1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen
Calypso

Drømmer Om Død - Hengst •

Im Besitz seit März 2020

Drømmer Om Død - Hengst  •
Calypso, 31 März 2020
Mohikanerin und Occulta gefällt das.
    • Calypso
      Alte Pflege-, Tierarzt-, Hufschmied-, und Trainingsberichte

      mKay

      16.02.2013 - 00:07 Uhr

      Sattelprobe und neue Pferde.

      Heute kommt der Sattler, aber nur fuer Nico. Der kleine brauch einen Anstaendigen Sattel, weil die anderen nicht passen. Leider. Doch zu erst hole ich Grey von der Weide. Die Pinto Stute ist neu. Von der Weide zurueck binde ich auf dem Putzplatz an und putze sie ordentlich. Hufen kratze ich aus und das Langhaar brueste ich auch. Aus der Kammer hole ich eine Sattel bei dem ich glaueb das er passt und eine Trense die warscheinlich auch passt. Eine eigene bekommt sie auch noch, aber jetzt noch nicht. Ich hole noch schnell meine Gerte und laufe zur Reithalle. Die Tuer oeffne ich und geh rein. Als das Tor zu ist gurte ich noch mal nach und steige auf. Ich treibe und gehe auf den Hufschlag. Leider bietet sie sich nicht an, kann man ja ueben. Ich treibe ein wenig das sie etwas flotter ist. An der langen Seite reite ich eine Volte und geh dann wieder auf den Hufschlag. Anschliessend gehe ich auf den Zirkel dort trabe ich an und bleibe dort. Langsam faengt sie an sich anzubieten. Endlich, wenn auch nur einwenig. Ich parriere sie durch und geh wieder auf die ganze Bahn. Ich gebe ihr etwas mehr Zuegel und reite eine Einfache Schlangenlinie. Nach der kurzen Seite reite ich durch die ganze Bahn gewechselt und gehe wieder auf den Zirkel. Dort trabe ich wieder an und nehme die Zuegel wieder mehr auf. Anschliessend gehe ich auf die ganze Bahn und reite auf dem anderen Zirkel weiter. Dann galoppiere ich an und bleibe ein paar Runden dort. Ich parriere wieder durch und lasse mir die Zuegel aus der Hand kauen. Wir reiten ein paar Runden im Schritt und in der Mitte steige ich wieder ab. Dann sind wir auch wieder am Hof. Ich sattle sie ab und bringe alles weg. Aus der Kammer hole ich eine Abschwitzdecke und stelle Grey auf einen der Paddocks und laufe dann mit einen Halfter zu den Hengstweiden. Angekommen hole ich Dod runter und geh mit ihm zum Hof. Ich binde ihn an und putze ihn. Das Langhaar gebuerstet und Hufen ausgekratzt, lege ich ihm das Pad und den Westernsattel rauf. Seine ein-ohr-trense bekommt er auch ins Maul und wir laufen zur Reithalle. Es ist einfach so kalt draussen. In der Halle schwinge ich mich auf's Pferd und reite im Schritt los. Dadurch das er kaum geritten wurde, ist er ziemlich flott. Aber nicht so schlimm. Ich geh nach einer Runde auf den Zirkel und reite ein paar mal Rum. Dann wechsele ich aus dek Zirkel und jogge ihn an. Er hoert super auf das was ich ihm fuer Komandos gebe nur schaffe ich das mit den Zuegeln nicht. Ich kann einfach nicht mit (fast) gar keun Kontakt reiten. Aber ich gebe mein Bestes. Dod ist etwas verwirrt aber nimmt es einfach so hin. Ein glueck. Ich parriere ihn wieder durch und reiten im Schritt eine Volte. Danach wechsel ich durch die ganze Bahn und trabe ihn bei x an. Anschliessend geh ich auf der anderen Hand auf der Zirkel und setzte den Hengst in Kanter um. Ich hatte sonst nicht so viel auswahl bei einem Normalen Pferd. Doch dann muss ich auch schon wieder langsamer weil mein Freund an der Tuer steht. Er sagt mir dass der Sattler da ist und er Dod weiter reitet. Also gut. Wir tauschen also und ich geh gleich in den Stall das Pferd holen. Es ist Nico. Er braucht unbedingt einen Sattel. Ich habe ueberhaubt keinen der ihm passt. Draussen binde ich ihn an und unterhalte mich kurz mit dem Mann, der mir sagt das er ein paar Saettel mit hat zum probieren. Also gut denk' ich mir. Zu erst legt er einen relativ neuen Schwarzen sattel rauf, aber der passt ueberhaubt nicht. Er legt ihn zur Seite und probiert den nechsten. Wieder ein schwarzerz aber aelteres Model mit leichten trachten der mir sehr gefaellt. Doch der passt auch nicht. Wieder packt er ihn zur Seite. Ich hoffe das er einen passenden Hat. Als nechstes versucht er einen sehr Alten Sattel in braun mit trachten und tiefen sitz. Mir gefellt der Sattel und er passt sogar. Also macht der Mann den Sattel fest und ich mache mir schnell aus dem Strick Zuegel und steige auf. Ich reite ein paar mal auf und ab. Mal schnell mal langsam. Dann steige ich wieder ab und der Sattler sagt er passt super. Er ueberlegt kurz wegen Preis und ich geh schnell Geld holen. Als ich wieder da bin ist mein Freund dabei Dod fertig zu machen. Der Mann sagt mir einen guten Preis und ich druecke ihm das Geld in die Hand. Anschliessend raucht er wieder davob. Mit meinem Freund rede ich und mache dabei Nico das Zeug weg gemeinsam bringen wir das Zeug weg und die Pferde auf die Weide. Auf dem Stall machen wir noch 4 Boxen sauber eh wir baden gehen. Also war es heute ein sehr aufregener Tag.!



      mKay

      22.05.2013 - 23:03 Uhr

      Westernreiten Richtung Westen

      Als ich aufgestanden bin, laufe ich erst mal in die Küche um etwas zu trinken und essen. Mit dem Zeug in der Hand setze ich mich auf den Stuhl und frühstücke erst einmal. Als nächstes ziehe ich meine Reitsachen an und geh' raus zu dem Stall von den anderen Pferden. Daraus hole ich Dod. Mein Black Splash Criollo stand schon eine ganzr Weile rum. Also rann an die Arbeit. Ich binde ihn auf dem Putzplatz an und mache ihn sauber. Das geputzte Pferd wird von mir gesattelt und getrenst. Anschließend laufe ich mit ihm zur Reithalle. Er ist schon ziemlich flott beim laufen, also mal sehen wir er unterm Sattel läuft. In der Halle steige ich auf und reite ihn erst mal warm. Schnell ist Dod unterwegs, als ob ihm jemand jagt. Doch nach wenigen Runden ist er schon langsamer. Ich lobe ihm und schau noch einmal wegen nachgurten. Alles gut, deshalb trabe ich ihn an und er Macht im vorraus erstmal ein Galoppsprung. Kleines eingebildet Pferd. Jetzt aber ist sein trab gut auszusitzen, auch besser so, macht kein spaß im sattel rumzufliegen. Ich gehe mit dem Hengst auf den Zirkel und fangr an mit ihm zu üben am langen Zügel zu laufen. Er macht das super. Ich lobe ihn und parriere durch in den Schritt. Auf der ganzen Bahn übe ich auch wieder am langen Zugel laufen, aber ich reite ihn auch schon ab. Ich habe zwar nicht viel mit Dod gemacht, aber es reicht. Er ist schließlich noch nicht im Training. In der Mitte steige ich ab und laufe zurück zum Hof. Dort sattle ich ihn ab und er schubbert sich den Kopf. Ich bringe ihn in eine Box und gebe ihm Fressen. Dann laufe ich ein Stück weiter um Stalker aus der Box zuholen. Das junge Paint Horse ist unbemuskelt und muss wieder ins Training. Da ich jetzt genug Zeit habe, weil ich mein Trainerschein B geschaft habe. Ich binde ihn an und putze Stalker. Als erstes den Hals, weiter zur Brust und Schulter, dann Bauch und Rücken. Am Ende noch Kruppe und Beine, jetzt kann ich die andere Seite machen. Die Hufen alle noch ausgekratzt und dann kanns losgehen. Ich mache an das Knotenhalter eine Longe und gehe mit ihm zum Roundpen, hinter der Halle. Am Anfang darf er Schritt gehen zum Aufwärmen, natürlich auf beiden Händen. Als das gemacht trabe ich ihn an und er läuft ein gutes Tempo das ich nichts weiter machen muss. Ab und zu schaut er nach innen, was nicht weiter schlimm ist. Ich drehe ihn im Trab um, dass er linke Hand weiter läuft. "Fein", lobe ich ihn. Stalker schnaubt das zweite mal ab und ich parriere ihn in den Schritt durch. Eine Schrittpause und dann wieder ein wenig Trab dann ist er fertig. Wir laufen nach der Arbeit zurück zum Anbinder und ich bringe ihn wieder in die Box. Dort steht Futter für ihn. Ich streichle Stalker noch einmal übers Maul und geh dann Blister aus der Box holen. Adreline muss ich auch holen, weil ich jetzt einen gerittenen Ausritt habe. Ich sehe auch schon jemanden mit einem Fahrrad auf den Hof fahren. Es ist Hannah, das Reitschulkind. Sie winkte und ich winke zurück. Als sie ihr Fahrrad angeschlossen hat kommt sie her und wir bereden was wir machen. Hannah streichelt Adreline und wir putzen die Pferde. Als wir gesattelt haben, geht es los. Es geht als erstes Richtung Wald und dann links Richtung See. Mehr geht erst mal nicht. Mehr Wald haben wit noch nicht freigegeben bekommen. Deshalb haben wir nur wenige Wege. Aber es reicht für's erste. Als wir bei der Brücke sind bremsen Hannah und ich und gurten nach. Adreline hat ein VS Sattel drauf aber ich den Westernsattel. Also muss ich an Blister nichts mehr machen. Wir reiten uber die Brücke und traben dann an. Ich übe mit Blister auch Zügel freilassen, aber er ist schon weiter als die anderen Pferde. Deshalb auch üben im Gelände. Nun gut. Am See parrieren wir durch und reiten Schritt. Die Reitschülerin redet die ganze Zeit. Nervt ein wenig, aber gut jetzt kann ich nichts gegentun. Galopp macheb wir nicht, weil die Pferde zuflott dazu sind. Jedenfalls meins. Am Hof zurück bezahlt sie, gibt der Stute fressen und bribgt das Sattelzeug weg. Ich ebenfalls.



      mKay

      24.08.2013 - 10:30 Uhr



      Umweiden, die Zehnte

      Jetzt geht es weiter mit den Paddockpferden. Ich hole mir ein Halfter und geh als erstes Død aus der Box holen. Wir gehen gemeinsam zum Paddock und streichle über sein Hals. Er schnaubt ein mal und dann lasse ich ihn auch auf seine neue Heimat. Doch das Halfter bleibt dran. Nun geh ich zum Stall zurück um Stalker zu holen. Ich lege ihm, dass Halfter rüber und laufe auch mit dem Schecken zu dem Paddock. Er steht mit Død zusammen. Die beiden Westernpferde kennen sich bereits. Sogar gut. Ich lasse ihn mit rauf, ebenfalls mit Halfter. Ich geh dann auch wieder zurück, die anderen Pferde auf die Weiden bringen.



      [​IMG]

      Ich war bereits bei Pepe auf dem Hof, weil ich ein anderes ihrer Pferde untersucht hatte. "Drømmer Om Død soll bitte auch noch Entwurmt, geimpft und einer Allgemeinuntersuchung unterzogen werden.", meinte sie und ich nickte. "Natürlich, holst du ihn?", fragte ich und wartete kurz, während Pepe den schicken Criollo Hengst aus der Box holte. "Vorsicht, er manchmal etwas anstrengend. Er weiß, dass er Kraft hat.", bemerkte sie und ich hob vielsagend die Augenbrauen. "Alles klar.", sagte ich und näherte mich ihm behutsam. "Hallo Freund.", begrüßte ich ihn und streichelte seinen Hals. Er schnaubte und beobachtete mich skeptisch. "Okay, dann entwurmen wir zuerst mal.", sprach ich eher zu mir selbst und reichte Pepe den Strick. "Einmal fetshalten bitte." Dann schnappte ich mir sein Halfter und hob seinen Kopf an. Widerwillig versuchte er rückwärts auszuweichen, als ich ihm die Wurmkur durch die Maulspalte in sein Maul gab und schlug mit dem Kopf. "Ruhighalten jetzt!", schimpfte ich und ruckte kräftig am Halfter. Drømmer Om Død spitzt die Ohren und hielt inne. "Etwas Disziplin mein Freund.", knurrte ich und ließ ihn von Pepe wieder anbinden. Ich nahm das Stethoskop aus meiner Tasche und schickte ihn einen Schritt vorwärts, damit ich zwischen Ellenbogen und Brustwand abhorchen konnte. Energisch legte der Hengst die Ohren an und schlug mit einem Hinterbein gegen seinen Bauch. "Autsch, das war knapp, beinahe hättest du mich getroffen.", meinte ich und zählte weiter seinen Puls. Drømmer Om Død begann unruhig zu werden und wich weiter nach rechts, sodass ich auch einen Schritt nach rechts machen musste. Er drehte sich noch weiter nach rechts. "Ich konnte das jetzt nicht genau abhorchen, aber es hört sich nicht unnormal an.", sagte ich und bat Pepe, sich vorne an Drømmer Om Død Kopf zu stellen und festzuhalten, damit ich seinen Themperatur messen konnte. Ich streichelte mich nach hinten vor und hielt seinen Schweif beiseite. Ich zückte das Thermometer und wollte es gerade an die Darmwand halten, als der Hengst austrat und mich am Bein traf. "Autsch, scheiße!", fluchte ich und Pepe ruckte energisch am Halfter. "Ich war zu unvorsichtig, der Kerl hat es ganz schön in sich.", sagte ich und brachte mein Werk zuende. "Okay, Normalthemperatur." Ich zählte seine Atemzüge und gab auch da entwarnung. "Seine Atemfrequenz ist unbedenklich, 35 Züge pro Minute sind normal. Ich schaue mir jetzt nochmal seine Schleimhäute an, wie die aussehen." Pepe machte mir Platz und ich tastete seine Schleimhäute im Maul ab, obwohl Drømmer Om Død mit wütend angelegten Ohren und verzogenen Nüstern drohte. "Glatt, feucht-glänzend und rosa-rot. Besser könnte es nicht sein." Auch seine Augen- und Nüsternschleimhäute waren unauffällig. "Dann können wir den Burschen ja impfen." Drømmer Om Død wand sich am Anbindeplatz, als ich die Influenzaspritze nahm und seinen Hals desinfiziere. "Bitte abmachen und gut festhalten. Seitlich am Pferd stehen, nicht dass er dich umspringt.", wies ich Pepe an und stach die Nadel hinein. Rasch drückte ich die Ampulle leer, als der Hengst auch schon anfing zu steigen und zur Seite sprang. "Heeey!", rief ich mit tiefer Stimme, doch der Hengst sprang rückwärts und versuchte sich der Situation zu entziehen. Pepe wurde einen Schritt hinterhergezogen, fing sich dann wieder und ruckte am Halfter. "Freundchen, benimm dich!", fauchte sie und brachte den Hengst zum Stehen. "Am besten stellst du ihn gegen die Wand, dann kann er nicht zur Seite.", schlug ich vor. Nervös tänzelnd versuchte Drømmer Om Død erneut zu fliehen, doch Pepe hatte ihn unter Kontrolle. "Bereit? Ich spritze ihm jetzt die Herpesimpfung.", warnte ich und drückte die Spritze leer. "Braaaav", lobte ich, während der Hengst leicht steig, sich aber benamm und uns nicht umrannte. "Die Hälfte ist schon rum, nur noch die Tollwutimpfung und die Tetanusimpfung." Ich desinfizierte den Halsbereich noch einmal großzügig und stach die Nadel hinein. "Feeein, geht es Pepe?", fragte ich und sie nickte konzentriert. "Geht schon." Ich nahm die Tetanusimpfung und verabreichte sie Drømmer Om Død auch noch. "Gut gemacht Großer.", lobte ich und Pepe brachte den aufgebrachten Hengst auf die Weide. "Puh, endlich geschafft.", sagte ich zufrieden und Pepe wusch sich mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn. Sie bedankte sich bei mir und ich fuhr vom Hof.



      [​IMG]

      Zu Besuch im eigenen Stall, 09.12.2013

      „So mein Kleiner, heute habe ich etwas Zeit für dich."

      Es war später Abend als ich meinen Stall betrat. Heute Morgen hatte ich von der bevorstehenden Körung erfahren und Dod daraufhin gleich im Beritt angemeldet - das ist seine Chance! Ich holte den Criollo-Hengst aus seiner Box und kratzte seine Hufe aus. Dod war zurzeit Barhufer, das würde sich heute aber ändern. Ich öffnete meine Arbeitstasche und holte das Hufmesser heraus, damit bearbeitete ich die Hufe des Rappen. Viel zu tun gab es nicht, Dods Hufe wuchsen nie sehr schnell. Nach dem Ausschneiden feilte ich alle vier Hufe glatt und nach, nur der Hufbock machte Dod etwas Probleme. So war er eben - anfangs stur, aber wenn man ihn etwas besser kannte, das beste und liebste Pferd. Ich ging aus dem Stall zu meinem Wagen. Dod würde Kunststoffeisen bekommen, das wäre die beste, und vor allem leichteste, Lösung für den Anfang. Mit Nägeln und Eisen trat ich wieder neben den Hengst und hob seinen ersten Huf an. Routiniert schlug ich die Nägel in das Horn und kürzte sie ab. Wenigen Minuten später war Dod beschlagen und konnte zurück in seine Box. Zur Belohnung bekam er eine Möhre und ich kümmerte mich um die Abendfütterung.



      Westerntraining A auf L

      9156 Zeichen © Ravenna

      [SIZE=11pt]Während ich zu Hause auf Heartland auch mit Willow ein wenig trainierte – erhielt ich einen Anruf von Pepe – sie wollte einen ihrer Hengste bei mir trainieren lassen. Dabei handelte es sich um den Hengst Drømmer Om Død – ihn kannte ich bereits, denn er hatte einst mal meiner Freundin Lena gehört. Drom war nicht unbedingt einfach, in seinem Sattel hatte ich bereits gesessen – ungefähr fünf Minuten ehe er mich abgesetzt hatte. Nun hatte ich seitdem eine Menge dazu gelernt, also musste ich nun in Kanada beweisen wie viel!

      Mit gepackten Sachen erschien ich bei Pepe auf dem Hof – die Sachen die es für Drom zu lernen gab, waren nicht die schwierigsten und ich hoffte ich würde es in den „nur“ fünf Tagen schaffen, die mir bis zu der Prüfung blieben. Einen anderen Termin hatten wir so schnell nicht bekommen. Freundlich begrüßte mich Pepe, nahmen gemeinsam ein köstliches Abendmahl ein und ich war froh meine Thermostiefel mitgenommen zu haben, denn der Schnee lag hier deutlich höher als im heimischen Schwarzwald und Temperaturen um die – 15°C waren auch nicht zu verpönen. Beim Abendessen erklärte mir Drom würde sich nun etwas besser machen – durch die tägliche Bewegung eines Pflegers war er etwas *händelbarer* geworden.

      Am nächsten Morgen zog ich mir unter die Reithose noch eine Strumpfhose – irgendwer hatte das Klofenster aufgelassen und da war es ja schon kalt gewesen – um besser zu sagen Arschkalt. Okey – zusammen mit Pepe begann ich im Stall den Rapphengst zu putzen. Mit feinen Bürstenstrichen entfernte ich leichten Schmutz und die Reste des Strohs aus seiner üppigen Mähne. Mit dem Westernsattel musste ich erst ein wenig kämpfen, bis Pepe mir einfach dabei half – diese komische Verschnürung verstand ja auch kein Schwein! Pepe erzählte irgendwas von einem Krawattenknoten – winkend und lachend schüttelte ich den Kopf „Ich hab keinen Mann dem ich die Krawatte schnüren muss.“ auch Pepe begann mit einem Lächeln. Mit dem Hengst am Zügel stampften wir den Weg entlang bis hin zur Halle – ich konnte keine Worte dafür finden wie Glücklich ich darüber war – meine Finger wurden langsam aber sicher zu Eiszapfen. Pepe schwang sich als erstes in den Sattel, wollte den kleinen Warmreiten, mir Vorreiten und ihn dadurch etwas beruhigen. Beim Aufsteigen musste ich stark in die Zügel greifen, damit Drom nicht einfach vorwärts lief, doch Pepe hatte sich schnell in den Sattel gefunden, ließ Drom im Schritt anlaufen und folgte erstmal dem Zirkel um ein wenig von seinem Tempo herauszunehmen indem sie immer kleiner wurde. Immer wieder hielt sie dabei an – wechselte die Gangart – nach moderater Aufwärmphase und präsentierte mir bereits die Anfänge der Back-Ups. „ Kann er denn die schon vom Boden aus?“ – „OH ja..eine seiner Lieblingsaufgaben, die macht er auch oft, wenn er keine Lust mehr hat, aber zumindest bekommt er dann kein Lob!“ Gut dann werden wir ihm die Back-Ups heute etwas näher bringen – Ich werde dazu vom Boden aus ihm ein paar Übungen abverlangen. Danach steigst du ruhig wieder in den Sattel und gibt’s – passend zu meinen Rückwärtskommando, die richtigen Hilfen vom Rücken aus. Hat er die Aufgabe gut verstanden und auch gewissenhaft erledigt machen wir für heute Schluss. Er kann ja bereits eine ganze Menge, für die Prüfung braucht er unbedingt die Back-Ups, sowie den Galoppwechsel und die einzelnen Tempiwechsel innerhalb einer Gangart. Bei den Back-Ups und den Tempiwechsel kann ich dir ohne Probleme behilflich sein, bei dem Galoppwechsel sollte ich wohl eher selbst Hand anlegen“ verkündete ich Pepe. Also begannen wir damit wie vorher schon besprochen mit ihm die Back-Ups zu trainieren. Pepe hatte ihn genug aufgewärmt – also fanden wir uns in der Mitte der Halle ein – der Schnee draußen setzte wieder ein. Pepe erklärte mir wie sie dem Hengst das Rückwärtsrichten beigebracht hatte – ich musste mit einer Hand an seine Brust gehen, dabei laut und deutlich *back* sagen. Im Grunde ein einfacher Teil des Ganzen. „Denk daran – die Zügel etwas annehmen, dich tief ich den Sattel setzten und dein Gewicht etwas nach hinten verlagern. Deine Beine sind ruhig am Pferd, gehen aber nach auch etwas nach vorn.“ Pepe nickte. Also trat ich vor den Hengst – in meiner Tasche, Drom aber sicher nicht verborgen hatte ich bereits ein paar Leckerlis. Ich tat wie geheißen, doch die Einwirkung sowohl vom Boden aus als auch vom Reiter aus gefiel ihm ganz und gar nicht. Er tat ein paar Schritte zurück, zog den Kopf nach oben und brach über die Schulter aus – Pepe hatte sich dabei halten können. Noch ein paar Mal geschah dies, dabei stieg er einmal sogar, doch wir ließen nicht locker. „Galoppier ihn doch noch ein wenig aus – ein bisschen auf dem Zirkel, ein paar Volten, auch auf der Bahn , wenn möglich auch mit ein paar Tempowechsel. Könnte vielleicht eine Arbeit nach seinem Geschmack sein – sich ein wenig auspowern.“ - *Könnte vielleicht der Fall sein,ja* lachte Pepe ehe sie Drom auf den Zirkel zubewegte, erst im Schritt bis sie beschleunigte und antrabte um aus dem Zirkel heraus an zu galoppieren. Danach begannen wir mit einer neuerlichen Back-Up – Probe…Diese lief besser, zumindest in der Zeit als Drom noch ein bisschen verschnaufen musste. Nach jedem guten Mal erhielt er ein Leckerli – Drom hatte keine Lust,dies entnahm ich seinen schlackernden Ohren, die aufgeblähten Nüstern, doch war er nicht dumm – die Leckerlis waren sein Objekt der Begierde und als er erst verstanden hatte worum es ging – arbeitete der Rapphengst ausnahmsweise mal mit. Als ich mehr oder weniger nur noch das Handzeichen gebrauchen musste ohne die Stimme, machten wir für diesen Tag Schluss.

      Am nächsten Tag machten wir uns erst am Nachmittag auf den Weg zu Drom – aum Vormittag hatte er ein Training durch einen der Pfleger erhalten, dieser hatte sich auch noch einmal auf die Back-Ups konzentriert – wirklich kompetente Pfleger! Dieses Mal hatte Pepe keine Zeit dem Training beizuwohnen, also schwang ich mich heute in den Sattel, doch erstmal kam ich gar nicht in den Sattel. Der Hengst machte immer wieder Schritte nach vorn und einmal bockte er sogar leicht. Einer der Pfleger kam mir zur Hilfe, hielt ihn am Zügel – ich schwang mich auf seinen Rücken, stellte die Bügel ein und machte mich mit dem unbekannten Pferd und Sattel bekannt. Drom jedoch dachte ein wenig anders, denn erst wollte er gar nicht vorwärts, dann begann er plötzlich zu rennen – nach der dritten Runde im Galopp, reagierte er dann endlich auf die Hilfe, zu meinem Bedauern hatte ich mich mehr als gewollt in die Züge *hängen* müssen. Schließlich konnten wir uns endlich an die Galoppwechsel machen – die im Trab kannte er bereits, also übten wir zunächst einige von jenen – jedoch auch nicht ohne Buckler, doch dank dem Training heute Morgen schien er noch immer Muskelkater zu haben. Zunächst erarbeiteten wir den einfachen Galoppwechsel so Ritt ich durch die Mitte der Bahn parierte zum Schritt, stellte ihn,um gleich darauf wieder anzugaloppieren. Diese Art von Galoppwechsel hatte er innerhalb weniger Minuen intus – der fliegende Galoppwechsel bereitete mir jedoch schwindel – Drom arbeitete nur mit wenn er Lust hatte ihm diese Lexion unter Druck beizubringen ergäbe keinen Sinn. Sein Galopp war unbalanciert, teilweise zu schnell und von kleinen Bucklern durchzogen um ihn darin zu trainieren. Also machte ich für diesen Tag erneut Schluss und besprach es am Abend mit Pepe. „Für den fliegenden Galoppwechsel fehlt ihm die Balance, auch der Wille zur mitarbeit…Vielleicht wenn du ihn weiter so förderst, ihm weiterhin Zeit gibst – und das Alter hinzukommt ist er eines Tages bereit dazu im Moment sehe ich da nicht viel Hoffnung. Auf der Körung präsentiere einen einfachen Galoppwechsel – erkläre ihnen wieso und ich denke sie werden es verstehen.“ Pepe nickte nachdenklich *Und was machen wir an der Prüfung, ob er die Stufe so wechseln kann* Daran hatte ich gar nicht gedacht, eine Zwickmühle – „Wir werden das selbe sagen – lieber einen schönen einfachen Galoppwechsel als der Salat der sonst entstehen würde.“ Darüber zerbrachen wir uns den ganzen Abend noch die Köpfe.

      Im Verlauf der nächsten beiden Tage wandelte Drom zwischen guter Mitarbeit und schlechter Mitarbeit – am Vortag hatte er gar keine Lust gehabt – Im Trab hatte er die Bande gestreift, dabei war auch mein Knie und die Reithose zu Schaden gekommen. Gleichermaßen hatte er mich aus dem Sattel befördert als ich nicht aufgepasst hatte. Nun war der Tag der Prüfung – die Back-Ups, die Tempiwechsel klappten super – unter Pepe war er auch ganz anders als bei mir. Die Galoppwechsel waren nicht seine liebste Aufgabe doch er bewältigte alle. Am Abend tauchten die Prüfer auf – Aufgrund meines Sturzes konnte ich kaum sitzen, der Rückflug würde lustig werden, nicht reiten. Also hatte Pepe beschlossen die Prüfung zu bestreiten. Zusammen mit den Richtern stand ich da am Rand beobachtete, ein leicht angespanntes Pferd das sich dennoch recht willig auf dem Platz präsentierte. Der „Sturm“ vom Vortag hatte seine Gemüter wohl beruhigt und nach dem Abreiten, dem fertig machen des Pferdes erhielt die sichtlich geschaffte Pepe den Pass – ihr Drom hatte die Stufe erhöht bekommen![/SIZE]



      Westerntraining Klasse S

      Drømmer Om Død war eines der Pferde die ich über eine Anzeige fand. Er sollte ursprünglich von Lk3 auf Lk2 trainiert werden. Doch nach Ende der Turniersaison, stellte sich heraus, dass er so viele Punkte gesammelt hatte, dass er nächste Saison direkt in Lk1 starten kann. Deshalb muss er nun auch darauf vorbereitet werden. Der Hengst kam an einem schön warmen Nachmittag auf unseren Hof und wir ließen ihn direkt mal mit den anderen Quarterjungs auf die große Koppel. Sie vertrugen sich sofort und galoppierten nur so auf und ab. Die ersten Tage hatte er Eingewöhnungsphase. So lange wurde er nur longiert und wir lernten uns langsam kennen. Wobei ich direkt merkte, dass der hübsche es faustdick hinter den Ohren hatte. Da musste man konsequent sein. Als es dann ans Reiten ging, begannen wir erst einmal das bekannte wieder abzurufen. Ihr zu reiten war teilweise echt schweißtreibend, da er sich seiner Stärke genau bewusst war. Den einen Tag ging es, den anderen Tag hatten wir dann wieder heftigste Auseinandersetzungen, aber ich ließ ihn rein gar nichts durchgehen. Und wenn wir so lange ritten bis er völlig klitschnass geschwitzt war und eigentlich gar nicht mehr bocken wollte. An solchen Tagen kam er dann natürlich erst einmal mit 'einer Decke in die Box bevor er wieder auf die Koppel durfte. Doch je öfter ich ihn ritt, desto mehr stimmten wir uns auch aufeinander ein und bald wusste Død ziemlich schnell was ich von ihm wollte. Das machte ihm dann auch irgendwie Spaß. Da er nun recht brav unter mir lief, begannen wir mit dem weiteren Training. Im Pleasure mussten wir gar nichts mehr trainieren, deshalb begannen wir gleich mit dem Trail. Für den Aktion-Hengst war das zwar nicht wirklich das wahre, aber was muss, das muss. Also übten wir die schwersten Stangenkombis in allen Gangarten und vor allem auch rückwärts. Außerdem übten wir an dem Stangen-U. Das lief aber schnell ganz gut. Dazu kamen dann nur noch die Wippe und das Tor. Auf der Wippe wollte Død zuerst gar nicht stehen bleiben, da ihm das viel zu wacklig war. Doch mit der Zeit lernte er, das Gleichgewicht zu halten. Beim Tor hingegen war es so, dass Død am liebsten ohne öffnen hindurch gelaufen wäre und ich musste ihm erst einmal beibringen, stehen zu bleiben. Die letzte Disziplin, die wir üben mussten, war das Reining. Meine Lieblingsdisziplin! Die meisten Manöver hatte Død zumindest im Ansatz schon gelernt. Jetzt ging es nur noch um Geschwindigkeit und Genauigkeit. Rückwärtsrichten und Speed Controll war natürlich kein Ding. Der Spin lief auch schon ganz gut. Wir müssten nur ein wenig üben, dass er mit der Hinterhand stehen blieb. Den Fliegenden Galoppwechsel konnte er schon sehr gut, also übten wir erst mal den Slidingstop. Das klappte sehr bald echt gut und man merkte, dass auch Død Reining am liebsten mochte. Als letztes mussten wir noch den Rollback üben. Zuerst viel es Død recht schwer sich um ganze 180° zu drehen, aber mit dem Training wurde es besser. Schon bald konnten wir ganze Pattern reiten. Als Død dann so weit war, wurde es wieder abgeholt. Es fiel mir schon ein bisschen schwer den Rabauken wieder gehen zu lassen.

