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Wolfszeit

Fraena von Hulshóf [20/20]

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Fraena von Hulshóf  [20/20]
Wolfszeit, 7 Feb. 2020
Mohikanerin gefällt das.
    • Wolfszeit
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      13.09.2021|Wolfszeit
      Abe’s Aelfric| Acerado| All Hope Is Gone| Amigo| Baroness Of The Guard| Cremella| Elvish Beauty| Fraena van Húlshof| Jora| Little Buddy| LMR Ice Rain| Look At My Hair| Mas’uda| Miss Leika| Nurja| PFS’ Artic Tiger| PFS’ Caruso| Promise Of Sundance| Saturn| Songbird| Sunny Empire| Ursel-die Bäringöttin| Vakany| Vikar | HMJ Divine| Lifesaver| Don Carlo| Herkules| WHC’Solist| Lancasters Peppermit| LMR Royal Champion| Flanell d’Egalité| Walking On Sunshine| Elf Dancer| HMJ Divine
      Aschenflug| Darly Gone Mad| Fanya| Mystic Fantasy Dahlia| Osgiliath| Sasancho| Wo der Wolf Heult| Zephyr| ZM’Zanaro| Fanya| Morian

      Jace| Ich wischte über den beschlagenen Spiegel. Mein eigenes, müdes Gesicht starrte mir entgegen. Dunkle Schatten zeichneten sich unter den Augen ab und mein Hals und meine trug noch Spuren von Sonntagnacht. Die junge Dame hatte sich wirklich alle Mühe gegeben, dass ich sie nicht ganz so schnell vergaß. Dennoch war es nur eine von vielen und sobald die Spuren auf meinem Körper verblassten würde ich auch sie vergessen haben, ihren Namen wusste ich jetzt schon nicht mehr. An diesem Abend hätte ich viel lieber jemand anderen bei mir gehabt. Jemand, der mir mein Herz gestohlen hatte und sich nun auf dem langen beschwerlichen Weg nach Europa befand. Es tat weh zu sehen, wie sie sich in jemand anderen verliebte und noch mehr schmerzte es, als sie mir den Rücken kehrte.
      Es war endgültig, Lina ging mit diesem dämlichen Typen nach Schweden. So richtig realisierte ich die Situation erst, als gestern eine Benachrichtigung auf meinem Handy aufpoppte: “10:00 Instagram: Linas_horseworld hat vor Kurzem etwas gepostet”. In dem Post zu sehen, war sie wie sie ihren Hengst umarmte, im orangeroten Licht der Abendsonne. Ein harmonisches Bild, auf dem sich die innige Verbindung spüren ließ, die Lina und den weißen Freiberger verband. Darunter nur ein kurzes Zitat: “There are no goodbyes for us. Wherever you are, you will always be in my heart ❤️” Die Worte unter dem Bild prägten sich mir ein, besser hätte ich sie nicht wählen können. Lina wird immer in meinem Herzen blieben und früher oder später wird sie schon noch erkennen, dass sie hierhergehörte. An meine Seite und nicht an die von einem so dahergelaufenen Schönling. Allgemein wunderte es mich, dass Lina offenbar seit neustem so leicht herumzukriegen war. Seit Mai gab ich mein Bestes, um Lina bei ihrer Entscheidung bezüglich ihrer Gefühle mir gegenüber zu unterstützen. Und was bekam ich dafür? Richtig, absolut nichts. Fest umgriffen mein Finger, das Waschbecken, sodass die Fingerknöchel weiß hervortraten. Nur meine Selbstbeherrschung hielt mich davon ab einfach in den Spiegel zu schlagen. Für diesen dämlichen Niklas stelle Lina auf einmal ihr ganzes Leben auf den Kopf und das, obwohl er sie mit seinen komischen Liebeleien zu Vriska kompromittierte. Für Lina wünschte ich mir, dass dieser Affe seine Triebe in Zukunft besser unter Kontrolle hatte. Wenn es eins gab, was ich weniger leiden konnte als Typen, die mir die Mädchen ausspannten, waren es Typen, die dem Mädchen meiner Träume das Herz brachen. Schon beim bloßen Gedanken daran bekam ich das dringende Bedürfnis ihm gleich noch einmal die Nase zu brechen.
      Heute Morgen hatte sich alles so surreal angefühlt, aufzuwachen und zu wissen, Lina war nicht mehr da, dass sie kein Teil des Teams mehr war. Seitdem sie gestern losgeflogen war, hatte ich nichts mehr von ihr gehört, was vermutlich vor allem der Tatsache geschuldet war, dass sie noch im Flugzeug mitten über dem Atlantik saß. Auch gehörte ich vermutlich nicht zu den Top 10, denen Lina unmittelbar mitteilen würde, dass sie gut gelandet war, dafür hatte ich mit meiner Dummheit selbst gesorgt. Aber ich musste irgendwie weitermachen, hatte keine Zeit zum um zu warten. Am Freitag würde das Vorreiten für den kanadischen Kader sein, also hieß es neben der Arbeit fleißig zu trainieren. Seufzend griff ich nach dem hellblauen Hof Shirt, welches an der Tür hing und warf es mir über, schlüpfte in die schwarze Reithose und die Strümpfe. Im Hinausgehen schnappte ich mir noch einen Apfel, den ich auf dem Weg nach unten verspeiste. In der unteren Etage war es still, denn die waren vermutlich noch auf ihren Zimmern, ich war heute ziemlich früh dran. An der Tür nahm ich mein Sneaker aus dem Regal. Neben den Schuhen von Samu, war nun eine Lücke. Dort hatten immer Lina, niedliche kleine Schühchen, mit dem Sternenhimmel auf dem Swoosh gestanden. Bis heute frage ich mich, warum sie sich sogar für ihre Stallschuhe die Mühe gemacht hatte, diese liebevoll zu bemalen.
      Gedankenverloren lief ich über den Hof. Der Wind musste gedreht haben in trug nun die kühle Bergluft zu uns rüber. So warm wie der Sommer hier auch war, die Jahreszeiten wechseln recht schnell. In den Höhenlagen hier konnte man selbst nach einem so heißen Sommer wie diesem, Mitte September den ersten Schnee erwarten. Noch war der Stall nahezu leer, aber nicht mehr lang und dann würden wir die Pferde von den Sommerkoppeln herunterholen. Dann würden die meisten von ihnen nicht mehr die Nacht auf den Koppeln verbringen, sondern im warmen Stall. Nichtsdestotrotz war es unruhig im Stall. Ungeduldig trat Acerado gegen die Boxenwand. Matt hatte gerade mit dem Füttern begannen und dem braunen passte es nicht so ganz, dass Saturn, Carlo und Lifesaver ihr Futter bereits hatten. Herkules schien das Ganze auch zu langsam zu gehen, denn er reckte den Hals lang in der Hoffnung sich einfach selbst bedienen zu können.
      “Morgen”, grüßte ich meinen Kollegen freundlich, bevor ich den Stall wieder verließ, beim Füttern würde ich nur stören. Somit schlenderte ich zu der Koppel hinüber, um nach Solisten zu sehen. Der Falbe hatte die Nacht zusammen mit den anderen Junghengsten auf der Koppel verbracht. Obwohl er erst seit 4 Tagen in der kleinen Herde stand, schien er sich schon relativ gut integriert zu haben. Hier und da hatte er ein wenig einstecken müssen, besonders von Camp, der seinen Chefstatus verteidigte, doch der junge Hengst war klug genug, sich bei den Älteren unterzuordnen.
      “Solo, komm”, rief ich über die Koppel. Flanell der verschmustes aus der Truppe kam sofort an getrottet. Buddy und Champ zuckten nicht einmal mit den Ohren, sondern grasten friedlich weiter. Solist mit Peppermint im Schlepptau folgten dem graunen Hengst mit etwas Abstand. Spielerisch schnappte mein Babypferd nach dem älteren Tigerschecken, was dieser allerdings mit einem Warnenden quietschen quittierte. Sofort begann der Falbe ihn zu beschwichtigen in dem, er unterwürfig kaute. Flany ließ derweil ein wenig verwöhnen und streckte genüsslich den Kopf in die Höhe.

      Samu| “När kommer du äntligen hit till mig? Sängen är alldeles för stor för mig ensam”, klagte Enya und machte einen leidenden Gesichtsausdruck. Wie aufs Stichwort kam Findus an getapst. Freundlich reib die Tigerkatze ihr Köpfchen an ihrem Arm, bevor sie sie sich schnurrend neben ihr bequem machte und mit ihren Pfoten die Decke unter ihr knetete.
      “Är Pettson och Findus inget bra sällskap?”, schmunzelte ich. Natürlich fehlte sie mir auch. Wir telefonierten zwar jeden Tag, aber es war doch etwas ganz anderes sie bei mir zu haben. “Jag kommer att vara med dig nästa torsdag, men för nu bara i två veckor. Jag har några saker att klargöra innan jag kan få visumet”, fügte ich sanft hinzu.
      “Åhh, vad skönt, då kan vi fira din födelsedag här”, strahlte meine Freundin.
      “Ja, det är min gåva till mig själv, så att säga, att ha dig med mig”, lächelte ich liebevoll.
      “Och du är säker på att det inte är en gåva för mig?”, fragte meine Freundin reizvoll und begann gedankenverloren an einer Haarsträhne zu drehen.
      “En present till oss båda. En gästpresent till dig och en födelsedagspresent till mig”, erwiderte ich sanft. Ich wurde ganz wuschig dabei, wenn ich ihre Finger sah, die immer noch die Strähne zwirbelten. Mein Handy erinnerte mich daran, dass es nun Zeit war, das Gespräch zu beenden, denn die Arbeit wartete.
      “Jag måste bryta upp, Makea. Hästarna väntar”, lenkte ich das Telefonat auf das Ende zu.
      “Det var för kort igen. Jag saknar dig redan, Samu”, seufzte die blonde Schönheit.
      “Ja, det var det, men du borde fortsätta studera nu”, stimmte ich ihr zu. Die Zeit verfolgt immer so wahnsinnig schnell.
      “Du har rätt. Vi ses imorgon jag älskar dig”, verabschiedete sie sich und warf mir einen Luftkuss zu.
      “Jag älskar dig också. Vi ses imorgon”, beendete ich das Gespräch nun endgültig.

      Nach einer wohltuenden Dusche schlenderte ich energiegeladen zur Hauskoppel hinüber. Als allererstes wollte ich bei Sunny Empire und Mas’uda vorbeisehen. Auch wenn die blinde Stute gut mit ihrer Situation zurechtkam, überzeugte ich mich lieber morgens als Erstes von ihrer Gesundheit.
      Ein leichter Nebel waberte über dem kleinen Bachlauf, der am Rande der Koppel entlangführte und ließ einzelne Sonnenstrahlen sichtbar werden. Die beiden Stuten grasten friedlich nebeneinander in der morgendlichen Sonne. Sunny stellte neugierig ihre Ohren auf, als ich mich näherte und wieherte mich freundlich an. Immer wieder faszinierend, wie sie die Menschen sogar an den Schritten auseinanderhalten konnte.
      “Guten Morgen, Empire”, begrüßte ich die Stute und strich ihr sanft über das helle Fell. Die kleine Araberstute neben ihr hatte nur kurz den Kopf gehoben. Masu war ein wenig zurückhalten und gab sich lieber mit ihresgleichen ab, als mit dem Menschen. Einen Moment genoss ich die Stille auf dem Hof, denn so wirklich still war es hier die letzten zwei Wochen nicht gewesen. Die beiden Nationalteams hatten das Leben hier ganz schön aufgemischt. Ich hatte erwartet, dass es gut für Lina sein, würde mal wieder unter Leute zu kommen, denn für gewöhnlich musste man schon kreativ werden, sie irgendwo hinzubekommen. Dass meine beste Freundin allerdings nun mit ihrem FREUND auf dem Weg nach Schweden war, kam aber sogar für mich überraschend. Zugegeben, nach Europa zog es sie bereits wieder, nachdem sie Divine in Schweden abgeholt hatte. Wochenlang kam sie aus dem schwärmen nicht heraus und sie hatte ohnehin schon große Sehnsucht nach unserer Heimat gehabt.
      Aber dass Lina jetzt nach knappen zwei Wochen einen festen Freund hatte, so richtig offiziell war schon verrückt. 3 Jahre war die Trennung von Flinn nun her. Seitdem hatte sie so wenig romantische Interessen gezeigt, dass ich schon daran zu zweifeln begann, ob die den Schritt jemals gehen, wird wieder eine Beziehung einzugehen. Umso mehr freute ich mich für sie, dass sie den Schritt doch gewagt hatte.
      “Na Empire, dann hoffen wir mal, dass Lina so glücklich mit Niklas bleibt”, sagte ich zu der jungen Stute und tätschelte ihren Hals. Was ich definitiv jetzt schon sagen konnte, war das Linas neuer Freund etwas ganz Besonderes an sich haben musste. So schnell hatte sie sich bisher niemandem geöffnet, na ja außer ihrem Pferd.
      “Guten Morgen Samu”, grüßte mich Jamie, der Highlandponystute Ursel am Zaun entlanglief. Ich grüßte freundlich zurück, bevor ich auf die Uhr blickte. So langsam sollte ich wirklich mal mit dem Training meiner Pferde beginnen.
      Im Stall herrschte eine entspannte Atmosphäre. Die meisten Pferde hatten ihr Kraftfutter bereits aufgefressen, mümmelten an ihrem Heu oder sahen aus ihren Fenstern.
      Auf dem Putzplatz stand bereits Miss Leika. Ein großer brauner Mistfleck zierte ihre Flanke, den Jayden auch schon intensiv bearbeitet. Jora, die sie Nebenbox von der Stute wohnte, zu der ich jetzt wollte, streckte freundlich ihren Kopf aus der Box. Kurz streichelte ich sie über, bevor ich Elvishs Box betrat. Die Schimmelstute mümmelte an ihrem Heu, wobei die lange Mähne ihr immer wieder in die Augen rutsche. Genervt schüttelte Elvish ihren Kopf. So langsam war echt an der Zeit, die Mähen abzuschneiden. Die Stute störte sich daran und bei ihrem schmächtigen Hals, sah es außerdem auch nicht sonderlich gut aus. Vor der Box griff ich nach dem beerenfarben Halfter der Stute, eine Sache die ich Luchys Tochter zu verdanken hatte, und holte sie aus ihrer Box. Als ich die Schimmelstute an Ice Rain vorbeiführte, schnappte die Scheckstute nach ihr. Konsequent wies ich sie zurecht. Beauty blieb davon recht unbeeindruckt, sondern trotte nur brav neben mir bis zum Putzplatz.
      Noch bevor ich begann die Stute zu putzen, holte ich die Schere aus der Sattelkammer.
      “Ahh, kommt die Mähnen nun endlich ab?”, frage Jayden, der immer noch das Fell der Cremellostute reinigte, die mittlerweile vor sich hindöste.
      “Jap, wird ja auch mal Zeit, ich glaube das arme Pferd ist auch schon ganz genervt davon”, erklärte ich. Als wenn Beauty zustimmen wollte, nickte sie mit ihrem Kopf.
      “Lina würde dir jetzt sicher einen Vortrag halten, warum du das nicht tun solltest. Aber ich stimme dir zu, besonders hübsch sieht das nicht an ihr aus”, grinste mein Kollege.
      “Richtig, aber Lina ist nicht hier, also kommt die Mähne ab”, lachte ich und wand mich der Mähne der Stute zu. Strähne für Strähne fiel die Mähne zu Boden, bis nur noch knapp eine Handbreit an dem Pferd verblieb.

      Jace| Buckelt und quietschend schoss der Tinker Hengst los als ich ihn antraben wollte. Na gut, wenn er laufen wollte, dann sollte er. Energisch trieb ich den Hengst an, sodass er in einen flotten Galopp fiel. Der Rappe versucht noch ein paar weitere Male zu buckeln, was immer dazu führte, dass ich ihn an Tempo zulegen ließ. Vikar hatte sich vorhin deutlich netter benommen. Im Galopp ritt ich einige Handwechsel, verkleinerte und vergrößerte den Zirkel, ließ sich den Hengst richtig auspowern.
      Verschwitzt und müde trotte der Hope am Ende des Trainings unter mir her. Nachdem er seine Energie herausgelassen hatte, konnte ich tatsächlich noch vernünftig mit ihm arbeiten. Mit Looki an der Longe, betrat Quinn den Reitplatz, als mein Handy klingelte.
      “Hallo Alec, hast du schon wieder Sehnsucht nach mir”, begrüßte ich meinen Kumpel.
      “Noch nicht, ich glaube, ich war in den letzten zwei Wochen oft genug bei euch drüben”, lachte Alec am anderen Ende. “Der Grund warum ich eigentlich anrufe, ist dein Vorreiten am Freitag. Ich dachte, wenn du morgen oder vielleicht auch noch heute Zeit hast könntest du rumkommen und ich gebe dir noch ein paar Tipps und vielleicht lasse ich dich ja auch Mo reiten. Auf den bist du schon lange scharf”, bot Alec an.
      “Das klingt hervorragend, danke. Ich denke, ich würde dann gleich morgen früh vorbeikommen”, antworte ich. Nochmal ein paar Tipps von Alec zu bekommen war sicher hilfreich, auf dem Gebiet der Dressur war ein wenig bewanderte als ich.
      “Perfekt, aber eine Frage habe ich noch: Hast du dich eigentlich schon entschieden mit welchem Pferd du reitest?”, fragte mein Kumpel.
      “Nein, noch nicht endgültig. Eigentlich würde ich gerne mit Sunny reiten, aber die ist ja gedeckt, also könnte ich, falls sie mich nehmen, eh nicht mit im Team reiten. Also wird es vermutlich Herkules, auch wenn er schlechter ausgebildet ist”, äußerte ich meine Bedenken.
      “Was ist mit Promise die ist doch gut Ausgebildet?”, schlug mein Kumpel vor.
      “Die ist seit ihrem Fohlen in Rente, sie ist ja bereits 18 Jahre alt”, erklärte ich.
      “Na dann, ist die Entscheidung wohl offensichtlich”, erwiderte Alec im Hintergrund war, ein Wiehern zu vernehmen.
      “Ist zwar nett mit dir zu quatschen, aber ich muss jetzt Schluss machen, ich habe die Ehre Quinn und Hazel gleich beim Kindergeburtstag zu unterstützen und vorher muss ich noch den dicken Tinker aufräumen”, verabschiedete ich mich.
      “Phyri wird auch langsam ungeduldig. Also dann bis morgen”, beendete Alec das Gespräch und legte auf. Hope war mittlerweile halbwegs trocken, für den Rest würde ich ihn gleich noch einmal unters Solarium stellen. Also ritt ich ihm zum Stall und sattelte ihn dort ab.
      Kaum hatte ich den Tinker zurück auf die Koppel gebracht, drückte Hazel mir auch schon Amigos Halfter in die Hand: “Hier, die Kinder kommen in 10 Minuten. Wir putzen zwar gleich mit den Kindern, aber besten putzt du schon mal vor.” Sie selbst verschwand zu den Stuten, um die anderen Ponys zu holen. Der kleine gepunktete Shettywallach, stand mit Rici, Caruso und Tiger am Heu und mampfte gelassen.
      “Na komm kleiner, lass uns ein paar Kinder bespaßen”, sagte ich ironisch zu dem Shetty und wuschelte ihm durch die Mähne. Eigentlich hätte Lina den Geburtstag machen sollen, immerhin hatte sie das ganze Konzept mit der Shettyschule auch ins Leben gerufen, aber sie verbrachte ihre Zeit ja lieber mit Niklas am anderen Ende der Welt anstatt hier.
      Amigo versenkte seinen Kopf noch tiefer im Heu und ließ sich nur wieder willig davon überzeugen mit mir mitzukommen. Vor dem Stall standen bereits Fraena, Cremella und Songbird angebunden. Die beiden Mädels waren bereits dabei die Ponys zu putzen.
      “Ist die überhaupt geritten?”, fragte ich Hazel stirnrunzelnd und betrachtete die kleine Scheckstute. Sie war noch nicht wirklich lange bei uns und obwohl sie bereits 7 Jahre alt war noch nahezu Roh, meines Wissensstandes nach.
      “Geht so, aber für heute reicht es. Aber du solltest dich mal beeilen, in 5 Minuten sind die Kinderchen da”, antwortete sie und kratzte dem Pony den Vorderhuf aus. Kaum hatte sie zu ende gesprochen kam auch schon ein Vater angelaufen und fragte, wo er parken konnte. Freundlich erklärte Quinn dem Mann den Weg zum Besucherparkplatz. Ein paar Minuten später wurde ich von 7 paar Kinderaugen angestarrt, die in einem Halbkreis vor uns standen.
      “Herzlich willkommen hier auf dem Whitehorse Creek. Ich bin Hazel und die beiden neben mir sind Quinn und Jace. Wir werden die nächsten Stunden mit euch verbringen. Wer von euch ist denn das Geburtstagskind?”, begrüßte Hazel die Kinder. Ein kleines blondes Mädchen, mit blau pinker Reithose und pinkem Reithelm meldete sich. Sie hieß Lilly und es war heute ihr 5ter Geburstag.
      “Also bevor wir anfangen können stell ich euch mal die Ponys vor. Die kleine helle da ist Cremella, der kleine Plüschball daneben ist Fraena, die Schecke ist Songbird und der kleine Kerl mit den Punkten dort ist Amigo. Bevor wir jetzt gleich reiten, werden wir die Ponys erst einmal hübsch machen”, setzte Hazel fort und begann den Kindern zu erklären, wie die Ponys geputzt werden. Anschließend durfte sich das Geburtstagskind ein Pony aussuchen. Die kleine wählte Cremella, weil sie ihrer Aussage nach aussah wie das Pony einer Prinzessin.

