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Ravenna

Fylgia

Lewitzer ○ Black Tobiano ○ Stute ○ 12 Jahre ○ 140cm ○ 16

Fylgia
Ravenna, 19 Mai 2019
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      Auszeit
      | Ravenna | 22117 Zeichen
      Ich spielte nervös mit dem Ring an meinem Finger. Die Freundschaft von Caleb und Louis hatte sich sichtlich abgekühlt. Louis Gesicht hatte lange Zeit Spuren von Calebs Schlag gezeigt. Wir waren 2 Tage später ganz unspektakulär zum Standesamt gegangen. Keine Feier, kein Aufriss. Ich hatte kurzzeitig überlegt meinen Namen zu behalten. Doch völlig in Gedanken hatte ich vergessen das zu erwähnen. So stand in meinem Pass nun der Name “Ylvi Kills-Bears”

      Fast ein wenig irrsinnig. Bedeutete doch mein Vorname Wölfin. Danach hatten wir uns für eine Auszeit entschieden. Louis wollte Abstand zwischen sich und Caleb bringen. Wir mussten uns irgendwie miteinander auseinander setzen. Ich lebte plötzlich mit ihm zusammen. Ich war eine Ehefrau. ICH! Noch dazu hatte ich außerdem auch die Verantwortung für zwei Kinder. Eines davon sprach kein Wort. Tschetan hatte sich schnell damit abgefunden das ich jetzt eben dazu gehörte. Louis und ich hatten uns in die Arbeit gestürzt. Wir beide hatten uns entschieden beim Training der Pferde zu helfen. So war die Wahl auf einen Auftrag der Townsend Acres gefallen. Drei Ponys galt es dort im Geländespringen vorwärts zu bringen. Louis konnte damit zwar doch eher weniger anfangen. Allerdings konnte er die Gelegenheit auch nutzen um sich die Zeit im National Park dort zu vertreiben. Vielleicht konnten wir Kaya in dieser Zeit doch irgendwelche Worte entlocken.

      Außerhalb des Gestüts hatten wir daher eine kleine Ferienwohnung mieten können, der Wagen brachte mich jeden Morgen zu den Stallungen. Elisa Cranfield hatte uns dabei über Freunde einen guten Preis machen können. Die junge Frau befand sich etwa in meinem Alter erschien mir freundlich und offenherzig. Auch wenn Louis zu Anfangs ein wenig Neugirig beäugt worden war - kam ja nicht alle Tage vor einen Native American vor sich zu haben. Sein verschlossenes Gesicht konnte auch durchaus etwas respekt einflößend sein. Elisa befand sich etwa in meinem Alter, hatte mir auch Joline Carpani vorgestellt meine Ansprechpartnerin wenn es um Sachen mit den Pferden ging. Elisa selbst war auch stets am rotieren auf dem Gestüt. Auch hier gab es viel zu tun, wie es auch auf der Ranch der Fall war. Ich vermisste die Bow River Ranch. Ich vermisste meine Pferde. Auch wenn mir das Training hier Spaß machte mit den Pferden. Insgesamt waren es zwei Hengste und eine Stute. Alle hatten eine Sonderlackierung, wobei es mir besonders der Hengst Burnin' Unbridled Dreams angetan hatte. Von allen nur Dajun genannt war er ein Reitponyhengst in der Farbe Buckskin Roan. Sein Kopf schien dabei noch völlig braun, während Äonen von weißen Stichelhaaren seinen Körper zierten. Von den dreien war er auch das unkomplizierteste der Ponys. Während ich mich mit dem Hengst bereits ab Tag zwei auch im Sattel hatte beschäftigen können, so waren Pina und Allelujah dann andere Sorten gewesen. Dajun hatte schöne Gänge, hatte eine gute Grundausbildung genossen und stand wirklich fein an den Hilfen. Wir hatten die ersten Tage auf dem Platz verbracht. Ich hatte mich mit Burnin' Unbridled Dreams erst ein wenig vertraut machen wollen. Erst dann hatte ich den Schritt gewagt auf den Geländeplatz zu gehen. Kleinere Sprünge hatten wir bereits auf dem Platz ausprobiert. Mit dem nötigen Go ausgestatet schien der kleine auf dem eingezäunten Gelände allerdings keine große Begeisterung für das Springen zu zeigen. Beim ersten Ritt im Gelände scheute er allerings nicht über kleinere Äste auf dem Weg auch zu überspringen. So hatte ich mich in der zweiten Woche mit ihm am Halfter der Strecke mit Sprüngen angenommen. Ihm die einzelnen Sprünge gezeigt. Auch wenn einige dabei gewesen waren die noch nicht in A Höhe lagen. Ich war neugierig auf seine Reaktionen darauf. Mutig hatte er sich den Baumstämmen, dicken Balken und Heuballen gestellt. Ohne Probleme hatte ich mit ihm gemeinsam drüber springen können. Tschetan hatte mich dabei begleitet. Wir waren nicht ganz allein hierher gekommen. Wir hatten Inyan und Gweny mit auf die Reise genommen. Zum einen hatte ich die Gelegenheit nutzen wollen mit Gweny die Hindernisse hier zu springen. Zum anderen hatte natürlich Louis einen Narren an der Scheckstute gefressen. Vom ersten Tag an hatte er sie haben wollen. Faktisch war ihm das gelungen. Der Mustang-Mix hingegen trug die beiden Kinder sicher durch das hier fremde Gelände. Wenn er auch Dajun ein wenig aufheizte. Aber der Junge hatte die Lippen geschürzt, deutete damit auf den Hengst. “Gutes Pferd. Mutig. Ein richtiger Springer!” ich nickte nur bedächtig. Konzentriert auf meine Arbeit. “Vielleicht solltest du ihn dir klauen?” “Honch! Neein.” stöhnte der Junge erschrocken, tätschelte den Wallach unter sich. “Inyan wäre doch dann enttäuscht. Dann würde ich lieber den Hengst der aussieht wie der Sand der Wüste.” sprach er geschwollen. Es brauchte nicht lang um zu wissen welchen er meinte. Allelujah war der zweite Hengst den ich trainierte. Ein Palomino. Ebenfalls ein Reitpony. Von der Größe wie Burnin' Unbridled Dreams allerdings deutlich breiter in der Brust. Der Hengst besaß im Gegensatz zu ersterem auch bereits Erfahrungen im Geländespringen. Allerdings hatte er so seine Vorbehalte was Fremde anging. Allerings schien sich das ganze nur auf Erwachsene zu beschränken. Selbst Elisa hatte neugierig beobachtet wie der Hengst den ich im Round Pen zurückgelassen hatte nach einer ersten Kontaktaufnahme vollkommen unbeschwert mit dem zwölfjährigen Jungen gespielt hatte. Wild hatten sich die beiden gegenseitig gejagt. “Sonst hat Allelujah wirklich Respekt, ja regelrecht Angst vor Männern. Fast ein wenig seltsam ihn so zu sehen.” “Tschetan hat wirklich ein Händchen für Pferde. Du müsstest mal sehen wie mühelos er meinen Ravn reitet. Der duldet nicht jeden auf seinem Rücken. Aber für dieses Kind reitet er regelrecht durch das Feuer.”

      Seither konnte ich beobachten wie der Junge jeden Morgen dabei half den Hengst zu füttern oder auf die Weide zu bringen. Louis hatte bereits seinen Dank an Elisa ausgesprochen für ihre Gastfreundschaft. Mit dem Jungen gemeinsam hatte auch ich mich mehr mit dem Hengst auseinander setzen können. Erst ein wenig in der Bodenarbeit. Dann hatte ich mich zwischen dem Training von ihm, Pina und Dajun auch außerhalb mit ihm beschäftigt - Abend von der Weide zurück in die Paddockbox bringen. Erst in der zweiten Woche hatte ich mich auf seinen Rücken geschwungen. Zunächst wie bei dem anderen Hengst auf dem Platz. Anschließend in Begleitung von Joline auch auf die Geländestrecke.Sie saß auf einem Pony dessen Name mir entfallen war und begleitete mich einfach zur Unterstützung. Allelujah wusste ganz genau was zu tun war. Vor jedem Sprung schossen seine Ohren nach oben, seine Galoppsprünge kräftiger. Ich konnte mit jedem Sprung spüren wie er sich zusammenzog um dann vor dem ersten Hinderniss sich kräftig vom Boden zu lösen. Schon bei den kleinen Hindernissen die eher zur Sektion E und A gehörten sprang er einen Satz drüber hinweg der eigentlich zu viel war. Vermögen hatte dieser goldene Blitz allemal! In der L ging es darum einen Pacours auch mindestens 8 Sprüngen zu schaffen. Die Höhe betrug dabei etwa 1,15 meter. Einen Wassergraben gab es zu überwinden. Außerdem eine Kombination aus Treppe. Erst ging es hinauf, dann einen Sprung und anschließend schon wieder von diesem Podest herunter. Allelujah parkte zweimal, tänzelte er er sich den Sprung hinunter vagte. Für den ersten Tag an den neuen Hindernissen war ich dann aber doch zufrieden und schickte ihn wieder auf die Weide. Nach dem Mittagessen schnappte ich mir Burnin' Unbridled Dreams um mit ihm die ersten Sprünge unter dem Reiter dort zu absolvieren. Tschetan passte auf seine Kaya auf. Louis begleitete mich mit Gweny. Dieser ahm vor uns die Sprünge souverän mit der Vollblutstute und ich ließ Darjun mit ordentlcihem Abstand auch die Hindernisse überwinden. Wie zwei Tage zuvor zu Fuß zeigte er keine Angst. Allerdings zeigte sich hier seine gesteigerte Motivation - das Springen der Naturhindernisse schien ihm deutlich mehr zu gefallen als die Stangen im Viereck zu überwinden. Ich musste dabei lächeln. Auch mir gefiel die Arbeit draußen mit den Pferden eher als im begrenztem Viereck. So griff jeder Tag in den nächsten im Training der beiden Hengste. Da uns niemand hetzte ließ ich mir mit deren Fortschritten Zeit. Nahm sie nicht jeden Tag heraus um mit ihnen zu springen. Ich nutze auch die freie Zeit um mit den Kindern und Louis Unternehmungen zu machen. Das ich Gweny mit hier her genommen hatte zeigte sich auch als Vorteil in der Arbeit mit Allelujah. Als ich den ersten Tag des Springens mit ihm die Treppe so versemmelt hatte versuchte ich mich an den diversen Sprüngen auch mit meiner Stute. Schnell stellte ich fest, dass mir das Hindernis selbst auf ihr ein wenig Respekt einflößte. Unter Louis Augen sprang ich also auf meiner erfahrenen Gweny genau die etwas furchteinflößenden Sprünge. Damit gewann ich an Sicherheit. Was Allelujah und mir im weiteren Training half.


