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Stelli

Feuervogel | DRP, ♂ | ♛

gekörter Hengst (Deckhengst)

Feuervogel | DRP, ♂ | ♛
Stelli, 10 Dez. 2020
    • Stelli
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      Alte Berichte (c) Eddi
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      Die Basse-Normandie
      01. Juli 2013

      Ich schluckte meine plötzlich aufkommende Traurigkeit und Angst herunter, als ich mit dem Jeep auf das Gestüt Hayes End fuhr. Ab heute würde dieses schöne Gelände nicht mehr mein eigen sein. Alles war schon längst ausgeräumt, das einzige was noch da war, waren die Pferde. Um es kurz zu machen: wir zogen um, nämlich nach Frankreich, in die Basse-Normandie. Dort würde meine Pferde und mich ein neues Leben auf einem neuen Gut mit einem neuen Team erwarten. Schon heute würde ein Großteil dieser neuen 'Familie' mit anwesend sein und mir helfen. Unserer Weg würde uns in das kleine Städtchen Arromanches-les-Bains führen, welches an der nördlich-französischen Küste lag. Die Fahrt würde lang werden und wir hatten bereits eine Übernachtung eingeplant und auch die Stops waren fest auf der Karte verankert. Meine kompletten Sachen und auch die des Stalles hatten schon längst ihren Weg nach Frankreich gefunden und warteten dort nun auf die Besitzer. Wir würden ein altes Gut beziehen, welches bereits 1643 erbaut worden war und dessen Geschichte sich sehr auf die Falkenjagd und die Zucht für dort gebrauchte Pferde bezog. Nun würden wir uns dort niederlassen, um uns ein neues Leben aufzubauen. Ich musste aus dem jetzigen Alltag heraus und wollte mich ab sofort vollkommen auf die Pferde konzentrieren. Es gab insgesamt acht Fahrer, welche sich heute auf den Weg machten. Für meine Vollblüter hatte ich Theodor Adorno, unser künftiger Rennpferdetrainer, gebeten, diese mit zu umsorgen, während Susan, eine unserer Jockeys, fuhr. Mit diesen begannen wir auch nun mit dem verladen. Ich hatte Quall angerufen und die Tierärztin gebeten, allen eine Beruhigungsspritze zu geben und auch von Jackie hatte ich mir beruhigende Kräuter geben lassen, welche wir unter das Futter in den Pausen mischen würden. Die Hänger waren riesige Luxuswagen, in welche jeweils sechs Pferde an der Zahl ihren Platz fanden. Ideal für die Vollblüter. Zu erst führten wir die beiden Fohlen Cassiopeia und Deadly Ambition hinein. Beide waren seelenruhig und begannen direkt an ihrem Heu zu knuspern. Dann kamen Golden Ebano, Empire State of the Mind und Muskat mit hinein. Außer Muskat muckte keiner von den Hengsten herum. Jedoch wollten wir unsere Stute Khiara El Assuad in einem speziellen Hänger fahren, da sie bereits trächtig war. So hatten wir einen kleineren Hänger mit nur drei Boxen geliehen, in welchen nun unsere drei trächtigen Stuten Khiara El Assuad, Napayné und Nesquik einstiegen. Alle drei hatten eine Beruhigungsspritze hinter sich und wurden von Tom, einem unserer Pfleger, gefahren. Mit hinzu setzte ich Carter, unseren Stallmeister, welche sich mit jeglichen Problemen, welche auftreten könnten, auskannte. Dieses Gespann fuhr bereits los. In den Vollbluthänger stellten wir noch den jungen Altyn mit hinein und schon konnte auch dieser sich auf den Weg machen. Als nächstes würden die restlichen Fohlen ihren Weg in einen Hänger finden. Dieser würde in der Obhut unserer Pflegerin Talulah sein. Gemeinsam bereiteten wir die sechs Jungpferde auf die Reise vor. Dann musste Fairy Bluebird als Erste hinein, kurz darauf folgten Joyce und Tiny Girl ohne Probleme. Die kleine Mississle begann jedoch, uns zu terrorisieren und bockte auf der Rampe herum, so dass wir vor sie noch Limited und Quintesse hineinführten, bis auch sie mit hineinging. Nun konnte der dritte Hänger das Gestüt verlassen und sich auf die Reise machen. Die nächsten Kandidaten waren unsere Zwerge, die kleinen Welsh Ponys. Zuerst verluden wir Weihnachtswichtel und Little Big Girl. Als Puffer zwischen Stuten und Hengsten schoben wir die kleine Little Chocolate Chip ein, ehe dann Heartbreaker, Admiral und Juego folgten. Alle gingen ohne Probleme auf den Hänger, so das dieser wenigstens direkt lostuckern konnte. Nun kamen mehr oder weniger unsere Sorgenkinder, die Sportpferde. Pajero machte direkt zu Anfang Probleme und weigerte sich in den riesigen Hänger zu gehen. Erst mit Hilfe seines Kumpels Alazar bewegte er sich in das dunkle Loch. Zu unserem Erstaunen ging Candle in the Wind ohne zu Zögern in den Hänger, dabei hatte er so schlechte Erfahrungen gemacht gehabt. Auch Ejadon und Dr. Insektor folgten mir brav in den Hänger. So konnte auch dieses Paket losfahren. Für die beiden Tekken-Stuten Sonja und Mokka hatten wir einen normalen Hänger geholt, so dass die beiden Geschwister zusammen fahren konnten. Als die größten Probleme vom Hof waren, kamen wir zu den zweitgrößten, die blütigen Ponys. Zarin und Romance bekamen direkt einen Hänger für sich, dieses Tamtam würde ich mir nicht antun, die beiden würden nur Stunk verbreiten wollen. In den großen Hänger kamen stattdessen BonnyBoy, Vertigo, Allelujah und Lucane. Wenigstens war es hier so aufgeteilt, dass sich immer zwei recht nahe standen, so dass auch hier Frieden herrschte. Die Stuten Smooth'n Angel und Morning Sun kamen in ihren eigenen Hänger zusammen mit Kürbis und Freeway, welche ich kürzlich zu mir zurückgeholt hatte. Nun waren auch diese Tiere weg. Der auffahrende Hänger war für Aristo, Thorondor, Varulv und Guaranà bestimmt und ich liebte diese vier Hengste so sehr dafür, dass sie das Vertrauen in mich zeigten und mir ohne zu Mucken einfach folgten. Die letzten auf der Liste waren noch unsere Westernpferde. Für dessen Transport hatte sich unsere Westerntrainerin Elizabeth bereit erklärt. Zuerst verluden wir Apache's Tomahawk und Rubina Ravenclaw, kurz darauf folgten Joyna und Campéon und als letzter stieg Hidalgo in den Hänger. Nun waren alle Pferde verstaut und wir fuhren alle los. Wir waren schon zwei Stunden unterwegs, als wir den ersten Stop einlegten und alle Pferde kontrollierten. In jedem Hänger herrschte Ruhe, so dass wir die nächsten vier Stunden durchfuhren, ehe wir wieder eine Pause einlegten. Am Abend waren wir kurz hinter der französischen Grenze und schlugen auf einem kleineren Gestüt unser Lager auf. Für die Pferde hatte man provisorische Paddocks gebaut, auf welche wir sie nun einteilten und dann selbst total k.o. ins Bett huschten.

      Am nächsten Morgen waren wir alle früh um sechs bereit zur Abfahrt. Noch diesen Tag und Abends würden wir dann auf dem Gestüt La Fauconnerie stehen. Die Fahrt zog sich elend lang und ich dachte schon, wir würden niemals ankommen, doch als es bereits dämmerte, näherten wir und Bayeux, der nächstgrößeren Stadt und eine Dreiviertelstunde später waren wir in Arromanches-les-Bains angekommen. Einige meiner Mitarbeiter hatte ich bereits in Frankreich gelassen, damit diese alles für die Ankunft hatten vorbereiten können. Zudem lebten schon einige Pferde auf dem Gestüt. Nun luden wir nacheinander aus und brachten die Tiere in ihre Ställe. Diese waren zwischen Stuten und Hengsten aufgeteilt, wobei unsere englischen Vollblüter einen speziellen Stall bezogen, welcher direkt neben der Ovalbahn lag. Dieser Stall war Adornos voller Stolz, außerdem hatte er bestanden, Quartier auf dem Dachboden des Stalles zu beziehen, um immer bei den Pferden zu sein. Wir arbeiteten noch spät bis in die Nacht. Dann schickte ich mein Team schon in unser großes gemeinsames Haus, während ich noch einmal einen Rundgang machte. Ich begann im Rennstall, wo Theodor schon auf mich wartete. „Khiara hat die Fahrt gut überstanden, es gibt keine Probleme.“ ich musterte lächelnd die Rennikone, wie sie friedlich mit ihrem runden Bauch im Stroh lag und an ihrem Heu knabberte. „Ebano und Muskat haben sich tierisch aufgeregt, aber inzwischen haben sie sich mit ihrer Lage abgefunden. Empire war von Anfang an lieb und auch Cassy und Deadly haben keine Probleme gemacht.“ Ich nickte Theodor zu und sagte ihm, dass es gleich Essen geben würde, ehe ich hinüber in den Stutenstall lief. Die bereits in Frankreich angekommenen Stuten waren die Criollostute Curly Sue, welche ich von Sweetvelvetrose übernommen und direkt mitgenommen hatte, dann aber auch Nightfly, eine Reitponystute, welche ich aus schlechten Verhältnissen übernommen hatte, drittere war Oricono Flow, eine wunderbare Hannoveranerstute und die vierte im Bund war mein ganzer Stolz: die Brumby-Stute Lonely. Ich hatte mich riesig gefreut, als ich sie endlich hatte holen können. Diese vier standen schon seit einer Woche in Frankreich und genossen die ausführliche Pflege meines Teams. Neu war aber auch das Fohlen Feuervogel, welchen ich einfach nur wunderbar fand. Auch die dazugekommen Stuten schienen sich wohl zu fühlen. Bei Nessi und Nay schien alles okay zu sein, so dass ich in den Hengststall rüber huschte. Dort schaute ich auch nach den Neuankömmlingen. Diggin in the Dirth und Absinth waren zwei vielversprechende Reitponyhengste und besonders froh war ich über den Welshhengst Auftakt, welchen ich nun in meinen Reihen begrüßen durfte. Aber auch Serafino, ein Trakehner, war neu und mein ganzer Stolz. Ebenso wie Call me a Twist, den ich ebenso wie Sue von Sweetvelvetrose übernommen hatte. Allen schien es gut zu gehen, sodass ich beruhigt ins Haus ging und mitaß.


      Fortschritte
      25. September 2013

      Heute nahm ich mir die Mappen unserer Jungpferde vor, denn dort musste auch dringend mal wieder aufgeräumt werden. Aber der Schreibkram machte sich leider leider nicht von alleine.
      Erstere war die vollgestopfte Mappe von Hollybrook's Fairy Bluebird, denn kürzlich hatte die kleine Lady eine Fohlenschau gewonnen und nun flatterten unendlich viele neue Blätter im Ordner herum. Ich sortierte alles in Ruhe und machte mir einen Zettel, wann ihr letzter Tierarztbesuch war, um bald einen neuen ausmachen zu können. Die kleine Rappin machte sich richtig toll und ich hoffte auf weitere positive Ergebnisse.
      Die nächste war Joyce, deren Mappe noch spärlich und leer wirkte, da wir mit ihr noch nicht viel unternommen hatten. Ich stöberte mich durch die einzelnen Zettel und schrieb Joyce ihr derzeitiges Stockmaß in einem Diagramm ein, denn die kleine Dame war tatsächlich schon wieder 10cm gewachsen! Mehr war aber leider noch nicht passiert, da es bisher keine passende Fohlenschau gegeben hatte.
      Auch bei unserer bunten Mississle sah es nicht anders aus, denn auch sie hatte bisher noch keine großartigen Erfolge zu verzeichnen. Ich blätterte durch die recht kahlen Seiten, fügte hier und dort eine Notize hinzu, ehe sich auch das geklärt hatte.
      Bei Tiny Girl war mehr los, denn ich musste dringend noch die Besitzerurkunde ordentlich einheften, denn wenn diese weg wäre, hätten wir einen großes Problem. Nachdem das gemacht war, las ich mir nochmals Tiny Girls Lebenslauf durch, ehe ich die Mappe zur Seite legte.
      Nun hielt ich Altyn's Mappe in der Hand und seufzte leise, bald würde ich mich von dem hübschen Hengst verabschieden müssen. Dabei war von Anfang an klar gewesen, dass Altyn nicht bleiben würde. Heute Abend zur Teambesprechung wollte ich mir noch genaueres über seinen momentanen Ausbildungsstand anhören.
      Die kleine Limited machte sich aber auch toll. Sie erinnerte mich so sehr an ihren Vater, so dass ich schon nach kurzer Zeit wieder in Erinnerungen schwelgte und die Arbeit ganz vergaß. Auch bei ihr musste ich noch den Kaufvertrag raussuchen. Muemmi war damals recht kurzfristig umgezogen, weshalb alles in der Eile untergegangen war.
      Das Gleiche galt für Quintesse, welche ich kurz vor dem Tod gerettet hatte, auch hier waren noch nicht alle Papiere geklärt. Dafür konnte sich aber ein Fortschritt bei der Kleinen verzeichnen lassen, denn so langsam nahm sie wieder zu und wurde wieder ein ordentlich Fohlen.
      Feuervogel war bisher weder positiv noch negativ aufgefallen. Bisher fristete er sein ruhiges Leben auf der Fohlenweide, war sehr verträglich mit den anderen. Aber auch bei ihm dachte ich ernsthaft an einem Verkauf. Unser Bestand wurde einfach zu groß.
      Letztere Mappe war die von Prazzy's Goldbell. Sie war so gut wie leer, denn nachdem Janina den Kleinen gerettet hatte, waren so gut wie alle Papiere verschwunden, so musste ich nun alles nachforschen und langsam wieder auffüllen. Das wird allerdings noch ein Weilchen dauern.
      Nachdem ich mit den Mappen fertig war, stattete ich unseren jungen Tieren noch einen Besuch ab. Sie standen alle gemeinsam auf ihrer großen Weide. Entweder sie tobten, oder sie genossen einfach das schöne Wetter während sie grasten.

      Neue Gesichter
      25. Oktober 2013

      Ich saß gerade über den Rechnungen für die letzten Turniere, als das Telefon klingelte. „Hey Eddie, erinnerst du dich noch an Painted Blur?“ erzählte mir Dali, welche am anderen Ende war. „Hm, der schicke Dunkle von Place Royal?“ fragte ich neugierig, denn natürlich kannte ich das wunderschöne Zuchtfohlen noch. „Wow, du kennst ihn echt noch!“ lachte Dali. „Kannst du ihn zu dir nehmen? Ich mag ein wenig kürzer treten und komme mit den ganzen Pferden nicht mehr hinterher.“ seufzte sie traurig. „Ach man, natürlich kann ich! Er gibt sicherlich ne gute Begleitung für Prazzy ab, die beiden sind gleich alt.“ grinste ich. „Kannst du heute?“ fragte Dali neugierig. Ich runzelte die Stirn und starrte auf den Terminplaner. „Jaaa... Aber erst gegen Abend, heute wird noch Altyn abgeholt, da muss ich da sein.“ lächelte ich und Dali stimmte zu. Ich legte auf und verschwand dann direkt in den Stall. „Carter?“ rief ich und lief die Stallgasse hinunter. Meinen Stallmeister fand ich dann in der Sattelkammer. „Wo sind denn die Mädels?“ fragte ich neugierig und er zeigte in Richtung Fohlenabteil. Ich grinste und machte mich auf den Weg. „Hey ihr!“ begrüßte ich Talulah und Meg, welche gerade misteten. Ich half ihnen flott und so waren die zwölf Boxen schnell ausgemistet. Ich schaute auf die Uhr, es war inzwischen um zehn. „Talulah? Kümmerst du dich um Feuervogel und Mississle? Ehe die beiden doch mal einen Verkäufer finden, können wir noch unser Bestes tun, um sie ordentlich vorzubereiten. Ein wenig Hängertraining wäre gut.“ lächelte ich und warf ihr die beiden Halfter zu. „Meg? Magst du dich um Quinnie und Tiny Girl kümmern? Beide putzen, mit Tiny kannst du ein paar Kunststückchen machen und Quinnie kann mal wieder an die Longe.“ sagte ich an und reichte auch ihr die Halfter. Nachdem das geklärt war, machte ich mich auf den Weg, um nach Fairy Bluebird zu schauen. Ich schnappte mir ihr Halfter und holte unser Vögelchen von der Weide. Wir hatten den letzten Monat erfolgreich eine Fohlenschau gewonnen und die zweite sollte hoffentlich bald folgen. Deshalb war das Training für die kleine Stute verdammt wichtig. Ich putzte sie in aller Ruhe, ehe wir in die Halle gingen. Dort waren zwar schon zwei Pferde unterwegs, aber Vögelchen und ich nahmen nur einen verkleinerten Zirkel ein. Ich wollte die gestiefelte Dame longieren, was auch von Erfolg gekrönt war. Sie arbeitete gerne vom Boden aus mit und machte alles traumhaft, was man von ihr verlangte. Abgesehen davon natürlich, wie lange es gedauert hatte, sie dazu zu motivieren, auf dem Zirkel zu bleiben. Heute waren allerdings die großen Pferde interessanter, so dass ich Mühe hatte, ihre Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Nach einer halben Stunde durfte sie wieder auf die Weide zurück. Ich besuchte die Nachbarwiese und holte mir von dort Joyce. Die Scheckin war inzwischen schon zwei Jahre und machte sich prächtig. Heute hatte sie allerdings frei, so dass ich sie nur gründlich putzte und einmal über den Hof führte, um zu schauen, ob alles okay war. Außer ein paar Schrammen vom Spielen ging es ihr auch hervorragend. Ganz anders sah hingegen Limited aus, welche sich anscheinend schon wieder heftig mit den Jungs gekloppt hatte. An der Flanke hatte sie leichte Schrammen und eine blutige kahle Stelle. Ich säuberte ihr Aua mit einem feuchten Lappen, ehe ich es mit Blauspray versiegelte. Auch wenn Limited damit ganz und gar nicht begeistert war, musste das nun einmal sein. Danach putzte ich sie noch gründlich, auch wenn sie dabei nicht mehr still hielt. Lahmen tat sie aber Gott sei Dank nicht, so dass ich sie nur mit Vögelchen und Mississle auf eine andere Weide stellte. Letzterer war Prazzy's Goldbell, welcher mir schon freudig entgegen getrabt kam. Ich liebte den kleinen Hengst einfach, welcher von meinem Pajero stammte. Er bekam ein Leckerli, ehe ich ihn flott putzte und dann mit ihm in die Halle ging. Viel konnte der Jährling noch nicht, aber ich wusste, wie entscheidend die Ausbildung vom Boden für das Reiten war und wenn er so talentiert wie sein Vater werden sollte, dann mussten wir unbedingt mehr tun. Also begann ich mit ihm erst einige Übungen zu machen, ehe wir uns auch am Longieren versuchten. Er war aber genauso stur und eigenwillig wie sein Vater, so dass wir echt zu tun hatten, vorwärts zu kommen. Als ich auf die Uhr schaute, war es aber schon 14 Uhr. Also brachte ich Prazzy schnell zurück und holte mir stattdessen Altyn. Der junge Tekke sollte heute abgeholt werden, weshalb ich ihn noch einmal gründlich putzen und versorgen wollte. Morgen würde er seinen großen Trip nach Australien antreten, deshalb war es mir wichtig, dass er bei bester Gesundheit war. Punkt um drei kam auch Zasa auf meinen Hof. Ich begrüßte sie fröhlich und zeigte ihr Altyn, gemeinsam verluden wir ihn. Dann wurden die Papiere ausgetauscht, ehe die beiden sich schon auf den Weg machten. Ich schaute ihr ein wenig traurig hinterher, aber ich war froh, dass Altyn so einen schönen neuen Platz gefunden hatte. In der Zwischenzeit war es bereit 17 Uhr, so dass ich kurz bei Dali anrief und Bescheid gab, dass ich jetzt losfuhr. Ich nahm die junge Meg mit, welche ganz begeistert von Dalis Sportpferden war und ich sich sofort in Painted Blur verguckte. „Na da habe ich ja schon jemanden, welchen ich ihn anvertrauen kann.“ lachte ich fröhlich und übergab das Fohlen an sie. Dann machte ich mit Dali alles aus und nahm die Pferdepapiere entgegen. „Ich hoffe wir sehen uns mal wieder!“ seufzte ich und umarmte Dali zum Abschied. Als wir wieder auf unserem Gestüt ankamen war es bereits dunkel. Tom und die anderen brachten die letzten Pferde rein, und ich zeigte Painted Blur seine neue Box. Er schien recht zufrieden und das Fohlenmüsli schien zu schmecken. Gemeinsam mit Meg fütterte ich den Fohlenstall, ehe wir uns ums Abendessen kümmerten.


      Medy zu Besuch
      22. Dezember 2013

      „Hallo, ja heute habe ich nichts vor. Bin gleich unterwegs!“, spreche ich in mein Handy und beende das Telefongespräch. Heute springe ich wieder als Aushilfe beim Gestüt „La Faconnerie“ ein und darf mich um die putzigen Fohlen kümmern, genau gesagt um 8 putzige, clevere, süsse und freche Fohlen.
      Auf dem Gestüt angekommen, führt mich Talulah zu den Fohlen und stellt sich selber vor. Als ich die Fohlen sehe, kann ich nicht anders; „ Och sooo süüss! Die sind ja mal putzig!“ Talulah lächelt über meine Ausrufe, ich hab mich sofort in alle Fohlen verliebt. Vor allem Joyce und Hollybrooks Tiny Girl haben es mir angetan. Ich lehne mich über den Zaun und strecke vorsichtig die Hand in Richtung der beiden Fohlen, die sich getraut haben einige Schrittchen näher zu kommen. Zaghaft kommt Tiny näher und schnuppert an meiner Hand. Als sie den Kopf leicht abwendet, wage ich es, ihr edles Köpfchen zu streicheln. Mann, ist sie Süss! Tiny jedoch wurde es schnell langweilig und trottet wieder davon. Ermutigt kommen nun auch Feuervogel, Painted Blur und Prazzys Goldbell näher. „Anscheinend mögen dich die Fohlen“, meint Talulah und ich hob überascht den Kopf. Ich hatte ganz vergessen dass sie auch noch hier ist. „ Oh, ähm ja normalerweise mögen mich die meisten Pferde“, murmle ich verlegen. „ Oh, haben wir überhaupt genügend Zeit oder müssen wir uns beeilen?“, fragte ich sie. „ Nein nein, wir haben den ganzen Nachmittag über Zeit, also genügend Zeit um mit den Fohlen zu knuddeln“, grinst sie. Ich lächle erleichtert und wende mich wieder den Fohlen zu. Hollybrooks Fairy Bluebird undQuintesse of Xaras balgen sich zum Spass und Raunchys Limited schaut ihnen neugierig zu. Plötzlich spüre ich etwas Schleimiges an meiner Hand, Joyce probiert gerade meine Hand aufzuessen. „ Lass das Süsse“, schimpfe ich in einem freundlichen Ton mit ihr und kraule sie zwischen den Ohren. In der Zwischenzeit hat Talulah die Halfter geholt und reicht mir Painted Blur’s und Raunchys Limited’s Halfter. „ Am besten striegeln wir alle mal gründlich durch, zuerst nehmen wir Blur, Limited, Prazzy und Tiny raus“, sagt Talulah zu mir und macht das Gatter auf. Ich gehe zuerst zu Blur und streife dem Fohlen das kleine Halfter über. Schön brav hält Blur sein Köpfchen hin, jedoch weicht Limited aus und trabt weg. „ Ne nicht schon wieder“, grinst Talulah „Naja, jetzt kannst du ihn einfangen, gib mirBlur, ich binde die Fohlen schon mal an“ Als sie mein verzweifelter Gesichtsausdruck sieht, meint sie noch: „ Noch viel Spass, so schlimm ist es doch auch wieder nicht!“ Lachend strecke ich ihr die Zunge aus, woraufhin sie mir das Loser-Zeichen zeigt und entfernt sich mit den drei Fohlen.
      „Na komm schön, Hübsche! Willst du nicht ein braves Mädchen sein?“, versuche ich ohne Erfolg Limited anzulocken. „Naja heute hast du wohl Lust zu spielen, nicht wahr?“ Diese schnaubt vor Vergnügen und trabt hin und her, zum Glück grasen die anderen Fohlen weiter, nur Bluebird schaut auf, wendet sich dann aber auch ab. Das wird ja noch lustig werden…
      Nach einer gefühlten Stunde, und nach wahren 15 min, hat sich Limited schliesslich entschlossen zu mir zu kommen. „Na du, bist ja eine kleine Räubertochter“, vergebe ich ihr und kraule sie. Ihr kann man wohl auch nicht lange böse sein. Wir gehen zu Talulah und sie meint voller Ironie: „Wow, neuer Rekord! Du warst ja so schnell!“ Ich schlage sie leicht zum Spass und binde Limited an. „ Also, ich bringe Blur, Prazzy und Tiny wieder auf die Koppel und hole Feuervogel, Quintesse of Xaras und Joyce raus. In der Zwischenzeit kannst du ja Limited putzen“, sagt sie zu mir und ich nicke. Danach wende ich mich wieder Limited zu und bearbeite ihr dreckiges Fell mit der Bürste. Nachdem der gröbste Schmutz weg ist, sieht man ihr schönes Fell und erkennt, dass sie ein Dunkelfuchs ist. Sie steht entspannt da und döst vor sich hin. Ich verlese ihren Schweif und kämme ihr die kurze Mähne durch. „So jetzt bist du eine ganz Hübsche“, murmle ich und begutachte Limited. „ Oh oh, kannst du kurz kommen? Prazzy ist abgehauen!“, saust Talulah an mir vorbei und nachdem ich sicher bin das ich Limited hier stehen lassen kann, renne ich ihr nach. Was ist denn jetzt schon wieder los? Ich sehe Talulah in die Futterkammer eilen. Schnell folge ich ihr und fange laut an zu lachen, ich kann nicht anders; Prazzy und Blur stehen gelassen dort, futtern Leckerli und schauen unschuldig auf, als wir sie stören. Talulah allerdings ist es nicht zum Lachen, ich versuche aufhören zu lachen und packe Prazzy am Halfter währenddessen Talulah sich um Blur kümmert. Wir kommandieren die beiden wieder nach Draussen und nun grinst Talulah auch. „ Eure Fohlen sind ja Schlitzohren“, lächle ich. „ Naja, normalerweise sind sie wirklich ganz brav, aber… Ich denke es liegt an dir“, grinst sie mich an. Schnell bringen wir Prazzy, Blur und Limited, die ich vorher noch geholt habe, auf die Koppel. „Wo hast du die Halfter der anderen Fohlen hingetan?“, frage ich Talulah und sie deutet nach links, dort liegen drei kleine Halfter. Sie reicht mir Xara‘s und Joyce’s Halfter und wir holen die Fohlen von der Koppel. Joyce schnaubt zufrieden als ich sie anbinde und auch Xara’s schaut entspannt aus. „Verwöhnt ihr eure Fohlen viel, oder warum wissen sie genau was jetzt kommt?“, frage ich Talulah und sie nickt: „Naja, da kann man doch nicht anders mit denen Süssen! Die muss man einfach verhätscheln.“ Lachend stimme ich ihr zu und fange an Joyce zu putzen. Diese geniesst es und schüttelt ihre Mähne. Nachdem ich sie fertig gepflegt habe, gehe ich zuXaras. „Mit ihr kannst du noch das Huf geben üben, das kann sie noch nicht sehr gut“, sagt Talulah zu mir nachdem ich auch Xaras geputzt habe. Ich gehe auf die linke Seite und streiche ihr am Bein herunter „ Gib Huf“, befehle ich, jedoch macht Xaras keine Anstalten, ihr Huf zu heben. Vorsichtig drücke ich mit meinem Körper gegen sie, damit sie das Gewicht auf ihre andere Seite verlegen muss und hebe ihr Huf leicht an. Xaras hebt es von sich aus noch ein Stück weiter hoch und ich lobe sie. „ Bist ein braves Mädchen“, ich gebe ihr dazu noch ein Pferdekeks. Nach einigen weiteren Versuchen, gibt Xaras ganz brav den Vorderhuf. Das Gleiche übe ich dann auch noch mit den Hinterhufen und schon bald gibt sie jeden Huf. „Die Dame lernt ja aber schnell!“, sage ich verblüfft zu Talulah. „ Sie ist recht gescheit“, antwortet sie mir.
      Nachdem wir alle Fohlen versorgt haben, verabschiede ich mich von Talulah, es war wiedermal toll gewesen hier auf dem Gestüt. „Also, machs gut!“, rufe ich ihr zu und lächle sie an und sie lächelt zurück.
      (c) medy

      Frühjahrsputz
      22. April 2014
      Punkt sechs klingelte mich mein Wecker aus dem Schlaf. Gähnend erhob ich mich aus dem Bett und schlafwandelte erst einmal ins Bad, um mir eine Ladung Wasser ins Gesicht zu schütten, damit ich erst einmal wach wurde. Heute war früher aufstehen angesagt, denn wir hatten Großes vor. Inzwischen war es April und das Wetter war nun immer zu 80% wirklich richtig schön, deshalb hatte ich entschieden, dass es so weit war: der Frühjahrsputz stand an. Nachdem ich mich in meine Stallklamotten geworfen hatte, lief ich hinunter in die Küche. Wiedermal war ich nicht die erste, stattdessen war Mia schon auf den Beinen und huschte wie ein aufgeschrecktes Eichhörnchen umher. Der Frühstückstisch war schon gedeckt, so dass ich mich einfach auf meinem Stammplatz niederließ. Auch die darauffolgenden Mitglieder des Gestüts schauten Mia verständnislos an und setzten sich verschlafen an den Tisch. Unsere Dressurreiterin war definitiv die einzige, die schon putzmunter war. Wir frühstückten gemeinsam und planten den heutigen Tag, wobei Mia immer ganz vorne mit dabei war. Sie nahm sich so viel vor, dass es sogar für sie knapp werden würde, dass alles zu schaffen. Als wir fertig waren und der Tisch abgedeckt, ging es in Richtung Stall. Wie jedes Jahr begann für die Pferde zu Ostern die Sommersaison und das hieß 24 Stunden Weide! Die Alteingesessenen hatten es schon im Gespür und waren ganz aufgeregt, als wir als große Mannschaft den Stall betraten. Die Herden hatte ich schon in den letzten Wochen eingeteilt und oft genug wechseln müssen, da die Pferde sehr wählerisch waren. Bei uns war es so, dass man eigentlich alle Hengste zusammenstecken konnte, denn die verstanden sich alle. Bei den Stuten sah das anders aus, denn da war Zickenterror an der Tagesordnung, deshalb hatte ich bei den Plänen besonders lang gebraucht. Am unkompliziertesten waren die Jährlinge und Jungpferde gewesen, wo schnell klar war, wer mit wem konnte und so wurden heute die großen Weiden eingeteilt und dann ging es auch schon an die Arbeit. Der Einfachheit halber brachten wir zuerst die Jüngsten raus, da deren Weiden am nächsten lagen. Außerdem wollten wir den Stuten mit Fohlen den Stress ersparen, also halfterte ich Napayné und Nandalee auf, während Meg sich Nesquik und Applaus holte. Gemeinsam brachten wir die beiden auf die große Weide direkt hinter dem Stall. Da auch Khiaras Fohlen Kaythara mit gleichaltrigen Artgenossen großwerden sollte, hatten wir die Vollblutstute und ihre Tochter in den letzten Wochen immer öfter probeweise zu den Welshs gestellt. Zu meiner Freude verstanden sich die Stuten und Fohlen einwandfrei, weshalb Khiara mit auf diese Weide durfte. Danach waren unsere Jungpferde an der Reihe, welche eine Weide bekamen, die zur Hälfte im Wald verschwand, denn ich war mir sicher, die Jungspunde würden zwischen den Bäumen ihren Spaß haben. Es war eine große Stutengruppe, bestehend aus Hollybrooks stolzer Nachkommin Fairy Bluebird, ihrer besten Freundin Joyce, der kleinen Tiny Girl und dann noch den beiden aufgeweckten Stuten Raunchy’s Limited und Fire of Quintesse. Die fünf waren schon halbe Ewigkeiten zusammen und verstanden sich ausnahmslos prima. Gemeinsam tollten sie ausgelassen über die Weide und ich freute mich sehr, sie so zu sehen. Die beiden Junghengste Prazzy’s Goldbell und Painted Blur standen immer noch in der Junghengstherde von Zaii und ich schaute wöchentlich bei meinen Lieblingen vorbei, ihnen ging es wunderbar! Somit waren Feuervogel und Altyn die einzigen Junghengste auf dem Gestüt und bekamen ihre eigene Weide. Nachdem die jungen Pferde fröhlich über die weiten Wiesen tollten, sollten nun auch die großen an die Reihe kommen. Ab sofort waren wir aufgeteilt und jeder kam stets mit zwei Pferden an der Hand aus dem Stall. „Lasst ihr bitte Pajero, Call me a Twist und Schneeleopard noch im Stall?“ meinte ich lächelnd, als ich soeben einige Pferde aufgehalftert hatte. Das rausbringen zog sich und dann war es plötzlich geschafft. Ich rief Mia und Meg zu mir und wir machten die drei verbliebenen Hengste fertig. Sie wurden kurz geputzt und bekamen dann allesamt nur eine Trense über. Danach schwangen wir uns auf die blanken Rücken, ich saß auf meinem geliebten Pajero, Mia nahm Twist und Meg ritt Leo. Ich wollte mit den beiden nun noch einmal alle Weiden abreiten und die Zäune, Versorgungsstände und Herden kontrollieren. Die ersten Weiden waren schnell gemacht und dann kamen wir an die riesigen Stutenweiden. Die Wiese von den Vollblütern war noch relativ klein im Vergleich zum Rest, dafür standen hier aber auch nur die beiden Tekken Mokka und Sonja, sowie die drei Rennpferde Cassiopeia, Destiny und Deadly Ambition. Zufrieden ritten wir weiter und kamen an die wohl kritischste Stutenweide. Um Weihnachtswichtel und Little Chocolate Chip machte ich mir keine Sorgen und auch Nightfly und Foxglove waren problemlos. Aber die drei Welshsstuten Animby, Alice und Herbsttraum legten es gerne auf Probleme an. Deswegen stand auch die Tinkerstute Freeway mit hier, denn wenn ihr die Zickereien zu weit gingen, zögerte sie nicht, sondern griff ein. Doch im Moment war alles friedlich, genauso wie auf der Nachbarsweide von den Westernstuten. Joyna und Chou grasten friedlich im Schatten, während Caribic Sue und Rubina Ravenclaw herumtobten. Apache’s Tomahawk kam sofort angetrabt als sie uns sah, denn sie schien es eindeutig auf Twist abgesehen zu haben, so dass wir flott weiterritten. Die Hengste hatte ich in drei riesige Herden aufteilen müssen. In der ersten waren unsere Welshzuchthengste Auftakt, BonnyBoy, Fürst der Finsternis und Single Malt vereint. Dabei standen auch Lucane, Vertigo, Pinocchio und Carachillo. Allesamt eine ruhige Truppe, weshalb wir Serafino, Ejadon und Dr. Insektor noch dazugesteckt hatten. Bei der nächsten Weide wurden wir freudig von Heartbreaker begrüßt, der seinen Freund Pajero schon sehnsüchtig vermisst hatte. Ich schwang mich von dessen Rücken, nahm ihm den Zaum ab und ließ auch ihn auf die Weide. Das war die Weide der Jungspunde und frechen Kerle, die sich aber allesamt wunderbar verstanden. Zum einen unsere Unzertrennlichen Zarin und Romance, dann Absinth und Dirth, wozu auch Allelujah. Yerai, Muskat und Mennesse brachten noch ein wenig Blut mit rein, so dass ich Breaker, Pajero und Alazar als Aufpasser mit dazugestellt hatte, nicht dass es die jungen Kerle doch einmal übertrieben. Bei der letzten Weide mussten dann auch Meg und Mia absteigen, denn Leo und Twist durften mit zur Thorondor, Aristo, Guarana, Pawaneeh, Magic Golden Dust, Hidalgo und Campeon auf die Weide und dann hatten wir es auch schon geschafft. Als endlich alle Pferde draußen waren, ging es an den Frühjahrsputz. Wie jeden Tag wurden die Boxen gemistet, aber diesmal nicht mehr eingestreut. Zudem wurden die ganzen Spinnenweben entfernt, die Fenster wurden geputzt und die Stallgasse gründlich gekehrt. Alles erstrahlte im neuen Glanz und die Sattelkammern wurden einmal komplett ausgeräumt, ehe wieder eingeräumt und aufgeräumt wurde. Die Sättel wurden öfters gefettet, doch das wurde heute auch direkt noch einmal gemacht. Ebenso wurden besonders dreckige Decken oder Bandagen gleich in den Wäschekorb geworfen. Zum Schluss war alles ordentlich eingeräumt und die Arbeit für heute geschafft und wie die Pferde, bekamen auch die Trainer heute frei. Die kommenden Wochen würden hart genug werden, denn dann hieß es Boxen und Ställe neu streichen, genauso wie die Zäune. Scharniere mussten neu geölt werden, das ein oder andere frisch lackiert werden oder gar ersetzt werden. Die Paddocks wurden abgebaut und der alte Sand entfernt, damit neuer Sand hingebracht werden konnte. Nach diesem kalten Winter sollte wieder alles auf Vordermann gebracht werden.


