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Mohikanerin

Fire to the Rain LDS [3/20]

a.d. Rainbeth, v. Firewalker

Fire to the Rain LDS [3/20]
Mohikanerin, 11 Aug. 2022
Wolfszeit, Veija und Sosox3 gefällt das.
    • Mohikanerin
      Rennen E zu A | 31. August 2022

      Eichkatze / Mockup / Sisko / Nobelium / Millennial LDS / Enigma LDS / Meltdown / Fire to the Rain LDS

      Von Monat für Monat kamen Trainingspferde, nach dem Tyrell erkannt, dass ich dem Fahren wieder offener gegenüberstand. So legte Lars ein gutes Wort bei den Besitzern von Eichi ein und übernahm die lockeren Fahrten. Die Fuchsstute war entspannt, dennoch aufgeregt, wenn ich mit dem klappernden Gurt ankam nach dem Putzen. Sie spitzte aufmerksam die Ohren und begann mit der Unterlippe zu spielen. Typisches Zeichen ihrer Aufregung. Meistens begleitete uns Bruno mit Enigma, Nour mit Ini und Lars mit Mill. Es war entspannte Einheiten, in denen jeder einzelne von uns die Ruhe des Waldes genoss. Die vier Stuten kannten einander, standen auf demselben Paddock.
      Noby, der im Gegensatz zu allen anderen Pferden am Hof, Trabreiten lief, wurde von mir geritten oder von Nour schneller geritten. Ich übernahm größtenteils die lockeren Teile der Rennpferde, nur meine eigenen Trainingspferde fuhr ich schnell. Zwischendrin schrieb ich mit Basti, der nur wenig über seinen Trainingsinhalt erzählte, obwohl es mich wahnsinnig interessierte. Wenn ich ihm doch eine oder die anderen Information entlockte, drehte es sich um einen Fuchs, der enormes Potenzial hatte aber nicht zeigte. Niemand konnte wirklich identifizieren, wieso der Hengst unwillig war. Physische Ursachen gab es nicht, die Gesundheitswerte waren gut und selbst, wenn man die Unterbringen änderte, gab es keine Besserung. Ich schwieg über meine Idee, ihn hier herzubringen, schließlich konnte ich kaum Erfahrungsberichte teilen. Dennoch war das Klima auf der Halbinsel, insbesondere zwischen unseren Pferden, ein ganz anderes.
      Gleichzeitig kümmerte sich Basti auch noch um den Hengst seines Bruders, der im Gegensatz zu Mocki, auf Höchstleistungen lief. Der Schimmel trabte wie ein Champion.
      Zu guter Letzt hatten wir noch Sisko hier, den Tyrell aus Reflex gekaufte und nun langsam antrainiert wurde. Häufig longierte ich ihn und nahm ihn als Handpferd mit. Der Buckskin war geduldig – Obwohl er die Umgebung nicht kannte und jeder Berührung skeptisch gegenüberstand. Nour beschäftigte sich viel mit ihm. Es gelang ihr sogar binnen weniger Wochen ein erstes Schnellfahren zu vollziehen.

      © Mohikanerin // Vriska Isaac // 2146 Zeichen
      zeitliche Einordnung {April 2021}
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      kapitel trettioåtta | 30. Oktober 2022

      May Bee Happy / Maxou / HMJ Divine / Einheitssprache / Monet / Dix Mille LDS
      Mitternacht LDS / L‘Épirigenys LDS / Fire to the Rain LDS / Nachtzug nach Stokkholm LDS / WHC‘ Email / Ready for Life


      DONNERSTAG, 10:16 UHR
      Kalmar

      Vriska
      Vier Rennen später, die mehr oder weniger erfolgreich verliefen, standen wir in Kalmar. Es war nicht mehr dasselbe. Noch immer sah ich mich um, einzig, um ihm aus dem Weg zu gehen. Zu sehr ängstigte mich die Vorstellung ihm in Begleitung seiner Freundin anzutreffen, deshalb war ich froh, dass ich nicht als einzige von uns am Hofturnier teilnahm. Nichtsdestotrotz sah ich jedes seiner Rennen, auch wenn er es im Moment bevorzugte in den Norden Schwedens zu fahren und dort Platzierungen abzusahnen.
      Happy stand friedlich neben dem Transporter und zupfte am Heu, wohingegen Lina wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Gegend rannte. Es gab keinen Grund dafür, nur die Aufregung an sich. Der Zeitplan lag zurück, schon in den Kinderprüfungen dauerte es länger und ich rechnete mit einem Zeitverzug von etwa einer Stunde.
      “Vriska, ich glaube, ich kann das nicht”, jammerte sie unbegründet und zupfte an der Haarpracht ihres Hengstes herum. Das junge Pferd war aufmerksam, behielt alles mit seinen dunklen Augen im Blick, aber war insgesamt noch ziemlich entspannt.
      “Dann packen wir jetzt dein Pferd ein und ich fahre es nach Hause”, antwortete ich unbeeindruckt. Den Blick richtete ich nicht auf, sondern scrollte weiter auf meiner Instagram-Timeline hinunter.
      “Ja”, nickte sie hektisch, “fällt sicher niemandem auf, wenn ich fehle.”
      “Bestimmt hat Samu binnen Minuten vergessen, dass du je existiert hast, Sam und Mateo wissen auch schon nicht mehr, wer du überhaupt bist. Da hast du vollkommen recht”, seufzte ich und steckte das Handy weg. Die Ohren meines Fuchses stellten sich auf, als ich näherkam und den Strick löste vom Metall.
      “Ja, Na ja … vielleicht nicht sofort, aber”, plapperte sie wirres Zeug, brachte nicht einmal einen vollständigen Satz hervor, da schien sie sich bereits in ihrem wirren Gedankenkonstrukt verloren zu haben. Seit Tagen, nein, Wochen ging es so. Lina konnte nicht wirklich erwarten, dass ich noch Verständnis für ihre Aufregung hatte. Den Strick befestigte ich wieder.
      “Willst du etwas zum Essen, Alkohol? Irgendwas? Egal, was, ich besorge es dir oder tue es, solang du dann ruhig bist”, versuchte ich eine Lösung für ihr Verhalten zu finden.
      “Den Knopf zum Vorspulen”, schossen die Worte aus ihrem Mund. In einer willkürlichen Bewegung klammerte sie sich an ihr Pferd, welches daraufhin die irritiert die Ohren anlegte.
      „Dann muss kurz nach Zeitsprungknoten schauen“, sprach ich kalt und setzte mich in einer seltsamen Position auf den Boden, blickte in den Himmel und tat so, als würde ich Zeichen empfangen – von wem auch immer.
      „Also, ich habe zwei Punkte empfangen. Entweder den Tag, an dem du wieder zu deinem Vater ziehst oder an dem Ivy von mir gegessen wird“, erklärte ich und verschränkte die Arme, als würde ich auf eine Auswahl warten.
      “Was?” Voller Entsetzten starrte sie mich an und krallte ihre Finger noch fester in den Mähnenkamm ihres Hengstes.
      “Entschuldigung, ich war nicht lang genug in der Schule, um Zugriff auf mehr Knoten zu haben und wenn du so weiter machst, wird Ivy das heute nicht überstehen”, versuchte ich weiter ihre Vernunft zu finden.
      “Iiiich bin schon still”, entgegnete sie eingeschüchtert und schien wirklich bemüht darum, ihre nervöse Energie im Zaum zu halten.
      „Du sollst nur nicht dein Pferd misshandeln“, lächelte ich aufmunternd, „also was willst du tun? Dir die anderen anschauen, wo anderes herumlaufen“, dann seufzte ich, denn ich kannte alternativ eine Stelle, wo niemand sein würde. Vermutlich wäre es ihr da am liebsten, aber ob ich das ertragen konnte, wusste ich nicht.
      “Nein, möglichst ohne Menschen würde ich bevorzugen”, sprach sie, löste die Finger von Divines Hals und strich ihm entschuldigend über sein Fell. Sofort gingen die Ohren wieder nach vorn und er stupste sie freundlich an, als wolle er ihr vermitteln, dass es keinen Grund für solch eine Aufregung gab.
      Ich seufzte, aber akzeptierte die Entscheidung. Also schloss ich das Tor des provisorisch aufgebauten Zauns, in dem die Pferde standen. Zusammen liefen los, an der Hecke vorbei, bis wir an der Trainingsbahn ankamen. Keiner der Dressurtrottel würde sich jemals hierher verirren und die Traber mieden ebenfalls jede Veranstaltung hier oben, dementsprechend waren wir allein. Einige Meter stand eine Bank, ein Balken lose, aber sonst noch in der Struktur vorhanden. Es war still, nur die Geräusche der Autobahn und Natur drangen an uns heran.
      „Ja, das ist gut“, beurteilte Lina die Umgebung. Argwöhnisch testete sie die Stabilität der Sitzgelegenheit, bevor sie sich darauf niederließ, die Stille auf sich wirken lassend.
      „Freut mich“, murmelte ich nur, denn nun war ich wie von einer Tarantel gestochen. Meine Finger fummelten am Saum der Jacke, während mein Blick über die Weite schweifte. Wenn ein Geräusch ertönte, drehte ich mich sofort in die Richtung, aber fand für keines dieser eine Erklärung.
      „Bin ich so ansteckend?“, horchte die Kleine nach, die zumindest für den Moment eine ganze Stufe entspannter wirkte. Zumindest zeugten die Finger, die endlich zum Stillstand gekommen waren, dafür.
      Hektisch schüttelte ich den Kopf.
      „Es ist nur so“, ich nahm einen kräftigen Atemzug, „ich war hier lange nicht mehr.“
      Bewusst wich ich ihren Augen aus. Seit Wochen hatte ich dieses Schweregefühl, wie in diesem Moment, nicht mehr auf den Schultern gehabt, sondern schürzte mich in allerhand Arbeit. Diese fehlte inzwischen wieder. Zugleich kam mir auch die Situation an sich nicht entgegen, sodass Zweifel erneut in den Vordergrund rutschten. Sorge, um die lausige Anfänger Dressur hatte ich nicht, wie auch? Happy lief zuverlässig auf dem schweren Niveau und ich war mittlerweile auch in der Lage, die Abfolgen zu reiten. Dennoch war meine Lizenz nicht weit genug datiert, um höhere Prüfungen zu reiten. Lina warf einen prüfenden Blick auf ihre Umgebung.
      „Geht's dir gut?“, fragte sie vorsichtig, als sie den Zusammenhang zwischen dem Ort und meinen Verhalten erfasste.
      „Was heißt schon gut?“, lachte ich kurz auf, schüttelte den Kopf und hob die Hände. Wie eine gefangene Raubkatze streifte ich über den feuchten Sand der Bahn. „Man lebt in den Tag hinein, nimmt die Dinge, wie sie kommen und macht weiter. Ein guter Tag ist, wenn ich erst im Bett an ihn denke und Happy Fortschritte macht oder Maxou.“
      Mit ihren großen Rehaugen sah Lina zu mir hoch. Es gab nicht viel, was sie über die generellen Umstände mit Basti wusste, nur, dass wir einander nicht mehr sahen, trafen oder schrieben. Ich schätzte, dass Nour und Lars es aus anderen Quellen erfuhren, mich jedoch im Frieden ließen, dass sie nichts wussten. Der Stalltratsch auf den Rennen würde sicher genügend Informationen an die Oberfläche spülen, sodass jeder wusste, dass Basti wieder mit seiner Ex zusammen war. Geschichte wiederholt sich, sagt man so schön und ich traf offenbar jedes Mal aufs Neue dieselbe Sorte Mann – fehlte nur noch ein Kind, dann wäre das Muster vervollständigt.
      “Mmm, klingt nicht so als habest du gegenwärtig besonders viel Freude”, stellte sie nüchtern fest.
      “Korrekt”, brachte ich gereizt heraus.
      “Ist ja gut”, sagte, sie beschwichtigend, ”du wirst dir keine Sorge machen müssen, ihm zu begegnen, schließlich ist die Trabercrew nach Malmö aufgebrochen, wenn ich mich recht erinnere.”
      “Da wirst du nicht ganz falsch liegen”, bemerkte ich. Das Pochen in meiner Brust wurde merklich ruhiger, auch wenn der nächste Schwall an Anspannung aufkam, dass ich nicht selbst wusste. Obwohl ich Bastis Teilnahmen verfolgte, hatte ich im Stress meines ersten Turniers mit Happy, wohl etwas übersehen. Allein der Umstand brachte mich zum Grübeln. Kam ich langsam über ihn hinweg oder war es die Ruhe vor dem Sturm?

