Rhapsody

Flea -- Lewitzer *

im Besitz seit 03/2015 - Staatsprämienstute - aus der Farasha v. Polarfuchs - Aa ee ToTo FF

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Flea -- Lewitzer *
Rhapsody, 20 Juli 2015
Cooper gefällt das.
    • Rhapsody
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      Ankunftsbericht Outside Girl und Flea
      12. März 2015 | © Samarti

      Nicht so ganz wissend, was ich von der derzeitigen Situation halten sollte, kratzte ich mich nachdenklich am Kopf und legte meine Stirn in Falten, indem ich meine Augenbrauen zusammenzog.
      Um die Situation mal zusammenzufassen: In meinem Stall standen derzeit drei Lewitzer, die nicht mir gehörten und weitere zwei befanden sich gerade vor mir, nebeneinander, beinahe Bauch an Bauch – und beobachteten mit Argusaugen jede meiner Bewegungen. Langsam stemmte ich meine Hände in die Hüfte und meine Augen wechselten mit kritischem Blick von der einen zur anderen Stute.
      Zwei Paar Pferdeaugen blickten mich an und standen ruhig vor mir, während ich beinahe krampfhaft überlegte, wie ich mir das nun schon wieder eingebrockt hatte.

      „Hätten Sie es dann bald?“, grummelte der Fahrer unmissverständlich und zeigte deutlich, wie genervt er davon war, so lange dort herumzustehen und die beiden Lewitzer festzuhalten, die nun auf meinem Gestüt untergebracht werden sollten.
      „Äh, ja, klar, kleinen Moment noch.“ Völlig geistesabwesend versank ich wieder in meinen Gedanken und war schon dabei, den zwei Stuten ihre Boxen zuzuteilen. Ob ich sie zu Bacia und Chepa stellen konnte? Jojo hatte mir nichts davon gesagt, ob die sich vertrugen – im nächsten Moment fiel mir jedoch ein, dass die vier Stuten sich untereinander gar nicht kannten, denn Flea und Outside Girl waren geradewegs nach Kanada eingeflogen worden, ohne einen Zwischenstopp in Wales zu machen.
      Wo wir beim Thema wären: Wer waren die beiden Ponys überhaupt? Das einzige, was ich von ihnen wusste, waren ihre Namen, dass sie Lewitzer waren und dass Outside Girl von Zasas Gestüt in Luggala, Irland stammte. Da hörte es dann aber leider auch schon wieder auf.
      Während ich die dunkelbraune Stute so betrachtete, starrte sie unerbittlich zurück und schien mit ihren ruhigen, aber dennoch irgendwie wilden Augen direkt in meine Seele zu starren. Misstrauisch überkreuzte ich die Arme vor der Brust und zog eine Augenbraue in die Höhe, tippte mit dem rechten Fuß im immer selben Takt auf den Boden und wandte meinen Blick dann zu Flea.
      Sie war eine wahnsinnig schöne Fuchsstute mit einer … naja, eher dezenten und unauffälligen Scheckung, die somit nicht vom Wesentlichen ablenkte: ihrem ausdrucksstarken Kopf. Dieser hatte nicht nur eine total tolle Form, die mich innerlich zum Schmelzen brachte, sondern auch wahnsinnig treue, liebevolle braune Augen, welche mich in diesem Moment ruhig und mit einem Funken Neugier darin musterten.

      Ein wahnsinnig aufbrausendes, cholerisches Stöhnen riss mich völlig abrupt aus meinen Gedanken in die knallharte Realität. Vor mir stand der Fahrer; ein Mann Ende vierzig mit einer Halbglatze und ungepflegtem Kinnbart, der mich erschaudern ließ. Der Bart schien beinahe so strähnig zu sein wie die Haare des Mädchens, mit dem ich früher zur Schule gegangen war – und da die Vermutung naheliegend war, dass besagtes Mädchen ihre Haare höchstens einmal im Monat gewaschen hatte, konnte ich guten Gewissens davon ausgehen, dass der Kerl hier seinen ekligen Bart ebenso selten wusch. Auch ein Sabberfaden hing dort irgendwie drin und … war das etwa ein Kaugummi?!
      Angewidert von dem Gedanken schüttelte ich mich am ganzen Körper, um den Gedanken loszuwerden und übernahm dann die Stricke der zwei Ponys; stets darauf bedacht, die fettigen, schmierigen Finger des Mannes nicht zu berühren. Als die Hürde zum Glück problemlos gemeistert war, drückte er mir noch den Papierkram in die Hand, den ich mit spitzen Fingern nur an einem winzigen Stück des Papiers anfasste und angeekelt vor meinem Gesicht hielt. Skeptisch näherte ich mich mit meiner Nase den Unterlagen an und schnüffelte kurz. Bah! Wenn Jojo da war, müssten wir die Dinge mal schön mit Parfüm oder sonst irgendwas einsprühen, denn so stanken die Dinger fürchterlich nach Rauch!
      Das laute Zuknallen der Autotür holte mich zurück in die Gegenwart und ich atmete erleichtert wieder aus, als ich sah, dass der Wagen von unserem Hof verschwand und die Auffahrt hinunter brauste.
      „So, ihr zwei, dann wollen wir mal, was?“, säuselte ich den beiden Ponys zu und führte sie dann in Richtung Stall. Wow, meine Glückssträhne musste es heute echt gut mit mir meinen: Unterwegs fiel mir dann gleich der Papierkram, den ich kaum anfassen wollte, aus der Hand und verteilte sich auf dem Asphalt. Dazwischen stach mir ein Brief ins Auge, den ich jedoch erst vom Boden fischte, als Flea und Outside Girl schon fröhlich kauend Verwendung für das Heu in ihren Boxen fanden und ich ihre Halfter und die Stricke in die Waschmaschine geschmissen hatte. Wer wusste, vielleicht hatte der Kerl Flöhe oder Läuse gehabt oder so etwas in der Art. Sicher war sicher.
      Der Zettel war eine kleine Nachricht, die Jojo mir anscheinend hatte zukommen lassen wollen. Zwar war das Geschriebene etwas verwischt, weil der Zettel wohl nass geworden war, doch entziffern konnte man die Hieroglyphen dann glücklicherweise doch noch.

      „Hey Elisa!
      Ich weiß, es kommt plötzlich und du weißt nichts davon, aber so ging es mir auch, tut mir leid! Auf jeden Fall musst du die zwei schnuckeligen Stuten hier noch eine Weile bei dir aufnehmen, bis mein neues Gestüt beziehbar ist. Danke und erinner mich daran, dir was auszugeben!
      Jojo“
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      Umzug | Creed - Higher
      14. März 2015

      Nur zwei Worte sollten endgültig mein Leben verändern. Nur eine kurze SMS und ich würde mein Leben in Wales hinter mir lassen.

      We’re done.
      ~*~

      Es hatte noch eine weitere Woche gedauert – die Firma, die Großtiere per Flugzeug transportierte, hatte sich erst quergestellt – aber dann, endlich, saß ich im Auto neben Tante Molly, im Anhänger die beiden Lewitzerhengste.
      Wir sprachen nicht viel. Tante Molly war natürlich traurig, dass ich sie verließ und die Pferde mitnahm. Ich hätte ihr ohne Probleme eines in Wales gelassen, doch das hatte sie abgelehnt; sollte sie doch noch einmal auf den Geschmack kommen, würde sie sich schon eins besorgen. „Außerdem hab ich ja noch Ciaran,“ hatte sie gesagt. „Wenn der wieder fit ist, dann kommt er wieder zurück.“
      Bis jetzt sah es zwar nicht wirklich aus, als ob Ciaran irgendwann noch einmal belastet werden konnte, aber das wollte ich ihr nicht sagen.
      Die Verabschiedung fiel eher kühl aus; wir brachten die Ponys zusammen zu der Box, in der sie die nächsten Stunden verbringen mussten, diskutierten eine ganze Weile mit Muraco, bis er endlich in die Box stapfte, und dann war ich fast schon zu spät.
      Ich umarmte Tante Molly lang, versprach ihr, sie bald zu besuchen, dann rannte ich zu meinem Gate. Das Abenteuer Kanada konnte beginnen.

      ~*~
      Elisa hatte mich lange bearbeitet, bis ich das Gestüt direkt gegenüber ihrer Crown Hill Stables kaufte. „Wir sollen wir sonst züchten?!“ war ihr wohl ausschlaggebendstes Argument – denn über einen ganzen Ozean hinweg würde eine Zucht wohl wirklich schwer werden.
      Über die letzten Wochen hinweg hatte ich fast täglich zwei Pferde zum Flughafen gebracht, die zwischenzeitlich auf Elisas Gestüt zwischengeparkt wurden. Sie hatte mich jeden Tag auf dem Laufenden gehalten, hatte sogar zwei neue Lewitzerstuten für mich untergebracht. Als ich die SMS des Bauarbeiterunternehmens, welches mein neues Gestüt fertig renoviert hatte, bekommen hatte, war Elisa die erste, der ich schrieb.
      Und jetzt war ich also wirklich unterwegs nach Dauphin, Manitoba. Hoffentlich war es nicht eisig kalt, Kälte konnte ich einfach nicht ab. Eine kleine Stimme in meinem Kopf – die, die einen immer nervt mit ihrer pessimistischen Einstellung – meldete sich. ‚War das wirklich eine gute Idee?‘ fragte sie. Wäre ich allein gewesen, hätte ich laut geseufzt oder sogar Selbstgespräche geführt.
      Doch leider war ich in einem Passagierflugzeug, eingequetscht zwischen einem übergewichtigen Geschäftsmann und einer Omi, und das noch für mindestens 14 weitere Stunden.
      Ein kleiner Seufzer entfuhr mir dann doch noch. Die Omi warf mir einen bösen Blick zu. Das konnte ja heiter werden.
      ~*~
      Am Airport in Winnipeg musste ich dann umsteigen, was mit zwei Pferden im Gepäck wirklich nicht leicht wahr. Eine weitere dreiviertel Stunde, und ich war endlich in Dauphin.
      Komplett übermüdet übersah ich natürlich Elisas Anhänger prompt und so dauerte es weitere fünfzehn Minuten, bis wir endlich auf den Weg in den Riding Mountain National Park waren. Elisa versuchte so viel wie möglich aus mir herauszukitzeln – über den Flug, über das Wetter in Wales, über sonstige Dinge – doch meine Antworten fielen ziemlich einsilbig aus.
      Ich wollte eigentlich einfach nur schlafen, auch, wenn es gerade erst einmal 14:10 Uhr war. Verdammter Jet Lag.
      Zum Glück durfte ich die Nacht – okay, nicht wirklich Nacht – noch auf Elisas Gestüt verbringen, ehe ich am nächsten Morgen den ersten Fuß in mein neues Zuhause setzen würde. Pine Grove Stud – der Name des Gestüts hatte mich schon auf den ersten Blick gefesselt. Das Haupthaus mit einem Studio unterm Dach, die Stallungen mit den dunkelbraunen Ziegeln und die Reithalle taten dann den Rest.
      Und ab morgen würde es mir alles allein gehören. Nur die Pferde und ich – und bei Fragen jeglicher Art hatte ich jetzt Elisa, Elena und Gwen um mich.
      Wales vermisste ich natürlich jetzt schon, aber ich war mir sicher, dass Kanada wirklich nicht der schlimmste Teil der Welt war.
      Bis auf diese eklige Milch in Tüten. Schon beim Gedanken daran musste ich die Nase rümpfen. Hoffentlich gab es hier auch noch good old Milch in Tetrapaks.

      ~*~
      Der Morgen kam früher als erwartet. Elisa klopfte lautstark um acht Uhr an meiner Tür und fing an The Start Of Something New zu singen.
      Sie hörte erst auf, als ich die Tür öffnete und ihr ein Kissen an den Kopf warf.
      Bevor wir die Pferde ins neue Heim führten, checkte ich erstmal meine Wohnung aus. Sie lag direkt im Erdgeschoss, fast durchgehend mit Laminat ausgelegt. Im hinteren Teil reichten die Fenster von der Decke zum Boden und durchfluteten den Raum mit Licht. Die Küche war klein, aber ich war nicht der beste Koch, sie würde wohl reichen.
      Das Beste jedoch war die kleine Praxis im linken Flügel des Hauses. Ich würde also – neben der Zucht – Geld verdienen können und nicht nur meine Pferde und die meiner Freunde verarzten. Den Dachboden mit dem Studio würde ich wohl fürs Erste in Ruhe lassen müssen, immerhin musste ich meine Wohnung erst einmal einrichten.
      Aber wenn man Freunde hat, die man zum helfen zwingen kann, dann geht auspacken mindestens dreimal schneller.

