ihr starten? Und vor allem, warum?”, prustete ich aufgeregt.
      “Also wenn ich ehrlich bin, dann hast du in drei Tagen die Prüfung und deiner Trainer haben mir erzählt, dass du hervorragende Leistungen mit Glymur in der Dressur gezeigt hast, da sollte eine A Dressur doch kein Problem darstellen, schließlich kannst du E nicht mehr nennen mit deiner Leistungsklasse”, erzählte er breit grinsend und wir liefen gemeinsam in die Kammer, um das Halfter der Stute zu holen. A Dressur also, ich weiß nicht mal was für Dinge dort abgefragt werden und mir eine Aufgabe zu merken, lag ebenfalls nicht bei meinen Talenten. Dazu kam auch noch, dass ich die Stute vorher noch nie geritten bin. So viele Faktoren beeinflussten also, dass die Teilnahme nur in einem Desaster enden konnte.
      “Die WA2 besteht aus einundzwanzig Aufgabenteilen, die mehr oder minder verständlich für dich sein sollten. Es wird im Arbeitstrab eingeritten, zweihändig. Dann in der Mitte halten, grüßen und im Trab wieder los. Links eine Volte, auf die Viertellinie, Vorderhandwendung und wieder Trab. Bei Foxtrott durch die ganze Bahn und verstärken im Leichttraben. Aussitzen wieder bei Hotel, dann eine Volte mit zehn Meter erneut. Anhalten, warten, rückwärts und im Schritt wieder los. Halbe Bahn wechseln, antraben, Zirkel, Galopp, ganze Bahn und Sprünge verlängern. Trab, durch die halbe Bahn wieder Zirkel und Galopp. Am Ende noch mal Trab, ganze Bahn, rechts um zur linken Hand, auf die Mittellinie und Gruß”, ratterte Tyrell die Aufgabe herunter. Schon nach der Vorderhand war ich heillos überfordert und alles danach klang nur noch wie eine Fremdsprache für mich. Währenddessen trottete die Stute mit ihrem kräftigen geschwungenen Hals vor sich hin. In Fruitys dunkeln Sattel fühlte ich mich, als würde ich schweben. Die Polsterung war nicht nur unglaublich weich, sondern passte sich mir nicht erklärbaren Gründen perfekt an meinen Unterkörper an. Obwohl ich einige dieser Sättel sogar im Laden hatte, saß ich vorher noch nie darin. Sie verkauften sich häufig und waren besonders beliebt bei Barockreitern, natürlich. Dieser Sattel wurde mit historischem Vorbild der Hofreitschule designt.
      “Hast du mir zugehört?”, unterbrach Tyrell meinen inneren Monolog über das Schmuckstück. Bestürzt schüttelte ich mit dem Kopf.
      “Dann noch mal. Wir reiten jetzt die einzelnen Teile durch und am Ende wollen wir die Aufgabe auch einmal durchreiten. Ich darf in der Prüfung dann ansagen, also setze dich nicht unter Druck. Du schaffst das, schließlich ist Fruity bereits bis zur M ausgebildet”, wiederholte er. Okay. Dann beginnen wir. Ich nahm die Zügel etwas mehr auf und baute eine Verbindung zu ihrem Maul auf. Tyrell sagte die erste Aufgabe. Eine zehn Meter Volte bei Echo sollte das sein, erst einmal im Schritt und dann im Trab. Fruity war bereits genügend aufwärmt, denn Tyrell hatte zuvor an der Hand mit ihr gearbeitet, um mir bei der Ausbildung für Fried etwas zu zeigen. Die Standardbred Stute war noch einen großen Schritt davon entfernt so genau wie die Barockstute zu tanzen, doch auch der Weg mit ihr war nicht immer leicht. Schließlich beherrscht auch sie mehr als drei Gänge, was das Sortieren der Füße nicht immer einfach macht. In der Gebrauchshaltung trabte Fruity langsam an und hatte ihre Ohren stets bei mir. Mit sanften Worten redete ich auf sie ein und ritt erneut die Volte.
      “Und jetzt noch mal etwas ordentlicher”, sagte Tyrell. Immer wieder vergrößerte und verkleinerte ich die Volte, bis ich auf dem richtigen Bogen war. Daraufhin wiederholte ich es noch einmal an der nächsten Seite.
      Ich strich Fruity über den verschwitzten Hals und sie kaute mir genüsslich die Zügel aus der Hand. Nun war ich endgültig kaputt. Eigentlich hatte ich mir noch vorgenommen mit Holy auszureiten, da Hedda nicht da war. Das konnte ich in dem Zustand aber abhaken.
      “Sah doch schon ganz in Ordnung aus. Morgen üben wir noch dreimal, dann passt das”, sagte Tyrell und machte sich auf den Weg zum Tor.
      “Wie, dreimal? Das arme Pferd braucht doch mal eine Pause”, sagte ich überrascht und hielt sie vor ihm an.
      “Zwei mal mit ihr und am Mittag setzt du dich mal auf die Göttin”, schlug er vor.
      “Bist du denn des Wahnsinnes? Ich setzte mich doch nicht auf das Ekelpaket! Die bringt mich schon um, wenn ich sie nur angucke”, echauffierte ich mich. Er meinte es wirklich ernst! Mit seinem verschmitzten breiten Lächeln verließ Tyrell die Reithalle und dann entdeckte ich meinen Bruder auf der Tribüne.
      “Wenn du dich nicht aufregen kannst, bist du auch krank, oder?”, lächelte Harlen, als ich im Schritt an ihm vorbeiritt.
      “Götterdämmerung ist nicht nur der Untergang der Welt, sondern auch meiner! Ich habe mehrfach versucht mit ihr Frieden zuschließen, doch nein. Madame muss natürlich hektisch neben mir hampeln und aufgeregt prusten. Dann verliere ich die Kontrolle und weg ist sie”, erklärte ich ihm die Misere. Aus Erzählung wusste ich, dass Tyrell damals unbedingt ein Rennpferd wollte und Middle Ages bereits sein erstes Rennpferd war. Aus Italien importierte er Sperma, womit sie befruchtet wurde. Mehr als ein Jahr später wurde dann das Unheil geboren. Schon mit wenigen Wochen konnte dieses Pferd niemand händeln und beim Einreiten gab es zwischen ihm und seinem Bruder so einen großen Streit, dass sie mehrere Wochen nicht mehr zusammen aßen. Götterdämmerung brachte das Unheil über alle und mit diesem Vieh sollte ich dann morgen reiten, nein danke.
      “So schlimm kann sie gar nicht sein”, lachte Harlen.
      “Ich werde es dir beweisen, wenn ich Fruity auf die Weide bringe, dann versuchen wir der Göttin ein Leckerli zu geben”, erwiderte ich überzeugt. Mit dem barocken Reitpferd unter mir drehte ich noch mehrere lockere Runden durch den Sand, bevor ich in der Mitte der Bahn abstieg und den Sattelgurt lockerte. Zufrieden strich ich ihr noch mal über den Hals.