      -------------------------------------------------------

      (c) Sunnyyy (3139 Zeichen, lettercount.com)



      Spass-Schnee-Turnier



      Heute war mal wieder ein etwas besonderer Tag, denn wir durften nicht nur einen Neuankömmling begrüssen, sondern auch gleich noch ein ganzes Turnier organisieren! Zugegeben, es war kein grossartiger Spring- oder Dressurevent, aber ‚ein bisschen Spass muss sein‘ zählt doch sicherlich auch. Wir waren alle schon emsig am Vorbereiten, denn der Schnee musste präpariert werden, sodass die Pferde anständig darauf laufen konnten. Immerhin war der ganze Platz zugeschneit! Gebaut wurden unter anderem zwei Hindernisse ganz aus Schnee, eine Schneebar für die Zuschauer, ein Posten, bei dem man Schneebälle an eine Zielscheibe werfen musste, ein kleiner Schneetunnel (der mit Abstand am aufwändigsten war, da er hoch genug für Ross und Reiter sein musste) und ein stinknormaler Flattervorhang. Weitere Posten waren ausserdem ‚der Tee-Express‘ und das Schlitten Ziehen. Bei letzterem wurden zur Sicherheit schnell reissende Seile verwendet, was gleichzeitig eine erschwerte Bedingung darstellte. Ich half Lewis gerade mit dem Bau des Schneetunnels. Wir durften die Decke nicht zu dick machen, wegen der Einsturzgefahr, also war es umso schwieriger die Konstruktion stabil zu bauen. Der Tunnel war am Ende gerade so hoch, dass ein Reiter auf einem mittelgrossen Pferd leicht geduckt hindurchreiten konnte. Meine Handschuhe waren bereits durchnässt, doch ich musste noch weiter um beim ‚Tee-Express‘ zu helfen. Dort mussten die Teilnehmer eine Tasse warmen Tee durch einen Slalom transportieren und dann in einen Messbecher kippen. Anschliessend wurde gemessen, wie viele Zentiliter Tee das Ziel erreicht hatten. Der Parcours war recht anspruchsvoll, aber bei den jüngeren Teilnehmern wollten wir die Bewertung entsprechend milder vornehmen. Um halb Zwölf fingen wir an die Pferde zu putzen, damit wir nach dem Mittag gleich mit dem Einwärmen anfangen konnten. Das Turnier sollte um halb Zwei starten. Ich nahm mit Pilot Teil, den ich zuerst noch zusammen mit den anderen von der Weide holen musste. Sein wunderschönes, schwarz geflecktes Fell war ordentlich dreckig. Er hatte seinen Weidegang offensichtlich genossen. Wir riefen den Pferden vom Tor aus, worauf sie gleich angetrabt kamen. Die anderen gaben mir ein Zeichen, dass der Weg zum Stall abgegrenzt war, also konnte ich den Zaun öffnen und die Hengste strömten nach draussen in Richtung Nebenstall. Sie fanden ihre Boxen selber, denn dort wartete Frisches Heu für alle. Nur die Neueren, Filou und Dod, vertauschten ihre Boxen ausversehen. Wir brachten sie kurzerhand in die jeweils Richtige, dann wurde ich durch einen Anruf unterbrochen. Es war Jack, der gerade mit dem Anhänger auf der Autobahn war, um die neue Vollblutstute abzuholen. „Hey Schatz, wir haben Stau hier, es wird wohl etwas später als geplant, aber ich sollte vor vier Uhr zurück sein.“ Ich seufzte und verabschiedete mich dann, ehe ich die Putzbox von Pilot aus der Kammer holte. Sein Fell war zum Glück nicht sehr schmutzig, wir hatten ihn schon am Vortag hübsch gemacht. Aber besonders die Beine musste ich nochmals putzen. Immer wenn ich an Dancer, der hinter Pilot angebunden war, vorbeilief, um etwas aus der Sattelkammer zu holen, wurde ich von dem frechen Hengst in die Seite gestupst. Zweimal war ich jedoch gefasst und stupste zurück, mitten auf die Nüstern. Als ich fertig war, zeigte die Stalluhr bereits auf die Zwölf und auch die anderen schienen Fertig zu sein. Ich klatschte in die Hände und rief alle zum Mittagessen zusammen, das Lily grosszügigerweise vorbereitet hatte. Es waren zwar nur Sandwiches, aber es würde am Abend dafür ein Festmal geben. Ich würgte mein Sandwich hinunter und zäumte dann Pilot. Wir gingen in die Halle zum Einwärmen, dort herrschte bereits Hochbetrieb. Viele bunte Pferde und Reiter in schöner Turnierkleidung wuselten durcheinander; wir hatten darauf bestanden, dass jeder angemessen gekleidet kommen sollte, trotz dem es nur ein Spassturnier war. Ich ritt zuerst zusammen mit Rosie und Peace im Schritt. Draussen fielen ein paar kleine Schneeflöckchen und ein Rotbrüstchen hüpfte vor der Fensterseite der Halle im Schnee. Ich entfernte die Fleecedecke und Trabte mit Pilot durch die vielen Teilnehmer hindurch, was gar nicht so leicht war. Er war etwas aufgedreht durch die vielen Fremden, was auch gut verständlich war. Offenbar war ich nicht die einzige, die Mühe mit der Konzentration ihres Vierbeiners hatte, denn etwas weiter hinten in der Halle bewies Islah wiedermal ihre Bockkünste. Als Ajith, der wohl wiedermal Pech beim Pferdeauslosen gehabt hatte, sogar runterfiel, ritt ich zu den beiden hinüber, während Lewis schon von Vychahr’s Rücken runtergehüpft und ihm zu Hilfe geeilt war. „Alles in Ordnung?“, fragte ich etwas teilnahmslos, da mir gerade aufgefallen war, wie schön Numair unter Jonas lief. „I’m fine“, murmelte Ajith, aus meinen Gendanken gerissen blickte ich ihn wieder an und sah, dass er sehr schwankend aufstand. „Are you sure? I don’t want to see you fall down again…“ meinte ich ernst, und beobachtete den jungen Pfleger noch ein Weilchen skeptisch, ehe ich es Lewis überliess, sich um ihn zu kümmern. Pünktlich um zehn vor Eins war ich an der Reihe, bisher klappte also alles reibungslos. Ich sah gerade noch Lisa auf Bandit vom Platz reiten, dann konzentrierte ich mich vollständig auf die erste Aufgabe, dem ‚Tee-Express‘. Als ich die Tasse in die Hand nahm, drang der wundervolle Duft von warmem Früchtetee in meine Nase. Er war extra nicht zu heiss, dass sich das Pferd beim Verschütten nicht verletzen konnte. Zu gerne hätte ich einen Schluck riskiert, doch ich zwang mich, der Versuchung zu widerstehen und den Slalom im Trab zu meistern. Ich verschüttete leider gleich in der ersten Wendung eine ordentliche Portion, was nicht gerade ein vielversprechender Start war. Egal – weiter ging es zum ersten Schneehindernis, das Pilot locker übersprang. Ich musste ihn danach in seinem Eifer bremsen, sonst hätten wir den Schneetunnel verpasst. Auch dort ging er sauber hindurch. Dann ritt ich vorbei an der Schneebar zum Schneeballwerfen. Ich warf zwei Bälle, traf aber beim ersten mal die Scheibe gar nicht erst und beim zweiten Versuch bloss den äussersten Ring. Da hörte ich eine Vertraute Stimme lachen; es war Oliver, der ganz vorne im Publikum stand und sich köstlich über meine Trefferquote amüsierte. Als er bemerkte, dass ich zu ihm sah, meinte er schelmisch „Da würde sogar Jackie besser treffen!“, und hob die Hündin, auf die er aufpassen musste, grinsend hoch. Na warte – dachte ich, schnappte mir den dritten Ball und traf in seinen Nacken. „Ups“, lachte ich, dann ritt ich weiter. Einen Punkt hatte ich so zwar verspielt, aber es hatte sich durchaus gelohnt. Nun kam ich zum Flattervorhang, der für Pilot kein Hindernis war, der Schneewall dahinter jedoch schon, denn dies war gleich die zweite Schneehürde. Nur noch zum Schlittenziehen – dachte ich, und trabte zu dem alten Holzschlitten. Ich nahm das Seilende im vorbeireiten vom Pfosten, denn ich musste dringend Zeit aufholen. Pilot erschrak etwas, als er den plötzlichen Widerstand spürte, doch ich hielt ihn erfolgreich und manövrierte ihn durch die Zielstangen. Wir waren recht langsam gewesen im Vergleich zu Elliot und Silver, die beiden lagen bisher an der Spitze. Ich klopfte Pilot trotzdem stolz den Hals und verliess den Platz. Kaum war ich auf dem Weg zur Galoppbahn, wo ich ihn noch ein wenig trockenreiten wollte, kam auch schon die Antwort von Oliver geflogen, sie traf mich an die Schulter. „Hey!“, lachte ich und trabte auf ihn zu, sodass Pilot ihn zur Strafe abschlabbern konnte, war er auch tat. Der Hengst mochte es, seine Schnauze ins Gesicht der Zweibeiner zu drücken. Es endete damit, dass Oliver uns begleitete, um seine „müden Knochen etwas zu bewegen“. Zurück im Stall brachte ich Pilot noch etwas Heu, wobei ich unterwegs auch Ocean etwas durch die Gitter stopfen musste, denn dem süssen Röcheln der Stute konnte ich nicht wiederstehen. Dann lief ich zum Platz zurück, um den Durchgang von Quinn und Ronja nicht zu verpassen. Die beiden waren echt gut, leider wollte Ronja beim ersten mal nicht durch den Tunnel laufen. Am ende gewann eine nette junge Dame aus dem Nachbardorf mit ihrem Knabstrupper Wallach. Die beiden hatten fast alles im Galopp gemeistert und das auch noch Fehlerfrei. Ich gratulierte ihnen herzlich. Auf dem zweiten Platz war die kleine Schwester von Elliot gelandet, die auf White Dream hatte teilnehmen dürfen. Ich war stolz auf die Schimmelstute und Elliot auf seine Schwester. Nach dem Turnier begannen wir mit dem Aufräumen. Als ich endlich das lang ersehnte Rufen von Jack vernahm, der gerade die Klappe des Anhängers öffnete, rannte ich gleich hin um die Stute zu begrüssen. Sie hiess Sumerian und kam von einem hübschen kleinen Hof in der Nähe von Manchester. Sie sah noch etwas dürr und schlaksig aus, was aber nicht weiter von Bedeutung war, wenn man ihre schönen Gänge und die klaren Augen sah. Ich brachte sie gleich in den Hauptstall (nachdem ich Jack einen Kuss auf die Backe gegeben hatte), damit sie durch die Aufräumarbeiten nicht gestresst wurde. Sie machte sich direkt über das frische Heu her, hob aber ab und zu wieder aufgeregt den Kopf in die Höhe und drehte eine Runde in der Box. Ich beobachtete sie eine Weile, dann ging ich wieder zu den anderen, um zu helfen. Als wir fertig waren mussten noch einige Pferde versorgt werden, ehe wir Feierabend hatten. Zum einen waren das die Vollblüter, die heute etwas vernachlässigt worden waren, und zum anderen die vier übrigen Pferde aus dem Nebenstall, die nicht am Turnier teilgenommen hatten. Ich führte also wenig später Lila auf den Platz, nachdem ich ihren dicken Schweif endlich entwirrt hatte. Ich wollte etwas Bodenarbeit mit der Stute machen. Ich liess sie am langen Seil hinter mir her laufen und stoppte zwischendurch, um zu sehen, ob sie aufmerksam war. Ich übte auch ein paar Seitengänge und das Tölten an der Hand. Lange waren wir nicht ungestört, denn nach rund zwanzig Minuten kamen Lily, Lewis und Rosie auf den Platz geritten und wollten mich ins Gelände entführen. Ich willigte ein und schwang mich ohne Sattel auf Lilas Rücken. Wir ritten in Richtung der Galoppwiese, wo wir sogar einen Schneegalopp wagten. Ich fasste dabei Lilas Mähne, damit ich bei ihren kurzen Galoppsprüngen nicht das Gleichgewicht verlor. Rosie war auf Dod mitgekommen, Lily hatte Moon und Lewis Baccardi. Zurück auf dem Hof beobachtete ich die Jockeys beim Training, dann half ich Jack und Elliot mit dem Abendessen. Wir genossen den Abend mit allen Pflegern im Wohnzimmer, ein guter Film durfte natürlich auch nicht fehlen.

      1 März 2014



      Hufschmiedbericht Drommer Om Dod



      Mein nächster Besuch sollte im Schönen England sein, in einem Pinienwald auf dem Gestüt 'Pineforest Stable'. Mein Wagen hielt auf einem der vielen Parkplätze und ich hatte den Hauptstall direkt vor meinen braunen Augen. "Puhhh", seufzte ich und öffnete die Tür. Die klare Luft glitt gegen mein Gesicht und mit einem Ruck stand ich auf. Ich packte meine sieben Sachen zusammen und machte mich auch schon auf den Weg. Occulta Smith, die Besitzerin des Hengstes Drommer Om Dod hatte mich angerufen, das er eine Hufkontrolle, samt Raspeln, Feilen und Beschlag von Sliding Eisen nötig wären und ich hatte mich direkt in Bewegung gesetzt. Erfreut über meine recht Schnelle Ankunft wurde ich auch direkt freundlich empfangen und ich konnte auch nach der Begrüßung direkt mit dem Rappen anfangen.

      Das erste was ich tat, war den Alten Beschlag von den Hufen entfernen. Da Occu die Hufe ordentlich gesäubert hatte, musste ich das nicht mehr machen. Die Kontrolle der 4 hellen Hufe war auch rasch hinter uns und ich konnte nichts auffälliges erkennen. Dann schnitt ich ihm die Hufe aus und erkannte das nicht viel weg musste. Sliding Eisen hatte ich in mehreren Größen dabei und musste nur noch schauen welche am besten Passten. Ich feilte die Hufe noch passend zurecht und konnte dann auch mit dem erhitzen der Hufeisen beginnen. Ich entschied mich für 'Pony'hufeisen, zumindest von der Größe her. Die Eisen waren schnell erhitzt und ich musste nur noch die Eisen ein wenig richten ehe ich die Nägel auch schon in die Hufe hämmerte. Im gesamten hatte es eine Zeit von ca. 45 min beansprucht die Hufe des Criollo's zu machen und ich war mit meiner Arbeit zufrieden, ehe ich Occu DoD mal vorlaufen ließ. Es passte alles und ich konnte mich guten Gewissens verabschieden. Drommer bekam noch einen Apfel den er genüsslich zerkaute ehe ich auch schon davon fuhr.

      9 Juli 2014



      [​IMG]

      Prophylaxe



      Mein erster Termin führte mich heute zu den Pine Forest Stables von Occulta Smith. Es war kurz nach neun, als ich die große Auffahrt entlang zum Stall fuhr. Dort erwartetemich schon eine gut gelaunte Occulta, welche mich herzlich in Empfang nahm. „Ich hoffe du hast uns gut gefunden?“ fragte sie lächelnd und ich lachte nur. „Dank meinem treuen Navi ja.“ meinte ich grinsend und schnappte mir keine Arzttasche. Occulta führte mich in den Stall zu Putzplatz, dort konnte ich in Ruhe meine Sachen auspacken, während meine erster Patient von der Weide geholt wurde.

      Iskierka war eine englische Vollblutstute und stand stellvertretend für die Hauptrasse auf PFS. Occulta hatte schon früh ihr Herz an die Rennpferde verloren und in ihrem Stall fanden sich einige Prachtexemplare. „Apropos! Wenn wir hier fertig sind, muss ich unbedingt bei Empire vorbeischauen.“ meinte ich lächelnd, denn mein damalige Schimmel lebte nun auch hier.

      Doch nun war erst einmal Iskierka an der Reihe. Occulta hatte mich schon vor ihren Launen gewarnt und begeistert war die Stute von meinem Besuch definitiv nicht. Deshalb kam auch kurz darauf noch Lisa und beschäftigte gemeinsam mit Occulta die Stute, während ich sie untersuchte.

      Ein kurzer Blick ins Maul reichte, um zu sehen, dass ihre Schleimhäute eine gesunde Farbe besaßen. Beim Abhören hielt Iskierka wunderbar still, auch wenn ihr Herz beinahe davon raste. Und auch das Abtasten überstand sie tapfer, nur das Temperaturmessen fand sie gar nicht toll und trat nach mir aus.

      Das schlimmste kam aber noch, als dann die Impfungen an der Reihe waren. Iskierka bekam vier Spritzen und danach noch die Wurmkur. Ich glaube danach hasste sie mich wirklich und ich war froh, dass wir fertig waren. Während Lisa die beleidigte Stute wegschaffte, wechselte ich die benutzten Sachen gegen frische aus und kurz darauf stand schon der nächste Patient vor mir.

      Ich musste mich bücken, um in Dakotas Maul schauen zu können, sie abzuhören und abzutasten, denn nun stand ein American Miniature Horse vor mir. Die zweite Rasse, welche Occultas Herz im Rausch erobert hatte. Süß waren die Zwerge ja, aber auch verdammt frech! Schneller als gedacht hatte ich Dakota am Arm hängen und nur mit viel Mühe bekam ich sie wieder los. Spritzen mochte die Kleine nämlich gar nicht und das zeigte sie mir deutlich.

      Als es an die Wurmkur ging, weigerte sie sich vehement, das Maul zu öffnen und nur mit viel Trickserei bekam ich sie dann doch noch dazu. „Geschafft.“ murmelte ich, als auch Dakota fertig war. Mein nächster Patient war ausnahmsweise mal richtig angenehm. Denn Co Pilot hielt brav still und ließ sich wunderbar untersuchen. Obwohl er nur 1.67m groß war, wirkte der Warmbluthengst nach dem kleinen Zwerg wie ein gigantischer Riese.

      Auch er wurde abgehört und abgetastet, ehe ich ihn guten Gewissens impfen konnte. Danach musste er noch die Wurmkur schlucken und schon hatte auch er meinen Besuch tapfer überstanden. Der letzte für heute war Drømmer Om Død, dessen Name für mich der reinste Zungenbrecher war. Auch heute vermied ich es, ihn auch nur auszusprechen, sondern das Wort „Pferd“ reichte.

      Leider war das dem Criollo auch recht egal und er legte heute eine sehr sture Manier an den Tag. Er wollte sein Maul nicht öffnen, zappelte permanent herum und so zog sich die Untersuchung Ewigkeiten. Erst nach einer halben Stunde war auch er geimpft und entwurmt. Zufrieden durfte er wieder auf seine Weide und ich packte meine Sachen zusammen.

      Auf den Weg zum Auto schauten wir noch bei Empire vorbei. „Er ist so eine Schönheit!“ meinte ich lächelnd und begrüßte meinen ehemaligen Hengst. Bei Occulta hatte er es wirklich gut und ich freute mich, dass er so einen tollen Platz gefunden hatte.

      29 Juli 2014



      Having troubles or what?



      Die ganze letzte Woche über war wundervolles, aber verdammt heisses Wetter gewesen. Die Sonne strahlte auch an diesem Morgen unbarmherzig auf den rissigen Boden, als hätte sie es sich zum Ziel gemacht, auch das letzte Tröpfchen Wasser zu verdunsten. Besorgt betrachtete ich meine Topfpflanze auf dem Fenstersims, die einst saftig grün gewesen war – jedoch beruhte ihr jetziges Aussehen mehr auf meiner Faulheit als auf der Witterung. Ich seufzte leise und hüpfte die Stufen hinab in die Küche. Dort machte ich mir schnell noch ein Sandwich, ehe ich in die schwüle Mittagsluft trat. Ich beobachtete belustigt Rosie, die absichtlich von Schatten zu Schatten eilte, um ihre empfindliche Haut zu schützen. Ich musste selbst auch immer aufpassen, dass ich nicht zu einem tomatenähnlichen Etwas wurde. Ich betrat den Nebenstall, der zum Glück einigermassen kühl war und kontrollierte die Arbeit der Pfleger. Moon, Lila, Álaedis, Noir, Halluzination, Horror, Ljóski, Herkir, Bandit, Numair, Dod, Dancer und Pilot hatten allesamt duftend frisches Stroh und einen ordentlichen Haufen Heu in der Box, den sie sichtlich genossen. Ajith und Quinn hatten wie immer gute Arbeit geleistet. Ich erwischte sie dabei, wie sie im Schatten hinter dem Nebenstall ein Schokoeis genossen und gönnte es ihnen von ganzem Herzen. Ich schlich mich schnell wieder davon um sie nicht zu stören und machte mich daran, das Putzzeug von Hallu zu holen. Die hübsche Stute sah mich vorwurfsvoll an als sie bemerkte, dass ich kein Leckerli dabei hatte. Ich führte sie dennoch nach draussen um sie unter dem Dach des Nebenstalls an den Holzbalken anzubinden. Heute schien die launische Gesellin gut gelaunt, jedenfalls hob sie brav alle Hufe und war auch nicht so kitzlig wie sonst. Als Jacky angebraust kam und zwischen ihren Beinen hindurchwuselte legte sie trotzdem ein wenig die Ohren platt. Ich liess Jacky in sicherer Distanz Platz machen und hielt Ausschau nach Jack, der vom Einkaufen zurück sein musste wenn die Hündin auch wieder hier war. Tatsächlich sah ich ihn gerade noch durch die Haustür schlüpfen. Etwas enttäuscht, dass er mich nicht begrüsst hatte bürstete ich kräftig weiter. Er musste mich sicherlich gesehen haben, vielleicht kam er ja gleich wieder raus. Ich glättete Hallus Fell mit einem Lammfellhandschuh bis sie richtig schön schimmerte und holte eine Schere um die Mähne wieder ein wenig zu stutzen. Schliesslich sah sie wie ein Showpferd herausgeputzt aus und hatte den linken Hinterhuf entspannt aufgestützt. Einen leichten Schrumpelmund machte sie allerdings trotzdem noch. Das war der standard Ausdruck der Stute, egal ob zufrieden oder nicht. Ihr Beinabzeichen vorne leuchtete richtig im grellen Sonnenlicht und auch der Stern der ihre Stirn zierte wirkte noch weisser als sonst. Ich löste den schwarzen Führstrick und brachte Hallu zurück in ihre Box. Als nächstes war Noir dran, zum Arbeiten war es allerdings immer noch zu heiss. Also beschloss ich, mir ihr zum Fluss zu gehen und einen Badeausflug zu machen. Rasch hatte ich auch Lisa und Rosie mit der Idee angesteckt; Sie rannten begeistert in die Sattelkammer um ihre Badesachen zu holen (auch ich ging mich kurz umziehen), sattelten Herkir und Ljóski und folgten mir nach draussen. Die Sättel brauchten wir nicht nasszumachen, da waren wir uns einig, also schwangen wir uns im Bikini auf den blanken Pferderücken. Ich liebte es, barfuss zu reiten, denn so spürte ich Noirs weiche Fell an meinen Zehen kitzeln. Ich hielt mich etwas an ihrer dichten Mähne als wir das Ufer hinunter ritten und sie sich einen Schritt nach dem anderen ins Wasser vorarbeitete. Sie scharrte und stampfte im Wasser, sodass ich froh war, den Bikini anzuhaben. Ich trieb Noir weiter rein, Ljóski hinterher. Herkir und Lisa folgten uns nur langsam. Lisa hatte noch etwas Mühe mit dem jungen Hengst, denn er wurde erst eingeritten und kannte viele Hilfen noch gar nicht wirklich. Auch Loki war frisch eingeritten, aber immerhin schon etwas länger unter dem Sattel. Schliesslich waren wir so weit drin, dass Noir schwimmen musste. Ich klammerte mich an die nasse Mähne und achtete darauf, ihr nicht in den Weg zu kommen. Es lief alles glatt und wir genossen den Ausflug richtig.

      Als wir auf dem Rückweg waren, ertönte plötzlich ein lautes Knattern über unseren Köpfen. Erschrocken beobachteten wir ein kleines Motorflugzeug, welches bedrohlich tief über den Hof hinweg brauste und nur knapp die Tannen beim Hofeingang verfehlte. Noir scheute augenblicklich und stieg kerzengerade in die Höhe als ich sie zurückhalten wollte. Ich klammerte mich verzweifelt an den panisch hochgerissenen Hals und versuchte, mich oben zu halten. Es gelang mir knapp, ich hätte keine Sekunde länger genügend Kraft gehabt, als sie endlich einigermassen ruhig stand. Rosie, Lisa und ich wechselten kurz einen Blick um uns zu vergewissern, dass alle noch unversehrt oben sassen. Dann vergass ich das eben geschehene und galoppierte mit den anderen sofort zum Nebenstall, wo wir unsere Pferde anbanden und in Richtung Parkplatz rannten. Jack, Jonas, Ajith und Quinn standen bereits völlig entgeistert da und warteten auf uns, Quinn hatte das Mopho noch in der Hand da sie bereits die Ambulanz gerufen hatte. Gemeinsam liefen wir auf der Strasse in Richtung Westen und sahen schon von weitem die unheilverheissende, schwarze Rauchsäule aufsteigen. Das Flugzeug war auf einem der grossen Felder abgestürzt und schien zu brennen, jedenfalls sah man hin und wieder eine leuchtende Stichflamme auflodern. Gerade als ich auf das Feld abbiegen wollte um dabei zu helfen, den Piloten vielleicht noch zu retten, hielt mich Jack grob zurück und die Gruppe machte auf sein rufen hin Halt. „Ihr bleibt hier, das ist viel zu gefährlich! Jonas und ich gehen alleine nachsehen und ihr lauft der Ambulanz entgegen und zeigt ihnen den Weg!“ Zu gefählich, pha! Ich war augenblicklich sauer und wollte seine Anweisungen schon ignorieren, doch dann fiel mir ein, dass ich so die Rettung eher behindern würde. Ich wandte mich schnaubend ab und lief die Strasse weiter entlang um den Krankenwagen an der Kreuzung zu empfangen. Während ich wartete, sah ich nervös zum Flugzeugwrack und betete, dass den beiden nichts passierte. Ich sah, wie Jonas verzweifelt um das Wrack herumrannte und nach einem Zugang suchte, während Jack geradewegs auf das Cockpit zusteuerte. Plötzlich zerriss ein Ohrenbetäubender Knall das leise Knistern und Zischen in der Ferne und Flugzeugteile wurden in einer orangen Glutwolke quer über die Wiese geschleudert. Entsetzt schrie ich auf und rannte so schnell wie meine Beine mich trugen durch das hohe Gras. „JACK!! JONAS!!!“ Auch Ajith hatte sich von den anderen losgelöst und ignorierte die Rufe, die ihn zurückhalten wollten. Eine weitere kleine Explosion erfolgte, nicht so stark wie die erste aber stark genug, um mich und Ajith zur Vorsicht zu zwingen. Wir näherten uns nun langsamer und hielten Ausschau nach den beiden Rettern. Grauenvolle Szenen spielten sich in meinem Kopf ab, eine blutrünstiger als die andere. Ich hatte die Hände vor Aufregung zu Fäusten geballt und suchte das versengte Gras nach irgendeinem Menschlichen Zeichen ab. Bitte lass ihn leben! Lass beide leben! Endlich bog ich um das Heck des ehemaligen Motorflugzeugs und entdeckte einen Kopf mit krausen, dunklen Haaren zwischen den Trümmern. Ich zögerte einen Moment, angstvoll, dass noch etwas im inneren des Wracks explodieren könnte, und rannte dann zu dem am Boden liegenden Körper. „Jonas!“, wimmerte ich beinahe schon und untersuchte ihn rasch auf ein Lebenszeichen. Als er seinen Namen hörte, stöhnte er und drehte mir den Kopf zu. Ich schloss einen Moment erleichtert die Augen und riss sie im nächsten wieder auf um konzentriert zu bleiben und ihn nach lebensgefährlichen Wunden abzusuchen. Die Zeit drängte – immerhin waren wir mitten in der Gefahrenzone. Bis auf ein paar üble Verbrennungen am Oberkörper konnte ich nichts entdecken, weshalb ich mich sogleich daran machte, ihn über die Wiese weg vom Wrack zu schleifen. Er versuchte, sich aufzurappeln und mir zu helfen, doch ich gebot ihm ruhig zu liegen, das würde mir schon Hilfe genug sein. Als wir in sicherer Distanz waren, liess ich ihn, so weh es mir tat, alleine zurück und rannte nochmals zum Wrack um Ajith zu helfen. „Have you found him!?“ er schüttelte verzweifelt den Kopf. Fieberhaft durchkämmte ich auf einen Gedankenblitz hin das umliegende Gras. Er konnte durch die Wucht der Explosion auch weggeschleudert worden sein. Tatsächlich entdeckte ich kurz darauf ein Bein – doch daran hing kein Körper. Entgeistert starrte ich es an und begann noch stärker zu zittern, bis mir auffiel, dass ich die verkohlte Hose nicht erkannte. „This is not Jack!“, rief ich voller Hoffnung zu Ajith, der neben mich gestürmt war. Es musste der Pilot sein. Der arme Kerl, dachte ich verbittert, und riss mich los um weiterzusuchen. Plötzlich schrie mir Ajith von der Rückseite des Flugzeugs zu. Ich stolperte zu ihm und kniete mich neben den leblosen Körper meines Mannes. Ajiths Gesichtsausdruck verdüsterte sich schlagartig, als er den Puls von Jack prüfte. Mir stockte der Atem. Das kann nicht sein… Das darf nicht sein!

      To be continued…

      8 Aug. 2014
      Abendstunde mit Spannung

      Als ich bei Burggraf fertig war, war es bereits sieben Uhr. Nun stand noch ein Ausritt im Dunkeln an, mit Circus Dancer. Als ich ihn aus der Box holte, brachten auch die anderen Pfleger aus der Stunde gerade ihre nächsten Pferde zum Anbinden. Dies waren die letzten für heute. Auch sie hatten einen Ausritt geplant, doch ich hatte keine Lust mitzugehen. Ich wollte wieder einmal die Wälder und Galoppwege mit Bubi alleine geniessen. Auch durch Rosies Drängen liess ich mich nicht umstimmen. Sie verstanden wohl nicht, wie jemand die Stille der Einsamkeit der heiteren Gesellschaft vorziehen konnte. Sie waren fast schon beleidigt, das spürte ich, und ich hätte ihr gerne gesagt, dass es nicht an ihnen läge, doch das hätte auch nichts geändert. Überflüssige Worte waren für mich schon immer wertlos. Also putzte ich stumm den beinahe weissen Knabstrupper vor mir. Als ich den Widerrist striegelte, spitzte er entzückt die Lippen und streckte den Kopf nach oben, wie eine Giraffe. Ich war rasch fertig mit dem Putzen, da er ohnehin eine Decke an hatte und geschoren war. Nur die weissen Beine waren etwas schmutzig. Nachdem ich auch die Hufe ausgekratzt hatte, sattelte ich ihn und führte ihn an den Zügeln seines schwarzen Zaumzeugs auf den Schotterweg, wo ich schliesslich aufstieg. Er konnte kaum stillstehen und warten, so energiegeladen war er. Den Schweif hob er jetzt schon stolz. Hinter uns stiegen Darren und Anne auf Dod und Piro auf. Die Schimmelstute legte die Ohren platt, wenn Dod zu nahe kam. Dieser hingegen blieb völlig cool, schliesslich war er mittlerweile top ausgebildet und gehorsam. Früher war das ganz anders gewesen. Der Hengst war stur und unwillig gelaufen, auch jetzt fiel er ab und zu in sein altes Muster, jedoch selten. Ich wollte Piro bald von ihm decken lassen. Dies würde ihr erstes Fohlen sein, und ich hatte grosse Erwartungen in die hervorragende Blutlinie. Ich löste meinen Blick von den beiden Criollos und trieb Bubi an. Ich brauchte kaum mit den Beinen den Bauch zu kitzeln, schon lief er los. Ich ritt in Richtung Fluss, dann folgte ich diesem nach Süden und Trabte anschliessend durch den Wald. Es wäre stockfinster gewesen, wäre da nicht Schnee wie eine riesige Fläche aus zertrümmerten Spiegeln gelegen. Bubi und ich galoppierten insgesamt dreimal; einmal im Wald und zweimal auf einem Feldweg. Ausserdem trabte ich viel, damit wir schnell genug für eine grosse Runde waren. Bei der Wegverzweigung mit der grossen Eiche begegneten wir den anderen. Ich hatte sie schon von weitem kommen sehen, und auch gesehen, dass David mit Numair Probleme hatte. Der Arabermix war die ganze Zeit über am Tänzeln, erschreckte sich vor jedem Fels, der am Wegrand aus dem Schnee ragte und wollte bei jedem lauteren Knirschen des Eises unter ihm lospreschen. Rosie, die auf Moon ritt, versuchte, ihm Tipps zu geben und den Hengst am Zügel zu führen. Zum Glück ist Moon so gutmütig. Wir kreuzten die bunte Gruppe, deren Gesichter nicht mehr ganz so fröhlich wie zuvor wirkten. Auch Islah machte einen Seitensprung, als Dancer mit mir durch den tieferen Schnee am Wegrand stampfte. Jason konnte sie mühevoll abbremsen, ehe sie in Jonas und Argenté krachten. Loki hingegen zockelte brav hinterher, was mich sehr beeindruckte. Der Isländer war immerhin erst ein paar Monate eingeritten. Sie hatten ihn am Führstrick mitgenommen, da Rita nicht mehr mitgekommen war und ihnen so ein Reiter gefehlt hatte. Ich gab David die Anweisung, Numi etwas mehr Zügel zu geben und dafür Volten zu drehen und seinen Kopf zur Seite zu lenken, falls er lossprinten wolle. Tatsächlich wurde er augenblicklich etwas ruhiger. Ich ritt mit Bubi in Richtung Galoppwiese heimwärts. Der ehemalige Trampelpfad am Waldrand war vor lauter Schnee nicht mehr zu erkennen. Dancer hatte etwas Mühe, durch den halb gefrorenen, tiefen Schnee zu stapfen. Immer wieder sank er plötzlich ein und stolperte fast. Irgendwie schafften wir es dann aber doch in den Wald zu kommen, wo weniger Schnee durch die dichten Baumkronen der Pinien gedrungen war. Zuhause trocknete ich die Beine des Hengstes, prüfte, ob noch alle Eisen da waren, fettete seine Hufe und zog ihm seine warme Decke an. Dann flocht ich ihm die Mähne zu einem französischen Zopf, damit die ganze Entwirr-Arbeit heute nicht umsonst gewesen war. Ich gab ihm eine Karotte und schloss dann die zweiteilige Boxentür für die Nacht komplett, schliesslich war es nun fast zehn Uhr.
      14 Feb. 2015


      Wasser und Wellen

      Ich war auf dem Weg zu Parkplatz, denn ich wollte sehen, wie weit der Bau des neuen Stallgebäudes fortgeschritten war. Neues Stallgebäude? Richtig. Ich hatte vor einigen Monaten beschlossen, dass es Zeit währe, Pineforest Stable etwas zu erweitern. Wir hatten langsam ziemlich viele Pferde auf dem Hof und dadurch zwar noch nicht wirklich Platzmangel, aber für Gastpferde wurde es immer knapper. Und da der Park, in dem sich das Gestüt befand, ein sehr beliebtes Ausflugsziel für Wanderreiter und überhaupt für alle Pferdenarren war, hatten wir bisher jeden Sommer reichlich Feriengäste zu Besuch gehabt. Das war schliesslich auch eine gute Einnahmequelle, neben den paar Reitschülern, die Regelmässig mit ihren Pferden aus der Nachbarschaft in die Halle zum Trainieren kamen. Geplant waren daher ein neuer Stall im Nordwesten des Gestüts, ein grosser Offenstall im Südosten, dort wo im Moment die oft ungenutzten Weiden lagen; entsprechend eine neue Weideaufteilung und die Krönung des Ganzen: Eine neue 1500m Galopprennbahn. Auf die freute ich mich besonders, denn so konnten wir die Vollblüter endlich anständig trainieren. Bisher hatten wir zwar auch das Beste aus der Situation gemacht, doch auf Dauer war die alte Bahn einfach zu klein und eng. Wie viel angenehmer würde es sein, nicht mehr für spezielle Trainings zur nächstbesten Rennbahn fahren zu müssen, sondern auf der Stalleigenen, grosszügigen Strecke zu trainieren? Ich sehnte mich danach, endlich neben den grossen Tannen um die Kurve zu kommen, danach auf die Gerade zu biegen und über die wundervoll lange und breite Bahn zu fliegen. Die Bahn würde kunftig um den Galoppweg herum verlaufen und damit Pineforest Stable noch etwas mehr von der Aussenwelt abschotten. Die Bahn würde zwar immernoch relativ bescheiden sein, doch zumindest viel angenehmer als die Alte. Dort wo die gestanden hatte, entstand nebenbei eine Ovalbahn; der kleine Militaryparcours im inneren blieb bestehen.

      Der ‚Nordstall‘, wie die Pfleger und ich ihn nannten, nahm langsam Form an. Die Wände Standen und das Dach war in Arbeit, Danach würde vor allem noch die Inneneinrichtung fehlen. Geplant waren 19 Boxen, wobei eine davon eine grössere Eckbox war, in der zwei Ponys Platz fanden. Wir waren uns schon jetzt alle einig, dass diese Box wie gemacht war für Herkir und Ljóski. Ich rieb mir zufrieden die Hände und begab mich dann wieder in Richtung Weiden, wo der Bau des grossen Offenstalls ebenfalls in vollem Gange war. Es war brütend heiss und ich lief in Shorts und Trägertop herum. Beim Offenstall angekommen versuchte ich mir vorzustellen, wie das ganze aussehen würde, wenn es fertig war. Die Weide wird riesig!, dachte ich entzückt. Trotzdem müssen wir aufpassen, dass das Gras nicht überbeansprucht wird. Zum Glück habe ich mit der Parkverwaltung über zusätzliches Weideland diskutiert. Von den Miniature Horse Weiden her rief mich Lewis. Ich lief zügig zu ihm, Elliot und Lisa hin. Sie waren gerade dabei, die Fohlen und die Miniature Horses in die Offenställe zu sperren, denn die Weiden mussten neu abgesteckt werden. Ich beschloss natürlich mitzuhelfen und schnappte mir ebenfalls zwei Stricke und Halfter. Zunächst fingen wir die Mini-Stuten ein, danach die Hengste auf der gegenüberliegenden Weide. Das selbe geschah mit den Fohlen. Die Gekörten Stuten, die auf den unteren Weiden standen, mussten ebenfalls weg, doch ihre Offenställe wurden abgerissen, da sie veraltet und reparaturfällig waren. Da sie dank des neuen grossen Offenstalls nicht mehr gebraucht wurden, mussten sie weichen. Die beiden kleinen Offenställe und die Zäune im Osten waren bereits weg. Ich führte Gianna und Piro zur Halle und liess sie dort drin laufen. Lewis brachte Islah und Ronja, Elliot nahm Dream. Lisa fing währenddessen noch die letzten Fohlen ein. Dann bauten wir alle gemeinsam die Zäune ab. Es fühlte sich komisch an, die massiven Pfosten einer nach dem anderen auszubuddeln und auf einen Haufen zu tragen. Wir wurden nicht fertig bis zum Mittag und es war mittlerweile so heiss geworden, dass ich den Nachmittag frei gab. Ich wollte nicht riskieren, dass jemand einen Hitzschlag erlitt. Auch die Bauarbeiter zogen nach und nach ab.