      Samu| Große Kinderaugen starrten mich an, als ich mit Vakany aus dem Stall ritt, wo sich ein lustiges Bild bot. Jace, der so etwas wie Kriegsbemalung im Gesicht hatte, schmierte mit zwei kleinen Jungs Fingerfarben auf Amgio. Ein blauer Kreis mit gelben Punkten umrahmte das Auge des Shettys, auf seinem Hintern war ein Handabdruck und eines der Kinder verzierte sein Vorderbein gerade mit grünen Streifen. Die anderen Ponys sahen ähnlich aus.
      “Du hast voll das schöne Pferd! Wie heißt es?”, fragte mich ein kleines Mädchen, das vor meinem Pferd stand und fasziniert den glitzernden Stirnriemen anstarrte. Freundlich lächelnd antwortete ich ihr: “Das ist Vakany. Wenn du möchtest, darfst du sie streicheln” Die bunte Stute hatte den Kopf zu dem Kind heruntergesenkt und beschnupperte es neugierig. Vorsichtig streckte das Mädchen seine kleine Hand nach ihr aus und strich ihr über die rosa Schnauze. Ganz still stand die Scheckstute da und ließ das über sich ergehen.
      “Was machst du jetzt mit ihr? Bist du ein Prinz? Reitest du jetzt zu deiner Prinzessin?”, fragte das Mädchen weiter. Ich musste schmunzeln, wie niedlich Kinder doch sein konnten.
      “Nein, wir gehen auf den Reitplatz, springen”, erklärte ich dem Mädchen.
      “Aber du hast doch sicher eine Prinzessin, oder? Jeder Prinz hat eine! Und wenn du ein Pferd hast, musst du ein Prinz sein!”, beharrt die Kleine weiterhin auf ihrer Meinung.
      “Ja, ich habe eine Prinzessin, allerdings in einem weit entfernten Königreich”, lächelte ich freundlich. Quinn kam hinzu um das Mädchen wieder zurück zu den anderen zu holen: “Na komm Lilly, wir lassen Prinz Samu und Vakany mal springen, gehen und du möchtest doch jetzt sicher auch reiten.” Begeistert ließ sich die Kleine von Quinn zurück zu Melly bringen. Froh gesinnt ritt ich mit der Trakehnerstute in Richtung Koppeln. Ich hatte spontan überlegt, dass ich zum aufzuwärmen eine kleine Schrittrunde im Gelände machen wollte. Als ich an den Fohlenkoppeln entlangritt, wurden wir von Nessy verfolgt, die am Zaun neben uns her trabte. Ihr kleines braunes Fohlen ganz dicht an ihrer Seite.
      Bis auf Jayden der mit Elf im Dressurviereck herum zirkelte, war der Platz leer. Auf dem Springplatz hatte ich vorhin bereits eine kleine Gymnastikreihe aufgebaut, bestehend aus Cavaletti und Steilsprüngen. Nach den zwei Wochen Bootcamap hatte Kany sich heute mal ein lockeres Training verdient. Entspannt ritt ich die Stute erst im Trab und Galopp, bevor ich zum Ende noch ein paar Mal die In-Out Reihe ritt. Wie immer war die Stute konzentriert dabei und alle Stangen blieben liegen. Nach dem Trainer kam Luchy auf mich zu.
      ”Samu, ich hatte gedacht, du könntest das Training von Legolas übernehmen, zumindest so lange du noch hier bist. Er ist nämlich der einzige, den ich noch nicht verteilt habe”, erklärte sie ihr Anliegen. Vakany steckte sie ein Leckerli zu, welches sie genüsslich sabbern fraß.
      “Klar, das mach ich doch gerne. Wie ist das jetzt eigentlich mit Nurja und Fanya sollen die immer noch von Divine gedeckt werden?”, diese Frage geisterte mir durch den Kopf, seitdem ich mit Ivy vorhin ein wenig Bodenarbeit gemacht hatte. Eigentlich hatte ich den Hengst reiten wollen, doch dabei wirkte er so irritiert davon, dass ich nicht Lina war und sie, dass ich es lieber ließ. Nach ein paar Tagen Bodenarbeit würde er sich vielleicht an mich gewöhnt haben.
      “Das ist eine Frage, die ich dir noch nicht beantworten kann. Ich werde demnächst mal mit Lina sprechen, sicher wird das trotzdem irgendwie machbar sein. Hast du eigentlich schon was von ihr gehört?”, frage meine Chefin beiläufig nach. Ich verneinte, die letzte Nachricht von ihr kam als sie ins Flugzeug steig und mir unbedingt mitteilen wollte, wie cool die Businessclass war. Spätestens heute Abend würde sie schon noch ein Lebenszeichen von sich geben. Luchy brachte mich noch auf den aktuellen Stand, wie es mit den Verkaufsfohlen aussah, tatsächlich hatten alle mittlerweile einen Käufer gefunden.
      Vakany war das letzte Pferd für heute gewesen, weshalb ich auf dem Rückweg von den Koppeln noch einmal bei Divine anhielt. Menschenbezogen wie der Hengst war, kam er direkt an getrottet und durchsuchte mich sofort nach Leckerlis.
      “Na großer, ich bin wohl immer noch nicht der auf den du wartest, aber auf Lina wirst du heute vergeblich warten”, sprach ich zu ihm und gab ihm die halbe Möhre, die ich noch dabeihatte. Zufrieden nahm der Hengst das Gemüse entgegen und verlangte danach gestreichelt zu werden. Der Freiberger war etwas ganz Besonderes, das merkte man auch ohne eine solch innige Beziehung zu dem Pferd zu haben wie Lina. Obwohl es gerade einmal halb fünf war, stand die Sonne schon recht tief am Himmel. Hier in den Bergen merkte man recht schnell, wen der Sommer vorbeiging. Mit dem kürzer Werden der Tage, sinken auch die Temperaturen über Nacht rapide, ein Grund warum die Pferde schon ziemlich schnell das erste Winterfell haben werden.
      “Genieße die letzten Sommertage hier, Hübscher. Schweden wartet auf uns”, flüsterte ich dem Hengst zu. Gedankenverloren kraulte ich den Hengst weiter. Dort, wo er und auch ich in Zukunft hinziehen würden, waren die Sommertage lang, dafür war der Winter umso dunkler.

      Am nächsten Morgen war Jace etwas verspätet mit Herkules im Hänger auf dem zu Alec. Beim Einladen hatte der Hengst ein wenig herumgezickt, es schien heute nicht so ganz sein Tag zu sein. Hoffentlich würde das sich nicht negativ auf das Training auswirken.

      Alec| “Prima, Darly”, lobte ich das Pferd. Der misstrauische Vollblüter begann mir allmählich zu vertrauen und mauserte sich zu einem hervorragenden Pferd. Gerade als ich mit dem dunklen Vollbluthengst den Reitplatz verließ, rollte Jace auf den Hof. Aus dem Hänger wieherte es laut und aus dem Stall kam direkt eine Antwort.
      “Perfektes Timing, Jace”, begrüßte ich den blonden Mann, der gerade aus dem Rage Rover stieg. Gut gelaunt kam er auf mein Pferd und mich zu.
      “Ich habe immer ein perfektes Timing”, antworte er ein wenig überheblich. Mein Kumpel wollte dem Pferd über den schlanken Hals streichen, doch Darly legte die Ohren eng an und versuchte nach ihm zu schnappen.
      “Nimms nicht persönlich, er hat ein grundsätzliches Problem mit Menschen”, erklärte ich und ließ mich aus dem Sattel gleiten. Ich wollte gerade fragen, ob es schon was von Lina gehört hatten, als mir gerade noch einfiel, dass es kein gutes Thema war. “Lade du schonmal dein Pferd aus, ich bringe den hier noch zurück auf die Koppel”, fügte ich noch hinzu und führte das Vollblut in den Stall. Anu stand mit Wolf mitten auf der Stallgasse und unterhielt sich mit Silvia die offenbar gerade Zany in seine Box gebracht hatte.
      “Mädels ihr muss mal Platz machen, und am besten geht ihr ganz aus dem Weg, Jace kommt auch gleich noch” Kaum hatte ich Jace, gesagt war Anu auch schon mit dem Schimmel verschwunden. Natürlich war sie das, schließlich konnte sie sich ihrer Meinung nach nicht so vor ihrem Angebeteten blicken lassen.
      “Ist Jace irgendwie ein Zauberwort?”, scherzte Silvia und blickte Anu amüsiert hinterher.
      “Ja, sowas in der Art. Aber jetzt mach mal weiter, Sasancho wartet auch noch auf dich und denke dran um zwei möchte ich dich mit Fanya auf dem Platz sehen, dann gehen wir noch einmal die Aufgabe für die Körung durch”, sagte ich noch zu ihr, bevor ich Darly auf dem Putzplatz führte, um ihn abzusatteln.
      Während Jace seinen Buckskin Hengst putzte, brachte ich den dunklen Vollblüter zurück auf die Koppel. Osgiliath, der auf der Nachbarkoppel stand, versuchte über den Zaun hinweg nach Darly zu beißen. Dieser schlug einmal ärgerlich aus und trabte dann zu Aschenflug, der am anderen Ende der Koppel stand und graste.

      “Anu, willst du jetzt auf den Platz kommen oder nur da herumstehen?”, rief ich der Blonden zu, die seit 2 Minuten wie festgewachsen mit ihrer Schimmelstute am Platz Eingang stand. Sofort trat eine Röte auf ihre Wagen, sie murmelte etwas und führte ihre Stute dann in die Mitte des hinteren Zirkels.
      “Okay, Jace dann noch einmal angaloppieren und die Wechsel. Konzentriere dich und achte darauf, dass er auch wirklich sauber durchspringt”, wies ich Jace an. Daraufhin galoppierte er seinen Hengst an. Die Anwesenheit der Stute schien dem Hengst gutzutun, denn sogleich
      Präsentierte er sich schöner und auch Jace schien von den Zuschauern angespornt. Diesmal sprang der Hannoveraner den Wechsel auch sauber und galoppierte anschließen fleißig weiter.
      “Hervorragend, noch einmal genauso schön und dann kannst du arbeiten”, lobte ich meinen Kumpel. Auch der darauffolgende Wechsel gelang Jace und seinem Pferd fehlerlos, würden sie auch Freitag so reiten, stand dem Vorreiten nichts mehr im Wege.




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      zeitliche Einordnung Ende August 2020
    • Wolfszeit
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      kapitel fem | 25. Oktober 2021

      HMJ Divine // Freana von Hulshóf // Nathalie // Maskotka // El Pancho // Legolas// WHC’ Delicious Donut
      Satz des Pythagoras // Lu’lu’a // Rainbeth // HMJ Holy // Wunderkind // Fly me to the Moon // Sing of the Zodiac LDS // Glymur // Form follows Function LDS// Enigma// Einheitssprache


      Lina
      “Liiiinaaa, matkapuhelimesi soi, sammuta se (Liiiinaaa, dein Handy klingelt, mach es aus dem Ding)”, beschwerte sich Juliett, aus dem Bett heraus. Bis eben hatte sie eigentlich noch geschlafen oder zumindest so getan. Unmöglich konnte sie überhört haben, wie ich mal wieder gegen das Regal gelaufen war, das Teil stand da aber auch blöd. Zu allem Überfluss war auch noch eines der Bücher herausgepurzelt und laut polternd auf meinem Fuß gelandet. Das alles nur, weil ich meine Schwester noch schlafen lassen wollte und somit das Licht ausließ.
      “Tee se itse, tiedät miten tekniikan ihmeet toimivat (Mach es halt selbst aus, du weißt doch wie die Wunder der Technik funktionieren)”, rief ich während ich konzentriert mein Lid strich zu ende zog. Er saß heute ausnahmsweise perfekt, das konnte nur Gutes für den heutigen Tag bedeuten. Anhand der raschelnden Decken hörte ich, dass sie sich nun tatsächlich selbst um das klingelnde Handy kümmerte.
      “Se on Samu, pitäisikö minun vastata puhelimeen? (Es ist Samu, soll ich rangehen?)”, tönte es aus dem Nebenraum. Noch bevor ich die Chance hatte ihr zu antworten, hatte Juliett das Gespräch bereits angenommen: “Hyvää huomenta Samu. Valitettavasti siskoni on edelleen kiireinen, joten sinun on kestettävä minua nyt. Tunnetko vielä minut? (Wunderschönen guten Morgen Samu. Meine Schwester ist leider noch beschäftigt, weshalb du erst einmal mit mir vorliebnehmen musst. Kennst du mich noch?)” Meine Schwester klang erstaunlich wach dafür, dass sie noch keinen Kaffee gehabt hatte. Das war ja mal wieder typisch, die Neugierde siegte sogar über das Bedürfnis nach Kaffee.
      “Hei Juliett, kiva nähdä. Siitä on pitkä aika, kun viimeksi näimme. (Hallo Juliett, schön dich zu sehen. Es ist ganz schön lange her, dass wir uns das letzte Mal begegnet sind.)”, vernahm ich die warme Stimme meines besten Freundes durch den Türspalt.
      “Mitä et sano, mutta kuten näen, et ole juuri muuttunut, silti viehättävä poika tuolta ajalta. (Was du nicht sagst, aber wie ich sehe, hast du dich kaum verändert, immer noch der charmante Junge von damals)”, erklang Julis erfreute Stimme. Warte hatte ich gerade richtig gehört? Wie ich sehe? Ich hielt in der Bewegung inne, legte die Bürste beiseite und steckte irritiert den Kopf durch die Tür. Im Schneidersitz saß Juli auf dem Bett und hielt das Handy am ausgestreckten Arm vor sich. Offenbar führte sie ein Video-Call. Ungewöhnlich, ich hatte bisher noch nie einen Video-Call mit Samu geführt. Aber okay, zugegebenermaßen kam ich bisher auch nicht wirklich in die Not, dies zu tun, schließlich hatte ich jahrelang mit ihm auf demselben Hof gewohnt.
      “Kiitos. Mutta sinäkään et ole muuttunut paljoa. Oletko muuttanut Ruotsiin tai mitä teet sisaresi kanssa? (Danke. Du hast dich aber auch kaum verändert. Bist du jetzt auch nach Schweden ausgewandert oder was machst du bei deiner Schwester?)”, hörte ich Samu Antwort, bevor ich mich wieder dem widmete mich fertig zu machen. Dem weiteren Gespräch lausche ich nur mit halbem Ohr, denn sie tauschten sich lediglich über den Verlauf ihrer Leben seit der Schulzeit aus.
      “Samu, miten saan kunnian kuulla sinusta niin aikaisin? Eikö tämä aika ole varattu tyttöystävällesi? (Samu, wie komme ich in die Ehre schon so früh von dir zu hören? Ist dieser Zeitraum nicht für deine Freundin reserviert?), fragte ich mit einem verschmitzten Grinsen, als ich mich in das Gespräch einbrachte. Ein amüsiertes glucksen war aus dem Handy zu vernehmen. Irgendwie sah Samu überraschend ausgeruht aus dafür, dass es in Kanada jetzt ungefähr halb elf sein dürfte und er den ganzen Tag gearbeitet haben sollte. Irgendetwas kam mir auch an seinem Zimmer anders vor, wobei wirklich viel sah man nicht davon, denn er saß mit dem Rücken gegen die Wand gelehnt auf seinem Bett.
      “Etkö ole ystävä? (Bist du etwa nicht meine Freundin?)”, fragte Samu, seine Augen funkelten pikaresk, was mich ein wenig zum Schmunzeln brachte.
      “Ei, ei siinä mielessä. Tietääkseni olen vain parisuhteessa (Nein, nicht in dem Sinne. Soweit ich weiß, führe ich nur eine Beziehung.)”, Samu lachte und auch meine Schwester und ich stimmten ein. Es fühlte sich ziemlich seltsam an, ihn so lange nicht gesehen zu haben und auch, dass ich nicht einfach ein Zimmer weitergehen konnte, um mit ihm zu reden. Seit der 7. Klasse hatte ich Samu immer um mich gehabt und nur selten war es vorgekommen, dass wir uns mal länger als ein oder zwei Wochen nicht sahen. Fast drei Wochen waren mittlerweile vergangen, seit ich Kanada verlassen hatte. Langsam gewöhnte ich mich an den Alltag hier auf dem Hof und bekam das Gefühl, als würde ich hier so langsam ankommen.
      “Parisuhteista puheen ollen, miten voit? Koska en ole juuri kuullut sinusta mitään, olet varmaan kunnossa? (Apropos Beziehung, wie läuft es so bei dir? Da ich kaum etwas von dir gehört habe, nehme ich mal an, es geht dir gut?)”, fragte der Finnen nun.
      “Tunnen oloni erinomaiseksi. Minulla on täällä ihania poneja hoidettavana. Esimerkiksi Lu on melko pieni paskiainen, melko siro ja varattu. Olemme pikkuhiljaa alkaneet ystävystyä, valitettavasti Betty ei ole vielä päässyt niin pitkälle. (Mit geht es hervorragend. Ich habe hier ein paar wunderbare Ponys, um die ich mich hier kümmern darf. Lu zum Beispiel ist ein hübscher kleiner Leuchtrappe ziemlich zierlich und zurückhaltend. So langsam beginnen wir uns allerdings Anzufreunden, Betty habe noch leider noch nicht so weit)”, begann ich von den Pferden zu erzählen, mit denen ich hier bisher gearbeitet hatte. Nicht nur von den beiden, sondern auch von Zoi, Flyma, Wunderkind und all den anderen mit denen ich bisher arbeiten durfte.
      “Tiedän nyt myös, kuinka terrorijuomari sai nimensä. Holy voi itse asiassa näyttää erittäin viattomalta, kun hän ei ole kyllästynyt. Hän on itse asiassa aika söpö, vaikka voi todella ajaa sinut hulluksi. Mutta eniten nautin tällä hetkellä smoothien kanssa työskentelystä, vain hevosen unelmasta. Täysin ymmärrettävää, miksi Niki välittää hänestä niin paljon, emotionaalisesta arvosta puhumattakaan. En luopuisi tuollaisesta hevosesta enää koskaan. (Ich weiß jetzt auch wie der Terrortinker zu seinem Namen kam, Holy kann tatsächlich sehr unschuldig aussehen, wenn sie nicht gerade Langeweile hat. Eigentlich ist sie schon ziemlich süß, kann einen aber echt in den Wahnsinn treiben. Aber am meisten Spaß macht mir momentan die Arbeit mit Smoothie, einfach ein Traum von Pferd. Vollkommen nachvollziehbar warum Niki so viel an ihr liegt, mal ganz abgesehen vom emotionalen Wert. So ein Pferd würde ich auch nie wieder hergeben.)”, begann ich Samu vorzuschwärmen.
      “Työskentelet smoothien kanssa, miten se tulee? (Du arbeitest mit Smoothie, wie kommt es dazu?)”, fragte Samu interessiert nach. Meine Schwester war mittlerweile auf der Suche nach ihrem Lebenselixier in der Küche verschwunden.
      “Niklasilla on uusi tamma, koska Smoothie jää eläkkeelle turnauksista Ahtosensa takia, ja hänet pitäisi peittää tänä vuonna, joten hänet on koulutettava. Koska Niklas ei voi hoitaa kahta hevosta, hän antoi Smoothien minulle. Sanoinko jo kuinka hieno tämä hevonen on? Äärettömän tarkkaavainen, halukas suorittamaan ja sitten myös niin huomaavainen. Toivon, että Ivy on jonain päivänä niin herkkä. (Niklas hat eine neue Stute, weil Smoothie wegen ihrer Arthrose in Turnierrente geht, außerdem soll sie noch dieses Jahr gedeckt werden, folglich muss sie abtrainiert werden. Weil Niklas es nicht schafft sich um zwei Pferde zu kümmern, hat er Smooth mir anvertraut. Sagte ich schon wie toll dieses Pferd ist? Unendlich Aufmerksam, Leistungsbereit und dann auch noch so Rücksichtsvoll. Ich wünsche mir, Ivy wird irgendwann auch mal so sensibel sein.)”, schwärmte ich weiter. Ich wusste zwar, dass der Hengst bei Samu gut aufgehoben war, aber mein Pferd fehlte mir. Ob Divine mich auch vermisste? Immerhin hatte sich für ihn nicht viel verändert, außer dass er seine Möhrchen nun von jemand anderem bekam.
      “Miten poni voi? (Wie geht es eigentlich meinem Pony?)”, frage ich Samu sehnlich.
      “Häneltä ei puutu mitään. Koko joukkue pilaa ponisi, erityisesti Aleen. Luulen, että hän saa uuden kampauksen joka päivä. Tänään se oli mielenkiintoinen rakenne vaaleanpunaisista jousista ja kukkien hiusleikkeistä. Luulen, että Ivy kaipaa sinua, hän odottaa aina portilla, kun haluan tuoda hänet sisään, mutta hän ei vihille minulle kuten aina kanssasi. Hän saa minulta vähintään yhtä paljon porkkanaa. (Ihm fehlt es an nichts. Das ganze Team verwöhnt Dein Pony, ganz besonders Aleen. Ich glaube, er bekommt jeden Tag eine neue Frisur. Heute war es ein interessantes Konstrukt aus pinken Schleifchen und Blütenhaarspangen. Ich glaube Ivy vermisst Dich aber, er wartet immer schon am Tor, wenn ich ihn reinholen möchte, aber mir wiehere er nicht entgegen, wie er das bei Dir immer getan hat. Dabei bekommt er mindestens genauso viele Möhrchen von mir.)” Samus Erzählung erwärmte mir das Herz. Das Luchys kleine Tochter Divine verwöhnte wunderte mich nicht. Schon als ich noch da gewesen war, hatte das kleine Mädchen mir gerne beim Putzen des Hengstes geholfen. Aus mir unbekannten Gründen war sie ganz vernarrt in den Freiberger. Sogar mehr, als in die Ponys in ihrer Größen Ordnung. Nicht mal Fraena, die wegen ihres plüschigen Fells immer sehr beliebt bei den Kindern war, hielt sie für interessanter.
      “Kiva kuulla. En malta odottaa, että näen hänet uudelleen. Ovatko muut suojaamani myös hyvin? Kuka niistä nyt huolehtii? Ja tuleeko Hazel ratsastuskoulun kanssa vai onko hän jo heittänyt kaiken kaaokseen? Ja miten muut voivat? (Das freut mich zu hören. Ich kann es jetzt schon kaum erwarten ihn wiederzusehen. Geht es meinen anderen Schützlingen auch gut? Wer kümmert sich jetzt um sie? Und kommt Hazel mit der Reitschule klar oder hat sie schon alles ins Chaos gestürzt? Und wie geht es den anderen?)”, erkundigte ich mich.
      Samu antwortete direkt: “Toisilla menee toistaiseksi hyvin, vaikka heillä kaikilla on nyt hieman enemmän työtä. Paitsi ... Jace, hän näyttää surevan sinua hieman kauemmin. Hazel ei ole vielä heittänyt kaikkea kaaokseen, mutta lapset tulevat takaisin vasta ensi viikolla, sitten nähdään toimiiko se. Myös suojelijasi voivat hyvin.
      Sheena huolehtii nyt Panchista, Fraena ja Nathalie huolehtivat Hazelista ja Jace ottaa Maskotkan haltuunsa. (Den anderen geht es soweit gut, auch wenn alle jetzt ein klein wenig mehr Arbeit haben. Außer … Jace, er scheint dir noch ein wenig nachzutrauern. Noch hat Hazel nicht alles ins Chaos gestürzt, aber die Kinder kommen je erst ab nächster Woche wieder, dann werden wir sehen, ob das klappt.
      Deinen Schützlingen geht es auch gut. Sheena kümmert sich jetzt um Panch, Fraena und Nathalie werden von Hazel umsorgt und Jace übernimmt Maskotka.)” Jace tat mir leid, ich hatte ihn nicht so verletzten wollen, aber ich konnte und wollte es nicht rückgängig machen. Bei Jace sprunghafter Art, würde es besser für mich sein, wenn wir getrennte Wege gehen. Irgendwann, hoffte ich, wird er schon wieder auf die Beine kommen. Um keine weiteren Gedanken an ihn zu verschwenden, lenkte ich lieber das Thema auf etwas anderes: “Ja entä Legolas? Onko hän edelleen myyntilistalla? (Und was ist mit Legolas? Na ja, steht er immer noch auf der Verkaufsliste?)” Ich befürchte schon, dass der Hengst vielleicht bereits verkauft worden sein an irgend so einen schmierigen Händler oder irgendeine dieser verwöhnten Gören, die ihre Pferde nur als Prestigeobjekt betrachtet.
      Mit einem grinsen begann der Finne zu antworten: “Voin vain sanoa tästä, että minusta on nyt tullut myös hevosenomistaja. Heti kun oli vihdoin selvää, että sen piti mennä, koska munkin piti jäädä, en voinut olla ostamatta sitä ennen kuin siitä tulee jälleen haastekuppi. Se oli minulle erittäin kätevää, tiedätkö, että olen jo pitkään ajatellut osallistumista aktiivisiin turnauksiin. (Dazu kann ich nur sagen, ich bin jetzt auch unter die Pferdebesitzer gegangen. Sobald endgültig feststand, dass er gehen muss, weil Donut bleiben soll, konnte ich nicht anders als ihn zu kaufen, bevor er wieder zum Wanderpokal wird. Es kam mir sehr gelegen, du weißt ja, dass ich schon länger überlege wieder aktiver Turniere zu reiten.)”
      “Se on hienoa, toivoisin jotain sellaista kauniille. (Das ist toll, so etwas habe ich mir für den Hübschen gewünscht.)” Ich freute mich aufrichtig, dass Samu den Hengst gekauft hatte, würde nicht nur bedeuten, dass ihm ein schönes Leben garantiert war, sondern auch, dass ich den Rappen noch einmal wiedersehen würde.
      “Mutta nyt takaisin sinulle. Olet jo kertonut meille paljon uusista suojelijoistasi, mutta miten muuten käy? Tuletko hyvin toimeen uusien kollegoidesi kanssa? Miten menee poikaystäväsi kanssa? (Aber jetzt zurück zu dir. Du hast ja bereits einiges über deine neuen Schützlinge erzählt, aber wie läuft es sonst so? Kommst du gut mit deinen neuen Kollegen klar? Wie läuft es mit deinem Freund?)”, lenkte Samu das Thema zurück, zu dem was sich in meinem Umfeld tat. Auf einmal schaltete sich meine Schwester, die grinsend mit einer Kaffeetasse im Türrahmen stand, wieder in das Gespräch ein: “Minusta näytti viikonloppuna siltä, että hänen poikaystävänsä kanssa sujui aivan loistavasti. Vaikka olen edelleen hieman ymmälläni pikkusiskoni suhteen. En odottanut hänen valitsevan tuollaista miestä. (Also, für mich sah das am Wochenende aus, als würde es ganz wunderbar mit ihrem Freund laufen. Auch, wenn ich immer noch ein wenig verwundert über meine kleine Schwester bin. Dass sie sich so einen Kerl aussucht, hätte ich nicht erwartet.)”
      “Siskosi on täynnä yllätyksiä (Deine Schwester steckt nun mal voller Überraschungen)”, lachte Samu. Offenbar war er mit meiner Schwester einer Meinung.
      “Mitä sen nyt pitäisi tarkoittaa? (Was soll das denn jetzt heißen?)”, empörte ich mich über die beiden. Samu lachte nur weiter und dachte nicht einmal daran mir zu antworten.
      “Luulin, että pidit hyvistä pojista, kulta (Ich dachte eher du stehst auf die braven Jungs, Süße)”, amüsierte sich meine Schwester, bevor sie dem Kissen auswich, welches eine Sekunde später durch die Luft flog. Leider verfehlte das Flugobjekt Juli und landete mit einem dumpfen Geräusch auf dem Boden.
      “Et myöskään tarvitse vihollisia kanssasi (Mit euch braucht man auch keine Feinde)”, murmelte ich. “Mutta takaisin kysymyksiisi. Kuten juuri kuulitte, Niklasin kanssa asiat sujuvat erittäin hyvin, enkä kadu päätöstäni millään tavalla! Tulen hyvin toimeen kollegojeni kanssa toistaiseksi, vain Vriskan kanssa on ollut vähän outoa toistaiseksi. Mutta olen varma, että tulee. Ohhh ja missä olemme Vriskassa ... vaikka en edes tiedä voinko kertoa sinulle ... (Aber zurück zu deinen Fragen. Wie du gerade schon hörtest, läuft es mit Niklas hervorragend und ich bereue meine Entscheidung in keiner Weise! Mit meinen Kollegen komme ich soweit ganz gut aus, nur mit Vriska ist es bisher ein wenig seltsam. Aber das wird sicher noch. Ohhh und wo wir bei Vriska sind... wobei ich weiß gar nicht, ob ich dir das erzählen darf…)” Am Ende hielt ich inne, weil ich mir nicht ganz sicher war, ob Vriska wollte, dass gleich jeder wusste, dass sie mit Erik zusammen war.
      “Lina, hän ei repäise päätäsi loppujen lopuksi Samu on kuin päiväkirjasi. Voin vain sanoa tästä, että Amorilla oli hauskaa tänä viikonloppuna. (Lina, sie wird Dir schon nicht den Kopf abreißen, Samu ist schließlich so was wie dein Tagebuch. Ich kann dazu nur sagen Amor hatte dieses Wochenende seinen Spaß)”, amüsierte sich meine Schwester.
      “Okei, kerron nyt Vriska ... on nyt virallisesti Erikin kanssa. Olen iloinen molempien puolesta, molemmat näyttivät niin onnellisilta eilen. Todella hieno. (Also okay, dann sag ich es dir jetzt. Vriska...ist jetzt offiziell mit Erik zusammen. Ich freu mich für die beiden, sie sahen gestern beide so glücklich aus. Richtig toll.)”, rückte ich nun endlich mit der Sprache raus. Ich freute mich aufrichtig für die beiden, gerade nachdem mir vor Augen geführt wurde, wie sehr Vriska unter der Ungewissheit, ob sie Erik jemals wiedersehen wird, litt. Dennoch musste ich einräumen, dass ich mich auch ein wenig meiner selbst Willen freute: “Ja no ... se saattaa nyt tuntua hieman itsekkäältä, - mutta olen myös hieman helpottunut. Myönnän kyllä, olin huolissani ... Tiedätkö, mitä tapahtui hänen ja Niklasin välillä ja koska he kaksi tulivat jälleen oudosti hyvin viime aikoina ... No, sillä ei ole väliä, Vriksalla on varmasti hänen Erikinsä nyt. Minulla on Niki, kaikki kuten pitääkin. (Und naja, ... das wirkt jetzt vielleicht ein wenig selbstsüchtig, ... aber ich bin auch ein wenig erleichtert. Zugegebenen Maßen hatte ich mir Gedanken gemacht... Du weißt schon, wegen dem was zwischen ihr und Niklas lief und weil die beiden neulich wieder seltsam gut miteinander konnten... Naja egal, Vriska hat jetzt ganz sicher ihren Erik. Ich habe Niki, alles so wie es ein sollte.) Samu und ich quatschen noch einen Moment, vor allem über meine Beziehung, wobei ich mich echt zusammenreißen musste nicht ins Schwärmen zu geraten. Dieses Wochenende hatte mir Zuversicht und den nötigen Energieschub gegeben um hier in Schweden nun richtig durch zu starten. Meine Schwester stand noch immer mit ihrem Kaffee im Türrahmen, folgte dem Gespräch und grinste vergnügt vor sich hin.
      “Sinä Samu, minun täytyy erota nyt, muutama hevonen odottaa minua tallissa. Toivottavasti nähdään pian taas tosielämässä. Kerro minulle, kun tiedät, että tulet vihdoin tänne. Hyvää yötä nuku hyvin. Anna terveiset muille ja anna ponilleni huomenna ylimääräinen porkkana. (Du Samu, ich muss jetzt mal Schluss machen, da warten ein paar Pferdchen im Stall auf mich. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder so richtig in live. Sag mal Bescheid, wenn du weißt, dass du endlich hierherkommst. Gute Nacht, schlaf gut. Grüß die anderen von mir und gebe meinem Pony morgen ein extra Möhre von mir.)”, beendete ich das Gespräch, nach der Feststellung, dass es nun an der Zeit war an die Arbeit zu gehen.
      “Tottukaa teen. Pidä hauskaa töissä. (Klar, mach ich. Viel Spaß bei der Arbeit.)”, verabschiedete mein bester Freund sich, bevor ich auflegte.
      Gut gestimmt verließ ich die Wohnung und machte mich auf den Weg in den Stall.