      13 UHR

      Endlich tauchte Samu auf. Mir gingen die Ideen aus, wie ich Lina hätte weiter beruhigen sollen. Nachdem es Zeit wurde unseren Ruheort zu verlassen, kam auch ihre Anspannung wieder. Es übertrug sich auf Ivy. Ihr Hengst lief auf dem Paddock Kreise, wippte mit dem Kopf und seine lange Mähne schwang in der Luft mit. Happy zog es magisch an. Der Fuchs sprang gegen den Zaun, immer und immer wieder, bis ich schließlich sein Halfter zu fassen bekam.
      “Alles gut”, sprach ich beruhigend auf das Tier ein. Die Ohren zuckten in alle Richtung. Aber ich hatte ihn in der Hand, für einen Moment versuchte er noch sich zu befreien, bis er spürte, dass ich bei ihm war.
      “Wir schaffen das”, flüsterte ich ihm und legte vertrauensvoll meine Lippen auf seinen weißen Nasenrücken.
      Der Himmel lockerte auf. Kleine Sonnenstrahlen kämpften sich durch die dicken Wolken. Wärme kam auf, dass ich meine Jacke auf die Beifahrerseite des Autos legte.
      “Tut mir leid”, entschuldigte sich Lina, die auf den Zehenspitzen auf und ab wippte, was ihr Pferd nicht gerade ruhiger werden ließ.
      “Linchen, runterfahren”, sprach ihr bester Freund sanft zu ihr und hielt sie an den Schultern am Boden. Divine ließ ein leises Wiehern erklingen, was mehr klang, wie das Blubbern eines Motorrades. Als in der Entfernung allerdings jemanden mit einem fremden Pferd vorbei Schritt schraubte sich der Ton mehrere Oktaven in die Höhe.
      “Außerdem solltest du langsam mal dich fertig machen, in einer halben Stunde beginnt die Prüfung”, erinnerte ich sie auf direkten an unseren Grund, wieso wir hier seit den frühen Morgenstunden herumstanden. Geschickter wollte und konnte ich mich nicht ausdrücken. Dafür regte sie den Fuchs zu sehr auf, der ohnehin unter Strom stand wegen der ganzen anderen Pferde. Für ihn war es nicht leicht, auch wenn ich bisher nicht herausfinden konnte, deshalb er so war.
      “Was in einer halben Stunde schon!” Wie ein aufgescheuchtes Huhn, bewegte sie sich fort und holte ihren Putzkasten hervor. Kaum hatte sie diesen abgestellt, bewegte sie sich zu ihrem Pferd und wollte es einfangen. Ivy kam zwar zu ihr gelaufen, doch zuckte nervös, wie er war immer wieder mit dem Kopf weg.
      “Samu, Hilfe”, sah sie verzweifelt zu dem großen Blonden hinüber.
      “Ich sag’s dir erneut, du musst dich ein wenig beruhigen”, sagte er kopfschüttelnd zu ihr, kam ihr aber dennoch zu Hilfe. Ruhig sprach er mit dem hellen Pferd und strich ihm langsam über den Hals. Im Gegensatz zu seiner Besitzerin wurde er ruhiger und ließ sich schließlich von Samu aus dem kleinen Paddock führen.
      “Soll ich direkt mit Happy mitkommen?”, bot ich an.
      “Ja”, nickte Lina heftig mit dem Kopf, sah dabei aus, wie eine dieser Wackeldackel, die Senioren auf ihrer Kofferraumabdeckung stehen hatten, neben der Popapierrolle.
      “Gut, dann entspann dich. Ich bin da”, wiederholte ich noch mal, bevor ich Happy an ihr vorbeiführte und auf der anderen Seite des Transporters befestigte. Er schnaubte gelassen ab, dann putzte ich ihn. Dreckig war er nicht, nur etwas Staub löste sich aus dem Fell und nach zehn Minuten holte ich den alten und ziemlich zerkratzten Dressursattel aus der kleinen Sattelkammer. Nach der schwarzen Pflegecreme sah er zumindest weniger zerkratzt aus. Das Modell stammte aus unserer Ansammlung von Pferdezubehör, schließlich kam mein Reitpad nicht dem Regelwerk nach. Die Form störte der Nennstelle, obwohl ich für die vier Minuten Prüfung sogar bereit war, Bügel zu befestigen.
      Das dicke Korrekturpad glich den Großteil aus. Aber wie gesagt, lange trug er das Ding ohnehin nicht. Die Länge war perfekt und die Kammer passte ich selbst an. Samu brachte Lina derweil ihren nagelneuen Dressursattel, der natürlich wie angegossen auf dem Hengst lag. Etwas Neid lag schon in meinem Blick, als ich das gepflegte Leder betrachtete, das poliert im Licht glänzte. Der Prozess des Bürstens hatte offenbar den Adrenalinspiegel ein Stück weit heruntergebracht. Die Kleine wuselte nur noch mit halber Geschwindigkeit um ihr Pferd herum und bis auf das übliche Anlegen der Ohren, ließ der Hengst sich artig satteln.
      „Lass mich das mal machen“, nahm Samu ihr die Trense aus der Hand.
      „Meinst du, ich kann das nicht selbst?“, blickte sie ihn irritiert an.
      „Doch, aber willst du etwa so auf Pferd steigen“, wies er seine beste Freundin auf den Umstand hin, dass sie noch in der Jogginghose umherlief, welches sie aufgrund der niedrigen Temperaturen am Morgen zusätzlich anzog. Ebenso die Stiefel und der Helm befanden sich noch nicht an ihrem Körper.
      Vielleicht wäre es auch für mich ratsam gewesen, das Pferd mit einem Überzieher zu reinigen. Stattdessen zierte der Stoff an meinem Oberschenkel unterschiedliche Streifen und Formen aus Staub. Selbst das Jackett vom Nationalteam trug ich schon, womit ich redlich blöd bei vorkam. Mein Name stand auf der Brust und am Ärmel, auf Schulterhöhe, das Logo des Landes. Eskil hatte mir dazu geraten, aber bei einer lokalen Veranstaltung mich derartig herauszuputzen, wirkte lächerlich. Zum Schluss löste ich noch die Startnummer vom Halfter und befestigte diese an der Trense. Happy zuckte, als das Plastik nah in seine Sicht kam, aber mit ruhigen Worten, entspannte sich dieser.
      „Bereit?“, lächelte Samu aufmunternd, als Lina vollständig bekleidet neben ihn trat. Divine war bereits getrenst und ebenso den Gurt hatte der Finne nachgezogen.
      „Optisch ja. Mental … ich weiß nicht“, entgegnete sie zurückhaltend und strich ihrem Hengst über die helle Stirn, bevor sie Zügel entgegennahm. Ich hingegen warf meine über den Hals und schwang mich, mithilfe eines Tritts, in den Sattel. Schnell reichte ihrem Turniertrottel mein Handy für ein Bild. Es landete mit einer Markierung zu Lina in meiner Instagram-Story, bevor Samu es in den Schrank packte. Es galt Handyverbot beim Reiten, was ich natürlich sonst nicht einhalten könnte.
      „Das ist nur die Nervosität, das wird gleich besser, wenn du auf dem Pferd sitzt“, ermutigte er die Kleiner weiterhin. Verhalten nickte sie, als würde sie ihn nicht hundertprozentig trauen, doch sie folgte ihm widerstandslos, als er den Weg zum Abreiteplatz einschlug. In kleinen, tänzelnden Schritten tippte der sonst so ruhige Freiberger seiner Reiterin hinterher, wieherte sogar einer Stute hinterher, die uns entgegenkam und drehte die Ohren, wie zwei Antennen auf der Suche nach Empfang.
      Skeptisch beäugte ich die beiden, wie sie durch den Sand rollten. Sie zupfte willkürlich am Zügel herum, als hätte sie alles vergessen, was jemals im Reitunterricht besprochen wurde. Obwohl ich die Aufgabe bei mir sah, Lina durch ihr erstes Turnier zu begleiten, hatte ich ganz andere Probleme. Wie unter Storm zuckte der Fuchs bei jedem Geräusch zusammen und konnte keinen Schritt auf den Sand setzen, ohne diesen genauestens zu prüfen. Durch
      leichten Kontakt am Bein trieb ich ihn vorwärts. Langsam, aber sicher wurde er warm mit der Situation, auch, weil die rossige Stute vom Platz verschwand.
      „Ach super, du sitzt schon auf dem Pferd. Ich wollte dich gerade holen gehen“, grinste Eskil, der am Zaun auftauchte.
      „Er war sehr nervös auf dem Paddock, deshalb wollte ich ihn genügend vorbereiten“, erklärte ich und strich dem bereits geschwitzten Hengst über den Hals.
      „Vorbildlich. Wie ist er heute?“, hakte er nach.
      „Hart am Maul, abgesehen von seiner Nervosität, fleißig und temperamentvoll, wie man ihn kennt“, schätzte ich ein.
      Eskil nickte.
      Es folgten Anweisungen zur Vorbereitung, die im Schritt und Trab umsetzte. Langsam, aber sicher löste sich Happy. Er streckte den Hals und seine Schritte wurden weicher auf dem eher harten Untergrund, sodass ich entspannt im Kopf den Ablauf durchging.
      Lina hatte es schwieriger mit ihrem weißen Pferd. Ihre Aufregung übertrug sich auf das junge Tier und es war ein einziges Auf und Ab der Gefühle. Wenn er auf Idee kam, sich zu lösen, ergriff sie panisch den Zügel, als würde Ivy wegspringen. Natürlich tat es vor Schreck, dass die Kleine hektisch am Gebiss zog. Eskil und Samu versuchten die beiden zu bändigen, aber kamen mit ruhigen Worten nicht voran. Ich hoffte noch immer darauf, dass Niklas von selbst zum Abreiteplatz kam, aber das wäre genauso unwahrscheinlich, wie Basti anzutreffen. Mit leichter Gewichtsverlagerung bewegte ich Happy vom Platz hinunter und folgte der Menschenmasse, die sich zum großen Reitplatz bewegte, auf der die Prüfungen geritten wurden. Da stand er, unterhielt sich mit einer betuchten jungen Dame, kaum älter als ich. Angetan von ihm fuhr sie sich durch die langen schwarzen Haare und kicherte. Aus den Wortfetzen entnahm ich nichts, was lustig war.
      „Romeo, deine Freundin braucht dich“, rief ich ihm leicht verärgert zu. Tatsächlich reagierte Niklas und löste sich sofort von der Dame. Böse Blicke prasselten auf mich ein, aber die Verurteilung aller, kannte ich schon und lebte damit. Happy faltete die Ohren immer näher in den Nacken, als er sich auf uns zubewegte.
      „Was stimmt mit dir nicht?“, zischte Niklas mich an.
      „Das solltest du dich selbst fragen, aber komm bitte. Lina flippt gleich aus“, sagte ich stumpf.
      „Und was soll ich dann tun?“, fragte er schwer von Begriff.
      Ich rollte mit den Augen.
      „Einfach für sie da sein. Samu und Eskil sind keine große Hilfe“, erklärte ich.
      Niklas entglitten die Gesichtszüge.
      „Kili ist da?“, verunsichert huschten seine Augen von links nach rechts und wie angewurzelt hielt er an. „Dann kann ich dort nicht hin.“
      „Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? Kannst du dich bitte nur für den Moment normal benehmen“, versuchte ich ihn zur Vernunft zu bringen, sehr ironisch, denn sonst musste mein Umfeld, das mit mir tun.
      Er holte kräftig Luft und folgte mir schließlich. Wie vom Teufel gejagt, legte er einen Jog hin, als man aus der Ferne schon Ivy über den Platz fetzen sah. Der Hengst wirkte unkontrolliert und vollkommen verängstigt, Lina im Sattel ebenfalls. Happy, den das wieder aus der Ruhe brachte, hielt ich zurück. Wir blieben auf Abstand.
      Im Schritt führte Niklas seine Freundin zum Reitplatz. Sie strahlte, auch wenn ich mir kaum vorstellen konnte, dass es einzig an der Anwesenheit ihres Partners lag. Einige Meter dahinter lief Samu, ebenfalls gut gelaunt und zu gleichen Maßen erleichtert. Freundlich nickte er mir zu.
      Samu
      Verwunderung trat ein, als ich feststellte, dass Vriska nicht mit zum Reitplatz kam. Eigentlich hatte ich gedacht, sie würde Interesse daran hegen, wie Lina sich machen würde. Na ja, vielleicht hatte sie auch einfach mit ihrem Fuchs zu tun, der nicht gerade einen zufriedenen Eindruck machte.
      “Na, wie geht es unserer Kleinen?”, kam Samantha gut gelaunt auf mich zu. Dicht darauf folgte auch ihr Bruder, der, soweit ich mitbekam, von seiner Schwester als ihre Begleitung verpflichtet wurde.
      “Könnte deutlich besser sein. Lina steht vollkommen unter Strom”, gab ich ihr den Lagebericht. Lina und ihr Freund befanden sich etwas abseits, bewegten sich in kleinen Kreisen. Die Tatsache, dass sich ihr Start sich um wenige Minuten verzögerte, hatte ihr Stresslevel sofort wieder ansteigen lassen, was sich auch auf ihren Hengst auswirkte. Nervös, mit kurzen, kleinen Schritten lief das helle Tier voran, die Augen weit aufgerissen, ständig in der Erwartung eine ruckartige Anweisung zu erhalten. Das letzte Mal, dass ich meine beste Freundin dermaßen außer Rand und Band erlebt hatte, war schon etliche Jahre her und hatte einen deutlich bedeutenderen Hintergrund.
      “Wer kam eigentlich auf die bescheuerte Idee, sie mit ihrem Hengst starten zu lassen?”, fragte sie mit einem kritischen Blick auf die Situation.
      “Sie selbst”, kam Mateo mir mit einer Antwort zuvor, “Nach dem ersten Training war sie hellauf begeistert von dieser Idee.”
      “Und keiner von euch zwei hat ihr gesagt, dass das vielleicht nicht die klügste Idee ist? Sie hätte doch auch Hanni nehmen können”, hakte die Blonde voller Unverständnis weiter nach.
      “Oh doch, jedes Mal, wenn es zur Sprache kam”, seufzte ich. Hätte ich geahnt, dass sie sich bereits bei so einem kleinen Turnier dermaßen aufregen würde, hätte ich ihr Divine aktiver ausgeredet.
      “Und was ist mit dir, Mateo”, scharf blickte die junge Frau ihren Bruder an, “du siehst so schuldbewusst aus.” Das Trio stand mittlerweile wieder still, sofern der Hengst diesen Zustand zuließ. Ihren Blick hatte sie auf den Platz gerichtet, auf denen ihr junger Vorreiter gerade die letzten Figuren der Aufgabe präsentierte, dabei nickte sie immer wieder unsicher. Daraus schloss ich, dass Niklas versuchte ihren Fokus auf die zu bewältigende Aufgabe zu lenken.
      “Sie sieht immer so glücklich aus, wenn Ivy Fortschritte macht”, verteidigte Mateo sich, versuchte es nicht einmal abzustreiten.
      “Dummkopf, gerade du solltest es besser wissen”, rügte die junge Frau ihn und stieß ihm fest in die Seite. Doch der Ärger würde auch nichts mehr nutzen, das Kind war schon in den Brunnen gefallen. Wie auf das Stichwort erklang verhaltener Applaus und der Junge verließ mit seinem Pferd die Bahn.
      “Du schaffst das”, lächelten die beiden Geschwister Lina aufmunternd zu, als diese in Begleitung ihres Freundes zum Eingang des Reitplatzes ritt. Auch ich wünschte ihr viel Erfolg, doch das nahm sie schon kaum noch wahr. Es knackt in den Lautsprechern, dann erklang eine Männerstimme, die Linas Auftritt anmoderierte.
      “Denk daran, für die nächsten Minuten gib es nur noch dich und dein Pferd, dann schaffst du das, mein Engel”, trug der Wind die Worte hinüber, die Niklas ihr mit auf den Weg gab. Lina nickte, atmete ein letztes Mal tief durch und trieb ihren Hengst an. Aufgeschreckt machte der Freiberger einen Satz nach vorn, wobei seiner Reiterin kurzzeitig das Lächeln entglitt, doch als sie bei X hielt, währte sie wieder einen perfekten Anschein. Etwas ruckartig trat Ivy wieder an, fand aber schnell einen gleichmäßigen, wenn auch etwas hastigen Rhythmus.
      “Schau nur Sammy, so schlecht sehen die beiden doch gar nicht aus”, sprach Mateo zu seiner Schwester. Genau im selben Moment parierte Lina zum Schritt. Artig folgte der Freiberger den Hilfen, hab sich in der niedrigeren Gangart angekommen, allerdings hinaus, weil seine Reiterin ihm nicht schnell genug den Zügel freigab.
      “Fordere das Glück nicht hinaus, das wird sie dir nicht verzeihen”, schmunzelte sie.
      “Wird sie auch nicht müssen”, gab er überzeugt wieder, “Lina wird mit einem Schleifchen nach Hause gehen.” Lina war mittlerweile beim Galopp angekommen, eine der Sachen, an denen sie in den letzten Wochen am intensivsten gearbeitet hatte. Das wurde auch sichtbar. Gesetzt setzte das helle Pferd in großen Sprüngen über den Sand und wirkte für sein Körperformat erstaunlich leicht. Den Rest der Aufgabe ritt Lina ohne größere Fehler, womit sie meiner Einschätzung nach bei einer 6er oder 7er-Wertnote liegen sollte. Mit einem Gruß an die Richter beendete sie die Prüfung. Mit den Zügeln fiel auch die Anspannung und ein echtes Lächeln breite sich auf ihrem Gesicht aus. Auch mich durchfloss das Glück und ich war stolz auf sie, dass sie sich ihren Ängsten entgegenstellte. Sprunghaft wie ein Welpe, löste Samantha sich vom Zaun und lief hinüber zum Ausgang, wo Niklas bereits auf seine Freundin wartete. Mateo und ich folgten ihr etwas gemächlicher. Überglücklich fiel Lina ihrem Hengst um den kräftigen Hals, kaum hatten seine Hufe das Pflaster berührt.
      “Gut gemacht”, lobte Niklas sie und tätschelte beiläufig die Schulter des Tieres. Lina wollte etwas entgegnen, doch Samantha fiel ihr freudig ins Wort: “Ich wusste, du kannst das.”