      ~*~
      Erst gegen Nachmittag – und natürlich nach einer ausführlichen Inspizierung der Stalltrakte – konnten wir meine Pferde von Elisas Gestüt auf meines bringen. Spotlight, Star und Favorita stürzten sich sofort auf die frischen Heunetze, während Symbolic Splash und Cíola ein wenig vorsichtig die neuen Boxen beschnupperten. Attonito, Newt, Paramour und Muraco ignorierten die neue Umgebung und stellten sich einfach auf den angrenzenden Paddock.
      Als auch Chepa und Bacia in ihren Boxen standen, drehte ich mich mit einem Grinsen zu Elisa herum. Die verdrehte nur die Augen.
      Outside Girl und Flea waren beide wunderschöne Stuten, die mich beide sofort freundlich beschnupperten und die Karotten, die ich ihnen brachte, dankbar annahmen.
      „Weißt du,“ sagte Elisa neben mir, „rein theoretisch könnten wir uns die beiden schnappen und mit ihnen ausreiten.“ Sie grinste. „Dann könnte ich dir die Landschaft zeigen und alles Mögliche.“
      Als ob ich das Angebot ausschlagen konnte.
      ~*~
      Die erste Nacht in einer neuen Umgebung schlief ich immer besonders schlecht (gestern war eine Ausnahme gewesen; ich war einfach erledigt gewesen), und so lag ich um zwei Uhr morgens immer noch wach in meinem neuen Bett im neuen Schlafzimmer im neuen Haus des neuen Hofes.
      Wenn ich mich auf die Seite drehte, konnte ich durchs Fenster perfekt auf den Stutentrakt sehen. Obwohl es kalt war – 4 Grad Minus, also verdammt kalt – standen Chepa, Star und Flea auf dem Paddock. Star und Flea beknabberten sich sogar, soweit ich sehen konnte.
      Alle sahen sie komplett ruhig aus, als hätte ihnen der Umzug kein bisschen zugesetzt. Seufzend schlug ich die Bettdecke zurück und schlich mich in die Küche. Dann müsste wohl eine warme Milch mit Honig herhalten.
      Als ich den Kühlschrank öffnete, war das erste, was ich sah, eine Plastiktüte voll mit Milch.
      Was zur Hölle?!
      Bei näherer Betrachtung dann sah ich den Zettel, der daran klebte. Welcome to Canada stand in Elisas Handschrift darauf.
      Wer brauchte schon Feinde, wenn man solche Freunde hatte?
    • Rhapsody
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      Nächtlicher Besuch | Red Hot Chili Peppers - Quixoticelixer

      12. April 2015
      Elisa runzelte die Stirn. „Ein Klopfen? Sicher, dass es kein Waschbär war?“
      Chepa neben mir schnupperte meine Hand nach Leckerlis ab, ehe sie mir vom Paddock folgte. „Ziemlich. Waschbären klopfen nicht an Haustüren, bevor sie die Mülltonnen verwüsten.“
      Jetzt war es an Elisa, die mit Vendetta schon auf dem Hof stand, mit den Augen zu rollen. „Ich mein ja nur. Muss ja nicht immer ein Einbrecher sein,“ Vendetta scharrte ungeduldig mit den Hufen und ich schloss die Paddocktür hinter mir, „Ich finde nur, du solltest dich da nicht verrückt machen.“
      Grummelnd führte ich Chepa an Elisa und Vendetta vorbei an den Holzbalken, der als Putzplatz diente. Ich hatte jetzt keine Lust mehr, über meine nächtlichen Abenteuer zu reden.
      Obwohl es doch wirklich gruselig war, wenn es nachts um viertel nach 2 auf einmal an der Haustür klopfte. Vor allem, wenn man alleine im Haus war und eigentlich keinen Besuch erwartete.

      ***
      Wir waren unterwegs zur Geländestrecke, um mit Chepa für das nächste Turnier zu trainieren. Elisa wollte ursprünglich eines ihrer Ponys reiten, doch sie hatte sich angeblich in Vendetta verliebt („Wahre Liebe! Das ist wahre Liebe und der stellt mich sich nicht in den Weg!“) und klaute sie mir nun regelmäßig für Ausritte. Die beiden passten aber auch gut zusammen; sollte Vendetta nämlich mal ihre fünf Minuten haben, in denen sie den Reiter ordentlich auf die Probe stellte, setzte Elisa sich einfach tief in den Sattel und brachte die junge Stute wieder zum mitarbeiten.
      Das Geländespringen war noch nichts für die Ponystute – in der Halle oder auf dem Platz war sie hundertprozentig bei der Sache, doch in einem freien Gelände waren die Gedanken ganz woanders – also durfte Elisa das Stillstehen mit ihr üben, während ich Chepa in einem großen Kreis angaloppierte, sie ein paar Runden locker galoppieren ließ, ehe ich dann meine Position am Start einnahm. Chepa spielte unruhig mit den Ohren, doch sobald ich sie antrieb, galoppierte sie locker an und man spürte, dass sie voll bei der Sache war.
      Die ersten Hindernisse überwanden wir ohne Probleme, die Lewitzerstute unter mir schien fast zu fliegen. Hindernis 3 lag dann schon am Waldrand und ich machte mich bereit, dass urplötzlich ein Vogel (oder ein Wendigo) aus dem Gebüsch fliegen würde und uns vollkommen aus dem Konzept bringen würde. Nichts dergleichen geschah, und Chepa nahm auch dieses Hindernis flüssig und ohne Probleme.
      Jetzt ging es die meiste Zeit durch den Wald. Die Hufschläge klangen dumpfer, die Welt schien stillzustehen, als die Stute den Weg entlang bretterte. Ohne mit der Wimper zu zucken, so schien es, watete sie durch den kleinen Fluss, übersprang den Oxer aus Zweigen und einem Busch, so schien es, direkt dahinter und schon tauchten wir wieder in den Wald ab.
      Als wir nach gefühlten fünf Sekunden das Ziel passierten, atmeten Chepa und ich schwer und waren nassgeschwitzt. Elisa zeigte mir den Daumen nach oben während ich Chepa in einem lockeren Trab ein paar große Kreise drehen ließ, bevor ich sie in den Schritt durchparierte.
      „Und jetzt?“ fragte Elisa mit einem breiten Grinsen und ließ Vendetta aufholen.
      Ich erwiderte ihr Grinsen und ließ die Zügel lang. „Ausritt?“

      ***
      Wieder auf meinem Hof angelangt – Elisa hatte mir Vendetta als Handpferd mitgegeben, weil sie eine faule Sau war – stieg ich ab und brachte die beiden wieder auf den Paddock. Dort wurde ich sofort von Favorita attackiert, die sich eine weitere Bindehautentzündung zugezogen hatte. Sie war langsam aber wieder auf dem Weg der Besserung, zumindest nicht in Quarantäne.
      Kurz darauf schnupperte Star an meiner Hand und ich sah auch schon, wie Symbolic Splash und Cíola auf mich zukamen. Bevor ich von Pferden gefressen werden konnte, huschte ich schnell unter dem Zaun durch auf den nächsten Paddock. Mit großen Augen sah Chepa mich an. Neben ihr war Bacia ein paar Schritte zurückgeweicht und starrte mich an, als wäre ich ein Alien.
      Ich zuckte mit den Schultern. Es war eh an der Zeit, mich intensiver mit ihr zu beschäftigen. Sie hatte sich mittlerweile eingelebt und ließ sich nun auch zeitweise für ein paar Sekunden streicheln. Mit einem Leckerli bestach ich sie um ihr den Führstrick einzuhaken, dann führte ich sie vom Paddock.
      Okay, so schlimm wie eben beschrieben war sie gar nicht. Bacia fehlte lediglich das Vertrauen zu fremden Menschen. Sie war auch immer die, die auf der Weide im letzten Winkel stand – teils allein, teils in Begleitung von Chepa. Sie ließ sich aufhalftern, sie ließ sich putzen aber ich hatte immer noch das Gefühl, dass sie mir nicht vertraute. Also musste Bodenarbeit her.
      Nach dem Putzen führte ich sie auf meinen Reitplatz und ließ sie dort erst ein wenig freilaufen. Ich scheuchte sie nicht – Monty Roberts konnte mir mal den Poppers küssen – und provozierte sie nicht, sie sollte einfach ein wenig laufen um locker zu werden. Danach ging ich in langsamen Schritten auf sie zu, um sie wieder einzufangen. Bacia sah mir mit gespitzten Ohren entgegen, doch sie blieb stehen und folgte mir aus der Ecke, in der sie stehengeblieben war. Die nächsten zehn Minuten machten wir ein paar Führübungen, danach übten wir das Rückwärtsrichten. Und als ich sie zurück auf den Paddock brachte, kam es mir fast vor, als würde sie ein bisschen entspannter wirken.
      Nach einer kleinen Runde mit Newt auf dem Platz – auch er wurde langsam aber sicher sicherer (hahaha.) – packte ich mir schließlich Paramour und Muraco und unternahm mit beiden einen kleinen Spaziergang. Ich hatte mir eine Decke mitgenommen und ließ die beiden um mich grasen, während ich mich sonnte. Und dann, aus dem Nichts, kam mir der Gedanke: Ich war glücklich. Ohne große Fanfaren, einfach so.
      Anschließend ließ ich Attonito noch zusammen mit Flea und Outside Girl auf dem Platz tollen. Die beiden „Großen“ jagten Reggie herum, doch er wusste sich zu wehren.

      ***
      Nach dem letzten Rundgang im Stall machte ich es mir im Bett mit einem Buch bequem. In der Stereo spielte leise ein MGMT-Album. Eigentlich perfekt zum Einschlafen.
      Wäre da nicht dieses Klopfen. Doch jetzt hörte es sich weniger wie ein Klopfen als ein Kratzen an. Und es hörte sich an, als wäre dieses Etwas direkt vor meiner Haustür.
      Entschlossen schlug ich die Bettdecke zurück und nahm mir ein Messer aus der Küche –man sollte nie unvorbereitet sein. Als ich näher an die Haustür kam, wurde das Kratzen immer lauter und es schien fast, als ob das Etwas … jaulen würde?!
      Das Messer hielt ich trotzdem fest in der Hand und versteckte es hinter meinem Rücken. Man hörte ja immer wieder Horrorstorys in denen ein Mörder sich als unschuldiges Tier ausgegeben, seine Opfer aus dem Haus gelockt und schließlich brutal ermordet hatte.
      Als ich nach der Klinke griff, fing das Kratzen wieder an. Ein letzter tiefer Atemzug, dann drückte ich sie langsam hinunter und zog die Tür auf.
      Mir sprang kein Serienmörder an die Gurgel, also wagte ich es, einen Schritt nach außen zu machen.
      Dann sprang etwas aus dem Gebüsch direkt neben mir, direkt auf mich zu.
      Um ein Haar hatte ich das Messer fallen lassen und wäre wieder nach drinnen gerannt. Doch vor mir stand kein Bär oder Hannibal Lecter oder sonst etwas, was wirklich gruselig und gefährlich war.
      Vor mir stand ein Hund. Klein, wuschelig, dreckig, aber irgendetwas in seinem Blick ließ mich auf die Knie fallen und ihm meine Hand zum beschnuppern anbieten.
      Ohne zu Zögern lief der Hund auf mich zu, und als er meine Hand abschnüffelte, sah ich, dass er ein Halsband mit Marke trug. Auf dem Metallplättchen war ein Name eingraviert – Ella.
      „Na du?“ flüsterte ich und strich der Hündin über den Kopf. „Was machen wir denn jetzt mit dir?“
      Ein paar Minuten blieb ich noch sitzen, nicht ganz sicher, was ich denn jetzt wirklich mit ihr anstellen sollte – anscheinend gehörte sie ja jemanden – ehe ich aufstand und Ella kurzerhand mit ins Haus ließ. Gleich morgen würde ich Flyer machen und die dann in Dolphin aufhängen.
    • Rhapsody
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      Werwolfheit
      02. Mai 2015 | © Samarti

      „S.O.S.“, war das Einzige, was man von Jojo an diesem Tag in unserer WhatsApp-Gruppe gelesen hatte. An Gwen hatte sie das dann wahrscheinlich per SMS geschickt – die liebe Gwenny hatte sich nämlich noch immer kein WhatsApp angeschafft, was manchmal echt unpraktisch war. (Dass sie nebenan wohnte, lasse ich jetzt mal absichtlich außen vor.)
      Toll und nett, wie wir alle nun mal waren, hatten wir uns also dann bei Jojo auf dem Gestüt verabredet. Zuerst einmal hatte Gwen mir aber versprochen, mich abzuholen; dann würden wir zwei uns auf den Weg zu Elena machen und sie einsammeln. Die hätte das sonst nämlich eh vergessen.