      Der Sommer ist da!
      29. Juli 2014
      Als ich heute Morgen aufstand, schien bereits die Sonne leicht durch meine Gardinen. Lächelnd schlug ich die Decke auf und sprang aus dem Bett. Mein Kater war auch direkt wach und folgte mir schnurrend mit ins Bad. Während ich duschte und mich fertig machte, putzte er sich gründlich. Eine halbe Stunde später waren wir fertig und liefen hinunter in die große Küche. Heute waren wir ausnahmsweise mal die ersten. Also gab es für meinen Kater sein Futter und ich schob die Brötchen in den Backofen. Danach machte ich die Kaffeemaschine fertig und machte den Wasserkocher für den Cappuccino an. Nun kochte ich noch die Eier und während alles so verlief wie es geplant war, deckte ich den Frühstückstisch. Pünktlich um acht kam mein gesamtes Team zusammen und wir frühstückten gemeinsam. Mia hatte die Post hineingeholt und verteilte die Briefe an die jeweiligen Empfänger. Ich hatte eine Postkarte meiner guten Freundin Lea erhalten, welche gerade ihren Urlaub an der Ostsee genoss. Lächelnd las ich ihre Worte, wenn sie nur wüsste was momentan hier los wäre. „Wir müssen heute die Jungpferde noch umweiden, sonst können die Bauarbeiten nicht beginnen.“ meinte Tom und ich nickte ihm zu. „Ja das machen wir heute.“ erklärte ich und hatte in Gedanken schon den heutigen Tagesablauf geplant. „Tamzin, Mia? Ihr fahrt heute aufs Turnier, richtig?“ hakte ich noch einmal nach, eigentlich wollte ich nur schauen, dass jeder wusste, was los war. „Ja, genau. Ich nehme Taktlos und Muskat mit.“ meinte Mia. „Talulah wollte wegen der Versorgung mitkommen, ansonsten habe ich eben Alazar und Vertigo dabei.“ fügte Tamzin hinzu. Ich nickte den beiden zu und gähnte leicht. Genüsslich biss ich in mein Brötchen und trank einen Schluck Cappuccino. „Wie geht es den Fohlen?“ fragte ich in die Runde und bekam direkt eine Antwort. „Nüsschen geht es wunderbar und Rosewell ist zwar noch schüchtern, aber ihr geht es bestens.“ erklärte Meg mir. Sie liebte Fohlen und war nur zu gerne bei den jungen Pferden unterwegs. Wir frühstückten zu Ende und dann machten wir uns auch schon an die Arbeit, denn die kommenden Wochen würde auf dem Gestüt viel los sein. Momentan bauten wir nämlich um, so dass es gar nicht so leicht war, für alle Pferde eine neue Weide zu finden, ohne den Bauarbeiten im Weg zu stehen. Aus diesem Grunde mussten die Jungpferde jetzt auch weichen. Also begannen wir unseren Tag mit Weide bauen. Es mussten insgesamt zwei Weiden her, damit wir Hengste und Stuten trennen konnten. Eine Stunde verbrachten wir damit und dann waren die großen Weiden am Rande des Waldes fertig. Nun hieß es die Jungpferde holen. Mit Halftern bewaffnet machten sich Tom, Meg und ich auf den Weg. Ich schnappte mir Prazzy's Goldbell, Feuervogel und Painted Blur, Tom fing sich Altyn und He's called Trüffel und Meg nahm schon die zwei Stuten Hollybrook's Fairy Bluebird und Joyce mit. Der Weg zu den neuen Weiden war weit und das nutzten die Hengste zu gern zum toben aus. Ich war froh, als wir dann endlich die erste Ladung drüben hatten. Nun liefen wir noch einmal um noch Hollybrook's Tiny Girl, Raunchy's Limited, Quintesse of Xaras, Rosewell und Shawneé zu holen. Danach waren wir sogar schon fertig. Während Meg und Tom die alten Weiden abbauten, lief ich zu unserem Stallgebäude. Momentan waren dort alle Mutterstuten mit Fohlen aufgestallt, allerdings wollte ich auch diesen Auslauf gönnen. Als erste halfterte ich Khiara El Assuad auf und brachte sie gemeinsam mit ihrem kleinen Stutfohlen Khaytara El Assuad auf die Weide vor dem Stall. Danach holte ich noch Napayné und Nesquik, unsere Welshstuten. Nandalee und Applaus waren voller Tatendrang und hüpften aufgeregt nebenher und freuten sich riesig auf Khaytara. Fröhlich jagten die kleinen Fohlen über die Weide, während die Stuten friedlich nebeneinander grasten. Nun holte ich noch Mokka mit ihrem frisch geborenen Fohlen Mon petit écrou aus dem Stall und ließ sie heute auf eine der kleineren Weide, denn noch wollte ich die beiden lieber alleine lassen, nur Mokkas beste Freundin Sonja durfte bisher mit zu ihr und dem Fohlen, weshalb ich die drei gerne zusammen stellte. Nachdem auch diese Pferde versorgt waren, nun konnte ich mich nicht länger drücken, denn die Bauarbeiter rückten an und direkt kam der Chef zu mir. Gemeinsam brüteten wir über den Plänen und diskutierten über die Aufteilungen. Ich wollte meinen Pferden ein anderes Leben gönnen und baute deshalb das gesamte Gestüt um. Es sollen zwei neue Paddocktrails und drei Aktivställe gebaut werden. Hinzu kommen sollten fünf Mini-Offenställe, in welchen immer nur 2-3 Pferde leben würden und zu guter Letzt noch einige Doppelboxen mit großen Paddocks für Gästepferde oder auch für unsere Pferde, wenn etwas großes anstand. Mein Team unterstützte mich dabei tatkräftig und schon bald würden die Umbauten fertig sein. Ich musste nur noch die neuen Herden einteilen und dann würden die Pferde auch schon bald auf ihre neuen Weiden ziehen dürfen. Aber heute waren wir davon noch weit entfernt. Lächelnd schlenderte ich über das Gestüt und verabschiedete Mia und Tamzin, sie würden erst heute Abend wieder zurückkommen. Ich entschied mich stattdessen, zu unseren Zwergen zu schauen. Also schnappte ich mir in der Futterkammer sechs Möhren und wanderte zu den Weiden, wo Werina, Mondscheinsonate, Weihnachtswichtel und Little Chocolate Chip standen. Als ich sie rief, kamen sie sofort angesaust und holten sich ihr Leckerchen ab. Danach schaute ich bei den Jungs Heartbreaker und Window vorbei und auch sie bekamen noch eine Möhre. „Guten Appetit, meine Lieben.“ meinte ich lächelnd und ging dann, denn im Stall stand die Teambesprächung an, wer nun was machen würde. Judi wollte heute mit Carachillo und danach mit Capriciasso zur Geländestrecke und die beiden trainieren. Danach würde dann eine Springstunde für ihre jungen Nachwuchsreiter anstehen. „Wen willst du heute mitnehmen?“ fragte ich, um zu wissen, wer dann noch bewegt werden müsste. „Ich wollte gerne Lucane, Nightfly, Pinocchio, Naimibia und Diggin' in the Dirth nehmen.“ erklärte Judi mir und ich nickte. „Alles klar.“ meinte ich lächelnd und verschwand. „Tom? Reitest du heute Absinth und Serafino?“ trug ich ihn auf und suchte dann Meg. „Komm, wir machen einen Ausritt mit Zarin und Death Pop Romance.“ meinte ich lächelnd, damit die junge Auszubildende eine kleine Pause bekam. Heute war sehr angenehmes Wetter und so konnten wir viel traben und galoppieren, was den beiden Hengsten sehr gut tat. Danach bat ich sie noch, sich auf Foxglove zu schwingen. Ich wollte stattdessen Allelujah beschäftigen, für ihn stand heute Longieren an mit viel Stangenarbeit, denn einfach war er immer noch nicht, aber es wurde langsam besser. Als ich mit dem Palomino fertig war, holte ich meinen Liebling Pajero von der Weide, um mit ihm unsere Geländestrecke als lockeren Spaß zu reiten. Wie immer war er super drauf und es war ein toller Ritt. Danach war noch Dr. Insektor an der Reihe. Unser Hengst hatte sehr gute Fortschritte gemacht und vielleicht würde er bald an Turnieren teilnehmen können. Für Ejadon gab es heute frei, denn er hatte die letzten zwei Tage mit Turnieren verbracht. Guaranà ging mit Monty heute eine kleine Runde ins Gelände, um ihn fit zu halten. Mennesse nahm er als Handpferd mit, damit der direkt auch bewegt wurde. Die spanischen Schönheiten Thorondor, Yerai und Aristo hatten heute auch frei, also bewegte ich nur noch Freeway. Danach war erst einmal das Mittagessen an der Reihe. Heute gab es Hefeklöße mit Vanillesoße und Kirschkompott. So kamen wir alle wieder zusammen und konnten eine kleine Pause machen, ehe es mit der Arbeit weitergehen würde. Am Nachmittag war noch genug zu tun und da drei Leute heute fehlten, mussten wir anderen uns besonders ins Zeug legen. Mein erster Gang nach dem Mittagessen war zu Carter, denn ich wollte mich über das Training der Vollblüter informieren. „Wenn es öfter mal ein paar Rennen geben würde, dann könnten Cassiopeia und Deadly Ambition auch einmal zeigen, was in ihnen steckt, aber momentan sieht es dort ja ziemlich mager besetzt aus. Pawaneeh lasse ich jetzt nebenbei aktiv auch in Dressur und Springen trainieren, das braucht er, so kann Susan ihn auch im Rennen besser kontrollieren. Magic Golden Dust macht sich gut im Training und ist topfit. Und Destiny Horror, na ja, ich denke die Dressur wäre eher was für die Hübsche.“ erzählte er mir und ich saugte alles in mir auf. Auch bei unseren Westernpferden tat ich momentan nicht gar so viel, das überließ ich lieber Monte und Elizabeth. Stattdessen schaute ich in die Halle, wo Monte gerade Unterricht gab. Vier junge Menschen hatte er unter seine Fittiche genommen. Heute wurden dadurch Rubina's Ravenclaw, Joyna, Apache's Tomahawk und Caribic Sue trainiert. Wie ich hörte waren Monte und Elizabeth schon mit Schneeleopard und Campéon unterwegs. Call me a Twist hatte momentan frei, denn er verbrachte gerade seine Zeit viel lieber mit potenziellen Stuten auf der Weide. Seitdem er gekört war, hatten wir nämlich äußerst viele Deckanfragen bekommen. Hidalgo wurde gerade von Elizabeth geritten. Die Stuten Chou und Ice Coffee hatten heute frei. Zuletzt standen meine Lieblinge an, die Ponys aus den Wales. Meine kleine Welsh Zucht war inzwischen schon gigantisch und ich freute mich jedes Mal, bei ihnen vorbeizuschauen. Die beiden Hengste Auftakt und Bonny Boy befanden sich inmitten der Turniersaison. Animby, unsere jüngste Stute, wurde hingegen auf ihre Krönung vorbereitet, denn sie sollte auch bald mit in die Zucht einsteigen dürfen. Fürst der Finsternis und Alice von Landwein hatten momentan eine Pause und liefen vermehrt in den Reitstunden der Fortgeschrittenen mit und gingen mit ihren Reitern auch die ein oder anderen Turniere. Die hübsche Herbsttraum hatte sich inzwischen wunderbar eingelebt und ich war ernsthaft am überlegen, mir aus ihr ein Fohlen zu ziehen. Zuletzt war da noch Single Malt, welcher bisher noch Schonfrist hatte. Der Tag ging schneller vorbei als gedacht und abends saßen wir alle beisammen am Tisch zum Abendbrot. Mia und Tamzin waren sehr erfolgreich auf den Turnieren unterwegs gewesen und auch bei den anderen hatte es heute super geklappt. Zufrieden konnten wir so mit dem Tag abschließen.
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      Umzug nach Wyoming
      14. September 2014
      Ich saß auf meinem Bett und starrte die Wand an. Dort türmten sich Bilderrahmen mit Aufnahmen der vergangenen Jahre: Pferde über Pferde, Turniererfolge, junge Zuchtfohlen und auch Bilder meines Teams.
      Ich seufzte leise.
      Alles war so gelaufen wie man es sich wünschte, doch dann entschied sich das Schicksal für einen anderen Weg.
      Der letzte Monat hatte mich fertig gemacht – ich fühlte mich ausgebrannt und unfähig, irgendetwas zu tun.
      Es fing mit der unschönen Nachricht an, dass dem Gestüt plötzlich hinten und vorne das Geld fehlte, obwohl unsere Buchführung perfekt war. Natürlich wurde so der groß geplante Umbau des Gestüts abgebrochen und wir saßen auf immensen Schulden.
      Ich ging dem Problem nach und setzte alle Hebel in Bewegung, um die Ursache unserer Schulden heraus zu bekommen. Zu aller Entsetzen wurde uns mitgeteilt, dass unser Jockey Roy Geldwäscherei hinter meinem Rücken betrieben hatte.
      Nach seiner Entlassung und dem Gerichtsverfahren schien sich allmählich alles wieder einzurenken, doch das sollte nicht lange anhalten:
      Mia, der gute Geist unseres Gestütes verließ uns – ohne ein Wort, ohne Abschied. Sie verschwand einfach und somit eigentlich unsere beste Mitarbeiterin, zumindest dachten wir das.
      Inzwischen wissen wir, dass sie damals mit Roy gemeinsames Spiel betrieben hatte, denn die Buchführung lag leider in ihren Händen und wir alle hatten ihr blind vertraut.
      Ein langes Hin und Her vor dem Gericht begann und aus einer guten Freundin wurde plötzlich eine Todfeindin, welche dem Gestüt nichts schlimmeres als das Aus wünschte. Auch wenn wir letztendlich den Prozess gewannen, ließen mich die Ereignisse nicht mehr los.
      Mein Kopf schrie regelrecht nach Veränderung und ich wusste auch, dass ich hier nur noch kaputt gehen würde.
      Es war kurz vor 18 Uhr, als ich das Esszimmer betrat. Wie immer war der Tisch bereits gedeckt und Talulah brachte gerade die Töpfe hinein. Wie jeden Abend aßen wir gemeinsam und diese Zeit wollte ich für eine Ankündigung nutzen.
      Als alle am Tisch saßen, stand ich seufzend auf, es fiel mir schwer die Worte auszusprechen, doch ich wusste, dass es das Beste war.
      „Meine Lieben, es fällt mir nicht leicht, euch das zu sagen, doch ich denke, es ist die beste Entscheidung für alle. Ich werde Frankreich verlassen, ohne euch... Es tut mir leid.“
      Von allen Gesichtern trafen mich entsetzte Blicke, nur Carter – unser Stallmeister – nickte mir bedächtig zu. „Es wird Zeit, diesen Ort zu verlassen und neue Wege zu suchen.“ sagte er mit seiner rauen Stimme. „Ihr seid jung! Euer ganzen Leben liegt noch vor euch, also lebt!“
      Drei Wochen war dieser eine Abend nun schon her und seitdem hatte sich alles verändert.
      Der große Umzug war vorbereitet und stand kurz bevor. Die Pferde hatten bereits das Land verlassen und waren schon auf den Weg in ein neues Leben.
      Mein Team hatte seine Ablösung erhalten, das Gestüt war verkauft und auch von einigen Pferden hatte ich mich schwermütig verabschiedet.
      Sie würden ihren Ruhestand auf deutschen Wiesen bei einer guten alten Freundin genießen, denn nur dort wusste ich sie sicher und geborgen. So hatte ich auch meiner Familie einen Besuch abstatten können und ihnen alles erklären können.
      Doch der letzte Abend auf dem Gestüt kam zu schnell, viel zu schnell.
      Plötzlich fühlte ich mich nicht mehr bereit, denn es war eine Reise ins Ungewisse, bei welcher ich vollkommen auf mich alleine gestellt war.
      Ein letztes Mal wollte ich durch unsere Stallungen wandern, Carter begleitete mich dabei - er war als einziger bis zum Schluss geblieben.
      Alle Boxen waren leer, wirkten kalt und trist. Aber ich wusste, dass sie schon bald wieder mit neuem Leben gefüllt werden würden.
      Als Carter mich noch einmal zum Abschied umarmte und dann alleine die Stallgasse entlang lief, überkamen mich alle Gefühle – Wut, Trauer, Furcht und auch die Hilflosigkeit.
      Weinend lehnte ich mich an die Stallwand, sank auf den Boden und ließ meinen Gefühlen freien Lauf.
      Schon als Carter längst den Stall verlassen hatte, sah ich am Ende der Stallgasse immer noch den alten Mann in seinem schwarzen Mantel mit dem schwarzen Hut. Er war die Seele des Stalles gewesen und während ich an ihn dachte, durchlebte ich noch einmal alle Erinnerungen, welche ich in den letzten zwei Jahren hier gemacht hatte.
      „Ich danke dir...“ murmelte ich und schloss seufzend die Augen.
      Unsicher schaute ich mich um.
      Die Räume waren riesig und doch strahlten sie eine gewisse Vertrautheit aus. „Du bist jung, lebe!“ hörte ich Carter in meinen Gedanken und musste weinen.
      Kurz nachdem wir in Wyoming angekommen waren, erreichte mich die Nachricht, dass er uns für immer verlassen hatte. Es traf mich mehr, als ich gedacht hätte, doch plötzlich wurde mir bewusst, was ich verloren hatte.
      Ohne ihn wäre ich niemals dort angelangt, wo ich jetzt war. Ich verspürte einen tiefen Hass auf alle, die uns in Frankreich das Leben schwer gemacht hatten und gab ihnen die Schuld an Carter's Tod.
      Einzig und allein der Gedanke an Carters Worte, ließ in mir ein Feuer entfachen.

      Schmunzelnd betrat ich den Stall, er war so viel kleiner! Wirkte fast winzig und fad im Gegensatz zu meinen damaligen Stallungen, doch es gefiel mir - ich liebte es!
      Viel Arbeit stand an, doch ich hatte ja nun alle Zeit der Welt und ich wollte keine Minute davon vergeuden.
      Fast einen Monat lebte ich mutterseelenallein auf der Ranch, denn ich brauchte dringend Abstand zu den Menschen. In diesem Monat steckte ich all mein Herzblut in die Ranch, um sie wieder auf Vordermann zu bringen.
      Auch wenn die Vorbesitzer sie gut abgegeben hatten, entsprach sie nicht ganz meinen Wünschen, besonders was die Haltung der Pferde betraf.
      Aus den circa vierzig Boxen im Stall baute ich zwanzig großräumige Boxen für die Pferde ein. Den Stall würden wir nicht sonderlich oft brauchen, weshalb nicht für alle Pferde Platz sein musste, aber wenn er genutzt werden musste, dann sollten die Pferde auch ideal gehalten werden.
      Auch die über 60ha Weideland mussten neu eingezäunt und kontrolliert werden. So stand ich jeden Tag um 6 Uhr auf, um mein Arbeitspensum zu schaffen.
      Die Zeit alleine hatte mir gut getan und so konnte ich meinen geliebten Vierbeinern auch wieder gegenüber treten, ohne mich verstellen zu müssen. Heute war der Tag, an dem auch sie in ihr neues Leben eintauchen würden.
      Nach und nach brachte man sie auf meine kleine Ranch und trotz meiner abgeneigten Weise den Menschen gegenüber, waren diese stets hilfsbereit und freundlich – und ab da veränderte sich etwas in mir.
      Es war Zeit, die Vergangenheit zu vergessen und vollkommen neu anzufangen. Aus diesem Grunde lud ich alle Helfer am Abend zum Grillen ein.
      An diesem Abend bot mir jeder seine Hilfe an, auch wenn ich diese dankend ablehnte und erklärte, dass ich das hier alleine schaffen wollte – doch selbst dafür hatten sie Verständnis.
      Lächelnd verließ ich die Feier und stattete meinen Stuten noch einen kleinen abendlichen Besuch ab. Grinsend musterte ich die kleine Herde. Bisher hatten sich meine Pferde nicht daran gewöhnen können, plötzlich so ein gigantisches Areal nutzen zu dürfen.
      Immer wenn sie mich am Zaun entdeckten, kamen sie hilfesuchend angaloppiert und sammelten sich um mich. Auch jetzt hörte ich ihre Hufen auf dem festen Erdboden, doch diesmal kamen sie mir im gemächlichen Schritt entgegen.
      Ich spürte den plötzlichen Umschwung der Gefühle in der Herde. Sie wurden nicht mehr beherrscht von Unsicherheit und Verzweiflung. Plötzlich wirkten sie ruhig, entspannt und glücklich – und irgendwie fand ich mich in diesem Umschwung selbst wieder.
      Lächelnd begrüßte ich meine Kleinste. Chips schnoberte mir sanft am T-Shirt entlang und ich sank auf die Knie, um sie ein wenig zu kraulen. Natürlich wollten aber auch die anderen liebkost werden, weshalb ich kurz darauf Freeways große weiche Nüstern in meinem Nacken spürte und merkte, wie sie mir sanft durch die Haare wuselte.
      Die Stuten strahlten ein beständiges Gefühl von Wärme und Zufriedenheit aus, welches sich auch direkt auf mich übertrug und ich mich in das Gras setzte, um einfach mit ihnen gemeinsam den Abend ausklingen zu lassen.
      Apache ließ sich neben mir nieder und schaute mir tief in die Augen. Sie war die Leitstute und mit ihrer Fürsorge und Geduld kümmerte sie sich um jedes einzelne Herdenmitglied. Für sie gehörte ich dazu und so brachte sie auch mir tiefstes Vertrauen entgegen.
      Selbst die sonst recht ungestüme Khiara stand dösend neben uns und entspannte sich zunehmend, während Naimibia und Ice Coffee noch ein wenig mit ihren Spinnereien beschäftigt waren.
      Die beiden waren jung und noch recht neu in der Herde, dennoch hatten sie sich sofort wohlgefühlt und waren auch diejenigen, die stets Leben in die Herde brachten.
      „Was würde ich nur ohne euch tun?“ lächelte ich und lehnte mich an Freeways Beine - hier bei den Pferde fühlte ich mich wohl.
      Ein schrilles Geräusch ließ mich hochfahren. Verwirrt blickte ich mich um und suchte nach dessen Quelle. Als ich den alten Wecker neben mir erblickte, erinnerte ich mich an alles, was in den letzten Wochen vorgefallen war und stöhnend ließ ich mich zurück auf die Matratze fallen.
      „Wyoming.“ murmelte ich und stand grummelnd auf. Fluchend starrte ich die am Boden liegende Matratze an – wie sehr sehnte ich mich nun doch nach einem richtigen Bett!
      Ich muss ehrlich sagen, dass ich mir um die Wohnungseinrichtung keine großartigen Gedanken gemacht hatte, damals wollte ich einfach nur so schnell wie möglich weg. In der ersten Nacht war mir dann aufgefallen, dass ich nichts besaß – nicht einmal ein Bett.
      Meinen Nachbarn war das natürlich nicht entgangen und so hatte ich schnell von hier und dort Spenden erhalten.
      Dazu gehörte auch diese Matratze und auch wenn sie schon wesentlich bessere Tage gesehen hatte, war ich sehr dankbar für dieses Geschenk.
      In meiner Küche befanden sich insgesamt zwei nutzbare Objekte: ein Stuhl und eine Kaffeemaschine. Zweiteres gab sehr gewöhnungsbedürftige Geräusche von sich, als ich sie in Gang setzte. Eigentlich war ich auch kein Kaffeetrinker, doch im Moment war ich sehr dankbar über dieses koffeinhaltige Getränk.
      Während also das Wasser durch das Kaffeepulver sickerte, verschwand ich im Bad – das einzige Zimmer, was man guten Gewissens nutzen konnte.
      Ein unangenehmer Knall ließ mich jedoch das Zähne putzen unterbrechen und als ich samt Zahnbürste im Mund zurück in die Küche lief, konnte ich meinen Augen nicht trauen.
      „Oh Gott...“ murmelte ich entsetzt und während ich noch überlegte, wie ich am schnellsten zu der Steckdose gelangen konnte, entschied sich die Kaffeemaschine dafür, in weitere tausend Kleinteile zu explodieren und den Inhalt im gesamten Raum zu verteilen.
      Mit einem Lächeln hatte mir die alte Dame vor einer Woche diese Maschine in die Hände gedrückt, allerdings schien ich kein Händchen zum Kaffee kochen zu haben.
      Grummelnd marschierte ich zurück ins Bad, um mich dann zumindest um das Übelste in der Küche zu kümmern.
      Eine Tasse Kaffee konnte ich aus den Resten der Kanne dann doch noch zusammenkratzen, also war die Mühe nicht ganz umsonst.
      Ich machte mich gerade am Unterstand der Hengste zu schaffen und schob Breakers neugierige Nase nun zum dritten Mal zur Seite, als ein nervtötendes Geräusch die friedliche Stille am Morgen durchbrach.
      Es war ein Automotor und ich war sofort argwöhnisch, denn ohne Hintergedanken verfuhr sich niemand hierher, die Ranch lag schließlich mitten im Nichts.
      Thorondor blickte sofort wachsam zum Hof hinüber und legte die Ohren an. Auch er sah die Kommenden eher als Eindringlinge statt als Gäste an.
      Sanft strich ich ihm über dem Hals. „Ich schaue nach.“ meinte ich beruhigend und verließ die Weide.
      Während ich mich auf den Weg zum Hof machte, drehte sich mein Magen bereits beim Anblick des schmucken schwarzen Autos um. Als dann noch zwei schick gekleidete Personen ausstiegen, wurde ich sofort misstrauisch.
      Ich stützte die Hände in die Hüfte und musterten die beiden, wurde dann aber auf einmal überrumpelt. „Hallo! Ich bin Kat!“ sprudelte die blonde Frau plötzlich los und umarmte mich überschwänglich.
      Verdutzt starrte ich sie an, während der Mann neben ihr verzweifelt zwischen uns hin und her blickte.
      „Entschuldigen Sie das Verhalten meiner Schwester. Ich bin Ethan Karamakov und sie ist Katarina Karamakov“ murmelte er nur und kratzte sich verlegen am Hinterkopf. Ich schüttelte jedoch nur den Kopf und blickte dann grinsend auf.
      „Ihre Einstellung gefällt mir, das sollte man tatsächlich öfter so handhaben.“ lachte ich und alle Anspannung fiel von mir ab.
      Wie ich schnell erfuhr, lebten die Geschwister Karamakov eigentlich in New York – sah man ihnen ja auch überhaupt nicht an – und hatten von einem unbekannten Onkel eine Rinderfarm geerbt.
      „Ja und diese Rinderfarm ist direkter Nachbar dieser Ranch hier - also wenn man das bei den Entfernungen Nachbarn nennen kann.“ erklärte Ethan mir.
      Wir saßen auf der Verandatreppe des Hauses, denn leider konnte ich meinen Gästen weder Sitzplätze noch Kaffee anbieten, während wir uns unterhielten.
      „Können wir für ein paar Tage bei dir wohnen?“ platzte Kat ohne große Umschwänge heraus und erneut blieb mir nichts anderes übrig, als sie ungläubig anzustarren.
      „Du warst doch vorhin im Haus, oder? Hast du gesehen wie es dort aussieht?“ fragte ich zweifelnd. Für zwei Übernachtungsgäste hatte ich nun gar nichts da – im Moment war ich schließlich froh, selbst eine Matratze zu haben.
      „Aber auf der Farm kann man nicht wohnen! Unser Onkel muss ein elender Trinker gewesen sein, denn so eine verlauste Bude habe ich noch nie gesehen, da ist das hier ein Luxushotel!“ stöhnte Kat theatralisch und Ethan nickte nur zustimmend.
      Seufzend willigte ich ein. „Aber eure Matratzen müsst ihr euch selbst besorgen!“ warnte ich die beiden, welche mich nur schon von einem bis zum anderen Ohr angrinsten.
      „Ach, da ist noch was.“ meinte Ethan vorsichtig, während wir Kats fünften Koffer die Treppe hinauf hievten. „Und das wäre was? Noch mehr Koffer?“ fragte ich entsetzt, schon bald würde man gar nicht mehr zählen können.
      „Äh, nein.“ meinte Ethan grinsend. „Auf der Farm steht ein Pferd. Wie ich hörte bist du Tierärztin? Der kleinen Stute geht es nämlich nicht sonderlich gut.“ erklärte er und sofort wurde ich hellhörig, denn wenn es um die geliebten Vierbeiner ging, scheute ich keine Mühen.
      So war unsere nächste Amtshandlung zur Farm zu fahren und nach dem Tier zu schauen. Da ich selbst nicht über einen fahrbaren Untersatz verfügte, fuhr Ethan mich und natürlich kam Kat auch mit.
      Bei dem Zustand der Ranch hatte Kat ausnahmsweise mal nicht übertrieben. Die Zäune der Weiden waren marode und mit Stacheldraht versehen und auch die beiden Viehherden sahen nicht sonderlich glücklich aus.
      Ethan erklärte mir, dass er bereits Abnehmer für die Tiere und die Farm suchte, denn er und Kat würden sich gewiss nicht hierum kümmern.
      Dabei zeigte er mir auch den Stall und öffnete vorsichtig die obere Hälfte der Stalltür, damit ich hineinschauen konnte.
      Meine Augen mussten sich erst einmal an die Dunkelheit gewöhnen, denn bisher sah ich nichts. Doch dann erkannte ich den schemenhaften Umriss eines Pferdes und stutzte. „Ist sie gesattelt?“ fragte ich verwirrt und Ethan nickte.
      „Sie ist der Grund, weshalb wir diesen...Ort hier geerbt haben.“ meinte Kat grinsend. „Sie hat dem ollen Trinker eiskalt eine vor die Zwölfe gegeben, das hat ihn dann doch mal diesen Rest gegeben.“ lachte sie und schnalzte der Stute freundlich zu.
      Die wiederum drehte uns ihr Hinterteil zu und drohte, auszuschlagen, wenn wir noch einen Schritt näher kommen würden. „Das wird ja lustig.“ murmelte ich und Ethan sah mich bestürzt an.
      Ihm schien das Leid der Stute doch näher zu gehen, als er es zugeben wollte, aber das waren eben Männer – Gefühle zeigen ging gar nicht.
      Wir ließen die Stute hinaus in ihren „Auslauf“, damit ich sie zumindest ein wenig besser sehen konnte. Sie sah von weiten aus wie ein wilder Mustang, zumindest was ihr Aussehen und den Charakter betraf.
      Nur die feingliedrigen Beine und der elegante Kopf wiesen eindeutig darauf hin, dass sie ein Reitpony sein musste.
      Wir gaben der Stute etwas Heu, denn sonderlich genährt sah sie auch nicht aus und während sie gierig fraß, nutzte ich ihre Unkonzentriertheit und befreite sie von dem ekligen Sattelzeug.
      Der Sattel war viel zu groß und die Trense stank schon von Weitem nach vermoderten Leder, kein Wunder, dass sich die Stute so gewehrt hatte.
      Vorsichtig betrachtete ich die Stute näher und sah, dass sie noch recht überbaut war, älter als drei Jahre konnte sie nie sein, eventuell war sie sogar erst zwei Jahre alt. Während ich jedoch über ihr Alter philosophierte, merkte sie meine Anwesenheit, machte auf der Hinterhand kehrt und versetzte mir einen deftigen Tritt gegen den Oberschenkel.
      Erschrocken wich ich zurück, leider viel zu spät, so dass ich mir nur noch den schmerzenden Schenkel halten konnte. „Na danke auch!“ stöhnte ich genervt und humpelte zurück zum Zaun.
      „Ist alles okay? Soll ich lieber den Notarzt rufen?“ quietschte Kat verzweifelt und zückte schon ihr Handy. Nur knapp konnte ich sie davon abhalten. „Ach Quatsch! Das wird ein blauer Fleck, mehr nicht.“ meinte ich beruhigend und lehnte mich gegen den Zaun, um die Stute zu betrachten.
      „Sie muss hier weg.“ erklärte ich Ethan und er nickte. „Aber wohin?“ fragte er verzweifelt und starrte die junge Stute an, welche wütend in unsere Richtung blickte und die Ohren anlegte.
      Murrend überlegte ich und überwand mich dann doch, denn jetzt war ich an der Reihe, meinen Mitmenschen mal wieder ein wenig freundlicher gegenüber zu treten.
      „Sie kann mit zu uns.“ meinte ich und Kat hatte direkt wieder einen Freudenausbruch und fiel mir um den Hals. „Danke, danke, danke!“ jauchzte sie glücklich.
      Während ich zwanghaft überlegte, wie wir diese Stute überhaupt auf die Ranch bekommen würden, war Kat schon wieder verschwunden.
      Erst einige Minuten später tauchte sie wieder auf, vollkommen in Spinnweben und Heu gehüllt. „Schaut mal was ich gefunden habe!“ meinte sie und reichte mir einen Stapel modriger Papiere, welche ich aus Reflex beinahe fallen ließ, denn sie waren einfach nur eklig!
      Es waren die Papiere der Stute und auch wenn nicht mehr viel zu erkennen war, konnte ich zumindest Name und Geburtsjahr entziffern. „Die Kleine heißt Pina und ist erst 2012 geboren.“ meinte ich und blickte zu der Stute.
      Verzweifelt versuchte ich den Dreck von ihrer Rasse zu kratzen, leider gelang mir das nicht wirklich und außer, dass dahinter „...pony“ zu lesen war, war nichts weiter deutlich, dennoch war ich mir ziemlich sicher, dass sie ein DRP war.
      Ich hatte mich mit den Papieren beschäftigt und Kats Geschwafel kein Gehör geschenkt, doch jetzt wo ich fertig war, bekam ich sie wieder vollkommen mit und starrte sie zweifelnd an.
      „Die Stute rüberführen? Hast du sie noch alle? Guck sie dir mal an, die schlägt uns alle k.o.!“ meinte ich entsetzt und schüttelte nur den Kopf.
      „Und was machen wir dann?“ fragte sie vorsichtig.
      Drei Stunden später fuhr ein super moderner Pferdehänger auf meine Ranch. Seufzend starrte ich aus dem Fenster. Ich hatte zwar Ethan gesagt, er solle einen ordentlichen Pferdehänger ausleihen, allerdings hätte ich anscheinend auch dazusagen müssen, dass wir weder eine riesige Sattelkammer noch ein halbes Reiterstübchen dazu brauchten.
      Vorsichtig lotste ich Ethan um den Stall zum großen Tor, denn ich hatte bereits einen Plan im Kopf, wie wir die Stute in ihre Box bugsieren würden.
      Während seiner tollkühnen Lenkmanöver mit dem Hänger zerstörte Ethan nicht nur meine gut gepflegten Sonnenblumen, sondern auch das halbe Stalltor. „Dankeschön.“ fauchte ich unsanft und stieg aus, um noch größere Schäden zu verhindern.
      Den Hänger fuhren wir nah an das Tor heran und dann bereitete ich geschwind eine der großen Boxen vor, um der Stute für die kommenden Tage einen angenehmen Platz bieten zu können.
      In die Box gelang sie durch eine von mir selbst gebaute Gasse und diese war auch vollkommen von Nöten, denn mit vollem Tempo sprang sie aus dem Hänger und rannte blind darauf los. Umso dankbarer war ich, als sie dann wohlbehalten in der Box stand.
      „In ein paar Tagen darf sie auf die Weide, aber vorerst bleibt sie hier drin.“ meinte ich strikt und ließ mir auch von den Karamakovs auch nicht reinreden.
      Als ich am nächsten Morgen die Augen aufschlug, war jegliche Leere in mir verschwunden.
      Ich war endlich zu Hause angekommen.
      Stattdessen stieg eine unheimliche Motivation in mir auf und ich sprang von der Matratze auf.
      Eigentlich hatte ich einen Kaffee machen wollen, bis mir einfiel, dass meine Maschine ja ins Gras gebissen hatte. „Was solls.“ meinte ich fröhlich und schnappte mir ein paar Kekse und ein Glas Orangensaft zum Frühstück.
      Verschlafen kam mir Kat entgegen. „Auf Matratzen schlafen ist grauenvoll.“ stöhnte sie und rieb sich den Nacken. Ihr folgte auch Ethan, welcher sich hilflos umsah. „Kein Kaffee?“ seufzte er und ließ sich auf den Stuhl in der Küche fallen.
      „Euch auch einen wunderschönen Morgen.“ grinste ich und warf Kat die Packung Kekse und Ethan die Flasche O-Saft zu. „Was anderes gibt es nicht – zumindest nicht hier. Ich verschwinde jetzt in den Stall.“ meinte ich und war schon auf den Weg nach draußen, ehe Kat mich zurückrief.
      „Können wir dir behilflich sein? Ich meine wir wollen ja was für unsere Unterkunft hier leisten!“ meinte sie aufrichtig und ich schaute sie nur zweifelnd an. „Außer bei der Pflege der Pferde helfen, kann ich euch nichts anbieten und ich weiß nicht, ob ihr überhaupt Sachen dabei habt, die alt genug dafür sind.“ meinte ich grinsend und verschwand nach draußen.
      Im Stall schaute ich nach erst einmal nach Pina. Diese lag noch dösend im Stroh, schreckte aber sofort hoch, als ich ihre Boxentür öffnete. „Ist ja gut, es gibt ja nur Frühstück.“ meinte ich entschuldigend und stellte ihr den Eimer mit dem frischen Mash hin.
      Misstrauisch begutachtete Pina den Eimer, näherte sich ihm dann vorsichtig und fing kurz darauf gierig an zu fressen. „Wenn du lieb bist, darfst du bald auch raus zu meinen Mädels.“ lächelte ich und verließ die junge Stute, welche mir misstrauisch hinterherblickte.
      Als ich aus dem Stall kam, verschluckte ich mich beinahe, an dem Rest meines Frühstücks. Kat stand vor mir, in Pseudo-Cowgirlklamotten und hatte die Hände in die Hüfte gestürzt. „Es kann losgehen!“ meinte sie.
      Ich schüttelte den Kof. „Kat! Schau mich an. Alte Schuhe, Jeans, T-Shirt – mehr nicht! Und setze diesen scheuslichen Hut ab!“ lachte ich und machte mich auf den Weg, um den Jungpferden ihr morgendliches Heu zu bringen und den Unterstand zu säubern.
      „Aber die Verkäuferin meinte, so was zieht man hier im Wilden Westen an.“ meinte Kat, welche mir hinter hereilte. „Im Wilden Westen?“ wiederholte ich ihre Worte. „Im Ernst?“
      Momentan hatte ich noch einiges an Arbeit, denn die Pferde hatten sich an ihr neues Heim noch nicht gewöhnt und verbrachten die Tage meist in der Nähe der Unterstände. Dementsprechend sah es dort auch aus.
      „Euch gehören 24ha, nutzt sie doch!“ meinte ich lachend und scheuchte die Jungpferde auseinander, damit sie uns zumindest jetzt nicht auf der Pelle hingen.
      „Kat, am besten stellst du deine Schubkarre neben meine und dann einfach den Mist reinschaufeln, okay?“ fragte ich und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, als ich ihren angewiderten Blick sah.
      Gemeinsam waren wir jedoch schnell fertig und konnten die Schubkarren zum Mist fahren und leeren.
      „Oh, wer bist du denn?“ schwärmte Kat mit hoher Stimme und hätte Tiny Girl wohl am liebsten auf den Arm genommen. „Wie ein kleiner Hund!“ lachte sie und wuschelte der neugierigen Stute durch den Schopf.
      Während ich die Stroh- und Heubündel auf die Schubkarren lud, blickte Kat angewidert an sich herunter. „Ethan! Schau mich mal an – das ist ekel... toll!“ versuchte sie sich selbst zu ermutigen.
      Der versteckte seine Schadenfreude nicht sonderlich und grinste seine Schwester hämisch an. „Willst du auch mal? Immerhin hast du auch hier geschlafen!“ lachte Kat ihn an und Ethan Grinsen verschwand urplötzlich. „Ich muss jetzt erst einmal in die Stadt.“ meinte er nur kurz angebunden, stieg in seinen schwarzen Jeep und verschwand.
      „Männer.“ meinte ich lachend.
      „So siehst du viel besser aus!“ meinte ich lächelnd, denn ich hatte Kat neu eingekleidet in sinnvolle Sachen. „Dann kannst du mir auch wirklich behilflich sein.“ meinte ich grinsend und deutete auf ihre Schubkarre.
      Wir fuhren das frische Stroh zu den beiden Unterständen der Jungpferde und verteilten es darin. Danach wurden die Heunetze neu aufgefüllt, ehe ich Kat eine Bürste in die Hand drückte. „Jetzt werden die Tränken geschrubbt.“ meinte ich lächelnd und deutete auf den alten Trog.
      Momentan war dieser wirklich von Nöten, denn die Jungpferde sahen nicht ein, den Fluss als Trinkquelle zu nutzen, dafür fanden sie ihn noch viel zu gruselig, also musste der Wassertrog her.
      Nach fast einer weiteren halben Stunde waren wir bei den Jungpferden fertig und Kat rutschte fertig den Zaun hinab, um sich auf den Boden zu setzen. „Gott ist das anstrengend!“ meinte sie stöhnend und schüttelte sich das Stroh aus dem Haar.
      „Aber sie danken es dir.“ meinte ich lachend, als Joyce und Shawnée neugierig Kats Gesicht beschnupperten und sie sanft an der Schulter kraulten. Kat schreckte erst verzweifelt zurück, nahm es dann aber lachend hin.
      „Diese Tiere sind wirklich etwas besonderes! Ich mag ja am meisten den Goldenen dort.“ meinte Kat und deutete in Altyns Richtung. Dieser hob neugierig den Kopf, ehe er sich von uns abwand, um Prazzy und Painted Blur hinterherzujagen. Die drei Hengste liebten das riesige Gelände und erkundeten es jeden Tag aufs Neue.
      Die Stuten waren da viel vorsichtiger, besonders Rosewell und Nüsschen blieben lieber immer nahe beim Unterstand und Bluebird leistete ihnen Gesellschaft. „Eine bunte Gruppe...“ murmelte ich und ließ den Blick über die große Herde schweifen. Ganz hinten am Fluss entdeckte ich Quintesse und Limited. Die beiden Stuten waren nicht annähernd so schüchtern, sondern eher neugierig und mutig.
      Es dauerte ein Weilchen bis ich Feuervogel entdeckte und noch länger suchte ich nach Trüffel. Der kleine Welsh B Hengst verschwand regelrecht in dem hohen Gras.
      „Und wer ist das?“ fragte Kat und deutete auf eine schlanke Gestalt, welche relativ weit abseits stand und graste. „Das ist Destiny und sie ist manchmal lieber für sich alleine.“ erklärte ich und klatschte in die Hände.
      „So, genug gefaulenzt! Die anderen Pferde wollen auch noch versorgt werden!“ grinste ich, während Kat erschrocken aufstöhnte.
      Bevor wir jedoch zu den Hengsten gingen, wollte ich noch einmal nach Pina schauen. Die kleine Stute stand gelangweilt in ihrer Box und als wir kamen, bewegte sie ihre Ohren sogar einmal kurz vor in unsere Richtung.
      „Warum muss sie drin bleiben?“ fragte Kat stirnrunzelnd und trat an die Box der Stute heran. Pina zog sich direkt zurück und beobachtete uns misstrauisch. „Ich glaube kaum, dass wir sie ohne Unfall bis zur Weide und abends auch wieder zurückbringen. Ich möchte sie erst einmal wenigstens handzahm bekommen.“ meinte ich seufzend und musterte Pina – das würde noch ein langer Weg werden und ich wusste, dass nicht ich diejenige war, die ihn beschreiten sollte.
      Kurz nachdem wir den Stall wieder verlassen hatten, kam Ethan aus der Stadt zurück. „Im Diner gab es mehr als gedacht!“ meinte er grinsend und hielt seine vollen Hände hoch.
      Links hatte er drei Pappbecher in einer Pappe und rechts eine große Tüte. Kat und ich setzten uns auf die Treppe der Veranda und dankten Ethan für den Kaffee.
      „Oh ja, den brauche ich jetzt!“ seufzte Kat glücklich und verbrannte sich bei ihrer Gier direkt die Zunge. „Aua!“ fauchte sie und versuchte es nun mit pusten.
      „Ich habe uns auch was für das Abendessen mitgebracht.“ meinte Ethan und packte drei Aluteller aus. Auf jedem befand sich eine Portion Nudeln mit Bolognese.
      Während ich schon zu essen begann, schaute Kat misstrauisch auf das Essen. „Ich glaube ich dusche mich erst einmal, vorher bekomme ich keinen Bissen herunter!“ meinte sie stöhnend und verschwand im Haus.
      Ich aß noch auf und machte mich dann auf den Weg zu den Hengsten. „Brauchst du noch Hilfe?“ fragte Ethan vorsichtig nach, doch ich konnte ihn beruhigen und schüttelte nur den Kopf. Die Gesellschaft von Kat heute Morgen reichte erst einmal für die nächsten drei Tage.
      Mit der Schubkarre machte ich mich auf den Weg zum ersten Unterstand – verfolgt von Allelujah und Absinth. Den beiden Junghengsten schien gerade langweilig zu sein und ich ahnte auch schon, dass sie mir bald tierisch auf den Geist gehen würden.
      „Autsch!“ fluchte ich kurze Zeit später und hielt mir den Arm. Allelujah drehte buckelnd um und verschwand zu der kleinen Gruppe am Zaun, um diese aufzumischen. Schneeleopard und Call me a Twist nahmen ihn aber direkt in die Mangel, um ihm zu zeigen, wer der Chef war.
      „Kleiner Mistkerl...“ murmelte ich seufzend, denn Allelujah hatte den Moment meiner Unaufmerksamkeit genutzt, um mich mal wieder zu ärgern.
      Als dann aber Pajero dazu kam, huschte Allelujah davon. Mein geliebter Schecke blieb vorsichtig vor mir stehen und begrüßte mich, indem er mir ins Gesicht blies. „Auf dich ist immer Verlass.“ meinte ich lächelnd.
      Auch bei den Hengsten wurden die Unterstände frisch eingestreut und die Heunetze neu aufgefüllt. Als alles geschafft war, wollte ich den späten Nachmittag noch ein wenig mit den Pferden genießen und gesellte mich so zu Aristo und Thorondor, welche friedlich grasten.
      Dann packte mich plötzlich wieder der Tatendrang. Ich pfiff den jungen Zarin zu mir und dieser folgte mir brav bis zum Gatter, wo ich ihn aufhalftern konnte. „Komm! Wir erkunden die neue Gegend.“ meinte ich lächelnd und führte ihn in den Stall. Dort putzte und sattelte ich ihn, ehe es auch schon los ging.
      „Auf auf in neue Abenteuer!“
      Wir waren drei Stunden unterwegs und ich genoss die herrliche Ruhe in der Wildnis, für mich gab es keinen schöneren Ort. Auch Zarin war vollkommen entspannt und schritt ruhig daher.
      Natürlich durfte er sich auch einmal austoben, aber in dem neuen Gelände war er eher vorsichtig, nachdem er vor Schreck wegen eines Koyoten beinahe gestolpert und hingefallen wäre.
      Als wir wieder ankamen, holte mich der Anblick des Jeeps zurück in das Hier und Jetzt. Seufzend schwang ich mich aus Zarins Sattel, es war komisch, zu wissen, dass die Karamakovs nun eine Weile mit hier lebten, das Einsiedler-Dasein hatte mir eigentlich sehr gut gefallen.
      „Menschen bringen doch nur Unglück.“ murmelte ich zu Zarin, nachdem ich ihn zurück auf die Weide ließ. Noch einmal lief ich zum Unterstand um alles zu kontrollieren und da fand ich auch die beiden Hengste, welche ich heute noch gar nicht gesehen hatte: Doc und Pawaneeh. Kurz kraulte ich beide, ehe ich gähnend die Weide verließ.
      Für heute reichte es mir und ich warf mich schon früh auf meine Matratze. Davor versuchte ich möglichst Ethan und Kat zu umgehen, um nicht noch in ein tiefgründiges Gespräch gezogen zu werden.
      Aber anscheinend war der Tag für die beiden auch anstrengend gewesen, so dass es heute nicht mehr sonderlich viel zu sagen gab.
      Ich lag dennoch noch lange wach im Bett und dachte über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft nach. Es war so viel passiert, obwohl ich noch gar nicht lange in Wyoming war, dabei hatte ich doch meine Ruhe gewollt?
      Und nun war irgendwie doch alles anders gekommen als gedacht. Ich schwankte zwischen den beiden Möglichkeiten entweder die Karamakovs schon bald wieder wegzuschicken, damit ich erneut meine Ruhe haben könnte oder es als Schicksal anzunehmen, dass sie hier waren und es sich vielleicht auch gut auf die Ranch auswirken würde.