      “Das klang vorhin aber noch anders”, beschwerte sich ihr Bruder.
      “Mateo, dränge dich nicht immer in den Vordergrund”, winkte Samantha ab und stopfte Divine ein Leckerli in die Schnauze, “Wenn das kein Schleifchen für euch gibt, müssen die Richter schon blind sein.” Der Schweizer verdreht die Augen um, murmelte etwas wie: “Weiber.” Der Umgang der beiden Geschwister brachte mich zum Schmunzeln. Sie erinnerten mich an meine Geschwister und mich.
      “Danke”, nahm Lina das Lob ziemlich bescheiden entgegen, ”Ihr tut ja gerade so, als hätte ich Olympia gewonnen, aber so gut war es sicher nicht.”
      “Engelchen, sieh mich an”, sprach Niklas und legte seine Hand auf ihren Oberschenkel, um ihre Aufmerksamkeit sicherzustellen, “Du hast etwas erreicht, wofür es zwar kein Schleifchen gibt, aber das viel mehr Wert. Du bist über dich hinausgewachsen und darauf darfst du ruhig stolz sein.” Damit sprach er genau das aus, was ich ihr ebenfalls sagen wollte. Egal, was die Richter sagen würden, Lina hatte heute mit Abstand den größten Erfolg erzielt.
      “Oh”, stieß Samantha nach einem Blick auf ihre Uhr aus, ”Ich würde unheimlich gerne sehen, wie du dein Schleifchen bekommst, aber wir müssen allmählich Einheitssprache vorbereiten.” Mit diesen Worten stürzte sich die Blondine in die Vielzahl an Menschen, die beschäftigt um den Platz herumwuselten.
      “Sieht man dich später?“, richtete Mateo eine Frage an Lina.
      „Selbstverständlich komme ich mir mein Pferd anschauen“, grinste sie. Während der blonde Haarschopf des Schweizers in der Menschenmasse verschwand, hingen meine Gedanken noch an Lina Wortlaut fest. Ging es dabei um tatsächliche Besitzverhältnisse oder entstammt das aus der Gewohnheit heraus.
      „Samu, du kannst aufgehört so anstrengend nachzudenken, Rambi ist tatsächlich meiner. Na ja, zur Hälfte“, sprach sie, als habe sie meine Gedanken wahrgenommen. Ihr Freund schien nur wenig verwundert über diese Information. Wie konnte es nur sein, dass alle es bereits wussten, nur ich nicht? Bereits seit einigen Wochen hatte ich das Gefühl, dass Lina mir nicht mehr so viel erzählte, wie früher und immer öfter Dinge unter den Tisch fallen ließ.
      „Ich hätte mir ja denken können, dass du jeder Gelegenheit nutzt, schon wieder ein Pferd zu kaufen“, schmunzelte ich.
      „Was heißt den hier schon wieder?“, beschwerte sie sich sogleich, „Rambi ist das erste Pferd dieses Jahr! Außerdem möchte ich betonen, dass ich weder Ivy noch Redo so wirklich gekauft habe.“ Das Pronomen bekam dabei besonders viel Betonung. Dieser Fakt stimmte zwar, aber änderte nicht wirklich etwas daran, dass der dunkle Freibergerhengst bereits das dritte Tier in ihrem Besitz war. Wenn sie in dem Tempo weitersammelte, würde sie alsbald, sämtliche Freiberger in ganz Schweden besitzen, da konnte ich wohl sagen, was ich wollte. Sofern sie irgendwo die Zeit und das Geld finden würde, würde sie sich wohl noch unzählige weitere Tiere zulegen.
      “Schon gut, sammle du mal deine Pferde”, lächelte ich milde. Pferde sammelt, gefiel sie mir deutlich besser als in den Zeiten, in denen sie sich von der Welt isoliert. Allmählich fanden sich weitere Reiter ein. Ein sicheres Zeichen dafür, dass die Siegerehrung gleich beginnen würde. Lina bemerkte diesen Umstand ebenso und begann nervös die Zügel zu kneten. Natürlich spiegelte Ivy das Verhalten seiner Reiterin sogleich, begann wild mit den Ohren zu zucken und verkündete mit lauter Stimme seine Anwesenheit.
      “Ganz ruhig, den schweren Teil hast du doch bereits geschafft”, sprach Niklas leise mit ihr, eine Hand bewusst an ihrem Oberschenkel platziert. Ob es seine Worte oder der Körperkontakt waren, die ihre Wirkung entfalteten, war mir schleierhaft, doch ihre Energie veränderte sich deutlich. Es war nicht allein, dass sie ruhiger zu werden schien, nein, es schwang eine Nuance von etwas anderes mit. Die ersten Reiter betraten mit ihren Pferden den Sand, womit sie nun langsam folgen sollte, auch Ivy schien dieser Meinung, denn unruhig wechselte er von einem Fuß auf den anderen.
      „Na, los, hol dir dein Schleifchen“, forderte ich sie freundlich auf. Die Kleine nickte, löste ihren Blick von dem ihres Freundes und lenkte den Freiberger auf den Platz. Neugierig und überfordert zugleich setzte das junge Tier die Hufe in den Sand und reihte sich wie fremdgesteuert hinter einem großen Rappen ein, bevor sich alle Teilnehmer ordnungsgemäß auf der Mittellinie aufstellen. Der erste Platz ging an ein junges Mädchen mit einem langbeinigen, zierlichen Fuchs, der rein der Optik her sicherlich einer langen Linie von Lampenaustretern entstammte. Die Reiterin trieb ihr Pferd bereits wie üblich einige Schritte nach vorn, da erblickte ich einen Mann hektisch von den Richterhäusern herüberrennen. Eine kurze Pause entstand, bis die Dame, die die Siegerehrung leitete, verkündete, dass ein Fehler vorlag. Der große Fuchs hatte bei der Ausrüstungskontrolle Lahmheit angezeigt und wurde damit disqualifiziert.
      „Ich freue mich, ihnen nach dieser Korrektur den Sieger verkünden zu dürfen. Der erste Platz geht somit mit einer Note von 7,8 an Lina Valo mit HMJ Divine“, sprach die Dame und Applaus erklang. Vor Staunen fiel Lina das Lächeln aus dem Gesicht und die Augen wurden groß. Offenbar hatte sie nicht mal mit dem zweiten Platz gerechnet, geschweige denn dem Ersten. Eilig trieb sie den Freiberger nach vorn, der jedoch scheuen zurückwich, als er das bunte Ding erspähte, was man ihm an den Kopf stecken wollte. Mit ein wenig Geduld seitens der Dame und gutem Zureden von Lina, prangte die blau, gelbe Schleife schließlich doch am Pferdekopf. Voller Stolz führte sie die Ehrenrunde an, als alle Plätze verteilt waren und drehte in vollem Tempo die zwei Runden um das Viereck. Erschöpft, aber glücklich kehrte sie schließlich zurück zu uns.
      „Ein Bild für die Presse?“, fragte ich sie, worauf hin sie nickte. Freudestrahlend schmiegte sie an den Hals des hellen Pferdes und auch Ivy zeigte sich von der besten Seite.
      „Zeig mal“, verlangte sie schließlich nach dem Handy, um die Bilder zu begutachten.
      „Oh Gott, ich kann es noch gar nicht glauben, dass das wirklich passiert ist“, strahlte sie und swipte durch die Bilder, die ich während der Siegerehrung aufgenommen hatte, „Wie ist das möglich? Das kann nicht die Realität sein.“
      „Ja, das ist die Realität, wie sie realer nicht sein könnte“, bestätigte ich ihr, „und möglich, Lina, ist, weil du diese Fähigkeiten schon lange besitzt. Du musst dich nur trauen, der Welt das zu zeigen. Nächstes Mal probierst du vielleicht noch dein Pferd nicht so in Unruhe zu versetzen.“
      „Wer hat denn behauptet, dass es ein nächstes Mal gibt?“, hakte sie nach. Ich rechnete bereits damit, dass sie trotz des Erfolges noch eine ablehnende Haltung gegenüber weiteren Turnieren haben würde.
      „Das Schleifen an deinem Pferd und ich“, entgegnete ich schmunzelnd. Gerade als Lina eine zögerliche Antwort entgegen wollte, gab das Gerät, welches sie noch immer in der Hand, eine melodische Tonfolge von sich.
      „Samu, deine Freundin“, stellte Lina fest und drückte mir das Handy zurück in die Hand. Eilig nahm ich den Anruf an und entfernte mich ein paar wenige Schritte.
      „Hey, Schatz. Seid ihr noch auf dem Turnier?“, erklang die helle Stimme meine Freundin.
      „Ja, Lina ist gerade erst fertig geworden“, berichtete ich auf ihrer Frage hin. Während ich das Gespräch mit meiner Freundin fortsetze, bedeute Lina mir in einer skurrilen Zeichensprache, dass Niklas und sie schon gehen würden, um Ivy trocken zu reiten und aufzuräumen. Glücklich strahlte die Kleine, als sie ihr erschöpftes Pferd vom Platz weg ritt.
      Vriska
      Happy hatte sich angestrengt. Beinah wie ein alter Hase schwebte, er durch den Sand, obwohl er mit seinen sieben Jahren alles andere als alt war. Er schlug sich wacker unter den neuen Einflüssen, wodurch wir auch ein Schleifchen mit nach Hause nahmen. Doch für den Moment durfte er seine verdiente Portion Hafer genehmigen, während alle anderen auf sich warten ließen. Neugierig steckte Ivy seine Nase zum Paddock nebenan, aber der Fuchs maßregelte das junge Pferd sofort. Ich mischte mich nicht in die Angelegenheit ein, schließlich war auch mir aufgefallen, dass das Pferd von Lina nur mäßig gut mit persönlichem Raum umging. Aber es war ihre Erziehung, nicht meine. Anstelle mir weiter die Gemeinheiten anzusehen, öffnete ich die Sattelkammer des Transporters, um endlich mein Handy herauszuholen. Diverse Benachrichtigungen leuchteten auf dem Sperrbildschirm, viele Antworten auf meine Story und allerlei Likes.
      „Wer ist die andere? Der Fuchs ist so toll. Welchen Platz habt ihr? Wie lief es? Soooo viel Glück!!“, waren einige der Nachrichten, die erschienen. Nur eine passte nicht ganz in das Muster: „Wunderschön.“
      Skeptisch verzog ich das Gesicht und klickte auf das Profil. Bereits bei dem Namen ‚b_goeri1912‘ regte sich etwas in mir. Wie eine Walze überrollten mich verdrängte Gefühle. Das kleine Herz in meiner Brust schlug hochfrequentiert, als wäre ich einen Marathon gerannt. Auf der privaten Profilübersicht zitterte mein Daumen, unsicher, wie ich all das aufnehmen sollte. Warum schrieb er mir und vor allem, warum wusste ich nichts von seinem Profil? Lars folgte ihm, Nour ebenfalls. Sie hielten es beide nicht für nötig, mir diese Tatsache mitzuteilen, stattdessen ließ man mich im Ungewissen.
      Aber es trieb mich eine unbekannte Kraft, Licht in die Dunkelheit zu bringen. Eilig nahm ich die Nachrichtenanfrage an und verfasste eine Nachricht, nicht genug, um mich zu erleuchten. „Danke“, war alles, was ich von mir gab, keine Emoji, kein Zeichen sonstiger Zuneigung. Ich wollte mich dafür ohrfeigen, dass ich in alte Muster verfiel, aber er bedeutete mir so unglaublich viel. Kein Fehler in Form von ‚zu offensichtlich schreiben‘ durfte mir unterlaufen. Unbeschreiblich fühlte sich der bloße Gedanke an ihn an, wenn auch zu mindesten gleich großen Teilen schmerzhaft.
      Sofort steckte ich das Mobiltelefon in meine Tasche, stellte zuvor noch ‚Nicht stören‘ ein, um eine Reaktion seinerseits nicht direkt mitzubekommen. Mit weichen Knien lief ich zurück zum Pferd, das seine Schüssel geleert hatte und nun auf seine Abfahrt wartete. Auch ich konnte es nicht abwarten, endlich wieder zu Hause zu sein und am besten für immer zu schlafen. Es warteten allerdings zwei Pferde auf mich – mein Pony und ein Berittpferd.
      „Was grinst du eigentlich so?“, ertönte plötzlich eine männliche Stimme von der Seite, die sich nicht einmal mit Schritten angekündigt hatte. Panisch drehte ich mich zur Seite. Niklas stand da in seiner engen Jacke, die mir vorhin nicht einmal aufgefallen war. Sie war so eng an den Schultern, dass nur eine falsche Bewegung dafür sorgen könnte, dass die Nähte rissen. Allgemein sah er heute, nach langer Zeit, besonders ansehnlich aus. Vermutlich, weil er wieder sein Basecap trug.
      „Das geht dich nichts an“, zischte ich und drehte mich weg, um keine weiteren Fantasien zu verfallen.
      „Ach Vriska, möchtest du mir nicht verraten, wer nun schon wieder dein Herz erobert hat?“, ließ er mir keine Ruhe.
      „Nochmal, falls du nicht meiner Sprache mächtig bist: Es geht dich nichts an“, wiederholte ich mich, hörbar genervt. Ihn kümmerte dies nur wenig und kam sogar noch einen weiteren Schritt auf mich zu. Der Wind trug eine Wolke seines Aftershaves an mich heran und unwillkürlich flackerten in Vergessenheit geratene Bilder vor meinem inneren Auge auf. Bilder, aus anderen Zeiten; Bilder, die mir Schauer über den Rücken jagten; Bilder, die ich in dem kurzen Moment als erstrebenswert erachtete.
      „Lars also, verstehe“, nickte Niklas plötzlich, als hätte er mich durchschaut.
      „Nein, bist du verrückt? Wir sind nur Freunde“, klärte ich die Umstände auf. Seinem Blick zur Folge glaubte er mir nicht, aber stellte es auch nicht in Frage. Bestimmt hatte Lina ihm mehr verraten. Doch, wusste er auch von Mateo? Der schwirrte vorhin ebenfalls auf dem Gelände, aber wenn ich Niklas genauer beäugte, stellte ich fest, dass er gute Laune hatte und kein Anflug von Eifersucht spürbar war.
      „Warum interessiert dich das überhaupt?“, änderte sich meine Stimmung, denn ich würde ihn, so schnell wohl nicht loswerden.
      „Einfach so“, sprach Niklas nüchtern und beobachtete Happy, der wahllos Grashalme zupfe. Das Metall des Verschlusses klapperte bei jeder Bewegung. „Was ist das eigentlich für einer?“
      „Niklas, ich möchte mich nicht mit dir unterhalten“, sagte ich schließlich, was mir durch den Kopf ging. Irritiert blickte er zu mir.
      „Warum nicht?“, fragte er vorsichtig.
      „Nicht dein Ernst, oder? Erst bist du fies zu mir und erwartest jetzt, dass ich die Fakten aus meinem Leben darlege. Frage doch Lina, wenn es dir so am Herzen liegt.“ Mir gefiel die Unterhaltung nicht. Es löste Zweifel in mir aus, die alle Lebensbereiche betrafen.
      Endlich verschwand er und ich riskierte einen kurzen Blick auf mein Handy. Wider Erwarten war dort eine Benachrichtigung von ihm, nein, sogar zwei. Ich blickte hoch, prüfte meinen Fuchs und versank wieder in meiner Welt, in der Basti mein Drachentöter war.
      „Wie lief das Turnier?“, fragte er, nachdem ihm meine Danksagung gefallen hatte. Ohne groß über eine Antwort nachzudenken, stürzte ich zur Sattelkammer, um die Schleife zu holen, die Happy und ich ergatterten. Wenn er sich nicht erschrocken hätte, vor dem umfallenden Blumentopf, hätten wir blau-gelb gehabt. Voller Elan nahm ich die Schleife und lief zu Happy. Von der Siegerehrung selbst gab es keine Bilder, aber ein furchtbares Selfie konnte ich mit dem Fuchs nachholen. Er richtete den Kopf auf, als ich näherkam und schon war das Bild im Kasten. Ich grinste über beide Ohren, der Zopf auseinandergefallen. Mir fielen tausenden Gründe ein, was heute zu einem guten Tag machte, auch wenn ich noch nicht wusste, dass es noch besser werden würde.
      Kaum war das Bild abgeschickt, sah Basti es.
      „Toll! Ich wusste, dass du das schaffst“, schrieb er. Quietschend, hielt mir das Telefon an die Brust. Für einen Wimpernschlag fühlte es sich so an, als wäre er bei mir. Dann vibrierte es wieder.
      „In zwei Stunden sind wir zurück.“
      Ich runzelte die Stirn und las die Nachricht wiederholt durch. Aber ich hatte nichts zu verlieren, also hakte ich nach: „Okay. Und was möchtest du mir damit sagen?“
      „Ich weiß nicht“, antwortete er zögerlich. Die Punkte kamen und gingen, bis schließlich diese drei Worte auftauchten.
      „Willst du mich sehen?“, entschloss ich, ihn zu fragen.
      Es dauerte eine Weile, bis ich mehr Informationen hatte. Währenddessen brachte ich meine Gegenstände zurück in den Transporter. Mir kam Samu entgegen, wie immer mit einem Lächeln geschmückt. Aber er schwieg, als wäre es ihm peinlich.
      Teile meines Teams, und deren Anhänger, waren verschwunden. Nur ich saß bei den Pferden. Rambi hatte gerade seinen Auftritt, auf den alle beinah sehnlichst hin fieberten. Bei mir stand keiner am Zaun, nur Menschen, die ich nicht kannte. Aus unerfindlichen Gründen kümmerte es mich nur wenig, dennoch verspürte ich leichte Zweifel, wieso ich Lina überhaupt mit zum Turnier nahm. Ich schlug die Beine übereinander und setzte mich bequemer auf die Bank. Aus der Tasche zog ich zittrig das Handy hervor. Hoffte, dass er mich sehen wollte und gleichzeitig auch nicht.
      „Ja.“ Leuchtete auf dem Bildschirm. Wieder quietschte ich laut wie ein Kind bei Disneyland.
      „Ich werde vermutlich im großen Stall sein“, fasste ich meine Pläne für den Tag oberflächlich zusammen. Es gab genügend Pferde, die ich bewegen könnte, nur um bis spät in der Nacht, da zu sein.