      Ich hatte gerade Levi gesattelt und den Gurt festgezogen, da kam Gwen auf Ahyoka schon im die Ecke getrabt. Eigentlich hatte ich auf eine fröhliche, grinsende Gwenny gehofft, doch meine Nachbarin sah eher besorgt aus, als würde sie sich ernsthaft Sorgen um Jojo machen … Was konnte das schon schlimmes sein?
      „Sicher, dass bei Jojo alles gut ist? Die ist sonst nie so wortkarg!“, plapperte meine Freundin los, ohne mich auch nur vernünftig zu begrüßen. Sie hätte sich wohl am liebsten die Haare gerauft, doch leider war da der Reithelm im Weg.
      „Ja … äh, was?“, murmelte ich geistesabwesend und trenste meinen Rapphengst dann noch auf, ehe ich seine Zügel schnappte und meinen Fuß in den Steigbügel stellte.
      „Nicht so wichtig. Wieso machst du dir überhaupt gleich zwei Pferde fertig?“
      „Hä … Ach, egal. Können wir?“, fragte ich dann nur und sortierte erst einmal meine Gedanken, als ich endlich im Sattel von Cresant Moon saß und dem jungen Hengst das Zeichen zum Losgehen gab. Levi trottete müde, beinahe gelangweilt, neben mir her und ich wunderte mich dabei schon fast, dass er noch nicht versucht hatte, selbst die Richtung zu bestimmen.
      Cressi hingegen betrachtete aufmerksam seine Umwelt und auch Ahyoka blieb nicht unbemerkt, dennoch störte es ihn nicht, dass eine Stute neben ihm herlief. Irgendwie strahlten beide Hengste eine Art Ruhepol für die sechsjährige aus, die sonst so schreckhaft und angespannt im Gelände lief, an einen Alleingang mit ihr war kaum zu denken. Irgendwie hatten wir den Weg bis zu Elena dennoch unbeschadet hinter uns gebracht.

      Als wir bei Eli angekommen waren, war ich es gewesen, die auf Cressi in Richtung des Stalles ritt und mit den beiden Hengsten neugierig in die Stallgasse blickte. Was mich da erwartete, kam nicht sonderlich überraschend – die Blondine hockte einsam und allein vor der leeren Box von ihrem Reitponyhengst, den sie inzwischen zum zweiten oder dritten Mal auf meinem Gestüt vergessen hatte.
      „Ähm“, räusperte ich mich vorsichtig, um Eli nicht zu verschrecken (manchmal war sie da wie ein ängstliches Tier, 'n Vogel oder so) und zog somit ihre Aufmerksamkeit auf mich. Inzwischen war auch Gwen zu uns gestoßen, die das nachfolgende Schauspiel amüsiert beobachtete.
      Elenas Gesichtsausdruck wechselte von erschrocken zu erstaunt, danach zog sie eine Miene, die ich nicht deuten konnte – ihre Lippen waren zu einem schmalen Strich verzogen und sie zeigte keinerlei Emotionen, was schon fast beängstigend wirkte. Danach folgte ein Gesicht, das irgendwie der mimischen Version von „Verdammt!“ glich, anschließend sah Eli mich böse an und sorgte somit dafür, dass ihr Gesicht eher … knallrot war; es glich schon fast einer Tomate!
      „Hier, ich, äh, wollte dich nur abholen. Da du Cressi anscheinend nicht mehr haben willst, habe ich dir erst einmal Levi mitgebracht!“, schlug ich vor und drückte ihr dann, nachdem ich weiter in ihre Richtung geritten war, die Zügel des Rapphengstes in die Hand, der sie nun so durchdringend ansah, dass sie wahrscheinlich lieber weggelaufen wäre. Dennoch fasste sie sich ein Herz, atmete noch einmal tief durch (nicht, ohne mich nicht noch einmal wütend anzustarren, was bei ihr aber eher an einen erstickenden Fisch erinnerte als an einen zornigen Menschen) und schwang sich dann in den Sattel meines Pferdes.

      „Joooojoooooooooooooo!“, riefen wir alle über den Hof, nachdem wir angekommen und von den Pferden abgestiegen waren. Diese kam – zugegebenermaßen ziemlich unerwartet – aus dem Stall gestürmt und überraschte uns somit schon fast etwas. Hinter ihr zog sie Flea her, die ihr gelassen folgte, uns dabei jedoch nicht übersah. Wir bekamen neugierige Blicke seitens der Stute zu spüren, welche jedoch relativ schnell das Interesse an uns verlor und sich stattdessen wieder Jojo zuwandte.
      „Können wir los? Ich muss echt mit euch über etwas reden. Es ist wichtig! Sehr!“, drängelte Jojo und stieg dann bereits in den Sattel von ihrer Lewitzerstute.
      Eine Weile ritten wir schweigend den Weg entlang, bis es Gwen langsam reichte und sie endlich wissen wollte, weshalb unsere neueste Nachbarin uns so dringend zu sich bestellen musste. „Jojo, was musst du uns denn jetzt erzählen? – Ist jemand gestorben? – Hast du uns etwas zu beichten? – Wieso hast du es so eilig, mit uns zu reden? – Was ist de-“
      „ES REICHT, GWEN!“, fuhr Elena dazwischen und schenkte ihr dann aber sofort einen entschuldigenden Blick, wer wusste, ob Gwenny das vielleicht sogar etwas getroffen hätte; man konnte schließlich nie wissen, wie das Gegenüber das Gesagte auffasste.
      „Alles gut. Aber, Leute? Was, wenn Werwolfheit eine autosomal rezessive Erbkrankheit ist?“ Jojo schien ernsthaft besorgt zu sein – Warum auch immer?
      „Jojo, was hast du genommen? Ist das verschreibungspflichtig?“, hakte Elena skeptisch nach und brachte Gwen und mich damit zum Schmunzeln, wurde von Juli aber geflissentlich ignoriert.
      „Bitte was?“, fragte auch Gwen und zog die Augenbrauen zusammen, während ich erst einmal gar nichts sagte und nur auf Jojos Erklärung wartete.
      „Ich hab heute Being Human geguckt. Und, äh, ja.“
      „HEY HO LET'S GO!“, funkte unser Blondchen dazwischen und mischte so das Gespräch wieder auf, was mich dazu brachte, ein „WELCOME TO THE SCHOKO SHOW!“ zu ergänzen.
      „ELISA! Elena bringt hier Ramones und du fängst an mit Schokobons!“, regte sich Jojo auf und hatte wohl ihr eigentliches Problem schon wieder fast verdrängt.
      Gwen, die wahrscheinlich nicht einmal mehr Bahnhof verstand, blickte nur irritiert in die Runde und hielt den Mund.
      „Was?“ Es war nicht ich, sondern Elena, die Julis Gedankengängen mal wieder nicht ganz folgen konnte – die waren einfach zu komplex. Niemand war in der Lage, sie immer zu verstehen …
      „Hey ho let's go ist von den Ramones …“ Fleas Reiterin schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn (oder zumindest war das ihre Intention), traf dabei jedoch voll ihren Reithelm und hielt sich nun die schmerzende Hand fest, was zu einem schadenfrohen Lachen meinerseits führte.
      „Ich meinte aber jetzt die Werbung!“, protestierte ich, als ich wieder vernünftig reden konnte.
      „Eigentlich meinte ich wirklich nur 'Hey ho, let's go', mehr wollte ich gar nicht damit ausdrücken …“, trauerte Eli beinahe und ich sah nur noch, wie Gwen die Augen verdrehte.
      „Nochmal zurück zu dem Werwolfzeug“, setzte Jojo an. „Leute, die heterozygot sind, fühlen sich manchmal ein bisschen komisch. Als ob die Haut nicht ganz passt und sie denken, sie werden krank, aber eigentlich könnten sie ein Werwolf sein.“
      „Boah, so viel Bio! Genetik ist so ein Scheiß!“ Elenas Stimme war schrill und zerschnitt die Luft, als ob sie sich darüber beschweren wollte, dass sie von dem „Scheiß“ nichts verstand. Aber gut, sie war auch blond. Die durfte das.
      „Das würde erklären, warum ich mich manchmal so komisch fühle!“
      „Alter, Jojo“, meinte ich nur und musste das innerlich wirklich verarbeiten, was sie uns da gerade an den Kopf warf.
      „Aber sie haben nur ein 'X' davon, also können sie nicht betroffen sein“, warf Gwen dann auch mal wieder etwas ein, zugegeben: Es war ein produktiverer Beitrag als alle, die Elena heute geleistet hatte!
      „Ist dein Papa ein Werwolf?“
      „Nein.“
      „Ist deine Mama ein Werwolf?“
      „Nein.“
      „Ist dein Hund ein Werwolf?“, unterbrach Eli meine Fragerei und entlockte Gwenny somit ein leises Lachen.
      „DIE KÖNNEN BEIDE HETEROZYGOT SEIN UND ICH AUCH!“ Jojo klang verzweifelt. Sehr. Sie ignorierte sogar Elenas Frage!
      „Und wer ist der Vampir bei uns?“, grinste Gwen und sah in die Ruhe. „Also, Elisa ist Bella!“
      „Ih, niemals!“, protestierte ich und verschränkte die Arme vor der Brust, wobei ich Cressis Zügel losließ – den störte das allerdings nicht, der lief unbekümmert weiter. „Wieso das jetzt?!“ Ich hasste Twilight!
      „Ich bin kein Vampir. Ich bin der Tod!“
      „Elena, hör auf, immer so zu fantasieren. Das hinterlässt Spuren.“
      „Ich hab Sodbrennen“, warf ich total zusammenhangslos ein und erntete einen Seitenblick von Gwen, die nur mit einem „Vielleicht bist du ein Werwolf?“ reagierte und dabei einen total erschrockenen Gesichtsausdruck machte.
      „Wohl eher Vampir, das ganze Blut stößt auf.“ Jojo seufzte.
      „Nein, 100% Werwolf!“
      „Ach, fickt euch“, jammerte Juli dann plötzlich herum und sah verzweifelt gen Himmel. „Gott, wieso kann ich keine normalen Freunde haben?! Nie nehmen die meine Bedenken und Ängste ernst!“
      „Warum müssen immer alle miteinander schlafen …“, dachte Eli dann laut nach und bekam dann unsere verwirrten Blicke zu spüren.
      „Was?“ – „Weil Sex toll ist!“ – „Weil wir's können.“
      Elena schnaubte nur. „'Fick dich', 'Fick dich', 'Fickt euch', den ganzen Tag geht das so! Immer das gleiche mit euch!“
      Und allein der Kommentar reichte aus, um uns alle zum Lachen zu bringen – egal, wie schlecht Elis Sprüche manchmal waren, oft genug waren sie flach genug, um unsere Lippen mindestens zu einem Grinsen zu verziehen.
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      Die Neuen | The Killers - Mr. Brightside
      18. Mai 2015

      Der einzige Grund, warum der Mai nervte, war, dass ich nun offiziell viel zu früh von der Sonne geweckt wurde. Es war gerade einmal 10 vor 6, da kitzelten mich die ersten Sonnenstrahlen und ließen mich einfach partout nicht mehr einschlafen. Mit einem lauten Seufzer schlug ich die Bettdecke zurück und warf der Sonne, die durch mein Fenster lachte, einen bösen Blick zu. Ich war vor ein paar Tagen erst heimgekommen, was bedeutete, dass das Jetlag immer noch ein bisschen nervte. Deswegen war ich gestern Nacht erst um halb vier eingeschlafen.