      Ende August hielt schließlich der Herbst Einzug in Kanada. Es begann plötzlich zu regnen. Das Wetter behinderte mich beinahe eine Woche lang im Training mit den beiden Hengsten. “Hast du mir zugehört?” fragte Louis leicht lächelnd. Ich war so sehr versunken gewesen in die Gedanken der letzten Zeit das ich seine Frage nur zur Hälfte mitbekommen hatte. Seine große Hand legte sich auf meine Finger, die noch immer den Ring am Finger hin und her schoben. “Hast du?” ich schüttelte entschuldigend den Kopf. “Erzähl es mir noch einmal.”

      “Lillith hat vorhin angerufen. Sie wollte eigentlich dich sprechen. Aber da du noch mit Pina in der Halle gewesen bist hab ich sie angewiesen später anzurufen.” Ich horchte auf. “Ist sie noch immer nicht zurück in der Uni?” Louis verneinte meine Frage “Sie hat sich von Caleb wohl ein wenig zu sehr auf der Ranch einspannen lassen. Sie kann ihm einfach keinen Wunsch abschlagen.” Diese Information war mir tatsächlich neu. “Ah ja?” darin schwang echte Neugier mit hinein. “Sie ist ja auch mit ihm aufgewachsen...als sie jünger war hat sie ganz schön für ihn geschwärmt. Ich denke davon hängt noch immer etwas mit.” Ich konnte mir die junge Frau nur schwer in einer Schwärmerei vorstellen. “Wie es ihm wohl geht?” es war das erste Mal seit unserer “Flucht” von der Ranch das wir seinen Namen wieder erwähnten. “Er wird sich noch mehr in die Arbeit stürzen, grimmig zu jedem und alles sein und seine wahren Gefühle so gut es geht vergessen wollen. Wir kennen ihn beide.” kurzes Schweigen “Ich bereue manchmal was ich ihm damit angetan habe. Aber irgendwie muss er damit klar kommen. Vielleicht wird es die Freundschaft auf ewig zerstören. Aber… ich weiß einfach, dass ich das richtige getan habe.” damit kam er mir näher, hob mein Kinn und küsste mich sanft auf die Nase. Das tat er öfters. Ich hatte es zunächst als seltsam empfunden, doch mittlerweile mochte ich diese Bekundung der Zuneigung. “Wie war das Training mit Pina?” überging er das bedrückende Thema rund um Caleb. “Ziemlich gut. Zwar wurde zu jung zu viel mit ihr gemacht, aber sie hat trotzdem so einen ausgeglichenen Grundcharakter und einen will-to-please.” ich musste lächeln “Ganz ehrlich...davon könnte Fylgia sich mal ne Scheibe abschneiden. Pina hab ich allerdings erstmal nur vom Boden aus gearbeitet. Durch den Regen und ihre Zeit im Offenstall war sie ohnehin klitschnass. Für die nächste Zeit habe ich mit Elisa abgesprochen das wir sie eindecken - nur falls der Regen weiter Einzug hält.” Louis verzog ein wenig die Augenbrauen. Der Lakota hielt nicht sonderlich viel davon Pferde in eine Decke zu packen. Das war auch der Grund wieso meine Vollblutdame bisher keine trug. Das würde ihr erster Herbst im kalten Kanada werden. Grundsätzlich kannte sie zwar auch kalte Temperaturen aber der plötzliche Wechsel von Texas nach Kanada hatte ihr doch einiges an Fellwechsel beschert. Sie schob bereits jetzt ordentlich Fell. Pina hingegen erstrahlte beinahe noch im Glanz des Sommers.


      Am nächsten Tag hatten die Wettergötter endlich erbarmen, nach einer Woche des Regens startete die zweite Augustwoche mit strahlendem Sonnenschein. Als ich die Stallgasse mit Pina an der Hand verließ, hielt ich mein Gesicht erstmal in die Sonnenstrahlen. Herrlich! Obwohl ihre Strahlkraft um 8 Uhr morgens noch nicht allzu heftig war, so hoffte ich doch das es etwas besser werden würde. An der Aufstiegshilfe im Hof hielt ich die Ponystute an, schwang das Bein über ihren Rücken und ließ mich in den Sattel gleiten. Neugierig schnupperte sie an meinen Wanderschuhen, die sicherlich nach den anderen Pferden riechen mussten. Kurz sortierte ich mich, dann ging es im flotten Schritt zum Springplatz. In der letzten Woche hatten wir uns die Sprünge bereits bei einem Spaziergang beschaut. Da Pina keine Unsicherheiten gezeigt hatte, am Sprung deutlich Spaß hatte. Da übersprang ich dieses Mal den Fakt ihr das Springen erst vom Boden zu zeigen. Zwischen dem Parcours wärmte ich uns beide ordentlich auf, nutze dazu auch die Trabstangen die überall umher lagen. Erst danach ritt ich den ersten Sprung mit Pina an. Sie spitze aufmerksam die Ohren, zog ein wenig an Tempo an und setzte mit mir über den Sprung hinweg. Sie zeigte auch bei den nächsten beiden Hindernissen keinerlei Scheu vor deren aussehen. Meine Fylgia parkte doch durchaus mal vor dem ein oder anderen Geländesprung. Pina schien diese Eigenschaft wirklich überhaupt nicht zu teilen. Auch bei den Sprüngen der Klasse E befand sich eine Treppe. Dort musste hinauf gesprungen werden, ein kleiner Busch überwunden und anschließend ging es sanft wieder bergab. Ich vertat mich zweimal ein wenig in den Abständen, dann kamen wir etwas zu kurz am Sprung an. Dabei rettete mich dann wirklich diese willige Ponydame und entschied ein wenig selbst die Distanz. Dafür das Pina noch keine Erfahrung hier draußen auf der Geländestrecke hatte machte sie ihre Sache besonders gut. Davon berichtete ich schließlich auch Joline als diese mit einem Pony in der Stallgasse beschäftigt war. “Ja Pina ist hier wirklich aufgeblüht. Vielleicht hat sie das ihre Vergangenheit ein wenig vergessen lassen.” “Kann gut sein, davon hab ich schon ein paar Mal was gehört. Gerade bei Stuten. Aber mal eine andere Frage. Ich wollte schauen wie weit Alleluja und Dajun sind mit ihrem Training. Magst du am Nachmittag mit raus kommen? Dann tauschen wir gern mal die beiden untereinander. Dann seh ich auch mal von außen wie die beiden sich anstellen.” Joline nickte eifrig “Oh ja gern!” “Gut, dann bereits ich gemeinsam mit Tschetan später Allelujah vor.” “ Der Junge hat wirklich einen Narren an dem Hengst gefressen,oder?” ich musste dabei breit Grinsen. “Ziemlich ja.”


      Tschetan ließ es sich am Nachmittag nicht nehmen uns zum Geländeparcours zu begleiten. Innerhalb weniger Minuten hatte er dem Wallach Inyan das Halfter übergestreift und ritt neben uns ohne Sattel einher. Auch Elisa hatte vom gemeinsamen Training gehört und wollte sich ein Bild meiner Arbeit machen. Ich war jetzt schließlich beinahe 1,5 Monate hier auf Townsend Acres zu werke. Ich war dabei sichtlich nervös. Es war mein erster Auftrag den ich erledigte außerhalb der Ranch. Natürlich wollte ich den guten Ruf von Caleb nicht durch den Sand ziehen. Dementsprechend brachte meine Nervosität auch Allelujah etwas aus dem Konzept. Also ließ ich zunächst Joline und Dajun den Vortritt. Während ich nur halb deren Sprüngen folgte, atmete ich bewusst ein und aus. Meditation hat mich in der letzten Zeit gut beruhigen können. Dann erst konnte ich aufmerksamer Burnin' Unbridled Dreams beobachten wie er mit Joline die Sprünge meisterte.
      Ich begann damit Allelujah ebenfalls ein wenig warm zu reiten. Ich nahm aus dem Augenwinkel wahr das auch Tschetan mit Inyan einige der Hindernisse überwand. Konzentrierte mich dann aber doch eher auf den Hengst unter mir. Allelujah brannte wirklich darauf zu springen, also ließ ich ihn die ersten Hindernisse überwinden. Ritt einige Volten um das Tempo ein wenig herauszunehmen. Dann ging ich die Treppe an, die uns einige Zeit probleme bereitete. Etwas stockig brachten wir das Hindernis hinter uns. Sowie noch ein paar andere. Dann hielt ich bei Joline an, die bereits schon nicht mehr auf Burnin' Unbridled Dreams saß. “Ich bin gespannt. Die Treppe da hinten scheint ihm entweder noch nicht geheuer oder es liegt einfach an mir. Ich denke ich gebe ihm dort nicht die nötige Sicherheit.” Damit tauschten wir die Pferde. Wie vermutet - gemeinsam mit Joline überwand der Palominohengst die Treppe ohne ein sichtbares Zögern. Ich grinste breit. Es lag also an mir.


      Während Elisa und ich uns darüber unterhielten über die Fortschritte der beiden Hengste hielt sich Tschetan respektvoll im Hintergrund. “Ich denke wirklich für die beiden ist das Training beendet. Sie nehmen die Sprünge sicher und ohne Probleme. Für Starts auf den gängigsten Turnieren sind sie somit gut gewappnet. Mit Pina arbeite ich noch eine weitere Woche dann ist auch sie auf dem Stand der beiden anderen.” Elise hörte Aufmerksam zu “Ich denke auch die Arbeit mit den beiden ist durch. Ich würde nur gern noch jemandem für seine Hilfe Danken.” sie winkte Tschetan heran, der offensichtlich Neugierig auf Inyan heran getrabt kam. “Du hast in der letzten Zeit viel geholfen, wenn es um Allelujah ging. Da der Hengst dich ja zu mögen scheint. Möchtest du ihn einmal reiten?” Tschetan gab keine Reaktion. Sah von dem Palominohengst nur langsam zu mir, die Frage konnte ich beinahe hinter seinen Augen sehen. Ich gab ein kleines Nicken von mir. Dann erhellte sich sein Gesicht. Er rutschte von Inyan herunter, murmelte ein paar Worte auf Lakota. Das Pony blieb wie angewurzelt an seinem Platz stehen, während sich Tschetan ohne weitere Mühe behende in den Sattel des Hengstes schwang - ohne dabei auch nur die Steigbügel zu nutzen. Elisa und Joline zogen beide die Augenbrauen nach oben. “Wie ein richtiger Cowboy!” wollte Joline ihn damit Loben. Ich biss mir dabei bereits auf die Lippen, Das waren die falschen Worte. Tschetan kniff die Augen zusammen, schien Joline zu taxieren. “I am Lakota. “ sprach er stolz “not a Cowboy.” wobei letzteres Wort ausgespuckt wurde. Dann gab er die Zügel vor, spornte Allelujah an. Der Hengst sprang in feiner Manier aus dem Stand in den Galopp. Außerdem ließ es sich der Junge nicht nehmen einen Kriegsschrei von den Lippen zu lassen. Ich schüttelte dabei nur lachend den Kopf. “Seht es ihm nach. Er ist sehr stolz auf seine Herkunft und reagiert da manchmal ein wenig seltsam. “ Joline winkte ab. Elisa grinste “Voll ins Fettnäpfchen gefasst.” “mhm” brummte Joline. Dann sahen wir wie Tschetan ein paar der Sprünge mit dem Hengst sprang. “Aber eins muss man sagen, reiten kann er!”