      Zum Mittagessen trafen wir uns alle vor dem Pflegerheim im Schatten der Bäume. Jonas und Oliver hatten ein paar Tische und Bänke aufgestellt, denn wir grillierten. Bald sassen alle fröhlich plaudernd beim Essen und es kam die Frage auf, was man am Nachmittag tun könnte. Da hatte ich plötzlich einen Geistesblitz. „Es ist Sommer! Was machen wir im Sommer?“ “Ehh, I don’t know…“ “Es ist nicht Sommer, noch nicht“ „Ja - but it feels like summer, and it’s very hot today. Also gehen wir doch an den Strand!”, rief ich mit gespielter Ungeduld. Einige der Pfleger jubelten begeistert, andere grinsten nur, weil sie nicht verstanden hatten was ‚Strand‘ heisst. Ich sagte „Beach“ zur Erklärung, und sie stimmten mit ein. „But what about feeding and cleaning the barns?“, wollte Elliot wissen. Ich ordnete an, dass gleich nach dem Mittag alle Boxen gemistet und die Pferde gefüttert werden mussten, ausserdem würden ein paar Pfleger hier bleiben und nach dem Rechten sehen müssen. Lisa und Darren meldeten sich sofort freiwillig um zu bleiben. Lisa hatte die Begründung, dass sie ohnehin schon fast einen Sonnenstich hatte und daher kaum Energie um mit uns an den Strand zu kommen, und Darren hatte einfach keine Lust. Ich fand dies etwas fragwürdig, diskutierte jedoch nicht weiter, denn irgendwer musste ja bleiben. Auch ein paar weitere meldeten sich, sodass zum Glück niemand allzu enttäuscht war. Fröhlich und ausgelassen liefen wir nach dem Essen zu den Ställen, um den Plan umzusetzen. Als alles fertig war, machten wir den grossen Transporter bereit und dann die Pferde, die mit durften. Wir (Ajith, Lily, Quinn, Lewis, Jonas und ich) hatten uns für Numair, Anubis, Baccardi, Donut, Amor und Dod enschieden. Ich zog Dod keine transportgamaschen an, denn die Fahrt nach Newport würde nicht allzulange dauern. Beim Verladen bewies Dod mal wieder seinen Sturkopf. Er wollte partout nicht einsteigen und sträubte sich, sobald man in die Nähe der Rampe kam. „Oh come on budd, we’ll have a lot of fun!“, versuchte ich ihn zu überzeugen. Natürlich verstand er micht nicht und liess sich auch durch die Karotte, die ihm Lewis hinstreckte, nicht beeindrucken. Wir schafften es nur mit viel Geduld und Durchsetzungsvermögen, ihn Schritt für Schritt die Rampe hoch zu befördern. Endlich waren alle Pferde verladen und die eineinhalbstündige Fahrt stand an. Die Zeit verging wie im Flug und als wir in Newport auf einem abgelegenen Parkplatz beim Strand die Klappen des Transporters öffneten, schnupperten alle sechs Pferde bereits aufgeregt die Meerluft. Wir führten sie hinaus, halfen uns gegenseitig beim Satteln und stiegen schliesslich auf. Numair, Anubis, Amor und Dod waren allesamt sehr aufgeregt. Besonders Numi blähte die Nüstern und spitzte die Ohren. Doch Ajith hatte ihn soweit im Griff. Es schien dem Indischen Pfleger sogar Spass zu machen, auf einem solch temperamentvollen Tier zu sitzen. Ich hatte ein wenig Streit mit Dod, als wir den Trampelpfad zum Strand hinunter ritten, denn er wollte nicht hinter Baccardi bleiben. Unten angekommen trabten wir direkt zum Wasser und ritten ein wenig hinein. Die Wellen kamen Dod bis zum Bauch, was ihm nichts auszumachen schien, denn er scharrte freudig mit dem Huf. Salzwasser spritzte mir ins Gesicht und wir lachten. Donut war das Meer wohl noch immer nicht ganz so geheuer, denn er brauchte wieder mal am längsten um rein zu kommen. Wir waren nicht das erste mal hier – schon letztes und vorletztes Jahr hatten wir einige Strandausflüge unternommen, um möglichst mit allen Pferden einmal herzukommen. Die meisten behielten den Strand in guter Erinnerung und freuten sich beim zweiten mal schon deutlich sichtbar auf die langen Galopps und das Wasser. Manche hingegen, wie Sunday, Iskierka, Islah und eben Donut, konnten gut auf die Salzigen Wellen verzichten. Nach einer Weile trabten wir die Pferde auf dem trockenen Sand ein. Wir ritten Zirkel und formten einen Hufschlag, indem wir immer an den selben Stellen ritten. Anschliessend reihten wir uns in der Nähe des Wassers auf und bretterten dann nebeneinander über den Strand. Nasser Sand spickte von den Hinterhufen der Pferde und ich hielt den Kopf zum Schutz etwas schräg. Neben mir und Dod holte Amor mit ausholenden Bewegungen auf, den Schweif arabertypisch wie eine Fahne aufgestellt. Ich erhaschte einen Blick auf Jonas‘ grinsendes Gesicht und beschloss, Dod noch etwas mehr Zügel zu geben. Baccardi und Donut hatten trotz ihrer Grösse keine Probleme mitzuhalten, aber die Araber waren ja abgesehen von Anubis auch nicht viel grösser. Und Dod selbst hatte ebenfalls Kleinpferdemasse. Nach über einer Stunde am Strand waren endlich auch Amor und Numair ruhiger geworden, denn der Sand und das Wasser zehrten sehr an ihren Kräften. „I hope they’ll not have sore muscles tomorrow“, bemerkte Quinn. Wir beschlossen, zurück zum Parkplatz zu reiten und es für heute gutsein zu lassen. Die Pferde hatten allesamt geschwitzt, doch wir mussten, als wir zurück auf dem Hof waren, so oder so den Sand und das Salzwasser abwaschen, also wurden alle gleich beim Hauptstall angebunden und geduscht. Danach brachten wir sie gemeinsam zur alten Galoppbahn, denn die Fläche im inneren der Bahn wurde ebenfalls als Weide genutzt und war jetzt, da sich alles im Umbau befand, eine der einzigen Weiden überhaupt.

      Der Abend hielt nocheinmal eine grosse Überraschung bereit. Ich wollte gerade nach den Fohlen sehen, als ich einen Anruf von Elisa Cranfield erhielt. Ich hatte grosses Interesse an ihrem Paint Hengst ‚Unbroken Soul of a Rebel‘ gezeigt, jedoch nicht damit gerechnet, so schnell eine Antwort zu bekommen. Zu meiner positiven Überraschung rief sie nämlich an um mir zu verkünden, dass sie Pineforest Stable als geeignetes Zuhause für den Hengst sah. Wir einigten uns auf einen Preis und besprachen den Transport, dann bedankte ich mich und legte gut gelaunt auf. Der Hengst würde in drei Wochen kommen, gerade zur rechten Zeit um in den Nordstall ziehen zu können. Nun musste nur noch alles nach Plan verlaufen.
      10 Juni 2015

      Halloween Special auf Pineforest Stable

      Heute war es besonders Neblig, als ich zum Fenster raus blickte. Ich musste augenblicklich grinsen als ich feststellte, dass es Halloween war und die Szenerie perfekt passte. Doch richtig lustig würde es erst abends werden. Sheela kam schwanzwedelnd die Treppe rauf geschossen, als ich die Zimmertür öffnete. Sie schleckte mir die Hand ab, während Jacky kurz um mich wuselte, und dann wieder runter in die Küche hüpfte. Morgens war die kleine Jack-Russel Hündin nicht so liebevoll, da sie vor allem eines wollte: Futter. Das bekamen die beiden nun auch.
      Den Tag über war ich an einer Kostümparty und einer Halloween Show mit Unbroken Soul of a Rebel zu finden. Ich hatte den Paint-Hengst so bemalt, dass es aussah, als wäre er beim Übergang seiner Scheckung Frankenstein-mässig aus zwei verschiedenen Pferden zusammengenäht. Lewis hatte diese lustige Idee gehabt, und mir die Farben besorgt.
      Auf Pineforest Stable selber war nicht viel los; die Pfleger wollten ihre Arbeit möglichst früh erledigt haben, damit sie am Abend ausgehen konnten, also waren sie nicht sehr gesprächig. Ausser Ajith und Quinn, die ich erwischte, wie sie aufgeregt kichernd und flüsternd in Sundays Box standen. Sie gingen jedoch sofort wieder ihrer Arbeit nach, als sie sahen, dass ich sie beobachtete, sodass ich die beiden gar nicht erst auffordern musste. Ein zufriedenes Grinsen huschte mir dabei übers Gesicht – wie gut ich meine Mitarbeiter doch erzogen hatte. Ich genoss die Ruhe, wenn ich zuhause war, denn Feststimmung gab es auf der Party genug. Als ich gerade bei Burggraf stand und den Hengst sattelte, kam Jonas auf mich zu. „Hey Boss, heute Abend schon was vor?“ Ich hob erstaunt die Augenbrauen. „Nein… Warum?“ „Ach, ich hab grad überlegt, ob du mit an die Party in Birmingham kommen willst, aber mir ist eingefallen, dass ja jemand auf den Hof aufpassen muss.“ Mir klappte der Mund auf und ich wollte empört etwas erwidern, aber er verschwand schon wieder durch das Stalltor. Frechheit! Von wegen gut erzogen… Ich wandte mich wieder Muffin zu und zog den Gurt an.
      Als ich mit ihm, Jacky und Sheela vom Gelände zurückkam, hatte ich einen Entschluss gefasst. Quinn hatte am Morgen deutlich gemacht, dass sie weder an eine Kostümparty, noch an sonst irgendeine Saufveranstaltung mitkommen würde. Sie hatte sogar versucht, die Leute zu überzeugen, auf Pineforest Stable selbst zu feiern, anstatt alle auszugehen. Sie würde also bestimmt hier sein, um aufzupassen. Deshalb wollte ich nun doch auch nach Birmingham. Aber nicht dorthin wo Jonas ist, dachte ich mit einer herrlichen Genugtuung. Ich erzählte ihr von meinem Plan, sobald ich Burggraf versorgt hatte. Zu meiner Überraschung reagierte sie verstört. „No, you cannot…. I mean, you should stay here“, stammelte sie. „Why? You stay, right? I leave Sheela here to protect you, and If something happens you can always call me.“ „Probably, but what if some drunken people come here and mess things up?“ Ich verstand ihren Punkt; ich wollte auch nicht alleine im Dunkeln einer besoffenen, verkleideten Meute begegnen. „Fine, I’ll stay.“ Sie sah sehr erfreut aus und lief in Richtung Halle, bevor ich etwas Weiteres sagen konnte. Ich hingegen, machte mich auf den Weg zu den Minis. Die meisten von ihnen mussten heute für die Herbstshows geschoren werden, was ein ganzes Stück Arbeit war. Zum Glück halfen Lewis und Lisa mit. Wir führten zuerst Arco, Lenny, Storm und Caillean in den Innenhof des Hauptstalls. Dort banden wir die Flauschkugeln an und begannen, mit den Schermaschinen die dichte Wolle zu trimmen. Beim Kopf war ich besonders vorsichtig, aber auch der musste ein wenig bearbeitet werden. Alle hielten schön still, denn sie waren schon als Fohlen auf das Scheren vorbereitet worden. Auch Caillean stand Schulbuchmässig da und spielte mit dem Strick, anstatt sich um das lärmende Ding zu kümmern. Wir waren rasch fertig und konnten auch gleich die nächsten Kandidaten holen: Papillon, Daki und Lady. Letztere zappelte etwas, als ich die Maschine am Bauch ansetzte, doch mit etwas Geduld konnte ich sie auch dort von ihrem Pelz befreien. Nun fehlten noch Chip, Queen und Sunny. Ach, und natürlich die neue; Tigrotto. Ich hatte sie wenige Wochen nach Dante, dem Esel, übernommen, denn sie war eine hervorragende Showstute und hatte gute Bewertungen an den Fohlenschauen bekommen, an denen sie teilgenommen hatte. Um sie kümmerte ich mich als letztes. Dabei war ich zunächst eher vorsichtig, weil ich nicht wusste, wie gut sie an das Scheren gewöhnt war. Doch sie zickte nicht, sodass ich ebenfalls schon nach zwanzig Minuten fertig war. Nun hatten wir einen Berg aus Fell vor uns, und auf der Weide standen viele nackte Miniaturpferdchen. Lewis und ich machten uns daran, ihnen allen eine Decke anzuziehen, damit sie nicht kalt hatten, Lisa hielt unterdessen Sheela davon ab, den Fellhaufen auseinanderzunehmen. Es handelte sich um stabile, wasserabweisende Decken mit guten Verschlüssen, die sie in Position hielten. Sie waren ganz schön teuer gewesen, aber die Anschaffung hatte sich definitiv gelohnt. Tic-Tac, Rose, Alu und Kiwi durften ihren Pelz noch behalten, denn mit ihnen wollte ich erst im Frühling wieder starten. Zufrieden kraulte ich Daki, als alles erledigt war. Die kleine Stute knabberte mir liebevoll an der Regenjacke, als wäre ich ein anderes Pony.

      Am Nachmittag unterrichtete ich Rita auf Dod, damit sie auch ein Gefühl für Westernpferde bekam. Das klappte erstaunlich gut – naja, so erstaunlich war es doch nicht, denn sie brauchte nur einigermassen gerade zu sitzen, den Rest erledigte der fein ausgebildete Dod von selbst. Jedenfalls solange er kooperativ war. Als die Pflegerin zum dritten Mal auf dem Zirkel angaloppieren wollte, hatte der Hengst genug und beschloss kurzerhand, den Platz zu verlassen. Rita konnte kaum etwas tun, denn wenn Dod ein Ziel im Kopf hatte, musste man schon verdammt gut reiten können, um ihn wieder in den Griff zu bekommen. Ich eilte ihr zu Hilfe und fing ihn kurz vor dem Weg wieder ein. Danach arbeiteten wir noch etwas vom Boden aus weiter, das gefiel ihm deutlich besser. Ich überliess es Rita, ihn zu verräumen und ging direkt weiter zu Numair. Ich wollte mit ihm ebenfalls auf dem Platz arbeiten, allerdings zusammen mit Anubis und Lisa, die bereits in der Stallgasse des Nordstalls bereit standen. „Sorry, I’m late“, keuchte ich, denn ich war den Weg hochgerannt. „It’s okay, du kannst Deutsch mit mir sprechen, schon vergessen?“, meinte Lisa lachend. Ich schlug mir symbolisch mit der Hand gegen die Stirn und grinste, dann holte ich Numi aus der Box. Wir ritten eine Art Pas-de-Deux mit den beiden sonst Western gerittenen Hengsten. Sie machten gut mit, aber schaukelten sich nach dem ersten Galopp gegenseitig hoch und zeigten ihr südliches Temperament. Am Ende bauten wir mehr Galopp in die ‚Kür‘ ein als uns lieb war, doch wenigstens waren die beiden danach müde. Auch die anderen beiden Araber auf dem Hof, Islah und Amor, mussten noch bewegt werden. Allerdings konnte ich Amor nicht besonders gut mit Stuten laufen lassen, da er sich dann nicht mehr konzentrierte. Also schickte ich Lisa und ihn zusammen mit Donut unter David und Baccardi unter Jonas raus. Islah übernahm ich ebenfalls nicht selbst, sondern übergab sie Lewis, um stattdessen mit Blue Lady Liquor zu arbeiten. Mit ihr sprang ich einen leichten Parcours und übte dabei insbesondere das Springen aus der Kurve. Die junge Stute war noch nicht lange unter dem Sattel, also musste ich ihr Schritt für Schritt alle Tricks beim Springen zeigen.
      Später ging ich wieder mit Halluzination und Satine als Handpferd ins Gelände. Das hatte beim ersten Mal so hervorragend geklappt, dass ich es seither immer wieder versucht hatte – mit Erfolg. Die beiden Stuten schienen miteinander zu harmonieren. Auch auf der Weide standen sie oft beisammen. Satine machte mir trotzdem immer noch Sorgen. Sie nahm einfach kaum zu, egal wie viel ich zufütterte. Den Tierarzt hatte ich auch schon mehrfach bestellt, aber er meinte jedes Mal nur, ich solle weitermachen wie bisher. Während ich die beiden nach dem Ritt versorgte, berichtete mir Lewis, dass Islah wiedermal etwas faul, dafür umso schreckhafter gewesen war. Darren, der mit Piroschka mitgegangen war, hatte weniger Mühe gehabt.

      Als es dunkel wurde, verschwanden auch nach und nach die Leute, bis Quinn und ich als einzige im Hauptstall standen. Ich schlug vor, dass wir uns auch einen gemütlichen Abend machen sollten. Sie nickte erfreut und meinte, man könne ja ins Strohlager. Ich holte eine Taschenlampe, Tee in einer Kanne, Snacks und ein paar Brettspiele aus dem Haus. Dann öffneten wir die Luke zum Dachboden des Hauptstalls, wo das Stroh gelagert wurde. Sheela winselte, als wir ohne sie nach oben kletterten, doch sie war mittlerweile einfach zu gross, als dass ich sie hätte nach oben tragen können. Fairnesshalber liess ich auch Jacky unten. Ich legte den beiden eine alte Abschwitzdecke auf den Boden, auf der sie sich auf mein Zeichen hin platzierten. Der Dachboden war ein durchgehender Raum, nicht besonders hoch und vollgestopft mit Strohballen. Es hatte zwar Lampen hier oben, aber sie leuchteten nur dämmrig. Alle paar Meter gab es eine neue Luke, durch die das Stroh nach unten in die Stallgasse befördert werden konnte. Quinn und ich machten es uns im weichen Stroh neben den grossen Quadern gemütlich und begannen mit einer Partie Mühle. Ich merkte gar nicht, wie die Zeit verging, denn als ich beim nächsten Mal auf die Uhr sah, war bereits halb zwölf. Ich gähnte demonstrativ und fragte, ob Quinn noch etwas Tee wolle. Sie bejahte, also kletterten wir die Leiter hinunter und wollten gerade zum Haus, als ich Schritte vernahm. „Guess you were right with those drunken guys“, flüsterte ich mit besorgter Stimme. Ich hielt es für das Beste, nachzusehen und die Eindringlinge zu verscheuchen. Wir schlichen mit Sheela, die gerade mitten in der Ausbildung zum Schutzhund war, um den Hauptstall herum zum Roundpen, doch ich konnte niemanden sehen. Plötzlich sah ich zwischen den Tannen der Galoppbahn ein Licht auf und ab tanzen. „There! Sheela, go!“ Ich schickte die Hündin wie im Training auf das Ziel los, da ich mir sicher war, dass das Licht von einer Taschenlampe stammte. Sie flitzte los, bellte ein paarmal, doch dann wurde es still. Ich schluckte leer. „…Sheela?“ Keine Reaktion. Quinn und ich sahen uns an, dann liefen wir langsam in Richtung des Lichts. Als wir kurz davor waren, verschwand es jedoch. Von Sheela war keine Spur. „Oh no, she must have followed them – or they dognapped her!“, meinte Quinn, wobei sie bei dem Wort ‚dognapped‘ grinsen musste. Wie kann sie auch noch Scherze darüber machen? Wir müssen weiter, dachte ich aufgebracht. Schon sah ich ein neues Licht, diesmal beim Offenstall der Minihengstchen. Sofort rannte ich in die Richtung, denn ich wollte auf jeden Fall verhindern, dass die Typen den Minis etwas antaten, auch wenn ich mich mit Händen und Füssen würde wehren müssen. Als wir dort ankamen, war das Licht aber bereits wieder ausgegangen. Im Dunkeln stolperte ich über etwas im feuchten Gras liegendes und fiel beinahe ausgestreckt auf den Boden. Ich sah nicht, was der Gegenstand war, denn ich rappelte mich erschrocken wieder auf und rannte zur Halle, wo das nächste Licht aufflackerte. Quinn rief irgendwas von „there’s something hanging in the tree“, aber ich achtete mich nicht, zu fokussiert war ich auf mein Ziel. Schliesslich erreichte ich die Halle, und Quinn wenige Sekunden nach mir ebenfalls. Wir schlichen, abermals in völliger Dunkelheit, um das grosse Gebäude herum, auf der Suche nach irgendwelchen Gestalten. Warum ist es nur so dunkel? Ohne den Nebel würde ich sie bestimmt sehen. Plötzlich schrie Quinn kurz auf, es folgte ein kurzes Glucksen, dann Totenstille. Mittlerweile tatsächlich ängstlich drehte ich mich um und rief nach ihr, doch bekam keine Antwort. Das ist nicht möglich, der Mörder ist doch längst hinter Gittern! Ich wollte mein MoPho aus der Jackentasche holen, um endlich der Polizei anzurufen, doch es war weg. Ich suchte überall, sicher, dass ich es wie immer rechts gehabt hatte, doch es war nirgends zu finden. Als nächstes torkelte ich durch die Dunkelheit zum Haus, doch die Tür war verschlossen. Wie ist das möglich? Ich hatte sie doch offen gelassen, als ich Tee geholt hab... Langsam kam ich mir vor wie eine Geistesgestörte, die sich alles nur einbildete, denn auch den Schlüssel fand ich nirgends. Bestimmt bin ich im Strohlager eingeschlafen und träume alles nur, beschloss ich. Doch mit einem Kniff in den Arm wachte ich nicht auf. Unentschlossen blickte ich umher und sah dabei abermals das Licht, diesmal beim Nebenstall. Ich änderte meine Strategie und schlich mich darauf zu, immer im Schutz der Gebäude bleibend. Es schien zu klappen; diesmal verschwand das Licht nicht. Beim Näherkommen hörte ich aufgeregtes Getuschel und ein „shhh!“ An den Stimmen erkannte ich Lisa, Lewis, Jonas, Rosie und Ajith, doch da waren auch die Umrisse von weiteren. „What is happening?“, fragte ich, als ich nahe genug war, und erschreckte sie damit erfolgreich. Jemand machte Licht, sodass ich alle Gesichter erkannte. Es waren fast sämtliche der Pfleger. „Happy Halloween!...“, lachte Lewis, und die anderen stimmten mit ein. „Aber wie… Wo ist Sheela?“ Kaum hatte ich gefragt, kam die Labradorhündin Schwanzwedelnd auf mich zugehüpft. Sie haben mir also nur einen Streich gespielt, stellte ich erleichtert fest. Wir liefen alle zum Hauptstall und kletterten ins Strohlager, wobei Jonas mir Sheela hochhob und Jacky von Ajith mitgenommen wurde. Die beiden Hunde sahen sich sofort neugierig in diesem unbekannten Teil ihres Territoriums um, während die Pfleger mir erzählten, wie sie das Ganze geplant und durchgeführt hatten. Nachdem zuerst jeder gleichzeitig seine Sicht schildern wollte, sorgte Oliver für Ordnung und gab Jonas das Wort. „Aaaalso; wir haben die Idee schon vor Wochen gehabt, aber Quinn ist es hauptsächlich zu verdanken, dass wir es wirklich durchgeführt haben, sie hat die Leute zusammengetrommelt und hierbehalten. Zuerst mussten wir sicherstellen, dass du auch hier bleibst.“ „Ach deshalb warst du so frech“, unterbrach ich ihn. Er strich mir grinsend mit der Hand übers Gesicht, zum Zeichen, dass ich schweigen solle. „Jedenfalls war ich erfolgreich, oder?“ „Auf keinen Fall! Ich war sogar fast so weit, aus Trotz extra wegzugehen. Quinn war diejenige, die mich überzeugt hat zu bleiben.“ „Wie auch immer; wir anderen gingen also nach und nach, versteckten uns aber tatsächlich in der Halle. Als du ins Haus gegangen bist und den Schlüssel hast stecken lassen, hab ich ihn mir geschnappt, um später die Tür zu schliessen, damit du, nachdem dir Quinn hier oben so erfolgreich das Handy geklaut hat, nicht auf die Idee kommst, doch noch die Polizei zu rufen oder so. Dann haben wir uns mit den Taschenlampen positioniert und sind jedes Mal ein paar Meter weiter ins Gras gelegen, wenn ihr zu nahe kamt.“ „Ach deshalb hat Sheela nicht angegriffen – sie hat euch natürlich gleich erkannt…“ „Jap, und Elliot hat sie fixiert, damit sie nicht bellt. Über unseren abgetrennten fake-Arm beim Offenstall bist du leider nur drübergefallen, und auch den hängenden Mann hast du nicht gesehen.“ „Even as I wanted to call you back!“, warf Quinn ein. „Danach mussten wir uns einen Plan B überlegen, denn eigentlich war geplant gewesen, dass du es dabei natürlich merkst. Also haben wir Quinn bei der Halle entführt.“ „Dann wusstest du vom letzten Teil auch nichts?“, fragte ich Quinn lachend. „Nein, daher hatten wir auch Mühe, sie festzuhalten und vor allem zu verhindern, dass sie vor Lachen platzte!“, antwortete Lisa für sie. „Doch zuletzt hast du uns doch überlistet. Wir waren so abgelenkt, dass wir gar nicht bemerkt haben, wie du näherkommst…“ Ich stiess ein triumphierendes „yes!“ aus, und wir lachten alle herzhaft. „Nun hätte ich aber gerne meine Schlüssel und mein MoPho zurück“, sagte ich auffordernd. Quinn gab mir das Handy, doch Jonas hielt die Schlüssel nur grinsend auf. Ich stürzte mich auf ihn und nahm sie mir etwas unsanft, wobei er mich festhielt, sodass wir nebeneinander im Stroh lagen. Wir amüsierten noch etwas mit Brettspielen und Tee, ehe wir endlich alle zu Bett gingen.
      30 Okt. 2015

      Weisse Welt, heile Welt

      Ich schlich auf Zehenspitzen die Treppe runter und setzte den Teekocher auf. Ich wollte Lily heute erst wecken, nachdem ich ihr Abschieds-Frühstück vorbereitet hatte. Sie würde heute Nachmittag von Rachel abgeholt werden, damit sie pünktlich für Weihnachten zurück war. Etwas wehmütig war ich schon bei dem Gedanken, morgen wieder alleine zu frühstücken, aber ich war auch ziemlich froh, bald meine Ruhe wieder zu haben. Der letzte Monat war wie eine lange Achterbahnfahrt gewesen, und Thairu war nur einer der Gründe. Die Zebrastute hatte innerhalb zweier Wochen gelernt, einen Reiter ein paar Schritte weit zu tragen, ohne ihn gleich wieder runter zu buckeln. Lily hatte ich bisher allerdings nicht auf ihren Rücken gelassen, da das noch zu riskant war. Sheela kam in die Küche getapst und streckte sich gähnend. Hinter ihr folgten Jacky und Zira. Ich kümmerte mich um das Futter der Hündinnen, immer die Spiegeleier im Auge behaltend. Als alles fertig war, ging ich nach oben und weckte Lily. Sie wollte zuerst gar nicht aufstehen. Offenbar glaubte sie, dass sie noch länger bleiben könne, wenn sie einfach liegen bliebe. Ich konnte sie aber schliesslich doch dazu überreden mir zu folgen, da das Essen kalt wurde.
      Nach dem Frühstückmachten wir uns beide auf den Weg zum Hauptstall, wo es eine neue Box einzurichten galt. Zum Glück hatte ich meiner Nichte schon gestern Abend beim Packen geholfen, sodass sie den ganzen Morgen nochmal richtig geniessen konnte. Gestern war Shio von ihrer neuen Besitzerin abgeholt worden, sodass ihre Box nun leer stand und bloss neu eingestreut werden musste. Ich hatte die Cremello Stute schweren Herzens verkauft, da sie nicht die gewünschten Rennleistungen erbrachte und ich nicht so richtig warm mit ihr geworden war. Dafür zog nun Sympathy of the Devil wieder bei uns ein. Die mittlerweile gekörte, fünfjährige Stute war vor langer Zeit schonmal auf Pineforest Stable gewesen, allerdings nur auf der Durchreise nach Deutschland, wo sie schliesslich nochmal verkauft worden war. Ich hatte die Leistungen der Stute mitverfolgt und es immer mehr bereut, sie weitergereicht zu haben. Als schliesslich die Gelegenheit gekommen war, hatte ich sie als Rennpferd und zukünftige Zuchtstute zurückerobert. Sie würde heute Abend endlich wieder ankommen. Ausserdem kam heute auch mein lang ersehntes Stutfohlen von Skyrim an, das auf Eddis Hof herangewachsen war. Die kleine war sowas wie ein zukünftiger Supercrack, jedenfalls von der Abstammung her. Der Rest musste sich noch zeigen, doch ich war zuversichtlich. Lily und ich füllten ein paar Schubkarren mit Stroh und verteilten es in der Box. Danach machten wir uns auf den Weg zu den Offenställen, denn wir wollten die Fohlen putzen. Dank des Schnees waren sie relativ sauber, aber ich wollte sie dennoch an das Bürsten und Hufeauskratzen gewöhnen. „Mit wem wollen wir anfangen?“, fragte ich Lily vergnügt, als uns die Hengstchen am Zaun begrüssten. Die Gruppe zählte nur noch vier Mitglieder, denn Paluche und Alysheba waren ja nun bei den Grossen. So blieben noch Life, Jack, Merino und Simba. Wir nahmen uns zuerst Merino vor. Ich streifte ihm ein schwarzes Halfter über und band ihn an einem der Zaunpfosten fest. Anschliessend kratzte ich alle vier Hufe aus, während Lily ihn mit der Bürste massierte. Dasselbe machten wir auch mit den anderen Hengstchen. Die Stutfohlen liessen wir noch in Ruhe, denn die würden heute ja ohnehin noch ihre Portion Aufregung bekommen.

      Wenig später halfen wir beim misten, brachten Pferde auf die Weide, bereiteten Muskat, Light, Spot und Caspian auf das Training vor und halfen den Jockeys beim Aufsteigen. Um Neun Uhr Sattelten Lily und ich Donut und Moon. Wir wollten einen letzten Ausritt mit Schneegalopp wagen. Das kleine Mädchen hievte den schweren Westernsattel mittlerweile selbst auf Felines Rücken. Auch beim Zäumen durfte ich ihr nicht mehr helfen; sie wollte es alleine schaffen. Es dauerte so zwar etwas länger, aber sie wurde von Mal zu Mal geschickter. Wir ritten los in Richtung Galoppwiese, jedoch mit einem Umweg zum Fluss, damit die beiden Stuten auch gut aufgewärmt waren, wenn wir loslegten. Dann galoppierten wir an und heizten die Wiese hinunter durch den Schnee. Zum Glück waren Trampelpfade im Tiefschnee, denen wir folgen konnten. So war der Galopp nicht ganz so kräftezehrend für Moon und Feline, doch anstrengender als sonst blieb es trotzdem. Wir gingen daher nicht bis ganz ans Ende der riesigen Wiese, sondern bogen schon vorher wieder in den Pinienwald. Dort folgte eine lange Schrittphase, in der wir uns über die vergangenen Wochen unterhielten. Ich fragte Lily, was ihr am meisten gefallen hatte. „Das Einreiten von Thairu war cool! Und die Reitstunde mit Dream. Aber auch das Arbeiten mit den Minis, und natürlich das Ausreiten.“ Ich schmunzelte und war froh, dass sie bei den daraufhin gefragten schlechten Erlebnissen nicht so viel aufzuzählen wusste. Ich musste ihr auch versprechen, mit Rachel bereits die nächsten Reitferien auszuhandeln. Dies würde jedoch frühestens im Frühling sein.

      Wir kamen nach über einer Stunde zurück auf den Hof und versorgten die Pferde. Dann verbrachten wir den restlichen Morgen mit einer letzten Dressurstunde, bei der Lily Dream reiten durfte. Ich half ihr danach beim Absatteln. Lily streichelte die Stute liebevoll. „Ich werde sie vermissen. Aber bis ich wieder komme muss sie anständig trainiert werden. Die hat einige Kilos zu viel auf den Rippen!“, lachte sie. Ich lachte verschmitzt, denn Dream war keineswegs untrainiert – aber das würde ich Lily erst später erklären, als kleine Überraschung. Ich hatte ihr nämlich die ganze Zeit über verschwiegen, dass die Stute von Skyrim tragend war. Lily knuddelte Dream noch einmal kräftig, dann verliessen wir die Box und halfen beim Füttern, bevor wir selber Essen gingen. Danach packte Lily noch die letzten Dinge ein. Wir schleppten die Koffer zum Parkplatz, denn Rachel wartete, pünktlich wie immer, bereits mit verschränkten Armen dort. Tochter und Mutter fielen sich in die Arme, während ich die wild schwanzwedelnden Hunde beruhigte. Rachel und ich schwatzten noch ein wenig zusammen, doch sie wollte nichtmal für eine Tasse Tee ins Haus kommen, da sie ‚einen straffen Zeitplan‘ hatte. Lily unterbrach uns immer wieder mit ihrer Sicht der Dinge und schwärmte zum Beispiel von dem Ausritt vorhin mit Donut. Ich zuckte zusammen und verzog den Mund zu einem schiefen Lächeln, denn Rachel sah mich bereits drohend an. „Wir hatten doch vereinbart, dass sie nur Stuten oder Wallache reitet!“ „Ja ja, hat sie eigentlich auch. Aber sie ist ein Naturtalent und Donut ist sowieso ein ganz lieber…“, beschwichtigte ich sie. Na gut, wir haben uns in einigen Punkten nicht an die Abmachungen gehalten, und nachdem Lily Dream reiten durfte, war sowieso alles über den Haufen geschmissen… Aber ich hab ja immer aufgepasst. Ich warf Lily einen strengen Blick, den sie zu verstehen schien, denn sie erwiederte mit einem Zwinkern: „Ja, das war ne Ausnahme. Sonst waren wir brav.“ Rachel schien beruhigt und ich entspannte mich wieder. Doch langsam war es wirklich Zeit, mich von den beiden zu verabschieden. „Oh ich freu mich schon so auf nächstes Mal! Du musst unbedingt mit Thairu weiter üben, damit ich sie reiten kann, sobald ich wieder da bin“, drängte Lily. „Ach, du wirst sowieso genug zu tun haben mit Dreams Fohlen“, bemerkte ich beiläufig, und brachte Lily so zum Stutzen. „Ocuuuu? Was meinst du mit ‚Dreams Fohlen‘?!“ Rachel und ich lachten. Nachdem ich das Geheimnis gelüftet hatte, konnte Lily kaum noch still bleiben und Rachel zerrte sie förmlich zum Auto. Ich winkte zum Abschied und sah zu, wie das Auto die verschneite Grasrennbahn passierte.

      Es kam mir unglaublich still im Nordstall vor, als ich begann, Daydreaming Sorrow zu putzen. Daher liess ich den Radio an und hörte dem Sprecher bei den Verkehrsnachrichten zu. Ich hatte es wie immer nicht geschafft, die Mähne des Welshs nicht total zu zerzausen, als ich ihm das weiche Lammfellhalfter übergestreift hatte. Nun zupfte ich die Strähnchen einzeln zurecht und kämmte die dichte Wolle dann vorsichtig durch, um nichts auszurupfen. Er hatte wiedermal seinen Schlafzimmerblick aufgesetzt, als ich den Kopf mit der weichen Bürste bearbeitete. Besonders vorne beim Maul genoss er es. „…A13 westbound between the A1012 and the junction with the A126. There are currently delays of 10 minutes against free flowing traffic due to congestion. There is also a holdup at the M6 northbound between junctions J13 and J14. Reason is a road traffic collision. One of the two lanes is closed…” Ich kratzte die Hufe aus und entwirrte die Puschel an seinen Beinen, dann holte ich den Sattel. Ich ging mit ihm in die Halle und übte ein paar Dressurlektionen der L Klasse. Er stand dort noch ganz am Anfang, aber arbeitete fleissig mit.