      EINE STUNDE SPÄTER
      Lindö Dalen Stuteri

      „Du kannst Happy schon auf die Koppel stellen“, rief mir Bruno zu, als ich den Hengst vom Transporter hinunterführte. Er war der letzte darin, denn aus mir unerfindlichen Gründen konnte Lina nicht schnell genug ihr Pferd wegbringen. Selbst Rambi verschwand in ähnlich rasanter Geschwindigkeit aus meinem Sichtfeld, als läge heute etwas in Luft.
      Brunos Outfits zur Folge waren sie vor kurzer Zeit ebenfalls erst angekommen, denn er trug noch die Hose seines Dresses, darüber die Stalljacke, die deutlich besser gefüttert war als die Übergangskleidung von Mira.
      „Okay, mache ich“, antworte ich. Vollkommen verschwitzt drückte der Fuchs seinen Kopf an meine Schulter, um sich zu kratzen. Aber ich schob ihn weg, schließlich wollte ich meinen Freiraum haben und trocken bleiben. Auch auf die kleinen braunen Haare konnte ich verzichten.
      „Gut, du bist noch da“, stellte Tyrell wenig Minuten später fest und kam aus dem Stallgebäude heraus. „Ich habe mit seinen Besitzern telefoniert.“
      Ein großer Klumpen formte sich in meinem Hals und ich schluckte einige Male, um diesen loszuwerden. Dennoch klammerte er sich fest, wollte nicht verschwinden. Nicht einmal ankommen konnte man, bevor Schreckensnachrichten überbracht wurden. Vermutlich hatten sie unsere Teilnahme via Livestream verfolgt. Obwohl es nur eine lokale Veranstaltung war, wollte der Reitverein unbedingt, dass es im Internet übertragen wurde. Für mich machte es keinen Unterschied.
      „Sie haben sich gegen das Verpachten entschieden“, seufzte er, „aber behalten wollen sie ihn auch nicht. Deswegen stand die Frage im Raum, ob du Interesse hättest.“
      Hatte ich das gerade richtig gehört? Happy könnte mein sein, auch wenn es bisher, wie ein Luftschloss durch meinen Kopf geisterte, hielt sich meine Begeisterung in Grenzen. Ich fand kaum Zeit, um mich ausreichend um Maxou zu kümmern. Wie sollte ich da noch ein zweites Pferd nehmen, das Betreuungsbedarf hat? Zudem hatte auch sie ausreichend Potenzial für Turniere und unsere Praktikantin ritt ebenfalls mit ihrem Pony schwere Prüfungen.
      Der Fuchs war mir sympathisch, aber nach einem erfolgreichen Turnier, ihn direkt zu kaufen, kam mir wie eine Schnapsidee vor. Auch, wenn ich ein Pferd benötigte, um Team zu bleiben. Im Zwiespalt gefangen, tänzelte ich auf der Stelle, während Happy den Kopf zum Boden gesenkt hatte und am Wegesrand am Gras zupfte.
      „Wie viel wollen sie denn?“, hakte ich nach.
      „Für dich wären es vierhundertfünfzig Tausend, Verhandlungen möglich“, sagte mein Chef unberührt. Kein kleiner Betrag, aber für den hohen Ausbildungsstand nicht unüblich. Parallel überschlug ich den Betrag in Pfund im Kopf
      „Wann muss ich mich entscheiden?“, fragte ich noch.
      „So schnell wie möglich, aber am besten in den nächsten drei Tagen“, dann verstand Tyrell mit den Worten, überfordert und wirr im Kopf stand ich neben dem Fuchs, der mich an der Schulter anstupste. Es klang beinah so, als hätten sie schon einen Käufer, was mir angesichts der Situation höchst unwahrscheinlich vorkam.
      „Ich weiß doch auch nicht“, wisperte ich ihm zu. Treu blickte er mich mit seinen dunklen Augen an und sah beinah so aus, als würde er mir zuzwinkern. Er wollte bei mir bleiben. Für mich standen zu viele Fragezeichen im Raum und musste es dringend mit erfahrenen Leuten besprechen.
      In vollkommener Entspannung stolperte er mir nach. Die Sonne nährte sich dem Horizont und blendete mich, bis ich Sonnenbrille aus meinen Haaren geschoben hatte. Auf den kleineren Weiden, nur für die Herren der Schöpfung errichtet, grasten bereits Walker und Plano. Auch Happy nahm die anderen beiden wahr, denn er hob den Kopf und stellte sogleich den Schweif auf. Mit meiner Hand am Halfter versuchte ich den tänzelnden Jungen zu beruhigen, doch das satte Grün interessierte ihn nicht mehr. Von hinten kam Schritte und bevor ich genauer inspiziert hatte, wer mir zu Hilfe kam, stand der Hengst auf der Weide. Am Zaun lief er auf und ab, allerdings schenkte ihm niemand die Aufmerksamkeit, die er sich erhoffte.
      „Da habe ich dich wohl im richtigen Moment entdeckt“, grinste mich Basti selbstgefällig an.
      „Ohja, ohne dich hätte ich den wilden Zossen nicht in den Griff bekommen“, scherzte ich.
      „Na ein Glück“, gab er halb ernst zu verstehen, „hast du dann noch was auf dem Plan? Schließlich bin ich viel zu früh.“
      „Eigentlich nicht, nur meine Stute wartet auf mich“, erklärte ich. „Und ein Berittpferd, aber die kann ich auch morgen arbeiten, wenn du was geplant hast.“
      Zusammen liefen wir in den Stall, meine indirekte Frage blieb unbeantwortet. Mit ausschweifendem Blick sah er an den meterhohen Decken hinauf, stoppte immer wieder, um das Bauwerk genauer zu betrachten. Für einen Moment hielt auch ich an, aber lief weiter, als er lediglich vor sich brabbelte und kein Wort zu mir sprach. Maxou stand bereits an der Front und blickte mich mit gutmütigem Blick an. Sanft strich über ihre Nase, holte sie schließlich heraus und lief zum Anbinder. Weit war Basti nicht gekommen, stand noch immer an derselben Stelle und musterte unsere mittlerweile gewachsene Sulky Sammlung.
      „Was denn das?“, kam er wieder zu sich und sah abfällig die helle Stute an.
      „Maxou, mein Pony“, erklärte ich.
      „Okay und die hast du, seitdem du klein bist, oder was?“, hakte er kritisch nach, als gäbe es irgendein Problem.
      „Fast, in bin seit einem halben Jahr nicht gewachsen, also ja, seitdem ich klein bin“, scherzte ich. Nun beäugte das Pony ihn skeptisch, streckte den Kopf seitlich zu ihm und fummelte am Oberteil herum. Selbst als er einen Schritt zur Seite setzte, um dem Krokodil zu entkommen, streckte sie sich noch weiter.
      „Ich verstehe, aber was hast du vor mit ihr? Irgendwelche Ziele?“, hielt Basti die Konversation aufrecht.
      „Da ich sie mit meinem Ex teile, wird sich das noch zeigen müssen. Aktuell sind wir noch im Aufbau und entweder ich reite sie auf Turnieren, oder wir finden eine nette Familie“, erklärte ich wahrheitsgemäß. Allerdings überhörte er den größten Teil und ihm lag nur eine Frage auf dem Herzen: „Und was ist das mit deinem Ex?“ Seine Augen waren weit aufgespannt, als wäre ich hier die Seltsame in der Situation, obwohl er vor seiner Freundin geflohen war.
      „Kompliziert“, seufzte ich. Eine Braue zog er nach oben.
      „Kurz um, Freundin, Kind und spontan kennengelernt“, erklärte ich.
      „Aber ihr wart zusammen?“, hakte er ungläubig nach.
      „Ja, eine gewisse Zeit. Er hielt es dann für wichtig, zwei Beziehungen gleichzeitig zu führen, ohne mich darüber in Kenntnis zu setzen. Dann bin ich erst mal nach Hause, um mir klar darüber zu werden“, sprach zu Ende und legte das Putzzeug zu Seite. Maxou fand den Herren noch immer interessant. Er hatte es aufgegeben, sie davon abzuhalten.
      „Und dann denkst du wirklich, dass ich hier sein sollte?“, rümpfte Basti die Nase und wanderte mit dem Blick zu mir. Das Funkeln in seinen Augen erlosch, als wäre etwas in ihm verstorben. Ich spürte eine gewisse Distanz zwischen uns, die vorher nie präsent war.
      „Wieso nicht?“, fragte ich verwundert nach.
      „Nun. Was denkst du denn?“, stellte er eine Gegenfrage, anstatt meine zu beantworten.
      „Ich weiß es nicht?“
      „Mäuschen“, Basti holte tief Luft und trat etwas näher an mich heran, „mit mir wird es genau dasselbe. Es tut mir leid, dir das sagen zu müssen, aber weil Nelly schwanger ist, sind wir wieder ein Paar.“
      Vor Schock fiel mir die Bürste aus der Hand. Maxou sprang in Panik zur Seite, aber bemerkte dann, dass es nur Plastik war, das den Beton zierte. Offenbar hatte ich ein Gespür dafür entwickelt, nicht nur das verrückteste Pferd haben zu wollen, sondern auch Männer mit Kind und Freundin. Absurd, wenn man so darüber nachdachte. Der Zufall meinte es nicht gut mit mir, aber man konnte nie etwas für die eigenen Gefühle.
      „Cool“, nickte ich teils enttäuscht, teils verärgert.
      „Soll ich gehen?“, fragte Basti nach einer Weile der Stille.
      „Ist mir egal“, zickte ich ihn an.
      „Wow, diese Begeisterung. Immerhin spiele ich mit offenen Karten“, ließ er sich nicht auf eine Diskussion ein.
      „Ich finde dich toll, aber unter diesen Umständen will ich dich nicht weiter kennenlernen“, säuselte ich enttäuscht und drehte mich von ihm weg. Etwas in der Richtung schwebte mir schon seit Tagen durch Kopf, dennoch gab keinen Grund, diesen Gedanken auszusprechen.
      Um den Schmerz an mir vorbeiziehen zu lassen, ging ich ein Stück zur Seite. Aber er schien ganz anderer Meinung zu sein. Ich vernahm seine Schritte, roch seines Parfüms, bis er meine Haare zur Seite schob und langsam seinen Mund am Hals ansetzte. Ein dichter Nebel legte sich vor meine Gedanken und ich war binnen Sekunden nicht mehr Herr meiner Sinne. Kräftige, aber nur durch leise Töne untermalte Atemzüge verließen den minimal geöffneten Mund, als wäre ich ein Fisch an Land. Den Grund seiner plötzlichen Nähe konnte ich nur erahnen, doch es war besser, als ich es mir je vorstellen konnte. Wie in Trance schloss ich die Augen und gab mich seiner zärtlichen Berührung hin, fernab jeglicher Umstände. Es war, als würde ein Traum in Erfüllung gehen, denn obwohl all die Fakten durch meinen Kopf schwebten, wollte ich ihn. Und noch viel wichtiger: er mich.
      „Du bist gemein“, stöhnte ich leise und hielt mich fester an ihm. Ich spürte, wie ein Lächeln über seine Lippen zog, ohne dabei von mir abzulassen. Langsam erforschten meine Hände seine Arme, die er mittlerweile um mich geschlungen hatte. Obwohl Basti nicht ansatzweise so kräftig war wie Lars, spürte ich das Zucken seiner Muskulatur, als hätte er seit Wochen auf diesen Moment gewartet.
      Bevor ich geistig vollkommen ausstieg, nährten sich glücklicherweise rasant kurze Schritte und stoppten bei uns. Überrascht und zu Teilen peinlich berührt, wendete sich Basti von mir ab. Lina stand grinsend bei uns, zusammen mit Niklas, dem die Gesichtszüge entglitten. Die Männer starrten einander vollkommen schockiert an, dass mir klar wurde, dass auch die beiden eine Vorgeschichte haben mussten. Wie ich Niklas kannte, konnte es keine gute sein. Noch bevor eine gehässige Anmerkung die Lippen verließ, stupste Lina ihren Freund an, der den Mund wieder schloss und schwieg.
      “Guten Abend”, grüßte sie freundlich meinen Besuch, ganz ungeachtet der Situation. Maxou, derer Anwesenheit ich für eine Sekunde vergaß, reckte ihren Kopf vor, um die weiteren Menschen vor ihrer Nase zu inspizieren. Leise klimperte der Reißverschluss, als das Pony mit der Lippe an Linas Jackentaschen herumspielte.
      „Oh, hallo“, verhaspelte sich Basti mehrfach, bis die eigentlich simple Begrüßung klar zu hören war. Ich schmunzelte mit schielenden Augen zu ihm nach oben, während er bewusst allen Blicken auswich und sich am Kopf kratzte. Die Backenzähne drückte er aufeinander, sodass sich der Kiefer deutlich auf den Wangen zeichnete. Vorsichtig und eher zart tastete ich nach seiner Hand, die nervös an seiner Hose fummelte. Kaum berührten wir einander, zuckte er kurz, bevor er fest entschlossen nach dieser griff und seine Finger in meine glitten.
      “Schön dich hier zu sehen”, lächelte sie freundlich, “und Vriskas Pony hast du offenbar auch bereits kennengelernt.” Besagtem Tier hielt sie, nachdem es unablässig an ihrer Tasche gefummelt hatte, ein Leckerli vor die Schnauze. Zögerlich beschnupperte das Pony das getrocknete Gemüse auf ihrer Handfläche, klaubte es auf und kaute darauf herum wie auf einem Kaugummi.
      „Ich bin auf der Flucht und hier sucht mich keiner“, festigte sich Bastis Stimme und Persönlichkeit wieder. Auffällig rollte ich mit den Augen.
      “Ja, ein solcher Stall kann schon ein gutes Versteck sein”, scherzte Lina. Die Neugierde konnte ich deutlich in ihren Augen glitzern sehen, doch sie hielt sich zurück und unterließ die weitere Nachfrage. Kaum verflüchtigten sich die Worte in der Luft, lösten sich das Pärchen ebenfalls auf. Erleichtert atmete Basti durch.
      „Nun, wo waren wir mit dem Pony stehen geblieben?“, holte er mich umgehend zurück in die Situation.
      „Eigentlich wollte ich in die Halle, oder wollen wir in den Wald und wir spannen dir was an?“, bot ich an.
      „Nein, besser nicht, aber eure Jungpferde würde ich mir anschauen wollen, wenn ich schon mal da bin“, lächelte er aufrichtig. Ich nickte und löste die Stricke. Maxou wirkte heute unkonzentriert, wie ich, sodass Reiten vermutlich eine schlechte Idee war. Gemeinsam liefen wir zum Tor hinaus, den Kiesweg entlang zum Waldrand. Noch immer fegte ein rauer Wind übers Land, auch wenn die Sonne ihr Bestes gab, uns aufzutauen. Das Pony folgte mir mehr oder weniger motiviert und nahm sich dem Schicksal an. Zwischendurch schielte ich zu meinem Besuch über den Hals der Stute hinweg, der auch nur schwer den Blick von mir nehmen konnte. Für den Hauch einer Sekunde dachte ich darüber nach, was sein plötzliches Erscheinen und Interesse weckte, aber entschied mich daran zu erfreuen. Nicht alles musste ausgesprochen werden, um es wahrzuhaben.
      Angekommen an der Weide kündigte Maxou durch schrilles Wiehern und bereits an. Im Eiltempo kamen die jungen Pferde zum Zaun und bestaunten das seltsam anmutende Tier neben mir. Sogleich setzte auch Basti sich in Bewegung, um die bunte Menge zu begutachten.
      „Die ist aber toll“, sagte er zu Mitternacht, einer hellen Schimmelstute von vor knappen drei Jahren. Ihren Kopf stellte sie anmutig auf, die Augen und Ohren wachsam. Von der Seite kam auch Piri mit Ini dazu. Nur Stokki fehlte, die sonst auch bei ihnen war. Vermutlich hatte die Rappstute sich zurückgezogen, nichts Ungewöhnliches für das eher scheue Tier.
      „Wenn du jemanden kennst, wir wollen sie verkaufen“, erklärte ich so gleich.
      „Warum? Sie sieht doch ganz ordentlich für den Rennsport aus“, beurteilte er ihr Gebäude nach kritischem Blick.
      „Wir haben ausreichend Pferde und nicht jedes kann bei uns bleiben. Außerdem fehlt uns die Zeit, so viele Jungtiere vorzubereiten“, stellte ich gleichgültig fest. Keine der Stuten lag mir offen gesagt am Herzen. Einzig die Arbeit sah ich, die bei jedem dieselbe war und manchmal sogar viel Geduld forderte.
      „Dann steckt sie woanders ins Training“, zuckte Basti mit den Schultern.
      „Natürlich, wenn man sich das leisten kann.“
      „Willst du mir erklären, ihr nagt am Hungertod bei so einem Gelände?“
      Genervt rollte ich mit den Augen und blickte zu Maxou, die sich den Halmen am Wegesrand widmete.
      „Ganz so schlimm ist es nicht, aber wir verkaufen nun mal lieber, als alles zu behalten und zu fahren. Es war schon ein ziemlicher Schock, als Folke mit Hedda zurück zu euch wollte. Die Alfvén sind tolle Menschen, aber die Zeit reicht vorn und hinten nicht. Besonders mit den zusätzlichen Beritt- und Dressurpferden. Die Kleine von vorhin fährt nicht und fühlt sich vielen der Pferde in Ausbildung nicht gewachsen. Warum, denkst du, springe ich von einem zum nächsten?“, teils niedergeschlagen, teils erschöpft legte ich die Arme auf dem Rücken meiner Stute ab. Unter mir bebte die hektische Bewegung des Pferdes, das nicht ruhig stehen konnte beim Grasen.
      „Das wusste ich nicht“, kam Basti kleinlaut zu verstehen, „also halte ich dich gerade auf?“
      „Nein!“, widersprach ich ihm sofort und fiel ins Wort. Skeptisch wandelte sich sein Gesichtsausdruck.
      „Aber du hast doch gerade gesagt, dass“, setzte er an, bevor ich zum wiederholten Mal dazwischen grätschte: „Ich weiß, was ich gesagt habe, aber du hast damit gar nichts zu tun.“
      Noch eine Weile legte ich ihm meine Lebensumstände dar, denen er interessiert folgte. Auf dem Rückweg schauten wir auch bei den Hengsten vorbei, bei dem ihm besonders eins der Warmblüter ins Auge fiel. May war ein harmonisch gebauter Brauner, den Tyrell auf einer Auktion erstand, mit dänisch-deutscher Abstammung. Er hatte sowohl eine Dressur- als auch eine springbetonte Abstammung und könnte in der Vielseitigkeit seine Wurzeln finden, nicht unüblich für ein schwedisches Warmblut. Zudem hoffte unser Chef auch, dass einer der jungen Leute ihn für Turniere interessant finden könnte, denn ich hatte von Anfang an ausgeschlossen, das zu übernehmen. Die Dreijährigen blieben noch ein bis zwei Jahre, bevor überhaupt angefangen werden würde. Die Leistungsprüfung konnten wir getrost ungeritten durchführen oder eben verschieben.
      „Wie sieht es aus? Hast du Hunger?“, fragte Basti, als ich Maxou die Decke umgelegt hatte und zurück in die Box brachte. Eine hervorragende Frage. Mein Magen knurrte verächtlich und zog dabei unangenehm an der Haut. Aber das wirkliche Gefühl, das sonst in den Gedanken herumkreiste, lag irgendwo tief verschollen in den imaginären Papierbergen. Beinah panisch schon ich alles zur Seite, um eine Antwort zu finden, verstrickte mich jedoch immer mehr, dass Minuten vergingen.
      „Alles okay?“, berührte mich Basti an der Schulter. An seinem Ausdruck erkannt ich, wie verzweifelt ich ausgesehen haben muss, bei einer eigentlich simplen Frage.
      „Ja, ich weiß es nur nicht“, seufzte ich in Trauer verfallen und wich seinem liebevollen und fürsorglichen Blick aus.
      „Schon gut, wir können auch zu dir“, bot er stattdessen an.
      „Ähm“, kam ich in Verlegenheit, „Lars ist aber vermutlich da.“
      Langsam nickte Basti, als wüsste er nicht so genau, was er stattdessen mit mir tun sollte. Ich konnte es ihm nicht übelnehmen, schließlich traf man nicht alle Tage auf einen Scherbenhaufen wie mich. Während er nach Lösung suchte, räumte ich meine Dinge zusammen und stellte sie zur Seite. Auch die Putzbuchten fegte ich noch aus, bevor das Licht im Stall zunehmend auf Nachtmodus schaltete.
      „Ich schätze, wir sind beide müde und sollten Weiteres auf einen anderen Tag verlegen“, sagte er schließlich. Leicht enttäuscht, aber der Situation angemessen, nickte ich.
      „Darf ich dich umarmen?“, fragte ich unsicher.
      „Natürlich“, strahlte er und legte seine Arme um mich. Ich schloss die Augen, versuchte den Moment für immer festzuhalten, als gäbe es Grund zur Annahme, dass wir einander nie wieder sehen würden. Von ganz fern kam das Gefühl natürlich nicht, aber im Chaos schob ich dieses zur Seite und konzentrierte mich tief auf seinen Herzschlag, der wie wild an meinen Ohren dämmerte. Er war ebenso erregt wie ich, aber überspielte es gekonnt mit einem leichten Klopfen auf meinem Rücken.
      Als er sich von mir löste, kam der verdrängte Gedanke wieder, aber ich schwieg. Zusammen liefen wir zu seinem Auto und ich sah ihm nach, als der Motor ansprang und er zum Tor hinaus verschwand.

