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Kirbeeh

El Usurpador

El Usurpador
Kirbeeh, 10 Sep. 2016
Cascar, Waldvoegelchen, Ally und 6 anderen gefällt das.
    • Kirbeeh

      Haras Equitador

      I. Die Katastrophe

      Es war der 3. März diesen Jahres als die Tragödie ihren Lauf nahm. Ich hatte ein wunderschönes Leben in der Kolonie von Katalonien, ich genoss die Wärme und die Ruhe auf meinem Gestüt – Tagein, Tagaus. Bis zu diesem Tag. Am Morgen noch trank ich meinen Smoothie aus Bananen und frischen Erdbeeren aus dem Nachbarsgarten, bevor ich mich dann an meine Routinemäßige Arbeit machte. Auf zu den Pferden. Im Endeffekt ein ganz normaler Tag, bis zum Abend. Ach und es gab eine kleine Messe im Nachbarort, ungefähr eine Stunde weit entfernt. Also bereitete ich alles vor um mich dorthin aufzumachen, natürlich aufgeregt und voller Vorfreude, weil dort einige Andalusier vorgestellt werden und ich wieder auf der Jagd war. Anders als sonst fuhr ich alleine los um mich nicht beeinflussen zu lassen. Es war also 18:00 als ich ins Auto stieg, ausgerüstet mit einem Pferdeanhänger und der Hoffnung, dass dieser bei der Rückfahrt beladen ist. Die Stunde ging schnell rum dank der angenehmen Musik des Radios. Als ich ankam sah ich bereits vertraute Gesichter die mir zuwinkten. Es waren gute Bekannte die jedes Mal hierherkommen um mir die Pferde vor der Nase wegzukaufen. Aber sonst verstanden wir uns ganz gut. Wir versammelten uns in einer kleinen Gruppe von sieben Leuten und gingen in die große nach Staub riechende Halle rein. Inzwischen haben sich dicke Wolken vor die Sonne geschoben und die Luft wurde drückend. Die Straßenlaternen gingen an. Die Halle war größer als sie von außen aussah. Wir saßen in der vierten Reihe von unten und hatten somit einen sehr schönen Ausblick. Es dauerte nicht lange, da war die Halle auch schon mit Gelächter und Geschrei gefüllt. Wir warteten eine gute halbe Stunde bis uns das erste Pferd präsentiert wurde. Hierbei handelte es sich um eine grazile Friesenstute mit langem gelocktem Behang die wirklich Aufmerksamkeit erregte. Es ähnelte schon fast einer Fashionshow, so wie die Pferde herausgeputzt worden. Grundsätzlich Barockpferde liefen rauf und runter. Währenddessen machte ich Notizen zu jedem Pferd. Jedes hatte etwas Besonderes an sich, nur wollte ich keine Voreiligen Schlüsse ziehen. Während ich verbittert noch auf einen Wow-Moment hoffte haben sich meine Mitstreiter schon entschieden. Jedenfalls würde es hier keinen Konkurrenzkampf geben – zum Glück, denn mit dem Geld lag ich etwas hinterher. Seufzend ließ ich mich auf den nicht allzu bequemen Stuhl sacken und hörte eine Mitteilung, dass es nun eine Pause geben würde. Ich stand also auf und Begab mich mit den anderen nach draußen an die frische Luft. Das was man in dem Gebäude nicht mitbekommen hatte war, das es verdammt stürmig wurde und ein Gewitter aufkam. Ich war echt froh die Pferde alle in die Stallungen gebracht zu haben bevor ich gegangen war. Es war kalt und nass, also ging ich wieder rein und setzte mich auf meinen Platz. Kurze Zeit später ging es dann wieder los. Unzählige Andalusier und Lusitanos waren zu sehen. Endlich weckte mich mein Interesse an einem P.R.E Hengst, er war ein Braunschimmel und hatte zerzaustes helles Langhaar. Er hatte noch keine Qualifikationen und war noch recht jung. ER war der perfekte Anblitzt eines Rohdiamanten das noch geschliffen werden musste. Der Preis war erstaunlich hoch, also hoffte ich mal dass es sonst keine Interessanten gab. Am Ende der Vorführung fanden die Versteigerungen statt. Der Höchstpreis lag bei der Friesenstute am Anfang, auch die darauffolgenden Pferde wurden schnell verkauft. Irgendwie war der Anblick schon traurig, hatte was von einem Sklavenhandel. Was mich wunderte war, dass jeder einen Namen hatte außer dem Hengst, an dem ich Interesse hatte. Nummer 0098 hieß er also. So ein schöner einfallsreicher Name also. Wie erhofft blieben die Gebote beim Minimum und die Anfrage war gering. Ich musste zwar meine Tasche leeren, war aber dennoch heilfroh, dass ich ihn ersteigern konnte. Meine Endorphine sprudelten als ich endlich meinen Hintern vom Stuhl erheben konnte um mein Pferd abzuholen. Ich machte kurzen Prozess, band ihn um und wollte ihn aus der Halle führen, kurz darauf schien es einen Stromausfall gegeben zu haben. Wir waren aber so gut wie draußen und die Straßenlaternen boten uns Licht. Das Wetter war echt schrecklich und so wünschte ich mich schnell wieder ins Warme. Ein riesen Unwetter tobte und auch Nummer 0098 schien etwas beunruhigt zu sein. Ach der Gute brauch ja noch einen Namen. Den werde ich mir während der Autofahrt überlegen. Es war schon sehr spät und ich war etwas müde. 0098 machte keine Faxen bei der Beladung des Anhängers, jeder hat faxen gemacht. Ich sprang in mein Auto und knipste den Zündschlüssel an. Ich schaute kurz auf mein Handy, welches ich versehentlich aus hatte. Nach ewiger Warterei und endlich eingetippten PIN-Code war mein Handy entschlüsselt. Abrupt sprangen mir endlose Benachrichtigungen und vermisste Anrufe entgegen. Etwas Schlimmes schein passiert zu sein. Die Farbe aus meinem Gesicht entwich langsam und ich drückte auf den Knopf zum Zurückrufen. Niemand ging ran. Ich sollte mich schnell zum Hof zurückscheren, dachte ich mir und fuhr los. Das Gewitter tobte weiterhin, die Schwüle erdrückte einen. Nach ungefähr 40 Minuten war ich fast angekommen, nur noch die Straße abbiegen und den Berg hoch. Wäre da nicht der dichte schwarze Rauch der einem das Atmen nehmen würde.


