Ravenna

Fylgia

Lewitzer ○ Black Tobiano ○ Stute ○ 12 Jahre ○ 140cm

Fylgia
Ravenna, 19 Mai 2019
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      Ankunft
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      Nervös strich ich meine schwitzenden Hände immer wieder an meinem Oberschenkel ab, mein Blick ging immer wieder Richtung der Seitenspiegel und von dort auf den Hänger. Ich ärgerte mich den Führerschein nicht selbst zu haben, trotzdem vertraute ich meinem Vater. “Die beiden kennen doch die Hängerfahrt.” “Die letzten zwei Jahre allerdings nicht, das macht mich einfach nervös.”

      Ich war umgezogen.

      Meine komplette bisherige Umwelt zurückgelassen im Rand von Berlin. Ich hatte das gebraucht, zu sehr war ich dort festgefahren. Mit Beendigung meiner Ausbildung hatte ich mir eine Wohnung gesucht. Etwas eingelebt holte ich nun meine beiden Pferde nach. Ich hatte sie unheimlich vermisst. In den letzten zwei Jahren hatten wir mehr Zeit miteinander verbracht, als die Jahre zuvor. Mit Beginn meiner Ausbildung hatte es ausgerechnet Schwierigkeiten an dem Hof gegeben, an dem Fylgia bereits seit Jahren stand. Zum Ende des ersten Lehrjahres, stand ich plötzlich ohne Stall da. Die Familie hatte sich auseinander gelebt, das Ehepaar das seit Jahren wie meine Zieheltern gewesen waren trennten sich. Die Tochter verschwand zu einem Auslandsjahr. Ich sah mit an wie sie begannen die Ponys des Schulbetriebes zu verkaufen. Sehr viele Ställe gab es in der Gegend nicht, Fylgias dominantes Verhalten machte und die Stallsuche auch nicht gerade einfach. Meine Großeltern wohnten auf dem Land - sie gaben mir die Möglichkeit Fylgia bei sich unterzustellen. Das Problem damals war nur - allein wollte und konnte ich sie dort nicht halten.

      Mitten im Führerschein und die Tatsache das ich natürlich auch nicht die Welt verdiente als Azubi, sprach nicht unbedingt für sich. Nach langen Gesprächen mit der gesamten Familie, stand die Entscheidung fest. Zusammen mit meinem Vater verbrachte ich einen ganzen Sommer damit Weiden abzustecken, einen Unterstand zu bauen und im alten Hühnerstall entstand eine großzügige Box. Nebenbei begab ich mich auf die Pferdesuche. Wie es der Zufall wollte, meldete sich mein erster Reitstall. Ursprünglich hatten sie den Wallach der Tochter behalten wollen, bis diese wieder zurück kam. Die für ihn gesuchte Reitbeteiligung warf jedoch bald die Flinte ins Korn mit dem temperamentvollen Wallach. Da meine ehemalige Freundin Nadine beschlossen hatte noch ein Jahr an ihren Auslandsaufenthalt heran zu hängen, entschieden ihre Eltern Valravn zu verkaufen. Sie boten ihn mir an. Ich kannte den Wallach noch als Junghengst, als sie ihn vom Schlachter gerettet hatten, gerade 2 Jahre alt. Als er später kastriert worden war hing er sofort an Fylgias Seite. Ich hatte nicht lange gezögert und den jungen Wallach zu mir genommen. Von da an führte mein Weg vom Bahnhof direkt zu meinen Großeltern um meine Pferde zu versorgen.

      “Ylvi? Hörst du?” “Mhm?” “Ich hab gesagt das wir fast da sind, ruf doch die Besitzer schon mal an, damit wir wissen wo wir die beiden am besten abladen sollen.”

      Ich brauchte eine Weile bis ich die Nummer wieder gefunden hatte - natürlich hab ich die nicht abgespeichert. Allerdings erreichte ich nur die Mailbox. Keine 2 Minuten später erhielt ich jedoch ihren Rückruf. “Seidel?” “Schmiedemann hier,Sie haben angerufen?” “Ach Annabelle. Wir sind jetzt auf dem Weg mit Fylgia und Ravn. Laut dem Navi sind wir noch etwa 10 Minuten unterwegs. Sollen wir einfach auf den Hof kommen?” “Ja, vorn durch das Tor und dann könnt ihr direkt dort parken und dort direkt ausladen.”


      Gesagt getan, es dauerte nicht lang bis wir schließlich durch die Einfahrt fuhren. Mein erster Weg führte nach hinten zum Hänger, ich öffnete die kleine Tür, dort standen Ravn und Fylgja, sahen mir neugierig entgegen. Von irgendwo erklang ein heiseres Wiehern, von dem ich noch nicht wusste zu welchem Pferd es gehörte. Ravn hatte es irgendwie geschafft den Strick zu lösen, sodass dieser relativ nutzlos einfach hinab hing. Beide Ponys hoben den Kopf, holten tief Luft. Fylgja ließ sich nicht lang beirren, widmete sich wieder dem Heunetz vor ihrer Nase. Leider sah sie auch genau so aus...zu fett. Der Sommer hatte ihr wirklich nicht gut getan, ein paar Gedanken hatte ich mir schon gemacht das sie vielleicht an Hufrehe erkranken könnte. Allerdings hatte sich dieser Verdacht nicht bestätigt, dass hatte mir mein Tierarzt in der Heimat nochmal bestätigt.

      Mit unter eines der weniger erbaulichen Dinge, ich musste mir einen neuen Tierarzt und Hufschmied suchen...und gerade letzterer war teilweise schwer zu finden. Schlechte Hufe hatten beide Ponys nicht, aber in meiner alten Heimat einen passenden zu finden war schwer. Auf die Suche hier hatte ich nun wirklich keine Lust. “Machst du mir erstmal hinten auf, Paps? Dann hol ich erst Ravn raus und anschließend Fylgja.”
      Fylgja stand etwas steif da, drückte sich mir entgegen anstatt rückwärts die Rampe des Hängers hinunter zu gehen. “Fyl...bitte...los zuuuurück!” forderte ich nun etwas eingehender. Zögerlich trat die Stute nun einen ersten Schritt die Rampe hinunter, dann musste ich mich plötzlich beeilen unter der Stange hinweg zu tauchen, denn Fylgja raste plötzlich runter. Als sie ankam schnaubte sie laut, brummelte in Richtung Ravn den mein Vater am Strick hielt. Annabelle Schmiedemann kam uns entgegen. Sie begrüßte uns freundlich, brachte uns zu einem vorerst abgetrennten Bereich in dem die beiden für einige Tage untergebracht sein würden. Über den Zaun konnten sie erste Kontakte mit den anderen Pferden aufnehmen.

      Dort angekommen zeigte sich das Temperament der beiden, Fylgja begann sofort zu fressen, Ravn bewegte sich zum Zaun wieherte einem der Pferde zu und rannte dann buckelnd am Zaun entlang, drehte eine Runde um die ältere Stute. Von ihm angesteckt schloss sich Fylgja ihm an. Gemeinsam rannten sie nun eine Weile herum, immer mehr der anderen Ponys gesellten sich zum Zaun hinzu. Fylgja ging auf Tuchfühlung mit einem Isländer, schrill quitschte sie, warf das eine Bein nach vorn. Ich musste lächeln, ganz meine Stute.

      Im Verlauf der nächsten Tage beschäftigte ich die beiden vorerst nur mit Bodenarbeit, sie sollten den Hof kennenlernen, sich an die neue Umgebung gewöhnen.
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      Stallalltag
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      Mit klammen Fingern knibbelte ich an dem Lederriemen herum um Fylgias Trense zu öffnen, die ganze Angelegenheit machte mir meine Stute nicht unbedingt einfacher. Ein Ruck und der Riemen entglitt mir meinen Fingern. “Fyl!” schimpfte ich etwas “du musst schon still halten” Ich griff um ihre Nase, zog den Kopf nach oben und stellte mein Knie drunter, sie würde nun gegen mein Knie kommen, wenn sie den Kopf bewegte. Jemand von meinen Vorreitern hatte den Putzplatz nicht gefegt, daher lag dort unten noch Haferreste - auf die hatte es meine Stute nun natürlich abgesehen. Ich hatte das Glück meiner Frühschicht heute genossen um am Morgen eine kleine Ausfahrt mit Fylgia und auch Ravn zu machen. Der Wallach war nur mit dem Halfter ausgestattet gewesen, daher stand er schon etwa einen Meter entfernt an seinem Mash und futterte glücklich vor sich her. In Ermangelung von Handschuhen waren meine Finger kalt, steif und mir gelang es nicht richtig die Lederriemen an der Trense zu öffnen - sie war relativ neu, da Ravn die alte angenagt hatte. Schließlich gab das Material nach, ich zog der mittlerweile ungeduldigen Stute die Trense über den Kopf und schob ihr das Halfter auf den Kopf. Anschließend bestappelte ich mir die Arme mit dem Brustgeschirr, den Fahrleinen und hängte mir die Trense selbst um den Kopf. Erwartungsvoll sah Fylgia mich an. Ein Stöhnen entwich meiner Kehle...ihr Mash. Ich drehte mich im Kreis, sah ihre Schüssel und dirigierte mit dem Fuß diese in Richtung Stute. Ravn war nicht angebunden, aber solang Fylgia nicht weg ging würde auch der Wallach nicht flüchten. Also drehte ich bei, allzu viel Zeit hatte ich nun nicht mehr übrig. Ich musste noch den Paddock sauber machen, mein Zeug weg stellen. Also warf ich mein Zuggeschirr nur auf den dafür angebrachten Haken, huschte zurück auf den Hof. Schob den Gig wieder in die kleine Garage, in der ich ihn zum Glück unterbringen durfte


      Dann suchte ich mir schonmal die Schubkarre, sowie den Äppelboy und den Besen. Nachdem ich beiden Ponys noch einmal die Hufe gesäubert hatte, fegte ich schnell alles zusammen warf den Dreck in die Karre. Anschließend legte ich Valravn wieder das Halfter und den Strick an, löste den Knoten von Fylgia und nahm jeweils rechts und links eines der Ponys. Mit der Schubkarre vor mich her schiebend ging es also zum Paddock, dort schickte ich nacheinander die Ponys hinein, schob jedem ein Leckerli zwischen die Lippen und hängte die Halfter an den Pfosten damit sie mich nicht weiter stören würden.

      Während ich also einen Äppelhaufen nach dem anderen auf die Karre warf, beschlich mich das Gefühl der vor mir hätte nicht anständig sauber gemacht. “So viel könnt ihr doch gar nicht scheißen!” ein Blick auf die Uhr verriet mir das ich den Weg nach Hause nicht mehr schaffen würde. Ich hielt inne warf einen Blick an mir hinunter. Well...schlammige Wanderschuhe, eine alte schwarze Hose und eine Jackie die deutlich machte - ich komm aus dem Stall. Ich zuckte mit den Schultern...ich hatte ja auf der Arbeit nicht direkt Kontakt zum Kunden. Ich beendete also meine Arbeit, warf die Harke wieder in die Ecke. Ich musste unbedingt eine andere besorgen….Annabelle hatte sich ausgerechnet für eine rosane entschieden...von allen Farben rosa. “Ravn!” rief ich wenig begeistert, quer über den Paddock. Dort am anderen Ende suhlte sich mein Wallach gerade genüsslich im Matsch. “Na toll.” morgen würde ich also wieder ein vollkommen verdrecktes Pony haben. Ich plante daher vor meiner Reitstunde schon gleich mal eine halbe Stunde mehr zum putzen ein. Da beneidete ich dann doch irgendwie Leute die ihre Pferde eindeckten. Für heute verließ ich vorerst den Stall. Laurence war momentan da um Ravn zu trainieren, das nur noch etwa zwei Tage. Daher hatte ich um eine Reitstunde bei ihm gebeten um noch einmal eine Auffrischung der ganzen Kommandos zu haben.

      Spät am Nachmittag des nächsten Tages ging es also zurück in den Stall, den Sattel von Ravn und auch seine Trense und die Boots hatte ich bereits draußen auf den Bock gestellt. Mit der Bürste löste ich in kleinen feinen Strichen die Matschkruste aus dem Fell des Wallachs, auf den Ohren hatte ich Kopfhörer, sodass ich von Vollbeat beschallt wurde. Ursprünglich hatte ich nie wirklich Interesse daran gehabt auf Turniere zu gehen, gerade nicht in den ersten Jahren von Ravn und mir...wie oft war ich frustriert wieder abgestiegen. Auch jetzt noch bereitete der Wallach beim reiten manchmal Probleme. Er war willig, lief fleißug vorwärts. Beim Anreiten hatten es einige daher oft übertrieben - wenn er etwas partout nicht wollte neigte er auch zum Steigen. Erst vor einem Monat hatte er sich geweigert mit mir über eine Stange zu gehen. Ich hatte absteigen müssen, ihn einige Mal drüber führen, ehe er sich auch vom Sattel aus überzeugen ließ von mir.

      Alles in allem lief die Reitstunde aber vollkommen ohne Probleme ab, eher war es so das Laurence mich oft das Tempo zügeln ließ. “Du musst weniger Hektik in deine Hilfen einbauen! Du bist angespannt das spürt er deutlich. Lehn dich weiter zurück, entspann deine Beinmuskulatur, er läuft doch also treib nicht zu viel.” das viel mir gar nicht so einfach - denn ritt ich Fylgia m
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      Umzug nach New Mexico
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      “Du weißt das ich das nicht für eine gute Idee halte?” ich saß auf dem Rand meines “Bettes”, dem letzten Rest dessen was mal meine Wohnung gewesen war. Ich hatte einen neuen Job ergriffen, es war eine Chance - der Vorteil?

      Meine Pferde durften mit. Ich würde die Webseite einer Ranch bearbeiten, aktuell halten und die allgemeine Öffentlichkeitsarbeit machen. Zwar hatte ich in letzterem noch nicht die Erfahrung, würde aber in die Aufgabe hineinwachsen. “Ich weiß.” murmelte ich zu der Stimme die mir ihre Bedenken mitgeteilt hatte. “New Mexico...das ist verdammt weit weg.” “Das wäre jedes andere Land außerhalb von Deutschland auch.” Ich spürte eine Hand auf meiner Schulter, sie strich mir die Haare aus dem Nacken nach vorn, Lippen auf meiner Schulter. “Gerade jetzt.” “Was dein erstes Gefühl dir sagt, das tu.” “Und dein erstes Gefühl sagte dir mit Sack und Pack nach New Mexico zu gehen?” “Max, die letzten Jahre habe ich immer getan was richtig war. Und was andere wollten. Also habe ich diese Chance auf Abenteuer ergriffen.” Max hörte nicht auf, seine Lippen folgten meinen Schultern bis zu meinen Ohren. Das hier war unfair..wollte er mich auf diese Art hier halten? Die Abmachung war keine Verpflichtungen gewesen. Wir beide hatten Beziehungen hinter uns die nicht glücklich geendet hatten, aber die Ablenkung hatte uns beiden gut getan. Wir teilten einige Interessen. Natürlich hatte ich gespürt das bei ihm mehr im Spiel war...vielleicht nutze ich ihn bis zu einem gewissen Punkt sogar aus. “Ich versteh dich schon, klar. Aber ich dachte das aus uns vielleicht doch etwas werden könnte.” Ich fing seine forschen Hände noch auf, sah ihm klar in die Augen...schüttelte den Kopf. Ich sah die Enttäuschung die kurz über sein Gesicht huschte. “Dann ist das wohl der Abschied?” Ich versuchte ein aufmunterndes Lächeln. “Tut mir Leid.” das entsprach sogar der Wahrheit...es tat mir Leid, für ihn. Ich selbst freute mich auf den Neubeginn. “Darf ich dich zum Flughafen begleiten?” “Natürlich.”


      2 Stunden später Flughafen Hannover


      “Dann ist das jetzt der wohl erstmal der Abschied?” Max hatte mich zum Flughafen gebracht, den Check-in abgewartet. Mein Gepäck wurde bereits irgendwo im Flieger verstaut. Ich war hibbelig, es war kein Direktflug. Ich würde einen Halt von etwa 3 Stunden in New York haben, bevor es weiterging. In Oklahoma City würde ich landen. Dorthin brachte man auch Valravn und Fylgia. Sie würden etwa 2 Tage nach mir dort ankommen. Ich war hibbelig. Meine Anspannung schien auch Max zu spüren. Ich wippte auf den Zehenspitzen. Seine Hände legten sich auf meine Schultern, drückten mich nach unten. “Es wird schon alles.” lachte er. Ich boxte ihm in den Bauch, nicht doll, aber so das er es merkte. “Ich mach mir Sorgen um die beiden. Ich muss jetzt wirklich los, ich will den Flieger nicht verpassen.” Wir umarmten uns...länger als ich es für Nötig hielt und dann küsste er mich auf den Mund, ein Kuss der wie ein Versprechen zwischen uns hing. Das Gefühl dabei machte mir weiche Beine, denn ich wusste - ich spürte nicht wie er und diese Wahrheit ließ mich wanken. “Ich komm euch mal besuchen.” flüsterte er. Dann wandte ich mich ab..und ging aus seinem Leben, ohne mich noch einmal zu ihm umzudrehen. Ich wollte ihm keine Versprechungen machen.

      Auf meinem Platz angekommen, zückte ich mein Tablet, ich hatte mir ein paar Filme darauf gezogen, diese würde ich mir nun anschauen. Die Stewardess brachte mir das georderte Wasser, ich bedankte mich höflich, setzte mir die Kopfhörer auf und versank in “Jackie - Wer braucht schon eine Mutter”.


      Der Flug dauerte, doch es tat gut mir die Beine vertreten zu können. Im Hotel in Oklahoma City angekommen, war ich zwar vollkommen Müde, aber noch zu sehr aufgekratzt um schon zu Bett zu gehen. Also warf ich nur meine Sachen auf das Bett, zog mich um und schlenderte um die Straßen in der Gegend. In einem Café hielt ich an, gönnte mir einen Tee. Ich sah dem Treiben der Menschen interessiert zu. Ich widersprach mir in dieser Hinsicht….ich begab mich gern unter Menschen, doch mit Ihnen zu tun wollte ich nichts haben. Ich genoss es allein irgendwo zu sitzen, die Menschen beobachtend in ihren Tätigkeiten. Manche sahen auf, als spürten sie meinen Blick. Zwei Tische weiter saß eine farbige Frau, hob den Blick suchte und fand meinen Blick. Im ersten Effekt wollte ich den Blick wieder senken, doch durch den Raum hinweg starrten wir einander an, jeder seine eigenen Gedanken dazu. Dann schien sie sich unwohl zu fühlen, brach den Kontakt und wandte sich ihren Unterlagen zu. Mir huschte ein Lächeln über die Lippen...ich liebte es, selten brach ich selbst den Kontakt ab. Natürlich starren war eine nicht gern gesehene Tätigkeit, doch sie sagte auch etwas über die Menschen aus. Max hatte ich so kennengelernt, er hatte auch nach fast einer Minute nicht den Kontakt gebrochen. Das hatte seinen starken Charakter gezeigt, daher war ich mir sicher darüber, er würde mich vergessen können. Er war kein schwacher Geist. Nachdem der Tee eine angenehme Temperatur hatte, trank ich ihn zügig aus. Langsam stellte sich doch die Müdigkeit ein. Als ich mich erhob, sah mich die mit dem Buch wieder an, aus Impuls zwinkerte ich ihr im gehen zu. Woher kam nur plötzlich diese freche Ader? Die Lösung kam mit dem nächsten Gedankengang...hier kannte mich niemand...niemand der mich an Normen erinnerte an die ich mich zu halten hatte. Diese Ader hatte in mir geschlummert...jetzt kostete ich sie einfach aus. Dieser Neubeginn würde für mich eine Chance sein ein Stück weit mich neu zu entdecken.


      Kaum das ich das Hotelzimmer erreicht hatte, mich ausgezogen und mit dem Kopf das Kopfkissen berührte, schlief ich ein.


      Auf dem Weg zur Blakes Crow Meadow Ranch


      Fylgia und Valravn waren, leicht sediert und müde, vor gut 4 Stunden angekommen. Damit war allerdings ihre bzw. unsere Reise, noch nicht beendet. Nun ging es knapp 8 Stunden mit dem Trailer in Richtung Albuquerque. Bellamy Blake, er war deutlich größer als ich, die Arbeit auf der Ranch hatte ihm auch das Aussehen gegeben, seine Schultern waren breit. Sein Gesicht zierte eine Narbe. Was da wohl geschehen war? Wir hatten nicht lange gebraucht um beide Ponys zu versorgen. Lustigerweise “kannte” ich die Ranch bereits. Einer ihrer Trainer hatte mich vor einigen Wochen besucht und Valravn trainiert. Vielleicht konnte ich dieses Training bei Ihnen dann weiterhin aufgreifen. Das sogar einer der Chefs mich abholte ehrte mich, ich vermochte jedoch nicht zu sagen wie alt er war. Doch weit von mir entfernt konnte Bellamy nicht sein - was mich überraschte, denn die Ranch war nicht unbekannt in der Gegend, sogar ohne Webpräsenz. Diese sollte sich nun ausbauen. Die Zucht, aber vor allem auch das Trainingscenter sollten ausgebaut werden.

      Die Fahrt verlief in der ersten Stunde noch sehr stockend, wir mussten erst Themen finden, die uns beide Interessierten. Ich war kein Fan von Small Talk, ich konnte ihn nicht führen und hasste ihn daher. Aber manch einer konnte auch keine Gespräche führen die in die Tiefe gingen, Bellamy war keiner dieser Typen. Wir hingen gerade in einer Diskussion über Pferde fest - natürlich, wir waren Pferdeleute deep to the roots. Das war ein Aspekt gewesen der bei Max gefehlt hatte...über diesen Teil meines Lebens hatte ich stets geschwiegen. Ich drängte ihn aus meinen Gedanken, sah in den Rückspiegel. “Ihnen nochmal so eine Reise antun, werd ich in nächster Zeit nicht.” Bellamy lachte und ich sah ihn an “Was?” “Pferde leben im Moment...ich denke nicht das sie in einigen Tagen noch wissen was sie erlebt haben.” “Vermutlich” dabei zuckte ich die Schultern. “Aber für mich ist es immer furchtbar nervenaufreibend. Ich will mir gar nicht vorstellen wie es ist mit so vielen Pferden komplett umzuziehen wie ihr!” “Eine ganze Menge organisation sag ich dir! O hatte echt zu tun.” “O?” “Meine Schwester, Octavia, wir nennen sie meistens nur O” ich nickte zu Verständnis. Ich war wirklich gespannt.


      Danach schwiegen wir, was zur Folge hatte , dass ich bei dem gleichmäßigen Surren des Motors auf dem Sitz einschlief. Als ich erwachte begann es schon zu dämmern, ich musste also verdammt lange geschlafen hatte. Mein Nacken quittierte die unbequeme Position auch mit Schmerzen. Auch das Knacken lassen der Knochen brachte mich nicht weiter, ich rieb mir über die müden Augen. “Wir sind gleich da.” verkündete Bellamy. Um uns herum hatte sich die Landschaft bereits verändert. Kahle Sandhügel und eine Straße voll Sand vor uns. “Hinter diesem Berg dort liegt die Ranch.” “Ich bin schon ganz aufgeregt. Waren die Pferde ruhig?” “Aye...waren sie.” ich zog die Stirn kraus. Aye? Wo kramte er denn das aus? “Eine Geste die von einem alten Freund stammt..er gebrauchte das oft, manchmal nutze ich es auch.” seine Stimme bekam dabei etwas hohles. Ich hakte also nicht weiter nach. Natürlich hatte ich die Geschichte auf der Suche nach der Ranch gefunden. Die Blakes Crow Meadow war ein ableger der einstigen Gips Reminder Ranch. Ein schreckliches Unglück. Vermutlich war dieser alte Freund dabei verstorben. Das war erst knapp ein Jahr her.


      Wie von Bellamy erwähnt öffnete sich vor uns eine Talsenke, dort fuhren wir auf einen Ort voller Lichter zu, denn mittlerweile war es Dunkel. Keine Viertelstunde später hielten wir an einem Stallgebäude. “Willkommen auf Blakes Crow Meadow! Danke für Ihre Reise mit Bellamy Tours.” Ich lächelte, bedankte mich und sprang aus dem Pickup. Ich wollte endlich meine Ponys ausladen! “Wir haben ihnen erstmal dort hinten den Paddock vorbereitet. Sind sie ein wenig angekommen sehen wir in welche Gruppe sie kommen. Valravn raste aus dem Hänger, so voller Energie hatte ich das Gefühl ein Pulverfass neben mir zu haben. Er ließ ein Wiehern hören, welches ihm vielstimmig antwortete - was ihn natürlich nicht ruhiger werden ließ. Vor lauter Aufregung stieg er hoch an der Hand, schien eine Weile zu stehen und kam dann zu Boden. Ich lächelte...ja das war Ravn, nie ganz gezähmt. Erst als Fylgia neben ihm war, wurde er deutlich ruhiger. Bellamy dirigierte sie langsam aus dem Hänger, vorangehend ging er zu dem Paddock. Öffnete das Gatter und wir entließen beide Ponys. Das Stallgebäude schenkte mir genug Licht , dass ich sehen konnte wie die beiden ihre neue Heimat begutachteten. Fylgia ließ sich in den seichten Sand sinken und wälzte sich ausgiebig. Valravn hingegen trank aus der Tränke, trabte dann unruhig hin und her, bockte ein wenig. Dann schien er mich wahrzunehmen und kam am den Zaun. Schnoberte in meinem Gesicht herum, Fylgia folgte ihm. Ich strich beiden über die Nase. “Willkommen in New Mexico meine Schätze.” meine Worte wurden unterbrochen von einem Gähnen. “Ich glaube eure Besitzerin sollte jetzt ins Bett.” quittierte Bellamy mein Gähnen. Ich nickte...zwar hatte ich auch Hunger aber das Verlangen nach Schlaf überwog. “Ich bring dich mal zu den Gästezimmern, die anderen werden dich noch früh genug zu Gesicht bekommen.”
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      Springlehrgang E auf A
      | Gwen | 27.456 Zeichen
      Es war noch früh am Samstag, als ich bereits, zusammen mit Matthew, in der großen Halle des Gestütes zu Gange war. Dieses Wochenende stand auf Townsend Acres der zweite Springlehrgang unseres WHT Ausbildungsbetriebs an. Leicht hatten es unsere Gäste mit der Anfahrt nicht gehabt, denn trotz der Tatsache, dass der Lehrgang auf Ende März verlagert worden war, lag in Kanada immer noch Schnee. So beschwerte ich mich auch nicht, als ich Stangen und Hindernisständer trug, immerhin wurde einem so zur Genüge warm.
      Matthew und ich bauten soeben den Parcours für die heutigen Einzelstunden auf. Es war eine recht simpel gestrickte Abfolge, die für jedes Paar machbar war, so dass ich die Pferde und Reiter in Ruhe kennenlernen konnte. Außerdem ließen wir auch einen Zirkel frei, beziehungsweise bauten wir auf diesem nur Trabstangen und Cavaletti auf.
      Fünf Teilnehmer hatte ich dieses Mal im Lehrgang. Gegen zehn Uhr würde das erste Paar die Halle betreten und danach ging es im Stundentakt so weiter. Aufgrund der Entfernungen waren einige Teilnehmer bereits gestern angereist, um ihren Pferden eine kleine Verschnaufpause zu gönnen. So konnte heute alles entspannt von Statten gehen.