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      kapitel trettionio | 01. November 2022

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      kapitel trettionio
      FREITAG, 14:20 UHR
      LINDÖ DALEN STUTERI

      Vriska
      Schlaflos lag ich die halbe Nacht neben Lars, bis er gegen vier Uhr genervt wollte, dass ich Basti anrufe. Ich haderte mit mir, aber tat es schließlich. Müde meldete er sich auf der anderen Seite. Im nächsten Moment wurde er hellwach, als ich vorschlug, gemeinsam zu frühstücken. Stunden später holte ich ihn in einer Nebenstraße seines Zuhauses ab und wir fuhren nach Växjö. Zeit zog ins Land, wir lachten und vergaßen alles um uns herum. Erst, als ich auf die Uhr sehen wollte, bemerkte ich, dass mein Handy noch immer auf dem Nachttisch lag. In der Vorfreude auf meinen Angebeteten hatte ich es wohl vergessen, aber bereute es auch nicht. Auf dem Heimweg setzte ich ihn am Hoftor ab.
      „Ich melde mich heute Abend“, sagte er beim Aussteigen und ich nickte eifrig.
      Am Auto zogen die Bäume und Häuser vorbei. Im Kopf summte ich die Melodie von Midnight City, obwohl am Himmel noch die Sonne stand, zumindest wenn sie zwischen den Wolken eine freie Stelle fand. In einem warmen Licht gehüllt, glänzten die Dächer und viele der Pflanzen trugen schon ihr grünes Kleid. Kein schlechtes Gefühl lag in mir, nur die Freude vom bisher erhellenden Tag. Wir hatten kleine Zärtlichkeiten ausgetauscht, nicht vergleichbar mit der plötzlichen Nähe im Stall, aber jede noch so winzige Berührung, brachte starke Welle hervor.
      Kaum stand mein Auto wieder auf dem Parkplatz, tippelte ich zielstrebig auf den viel zu hohen Schuhe in den Stall, mein Gang wenig elegant, aber ich wollte mein Pony sehen, das ich am Morgen verpasst hatte. Auch Happy sollte seine ausgiebige Einheit von Nähe bekommen, bevor wir eine Runde in den Wald nehmen würden. Das enge, aber lange Kleid hielt in an den Seiten nach oben, um es vor dem Dreck zu schützen. Beinah kreischend begrüßte mich das aufgedrehte Pony.
      „Alles gut“, rief ich zu und versuchte noch schneller zu ihr zu gelangen. Dann hatte ich es geschafft, stand eher kippelig vor ihr, während sie ihren Kopf durch die Öffnung reckte und sich ausgiebig am Ohr kratzen ließ.
      „Oh, da steht ein Geist auf der Stallgasse“, schallte ein scherzhafter Ausruf durch die Gasse. Im Stalleingang zeichnete sich eine zierliche, kleine Silhouette neben den Umrissen eines Pferdes ab, die unverwechselbar zu einer Person gehören musste. Ich hatte sie zunächst nicht sehen können, wie auch. Meine Brille lag ebenfalls auf dem Nachttisch neben dem Mobilgerät. Lange war ich nicht mehr so überstürzt los wie an dem Tag.
      „Absurd, Lebewesen lösen sich nicht in Luft auf“, schüttelte ich den Kopf belustigt. Mit zusammen gekniffenen Augen beäugte ich Lina, die glücklicherweise von selbst näherkam, so dass ich mich nicht direkt wieder bewegen musste. Gleichgewicht hatte ich grundsätzlich genug, aber diese Melodie in meinen Kopf provozierte beinahe, dass ich mich drehen und wenden sollte.
      “Normale Lebewesen nicht, Hexen wie du offenbar schon”, lachte sie, “Wo hast du denn gesteckt?” Die rabenschwarze Stute, die sie am Strick mit sich führte, streckte interessiert die Nase zu mir hinüber. Freundlich strich ihr über das samtweiche Fell.
      „Unterwegs“, grinste ich über beide Ohren und sprach damit nur das Offensichtliche aus.
      „Darauf wäre ich jetzt aber nicht gekommen”, rollte Lina mit den Augen. Prüfend musterte sie mich, bevor sie weitersprach: “Dem Anschein nach warst du nicht allein unterwegs, sonst hättest du dir wohl kaum die Mühe gemacht, diese Dinger da anzuziehen.” Ihre Augen glitzerten voller Neugierde, als erahnte sie bereits den Grund für meine morgendliche Abwesenheit.
      “Ach, so schwer sind sie nicht anzuziehen, außer man kann keine Schnürsenkel binden”, schaute ich noch einmal die schwarzen Schuhe an meinen Füßen an.
      “Ich zweifle auch weniger deine Fähigkeiten an, dich anzuziehen. Viel mehr vermute ich, dass du jemanden, der nicht dein Pony ist, beeindruckend wolltest”, grinste die Brünette verschmitzt.
      “Maxou würde eine Birne reichen, um beeindruckt zu sein. Aber ja, ganz falsch liegst du damit nicht”, hielt ich mich weiter geheimnisvoll.
      “Warst du bei Basti?”, platze die Frage aus ihr heraus wie eine Flutwelle über einem Damm. Ihre Stute inspizierte derweil den Boden neben ihren Füßen und wirbelte feine Staubwölkchen mit ihrem Atem auf.
      “Mit Basti unterwegs”, korrigierte ich ihre Aussage grinsend.
      “Erzähl, wie war’s?”, quietschte sie freudig, was ihre Stute verwundert, aufhorchen ließ. Auch Maxou spitze die Ohren und erhob den Kopf wieder auf dem Heu. Dann raschelte es in der Box. Das Pony drehte mir den Po zu, denn wirklich etwas aus Taschen konnte ich nicht hervorzaubern.
      Wir setzten uns in Bewegung, denn Redo wollte nicht weiter herumstehen und den beobachten. Ich setzte mich mit übereinander geschlagenen Beinen ihr gegenüber, während Lina den Staub aus dem Fell entfernte. Kaum begann ich zu erzählen, wie es zum Treffen kam, tauchte Nour neben uns auf.
      “Oh, Geschichtsstunde”, stellte sie begeistert fest und setzte sich dazu. Mein Blick wanderte von unten nach oben. Nour konnte man nicht mehr loswerden, also setzte ich das Gespräch fort. Ebenso überrascht, wie auch fasziniert hörten die Mädels meinem Monolog zu, fieberten förmlich in der Freude mit. In beinah jeden Satz musste ich erwähnen, wie schön es war, Zeit mit ihm zu verbringen, auch wenn ich mir dessen bewusst war, dass es nicht viel mehr als Freundschaft darstellte. Zwischendrin seufzte ich, aber bereit für einen Erik Zwei-Punkt-Null fühlte ich mich auch nicht.
      “Das klingt ganz danach, als hättest du einen schönen Vormittag gehabt”, schlussfolgerte Lina grinsend, während sie die Bürste abstreifte. In sanften Bewegungen flirten die kleinen Staubkörner durch die Luft und glitzerten in dem Sonnenstrahl, der zwischen den Wolken her brach, bevor sie zu Boden trudelten.
      “Vriska, darf man fragen, was Basti gestern Abend meinte, als er sagte, er sei auf der Flucht?”, schob sie eine Frage hinterher, die allem Anschein nach bereits eine Weile in ihrem Kopf herumspukte.
      „Vor seiner Freundin“, führte ich an.
      Laut stöhnte Nour neben mir auf und hielt sich die Hand die Stirn.
      „Du kannst dir nicht vorstellen, was sie für ein Drama gemacht hat“, begann sie zu erzählen. Bastis genauen Beweggründe wusste ich nicht, fragte aber auch nicht danach, solang es ihn zu mir führte. „Erst muss sie wirklich jedem unter die Nase binden, dass sie endlich schwanger sei und doch so unabhängig, aber schickt dann Basti von einer Sache zur nächsten. Nicht mal das Pferd schaffte sie allein zu putzen, als hätte sie eine ernsthafte Behinderung.“
      Ich konnte es mir gut vorstellen und rollte mit den Augen.
      “Ui, das hört sich nervtötend an. Verständlich, dass man so jemandem lieber aus dem Weg geht”, verzog die Kleine missbilligend das Gesicht, “Mein Beileid an alle, die das ertragen müssen.”
      “Vor allem”, Nour schlug die Beine zur anderen Seite über, “keiner von uns ist sich wirklich sicher, dass er der Vater ist.”
      Verwundert drückte ich die Brauen zusammen und drehte mich zu meiner Kollegin. Auch Lina putzte nur noch dieselbe an der Sattellage mit der Gummibürste.
      “Muss ich es hinterfragen?”, kam es kleinlaut aus mir heraus, denn eigentlich wollte ich mich solchen Gerüchten nicht hingeben, aber in der Situation war zu verlockend.
      “Nur so viel, Lars ist fest davon überzeugt, dass etwas falsch läuft. Basti und Nelly sind schon länger nicht mehr so fest miteinander, also nicht wie ihr beide. Erst durch dich lief das Fass über oder war zumindest ein Auslöser für ihre krampfhafte Eifersucht.”
      “Ach, das kommt mir doch bekannt vor”, sagte ich lachend zu Lina.
      “Oh ja, du scheinst solche komplexen Situationen magisch anzuziehen”, sprach Lina nachdenklich, als sie ginge sie die Kette der Ereignisse in Gedanken noch einmal analytisch durch.
      „Ein Träumchen“, lachte ich.
      „Jetzt seid doch mal still!“, ärgerte sich Nour, dass ich sie unterbrochen hatte.
      „Und jetzt versucht sie dich loszuwerden”, beendete sie die Erzählung.
      “Ahja, gut. Dann wünsche ich ihr viel Spaß dabei. Für solch einen Kindergarten ist mir allerdings meine Zeit kostbar”, stellte ich nüchtern fest. Die Frau kannte mich nicht und ich sie nicht. Dass ihr plötzlicher Hass nicht von irgendwo kam, konnte ich noch nachvollziehen, aber es gehörten mindestens zwei dazu. Kopfschüttelnd richtete ich mich auf. “Aber wunderbar, dass ihr alle so großes Interesse an meinen Beziehungen hegt.”
      “Ja, das Interesse an den Mitmenschen ist hoch”, grinste Lina unschuldig, “außerdem passiert hier sonst nicht wirklich viel Interessantes.”
      “Harlen schleicht sich seit ein paar Tagen nachts aus seiner Hütte”, funkelten Nours Augen plötzlich auf. Für einen Moment hatte ich verdrängt, dass mein Bruder noch existierte, schließlich bekam ich ihn nur noch selten vors Gesicht.
      “Nun, vielleicht geht er mit dem Hund?”, verzog ich skeptisch das Gesicht.
      “Nein, er fährt mit dem BMW dann los”, grinste sie, “außer er möchte woanders mit dem Hund gehen, aber dann nachts?”
      “Oha, ob dein Bruder versucht eine Liebschaft zu verstecken?”, kicherte die Brünette, deren helle Augen sofort begonnen hatte zu leuchten, als hätte man Lichter hinter dunklen Scheiben eingeschaltet.
      „Bisher hat er es doch mit Jonina getrieben, kaum vorstellbar, dass er woanders hinfährt“, blieb ich unbeeindruckt.
      „Und warum sprechen sie nicht mehr miteinander? Ich denke nicht, dass er zu ihr fährt“, stellte sie fest.
      „Dann frag ihn doch“, zickte ich und drehte mich auf den Hacken um. Wenn er sich nicht für mich interessierte, tat ich ihm gleich. Soll er doch von Bett zu Bett springen, das geht mich nichts an.
      “Ist ja gut, du möchtest darüber nicht sprechen”, beschwichtigte Lina sogleich, “kein Grund gleich unfreundlich zu werden.”
      „Er hasst mich, also was erwartet ihr? Dass ich Luftsprünge mache, weil er glücklich ist?“, jammerte ich mit versagender Stimme und schielte zu Happy, der seinen Kopf aus der Box streckte. Da war es wieder. Ich musste mich bis morgen entscheiden, aber hatte es vollkommen vergessen.
      “Warte, wie kommst du denn darauf, dass es dich hasst?”, hakte sie irritiert nach und versuchte sich einen Zusammenhang zu erschließen.
      „Weil er seit Weihnachten nicht mehr mit mir gesprochen hat und bis heute der Meinung ist, dass ich keine Lust auf die Familie hätte, deswegen mich überall einmische und keine Ahnung habe“, ratterte ich herunter, obwohl ich überzeugt war, sie würde das bereits wissen. Sie seufzte, strich ihrer Stute dabei über das dunkle Fell.
      “Fall es dich beruhig, ich habe seit über drei Jahren nicht mehr richtig mit meinem Bruder geredet“, scherzte sie selbst ironisch, bevor sie zurück zum eigentlichen Thema kam.
      “Ignoranz heißt noch lange nicht, dass Harlen dich hasst. Vermutlich versteht er nur nicht, was in dir vorgeht und was deine Beweggründe sind und wenn ihr nicht sprecht, ist es einfacher sich selbst eine Meinung zu bilden”, sprach sie mit bedacht.
      „Du kannst auch nicht erwarten, dass jeder auf dich zugeht, sondern auch Interesse an ihm zeigen“, belehrte Nour. Sie war weniger bemüht, die Worte durch die Blume hinwegzusagen und wirkte auch nicht sonderlich begeistert von mir.
      Ich nickte nur, wollte mich auf keine Diskussion einlassen. Stattdessen verschwand ich über den Kiesweg, der sich noch immer durch tiefe Furchen der Baufahrzeuge auszeichnete. Wie ein Storch torkelte ich zur Hütte und war froh, endlich die zwanzig Zentimeter unter mir los zu sein. Ich zog mich um und startete währenddessen die Kaffeemaschine. Es bereits auf meinem Plan zu arbeiten, aber eine innerliche Kraft wollte nicht, dass ich zurück zum Stall ging. Für heute musste ich mich dem Gefühl widersetzen. Und ich tat es. Umgezogen, abgeschminkt und mit der Brille auf der Nase lief ich zurück. In der Hand hielt ich die Kaffeetasse, aus der es dampfte. Behutsam trug ich sie bei mir und war überrascht, dass die Mädels noch immer an Ort und Stelle verharrten.
      „Es ist ziemlich absurd, dass du solch Scheußlichkeiten denkst“, hörte eine zu sehr bekannte Stimme sagen. Natürlich mussten sie sich wieder einmischen, aber vielleicht war es auch angebracht. Genervt und verärgert nahm ich mir dennoch vor, zu sein.
      „Du hast mich doch vollkommen aus deinem Leben gestrichen. Was soll ich sonst denken?“, versuchte ich, meine zitternde Stimme zurückzuhalten, aber selbst meine Hände bebten.
      „Lass uns allein sprechen“, schlug Harlen vor und sein Blick wechselte zwischen den beiden Mädels, die beinah enttäuscht waren.
      „Wieso? Ich habe nichts zu verheimlichen“, spielte ich auf Nours Gerüchte an.
      „Nun gut“, seufzte er und setzte sich hin. Ich stellte jedoch nur meinen Kaffee bei ihm ab, um Happy aus der Box zu holen. Irritiert sah mich mein Bruder an, aber ich konnte beides verbinden und tat dies auch. Der Hengst folgte mir beinah seines Namens entsprechend und legte nicht einmal die Ohren an, als wir an Redo vorbeikamen. Ihr mangelndes Interesse war wohl der ausschlaggebende Grund.
      „Ich hasse dich nicht“, stellte Harlen klar.
      „Okay“, nickte ich und bürstete und großen kreisförmigen Bewegungen den Rippenbogen des Fuchses. Dieser döste mit dem Huf angewinkelt.
      „Es ist nur so, dass du dich vollkommen abschottest und ich nicht mehr die Geduld habe, dir nachzulaufen“, erklärte er weiter.
      „Und deswegen ignorierst du mich?“, stoppte ich das Putzen für einen Moment und sah zu ihm.
      „Du kommst nie von selbst“, blieb er in seiner Verteidigung. Verwundert sah ich ihn an.
      Ich war oft im Büro, auch wenn er nur selten dort zu finden war, was mich, angesichts seiner Arbeit, verwunderte.
      „Das stimmt so nicht“, mischte sich Nour ein, „Du bist kaum da. Leider muss deine Schwester in dem Punkt in Schutz nehmen.“
      „Viele Termine finden auswärts statt, das stimmt“, ging er nur halbherzig an ihre Aussage heran, „aber gut. Dann sind wir uns einig, dass wir uns uneinig sind und machen so nicht mehr weiter?“
      „Wenn du meinst“, zuckte ich mit den Schultern.
      „Ich nehme das als ein Ja. Ach, wenn ich schon mal hier bin. Was ist mit dem Fuchs? Willst du ihn oder nicht, die Besitzer haben vorhin schon wieder gefragt“, wechselte Harlen schlagartig das Thema.
      „Erst gestern hat man mich damit konfrontiert. Lina hat über ein halbes Jahr darüber nachgedacht ein Pferd zu kaufen und ich soll mich innerhalb von vierundzwanzig Stunden entscheiden?“, eine Augenbraue zog ich nach oben. In Harlens Gesicht erkannt ich, dass er genauso gut wusste, wie ich, wie schwer mir kluge Entscheidungen fielen und ich besonders bei Pferden vorsichtig war.
      „Die Mädels können dir bestimmt helfen“, lächelte er aufmunternd. „Sonst halte ich sie weiter hin, schließlich hast du auch fast Geburtstag, also gönne dir mal etwas Ruhe.“
      Mit diesen Worten verabschiedete er sich und verschwand zum Tor hinaus. Ich stand mit den beiden in der Gasse, einer schockierter als der andere. Gekonnt hatte ich auch meinen Geburtstag in vier Tagen in den Hintergrund geschoben, denn damit jährte sich auch Jennis Tod.
      “Habe ich das richtig gehört, Happy soll verkauft werden?”, hakte Lina erstaunt nach.
      “Das stand doch schon von Anfang an fest, nur, dass es direkt passieren soll”, ich seufzte und fummelte an seiner Mähne herum, die lockig am Hals herunterhing. “Mir fällt es schwer, ihn ernsthaft, so für immer zu nehmen.”
      “Das kann ich verstehen, solange kennst du ihn ja noch nicht”, nickte sie verständnisvoll.
      „Ich kenne da eventuell, wen“, kam Nour zu Wort. „Alexa sucht ein Pferd zum Trödeln und bisschen Turnier, wenn es sich ergibt. Wenn wir ihr sagen, dass das Pferd noch weiterhin Beritt benötigt, sollte das kein Problem sein. Durch die Kinder hat sie ohnehin nicht so viel Zeit.“
      „Und was möchte sie dann mit einem Pferd?“, wunderte ich mich, auch wenn es nicht meine Angelegenheit war.
      „Zum Ausreiten, Liebhaben. Was nun mal Freizeitreiter mit ihren Tieren tun“, zuckte sie mit den Schultern.
      „Okay, dann schlage ihr ihn doch vor“, sagte ich.
      „Es ist Bastis Schwägerin, falls dich das besser stimmt“, fügte sie hinzu und tippte währenddessen auf dem Handy. Dann hob sie es an. Ich nahm einen großen Schritt zur Seite, um nicht im Bild zu sein. Nour grinste sofort.
      „Sie fragt, wann sie vorbeikommen kann.“
      Mit Fragezeichen in den Augen blickte ich zu Lina, die Redo den Sattel festzurrte und zur Trense griff.
      “Idealweise noch heute”, schlug sie vor, “Je schneller das Problem gelöst ist, desto besser.”
      Ich nickte zustimmend.
      Kaum waren die Worte aufgesprochen, texten die beiden weitere Nachrichten hin und her. Ich putzte gleichzeitig den Fuchs weiter und Lina setzte ihren Helm auf.
      „Sie fragt, ob jetzt geht, also so in dreißig Minuten“, sah sie vom Gerät auf.
      „Ja, ich schätze schon. Ich weiß nicht, was die Besitzer sich vorstellen, aber das sollte in der Zeit herausgefunden werden können“, versuchte ich zu lächeln, aber konnte mich noch nicht mit dem Gedanken anfreunden. Happy war sensibel und an mich gewöhnt. Jemand Neues könnte ihn meilenweit zurückwerfen, aber so gab es zumindest die Chance, es zu kontrollieren. Also stimmte ich zu und machte mich direkt auf den Weg zum Büro. Vorher stoppte ich noch bei Lina.
      „Wo gehst du mit ihr hin?“, fragte ich nach, um mit Happy etwas vorausplanen zu können.
      “Ich wollte in die Halle gehen”, gab sie mir bereitwillig Auskunft.
      „Okay, würde es sich stören, falls sie auch in die Halle möchte? Sonst biete ich ihr nur den Platz an?“, fragte ich nach.
      “Nein, absolut kein Problem, die Halle ist ja groß genug”, lächelte Lina froh gestimmt.
      Ich bedankte mich und huschte hoch ins Büro. Es dauerte nur ein paar Sekunden, dann hatte ich die Besitzerin am anderen Ende. Ihr erläuterte ich die Situation sehr genau, dass ich ihn mochte, aber nicht bereit für ein eigenes Pferd war – von dem Pony wusste schließlich kaum einer – aber bereit wäre, den richtigen Besitzer zu finden. Sie freute sich darüber, erst recht, dass ich bereits jemanden hatte.
      „Aber, was ist mit Hending?“, fragte diese zum Schluss. Ach ja, der Mini Tinker kam in dem Zuge ebenfalls zum Hof. Bisher kümmerte sich Lina um die Kleine.
      „Die können wir ebenfalls vermitteln“, bot ich an. Mir wurden noch die Preise erläutert und ich würde von beiden fünfzehn Prozent des Erlöst bekommen, fand ich mehr als fair und damit beendete ich das Gespräch.
      „So, alles geklärt. Ich soll beide Pferde vermitteln und habe volle Freiheit bekommen“, sagte ich grinsend, auch laut genug, dass Lina es hören konnte.
      “Perfekt, dann muss das nur noch funktionieren, mit Happy. Das Fusselmonster bekommst du sicher leicht vermittelt”, hallte eine Antwort durch das Gebäude.
      Ihre positive Einstellung schlug nur für einen Wimpernschlag auf mich über, denn dann wurde ich nervös. Ich wusste nichts über die Dame und konnte mir nur schwer vorstellen, welche Auswirkungen es auf die Beziehung zwischen Basti und mir bedeuten könnte. Wusste sie davon? Am besten, ich würde all das ignorieren. Das Herz überschlug sich und ich musste mich setzen. Mein Kaffee stand noch immer dort, mittlerweile kalt. Leise seufzte ich, aber sippte am Rand der schwarzen Tasse. Ich kam zur Ruhe. Nour sprang zur gleichen Zeit auf und lief hinaus. Immerhin hatte ich Happy schon vorbereitet, also konnte nichts mehr schiefgehen.
      Eine große blonde Dame lief neben Nour her, lachte freundlich und sah sich im Gebäude um. Ihr folgte Hedda, die freudig auf mich zu gerannt kam.
      “Vriska”, kreischte sie meinen Namen durch den Stall. Der Hengst streckte auf, aber beruhigte sich im nächsten Atemzug. Der Rotschopf stellte keine Bedrohung dar und wollte nicht zu ihm.
      “Es wird nicht im Stall gerannt, weißt du doch”, erinnerte ich sie freundlich, aber bestimmt. Sie nickte und sah sich zu Alexa um. Die schmale, aber kräftig gebaute Frau sah man nicht an, dass sie Zwillinge ausgetragen hatte. Zumindest dieser Umstand schindete Eindruck. Ihre Gesichtszüge waren trotz des freundlichen Lächelns rau und eingefroren, die Haut angegriffen. Die Haare trug sie in einem lockeren Pferdeschwanz und am Körper eine simple dunkle Reithose, einer hellen Jacke und schwarzen Weste darüber.
      “Nett dich nun auch persönlich kennenzulernen”, reichte sie mir die Hand, „Basti hat bereits einiges erzählt.“
      „Ähm, ja, danke, also“, rang ich nach den richtigen Worten und verspürte genau die Hitze in meinen Kopf aufsteigen.
      „Das ist Happy“, übersprang ich den Teil des Gesprächs. Alexa trat langsam an den Fuchs heran, der erstaunlicherweise die Ohren aufstellte und an ihrer Hand schnüffelte.
      „Keine Sorge, bei uns ist euer Geheimnis sicher“, setzte sie unbeirrt fort.
      „Welches Geheimnis?“, wunderte ich mich sofort.
      „Er meinte, er hätte jemanden kennengelernt und es könnte etwas Ernstes daraus werden“, trat nun bei ihrem gleichen Zustand ein. Obwohl mir ihre Worte das Herz erwärmten, konnte ich nicht genau einordnen, worauf das hinauslaufen sollte.
      „Ähm“, stammelte ich wieder heillos überfordert.
      „Die beiden lernen sich doch erst einmal kennen, Alexa. Nicht jede Beziehung läuft bilderbuchmäßig ab, wie mit dir und Henne. Außerdem kennst du doch Basti“, lachte Nour. Zuversichtlich nickte sie mir zu.
      „Du hast recht, aber ich höre doch immer die Kirchenglocken läuten“, scherzte die Blonde.
      „Happy ist sieben Jahre alt, bis zur schweren Dressur ausgebildet, aber läuft unter mir aktuell nur auf mittlerem Niveau“, betete ich stattdessen die Fakten herunter.
      „Vriska, alles gut. Entspanne dich“, beruhigte mich Alexa, „solang er drei Gänge durch den Wald geht, ist mir alles recht.“
      „Ja, tut er“, nickte ich hektisch.
      „Na dann, wo ist dein Pferd?“, hakte sie nach. Offenbar wollte sie dies sogleich austesten. Schwierig, denn bisher war ich nur mit Sulky im Wald oder allein, zusammen mit einem anderen Reiter versuchte ich zuvor noch nie.
      „Wollen wir nicht erst einmal in die Halle, dass du ein Gefühl für ihn bekommst?“, versuchte ich ihr den Gedanken auszutreiben.
      „Was im Wald nicht funktioniert, wird auch in der Halle nicht besser sein“, ließ sie sich nicht von ihrem Plan abbringen. Im Kopf ratterte unter Bestand durch. Es gab nicht viele sichere Pferde für ein solches Unterfangen. Die verrückten Jungpferde wären genau das Gegenteil und die aktuell rossigen Stuten ebenfalls. Damit blieb nur unser Haflinger Fly, auf dem ich noch nie saß, oder Glymur.
      Unentschlossen stiefelte ich los in den Stall gegenüber. Glücklicherweise traf ich Bruce an, dem ich sogleich die Situation erklärte. Er sah hinter sich die Stallgasse hinunter.
      “Ich dachte schon, dass du nie fragen wirst nach ihm. Also klar, nimm ihn dir ruhig”, lächelte er freundlich. Überschüttet mit tausenden Danksagungen lief ich direkt zu seiner Box, in der er, den Kopf in einem Heuhaufen gesteckt, stand. Ich schnalzte, dann kam der Isländer sofort an. Sanft und beinah in Zeitlupe strich ihm über den Nasenrücken. Im gleichmäßigen Tempo bewegten sich seine Nüstern. Ich war wirklich dankbar für diese Möglichkeit.
      Bei uns im Stall putzte ich den Schecken über, holte meinen so gut wie genutzten Sattel und seine Trense, die damals in Kanada schon hatte. Alles für ihn besaß sich noch, würde es nie weitergeben. Wenig später waren wir bereit.
      Ich half Alexa auf den großen Fuchs und stieg schließlich selbst in den Sattel. Kaum zu glauben, dass es Zeiten gab, in denen ich täglich auf einem Isländer saß und dass etwas anderes Gefühl in Viertakt genoss. Aber mir kamen alte Erinnerungen, gut, denn vor genau einem Jahr kam er zu mir und in mir herrschte noch jene Zuneigung wie zuvor. Mit einem breiten Lächeln thronte ich im Sattel, aber behielt das Paar neben mir in den Augen. Tatsächlich wirkten sie sehr harmonisch zusammen. Der Fuchs prüfte mehrmals, ob ich da war und wunderte sich zu gleichen Teilen über das Pony. Aber seine Ohren waren vorn, nur eins kreiste wie Radiomast und peilte Alexas Stimme ab.
      Schritt, Trab, Galopp – alles testeten wir im Wald und recht schnell stand für die Blonde fest, dass Happy genau das Richtige war. Ich zweifelte noch, denn über den Preis verloren wir bisher kein Wort und wusste, dass das Deutsche Sportpferd auch andere Tage hatte. Schließlich war er müde vom Turnier am Vortag.
      „Du, sage mal“, sagte Alexa und wendete ihr meinen Blick zu, „in Manstrop bist du auch am Montag, oder?“
      Die ganze Zeit hatten wir nur über Happy gesprochen, dass es nun wieder auf das Thema zurückkam, wunderte mich wiederholt.
      „Ja, wir bleiben über die Nacht“, erklärte ich wahrheitsgemäß.
      „Ach, das ist toll“, grinste sie beinah verliebt und klopfte den Hals des Pferdes.
      „Bist du auch da oder weshalb fragst du?“, hakte ich unverfroren nach.
      „Ja, Hennes Stute läuft mit und sein Trainingspferd ebenfalls. Das hat seine Qualifikation letztes Mal bekommen und wird nun vorgestellt“, sprach sie freudig erregt, als wäre es ein großes Jubiläum.
      „Das ist schön“, lächelte ich.
      Abschließend verabschiedete sie sich am Hof. Hedda kam hinter Nour hergelaufen und warf sich mir um den Hals, als wäre ich für immer weg. Morgen würde Alexa noch ein weiteres Mal vorbeikommen und den ganzen Haushalt mitbringen, schließlich sollte der Hengst ein weiteres Familienmitglied werden. Am Montag wollte sie mir die Entscheidung mitteilen. Zeitlich schien es mir gut zu passen. Ich plante, heute Abend mit Happy noch einmal in die Halle zu gehen, nur um sicher zu sein, dass morgen alles passen würde. Mittlerweile stand er in seiner Box. Nur Glymur war noch unter dem Rotlicht und trocknete. Während ich also wartete, dass der Isländer fertig wurde, setzte ich mich auf die Bank gegenüber und holte mein Handy heraus. Gelangweilt swipte ich die Instagram-Timeline hindurch, sah mir Niklas neuesten Bilder an und schaute provisorisch in meine Nachrichten. Tatsächlich hatte mir Basti geschrieben, denn seit dem Nelly wieder aktuell war, kontrollierte sie alles, was er sonst tat – nur hier nicht.
      „Danke für den schönen Vormittag. Aber sage mal, Happy kommt weg? Und Nour dreht ihn Alexa an? Schon ziemlich verrückt. Melde dich bitte, wenn du mehr weißt“, las ich und tippte umgehend eine Antwort: „Bitte, ich bin auch sehr dankbar. Ja, offenbar. Die beiden passen gut zusammen. Sie möchte morgen noch ein weiteres Mal testen und dann bleibt abzuwarten, wie sie sich Montag entscheiden.“
      Kaum war sie Nachricht abgeschickt, öffnete er diese bereits. Es dauerte einen Moment, dann kam seine Antwort rein.
      „Es wäre schön, wenn sie auch wieder ein Pferd hat. Sie hat das Reiten in der Schwangerschaft sehr vermisst. Hat sie sonst etwas gesagt?“
      „Ja, einiges. Unter anderem, dass sie bei uns die Hochzeitsglocken hört, aber den Zahn habe ich ihr direkt gezogen, haha“, formulierte ich möglichst galant, nur wenig über meine eigenen Gefühle preisgegeben zu haben. Obwohl die Nacht gelesen wurde, dauerte es, bis eine Antwort kam.
      „Warum?“, leuchtete einzig das Wort auf dem dunklen Bildschirm.
      „Ist es nicht etwas früh, an eine Hochzeit zu denken?“, tastete ich mich langsam heran.
      „Ach so, ja. Du hast recht. Aber, wäre es in deinem Interesse?“, einerseits erfreute mich seine Frage, andererseits hatte ich Angst, dass ich zu schnell, zu viel Emotionen in ein uns steckte.
      „Ja“, schrieb ich bloß.
      „Ok“, antwortete er, dann tauchten die Punkte auf, „ich möchte dich bei mir haben heute Abend. Kommst du mit zu meinen Freunden und danach schlafen wir im Hotel?“
      Irritiert huschten meine Augen immer wieder über seine Aussage und ich noch nicht ganz begreifen, wieso er, seit dem Abstand derart besessen war. Nicht, dass ich ein Problem damit hatte – ganz im Gegenteil – ungewöhnlich, dafür, dass ihm jeder als kalt und gefühllos bezeichnete. Bevor ich ihm zusagen konnte, kam Lina mit Redo und ich steckte das Handy weg. Aufgeregt brummte Glymur über den Besuch eines anderen Pferdes. Die dunkle Stute beschnupperte ihn kurz, doch hegte kein übermäßiges Interesse an dem Hengst. Lina hingegen begrüßte das kleine Pferd erfreut mit einem Leckerli: “Du hast Glymi hergezaubert, wie schön.”
      „Und wie ist es gelaufen? Gefällt ihr Happy?“, erkundigte sie sich sogleich, während sie ihrer Stute die Trense abzog. Kaum berührte das Leder nicht mehr ihren Kopf, regte sie den Kopf zur Seite und schubberte sich am Anbindebalken.
      “Wenn man aus dem Tor geht, dann hundert Meter an den Stuten vorbei, gelangt man zu den Isländern. Es ist kein Hexenwerk, ihn hierherzuführen”, erläuterte ich grinsend, “und ja, ihr gefällt der Fuchs. Morgen kommt sie mit der ganzen Sippe.”
      “Das klingt, als sei er nahezu verkauft”, lächelte sie.
      “Und ich bekomme fünfzehn Prozent vom Verkaufspreis, also werden neue Sets gekauft”, zog ich wieder mein Handy hervor. Natürlich verspürte ich ein hintergründiges Stechen in der Magenregion, aber bei Alexa hatte ich ein gutes Gefühl. Die Mutter von zwei Kindern war die Ruhe in Person, kam dem Pferd entgegen, ohne dabei sauer zu werden.
      “Bald benötigst du ein eigenes Zimmer nur für Pferdezeug”, scherzte Lina, obwohl sie selbst auch eine beachtliche Sammlung vorweisen konnte.
      “Das aus deinem Mund”, schüttelte ich belustigt den Kopf.