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      Tierärztliche Klinik Caen
      14. November 2014
      Fünf Jahre war mein kleiner Feuervogel nun schon! Doch bisher hatte er noch nicht sonderlich viel erlebt, da er den größten Teil seiner Kindheit auf der Weide hatte verbringen dürfen. Nun war es meiner Meinung nach aber allmählich an der Zeit, dass er gefördert wurde. Heute wollte ich mich erst einmal um seinen gesundheitlichen Zustand kümmern. Feuervogel war schon immer kerngesund gewesen, weshalb er nie wirklich mit einem Tierarzt in Kontakt gekommen war.Da ich selbst Tierärztin war, hatte ich ihn ja immer unter Beobachtung gehabt. Ab heute sollte sich das aber ändern, denn wenn er nun öfter unter fremde Pferde kam, brauchte er alle nötigen Impfungen.
      Hoch motiviert kam er mir entgegen getrabt, als ich ihn von der Weide holte. Er war ein stattlicher junger Hengst und machte einen tollen Eindruck. Ich brachte ihm zum Stall und putzte ihn gründlich. Dabei fuhr ich seine Muskeln und Sehnen ab und tastete mich den Rücken entlang. Feuervogel war trotz der langen Weidezeit muskulöser als so mancher meiner Zuchthengste. Ich hörte sein Herz und Lunge ab und kontrollierte auch seine Darmgeräusche. Feuervogel war kerngesund und auch die Körpertemperatur passte. Also konnte ich ihn gegen Influenza und Herpes impfen. Danach kamen noch Tetanus und Tollwut dran. Feuervogel war von den Impfungen ganz und gar nicht begeistert, ließ es aber brav über sich ergehen. Dann chippte ich meinen kleinen Hengst direkt, damit er auch dahingehend versorgt war. Nun bekam er noch seine Wurmkur und dann hatte er es auch schon geschafft. Ich lobte ihn ausgiebig und er bekam einen kleinen Eimer Möhren als Belohnung, damit er den Tierarzt immer in guter Erinnerung behielt.

      Beginn des Trainings
      20. November 2014
      „Vögelchen!“, rief ich laut und wartete geduldig, bis der junge Hengst den Kopf erhoben hatte und in meine Richtung blickte. Einladend lächelte ich ihm entgegen, als er sich in Bewegung setzte. Er wusste genau, dass es natürlich auch ein Leckerlchen als Belohnung für sein Kommen gab und die ließ sich Feuervogel so gut wie nie entgehen. Ich lobte ihn ausgiebig, ehe ich ihm vorsichtig das neue Halfter überzog. Es war feuerrot und ein Geschenk von einer guten Freundin. Ich klinkte den Führstrick ein und begleitete meinen jungen Hengst zum Stall.
      Er hatte sich wunderbar gemacht und ich war jedes Mal von neuem fasziniert, wenn ich ihn sah. Fünf Jahre war er nun schon und er war eine wahre Schönheit. „Dein Vater wäre stolz auf dich!“, lächelte ich ihn an, während ich den Strick am Haken im Stall festband. Traurig dachte ich an das edle Reitpony zurück, was uns schon vor langer Zeit verlassen hatte. Doch Feuervogel machte ihm alle Ehre und das würde auch so bleiben.
      Der junge Hengst hatte die letzten fünf Jahre zwar auf der Weide verbracht. Dennoch kannte er die Grundlagen und benahm sich immer 1a. Sowohl das Führen als auch das Putzen waren kein Problem und man merkte selten, dass Feuervogel ein Hengst war, so eine Seele war er. Heute putzte ich ihn wieder gründlich und machte ihn richtig schick, so dass sein Fell danach golden in der Sonne glänzte und seine Mähne seidig über den eleganten Hals fiel.
      Ich wollte diesen Winter beginnen, Feuervogel auf sein Leben als Turnierpony vorzubereiten und deshalb begann ich nun auch mit dem Longieren. Feuervogel lief schon einwandfrei im Kreis um einen herum und kannte auch die Stimmkommandos, aber mehr hatten wir nicht geübt. Bisher hatte ich ihn immer mit Knotenhalfter longiert, doch heute sollte er den Kappzaum kennenlernen dürfen. Ich verschnallte diesen anfangs lockerer und führte Feuervogel erst einmal ein Weilchen in der Halle damit, ehe ich ihn um mich herum laufen ließ.
      Als Feuervogel kein Problem mit dem neuen Teil hatte, verschnallte ich es ordnungsgemäß und begann mit dem Longieren. Heute übte ich mit dem jungen Hengst die korrekte Haltung und setzte auch Trabstangen als Unterstützung und Beschäftigung mit ein. „Das machst du toll!“, lobte ich ihn ausgiebig, als er einwandfrei die Trabstangen überquerte und allmählich in ein vorwärts-abwärts gelangte. Schon jetzt machte es riesigen Spaß mit dem jungen Kerl zu arbeiten und das würde sich sicherlich nicht ändern!
      Nach dem Training warf ich Feuervogel eine Abschwitzdecke über und führte ihn einige Runden, ehe er im Stall die nächste Viertelstunde unter dem Solarium verbringen durfte. Er besaß noch sein Winterfell und begann deshalb recht schnell zu schwitzen, aber ich konnte dem ja flott entgegenwirken. Danach durfte Feuervogel in seine Box und bekam eine Ladung warmes Mash mit Mineralbricks und Obststückchen, welches er genüsslich futterte..

      Das erste Mal Satteln
      04. März 2015
      „Hallo mein Süßer!“, begrüßte ich den wunderschönen Palominohengst, welcher mir brummelnd entgegen kam. Dafür gab es auch direkt ein Leckerchen und dann ließ er sich ohne Probleme aufhalftern. Ich liebte Feuervogel abgöttisch und ich fand ihn einfach wunderschön. Keine Ahnung wie es der Hengst schaffte, dass ich mich tagtäglich neu in ihn verliebte. Im Training machte er außerdem rasante Fortschritte! Letzten November hatten wir mit dem Longieren am Kappzaum begonnen. Nun hatte Feuervogel inzwischen an Masse zugelegt und die bestand vor allem aus einem: Muskeln.
      Außerdem lief er nun in einer wunderbaren Selbsthaltung, trat ordentlich unter und aktivierte auf ein kleines Schnalzen sofort seine Hinterhand, wenn er das nicht schon selbst tat. Ich träumte schon jetzt heimlich davon, wie es wohl wäre, ihn zu reiten. Und um diesen Traum ein Stückchen näher zu rücken, sollte Feuervogel heute den leichten Trainingssattel kennenlernen. Doch erst einmal putzte ich den jungen Hengst ausgiebig, kämmte Mähne und Schweif und säuberte seine Hufen. Dann gab es noch einige Krauleinheiten, ehe wir gemeinsam die Halle betraten.
      Bevor die neuen Gegenstände kamen, machte ich gerne erst einmal ein wenig Bodenarbeit und so machte ich auch heute wieder mit Vögelchen erst einmal ein bisschen Bodenarbeit. Danach holte ich den Sattel und der Junghengst durfte ihn beschnuppern und betrachten. Testweise biss Feuervogel sogar hinein und ich konnte mir ein Auflachen nicht verkneifen. Danach berührte ich Feuervogel mit dem Sattel überall am Körper, ehe ich ihn vorsichtig auf seinen Rücken sinken ließ. Feuervogel akzeptierte das seltsame Teil auf seinem Rücken entspannt und ließ sich sogar damit führen!
      Überglücklich mit diesem Verlauf, nahm ich den Sattel wieder ab, lobte Feuervogel ausgiebig und machte noch als Belohnung ein paar Spielchen mit ihm, ehe er im Stall ein wenig Mash bekam und dann zurück auf die Weide durfte.
    • Stelli
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      Alte Berichte (c) Eddi
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      Equikinetic
      02. April 2015
      Von einigen Seiten ertönten inzwischen ungeduldige Rufe was Feuervogels Ausbildung betraf. Ich gab zu, ich hatte dem Hengst sehr viel Zeit gelassen, er war inzwischen sechs Jahre und noch nicht eingeritten, aber er war eine ruhige und entspannte Schönheit, mit der man jederzeit ohne Sorge arbeiten konnte und das war es mir wert, dass ich ihm alle Zeit der Welt ließ, gekört würde ich ihn auch so bekommen.
      Auch heute kam er sofort angetrabt, als ich an das Gatter der Weide trat und nach ihm rief. Feuervogel arbeitete sehr gerne mit und schien genauso gespannt wie ich zu sein, was wir heute machen würden. "Na mein Hübscher?", begrüßte ich ihn mit der alten Floskel, halfterte ihn auf und führte ihn in den Stall. Momentan machte uns das Aprilwetter etwas zu schaffen, denn es war echt wechselhafter denn je. Natürlich war das sehr gut für die Natur, denn die brauchte Regen und Sonne in so regem Wechsel, aber für uns Reiter war es anstrengend, einfach nur anstrengend.
      So war auch Feuervogel von unten bis oben eingeschlammt und was ich als erstes machte, war ihn einfach nur abspritzen. Der Schlamm war nass und mindestens zwei Zentimeter dick, das hätte ich nie abgeputzt bekommen. Außerdem kam so direkt noch eine Schicht Winterfell herunter. Als Feuervogel dann sauber war, stellte ich den Hengst direkt unter unser Solarium, wo er trocknen konnte. Feuervogel liebte es, mit welcher Fürsorge er behandelt wurde.
      Nachdem er sauber und trocken war, wollte ich ihn heute an einen normal gewichtigen Sattel und die Trense kennenlernen. In der Halle warteten diese beiden Gegenstände auch auf uns. Feuervogel kannte bereits einen leichten Trainingssattel, aber das neue Gewicht war im erst einmal fremd. Dennoch benahm er sich einwandfrei und ich longierte ihn heute auch anfangs mit dem Sattel. Nachdem er brav im Schritt und Trab gelaufen war, sattelte ich ihn ab und arbeitete mit ihm nach Equikinetic. Seit gut zwei Monaten machten wir schon diesen Spaß und Vögelchen war inzwischen ein prächtiger bemuskelter Hengst und er war groß geworden!
      Inzwischen maß er 150cm an Stockmaß und wirkte trotzdem noch einmal fünf Zentimeter größer. Nach der anstrengenden Longiereinheit ließ ich die Trense für heute dann doch wegfallen, wir hatten noch genug Zeit und vielleicht ritten wir ihn ja gebisslos ein? Vögelchen war ein super lieber Hengst und mit ihm wäre das sicherlich kein Problem.

      Einreiten
      01. Juni 2015
      Circa Mitte April hatten wir Feuervogel inzwischen so weit aufgebaut, dass er bereit war, das Training unter dem Sattel weiter zu führen. Sattel, Trense und Reitergewicht kannte er bereits. Und da wir viel Bodenarbeit gemacht hatten, verstand er auch schnell die grundlegenden Hilfen von oben, da wir beides recht ähnlich gehalten hatten. Inzwischen war Juni und Feuervogel ging nun fast einen Monat unter den Sattel. Natürlich gab es für ihn nebenbei immer auch noch das Aufbautraining vom Boden aus und dementsprechend oft trudelte auch der Sattler ein, aber das war es uns wert.
      Feuervogel zeigte die traumhaften Gangarten seines Vater und war wirklich ein wahrer Dressurcrack. Besonders in seine Galoppade hatte ich mich schlichtweg verliebt. Für mich war der Galopp sowieso immer das Augenmerk beim Pferdekauf. Sobald das Pferd auch nur annähernd schwungvoll und aufwärts galoppierte, war ich hin und weg. Und Feuervogel übertraf das Ganze noch. Von Anfang an glänzte er mit einer unglaublichen Balance unter dem Reiter und obwohl wir ihn lange schonten, konnte er schon bald die grundlegenden Bahnfiguren. Zirkel, Volten und Handwechsel waren kein Problem.
      Ich liebte es, den jungen Hengst zu reiten und gab ihn ungern an einen anderen ab, leider war das ab und an auch einmal von Nöten. Bis ich beschloss, ihn ins offizielle Training zu schicken und wer war da besser als meine beste Freundin Elisa? Mit ihrem Ausbildungsbetrieb hatte sie sich bereits einen großen Namen gemacht und sie liebte Reitponys, sie war ideal für uns! Diesen Monat sollte es für Feuervogel dann auch losgehen. Ich glaube, die beiden würden sich auf Anhieb verstehen und lieben. Doch vorher musste Feuervogel noch mit mir Vorlieb nehmen.
      So holte ich auch heute wieder meinen schicken Palomino von der Weide, putzte ihn gründlich und sattelte ihn. Ich war stur gewesen und so besaß Feuervogel all sein Zubehör in braun. Nur die Dressurausrüstung würde schwarz bleiben, zumindest wenn wir durch Turniere kommen wollten. In den braunen Vielseitigkeitssattel war ich trotzdem verliebt. Generell war Feuervogel eigentlich das einzige Pferd, bei dem ich wirklich auf sein Aussehen achtete und wo alles zu stimmen hatte. Aber wenn er die richtigen Farben trug, sah er einfach noch besser aus! Das konnte niemand leugnen.
      Heute machten wir nur eine lockere Trainingseinheit. Ich wollte die Grundlagen noch einmal durchgehen und eventuelle Schwächen mindern, so dass Elisa dann direkt mit einem motivierten Pferd loslegen konnte. Feuervogel enttäuschte mich nicht. Die Übergänge saßen, er war motiviert bei der Sache und stand fein an den Hilfen. Niemand würde mir glauben, dass dieses Pferd erst so kurz unter dem Sattel war. Sein einzige wirkliche Schwachstelle war noch das angaloppieren, er kam noch nicht richtig vorwärts und brauchte immer einige Sekunden bis es klick machte, aber das durfte er ruhig.
      Ausklingen ließ ich das abendliche Training dann mit einer kleinen zusätzlichen Runde durch Gelände, gemütlich im Schritt natürlich. Danach spritzte ich ihm seine Beine ab und dann ging es für meinen hübschen Vierbeiner auch schon wieder zurück zum Stall. Dort bekam er noch seine Portion Mineralbricks mit Apfel und Karotte als Belohnung für das gute Training. Dann hieß es Schluss und Feuervogel durfte entspannt zurück auf die Weide.

      Sommergewitter
      23. Juli 2015
      Es war mal wieder schön, ausschlafen zu können und nicht wegen der Hitze schon so früh am Morgen draußen rumturnen zu müssen. Momentan zogen die Sommergewitter nur so über Wyoming und dementsprechend runtergekühlt war es nun auch, man konnte eigentlich schon wieder lange Sachen anziehen, beziehungsweise sollte es sogar, denn wenn man so stur blieb wie ich, sah man auch so aus wie ich diesen Morgen: blass und total verschnupft.
      Seufzend entschwand ich ins Bad um mich dort zumindest einigermaßen ansehnlich zu machen. Draußen war der Himmel grau, aber es regnete wenigstens nicht, also würde ich zumindest nicht noch einmal vollkommen nass werden. Unten in der Küche war auch bereits Kat unterwegs und bot mir direkt ein Glas Wasser und ein Aspirin an. „Danke“, murmelte ich knapp, schluckte die Tablette und frühstückte dann. Zumindest das, was ich herunterbekam.
      Trotz Erkältung musste die Pferde bewegt werden und besonders die Zuchtanwärter. Eine unerwartete Pause im Training von meinen Vierbeinern konnte ich mir schlichtweg nicht leisten. Also schlüpfte ich nach der Fütterung in meine Reitsachen und es ging direkt los. Wie dankbar ich war, den Stall nicht als reinen Stall gelassen zu haben, sondern aus ihm zumindest eine kleinere Halle zu machen. Bei dem regnerischen Wetter würde ich heute öfter dorthin ausweichen müssen.
      Erst einmal wollte ich die Körungskandidaten abarbeiten, denn diese hatten momentan schlichtweg Vorrang. Deshalb holte ich mir Classic Gold aus der Box, band sie direkt davor an und nahm ihr die Stalldecke ab. Classic Gold war das typische Vollblut, nicht nur einen typischen Namen hatte sie, nein, sie sah auch ziemlich genau so aus, wie sich jeder ein Vollblut vorstellte. Nur, dass sie nicht mehr sonderlich oft auf der Rennbahn zugegen war. Eine sehr gute Karriere hatte sie da dennoch hingelegt, aber wir widmeten uns inzwischen bevorzugt der Distanz und als erfrischende Abwechslung dazu auch dem Geländereiten.
      Für ein Vollblut war Classic Gold sehr ruhig und entspannt und auch heute ließ sie sich wunderbar von mir longieren. Wir waren inzwischen auf M-Niveau was die Distanz betraf, dementsprechende Ausdauer besaß die Stute auch. Ebenso strotzte sie nur so vor Muskeln und war eigentlich so gut wie bereit für die Krönung. Wir hatten sogar schon eine rausgesucht und gemeldet, nur hinfahren mussten wir noch.
      Nach der lockeren Trainingseinheit deckte ich Classic ein und führte sie noch zum Abtrocknen eine Runde über den Hof. Classic war bei dem Wetter genauso empfindlich wie ich und deshalb ging ich lieber auf Nummer sicher. Außerdem bekam sie wieder ihre Stalldecke drauf und dann ging es zurück in die Box. Eigentlich Ironie, wenn man sein Pferd Ende Juli eindecken musste, aber was solls. Ich war ja das beste Beispiel dafür, was passierte, wenn man es ignorierte.
      Nach Classic Gold war die zweite Krönungskandidatin an der Reihe. CH’s Sun is Shining hatte sich inzwischen gut bei uns eingelebt und war auch momentan im Training. Dass sah man der jungen Araberstute an und wie immer war sie ein wenig aufgeregt, als ich sie von der Weide in den Stall holte und sie fertig machte. Da sie demnächst noch zum Trainer kommen würde, wollte ich sie nur locker vorwärts-abwärts reiten und es dann für heute dabei belassen.
      Sunny lief sehr fleißig vorwärts und es war immer ein pures Vergnügen die Stute zu reiten, ehrlich. So war auch dieser Ritt wieder sehr angenehm und ich konnte das Training zufrieden beenden. Nachdem Sunny versorgt war, holte ich Hollybrook’s Zarin. Ich liebte den Hengst ja abgöttisch, aber zwischenzeitlich waren wir echt einfach nicht vorwärts gekommen. Es hatte kein vor und kein zurück gegeben, schrecklich.
      Seit kurzem trainierte ich nun wieder mit ihm und ritt ihn auch regelmäßig auf Turnieren. Der Witz war, der Hengst liebte das Fahren. Davon war ich nun gar kein Fan, aber Zarin zu liebe hatte ich mein Wissen erneut aufgefrischt und motiviert zeigte sich der Hengst nun auch vor der Kutsche. Ich hoffte ja inständig, dass ich mit diesem Argument Elisa überzeugen könnte, den Hengst auch zu trainieren, sie mochte das Fahren doch genauso sehr wie er.
      Heute longierten wir aber nur, denn sowohl fürs Reiten als auch fürs Fahren waren starke Rückenmuskeln wichtig und da fehlte es Zarin gerne mal noch. Also mussten wir das aufarbeiten. Zarin machte fleißig mit und während er so seine Runden um mich drehte, musste ich daran denken, wie er als kleines Fohlen noch mit der Mama über die Weide getrippelt war. Zu süß!
      Nach Zarin schwang ich mich in den Sattel von Leitz. Zuvor hatte ich draußen auf dem Platz eine gute halbe Stunde damit verbracht, einen Springparcours aufzubauen. Keine spaßige Sache. Leitz war wie immer motiviert, beinahe zu motiviert und ich hatte ab und an zu tun, den großen Holsteiner wirklich unter Kontrolle zu haben. Aber ihm machte es Spaß und so arbeiten wir eben auch an unseren Problemchen. Damit ich den Parcours nicht nur für ein Pferd aufgebaut hatte, schwang ich mich fast direkt von einem Palomino auf den nächsten. Kat hatte angeboten, Leitz zu versorgen und so hatte ich mir direkt Allelujah geschnappt.
      Der aufmüpfige Kerl konnte ruhig mal wieder arbeiten. Da hatte ich mir von Elisa auch einen Chaoten andrehen lassen. Allelujah hatte sich inzwischen echt gebessert, aber manches Mal war er einfach noch anstrengend und genauso schrecklich wie am Anfang seiner Tage. Da seine größte Leidenschaft das Springen war, arbeitete er heute auch wunderbar mit und ich konnte mich wirklich nicht beklagen. Motiviert nahm er die Hindernisse, blieb dabei aber dennoch bei mir und reagierte sensibel auf meine Hilfen. Als Belohnungen gingen wir dann noch eine kleine Runde im Schritt ins Gelände, ehe er zurück auf die Weide durfte.
      Eigentlich war ich mit meiner Erkältung jetzt schon an meinen Grenzen, aber ich hatte nicht einmal die Hälfte der Pferde geschafft. Nachdem mich Laurel, die Reitbeteiligung von Lila Wolken, beinahe ewig angebettelt hatte, hatte sie es nun tatsächlich geschafft, dass wir mit den beiden Isländern zu einem Kurs fürs Gangreiten fahren würden. Laurel auf Lila Wolken und ich auf Hákur. Ganz so überzeugt war ich von der Idee ja noch nicht wirklich, aber als Besitzerin von inzwischen vier Isländern blieb mir nicht sonderlich viel übrig.
      Deshalb hatten Laurel und ich uns für heute auch zum Training verabredet. Motiviert sattelte das junge Mädchen die Scheckstute, während ich mir meinen hübschen Falben fertig machte. Gemeinsam wärmten wir die beiden dann auf und schon ging es los. Lila Wolken und Laurel waren ein klasse Team und was die da teilweise auf der Bahn zeigten, war beeindruckend! Da konnten Hákur und ich noch nicht wirklich mithalten, aber gut, irgendwie würden wir das auch noch hinbekommen, da war ich mir sicher. Zum Glück war Hákur heute auch nicht allzu motiviert, so dass ich heimlich einiges auf ihn schob.
      Nachdem die Isländer geschafft waren, fragte Laurel, ob sie mir noch helfen könnte. Ich grinste sie fröhlich an. „Wenn du genügend Lust und Zeit hast, hier gibt es noch genug zu tun“, meinte ich lachend und sie nickte begeistert. Sicherlich würde ich eine RB nicht auf alle meine Pferde lassen, aber Laurel war talentiert und vor allem verantwortungsbewusst. Bei ihr waren Pferde wirklich gut aufgehoben, aber den Ruf hatte sie sich natürlich auch erst einmal erarbeiten müssen. Nun sammelte sie dafür aber auch das Lob und den Lohn.
      „Du kannst gerne Morning Sun reiten und danach noch Animby longieren“, meinte ich und schon war Laurel verschwunden, auch nicht schlecht, wenn man eine Aushilfe hatte, zwei Pferde weniger. Ich machte mir stattdessen Ice Coffee fertig. Seit neustem plante ich, auch die Paint Stute langsam in Richtung Körung zu bekommen, sie wäre das ideale Gegenstück zu Twist und das wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Außerdem baute Jani sich im Moment wieder eine aktive Westernzucht auf und als Leihpferde gab ich meine Vierbeiner dort nur zu gerne hin.
      Nach der Westernstute ritt ich auch noch Dr. Insektor. Mit ihm war es das gleiche Spiel wie mit Zarin, momentan kamen wir einfach nicht voran. Aber ich hoffte einfach, dass der Hengst nur Zeit brauchte und dann würde das klappen. Stattdessen machte ich dann noch ein wenig Bodenarbeit mit Schneeleopard und ging eine Runde mit Absinth spazieren. Beide Hengste waren motiviert mit dabei und dementsprechend klappte auch alles gut. Als nächstes beschäftigte ich mich mit Feuervogel. Wir ritten heute nur ein wenig ohne Sattel in der Halle, denn so wirklich Lust hatte ich nicht mehr und Feuervogel hatte sich sowieso ein Päuschen verdient. Grinsend musste ich immer an Elisa denken, wenn ich ihn ritt.
      Danach lud ich Laurel noch zu einem Ausritt ein. Für den setzte ich sie auf Sika und ich machte mir Cual Maniaca fertig. Wir erfrischten eine lange Trockenphase zwischen den Regengüssen und konnten den Ausritt sogar richtig genießen. Zu guter Letzt versorgten wir die beiden Pferde und ich musste nur noch zwei Chaoten bewegen, dann hätte auch ich es endlich geschafft.
      Scheherazade longierte ich heute nur und Cover the Sun ritt ich dressurmäßig, der junge Hengst sollte auch langsam ins Training. Ich war mir aber sicher, dass er das mit Bravour schaffen würde. Zufrieden versorgte ich auch noch ihn und dann gönnte ich mir eine heiße Dusche, um mich danach in eine Decke auf dem Sofa einzumümmeln.