      Vriska
      Einen freien Tag haben, hatte wirklich seine Vorteile, auch wenn es bedeutete, sich eine Beschäftigung zu suchen. Etwas zu tun, für das man sonst keine Zeit hatte. In meinem Fall war es Ausschlafen und Bilder bearbeiten, eventuell noch lernen für die praktische Prüfung und mit meinem Bruder endlich das Essen nachzuholen. Aber wo war er? Der kleine Palast, den ich zu gern mein Eigen nennen wollte, war still. Nur die Lüftung des Kühlschranks drang zu mir vor. Erholt stieg ich aus dem Bett, nachdem auch mein Handy keine Nachricht von ihm aufgewiesen hatte. Umso mehr hatte von Erik, aber ich musste erst einmal Harlen finden. Rufend lief ich durch das Häschen, aber auf 50 qm jemanden zu finden, sollte nur in diesem Fall schwierig werden. Erst bei der zweiten Runde laufen, fand ich einen Zettel neben der Kaffeemaschine – natürlich hinterließ er ihn dort.
      „Kleine Schwester, mache dir keine Sorgen. Ich werde in einige Tage zurück sein. Sollte etwas Dringendes sein, melde dich bei mir. Denk an unseren Deal, in Liebe, Harlen“, las ich seinen handgeschriebenen Zettel und atmete erleichtert aus. Selbst, dass ich nicht wusste, wo er genau war, konnte ich mir sicher sein, meinen Bruder bald wiederzusehen. Ich hängte die Erinnerung an den Kühlschrank, startete die Kaffeemaschine und zog mir in der Zeit etwas über. Was sollte ich anziehen? Die Lust Bilder zu bearbeiten verflog in der Winde, der Plan mit Harlen fiel ebenfalls flach, also blieb nur noch lernen übrig. Allerdings müsste ich noch zu Glymur fahren, denn er stand nun beinah eine Woche und wenigstens einen entspannten Ausritt sollten wir machen. Also griff nach reichlicher Überlegung doch nach einer Reithose, ich sollte mal wieder waschen. Es lag nur noch eine im Fach, der Rest türmte sich auf einem Haufen, der mal ein Wäschekorb war. Ich könnte anderenfalls auch mal wieder neue kaufe gehen, dass könnte ein Plan des Tages werden — Ausreiten, Shoppen und dann noch lernen. Während ich mein provisorisches Frühstück genoss, antwortete ich meinem Kerl, es fiel mir noch immer schwer den Gedanken zu fassen, dass er fest an meiner Seite war. Es wirkte mit Erik alles so unglaublich vertraut, obwohl ich wusste, dass sein Bruder durch die mir unbeschreibliche Situation einige meiner tiefsten Geheimnisse kannte. Doch ich konnte mir auf einer Art sicher sein, dass Niklas die Nachrichten an ihn weitergab. Viele der Texte, die ich schrieb, waren voll mit paradoxen Gefühlen, vor allem dem das ich Erik überhaupt nicht kannte. Aber unser erstes Treffen löste so viel in mir aus, für das ich keine Worte fand. Es war ein Gefühl von Freiheit und Entschlossenheit, gemischt mit dem Gedanken, dass es ohnehin nichts werden würde, weil wer war ich schon? Innerhalb kürzester Zeit entwickelte ich mich zu dem typischen Pferdemädchen, wie es im Buche stand. Ich nahm mir Zeit zum Lernen, aber verbrachte die meiste bei den Tieren. Sie halfen mir dabei, die Ereignisse in England hinter mir zu lassen, eine bessere Version von mir selbst zu werden. Dann, eines Tages, traf ich plötzlich diesen Typen, den ich als Charakter nur aus Filmen kannte und genauso lief es auch ab. Das schüchterne Außenseiter-Mädchen verliebt sich Hals über Kopf in den Aufreißer, der auch nur noch Augen für sie hatte. War Erik ein Aufreißer? Nicht einmal das wusste ich! Er hatte von einigen Bekanntschaften erzählt, aber nie welche Wichtigkeit sie für ihn darstellten. Jetzt jedoch war er alles und die Welt für mich, jemand, dem ich alles verzeihen würde. Ich möchte mit ihm alt werden.
      Langsam schielte ich zur Uhr, allmählich wurde es Zeit zum Hof zu fahren, bevor das Training der Kleinen begann und ich eventuell seltsame Begegnungen haben würde. Vom Schlüsselbrett nahm den Schlüssel, schnappte mir meine Tasche, die seit gefühlten Jahren nicht mehr mitnahm, und lief zum Auto. Die Haare trug ich offen, obwohl sie stets mich bei alltäglichen Aufgaben belästigten, aber ich wollte mich ausprobieren. Ausprobieren, wie ich mich wohlfühlen könnte, durch den Einfluss von Elementen meines jüngeren Ichs. Auf dem Hof herrschte ein normaler Montag, keine Gäste, keine Reitschüler oder Einsteller. Nur Folke sah ich mit dem Stapler Heu holen.
      Genau die gleiche Ruhe herrschte auf dem Gelände von Verein, obwohl ich schon auf dem Parkplatz den Porsche von Niklas betrachtete. Sollte er nicht arbeiten sein? Aber was wusste schon, ich war überhaupt nicht in der Stimmung dafür, einen weiteren Gedanken an ihn zu verschwenden, sondern tanze fröhlich an den Paddock vorbei, um aus dem Stall das Halfter meines Hengstes zu holen. Glymur hatte mich schon am Zaun begrüßt und Leckerli eingefordert, bevor ich überhaupt richtig da war. Aber natürlich bekam er eins.
      „Ich muss dir so viel erzählen“, lachte ich fröhlich. Aufmerksam spitze er die Ohren, als konnte er es gar nicht erwarten, was ich zu sagen hatte. Doch zunächst gab es einige aufmunternde Worte beim Putzen, dass ich an dem Tag deutlich ausgiebiger machte als sonst. In meinem Kopf summte noch immer die Melodie eines der Chartlieder aus dem Radio, die ich sonst mied. Dieser Einheitsbrei gefiel mir nicht, es brauchte Inhalt, eine rhythmische Melodie und eine schöne männliche Stimme, dennoch trällerte ich: „Turn up Baby, turn up, when I turn it on. You know how I get too lit when I turn it on.“
      Ich war so vertieft, gute Laune zu haben, dass ich nicht Niklas dazukommen hörte und für meinen Geschmack uns zu interessiert beobachtete. Erst als ich mich zur Putzkiste lehnte, sah ich ihn an einer Boxenwand stehen mit verschränkten Armen und einem breiten schelmischen Lächeln. Dabei stand auch Form, die vollkommen verschwitzt auf dem Gebiss kaute.
      “Weiß Vriska, dass du ihr Pony entführst?”, scherzte er.
      “Und du hast einen Clown gefrühstückt oder gelüstet es dir nach Aufmerksamkeit?”, lachte ich und legte den Sattel auf dem Rücken des Hengstes, der beinah auf der Stelle einschlief. Sanft strich ich mit meiner Hand über seinen Mähnenkamm, als Erinnerung, dass wir noch etwas vor uns hatten.
      “Dann sag mal, stimmen die Gerüchte?”, fragte Niklas nun ernster und reichte mir die Trense, die neben ihm hängte. Sah ich das richtig? Hatte er die schöne lange Mähne der Rappstute abgeschnitten? Ich hatte so viel Kraft in ihre Mähne gesteckt, da Tyrell auch immer die Schere in der Hand hielt. Aber jetzt geschah es, sie war ab und das nicht nur ein Stück. Form hatte nur noch wenige Fetzen am Hals und auch der Schopf musste leiden. Es schmerzte in der Seele, das Pferd so zu sehen, doch ich konnte nichts dagegen tun.
      “Was für Gerüchte? Wenn jetzt schon welche im Umlauf sind, kann es nur noch kreativer bei euch werden”, kam ich wieder auf das Gespräch zurück.
      “Da gibt es sogar direkt zwei. Einerseits, dass du direkt mit dem Neuen geschlafen hast und andererseits, dass das du jetzt mit dem seltsamen Typen aus Kanada zusammen bist, womit wohl nur Erik gemeint sein kann. Ich hoffe für dich, dass nur eins von beiden stimmt”, lächelte er. Seine Worte wirkten glaubhaft, als läge ihm etwas daran, was in meinem Leben ablief. Ich vertraute ihm und er mir.
      „Ja, zweiteres stimmt“, antwortete ich kurz, unsicher darüber, wie viel an die Öffentlichkeit kommen durfte.
      „Das beruhigt mich ein wenig, aber pass auf dich, ja?“ Wieso ihm das so nahe ging, konnte ich nicht nachvollziehen. Zustimmend nickte nur, holte meinen Helm und führte Glymur aus dem Stall. Aber Niklas schien sich nicht abwimmeln zu lassen und folgte mir mit seiner verschwitzten Stute. Als hielte ich einem Spiegel an mir, blieb er stehen, gurtete ebenfalls nach und war im Begriff aufzusteigen, aber Ausreiten wollte ich nicht mit ihm.
      „Es ist ja lieb, dass du mitkommen möchtest, aber ich schaffe das allein. Fahr lieber zu deiner Freundin“, wimmelte ich ihn ab und ritt schnellen Schrittes vom Hof. Er sah mir nur verwirrt nach, während er den Gurt wieder lockerte und zur Linken abbog in den Stall der großen.
      „Ich habe genug Männlichkeit bei mir, nicht wahr?“, flüsterte ich Glymur zu, der aufregt vorwärts trappelte. Ich bremste nicht, denn heute stand alles in seinem Zeichen. Er sollte noch einmal den Tag genießen, bevor morgen ein wichtiger Termin anstand.
      Im Wald schaffte ich es den Kopf freizubekommen, frei von ihm, dem, was alles passierte und redete mir alles von der Seele. Glymur spielte aktiv mit den Ohren, als versuchte er zu verstehen, was ich ihm erzählte. Mich störte es nicht, keine Antwort zu bekommen, so konnte auch niemand kritisieren, was ich tat oder dachte. Die Freiheit genoss ich in jedem Atemzug, mit jedem Wort, das ich sagte und auch jeder Fliege, die mir im Tölt ins Gesicht flog. Dass vermisste ich, die Unbeschwertheit ohne Konsequenz, ohne sich Gedanken zu machen, auszureiten mit dem einen Pferd, dass man vom Herzen liebte. Glymur wirkte genauso glücklich über die gemeinsame Zeit, dass wir erst nach geschlagenen drei Stunden zurückkamen. Mittlerweile wurden es mehr Leute auf dem Hof, sie huschten der einen Seite zur anderen, wie an einem Bahnhof wechselten sie von der Reithalle zu einem der Reitplätze und wieder zurück. Es war ein kleines Schauspiel mit allen Elementen, die es brauchte. Aus undefinierter Richtung rief jemand aufgebracht, von der anderen ertönte aufgeregter Hufschlag, während aus dem Stall um Ruhe gebeten wurde. Deswegen war ich nur selten am frühen Nachmittag bei ihm. Diese ganzen Menschen verunsicherten mich, ließen mich hinterfragen, was ich hier eigentlich zu suchen hatte und die neugierigen Blicke verdunkelten meine Gedankenwelt. Nichts, wie weg, musste ich, wodurch ich Glymur sein Futter in die Schale des Paddocks machte und das Sattelzeug am nächsten Tag putzen würde. Die meisten wichen mir aus, ohne ein Wort zu sagen. Was wollte ich eigentlich? Ich wusste es nicht genau.
      Doch genau im Augenblick des Zweifels tippte mich jemand an.
      „Vriska, richtig?“, sagte sie freundlich. Es war eine der Zwillinge, Tilda, wenn ich mich nicht irrte. Noch versunken in Gedanken nickte ich leicht.
      „Dein Ritt im Regen war der Hammer! Wirklich! Du musst unbedingt dranbleiben, dann wirst du mal richtig gut“, schwärmte sie verträumt und tänzelte auf der Stelle herum.
      „Danke, aber ich glaube, dass ich krank werde. Wurde danach echt kalt“, lächelte ich willkürlich und schon den Reißverschluss meiner Jacke ganz nach oben. Langsam wurde das Kratzen im Hals präsenter, denn restliche Tag sollte ich zu Hause verbringen, damit ich morgen für die Prüfung fit sei. Sie verabschiedete sich freundlich und verschwand mit einem Halfter in der Hand aus dem Aufenthaltsraum.
      Mit aller Ruhe fuhr ich zurück zum Gestüt. Die Straßen waren frei, aber viele Lkw überholte ich, ohne mir weitere Gedanken darüberzumachen. Als Beifahrer rätselte ich gerne, was sie wohl Geladen hätte und welche Abfahrt sie nehmen würden, aber am Steuer sollte es mich nicht ablenken. Zwei Kilometer vor meiner Ausfahrt reihte ich mich mit meiner Klapperkiste zwischen zwei der Kolosse ein und hoffte, dass nichts passieren würde. Ich fuhr nicht gerne Auto, weder Autobahn noch Landstraße, weswegen ich langsam ins Grübeln kam, wo wohl mein Bruder steckte. Seine Ortung hatte er abgeschaltet und wo er bei dem Turnier übernachtete, teilte er mir ebenfalls nicht mit. Hatte er eine nette Dame kennengelernt und verwöhnte sie nun? Wohl kaum, denn da wäre er in großer Freude ausgebrochen und hätte mir davon erzählt, schätze ich. Er wirkte so verschlossen, ich konnte nicht einmal ahnen, was in seinem Leben ablief, doch das würde ich noch früh genug erfahren.
      Erwartungsvoll kam Linas Schwester zu mir gelaufen, drückte mir eine weiße Tasse in die Hand, gefüllt mit schwarzer Flüssigkeit, die nach dem ersten Atemzug mit einem gerösteten Aroma in meiner Nase kitzelte. Wer mich so begrüßte, versuchte wohl einen guten Eindruck bei mir zu hinterlassen. Ich stieg aus meinem Auto, nahm die unnütze Handtasche heraus und folgte ihr zum Zimmer. Sie erzählte nur kurz, sehr ungenau, dass sie meine Hilfe bei etwas bräuchte und das umgehend geklärt werden müsste, da Lina gerade mit einem der Pferde unterwegs war. Folie begleitete sie bei einem Ausritt. Gespannt, wenn auch wortkarg, folgte ich.
      “Wir müssen nachher eine kleine Feier veranstalten”, freute sich Juliett, nach dem die Tür ins Schloss fiel hinter uns. Mit nach oben gezogenen Augenbrauen nickte ich langsam, denn ich verstand noch nicht so recht, wofür das notwendig sei an einem gewöhnlichen Montag zu feiern. Natürlich könnte man darauf trinken, dass eine neue Woche begann und man sich das Wochenende zurückwünschte, aber das konnte ich mir kaum vorstellen, dass Lina dafür der Typ war.
      “Verstehe, aber wieso?”, fragte ich.
      “Ganz einfach. Samu ist seit drei Tagen in Schweden, bei seiner Freundin. Er hat morgen Geburtstag und ich will den beiden eine Freude machen. Lina vermisst ihn so unglaublich und weil er morgen Geburtstag hat –“, ich unterbrach sie direkt. Geburtstage müssen gefeiert werden, da hatte Juliett vollkommen recht.
      “Stopp. Das reicht mir! Ich habe schon eine Idee. Wir werden den großen Konferenzraum vorbereiten, da wird Lina wohl kaum hereingehen heute noch. Tyrell sage ich Bescheid. Sollte sie fragen, was wir da machen, dann bereiten wir einen Lehrgang vor”, lachte ich nach einem kräftigen Schluck aus der warmen Tasse. Die Schmerzen in meinem Hals wurden erträglicher. Eigentlich wünschte ich mich in das kuschelige Bett mit einer Suppe, doch sie brauchte meine Hilfe, also zusammenreißen.
      “Einwandfrei”, tanzte sie vergnügt und sammelte einige Dinge zusammen. Interessiert sah ich mich im Raum um. Viel Dekoration hatte Lina noch nicht eingerichtet, es wirkte sehr provisorisch, als würde sie jeden Moment wieder abreisen wollten. Einige Erinnerungen hingen an der Wand mit den Leuten vom Whitehorse Creek und anderen, die ich nicht kannte. Die Möbel standen noch immer an ihrer ursprünglichen Position, auch die hässlichen gelben Bezüge waren auf dem Bett gespannt, obwohl sie schon lange die besseren hätte nehmen können aus dem Vorbereitungsraum. Ich sah weiter und bemerkte einen ziemlich großen Rahmen mit mehreren Bildern eines braunen kräftigen Pferdes, ohne Abzeichen. Auf dem einen schien sie als Kind dargestellt zu sein und eine Schleife hing ebenfalls dabei. Das musste Vijamis kleiner Altar sein, über den sie mir in Kanada erzählt hatte. Immer weiter vertiefte ich mich in den Rahmen, fühlte den Schmerz, wie zwanzig Messerstiche in den Magen. Kurz krampfte es in mir, als wollte etwas hinaus oder für immer in der Versenkung bleiben.
      “Auch, wenn Ivy wie ihr Seelenverwandter ist, kann er nicht den Schmerz heilen, den sie durch seinen Verlust erlitten hat”, sagte Juliett bedenklich und erwischte mich dabei, wie ich noch immer diese Erinnerung anstarrte, wie eine Schlange, die ihre Beute fing.
      “Kann nachvollziehen”, murmelte ich und wusste nicht, was es noch dazu sagen sollte.
      “Komm schon Trauerkloß, wir müssen den Raum vorbereiten”, tippte sie freundlich auf meine Schulter und zusammen liefen wir los, um alles aufzubauen, umzuräumen und bereitzustellen.
      Tyrell war einverstanden, dass wir den Raum brauchten, sofern wir ihn danach wieder reinigten. Also werkelten wir, was das Zeug hielt, viel Zeit verging und dabei entstanden lustige Gespräche. Sie interessierte sich sehr für die Pferde hier am Hof, war neugierig, wie es mit Fruity und mir weitergehen würde. Tatsächlich wusste ich das nicht einmal, obwohl der Spaß vom letzten Wochenende nicht von der Hand zu weisen war, dabei meinte ich keinesfalls nur Erik. Viel mehr das drumherum begeisterte mich, klar, die Konkurrenz war groß, aber mit den Jungs wirkte es so vertraut, als hätte man eine gemeinsame Reise vor sich und jeder konnte seinen Teil dazu beitragen. Vielleicht sollte ich an der Sache dranbleiben und eine Lösung dafür könnte sein, das Förderprogramm zu wechseln. Selbstverständlich liebte ich die Fellbälle von der Vulkaninsel, doch ich als ich das Gefühl von Anerkennung meiner Leistung durch den epochalen Jubel der Zuschauer, geschah es um mich. Durch das Gespräch darüber, festigte sich das Geschehen, es lag nun mehr als zwölf Stunden zurück und erst jetzt, verstand ich es. Der Traum wäre es, dass ich ihnen bewies, dass ein Isländer ebenfalls solche Leistungen erbringen kann, dafür scheiterte es jedoch am Pferd. Glymur verfügte über sehr viel Tölt und schien dafür nicht geeinigt, aber ihn wieder abzugeben, konnte ich nicht übers Herz bringen.
      Ich wollte mit jemanden sprechen, aber ich wusste nicht, wer mir bei diesem Problem helfen könnte. So blieb mir Ruhe bewahren und alles auf mich zukommen lassen. Tief durchatmen und weiter, aber das ging nicht. Ein Stechen breitete in meiner Lunge aus, das Kratzen im Hals wurde stärker und ununterbrochen begann ich zu husten, so stark, dass mir die Luft wegblieb und ich mich setzen musste. Ich konnte nicht krank werden! Morgen sollte ich auf dem Pferd sitzen, die wichtigste Prüfung meines Lebens reiten, um endlich den Beruf fertig zu haben. Wenn das Keuchen nicht verschwand, würden die Prüfer mich herausziehen und die Nachprüfung in vier Wochen an einem Samstag stand auf dem Plan. Niemals! Einerseits, um Tyrell nicht zu enttäuschen, andererseits, um endlich mehr Gehalt zu bekommen. Gehalt, mit dem ich mir ein Pferd selbst finanzieren, auch wenn ich noch keins hatte. Aber ein eigenes Pferd klang wirklich anders, als eins zur Verfügung zu bekommen.
      “Du solltest dich noch mal hinlegen, bevor das nachher anfängt. Lina werde ich im Schacht halten”, sagte Juliett und reichte mir ein Glas Wasser.