      18:04 UHR

      Stunden später saß ich neben Lina auf der Tribüne, die gespannt zur Reitbahn sah. Sam war mit zwei ihrer Stuten zum Training auf den Hof gekommen. Meine Kollegin wusste bisher nichts davon, bis Mateo kurz vor der Ankunft sie darüber in Kenntnis setzte. Seitdem konnte sie weder stillsitzen noch stehen. Was für mich immer mehr die Rennpferde wurden, drehte sich ihre Gedankenwelt einzig allein, um die schweren Warmblüter aus der Schweiz.
      Ich hatte die Isländer Stute im Beritt, bereits gearbeitet, Crash longiert und war mit Maxou für zwanzig Minuten auf dem Platz. Der raue Wind und der leicht einsetzende Nieselregen verderbten uns beiden die Stimmung intensiv zu arbeiten. Also saß ich nun mit dabei, beobachtete, wie leichtfertig die blonde junge Dame mit dem hellen Fuchs durch den Sand setzte. Verita, wie mir das Pferd vorgestellt wurde, stand an den Hilfen und schwebte im Rahmen ihrer Möglichkeiten über dem Boden. Für eine neunjährige Stute kam sie ihrem Ausbildungsstand nah. Keine schwere Dressur, aber die Anlehnung war da und man sah deutlich, dass Sam am Schwung arbeitete. Einen gewissen Charme versprühten die beiden, aber ich würde mich nicht so weit aus dem Fenster lehnen, dass ich mich darin verlor wie Lina. Es war niedlich und eine gelungene Abwechslung zu den Teppichklopfern in Kalmar, die dort die Halle gescheucht wurden, in einer so engen Montur, dass selbst mir der freie Wille verloren ging beim Zusehen. Vielleicht sorgte schon diese Tatsache dafür, dass ich mich emotional nicht an Happy binden konnte, dem Gedanken, dass ich mich in einem System aus Tierquälerei und Symptome Behandlungen begeben könnte.
      Ich schüttelte mich, um aus dem absurden Teufelskreis in mir zu fliehen. Aber es war auch mein Handy, das Aufmerksamkeit erwartete. Dumpf vibrierte es in gleichmäßiger Tonart auf dem Holz. Für einen Moment sah ich es an, aber dann zog Mateo mein Interesse auf sich. Er kam auf die Reitbahn mit einem weiteren Fuchs, Selva, dem anderen Pferd von Sam und begann ein Hindernis aufzubauen. Die Stute stellte er in der Mitte ab. Ihr Blick rotierte im Raum, aber wie angewachsen verharrte sie.
      „Vriska, sag mal, bist du taub, oder was?”, äußerte meine Kollegin ihren Unmut über das störende Geräusch.
      „Oh“, entfloh es mir als einziges und betätigte den Sperrknopf, ohne überhaupt auf den Bildschirm zu blicken. Wer auch immer anrief, musste warten, bis mein Erstaunen über den strahlenden Fuchs mit Stern nachließ. Doch so weit kam es nicht, denn es läutete immer wieder, bis instinktiv den grünen Hörer betätigte.
      „Wo bleibst du?“, hörte ich fragen.
      „Äh“, wunderte ich mich im ersten Moment. Zu lange benötigte mein Gehirn, um die Informationen zusammenzufassen. „Jetzt schon?“
      „Ja, ich habe die mehrmals geschrieben, dass wir uns früher treffen und ich dachte, du kommst auch direkt“, sagte Basti hörbar genervt, als wäre es ein Weltuntergang, dass für ein paar Minuten nicht am Handy hing.
      “Hui, was hat dich denn gestochen?”, hakte ich flapsig nach und verschränkte den freien Arm vor meiner Brust.
      “Nelly hat davon erfahren, dass wir uns heute getroffen haben von einer Freundin, die uns gesehen hat”, änderte sich seine Stimmenlage.
      “Mh. Und dann soll ich heute dabei sein?”, fragte ich verdutzt nach und sah mit Hilfe suchenden Augen zu Lina, die jedoch Mateo auf dem edlen Ross folgte. Wenn ich es nicht besser wüsste, stellte sie sich sehr genau vor, was wohl unter dem ganzen Stoff stecken würde.
      “Es klingt blöd und ist vermutlich unüberlegt, aber ja. Ich möchte mich ablenken und du bist die Einzige, die mich versteht”, seufzte er niedergeschlagen. Eigentlich fühlte ich mich wie im falschen Film, eher schlecht verstanden als überhaupt, aber gut. Ich musste bei ihm sein, das wusste ich zumindest.
      “Okay, dann ziehe ich mich um und fahre dann los”, redete ich Basti gut zu. Er legte auf und ich steckte das Handy weg.
      “Wenn ich nicht wüsste, dass dein Ritter gerade mit einem Bino kämpfte, würde ich dir diesen wärmstens empfehlen”, flüsterte ich Lina ins Ohr und sah zu Mateo, der mittlerweile über Stangen trabte.
      “Aber dann weißt du ja, dass kein Bedarf nach einem neuen Ritter besteht”, murmelte sie, als fühle sie sich ertappt.
      “Freut mich, dass es bei euch vorangeht”, lächelte ich, “aber meiner weint, ich muss los.”
      “Dann wünsche ich dir viel Spaß beim Trösten”, grinste sie.
      Im Zimmer wechselte ich meine Kleidung, verschleierte die tiefen Augenringe hinter Schminke und lief schließlich zum Auto. Auf der roten Motorhaube reflektierte der Himmel der untergehenden Sonne. Dahinter standen die Pferde friedlich rasend auf der Weide und freuten sich, dass der Frühling in vollen Zügen über das Land rollte und die Weidesaison einläutete. Allerdings kam mir auch etwas anderes in den Blick. Niklas hatte sein, zum Ausgleich aller Minderwertigkeitskomplexe, Auto abgestellt und sah mich leider auch.
      “Offenbar wird der Tag noch besser, wenn du endlich gehst”, grinste er scharf.
      “Denkst du nicht, dass das Thema langsam durch ist? Niemand nimmt dich noch ernst, also kannst du es auch sein lassen”, sprach ich pikiert und öffnete die Tür meines kleinen Autos.
      „Niemand? Da bin ich mir nicht sicher“, hielt Niklas meine Autotür fest, um mich am Losfahren zu hindern.
      „Anstelle mich weiter aufzuhalten, soll ich dir nicht lieber deinen Willen erfüllen“, rollte ich mit den Augen und zog ein weiteres Mal an der Tür, in der Hoffnung, er würde davon ablassen. Das war nicht der Fall, stattdessen grinste er schief. “Zeitweilige körperliche Bedürfnisse solltest du mit deiner Freundin besprechen, nicht mit mir.”
      “Du weißt am besten, dass das etwas ganz anderes ist”, zog er eine Braue nach oben und schien etwas zu erwarten, was ich nicht bieten konnte.
      “Niklas, ich fühle mich nicht wohl in deiner Nähe”, appellierte ich.
      “Nun gut”, seufzte er, “dann lass ich dich in Ruhe.”
      Endlich nahm er die Hand von meiner Tür, die sofort zu zog und den Schlüssel ins Zündschloss steckte. Kaum war dieser gedreht, schloss sich die Zentralverrieglung und ich fuhr vom Hof. Mein Herz raste, ungewiss, ob es am Grund meiner Fahrt lag oder dem ungünstigen Zusammentreffen mit Niklas. Dass er so sehr der Vergangenheit nachjagte, fiel mir schwer nachzuvollziehen. Bis ich bei Bastis Freund an der Tür klingelte, versuchte ich eine Antwort auf die Aktion zu finden, aber es gab keine. Nichts deutete auf seine Motivation hin, einzig Kontrollwahn. Aber es sollte endlich Schluss sein. Ich atmete tief durch und drückte den Klingelschalter bis zum Anschlag. Als hätte Basti bereits durch den Spion geschaut, öffnete sich Tür sofort. Mit einem breiten und erleichterten Lächeln blickte er mich an, um im nächsten Moment in die Arme zu nehmen und fest an sich zu drücken. Er trug einen anderen Duft als sonst, holziger, aber milder für die Nase.
      Der Abend verlief ähnlich wie der vorherige. Den Großteil der Zeit saß ich neben ihm auf der Couch, die Arme locker vor meiner Brust verschränkt und die Männer am Trinken. Wirklich willkommen fühlte ich mich nicht, denn den Gesprächen zu folgen, fiel mir schwer und die Themen waren ebenso oberflächlich, wie ich es aus der Schulzeit kannte. Natürlich zweifelte ich bis spät in die Nacht hinein und schlief sogar an seiner Schulter ein. Irgendwann wurde ich durch ein Flüstern am Ohr geweckt.
      „Wollen wir ins Bett?“, fragte Basti mit lallendem Unterton.
      „Okay“, murmelte ich verschlafen und richtete mich auf.
      “Wir können bei Jan im Gästezimmer bleiben, dann musst du nicht fahren”, schlug er vor.
      Ich nickte und folgte ihm. Meine Brille hielt ich in der Hand, sah also nur halb, wohin ich folgte. Aber das kleine Zimmer war altmodisch, aber wohnlich eingerichtet. An den Fenstern hingen dünne verzierte Gardinen, daneben Vorhänge in Weiß mit einem dunklen Balken unten. Das Bett, auf der nur eine große Decke lag, war ebenfalls weiß bezogen und alle Möbel aus hellem, naturbelassenem Holz. Etwas verloren stand ich an der Tür, während er den Gürtel seiner Hose öffnete und diese herunterzog.
      „Soll ich das Licht ausmachen?“, fragte Basti mit leichter Verwirrung.
      „Äh, tut mir leid“, entschuldigte ich mich, aber konnte Situation noch immer schwer einschätzen. Er lächelte mich an, als könnte er durch meine Augen hinweg, direkt die Gedanken lesen. Neben mir drückte er den Lichtschalter, torkelte zum Bett und schaltete dort eine der Nachttischlampen an. Im warmen Licht zog meinen Pullover aus und die enge Hose, obwohl mich weiterhin das Gefühl beirrte, hier nicht sein zu dürfen. Gerade, als er sein Shirt über den Kopf ziehen wollte, stoppte er in der Bewegung.
      „Ich kann es anbehalten, wenn du dich unwohl fühlst“, lenkte Basti ein. Die Sache war klar: Er konnte Gedanken lesen. Oder Körpersprache lesen.
      “Wie du möchtest”, versuchte ich ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern, obwohl es sich falsch anfühlte.
      “Dann behalte ich es an”, beschloss er und legte sich ins Bett. Vorsichtig krabbelte ich dazu. Wie jedes Mal vor dem Schlaf warf ich noch einen Blick auf mein Handy. Tatsächlich hatte Lina mir geschrieben.
      “Dein Ausbleiben deutet wohl auf einen erfolgreichen Abend hin”, war die erste Nachricht, die sie bereits vor geraumer Zeit gesendet hatte. Das hatte sie offenbar direkt dazu veranlasst, noch eine weitere Nachricht zu verfassen: “Dann wünsche ich dir weiterhin viel Spaß mit deinem Ritter.” Am Ende des Satzes leuchtete ein anrüchig zwinkernder Smiley, welches eher untypisch für ihren üblichen Emoji-Gebrauch schien. Später musste sie mir Frage und Antwort dazu stehen.
      “Na, schreibst du deinem Freund noch gute Nacht?”, drehte er sich zu mir. Zweifelhaft huschten meine Augen zu ihm.
      “Natürlich, der vermisst mich ganz doll”, scherzte ich, dabei huschten meine Finger über den Bildschirm, aber Basti nahm es mir weg. Kurz prüfte er meine Reaktion, die es nicht gab.
      “Der wartet sicher auf dich, sonst ist er doof”, lächelte er und legte es auf seiner Seite des Tisches ab. Deutlicher rutschte ich an ihn heran und selbst er, nahm mich näher an sich heran. Obwohl Kuscheln unsere einzigen Zärtlichkeiten wurden, fühlte es sich nach dem perfekten Tag an.