      Alles hat ein Ende
      27. August 2015
      Grübelnd saß ich gemeinsam mit Kat und Ethan am Frühstückstisch. Ich wusste gar nicht so recht wie ich beginnen sollte, aber vielleicht fing ich einfach an, das wäre wohl das einfachste. „Leute? Ich muss euch was sagen“, meinte ich und zog die Stirn ein wenig kraus. Ethan und Kat sahen mich neugierig an, sie schienen mit nichts Besonderem zu rechnen, maximal mit einem neuen Pferd, aber sonst. „Es ist nicht das was ihr denkt“, sagte ich genervt und haute es dann einfach raus: „Ich ziehe weg. Die Ranch steht schon zum Verkauf.“
      Tja, da waren meine beiden Mitbewohner erst einmal baff, aber es ging nicht anders. Ich hatte die Pause in Wyoming wirklich genossen, aber es war langsam Schluss damit. Ich sehnte mich wieder nach einem richtigen Gestüt und nach Mitarbeitern und genau das wollte ich umsetzen. Kat und Ethan schwiegen, sie schienen nicht so recht zu wissen, was sie sagen sollten. Auch sie hatten diese Pause genutzt, um aus ihrem alten Stress heraus zu kommen, aber beide waren eher Stadtmenschen und nicht für das Land geschaffen und das hatten sie auch schon oft zugegeben.
      Wir frühstückten relativ schweigend zu Ende und dann machte ich mich auch schon auf den Weg nach draußen, die Pferde mussten immerhin versorgt werden. „Ich übernehme die Hengste!“, erklärte sich Ethan bereit und stand mit auf. Schweigend warf ich vier Heubündel auf die Schubkarre und machte mich auf den Weg in Richtung Stutenweide. Die Heunetze wurden alle frisch aufgefüllt und der Rest kam in die Raufen. Dann mistete ich die Unterstände und machte mich auf den Weg zu den Fohlen.
      Im Stall traf ich wieder auf Ethan, der nun auch fertig war. Gemeinsam brachten wir die neueren Pferde auf die kleineren Weiden und misteten deren Boxen aus. Neu waren Fandango und Scheherazade, welche immer noch getrennt von den anderen standen, das war mir doch lieber. Doch schon bald sollten dann auch sie umgesiedelt werden, aber ein wenig Zeit hatten wir ja noch. Da nun die grundlegende Arbeit fertig war, konnte ich mit dem Training beginnen. Dabei standen an vorderster Spitze unsere momentanen Körungskandidaten und davon hatten wir mehr als genug.
      Dementsprechend holte ich Classic Gold und CH’s Sun is Shining von der Weide. Zweitere packte ich erst einmal auf den Paddock und erstere wurde geputzt und zum Longieren fertig gemacht. Den Probedurchlauf für die Krönung hatten Classic Gold und ich schon hinter uns, nun wurde es langsam ernst und ich hoffte, dass das bald mal von Statten gehen würde. Hier in Wyoming hatten sie es nicht so mit regelmäßigen Krönungen, die waren manchmal Monate lang offen.
      Classic Gold longierte ich heute nur locker vorwärts-abwärts. Sie sollte fit bleiben, aber gestern waren wir auf einem Turnier gewesen, deshalb machten wir heute nur muskelkater-vorbeugendes Training. Sunny musste stattdessen mehr dran glauben. Die Araberstute sattelte ich mir und ging mit ihr für ein Stündchen auf den Reitplatz, um die kommenden Aufgaben durchzureiten und unsere Fehler noch auszubessern.
      Danach waren Ice Coffee und Cual Maniaca an der Reihe. Ich schnappte mir Kat für einen kleinen Ausritt und setzte die Anfängerin auf die brave Westernstute. Manni wäre nichts für sie gewesen, sie war viel zu zickig dafür. Der Ausritt verlief aber ganz entspannt, auch wenn Kat nur grummelnde Töne von sich gab. Wieder auf der Ranch traf ich auf Laurel, welche die Reitbeteiligung von Lila Wolken und Hákur war, dementsprechend waren die beiden Isländer heute versorgt.
      „Wenn du fertig bist, können wir auch noch einen Ausritt mit Milka Luflee und Hyreygur machen!“, bot ich ihr an und Laurel schien sich nach einem anstrengenden Schultag sichtlich auf diese Abwechslung zu freuen. In der Zwischenzeit bewegte ich Allelujah und Feuervogel, meine beiden hübschen Palominos. Mit beiden Junghengsten hatte ich genug zu tun und war danach eigentlich auch echt k.o., aber der Tag war noch nicht einmal zur Hälfte rum! Auf mich wartete nun noch ein Dressurtraining mit Dr. Insektor und ein Geländeritt mit Hollybrook’s Zarin. Ethan wollte uns auf Schneeleopard begleiten und das Training beobachten, außerdem wollte ich ungern alleine im Gelände springen, wenn doch einmal etwas passierte, hatte ich keine Hilfe vor Ort.
      Ethan versorgte danach beide Hengste, damit ich in der Zeit erst Animby und dann Absinth longieren konnte. So viele Pferde alleine zu bewegen machte definitiv keinen Spaß. Umso dankbarer war ich dann, als die ersten Pferdemädchen eintrafen. Ich hatte zwei feste Gruppen je fünf Mädchen erstellt, welche zweimal die Woche kamen und Reitunterricht bekamen. Sie hatten auch jeder ein eigenes Pflegepferd und so standen einige Minuten später fünf Stuten am Putzplatz und wurden vorbildlich versorgt.
      Dabei handelte es sich um Apache’s Tomahawk, Caribic Sue, Freeway, Walking in the Air und das Kürbisvieh. Die Mädchen liebten ihre Pferde und gingen immer sehr umsichtig mit ihnen um. Dementsprechend verlief auch die heutige Stunde wieder sehr entspannt und lehrreich. Am Ende standen alle Pferde wieder zufrieden auf den Weiden und die erste Gruppe zog ab. Aber die zweite stand schon in den Startlöchern.
      Da diese aber jünger war, holte ich die Pferde selbst von der Weide. Aus dem Grund fing ich mir Naimibia, Herbsttraum, Occani, Deep Silent Complete und Come Whatever May ein und nahm sie mit zum Putzplatz. Dort wurden sie direkt umzingelt und liebevoll versorgt. Für die zweite Gruppe stand heute ein Spazierritt an und deshalb nahm ich die kleine Little Chocolate Chip als Handpferd für mich mit, während ich mir Chou fertig gemacht hatte.
      Nach dem Ausritt ging es wie immer noch einmal zu den Shetlandponys und diese wurden dann mit Streicheleinheiten und Leckerlis umsorgt. Werina und Mondscheinsonate liebten das besonders, aber auch Window holte sich gerne das ein oder andere Leckerli ab. Hoppla stand mit bei dem kleinen Shetty und bekam dementsprechend auch Streicheleinheiten.
      Danach war auch die zweite Gruppe weg und nun war es bereits später Nachmittag. Ich gönnte mir eine Pause, bei welcher ich bei Khiara El Assuad und Quintesse of Xaras vorbeischaute. Die beiden standen grasend am Koppelzaun und ließen sich gerne ein wenig kraulen. Dann ging es für mich auch schon in den Endspurt. Sika, Cover the Sun, Morning Sun und Raunchy’s Limited wollten noch bewegt werden, außerdem musste ich auch noch bei Joyce vorbeischauen. Danach war ich für heute fertig, die Pferde bekamen noch ihr Abendheu und dann ging es unter die Dusche und zum Abendbrot.
      Am nächsten Tag saßen wir erneut schweigend am Frühstückstisch, bis Kat damit rausplatzte, dass sie eh wieder zurück nach New York kehren wollte und Ethan sich auch dafür entschieden hatte. „Das ist gut. Ich habe nämlich auch schon Interessenten für die Ranch“, meinte ich lächelnd und schaute in zwei entsetzte Gesichter, damit hatten sie anscheinend nicht gerechnet. Tja, so war das Leben.
      Der Tag begann wie jeder andere mit Füttern und Abmisten und dann ging es los mit dem Training. Heute widmete ich das vor allem den Hengsten und Fohlen. Zu allererst waren Leitz und Vertigo an der Reihe. Beide ließ ich freispringen. Danach ging es direkt im fliegenden Wechsel weiter, denn Sikari musste noch longiert werden und mit Rosewell arbeitete ich weiter am Fohlen ABC, das saß nämlich noch nicht so richtig. Piccolo’s Blaze, Niyo und Caillou hatten momentan frei, deshalb hatte ich genug Zeit, mich um unsere Nachzuchten zu kümmern. Korah schmuste ich nur, aber mit Panta Rhei und Amadahy ging es schon in Richtung Bodenarbeit.
      Danach war Talya an der Reihe, die junge Stute machte sich momentan wunderbar, allerdings war sie noch längst nicht an der Reihe. Erst einmal würde Amazed Marlin an einer Krönung teilnehmen und hoffentlich so in die Fußstapfen von They call her Fiorina und Donatella treten. Ebenso war Elliot erst kürzlich gekört wurden und nun der neuste Zuchthengst im Stall. Calimero II musste stattdessen erst einmal lernen, dass man während des Putzens still stand, da hatte er viel mit Frozen Bubble und Nabiri gemein, denn alle drei Fohlen waren die Unruhe in Person.
      Deshalb brauchte ich dann erst einmal eine Fohlenpause und holte mir Pajero und Heartbreaker für einen Ausritt. Heartbreaker ging als Handpferd mit und wir genossen den Ausritt wirklich, er war mal wieder richtig schön entspannt. „Ausritt mit den Westernpferden?“, fragte ich Kat und Ethan und natürlich sagten diese nicht nein. Also machten wir uns gemeinsam mit Dissident Aggressor, Call me a Twist und Morrigan auf den Weg. Die Weidezäune kontrollierten wir nebenbei auch direkt und schlichteten einen heftigen Streit zwischen Golden Ebano und Pawaneeh. Die beiden Vollbluthengste konnten sich noch nie wirklich leiden und zankten sich selbst über den Zaun hinweg an.
      Wieder da stattete ich kurz Aristo und Thorondor einen Besuch ab. Die beiden hatten heute frei, genauso wie Bandit und die drei schienen damit sichtlich glücklich zu sein. Im Gegensatz zu Hugo Boss, der nämlich mit mir in die Springstunde musste, genauso wie Carachillo und Varulv. Denn drei der gestrigen Reitmädels waren schon etwas fortgeschrittener und sprangen für ihr Leben gerne.
      Nach dieser Stunde wurden die Hengste abgesattelt und abgewaschen. Der Tag neigte sich bereits dem Ende zu, dabei musste ich noch Albertino longieren, mit Altyn ins Gelände und mit meinem geliebten He’s called Trüffel wollte ich noch ein wenig Bodenarbeit machen. Denn der junge Hengst stand seit neusten mit bei den großen und wurde allmählich zum Reitpony ausgebildet. Also theoretisch war er schon eingeritten, aber manchmal war er noch etwas schreckhaft und die Kommandos saßen noch nicht, aber genau das wollte ich heute ein wenig erarbeiten, damit dann das Training unter dem Sattel einfacher von der Hand gehen würde. So wie ich Trüffel kannte, würde er sowieso einwandfrei mitmachen und wir würden auch heute wieder große Fortschritte erzielen. Ich erahnte bereits, dass ich das kaum schaffen würde, aber ich gab mir Mühe und siehe da! Am Ende des Tages waren alle Pferde versorgt.
      Der nächste Morgen war von Stress geprägt, denn Kat hatte ein plötzliches Vorstellungsgespräch in New York erhalten und musste deshalb schon eher los. Ich war eigentlich gerade dabei, nach potenziellen Höfen zu schauen, als Ethan ins Haus gestürmt kam und mir wild gestikulierend erklärte, dass der Zaun der Jungpferde ein Leck zu haben schien und die Hälfte davon im Nirgendwo war. Toll.
      Also schnell anziehen und los auf die Suche. Vorher machte ich aber eine Bestandsaufnahme von den Verbliebenen und sperrte das doch beachtlich große Loch im Zaun ab. Da waren noch circa 8 Fohlen. Ich konnte Sibiria entdecken, Caruso, Paddington, Outlaw Torn, Dead Memories, Hollybrook’s Tiny Girl, Destiny Horror und Hollybrook’s Fairy Bluebird. Also fehlten eindeutig noch genug.
      Als erstes entdeckte ich mitten im Wald Prazzys Goldbell. Der wollte sich natürlich gar nicht einfangen lassen und kam nur zu mir, weil Shawnée wiehernd und im Eiltempo auf mich zugetrabt kam. Ethan hatte auch Glück und erwischte Dead Memories und Never look back. „Puh. Wäre der was passiert, wäre ich dran gewesen!“, meinte ich lachend und musste an Elisa denken.
      Es fehlten noch Mellow Billow und Mon petit écrou. Die beiden Stuten waren aber gar nicht so weit gekommen wie gedacht und ich hatte auch beim Einfangen Glück. Auf dem Heimweg mit beiden lief uns noch Cruel Twist of Fate über den Weg. Und wieder an der Weide entdeckte ich Ethan mit Unitato und Abendprinz. Nun fehlten ja nur noch…ach ne!
      Da hatte ich noch einmal Glück gehabt, denn Herbstmond lief noch bei ihrer Mama mit und Acariya hatte ich auch mit zu den Welshponys gepackt. Um Sacre Fleur brauchte ich mir momentan keine Gedanken machen, die verweilte noch bei ihrer Mama bei kira, wobei sie auch langsam abgesetzt werden müsste…
      Ein letztes Mal zählte ich durch um zu kontrollieren, ob wirklich jeder da war, dann konnte ich mich zufrieden der Tagesordnung widmen.

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      Tierärztliche Klinik Caen
      08. Oktober 2015
      Heute ging es für mich fix in den eigenen Stall. Wirklich nur fix, weil ich spontan keinen anderen Tierarzt auftreiben konnte. Meine eigenen Pferde ließ ich ja normalerweise lieber von anderen Tierärzten untersuchen, aber heute blieb mir nichts anderes übrig. Meine drei Reitponyhengste sollten für ein großes Turnier fit sein und Übermorgen ging es auf die lange Reise für Feuervogel, Absinth und Allelujah. Alle drei hatten großes Talent, aber es sollte vor allem als Training für sie dienen und als Gewöhnung an eine neue Atmosphäre.
      Als erstes war Feuervogel an der Reihe. Ich ließ ihn mir von der Pflegerin vorführen und untersuchte dann erst einmal Augen und Zähne. Danach hörte ich ihn ab und dann wurde er noch von mir abgetastet. Alles war in bester Ordnung. Er bekam seine Influenza- und Herpesimpfung und die Wurmkur verabreicht und war dann auch schon fertig, so erfüllte er alle wichtigen Bereiche für das Turnier. Als nächstes war Absinth an der Reihe.
      Auch ihn ließ ich vorführen, untersuchte ihn dann gründlich, ehe auch er geimpft und entwurmt wurde. Zu guter Letzt war Allelujah an der Reihe. Mein hübscher Palomino war eindeutig kein Fan vom Tierarzt und machte das auch nur allzu deutlich. Er war sehr unwillig und wollte am liebsten gar nicht still halten. Trotzdem hatte ich auch ihn bald untersucht, abgehört und abgetastet. So war auch Allelujah geimpft und entwurmt und meine drei Hengste bereit für ihre große Reise.

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      Jolympia
      16. Oktober 2015
      Es war von Anfang an sehr naiv gewesen, mitsamt drei Deutschen Reitponys bei Jolympia aufzukreuzen. Witziger Weise wurden wir auch in die Quartiere eingeteilt, die direkt auf Townsend Acres lagen, ob das nun an mir lag oder eher an meinen Pferden war unklar (wobei, eher an den Pferden). Also brachte uns der Transporter auch direkt zum Stallzelt auf TSA, wo wir von einer aufgeweckten Gwendolyn begrüßt wurden, die anscheinend das Begrüßungskomitee darstellte.
      Sie fragte uns nach den Namen und zeigte mir dann die drei Boxen meiner Hengste. Wir waren direkt am Stalleingang und die Boxen lagen nebeneinander, wie ideal. Gemeinsam mit einer Pflegerin lud ich also Allelujah, Absinth und Feuervogel aus und brachte die drei in ihre Boxen. Sie waren sichtlich aufgeregt, aber auch mindestens genauso motiviert, wie man es sich von Turnierponys eben wünschte.
      Und dann tauchte sie auf. Sie schien schon auf unsere Ankunft gewartet zu haben und hüpfte nun fröhlich die Stallgasse entlang, ehe sie vor mir stehen blieb. Ihr erstes Wort „FEUERVOGEL!“, also nicht dass ihr denkt sie hätte mich begrüßt oder so. Nein, sie stürmte direkt zu meinem Palomino und knutschte ihn ab. Danach waren aber auch die anderen beiden an der Reihe und erst jetzt fiel mir der fatale Fehler in meiner Pferdewahl aus. „Nächstes Mal lieber die Welshs“, grummelte ich still.
      Elisa belagerte uns beinahe den ganzen Tag und war nur kurz weg, um irgendwelche Anmeldungen entgegen zu nehmen und dann rückte sie endlich mit dem heraus, was ihr anscheinend schon ewig auf der Zunge lag: „Sag mal. Ich habe gehört, dass einer deiner Reiter ausfällt.“ – „Ah ja? Und wieso weiß ich das noch nicht?“ – „Oh.“
      Heraus kam, dass komischerweise Feuervogels Reiter verhindert war und ich nun drei Pferde, aber nur noch zwei Reiter hatten. Da jedes Pferd in allen drei Prüfungen startete, gestaltete es sich durchaus schwer, zwei Pferde gleichzeitig zu reiten, also würde ich eins wohl aus der Wertung nehmen müssen. „Ne ne! Das musst du doch nicht! Also eigentlich reite ich nicht mit, aber für dich würde ich eine Ausnahme machen!“, wurde mir da entgegen geworfen und ich starrte Elisa nur an. Am Ende hatte sie meinem dritten Reiter entweder bestochen oder weggesperrt, konnte ja nicht nur zufällig Feuervogels Reiter sein.
      „Dann kannst du ja Allelujah nehmen!“, meinte ich grinsend und schob sie zur Box des zweiten Palominos, nur um dann zu Feuervogel zurückgeschoben zu werden. „Na das ist doch Quatsch! Ihr beide seid jetzt schon so gut eintrainiert und Feuervogel kenne ich wenigstens schon durch das Training!“ – Ich wurde eine halbe Stunde lang bearbeitet, bis ich aufgab und ja sagte.
      Fraglich war, ob ich hier überhaupt wieder mit drei Pferden verschwinden konnte, wenn wir das Turnier hinter uns gebracht hätten.

      Weihnachten
      30. Dezember 2015
      Pünktlich sieben Uhr morgens trällerte mein Wecker „Shake up the happiness, wake up the happiness…“ und versetzte mich zurück in das Gefühl der letzten Tage. Vor kurzem waren wir umgezogen und hatten es Anfang Dezember dann endlich geschafft, dass alle Pferde auf das neue Gestüt zogen und nun stand mir ein Neubeginn vor. Nochmal von vorne, aber es fühlte sich richtig und gut an.
      Seit Tagen verbrachten nun ich und die Pfleger vor allem auch Zeit damit, alles weihnachtlich zu schmücken, denn am 23. Dezember würden wir unsere Weihnachtsfeier haben und bis da waren es nun nur noch knapp vierundzwanzig Stunden, in denen allerhand geschafft werden musste. Die Pferde hatten zwischenzeitlich ein wenig Pause gehabt, denn ich hatte mich erst einmal ordnen müssen.
      Da das Gestüt aber über genügend Weiden verfügte, verbrachten sie ihre freie Zeit eben dort. Da der Winter momentan auch gar kein Winter war, konnten sie auch ungestört über die fast schon zu grünen Wiesen toben und ich musste ein wenig aufpassen, dass sie mir nichts zerstörten, aber so lange es trocken blieb, war alles gut. Tatsächlich war es dieses Jahr wirklich kein Winter. Stattdessen hatten wir täglich um die 15 Grad und Sonnenschein, es war eher wie Frühling.
      Dementsprechend fiel es alle Beteiligten schwer, sich wirklich in ein Winterfeeling zu versetzen, aber es blieb uns ja nichts anderes übrig, wenn in zwei Tagen Weihnachten sein würde. An sich hatte ich an dem Tag meinem ganzen Personal frei geben wollen, aber sie wollten zumindest bis Mittag noch ihren Dienst verrichten und mich bei der großen Anzahl an Pferden unterstützen. Dafür dankte ich ihnen sehr und am morgigen Abend würde jeder noch eine kleine Überraschung von mir erhalten.
      Doch nun musste ich mich erst einmal aus dem Bett schälen und mich allmählich fertig machen, denn die Pferde warteten schon auf ihr Frühstück und dann wollten sie auch schon hinaus auf die Weide. Bisher hatte ich nicht viel Personal, weshalb ich selbst noch kräftig mit anpackte. Jeder hatte eine bestimmte Aufgabe verteilt bekommen, weshalb sie Pferde schon gefüttert waren, als ich angezogen und gefrühstückt in den Stall trat. Stattdessen ging es nun auf die Weide. Immer mit zwei Pferden verließ ich den Stall und brachte sie auf ihre bestimmte Weide. Um dem Personal einen Leitfaden zu geben, hing zum einen im Stall ein großer Plan und zum anderen stand sowohl an den Boxen als auch an den Weiden, wer wo hingehörte. So konnte ich mir sicher sein, dass alle Pferde dorthin kamen, wo hin sie sollten.
      Die Fohlen waren heute wieder besonders aufgeregt, für sie konnte es nie schnell genug nach draußen gehen. Besonders Hidden Flyer und Exciting Force waren immer sehr stürmisch. Die beiden Vollblutfohlen waren noch nicht sonderlich lange in meinem Besitz, weshalb ich sie bisher nur schwer einschätzen konnte, aber ich gab mir Mühe und so langsam kam ich dahinter. Zumindest rissen sie sich inzwischen nicht mehr samt Halfter und Strick los, sondern warteten, bis ich diese entfernt hatten.
      Heute sollte ein normaler Alltag anstehen, trotz der Tatsache, dass der 22. Dezember war, hatten wir noch genügend Anmeldungen für unsere heutigen Reitstunden. Eine würde ich halten, die andere würde auf das Konto einer mobilen Reitlehrerin gehen. Doch vorher wollte ich das sonnige Wetter für einen Ausritt nutzen. Leider fand sich spontan kein Mitreiter, weshalb ich entschied, mich selbst auf Deep Silent Complete zu schwingen und Come Whatever May als Handpferd zu nehmen.
      Die beiden Warmblutstuten kannten sich schon lange und kamen sehr gut miteinander aus, es würde also ein ruhiger und entspannter Ausritt werden, so etwas hatte mir gefehlt! Danach konnte ich dann guten Gewissens in den Tag starten. Tatsächlich waren wir auch nur eineinhalb Stunden unterwegs und nachdem beide Stuten gut versorgt wieder auf der Weide standen, erwarteten mich schon die Reitstunden.
      Die erste Reitstunde hatte etwas eher begonnen, da die Reitlehrerin heute Nachmittag noch woanders hin musste. In ihr liefen nur Herbsttraum und Hugo Boss. Beide unter sehr erfahrenen und talentierten Nachwuchsreitern, welche eine wirklich gute Figur auf den Ponys machten und den Unterricht der Reitlehrerin befürwortete ich auch sehr. Meine Reitstunde würde für fünf Reiter sein, es war ausnahmsweise Abteilungsreiten, was ich ungern machte, aber es konnte auch Spaß machen.
      Ich muss ehrlich sein, die Lewitzer setzte ich an liebsten in den Reitstunden ein. Immerhin züchtete ich sie als talentierte Sportponys für Kinder und Jugendliche. Dementsprechend besaßen sie auch einen ruhigen und rücksichtsvollen Charakter, waren aber denn wirklich talentiert. Das war auch der Grund, weshalb ich für meine Reitstunde Donatella, Elliot, They call her Fiorina, Talya und Carachillo ausgesucht hatte. Schnell waren die Pferde verteilt und die Reiter damit beschäftigt, sie vorzubereiten, denn das musste man bei uns noch alleine machen. Sie hatten dafür gut eine halbe Stunde, je nachdem ob sie eher oder später kamen. Pünktlich um zwölf startete dann meine Reitstunde. Ich ließ sie die Pferde erst einmal aufwärmen und gab den ein oder anderen schon ein paar Tipps. Wir wechselten immer zwischen Abteilungsreiten und freiem Reiten, bei zweiteren nahm ich sie mir auch gerne mal einzeln auf dem Zirkel vor. Es lief wirklich gut, auch wenn ich das Gefühl hatte, danach schon heiser zu sein, aber was tat man nicht für die Jugend!
      Auch das Versorgen der Pferde beobachtete ich aufmerksam und war erst zufrieden, als es sowohl den Pferden als auch der Ausrüstung wirklich gut ging. Einer meiner Reiter schien gerade im Stress zu sein, denn ich fing ihm auf den Hof ab, wo er im fliegenden Wechsel von einem Pferd aufs andere sprang. Gerade kam er mit Scheherazade vom Distanztraining zurück und war nun schon auf halben Weg, um mit Cual Maniaca die nächste Runde anzutreten. Deshalb nahm ich ihm ein wenig Arbeit ab und führte meine braune Araberstute trocken, ehe ich sie noch abbürstete und dann auf die Weide brachte. Scheherazade barg sehr viel Potenzial, doch bisher hatte es sich noch nicht wirklich entfaltet. Leider.
      Da der morgige Tag gefüllt sein würde mit dem Programm unseres Weihnachtsfestes, hatte ich spontan eine Longenstunde doch noch auf heute geschoben. Das Pferd dafür war Kürbis, sie war ideal für die kleine Sechsjährige, welche uns hoffentlich öfters besuchen würde. Gemeinsam machten wir das Pferd fertig. Das Mädchen war sehr wissbegierig und scheute sich auch nicht, direkt nachzufragen. Heute machten wir an der Longe nur leichte Übungen, um ihre Balance und Konzentration zu stärken. Abschließend durfte sie noch ein paar Runden traben, ehe ich sie noch eine Runde um den Hof führte und dann war auch schon Schluss. Ohne Protest ging das zwar auch nicht, aber kommende Woche würde sie ja schon wieder da sein.
      Das Reitschulgeschäft konnte ganz lukrativ sein und ohne würde ich kurz über lang nicht auskommen, wiederum war mir aber das Wohl meiner Pferde wichtig und so basierte mein Prinzip darauf, dass auf jede Reitstunde mindestens zwei Korrekturstunden kamen und ein Pferd nie wirklich öfters als ein bis zweimal in der Woche lief. So dringend nötig hatten wir das Geld dann auch wieder nicht.
      Für den heutigen Nachmittag stand aber noch allerhand an. Ich wollte zumindest auch ein wenig mit helfen und es gab das ein oder andere Pferd, was wirklich nur ich ritt. Das war aus Prinzip Pajero. Den Schecken hatte ich schon, seitdem er ein Fohlen war, weshalb wir eine enge Bindung zueinander hatten. Für heute hatte ich mal wieder ein wenig Geländetraining eingeplant, das liebte er ja abgöttisch und besonders talentiert war er auch.
      Nach Pajero wartete schon mein zweiter Liebling: Thorondor. Jahrelang war ich seine Reitbeteiligung gewesen, dann war er in meinen Besitz gewandert und nun stand der wunderschöne Rappe bei mir im Stall und ging meinem Personal auf den Keks, denn er hatte einen sehr speziellen Charakter. Doch die Freiarbeit machte mit ihm tierisch Spaß und jeder bewunderte den Ausdruck und die Motivation des Pferdes, während wir über den Reitplatz tobten, es war wie immer sehr erleichternd.
      Für den heutigen Tag stand noch ein Springtraining mit Classic Gold an und eine Kutschfahrt mit Little Chocolate Chip. Danach telefonierte ich noch mit Occulta, welche momentan Naimibia als Leihstute für ein Fohlen besaß, schon bald würde meine hübsche Stute zurückkehren, da Occulta gerade dabei war, das Fohlen abzusetzen. Es war ein Traum von Reitpony geworden und wurde schon jetzt (zurecht) bewundert.
      Am kommenden Tag stand die Weihnachtsfeier an. Da diese pünktlich 13 Uhr beginnen sollte hieß es, den restlichen Kram schon vorher fertig zu machen und das war allerhand. Zum einen ritt ich vorher noch Allelujah, denn der hatte sich inzwischen seinen Ruf bei meinen Reitern gemacht und wurde tunlichst gemieden, weshalb ich die einzige war, die ihn vor allem gerne ritt. Danach longierte ich noch meinen Zwerg Hoppla, damit der kleine Kerl über den Winter weg nicht zu kräftig wurde und als letztes ließ ich noch einmal allen Stress von mir abfallen, während ich mit Albertino eine gemütliche Runde ins Gelände ging.
      Und dann ging schon unser Programm los! Beginnen tat das Ganze mit einem Führzügelwettbewerb. Endlich hatten wir eine Beschäftigung für unsere Zwerge gefunden. Werina und Mondscheinsonate liefen auch öfters als Gespann vor der Kutsche, aber Window blieb da immer ein wenig alleine im Nichtstun. Führzügelwettbewerbe und das Training mit den Zwergen machte ihm hingegen riesigen Spaß und unsere kleine Flauschkugel nahm tatsächlich ein wenig ab!
      Occani und Heartbreaker brauchten ein wenig mehr Beschäftigung. Zwar waren beide super kinderlieb und sehr geduldig, aber man sah ihnen doch an, dass es ihnen wesentlich mehr Spaß machte, gefordert zu werden. Sei es nun in der Dressur, im Springen oder im Gelände. Die beiden Welshs waren einfach für alles zu haben.
      Aus diesem Grunde hatten wir angeboten, die ein oder anderen kleinen Reiterinnen darauf vorzubereiten und alle waren wie verrückt gewesen. Es gab natürlich Schleifchen zu gewinnen und für jeden einen Nikolausstiefel mit Leckereien, so dass niemand leer ausging. Das Publikum hatte auch sichtlich Spaß! Danach sollten die Großen zeigen, was sie konnten, denn nun kam eine Hengstquadrille!
      „Bei der Auswahl der Pferde für die Hengstquadrille hatte ich lange mit mir gehapert, denn diese Pferde repräsentierten das Gestüt und sollten auch potenzielle Züchter anlocken. Also hatte ich versucht, so viel wie möglich mit einzubringen: Pawaneeh als Vertreter unserer Vollblüter, Cover the Sun lief als Sportpferd mit, Aristo zeigte die barocke Seite des Gestüts und zu guter hatte ich mich noch für Dissident Aggressor entschieden.
      Ich hatte alles dabei haben wollen und es war mir gelungen! Ich selbst saß auf Dissident Aggressor und jedes Pferd zeigte eine besondere Lektion, so dass Dissi und ich einen Spin zeigten, Aristo die Piaffe, Cover the Sun eine Pirouette und Pawaneeh überzeugte mit seinen Seitengängen. Der Applaus sprach auf jeden Fall für sich!
      Da ich wusste, wie beliebt es bei kleinen Kindern war, boten wir eine Art Ponyreiten an. Es waren immer größere Spaziergänge in das umliegende Gelände, circa eine Viertelstunde, bei welcher die Kinder geführt wurden. Dafür hatte ich Milka Luflee, Hyreygur, Varulv und Cheveyo ausgewählt, allesamt waren Hingucker aber totenbrav und das war das Wichtigste.
      Die Weihnachtsfeier war toll und alle hatten viel Spaß. Gegen 18 Uhr verließen allmählich alle das Gestüt und mit meinen engsten Leuten machte ich noch einen nächtlichen Ausritt bei Vollmond. Gut, nächtlich war übertrieben, aber 19 Uhr war es eben schon stockduster. Wir waren zu viert unterwegs und ritten unsere ruhigen Westernstuten: Kisshimbye, Like Honey and Milk, Ice Coffee und Apache’s Tomahawk. Schöner konnte man es nicht haben. Der Abend endete mit einer Weihnachtsfeier mit einem reichen Büffet und einer Dankesrede samt Geschenken für alle. Dann rückte auch der 24. Schon näher und ich würde allerhand zu tun haben.
      Wirklich viel Zeit hatte ich nicht, ich wollte alles schaffen, aber auch pünktlich 18 Uhr zu Hause sein, das hieß, dass spätestens halb fünf alles geschafft sein musste. Aus diesem Grund stand ich heute wesentlich eher auf, um nach der Fütterung direkt Khiara El Assuad, Golden Ebano und CH’S Sun is Shining in die Führmaschine zu packen.
      Während die drei beschäftigt waren, longierte ich meinen Junghengst Altyn, welcher sich momentan mehr als gut machte und mit dem ich wirklich zufrieden war. Dann widmete ich meine Aufmerksamkeit meinem Neuzugang Cola, welcher immer noch ein wenig in sich gekehrt war, was ich versuchte, mit Bodenarbeit aufzulockern. Wir machten Fortschritte, allerdings eben nur kleine. Da ich heute noch meinen Pferden etwas Gutes tun wollte, ritt ich noch Feuervogel und Morning Sun. Ich wusste, dass die beiden Reitponys sonst vor Langeweile vergingen.
      Da ich noch ein wenig Hilfe von meinem Personal am Morgen hatte, waren auch Lila Wolken, Possy Pleasure Mainstream und Sika bereits bewegt. Für Autumn Leave in the Sky und Dr. Insektor hatte sich auch noch jemand gefunden und so hatte ich doch schon fast meine Liste geschafft. Es war bereits früher Nachmittag, als ich noch zu einem Ausritt mit Flintstone und Schneeleopard aufbrach.
      Danach machte ich alles für den Abend bereit, denn die Pferde bekamen jeweils eine Extraportion Möhren, weil Weihnachten war. Dann ging ich zu meiner Kontrollrunde in den Fohlenstall. Amadahy, Frozen Bubble, Korah, Nabiri, Panta Rhei und Roswell vertraten stolz meine Lewitzerzucht. Es waren allesamt herrliche Nachkommen, auf welche ich mehr als stolz sein konnte.
      Auch über meine Welshponys konnte ich mich nicht beklagen. Acariya wurde von Tag zu Tag schöner, Sacre Fleur langsam immer selbstbewusster und zu Herbstmond brauchte ich nichts sagen, die wurde eh von alles und jedem geliebt und das zurecht! Shawnée und Siberia waren ja damals mehr Zufall gewesen, dennoch wollte ich die beiden Welsh Ds nicht mehr missen und auch heute bekamen sie wieder ihre Portion Knuddeln.
      Vor den Boxen von CH’s Destiny Horror und Hollybrook’s Fairy Bluebird blieb ich etwas länger stehen. Beide waren nun langsam bereit für den nächsten Schritt in ihr Dasein als Reitpferd, nur ich zögerte noch ein wenig, ich wollte ihnen so viel Zeit wie möglich geben. Das Gleiche galt für Tiny Girl, doch mein AMH unterschätzte ich zu gerne und wenn ich das tat, zeigte sie es mir auch deutlich.
      Der Tag neigte sich dem Ende und halb fünf standen alle Pferde in frisch gemachten Boxen, mit ihrer Ladung Heu für die Nacht. So konnte ich guten Gewissens duschen und mich umziehen, um dann pünktlich auf den Familienfest zu erscheinen.
      Von meiner Familie konnte kaum einer nachvollziehen, dass ich meine Feiertage mit den Pferden verbrachte, statt mit der Familie, obwohl ich zu jeder Feier trotzdem pünktlich kam, dennoch standen die Vierbeiner an erster Stelle. Diesen Morgen arbeitete ich ein wenig mit den Junghengst Abendprinz und Cruel Twist of Fate. Danach war HGT’s Unitato an der Reihe und dann noch Outlaw Torn. Die Jungpferde brauchten allerhand Beschäftigung, doch ich kam momentan kaum hinterher.
      Deshalb hatte Prazzy’s Goldbell allerhand Flausen im Kopf, genauso wie Paddington und gemeinsam machten sie nur Unsinn! War ich da immer froh über Caruso, der sich nichts anmerken ließ und ein Engel war. Am Ende meines Fohlenrundgangs betüddelte ich noch ein wenig Mon petit écrou, ehe ich mich an die richtige Arbeit machte.
      Vertigo, Caillou und Piccolos Blaze mussten geritten werden. Calimero II sollte noch longiert werden und dann wollte ich zumindest noch mit Joyce oder Sika eine Runde ins Gelände, für die Jungstuten war diese Erfahrung mehr als wichtig. Die restlichen würde ich auf die kommenden Feiertage schieben müssen, denn heute Nachmittag stand bereits die nächste Familienbevölkerung statt.
      Während dieser plante ich aber nur die kommenden Tage. Am morgigen Tag sah ich mich früh mit Amazed Marlin ausreiten, ehe ich gemeinsam mit Hákur neue Lektionen in Angriff nahm. Dann würde ich HGT’s End of Day longieren und an seinen Rückenmuskeln arbeiten, ehe ich etwas bodenarbeitstechnisches mit Fandango machen wollte.
      Am 27. Dezember ging es dann gemeinsam mit drei Freundinnen ins Gelände. Ich selbst ritt Quintesse, während ich den Rest auf Caribic Sue, Freeway und Walking in the Air verfrachtet hatte und dann stand tatsächlich schon fast 2016 vor der Tür! Ich würde Zarin und Golden Ebano ihre homöopathischen Tropfen am 31. Geben müssen, damit sie nicht vollkommen explodierten, wenn dann überall das Feuerwerk losging.
      Zum Glück bestand mein Stall größtenteils aus Pferden, denen das egal war .Call me a Twist und Bandit war das schnuppe, die würde auch neben einem Feuerwerk herlaufen. Morrigan war da nicht viel anders, nur He’s called Trüffel konnte ich da nicht so gut einschätzen, aber das würde sich noch zeigen, nun musste ich erst einmal diese Familienfeier hinter mich bringen!

      Zwei alte Bekannte
      27. Januar 2016
      Es war selten, dass Elisa anrief und wenn, dann war es wichtig. War es sowieso immer, wenn man etwas von Elisa erhielt, aber Anrufe waren besonders dringend. Den Grund erfuhr ich schnell: Bestandsverkleinerung. Sie wollte ihr Gestüt mal wieder ein wenig in die Schranken weisen und deshalb würden zwei bekannte Gesichter zu uns zurückkehren: Never look back und Raunchy’s Limited.
      Meine Reitponys, weil sich doch inzwischen viele angesammelt hatten, hatten ein eigenes Abteil bekommen, so war die Planung und das Training wesentlich einfacher und gerade bei ihnen ging es aktiv um Training, Turniere und Zucht. Deshalb würden auch Never und Raunchy dorthin ziehen. Auch sie würden bekannte Gesichter wiedertreffen und ich war mir sicher, dass sie sich schnell wieder einleben würden.
      Kommen sollten sie übrigens heute. Elisa hatte sie schon losgeschickt, da wusste ich noch nicht einmal annähernd davon. Sie wusste wiederum genau, dass ich eh nicht nein gesagt hätte. Etwas Zeit hatte ich aber noch, weshalb ich mir den kleinen Paddington von der Weide holte und für einen kleinen Spaziergang fertig machte. Dabei kamen wir auch am großen Reitplatz vorbei, wo gerade Allelujah im Fahren trainiert wurde.
      Momentan schickte ich vor allem den Palominohengst und meine Scheckstute Morning Sun auf Turniere, weil die beiden schon bald (hoffentlich) an einer Körung teilnehmen sollten, um im Zuchtbuch aufgenommen zu werden. Bei Allelujah wurde das auch allmählich Zeit, sein bester Weidekumpel Absinth hatte dies schon letztes Jahr schaffen können.
      Apropos, bei dem geliebten Schecken wollte ich auch noch vorbeischauen, aber ich ahnte bereits, dass Elisa nachher noch genügend Zeit mit ihm verbringen würde, weshalb ich ihn erst einmal auf der Weide ließ, betüddelt werden würde er noch genug. Stattdessen widmete ich die letzten freien zwei Stunden Cola.
      Der Hengst war noch recht neu bei uns und weder richtig im Training noch richtig in der Pause. Er erholte sich noch von seiner damaligen schlechten Verfassung und wurde erst einmal nur locker geritten. Aus diesem Grund putzte und sattelte ich ihn und ging mit ihm in unsere große Halle. Dort traf ich auf eine unserer Bereiterinnen, welche gerade mit Sika arbeitete.
      Die Scheckstute fiel ja insgeheim bei mir immer etwas runter, weil ich sie schlichtweg oft vergaß, deshalb hatte ich sie in die Obhut eines anderen Reiters gegeben, so dass sie regelmäßig trainiert wurde. „Sollen wir gehen?“, fragte die Reiterin uns unsicher, doch ich schüttelte nur lächelnd den Kopf. „Wir machen eh nicht viel und Cola versteht sich mit Stuten!“, beruhigte ich sie und gurtete nach, ehe ich mich in den Sattel schwang.
      Tatsächlich machten wir nicht fiel, sondern lockerten vor allem Colas Muskeln und ritten größtenteils nur in Dehnungshaltung. Der Hengst musste sich an die regelmäßige Beschäftigung erst einmal wieder gewöhnen, sonst würde er mir wahrscheinlich einfach so umkippen. Deshalb beendeten wir das Training auch eher. Einerseits wegen Cola, andererseits wegen Elisa, die gefühlt urplötzlich an der Bande stand.
      „Absinth, ich hab dich vermisst!“, quietschte sie begeistert, als ich Cola auf die Weide zurückbrachte und sie den Schecken entdeckte. Der hob sofort den Kopf und wirkte einerseits erfreut, andererseits sehr geschockt. Natürlich wollte Elisa wissen, wie es ihren ehemaligen Schützlingen ging, so blieben auch Allelujah und Morning Sun von dem Gequieke nicht verschont.
      Raunchy und Never bezogen direkt ihre Boxen, um sich in aller Ruhe ausruhen zu können, immerhin waren sie ziemlich lange unterwegs gewesen. Elisa besichtigte derweil neugierig das neue Gestüt und schien recht zufrieden. Da sie auch noch mehr Zeit hatte als gedacht, wollten wir einen gemeinsamen Ausritt machen. Natürlich nur auf Reitponys!
      Wie erwartet nahm Elisa natürlich Feuervogel direkt in Beschlag und würde ihn für den Rest des Tages auch nicht mehr hergeben. Trotz Bestandsverkleinerung war sie immer noch angetan von ihm. Ich wählte das passende Gegenstück Carachillo und nahm Hugo Boss gleich als Handpferd mit. So wären die beiden direkt für heute bewegt.
      Der Ausritt verlief ruhig und wir tauschten uns über alle Neuigkeiten aus, ehe wir wieder auf dem Gestüt ankamen. Die Pferde waren schnell versorgt und Elisa musste zum Flughafen spurten, um den heutigen Flug noch zu schaffen, bei dem Stress konnte sie ihr Gestüt natürlich nicht lange alleine lassen! Die armen Reitponys würden sonst vom Fleische fallen.
      Ich schaute noch einmal kurz bei unseren Neuankömmlingen vorbei, ehe es für mich heute noch zu einer Springstunde ging. Diese absolvierte ich jedoch nicht alleine. Während ich Naimibia ritt, ritt eine junge Frau noch Autumn Leave in the Sky, so dass die beiden Stuten als auch wir Reiter mal wieder springtechnisch gefördert wurden.
      Der Reitlehrer war von weiter Weg angereist und brachte interessante neue Ansätze mit sich, so dass ich nach der Stunde direkt nach Stift und Papier griff, um schnell alles aufzukritzeln, ehe ich mein Reitpferd versorgte. Dann neigte sich der Tag auch schon dem Ende, weshalb wir langsam auf die Fütterung und das Reinholen der Pferde umschalteten.