      Ich musste damals voller Entsetzen feststellen das mein kompletter Hof abgebrannt wurde, und das von einem Gewitter. Auch meine Pferde waren tot. Alle. Das war wohl der schlimmste Tag meines Lebens bis dahin. Inzwischen, ungefähr einen Monat danach kann ich nun davon berichten. Ich trage die Last von über 30 Pferden auf mir, die qualvoll ihr Ende fanden. Heute hab ich einen Entschluss gefasst, denn irgendwie muss es ja weitergehen. Nummer 0098 heißt ab heute El Ursupador, das so viel heißt wie Alleinherrscher, der die Macht widerrechtlich zum eigen gemacht hat. Ist eine ziemlich genaue Beschreibung von dem was hier vor einem Monat passiert ist. Außerdem werde ich umziehen müssen, denn in Asche kann ich nicht leben, und mein kleiner Einzelgänger auch nicht.
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    • Kirbeeh

      Haras Equitador

      II. Kennenlernen

      Ich hab Katalonien wohl zum hässlichsten Viertel Spaniens gemacht. Die Momentane Situation sah wie folgt aus: Ich, Yvonne Falk, habe ein Pferd aus Haustier. Viele meiner Freunde, jedenfalls die, die sich nicht von mir abgewendet haben, sagen ich hätte seit dem Vorfall ein Psychisches Problem. Natürlich war so etwas nicht einfach zu verkraften, aber ist es denn nicht normal die Küche mit seinem einzigen Hengst zu teilen? Zwar hätte ich die Möglichkeit Usurpador in eine Notlösungs-Box zu stecken, aber irgendwie wollte ich das nicht. Draußen stinkt es immer noch, und schön sah es auch nicht aus. Ab und zu steht er ja auf der Terrasse und Gassi gehen wir auch. Aber ein Problem erkenne ich nicht. Er anscheinend auch nicht, es ist manchmal etwas eng, und es kann auch stinkig werden, aber ich bin glücklich so. Und er scheint sich auch nicht wirklich zu beschweren. Unsere Beziehung ist noch nicht so dufte, und ehrlich gesagt ist es wirklich schwer Anschluss zu finden. Ich will nicht sagen das er anders ist, aber er antwortet mir manchmal nicht wenn ich etwas frage. Ja, manchmal bin ich so vertieft in meiner eigenen Welt einfach um das ganze um mich herum abzublenden. Es fällt mir doch schwerer als gedacht. Zudem hat Spanien mir mein Portemonnaie brutal entleert und das erschwert die Lage noch mehr. Einige gute Freunde haben mir schon angeboten vorüberzugehen bei ihnen einzuziehen, aber ich konnte das Angebot nicht annehmen. Und jetzt sitze ich hier auf meinem Kastanienbraunen Plastikstuhl und schaue gespannt in meinen nagelneuen transportierbaren Ofen, den ich mir kaufen musste, da sämtliche elektronischen Geräte im Haus nicht mehr funktioniert haben. Soviel Geld gab es dann noch noch. Man könnte meinen, der Kauf von Usurpador wäre mehr als unvorteilhaft für die Situation gewesen und das er mir nur im Weg stehen würde, wieder auf eine gerade Bahn zu kommen. Das waren jedenfalls die Worte von meinen Kollegen, aber ich bin umso froher den großen im Wohnzimmer stehen zu sehen, wie er sich gerade an der Kommode kratzt. Billig war er auch nicht, aber ich habe mich schon sehr an ihn gewöhnt. Vor allem weil mit 24/7 aufeinander hocken. Und doch obwohl wir soviel Zeit miteinander verbringen, kenne ich nicht einmal seine stärken und schwächen. Er ist aber sehr wählerisch was Essen angeht. Er mag nur frische Leckerlies, also koche ich öfters mal für uns beide. Äpfel sind immer sehr gefragt, manchmal klaue ich welche vom Nachbargarten. Aber der alte Knacker ist seit dem Brand ziemlich mürrisch geworden, obwohl ich ihm sogar die Asche angeboten habe. Jedenfalls reden wir nicht mehr miteinander. Heute wollte ich mal wieder ein bisschen nach draußen. Ich hatte leider auch kein Zubehör mehr, alles ist weggeschmolzen. Also hab ich ihm vorübergehend ein Halfter aus dicken Wollseilen gemacht, der lang genug war das ich den noch als Strick verwenden konnte. Er ist ein ziemlich ruhiger Hengst und wirkt immer etwas müde und schlaff. Dennoch bewegt er sich gerne und freut sich jedes mal darauf wenn wir rausgehen. Heute war gutes Wetter, die Hitzewelle ist nun etwas zurückgegangen und mit 20°C konnte man arbeiten. Also fuchtelte ich die Seile irgendwie um seinen dicken Kopf herum und führte ihn dann zur offenen Hausseite. Ja das Haus stand zwar noch, dennoch haben 1/3 des Hauses nicht überlebt. Eine Sanierung wäre mal fällig. Oder ein Umzug. Er folgte mir rasch nach draußen. So schlimm sah es gar nicht mehr aus, die Räumungsarbeiten worden gut durchgeführt, aber man erkennt immer noch den Massaker der dahinter steckt. Ich kraulte seinen Hals ganz leicht. Er war sehr weich und warm. Als wir endlich vom Grundstück weg waren und zum Waldweg kamen trank ich erst mal einen Schluck aus meiner Wasserflasche. Währenddessen begnügte sich Usurpador an dem saftigen Gras, welches ich ihm sonst nicht anbieten kann. Daher kommt er auch immer gerne mit spazieren. Eigentlich machen wir alles zusammen. Vergleichbar wie ein altes Ehepaar mit unzähligen Enkelkindern, die sich aber nicht mehr um einen Kümmern da ihr eigenes Leben begonnen hat. Und so sucht man sich Aktivitäten die man zusammen im hohen Alter ausführen kann. Wir sind beide noch junge Hüpfer, dennoch wurde mir was aus meinem Leben genommen. Ich war wirklich froh den dicken neben mir zu haben. Ich zog ihm den Kabelsalat vom Kopf und ging weiter. Es war schon gegen Abend, aber die Sonne stand immer noch sehr hoch. Als ich endlich meine Bank wiederfand setzte ich mich kurz hin. Ich sollte mir überlegen wie ich weiter machen sollte. Ich sehe sehr viel Potential in dem dicken. Aber es fällt mir so schwer wieder reiten zu können. Das Gefühl birgt immer noch einen kleinen Schmerz. Ich sollte erst mal jemand anderen auf ihn drauf lassen.
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    • Veija
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      September 2016, by Veija
      Dressur E- A