      SAMSTAG, 9:45 UHR
      LINDÖ DALEN STUTERI

      Nach einem gemeinsamen Frühstück trennten sich die Wege wieder. Ein weiteres Treffen wurde nicht vereinbart, was mir einen kleinen Stich versetzte, aber ich musste der Realität ins Auge sehen. Ich war für unbestimmte Zeit seine Ablenkung und nur ein Spielzeug, Forderungen jeglicher Art musste ich zurückziehen und hinunterschlucken.
      Am Hof stand Duschen auf dem Plan. Doch schon auf dem Weg erinnerte mich eine freundliche Nachricht an einen Termin.
      „Hallo Vriska, wir freuen uns schon. Passt die gegen 12 Uhr? Liebe Grüße, Alexa“, schrieb sie. Auf dem Bildschirm starrend, lief ich zur Hütte.
      „Hallo, ja passt. Bis später“, antwortete ich nur und steckte das Handy weg. Die rote Batterie am Bildschirmrand versuchte mir schon seit einer Weile zu signalisieren, dass es Zeit war, dem Gerät keinerlei Beachtung zu schenken.
      „Guten Morgen“, trällerte Lina mir mit bester Laune entgegen, als ihr Weg sie zufällig, oder wohl eher gezielt, zu mir führte.
      „Du hast am Fenster gewartet oder steckt ein Schäferhund in dir?“, kicherte ich beiläufig, aber hielt bei ihr an. Offenbar bewirkte Niklas Wunder oder es waren die weiteren Freiberger in dem Gastpferdestall, die sie am frühen Morgen in Samu-Laune versetzte. Vermutlich war es von allem etwas, während meine Stimmung eher gedrückt auf meinen Schultern lag, was ich mit Höflichkeit bewusst überspielte.
      „Vielleicht ein wenig von beidem“, grinste sie und probierte, nicht einmal ihre Wissbegier zu verbergen, „Wie war dein Ausflug?“
      “Aufschlussreich, denke ich. Du bist offenbar mein Freund. Ansonsten ziemlich eintönig, aber solange er mich bei sich haben möchte, werde ich da sein”, erklärte ich meine Motivation. Vielmehr gab es nicht zu erzählen, außer es interessierte sie, wie viele Biere er trinken konnte, ohne einen Kater zu haben.
      „Cool, ich wusste gar nicht, dass ich zwei Beziehungen führe“, sprach sie erheitert, „Nicht spektakulär, aber entspanntes beisammen sein hat ja auch etwas Schönes.“
      “Das stimmt natürlich”, verschwieg ich alle weiteren Umstände. Bevor ich wieder in mein Loch aus Selbstmitleid versank, verabschiedeten wir uns für den Moment voneinander, denn ihre Pferde hallten durchs Stallgebäude. Das Wiehern könnte auch von Shaker oder Nobelium stammen, so sicher konnte man sich bei dem Geschrei der Hengste nie sein.
      In der Hütte sprang ich unter die Dusche und schnappte mir frische Kleidung. Wie mittlerweile jeden Tag, zog ich keine Reithose mehr an, nur noch Arbeitshosen, denn die meisten Stunden verbrachte ich auf dem Sulky. Seitdem die ersten Jungpferde drei und vier Jahre alt wurden, war es Zeit, sie für die Rennen oder den Verkauf als Reitpferd vorzubereiten. Selbst Zweijährige mussten schon an den Sulky, obwohl Tyrell all die Jahre zuvor versuchte, das System zu umgehen. Ihm gefielen die zu jungen Tiere im Rennen nicht, zu gestresst, vollkommen verrückt.
      Die meisten Jungtiere präsentieren bereits im Training den nötigen Rennwillen und Leistung. Nur wenige Ausnahmen gab es, doch diese waren bereits in neues Zuhause gezogen. Dennoch war jedes Pferd verkäuflich, wie es sich so gehörte, hatte Lars mir an einem Abend erklärt. Nickend nahm ich Tatsache hin, aber hoffte darauf, dass Tyrell Northumbria nur über meine Leiche abgeben würde. Die Interessenten gab es, aber von ernsthaften Angeboten hörte ich bisher nichts – besser so!
      Mit der Kapuze über den Kopf gezogen und den Händen in der Kängurutasche, lief ich zum Stall hinüber. Neugierig stellte Eifel ihre Ohren auf, als ich an der Box vorbeikam und die braune Stute mit den kleinen Abzeichen am Kopf begutachtete. Sowohl auf der Stirn als auch der Nase zeichnete sich eine beinah gleichmäßige Raute ab. Da sie bei Lars im Training stand, fuhr nur er die hübsche Stute. Einzig in die Führanlage durfte ich sie bisher begleiten.
      „Ach, sieht man unseren Topseller auch mal wieder?“, begrüßte mich besagter Herr.
      „Als hätten wir einander gestern nicht angetroffen“, scherzte ich und strich Eifel liebevoll über die Nase. Ihre Lippe bewegte sich interessiert mit.
      „Dennoch habe ich dich bei mir vermisst“, gab er offen zu, „Aber man munkelt, dass du bei Basti warst.“
      „Möglich“, blieb ich verhalten.
      „Auch, wenn mir der Gedanke noch immer nicht gefällt, freue ich mich für dich“, sprach Lars gutmütig, „worauf ich hinaus möchte: Eichi hat sich von ihrer Ankunft gut erholt. Wärst du bereit, dich um sie zu kümmern und zu fahren?“
      Mit weit aufgerissenen Augen sah ich über das Brillengestell hinweg zu ihm hinauf. Obwohl ich nur unklar seine Gesichtszüge erkannt, entzifferte ich Freude darin, die ich auf das Überraschungsmoment schob. Die zehnjährige Stute hatte ihre Rennkarriere zu großen Teilen hinter sich, würde damit ein gutes Pferd für mich sein, weitere Erfahrungen zu sammeln. Ich musste gar nicht lange darüber nachdenken. Wenn Happy nun wegfallen würde, wäre Platz für ein anderes Pferd.
      „Sehr gern“, nahm ich das Angebot dankend an.
      „Perfekt, du hast alle Freiheiten“, erklärte er. „Wie sieht es aus, hast du noch Zeit für eine lockere Runde durch den Wald?“
      „Eine nur?“, gab ich belustigt zurück.
      „Du weißt genau, was ich meine“, wies er darauf hin, dass er ein Jogg fahren wollte, dem ich mir natürlich bewusst war.
      Ich führte meinen neuen Trainingspartner aus der Box. Erst beäugte mich die Stute, schnupperte an der Jackentasche und folgte dann. Mit Ruhe putzte ich das nervöse Pferd über. Sie zitterte am ganzen Körper und wackelte mit der Unterlippe, alles andere als starke Nerven. Wenn sie einen Schritt nach vorn setzte, schob ich sie zurück. Ihr Erinnerungsvermögen sprach für den Namen, den sie trug – Eichkatze. Es fühlte sich an, wie ein unendliches Spiel, kaum setzte sie den Huf zurück und ich kreiste mit der Bürste weiter das Fell, versuchte sie erneut auf Position zurückzukehren.
      „Wusstest du, dass das Stütchen Zweite wurde im Stutenvorlauf?“, fragte Lars und luckte am Balken vorbei zu mir.
      „Welche? Eifel und Eichi?“, holte ich mir genauere Informationen ein.
      „Der plüschige Fuchs, der mich schief anschielt“, legte Lars besonders viel Wert darauf, dass sie nur noch Augen für ihn hatte.
      „Aber warum nur im Vorlauf? Was wurde aus dem Finale geworden?“, hackte ich mürrisch nach.
      „Beim Start gesprungen, das erste und einzige Mal“, zuckte Lars mit den Schultern, „seitdem ging sie von einem Trainer zum nächsten.“
      „Kann ich nicht nachvollziehen, soll das arme Pferd doch in Sportrente gehen. Gibt bestimmt jemanden, der gut mit ihr klarkommt“, sprach nachdenklich und zurrte den Gurt fest. Als würde sie mir zustimmen, wippte sie mit dem Kopf und gähnte.
      „Zumindest im Training ist sie motiviert“, führte er an, aber in seiner Stimme hörte ich Zustimmung meines Vorschlags heraus.
      Auch im Wald unterhielten wir uns weiter darüber, weshalb die Stute im Sport nichts mehr zu suchen hatte. Natürlich kamen wir dabei auch auf Eifel, die ebenfalls schon älter war und Verschleißerscheinungen, wie es in jedem Sport gang und gäbe war, zeigte. Die Aufwärmphase dauerte beinah doppelt so lange, wie die unserer Jungpferde, auch beim Abfahren zählte jede weitere Minute. Sie schwitzte zu stark, schaumig und im Wetterwechsel lahmte Eifel sogar. Heute, an einem eher kühlen Frühlingstag, schwitzten die Stuten schon nach zwanzig Minuten Schritt. Dabei hatten wir noch nicht einmal die Arbeitsphase begonnen. Gegen Wind und eine Erkältung trugen beide eine Nierendecke. Zumindest sollte diese das Schlimmste verhindern.
      Gedanklich bei Happy, aber konzentriert auf den Fuchs vor mir, fuhr ich durch den Sand. Die Pferde hatten wir in den Trab umgestellt und drehten Runde, um Runde. Zwischendurch blickte ich auf den kleinen Monitor vor mir, der zwar voll mit Matsch war, aber die Werte der Stute noch erkennbar. Was auf den meisten Trainingshöfen monatliches Monitoring war, gehörte bei uns zum Alltag. Jedes Pferd hatte am Gurt einen Pulsmesser installiert, der den Herzschlag und die Geschwindigkeit maß und wir konnten diesen Live sehen. Für ihr Alter schlug sich Eichi gut, entgegen ihrer Trainingspartnerin, die zu schnell in ungesunde Frequenzen kam. Lars bremste sie ab und daraus resultierte, dass wir ihn umrundeten.
      „Ich fahre zurück“, sagte er und bremste in den Schritt ab. An Eifels Augen kam das weiß hervor, auch ihre Nüstern pulsierten.
      „Mach‘ das, wir kommen nach“, erklärte ich nachdenklich und legte einen kurzen Sprint ein. Schnaubend kam der Fuchs Tempo. Ihre Hufe trommelten durch den tiefen Sand. Unter mir rasselte der Sulky und die Umgebung verschwamm im Augenwinkel. Gerade, als wir auf Hochtouren kamen, bremste sie aus heiterem Himmel ab, scheute und ich konnte mich am Gestell festhalten. Mit einem Satz sprang Eichi zur Seite. Mir stockte der Atem, aber wir standen und ich saß noch. Direkt stieg ich ab, um mir selbst mit der gefährlichen Situation klar zu werden. Die Stute atmete aus, wie ein Drachen und suchte nach einem anderen Ungeheuer im Busch. Ich sah nichts, hörte nur lautes Rascheln. Was uns beiden das Leben hätte kosten können, blieb im Verborgenen und auch, als wir im Schritt ganz langsam dem Geläuf folgten, trafen wir es nicht erneut.
      Am Hof angekommen, erzählte ich sofort Lars davon, der mich nur skeptisch anschaute.
      „Eichi ist nicht schreckhaft, so gar nicht“, erklärte er ungläubig und klopfte der Stute den verschwitzten Hals. Wieder zitterte sie.
      „Da habt ihr aber ein hübsches Modell am Wagen“, kam ein mehr oder weniger bekanntes Gesicht angelaufen. Abermals zuckte ich zusammen, noch nicht ganz erholt von dem Schock. Es war Bastis Bruder Henne, der, gefolgt von seiner Frau und Zwillingen, die Stute bewunderte.
      „Ja, aber die steht nicht zum Verkauf“, wandte sich Lars ihm zu und begrüßte ihn mit einem beinah brüderlichen Handschlag.
      „Du weißt so gut wie ich, dass jedes Pferd verkäuflich ist“, scherzte dieser.
      „Deswegen sind wir aber nicht hier“, mahnte Alexa, die mich freundlich anlächelte.
      „Schauen kostet doch nichts“, neckte er. Spielerisch rollte sie mit den Augen.
      Ich führte Eichkatze zum Anbinder, während Lars sich mit unserem Besuch beschäftigte. Erst nahm ich den Sulky ab, dann jedes Teil vom Rücken und der Beine. Gleichzeitig genoss sie die verdiente Portion Futter, bevor es zum Duschen, Inhalieren und Trocknen unter das Rotlicht ging. Das betreute mein Kollege, denn Alexa konnte es gar nicht erwarten, Happy auch in der Halle kennenzulernen. Leider hatte ich es aufgrund der Umstände nicht mehr geschafft, ihn zu reiten.
      Ungewiss darüber, welche Laune der großgewachsene Fuchs hatte, führte seine fast Besitzerin ihn aus der Box. Nur für einen Moment legte er die Ohren an. Beim Putzen und Satteln kam sie gut ohne mich klar, was ihr Mann natürlich nutzte, um mich auszufragen.
      „Wie viel soll der Spaß uns hier kosten?“, fragte er mit gezogener Braue. Die beiden Kinder saßen auf der Bank und spielten mit Autos.
      „Welcher Spaß? Happy?“, Henne nickte, „fünfhundertfünfzig tausend Kronen.“ Es war der Anfangspreis und um hundertfünfzigtausend durfte ich lockern.
      „Nun gut“, sagte er, „sollte passen, wenn er das Niveau laufen kann.“
      Gerade als ich ihm sagen wollte, dass der Fuchs in der Lage dazu ist, aber aktuell nicht trainiert, hielt mich Lars mit bohrenden Blicken auf. Er spürte, was ich zu sagen versuchte. Dem Pferdeverkauf ging ich bisher gekonnt aus dem Weg, so veranstaltete ich den letzten mit Lina zusammen, die gekonnt an die Situation heranging. Manchmal beneidete ich sie wirklich für ihre Neutralität.
      „Mein Bruder erzählte vorhin, dass der Fuchs bereits ein Turnier mit dir lief“, führte Henne an.
      „Das stimmt. Seit geraumer Zeit ist er bei mir im Beritt und entwickelt sich stetig weiter“, fügte ich hinzu.
      „Gut, wärst du bereit, das weiterzumachen? So, ein- bis zweimal die Woche?“, fragte er. Darüber musste ich nicht nachdenken, schließlich war dies auch eine der Voraussetzungen, über die Nour Alexa bereits informierte.
      „Beritt? Natürlich. Die ersten zwei Wochen wären ohnehin im gemeinsamen Austausch, dass Alexa ihn besser kennenlernt und ich im Namen der Besitzerin gewährleisten kann, dass er klar im Kopf bleibt“, erklärte ich ausführlich. Zwischendrin nickte Henne.
      „Vriska? Wir sind so weit“, trällerte Alexa freudig erregt. Ich wandte mich von ihrem Ehemann ab und lief vor, um ihr den Weg zur Reithalle zu zeigen. Der Fuchs trat interessiert hinterher, als wüsste er genau, worum es ging.
      Das Probereiten in der Halle begann schwierig. Happy ließ sie nicht aufsteigen, sodass ich ohne Helm mich in den Sattel setzte und zunächst einige Runden im Schritt und Trab einlegte. Genervt schlug er mit dem Kopf, drückte sich wie so oft in die Zügel, um seinen Willen zu bekommen. Zeit zum Ausdiskutieren war nur begrenzt. Mit vielen Paraden bekam ich ihn an die Hand, um nun die Interessentin reiten lassen zu können. Ich hielt ihm am Gebiss und sie stieg auf. Bereits nach einer Runde herrschte diese gewisse Verbindung zwischen den beiden und ich konnte mich entspannt zurücklehnen.
      „Gehst du mit Noby ausreiten oder soll ich ihn bewegen?“, fragte Nour von der Seite und kam mit Blesa gerade aus dem Training. Die kaltblütige Stute pumpte ebenso wie die anderen Pferde.
      „Kann ich machen, wenn du dafür mit Piri fährst“, verhandelte ich.
      „Du willst doch nur nicht mit Lars auf die Bahn“, grinste sie von sich überzeugt, aber stimmte schließlich zu. Er war weniger der Grund für Unwilligkeit, eher die zickige erdfarbene Stute. Wir verstanden uns nie wirklich. Ihre sensible Ader und meine Ungeduld trafen auf einen scheinbar unlösbaren Konflikt, den ich nur schwer zu lösen wusste. Da die Vierjährige aber täglich gefahren wurde, meistens locker für die Ausdauer, musste jeder mal ran.
      „Ist Noby der Braune, in der zweiten Box?“, fragte Henne aus heiterem Himmel.
      „Ja, wieso?“
      „Der stand doch noch vor einer Weile in Malmö und lief dort Monté mit Caro“, musterte er von der Tribüne das Pferd, dessen Kopf interessiert auf der Box lag. Ich konnte der Unterhaltung nur schwerfällig folgen. Der Grund seiner Fragen erschloss sich nicht aus den Fetzen, außerdem war ich mit einem Auge bei dem Fuchs, der fleißig unter Alexa lief.
      „Das ist richtig, aber da wir nun mehr Trainer haben, können wir das Geld sparen“, erklärte ich.
      „Henne, was habe ich zum Thema Pferdekauf gesagt?“, tadelte sie ihren Mann, der sich wieder gerade hinsetzte und zu ihr sah.
      „Ist doch gut, ich frage doch nur“, rollte er mit den Augen und blieb schließlich am Fuchs kleben. Eine Weile ritt Alexa diesen noch, bis sie schließlich abstieg und in der Stallgasse absattelte. Das Geschehen selbst beobachtete ich aus gewisser Ferne. Schwere lag weiterhin auf meinen Schultern, das Gefühl mich einer Aufgabe anzunehmen, der ich nicht gewachsen war. Woher dieses Empfinden kam, wusste ich nicht und selbst, wenn ich mit jemandem sprechen würde, klang es nach wirren Worten. Ein Teil würde wohl von meinem Vergessen kommen, Dinge, die nur um meinen Geburtstag herum aufkamen.
      „Also, wir reden noch am Renntag“, lächelte Alexa beim Gehen. Ich stimmte freundlich zu, obwohl meine Augenlider immer schwerer wurden und ich nicht genau einschätzen konnte, wie lange ich noch wach bleiben konnte. Die beiden schienen zu wissen, was der Grund dafür war, aber lächelten nur. Aus dem Gebrabbel beim Gehen entnahm ich jedoch, dass die gestrige Begeisterung über Basti und mich umgeschlagen war. Weiteres werde ich wohl noch früher erfahren, als es mir lieb war.
      Lina
      In einem flotten Schritt lief der Hengst über den Sand, der gezeichnet von hellen Sonnenstrahlen, gemustert erschien, wie die schuppige Haut einer Schlange. Die sanften Wellen seiner Mähne, die als letzte Spuren von dem Turnier geblieben waren, wogen sanft im Takt der Bewegung. Rambi hatte mich am Donnerstag wirklich überrascht, hatte ich sein Training im Vorhinein nie mitverfolgen können. So erwartete ich, dass er die Flausen, die er unter dem Sattel zeigte, ebenso vor der Kutsche zeigte, doch es kam ganz anders. Kaum hatte Sam begonnen, das ordentlich geputzt Geschirr auf seinem Rücken zu befestigen, wurde der Freiberger zum reinsten Lämmchen. Artig stand er still, interessierte sich kein Stück mehr für die Stuten, die an ihm vorbeiliefen. Mir war fast so, als habe Sam ein anderes Pferd vor der Kutsche. Ausdrucksstark rollte das Gespann über den Sand und vollführt die geforderten Lektionen in Präzision. Es sah leicht aus, wie ein Kinderspiel. Dennoch konnte ich die Performance nicht genießen. Aufgekratzt von meinem eigenen Auftritt und dem ungewöhnlichen Verhalten meines Hengstes, war ich in ständiger Erwartung, dass der Braune losspringen könnte, zuckte bei jeder unerwarteten Bewegung zusammen und krallte mich panikartig an den Arm meines Freundes. Entgegen den katastrophalen Bildern, die mein Unterbewusstsein heraufzubeschwören suchte, bleib Rambi artig. Mit Leichtigkeit gelang es Sam und dem erfahrenen Hengst, die Konkurrenz in dem mittelschweren Wettbewerb zu schlagen, womit auch er eine blau-gelbe Schleife mit nach Hause trug.
      Abrupt kam der Hengst zu stehen und brachte mich für einige Sekunden aus dem Gleichgewicht, als besagte junge Dame fröhlich grinsend am Zaun auftauchte.
      „Oh, du bist bereits fleißig“, begrüßte sie mich, während Rambi neugierig die Nase nach ihrem Kaffeebecher ausstreckte.
      „Natürlich, hast du mal auf dir Uhr geschaut?“, lachte ich, „Die ersten beiden stehen schon wieder glücklich im Stall.“ Wie es den Anschein machte, hatte Mateo seine Schwester schlafen lassen, sodass sie erst jetzt den Weg in den Stall fand. Logisch, wenn man nur zwei Pferde zu versorgen hatte, konnte der Morgen auch gemütlich starten.
      “Ach ja, ist doch noch früh. Kaffee?”, bot sie mir ihre Tasse an. Ich schüttelte ablehnend den Kopf. Wie konnten alle nur dieses Gebräu mögen? Rambi, der noch immer sehr interessiert an dem Porzellan war, steckte kurzerhand die Zunge hinein.
      “Ey, das ist meiner”, beschwerte sich die Blondine und zog dem Pferd die Tasse weg. Irritiert von dem Geschmack auf seiner Zunge, wippte der Hengst mit dem Kopf, streckte die Zunge wiederholte Male aus und schüttelte sich.
      “Offenbar findet er Kaffee genauso doof wie ich”, schmunzelte.
      “Ich weiß nicht, was dein Problem ist, dieser Kaffee ist ganz wundervoll”, entgegnete sie und nahm einen demonstrativen Schluck. Angewidert verzog ich das Gesicht. Lecker, Gebräu mit Pferdesabberzusatz.
      “Na, dann genieße du mal das da, ich mache dann mal weiter”, sprach ich und drückte Rambi sanft die Waden in die Flanken. Gehorsam setzte sich der Freiberger in Bewegung und ich begann ihn zu arbeiten. Das Pferd strotze heute vor Energie, welche es allerdings lieber dafür einsetzte, den vorbeigehenden Stuten schöne Augen zu machen, anstatt das zu tun, was ich von ihm wollte. Die Einheit gestaltete sich zäh und mühsam, was den Machtkämpfen geschuldet war, die Rambi auszufechten versuchte. So bemüht darum, die Oberhand zu behalten, merkte ich nicht, wie Niklas sich am Zaun dazu gesellte, bemerkte ihn erst, als ich den Hengst dort anhielt.
      „Der fordert dich ja ganz schön heraus, hatte ich gar nicht gedacht“, stellte die Blondine fest, die den Hengst bisher immer nur kurz unter dem Sattel sah.
      „Ja, Rambi kann ein echter Sturkopf sein. Du hattest wohl das Glück, die wohlerzogene Hälfte zu erwerben“, lächelte ich. Das Tier, welches nur wenig erschöpft schien, reichte seinen Hals zu Niklas hinüber und knabberte zart am Saum seines Sweaters. Halbherzig rettete er den Stoff vor den Zähnen und kraulte ihm die helle Stirn.
      „Wer sagt denn, dass das meine Hälfte ist?", lachte sie, „Habe ich eben deinem Freund schon gesagt, ich finde, du schlägst dich wirklich gut. Mache nur weiter so, dann ist er unter dem Sattel bald genauso brav.“ Entspannt hatte der Hengst die Augen halb geschlossen und genoss die Massage, die sich mittlerweile bis auf seine Ohren ausweitete. Kein Wunder, diese Finger konnten wahre Wunder bewirken, wenn sie in kleinen Kreisen über müde Muskeln glitten.
      „Danke“, entgegnete ich bescheiden. Bis heute war sie mir ein Rätsel. Bei ihrem Bruder war mir mehr als deutlich, woher die ständige Freundlichkeit rührte, aber bei Sam … außer der Liebe zu derselben Rasse konnte ich bisher nicht herausfinden, was uns verbinden würde und auch ihre ständige gute Laune, war schon beinahe Samu ähnlich. Die Schweizerin wirkte stetig, als wandle sie bereits seit einem Jahrhundert auf dieser Erde und habe längst alles gesehen und dennoch wusste ich kaum etwas über sie und ihren Bruder. Kaum hörte Niki auf den Hengst zu streicheln, öffnete sich die Augen und er stupste ihn fordernd an, das Wellness Programm fortzusetzen.
      „Sieht aus, als sei dir noch jemand verfallen", lächelnd ich und strich dem Hengst durch die lange Mähne. Wieder stieß das Pferd gegen seinen Arm.
      „Ich bin zweifellos unwiderstehlich”, sprach er von seiner Anziehung überzeugt und präsentierte sich wie ein balzender Pfau.
      “Glaubst auch nur du”, schmunzelte ich und funkelte ihn neckisch an. Freundlicherweise öffnete Samantha das Tor, sodass ich es passieren konnte. Ich glitt aus dem Sattel und schob den Steigbügel hoch. Als ich unter dem Hals des Hengstes hindurchtauchte und dieses dort zu wiederholen, war Niklas bereits zur Stelle und lockerte auch gleich den Gurt.
      “Wenn ich so unattraktiv für dich bin, muss ich mir wohl jemand anderen suchen, der mit mir ausreitet. Samantha, hast du Lust?” funkelte er mich dabei herausfordernd an.
      “Sam hat sicher ganz viel zu tun”, intervenierte ich, bevor sie überhaupt eine Chance hatte zu antworten. Ein leichtes Ziehen in der Magengegend schrie danach und beanspruchte augenblicklich diesen Platz nicht der attraktiven Blondine zu überlassen. Auf den Lippen meines Freundes ließ sich ein zufriedenes Schmunzeln erkennen. Er wusste genau, welche Knöpfe er drücken musste, die gewünschten Antworten zu erhalten. In der Ferne ertönte das Knirschen des Kieses unter Autoreifen, bevor das Motorsurren verstummte.
      “Geh du mal mit deiner Freundin ausreiten”, lehnte Sam ab und schielte unauffällig zum Parkplatz, der allerdings zu verborgen lag, als dass man das wirklich etwas dort hätte beobachten können. Wen sie wohl erwartete?
      “Sieht so aus als müsste ich wohl dich mitnehmen”, flüsterte er mir neckisch ins Ohr. Sein warmer Atem strich über die Wange und brachte meine Haut zum Kribbeln, als würde eine Ameisenstraße darüber kriechen.
      “Du bist ziemlich frech”, schmunzelte ich und blickte zu ihm hoch. Im hellen Sonnenlicht erschienen seine Augen in nahezu markloses Blau. Verschmitzt grinste, er streichelte mit seinem Daumen zärtlich meine Wange. In einer zarten Begegnung trafen unsere Lippen aufeinander und sendete kleine Schauer meinen Rücken hinunter.
      “Ich nehme das Pferd dann mal mit in den Stall”, grinste Samantha und griff nach Rambis Zügeln. Mit einem leichten Zupfen daran setzte sie den braunen in Bewegung. Der dunkle Schweif pendelte locker hin und her und trottete artig neben ihr her.
      “Da sollten wir wohl auch hin”, sprach ich sanft und löste mich beschwerlich von meinem Freund. Niklas gab mir einen letzten Kuss auf die Stirn, bevor wir Sam folgten. Smoothie reckte ihren Kopf aus der Box und blubberte leise, als sie ihren Besitzer erblickte, der sie sogleich freundlich begrüßte.
      “Lass dir Zeit, ich gehe erst Sam mit Rambi helfen”, drückte ich ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange, bevor Smooth ihn völlig vereinnahmte. Er nickte und betrat die Box der hibbeligen Stute.
      Am Putzplatz war die Blondine schon fast damit fertig unser gemeinsames Pferd abzusatteln, sodass ich gleich sein Futter holte. In der Plastikschüssel landete eine Schippe Kraftfutter mit einem kleinen Zusatz an Mineralstoffen, da Rambi sich ein wenig mäkelig beim anstehend Fellwechsel zeigte. Gierig steckte der Hengst die Nase in die Schüssel und begann sein Futter zu verschlingen. Während wir dem Hengst zusahen, fragte Samantha mich über Mola aus. Mateo musste ihr erzählt haben, dass ich das junge Rennpferd in Ausbildung hatte, was sie zu verwundern schien, konnte sie keine Berührungspunkte zwischen mir und den Trabrennen entdecken. Der Hengst schob die leere Schüssel vor sich her im Versuch, auch noch die letzten Krümmel zu erlangen. Ich nahm den Strick vom Haken und hängte ihn an. Die Schweizerin begleitete uns ein Stück, bis uns ungefähr auf der Hälfte des Wegs ihr Bruder begegnete, von dem sie etwas zu wollen schien.
      Rambi verschwand schnell in der Herde und brachte diese so gleich in Schwung, als zwei jüngere Tiere ihn nicht schnell genug den Weg räumten. Für den Ausritt holte ich mir Brownie vom Paddock. Ich kannte den Hengst bisher nur flüchtig, doch bereits in der Herde wirkte er freundlich. Kaum hatte ich samt Pferd das Tor zur Stallgasse betreten, ertönte eine melodische Tonfolge aus meiner Tasche. Interessiert beschnupperte Brownie das Gerät, dessen Bildschirm ich verwundert anblickte. Eine mir unbekannte Nummer mit kanadischer Vorwahl leuchte auf dem Display. Welcher Unbekannte kontaktiert mich denn aus Kanada, zumal es dort noch mitten in der Nacht sein dürfte. Erwartungsvoll wischte ich über den Bildschirm und das Gespräch anzunehmen.
      "Liiinaaa, gut, dass du dran geht's", quietschte eine Frauenstimme aufgeregt aus den Lautsprechern. Zweifelsfrei war es eine meiner ehemaligen Kolleginnen.
      “Hey, Quinn”, sprach ich freundlich, während ich mit der freien Hand versuchte, die Anbindestricke an seinem Halfter zu befestigen, “Wie geht es dir?”
      “Wundervoll”, tönte es viel zu fröhlich für die Uhrzeit aus dem Gerät. Danach folgte ein zusammenhangloser Vortrag über die neusten Ereignisse auf dem WHC, wovon ich nahezu nichts verstand. Brownie anzubinden hätte sich als ziemlich erfolglos herausgestellt, hätte Niklas dies nicht kurzerhand übernommen.
      “Sag mal Lina, du wohnst doch noch in Schweden?”, schien meine ehemalige Kollegin zu dem eigentlichen Grund ihres Anrufs zu kommen.
      “Ja”, frage ich ein wenig misstrauisch, während ich begann, dem Hengst das schokoladenbraune Fell zu bürsten. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass Quinn ohne Hintergedanken so seltsam fragen würde.
      „Perfekt, dann kannst du uns sicher ein paar sehenswerte Orte empfehlen“, trällerte sie fröhlich. Warte, wer war denn uns und warum wollte Quinn nach Schweden kommen.
      „Du weißt aber schon, dass Schweden nicht nur ein Dorf ist? Du müsstest schon eine genauere Ortsangabe machen“, wies ich sie hin und überlegte sogleich. Ich selbst könnte nur wenig dazu beitragen. In der gesamten Zeit kam ich nur wenig vom Hof und kannte kaum mehr als das nähere Umland und einige wenige nette Ecken von Kalmar, die mir Niklas zeigte. Allerdings lebten ausreichend Menschen an diesem Ort, die dieses Land deutlich besser kennen sollten.
      „Ähm, ja warte kurz“, entgegnete sie. Im Hintergrund hörte ich sie mit jemandem reden, dem Klang nach eindeutig männlich. Ob sie einen Freund hatte? Weswegen würde sie sonst so früh morgens bereits einen Mann bei sich haben?
      „Kalmar“, verkündete sie froh gesinnt, „Raphael und ich kommen zu dem großen Springturnier. Na ja, und wenn wir schon mal da sind, wollten wir uns ein wenig umsehen.“ Der Name kam mir im Zusammenhang mit Springen seltsam bekannt vor, doch woher? Aus der Zeitung vielleicht?
      „Okay, da sollte sich etwas finden lassen, aber ich muss jetzt Schluss machen. Mein Freund wartet“, lenkte ich das Gespräch zum Ende hin, als Besagter mit dem Sattel begann.
      „Prima und viel Spaß euch zwei. Schreibst du mir dann einfach deine Empfehlungen?“, stellte sie eine Rückfrage. Ich nickte, bis mir erst eine Sekunde später auffiel, dass sie es nicht durch das Telefon sehen konnte.
      “Ja, ich schreibe dir nach der Arbeit”, bestätigte ich Hilfsbereich und beendete damit das Telefonat. Smoothie war schon nahezu fertig gesattelt und kratzte ungeduldig mit den Eisen über den Beton. Mit einem leichten Patscher gegen die Schulter, des Schimmels unterband Niki das Verhalten.
      “Gehe ich wohl mal einen Sattel suchen”, grinste ich voller Vorfreude auf den bevorstehenden Ritt und lief in die Sattelkammer, um in der gigantischen Auswahl an Equipment hoffentlich etwas Passendes für den Trakehner zu finden.