      Eine Viertelstunde bevor unsere Einheit begann, kam die junge Grace Perkins mit ihren Haflingerhengst Andvari in die Halle, um ihn in Ruhe warmzureiten. Andvari war inzwischen fünf Jahre und mir nur allzu gut bekannt, denn er stammte aus meinem Stall. Vor gut einem Jahr hatte ich ihn dann an Graces Mutter verkauft und es war eine Freude, den hübschen Kerl heute hier wiederzutreffen.
      Er hatte sich auch sichtlich gemacht und war seit letztem Jahr nun unter dem Sattel. Hier bei uns wollten Andvari und seine Reiterin mehr Erfahrung im Springen sammeln. An seinem Charakter hatte sich bei dem Haflinger nichts geändert, er war so vorbildlich und motiviert wie eh und je. Außerdem hatte er eine sehr gute Grundausbildung genossen und lief einwandfrei in allen drei Gangarten unter Grace.
      Nachdem beide sich aufgewärmt hatten, nahm ich sie in Empfang und wir besprachen kurz ihre Wünsche und eventuelle Ideen. Dann begann ich die Stunde für die beiden, indem wir im Schritt ein paar Mal auf jeder Hand über Stangen ritten. Das nahm sowohl Pferd als auch Reiter die Aufregung und so lief es dann im Trab auch einwandfrei.
      Locker schwang Andvari im Rücken, während er über die Trabstangen lief. Dabei stets darauf bedacht, auch schön die Beine zu heben. Auch Grace war sehr konzentriert und versuchte, keinerlei Fehler zu machen. Nach ein paar Mal wurden die beiden dann immer lockerer und wir konnten auch Cavaletti mit hinzunehmen.
      Zu Beginn wollte ich die beiden erst einmal in Ruhe auf der Zirkellinie über die Cavaletti galoppieren lassen. Grace sollte darauf achten, das Cavaletti möglichst gut in ihren Zirkel einzubauen ohne dabei den Fluss von Andvaris Galopp zu stören. Das brauchte ein paar Runden, doch dann bekam sie das Gefühl dafür und auch das Gefühl für das Zählen der Galoppsprünge.
      Ich gönnte den beiden eine Verschnaufpause und baute währenddessen eine neue Übung auf. Hierbei ging es darum, fließende Übergänge zu reiten, trotz Stangen. So lagen bei A drei Trabstangen und gegenüber auf Höhe von X ein Cavaletti. Nach den Trabstangen sollte Grace angaloppieren, das Cavaletti überqueren und dann wieder zum Trab durchparieren.
      Die Übung forderte von beiden sehr viel Konzentration, weshalb wir sie auf jeder Hand nur dreimal absolvierten. Zumal waren die beiden wirkliche Vorbildsschüler und es klappte spätestens beim zweiten Mal wirklich einwandfrei. Andvari stand immer schön an den Hilfen und hörte Grace zu, so dass sie keine Probleme in der Kommunikation hatten.
      Abschließend für die heutige Einheit arbeiteten wir an einem Kreuz mit zwei Trabstangen davor. Das sollte Andvari helfen, den Abstand besser einschätzen zu können und auch Takt und Ruhe während des Sprungs in das Pferd zu bringen. Grace verfügte selbst über einen sehr guten Sitz und gab auch immer im richtigen Moment nach, so dass wir daran sehr wenig arbeiten mussten.
      Der erste Versuch war etwas holprig, denn Andvari war doch überrascht, aber ab dem zweiten legte sich das und da die beiden sich schon wirklich gut machten, nahm ich abschließend die Trabstangen weg und ließ die beiden im Galopp das Kreuz überqueren.
      Das auf beiden Händen und stets darauf bedacht, ein möglichst gleichmäßiges und ruhiges Tempo an den Tag zu legen, sowohl im Trab als auch im Galopp. Ein Springpferd musste zu jeder Zeit kontrollierbar sein. Aber bei Andvari und Grace machte ich mir da keine Sorgen. Die beiden waren äußerst motiviert bei der Sache und obwohl sie am Ende ihrer Kräfte zu sein schienen, als die Stunde vorbei war, wirkten sie doch enttäuscht.
      Grace ritt Andvari in Ruhe ab und die nächste Teilnehmerin hatte sich auch schon bereits in die Halle begeben, um ihr Pferd warmzureiten und stand somit direkt wieder bereit. Sarah Meyer war mit ihrer fünfjährigen Hannoveranerstute Riverdale angereist. Die beiden bildeten auch ein sehr interessantes Team, denn Riverdale war aufgrund ihres Alters noch ein Frischling in Bezug aufs Springen, während Sarah sehr erfahren war und für ihr Leben gerne sprang. Jedoch schien Riverdale eine sehr brave und fleißige Stute zu sein, so dass wir wohl eher weniger Probleme haben würden.
      Auch mit den beiden begann ich bei Trabstangen und Cavaletti, um zu schauen, wie es um Riverdales Takt und Balance stand. Tatsächlich war sie da auch schon sehr fit und so nahmen wir die Übung hinzu, bei der das Cavaletti in den Galopp mit eingebaut werden sollte.
      Bei Sarah und Riverdale merkte man sofort, dass Sarah bereits eine eingefleischte Springerin war und genau wusste, wann sie Riverdale Impulse geben musste, um sie so zu beeinflussen, dass die Stute im Takt blieb, das Tempo hielt und das Cavaletti beachtete.
      Da Riverdale ihrer Reiterin auch gefallen wollte, war sie sehr aufmerksam und versuchte immer ihr Bestes zu geben. Deshalb achtete ich auch darauf, der Stute immer genügend Pausen zu geben, denn Riverdale neigte sicherlich dazu, sich zu überarbeiten.
      Da die Übungen bei beiden super klappten, gingen wir zum Kreuz über. Aufgrund von Sarahs Sicherheit ließen wir die Stangen davor direkt weg und nahmen das Kreuz aus dem Galopp. Riverdale war zu Beginn unsicher, besonders beim Absprung, doch Sarahs Ruhe und Souveränität gaben der Stute Sicherheit und so sprang sie.
      Nachdem der Sprung gut klappte, nahmen wir auch noch einen weiteren dazu und auch das lief wirklich gut. Ich wagte es dann sogar, die beiden einen kleinen und einfachen Parcours springen zu lassen. Die Höhe war mehr auf Cavalettis ausgelegt und die Wege zwischen den Hindernissen waren auch immer lang und gerade, so dass Riverdale sich voll auf das Springen konzentrieren konnte.
      Das machten die beiden auch wirklich wunderbar, so dass wir die Einheit danach beendeten. Riverdale war den Parcours souverän gesprungen, danach aber auch sichtlich fertig.
      Hier und da hatte ich Sarah Tipps geben können, um der jungen Stute die Hilfen besser zu erklären, aber generell waren sie wirklich ein gutes Team. Ich freute mich schon auf die morgige Stunde mit den beiden.
      Bei dem dritten Paar wurde es bunt, denn nun betraten Ylvie Seidel und Fylgia die Halle. Bei der Stute handelte es sich um einen zwölfjährigen Lewitzer, der sich in schicker schwarzgescheckter Jacke zeigte. Fylgia war ein vorbildliches Pferd: Arbeitswillig und umgänglich, ebenso wie stets unerschrocken.
      Aber sowohl sie, als auch Ylvie, hatten eher weniger Erfahrung im Springen. Besonders Sorge machten Ylvie wohl höhere Sprünge, wo sie dann doch Muffensausen bekam und Fylgia daraufhin gerne verweigerte, weil sie natürlich die Ängste ihrer Reiterin mitbekam.
      So begannen wir heute bei den beiden auch erst einmal mit Trabstangen und Cavaletti. Dabei ging es auch viel um den leichten Sitz. Manchmal verlagerte Ylvie ihren Schwerpunkt zu weit nach vorne und so übten wir es vorerst in Ruhe auf dem Zirkel im Galopp.
      Als das dann saß und auch Trabstangen und Cavaletti kein Problem für Pferd und Reiter waren, nahmen wir das Kreuz mit den Trabstangen davor hinzu. Bei der Höhe war sich Ylvie sicher und motivierte Fylgia auch zielstrebig zum Sprung. Das funktionierte auch einwandfrei, auch wenn die beiden sich erst etwas finden mussten, aber das war vollkommen in Ordnung.
      Spätestens nach dem dritten Mal nahmen sie den Sprung wirklich im Fluss und ohne Probleme. Also nahm ich die Trabstangen weg und ließ Ylvie direkt im Galopp anreiten. Wir achteten besonders auf ein ruhiges Tempo, denn Fylgia neigte dazu, doch stark vor dem Sprung anzuziehen. Gerade bei der Höhe aber war das nicht von Nöten und im Parcours war ein gleichmäßiges Tempo auch immer ratsamer.
      „Nehme sie etwas zurück, setze dich tiefer rein und dann gib nach“, rief ich und der Sprung ging wirklich gut. Ylvie hatte ein gutes Gefühl für ihre Stute und man merkte, dass die beiden doch schon ein recht gut eingespieltes Team waren. So merkte Ylvie schon früh, wenn Fylgia doch mal überlegte zu zögern oder schneller zu werden und konnte so direkt einwirken.
      Am Ende der heutigen Einheit sprangen wir dann einen leichten Parcours mit sechs Hindernissen. Das erste Mal hatten beide ein paar Koordinationsschwierigkeiten, aber nachdem sie den Parcours dann kannten, ging der zweite Durchlauf fließend von der Hand. Mit dem schönen Ergebnis entließ ich die beiden auch erst einmal.
      Soeben galoppierte Katharina Karenin ihren Hannoveranerhengst Ironic warm. Der Hübsche war sieben Jahre und die beiden kamen aus England von einem renommierten Zucht- und Sportgestüt. Die beiden wünschten sich eine klare Fokussierung auf den Sitz der Reiterin und die Manier des Pferdes.
      Beide waren schon mehr als erfahren, so dass ich den Parcours leicht umbaute und auf L-Niveau erhöhte. Das sprangen die beiden schon sehr sicher, hatten auch schon zur Genüge Turniererfahrung, aber es fehlte eben manchmal doch noch am Stil.
      Aus diesem Grund bat ich Katharina, den Parcours nach kurzer Absprache einfach mal zu springen, so dass ich schauen konnte, wo eventuelle Probleme lagen. Jede Stange blieb oben, die meisten Distanzen passten auch, nur bei der engen Wendung kamen die beiden kurz ins Schlingern, doch Ironic rettete die Situation mit einem etwas ausgreifenderen Sprung.
      Was jedoch auffiel: Die beiden wurden von Sprung zu Sprung schneller und unkoordinierter. Begann der Parcours mit einem ruhigen und gleichmäßigen Galopp, wurden die Galoppsprünge von Distanz zu Distanz länger und Ironic immer fixer. Dementsprechende Probleme bekam er dann in den engen Wendungen, die für so einen Galoppsprung natürlich nicht ausgelegt waren.
      Ich erklärte Katharina die Lage und sie nickte zustimmend. Die beiden gingen auch gerne Zeitspringen und es war immer schwer, da das Gleichgewicht zu halten. Besonders, wenn man so ein arbeitswilliges Pferd wie Ironic hatte, der da sehr enthusiastisch an die Sache heranging, wiederum aber auch schnell überfordert war und dann nicht mehr zuhören wollte.
      Also gingen wir zurück auf den Zirkel, wo noch die Trabstangen und Cavaletti lagen. Mit den beiden machte ich die Trab-Galopp-Übung und man sah dass Ironic für das Cavaletti gut Schwung nahm und danach erst einmal gezügelt werden musste, damit man überhaupt kurz vor den Trabstangen zum Trab kam.
      Er war mit seinen 169 cm Stockmaß und der Muskelmasse auch kein schmales oder kleines Pferd. Dementsprechend hatte Katharina auch zu tun, den Riesen schön versammelt und rund zu bekommen, damit ihre Hilfen auch immer da ankamen, wo sie sollten.
      Also gingen wir den Zirkel und alle Stangen erstmal im Trab. Dabei gab ich Katharina stattdessen die Aufgabe, nach dem Cavaletti Ironic nach außen zu stellen und vor den Trabstangen wieder gewohnt nach innen. Das Gleiche auch nach den Trabstangen.
      Was Konzentration und Aufmerksamkeit betraf, war diese Aufgabe der anderen sehr ähnlich, doch für Pferd und Reiter viel machbarer. Nachdem das funktionierte, erklärte ich der Reiterin die nächste Übung: Im Trab über die Trabstangen, dann angaloppieren, das Cavaletti nehmen und über dem Cavaletti aber den Galopp wechseln und aus dem Zirkel wechseln und zum Trab durchparieren, lange Seite lang und wieder über die Trabstangen.
      So hatte Katharina gegebenenfalls mehr Spielraum, um Ironic zu parieren und zur Ruhe zu bringen. Außerdem fühlte er sich dadurch nicht so gestresst und reagierte nicht abweisend auf die Übung. Auf diesem Weg klappte es auch immer besser und am Ende dieser Stunde konnte Katharina dann auch problemlos die eigentliche Übung reiten. Inzwischen fuhr Ironics Puls bei der Sicht von Stangen nicht mehr hoch und er ließ sich sofort auf Wunsch der Reiterin vom Trab in den Galopp oder andersherum wechseln.
      Abschließend gab ich Katharina im Stand noch einige Tipps zu ihrem Sitz. Zum Beispiel war eine leicht nach oben wirkende Zügelhilfe zum Regulieren sinnvoller als eine nach hinten wirkende. Im Stand reagierte Ironic auch sofort mit einem Nachgeben im Genick und leichtem Kauen.
      Auch konnte sie ihn gut versammeln, indem sie kurz die Knie und Oberschenkel schloss, um ihr Becken festzustellen und so den fließenden Rhythmus von Ironic unterbrach und ihn innerhalb der Gangart mehr zusammen bekam.
      Das übten wir auch zuletzt noch auf einem freien Zirkel, ehe ich auch das Paar in seinen verdienten Feierabend schickte. Morgen würden wir uns dann der Umsetzung des Gelernten im Parcours widmen. Der heutige Tag neigte sich auch allmählich dem Ende und so stand bereits die letzte Teilnehmerin vor mir.
      Es war ein bekanntes Gesicht, denn Octavia Blake (und ab und an auch ihr Bruder Bellamy) war ein gerngesehener Gast auf Townsend Acres. Heute war sie mit ihrer achtjährigen Holsteinerstute Raspberry zugegen. Octavia hatte sich auf ihrem eigenen Hof auf die Zucht von guten Sport- und insbesondere Militarypferden fokussiert und Raspberry gehörte zu den Kandidaten.
      Allerdings fühlte Octavia sich immer noch vollkommen am Anfang mit ihrem Wissen und wollte unseren Lehrgang zu gerne dafür nutzen, um neues Input für sich und auch für die Stute zu bekommen. Dafür war Raspberry das ideale Lehrpferd, denn sie war brav, unerschrocken und verzieh viele Fehler, so dass sie nicht unleidlich wurde.
      Ich hatte den Parcours bereits wieder auf ein solides E-Niveau umgebaut und bat Octavia, die sieben Sprünge einfach mal locker zu nehmen. Ich wollte sehen, wo die Stärken und wo die Schwächen der beiden lagen.
      Generell zeigten sie einen guten Durchlauf. Eine Stange war gefallen aufgrund einer falschen Distanz und ab und an zögerte Raspberry vor den Sprüngen, da auch Octavia sich nie so sicher zu sein schien. Wir machten zu Beginn also einige Sitzübungen, um Octavia im Becken zu lockern, denn trotz des leichten Sitzes im Parcours, musste sie mit dem Pferd mitschwingen können und durfte sich nicht versteifen.
      Außerdem nahmen wir die Trabstangen und Cavaletti hinzu und übten über diesen, den leichten Sitz, aber auch das kurze und tiefe Einsitzen vor dem Sprung, um Raspberry notfalls die richtige Motivation für den Sprung zu geben.
      Octavia machte auch noch sehr viel mit ihren Händen, weshalb wir auch daran noch arbeiteten. Da das aber letztendlich auch im Parcours klappen musste, nahmen wir zum Üben schon bald eine Kombination aus zwei einfachen Kreuzen mit hinzu.
      Dort übten wir auch direkt den richtigen Abstand. „Es ist wichtig, dass du immer ein ruhiges und gleichmäßiges Tempo hast. Im Parcours kannst du nicht vor jedem Sprung überlegen, wie viele Galoppsprünge du jetzt in diesem Tempo brauchst, sondern da ist es gut, wenn man durchweg ein einheitliches beibehält.“
      Das erarbeiteten wir mit einem einzelnen Sprung und dem sauberen Galoppieren davor und danach, ohne schneller oder langsamer werden. Die beiden machten auch wunderbar mit und am Ende sah die Manier von Pferd und Reiter wirklich schon gut aus.
      Dementsprechend beendete ich das Training für heute auch. Die Stunde war zum einen rum und zum anderen waren die beiden auch sichtlich müde. „Dann sehen wir uns morgen wieder!“, meinte ich lächelnd und ließ Octavia samt Pferd aus der Halle. Ich würde jetzt direkt noch den Parcours für morgen umbauen, denn da würde es bereits acht Uhr morgens losgehen, da nach den Einzelstunden auch noch Gespräche mit den Teilnehmern anstehen würden.

      Heute wiederholte sich der Ablauf der Paare von gestern, so dass ich mich früh am Morgen mit Grace und ihrem Haflinger in der Halle traf. Die beiden wirkten gut ausgeschlafen und höchst motiviert. Grace hatte Andvari bereits aufgewärmt und war nun mehr als startklar. Fröhlich grinste sie mich an.
      Nachdem wir gestern die Grundlagen erarbeitet hatten, konnten wir nun mit dem eigentlichen Teil weitermachen: Dem Springen. Für die beiden hatte ich bereits einen kleinen Parcours aufgebaut, der pro forma jede standardmäßige Art von Sprung beinhaltete. Wir hatten ein simples Kreuz, einen einfachen In-Out-Sprung, einen Oxer und einen Steil.
      Wenn die beiden sich besonders gut machten, hatte ich auch noch die Möglichkeit, eine einfache Dreier-Kombination zu integrieren. Aber vorerst wollten wir es nicht übertreiben. Wir lockerten Andvari wieder mit Trabstangen und Cavaletti, sowohl im Trab als auch im Galopp und nahmen uns dann zuerst eine Reihe aus drei Hindernissen vor.
      Die beiden zeigten sich sehr souverän und gut vorbereitet. „Habt ihr nachts heimlich trainiert?“, fragte ich lachend und auch Grace musste grinsen. Sie war sehr stolz, dass sich die Mühe, die sie in Andvaris Ausbildung steckte, lohnte. Am Ende der Stunde konnten wir den gesamten Parcours im Fluss nehmen.
      Grace war voll konzentriert bei der Sache und auch Andvari gab sich sichtlich Mühe, hatte aber definitiv seinen Spaß. Am Ende nahmen wir einzeln nochmal die Dreier-Kombination, damit die beiden so etwas auch schon einmal gesprungen waren. Und es klappte direkt zu Beginn wirklich gut.
      Ich bedankte mich bei den beiden für die schöne Stunde und ließ sie aus der Halle. Sarah und Riverdale standen auch schon in den Startlöchern und waren bereit für ihre zweite Stunde. Die beiden waren bereits gestern einen Parcours gesprungen, deshalb wollten wir uns heute mehr auf Höhe und Technik fokussieren.
      Die Höhe ging schon Richtung A-Niveau und forderte Riverdale bereits mehr. Jetzt musste der Absprung wirklich sitzen. Doch mit Sarah im Sattel machte ich mir da kaum Sorgen. Sie hatte ein gutes Augenmaß für die Abstände und half Riverdale im Notfall aus. Es machte also immer wieder Sinn, erfahrene Reiter auf junge Pferde zu setzen.
      Nachdem die beiden sich ausgiebig aufgewärmt hatten, sprangen wir den Parcours zum ersten Mal ganz ruhig und mit einigen Pausen durch, damit ich direkt nach den Sprüngen ein Feedback geben konnte, ob alles gepasst hatte oder wir den lieber noch einmal angehen sollten.
      Sechs Sprünge waren es und nachdem die beiden es einmal geschafft hatten, wurde der nächste Durchlauf im Fluss genommen. Riverdale sprang immer sicherer und schien Gefallen an ihrer Aufgabe gefunden zu haben. Sarah hatte sowieso ihren Spaß am Springen und sah in Riverdale schon ein tolles Springpferd.
      Der Parcours lief ohne Probleme und dementsprechend baute ich ihn noch etwas um, so dass der Fokus nun auf den Handwechseln im Parcours lag. Sarah sah sofort die Schnittstellen und konnte Riverdale meist schon über dem Sprung umstellen, so dass die Stute direkt im richtigen Galopp landete.
      Ein wenig Übung brauchte das, aber letztendlich machten die beiden eine wirklich gute Figur. „Lass sie am besten immer etwas lockerer vorne. Noch hat sie von alleine ein sehr ruhiges Tempo, das wollen wir ja gerne behalten. Wenn man so oft gegenhält, dann kommt sie irgendwann doch eher zum anziehen“, warnte ich Sarah.
      Riverdale mit ihren fünf Jahren hatte noch nicht den Zug, den manch anderes erfahrenes Springpferd im Parcours hatte. Es war aber gut, sich diese Ruhe von Anfang an zu bewahren und den Zügel möglichst locker zu lassen, wenn er nicht von Nöten war. Umso besser wäre Riverdale dann auch in den höheren Klassen zu regulieren.
      Ich bedankte mich auch bei den beiden für die gute Stunde und entließ sie dann in ihren Feierabend. In der Halle wärmte bereits Ylvie ihre Scheckstute auf und ließ mir eine kurze Verschnaufpause für etwas zu trinken und den Umbau des Parcours.
      Gestern waren die beiden bereits einen gesprungen und hatten sich als schönes Team gezeigt. So dass ich heute die Höhe etwas anzog und den Parcours auch anspruchsvoller gestaltete. Durch ihre kompakte Größe war Fylgia auch sehr wendig und hatte wenig Probleme mit engen Kurven und schnellen Handwechseln.
      Die machte die Stute mit Leichtigkeit und Ylvie störte sie auch nicht dabei. Heute kamen wir schon etwas in Richtung A-Höhe und das merkte man Ylvie auch an. Als sie den Parcours sah, schluckte sie etwas. Ich lächelte sie beruhigend an. „Ihr seid bereits gestern so super gesprungen, das wird heute auch gut. Vertrau Fylgia!“
      Wir gingen erst ein paar niedriger Kreuze und wechselten dann zum Parcours. Ylvie war sichtlich aufgeregt und das übertrug sich auf die Stute. Doch kurz vor dem Sprung motivierte ich sie, gab ihr Anweisungen und als sie sich auf mich konzentrierte und versuchte, dass umzusetzen, vergaß sie die Sorge vor der Höhe und trotz Zögern sprang Fylgia.
      Ylvie lächelte begeistert und war glücklich, dass ihre Stute gesprungen war. „Und? Wars schlimm?“, fragte ich lachend und Ylvie schüttelte grinsend den Kopf. Stattdessen hatte sie jetzt Blut geleckt und war vollkommen bei der Sache. Nun konnten wir auch den neuen Parcours angehen. Auch bei den beiden gingen wir erst jedes Hindernis einzeln durch, bevor wir den Parcours wirklich als Parcours sprangen.
      Nachdem Ylvie bereits jedes Hindernis einzeln hatte kennenlernen dürfen, hatte sie auch keine Ängste mehr und so sprangen die beiden wirklich einwandfrei den Parcours. Einmal passte der Abstand nicht und die Stange fiel, aber das waren Kleinigkeiten, die auch mit der Übung dann kamen.
      Sowohl Pferd als auch Reiter mussten erstmal ein Auge für die Abstände entwickeln. Manchmal unterschätzte oder überschätzte man die Längen, besonders, wenn man es vorher von unten abgegangen war und dann auf dem Pferd saß.
      „Das wird noch. Das kommt wirklich nur durch Übung“, beruhigte ich Ylvie lächelnd. Wir gingen für heute noch ein letztes Mal den Parcours und dann waren die beiden fertig und auch sichtlich zufrieden. Ich lobte beide noch einmal und entließ sie dann aus der Halle.
      Heute ging es hintereinanderweg und so hatte ich nun bereits schon Katharina mit Ironic in der Halle und die beiden wärmten sich fleißig auf. Für die beiden musste ich den Parcours höhentechnisch anpassen, wobei ich noch ein Stück unter Ironics eigentlichen Niveau ließ, denn wir wollten uns ja vorerst auf die Technik der beiden fokussieren und da war weder Höhe noch Tempo entscheidend.
      In einem kurzen Gespräch wiederholte ich mit Katharina unser gestriges Training und gab ihr noch einmal die Hinweise, die wir schon besprochen hatten. Auffrischen war immer gut und so wusste sie direkt, was sie heute am besten beachten musste, wenn es mit Ironic ans Springen ging.
      Dass der Parcours nicht so hoch wie möglich war, nahm ihr auch den Druck und so konzentrierte sie sich voll auf Ironic und auf ein ruhiges Grundtempo. Er sollte jederzeit bei ihr bleiben und sobald sie das Gefühl hatte, er tat es nicht, sollte sie auf mein Geheiß eine Volte einbauen, um ihn wieder zu sich zu holen.
      Es war eine wahre Freude den beiden zuzuschauen und manchmal vergaß ich beinahe, überhaupt noch was zu sagen, wenn ich die beiden beobachtete. Katharina wusste ziemlich genau, was sie wann machen musste und brauchte nur ab und an die Impulse und Ideen.
      Ironic war heute auch so frisch wie eh und je, aber auch konzentriert. Er hörte erstaunlich gut auf Katharina und wir beide schoben es auf den beliebten Vorführeffekt. Heute achteten wir auch vermehrt auf die korrekten Handwechsel, die bestenfalls direkt über dem Sprung gelingen sollten.
      Ironic hatte damit auch eher weniger Probleme, genauso wie Katharina. Also fokussierten wir uns zum Abschluss noch auf die engen Wendungen. Ich erinnerte Katharina wieder an unsere gestrigen Übungen zur Versammlung.
      Damit Ironic um die Kurve kam, musste er sich auf seine Hinterhand setzen und ein bisschen versammeln. Kam er ihr zu stark, sollte sie eine Volte einlegen und Ruhe in das Pferd bringen. Am Anfang hatten die beiden auch zu tun, aber nach dem dritten Durchgang wurde Ironic in der Wendung ruhiger und kam viel besser zum Sprung.
      Er merkte es auch selber und wir wiederholten es noch zweimal, ehe wir für heute auch Schluss machen. Nebenher war das ja auch immer arg anstrengend fürs Pferd, dementsprechend lobten wir den jungen Hengst ausgiebig und Katharina bedankte sich für die schöne Stunde.
      Wir würden uns heute Abend noch einmal für das Einzelgespräch sehen. Für Katharina ging es nun erst einmal zur Familie, denn ihren Besuch bei uns kombinierte sie mit einem Besuch bei ihrem Bruder. Ideal, denn so hatte sie eine super Beschäftigung für den Rest des Tages.
      Für mich stand das letzte Paar an: Octavia und Raspberry. Heute begannen wir direkt mit ein paar Sitzübungen für Octavia, um sie im Becken zu lockern und auch den Sitz noch ein wenig aufrechter zu bekommen, besonders im leichten Sitz knickte sie doch schnell mal ein. Das war aber gar nicht schlimm, denn Meister waren noch nie vom Himmel gefallen.
      „Das kommt mit der Übung, das ist einfach so“, beruhigte ich sie. Octavia war noch weit am Anfang und dafür machte sie sich wirklich schon verdammt gut. Es gab auch viel Lob, besonders als wir den Parcours sprangen. Das sah schon ganz anders aus als gestern und Raspberry machte sowieso eine gute Figur.
      Octavia war wesentlich sicherer geworden und fing an, Spaß an der Sache zu haben. Nun war nicht mehr nur Anspannung in ihrem Gesicht zu sehen, sondern sie lächelte auch mal. „Super!“, lobte ich die beiden nach einem einwandfreien Durchlauf und gönnte ihnen eine kurze Pause, während ich den Parcours noch einmal etwas umstellte.
      Diesmal fand sich dort eine Dreier-Kombination, eine etwas knifflige Wendung einige Handwechsel. Wir gingen die Hindernisse erst im Schritt einzeln durch, dann sprangen die beiden jedes einzeln und dann nahmen sie alles als Parcours.
      Durch die Vorbereitung kannten Pferd und Reiter bereits die Sprünge und den Ablauf, so dass der Parcours im Ganzen dann recht sicher war. Wir sprangen ihn zweimal und das zweite Mal verlief dann wirklich schon sehr vorbildlich. Ich lobte die beiden und entließ sie dann in ihren wohlverdienten Feierabend.
      Während Octavia ihre Stute noch abritt, baute ich bereits den Parcours ab und machte mich dann auf den Weg ins Reiterstübchen. Dort standen bei Kaffee und Kuchen nun noch die Abschlussgespräche an. Für jedes Reiterpaar hatte ich einen kleinen Bogen mit Tipps und Übungen für zu Hause vorbereitet.
      Außerdem sollten noch einmal Fragen gestellt und beantwortet werden und gerne durften auch Wünsche und Ideen geäußert werden. Oftmals fiel einem nach dem Lehrgang auch noch viel ein. Zudem konnten sie mich auch jederzeit per Mail kontaktieren, wenn sich doch noch später Fragen ergaben.
      Und dann würde es letztendlich für alle Teilnehmer wieder auf die Heimreise angehen. Ich wünschte ihnen sehr, dass bald der Frühling einkehren möge und sie ihr gewonnenes Wissen dann vielleicht auch in der Turniersaison umsetzen könnten. Aber somit brachten wir heute den zweiten Springlehrgang erfolgreich hinter uns.
    • Ravenna
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      Ranchalltag - die Eingewöhnung
      | Ravenna & Veija | 14093 Zeichen
      Ylvie

      “Verdammt!” ich boxte damit auf das Kissen ein, setzte mich im Bett auf. Es war 3 Uhr….und ich war wach. Dabei war ich müde! Und das sogar sehr...trotzdem konnte ich keinen Schlaf finden. Seit einer knappen Stunde wälzte ich mich schon von einer zur anderen Seite des Bettes. Ich strich mir durch die Haare, sah auf mein Handy, warf es wieder fort und sah mich in dem Zimmer um. Im Grunde wusste ich was es war...der fremde Ort. Ich schlief schon immer mal schlecht, aber besonders an fremden Orten. Ich hatte ein wenig Angst die anderen vom Hof am Morgen kennenzulernen.

      Von Natur aus hatte ich ein gutes Selbstbewusstsein...kein Problem damit auf mir fremde Menschen zuzugehen. Trotzdem hatten mich die Jahre etwas misstrauischer werden lassen, ich beobachtete die Situation oft erst - dann brachte ich mich ein. Manchmal tourte ich künstlich auf, um meine Anspannung los zu werden. Freunde verstanden mich dann zu bremsen...hier musste ich nun allein klar kommen.


      Da ich sowieso keinen Schlaf mehr zu finden schien, kämmte ich mir die langen Haare, band sie zu einem Zopf im Nacken zusammen und tauschte meinen Schlafanzug gegen Klamotten für draußen aus. Meine Schuhe befanden sich am Grunde des Koffers, daher sah es nach einer kleinen Suchaktion aus als sei der Koffer explodiert. Überall lagen die Sachen verteilt. Jeden anderen hätte der Anblick vielleicht wahnsinnig gemacht, bei mir löste es einen Schauer auf dem Rücken aus. Damit wirkte der Raum schon eher wie meiner.

      Ich hoffte meine restlichen Sachen würden auch bald eintreffen, dann könnte ich dem Raum meinen Stempel aufdrücken. Vor allem aber konnte dann meine Arbeit beginnen. In ein paar Stunden würde ich die anderen kennenlernen.Gerade als ich den Flur erreicht hatte, fasste ich an meinen Gürtel, stöhnte leise und schlich zurück ins Zimmer. Es dauerte nicht lange - schnell band ich mir den Gürtel um die Hüfte, daran hing eine Tasche mit meinem Messer darin. Natürlich war es nicht ausschließlich ein Messer, sondern ein Multitool...aber ich hatte mir angewöhnt es stetig bei mir zu tragen.

      Den Weg den Gang hinunter ging ich leise. Hier im Haus wohnten zur Zeit noch zwei andere, so hatte mir Bellamy das erklärt. Ich hatte nicht das Bedürfnis einen davon morgens um 3 zu wecken. Draußen zog ich mir die Jacke enger um die Schultern, schlüpfte in meine Schuhe und verschwand in Richtung des Stalles. Dort auf einem Paddock mit Zugang nach drinnen standen Fylgia und Valravn. Als ich dazu kam sah ich nur ihre Schatten, Fylgia lag am Boden, Ravn wachte über sie mit hängendem Kopf. Auch als ich den Paddock betrat regte sich keines der beiden Ponys. “Hey meine hübschen.” flüsterte ich leise. Küsste Ravn auf die Nase und kraulte Fylgia zwischen den Ohren.

      “Was machen Sie da?!” kam eine harsche Stimme, ein Klicken erklang. Ich drehte mich um, stand im Schein einer Taschenlampe. Der Typ den ich gerade so erkennen konnte trug einen Cowboyhut, im Anschlag ein Gewehr dessen Ende auf mich gerichtet war.



      Caleb

      Immer wieder der selbe Mist… dachte ich mir und zurrte den Reißverschluss meiner Jacke bis oben hin zu. Ich kramte meinen Cowboyhut von der Komode und schnappte mir die Taschenlampe und das Gewehr. Zum Schluss folgten die Boots und ich konnte nach draußen gehen. Man mochte es nicht glauben, aber nachts herrschten hier bei uns in Albuquerque doch Minusgrade. Nichts gegen die eisige Kälte in Kanada, aber es konnte nachts durchaus etwas kälter werden. Der Grund, warum ich hier um kurz nach drei Uhr nachts draußen mit einem Gewehr herum lief war, dass die Blakes scheinbar Angst um ihre kostbaren Schätze im Stall hatten. So wurde jede Nacht jemand anderes dazu verdonnert, alle paar Stunden eine Runde über die Ranch zu drehen. Meine Schicht für diese Nacht war also jetzt dran und ich schlenderte zu den Koppeln, auf denen natürlich kein Pferd stand, denn sie waren alle in ihren Boxen oder auf den Paddocks ihrer Offenställe. Doch wenn jemand diese Ranch betrat, dann nur über die Koppeln, denn diese waren rundherum angelegt, so dass man erst einmal diese überqueren musste, um auf das eigentliche Gelände zu kommen. Ich knipste die Taschenlampe wieder aus, denn ich vernahm einen kleineren Schatten bei den beiden neuen Pferden, die seit ein paar Tagen hier einstanden. Bellamy hatte irgendetwas von einer Homepage gefaselt, doch wir kamen zur Zeit nicht sonderlich gut miteinander aus, so dass ich nur das Nötigste mit ihm redete.