      Und gerade einmal zweieinhalb Stunden wieder wach. Wie ein Zombie tappte ich in die Küche und machte mir erst einmal eine Tasse Tee – schwarz, mit ein bisschen Milch und reichlich Zucker, damit ich wenigstens ein bisschen wach wurde. Nebenbei nahm ich mir den Block aus dem Regal, der als Kalender diente. Und für heute standen allerlei Sachen darin.

      Zum einen war heute endlich der Tag, an dem Zoe und Adèle kommen würden. Die Zimmer waren gestern fertig geworden (irgendetwas muss man ja machen, wenn man um 2 Uhr nachts wach ist) und da das Flugzeug ziemlich früh kommen würde, hatten wir genug Zeit, einen Rundgang zu machen. Natürlich mit Besuchen auf Crown Hills, Sanssouci und der Nahanni Rivers Ranch. Das würde super werden. Dann mussten natürlich die Zäune geprüft werden, ehe die Pferde auf die Weide durften – das würde ich wohl gleich morgens machen, während sie ihr Frühstück futterten (man, ich sollte öfters weniger schlafen, da war ich ja glatt ein produktives Genie!).
      Weiter auf der Liste standen ein Spaziergang mit Symbolic Splash und Cìola, Training mit Newt (mal wieder) und ein entspannter Ausritt mit Medeia.

      Doch bevor ich das alles anging, fütterte ich die Pferde und brachte sie zusammen auf die Weiden. Zusammen mit Outside Girl, Bacia und Chepa kam Flea auf ihr Grasquadrat, während Medeia, Lashy, Cíola, Favorita und Star auf die andere Stutenweide durften.

      Bei den Hengsten gestaltete sich das dann schon schwieriger; Val war immer noch der Neue und sollte so auf eine Einzelkoppel. Muraco und Paramour waren beste Freunde, aber Newt sah Paramour als seinen großen Bruder an.
      Am Ende standen Muraco und Paramour, Newt und Attonito und schließlich Vaffanculo auf ihren Koppeln.

      Und dann bemerkte ich, dass ich fast schon zu spät war. Es war keine Zeit mehr, ein Schild mit Zoe & Adèle drauf zu basteln, aber ich hoffte einfach, sie würden mich erkennen. Auf der Fahrt zum Flughafen bemerkte ich dann, dass das Bett in einem Zimmer noch nicht überzogen war – super.
      Trotzdem sollten die beiden Mädels mich erkennen können, wir hatten in den letzten Wochen oft geskypet (teilweise um 3 Uhr nachts – verdammtes Australien).

      Natürlich hatte an einem Tag wie diesem der Flug Verspätung. Das bedeutete, dass es dann nochmal eine extra Stunde dauerte, bis der erste Flug angekündigt wurde. Ich stand keine fünf Minuten in der Halle bis mir auf einmal ein feuerroter Lockenkopf entgegensprang und mich sofort umarmte, als würden wir uns schon ewig kennen.
      Trotz des langen Flugs war Zoe immer noch voller Energie und plapperte ununterbrochen. Dabei strahlten ihre grünen Augen – wieso hatten Rothaarige immer grüne Augen? Das war so fies! – fast so sehr, wie ein ganzer Sternenhimmel. Ja, wir würden wohl gut auskommen.

      Als Adèle dann ankam – Zoe hatte sich gerade einen Kaffee in der kleinen Starbucksfiliale geholt und vibrierte nun scheinbar – wirkte sie abgeschlafft und müde. Sie war hochgewachsen, bestimmt 10+ Zentimeter größer als ich, hatte dunkelblondes, langes Haar, große Augen mit vollen Lippen.

      „Man, du erfüllst das ganze wunderschöne-Französin-Klischee,“ bemerkte Zoe mit einem Grinsen, was Adèles Wangen nur so aufflammen ließ. Trotzdem sah sie aus, als würde sie gleich im Stehen einschlafen, also schlug ich vor, langsam aufzubrechen. Trotzdem dauerte es noch eine geraume Zeit, bis das ganze Gepäck verstaut war und wir endlich auf dem Highway waren. Selbst Zoe wurde langsam ruhiger, kommentierte nur alle paar Minuten die Landschaft. Ein Blick in den Spiegel sagte mir, dass Adèle eingeschlafen war.

      Zurück auf dem Hof wollten die beiden Mädels am liebsten einen Einführungsausritt (okay, Zoe wollte einen Einführungsausritt), aber mit den Worten „Die Pferde sind auch noch da, wenn ihr euren Jetlag ausgeschlafen habt“ zeigte ich den beiden ihre Zimmer und half Zoe noch, ihr Bett zu überziehen.

      Dann waren die beiden verstaut und ich brauchte selbst erstmal eine Pause.
      ***

      Als ich mit Lashy und Cíola zurück kam, sah ich, dass die beiden Mädels immer noch tief schliefen – die Rolläden waren nach wie vor fest verschlossen. Auch nach einem Besuch bei Elisa und einer Spielstunde mit Pax, einer Bodenarbeitsübung mit Bacia (langsam klappte es immer mehr – hoffentlich waren wir bald soweit, dass wir uns an das erste Training unterm Sattel wagen konnten) und einer dreiviertel Stunde Training mit Newt regte sich noch nichts hinter den Fenstern der Gästezimmer.

      Erst, als ich nach einem weiteren Ausritt mit Medeia zurück kam, waren die Rolläden des linken Zimmers oben und ich traf Adèle dann bei den Weiden. Sie wirkte nicht wirklich wacher, sondern eher noch müder – wenn das überhaupt möglich war. Mit einem Leckerli auf der Handfläche versuchte sie, eine der Stuten anzulocken, doch keine der Pferde interessierte sich für viel mehr als das Gras direkt vor ihren Nasen.

      Als sie mich bemerkte, lächelte sie. „Ich hoffe das ist okay, dass ich mich ein bisschen umgeguckt hatte,“ sagte sie. Ihre Stimme war leise, weich, akzentfrei. Ich war ein wenig überrascht, dass sie keine Karriere als Synchronsprecherin verfolgte, sondern mir helfen wollte, Pferdehufe instand zu halten.

      Lächelnd zuckte ich mit den Schultern. „Natürlich, immerhin lebst du hier ja jetzt.“

      Sie sah auf den Boden, fast ein wenig beschämt. Als sie mich wieder ansah, sah sie fast ein wenig … geschockt? aus. „Sollten wir irgendwie nerven, darfst du uns das ruhig sagen, ja? Das ist wohl das letzte, was ich erreichen will.“

      Jetzt musste ich mit den Augen rollen. „Bist du immer so neurotisch?“ Und das brachte ein Lächeln auf Adèles Lippen. Dann bemerkte sie die Connemarastute neben mir und bot Medi das vergessene Leckerli an. Während die Stute es genüsslich zerkaute, wurde ich ins Kreuzverhör genommen; wie lang ich schon hier lebte, wie viele der Pferde vom alten Hof kamen, wo meine ganzen Freunde hier wohnten, etc. Viele Fragen drehten sich aber vor allem über Medeia und, als Adèle langsam wieder ruhiger wurde, drückte ich ihr kurzerhand den Strick in Hand. Erst wusste sie nicht, was sie damit anstellen sollte, doch als ich ihr das Tor öffnete, führte sie die Stute mit einem Grinsen hinein. Danach entschuldigte sie sich da sie sich wieder hinlegen wollte – das war wohl das Beste. Unausgeschlafen konnte man nicht gut misten, und je öfter sie schlief, desto schneller war sie ihren Jetlag los.

      Also machte ich mich mit Schubkarre und Mistgabel bepackt auf den Weg in den Stall.
      ***

      Das nächste Mal sah ich die zwei Mädels, als ich vom Stall hereinkam, weil ich einen Bärenhunger hatte. Draußen war es immer noch wunderschön und warm – danke, Mai! – also wollte ich mir nur noch schnell eine Pizza in den Ofen schieben, duschen und essen.

      Als ich jedoch die Tür aufschloss, saßen Adèle und Zoe in der Küche, schnatterten über Gott und die Welt während auf dem Herd ein Topf vor sich hin köchelte.

      Ein wenig verdutzt blieb ich in der Tür stehen, blieb jedoch nicht lang unentdeckt. Ella, die neben Zoes Stuhl auf dem Boden gelegen war, sprang nämlich lauthals bellend auf und rannte mir entgegen.

      Zoe grinste mich ein wenig beschämt an. „Wir hatten ein schlechtes Gewissen weil wir dir nicht geholfen haben. Und Adèle kennt so ein tolles Rezept für Spargelcremesuppe –“

      „Sorry für’s Verwüsten?“ sagte Adèle und strich sich eine Strähne aus dem Gesicht. Mit einer hochgezogenen Augenbraue sah ich mich in der Küche um; das Waffelessen zur Feier meines neuen Hengstes hatte meine Küche verwüstet, aber von den „Kocheskapaden“ meiner neuen Mitbewohner war rein gar nichts zu sehen.

      „Also,“ sagte ich und löste mich vom Türrahmen, um an den Herd zu gehen. Die Suppe roch genial – ganz anders, als ich sie von daheim gewohnt war, irgendwie … nach anderen, fremderen Gewürzen (was jetzt aber nicht gerade schlecht war, im Gegenteil). „Wenn eure Definition von Verwüstung so aussieht, dürft ihr gern öfters meine Küche verwüsten.“ Mit einem breiten Grinsen drehte ich mich zu den beiden Mädels um und holte dann drei Suppenteller aus dem Schrank.

      „Und zur Feier des Tages essen wir draußen. Hopp hopp!“
      ***

      Nach dem Abendessen hätten Zoe und Adèle mir zwar gern beim Reinholen und Füttern geholfen, doch ich scheuchte sie nur wieder in ihr Zimmer. Diesen Elan durften sie sich für morgen aufheben, da wurden sie dann ordentlich herumgeführt.

      Fürs erste führte ich aber alle Pferde erstmal selbst in ihre Boxen zurück und füllte die Futtertraufen auf.
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      Springen E-A
      27. Mai 2015 | © Gwen

      Ehrlich gesagt war es unlustig geworden, Julis Pferde zu trainieren. Statt einmal einige Stunden fliegen zu müssen, brauchte ich nur ins Auto oder aufs Pferd zu steigen und war innerhalb einer Viertelstunde da. Der Faulheit halber stellten wir Flea aber trotzdem auf Elisas Gestüt (wohin auch sonst?). Dort war ich noch schneller und außerdem ließ der riesige Springplatz keine Wünsche offen und das sollte ich ja machen: Flea im Springen trainieren.

      Zumindest hatte ich mir das so notiert und selbst wenn es falsch war, schaden würde ihr das auch nicht. Flea war eine hübsche und talentierte Lewitzerstute. Was anderes gab es auf dem Pine Grove Stud auch nicht zu finden. Selbst Elisa mochte die Scheckstute, zumindest ein wenig. Zugegeben hätte sie das aber nie.
      Der einzige Lewitzer der bisher ihr Herz ernsthaft erwärmen konnte, war Capulet gewesen, aber selbst den hatte sie nur allzu bereitwillig gegen ein deutsches Reitpony getauscht. Dementsprechend trat sie mir natürlich auch mit purer Begeisterung entgegen, als Jojo uns Flea brachte und ich ihr meine Pläne für die letzte Maiwoche erläuterte.

      „Na dann viel Spaß!“, meinte Jojo und kehrte direkt wieder um, sie hatte noch allerhand viel zu tun, was eigentlich wusste sie aber selber nicht. Ich versorgte Flea und longierte sie heute nur. Dabei testete ich schon einmal aus wie die Stute zu Trabstangen und Cavaletti stand und wie sie selber den Abstand einschätzen konnte.