      Frühjahrsputz
      02. April 2016
      Kurz nach Neujahr hatte unser Umzug stattgefunden, so dass wir nun seit fast vier Monaten in Holland lebten. Wie ich es bereits gewohnt war, zog sich alles unglaublich. Es hatte gut zwei Monate gedauert, bis alle Pferde umgezogen waren und ein festes Team hatte ich auch noch nicht, da war ich noch fleißig auf der Suche, aber trotzdem kehrte allmählich eine Routine ein. Und ich liebte unser Gestüt. Den Namen hatte ich so übernommen und so lebten wir nun auf Gestüt Sapala.
      Es lag zwischen Wäldern und Wiesen, ziemlich im Abseits und stellte eine herrliche Anlage da. Das wichtigste war zu Hauf vorhanden: Weiden. Zudem besaßen wir zwei Reitplätze und zwei Hallen plus weitere Trainingsmöglichkeiten wie eine Führanlage und zwei Longierzirkel. Und natürlich gigantische Stallungen, was für uns nun mehr als nötig war. Ganz nebenbei war ich ja in mein Wohnhaus verliebt, hier konnte man sich wohlfühlen!
      Den Pferden gefiel es auch, das spürte man deutlich und das Gelände war auch einfach mehr als idyllisch, denn außer unseren Heuwiesen gab es rundum kaum etwas anderes als Felder, Wiesen und Wälder. Ich war endlich in meinem Traumzuhause angekommen und wenn man sich etwas mehr Zeit nahm, war man mit einem halbstündigen Ritt auch direkt am Meer. Wir befanden uns im Friesland, genauer gesagt in Aurich und ziemlich nah an der Küste.
      Die frische Meeresluft tat allen gut und momentan arbeitete ich auch eine lange Liste an Bewerbungen ab, denn wir waren begehrter als gedacht. Nun war schon April 2016 und wie immer erfasste mich die Frühjahrsputz-Laune. Es gab schließlich immer etwas zu tun und es gab auch noch genug Kisten, die noch ungeöffnet irgendwo standen. Besonders in den Sattelkammern hatte ich bisher nur das Nötigste untergebracht, meine Pferde hatten zu viel Kram!
      Die waren momentan übrigens alle in ihrer Schonfrist. Der Umzug war auch für die kräftezehrend gewesen, aber glücklich waren wir alle. Außer ich in dem Moment, denn gerade klingelte mein Wecker – 5 Uhr in der Früh. Bisher sah es an Mitarbeitern noch mager aus, dementsprechend musste ich selber kräftig mit anpacken was Fütterung, Rausbringen und Misten betraf. Dazu kamen der Papierkram und die Vorstellungsgespräche und so bekam ich kaum noch die Gelegenheit zum Reiten.
      Angezogen, frisch gemacht und gefrühstückt tauchte ich im Stall auf und grüßte knapp die anderen Pfleger, die bereits angetanzt waren. Es war kurz nach sechs und draußen tatsächlich schon hell. Oh ich freute mich so auf den Sommer! Dann würden die Pferde auch 24 Stunden auf den Weiden stehen und wir hätten ein bisschen Arbeit weniger. Aber wirklich nur ein bisschen, denn im Sommer wollte ich alle wieder in Höchstform sehen – mich eingeschlossen.
      Füttern und Rausbringen fraß Zeit. Nachdem dann auch gemistet war, war es schon fast 10 Uhr und ich würde mich für das nächste Vorstellungsgespräch fertig machen müssen. Leider überzeugte mich der Herr um die 30 Jahre weder im Gespräch noch auf dem Pferd. Als Dressurtrainer hatte er sich beworben, weshalb ich ihm für den Proberitt Aristo ausgesucht hatte, einer unserer Dressurässer. Doch sein „Was, ein Barockpferd?“ hatte mich eigentlich direkt abgeschreckt und so hatte ich zwar ein freundliches „Ich melde mich noch einmal bei Ihnen“ herausgebracht, war aber erleichtert, als er weg war.
      Stattdessen ging der Stress direkt weiter, denn heute sollten einige neue Pferde kommen. Ich war dafür bekannt, regelmäßig aufzustocken und da meine liebe Freundin Julie aus privaten Gründen ihren Hof auflöste, kamen einige Pferde aus Schottland zu uns. Zum einen Van Deyk, ein toller Trakehnerhengst mit großem Potenzial, auf dessen Dasein ich mich schon jetzt freute. Des weiteren Ayumi, ein tolles Fohlen aus der Zucht von Siobhan, was mit einer tollen Abstammung daher kam. Dann noch Key, eine Vollblutstute, welche ich noch aus meiner Nasty Past Zeit kannte. Und als letztes was ganz witziges: Ridcully, ein American Miniature Horse. Er sollte das Gegenstück zu meiner Hollybrook’s Tiny Girl werden und dementsprechend war er sofort eingezogen.
      Heute tanzten die drei an, doch während ich noch gut eine Stunde Zeit hatte, schaute ich bei den ehemaligen Neuzugängen an. Die beiden Vollblutfohen Hidden Flyer und Exciting Force waren mir sehr schnell ans Herz gewachsen und entwickelten sich prächtig, ich hatte mich in beide wirklich verguckt. Da wir ja ein riesiges Gestüt hatten, kamen auch Anfang des Jahres zwei Reitponys zurück. Elisa hatte leider verkleinert und so kehrten Never look back und Raunchy’s Limited zurück. Hatte ich sie noch als zerzauste Jungpferde nach Townsend Acres gegeben, kamen sie nun als schicke Turnierponys zurück. Elisa verstand eindeutig etwas von ihrer Rasse und ihrem Geschäft.
      Dementsprechend hatte sie sich auch über Absinth’s erfolgreiche Körung gefreut und war sich sicher, dass Allelujah und Morning Sun genauso schnell ihre Punkte sammeln würden. Ich hatte da ja noch allerhand zu tun, denn sie waren nicht die einzigen Pferde, die in eine Körung geschickt werden sollten. Priorität hatte auch immer noch Feuervogel, den hätte mir Elisa sicherlich auch trotz Verkleinerung aus den Händen gerissen.
      Selbst bei unserem zerstruppelten Neuzugang Cola hatte sie bei ihrem Besuch (natürlich hatte sie ihre beiden Schätze eigens vorbei bringen müssen) neugierig begutachtet. Sie sah das Potenzial, was hinter dem vernachlässigten Pferd steckte. Wir beide kannten Cola schon sehr lange vom Sehen und Hören. Ich musste auch sagen, dass er sich wirklich ganz gut machte, genauso wie seine Leidensgenossin Autumn Leave in the Sky. Beide stammten aus schlechter Haltung und wurden bei uns nun wieder aufgebaut.
      Bei ihrem Besuch hatte Elisa natürlich meine Reitponys auf den Kopf gestellt. Paddington hatte sie unbedingt einen Besuch abstatten müssen und gestaunt, wie schnell der kleine Kerl wuchs. Mit Hugo Boss und Carachillo hatten wir einen entspannten Ausritt gemacht und ausgiebig geplappert, so wie es sich für zwei Frauen gehörte, ehe sie auch noch ihren Senf zu Naimibia und Sika gegeben hatte.
      Naimibia war schon gekört und bereits von ein paar Fohlen stolze Mutter, bei Sika sah ich das ja noch nicht so, doch Elisa ermunterte mich und sah die Rappscheckstute auch schon gekört. Während ich so schön in Gedanken schwelgte, kam der Transporter an und die neuen Pferde mussten versorgt und ausgeladen werden.
      Während Van Deyk erst einmal seine Box mit Paddock bezog, wollte ich Ridcully und das Stutfohlen direkt vergesellschaften. Auf einer kleineren Weide traf Ridcully auf Heartbreaker. Mein Welshhengst war der Chef unserer Zwergengruppe und wenn er Ridcully akzeptierte, würde das auch der Rest tun. Der Rest, das waren Window und Hoppla auch beide problemlos und so stand Ridcully eine halbe Stunde später bei unseren Zwergenhengsten und genoss das herrliche Wetter.
      Ayumi sollte heute nur auf CH’s Destiny Horror und Mon petit écrou treffen. Beides eher ruhigere und ältere Jungpferde und dementsprechend perfekt geeignet und siehe da, es klappte wirklich gut und auch das Fohlen war untergebracht. Um auch Van Deyk noch etwas Abwechslung zu bieten, ging ich mit dem Schecken eine kleine Runde über das Gestüt und kennte ihn etwas lernen.
      So wirklich zum Frühjahrsputz kam ich heute ja nicht, denn es standen noch zwei Schnupperstunden an. Ich hatte entschieden, im kleinen Rahmen gutes Reiten anzubieten und nutzte die Chance einer Ponyschule, um meine Zwerge unter einen Deckel zu bekommen. Da die Ponyhengste heute aber schon genug Aktion hatten, waren die Mädels an der Reihe.
      Tatsächlich hatte sich sogar jemand für Little Chocolate Chip gefunden. Ein kleines dreijähriges Mädchen schwärmte von Ponys und ihre Mutti schien selbst pferdevernarrt zu sein und so kamen sie heute mal zu Besuch. Auch Mondscheinsonate, Occani und Werina waren heute an der Reihe. Alle Kinder waren unter 10 Jahre und bekamen beim Putzen und Satteln die Unterstützung von mir und ihren Eltern (zumeist die Mütter).
      Als alle fertig waren, gingen wir auf den Reitplatz, wo wir erst ein kleines bisschen Theorie paukten und es dann endlich in den Sattel ging und wir die ersten kleinen Runden drehten und auch allerhand Übungen machten. Die Ponyschule war eine schöne Idee, aber ich brauchte auf jeden Fall Helfer. Zum Glück waren es heute nur Schnupperstunden, aber Kinder und Eltern waren mehr als begeistert und so war auch ich glücklich.
      Zweiteres war eine Reitstunde für Fortgeschrittene und unter 18-Jährige. Altersbeschränkungen waren mir an sich egal, aber für das Klima in der Stunde war so etwas doch immer sehr angenehm und die Erwachsenen waren auch immer lieber unter sich. Als Schulpferde hatten sich bereits damals unsere Lewitzer bewährt und auch heute wählte ich fünf von ihnen. Cheveyo, Donatella, They call her Fiorina, Piccolo’s Blaze und Elliot. Die Mädels waren begeistert von ihren Schecken und auch davon, dass man bei uns die Pferde selbst holte und fertig machte.
      Natürlich kontrollierte ich alles und gab Tipps, aber sie machten das wirklich gut. Auch im Viereck konnten sich die fünf Reiterinnen sehen lassen. Natürlich hatten sie ihre Fehler und Probleme, aber genau deshalb kamen sie ja zu uns. Anscheinend kamen diese Schnupperstunden mehr als gut an und während die Mädels quatschend abritten, baute ich meine Geschäftsidee aus, indem ich auch Reitstunden für reine Jungsgruppen und Senioren anbieten wollte. Alles Gruppen, die man so anlocken konnte.
      Mein Prinzip war lediglich, dass für das Pferd pro Reitstunde mind. zwei Korrekturstunden kamen, so dass einerseits sehr gute Schulpferde vorhanden waren, aber eben auch diese nicht überstrapaziert worden. Also würde sich das Pensum auch mehr als Gering halten. Nachdem alle Pferde versorgt waren, ging ich Lewitzerliste kurz durch:
      Vertigo wollte ich im Turniersport, so fiel er als Reitpferd für Schüler weg und bei Talya war ich mir auch nicht sicher, ob es das Richtige war. Genauso wie bei Elliot. Er hatte seine Sache heute gut gemacht, aber ich glaube, Caillou konnte ich mir da besser vorstellen. Und Amazed Marlin ließ ich bisher auch lieber außen vor, sie sollte sich auf ihre Krönung konzentrieren.
      Zum Glück hatten die Fohlen nicht solche Probleme. Sowohl Amadahy, Frozen Bubble, Nabiri und Rosewell als auch die beiden Hengstfohlen Panta Rhei und Calimero II tobten mit dem Rest zufrieden über die Weiden. Aber irgendwann würde auch für sie der Ernst des Pferdelebens kommen. Obwohl, sie hatte noch Zeit.
      Den Nachmittag verbrauchte ich im Büro und plante für die Fohlen. Das machte ich gerne und es war auch nötig, denn so erinnerte ich mich wieder daran, dass ich einige „Fohlen“ hatte, die schon längst nicht mehr so klein waren wie ich dachte, sondern schon mehr als bereit. Hollybrook’s Fairy Bluebird war eine tolle Ponystute geworden, nun bald sechs Jahre, hatte bisher aber noch keinen Reiter gesehen.
      Das Gleiche galt für Prazzy’s Goldbell, dabei wollte ich meinen geliebten Pajero-Sohn gerne langsam unter dem Sattel sehen, er würde seinem Vater alle Ehre machen! Apropos, einen Ausritt mit Pajero würde ich mir heute Abend noch gönnen müssen, zum Glück blieb es immer länger hell. Ach, ich war doch ganz froh, den Winter hinter mir zu haben, auch wenn der Sommer sicherlich wieder heiß werden würde.
      Bei Outlaw Torn war ich mir bezüglich der Ausbildung sehr unschlüssig. Er war bald vier und schon sehr weit, eben weil das bei Paint Horses so gehandhabt wurde, aber genau deshalb wollte ich ihm Zeit lassen und es war ja nicht so, als wäre das Reiten für ihn essentiell wichtig. Das sahen HGT’s Unitato und Cruel Twist of Fate nicht anders und so ließ ich meinen Westernpferden gerne mehr Zeit.
      Und dann gab es da noch meine Welshnachkommen. Alle behalten, nachdem die ältere Generation verkauft worden war. Herbstmond und Acariya waren bisher immer noch meine Favoriten, aber auch Sacre Fleur liebte ich, ebenso wie Shawnée und Sibiria, auch wenn ich nicht recht wusste, was ich mit zwei Welsh D Stuten anfangen sollte, aber irgendwas würde sich schon finden.
      Dann gab es da nur noch Abendprinz und Caruso. Zwei Fohlen sondergleichen, die ich beide sehr liebte. Geplant war in weiter Zukunft ein Fohlen aus Fairy von Zarin, welches als Gegenstück für Caruso dienen sollte, aber im Gegensatz zu Zarin war Fairy noch nicht gekört.
      Und dann hatte ich mich in die Araber verguckt, neben Abendprinz gab es bisher zwei Stuten: Scheherazade und CH’s Sun is Shining. Zwei wunderbare Tiere und eine sogar schön gekrönt. Aus der Zucht meiner besten Freundin Sammy würde mich auch noch ein wahrer Wüstenstürmer erwarten, aber bisher war er noch nicht so weit, ich freute mich aber schon auf ihn.
      Den heutigen Abend verbrachte ich zu meiner Freude dann doch noch auf den Pferd und erkundete mit Pajero die neuen Wege rund um das Gestüt und freute mich natürlich riesig, denn es war so toll! Irgendwann mussten wir einen großen Ritt ans Meer machen, aus unserer Frankreich-Zeit wusste ich, wie sehr Pajero das liebte.
      Am nächsten Morgen ging es wieder früh raus und wieder war viel los, wie eigentlich jeden Tag auf dem Gestüt. Zur Abwechslung beschäftigte ich am Morgen aber erst einmal Thorondor mit viel Bodenarbeit, damit mein Berber nicht verrückt wurde, denn nur Weide war für ihn einfach gar nichts und so war er einer der wenigen, die mich mindestens fünfmal die Woche zu Gesicht bekamen.
      Ach und die Führanlage hatte ich sehr schnell ins Herz geschlossen. Spätestens als sie Pawaneeh und Golden Ebano die nötige Bewegung verschaffte. Bei Classic Gold und Khiara El Assuad war die aber noch wichtiger. Die Vollblüter wären mir sonst explodiert. Wer witzigerweise auch richtig Gefallen daran fand, war Freeway, unsere Tinkerstute. Eigentlich ein Pferd, was ich nie in die Führanlage gepackt hätte, aber sie liebte es.
      Heute war mal wieder Bewegungstag, gestern hatte ich ja Pause gehabt. Am Morgen longierte ich Deep Silent Complete und Herbsttraum, ehe ich mit Come Whatever May auf den Springplatz ging. Flott weiter ging es mit einem Ausritt: Apaches Tomahawk als Reitpferd und Caribic Sue als Handpferd. Was die Bewegung betraf, kamen mir die Schnupperstunden recht. Heute war wieder eine und so waren Kürbis, Lila Wolken, Milka Luflee, Walking in the Air und Quintesse beschäftigt und ich auch.
      Danach hätte ich zu gerne eine Pause gehabt, raffte mich aber noch auf Like Honey and Milk zu longieren. Ihre Vorbesitzerin war immer sehr hinterher, dass es der Stute gut ging und so kam sie auch jetzt definitiv nicht zu kurz. Eine Pause stand an und die genoss ich auch wirklich, denn heute Abend hatte ich etwas Besonderes für meine treuen Pfleger geplant. Bisher dachten sie, sie würden zu einer Besprechung antanzen müssen, dementsprechend ahnten sie nichts.
      Doch als es dann so weit war, eröffnete ich ihnen einen Ausritt an den Strand und alle waren begeistert. Wir waren zu elft, also eine ziemlich große Mannschaft, die gute und ruhige Pferde benötigte. Guten Gewissens hatte ich mir direkt Schneeleopard rausgepickt und dann die beiden Westernstuten Ice Coffee und Kisshimbye. Flintstone und Joyce kamen auch zum Einsatz. Die Hälfte war abgedeckt. Für mich hatte ich Fandango rausgesucht, mein kleiner Sonderling im Stall und so fehlten nur noch fünf Pferde und wir waren vollständig. Call me a Twist und Dissident Aggressor waren sowas von mit dabei und dann nahm ich noch Bandit und Albertino mit. Als letztes hatte Varulv die Ehre und so ging es gefühlt auf einen Riesen-Ausritt, den alle Beteiligten sehr genossen, denn am Strand erwartete uns auch noch ein Lagerfeuer.
      Obwohl ich weder trank noch irgendwas desgleichen tat, fühlte ich mich am nächsten Morgen verkatert. Ein langer Ritt plus ein langer Abend waren nichts für jemanden, dessen Wecker fünf Uhr morgens klingelte und so kam ich auch fast zu spät zum Proberitt meiner eventuellen neuen Reitlehrerin. Diese hatte ich auf Altyn gesetzt, was etwas fies war, aber mir dann auch direkt zeigte, dass sie die richtige war, denn mein junger Hengst lief unter ihr wirklich traumhaft, nachdem sie zusammengefunden hatten.
      Halb dösend bespaßte ich nach diesem Erfolg Cover the Sun im Longierzirkel mit etwas Stangenarbeit. Die nutzte ich kurz darauf auch noch einmal mit Possy Pleasure Mainstream, um Rücken- und Bauchmuskeln zu aktivieren. Eigentlich war meine Liste heute mehr als lang, aber aus privaten Gründen bekamen Hákur und HGT’s End of Day frei, so dass ich nur mit Dr. Insektor ins Dressurtraining musste und danach eine Pause im Gelände mit Cual Maniaca einlegte.
      „Ich bewundere dich für dein Durchhaltevermögen!“, hörte ich dann am Telefon, als ich mit meiner Mutti bezüglich meines Geburtstags Ende April sprach, denn ich lud sie nach Holland ein. Und bisher waren sie nicht abgeneigt. Währenddessen ließ ich He’s called Trüffel und Hýreygur freispringen, aber trotz maximaler 50cm war zweiterer einfach nicht begabt.
      Mein Abend endete wieder mal auf dem Pferderücken, nämlich auf Morrigans, welcher mich entspannt gen Gestüt trug, nachdem wir einmal über die schöne Waldwiese gejagt waren und nun genüsslich entspannt in unseren Feierabend spazierten.

      Sommer der Veränderungen
      04. Juni 2016
      Wie jede meiner Entscheidungen war auch diese gut und ausgiebig durchdacht, ehe sie in die Tat umgesetzt wurde und ich hatte natürlich auch hier und da ein wenig mit mir gehapert. Aber nun, da alles in trockenen Tüchern war, fühlte es sich einfach nur gut an. Wir hatten inzwischen Juni und unser Umzug war nun schon wieder ein halbes Jahr her, so fühlte es sich noch gar nicht an.
      Aber eins konnte ich sagen: Ich war endlich angekommen. Das Gestüt in Holland war das, was ich mir immer gewünscht hatte. Wir hatten alles was wir brauchten und ich entschied, es so für mich zu optimieren, wie es am besten war. Und deshalb hatte ich an unserer Pferdeanzahl ein wenig herumgeschraubt. Von fast achtzig Pferden war ich auf zwanzig runtergegangen.
      Der Grund hierfür war einfach, dass ich keine Lust mehr auf so einen großen Betrieb hatte. Ich wollte auch nicht wieder ein zehn- bis zwanzigköpfiges Team einstellen, sondern endlich mal selbst einen Überblick über alles haben. Somit hatte ich viele Pferde in ihren wohlverdienten Ruhestand geschickt und einige wenige zogen auch um – meist zu guten Freunden oder zu ihren vorherigen Züchtern (was genau genommen bei mir das Gleiche war).
      Heute war einer dieser Tage, an denen ich wirklich keine Entscheidung bereute, sondern an der ich mich so leicht und glücklich fühlte wie schon lange nicht mehr, als pünktlich sieben Uhr mein Wecker klingelte. Seit Ende Mai war es nun morgens sehr entspannt, denn wir hatten die Pferde erst über den Monat Mai hinweg angeweidet und nun standen sie 24 Stunden, sieben Tage die Woche, draußen auf den großen Sommerwiesen. Beste Entscheidung überhaupt für Pferd und Mensch.
      Keine frühe Fütterung, kein Rausbringen und kein Boxenmisten. Natürlich mussten auch die Weiden regelmäßig auf Tränken und Zäune kontrolliert werden, aber trotzdem war es einfach entspannter. Dies würde hoffentlich bis August oder September so bleiben können, danach würde es nur noch ganztags auf die Weide gehen und nachts dann in die Box.
      Entspannt trat ich den Weg ins Bad an, wo ich mich in aller Ruhe fertigmachte, ehe ich in der Küche die üblichen Handgriffe vollführte. Kaffeemaschine an für den Cappuccino und Milch in die Mikrowelle für das Müsli. Während ich so am Tisch saß und frühstückte, spielte ich mit dem Gedanken, dass ein kleinerer Hund gut in das große Haus passen würde, aber diese Anschaffung ließ ich mir lieber noch einmal durch den Kopf gehen.
      Pünktlich um acht war ich dafür dann draußen im Stall und machte mich auf den Weg zum schwarzen Brett. Acht Uhr ging es bei uns generell los und dann traf auch mein Team ein. Ja, trotz drastischer Verkleinerung hatte ich mich für Mitarbeiter entschieden. Anfangs nur für zwei, aber durch Zufall waren wir nun zu viert. Neben zwei bereits fertigen Bereitern, gab ich momentan einer jungen Auszubildenden die Chance, sich bei uns zu beweisen und bisher machte sie sich gut.
      Und dann trudelten die drei auch nacheinander ein. Tassilo und Alexandria waren meine beiden professionellen Bereiter. Das Schöne war, dass beide sich auch nicht scheuten im Stall anzupacken, weshalb ich nicht extra Pfleger eingestellt hatte, sondern wir so nicht nur die Pferde unter uns aufteilten, sondern eben auch die Stallarbeit und die letzten Monate hatte das mehr als gut geklappt.
      Tamara war unsere Auszubildende und schien sich bei uns pudelwohl zu fühlen. Sie passte aber auch einfach in unsere Gruppe, als wäre sie das fehlende Puzzleteil gewesen. Insgeheim plante ich sie ja schon für nach ihrer Ausbildung bei uns ein, immerhin würden die Fohlen und Jungpferde irgendwann auch ins feste Training eingebunden werden und dann brauchten wir definitiv noch einen vierten Reiter, wenn man sich den direkt selbst ausbildete, hatte man doch eine Win-Win-Situation.
      Zu Beginn ihrer Arbeit auf meinem Gestüt hatte jeder fest Pferde zugeteilt bekommen. Diese Zuteilungen waren nicht endgültig, aber mir war es lieber, wenn eine Person regelmäßig mit den gleichen Pferden arbeitete, als dass es ständig wechselte. Natürlich setzte sich auch mal jemand anderes auf das Pferd, aber Ziel war es eben, dass jeder so seine Ziele auch schaffen konnte.
      Wie jeden Morgen trafen wir uns nur kurz am schwarzen Brett bezüglich der Absprache, was denn an dem Tag alles so anstand. Heute war ausnahmsweise gar nicht so viel los, außer dass hoffentlich die neue Futterlieferung kommen sollte, aber das packte ich auch alleine. Bei der Verspätung konnten mir die werten Herren das Futter ruhig auch direkt in die Futterkammer tragen.
      „Gut, dann steht ja alles. Aber wie wärs heute Abend mal mit einem Ritt ans Watt? Da war ich schon lange nicht mehr und heute soll es zwar schön, aber nicht so schrecklich warm werden“, schlug ich vor und bekam von allen anderen eine begeisterte Zusage. Wir waren zwar alle sehr zielstrebig und wollten die Pferde in Topform halten, aber gegen so einen entspannten Ausritt hatte definitiv niemand was.
      Heute blieb alles beim Alten, also hatte ich mal wieder meine drei Lieblinge zum Reiten. Den Anfang machte ich heute mit Pajero. Mein schöner Falbschecke trieb sich irgendwo in den hintersten Ecken der Sommerweide herum und schien das grüne Gras sichtlich zu genießen. Auf mein Rufen reagierte er dennoch und auch wenn es des Weges wegen länger dauerte, kam er mir irgendwann entgegengelaufen.
      Zur Begrüßung streckte ich ihm meine Hand hin, ehe ich ihn kurz kraulte und dann aufhalfterte. Für Tami nahm ich direkt Cover the Sun mit, da sich der junge Trakehnerhengst sowieso gerade bei uns herumtrieb. Da ich sein Halfter nicht dabeihatte, musste er mit einem Strick um den Hals vorliebnehmen, aber das klappte auch ganz gut.
      Am Weidetor nahm ihn mir Tami dann dankend ab. Sunny war ihr liebstes Pferd bei uns. Sie hatte sich vom ersten Tag an in den Trakehner verguckt und ich konnte es ihr wirklich nicht übelnehmen, er war ein tolles Pferd, sowohl reiterlich als auch charakterlich. Mit Pajero an meiner Seite musste ich da aber definitiv nicht eifersüchtig sein.
      Gemeinsam ging es für uns zum Putzplatz. Wir entschieden uns für draußen, da mit Sonne und Wind wirklich angenehm war. Die Pferde dösten entspannt nebeneinander, während wir uns ans Putzen machen. Im Verlauf von Putzen und Satteln kam auch Alexa mit Feuervogel um die Ecke. Natürlich war ich neugierig und fragte, was sie heute vorhatte.
      „Longieren. Wir wollen die Rückenmuskeln und seine Selbsthaltung mal noch ein wenig fördern“, erklärte sie lächelnd, während sie den dichten Schweif des Hengstes verlas. Ich zeigte ihr einen Daumen nach oben und lud dann Tami dazu ein, bei meiner Stangenarbeit mitzumachen. Pajero liebte Stangenarbeit und die Muskeln förderte es auch ungemein, den beiden Hengsten würde das definitiv nicht schaden.
      Als wir den Putzplatz verließen, wünschte ich Alexa noch viel Spaß und machte mich dann auf den Weg zu unserem großen Reitplatz. Pajero gab ich Tami als Handpferd, so dass sie beide Pferde im Schritt in einer Runde um den Platz aufwärmte, während ich einige Stangenkombinationen aus Trabstangen und Cavalettis aufbaute.
      Des Spaßes halber packte ich auch noch ein Kreuz mit hinein und nahm Tami dann dankend wieder mein Pferd ab. Wir ritten beide Hengste erst einmal ausgiebig im Schritt und Trab warm, ehe es an den Galopp ging und danach auch die Stangen mit eingebracht wurden. Ich liebte Stangenarbeit, besonders mit Pajero, denn dann war mein junger Hengst sehr aufmerksam und fleißig bei der Sache mit dabei.
      Bei Tami und Sunny sah es nicht anders aus und ich nahm mir ab und an gerne die Zeit, die beiden ausgiebig zu beobachten, immerhin war sie ja bei uns in Ausbildung. Ich musste aber sagen, dass ich sehr zufrieden mit ihr war. Ihr Mentor war Tassilo, auch wenn Alexa sie gleichermaßen unterstützte. Unterricht erhielt sie regelmäßig von beiden, da sie doch unterschiedliche Schwerpunkte hatten.
      Tami bedankte sich häufig für die Chance, die ich ihr gab. Doch ich winkte nur ab, immerhin hatte meine Menschenkenntnis mich mal wieder nicht im Stich gelassen und Tami war sowohl als Reiterin als auch als Teammitglied ein Segen. Ich musste grinsend, als sie mich gefragt hatte, was denn Tassilo überhaupt bei so einer Mädchengruppe machte.
      Das Argument, dass ein Kerl definitiv sehr viel Ruhe reinbrachte, hatte sie aber schnell akzeptiert und genau das war auch der Grund gewesen, weshalb ich gerne zumindest einen Mann im Team hatte haben wollen und siehe da, wir waren bisher eine sehr harmonische Gruppe.
      Nach gut einer Stunde ritten wir die beiden Hengste ab. Im Stall wurden sie dann abgesattelt und abgeduscht, ehe beide am Putzplatz ihr Kraftfutter erhielten. Wenn die Pferde 24 Stunden auf der Weide standen, gab es keine einheitliche Fütterung im Stall und so bekam jedes Pferd seine Portion nach getaner Arbeit. Wer frei hatte, wurde genau aus diesem Grund trotzdem einmal am Tag zum Stall geholt, so bekam auch jedes Pferd täglich Aufmerksamkeit.
      Danach ging es aber auch direkt wieder auf die Weide. Während Tami dann später ihren Unterricht beim Mentor haben würde, wollte ich mich mit einigen Jungspunden beschäftigen. Aber vorher schaute ich noch bei Tassilo vorbei, welcher gerade mit Dr. Insektor in der Halle arbeitete. Ich liebte den lackschwarzen Hengst und bewunderte seine Gänge.
      Er war ein altes Geschenk einer guten damaligen Freundin und man sah ihm sofort an, dass diese ein Genie gewesen war, was die Zucht betraf. Doc, wie wir ihn kurz nannten, verfügte nicht nur über ein wunderbar harmonisches Exterieur, sondern auch über einen netten Charakter und über wirklich tolle Gangarten und die brachte Tassilo auch sehr gut zur Geltung.
      Lächelnd verschwand ich wieder von meinem Beobachtungsposten und holte mir stattdessen Amadahy von der Weide der Stutfohlen. Mein kleines süßes Lewitzerfohlen wuchs so schrecklich schnell. Inzwischen war sie schon eine Zweijährige und das sah man ihr auch an. Für heute hatte ich aber nicht viel mit ihr geplant, sondern nur ein bisschen Betüddeln und Spazierengehen.
      Da Amadahy es aber sowieso liebte, die Gegend zu erkunden, war das genau das Richtige für sie und wir waren auch wirklich lange unterwegs, denn auch ich erkundete nur zu gerne die Natur rund um das Gestüt. Als wir wiederkamen, konnten wir auch kurz Tami bei ihrer Reitstunde zuschauen. Sie saß auf unserem Welshhengst He’s called Trüffel, welcher die doch recht schmale und kleine Reiterin hervorragend abdeckte. Generell waren wir alle relativ klein, immer nur um die 1.60-1.65m, während da Tassilo mit seinen 1.80m für uns ein Riese war und dementsprechend auch eher die großen Pferde bevorzugte.
      Mit seinem ruhigen Gemüt war er zumindest ein toller Lehrmeister und selbst ich ließ mich regelmäßig von ihm korrigieren, weil sein Unterricht wirklich Spaß machte. Das sah man auch Tami und Trüffel an, die motiviert ausführten, was Tassilo vorgab. Momentan arbeiteten sie, so viel ich wusste, an dem einfachen Galoppwechsel.
      Ich brachte Amadahy zurück auf die Weide und verschwand dann ins Haus, denn zu meinem Leidwesen war ich heute mit Kochen an der Reihe. Mittagessen gab es immer bei mir und für alle. Wir wechselten uns aber täglich mit dem Kochen ab, denn wir waren alle nicht begeisterte Köche. Ich war heute besonders kreativ und machte Kartoffelgratin.
      Pünktlich um zwölf trudelten dann auch alle am Essenstisch ein und es konnte losgehen. Wir nutzten das gemeinsame Essen auch immer zum Austausch und so erzählte Alexa von ihrem erfolgreichen Springtraining mit unserer schweren Warmblutstute Walking in the Air. „Also was Wita manchmal leistet, ist unfassbar! Sie kann ja echt schwerfällig und faul sein, aber wenn man einmal ihre Motivation angekurbelt hat, geht sie ab wie Schmitz‘ Katze“, erzählte sie lachend und auch ich war begeistert von der Entwicklung der Stute, seitdem sie die Aufmerksamkeit erhielt, die sie brauchte.
      Da es über Mittag immer recht warm wurde, hatten die Reitpferde um die Zeit definitiv Pause. Stattdessen widmeten wir uns da den Jungpferden und heute wollten wir ein wenig Schrecktraining in der Halle machen und sie danach ein wenig abspritzen. Alles Dinge die selbstverständlich waren, aber unsere Kleinen erstmal lernen mussten.
      Und so ging es dann gemeinsam zur Weide der Jungpferde, jeder mit einem Halfter bewaffnet. Das Einfangen war kein Problem, denn kaum hatten wir die Weide betreten, wurden wir von den jungen Pferden umringt, welche uns neugierig musterten. Sie liebten es, mit den Menschen zu arbeiten, aber sie standen ja dafür auch den Rest des Tages draußen.
      Da sie mir sowieso schon am T-Shirt-Zipfel hing, nahm ich direkt Korah. Tami schnappte sich Calimero II, sie liebte den bunten Schecken. Und Tassilo und Alexa nahmen sich Herbstmond und Paddington und schon waren wir eine Vierergruppe. Gemeinsam ging es in den Stall, wo wir die vier ordentlich putzten. Bei Herbstmond haperte es manchmal noch am Stillstehen, aber dadurch, dass sie unter den älteren stand, guckte sie sich vieles ab.
      Lächelnd beobachtete ich Tami. Bevor sie zu uns gestoßen war, hatte sie ihre Ausbildung bereits auf einem anderen Gestüt begonnen. Jedoch war dort einiges schiefgelaufen, woran sie auch definitiv keine Schuld traf, aber dennoch hatte sie vieles abbekommen. Letztendlich hatte sie gekündigt und noch einmal von vorne anfangen wollen und hier war sie nun – bei uns.
      Besonders die Arbeit mit den Fohlen machte ihr Spaß und ich plante sie auch schon bei der Ausbildung der Pferde mit ein. Heute stand für die vier Jungpferde nur ein Spaziergang an. An sich klang es nicht besonders, aber es förderte ihr Vertrauen in den Menschen, ihre Gelassenheit und die Tatsache, dass sie sich ordentlichen führen ließen. Danach ging es für sie auch wieder auf die Weide und jeder ging seinen Wegen nach. Wir verabredeten uns für heute Abend 17 Uhr zum Ausritt.
      Tassilo kümmerte sich außerdem heute um die Kontrolle der Weiden, so dass ich etwas mehr Zeit hatte und mir Outlaw Torn von der Weide holte. Outlaw wurde dieses Jahr vier Jahre alt und war der Liebling von allen. Momentan longierten wir ihn regelmäßig, damit er Muskeln aufbaute und regelmäßig machte er nun Bekanntschaft mit Sattel und Trense.
      Bisher waren wir uns alle einig, ihn englisch einzureiten. Die meisten unserer Westernpferde wurden auf beide Varianten geritten, denn wir alle waren mehr Englischreiter. Und so würde es für Outlaw auch direkt so losgehen. Immerhin hatte er auch großes Talent in der Distanzreiterei.
      Heute machte ich wieder ein bisschen longieren mit dem leichten Trainingssattel, damit er sich in aller Ruhe daran gewöhnen konnte. Bisher juckte ihn das aber sowieso recht wenig, ich war also guten Wissens, dass das Einreiten kein Problem mit ihm sein würde.
      Normalerweise machte ich gegen Nachmittag die Kontrollgänge, aber da die mir heute abgenommen wurden, holte ich mir Raunchy’s Limited von der Weide. Inzwischen war ich ja mehr als froh, dass meine kleine Schönheit wieder bei uns war. Sie wurde ihrem Vater immer ähnlicher und das freute mich natürlich riesig.
      Da Raunchy ein absolutes Allroundpony war, wollten wir heute mal auf den Springplatz gehen. Murrend musterte ich ihre Springausrüstung, wir brauchten dringend einen neuen Sattel, vor allem seitdem das Micklem nun da war und ihr wirklich hervorragend stand.
      Nichtsdestotrotz passte der Sattel und erfüllte seinen Zweck, er war nur nicht mehr so schön wie damals. Ich putzte und sattelte Raunchy und wärmte sie dann mit einer Runde um den Hof auf, ehe wir in allen drei Gangarten auf den Platz Bahnfiguren ritten und dann Trabstangen und Cavalettis dazu nahmen. Am Ende gingen wir zweimal den E-Parcours durch und ich war wirklich zufrieden mit der Leistung meiner Stute.
      Für sie gab es nun eine kühle Dusche und ihr Kraftfutter, ehe es dann zurück auf die Weide ging, wo sie ausgelassen zurück zu den anderen beiden Stuten trabte. Dann machte ich mich auf die Suche nach einem Helferlein und traf Alexa. „Ich bin grad fertig mit dem Dressurtraining mit Call me a Twist, ich habe also Zeit“, erklärte sie lachend.
      Denn ich brauchte sie auch, ich wollte heute zum ersten Mal einen Menschen auf Unitatos Rücken setzen. Er war schon wesentlich weiter als Outlaw, kannte bereits Sattel und Trense und machte einen sehr guten Eindruck. Ich machte ihn gemeinsam mit Alexa fertig und dann ging es in die Halle. Dort spielte ich Reiterlein und Alexa hatte unseren silbernen Hengst an der Longe.
      Er sollte mich erst einmal nur aufsteigen lassen und gut wars für heute. Wir man es von den Westernpferden gewohnt war, lief alles mit viel Ruhe ab und wir waren schnell fertig. Lächelnd lobte ich ihn ausgiebig und auch Alexa war sehr zufrieden.
      Kurz bevor es dann zu unserem Ausritt gehen sollte, holte ich mir noch einmal Acariya von der Weide und betüddelte mein hübsches Welshpony. Insgeheim war sie für mich schon das Gegenstück für Trüffel, wobei Herbstmond ihr da auch große Konkurrenz machte. Für Acariya stand heute ein wenig Führtraining auf dem Plan, damit sie langsam sicherer wurde, bisher war es mit ihr immer noch ein ziemliches hin und her.
      Wie es so war, kam dann letztendlich die Chefin zu spät. Total abgehetzt, aber immerhin war Thorondor gesattelt und ich war auch fertig. Alexa, Tami und Tassilo saßen schon hoch zu Ross und warteten grinsend auf dem Hof auf mich. „Ja ja“, murmelte ich nur lachend, führte Thorondor zur Aufstieghilfe und schwang mich in den Sattel und schon konnte es losgehen.
      Wir brauchten circa eine halbe Stunde zum Strand, wenn wir einige Trab- und Galoppstrecken einbauten. Es war eine ruhige Gruppe und das, obwohl es drei Hengste und eine Stute waren. Tami hatte ich nämlich auf Like Honey and Milk gesetzt, während die anderen beiden Aristo und Dissident Aggressor ritten.
      Wir genossen den schönen Abend und machten uns mit dem Sonnenuntergang im Rücken auf den Heimweg. Weit waren wir vom Gestüt nicht mehr entfernt, als es anfing zu donnern und zu blitzen. „Äh, also wenn wir trocken bleiben wollen, sollten wir einen Zahn zulegen“, meinte Alexa und ließ Dissi antraben. Wir taten es ihr gleich.
      Leider half alles nichts und wir wurde trotz dessen noch pitschnass, kurz bevor wir am Stall ankamen. Dort versorgten wir fix die Pferde, ehe wir gemeinsam ins große Haus eilten. Dort bot ich jedem erstmal eine Dusche an, immerhin hatte ich sowieso drei Badezimmer und während die drei duschten, kümmerte ich mich um Tee und das Abendbrot, ehe auch ich nochmal unter die Dusche sprang.
      Draußen rumorte hingegen ein schönes Sommergewitter vor sich hin. „Also wenn ihr wollt, könnt ihr auch über Nacht hierbleiben. Ich habe zwar nur zwei Gästezimmer, aber dafür noch eine Luftmatratze“, meinte ich lachend und die anderen dankten mir nur erleichtert. Bei dem Wetter wollte keiner mehr nach Hause fahren.
    • Stelli
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      Alte Berichte (c) Eddi
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      Unser Alltag bei Hitze
      20. Juli 2016
      Vier Uhr morgens klingelte mein Wecker und warf mich unsanft aus meinen Träumen. In Anbetracht der momentanen Lage fiel es aber sogar mir Morgenmuffel gar nicht so schwer, mal früher aus dem Bett zu kommen. Grund war das Wetter: Schon ab 10 Uhr konnten wir momentan um die 30 Grad verzeichnen und das kollidierte doch immer etwas mit dem Training der Pferde.
      Also standen wir früher auf und trainierten die Pferde zwischen 6 bis 9 Uhr und hatten danach unsere Ruhe. Meistens schaffte man in der Zeit sogar alle und die, die an dem Tag eh weniger zu tun hatten, konnte man dann auch auf die Abendstunden schieben. Die übernahm dann zumeist mich, damit ich mein Team in den frühen Feierabend schicken konnte, wenn sie schon 6 Uhr bei mir im Stall standen.
      Da kam uns nun auch die 24 Stunden Weide im Sommer zu Gute, denn wir hatten nicht nur ausgeglichene und zufriedene Pferde, sondern auch einfach weniger Arbeit. Keine ständigen Fütterungen oder Misten. Stattdessen bekamen die Pferde ihr Futter nach der Arbeit und die Weiden wurden regelmäßig gewechselt und brachgelegt, sodass wir uns das Abmisten sparen konnten.
      Für mich ging der erste Weg ins Bad, denn etwas Wasser im Gesicht und Zähneputzen machten mich meistens schon ganz gut wach. Ich trank keinen Kaffee, dementsprechend konnte ich meine Energie sowieso nicht von dort hernehmen und ein warmes Getränk im Sommer wäre sowieso mein Tod gewesen.
      Stattdessen warf ich mich gleich in eine Reithose und ein Top und flocht meine Haare nach hinten – schon war ich bereit für alles. Unten in der Küche gab es wie immer ein recht mageres Frühstück, denn ich aß immer erst nach dem Training, damit kamen mein Körper und ich besser klar. So war ich dann schon um fünf im Stall unterwegs und war somit die erste.
      Ich mochte die Ruhe am Morgen, wenn ich noch ganz alleine auf dem Gestüt unterwegs war, ich brauchte das und dementsprechend erfreute sich mein Team immer über sehr angenehme Arbeitszeiten. Auch heute würde sie spätestens Mittag entlassen sein. Irgendwie war ich heute sehr motiviert, was die Dressurarbeit betraf und hatte mich schon im Halbschlaf jemanden herausgepickt.
      Es dauerte eine Weile, bis ich meinen Falbschecken auf der großen Sommerweide entdeckte, aber auf seinen Namen hin, kam Pajero auch sofort auf mich zugetrabt. Ein bisschen schummelte ich, denn ich steckte ihm als Belohnung auch direkt eine Karotte zu, ehe ich ihn aufhalfterte.
      Gemeinsam ging es zurück in den Stall, wo ich ihn gründlich putzte und fertigmachte. Da es noch recht früh war, sprühte ich ihn nur kurz mit etwas Fliegenspray ein, denn mehr bedurfte es momentan nicht. Dann sattelte ich ihn auch schon, ehe ich noch meine Reitstiefel anzog und den Helm aufsetzte und dann wurde noch getrenst, ehe wir auf unseren Reitplatz gingen.
      In aller Ruhe wärmte ich Pajero im Schritt auf, ehe ich nach zehn Minuten in den Leichttrab überging. Unsere Lösungsphase bestand vollkommen aus einem schönen Vorwärts-Abwärts und einer gesunden Dehnungshaltung und beinhaltete auch alle drei Gangarten. Danach war Pajero locker und flockig unterwegs, so dass ich ihn allmählich aufnahm und große Wendungen ritt. Viele Zirkel und Schlangenlinien in allen Variationen.
      Erst dann ging es zur richtigen Arbeit über. Heute hatte ich mir die Seitengänge herausgepickt und ich begann mit simplen Schenkelweichen, ehe ich an den langen Seiten Travers und Renvers abfragte. Pajero war sehr motiviert bei der Sache dabei und brachte einen schönen Schub aus der Hinterhand mit, während er mir vorne am Maul sehr leicht auf den Zügeln lag.
      So ritten wir auch gute Traversalen. Pajero war kein Dressur-Ass, beziehungsweise war es nicht seine Parade-Disziplin, obwohl er darin sehr viel Potenzial mitbrachte und es auch Tage gab, wo er es sichtlich liebte. Heute war so ein Tag und nach einem lockeren einfachen Galoppwechsel, parierte ich zum Trab durch und trabte noch ein wenig leicht, ehe ich ihn abritt.
      Dazu gingen wir immer eine entspannte Runde um den Hof, das war angenehmer, als noch zehn Minuten im Schritt auf dem Viereck herumzukreiseln. Am Stall angekommen traf ich auch bereits auf Tassilo und Alexandria, welche mich freudig begrüßten. Alexa sichtlich aufgeweckt und motiviert und Tassilo eher noch in seinem Halbschlaf. Unsere Auszubildende Tamara würde heute eine Stunde später anfangen.
      Lächelnd sprang ich aus dem Sattel und führte Pajero in den Stall, um ihn fix abzusatteln und dann gründlich abzuduschen. „Soll ich dir jemanden von den Damen mitbringen?“, fragte Alexa mich neugierig und ich dankte ihr für den ersparten Weg. „Raunchy’s Limited wäre toll!“
      Nachdem Pajero fertig war, erhielt er noch in einer Schüssel sein Kraftfutter und alle nötigen Zusatzstoffe, ehe ich ihn zurück auf die Weide brachte. Im Stall erwartete mich dann schon das zweite Pferd. Lächelnd betrachtete ich die Tochter von Raunchy, einem damals sehr bekannten Reitponyhengstes. Sie war ihm teilweise doch ähnliches, als ich es am Anfang geglaubt hatte.
      Momentan hatten wir drei Pferde im Training, bei welchen als nächster großer Punkt die Leistungsprüfungen auf den Plan standen. Witzigerweise standen die drei auch gerade am Putzplatz:
      Raunchy, welche aber noch Zeit hatte und momentan noch in der Ausbildung steckte. Dann Dr. Insektor, der Favorit von Tassilo, welcher allerdings auch noch eine Menge Turniererfahrung sammeln musste. Und dann noch Feuervogel, der inzwischen schon so weit war, dass wir eigentlich den nächsten Termin einer Hengstkörung in Angriff nehmen konnte. Heute wurde er von Alexa geritten und ich bat sie, doch schon einmal direkt für die dort vorgesehene Kür zu trainieren.
      Dann machte ich mir in aller Ruhe Raunchy fertig. Sie war eine fleißige und stets motivierte Stute, ein wahres Arbeitstier. Dementsprechend achteten wir bei ihr darauf, dass sie zwar ihren einen komplett freien Tag in der Woche erhielt, aber sonst beschäftigt war. Heute wollte ich mit ihr Cavalettiarbeit machen und an ihrer Rittigkeit arbeiten.
      Aus dem Grund gab ich sie Alexa zum Warmreiten als Handpferd mit, während ich auf dem Springplatz alle nötigen Cavalettis aufbaute und dann mein Pferd wieder abholte. Die beiden Hengstreiter verzogen sich auf das Dressurviereck und so hatten wir vollkommen unsere Ruhe.
      Nachdem ich Raunchy ausgiebig in allen Gangarten aufgewärmt und auch einige Grundkenntnisse der Dressur abgefragt hatte, begannen wir mit den Cavalettis.
      Es gab gerade und welche auf gebogener Linie. Es gab sie für jeden Abstand für jede Schrittart und so hatten wir definitiv genügend Beschäftigung. Raunchy kam während der Arbeit sehr schön an den Zügel heran, auch wenn ich sie manchmal noch etwas mehr herausreiten musste, damit sie fein vor der Senkrechten blieb und sich selber trug. Aus dem Grunde strich ich auch regelmäßig über, damit ich kontrollierte, ob sie wirklich selbst in der Haltung war.
      Raunchy war danach sichtlich verschwitzt und auch ich konnte mich nicht beklagen, aber das Training hatte sich gelohnt. Raunchy war sehr gut bei der Sache gewesen. Dementsprechend hatte sie sich die kühle Dusche und ihr Futter auch verdient. Bevor es auf die Weide ging, erhielt sie die gleiche Pflege, wie ich sie vorhin auch Pajero zu teil hatte lassen werden.
      Bevor die Pferde wieder auf die Weide gingen, wurden sie an allen markanten Stellen für Fliegen mit Kokosöl eingeschmiert. Das betraf die Partie um Augen und Nüstern, die Ohrenspitzen, Brust, Bauchnarbe und je nachdem Schlauchsack oder Euter. Abschließend gab es dann auch noch einmal das Fliegenspray als Schutz und dann durften sie auch zurück auf die Weide.
      So hatten wir gut umsorgte Pferde, die selten zerstochen von der Weide kamen und da sowieso jeder jeden Tag bewegt wurde, konnte man das problemlos danach noch fix machen. Tassilo und Alexa waren auch gerade beim Einschmieren als dann auch Tami bei uns eintraf. Ich begrüßte sie lächelnd und teilte ihr direkt ihre heutigen Pferde zu.
      Als Auszubildende stand sie noch mehr unter meiner Leitung als die anderen beiden und manchmal glaubte ich, dass sie darüber auch sehr dankbar war. Ich versuchte stets, ihr das richtige Maß an Freiheit und Hilfe zu gewährleisten. Heute würde ich sie sogar direkt begleiten, denn wir gingen gemeinsam auf die Geländestrecke.
      Dabei hatte ich ihr Cover the Sun zugeteilt, während ich mir He’s called Trüffel von der Weide einsammelte. Wieder am Stall informierte ich mich kurz über die Pläne von Tassilo und Alexa und konnte so bereits Vertigo und Walking in the Air von meiner Blaupause streichen. Danach machte ich mir meinen liebsten Welshhengst fertig und dann ging es los.
      Für die beiden Hengste war das Geländetraining immer eine willkommene Abwechslung, denn ihre Stärken lagen eigentlich woanders, aber jeder sprang gerne in der Natur, sowohl Reiter als auch Pferde. Dementsprechend hoch war dann auch tatsächlich die Motivation und sieben Uhr morgens war es auch noch sehr angenehm mit den Temperaturen.
      Und so verging der Morgen eigentlich wie im Flug. Ich ritt als nächstes noch Thorondor, da er ja sowieso der Sonderling war. Erstaunlicherweise mit seinen 27 Jahren noch mehr als fit und dementsprechend befand er sich im regelmäßigen Dressurtraining, denn ich fand, das es genau das war, was er brauchte.
      Und dann waren wir eigentlich schon durch, denn den Abschluss machte ein Ausritt, den wir zu viert unternahmen. Tassilo auf Aristo, Alexa auf Call me a Twist, Tami auf Dissident Aggressor und ich auf Like Honey and Milk. „Wieso hast du überhaupt so viele Westernpferde?“, wurde ich erneut lachend von meinem Team gefragt und ich konnte nur die Schultern zucken, denn ich wusste es selbst nicht.
      Was ich aber beschlossen hatte und was auch bereits im vollen Gange war, war die Ausbildung von allen in die englische Reitkunst. Die meisten von ihnen kannten die Grundlagen bereits und man musste sie eigentlich nur wieder wachrütteln und wir alle fanden, dass die Westernpferde englisch geritten fast noch schicker aussahen.
      Wieder am Stall plapperten wir fröhlich bis mir beim nachzählen der zu reitenden Pferde jemand auffiel. „Äh, und was ist mit Naimibia?“, fragte ich seufzend, denn ich war tatsächlich schon im Entspann-Modus. „Longiert. Sogar mit Trabstangen“, meinte Tami fröhlich und ich hätte meiner Azubi um den Hals fallen können.
      In der Zeit in der ich also Thorondor und Tami Naimibia gearbeitet hatten, hatten sich die anderen beiden schon mit den Jungpferden beschäftigt. Es war so, dass die bei uns wirklich ihr Leben im Herdenverband unter Gleichaltrigen genießen durften. Das einzige an Training für die unter Dreijährigen war einmal die Wochen Führ- und Putztraining, also das Fohlen-ABC.
      Ab drei ging es dann langsam an die Bodenarbeit. Erst einmal Schrecktraining und neue Führübungen, ehe dann auch das Longieren mit auf dem Plan stand. Ab vier durften sie dann Sattel und Trense kennenlernen und in Richtung des fünften Lebensjahrs ging es dann an das Anreiten. Ich ließ mir da inzwischen viel Zeit, denn damit hatte ich die besten Erfahrungen gemacht.
      Fakt war auf jeden Fall, dass uns unsere Zwerge langsam aus dem Alter herauswuchsen, in denen wir uns kaum mit ihnen beschäftigten mussten. Herbstmond war unsere Jüngste, denn sie war erst kürzlich ein Jährling geworden. Darauf folgten Paddington und Amadahy, beide zwei Jahre alt. Die drei bekamen uns regulär nur einmal die Woche zu Gesicht und dann auch immer mal einen anderen, damit sie sich daran gewöhnten.
      Bis vor kurzem hatten Korah, Calimero II und Acariya auch noch dazu gehört, aber so langsam ließ es sich nicht leugnen, dass die drei mehr beschäftigt werden wollten. Also ab sofort dreimal die Woche. Zum Glück waren ja meine Angestellten immer sehr angetan von der Arbeit mit den Zwergen, so dass ich bei Unlust und Bedarf immer mal was abschieben konnte.
      Und dann gab es da noch Outlaw Torn und HGT’s Unitato, die beide schon so langsam auf das Dasein in den Herden der „Erwachsenen“ zugingen. Gut, Unitato war dieses Jahr sechs Jahre geworden und langsam etwas überfällig, aber ich hatte ihn erst recht spät gekauft und ihm so noch seine Zeit geben wollen. Outlaw war mit vier Jahren nun in der Blüte seiner Jugend und durfte allmählich eben alle wichtigen Dinge kennenlernen.
      Das Wichtigste war aber, dass die, die heute dran waren, schon von Tassilo und Alexa gemacht worden waren und wir uns so erleichtert zurücklehnen konnten. Stattdessen mussten nun nur noch die Tränken auf den Weiden kontrolliert und gesäubert werden und dann waren noch die Unterstände dran, welche gereinigt und aufgefrischt werden mussten (es waren große überdachte Plätze mit Sand als Boden), ebenso wie die Heunetze und zu guter Letzt mussten natürlich die Fohlen noch gekuschelt werden.
      Gegen Mittag waren wir dann meist mit allem durch und konnten uns entspannt zurücklehnen. Ich mich in meinem Büro und meine Mitarbeiter in ihren Autos auf den Heimweg. Dafür lohnte es sich doch, schon vier Uhr vom Wecker aus dem Bett geworfen zu werden.