      Lina
      Stetig lief die braune Stute um mich herum. Mit ihrem aktiven Ohrenspiel zeigte sie mir, dass sie fokussiert war. Die Sonne stand bereits im Westen und ließ das Fell der Stute in einem hübschen Braunton schimmern. Ich ließ sie eine weitere Runde um mich herumtraben, bevor ich sie zu mir in die Mitte kommen ließ. Zögerlich folgte sie der Aufforderung und blieb einen knappen Meter vor mir stehen. Aufmerksam sah sie mich aus ihren blauen Augen an. Ich arbeitete heute zum dritten Mal mit der Stute. Die junge Stute war zwar aufmerksam, aber machte es einem nicht einfach zu ihr vorzudringen. Ich wand mich von der Stute ab, ging ein paar Schritte fort. Sie folgte ein Stück, blieb aber wieder ein wenig von mir entfernt. Dennoch entschloss ich mich die Einheit für heute zu beenden, sie war lang genug gewesen. Manchmal musste man wohl mit den kleinen Erfolgen leben, immerhin war die Stute heute schon ein Stückchen näher herangekommen, als das letzte Mal.
      “Ah, hier steckst du also”, ertönte die Stimme meiner Schwester hinter mir. Ich drehte mich zu ihr um. Sie kam gerade vom Stall herübergeschlendert.
      “Was glaubst du denn, ich habe immerhin auch noch anderes zu tun, außer den ganzen Tag zu schlafen”, scherzte ich. Juliett ging nicht näher darauf ein, sondern fragte neugierig: “Wer ist die hübsche Stute da?”
      “Eigentlich solltest du die kenne, mit ihr habe ich am Freitag doch schon gearbeitet. Es ist Enigma”, beantworte ich die Frage. Besagte Stute begann den Sand des Roundpens abzuschnüffeln und nach einer geeigneten Stelle zum Wälzen zu suchen.
      “Ahh, ich erinnere mich. Macht sie denn Fortschritte?”, erkundigte Juli sich nach dem Erfolg.
      “Ich sag nur, mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, aber schließlich kann ja nicht jedes Pferd wie Ivy sein”, lächelte ich. Die braune hatte sich mittlerweile brummelnd fallen lassen und rolle genüsslich im Sand umher. Staub wirbelte auf und hüllte das Pferd in eine Wolke.
      “Wäre ja auch schlimm, wenn du mit jedem Pferd seelenverwandt wärst, du würdest die ja erst recht nie wieder hergeben. Bei dir habe ich ja jetzt schon das Gefühl, dass du die Hälfte der Pferde hier wieder behalten möchtest”, lachte meine Schwester.
      “Sogar ich würde irgendwann einsehen, dass eine gewisse Anzahl an Pferde reicht, ob du es glaubst oder nicht! Außerdem bin ich mir sicher, dass ich mir nicht mal eins von denen Leisten könnte” Meine Schwester übertrieb mal wieder maßlos. Sie hatte zwar recht, ich mochte die Pferde, mit denen ich hier arbeiten, aber es waren nun mal zum Großteil Traber. Die meisten Exemplare waren für meinen Geschmack zu viel Bein und zu wenig Pferd. Das Exemplar dieser Rasse im Round Pen rappelte sich gerade wieder auf und schüttelte sich den Sand aus dem Fell. Ich lief zum Tor, wo ich den Strick an das Tor gehängt hatte, um diesen zu holen. Ich sammelte die Stute ein und begleitet von meiner Schwester brachte ich sie zurück auf die Weide zu den anderen Stuten.
      “Lina, du hast Samu heute Morgen so von der Stute von deinem Freund geschwärmt, ich finde das könntest du jetzt mal zeigen. Am Freitag wart ihr zwei ja leider schon fertig, als ich kam”, schlug meine Schwester auf dem zurück zum Stall vor. Dieser Vorschlag kam mir ganz gelegen, da ich Smoothie ohnehin noch bewegen musste. Somit machten wir uns auf den Weg zu der Schimmelstute, die bereits sehnsüchtig am Zaun wartete. Die Stute wirkte bisweilen leider ein wenig unglücklich über ihren Umzug. Weniger über die Unterbringung an sich als viel mehr über die Tatsache, dass ihr geliebtes Herrchen nicht mehr jeden Tag auftauchte und auch mit der Stückweisen Kürzung ihres Trainingspensum war sie offenbar nicht so ganz einverstanden.
      “Na Süße, wartest du schon”, begrüßte ich die graue Stute. Freundlich senkte sie den Kopf und pustete mich an, bevor sie auch meine Schwester neugierig betrachtete.
      “Sie ist echt wunderschön und diese Augen … Himmlisch”, schwärmte meine Schwester und strich dem Pferd über den grauen Hals. Jedes Mal, wenn sie Smooth auf dem Hof sah, wiederholte sie ungefähr dasselbe. Auch wenn Smoothie natürlich wunderschön war, wunderte es mich nicht, dass meine Schwester so ein Fan von ihr war. Juliett hatte schon immer ein Faible für Pferde mit großen Kopfabzeichen.
      “Ja, da hast du recht, sie ist eine wahre Schönheit”, antworte ich meiner Schwester und zog dem Schimmel das Halfter über die großen Ohren.
      Im Stall begann ich damit das Fell der Stute zu putzen, sonderlich dreckig war sie allerdings nicht. Das Hufeauskratzen überließ ich meiner Schwester, während ich die Gamaschen und Glocken der Stute aus dem Putzkasten holte.
      Fertig gesattelt, schritt ich mit der langbeinigen Stute durch das Hallentor. Verlassen lag sie da und die Abendsonne malte geometrische Muster auf den hellen Sand. Während ich die Stute warm führte, zeigte ich Juliett den ein oder anderen kleinen Trick den Smoothie beherrschte und überließ auch ihr mal die Zügel.
      “So, sie sollte jetzt warm genug sein”, sagte ich meiner Schwester, nahm ihr die Zügel aus der Hand und legte sie der Stute über den Hals. Brav wartete Smoothie bis ich nach gegurtet hatte und aufgestiegen war. Etwas ungestüm, aber in hervorragender Selbsthaltung schritt die Standardbred Stute los. Bevor ich das Tempo erhöhte, ritt ich große gebogene Linien im Schritt. Smoothie war schon fast ein wenig übermotiviert dabei. Smoothie hatte heute einen außerordentlich guten Tag, denn sie lief nach dem Aufwärmen klar und flüssig in allen Gangarten und wurde im Galopp sogar äußeres flott. Hier und da waren auch die Lektionen nicht ganz sauber ausgeführt, weil es mir an Kraft fehlte, den Überschwung an Energie der Stute zu bändigen.
      “Schwebst du mit Divine eigentlich auch so durch die Gegend?”, rief Juliett von der Bande aus und riss mich aus meiner Konzentration. Smooth nutze diese Gelegenheit direkt aus und schoss in einem riesigen Satz nach vorn. Der plötzliche Geschwindigkeitswechsel traf mich so unvorbereitet, dass ich einen Steigbügel verlor. Impulsiv setzte ich mich tiefe in den Sattel und ließ die Stute laufen, nahm sie nur soweit zurück, dass sie durch die Ecken kam und wir nicht gleich zusammen in der Bande landeten. Nach einigen Runden wurde die Stute ruhiger und ließ sich, wenn auch nur ein wenig, wieder willig durch Parieren.
      “Nein, von diesem extraordinären Auftreten ist Ivy noch ziemlich weit entfernt, aber er ist ja jetzt auch gerade mal drei Monate unter dem Sattel. Smooth könnte allerdings gerne was von ihrer Energie an ihn abgeben, die Hälfte würde ihr locker reichen”, antworte ich meiner Schwester, immer noch auf das Pferd unter mir fokussiert. Smooth spontaner Sprint und ihr unruhiges Gemüt hatten dafür gesorgt, dass mir nun ziemlich warm war, sodass ich mein Sweater auszog und über dir Bande warf.
      “Ach was, du bist doch noch auf dem Pferd, wo ist dein Problem”, feixte meine Schwester.
      “Sag die, die seit Jahren nicht mehr auf einem Pferd gesessen hat”, entgegnete ich und lenkte sie Schimmelstute auf die andere Hand.
      “Wenn dein Zauberpony schon alles könnte, wäre es langweilig. Bald seht ihr bestimmt genauso spitze zusammen aus und das mit dem Tempo kommt sicherlich auch noch”, lächelte Juliett wohlgemut.
      “Vermutlich. Aber bis dahin müssen sowohl Ivy als auch ich wohl noch eine ganze Menge dazu lernen”, erwiderte ich und trabte die Stute wieder an, ihr Energielevel war einfach unglaublich. Locker ritt ich noch ein paar einfache Bahnfiguren und Handwechsel, bevor ich sie den Zügel aus der Hand kauen ließ und in den Schritt wechselte. Angestrengt sagte ich zu der Stute: “Du machst mich fertig Smoothie.” Entspannt pendelte der Schweif der Stute hin und her, während sie weiterhin elegant dahinschritt. Endlich war sie zu mindesten ansatzweise in einem Zustand, den man ausgelastet nennen konnte. Erschöpft nahm ich die Füße aus den Steigbügeln, ließ sie ein wenig kreisen. Ich konnte den Muskelkater schon nahezu spüren, der morgen auftauchen würde. Smooth zu reiten war eine ganz andere Nummer, als die Pferde, die ich bisher geritten war. Sie hatte so viel Energie, man hätte glauben können, ich hätte eine dreijährige unter dem Sattel, kein Pferd, welches bereits 10 Jahre alt und in der Dressur erfolgreich war.
      Ermattet ließ ich mich aus dem Sattel gleiten. Gut, dass Smoothie das letzte Pferd für heute war, sie hatte mir meine gesamte restliche Energie geraubt. Im Gegensatz zu mir, wirkte der Schimmel, als könnte sie noch mindestens eine halbe Stunde so weitermachen. Mit nach vorn gestellten Ohren und wachem Blick stand sie neben mir, während ich die Steigbügel hochzog und den Gurt lockerte.
      “Na komm, ich helfe dir beim Absatteln”, bot meine Schwester an und nahm mir die Stute ab. Ich folgte den beiden zum Putzplatz, reichte meiner Schwester das Halfter. Noch bevor ich die Chance dazu hatte, hatte sie auch bereits den Sattel der Stute in der Hand.
      “Das hätte ich jetzt auch grade noch so selbst geschafft”, protestierte ich.
      “Mensch Lina, beschwert dich doch nicht, wenn man dir hilft, außerdem siehst du nicht so aus”, lachte meine Schwester und verschwand in der Sattelkammer. Somit blieb mir nicht übrig, als den verblieben Beinschutz der Stute zu entfernen. Anschließend stellte ich ihr, das Futter hin, welches die Stute zufrieden begann zu verspeisen.
      “Zieh dir was an, sonst wirst du noch krank”, belehrte mich meine Schwester. Eigentlich wollte ich nicht, denn mir war immer noch ziemlich warm vom Reiten, aber sie hatte recht. Auf der Stallgasse war es ein wenig zugig und mit der schwindenden Sonne wurde es auch zunehmend kälter.
      “Dann pass mal auf, dass das Pony da nicht wegläuft”, erwiderte ich und lief zurück in die Reithalle, um meine Sweater zu holen. Wenig später war ich wieder zurück bei Smooth und meiner Schwester. Die Stute hatte nahezu aufgefressen, sammelte nur noch die letzten Krümel vom Boden. Die Futterschüssel sammelte ich auf und brachte sie zurück.
      “Na komm Große, dein Bettchen wartet.” Sanft zupfte ich am Strick, damit das Pferd sich in Bewegung setzte.

      Hedda
      Vor mehr als einer Stunde hatte die Klingel das Ende des Unterrichts eingeleitet, doch ich saß noch mit meiner Truppe neben dem Sportplatz. Die Jungs spielten auf dem Platz, während wir neugierig sie in ihrem Element beobachteten. Obwohl die Schule schon vor mehr als einer Woche begonnen hatte, und ich eigentlich dann zu Hause schlafen sollte, verbrachte ich die meiste Zeit bei Hanna. Folke gab auf mit mir darüber zu diskutieren, aber verlangte, dass ich mich regelmäßig meldete. So auch jetzt. Ich schrieb ihm, dass wir noch am Feld saßen und ich wohl möglich morgen käme. Doch schon wenige Sekunden nach der Nachricht, vibrierte mein Handy.
      “Folke?”, flüsterte Hanna. Ich nickte und lief zur Seite, damit es nicht so laut im Hintergrund war.
      “Hedda, jag menade inget illa, men du kommer hem direkt (Hedda, ich meinte es nicht böse, aber du kommst sofort nach Hause)”, sprach er nachdenklich. Leider rechnete ich damit bereits, deswegen akzeptierte ich es stillschweigen.
      “Jag frågar Hannas mamma om hon vill köra mig, för annars kommer bilen inte att vara här förrän om trettio minuter (Ich frage Hannas Mama, ob sie mich fährt, ansonsten kommt der muss erst in dreißig Minuten)”, antwortete ich und legte auf. Zurück lief ich zu den anderen und mein kurzes Verschwinden, fiel sogar den Jungs auf.
      “Är allt bra? (Ist alles in Ordnung?)”, erkundigte sich meine beste Freundin.
      “Hanna, jag måste gå hem. Skulle din mamma köra mig? (Hanna, ich muss nach Hause. Würde deine Mutter mich fahren?)”, hoffte ich, nicht den blöden Bus nehmen zu müssen, in dem wirklich jeder saß. Sie schüttelte natürlich den Kopf aber tippte Yall am Arm.
      “Kan du inte köra din flickvän? (Kannst du nicht deine Freundin fahren?)”, grinste sie. Nein! Auf keinen Fall sollte jemand erfahren, dass wir zusammen waren! Hanna wusste es als einzige, aber konnte sich nicht zurückhalten, auch den Rest der Truppe darauf hinzuweisen. Jedoch konnten die nicht weiterdenken als sie sahen, konnten deswegen eins und eins nicht zusammenzählen.
      “Javisst, varför inte (Natürlich, warum nicht)”, kam mein Freund näher und legte seinen Arm auf meinen Schultern ab. Die Löckchen der braunen Haare kitzelten mich am Ohr, als er mich fest an sich drückte.
      “Tillräckligt (Das reicht)”, flüsterte ich liebevoll. Dann verabschiedete ich mich innig von allen und verabredete ich mich mit Anna vor der Schule um 7 Uhr. Vor dem Unterricht saßen wir oft noch da, redeten und sahen noch einmal den Kram durch, bevor es klingelte.
      Im Auto schwiegen wir die meiste Zeit, seine Hand lag auf meinem Oberschenkel und ich swippte gelangweilt durch die Timeline. Ich hatte keine Lust wieder nach Hause zu müssen, alles dort nervte mich nur noch. Ständig brauchte jemand, meinte Hilfe oder verlangte etwas. Dass ich nur meine Ruhe wollte, verstand niemand. Erst recht nicht mein Bruder, der mir zumindest in den Ferien endlich ein eigenes Zimmer eingerichtet hatte! Vor der Auffahrt hielten wir an. Aus dem Kofferraum nahm ich meinen Rucksack und wollte so schnell wie möglich weg, bevor uns jemand sah. Aber Yall hielt mich sanft am Arm fest. Bei ihm zu bleiben, hätte mir gefallen, doch meinen Bruder zu enttäuschen, wollte ich mir nicht leisten.
      „Vi ses i morgon! (Bis morgen!)“, sagte ich nur, drückte ihn und rannte zum Hof. Hinter mir hörte ich das Fahrzeug losfahren. Ich hätte ihn nicht so abblitzen sollen, aber es viel mir schwer den Moment mit ihm zu genießen, wenn die Bäume Ohren und Augen hatten.
      Mehr Autos als gewöhnlich standen auf dem Parkplatz und ein reges Treiben herrschte auf dem sonst so leeren Gestüt. So viel konnte sich doch gar nicht geändert haben? Ich war vier Tage nicht da. Freundlich grüßten die Einsteller und versuchten sich mit mir zu unterhalten, aber ich musste schnell weiter, um Folke zu finden. Er saß in der Einliegerwohnung und schaute Nachrichten. In der Innenstadt war einiges los. Offensichtlich nahm die Bandenkriminalität immer mehr zu, Geschäfte wurden in der Nacht ausgeraubt und Scheiben eingeschlagen, dabei gab es einige Verletzte. Traurig.
      “Det är trevligt att du är här igen (Schön, dass du auch mal wieder da bist)”, murmelte er verloren in den Bildern, ohne zu mir zu sehen. Erst als es umschaltete zum Wetter, drehte Folke sich um. Ich verkniff mir meine Worte und zog mich rasch um.

