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Calypso

el Alba Ardiente - Hengst - 13 Punkte ○

Im Besitz seit April 2017

el Alba Ardiente - Hengst - 13 Punkte ○
Calypso, 20 Apr. 2018
Rinnaja, Lye, adoptedfox und 6 anderen gefällt das.
    • Calypso
      Alte Pflegeberichte
      Occulta

      Moonlight Shadows

      Draussen war alles noch dunkel und still. Nebel lag bedrückend dicht über den Feldern und um die Gebäude von Pineforest Stable. Doch ich mochte diese Stimmung, sehr sogar. Es war als loyale Teil-Engländerin wohl mein ideales Klima. Ich hatte mich nie irgendwo mehr zuhause gefühlt als hier, auf diesem Hof mit meinen Pferden. Ein bisschen fröstelte es mich dann aber doch, als ich zum Hauptstall lief. Ich versteckte mein Gesicht in meinem Schal und rieb mir die Hände, bevor ich nach dem kalten Tor griff und es aufschob. Ich betätigte den Lichtschalter und lief zuallererst mit prüfendem Blick durch den Stall, um abzuchecken, ob die Pferde munter waren. Dabei hatte ich ein besonderes Ziel: Dublins Box. In ihr wartete nebst der Scheckstute eine wackelige, schwarze Gestalt, die gerade gierig nach der Milchbar suchte. Daedra war erst wenige Tage alt und trug eine warme Fohlendecke, damit sie einen Schutz gegen die Kälte hatte. Ihr kurzes, flauschiges Fohlenfell war da nämlich noch nicht besonders hilfreich. Liebevoll betrachtete ich die gekrümmten Tasthaare an ihrer Schnauze und die grossen Ohren. Die kleine stammte von Sacramento ab, wodurch sie zwei tolle Blutlinien vereinte. Sie hatte sicherlich eine grosse Zukunft vor sich. Ich lief weiter an den nächsten Pferden vorbei. Bei Pointless‘ leerer Box blieb ich abermals stehen. Sie fehlt mir sehr. Trotz allem Ärger den sie mir bereitet hat, haben wir doch viel zusammen erlebt und ich wollte ihr eine Chance geben. Ich bin gescheitert… Ich unterdrückte den Kloss, der sich in meinem Hals zu bilden drohte und setzte meinen Rundgang fort. Bisher hatte ich es nicht über mich gebracht, die Box von Pointless neu zu besetzen, doch das würde sich heute ändern. Denn heute wollten wir die zweijährigen Nachwuchsrennpferde in den Hauptstall bringen. Sechs Stück waren es, die von diesem Tag an den Ernst des Lebens kennenlernen mussten. Doch erstmal verlangten die bereits durchtrainierten Vollblüter meine Aufmerksamkeit. Die ersten Pfleger trudelten im Hauptstall ein und wir begannen mit den Stallarbeiten. Die erste Gruppe fürs Training machte sich bereit, bestehend aus Campina, Fly Fast, Sunday Morning, Spotted Timeout, Shades of Gray, Gleam of Light und Caspian. Wir hatten die Gruppenzusammensetzung erst gestern wieder den momentanen Rennleistungen der einzelnen Pferde angepasst und diskutiert, wer wo mitlaufen musste. Sympathy for the Devil, Iskierka, Coulee, Chiccory, A Winter’s Day, Painting Shadows und Cassiopeia bildeten die zweite Gruppe. Die Dreijährigen folgten in der dritten Gruppe, bestehend aus Sumerian, Framed in History, One Cool Cat, Cabinet of Caligari, Kaythara und Captured in Time. Nachdem alle drei Gruppen durch waren (ich selbst durfte immernoch nicht mitmachen, wegen meiner Rippen), war es endlich soweit. Ich liess es mir nicht nehmen, den nicht mehr ganz so kleinen Merino selbst hinauf in seine neue Box zu führen. Auf dem Weg zu den Weiden wechselte ich einen Blick mit Jonas, der im Nebenstall Heu verteilte. „Guten Morgen, Occu“, murmelte er lächelnd, und ich wusste genau, was ihn beschäftigte. Ich hatte ihm noch immer keine Antwort gegeben. Ich zögerte es seit Tagen hinaus und ging ihm aus dem Weg, weil ich mir immer noch nicht sicher war. Ich erwiderte seinen Gruss und stolperte dann rasch weiter, um den Anschluss zu den Pflegern nicht zu verpassen. Ajith schnappte sich Miss Moneypenny, Quinn übernahm Primo Viktoria und Parker fing Riven ein. Bevor die Jungstuten wussten, wie ihnen geschah, wurden sie aus der Weide geführt. Sie kannten die Prozedur, denn wir waren oft genug mit einzelnen Jungpferden aus der Gruppe spazieren gegangen. Trotzdem wieherte Dollyaufgeregt, während Shira, Thalia und Counterfire ihren Kolleginnen aufgeregt neben dem Zaun folgten. Ich beobachtete die Fohlen wie in Trance, dann konzentrierte ich mich wieder auf meine eigene Aufgabe – Merino. Die Junghengste hatten die Aufregung natürlich mitbekommen und waren nun ebenfalls etwas aufgewühlt. Sie bewegten sich dynamisch, sodass ich mir einen Moment lang Sorgen um klein Mambo machte, der als jüngstes Gruppenmitglied oftmals rücksichtslos angerempelt wurde. Wir beeilten uns mit dem Einfangen. Ich ging mit Merino voraus; hinter uns folgten April mit Simba Twist und Charly mit Bring me to Life. Die sechs bezogen ihre neuen Boxen und brauchten erstmal einen Moment um zur Ruhe zu kommen als sie realisierten, dass dies kein Spaziergang war.

      Ich kümmerte mich inzwischen um den ersten Neuzugang, der heute ankam. Es handelte sich um eine Vollblutstute namens Amira, die ich von Verena O’Connor gekauft hatte. Eigentlich hätte sie schon früher zusammen mit Yoomee ankommen sollen, doch sie wurde, warum auch immer, länger in der Quarantäne gehalten. Jetzt hatte sie jedenfalls endlich grünes Licht bekommen und stürmte aus dem Transporter auf den sicheren Boden. Offenbar hatte sie den langen Flug und den Transport bis hierher nicht sonderlich gemocht. Ich prüfte ihre Beine auf Verletzungen und bedankte mich bei Hans, der die kleine vom Flughafen her zu uns gebracht hatte. Die immer noch aufgeregten Stutfohlen waren natürlich gleich wieder voller Bewegung, als ich ihnen den Neuankömmling brachte. Ich beobachtete die Gruppe eine Weile, für den Fall, dass es Schwierigkeiten gab, doch wie immer beliessen die Zicken es bei ein paar Quietschern und Drohgebärden. Amira hatte jedenfalls keine Probleme sich unterzuordnen und so blieb die Atmosphäre friedlich. Ich seufzte erleichtert und begab mich zurück zum Hauptstall. Es war Zeit, mit Empire State of Mind rauszugehen. Ich hatte mir vorgenommen, mit dem Schimmelhengst heute einen ausgiebigen Herbstwald-Galopp zu machen. Also holte ich ihn raus und putzte ihn gründlich. Er mutierte langsam zu einem Teddybär, doch noch war es zu früh für eine Schur. Ausnahmsweise hatte das Schimmeltier mal keinen gelben Fleck, was mich sehr freute. Ich nahm mir Zeit beim Kämmen des gelblichen Schweifes und nahm mir vor, diesen bald einmal zu waschen, damit er wieder etwas weisser wurde. Ich sattelte und zäumte den Hengst, dann machten wir uns auf den Weg. Wenige Minuten vor uns war eine Gruppe mit Mikke, Indiana, Cantastor und Rosenprinz aufgebrochen, doch ich hatte nicht unnötig stressen wollen und ging deshalb gerne alleine. Ganz alleine bin ich ja sowieso nicht, dachte ich schmunzelnd und klopfte Empire liebevoll auf den Hals. Die Blätter raschelten bei jedem von Empires Schritten im Laubwald hinter der Wilkinson Farm. Ich hatte Rosie auf dem Farmgelände nicht gesehen, war mir aber sicher, dass sie um diese Zeit auch irgendwo im Gelände unterwegs sein musste. Und tatsächlich: wenig später trafen wir auf sie und Bintu. Der feurige Araber tänzelte herausfordernd, als er Empire sah. Ich achtete stets auf das Ohrenspiel meines Schimmels, als ich mich den beiden näherte. „Hi Rosie! It’s been a while.“ „Yes, sure has. Everyone’s doing fine at Pineforest?“ “Except for Pointless… yep.” “Ahh… I heard of it. I’m very sorry.” “It’s alright, ‘the show must go on’, haha. Are you busy working with Farasha?” “I am currently only lunging her to get her some new muscles. I don’t think it would be wise to ride her already, would you agree?” “Absolutely. Give her enough time and she will be just fine.” “Oh, and there’s something else - she’s gained a bit of weight, so I will let the vet check her again soon…” “You think she was already pregnant again when you bought her?” “It’s very likely. Tough it’s strange that nobody mentioned it to me – maybe it was an accident and they didn’t even know.” “Or maybe you’re just over-feeding her?”, schlug ich grinsend vor. “No, but seriously – checking her sure is a good thing.” Empire wurde langsam ungeduldig, und auch Bintu konnte kaum stillstehen. Also verabschiedeten wir uns und führten unsere Wege fort. Nach den versprochenen Galopps kehrte ich mit Empire zurück auf meinen eigenen Hof und sattelte ihn ab. Er hatte ein wenig geschwitzt, also bürstete ich ihn gut durch und ging sicher, dass er trocken war, bevor ich ihn ganz wegräumte.

      Gegen Mittag begrüsste ich mein neues Criollo Fohlen, ein Dunkelfuchs namens el Alba Ardiente. Er war ein interessanter zukünftiger Hengstanwärter, denn er hatte gute Abstammung und einen korrekten Körperbau. Besonders seine Beinstellung war makellos und vielversprechend. Nachdem ich ihn mit den anderen Hengstfohlen bekanntgemacht hatte, kümmerte ich mich um die Minis. Miss Mini Dakota und Chocolate Chip sahen sofort auf, als ich die Weide betrat. Seit Alufolie weg war, hatte Daki wieder die Herdenführung übernommen, und Chip war ihr dauernd auf den Fersen, um ihr den Posten streitig zu machen. Ich streichelte die beiden zur Begrüssung, ehe ich von sämtlichen Ponys umzingelt wurde. In solchen Momenten fragte ich mich, ob wir in Zukunft nicht doch lieber ganz auf das Müsli zum reinlocken am Abend verzichten sollten. Die Ponys wussten jedenfalls ganz klar, dass Ich einer der bediensteten Futterspender war. Ich hörte ein Bellen, dann rief meine kleine Nichte nach mir. „Ach ja, es ist ja schon Mittag!“, rief ich überrascht und verstrubbelte Jackys Fell. Die Hündin war zusammen mit Sheela den ganzen Weg vorausgeeilt, während Zira brav bei Lily blieb. Ein Wunder, dass die sonst so Kinderscheue Hündin Lily vertraut, stellte ich zufrieden fest. Aber ich schätze sie hat sich mittlerweile einfach an sie gewöhnt. Wir verschwanden im Haus und machten uns je ein Sandwich, welches wir auf Lilys Vorschlag hin mit zu den Minis nahmen und unterwegs verspeisten. „Du musst es gegessen haben, bevor du die Weide betrittst! Sonst wirst du totgetrampelt“, warte mich das Mädchen. Ich lachte amüsiert und genoss jeden Bissen. Nach dem Essen half mir Lily bei der Fellpflege der neuen Shetty-Stute Snottles Peppermint. Das Shetty hatte mir einfach auf den ersten Blick gefallen, und das obwohl ich eigentlich kein Shetty-Fan war. Zum Glück stach sie unter den Minis nicht allzu sehr hervor. Aber ihre zottelige Mähne war nur schwer zu bezwingen, besonders mit all dem getrockneten Schlamm, der sich darin verfangen hatte. Andererseits sahen Rapunzel und Tigrotto auch nicht gerade wie Engel aus. Um die beiden kümmerten wir uns im Anschluss. Tic-Tac und Kicks-a-Lot konnten es nicht lassen, immer wieder zu uns hinzukommen um an unseren Jacken herumzuziehen. Zu allem Überfluss beobachtete Dressy Miss Allegra das Spiel der beiden Halbstarken aufmerksam, und ich sah es förmlich in ihrem Kopf rattern. Bestimmt würde sie die beiden früher oder später nachahmen. Die Jungen Pferdchen hatten eben nichts als Flausen im Kopf. „Genau wie du“, tadelte ich Lily künstlich. Sie lachte und warf mir ein paar Blätter an. „Bald ist Halloween! Verkleiden wir eines der Ponys? Biiiitteee!“ Ich stimmte seufzend zu und versuchte mir Papillon d’Obscurité als Zombiepferd vorzustellen. Der Gedanke war äusserst witzig, wenn man bedachte, dass die Stute solchen Spielereien eher nüchtern gegenüberstand, besonders wenn Kinder involviert waren. Silhouette of a Rose passte da schon viel besser, wobei ich sie aber eher als Barbiepferd vor meinem inneren Auge sah, genau wie Lady Diva. „Aus Daki lässt sich bestimmt ein tolles Geisterpony machen“, überlegte Lily laut. Wir schmiedeten noch etwas weiter Verkleidungspläne, ehe wir zu den Mini-Hengstchen wechselten. Beck’s Experience, Glenns Caress, Arctic Blue und Nachtfalke kannten keine Scham wenn es darum ging sich einzusauen. Einzig Rumpelstielzchen, der wohl noch nicht lange genug dabei war um angesteckt zu werden, war gnädig mit Lily und mir gewesen. Die anderen mussten wir insgesamt über eine Stunde lang sauber bürsten. Irgendwann legte ich den Striegel beiseite und sagte zu Lily: „Wir lassen es für heute gut sein, morgen sehen die eh wieder genau gleich aus. Ausserdem reicht es sonst nicht mehr um mit dem Zebra zu arbeiten.“ Lily liess sich das nicht zweimal sagen und sprang sofort auf. „Ich geh schon mal voraus, räum du das Putzzeug weg!“ „Danke“, stiess ich empört aus, aber sie war bereits auf dem Weg, gefolgt von Sheela und Jacky. Zira blieb diesmal mir treu. „Du bist wohl immer da, wo die anderen zwei gerade fehlen, hmm?“, murmelte ich belustigt.

      Die Arbeit mit Thairu war heute unspektakulär, denn wir machten nur einen Spaziergang mit ihr. „Siehst du, wie grumpy sie ist? Da willst du dich im Moment nicht draufsetzen, glaub mir“, erklärte ich der enttäuschten Lily während dem Laufen. Ich betrachtete das Zebra, während es neben mir her schlurfte. Bist du krank, oder was ist los? Etwas Sorgen bereitete sie mir schon, andererseits waren keine Krankheitssymptome sichtbar. Vermutlich hat sie einfach einen schlechten Tag, überlegte ich schulterzuckend. Wir waren in zügigem Tempo unterwegs, denn ich musste gleich im Anschluss nochmals zwei Jährlinge abholen gehen. Das Besondere dabei war, dass beide Abkömmlinge meines geliebten Stromers waren. Bisher hatte ich tatsächlich keinen seiner Nachkommen selbst behalten, denn wer hätte gedacht, dass ich ihn schon nach so kurzer Zeit verlieren würde? Nun sah alles anders aus, und ich freute mich darauf, die beiden Jungpferde auszubilden. Ob sie ihrem Vater ähnlich sein werden? Ich hoffte es sehr. Es handelte sich um eine Stute und einen Hengst, die gegensätzlicher nicht hätten sein können. Blossom Magic, die eher schreckhaft und abweisend war, wohingegenSnap in Style vorwitzig und verspielt schien. Die beiden waren übrigens bisher die einzigen Vertreter für den Jahrgang 2015 auf Pineforest Stable, doch ein weiterer Zuwachs war bereits geplant, nämlich ein Jährling von Caprice, den ich auf einer auswärtigen Fohlenweide platziert hatte. Ein Kumpel von mir besass nämlich zwei Vollblutfohlen, für die er einen weiteren Spielpartner gesucht hatte.