      AM ABEND
      Vriska
      „Der hat mich einfach den Sand gesetzt“, erzählte ich wild gestikulierend von meinem kleinen Ausflug in den Wald mit Nobelium. Vermutlich sah der Hengst dasselbe Gespenst wie Eichi am Tag zuvor. Aufgebracht sprang er zur Seite, nur rechnete ich damit nicht und verlor das Gleichgewicht.
      „Aber es ist doch noch alles an dir dran, jetzt rege dich nicht so auf“, versuchte Lars mir mit guten Worten zuzureden. Immer wieder sah er sich um, als würde jemanden suchen oder gar entkommen.
      „Das Gespenst scheint dich nun heimzusuchen“, scherzte ich, aber verzog verärgert das Gesicht. „Ist doch schon gut. Du musst das nicht an mir auslassen.“
      „Alles gut“, lachte er inzwischen und legte freundschaftlich die Hände auf meinen Schultern ab. Dabei drückte Lars leicht in die Muskulatur, als wolle er mich massieren, was zugegebenermaßen im Gehen ziemlich schwierig erschien. „Bleibst du heute eigentlich zuhause oder verschwindest du zu deinem Schwarm?“
      Ich seufzte.
      „Du wirst mich heute ertragen müssen. Es kam bis jetzt keine Antwort, obwohl er die Nachricht gelesen hat, vor Stunden schon“, erläuterte ich niedergeschlagen.
      „Der meldet sich sicher noch“, blieb er zuversichtlich.
      Vor der Hütte klopften wir die Schuhe ab, zogen sie aus und stellten sie auf der Matte innen drin ab. Zunächst drehte Lars die Heizung etwas höher und ich entledigte mich der dicken Jacke. Obwohl der Frühling Einzug behalt, wehte ein klirrend kalter Wind, den man besonders auf dem Weg von der Reithalle zum Häuschen zu spüren bekam. Immerhin konnte man hier in Socken herumlaufen und Shirt. Nacheinander besuchten wir das Bad und zogen uns um, wie jeden Tag, außer einer hatte Weidedienst. Heute waren Nour und Bruno an der Reihe, also konnten wir den Feierabend genießen.
      Nichtsahnend stand ich in der Küche und schnitt Gemüse für das Abendessen klein. Lars erzählte gerade von Ini, die aktuelle noch auf einem anderen Hof trainiert wurde, als es an der Tür Sturm klingelte. Überrascht sahen wir einander an, da öffnete er diese bereits. Zu einem Hallo kam es nicht, stattdessen kam die junge Dame mit kräftigem Körperbau auf mich zu und blickte mich mit erbostem Gesichtsausdruck an. Obwohl ich sie bisher nur einmal gesehen hatte, wirkte Nelly plötzlich so viel größer. Lockere Strähnen fielen in ihr Gesicht, die sie mit den Fingerspitzen hinters Ohr schob.
      „Was fällt dir eigentlich ein?“, keifte sie mit weinerlicher Stimme. Bevor ich überhaupt antworten durfte, klatschte ihre Handfläche auf meine Wange und ich schluckte. Starr vor Angst blickte ich zu Lars, der unseren Besuch bereits von mir wegschob. Wie eine geweckte Katze zerrte sie und versuchte wieder zu mir zu kommen, doch er hielt sie auf.
      „Nelly, Reiß dich zusammen“, versuchte Lars sie zu beruhigen, aber sie hörte ihm nicht zu.
      „Ich bringe sie um“, zeterte sie. Ich schüttelte mich. Obwohl die Handgreiflichkeiten deutlich einen Schritt zu weit gingen, konnte mein Hirn die Umstände nicht einordnen. Durfte ihr Kerl keine weiblichen Freunde haben, wenn man die Situation im Stall ausklammerte? Den pulsierenden Herzschlag spürte ich bis in den Hals, aber drehte mich unbeeindruckt um und schnitt das Gemüse weiter.
      „Warum sagst du nichts?“, provozierte die junge Dame weiter.
      „Merkst du eigentlich noch was?“, stand auf einmal Niklas in der Tür, der offenbar vom Nachbarhaus davon mitbekam. Schlagartig verstummte sie und Lars ließ sie los.
      „Das Flittchen hat sich an meinen Freund herangemacht und mit ihm geschlafen. Was denkst du denn?“, jammerte sie. Ich verdrehte nur die Augen, wollte nicht weiter böses Blut entfachen.
      „Und sagt nicht mal etwas“, fügte Nelly im selben Ton hinzu.
      „Ich weiß nicht, woher du das hast, aber meines Wissens haben die beiden nur im selben Raum geschlafen“, mischte sich nun Lars ein. Interessant, wie schnell eine solche Kleinigkeit seine Runde machte.
      „Trotzdem steht sie auf ihn“, blieb sie ihrem Punkt treu.
      „Und was gehen dich ihre Gefühle an? Letztlich gehören für mehr, zwei Leute dazu. Du solltest lieber mit deinem Kerl argumentieren und nicht mit ihr. Erst recht nicht so“, appellierte Niklas argwöhnisch.
      Als wäre ich taub, widmete ich mich weiter dem Abendessen, obwohl meine Finger zitterten, wie ein Aal und jeder Atemzug in der Brust bebten. Der Sauerstoffmangel machte sich schnell bemerkbar, aber ich versuchte, die Enge zu verdrängen.
      Als sie endlich verschwand, mit Niklas, legte Lars sofort seine Arme um mich und ich begann wie ein Schlosshund zu heulen. Dennoch entging mich nicht, dass er den beiden bis zum letzten Moment nachsah.
      Es war mir zu viel, dass alles, was um mich herum geschah, passierte zu schnell und überschlug sich. Ich hatte die Kontrolle verloren und war kurz davor, alles hinzuwerfen. Keinen Grund fand ich, dass weiterhin zu ertragen. Nun, wo auch Happy praktisch vermittelt war in ein perfektes Zuhause, fehlte mir ehrlich gesagt eine Aufgabe. Rennen waren großartig, aber zu erreichen gab es nichts. Sie fühlten sich beinah, wie die Islandpferde Turniere an, nur dass es um ziemlich viel Geld ging. Doch von Geld hatte ich grundsätzlich genug, auch wenn ich immer mehr an die Tierheime in Griechenland spendete, um das Zeug loszuwerden.
      Schluchzend löste ich mich von den kräftigen Schultern meines Kollegen und drehte mich zum Schneidebrett um. Noch eine Paprikaschote musste ich schneiden, dann konnte alles in den Ofen. Aber während ich versuchte, die Gesamtsituation zu verdrängen, spürte ich Lars‘ Hände langsam an meiner Silhouette herunterwandern. Sein Becken drückte er sanft an mich heran und legte den Kopf auf der Schulter ab.
      „Was wird denn das, wenn es fertig ist?“, fragte ich grinsend nach, obwohl ich überhaupt nicht in der Stimmung war für seine Spielchen.
      „Ich habe dich vermisst“, sprach er mit federleichten Worten, die ohne Nachhall an mir vorbeizogen. Sosehr er auch versuchte durch zarte Bewegungen und Worte, mich in mehr zu verwickeln, gelang es ihm nicht. Mir stand das Wasser bis zum Hals, der Hunger war vergangenen und am liebsten würde ich den Renntag absagen, aber das konnte ich nicht. Es war beinah so, als würde ich all mein Glück herausfordern wollen, denn ich hoffte weiterhin auf Basti.
      Seufzend setzte ich mich auf die Couch, als das Gemüse im Ofen war. Lars legte seinen Arm um mich und ich lehnte an seiner Schulter. Auf dem Bildschirm des Fernsehers flimmerte ein Film, bei dem ich die Hälfte bereits verpasst hatte. Gefangen in meinen Gedanken, starrte ich zwar zu diesem, aber durchlebte das Klatschen und ihre Worte immer wieder und wieder.
      Auch später im Bett, als Lars mich davon überzeugen konnte, nicht allein mit meinen Gedanken zu sein, drehte ich mich von der einen Seite zur anderen. Ich wusste, dass es auf kurz oder lang schwieriger werden würde, aber schon jetzt in Nellys Fadenkreuz zu sein, schüchterte mich ungemein an.
      „Ich muss ihm schreiben“, murmelte ich unüberlegt und griff zum Handy. Lars, von dem ich dachte, er würde bereits schlafen, fasste meinen Arm.
      „Vivi, egal, was sie getan hat, was er gerade erlebt, ist ebenso dramatisch“, seufzte er und zog mich an sich heran.
      „Dann muss ich erst recht, für ihn da sein“, sprach ich meinen Gedanken aus.
      „Warte ab, wenn er dich braucht, meldet er sich“, rede Lars auf mich ein, dass ich schließlich den Plan ruhen ließ. Nicht, dass die Überlegung weiterhin durch meinen Kopf geisterte, aber diese umzusetzen, zog ich zurück.
      Ich starrte hoch zur Decke. An den Wangen flossen abermals Tränen. Kurz schlief ein, um durch einen realistischen Alptraum aufzuschrecken. Tief zog ich die kühle Luft in meine Lungen. An den Fenstern wehten die Vorhänge und ein zartes Licht vom Stall schien hinein. Die Uhr auf dem Nachttisch zeichnete zwei Uhr vierzig ab.
      „Kannst du nicht schlafen?“, richtete Lars sich auf, mit verschlafener Stimme.
      „Ich hatte einen Alptraum“, erklärte ich. Anstelle mich wieder an ihn zu kuscheln und seine Sicherheit zu spüren, warf ich die Decke zur Seite. Die nackten Füße setzte ich auf den kalten Boden, die mich umgehend noch weiter in die Realität holten.
      „Wo willst du hin?“, fragte er, das Licht dabei erleuchtend.
      „Weiß nicht, den Kopf frei bekommen“, legte ich meine Unentschlossenheit offen. Kaum hatte ich mich ins Wohnzimmer bewegt und mir vom Jackenhalter eine übergeworfen, hörte ich Lars‘ Stimme aus dem Schlafzimmer:
      > Väckte jag dig?
      „Habe ich dich geweckt?“
      Möglichst unauffällig versuchte ich dem Gespräch zu folgen, selbst wenn es nur sehr einseitig an mich herankam.
      > Ja, det kan man säga. Är han med dig?
      „Ja, kann man so sagen. Ist er bei dir?“, fragte Lars in sein Telefon und baute Blickkontakt zu mir auf. Natürlich bemerkt er meine Neugier. Undeutlich wedelte er mit seiner Hand. Entweder ich sollte gehen oder zu ihm kommen.
      > Okej. Det tror jag också.
      „Okay. Das denke ich auch“, nickte er dann.
      > Jag försöker. Natt.
      „Ich versuche es. Nacht“, beendete er das Gespräch und legte das Handy zur Seite.
      Erwartungsvoll blickte ich zu ihm, aber in den leicht glasigen Augen und dem beinah leeren Gesichtsausdruck erkannt ich, dass es keine guten Nachrichten gab. Ohne weitere Fragen zu stellen, drehte ich mich weg, setzte die Kapuze auf und verschwand durch die Balkontür. Noch mehr schien mein Leben bedeutungslos und alles verloren. Von Anfang an war mir klar, dass ich meinem Hirngespinst hinterherrannte und in seinen Taten zu viel legte. Es gab kein uns. Vor mir lag eine dunkle Zukunft, die durch die ebenso finstere Vergangenheit immer mehr aufgesogen wurde. Wie konnte ich mir nur einbilden, dass ich endlich das Richtige oder besser gesagt, den Richtigen gefunden hatte?
      In der eiskalten Nacht stand ich abseits der Hütte, den Kopf leicht ins Genick gelegt und starrte hinauf zum Sternenhimmel. Es war eine klare Nacht. Keine einzige Wolke versperrte den Blick auf die Bilder, die sich zeichnen ließen. Als ich jung war, versuchte meine Mutter mir immer wieder zu erklären, was man dort oben entdecken konnte, aber bis heute sah ich nichts. Die leuchtenden Punkte schenkten mir dennoch einen Hauch von Hoffnung und Vertrauen. Tränen lagen mir weiterhin in den Augen, was ich für den Moment mit mir selbst akzeptierte. Nicht jede Situation konnte man kontrollieren oder gar für sich gewinnen. Diese Schlacht war verloren.
      Ich hatte mich auf einer der Bänke niedergelassen, die ich bis dato als unnötig erachtete, als sich Schritte auf dem gefrorenen Kies ankündigten. Langsam öffnete ich die Augen und sah zur Richtung, aus der sie kamen. Entgegen meinen Erwartungen war es Niklas, den es zu so später Stunde noch nach draußen trieb.
      „Was machst du hier?“, fragte er überrascht und setzte sich zu mir.
      „Dasselbe könnte ich dich auch fragen“, lächelte ich wohlgesonnen.
      „Ich schlafe schlecht“, seufzte er, deutlich verhalten. In den kurzen, aber innigen Blicken spürte ich, dass er darüber sprechen wollte, aber meine Reaktion abwartete. Im Magen drehte es sich, was ich am liebsten auf den Restalkohol darin schieben wollte, aber viel mehr war es Niklas. Seine reine Anwesenheit im Abendlicht unter dem herrlichen Sternenhimmel befeuerte Wünsche und Sehnsüchte.
      Ich schluckte, ohne meine Augen von ihm zu lösen. Schief grinste er mich an.
      „Du hast getrunken, oder?“, neckte er.
      „Ja“, murmelte ich und griff nach seinem Arm, um mich eng daran zu winden. „Aber warum schläfst du schlecht?“
      „Es läuft aktuell nicht. Bino macht keine Fortschritte, Form hat ihre Höhen und Tiefen und für Smoothie fehlt mir im Moment die Geduld. Deshalb gibt es Tage, an denen nur den Hengst bewege und für die anderen beiden keine Kraft mehr habe“, sprach Niklas in sich gekehrt.
      „Drei Pferde auf hohes Niveau sind wirklich eine erstaunliche Leistung“, sagte ich anerkennend.
      „Eben drum. Ich konnte nicht ahnen, dass Smoothie wieder auf Turnieren laufen kann“, vorsichtig huschten seine Augen zu mir. Noch immer hing ich an ihm, als wäre ein gefährliches Tier im Busch versteckt und könnte sich jede Sekunde zeigen. Auf seinen Lippen zeichneten sich ein zartes Lächeln und er strich mir über die Kapuze.
      „Was sagt Lina dazu?“, hakte ich nach, denn ich wusste kaum etwas über seine Umstände. Sie sollte ihm eine größere Hilfe sein können.
      „Sie weiß es nicht und hatte auch nicht vor, mit ihr darüber zu sprechen“, in seiner Stimme klang deutlich Scham mit. Wer hätte das nur denken können – der selbstüberzeugte Niklas Olofsson hat Angst, sich Schwäche einzugestehen. Für einen Atemzug zuckte ein schelmisches Lächeln auf meinen Lippen.
      „Eigentlich möchtest du doch Vielseitigkeit reiten, da wäre doch Form eher nebensächlich“, gab ich ihm einen Anstoß, die Pferde zu überdenken.
      „Das stimmt“, hauchte er kleinlaut.
      „Dann wäre es sinnvoll, wenn du sie nur zum Spaß reitest oder gar jemanden zur Verfügung stellst“, erklärte ich weiter.
      „Ach, möchte da jemand meinen Rappen haben?“, scherzte Niklas und legte seine Hand ganz langsam auf meinem Bein ab. Den Blick fixierte er für einen Augenblick zu lang an mir, sodass in Windeseile das Verlangen nach ihm, aus dem hintersten Kämmerchen meines Hirns, angekrochen kam. Wie ein Parasit hielt sich dieses Gefühl in mir fest.
      „Eigentlich nicht, aber wenn du es mir anbietest“, flüsterte ich verführerisch.
      „Das musst du mir erst einmal beweisen“, schmunzelte er. Bisher schien es mir fast unmöglich, dass die erloschene Magie zwischen uns wieder aufflammte. Die Hand auf meinem Bein wanderte bewusst auf und ab, sodass mir für den Bruchteil einer Sekunde das Atmen schwerfiel. Bedrohlich klopfte es bis in meinen Hals und ich meine, sogar sein Herz synchron zu dem meinen zu spüren.
      „Dass ich reiten kann, weißt du doch“, stammelte ich überfordert, wissend, dass die Stimmung zu kippen drohte.
      „Zeiten ändern sich und aus der Übung bist du auch, sagt man sich“, nahm er kein Blatt vor den Mund.
      Abrupt kam der Flirt zum Ende, als aus der Dunkelheit erneut Schritte ertönten. Ich löste mich von seinem Arm, wodurch er die Hand von mir nahm. Jegliche Magie erlosch wieder, was mich einerseits positiv stimmte, andererseits deprimierte.
      „Hier steckst du“, sprach Lars beim Näherkommen leicht außer Atem. „Ich war wirklich überall.“
      „Offenbar nicht überall“, grinste ich.
      „Was macht ihr beide hier?“, fragte Lars, ohne auf meine Antwort einzugehen.
      „Wir haben über Gott und die Welt gesprochen. Wie es nun mal ist, wenn man nicht schlafen kann“, klärte Niklas auf.
      „Es ist halb vier. Und vor allem du, Vivi, sollst besser wieder versuchen zu schlafen“, appellierte mein Mitbewohner, dem ich widerstandslos in wärmere Gefilde folgte.

      © Mohikanerin, Wolfszeit // 81.448 Zeichen
      zeitliche Einordnung {Mitte/Ende April 2021}
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  • Album:
    stall.
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    Mohikanerin
    Datum:
    11 Aug. 2022
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  • Ini ist 4 Jahre alt.

    Aktueller Standort: Lindö Dalen Stuteri, Vadstenalund [SWE]
    Unterbringung: Stutenpaddock


    –––––––––––––– s t a m t a v l a

    Aus: Rainbeth (DE) [Standardbred]
    MMM: Unbekannt ––––– MM: Unbekannt ––––– MMV: Unbekannt
    MVM: Unbekannt ––––– MV: Unbekannt ––––– MVV: Unbekannt


    Von: Firewalker [Englisches Vollblut]
    VMM: Unbekannt ––––– VM: Unbekannt ––––– VMV: Unbekannt
    VVM: Unbekannt ––––– VV: Unbekannt ––––– VVV: Unbekannt



    –––––––––––––– h ä s t u p p g i f t e r

    Zuchtname: Fire to the Rain LDS
    Rufname: Ini
    Farbe: Braunfarbwechsler Splash
    [EE Aa nR nSW1]
    Geschlecht: Stute
    Geburtsdatum: April 2017
    Rasse: Standardbred [STB]
    Veredelt, 50 % Vollblut
    Stockmaß: 165 cm

    Charakter:
    empfindlich; temperamentvoll; schreckhaft

    * Ini läuft Trabrennen; mittlere Distanz
    * 4-Gänger
    * Premechansen

    _2018
    August, Training bei F. Wallin [Gävle]
    November, Verletzung am Hinterbein

    _2019
    August, Qualifikation mit F. Wallin (19,8s)
    Rennen in Schweden
    September, Sieg im Auktionsrennen
    November, Verletzung erneut am Hinterbein

    _2020
    Februar, Rückkehr auf das Gestüt
    Mai, im Training
    Oktober, Rückkehr in den laufenden Rennbetrieb


    –––––––––––––– t ä v l i n g s r e s u l t a t

    [​IMG] [​IMG] [​IMG]

    Dressur E [L] – Military E [E] – Fahren E [E] – Rennen E [M] – Western E [E] – Distanz E [E] – Gangreiten E [L]

    Ebene: International

    August 2022
    Rennen E zu A

    x 2022
    x. Platz, x


    –––––––––––––– a v e l

    [​IMG]

    Gekört durch x im x 20x.

    Zugelassen für: Traber aller Art
    Bedingung: Keine Inzucht
    DMRT3: CA [Viergänger]
    Lebensrekord: 1:13,4
    Decktaxe: Nicht gekört / Preis [Verleih auf Anfrage]

    Fohlenschau: 0,00
    Materialprüfung: 0,00

    Körung
    Exterieur: 0,00
    Gesamt: 0,00

    Gangpferd: 0,00


    –––––––––––––– a v k o m m e r

    Ini hat 0 Nachkommen.
    • 20xx Name (von: Name)


    –––––––––––––– h ä l s a

    Gesamteindruck: gesund, im Trainingsaufbau
    Krankheiten: keine
    Beschlag: Falzeisen [Aluminium], Hinten


    –––––––––––––– s o n s t i g e s

    Eigentümer: Unbekannt [100%]
    Pfleger: x
    Trainer: x
    Fahrer: x
    Züchter: Lindö Dalen Stuteri, Vadstenalund [SWE], Tyrell Earle
    VKR / Ersteller: Mohikanerin

    Punkte: 3

    Abstammung [2] – Trainingsberichte [1] – Schleifen [0] – RS-Schleifen [0] – TA [0] – HS [0] – Zubehör [0]

    Spind – ZuchtbuchHintergrund

    Fire to the Rain LDS existiert seit dem 11. August 2022.