      Mich erreichte am vergangenen Tag ein Anruf der eher traurigen Art. Yvonne Falk, eine doch recht bekannte PRE- Züchterin hatte beinahe ihren gesamten Pferdebestand durch ein Feuer verloren, während sie auf einer Auktion ein neues Pferd einkaufen war, welches ich jetzt auch trainieren sollte.
      So kam es, dass ich ruck zuck in Spanien ankam und den Schreck meines Lebens erfuhr. Es war wirklich alles abgefackelt, niemand war zu sehen, weder Yvonne, noch das Pferd. "Halloo?", rief ich einmal laut und hörte ein Pferd wiehern. Das Wiehern kam aus dem Haus. Seltsam, dachte ich mir und ging zur Tür, wo ich dann Yvonne schimpfen hörte, ehe die Tür aufgestoßen wurde und mich ein dunkler Schimmel fast über den Haufen rannte. "Was geht den.. Yvonne, hast du den Gaul im Haus?!", fragte ich geschockt und sah sie über beide Ohren grinsen. "Du hast sie doch nicht mehr alle.", meinte ich schulterzuckend und sah, wie sie die Augen verdrehte. "Der hat kein Sattelzeug, keine Ahnung wie du den trainierst.", meinte sie und verschwand wieder. Na toll, dachte ich mir und fing mir den Hengst erst mal ein, ehe ich einen Hänger bestellte und jemand, der mir den Hengst auf einen benachbarten Hof fahren konnte, damit ich ihn ordentlich trainieren konnte.
      Ich sprach kurz noch mit Yvonne, der das wohl recht war, ehe ich mitsamt Hengst zum Nachbarhof fuhr, wo er in eine Box gestellt wurde. Beim Anblick des Hengstes schüttelte ich den Kopf. Den als Haustier zu halten war eine ziemlich große Sauerei, aber seine Besitzerin war schon immer ein wenig verrückt gewesen.
      Nichts desto trotz probierten wir ein paar Sättel an, bis wir einen gefunden hatten der passte, so dass ihn in satteln und in die Halle bringen konnte, wo ich nach dem nachgurten aufstieg. El Usurpador war ein Pferd von sehr talentierten Eltern, die Dressur würde ihm also nicht sonderlich schwer fallen. Wir fingen mit etwas wirklich einfachem an, also die Mittelgangarten zu reiten, Mittelschritt, Mitteltrab und Mittelgalopp, was er wirklich super machte, weshalb ich auch schon Arbeitstrag und Arbeitsgalopp hinzu nahm, da er einfach so unglaublich schnell lernte. Halten aus dem Schritt und Trab war auch kein Problem, ebenso wenig wie Leichttraben und Aussitzen. Das waren auch eher Sachen, die die Reiter lernen mussten, nicht die Pferde. Ich arbeitete noch eine Weile verschiedene Zirkelkombinationen, ehe ich ihn trocken ritt und wieder in den Stall brachte.
      Am nächsten Tag wiederholte ich alles kurz, ehe ich ein paar Bahnfiguren hinzu nahm, so zum Beispiel Schlangenlinien und durch die ganze und halbe Bahn wechseln. Usurpador machte wirklich super mit und verstand auch immer sofort, was ich von ihm wollte, weshalb ich heute doch noch ein wenig weiter machte, als ich eigentlich heute machen wollte. Die E- Elemente kannte er jetzt schon alle super, weshalb ich noch ein paar A- Elemente übte. So zum Beispiel vermehrt Übergänge, Volten, und noch mehr Zirkelarbeit. Nun war unser heutiges Training auch schon vorbei, so dass ich ihn wieder in die Box brachte.
      Die nächsten zwei Tage machten wir eigentlich nichts neues, wir wiederholten einfach immer nur die Sachen, die er schon konnte. Am letzten Tag meines Besuches ritten wir eine A- Kür komplett durch, auch wenn wir einige Sachen ein paar Mal wiederholen mussten, bis sie klappten. Am Ende dieses Tages packte ich das Pferd in den Hänger und fuhr es wieder nach Hause zu Yvonne, wo er sich wieder im Haus etwas zu fressen suchen konnte.
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    • Sosox3
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      Hufschmiedbericht El Usurpador