      Um 7 Uhr klopfte es hektisch an der Tür. Dass Tyrell früh auf den Beinen war, kannte ich bereits und dass wir am Morgen trainieren wollten, war mir klar. Doch dass er mich um die Zeit aus dem Bett jagte, hätte ich mir in den kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Eine halbe Stunde später trafen wir uns im Stall. Fruity war bereits gesattelt und ich musste nur noch meinen Helm holen. Gemeinsam setzten wir dort fort, wo wir gestern aufhörten.
      Vom Boden arbeitete ich Fruity mit Tyrells Hilfe und führte im Schritt die Reihenfolge der Aufgabe. Ich hatte Mühe durch den tiefen Sand zu laufen und gähnte mehrmals. Die ersten Sonnenstrahlen blitzten durch die Fenster und erhellten den aufgewirbelten Sand. Auf dem Boden bildeten sich die großen Deckenbalken ab und warfen Parallele Schatten.
      „Schau nicht so nach unten! Konzentriere dich auf das Pferd“, ermahnte Tyrell. So viel Energie wie er hätte ich auch gern am Morgen. Es half jedoch nicht mich in solchen Wunschvorstellungen zu verlieren, wenn ich in zwei Tagen auf dem Turnier sein musste. Im Sattel angekommen, trabte ich schon an und Ritt einige Kombinationen aus der Aufgabe durch. Obwohl es erst mein zweites Mal auf ihren Rücken war, fühlte ich mich sehr wohl. Die Stute strahlte eine Sicherheit aus, die auf mich überging. Als atmete ich jeden Schritt ihrer Hufe in mir auf, klopfte mein Herz im Takt ihrer Gänge und ein leichtes Lächeln huschte über meine Lippen. Punktgenau verstärkte ich die Trabtritte beim Abwenden von Foxtrott nach Hotel über den Mittelpunkt. Begnügt lobte auch Tyrell uns. Wieder im Aussitzen setzten wir die Aufgabe fort. Mit einem leichten Knick in der Hüfte durch die Gewichtsverlagerung lenkte ich Fruity bei Bravo auf eine zehn Meter Volte, bevor ich bei Alfa hielt. Langsam zählte ich von fünf herunter. Die Stute blieb entspannt und kaute genüsslich auf dem Gebiss. Ich spürte ihre Bewegung in den Händen. Erst als sie im Genick nachgab, richtete ich sie für einige Schritte rückwärts, um aus der Bewegung heraus in den Schritt anzusetzen. Mehrmals fragte die Stute durch leichtes ziehen am Zügel nach mehr. Noch war die Aufgabe nicht vorbei, wodurch die Anfrage ignorierte.
      “Das reicht fürs Erste, um dreizehn Uhr bist du bitte mit der Göttin auf dem Platz an der Halle”, sagte Tyrell und ich stieg ab nach dem Abreiten.
      “Ich darf das Vieh nicht einmal berühren, wie soll ich die auf den Reitplatz bekommen?”, erkundigte ich mich deutlich gestresst. Die Stunde mit der Barockstute gefiel mir sehr. Nur bei dem Gedanken später noch auf dem Teufel persönlich zu sitzen, bekam ich einen Schweißausbruch.
      “Denk dir was aus”, lachte er.