      Mit meinem Finger malte ich undefinierte Formen auf die Oberfläche des Tisches, während Tyrell einige Neuerungen ansagte, die vor allem Vriska und Lina betrafen. Für Folke ging es weiter wie immer, er hatte die Rennpferde in Betreuung und sollte diese weiterhin auf den Rennen vorstellen und trainieren. Immer dasselbe, jeden verdammten Tag. Wie hielt er das aus? Obwohl ich den Kram seit Jahren hautnah miterlebte, verstand ich nicht so genau, was ihn an den Rennen so sehr fesselte. Ständig flog Dreck ins Gesicht, die Pferde benötigten Ganzkörpereinsatz und dauerhaft musste man Angst haben, dass es das letzte Rennen war. Unglaublich, wer wollte sowas? Von der Tierquälerei mal ganz abgesehen.
      “Hedda! Hörst du zu?”, ermahnte mich Tyrell. Langsam hob ich meinen Kopf, sah ihn in die Augen und nickte. Als ob ich zuhörte? Warum auch. Mich ging das alles nichts an, ich wohnte hier nur und half im Sommer dabei, die ganzen Kinder von den Rennpferden fernzuhalten. Folke tippte mich an.
      “Jag vet att du inte bryr dig. Men du gillar åtminstone det här, okej? (Ich weiß, dass es dich nicht interessiert. Aber du wenigstens so, okay?)”, flüsterte er. Wieder nickte ich nur. Manchmal wünschte ich mir wirklich, dass meine Eltern noch da wären, dann würde mein großer Bruder nicht die Mutti vorspielen und mir meine Freiheiten geben. Ganz, ganz, ganz selten, wünschte ich mir auch, dass er mit im Auto gesessen hätte, dann würde ich jetzt in einer coolen Familie sein und nicht auf dem Pferdehof festhängen. Ich mag Pferde, klar. Aber, die meisten hier hatten eine Vollklatsche. Vriska als Beispiel heulte nur, mochte es am liebsten, wenn jeder um sie herum seine Aufmerksamkeit auf sie richtete. Dazu kam, dass sie selten irgendwelche Entscheidungen akzeptierte und wirklich andauernd im Selbstmitleid badete. Tyrell schrie nur, wenn er schlechte Laune. Wenn er jedoch was wollte, konnte er plötzlich nett sein, Heuchler. Mein Bruder machte immer auf Freundlich, sicher darüber was er tat, aber ich wusste, dass er jeden Abend stunden damit verbrachte zu lesen, wie er die Pferde überhaupt trainieren sollte. Als hätte er jemals im Leben etwas anderes getan. Seine Freundin? Auch nicht viel besser. Macht sich unglaublich wichtig, rennt ihm nur nach und tut so, als dürfe sie mich herumschubsen, man! Du wirst nie meine Mutter sein, akzeptiere es. Lina kannte ich noch nicht lange, aber sie war cool. Ich mag ihre Zeichnungen. Plötzlich wurde es still. Hatte ich etwas falsch gemacht?
      “Wo ist eigentlich Vriska?”, fragte ein anderer Typ auf einmal, der, der Stimme zufolge, schon einige Minuten im Raum stand.
      “Nicht da”, antwortete ich und ließ mich gegen die Lehne des Stuhls fallen mit verschränkten Armen. Wenn die nicht da war, warum musste ich hier sitzen?
      „Na dann los“, nickte Tyrell zur Tür. Immerhin musste ich mir das für kurze Zeit nicht weiter antun. Hastig sprang ich auf und lief durch den engen Flur hinaus. Dass wir normalerweise oben in den Raum saßen, fand ich zwar seltsam, aber der kleine reichte für die wenigen Menschen. Ich beeilte mich nicht, so konnte ich entspannt noch einige Kurzvideos schauen auf Instagram und sinnvolle Sachen konsumieren. Leider kam ich schneller an, als es mir lieb war. Unmotiviert klopfte ich an der Glastür der Terrasse. Sie saß jedoch nicht auf der Couch und war sonst auch nicht zu sehen. Also wartete ich, blickte weiter auf mein Handy, bis sie schließlich schlecht gelaunt mit einer Kapuze auf dem Kopf vor mir stand. Super, das konnte ich wirklich nicht gebrauchen.
      „Was ist?“, murmelte Vriska nasal und zog den schwarzen Pullover näher an sich heran.
      “Du sollst zur Besprechung kommen, ist wichtig”, antwortete ich trocken, ohne von dem Bildschirm wegzuschauen. Ihr hörtet ihre Schritte sich entfernen, die aber wenig später wieder kamen. Zusammen liefen wir zurück, still. Ich hatte ihr nichts zu sagen und sie schien auch nicht in der Stimmung zu sein, sich über irgendetwas zu beschweren.
      “So, da Vriska nun da ist, können wir endlich mit dem wichtigen Teil anfangen. Ich bin Bruce, für die, die mich eventuell noch nicht kennen”, lachte der schwarzhaarige Typ mit einem breiten Lächeln und sah zu Lina, die höflich nickte. Dann sprach er direkt weiter.
      “In ungefähr fünf Tagen werde ich mit meinen restlichen Pferden hierherkommen und die Reitschule erweitern. Dazu gehört auch, dass ich Hilfe benötige und eventuell noch ein, zwei weitere Reitlehrer angestellt werden müssen, also wenn ihr wen kennt, wäre super. Ich freue mich auf die kommende Zusammenarbeit”, erzählte er weiter. Dann setzte sich mit an den Tisch und Tyrell fing wieder mit Geschwafel über irgendwelche Umsatzsteigerungen, wie wir den Hof attraktiver machen und so was. Die Formen auf dem Tisch wirkten auf einmal so viel interessanter. Aber auch die anderen schienen nicht mehr so ganz bei der Sache. Vriska tippte auf ihrem Handy herum, beachtete niemand. Folke versuchte vermutlich überhaupt irgendetwas zu verstehen und Lina, ja sie freute sich einfach. Warum auch immer.

      Lina
      Zufrieden mit dem Verlauf des Tages verließ ich den kleinen Raum, in dem die Dienstbesprechung stattgefunden hatte und schlenderte gemütlich zu meiner Wohnung.
      “Luulin, ettet koskaan lopeta (Ich dachte, schon ihr werdet nie fertig)”, empfing mich meine Schwester, als ich eintrat.
      “Tehdäänkö tänään jotain vai miksi odotat minua? (Haben wir noch etwas vor heute vor oder warum erwartete du mich?)”, scherzte ich. Manchmal benahm meine Schwester sich außerordentlich seltsam, aber das zu verstehen hatte ich schon lange aufgegeben, Geschwister waren manchmal einfach schräg.
      “Joo suunnilleen (Ja, so ungefähr)”, antwortete sie, erhob sich vom Sofa und wuselte zielstrebig in das Schlafzimmer. Dort begann sie geschäftig in meinem Schrank zu wühlen.
      “Voitko kertoa minulle, mitä muuta me teemme? (Verrätst du mir auch, was wir noch vorhaben?)”, fragte ich und beobachte sie kritisch bei dem, was sie tat. Statt mir zu antworten, wühlte sie weiter in meinen Klamotten, das hieß wohl nein. Ich fragte mich wirklich was Juli um die Uhrzeit noch vorhatte.
      “Tässä pukeudu (Hier, anziehen)”, befahl Juli und drückte mir eine T-shirtbluse und eine Jeans in die Hand. Erst jetzt fiel mir auf das sei selbst nicht wie für die Uhrzeit üblich in Jogginghose herumlief. Was auch immer sie also geplant hatte, würde schon mal kein gemütlicher Abend vor dem Fernseher sein. Bevor meine Schwester ungeduldig wurde, tauschte ich also meine Reitsachen gegen das, was sie mir gereicht hatte. Währenddessen öffnete sie meine Zöpfe und zupfe an meinen Haaren herum, sodass sie mir nun in leichten Wellen über die Schultern fielen. Zufrieden betrachte sie ihr Werk: ”Hienoa ja tule nyt kanssani. (Hervorragen und jetzt mitkommen.)” Etwas überrumpelt folgte ich. Als wir vor das Haus traten, durchschnitt das Licht von Autoscheinwerfern die Dunkelheit. Ein keiner silberner VW vor. Wer würden sich denn so spät noch hier her verirren? So fröhlich grinsend wie Juli neben mir stand, konnte nur sie etwas damit zu tun haben: “Heinäkuu, onko sillä mitään tekemistä sen kanssa, mitä me teemme? (Juli, hat es mit dem zu tun, was wir noch vorhaben?)”
      “Odota ja katso, sisko (Warte es nur ab, Schwesterchen)”, war ihre einzige Antwort. Ich verstand sofort, was sie meinte, als ich sah, wer aus dem Auto stieg. Euphorie durchfuhr mich und im selben Augenblick stürmte ich auch schon los. Ich konnte nicht anders, als Samu geradewegs in die Arme zu springen. Nach gerade einmal drei Wochen freute ich mich so sehr über seine Ankunft, als hätte ich ihn ein halbes Jahr lang nicht gesehen.
      “Kaipasin sinua (Ich habe dich vermisst)”, murmelte ich in die Umarmung.
      “Aina hidas, nuori nainen (Immer langsam, junge Dame)”, lachte der Finne und stellte mich wieder auf meine Füße.
      “Mistä olet nyt? Ja mikä tärkeintä, kun olet täällä, kuka huolehtii ponistani? (Wo kommst du denn jetzt her? Und vor allem, wenn du hier bist, wer kümmert sich dann um mein Pony?)”, frage ich überwältigt von diesem Überraschungsbesuch.
      “Älä huoli, luovutin Ivyn Quinnille luottavaisin mielin, hän on kunnossa. Ja ensimmäiseen kysymykseenne: toin jonkun mukanani (Keine Sorge, Ivy habe ich vertrauensvoll in Quinns Hände übergeben, dem geht es gut. Und zu deiner ersten Frage: Ich habe da jemanden mitgebracht.)”, beantwortete Samu meine Fragen und blickte mit einem liebevollen Lächeln hinter mich. Erst jetzt bemerkte ich die zweite Person, die inzwischen neben meiner Schwester stand. Wow, ich hatte sicher einen guten ersten Eindruck bei ihr hinterlassen, benahm mich hier wie ein Teenager. Ein wenig peinlich berührt ging ich mit Samu zu den beiden herüber. Juliett freute sich offenkundig darüber, dass ihr diese Überraschung so gut gelungen war. Enya lächelte mir herzlich entgegen, in echt war sie noch viel hübscher als auf den Bildern. Sie hatte verdammt schöne große Augen, die sie auch noch mit einem zarten Lidstrich hervorhob und ihr blonden Haare fielen ihr locker über die Schulten.
      “Dann will ich euch mal bekannt machen. Das hier ist Enya, meine bessere Hälfte”, ergriff Samu das Wort. Freundlich nickte Juli ihr zu und ich tat es ihr gleich.
      “Und das ist Lina, meine beste Freundin und ihre Schwester Juliett”, setzte Samu fort. Während eine kurze Unterhaltung entstand, sah Samu sich neugierig in der Umgebung um, viel sah man zwar im Dunkeln nicht, aber es reichte offenbar aus, um meinen besten Freund ziemlich zu beeindrucken.
      “Hier arbeitest du also? Ziemlich schick hier. Willst du mir nicht mal diese coole Reithalle zeigen, von dem Video?”, fragte Samu nun neugierig. Ich hatte bereits erwartet, dass er irgendwann danach fragte, aber nicht ausgerechnet innerhalb der ersten 10 Minuten.
      “Wenn du das schon schick findest, warte mal bis du den Hof bei Tageslicht siehst”, schmunzelte ich und schlug den Weg zu Reithalle ein. Mit einem Druck auf den Lichtschalter wurde es schlagartig hell in dem Gebäude, ein wenig zu hell wie ich fand. Fasziniert wuselte Samu durch die Stallgasse und sah sich alles ganz genau an, selten hatte ich jemanden mit so viel Interessen für einen Pferdestall erlebt und auch die Sattelkammer wurde mit denselben Hingaben inspiziert.
      “Oha, das könnte glatt von Jace sein”, war Samus Kommentar zu den Gamaschenkisten, in denen wie immer ein heilloses Durcheinander herrschte. Es störte mein Bild von Ordnung in der Kammer schon ziemlich, aber Vriska hatte mir von dem Versuch die Kisten aufräumen abgeraten, da sie unmittelbar danach eh wieder im Chaos versinken würden.
      “Hier gibt es auch einen Freiberger?” Samus fragen ließ mich aufhorchen. Ein Freiberger hier? Davon wusste ich bisher nichts. Verwundert lief ich zu dem blonden Mann, der am Schwarzen Brett stand und sich einen Zettel durchlas.
      “Da schau”, sagte er und deutete auf den Zettel. Darauf war ein von einem recht kräftigen, dunkelbraunen Pferd zu sehen, welches elegant über den Reitplatz schwebte, in Mähne und Schweif jeweils ein kleines Zöpfchen, welches mit einem lila Band verflochten war. Ich versuchte zu entziffern, was auf dem Zettel stand, doch es fiel mir echt schwer, zu lang war es her, dass ich diese Sprache in der Schule hatte, daran sollte ich dringend arbeiten.
      “Lina da wird, jemand gesucht der den Hengst, hier bewegt. Freiberger, 14 Jahre alt und sogar mit Kaufoption ab Ende des Jahres, weil seine Besitzerin nächstes Jahr nach Amerika geht. Das wäre doch was für dich”, fasste Samu den Inhalt des Zettels für mich zusammen Das klang tatsächlich nach etwas, was mich interessierte. Die Freibergerstute auf dem WHC hatte ich schon immer toll gefunden und auch Fanya, das Pferd aus dem ersten HMJ, war mittlerweile ein wahrer Traum von Pferd. Spätestens seitdem ich Ivy kennenlernte, war ich diesen Pferden aus der Schweiz einfach verfallen. Ich sollte mir diesen Zettel morgen definitiv noch einmal genauer ansehen, die Chance ein weiteres Pferd dieser Rasse kennenzulernen, sollte ich mir nicht entgehen lassen.
      “Was genau bewegt dich eigentlich dazu, dass du jetzt doch hier bist? Ich dachte, einen Umzug geht nicht so spontan?”, frage ich neugierig, währen Samu vollkommen begeistert die Klappe in der Bande öffnete, hinter der die Stangen gelagert wurden, zugegeben eine überaus elegante Lösung. Auf dem WHC hatten in der kleinen Halle immer einige Stangen auf der Bande gelegen, um sie griffbereit zu haben.
      “Ich bin auch erst mal nur für zwei Wochen da um mich zum Beispiel schon einmal nach einem Job umzusehen und all sowas”, antworte er und setzte seine Erkundung auf der Tribüne fort, auf der es sich Enya und Juli gemütlich gemacht hatten. Das ergab tatsächlich Sinn, ein Job war immer eine gute Voraussetzung, wenn man in ein neues Land zog.
      “So genug jetzt, den Rest darfst du gerne bei einem weiteren Besuch ansehen. Ich habe da nämlich noch etwas vorbereitet”, beendete meine Schwester die Inspizierung des Snackautomaten. Noch etwas vorbereitet? Als ob eine Überraschung nicht schon genug sei.
      “Na kommt schon”, lachte Juli und zog sich hinter mir her. Samu und seine Freundin folgten uns, die Hände ineinander verschränkt. Samu wirkte so unbeschwert, so viel entspannter als in Kanada. Es musste ihn echt belastet haben, nicht von Enya erzählt zu haben und dann hatte ich auch noch ständig versucht diesen Zustand seiner vermeintlichen Partnerlosigkeit zu ändern. Aber er war selbst schuld, wenn er mich nicht aufklärte.
      “Was wollen wir hier?”, frage ich ein wenig verwirrt, als Juli vor der Tür des großen Konferenzraumes stehen blieb.
      “Na ganz einfach, einer von uns hier hat in knapp 2 ½ Stunden Geburtstag und Geburtstage müssen gefeiert werden”, erklärte Juli und hielt uns allen die Tür auf. Neugierig betrat ich hinter Enya und Samu den Raum.
      “Ist das also deine Definition von einem einfachen Abendessen, Juliett?”, lachte Samu, offenbar hatte er auch nichts davon gewusst. Juli hatte sich alle Mühe gegeben den schlichten Raum ein wenig aufzuhübschen. Irgendwo hatte sie ein paar Lichterketten und Luftballons aufgetrieben, die dem sonst recht schlichten Raum ein wenig feierlich wirken ließen. In einer Ecke stand ein kleines Buffet mit einer Auswahl an Snacks und Getränken und sogar einen Kuchen hatte meine Schwester gebacken.
      “Es ist abends wir haben essen, ist das denn kein Abendessen?”, scherzte Juliett munter.
      “Jetzt muss du mir aber mal verraten wie du das alles hier vorbereiten konntest, ohne dass ich etwas mitbekam? Und woher weißt du auch noch, dass Samu morgen Geburtstag hat?”, fragte ich meine Schwester beeindruckt, während Samu dafür sorgte, dass jeder ein Getränk in der Hand hielt. Wie immer ganz der Gentlemen dabei sollte vielmehr er heute bedient werden, war er doch das Geburtstagskind.
      “Also letzteres, Lina, steht in deinem Kalender und dein Handy gibt seit einer Woche ständig Erinnerungen von sich. Es ist beinahe unmöglich das nicht zu wissen. Und was das andere angeht, das war nicht so schwer, du warst ja den ganzen Tag mit den Pferden beschäftigt. Außerdem habe ich das hier nicht ganz alleine gemacht, Vriska hat mir geholfen”, erklärte sie fröhlich. Wow, wieder einmal hatte Juliett ihr Organisationstalent bewiesen.
      “Wer ist denn Vriska?”, frage die hübsche Blondine lächelnd.
      “Ich arbeite hier zusammen mit Vriska”, wich dem aus, die Beziehung näher zu definieren. Keine Ahnung was Vriska und ich waren. Einfache Arbeitskollegen oder doch... Freunde?
      “Und hab ihr sie nicht eingeladen, wenn sie schon beim Dekorieren geholfen hat?”, wollte Samus Freundin nun wissen.
      “Doch, sie ist eingeladen, aber sie ist ein wenig angeschlagen von dem Turnier am Wochenende, vermutlich nutzt sie den Abend lieber, um sich auszuruhen”, antwortete Juliett. Also setzten nur wir vier und in einen kleinen gemütlichen Kreis beisammen. Ich war außerordentlich erfreut darüber, dass Samu hier war und freute mich auch seine Freundin kennenzulernen, denn zugegebenermaßen war ich verdammt neugierig, wie sie so drauf war. Bisher machte sie einen ziemlich sympathischen Eindruck auf mich. Während meine Schwester der führende Part in der Unterhaltung war, folgte ich den Gesprächen eher passiv, genoss einfach die Gegenwart von zwei der wenigen Menschen, die mir wirklich am Herzen lagen. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie die gläserne Tür des Versammlungsraumes sich öffnete. Anders als erwartet, betrat nicht doch noch Vriska den Raum, sondern Niklas. Mit ihm rechnete ich gar nicht an einem Tag wie heute. Er trug ein weißes, weites Shirt, darüber eine Jeansjacke und passende Hose. Sonderlich erschien, dass seine Haare nicht nach oben gegelt waren, sondern locker zur Seite fielen, was ihm aber auch unheimlich gutstand. Unwillkürlich durchströmte mich eine wohlige Wärme und freudig überrascht, entfernte ich mich aus der kleinen Runde, um ihn zu begrüßen.
      “Hey Niki, wo kommst du denn her? Aber schön, dass du da bist”, fragte ich freudestrahlend auf ihn zulaufend. So viele Überraschungen heute, fast wie an Ostern.
      “Jetzt fängst du auch damit an”, lachte er und drückte mir einen kräftigen Kuss auf die Stirn. Ich hatte das von seiner Mutter aufgeschnappt, empfand als sehr passend. Auch Chris sagte es zunehmend öfter, wenn er nicht gerade das Prinzesschen war. Welche Geschichte es dazu gab, wusste ich zu dem Zeitpunkt nicht, konnte mir aber vorstellen, woher es rührte. Niklas konnte sehr eigen sein, sich wichtig nehmen und wollte bewundert werden.
      „Ich komme vom Auto, aber mir wurde gesagt, dass es etwas zu feiern gibt. Dazu kann ich nicht absagen. Aber tut mir leid, dass ich zu spät komme, der Einsatz dauerte länger als erwarte“, fügte er noch glücklich hinzu und nahm dankend das Getränk entgegen, dass Samu ihm reichte, alkoholfrei versteht sich.
      "Wir hatten eine Startzeit? Interessant! Aber egal, du bist ja jetzt da, unversehrt, das ist das wichtigste." Ich hatte heute zwar nur einen kurzen Blick in die News App werfen können, aber die Schlagzeilen sprachen für sich. Niklas' Einheit hatte zwar wenig mit der klassischen Polizeiarbeit zu tun, dennoch wollte ich lieber nicht näher darüber nachdenken, was bei einem Einsatz alles passieren konnte.
      „Zumindest hatte das unser Vampir geschrieben. Scheint aber auch wieder typisch, dass sie nicht gekommen ist oder immer noch schwierig mit euch?“, kam er unwillkürlich auf das Thema zurück, dass vor seiner Ankunft durch den Raum schwebte. Seltsam, wie interessiert alle an ihr waren.
      “Ich glaube, es wird besser, aber ihr nicht erscheinen hat damit wohl nicht zu tun. Juliett meinte sie sei wohl krank, der Ritt im Regen gestern war wohl nicht das klügste und dann hat sie ja morgen auch noch ihre Prüfung, da möchte sie vermutlich lieber ausgeschlafen sein”, beantworte ich die Frage. Vriskas Verhalten würde ich wohl nie vollständig verstehen, war aber gewillt mich um ein friedliches Miteinander zu bemühen, denn eigentlich war sie mir von Beginn an ziemlich sympathisch gewesen.
      “Wundert mich, denn heute Vormittag konnte sie noch Ewigkeiten mit Glymur ausreiten. Wie kommst du mit Smooth klar? Alles gut?”, fragte er.
      “Ja, ist ganz okay. Dieses Pferd hat einfach viel zu viel Energie, wo nimmt sie die nur her? Ich kann sagen, ihre Medikamente funktionieren definitiv, sie hatte heute ein beträchtliches Tempo darauf”, beklagte ich mich ein wenig, denn ich sah es kommen, dass das die Stute in den nächsten Wochen eher noch energetischer wurde.
      “Wenn du nicht klarkommst, ist das in Ordnung. Tyrell oder Vriska würden es sicher auch übernehmen. Ansonsten musst du sie vorher 40 Minuten in die Führanlage stellen, dann sollte es für ein Fliegengewicht, wie du es bist, einfacher sein”, lachte Niklas.
      “So schnell werde ich noch nicht aufgeben! Irgendwie komme ich schon klar”, sagte ich überzeugt. Nach einer Woche bereits das Handtuch zu schmeißen wäre sogar für mich eine schwache Leistung gewesen.
      Freundlich stelle sich mein Freund Enya gegenüber vor, als wir zurück in die kleine Runde traten, bevor das Gespräch wieder aufgenommen wurde. Juli hatte offenbar gefragt, wie Samu denn zum Reiten und zu den Pferden gekommen sei, denn er erzählte wieder einmal eine Anekdote aus seiner Kindheit. Eevi, seine Schwester, hatte damals ein Pferd, einen hübschen Apfelschimmel. Seine beiden älteren Brüder hatten sie früher damit aufgezogen, dass er viel häufiger mit seiner Schwester zu ihrem Pferd fuhr, anstatt mit ihnen “Jungskram” zu machen. Allerdings konnte ich bestätigen, dass die meisten von Samus Interessen doch eher typisch männlich waren. Wie fast jeder männliche Bewohner Finnlands brachte auch mein bester Freund eine gewisse Begeisterung für den Motorsport mit sich und nicht zu vergessen seine Passion, das Eishockey. Für meinen Geschmack war diese Sportart viel zu brutal. Platzwunden und blaue Flecken sind so gut wie bei jedem Spiel vorprogrammiert, ganz zu schweigen von schlimmeren Verletzungen. In der Schulzeit hatte Samu selbst noch aktiv im Verein gespielt, auch gar nicht schlecht. Er hätte das Potenzial für die Profiliga gehabt, aber nach eine ziemlichen heftigen Knieverletzung, setzten seine Eltern alles daran, dass ihr Sohn sich einen wenig gefährlichen Beruf suchte.
      Das schummrige Licht der Kerzen und Lichterketten erzeugte eine behagliche Atmosphäre. Liebevoll hatte Samu seinen Arm um seine Freundin gelegt, während sie sich weiterhin angeregt unterhielten. Ich für meinen Teil hatte es mir auf dem Schoß meines Freundes bequem gemacht. Meine Schwester schien es reichlich wenig zu stören, dass sie nur noch von Pärchen umgeben war, ich an ihrer Stelle hätte mich ziemlich überflüssig gefühlt.
      Die Gesprächsthemen wurden immer tiefgründiger, wo bei auch die ein oder andere seltsame Geschichte aus vergangenen Tagen ausgepackt wurde. Ganz besonders Juliett unterhielt alle mit Geschichten aus unserer Kindheit. Zu meinem Glück waren die meisten davon irgendwo niedlich und mit kindlicher Naivität zu erklären, aber als sie anfing aus den Liebesbriefen zu rezitieren, die ich in der 5 Klasse geschrieben hatte, hätte ich mich am liebsten in Luft aufgelöst. In so einem Detailreichtum wusste bisher nicht einmal Samu von diesen Briefen. Dank Juli wusste jetzt aber nicht nur mein bester Freund davon, sondern ebenso seine Freundin, der ich heute zum ersten Mal begegnete und viel schlimmer noch, auch Niklas. Größtenteils hielt er sich mit seinen sonst so überheblichen Kommentaren zurück, lachte einige Male, aber schwieg sonst. Zwischendurch folgten Anekdoten aus seinem eigenen Leben, die vermutlich jeder hätte erzählen können. Ich spürte, dass er angespannt war, was ich nicht nur durch seine ballende Faust realisierte. Seine Zähne knirschten immer wieder und an dem markanten Kinn kam Muskulatur nach oben. Etwas an den Geschichten aus der Kindheit belastete ihn extrem. Andeutungen machte er bereits in Kanada, aber ich konnte mir nicht wirklich vorstellen, was seinen Blutdruck so hochschnellen ließ wie dieses Thema.
      Mit fortschreitender Stunde überkam mich allmählich die Müdigkeit. Schläfrig ließ ich meinen Kopf gegen Niklas Schulter sinken. Die Gespräche nahm ich nur noch am Rande wahr, viel mehr musste ich mir Mühe geben, dass mir nicht gleich die Augen zuklappten. 11:45 Uhr zeigte die Uhr, sonderlich lange würde es demnach nicht mehr dauern bis für Samu ein neues Lebensjahr anbrach, aber bis dahin musste ich noch irgendwie wach blieben.
      Schmunzelnd stupste Niklas mich an, als mir erneut die Augen zuklappten: “Nicht einschlafen, Engelchen.”
      “Ich bemühe mich nach Kräften”, murmelte ich und blinzelte angestrengt. Im Gegensatz zu mir, schienen die anderen noch putzmunter zu sein. Bei Juli und Samu wunderte mich das wenig, immerhin hatten die beiden Urlaube und vermutlich auch deutlich mehr Schlaf als alle anderen in diesem Raum. Die nächsten Minuten schienen nur so da hinzuschleichen, bis um kurz vor Mitternacht Juliett aktiv wurde und begann durch den Raum zu wuseln. Irgendwoher holte sie auf einmal eine Flasche Sekt, welche sie auf Gläser verteilte und jedem eins in die Hand drückte, die Gegenwehr derer, die noch fahren mussten, war ihr dabei ziemlich egal. Pünktlich um Mitternacht stimmte sie Happy Birthday an, sogar auf Schwedisch. Soweit hätte ich nicht mitgedacht. Nach Ende des Liedes stießen wir gemeinsam auf Samu an. Auf einmal fühlte ich mich wieder wach, freute mich für Samu das er Geburtstag hatte, freute mich für ihn und Enya, erfreute mich einfach an dem Moment. Am liebsten hätte ich ihn sofort geknuddelt, aber ich ließ natürlich seiner Freundin den Vortritt.
      “Kiitos, että sait olla ystäväsi 9 vuoden ajan ja toivon, että siitä tulee vielä vähintään 9 vuotta. Toivotan sinulle kaikkea hyvää uudelle vuodelle, toivon, että löydät onnen yhdessä Enyan kanssa. Hyvää syntymäpäivää, Samu. (Danke, dass ich dich seit 9 Jahren als Freund haben darf und ich hoffe, es werden noch mindestens 9 weitere Jahre werden. Ich wünsche dir alles Beste für dein neues Lebensjahr, wünsche mir, dass du zusammen mit Enya dein Glück findest. Alles Gute zum Geburtstag, Samu)”, gratulierte ich Samu euphorisch und umarmte ihn fest. Ich hätte noch ungefähr eine Milliarde Dinge mehr sagen können, beschränkte mich aber auf das wichtigste. Einiges von dem, was ich hätte sagen wollen, war Inhalt seines Geschenkes und das wollte ich nicht vorwegnehmen. Da ich allerdings nicht damit gerechnet hatte, dass er zu seinem Geburtstag hier sei, würde ich auf die Reaktion wohl leider noch ein wenig warten müssen.
      Selbstverständlich gratulierten auch Niklas und Juliett, logischerweise zurückhaltender als ich es tat, bevor der Kuchen angeschnitten wurde. Juli hatte sich mit dem Kuchen alle Mühe gegeben und bei seinem Anblick wurde mir auch klar, wofür das ganze Zeug im Kühlschrank war. Augenscheinlich backte Juli einen simplen aber wunderschönen Drip Cake. Obenauf waren in Schokolade getauchte Erdbeeren, Kerzen waren aufgrund des Platzmangels allerdings nicht darauf. Die fehlenden Kerzen würden Samu nicht stören, mit Geburtstagstraditionen nahm er nicht ganz so genau. Der Kuchen schmeckte genauso vorzüglich wie er aussah.
      Schon bald nach dem Kuchen brachen Enya und Samu auf. Die beiden hatten wohl nicht den aller kürzesten Heimweg, außerdem hatte für Enya wohl letzte Woche die Uni wieder angefangen und pflichtbewusst wollte sie ihre Vorlesung nicht verpassen, zumindest war das der Grund, den sie vorschoben. So wie die beiden sich ansahen, war mir sicher, es gab auch noch einen anderen Grund.
      Wehmütig musste ich leider auch Niklas nach Hause gehen lassen, ich hätte ihn gerne mehr als ein paar flüchtige Stunden bei mir gehabt. Ich liebte das Gefühl, was er in mir auslöste, bekam immer noch Herzklopfen, wenn er den Raum betrat. Bei ihm fühlte ich mich so unendlich wohl, das ist einfach unbeschreiblich…
      “Hallo, Erde an Lina”, holte mich meine Schwester aus meinen Gedanken. “Mach dich mal nützlich, du kannst auch gleich im Bett noch weiterträumen”, lachte sie. Juli hielt es für nötig jetzt noch aufzuräumen. Ich für meinen Teil hielt das für relativ unnötig, schließlich würde man nach einer Runde schlaf auch noch aufräumen können. Statt unnötige Diskussionen mit meiner Schwester anzufangen, gab ich also nach. Je schneller hier aufgeräumt war, umso eher konnte ich in mein Bett.