      Nach einem Tag in Kanada und zwei Tagen in Spanien ging es für mich dann zu meiner nächsten Kundin Yvonne Falk mit ihrem PRE. Als ich auf dem Grundstück, das Yvonne Falk liebevoll Kohlewerkstatt nannte ankam, staunte ich, dass sie noch immer dort wohnen konnte. Es musste wohl ein großes Tolles Anwesen gewesen sein, das so viel ich wusste leider abgebrannt war. Ich schaute mich rund um den Hof um, um sowohl das Pferd als auch seine Besitzerin zu finden. Eine Klingel gab es nicht und so hievte ich zuerst den Koffer langsam durchs Fenster um danach selber rein zu klettern.

      Beide standen dort im vermutlichen Wohnzimmer und starrten mich an. Ihr Hengst etwas misstrauisch und seine Besitzerin schaute mich nur lachend an. „Sie wissen, dass wir eine Tür haben, an der sie klopfen könnten“, lachte sie und ich lachte mit, nach meinem verdutzten Gesichtsausdruck. „Hab ich wohl nicht dran gedacht“, lächelte ich beschämt und strich mir mit meiner Hand durch die Haare. „Und der hier braucht also das Beschlagpaket, also gut. Dann lasst uns mal rausgehen“, schlug ich vor und beide führten mich durch die Tür nach draußen. Usurpador folgte ihr auf Schritt und Tritt, ebenso wie ich. Wir gingen geradewegs zu meinem Auto mit der mobilen Schmiede, wo er angebunden wurde und seine Besitzerin machte sich an ihre Hausarbeit. Usurpador hatte nicht wirklich lange Hufe, fast schon zu kurz aber die Hornqualität war super. Vorne rechts war eine kleine Fehlstellung und so korrigierte ich sie nach dem Feilen etwas. Ich schaute mich in der Schmiede um. Ich entschied mich für die Stahleisen und erhitzte diese in meinem Ofen. In der Zwischenzeit ging ich zu dem Hengst. Er strahlte eine gewisse Ruhe aus und fand meine Arbeit wohl interessant, so wie er mich beäugte und mir zusah. Ich sah auf meine Uhr und nahm die Hufeisen um diese aufzunageln. Als ich fertig wurde rief ich Yvonne an und sie kam um den Hengst abzuholen, ebenso die Rechnung die ich ausstellte.
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    • Kirbeeh

      Haras Equitador

      III. Erste Schritte

      Es ist nicht so einfach seine Fehler zu gestehen. Vor allem dann nicht, wenn man denkt man macht alles richtig. Und dann, wenn man weiß das es doch eigentlich falsch läuft. Nachdem ich wieder ein wenig unter Menschenkontakt kam, bemerkte ich wie asozial meine Lage doch eigentlich war. Heute hatte ich einen wirklich merkwürdigen Traum, aufgeweckt durch die Kälte die der Herbst brachte. Es war einer dieser Träume die einem zum nachdenken bringt. Mein Leben bestand nur aus meinem Pferd Usurpador. Das war's sonst, pure Langeweile. Den letzten Adrenalinstoß durfte ich erfahren, als der Bus in meiner letzten Busfahrt über einen großen Hubbel gefahren ist. Das war nun 5 Wochen her, denn damals musste ich einige Papiere abgeben bezüglich meiner Finanziellen Lage. Und na ja, hier lief das ganze nicht ganz so wie in Deutschland ab. Und nun sitze ich auf meinen Ersparnissen, die langsam zu neige gehen, fest. Dennoch wollte ich meinem großen was tolles bieten. Als ich die Ausbilderin den großen Reiten sehen hab, hat sich was in mir umgekehrt. Er wollte geritten werden, er lernt gerne, er ist super, er hat Potential. Aber nicht mir als Besitzerin. So etwas ist wirklich schwer einzugestehen. Es konnte so also nicht weiter gehen. Ich müsste die Ärmel hochkrempeln und alles wieder richten. Der erste Anhaltspunkt war das Geld. Ich habe immer mein Geld durch Turniere erhalten, die Pferde waren mein Beruf, mein Unterhalt und mein Leben. Aber mit Asche kann man keine Kohle mehr machen – was eine Ironie.
      Auch die Überlegung zurück zu meiner Mutter ziehen war da, aber mein stolz verbietet mir das. Ich bin inzwischen 25 Jahre alt, irgendwie kriege ich das schon hin. Doch Spanien ist Wirtschaftlich nicht wirklich stark, es würde schwierig sein hier etwas zu kriegen was nicht viel Talent erfordert. Und es müsste etwas in der Nähe sein, nicht dass Usurpador meinen neuen Ofen versehentlich anmacht, sodass ich dann im Matsch schlafen müsste. Mein Spanisch war scheußlich, und dennoch klapperte ich diverse Jobangebot in der Nähe ab und telefonierte mein Handy wund. Es waren kleine Sachen wie Straßenreinigung oder Babysitting, allerdings liegen mit kleine Kinder absolut nicht, und ich habe mich immer gefragt wie Spanien sauber macht. Also eigentlich war es mir ziemlich egal wie Spanien sauber macht, aber ich hatte keine andere Wahl. Und soweit ich weiß ist putzen in jeder Sprache gleich, also kann es gar nicht so schwer sein. Überraschenderweise war der Gehalt gar nicht mal so wenig. Morgen würde dann auch mein erster Tag in ein neues, gutes, frisches, nicht allzu gut riechendes Leben beginnen. Wir mussten echt raus hier, der Winter kommt langsam durch die Löcher im Haus durch und ohne Heizung ist es wirklich nicht auszuhalten. In der Nacht kuscheln wir zwei immer mit 10 Decken im Schlafzimmer. So ist jedenfalls immer meine Wunschvorstellung, aber der ist viel zu aufgeladen um an meinen Uhrzeiten zu schlafen. Das gute aber am Beruf ist, das der doch echt früh anfängt, und wenn ich nach Hause komme kann ich mich voll und ganz um den großen Kümmern. Ist immerhin ein Anfang. Ziel ist jedenfalls nicht zu sterben, das steht fest. Zusätzlich wär's dann gar nicht so schlecht mal eine Ausrüstung für Usurpador zu kaufen, vielleicht mal leckeres Essen und irgendwann auf Turniere zu gehen.
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    • Kirbeeh