      Etwas skeptisch war ich ja schon, als ich näher an die Gestalt heran trat, denn die beiden Ponys blieben in ihrer Anwesenheit absolut ruhig. Nichtsdestotrotz war es drei Uhr morgens und es war meine Schicht, die ich schnell beenden wollte, um wieder ins Bett gehen zu können. Noch einmal kontrollierte ich den Lauf des Gewehrs. Den Lauf, den ich zu erst abfeuern würde, war immer Leer. Denn ich wollte niemanden unabsichtlich erschießen. Erst im zweiten Lauf war eine Patrone. Ein paar weitere befanden sich in meiner Tasche. Leise klackte ich den Schaft wieder zu, nahm meine Taschenlampe in eine Hand und ging auf die Person zu. Ich hob das Gewehr, klickte die Lampe an und leuchtete der Gestalt, welche sich als Frau herausstellte, ins Gesicht. “Was machen Sie da?!”, war meine plumpe Frage, ehe mein Blick zu den beiden Ponys glitt, von denen eins erschrocken den Kopf hob und das andere sichtlich erschrockener aufsprang. “Wir haben drei Uhr morgens, nicht die beste Zeit, um Ponys zu streicheln.”, fuhr ich die Frau an und ließ sie gar nicht erst zu Wort kommen.”Was erlauben Sie sich eigentlich auf ein fremdes Grundstück einzudringen und auf den Paddock fremder Pferde zu gehen. Ihnen könnte hier weiß Gott was passieren! Und schlimmer noch, die Pferde könnten zu schaden kommen. Also machen Sie, dass Sie da raus kommen!”, war meine harsche Ansage an sie und ich wartete, dass die Person sich bewegte. Den Lauf des Gewehres hatte ich wieder sinken gelassen. Sie schien nicht so stark zu sein, als dass ich sie nicht ohne einen Schuss in ihre Schranken hätte weisen können. Vor allem, da ich die ganze Ranch aufwecken würde, wenn ich schießen würde.


      Ylvie

      Beim Anblick der Waffe ging meine Hand wie automatisiert in Richtung meines Messers, blinzelte beim Anblick der Taschenlampe und hörte mir an was der Kerl zu sagen hatte. “Sind sie eigentlich vollkommen bescheuert?!” fuhr es mir schneller über die Lippen als mir lieb war - ICH hatte schließlich keine Waffe. “Man kann auch erst Fragen...und dann Leuten mit einer Waffe begegnen.” ich schrie, an den Wänden der Hütte hallte meine Stimme wieder. Ich fuhr mir erschrocken mit der Hand über den Mund. Ravn drängte sich an mich, schnaufte erregt und ich legte eine Hand an seinen Hals. Ich spürte wie meine Knie zitterten, meine Hand fuhr zum Gürtel, ich spürte das kühle Metall meines Messers. Was wusste ich schon was der Typ für ein Mensch war? Mit Waffen auf andere deuten! In dem Versuch über den Schein der Taschenlampe zu sehen, sah ich nur die Umrisse, nur die Krempe des Cowboyhutes. Noch ertönte keine Antwort von ihm.

      Da ich keine sonderliche Lust hatte ewig zu warten, machte ich mich einfach auf den Rückweg. Mir doch egal was er von mir denken würde.


      2 Wochen später.


      Die Begegnung von Caleb und mir war noch immer Gespräch auf der gesamten Ranch. Am nächsten Morgen hatte Bellamy mich allen vorgestellt, ich hatte auch die quirlige O’ kennengelernt. Inzwischen waren auch meine Sachen angekommen, mein Zimmer in dem kleinen Gästehaus eingerichtet.

      Neben der Arbeit mit meinen beiden Ponys, der Mithilfe auf der Ranch (irgendwie kam ich nicht drum herum) kümmerte ich mich nun auch um die Webseite. Meine Kamera immer dabei, versuchte ich mit Bellamy und O’ zu besprechen was ihnen wichtig war. Übrigens war das auch einer der Gründe, wieso ich ständig auch bei der Arbeit half. Es gab kaum Ruhe an so einem Ort, immer wieder wurde mir in diesen Gesprächen ein Hengst angedreht den ich zur Weide führte, ein Wassereimer in die Hand gedrückt. Gerade gestern hatte ich geholfen den Paddock zu reinigen. Ich beschwerte mich nicht, neben der Arbeit am PC war das eine willkommene Ablenkung.

      Mit Fylgia hatte ich außerdem bereits die Möglichkeit gehabt mich näher dem Springen zu widmen. Ein Kurs hatte in Kanada stattgefunden, ich hatte es mir einfach nicht nehmen lassen dort Unterricht zu nehmen. Im Endeffekt hatte auch O’ mir Unterricht angeboten, den ich zumindest mit Ravn regelmäßig wahrnahm - neben den ausgedehnten Ausritten, bildete ich mich hier nun auch im Westernreiten weiter. Bellamy ermutigte mich das ein oder andere Turnier zu nennen, aber ich wusste nicht ob Valravns Nervenkostüm dafür ausreichend wäre.

      Ich schloss die Sublime Datei, schob mich auf meinem Stuhl zurück, schlenderte in die Küche, mich trieb der Durst hierher. Caleb stand an der Theke und genehmigte sich einen Apfel. Zu meinem “Schrecken” hatte ich festgestellt das er mit mir zusammen in dem Gästehaus wohnte. Alles in allem wechselten wir nicht oft ein Wort miteinander. “Guten Abend.” kam es hohl von Caleb, seine Hand tippte kurz an den Rand seines Cowboyhutes, was mich daran denken ließ, dass ich ihn noch nie ohne diesen Hut gesehen hatte. Irgendwie schien er regelrecht auf dessen Kopf festgewachsen zu sein. “Abend.” erwiderte ich, nahm mir ein Glas und füllte es mit Wasser aus dem Hahn - ich hatte versäumt mir welches zu kaufen. Allerdings kam eine braune Brühe aus dem Hahn, die nicht dazu einlud zu trinken. Ungläubig schaute ich in das Glas, welches ich mir vor das Gesicht hielt. “Ich würde das nicht trinken.” ich wollte gerade eine schnippische Antwort geben, holte Luft und entließ sie wieder meinen Backen, als ich den tatsächlich freundlichen Unterton in seiner Stimme holte. Mein Kopf drehte sich zu ihm, er lehnte mit dem Rücken nun am Kühlschrank, legte den Apfel beiseite und prüfte den Hahn von selbst. “Entweder ist das Grundwasser wieder verunreinigt, ode der Hahn. Ich werd mir das mal anschauen. Bis dahin...Wasser findest du auch in der Vorratskammer, nimm das.” Mein Blick huschte kurz zu ihm, das war neu. Caleb in nett? “Danke” kam es mir verdutzt über die Lippen, er lächelte, griff nach dem Gewehr das an der Theke lehnte und lächelte.

      Ich blieb stehen, sah ihm hinterher. Das war seltsam gewesen. Ich schüttete das Wasser weg, nahm mir eine der kleinen Wasserflaschen, dann machte ich mich wieder auf in mein Zimmer.


      Am nächsten Tag kam ich erst spät nach unten, da ich noch einige Bilder der letzten Tage ordnete. Wir wollten eine Seite auf der wir alle Pferde der Ranch vorstellten, dafür hatte ich bereits Bilder gemacht. Als ich hinunter in die Küche kam lag Caleb auf dem Rücken unter dem Waschbecken, in stummer Arbeit schien er mich zunächst nicht zu bemerken. “Morgen” wiederholte ich meinen Gruß, den er ohne aufzuhören erwiderte. Ich schnappte mir zwei der Möhren, schlenderte über den Hof Richtung des kleinen Paddocks den meine beiden Ponys noch immer zu zweit bewohnten. Nebenan stand ein zweites Pony, dessen Namen ich noch nicht ganz intus hatte. Vorn am Gatter hatte ich stets zwei alte Halfter hängen, beließ sie jedoch an ihrem Ort, kletterte durch den Zaun auf meine beiden Schätze zu. Fylgia lag am Boden, Valravn mit halb geschlossenen Augen über ihr. Seine Ohren zuckten in meine Richtung als er die Bewegung wahrnahm, seine Augen öffneten sich. Blau strahlte mir entgegen, doch keine weitere Regung ging durch das Pony. Auch die Stute hatte die Augen wieder geöffnet, die Ohren gespitzt in meine Richtung. Ich huschte in ihre Richtung, setzte mich an ihren Bauch, lehnte mich dagegen, seufzte. Schon jetzt war es angenehm warm, ich konnte im einfachen Shirt sitzen. Bald würde die Sommerhitze einsetzen, doch noch war dies nicht der Fall. Ich brach die Möhre in zwei Teile, gab jedem der Ponys seinen Anteil, knabberte dann selbst an einem Teil. Genoss es einfach zwischen den beiden zu sitzen. rutschte noch ein wenig nach unten, lehnte meinen Kopf gegen Fylgias Hals. “Lang her, dass wir so viel Zeit füreinander hatten, was?” flüsterte ich leise. Von Ravn kam ein Schnauben, als würde er seine Zustimmung verlauten. Ich strich ihm über die weiche Nüstern, zwischen den Augen hinauf zu seinen Ohren, er mochte es dort gekrault zu werden. “Habt ihr Lust auf einen Ausritt?” ich erhob mich auf die Füße, nun kam auch Bewegung in meine Stute und den Wallach. Als ich nach den Halftern griff, Ravn zog ich das seine einfach über den Hals, knotete den Strick zusammen. Gemeinsam führte ich die beiden aus dem Paddock, strich nur kurz über Fylgias Rücken und schwang mich dann hinauf. Kurz überlegte ich welche Richtung ich nehmen würde, verließ die Ranch dann gen Norden. In ihrem langsamen Schritt kam Fylgia meinen Anweisungen nach, Valravn blieb zunächst stehen, setzte uns dann aber im Trab nach, hielt an meinem Knie und lief dann angepasst an das Tempo der Stute neben uns her. Ich strich ihm über die Mähne als Lob. Als Handpferd mitzukommen war er gewohnt. Ich hatte mir aber erst hier angewöhnt ihn frei laufen zu lassen. Im Umkreis von mehreren Kilometern gab es keine Straße die stark befahren war. Mal ganz davon abgesehen, dass sich Ravn nicht allzu fern von Fylgia fort bewegte. Manchmal war diese Eigenschaft wirklich nervig, trennte ich ihn neigte er oft dazu seine Mitarbeit zu verweigern, zeigte das dann durchaus mal durch steigen. Mit Druck war dem nicht entgegen zu wirken, sanfte Überzeugung war der richtige Weg. Es benötigte länger, brachte einen aber sicherer weise an sein Ziel.

      Wir kamen langsam voran, ich ertappte mich wie ich ab und an die Augen schloss, einfach auf die Stute unter mir vertraute, mich ihren Bewegungen anpasste. Mit einem Ohr horchte ich nach Ravn der neben mir lief. Auf dem Rückweg begegnete mir Bellamy, der einen der Hengste am Zügel führte. “Guten Morgen, es ist schön euch drei so zu beobachten.” Ich bedankte mich nur bei ihm. Ich hatte nicht wirklich die Energie zu sprechen die Nacht war nicht mit viel Schlaf gegönnt gewesen. Anschließend bürstete ich beiden Ponys noch die Hufe aus. Fylgia bekam noch eine kleine Schale Müsli, Valravn bekam in der Zwischenzeit Ablenkung in Form einer Möhre.
    • Ravenna
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      Gwenhwyfar zieht ein
      | Ravenna | 3501 Zeichen
      Langsam führte ich den Rappschecken aus dem Hänger, ihr schwarzer Kopf sah sich neugierig um. “Na erkennst du alles wieder?” flüsterte ich leise, während ich über ihre Nüstern strich. Ich stand noch auf der Rampe, doch selbst so machte sich Lady Gwenys Größe bemerkbar. Mit 1,70 überragte sie mich deutlich.

      Wie der Zufall es wollte hatte ich im März ein neues Pferd gekauft. Nicht die beste Entscheidung, denn es war schon irgendwie ein reiner Farbkauf gewesen, aber ihr Aussehen und ihre Beschreibung waren hängen geblieben. Als ich ihr Bild schließlich Bellamy gezeigt hatte, war dieser zunächst am Lachen gewesen. Einen Umstand den ich nicht verstand - bis schließlich die Aufklärung kam. Lady Gweny habe bereits einmal auf Blakes Crow Meadow gelebt. Ich leistete also die erste Anzahlung. Jedoch sollte es ganze 3 Monate dauern bis ich die junge Stute endlich zu mir nehmen konnte. Die Quarantäne schien sie relativ gut gemeistert zu haben, typisch Vollblut war sie etwas zierlich, ihre Rippen waren zu sehen. Aber sie war nicht zu mager.

      Ich zitterte vollkommen vor Aufregung, ging die paar Schritt von der Rampe hinunter und führte Lady Gweny am Strick neben mir her. Nach der langen Fahrt schien sie noch ein wenig steif. Ohne Umschweife führte ich sie daher zum Paddocktrail meiner beiden Ponys. Noch schien keiner der beiden Notiz nehmen. Ich pfiff leise zwischen den Zähnen, beide waren ihn gewöhnt, hoben die Köpfe aus dem Gras und sahen in unsere Richtung. Ravn starrte Gweny an, Fylgia schien neugieriger, setzte sich in Bewegung und kam zum Zaun.

      Gweny schaute, blieb kurz stehen und lief dann fleißig vorwärts. Sie schien sich über Artgenossen sichtlich zu freuen.

      Caleb war es der mir das Tor öffnete, ich hakte den Strick aus und Gweny kam hinein zu den beiden. Weder Ravn noch Fylgia waren Pferde die dazu neigten andere zu sehr zu bedrängen, außerdem ging ich davon aus, dass auch Gweny sich wehren konnte wenn sie zu aufdringlich wurden. In der Tat beschnupperten sich die beiden Stuten eingehend. Valravn stand vollkommen erschüttert daneben, wölbte den Hals, brummelte wurde jedoch zunächst ignoriert. Nach einigem Schnuppern, atmete Fylgia vernehmlich ein und aus, wandte den Kopf ab und ging. Mir huschte ein Lächeln über die Lippen, meine eigensinnige Stute hatte damit Gweny akzeptiert. Von Gweny wich ein wenig die Anspannung. Ravn drängte nun an seiner Ziehmutter vorbei, lief im Trab um Gweny herum. Ihre Ohren begannen fast ein wenig unsicher zu zucken, sie machte einige Schritte rückwärts. “Sie scheint noch nicht ganz überzeugt von ihm.” suggerierte Caleb. “Er möchte spielen.” sagte ich lachend. Kletterte auf die erste Sprosse des Zaunes und lehnte mich darauf um besser sehen zu können.Fylgia kam zum Tor, ließ sich über die Stirn streicheln. In diesem Moment preschte Ravn in einem Galopp los über die Wiese, zog einen Bogen, raste wieder auf Gweny zu, bremste nur halb ab und stieg. Dies schien Gweny ein wenig aus der Reserve zu locken, denn sie wich meinem Wallach aus und im nächsten Augenblick raste auch sie im Galopp über den Trail. Fylgia sah beide Pferde davon rennen, schien zu beschließen dies könne so nicht ganz richtig sein und setzte ihrerseits hinterher.

      Ich grinste in Richtung Caleb. “Jetzt hat sie es ein wenig verstanden.” dann zückte ich mein Handy um später ihrer Vorbesitzerin ein Video und Bilder zu schicken. Meine Kamera lag zwar auf dem Beifahrersitz, allerdings wollte ich diese jetzt nicht holen. Faulheit durfte auch mal sein.
    • Ravenna

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      Springen A-L
      | AliciaFarina | 2237 Zeichen
      Nach einem langen Flug und einer ebenfalls langen Fahrt kam ich auf der Broken Meadow Ranch an. Ylvi Seidel hatte mich gebeten ihre Lewitzer Stute Flygia im Springen in den Beritt zu nehmen. Natürlich nutzte ich die Gelegenheit, denn meine Hannoveraner Stute Menetetty war derzeit als Berittpferd auf der BMR.

      Nachdem ich angekommen war führte mich Ylvi etwas über den Hof, einiges kannte ich bereits von Bildern die mir geschickt wurden. Ich ging als ich mein Zimmer bezogen hatte zu Flygia und machte sie mir fertig um sie probe zu reiten. Auf dem Platz angekommen ritt ich sie erst mal warm, anschließend fing ich mit leichter Dressurarbeit an um herauszufinden wie gut sie ausgebildet ist. Nach und Nach merkte ich, dass Ylvie nicht gelogen hatte, die hübsche Stute hatte wirklich kaum Lust geritten zu werden. Da auf dem Platz einige Stangen lagen, welche bestimmt vorher fürs Trailtraining gedacht waren, fing ich an zu testen was Flygja zu Stangen sagt. Sie spitzte zwar die Ohren aber mehr auch nicht. Nun entschloss ich mich dazu eine kleine Pause zu machen und dabei einige Cavalettis aufzubauen. Flygja nahm diese sehr brav, sowohl aus dem Trab als auch aus dem Galopp. Für den ersten Tag beendete ich mein Training, die nächsten Tage würden für uns beide noch anstrengend genug werden.

      Am nächsten Tag baute ich mir einen kleinen Parcour auf, ich wählte die Distanzen und Wendungen sehr großzügig, denn enger kommt mit mehr Erfahrung. Flygia war wie am Vortag brav beim fertig machen, nachdem ich sie warmgeritten hatte ging es los. Zuerst ließ ich sie einzelne Sprünge springen, dann leichte Kombinationen und zum Schluss sogar den ganzen Parcour. Man merkte je anspruchsvoller es wurde, wurde sie schneller. Scheinbar machte ihr Springen etwas mehr Spaß als normales Reiten. In den nächsten Tagen variierte ich die Sprünge und ließ sie langsam etwas höher in Richtung A Höhe gehen. Nach einer Woche Training, sprang Flygia zuverlässig einen A- Parcour und auch einzelne Höhe auf L Höhe, Ich erklärte Ylvie noch in wie weit ihr Vermögen geht und wie sie sie weiter fördern kann. Einen Tag später verabschiedete ich mich von allen und freute mich auf meinen nächsten Besuch auf der Blakes Crow Meadow Ranch.
    • Ravenna
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      Prophylaxe | Cooper | 3972 Zeichen
      Damit ich die Woche wieder auf Chattahoochee Hill's sein konnte, reiste ich sofort nach New Mexico durch. Die Reiserei machte mir nichts aus, dennoch freute
      ich mich auf das Hotel das Simon für mich gebucht hatte. Er ließ sogar dort Blumen für mich auf's Zimmer bringen. "Und, hast du sie bekommen" fragte er
      am Telefon. Gerührt sagte ich ja. Solche Gesten waren wirklich süß und hatten lange gefehlt, jedoch hatte sich seit dem wir gemeinsam alle bewältigt hatten
      einiges geändert. "Komm bald wieder ja?. Und dann bleibst du auch mal länger Zuhause als nur ein paar Tage" ermahnte er mich. Wir verabschiedeten uns
      und ich bereitete alles für den morgigen Tag vor und ging dann ins Bett.

      Am nächsten Morgen hatte ich eine Stunde verschlafen, normalerweise sollte ich schon längst auf dem Weg zu Blakes Crow Meadow sein. Ich war gespannt und
      hoffe das ich vielleicht auf Octavia Blake treffen würde, jedoch war diese in einem Traingsauftrag unterwegs, wie mir Ylvi am Telefon mitteilte. "Ist kein Problem.
      Ruhe doch noch was aus, mach dich in ruhe fertig und komm dann" sagte sie nett. Es war mir sehr peinlich und professionell wirkte das schon gar nicht. Dennoch
      schien Ylvi Seidel eine sehr nette Frau zu sein und es schien ihr wirklich nichts aus zu machen. Jedoch hatte ich meine Gewissensbisse. Mit dicken Augenränder
      klatschte ich mir eine Gesichtsmaske auf und aß erstmal die halbe Frühstückskarte des Hotels. Kurz darauf traf ich auf Blakes Crow Meadow in Alberqurky ein.
      Das Gelände war sehr schön aber auch anders als ich es gewohnt war. Das Gestüt beherbergte vor allem Westernpferde, aber auch viele verschieden andere
      Rassen. Fasziniert von dem ganzen, stieg ich aus dem Auto und begrüßte dann die Frau die winkend auf mich zu kam. Es war Ylvi. Sie begrüßte mich sehr freundlich
      und lud mich erst mal zu etwas zu trinken ein "Um zu quatschen" sagte sie. Nachdem wir uns weitreichend ausgesprochen hatten, also fast drei Stunden später,
      gingen wir in den Stall um mir Fylgia vorzustellen. Sie ist eine zwölf Jahre alte Lewitzer Stute. "So eine wie dich habe ich letztens Verkauft" lachte ich und streichelte
      ihr Ohr. "Also sie ist von Spritzen nicht begeistert, sie sollte aber nichts tun" sagte Ylvi und ging mit in die Box. Wir hatten uns dazu entschieden die Stute in der
      Box zu lassen, dennoch band Ylvi sie fest. Ich wartete bis die Stute sich an mich gewöhnt hatte und während streicheleinheiten schaute ich nach Auffälligkeiten an
      ihrem Körper. Augen, Nüstern, Mundhöhle, Pupillenreflex und Ohren kontrollierte ich danach. "Bis jetzt alles gut" lächelte ich. Ich dokumentierte schnell alle
      Daten und prüfte dann die Vitalzeichen von Fylgia. Hieß, Herzfrequenz, Atmung, Temperatur und Puls. Durch das nervöse Vorderbein heben war ihr Herzschlag
      etwas erhöht. "Nicht weiter schlimm. Ganz normal wenn jemand Fremdes hier ist" sagte ich und dokumentierte auch das. "So. Tja. Dann können wir Impfen".
      Die Stute schaute mir hinterher als ich kurz die Box verließ um die Spritzen zu holen. Die Stute lebte schon einige Jahre und wusste schon ganz genau was
      auf die zu kam. Ihr Blick wandelte sich von einem freundlichen Leuchten zu 'Das ist nicht dein Ernst, ich dachte wir wären Freunde' Blick. Ihre Ohren legten
      an als ich die Box wieder betrat. "Jaa. Is ja gut. Ich hoffe ihr versteht dass das nur zu eurem besten ist" sagte ich. Das hoffte ich wirklich. Die Immunisierungen
      waren schnell erledigt. Die Stute war zwar nicht begeistert, benahm sich aber nicht daneben. Wir lobten beide die Stute. "Tut mir Leid kleine".
      Ich aktualisierte den Impfpass. "Also. Für vierundzwanzig Stunden sollte sie nur leicht Bewegt werden, am besten auch achtundvierzig Stunden. Es kann sein
      das sie wegen den Immunisierungen leichtes Fieber bekommt. Sollte das anhalten oder gar steigen, bitte einen lokalen Tierarzt informieren" erklärte ich während
      wir zu meinem Leihwagen liefen. Wir verabschiedeten uns. "Auf ein Wiedersehen". "Auf ein Wiedersehen" gab ich zurück.
    • Ravenna
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      Ranchpferde | 95034 Zeichen | Ravenna & Veija
      Ylvi
      Es brach bereits der Morgen an, der Motor verhallte als ich den Schlüssel im Schloss drehte. Den Wagen hatte ich mir von Bellamy leihen können. In den letzten Wochen hatte ich keinen Wagen benötigt, für einige Erledigungen nun allerdings schon. Außerdem hatte ich mal eine Bar in Albuquerque testen wollen. Eine Freundin habe vor einiger Zeit entschieden gesagt Zitat: “Die Anwesenheit von nur Pferden, tut dir nicht gut. Hast du Max in der Zwischenzeit mal angerufen. Neulich habe ich ihn in der Bar getroffen.” Max...wie lang hatte ich ihn nicht gesehen? Februar war es gewesen. Natürlich hatte ich mich nicht gemeldet, nicht auf seine Nachrichten reagiert. Manchmal, ja manchmal vermisste ich ihn. In den Nächten da die andere Seite des Bettes leer war, wenn ich wieder nicht schlafen konnte, es meinem Kopf nach Abwechslung verlangte und sogar mein Körper die Nähe eines anderen Menschen vermisste. Allerdings könnte dieses Sehnen von jedem anderen halbwegs vernünftigen Menschen getilgt werden.
      Meine Arbeit hier, die Reitstunden die mir Bellamy gab und auch die Hilfe am Hof hatten mich abgelenkt. Doch dann hatte Max mir eine weitere Nachricht gesendet. Ihr Inhalt? Er war unterwegs nach New Mexico, zu mir. Natürlich kam ich nicht umhin zugeben zu müssen das er hartnäckig blieb.
      Jetzt saß ich hier also, schaute nach links und sah ihn dort schlafend. Ich kann mich noch lebhaft an mein Jetlag erinnern. Nach seiner Ankunft hatten wir eine Bar besucht, miteinander gesprochen. Ich hatte Bellamy vorher angerufen, gefragt ob ich Besuch auf die Ranch bringen dürfte. Ich seufzte, lehnte mich im Sitz nach hinten und starrte die Garagenwand an. Das hier war ein Fehler. Mein Hirn wiederholte den Satz bereits seitdem ich mich ins Auto gesetzt hatte um ihn abzuholen. Damit nährte ich Erwartungen, nur um sie zu brechen.
      Er wollte einfach nur zu Besuch kommen, mich nicht aufgeben, irgendwo war die ganze Aktion ja schon...ja süß. Aber ich wusste im inneren, so gut es auch lief. Max würde niemals der Typ werden mit dem ich alt wurde, vielleicht würde es diesen niemals geben. Mein Job und die Pferde würden immer vorher kommen, das konnte ich einfach nicht ändern. Ich rüttelte ihn sanft an der Schulter. “Max, wir sind da, komm.” ich stieg aus knallte die Tür und fischte seinen kleinen Koffer von der Rückbank. Die Seitentür ging auf, Max schiebt sich mühsam aus dem gefährt und steht erst einmal am Dach lehnend, schüttelt den Kopf. “Muss wohl eingenickt sein.” Ich sage nichts, gehe ihm voran unter dem Vordach der Garage hinaus. Und da ist sie wieder eine der anderen Aussagen, die mir immer wieder durch den Kopf hämmerten. Was mach ich hier eigentlich? Etwas dummes, war ein anderer Teil meines Gehirns, der die Antwort gab. Es schien mir als wären da ein paar Menschen in meinem Kopf die mir immer wieder selbst die Fragen beantworteten. Eine der lautesten verkündete jedoch: Lebe im hier.
      Das tat ich nun also. Ich gab Max zu verstehen leise zu sein als wir das Haus betraten, noch immer teilte ich mir das Gästehaus nur mit Caleb, bisher gab es keine neuen Häftlinge aus dem Projekt die uns hier beehrt hätten. Natürlich war ich es der über den ersten Treppenansatz stolperte, kurz mit dem Gleichgewicht rang und dann auch noch den Koffer los ließ. “Alles in Ordnung?” flüsterte Max, während in meinem Kopf ein Bild von Caleb vorbei huschte. Aus dem Schlaf aufwachend nach der Waffe greifend. Ich hob den Daumen, scheuchte Max weiter. Als sich die Tür zu meinem Zimmer hinter mir schloss, schnappte ich hörbar nach Luft. Offensichtlich hatte ich diese angehalten.
      Ich ließ den Henkel des Koffers los, meine Hand schwitzte ein wenig...ich war nervös, wie bereits die ganze Zeit. Ich hatte ihm klar gesagt das ich nicht vorhatte zurück zu kommen. Den Wind aus den Segeln habe ich ihm auch genommen als er meinte er könne ja schließlich auch hier bleiben. Ohne Umschweife stand er nun vor mir, sah mir in die Augen, lächelte. Sein Versuch eines Kusses misslang, ich tauchte weg hinüber zum Schrank. “Ich mach dir dein Bett.” Ich spürte ihn plötzlich hinter mir, seine Hand vorn um meinen Bauch geschlungen, die andere schob mir das Haar aus dem Nacken. Ich verharrte, mein Körper erstarrte während mein Herz zu rasen begann. Meine Hände blieben an den Griffen, schlossen sich fest darum. Sollte ich leugnen das ich nicht wollte was er im Sinn hatte? Mein Kopf fiel in den Nacken, ungehindert entkam mir ein halbes Lachen. “Du bist fies.” murmelte ich. Seine Hand drehte mich um, drückte mich gegen den Schrank und ich wehrte mich nicht gegen seinen Kuss. Das hier ist ein Fehler flüsterte das Stimmchen...Lebe den Moment schrie jedoch ein anderes.


      Erst gegen Mittag erwachte ich wieder, noch immer irgendwie erschöpft und müde, außerdem hatte ich eine trockene Kehle. Die Flasche neben meinem Bett war leer. Max Atem strich meinen Nacken entlang, meine Haare dort stellten sich auf. Ich schälte mich aus seiner Umarmung, schlang mir eine der Decken um den Körper und schlich mich aus dem Zimmer. Selbst hier drinnen war die Hitze zu spüren, meine Füße genossen daher die Kühle der Fliesen in der Küche. Mit flinken Fingern holte ich mir ein Glas aus dem Schrank, füllte es mit Wasser aus der Leitung. In Gedanken versunken lehnte ich mit dem Rücken gegen die Spüle, trank einen Schluck, hielt mir das Glas gegen die Wange und schloss die Augen. “Had a long night?” ich brauchte lange bis ich die Stimme wahrnahm, dann das es Englisch war und ich zuckte zusammen, riss die Augen auf. “Caleb.” meine Stimme klang seltsam, hohl und hoch, na geil. Hier stand ich...gehüllt in eine Decke, die mir kaum bis unter den Po reichte. Peinlich? Kann ich! Aber auch Max bewies echtes Timing, denn der kam gerade in die Küche. Genau wie ihn die Natur auf diese Welt gebracht hatte. Von dem Mitbewohner hatte ich nichts berichtet. Caleb sah auf ihn, zog die Braue nach oben, fasste sich an den Hut, nickte - wie ich gelernt hatte ein üblicher Gruß hier auf der Ranch.”I’d tell you a penis jocke, but I don’t want to come off as cocky.” Dann drehte er sich wieder um, einen undefinierten Ausdruck in den Augen, den Max nicht sehen konnte da Caleb sich in meine Richtung drehte. Ich schluckte hart an dem Lachen, tarnte es als Lachen “Caleb...mein Mitbewohner hier.” stellte ich ihn vor, die Tür war gerade zugefallen. Max blinzelte “Nett…” war erstmal alles was Max von sich gab. Offensichtlich war er bei dem Treffen nicht weggekommen wie er es erwartet hätte. “Frühstück?” Max nickte “Ich geh mich mal anziehen.” damit verschwand er aus der Küche, auf meinen Lippen breitete sich jetzt das Lachen aus. Bei dem ganzen setzte ich auf Calebs Verhalten - er gehörte nicht zu den gesprächigsten Typen, so würde die Geschichte hoffentlich nicht auf dem halben Hof bekannt werden. Ich holte zunächst Speck aus dem Kühlschrank, schnitt einige Zwiebeln und Tomaten. Gerade als ich die Eier in die Pfanne warf, kam Max wieder die Treppe hinunter in die Küche. “Caleb ist manchmal etwas seltsam...in meiner ersten Nacht hier hat er sein Gewehr auf mich gerichtet. Ich war um 3 Uhr nachts draußen, da hat er mich für einen Einbrecher gehalten.” “Charmant.” Ich zuckte mit den Schultern “Das ist eben irgendwie Caleb, man gewöhnt sich dran.”
      Das Essen verlief ruhig, ich spürte das Max geknickt war. Das war eben Max, er fühlte sich schnell angegriffen. Eine der Eigenschaften die mich durchaus in den Wahnsinn treiben konnten. “Ich werd nachher zu den Ponys gehen. Ich hab heute Unterricht bei Bellamy mit Ravn. Willst du mitkommen?” Max nickte, lächelte. “Ich bin gespann dich beim reiten zu sehen.” dabei zwinkerte er verschmitzt, offensichtlich hatte das Essen seine Stimmung gehoben.