      Am Abend amüsierte sich Louis sichtbar über die Geschichte von Tschetan. Allerdings trieben ihm fast Tränen in die Augen als ein kleines Glucksen den Tisch bereicherte. Kaya erschrocken über den Ton schlug sich die Hände vor den Mund. Sie hatte einen Laut von sich gegeben! Sie sah von einem zum anderen. nahm die Hände fort und lachte breit in die Runde. Ihr großer Bruder nahm sie fest in den Arm und auch Louis sprang auf um sie zu umarmen. Ich sah der Szene zu, dann wackelte die Hand von Kaya aufgeregt. “Genau.. komm her. Du gehörst dazu.” flüsterte Louis.


      Die nächsten Tage über lag meine Aufmerksamkeit dann wieder nur auf Pina. Die Stute war easy going. Und so ließ ich Joline früher als geplant austesten was die Stute unter meiner Anleitung gelernt hatte. “Sie ist wirklich eine tolle Stute. Sie folgt den feinsten Hilfen. Manchmal habe ich das Gefühl man müsste nur Denken was man von ihr möchte und sie führt das aus. Ich glaube sie möchte es einfach jedem Recht machen und ein Stück wieder geben. Elisa hat mir ein wenig von ihrer Vergangenheit erzählt. Das sie sich trotzdem so entwickelt hat ist klasse.” lobte ich die Stute auf dem Weg zur Strecke. Ich hatte mich dieses Mal auf Gweny gesetzt um auch meine Vollblutstute auf der Strecke nochmal zu springen. Ich hatte bereits die Rückreise von 1000 Kilometern zurück zur Bow River Ranch im Kopf. Ich freute mich riesig auf Fylgia und Valravn. Nur der Begegnung mit Caleb sah ich zwiegespalten entgegen. Vorerst schob ich den Gedanken jedoch an den Rand meiner Aufmerksamkeit. In stummer Übereinkunft hatten Joline und ich begonnen die Ponys warm zu reiten, die ersten Trabstangen anzupeilen und schließlich die ersten Sprünge. “Pina ist einfach traumhaft zu reiten.” seufzte Joline “Dem kann ich nur zustimmen. Wäre sie nicht hier in der Zucht, dann wäre sie sicherlich ein tolles Nachwuchspony für Jugendliche die im Sport weiterkommen wollen.” meinte ich dabei ernst. “Denkst du dabei an den Jungen?” ich schüttelte erheitert den Kopf. “Er springt zwar ganz gern mal. Aber für den Sport in Englischer Reitweise...nein. Falls er nach Louis schlägt dann wird er sich wohl eher auf diversen Rodeos umhertreiben sobald er Älter wird.” “Also doch ein Cowboy?” feixte sie. Ich zwinkerte ihr zu “Sag ihm das nur nicht.”


      Am Abend verließ ich das Büro von Elisa, wir hatten alle formalitäten geklärt. Ein Teil der Unterstellkosten meiner beiden Pferde hatten wir mit dem Preis für meine Arbeit verrechnet. Das Geld würde direkt an die Ranch überwiesen werden. Schließlich war ich dort Angestellt. Ich lächelte über das ganze Gesicht, denn ich hatte für meine Arbeit gute Kritik und Lob erhalten. Für meinen ersten Job als Trainer in dieser Art war ich zufrieden damit. Das alles hatte ich auch der Ranch zu verdanken. In dem Jahr das ich dort verbracht hatte, durfte ich mein Wissen um das Training mit Pferden nochmal deutlich verbessern. Als ich noch einmal in Richtung des Paddocks lief um mich von Pina, Burnin' Unbridled Dreams und auch Allelujah zu verabschieden traf mich dann allerdings ein kleiner Schock. Die beiden Roans hatte ich bereits erledigt, mir fehlte nur der Palominohengst. Dieser stand angebunden am Anbinder vor seiner Paddockbox. Jemand war dabei ihn zu putzen. Die Statur...die Klamotten...und vor allem der Cowboyhut mit dem blonden Haarschopf darunter ließen keine Fragen aufkommen. “Caleb?!” entfuhr es meinen überraschten Lippen.
    • Cooper
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      Prophylaxe| Fylgia | 3871 Zeichen

      Schon vor dem Finale des „Horse Makeover“ Events 2019, führte es mich auf die Bow River Ranch. Es erreichte mich beruflich einen Auftrag in der Equine Klinik. Auftraggeberin war Ylvi Kills Bears. Patient war Fylgia, eine Lewitzerstute, die ich vor einiger Zeit schon einmal besucht hatte. „Sie benötigt einmal eine Prophylaxe. Es gibt wohl ein kleines Problem. Sie verträgt die Influenzaimmunisierung nicht so gut“. „Ich überlege mir was. Für Turnierpferde und Zuchtpferde ist die Immunisierung auf jeden Fall Pflicht. Ansonsten eigentlich nicht, aber es ist im Grunde schon sehr Empfehlenswert“. Erwiderte ich und recherchierte nach dem Telefonat nochmal in den Büchern sowie auch in meinen Skripten, die ich vom Studium noch abgespeichert hatte.

      Wir hatten einen Termin ausgemacht, den wir beide halten konnten. Erneut lag mein Einsatzort zwar in Kanada, war aber so weit von mir entfernt, dass ich sechs Stunden fliegen musste. Ganz anders als im Ausland, hatte ich somit keine Probleme mit den Impfstoffen und Utensilien am Flughafen. Die Anreise war dementsprechend angenehm. Ich verweilte zwei Tage vor dem Termin im Hotel und erlaubte mir dort die Wellnessangebote des Hotels zu nutzen.

      Am nächsten Tag stand ich früh auf und erledigte die Turnierteilnahmen sowie die Anreise von den Pferden auf Chattahoochee Hills und fuhr dann nach einem guten Frühstück auf die Bow River Ranch. Dort angekommen wurde ich herzlich begrüßt. Nach einer höflichen Tasse Kaffee und einem Austausch führte mich Ylvi dann zu der Stute. „Sie steht auf einem Paddocktrail mit den anderen Pferden. Der Wallach Valravn klebt regelrecht an ihr und wird höchstwahrscheinlich jeden Schritt mit gehen. Behindern sollte er dich aber eigentlich nicht“ sagte sie. Ich beobachtete mit Fylgia zunächst. „Da sie auch mit anderen Pferden zusammensteht, empfehle ich dir die Influenzaimmuniserung nicht auszulassen. Ich habe die Immunisierung so stark wie möglich abgeschwächt, aber sodass sie noch wirkt. Somit sollte das mit den Ekzemen nicht so schlimm sein. Ich habe dir aber vorsichtshalber eine Emulsion mitgebracht, die falls es auftritt oder extrem wird, den Juckreiz mindert und die Heilung fördert“. Lächelnd drückte ich der Besitzerin der Stute die Tube in die Hand und bekam ein lächeln zurück. „Ansonsten gehe ich davon aus das, falls es ein bekanntes Problem ist, sicherlich wisst wie ihr das am besten eindämmt“. Ylvi nickte, legte der Stute das Halfter an und nahm sie ein wenig auf die Seite. Fylgia ging mit der Situation sehr gelassen um und lies sich ohne Probleme abtasten und begutachten. Ich fand keine Auffälligkeiten, wie immer dokumentiere ich. Dann schaute ich explizit noch auf die Ohren, Nüstern und Augen. Auch hier war alles in Ordnung. „Alles gut“ sagte ich als kurze Anmerkung. Ich kontrollierte die Vitalzeichen, Atmung, Temperatur, Herzfrequenz und Puls. „Alles super, können jetzt Impfen“. Während der ganzen Untersuchung stand der Wallach Valravn die ganze Zeit bei uns und schaute sich die Prozedur vom nahen an. Ab und an streichelte ich dem netten Tobiano durch den Schopf. Es dauerte ihn am Ende aber zu lange das ich seine „Spielpartnerin“ beanspruchte und drückte mich an mit dem Kopf immer mal wieder weg. „Nun, hör mal“. Ich erwiderte seinen Stoß, was ihn dann zum Spielen anregte. Ylvi griff ein und legte auch dem Wallach ein Halfter an, um ihn zurückzuhalten. „Er meints ja nur gut. Er will nur spielen denk ich. Das dauert ihm anscheinend zu lange“ lachte ich und packte dann die Immunisierungen aus. Diese gingen sehr ruhig vonstatten, auch wenn die Stute beim Einstich etwas zuckte. Die Wurmkur war anscheinend nicht so genießbar, aber die Menge, die sie schluckte, reichte als Schutz vollkommen aus. Nach der ganzen Arbeit räumte ich meinen Arbeitsplatz auf und lobte die Stute. Ihre Besitzerin lies die beiden vom Halfter und sie liefen gemeinsam, mit dem ein oder anderer Schüttler, direkt zurück zu den anderen zurück. „Wie gesagt. Ich habe die Dosis der Influenza Impfung so geringgehalten wie möglich, sodass aber Schutz besteht. Ich hoffe das die Komplikation mit den Ekzemen nicht auftritt, falls ja bitte die Emulsion benutzen und das tun was ihr dann auch normalerweise dagegen tun würdet. Allgemein eine Rückmeldung wäre großartig, damit ich weiß ob ich dieses Verfahren in Zukunft auch bei anderen Tieren nutzen kann, die mit sowas Probleme haben“. Ylvi nickte. „Beobachte sie einige Tage. Wie immer, bitte das Tier 24-48 Stunden nur leicht. Sollte Fieber auftreten, einen lokalen Tierarzt informieren“. Erneut nickte sie und begleitete mich dann zum Auto. Sie bedankte sich höflich. „Keine Ursache, sehr gerne“.