      Später arbeitete ich mit Estragon Sky aka Artemis in der Halle. Der weisse Achal Tekkiner taute langsam etwas auf, wenn ich mich mit ihm beschäftigte. Am Anfang war er total unzugänglich gewesen, doch mittlerweile genoss er Streicheleinheiten und arbeitete deutlich williger mit. Trotzdem gab es auch heute wieder etwas Ärger, sobald wir am Fenster der Reiterstube vorbeikamen, denn dahinter versteckten sich die schrecklichsten Monster. Ich versteifte mich nicht zu sehr auf seine Mätzchen und lockerte ihn stattdessen mit vielen Übergängen. Als ich fertig war, und den Hengst wieder zum Nordstall führte, entdeckte ich Jonas vor Halluzinations Box. Er hatte die Stute offenbar kurz zuvor geritten und kümmerte sich nun noch etwas um sie. Er hatte mich noch nicht bemerkt. Ich blieb stehen und dachte nach, dann öffnete ich verlegen den Mund. „Hast du Lust, nachher mit Diarado und mir rauszukommen? Du musst Circus Dancer eh noch bewegen.“ „Als ob ich nein sagen könnte…“, murmelte er lächelnd und nickte. Ich erwiderte das Lächelnd erleichtert und versorgte Artemis. Wir holten Diarado und Dancer gleichzeitig raus und begannen sie zu putzen. „Sollte nicht eigentlich ich den Rappen reiten? Ich meine, ich bin doch hier der Bösewicht, der dich in Verlegenheit bringt“, scherzte Jonas nach einer Weile des peinlichen Schweigens. Ich konterte: „Ich dachte, du wolltest der Prinz auf dem weissen Pferd sein?“ Er grinste breit. Überhaupt schien er ziemlich fröhlich und lebhaft. Das steigerte mein schlechtes Gewissen, denn ich dachte wieder daran, dass jetzt so lange hatte zappeln lassen. Andererseits hast du doch auch Jahre lang mit mir gespielt, ist das nicht mehr als fair? Ich entwirrte Diarados Schweif und kratzte seine Hufe aus, dann war er bereit zum Satteln. Ich holte wie immer seinen Springsattel, denn ich ritt am allerliebsten damit. Dressursättel waren nicht so meins. Als wir beide fertig waren, ritten wir vom Hof weg in Richtung Galoppwiese. Wir redeten viel unterwegs; so viel wie schon lange nicht mehr. Die Themen waren für mich zweitrangig, mir tat es vor allem gut, seine Stimme zu hören und von Zeit zu Zeit einen Blick auf diese wunderschönen Augen zu erhaschen. Es wurde schon dunkel, und so langsam kroch der Nebel wieder vom Fluss her über die Landschaft. Wir galoppierten auf Jonas‘ Lieblingsstrecke am Waldrand und bogen dann Richtung Fluss ab. Ein Stück des Weges führte durch den Pinienwald, dessen Boden zwischen den rauen Stämmen nur spärlich bewachsen war. Hier gab es kaum Blätter, nur eine dicke Schicht von Piniennadeln, die das ganze Jahr über den Waldboden bedeckte. Jonas und ich alberten ein wenig herum, sodass ich am Ende im Damensitz auf Diarados Sattel sass, während Jonas wie ein Cowboy einhändig auf Dancer um uns herum trabte. „So Schluss jetzt, du machst Dancer ganz hibbelig!“, rief ich lachend. „Very well milady, then follow me to the old castle”, erwiderte er geheimnisvoll. Wir ritten Seite an Seite zur berüchtigten, kreisrunden Lichtung im Pinienwald mit dem Steinhaufen in der Mitte. „Weisst du, was mich an der Legende immer schon gestört hat? Der Pinienwald steht erst seit siebzehnhundertirgendwas hier, und gehörte damals einem reichen Lord. Ich bezweifle, dass sich Banditen hier einnisten konnten.“ Jonas stieg ab und verknotete Dancers Zügel, damit sie nicht über den Hals rutschen konnten. Währenddessen antwortete er auf meine Bemerkung: „Vielleicht wollte auch einfach jemand etwas Besonderes aus dieser Lichtung machen, um jemand anderen zu beeindrucken. Oftmals ist es romantischer, wenn geheimnisvolle Plätze wie dieser eine interessante Geschichte haben.“ „Da könntest du recht haben“, meinte ich, und liess mich ebenfalls von Diarados Rücken gleiten. Wir setzten uns ins kühle Gras, wobei ich förmlich spürte, wie mein Po dreckig wurde, weil der Boden unter dem Gras feucht war. „Du kannst auch auf meinen Schoss sitzen, wenn dir das lieber ist.“ Crap, bin ich so durchschaubar? Ich zögerte einen Moment, dann folgte ich seiner Einladung tatsächlich. Zum Glück war es dunkel, denn meine Ohren fühlten sich heiss an und ich war mir sicher, dass sie rot angelaufen sein mussten. Wir sassen eine Weile schweigend da und sahen den Pferden beim Grasen zu. Der Mond schien sehr hell, sodass man beinahe die Grashalme zählen konnte. Die Schatten der Pferde waren ebenfalls deutlich zu erkennen. Irgendwann bemerkte Jonas: „Und was war der wahre Grund, dass du mich hier raus entführt hast?“ „Ich schulde dir noch eine Antwort, nicht?“, meinte ich zögernd. Er umarmte mich zärtlich und flüsterte mir ins Ohr. „Dann erlöst du mich endlich?“ Ich spürte meinen Herzschlag laut und deutlich, sodass ich mich beinahe fragte, ob er ihn nicht auch hören konnte. Dann überkam mich ein seltsames Gefühl, wie eine Stimme, die mich dazu aufrief, alle scheu abzulegen und für einmal die hartnäckige Vernunft in mir auszuschalten. Als Resultat drehte ich den Kopf und küsste ihn rasch. Er sah mich überrascht, dann mit einem breiten Lächeln an und bevor ich etwas anderes tun konnte, erwiderte er meine Geste mit einem weiteren, leidenschaftlicheren Kuss. „Tut mir leid, ich schätze, ich bin etwas ausser Übung…“, murmelte ich, als meine Lippen wieder frei waren. „Dann wird es Zeit, diese Übung wieder aufzunehmen.“ Ich genoss jede Sekunde mit ihm. Aber ganz konnte ich meine Vernunft dann doch nicht ausschalten. „Es wird spät, wir sollten zurückgehen, bevor jemand uns vermisst.“ Er setzte einen Hundeblick auf, doch ich strich ihm mit der Hand übers Gesicht und begab mich zu Diarado. Wir ritten zurück zum Hof. Es war mittlerweile fast acht Uhr, aber offenbar hatte sich niemand Sorgen um uns gemacht. Wir versorgten die beiden Hengste und ich gab Diarado zur Belohnung ein paar Karotten. Der Hengst hatte schön warm mit seiner Fleecedecke, die er trug, damit er nicht zu viel Winterfell produzierte. Jonas schlich sich zu mir und legte sein Kinn auf meine Schulter. „Na gut, von mir aus“, lachte ich, denn ich hatte seine Gedanken durchschaut, bevor er etwas sagen konnte. Er grinste zufrieden und folgte mir nach dem Stallrundgang ins Haus. Als wir reinkamen, sah uns Lily vorwurfsvoll vom Sofa aus entgegen, meinte dann aber „wurde auch Zeit“ und „es läuft Harry Potter im Fernsehen“. So landeten wir am Ende wie eine Familie auf dem Sofa und sahen fern. Was für eine Patchwork-Familie, dachte ich schmunzelnd, und lehnte mich liebevoll an Jonas‘ Schulter.
      22 Okt. 2016

      Occulta
      Stille Nacht

      Es war der Morgen des 24. Dezembers – und noch immer kein Schnee in Sicht. Enttäuscht wandte ich meinen Blick vom Fenster ab und zog mich an. Jonas lag noch immer zusammengekugelt unter der Decke. Ich stupste ihn unsanft und drängte „aufstehen, du Siebenschläfer!“ „Wenn es wenigstens schon sieben Uhr wäre…“, grummelte er und drehte sich um. Ich lächelte verständnisvoll und ging schonmal voraus in die Küche. Lily liessen wir wie immer noch etwas länger schlafen. Ich machte Frühstück für Jonas und mich, in Form einer Tasse Breakfast Tea und einer Schüssel Müsli. Für ein wärmes Frühstück war ich zu faul; vielleicht am nächsten Morgen. Ich hörte Schritte auf der Treppe, offenbar hatte es Jonas auch aus dem Bett geschafft. Wir tranken unseren Tee und hörten leise Radio, um Lily nicht zu wecken. Ich fütterte noch die Hunde, dann begaben wir uns nach draussen zu den Ställen. Als erstes machte ich meine Morgenrunde im Hauptstall, während Jonas den Nordstall übernahm. Ich warf in jede Box einen Blick und stellte sicher, dass alle Pferde in Ordnung waren. Auch draussen bei Phantom sah ich vorbei. Für ihn begann heute ein neuer Alltag. Ich wollte endlich mit seinem Training anfangen, dass ich seit meiner Heimkehr vor zwei Tagen noch nicht in Angriff genommen hatte. Eigentlich hatte ich schon viel früher beginnen wollen, bevor er sich zu sehr eingewöhnen und in Sicherheit wägen konnte. Doch nun hatte es sich eben so ergeben. Noch ahnte er nichts und spitzte wie immer alarmiert die Ohren, als ich durchlief. Die Pfleger begannen mit dem Heufüttern und ich half bei den Offenställen mit. Auch hier warf ich ein prüfendes Auge auf sämtliche Vierbeiner. Die Hengstfohlen stürmten freudig nach draussen, als Lewis und ich das Tor aufschoben. Royal Champion schwebte dabei beinahe über die Wiese. Ich bewunderte die tollen Bewegungen des halbstarken in letzter Zeit immer mehr, denn er wuchs ja auch immer weiter und bekam mehr Ausdruck. Im Moment war er noch sehr schlaksig und hatte einen dünnen Hals, aber seine Beine sahen elegant und lang gefesselt aus, was mit seinem Gangbild zusammenpasste. Auch Skydive bewegte sich schön, ähnlich wie sein Vater. Nur hatte er nicht so viel Knieaktion wie Royal. Stop Making Sense hatte kaum Winterfell entwickelt, ganz anders als El Alba Ardienté, der im Moment einem Alpaka glich. Bei den Stuten gab es wiederum auch kaum Wolle, denn Counterfire, Subyndromal Symptomatic Depression, Sarabi, A Winter’s Tale und Shadows of the Past waren allesamt ziemlich heissblütig. Blossom Magic und Snap in Style würden uns bald wieder verlassen, denn ihre alten Besitzer hatten einen neuen Hof gefunden und konnte sie daher beide zurücknehmen. Daedra war noch immer bei ihrer Mama, wie es sich gehörte. Sarabi wurde gerade von Snowflake getrieben, die sich mit geplätteten Ohren zwischen sie und Fire schob. Die Rangfolge war offenbar noch immer nicht ganz geklärt, denn Sarabi war ja noch relativ neu in der Gruppe. Das hell cremefarbene Stutfohlen trottete missmutig ein paar Meter weiter in Richtung Bäume. Shira war im Moment das unangefochtene Leittier, obwohl Sarabi die Ponystute jetzt schon überragte. „Do you think the new Pony will fit in?“, fragte plötzlich Lewis. “New… Ah yes, Ljóski’s Daughter. Of course she will. She is already a bit older, so she will most likely not be bullied.” Die kleine rappfarbene Isländerstute hiess Ljúfa, passend zu ihrem bisherigen Charakter, der sich schon als Fohlen in Richtung brav und gut händelbar entwickelt hatte. Sie würde erst nach Weihnachten ankommen, aber ich freute mich schon unheimlich darauf. Sie war bisher mit anderen Isländern auf einer Weide gestanden.

      Während das Raufutter noch verzehrt wurde, folgte für die Sportpferde bereits eine kleine Portion Kraftfutter, über die sie sich gierig hermachten. Danach wurden die ersten Pferde aus ihren Boxen geholt. Training fand heute erst gegen Mittag statt, bis dahin durften die Pferde in Gruppen auf die Weiden. Zuerst kamen nur alle Stuten raus, damit es keine Probleme mit den Hengsten gab. Sie waren aufgeteilt in eine Gruppe Vollblutstuten, die Nebenstallstuten und diejenigen von der Stutenweide. Letztere durften ab und zu auch raus auf die grosse Weide, um das Gras auf der Stutenweide etwas zu schohnen. Oft liessen wir aber auch einfach eine der drei grossen Weiden übrig, sodass dort wieder Gras wachsen konnte. Ich durfte beim Raustreiben feststellen, dass unsere Strategie funktionierte und die Weiden grün und gesund aussahen. Die letzte Gruppe, die Nebenstallpferde, galoppierten freudig den abgezäunten Weg entlang und durch das Tor der Weide. Sie bewegten sich noch weiter bis zum Pinienwaldrand, sammelten sich dort und begannen zu fressen. Diese Gruppe war im Moment ziemlich einheitlich, anders als bei den Vollblütern und den Stutenweidepferden. Dort bildeten sich immer wieder kleinere Grüppchen, weil sich nicht alle Pferde verstanden und sie sich auf der grossen Weide aus dem Weg gehen konnten. In letzter Zeit hatte sich herauskristallisiert, dass zum Beispiel Mikke eine sehr dominante Leitstute war. Coulee, Cabinet of Caligari und Indiana hatten sich ihr angeschlossen und genossen die Sicherheit, die von der erfahrenen Fuchsstute ausging. Auch Cassiopeia beobachtete ich ab und zu in dieser Gruppe, meistens war sie jedoch alleine mit Primo Victoriaunterwegs. Iskierka hatte ihre Halbschwester Shades of Gray auf ihre Seite gezogen, oder eher Gray hatte entschieden, nicht von der Seite ihrer Zickigen Schwester zu weichen. Die beiden hatten eine seltsame Beziehnung, die mich immer wieder zum Schmunzeln brachte. Einerseits war Kierka sehr abweisend und legte missmutig die Ohren platt, wenn Gray ihr zu nahe kam oder sie ärgerte, andererseits liess sie sich von ihr kraulen und röchelte ihr manchmal sehnsüchtig zu, wenn sie von einem Ausflug zurückkam. Ihr hatten sich auch noch Painting Shadows und deren Tochter Captured in Time angehängt. Paint war quasi der ruhige Gegenpol zu Kierka und Ciela eine pure Mitläuferin. Dann blieb noch die Gruppe von Sympathy of the Devil. Sie hatte Sumerian, Campina, Kaythara und Miss Moneypenny um sich geschahrt, wobei letztere zwei unzertrennlich waren und fast immer beieinander standen. Es machte mir Spass, die Gruppendynamik der Pferde zu beobachten. Es erinnerte mich immer daran, dass die natürlichen Instinkte eben doch noch vorhanden waren und auch gelebt wurden, wenn es die Möglichkeit dazu gab. So extrem wie bei den Wildpferden, die ich in den USA beobachtet hatte, war es aber bei weitem nicht. Meine domestizierten Vierbeiner waren verweichlichter und auf eine gewisse Weise gleichgültiger – die Herden waren eher lose zusammengewürfelt und die einzelnen Pferde hatten nicht gleich Todesangst, wenn sich die Gruppe ohne sie fortbewegte. Es gab immer wieder Nachzügler beim Reintreiben, oder Einzeltiere, die sich von den Gruppen absonderten und alleine in einer Ecke der Weide frassen. Aber eine gewisse Rangfolge und Zugehörigkeit war nicht abzustreiten. Ich war gespannt, ob Phantom etwas Bewegung in die Herde der Stutenweide bringen würde, denn ich plante, ihn dort dazuzustellen. Ich hielt es für geschickter, da er durch seine Wildinstinkte vielleicht eher Ärger mit den anderen Hengsten bekommen würde. Vielleicht würde ich aber bei diesem Unterfangen auch gleich die Stutenweidengruppe etwas verkleinern und die Painthorses in den Nebenstall wechseln, damit die restlichen etwas mehr Platz hatten.

      Wie auch immer; als nächstes stand ein Ausritt mit Burggraf und Artemis auf dem Plan. Ich überliess Artemis diesmal Robin, denn ich schuldete es Muffin, ihn wiedermal selbst auszureiten, nachdem ich so lange mit seinem Stallgenossen unterwegs gewesen war. Ich war gespannt auf den Ausritt, denn ich war noch nie alleine mit Robin unterwegs gewesen. Sie war noch nicht lange Pflegerin und meistens sehr still. Anfangs hatte ich sogar das Gefühl gehabt, dass sie mich nicht mochte, aber mittlerweile hatte mir Charly erklärt, dass sie einfach schüchtern war. Wir putzten und sattelten die beiden Achal Tekkiner. Für Muffin nahm ich den bequemen Stocksattel, den ich auch immer für’s Distanzreiten benutzte. Anstatt dem Biotan Zaum legte ich ihm aber diesmal Flints Bosal an, das ungefähr passte. Er kannte das gebisslose Reiten schon und reagierte brav auf die Hilfen, aber er war ja auch ohnehin unkompliziert und leichtrittig. Robin nahm gleich Artemis‘ ganze Distanzausrüstung. Die neue dunkel-beerenfarbene Satteldecke sah an ihm so schick aus, ich starrte immer wieder verliebt zu ihm rüber. Als wir beide fertig waren, stiegen wir draussen auf und ritten los in Richtung Galoppwiese. Zira begleitete uns und hüpfte durch das mit Reif bedeckte Gras. Es war zwar ausnahmsweise nicht neblig, dafür bitterkalt. Ich war einmal mehr froh um meinen Schal und meine Handschuhe. Robin schien ebenfalls etwas steif auf ihrem Schimmel zu sitzen. Wir ritten eine Weile wortlos, dann versuchte ich, ein Gespräch aufzubauen. Es war gar nicht so leicht, denn meistens gab die junge Pflegerin nur knappe Antworten und sah sich dann wieder in der Gegend um. Irgendwann gab ich auf und genoss das rascheln der trockenen Blätter am Boden. Burggraf lief freudig voran, er schien die Kälte trotz seines feinen Fells nicht zu spüren. Wir trabten über ein paar Feldwege und galoppierten auf einem Wanderweg durch den Wald, dann kehrten wir langsam in Richtung Hof zurück. Endlich machte Robin von selbst den Mund auf. „I think Artemis has a stone in his hoof…“ Tatsächlich lief der Hengst etwas lustig. Wir hielten und Robin stieg ab, um die Hufe zu checken. Sie fand den Stein und löste ihn heraus, dann kletterte sie wieder auf den Schimmelrücken. „Everything alright?“ Sie nickte, und fügte nach kurzem Zögern hinzu: „My old pony, Merlin, once had a stone in his hoof, too. But I didn’t know, and I was afraid that he got somehow seriously injured. It was ridiculus, but I was so relieved, when Charly showed me the stone.” “You two really rely on eachother”, bemerkte ich. “Yes, I don’t know what I would do without him.” “I think it’s amazing that you have such a good relationship. I wish Lily had a brother or a sister to rely on…” “I think she has a very big family on Pineforest Stable. I’m sure she is very happy.” “I hope so… After all she went through…” Robin lächelte zuversichtlich und ich konnte nicht anders, als miteinzustimmen. Wir brauchten den restlichen Weg hindurch nicht mehr zu reden, denn es lag eine seltsam beruhigte Stimmung in der Luft, als wäre alles bereits gesagt. Nur Zira konnte es nicht lassen, eine freche Krähe am Waldrand anzubellen.

      Bis um neun Uhr longierte ich Cantastor im Roundpen, weil die Halle und der Reitplatz bereits besetzt waren. Der edle dunkelbraune Zuchthengst machte elastische und fleissige Bewegungen, wozu auch ein paar Bocksprünge zählten. Ich nahm es ihm nicht übel, denn das lockerte auf eine gewisse Weise auch den Rücken – dachte ich jedenfalls. Canto war etwas pummelig geworden. Während Ajith von harmlosem Winterspeck redete, wollte Oliver den Braunen schon auf Diät setzen… Ich sah das ähnlich wie Ajith – spätestens im Frühling, wenn die Pferdchen richtig lebendig wurden, würde sich das von selbst auflösen. Zufrieden mit Cantos Arbeit lobte ich ihn und brachte ihn anschliessend zurück in seine Box. Damit er mit seiner Schur nicht kalt hatte, legte ich ihm seine Fleecedecke über. Nachts kam dann die dickere Stalldecke drauf, aber tagsüber reichte diese. Ich klopfte ihm lächelnd auf die Kruppe und verliess sein Residium.