      Gegen Abend empfing ich die beiden Neuankömmlinge. Devil fand sich auf Anhieb zurecht und keifte ein wenig mit ihrer Boxennachbarin, ehe sie sich ihrem Heu zuwandte. Shadows of the Past, von mir auch liebevoll Shira genannt, verhielt sich dagegen erstmal eher zurückhaltend. Sie kaute unterwürfig und zog das Schweifchen ein, als die älteren Jährlinge an ihr schnüffelten. Alles in allem verlief die Vergesellschaftung aber unkompliziert. Ich genoss den Abend auf einem weiteren Ausritt, diesmal mit Quinn. Wir nahmen Dod und Numair. Durch den Nebel sah man im Dunkeln etwa so viel wie in einem Hundemagen, doch Quinn und ich blieben ruhig, und so taten es auch die Pferde. Als die Stallarbeiten erledigt waren, sahen wir uns alle im Pflegerheim einen Film an, doch spätestens um zwölf Uhr waren alle Lichter gelöscht, denn die Pferde wollten auch am nächsten Morgen ihr Futter pünktlich um sechs serviert bekommen.
      30 Dez. 2015
    • Calypso
      Alte Pflege-, Hufschmied-, Tierarzt-, und Trainingsberichte
      Montag Mondtag

      “Why do they always freak out when there’s a full moon?”, stöhnte Lewis kopfschüttelnd, während er Anubis mit der Hinterhand weichen liess. Wir waren mitten auf einem Ausritt, doch bisher waren eher die Pferde mit uns ausgeritten. Auch Dod und ich hatten Ärger miteinander, denn der sture Hengst wollte einfach nicht an den frisch gefällten Baumstämmen vorbei, die am Wegrand lagen. Ich trieb, gab einen mahnenden Klaps mit der Hand hinter dem Sattelblatt und schnalzte, doch schliesslich wirkte nur Geduld. Wer den längeren Atem hat, gewinnt. Wir schafften es, alle Pferde vorbeizubekommen, ohne einen meterweiten Bogen um den Stapel zu machen. Am ruhigsten war diesmal Baccardi geblieben, obwohl sein Kumpel Donut genauso gezickt hatte wie der Criollo und der Araber. Darren hatte also ausnahmsweise mal Glück gehabt. Quinn, die sonst eher langbeinige, grossgewachsene Vollblüter ritt, war mit ihrem wendigen Reitpony ein wenig überfordert. Ich riet ihr, Donut gut mit den Beinen einzurahmen und einen führenden Zügel zu bestimmen, der quasi als unterstützende Wand fungierte. Der restliche Ritt verlief auch nicht ganz störungsfrei, mitunter weil es begann, wieder in Strömen zu regnen, aber zumindest angenehmer was das Verhalten der Pferde anging. Ich freute mich schon sarkastisch auf den Ausritt mit Islah und Numair, den ich anschliessend mit Rosie vorhatte.
      Zurück auf dem Hof empfing mich Rosie bereits mit denselben Gedanken, denn sie berichtete, dass auch Burggraf total unkonzentriert gewesen war. Die Gruppe mit ihm, Pilot, Vychahr, Calico und Diarado war in die andere Richtung losgeritten und etwas früher zurückgekehrt. Lily gesellte sich mit den drei Hunden zu uns und hörte gespannt zu. „How about doing some Dressage instead?“, schlug ich vor, doch Rosie antwortete, was ich kurz darauf selbst dachte: „We’ve been in the arena yesterday and even the day before that, since it was also rainy then. I think they wouldn’t like it…” Lewis, der hinter uns durchhuschte, meinte scherzhaft: “You could do some sacking out, Islah would like that.” Wir lachten herzhaft, aber die Idee war tatsächlich nicht allzu schlecht. Immerhin wären sie dann beschäftigt, und schaden tut das eh nie. Rosie war einverstanden, also holten wir wenig später die beiden Araber aus ihren Boxen. Ich übernahm für heute wieder Islah, brav nach Einteilungsliste. Wir stellten in der Halle eine Plastikplane, einen Flattervorhang, einen grossen roten Ball, einen Tütenstock, einen Regenschirm und eine kleine Plastikpistole bereit. Numair war heute eindeutig der wildere von den beiden, denn schon beim Betreten der Halle glotzte er in der Gegend herum. Islah Schweif und geblähten Nüstern darüber, als ob sie gleich versinken würde. Eigentlich sah sie bildhübsch aus, wenn sie sich so aufplusterte. Trotzdem hatte ich es lieber, wenn sie etwas gemässigter unterwegs war, oder mich wenigstens vorwarnte, wie Numair es mit Rosie tat. Er spitzte schon Meter vor der Plane die Ohren, bis sie sich fast berührten, lief dann aber erstaunlicherweise im Schritt darüber. Da sieht man den Unterschied, dachte ich lächelnd. Numair findet die Plane wohl wirklich etwas unheimlich, Islah hingegen will mich bloss veräppeln. Ich schickte das furchtlose Vieh gleich weiter durch den Flattervorhang, was sie auch mehr oder weniger ohne Zögern meisterte. Auch der rote Ball schien sie nicht zu beeindrucken – den hatten wir aber auch schon beim letzten Schrecktraining gefühlte 100 Mal gegen ihre Vorderbeine rollen lassen. Während Numair und Rosie mit dem Regenschirm beschäftigt waren, wagte ich mich an die Plastikpistole. Beide Pferde zuckten ganz schön zusammen, als ich sie das erste Mal knallen liess. Numair vergass sogar den Schirm für einen Moment und hatte nur noch Augen für das kleine, schwarze Ding in meiner Hand. Beide gewöhnten sich aber nach ein paar weiteren Versuchen an das Geräusch, bis sie jeweils nur noch die Ohren spitzten. Wir beendeten das Training nach einer halben Stunde und brachten die beiden Araber zurück in ihre Boxen.
      Ich konnte es nicht lassen, zwischendurch nach Dream und Skydive zu sehen. Das schwarze Hengstfohlen war so unglaublich niedlich. Es hatte besonders schöne, im Moment noch leicht bläuliche Augen, die später aber ganz dunkel werden würden. Die gekräuselten Tasthaare an seinem Maul liessen ihn noch etwas dümmlich aussehen, genauso wie die übergrossen Ohren und knochigen Beine. Aber er war ein rechter Brocken für seine beinahe-14-Stunden Lebenszeit. Es war ein unbeschreiblich süsser Anblick, als er an Jacky schnüffelte, die durch das Stroh wuselte und nach Mäusen suchte. Es war zwar schon fünf Uhr, aber ich hatte noch immer einiges vor, also begab ich mich wieder in den Nordstall, wo Loki und Herkir bereits ungeduldig grunzten. Mit ihnen hatte ich ebenfalls ins Gelände gewollt, aber das fiel nun ins Wasser. Ich holte stattdessen die Doppellongen Ausrüstung und arbeitete so mit beiden je eine halbe Stunde. Ich achtete bei beiden auf die Dehnungshaltung, da sie als Tölter dazu tendierten, den Kopf über die Linie zu nehmen und den Rücken nicht zu heben. Ich war am Ende viel müder als die beiden, deshalb gönnte ich mir eine kleine Pause mit einer Tasse Tee, ehe ich zu Circus Dancer weiterging. Der Knabstrupper Hengst war auch etwas aufgewühlter als sonst. Er zappelte beim Putzen und lief in Giraffenhaltung auf dem Weg zur Halle, während wir beide vom Regen durchweicht wurden. Ich entfernte das Tuch vom Sattel, das ich zum Schutz vor dem Wasser darübergelegt hatte, und stieg auf wie immer um ihn warm zu reiten. Mir fiel schon im Schritt auf, dass er die eine Hallenecke immer wieder zu meiden versuchte und jeweils die Ohren spitzte, wenn wir daran vorbei kamen. Ich versuchte, die Ecke trotzdem auszureiten und das Verhalten zu ignorieren. Doch als ich das erste Mal im Trab durchkam, nahm er plötzlich den Kopf über die Linie und startete durch. Mit Mühe zog ich Dancer auf eine enge Volte und liess ihn drehen, bis er stand. Vermutlich hatte etwas in der Ecke geknackt, oder vielleicht war eine Maus durchgehuscht – jedenfalls ritt ich jetzt extra im Schritt nochmal hin, um ihm die ‚gefährliche‘ Ecke gründlich zu zeigen. Zunächst wehrte er sich, indem er den Rückwärtsgang einlegte und versuchte, abzudrehen. Ich trieb ihn konsequent vorwärts und schaffte es, ihn in der Ecke zu parkieren. Wir standen dort bis er den Kopf zu senken begann und an der Wand schnupperte. Dann streichelte ich ihn und ritt auf die Volte. Ich trabte an und kam siegessicher wieder auf die Ecke zu, doch abermals versuchte er das Spiel mit dem Losrennen. Ich zog ihn wieder in die Wendung und gab ihm einen Klaps mit der Gerte, nicht stark, aber um ihm klarzumachen, dass ich das gezeigte Verhalten nicht akzeptierte. Ich verglich den Einsatz der Gerte gerne mit dem Ausschlagen oder Zubeissen des Leitpferdes, als Züchtigung im Ausnahmefall. Ich ritt wieder auf die Ecke zu, wieder im Trab, als wäre nichts gewesen. Er lief zwar mit Aussenstellung und gespitzten Ohren daran vorbei, blieb aber im Trab. Ich lobte ihn und gab ihm eine Denkpause, indem ich auf die andere Volte wechselte. Ich verkleinerte und vergrösserte die Volte und versammelte ihn dabei mit korrekter Innenstellung. Er entspannte sich ein wenig und schnaubte. Ich überstrich lobend den Hals und hielt eine lockere, ruhige Verbindung zum Pferdemaul. Dann ritt ich wieder auf der ganzen Bahn und damit auch durch die berüchtigte Ecke. Diesmal reagierte er kaum noch und blieb sogar in Anlehnung. Ich lobte abermals und galoppierte an. Wir konnten den Rest der Stunde ohne weitere Uneinigkeiten abschliessen und er lief sogar schöner als am Vortag. Ich liess ihn spüren, dass ich zufrieden mit ihm war und kraulte ihn ausgiebig, als wir wieder in der Box waren, währendem er seine Karotten verschlang. Nun war nur noch Daydreaming Sorrow übrig. Ich nahm mir viel Zeit für den Welsh und flocht ihm einen ordentlichen Französischen Zopf, bevor ich sattelte. Das machte ich vor allem, damit mir seine mächtige Mähne beim Reiten nicht in den Weg kam. Auch die Stirnfranse flocht ich zu einem Zopf und klemmte sie beim Zäumen unter das Stirnband. Wir trabten förmlich zur Halle, weil es noch stärker regnete als zuvor. In der Halle stieg ich auf und ritt ihn warm, dann begann ich mit Stangentraben; das war das heutige Thema für den Hengst. Ajith hatte mit die bunten Stangen während dem Satteln vorbereitet und stand nun beim Halleneingang um ein wenig zuzusehen. Ich ritt zuerst schwungvoll über gewöhnliche Trabstangen, sodass er die Beine heben und sich auf seinen Untergrund konzentrieren musste. Als Nebeneffekt davon kaute er auf dem Gebiss und lief in wunderschöner Anlehnung. Eine weitere Lektion war das Reiten einer Volte, wobei ich jedes Mal über vier gleichmässig verteilte Stangen galoppierte. Ich wechselte auch ab und zu aus der Volte und nutzte die Stange in der Mitte der Halle zum Galoppwechseln. Am Schluss sprang ich ein paar Cavaletti mit Sorrow, was ihm offenbar Spass machte, denn er gab jeweils extra Gas. Am Ende lobte ich ihn und liess ihn austraben.
      Vor dem Schlafengehen machte ich wie immer mit Lily einen letzten Kontrollrundgang. Zufrieden stellte ich fest, dass die meisten Pferde bereits stehend oder liegend dösten und alles schön aufgeräumt war. Ich löschte in allen Stallgebäuden das Licht, wünschte den Pflegern, die zum Pflegerheim schlenderten, eine gute Nacht und begab mich mit meiner kleinen Nichte dann selbst zurück ins Haus.
      8 März 2016

      Freunschaftliches Wettreiten

      Es war Anfang März. Mittlerweile wurde es täglich etwas wärmer und trockener, sodass die Pferde wieder jeden Tag auf die Weide konnten. Sie genossen dies sichtlich; hatten sie anfangs auch wild gebuckelt und galoppiert, grasten sie nun friedlich in der Nähe des Waldrands und genossen das Frühlingsgras. Allerdings durften sie noch nicht allzu lange draussen bleiben, da das frische Gras in Massen sonst zu Bauchschmerzen geführt hätte. Lily musste wieder in die Schule, was ihr anfangs ganz und gar nicht gepasst hatte. „Warum kannst nicht einfach du mich hier unterrichten? Du hast doch auch studiert und weisst ganz schön viel!“ Ich hatte schmunzelnd geantwortet: „Leider ist das Leben kein Ponyhof; du lernst dort viel, was ich dir nicht beibringen könnte, und ausserdem hätte ich darauf auch gar keine Lust.“ Sie war nun neu in einer Klasse in Birmingham, und nach ein paar Tagen hatte sie auch schon gute Freunde gefunden. Aber im Knüpfen von neuen Bekanntschaften schien das Mädchen sowieso nie Schwierigkeiten zu haben, ganz anders als ich. Natürlich bedeutete die Schule auch, dass sie nun nicht mehr so viel reiten konnte, was sie richtig schlimm fand. Ich tröstete sie jeweils damit, dass sie beinahe jeden Abend Dream und klein Skydive beschäftigen durfte, und regelmässig Dressurstunden auf Skyrim bekam. Ausserdem hatten wir das ‚Projekt Zebra‘ fortgeführt und waren mit Thairu nun so weit, dass man nun auf dem Viereck Slaloms mit ihr reiten konnte, jedenfalls solange sie Lust dazu hatte.
      Wie jeden Morgen half ich heute zuerst den Pflegern beim Füttern. Danach brachten wir die Nebenstallpferde auf die oberste, und die Nordstallpferde auf die unterste der drei grossen Weiden. Die Bäume, die den Strassenrand zierten und die Zufahrt somit zu einer Allee machten, waren erst vor kurzer Zeit gepflanzt worden und daher noch nicht sehr gross, aber sie boten auch eine Art Sichtschutz, damit die Hengste auf der unteren Weide gar nicht erst auf Ideen kamen. Aber das ganze wäre wohl auch sonst kein Problem gewesen, da die Jungs schon immer alle gemeinsam auf der Weide gewesen waren und sich gut kannten. Die Raufereien, die hin und wieder beobachtet werden konnten, waren also rein spielerischer Natur, auch wenn das weibliche Geschlecht in der Nähe war. Nur die Neulinge in der Gruppe, wie im Moment Artemis, hatten jeweils Startschwierigkeiten. Der Schimmel brachte deshalb sofort etwas Distanz zwischen sich und die Gruppe, als wir sie durch das Weidetor lotsten. Ich erkannte, dass Pilot ihm mit Drohgebärden bei jedem Näherkommen klarmachte, dass er ihm noch nicht ganz traute. Pilot war momentan der Chef der Hengstgruppe. Er hielt diese Position nun schon seit einem ganzen Jahr aufrecht und erzog aufmüpfige Junghengste konsequent. Trotzdem war er sehr tolerant und ging nicht jedem kleinsten Fehlverhalten nach. So liess er auch zu, dass zum Beispiel Baccardi und Calico sich ein wildes Spiel lieferten. Als sie ihm dann doch zu nahe kamen, schlug er geschickt in Richtung Baccardi aus, verfehlte ihn vermutlich absichtlich, doch zeigte ihm so, dass er vorsichtiger sein musste. Baccardi akzeptierte die Zurechtweisung und drehte ab, Calico folgte ihm. Die beiden Trabten etwas weiter weg und senkten dann die Köpfe um friedlich nebeneinander zu fressen. Ich fand das Herdenverhalten äusserst interessant und beobachtete meine Pferde oft über längere Zeit. Doch nun musste ich mich zuerst um das Training der Vollblüter kümmern, wobei ich aber heute nicht selber mitmachte. Die beiden Pferde, die ich in diesem Monat in erster Linie zu betreuen hatte (nämlich Stromer und Light), waren gestern an einem Handicap gestartet und hatten heute frei. Das einzige Vollblut, das ich noch bewegen musste, war Frame, aber der war diese Woche schon dreimal nacheinander im Sprinttraining gelaufen und hatte daher am Nachmittag zur Abwechslung Dressur auf dem Programm. Trotzdem musste ich dafür sorgen, dass alles klappte und Oliver beim Beurteilen der Pferde und Jockeys helfen. Optimierung war beim Vollbluttraining alles; wenn wir merkten, dass etwas nicht so lief, wie es das sollte, griffen wir sofort ein. Daher tauschte Oliver auch sofort Charlys Pferd gegen Caligari aus, als er sah, dass dieser mit Sumerian schon beim Aufsteigen nicht zu Rande kam. Charly musste später in Ruhe mit Sumerian etwas Bodenarbeit machen, um sie besser kennenzulernen. Der junge Jockey war noch nicht lange auf Pineforest Stable, und kannte daher noch nicht alle Pferde gleich gut. Seine Schwester blitzte mich schon wieder vom linken Torbogen des Hauptstalls aus an. Ich mochte sie immer noch nicht besonders, weil ich das Gefühl hatte, dass sie mir aus irgendeinem Grund misstraute. Ich gab mir aber keine Mühe, ihre Sympathie zu gewinnen; entweder, sie renkte sich ein und kam mit mir klar, oder sie musste sich am Ende eben einen neuen Job suchen.
      Oliver und ich liefen mit zur Bahn, führten ein Pferd nach dem anderen in die mobile Startmaschine und lösten dann den Start aus. Die Pferde schossen los und bretterten über das saftige, kurzgemähte Frühlingsgras. Oliver und ich stoppten die Zeiten mit vier Uhren. Es wurden zwar an diesem Morgen keine Rekorde aufgestellt, was auch sonst eher selten vorkam, sehr wohl aber persönliche Bestzeiten der Pferde verbessert.

      Gegen Mittag holten wir die Pferde von den Weiden und liessen sie zu ihrem Mittagessen in die Boxen laufen. Bei den meisten klappte das auf Anhieb, nur manche musste man aus einer fremden Box scheuchen und zu ihrer eigenen bringen. Danach wurden die Stallgassen aufgeräumt und gefegt. Ich suchte noch rasch meine Hunde, ehe ich ins Haus ging um selbst auch etwas zu essen. Sie warteten jedoch bereits bei der Haustür. Ich strubbelte Sheela, die schwanzwedelnd auf mich zugekommen war und rief übertrieben hoch „You clever dogs! Yass, so clever!“
      Um ein Uhr durften die Vollblüter raus, wieder auf die drei grossen Weiden verteilt. Die Stuten teilten wir in zwei Gruppen auf, da gewisse Zicken nicht miteinander auskamen. Die Zicke, von der ich sprach, war hellgrau und legte gerade die Ohren gegen Blütenzauber platt. „Kierka, be nice“, rief ich augenrollend. Die Stuten quietschten, dann trabte Iskierka mit Fahnenschweif davon, nur um wenig später eine Runde im Jagdgalopp am Zaun entlang zu drehen. Immerhin – das Gangbild der Stute war einwandfrei und die Sprünge in bester Manier. Sie teilte sich die grosse Weide nur mit Blüte, ihrer Halbschwester Shades of Gray, Painting Shadows und Indiana. Alle anderen waren auf der Weide dahinter. Unten bei den Hengsten war alles in bester Ordnung. Sie grasten friedlich schweifschlagend verstreut über die ganze Weide.
      Als ich gegen fünf Uhr Frame reinholte, um mit ihm zu arbeiten, kreuzte ich betend die Finger, dass er sich nicht eingeschlammt hatte. Ich war erhört worden: der weiss gescheckte Hengst erstrahlte noch immer in gepflegtem Glanz, nur die Beine waren etwas verspritzt. Ich führte ihn von den anderen weg zum Hauptstall, was mit ihm kein Problem war, jedenfalls solange ich ihn führte. Ich wusch rasch die Beine ab und trocknete sie mit dem Handtuch, dann bürstete ich ihn gleich im Innenhof an der wärmenden Sonne durch und sattelte ihn. Ich musste sogar die Jacke ausziehen, so warm wurde mir. Wir schlenderten zum Sandplatz und liefen uns ein. Mit ‚uns‘ meinte ich auch uns beide, denn ich stieg nicht gleich auf, sondern trabte mit ihm an der Hand spielerisch ein paar Volten. Dabei verzichtete ich darauf, den Zügel zu halten, sondern machte einen Knoten rein, damit er nicht über den Hals fiel. Ich lief ab und zu absichtlich langsamer, woraufhin der feinfühlige Hengst auch bremste. Dann wiederum rannte ich über den Platz und er machte sogar einen Freudenbuckler. Damit er nicht zu wild wurde, liess ich ihn gleich anschliessend anhalten und ging im Schritt weiter. Danach legte ich aber mit der eigentlichen Dressurarbeit los und ritt eine gute halbe Stunde lang verschiedenste Lektionen mit ihm.
      Als ich ihn zurück zum Hauptstall führen wollte, bemerkte ich Mark und Charlotte mit ihren Pferden beim Parkplatz. „Hey, hello! What are you two doing here?“, rief ich ihnen winkend zu. Sie schienen erleichtert, mich gefunden zu haben und kamen mir entgegen. „We were riding along the forest, when we spotted what we thought to be Pineforest Stable. Looks like we were right”, stellte er zuletzt zufrieden fest. Panther schnaubte und rieb den Kopf an Marks Schulter, der ihn sanft wegschob. „Well… I will show you around a bit“, schlug ich vor. Die beiden brachten ihre Pferde zum Nebenstall, wo sie sie mit den mitgebrachten Knotenhalftern anbanden. Charlotte bewunderte Frames blaues Auge. „It’s so beautiful“, stellte sie fest, und streichelte die rosa Nase des Hengstes. „I wish Milena had such pretty eyes!“ Ich entgegnete, dass ihre Stute dafür eine tolle, gewellte Mähne hatte. Ich fühlte mich etwas seltsam, als ich die beiden herumführte, weil sie kaum Fragen stellten und auch sonst eher schweigsam waren. Mark interessierte sich sehr für Unbroken Soul of a Rebel, vermutlich weil der schicke Hengst auch ein Westernpferd war. Er fragte nach der Abstammung des Hengstes und seinen bisherigen Erfolgen. Panther und Milena warteten entspannt beim Nebenstall und genossen die Sonne. Irgendwann stiessen Lewis, Rosie und Jonas zu uns. Mark blühte etwas auf und unterhielt sich ausgiebig mit Rosie über die Vorzüge eines Quarter Horse. Lewis unterbrach ihn nach einer Weile, wobei ich eine leichte Gereiztheit in seiner Stimme zu erkennen glaubte: „Mark, according to Lisa, your horse is very fast and strong. Now that I see him, I must say that I’m a bit disappointed. I expected a better shaped stallion.” Ich war etwas sprachlos über die Unverfrorenheit meines Angestellten und wollte gerade den Mund aufmachen, um ihn zurechtzuweisen, als Mark kühl und gefasst antwortete: „Well, I could show you, how fast he is. How about a little race?“ Lewis war genauso stutzig wie ich, liess es sich aber nicht anmerken. “Alright – Boss, could you lend me Dod for a while?“ Nun griff ich definitiv ein. “Lewis, it’s enough! We do not insult our guests, nor do we challenge them in silly races! They obviously came a long way to see us, and their horses must not spend too much energy on stupid cock fights.” Mark entgegnete gelassen: “Panther is fit enough, it should be no problem. Besides, I am really interested in competing against such a strong opponent.” Lewis verengte argwönisch die Augen, Mark lächelte nur. Jonas stiess mich in die Seite und flüsterte: „Lass es sie ausdiskutieren, Dod wurde heute eh noch nicht bewegt. Ich will auch sehen, wer gewinnt!“ Ich verdrehte die Augen, genauso wie Rosie. Als wir uns wenig später auf zu Dods Box machten, während Charlotte und Mark sich um ihre Pferde kümmerten, nahm sie ihn wütend zur Seite. „What the hell were you thinking? He is our guest, and you were really rude! You will have to apologize afterwards!” Lewis antwortete gereizt: “He is a braggart, I will prove that. I saw it right away, that’s why I don’t like him.” Ich schwieg und ordnete meine Gedanken. Es muss noch etwas anderes dahinterstecken… Ob Lewis Mark wohl kennt? Unwahrscheinlich, sonst hätten die beiden anders aufeinander reagiert. Aber was ist es dann? Jedenfalls muss Dod jetzt gewinnen, sonst wird es eine ziemlich peinliche Geschichte für uns… Ich half mit, den Criollo zu putzen und redete ihm gut zu. Der Rappe mit der grossen Blesse schob seinen Kopf unter meinen Arm und liess sich die Ohren kraulen – etwas, was er sonst nur bei völliger Entspannung tat. Es schien, als wollte er sagen: „Du kannst dich auf mich verlassen.“ Plötzlich fiel mir ein, dass es vielleicht nützlich war, wenn wir unbeteiligten ebenfalls Pferde hätten, um die beiden Streithähne zu begleiten. In Rekordzeit bürstete ich Donut. Rosie nahm Baccardi und Jonas Numair, wobei er auf meine Frage hin, ob er nicht noch Stallarbeiten zu erledigen habe, gespielt unschuldig den Kopf schüttelte. Ich seufzte und erlaubte ihm, auch mit zu kommen. Sobald Dod gesattelt war, führten wir ihn nach draussen zu den beiden Gästen. Der Fairness halber trug auch er einen Westernsattel, sodass beide Pferde etwa dasselbe Gewicht zu tragen hatten. Gleichberechtigung war auch der Grund gewesen, warum Lewis keinen Vollblüter ausgewählt hatte, wie er beim Putzen erklärt hatte. Mark streichelte Panther gelassen die Stirn, während er Dod und seinen Reiter betrachtete. „Ready?“, fragte Lewis. Sein Gegenüber nickte, und die beiden ritten voraus in Richtung Galoppwiese. Charlotte, Rosie, Jonas und ich folgten ihnen. Wir reihten uns bei der Imaginären Startlinie auf und Ich gab das Signal zum Start, sobald alle ruhig waren. Die beiden schossen los und waren sofort gleichauf, ein fairer Start also. Wir Beobachter ritten am Waldrand entlang mit, allerdings in gemütlichem Schaukelgalopp. Aus der Ferne beobachtete ich, wie Lewis Dod anfeuerte und der Hengst als Reaktion unwillig mit dem Schweif schlug, dann aber zulegte. Man sah, dass beide alles gaben, denn Dod schien zu verstehen, dass sein Reiter um jeden Preis gewinnen wollte und liess sich davon anstecken. Bei Mark und Panther war es aber nicht anders; die beiden waren ein eingespieltes Team und der Dunkelbraune reagierte unmittelbar auf jedes Zeichen seines Reiters. Dod war da schon etwas sturer und blieb auf seiner bevorzugten Spur, aber der Hengst war auch clever und nutzte seine Kenntnisse über den hiesigen Boden; er kannte die Galoppwiese und ihre Unebenheiten nur zu gut. Eine Weile sah es so aus, als wären die beiden tatsächlich gleichauf, doch dann fiel Panther immer weiter zurück. Der braune Quarterhengst konnte mit der Ausdauer und Geschicklichkeit des ausgezeichnet trainierten und robusten Criollos nicht mithalten; Lewis ritt triumphierend über den schmalen Trampelpfad, der als Ziellinie diente. Mark tätschelte Panther geschlagen den Hals und zwang sich zu einem Lächeln. Jonas klatschte freudig Lewis‘ Hand, doch Rosie schenkte ihm nur einen verachtenden Blick. Ich gratulierte ihm mit gemischten Gefühlen: froh, dass er unsere Ehre verteidigt hatte, aber skeptisch, ob Mark nun nicht zu verärgert war. Zu meiner Erleichterung winkte er ab: „Ahh, next time we win, right Panther? You have a very good horse right there Miss Smith.“ Ich nickte dankbar und führte die Gruppe zurück zum Hof. Lewis musste sich natürlich trotzdem noch bei Mark entschuldigen, konnte aber auf dem ganzen Rückweg ein schelmisches Grinsen kaum verkneifen. Die beiden Gäste blieben noch für eine Tasse Tee, dann machten sie sich langsam auf den Nachhauseweg. Als ich mich zum Nebenstall begab, um Ronja zu holen, bekam ich mit, wie Lewis an Rosie vorbeilief, wobei er fröhlich meinte: „Sloppy shaped Quarter Horses are still not comparable with good trained Criollos.“ Sie ignorierte ihn und lief davon. „Hey, it was only a joke!“, rief er ihr noch nach, aber das nützte auch nichts mehr.
      5 Apr. 2016

      Ein Tag wie jeder andere?

      Es war blendendes Wetter – im wahrsten Sinne des Wortes. Ich kniff die Augen zusammen, brauchte aber trotzdem einige Sekunden, ehe ich die Pferde auf der Weide erkannte, nachdem ich aus dem Hauptstall gekommen war. „Jep, Herkir is down there“, rief ich über die Schulter zu Jonas, der beim Eingang stand. Er nickte dankbar und lief zum Nordstall, um schon mal den Sattel und die Putzsachen des Hengstes bereitzulegen. Wir wollten ausreiten gehen, denn Herki war die letzten zwei Tage intensiv Dressur geritten worden und hatte eine Pause verdient. Jonas hatte mich gefragt, ob ich mitkommen wolle. Rosie hatte ihm wohl erzählt, dass ich mit Pilot ohnehin auch noch raus wollte. Also hatte ich zögernd zugestimmt. Doch sobald er weg war, nutzte ich die Gelegenheit, um Lewis und Lisa ebenfalls einzuladen. Einen Ausritt mit Jonas allein wollte ich mir nur ungern antun. Ich war immer noch unsicher ihm gegenüber und mied es, mit ihm unter vier Augen zu sein. Er verwirrte mich mit seinem Verhalten einfach zu sehr, sodass ich Angst hatte, irgendetwas Peinliches zu sagen oder zu tun, wenn er seine Spielchen mit mir spielte. Ich bevorzugte es, meinen Stolz und meine Autorität zu wahren. Zu meiner Enttäuschung lehnten beide, Lisa und Lewis ab. „Keine Zeit Boss, ich muss gleich Darren beim longieren helfen und danach mit Shadow Stangenarbeit machen“, entschuldigte sich Lisa. „Sorry Boss, I promised not to interrupt“, meinte Lewis mit einem Zwinkern, fügte aber auf meinen empörten Blick rasch an: „Just kiddin‘! I have to give Daki and Queeny a bath as long as the sun is out.“ Ich drehte mich seufzend um und suchte nach einem weiteren Opfer, doch es schienen alle verschwunden zu sein. Jonas, der bereits wieder auftauchte um Herkir zu holen, rief im Vorbeigehen: „Kommst du jetzt oder willst du festwachsen?“ Ich biss auf meine Unterlippe und machte mich auf den Weg. Wenn es sein muss… Co Pilot war schon am Morgen zusammen mit Vychahr und Circus Dancer draussen gewesen. Eigentlich hätte auch Diarado in dieser Gruppe sein sollen, doch der Rappe verstand sich noch immer nicht mit Vilou. Mein Scheckhengst hatte einen mit Dreck besprenkelten Bauch und schlammige Hufe, wie es sich gehörte. Ich beschloss, dass ich zu faul zum Bürsten war und führte ihn erstmal zum Waschplatz um seine Füsse zu säubern. Danach massierte ich den gescheckten Rücken mit dem Gummistriegel und Kämmte den seidigen (wenn auch leicht staubigen) Schweif. Zum Schluss pappte ich den Sattel drauf und zäumte Pilot. Ich hatte zuerst etwas Mühe, die Mähne unter dem Nackenband zu richten. Als ich es geschafft hatte, schnappte ich mir meinen Helm und führte ihn auf den Schotterweg. Jonas und Herkir warteten beim Parkplatz. Wir stiegen beide auf und ritten in Richtung Dorf los. „…So, how was your week?“, versuchte ich die peinliche Stille zu durchbrechen. „Du kannst ruhig deutsch mit mir reden, schon vergessen? Aber zu deiner Frage: Die Zeit rennt, wie immer, aber alles andere scheint zu laufen. Bei dir?“ Ich grinste über diese Aussage und versuchte, mir auf die Gegenfrage eine ebenso gescheite Antwort zu überlegen. Doch wie erwartet gelang es mir nicht. Also murmelte ich stattdessen: „Ach, ganz okay. Schliesslich kam Nachtfalke an, das war toll.“ „Aber nicht so toll ist es, dass wir Lychee und Gianna verkaufen, nicht wahr?“ „Ja, und Paluche… Es fällt mir schwer, aber so ist das nun mal wenn man ein Gestüt führt: Pferde kommen und Pferde gehen.“ „Wie hat sich Falke bisher eingelebt?“ „Ach tu nicht so, als wärst du nicht dagewesen. Du warst doch gestern auch kurz bei den Weiden und hast nachgeschaut, ich hab dich gesehen.“ „Stalkst du mich etwa?“, fragte er grinsend, und ich lief vermutlich etwas rot an. „Nö, gar nicht! Aber ich hab meine Augen und Ohren nun mal überall auf dem Hof.“ „Du willst nur nicht zugeben, wie gutaussehend ich bin.“, meinte er schelmisch. Mir fiel auf, dass ich mich schon wieder verteidigte, anstatt in die Offensive zu gehen. Also wechselte ich meine Strategie und spielte nun mit. „Gutaussehend? Ja, du bist ein ansehnliches Schaf.“ „Schaf?“ „Naja, Wolle hast du reichlich auf dem Kopf, im Kopf vermutlich auch, und blöken kannst du ebenfalls laut.“ „Schaf? Haha, was Besseres ist dir nicht eingefallen?“ „Ich finde es passt.“ Wir lachten über dieses äusserst intellektuelle Gespräch und trabten schliesslich an. Pilot lief wie immer zügig und ich musste ihn ganz schön bremsen, dass wir dem kurzbeinigen Herkir nicht davonliefen. Der töltete frisch fröhlich auf dem Schotterweg vor sich hin. Plötzlich fragte Jonas: „Was hast du heute noch vor?“ Unsicher, was ich von der Frage halten sollte, antwortete ich zögernd: „Naja, Mit Papillon und Chip fahren gehen, Sumerian longieren, mit Dod den Trail für Samstag üben und dann muss ich noch mit Lily Matheaufgaben machen, deswegen hat sie mich heute gefragt… Ich bin also ziemlich ausgebucht.“ „Aha, schon gut.“, meinte er gleichgültig. „Worum ging’s denn?“ „Ach nichts.“ Wir parierten in den Schritt durch und bogen auf einen Weg der in den Wald führte. „Galopp?“, fragte ich herausfordernd. Er nickte und wir galoppierten an. Pilot fegte mit gespitzten Ohren durch den Wald und die Pinien flogen an uns vorbei. Herkir und Jonas hatten keine Chance mitzuhalten, also bremste ich etwas ab, bis wir wieder neben ihnen schaukelten. Auf dem restlichen Ausritt hörte man nur noch das Schnauben der Pferde und das Geräusch ihrer Hufe. Ich fragte mich, worüber Jonas wohl nachdachte, denn in seinem Kopf ratterte es sichtlich. Er machte dann jeweils einen ernsten Gesichtsausdruck und starrte irgendwo in die Ferne. Wir zockelten über die Galoppwiese nachhause und liessen die Pferde am langen Zügel gehen. Als er beim Absatteln immer noch ernst dreinschaute, stupste ich ihn an. „Hey, alles klar?“ „Muss ja.“ Irgendwas war nicht klar, aber wenn er nicht darüber reden wollte, dann war das nicht mein Problem. Ich zuckte mit den Schultern und versorgte Pilot. Wenigstens drückte sich der Hengst klar aus, indem er liebevoll seine Stirn an meiner Schulter rieb und dabei genüsslich die Augen schloss. Ich tätschelte seinen Hals und begab mich zu den Offenställen, um die Minis fürs Fahren vorzubereiten.
      2 Mai 2016

      Hengstparade

      Heute war mal wieder viel los auf Pineforest Stable. Wir waren am Nachmittag zu einem Züchtertreffen in London eingeladen, bei dem wir auch ein paar unserer Hengste vorstellen durften. Dazu mussten die Jungs aber erstmal schick gemacht werden. Ich hatte vergangene Nacht erfolgreich gebetet, dass es keinen Regen geben würde, sodass wir die Gruppe am Morgen ohne Bedenken – und ohne Schlammmonster zu züchten - auf die Weide stellen konnten. Wir holten die ganze Bande also kurz vor Mittag wieder rein und begannen mit dem Putzen der ausgewählten Vertreter unseres Gestüts. Ich kümmerte mich darum, den Staub aus Donuts eigentlich schwarzem Fell zu bekommen. Jonas übernahm Baccardi und Skyrim wurde von Lisa umsorgt. Ausserdem waren Darren und David beauftragt Vychahr und Diarado herauszuputzen. Zu guter Letzt waren noch Sorrow und Dod, um die wir uns zuletzt alle gemeinsam kümmerten. Ich glaube Sorrow gefiel es, von so vielen Leuten umsorgt zu werden. Dod hingegen wirkte etwas ‚grumpy‘. Wir sprühten das Langhaar ein und kämmten alle Knoten vorsichtig raus, ohne die Haare auszuzupfen. Auch beim Fell wurde mit etwas Glanzspray und Lammfellhandschuhen nachgeholfen. Ich putzte Donuts Kopf besonders sorgfältig. Wir stutzten noch den Fesselbehang wo nötig und flochten bei Donut, Diarado und Vychahr die Mähnen. Dann zogen wir allen die frisch gefetteten Lederhalfter an und führten sie in Transportgamaschen zum Camion. Mittagessen gab es für die Pfleger und mich unterwegs; dazu stoppten wir kurz bei einem Asian-Take-Away. Ich mochte zwar Fastfood normalerweise nicht, aber die Gemüsenudeln die ich bekam waren gar nicht so schlecht wie erwartet. Die Pferde nibbelten unterdessen relaxt an ihren Heunetzen. In London angekommen, sahen wir uns zunächst etwas auf dem Veranstaltungsplatz um. Ich traf einige bekannte Züchter und plapperte ein wenig, war aber froh, als wir uns so langsam Richtung Camion zurückbegeben konnten, um die Pferde zu holen. Wie auch manch andere Züchter stellten wir unsere sieben Hengste kurz vor und zeigten sie im Freispringen und Vortraben dem Publikum. Alles in allem war der Nachmittag ein voller Erfolg und bescherte uns ein paar neue zukünftige Interessenten.