      Haras Equitador

      IV. Die Halle

      Mein erster Arbeitstag begann um vier Uhr. Für einen Menschen wie mich, der nie feste Arbeitszeiten hatte war es ein Horror, obwohl ich damals mit meinen vielen Pferden auch immer früh aufstehen musste. Aber Usurpador ist ziemlich eigenständig und einfach was das angeht. Nach dem dritten Wecker stand ich also endlich auf und schob meine 5 Decken beiseite. Es war wirklich kalt morgens. Es erinnerte mich an Zelten, mit dem Unterschied das man dies meistens im Sommer tut. Meine Vergangene Naivität hat mich damals unter anderem wegen der Wärme hierhin gezogen. Nun ja, ich zog mir rasch was an und taumelte die Treppen nach unten zur Küche, um mir dort was zu essen zu machen. Also Müsli oder Brötchen, das übliche halt. Mehr bringt mir das Geld nicht auf den Tisch. Da der Große noch nicht wach war, legte ich Ihm einige Leckereien in seine Futterbox. Also ran an die Arbeit – erstaunlicherweise doch recht motiviert. Ich musste übrigens mein Auto verkaufen, so sehr ich es auch geliebt habe. Ich traue mich nicht mal meine neue Gehhilfe Auto zu nennen, der Luxus war schon was Schönes. Aber immerhin ist es noch funktionstüchtig, fragt sich nur wie lange noch. Ich setzte mich ins Auto und fuhr los, nachdem ich das Navigationssystem auf dem Handy aktiviert habe. Die Route war nicht weit, das Unternehmen war 15 Minuten von hier entfernt. Mit ein bisschen Musik im Hintergrund fiel es mir dann auch viel leichter mich zu konzentrieren. Angekommen, auf einen recht vollen Parkplatz machte ich mich auf die Suche nach dem Haupteingang, dass sich als eine wirkliche Herausforderung herausstellte. Irgendwann kam ich dann doch in die miefende Halle und wurde semi-nett von den Kollegen begrüßt. Alle hatten Kittel und Mundschutz an, in der Halle war es sehr laut. Ich müsste am Fließband arbeiten und den Müll sortieren. Das dürfte ich dann 6 Stunden lange machen. Mir tun jetzt schon die Füße weh. Ich bekam eine kleine Anweisung auf „für Leute die kein fließendes Spanisch können“ wie ich was machen sollte. Es ging alles ziemlich schnell, nach einem nicht mal 10-Minütigen Gespräch durfte ich mich schon dazustellen. An dieser Stelle denke ich, es wäre nicht nötig zu erläutern wie die 6 Stunden vergangen. Es war sehr anstrengend und langwierig. Absolut nicht mein Fall, die Abwechslung fehlte einfach, genau wie das Adrenalin welches immer ausgeschüttet wurde als man die Turnierhalle betrat… Wohl das erste starke Verlangen meinen früheren Lebensstil wieder aufzubauen. Nur eins war klar, Usurpador sollte der einzige sein, aber ich kann nicht deuten wie gut er ist, ob er mein Leben durch unser Zusammenspiel auf Hinsicht einiger Turniere finanzieren könnte. Seine Eltern waren mir Unbekannt, er hatte nur eine schöne Rassetypische Statur die man nur unterstützen musste. Auf der A Klasse in Dressur hat er‘s immerhin auch schon geschafft. Ich denke wirklich er hat viel Potential welches ich einfach nicht ausschöpfen kann weil ich noch hinterherhänge. Dieser stinkende Job bietet uns nun eine Grundlage im Leben. Essen, Zubehör und vielleicht einige Turniergebühren die wir bezahlen könnten. Vielleicht ziehen wir beide eines Tages auch wieder um, und davor geh ich schwer fest, denn alles ist momentan schöner als auf einem Friedhof zu leben.
      Wenn die Tage und Wochen doch nur schneller vergehen könnten. Es hat eine ganze Ewigkeit gedauert bis ich meinen ersten Lohn bekommen habe, aber immerhin hab ich mich solange gehalten und bin nicht von dem verfaulten Gestank umgekippt. Darauf preise ich mir selber einen Lob. Es war wirklich nicht viel, aber bald könnte ich mir einen Sattel und Zaumzeug kaufen und wieder reiten üben. Die Reithalle steht sogar noch. Darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Die Halle ist sehr teuer, vielleicht sollte ich sie verkaufen. Alleine die Thronleuchter waren ein Vermögen wert. Ich hatte schließlich viele Ideen im Kopf. Als ich heute von der Arbeit ankam setzte ich mich direkt an meinen alten Laptop und schrieb Anzeigen, allerdings vorerst zur Vermietung für bestimmte Veranstaltungen oder Turniere. Es war fraglich ob sich jemand melden würde, da jeder im Umfeld von dem tragischem Vorfall weiß. Aber an der Halle konnte man wirklich kein Stück meckern, rustikal, modern und traditionell in einem. Es sind aber noch einige Sanitären Vorarbeiten nötig…
      So kam ich dann zu dem Entschluss die Halle sauber zu machen. Es gab besseres als an einem freien Tag die Reithalle sauber zu machen, aber vielleicht würde ich am Ende auch davon profitieren. Vor allem die Außenwände waren voller Ruß, Abgebrannt ist hier dennoch nichts. Sie war auch etwas abgelegener von der Anlage. Ich hätte die Stalltrakten auch weiter verteilen sollen. Aber darum musste ich mich auch nicht mehr kümmern. Jetzt muss ich mir Sorgen machen wie ich nach oben komme ohne Abzustürzen. Wirklich geschickt war ich nicht, und in der Höhe erst recht nicht. Also hab ich mich entschließen die Leiter die ich sowieso nicht verwenden wollte beiseite zu legen und meinen Wischmop zu verlängern, mit anderen Wischmops. Dabei duschte ich mich zusätzlich, da das ganze Wasser auf mich runterkam. Aber so sparte ich mir den Teil danach. Währenddessen hab ich den Hengst frei rumlaufen lassen, wie ein streunender Köter also. Aber abhauen würde er nicht, er spaziert froh auf dem Gelände herum und sucht sich einige nicht verstorbene Grashalme aus dem Boden, um diese wie eine Taube aufzupicken und genüsslich runterzuschlingen. Es beruhigte mich sehr den großen zuzusehen während ich an der Halle rumputzte. Es hat den ganzen Nachmittag gedauert bis die schwarzen Rückstände verschwunden waren. Außen sah das große Gebäude nun echt schick aus. Der Schock kam dann, als ich völlig erschöpft in die Halle hineintrat, die völlig versmogt war.
    • Kirbeeh