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      Tierärztliche Klinik Caen
      24. Juli 2016
      Sieben Jahre war mein kleiner Feuervogel nun schon! Und in denen hatten wir inzwischen viel erreicht. Aus dem unscheinbaren Fohlen war ein großer, charismatischer Hengst geworden und für den wurde es demnächst sehr ernst. Wir hatten ihn auf allerhand Turnieren vorstellen können und auch im Training waren wir weit gekommen, die Hengstkörung bot sich also mehr als nur an. Eine Kleinigkeit fehlte jedoch noch: Das tierärztliche Attest. Da kam es einem doch zu Gute, wenn man selbst Tierarzt war und sich mit seinen Kollegen stets passend absprechen konnte, denn eine zweite Meinung war immer gut und so nahm ich gerade eine gute Kollegin in Empfang.
      Feuervogel wartete bereits im Stall auf uns. Ich hatte ihn vorhin von der Weide geholt und geputzt. Dabei hatte ich ihn bereits ausgiebig unter die Lupe genommen. Auch meine Kollegin tat das nun noch einmal, nachdem ich ihn ihr vorgeführt hatte. Kurz darauf folgten die typischen Kontrollen von Augen, Ohren und Zähnen, ehe sie seine Werte überprüfte. Herz und Lunge waren einwandfrei, ebenso wie die Temperatur und die Darmgeräusche. Also wurden nur noch die letzten Impfungen und Wurmkuren kontrolliert und schon hatte Feuervogel seinen Test bestanden und bekam das Attest ausgestellt. Mir wurde viel Erfolg gewünscht, ehe meine Kollegin auch wieder entschwand.

      482. Hengstkörung
      24. Juli 2016
      Seit der Gestütsverkleinerung gab es auch gar nicht mehr so viele Zuchtanwärter - zumindest wenn man von den Jungpferden absah - und so hatten wir genügend Zeit, um unsere letzten drei auf ihre Körungen vorzubereiten. Bei Feuervogel war diese Vorbereitung mit großem Erfolg abgelaufen und mein Reitponyhengst konnte sowohl Turnier- als auch Trainingserfahrung aufweisen. Mit seiner guten Abstammung würde er sicherlich auch Pluspunkte sammeln und so kam es kurz über lang, dass wir zu einer passenden Hengstkörung fuhren.
      Feuervogel war wie immer ruhig und entspannt, die Fahrt hatte er auch gut hinter sich gebracht. Während des Fertigmachens hatte er zufrieden gedöst, doch nun beim Warmreiten war er voll bei der Sache. Aufmerksam reagierte er auf meine Hilfen und lief sehr schön vorwärts. Ich ritt ihn in aller Ruhe in allen Gangarten warm, ehe es für uns auch schon in die Halle ging, denn wir waren als Nächste an der Reihe:
      Im schönen Arbeitstempo Trab ritten wir ein und geradewegs auf X zu, um dort geschlossen anzuhalten und die Richter kurz zu grüßen. Dann gingen wir im Trab auf die linke Hand und ritten erst einmal ganze Bahn. Nach einer Runde parierte ich in einen fleißigen Schritt durch und zeigte an der kurzen Seite eine schöne 10-Meter-Volte. Kurz darauf gingen wir auf den Zirkel und galoppierten an.
      Auf jeder Hand sollten alle drei Gangarten gezeigt werden, also taten wir genau dies. Im Galopp ging es noch einmal eine ganze Bahn, ehe ich zum Trab durchparierte und die Hand wechselte. Auch rechts zeigte ich Feuervogel zuerst im Trab, ehe wir auch wieder hier zum Schritt durchparierten. Kurz gab ich Feuervogel ein wenig mehr Zügel, ehe ich ihn wieder versammelte und angaloppieren ließ.
      Die Schritt-Galopp-Übergänge saßen auf beiden Händen und zeigten die Sicherheit des Hengstes im Viereck. Zufrieden parierte ich nach der Runde wieder zum Trab durch und ritt dann nach einer ganzen Bahn erneut auf die Mittellinie, um bei X anzuhalten. Mit einem kurzen Gruß verabschiedete ich mich von den Richtern, ehe ich Feuervogel den langen Zügel hingab und im Schritt die Halle verließ.

      Tag der offenen Tür
      07. August 2016
      Unmotiviert öffnete ich langsam die Augen, als mein Wecker klingelte. Ich hatte Angst vor dem Fensterausblick, denn obwohl wir inzwischen August hatten, regnete es gefühlt permanent. Doch ich wurde nicht enttäuscht, denn die Sonne schien und der Himmel war blau! Das Wetter für heute war so wichtig, weil bei uns der Tag der offenen Tür anstand. Es würde zwar erst 10 Uhr losgehen, aber ich hoffte sehr, dass sich das Wetter bis dahin halten würde.
      Dementsprechend gab es auch noch viel zu tun und so beeilte ich mich auch im Bad und danach in der Küche, damit ich kurz vor sieben schon im Stall war. Auch mein Team war heute früher da. Und wir kümmerten uns um die täglichen Stallarbeiten, ehe wir noch die Reste vollrichteten, die wir gestern nicht geschafft hatten. Das Gestüt sollte für die Gäste immerhin besonders ansprechend sein.
      Die Eröffnung würde mit einer Hengstparade beginnen, dementsprechend mussten vier Hengste gewaschen und geputzt werden. Nach langem Überlegen hatten wir uns für Aristo, Pajero, Thorondor und Dissident Aggressor. Tami und Alexa holten die Hengste, während Tassilo und ich alles am Putzplatz vorbereiteten. Aristo hatten wir gestern bereits gewaschen und ausnahmsweise einmal eingedeckt. Bei Pajero und Dissident mussten nur noch einmal die weißen Abzeichen und die Schweife gewaschen werden.
      Wir waren alle schwer beschäftigt, sahen aber 10 Uhr bestens aus und ritten in die mehr als volle Halle ein. Das Gestüt hatte sich verdammt schnell gefüllt und es herrschte ein reger Betrieb, doch als wir in die Halle ritten, wurde es plötzlich mucksmäuschenstill. Wir hatten eine schöne Kür einstudiert und es lief alles so, wie man es sich wünschte. Die Hengste machten bestens mit und repräsentierten in vollen Zügen unser Gestüt.
      Nach der Vorstellung gaben Alexa und ich unsere Pferde ab und blieben in der Halle, um die Gäste zu begrüßen und ein wenig über das Gestüt und unsere Pferde zu erzählen. Da sie das Aushängeschild für uns waren, würden Tami und Tassilo nacheinander noch unsere restlichen Hengste vorreiten, doch bis dahin hatten sie noch ein wenig Zeit, denn wir erzählten noch einiges.
      Dann ritt unsere junge Tami auf Call me a Twist in die Halle ein und präsentierte den Hengst in allen drei Gangarten. Nachdem sie sich verabschiedete, kam direkt Tassilo auf Cover the Sun. Mit ihm zeigte er auch einige höhere Dressurlektionen, denn Sunny war als Trakehner mit der Abstammung und Farbe sehr beliebt. Und dann kam noch He’s called Trüffel, welcher sich allerhand „Awr!“- und „Oar!“-Rufe einsammelte. Er sah aber auch wirklich entzückend aus mit den kleinen Turnierzöpfchen.
      Nach einer kurzen Pause präsentierten unsere Reiter noch unsere beiden Anwärter Feuervogel und Dr. Insektor. Wobei ich betonte, dass Feuervogel wahrscheinlich demnächst sein Zuchtzertifikat erhalten würde. Nach der Hengstschau kehrte für uns erst einmal Ruhe ein und die Besucher verstreuten sich auf dem Gestüt. Aus Gründen unserer Bekanntheit hatten wir einen kleinen Markt mit Buden errichten lassen, wo sich kleinere Händler präsentieren durften.
      Ebenso gab es ein paar Essensstände und ich einige Vorträge von kleineren und unbekannteren Personen, deren Konzept ich aber sehr gut fand. Dementsprechend war für gutes Programm gesorgt. Die gesamten Leute hatten wir bereits gestern eingewiesen und alles vorbereitet, weshalb heute Morgen alles sehr reibungslos verlaufen war. Ein Großteil waren auch freiwillige Helfer, welche uns treue Dienste leisteten.
      Nebenbei boten wir auf dem Reitplatz Kinderreiten an. Dafür hatten wir Raunchy’s Limited, Like Honey and Milk und Walking in the Air gesattelt und führten die Kinder immer für einige Runden. Die Anfänger beziehungsweise Nicht-Reiter blieben mit den Führenden auf dem Reitplatz, während Fortgeschrittene eine Runde außen über die Wiesen spazieren durften, natürlich dennoch geführt und immer als Pflicht mit Helm.
      Der Tag nahm so seinen Lauf und am Nachmittag hatten wir noch etwas Besonderes geplant, denn wir machten den Weg zu unseren Fohlen- und Jungpferdeherden frei. Die Weiden waren geschlossen gewesen, aber da diese Pferde unsere Zukunft verkörperten, durften sie nun auch einmal angeschaut werden.
      Erstaunlicherweise wurden wir von einer großen Traube an Menschen begleitet und alles schienen neugierig zu sein und die meisten hatten auch direkt Herzchen in den Augen. Wir verteilten auch kleine Möhrenstückchen und unter unserer Aufsicht, durften die Kleinen durch den Zaun gefüttert und gestreichelt werden.
      Als erstes kamen natürlich unsere mutigsten an den Zaun: Outlaw Torn, Paddington und Amadahy. Nachdem die drei die Lage gesichert hatten, rückte auch der Rest neugierig näher. Schon bald standen auch HGT’s Unitato und Acariya am Zaun. Die restlichen drei beschäftigten sich lieber mit sich selbst, denn Calimero II tobte gerade mit Herbstmond und Korah wild über die Weide.
      Auf ein Rufen meinerseits kamen aber auch sie an den Zaun und holten sich ihre Belohnungen ab. Nach einer halben Stunde entschwanden wir jedoch auch wieder bei den Fohlen und ließen sie in Ruhe. Auch das Kinderreiten war bereits beendet und die Stuten genossen ihren freien Abend auf der Weide. Wir versammelten uns langsam alle auf dem Hof, denn nun kam der besondere Abschluss!
      Zur Feier des Tages gab es ein riesiges Lagerfeuer mit kostenlosem Knüppelbrot und Kartoffeln in Alufolie und vieles mehr. Ebenso hatte sich Tassilo um einige Kleinigkeiten bezüglich eines Feuerwerks gekümmert. Es war nicht riesig oder besonders lang, aber es war schön und machte sichtlich allen ihre Freude und so konnten wir den Tag wunderbar an einem Lagerfeuer ausklingen lassen.

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      Weihnachtsfeier
      24. Dezember 2016
      Heute war ich schon seit fünf Uhr morgens auf den Beinen und im Stall unterwegs. Unser großes Weihnachtsfest stand an und obwohl wir schon alle Vorbereitungen auf die letzten Tage geschoben hatten, gab es heute noch einiges zu tun. Nebenbei mussten natürlich auch unsere Pferde versorgt werden, weshalb mein Team ausnahmsweise auch schon eher in den Tag startete.
      Nach der Fütterung widmeten wir uns direkt dem Misten, ehe dann schon die ersten Leute eintrafen. Wir veranstalteten ein kleines Turnier, sowieso eine Quadrille und einige Showeinlagen. Deshalb kamen auch einige Leute von außerhalb, welche sich bei uns einquartierten. Das Organisatorische hierfür übernahm Alexa und wies alle Neuankömmlinge ein. Sie hatte auch direkt ein Blatt gemacht, wo alle wichtigen Informationen und Regelungen standen – sehr gut mitgedacht.
      Ich kümmerte mich hingegen um unsere Schüler, welche heute auch dabei sein würden. Diese waren natürlich wesentlich aufgeregter als die alten Hasen, die schon oft bei Turnieren und Shows mitgemacht hatten. Mila und Jilly, zwei unserer jüngsten, würden heute eine kleine Vorstellung mit den beiden Shettystuten machen. Deshalb waren sie schon tatkräftig bei Batida de Coco und Polka Dot am Werk, um die beiden einzuflechten.
      Tami kümmerte sich um die Pferde für das Ponyreiten. Dafür hatte sie ihre arme Schwester mit angeschleppt und die beiden machten gerade Lila Wolken und Shattered Glass fertig. Ponyreiten war eventuell übertrieben oder falsch ausgedrückt. Aber wir gaben Kindern gerne die Chance, sich für einen kleinen Spaziergang um das Gestüt in den Sattel zu schwingen.
      Dafür nahmen wir natürlich unsere liebsten Pferde und ehrlich gesagt hatten wir heute gar nicht so viel Auswahl, da viele Pferde bei dem Turnier oder der Quadrille teilnahmen. Raunchy’s Limited, Feuervogel und He’s called Trüffel liefen alle drei unter vielversprechenden Reitern bei dem Turnier mit.
      Unsere Quadrille wurde nur von uns Teamleuten geritten, denn da sah ich ungern andere auf den Pferden. Mein Reittier war natürlich Pajero. Tassilo ritt Thorondor, Alexa saß auf Aristo und Tami schwang sich in den Sattel von Cover the Sun. Wir waren eine sehr bunte Truppe, aber genau das machte die Weihnachtsquadrille dann auch so lustig.
      Danach folgten die Showeinlagen und dann war auch schon das Turnier an der Reihe. Während sich unsere Zuschauer also aufteilten, konnten wir nun auch das Ponyreiten anbieten, ebenso wie kleine Kutschfahrten. Dafür liefen Erutan Wishes und What does the Fox say vor unserer kleinen Kutsche und wurden von Tassilo geführt.
      Natürlich gab es auch einige Pferde, denen ich solchen Stress noch nicht zutraute. Das war zum einen unsere junge Stute Sarabi, welche noch gar nicht lange bei uns war und deshalb heute frei hatte, weit abseits auf einer ruhigen Weide und auch Dr. Insektor blieb außen vor, denn mein Rapphengst sollte demnächst bei einer Hengstkörung antreten und konnte keine Ablenkung gebrauchen.
      Auch Dissident Aggressor ließ ich dieses Jahr außen vor. Er war der totale Liebling von allen Besuchern und deshalb auch immer argen Stress ausgesetzt. Deshalb hatte er heute schlichtweg frei und genoss das auch sichtlich auf seiner Weide.
      Der heutige Tag neigte sich dann auch alsbald dem Ende. Die Auswertung und Siegerehrung des Turnieres fand statt und als es 16 Uhr begann zu dämmern, luden wir alle noch zum großen Lagerfeuer und Punsch ein. Der Tag war zwar stressig und anstrengend gewesen, aber trotzdem schön!

      Winterroutine
      07. Februar 2017
      Wenn der Winter Einzug hielt, veränderte sich auch das Leben auf dem Gestüt. Die Turniersaison war im Herbst beendet und in den Wintermonaten gab es nur hier und da ein paar kleinere Hallenturniere. Ich nutzte diese Zeit dann gerne, um unsere Youngster an die neue Atmosphäre heranzuführen und generell auf die neue Turniersaison vorzubereiten. Das galt natürlich auch für die Turnierpferde, für welche ab Oktober meist das Wintertraining begann.
      Natürlich wurden unsere Pferde allumfassend trainiert, so dass für alle der Muskelaufbau und die Verbesserung der Techniken auf dem Plan stand. Trotz der allgemeinen Einheiten gab es aber auch diejenigen, bei welchen wir uns auf die individuellen Stärken und Schwächen unserer Pferde konzentrierten und auch deren Hauptdisziplin in den Fokus nahmen.
      Über Weihnachten und Neujahr war viel los gewesen auf dem Gestüt, immerhin musste man sich auch repräsentieren, wenn man wahrgenommen werden wollte. Bei uns war das wirklich erfolgreich gewesen und danach waren wir entspannt in das neue Jahr gerutscht. Momentan lief alles routiniert und ruhig ab, auch heute war wieder einer der Tage, an denen ich mir keine Gedanken machen brauchte.
      Mein Team war fit und motiviert, alle drei waren anwesend und bei bester Laune. Aber immerhin hatten wir auch einen wunderschönen Wintertag mit Schnee und Sonnenschein erwischt. Das war hier in Deutschland ja dann doch nicht der Normalfall für einen Winter, also musste es auch wirklich genossen werden.
      Die Pläne für heute standen und nachdem alle Pferde gefüttert waren, wurde eingedeckt und dann auf die Weiden hinausgebracht. Auch im Winter durften unsere Vierbeiner den gesamten Tag draußen verbringen und es tat ihnen sichtlich gut. Wir mühten uns dann stattdessen mit den Stallarbeiten ab und bereiteten schon alles für den Abend vor, um da dann schneller zu sein.
      Und dann ging es mit der ernsten Arbeit los. Momentan standen für mich Sarabi und Shattered Glass im Fokus. Bei den beiden Stuten nutzte ich die Wintermonate, um sie auf ihre Prämierungen vorzubereiten. Hierzu war Sarabi erst kürzlich wieder bei einer Trainerin gewesen und hatte sich im Springen fortgebildet. Die junge Stute entwickelte sich prächtig und zeigte auch auf Turnieren eine tolle Präsenz. Heute ritt Alexa sie in der Halle Dressur und feilte an den Lektionen.
      Shattered Glass ließ ich hingegen noch etwas in Ruhe, hatte sie dennoch immer im Auge. Fleißig ging auch sie hier und da auf Turniere und zeigte sich von ihrer besten Seite. Ihr Training war hingegen entspannt, da ich noch nicht recht wusste, in welche Richtung ich mit der Stute gehen wollte. Für sie stand heute ein wenig lockere Arbeit unter Tami an. Unsere Auszubildende hatte sich ja in die Scheckstute ein bisschen verliebt.
      „Bringst du sie in die Führanlage?“, fragte ich Tami, die gerade mit Shattered Glass durch die Stallgasse lief. Sie bejahte und ich drückte ihr gleich noch Teasie und Walking in the Air in die Hand, um sie mit in die Führanlage zu packen. Die beiden Scheckstuten würden sich nur eine Viertelstunde warmlaufen, aber Wita wollte ich danach noch etwas traben lassen und dann war sie für heute auch schon fertig.
      Mit zwanzig Jahren musste man es in der Wintersaison auch nicht übertreiben und meistens ging sie im Unterricht mit, so dass sie sehr gut ausgelastet war. Ich schnappte mir stattdessen heute Teasie. Schnell geputzt und gesattelt, ging es für uns beide in die Halle, wo Alexa bereits Sarabi abritt und Tami hingegen Shattered Glass warmritt.
      Wir gesellten uns dazu und ich wärmte Teasie in aller Ruhe auf. Teasie war immer vor allem eine Zuchtstute gewesen und hatte nie viel mit Turnieren am Hut gehabt. Das wollte ich ab kommenden Frühjahr aber ändern, da ich merkte, wie viel Spaß ihr das machte und sie diese Aktion auch brauchte. Also arbeiteten wir heuten an den grundlegenden Lektionen, Tempiunterschieden und Bahnfiguren.
      Teasie war für einen Araber ausgesprochen schön zu reiten und ich war wirklich zufrieden, als ich mit ihr dann fertig war und sie abritt. Im Stall durfte die verschwitzte Stute dann für ein Viertelstündchen unter das Solarium, ehe sie eingedeckt wieder auf die Schneeweide hinausdurfte. In der Zeit traf Lynn im Stall ein. Sie war die Reitbeteiligung von Lila Wolken.
      Tendenziell vergab ich keine Reitbeteiligungen, es sei denn, sie konnten etwas, was ich nicht konnte, nämlich einen Fünfgänger reiten. Lynn konnte das und umsorgte Lila Wolken schon gefühlt seit immer. Sie war sehr zuverlässig, ritt gut und hatte eine tolle Art mit Pferden umzugehen. Dementsprechend war sie bei uns stets willkommen.
      „Eddi, kurze Absprache?“, fragte Tassilo und riss mich so aus meinen Gedanken. Ich nickte nur kurz und folgte ihn raus zu der Weide unserer Youngster. Ich ahnte, worauf er hinauswollte. „Jaaa, die beiden sind diesen Winter an der Reihe. Willst du das machen?“, fragte ich ihn grinsend und Tassilo nickte begeistert. Es ging um die Junghengste HGT’s Unitato und Outlaw Torn.
      Junghengste war wohl untertrieben, denn beide waren nun eigentlich schon erwachsen, aber für mich waren sie immer noch Babys. Nichtsdestotrotz stand für sie diesen Winter das Einreiten an und ich wusste, dass Tassilo indirekt darauf brannte, die beiden selbst auszubilden. Ich vertraute ihm da und überließ ihm meine beiden Schätze. Es wurde auch langsam echt Zeit für die zwei.
      Paddington und Amadahy hatten da noch ein Jahr Zeit, würden dieses dann aber auch schon anlongiert werden und vom Boden aus in aller Ruhe vorbereitet werden. Das ersparte dann später viele Mühen. Fraglich für mich war hingegen Korah. Sie wurde dieses Jahr bereits vier, nur konnte ich sie noch gar nicht einschätzen, ob sie noch etwas brauchte oder bereit war. Ich würde wohl bis zum Frühjahr warten, ehe eine Entscheidung gefällt wurde.
      Calimero II war da auch so ein fraglicher Kandidat, aber auch ihm ließ ich noch ein wenig Zeit. Stattdessen widmete ich mich lieber noch den großen Sportponys. Raunchy’s Limited wurde gerade von Alexa geritten und Feuervogel hatte heute frei. Schon öfters war ich gefragt wurden, wann ich denn ein Fohlen aus beiden ziehen wöllte, aber ehrlich gesagt, wusste ich das noch nicht. Vielleicht nächstes Jahr.
      „Acariya wird auch vier“, meinte Tami mahnend, als sie einen Blick über meine Schulter warf und die Liste durchlas. Kurz wollte ich ihr widersprechen, dann rechnete ich aber nach und seufzte. „Ja stimmt“, murmelte ich nur und schrieb sie auch zu den Vierjährigen. Wenigstens hatten Maelis und Herbstmond noch Zeit!
      Die jüngeren beschäftigten wir nur regelmäßig mit den Grundlagen des Fohlen ABC und sonst durften sie ihre freie Zeit genießen und Fohlen beziehungsweise Pferd sein. Like Honey and Milk lief gerade seelenruhig hinter einer Reitschülerin her. Sie war heute zu einer Probestunde da und wurde von Alexa unterrichtet.
      Ich war mir sicher, dass sie begeistert sein würde, auch wenn ich das Pferd wohl anders gewählt hätte, aber das musste Alexa wissen. So viel ich weiß, ritt das Mädchen schon länger und da wären Aristo oder sogar He’s called Trüffel auch eine sehr gute Wahl gewesen. Wobei zweiterer eventuell etwas zu klein hätte sein können, das wäre dann doch nicht so stimmig gewesen.
      „Ausritt?“, fragte ich Tami und sie nickte begeistert. Ich holte mir Thorondor von der Weide und sie sich Call me a Twist. Wir machten beide Hengste fertig und entschwanden dann für zwei Stunden in unser Winter Wonderland und genossen einfach die Sonne.
      Danach war ich wirklich motiviert und hatte Kraft getankt, weshalb ich mir Pajero schnappte und für ein Springtraining vorbereitete. Tassilo war auch sofort dabei und sattelte sich Cover the Sun. Die beiden Hengste liebten das Springen und die heutige Stunde machte auch wirklich Spaß. Alexa nahm sich sogar kurz Zeit, um uns beide noch etwas zu korrigieren und so war die Stunde ein voller Erfolg.
      Während Pajero dann unter dem Solarium döste, brachte ich Dr. Insektor und Dissident Aggressor in die Führanlage. Sie sollten sich heute bewegen, aber ruhig und kontrolliert, dementsprechend war die Führanlage ideal. In der Zeit besprach ich mit Alexa, wie unsere heutige Ponystunde aussehen würde und wen wir nehmen wollten.
      „Ich bin für Polka Dot und Batida de Coco“, meinte Alexa und ich stimmte ihr zu. „Übrigens hab ich gestern in der Zeitung etwas von einer neueröffneten Zirkusschule gehört, vielleicht könnte man die gute Frau mal zu uns einladen, um den Kindern das zu zeigen?“, gab Alexa als Vorschlag und ich meinte, dass ich darüber nachdenken würde. Es klang gut, nur musste ich eben erst wissen, um wen es ging.
      Da nun die beiden Ponystuten heute im Einsatz waren, mussten unsere Hengste noch versorgt werden. Erutan Wishes nahm ich für eine halbe Stunde an die Longe und mit What does the Fox say machte ich Bodenarbeit. Shetland Ponys waren bald anstrengender als Großpferde, denn die Zwerge mussten täglich beschäftigt werden. Sie wurden sonst erstens dick und zweitens maulig.
      Für uns stand heute dann nur noch 17 Uhr die Reitstunde an und dann kehrte auch langsam Ruhe auf dem Gestüt ein. 18 Uhr ging es für alle Pferde in den Stall, es gab Futter und dann wurde noch der letzte Abendrundgang gemacht, ehe wir uns alle in unsere eigenen vier Wände zurückzogen.