      Nun stand Dressur auf dem Plan, und zwar mit Diarado und Circus Dancer. Jonas und ich wollten eine Art Pas-De-Deux machen – „hach wie romatisch!“ Natürlich war das ein Kommentar, der von Augenrollen meinerseits begleitet wurde. Wir scherzten und lachten während dem Putzen. Ich genoss einfach jede Sekunde, die ich mit Jonas und den Pferden verbringen konnte. Im Moment schien mein Leben seit langem wiedermal vollkommen perfekt zu sein. Liebevoll kämmte ich Dancers lange Mähne und zupfte Strohstückchen daraus hervor. „Soll ich ihm ein Zöpfchen machen?“ „Warum nicht“, meinte Jonas, und fügte dazu: „Würdest du mir auch eines machen, wenn meine Haare lang genug wären?“ „Denk nichtmal dran, ich sorge persönlich dafür, dass die kurz bleiben!“ „Warte, von welchen Haaren reden wir?“ „Jonas!“ Wir brachen wieder in Lachen aus und beschlossen, das Thema lieber nicht weiter zu ziehen. Ich holte Dancers Dressursattel und legte ihn vorsichtig auf den Rücken des Hengstes. Dann gurtete ich ins zweite Loch, sodass der Sattel zwar nicht gleich verrutschte, aber trotzdem noch relativ locker drauf lag. Auch Dancer und Diarado waren geschoren, weshalb wir die Fleecedecken vorläufig auf den Popos der beiden liessen. Wir brachten sie in die Halle und wärmten sie zuerst zehn Minuten im Schritt auf, dann begannen wir mit der Trabarbeit. Wir nutzten dazu Cavaletti und Stangen, um den Raumgriff und den Schwung zu fördern. Dann folgte das eigentliche Pas-De-Deux, bei dem wir synchron höhere Lektionen abfragten. Die beiden Hengste waren ziemlich weit in Dressur und es war einfach toll sie zu reiten. Dancer war besonders in der Piaffe angenehm und leicht zu dirigieren. Die Musik, die dazu im Radio lief, schien ihn weiter anzuspornen. Auch Diarado machte geschmeidige Bewegungen, trotz dem er eher ein Springpferd war. Er kannte noch nicht so viele Lektionen wie Dancer, aber er war sehr intelligent und eifrig, sodass er schon nach wenigen Widerholungen neue Bewegungen verinnerlicht hatte. Genau diese Intelligenz kam ihm auch im Parcours zu Hilfe, und ich hoffte, dass er sie auch an seine Nachkommen weitergab. Natürlich brachte es nicht nur Vorteile, ein solch aktiv denkendes Exemplar von Pferd unter sich zu haben; denn so schnell wie Diarado lernte, so nachtragend war er auch bei reiterlichen Fehlern. Er hatte durchaus einen gewissen Stolz und brauchte daher eine sichere, konsequente Führung, sonst tanzte er seinem Reiter ganz schön auf der Nase herum. Er konnte sehr rasch erkennen, wie sein Reiter tickte und ob er sich Spässchen erlauben durfte. Trotzdem mochte ich diese Art von Pferd sehr und genoss das fordernde, aber erfolgreiche Training.

      Um halb Elf waren wir mit den beiden fertig und ich konnte weiter zu Dod und Calico. Mit den zwei Jungs stand wieder ein Ausritt an, wobei ich Calico als Handpferd mitnehmen wollte. Auch die drei Hunde nahm ich diesmal mit, damit sie am Abend schön ausgepowert waren. Ich putzte und sattelte Dod, dann bürstete ich den zweiten im Bunde ebenfalls gründlich durch. Die beiden Hengste waren in den letzten paar Monaten ziemlich zusammengewachsen und auf der Weide immer gemeinsam unterwegs. Vermutlich hatte das damit zu tun, dass wir sie auch meistens zusammen trainierten. Jedenfalls hielt diese Freundschaft so sehr, dass Calico Dod zuverlässig folgte. So konnte ich es manchmal auf Ausritten wagen, den Schimmel frei neben uns laufen zu lassen – jedenfalls solange wir fern von Stuten waren. Wenn uns andere Reiter begegneten nahm ich ihn jeweils frühzeitig wieder ans Seil, um ganz sicher zu gehen. Das tat ich nun auch zu beginn des Ausritts, bis wir ein Stück vom Hof weg waren. Denn ich hatte das Gefühl, dass der Schimmel sonst einfach in die Futterkammer abgebogen wäre. Auf der Galoppwiese löste ich schliesslich den Haken und wir trabten ein Stück auf einem schmalen Trampelpfad. Calico hielt sich natürlich nicht so brav an den Weg und lief stattdessen neben uns durchs Feld. Manchmal ging er auch voraus und machte Schabernack, sehr zum Ärger von Dod, der eigentlich ranghöher war. Ich spürte förmlich, wie der erfahrenere Hengst unter mir brodelte, weil er den Jungspund während der Arbeit nicht korrigieren durfte. Calico nutzte das voll aus und streunerte um uns herum. Für den Fall, dass ich ihn nicht mehr zu fassen bekam, hatte ich übrigens noch ein Lasso am Westernsattel befestigt; auch wenn meine Wurfkünste bisher noch bescheiden waren und ich längst nicht jedesmal traf. Aber meistens war Calico sowieso gut abrufbar, weil er stets eine Belohnung erwartete. Fast besser als Sheela, die immer mal wieder zwischen den Büschen verschwand, wenn ich nicht aufpasste. Ich machte mir diesbezüglich Sorgen, weil es im Park auch immer wieder Wild gab und die Labrador Hündin einen ausgeprägten Jagdtrieb hatte. Daher behielt ich sie stets im Auge, bereit um sie bei einer Begegnung mit Wild rechtzeitig zurückzurufen. Ein kalter Wind stach unbarmherzig durch meine Handschuhe und ich hatte das Gefühl, dass mehr Wolken am Himmel waren als zuvor. Schnee?, überlegte ich hoffnungsvoll. Doch als ich mittags mit den beiden zurück auf dem Hof war, fiel noch immer kein einziges Flöckchen. Lily kam gerade von der Schule, als ich Dod versorgt hatte.

      Wir assen zu Mittag, dann war es endlich so weit. Nachdem die Hunde gefüttert waren, zog ich mich wieder warm an und holte aus der Sattelkammer ein stabiles, langes Führseil. Ich zog mir ein paar gute Handschuhe an, mit denen ich warm hatte und gleichzeitig genügend Grip. Ausserdem überlegte ich rasch, ob ich einen Rückenpanzer anziehen sollte, entschied mich dann aber dagegen, weil er mich womöglich in meiner Beweglichkeit eingeschränkt hätte. Ich nahm noch eine Hand voll Heu mit zu Phantom’s ‚Gehege‘, um mich ein wenig attraktiver zu machen. Zunächst betrat ich den Innenbereich der Führanlage und lehnte mich an die Wand, um zu beobachten, wie die Stimmung des Mustangs war. Er hatte bereits etwas Abstand zwischen uns gebracht und stand nun wie angewurzelt auf der gegenüberliegenden Seite, mich stets im Auge behaltend. Bisher waren hier nur Pfleger reingekommen, um ihm Futter zu bringen, weshalb er Zuversichtlich genug war, nach einigen Sekunden zögerlich ein paar Schritte näher zu kommen und abzuchecken, ob sich das Risiko für die Hand voll Heu lohnte. Ganz vorsichtig machte ich einen Schritt auf ihn zu. Er wandte den Kopf ab, bereit um abzudrehen, hielt aber inne, als ich mich nicht weiter bewegte. Ich drehte die Schulter ein, um mich möglichst einladend und harmlos aussehen zu lassen. Nach einer Weile tastete ich mich weiter vor, doch es wurde ihm rasch zu viel, also zog er sich einige Schritte zurück und trabte der Wand entlang. Ich schnitt ihm den Weg ab und liess ihn die Seite wechseln, bis er mich direkt ansah. In diesem Moment machte ich einen Schritt zurück und kreierte so einen draw. Er leckte sich die Lippen, bewegte sich aber nicht von der Stelle. Also ging ich wieder ein wenig auf ihn zu, bis er sich erneut in Bewegung versetzte. Gleiches Spiel – sobald er sich mir zuwandte, machte ich einen Schritt zurück und gab ihm release. Er begriff schnell, dass es angenehmer war, sich mir zuzuwenden und sich mit mir zu beschäftigen, als wegzulaufen. Nach wenigen Minuten konnte ich auf ihn zugehen, und er machte sogar ein, zwei Schritte in meine Richtung. Schliesslich war ich nahe genug und berührte ich in vorsichtig einige Male, jeweils sofort wieder den Druck wegnehmend. Sein ganzer Körper war angespannt, jeder Muskel bereit, im Zweifelsfall eine Flucht einzuleiten. Er atmete auch etwas schwerer als zuvor und machte einen misstrauisch gebogenen Hals, aber seine Ohren und Augen drückten eine gewisse Neugier aus. Ich streckte ihm das Bisschen Heu hin, das ich dabeihatte. Er zupfte ein paar Halme daraus hervor und wurde sofort etwas zutraulicher und entspannter durch das Kauen. Ich nutzte den Moment, um das Führseil durch die Schlaufe seines Knotenhalfters zu ziehen. Er machte einige Ausweichschritte, aber ich hatte es bereits geschafft. Nun Begann ich, ihn am Hals zu kraulen. Ich arbeitete mich Stück für Stück weiter nach hinten, stets nach einer Stelle suchend, die er besonders mochte. Wenn es ihm zu viel wurde und er Anstalten machte sich zu bewegen, nahm ich den Druck etwas zurück und verschob meine Hand wieder Richtung Widerrist. Nach ein paar Sekunden machte ich einige Schritte rückwärts und zupfte am Seil. Sobald er einen Schritt auf mich zu machte, beendete ich den Zug. Immer wieder ging ich zu ihm hin, kraulte ihn, ging seitlich von ihm zurück und liess ihn sich zu mir drehen oder einen Schritt machen. Man merkte, dass er der Sache immer noch nicht ganz traute, aber er wurde immer mutiger und zuckte immer weniger zusammen, wenn ich ihn berührte. Ab und zu schickte ich ihn wieder etwas um mich herum, denn Bewegung half auch, Stress abzubauen. Ich machte Richtungswechsel mit ihm, indem ich mich vor seine Schulter verschob und liess ihn mit seiner Hinterhand weichen, wenn ich neben ihm stand. Immer wieder dazwischen beruhigte ich ihn mit Kraulen. Er begann langsam, es zu geniessen und die Oberlippe zu spitzen. Das ging so weit, dass er mich fragend ansah, wenn ich aufhörte. Ich redete beiläufig mit ihm, um ihn an meine Stimme zu gewöhnen. Nun wagte ich schon etwas mehr: Ich tastete mich an seine Beine heran, gab ihm sofort Lob und release wenn er sie hob und gewöhnte ihn an etwas schnellere Bewegungen meinerseits. Ich hüpfte etwas auf und ab, bückte mich oder klopfte ihm auf den Hals, sodass er sich an das Geräusch gewöhnen konnte. Das reichte mir auch schon für heute. Er hatte mit seinem dichten Winterfell bereits ein klein wenig geschwitzt und seine Konzentration liess etwas nach, ausserdem wollte ich es beim ersten Mal nicht gleich übertreiben. Also löste ich das Führseil und verliess den Roundpen, wobei er mir sogar noch einige Schritte folgte. Ich brachte ihm noch mehr Heu, damit er das soeben gelernte mit dem Futter zusammen verdauen konnte.

      Es war nun halb zwei Uhr und ich hatte noch eine Menge vor. Zum Beispiel eine Springstunde mit Halluzination. Auch Anne war mit dabei, sie ritt auf Vychahr. Wir sattelten die beiden Pferde und trafen uns in der Halle, wo Lisa bereits wartete. Weiberreitstunde also, stellte ich schmunzelnd fest. Schon beim Aufwärmen stellte ich fest, dass Hallu fit war und mich heute wohl etwas fordern würde. Auch Vilou schien etwas guckig und hatte mehr Tempo drauf als sonst. Anne liess sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen und befolgte Lisas Anweisungen. Wir machten viele Wendungen und Übergänge, ausserdem ein paar Biegeübungen in Form von Schulterherein und Traversalverschiebungen. Als beide Pferde schön locker und gelöst waren, begannen wir mit Gymnastiklinien. Hallu, die erfahrene S***-Springstute, machte es Youngster Vychahr vor. Sie konnte so leicht nichts mehr beeindrucken, daher übten wir auch nur ab und zu ein paar Hindernisse zur Aufrechterhaltung der Muskeln und der Gewohnheit. Sie wurde tatsächlich in letzter Zeit viel mehr Dressur geritten. Vychahr hingegen musste noch viel lernen und war noch am Anfang seiner Karriere. Er nahm daher regelmässig an Springstunden teil um Erfahrung zu sammeln. Die Theorie bestätigte sich kurz darauf wiedermal bei einem offenbar etwas unheimlich aussehenden Oxer. Ich entdeckte die Anzeichen schon, als Anna in die Kurve bog und auf das Hindernis zuritt: Sie hatte die Beine zu wenig dran und sah auf den Sprung hinab. Es kam wie es kommen musste; Vilou parkierte vor dem Hindernis und Anne flog prompt über seinen Hals nach vorne. Sie landete auf den Stangen, blieb aber dank dem Rückenpanzer bis auf ein paar blaue Flecken unversehrt. Vilou drehte sich unsicher vom Hindernis weg und trabte ein paar Meter, dann liess er sich von Lisa einfangen. Anne stieg wieder auf und musste den Oxer erneut anreiten. Diesmal warnte Lisa sie vor und erklärte, dass sie Vilou gut einramen musste und nicht zu viel Schwung verlieren durfte. Anne machte im entscheidenden Moment nochmal etwas mehr Durck und es klappte. Sie lobte den Fuchs ausgiebig und wir beendeten die Stunde mit Austraben. Beim Trockenreiten diskutierte ich mit ihr über Stürze und meine eigenen Erfahrungen, während die Pferde am langen Zügel durch die Bahn schlenderten. Wir redeten auch über das kommende Neujahrsturnier auf dem Gestüt Wolfsgrund, für das wir schon eifrig trainierten. Da würde auch Hallu starten, diesmal unter Jonas.

      Nun kümmerte ich mich um Yoomee, die sich ganz schön eingelebt hatte. Mit ihr wollte ich am kommenden Glühweinritt teilnehmen, darauf musste ich sie natürlich zuerst vorbereiten. Wir übten deshalb heute im Gymkhana Stil über Blachen zu laufen, Slaloms zu machen oder Dinge hinterherzuziehen. Ich hatte Dosen an einem Seil befestigt und gewöhnte Yoomee zunächst an das Klappern, bevor ich sie hinter ihr her über den Boden zog. Am Anfang klappte sie etwas nervös die Ohren zurück und klemmte den Schweif zwischen die Pobacken, aber schon nach kurzer Zeit senkte sie den Kopf und merkte, dass ihr nichts böses passierte. Am Schluss konnten wir die schäppernden Dinger sogar im Galopp hinter uns herziehen. Auch die Blache hob ich auf und legte sie über ihre Kruppe. Sie streiffte beim Laufen über den Boden, aber das schien Yoomee nichts mehr auszumachen. Ich beschloss, die Übung zu beenden und belohnte die Connemarastute ausgiebig. „Wenn du dich so benimmst, dann wird das null problemo.“ Ich versorgte sie und brachte ihr ein paar Karotten.