      Wieder zuhause ging dann alles seinen gewohnten Gang: Misten, füttern, Pferde bewegen. Ich verblieb gleich bei den Hengsten im Nordstall und kümmerte mich als nächstes um Circus Dancer. Mein eifriger Barockschüler zeigte nun Ansätze zu einer sehr korrekten Passage und lief unter dem Sattel im Allgemeinen wie ein Uhrwerk. Heute waren Galopppirouetten an der Reihe, die ich nun schon seit zwei Wochen immer wieder etwas einbaute. Ich schrubbte die Mistflecken so gut es ging aus dem weissen Fell und kämmte die lange, gewellte Mähne, bis sie wieder ordentlich auf einer Seite des Halses lag. Dann erlas ich den Schweif und kratzte die Hufe aus. Nun holte ich den Sattel und legte ihn vorne auf den Widerrist, um ihn anschliessend etwas nach hinten zu ziehen, damit das Fell unter der Schabracke schön glatt war. Ich zog den Gurt an, wobei Bubi etwas mit dem Vorderbein scharrte („Ist schon gut Bubi, ich zieh noch nicht fest an.“) und zäumte das Pippi-Langstrumpf-Pferd, dem die Punkte fehlten. Jonas huschte unter der Anbindekette durch zurück zu Calico. „Viereck?“, rief ich ihm zu. „Jap, Trail.“ Ich überlegte, dass ich Bubi eigentlich auch eine kleine Abwechslung bieten könnte, wo Jonas doch bestimmt schon einen spannenden Stangenparcours vorbereitet hatte. Ich teilte dem Pfleger meinen Gedankengang mit und er grinste, als hätte er es bereits im Voraus geahnt. Just in diesem Moment klingelte mein Handy. Ich nahm ab und erkannte erstaunt Verena O’Connors Stimme. Sie erklärte, dass sie bald umziehen werde und daher eine Vielzahl ihrer Pferde loswerden müsse, da das ganze sonst zu einem finanziell unmöglichen Unterfangen ausarten würde. Mein Herz machte bereits einen Hüpfer und ich fiel ihr ins Wort. „Du möchtest Lovely Summertime verkaufen?“ Am anderen Ende der Leitung wurde es kurz still, dann kam ein trauriges „Ja“. Es war witzig, da ich gerade am Vortag noch an die Stute gedacht hatte, weil ja Flint vor einer Weile ebenfalls nach Pineforest zurückgekehrt war. Somit würde mein ursprüngliches Westerntrio tatsächlich wieder komplett werden. Wir verhandelten kurz über den Preis, wobei ich feststellen musste, dass Summer durch das viele Training ganz schön an Wert zugelegt hatte. Sogar gekrönt war mittlerweile! Umso mehr freute ich mich darauf, die fein ausgebildete Stute zu reiten. Jonas hörte die ganze Zeit über still mit und meinte, sobald ich aufgelegt hatte: „Ich hab mich schon gefragt, wann du Summer auch zurückholst. Echt toll, dass die drei wieder zusammenkommen!“ „Ich hatte gar nie damit gerechnet, dass sie nochmal hierher zurückkehren werden – aber offenbar soll es einfach so sein“, antwortete ich glücklich.

      Nach dieser guten Nachricht wärmten wir motiviert Calico und Bubi auf. Anschliessend ritten wir durch den Stangenparcours, wobei es zum Teil rückwärts durch enge Labyrinthe und seitwärts den Stangen entlang ging – beides hervorragende Übungen für ein Dressurpferd wie Bubi. Das gerade Rückwärtsrichten und die Seitwärtsgänge waren bisher nicht gerade seine Stärken gewesen. Calico hatte noch deutlich mehr Mühe mit den Aufgaben, obwohl er das eigentliche Westernpferd auf Platz war. Aber mit seinen zarten vier Jahren war er auch noch nicht hundertprozentig ausbalanciert und konnte sich nicht allzu lange konzentrieren. Wir beendeten das Training daher gemeinsam nach einer intensiven halben Stunde; aufgrund der Nachmittagshitze wollte ich Bubi (und mir selbst) ebenfalls nicht mehr zumuten.

      Ljóski und Herkir hatten morgen beide ein wichtiges Turnier, wobei Loki in einer Fünfgangprüfung startete und Herkir in einem Passrennen. Wir hatten mit Herkir in letzter Zeit viel dafür trainiert, da ihm der Pass zunächst schwergefallen war. Aber seine grosse Liebe für die Geschwindigkeit hielt ihn motiviert, denn er entdeckte schnell, dass er in dieser Gangart „die Sau rauslassen“ durfte. Die beiden wurden wegen des anstehenden Turniers heute nur kurz auf der Ovalbahn vorbereitet, ohne sie grossartig zum Schwitzen zu bringen.

      Burggraf, Artemis, Numair und Anubis durften mit Jonas, Elliot, Jason und Anne ins Gelände auf ein paar ausgiebige Galopps. Ich wäre zu gerne mitgegangen, aber ich musste mit Empire heute mal wieder etwas Dressurarbeit machen. Ich konnte dem Ex-Rennpferd nicht dauernd freigeben und wie die letzten drei Tage ausreiten gehen; etwas Gymnastik musste doch noch sein. Immerhin war ich nicht alleine auf dem Platz: Alan longierte den Jungspund Caruso über ein paar Stangen und Linda ritt Cantastor. Caruso wollten wir jetzt schon ein wenig an die Ausrüstung gewöhnen und dann sobald er dreijährig war schonend einreiten. Er erinnerte mich daran, wie schnell die Zeit verging – es kam mir so vor, als wäre er erst letzte Woche ausgezogen, dabei waren schon zwei Jahre vergangen. Ich hatte ihn so früh von den anderen Jungpferden getrennt, weil er sich nicht mehr richtig in die Herde hatte einleben können. Ich wollte aber weiterhin versuchen, ihn bis dreijährig wieder mit den Fohlen auf die Weide zu bringen.

      Eigentlich wollte ich heute Fajirs Freispring-Künste testen, aber Quinn und Parker hatten ihn und Muskat auf einen langen Abendausritt entführt, und so musste ich meinen Plan vertagen. Selber schuld, wenn du verpennst deine Mitarbeiter zu informieren, stellte ich fest. Ich seufzte und machte einen raschen Stallrundgang, um zu sehen ob nach dem Misten noch alle Pferde genug Stroh in ihrer Box hatten. Die Pfleger hatten ihren Job gewissenhaft erledigt, denn ich fand keinen Makel. Zufrieden verzog och mich in mein Arbeitszimmer und erledigte etwas Papierkram: Nennungen für kommende Turniere und Rennen, Deckanfragen, Finanzielles und die Einfuhrbewilligung von Summertime. Ich musste ziemlich viel herumtelefonieren, bis der Transport geregelt war, aber das war ich mir mittlerweile gewohnt. Schliesslich zog die Stute aus dem sonnigen Kanada hierher, was nicht gerade ein Katzensprung war. Ich überprüfte, als ich mit dem Rest fertig war, gleich noch die Eintragungen über die Turniersiege meiner Pferde. Ein Lächeln huschte über mein Gesicht, als ich nochmal Parányis bisher kurze, aber deftige Erfolgsliste sah. Zweimal hatten wir an einem Springturnier teilgenommen, und beide Male hatte die Jungstute gewonnen! Klar, es war noch nicht allzu hoch gewesen, bloss bis 80 Zentimeter, aber ihre gute Abstammung kam ganz klar zum Vorschein. Auch Calico hatte letztens einen Durchbruch geschafft: der Vierjährige war bisher, egal in welchem Turnier er gestartet war, immer höchstens auf dem dritten Platz gelandet. Aber dieses Wochenende hatte er sich zum ersten Mal auf den zweiten Platz kämpfen können, und das in einem komplizierten Trail Parcours. Er nimmt’s eben gemütlich mit den Erfolgen, dachte ich schmunzelnd. Zum Schmunzeln brachte mich diese Tage auch Adrenaline. Die Stute wurde nicht nur immer hübscher, seit sie wieder anständige Muskeln und genug Futter hatte, sondern auch immer besser. Angefangen mit einem dritten Platz im Synchronspringen hatte sie es in kürzester Zeit noch in einem Amateur-Distanzturnier und erneut im Springen aufs Treppchen geschafft, und als Tüpfelchen auf dem i auch noch ein Barrel-Race gewonnen. Die letzten paar Erfolge hatte sie unter der hervorragenden Betreuung von Petyr Holmqvist geholt, der sie im Moment immer wieder etwas betreute, wenn er gerade in England war. Ebenfalls erwähnenswert war Satine, die kurz nach unserem intensiven Militarytraining in einer Distanzprüfung knapp den Sieg verpasst hatte. Das Turnier war ähnlich aufgebaut wie eine Jagd gewesen, und der Stute hatte es grossen Spass bereitet – jedenfalls ihrem Tempo nach zu urteilen.

      Ich streckte mich und stand auf, um wieder zu den Pferden zu gehen. Es war noch lange nicht neun Uhr und es gab noch einiges zu tun, wie immer auf solch einem grossen Gestüt wie Pineforest es war.
      13 Aug. 2016

      [​IMG] Distanz A-L

      Gegen Abend stand ein langer Wanderritt an, an dem einige der Pfleger teilnehmen wollten. Unser Ziel war es, insgesamt etwa fünf Stunden unterwegs zu sein und dabei eine Pause bei einem Restaurant im Dorf einzulegen. Wir hatten schon die ganze Ausrüstung vorbereitet und durchgecheckt, schliesslich musste für so einen langen Ritt alles intakt sein. Ich holte gerade Piroschkas Sattel aus der Kammer, um ihn schonmal beim Nebenstall über das Holzgeländer zu legen. Fast wäre ich im Türrahmen mit Quinn zusammengestossen, die gerade die Putzsachen von Drømmer Om Død gesucht hatte. Wir sahen uns einen Moment erschrocken an, dann lachten wir beide und gingen aneinander vorbei. Ich holte Piro von der Stutenweide zum Nebenstall, wo ich sie anband und zu putzen begann. Wenige Augenblicke später waren auch Jonas und Lily mit Moon Kiddy und Feline zu uns gestossen. Die beiden plapperten fröhlich. Mir war schon oft aufgefallen, dass meine Nichte den Pfleger mit den krausen Haaren mochte. Wer kann das schon nicht?, stellte ich seufzend fest. Jonas band Moon direkt neben mir und Piro an. Er redete weiter mit Lily, wandte sich aber auch immer mal wieder an mich, mit Kommentaren wie „Nicht wahr, Occu?“ Ich nickte jeweils nur, und versuchte, konzentriert zu wirken. Lewis beteiligte sich manchmal auch an dem Gespräch, obwohl er und Ronja Räubertochter zuhinterst standen. Zwischen ihnen und mir befand sich noch Sugar ans Sweets, die von dem schweigsamen Alan Ward gepflegt wurde. Der Pfleger schien weder interessiert an der Konversation, noch an den Menschen, die sie führten. Er konzentrierte sich vollkommen auf die Ponystute vor ihm und schien alles andere auszublenden. Ich bewunderte ihn in diesem Moment dafür.

      Als wir alle gesattelt hatten, führten wir die Pferde zum Parkplatz, wo wir alle aufstiegen. Auch Quinn, Parker und Estragon Sky, Lisa mit Burggraf und last but not least Rita mit Calico stiessen zu uns. Am Anfang gaben wir uns noch keine Mühe, was die Formation anging – jeder Ritt dort, wo er gerade Lust hatte und wir füllten die gesamte Strasse auf. Doch spätestens beim Dorf mussten wir uns in eine Zweierreihe; an besonders engen Stellen sogar in eine Einerreihe einfädeln. Natürlich wollte Lisa jederzeit neben Jonas reiten. Ich ignorierte das Geturtel so gut es ging und plauderte fröhlich mit Quinn und Lily. Die Pferde liefen zufrieden im Schritt am Dorfrand entlang, bis wir ein kleines Waldstück erreichten, wo wir zum ersten Mal antraben konnten. Nun waren die Vierbeiner auch alle warm, also konnte der richtige Ritt beginnen. Wir bewegten uns fortan fast nur noch im flotten Trab voran. Ein paarmal mussten wir dann doch in den Schritt parieren, weil wir Fussgänger oder Fahrradfahrer kreuzten. Zu meiner Überraschung hielt Piro bisher gut mit, obwohl ich mit ihr noch nie so lange unterwegs gewesen war. Für Burggraf, Ronja, Calico, Feline und Moon war das ganze hingegen bisher ein Spaziergang. Besonders Calico, Ronja und Moon waren bereits an anspruchsvollen Distanzturnieren gewesen und sich ganz andere Strecken gewohnt. Wir machten nach zwei Stunden wie versprochen eine längere Pause bei einem Pub. Die Pferde konnten wir davor anbinden und in einem Brunnen trinken lassen. Ich überprüfte den Puls von Piro, ebenso wie es die anderen mit ihren Reittieren taten. Dann verschwanden Lisa und Jonas im Pub um für alle ein Getränk zu holen. Währenddessen besprach ich mit Lewis unsere Route und das bisherige Tempo. Wir genossen die Erfrischung an diesem doch noch sehr warmen Spätsommerabend. Am Ende der Pause war bei allen Pferden der Puls wieder im Normalbereich, sodass wir ohne bedenken weiter konnten. Wenig später lösten Alan, Quinn, Lisa und ich uns jedoch von der Gruppe ab und machten uns auf den Rückweg, denn unsere Pferde waren noch nicht fit genug um am restlichen Training teilzuhaben.

      Zuhause versorgten wir unsere Pferde gründlich. Alan und ich stellten Sweets und Piro unter die beiden Solarien im Hauptstall, ehe wir sie versorgten, denn die beiden waren total verschwitzt von der Anstrengung. Der Puls war allerdings nicht allzu überhöht gewesen, sodass ich daraus schloss, dass die beiden gar nicht so unfit waren. Eine gute Stunde später kehrten auch die restlichen zurück. Mittlerweile war es längst stockdunkel und die Sterne funkelten über unseren Köpfen, als wir halfen, die Pferde zu verräumen. Lily erzählte mir begeistert, dass sie eine ganze Gruppe Rehe und einen Fuchs gesehen hatten. Wir entliessen Feline auf die Stutenweide und Lily verfütterte ihr die wohlverdienten Karotten, ehe sie davonzog und sich zu den anderen Stuten gesellte. Die Mücken wurden langsam richtig lästig, also machten Lily und ich ein Rennen zurück zum Haus. Jonas fing uns jedoch beim Nebenstall ab. Er trug gerade Moons Putzsachen zurück in die Sattelkammer. „Ich wollte nur noch erwähnen, dass Moon sehr cool zu reiten ist. Die war selbst nach diesem Ritt kaum verschwitzt und noch voller Energie. Ich muss sagen, ich mag sie mehr als ich gedacht hätte.“ Ich lächelte verständnisvoll, schliesslich wusste ich genau, wie toll Moon war. Dass sie kaum müde war, erstaunte mich bei ihrem Trainingsstand auch nicht sonderlich. Lily und ich verschwanden im Haus und tranken etwas Eistee, dann kümmerten wir uns noch zum Tagesabschluss gemeinsam um Dante und Thairu.
      31 Aug. 2016

      Stille Nacht

      Es war der Morgen des 24. Dezembers – und noch immer kein Schnee in Sicht. Enttäuscht wandte ich meinen Blick vom Fenster ab und zog mich an. Jonas lag noch immer zusammengekugelt unter der Decke. Ich stupste ihn unsanft und drängte „aufstehen, du Siebenschläfer!“ „Wenn es wenigstens schon sieben Uhr wäre…“, grummelte er und drehte sich um. Ich lächelte verständnisvoll und ging schonmal voraus in die Küche. Lily liessen wir wie immer noch etwas länger schlafen. Ich machte Frühstück für Jonas und mich, in Form einer Tasse Breakfast Tea und einer Schüssel Müsli. Für ein wärmes Frühstück war ich zu faul; vielleicht am nächsten Morgen. Ich hörte Schritte auf der Treppe, offenbar hatte es Jonas auch aus dem Bett geschafft. Wir tranken unseren Tee und hörten leise Radio, um Lily nicht zu wecken. Ich fütterte noch die Hunde, dann begaben wir uns nach draussen zu den Ställen. Als erstes machte ich meine Morgenrunde im Hauptstall, während Jonas den Nordstall übernahm. Ich warf in jede Box einen Blick und stellte sicher, dass alle Pferde in Ordnung waren. Auch draussen bei Phantom sah ich vorbei. Für ihn begann heute ein neuer Alltag. Ich wollte endlich mit seinem Training anfangen, dass ich seit meiner Heimkehr vor zwei Tagen noch nicht in Angriff genommen hatte. Eigentlich hatte ich schon viel früher beginnen wollen, bevor er sich zu sehr eingewöhnen und in Sicherheit wägen konnte. Doch nun hatte es sich eben so ergeben. Noch ahnte er nichts und spitzte wie immer alarmiert die Ohren, als ich durchlief. Die Pfleger begannen mit dem Heufüttern und ich half bei den Offenställen mit. Auch hier warf ich ein prüfendes Auge auf sämtliche Vierbeiner. Die Hengstfohlen stürmten freudig nach draussen, als Lewis und ich das Tor aufschoben. Royal Champion schwebte dabei beinahe über die Wiese. Ich bewunderte die tollen Bewegungen des halbstarken in letzter Zeit immer mehr, denn er wuchs ja auch immer weiter und bekam mehr Ausdruck. Im Moment war er noch sehr schlaksig und hatte einen dünnen Hals, aber seine Beine sahen elegant und lang gefesselt aus, was mit seinem Gangbild zusammenpasste. Auch Skydive bewegte sich schön, ähnlich wie sein Vater. Nur hatte er nicht so viel Knieaktion wie Royal. Stop Making Sense hatte kaum Winterfell entwickelt, ganz anders als El Alba Ardienté, der im Moment einem Alpaka glich. Bei den Stuten gab es wiederum auch kaum Wolle, denn Counterfire, Subyndromal Symptomatic Depression, Sarabi, A Winter’s Tale und Shadows of the Past waren allesamt ziemlich heissblütig. Blossom Magic und Snap in Style würden uns bald wieder verlassen, denn ihre alten Besitzer hatten einen neuen Hof gefunden und konnte sie daher beide zurücknehmen. Daedra war noch immer bei ihrer Mama, wie es sich gehörte. Sarabi wurde gerade von Snowflake getrieben, die sich mit geplätteten Ohren zwischen sie und Fire schob. Die Rangfolge war offenbar noch immer nicht ganz geklärt, denn Sarabi war ja noch relativ neu in der Gruppe. Das hell cremefarbene Stutfohlen trottete missmutig ein paar Meter weiter in Richtung Bäume. Shira war im Moment das unangefochtene Leittier, obwohl Sarabi die Ponystute jetzt schon überragte. „Do you think the new Pony will fit in?“, fragte plötzlich Lewis. “New… Ah yes, Ljóski’s Daughter. Of course she will. She is already a bit older, so she will most likely not be bullied.” Die kleine rappfarbene Isländerstute hiess Ljúfa, passend zu ihrem bisherigen Charakter, der sich schon als Fohlen in Richtung brav und gut händelbar entwickelt hatte. Sie würde erst nach Weihnachten ankommen, aber ich freute mich schon unheimlich darauf. Sie war bisher mit anderen Isländern auf einer Weide gestanden.

      Während das Raufutter noch verzehrt wurde, folgte für die Sportpferde bereits eine kleine Portion Kraftfutter, über die sie sich gierig hermachten. Danach wurden die ersten Pferde aus ihren Boxen geholt. Training fand heute erst gegen Mittag statt, bis dahin durften die Pferde in Gruppen auf die Weiden. Zuerst kamen nur alle Stuten raus, damit es keine Probleme mit den Hengsten gab. Sie waren aufgeteilt in eine Gruppe Vollblutstuten, die Nebenstallstuten und diejenigen von der Stutenweide. Letztere durften ab und zu auch raus auf die grosse Weide, um das Gras auf der Stutenweide etwas zu schohnen. Oft liessen wir aber auch einfach eine der drei grossen Weiden übrig, sodass dort wieder Gras wachsen konnte. Ich durfte beim Raustreiben feststellen, dass unsere Strategie funktionierte und die Weiden grün und gesund aussahen. Die letzte Gruppe, die Nebenstallpferde, galoppierten freudig den abgezäunten Weg entlang und durch das Tor der Weide. Sie bewegten sich noch weiter bis zum Pinienwaldrand, sammelten sich dort und begannen zu fressen. Diese Gruppe war im Moment ziemlich einheitlich, anders als bei den Vollblütern und den Stutenweidepferden. Dort bildeten sich immer wieder kleinere Grüppchen, weil sich nicht alle Pferde verstanden und sie sich auf der grossen Weide aus dem Weg gehen konnten. In letzter Zeit hatte sich herauskristallisiert, dass zum Beispiel Mikke eine sehr dominante Leitstute war. Coulee, Cabinet of Caligari und Indiana hatten sich ihr angeschlossen und genossen die Sicherheit, die von der erfahrenen Fuchsstute ausging. Auch Cassiopeia beobachtete ich ab und zu in dieser Gruppe, meistens war sie jedoch alleine mit Primo Victoria unterwegs. Iskierka hatte ihre Halbschwester Shades of Gray auf ihre Seite gezogen, oder eher Gray hatte entschieden, nicht von der Seite ihrer Zickigen Schwester zu weichen. Die beiden hatten eine seltsame Beziehnung, die mich immer wieder zum Schmunzeln brachte. Einerseits war Kierka sehr abweisend und legte missmutig die Ohren platt, wenn Gray ihr zu nahe kam oder sie ärgerte, andererseits liess sie sich von ihr kraulen und röchelte ihr manchmal sehnsüchtig zu, wenn sie von einem Ausflug zurückkam. Ihr hatten sich auch noch Painting Shadows und deren Tochter Captured in Time angehängt. Paint war quasi der ruhige Gegenpol zu Kierka und Ciela eine pure Mitläuferin. Dann blieb noch die Gruppe von Sympathy of the Devil. Sie hatte Sumerian, Campina, Kaythara und Miss Moneypenny um sich geschahrt, wobei letztere zwei unzertrennlich waren und fast immer beieinander standen. Es machte mir Spass, die Gruppendynamik der Pferde zu beobachten. Es erinnerte mich immer daran, dass die natürlichen Instinkte eben doch noch vorhanden waren und auch gelebt wurden, wenn es die Möglichkeit dazu gab. So extrem wie bei den Wildpferden, die ich in den USA beobachtet hatte, war es aber bei weitem nicht. Meine domestizierten Vierbeiner waren verweichlichter und auf eine gewisse Weise gleichgültiger – die Herden waren eher lose zusammengewürfelt und die einzelnen Pferde hatten nicht gleich Todesangst, wenn sich die Gruppe ohne sie fortbewegte. Es gab immer wieder Nachzügler beim Reintreiben, oder Einzeltiere, die sich von den Gruppen absonderten und alleine in einer Ecke der Weide frassen. Aber eine gewisse Rangfolge und Zugehörigkeit war nicht abzustreiten. Ich war gespannt, ob Phantom etwas Bewegung in die Herde der Stutenweide bringen würde, denn ich plante, ihn dort dazuzustellen. Ich hielt es für geschickter, da er durch seine Wildinstinkte vielleicht eher Ärger mit den anderen Hengsten bekommen würde. Vielleicht würde ich aber bei diesem Unterfangen auch gleich die Stutenweidengruppe etwas verkleinern und die Painthorses in den Nebenstall wechseln, damit die restlichen etwas mehr Platz hatten.

      Wie auch immer; als nächstes stand ein Ausritt mit Burggraf und Artemis auf dem Plan. Ich überliess Artemis diesmal Robin, denn ich schuldete es Muffin, ihn wiedermal selbst auszureiten, nachdem ich so lange mit seinem Stallgenossen unterwegs gewesen war. Ich war gespannt auf den Ausritt, denn ich war noch nie alleine mit Robin unterwegs gewesen. Sie war noch nicht lange Pflegerin und meistens sehr still. Anfangs hatte ich sogar das Gefühl gehabt, dass sie mich nicht mochte, aber mittlerweile hatte mir Charly erklärt, dass sie einfach schüchtern war. Wir putzten und sattelten die beiden Achal Tekkiner. Für Muffin nahm ich den bequemen Stocksattel, den ich auch immer für’s Distanzreiten benutzte. Anstatt dem Biotan Zaum legte ich ihm aber diesmal Flints Bosal an, das ungefähr passte. Er kannte das gebisslose Reiten schon und reagierte brav auf die Hilfen, aber er war ja auch ohnehin unkompliziert und leichtrittig. Robin nahm gleich Artemis‘ ganze Distanzausrüstung. Die neue dunkel-beerenfarbene Satteldecke sah an ihm so schick aus, ich starrte immer wieder verliebt zu ihm rüber. Als wir beide fertig waren, stiegen wir draussen auf und ritten los in Richtung Galoppwiese. Zira begleitete uns und hüpfte durch das mit Reif bedeckte Gras. Es war zwar ausnahmsweise nicht neblig, dafür bitterkalt. Ich war einmal mehr froh um meinen Schal und meine Handschuhe. Robin schien ebenfalls etwas steif auf ihrem Schimmel zu sitzen. Wir ritten eine Weile wortlos, dann versuchte ich, ein Gespräch aufzubauen. Es war gar nicht so leicht, denn meistens gab die junge Pflegerin nur knappe Antworten und sah sich dann wieder in der Gegend um. Irgendwann gab ich auf und genoss das rascheln der trockenen Blätter am Boden. Burggraf lief freudig voran, er schien die Kälte trotz seines feinen Fells nicht zu spüren. Wir trabten über ein paar Feldwege und galoppierten auf einem Wanderweg durch den Wald, dann kehrten wir langsam in Richtung Hof zurück. Endlich machte Robin von selbst den Mund auf. „I think Artemis has a stone in his hoof…“ Tatsächlich lief der Hengst etwas lustig. Wir hielten und Robin stieg ab, um die Hufe zu checken. Sie fand den Stein und löste ihn heraus, dann kletterte sie wieder auf den Schimmelrücken. „Everything alright?“ Sie nickte, und fügte nach kurzem Zögern hinzu: „My old pony, Merlin, once had a stone in his hoof, too. But I didn’t know, and I was afraid that he got somehow seriously injured. It was ridiculus, but I was so relieved, when Charly showed me the stone.” “You two really rely on eachother”, bemerkte ich. “Yes, I don’t know what I would do without him.” “I think it’s amazing that you have such a good relationship. I wish Lily had a brother or a sister to rely on…” “I think she has a very big family on Pineforest Stable. I’m sure she is very happy.” “I hope so… After all she went through…” Robin lächelte zuversichtlich und ich konnte nicht anders, als miteinzustimmen. Wir brauchten den restlichen Weg hindurch nicht mehr zu reden, denn es lag eine seltsam beruhigte Stimmung in der Luft, als wäre alles bereits gesagt. Nur Zira konnte es nicht lassen, eine freche Krähe am Waldrand anzubellen.

      Bis um neun Uhr longierte ich Cantastor im Roundpen, weil die Halle und der Reitplatz bereits besetzt waren. Der edle dunkelbraune Zuchthengst machte elastische und fleissige Bewegungen, wozu auch ein paar Bocksprünge zählten. Ich nahm es ihm nicht übel, denn das lockerte auf eine gewisse Weise auch den Rücken – dachte ich jedenfalls. Canto war etwas pummelig geworden. Während Ajith von harmlosem Winterspeck redete, wollte Oliver den Braunen schon auf Diät setzen… Ich sah das ähnlich wie Ajith – spätestens im Frühling, wenn die Pferdchen richtig lebendig wurden, würde sich das von selbst auflösen. Zufrieden mit Cantos Arbeit lobte ich ihn und brachte ihn anschliessend zurück in seine Box. Damit er mit seiner Schur nicht kalt hatte, legte ich ihm seine Fleecedecke über. Nachts kam dann die dickere Stalldecke drauf, aber tagsüber reichte diese. Ich klopfte ihm lächelnd auf die Kruppe und verliess sein Residium.

      Nun stand Dressur auf dem Plan, und zwar mit Diarado und Circus Dancer. Jonas und ich wollten eine Art Pas-De-Deux machen – „hach wie romatisch!“ Natürlich war das ein Kommentar, der von Augenrollen meinerseits begleitet wurde. Wir scherzten und lachten während dem Putzen. Ich genoss einfach jede Sekunde, die ich mit Jonas und den Pferden verbringen konnte. Im Moment schien mein Leben seit langem wiedermal vollkommen perfekt zu sein. Liebevoll kämmte ich Dancers lange Mähne und zupfte Strohstückchen daraus hervor. „Soll ich ihm ein Zöpfchen machen?“ „Warum nicht“, meinte Jonas, und fügte dazu: „Würdest du mir auch eines machen, wenn meine Haare lang genug wären?“ „Denk nichtmal dran, ich sorge persönlich dafür, dass die kurz bleiben!“ „Warte, von welchen Haaren reden wir?“ „Jonas!“ Wir brachen wieder in Lachen aus und beschlossen, das Thema lieber nicht weiter zu ziehen. Ich holte Dancers Dressursattel und legte ihn vorsichtig auf den Rücken des Hengstes. Dann gurtete ich ins zweite Loch, sodass der Sattel zwar nicht gleich verrutschte, aber trotzdem noch relativ locker drauf lag. Auch Dancer und Diarado waren geschoren, weshalb wir die Fleecedecken vorläufig auf den Popos der beiden liessen. Wir brachten sie in die Halle und wärmten sie zuerst zehn Minuten im Schritt auf, dann begannen wir mit der Trabarbeit. Wir nutzten dazu Cavaletti und Stangen, um den Raumgriff und den Schwung zu fördern. Dann folgte das eigentliche Pas-De-Deux, bei dem wir synchron höhere Lektionen abfragten. Die beiden Hengste waren ziemlich weit in Dressur und es war einfach toll sie zu reiten. Dancer war besonders in der Piaffe angenehm und leicht zu dirigieren. Die Musik, die dazu im Radio lief, schien ihn weiter anzuspornen. Auch Diarado machte geschmeidige Bewegungen, trotz dem er eher ein Springpferd war. Er kannte noch nicht so viele Lektionen wie Dancer, aber er war sehr intelligent und eifrig, sodass er schon nach wenigen Widerholungen neue Bewegungen verinnerlicht hatte. Genau diese Intelligenz kam ihm auch im Parcours zu Hilfe, und ich hoffte, dass er sie auch an seine Nachkommen weitergab. Natürlich brachte es nicht nur Vorteile, ein solch aktiv denkendes Exemplar von Pferd unter sich zu haben; denn so schnell wie Diarado lernte, so nachtragend war er auch bei reiterlichen Fehlern. Er hatte durchaus einen gewissen Stolz und brauchte daher eine sichere, konsequente Führung, sonst tanzte er seinem Reiter ganz schön auf der Nase herum. Er konnte sehr rasch erkennen, wie sein Reiter tickte und ob er sich Spässchen erlauben durfte. Trotzdem mochte ich diese Art von Pferd sehr und genoss das fordernde, aber erfolgreiche Training.

      Um halb Elf waren wir mit den beiden fertig und ich konnte weiter zu Dod und Calico. Mit den zwei Jungs stand wieder ein Ausritt an, wobei ich Calico als Handpferd mitnehmen wollte. Auch die drei Hunde nahm ich diesmal mit, damit sie am Abend schön ausgepowert waren. Ich putzte und sattelte Dod, dann bürstete ich den zweiten im Bunde ebenfalls gründlich durch. Die beiden Hengste waren in den letzten paar Monaten ziemlich zusammengewachsen und auf der Weide immer gemeinsam unterwegs. Vermutlich hatte das damit zu tun, dass wir sie auch meistens zusammen trainierten. Jedenfalls hielt diese Freundschaft so sehr, dass Calico Dod zuverlässig folgte. So konnte ich es manchmal auf Ausritten wagen, den Schimmel frei neben uns laufen zu lassen – jedenfalls solange wir fern von Stuten waren. Wenn uns andere Reiter begegneten nahm ich ihn jeweils frühzeitig wieder ans Seil, um ganz sicher zu gehen. Das tat ich nun auch zu beginn des Ausritts, bis wir ein Stück vom Hof weg waren. Denn ich hatte das Gefühl, dass der Schimmel sonst einfach in die Futterkammer abgebogen wäre. Auf der Galoppwiese löste ich schliesslich den Haken und wir trabten ein Stück auf einem schmalen Trampelpfad. Calico hielt sich natürlich nicht so brav an den Weg und lief stattdessen neben uns durchs Feld. Manchmal ging er auch voraus und machte Schabernack, sehr zum Ärger von Dod, der eigentlich ranghöher war. Ich spürte förmlich, wie der erfahrenere Hengst unter mir brodelte, weil er den Jungspund während der Arbeit nicht korrigieren durfte. Calico nutzte das voll aus und streunerte um uns herum. Für den Fall, dass ich ihn nicht mehr zu fassen bekam, hatte ich übrigens noch ein Lasso am Westernsattel befestigt; auch wenn meine Wurfkünste bisher noch bescheiden waren und ich längst nicht jedesmal traf. Aber meistens war Calico sowieso gut abrufbar, weil er stets eine Belohnung erwartete. Fast besser als Sheela, die immer mal wieder zwischen den Büschen verschwand, wenn ich nicht aufpasste. Ich machte mir diesbezüglich Sorgen, weil es im Park auch immer wieder Wild gab und die Labrador Hündin einen ausgeprägten Jagdtrieb hatte. Daher behielt ich sie stets im Auge, bereit um sie bei einer Begegnung mit Wild rechtzeitig zurückzurufen. Ein kalter Wind stach unbarmherzig durch meine Handschuhe und ich hatte das Gefühl, dass mehr Wolken am Himmel waren als zuvor. Schnee?, überlegte ich hoffnungsvoll. Doch als ich mittags mit den beiden zurück auf dem Hof war, fiel noch immer kein einziges Flöckchen. Lily kam gerade von der Schule, als ich Dod versorgt hatte.

      Wir assen zu Mittag, dann war es endlich so weit. Nachdem die Hunde gefüttert waren, zog ich mich wieder warm an und holte aus der Sattelkammer ein stabiles, langes Führseil. Ich zog mir ein paar gute Handschuhe an, mit denen ich warm hatte und gleichzeitig genügend Grip. Ausserdem überlegte ich rasch, ob ich einen Rückenpanzer anziehen sollte, entschied mich dann aber dagegen, weil er mich womöglich in meiner Beweglichkeit eingeschränkt hätte. Ich nahm noch eine Hand voll Heu mit zu Phantom’s ‚Gehege‘, um mich ein wenig attraktiver zu machen. Zunächst betrat ich den Innenbereich der Führanlage und lehnte mich an die Wand, um zu beobachten, wie die Stimmung des Mustangs war. Er hatte bereits etwas Abstand zwischen uns gebracht und stand nun wie angewurzelt auf der gegenüberliegenden Seite, mich stets im Auge behaltend. Bisher waren hier nur Pfleger reingekommen, um ihm Futter zu bringen, weshalb er Zuversichtlich genug war, nach einigen Sekunden zögerlich ein paar Schritte näher zu kommen und abzuchecken, ob sich das Risiko für die Hand voll Heu lohnte. Ganz vorsichtig machte ich einen Schritt auf ihn zu. Er wandte den Kopf ab, bereit um abzudrehen, hielt aber inne, als ich mich nicht weiter bewegte. Ich drehte die Schulter ein, um mich möglichst einladend und harmlos aussehen zu lassen. Nach einer Weile tastete ich mich weiter vor, doch es wurde ihm rasch zu viel, also zog er sich einige Schritte zurück und trabte der Wand entlang. Ich schnitt ihm den Weg ab und liess ihn die Seite wechseln, bis er mich direkt ansah. In diesem Moment machte ich einen Schritt zurück und kreierte so einen draw. Er leckte sich die Lippen, bewegte sich aber nicht von der Stelle. Also ging ich wieder ein wenig auf ihn zu, bis er sich erneut in Bewegung versetzte. Gleiches Spiel – sobald er sich mir zuwandte, machte ich einen Schritt zurück und gab ihm release. Er begriff schnell, dass es angenehmer war, sich mir zuzuwenden und sich mit mir zu beschäftigen, als wegzulaufen. Nach wenigen Minuten konnte ich auf ihn zugehen, und er machte sogar ein, zwei Schritte in meine Richtung. Schliesslich war ich nahe genug und berührte ich in vorsichtig einige Male, jeweils sofort wieder den Druck wegnehmend. Sein ganzer Körper war angespannt, jeder Muskel bereit, im Zweifelsfall eine Flucht einzuleiten. Er atmete auch etwas schwerer als zuvor und machte einen misstrauisch gebogenen Hals, aber seine Ohren und Augen drückten eine gewisse Neugier aus. Ich streckte ihm das Bisschen Heu hin, das ich dabeihatte. Er zupfte ein paar Halme daraus hervor und wurde sofort etwas zutraulicher und entspannter durch das Kauen. Ich nutzte den Moment, um das Führseil durch die Schlaufe seines Knotenhalfters zu ziehen. Er machte einige Ausweichschritte, aber ich hatte es bereits geschafft. Nun Begann ich, ihn am Hals zu kraulen. Ich arbeitete mich Stück für Stück weiter nach hinten, stets nach einer Stelle suchend, die er besonders mochte. Wenn es ihm zu viel wurde und er Anstalten machte sich zu bewegen, nahm ich den Druck etwas zurück und verschob meine Hand wieder Richtung Widerrist. Nach ein paar Sekunden machte ich einige Schritte rückwärts und zupfte am Seil. Sobald er einen Schritt auf mich zu machte, beendete ich den Zug. Immer wieder ging ich zu ihm hin, kraulte ihn, ging seitlich von ihm zurück und liess ihn sich zu mir drehen oder einen Schritt machen. Man merkte, dass er der Sache immer noch nicht ganz traute, aber er wurde immer mutiger und zuckte immer weniger zusammen, wenn ich ihn berührte. Ab und zu schickte ich ihn wieder etwas um mich herum, denn Bewegung half auch, Stress abzubauen. Ich machte Richtungswechsel mit ihm, indem ich mich vor seine Schulter verschob und liess ihn mit seiner Hinterhand weichen, wenn ich neben ihm stand. Immer wieder dazwischen beruhigte ich ihn mit Kraulen. Er begann langsam, es zu geniessen und die Oberlippe zu spitzen. Das ging so weit, dass er mich fragend ansah, wenn ich aufhörte. Ich redete beiläufig mit ihm, um ihn an meine Stimme zu gewöhnen. Nun wagte ich schon etwas mehr: Ich tastete mich an seine Beine heran, gab ihm sofort Lob und release wenn er sie hob und gewöhnte ihn an etwas schnellere Bewegungen meinerseits. Ich hüpfte etwas auf und ab, bückte mich oder klopfte ihm auf den Hals, sodass er sich an das Geräusch gewöhnen konnte. Das reichte mir auch schon für heute. Er hatte mit seinem dichten Winterfell bereits ein klein wenig geschwitzt und seine Konzentration liess etwas nach, ausserdem wollte ich es beim ersten Mal nicht gleich übertreiben. Also löste ich das Führseil und verliess den Roundpen, wobei er mir sogar noch einige Schritte folgte. Ich brachte ihm noch mehr Heu, damit er das soeben gelernte mit dem Futter zusammen verdauen konnte.