      Bevor es jedoch zur Reistunde ging, hieß es den kleinen Paddocktrail der drei aufzuräumen. Gemeinsam mit Max kontrollierte ich das Wasser, machte den Trail sauber und hängte neue Weidenzweige in die kleine Hecke. Da Max dabei eher weniger eine Hilfe war, drückte ich ihm das Halfter von Valravn in die Hand. “Führ ihn einfach mal raus, da ist ein Anbindebalken, leg den Strick da einfach drüber.” Max kannte zumindest das halftern, führte den Wallach hinaus und beschäftigte sich mit ihm. In der Zwischenzeit konnte ich meine Arbeit fortführen. Dabei schwirrte mir im Kopf herum wie ich Max am besten los werden konnte, nachhaltig.
      Es kam kein richtiges Gespräch zustande als ich Ravn fertig machte, allerdings legte Max Wert darauf mir wann immer er mochte einen Kuss auf die Lippen zu drücken. Ich verstand ihn nicht. Glaubte er Gefühle würden einfach so aus dem Boden wachsen? Das er nur genug Lieben musste, dass ich diese erwiderte?
      Eine gute halbe Stunde später fand ich mich auf dem Platz ein, sortierte schonmal meine Bügel, denn beim letzten Mal war Caleb meinen Wallach mit dem Sattel geritten.


      Caleb
      Ich verschwand aus der Küche, schnappte mir meine Stiefel und verließ das Haus. Diese Begegnung musste ich erstmal verdauen. Ylvi konnte zwar tun und lassen was sie wollte und auch schlafen mit wem sie wollte. Aber einerseits waren die zwei mir die halbe Nacht auf den Koffer gegangen, andererseits musste mir Ylvis Freund sein Ding ja nicht gleich ins Gesicht halten. Ich war nämlich weder schwul, noch bi und ganz bestimmt hatte ich keine Lust, mir jeden Morgen so eine Show bieten lassen zu müssen. Witzig wäre es schon gewesen, nur gingen mir mit Sicherheit irgendwann die Sprüche aus und der eine Spruch hatte ihrem Freund ja auch schon gereicht. Ich war anscheinend so unwichtig gewesen, dass sie mich mit keinem Wort erwähnt hatte. Pfff, sie würde noch sehen was sie davon hatte. Bellamy hatte mir nämlich wieder ihre Reitstunde mit Valravn aufs Auge gedrückt, vielleicht würde ihr Typ dann auch dabei zusehen, wie ich sie quälte. Eine herrliche Vorstellung, die mich zum Grinsen brachte und einen fragenden Blick von einem Mitarbeiter zur Folge hatte, der gerade mit einem Pferd an mir vorbei ging. “Hast du einen Clown gefrühstückt?”, fragte dieser und hielt an. Ich schüttelte noch immer grinsend meinen Kopf. “Nein, aber einen gesehen.”, sagte ich und setzte meinen Weg dann fort. Aus alter Gewohnheit fasste ich mir an den Gürtel, an dem sonst meine Pistole in ihrem Holster hing. Wenn ich auf die Wiesen außerhalb der Ranch fuhr hatte ich sie meistens dabei. Das Gewehr trug ich zudem nachts mit mir herum, wenn ich wieder einmal Wache führen musste. So hatten Ylvi und ich uns auch kennen gelernt. Ich wette, dieser Typ hatte sie auf einem total unspektakulären Weg kennen gelernt. “Pass auf wo du hintrampelst!”, fluchte Murphy auf einmal und stieß mir unsanft gegen die Schulter. Zu seiner Rechten führte er mein Pferd… moment.. mein Pferd? “Wo gehst du mit ihm hin?”, fragte ich ihn und griff schon nach dem Strick. “Bellamy sagte er soll morgens mit den anderen raus.”, verteidigte er sich und ich seufzte. “Heute soll er nicht mit raus. Auf dem Plan stehen andere Namen. Smart Lil Vulture ist keiner davon.”, pflichtete ich ihm bei und schnappte mir nun endgültig den Strick meines Pferdes. “Komm Vul, machen wir was sinnvolles.”, sagte ich und schlenderte mit meinem Braunen in Richtung Round Pen. Aus dem Augenwinkel sah ich Ylvi und ihren Stecher wieder, wie sie Ravn fertig machten. Sie waren noch nicht sonderlich weit, weshalb ich meinen Hengst in den Round Pen stellte, das Halfter auszog und dann die Tür schloss. Ich ging in den Stall, ein anderer Teil, so musste ich nicht an Ylvi vorbei, und holte Pad und Sattel aus der Sattelkammer. Zusätzlich holte ich noch eine Gelauflage, da Vulture für diesen Sattel noch zu schmal war. Er würde ihn eh nur zum Anreiten drauf haben, danach käme ein passender Sattel. Aber zum Anreiten holten wir für jedes Pferd diesen Sattel, denn er war sehr kurz geschnitten und vor allem sehr leicht. Mit diesen drei Sachen bepackt ging ich also zurück zum Round Pen und legte alles dort auf den Boden, ehe ich wieder einen Blick zu Ylvi warf, die mittlerweile ihre Steigbügel wieder auf sich eingestellt hatte und aufgestiegen war. Auf dem Weg zu den dreien überlegte ich mir schon, welchen Spruch ich Ylvis Typ reindrücken konnte und fand sogar einen.
      Am Platz angekommen stieg ich über den Zaun und warf einen kurzen Blick zu dem jungen Mann. “Didn’t expect to see you all dressed up, dude.”, sagte ich und setzte mein süffisantes Grinsen auf. Ich sah seinen verwunderten Blick und schaute dann zu Ylvi und Ravn. “Hey meine Süßen.”, sagte ich dann und hielt Ravn kurz meine Hand hin, ehe ich zu Ylvi hochsah und dann wieder ein paar Schritte von ihr weg ging. “Na, wie wärs mit aufwärmen? So können wir nicht arbeiten.”, gab ich ihr einen Rüffel und verschränkte die Arme vor der Brust.


      Ylvi
      Ich biss mir von innen auf die Oberlippe, wieder ein versuch nicht lächeln zu müssen, aber Caleb schien es gesehen zu haben. Hatte er mir gerade zugezwinkert? In dem kurzen Moment bevor er mir eine Rüge wegen des Aufwärmens gab?
      Ich gab Ravn also mehr Zügel, lehnte mich leicht nach vorn und mein Wallach setzte sich in Bewegung. In den letzten Monaten hatte ich durch das Training mit ihm viel erreicht. Er war definitiv rittiger geworden, zeigte sichtlich Spaß an der Arbeit. Bellamy hatte mich auf dem Wallach auch schon zweimal mit zum Treiben der Rinder genommen. Irgendwo in ihm steckte eben doch ein Pferd mit dem Gespür für Rinder. Sein Vater war ein Paint gewesen. Bisher hatte ich ihn nur selten im Western gefordert da mir einfach selbst das nötige know how fehlte. Gab ich es jedoch zu war es auch der Verdienst von Caleb, gerade seit dem Beginn des Frühjahrs war zunehmend er es gewesen der meinen Unterricht übernommen hatte. Im Schritt begann ich bereits Stops und Volten einzubauen um die Muskulatur von Valravn zu schulen. Caleb stand derweil an die Bande gelehnt, seine Arme vor der Brust verschränkt, der Ausdruck auf seinem Gesicht unergründlich wie immer. Manchmal hätte ich gern mein letztes Hemd gegeben um zu wissen was hinter seinen Augen vor sich ging.

      Nachdem Ravn auch im Trab schön locker lief, stoppte ich neben Caleb. Er gab mir einige Anweisungen zu den Übungen die er heute mit mir probieren würde. Doch bevor er mich los reiten ließ landete seine Hand an meinem Fuß. “Die hab ich dir nicht umsonst beim letzten Mal länger gelassen. Du bist hier nicht auf Fylgia in einem Springsattel unterwegs.” er schlug mir auf den Oberschenkel. Das Zeichen für mich den Fuß nach vorn zu nehmen, derweil stellte er die Bügel ein. Ich sah hinüber zu Max, der am Eingang stand, fast ein wenig gelangweilt. “Hätte nicht gedacht das er dein Typ ist.” Caleb war meinem Blick gefolgt. Ich zuckte mit den Schultern, Caleb nahm meinen Fuß und steckte ihn wieder in den Bügel ehe er die Seite wechselte. “Er hat mir die Nächte in Deutschland ein wenig versüßt. Jetzt werd ich ihn irgendwie nicht wieder los.” “Ach und wo er schonmal da ist, nutzt du ihn weiter für deine Zwecke?” Caleb klang nicht verwundert, nicht anklagend. War das Amüsement in seiner Stimme? Aber im Grunde hatte er Recht. “Ich bin halt nicht für eine Beziehung geeignet, das versteht er nicht.” Als Caleb soweit war meine Bügel einzustellen, klapste er Ravn auf die Hinterhand und murmelte etwas, das klang wie “da sind wir ja schon zwei”, doch den genauen Wortlaut hatte ich nicht verstanden. Wir würden uns heute der Verfeinerung der Galoppwechsel widmen. Dazu hatte er also die Stange auf den Boden gelegt. Clever. Er hatte sich meine allerliebste Übung herausgesucht, nicht.


      Caleb
      “Sieht schon viel besser aus so.”, sagte ich und schaute den beiden dabei zu, wie sie ihre Runden im Trab drehten. “Fühlt sich auch besser an.”, rief Ylvi vom anderen Ende des Platzes zu mir rüber und ich nickte. “Hättest auch was anderes sagen sollen.”, erwiderte ich ihr und taxierte Ylvis Freund- nicht Freund immer mal wieder aus dem Augenwinkel. Wir wurden ihn aber auch nicht los, denn er schien einfach nicht weggehen zu wollen. “Angaloppieren auf einem großen Zirkel, lass ihn locker laufen, ich will sehen wie er sich heute macht.”, gab ich die nächste Anweisung und stellte mich zwischen die Stangen. Eine ganze Weile schwieg ich und ließ die beiden ihre Runden galoppieren. “Lass die Zügel mal locker!”, fing ich dann an zu fluchen. “Der kann im Kreis galoppieren und weiß wie man die Spur hält, du hast hier ein eigenständig denkendes Westernpferd, was genau weiß, wie es seinen Job zu erledigen hat während du dem dauernd ins Handwerk pfuschst!”, brüllte ich nun zu ihr herüber und vernahm dann eine Männerstimme hinter mir. “Muss man sie denn wirklich gleich so anbrüllen?” “Wenn sie ihren Job nicht macht, ja. Und ich wüsste übrigens nicht, was dich das angeht.”, quittierte ich sein Einmischen in meinen Job und funkelte ihn wütend an. Wenn ich eins noch mehr hasste als unfähige Reiter, dann waren es unfähige Zuschauer die meinten, dass sie mehr Ahnung von meiner Arbeit hatten als ich. “Als Zuschauer ist man leise.”, setzte ich nach und sah wieder zu Ylvi, die mittlerweile ganz schön ins Schwitzen gekommen war. “An X traben und dann auf der anderen Hand angaloppieren, versau es nicht.”, gab ich meine nächste Anweisung und schaute ihr zu. Ravn parierte schon fast von selbst in den Trab durch, was Ylvi zu früh schien und sie ihn schneller weitertrieb. So sprang er falsch an. “Trab!”, rief ich und sah zu, wie Ylvi sich sichtlich nervös oder konzentriert, ich wusste es nicht, auf die Lippe biss. “Den Zirkel hier im Trab, Hand wechseln und angaloppieren. Selbe Übung. An X zum Trab dann auf der anderen Hand angaloppieren.”, schimpfte ich und steckte mir nun die Hände in die Hosentaschen. Ich hatte zwar vorgehabt Ylvi heute zu quälen, aber der Grund der Qual hatte sich in Luft aufgelöst, da sie den jungen Mann anscheinend loswerden wollte. Dass sie hier nun solchen Mist baute, daran war sie selbst schuld und musste damit leben, angeschrien zu werden. Wenigstens der nervige Zuschauer schien seinen Mund zu halten, vorerst.
      Ich schaute Ravn zu wie er wieder angaloppierte und kurz vor X in den Trab fiel. Ylvi zuckte nun nicht einmal mit der Wimper, war aber total angespannt und das merkte ihr Wallach auch. Doch sie schaffte die Übung und galoppierte richtig an. “Gut!”, lobte ich die Beiden und ließ sie auch auf dieser Hand ein paar Runden galoppieren. “Selbe Übung.”, rief ich ihr dann irgendwann zu und sie schaffte es diesmal sogar besser. “Mach das jetzt noch ein paar Mal, lass ihn aber zwischendurch Schritt gehen, damit er wieder ein wenig zu Atem kommt.”, sagte ich und ging an den Zaun, um mich an diesen zu lehnen. “Und du heißt?”, fragte ich den jungen Mann, der mich mittlerweile sichtlich verärgert ansah.

      Ylvi
      Mich auf die Übungen zu konzentrieren war gar nicht so leicht, denn Caleb befand sich nun in der Nähe von Max. Ich wusste nicht wie gut das ganze war. Aber ein Bauchgefühl nagte in mir und sagte das es vielleicht nicht allzu gut war.Oder?
      Ich war nervös, angespannt. Ich hatte Caleb vielleicht ein wenig zu viel verraten was Max anging. Ich bereute es, vielleicht. Zumindest reichte es aus um auch Ravn vollkommen aus dem Konzept zu bringen. Der Wallach spiegelte mich einfach zu sehr wieder. Außerdem hatte Caleb nicht ganz unrecht, ich pfuschte dem Wallach in seine Aufgabe. Sein Schweifschlagen gab mir das Indiz dafür. Wir befanden uns gerade auf der rechten Hand. Ich war drei Runden im Schritt gelaufen, dann spannte ich mich wieder an verlangte einen Trab und galoppierte in der Ecke. Ravn nahm wieder, kurz vor X die Sache selbst in die Hand, fiel von sich aus in den Trab. Es brachte mich aus dem Gleichgewicht, mehr als gewollt presste ich die Knie aneinander - das war zuviel. Ich spürte wie das Pony unter mir hielt, den Arsch einzog und im nächsten Moment bäumte sich Valravn auf. Mitten am höchsten Punkt schien er zu verharren, bis er schließlich in einer Drehung wieder zu Boden ging. Eine seiner Spezialitäten. Damit quittierte mir der Wallach den Dienst, der Versuch ihn nun sanft nach vorn zu schicken, brachte mir nur neuerliches Schweif schlagen. Ich ließ mich nach vorn sinken, spürte das Sattelhorn in meinem Bauch. “Tut mir Leid, Ravn.” Ich setzte mich tief in den Sattel, atmete zweimal ein und aus, verschloss meinen Geist. Ich wusste wieso von Caleb nichts kam...er hatte mir diese Atemübung gezeigt. Ich sollte lernen mehr auf Ravn zu vertrauen….Kontrolle auch abgeben zu können. Als ich meine Gedanken sortiert hatte, formulierte ich den festen Wunsch der Bewegung, hatte die Übung fester im Kopf. Und ließ Ravn noch einmal los zu laufen. Schritt, antraben….Galopp in der Ecke, ganze Bahn, zirkel, Trab bei X, sitzen, links herum angaloppiert. Wie aus der Trance erwachte ich wieder, lächelte und stoppte neben Caleb. “Besser.”
      Ja..das war eben Caleb, hier durfte man keine Lobreden erwarten. Ich fragte mich allerdings wieso Max aussah als habe er in eine saure Zitrone gebissen.

      Caleb
      “Max.”, sagte der junge Mann zwischen zusammengebissenen Zähnen. “Ich dachte ich soll ruhig sein?”, fügte er dann an und schien nicht begeistert, sich jetzt hier mit mir unterhalten zu müssen, nachdem ich ihm solche Sprüche reingedrückt hatte und ihn so angefahren hatte. Naja, angefahren hatte ich ihn nicht wirklich, eher darauf hingewiesen, dass ich seine Kommentare hier nicht brauchte und das hier ganz klar mein Revier war. “Ich kann es nicht leiden wenn Leute mir in meine Arbeit pfuschen. Ich weiß, was ich tue.”, erwiderte ich auf seine Frage hin und schaute nochmal zu Ylvi, die ertappt wieder wegschaute und Ravn zum Steigen brachte. Ich seufzte kurz, ließ sie aber in Ruhe, denn sie sollte selbst auf die richtige Lösung kommen. “Ich bin Caleb.”, sagte ich dann zu Max und er nickte. “Ich weiß.”, murmelte dieser und schien wirklich nicht darauf aus, mit mir zu sprechen. Trotzdem sprach ich weiter. Noch war meine Fragerunde nicht zu Ende. “Und die gute Ylvi hat mich mit keinem Wort erwähnt? Das wundert mich aber, so nah wie wir uns gekommen sind.”, streute ich weiter Salz in die Wunde. “Was… heißt nahe gekommen?”, fragte er zwischen zusammengebissenen Zähne und funkelte mich wütend an. Ich widerum lachte nur kurz auf: “Ha, das kann sie dir schon selbst sagen!”, sagte ich ihm amüsiert und stieß mich vom Zaun ab, um wieder in die Mitte zu gehen. Beim Vorbeigehen an Ylvi sagte ich einmal kurz “besser” und ließ die Beiden kurz alleine. Ich ging natürlich nur so weit weg, dass ich noch hören konnte, was sie nun sagen würden.

      Ylvi
      ”Hast du eine Fliege geschluckt?” fragte ich in Richtung Max, spielte dabei mit dem Muster am Sattel von Valravn herum. Max schüttelte nur den Kopf “Wir können später sprechen, nicht bei ihm.” damit deutete er vage in Calebs Richtung. Ich verstand nicht, zog die Augenbrauen kraus, wendete meinen Wallach.
      “Ich vermute Mal die Laus die ihm über die Leber gelaufen ist trägt deinen Namen?” fragte ich leise flüsternd als ich mich zu Caleb gesellte. Hatte Caleb vielleicht beschlossen mir zu helfen Max endgültig davon zu überzeugen, dass ich nicht die Frau seines Lebens war? Das könnte wirklich interessant werden. Mit Muskelkater ließ ich mich aus dem Sattel gleiten, löste ein wenig den Sattelgurt von Ravn, sah zu Caleb. Dieser hatte gerade die letzte Stange wieder an den Rand des Platzes gelegt. Häufig bekam ich noch letzte Instruktionen und Dinge die ich Üben sollte. Jetzt jedoch brannte ich auf die Beantwortung meiner gestellten Frage.

      Caleb
      Ich seufzte kurz und scharrte einmal mit meinem Fuß im Sand. Sie wollten wohl jetzt nicht jeden. Vermutlich, weil ich so nah bei ihnen stand und somit alles hören würde. Ylvi war somit schnell fertig mit ihrem Max, sodass sie sich schnell wieder bei mir wiederfand. Sie stellte mir die Frage, ob ich etwas mit seinem Verhalten zu tun hätte, woraufhin ich nur grinste und nichts weiter sagte. Sie lockere dann den Gurt von Ravns Sattel und ich räumte die Stangen an die Seite, die wir heute dann doch nicht gebraucht hatten, ehe ich kurz meinen Arm über ihre Schultern legte und sie drückte. „War eine gute Stunde. Morgen hab ich neue Übungen für dich die auf jeden Fall schwieriger sind.“, erklärte ich ihr und ließ sie dann los. Als wir in Richtung Ausgang gingen sah Max noch immer genervt aus. „Ich arbeite gleich mein Pferd und halte noch Unterricht für Betsy mit Gun and Slide. Also wenn du was lernen willst, kannst du oder ihr gerne zuschauen kommen.“, sagte ich und wartete kurz auf eine Antwort, ehe ich meiner Wege zum Round Pen und zu meinem Pferd ging. Vulture wiehrte mir schon aufgeregt zu, als hätte er auf mich gewartet. Heute standen einige neue Dinge auf dem Plan, denn ich hatte schon viel mit ihm geübt und wollte mich heute zum ersten Mal richtig drauf setzen. Ich freute mich schon riesig darauf, denn dieses Pferd konnte ich ganz nach meinen Vorstellungen ausbilden und niemand würde mir da reinquatschen. Ich war froh, dass Bellamy mir die Erlaubnis gegeben hatte, mir eins zu kaufen und hier auf die Ranch zu stellen.
      Ich ging also in den Round Pen und zog meinem Jungen sein Halfter wieder an. Als er dies wieder an hatte kraulte ich seinen Hals und wartete, bis Ylvi und Max auftauchten.

      Ylvi
      Half mir Caleb tatsächlich? Denn anders konnte ich mir seine halbe Umarmung nicht wirklich erklären. Mit dem verschwitzten Ravn am Zügel verließen wir den Platz. Max hatte seinem Ausdruck nach nicht das Bedürfnis dem Training beizuwohnen. Allerdings sprach er zunächst auch gar nicht mehr. Vor der Sattelkammer sattelte ich ihn ab, entledigte ihn von der Trense. “Ich hab ja nicht viel mitbekommen, aber welche Laus ist dir über die Leber gelaufen.” Max zuckte nur mit den Schultern.
      Ich parkte Ravn in der Dusche, orderte Max den Hahn aufzudrehen um Ravn die Füße zu kühlen. Allerdings hatte der Wallach eher im Sinn sich auch die Nase zu kühlen, er war wirklich ein kleines Wasserschwein und daher wurde ich gleich mit nass. Max stand gegen die Wand gelehnt, den Blick auf mir. Ich konnte nicht widerstehen, ein Strahl Wasser traf ihn direkt auf die Brust. “Kühlt das dein Gemüt?” “Ich wüsste etwas anderes das mein Gemüt kühlt.” Mit einem Sprung war er bei mir, Ravn erschreckte sich leicht bei der schnellen Bewegung, dann fand ich Max Lippen auf den meinen. Er war forsch, ungewohnt forsch. Irgendwie hatte ich eine vage Ahnung was Caleb vielleicht gesagt haben könnte. “Warte, wir müssen Ravn weg bringen.” außerdem wollte ich nicht von jemandem hier entdeckt werden. Max löste sich von mir, ein schmales Lächeln auf den Lippen.
      Eine gute halbe Stunde später hatten wir meinen Wallach versorgt, ich hatte sein Zeug ordentlich verstaut und den Putzplatz gereinigt. Das ganze hätte ohne die Unterbrechungen von Max vielleicht weniger lang gedauert. Ich stand am Kühlschrank nahm gerade einen tiefen Zug aus der Wasserflasche. “Hast du vor bei dem Unterricht nachher zuzusehen?” “Natürlich, dabei kann ich lernen.” “Ich kann dich davon nicht abbringen?” seine Stimme wurde dabei fast heiser, sein Gesicht in meinem Nacken, seine Hände an meinem Körper.

      Ich war ein schwaches Wesen, zumindest in diesen Dingen. Irgendwann waren wir aus der Küche in mein Zimmer gewechselt. Max schlief. Ich schlich mich also heraus, sammelte meinen BH vom Küchenboden. Nicht auszumalen wenn Caleb herein gekommen wäre. Dabei lief mir ein Schauer über den Rücken. Max wäre explodiert.
      Draußen schlug mir wieder die Hitze des Tages entgegen. Mein Weg führte mich Richtung des Round Pens, dort befand sich noch immer Caleb. Strich seinem Pferd Vulture gerade über die Stirn. Ich kletterte auf die erste Strebe um hinüber zu gucken, hing nun also dort. “Also...was hast du ihm erzählt.” fragte ich... belustigt?

      Caleb
      Die lassen sich ganz schön Zeit… dachte ich und hatte schon mal angefangen, Vulture mit dem Pad abzuklopfen. Desensibilisieren nannte man das, das machte ich mit allen Pferden, auch den Jährlingen. Schaden konnte es nicht. Hier war es meistens so warm, dass die Pferde keine Decke brauchten, weshalb kaum eines der Pferde diese Übung kannte, die ich mir hätte zu Nutzen machen können. Vulture stand relativ entspannt neben mir, taxierte mich jedoch aus dem Augenwinkel und schien darauf zu warten, dass ich fertig war. Ich hatte meine Übung allerdings bisher nur von der linken Seite gemacht, die rechte Seite war auch noch dran.. Da ging ich dann auch hin und wollte ihn auch hier sofort abklopfen, ehe er einen riesen Satz zur Seite machte. Tja, was auf der einen Seite klappte, musste auf der anderen nicht zwangsläufig auch funktionieren. Ich ging also in aller Ruhe nochmal auf ihn zu, packte ihn am Halfter und nahm ihn dann wieder mit in die Mitte zu mir. Ich ließ ihn am Pad schnuppern und bewegte es dieses mal langsamer und sanfter. “Na also… good boy…”, murmelte ich und konnte ihn nun hier auch komplett abklopfen. Als ich damit fertig war, ging ich mit ihm zum Rand des Round Pens, wo ich den Sattel hingelegt hatte. Ich legte ihm das Pad auf den Rücken und zeigte ihm kurz den Sattel, an dem er schnuppern konnte. Dann warf ich ihn sanft auf seinen Rücken und zurrte den Sattelgurt fest. Soweit so gut, bis hierher kannte er die Übungen auch alle. Ich stellte mich neben seinen Kopf und kraulte ihn ein wenig, ehe ich an Vultures Ohrenzucken bemerkte, dass etwas hinter mir war- und tatsächlich. Kaum hatte ich dem Weg den Rücken zugedreht, war Ylvi an den Round Pen gekommen- alleine. “Ich ihm erzählt?”, stellte ich Ylvi eine Gegenfrage und schmunzelte. “Ich habe nur die Wahrheit ein bisschen verschönert.”, fügte ich an und sah in ihr fragendes Gesicht. “Na ich hab ihm gesagt, dass ich mich gewundert habe, dass du mich mit keinem Wort erwähnt hast, so Nahe wie wir uns schon gekommen sind.”, sagte ich und fing nun an zu lachen. Auch Ylvi lachte kurz auf, sah dann aber verlegen zu meinem Braunen.

      Ylvi
      “Nahe gekommen?” fragte ich leise, lachte.. “Du Fuchs. Hilfst du mir etwa ihn los zu werden?” Ich schaute nach rechts und links, prüfte wie Stabil das Holz war. Dann kletterte ich die drei Streben nach oben, setzte mich oben drauf. Beobachtete das tun von Caleb. Unter mir ließ er den Braunen laufen, der Hengst war Calebs Vulture, das hatte ich direkt erkannt. Er brachte jetzt schon eine ganze Weile neben den üblichen Pflichten auf der Ranch Zeit auf um den Hengst zu trainieren. Ich wusste wie hart das manchmal sein konnte. Aber er bewies vollkommene Ruhe bei der ganzen Prozedur. Im Schritt und Trab ließ er den Hengst laufen, erst dann erhielt ich eine Antwort von Caleb. “Wo hast du so lang gesteckt, du hast das halbe Training verpasst.” Mit einem einzigen Fingerzeig galoppierte der Hengst an, ich musste also meine Stimme erheben bei meiner Antwort. “Tja, nach deinen Worten war Max sehr darauf bedacht mir zu zeigen...was für Qualitäten er hat.” “Hatten wir uns nicht darauf geeignet, dass ich sowas nicht wissen will?” “Na hör mal du hast ja schließlich gefragt!” gab ich belustigt wieder. Tatsächlich zeigte er mir aus dem Schatten seines Hutes heraus ein zähneblitzendes Lachen, welch seltener Anblick.
      Schließlich holte Caleb Vulture herein in die Mitte des Pens. Da ich dachte er sei fertig, drehte ich mich um kletterte in der Innenseite nach unten. Mich juckte es in den Fingern den Hengst zu streicheln. In der Zwischenzeit hatte Caleb die Führstricke um seine Brust gelöst, sie an das Halfter des Hengstes gelegt und den Kopf zu sich genommen. Ich war noch leicht verwirrt. Hatte er jetzt vor aufzusteigen? Er begann jedoch den Sattel kräftig zu klopfen, bewegte die Steigbügel, wechselte die Seite und wiederholte die Prozedur. Anschließend nahm er wieder die linke Seite ein. Schneller als erwartet stellte er sich plötzlich in den Sattel. Vulture zuckte nur leicht mit dem Kopf bei dem ungewohnten Gewicht. Wie aus Reflex machte ich einen Satz nach vorn, wollte den Strick fassen, den Hengst halten. Sah jedoch das Caleb alles unter Kontrolle zu haben schien, beruhigte mich dann. Mein geschnappter Atem jedoch war laut vernehmbar. Als er wieder aus dem Bügel auf dem Boden gelandet war, strich er Vulture lobend über den Kopf. “Kontrolle abgeben, damit hast du’s nicht, oder?” Er drehte sich dabei um, lehnte lässig halb an dem Hengst. Strich ihm über den Kopf. Wie aus Reflex trat ich nun näher, gab dem Hengst meine Hand, an der dieser Neugierig schnupperte. “Tja, was soll ich sagen. Nagel auf den Kopf getroffen.” Calebs Blick hob sich, ging jedoch an meinem Gesicht vorbei, irgendetwas hinter mir hatte seine Aufmerksamkeit erhalten. Als ich mich jedoch danach umdrehen wollte, spürte ich seine Hand plötzlich in meinem Nacken. Rauhe Lippen auf meinen. Mein Körper verkrampfte sich im Schock. Ein Kuss? Genauso schnell wie das ganze begonnen hatte, endete es, hinter uns eine Stimme. “Was glaubst du eigentlich was du da tust?!” das war Max, seine Stimme schrill vor Unglauben. Ja...was tat ich eigentlich? Ich drehte mich um, zog die Schultern hoch, den Kopf leicht schräg. “Emotional unbrauchbar? Ich habe dich nie angelogen, Max. Ich will keine Beziehung. Das hast du nie verstanden. Es tut mir Leid für dich, aber vielleicht verstehst du jetzt.” Bei meinen Worten ging ich an den Zaun, lehnte mich dagegen und sah ihn entschuldigend an. Er hob die Hände “Ich denke ich sollte wohl meine Sachen packen.” sein Ton war dumpf. Er ging.