      3871 Zeichen | by Cooper
    • Ravenna
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      Hufschmiedbesuch | Elsaria | 1620 Zeichen​

      Am Flughafen rief ich zuhause an dort wurde ich mir mitgeteilt das eine Frau Ylvi Kills bears einen weiteren auftrag erteilt hatte. Ich habe dann kurzerhand den flug storniert, das auto für einen Tag länger gemietet und machte mich auf den weg zur Bow River Ranch in Calgary. Ich kam am Nachmittag an Ylvi freute sich und sagte mir das ich Fylgia selber holen sollte, da sie leider gehen musste, sie beschrieb mir die Stute und machte sich auch schon vom Acker. Für mich war das kein Problem. Sie stand an einem Paddocktrail und so konnte ich sie ohne Probleme herausfischen. Sie sollte Hufpflege bekommen. Ich band sie am Putzplatz an und holte erstmal wurzelbürste heraus umd den schlamm von den Hufen zu entfernen. Dann kratzte ich die Hufen sauber aus, der erste eindruck war wirklich gut, nicht viele die so gehalten werden, haben tolle hufen, man sah das man da viel wert drauflegte und stehts bemüht war das beste zu machen. Fylgia war sehr brav. Hin und wieder schubberte sie mit ihrer oberlippe meinen Rücken ab, sie suchte wohl nach leckerlis. " Du kleines verfressenes schleckermäulchen! Ich hab nichts!" lachte ich. Klar hatte ich was, aber wo anderst aufbewahrt, ich kenne doch meine Pappenheimer, und irgendwo war jedes Pferd gleich, außer es hatt vor menschen, hufschmieden angst, solche Pferde würden so ein verhalten nicht zeigen. Ich brauchte ingsesamt 20 minuten am schluss fettete ich ihre Hufen noch ein , und brachte sie zurück. Dann räumte ich den Hof auf und hinterlies an der Stallpinnwand eine notiz. " Fylgia war sehr brav, sie hat tolle Hufe, weiter so !" und machte mich nun auf den Heimweg.
    • Ravenna
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      Little Moments | Ravenna | 14202 Zeichen

      Caleb

      Ich saß zusammen mit meinen Mitarbeitern am Frühstückstisch und genoss meinen Kaffee und die Ruhe. Alle Arbeiten für den heutigen Tag waren eingeteilt und so konnte jeder nun stillschweigend sein Essen genießen. Zumindest so lange, bis Betsy die Treppe hinab gestürmt kam und mit ihrer kindlichen Quietschestimme rief: “Schnee! Leute es schneit! Ooooh… es ist ja alles weiß!” “Hat ja auch die ganze Nacht geschneit.”, murrte ich und sah sie über meine Kaffeetasse hinüber an. “Ich schnapp mir sofort Sue und geh mit ihr ausreiten!”, trällerte sie, ehe sie den Raum und schließlich das Haus verließ, was ich am Zuknallen der Haustür bemerkte. “Hat jemand Zeit mit ihr ausreiten zu gehen?”, fragte ich in die Runde. Octavia nickte und stand sofort auf. “Raspberry würde ein Ausritt mal wieder gut tun.”

      Octavia verschwand ebenfalls aus dem Haus. Seit Sue gekrönt war, war ihr Wert um einiges gestiegen. Sie gehörte zwar noch immer Betsy, aber sie durfte nicht mehr alles alleine mit der Stute machen. Leider war Sue nicht tragend, dafür aber einige andere Stuten. 2020 würde das erste Jahr werden, in dem Zuchtfohlen verkauft werden würden. Es stand noch nicht fest, welche Fohlen weggehen würden. Welche allerdings behalten wurden, das stand schon lange fest. Ein Fohlen aus Lena und Gangster würde bleiben, Devils Fohlen würde bleiben und das Fohlen aus der Leihstute Aerith und Hollywood. Ebenso das Fohlen von Tainted Whiz und dem Fremdhengst Dissident Aggressor.. Das Fohlen von Ginny und Barbie war sogar schon reserviert worden von einer alten Bekannten. Zur Zeit war ich sogar ein wenig auf der Suche nach einem Zuchtpartner. Was sich da ergeben würde, das stand noch in den Sternen. Was jedoch sicher war, dass wir diesen Winter über die neuen Jungpferde anreiten würden. Octavia hatte einiges wobei sie meine Hilfe brauchte und auch bei den Westernpferden der Ranch war einiges vom Jungpferdestall in den Hauptstall umgezogen. Auch das Training der anderen Pferde würde im Winter nochmal aufgenommen werden, so dass wir nächstes Jahr mit einer guten Stückzahl in die Turniersaison starten konnten. Die Zuchthengste, die personalbedingt dieses Jahr leider viel zu viel gestanden hatten, würden auch wieder an den Start gehen und die Ranch präsentieren.
      Ich überlegte auch, im März oder April ein Westernturnier hier auf der Ranch zu organisieren, nachdem der ganze Trubel um das Joelle Horse Makeover vorbei war.

      Ich trank meinen letzten Schluck Kaffee und sah nochmals in die Runde. Heute war der 31.12., das Jahr war vorbei. Viel hatte sich seit dem letzten Jahr hier nicht getan.

      Dass sich im nächsten Jahr allerdings einiges ändern würde, das stand schon lange fest. Ich hatte mich endlich entschieden, was ich mit meiner eigenen Ranch anfangen wollte. Westernpferde. Turnier, Zucht, Freizeit.

      Dafür mussten uns natürlich einige Tiere verlassen. Mit Octavia hatte ich ewig lange hin und her überlegt und diskutiert, welcher ihrer Tiere weggehen würden, und… ob überhaupt Pferde von ihr uns verlassen würden. O war dem Ganzen jedoch absolut nicht abgeneigt. Silent Bay, dessen Besitzer bislang immer noch Bellamy gewesen war, wurde auf meinen Namen überschrieben und wechselte recht schnell in den Hauptstall.

      So hatte Octavia nun noch 10 Pferde, die auch fast ihre gesamte Zeit in Anspruch nehmen würden. Neben Pria blieb auch ihre älteste Tochter Colourful Soul, die Halbblutstute von Colour Paint. Ihr letzter Neuzugang, Leuchtfeuer di Royal Peerage blieb auch und zauberte uns immer wieder ein Lächeln ins Gesicht, weil wir den deutschen Namen allesamt nicht richtig aussprechen konnten. Raspberry, wer hätte es anders gedacht, blieb auch. Dakota allerdings würde uns verlassen. Sowie eine ganze Menge Englischer Vollblüter. Auch wenn viele den Besitzer wechseln würden, für einige hatten wir auch schon Interessenten, würde Octavia sieben Stück behalten. Pria, wie schon genannt, Tigres Eye, Drama Baby, Candlejack, Culain, Peacful Redemption und Wildfire. Cleavant ‘Mad Eyes’ und Ceara Isleen blieben nach viel Diskussion ebenfalls. Also besaß Octavia weiterhin 12 Pferde, nicht nur 10.

      “Laurence und Cayce bewegt ihr die Stuten heute ein bisschen? Ich kümmere mich mit Bellamy um die Hengste. Murphy du kannst dir Connor schnappen und schaust mal bei den Fohlen vorbei. Fohlen ABC müsste bei allen sitzen, schau mal was sie noch wissen. Joker, Katie und Goldy könnt ihr beide mit in den Hauptstall bringen, für die fängt jetzt der Ernst des Lebens an. O macht ihre Pferde heute ja alleine.”, sagte ich in die Runde und schaute in nickende Gesichter, gefolgt von zustimmendem Gemurmel. “Na dann ab an die Arbeit- und heute Abend feiern wir Silvester!”

      Quietschende Stühle, sich stapelnde Teller und klirrende Tassen. Ruck zuck war der Tisch abgeräumt, alles an seinem Platz verstaut und jeder auf dem Weg nach draußen.




      Ylvi

      Ich trampelte von einem Fuß zum nächsten. Um mich herum hundert andere Menschen, schreie gingen durch die Luft. Sie kamen von den Menschen die auf ihren Pferden die vereiste Straße herunter ritten, aber auch von denen die sie willkommen hießen In der Reitermenge suchte ich nach den Kindern und Louis. Am Strick führte ich einen aufgeregten Ravn, eine entspannte Fylgia. Valravn ließ sich von der Stimmung um ihn herum ziemlich beeindrucken. Ich selbst verspürte einfach nur Ehrfurcht. Der Schauer der sich über meinen Rücken zog konnte aber durchaus auch von der Kälte stammen. Die Gruppe von Reitern wurde begleitet von großen Autos. Louis hatte den Ritt mitreiten wollen. Auch Tschetan war seit beginn an dabei. Kaya hatte den Ritt auf Fylgia begonnen. War jedoch bald zurückgefallen und sichtlich erschöpft gewesen. So hatte sie zwei Tage ausgesetzt. Doch für den letzten Tag hatte sie Tschetan auf Inyan mitgenommen. Jetzt sah ich die drei in den Massen der Reiter. Andere bunt geschmückte Reiter kamen an mir vorbei. Der Chief Bigfoot Memorial Ride fand hier am Wounded Knee sein Ende, an dem am 29.12.1890 das Massaker stattgefunden hatte. Mit Absicht hatte ich mich aus dem Ritt herausgehalten. Soviel Empathie ich auch aufbrachte für Louis, für all die Generationen an Lakota vor ihnen, ich gehörte nicht zu diesem Volk. Anders als Louis und seine Cousins. Trotzdem erfasste mich das Gefühl der Gemeinschaft, kleine Tränen rannen mir über die Wangen. Ich sah verfrorene Kinder in schlechter Kleidung, auf abgefressenen Ponys. Unter ihnen fielen meine 4 Exemplare natürlich auf. Louis ritt Gwenny auf blankem Rücken. Was wohl ihre Vorbesitzer sagen würden, wenn sie das gekörte Vollblut ihr zwischen den “Indianerpferden” umher rennen sahen? Ich verschob den Gedanken nach hinten. Es ginge sie ohnehin nichts an. Ein schreiender, aber grinsender Tschetan ritt an mir vorbei, Kaya winkte begeistert von ihrem Platz vor ihrem Bruder. Ich winkte zurück. Louis ritt vorn. Er war einer der Standartenträger. Sein Gesicht war bemalt. Völlig schwarz mit weißen Punkten. Zu alten Zeiten hätte er mit diesem Gesicht schrecken bei weißen Siedlern erzeugt. Mich hatte es zunächst auch erschrocken. Dann hatte er mir von seiner Vision erzählt. Das seine Bemalung eine starke Medizin besaß. Im Galopp ritten sie auf das verschneite Feld. Die Träger der Standarten in der Mitte, während der Rest der Reiter um sie herum ritt. Trommelschläge erschollen und die ganze Situation war völlig losgelöst.
      Die anschließende Ansprache, das Gebet ...das ging wie im Traum an mir vorbei, nicht allein da sie in Lakota gesprochen wurde. Wie viel verstanden wohl die beiden Kinder? War ich nicht in der Nähe dann sprach Louis oft mit Tschetan in ihrer Sprache. Da Kaya nach wie vor nicht sprach. Konnte ich nicht viel zu ihren Sprachkenntnissen wissen. Schließlich hoben alle die rechte Faust. Die letzten Worte kamen auch an meine Ohren. “May the 7th generation rise!”