      Ich sah auf die weisse Tafel in der Reiterstube. Ich hatte schon fast alles hinter mir, was ich heute geplant hatte, also wollte ich rasch nachsehen, was die Pfleger noch machen mussten. Heute wollten schliesslich alle rechtzeitig fertig sein, damit sie nach Hause zu ihren Familien konnten. Tja, Pferde kannten eben kein Weihnachten, und wollten genaugleich umsorgt werden, wie auch auch sonst immer. Ich beschloss, rasch beim Training von Coulee und Rosenprinz zuzusehen. Die beiden waren mit Quinn und Charly auf der Rennbahn, wobei eigentlich-Militarypferd-Rosenprinz genauso gefordert wurde wie Coulee. Beim Geländespringen war Geschwindigkeit schliesslich auch eintscheidend. Da er aber nicht jeden Tag auf der Bahn laufen musste, konnte er mit der Stute natürlich nicht wirklich mithalten. Zufrieden verfolgte ich das Training und genoss die Pause, bevor der eigentliche Weihnachtsstress anfing. Denn kurz darauf hiess es nochmal gründlich misten und alle Pferde füttern, damit für heute Abend ausgesorgt war. Die ersten Pfleger verabschiedeten sich um sechs Uhr, die die näher am Hof wohnten blieben noch etwas länger. Zuletzt waren nur noch Ajith, Quinn und Lisa da. Letztere zwei blieben heute Abend hier, weil sie nicht extra für einen Abend nach Irland und in Lisas Fall die Schweiz reisen wollten. Sie hatten dafür nächstens ein verlängertes Wochenende frei, während die anderen anpacken mussten. Die Pfleger hatten durch das Jahr hindurch ihre Ferien so aufteilen müssen, dass immer genug Leute auf dem Hof waren. An besonderen Tagen wie heute, mussten wir einfach sichergehen, dass die grösste Arbeit erledigt war, bevor alle verschwanden – für den Rest waren dann noch Jonas und ich zuständig. An Silvester würde es nochmals dasselbe Theater werden, aber ich machte mir deswegen keine Sorgen. Ajith blieb noch, weil er sowieso gleich im Nachbardorf wohnte und jeweils gar nicht im ‚Pflegeheim‘ schlief, sondern jeden Morgen mit dem Fahrrad hierherkam. Und natürlich, weil er Quinn noch etwas Gesellschaft leisten möchte, vermutete ich im Stillen. Ich hatte Quinn vor meinem Trip in die USA tatsächlich endlich gefragt, was denn nun mit ihrer Schwimmbad-Affäre lief. Sie hatte mir erklärt, dass das nie etwas Ernstes gewesen sei und auch nie etwas werden würde – tatsächlich sei der Typ bereits wieder in Schottland bei seinen Verwandten. Auch hatte ich sie gefragt, was sie denn von Ajith halte. Ihre Antwort war ausweichend gewesen und sie hatte versucht, darum herumzureden, aber ich war mir sicher, dass sie schon darüber nachgedacht hatte. Seit ich Ajith davon erzählt hatte, wie versprochen, hatte er wieder neuen Mut gefasst und bemühte sich darum, möglichst oft mit Quinn zu reden. Ich war gespannt, wie sich das ganze entwickelte und hoffte insgeheim, dass Ajith heute, an Weihnachten, einen ersten Schritt wagen würde. Wir sassen in der Reiterstube und wärmten uns mit einer Tasse Tee auf. Jonas und Lisa gingen sich noch immer eher aus dem Weg, was gut verständlich war. Ich versuchte daher immer, Lisa möglichst in die Gespräche zu involvieren, dass sie nicht den Eindruck bekam, irgendwie fehl am Platz zu sein. Es polterte und Lily kam die Stufen zur Reiterstube hoch, in Begleitung von Sheela. Jacky und Zira lagen bereits zu meinen Füssen und hoben bloss müde den Kopf, als die Labradorhündin sich dazu gesellte. „Occu wann fangen wir mit dem Kochen an?“, fragte meine Nichte ungeduldig. Wir wollten zusammen ein etwas aufwändigeres Weihnachtsmenu zubereiten. „Gleich, ich trinke noch meinen Tee fertig. Du kannst aber schonmal den Tisch decken gehen.“ „Nö, ich warte auf dich“, meinte sie nur, setzte sich auf den Platz neben mir und lehnte sich an mich. „Du hast ja ganz kalte Finger. Gewöhn dir endlich an, Handschuhe anzuziehen“, stellte ich fest, als ich ihre Finger prüfend knetete. Sie grummelte nur etwas und ich hatte den Eindruck, dass sie, gleich wie die Hunde, ganz schön müde war. Sie war ja auch den ganzen Tag unterwegs gewesen; Schule, dann reiten, Ponys beschäftigen und nochmals reiten. An Bewegung mangelte es ihr jedenfalls nicht. Als ich endlich aufstand und vor die Halle trat, bemerkte ich ein paar feine, weisse Flöckchen, die den dunklen Himmel runter segelten und im gedämpften Licht der kleinen Lampe über dem Hallentor den Boden erreichten. Sofort war Lily wieder wach und hopserhüpfte begeistert zum Haus. Sie hatte wie ich die ganze Zeit auf den Schnee gewartet und gehofft, dass er noch vor Weihnachten kommen würde. Nun fühlte es sich richtig festlich an. Wir bereiteten alles für das Essen vor und schoben den Braten in den Ofen. Dann schmiss ich mich auf die Couch und legte mich ein wenig hin, denn nun packte die Müdigkeit auch mich. Lily spielte unterdessen in ihrem Zimmer. Jonas kam kurze Zeit später auch rein, mit ein paar Schneeflocken im Haar. „Schneit es schon so stark?“ „Schau aus dem Fenster“, meinte er und zog den Vorhang beiseite, dass ich es besser sehen konnte. Tatsächlich rieselte eine Flocke nach der anderen runter, und es wurden immer mehr. „Lily wird sich freuen. Das Essen ist bald fertig.“ Er legte sich spielerisch über mich und gab mir einen Kuss. „Oi, du bist schwer“, rief ich lachend aus. „Willst du damit sagen, dass ich dick bin?!“, antwortete er empört und rollte zur Seite, sodass er knapp nicht herunterfiel. Wir kuschelten, bis der Backofentimer zu piepsen begann. Unser Weihnachten vierlief ruhig und gemütlich. Wir sassen alle zusammen auf dem Sofa und schauten einen der alten Star Wars Filme. Ich genoss jede Sekunde.
      17 Jan. 2017

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      Juli 2017 - 5137 Zeichen - Ein arbeitsreicher Tag
      Es war noch früh, der Hof langsam am erwachen. Die Pferdepfleger, Emilia und ich hatten unsere Arbeit bereits aufgenommen und waren mit ausmisten und Pferde auf die Weiden bringen beschäftigt. Ich brachte gerade meine Criollo Hengste auf ihre Weide. Die Hengste durften bei uns im Herdenverband leben, praktisch wie in einer Männer WG. Ich war froh das sich dieses Konzept so gut bei uns bewährt hatte, denn ich hatte das große Glück das meine Hengste nicht besonders hengstig bzw. aggressiv zu ihren Artgenossen waren. Chulo, Companero, und Kantarro waren bereits draußen, jetzt kam ich noch mit Fantasio und El Alba Ardiente und entließ sie zu ihren Kumpels. Alba galoppierte sogleich los und ließ seine ganze Energie raus. Die anderen suchten sich eher Plätzchen zum grasen. Ich musste jetzt erstmal meiner Arbeit weiter nachgehen, es gab noch viele Boxen zum ausmisten. Gegen 10 Uhr waren wir mit misten, einstreuen und Heu auffüllen. Ich machte mir einen Plan im Kopf zurecht wie ich heute den restlichen Tag vorgehen würde. El Alba Ardiente und Kantarro durften heute ihren freien Tag genießen, mit den anderen würde ich etwas arbeiten. Fantasio und Companero reiten und Chulo longieren. Vielleicht würden sich ja dann noch freiwillige finden die vielleicht die anderen beiden putzen oder spazieren führen.

      Ich verschwand, bevor es los ging, nochmal schnell im Haupthaus und zog mich um. Dann holte ich Fantasio´s Dressurausrüstung, legte mir alles zurecht und holte schließlich den Hengst. Der Tigerschecke kam mir sogar entgegen und schien sich auf die bevorstehende Arbeit zu freuen, aber Fantasio war sowieso immer sehr motiviert. Das putzen verlief im Eilverfahren und schnell war er gesattelt und getrenst. Da das Wetter sich bis jetzt gut hielt, beschloss ich auf den Reitplatz zu gehen. Nach einigen Runden Schritt nahm ich die Zügel auf und fing mit einfachen Seitengängen an. Wir ritten viele Volten und Schlangenlinien und Fantasio wurde zunehmend lockerer. Er arbeitete sehr willig und fleißig mit und wurde immer mal wieder mit Schritt- oder Stehpausen von mir belohnt. Mir war es nämlich auch sehr wichtig das die Pferde das stehen bleiben als positiv wahrnahmen und zur Ruhe kommen. Ein Pferd das nur Vorwärtsdrang hat und man mit Zügel ziehen beschäftigt ist das es stehen bleibt, konnte ich nicht gebrauchen. Und meine Pferde genossen diese Pausen beim reiten auch. Nach 40 Minuten ließ ich es gut sein und stieg ab. Der Hengst wurde von mir schnell abgesattelt und dann wieder auf die Weide gebracht.

      Nach der ersten Reiteinheit war ich noch so voller Tatendrang das ich das Longieren mit Chulo vorzog und ihn als nächstes holte. Bei ihm ließ ich mir viel Zeit beim putzen. Wir mussten uns auch noch ein bisschen kennenlernen da Chulo noch nicht so lange bei uns auf dem Hof war. Er war wirklich ein Herzenspferd, man brauchte keine Bedenken bei ihm haben. Mit seiner Arbeitseinstellung allerdings hatten wir noch ein wenig zu kämpfen. Der Hengst wusste ganz genau wenn es raus ins Gelände ging dann war Spaß vorprogrammiert und er machte alles mit was man sich erträumen konnte. Merkte er aber das es in Richtung Halle oder Reitplatz ging, dann ging auch seine Motivation flöten. Er ließ sich schon oft gerne bitten oder verweigerte komplett die Arbeit mit stehen bleiben. Dieses Verhaltensmuster konnte ich zum Glück schon etwas eindämmen mit viel Bodenarbeit und so langsam schien er auch zu kapieren das niemand ihm was böses wollte oder ihn mit der Arbeit ärgern will. Heute also wollte ich ihn longieren und ein paar Stangen mit einbauen. Vielleicht weckte das Chulo´s Interesse. Nach dem putzen holte ich die Longe und hakte sie in sein Halfter ein, ich longierte immer mit Halfter. Auf dem Platz angekommen sah ich ihm sofort an was er dachte. Wenn er könnte, hätte er jetzt vermutlich mit den Augen gerollt. Ich trieb ihn von vornherein an und ließ ihn nichts durchgehen. Nach ein paar Trabrunden, die eher wie ein schleichen über den Boden waren, holte ich eine Stange dazu und siehe da, das Pony konnte ja doch die Füße heben. Ich war wirklich zufrieden mit ihm und hörte nach einer halben Stunde intensiven Training auch auf. Ich lobte ihn und streichelte ihm über den Kopf.

      Den restlichen Tag machte ich ein wenig Bürokram und führte unzählige Telefonate. Zu einem Tierarztbesuch musste ich schließlich auch noch im Nachbarort. Gegen späten Nachmittag, schon eher Abend, hatte ich dann endlich wieder Zeit und wollte mich jetzt Companero widmen. Der Hengst war mein stärkster Anwärter für die Zucht und ich steckte viel Zeit in ihn. Heute wollte ich allerdings nichts spezielles trainieren. Ich legte ihm seine Westernausrüstung an und ging, zum dritten mal für heute, auf den Reitplatz. Nach dem warmreiten trabten wir an, liefen über Stangen, machten Tempowechsel, Seitengänge,...das ganze Programm was Companero aus dem FF beherrschte. Ich fragte alles ab. Im Galopp genau das gleiche Spiel. Wobei ich hier vermehrt darauf achtete das er wirklich punktgenau ansprang oder durchparierte. Zum Abschluss legten wir noch einen guten Sliding Stop hin und ich ritt ihn am langen Zügel, tätschelnd ab.

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      November 2017 - 3763 Zeichen

      Bei uns in Wales zog langsam der Winter ein. Jetzt Ende November wurde es immer kühler und feuchter. Schnee gab es noch keinen, aber das war in unserer Region an der Küste eher selten der Fall das wirklich eine weiße Schneedecke zum Schneemann bauen einlud. Es war 7.30 Uhr und heute war ich mit dran zum ausmisten, da ein Pfleger aus gesundheitlichen Gründen ausfiel. Ich begann mit Mit meinen Hengsten und brachte sie auf ihre Winterkoppel. Die große Sommerkoppel war jetzt geschlossen und damit meine Jungs natürlich viel Bewegungsdrang hatten, bekamen sie eine extra Winterkoppel und den großen „Matsch“ Paddock gab es ja auch noch. Ich holte mir zuerst Companero und Fantasio und brachte die beiden nach draußen. Danach noch Kantarro, Fame, Chulo, Kajano und el Alba Ardiente. Ich war stolz darauf das ich meine Hengste zusammen in einer Junggesellen Herde halten konnte. Das Thema Hengsthaltung war immer noch sehr umstritten und ich hielt absolut nichts von Einzelhaft. Getrennt von den Stuten klappte das sehr gut und die Hengste hatten sowieso alle ein wunderbares Sozialverhalten, wie ich fand. Mein jüngster und neuester Hengst, PFS Dreaming of Revenge, wurde noch langsam an die anderen gewöhnt. Er stand im Nachbarpaddock während die anderen auf der Koppel waren und so konnten sie sich mit Sicherheitsabstand beschnuppern und kennenlernen. Aber auch das lief bis jetzt so gut das ich ihn wohl bald in die Herde lassen würde.

      Nach den Hengsten waren die Criollo Stuten an der Reihe. Auch sie hatten ein Winterdomizil bekommen und liefen zu viert brav am Strick neben mir her. Ashitaka, Caresse, Fermina und Sabandija warteten geduldig bis ich alle Stricke entfernt hatte und trotteten los um sich ein schönes Plätzchen zu suchen. Ashitaka fing gleich an sich zu wälzen und in kürzester Zeit war nicht mehr viel von der Rappstute zu erkennen. Ich hätte ihnen gerne länger zugesehen, aber die Arbeit machte sich nicht von alleine. Um kurz vor 10 Uhr war ich fertig mit ausmisten und neu einstreuen und musste jetzt nur noch zu meinen Offenstallpferden. Als ich an den Zaun heran trat und nach den Pferden pfiff, kam der kleine Maverick sofort angetrabt und reckte mir seinen Kopf entgegen. „Na du kleine Maus!“ ich kraulte ihn hinter den Ohren und da kam auch schon seine Mama Argo mit an den Zaun. Ich holte dann die Schubkarre und begann auch den Offenstall abzumisten. Löwenherz, auch ein Neuankömmling bei uns, stand etwas abseits und beobachtete mich interessiert. Er wurde gut aufgenommen in der kleinen Herde und machte sich gut. Aber trotzdem blieb er noch auf sicheren Abstand, er hatte schon viel mitgemacht in seinem Leben. Die Noriker Stute Rhoda lag im Unterstand im Stroh und machte keinerlei Anstalten sich zu bewegen, sodass ich misten konnte. „Auf geht’s Fräulein, hoch mit dir!“ spornte ich sie an und tippte sie etwas energischer am Po an. Irgendwann stand sie dann auch auf, schüttelte sich und lief von Dannen. Als ich auch hier endlich fertig war und noch eine ordentliche Portion Heu verteilt hatte, versuchte ich mich ein wenig Löwenherz zu nähern. Ich bedrängte ihn nicht, hielt meine Hand ihm entgegen und wartete darauf das er einen Schritt auf mich zu machte. Er war schon sehr interessiert und ließ sich dann auch von mir streicheln, aber auf schnellere unbedachte Bewegungen meinerseits reagierte er schreckhaft und ergriff die Flucht. Ich ließ es für heute sein und war sowieso schon sehr stolz das er sich in der kurzen Zeit doch sichtlich wohl hier fühlte, in seiner neuen Herde. Bevor ich ging kuschelte ich noch ein wenig mit Norisk, der es sichtlich genoss! Im Kopf ging ich schon wieder ein paar Termine durch und plante den Tag. Vielleicht hätte ich heute auch endlich mal wieder Zeit für einen Ausritt. Mal sehen.

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      Februar 2018 - 2825 Zeichen
      Es hatte nochmal ein wenig geschneit bei uns und die Tage wurden wieder kälter. Eigentlich für den Monat nichts ungewöhnliches, aber zwischendurch hatten wir schon frühlingshafte Temperaturen. Da sich heute der Wind etwas gelegt hatte, beschloss ich mit el Alba Ardiente was auf dem Platz zu machen. Der junge Hengst forderte jetzt viel Aufmerksamkeit und sollte diese auch bekommen. Ich hatte ihn am Morgen gleich in der Box gelassen, als die anderen raus auf die Winterkoppel kamen, denn wenn er dort erstmal war konnte man ihn nicht so schnell einfangen. Daran wollte ich jetzt weiter arbeiten. "Hallo mein Großer!" begrüßte ich ihn und öffnete die Boxentür. Etwas ungestüm trat er an mich heran und drückte seinen Kopf gegen meine Brust. "Hey immer langsam." lachend legte ich ihm das Halfter an und führte ihn am Strick hinaus in den Hof, wo ich ihn anband. Dort putzte ich ihn gründlich und kratzte die Hufe aus. Hierbei machte er keinerlei Anstalten mehr und blieb ruhig stehen. Er war nie böse oder aggressiv, aber etwas grobmotorisch veranlagt und ungestüm. Da konnte es schon mal passieren das sein Huf auf deinem Fuß landete. Nach dem ausgiebigen Putzen und Kuscheln gingen wir in das Round Pen. Ich war ausgerüstet mit einem langen Bodenarbeitsseil und Leckerlis in der Tasche. Alba ging brav neben mir her und versuchte, zu meiner Überraschung, diesmal nicht zu drängeln oder zu überholen. Er stellte es jedes mal noch in Frage und testete seine Grenzen aus, heute anscheinend nicht. Am lockeren Strick zogen wir unsere Runden. Ich wendete oft ab, blieb stehen oder ging rückwärts mit ihm. Wenn er mir nicht gleich folgte zog ich nicht am Seil, sondern blieb stehen, schnalzte und wartete bis seine Aufmerksamkeit wieder bei mir war und mir folgte. Dann lobte ich ihn natürlich sofort. Das alles machten wir dann auch nochmal im Trab. Hier wurde er schnell übermütig, schüttelte den Kopf und bockte sogar ab und zu mal. Aber das war in Ordnung, so lange er wieder zu mir kam und meine Nähe suchte. Das war ja erstmal mein Ziel, das er gerne bei mir war und freiwillig kam. Plötzlich trat Frank, einer unserer Pfleger, an den Zaun heran und nickte anerkennend "Wird doch langsam was mit dem Jung Spund!". Ich lächelte und nickte "Ja ich glaube auch so langsam hat er es raus und es wird ein Pferd aus ihm." Ich tätschelte Alba am Hals und ließ ihn kurz stehen zum Pause machen. Wir waren jetzt knapp 20 Minuten hier drinnen und ich beschloss es gut sein zu lassen. Er hatte gut mitgearbeitet und man sollte immer mit etwas positivem aufhören. Zur Belohnung hakte ich den Strick aus und ließ ihn noch wälzen, was er sofort annahm und sich in den Sand schmiss. Zufrieden schüttelte er sich und leckte sich die Lippen und siehe da, er kam ohne Aufforderung oder Rufen zu mir und ließ sich zurück in den Stall führen.