      Haras Equitador

      V. Spaziergang

      Langsam beruhigte sich das Wetter wieder und wir konnten mit molligen 15 Grad aus den Betten hüpfen. Das mit der Halle war soweit ein Reinfall, niemand interessierte sich dafür auf einen Reiterhof zu gehen wo sie nur auf Leichen treten würden. Harte Worte, als wäre ich die Mörderin hier. Aber den Himmel kann ich hier nicht verklagen, es war einfach Pech. Aber der heutige Tag war eindeutig zu Schade um Trübsal zu blasen. Es kamen endlich wieder Sonnenstrahlen gegen die Wolkendecke an und blühte damit die gesamte Gegend auf. Ich war es dennoch so Leid hier leben zu müssen. Verachtet vom Umfeld und mein Haus fiel immer mehr zusammen. Zwar waren jetzt alle Löcher gestopft, aber täglich kommen neue auf. Konto liegt auch stark im Minus, obwohl ich jeden Tag in dieser ätzenden Müllfabrik arbeiten gehe. Im Grunde bin ich sehr tief gesunken. So hab ich mir das Leben auf dem Reiterhof nicht vorgestellt. Usurpador scheint es allerdings sehr zu genießen, er ist immerhin sozusagen mein Hauspferd, es hat auch nicht lange gedauert, da war er stubenrein. Dennoch sehr schade das ich es bisher nicht geschafft habe ihn zu reiten. Aber Spaziergänge unternehmen wir trotzdem oft und gerne. Und heute würde so ein Tag werden. Ich setzte den Wasserkocher auf und setzte mich auf den ungemütlichen Küchenstuhl der obendrein quietschte. Er sah hübsch aus, aber hatte es absolut nicht drauf meinen Arsch zu umhüllen. Ich schenkte mir das Wasser in die Teekanne und beobachtete wie mein Teebeutel sich langsam in der Quelle ausbreitete. Grüner Tee war wirklich lecker wenn man einen Löffel Honig dazugibt, sagte ich immer und zu jedem und allem. Das war mit Abstand immer der Highlight meines Tages. Ab und zu verbrannte ich auch meine Zunge an dem heißen Wasser, da ich meine Gier nicht unter Kontrolle habe. Und dann fühlte sich meine Zunge für mindestens zwei Tagen so an als hätte ich Sekundenkleber auf meine Zunge verteil um anschließend Usurpador abzulecken.
      Es war bereits 10 Uhr. Aus irgendeinem Grund steh ich seit dem Vorfall sehr früh auf. Das könnte daran liegen, dass ich mindesten 2 Stunden mit meinem Rendezvous verbringe um wach zu werden. Nein ich mochte nicht nur Tee, ich war sondern auch verdammt einsam. Usurpador konnte ich auch nicht wie gewohnt meine volle Aufmerksamkeit schenken, denn Müll schläft nie, und das musste getrennt werden. Ich denke viel nach in letzter Zeit, wohin mein Weg mich führt und was ich mit meinem Leben anstellen soll. Was aus Usurpador passieren soll. Zunächst aber passiert ein kleiner Rundgang mit ihm. Er horcht sehr gut, fast wie ein Schoßhund, sodass ich ihn auch ohne Strick mit holen konnte. Es war wirklich erstaunlich, ich hatte verdammt viele Pferde, und alle waren so unendlich Stur und undankbar. Vergleichbar wie Katzen. Und Usurpador war der Hund den ich nie hatte.
      Ich seufzte einmal Laut nachdem ich von dem Spermüllreifen Stuhl aufgestanden bin und schaute aus dem Fenster. Das Wetter wurde nicht schlechter, es war schön mal wieder Sonnenstrahlen zu sehen. Das Grau nervt mich, das macht mich launisch. Ich ging zur Tür, ja mittlerweile hab ich wieder eine richtige Tür, um dort meine Schuhe anzuziehen. Ich öffnete die Tür und pfiff Usurpador zu mir. Den Schlüssel noch schnell eingepackt und los ging die Reise. Wir redeten nicht viel auf dem Weg zum Wald. Allgemein redeten wir nicht viel. Es war sehr kalt. Ich hätte mir mehr anziehen sollen. Warum wächst mir kein Winterfell? Spanien konnte auch ungemütlich werden. Aber es ist ertragbar. Der Wald ist ziemlich hässlich um die Jahreszeit, so gut wie fast alles momentan. Solange er Spaß hatte war alles Gut. Er ist wirklich wunderschön. Tage wie diese blühen einen immer ein wenig auf. Wie wär’s mit Japan? Fragte ich mich. Ja, warum eigentlich nicht.
      Bei der Hälfte angekommen setze ich mich auf die von der Lichtung beschienene Bank und sah dabei zu wie Usurpador den Boden nach Gras absuchte. Bei dem Anblick wurde ich ganz hungrig da ich heute noch nichts gegessen hatte. Der Hunger holte mich ein und so wollte ich sofort wieder zurück in meine kleine Stube. Auf dem Rückweg kam uns ein Paar mit einem großen Hund entgegen. Sie waren recht jung, ungefähr in meinem Alter. Sie staunten groß als sie meinen wunderschönen Hengst sahen und wollten ihn prompt anfassen und streicheln. Währenddessen schaute ich mir den Hund genauer als, Unterhalten konnten wir uns nicht, also das Paar und ich, da die aus einem anderen Land kamen. Stumm standen wir fast nebeneinander und bestaunten gegenseitig unsere Haustiere. Der Hund war sehr lieb, ein Golden Retriever mit wunderschönen bernsteinfarbenen Augen. Ähnlich die des meinen Hengstes. Nur waren Usurpador seine natürlich viel schöner. Recht lange hielten wir uns damit auf die Tiere zu bestaunen, bis wir nach einer gefühlten Ewigkeit endlich Abschied nahmen. Kurz und knapp mit einem nicken. Er war immer aufgeregt wenn er fremde Menschen kennen lernt und ist dann auch sehr anhänglich. An mich hat er sich schon gewöhnt, ich bin immerhin sozusagen seine Ehefrau. Als wir fast da waren ruft mich meine Mutter an und fragte wie es mir geht. Sie war sehr besorgt seit dem Vorfall und ruft täglich mindestens einmal an. Sie bot mir auch immer an wieder zu ihr zu ziehen. Allerdings würde das heißen dass ich meinen Hengst weggeben müsste. Niemals würde ich ihn weggeben. Ich sehe eine große Zukunft in ihm. Aber nicht hier in Spanien…
      Der Gedanke hier wegzuziehen nistete sich immer tiefer in meinen Kopf ein. Erschöpft von der kleinen Wandertour setzet ich mich auf den Küchenstuhl und plante meine Mittagsessen. Miracoli gab’s auch hier in Spanien, was für ein wunderbares schnelles Gericht, nur doof das die nicht richtig einschätzen können für wieviele Personen das gedacht ist.
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    • Kirbeeh