      Caleb
      Ich starrte kurz von Ylvi zu Max, welcher, so schnell wie er gekommen war, auch wieder verschwand. Vulture schien auch die Welt nicht mehr zu verstehen. Eben war er noch Mittelpunkt allen Geschehens gewesen, nun scherte sich niemand mehr um ihn, naja fast. Ich umfasste die Führstricke in meiner rechten Hand fester, schaute wieder zu Ylvi und überlegte kurz, was ich nun sagen wollte. Sie hatte ihn loswerden wollen. Ich hatte ihr geholfen. Warum mich der Kuss nun nicht sofort wieder los ließ, das wusste ich nicht. Meine Hand ballte sich kurz zur Faust. Doch ein leises Brummeln meines Hengstes ließ mich wieder entspannen und lockerer mit dieser Situation umgehen. “Emotional unbrauchbar? Das muss ich mir für später merken.”, sagte ich zu Ylvi, klopfte ihr kurz auf die Schulter und sah in ihr perplexes Gesicht. Mein Lachen erwiderte sie zunächst nicht, schaute mich nur kurz an und dann wieder Max hinterher. Es war eben doch nicht so leicht, Menschen die man vermeintlich nicht brauchte, aus seinem Leben gehen zu sehen. Man vermisste sie immer. Es dauerte immer eine Weile, um über Menschen und Dinge hinweg zu kommen.
      Ylvi schaute nun wieder zu mir, sagte noch immer nichts. Da ich noch immer kein Mensch großer Worte war, sagte ich ganz einfach zu Ylvi: “Und jetzt raus hier, du störst mich beim Arbeiten, Zeit ist Geld.” Da war er wieder, der alte Caleb, der keine Gefühle zulassen konnte und wollte. Ylvi schluckte einmal, ging dann zum Tor und setzte ihren Weg nach draußen fort. “Du kannst Betsy suchen gehen und mit ihr Blue fertig machen.”, sagte ich zu ihr und wartete auf ein Nicken ihrerseits. Auf Gefühlsgequatschte hatte ich nun absolut keine Lust, das konnte sie gerne mit unserer 8- jährigen Betsy besprechen.

      Ylvi
      Die Tür hinter jemandem zu schließen war einfach, danach hört man keinerlei Gespräche mehr. Sie jedoch gänzlich aus dem Gedächtnis zu bannen gelang manchen nicht. Ich hatte nicht das Bedürfnis mit Caleb darüber zu sprechen. Verwirrung war es nicht das mich im Bann hielt. Eher die Tatsache das Caleb mir geholfen hatte, wenn die Methode auch seltsam war - sie war nachhaltig. Ich schloss das Tor, sah durch die Gitter zu Caleb. “Danke.” war das einzige was ich von mir gab. Es war aufrichtig gemeint, es klang herzlich und es entsprach der Wahrheit, ich war nicht wütend, perplex, das traf wahrscheinlich zu. Dann lächelte ich ihm zu, winkte und ging. Was sollte ich auch sonst tun?
      Ich half tatsächlich Betsy dabei Blue fertig zu machen. In den nächsten Stunden wollte ich das Haus meiden, Max genug Zeit geben sich ein Taxi zu holen. Eines jedoch stellte ich fest...dieser Caleb war mir viel ähnlicher als ich es bisher gewusst hatte.

      Erst am Abend führe mich mein Weg wieder in das Haus das ich mir mit Caleb teilte. In der Zwischenzeit hatte ich mit Lady Gweny Bodenarbeit gemacht, Betsy nach ihrer Reitstunde mit Blue erneut geholfen und zusammen mit Murphy Ställe gemistet. Jetzt gerade kehrte ich von einem zweistündigen Ausritt mit Fylgia wieder. War staubig, geschwitzt und freute mich jetzt auf eine kühle Dusche, selbst um 21 Uhr war es noch heiß in diesem Land. Im Flur warf ich die Schuhe in die Ecke, lief Barfuß in die Küche und holte mir ein Bier aus dem Kühlschrank. Mit wenig Mühe sprang ich auf die Anrichte, öffnete mein Bier und nahm einen tiefen Zug aus der Flasche. Hielt mir das kühle Glas gegen die Stirn, ich hatte nicht genug getrunken für heute.

      Caleb
      Als Ylvi gegangen war klopfte ich Vultures Hals und setzte meine Übung fort. Wir waren nämlich noch gar nicht fertig für heute, auch wenn ich mit meinen Gedanken nicht mehr so ganz bei der Sache war. Ich zog mir also Vuls Kopf nochmal rüber, stellte mich in den Steigbügel und sprang ein paar Mal hoch, ehe ich mein Bein über seine Kruppe hob und auf der anderen Seite in den Steigbügel setzte. Ich hatte mir vor dem Training meine Arbeitsschuhe angezogen, die ich bis über den Knöchel schnüren konnte. Jetzt, um das erste Mal auf Vulture zu sitzen, hatte ich sie aufgemacht und die Riemen sehr locker gezogen. Die Schnürsenkel hatte ich einfach auf den Seiten in den Schuh gesteckt. Warum? Es kam ziemlich oft vor, dass die Pferde buckelten und bockten und man runterfiel. Das schlimmste dabei war, wenn man im Steigbügel hängen blieb. Mich bekam man als Rodeoreiter zwar nicht so schnell aus dem Sattel, aber man musste ja keinen Unfall provozieren.
      Vulture allerdings war bis jetzt noch sehr ruhig. Er war zwar im Umgang nicht ganz einfach, aber sobald man ihn arbeiten wollte, zeigte er was er konnte und vor allem, dass er wollte. Ich schnalzte so also einfach mal mit durchgehangenen Führstricken und wollte lediglich, dass er vorwärts ging. Was schnalzen bedeutete wusste er und so ging er im Schritt vorwärts, war jedoch noch etwas verwirrt und wusste nicht, wo er hingehen sollte. Das Gute am Round Pen war, dass sie nie weit weglaufen konnten und immer eine feste Begrenzung hatten, an der sie sich orientieren konnten. So ging Vulture einfach außen am Zaun entlang im Schritt seine Runden. Das reichte auch für heute. “Whoa.”, sagte ich und er blieb stehen. Ich klopfte ihm den Hals und stieg dann langsam ab. “Good boy.”, sagte ich ihm und gab ihm ein Leckerli aus meiner Hosentasche. Bevor ich nun weitermachen konnte, schnürte ich meine Stiefel wieder zu und dann gingen wir zum Hengststall, wo ich ihn anband und flink absattelte. Dann kam er endlich auf die Koppel, worauf er schon die ganze Zeit gewartet hatte, denn er galoppierte wiehrend am Zaun entlang und wollte allen anderen Hengsten wohl sagen, dass er wieder da war.
      Gerade als ich mir Betsy und Blue abgeholt und mit ihnen auf den Platz gegangen war, kam Bellamy um die Ecke. “Na Caleb, was sagt der Unterricht mit Ylvi?” Irghs. Da wollte ich eigentlich gar nicht drüber reden. “Gut, sie macht sich gut. Sie muss nur lernen erstens mir, zweitens ihrem Pferd mehr zuzuhören und nicht über alles die Kontrolle haben zu wollen.”, erklärte ich ihm und er nickte, verschwand dann wieder. “Ach ja.”, sagte er und drehte sich nochmal um. “Ylvis Gast ist wieder abgereist, der sah nicht so begeistert aus.”, meinte er noch und ich nickte. “Kann passieren, wenn man kein Pferdefreund ist.”, antwortete ich nur schulterzuckend und lachte. “Wohl war.”
      Ich drehte mich zu Betsy um und half ihr auf Blue, denn sie war dazu doch noch ein wenig zu klein, um selbst auf das Pferd zu kommen. “Und, heute mal was neues?”, fragte ich sie und sie nickte lachend. Sie hatte in der kurzen Zeit wo ich sie unterrichtete so unglaublich schnell gelernt, dass ich ihr heute schon ein paar kleinere Reiningmanöver beibringen wollte. Und wer wäre dazu besser geeignet als unser von allen geliebter und top ausgebildeter Gun and Slide? “Gut reit ihn mal im Schritt und Trab warm, Galopp machen wir später.”, sagte ich zu ihr und schaute ihr von der Mitte des Platzes aus zu. Ich hatte den ganzen Tag noch kaum etwas gegessen und jetzt war es wirklich sehr heiß. Lediglich ein wenig Wind wehte und ein paar Wolken quetschten sich vor die Sonne, was unser Leben hier und heute ein wenig erträglicher machte. Betsy stellte sich gut an, sie hatte alles behalten, was ich ihr beim letzten Mal nahe gelegt hatte und setzte alles um. “Halt ihn noch ein bisschen mehr außen, damit er auf dem ersten Hufschlag läuft und nicht auf dem zweiten, das ist bei Turnieren wichtig.”
      “Guuut macht ihr das.”, lobte ich die Beiden und wies Betsy an, mit Blue zu mir in die Ecke zu kommen. “Wir üben jetzt Spins.”, sagte ich zu ihr und ein Grinsen legte sich auf ihr Gesicht. “Sowas schweres schon?”, fragte sie mich ganz entgeistert und ich lachte nur. “Schwer ist das nicht, Blue weiß auch, dass du das noch nicht kannst und wird langsam machen.”, erklärte ich ihr und sie nickte. “Setz dich jetzt mal ganz tief in den Sattel. Wir fangen rechts herum an. Dreh deinen Oberkörper dahin, wo du hinwillst. Gut. Dann nimm dein rechtes Bein ganz weit weg von Blues Körper. Nimm die Zügel nach rechts, die linke Hand aber nur bis zum Mähnenkamm, nicht weiter. Die rechte weiter, weiter… gut. Jetzt legst du dein linkes Bein an und schnalzt.”, erklärte ich ihr und ich sah, wie es in ihrem Kopf wirklich zu rauschen anfing. Doch sie machte alles was ich ihr gesagt hatte und Blue fing langsam an sich zu drehen. Da er doch sehr schlampte, was an der fehlenden Stärke von Betsy lag, präzise Hilfen zu geben, stellte ich mich neben seine Schulter und ging im Kreis mit, immer wieder tippte ich ihn vorne an, damit er auch wirklich das tat, was er sollte. “Wie du stehen bleibst, weißt du.”, sagte ich lachend zu Betsy und wartete, bis sie das Kommando zum Stehen gab. “Whoa.”, sagte sie und Blue blieb stehen. “Gut gemacht!”, lobte ich sie wieder und Betsy strahlte nun über beide Ohren. “Mach kurz Pause und dann versuchst du nochmal links herum.”, erklärte ich und ließ beide erstmal etwas verschnaufen. “Bein weg Betsy.”, sagte ich als sie sich links herum drehen wollte. Blue stand einfach nur und schaute zu mir. “Was hast du vergessen?”, fragte ich sie ganz ruhig, nicht tadelnd. Betsy ritt bei mir zum Spaß und das sollte auch noch eine ganze Weile so bleiben. “Weiß nicht?”, fragte sie unsicher. “Dreh dich in die Richtung, in die du willst. Und setz dich tief in den Sattel. Genau so, gut.”, erklärte ich ihr und schon drehte sich Blue in die gewollte Richtung. Ich half an der Schulter nochmal nach, doch es war gleich besser. Dann standen die beiden wieder und verschnauften. “Reit ihn noch ein wenig im Schritt und dann ist gut für heute, Ylvi hilft dir ihn fertig zu machen.”, sagte ich zu ihr und sie nickte. Ich konnte sie guten Gewissens alleine lassen, Betsy und Blue kamen mittlerweile wirklich super zurecht.

      Den ganzen Tag über hatte ich in der knallenden Hitze verbracht, war den ganzen Tag auf den Beinen gewesen und hatte weder Ylvi noch Max nochmal zu Gesicht bekommen. Zwischendurch war mir Bellamy noch auf die Nerven gegangen, ich müsse noch Zäune reparieren, doch darauf hatte ich heute wirklich keine Lust mehr. Mit einem Murren hatte ich abgewunken und ihm versichert, dass ich das am nächste Morgen direkt als erstes machen würde. Jetzt freute ich mich eigentlich nur noch auf ein kühles Bier und etwas zu essen, was ich mir am Morgen in den Kühlschrank gestellt hatte. Murrend stiefelte ich also in das Haus, welches ich auf meinen Wunsch hin bis jetzt nur mit Ylvi teilen musste. Bellamy hatte ein paar der Mitarbeiter hierher verlegen wollen, doch ich hatte ihn fast auf Knien angefleht, dieses Haus doch als Gästehaus zu lassen und nur mich hier wohnen zu lassen. Bellamy, der wirklich schnell weich zu kriegen war, hatte dem schlussendlich zugestimmt und nun bewohnte ich dieses Haus fast die ganze Zeit alleine. Es kamen noch nicht sonderlich viele Gäste. Ylvi war die einzige, die jetzt seit längerer Zeit hier wohnte und scheinbar so schnell auch nicht gehen wollte.
      Ich schloss nun also die Haustür, zog meine Stiefel an der Tür aus und stellte sie an ihren Platz. Ylvis Schuhe waren in die Ecke geworfen worden. Da hatte wohl jemand keine Lust mehr gehabt, sie an ihren Platz zu stellen. Auch mein Hut fand seinen Platz auf der Kommode und ich wuschelte mir einmal durch die blonden Locken, die durch den Hut ein wenig platt gedrückt waren. Mein Weg führte mich sofort ins Badezimmer, welches direkt neben der Haustür lag. Ich drehte den Wasserhahn auf und wusch mir einmal kurz die Hände und schließlich auch mein staubiges Gesicht. So ein Tag in der Sonne und fast überall umgeben von Sand und Staub hinterließ eben ihre Spuren…Dann ging ich in die Küche, hielt jedoch im Türrahmen inne. Da war sie wieder. Ylvi. Sie saß auf der Anrichte und hielt sich ein Bier, vermutlich meins, welches ich am Morgen in den Kühlschrank gestellt hatte, gegen die Stirn. “Das musst du aber mit mir teilen, ist eigentlich meins.”, sagte ich und verschränkte die Arme. Ylvi erschrak und ließ die Flasche beinahe fallen, sie hatte mich anscheinend noch nicht gehört. Fast in Zeitlupe kletterte sie von der Anrichte runter und lehnte sich mit dem Rücken daran. Unsere Blicke trafen sich, unausgesprochene Worte lagen in der Luft, bis ich mich schließlich vom Türrahmen abstieß und die Tür hinter mir zuzog, welche leise ins Schloss fiel.

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      Das Klicken verhallte im Raum, die Küche war groß, doch es gab wenig darin. Mit guten Ohren vernahm man deutlich das schließen der Tür. Es fand eine Taxierung über die Anrichte der Küche hinweg statt. Caleb lehnte sich dagegen. Ylvi, der aufgrund ihrer Größe die kleine Bar nur bis knapp unter das Schlüsselbein ging, musste sich auf die Zehenspitzen stellen um das Bier dort abzustellen. “Ihr habt hier in den Staaten wirklich grauenhaftes Bier, weißt du das?” Caleb griff nicht nach dem Bier, stattdessen lehnte er seine Arme auf die Anrichte. Der junge Mann beobachtete die kleinere Frau vor sich. “Wieso hast du es dir dann genommen?” “Na das wusste ich ja erst nachdem ich mir das Bier genommen hatte. Falls du dich an meinem Speichel also nicht ärgerst, darfst du den Rest sehr gern haben.” Für einen Moment begegneten sich ihre Blicke, hielten einander fest, beide vermochten nicht weg zu schauen. Da war etwas...sehnendes. Die Kraft, die Caleb in den wenigen Stunden über Ylvi gewonnen zu haben schien, besaß etwas glühendes, sengendes. Ylvi brach den Kontakt, sah auf die Anrichte, wusste sie dürfe nicht fühlen, nicht nachdem Max erst gegangen war. Trotzdem konnte sie das Gefühl von rauen Lippen auf den ihren nicht vergessen.
      Der blonde Mann hatte seinen Blick ebenfalls abgewandt, griff nun doch nach dem Bier. Er hatte lange überlegt, was er ihr antworten sollte. “Die Grenze haben wir eigentlich schon überschritten.”, sagte er grinsend und nahm einen langen Zug aus der Flasche. Ylvi hatte wieder aufgesehen und sah ihn verständnislos an. “Na über das Thema mit dem Speichel.”, sagte Caleb verschmitzt und lachte, ehe er ihr das Bier wieder hinhielt. Schulterzuckend nahm Ylvi die Flasche entgegen, doch sie musste sich dieses Mal etwas mehr strecken, da Caleb die Flasche höher gehalten hatte, damit sie diese nicht sofort erreichen konnte. “Du bist gemein.”, sagte sie zu ihrem Gegenüber, als sie die Flasche nun endlich erreicht hatte. Sie setzte die Öffnung an ihrem Mund an und leerte die restliche Flasche mit einem Zug. Provokant hielt sie sie ihm wieder hin. Caleb griff noch tatsächlich danach, hielt sie dann jedoch ins Licht und schwenkte sie einmal hin und her. “Das wars dann wohl mit dem Bier.”, murmelte der Mann und stellte die Flasche wieder auf der Anrichte ab. “Viel hast du mir ja nicht gegönnt.”, meinte er dann und schaute wieder zu Ylvi rüber, welche ihn nur grinsend ansah. “Es liegt nunmal nicht in meiner Natur zu teilen.” die junge Frau fischte die Flasche von der Anrichte. Hinter Caleb befand sich der Korb, in dem sie die Flaschen zu sammeln pflegten. Ganz bewusst war es Ylvi nicht, doch sie wollte die Anrichte zwischen ihnen los werden, zu sehr erinnerte sie die junge Frau daran wie unterlegen sie in der Größe dem blonden Mann vor sich war. Außerdem brauchte sie etwas zu tun. Die ganze Situation hatte etwas makabres an sich. Das Knistern in der Luft konnte keiner der beiden leugnen. “Trotzdem schulde ich dir wohl etwas. Deine List hat dazu beigetragen Max wohl dieses Mal für immer los zu werden.” Ylvi hatte die Flasche abgestellt. Lehnte sich nun auf Calebs Seite der Anrichte gegen das Holz. “List?” fragte er taxierend. Hatte er sich gerade einen Schritt nach vorn gewagt? Der junge Mann grinste, sah auf die kleinere Frau, wusste um seine Wirkung sah es in ihren Augen. Niemals hätte er es sich eingestanden, doch gerade in den letzten Stunden hatte er bemerkt wie ähnlich sie sich waren. Zumindest was ihre verqueren Ansichten zu anderen Menschen anging. Selten hatte er Frauen gesehen die ähnlich dachten, ähnlich fühlten. “Ich würde sagen ich habe ihm nur klar gemacht wie emotional unbrauchbar du bist.” Er gebrauchte dabei ihre Worte, er sah das Blitzen in ihren Augen vor Belustigung. “Ich sollte wohl unter die Dusche verschwinden.” flüsterte sie nur halb überzeugt, Ylvi zog sich zurück.
      Und zwinkerte?
      Vielleicht war es ihre Bewegung, das Zwinkern ihrer Augen. Im Gefecht der Situation fand sich die junge Frau gegen die Anrichte gepresst wieder, ihre Arme zwischen ihrer Brust und der Wand eingeklemmt. Ihr entwich ein überraschtes ‘Oh’ bei seiner schnellen Reaktion. Sie hatte ihn reizen wollen,ja. Hatte sie damit nicht gerechnet, nein.
      Er presste seinen Körper von hinten an sie, seine Hände besitzergreifend auf ihren Hüften, seine Lippen in ihrem Nacken. In einer anderen Situation hätte sie vielleicht Angst verspürt, jetzt war da nur ihre eigene Überraschung. Er spürte das rasen ihres Herzens anhand ihrer Halsschlagader, hörte ihr scharfes Einatmen als seine Lippen ihren Nacken küssten. Spürte wie sie sich nach hinten lehnte. Er lächelte, spürte wie sie auf ihn reagierte. “Ich wüsste ganz genau wie du mir dafür danken könntest.” Mit mehr Kraft als er der kleinen Person zugetraut hatte drehte sie sich in seinem Griff herum. Ihre Augen wieder funkelnd, vernebelt von Lust. Sie brauchte nicht lang um zu erkennen, das sie vor sich in ihren Spiegel blickte.
      Nun schien es um die beiden geschehen zu sein. Ylvi hatte sich in Calebs Armen umgedreht und schaute belustigt, gar fordernd zu ihm hoch. Caleb, der sich solch eine Aufforderung bestimmt nicht zweimal sagen ließ, fischte mit einer Hand seinen Hut vom Kopf, während die andere noch immer an Ylvis Hüften lag. Dennoch warf Caleb seinen Cowboyhut nicht unachtsam zu Boden. Er legte ihn auf der Anrichte ab und umfasste Ylvis Hüften dann wieder mit beiden Händen. Sie sahen sich kurz an, die Luft schien noch elektrisierender zu sein, als wenige Augenblicke zuvor. Ylvi schaute ihn noch immer an, atmete schwer, blieb aber stumm. Caleb hingegen fasste nun den Entschluss, dass es jetzt eh egal wäre, was gleich folgen würde. Dass sie beide Beziehungsunfähig waren, das war ihnen klar. Aber was sprach gegen ein wenig Spaß?
      Nach einer gefühlten Ewigkeit löste der blonde Mann sich aus seiner Starre, legte der kleineren Frau seine rechte Hand unters Kinn, hob es ein wenig an und drückte endlich seine Lippen auf die Ihren. Eigentlich hätte die Anspannung der Beiden abfallen müssen, doch genau jetzt baute sie sich noch mehr auf, wurde drängender und stärker. “Die Dusche ist groß genug für zwei.”, flüsterte Caleb ihr ins Ohr, ließ seine Hand wieder sinken, verteilte jedoch auf ihrem Hals und ihrem Schlüsselbein weitere Küsse. Hätten seine Hände die junge Frau nicht gehalten, dann wäre sie wohl in sich zusammen gesunken. Die Gefühle die er in ihr regte waren ihr natürlich nicht fremd, aber die Art wie er sie berührte. Er war besitzergreifend, dennoch sanft und zögerte nicht in seinen Taten. Caleb löste sich von Ylvi, nahm sie an der Hand, obwohl sie wollte, dass er nicht aufhörte. Eine Hand war um ihr Handgelenk geschlossen. Hätte man die Situation erst jetzt beobachtet hätte man ihn wohl für Rüde gehalten, in seiner Berührung lag jedoch keine Kraft. Ylvi ließ sich von ihm aus der Küche in den Flur leiten, sie widersetzte sich ihm nicht.
      Erst als sie spürte, dass er die Worte in der Küche ernst gemeint hatte, verlangsamte sie ihre Bewegung. Nicht etwa die Treppe hinauf wollte er, sondern den Flur bis zu seinem Ende, denn dort befand sich das Bad. Ihr Atem beschleunigte sich, ihr Hals wurde ihr plötzlich enger. Was sollte sie tun? Auch Max hatte diese Lektion schnell lernen müssen, Sex mit ihr gab es nur unter einer Bedingung...ihr Oberteil blieb an. Unter der Dusche hätte sie damit keine Chance. Caleb schien ihr zögern zu spüren, musste einfach das Zittern ihrer Hände merken. Fragend sah er sich zu ihr um, ihr Blick huschte in Richtung der Treppe. Sie fühlte sich wie ein zartes Reh in der Falle, wie er da auf sie zu kam und ihr wieder diese Küsse auf die Lippen setzte. Ohne Umschweife hob der Mann sie hoch. Ein Gefühl das irgendwo zwischen Panik und Verlangen lag überkam sie.
      So ganz konnte Caleb das Zögern, sogar das Zittern ihrerseits nicht verstehen. “Nicht unter der Dusche?”, flüsterte der Mann ihr ins Ohr, während er sie erneut gegen die Wand presste und ihren Hals mit Küssen übersäte. Sie schüttelte bestimmend den Kopf und erntete kurz einen fragenden Blick von Caleb, denn eben in der Küche hatte sie nicht den Anschein gemacht, als wöllte sie nicht. “Zimmer?”, flüsterte der blonde Mann dann und Ylvi nickte. Also schien es etwas mit der Dusche zu tun zu haben. Auch gut, dachte er und trug sie die Treppe hoch zu den Zimmern. Durch die ganze Arbeit hier auf der Ranch Tag ein Tag aus war es ihm wirklich ein Leichtes, Ylvi nach oben zu tragen und es strengt ihn auch kaum an. Er war zudem unglaublich froh, dass er zur Zeit noch alleine hier in diesem Haus wohnen konnte und dass nur die Gäste, die auf kurz oder lang auf der Ranch waren, hier untergebracht waren. Denn sonst hätte man sich solche Aktionen mit Sicherheit nicht erlauben können. Das Zimmer des Mannes lag direkt auf der linken Seite, weshalb er mit dem Fuß die fast immer nur angelehnte Tür aufstieß und Ylvi sanft aufs Bett legte. Da er gerade noch stand, zog er sich sein Hemd über den Kopf und stand nun oberkörperfrei vor ihr- und gerade er konnte sich so sehen lassen. Langsam ließ er sich wieder über Ylvi sinken und schob sie ein wenig weiter aufs Bett, damit er sich besser abstützen konnte. Da er sich nun halb ausgezogen hatte, war Ylvi auch dran und er fing an, ihr Shirt nach oben zu schieben. Langsam strich er es über den Bauch nach oben in Richtung Brust, ehe auch schon die Hand der zierlichen Frau auf der von Caleb lag und sie ihn erschrocken anschaute. Caleb wie er war hatte schon einen Spruch auf den Lippen, hielt sich aber zurück und fragte Ylvi stattdessen: “Wie war das mit Kontrolle abgeben?” Doch Ylvi änderte ihren Blick nicht, verstärkte nur den Druck auf der Hand des Mannes. “Egal wofür du dich auch zu schämen scheinst, Ylvi…”, fing er an und machte eine kurze Pause, ehe er sich mit seiner anderen Hand, die gerade nicht auf dem Bauch der Frau lag, an seine rechte Wange fasste: “Schlimmer als das hier kann es wirklich nicht sein.”
      Das schien sie überzeugt zu haben, zumindest ein bisschen, denn sie ließ zu, dass Caleb ihr Shirt noch ein wenig weiter nach oben schieben durfte, zumindest bis unter ihren BH. Dann legte sie erneut ihre Hand auf die Seine. “Narben beweisen doch eigentlich nur, dass man gekämpft und verdammt nochmal gewonnen hat.”, munterte er sie auf und setzte sich kurz auf. “Ich hab ja nicht nur das im Gesicht.”, erklärte er ihr dann. “Das stört mich wirklich. Aber schau mal.”, murmelte er und Ylvi merkte schnell, was er gemeint hatte. Überall auf seinem Oberkörper waren kleinere oder größere Narben, die auch an seiner Hüfte nicht aufhörten und unter dem Gürtel der Hose verschwanden. “So sehen Rodeoreiter eben aus… ehemalige Rodeoreiter.” Sie sog scharf die Luft ein als sie seine Narben sah, schluckte und unwillkürlich griff sie mit der anderen Hand an eine der Narben kurz über der Hose. Sie war lang, rötlich und sah aus als wäre sie mehrmals geöffnet worden. In ihr brach etwas, sie folgte der Narbe nicht länger, sah ihm stattdessen in die Augen. Sie brach den Kontakt nicht als sie seine Hand sanft von sich schob, mit der anderen Hand den Saum ihres Shirts griff und zögerlich nach oben über ihren Kopf schob. Falls er die Narben sah, die ihren linken Brustkorb zierten, so huschte sein Blick nicht dorthin. Er kniete sich vor ihr auf das Bett, langsam kam er auf ihren gestreckten Beinen zum Sitzen, stützte sich jedoch ab. Sein Gewicht lag nicht auf ihr, sein Blick hielt den ihren. Dann legte sie seine Hand unter ihre linke Brust. Ylvie trug keinen BH, keinen mit Bügeln sondern einen einfachen Sport-BH. Sie atmete zitternd ein. Sie hatte nicht gewusst wie empfindlich die Haut dort sein konnte, niemals hatte sie jemand dort berührt. Caleb lehnte sich nach vorn, schien die Narben für die sie sich jahrelang geschämt hatte zu ignorieren und küsste sie nun wieder gierig auf die Lippen. Sie hätte ihm nichts erklären können, selbst wenn sie gewollt hätte. Sein Kuss nahm sie mit, sie lehnte sich ihm entgegen. Zuckte nur kurz zusammen als sich seine rauen Hände ohne Umschweife unter den Stoff des BH’s auf ihre Brüste legten. Williger als für möglich gehalten ließ sie sich den Stoff über den Kopf ziehen. Rein aus Reflex wollte sie ihre Blöße bedecken, doch nun waren da wieder seine Hände. Sie packten ihre Handgelenke,nahmen sie fort über ihren Kopf während sein Oberkörper sie von ganz allein in die Laken des Bettes presste. Erst dann wanderte sein Blick auf ihren Oberkörper.
      Ylvis Narben sahen übel aus, ihre linke Brust war ebenfalls deformiert bzw. sah eben anders aus, als ihre rechte. Doch das waren eben keine Makel, es waren die Überreste gewonnener Kämpfe und dafür musste sich weiß Gott niemand schämen, das wusste er zu gut. “Irgendwann erzähl ich dir mal von meinen.”, sagte der junge Mann unvermittelt und schaute Ylvi wieder in die Augen. “Jede von Ihnen hat ihre eigene Geschichte. Die einen gut, die anderen weniger gut… Aber jetzt genug davon.”, sagte er und machte sich an seiner Hose zu schaffen, die mitsamt Socken sehr schnell ausgezogen hatte. So stützte er sich nun, nur noch in Boxershorts bekleidet, über Ylvi ab und seine Lippen fanden wieder die Ohren, ehe er weiter nach unten über ihren Hals bis zu ihren Brüsten wanderte und mit seinen Händen weiterhin über ihren zarten Körper strich. Irgendwann machte er sich auch an ihrer Hose und Unterwäsche zu schaffen, welche schnell ihren Platz auf dem Boden fand- ebenso seine Boxershort.

      Am nächsten Morgen war Caleb drauf und dran aufzustehen, doch als er sich umdrehte, lag die zierliche Frau noch immer neben ihm. Diese schaute ihn durch ihre Haare unauffällig an. “Bin das gar nicht gewöhnt, dass hier jemand neben mir liegt.”, murmelte er, ehe er sich im Bett aufsetzte und sich einmal durch die blonden Locken fuhr. Seine Boxershort hatte er wieder an, weshalb er sich hinstellte und sich einmal streckte. Die ersten Sonnenstrahlen schienen durch das Fenster und leuchteten Caleb, das Bett und die darin liegende Ylvi an. Erst nachdem er sich gründlich gestreckt hatte drehte er sich wieder zu der Frau um. “Guten Morgen, ganz vergessen.”, sagte nett und fing dann an, in seinem Schrank neue Kleidung für den heutigen Tag zu suchen. “Ich schätze mal du willst bestimmt heute morgen duschen?”, fragte er sie dann und sie nickte. Mittlerweile hatte auch sie sich im Bett aufgerichtet, aber das Laken um ihren Körper geschlungen. “Dann geh ich unten und du hier oben, wer zu erst fertig ist macht Frühstück.”, sagte Caleb lachend und verschwand dann aus dem Zimmer.