      © Mohikanerin, Wolfszeit // 76.956 Zeichen
      zeitliche Einordnung {Anfang September 2020}
    • Wolfszeit
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      29.10.2021|Wolfszeit
      Crystal Sky| Finest Selection| Injaki| Voilá| Fraena van Hulshóf| Fiama die Royal Peerage| WHC' Aphrodite| WHC' Delicious Donut|WHC'Minya| WHC' Mimithe|WHC'Venice| Nathalie|Minnie Maus| Mijou| Briar| Vakany| Antigone| Don Carlo

      Hazel| Heute Morgen stand als Erstes die Kontrolle bei den Fohlen an. Noch war der Weg recht weit, da die Tiere noch auf der Sommerkoppel standen. Seitdem unser Besuch wieder abgereist war, war hier derselbe langweilige Alltag eingekehrt wie vorher, nur das einer fehlte, Lina. Die hatte sich nämlich, Hals über Kopf, in einen zugegebenermaßen ziemlich heißen Typen verknallt, der im wahrsten Sinne des Wortes ihr Leben auf den Kopf stellte. Einer der Gründe, weshalb Nathalie nun zu meinen Schützlingen zählte. Ich holte die Scheckstute aus der Box, aber nicht vorher von ihrer Boxennachbarin Sally, auf Leckerlis kontrolliert zu werden. Schnell putze ich die Stute, sodass ich eine Viertelstunde später im Sattel saß.
      Noch waren die Tage heiß und sonnig, doch schon bald würde hier der Herbst einziehen, schneller als mir lieb war. Auf dem Platz drehte bereits Samu mit Sky seine Runden. Freundlich nickte ich ihm zu und setzte meinen Weg durch die Koppeln fort. Fraena und Voilá folgten mir neugierig am Zaun, als ich an ihrer Wiese entlang ritt.
      Wie so häufig waren die beiden Zwillinge die Ersten, die an den Zaun kamen, gefolgt von Donut. Die Stuten hielten sich deutlich im Hintergrund, lediglich Briar und Mijou hoben kurz den Kopf bevor sie weiter grasten. Fiama, unser Neuzugang aus Italien, entdeckte ich zwischen Minnie Maus und Vakany, wie sie vorsichtig mit Venice Kontakt knüpfte.
      Antigone stand mit ihrem Fohlen ein wenig abseits. Die kleine Stute suchte hungrig nach dem Euter der Fellponystute und wurde schließlich auch fündig. Schmatzend begann sie zu saugen. Augenscheinlich war hier alles okay, also setzte ich meine Runde fort. Auf den Sandwegen etwas ab von den Koppel trabte ich Nathy an, ließ sie locker laufen. Man musste die letzten warmen Tage hier genießen, solang es noch ging. Meine Gedanken schweiften wieder zurück zu den vergangenen Wochen. Ich hatte zwar nur am Rande mitbekommen, was hier alles geschehen war, als die beiden Nationalteams zu Gast waren, doch feststand, dass sich dadurch auf dem Hof etwas verändert hatte.
      Seitdem kleinen Turnier bekamen wir regelmäßig Anfragen für unsere Verkaufspferde, die Anmeldungen für die Reitschule hatten sich verdoppelt und nicht zu vergessen, dass Team war geschrumpft und würde vermutlich auch um noch eine Person kleiner werden. Samu hatte augenscheinlich die Entscheidung seiner besten Freundin zum Anlass genommen, uns ebenfalls zu verlassen. Noch eine Person, die hier fehlen würde. Auch wenn es manchmal nicht so schien, waren wir hier doch so was wie eine kleine Familie und es stimmte mich ein wenig traurig, dass ein weiteres Mitglied fort von hier wollte. Aber es war den beiden nicht zu verdenken. Hier war wirklich nicht viel los und gerade Lina war stets ziemlich zurückgezogen gewesen, ließ nur wenig von ihrem bisherigen Leben durchblicken, aber wenn sie dann doch einmal von ihrer Heimat sprach, schwang immer ein Hauch von Sehnsucht mit.
      Ein klein wenig Neid verspürte ich schon, denn was auch immer sich dort zwischen Lina und diesem Mann ereignet hatte, wirkte wie die moderne Version eines Märchens, aber ich gönnte ihr ihren Traumprinzen. Denn was auch immer dieser Kerl mit ihr angestellt hatte, sie schien durch ihn richtig aufzublühen. Selten hatte ich sie so lebendig und erfüllt gesehen, wie als sie in seiner Begleitung auf die Tanzfläche trat.
      “Hey Hazel, fängst du jetzt auf einmal an auf deinem Pferd zu träumen”, riss mich Jayden aus meinen Gedanken, der mir mit Carlo entgegenkam. Mittlerweile war ich schon fast wieder am Hof angekommen, ohne es wirklich zu merken.
      “Nein, ganz und gar nicht” verteidigte ich mich.
      “Gut, dann hast du ja sicher gehört, dass dich der Chef in zwanzig Minuten auf dem Platz erwartet”, teilte mein Kollege mit und ritt mit seinem Hengst davon. Ich nickte Intuitiv, auch wenn er es schon gar nicht mehr sah.
      Im Stall beeilte ich mich die Hannoveraner Stute abzusatteln und beeilte mich um Injaki schnell fertig zu machen, denn der Chef möchte keine Verspätung.
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      zeitliche Einordnung Ende Agust 2020
    • Wolfszeit
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      Heavenly Maybe| 07. April 2022
      Don Carlo| Finest Selection| Fraena van Hulshóf| Voilá| WHC’ Aphrodite| Abe’s Aelfric| Cleavant ‘Mad Eye’| Löwenherz| PFS’ Caruso| WHC’ Afterglow| HMJ Divine| Checkpoint| WHC’ Quatchi| WHC’ Unsung Hero| Herkules| Nurja| WHC’ Sunna| WHC’ Poseidon