      3 Stunden später saßen alle im Auto. Auf dem Hänger standen wieder 4 Pferde, mit denen wir von der Pine Ridge Reservation aufbrachen. Gwenny und Inyan waren sicherlich froh über diese Ruhe. In den vergangenen zwei Wochen waren sie täglich mehrere Meilen gelaufen. Auch meine Fylgia hatte diverse Kilometer bestritten. Valravn war jediglich von mir bewegt worden, musste aber mit da wir ihn nicht allein zurücklassen wollten. Vor uns lag nun eine 1500 Kilometer lange Reise um noch vor dem Jahreswechsel zurück auf der Bow River Ranch zu sein. Während wir zunächst beim Horse Makeover geholfen hatten, waren wir Mitte November aufgebrochen um Verwandtschaft der Kinder in Pine Ridge zu besuchen. So war dann auch Louis eingeladen worden den 200 Meilen Ritt mitzumachen. Beide Kinder hingen in ihren Sitzen und schliefen. Ich fuhr, während ein sehr müder Louis auf dem Beifahrer hockte. “Herrlich, wenn die Füße zum ersten Mal wieder richtig auftauen.” ich sah ihn skeptisch von der Seite her an. “Herrlich? Ich hab das als äußerst schmerzhaft in Erinnerung.” Louis zuckte die Schultern, streckte die Zunge raus. “Schlaf ruhig ein wenig. Dann wechseln wir wenn du wach bist.”
      Mittlerweile hatten alle 4 Ponys eine unfassbare Routine mit langem stehen auf dem Hänger, ich selbst mit dem Fahren. Dem Ziel sah ich mit gemischten Gefühlen entgegen. Ich freute mich wahnsinnig darauf alle wieder zu sehen. Die Arbeit auf der Ranch fing an mir zu fehlen. O hatte uns zurückgebeten. Sie wollte die Familie beisammen Wissen wenn der Jahreswechsel von statten ging. Wir hatten zunächst gezögert. Uns aber schlussendlich dafür entschieden. Früher oder später mussten wir Caleb wieder unter die Augen treten um eine Einigung zu finden. Durften wir mit unseren Pferden auf der Ranch bleiben? Würde unser Leben dort fortgesetzt oder mussten wir uns insgesamt ein neues Heim suchen? Besonders der Kinder wegen würde uns eine solche Entscheidung Calebs sehr treffen. Ich hoffte nur O hatte unsere Anwesenheit zur Silvesterfeier nicht verheimlicht.


      Caleb

      ‘Hier stand ich nun. Alleine. Gefangen in meinen Gedanken. Unfähig, etwas zu fühlen oder richtig darüber nachzudenken, was passiert war. Ich hatte alles, alles was ich mir im Leben erträumt hatte. Zwar hatte ich Träume anpassen müssen, um jetzt hier zu sein und meinen Weg nicht nur einmal geändert, aber ich war dort angekommen, wo ich sein wollte. Dennoch hatte es nicht gereicht. Es hatte ihr nicht gereicht. Ich hatte ihr meine Welt zu Füßen gelegt, ja sogar meine Welt für sie umgekrempelt, mich für sie verändert, war ein besserer Mensch und sogar Liebhaber geworden. Romantik? War für mich lange Zeit undenkbar gewesen. Liebe? Wir hatten uns beide kennen gelernt, als wir als “emotional unbrauchbar” abgestempelt worden waren. Ich hatte mich ihr zu schnell geöffnet, war mit Anlauf ins kalte Wasser gesprungen und hatte ihr Platz in meinem Herzen geschaffen. Ich war aufs Ganze gegangen, weil ich gedacht hatte, mit ihr wäre es anders. Mit ihr könnte ich es schaffen. Wir könnten es schaffen.

      Schneller als es mir bewusst gewesen war, wurde ich eines besseren belehrt. Nun war es vorbei. Sie hatte sich für jemand anderen entschieden. Jemanden, der ihr das geben konnte, was sie wohl brauchte und in mir nicht gefunden hatte. Wir waren so gleich und doch so verschieden gewesen. Waren wir einfach nur zwei einsame Seelen gewesen, die sich eine Zeit lang gebraucht hatten? Die sich gefunden hatten, füreinander da gewesen waren, sich aufgebaut hatten und dann wieder alleine fliegen mussten?’

      “Hey Caleb, ist da jemand anwesend?”, riss mich Bellamy aus meinen tiefsinnigen Gedanken. “Ja.. mist…”, murmelte ich und griff schnell nach vorne, damit mit die Mistgabel nicht ganz aus den Händen glitt. In letzter Zeit dachte ich immer weniger an Ylvi… und Louis. Aber jedes mal wenn ich daran dachte, hatte ich die gleichen Gedanken. Ich sah den Schlag, den ich Louis verpasst hatte vor mir, sah sie Beide die Ranch verlassen und eine kleine Stimme in mir hatte sich gewünscht, dass sie nie wieder kommen würden.

      Aber ich hatte überreagiert. Jetzt, fast 3 Monate später, war ich mir wirklich sicher, dass ich überreagiert hatte. Aber so war ich leider. Auch nach 26 Jahren, die ich nun auf der Welt war, war ich noch immer genau so, wie ich als Kind gewesen war. Aufbrausend, schnell wütend, nachtragend, impulsiv, emotional. Ich schloss kurz die Augen, atmete einmal tief durch und öffnete dann langsam meine Lider. Bellamy war eine Box weiter gegangen. Er wusste mittlerweile, dass er mich manchmal besser mit meinen Gedanken in Ruhe ließ. “Heute kommen Louis und Ylvi wieder, oder?”, fragte ich ihn plötzlich und sah, wie er kurz zusammenzuckte. “Ja. Heute Abend. Um zusammen ins neue Jahr zu feiern. “Na hoffentlich küssen sie sich um Mitternacht nicht. Sonst muss ich Louis wieder eine reinhauen.”, sagte ich und grinste Bellamy an. Dieser wusste zu erst nicht, ob er lachen sollte, oder nicht. Entschied sich dann jedoch zu einem Lächeln. “Naja, ich hoffe natürlich nicht. Einmal reicht.”, meinte er schulterzuckend und drehte sich dann um, um die Box weiter zu misten.

      Nach etwa einer Stunde waren wir mit dem Hengststall fertig. Meine Gedanken hatte ich wieder beisammen und war sogar ein bisschen besser gelaunt. Zumindest solange, bis ich vor dem Haus den Truck von Louis sah. Ich blieb stehen, schluckte einmal- setzte dann jedoch meinen Weg fort. Ich konnte nicht ewig vor ihnen davonlaufen.



      Ylvi

      Ich war gespannt auf die Feier am Abend. Ich hatte Caleb gesehen. Wie er stehen geblieben war, den Blick gerichtet auf den Wagen, dann in Richtung Wohnhaus. Er hatte mich hinter den Gardinen nicht sehen können. Nur kurz, dann war er weiter in Richtung Haupthaus gegangen. Das wir dort oben eingezogen waren schien mir beinahe wie in einem Traum fort zu sein. Mit Louis war es anders. Schon allein wegen der Kinder. Tschetan und Kaya waren unsere Aufgabe. Gerade Kaya kostete Kraft. Langsam führte ihre Stummheit in der Schule zu Problemen. Wir mussten sehen, das sie nicht unterging. Die Lehrer schickten uns zu Psychologen. Gleichzeitig hatte ich beschlossen mehr auf der Ranch zu tun. Als Trainer einzusteigen, hatte bereits in unserer Auszeit einige Aufträge erledigt. Ich hatte Blut geleckt. Das neue Jahr stand also bereits mit vielen Neuerungen vor der Tür. 2019 war geradezu an mir vorbei gerauscht so viel war geschehen.

    • Ravenna
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      Der Hund kehrt zurück | Ravenna | 26.038 Zeichen
      Auf der Türschwelle blieb ich stehen, das Gesicht Richtung Himmel gewandt. Es wurde Frühling. Der Schnee war verschwunden, die Vögel kamen aus ihren Quartieren. Vor allem aber spendete die Sonne eine angenehme Wärme. Ich genoss die ersten warmen Strahlen des neuen Tages einen Moment. Da immernoch ein kühler Wind ging zog ich mir das Stirnband über die Ohren, anschließend ging es hinaus zum Trail meiner Ponys. Die Schubkarre stand bereits bereit, der Bollensammer und die Harke ebenfalls. Laut klappernd lief ich in Richtung des Trails. Bevor ich das Gelände betrat öffnete ich meine App. Wir hatten in den vergangenen Monaten die Ranch ein wenig modernisiert. Die Stromgeräte liefen alle mit Wlan-Verstärkern und konnten somit nicht nur kontrolliert werden, sondern auch An und Aus geschaltet. Die Idee war bei Caleb zunächst nicht unbedingt auf Begeisterung gestoßen, sich allerdings sparen zu können die Geräte ständig zu testen hatte ihn schließlich doch überzeugt. Also schaltete ich den Strom für den Trail aus. Kletterte durch den Zaun, zog die Schubkarre durch. Und begann den Paddock von den Hinterlassenschaften meiner Tiere zu befreien. Vor einer Stunde hatte ich Kaya und Tschetan an der Schule abgegeben. Aus dem Augenwinkel sah ich einen schwarzen Schatten auf mich zukommen. Was ein Seitenblick hätte werden sollen. Wurde ein verdutztes hinterher starren. Das Pferd war schwarz! Völlig, bis auf die kleinen wei0en Abzeichen an den Hinterbeinen und der Blesse auf seinem Gesicht.
      Mir klappte der Mund auf. Da stand ein fremdes Pferd auf meinem Paddock! Und mit einem panischen Blick unter das Pferd. Ich sah mich um, sah nur das Ranchpersonal. Hatte einer der Sträflinge den Hengst hier abgestellt? Viel wichtiger, wie lang stand der schon hier? Inyan schien einen großen Gefallen an dem schwarzen Hengst zu haben, er stand dicht an seiner Seite. Ich ließ die Scheiße, Scheiße sein. Schnappte mir eines der Halfter von Gweny und führte den Hengst neben mir her. Im Stallgebäude sah ich O die gerade dabei war in einer Box zu verschwinden. “O’!” die junge Frau drehte sich um. “Sag mal...ist das einer von deinen?” O’ klopfte sich das Heu von den Oberschenkeln, zog sich die Arbeitshandschuhe von den Händen und lief mir entgegen. Lief einmal um den Hengst herum. “Keiner von meinen...und wenn ich ehrlich bin auch keiner von Calebs. Wo hast du den aufgetrieben?” sie zog fragend eine Augenbraue nach oben als sie die Frage stellte. Ich zuckte hilflos mit den Schultern. “Der stand bei mir im Trail!” dabei dachte ich direkt daran den Tierarzt konsultieren zu müssen, wenn da über Nacht..”Na gut das deine Stuten in der Box waren.” unterbrach O’ meine Gedankengänge. “Ah ja? Oh..da..” “-fällt die ein Stein vom Herzen?” lachte O’. Ich lachte...meine Gesichtsentgleisung musste wohl mehr als deutlich gewesen sein. “Fylgia und Gweny sind in den großen Außenboxen bei meinen Pferden. Ich war heute morgen schon etwas verwirrt.” “Scheint allerdings als habe da jemand mitgedacht.” erwähnte ich. Ich drehte also in der Stallgasse um, führte den Hengst zurück zum Paddock. Dort hatten Inyan und Valravn erfolgreich die Schubkarre umgestoßen, die Harke lag 5 Meter weiter. “Euch kann man nicht eine Sekunde aus den Augen lassen!” lachte ich, entließ den schwarzen Hengst in die Herde. Wie Inayan freudig auf ihn zulief beschlich mich plötzlich ein Gedanke.