      Haras Equitador

      VI. Ziele

      Seien wir doch mal Realistisch: Jenny die Müllsortiererin und Usurpador das Schoßpferdchen - haben vor umzuziehen - nach Japan. Kann so etwas überhaupt nicht nicht schiefgehen? Gespart haben wir nun seit einiger Zeit. Ramen und Wörterbücher war mein Hauptkonsum diesen Jahres. Eine Ausbildung für Usurpador konnte ich mir bissher noch nicht leisten, da alles auf den Umzug draufging. Mal schauen wo wir dann landen, vielleicht war Müllsortieren ja noch ganz angenehm, wenn ich mit meinen gebrochenen Sprachkenntnissen dort ankomme und wahrscheinlich gar keinen Job bekomme. Ich durchsuchte die Kataloge auf meinem gläsernen Wohzimmertisch, der allerdings schon gesprungen war, da Usurpador ihn nicht mochte. Es ist schwierig sich zu entscheiden. Jede Region wird mit Tempeln und Kirschblüten abgebildet, sodass bis auf die Farbe der Gebäude kaum ein Unterschied bemerkbar ist. Der Katalog war für den Müll reif. Chichibu wird das neue Land sein.
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    • Kirbeeh

      Haras Equitador

      V. Hindernisse

      „Chichibu, was?“ brüllte mir meine Mutter über mein Telefon ins Ohr. „Japan, Mama“ „Was willst du in Japan?!“ fragte sie empört. „Na das gleiche wie damals auch in Spanien“ erwiderte ich. Das Gespräch ging noch lange. Im Endeffekt wollte sie mir das ganze natürlich ausreden, Japan war schon eine große Ecke weiter weg von Deutschland als Spanien. Trotzdem hat sie mir versprochen mich vorher noch einmal Besuchen zu kommen um mir dann auch bei den Vorbereitungen zu helfen. Inzwischen hat El Usurpador die L-Dressur und den 2. Platz in einem Turnier erreicht. Es ist noch schwierig mit ihm, er lernt gerne, aber sehr langsam. Bevor wir den Flug nach Chichibu angehen, wollte ich unbedingt noch ein Turnier mit ihm bestreiten. Ich lehnte mich auf meinen Sessel zurück der nachgiebig knautschte. Ich habe in dieser Bruchbude, die erst vor 1 ½ Jahren zu dem wurde was es nun ist absolut gar nichts mehr gemacht. Das Geld war zu schade um in etwas zu investieren was ich sowieso bald verlassen würde. Die Anzeige für den Verkauf meines Grundstückes und der Halle steht bereits. Ich musste den Preis so gering wie möglich halten. Die Leute hier halten den Ort für einen Unglücksort, und die Wirtschaft ist momentan auch nicht so prickelnd hier. Dennoch sollte es für einen Umzug und ein kleines Haus mit Stall reichen. Und der Euro war stärker als der Yen. Ich rechnete immer viel aus, kam von Tag zu Tag aber immer auf andere Ergebnisse. Die größte Sorge bleibt das Geld. Es wird erstmal reichen um auch in Japan um die Runden zu kommen, aber ohne Job wird das schwierig, mich und ein super hungriges Pferd zu ernähren. Die Japan Sprachgrundkenntnisse stehen. Lesen ist noch absolut unmöglich für mich, aber wenigstens kann ich nun ein bisschen reden. Den Flug hab ich auch schon geregelt, der gottverdammt teuer sein wird. Das einzige was noch fehlt ist ein Haus in Japan.
    • Kirbeeh
      Haras Equitador
      VI. Vorbereitungen

      Umziehen ist nicht immer so schön, eigentlich gar nicht schön. Zumindest was die ganzen Vorbereitungen angehen. Ich weiß gar nicht was mitkommt und was hierbleibt. Und vor allem, was mach ich mit dem Dreckshof den ich hier überlasse. Der steht seit einem halben Jahr zum Verkauf, und bisher hab ich nur unseriöse Anrufe erhalten. Abreißen kostet zuviel, das passt nicht in meine Planung rein. Wir wollten im Frühjahr endlich hier raus sein und haben daher nur noch wenige Monate um das ganze hier hinzukriegen. Mein Trumpf ist immernoch die Reithalle, die ich letzens auf Vorderman gebracht habe. Aber ein Reithof ohne Stall und Wohnhaus aka Bruchbude ist den meisten wohl doch eine Zumutung.