      Ich war gerade auf dem Weg mir Glowy von der Koppel zu holen, als das Klingeln meines Handys die winterliche Stille störte. ‘Haze’ leuchtete auf dem Bildschirm auf. Seltsam, die sollte doch eigentlich gerade eine Reitstunde geben?
      “Hey, was ist los?”, nahm ich den Anruf dennoch entgegen, während ich das Tor öffnete. In der Ferne hoben die Pferde den Kopf, bewegten sich ansonsten nicht weiter.
      “Ich könnte dich mal gerade hier gebrauchen. Caruso hat schon wieder ein Kind heruntergehauen und jetzt mag keiner auf das Pony steigen”, erklärte sie und klang dabei ein wenig genervt. Es war bereits das dritte Mal diese Woche, dass der Schecke jemandem mit dem Boden bekannt machte.
      “Ich komme, bin gleich da”, seufzte ich und beendete das Gespräch. Dann würde die braune Stute wohl noch ein wenig warten müssen, was eigentlich weniger in meine Tagesplanung passte. Später sollte noch ein potenzielle neuer Einsteller vorbeikommen, dem ich die Anlage zeigen sollte. So kehrte ich ohne Pferd zurück zum Stall und warf im Vorbeigehen das Halfter auf eine Bank in der Stallgasse.
      “Tür frei”, reif ich, bevor ich das große Tor aufschob und eintrat. Felix saß mit einem kleinen Mädchen, vermutlich die Reiterin von Caruso, auf der Bank. Tränen liefen über das kleine Gesicht und mein Kollege gab sich alle Mühe sie zu beruhigen. Hazel stand mit dem Ponyhengst in der Zirkelmitte und setzte ihren Unterricht fort.
      “Bei A auf den Zirkel abwenden und dann bei X zum Schritt durch Parieren”, wies sie die Kinder an, bevor sie mit dem Pony auf mich zukam. Folgsam lenkte das Kind an der Tete den Wallach mit den blauen Augen auf die Kreislinie und wechselte die Gangart.
      “Kannst du dich vielleicht den Rest der Stunde mitreiten, dass er sich dran gewöhnt, dass man sich benehmen muss?”, bat sie mich und setzte ihren Dackelblick auf.
      “Hast du ein Glück, dass ich das Pony gern hab”, scherzte ich und nahm die Zügel entgegen. In Windeseile verlängerte ich die Steigbügel und ließ mich in den Sattel gleiten. Kaum war ich angeritten, begann das Pony bereits mit seinen Faxen. Immer wieder zog er den Kopf runter und deute sogar an zu bocken als ich ihn antrabte. Das junge Pferd strotze nur so von Energie, da war es wenig wunderlich, dass er nur Unsinn im Kopf hatte.
      “Hazel, kannst du mal den Hufschlag räumen?”, bat ich meine Kollegin, die ihre Kinder daraufhin aufmarschieren ließ. In der nächsten Ecke galoppierte ich den Hengst an, bereits darauf vorbereitet, dass er losschießt oder einen Bocksprung machen würde. Letzteres tat der Schimmel auch nach dem zweiten Galoppsprung. Die Knie fest am Sattel und das Gewicht in den Steigbügel saß ich dies problemlos aus. Ich ließ dem Pony den Raum seine Energie abzulaufen und so war es nach einigen Minuten flotten Galopp auch wieder artig.
      "Okay Hazle, ich denke, du kannst jetzt ohne Komplikationen weitermachen", verkündete ich, als ich das Pony neben ihr anhielt. Eine ganze Reihe Kinderaugen starrte mich an, als hätte ich gerade einen Mustang gebändigt.
      “Das war cool”, staunte der kleine Junge, der auf Löwenherz thronte, während den anderen Kindern immer noch der Mund offen stand.
      “Das fand ich auch”, ertönte eine honigwarme Stimme aus Richtung des Tores.
      “Raphael, was machst du denn hier?”, lächelte ich erfreut und lenkte mein Pony in seine Richtung. Hazel forderte währenddessen ihre Kinder zum weiterreiten auf.
      “Ich bin hier, um mir euer wunderschönes Gestüt anzuschauen. Ich überlege nämlich mir Poseidon und Héritage umzuziehen, aber vielleicht sollte ich mich erst einmal vorstellen”, erläuterte er und wand sich dann an Felix, der noch immer auf der Bank saß.
      “Raphael Craig”, stellte er sich freundlich vor und reichte dem Deutschen die Hand.
      “Felix Lundqvist, der Neue hier”, stellte sich auch mein Kollege vor, “Irgendwo her kenn ich dich … Springreiter, richtig?”
      “Ja, genau Springreiter im Dienst der Nation”, bestätigte der Dunkelhaarige. Anschließen hockte sich Raphael vor Carusos ursprüngliche Reiterin.
      "Und wer bist du, kleine Maus?", fragte er die Kleine, die ihn verschüchtert aus ihren großen, Runden anblickte.
      "Ella", antwortete sie zögerlich. Ich war mir nicht ganz sicher, ob die Kleinen sich bereits für die Stars der Reiterwelt interessierten und deshalb plötzlich so still waren oder ob sie von der Anwesenheit eines Fremden verschreckt wurden. Denn für gewöhnlich plapperten die Kinder unaufhörlich, auch wenn sie sich eigentlich konzentrieren sollten.
      "Ella, bist du vorhin Caruso geritten?", fragte er sanft. Das Mädchen nickte und Felix schien ihn nebenbei über die Situation aufzuklären.
      "Weißt du, das ist gar nicht so schlimm mal runterzufallen, das ist mir auch schon ganz oft passiert”, erklärte der Springreiter.
      Während Raphael mit dem Kind beschäftigt war, ritt ich Caruso im Schritt auf dem Zirkel, damit der kleine Kerl nicht ganz auskühlte bei der kalten Winterluft, den sein flauschiges Fell wies deutliche Schweißflecken auf.
      "Echt? Meine Schwester hat gesagt, dass du bist der beste Reiter auf der Welt", vernahm ich das zarte Stimmchen des Mädchens. Damit bestätigte sich, dass zumindest einigen der Kinder klar war, dass sie eine Berühmtheit vor sich hatten.
      “Na ganz so ist das nicht”, lachte er, “aber selbst die besten landen manchmal auf dem Boden. Du hast doch sicher gerade gesehen, was Caruso gerade bei Quinn gemacht hat.”, erneut nickte das Kind.
      “Das hat er nicht gemacht, weil er böse ist oder Quinn loswerden wollte, sondern weil er sich so doll gefreut hat, dass er endlich laufen darf. Caruso ist nämlich noch ziemlich jung und muss erst noch lernen, dass man mit einem Menschen auf dem Rücken vorsichtig sein muss.” Raphael sprach mit einer solchen Hingabe mit dem Kind, als würde er nur dafür geschaffen worden sein, Kindern den Mut wiederzugeben. Nachdem er eine Weile mit Ella gesprochen hatten, bedeute er mir, mit Caruso in die Mitte zu kommen und kam mit ihr an der Hand auf uns zu. Caruso kaute mittlerweile zufrieden auf seinem Gebiss herum und blickte das Kind freundlich an, als ich mich aus dem Sattel gleiten ließ. Nachdem die Steigbügel wieder umgestellt waren, hob der Besucher das Mädchen auf den Rücken des Ponys und ergriff selbst die Zügel. Ich ließ mich neben Felix auf die Bank fallen und beobachtete versonnen, wie Raphael das Pony über den Sand führte.
      “Wenn ich hier nicht mehr gebraucht werde, gehe ich dann mal Sally versorgen”, verabschiedete sich Felix schließlich und verschwand im Durchgang. Nach einigen Minuten überreichte der Springreiter Ella wieder die Zügel und sie traute sich sogar ein Stück zu tragen, unter der Bedingung, dass er neben herlief. Wie ich so dabei zusah, kam ein Gefühl von Glückseligkeit in mir auf und unwillentlich kamen mit Szenen in den Kopf, wie er wohl mit eigenen Kindern aussehen würde.
      Mit einem breiten Grinsen kam Hazel zu mir, als sie die Reitstunde abgeschlossen hatte, das abreiten konnte sie schließlich auch von der Ecke aus beaufsichtigen.
      “Du stehst auf ihn, das sehe ich doch genau”, feixte sie ein schelmisches Funkeln in den Augen.
      “Shh, nix tu ich hier. Ich finde nur Kinder stehen ihm”, wehrte ich ihre Anschuldigung ab.
      “Deine Kinder?”, entgegnete sie verschmitzt, bevor sie ihren Kindern zu rief, dass sie die nächste Runde aufmarschieren durften.
      “Ich wette, Lina hast du auch mit deinem generve vertrieben”, ging ich in den Gegenangriff über, statt auf ihren Kommentar näher einzugehen. Ella war mittlerweile mit dem Pony aufmarschiert, sodass Raphael nun zu uns hinüberkam.
      “Wer ist Lina?”, fragte er freundlich, offenbar hatte er einen Teil des Gespräches mitgehört.
      “Eine ehemalige Kollegin. Sie ist im August nach Schweden umgezogen”, erklärte ich.
      “Wegen nem ziemliche heißen Typen”, ergänzte Hazel keck, “Für den wäre ich auch umgezogen.” Natürlich konnte sie auch dieses Mal ihre unqualifizierten Kommentare nicht unterlassen. Manchmal wünschte ich es gäb einen Mute-Button für sie.
      “Ah, daher kommen also die Gerüchte”, nickte Raphael als würde sich soeben einige Puzzleteile zusammensetzen. Bei dem Wort Gerücht konnte man Hazel Augen Begeisterung aufflammen sehen.
      “Was erzählt man sich denn so über Jace?”, fragte sie voller Enthusiasmus, woraufhin ich ihr einen Stoß in die Rippen verpasste. Voller Unverständnis blickte sie mich an und rieb sich die Seite.
      “Naja, irgendwer erzählte, dass er sich wohl wegen eines Mädchen geprügelt hat, welches wohl aufgrund dessen den Hof verlassen hat”, antwortete er schulterzuckend, “Aber ist mir auch eigentlich egal, über mich erzählt man sich auch so einiges, was definitiv sehr realitätsfern ist.”
      “Hazle, deine Kinder warten”, wies ich sie darauf hin, als sie gerade ansetzen wollte, unseren Gast weiter auszufragen. Vielleicht hätte sie besser Journalisten werden sollen, bei irgend so einem Klatschblatt. Tatsächlich folgte sie meiner Aufforderung.
      “Soll ich dir dann jetzt mal den Hof zeigen?”, frage ich freundlich und erhob mich von der Bank.
      “Das ein oder andere kenne ich ja bereits, aber ich würde primär einen genaueren Blick auf die Boxen und die Springhalle werfen”, lächelte er bestätigend.
      “Dann fangen wir doch gleich mal im Stall an”, entgegnete ich und steuerte auf das Hallentor zu. Direkt gegenüber der Haller eröffnete sich die Reihe aus sieben Boxen, die noch aus Zeiten herrührte, in denen das Gestüt noch deutlich kleiner war und im Besitz einer Adelsfamilie, wie Luchy einmal erzählt hatte. Um diese Tageszeit waren die Boxen leer, denn die Hengst verbrachten den Tag jetzt im Winter auf den hofnahen Koppeln, die ein wenig ebener und wetterfester waren, als die an den steilen Berghängen der Rocke Mountains.
      “Also die Boxen da voran, dort stehen in der Regel Nachwuchshengste, die in den Sport gehen sollen, aber das wird für dich vermutlich ohnehin nicht relevant sein”, erklärte ich und schritt direkt weiter in Richtung des Hauptstalles.
      “Was ist mit den Offenställen?”, fragte Raphael interessiert als wir diese passierten und sich ein grauer Ponykopf über den Zaun schob.
      “In dem links von uns wohnen die Schulponys und da rechts ein Einsteller und zwei unserer Zuchtstuten”, erläuterte ich bereitwillig, “Neben dem Stall haben wir noch einen mit den männlichen Schulis und unser neuster Zuchthengst ist dort jetzt auch eingezogen, weil Ivy jetzt weg ist.” Aufmerksam lauschte mein gegenüber den Worten und begann das kleine Pony hinter den Ohren zu kraulen.
      “Ivy?”, fragte er schließlich nach. Neben Voilá kam nun auch eine weitere Fellkugel an den Zaun und begann zaghaft an meinem Schal zu knabbern.
      “Ivy, oder besser gesagt Divine ist das Pferd von besagter Kollegin”, beantworte ich seine Frage und wollte gerade zu weiteren Erklärungen ansetzen als er nachdenklich die Stirn runzelte: “Divine … wo habe ich das schon mal gehört?”
      “Vermutlich auf Social Media im Zusammenhang mit dem Horse Makeover”, half ich seinem Gedächtnis auf die Sprünge.
      “Stimmt, damit habe ich mich nur nicht näher auseinandergesetzt, weil die Hauptevents ohnehin mitten in der Turniersaison lagen” erzählte er beiläufig,
      “Übrigens die erfolgreichste Saison, die ich mit Poseidon bisher hatte.” Während Raphael so über seinen Hengst berichtete, begann seine Augen voller Stolz zu leuchten.
      “Ja, mein Mini-Me hat berichtet, dass ihr euch für das Finale des Springworldcup qualifiziert habt. Herzlichen Glückwunsch”, lächelte ich herzlich. Seitdem ich den Springreiter kennengelernt hatte, war meine Stiefschwester zu so etwas wie einem Liveticker mutiert. Kein einziges Turnier verging, ohne dass Emy davon mitbekam.
      “Genau, für Poseidon und mich geht es im April nach Kalmar zum Finale”, grinste er breit, beinahe wie ein Kind, welches eines seiner Kunstwerke stolz erfüllt nach Hause brachte. Das war ihm aber auch nicht übelzunehmen, schließlich gehörte der Worldcup zu den wichtigsten und schwersten internationalen Springprüfungen. Mit Quatchi und Caruso hatte ich zwar mal in die Welt des Springens reingeschnuppert, doch alles jenseits von einem Meter fünf lag noch über außerhalb meines Horizontes.
      “Europa, also. Es ist bestimmt schön da”, entgegnete ich ein wenig verträumt. Bis auf einen Urlaub in Kalifornien hatte ich die Grenze der Nation noch nicht überschritten.
      “Das kann ich so genau nicht sagen, ich habe bisher nur Turnierplätze zu sehen bekommen”, erklang sein warmes Lachen in meinen Ohren und erweckte wieder dieses wohlig warme Gefühl in meinem Inneren.
      “Weißt du was, Quinn, du kommst einfach mit und ich werde organisieren, dass wir auch ein wenig was von Schweden zu sehen, bekommen”, schlug er plötzlich vor. Mit weit aufgerissenen Augen starrte ich ihn an: “Das ist doch jetzt ein Scherz, oder?”
      “Ne, das meine ich Ernst, ich lade dich ein”, lächelte er und kraulte das Pony in aller Seelenruhe weiter. Aufregung sprudelte in meinem inneren hoch und ich konnte nicht anders , als ihm übermütig in die Arme zu fallen.
      “Langsam Quinn”, lachte er und musste sie mit einer Hand am Zaun abstürzen, um zu verhindern, dass wir beide uns dem Boden näherten.
      “Sorry”, entschuldigte ich mich und ließ ihn wieder los, bevor ich ihn noch zerquetschte.
      “Alles gut, es ist schön, wenn es dich freut”, lächelte er, “Willst du mir dann jetzt den Stall zeigen?” Ich nickte und setzte den auf das u-förmige Gebäude zu. Der Stall war ziemlich leer, nur das Klimpern der Anbindeseile, welches gegen die Metallpfosten schlugen, drang durch die Stallgasse.
      “Wie du siehst sind die Boxen alle leer, das ist aber natürlich nicht so, weil wir einfach keine Pferde mehr haben”, scherzte ich, “Die sind derzeit alle auf der Koppel.”
      “Wie lange stehen die Pferde auf den Koppel und sind sie in Gruppen oder getrennt?”, schloss der junge Mann augenblicklich eine Frage an.
      “Die kommen raus, wenn es hell wird und wieder rein, wenn es dunkel wird. Sofern sie sozialverträglich sind, stehen sie nach Ställen sortiert in Herden, für weniger verträgliche Tiere versuchen wir immer mindestens einen Koppelpartner zu finden”, erklärte ich die Abläufe auf unserem Hof.
      “Das gefällt mir, in Edmonton, haben wir nur ein kleine Paddock im Winter und es war ziemlich aufwendig jeweils einen Spielkameraden für meine beiden zu finden. Gerade für Poseidon war ich schon so verzweifelt, dass ich bereits überlegte ein Beisteller für ihn anzuschaffen”, verriet er endlich etwas mehr davon, warum er überhaupt darüber nachdachte, mit seinen Tieren mitten in die Pampa zu ziehen.
      “Oh, also das sollte hier kein Problem sein”, grinste ich und setzte die Tour damit vor, Raphael näher mit der Boxenausstattung und den weiteren Dingen im Stall vertraut zu machen.
      Am Putzplatz machte Silvia offenbar gerade das Karlchen zum Reiten fertig. Dem Schimmel schien es allerdings nicht schnell genug zu gehen, denn er pendelte hin und her, so weit des die metallenen Ketten zuließen, sobald sie in der Sattelkammer verschwand.
      “Wer ist der hübsche Schimmel?”, fragte Raphael und trat auf das Tier zu.
      “Das ist Carlo, einer unserer Zuchtanwärter. Der würde dir gefallen, ist ein begabter Springer”, erzählte ich etwas zu dem Hengst. Mit gespitzten Ohren inspizierte der Hannoveraner den jungen Mann, bevor er sich ein wenig entspannte. Dennoch behielt das sensible Pferd jede Bewegung von ihm genaustens im Auge.
      “Ja, das sieht man ihm an”, lächelte er und fuhr mit den kräftigen Händen die Oberlinie des Tieres nach, “wirklich ein schöner Hengst.” Raphael bewunderte noch einen Moment das Tier, bevor wir die Tour zu den Koppel fortsetzen.
      “Habt ihr bei dem Schnee eigentlich keine Bedenken, dass die Pferde sich verletzen könnten?”, hinterfragte er bei den Schneemassen, die sich an den Rändern der Wege auftürmten.
      “Nein, der Schnee ist für die meisten kein Problem. Die Tiere kennen die Flächen gut und hier direkt am Hof sind sie alle ziemlich flach. Die Sommerkoppeln oben an den Berghängen sind deutlich schwierigeres Terrain und macht sie ziemlich trittsicher”, erklärte ich,“ Zudem tragen die beschlagenen Tiere natürlich alle Schneegrip. Bisher sind so eigentlich alle Pferd gut durch den Winter gekommen.” Die erste Koppel, die wir erreichten, war die der tragenden Zuchtstuten. Als Erstes ins Auge stachen Antigone mit der kleinen bunten Plüschkugel an ihrer Seite, die neugierig an den Zaun getrottet kamen.
      “Warum hat das arme Fohlen so eine schreckliche Frisur?” Raphael warf einen musternden Blick über das kleine Fellponyfohlen, dessen dichte Stehmähne schnurgerade geschnitten worden war, auch der Schopf war ziemlich kurz geworden und dazu noch ziemlich fusselig.
      “Weil Jace es für nötig hielt, der armen Aphrodite die Mähne zu schneiden”, lachte ich. Alec wusste schon, warum er mir die Aufgabe übertrug, für das Langhaar von Jace Pferden zu sorgen, ansonsten würde er sich sicherlich auf jedem Turnier blamieren.
      “Wenn die Kleine so aussieht, wie kann es dann sein, dass Hero so ordentlich aussieht?”, hinterfrage Raphael grinsend.
      “Weil nicht Jace ihn frisiert hat, sondern ich. So wie auch alle anderen Pferde für die Jace zuständig ist”, lächelte ich triumphierend.
      “Dann hast du wohl eindeutig mehr Talent als er”, sprach mein Gegenüber sanft. Ein angenehmer Schauder ergriff mich und rieselte hinunter bis in meinen Magen und löste dort ein Kribbeln aus. Obgleich es nur Sekunden gewesen sein mochten, fühlte es sich wie eine Ewigkeit an. Das Quietschen eines Pferdes, welches seine Artgenossen vertrieb, lenkte meinen Blick wieder ab. Nurja war an den Zaun gekommen. Obwohl die Stute erst im zweiten Monat tragend war, durfte sie bereit auf die Zuchtkoppel umziehen. Erwachsene Stuten ohne Fohlen, würde es erleichtern, die diesjährigen Fohlen abzusetzen, weil sie so immer noch eine Orientierung für die unerfahrenen Tiere gab.
      “Wo ist ihr Fohlen, hat sie es verloren?”, fragte Raphael verwundert und betrachte das Tier eindringlich.
      “Nein, Nurja hat noch einige Monate. Ihr Fohlen wird erst im Sommer erwartet”, erklärte ich Strick der braunen über den kräftigen Hals, “Wir sind schon alle ziemlich gespannt, wie es aussehen wird, schließlich ist sein Vater ein ziemlicher außergewöhnlicher Rassevertreter.”
      Die Stute beschnupperte “Aber lass uns das Gespräch doch bei einer Tasse Kaffee im Reiterstübchen fortsetzen, dann kannst du auch gleich einen Blick auf die Halle werfen.” Gemütlich im Warmen unterhielten wir uns noch eine gute Stunde, bevor Raphael aufbrechen musste.
      “Dann kommt gut nach Hause”, lächelte ich zuvorkommend, als wir an seinem dunkel glänzenden Porsche standen. Gegen diesen Luxusschlitten wirkte sogar der Mustang von Jace fast billig, ganz zu schweigen von dem, was ich mein nannte.
      “Danke, ich freu mich schon auf unser nächstes Aufeinandertreffen”, lächelte er charmant und zog mich in eine herzlich Umarmung. Deutlich konnte ich die gestählte Muskulatur unter seiner dünnen Jacke spüren. So nah an ihm zu sein verstärkte das wohlige Gefühl in meinem Bauch und aktivierte etwas in mir, was ich nicht zuordnen konnte.
      “Ich freu mich auch schon”, lächelte ich, als wir uns wieder voneinander lösten. Das Herz in meiner Brust schlug so kräftig, als wolle es jedem einzelnen Wort zustimmen und noch einige mehr hinzufügen.
      “Wir werden uns schon bald wiedersehen, das verspreche ich dir.” Ein sanftes Leuchten lag in seinen Augen, als er mir eine verirrte Haarsträhne aus dem Gesicht strich, die der Wind dort hingeweht hatte. Diese Geste war die letzte zum Abschied, bevor er in sein mitternachtsblaues Gefährt begab und vom Hof rollte.


      © Wolfszeit | Quinn Drake | 19.258 Zeichen
      zeitliche Einordnung {Ende Oktober 2020}
    • Wolfszeit
      Fahren E zu A | 30. Oktober 2022

      Helix/ Einheitssprache/ Camille/ Fanya/ Global Vision/ Voilá/ Farena von Hulshóf/ Zephyr

      Der Herbst hat das Land in ein beeindruckendes Farbenmeer aus warmen Rottönen und goldenem Laub verwandelt. Unser Hof liegt auf einer idyllischen Halbinsel, umgeben von dichten Wäldern, die uns ein Gefühl von Ruhe und Verbundenheit mit der Natur vermitteln. Die malerische Kulisse schafft eine inspirierende Umgebung für unser tägliches Training.
      Das Training beginnt früh am Morgen, wenn wir die Pferde aus ihren gemütlichen Boxen holen. Die frische Herbstluft streicht sanft über meine Haut, während ich die vertrauten Gesichter der Pferde begrüße. Heute sind neben den erfahrenen Hengsten Helix und Rambi auch die jungen Stuten Camille und Fanya dabei. Es ist schön zu sehen, wie sich die Herde im Laufe der Zeit entwickelt hat und wie sie einander beeinflussen und unterstützen. Die älteren Hengste übertragen ihr Wissen und ihre Erfahrung auf die jüngeren Stuten, und die Stuten bringen ihre jugendliche Energie und Neugier in die Gruppe ein.
      Unser Fokus liegt nicht nur auf den Fahrpferden, sondern auch auf den vielversprechenden Renntalenten. Global Vision, ein junger Hengst mit großem Potenzial, zeigt bereits jetzt beeindruckende Fortschritte. Mit gezieltem Training und einfühlsamer Betreuung bereiten wir ihn behutsam auf seine zukünftigen Aufgaben vor. Wir legen großen Wert auf eine ausgewogene Entwicklung, sowohl körperlich als auch mental.
      Auch die beiden Shetlandponys Voila und Fraena sind wichtige Mitglieder unseres Trainingsprogramms. Obwohl sie aufgrund ihrer Größe oft unterschätzt werden, überraschen sie uns immer wieder mit ihrem großen Willen und ihrer immensen Ausdauer. Wir trainieren sie in vielfältigen Disziplinen, angefangen von Bodenarbeit bis hin zu kleinen Sprüngen. Besonderes Augenmerk legen wir dabei auf ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden, denn wir möchten, dass sie auch bei ihrer geringen Größe eine starke Verbindung zu ihren Reitern aufbauen können.
      Während des Trainings nutzen wir die natürliche Schönheit der Umgebung, um abwechslungsreiche Übungen zu gestalten. Wir fahren durch die malerischen Wälder, über weite Felder und entlang des glitzernden Sees. Dadurch fördern wir nicht nur die körperliche Fitness der Pferde, sondern stärken auch ihre mentale Stärke und Ausgeglichenheit. Das unterschiedliche Gelände bietet uns die Möglichkeit, ihre Geschicklichkeit und Balance zu verbessern, während wir gemeinsam neue Herausforderungen meistern.
      Der Herbst in Schweden bietet uns eine inspirierende Kulisse für unsere Trainingsaktivitäten. Die malerische Landschaft, das herbstliche Farbenspiel und die Stille des Waldes schaffen eine Atmosphäre, in der wir uns voll und ganz auf unsere Pferde konzentrieren können. Jeder Tag ist eine neue Gelegenheit, uns weiterzuentwickeln, unsere Fähigkeiten zu verbessern und die enge Bindung zu unseren Pferden zu vertiefen.

      © Mohikanerin | 2.809 Zeichen
    • Wolfszeit
      Anfänger der Balance / Dressur E zu A | 30. November 2022

      Voilá / Fraena von Hulshóf / Abe's Aelfric / PFS' Arctic Tiger / Ardehel / Fire to the Rain LDS

      Der Dressurplatz war von der Morgensonne durchflutet, als ich mich auf einen weiteren Tag meiner Arbeit als Pferdetrainer vorbereitete. Mein Ziel war es, eine vielfältige Gruppe von Pferden vom E-Niveau zur anspruchsvolleren A-Niveau-Dressur zu führen. Diese Pferde hatten unterschiedliche Fähigkeiten und Herausforderungen, und es war meine Aufgabe, die richtigen Trainingsmethoden und Übungen zu wählen, um sie in ihren ersten Schritten auf diesem Weg zu unterstützen.
      Ein Teil der Gruppe arbeitete ausschließlich an der Doppellonge, um ihre Rittigkeit und ihre Grundlagen zu stärken. Die Ponys in dieser Gruppe waren bekannt für ihren Dickkopf, aber sie zeigten auch eine bemerkenswerte Wissbegierde. Die Trainingseinheiten begannen oft mit Geduld und Überzeugung, um sie auf die richtige Spur zu bringen. Einfache Übungen wie Volten und Schlangenlinien halfen den Ponys, ihre Muskulatur auszubalancieren und besser auf die feinen Hilfen des Trainers zu achten.
      Die Pferde, die sowohl an der Doppellonge als auch unter dem Sattel trainierten, wurden auf die Grundlagen der A-Niveau-Dressur vorbereitet. Hier lag der Schwerpunkt auf einfachen Bahnfiguren wie Zirkel, Hufschlagfiguren und Wendungen. Diese Übungen halfen den Pferden, ihre Balance und Geschmeidigkeit zu entwickeln.
      Eine wichtige Trainingsmethode war die Verfeinerung der Schenkel- und Zügelhilfen, um die Kommunikation zwischen Reiter und Pferd zu vertiefen. Wir achteten besonders auf die Anlehnung und darauf, dass die Pferde leicht in den Hals bogen, um eine harmonische Einheit zu bilden.
      Die Reise vom E-Niveau zur A-Niveau-Dressur war eine Herausforderung, aber die Fortschritte waren offensichtlich. Die Pferde entwickelten eine bessere Rittigkeit und wurden allmählich zu verlässlichen Partnern für ihre Reiter. Die grundlegenden Bahnfiguren und Übungen halfen den Pferden, ihre Fähigkeiten zu entwickeln und sich auf das A-Niveau vorzubereiten.
      Jeden Tag, wenn ich auf dem Dressurplatz stand und die Pferde beobachtete, konnte ich den Fortschritt sehen. Diese Pferde waren auf dem Weg, sich in der Welt der Dressur zu behaupten und es war eine Freude, sie in ihren Anfängen zu begleiten.