      Getrieben von diesem räumte ich die Sachen außer Erreichbarkeit meiner Kerl-Bande. Lief zurück zum Haus. Louis traf ich dort allerdings nicht an. Stattdessen stand da an meinem Kühlschrank eine fremde Person. Diese schien entweder ganz fasziniert vom Inhalt des Kühlschrankes, oder hatte mich nicht bemerkt. Breite Schultern, die meine Sicht auf den Inhalt verhinderte. Langer geflochtener Zopf. Die Farbe war schwarz, durchzogen jedoch von mehreren Silbergrauen Strähnen. Bei den Erfahrungen meiner letzten Jahre, konnte es sich fast nur um Verwandtschaft von Louis handeln. Der Mann sagte etwas, das ich nicht verstand, der Nasale Tonfall ließ mich allerdings auf Lakota schließen. Der Mann drehte sich um, schloss den Kühlschrank dabei und schenkte mir nun seine Aufmerksamkeit. Als allererstes fiel mir seine enorme Hakennase auf, die außerdem noch reichlich schief schien. Daher schloss ich darauf das sie zumindest einmal gebrochen sein musste. Die hohen Wangenknochen, die leicht schrägen Augen. Mein Hirn stellte keine Ähnlichkeiten zu Louis oder den Kindern her.

      Der Mann kam mir näher, ich sah seinen Blick. Von dem ich mich nicht entscheiden konnte ob er interessiert, abschätzig oder eine Mischung von beiden war. Ich entschied mich für beides, sprach jedoch kein Wort und sah ihm nicht direkt in die Augen. “Tuktel enitanhan hwo?” In meinem Verstand blitzte es auf. Diese Worte waren tatsächlich Lakota, noch viel wichtiger aber...ich konnte sie verstehen! Ich überlegte wieso er diese Frage stellte. Dann erinnerte ich mich an Worte von Louis die er einmal gesprochen hatte. Mit meinen Braunen Augen, dem schwarzen Haar könnte ich bei ungenauer Betrachtung als Indianerin durchgehen. Ich wusste auch um das gewisse Interesse einiger Natives an den Genen. Mir als Deutsche war dieses Denken der Reinheit ein wenig unangenehm, wenn man da an die Vergangenheit dachte. Viele Natives hielten sich als reiner als andere und bildeten sich buchstäblich etwas darauf ein. Ich straffte ein wenig meine Schultern um dem Mann zu antworten “Germany, ematanhan.” Ich hatte mir seit dem letzten Jahr ein paar der Bücher von Tschetan geliehen um mit ihnen meine Sprachkenntnisse aufzuarbeiten. Plötzlich zog sich ein Lächeln über das Gesicht des Mannes und er antwortete mir in gutem, verständlichem Englisch. “Ich hatte Angst als Louis eine Waschitschu geheiratet hat und mit ihr die Kinder erzieht. Aber wie ich höre, sind dir unsere Worte geläufig.” “Den Weg in eine Kultur erhält man nur über die Sprache...das hat meine Großmutter immer gesagt.” “Dann ist deine Granny eine weise Frau.” Mir brannte die Frage auf der Zunge ihn zu fragen was er hier machte. War jedoch bereits mit einigen der Regeln der Lakota bekannt. So nickte ich nur “Das war sie. Daher hat sie mich immer unterstützt fremde Sprachen zu lernen. In einem Jahr beschloss ich Altgrieschisch zu lernen, in einem anderen Altnordisch. Und eine besondere Faszination für die Geschichte der Native Americans hatte ich schon als Kind. Vielleicht war das einer der Gründe wieso ich mir Amerika ausgesucht hatte als ich eine Veränderung suchte. Wohin mich das ganze geführt hat hätte ich nie für möglich gehalten.” “Der große Geist hat manchmal verworrene Wege.” “Dieser verworrene Weg hat wohl auch dein Pferd in meinen Paddock-Trail geführt?” der Mann schob die Lippen vor als deute er auf den Hengst. “Der schwarze Teufel da?.” Teufel? “Nicht direkt...ich hab ihn vielmehr nach Hause geführt.” in diesem Moment klickte es. Denn mit diesen Worten hatte er meine Vermutung bestätigt. Das Aussehen des Hengstes, das er hier auftauchte….und die Art wie Inyan sich ihm gegenüber verhielt. “Sunka! Der Hengst ist Sunka! Aber ich dachte Louis hätte ihn verkauft.” “Das hat er auch, an mich!” Mein Gesicht musste meine Neugier zeigen, denn er sah mich an, grinste und ergänzte. “Nenn mich Logan, Logan Otaktay. Louis hat mir auf der Ranch Arbeit verschafft. Und ich dachte da bring ich ihm seinen Teufel wieder vorbei.” Mein Kopf legte sich bei dieser Aussage erneut etwas schief. “Ich hatte ihn vorhin am Strick, mir erschien er nicht wie ein Teufel.” “Er ist auch gut erzogen worden von Louis, aber ich sag dir...er hat den Schalk im Nacken sitzen.” Ich lächelte nur, denn diese Aussage konnte ich bisher nicht beurteilen. Die Gespräche führten sich noch fort, während ich uns Kaffee machte. Anschließend gingen wir beide hinaus. Logan um sich bei Caleb zu melden und ich um meine Pferde endlich zu versorgen. Die Boxen hatten bereits die Stallhilfen gemacht, so blieb mir nur noch der Trail übrig. Irgendwann in der Nacht war Logan angekommen und eines der freien Zimmer bezogen. Erst jetzt sah ich die Nachricht auf meinem Handy Louis war am frühen Morgen nach Calgary aufgebrochen um Lilly für die Semesterferien abzuholen. Er wollte noch ein paar andere Erledigungen machen um anschließend Kaya und Tschetan von der Schule zu holen. Daher war meine Nachmittagsarbeit von mir genommen. Daher beschloss ich mir einen Sonnenritt zu gönnen. Fylgia und Ravn würden sicherlich am Nachmittag von den Kids bewegt werden, daher fiel meine Wahl auf Lady Gweny. Ich führte die Stute in die Sonne des Pzutplatzes, ließ mir Zeit damit ihr Fell von Stroh und Staub zu befreien. Hing dabei meinen Gedanken nach. Die Entscheidung zu bleiben hatten wir im Verlauf der letzten Monate mehrfach durchgesprochen. Tschetan liebte die Ranch, genauso tat ich das. Kaya hatte in Betsy eine wirkliche Freundin gefunden. Jeden Tag konnten wir zusehen wie das Kind mehr zu strahlen begann. Und ich selbst. Ich hatte schließlich Louis geheiratet um genau an diesem Ort zu bleiben. Damals hatte ich aus Verzweiflung gehandelt. Rückblickend hatte ich erst begriffen wie sehr ich Caleb damit verletzt hatte. Der Schlag den Louis von ihm kassiert hatte...im Grunde hätte mir dieser gelten sollen. Ich war nicht fair gewesen. Caleb hatte uns vor zwei Wochen beiseite genommen um zu klären wohin unsere Wege uns führen würden. Offen hatten wir ihm erklärt was wir wollten. Hatten die Vergangenheit dabei völlig außer acht gelassen. Wir hatten besprochen was unsere Aufgaben sein würden. Das Gehalt war geklärt worden, damit wir ein Einkommen hatten. Danach war Ruhe in meinen Verstand eingekehrt. Ich hatte unbewusst in den letzten Monaten gedacht Caleb würde uns vertreiben wollen, doch in diese Richtung war nichts geschehen. Unsere Gespräche waren nicht länger verkrampft und seltsam. Vielmehr konnte ich in unserer neuerlich aufkeimenden Freundschaft das Flair der alten Mitschwingen hören. Neben der Hilfe bei den Zuchtpferden, sie täglich zu bewegen. Hatte ich auch wieder begonnen bei ihm Unterricht zu nehmen, um meine Fähigkeiten im Westernreiten etwas aufzufrischen. Selten hatte ich dabei das gleiche Pferd unter dem Hintern, schon gar keines von meinen eigenen. Jetzt freute ich mich daher umso mehr auf den Ritt mit Gweny. Routiniert sattelte ich die Scheckstute, streifte ihr einen einfachen Gebissriemen über den Kopf. Dann war das Ganze auch schon beendet. Mit Hilfe des Aufstiegsblocks gelangte ich in ihren Sattel, sortierte meine Zügel und entschloss mich den Weg in Richtung der oberen Weiden zu nehmen. Dort befand sich seit kurzem eine der Rinderherden gestanden. Nun standen einige der Junghengste dort oben. Die drei einfachen Häuser die dort standen waren über den Winter renoviert worden. Einige der Mitarbeiter hatten darin ihr Quartier bezogen. Zum einen um jeden Morgen nach den jungen Pferden zu schauen, aber auch um die Rinder im Auge zu behalten, wenn sie dort waren. Zu diesem Zweck befand sich dort auch ein kleiner angelegter Paddock damit die Mitarbeiter ohne eigenen Wagen die 3 Kilometer vom Berg herunter reiten konnten Aus diesem Grund hatte auch Cayce seinen Shorty dort oben untergebracht. Dann und wann befand sich auch Inyan oder Valravn unter den Pferden dort, da Louis und Tschetan dort übernachteten.