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      Ylvi
      Ich sah ihm nicht lange hinterher, sondern ließ das Laken fallen, sammelte meine Sachen auf die über dem Boden verteilt waren und schlich hinüber in mein Zimmer. Dort griff ich mir lediglich neue Sachen, ein Handtuch und huschte in das Bad. Ich war noch nie jemand gewesen der sich dabei lange aufhielt. Ich entwirrte meine Haare aus dem halben Zopf den ich am Abend nicht entfernt hatte. Nebenbei stellte ich die Dusche an, dann schlüpfte ich darunter. Wie aus Reflex roch ich an meinem Arm, der noch immer leicht fleckig war vom Staub. Neben dem dominaten Geruch von Pferd, nahm ich auch den von Caleb wahr. Während ich meine Haare wusch, tanzten Bilder der letzten Nacht durch meinen Verstand.
      Das mit Caleb war seltsam. Ich hatte ihn niemals in Betracht gezogen. Als er mich hier auf dem Hof so überaus freundlich begrüßt hatte, die Art wie er mir die Stunden mit Valravn manchmal zur Hölle machte. Niemals. Und doch war es passiert. Was mich an dem ganzen jedoch am meisten faszinierte...ich hatte meine Scham über Bord werfen können. Niemals hatte mich ein Mann dazu gebracht, aber dieser raue Typ, mit seinen Narben hatte mir gezeigt das es nichts gab dessen ich mich schämen brauchte. Außenstehende könnten vielleicht vermuten ich ginge leichtfertig mit meinen Sexpartnern um…Doch wusste um seine macht, ich schlief nicht einfach mit irgendjemandem. Vor Max hatte es nur einen gegeben, mit Caleb waren es drei. Sie alle hatten mich Dinge gelehrt. Der Austausch von Energien war etwas heiliges, Energie trug weiter.
      Als ich aus der Dusche kam, schlang ich mir das kleine Handtuch um die Haare, zog den BH an, ein schwarzes Top und schlüpfte in die Reithose. Mit dem austreten aus der Dusche schüttelte ich meine Grübeleien ab. Was brachten sie mir jetzt? Ich zog die Hosenbeine nach oben - denn es war erst 7 Uhr und trotzdem schon unfassbar warm. Dabei fiel mein Blick auf die stoppeligen Beine. Well...das könnte ich auch mal wieder stutzen. Zuckte für den Moment jedoch die Schultern, schlüpfte noch in Socken.
      In der Küche sah ich niemanden, also schien ich die erste zu sein. Entwaffnend betrachtete ich den Kühlschrank...Speck, Eier und eine einzelne verschrumpelte Zwiebel. Wer war eigentlich mit dem Einkauf an der Reihe? Ich zuckte die Schultern, angelte nach einer Pfanne, goß Öl hinein und stellte sie auf den Herd. Nebenbei schnippelte ich den Speck und die Zwiebeln. Mit geübten Fingern landete dieses Gemisch in der Pfanne. Nebenbei öffnete ich die Eiverpackung - 6 ihrer Sorte würden ja wohl für uns reichen? Gerade als ich die Eier am Rand der Pfanne zerschlug betrat Caleb die Küche, Oberkörperfrei. “Der Kühlschrank gab nur Rührei her. Haben wir noch Brot?” überging ich seine Aufmachung. Was sollte ich auch tun? In der vergangenen Nacht hatte ich durchaus mehr gesehen.

      Caleb
      Ich hatte gar nicht vor mich wirklich zu beeilen, denn ich wollte mal sehen, was Ylvi aus dem Wenigen, was hier im Haus zu holen war, machen konnte. So ging ich gemütlich die Treppe hinunter, denn ich hatte ja ihr das obere Bad überlassen, und legte meine Kleidung auf den Boden. Ich stellte das Wasser an, eher kalt als warm, denn es war draußen eh schon warm genug und heute sollte es nochmal wirklich heiß werden, ehe ich mich unter die Dusche stellte. Ich war noch nie jemand gewesen, der über alles und jeden nachdachte. So auch jetzt nicht, denn meine Gedanken lagen schon wieder bei den Aufgaben für den heutigen Tag. Ich sollte den Zaun an der hinteren Stutenkoppel reparieren. Bellamy hatte davor schon ein paar Litzen gezogen, so dass die Pferde gar nicht mehr bis an den Zaun dran kamen. Der Weg dorthin ging am Rand des Flusses vorbei, also konnte ich mit dem Pferd gemütlich durch den Fluss reiten. Das Equipment hatte Bellamy mir gestern auch schon dort hingebracht.
      Was stand heute noch auf dem Plan? Vulture musste ich natürlich nochmal machen und auch Ginger Rose war heute wieder dran, sie hatte gestern Pause gehabt. Kaum hatte ich meine Gedanken zu Ende geführt war ich auch fertig mit Duschen. Ich zog mir die Boxershort an, eine weite Jeans und Socken. Durch meine Haare wuschelte ich einmal durch und beließ es dann dabei, die würden schon schnell genug trocknen. Das Handtuch und die alten Klamotten flogen in den Wäschekorb, ehe ich mir mein Hemd schnappte und in die Küche ging. Anziehen wollte ich es erst, wenn ich nach draußen ging- und stören konnte es Ylvi wohl nach letzter Nacht auch nicht mehr.
      In der Küche angekommen war Ylvi schon fleißig dabei Frühstück zu machen. Ich legte mein Hemd über den Stuhl und drehte mich ihr dann wieder zu, während ich sichtlich über ihre Frage nachdachte. “Ich glaube…”, antwortete ich und suchte die Schränke ab. “Ah, hier!”, rief ich irgendwann triumphierend aus und hielt meinen Fang in die Luft. “Toast.”, sagte Ylvi leicht abfällig und ich zuckte mit den Schultern. “Besser als gar nichts, oder?”, sagte ich und stellte es auf den Tisch. “Wieso hast du hier eigentlich kaum etwas zu essen?”, fragte Ylvi mich dann, während ich zwei Teller, Messer und Gläser auf den Tisch stellte. “Mittags essen wir immer alle zusammen im Haupthaus, deshalb brauch ich dafür hier nichts zu haben, und Frühstücken tu ich selten. Abends ist es eh meistens nur Bier. Das wird hier nie ausgehen- naja… gestern schon. Aber ich hatte auch keine Zeit zum Einkaufen.”, quasselte ich vor mich hin und war selbst erschrocken, wie viel ich in einem Satz gesagt hatte. “Aber jetzt lass uns essen.”, murmelte ich schließlich und Ylvi brachte die Pfanne auf den Tisch.
      Wir aßen in aller Ruhe und quatschten ein wenig über die Ranch und die Pferde, ehe wir schnell zusammen abspülten und ich dann auch mein Hemd anzog. Ich öffnete meinen Gürtel und den Knopf meiner Hose, damit ich das Hemd ordentlich dort hinein gesteckt bekam, ehe ich aus dem Augenwinkel Ylvi beobachtete, wie sie mir dabei zusah. Als ich sie ansah grinste sie nur, sagte jedoch nichts. “Glaub bloß nicht, dass wir letzte Nacht jetzt wiederholen.”, murmelte ich und wandte mich zum Gehen. Was auch immer sie jetzt sagen wollte ignorierte ich gekonnt, schnappte mir meinen Hut von der Anrichte, zog mir im Flur die Stiefel an und ging aus dem Haus, wo ich sofort in Bellamy hinein lief. Anhand der zufallenden Tür und den Schritten hinter mir hörte ich, dass Ylvi nun auch draußen stand. “Caleb da bist du ja. Du reparierst als erstes den Zaun bei den Stutenkoppeln..”, befahl er mir und ich rollte nur mit den Augen. “Yes.”, sagte ich nur und wollte eigentlich gehen, da fing er wieder an zu reden. “Hey, Ylvi. Stopp mal.”, rief er der jungen Frau nach, die auch schon gegangen war. Sie drehte sich auf dem Absatz um und sah wieder zu uns rüber. “Du kannst ihm eigentlich helfen. Dann hat der arme wenigstens Gesellschaft.”, befahl Bellamy, klopfte mir auf die Schulter und ging. Na toll. Ich schaute zu Ylvi und schüttelte augenrollend meinen Kopf. “In einer halben Stunde vorm Stutenstall.”, sagte ich nur und ging meiner Wege.

      Ylvie
      In meiner halben Stunde Zeit versorgte ich meine drei Schätze mit Wasser, füllte ihre Heunetze auf und stellte schonmal die Schubkarre in den Weg. Anschließend pfiff ich mir Ravn heran, mein Zeug befand sich eh in der Sattelkammer - nicht weit weg vom Stall der Stuten. Brav folgte der Scheckwallach mir am Strick, mittlerweile schien sich das Pferd wunderbar an die Hitze hier gewöhnt zu haben. Die Hitze hier war zumindest anders, der Schweiß trocknete beinahe direkt auf der Haut wieder. Mein Problem mit dem Trinken war aber nach wie vor da - ich trank einfach zu wenig. Mittlerweile trug ich immer eine kleine Plastikflasche bei mir am Gürtel, zusätzlich zu meinem Leatherman. Am Stall angekommen erwartete mich bereits Bellamy, zusammen mit zwei Pferden. Die Stute erkannte ich als Wimpys Little Devil, den anderen nur flüchtig vom sehen, allerdings war mir der Name nicht geläufig. Wollte er ein drittes Pferd nehmen um noch ein paar Dinge zu transportieren? “Dann beeilen wir uns am besten mit dem Satteln, nicht das wir in der Mittagshitze noch immer mit dem Zaun beschäftigt sind?” fragte ich ihn geschäftlich.

      Caleb
      Ich hatte mich direkt auf den Weg zum Hengststall gemacht, um nach Vulture zu schauen. Er hatte die Nacht auf seinem kleinen Koppelstückchen verbracht und lag dort noch immer im Gras. “Da hatte jemand aber eine lange Nacht, länger als ich?”, fragte ich den Hengst amüsiert und beim Klang meiner Stimme stand er auf und kam zu mir an den Zaun. Ich hatte mir im Stall eine Möhre geschnappt gehabt und hielt sie ihm hin. Genüsslich fraß er sie. Eine kurze Zeit blieb ich auch stehen, ehe ich in den Stall ging und das Kraftfutter für die 16 Hengste fertig machte. Es war morgens nicht viel, nur eine halbe Schippe Hafer und eine halbe Schippe Müsli, doch es reichte, dass sie sich jeden Morgen darauf freuten. Ich verteilte also das Futter an die Pferde und ging dann zum Stutenstall, um den sich Laurence heute morgen schon gekümmert hatte. Dort traf ich auch schon auf Bellamy mit Devil und Cielos an der Hand. Auch Ylvi war schon da, sie hatte Ravn mitgebracht. “Mit dem kommst du aber nicht mit.”, sagte ich plump zu der jungen Frau. “Wir brauchen da draußen Ranchpferde, nicht sowas wie Ravn. Kannst den wieder wegbringen, du nimmst den Wallach.”, sagte ich zu ihr und übernahm die Pferde von Bellamy mit einem Nicken. “Ich hab das Werkzeug schon zur Koppel gefahren, hab ich ja schon gesagt. Nehmt Satteltaschen mit dann könnt ihr den Rest wieder mitbringen.”, erklärte Bellamy uns und ich nickte. “Dann bring du Ravn weg, ich sattel die zwei hier schon mal.”, sagte ich dann zu Ylvi.

      Ylvi
      Ich öffnete den Mund, wollte protestieren, dann schloss ich ihn wieder. Was sollte ich sagen? Er hatte Recht. Ravn war nicht geeignet für die Rancharbeit...er verzieh Fehler nicht gut, stieg. Das konnten wir nicht gebrauchen. Also nickte ich, drehte mich gerade um. “Was denn keine Widerworte?” kam es von Caleb. Ich lächelte zynisch. “Touché.” zwinkerte.
      Ich brachte Ravn zurück zu seinen Stuten, der das zu genießen schien. “Treulose Nudel.” murmelte ich. Hängte das Halfter an den Haken des Offenstalles.
      Mit schnellem Schritt lief ich in Richtung Stutenstall zurück. Caleb hievte gerade den Sattel auf das mir unbekannte Tier. Ich angelte nach der Trense, hielt sie ihm hin. Streichelte über den Hals des Tieres. “Also...stellst du uns vor?”

      Caleb
      Da es doch ein Stückchen vom Stutenstall zu Ylvis Offenstall war, band ich die beiden Pferde am Balken vor dem Stall fest und putzte einmal schnell über. Sie waren ein wenig staubig aber sonst auch nichts. Beide Schweife flocht ich schnell ein und aus der Mähne machte ich je vier bis 5 einfache Zöpfe, damit der Wind ein wenig besser an den Hals kam und die Pferde dort nicht so schwitzten. Devil hatte ich schon fertig gesattelt und war gerade dabei, den Sattel auf Gipsy zu legen, als Ylvi- ohne Ravn, zurückkam. Dankend nahm ich die Trense entgegen und holte mir den Kopf des Braunfalben zu mir rüber, ehe ich ihm das Kopfstück anlegte. Wir hatten heute einfache Wassertrensen drauf, für unterwegs reichte das und einhändig konnte man die sowieso immer reiten. “Das ist Cielos, also wir nennen ihn alle Gipsy. Mit eines der ersten Pferde, die Verena hatte. Ein wahnsinnig tolles Pferd einer wahnsinnig tollen Frau.”, erklärte ich Ylvi und sah ihren fragenden Blick. “Jaja.. später vielleicht.”, speiste ich sie nur ab und drückte ihr ihr Pferd in die Hand. Ich befestigte noch schnell die Satteltaschen bei Gipsy und Devil und trenste dann auch meine Stute. “Los gehts. Sei lieb zu dem Wallach.”, sagte ich zu Ylvi und funkelte sie kurz an, ehe ich aufstieg und darauf wartete, dass sie es mir gleich tat. “Ganz ungewohnt so viel im Westernsattel zu sitzen, was?”, fragte ich sie lachend und trieb meine Stute vorwärts. Bis zur Stutenkoppel war es ein gutes Stück. Zu erst durch den Wald und dann eine ganze Weile am Fluss entlang, oder eben hindurch, wie wir das wollten.

      Ylvi
      Auf der Ranch gab es wahnsinnig viele Pferde, besonders welche die für die Rancharbeit geeignet waren. Wieso setzte er mir ausgerechnet dieses unter den Arsch? Ich spürte das war ein heikles Thema. Ich strich dem hübschen Wallach über die Nase, sah ihm in die Augen und reflektierte mich selbst. In Gedanken stellte ich mich ihm vor, das mochte albern sein. Ich hielt es jedoch nicht dafür. Dann strich ich über seine Nüstern, die neugierig an meiner Hand rochen. Dann sammelte ich die Zügel, setzte einen Fuß in den Sattel und zog mich hinauf. Dieser hier war für mich fast ein wenig zu groß, allerdings trotzdem überaus bequem. “Ich bin immer gut zu Pferden, Caleb. Ich glaube das solltest sogar du schon gesehen haben. Und...ja es ist ungewohnt, aber nichts woran ich mich nicht gewöhnen kann. Ich bin durchaus flexibel.” Ohne eine wirkliche Erwiderung setzte Caleb seine Stute in Bewegung. “Na komm Gipsy wir packen das schon.” flüsterte ich, folgte im Trab Caleb und parierte den Wallach erst durch als ich auf seiner Höhe war. Die Sonne schien bereits erbarmungslos vom Himmel, dabei war es gerade einmal 8 Uhr. Langsam verstand ich warum Caleb einen Hut trug. Ich fischte aus meiner Hüfttasche meine Sonnenbrille, sonst würde ich heute Abend Muskelkater im Gesicht haben vom ständigen verziehen der Gesichtszüge. Da niemand ein Gespräch begann schwieg auch ich, spielte mit dem geflochtenen Zopf des Wallachs. Seine Farbe gefiel mir, er hatte einen gemütlichen, weit ausschreitenden Schritt. Ich musste nichts tun damit er das Tempo hielt. Verena Schoss es mir durch den Kopf, ich konnte nicht leugnen das ich den Namen nicht kannte. Bevor ich mich auf die Anzeige von Bellamy gemeldet hatte, da hatte ich natürlich meinen zukünftigen Arbeitgeber gegoogelt. Ich hatte vom Unglück der Gips Reminder Ranch gelesen. Und unweigerlich hatte ich damit natürlich auch von Verena O’Connor gelesen. Daher mochten die Narben in seinem Gesicht stammen? Sie sahen aus wie Brandnarben. Aus dem Schleier meiner Haare sah ich ihn von der Seite her an. Was hatte er gesagt? Jeder von uns trug seine Narben? Recht hatte er...auch ich trug nicht alles meiner Gefühlswelt zu den Menschen hinaus. Ich fühlte mich seit diesem Morgen befreit, befreit von einer Angst. Einfach weg gewischt und das hatte dieser verschrobene Cowboy geschafft. Die Nornen trieben wirklich ein seltsames Spiel mit uns. Wieso mich das zum Lachen brachte konnte ich nicht sagen.

      Caleb
      Eine ganze Weile schwiegen wir beide und ließen uns einfach nur von unseren Pferden tragen. Irgendwann fing Ylvi an, in sich hinein zu lachen. “Wieso lachst du?”, brach ich die Stille doch sie winkte lediglich ab. “Nicht so wichtig.”, murmelte sie nur und konzentrierte sich wieder auf den Wallach unter ihr. “Gipsy ist ein tolles Pferd. Devil hier auch. Anfangs war sie nicht auszuhalten. So ein doofes Vieh.”, erklärte ich Ylvi und sie sah mich fragend an. “Auch dieses Pferd wollte Verena unbedingt haben… sie hatte wirklich ein Händchen für schwierige Pferde… Wimpys Little Devil heißt sie eigentlich, und glaub mir die war wirklich ein Teufel, als sie auf der Gips Reminder Ranch ankam. Als Fohlen ging sie auf andere Pferde los und als sie endlich von ihrer Mutter und der Herde getrennt war, ging sie auch auf Menschen los. Dann stand sie nur auf der Koppel rum, bis Verena sie kaufte. Ich kann mich noch an die Diskussionen erinnern… aber die Farbe sei doch so hübsch.. und die würde sich so gut in der Zucht machen… ja… genau das Gleiche hat sie mit Zues gemacht.. die Geschichte muss ich dir mal erzählen, da hat sie mir doch tatsächlich eine Ohrfeige gegeben und mich vom Hof geschmissen.”, ich fing an zu lachen. Die guten alten Zeiten. Wir waren jetzt aus dem Wald heraus und ritten in Richtung des Flusses. “Wir gehen zu erst ein Stück am Fluss vorbei, dann können wir durchreiten.”, erklärte ich Ylvi und schaute zu erst zu ihr, dann wieder geradeaus.


      Ylvi
      “Dafür das du sonst so Wortkarg bist, hast du mir in der letzten Zeit aber eine ganze Menge an Geschichten zu erzählen.” Ich vermisste den Wald fast augenblicklich als wir ihn verlassen hatten. Allerdings sah der Fluss inmitten des roten Sandes auch ziemlich verlockend aus. Ich fummelte in einer der Satteltaschen die Wasserflasche hervor, nahm einen Schluck und folgte dann Caleb am Fluss entlang. Der Pfad ließ ein nebeneinander nicht mehr zu, Gipsy fand seinen Weg sicher. Wobei ich mir sicher war...bis hierher hätte Ravn seine Sache sicher auch gut gemacht. “Wenn diese Pferde hier auch alle Mal nicht zuverlässig waren. Meinst du nicht man könnte aus Ravn auch ein Ranchpferd machen,oder ist da alles hoffnungslos?” Insgeheim hätte ich Verena sehr gern kennengelernt. Wie lange Caleb wohl für sie gearbeitet hatte? Ich hörte aus seinen Worten, das er in seiner Art sein Herz an diese Frau verloren hatte.

      Caleb
      “Ach, ich habe sonst nie jemanden der mir zuhört.”, lachte ich auf ihre Aussage hin, dass ich in letzter Zeit doch sehr gesprächig geworden war. Zu gerne dachte ich an unser Kennenlernen, nachts im Offenstall. Da war ich doch um einiges netter geworden als damals, dachte ich mir auch betrachtete den Fluss, in dem auch nicht mehr wirklich viel Wasser zu finden war. Es sollte also kein Problem darstellen, gleich dort hindurch zu reiten. Der Pfad wurde schmaler und ich ritt vor, da ich das Gelände auch besser kannte als Ylvi. Sie folgte mir schweigend, ehe sie mir eine Frage zu ihrem Ravn stellte. Ich lachte kurz auf und drehte mich zu Ylvi um. Auf mein Lachen hin sah sie mich verärgert an, ihre Frage war durchaus ernst gemeint gewesen. “Bis hierher hätte Ravn die Strecke mit Sicherheit auch geschafft, durch den Fluss wäre er vielleicht auch gegangen. Aber gleich an der Koppel binden wir einfach die Zügel am Sattelhorn fest, stellen die Pferde zum Grasen ab und dann heißt es Whoa. Das ist das Kommando zum Stehenbleiben. Sie halten sich dann auch in unserer Nähe auf. Und wenn sie zu weit weggehen, pfeife ich und sie kommen zurück. Sollte etwas sein, kann ich auf ihren Rücken springen und im Galoppieren die Zügel losknoten, während ich sie nur mit meinen Beinen und meinem Gewicht lenke. Drauf und los sag ich da immer- und es ist egal wer da drauf sitzt. Auch bleiben sie in jeder Situation ruhig. Auch wenn Pferde Fluchttiere sind, diese Pferde sind da ein wenig robuster. Das macht die Ranchpferde aus.”, erklärte ich Ylvi und sah in ein staunendes Gesicht. Gleich nach meiner Beschreibung lenkte ich Wimpy zum Fluss runter und wir gingen mit lautem Plantschen hinein. “Guut machst du das.”, lobte ich sie und wartete auf Ylvi, um zu sehen, ob sie keine Probleme hatte.

      Ylvi
      Nur ich hörte ihm zu? Na da übertrieb er jetzt aber, es gab schließlich genug Leute auf der Ranch. Aber bei genauerer Betrachtung, sah man ihn auch oft allein arbeiten. Allerdings mochte ich seine Art mit den Pferden zu arbeiten. Er hatte oft genug Feingefühl bei Ravn gezeigt, wenn er ihn Korrektur Ritt. Ich hatte ihn mit Vulture arbeiten sehen. Er war eben ein ganzer Horseman, das machte auch seine Ruhe aus. Sie färbte ab. Ich versuchte nicht krampfhaft ein Gespräch zu führen...das Schweigen fühlte sich nicht unangenehm an, sondern ich konnte gut einfach den eigenen Gedanken nachgehen. Ich hörte gespannt wie er von den Fähigkeiten der Ranchpferde berichtete, lächelte. Offensichtlich hatte er nie gesehen wie ich Ravn zu mir rufen konnte und der gescheckte Wallach im Trab auf mich zukam. Das ganze nahm ich ihm nicht übel, natürlich war mein Wallach im Nachteil, Gipsy und Wimpy und alle anderen Quarter waren seit Generationen für diese Art von Arbeit gezüchtet worden.
      Gipsy ging aufmerksam die Uferböschung hinab und suchte sich am langen Zügel einen Weg durch das Flussbett. Ich genoss dabei die Wasserspritzer die an meine Beine gelangten. “Na dann dauert das noch eine Weile mit Ravn” feixte ich als ich neben ihm war. “Mit was genau reparieren wir jetzt eigentlich den Zaun? Draht?” wir mussten nicht mehr lang unterwegs sein.

      Caleb
      “Die Pferde lernen das natürlich auch nicht immer ganz so leicht. Wir haben solche Fußfesseln, die die Pferde an die vorderen Beine gemacht bekommen. Damit können sie sich nicht schnell bewegen und lernen somit, ihren Fluchttrieb zu unterdrücken. Früher, wenn wir mit den Rindern manchmal ein paar Tage unterwegs waren haben wir die benutzt, wenn wir geschlafen haben. Das war auf jeden Fall besser, als die Pferde anzubinden.”, erklärte ich Ylvi. Es gab viele Gegner dieser und anderer Methoden, doch für uns war sie am praktischsten gewesen. Wir ritten etwas weiter den Fluss entlang und auf ihre Aussage zu Ravn nickte ich nur. Auf ihre Frage, mit was wir den Zaun denn reparieren würden, antwortete ich: “Ja, mit Draht aber auch mit Holzbrettern.” Da waren sie wieder, meine kurzen und knappen Antworten. Viel mehr sagte ich auch nicht mehr, bis wir am Zaun ankamen. Bellamy hatte vor dem Zaun großflächig mit weißem Flatterband abgesperrt, damit die Stuten nicht doch noch auf die Idee kamen, auszubüxen.

      Ylvi
      “Die Hobbel kenn ich sogar bereits. Mit Fylgia war ich schon einmal auf einem Wanderritt, da haben wir die Pferde daran gewöhnt und dann über Nacht so stehen gehabt.” In meinem Gedanken tauchte ein Bild von Stacheldraht auf, wie er in Gründerzeiten genutzt wurde um die Herde der Bisons vom Land der Bauern zu halten. Damals als noch Natives ungezwungen durch das Land gezogen waren. So hier auf dem Pfad reitend konnte man sich fast an diese Zeiten zurück erinnern. Als Kind war ich unfassbar fasziniert von Indianern gewesen. Hatte alles an Literatur verschlungen, sogar als Jugendliche versucht Lakota zu lernen, aber nie weiter verfolgt.
      Die Uferböschung war steiler auf dieser Seite, ich beugte mich nach vorn griff mit der freien Hand nach dem Sattelhorn. Als wir oben waren drehte ich mich nach dem Pfad um. Da nachher wieder runter? Hui! Aber nun ließ die Vegetation es wieder zu das beide Pferde nebeneinander her ritten. “Weißt du was...wenn wir schon in der Erzählphase sind. Stell mir auch gern Fragen. Es wäre ungerecht das ich dich Löchere und du keine Geschichten zu hören bekommst. Meinst du nicht? So als Freunde?”

      Caleb
      Der Weg lief in Weide über und Ylvi konnte mit Gipsy wieder neben mich reiten. Devil legte die Ohren an und holte aus, um nach dem Wallach zu schnappen, doch ich korrigierte sie, bevor sie ihre Attacke ausführen konnte. Manchmal war sie eben doch noch ein Biest und die alten Muster kamen wieder raus. “Tzzzzz.”, zischte ich, als sie es erneut versuchte und zog ihren Kopf urplötzlich herum. Ich konnte solch ein Verhalten absolut nicht leiden, und so konnte sie in der Mittagshitze kleine Volten drehen. Ich hielt schickte ihre Hinterhand fleißig nach außen, so dass sie nicht anfangen konnte, Spins zu drehen, denn diese wären ja nicht sonderlich schwer für sie gewesen. Ylvi und auch Gipsy schauten uns nur verdattert an, Ylvi sagte aber nichts dazu. Sie hatte das Schnappen von Devil mitbekommen und wusste auch, dass wenn ich auf eins pochte, dann gut erzogene Pferde- und da ging es eben auch nicht immer ganz so rosig zu. Als ich Devil wieder neben sie lenkte, behielt sie ihre Ohren zwar hinten, setzte aber nicht erneut zum Schnappen an. Erst dann konnte ich auf Ylvis Frage antworten. “Freunde? Ich hab dich fast erschossen und wir hatten Sex, macht uns das zu Freunden?”, fragte ich sie und setzte mein süffisantes Grinsen auf, bis wir beide in Lachen ausbrachen. “Hmm na gut. Wo kommst du eigentlich her und wie lief dein Weg bisher, dass du jetzt hier bist?”, fragte ich sie, stieg dann aber von Devil ab und knotete die Zügel am Sattelhorn zusammen, ehe ich sie grasen ließ. Ylvi tat es mir gleich und ich ging dann auf den kaputten Zaun zu. Zu erst verschaffte ich mir einen Überblick, ehe ich mich jedoch unter den Baum in den Schatten stellte. “Wir müssen ja nicht sofort anfangen.”, meinte ich nur zu Ylvi und sie nickte.

      Ylvi
      Touché, Sex machte uns vielleicht nicht unbedingt zu Freunden..aber er hielt die Fassade nicht lang bis er aufrichtig begann zu Lachen. Das ließ mich mit einstimmen. Ich entnahm den Satteltaschen wieder die Flasche mit Wasser. Der Versuch im Gehen bei steinigem Untergrund zu trinken endete mit einem Haufen Wasser das mir das Kinn hinab in den Ausschnitt lief. Na wunderbar. Ich wischte es hastig fort, dann leistete ich ihm im Schatten des Baumes Gesellschaft, reichte ihm das Wasser. Ich sank einfach auf den Boden, lehnte mich an den Baum. “Ein Autounfall hat mir diese hübsche Narbe verpasst als ich klein war..ich wäre fast gestorben daran. Lange habe ich nicht gewusst was es war, nur das meine Mutter am Steuer gesessen hatte. Unser Verhältnis war irgendwie schon immer gestört, je älter ich wurde desto mehr wurde mir klar das sie an der Flasche hing. Irgendwas aus der Vergangenheit, ich habe nie erfahren was es auslöste. Ich bin mit Beginn meiner Ausbildung ausgezogen, hab das ganze nicht mehr verkraftet. Die Pferde, das Reiten...mein Vater hat mich da unterstützt, das hat mir mein Leben erhalten. Der Auszug half das Verhältnis zu meiner Mutter ein wenig zu bessern. Aber im Grunde. Du kannst nicht heilen an dem Ort der dich krank machte. Also fiel es mir gar nicht schwer meine Sachen zu packen und hierher nach New Mexico zu kommen.” Caleb hatte sich inzwischen neben mich an den Baum gesetzt. Ich sah ihn nicht an, schaute nach vorn in die Landschaft und die beiden Pferde die so wunderbar verstanden im Moment zu Leben. Das hatte ich erst Lernen müssen...und wirklich gut war ich in manchen Sachen immer noch nicht damit. Das mit meiner Mutter ging mir seit je her mehr an die Rippen als es gehen sollte. Manchmal fragte ich mich ob vielleicht ich der Grund war? War ich so verkorkst geraten das meine Mutter damals zur Flasche griff? Natürlich...wenn sie nach einem Streit neben mir saß, kniete und weinte und mich um Entschuldigung bat war ich nur allzu willig ihr diese zu gewähren. Es zerriss mich innerlich. Eine Mischung aus Hass...und der Liebe, der Gedanke das sie doch schließlich meine Mutter war, die mich geboren hatte und mir im Grunde nichts böses wollte. Etwas unaussprechliches ging dann in mir vor...die Bilder gingen mir nicht aus dem Kopf. Damals war ich vor ihnen geflüchtet, bei meinem Auszug, hatte sie einfach ausgesperrt. Ich hatte mir Hilfe holen wollen. Aber wie erklärt man einem Psychologen das Träume einen verfolgen seine eigene Mutter zu verletzten? Also schwieg ich und machte das mit mir selbst aus. Vielleicht war ich auch deswegen hier in New Mexico gelandet. Allerdings konnte ich mir selbst darauf keine Antwort geben. Also konnte ich diesen Teil auch Caleb nicht sagen. Ich war mir sicher...irgendwann konnte ich eine Antwort darauf geben, momentan jedoch fehlte mir diese Erkenntnis.