      Es war nun halb zwei Uhr und ich hatte noch eine Menge vor. Zum Beispiel eine Springstunde mit Halluzination. Auch Anne war mit dabei, sie ritt auf Vychahr. Wir sattelten die beiden Pferde und trafen uns in der Halle, wo Lisa bereits wartete. Weiberreitstunde also, stellte ich schmunzelnd fest. Schon beim Aufwärmen stellte ich fest, dass Hallu fit war und mich heute wohl etwas fordern würde. Auch Vilou schien etwas guckig und hatte mehr Tempo drauf als sonst. Anne liess sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen und befolgte Lisas Anweisungen. Wir machten viele Wendungen und Übergänge, ausserdem ein paar Biegeübungen in Form von Schulterherein und Traversalverschiebungen. Als beide Pferde schön locker und gelöst waren, begannen wir mit Gymnastiklinien. Hallu, die erfahrene S***-Springstute, machte es Youngster Vychahr vor. Sie konnte so leicht nichts mehr beeindrucken, daher übten wir auch nur ab und zu ein paar Hindernisse zur Aufrechterhaltung der Muskeln und der Gewohnheit. Sie wurde tatsächlich in letzter Zeit viel mehr Dressur geritten. Vychahr hingegen musste noch viel lernen und war noch am Anfang seiner Karriere. Er nahm daher regelmässig an Springstunden teil um Erfahrung zu sammeln. Die Theorie bestätigte sich kurz darauf wiedermal bei einem offenbar etwas unheimlich aussehenden Oxer. Ich entdeckte die Anzeichen schon, als Anna in die Kurve bog und auf das Hindernis zuritt: Sie hatte die Beine zu wenig dran und sah auf den Sprung hinab. Es kam wie es kommen musste; Vilou parkierte vor dem Hindernis und Anne flog prompt über seinen Hals nach vorne. Sie landete auf den Stangen, blieb aber dank dem Rückenpanzer bis auf ein paar blaue Flecken unversehrt. Vilou drehte sich unsicher vom Hindernis weg und trabte ein paar Meter, dann liess er sich von Lisa einfangen. Anne stieg wieder auf und musste den Oxer erneut anreiten. Diesmal warnte Lisa sie vor und erklärte, dass sie Vilou gut einramen musste und nicht zu viel Schwung verlieren durfte. Anne machte im entscheidenden Moment nochmal etwas mehr Durck und es klappte. Sie lobte den Fuchs ausgiebig und wir beendeten die Stunde mit Austraben. Beim Trockenreiten diskutierte ich mit ihr über Stürze und meine eigenen Erfahrungen, während die Pferde am langen Zügel durch die Bahn schlenderten. Wir redeten auch über das kommende Neujahrsturnier auf dem Gestüt Wolfsgrund, für das wir schon eifrig trainierten. Da würde auch Hallu starten, diesmal unter Jonas.

      Nun kümmerte ich mich um Yoomee, die sich ganz schön eingelebt hatte. Mit ihr wollte ich am kommenden Glühweinritt teilnehmen, darauf musste ich sie natürlich zuerst vorbereiten. Wir übten deshalb heute im Gymkhana Stil über Blachen zu laufen, Slaloms zu machen oder Dinge hinterherzuziehen. Ich hatte Dosen an einem Seil befestigt und gewöhnte Yoomee zunächst an das Klappern, bevor ich sie hinter ihr her über den Boden zog. Am Anfang klappte sie etwas nervös die Ohren zurück und klemmte den Schweif zwischen die Pobacken, aber schon nach kurzer Zeit senkte sie den Kopf und merkte, dass ihr nichts böses passierte. Am Schluss konnten wir die schäppernden Dinger sogar im Galopp hinter uns herziehen. Auch die Blache hob ich auf und legte sie über ihre Kruppe. Sie streiffte beim Laufen über den Boden, aber das schien Yoomee nichts mehr auszumachen. Ich beschloss, die Übung zu beenden und belohnte die Connemarastute ausgiebig. „Wenn du dich so benimmst, dann wird das null problemo.“ Ich versorgte sie und brachte ihr ein paar Karotten.

      Ich sah auf die weisse Tafel in der Reiterstube. Ich hatte schon fast alles hinter mir, was ich heute geplant hatte, also wollte ich rasch nachsehen, was die Pfleger noch machen mussten. Heute wollten schliesslich alle rechtzeitig fertig sein, damit sie nach Hause zu ihren Familien konnten. Tja, Pferde kannten eben kein Weihnachten, und wollten genaugleich umsorgt werden, wie auch auch sonst immer. Ich beschloss, rasch beim Training von Coulee und Rosenprinz zuzusehen. Die beiden waren mit Quinn und Charly auf der Rennbahn, wobei eigentlich-Militarypferd-Rosenprinz genauso gefordert wurde wie Coulee. Beim Geländespringen war Geschwindigkeit schliesslich auch eintscheidend. Da er aber nicht jeden Tag auf der Bahn laufen musste, konnte er mit der Stute natürlich nicht wirklich mithalten. Zufrieden verfolgte ich das Training und genoss die Pause, bevor der eigentliche Weihnachtsstress anfing. Denn kurz darauf hiess es nochmal gründlich misten und alle Pferde füttern, damit für heute Abend ausgesorgt war. Die ersten Pfleger verabschiedeten sich um sechs Uhr, die die näher am Hof wohnten blieben noch etwas länger. Zuletzt waren nur noch Ajith, Quinn und Lisa da. Letztere zwei blieben heute Abend hier, weil sie nicht extra für einen Abend nach Irland und in Lisas Fall die Schweiz reisen wollten. Sie hatten dafür nächstens ein verlängertes Wochenende frei, während die anderen anpacken mussten. Die Pfleger hatten durch das Jahr hindurch ihre Ferien so aufteilen müssen, dass immer genug Leute auf dem Hof waren. An besonderen Tagen wie heute, mussten wir einfach sichergehen, dass die grösste Arbeit erledigt war, bevor alle verschwanden – für den Rest waren dann noch Jonas und ich zuständig. An Silvester würde es nochmals dasselbe Theater werden, aber ich machte mir deswegen keine Sorgen. Ajith blieb noch, weil er sowieso gleich im Nachbardorf wohnte und jeweils gar nicht im ‚Pflegeheim‘ schlief, sondern jeden Morgen mit dem Fahrrad hierherkam. Und natürlich, weil er Quinn noch etwas Gesellschaft leisten möchte, vermutete ich im Stillen. Ich hatte Quinn vor meinem Trip in die USA tatsächlich endlich gefragt, was denn nun mit ihrer Schwimmbad-Affäre lief. Sie hatte mir erklärt, dass das nie etwas Ernstes gewesen sei und auch nie etwas werden würde – tatsächlich sei der Typ bereits wieder in Schottland bei seinen Verwandten. Auch hatte ich sie gefragt, was sie denn von Ajith halte. Ihre Antwort war ausweichend gewesen und sie hatte versucht, darum herumzureden, aber ich war mir sicher, dass sie schon darüber nachgedacht hatte. Seit ich Ajith davon erzählt hatte, wie versprochen, hatte er wieder neuen Mut gefasst und bemühte sich darum, möglichst oft mit Quinn zu reden. Ich war gespannt, wie sich das ganze entwickelte und hoffte insgeheim, dass Ajith heute, an Weihnachten, einen ersten Schritt wagen würde. Wir sassen in der Reiterstube und wärmten uns mit einer Tasse Tee auf. Jonas und Lisa gingen sich noch immer eher aus dem Weg, was gut verständlich war. Ich versuchte daher immer, Lisa möglichst in die Gespräche zu involvieren, dass sie nicht den Eindruck bekam, irgendwie fehl am Platz zu sein. Es polterte und Lily kam die Stufen zur Reiterstube hoch, in Begleitung von Sheela. Jacky und Zira lagen bereits zu meinen Füssen und hoben bloss müde den Kopf, als die Labradorhündin sich dazu gesellte. „Occu wann fangen wir mit dem Kochen an?“, fragte meine Nichte ungeduldig. Wir wollten zusammen ein etwas aufwändigeres Weihnachtsmenu zubereiten. „Gleich, ich trinke noch meinen Tee fertig. Du kannst aber schonmal den Tisch decken gehen.“ „Nö, ich warte auf dich“, meinte sie nur, setzte sich auf den Platz neben mir und lehnte sich an mich. „Du hast ja ganz kalte Finger. Gewöhn dir endlich an, Handschuhe anzuziehen“, stellte ich fest, als ich ihre Finger prüfend knetete. Sie grummelte nur etwas und ich hatte den Eindruck, dass sie, gleich wie die Hunde, ganz schön müde war. Sie war ja auch den ganzen Tag unterwegs gewesen; Schule, dann reiten, Ponys beschäftigen und nochmals reiten. An Bewegung mangelte es ihr jedenfalls nicht. Als ich endlich aufstand und vor die Halle trat, bemerkte ich ein paar feine, weisse Flöckchen, die den dunklen Himmel runter segelten und im gedämpften Licht der kleinen Lampe über dem Hallentor den Boden erreichten. Sofort war Lily wieder wach und hopserhüpfte begeistert zum Haus. Sie hatte wie ich die ganze Zeit auf den Schnee gewartet und gehofft, dass er noch vor Weihnachten kommen würde. Nun fühlte es sich richtig festlich an. Wir bereiteten alles für das Essen vor und schoben den Braten in den Ofen. Dann schmiss ich mich auf die Couch und legte mich ein wenig hin, denn nun packte die Müdigkeit auch mich. Lily spielte unterdessen in ihrem Zimmer. Jonas kam kurze Zeit später auch rein, mit ein paar Schneeflocken im Haar. „Schneit es schon so stark?“ „Schau aus dem Fenster“, meinte er und zog den Vorhang beiseite, dass ich es besser sehen konnte. Tatsächlich rieselte eine Flocke nach der anderen runter, und es wurden immer mehr. „Lily wird sich freuen. Das Essen ist bald fertig.“ Er legte sich spielerisch über mich und gab mir einen Kuss. „Oi, du bist schwer“, rief ich lachend aus. „Willst du damit sagen, dass ich dick bin?!“, antwortete er empört und rollte zur Seite, sodass er knapp nicht herunterfiel. Wir kuschelten, bis der Backofentimer zu piepsen begann. Unser Weihnachten vierlief ruhig und gemütlich. Wir sassen alle zusammen auf dem Sofa und schauten einen der alten Star Wars Filme. Ich genoss jede Sekunde.
      17 Jan. 2017
    • Calypso
      Alte Pflege-, Tierarzt-, Hufschmied-, und Trainingsberichte
      Neujahrsbesuch auf der Wilkinson Farm

      Den ganzen Morgen hatte ich damit verbracht, Pferde zu reiten und zu Pflegen – wie nunmal jeden Tag. Aber am Nachmittag dieses ersten Januars im neuen Jahr wollte ich Rosie und den Pferden auf der Wilkinson Farm einen Besuch abstatten. Da es wenig Sinn machte, mit dem Auto oder zu Fuss dorthin zu gehen, nutzte ich die Gelegenheit auch gleich, um Drømmer Om Død etwas Auslauf zu gewähren. Ich machte mir nichtmal die Mühe, ihn zu zäumen, sondern knüpfte nach dem Satteln einfach den Anbindestrick an das Knotenhalfter und ritt damit los. Der manchmal etwas sture Hengst schien gut gelaunt und trug mich zügig in Richtung Fluss. Wir überquerten die Holzbrücke und trabten den verschneiten Feldweg hoch zur Farm. Ich sah Rosie schon von weitem bei den Weiden stehen, also ritt ich neben den Gebäuden durch direkt auf sie zu. „Happy new year!“, rief ich ihr zu, was sie dankbar zurückwünschte. „And how are you all doing?“ Ich hüpfte von Dods Rücken und entknotete die Zügel wieder zu einem Führseil. Sie erzählte mir ein paar Neuigkeiten und führte mich auf dem Hof herum. Ich half ihr kurzerhand beim Heu Füttern und stellte zufrieden fest, dass meine drei Araber bestens versorgt waren. Anubis und Numair warteten beide geduldig, bis wir das Heu in die Boxen brachten. Bintu hingegen klopfte etwas ungeduldig an die Boxentür. Auf der anderen Seite des Stalls teilten sich Farasha und Islah eine Offenstall ähnliche Box. Ich war froh, dass sich die beiden Stuten so gut verstanden. Islah war natürlich die Ranghöhere der beiden; sie hatte auch auf Pineforest die Stutenherde dominiert. Farasha schien sich als Herdenmitglied dieser starken Stute wohl und sicher zu fühlen. Sie wirkte ruhig und freundlich, jedenfalls in der Box. Laut Rosie konnte die Stute beim Reiten und Longieren auch mal gehörig aufdrehen. Aber ich schätzte, dass sie es im Moment wegen ihrer Trächtigkeit etwas gemütlicher anging. Nach einer Tasse Tee und viel Geplaudere, machten Dod und ich uns auf den Heimweg.
      29 Jan. 2017

      Stets auf der Suche

      Ein Bellen weckte mich. „Morgen Occu. Hast du überhaupt ein Auge zugetan?“ Jonas vertraute Stimme drang durch das Tor des Offenstalls. Ich blinzelte verschlafen, richtete mich auf und zupfte etwas Heu aus meinem Schlafsack. Ich hatte die Nacht auf dem Heuboden des Stutenstalls verbracht, weil ich die Geburt von Moon Kiddys Fohlen unbedingt mitverfolgen wollte. „Ein hübscher kleiner Kerl ist das geworden, glaubst du er hat das Splash Gen von Dod?“ Sofort war ich hellwach. „Wie? Was?! Ist er etwa schon da??!“ „Ach du hast es also doch verpasst? Komm schau“, lachte Jonas. Meine Labrador Hündin Sheela stand an seiner Seite und wedelte auch schon fleissig mit dem Schwanz, um mich runterzulocken. „Das gibt es doch nicht! Ich war bis um drei Uhr wach, und sie hat überhaupt keine Anstalten gemacht!“ „Sie hat sicher extra gewartet bis du schläfst“, schmunzelte er. Ich befreite mich aus dem Schlafsack und schielte vorsichtig nach unten, bis zum letzten Moment gespannt, was mich erwartete. Ich war ganz entzückt, als ich das braune Fohlen erblickte. Es hatte auf den ersten Blick grosse Ähnlichkeit mit seiner Mutter, nur das auffällige Kopfabzeichen und zwei weisse Fesseln hinten wich von diesem Eindruck ab. „Täuscht mich meine Sicht oder ist das linke Auge blau?“ „Jup, ist es. Und schau dir die hübsch geschwungenen Ohren an.“ Ich kletterte die Leiter runter und ging zu Moon hin. Ich streichelte sie liebevoll und checkte rasch, ob mit ihr alles in Ordnung war. Dann wandte ich mich dem Hengstfohlen zu und untersuchte es mit prüfendem Blick. Es musterte mich skeptisch, aber da seine Mutter keine Versuche unternahm, sich zwischen uns zu stellen, kam es nach kurzer Zeit neugierig einen Schritt näher gewackelt. Es war noch sehr unsicher auf den langen Stelzen, die sich Beine nannten, aber es machte einen wachen, fitten Eindruck. „Es hat jetzt schon mehr Langhaar als alle bisherigen Fohlen“, bemerkte ich augenrollend, mit einem Seitenblick auf Moons lange Locken. „Was hast du erwartet?“ Spielerisch frustriert steckte ich meine Hände in die Hosentaschen. „Dass ich dabei sein darf, das hab ich erwartet!“ Jonas gluckste amüsiert. Mein Handy fiel mir fast aus der Tasche, also gab ich es Jonas, bevor es noch im Stroh landete. Ich warf einen Blick zu Feline und deren Fohlen, das schon seit zehn Tagen durch die Welt stakste. Es handelte sich ebenfalls um ein Hengstchen, einen wunderschönen, angehenden Schimmel, der das Splash Gen von Papa Drømmer om Død höchstwahrscheinlich bekommen hatte – jedenfalls hatte er viermal hochweiss und eine breite Blesse, was schonmal dafür sprach. Ich hatte bei seiner Geburt beschlossen, dass er einer der Kandidaten sein würde, die ich behalten wollte. Einen passenden Namen hatte der kleine Kerl auch schon: Disparo de Fiasco. Daran hatte ich ganz schön lange herumüberlegt. Feline liess mich wie immer freundlich an ihr Fohlen heran und wartete in respektvollem Abstand, beobachtete uns aber genau. Ich war froh, dass sich die Stute schon bei ihrem ersten Fohlen als zuverlässige, unkomplizierte Mutter herausgestellt hatte. Ich streichelte sie nochmal zum Zeichen, dass ich sie jetzt in Ruhe liess und verliess den Offenstall, Jonas folgend. „Das war wohl vorläufig das letzte, was? Die nächsten Fohlen kommen erst später.“ „Noch mehr von den Dingern?“, scherzte Jonas mit vorgetäuschter Überraschung. „Also auf das von Moonrise Shadows bist du ja wohl auch noch gespannt, oder etwa nicht?“ „Klar. Ich hoffe es wird ein Rappe.“ „Nähh, das wär ja langweilig! Ich hoffe es wird ein Fuchs, schliesslich haben wir noch keinen Paint Horse Fuchs.“ „Bestimmt nicht. Ist das bei den Eltern überhaupt möglich? Ich glaube nicht. Und wenn dann ist die Wahrscheinlichkeit seeehr gering. Ich sage das wird nix mit deinem Fuchs - black for the win.“ „Pfft.“ Er zwinkerte mir zu und ich streckte ihm die Zunge raus, dann bog ich in den Hauptstall ab. Sechs Vollblutfohlen hatte es dieses Jahr für Pineforest gegeben – jedoch war keines davon im Hauptstall zu finden. Die ‚Mütter‘ Campina, Iskierka, Shades of Gray, Sympathy for the Devil, Captured in Time und Cassiopeia mümmelten unbekümmert an ihrer morgendlichen Heuration. Wie das möglich war? Embryotransfer. Ich hatte letztes Jahr passend zur Zuchtsaison ein vergünstigtes Angebot von einem meiner Tierärzte bekommen, und nach Rücksprache mit Oliver hatten wir beschlossen, gleich den kompletten Jahrgang so heranzuziehen. Das hatte den grossen Vorteil, dass wir bereits Fohlen von den Stuten bekommen konnten, die noch aktiv Rennen liefen; ohne deren Karriere zu opfern. Die Fohlen wuchsen auf dem Gestüt auf, auf dem auch die Leihmütter zuhause waren. Im Absetzalter wollten wir die Truppe dann nach Pineforest auf die eigene Fohlenweide holen. In der Vergangenheit hatten wir dasselbe Prozedere auch schon mit Painting Shadows gemacht, und bisher nur positive Erfahrungen gesammelt. Ich prüfte, ob das morgendliche Vollbluttraining voranging, dann setzte ich meinen Rundgang in Richtung Weiden fort. Unterwegs fiel mir auf, dass sich mein Handy nicht mehr in der Hosentasche befand, wo ich es platziert hatte. Also lief ich nochmal zurück zum Offenstall, fest davon überzeugt, es im Heu zu finden. Doch auch nach zehn Minuten Suche blieb es verschollen. „Es muss doch irgendwo sein“, murmelte ich verärgert vor mich hin. Von unten beobachtete mich Lovely Summertime erwartungsvoll mit ihren freundlichen, dunklen Augen. Hinter ihr versteckten sich zwei paar züsätzliche Beine, die jedoch schon ziemlich kräftig aussahen. Immerhin war das dazugehörige Hengstfohlen namens Unclouded Summer Skies auch schon über zwei Wochen alt, doch am ältesten war das Fohlen von Ice Coffee. Die kleine Icy Rebel Soul war am zweiten April zur Welt gekommen, als erstes Fohlen dieses Jahrgangs. Entsprechend mutig und verspielt war sie bereits. Beide Fohlen waren übrigens von Unbroken Soul of a Rebel und hatten von ihm wie erhofft viel Farbe mitbekommen. Ich hoffte, dass er auch ebensoviel von seinem Talent mitgegeben hatte.

      Ich gab die Suche vorläufig auf und überlegte, ob ich das Handy auch irgendwo anders hätte verlieren können. Doch auch auf dem Weg zum Hauptstall war es nirgens zu finden. Ich beschloss, später nochmal mit Jonas zusammen zu suchen, und machte mich nun definitiv auf, um nach den Miniature Horses zu sehen. Auch dort hatte es gleich dreifach Nachwuchs gegegben. Und wie durch ein Wunder waren auch noch alle drei Fohlen am selben Tag geboren worden! Dakotas Fohlen Beck’s Daisy Orchid hatte schon um zwei Uhr morgens auf wackeligen Beinchen gestanden. Wie unschwer zu erraten, war es eine hübsche, erdfarbene Tochter von Beck’s Experience. Auch das zweite Fohlen war vom selben Vater. Es hörte (noch nicht) auf den Namen Beck’s Little Diva und war das erste Fohlen von meiner leuchtend fuchsfarbenen Stute Lady Diva from the Sky. Das Fuchsfell hatte sie von beiden Elternteilen übernommen, wie es anders auch gar nicht möglich gewesen wäre. In einem grauen Kleid präsentierte sich der letzte Fellkäuel, der neben Tigrotto im Stroh lag und erst spät in der Nacht vom 23. zur Welt gekommen war. Offenbar hatte Tigrotto beschlossen, dass sie den kleinen Arctic Tiger nun ebenfalls genug lange mit sich herumgetragen hatte und war deshalb kurzerhand dem Beispiel der anderen beiden Stuten gefolgt. Ich war jedenfalls sehr froh, dass alles so gut vonstatten gegangen war. Auch Chocolate Chip erwartete noch ein Fohlen, allerdings erst später im Jahr. Allegra, die mittlerweile ja zu einem stattlichen Jährling geworden war, freute sich über die neuen Spielkameraden. Auch wenn diese im Moment noch nicht so wild waren wie sie selbst und erstmal vor allem an zwei Dinge dachten: Trinken und Schlafen. Miss Mini Daki hielt Allegra seit Daisys Geburt etwas auf Abstand, aber ich war sicher, dass sich die kleine Familie bald organisiert haben würde. Übrigens war von klein Daisy gerade keine Spur zu entdecken. Ich traute meinen Augen nicht und sah mich gründlich um, doch das Fohlen war weder bei seiner Mutter, noch sonst wo zu entdecken. Alarmiert ging ich zum Stalltor zurück und sah mich draussen um. Das kann doch nicht sein – ist sie unter dem Zaun durch? Fieberhaft suchte ich nach der kleinen. Ich rief Lewis, der bei den Fohlenweiden ausmistete rüber. „Are you sure? She was still there wehen I came to feed them half an hour ago“, meinte er stirnrunzelnd. Wir betraten den Offenstall und ich zeigte ihm, was ich meinte. Doch der Pfleger schüttelte nur amüsiert den Kopf und meinte: „Theres she is. You sure that you’re awake, Occu?“ Tatsächlich, Daisy lag neben Daki im Stroh. Offenbar hatte ich sie zwischen den Halmen glatt übersehen. Beschämt liess ich ihn wieder seiner Arbeit nachgehen und kniete mich neben Daki, um Daisy anzulocken. Stattdessen wurde ich natürlich sofort von Allegra beknabbert, die meine Aufmerksamkeit auf sich lenken wollte. Ich ignorierte sie und streckte die Hand aus, damit Daisy daran schnuppern konnte. Die Miniatur-Fohlenschnauze berührte unsicher zuckend meine Finger, die anschliessend natürlich erstmal zwischen den weichen Lippen verschwanden. Zähne hatte das Tierchen zum Glück noch keine. Ich konnte mich kaum loslösen von dieser Niedlichkeit, besonders, als Tiger sich doch noch aufraffte und an ein paar Bocksprüngen versuchte, stattdessen aber ungelenk durch das Stroh stolperte. Als ich mich doch zum Gehen überwinden konnte, sah ich noch rasch bei den Hengsten vorbei. Arctic Blue und Glenns Caress dösten, der eine jeweils mit dem Kopf zum Popo des anderen. Das war eine Art natürlicher Instinkt, der es ihnen ermöglichte, potentielle Gefahren von allen Seiten her frühzeitig zu entdecken. So blieb auch ich nicht lange unentdeckt; Arco hob aufmerksam den Kopf und brummelte mir zu. Die Motivation zum Zaun zu kommen hatte er dann aber doch nicht. Nachtfalke hingegen kam rüber und prüfte, ob ich nicht vielleicht etwas hartes Brot oder eine Karotte dabei hatte. ‚Red‘, wie ich Becks gerne nannte, bediente sich weiter entfernt noch immer an dem Heuhaufen, den Lewis gebracht hatte.

      Mir fiel auf, dass ich Jacky und Zira diesen Morgen noch nicht gesehen hatte. Wo sie wohl stecken? Ich hielt die Augen offen und Pfiff, machte mir aber nicht die Mühe, nach den beiden zu suchen. Sheela hatte meinen Pfiff gehört und kam im galopp angerannt. Ich lobte sie und machte mich auf zum Nebenstall. Zwei Fohlen warteten noch auf mich: Cranberry und Cloony. Die beiden waren von Halluzination und Satine, Väter waren mein Liebling Co Pilot und dessen Halbbruder Costa de la Bryére. Ich hatte förmlich Freudensprünge gemacht, als ich die Deckanzeige von Costa gesehen hatte – schliesslich hatte ich den Hengst für kurze Zeit auch bei mir im Stall gehabt und er führte dieselben wertvollen Blutlinien weiter wie Pilot. Deshalb wollte ich beide Fohlen auch auf alle Fälle behalten. Registriert waren sie beide als British Warmblood, das hatte ich schon im Voraus so geplant. Als ich so mit verliebtem Blick über die Tür von Hallus Box lehnte, kam gerade eine Gruppe Vollblüter vom Training zurück. Normalerweise ritt ich ja selbst auch sehr gerne mit, aber in den letzten Tagen war ich durch das ständige Wachbleiben und Aufpassen so gerädert gewesen, dass ich freiwillig verzichtet hatte. Meistens hatte ich das Training sowieso verschlafen. Ich lächelte stolz, als ich Coulee beobachtete, die von April geritten den anderen folgte. Die Stute sah grossartig aus. Sie hatte ihre alte Form zurück und war auch psychisch wieder beinahe normal – das hatte sie letztens beim Handicap mit dem 3. Platz und einer hervorragenden Zeit bewiesen. Jetzt konnte ihr Comeback also so richtig losgehen. Auch wenn es immernoch Problemzonen mit der Stute gab; wenn man ihr genug Sicherheit vermitteln konnte, gab sie sich wirklich Mühe. Ebenfalls zu erwähnen war, dass Miss Moneypenny am selben Tag in einem anderen Rennen überlegen gewonnen hatte.

      Doch nicht alles lief so toll: mein Sorgenkind hiess Areion. Ich traf ihn und Lily wie immer am Nachmittag im Nordstall an. Eigentlich waren die beiden ein Herz und eine Seele, doch in letzter Zeit verhielt sich der Tinker zunehmend rüpelig und hengstig – offenbar spürte er den Frühling. Meine zehnjährige Nichte hatte einfach nicht genug Kraft, um gegen das grosse Plüschtier anzukommen, weshalb ihn im Moment meist Lisa ritt. Bei ihr lief er natürlich toll, aber letztendlich war er Lilys Pony. Ich zerbrach mir deswegen aber schon seit Wochen den Kopf, denn so konnte es einfach nicht weitergehen. Beide, er und Lily, waren frustriert und unglücklich mit der Situation. Als einzige rasche und zugleich nachhaltige Lösung sah ich eine Kastration. Doch wir alle taten uns etwas schwer mit dieser radikalen Massnahme. Leise seufzend machte ich mich daran, Lily beim Putzen zu helfen. Sie war auch heute etwas missmutig und bestrafte Areion schon für kleinste Fehltritte. Ich redete ihr ins Gewissen, dass Areion ja nichts dafür könne und nicht absichtlich so unartig war. „Er weiss es einfach nicht besser, und da du eben noch etwas zu wenig Kraft hast, um ihm den richtigen Weg zu zeigen…“ „Er soll aber auch auf mich hören, wenn ich nicht so viel Kraft einsetze! Du sagst schliesslich auch immer, dass ich ihm feine Kommandos geben soll!“ „Ja, aber manchmal reicht das eben doch nicht ganz – manchmal muss man zuerst etwas deutlich sein und kann erst danach wieder sanft werden, dafür dann umso besser.“ „Und du meinst, es wäre wirklich besser, wenn er kein Hengst mehr wäre?“, fragte sie halb murmelnd. „Ja. Dann könnte er sich nämlich wieder auf dich konzentrieren, und müsste nicht all den hübschen Frauen nachsehen.“ Sie schwieg nachdenklich, denn sie war eigentlich bis anhin absolut dagegen gewesen, ihn kastrieren zu lassen. Ich vermutete, dass sie einfach nicht wollte, dass der Tierarzt an ihrem Pony herumschnipselte, wenn es nicht lebenswichtig war. Doch der richtige Beweggrund für ihr Zögern offenbarte sich in ihrer nächsten Frage: „Glaubst du, dass Teddy nach dem Ka…strieren? irgendwie anders sein wird als vorher? Ich habe Angst, dass er dann ganz faul und verfressen wird…“ Ich konnte mir ein Kichern nicht verkneifen. „Wer hat dir das erzählt? Janine?“ Sie nickte. „Janine hat gesagt, dass ihr altes Pony nach dem… du weisst schon, ganz anders war als vorher und sie es deshalb nicht mehr haben wollte. Ich behalte Teddy auf jeden Fall! Aber ich will auch nicht, dass er sich verändert…“ „Keine Angst, er wird höchstens etwas ruhiger und braver werden. Ich mein, sieh dir mal Phantom an – ist der etwa faul und verfressen?“ Wir lachten beide bei der Erinnerung an den letzten Ausritt, auf dem er mir beinahe durchgebrannt war. Sein Training ging stets voran, wenn auch nicht mehr in ganz so grossen Schritten wie zu Beginn, aber trotzdem gab es immer wieder Rückschläge und Momente, in denen er wieder auf seine Instinkte zurückgriff und mich ausblendete. Es war eben nicht leicht, vier Jahre Wildnis und Überlebenskampf zu überspielen.

      Lily und ich einigten uns darauf, das ganze beim Abendessen zusammen mit Jonas nochmal durchzudenken und jetzt erstmal auf einen Spaziergang mit Areion zu gehen. Ich begleitete die beiden mit Ljóski, der nach dem gestrigen Tölt-Training auswärts eine wohlverdiente Pause bekam. Der kleine Ausflug verlief relativ entspannt, jedenfalls sobald wir vom Hof weg waren und Areion sich auf Lily konzentrieren konnte. Loki hatte bereits beinahe vollständig sein Fell gewechselt und sah prächtig aus. Mit dem kurzen Fell sah man seine Muskeln viel besser, und auch die Scheckung kam besser zur Geltung. Areion war noch etwas plüschiger, aber auch er hatte schon ganz schön viel Fell verloren. Doof nur, dass es in den letzten paar Tagen wieder ganz schön kalt geworden war. Die meisten Pferde froren trotzdem nicht, und den Geschorenen legten wir eben die Decken vorsichtshalber nochmal an. Als wir fast wieder Zuhause waren, fing es tatsächlich ein wenig zu schneien an, auch wenn es eher Schneeregen war. Wir retteten uns in den Nordstall und rubbelten die Rücken der beiden Jungs rasch mit Tüchern trocken, dann brachten wir sie in ihre Boxen und gaben ihnen je eine Karotte, wobei Herkir natürlich auch eifersüchtig an meinem Ärmel nippte. „Du kommst später dran, ich hab gehört Jonas plant einen anstrengenden Ausritt im Schneeregen“, sagte ich übertrieben laut, damit Jonas, der gerade hinter mir zu Circus Dancers Box schlenderte, hörte. Empört rümpfte er die Nase und antwortete: „Wer hat denn sowas behauptet? Als ob ich bei dem Hundewetter rausgehen würde…“ „Schön-Wetter-Reiter.“ „Und wie!“ Lily lachte beim Verlassen des Nordstalls über unseren Dialog und verschwand dann in Richtung Nebenstall – ich wusste auch genau, was sie dort vorhatte. White Dream war nämlich heute noch nicht bewegt worden, und Lisa hatte mir am Morgen verraten, dass sie wiedermal mit meiner Nichte abgetauscht hatte. Ich schmunzelte bei dem Gedanken und fand es schön, dass Lily die Ponystute so liebhatte.

      Ich selbst musste nun erstmal weiter zu Empire State of Mind. Auf den Schimmel wartete eine Dressurstunde, in der ich an den Seitengängen feilen wollte, um ihn zu lockern. Ich betrat seine Box und er streckte mir bereits freundlich seine graue Schnauze entgegen. Sein Halfter hing leider nicht wie üblich an seiner Boxentür, und ich hatte keinen Schimmer, wer es entfürt haben könnte. Aber ich wollte es eigentlich schon an seinem rechtmässigen Platz sehen, denn ich mochte es überhaupt nicht, wenn durch Unachtsamkeit Zubehör verloren ging. Also machte ich mich auf die Suche danach. Schliesslich wurde ich in der Führmaschine fündig, wo Cantastor es fälschlicherweise trug. Ich tauschte die Halfter aus und ging zurück zu Empire, um ihn aufzuhalftern und zu einer der Anbindestellen zu führen, wo ich mit dem Putzen begann – oder beginnen wollte, denn die Putzbox war auch weg. „Ajith! Where ist hat damn…“ Ich unterbrach mich selbst, als ich Anne entdeckte, die in der Sattelkammer drüben stöberte. „What are you looking for?“, fragte ich sie verwundert. „Darren told me to help him with the retired thoroughbreds today. I was so excited! I sat on Catastor for the first time!”, berichtete sie stolz.” “Now I’m just looking for some leg wraps.” “Why does he need leg wraps? You didn’t sprint a marathon, did you?“ „No…“ „So he doesn’t need any. Thoroughbreds are not that sensible, don’t worry.“ Daraufhin verschwand sie, um den dunkelbraunen Hengst aus der Führmaschine zu holen und in seine Box zu bringen. Als sie vor mir um die Ecke bog, bemerkte sie stirnrunzelnd „Just now I thought he had a yellow halter on… How strange.“ Ich schmunzelte kopfschüttelnd und erkannte, was los war. „I swaped them ‘cause you took Empire’s halter.” „Oh, I’m sorry, I didn’t know…“ „No problem.“ Mir war es zwar ein Rätsel, wie sie sie hatte vertauschen können, wo doch die Halfter aller Pferde an den jeweiligen Boxentüren hingen, doch ich sagte nichts weiter und kümmerte mich um Empires Putzbox. Nach einigem Suchen fand ich sie neben Sunday’s Spind. Leicht verärgert schnappte ich sie mir und putzte mit ihrem Inhalt meinen mittlerweile etwas ungeduldigen Schimmel. Da seine Beine etwas schlammig waren, stellte ich ihn vor dem Aufsteigen noch beim Waschplatz hin, um sie rasch abzuspritzen. Mir fiel auf, dass seine Vorderhufe schon wieder ein wenig ausbrachen, also beschloss ich, sie nach dem Reiten noch rasch zu feilen, denn natürlich fand ich heute auch die Feile nicht an ihrem angestammten Platz vor. Der Hengst war barhuf, denn er lief ja keine Rennen mehr und war momentan auch nicht im sonstigen Spitzensport tätig. Wir hatten uns mit ihm bisher auf Grundlagen beschränkt, damit er diese nach seinem Karriereende in aller Ruhe hatte erlernen können. Ausserdem waren wir mit ihm immer viel im Gelände gewesen, sodass er mittlerweile äusserst verlässlich geworden war. Also eigentlich hatte er bisher einfach sein Leben nach der Rennbahn geniessen dürfen und war langsam und schonend umgeschult worden. Wie gut er die Grundlagen in der Dressur mittlerweile beherrschte, zeigte sich auch heute. Fleissig und bemüht, alles richtig zu machen, kreuzte er die Beine. Nur das Tempo war noch ein wenig zu hoch. Ich versuchte schon seit einem Weilchen ihn immer mehr zu versammeln und die Lektionen ruhiger zu reiten, aber es dauerte bei ihm halt etwas länger, da er doch eine ordentliche Portion Temperament hatte. Ich war aber ganz schön zufrieden mit unseren heutigen Anstrengungen und lobte ihn entsprechend ausgiebig beim Trockenreiten. Als ich zum Fenster raus sah, entdeckte ich zufällig die beiden seit dem Morgen vermissten Hunde, die auf der Ovalbahn mit einem Ball von Lily spielten.