      Sie besaß Talent, aber das musste definitiv noch ausgebaut werden. Angenehm war, dass Flea die Ruhe selbst war. Sie schien sich an nichts zu stören und konzentrierte sich vollkommen auf mich. Wir würden schnell das A-Niveau erreichen!

      Und mit der Motivation ging es dann am kommenden Tag auch los. Ich machte mir Flea fertig und ritt sie dann auf dem Springplatz warm. Für heute sollte sie nur das Feeling kennenlernen und ich wollte schauen, wie sie sprang und wie gut sie auf den Reiter hörte.

      Großartige Probleme hatten wir nicht. Flea lernte äußerst schnell, man zeigte ihr einmal etwas und schwupps klappte das auch. Dementsprechend waren schon bald allerhand Kombinationen kein Problem mehr und selbst vor dem Wassergraben hatte sie keine Angst.

      Also ging es die kommende Woche so weiter, dass wir vor allem nur die Höhe trainierten. Flea musste kraftvoll, aber kontrolliert galoppieren und sich selber auch gut einschätzen lernen. Dann erhöhten wir die Hindernisse allmählich bis wir die A-Höhe erreichten.

      Nachdem ein A-Parcours klappte, erhöhten wir probeweise bereits noch ein Stück mehr, immerhin wollte Flea gefordert werden und umso leichter erschien ihr dann die A.

      Bereits nach einer Woche konnte sich unser Ergebnis sehen lassen. Natürlich setzte ich auch Elisa ab und an auf die Scheckstute, Fremdreitertests waren immer wichtig! Und im zweiten Teil der Woche hatten wir auch ab und an unter der Aufsicht von einem anderen Trainer trainiert, damit die letzten Fehler ausgemergelt wurden.

      Am Sonntag kam dann Jojo mal wieder rüber und durfte ihre Stute testen. Anfangs zweifelnd aufsteigend und am Ende begeistert absteigend, lobte sie unsere gute Arbeit und war selber hin und weg von ihrer tollen Stute. Elisa hielt sich natürlich nicht zurück, auch ihren Verdienst daran noch einmal zu betonen. Ach war das schön mit dieser Teamarbeit!
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      Sharknado und seine Auswirkungen
      24. Juni 2015

      Es gab einen Grund, warum ich mich nicht jedes Wochenende volllaufen ließ, und dieser Grund war, dass ich einfach nicht mit Kopfschmerzen und Übelkeit umgehen konnte. Mit Kopfschmerzen noch eher, dafür gab es ja Ibuprofen und Paracetamol. Aber ab einem gewissen Grad Übelkeit hilft einfach nichts mehr, da konnte man nur noch in seinem Elend liegen und beten, dass es schnell vorbei geht. Und mit einer solchen Übelkeit wachte ich meistens auf, nachdem Elisa uns allen ein neues Trinkspiel gezeigt hatte.

      Verdammt nochmal, das nächste Mal sollte ich wohl einfach bei der Cola bleiben.

      Als ich also diesen „Morgen“ (mein Handy sagte mir, dass es 10:56 Uhr war) nur mit einem brummenden Kopf aufwachte, wusste ich sofort, dass etwas falsch war. Mein Magen war eh schon empfindlich wie sonst was, da hatte er den ganzen Alkohol (Elena hatte zwar sicher gestellt, dass wir nur den besten Vodka bekamen, aber das machte Vodka nicht wirklich verträglicher) nicht auch noch nötig.
      Das hieß aber auch nicht, dass ich ihm ganz abschwor. Und deswegen musste ich eigentlich mit einem Morgen-danach-Pitstop im Badezimmer rechnen. Doch – eben bis auf die Mörderkopfschmerzen – fühlte ich mich ganz gut, als ich mich aus Elisas Gästebett rollte und froh war, dass ich Zoe und Adèle gestern Abend schon vorgewarnt hatte und die Pferde bestimmt schon auf den Weiden waren.

      Mein allgemeines Gefühl verschlechterte sich auch nicht wirklich, als ich vertikal war – mein Kopf pochte, mir war etwas schwindelig und meine Beine fühlten sich wie mit Blei gefüllt an, aber das war’s. Keine unerwartete Rebellion meines Magens, nichts. Irgendwas war hier definitiv fishy. (Und fishy war das richtige Wort, denn das Trinkspiel von gestern Abend basierte auf Sharknado und Sharknado 2 – wenn ich so drüber nachdenke, frage ich mich, wie wir alle ohne Alkoholvergiftung überlebt hatten.)

      Als ich aus dem Zimmer getreten war und mich auf den Weg zur Küche machen wollte, schien es mir, als würde der Marsch Stunden, wenn nicht Tage dauern. Dort würde ich zwar die errettenden Kopfschmerztabletten finden, aber ob es der Gang in gleißendem Sonnenlicht, das natürlich nicht wirklich super gegen Kopfschmerzen half, wert war. Wie ein Zombie schlurfte ich den Gang entlang, vorbei an was weiß ich wie vielen Zimmern, quer durchs Wohnzimmer und da konnte ich sie schon sehen, eine Schachtel Ibuprofen, meine Rettung –

      „FÜSSE HEBEN, MEINE FRESSE!“

      Ob die Stimme wirklich so laut gewesen war wie ich sie gehört hatte weiß ich bis jetzt nicht. Doch zu dem Zeitpunkt war es, als wäre jemand mit einem Megafon neben mir gestanden und hätte mir direkt ins Ohr gebrüllt.
      Und bei so einem Effekt darf man schon mal über die eigenen Füße stolpern, okay?

      Mein Kopf fand das natürlich weniger toll und pochte wie verrückt während mein Gehirn versuchte, die Stimme zu identifizieren. Sie klang ziemlich tief, Elisa und der Rest fielen also schon einmal raus. Und Matthew hörte sich auch anders an, da war ich mir sicher. In der Zeit, in der ich grübelnd mitten in Elisas Wohnzimmer auf dem Boden lag, hatte ich nicht bemerkt, dass mein Attacker wohl durchs halbe Wohnzimmer gestapft war und jetzt über die Rückenlehne des Sofas hing, hinter dem ich tragisch kollabiert war.

      Und wow, was für ein Attacker. Dunkelblonde (oder war das schon hellbraun? Haselnuss? Macadamia? Muskat?) Haare, irgendwie ein bisschen zu lang aber nicht störend lang, sondern gerade so lang, dass sie sein Gesicht irgendwie umrahmten. Ein Gesicht mit braunen Augen, die mich aus irgendeinem Grund an Vollmilchschokolade erinnerten – okay, ich war wohl noch ein wenig betrunken.

      Während ich weiter starrte, stammelte der Angreifer irgendetwas vor sich hin – als ob ich zuhören würde – und kam dann ums Sofa rum, um mir aufzuhelfen. Ich könnte jetzt Lobreden über seine Stärke und Muskeln und Männlichkeit schreiben aber so betrunken war ich dann doch nicht (und außerdem wäre das total gelogen – Mr. Angreifer musste sich nämlich auf die Lehne stützen UND ich musste selbst irgendwie noch hochkommen). Als ich dann wieder aufrecht war, war es nicht so wie in den ganzen Filmen. Nein, wir standen nicht Nase an Nase und guckten uns tief in die Augen und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende. Mir war nur herzlichst schwindlig und mein Kopf pochte noch stärker und mein Angreifer war ungefähr 2,5m von mir entfernt und wir waren nicht kurz davor, uns unendliche Liebe zu beschwören.

      Was kompletter Bockmist war, ich wusste nicht mal seinen Namen.

      Ein paar Minuten lang sagte keiner von uns etwas, ich massierte nur meine Schläfen und er tat … irgendwas, ich hatte meine Augen geschlossen. Dann, als es sich anfühlte, als wäre das kleine wütende Männchen, das gegen meine Schädeldecke hämmerte, gegangen, räusperte ich mich und öffnete den Mund.

      Was auch immer ich sagen wollte, es kam nicht wirklich raus. Und weil mein Angreifer nach wie vor (verdient!) aussah, als hätte er aus Versehen einen Hund getreten, konnte ich auch gar nichts sagen weil er mir sofort ins Wort fiel. Männer.

      „Also … sorry, ja? Das wollte ich echt nicht.“

      „Nein, nein, kein Problem,“ murmelte ich und ging einen Schritt in die Küche. „Aber ich hab Mörderkopfschmerzen, also.“ Mit ein paar wilden Handbewegungen gestikulierte ich hinter mich und versuchte mich dann an einem Lächeln.

      Was hieß dass er es erwiderte und wow. Ich war jetzt kein Typ Mensch der bei jedem noch so langweiligen Lächeln dahinschmolz aber … wow. Breit, aufrichtig und er bekam plötzlich ein komischen Glänzen in den Augen und wow, wieso fiel mir das auf?

      Vielleicht weil ich starrte. Meine Güte, da traf ich einmal jemand Neuen und verhielt mich wie ein pubertierendes, zwölfjähriges Mädchen. Glücklicherweise schien das der Typ nicht zu merken. Er sah nämlich immer noch ziemlich besorgt aus, als hätte ich mir bei meinem grazil geplanten Fall ein Aneurysma geholt.

      Aneurysma brachte mich auf Nirvana und Nirvana auf meine immer noch dringlich benötigten Kopfschmerztabletten. Also entschuldigte ich mich mit ein paar wilden Handbewegungen und irgendwelchen Worten – Kopfschmerzen, da funktionierte das Gedächtnis nicht so gut! – und huschte schließlich endlich, endlich, endlich in die Küche.

      Die Tabletten waren schnell gefunden und so konnte ich dann gleich weiterhuschen und mich auf der Suche nach Elisa machen und sie zur Rede stellen. So im Sinne von „Das nächste Mal wenn fremde Leute in deinem Wohnzimmer sitzen, die eventuell ganz okay aussehen und gerne Leute erschrecken, sag mir bitte Bescheid sodass ich nicht halbbetrunken in irgendwelche Konversationen mit besagten okay-aussehenden Menschen gezwungen werde“.

      Aber Elisa fand ich nicht so schnell und ich würde diese Unterhaltung gerne fühlen, wenn die Pillen wirkten, also machte ich mich auf den Weg zu Pax. Er stand immer noch zusammen mit Elisas Reitponyfohlen auf einer großen Weide und kam erst abends in seine Box (an der immer noch groß Pacco stand. Elisas Mitarbeiter waren miese Verräter!). Langsam erkannte er mich auch bei jedem Besuch wieder; heute trabte er vergnügt auf mich zu und schnupperte mich sofort nach Leckerlis ab. Da ich ja immer noch meine Klamotten von gestern Abend anhatte, war seine Ausbeute mies und er widmete sich wieder dem Gras vor seinen Hufen. Aponi forderte ihn kurz darauf zu einem Duell/Spiel heraus und ich war ganz vergessen.

      Fast zeitgleich hörte man ein Scheppern aus dem Stutentrakt. Seufzend stand ich auf und machte mich auf den Weg.

      Elisa war viel zu gut gelaunt für jemanden, der gestern ein Sharknado-Trinkspiel überlebt hatte – sie pfiff sogar vor sich hin! Außerdem saß sie mitten in der Stallgasse, spielte mit ihren zwei neuen Katzen und sah somit kaum aus wie die verrückte Katzenladys bei den Simpsons. Als sie aufsah und mich sah, grinste sie mich mit einem solch fiesen Grinsen an dass ich am liebsten gleich wieder gegangen wäre. Bevor ich sie also zur Rede stellen konnte, brachte ich nur ein kleines, mickriges „Was?“ heraus.

      Ich hatte keine Ahnung ob sowas überhaupt möglich war, aber Elisas Grinsen wurde noch fieser. „Nichts. Hab mich nur gewundert, wie’s deinem Magen geht.“

      Gut, Elisa war definitiv übergeschnappt. „Dem geht’s sehr gut, danke der Nachfrage.“ Daraufhin versuchte Elisa sich an einer hochgezogenen Augenbraue, die aber kläglich scheiterte. Damit verschwand auch ihr Grinsen und ich war endlich soweit, dass ich sie fragen konnte.