      Caleb
      Natürlich hatte ich gesehen, wie das Wasser Ylvi in den Ausschnitt gelaufen war, hatte es jedoch nur mit einem Grinsen kommentiert, ehe ich meinen Blick wieder über die Weiten der Landschaft hatte gleiten lassen. Erst als sie mir mit der Wasserflasche vor der Nase herum wedelte, schaute ich wieder zu ihr, nahm die Flasche dankend entgegen und trank gierig einen Schluck. Im Moment war es einfach unsagbar heiß hier in New Mexico. Aber trotzdem liebte ich es hier, eigentlich mehr als in Kanada. Es war zwar heißt, aber man konnte abends noch stundenlang draußen sitzen und die Pferde beim Grasen beobachten, oder sogar die Sterne, wenn man Sternfan war. Und das alles ohne dicke Jacke, einfach nur in T-Shirt und kurzer Hose. Kurz sah ich zu Ylvi runter, denn sie war am Baum einfach auf den Boden gesunken. Auch sie musste sich zu erst an die Hitze hier gewöhnen, das stand außer Frage. Wir standen beziehungsweise saßen einfach kurz da, ehe Ylvi mir auf meine Frage von eben zu antworten. Ich hörte ihr aufmerksam zu und als sie fertig mit erzählen war, schien sie noch immer in Gedanken zu hängen, weshalb ich eine Weile lang schwieg. Erst als ich merkte, dass sie sich wohl wieder im hier und jetzt befand, antwortete ich ihr: “Das hört sich ja alles nicht so rosig an.” Was sollte ich auch mehr sagen? Ich stand auf, gab ihr die Wasserflasche zurück und ging mir den Zaun anschauen. Das Holz war einfach durchgefault und hatte den kleinen Sturm, den es vor einer Weile gegeben hatte, einfach nicht mehr ausgehalten. “Wir sind hier aber relativ schnell fertig, sind ja nur die vier Latten, der Pfahl und der Draht.”, sagte ich zu Ylvi und schaute mir an, was Bellamy uns hingelegt hatte. Genau das, was wir brauchten. Ich entfernte also den einen Pfahl aus dem Boden und rief Ylvi zu mir, damit sie den neuen kurz festhalten konnte, während ich ihn in den Boden schlug. Ich war froh, dass sie eine Frau war, die mit anpacken konnte und sich noch vor Arbeit zierte. Zusammen nagelten wir die vier Holzbretter fest, dann sagte ich Ylvi sie soll ein paar Schritte zurückgehen, denn ich fing an mit dem Draht herum zu experimentieren. Dazu hatte ich mir extra Handschuhe angezogen und eine Zange geschnappt. Doch der Draht war widerspenstiger, als ich gedacht hatte und flog mir sogar einmal aus der Hand. “Gut, dass du da gerade nicht gestanden hast.”, sagte ich und schaute zu Ylvi, die genau dort eben noch gestanden hatte, wo jetzt der Draht hin geschossen war. Doch mit etwas Kraft bekam ich den Draht dann dort hin, wo ich ihn haben wollte und machte ihn fest. “Du kannst den improvisierten Zaun von Bellamy weg machen gehen.”, wies ich sie an und Ylvi ging auf die Koppel, um den Zaun zu entfernen. Mittlerweile hatten unsere Stuten auch mitbekommen, dass hier hinten etwas im Gange war und fingen an, Ylvi zu belästigen. Ich band Gipsy kurzerhand doch am Baum an, schnappte mir Devil, öffnete kurz das Tor der Koppel um hinein zu reiten und fing dann an, die Stuten zu cutten, damit sie von Ylvi wegblieben. “Da bist du wieder in deinem Element, was?”, scherzte Ylvi und ich zuckte nur mit den Schultern.
      Als alle Stuten die junge Frau in Ruhe ließen und sie fertig war, verließen wir die Koppel und ich schaute kurz zum Himmel. Es müsste jetzt Mittagszeit sein. “Hast du Lust mit in die Stadt zu reiten und heute da was zu essen? Ich hab keine Lust auf Bellamy und seine Sippschaft.”, fragte ich Ylvi dann und lehnte mich im Sattel nach vorne, verschränkte die Arme auf dem Sattelhorn und schaute zu ihr runter.

      Ylvi
      Ich war dankbar als er mir die neugierigen Stuten vom Hals hielt - es vereinfachte meine Aufgabe um einiges. Den abgebauten Zaun aus Litzen verstaute ich noch in den Boxen die Bellamy hier her gebracht hatte.
      Als ich mich umdrehte sah ich Caleb auf mich zureiten. Sippschaft. So wie ich ihn ansah wirkte er wie ein Cowboy aus den Western Filmen die ich früher so oft gesehen hatte. Irgendwie bediente er damit ja schon ein Cliché, ich lächelte in mich hinein. Mir juckte die Frage auf den Zähnen, stellte sie jedoch noch nicht. Wieso hatte Caleb eigentlich nicht eine eigene Ranch? Er war sowieso schon der Vorarbeiter der gesamten Ranch, hatte also eine der wichtigsten Aufgaben. Als ich die Fotos für die Website gemacht hatte von den Pferden, war nicht etwa Bellamy derjenige gewesen der mir die Pferde alle beim Namen genannt hatte. Was mich daran erinnerte, das ich wirklich mal wieder an die Website musste. In den letzten Tagen hatte ich mich hauptsächlich für Arbeit auf der Ranch einspannen lassen - den Computer vermisste ich fast gar nicht dabei.
      Ich folgte meinem Instinkt, lehnte mich gegen die Stute, sah ihn einen Moment an. “Klingt nach einem Plan, dann seh ich gleich noch mehr von der Landschaft. Dann lern ich Gipsy gleich viel besser kennen.” Dann drehte ich mich um, band den Wallach los um mich federleicht in den Sattel zu schwingen. Allerdings spürte ich trotzdem Muskelkater, solcherlei Arbeit der letzten Tage war mein Körper nicht gewohnt. Und sagen wir mal so...die Nacht war auch nicht spurlos an mir hängen geblieben...ich war irgendwie müde. “Dann lass uns mal los reiten. Sollten wir Bescheid geben? Nachher vermisst man uns noch.”

      Caleb
      Ich schaute Ylvi dabei zu, wie sich in den Sattel schwang und lachte auf ihre Frage hin. “Nein. Ich bin des Öfteren unterwegs und nicht auffindbar und da du ja bei mir bist, machen sie sich schon keine Sorgen. Hauptsache die Arbeit, die anstand, wurde erledigt.”, sagte ich zu ihr und sie schaute mich an, als hätte ich ihre Frage falsch beantwortet. “Na komm.”, sagte ich zu Devil, schnalzte und drehte sie dann nach rechts. “Zur Stadt ist es eigentlich immer nur am Fluss entlang. Dann ein wenig Straße und dann sind wir da, wo ich hin will. Das Restaurant ist praktisch, da kommen fast alle mit Pferden hin. Man kann sie da anbinden und sie bekommen Heu und Wasser. Ist aber das einzige Restaurant, das so etwas macht. Läuft auch leider nicht so gut. Aber ich sag dem Besitzer schon lange, er soll eine Cowboykneipe draus machen.” “Eine Cowboykneipe?”, fragte Ylvi mich lachend. “Ja genau. Da reitest du mit deinem Pferd hin, betrinkst dich und dein Pferd bringt dich wieder heim.”

      Ylvi
      Amerika Land der unbegrenzten Möglichkeiten - da Ritt man unter Umständen auch ins Restaurant oder die Kneipe. “Das ist natürlich dann auch nur eine Aufgabe für Ranchpferde?” fragte ich, erntete ein Augenzwinkern und warf den Kopf lachend in den Nacken... irgendwie entwickelte sich das zum Running Gag.
      Dort angekommen, lockerten wir die Sättel der Pferde ein wenig, die Trensen machten wir ab und gingen hinein. Die Auswahl auf der Karte hielt sich in Grenzen, doch es gab zwei Gerichte die auch ich aß. Die Entscheidung fiel auf Pulled Pork mit Pommes. Dann sah ich mich in dem Restaurant um, die Inneneinrichtung hatte Flair. Der Typ der uns bediente hatte definitiv Gesichtszüge eines Indianers - das spiegelte sich auch im Restaurant wieder. “Also mehr Besucher hätte der Ort hier definitiv verdient, auch ohne Cowboykneipe.” flüsterte ich Caleb lächelnd zu, dieser zuckte nur mit den Schultern. Das Essen wurde uns gerade gebracht, vielleicht wollte er nicht mit mir in Anwesenheit des Kellners(oder Besitzers) reden.

      Caleb
      Während Ylvi sich für das Pulled Pork mit Pommes entschied, bestellte ich einen saftigen Burger, das hatte ich schon lange nicht mehr gegessen- außerdem ein kühles Bier. Sehr schnell wurde unser Essen an den Tisch gebracht und ich nickte dem Kellner zu, dieser tippte sich kurz an den Kopf. “Ja doch…”, murmelte ich und nahm nun doch meinen Hut vom Kopf, den ich bis jetzt nicht ausgezogen hatte. “Jedes Mal das Selbe.”, lachte ich und der Kellner stimmte in mein Lachen ein. Ylvi schaute nur zwischen uns beiden hin und her und schien zu ahnen, dass wir uns wohl schon länger kannten.
      Wir aßen und tranken relativ schnell zu Ende. Auch wenn Ylvi zunächst darauf bestand ihr eigenes Essen zu bezahlen, gab sie nach einem bösen Blick meinerseits dann doch auf und ließ mich bezahlen. Draußen gurteten wir die Sättel nach, zogen die Trensen wieder an und machten uns auf den Heimweg. Wir kamen wieder an der Stutenkoppel vorbei, von der Bellamy nun schon alles Equipment weggeräumt hatte, so dass wir geradewegs nach Hause reiten konnten. Dort angekommen sattelten wir die beiden Pferde ab, brachten sie auf die Weide und gingen dann unserer Wege. “Bis heute Abend.”, sagte ich zu Ylvi, zwinkerte, drehte mich dann um und ging ohne ein weiteres Wort zum Hengststall.
    • Ravenna
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      Vertrauen und Pferderennen | Ravenna | 42149 Zeichen
      “Caleb!” zischte ich zu ihm hinunter. Sah ihn fast ein wenig erschrocken an. Ich hatte soeben Lady Gweny aus der Stallgasse geführt, mich auf ihren Rücken schwingen wollen als mir Caleb auf die Stute geholfen hatte. Seine Hand dabei so unmissverständlich auf meinem Gesäß, es hätte mir die röte ins Gesicht treiben können. Ich sah den Glanz in seinen Augen, die Hand fuhr meinen Oberschenkel hinab, den Unterschenkel entlang und half meinem Fuß in den Steigbügel.

      Mein Körper betrog mich, denn er reagierte auf die Berührung beinahe sofort. So ging es seit Wochen. Seit jenem Tag als er mir geholfen hatte Max wohl auf ewig aus meiner Gegenwart zu entfernen. Berührungen, Witze. Meistens jedoch in der scheinbar sicheren Umgebung des Hauses das wir miteinander teilten. Das hier...das war neu. “Angst die anderen könnten uns sehen?” fragte er in einem ernsten Ton, während seine Augen eine andere Geschichte erzählten. Ich zuckte mit den Schultern “Du etwa?” ich wartete seine Antwort nicht ab, gab die Zügel vor und Gweny setzte sich Augenblicklich in Bewegung. Mein Plan war gewesen mit Gweny für ein Springen zu üben, jetzt war ich jedoch abgelenkt worden. Ich musste ihn aus meinen Gedanken verbannen. Was musste er sich auch immer hinein schleichen? Das er ein äußerst guter Liebhaber gewesen war musste ich an dieser Stelle doch zugeben. Ich ließ Gweny einfach laufen, kurz hinter den Toren des Hofes begann das Gelände, Meilen um Meilen ohne festgesetzte Wege. In Deutschland hatte ich solche Weiten niemals gekannt, jetzt hätte ich sie nur unschwer wieder her gegeben. Blakes Crow Meadow war zumindest für den Moment meine neue Chance. Gweny zog ihr Tempo deutlich an. Unser letzter Ausritt war eine ganze Weile her, die vergangene Woche hatte sie viel Zeit für sich gehabt. Jetzt drang sie auf Bewegung, also gab ich ihr die Zügel noch weiter nach vorn, spürte deutlich wie eine Rolle durch das Pony lief und im nächsten Moment preschten wir im Galopp davon. Ich griff mit meiner linken Hand in ihre Mähne, hörte den Trommelschlag ihrer Hufe und genoss die Geschwindigkeit. Dabei hatten wir noch längst nicht ihr vollkommenes Potential erreicht. Die Stute war schließlich ein Vollblüter, zwar nicht geeignet für die Rennbahn, aber das Laufen lag in ihrem Blut. Und manchmal genoss auch sie es wie der Wind über die Ebene zu fliegen. Ich ließ sie gewähren, wusste ich doch das sie niemals durchgehen würde. Ich wusste nicht wie lange wir schon im Galopp unterwegs waren, aber Gweny verlangsamte ihr Tempo deutlich. Ich sah mich um, erkannte wir befanden uns südlich vom Hof, beschloss unser Springen in Bergtraining zu wandeln und ließ die Stute hinauf in die Hügel gehen. Zwar kannte ich noch nicht alle Wege, aber bisher hatte ich noch immer wieder zurück gefunden.

      Wir passierten den Fluß einige Meile von hier hatte ich ihn bereits mit Caleb durchquert, denn in dieser Richtung lag die Koppel der Stuten. Ich folgte dem Fluß jedoch hinauf in die Hügel. Ob sich dort oben wohl seine Quelle befand? Bevor wir den kleinen Dornenbuschwald betraten drehte ich noch einmal den Blick zur Ranch. Zuckte dann mit den Schultern und verschwand im Dickicht. Der Weg war nicht steil, ging in leichten Wendungen immer weiter hinauf. Manches Mal verlor ich den Fluß, der nun eher einem Bach glich aus den Augen. Gweny lief freudig voran, raum ausgreifende Schritte. Schon bald hatte ich die Orientierung verloren, denn irgendwann war ich keinem Pfad mehr gefolgt sondern einem Wildwechsel. Da ich mich noch nicht verloren fühlte, horchte ich auf den Bach den ich noch immer rechts von mir vernahm. Schließlich müsste ich später nur ihm folgen. Als an einer Stelle der Weg nun immer steiler wurde, schwang ich mich aus dem Sattel und lief weiter. Und plötzlich endete der “Wald” und ein Plateau war vor mir zu sehen. Ein kleines Tal, zu meiner rechten stieg eine hohe Klippe auf, dessen Ende ich nicht erkennen konnte, denn die Sonne versperrte mir die Sicht darauf. Direkt daneben erstreckte sich eine ebenso Hohe Felswand. Zwischen ihnen jedoch, kam der Bach hervor. Ich strich Gweny über die Nase, die mir bisher äußerst neugierig gefolgt war. “Wollen wir mal schauen wohin es dort geht?” Mit vorsichtigen Schritten ging ich in das Bachbett des nun klaren Wassers, Gweny folgte mir ohne Angst vor dem Wasser. Fylgia wäre von diesem Unterfangen absolut nicht begeistert gewesen. Zum wiederholten Male ärgerte ich mich mein Handy nicht dabei zu haben, schon einige Male hatte ich alles auf einem Foto festhalten wollen. Aber seis drum, so speicherte ich den Anblick in meiner Erinnerung. Nochmal würde ich den Weg sicherlich auch finden. Nächstes Mal dann mit Kamera.


      Nach nur wenigen Metern, öffnete sich ein weiteres kleines Tal, oder vielmehr eine Art Höhle. Das ganze Areal war nicht mehr als 30 Meter breit an der größten Stelle. Doch es wuchs Gras, einige kleine Büsche und zu meiner großen Überraschung quoll rechts von mir ein Rinnsal aus dem Fels. Nicht stark genug um einem Wasserfall zu ähneln, allerdings bildete das Wasser einen kleinen Weiher. Da ich vollkommen verschwitzt war zögerte ich nicht lange. Ich lockerte den Gurt von Gweny, zog ihr die Trense vom Kopf und auch der Sattel landete in meinem Arm. Gweny schlich davon, den Kopf gesenkt und einen Moment später ließ sie sich auf den feinen Sand nieder und wälzte sich ausgiebig. Ich verstaute das Equipment im Gras. Später musste ich das Gras nutzen um ihr Fell vom Sand etwas zu befreien. Jetzt jedoch entledigte ich mich auch meiner Klamotten und wattete in das kühle Nass. Es war nicht tief, ging mir gerade einmal bis knapp über das Knie aber ich setzte mich hinein und genoss die Wellen die mir um den Hals schlugen. Gweny genehmigte sich einen Schluck aus dem Weiher, nicht ohne mit misstrauisch zu beäugen. So sehr mochte sie Wasser dann doch nicht das sie mir hinterher kam. Anschließend tat sie sich an dem Gras gütlich, das hier oben deutlich grüner war als auf unseren Wiesen.

      Ich tauschte rückwärts in das Wasser, entließ Luft aus meinen Lungen und öffnete die Augen, sah die Welt gefiltert durch das klare Wasser. Ich war froh das mir die Götter diesen Ort gewiesen hatten, genau die Zerstreuung die ich gesucht hatte. Meine Glieder taten weh vom Ritt, ich vermisste den bequemeren Westernsattel, aber Gweny so zufrieden grasend zu beobachten war klasse. Nach Luft schnappend tauchte ich wieder auf. Strich mir mein langes,schwarzes Haar aus dem Gesicht. Ich kam etwas steif wieder auf die Beine, trank einige Schlucke aus der Quelle und setzte mich in den einzigen Spot aus Sonne die an diesen verborgenen Ort kam.

      Innerhalb weniger Augenblicke überkam mich die Müdigkeit, ich rollte mich in der Sonne zusammen, mein Kopf auf der Satteldecke gebettet. Ich nur in der Sonne trocknen und mich dann auf den Weg machen...schließlich hatte nur Caleb gesehen (oder vielleicht auch nicht) das ich den Hof verlassen hatte.


      Es war eine Berührung ich Gesicht die mich zusammen schrecken ließ, als ich meine Augen öffnete starrte ich auf Hufe. Mein zweiter Gedanke galt meiner Nacktheit...und dem Schauer der mich überkam. Die Sonne war weg, nun war es beinahe kühl. Vor allem aber merkte ich das der Sonnenuntergang fast einsetzen musste. Innerhalb weniger Sekunden kleidete ich mich an, riss Gras vom Rand wischte damit über Gwenys Sattellage. Eine gute Viertelstunde nach meinem schnellen Erwachen befand ich mich auf dem Weg zurück den Pfad hinab. Verdammt, ich hatte mehrere Stunden dort oben geschlafen! Da die Dämmerung bereits einsetzte, verzichtete ich darauf auf das Pferd zu steigen - es ging hier doch deutlicher Bergab als ich es am Vormittag bergauf wahrgenommen hatte. Wir joggten also den Hügel hinunter, immer dann wenn die Strecke es anbot stieg ich auf um im leichten Galopp der Ranch näher zu kommen. Wir mochten etwa 15 Kilometer entfernt sein, aber ein richtiges Gefühl für Weiten hatte ich noch nie gehabt.


      Als ich abgekämpft die Ranch wieder erreichte, kam mir zumindest niemand besorgt entgegen. Ich gab Gweny eine extra Portion Futter, kühlte ihr die Beine und verfrachtete sie anschließend in meinen kleinen Offenstall, wo sich Valravn über ihre Ankunft zu freuen schien. Seitdem die größere Stute in der Herde war, besserte sich auch sein Kleben an Fylgia deutlich. Meine Angst hatte ja darin bestanden, das er dann auch beginnen würde an Gweny zu hängen wie ein Sack Flöhe, aber bisher zeigte er darin keine Anzeichen. Allerdings konnte es auch daran liegen das er hier deutlich mehr Bewegung erhielt. Als ich ihm über die Mähne und den Rücken strich, merkte ich sein verschwitztes Fell. Jemand war den Wallach geritten. Siedend fiel mir meine Reitstunde bei Caleb ein - die hatte ich vollkommen vergessen! Aber es schien als habe sich der Cowboy zumindest um dessen Bewegung gekümmert. Ich zog einen Flinch. Super jetzt war ich ihm etwas schuldig!

      Vermutlich befanden sich alle im Haupthaus beim Essen, mir war das ganz Recht. Ich hatte zwar den Magen Buchstäblich in den Knien hängen, aber ich wollte eigentlich nur ein heißes Bad!

      Das Gästehaus verfügte über zwei Bäder, das auf der Etage die Caleb und ich uns teilten verfügte allerdings nicht über eine Wanne. Dafür aber das Bad im Erdgeschoss, ich ließ mir also Wasser ein, huschte nochmal in die Küche genehmigte mir einen Apfel(ich sorgte nun immer für einen gefüllten Kühlschrank) und ein Bier. Letzteres nahm ich nur mit ins Bad, öffnete es und ließ mich in das angenehm warme Wasser sinken. Ich hatte die letzten Tage beim Zaun ziehen geholfen, dann heute der ungewollte Ritt - meine Muskeln schrien. Ich ließ mich soweit unter die Wasserlinie sinken das meine Ohren gänzlich im Wasser waren und ich nur knapp durch die Nase atmen konnte, meine Augen hatte ich dabei geschlossen. Ich hörte Geräusche, ordnete sie jedoch Caleb zu der gerade zur Tür herein kam. Als mir dann allerdings plötzlich Wasser in die Nase kam - ich hatte eingeatmet und mich hatte ein Schwall getroffen - riss ich erschrocken die Augen auf.

      In dem Moment da ich mich aufrichtet, setzte sich Caleb gerade mit in die Wanne. Im Adamskostüm, das Bier in der Hand und lachend. Ich war so baff das ich nur da saß, den Mund dümmlich geöffnet ihn an starrend. “Dachte das sei eine wunderbare Idee.” ich schloss den Mund, blinzelte, wollte etwas sagen und beließ es dabei. “Du könntest mich ja zumindest vorwarnen beim nächsten Mal.” sagte ich sarkastisch vorwurfsvoll. Ich hätte ihn vielleicht eher einen Arsch nennen sollen, aber eigentlich fand ich seine Aktion ziemlich amüsant. Ich streckte ihm die Zunge raus, wollte gerade aus der Wanne steigen als sich seine Hand um mein Handgelenk schloss und mich zurück zog. Das Wasser schwappte dabei über den Rand. Mein Rücken berührte seine Brust und seine Stimme war direkt neben meinem Ohr. “Du hast unsere Stunde verpasst, du schuldest mir was.”



      Ich entzog mich ihm nicht. Weder als seine Hand besitzergreifend auf Wanderschaft ging, noch als ich seine Lippen und Zähne in meinem Nacken spürte. Hätte ich das Bad vielleicht besser abschließen sollen? Ich spürte sein Verlangen, nicht allein an seinen drängenden Küssen. Noch bewegte ich mich nicht, hielt still, wartete ab.

      Seine Hand griff nach dem Haar in meinem Nacken, zog daran. Unweigerlich musste ich meinen Kopf überstrecken, drückte dabei den Rücken durch. Das hier mochte für einige Seltsam anmuten, doch mir entlockte es aufgestellte Haare auf den Armen. Diese Reaktion konnte ich nicht allein dem langsam kalten Wasser zuschreiben. Ich drehte mich um meine eigene Achse, stützte mich meinerseits in der Ecke der Wanne ab, sah ihm in die Augen, der Zug an meinen Haaren noch immer aktiv. Ich lehnte mich vor, unterbrach den Blickkontakt nicht. Wie in allem anderen gab es nicht viele Worte von Caleb in dieser Sache, meine Frage die ich ihm ins Ohr wisperte blieb unbeantwortet. Zumindest in Worten, denn er nahm meine Lippen in Anspruch. Ich lehnte mich in den Kuss, wenn ich auch wusste das ich mich auf dünnem Eis bewegte. Auf wahnsinnig dünnem Eis. Schon beim ersten Mal mit Caleb hatte ich diese, meine eigene Regel gebrochen. Ich hatte mich dafür bereits verflucht, mehrere Male. Vielleicht war ich ihm daher ein wenig aus dem Weg gegangen. Das hier war etwas komplett anderes als zuvor. Caleb hatte etwas in mir in Flammen gesetzt. Seither vermochte ich das Feuer nicht zu bändigen, eine stetige Welle aus Optimismus und guter Laune überkam mich immer öfter. Ich spürte meine innerliche Heilung, der Druck auf meinen Lungen wich. Ich spürte das Gewicht nicht länger auf meinen Schultern brennen. Also ließ ich ihn gewähren, erlaubte mir selbst die Regeln zu brechen. Dann hörte ich ein Klirren als sein Fuß die Bierflasche vom Rand auf den Fußboden beförderte. Ich konnte das Lachen nicht unterdrücken. “Wir sollten nach oben verschwinden.” flüsterte ich an seinen Lippen. Zugegeben, ich klang nicht ganz überzeugt. Aber die Position im Wasser war alles andere als bequem, meine Haut begann sich langsam zu riffeln und das Wasser war mittlerweile kalt. Ich erhob mich langsam auf meine wackeligen Beine. Mit mehr Schwung als ich ihm zugetraut hätte kam er auf die Beine. Jetzt überragte er mich um mindestens zwei Kopflängen. Knurrte er etwa? “So haben wir nicht gewettet.” flüsterte er mir ins Gesicht, zwinkerte und stieg aus der Wanne, hielt mir dann eine Hand hin um mir zu helfen. Das Wasserchaos auf dem Boden ließen wir jedoch ungeachtet. Caleb hüllte mich in ein großes Handtuch, er selbst hatte bereits eines um die Hüften.

      Schneller als ich reagieren konnte hob er mich auf die Arme, trug mich hinauf in unser Stockwerk. Dieses Mal führte sein Weg in mein Zimmer. War er wohl neugierig?

      Als er mich auf dem Bett absetzte, schaute er schon ein wenig sparsam auf das dunkle Schaffell darauf. Ich nutze es schon eine ganze Weile fast ausschließlich als Kopfkissen. Wenn er erst sah was ich sonst noch in meinem Bett zu liegen hatte. Ohne Umschweife setzte er mich auf meinem Bett ab, setzte sich auf mich. Sein Spitzbübisches grinsen trieb mich halb in den Wahnsinn. Vielleicht hätten wir doch unten bleiben sollen. Er wollte spielen? Gut...das konnte ich auch.

      Augenblicklich begann ich meinen Widerstand einzustellen, bewegte mich nicht und reagierte nicht auf ihn. Belustigung entwich seinen Lippen, das Lachen kitzelte auf meiner wieder erhitzten Haut. Wir starrten uns also einfach in die Augen. “Einen Penny für deine Gedanken.” flüsterte er, ließ meine Handgelenke los und verschränkte seine Arme vor der Brust. Das erste das ich zu greifen bekam war das Schaffell, ich warf es nach ihm, holte aus und warf noch einmal damit. Gab jedoch keine Antwort auf seine Frage. Schon beim letzten Mal hatte er mich Wildkatze genannt. Ich hatte Kratzer und Bissstellen auf seiner Schulter hinterlassen. Jetzt war seine Aufmerksamkeit jedoch abgelenkt. Mein fort ziehen des Felles hatte offenbart was sich darunter befand. “Hast du immer eine Axt im Bett?” fragte er skeptisch, griff danach und besah sie sich, schien fast ein wenig verwundert als ihm klar wurde das sie scharf war. Ich zuckte mit den Schultern. “Fragt mich der Typ der mit einem Revolver auf dem Nachttisch schläft und mich am ersten Abend beinahe erschossen hätte.” Kälte an meinem Hals als die Schneide der Axt meine Kehle berührte. “Vielleicht sollte ich den Fehler nachholen?” Ungeachtet der Klinge an meiner Kehle richtete ich mich auf “Du hättest das verpasst.” säuselte ich. “Du scheinst Todeswünsche zu haben.” keuchte er. Was in Anbetracht der Axt an meiner Kehle vielleicht sogar stimmen mochte. Oh wenn er doch nur wüsste. Die Narben an meinem Arm waren gut verheilt...aber ich trug stets ein Messer bei mir. Vielleicht als Erinnerung daran das ich stets die Möglichkeit hätte mich erneut zu verletzten. Oder diente die Klinge dazu mich daran zu erinnern was ich in mir selbst besiegt hatte? Noch vor vier Jahren hatte ich meinem Leben nur zu gern ein Ende bereitet. Dann gab es keine weiteren Worte, als ich endgültig erneut alles über Bord warf und mich seinen Liebkosungen hingab.

      Anschließend stütze er sich auf einen Ellenbogen, ich drehte mich halb um ihn anzusehen, in wie weit das eben im Dämmerlicht ging. “Das war neu für dich,oder?” fragte er, strich mir die Haare aus dem Gesicht. Jetzt war ich äußerst Dankbar für die Dunkelheit, denn mir stieg sicherlich die röte ins Gesicht. Zum ersten Mal war mir meine unerfahrenheit peinlich. “Hätte ich es nicht gewollt, dann wäre ein Wort des Missfallens gefallen.” versicherte ich ihm. Was ihm ein hörbares, kleines Lachen entkommen ließ. “Schön das ich dich offenbar belustige.” murmelte ich an seine Brust gelehnt.