      Ich grüßte Bellamy der mit der Schubkarre über den Hof fuhr, gab Gweny den Weg frei hinauf den kleinen Berg. Die Sonne schien weiterhin warm vom Himmel.


      An den Zaun gelehnt sah ich Laurence und Cayce dabei zu wie die kleinen Kälber gefangen, zu Boden gepinnt und mit der nötigen Ohrmarke ausgestattet wurden. Ich lächelte bei dem Gedanken im Sommer vielleicht mit einem meiner Pferde einen Viehtrieb mitzumachen. Im vergangenen Jahr hatte ich sowas geplant...dann waren so viele Dinge auf einmal passiert. Dieses Jahr hatte ich mir das wirklich fest in den Kopf gesetzt. Aus dem Augenwinkel nahm ich einen Schatten wahr, dann wackelte der Zaun. Hände in meinem unmittelbaren Gesichtsfeld. Ich sog die Luft ein, roch das Aftershave in meiner Nase, sah den weißen Hut in meinem Augenwinkel. Nur leicht bewegte ich den Kopf. Unmissverständlich. Caleb. Keiner von uns sprach, beide sahen wir nur dem Geschehen zu. Ich war vielleicht halb verwirrt wieso er nicht dabei war. “Ich weiß jetzt wieder was mir gefehlt hat die letzten Monate.” ich sah ihn nicht an als meine Augenbrauen sich zusammen zogen. Ich deutete auf das Geschehen vor uns. Caleb schüttelte den Kopf. “Nicht die Kälber. Dich..die Kids...und ja sogar Louis. Betsy war so traurig als Kaya nicht hier war.” er seufzte “Ich bin froh das ihr euch entschlossen habt zu bleiben.” Aha? Betsy hatte also Kaya vermisst? Erst jetzt sah ich ihn an, drehte mich um und lehnte meinen Rücken an den Zaun. Wir sahen einander in die Augen, wie wir es Monate nicht getan hatten. Ich dachte dabei an all die Erinnerungen die ich mit der Ranch und all seinen Bewohnern verband. Ob er das hinter meinen Augen lesen konnte? Zumindest lächelte er, noch bevor die Worte “Mir liegt diese Ranch einfach zu sehr am Herzen.” meine Lippen verlassen hatten. Dann senkte ich den Kopf, schuldig biss ich mir auf die Lippen. “Deshalb habe ich die Entscheidung getroffen Louis zu heiraten als sich die Möglichkeit ergab. Ich.” kurzes Schweigen, Caleb starrte dabei wieder auf die Rinder. Keinerlei Regung in seinem Gesicht. “...es tut mir Leid. Ich kann nur erahnen was ich dir angetan habe.” Als ich schon nicht mehr damit rechnete bewegte sich der blonde Cowboy plötzlich. Stellte sich vor mich und zog mich an den Schultern zu sich heran. Ich spürte den Druck den seine Arme auf meinen Oberkörper ausübten, hörte das flüstern an meinem Ohr. “Ich bereue es...ich bereue es nicht mehr Mut bewiesen zu haben.” Dann hielt er mich an den Schultern etwas weniger als eine Armlänge von sich fort, küsste meine Stirn. Um dann zu den anderen in den Pferch zu schlüpfen. Ich blies meine Backen auf. Drehte mich wieder zum Zaun und beobachtete einfach weiter. Doch meine Gedanken kamen trotzdem nicht zur Ruhe. Er bereute es. Und das sagte er jetzt?

      Meinem Hirn blieb allerdings nicht viel Zeit um dem ganzen Zeit zum grübeln zu geben. Jemand rief meinen Namen hinter mir. Ich erkannte Louis, drehte mich um und schon rammte sich ein Kopf in meine Magengegend. Und Arme schlossen sich um meine Hüfte. Kaya umarmte mich fest. Betsy war neben ihrer Freundin gerannt. Ich erschrak beim Anblick ihres Gesichtes. Löste Kaya von mir...die ein verquollenes Gesicht hatte vom Weinen, eine blutige Lippe. Tschetan hatte ebenfalls eine blutige Lippe. Verwirrt sah ich von der grinsenden Betsy, zum verlegenen Tschetan zu meinem Mann...ihm schien nichts zu fehlen. Er deutete allerdings mit vorgeschobenen Lippen auf den Kinderhaufen um mich herum. “Ich durfte alle 3 vom Direktor abholen.” Ich zog eine Augenbraue nach oben. Betsy fiel Louis ins Wort und begann aufgeregt zu erzählen. “Einer der Freunde von Tschetan hat Kaya nachgeäfft und geärgert. Ich habe Kaya dabei geholfen sich ihm verständlich zu machen. Als er nur lachte wurde ich sauer und hab ihn geschlagen. Dann hat Kaya mir geholfen…” Tschetan legte dem aufgeregten Mädchen eine Hand auf die Schulter. “Ich habe die beiden aus der Situation heraus geholt...Joshua wollte mir erzählen das die Mädchen angefangen hätten. Allerdings gab mir meine Schwester zu erzählen das es eine Lüge wäre. Nachdem ich Joshua also erklärte das ein Freund niemals meine Schwester beleidigen würde….da war er sauer und schlug nach mir. Aber er war zu langsam für mich.” feixte Tschetan. Jetzt begann Betsy wieder aufgeregt. “Anschließend hat uns leider der Vertrauenslehrer zum Rektor geschleift. Wir haben eine ordentliche Standpauke bekommen. Er hat einfach nicht verstanden das man andere nicht ärgert….schon gar nicht, wenn diese jünger sind.” Ich seufzte...irgendwo gefangen zwischen. Ich musste den Kids sagen das ein solches Verhalten nicht gestattet war, dem Wunsch Betsy fest in den Arm zu nehmen als Dankeschön….und den Grundsätzen der Erziehung die Louis verfolgte. Daher wandte ich mich zunächst an Betsy. “Ich danke dir für deine Hilfe für Kaya. Den Rest musst du denke ich mit deinem Vater besprechen.” Betsy neigte den Kopf, verzog den Mund ein wenig. Sie war nicht meine Verantwortung. Was sie für Kaya getan hatte war Heldenhaft gewesen...sie war für ihre Freundin eingestanden. Diese legte jetzt ihrer Freundin die kleine Hand auf die Schulter. “Kaya, mach dir nichts aus dem Idioten...und wie ich schon sagte. Ich erzähle meinen Kummer immer Sue...sie hört zu und verrät meine Geheimnisse nicht weiter!” Kaya löste sich halb von meiner Hüfte, zog lautstark die Nase hoch, zeigte schüchtern die Geste für “Danke” konnte sich allerdings kaum zu einem Lächeln durchringen. Damit verließ uns Betsy mit dem schweren Schulranzen auf dem Rücken. Zurück blieb unsere kleine Familie. Ich sah von Kaya auf zu Tschetan, der konsterniert und grüblerisch drein blickte und von dort zu Louis der im Rücken der Kinder stand. Seine Miene konnte ich zunächst nicht deuten, dann lächelte er und zuckte die Schultern. Auch er gebrauchte die Gesten und gab mir zu verstehen. Ende. “Ich glaube wir haben uns jetzt alle erstmal Essen verdient,oder?” fragte ich in die Runde, nahm Kaya an die Hand und führte alle Richtung unseres Hauses. In der Welt der Lakota gab es keine Strafen, keine Beschimpfungen. Kinder lernten indem man sie ignorierte, wenn sie etwas falsches getan hatten. Das ganze Konzept unterschied sich so gewaltig von dem was ich als Kind erlebt hatte. Aber es funktionierte tadellos. Kaya beruhigte sich zunehmend während sie uns dabei half das Essen zu bereiten. Nebenbei erklärte mir Louis wann Logan hier angekommen war. Tschetan war hinaus zu den Pferden gegangen um noch schnell Valravn zu bewegen. Er hatte mit dem Wallach an einem Kurs von Caleb teilgenommen. Oft hatte ich dabe zugesehen...und manches Mal einen kleinen Stich der Eifersucht verspürt. Dieser junge Mann ritt den Wallach deutlich besser als es mir je gelungen war. Tschetan besaß ein Händchen für Pferde. Außerdem hatte er dem blonden Cowboy das Versprechen abgerungen ihm beim Makeover Pferd helfen zu dürfen. Typisch Lakota-Mann kam Tschetan gerade zum Essen zurück, im Schlepptau Logan. Ich seufzte innerlich. Noch so eine Sache an die ich mich gewöhnen musste. Die Gastfreundlichkeit. Mir als Frau oblag es die Gäste ausreichend zu versorgen. Also teilte ich unsere Mahlzeit nicht durch 4, sondern nun durch 5. Ich hoffte einfach das der ausgewachsene Mann nicht genau so viel in sich hinein schaufelte wie der 14 jährige Jugendliche der sich nach dem Hände waschen nun auf seinen Stuhl hockte. Momentan überragte er mich bereits um einen guten Kopf. Seine Kleidung war immer ein wenig zu klein. Ich hatte das Gefühl er würde täglich wachsen. Er war dünn, fast ein wenig schlaksig. Sein Gesicht hatte im vergangenen halben Jahr alles kindliche verloren, war allerdings noch nicht ganz Mann. Allerdings ließ sich seine kommende Statur bereits erahnen. Er schlug nach Louis. Ein junger Mann denen die Mädchen bereits begannen nachzusehen, sogar deutlich ältere. Tschetan jedoch hatte gar keine Blicke für sie...oder strafte sie einfach mit der stoischer Ignoranz. Die Stimmung am Tisch war gelockert und heiter. Während gesprochen wurde hantierte Logan stetig mit den Händen, dabei lernte auch ich noch mehr Gesten der uralten Gebärdensprache der Plains Stämme. Vom weit im Osten bis in den Westen hinein vermochten zu alten Zeiten die Stämme sich mit den Händen einander verständlich zu machen. Kaya war mit einigen dieser Gesten aufgewachsen. Ich hatte sie von Louis begonnen zu lernen um Kaya eine bessere Kommunikation zukommen zu lassen. Zwar hoffte ich noch immer darauf das sie vielleicht eines Tages doch wieder beginnen würde zu sprechen, allerdings hatten wir die Therapien sein gelassen. Kaya sollte von sich aus beginnen zu sprechen...allein in ihrer eigenen Zeit. Darauf hatten Louis und ich uns geeignet.