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      3898 Zeichen by Calypso - 24.03.2018
      So langsam zog auch bei uns der Frühling ein. An ein paar Tagen hatten wir schon richtig schöne 13 Grad erreicht und trocken war es auch endlich. Es war Mittag und ich gab gerade zwei Mädchen auf Argo und Rhoda Reitunterricht. Beide zogen, unabhängig voneinander, im Trab ihre Runden. „Rhoda darf ruhig flotter laufen, musst nicht so zaghaft mit ihr sein! Und Argo nicht zu fest halten. Auch mal locker lassen......ja und wieder annehmen, locker lassen. Ich weiß heute ist sie spritzig, aber du machst das gut!“ Nach weiteren 15 Minuten war die Stunde beendet und die beiden ließen die Pferde noch am langen Zügel über den Platz schreiten. „Ihr zwei kommt ja jetzt allein zurecht oder? Ihr könnt dann absatteln, den beiden noch Futter geben und einfach wieder in den Offenstall stellen.“ Die Mädchen nickten und ich verließ zufrieden den Reitplatz, da kamen schon die nächsten um die Ecke die was von mir wollten. „Hey Veronica!“ grüßte mich mein Stallhelfer Harry und hatte seine Tochter Lilly im Schlepptau „Harry! Hallo Lilly“ grüßte ich sie zurück und lächelte. „Lilly ist heute zu Besuch und da wollten wir fragen ob wir uns eins der Pferde ausleihen dürfen für einen Spazierritt?“ fragte Harry. Ich musste nicht lange überlegen, Harry war sehr verantwortungsbewusst und ich vertraute ihm meine Pferde gerne an. „Natürlich, nehmt euch einfach Sabandija.“ Harry nickte und bedankte sich bei mir, Lilly strahlte übers ganze Gesicht, sodass ich auch grinsen musste. Nun machte ich mich daran den Pferden ihr Mittagessen zu geben, mein Verlobter Luke und Emilia halfen mit. Ich war beim Offenstall und hiefte das Heu aus dem Schubkarren und verteilte alles im Unterstand. Dawn und Time in a Bottle kamen sofort angetrabt und inspizierten alles. Es machte mich so glücklich das die beiden von Tag zu Tag zutraulicher wurden und ihren Platz hier gefunden hatten. Maverick und Horik kamen auch dazu und Norisk und Löwenherz blieben erst noch in ihrer Ecke stehen und beobachteten alles. Die zwei waren, seit Löwenherz bei uns eingezogen ist, fast unzertrennlich und ich hatte das Gefühl das Norisk dem Tinker eine gewisse Sicherheit gab. Nach ein paar Streicheleinheiten mit jedem machte ich mich weiter an die Arbeit. Ich brachte die StutenFermina und Ashitaka noch für ein paar Stunden auf die Weide und machte das selbe dann mit den Hengsten Chulo, Fantasio, Companero, PFS Dreaming of Revenge, El alba Ardiente und Kantarro. Als Luke mich dabei sah rief er mir zu „Vroni, Fame kannst du drinnen lassen, den nehme ich gleich für´s Training!“ ich nickte und setzte meinen Weg fort. Nachdem ich die Wassertröge auf den Weiden kontrolliert und aufgefüllt hatte, ging ich ins Haus und setzte mich an den PC. Ich war seit einiger Zeit in Kontakt mit einer jungen Dame, Mareth Lindström aus Schweden. Ich war auf sie aufmerksam geworden da sie eine Anzeige nach einem robusten Freizeitpony geschaltet hatte. Ich musste sofort an Horik denken, auch wenn ich ihn selbst erst wieder seit ein paar Monaten besaß, aber bei mir war seine Zukunft recht ungewiss. Es stellte sich schon die Frage ob er Hengst bleiben konnte oder wo ich ihn einsetzen sollte. Ich hatte viel zu tun mit der Criollo Zucht und einige Jungpferde deren Ausbildung im Vordergrund stand. Ich konnte mir Horiksehr gut im wilden Skandinavien vorstellen und vorallem das er ein treuer Freizeitkumpel werden könnte. Ich hatte der Familie Lindström schon einige Bilder und Videos von ihm geschickt und bald wollte Mareth nach Wales kommen um ihn sich anzusehen. Ich war gespannt und schrieb ihr eine E-Mail mit möglichen Terminen. Gegen Nachmittag sah ich Luke dann beim Training mit Fame zu, bis Jasmine kam und mich daran erinnerte das gleich eine kleine Gruppe von Kindern kommen würde und sie die zwei Fohlen El alba Ardiente und PFS Dreaming of Revenge bräuchte. Ich willigte ein und ging im Kopf schon wieder weitere Planungen durch.

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      1959 Zeichen by Calypso - 14.04.2018
      "Gib Huf" forderte ich meinen Junghengst el Alba Ardiente auf und drückte sachte gegen sein Bein. Gehorsam nahm er es hoch und ließ sich die Hufe auskratzen. Vor zwei Tagen ist mein kleiner Alba 3 Jahre geworden. Ich konnte es kaum glauben das er schon so groß war und sich so toll entwickelt hatte. Er wurde optisch immer schöner und stattlicher. Nichts mehr von dem zerzausten Fohlen war übrig geblieben. Ich hatte mir nun schon öfter Gedanken gemacht zum Einreiten, aber ich war zu dem Entschluss gekommen das ich schauen wollte wie er sich mir anbot und ihm alle Zeit der Welt lassen wollte. Er ist sehr neugierig und lernwillig, aber ich wollte nichts überstürzen. Denn wenn er sich irgendwann mal beim Reiten genauso benehmen würde wie im täglichen Umgang, dann hatte ich ein richtig tolles Pferd an meiner Seite mit dem ich durch dick und dünn gehen konnte. Der Gedanke ließ mir ein schmunzeln ins Gesicht zaubern. Als ich mit den Hufen fertig war, bearbeitete ich sein Fell weiter und bürstete noch Massen an Winterfell heraus. Nachdem ich den Dreck weggekehrt hatte, band ich Alba ab und ging mit ihm spazieren. Es war später Nachmittag und angenehme 16 Grad. Mein Pferdchen schritt flotten Schrittes voran und war sehr aufmerksam was in seiner Umgebung vor sich ging, aber keineswegs schreckhaft. Wir liefen einen Feldweg entlang an dem sich hinter Steinmäuerchen Schafe tummelten. Alba fand diese flauschigen Wesen schon immer ganz toll und wollte immer stehen bleiben und sie beobachten. Mit gespitzten Ohren und leichtem prusten begrüßte er seine Freunde. Ich ließ ihn ein bisschen verweilen bis wir unseren Weg fortsetzten über Hügel und etwas unwegsameres Gelände. Ich hatte schon früh angefangen mit ihm über Stock und Stein, bergauf oder bergab zu gehen um seine Trittsicherheit zu trainieren. Nach 40 Minuten erreichten wir wieder den Hof und ich brachte ihn gleich in seine Box. Dort bekam er noch Futter und viele viele Streicheleinheiten.
    • Calypso
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      2883 Zeichen by Calypso - 16.09.2018
      „Was für ein schöner Herbsttag“ „Ja, da haben wir wirklich Glück gehabt mit dem Wetter.“ entgegnete Jasmine und führte Löwenherz und Argo zum Putzplatz. Ich hatte Rhoda und Sabandija am Strick und führte sie zu den anderen. Jasmine übernahm heute für mich den Sonntagsausritt mit drei Kindern aus dem Dorf. Das veranstalteten wir fast jeden Sonntag wenn das Wetter passte. „Okay ich glaube die Kinder kommen gerade, du kommst jetzt alleine klar oder?“ Jasmine nickte und nahm die Kinder in Empfang. Ich vertraute ihr voll und ganz und konnte mich so meiner Arbeit widmen. Ich holte mit der Schubkarre Heu und verteilte dieses im Offenstall. Sogleich kam Maverick angelaufen und ich guckte mich nach Dawn um. Sie war weit und breit nicht zu sehen, hm komisch ich hatte gar nicht mitbekommen das sie jemand heraus geholt hatte. Das ließ mir keine Ruhe und ich sah mich auf dem Hof um. Jasmine sattelte gerade, mit den Kindern, die Pferde und Harrison kam aus dem Hengststall heraus. „Hey Harry, hast du Dawn gesehen? Sie war nicht im Offenstall.“ den Kopf schüttelnd kratzte Harry sich am Kopf „Nein, ich war die ganze Zeit beim ausmisten.“ „Okay, trotzdem danke.“ ich lief weiter meine Runde und kam zum Roundpen, wo ich eine mir wohl bekannte Stimme vernahm. Ich sah Luke mit der Mustangstute und war erleichtert. Er stand in der Mitte, seinen rechten Arm ausgestreckt und etwas in geduckter Haltung. Dawn kam langsam auf ihn zu und stupste ihn mit den Nüstern an der Hand an. Das war ihre Erlaubnis sie streicheln zu dürfen, und das tat Luke auch. Danach zogen die beiden ihre Kreise und Wendungen und Dawn folgte ihm, ohne Seil oder Hilfsmittel. Sie machte sich von Tag zu Tag besser, vertraute immer mehr und ich war guter Dinge das dieses Pferd ein treuer Wegbegleiter werden konnte. Ich ließ sie weiter arbeiten und beschloss mit Fermina zu arbeiten. Die Criollo Stute stand mit den anderen Stuten bereits auf der Koppel. Nachdem ich sie geputzt und gesattelt hatte, ging ich mit ihr in die Halle und wir trainierten gute 40 Minuten. Fermina war gut drauf und arbeite super mit. Ich war stolz auf meine junge Stute. Als sie versorgt war, ging ich ins Haus und machte etwas Büroarbeit. Kurze Zeit später sah ich durchs Fenster Jasmine mit der Ausreitgruppe zurück kommen. Alle sahen zufrieden aus, die Pferde, die Kinder und Jasmine auch. Ich ging derweil alle E-Mails durch, schaute nach zukünftigen Turnierstarts und organisierte alles was in nächster Zeit anstand.
      Gegen späten Nachmittag holten wir dann die Pferde von den Koppeln. Luke und Harry gingen zu den Hengsten und holten Companero, Kantarro, Fantasio, Fame, Norisk, Time in a Bottle, Colorido, El Alba Ardiente, Chulo und PFS Dreaming of Revenge. Ich holte inzwischen noch Ashitaka und Rovina. Dann machten wir zusammen das Futter fertig und gaben es allen Pferden. Somit ging wieder ein Tag auf unserem Hof zuende.
    • Veija
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      Einreiten
      Dezember 2018, by Veija
      Laurence
      Neben den Trainingspferden, die zu uns auf die Ranch kamen, flogen oder fuhren wir auch des Öfteren zu Pferden nach Hause, wie man so schön sagte. Heute war ich auf dem Weg zum Rook's Bay Stable und zu el Alba Ardiente, einem dreijährigen Criollohengst. Caleb hatte mich gebeten, Companêro einen Besuch abzustatten und ihm eine Streicheleinheit von ihm zu geben. Es war immer wieder schön, Pferde die man einmal besessen und trainiert hatte, bei anderen Menschen zu sehen und sich ihre Erfolge, Fortschritte oder einfach die glücklichen Gesichter der Besitzer ansehen zu können. Mein Flug würde noch eine Weile dauern, weshalb ich die Augen zu machte und versuchte, einzuschlafen. Tatsächlich schlief ich auch ein und wachte erst auf, als eine Stewardess mich weckte. Ich stand auf, verließ das Flugzeug, sah mich nach meinem Gepäck um und rief mir sofort ein Taxi, welches mich auf den Hof bringen sollte.
      Als ich da war, empfing mich Veronika Steglmeier, die Besitzerin des Hofes, sofort herzlich und zeigte mir das Zimmer, in dem ich für die nächsten Wochen wohnen würde. "Richten Sie sich zunächst einmal ein. Möchten Sie morgen früh mit uns frühstücken?", fragte mich Veronika und ich nickte. "Laurence. Nenn mich bitte Laurence.", bot ich ihr an und sie schüttelte mir kurz die Hand. "Veronika.", erwiderte sie und verschwand dann. Ich packte meine Sachen aus, schrieb kurz eine WhatsApp in meine Heimat und machte mich dann bettfertig, ehe ich wenig später einschlief.
      Am nächsten Morgen frühstückte ich wie abgesprochen zusammen mit Veronika und den anderen Mitarbeitern des Hofes. Später führte mich die Hofbesitzerin einmal über das Gelände, ehe wir einen Zwischenstop bei Compi machten und dann zu meinem Trainingspferd el Alba Ardiente gingen, welchen ich in meiner Zeit hier einreiten sollte. "Longieren kennt er schon ein wenig.", sagte Veronika mir und ich nickte. "Ja, das hilft mir schon ziemlich.", erwiderte ich und zusammen holten wir den Hengst aus der Box, ehe wir ihn gemeinsam putzten und wir zum Round Pen gingen. Ich hatte mir ein Pad mitgenommen und hängte es über die Stangen, ehe ich mit dem Hengst hinein ging und den Führstrick gegen eine Longe tauschte. Ich schickte ihn von mir weg und er trabte sofort an. "Manchmal haben die Jungen viel Energie, lass sie einfach laufen.", sagte ich zu Veronika und sie nickte. Sie wollte nur kurz zusehen und sich dann der anderen Arbeit auf ihrem Hof widmen. Alba trabte eine ganze Weile um mich herum, bevor er sich zum Schritt durchparieren ließ. "Guuuut.", lobte ich ihn und ließ ihn im Schritt gehen. Nach einer Weile schnalzte ich und er trabte an. Ein paar Runden ließ ich ihn traben, dann wechselte ich die Seite und ließ ihn wieder im Schritt und im Trab gehen, ehe ich ihn anhielt und ausgiebig lobte. Dann nahm ich das Pad und fing an, ihn ein wenig damit abzuklopfen, um ihn auszusacken. Hier merkte man, dass er doch ein wenig sensibel war, sich der Herausforderung aber mutig stellte. Die linke Seite klappte wirklich gut, die Rechte nicht so wirklich. Aber es war ja erst unser erster Tag, da konnte nicht schon alles super klappen. Ich machte jedoch so lange weiter, bis er das Klopfen mit dem Pad akzeptierte. Erst dann lobte ich ihn ganz doll und hörte auf. Veronika war schon vor langer Zeit verschwunden, so dass ich den Hengst jetzt auf eigene Faust wieder in den Stall stellte. Sie konnte ihn ja später selbst auf die Koppel lassen, falls er dort heute hingehen sollte.
      Die nächsten Tage sahen eigentlich gleich aus. Ich holte ihn mir in den Round Pen, klopfte ihn mit dem Pad ab und legte es auf seinen Rücken, ehe ich es wieder herunter nahm. Erst als er das akzeptierte, ging ich einen Schritt weiter. Mit dem Pad auf seinem Rücken schnallte ich einen Longiergurt an ihm fest. Zu erst locker, dann immer ein bisschen enger. Auch damit schien der Hengst keine Probleme zu haben, so dass ich ihn longierte und unsere Einheit positiv beendete.
      So ging es auch ungefähr eine Woche weiter. Das Aussacken wurde immer kürzer, bis ich es dabei beließ, dass ich ihn kurz am Pad schnuppern ließ und es dann auf seinen Rücken legte. Den Longiergurt akzeptierte er mittlerweile wirklich gut. Auch die Flaschen, die ich immer zur Desensibilisierung an und um ihn herum hängte, machten ihm heute schon weniger aus als gestern. Auch wenn er zu Beginn unseres Trainings mal wieder im Galopp von mir wegsprang. Er bekam sich jedoch schnell wieder ein und ließ sich durchparieren. Wir arbeiteten eine Weile, ehe ich den Longiergurt entfernte, den Sattel vom Zaun holte und zu ihm hin ging. Ich zeigte ihm diesen und legte ihn sanft auf den Rücken. Dann gurtete ich ihn fest und schickte den Hengst von mir weg. Es war für ihn schon ungewohnt, dieses Gewicht auf dem Rücken zu haben und die Steigbügel an seinem Bauch zu spüren, doch auch hier machte er seine Sache gut.
      Ein paar Tage später war er dann so weit, dass ich ihm die Trense über das Halfter anzog. Ich klickte die Longe dort hinein und schickte ihn wieder von mir weg. Ich hatte auch die Flaschen am Sattel befestigt und ein Seil, welches auf seiner Kruppe lag und wenn er losging nach hinten fallen würde. Dieses war links und rechts am Sattel befestigt und simulierte Zügel oder auch ein Lasso, welches immer auch einmal gegen die Beine oder den restlichen Körper fallen konnte. Das war unsere Übung für die nächsten Tage. Zusätzlich wollte ich ihm das nachgeben an der Trense näher bringen. Dazu legte ich die Longe zur Seite und machte den rechten Zügel vom Sattelhorn ab. Diesen legte ich auf seine Kruppe und ging auf die linke Seite. Ich nahm ihn in die Hand, führte ihn hinter ihm runter und zog daran, während ich schnalzte. Er lernte damit, dem Zug im Maul zu folgen, was jedoch nicht sofort klappte. Es bedurfte schon einiges an Übung und Seitenwechseln, bis er verstanden hatte, was ich wollte. Als er es auf jeder Seite einmal richtig gemacht hatte, hörte ich für diesen Tag mit dem Training auf.
      Mittlerweile war wieder eine Woche vergangen und mein Aufenthalt neigte sich dem Ende zu. Wir hatten viel Zeit gebraucht, um das Aufsteigen zu üben. Doch dem war immer so. Klappte es am Anfang fast ohne Probleme, kam irgendwann der Punkt, an dem etwas aufkam, was nicht klappte. Da ich jedoch viel Zeit mitgebracht hatte, hatte ich mir da keinen Stress gemacht. Wir übten einfach so lange, bis es dem Hengst total egal war, dass ich neben ihm auf und ab hüpfte, halb aufstieg, wieder abstieg oder auf der anderen Seite wieder herunterkletterte. Erst dann hatte ich mich ans Reiten begeben. Er reagierte schon gut auf den Zug des Zügels, folgte der geöffneten Seite und machte auch schon einige Schritte rückwärts. Sein Schritt war schön langsam und nicht nervös, sein Trab war typisch Jungpferd noch sehr schnell und hektisch, aber mit jedem Ritt wurde es besser. Wir waren auch schon ein paar Mal auf dem Platz gewesen und hatten uns an kurze Galoppphasen gewagt, die er mit Bravour gemeistert hatte. el Alba Ardiente hatte noch viel Arbeit vor sich, bis er ein zuverlässiges Reitpferd sein würde. Doch den Grundstein dazu hatte ich ihm gelegt.
      Calypso gefällt das.
    • Calypso
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      5637 Zeichen by Calypso - 20.01.2019
      Veronika & Luke
      Ein ganz gewöhnlicher Tag auf dem Rook´s Bay Stable. Es war Mittag und wir hatten das morgendliche Ausmisten und Füttern schon hinter uns. Die Pferde waren alle auf ihren Weiden und es kehrte etwas Ruhe ein. Ich war noch am überlegen mit welchem Pferd ich heute trainieren sollte und ging im Kopf den Tagesablauf durch. Jasmine hatte heute glaub ich eine Reitstunde und ich müsste Luke noch fragen was er heute vor hatte. Das Wetter war heute beständig, kalt aber immerhin nicht mehr so stürmisch wie in den letzten Tagen. Vielleicht könnte ich auch ausreiten gehen. „Hallo Veronika“ der gute alte Frank kam aus seinem Truck gestiegen.“Hallo Frank, ich habe heute gar nicht mit dir gerechnet.“ entgegnete ich. Frank kratzte sich am Kopf „Ach ich wollte nochmal nach der einen Boxentür schauen die klemmt und außerdem hat Elizabeth mir einen Rumkuchen für euch mitgegeben.“ Dankend nahm ich ihn entgegen und lächelte „Sag ihr vielen lieben Dank, wir alle lieben diesen Kuchen! Gut, ich bringe ihn mal ins Haus, wenn du irgendwas brauchst sag bescheid, ja?“ Frank nickte und machte sich an die Arbeit. Ich brachte den Kuchen in die Küche und schrieb eine kleine Notiz dazu, das sich jeder gerne nehmen dürfte. Draußen auf dem Hof traf ich auf Luke und er machte den Vorschlag ausreiten zu gehen. Ich überlegte erst hin und her, eigentlich wollte ich doch mit dem Training von Kantarro anfangen. „Nehmen wir ihn doch einfach als Handpferd mit.“ schlug Luke vor. Gar keine schlecht Idee, dachte ich und gemeinsam holten wir die Pferde. Mein Mann holte sich Norikerhengst Thorin und ich nahm Chulo und Kantarro mit. Wir mussten nur ein wenig über ihr Fell striegeln und konnten sogleich aufsatteln. Wir waren zwei Stunden unterwegs. Sogar eine kurze Galoppstrecke konnten wir bewältigen, Kantarro war sehr brav als Handpferd und auch Chulo war äußerst artig, wie immer im Gelände. Luke war auch ganz begeistert von Thorin. Er hatte ihn bis jetzt noch nie geritten.