      „Sag mal – wieso sitzen fremde Männer in deinem Wohnzimmer?!“

      Und Elisas Grinsen war zurück. „Fremd?“

      Jetzt war es an mir, die Augenbraue hochzuziehen. Langsam hatte ich die Lust verloren, von Elisa verarscht zu werden. „Ja, fremd. Definition: unbekannt, nicht vertraut.“

      War es überhaupt möglich, so verdammt selbstgefällig auszusehen? „‘Nicht vertraut‘ würde ich jetzt nicht sagen.“ Ein paar Momente konzentrierte sie sich wieder auf die Katzen und ich konzentrierte mich darauf, dass ich ihr nicht den Kopf abriss. „Warte mal – hast du einen Filmriss?“

      „Ich? Natürlich nicht! Wieso sollte ich einen Filmriss haben?!“

      „Naja,“ Elisa begann sich langsam von den Katzen zu lösen, was bedeutete, dass ich ihre ganze Aufmerksamkeit hatte. „Wenn nicht wüsstest du nämlich, dass dieser ‚Fremde‘ gestern auch dabei war. Oh, und, dass du ihm in seine Lederjacke gekotzt hast.“ Und dann zuckte sie nur mit den Schultern und grinste mich wieder an.

      „Ich habe was?!“ Wenn Elena jetzt dagewesen wäre, hätte sie mich angemault, dass man im Stall nicht kreischt – aber das war ein Notfall (und es waren auch gar keine Pferde drinnen. Keine Ahnung also, wieso Elisa in der Stallgasse saß, wenn sie bestimmt überall anders Arbeit hatte!). Das letzte Mal, dass ich irgendwem in irgendein Kleidungsstück gekotzt hatte, war, als ich 7 Jahre alt war und wirklich krank war und nicht nur zu viel Scheibenwischervodka getrunken hatte.

      „Ich glaub es war zwischen Sharknado 2 und Two-Headed Shark Attack,“ sagte Elisa träumerisch, als würde sie sich gerade an ihre Hochzeit erinnern. „Du wolltest unbedingt raus, da ist dir anscheinend schlecht geworden … und eins führte zum anderen.“

      Ich vergrub mein Gesicht in den Händen. Das erklärte wenigstens, wieso mir nicht schlecht gewesen war. Verdammt nochmal, dass sowas aber natürlich mir passieren musste! „Und die Jacke …?“ fragte ich zaghaft und spitzte zwischen zwei Fingern hindurch auf Elisa.

      Diese winkte mich ab. „Lederjacke, schon vergessen? Ich glaub, Declan hat’s dir auch nicht übel genommen, er fand’s eigentlich ziemlich lustig.“ Dann lachte sie kurz auf, als wäre ihr gerade ein super lustiger Gedanke gekommen. „Ihm haben wahrscheinlich noch nicht so viele Menschen in die Jacke gekotzt. Du bist einzigartig!“

      Mir gefiel die Richtung, in die dieses Gespräch wanderte nicht, also versuchte ich das Thema zu wechseln. Und zwar genauso locker flockig wie alles, was ich tat.

      „Wie heißt der Kerl?“

      „Declan,“ Elisa sah mich skeptisch an. „Nicht gerade ein Name, dem ich meinem Sohn geben würde aber was soll’s – es gibt Menschen, die finden sogar Elisa schrecklich.“ Sie schüttelte ungläubig den Kopf, als könne sie es nicht fassen. Dann sah sie mich wieder neugierig an. „Wieso?“

      „Ach, ich bin ihm nur im Haus begegnet,“ murmelte ich. Den ganzen Zwischenfall mit der total hinterhältigen Attacke behielt ich lieber für mich; wer wusste schon, was Elisa damit anfangen würde. Stattdessen sah ich ‚zufällig‘ auf meine Armbanduhr, zog eine oscarreife Oh-Gott-schon-so-spät?-Show ab, die von meiner Freundin nur mit einer hochgezogenen Augenbraue quittiert wurde, und jogg-rannte dann zurück über die Straße auf meinem Hof.

      Während ich die Tür aufsperrte und mich nach Zoe und Adèle umsah, musste ich doch nochmal an Elisas gruseligen, fremden Wohnzimmergremlin (wirklich? Gremlin? Da hattest du schon bessere Vergleiche, Jojo!) denken.

      Declan. Was für ein dämlicher Name.

      ***

      Zoe fand ich schließlich zusammen mit Ella im Stall. Zoe hatte anscheinend angefangen, die Boxen zu misten, war von irgendetwas abgelenkt worden und hatte alles stehen und liegen gelassen.

      Was bedeutete dass ich in meinem immer noch etwas angetrunkenem Zustand erst einmal voll in den Rechen lief, der auf der Stallgasse lag.

      Mein Leben war also eine einzige Simpsons-Episode. Meine Nachbarin war die verrückte Katzenlady während ich wohl wieder aus dem Gefängnis ausgebrochen war, um einen zehnjährigen Jungen mit einer schrecklichen Frisur zu ermorden. Zoe schien mir zuzustimmen, denn als sie mir entgegen lief, murmelte sie etwas von Sideshow Bob und swear to god this never happened in Australia.

      Als ich wieder aufrecht stand und der böse Rechen zur Seite geräumt war, grinste Zoe mich breit an. „Na, wie war der Shark-Marathon?“

      Ich verdrehte die Augen. „Frag nicht. Anscheinend hab ich einem völlig Fremden die Jacke ruiniert.“

      Zoes Augen blitzten und auch wenn sie noch nicht so lang hier war, das konnte ich schon als schlechtes Zeichen deuten. Sie öffnete den Mund, wahrscheinlich um irgendwelche Details nachzufragen, aber ich schüttelte sofort den Kopf. „Keine Details. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“

      ***

      Nachdem sie also eingeweiht war, verabschiedete Zoe sich mit einem Grinsen (das noch selbstgefälliger als Elisas war, war das überhaupt möglich? Die Realität verwirrte mich heute sehr.) und sagte, sie würde sich Outside Girl schnappen und mit ihr eine Runde um den Hof machen. Was mich natürlich nur daran erinnerte, dass ich immer noch keinen richtigen Ausritt um die ganzen Höfe mit ihnen gemacht hatte.

      „Am Wochenende!“ rief ich Zoe hinterher und widmete mich dann wieder dem Besen, der die Stallgasse rein theoretisch von Stroh befreien sollte. Es schien mir aber eher, als würde ich das Stroh und Heu vor mir hin schieben und so noch mehr verteilen. Ein neuer Besen musste auf meine Einkaufsliste.

      Adèle fand ich mit Cìola in der Reithalle. Zwar war das nicht gerade mein Lieblingsort an einem warmen Frühsommertag wie heute, doch Adèle schien die Luft nichts auszumachen, als sie versuchte, Cìola das Rückwärtsrichten vom Boden aus beizubringen.

      „Du kannst gern mit Symbolic Splash weitermachen,“ rief ich ihr vom Tor aus zu, worauf sie nur die Augen verdrehte. Zwar kannte ich Adèle noch nicht lange, doch ich wusste, dass sie die Aufgabe nur zu gerne übernehmen würde; sie mochte es, mit Jungpferden zu trainieren, und da sie in Bodenarbeitszeugs viel weiter war als ich hatte ich sie in den letzten Tagen auch mit Bacia trainieren lassen. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, die Lewitzerstute heute zum ersten Mal zu reiten – aber ob das mit einem Kater so gut war?

      Egal. Jetzt war erst mal eine Weidenkontrolle angesagt – die konnte ich wenigstens noch allein durchführen. Bei der Kontrolle der Hengstkoppeln, die alle nah beieinander waren aber abgetrennt, lief mir Paramour hinterher wie ein Hund. Ab einem gewissen Punkt wurde es nervig und ich schnappte mir Vaffanculo, um den Braunschecken von mir abzuhalten. Dafür war Val zu haben – er war der Poser auf dem Hof und imponierte gerne Konkurrenten weg. Und da er schonmal draußen war, brachte ich ihn an den Putzplatz und begann, ihn ausgiebig zu putzen. Aus dem Putzen wurde ein Satteln und daraus eine kleine Runde die mich auf Elenas Hof brachte. Elena hatte wohl gerade Mary Poppins angeguckt, denn als ich abstieg, hörte man aus dem Haus ein Lied plärren und jemanden ein bisschen schief mitsingen. Eigentlich hätte ich gedacht, sie wäre ein wenig überraschter gewesen; immerhin war sie diejenige, die auf andern Hofen rumhing. Doch anstatt mit einem verwunderten Blick wurde ich mit einem Grinsen begrüßt (jeez, da hatte jemand doch was ins Wasser gekippt!)

      Bevor sie irgendwas sagen konnte ließ ich mich aus dem Sattel gleiten und verdrehte die Augen. „Spar dir deine Energie, ich habs schon gehört.“

      „Du weißt, dass ich das nicht tun kann,“ erwiderte Elena in einer für sie viel zu tiefen Stimme. Dazu hatte sie natürlich ihr Pokerface aufgesetzt. Meine Güte, meine Freunde waren definitiv zu komisch (Aber gleich und gleich gesellt sich eben gern).

      Elena konnte es dann doch nicht lassen und nannte mich von da an nur noch Spucky oder Captain Kotzerica („Das macht nicht mal Sinn!“ – „Nur weil du es nicht verstehst!“ – „Dann erklär’s mir doch bitte!“ – „Kunst kann man nicht erklären.“). Dafür plättete ich ihren Hintern in der nächsten Stunde mehrere Male bei einer (oder mehreren) Partien Tony Hawk Underground 2. Nachdem Gwen sich geweigert hatte, ihr New Forest Pony Tawny Hawk zu nennen, hatte Elena sich aus Protest eine Playstation 2 aus dem Internet gekauft, komplett mit etwa 6 Spielen der Tony Hawks Reihe. Was nicht bedeutete, dass sie sonderlich gut darin war.

      Nach einer Stunde fiel mir dann aber wieder ein, dass ich ja Aufgaben und ähnliches hatte (und Elenas Sticheleien wollten partout nicht aufhören) und machte mich gemütlich mit Val/Waffel auf den Rückweg. Als ich auf dem Hof angekommen war, mutierte ich dann zur Arbeitsmaschine – zuerst äppelte ich Weiden ab, wobei ich von Paramour und Muraco neugierig gemustert, von Quixoticelixer verfolgt und von Newt und Attonito von der Arbeit abgelenkt wurde, trainierte dann wirklich noch mit Bacia (was besser als erwartet klappte – am Putzplatz übten wir das Sattelauflegen und Trensen, dann ging es in einer einfach gebrochenen Wassertrense und einem Bareback Pad, das mir Elena einmal aus irgendeinem Grund gegeben hatte, ein paar Runden im Schritt auf dem Platz. Man merkte richtig, wie Bacia nach all den Monaten, die sie jetzt schon hier lebte, Vertrauen fasste. Bevor sie mir so hinterherrennen würde wie Chepa würde es zwar nochmal länger dauern, aber das musste ja auch nicht immer sein – solange mir die Braunscheckstute vertraute und nicht mehr vor mir wegrannte, sollten wir gut miteinander auskommen), longierte Capulet (auch er wurde langsam ein wenig ruhiger – seinen Spitznamen Katapult würde er aber so schnell nicht verlieren, Joline landete doch noch ziemlich oft im Sand) und sattelte anschließend Medeia, um mit ihr und Tautou als Handpferd einen gemütlichen Ausritt zu machen, weit weg von Elisas oder Elenas Hof – Gwen war bei solchen peinlichen Angelegenheiten nicht ganz so schadenfroh wie der Rest unserer Gruppe, deswegen wird sie an dieser Stelle nicht erwähnt.