      “Wenn ich die nicht runterbekommen, dann hilfst du mir gefälligst”, fauchte ich. Tyrell lachte noch immer, aber stimmte freundlich zu. Noch bevor ich mich umsah, verschwand er im Büro und ich nahm das Equipment herunter. Ordentlich verstaute ich alles auf seinem Platz. In der Sattelkammer roch es nicht nur nach dem Pferdezeug, sondern aus der Kammer nebenan strömte der Geruch von Kräutern und frischen Obst in die Nase. Hals über Kopf füllte ich noch eine Schüssel für die Stute, die beim Erblicken der schwarzen Gummischale aufgeregt mit dem Huf begann zu scharen. Mit einem leichten Klaps auf der Brust stoppte ich sie. Erst dann durfte Fruity den Kopf hineinstecken.
      Der Vormittag verlief weniger nervenaufreibend, obwohl ich mit Harlen mein Pony besuchte, traf ich niemanden auf der Bahn. Weder von Niklas war etwas zu sehen, noch von Chris oder einen der zickigen Damen. Es betrübte mich ein wenig, dass man einander nur noch selten sah und vermisste tatsächlich das Chaos aus Kanada mehr als ich dachte. Daran konnte ich nun auch nichts ändern, sondern musste nach vorne sehen. Genau wie der Umstände, dass Erik mir keine einzige Nachricht schickte und eine vollkommene Funkstille zwischen uns herrschte. Auch mit Glymur durchritt ich die Dressuraufgabe, um möglichst schnell die Reihenfolge zu verinnerlichen. Dafür hatte ich meinem Bruder die Aufgabe zugeschickt und er las sie mehrere Male vor.
      Zurück auf dem Gestüt angekommen, versuchte ich mit allen Mitteln die hysterische Fuchsstute vom Paddock zu bekommen. Wenn ich ihr das Halfter über die Ohren ziehen wollte, trampelte sie wild mit den Vorderbeinen auf den Boden oder biss in meine Richtung. Vergeblich holte ich mir die große kräftige Hilfe aus dem Büro.
      “Na, möchte dich das Pferd nicht in seiner Nähe haben?”, scherzte er als ich die Tür durchtrat. Angeschlagen nickte ich. Zusammen versuchten wir es erneut und direkt beim ersten Mal hatte Tyrell seine Stute am Halfter. Im Stall funktionierte es relativ gut das verhältnismäßig große Monster zu putzen. Erst beim Satteln benötigte ich erneut seine Hilfe.
      Wie auch schon auf dem Rücken von Fruity, fühlte ich mich auch auf der Göttin außergewöhnlich gut. Sie reagierte genau und vergewisserte sich, ob ich wirklich etwas tat oder nur auf ihrem Rücken hausierte. Doch im nächsten Moment änderte sich ihr Verhalten schlagartig. Panisch rannte sie nach vorn. Es gelang rechtzeitig in die Mähne zugreifen, sonst wäre ich unelegant im Sand gelandet. Nervös prustete die dunkle Fuchsstute und tänzelte mit aufgestelltem Schweif über den Platz. Der kleine Zaun sollte für ein Pferd dieser Größe kein Problem darstellen, aber sie blieb im Sand. Sie kam zum Stehen und sprang direkt aus dem Sattel.
      “Das war lieb gemeint von dir, aber mit der kann ich es nicht”, sagte ich aufgebracht. Der Schweiß lief noch immer an meinem Rücken herunter und der leichte Windzug im Freien kroch durch meine Jacke direkt zur feuchten Stelle.
      “Du hast es immerhin versucht, alles gut. Dann über ich mit ihr, weil sie soll auch in der A mitlaufen. Wenn es mit euch funktioniert hätte, wärst du mit zwei Pferden angetreten”, gab Tyrell ehrlich zu und stieg direkt auf. Die Steigbügel hatte er abgemacht. Am Rand setzte ich mich beobachtete die Arbeit der beiden.