      Jasmine
      „Serena du holst dir heute
      Rhoda, Will du hast Löwenherz und Phoebe Lamiro.“ die drei Kinder wuselten umher, holten Putzsachen und Halfter und gingen zum Offenstall um die Pferde zu holen, die ich ihnen zugeteilt hatte. Dies war schon meine Fortgeschrittene Gruppe und so musste ich nicht mehr all zu viel helfen. Wir gingen auf den Reitplatz und die Kinder stiegen auf. Die ersten 15 Minuten wurden zum aufwärmen genutzt und ich baute einen kleinen Trailparcour auf. Ich brachte viel Abwechslung in meine Reitstunden, das war mir wichtig. Nach ein paar Trabrunden erklärte ich ihnen den Parcour und jeder durfte ihn nacheinander absolvieren. Dabei gab ich Hilfestellungen und Tipps. Rhoda war wieder sehr faul heute, aber Serena wurde immer besser im sich durchsetzen und ich hatte das Gefühl das die beiden gut zusammen passten. Nach 60 Minuten war die Stunde vorbei und meine Reitschüler sattelten ihre Pferde ab und versorgten sie. Als sie später von ihren Eltern abgeholt wurden, beschloss ich noch etwas mit Zenja zu arbeiten. Die Stute sollte auch mal im Schulbetrieb und vielleicht sogar zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden. Ich holte sie, putzte sie und ging mit ihr in den Roundpen. Dort machte ich Freiarbeit mit ihr, die grundlegenden Dinge, Vertrauen aufbauen. Sie sollte das arbeiten mit dem Menschen als spaßig empfinden und freiwillig mitarbeiten. Nach 25 Minuten ließ ich es gut sein und war sehr stolz auf die Stute.

      Veronika & Luke
      Wir kamen zum Hof zurück und brachten unsere drei Hengste zurück auf die Weiden. Ein zwei Stunden konnten sie noch draußen herum tollen. Ich sah Jasmine mit
      Zenja aus dem Roundpen kommen „Jasmine, wenn du fertig bist komm doch mit ins Haus, dann trinken wir bisschen Kaffee und essen Kuchen.“ „Ja gerne, ich komme gleich.“ antwortete die junge Frau und Luke und Ich gingen schon mal rein. Emilia war auch wieder Zuhause und gemeinsam genossen wir den Rumkuchen von Frank´s Frau. Wir erzählten uns Neuigkeiten, planten die nächsten Tage durch und ließen es uns gut gehen. Gegen 17 Uhr machten wir uns wieder an die Arbeit. Die Pferde mussten rein geholt werden. Harry war nun auch da, er hatte heute den halben Tag frei um bei seiner Tochter zu sein. Jasmine und Ich gingen zu den Stutenweiden und nahmen jeweils zwei Pferde. Jasmine nahm Fermina und Ashitaka ans Halfter und ich Sabandija und die kleine Rovina. Als nächstes holten wir noch Adrenaline und Princess Mononoke, die noch abgetrennt von den anderen standen und langsam aneinander gewöhnt wurden. Zum Glück gab es auch keine Zickereien in den Boxen. Die beiden Männer hatten sich in der Zwischenzeit um die Hengste gekümmert. Diese rein zu holen war etwas einfacher, da die Weiden direkt am Stallgebäude grenzten. Man musste nur den Weg zu den Koppeln absperren mit einem E-Zaun Band, die große Stalltür öffnen und schauen das sonst alle geschlossen sind. Dann die Weidezäune öffnen und die Hengste rein treiben. Sie wussten von selbst schon gut genug wo ihre Boxen waren und gingen sofort hinein um zu fressen. Thorin, Norisk und Fame waren meistens die ersten die sich sofort in Bewegung setzten. Gefolgt von Kantarro, Fantasio, Chulo und Companéro. El Alba Ardiente, PFS Dreaming of Revenge, Maverick, Colorido und Time in a Bottle ließen sich immer etwas Zeit bis der erste Ansturm vorbei war. Schließlich verschlossen wir alle Boxentüren und Harry ging nochmal zum Offenstall um dort zu gucken ob alles in Ordnung war. Dort war es bereits ruhig. Dawn, Lamiro und Zenja knabberten am Heu, Löwenherz lag im Unterstand und auch Rhoda war völlig entspannt. So neigte sich ein weiterer Tag, auf dem Rook´s Bay Stable, dem Ende zu.
    • Calypso
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      2204 Zeichen by Calypso - 06.07.2019
      Der Sommer hat auch bei uns Einzug gehalten, zwar nicht so heiß wie in anderen Regionen, aber das brauchten wir auch gar nicht. Wir verbrachten viel Zeit mit der Ausbildung unserer Jungpferde, Reitunterricht und kurze Ferienprogramme für Kinder. Früh am Morgen ging ich meine Kontrollrunde über die Koppeln. Jetzt wo es so warm war, blieben die Hengste auch Nachts draußen. Diesmal waren sie weit hinten, sodass ich sie kaum sehen konnte. Ich lief also die Koppel ab, kontrollierte die Zäune und sah ob es den Pferden gut ging. Colorido, el Alba Ardiente und PFS Dreaming of Revenge lagen im Gras und dösten noch vor sich hin. Fame, Fantasio, Kantarro, Companero und Chulo standen verstreut herum und grasten. Kantarro kam zu mir angetrabt und holte sich seine Streicheleinheiten ab. Als ich fertig war ging ich zu den Stutenställen rüber und Luke kam mir entgegen „Lust auf einen Ausritt?“ fragte er und zog mich zu sich. „Du weißt doch das wir noch so viel zu erledigen haben. Ich muss noch....“ zählte ich auf aber Luke unterbrach mich „Nein nein nein, DU musst jetzt nur mit mir ausreiten. Komm schon, die anderen Sachen können jetzt mal kurz warten!“ er gab mir einen Kuss. Ich seufzte und lächelte ihn an „Na gut, aber nur einen kurzen Ausritt.“ er nickte und grinste dabei verschmitzt. Ich sagte ihm das ich mich schnell umziehen würde und er holte bereits die Pferde. Als ich zurück kam standen Princess Mononoke und Adrenaline bereit. Nachdem wir sie gesattelt hatten ritten wir los. Es war ein sehr schöner Ausritt und ich brauchte die Auszeit auch mal. In letzter Zeit war einfach so viel los, man ritt am Tag mehrere Pferde, gab Unterricht und machte etliche Telefonate. Aber sich wirklich mal wieder selbst entspannt in den Sattel zu setzen und einfach das Leben zu genießen war selten. Ich war meinem Mann sehr dankbar das er mich überredet hatte. Auch Princess Mononoke und Adrenaline gefiel die Abwechslung und beide hatten an diesem Tag viel Power. Nach 1 ½ Stunden kamen wir wieder zurück und versorgten die Pferde. Sabandija, Rovina, ZW Ashitaka und Fermina kamen sofort angaloppiert als wir die zwei zu ihnen zurück brachten. Den Rest des Tages erledigten wir unsere ganzen Aufgaben.
    • Calypso
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      Dezember 2019 - 2497 Zeichen von Calypso
      Weihnachten stand vor der Tür und es gab noch so viel vorzubereiten. Luke und Harry stellten gerade auf dem Hof einen Tannenbaum auf und Jasmine war mit einer Reitgruppe auf dem Sprung zum Ausreiten. Wie ich sehen konnte hatte sie Löwenherz, Zenja, Cherry Blossom und Dawn als Handpferd dabei. Die Mustangstute machte sich gut und wurde immer souveräner und entspannter. Das freute mich sehr, doch leider hatte ich mich dazu entschlossen sie zu verkaufen. Ich wollte mich mehr auf die Criollozucht konzentrieren und das nahm sehr viel Zeit in Anspruch und Dawn braucht einen Besitzer der sich voll und ganz auf sie konzentriert und dem sie vertrauen kann. Ich hatte dazu leider keine Zeit. Aber in der Zeit wo sie bei uns war hat sie sich extrem positiv entwickelt.
      Ich lief über den Hof und raus zu den Hengstkoppeln. Wir hatten jetzt die ganz große offen und die Hengste genossen es zu spielen und zu toben. Auch mein Connemara Hengst Maverick hatte sich bei den Criollo Hengsten gut eingelebt. Genauso wie mein Neuzugang Coreando. Ich sah ihnen einen Weile zu. Colorido, el Alba Ardiente und PFS Dreaming of Revenge spielten ausgelassen, stiegen und bockten herum, aber alles aus Spielerei. Fame, Fantasio und Companero knabberten am Gras herum und Kantarro wälzte sich mehrere Male. Chulo kam tatsächlich an den Zaun und holte sich Streicheleinheiten ab, obwohl er nicht die Art von Pferd war der die Zuneigung des Menschen sonderlich genoss. Aber umso mehr freute es mich.

      Als ich wieder zum Hof zurück kam, stand der Tannenbaum bereits und Luke machte die Lichterkette dran. „Sieht doch schon gut aus.“ meinte ich und blieb kurz stehen um es genauer zu betrachten. „Wenigstens ein bisschen Weihnachtsfeeling wenn wir schon keinen Schnee kriegen.“ scherzte Luke und kam auf seiner Leiter runter um mich zu küssen. „Wer braucht schon Schnee. Weihnachten mit Nebel und viel Regen hat doch auch was.“ ich lächelte verschmitzt und blieb noch eine Weile in Luke´s Armen. „Ich hole jetzt noch Äste und Zweige für die Stuten zum knabbern. Wir sehen uns dann drin.“ dann ging ich zum Traktor und fuhr mit dem Hänger zur Stutenkoppel. Dort angekommen zog ich die Äste auf die Koppel und schon kamen Princess Mononoke, Sabandija, Adrenaline und Rovina angetrabt um zu sehen was ich da mache. ZW Ashitaka und Fermina kamen kurze Zeit später auch näher heran und fingen gleich an an den Ästen zu knabbern. Sie bekamen alle ein paar Streicheleinheiten von mir bis ich wieder weiter an meine Arbeit musste.
    • Canyon
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      Dressur E → A
      „Bart“, sagte ich. „Bist du dir sicher, dass das die richtige Abbiegung war?“
      „Klar“, sagte er, ohne Aufzuschauen. „Meine App hat die neueste Technik, der kannst du ruhig vertrauen, Malte.“
      Ich stellte den Motor ab. „Und wie erklärst du mir bitte das?“
      Wir waren ein Stück einem Weg durch ein kleines Waldstück gefolgt, weil dieser, laut Bart, „der kürzeste Weg nach Little Haven“ sei. Nun endete der Weg allerdings abrupt durch einen Zaun, der uns von der dahintergelegenen Schnellstraße trennte.
      „Da ist doch die Schnellstraße“, sagte Bart.
      „Ja“, sagte ich langsam. „Aber da ist auch ein Zaun.“
      „Den hat mir meine App aber nicht angezeigt!“, erwiderte er.
      „Und doch ist er da“, sagte ich. „Das muss Magie sein.“
      Wir wendeten also unseren Mietwagen, ich würde darauf bestehen, dass Bart die Reinigungskosten übernehmen würde, und suchten uns einen anderen Weg an die Westküste.
      „Ich habe schon fast das Meer sehen können“, nörgelte Bart auf dem Beifahrersitz. Ich ignorierte ihn.
      Am Ende des Tages war ich zwar in manchen Ansichten etwas altmodisch, aber immerhin brachte uns meine Landkarte zwanzig Minuten später nach Little Haven. Zwei Abbiegungen später tauchten die Weiden von Rook‘s Bay und dann auch seine Gebäude auf.
      Ich stellte den Wagen etwas ungeschickt am Wegrand ab und stieg aus. Es war noch früher Vormittag, der Himmel war von schweren Wolken verhangen. Trotzdem war es trocken, das Auto zeigte 9 Grad an. Ich hatte gehofft, hier in England auf etwas Schnee stoßen zu können, aber wahrscheinlich hätte ich dazu in diesem Jahr an den Nordpol fahren müssen.
      Auch Bart stieg aus. Er streckte sich und sein Jogginganzug baumelte locker an ihm herab. Ich war niemand, der behauptete, dass Jogginganzüge nichts in der Öffentlichkeit zu tun hatten, immerhin waren sie bequem, aber als die junge Frau auf uns zukam und Bart einen leicht verwirrten Blick zu warf, war es mir doch etwas peinlich.
      „Veronika Bennett“, sagte sie freundlich und reichte mir die Hand. „Willkommen auf Rook‘s Bay!“
      „Malte“, sagte ich nur und nahm die Hand an. „Ich hoffe, es ist in Ordnung, dass ich meinen Lehrling Bartholomäus du Martin mitgebracht habe? Er ist zur Zeit bei mir in Ausbildung und soll mich während meiner Arbeit unterstützen.“
      „Aber natürlich!“ Veronika lachte munter. „Ich lass gleich noch ein zweites Bett im Gästezimmer beziehen. Kann ich euch beim tragen helfen?“
      Weder Bart noch ich hatten viel zu tragen. In meinem Seesack befand sich nur frische Kleidung für den nächsten Tag und die Verpflegung von unterwegs. Auch Bart hatte nicht viel mehr im Angebot.
      Unser Gästezimmer lag im Dachgeschoss den Angestelltenhauses, vor dem ich das Auto geparkt hatte. Der Weg war also nicht weit und nach einer kurzen Einführung, wo wir uns am besten den Kaffee abholten und wann es Abendessen geben würde, verließen wir das Haus schon wieder. Veronika zeige uns anschließend noch die restlichen Gebäude und während ich versuchte aufmerksam zuzuhören und wichtige Fragen zu stellen, war Bart immer wieder von Nebensächlichkeiten oder seinem Handy abgelenkt. Ich kannte ihn seit er klein war, ich kannte seinen Vater und ich wusste, war er oft für Außenstehende unverständlich wirkte. Aber Veronika wusste sein Verhalten weniger gut einzuschätzen. Sie warf ihm während der Führung immer wieder fragende, teils abschätzende Blicke zu und ich hoffte, dass sie ihm das nicht übel nehmen würde, oder gar meine Arbeit dadurch in Frage stellen würde.
      Nach dem Rundgang stellte sie uns das Trainingspferd für die nächsten zwei Tage vor. El Alba Ardiente stand mit einer kleinen Gruppe von Hengsten auf den Weiden hinter dem Gestüt. Er war gut zu erkennen, auch wenn viele seiner Gefährten eine außergewöhnliche Scheckung trugen. Veronika hatte mir bereits ein Bild von ihm geschickt gehabt, sodass der Fuchs mit der hübschen Overoscheckung für meine Augen nicht mehr zu übersehen war.
      „Seine Ausrüstung findet ihr in der Sattelkammer im Hengststall. Da ist alles beschriftet, ihr solltet es also leicht finden. Wenn ihr die Halle oder den Platz braucht, sagt einfach Bescheid, ich kümmere mich darum. Eure Arbeit geht dieses Wochenende vor, alles andere kann warten oder woandershin verschoben werden.“ Sie reichte mir ein hübsches hellblaues Halfter. „Braucht ihr noch etwas? Ansonsten würde ich euch alleine lassen, damit ihr euch kennenlernen könnt.“
      Ich schüttelte den Kopf. „Nein danke. Vielen Dank für die ausführliche Führung!“
      „Ich hätte Lust auf ein Stück Sahne-Kirsch-Torte“, sagte Bart. Ich schaute ihn böse an. Veronika war einen Moment verwirrt, dann begriff sie, dass dies hoffentlich nur ein Scherz gewesen war und lächelte gezwungen. Sie verabschiedete sich und ließ uns alleine.
      „Du bist peinlich, Bart“, sagte ich nur und öffnete das Gatter. Es würde nichts bringen, wenn ich ihm nun all sein Fehlverhalten vorhalten würde. Ich wusste, dass Bart es anders konnte. Er war ein schlaue junger Mann, der seiner Intelligenz mit unvernünftigem, jugendlichem Verhalten entgegenhalten musste.
      Ich reichte Bart das Halfter weiter. Er verstand, was ich von ihm wollte und während ich am Tor gelehnt Bart dabei zuschaute, wie er sich durch die Herde neugieriger Hengste zu dem jungen Fuchs durcharbeitete und dabei nicht vergas, jedem Pferd ein kurzes Hallo zuzuwerfen, sah ich wieder, warum ich eingewilligt hatte, ihn als Lehrling aufzunehmen. Bart war wie sein Vater kein Mensch, der von allen gemocht wurde, aber das Pferdegen hatte er im Blut. Fürsorglich und sanft machte er sich mit Alba bekannt, zeigte ihm das Halfter und legte es ihm vorsichtig an, als sei er ein Fohlen und kein ausgewachsener Hengst, der bereit für sein Dressurtraining war.
      „Was für kuschelige Monster, diese Criollos“, sagte Bart, als er mit Alba am Zaun ankam. Die Herde war ihm ein Stück gefolgt und nun standen sie etwas abseits und betrachteten das Geschehen um Alba herum. „Was ist unser Plan?“
      „Zu erst etwas Bodenarbeit und Longieren. Ich möchte schauen, wie er läuft und wie er reagiert. Das ist mir wichtig, bevor ich mich auf ein fremdes Pferd setze“, erklärte ich ihm, während wir zurück zum Gestüt gingen. „Wenn alles klappt, dann möchte ich innerhalb von zwei Einheiten die Lektionen für die A-Dressur fertig erarbeitet und gesichert haben. Eine davon heute Nachmittag, die anderen morgen früh. Morgen Abend möchte ich dann das Abschlusstraining absolvieren, wenn Veronika möchte, dann gerne auch mit ihr im Sattel. So kann ich ihr nochmal die Schwachstellen zeigen, an denen sie mit ihrem Hengst arbeiten kann.“
      „Innerhalb so kurzer Zeit so viel?“, fragte Bart skeptisch.
      „Veronika hat Alba bereits auf A-Niveau antrainiert. Unsere Aufgabe ist es nur, kleinere Fehler auszubügeln und das, was er bereits kann, zu sichern. Mehr kann ich in zwei Tagen natürlich nicht schaffen.“
      Bart schien wenig überzeugt. „Und wie kann ich dir dabei helfen?“
      „Wir werden sehen“, sagte ich und band Alba vor seiner Box im Hengststall an.
      „Ich wusste, dass das die langweiligsten zwei Tage meines Lebens werden“, seufzte Bart.