      Die letzten kleinen Reste des Essens begannen bereits auf den Tellern anzutrocknen als Kaya groß den Mund aufriss vor Gähnen. Anschließend zwinkerte sie. Louis lachte, gab die Geste für Müde und Kaya nickte. Während Tschetan also seine Schwester dabei unterstütze sich für das Zubettgehen fertig zu machen. Erzählte Louis seinem Freund von der Begebenheit in der Schule. Gerade als die beiden aus dem Bad zurück kamen wollte Logan antworten, beließ es jedoch dabei. Kaya umarmte Louis, gab ihm einen Kuss auf die Wange. Dann erscholl doch Logans sanfte, raue Stimme. “Werden in diesem Haus denn auch Geschichten erzählt?” Kaya nickte aufgeregt und deutete auf mich. “Wir sind alle Fans von Büchern jeglicher Art. Manchmal lese ich vor dem Schlafen etwas vor.” “Bücher! Pah...ein wahrer Meister behält die besten Geschichten im Kopf!” “Komm schon, alter Freund. Welche Geschichten unseres Volkes brennen dir unter der Haut?” lachte Louis erheitert. Logans Augen begannen diebisch zu funkeln, dabei richtete sich sein Blick genau auf Kaya. “Kannst du mir sagen wieso Enten rote Augen haben?” Kaya dachte einen Moment nach, dann schüttelte sie heftig den Kopf, sodass ihre schmalen Zöpfe ihr um die Ohren flogen. “Dann schnell unter die Felle und dann will ich dir die Geschichte von Iktomi und den Enten erzählen.” Begeistert lief Kaya den Flur hinunter, gefolgt von Tschetan und uns Erwachsenen. Louis musste die Geschichte kennen, ich kannte sie bisher nicht. Kannte aber die tolle Erzählkunst der Lakota-Ältesten bereits vom Indian Relay und war daher gespannt was ich zu hören bekommen würde. Innerlich dankte ich dem Besuch für seine Ablenkung für Kaya von den Erlebnissen des Tages. Es war nicht das erste Mal das ich darüber nachdachte Kaya sowie die anderen Kids der Ranch hier unterrichten zu lassen. Ob ich mich mit Dell und Caleb diesbezüglich mal unterhalten sollte? Tschetan und Kaya begaben sich in die Betten, Logan platzierte sich in die Mitte des kleinen Zimmers während sich Louis in den Türrahmen stellte und mich dicht an seine Brust zog. Während die Worte erzählt wurden war ich ganz in seinen Worten gefangen, im Rücken den Herzschlag meines Mannes. Unser Atem der sich einander anpasste. Und eine einzelne Träne die über meine Wange lief. Hier...inmitten der Geschichte kam mir die Erinnerung des Nachmittags wieder in den Sinn. Calebs Worte, der Kuss auf die Stirn. Innerlich spürte ich den Zorn darauf, zitterte...und fühlte mich doch gefangen von der Ruhe des Augenblicks. Louis strahlte diese Ruhe für mich aus, der Anblick der Kinder in ihren Betten. Selbst Logan auf dem Fußboden im Schneidersitz, dessen Hände seine Geschichte und Worte mit den Gesten untermalte. Ich fühlte mich glücklich….ich war zufrieden. Doch mein Herz...meine Seele hatten Caleb nicht vergessen. Ich hatte gedacht dies sei der Fall gewesen. Aber jetzt. Im Moment der Ruhe spürte ich das ich diesen Mann nicht vergessen konnte. Das obwohl meine Liebe auch dem Mann in meinem Rücken galt.


      Noch als sich die Tür zum Zimmer der Kinder schloss. Verabschiedeten wir uns voneinander. Louis lief neben mir, öffnete dann die Tür und führte mich in unser Schlafzimmer. Kein Licht das er einschaltete, der Raum war ohnehin so klein das man quasi direkt in unser Bett hinein fallen konnte. Das Licht vom Flur kam unter der verschlossenen Tür hindurch und leichtes Dämmerlicht herrschte. Louis Hand strich mir die Träne von der Wange fort. “Du weinst doch nicht nur wegen Kaya, oder?” Ich zuckte unsicher mit den Schultern, dann hob ich mich einfach auf die Zehenspitzen und raubte meinem Mann einen sanften Kuss von den Lippen. “Mihinga!” Mein Mann. seufzte ich leise an seinen Lippen. Anschließend löste ich mich von ihm, begann mir die Socken vom Körper zu streifen, den Rest meiner Kleidung und kroch, gemeinsam mit Louis unter die Decken. Dabei bekundete ich meine Sorge um die Schule mit Kaya, den möglichen Unterricht auf der Ranch...aber auch die freundliche Geste von Logan. “Was mich allerdings heute völlig aus der Bahn geworfen hat...das war Caleb.” ich unterbrach meine Erzählung kurz. Wartete ob Louis noch etwas sagen würde...kämpfte mit meinen Worten, meinen Gedanken. Setzte zweimal an stoppte. Ihm wie Caleb hatte ich geschworen keine Lügen. Also setzte ich erneut an. Erzählte von Calebs Worten...seiner Geste. Louis ließ ein leises, fast dunkles Lachen hören. “Oh Caleb.” seufzte er dann. “Was auch immer er sagt...für mich bleibt er mein Kola….vielleicht kann er das eines Tages sehen. Was hast du jetzt vor?” Ich sah in der Dunkelheit zu Louis, konnte nur schwach seinen Schemen ausmachen. “Nichts? Damit leben...versuchen damit klar zu kommen? Ganz ehrlich? Keine Ahnung. Ich denke...alles wird die Zeit zeigen.” “Du liebst ihn noch immer?” fragte er ernst, aber nicht vorwurfsvoll. “Klingt das schräg? Du bist mein Mann...mein Zentrum, mein Ruhepol...aber Caleb. Ja...auch für ihn brennt mein Herz. Anders...aber ich kann ihn einfach nicht vergessen. Er regt das Chaos in mir an, bringt etwas in mir zum Singen. Ich kann das gar nicht vernünftig in Worte zu fassen.” Ich spürte Louis Hand auf meinem Oberschenkel, spürte wie er mir von dort die Hüfte hinauf bis zu meinem Schlüsselbein strich. Dort spürte er meinem Herzschlag nach. “Wie du sagst...wir werden sehen was die Zeit uns bringt.” ich war so unfassbar froh das ich mit ihm über solche Dinge sprechen konnte...er verstand. Ich wusste keine Antwort “Oh Mihinga” seufzte ich erneut..küsste ihn sanft auf die Wange, die Augen. Spürte dann seine Lippen auf den meinen, zögernd, sanft dann forscher. Und schließlich erneuerten wir den Schwur der Hochzeit als wir eng verschlungen in den Decken versanken.


      Als längst Louis eingeschlafen war, schweifte mein Blick zum erleuchteten Fenster in der Dunkelheit. Dort...im Haupthaus saß Caleb noch immer in seinem Büro und grübelte über Dinge nach, die im normalen Ranchalltag liegen blieben. Und mit dem Gedanken an Caleb sank auch ich in einen erstaunlich ruhigen Schlaf. Er bereute das er nicht an Louis Stelle gewesen war. Mein Hirn schweifte ab in wirre Träume, deren Inhalt ich nicht hätte wieder geben können.






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  • Album:
    Gnadenweide
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    Ravenna
    Datum:
    19 Mai 2019
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  • Fylgja
    'she who follows'

    Exterieur

    Stute
    2. Juni | 12 Jahre
    Rasse
    Lewitzer
    Stockmaß/Endmaß 140 cm
    Fellfarbe Rappschecke
    Krankheiten Ekzemer
    Gencode: EE/Ee, aa, ToTo
    _____________________________________

    Interieur

    Vorgeschichte
    Fylgia wurde in einer Zeit geboren in der Chippen noch keine Pflicht war. Daher ging bei dem alten Herren aus dessen Zucht sie stammt ihr Pass verloren. Über den kaum erkennbaren Brand ließ sich nicht mehr herausfinden welcher Linie die Stute entstammte. Sicher ist jedoch das Fylgia zumindest einmal in ihrem Leben ein Fohlen hatte, denn die kleine Stute lief noch bei Fuß als Ylvi sie damals kaufte. Damals war Fylgia gerade 6 Jahre alt, zwar sicher gefahren, das reiten war ihr allerdings noch unbekannt.

    Beschreibung
    Arbeitswillig | Umgänglich | Gelassen
    Fylgia ist im allgemeinen eine relativ dominante Stute in der Herde, sie setzt sich innerhalb kürzester Zeit als Leitstute ab - neigt aber nicht dazu auszutreten. Vielmehr kommt sie ihrem Namen nach - sie ist die Beschützerin der Familie. Besonders wenn es um ihren Ziehsohn Ravn geht. Mit dem Menschen ist sie stets umsichtig. Von Grund auf besitzt Fylgia einen guten Arbeitswillen, ist aber Intelligent, die Stute muss man zunächst für sich gewinnen, damit sie für einen arbeitet. Im Gelände ist sie ohne Probleme händelbar, genießt die Zeit die sie vor einem Sulky verbringen kann - eher als geritten zu werden.



    0 = sehr unruhig / -sicher 10 = sehr ruhig / sicher

    neue Umgebungen/Situationen
    7
    Fahrzeuge 9
    Gelände 10
    Straße 9
    Wasser 5
    Hänger 8
    Hufschmied 8
    Tierarzt 7

    [​IMG]
    _____________________________________


    Qualifizierung
    Trainingsplan
    Eingeritten | Eingefahren

    Zirkuslektionen

    Kompliment | Ja und Nein ✓ | Knien | Bergziege ✓ | Liegen ✓ | Sitzen
    Tanzen | Seitenschritte | Rückwärtsrichten ✓ | Jambette ✓ |
    Spanischer Schritt | Steigen | Spanischer Trab |


    Dressur A
    Springen L
    Fahren L
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    Erfolge

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    504. Springturnier
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    294. Synchronspringen
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    305. Synchronspringen
    298. Synchronspringen

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    530. Westernturnier

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    [RS78] Hindernisfahren
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    Besitzerdaten

    Besitzer Ravenna (Ylvi Seidel)
    VKR/Ersteller Calypso
    _____________________________________

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