      Seufzend setzte ich mich auf die Treppen die vor meinem Haus überlebt haben. Ich habe die häflte meines Vermögens in die Lotterie gesteckt. 51 Lose waren das, da muss doch was dabei sein. Falls nicht kann ich mir die schöne Aussicht, die ich von meinem schönen neuen Pappheim, welches ich in Japan aufgebaut hätte, abschminken. War eine blöde Idee - weiß ich auch. Aber in so Zeiten kann man einfach nicht rational denken. Mit dem Rest des Geldes versuche ich noch mich und Usurpador über Wasser zu halten. Inbegriffen der Transport nach Chichibu. Einen Hof, oder überhaupt eine Schlafmöglichkeit natürlich nicht mit einbegriffen. Das krieg ich bestimmt aus dem Lotto raus.
      Ich seufzte und bereute meinen positiv angedachten Tatendrang. Die Ziehung wäre heute Abend. Ganz angespannt drehte ich den Kulli in meiner Hand auf und zu. Es war 6 Uhr morgens. Sogar der dicke Hengst schläft noch. Da ich heute meinen freien Tag hatte wollte ich besonders Produktiv sein. Oder ich konnte einfach nicht wegen der Verlosung schlafen. Ich konnte mich noch nicht entscheiden was der Grund war, warum ich so früh wach war. Es war zwar erst 6 Uhr morgens, aber ich fing bereits an zu schwitzen als hätte ich schlimmen Durchfall gehabt. Da ich nicht wirklich was zutun hatte, und nun ewigkeiten warten musste, ging ich rüber zu Usurpadors kleiner Spielwiese. Eigentlich schläft er ja in meinem Haus da der Stall abgebrannt ist. Aber im Sommer bin ich von ihm befreit und er genießt die Zeit auf der Wiese. Nachdem ich die Wiese abgeäppelt habe und Usurpador ein paar Leckereien gegeben habe, begab ich mich wieder in mein Häusschen um mich bisschen auszuruhen.
      Ausruhen ging nicht lange, da ich nicht aufhören konnte auf die Uhr zu schauen. Schließlich entschloss ich mich wieder zu Usurpador zu gehen, um mich mit ihm im Geländer etwas auszutoben.
      Zeit vergeht so viel schneller. Leider etwas zu schnell. Als wir wieder zuhause ankamen und ich ihm eine Abschwitzdecke aufsetzte war die Verlosung schon bereits zuende. Nicht das dies schlimm wäre, nachgucken kann ich es ja immer wieder. Aber ich habe seit einer Woche auf diesen Tag hingefiebert. Ich rufte das Internet auf meinem Handy auf und beginn fleißig nach der Gewinnauslosung zu suchen.
      4 mal vierter Platz. Mein Einsatz hat sich verdoppelt.
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  • Album:
    Haras Equitador
    Hochgeladen von:
    Kirbeeh
    Datum:
    10 Sep. 2016
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    EXIF Data

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    Xalvadora x Primeiro

    Geschlecht: Hengst
    Rasse: Pura Raza Española
    Geburtsdatum: 29.08.2010
    Fellfarbe: Dunkelschimmel
    Stockmaß: 1,72m
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    Dressur: L
    Springen:
    Fahren:
    Galopprennen:
    Western:
    Distanzrennen:
    Military:
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    Gekört: Nein
    Nachkommen: keine

    Letzte Untersuchung Tierarzt:
    Letzte Untersuchung Hufschmied: 26.09.2016

    Besitzer: Kirbeeh
    VKR und Ersteller: sadasha

    2. Platz des 441. Dressurturniers
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