      © Mohikanerin // 2164 Zeichen
    • Wolfszeit
      Ein Tanz der Vielfalt / Dressur A zu L | 26. Februar 2023

      WHC’ Poseidon / Vyctor / WHC’ Pumpkin G / WHC’ Humanoid Crashtest / PFS’ Caruso / Fraena von Hulshóf / Seiltänzer TE / Jora / Camille / Fanya / Cremella / WHC’ Colourful Lifestyle / Northhumbria

      Der Monat Februar brachte eine bunte Mischung an Pferdepersönlichkeiten und Herausforderungen auf das Lindö Dalen Stuteri. Als Dressurreiterin freute ich mich auf die abwechslungsreiche Trainingssession, die vor uns lag. Jedes Pferd hatte seinen eigenen Charakter und seine individuellen Bedürfnisse, und ich war gespannt darauf, mit ihnen als Team zu wachsen und zu lernen.
      Camille, die aufmerksame Freibergerstute, beeindruckte mich mit ihrer Ausstrahlung und ihrem feinen Gespür für meine Hilfen. Wir arbeiteten daran, ihre Natürlichkeit und Leichtigkeit zu bewahren und gleichzeitig ihre Bewegungen präzise zu kontrollieren. Die Harmonie, die wir entwickelten, war beeindruckend, und ich fühlte, wie sie jeden Schritt mit Freude und Eifer machte.
      Teddy, das temperamentvolle Barock-Reitpferd, war eine Herausforderung, die ich mit Begeisterung annahm. Seine Energie und Konzentration forderten mich dazu auf, klare und präzise Signale zu geben, und wir arbeiteten hart daran, eine starke Verbindung aufzubauen. Mit Geduld und Feingefühl entwickelte sich Teddy zu einem zuverlässigen Partner, der sich bemühte, jede Aufgabe mit Bravour zu meistern.
      Fanya, die misstrauische und zurückgezogene Freibergerstute, war eine echte Überraschung. Wir nahmen uns Zeit, um ihr Vertrauen zu gewinnen und sie aus ihrer Schale zu locken. Ihre verfressene Natur half uns dabei, eine positive Verbindung aufzubauen, und wir arbeiteten behutsam daran, ihr Selbstvertrauen zu stärken. Jeder Fortschritt wurde von uns beiden mit Freude gefeiert, und ich spürte, wie Fanya mehr und mehr aus sich herauskam.
      Gji, der ruhige und liebenswerte Barock-Reitpferde-Hengst, war ein wahrer Genuss zu reiten. Seine Gelassenheit und Ausgeglichenheit machten jeden Ritt zu einem entspannten Erlebnis. Wir verfeinerten seine Bewegungen und arbeiteten an seiner Balance, um seine natürlichen Talente voll auszuschöpfen. Gji war ein wahrer Gentleman, der mit seiner sanften Art mein Herz eroberte.
      Poseidon, das mutige und freundliche Canadian Sport Horse mit den leuchtenden blauen Augen, war ein echter Star. Seine Verspieltheit und sein Selbstbewusstsein beeindruckten mich, und wir hatten viel Spaß beim Training.
      Vyctor, der flinke und arbeitswillige schwedische Warmbluthengst mit der auffälligen Fuchsschecken-Farbe und den blauen Augen, forderte mich immer wieder aufs Neue heraus. Seine Schnelligkeit erforderte von mir ein gutes Timing und eine klare Kommunikation. Wir entwickelten uns stetig weiter und ich spürte, wie sich unsere Bindung vertiefte.
      Crash, das anhängliche und neugierige Barock-Reitpferd, war ein wahrer Charakter. Ihre Vorliebe, Kleidungsteile zu entfernen, brachte uns oft zum Lachen, und ich konnte nicht anders, als ihr liebenswürdiges Wesen zu schätzen. Wir arbeiteten behutsam daran, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und ihre aufgeweckte Art in positive Bahnen zu lenken.
      Caruso, der liebenswerte und energiegeladene New Forest Pony-Hengst, war ein echter Wirbelwind. Sein Temperament forderte mich dazu auf, gelassen und ruhig zu bleiben, und wir hatten viel Spaß dabei, neue Übungen auszuprobieren. Seine Treue und Unerschrockenheit waren bewundernswert, und ich fühlte mich geehrt, ihn als Partner zu haben.
      Fraena, das aufgeweckte und gelassene Shetland Pony, zeigte eine beeindruckende Ruhe und Freundlichkeit. Obwohl sie nicht geritten wurde, genossen wir gemeinsame Spaziergänge und beschäftigten uns mit Bodenarbeit.
      Cremella, die dominante und lebensfrohe Shetland Pony-Stute mit der auffälligen Silver Bay Dun-Farben, war eine wahre Persönlichkeit. Ihre Frechheit und Dominanz forderten mich dazu auf, klare Grenzen zu setzen, und wir fanden einen Weg, miteinander zu kommunizieren und einander zu respektieren.
      Styler, der energiegeladene und dominante Canadian Sport Horse-Hengst mit dem Silver Bay Dun-Farben, brachte uns oft zum Staunen. Seine Ausdrucksstärke und sein Mut machten jede Trainingseinheit zu einem aufregenden Erlebnis. Wir arbeiteten daran, seine Energie in positive Bahnen zu lenken und seine Dominanz in eine starke Partnerschaft umzuwandeln.
      Humbria, die ungeduldige und sensible Traberstute, war eine Herausforderung, die ich mit Einfühlungsvermögen annahm. Ihre Sensibilität erforderte von mir ein sanftes Vorgehen, und wir arbeiteten behutsam daran, ihr Vertrauen zu gewinnen. Mit Geduld und Belohnung fanden wir eine gemeinsame Sprache, und Humbria zeigte sich von ihrer besten Seite.
      Der Monat Februar im Dressurreiten auf Stufe L war geprägt von Vielfalt, Herausforderungen und Lernerfolgen. Jedes Pferd brachte seine eigenen Talente und Persönlichkeiten mit sich, und ich fühlte mich geehrt, Teil dieses facettenreichen Teams zu sein. Als Reiterin wuchs ich mit jeder Trainingseinheit und entdeckte die Freude an der Vielfalt des Dressurreitens. Unsere gemeinsame Reise hatte gerade erst begonnen, und ich war voller Vorfreude auf alles, was noch vor uns lag. Gemeinsam würden wir weiter tanzen und uns in der wunderbaren Welt des Dressurreitens weiterentwickeln.
      © Mohikanerin // 5022 Zeichen
    • Wolfszeit
      Ausgeglichen / Fahren A zu L | 31. März 2023

      Glimsy / Fraena von Hulshóf / Nurja / Camille / PFS' Arctic Tiger / Henade / Raleigh

      "Wir begannen das Training Anfang des Spätwinters, um ausreichend Zeit zu haben, um die Pferde für die bevorstehenden Turniere im L-Niveau vorzubereiten. Der Trainingsplan legte den Schwerpunkt auf eine solide Grundlage, da ich bereits wusste, welche Stärken und Schwächen jedes einzelne Pferd mitbrachte.
      Um die Pferde kontinuierlich zu fordern und zu fördern, habe ich eine abwechslungsreiche Mischung aus Dressurarbeit, Kutschentraining, Cavaletti-Arbeit und Geländeausritten integriert. Zwei Mal pro Woche wurden die Pferde an der Kutsche gefahren, um sowohl die Gehorsamkeit als auch das Fahren in verschiedenen Gangarten zu üben. Bei Bedarf passte ich die Trainingsintensität an und gewährte den Pferden Ruhetage, um ihnen die Möglichkeit zur Erholung zu geben oder leichteres Training vom Sattel oder an der Hand einzuführen.
      Die Dressurarbeit bildete das Herzstück des Trainings. Ich widmete viel Zeit dem Feinschliff der Lektionen, dem Arbeiten an Gehorsamkeit, Bahnfiguren und Übergängen. Obwohl der Trainingsplan auf die Vertiefung von Seitengängen verzichtete, konnte ich dennoch die Flexibilität und das Gleichgewicht der Pferde durch Volten und Schlangenlinien fördern. Die Arbeit an der Hand half dabei, die Pferde zu gymnastizieren und ihre Aufmerksamkeit zu schärfen.
      Während des Trainings beobachtete ich genau den Fortschritt jedes Pferdes und legte besonderen Wert auf ihre körperliche Verfassung und ihr Verhalten. Bei Rückschlägen, sei es körperlicher oder geistiger Natur, nahm ich mir die Zeit, um die Pferde zu beobachten und auf ihre Bedürfnisse einzugehen. In solchen Fällen gewährte ich ihnen einen wohlverdienten Ruhetag oder reduzierte die Intensität des Trainings, um eine Überlastung zu vermeiden.
      Im Rahmen der Vorbereitung auf die kommende Saison gab es einige Herausforderungen zu meistern. Manche Pferde zeigten anfangs Widerstand gegen bestimmte Übungen oder benötigten mehr Zeit, um eine Lektion zu meistern. Doch mit Geduld und einfühlsamem Training konnten wir diese Hürden überwinden. Die enge Zusammenarbeit mit meinen Kollegen und Reitlehrern war dabei von unschätzbarem Wert. Wir tauschten uns über unsere Erfahrungen und Lösungsansätze aus und halfen einander, unsere Pferde bestmöglich vorzubereiten."

      © Mohikanerin // 2245 Zeichen
    • Wolfszeit
      Eine Reise durch die Welt des Fahrens / Fahren L zu M | 30. April 2023
      Camille / Fraena von Hulshóf / PFS’ Artic Tiger

      Ein Hauch von Frühling lag über dem Whitehorse Creek Stud, als ich mich mit Vorfreude und einem Kribbeln im Bauch auf das anspruchsvolle Fahren auf Stufe M vorbereitete. Die vielfältige Gruppe an Pferden versprach einen Monat voller Herausforderungen, Entdeckungen und intensiver Trainingseinheiten im Fahrsport.
      Camille, die aufmerksame Freibergerstute, war meine treue Begleiterin auf dieser Reise. Ihre sanften Augen spiegelten ihre Konzentration und Aufmerksamkeit wider. Schon beim ersten Anspannen spürte ich ihre Bereitschaft und ihre Berechenbarkeit. Wir begannen unser Training mit behutsamen Grundlagen, um eine harmonische Verbindung zwischen uns herzustellen. Mit sanften Hilfen und einer ruhigen Stimme lotste ich sie durch die ersten Dressuraufgaben. Camille schien zu ahnen, was von ihr verlangt wurde, und zeigte sich von ihrer besten Seite. Ihre Bewegungen waren fließend und präzise, als wäre sie für das Fahren geboren. Gemeinsam arbeiteten wir an feinen Nuancen und verfeinerten unsere Kommunikation. Mit jedem Trainingstag wuchs unser Vertrauen und unsere Verbindung zueinander, und Camille entwickelte sich zu einer wahren Königin an der Kutsche.
      Fraena, das kleine Shetland Pony, war ein echtes Energiebündel und eine Quelle unendlicher Freude. Ihre lebendigen Augen funkelten vor Begeisterung, als wir uns auf das Geschicklichkeitsfahren vorbereiteten. Der Parcours war mit bunten Fahnen und Blumen geschmückt, und Fraena konnte es kaum erwarten, sich ins Abenteuer zu stürzen. Mit spielerischer Leichtigkeit navigierten wir durch die engen Kurven und über die geschickt platzierten Kegel. Fraena bewies nicht nur ihre Wendigkeit, sondern auch ihre innere Ruhe und Gelassenheit. Selbst bei kniffligen Aufgaben blieb sie ruhig und fokussiert, als wäre sie ein alter Hase im Fahrsport. Bei jeder neuen Herausforderung steckte sie voller Eifer und wollte unbedingt alles richtig machen. Unsere gemeinsamen Fahrten waren wie ein Tanz im Sonnenschein, und ich konnte die Freude und Begeisterung in ihrem Herzen förmlich spüren.
      Tiger, der kleine freche American Miniatur Horse Hengst, stellte mich vor ganz neue Herausforderungen. Sein silbernes Fell schimmerte im Sonnenlicht. Ich merkte schnell, dass Tiger sich nicht so leicht einschüchtern ließ. Mit Geschick und Geduld arbeiteten wir an seiner Disziplin und seinem Gehorsam. Obwohl er gerne seinen eigenen Kopf hatte, zeigte er auch eine beeindruckende Intelligenz und lernte schnell. Mit viel Lob und positiver Bestärkung übten wir Gehorsam und Präzision, um seine Verspieltheit in die richtigen Bahnen zu lenken. Tiger war wie ein kleiner Entdecker, der neugierig die Welt des Fahrens erkundete und mich immer wieder überraschte. Trotz seiner Frechheit entwickelte er sich zu einem zuverlässigen Partner im Geschirr und sorgte für so manches Schmunzeln während unserer Fahrten.
      Der April war ein Monat voller intensiver Trainingseinheiten und wertvoller Erfahrungen im Fahren auf Stufe M. Die Schönheit des Fahrens offenbarte sich mir in neuen Facetten, während ich mit jedem Tag als Fahrer wuchs und meine Verbindung zu den Pferden. Es war eine Frühlingsreise voller Abenteuer und Magie, die mein Herz erfüllte und meine Leidenschaft für den Fahrsport noch mehr entfachte.

      © Mohikanerin // 3255 Zeichen
    • Wolfszeit
      Kurze Ziele / Dressur L zu M | 31. Mai 2023

      Enigma LDS / Fraena von Hulshóf / WHC' Förster / PFS' Disparo de Fiasco / Pleasing

      Die Pferde standen mit glänzenden Augen und gespannten Muskeln bereit, ihre Grenzen zu überschreiten. Ich konnte die Vorfreude und Entschlossenheit spüren, als wir uns auf den Trainingsplatz begaben. Der erste Monat war von Energie und Neugierde geprägt. Jedes Pferd reagierte unterschiedlich auf die neuen Herausforderungen, und ich musste mich an ihre individuellen Stärken und Schwächen anpassen. Es war ein ständiger Kampf zwischen Durchlässigkeit und Gehorsamkeit, und ich war stolz auf ihre Fortschritte.
      Eines Tages fand ich mich mit meinem Partner, einem feurigen Fuchs namens Förster, auf dem Trainingsplatz wieder. Wir arbeiteten an der Verfeinerung unserer Seitengänge und strebten nach Perfektion. Als ich die Zügel aufnahm, spürte ich, wie er sich unter mir zu einer harmonischen Einheit formte. ""Bravo, mein Freund, du bist ein wahrer Künstler"", flüsterte ich ihm zu und lobte ihn ausgiebig.
      Wie in jeder anderen Geschichte gab es auch Rückschläge. Eines Morgens spürte ich, wie Fiasco etwas steif und müde war. Ich fühlte mich von seiner Sorge überwältigt, als ich beschloss, ihm einen Ruhetag zu gönnen. Ich ließ ihn an der Hand arbeiten und massierte seine Muskeln sanft. ""Keine Sorge, wir nehmen uns Zeit zum Ausruhen. Du wirst stärker zurückkommen"", versicherte ich ihm und spürte, wie er mir dankbar den Kopf senkte.
      Die Monate vergingen, und wir arbeiteten hart, um unsere Ziele zu erreichen. Jeder Tag war erfüllt von Schweiß, Staub und der unermüdlichen Hingabe zu unserem gemeinsamen Streben. Wir eroberten die Bahnfiguren, perfektionierten unsere Galopparbeit und tanzten in den Seitengängen wie nie zuvor.
      In den letzten Wochen vor dem M-Niveau spürte ich eine Mischung aus Aufregung und Nervosität. Die Pferde hatten große Fortschritte gemacht, aber es war auch eine Zeit der Prüfung. Konnten sie ihre Leistungen in der Arena unter Beweis stellen?
      Der große Tag brach an, als wir uns zum ersten Turnier der Saison aufmachten. Die Sonne strahlte auf dem Turnierplatz, als ich die Pferde vorbereitete und ihnen in die Augen schaute. ""Heute ist der Tag, an dem du zeigen wirst, was du gelernt hast"", flüsterte ich Förster zu und strich ihnen beruhigend über den Hals.
      Ein Pferd nach den anderen betrat die Arena mit Stolz und Anmut. Jeder Schritt war ein Ausdruck unseres gemeinsamen Trainings und unserer unzähligen Stunden der Arbeit. Durch die Ankündigung des Richters konnte ich die Spannung in der Luft spüren.
      Die Pferde bewegten sich mit Eleganz und Präzision. Ihre Muskeln pulsierten unter ihren glänzenden Mänteln, und ihre Augen funkelten vor Konzentration. Sie waren die Verkörperung von Teamarbeit und Perfektion. Ich konnte mein Herz vor Stolz fast nicht mehr spüren.
      Am Ende des Tages kehrten wir mit strahlenden Gesichtern und Schleifen zurück. Wir hatten unser Ziel erreicht. Jedes Pferd hatte sich im M-Niveau bewiesen und seine Fähigkeiten gezeigt. Es war ein Triumph, der uns mit Freude und Dankbarkeit erfüllte.
      Unser dreimonatiges Abenteuer hatte uns zusammengeschweißt und uns gelehrt, dass Ausdauer, Geduld und eine tiefe Verbindung zu unseren Pferden uns zum Erfolg führen können. Ich wusste, dass dies nur der Anfang war, und dass noch viele weitere Abenteuer auf uns warteten.
      Ich sah in die Zukunft und konnte das Potenzial unserer Partnerschaften erahnen. Mit jedem weiteren Tag würden wir wachsen, lernen und uns verbessern. Wir waren bereit, die Dressurwelt zu erobern und unsere Leidenschaft für diesen wunderschönen Sport zu teilen.

      © Mohikanerin // 3488 Zeichen
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  • Album:
    Paddock Trails Stuten
    Hochgeladen von:
    Wolfszeit
    Datum:
    7 Feb. 2020
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  • [​IMG]
    Fraena von Hulshóf

    Rufname: Frany, Frena
    geboren 19. April 2012

    Aktueller Standort: Whitehorse Creek Stud, Cadomin [CAN]
    Unterbringung: Offenstall [9h], Weide [15h]


    __________ p e d i g r e e

    Aus: Lady Gina [Shetlandpony]
    MMM: Unbekannt _____ MM: Giga _____ MMV: Unbekannt
    MVM: Unbekannt _____ MV: Ladyskiller _____ MVV: Unbekannt


    Von: Avero [Shetlandpony]
    VMM: Unbekannt _____ VM: Gustavero _____ VMV: Unbekannt
    VVM: Unbekannt _____ VV: Luciane _____ VVV: Unbekannt


    __________ i n f o r m a t i o n

    Rasse: Shetlandpony [SH]
    SH [100%]

    Geschlecht: Stute
    Stockmaß: 81 cm
    Farbe: Chestnut Tobiano
    [ee Aa ff]

    Charakter
    lieb, aufgeweckt, eifrig, gelassen

    Sie ist eine liebe, junge Stute. Trotz ihrer Coolness ist sie nicht verschlafen, mit viel Pepp und Go zeigt sie sich gerne vor dem Wagen. Sie lernt eifrig. Fraena stammt aus einer kleinen irischen Hobbyzucht.
    Sie kam 4-jährig, frisch von der Koppel nach Luggala wo sie ausgebildet wurde.

    *sie ist ein-, zwei- und vierspännig gefahren.
    *mag keine Peitschen


    __________ p e r f o r m a n c e

    [​IMG] [​IMG]

    Dressur M [M] – Springen E [A] – Fahren L ['S]

    Disziplin: -
    Wettbewerbsniveau: National
    Platzierungen: 0 | 0 | 0

    Oktober 2022, Fahren E zu A
    November 2022, Dressur E zu A
    Februar 2023, Dressur A zu L
    März 2023, Fahren A zu L
    April 2023, Fahren L zu M
    Mai 2023, Dressur L zu M
    September 2023, Fahren M zu S

    März 2016
    2. Platz, 266. Fahrturnier


    April 2016
    2. Platz, 269. Fahrturnier

    Mai 2016
    1. Platz, 270. Fahrturnier

    November 2023
    2. Platz, 603. Fahrturnier
    3. Platz, 604. Fahrturnier


    Dezember 2023
    3. Platz, 608. Fahrturnier
    1. Platz, 611. Fahrturnier
    3. Platz, 710. Dressurturnier


    Februar 2024
    2. Platz, 614. Fahrturnier

    __________ b r e e d i n g

    [​IMG]
    Stand: 01.01.2023


    xXx wurde im Monat 20xx durch HK XXX zur Zucht zugelassen.

    Zugelassen für: SH, a. A.
    Zuchtwert: 101 (März 2024)

    Leihgbühr: x Joellen, [Verleih auf Anfrage]
    Bedingungen: *steht nur für WHC Fohlen zur Verfügung

    Körung
    Exterieur: -
    Gesamt: -

    __________ o f f s p r i n g


    Frany hat 0 Nachkommen.

    NAME a.d. STUTE [HANN] *20xx


    __________ h e a l t h


    Gesamteindruck: Gesund; gut in Training
    Krankheiten: -
    Beschlag: Barhuf


    __________ a d d i t i o n a l


    Pfleger: Hazel
    Reiter: Reitschule
    Trainer: -
    Eigentümer: Whitehorse Creek Stud [100%]
    Züchter: k. A.
    Ersteller, VKR: Vampyrin [Verfallen]

    Fraena steht aktuell nicht zu Verkauf.

    Punkte: 20

    Abstammung [2] – Trainingsberichte [7] – Schleifen [9] – RS-Schleifen [0] – TA [0] – HS [0] – Zubehör [2]

    _____

    Spind – Exterieur – PNG
    In meinem Besitz seit dem 02. Januar 2017