      Beim Zurückkommen – ich war ein bisschen überfordert, Handpferdausritte waren nicht wirklich etwas, was ich oft tat und deswegen ging es auch nur im Schritt, vor allem mit Tautou – sah ich, wie Adèle und Zoe zusammen Outside Girl, Flea, Favorita und Star am Putzplatz angebunden hatten. Flea und Star hatten schon nasses Fell, während Favorita und Siddy gerade abgespritzt wurden. Normalerweise war Favorita ein ganz schöner Feigling was Wasser anging – Tränke okay, Wasserschlauch? Niemals! – doch sie stand wie angewurzelt während Adèle ihr die Fesseln abkühlte. Ein paar Minuten später waren dann auch Medeia und Tautou mit einer kurzen Dusche dran, ehe sie zurück auf die Weide kamen und sich dort natürlich sofort wieder im Staub wälzten. In Tautous Fall fiel das wenig auf, aber Medeia verwandelte sich vor meinen Augen in einen Braunfalben. Ein wenig mitfühlend klopfte mir Zoe auf die Schulter, verkniff sich aber ihr Grinsen nicht. Wirklich, wieso grinsten um mich herum alle so verdammt fies?!

      ***

      Die Sonne stand schon recht tief als ich mich nochmal auf Elisas Hof aufmachte, fest damit rechnend, dass die Spötteleien wohl nicht aufhören würden. Trotzdem – ich musste mich noch um Pacco kümmern. (Und verdammt nochmal, jetzt hatte sich der Name wirklich in meinem Gehirn festgewurzelt. Pax. Pax, Pax, Pax!!)

      Er stand mit den anderen Fohlen noch auf der Weide, kam jedoch sofort angetrabt, als ich nach ihm pfiff. In erster Linie, weil er wusste, dass ich ihm irgendetwas mitgebracht habe. Den Führstrick, dem ich ihn ans Halfter anbrachte, störte ihn schon gar nicht mehr, und er zögerte auch nur für einen Augenblick, ehe er mir frohen Mutes von der Koppel folgte.

      Am Putzplax angelangt übten wir dann das ganze Stillstehen-Trara. Pax fand nämlich, dass das extrem blöd war und versuchte des Öfteren, ein paar Schritte in eine Richtung zu laufen, ehe er bemerkte, dass er angebunden war. Wir arbeiteten jedoch in kleinen Schritten, deswegen brachte ich ihn nach etwa 15 Minuten zurück zu seinen Freunden.

      Dabei fiel mir dann auf einer angrenzenden Weide ein leuchtend roter Fuchs mit einer Laterne auf. Elisa war nirgendwo zu sehen, und Vendetta sah aus, als könne sie eine Dusche (oder zumindest ein paar Streicheleinheiten) gebrauchen, also nahm ich mir kurzerhand ihren Führstrick.

      Vendetta genoss es sichtlich, die Schicht aus Dreck und Matsch abzubekommen, die sie sich im Laufe des Tages angeeignet hatte. Sie genoss auch die Leckerlis, die Zoe letztens gebacken hatte. Und sie genoss es noch mehr, sich sofort wieder in eine Matschpfütze zu schmeißen, sobald sie die Chance dazu hatte.

      Aber gut, das sollte nicht mein Problem sein.


      Was dann aber zu meinem Problem wurde kam mehr oder weniger direkt auf mich zu als ich gerade wieder in Richtung Pine Grove aufbrach. Erst sah es aus, als würde mich Declan gar nicht bemerken als er aus dem Ausbildungsstall kam – was vielleicht das Beste gewesen war. Doch nein, natürlich musste er mich bemerken und natürlich musste er anfangen auf mich zu zu joggen.

      Was ihn nicht wirklich weniger verzweifelt aussehen ließ.

      Ein wenig widerwillig blieb ich stehen. Immerhin hatte ich mich ja noch nicht entschuldigt und meine Mama hatte mich so erzogen; macht man ein Ding von jemand anderem kaputt, dann hat man sich gefälligst zu entschuldigen.

      Als ich mich jedoch zu ihm umdrehte, lächelte er mich breit an. „So früh schon wieder zurück?“

      Ich mochte Smalltalk noch nie, vor allem nicht in solchen Situationen. Mein „Ja.“ kam also ziemlich schnippisch, aber das war mir egal. „Hör mal – wegen gestern …“

      Die Worte zu finden war auch nicht wirklich meine Stärke und ich brauchte erst einmal eine kurze Pause, um alles zu sortieren. Declan machte es nicht unbedingt leichter – er sah mich neugierig an, fuhr sich durch die Haare. „Jaa?“

      „Äh – sorry? Also wegen deiner Jacke.“ Und er sah mich weiterhin so blöd neugierig an, dass ich mich am liebsten verstecken würde. „Ich … bin mir sicher, dass das keine Absicht war.“

      Sein Lächeln wurde zu einem Grinsen (und langsam machte mich das echt verrückt – war heute internationaler Grins-Tag?!) und okay, er war doch ein wenig süß. (Ein wenig. Nur ein bisschen. So süß, wie ein Mann eben sein konnte.)

      „Nichts, was ein paar Stunden in der Waschmaschine nicht zurechtrücken können,“ sagte er und dann verschwand sein Lächeln nach und nach.

      Verdammt, ich hätte eigentlich sofort gehen sollen.

      „Aber – was ich eigentlich fragen wollte … nun ja, ich bin hier noch ein paar Wochen—“

      Ach du heilige Scheiße. Wollte der Kerl mich jetzt wirklich nach einem Date fragen?

      Meine Fresse. „Ähm – sorry aber … ich hab immer ziemlich … viel zu tun? Und äh. Da. Ist das vielleicht –“ Gut, das war jetzt auch nicht mal im mindesten peinlich. Super, Jojo!

      Declan verstand mich aber irgendwie doch – vielleicht war er zu oft gekorbt worden (und bei dem Gedanken tat er mir fast schon leid). Auf jeden Fall hob er ein wenig abwehrend die Hände und ging einen Schritt zurück. „Okay, kein Problem.“

      Weil ich mich doch ein wenig schlecht fühlte versuchte ich es mit einem entschuldigenden Lächeln. Obwohl Declan es erwiderte war ich mir nicht ganz so sicher, obs wirklich so rüberkam.

      Also: schnell raus hier. Mit ein paar wilden Handbewegungen und ein paar Wörtern die ich nie im Leben wieder identifizieren könnte machte ich ein paar Schritte in Richtung von meinem Hof. Ein letztes Lächeln von Declan, ein fast schon scheues Winken, dann drehte er sich um und ich konnte zurück auf meinen Hof rennen.

      Meine Güte. Da war dann wohl sogar Elisa talentierter im Umgang mit okay-aussehenden Menschen. Und die hatte es nach – Monaten? Waren es schon Jahre? – immer noch nicht wirklich mit Matthew geschafft und wurde wieder zwölf, wenn man sie darauf ansprach.

      ***

      Adèle und Zoe lachten mich natürlich sofort aus, als sie von dem Vorfall erfuhren. Und Gwen, Elisa und Elena (und Lena natürlich) würden das gleiche tun, wenn es ihnen irgendjemand steckte. Doch den dreien konnte ich nicht die Abenddienst im Stall aufschieben; Zoe und Adèle schon.

      Das bedeutete für mich: ein entspannter Abend mit Ella auf dem Sofa, ganz ohne Vodka und ohne irgendwelche Kotzzwischenfälle.

      So, wie es immer sein sollte.
    • Rhapsody
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      Dressur A-L
      30. Juni 2015 | © Gwen

      Der Monat Juni neigte sich dem Ende und unglaublich, aber wahr: Es wurde noch wärmer. Während unsere Verwandten in Deutschland mal wieder über einen kalten, verregneten Sommer jaulten, konnten wir uns hier in Kanada nicht beschweren. Es waren täglich immer gut über 25°C und das reichte mir eigentlich auch, mir fehlte jetzt schon die Motivation, aufs Pferd zu steigen. Nun wurde es noch schwerer sich zu motivieren und bei Kritikerin Elena konnte man nicht mal die Reithose hochkrempeln, ohne sich beinahe eine Ohrfeige zu fangen.

      Dementsprechend unmotiviert schleppte ich mich auch heute in den Stall, denn Jojo hatte mir natürlich noch zwei ihrer Lewitzer für Juni aufgebrummt und ich hatte weder Elisa noch Matthew dazu überreden können, mir zu helfen. Tja. Also war ich schon sieben Uhr auf den Beinen und holte Flea aus ihrer Box. Die kannte mich ja sowieso schon und war genauso motiviert wie ich.
      Gähnend putzte ich sie und machte sie für unser Training fertig. Da ich um die Uhrzeit nicht mit Elena rechnete, krempelte ich brav die Reithose hoch und ließ die Chucks an. Lächelnd stieg ich so aufs Pferd und wärmte Flea auf. Unser Gebiet war diesen Monat die Dressur und ich wollte/sollte Flea auf L-Niveau bringen. Das war bei der hübschen Stute auch nicht sonderlich schwer.
      Viel Neues kam nicht dazu, nur der einfache Galoppwechsel, Überstreichen und Kurzkehrt. Natürlich auch die versammelten Gangarten, aber da hatte Jojo selbst schon Hand angelegt und Flea war schon recht weit. Natürlich konnte sie da nicht mit Elenas Toppferden mithalten, aber sie kam ein winziges, kleines Bisschen an diese heran.
      Seit einer Woche ritt ich nun wieder Flea und die Tempiwechsel und Galoppwechsel klappten einwandfrei. Nur mit der Kurzkehrt taten wir uns noch etwas schwer, aber Übung machte ja schließlich den Meister.

      Halb neun waren wir fertig und ich ehrlich gesagt auch der Meinung, dass Flea so weit war. Also gabs die Trainerbestätigung und fertig. Die Woche hatte locker gereicht und Flea hatte heute so gut mitgemacht, da konnten wir uns das Training bei über 30°C doch sparen.
      Als zweites hatte ich Vaffanculo bei mir. Der Name war einfach nicht aussprechbar, deshalb schloss ich mich Elisa und Elena an und der Hengst hieß einfach Waffel. So rief ich ihn auch, als ich ihn von der Weide holte, um ihn zu putzen und zu satteln. Um etwas Abwechslung zu haben, hatte ich Waffel im Springen trainieren wollen.
      Da war er momentan auf A-Niveau und unser Ziel war eine L. Also eine Ähnlichkeit mit Flea hatte er zumindest, aber das wars auch. Im Gegensatz zur ruhigen, fleißigen Flea war Waffel typisch Kerl: Macho hoch drei. Ich weiß gar nicht wie oft ich auch heute wieder beim Training die Augen verdrehte. Jede auch nur noch so weit entfernte Stute machte den Dunkelfuchs verrückt und da war das Trainieren gar nicht so leicht.
      Dementsprechend lange dauerte es, bis ich endlich einmal seine Aufmerksamkeit für mich hatte und er sich auf die Hindernisse konzentrierte, die schrumpften nämlich nicht so wie sein männliches Gehirn.
      Am Ende konnten wir dann einmal den L-Parcours durchspringen und gut war. Auch wenn Waffel gerne lieber bei Elisas Reitponystuten gestanden hätte (hrhr, das Theater erst!), hatte er dann doch eingesehen, dass er lieber mitmachen sollte, ehe es sich noch mehr in die Länge zog.
      So war ich um zehn dann auch mit beiden Berittpferden fertig und konnte ihnen pünktlich auf den letzten Tag des Monats genau ihre Bescheinigungen ausstellen und die tollen Vierbeiner an ihre eigentliche Besitzerin zurückgeben.
      Ob sich der Aufwand überhaupt lohnte, war fraglich, immerhin erahnte ich eh schon, dass ich die beiden schon den nächsten Monat wieder an der Backe haben würde und der nächste Monat war Morgen. Wuhu!