      So häufig wieder auf dem Pferd zu sitzen, war nicht nur körperlich eine Herausforderung, sondern auch mental. Mehrfach am Tag musste ich mich auf ein neues Tier konzentrieren, ohne dabei das Ziel vor den Augen zu verlieren. Gleichzeitig musste ich noch für die Theorie lernen und hätte gut und gern auf das Turnier mit Fruity verzichten können.

      © Mohikanerin // Vriska Isaac // 13.011 Zeichen
      zeitliche Einordnung {Ende August 2020}
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  • Album:
    LDS - Gestüt
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    Mohikanerin
    Datum:
    6 Juli 2021
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  • Zuchtname: Götterdämmerung LDS
    Rufname: Göttin

    Aus der: Middle Ages
    Mutter: Unbekannt Vater: Unbekannt
    Den: Attila
    Mutter: Unbekannt Vater: Unbekannt
    ____________________________________

    Geschlecht: Stute
    Rasse: Standardbred
    Geburtsdatum: 17. Juli 2013
    Farbe: Dunkelfuchs
    Abzeichen: Blesse
    Stockmaß: 160 cm

    Charakter:
    Die Anpaarung zweier erstklassiger Rennpferde bringt nicht nur ein
    feinfühliges aufbrausendes Pferd heraus, sondern auch ein treues Tier.
    Die Göttin braucht einen konsequenten aber sensiblen
    Reiter, der ihre Bedürfnisse im Auge behält.
    Auf der Rennbahn schaltet die Stute ihr Hirn ab. Nichts und
    Niemand kann sie bremsen. Sie versinkt in ihrer eigenen
    Welt und den Blick nach vorne gerichtet. Das macht Göttin
    zu einem zuverlässigen und ausdauernden Rennpferd.
    ____________________________________

    Gencode: ee aa FF
    Zuchtzulassung: Nein
    Gesamtnote: -
    Nachkommen: -

    [Schleife]
    Prüfung
    ____________________________________

    Dressur: A / M
    Springen: E / M
    Military: E / M
    Fahren: E / L
    Rennen: E / M
    Gangreiten: E / E
    Western: -
    Distanz: E / L

    Gänge: 5

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    289. Gangturnier (22.07.2021)

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    485. Distanzturnier (27.07.2021)

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    Besitzer: Mohikanerin
    Zucht: Lindö Dalen Stuteri, Schweden
    VKR: Mohikanerin
    Ersteller: Mohikanerin
    Punkte: 5
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