      Dann herrschte Stille in der ich seinen Blick einfach nur auf mir spürte, seine Hand strich sanft über die Narbe unter meiner rechten Brust. ich spürte wie empfindlich diese Stelle war. Trotz der Anstrengung des Tages, wollte sich keine Müdigkeit einstellen. Ich tastete über seine Brust, den Hals hinauf bis zu seinen Narben auf der rechten Gesichtshälfte. Manche mochten sie abschrecken, manch einer würde ihn für entstellt halten. Für mich jedoch zählte seine Aura, sein Charakter und er besaß etwas das mich in Flammen setzte und auch zur Ruhe kommen ließ. Das Schweigen mit ihm fühlte sich niemals beklemmend an. “Einen Penny für deine Gedanken.” wiederholte er die Phrase von vorhin. Ich schüttelte den Kopf. “Gut dann erzähl mir wieso du unsere Stunde verpasst hast.” “Ich hab bemerkt das du Ravn geritten bist. Dankeschön.” “Das beantwortet nicht meine Frage.” “Ich war auf einem Ausritt mit Gweny. Ich habe in den Hügeln einen kleinen Weiher gefunden. Nach einem Bad bin ich dort eingeschlafen. Falls du den Ort nicht schon kennst muss ich ihn dir unbedingt zeigen. Ich kann nicht in Worte fassen was in meinen Erinnerungen ist, zeigen kann ich sie dir auch nicht.” “In den Hügeln an einem Weiher eingeschlafen. Du bist eine ungewöhnliche Frau Ylvi Seidel.” bei seinen Worten blitzte ein Bild meiner Axt in meinen Gedanken auf. Caleb lachte nur leise. Er mochte Recht haben...ganz normal war ich noch nie gewesen. “Du bist ein ungewöhnlicher Mann Caleb O’Dell” flüsterte ich, zog seinen Kopf zu mir heran und küsste ihn auf den Mund. Lächelnd nahm ich wahr, wie ein bestimmter Teil seines Körpers auf den meinen reagierte. Das ging schnell. “Ylvi, warte...bevor wir wieder in der Situation gefangen sind.” war das ein leichtes hüsteln? “Du hast sicher Vorkehrungen für solche Fälle getroffen? Wir haben schon beim letzten Mal…” ich ahnte worauf er hinaus wollte, ließ ihn aber noch ein wenig zappeln. Verzog fragend mein Gesicht. “Haben was?” “Wir haben unzulänglicher weise auf den Gebrauch von Kondomen verzichtet.” meinte er nun in einem ernsten Ton. “Solltest du Gesund sein, dann gibt es nichts worüber wir uns Gedanken machen müssten.” ich spürte seinen Widerspruch förmlich, merkte wie er Luft holte. “Caleb..da ist nichts in meinem Körper in dem ein Kind existieren könnte. Die Ärzte mussten mir die Gebärmutter entfernen…” “Das tut mir Leid” “Muss es nicht.” “Für einen Moment hatte ich die Vorstellung einer kleineren Version von mir auf dem Hof zu begegnen.” “Hast du einen Kinderwunsch?” fragte ich fast ein wenig erschüttert. “Bis gerade eben hatte ich noch nicht in der Bredouille gestanden daran zu denken. Auf eine geeignete Frau dafür bin ich bisher nicht gestoßen.” er schien selbst von seinen Worten überrascht. Mein Herz klopfte bei seinen ehrlichen Worten, dass war schließlich nicht selbstverständlich. “Irgendwann. irgendwann.” murmelte er vor sich her. Von ihm vielleicht unbemerkt hatte er mir damit eine Art Brett vor den Kopf geschlagen. Denn mit dieser Aussage fiel auch ich selbst in das Muster “nicht die richtige Frau”. Ich horchte tief in mich hinein, aber ich spürte dabei nichts. Keinen Schmerz. Für den Moment sollte ich einfach genießen was auch immer wir begonnen hatten. Ich hatte ohnehin darin keine Zukunft gesehen. Nicht einmal damit gerechnet überhaupt nochmal mit ihm im Bett zu landen. “Danke” sagte Caleb mit einem Mal. “Wofür?” “Deine Ehrlichkeit, du hättest auch Lügen können.” “Lügen sollten nicht zwischen einer Freundschaft stehen” so verqueer sie auch war,hängte ich in meinen Gedanken noch an. Plötzlich spürte ich wieder Calebs suchende Lippen auf den meinen. Die Schärfe und das fordernde das vorhin noch darin gelegen hatte war verschwunden. Wir ließen uns Zeit, denn wer hetzte uns schon?

      Es gab keine ernsten Worte mehr zwischen uns. Bevor wir einschliefen, legte er das Fell unter den Kopf, schob die Axt darunter und zog die Decke über uns. Mich verwirrte zwar das er nicht in sein eigenes Bett verschwand. Im Grunde jedoch hatte ich dies beim letzten Mal auch nicht. Sein Arm schlang sich um meine Hüfte, zog mich eng an sich. “Komm her” murmelte er, bevor der Schlaf uns beide fand. Wer wusste es...in all seiner Einsamkeit musste auch er von Zeit zu Zeit die Nähe eines anderen Menschen vermissen.


      Ich erwachte spät für meine Verhältnisse, Calebs Atem in meinem Nacken nahm ich deutlich wahr, seine Hand lag jedoch nicht mehr auf meiner Hüfte. Daher konnte ich mich leise aus dem Bett rollen, sah nochmal auf ihn hinab. Sah ihm gar nicht ähnlich so lang zu schlafen. Aber vielleicht war die Nacht auch für ihn anstrengend gewesen. Auf Zehenspitzen verließ ich das Zimmer um uns ein Frühstück zu bereiten. Dazu gehörten ein paar Toasts, mit Salat und Tomaten. Zwei starke Kaffee, denn auch Caleb pflegte ihn so zu trinken. Es war bereits 9 Uhr als ich das Zimmer wieder betrat. Caleb hatte es geschafft die Decke halb aus dem Bett zu befördern, lag quer im Bett, seine Kehrseite in meiner Richtung und der Kopf schien beinahe aus dem Bett zu kippen. Ich stellte das Tablett auf den Fußboden, nahm mir eine der Tassen mit Kaffee und hielt sie ihm unter die Nase. Seine Augen flogen nicht direkt auf, aber die Nasenflügel begannen zu beben, dann öffnete sich eines seiner Augen und ein heiseres “Kaffee” kam ihm über die Lippen. Ich setzte mich auf den Rand, wartete bis er sich an die Wand am Kopfende gesetzt hatte. “Achtung, ist noch heiß. Sag mal...müsstest du nicht längst in den Ställen sein?” hakte ich nach, mein Blick ging dabei auf den Wecker des Nachttisches. Caleb folgte dem Wink, lehnte sich noch weiter an die Wand, trank genüsslich einen Schluck Kaffee. “Bellamy ist ein Arsch...ich würde sagen die nächsten Tage kann er die Ranch selber ein wenig managen. Ich mach eh ständig Überstunden.”

      Tage? Hatte ich mich da etwa verhört?



      Zwei Stunden später befanden wir uns auf der Straße, auf der Rückbank von Calebs Wagen lagen unsere zusammen gesammelten Utensilien. “Sag mal, verrätst du mir jetzt mal wieso wir mitten drin den Plan änderten und Gweny jetzt auf dem Hänger steht?” ich sah Caleb skeptisch an. Nach unserem Packen hatte sein Telefon geklingelt, plötzlich hatte er mich gefragt ob ich mir vorstellen könnte Gweny mitzunehmen. Zusammen mit dem Versprechen das ihr nichts passieren würde. Ich hatte kurz gezögert, dann die Schultern gezuckt und zugesagt.

      Wir hatten die Stute also auf den Hänger befördert, ein wenig des Futters eingepackt und anschließend hatten wir uns auf den Weg gemacht. “Wir werden einem guten Freund aushelfen. Er hat eine wichtige Veranstaltung, Leute sind ausgefallen die wir beide ersetzen werden.” “Das klingt allerdings nicht nach den freien Tagen die du haben wolltest.” das halbe Lachen dabei konnte ich nicht unterdrücken. Ich half natürlich gern aus. Wieso Lady Gweny allerdings hinten auf dem Hänger stand ging bei der Erklärung noch immer nicht ganz auf. Da er allerdings auch nicht drauf aus war mir die Frage zu beantworten beließ ich es vorerst dabei.

      Wir fuhren vorbei an endlosen kargen Wüstenfeldern, schließlich sah man links vom Highway eine Art Siedlung. Etwas weiter davon entfernt eine ganze Armada von geparkten Autos, deutlich auch Pferdehänger zu erkennen. “Aber wir besuchen jetzt kein Rodeo, ja?” ich sah Gweny schon als Bronko im Ring. Aus einem unerfindlichen Grund warf Caleb den Kopf schallend lachend in den Kopf, sein Hut rutschte ihm ins Gesicht. Wir fuhren hinab vom befestigten Highway auf eine Strecke die ich Gweny gern erspart hätte, es reihte sich Loch an Loch. Da ich Caleb jedoch vertraute blieb ich sogar fast Ruhig. Fast. Meine Fingernägel und die Halbmondförmigen Abdrücke auf meiner Handfläche sprachen eine andere Sprache. Als wir uns der Ansammlung von Menschen, Pferden und Autos jedoch immer weiter näherten, war ich vollauf damit beschäftigt dem ganzen zu zu schauen. Durch die geöffneten Fenster drang Musik an meine Ohren. Wobei Musik nicht das richtige Wort dafür war.

      Ich hörte das gleichmäßige Schlagen einer Trommel, kehlige Männerstimmen die etwas sungen. Es war ein urtümlicher Klang, aber er ließ mir die Haare auf meinen Armen stehen. Ich wusste um den Ursprung der Musik. Natives. Ich sah Caleb von der Seite begeistert an. Ich hatte in einem unserer Gespräche von meiner Faszination für die Kultur der Natives gesprochen. Sie ließen sich schwerlich in ein Volk zusammenschließen, gab es doch unter den verschiedenen Stämmen noch Unterteilungen. “Zu viel versprochen?” brummte Caleb belustigt. Ich schüttelte den Kopf, ahnte welchen Freund er meinte. “Lass mich raten, ich werde dem Typen aus der Cowboykneipe wieder treffen?” Caleb zwinkerte mir von der Seite zu.


      Innerhalb der nächsten Viertelstunde bekamen wir einen Platz zugewiesen, bauten eine kleine Umzäunung und luden Gweny aus dem Hänger. Ich war nebenbei immer mal wieder abgelenkt von den Ansagen aus Lautsprechern, der Musik und den vielen Menschen in traditioneller Kleidung. Sogar kleinste Kinder trugen aufwendige Kleider mit Fransen aus Tierfellen, geschmückt mit Federn. “Komm suchen wir Louis, den hier zu finden wird eine Weile dauern.”

      Ich würde ja nicht behaupten das die Männer in ihren Kleidern alle gleich aussahen, definitiv nicht, aber ihre Gesichter unter all den Federn und der Bemalung zu erkennen - war schon eine Herausforderung. Caleb zog mich schließlich am Ellenbogen an einen Platz, in der Mitte standen, oder vielmehr tanzten Frauen mit wehenden Röcken, an denen kleine Metallrollen klimperten. Ihre Füße schienen den Boden kaum zu berühren. Ihre Bewegungen hatten etwas beruhigendes..und auch der Schlag der Trommel der sie begleitete war ruhiger als bei unserer Ankunft. Ich folgte Calebs wink, etwa 50 Schritt von uns entfernt saßen Männer um eine riesige Trommel, ihre Gesichter verzogen vom hohen Singen. Frauen die um sie herum saßen trällerten in ebenso hohen Tönen. Mir lief dabei ein Schauer über den Rücken. Caleb kam mir nahe damit ich über dem Lärm seine Stimme hören könnte. “Siehst du den Typen im roten Shirt? Das ist Louis. Er ist Oglala, besser bekannt als…” “Lakota” antwortete ich ihm. Caleb schien ein wenig überrrascht. “Sind wir hier also auf einer Powwow?” fragte ich gerade heraus. “Nicht ganz..oder viel mehr, nicht nur. Das eigentliche Event ist das Indian Relay an diesem Wochenende.” An den Schultern schob mich Caleb durch die Menge hindurch, vorbei an den Trommlern. Offensichtlich würde Louis noch eine Weile beschäftigt werden. Nach dem Tanzplatz sah ich mich plötzlich einer riesigen Herde von Pferden entgegen...anders als Gweny nicht etwa eingezäunt. Sie standen einfach zwischen den Autos, den Trailern. Auf einigen von ihnen saßen abgerissene Gestalten, Kinder, kaum eines sehr viel älter als 10 Jahre. Wie viele Pferde ich hier sah vermochte ich nicht zu sagen, bei 40 hörte ich auf zu zählen. Viele hatten etwa die Größe der mir mittlerweile bekannten Quarter, waren allerdings größtenteils vollkommen bunt, daher mussten es eher Paints sein. Oder aber Mixe aus was auch immer. Andere allerdings, das sagte mir ihr Körperbau deutlich - Vollblüter wie auch Gweny. “Ich sehe du hast eine vage Ahnung was hier außerdem passiert?” “Pferderennen?” stellte ich halb fragend fest. Mich wunderte allerdings das die Pferde so vollkommen frei hier in der Gegend rum standen. Einerseits war es auch schön, sie alle bildeten eine einzige große Herde. Für einen kurzen Augenblick blitzte in meinem Hinterkopf das Bild von hohen Zelten und alten Zeiten auf. Unwillkürlich entwich sich mir ein trauriges Seufzen. Ich hatte nie zu diesem Volk gehört, doch seit je her hatte ich eine Verbundenheit verspürt...und Trauer über all das was in ihrer Vergangenheit geschehen war. Seuchen, Massaker, die vollkommene Auslöschung von ganzen Familien. Von einst großen Nationen blieben nur Fetzen übrig, getrieben in Prostitution, Alkohol und Drogen...Jugendliche ohne Perspektive. Dennoch gab es auch unter ihnen Menschen die sich nicht in den Boden stampfen ließen. Diese waren hier versammelt, sie ließen für die folgenden Generationen aufleben was einst verloren ging. Verräterisch begann meine Nase zu kribbeln, wie immer wenn ich daran dachte. Sie fanden ihren eigenen Stolz wieder. Plötzlich spürte ich eine Hand an meiner Wange. “Ylvi, komm zurück zu mir.” flüsterte Caleb. Ich hatte in meinen Gedanken gar nicht mitbekommen wie er vor mich getreten war. “Tut mir Leid. Was hast du gesagt?” “Gar nichts...du schienst weit fort.” “Passiert mir von Zeit zu Zeit.” “Er überging diese Bemerkung. “Aber du hattest Recht. Das Indian Relay ist ein Pferderennen. Louis nimmt seit einigen Jahren daran teil, im letzten Jahr hab ich ihm zum ersten Mal geholfen. Eines seiner Pferde brach sich vor einiger Zeit das Bein. Jedes Pferd wird eine Runde geritten, dann wechselt der Reiter auf das nächste insgesamt zweimal. Gweny soll also das dritte Pferd aus seinem Team ersetzen. Und wir gehen ihm während des Rennens zur Hand.” “Und warum hast du dann nicht Octavia nach einem ihrer Pferde gefragt?” “Glaubst du wirklich sie hätte mir eins ihrer renommierten Pferden überlassen?” “Bitte? Das klingt als sei Gweny weniger wert!” Ich war schon ein wenig angekratzt. Da schleppte er mit mir Gweny in den Hänger, erzählte mir nicht wofür und nun sollte sie in einem Rennen starten. “Das hab ich so nicht gemeint. Octavia sorgt sich zu sehr um ihre edlen Renner.” “Ach und mir ist Gweny egal?” ich verschränkte die Arme vor der Brust, rückte ein wenig ab. Hatte er auch keinerlei Einwände gehofft, weil wir im Bett gewesen waren? Ich spürte eine Wut in mir. Wieso hatte ich mich auf die freien Tage eingelassen? Caleb sog scharf die Luft ein, seine Finger ballten sich zur Faust. “Warte, halt. Hör mir zu.” er sah mich direkt an, also nickte ich. “Octavia hätte mir für sowas hier ihre Pferde erstens nicht anvertraut. Ich hätte betteln müssen, wäre ihr etwas schuldig gewesen. Und ich denke wir kennen uns mittlerweile gut genug um zu wissen das ich so etwas nicht mag. Louis Pferd brach sich nicht beim Rennen das Bein. Die Pferde hier werden mit Ehren behandelt. Hast du jemals gesehen das die Rennpferde irgendwo frei rum liefen?” damit deutete er nach rechts, wo sich die Leiber der Pferde über die Prärie bewegten während sie fraßen. “Du hättest mir trotzdem sagen können was du vor hast.” meinte ich trotzig. “Ich habe gesagt du sollst mir vertrauen in dieser Sache. Ohne Vertrauen hättest du Gweny niemals auf den Hänger geladen. Zweifelst du jetzt an meinem Urteil?” Spielte er jetzt etwa auf meine Kontrollsucht an? Das war!...das. Ich resignierte. Ertappt. Er schien an meiner Mimik alles zu lesen, denn plötzlich lachte er. “Du bist ein Arsch.” ich boxte ihm so hart ich konnte gegen die Schulter. “Ich weiß.” feixte Caleb.


      Eine Stunde später schienen sich die Tänze ihrem Ende zu nähern, nun erklang Musik aus diversen Lautsprechern nur wenige sangen. Und Louis kam auf uns zu, denn Caleb hatte sich ihm schon bemerkbar gemacht. Louis schien mich zunächst gar nicht für voll zu nehmen als Caleb und er sich begrüßten. Ich fragte mich ob die beiden sich wohl aus Rodeo Zeiten kannten?

      Erst als Caleb mich vorstellte gab auch Louis mir die Hand. Er trug wie schon beim letzten Mal die Haare geflochten in einem Zopf, auf dem Kopf war ein Basecap das ihn vor der Sonne schützte. Seine Stimme war rauh, allerdings sprach ich das dem hohen Gesang zu. Seine Gesichtszüge wirkten hart, seine Augen jedoch strahlten. “Dann bist du also diejenige die mir ermöglicht am Rennen doch zu starten.” stellte er fest. “Sieht so aus.” “Ich möchte das Pferd sehen das mich durch das Rennen führt. Wo ist es?” ich war ein wenig erschrocken, es klang nicht nach einer Frage, sehr viel mehr nach einem Befehl. Da ich allerdings nichts einzuwenden hatte, deutete ich in die Entgegengesetzte Richtung in die Louis schaute. “Sie steht bei uns am Trailer.”

      Auf dem Weg zu Gweny schwiegen wir hauptsächlich, als er sie schließlich sah blieb er stehen. Sein Kopf legte sich schief, Pferd und zukünftiger Reiter musterten sich. Leise Worte murmelnd ging er auf meine Stute zu, strich ihr über die Nüster. Unbeirrt öffnete er das “Gatter”. Als ich dazwischen gehen wollte hielt mich Caleb zurück. Gweny war neugierig, etwas schüchtern, ließ sich von Louis anfassen. Unvermittelt griff er nach ihrem Mähnenkamm und mit Leichtigkeit sprang er auf das Pferd. Sie erschrak ein wenig, aber er beließ seine Hand auf ihren Hals, lobte sie als sie sich beruhigte. Es war nichts magisches an dem Moment, er nutzte nur all sein Einfühlungsvermögen und seine Erfahrung mit Pferden. Die eigene Ruhe strahlte auf meine Scheckstute ab. Er hielt locker ihren Mähnenansatz, legte die Beine an ihren Körper und im Schritt lief sie los. Ich hatte einige Sorge, sie trug immerhin überhaupt gar kein Zaumzeug. Louis saß sicher auf ihrem Rücken, auch als er sie zwischen den Menschen antraben ließ. “Sei nicht so unruhig. Wo soll sie denn hier hin rennen? Im Zweifelsfall rast sie zur Herde. “ Als habe er es geahnt. Kurz hinter der Grenze aus Autos ließ Louis Gweny angaloppieren. Sie preschte nicht über die Ebene, bekam aber doch ein wahnsinniges Tempo. Der Lakota saß wie angeklebt, während ich doch ziemlich mit Schnappatmung zu kämpfen hatte. Denn er hieß sie noch schneller zu laufen. Auf die Entfernung konnte ich sie kurz zwischen den Autos hindurch sehen, Gweny streckte sich...schließlich hatte sie zumindest einige Rennen auf der Rennbahn bestritten in jüngeren Jahren. Ich huschte durch die Autos um sie besser sehen zu können, Caleb auf meinen Fersen. “Das war eine blöde Idee.” murmelte ich zu mir selbst. In meinem Kopf ging es derweil eher: Shit! Shit! Shit! Shit! Shit! Shit! Denn sie waren gar nicht mehr zu sehen.

      Ich starrte auf die Kurve in dessen Richtung mein Pferd plus Reiter verschwunden war. Keine Ahnung wie lang. Dann sah ich eine Bewegung. Da waren sie...im Trab kamen sie wieder auf uns zu. War ich baff? Vielleicht, ein bisschen. Und der Lakota lachte! “Du bist fast so weiß wie dein Pony.” stellte er fest, ließ sich von ihrem Rücken rutschen, wurde ernster. “Sie ist ein gutes Pferd, es ist mir eine Ehre sie im Rennen zu reiten. Sie ist schnell! Vielleicht behalte ich sie.” feixte er, zwinkerte. “Lass sie laufen, sie wird sich an die Herde wenden, die Pferde bleiben immer in der Gegend.” Ich hob die Arme, wollte einwenden..und beließ es dann dabei. Den anderen Pferden schien das ganze ja auch nicht zu stören. Also führten wir sie gemeinsam durch die Menge, einen Strick locker um ihren Hals. Sie hob neugierig die Ohren als sie die vielen Pferde sah, wieherte laut, tänzelte ein wenig. Sobald ich den Strick öffnete galoppierte zu den anderen, die jedoch kaum eine Notiz von ihr zu nehmen schienen. Einige wenige hoben den Kopf, beschnupperten Gweny, dann fraßen sie unbekümmert weiter. Louis stieß einen leisen Pfiff aus. Aus der Menge an Pferden schälte sich ein hübscher Rappe, auch ein Vollblut. Auf den Fersen des Rappen folgte ein Fuchsfarbenes Pferd..und deutlich kleiner ein geschecktes. Freundlich begrüßte er alle von ihnen, deutete auf den Rappen. “Das ist Sunka. Das bedeutet Hund...ich habe ihn seitdem er ein Fohlen ist, er folgte mir wie ein Hund, daher gab ich ihm diesen Namen. Seine bessere Hälfte ist Zinkala-win - Vogelmädchen. Sie rennt mit den Vögeln um die Wette.” Dann klopfte er dem Schecken auf die Schulter, strich seine Mähne entlang. “Und das hier ist Inyan..als ich noch Rancharbeiter war, hat er mir gute Dienste geleistet. Seit dem letzten Jahr ist er allerdings eher nur eine Begleitung für meine Rennpferde.” Meine Aufmerksamkeit lag auf dem Rappschecken, der mit klaren Augen neugierig in die Gegend blickte. Seine Nase hatte hatte eine breite Blesse auf der lauter Punkte verteilt waren. “Inyan? Sag mal...bedeutet das nicht Fels...oder Stein?” fragte ich, tippte auf die Nase des Wallachs. Louis sah Caleb erstaunt an. “Sie kennt unsere Sprache?” Caleb zuckte die Schultern. “Einige der Legenden der Lakota, einzelne Worte..ich habe mich den First Nations schon immer verbunden gefühlt.” beichtete ich Louis. “Wer weiß...vielleicht bist du eine wiedergeborene Schwester unseres Volkes.” sagte er ernst, aber freundlich. Die Lakota glaubten an das Konzept der Wiedergeburt, sie waren natürlich nicht der einzige Stamm der diesem Konzept folgte, aber der mir bekannteste. Den Gedanken fand ich toll. Wer wusste es schon? Vielleicht war ich tatsächlich einmal eine Lakota gewesen. Das würde zumindest meine seelische Verbundenheit mit ihnen erklären.


      In den nächsten Stunden lernte ich Louis Familie kennen, Schwestern, Cousinen. Mir schwirrte der Kopf voller Namen die ich mir unmöglich merken konnte. Wir wurden ohne Umschweife zum Essen eingeladen. Da ich sinnloses Herumsitzen nicht mag, half ich dabei die Suppe vorzubereiten. Mit einer von Louis Cousinen holte ich Wasser, schnippelte Kartoffeln. Die Männer beteiligten sich dabei nicht, die Frauen sprachen nicht wirklich mit mir. Fast schien es als würden sie mich schneiden. Mehr als Anweisungen bekam ich nicht zu hören. Daher verhielt ich mich einfach ruhig, lauschte den Gesprächen der Frauen, genoss die Gesellschaft. Es war nicht so chaotisch wie es manchmal zu Tisch auf der Ranch zuging. Manchmal spähte ich hinüber zu Caleb und Louis, Gesprächsfetzen kamen manchmal an meine Ohren. Zum Ende nahm ich drei Schüsseln trug sie hinüber, reichte erst Louis anschließend Caleb eine und setzte mich im Schneidersitz auf den Boden. Caleb rückte auf dem Baumstamm ein wenig beiseite “Willst du hier mit her?” ich schüttelte den Kopf, nahm einen vorsichtigen Löffel und ließ das Stück Fleisch wieder zurück fallen. Verdammt war das heiß! Ich presste meine Hand auf die Lippen. “Ich sitz gern auf dem Boden.” meinte ich danach knapp. Während des Essens schwiegen wir größtenteils, mein Blick war gerichtet auf die Flammen des großen Feuers. Überall um uns herum brannten Feuer. Von außen, geschaut quer über die Ebene musste das ein schönes Bild abgeben. Neben mich setzte sich ein junges Mädchen, sicherlich nur ein oder zwei Jahre jünger. “Danke für deine Hilfe vorhin. Wir Lakota mögen Frauen die mit anpacken. Sei nicht abgeschreckt von meinen Verwandten...Fremde werden eine Weile einfach komisch beäugt. Man überfällt Gäste außerdem nicht mit Fragen. Manche der Alten sind noch sehr traditionell. Mein Name ist Lilly.” schwatzte sie fröhlich los.

      Wir unterhielten uns eine ganze Weile, vornehmlich war ich diejenige die Fragen beantwortete, die mir Lilly stellte. Aha, man überfiel Gäste also nicht mit Fragen? Woher ich kam. Was mich her führte. Als sie erfuhr, dass mir das Pferd gehörte welches ihr Bruder ritt wurde sie ernster. “Du hilfst ihm damit wirklich, er hatte nicht das Geld um sich ein Pferd für die Rennen zu kaufen. Dabei ist das sein Leben. Es ist gut das er darin seine Passion gefunden hat. Es hält ihn fern von den Drogen...und dem Alkohol. Er hat wieder eine Perspektive.” die Probleme die die First Nations innerhalb des Landes hatten waren mir nicht unbekannt. Ich sprach es aber nicht weiter an. Wozu auch?


      Es wurde spät an dieser Nacht, nach und nach verabschiedeten sich die Leute voneinander, wünschten sich gute Nacht und Stille legte sich über das gesamte Camp. Da Caleb noch mit Louis sprach, schlich ich mich davon um zu den Pferden zu gehen. Ich war neugierig.

      Ich ging einfach hinein in die Masse aus Leibern, spürte ihren Atem auf mir wenn sie nach mir schnupperten. Das stetige Mahlen ihrer Zähne. Über uns erstreckte sich ein Sternenreicher Himmel. Ich kam an einem Pferd vorbei, auf ihm, saß...oder vielmehr lag ein Jugendlicher, die offensichtlich auf die Pferde aufpassten. Als er mich sah,oder hörte richtete sich die Gestalt auf, grüßte mich. Offensichtlich stellte ich keine Gefahr dar. Ich staunte wie viel ich in der Dunkelheit dann doch erkennen konnte. Ich suchte in der Menge an Leibern nach dem gescheckten Körper von Gweny. Vielleicht sollte ich meinen Ponys auch beibringen auf Kommando zu kommen. Bei Fylgia hätte das jetzt vielleicht funktioniert. Allerdings gehörte mir Gweny noch nicht allzu lange. Allerdings stand mir plötzlich ein ganz bestimmtes Pony vor der Nase, Inyan, ich erkannte ihn an dem Nasenabzeichen. “Na du?” ich strich ihm über die gepunktete Blesse. Freundlich kam er näher, ließ sich begeistert hinter den Ohren kraulen. Ich war nicht wirklich weit gekommen, blieb aber eine ganze Weile einfach hier stehen und nahm die Ruhe der Pferde in mich auf. Der Tag war aufregend gewesen, mein Geist unfassbar aufgewühlt. So würde ich keinen Schlaf finden. Erst eine ganze Weile später kam ich wieder aus der Menge heraus. Nur noch Louis saß am Feuer, blickte auf als ich kam. “Caleb dachte du seist schlafen gegangen. Er ist erst vor ein paar Minuten los.” meinte er als ich mich suchend umsah. “Danke...und gute Nacht.” meinte ich offenherzig. Dann suchte ich mir meinen Weg zum Wagen von Caleb auf dessen Ladefläche wir eine Art Zeltkonstruktion errichtet hatten, darin konnten wir gut schlafen. Natürlich hätte ich irgendwie einen eigenen Schlafplatz bevorzugt. Ich gewöhnte mich sonst noch an Caleb. Das wäre fatal. Caleb kam mir entgegen “Ylvi!” es klang harsch. Huch? “Ich dachte schon du bist mit jemand anderem verschwunden.” schwang da etwa Sorge in den Worten mit. Ich zog mir ein zu langes Shirt über, eine Hotpen und schlüpfte auf dem Bett in den Schlafsack den Caleb mir gegeben hatte. Die Nächte konnten durchaus kalt hier werden. Caleb ließ sich ebenso erschöpft in der anderen Ecke nieder. Nicht weit nachdem mein Kopf das Kissen berührt hatte fand ich in den Schlaf, in Erwartung der nächsten Tage.
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  • Album:
    Bow River Ranch Aktivstall
    Hochgeladen von:
    Ravenna
    Datum:
    19 Mai 2019
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  • Fylgja
    'she who follows'

    Exterieur

    Stute
    2. Juni | 12 Jahre
    Rasse
    Lewitzer
    Stockmaß/Endmaß 140 cm
    Fellfarbe Rappschecke
    Krankheiten Ekzemer
    _____________________________________

    Interieur

    Vorgeschichte
    Fylgia wurde in einer Zeit geboren in der Chippen noch keine Pflicht war. Daher ging bei dem alten Herren aus dessen Zucht sie stammt ihr Pass verloren. Über den kaum erkennbaren Brand ließ sich nicht mehr herausfinden welcher Linie die Stute entstammte. Sicher ist jedoch das Fylgia zumindest einmal in ihrem Leben ein Fohlen hatte, denn die kleine Stute lief noch bei Fuß als Ylvi sie damals kaufte. Damals war Fylgia gerade 6 Jahre alt, zwar sicher gefahren, das reiten war ihr allerdings noch unbekannt.

    Beschreibung
    Arbeitswillig | Umgänglich | Gelassen
    Fylgia ist im allgemeinen eine relativ dominante Stute in der Herde, sie setzt sich innerhalb kürzester Zeit als Leitstute ab - neigt aber nicht dazu auszutreten. Vielmehr kommt sie ihrem Namen nach - sie ist die Beschützerin der Familie. Besonders wenn es um ihren Ziehsohn Ravn geht. Mit dem Menschen ist sie stets umsichtig. Von Grund auf besitzt Fylgia einen guten Arbeitswillen, ist aber Intelligent, die Stute muss man zunächst für sich gewinnen, damit sie für einen arbeitet. Im Gelände ist sie ohne Probleme händelbar, genießt die Zeit die sie vor einem Sulky verbringen kann - eher als geritten zu werden.



    0 = sehr unruhig / -sicher 10 = sehr ruhig / sicher

    neue Umgebungen/Situationen
    7
    Fahrzeuge 9
    Gelände 10
    Straße 9
    Wasser 5
    Hänger 8
    Hufschmied 8
    Tierarzt 7
    _____________________________________


    Qualifizierung
    Trainingsplan
    Eingeritten | Eingefahren

    Zirkuslektionen

    Kompliment | Ja und Nein ✓ | Knien | Bergziege ✓ | Liegen ✓ | Sitzen
    Tanzen | Seitenschritte | Rückwärtsrichten ✓ | Jambette ✓ |
    Spanischer Schritt | Steigen | Spanischer Trab |


    Dressur A
    Springen L
    Fahren L
    _____________________________________


    Erfolge

    [​IMG]
    504. Springturnier
    [​IMG]
    294. Synchronspringen
    _____________________________________

    Besitzerdaten

    Besitzer Ravenna (Ylvi Seidel)
    VKR/Ersteller Calypso
    _____________________________________

    PNG | Puzzle | Orginal-HG