      Geistesabwesend und in Gedanken versunken spritzte ich Waffels Beine am Waschplatz ab, als mich plötzlich ein „WAS FÜR EIN DESASTER!“ aus den Gedanken riss. Erschrocken drehte ich mich um und blickte inmitten von Elenas Gesicht. Na ach du Schreck.
      Dummerweise hatte sich auch der Schlauch in meiner Hand mitgedreht und zeigte nun genau auf Elena. Erst auf ihr Gesicht, weil ich vor Schreck die Arme hochgerissen hatte und als ich mich entspannte, machte ich auch noch ihr T-Shirt und ihre Hose nass. Ups.
      „Irgendwie wirkst du erhitzt“, mutmaßte ich anlässlich ihrer glühend roten Wangen. „Noch eine Abkühlung?“, fragte ich lächelnd und zielte noch einmal in ihr hübsches Gesicht. Jetzt war Elena nicht mehr zu halten und ich sah meine letzte Chance lebendig aus der Sache zu kommen.
      Den Schlauch warf ich Elisa zu, die gerade den Stall verließ und dann rannte ich so schnell ich konnte. Hey, da hatte sich das ganze Training doch einmal ausgezahlt. Aber warum musste Elena trotz Nichtstun immer noch schneller sein als ich? Und das auch noch mit diesem ominösen Eimer voller Wasser in den Händen.
    • Rhapsody
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      Home sweet ... home?
      09. Juli 2015

      Als Zoe eines Nachmittages – es war ein wenig abgekühlt und man konnte wieder draußen sitzen, ohne das Gefühl zu haben, zu brutzeln – fragte, ob ich nicht Lust auf einen kleinen Ausritt hätte, sagte ich natürlich nicht nein. Die Pferde grasten ruhig auf der Weide, der Himmel war blau mit vereinzelten Wolken – ein perfekter Tag für einen faulen Ritt also.

      Innerhalb von wenigen Minuten standen dann Medeia und Flea am Putzplatz. Aus irgendeinem Grund hatte Zoe sich total in die Scheckstute verknallt und eiferte somit Juli nach (die hatte zwar nur einen allgemein Lewitzer-Batscher, aber Flea war eine ihrer Liebsten). Für mich musste es nicht immer eine ausgefallene Scheckung sein oder sonst was. Aus Frankreich kannte ich mich mit Schimmeln jeglicher Art aus und schreckte somit nicht vor Medeias Farbe zurück. Im Nu waren beide Stuten geputzt, sauber und gesattelt und es konnte los gehen.

      Die Umgebung war immer noch recht neu, und das würde wohl noch ein wenig so bleiben. Mein ganzes Leben hatte ich auf einem Fleck gewohnt, da war die Umstellung ein wenig schwerer. Aber mit einem Verlasspferd wie Medeia würde das wohl kein Problem werden.

      Ein Stück ging es erst an der Straße entlang, dann auf einen Feldweg, auf dem wir erst einmal antrabten. Beide Stuten waren allein schon sehr flott unterwegs, doch wenn sie zusammen gelassen wurden, haute das Leichttraben nicht mehr ganz so hin. Deswegen stellte ich mich einfach in die Steigbügel und ließ mir den Wind durch die Haare fahren.

      Kanada war schön, doch ein Teil von mir würde wohl für immer in Frankreich bleiben. Das warme Wetter, die traumhafte Landschaft, die reinweißen Ponys … Doch Kanada war natürlich nicht schlechter – nur … anders. Weniger stechende Sonne, gedämpfte Geräusche, das Kreischen eines Habichts anstelle des Rufs einer Möwe. Anders, aber durchaus nett und freundlich.

      Nach einer kurzen Schrittpause – wir kamen an einen kleinen Bach, den wir durchqueren mussten – ging es dann in einem großen Bogen um Elisas Gestüt. Ich selbst war noch nicht so oft dort gewesen im Gegensatz zu Zoe und, natürlich, Juli, die dort wahrscheinlich schon halb eingezogen war. Ich hielt mich da gerne im Hintergrund; Alkohol war noch nie mein Lieblingsgetränk gewesen und ich brauchte einige Zeit, um bei Fremden aufzutauen. Das einzige Mal, dass ich das Gefühl hatte, sofort mit einem fremden Menschen zu klicken war, als ich Zoe das erste Mal traf. Wahrscheinlich weil wir beide so grundverschieden waren. Zoe die Extrovertierte, die durch ihre sonnige Art sofort gute Laune versprühte und ich, die etwas Schüchterne, die sich gern im Hintergrund aufhielt.

      Eigentlich lustig, dass wir uns jetzt so gut verstanden. Denn es brauchte nur ein kurzes Nicken seitens Zoe, da ließ ich die Zügel ein wenig lockerer, drückte Medeia kurz die Schenkel in die Seiten und dann jagten wir zusammen mit Flea und Zoe dem Wind hinterher. Ja, Kanada war toll.

      ***

      Eine knappe halbe Stunde später waren wir wieder auf dem Hof angelangt. Unterwegs hatten wir Juli aufgegabelt, die anscheinend von Elisas Hof (wo sonst?) kam. Zoe musste sie natürlich gleich wieder aufziehen, immerhin war es nicht einmal mir entgangen, dass irgendein Besitzer eines Ausbildungspferd wohl irgendwie versuchte, sie dazu zu bringen, wenigstens einmal auf einen Kaffee in die Stadt mit ihm zu fahren. Aber, eine gute Freundin wie ich war, ließ ich sie natürlich in Ruhe und drückte ihr nur wortlos die Zügel in die Hand, als ich abstieg. Juli sah mir ein wenig verdutzt hinterher, brachte Medeia dann aber schließlich zum Putz- und danach zum Waschplatz (solche Aktionen hatte es in den ersten Tagen oft gegeben – Juli war faul und wir waren neu gewesen), während ich mich zurück in die Hängematte hinterm Haus legte. Home sweet Home.
    • Gwen
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      Military E-A

      29. Juli 2015

      Unschuldig blickte Jojo mich an und tat so, als könnte ich das Pferd hinter ihrem Rücken nicht sehen. Flea hingegen hob gerade den Kopf, während sie genüsslich auf ihrem Grasbüschel kaute und schaute neugierig über Jojos Schulter, ehe sie ein quietschartiges Wiehern von sich gab und so das Gras samt Sabber auf Jojo verteilte. Ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen und auch Elisa feierte mit, während sich Jojos Mund zu einer dünnen Linie formte.
      „Für die Showeinlage trainiere ich sie die dir doch gerne! Aber für nächsten Monat möchte ich dann wieder eine neue“, feierte ich immer noch, nahm Jojo grinsend den Führstrick aus der Hand und brachte Flea in den Stall, um sie zu putzen und zu satteln. Sexy Stallburschen wie Elena hatten wir hier nicht, die einem die Pferde fertig brachten, stattdessen musste ich mir als arme Trainerin meine Pferde selber fertig machen.
      Flea kannte ich nun schon lang genug, so dass wir die Kennlernphase guten Gewissens hinter uns lassen konnten und direkt begannen. Eigentlich war sie sowieso noch im Training, denn bei Jojo war nach dem Training schon wieder vor dem Training. Warum sie Flea überhaupt noch mit nach Hause nahm? Sie konnte ihre Lewitzer eigentlich auch genauso gut bei Elisa parken, so dass ich nicht immer dieses Hin und Her hatte, wobei das Flea ja sichtlich egal schien.
      Am langen Zügel stapfte die Lewitzerstute zufrieden über Elisas Hof und hinterließ mitten auf dem großen Platz auch noch eine hübschen Haufen. Kurz überlegte ich, ob ich mir einen Zettel und Stift besorgte, um ein „Liebe Grüße, Jojo“ draufzukritzeln und daneben zu legen, aber dann sah ich Matthew um die Ecke des Stalles kommen und machte mich lieber so schnell wie möglich vom Acker.
      Ein „GWEN! Mach das weg!“ konnte ich theoretisch noch vernehmen, aber in meinem Kopf hörte ich nur noch „Lalalalalala“ und das war auch besser so. Also setzten Flea und ich unseren Weg zur Geländestrecke still weiter.
      Dort trafen wir beinahe auf Elena (wieso um Himmels- ach egal), welche wir aber durch einen Umweg durch den Wald aus dem Weg gehen konnten. Der Preis dafür waren zwar allerhand Spinnweben und Äste in meinem Gesicht, aber die waren es wert.
      Als wir dann endlich unter uns waren, nutzte ich den großen Platz, um Flea aufzuwärmen und sie mit den Naturhindernissen bekannt zu machen. Wirklich springen wollte wir heute noch nicht, Flea war noch nicht so weit im Military, als dass ich es so schnell angehen konnte, aber sie sollte sich schon einmal an die Hindernisse gewöhnen und einen kleinen Baumstamm nahmen wir heute auch schon.
      Die nächsten Tage widmete ich mich dann erst einmal dem Training auf dem Platz, um Flea an Tempo und Höhe zu gewöhnen. Das ging eigentlich schnell von Statten denn im Springen war Flea bereits auf M-Niveau – perfekte Voraussetzungen für das Gelände. Also konnten wir als nächstes die Trainingseinheiten draußen verbringen, weit weg von Jojo, Elena und Elisa.
      Dort gewöhnte ich Flea an die unterschiedlichen Hindernisse. Besonders der Wassergraben und der Auf-ab-Sprung machten ihr anfangs zu schaffen. Wir gingen gefühlt hundertmal im Schritt durch und über die Hindernisse, aber im Galopp verweigerte Flea immer. Allerdings fand sie immer mehr Gefallen am Geländespringen, zog immer stärker an und freute sich schon auf unser Training.
      Also kam sie nicht umhin, die beiden Sprünge mitzunehmen und schon bald bekam ich sie auch dazu und Flea machte motiviert mit. Bald waren wir so weit, dass wir einen Parcours komplett nehmen konnten. An bestimmten Punkten hatte sich die Fangemeinschaft „JEE“ versammelt, um Flea zu verschrecken und mir das Training zu versauen. Denn sie standen mit Fähnchen in den Händen im Wald und jubelten.
      Das fanden weder Pferd noch ich toll, aber Flea bedankte sich schon bald mit einem weiteren Misthaufen direkt vor Elenas Füßen. „Mensch, die hält ja viel von dir“, kicherte Elisa und sicherte sich somit dieses Mal die Schelle von Elena. Jojo hatte sich das Lachen erst verkniffen, aber jetzt feierte sie auch. Ich entschied spontan, dass Jojo sich noch einmal als abschließende Prüfung auf Flea setzen sollte und stattdessen wechselte ich in die Fangemeinschaft, nun umbenannt in „GEE“.
      So musste auch Jojo einmal den Parcours auf ihrer Stute und vor allem uns absolvieren, ehe ich ihr fröhlich mitteilen konnte, dass Flea nun A-bereit war und ich ihr bereits viel Glück für ihr erstes Turnier wünschte. „GEE“ würde sie gebührend und überall anfeuern.
      Rhapsody und Samarti gefällt das.
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  • Album:
    9 | Gnadenweide
    Hochgeladen von:
    Rhapsody
    Datum:
    20 Juli 2015
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  • [​IMG]
    name: Flea
    nickname: -

    age/place of birth:
    7 years; Wabern, Germany

    sire/dam: CR Falcon / Farasha (Love is Wicked x Polarfuchs)

    gender: mare

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    breed: Lewitzer (refined)

    coat: chestnut tobiano
    genotype: Aa ee ToTo FF

    height:
    147cm

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    character traits/biography: calm; fast; concentrated
    Flea ist eine sehr ruhige, ja manchmal beinahe schon unscheinbare Stute. Sie weist eine unglaubliche Geduld und Sänfte auf, so dass am liebsten alle Kinder immer zu ihrer Box stürmen würden, um die Stute zu schmusen. Flea wird sowohl von den Menschen als auch von ihren Artgenossen hoch geschätzt und geliebt. Obwohl sie in der Herde nie auffällt, merkt man schnell, dass sich immer eine kleinere Gruppe um sie herumtummelt und die Ruhe der Stute genießen. Bei der Arbeit, sei es vom Boden oder vom Sattel aus, ist Flea immer sehr gewissenhaft. Dort zeigt sich auch als einziges ihr Araberblutanteil, nämlich in ihren raumgreifenden und federnden Gängen. Sonst ist Flea wirklich nervenstark und stets ausgeglichen, komme was wolle und das schon in ihren jungen Jahren.​

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    training: dressage L; jumping M; military M; driving: E

    specialty: eventing

    breeding confirmation: []

    competitions:
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    310. Dressurturnier | 84. Synchronspringen | 309. Springturnier | 88. Synchronspringen
    SK 434

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    offspring:
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    last vet check up: 08/03/15 - Klinik Caen
    last farrier check up:
    09/05/15 - Hufschmiede Pine Grove Stud

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    owner: Juli Mayers (Rhapsody)
    artist (+vkr):
    Elisa Cranfield (Samarti) & Elena Reese (Elii)

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    png - offizieller Hintergrund - zubehör

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