      Um vier Uhr hatte ich Empire versorgt und putzte bereits den nächsten Kandidaten, nämlich Ronja Räubertochter. Auch für sie stand gewöhnliche, langweilige Grundlagen Dressur auf dem Plan, was einzig dazu diente, sie zu beschäftigen und an Feinheiten zu feilen. Sie war heute etwas stur und aufmüpfig, vermutlich wegen des frischen Wetters. Trotzdem schafften wir eine halbwegs produktive Dreiviertelstunde. Beim Versorgen tastete ich noch ihren Rücken ab, um zu sehen, ob sie irgendwo verspannt war. Im Rücken fand ich nichts, aber bei der Schulter zeigte sie mir mit Scharren ein wenig Unwohlsein. Ich massierte die betroffene Stelle und dehnte die Vorderbeine durch ausstrecken. Sie gähnte vor Entspannung und schüttelte sich, als wäre sie gerade im Staub gelegen. Ich lachte über den treudoofen Blick, den sie danach aufsetzte und dessen Bedeutung ich längst kannte: „Darf ich jetzt bitte meine Karotten haben?“ Ich streckte sie ihr selbstverständlich hin, sobald ich ihr in der Box das Halfter ausgezogen hatte. Linda kam auf mich zu und fragte mich, ob ich ihr helfen könne Darren zu finden. Ich antwortete etwas gereizt, dass ich heute am liebsten nichts und niemanden mehr suchen wollte, gab ihr aber den Tipp, im Strohlager nachzusehen.

      Es war nun fast halb sechs und ich nutzte die Zeit vor dem Abendessen noch, um ein wenig Schrecktraining mit Phantom zu machen. Mir gingen langsam die Ideen aus, weil ich schon so viel mit dem ehemaligen Mustang gemacht hatte und er extrem schnell lernte. Das hing wohl damit zusammen, dass in der Wildnis rasches Anpassungsvermögen überlebenswichtig war. Mit ihm und seinen ausgeprägten Instinkten war es ganz anders zu arbeiten als mit einem Jungpferd das in Menschlicher Obhut aufgewachsen war. Weder einfacher noch schwieriger – einfach anders. Einerseits fiel uns die Kommunikation leicht, weil er ausgezeichnet auf meine Körpersprache reagierte; andererseits wurde alles erschwert durch sein Misstrauen gegenüber neuen Dingen. Aber mit Menschen an sich hatte er mittlerweile keine Probleme mehr. Mittlerweile stand Phantom ja im Offenstall mit den Criollo und Paint Horse Stuten (mit denen er sich übrigens bestens verstand). Als ich auf den Zaun zukam, spitzte er die Ohren und kam einige Schritte auf mich zu. Auch machte er keine Anstalten mehr auszuweichen, wenn ich ihn unerwartet anfassen wollte. Im Moment hatten die Fohlen eine Art Beschützerinstinkt in ihm geweckt, sodass er besonders aggressiv den Hunden gegenüber war. Er mochte sie auch sonst nicht, aber jetzt war es besonders schlimm. Sheela traute sich schon gar nicht mehr auf die Weide, und die anderen beiden blieben einfach in gesundem Abstand zu dem Rappen. Er war zwar nun schon seit Monaten Kastriert, aber sein Hengstverhalten hatte er dennoch nicht ganz verloren. Zum Beispiel erwischte ich ihn manchmal dabei, wie er die Stuten mit der typisch tiefen Kopfhaltung umhertrieb oder sich gegen einen Wallach auf der Nachbarsweide aufspielte. Den Damen schien das zu gefallen, jedenfalls wurde er von ‚seiner Herde‘ immer gleich begrüsst, wenn er vom Arbeiten zurückkam. Wenn ich ihn so beobachtete, hatte ich den Eindruck, dass er sich hier ganz wohl fühlte und sich immer mehr mit seinem neuen Leben anfreunden konnte. Trotzdem sah ich mir manchmal nachdenklich die Fotos an, die ich im Internet von ihm gefunden hatte. Ich fragte mich, was mit all den anderen Pferden darauf geschehen war, oder wie Phantoms Leben ausgesehen hätte, wenn er nicht eingefangen worden wäre. Herausfinden würde ich es nie.

      Jonas hatte bereits angefangen, das Gemüse für unser Abendessen zu rüsten, als ich ins Haus zurückkam. Wir assen meist am Mittag ein Sandwich oder sonst etwas Schnelles, dafür gab es am Abend eine anständige, warme Malzeit. Beim Essen erzählten wir uns von den heutigen Erlebnissen. „Ach ja, ich habe am Morgen mein Handy irgendwo verloren und finde es nicht mehr… Ich muss nachher nochmal suchen gehen, bevor es dunkel wird“, fiel mir wieder ein. Jonas setzte plötzlich ein breites Grinsen auf. „Meinst du das hier?“ Er fasste sich in die Hosentasche und zog auf wundersame Weise besagtes Gerät daraus hervor. „Warum…?“ „Du hast es mir heute Morgen in die Finger gedrückt, weisst du nicht mehr?“ Ich schlug mir symbolisch mit der Hand an die Stirn und lachte ungläubig. „Manchmal ist mein Gehirn einfach ein Löcherbecken…“ Wir schmunzelten und plauderten weiter. Irgendwann kamen wir wieder auf das leidige Thema Areion zurück. „Irgendwas müssen wir machen. Lily, wäre es wirklich so schlimm ihn zu Kastrieren?“ „Ja wäre es!“, rief Jonas empört. „Schon mal den Dicken selbst gefragt, was er davon hält?“ „Still, sonst lasse ich den Tierarzt nächstes Mal wegen dir kommen.“ „Das willst du nicht wirklich…“, murmelte er verheissungsvoll. Ich streckte ihm die Zunge raus und meinte: „Unterschätz mich nicht.“ Lily mischte sich mit einem Räuspern ein. „Wenn du versprichst, dass Teddy danach immernoch derselbe ist…“ „Das kann ich leider nicht versprechen, aber meiner Erfahrung gemäss verändert sich nicht wahnsinnig viel. Denk auch an ihn; er darf danach endlich mit seinen geliebten Mädels auf die Weide und wird nicht mehr von den anderen Hengsten gemobbt.“ Sie zögerte, dann nickte sie. „Na gut. Wenn ihn das wirklich glücklicher macht.“ Jonas verschränkte gespielt trotzig die Arme. Lily und ich mussten bei dem Anblick loslachen, und beim Wegräumen stichelten wir ihn immer wieder zum Spass.

      „Was machst du jetzt noch?“, fragte Jonas, während er sich schon wieder die Jacke anzog. „Ich fahr schnell rüber nach Shatterford und sehe nach unseren Vollblutfohlen.“ „Wann bist du zurück? Wir wollten doch Rosie noch einen Besuch abstatten, weil wir die nächsten Tage keine Zeit dazu haben werden.“ „Ich weiss, ich schaue, dass ich spätestens um neun Uhr zurück bin. Die Fahrt dauert ja zum Glück nur 20 Minuten, und ich nehme an, dass Ella mich nicht lange aufhalten wird, weil sie selbst noch genug zu tun hat.“ Ella Yorke war die Besitzerin des Hofs, auf dem unsere diesjährigen Nachwuchsrenner geboren worden waren. Ich wollte meine Autoschlüssel von der Kommode schnappen, doch sie waren weg. Verärgert rief ich aus: „Das gibt’s doch nicht, vorhin hatte ich sie doch noch in den Fingern!“ Jonas meinte im Gehen gerade noch: „Hast du in deiner Jacke nachgesehen?“ „In meiner Jacke? Das hätte ich gespürt.“ Doch tatsächlich, da waren sie, brav in meiner rechten Tasche. Augenrollend lief ich zum Parkplatz. Wie abgemacht beeilte ich mich und trödelte nicht lange herum, als ich auf dem kleinen Gestüt ankam. Ich klingelte an der Haustüre und wurde von Ellas Mann Steve in Empfang genommen. Er erklärte, dass Ella bereits im Stall hinten sei und führte mich zu ihr, damit ich sie nicht auch noch suchen musste. Wir sahen uns zusammen die sechs Vollblutfohlen an. Ich nahm jedes einzelne genau unter die Lupe und stellte zufrieden fest, dass sie alle vom Exterieur her den Erwartungen entsprachen. Allerdings fiel mir auf, dass eines der dominant weissen Fohlen ein wenig schlapp wirkte und selbst als wir den Offenstall betraten mit aufgestütztem Kopf im Stroh liegen blieb. Ella klärte mich sogleich auf: „Die kleine hatte eine schwierige Geburt, das ist die, von der ich dir auch schon am Telefon erzählt hatte. Sie ist auch etwas kleiner als die anderen und trinkt leider nicht ganz so viel, weshalb wir ihr zusätzlich zweimal am Tag etwas mit der Flasche anbieten.“ „Das das genetische Fohlen von Ciela… Denkst du, es liegt vielleicht daran, dass Ciela selbst noch so jung ist?“ „Gut möglich; es wäre jedenfalls schön wenn es nur das ist.“ Ich nickte zustimmend und sah das beinahe ganz weisse Fohlen nachdenklich an. Sie sah hübsch aus, mit den braunen Ohren und ihren dunklen Augen. Aber eben diese wirkten ungewöhnlich müde und lustlos, was mich wirklich besorgte. „Der Tierarzt war schon da?“ „Nein, kommt demnächst. Ich habe aber schon mit ihm telefoniert und er meinte, wir sollen so fortfahren wie bisher und die kleine gut beobachten.“

      Den ganzen Heimweg über zerbrach ich mir den Kopf, was das weisse Fohlen wohl plagte. Schliesslich wurde ich von meinen Sorgen abgelenkt, als wir auf der Wilkinson Farm von Rosie begrüsst wurden. Jonas und Lily liefen bereits voller Erwartung zum Stall, denn sie waren genau wie ich wahnsinnig gespannt auf Islahs und Farashas Fohlen. „Awww! Es ist ja ganz schwarz!“, kam wenig später der Ausruf von Lily. „Nicht ganz“, ergänzte Rosie, „Sieh dir die hell umrandeten Augen an – es wird ein Schimmel wie sein Vater.“ Entzückt betrachtete ich das Tierchen mit dem edlen Hechtkopf. Die krause Fohlenmähne war etwas dürftig im Vergleich zu der meiner Criollo Fohlen, aber das verlieh ihr schon jetzt ein elegantes Gesamtbild. Die grossen, hübsch geschwungenen Ohren waren neugierig nach vorne gerichtet, als es sich näher zu Lily hin traute und an ihrer Hand schnupperte. Kurz darauf erschreckte sich das Fohlen aber, weil Lily sich zu schnell zu uns umdrehte. Es machte einen übermütigen Seitensprung und verschwand im staksenden Trab hinter Farasha. Wir lachten über die kleine Show und gingen weiter zu Islah. Die kleine Isis, wie ich sie genannt hatte, sah aufgeweckt und munter aus. Sie war eine Schecke, wie ihre Mutter – allerdings hatte sie eine seltsame, grau gestichelte Stelle an der Flanke. Daher fragte ich mich, ob sie nicht doch noch ausschimmeln würde. Eine Schimmelbrille wie Farashas Fohlen hat sie zwar nicht, aber vielleicht ist das ja irgendein Sonderfall, überlegte ich. Jonas fragte Rosie: „Wie hast du nun eigentlich das schwarze Fohlen genannt?“ „First Chant, weil sie das erste Fohlen ist, das auf meiner eigenen Farm auf die Welt kam.“ „Ein toller Name“, bemerkte ich schwärmerisch. „Sie wird zum Verkauf stehen Occu, also wenn du Interesse hast…“, lachte die rothaarige, junge Frau. „Ich überleg’s mir, okay? Ich muss sowieso noch planen, welche unserer eigenen Fohlen ich behalten will. Das wird echt nicht leicht…“ „Doch eigentlich schon“, bemerkte Jonas verheissungsvoll. „Es wird damit enden, dass du alle behälst weil du keines loslassen kannst – und falls doch wirst du wieder jeden Tag hoffen, dass sie aus irgendeinem Grund zurückgegeben werden.“ „Du weisst genau, dass das nicht geht, auch wenn es toll wäre. Dafür haben wir einfach zu wenig Platz.“ Lily sah ich förmlich an, dass sie etwas dazu sagen wollte, aber sie hielt sich zurück und beobachtete nur nachdenklich Isis. Ich ahnte, was in ihr vorgehen musste. Sie konnte sich genau wie ich nicht entscheiden, welches der Fohlen sie am liebsten hatte.

      Wir verabschiedeten uns von Rosie, nachdem wir auch bei Anubis, Numair und Bintu Al-Bahri reingesehen hatten. Es war schon spät und wir mussten morgen wieder früh aufstehen, deshalb hatte es auch nicht für einen Tee bei Rosie gereicht. Den gönnten Jonas und ich uns dafür zuhause noch rasch, während Lily bereits ins Bett kriechen musste. Ich sass auf dem Sofa, streichelte Jacky und starrte nachdenklich an die Wand. Plötzlich überlegte ich laut: „Also bei den Criollos wäre es ja naheliegend, wenn wir Fiasco behalten würden. Er wird später sicher interessant für die Farbzucht.“ „Aber ich sehe dir an der Nasenspitze an, dass du trotzdem lieber Moon’s Fohlen hättest. Oder liege ich da falsch?“, meinte Jonas zwinkernd. Ich seufzte und nickte langsam. „Dann behälst du eben den. Wir haben eh schon Dod für die Farbe, also spielt es keine Rolle.“ „Meinst du wirklich? Also gut, dann bleibt Moon’s Fohlen. Wir brauchen aber noch einen guten Namen für ihn.“ „Dod’s Daydream?“ „Nähh, ich finde etwas Spanisches wie bei Fiasco würde einfach besser passen…“ „Uff… Sueño del Muerte oder sowas? Ich kann kein Spanisch…” “Ich auch nicht wirklich, aber zum Glück gibt es das Internet.” Ich gab in diversen Wörterbüchern Vorschläge ein, die etwas mit der Bedeutung von Dods Namen zu tun hatten. Irgendwann stiess ich zufällig auf das Wort ‚solas‘, so viel wie „alleine“ bedeutend. Ich fand den Klang davon toll, und überlegte, womit man es kombinieren konnte, damit es passte. „Etwas mit träumen wär schon nicht schlecht“, meinte Jonas, „denn sonst hätte es ja doch keinen Zusammenhang mit Dod.“ So wurde es „Soñando Solas“ – ‚alleine träumend‘. Ich war zufrieden mit dem Klang, auch wenn die Bedeutung etwas fragwürdig war. Wir verräumten unsere Tassen und gingen die Treppe hoch ins Schlafzimmer, denn mittlerweile veranstalteten wir fast schon ein Wettgähnen. Als ich mich unter die Decke gekuschelt hatte, konnte ich es doch nicht lassen, weiter über die Fohlen nachzudenken. Ich stellte fest: „Ich glaube ich kann nicht schlafen, bis ich mich entschieden habe…“ „Welches von den Minis gefällt dir am besten?“, fragte Jonas leise. „Ich glaube Orchid. Wir haben ja noch kein buckskin Mini, und ich kann doch keine Tochter von Daki weggeben…“ „Siehst du? Und schon bist du wieder etwas weiter. Was ist mit den Warmblutfohlen?“ „Die behalten wir!“, meinte ich sofort, wie ein trotziges Kind. „Dieser Meinung bin ich auch!“, kam eine Mädchenstimme aus dem Zimmer nebenan. „Horchst du etwa? Ab ins Bett jetzt! Du musst morgen in die Schule.“ „Aber du behälst die beiden definitiv, ja?“ „Ja.“ „Gute Nacht.“ Daraufhin blieb es definitiv still aus dieser Richtung. „…Vollblüter?“, murmelte Jonas. „Cupid. Cupid bleibt, der hat Potential. Er hat sogar schon Oliver auf seiner Seite. Und Simply Priceless gefällt mir einfach wahnsinnig gut, ich möchte sehen, was aus ihm wird.“ „Ich finde Call it Karma süss. Die hat was besonderes, mit ihrem gutmütigen Blick und dem hübschen Bauchfleck.“ „Die beiden Schimmelfohlen von Iskierka und Shades of Gray sind auch vielversprechend… Wir können aber einfach nicht alle behalten…“ „Was ist mit dem zweiten dominant weissen?“ „Challenging Time heisst es, von Ciela. Ich weiss nicht… Es wirkt so schwächlich und lustlos. Ich mache mir ernsthaft Sorgen, dass es nicht durchkommt…“ „…Aber wenn doch würdest du es auch behalten wollen?“ „Es hat eine tolle Farbe, aber ich weiss nicht, ob es überhaupt zum Rennen geeignet sein wird, wenn es so schwach ist…“ „Naja, verkaufen kannst du es sowieso nicht, wenn es nicht fit ist. Also bleibt dir fast nichts anderes übrig als es zu behalten.“ „Aber zwei müssen definitiv weg. Vier behalten wäre okay, aber alle sechs sind zu viele.“ „Wenn du meine Meinung hören willst: Ich finde, du solltest die beiden Schimmel Snap Cat und Storm Cat abtreten. Ich weiss, du wolltest besonders das Fohlen von Iskierka aufwachsen sehen und trainieren, aber mein Gefühl sagt mir, dass wir die anderen vier behalten sollten, und nicht diese beiden.“ „Ich hoffe dein Gefühl ist verlässlicher als meines damals beim Kauf von Cool Cat. Er war ja ursprünglich nur meine zweite Wahl gewesen, aber er hat sich zu einem echten Glückstreffer gemausert. Glaub mir, die Pferde aus dieser Blutlinie sind vielleicht am Anfang unscheinbar, aber entwickeln sich später zu unerwarteten Talenten.“ „Tja, du musst dich entscheiden. Du hast dir das vier-Vollblüter-Limit selbst gesetzt, nun musst du damit umgehen.“ „Ich weiss… Na gut. Die Schimmel gehen. Aber wehe das war die falsche Entscheidung!“ „So so, das ist natürlich bequem, im Falle eines Falles mir die Schuld zuzuschieben. Aber okay, ich übernehme die Verantwortung.“ Ich gab ihm glücklich einen Kuss und legte meinen Kopf an seine Schulter. Ich murmelte: „Hunter Crowley hat auch schon Interesse an den beiden gezeigt. Wenn er tatsächlich eines davon nimmt, wären sie wenigstens noch in der Nähe von uns.“ „Ich bin sicher, dass er bei den süssen Ohren nicht wiederstehen kann“, gluckste Jonas. „Bleiben noch die Paint Fohlen. Behalten oder weggeben?“ „Unclouded ist schon ein richtiger Pachtskerl…“, meinte Jonas zögernd. „Wirklich. Aber irgendwie… Hach ich weiss nicht, wenn wir Shadows Fohlen dann auch noch behalten wollen… Ich habe das Gefühl, dass ich mich gerade noch so von den beiden trennen könnte.“ „Da stimme ich dir zu.“ Ich horchte noch eine Weile seinem ruhigen Atem, dann fielen mit die Augen zu. Endlich fand ich auch den Schlaf, jetzt wo alles beschlossen war.
      29 Apr. 2017

      Pineforest Stable Zuchtfohlenauktion 2017

      Eigentlich hatte ich mich ja schon vor einer ganzen Weile entschieden, welche der diesjährigen Fohlen ich verkaufen wollte und welche nicht – aber wie ich nunmal war, hatte ich bis zum Tag der Zuchtfohlenauktion immer wieder Zweifel und wollte am liebsten alle behalten. Deshalb war ich irgendwie froh, dass der Tag nun gekommen war, an dem die Fohlen definitiv neue Besitzer fanden. Die Pfleger waren schon emsig am vorbereiten: nebst der täglichen Routine musste ein kleines Festzelt mit Bänken und Tischen aufgestellt, Schilder montiert, alles sauber geputzt und aufgeräumt werden. Wir erwarteten mehr Besucher als im letzten Jahr, denn die letztjährige Auktion hatte sich herumgesprochen und diesmal standen zudem mehr Fohlen zur Auswahl. Für den heutigen Tag hatten alle Pfleger ausnahmslos anrücken müssen, denn wir brauchten alle helfenden Hände die wir bekommen konnten. So ein Event war schliesslich auch wie eine grosse Werbeaktion, bei der das Gestüt in vollstem Glanz präsentiert werden musste. Ich selbst half natürlich auch fleissig mit. Schon um fünf Uhr war ich auf den Beinen und machte den ersten Stallrundgang. Nach der morgentlichen Kraftfutterration putzten und sattelten wir die Vollblüter der ersten Trainingsgruppe, denn trotz des ganzen Trubels heute brauchten sie ihr gewohntes Work-out. „Occu will you train with us today?“, rief Quinn quer durch die Stallgasse. „Nah, don’t think so – I still have to help with all the other stuff…” “Come oon, I’m sure Rita would be glad to skip out Oliver’s comments on her riding for once. And as I recall Sumerian is on your list, not on her’s!” Ich sah Rita, die gerade den Trainingssattel brachte und die Unterhaltung zweifellos mitbekommen hatte, mit gehobenen Augenbrauen an. Sie nickte lächelnd; die Antwort die ich mir insgeheim doch erhofft hatte. „Thanks so much“, bedankte ich mich und nahm ihr den Sattel ab. Ich zog den Fellgurt ins noch relativ lockere zweite Loch und klopfte Sumerian auf den Hals, weil sie so schön stillhielt. Die Stute war meistens gut drauf und arbeitsfreudig, aber gestern hatte sie mal wieder einen schlechten Tag gehabt. Das äusserte sich jeweils dadurch, dass sie dann beim Putzen ein ‚Grumpy-Face‘ aufsetzte und auch sonst im Umgang missmutig mit den Ohren spielte, besonders wenn ihr ein anderes Pferd über den Weg lief. Heute zeigte sie zum Glück wieder ihre gewohnte Neugier und Zufriedenheit. „So bist du viel hübscher, als wenn du eine Schrumpelschnauze ziehst“, murmelte ich lächelnd, während ich ihr die Trense in den Mund schob. Wir führten die sechs Pferde nach draussen und Oliver half uns beim Aufsteigen. Im Moment liefen in dieser Gruppe PFS’ Captured in Time, Kaythara El Assuad, Framed in History, One Cool Cat, Cabinet of Caligari und eben Sumerian. Die Gruppen waren unter Berücksichtigung der Rennleistung und des Alters gebildet worden, aber es gab trotzdem noch grosse Zeitunterschiede zwischen den Pferden; das sah man auch heute. Cool Cat war wie immer in Top Form und zog mühelos an den anderen vorbei. Allerdings war das Training auch nicht wie ein Rennen gestaltet. Viel mehr trainierten die sechs Vollblüter jeder für sich. Kopf-an-Kopf Sprints gab es nur zweimal pro Woche und unmittelbar vor Rennen. Trotzdem war Oliver sehr zufrieden mit der Zeit des italienischen Charmeurs. Frame hingegen war heute wieder etwas zu abgelenkt und liess sich immer wieder durch auffliegende Vögel oder sonstige Bewegungen aus dem Konzept bringen. Er driftete dann jeweils in Richtung Rails und zwang Quinn dazu, abzubremsen. Der Schecke war einfach ein Sonderfall, der mehr Geduld und Verständnis brauchte als die anderen. Trotzdem war es natürlich ärgerlich, und ich verstand Quinns Frustration nach dem Training. „Don’t worry, tomorrow will be better, as usual“, beschwichtigte ich sie. Die Antwort war ein Schulterzucken, gefolgt von einem verlegenen Lächeln. Wir brachten die Rennpferde zum Auskühlen auf die Führmaschine. Während die anderen Jockeys bereits die nächsten Pferde zu Putzen begannen, machte ich mich auf den Weg zum Sandplatz, wo Lisa, Jonas, Lewis, Darren, Lily und, zu meiner Überraschung, Hunter Crowley gerade das Festzelt aufstellten. Mr. Crowley Senior stand daneben und musste beurteilen, ob die Teile richtig zusammengesetzt wurden. Erst jetzt fiel mir wieder ein, dass Hunter ja angeboten hatte, beim Aufstellen mitzuhelfen. Ich konnte es nicht lassen, ihn ein wenig über Savory Blossom, Strolch, Riven und Heart of Ocean auszufragen. Schliesslich war in letzter Zeit so viel los gewesen mit den ganzen Fohlengeburten und Wettbewerben, dass ich kaum Zeit für Besuche gehabt hatte. Um die Auktion brauchte Hunter sich keine Gedanken zu machen, denn ich hatte ihm die kleine PFS‘ Storm Cat bereits im Voraus versprochen. Er hatte sie meines Wissens nach auch schon ein paarmal besucht – sie stand ja mit den anderen Vollblutfohlen des Jahrgangs auf dem Hof von dem die Leihstuten kamen. Wir alberten während dem Aufstellen ein wenig herum – wie konnte es auch anders sein, wenn Jonas und Lewis im Umkreis von 10 Metern zueinander standen? Die beiden neckten immer wieder Darren, weil dieser tatsächlich eine ganze Minute lang angestrengt versucht hatte, die Zeltstangen verkehrt herum zusammenzustecken. Auch ich konnte mir dabei ein Schmunzeln nicht verkneifen, doch das Karma schlug wiedermal gnadenlos zu und liess mich, tollpatschig wie gewohnt, wenig später über eben diese Stangen stolpern. Natürlich fiel ich ausgestreckt in den Sand und war danach schön paniert. Wenigstens erbarmte sich Jonas während dem Lachen dazu, mir wieder aufzuhelfen und mir die Sandkörner abzuklopfen.

      Bereits um halb 11 Uhr fuhren die ersten Autos auf den Parkplatz und so langsam sammelten sich die Besucher. Ich plauderte ein wenig mit den Anwesenden bis es Zeit für den Rundgang war. Freudig erkannte ich einige bekannte Gesichter, wie zum Beispiel das von Stefanie Westside. Ich hatte sie lange nicht mehr gesehen und war entsprechend biegierig darauf zu erfahren, wie es ihrer Vollblutstute Mikado ging. Tassila sah ich ebenfalls irgendwo umherschleichen, ich wurde aber zu oft von anderen Leuten abgefangen, um etwas anderes als ein „Hallo“ zu rufen. Auch ein paar neue Leute lernte ich kennen, wie zum Beispiel Leticia Weidner, Fleur Mccain oder Luna Crown. Und dann waren da noch einige, von denen ich schon durch meine Bekannten gehört, oder in Zeitungen gelesen hatte. Dazu gehörten unter anderen Fiona O'Brien, Skye Winterbottom und Alicia Grey. Doch lange konnten wir nicht reden, denn ich musste langsam aber sicher die Führung auf dem Hofgelände starten. Im Getümmel entdeckte ich auch bereits Samantha O'Neill, der ich fröhlich zulächelte, zum Zeichen dass ich unter normalen Umständen gerne zu ihr gegangen wäre, um auch mit ihr Neuigkeiten auszutauschen. Ich begrüsste aber nun stattdessen alle Anwesenden und bedankte mich für das zahlreiche Erscheinen. Zunächst besichtigten wir den Nordstall – war ja auch das naheliegendste, wo er doch gleich neben dem Parkplatz zu finden war. Die Besucher waren sichtlich beeindruckt von der Anlage und den herausgeputzten Pferden. Nur meine lieben Freunde aus Kanada, Elisa Cranfield und Gwendolyn Campbell bekamen mal wieder nicht viel mit, weil sie emsig mit Samantha Neuigkeiten austauschen mussten. Das brachte mich ein paarmal zum Schmunzeln, sodass ich einmal beinahe den Faden verlor. Noch mehr aus dem Konzept brachte mich aber schliesslich meine freche Reitponystute River’s Blue Lady Liquor, die mich überraschte, indem sie von hinten unbemerkt den Kopf aus ihrer Boxentür streckte und sich an meinen Haaren zu schaffen machte. Wenigstens hatten die Besucher so nochmal eine amüsante Auflockerung, bevor es bei der Auktion wieder ernst werden würde. Während das Mittagsbuffet eröffnet wurde und die Gäste sich frei auf dem Gelände umsehen konnten, huschte ich zwischen den Stallgebäuden herum und kontrollierte nochmals, ob alles bereit war. Ausserdem empfing ich noch Rosie auf dem Parkplatz, die Islah, PFS‘ Isis und Anubis extra mit dem Anhänger von der Wilkinson Farm rübergebracht hatte. Wir luden die drei aus (Anubis war von Lucas Gordon separat gefahren worden, aus Sicherheitsgründen) und banden sie im Hauptstall an. Dann gesellte ich mich zu Jonas, Hunter, Crowley Senior und den Pflegern, um mir ebenfalls ein rasches Mittagessen zur Stärkung zu gönnen.

      „Where is Lisa?? Ah, I’m sorry – okay, let’s go.“ Ich führte mehr oder weniger Selbstgespräche, um mich etwas zu beruhigen und den Überblick zu behalten. Glücklicherweise standen tatsächlich alle Hengste sauber herausgeputzt bereit, so wie ich mir das vorgestellt hatte. Mit einem zufriedenen Nicken bedeutete ich Jonas, der mit Anubis den Anfang machte, das Viereck zu betreten. Ich kommentierte den Auftritt und erzählte ein wenig von dem Araberhengst und seinen Besonderheiten. Der sonst eher ruhige Anubis präsentierte sich mit rassetypischem Temperament vor den begeisterten Zuschauern – in ihm steckte eben doch ein Showpferd. Nachdem die beiden eine Runde auf dem Hufschlag gedreht hatten, folgten Darren und Drømmer Om Død. Die anderen Hengste betraten das Viereck ebenfalls immer dann, wenn ihr Vorgänger eine Runde absolviert hatte, sodass am Ende alle zusammen in der Mitte auf dem Platz standen. Dass auch Miniature Hengste nicht zu unterschätzen waren, bewies uns zuletzt Arctic Blue, der anscheinend ausgerechnet heute eine Flegelphase durchmachte und zwei, drei Mal steigen musste um zwischen all den anderen Hengsten zu beweisen wie ‚gross‘ er war. Lisa massregelte ihn etwas, aber das Publikum schien mit der Showeinlage gut unterhalten und so beschränkte sie sich auf halbherzige Korrekturen um ihn zumindest anständig neben sich zu halten. Ich erklärte zusätzlich, dass der kleine Hengst normalerweise sehr umgänglich und lieb war. Als Beck’s Experience dann auch noch ungeduldig zu scharren begann, weil sein Kumpel Glenns Caress nirgens in Sichtweite war, wusste ich, dass es Zeit war für die eigentliche Auktion. One Cool Cat verliess den Platz zuletzt, und draussen übernahm ihn gleich Ajith, um ihn wieder in den Hauptstall zu bringen. Oliver, der den imposanten Rappen geführt hatte, musste nun nämlich die etwas eigenwillige, genetische Mutter dessen Sohnes übernehmen. Da Iskierka noch aktiv Rennen lief, hatten wir uns für ihr Fohlen wie bei den meisten anderen Vollblutstuten kurzerhand eine Leihstute gesucht. Doch PFS‘ Snap Cat war erst als letzter an der Reihe; zuerst betrat Lady Diva from the Sky zusammen mit PFS‘ Beck’s Little Diva den Platz. Ich war erfreut zu sehen, dass Samantha den Zuschlag bekam – auch wenn sie anscheinend zuerst gar nicht wirklich den Überblick über den Stand der Dinge zu haben schien. Gut, ein Fohlen ist schonmal wunderbar versorgt, sagte ich mir glücklich schmunzelnd. Elisa und eine weitere Kanadierin zückten die Kellen, als es um PFS‘ Arctic Tiger ging, der aufgeregt neben seiner Mutter Tigrotto herhüpfte. Luchy Montrose erhielt schliesslich den Zuschlag und ich war gespannt, die neue Besitzerin des silbergrauen Hengstchens näher kennenzulernen. Als nächstes war auch schon Isis dran, wobei sich besonders Samantha und Rin Simboly duellierten, sodass die Gebote rasch in die Höhe schossen. Schliesslich kam Samantha abermals mit dem Hochstgebot davon und es war unschwer zu erkennen, wie sehr sie sich darüber freute. Isis war aber auch ein echter Blickfang mit ihrer besonderen Scheckung und ihrem hübschen Kopf – ich hatte von Anfang an erwartet, dass sie beliebt sein würde. Etwas weniger spannend ging es leider bei PFS‘ Icy Rebel Soul zu und her. Ich konnte mir nicht wirklich erklären, woran das lag, schätzte aber, dass die meisten Bieter sich eher auf ihren Halbbruder konzentrieren wollten. Rachel Wincox, ebenfalls ein mir bekanntes Gesicht, war die Glückliche, die das fast weisse Stutfohlen von nun an ihr Eigen nennen durfte. Icy trabte nichts ahnend neben ihrer Mutter Ice Coffee aus dem Viereck und hatte nur eines im Kopf: schnell zurück zur Weide und dann bei Mama um Milch betteln. Nun war die Nummer fünf an der Reihe. PFS‘ Unclouded Summer Skies löste wie erwartet einen Hagel an Geboten aus, und sein Preis kletterte immer weiter in die Höhe. Das Höchstgebot war ordentlich, überraschte mich aber nicht, denn mir war ja von Anfang an klar gewesen, dass Unbroken Soul of a Rebels Sohn beliebt sein würde. Nicht nur hatte seine Mutter Lovely Summertime einen tollen Körperbau, sondern auch er selbst bestach mit einer aussergewöhnlichen Farbe und einem bereits sehr kräftigen Hinterteil. Bei ihm war es mir auch sehr schwer gefallen, mich für den Verkauf zu entscheiden. Aber bei Bellamy und Octavia Blake hatte er einen guten Platz gefunden, wo er auch sicherlich in den verschiedenen Westerndisziplinen vielseitig gefördert werden würde.

      Unclouded war keine Überraschung gewesen – umso mehr war es dafür PFS‘ Disparo de Fiasco. Niemals hatte ich erwartet, dass Felines erstes Fohlen solch einen Ansturm auslösen würde. Mehrere Bieter kämpften entschlossen um den Zuschlag, sodass es bis zum Schluss spannend blieb. Gwen zeigte am meisten Durchhaltevermögen und ergatterte sich den Criollo Hengst schliesslich. Ich gönnte es ihr umso mehr, als ich ihr begeistertes Gesicht sah. Es ging dem Ende zu, nun fehlte nur noch Snap Cat. Zunächst wurde Iskierka rasch hineingeführt und vorgestellt, wobei sie Oliver besonders in der Nähe des Festzeltes ganz schön forderte; dann erst folgten das Hengstfohlen und die Leihmutter. Ich war noch am Kopfschütteln und rechnete bereits damit, dass nach diesem vielsagenden Auftritt der Mutter kein einziges Gebot eingehen würde, doch ich wurde abermals überrascht und das Hengstfohlen brachte doch noch eine beachtliche Summe zusammen. Elena Delgardo strahlte über’s ganze Gesicht und ich verstand, dass sie sich wahrlich in den kleinen verliebt hatte. Ich sagte noch ein paar Dankesworte zum Abschluss, dann hiess es Papierkram erledigen und mit den Käufern zusammensitzen. Die restlichen Besucher waren herzlich eingeladen, sich ebenfalls noch einen Kaffee, Tee oder Kuchen im Festzelt zu genehmigen, was einige auch wahrnahmen. Viele mussten allerdings bereits wieder abreisen, um ihre Flüge nicht zu verpassen.