      Prüfungsvorbereitung
      19. März 2017
      „Denk an deine Schultern! Den äußeren Schenkel ran! Gib innen etwas nach!“, drangsalierte Tassilo gerade unsere Auszubildende. Tami saß mit vor Konzentration hochrotem Kopf auf Pajero und bestritt gerade unter Tassilos Anleitung eine L-Dressur mit einigen M-Lektionen. Tassilo ließ weder ihr noch dem Pferd etwas durchgehen. Es war aber auch fies, Pajero auf so hohem Dressurniveau reiten zu müssen.
      Zwar besaß unser Hengst tolle Gänge, aber er war nie ein großer Fan von der Dressur gewesen, er war eigentlich viel mehr ein Springer und das sah man ihm auch immer bei der Dressurarbeit an. Also er konnte schon und auch sehr gut, aber dann musste man als Reiter wirklich hinterher sein, denn Pajero schenkte einem nichts.
      „Vergiss die Hinterhand nicht!“, kommandierte Tassilo streng und ich saß grinsend an der Bande. Sinn des ganzen Spektakels war, dass Tami im April ihre Abschlussprüfung zur Pferdewirtin im Schwerpunkt Klassische Reitausbildung machen würde und natürlich wollten wir sie da mit top Noten durchhauen.
      Aus dem Grund ging es ihr schon seit Anfang des Jahres an den Kragen und je näher die Prüfung kam, desto anstrengender wurde ihr Training. Tassilo nahm sie in der Dressur aufs Korn und im Springen wurde sie von Alexa getriezt. Dabei wurde sie auch inzwischen auf unsere doch anstrengendsten Pferde gesetzt, denn die Prüfung würde sie auf Pferden der Deutschen Reitschule in Warendorf machen müssen.
      Also bereiteten wir sie auf alles vor. Aber wer mit Pajero gescheit durch eine L-Dressur kam, dem stand an sich sowieso nicht mehr so viel im Wege. Und geschafft hatte sie es jetzt auch. Pajero schnaubte zufrieden ab und wirkte tatsächlich kaum k.o., während Tami vor sich hin schniefte und erst einmal wieder zu Atem kommen musste.
      Ich entschwand in den Stall, um noch kurz Alexa zur Hand zu gehen. Heute stand mal wieder Teambesprechung an, aber da wir momentan traumhaftes Frühlingswetter hatten, entschied ich, die auf einen Ausritt zu verschieben. Ich würde dann von Tami Pajero übernehmen, denn den ritt sie nur ungern im Gelände.
      Mit seinen 175cm Stockmaß und seiner Hengstmasse war er da aber auch ein ziemliches Kaliber. Alexa hatte für sich und die anderen beiden Feuervogel, Aristo und Calimero II ausgesucht. Sie selbst ritt unseren jüngsten, Calimero, der erst seit Anfang des Jahres unter dem Sattel war und so immer mal hier und da mitdurfte, so dass er es ohne Probleme lernte.
      Tassilo ritt Feuervogel und Tami schwang sich auf Aristo und dann konnte es losgehen. Hauptgesprächsthema war tatsächlich erst einmal Tamis Prüfung. Für sie würde es bald nach Warendorf gehen, denn vor der Prüfung stand noch ein zwölftägiger Vorbereitungslehrgang an. Deshalb nahmen wir momentan Tami auch vermehrt bei den üblichen Arbeiten raus, da sie mit ihrem Training, dem Lernen und der restlichen Vorbereitung schon genügend zu tun hatte.
      Zweites Thema war die Equitana, überraschenderweise waren wir dort vertreten. Sogar reiterlich, doch das übergab ich in die Hände von Tassilo und Alexa, während Tami und ich die Equitana mehr oder weniger entspannt als Gäste besuchen würden. „Da kleiden wir dich noch gut ein“, meinte Alexa streng zu Tami. Seit der Prüfungsvorbereitung mutierte sie zu einer Über-Mutter und wir alle hofften sehr, dass das danach nachlassen würde.
      Und zuletzt ging es um das Anweiden der Pferde. Ab Mai sollten sie dann wieder 24/7 auf den Weiden verbringen, also mussten wir sie bis dahin auch gut an das Futter gewöhnt haben. Unsere Winterweiden waren natürlich ratzekahl, aber es gab genügend Grünwiesen, die wir nun demnächst in Beschlag nehmen würden. Aber es war immer gut, wenn die Pferde mal vor oder nach der Arbeit noch ein wenig vor dem Stall grasen konnten, so dass sie sich schon einmal daran gewöhnten.
      Nachdem alles besprochen war, genossen wir aber einfach noch unseren Ausritt bei dem herrlichen Wetter und ein Wettrennen war letztendlich auch noch für uns drin.

      Weidezeit
      06. Mai 2017
      Es war der 6. Mai. Eigentlich kein besonderes Datum, aber ich hatte mich dafür entschieden, dass nun endgültig die Weidesaison für unsere Pferde losgehen sollte. Den gesamten April über hatten wir sie in aller Ruhe angeweidet und nun sollte es auf die ersten großen Sommerweiden gehen. Ich machte daraus immer gerne ein kleines Event, weil es doch was Anderes war und uns endlich von unserer Winterroutine löste.
      An diesem Morgen wurden dennoch alle Pferde noch einmal im Stall gefüttert. Meine Truppe war auch schon früh gemeinsam zugegen, denn alle wollten es miterleben. Gestern Abend hatte ich mir noch einmal Gedanken über unsere Weideaufteilungen gemacht. Die Hengste hatten wir in zwei Gruppen geteilt und die Stuten ließen wir aber zusammen.
      Auch heute fühlte sich das noch gut an, so dass wir guten Gewissens die Pferde nacheinander rausschaffen würden. Ich hatte die Hengstgruppen so aufgeteilt, dass sie gut ausbalanciert waren. Es gab in jeder Gruppe sowohl jüngere als auch ältere Hengste, denn ich erachtete das für die Sozialisation als sehr wichtig.
      So durften die drei „Oldies“ Call me a Twist, Pajero und Dissident Aggressor mit Cover the Sun, HGT’s Unitato, Outlaw Torn, Altyn und Calimero II auf die Weide. In der zweiten Gruppe waren somit Thorondor, Aristo, Dr. Insektor, Erutan Wishes, What does the Fox say, Nochnoi Dozor, Feuervogel und He’s called Trüffel. Generell erschien mir die erstere Gruppe definitiv die aktivere, aber das war ja nicht schlimm.
      Die Sommerweiden boten den Pferden genügend Platz und frisches Gras. Zusätzlich gab es einen geräumigen Unterstand, wo wir jetzt zu Anfang auch noch Heu anbieten würden. Dort ließ sich auch eine von zwei vorhandenen Tränken finden.
      Die älteren Hengste wussten bereits genau, worum es heute ging. Unsere beiden Neulinge Altyn und Nochnoi Dozor hatten sich auch schon sehr gut eingefunden und nun null Probleme, mit ihren neuen Freunden auf die Weiden zu jagen. Es war wirklich schön anzusehen, wie da jeweils die Gruppen aus acht Pferden über die Wiese preschten.
      Als nächstes machten wir direkt mit den Stuten weiter. Insgesamt beherbergte das Gestüt momentan zehn Stuten und im Gesamten waren das alles sehr ruhige und liebe Zeitgenossen. Aus dem Grund wollte ich die Gruppe auch nicht teilen.
      Walking In The Air und Teasie waren die ältesten, aber auch gleichzeitig ranghöchsten. Danach folgte Sarabi, welche schon gerne einmal den Besitzanspruch der beiden älteren anfechtete und danach ergab sich der Rest ein bisschen von alleine. Lila Wolken zog sich vorzugsweise immer etwas zurück und genoss ihre Ruhe.
      Batida de Coco und Polka Dot waren generell auch sehr gern für sich. Zumindest wenn sie nicht ihre fünf Minuten hatten und den Großen auf den Keks gehen wollten. Sie waren aber auch gerne in der Nähe von den zwei absoluten Ruhepolen Shattered Glass und Like Honey and Milk. Die beiden machten ihrem Westernpferde-Dasein nämlich alle Ehre.
      Raunchy’s Limited und Amadahy waren irgendwie die Küken der Gruppe und waren sich dementsprechend bezüglich ihres Platzes noch nicht so sicher. Aber sie hielten sich auch gerne eher im Hintergrund auf. Außerdem hatte Raunchy im Moment auch noch Feuerdrache bei Fuß, aber das lief erstaunlich gut und er würde ja schon bald abgesetzt werden. Bei den Stuten ging es auch ruhiger zu und der Großteil begann sehr schnell zu grasen.
      Nun fehlten nur noch unsere Jungpferde. Dahingehend hatten wir momentan gar nicht viele und da wir auch die Hengste von den Stuten trennten, bekamen die jeweiligen Gruppen auch kleinere Areale. Also verhältnismäßig kleiner, für die Dreiergrüppchen waren sie dennoch riesig, aber den vollen Platz hätten sie nie nutzen können.
      So zunächst Applaus und Paddington alleine eine Gruppe, ehe Ende Sommer noch Feuerdrache dazu stoßen würde. Die Stuten bestanden hingegen aus Maelis, Acariya, Herbstmond und Korah. Alle bereits halbwüchsig und auch sehr aufgeweckt.
      Nachdem nun alle Pferde die Stallungen verlassen hatten, begann für uns erst der wahre Akt. Über den Sommer würden die Boxen nicht wirklich in Benutzung sein, also wurden sie komplett ausgemistet, ausgekehrt und auch direkt einmal mit dem Wasserschlauch ausgespritzt.
      Außerdem putzten wir die Tränken und Tröge, säuberten grob die restlichen Oberflächen und die Fenster. Auch die Paddocks mussten abgeäppelt werden.
      Am Ende hatten wir aber einen blitzeblanken Stall und waren wirklich zufrieden mit uns. Der Tag war jedoch noch längst nicht rum, denn immerhin sollte ein Großteil der Pferde heute auch bewegt werden. Besonders die momentanen Anwärter standen unter Beobachtung.
      Dazu zählten insbesondere Altyn und Nochnoi Dozor, die beiden neuen Achal Tekkiner, in welche ich große Hoffnungen legte. Aber auch Calimero II sollte langsam aus sich herauskommen, genauso wie HGT’s Unitato. Die vier hatten momentan einen strengen Trainingsplan einzuhalten.
      Ich kümmerte mich hingegen um Outlaw Torn, der war zwar bereits zur Zucht zugelassen, aber unter dem Sattel musste er dennoch noch viel lernen. Alexa nahm sich da lieber unsere Shettys zu Hand, denn daran hatte sie besonders viel Spaß. Die Shettyhengste fuhr sie heute und mit den Stuten machte sie Freiarbeit.
      Ich gönnte mir heute dann noch einen Ausritt mit der jungen Amadahy, die zu meinen geheimen Lieblingen gehörte. Und außerdem schaute ich noch einmal bei Sarabi vorbei, von welcher ich nämlich diesen Monat noch ein Fohlen erwartete. Das Treiben auf dem Gestüt war dementsprechend in vollem Gange und so hatten wir alle Hände voll zu tun.

      Gestütsbetrieb
      07. Oktober 2017
      Tatsächlich gehörte der Samstag mit zu meinen liebsten Tagen. An diesem Tag war besonders viel auf dem Gestüt los, da samstags immer die Reitvorschule stattfand. Dementsprechend wuselten Kinder von drei bis sechs Jahren im Stall herum. Es waren zwei Gruppen von je vier Kindern.
      Der einen Gruppe gehörten Batida de Coco und Polka Dot als Schulponys und der anderen Gruppe gehörten Erutan Wishes und What does the Fox say. In der Reitvorschule ging es vor allem noch viel um den Umgang und die Pflege der Pferde. Gerne fragten wir die Kleinen ab und beantworteten auch alle aufkommenden Fragen.
      Natürlich kamen die Kinder auch noch näher mit den Pferden in Kontakt, aber neben dem Reiten lernten sie auch schon Grundlagen der Bodenarbeit und des Longierens, je nachdem wie fortgeschritten sie schon waren. Da heute aber unglaublich schönes Herbstwetter war, entschieden sich Tami und Alexa dafür, mit den Kindern nach der Theorieeinheit einen Ausritt zu machen.
      Während die Gruppen unterwegs waren, richtete ich im Reiterstübchen schon einmal die Obstteller und den Tee her. Generell trafen sich die Gruppen danach noch einmal und nebenbei gab es ein paar Kleinigkeiten. Gerade im Winter war es dann ganz gut, wenn sich die Kinder aufwärmen konnten.
      Lange trödeln konnte ich jedoch nicht, denn ich übernahm heute den Unterricht von Alexas einer Schülerin. Sie hatte diese Woche nicht so kommen können wie sonst und dementsprechend musste sie sich mit einem anderen Reitlehrer zufrieden geben.
      Als ich in den Stall kam, war Aristo bereits geputzt und gesattelt. Lara schien auch schon so gut wie fertig zu sein, so dass wir uns auf den Weg in die Halle machten. Die Reitschülerin war 17 Jahre alt und eine sehr begabte Reiterin, sie bevorzugte aber die klassische Reitkunst und war umso dankbarer, Aristo gefunden zu haben.
      Der Barockpinto war dahingehend ja einwandfrei ausgebildet und konnte ihr so wirklich viel lehren. Heute arbeiteten wir an Travers und Renvers, teils auch schon im Trab. Danach arbeiten wir im Galopp noch an der richtigen Versammlung, so dass die beiden heute dem Pirouettengalopp schon sehr nahe kamen.
      Das Input war heute glaube auch genug für Lara, aber sie ging sehr zufrieden aus der Reitstunde. Nachdem sie vorbildlich Aristo versorgt hatte, verabschiedete sie sich auch schon. Ich war froh, mich für die Reitschüler entschieden zu haben. Natürlich wählten wir alle mit bedacht und hatten so neben den acht kleinen Kindern auch nur sechs größere Reitschüler.
      Alexa organisierte die „Reitschule“ zum Großteil selber und war auch die aktive Lehrerin. Bei dem kleinen Maßstab benötigte es da auch nicht mehr und ich glaube niemand hätte gerne Tassilo als Lehrer gehabt. Er war fair, aber er war sehr streng. Und auch ich war keine Lehrernatur, dementsprechend war ich froh, dass wiederum Tami gerne einsprang, wenn sich ihr die Möglichkeit bot.
      Für kommendes Wochenende plante Alexa zum Beispiel einen größeren Ausritt ans Meer mit den älteren Schülern. Dafür plante sie Aristo, Like Honey and Milk, Lila Wolken, Teasie, Walking in the Air und Call me a Twist ein. Sie selbst würde wohl Shattered Glass reiten, somit waren die Pferde für den Tag auch schon versorgt.
      Ich schaute noch kurz auf dem Springplatz vorbei, wo Tassilo gerade Cover the Sun ritt. Vorhin hatte ich ihn schon mit Feuervogel beobachtet und war sehr zufrieden mit dem Training gewesen. Ich wollte heute Abend noch einen Ausritt mit Thorondor machen, doch vorher musste ich die anstehende Arbeit im Büro erledigen.

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      Weihnachten!
      24. Dezember 2017
      Wieder war ein Jahr vorüber und Weihnachten stand vor der Tür. Da sowohl Alex, als auch Tami und ich total weihnachtsbegeistert waren, war das gesamte Gestüt rundum geschmückt. Zu unserer Freude hatten wir aktuell auch Schnee, so dass alles weiß und verschneit war. Heute war der 24. Dezember und wir hatten unseren alltäglichen Betrieb auf das Minimum runtergeschraubt, denn natürlich wollte ich meinem Team auch freie Tage gönnen. Aber wie es bei Pferdemenschen so war, tauchten sie trotzdem alle morgens im Stall auf und halfen bei den täglichen Arbeiten.
      Das bedeutete, alle Pferde wurden gefüttert, dann ging es raus auf die Weiden und die Boxen wurden gemistet. Abschließend wurde schon Futter und Heu für den Abend vorbereitet, ehe wir gemeinsam noch unseren weihnachtlichen Rundgang über die Weiden gingen und den Pferden Möhren vorbeibrachten, die wir auf den Weiden verteilten.
      Gerade im Schnee war es immer relativ amüsant, den Pferden bei der Suche zuzuschauen. Wir begannen bei den Jungpferden und dort hatte besonders Tassilo seinen Spaß. Paddington hatte schnell verstanden, dass Tassilo die Möhren etwas weiter warf und war schon ein Stück weiter getrabt, bevor die nächste Möhre durch die Luft flog. Unsere jüngsten, Cover the Moon und Feuerdrache, hielten sich da lieber etwas bedeckt und erschlichen sich durch Süßheit bei Tami ihre Möhren.
      Bei Alex sammelten sich auch bereits einige Jungpferde. Darunter auch unser noch recht frischer Neuzugang Merida, die sich aber schon bestens eingelebt hatte und sichtlich zufrieden mit ihrer Herde zu sein schien. Besonders gerne spielte sie mit Maelis und Acariya. Ich wurde gerade von Lady Fox angestupst, die Korah und Herbstmond zur Seite schob, um nun auch an ihre Möhren zu kommen. Die beiden Welshs Acariya und Applaus hielten sich etwas zurück und warteten einfach geduldig, bis Tassilo ihnen die Möhren vorbeibrachte.
      Bei den Hengsten war aktuell wesentlich mehr los. Calimero II und BonnyBoy jagten sich gerade gemeinsam über die Weide und stießen dabei beinahe mit Call me a Twist und Aristo zusammen, die eigentlich gerade im Schnee nach Gras stöberten und die jungen Hengste direkt zurechtwiesen. Den restlichen Teil ließ das bisher kalt, bis wir dazu kamen. Sofort hoben Pajero, Thorondor und Dr. Insektor den Kopf als sie mein Pfeifen hörten und kamen angetrabt. Man merkte, wer schon lange hier lebte.
      Cover the Sun, Altyn und Fiebertraum ließen sich direkt anstecken und kamen mit angerauscht. Durch die trabende Gruppe wurden auch die anderen aufmerksam und warum auch immer preschten Feuervogel und Outlaw Torn nebeneinander los und buckelten erst einmal wild über die verschneite Weide. Das waren eindeutig die Wintergefühle und die ergriffen auch HGT's Unitato und die beiden Shettys What does the Fox say und Erutan Wishes. Die waren ja sowieso für jeden Quatsch zu haben.
      Bis dann die Hengste bemerkten, dass es bei uns Möhren gab und schon standen sie in einem großen Kreis um uns herum und warteten ungeduldig auf das weihnachtliche Geschenk. Das war eigentlich vor allem dafür da, um bei allen Pferden nach den Rechten zu sehen. Aber anscheinend waren alle bei bester Gesundheit. Für die Möhren rissen sich dann sogar Auftakt und Dissident Aggressor von den Heunetzen los und kamen herübergeschlendert. Fürst der Finsternis und He's called Trüffel schlossen sich an. Die beiden hatten bisher relativ weit hinten gestanden und das Theater hier vorne geflissentlich ignoriert.
      Fehlte nur noch Single Malt, aber der kam nach einem Rufen auch sofort an und schon waren alle Hengste beisammen. Sie waren alle fit und dementsprechend konnten wir uns dann schon bald verabschiedeten und nun ging es nur noch zu den Stuten. Dort wurden wir schon von Walking in the Air, Sally und Teasie erwartet. Die ruhigeren Damen hielten sich gerne am Eingang auf, um auch ja alles mitzubekommen.
      Auch hier reichte ein Rufen und schon kamen Sarabi, Raunchy's Limited und Polka Dot um die Ecke gesaust. Und da sich die Gruppe in Bewegung setzte, kamen auch nach und nach die anderen. Erst Possy Pleasure Mainstream und Shattered Glass, dann aber auch noch Nesquik und Nandalee. Für den Rest mussten wir uns auf den hinteren Teil der Weide bewegen. Lila Wolken und Like Honey and Milk fanden das Heunetz zu nett, als dass sie sich bewegt hätten. Außerdem stromerte hier hinten auch noch Batida de Coco herum und Alice von Landwein und Amadahy spielten gerade miteinander, während Razita sich genüsslich wälzte. Auch sie war wie Merida noch relativ neu bei uns, hatte sich aber wirklich problemlos eingliedern lassen.
      Allen Pferden ging es bestens und so schickte ich mit etwas Nachdruck mein Team dann nach Hause zu ihren Familien. Vorher gab es für jeden von ihnen noch ein kleines Geschenk von mir, ehe ich sie dann endgültig verabschiedete und ihnen frohe Weihnachten und schöne Feiertage wünschte. Die hatten sie sich definitiv verdient und die Pferde konnten auch mal ein paar Tage entspannen.

      Sommerweiden
      07. Juni 2018
      Hengste: Altyn, Aristo, Auftakt, BonnyBoy, Calimero II, Call me a Twist, Cover the Sun, Dissident Aggressor, Dr. Insektor, Erutan Wishes, Feuervogel, Fiebertraum, Fürst der Finsternis, He's called Trüffel, HGT's Unitato, Namour, Nochnoi Dozor, Outlaw Torn, Pajero, Single Malt, Thorondor, Varulv, Vertigo, What does the Fox say
      Stuten: Alice von Landwein, Amadahy, Batida de Coco, Das Kürbisvieh, Herbsttraum, Like Honey and Milk, Lila Wolken, Naimibia, Nandalee, Nesquik, Polka Dot, Possy Pleasure Mainstream, Raunchy's Limited, Razita, Sally, Sarabi, Shattered Glass, Teasie, Walking in the Air
      Fohlen: Acariya, Applaus, Cover the Moon, Feuerdrache, Herbstmond, Korah, Lady Fox, Maelis, Merida, Paddington
      Der Sommer hatte uns mittlerweile vollständig erreicht. Nach einer längeren Anweidezeit dieses Jahr, waren nun seit kurzem die Sommerweiden eröffnet. Den Mai über hatten uns noch allerhand Unwetter und Stürme geplagt, doch mit denen schien endlich Schluss zu sein. In aller Ruhe hatten mein Team und ich die Sommerweiden vorbereitet und vorgestern die jeweiligen Herden auf die großen Stücke gelassen. Die ersten Tage hatten sie auch alle heil überstanden. Für uns hatte das bedeutet, die Ställe komplett zu misten und auch einmal ordentlich durchzuspülen. Nun fiel für uns viel Arbeit weg. Das Futter bekamen die Pferde nach der täglichen Arbeit und Heu stand ihnen trotz der Weiden permanent zur Verfügung. Jeden Morgen kontrollierte ich auf dem Pferderücken alle Zäune, ehe ich den Pferden auch einen Besuch abstattete und schaute, ob alles in Ordnung war.

      Winter is coming
      24. November 2018
      Eisige Kälte empfing mich, als ich die Haustür öffnete. Fröstelnd zog ich mir Schal und Mütze tiefer ins Gesicht und schlüpfte schnell in die warmen Handschuhe. Der Winter hatte sich recht unbarmherzig angekündigt. Innerhalb einer Nacht waren wir zugeschneit gewesen. Wie lange die weiße Pracht allerdings liegen bleiben würde war fraglich. Zumindest aktuell war sie da und die frostigen Temperaturen mit dazu. Also huschte ich so schnell es ging hinüber in den Stall. Dort empfing mich lauschige Wärme und der Geruch von frischem Heu. Tami und Alexa waren bereits bei der morgendlichen Stallarbeit und ich ging den beiden fix noch beim Füttern zur Hand. Bei den Temperaturen mussten morgens und abends etliche Decken gewechselt werden, denn die meisten unserer Sportpferde waren geschoren. Oder es waren so Kandidaten wie Altyn und Nochnoi Dozor, die gar nicht so viel Winterfell besaßen und sowieso eingedeckt werden mussten, damit sie nicht zitternd auf den Weiden standen.
      Auch Fiebertraum schob kaum Winterfell, eigentlich gar nichts. Bei ihm war das aber vor allem seiner damaligen Zeit als Renn- und damit als Boxenpferd geschuldet. Seitdem er bei uns war wurde es immer besser, aber er würde nie Unterwolle haben. Ganz im Gegensatz zu unseren Ponys, die alle aufgingen wie ein Hefekloß. Erutan Wishes und What does the Fox say liefen nur noch als kleine Fellkugeln durch die Gegend und ihre Beine wirkten aufgrund des ganzen Felles noch kürzer als sonst. Sie gehörten zu den wenigen, die keine Decken brauchten und zu denen, die wiederum wie die Verrückten den lieben langen Tag auf der Weide durch den Schnee tobten.
      Nach dem Frühstück ging es für alle Pferde nämlich direkt raus, wo sie auch den gesamten Tag verbringen würden. Erst gegen 17/18 Uhr würde es wieder in den Stall gehen. Fix schaute ich an der Stalltafel, welche Pferde heute ihren freien Tag hatten. Single Malt und BonnyBoy konnten ihren Tag draußen genießen, ebenso wie Call me a Twist und Auftakt. Dr. Insektor und Altyn hatten heute ebenfalls nichts auf den Plan stehen, dafür war aber der Rest an der Reihe. Und wie so oft blieben einige Pferde direkt im Stall. Unter anderem Pajero, Catani und Cover the Sun.
      Während Alexa die drei putzte, bauten Tassilo und ich in der großen Halle einen Parcours auf. Danach holten wir unsere geputzten und gesattelten Pferde am Putzplatz ab. Tami hatte anfangs nicht mitmachen wollen, kam nun aber doch mit Feuervogel hinterher. Wir ritten die vier Pferde in Ruhe warm und nahmen nach und nach immer mehr dazu. Springtraining war immer eine schöne Abwechslung im Winter und das Beste war: Einem wurde warm. Die Hengste machten ihre Aufgabe heute auch wirklich gut und wurden schon bald auf die Weide entlassen.
      Jeden Morgen begann das Team mit einem gemeinsamen Training und danach splittete es sich auf. Tami longierte heute Fürst der Finsternis und Calimero II - Tassilo ritt Aristo und Outlaw Torn, während Alexa zunächst Dissident Aggressor longierte und danach HGT's Unitato ritt. Ich begann heute mit Thorondor und ritt meinen schwarzen Hengst in der Dressur. Ich konnte nicht fassen, dass der Hengst mit jedem Jahr älter wurde und doch merkte man es ihm kein Stück an. Danach ritt ich noch Varulv und longierte abschließend Vertigo. Tami und He's called Trüffel leisteten uns Gesellschaft und so war der Vormittag schneller rum als gedacht. Für uns stand nun die Mittagspause an und wir alle waren froh, uns erstmal aufwärmen zu können, etwas zu essen und danach motiviert weiter zu machen.

      Neue und alte Gesichter
      19.06.2019
      Seit Anfang des Jahres hatte sich wieder ein wenig in unseren Stallungen verändert. Drei neue Hengste waren hinzugekommen. Exciting Force und Leitz waren altbekannte Gesichter und stets willkommen und neu mitgebracht hatten sie ihren Weidegenossen Phex. Leider waren die drei aus einem nicht so schönen Grund zu uns gezogen. Ihre Besitzerin und eine sehr enge Freundin meinerseits hatte einen schweren Unfall gehabt und hatte vorerst die Pferde und ihr Gehöft aufgeben müssen. Ich drückte die Daumen, dass es irgendwann wieder besser werden würde, aber bisher stand die Zukunft noch in den Sternen.
      Die drei Hengste hatten sich zumindest sehr schnell eingelebt. Oft standen sie mit bei Altyn, Pajero und Cover the Sun, aber auch mit dem Rest der Herde verstanden sie sich prima. Fiebertraum und Nochnoi Dozor hatten sich auch gemacht und waren nun offiziell nicht mehr die Neuen. Heute würde ich noch die neuen Turniernennungen abschicken müssen. Das betraf vor allem Catani, Dr. Insektor, Calimero II und He's called Trüffel. Der Rest hatte momentan mehr oder weniger Ruhe. Feuervogel und Varulv fuhren ab und an mit, wenn es sich anbot, aber wir machten uns keinen Stress.
      Vor kurzem hatten wir mit unseren Westernpferden an einer kleiner Westernshow in der näheren Umgebung teilgenommen. Dissident Aggressor war sowieso bekannt wie ein bunter Hund und auch Call me a Twist brauchte sich nicht zu verstecken. HGT's Unitato und Outlaw Torn hatten wir tatsächlich auch mitgehabt. Es wurde Zeit, dass sich die Jüngsten daran gewöhnten.
      Aristo und Thorondor fristeten ihr friedliches Dasein. Aktuell wurden die beiden nur von mir trainiert, aber es ging super voran und gerade das Training mit Thorondor machte unglaublich Spaß. Auftakt, BonnyBoy, Fürst der Finsternis und Single Malt waren nun langsam wieder auf ihrem alten Trainingsstand und liefen hier und da im Reitunterricht mit und machten ihre Sache auch gut. Abschließend gab es noch Erutan Wishes und What does the Fox say. Das Ponyduo war vor der Kutsche unschlagbar und dort wurden sie auch immer bewegt.

      Neujahr
      03. Januar 2020
      Mississle, Teasie, Sarabi, Possy Pleasure Mainstream, Razita, Walking In The Air, Like Honey and Milk, Shattered Glass, Raunchy's Limited, Naimibia, Das Kürbisvieh, Amadahy, Lila Wolken, Herbsttraum, Alice von Landwein, Nandalee, Nesquik, Sally, Batida de Coco, Polka Dot, My Hope Nymeria
      Panta Rhei, Phex, Leitz, Exciting Force, Altyn, Fiebertraum, Nochnoi Dozor, Catani, Cover the Sun, Pajero, Dr. Insektor, Aristo, Thorondor, Call me a Twist, Dissident Aggressor, HGT's Unitato, Outlaw Torn, Feuervogel, Varulv, Calimero II, Vertigo, Auftakt, BonnyBoy, Fürst der Finsternis, He's called Trüffel, Single Malt, Erutan Wishes, What does the Fox say
      Graceful Eclipse, Merida, Maelis, Lady Fox, Korah, Nabiri, Acariya, Herbstmond, Cover the Moon, Paddington, Feuerdrache, Applaus
      Das neue Jahr war angebrochen und mit ihm auch ein neues Jahrzehnt. 2020 hatten wir erreicht und ich war stolz auf das, was das Gestüt Sapala darstellte. Wir hatten ein funktionierendes, tolles Team, welches sich mit ganzem Herzblut um die Pferde kümmerte und die konnten sich auch wirklich nicht beklagen.
      Das vergangene Jahr hatten wir ruhig und entspannt enden lassen. Wie immer schickte ich meine Mitarbeiter über die Feiertage zu ihren Familien in ihren wohlverdienten Urlaub. Zu den Tagen schafften wir es auch mit wenigen, den Stall in Stand zu halten und die Pferde hatten zum Großteil frei.
      Natürlich waren wir alle Pferdemenschen und die ließen es sich nicht nehmen, auch ihre freie Zeit im Stall zu verbringen. Es war immerhin unsere Leidenschaft. So hatten wir zum 23.12. einen großen gemeinsamen Weihnachtsritt mit gemeinsamen Mittagessen gemacht und am 01.01. hatten wir uns alle zum Neujahrsritt versammelt.
      Mein Team hatte die vergangenen Tage damit verbracht, ihre kleinen Reitschülergrüppchen auch an so etwas wie einem Neujahrsritt teilhaben zu lassen. Natürlich ging das nicht alles an einem Tag, aber so waren die ersten Tage des neuen Jahres direkt gut gefüllt gewesen.
      Ende Januar würde unser jährliches Neujahrsturnier anstehen und die jungen Reiter trainierten jetzt schon fleißig und waren sehr ehrgeizig. Auch für meine Mitarbeiter gab es eine eigene Abteilung, auch sie sollten sich messen dürfen und ihren Spaß haben.
      Ich war schon voll in den Vorbereitungen hierfür, bereitete die Schleifen und Gewinne vor und plante das Event und schrieb Listen. Draußen war es heute diesig und nass, so dass ich gerne mal den Tag zum Großteil im Büro verbracht. Den Morgen über hatte ich bereits auf mehreren Pferden gesessen, denn nun ging das Antrainieren wieder los, wenn wir dann im März in die diesjährige Turniersaison starten wollten.
      Die ersten Tage des Jahres würde ich noch viel für Organisatorisches gebrauchen, aber dann sollte alles wieder seinen gewohnten Gang gehen.

      Sommergewitter
      14. Juni 2020
      Mississle, Teasie, Sarabi, Possy Pleasure Mainstream, Razita, Walking In The Air, Like Honey and Milk, Shattered Glass, Raunchy's Limited, Naimibia, Das Kürbisvieh, Amadahy, Lila Wolken, Herbsttraum, Alice von Landwein, Nandalee, Nesquik, Sally, Batida de Coco, Polka Dot, My Hope Nymeria
      Panta Rhei, Phex, Leitz, Exciting Force, Altyn, Fiebertraum, Nochnoi Dozor, Catani, Cover the Sun, Pajero, Dr. Insektor, Aristo, Thorondor, Call me a Twist, Dissident Aggressor, HGT's Unitato, Outlaw Torn, Feuervogel, Varulv, Calimero II, Vertigo, Auftakt, BonnyBoy, Fürst der Finsternis, He's called Trüffel, Single Malt, Erutan Wishes, What does the Fox say
      Graceful Eclipse, Merida, Maelis, Lady Fox, Korah, Nabiri, Acariya, Herbstmond, Cover the Moon, Paddington, Feuerdrache, Applaus
      Das Gewitter überraschte uns unwillkürlich. Die vergangenen drei Tage hatten wir schönstes Wetter gehabt und die Temperaturen waren bis zu den 30 Grad hochgeklettert, und dann brach es herein. Ein richtiges Sommergewitter und zwar eins von der fiesen Sorte. Und hier oben an der Küste erwischte es uns mehr, als es lieb war. Innerhalb einer Stunde schlug das komplette Wetter um. Im Himmel brauten sich die dunklen Wolken zusammen und man hörte bereits den ersten Donner, während die Blitze bisher kaum sichtbar war.
      Ich war gerade mit Leitz ausreiten und wir machten uns, so schnell es ging, auf dem Heimweg. Während Leitz leicht flockig vorwärts trabte, rief ich bereits zu Hause an, damit dort alles sturmsicher gemacht wurde. Außerdem mussten die Pferde in den Stall. Natürlich hatten wir alle Herden inzwischen auf den großen Sommerweiden. Aber die meisten davon waren nicht unbedingt für solche Gewitter geeignet und ich wusste meine wertvollen Tiere lieber in Sicherheit.
      Als ich mit Leitz am Stall ankam, sprang ich aus dem Sattel und drückte den schönen Palomino einen meiner Stallburschen in die Hand. Eigentlich war das nicht meine Art, aber ich schnappte mir vier Stricke und eilte zu den Jungpferden, um dort zu helfen. Gerade die Jungspunde hatten nicht so viel mit Menschen zu tun und würden es nur bedingt einsehen, jetzt unbedingt mitkommen zu müssen. Doch sie benahmen sich alle einwandfrei und eine halbe Stunde später standen alle im Stall.
      In der Zwischenzeit hatte es bereits begonnen zu nieseln. Inzwischen schüttete es aus Eimern. Ich rannte mit Batida und Polka Dot an meiner Seite noch schnell in den Stall und schon waren alle Pferde drin. Die beiden Ponys packte ich in ihre Box, wo sie sich direkt zufrieden aufs Futter stürzten. Alle Pferde standen drin, während der Regen auf das Dach einprasselte. Auch mein Team fand sich komplett im Stall ein, manche noch trocken, manche ganz schön durchnässt - doch alle gut gelaunt.
      Gemeinsam verzogen wir uns in unser Reiterstübchen wo ich Tee aufsetzte und Alexa Sandwiches verteilte. So verbrachten wir gemeinsam den Abend, ehe ich alle früher als sonst nach Hause schickte, denn es regnete und stürmte immer noch und ich wollte gerne, dass alle heil zu Hause ankamen. Vermutlich würde es die ganze Nacht über weiter so gewittern.