      Wir putzten Alba und Bart besorgte uns ein Bodenarbeitsseil, ein Knotenhalfter und eine Longe. „Stick und Longierhilfen sollen in der Halle sein“, sagte Bart. „Meinte zumindest dieser Frank zu mir.“
      Die Halle war zum Glück leer und ein Stick für die Bodenarbeit schnell gefunden. Während Bart sich in der Mitte der Halle auf einer Aufstiegshilfe niederließ, lernte ich Alba vom Boden aus kennen. Erst einfache Dinge, Stop and Go, Rückwärtsrichten, Volten, leichte Seitwärtsgänge. Ich versuchte seine Aufmerksamkeit auf mich zu richten, lobte ihn, sobald ich sie hatte ausführlich. Alba war ein junger, aber sehr konzentrierter Hengst, der sich gut auf mich einließ und kaum Korrektur brauchte, wenn man die Hilfen korrekt und im richtigen Moment ausführte. Schließlich tauschte ich das Bodenarbeitsseil gegen die Longe und ließ Alba erst entspannt im Schritt, dann im Trab um mich herum laufen. Es fiel ihm sichtlich schwer sich zu entspannen, den Kopf zu senken und den Rücken aufzuwölben. Bart baute schließlich einige Stangen auf, die Alba dazu bringen sollten, seine Hinterhand zu aktivieren. Das funktionierte auch nach kurzer Eingewöhnungsphase ohne Probleme. Trotz vielen Schritt-Trab-Galopp-Übergängen versuchte ich seine Gelassenheit weiter herauszukitzeln, lobte ausführlich bei jeder Neigung seines Kopfes in Richtung Hallenboden und freute mich über die in meine Richtung zuckenden Ohren.
      Alba war gut drauf und auch nach dem anstrengenden Training immer noch sehr anhänglich. Ich entfernte die Longe und gab ihm die Möglichkeit, sich im Sand zu wälzen, die er auch zur Genüge nutzte. Dann fand er sich bei Bart und mir am Hallentor ein und suchte bei uns nach einer Hand zum Kraulen.
      „Seine Gelassenheit muss noch etwas gefördert werden“, sagte ich zu Bart. „Möglicherweise werde ich auch etwas an seiner Kontinuität der Geschwindigkeit verbessern müssen, aber das werden wir sehen.“
      Alba schüttelte sich, dann kaute er genüsslich ab. „Jetzt scheint er zumindest sehr gelassen“, sagte Bart und kraulte dem Hengst hinter den Ohren.
      „Ja, wichtig ist nur, dass wir sein ruhiges Temperament auch während des Reitens in lockere Bewegungen übersetzen können, damit er genau in diesen Moment nicht verspannt.“
      „Und jetzt?“, fragte Bart.
      „Jetzt“, sagte ich, „Jetzt bringen wir Alba zurück auf die Koppel und genießen unsere Mittagspause.

      Am Abend frühen Abend reservierte ich die Halle erneut für uns. Ich hatte vor, die ersten Lektionen mit Alba durchzugehen und nach Ungenauigkeiten in der Ausführung zu suchen.
      „Das müsste sein Sattel sein“, sagte Bart und ließ einen Dressursattel auf die Ablage vor Albas Box fallen.
      „Warum sollte er es nicht sein? Veronika meinte, es sei alles beschriftet.“
      „Ja, aber da waren so viele Sättel“, sagte Bart und zuckte mit den Schultern.
      Der Sattel passte. Er passte fast. „Der Schwerpunkt des Sattels liegt etwas zu weit hinten“, sagte ich zu Bart und hob den Sattel mit zwei Fingern etwas an. „Für einen korrekten Sitz müsste man das korrigieren, zum Beispiel durch ein dünnes Pad.“
      „Das heißt, wir können heute nicht reiten?“, fragte Bart.
      „Doch, das ist erstmal nicht weiter schlimm, vor allem wenn ich es weiß. Gut wäre es trotzdem, dies in nächster Zeit anzupassen.“
      Ich sattelte Alba, trenste ihn und führte ihn dann zur Halle. Mittlerweile war es dämmrig und die rote Abendsonne strahlte über die Baumwipfel im Rücken des Gestüts. Ich hatte keine Erwartungen an Albas Dressurkünste, konnte mir den Hengst aber gut in der Dressur vorstellen. Veronika hatte mir bereits im Voraus viel über ihn erzählt gehabt, sodass die Arbeit mit ihm nicht mehr viele Überraschungen bereithalten sollte. Auf einem Criollo hatte ich lange nicht mehr gesessen. Ich konnte mich daran erinnern, dass ich mit 12 Jahren auf einer solchen Rasse meine ersten Erfahrungen mit Western gemacht hatte. Ich hatte den Sommer auf einer Ranch ausgeholfen und gelernt, Rinder über die weiten Wiesen zu treiben. Neben einem Mustang verkörperte für mich ein Criollo am meisten das Bild von Freiheit.
      Ich stieg auf. Der Sattel war bequem und Alba blieb still stehen, die Ohren leicht nach hinten gerichtet, den Kopf aufmerksam gestreckt. Bart saß wieder in der Hallenmitte, kaute Kaugummi und hatte die Arme vor der Brust verschränkt.
      Wie jedes Mal, wenn ich ein neues Pferd bestieg, dauerte es einige Runden, bis man sich eingespielt, verstanden hatte. Es war wie mit einem Auto. Auch hier reagierte jedes anders, allerdings wusste ich als Reiter, wie es funktionierte, und sobald man sich eingespielt hatte, klappte alles, wie es sollte.
      Der Schritt in die A-Dressur war nicht groß. Aus dem Trab musste der Mitteltrab erarbeitet werden, aus dem Galopp der Mittelgalopp. Die Bahnfiguren waren leicht und viele der Lektionen wurde bereits in einer E-Dressur in Ansätzen erarbeitet. Trotzdem begann ich die Arbeit mit Alba, als würde er davon nichts wissen.
      Ich ritt ihn warm, ließ mir dafür Zeit und nutzte diese, um ihn vollständig kennenzulernen. Alba brauchte weiche Hilfen. Gab ich diese zu hart oder zu ungenau, verspannte er, befreite sich aus der Anlehnung oder folgte nicht mehr so weiche meiner Hand, wie zuvor. Er war einfach zu reiten, aber in seinen Bewegungen sehr eigenwillig.
      Nachdem ich ihm einige E-Lektionen abgefragt hatte, die er alle ohne Probleme meisterte, begann ich, ihn in den Mitteltrab zu reizen. Er hatte keinen sehr starken Trab, sodass das wohl eine der schwierigeren Aufgaben sein würde, aber ich merkte, dass er das bereits unter Veronika geübt hatte und wusste, was ich von ihm wollte. Allerdings waren seine Übergänge in den Mitteltrab sehr holprig und immer noch etwas schleifend. Es folgten also einige Schritt-Mitteltrab-Übergänge und sobald er von Anfang an ordentlich auf meine Hilfe hin antrat, ließ ich locker und baute eine andere Übung ein. Die 10m Volte im Trab war kein Problem. Trotzdem ließ ich mir Zeit und spielte etwas mit der Größe der Volte. „Ich variiere etwas die Größe der Volte, um Alba nicht nur eine Größe vorzugeben, sondern um ihn etwas aufmerksamer für meine Hilfen zu machen. Er soll sich nicht darauf verlassen, dass eine Volte immer die gleiche Größe hat, sondern er soll sich darauf verlassen, dass ich weiß, was die richtige Größe ist.“
      Bart hörte, für ihn eher untypisch, aufmerksam zu. Sein Interesse an meiner Arbeit mit Alba schien doch da zu sein.
      Nach dem anstrengenden Trabarbeiten parierte ich zurück in den Schritt. Ich richtete ihn rückwärts, wechselte im Schritt durch die Länge der Bahn und verkleinerte und vergrößerte das Viereck. Erstmal nur ein Auge auf die korrekte Ausführung, nicht auf die Schnelligkeit. „Wenn er das langsam kann, dann kann er es auch schnell“, antwortete ich Bart auf die Frage hin, warum ich das alles nur im Schritt zeigte.
      Zum Schluss galoppierte ihn nochmal an. Ich legte mein Bein im Schritt sanft nach hinten und gab ihm dann auf dem Zirkel zur geschlossenen Seite hin die Galopphilfen. Erstaunt darüber sprang er tadellos an. Ich merkte, dass der Galopp eine seiner Stärken war. Der Übergang vom Schritt in den Galopp hatte ohne Probleme funktioniert, schwieriger wurde dann allerdings das durchparieren in den Schritt, ohne einige Trabschritte einzubauen. Aber das würde ich morgen weiter mit ihm üben.
      Zum Schluss forderte ich von ihm nur noch wenige Runden den Mittelgalopp, bevor ich ihn in den Trab durchparierte und mir die Zügel aus der Hand kauen ließ. Alba streckte seinen Kopf weit nach unten, kaute gelassen auf dem Gebiss und streckte seine Beine weit nach vorne, als ich ihn einige Runden austraben ließ, bevor er von selbst in den Schritt durchparierte. Am langen Zügel dehnte ich ihn noch etwas und forderte etwas seine Aufmerksamkeit nur auf meine Bein- und Gewichtshilfen zu legen, bevor ich abstieg, den Sattel von seinem Rücken zog und ihn in die Halle entließ.
      Wenige Minuten später kam er mit Sand bedeckt zurück zu mir und gähnte ausgiebig. Ich klopfte ihm den Hals und steckte ihm eine Möhre zu. „Die hast du dir reichlich verdient, Alba.“
      Pünktlich zur Abendfütterung brachten wir Alba zurück in den Stall. Unruhig schnaubte er, den Geruch von Hafer und frischem Heu in der Nase. Ich bat um eine kleine Extraportion, die man ihm auch genehmigte.
      „Und wir?“, fragte Bart. „Sollen wir verhungern?“
      „Nein“, antwortete ich. „Wir gönnen uns jetzt auch unser Abendessen.“

      Am nächsten Morgen war ich so früh im Hengstall, dass ich bei der Fütterung half. Für Alba bedeutete das, dass er nach seiner Portion Heu gleich geputzt und gesattelt wurde und während die anderen Pferde auf die Weiden gebracht wurden, ging ich mit ihm in die Reithalle.
      Bart hatte nicht aufstehen wollen. Er war ganz und gar kein Frühaufsteher, ich wusste aber, dass ihn sein Pflichtbewusstsein bald aus dem Bett treiben würde.
      Ich hatte recht gehabt. Ich hatte gerade mit einigen Aufwärmübungen mit Alba begonnen, als Bart in die Halle geschlurft kam und sich hinter der Bande niederließ. Die rotblonden Haare vom Kopfkissen durcheinander gebracht und eine Tasse Tee in der Hand. „Morgen“, grunzte er.
      „Ich bin gestern weiter gekommen, als ich erwartet hatte“, erklärte ich Bart laut. „Das bedeutet, dass ich nun mehr Zeit zur Sicherung des Gelernten habe.“
      Zu erst ging ich einige Lektionen des Vortages durch, die bereits gut geklappt hatten. Rückwärtsrichten, Viereck verkleinern und anschließend wieder vergrößern, die Volte, der Wechsel durch die Bahn und die Schlangenlinien. Wie bereits prophezeit, hatte Alba Probleme mit der Gleichmäßigkeit seiner Geschwindigkeit, was vor allem im Mitteltrab und im Mittelgalopp auffällig war. Auch die Ungenauigkeit beim antraben im Mitteltrab und das gleiche auch beim Mittelgalopp waren noch Baustellen, die ich heute eventuell nicht in Gänze beheben konnte. Ich würde dafür allerdings mein bestes geben.
      Heute hinzu kam noch das Überstreichen im Galopp, ein wichtiger Aspekt im Training und gut zur Überprüfung geeignet, ob das Pferd sich selber tragen konnte. Für wenige Sekunden schob ich also meine Hände über den Mähnenkamm ein paar Zentimeter nach vorne, um zu schauen, ob Alba weiterhin die Anlehnung ritt, ohne von meinem Zügel abhängig zu sein. Alba lief sowieso sehr weich an den Hilfen, benötigte diese kaum, sodass das für den Anfang schon sehr gut lief. Trotzdem arbeitet ich mit ihm etwas daran, in dem ich gebogene Linien, vor allem Zirkel und Schlangenlinien ritt und immer wieder den inneren Zügel etwas nach vorne gleiten ließ. Immer nur für wenige Sekunden, aber ausreichen, um festzustellen, dass diese Lektion als erledigt angesehen werden konnte.
      Am Ende arbeitete ich nur noch an den Gangarten und forderte Albas Durchhaltevermögen mit vielen Gangartwechseln, Trabstangen und vor allem viel Mitteltrab, seiner größte „Schwäche“. Im Endeffekt war diese Übung grundsätzlich dafür da, dass Alba sich streckte, gymnastizierte und Muskeln stärkte. Ich war zufrieden, wenn durch den Wechsel von Arbeitstrab zum Mitteltrab Albas Hinterhand gestärkt werden konnte, selbst wenn dieser noch nicht Einwandfrei in jeder Situation hervorrufbar war. Für Alba war es der richtige Weg, um seinen gleichbleibenden Zweitakt zu verbessern und immer gut unter den Schwerpunkt zu treten. Alles, was ich heute mit ihm nicht mehr erarbeiten konnte, würde ich Veronika mit auf den Weg geben und ich wusste, dass es dann nicht mehr viel Arbeit benötigte, um auch das bei Alba zur Perfektion zu treiben.
      Nach getaner Arbeit saß ich ein letztes Mal von Alba ab. Eigentlich hatte ich vorgehabt, Veronika selbst noch einmal auf ihr Pferd zu bitten, aber leider würde sie bereits am frühen Nachmittag abreisen, sodass ich ihr stattdessen eine ausführliche Beschreibung des Trainings, sowie Tipps für ein weiteres Vorgehen mit Alba zukommen lassen würde.
      Wie es bei mir üblich war, ließ ich Alba in der Halle sich ein letztes Mal wälzen. Diesmal blieb der Hengst jedoch etwas länger im Sand liegen und als ich mich zu ihm gesellte, legte er den Kopf entspannt auf den Boden und ließ sich von mir an Hals und Schulter kraulen. Als ich mich wieder aufrichtete, kam auch Alba auf die Beine, schüttelte sich und trottete hinter mir in Richtung Ausgang.
      „Malte der Pferdeflüsterer“, sagte Bart gespielt abschätzig, ich konnte jedoch erkennen, dass er eher fasziniert und begeistert war.
      Ich lächelte also nur, brachte Alba zurück zu seiner Weide und beobachtete ihn dabei, wie er mit erhobenem Kopf und wehender Mähne auf seine Herde zutrabte. „Das nächste Mal machst du das“, sagte ich zu Bart und grinste ihn an.
      „Ich?“, fragte dieser erstaunt.
      Ich nickte. „Das nächste Mal sitze ich entspannt daneben und schaue zu. Ich hoffe, du hast gut aufgepasst, mein junger Schüler.“
      Bart starrte mich mit offenem Mund an. „Aber ich kann doch nicht—“, stotterte er.
      „Nicht reiten?“ fragte ich. „Dann wird es Zeit, das zu lernen!“ Grinsend marschierte ich zurück zum Stall.

      Wir verabschiedeten uns von Veronika. Ich hatte noch länger mit ihr erzählt, alles geschäftliche erledigt, ihr von dem Sattel erzählt und meine Aufzeichnungen zum Training gezeigt. Ich erklärte ihr, was man eventuell jetzt noch weiter mit ihm üben könnte und ich war froh zu sehen, dass sie meine Erklärungen sehr positiv und nicht als Kritik an ihrer bisherigen Arbeit aufnahm.
      „Er ist ein wirklich angenehmes Pferd, etwas eigensinnig in manchen Momenten, aber immer hochkonzentriert“, sagte ich abschließend. Veronika freute sich sichtlich über diese Einschätzung. Wie verabschiedeten uns und sie versprach, mich auf dem Laufenden zu halten, was Albas weitere Entwicklung anging.
      „Wollen wir nochmal meine App versuchen?“, fragte Bart, nachdem wir ins Auto gestiegen waren.
      „Nein!“ sagte ich und warf ihm grinsend die Landkarte zu. „Ich will jetzt zurück nach Hause.“
      Bart lachte und ich strahlte ihn glücklich an. Das Wochenende war wunderbar verlaufen und ich freute mich, ein weiteres, talentiertes Pferd getroffen zu haben.