      Goodbye
      08. Dezember 2020
      Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei und ups, dann stand Corona vor der Tür. So oder anders hätte man das Gedicht aufgrund der aktuellen Geschehnisse umschreiben könnten. Das Jahr 2020 neigte sich dem Ende und wir standen vor dem zweiten totalen Lockdown. Waren wir aus dem ersten noch zaghaft und gut herausgekommen, hatte ich nun ehrlich Sorge, dass sich das bei diesem ändern würde.Deshalb fokussierte ich mich auf das Wichtige und schritt in unseren Planungen voran. Ende 2020 hatten wir uns sowieso verkleinern wollen, der nächste Lockdown bestärkte dieses Bedürfnis und so standen schon bald mehrere Kaufanzeigen fest. Bis dahin wurden eben diese Pferde noch mehr gehegt und gepflegt, immerhin sollten sie gute neue Besitzer finden.
      Like a Prayer und HGT's Unitato hatten schnell einen neuen Platz bei einer bekannten Westernzüchterin gefunden. Ähnlich erging es Feuervogel, welcher zu einer alten Bekannten zog und dort den Grundstein für eine schöne DRP-Zucht legen würde. Die drei waren dementsprechend mehr oder weniger schon raus und würden kommende Woche umziehen. Anders sah es für die Jungspunde Korah, Nabiri und Applaus aus. Die drei Ponyfohlen waren noch da. Bei ihnen frischte ich aktuell das Fohlen-ABC auf, damit sie für ihre neuen Besitzer fit waren. Bei Merida und Graceful Eclipse arbeiteten wir bereits an weiteren Grundlagen, damit sie einen guten Eindruck machten. Ebenso wurden die beiden Schätze Erutan Wishes und What does the Fox say täglich trainiert. Sei es Fahren, Longieren oder einfach nur spazieren gehen. Doch die Hengste sollten einen guten Eindruck machen. So war auch Panta Rhei's Trainingsplan wesentlich gefüllter als in den Wochen davor.Leider hatte er noch keinen Interessenten. Ähnlich erging es Lila Wolken und Dr. Insektor. Zwei unglaublich tolle Pferde, doch bisher hatte sich noch niemand gemeldet. Aber ich hoffte, dass sich das noch ändern würde.
    • Stelli
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      Trainingsberichte bei Eddi
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      Dressur E auf A
      02. Juni 2015 - von Samarti
      Mein Sitznachbar im Flugzeug war einer von der Sorte, die man am liebsten kein Mal und wenn doch einmal, dann nie wieder neben sich sitzen haben wollte.
      Zum was-weiß-ich-wievielten Mal schob ich nun wieder seinen Kopf von meiner Schulter, nachdem er eingenickt war. Der sollte seinen Körper auf seinem Sitz behalten! Mich wunderte es eh schon, dass ich noch keine Sabberflecken auf meinem Hoodie hatte.
      Dass ich eigentlich in der Mitte gesessen hatte, hatte er aber zum Glück relativ schnell hingenommen. Aus Reflex hatte ich mich, als ich ins Flugzeug eingestiegen war, ans Fenster gesetzt, ohne zu bemerken, dass ich eigentlich einen Platz weiter nach rechts gemusst hätte. Der sehr höfliche Mann, der total die Manieren hatte, hatte sich dann ohne zu murren einfach auf meinen Platz gesetzt. Zum entscheidenden Vorteil: Rechts neben dem Mann saß ein Kind. Ein etwa sechsjährige Junge und der war vielleicht nervig! Andere Jungs in dem Alter verhielten sich still, während der hier ständig gackern (nein, es war kein Lachen mehr), den Sitz vor sich mit den Füßen treten und lauthals irgendwelche dummen Sprüche aufsagen musste, als hätte er sie vor dem Flug noch extra gelernt und würde sie nun herunter rattern.
      Wie verflogen war allerdings die schlechte Laune, die die Insassen des Flugzeugs mir beschert hatten, als ich auf Eddis kleiner, gemütlicher Ranch eintraf. Ausnahmsweise führte mich mein Weg mal zu ihr und nicht ihrer zu mir, ich musste mir halt auch mal eine kleine Auszeit gönnen – und wo ging das besser als in einer abgelegenen, weitläufigen Landschaft bei einer Freundin, die man eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr gesehen hatte?
      Der sich schlängelnde, unebene Sandweg sorgte dafür, dass sich in mir ein Gefühl der Vorfreude ausbreitete. Nur noch wenige hundert Meter und ich würde mich wieder auf der niedlichen, heimischen Ranch wiederfinden, die ich ewig nicht mehr besucht hatte. Zielstrebig setzte ich einen Fuß vor den anderen und legte den Weg so zurück. Es dauerte sogar noch ganze zehn Minuten bis ich angekommen war, aber der komische Taxifahrer (wenn man das so nennen konnte – ein Geländejeep war normalerweise nicht das, was ich mir unter einem Taxi vorstellte) hatte mich einfach irgendwo rausgeschmissen und mir die Koffer neben mich gestellt, dann hatte er mein Geld einkassiert und war gefahren. Aber das war mir nur recht, denn jeder Gang macht schlank! (Und wie wir alle wissen, geht jeder zweite in die Breite. Also müsste ich wohl bei Eddi bleiben.)
      „Elisa! Hier!“, bekam ich direkt zu hören, als ich meinen ersten Fuß auf das Gelände der Ranch gesetzt hatte. Verwundert blickte ich mich um, entdeckte dann Eddi und ging schnellen Schrittes auf sie zu, um sie erst einmal zu begrüßen. Dem Pferd neben ihr widmete ich mich erst, als wir etwas plauderten und meine Augen eher zufällig den Palomino fanden.
      „Oh mein Gott, ist er das?“ Bei dem Anblick des Ponys blieb mir wortwörtlich die Spucke weg. „Sag mir nicht, dass das Feuervogel ist. Das kannst du mir doch nicht antun, den kann ich doch nicht hierlassen!“ Mit geöffnetem Mund betrachtete ich den Hengst näher und fuhr dann mit meiner Hand durch die lange, seidige Mähne. Währenddessen beobachteten mich die braunen Augen des Palominos neugierig und noch, während ich ihm über das Maul strich, brummelte er mir zu. Nein, das ging nicht. Den konnte ich nicht nicht mitnehmen!
      „Doch, das ist Feuervogel. Ich wusste, du würdest ihn lieben“, grinste Eddi – meiner Meinung nach hatte sie dabei einen leicht eingebildeten Touch in der Stimme liegen, aber das konnte auch nur eingebildet sein. Haha! – und schien irgendwie stolz darauf zu sein. Wen wundert’s?
      Knappe sechs Jahre war der Gute nun schon alt, und es war nicht so, als würde man das nicht merken. Eddi hatte mir zwar erzählt, dass er noch nicht so lange unter dem Sattel war, aber das war völlig anders, als ich es erwartet hatte. Das spürte man allerdings kaum. Feuervogel war ausbalanciert, er zögerte nicht beim Wechsel der Gangart oder des Tempos und vor allem stand er weich und sanft an den Hilfen. Etwas, das ich so von vielen Pferden, die selbst eingeritten worden waren, nicht kannte. Das hätte ich allerdings von Eddi nicht anders erwartet, zumindest in dem Punkt vertraute ich ihr dann ja doch. Und, wenn es um ihr Dasein als Tierarzt ging, aber da hatte ich ja keine andere Wahl.
      Ich ließ mir allerdings viel Zeit mit dem Training von Feuervogel. Bei der Zeitspanne hatte selbst ich schon in Kanada angerufen und Bescheid gegeben, dass sich das alles ein wenig verschieben würde, bis ich wieder daheim eintreffen würde.
      Als wir dann jedoch noch einmal die Grundlagen vertieft hatten und ich der Meinung war, dass man langsam in das „richtige“ Training einsteigen konnte, begannen wir erst einmal mit den Gangarten, die in einer A-Dressur gefordert waren. Das beinhaltete den Mitteltrab und den Mittelgalopp.
      Viel musste ich bei Feuervogel beim Mitteltrab allerdings gar nicht mehr machen, er lief von sich aus schon sehr geschlossen. Außerdem lief er kraftvoll und raumgreifend, verlängerte seine Tritte beinahe von selbst und zeigte einen schönen Schub aus der Hinterhand. Entsprechend wenig musste ich ihm hier erst einmal bei- beziehungsweise näherbringen.
      Auch der Mittelgalopp stellte keine große Schwierigkeit dar – Eddi hatte ganze Arbeit geleistet. Indem wir die Galoppsprünge verlängerten, ohne in der Schrittfolge eiliger zu werden, erfolgte eine Rahmenerweiterung und ebenfalls wieder ein sichtbarer Schwung aus der Hinterhand.
      „Eddiii! Lass mich ihn mitnehmen!“, nörgelte ich, als ich mal wieder mit Eddi am Frühstückstisch saß und mich auf den kommenden Tag vorbereitete. Solche Gespräche hatten wir in letzter Zeit öfter und ich konnte es nicht glauben, dass ich das Vögelchen, einmal mit dem Training abgeschlossen, wohl nicht mehr allzu oft würde sehen können. Hoch und heilig musste meine Freundin mir dann versprechen, mich auf dem aktuellen Stand zu halten und mich auch immer wieder darüber zu informieren, wie es mit ihm weiterging. Oh, und dass ich ihn weiter trainieren dürfte, wenn das nötig war, war ja sowieso klar. Sonst wäre hier bald einer einen Kopf kürzer!
      Auch schon in der A-Dressur spielten Wendungen eine große Rolle, um das Pferd bestmöglich zu biegen und zu gymnastizieren. Natürlich konnte ich mit Feuervogel nicht einfach so einsteigen und sagen: „Hier, mach mal!“ Stattdessen mussten wir ruhig und geduldig an die Sache herangehen.
      Demnach begannen wir anfangs erst einmal damit, ihn wirklich zu dehnen und dafür zu sorgen, dass er langsam immer wendiger wurde, wobei seine Bewegungen dennoch fließend, ohne Unterbrechung und sauber ausgeführt werden sollten. Es klappte am Anfang noch nicht ganz so, Feuervogel stockte hin und wieder in der Bewegung, doch je mehr wir trainierten, desto besser wurde es.
      In der Klasse A wurden als Hufschlagfiguren die Schlangenlinie mit vier Bögen und die zehn Meter-Volten im Trab gefordert – entsprechend brachten wir diese oft in die Übungen ein.
      Zu guter Letzt standen beim Training dann noch die Lektionen auf dem Plan. Bevor wir uns diesen widmeten, musste ich mit Feuervogel allerdings noch einmal das Schenkelweichen üben, denn das benötigte man für eine Lektion der Klasse A. Da er sich da noch nicht ganz so sicher war und sich hier und da mal einige, kleinere Fehler und Ungereimtheiten einschlichen, besserten wir diese noch aus und korrigierte die Übung, ehe wir wirklich mit den Lektionen starteten.
      Zuallererst war da der einfache Galoppwechsel. Dazu galoppierten wir an, dann parierte ich Feuervogel für drei bis vier Schritte in den Schritt durch. Während der Schrittphase stellte ich ihn um, gab eine halbe Parade und nahm gleichzeitig den äußeren Schenkel zurück; schob die Hüfte nach vorn und gab mit dem neuen inneren Zügel nach, dann galoppierte ich den Palominohengst wieder an. Es war wahrhaftig ein Bild, wenn er sich mit seinen großen, elastischen Galoppsprüngen seinen Weg bahnte und das helle, scheinbar endlose Langhaar im Takt mitwippte – aber genau aus dem Grund musste ich ihm auch ständig die Mähne einflechten.
      Nach dem einfachen Galoppwechsel folgte noch das Zügel aus der Hand kauen lassen, daraufhin das Rückwärtsrichten. Hierbei zog ich mir Eddi dazu, damit sie dabei helfen konnte, Feuervogel dazu zu bringen, zurück zu gehen.
      Ich entlastete mich im Sattel ein wenig, legte mein Bein an und Eddi tippte dabei mit einer Touchier-Gerte an die Vorderbeine des Hengstes. Anfangs war er ziemlich verwirrt und wusste nicht, was er machen sollte. Aus Reflex trat Feuervogel dann schließlich vorwärts und es dauerte eine Weile, bis ich ihn davon überzeugen konnte, dies zu unterlassen. Immer, wenn das Reitpony also vorwärts treten wollte, parierte ich ihn vorsichtig rückwärts durch und hielt den Palomino somit vom Anlaufen ab. Sobald er einen Schritt nach hinten gemacht hatte, stoppte ich die Lektion und lobte ihn ausgiebig. Da Feuervogel stets fleißig dabei war und mitmachte, hatte er den Sinn dann nach einiger Zeit auch verstanden, sodass das Rückwärtsrichten ebenfalls einwandfrei klappte und abrufbar war.
      Die letzte Lektion, das Viereck verkleinern und vergrößern, bestand grundsätzlich aus dem Schenkelweichen, beziehungsweise war dieses dazu unerlässlich. Mithilfe des Schenkelweiches verkleinerten und vergrößerten wir das Viereck also, was Feuervogel ziemlich schnell hinterblickte und versuchte, es so gut wie nur möglich umzusetzen.
      Schmollend zog ich den Koffer hinter mir her und unternahm noch einmal einen letzten Versuch, Eddi davon zu überzeugen, dass ich Feuervogel mit mir mitnehmen dürfte. „Und du bist dir wirklich, wirklich ganz, ganz, gaaanz sicher, dass du ihn mir nicht verkaufen möchtest?“
      „Nein, Elisa. Sorry, aber den kriegst du nicht. Der bleibt!“ Eddi seufzte auf und machte dann mit ihren Händen wild gestikulierend das Zeichen, dass ich doch bitte endlich abhauen sollte. „Hopp! Du verpasst noch deinen Flug!“, grinste sie dann und schüttelte den Kopf, als ich meinen Welpenblick aufsetzte. Zumindest sollte er so aussehen. Ich glaube nicht, dass er wirklich glaubwürdig war.
      „Na gut“, gab ich mich irgendwann geschlagen und umarmte Eddi zum Abschied, bevor ich ihr noch sagte, dass sie den Rest von mir noch einmal fest umarmen sollte, denn ich war nicht mehr dazu gekommen, mich von Ethan und Kat zu verabschieden. Nachdem ich mich endlich von Eddi trennen konnte (mein Gott, das hörte sich an wie ein dramatischer Abschied in einem Spielfilm!), betrat ich endlich den Flughafen und von nun an ging mal wieder das wilde Umherlaufen los, denn mein Orientierungssinn war grottenschlecht – mal sehen, ob ich es noch rechtzeitig zu meinem Flieger schaffen würde!

      Springen E auf A
      27. August 2015 - von Samarti
      Wir begannen mit dem Aufwärmen, damit Feuervogel sich keine Zerrungen oder sonstige Verletzungen zuzog, was besonders beim Springen schnell passieren konnte. Deshalb war es wichtig, dass sich die Gelenke auf die Arbeit einstellen konnten und sich genug Gelenkschmiere bildete.
      Nachdem dies geschafft war, machten wir uns an die ʻrichtigeʼ Arbeit und begannen mit den ersten Sprüngen. Da Feuervogel zuvor noch nicht wirklich Erfahrungen mit dem Springreiten gemacht hatte, begannen wir mit einfachen Sprüngen über kleine Cavalettis. Somit übten wir, dass er seine Balance halten konnte und verbesserten hin und wieder sein Sprungtechnik. Wenn es an die höheren Sprünge gehen sollte, durfte er nicht nachlässig sein, weshalb wir auch an seiner Aufmerksamkeit arbeitete. Anfangs scheute der Reitponyhengst einige Male vor den Hindernissen, da sie anscheinend noch sehr unerfahren im Umgang mit Hindernisstangen und Hindernisständern war. Ich konnte mir vorstellen, dass er diese zuvor nur aus der Entfernung gesehen hatte. Nach einiger Zeit legte er jedoch seine Ängstlichkeit ab und konzentrierte sich mehr auf die Sprünge und darauf, dass er sich vor dem Sprung passend versammelte. Ihm schien das Springen wirklich Spaß zu machen, nachdem er sich daran gewöhnt hatte.
      Es dauerte einige Tage, bevor wir uns an die ersten E-Sprünge wagten. Zuvor hatten wir, wie gesagt, nur die Grundlagen des Springreitens mit ihm geübt und als ich mir sicher war, dass er weit genug war, um ein wenig mehr gefördert zu werden, wandten wir uns den Sprüngen zu.
      E-Sprünge hatten eine Höhe von achtzig bis neunzig Zentimetern und waren dementsprechend nicht sonderlich herausfordernd, doch für Einsteiger war es anstrengend genug. Die Weite von fünfundsiebzig bis einhundertfünf Zentimetern war ebenfalls nicht leicht zu bewältigen, zumindest anfangs. Feuervogel hatte sichtlich Mühe, damit zurecht zu kommen, doch nachdem wir dies erfolgreich hinter uns gebracht haben, wandten wir uns dem Springtraining zur Klasse A zu, die ursprünglich gefordert wurde.
      Dazu sprangen wir immer wieder E-Sprünge, die immer mehr an Höhe und Weite dazugewannen, sodass wir schließlich sogar auf A-Niveau waren, ohne, dass Feuervogel es großartig gemerkt hatte. Er hatte wahrscheinlich kaum bemerkt, dass die Sprünge höher und weiter geworden waren, denn es waren immer nur wenige Zentimeter, die sie dazugewannen.
      Um das Gelernte noch einmal zu überprüfen, baute ich an einem der letzten Tage eine Art Leistungsüberprüfung ein, damit ich mir sicher sein konnte, dass Feuervogel wirklich im Springen auf A hochgestuft werden konnte. Ich wollte nicht dafür verantwortlich sein, dass er dieser Herausforderung schlussendlich doch nicht gewachsen war, obwohl ich bereits wusste, dass er es schaffen würde. Dennoch würde mich ein schlechtes Gewissen plagen, wenn ich es dabei belassen würde.
      Also machte ich Feuervogel fertig und begab mich mit ihm auf den Weg zur Halle – momentan war es draußen so kalt, dass man dort nicht arbeiten konnte – und wärmte das Reitpony auf, während Matthew und Harry die Hindernisse aufbauten. Es war lustig, anzusehen, wie Harry Matthew immer wieder fragte, ob es die richtige Höhe oder Weite wäre und Matthew total aufgelöst und genervt Harry wegschickte und die Hindernisse dann allein aufbaute. Dies schien nicht nur ihn, sondern auch Harry zu erleichtern.
      Nachdem das Aufwärmen beendet wurde, wandten wir uns den Hindernissen zu, die allesamt auf A-Höhe beziehungsweise A-Weite eingestellt worden waren. Dankend nickte ich Matthew zu, dieser verließ daraufhin die Bahn und stellte sich an den Rand, um uns zuzusehen.
      Feuervogels Ohren zuckten nervös vor und zurück, obwohl er die ganze Prozedur bereits gewohnt war. Ich konnte mir keinen Reim darauf machen, was mit ihm los war, doch solange er auf mich hörte, würde schon alles gutgehen.
      Die treibende Kraft unterstützte ich mit einem Schnalzen, sodass Feuervogel zuerst in den Trab und schließlich in den Galopp wechselte. Dann galoppierten wir auf das erste Hindernis zu, einen Oxer mit einer Weite von fünfundneunzig Zentimetern. Dies war für das A-Niveau nicht sonderlich weit, doch es war nur der Anfang und wir würden uns noch steigern.
      Daraufhin folgte ein Hochsprung, ein Rick mit einer Höhe von einem Meter. Feuervogel spitzte erfreut die Ohren als er das Hindernis auf sich zu kommen sah, vergessen war seine anfängliche Nervosität. Mit raumgreifenden Galoppsprüngen bewegten wir uns auf den Sprung zu und ich sorgte dafür, dass der Hengst sich vor diesem noch einmal versammelte, indem ich laut die Galoppsprünge mitzählte und ihn bei der Versammlung unterstützte. Im nächsten Moment war er bereits abgesprungen und wir flogen für einen Moment durch die Luft, während wir das Hindernis unter uns ließen und schließlich auf der anderen Seite sanft auf dem Sandboden aufkamen. Feuervogel ordnete sich schnell wieder und ich lobte ihn kräftig, bevor ich mich wieder gerade setzte und wir bereits auf das nächste Rick zubewegten. Auch hier zählte ich wieder die Galoppsprünge mit, gab Feuervogel die angemessenen Hilfen und wir überquerten das Hindernis schnell. Als er auf dem Boden ankam, stolperte Feuervogel sich kurz, wovon ich ein wenig überrumpelt wurde, doch wir sammelten uns rasch wieder und fuhren mit dem Training fort.
      Das nächste Hindernis war ein weiterer Oxer. Feuervogel strauchelte vor dem Sprung etwas und verweigerte diesen, was aber teilweise auch an meiner fehlenden Hilfegebung und der nicht vorhandenen Treibkraft, die ich eigentlich aufbringen musste, lag. Aufgrund des Verweigerns, auf das ich nicht vorbereitet war, fiel ich nach vorn auf Feuervogels Hals, von dem ich daraufhin herunterrutschte und mit dem Hintern zuerst im Sand landete. Glücklicherweise hatte ich mich nicht sonderlich verletzt oder war auf dem Kopf gelandet, weshalb ich mir nur den Sand von meinem Körper klopfte und schließlich wieder aufstieg. Von der Bande her hörte ich ein leises Lachen; Matthew. Ich warf ihm einen vernichtenden Blick zu, musste allerdings auch grinsen und wandte mich dann doch wieder Feuervogel zu, der ungeduldig wurde. Wir drehten uns ritten noch einmal auf den Sprung zu, und diesmal klappte es einwandfrei.
      Die nächsten drei Sprünge, zwei Oxer und ein Rick, bereiteten uns keinerlei Schwierigkeiten mehr und wir konnten das Training für diesen Tag beenden. Wir würden noch einige Male üben und das Beigebrachte vertiefen, bevor Feuervogel wieder nach Sapala und in sein altes Leben zurückkehren würde. Bis dahin wollte ich ihn so gut wie es mir möglich war fördern und schließlich Eddi Bescheid geben, damit sie ihn wieder zu sich holen konnte.

      Springen A auf L
      19. Oktober 2015 - von Samarti
      „So, Feuervogel“, murmelte ich dem Reitponyhengst zu und führte ihn durch die Eingangstür in die Halle hinein. Diese war glücklicherweise nicht besetzt und somit hatten wir freie Bahn. Die Hindernisse hatte ich bereits aufgebaut, damit wir sogleich mit dem Training beginnen konnten und es nicht durch lästiges Aufstellen unterbrochen werden würde.
      Zuerst begann ich damit, den Hengst warm zu reiten, damit seine Gelenke und Sehnen keinen Schaden davontragen würde und das Risiko, dass er sich Verletzungen zuzog, verringert wurde. Dafür nahm ich mir ungefähr eine Viertelstunde bis zwanzig Minuten Zeit, bevor ich mit ihm das eigentliche Training begann.
      Es waren insgesamt acht Hindernisse, die in der Halle Platz gefunden hatten. Die eine Hälfte davon bestand aus Hochsprüngen, die Andere aus Weitsprüngen. Somit war dies klar aufgeteilt und die Hoch- oder Weitsprünge würden nicht benachteiligt werden.
      Der erste Sprung war ein Rick, das aus bunten Stangen bestand. Auf einige Pferde dürfte das abschreckend wirken, doch Feuervogel schien damit keinerlei Probleme zu haben. Generell schien es mir, als wäre er eines dieser Pferde, das eher auf etwas Fremdes zugehen würde, als davor zu fliehen.
      Der Sprung war noch auf A-Höhe, also stellte er kaum ein Problem dar. Zwar musste Feuervogel sich anfangs erst noch wieder ans Springen gewöhnen – anscheinend hatte Eddi mit ihm in letzter Zeit nicht sonderlich viel trainiert –, doch nach einigem Wiederholen klappte es ganz gut und wir wandten uns dem nächsten Hindernis zu, ebenfalls ein Hochsprung. Er war knapp hundertzehn Zentimeter hoch, also zehn Zentimeter höher als der Vorherige. Auch dieser Sprung raubte Feuervogel nicht viel Anstrengung.
      Daraufhin folgte ein Oxer mit einer Weite von hundertzwanzig Zentimetern, der schon etwas anspruchsvoller war. Allerdings stellte auch dies kein sonderliches Problem für Feuervogel dar. Er stieß sich kraftvoll mit seinen Beinen vom Boden ab, während ich versuchte, ihm so gut zu helfen, wie es mir möglich war. Für einen kurzen Moment schwebten wir förmlich und überflogen das Hindernis, im nächsten Moment landeten wir jedoch sanft wieder auf dem Boden. Feuervogel strauchelte ein wenig, sammelte sich aber kurz darauf wieder und wir galoppierten auf den nächsten Sprung zu, erneut ein Weitsprung. Dieser war etwas kürzer als der Vorherige, aber dennoch nicht zu unterschätzen. Trotzdem überwand Feuervogel auch diesen Sprung, ohne eine Stange zu reißen. Dafür riss er beim nächsten Hindernis gleich zwei – es war diesmal ein weiterer Hochsprung und dem Anschein nach hatte der Hengst die Höhe nicht passend eingeschätzt, was dazu führte, dass er die Stangen riss.
      Wir übten noch eine Weile weiter, bis ich beschloss, dass es für den heutigen Tag genug wäre.
      Im Laufe der Zeit hatten wir es geschafft, dass Feuervogel immer mehr Spaß am Springen bekam und sich bereits freute, wenn er nur eine Hindernisstange erblickte. Seine Ohren begannen dann, hin und her zu zucken, die Augen blitzten erfreut auf und er wurde etwas unruhig. Dennoch achtete er noch konzentriert auf seinen Reiter; er freute sich einfach nur.
      Wir hatten eine Weite von maximal einem Meter und vierzig Zentimetern erreicht, was sogar schon das M-Niveau ankratzte. Die Höhe hatten wir bis einen Meter und zwanzig Zentimeter steigern können, doch höher hatten wir die Hindernisse noch nicht gestellt. Das würde noch kommen.
    • Stelli
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      Januar 2021 - Jahresrückblick
      Das neue Jahr war schon wieder vier Tage an. Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht. Auch das verflixte Jahr 2020 verging wie im Flug. Hoffentlich, oh hoffentlich würde 2021 besser und schöner werden als das letzte Jahr. Etwas nachdenklich machte ich mich also an die Arbeit und das Versorgen meiner Pferde und – endlich – auch Ponys. Ich konnte im Vorjahr zwei wirklich fantastische Deutsche Reitponys erwerben, was mich sehr glücklich machte. Früher schon hatte ich viele Reitponys im Besitz, bis heute loderte dieses Feuer für diese Rasse in mir. Feuervogel und scs Bluebell waren es, die bei mir einzogen. Die Beiden hatten sich schon sehr gut bei mir eingelebt und ich plante auch schon, Bluebell bald decken zu lassen, evnetuell auch von Feuervogel? Wer weiß! Mit Bluebell stand heute Dressurarbeit an, Feuervogel wurde longiert. Bei den Großpferden hatte sich auch einiges getan was den Zuchwachs betraf. Es war so großartig, wieder so viele Pferde um einen zu haben. Das erinnerte mich an früher, wo ich Hofgut Tannenheide geleitet hatte.. mit so vielen wunderbaren Pferden. Dempsey zog heute morgen bei mir ein. Ich holte die Trakehnerstute heute relativ früh bei Bracelet ab. Deswegen durfte sie sich erstmal die Woche über eingewöhnen. Auch Bjarka war Ende letzten Jahres zu mir gezogen, ganz überraschend. Sie war ein Geschenk, worüber ich mich unendlich freute. Wir hatten uns schon gut zusammengerauft und passten super zusammen, es harmonierte einfach. Bjarka ritt ich heute nur locker vorwärts-abwärts, sie hatte die letzten Tage genug gearbeitet. Uranium Fever und Forever Yours konnte ich ebenfalls neu dazugewinnen. Grade bei Forever Yours war es eine Herzensangelegenheit, denn die Stute hatte ich bereits vor vielen Jahren lange besessen, bis der Hof unerwartet zerstört wurde. Forever Yours hatte so ihren Lebensplatz bei mir bekommen bis an Ende ihrer Tage. Sie durfte bei mir ein entspanntes Leben führen, mit bisschen reiten und viel Koppel, bis sie auch als Zuchtstute in Rente geht. So auch heute, sie kam nur auf die Weide, wo sie den ganzen Tag rumdümpeln durfte. Uranium Fever hingegen hatte noch einiges vor sich. Sie wurde heute von meinem Freund geritten und durfte etwas springen. Das Training war anstrengend, aber sehr gut. Grey Rose war nun endlich soweit, dass sie Zuchtstute werden darf und gekrönt werden kann. Wir hielten bereits Ausschau nach geeignet ausgeschriebenen Zuchtstutenprüfungen im Umkreis, wo wir teilnehmen konnten. Grey Rose wurde heute nur locker am Halfter longiert und hatte sonst den Rest des Tages frei. Golden Highlight und It’s Tea Time waren seit Ende des Jahres 2020 eingetragene Zuchtstuten. Auch hier war der Plan, sie dieses Jahr eventuell von einem geeigneten Hengst decken zu lassen. Die beiden wurden heute zusammen ausgeritten von meinem Freund und mir. Es hatte ein wenig geschneit und die Landschaft war von einem Hauch Puderzucker überzogen. Es war ein entspannter Ausritt mit viel Schritt und noch größeren Plaudereien. Als wir mit den Stuten durch waren, ging es an die Hengste. Auch hier konnten wir 2020, in der kurzen Zeit wo wir den Hof und die Pferde besaßen, extreme Fortschritte machen. Wir hatten mit Fürstenherz einen extrem schicken Trakehnerhengst gewonnen, der mit seiner seltenen Fellfarbe die Trakehnerzucht auf ein neues Level bringen würde. Ihn galt es jetzt ordentlich auf die Körung vorzubereiten. Doch er hatte auch noch ein bisschen Zeit. Er wurde heute ausgebunden über Stangen longiert. Leviathan’s Levisto zog ebenfalls bei mir ein. Mit ihm wurde früher nicht viel gemacht. Nachdem wir ihn jetzt langsam angeschoben haben war er konditionell fit und machte sich sehr gut. Ich ritt Levi heute nur locker im leichten Sitz, wir galoppierten viel. Nach Levi ging es weiter. Wir waren so begeistert von dem schönen Wetter, dass wir kurzer Hand beschlossen, mit den restlichen Hengsten auch ausreiten zu gehen. Zuerst sattelten wir Shavalou und Smarty Jones. Shavalou durfte sich derweil auch gekörter Deckhengst nennen. Die Hengste galoppierten wir deutlich mehr, da wir merkten, dass sie ziemlich Energie hatten. Wir entschieden uns deshalb für eine lange Galoppstrecke, die leicht bergauf ging, was die Beiden wirklich mal forderte. Zufrieden abschnaubend machten wir uns irgendann wieder auf den weg nach Hause, denn da warteten noch Diamond’s Shine und Sezuan auf ihren Ausritt ins Winter Wonderland. Auch diese Beiden sind 2020 Deckhengste geworden. Ich war auf ihre Zukunft sehr gespannt und was die Zeit bringen würde. Nachdem wir auch diesen Ausritt beendet hatten, kamen die Zwei nochmal raus auf die Koppel. Sweet Spot war ebenfalls eine neue Stute, die kurz vor Silvester bei mir einziehen durfte. Die bunte Knabstrupperstute hatte es mir sofort angetan und ich hatte Glück – sie war noch verkäuflich, da ihr eigentlicher Käufer sie nie bezahlt hatte. Gut für mich! Ich fackelte nicht lange und kaufte sie. Nun hatte sie sich bereits ein wenig eingelebt, war noch etwas schüchtern. Was sich aber von Tag zu Tag besserte. Heute durfte sie auf dem Reitplatz mal für sich etwas laufen und sich ausbocken. Nachdem ich Sweet Spot wieder auf die Koppel gebracht hatte ging es weiter mit PFS’s Colours of Life und Blue Moon II, meine beiden Vollblüter, die das Blüter-Trio komplettieren. Beide wurden parallel von mir und meinem Freund longiert. Nachdem alle Pferde draußen waren, mistete ich schnell die Boxen ab und streute sie nach. Die Pferde blieben den Rest des Tages draußen und kamen erst gegen Abend bei Einbruch der Dunkelheit wieder in den Stall.
    • Stelli
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      03. Mai 2021
      Kaum zu glauben, dass es schon wieder fast Mitte des Jahres war. Die ersten warmen Sonnenstrahlen wurden trotz allem noch von nächtlichem Frost erschüttert. Das machte das morgendliche Aufstehen und Arbeiten im Stall teilweise unangenehm. Aber je älter der Tag wurde, desto wärmer wurde es. Trotz Allem mussten die Pferde ausreichend versorgt und bewegt werden. Neben der Arbeit mit den Pferden stand viel Frühjahrsarbeit an: Koppel einsäen und düngen, den Reitplatz auf Vordermann bringen undundund… Wir hatten über das Frühjahr etwas umgebaut und mehr Platz für die Pferde geschaffen. Auch die Pferde hatten eine angenehme Entwicklung gemacht. Aufgrund von Corona und leider auch Herpes haben wir dennoch fast nicht an Turnieren teilnehmen können. Sezuan und Diamond’s Shine mussten demnach viel Zuhause arbeiten. Wir arbeiten viel an der Kraft und Lastaufnahmen, genau wie bei Shavalou und Leviathan’s Levisto. Die Hengste machten sich super und ich hoffte, dass die gekörten unter ihnen bereits dieses Jahr erste Decksprünge machen konnten. Fürstenherz kam ein wenig in die Testphase und war etwas frech, was wir aber auch gut in den Griff bekommen hatten. Smarty Jones wurde die letzten Wochen nur locker geritten. It’s Tea Time und Golden Highlight hatten ein sehr abwechslungsreiches Programm zwischen Ausritten und gemütlich lockerem Training. Grey Rose wurde viel im Springen gefördert und sie wurde richtig gut! Ich war gespannt, was die Zukunft für die vermögende Stute bringen würde! Forever Yours hatte mehr oder weniger ihren Vorruhestand und musste bei mir nicht mehr viel sportliche Leistung bringen. Lockere Ausritte dominieren unser Programm. Uranium Fever und Dempsey wurden in der Dressur mehr gefördert mit viel Seitengängen, was die beiden in der Zeit klasse umsetzen konnten. Bjarka hatte auch einen tollen Sprung in ihrer Entwicklung gemacht. Sie wurde immer kräftiger und selbstsicherer und es war eine Freude diese Schimmelstute zu reiten. Rosenzauber di Royal Peerage wurde auch immer erwachsener und größer. Seine Bewegungen und sein Exterieur ließen Großes hoffen und ich war gespannt, wo die Reise hingehen würde. Meine Ponys hatte ich natürlich auch noch. Feuervogel, Dantino und Bluebell ging es super. Es waren richtige Multitalente und immer mit Begeisterung bei der Arbeit. Egal ob Springen, Dressur oder Gelände. Die Ponys waren allzeit bereit und gut gelaunt, so machte die Arbeit mit ihnen gleich doppelt so viel Spaß. Mit Blue Moon II und Colours of Life gingen wir viel Ausreiten, damit die beiden Vollblüter regelmäßig ihrer Leidenschaft nachgehen konnten: dem Galoppieren. Für Sweet Spot ging es auch langsam ans Arbeiten. Die Stute war noch nicht ganz überzeugt davon, aber es wird von Woche zu Woche besser und leichter, sie zu motivieren. Viel Abwechslung musste bei ihr einfach auch sein. Die Pferde waren mittlerweile alle angegrast und freuten sich auch eine sonnige Koppelsaison – und ich mich auch !
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  • Album:
    06 - Hofgut Birkenau | Sportponys
    Hochgeladen von:
    Stelli
    Datum:
    10 Dez. 2020
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  • Feuervogel


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    Vom: Feuerblick
    Vom: unbekannt
    Aus der: unbekannt

    Aus der: Smart Lady
    Vom: Hussar
    Aus der: unbekannt



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    Rufname: Vofi
    Geburtsjahr: 2009
    Stockmaß: 1.48 m
    Rasse: Deutsches Reitpony (DRP)
    Geschlecht: Hengst
    Fellfarbe: Palomino
    Abzeichen: Keilstern, Schnippe, 2x weiß
    Gesundheit: Sehr gut


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    neugierig, aufmerksam, intelligent, mutig,

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    Besitzer: Stelli

    Ersteller: sweetvelvetrose
    VKR: -
    Verkäuflich: Nein

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    Zuchtzulassung: Ja
    HK 482 - Hengste mit Eltern
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    Nachkommen: -
    Decktaxe: noch nicht berechnet
    Stationiert: -


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    Galopprennen Klasse: E
    Western Klasse: E
    Spring Klasse: S**
    Military Klasse: A
    Dressur Klasse: L
    Distanz Klasse: A
    Fahren Klasse: L

    Eignung: Springen, Dressur, Military
    Geritten: Ja


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    203. Distanzturnier, 255. Fahrturnier, 126. Synchronspringen ,127. Synchronspringen, 128. Synchronspringen, 275. Fahrturnier, 130. Synchronspringen, 248. Militaryturnier, 342. Galopprennen
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    PNG | PNG zerstückelt
    als Fohlen