      21. Februar 2020 | 20.806 Zeichen | Canyon
    • Calypso
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      Juni 2020

      Bei uns auf dem Hof lief alles seinen gewohnten Gang. Um 7.30 Uhr fingen wir an die Pferde raus auf die Koppeln zu bringen. Angefangen bei den Hengsten Drømmer Om Død, Chulo, Coreando, Colorido, El Alba Ardiente, Fame, Fantasio, PFS Dreaming of Revenge, Kantarro und Companero. Bei den Hengsten ging es sehr einfach, da wir einfach den direkten Weg zu ihren Koppeln mit einem Absperrband absperrten und sie alle selbst raus laufen ließen. Das funktionierte schon immer sehr gut. Die Stuten mussten wir separat auf die Koppel führen. Erst nahm ich Moon Kiddy und Princess Mononoke mit und Luke nahm Sabandija und Adrenaline. Zu guter Letzt holte ich noch Fermina, Rovina und ZW´s Ashitaka. Dann ging es weiter mit Boxen und Paddocks misten und Heu auffüllen. Bis 11 Uhr schafften wir es mit allem fertig zu werden, setzten uns nochmal mit einem Kaffee raus auf den Hof und besprachen den restlichen Tag. Es gab schließlich immer was zu tun!
    • Gwen
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      Juni 2020 - Distanz A auf L
      Es war noch früh am Morgen, als ich bereits fröstelnd auf der Veranda stand und auf mein neues Berittpferd wartete. Ein Blick auf das Thermometer reichte, um den Grund zu erfahren. Obwohl inzwischen Juni war, hielten sich die Temperaturen immer noch im unteren Bereich und so wirklich nach Sommer fühlte es sich noch gar nicht an. Ich hoffte ja inständig, dass doch bald die wärmeren Tage kommen würden.
      Während ich in Gedanken abschweifte, bahnte sich ein größerer Transporter den Weg auf unseren Hof. Ich begrüßte den Fahrer knapp und dann luden wir den neuen Hengst auch schon aus. Er hieß el Alba Ardiente und war ein fünfjähriger Criollo, welcher bei mir im Distanzreiten gefördert werden sollte. Seine Besitzerin beschrieb ihn gelehrig, motiviert und sensibel. Dementsprechend war ich mir sicher, dass uns das Training viel Spaß machen würde.
      Ich bedankte mich beim Fahrer, nachdem er mir das Zubehör ausgeladen hatte und verabschiedete ihn dann. Für den Hengst ging es erst einmal auf eine kleinere Weide, damit er sich die Beine vertreten konnte. Alba war sichtlich aufgeregt, so wie er neben mir her tänzelte und laut wieherte. Doch ich ließ mich nicht beeindrucken und ließ ihn erst einmal auf der Weide seine Power auslassen.
      In der Zwischenzeit verstaute ich seine Sachen in der Sattelkammer und pinnte den Futterplan in unsere Futterkammer, ehe ich noch einmal nach dem Hengst schaute. Während ich am Zaun lehnte, rief ich seine Besitzerin an und berichtete ihr, dass der Hengst wohlbehalten angekommen war. Außerdem versprach ich ihr, sie ab und an zu informieren wie es Alba so erging.
      Für heute würde er auf jeden Fall noch frei haben und sich erst einmal eingewöhnen dürfen. Ich wollte ihn ungern überfordern und so hatte ich auch noch genug Zeit für meine Planungen, denn die brauchte ich beim Distanztraining immer. So durfte Alba den Rest des Tages auf der Weide verbringen und ich im Büro.

      Am nächsten Tag ging es für Alba direkt nach dem Frühstück los. So viel Stroh wie er in Schweif und Mähne hatte, schien er sehr gut geschlafen zu haben. Ich begann also erst einmal mit dem Verlesen des Schweifes, ehe ich überhaupt das Pferd an sich putzen konnte. Danach kam auch schon der Sattel drauf und dann waren wir bereit.
      Um Alba nicht zu überfordern, gingen wir heute erst einmal auf den Platz und lernten uns kennen. Ich ritt einfach nur grundlegende Dinge: Alle drei Grundgangarten, allerhand Bahnfiguren und schaute, wie es um Albas Ausdauer, Wendigkeit und Balance stand. All das war wichtig für das Distanzreiten, denn auch wenn viele dachten, dass man da einfach nur möglichst schnell durchs Gelände ritt, stimmte das auf keinen Fall.
      Aus diesem Grund würden wir die erste Woche auch gar nicht wirklich ins Gelände gehen, sondern viel an den grundlegenden Dingen arbeiten und dazu gehörte auch die Dressurarbeit. Heute zeigte sich Alba auf jeden Fall sehr bereitwillig und machte motiviert mit, sehr gute Voraussetzungen für ein Distanzpferd.
      Die kommenden Tage würde ich mit Alba immer zweimal am Tag arbeiten. Einmal etwas in Richtung Longieren oder Spazierengehen und das zweite Mal reiten. Dabei entweder Dressurarbeit, ein Ausritt oder Ausdauertraining. Das war das Schöne am Distanztraining: Es war unglaublich vielseitig.
      Schon am zweiten Tagen gingen wir zum Extreme Trail auf Townsend Acres, um an Albas Trittsicherheit zu arbeiten. Außerdem förderten die Auf- und Abstiege auch seine Hinterhandmuskulatur und ebenso musste der Hengst nachdenken. Das alles war eine klasse Kombination und Alba hatte sichtlich Spaß.
      Besonders das Baumstammmikado machte ihm Spaß, lediglich vor der Hängebrücke hatte er Respekt, bewältigte die aber am Ende des Tages sogar samt Reiter auf dem Rücken. Mit dem Hengst ging wirklich alles immer ganz fix. „Du machst schneller Fortschritte als gedacht“, murmelte ich lachend und lobte den Hengst ausgiebig, als er auch die letzte Aufgabe mit Bravour gelöst hatte und wir uns auf den Heimweg machten.
      Die erste Woche bestand wirklich komplett aus dem Grundlagentraining. Dabei bauten wir vor allem Albas Ausdauer und Gleichgewicht aus. An der Longe lief er schnell schon viel besser und fand auch eine gute Selbsthaltung, so dass ich durch Stangenarbeit gezielt seine Rückenmuskeln stärken konnte. Wenn es etwas gab, was ein Distanzpferd auf jeden Fall brauchte, dann starke Rückenmuskeln, immerhin musste es eine lange und oft auch beschwerliche Strecke den Reiter tragen.

      Dann begann die zweite Woche und für uns die zweite Etappe. Ab sofort ließen wir die Platzarbeit weg und gingen jeden Tag ins Gelände. Wir begannen bei Ritten von ein bis zwei Stunden. Jedoch trödelten wir dabei nicht durchs Gelände, sondern waren wirklich in einer ordentlichen Gangart unterwegs.
      Dabei achtete ich auch kontinuierlich darauf, dass Alba wirklich immer in einer gesunden Haltung lief und nicht das typische Giraffen-Ausreitpferd spielte. Das war gar nicht so einfach, denn der Hengst musste lernen, dass Gelände nicht nur Entspannung hieß, sondern sehr wohl auch Arbeit, denn das war das Distanzreiten. Eine Menge Arbeit.
      Mit jedem zweiten Tag erhöhten wir die Dauer unserer Ritte. Einmal die Woche hatte Alba komplett frei und sonst machte ich jeden Tag noch etwas Auflockerndes mit ihm, damit sich sowohl sein Körper als auch sein Geist entspannten. Alba schien diese Art des Trainings sichtlich zu gefallen, denn er blühte wirklich auf.
      Schon bald waren wir bei Ritten, die um die vier Stunden dauerten und wirklich größtenteils aus Trabstrecken bestanden. Das kanadische Gelände des Nationalparks war dafür außerdem ideal, wir besaßen alles: Wälder, Wiesen, Gebirge, Flüsse und Seen. Ich konnte Alba also mit allem konfrontieren, was er auf Distanzritten treffen würde.
      Entscheidend war auch der Boden und den gab es bei uns zur Genüge in allen möglichen Varianten. Ab der dritten Woche nahmen wir die Gebirgsstrecken hinzu und schon musste Alba auch auf sehr hartem Steinboden laufen oder steile Hänge erklimmen. Teilweise stieg ich natürlich auch ab und half ihm, aber das Ziel war, dass er dies auch mit Reiter bewältigte.
      Da Alba keine Hufeisen hatte, nutzte ich für die anspruchsvollen Böden einfach Hufschuhe. Natürlich kühlte ich die Beine nach jedem anstrengenden Ritt etwas, was aber mehr der Wellness von Alba galt. Manchmal gab es den Luxus und Alba durfte sich eine halbe Stunde unter dem Solarium entspannen, das wirkte immer Wunder bei müden Muskeln.
      Alba erhielt bei uns also das komplette Rundumpaket und schien sichtlich zufrieden. Deshalb plante ich ab sofort alle zwei Tage richtige Tagesritte, an denen wir komplett weg waren. Anstrengend waren sie und das Wetter stellte uns auch oftmals auf die Probe.
      Es war zwar Juni, aber der gestaltete sich sehr wechselhaft. Den einen Tag schien die Sonne und wir beide schwitzten uns zu Tode und am nächsten Tag goss es aus Strömen und die Temperaturen sanken fast unter den Nullpunkt. Umso wichtiger war es, dass Alba nach dem Training immer richtig trocknete und danach auch noch gut eine Stunde im Stall stand, um sich wieder an die Temperatur zu gewöhnen.

      Und dann näherte sich unser Training langsam dem Ende. Alba war inzwischen wesentlich ausdauernder und ausbalancierter, weshalb wir die Strecken auf L-Niveau nun locker schafften. Jedoch war mein Ziel, immer, die Pferde auf mehr vorzubereiten. Wer eine Distanz gewinnen wollte, musste besser sein, als das, was gefordert werden sollte.
      Aus diesem Grund plante ich für Alba und mich abschließend einen dreitägigen Wanderritt. Dieser würde uns beide noch einmal auf die Probe stellen und wirklich zeigen, wie weit Alba war. Er würde uns über den Gebirgskamm und wieder am Clear Lake entlang führen.
      Schon früh am Morgen starteten wir. Es war noch recht dunkel, so dass ich mit Helmlampe losritt. Ehe die Sonne aufging, hatten wir schon eine halbe Stunde im geschmeidigen Trab hinter uns gebracht und gönnten uns eine kleine Schrittpause, um den Fluss zu durchqueren. Es dauerte eine Weile, ehe wir eine geeignete Stelle fanden, denn die Nacht über hatte es geregnet und so führte der Fluss mehr Wasser als sonst.
      Aber wir schafften es auf die andere Seite und konnten unseren Weg hinüber zum Gebirge fortsetzen. Gegen Mittag kamen wir endlich am Fuß des Berges an und dann kam der anstrengendste Part: Der Aufstieg. Alba hatte trotz unseres Trainings an einigen Stellen zu tun, aber wir kamen recht flott voran.
      Am Abend schafften wir es pünktlich zu unserer Übernachtungshütte. Ich brachte Alba in seine Box und versorgte den Hengst die Nacht. Erst dann widmete ich mich meinem Essen und dann meinem Schlaf, denn am nächsten Morgen sollte es schon früh weitergehen.
      Und so saß ich kurz nach sechs auf dem Pferd und war nach fünf Minuten bereits gefühlt durchnässt, denn es goss in Strömen. Wenigstens hielt sich der Wind zurück, so dass wir relativ gut vorankamen. Unwetter auf dem Gebirgskamm konnten wir wirklich nicht gebrauchen.
      Der Abstieg war bei dem Regen natürlich umso schwerer und ich musste absteigen. Die letzte Etappe ab dem Fuß des Berges ging dafür recht schnell und wir erreichten unser zweites Lager noch vor Einbruch der Dunkelheit. Dafür waren wir beide aber auch fertig von dem heutigen Ritt.
      Die letzte Etappe hatte es noch einmal in sich, war aber dafür wirklich schön anzusehen, wir machten unsere Mittagspause am Ufer des Sees und entspannten ein wenig. Immerhin war es heute trocken, wenn auch eiskalt. So waren wir beide froh, als wir am Abend wieder auf der Ranch ankamen.
      Ich versorgte Alba ausgiebig und rief dann seine Besitzerin an, um ihr von unserem Erfolg zu erzählen. In drei Tagen würde Alba sich auf den Heimweg machen. Vorher würde er sich bei uns noch von dem Wanderritt erholen dürfen und ich würde ihn locker bewegen, damit sich kein Muskelkater einschlich. Der war besonders gefährlich, gerade wenn für den Hengst eine lange Reise anstand. Aber Alba ging es bestens und so konnte ich ihn dann drei Tage später gesund und munter wieder nach Hause schicken.
    • Calypso
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      November 2020

      Weihnachten stand vor der Tür und es gab noch viel zu erledigen auf dem Hof. Die Pferde waren auf ihre Winterkoppeln umgezogen und waren bereits so plüschig wie Teddybären. Unsere sieben Stuten Fermina, Rovina, Sabandija, Princess Mononoke, ZW Ashitaka, Adrenaline und Moon Kiddy warteten schon am Koppeleingang auf mich, denn jeden Tag gab es zusätzlich noch Heu auf die Koppel. Ich kam mit meiner großen Schubkarre mit einem Berg von Heu angefahren und öffnete das Tor. Adrenaline kam sofort angetrabt und bediente sich bereits von der Schubkarre. „Moment, Moment, gleich kriegt ihr es“ lachte ich und kippte meinen Heuhaufen auf den Boden. Teils waren die Koppeln schon abgefressen oder das alte Gras schmeckte ihnen nicht mehr so gut. Nach kurzen Streicheleinheiten mit Rovina und Princess Mononoke schnappte ich mir wieder meine Schubkarre und fuhr zurück zum Haupthof. Dort schnappte ich mir den Traktor mit dem Wasserfass und fuhr auf die Koppeln um die Bottiche wieder aufzufüllen. Als ich bei den Hengsten war, tobten und spielten sie gerade wild herum. Companero, Kantarro, Fantasio und Fame jagten sich über die weitläufige Koppel, galoppierten hin und her und machten Bocksprünge. El Alba Ardiente und Coreando stiegen sich spielerisch an und versuchten den jeweils anderen in den Mähnenkamm zu zwicken. Der noch junge Hengst PFS Dreaming of Revenge stieg sofort mit drauf ein und trabte in hengstlicher Manier zu den beiden. Colorido, Drommer om Dod und Chulo beobachteten das Geschehen, doch mir war klar das Chulo sich gleich noch mit anschließen würde. Er ließ keinen Machtkampf aus und musste immer gleich sein Revier markieren. Zum Glück aber alles noch spielerisch ohne ernsthafte Verletzungen. Ich war froh das unsere Hengste im Herdenverband leben konnten. Den Rest des Tages verbrachte ich damit mit Tannenzweigen und Lichterketten den Hof weihnachtlich zu dekorieren.
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  • Album:
    Rook´s Bay Stable - Criollozucht
    Hochgeladen von:
    Calypso
    Datum:
    20 Apr. 2018
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  • el Alba Ardiente

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    Rufname: Alba
    Geburtsdatum/Alter: 12.04.2015, 5 Jahre
    Geschlecht: Hen


    Stammbaum
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    aus der: Caresse ~ von: Kajano
    aus der: Celeste ~ von: Cyclon | aus der: ✗ ~ von: ✗


    Exterieur
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    Größe: wird ca. 150 cm
    Rasse: Criollo
    Fellfarbe: liver chestnut frame overo
    Gencode: ee,aa,Oo



    Interieur
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    Charakter

    sensibel, neugierig, mutig



    Beschreibung
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    el Alba Ardiente zeigte sich schon am Anfang seiner Reitpferdeausbildung als sehr gelehrig und motiviert. Er ist sehr sensibel, was die Reiterhilfen angeht, und immer voll konzentriert bei der Sache. Er will seinem Reiter gefallen und immer sein Bestes geben.



    Vorgeschichte
    Alba stammt aus der Fearie Hills Zucht.



    Zuchtinfos
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    Gekört/Gekrönt:
    Vorgesehen für die Zucht:
    Leihmutterschaft/Deckaxe:

    Abstammung: 2
    Schleifen: 7
    HS: 0
    TA: 0
    Trainer: 2
    Zubehör: 2
    Gesamt: 13

    Nachkommen


    ///

    Besitzer: Calypso
    Vorbesitzer: Occulta
    VKR/Ersteller: Occulta
    Aktueller Wert:

    Trainingsstände
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    Fohlen ABC ✓ | Eingeritten ✓ | Eingefahren ✗


    Bodenarbeit
    Treiben + Bremsen ✓| Rückwärtsrichten ✓ | Durchparieren, Antraben/Galoppieren, Halten ✓
    Abstand halten ✓ | Wenden + Handwechsel ✓ | Abruf ✓

    Freiheitsdressur/Zirzensik
    Kompliment ✗ | Knien ✗ | Spanischer Schritt ✗| Piaffe ✗
    Passage ✗ | Steigen ✗ | Sitzen ✗ | Liegen ✗


    Reitpferde-Ausbildung
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    Dressur: E A L
    Galopprennen: E
    Springen: E
    Military: E A
    Fahren: E
    Distanz: E A L M
    Western: LK5 LK4 LK3 LK2 LK1

    PotentialAufstieg durch Turnier | Training • nicht weiter gefördert


    Erfolge
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    FS 263, 1. Platz 419. Distanzturnier, 2. Platz 411. Militaryturnier, 3. Platz 515. Westernturnier, 1. Platz 515. Westernturnier, 1. Platz 577. Dressurturnier, 3. Platz 564. Westernturnier



    Gesundheit
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    Gesundheitszustand

    Letzter Tierarztbesuch:
    Letzter Hufschmiedbesuch:
    Akute Krankheit/en: ✗
    Chronische Krankheit/en: ✗
    Erbkrankheit/en: ✗



    Hufe/Beschlag

    Beschlag Vorne ✗
    Beschlag Hinten ✗