      Am Abend, als alle Gäste weg und der Hof wieder in seinem normalen Zustand waren, setzte ich mich zum Dank mit den Pflegern zusammen und spendierte allen ein Eis. Auch Hunter und Mr. Crowley Senior waren noch geblieben um beim Aufräumen zu helfen, was ich sehr zu schätzen wusste. Snap Cat und Isis waren mit ihren Müttern wieder verladen und auf die jeweiligen Höfe zurückverfrachtet worden, während die restlichen Fohlen sich in den Boxen auf Pineforest von den Strapazen der Auktion erholten. Vorhin beim Stallrundgang hatten die meisten ausgestreckt im Stroh geschlafen. Ich war froh, dass die Auktion nun vorbei war und die Fohlen verkauft, denn jetzt musste ich mir keine Sorgen mehr machen: alle hatten gute Plätze gefunden, an denen sie sich wohlfühlen würden, da war ich mir sicher.

      Elena Delgardo's Sicht:

      Als ich den Newsletter erhalten hatte, dass auf Pineforest Stable wieder eine Fohlenauktion stattfinden würde, war mir klar, dass ich dieses Mal auf jeden Fall dabei sein wollte. Aber nur zum Zuschauen. Eigentlich hatten wir ja genug Pferde auf Jasmund und vor allem entsprachen die Rassen auch nicht meiner Vorstellung der Rassen, welche ich auf Jasmund brauchte für die Zucht. Ich und Simon packten also wenige Tage später schon unsere Sachen. Wir hatten mit den anderen vom Team ausgemacht, dass wir zwei Tage vor der Auktion bereits nach England fliegen würden und zwei Tage später wieder nach Hause. Wir hatten also für die Zeit ein Hotel gebraucht und auch das war schnell gefunden. Heute war bereits der zweite Tag in England und morgen würde die Auktion anstehen. Auch wenn ich beschlossen hatte, dass ich nichts kaufen wollen würde, so war ich dennoch mehr wie nur ein bisschen aufgeregt. Wir gingen abends sehr zeitig schlafen und am nächsten Morgen ging es auch schon früh los.

      Noch im Morgengrauen packte ich meine Sachen und kurz darauf fuhren wir los. Als wir auf Pineforest ankamen, war schon relativ viel los auf dem Gestüt. Ich war mehr wie nur begeistert von allem und grinste wie ein Honigkuchen Pferd. Dieses würde später noch viel breiter werden, aber von meinem Glück wusste ich jetzt natürlich noch nichts. Nachdem ich mich ein bisschen umgesehen hatte, lief ich Bellamy und Octavia in Arme. Beide freuten sich genauso wie ich über unser Treffen und sie hatte mir gesagt, dass sie schon einen Blick auf ein Fohlen geworfen hatten. Welches war mir auch gleich klar, denn ich hatte es schon im Newsletter gesehen und war auch echt angetan. Dennoch war mein Blick besonders auf die Nummer 8 gefallen. Der kleine Hengst trug den Namen PFS‘ Snap Cat und war ein kleines Englisches Vollblut. Nachdem wir uns überall umgesehen hatten ertönte auch schon die Durchsage, dass man sich bitte am Dressurviereck einfinden solle, denn das Programm würde nun weitergehen. Wir hatten bereits eine Führung über das Gestüt bekommen und ein wirklich leckeres Mittagessen, somit waren alle für das was nun kommen würde gerüstet. Als erstes würden die Hengst nach der Reihe in das Viereck geführt oder geritten, damit man sich ein Bild von ihnen machen konnte. Wie immer gefielen mir einige der Pferde wirklich gut und ich war jetzt schon auf die Fohlen gespannt. Klar man hatte sie im Katalog gesehen, aber in Echt war das alles nochmal was anderes. Nun begann der eigentlich Teil der Auktion. Die erste Stute wurde mit ihrem Fohlen in das Viereck getrabt. Dies passierte alles an der Hand und während sie ihre Runden drehten wurden die Gebote abgeben. Am Ende erhielt Samantha O‘Neill den Zuschlag für das kleine, süße Pony. Ein weiteres folgte. Im Gegensatz zum ersten war sein Fell grau und hatte keine Abzeichen. Der Hengst namens PFS‘ Artic Tiger sah wahnsinnig flauschig aus und ich überlegte kurz, oh ich mitbieten sollte. Jedoch würde das Pony bei uns sehr untergehen. Am Ende bekam Luchy Montrose den Zuschlag für den kleinen Hengst. Ichfreute mich für die neuen zwei Besitzer und wartete gespannt auf das nächste Fohlen. Simon hatte in der Zwischenzeit bereits Popcorn geholt und ich schob eins nach dem anderen in mich rein. Ich war wirklich sichtbar nervös, obwohl ich eigentlich gar kein Fohlen kaufen wollte. Nun wurde ein Araberfohlen in das Viereck geführt. Es hatte eine hübsche Scheckung und war somit nicht typisch Araberfarben, aber das kam wahrscheinlich von der Mutter, welche auch gefleckt war. Bei der Stute ging das Bieten wie wild los und schließlich bekam wieder Samantha O’Neill den Zuschlag. Sie würde heute also zwei Fohlen mit nach Hause nehmen, also bis jetzt. Nun würden zwei Kandidaten kommen, welche Bellamy und Octavia mit Sicherheit gefallen würden. Als erstes ein fast weißes Fohlen mit einem braunen Kopfabzeichen und danach ein fast braunes Fohlen. Sie stammten beide von Unbroken Soul of a Rebel ab und ich konnte es mir nicht nehmen bei dem zweiten Fohlen einmal mitzubieten, jedoch gingen mir die Preise schlussendlich viel zu hoch. Fohlen Nummer 4, das fast weiße Paint Horse, ging an meine Bekannte Rachel Wincox. Ihr würde ich später zu ihrem Schnäppchen gratulieren, denn sie hatte das Fohlen für nur 550 Joellen erworben. Im Vergleich dazu hatte Bellamy bei 3500 Joellen erst den Zuschlag bekommen. Nun würden nur noch zwei Fohlen folgen. Eines davon war ein Criollohengst namens PFS' Disparo de Fiasco. Bei ihm ging auch das Bieten relativ schnell in die Höhe und schlussendlich erhielt Gwendolyn Campbell erhielt am Ende den Zuschlag. Nun würde mein Liebling drankommen. In ihn hatte ich mich schon verliebt als ich den Katalog durchgeblättert hatte. Nun in Echt gefiel er mir noch um einiges besser und ich konnte mich nicht zurück halten. Ich hob mein Schild und schon wurde das Gebot registriert. Simon sah mich nur kopfschüttelnd an. „ Ich hab mich einfach verliebt“ meinte ich und zuckte mit den Schultern. Nachdem noch andere Bieter mitboten gingen die Gebote rasant nach oben und ich überschritt mein eigentlich geplantes Gebot. Nun ja dies war auch nicht geplant gewesen, denn eigentlich hatte ich ja kein neues Pferd kaufen wollen. Aber ich konnte einfach nicht nein sagen. Er würde so toll zu Vic passen. Widererwarten erhielt ich am Ende auch den Zuschlag für 3000 Joellen. Simon schüttelte nur den Kopf und ich wusste genau, dass ich einiges zu erklären hatte auf der Heimreise, aber nun war ich mehr wie froh, denn ich hatte das kleine Fohlen erhalten, in welches ich mich von Anfang an verliebt hatte. Die Auktion war somit auch beendet und nach und nach fanden sich Käufer nach Käufer am Hauptgebäude ein. Einer nach dem anderen wurde ins Büro gerufen und ich durfte als letztes die Papiere für meinen Hengst unterschreiben. Danach ging ich nochmal in den Stall und begrüßte meinen neues Gestütsmitglied, auch wenn er erst in ein paar Monaten zu uns ziehen dürfte. Ich klopfte ihm den Hals und war schon sichtbar gespannt wie er sich bei uns machen würde. Natürlich würden wir versuchen den Hengst in der Zeit bis zu seiner Ausreise nochmal zu besuchen, aber jetzt hieß es zurück ins Hotel. Die nächsten zwei Tage waren auch noch vollgestopft, weil wir uns ein bisschen was noch ansehen wollten, aber wir hatten mit Occulta abgesprochen, dass wir aber morgen oder übermorgen Abend nochmal ein bisschen vorbeikommen würden. Sie hatte natürlich zugestimmt und so verabschiedeten wir uns nun vorab von ihr.

      Samantha O'Neill's Sicht:

      "Endlich ist es soweit! Meinst du, du schaffst es ein Fohlen zu ersteigern? Hoffentlich klappt das mit Isis und Diva, die sind so hübsch... Aber da wird es bestimmt viele Gebote geben. Hach ich bin so aufgeregt...", plapperte Meg neben mir ununterbrochen. Das ging schon so, seit wir von meinem Gestüt Hollybrook Stud aufgebrochen waren und so langsam machte sie mich ebenfalls nervös. Also grinste ich meine Freundin mit hochgezogenen Augenbrauen an und drehte die Musik auf. Sie verstand den Wink mit dem Zaunpfahl - oder vielleicht eher dem ganzen Zaun? - und schmetterte stattdessen lauthals "Holiday" von Greenday mit. Dagegen konnte ich nichts einwenden, immerhin sang ich genauso schief. Heute war der Tag der Zuchtfohlenauktion auf Pineforest Stable und wir waren mit unseren zweieinhalb Stunden Fahrzeit wohl noch unter jenen Besuchern mit der kürzesten Anreise. Ich freute mich schon wahnsinnig auf das Spektakel und natürlich vor allem auch darauf meine beiden Favoriten unter den Fohlen - Isis und Diva - endlich einmal live zu sehen.

      Als wir viertel vor elf auf dem Gestüt ankamen, war der Parkplatz bereits rammelvoll. "Mensch, hier ist sogar noch mehr los als letztes Jahr", murmelte ich wenig begeistert. Nicht, dass ich Occulta den Erfolg nicht gönnte, aber je mehr Bieter hier waren, desto schwieriger würde es werden ein Fohlen zu ersteigern. Ich stellte mein Auto ab und stieg hinaus in die heiße Luft. Meg und ich hatten uns für dieses Event extra in Schale geworfen - sie mehr oder weniger unfreiwillig, aber das spielte ja keine Rolle. Ich trug ein fließendes, knielanges royal blaues Kleid mit goldenen Ornamenten darauf. Das waren nämlich die neuen Hollybrook-Farben und ich hatte mein Glück kaum fassen können, als ich besagtes Kleid gefunden hatte. Gwen dagegen trug einen ebenfalls royal blauen Rock und dazu eine weiße Bluse. Im Gegensatz zu mir fühlte sie sich in den Klamotten jedoch nicht wirklich wohl. Ich knuffte sie spielerisch in die Seite. "Du siehst super aus, hör auf die ganze Zeit an dir herumzuzupfen. Da schauen die Leute dann besonders genau hin.", zog ich sie auf. Man könnte meinen, Meg wäre in Stallklamotten geboren worden - wenn man sie mal nicht in Reithosen sah, trug sie abgewetzte Jeans und ein T-Shirt. Schwarz oder weiß natürlich, alles andere war ihr zu kitschig. Für unseren Ausflug zur Auktion hatte ich die unnachgiebige Chefin raushängen lassen und hatte Meg schließlich gedroht, dass ich ansonsten jemand anderen mitnehmen würde. Das war natürlich nicht ernst gemeint gewesen, aber immerhin repräsentierten wir hier mein Gestüt vor extrem vielen Menschen. So hatte Meg sich murrend mit mir in ein Kaufhaus begeben und sich heute morgen sogar von mir schminken und die Nägel lackieren lassen. Sie hatten - selbstverständlich - die gleiche Farbe wie ihr nagelneuer Rock. "Du bist ein Diktator, nur dass du es weißt. Dieses ganze Freundschaftsgetue ist doch nur aufgesetzt, damit niemand dein wahres Ich erkennt.", murrte Meg, während sie schon wieder an ihrer Bluse zupfte. Ich lachte nur und führte sie zu der Traube an Menschen, die sich auf dem Hof versammelt hatte. In deren Mitte stand Occulta Smith und lächelte uns zu, als wir uns hinter die anderen stellten. Ich entdeckte bereits einige bekannte Gesichter und freute mich schon sehr auf das Mittagessen, da ich einige von ihnen seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hatte. Als es schließlich elf Uhr war, sprach Occulta ein paar nette Worte und führte uns dann über das Gestüt. Wir waren keine zehn Schritte weit gegangen, da beklagte sich Meg auch schon über ihre hohen Schuhe. Das änderte sich jedoch schlagartig, als wir die Koppeln erreichten und sie nur dank der Absätze etwas sehen konnte. Im Gegensatz zu mir war Meg nämlich ziemlich klein. "Wusste ich doch, dass ich dich Riesin nicht verwechseln kann!", ertönte in dem Moment eine mir wohlbekannte Stimme. Ich drehte mich um und sah mich Elisa, Matthew und Gwen aus Kanada gegenüber. "Oh ihr auch hier? Das hätte ich mir ja denken können!", erwiderte ich grinsend. Erst kürzlich war ich selbst in Kanada gewesen, um mich um das Training einiger Pferde zu kümmern, darunter auch eine von Elisa's Stuten. Irgendwie war die Auktion dabei wohl durch unsere Gesprächsthemen gerutscht. Vom Rest der Führung bekamen wir nicht allzu viel mit, da wir Neuigkeiten austauschten und uns über die Zuchtfohlen unterhielten. Auch das Mittagessen verging auf diese Weise im Flug. Ich grüßte immer wieder alt bekannte Gesichter und amüsierte mich prächtig. Als es dann am frühen Nachmittag zum Dressurviereck ging, wurde die Stimmung deutlich angespannter. Auch Meg begann wieder zu zappeln, doch ich war momentan genauso schlimm. Tja, aus einem schönen Pokerface wurde wohl auch dieses Jahr nichts. Ich nahm neben Elisa in der dritten Reihe Platz und blickte gespannt auf den Dressurplatz vor uns. Bevor es ans Eingemachte ging, war jedoch die Hengstparade an der Reihe. Anubis, der Vater von Isis war mir schon auf einigen Turnieren begegnet, doch es war immer wieder schön den schicken Hengst in Aktion zu sehen. Auch Drømmer Om Død und Unbroken Soul of a Rebel waren mir bereits bekannt. Ersterer weil er der Vater meiner süßen Prada war und Rebel hatte ich schon gepflegt. Beck's Experience zog trotz seiner Größe die gesamte Aufmerksamkeit auf sich, als er stolz durch den Ring trabte. Toll, nun wollte ich Diva nur noch mehr haben. Das war doch wirklich verhext. Occulta betrat den Platz und verkündete uns strahlend, dass nun die Auktion bekam. Jeder Interessent hatte eine Bieterkelle erhalten und ich umschloss meine mit zittrigen Fingern. Vier Fohlen hatten meine Aufmerksamkeit geweckt und zwei von ihnen wollte ich unbedingt ersteigern. Fohlen Nummer 1 war Beck's Little Diva und ich sog die Luft ein, als ein Gebot auf das andere folgte. Diva dagegen trabte dicht an ihre Mama gedrängt durch die Bahn und schielte immer wieder zu uns hinüber. Irgendetwas an der Art des Fohlens schlug mich sofort in den Bann. Als ich gerade meine Kelle heben wollte, streckte Elisa neben mir ihre in die Luft. "Du? Was? Nein!", stammelte ich und reckte dann entschlossen meine Kelle in die Luft. "Oh oh, den Gesichtsausdruck kenne ich. Du würdest mich wahrscheinlich überbieten bis wir beide pleite sind oder?", grinste Elisa. In diesem Moment fiel der Hammer und Diva ging an die Nummer 50. Enttäuscht zog ich einen Flunsch, bis ich netterweise von Meg darauf hingewiesen wurde, dass ich Nummer 50 war. Nun entwich mir ein ersticktes Quieken und Elisa hielt sich vor Lachen den Bauch. "Schon gut, ich gönne sie dir, mische ich eben bei der Nummer 2 mit!", meinte sie dann schulterzuckend. Das hatte ich mir zwar auch überlegt, änderte meine Meinung jedoch beinahe sofort wieder, als die Gebote für den kleinen Hengst immer höher kletterten. Der Zuschlag ging schließlich an eine junge Frau die ich nicht kannte und Elisa murrte nur: "Kein Glück heute, also wirklich." Ich wollte gerade etwas erwidern, als meine Aufmerksamkeit zurück auf das Viereck gelenkt wurde. Isis trabte soeben mit ihrer Mutter herein. Das interessant gefärbte Scheckfohlen reckte seinen kleinen Kopf in die Luft und stolzierte mit langen Tritten neben seiner Mama her. Sie sah absolut nicht eingeschüchtert aus, als sie an der Menschenmenge vorbeikam und ich war einfach hingerissen. Schon kurze Zeit später kletterten die Gebote weit über meine selbst gesteckte Höchstgrenze, doch ich musste das Araberstütchen einfach haben und bekam schließlich bei einer Summe den Zuschlag, von dem ich zu Hause niemandem erzählen durfte. Zumindest solange nicht, bis sie Isis mit eigenen Augen gesehen hatten. Zufrieden lehnte ich mich zurück und genoss den Rest der Auktion. Dank Isis stand Fohlen Nummer 4, für das ich mich auch interessiert hatte, nun nicht mehr zur Debatte. Die anderen Fohlen gingen alle für gute Preise weg, vor allem um den Criollohengst Disparo de Fiasco brach ein regelrechter Kampf aus. Als schließlich das letzte Fohlen - ein hübscher kleiner Vollbluthengst - aus dem Viereck geführt wurde, kam Occulta wieder in die Mitte, bedankte sich für die rege Beteiligung und rief dann die neuen Fohlenbesitzer zu sich. In ihrem Büro wurden sodann auch fleißig Schecks ausgestellt und Papiere übergeben. Sorgfältig verstaute ich die von Diva und Isis in meiner Handtasche. Mit einem recht dümmlichen Grinsen verließ ich das Büro. Wir setzten uns nun alle zum Tee zusammen, dann wurde es auch langsam Zeit für die Heimfahrt. Diva und Isis würden bis August auf Pineforest Stable bei ihren Müttern bleiben, doch wir durften sie jederzeit besuchen und das würde ich sicherlich auch wahrnehmen.
      6 Juli 2017

      Herbstbeginn, oder: es gibt Ärger auf Pineforest Stable, Teil I
      Chiccory ox, Shades of Gray, Iskierka, Painting Shadows, Coulee, Sympathy of the Devil, A Winter’s Day, Campina, Spotted Timeout, Fly Fast of the Nightrunners, Gleam of Light, Caspian of de Moonlightvalley, Sunday Morning, Unbroken Soul of a Rebel, Drømmer om Død, Flintstone, Calico, PFS’ Captured in Time, Kaythara El Assuad, Sumerian, Framed in History, One Cool Cat, Cabinet of Caligari, Halluzination, Yoomee, Sika, Fake xx, Parányi, River’s Blue Lady Liquor, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, Islah

      Seit zwei Wochen war der neue Praktikant Tobias Leech nun bei uns. Ich hatte ihn nach der ‚Schnupperzeit‘ eingestellt, denn er hatte seine Sache gut gemacht und zeigte sich sehr hilfsbereit. Auch jetzt war er stets anständig, kümmerte sich um seine Aufgaben und befolgte sämtliche Anweisungen. Ich hatte also nichts zu meckern und war zufrieden, wie es im Moment lief. Es standen ein paar interessante Events bevor, und heute hatte ich auch noch eine Notiz von einer Fuchsjagd in der Zeitung gesehen, bei der es mich schon in den Fingern kribbelte. Als erstes wollte ich heute Morgen wie immer bei den Vollblütern helfen. Um richtig in die Gänge zu kommen, musste ich mir davor aber eine Schüssel Müsli und einen kräftigen Schwarztee genehmigen. Eine weitere Leiche kam die Treppe runter geschlurft und setzte sich gähnend an den Tisch. „Ich verstehe einfach nicht, wie du jedesmal eine Stunde vor mir im Bett liegst, nur um dann am Morgen trotzdem so schlapp zu sein“, wunderte ich mich laut. Jonas murrte: „Manche Menschen brauchen nunmal mehr als fünf Stunden Schlaf.“ „Jetzt übertreibst du aber – sechs Stunden hast du ja mindestens, wenn du schon um Elf ins Bett kriechst“, neckte ich. Er seufzte mit hochgezogenen Augenbrauen und und nippte an seiner Tasse. „Schüler müsste man sein. Lily kann richtig ausschlafen im Vergleich zu uns.“ Für unsere kleine Schülerin stellte ich auch schonmal Besteck und Schüssel auf den Tisch, auch wenn sie erst in ein paar Stunden aufstehen würde. Jeden Tag zwischen Fünf und halb Sechs zu frühstücken ist schon hart, aber man gewöhnt sich daran, mit ein paar Ausnahmen – ich warf einen schmunzelnden Blick zu meinem Gegenüber. „Irgendweilche besonderen Pläne für heute, von denen ich noch nichts weiss?“, fragte Jonas während dem Müsli-Löffeln. „Nö, aber wenn du willst können wir heute wieder etwas weiter ausreiten gehen. Ich würde gerne sehen, ob sie in Tewkesbury schon meine Lieblingskürbisse haben.“ „Klingt gut.“

      Ich machte mich mit Zira und Jacky auf in den Hauptstall, wo die meisten Jockeys bereits die Pferde aus den Boxen holten und zu putzen begannen. Sheela begleitete Jonas zum Nordstall. Gruppe drei war heute zuerst dran, bestehend aus Chiccory, Shades of Gray, Iskierka, Painting Shadows, Coulee, Sympathy und Winter. Ich selbst hatte vor in Gruppe vier mitzureiten, nämlich auf Gleam of Light. Während sich Gruppe drei vorbereitete, huschte ich zwischen den Pferden durch und machte die morgendliche Stallkontrolle. Ajith hatte so früh morgens natürlich noch nicht mit dem Misten begonnen, aber ansonsten sahen die Boxen einwandfrei aus und waren gut eingestreut. Gesunder Schlaf war schliesslich wichtig für Rennpferde. Raufutter hatten sie schon bekommen; Kraftfutter gab es erst nach dem Training. Wir wollten heute die ersten Vollblüter scheren, weshalb bei den Auserwälten bereits die passenden Decken vor den Boxen hingen. Wir begannen damit jeweils früh, weil die Rennpferde natürlich um einiges mehr schwitzten als die sonstigen Reitpferde und mit Winterfell zu lange trocknen mussten. Eine der Kandidatinnen für eine heutige Schur war auch Indiana. Sie lief zwar nicht mehr aktiv Rennen, wurde aber ziemlich fit gehalten für’s Military. Die rappfarbene Stute kaute an ihrer morgendlichen Heuration, während sie interessiert das Treiben im Stallgang beobachtete. Ich fragte mich beim betrachten ihrer dunklen Augen, ob die Stute wohl den Alltag auf der Rennbahn vermisste. Doch dann fiel mir ein, dass sie vermutlich gar nie richtig Rennen gelaufen war. Ich wusste nur von einem einzigen Rennen, bei dem sie gestartet war; dem Joelle-Galopp Maiden über 1400 Meter. Dabei war sie immerhin auf dem dritten Platz gelandet. Im Training mit den jungen Vollblütern, als wir sie für’s Military aufzubauen begannen, zeigte sie auch ein gewisses Talent, schien aber mit der Startmaschine nicht vertraut und brauchte einen Moment, um sich auf ihren Jockey einzulassen. Jedenfalls schaute mich Indiana zwischendurch erwartungsvoll an, als meinte sie, dass ich gleich ihre Box öffnen und sie halftern würde. Ich ging jedoch weiter und beendete meine Runde, bevor ich mich langsam aber sicher auch ans Putzen machte. Die erste Gruppe war inzwischen draussen und wärmte sich ein. Light grunzte begeistert, als ich bei ihm hielt. Er hatte sein Heu noch längst nicht fertig gefressen, schien aber bereits begierig darauf, die soeben aufgenommene Energie wieder zu verpuffen. Vielleicht freute er sich auch einfach über die Karotte, die ich ihm als Begrüssung brachte. Ich holte ihn aus seiner Box und band ihn in der Stallgasse an, dann begann ich mit Striegeln. Er spitzte genüsslich die Lippe, als ich beim Unterhals schrubbte. Als ich bei der Kruppe angelangte, kippte der ganze Körper plötzlich nach hinten und Light streckte sich genüsslich, gefolgt von einem ungeduldigen Scharren. „Are you ready now?“, lachte ich belustigt und wechselte auf die andere Seite. Nach dem Striegeln wischte ich sein Fell mit der Staubbürste ab und kratzte die Hufe aus, ausserdem sprayte ich etwas Glanzspray in das schwarze Langhaar und kämmte es gründlich durch. Nun sah Light wieder so aus, als würde er seinem Namen alle Ehre bereiten: Er glänzte von Kopf bis Fuss. Ich sattelte Gleam und bandagierte seine Beine, mit dem Zäumen wartete ich noch. Die anderen waren noch nicht ganz fertig, also alberten wir noch ein wenig herum. Light konnte auf Kommando Lächeln und seine Zunge rausstrecken. Während dem Warten versuchte ich ihn dazu zu bewegen, abwechselnd die Vorderbeine zu strecken. „Pass auf, dass er nicht zu betteln anfängt“, rief Jonas, der sich gerade unter Sundays Anbindekette durchduckte. „Nö, er kriegt nur was, wenn ich ihm ein Kommando gebe. Was gibt’s?“ „Ich wollte nur Bescheid geben, dass Darren, Alan und ich mit Rebel, Dod und Flint rausgehen“, erklärte er, und fügte mit einem Zwinkern an „nicht dass du mich suchst.“ „Pfft, als ob ich dich von allen Leuten vermissen würde“, neckte ich zurück, und gab ihm einen raschen Kuss. „Weisst du vielleicht gerade, wo Rita ist? Vielleicht will sie mit Calico mitkommen“, fragte er beim Gehen. „Die reitet in der letzten Gruppe mit, also könnte es noch knapp reichen – ich glaube ich habe sie vorhin bei der Sattelkammer vorne gesehen.“ Er hob die Hand, zum Zeichen, dass er verstanden hatte und verschwand wieder zwischen den Pferden. Inzwischen konnte ich zäumen und dann Light hinter Caspian und Fly rausführen. Ajith und Oliver gingen uns beim Aufsteigen zur Hand, sodass alle nach wenigen Sekunden oben sassen und losreiten konnten. Wir ritten schön in einer Reihe zum Galoppweg, wo wir uns wie immer im Trab aufwärmten. Die Pferde dieser Gruppe kannten den Ablauf ganz genau und wussten, als wir ans Ende der Runde kamen, dass sie gleich auf die Bahn durften. Die vorherige Gruppe verliess gerade die Bahn, also liessen wir sie rasch durch. Fly begann etwas unruhig zu werden und steckte Spot mit Zappeln an. Auch Light schaukelte vorne leicht in die Luft, doch ich stellte ihn nach links und ritt ihn im Schulter-Vor um die Kurve, um ihn ruhig zu halten. Das Gehampel war zwar nervig, aber andererseits wollten wir auch, dass die Pferde wach waren und eine gewisse Grundspannung hatten. Tatsächlich kamen wir heute auch beim Start hervorragend weg und ich klopfte Light rasch zufrieden auf den Hals, bevor ich mich auf die Bahn vor uns konzentrierte. Die einzige Stute in dieser Gruppe, Campina, zog übermütig an uns vorbei und ich fragte mich, ob Parker das mit Oliver so abgesprochen hatte. Später stellte sich heraus, dass sie die Stute eigentlich hatte bremsen wollen, aber zuerst etwas mehr Platz schaffen wollte.

      Nach dem anstrengenden Intervalltraining liessen wir die Pferde austraben und ritten sie zurück zum Hauptstall. Dort wurden sie abgesattelt und in den Freilauftrainer gebracht, damit sie sich noch trockenlaufen konnten. Ich gab auch Light beim ‚Karussell‘ ab und übernahm stattdessen Iskierka, um die inzwischen trockene Stute in ihre Box zurück zu bringen. „Hey Zicke“, murmelte ich liebevoll, als ich sie hinausführte. Sie hatte nur eines im Kopf: Ihr Kraftfutter, das bald in der Raufe liegen würde. Beim Tor wollte sie mich wiedermal überholen, obwohl wir das schon gefühlte 1000-mal geübt hatten. Das war einfach typisch Iskierka – egal wie oft man sie zu erziehen versuchte, sie war und blieb dominant und hatte Mühe sich unterzuordnen. „I know you’re hungry, but you have to wait even longer, if you keep it up like this”, sprach ich augenrollend aber geduldig. Ich wusste, dass es nichts brachte, sich über das Verhalten der Stute aufzuregen. Man kam schneller voran, wenn man schön ruhig blieb und ihr klare Anweisungen gab. Ich liess sie deshalb rückwärts wieder vom Tor weg weichen, dann versuchte ich es erneut, so lange, bis sie respektvoll blieb. Schliesslich durfte sie in ihre Box und sich über das restliche Heu von der ersten Fütterung hermachen, bis das Kraftfutter serviert wurde. Ich beobachtete noch, wie Gruppe zwei, bestehend aus Ciela, Kaythara, Sumerian, Frame, One Cool Cat und Cabby zum Aufsteigen geführt wurden. Frame röchelte leise, als er mich sah. Ich ging rasch zu ihm hin, streichelte ihn und half Quinn beim Aufsteigen. Bei ihr war der sensible Schecke in guten Händen, aber es konnten ihn noch immer längst nicht alle reiten. Als die Gruppe zur Bahn lief, wechselte ich zum Nebenstall. Ich liess zusammen mit Robin und David die Stuten auf die Weide unter der Stutenweide. Das Gras dort war wieder etwas üppiger geworden, weil wir sie lange geschohnt hatten, also mussten die vierbeinigen Rasenmäher ran. Damit es schneller ging zäunten wir wie immer den Weg ab und liessen die Pferdchen selber zur Weide laufen. Robin und ich öffneten die Boxen, während David sicherstellte, dass niemand unterwegs anhielt zum Fressen oder mit den anderen Stuten Zanken. Sika und Lychee trotteten sogleich aus ihrer Box und liefen zügig die Betonrampe runter auf den Kiesweg. Die anderen liessen sich mehr Zeit und wollten lieber schon unterwegs am Wegrand grasen. Als alle aus den Boxen waren, liefen Robin und ich den übriggebliebenen Stuten hinterher und trieben sie bis zur Weide. Bluebell, Sweets und Yoomee waren heute auch so mühsam vorwärtszubewegen. Als sie endlich alle durch das Weidetor getrabt waren, schlossen wir dieses und beobachteten amüsiert, wie Fake im Bluff-Hackney-Trab über die Wiese schwebte, weil die Stuten von der Offenstallweide zur Begrüssung an den Zaun gekommen waren. Parányi führte die Gruppe dann aber in eine andere Ecke der Weide, wo es anscheinend besseres Gras gab. Sie war im Moment wohl die Ranghöchste der Nebenstallstuten, wobei sie sich aber immer mal wieder mit Hallu zankte. Manchmal wusste ich gar nicht so recht, wer denn nun wirklich Chef war von den beiden.

      Auf dem Rückweg zu den Ställen begann mein Handy plötzlich hartnäckig zu summen. Erstaunt erkannte ich Rosies Nummer auf dem Display. “Hello?“ “Occu, I have a problem! The horses were stolen!“ “What!!?” Ich traute meinen Ohren kaum. “What do you mean they were stolen?” “They’ve disappeared from the barn!” “Whait – I’ll come over, inform the police!” Ich lief zügig zum Parkplatz und stieg in mein Auto. Auf der Wilkinson Farm angekommen, erzählte mir die aufgewühlte Rosie, dass sie vorhin in den Stall gegangen war, um die Pferde auf die Weide zu lassen; doch diese seien einfach spurlos verschwunden gewesen. Die Polizei, die eine Viertelstunde später ebenfalls eintraf, vermutete, dass die Pferde über Nacht aus den Boxen geholt und wegtransportiert worden waren. Sie befragten alle Anwesenden und suchten nach Spuren, doch weder Rosie, noch ihr Angestellter Lucas Gordon hatten etwas mitbekommen. Ausserdem waren die Diebe anscheinend ziemlich professionell vorgegangen und hatten kaum Hinweise zurückgelassen. Besorgt und ruhelos wanderte Rosie auf dem Hof herum, trotz meiner Versuche, ihr einzureden, dass die Polizei die Pferde schon finden würde. „If they took them in the middle of the night they could already be who-knows-where!” Darauf wusste ich nichts zu erwiedern. Nachdenklich sah ich mich auf dem Hof um. Irgendeinen Hinweis muss es doch geben… Aber Natürlich war ich auch nicht schlauer als die Beamten, die ihren Job sehr gründlich auszuführen schienen. Im nächsten Moment fiel mir jedoch eine Bewegung im Augenwinkel auf, weiter hinten bei der Reithalle. „Over there! That is… Islah!?“ Rosie und ich hasteten sofort in die entsprechende Richtung. Da stand sie, die braun gescheckte Araberstute – friedlich am Wegrand grasend, als wäre nichts geschehen. Rosie näherte sich ihr langsam. Die Stute schien unversehrt. Als ich mich auf den Weg machen wollte, um ein Halfter zu holen, fand ich im halbhohen Gras ein schwarzes solches liegen, mitsamt Führstrick. Der Backenverschluss war jedoch abgerissen. Ich fasste es nicht an, damit die Beamten, die sich erst näherten als sie sahen, dass Islah bei Rosie blieb, es unverändert untersuchen konnten. „Looks like someone tried to use this, but it broke and the horse got away”, schloss einer der Polizisten. “What a clever girl, Islah!“, rief Rosie aus und umarmte die Stute, die mittlerweile ein intaktes Halfter, von Lucas gebracht, trug. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, wie das ganze abgelaufen sein musste: vermutlich hatten die Diebe ein Pferd nach dem anderen unter Zeitdruck rausgeführt und verladen. Da Islah jedoch überhaupt nicht gerne einstieg und jeweils ordentlich rumzicken konnte, wenn es auch nur schon auf einen Anhänger zuging (erst recht mit fremden Leuten, malte ich mir aus), hatte sie sich wohl reingehängt und das Halfer zerrissen. Danach musste sie es irgendwie geschafft haben, ganz daraus zu schlüpfen und so zu entkommen. Vermutlich hatten sich die Diebe gar nicht die Mühe gemacht, der Stute hinterherzujagen, sondern stattdessen rasch die anderen Pferde verladen und weggebracht. In diesem Fall war ihr eigener Sturkopf der Stute zugute gekommen. Rosie und ich brachten Islah in ihre einsame Box und brachten ihr eine ordentliche Portion Heu, um sie abzulenken. Sie begann nämlich nach den anderen zu rufen, als sie bemerkte, dass sie weg waren. Vielleicht ist sie auch empört und denkt, die anderen seien auf der Weide, während sie in den Stall muss, überlegte ich stirnrunzelnd. Jedenfalls musste sie nun erstmal so ausharren, bis ihre Kollegen wieder auftauchten. Wenn sie denn wieder auftauchen, dachte ich missmutig. Wir sahen uns nun noch angestrengter um, falls noch ein Pferd entkommen sein sollte. Vielleicht Numair – er ist ja auch nicht immer leicht im Umgang. Oder Bintu… Doch leider fanden wir nichts Weiteres. Die Polizei schickte trotzdem noch Suchtrupps ins nahe Gelände. Schliesslich blieb mir nichts anderes übrig, als zurück auf meinen eigenen Hof zu wechseln und abzuwarten. Ich erzählte Jonas und den bereits neugierigen Pflegern was passiert war. Alle diskutierten angeregt und suchten parallelen zu anderen Pferdediebstählen in der Region. Bis plötzlich Lewis bemerkte „Speaking of disappearance – has anyone seen this Leech-guy since mornin‘?“ Es wurde still und alle schienen angestrengt nachzudenken. Lisa war die erste, die die Stille brach. „…actually I have not seen him today at all.“ Die anderen nickten langsam, und auch ich schloss müde die Augen, als es mir dämmerte. Dieser Mistkerl! Ich hatte ihm gleich am ersten Tag sogar noch brav die Wilkinson Farm gezeigt, sodass er wunderbar hatte abchecken können, wie die Infrastruktur war und wo man sich am besten Zugang verschaffte. „Ich bin so ein Idiot…“, murmelte ich enttäuscht. „Sei nicht zu hart mit dir; woher hättest du den wissen sollen, dass er ein Krimineller ist? Sogar ich fand ihn nett“, tröstete mich Jonas. Auch die Pfleger schienen fassungslos, denn Leech war immer anständig und freundlich rübergekommen. Das war wohl alles geschauspielert, stellte ich fest.

      Ich meldete die Entdeckung der Polizei und gab alle Infos weiter, die ich von dem Verdächtigen hatte. Natürlich stellte sich heraus, dass der Name und die Identität gefälscht waren und der Typ jemand ganz anderes sein musste, als er vorgegeben hatte. Wenigstens kannten wir sein Aussehen, was ein guter Anfang war. Die folgenden Tage waren für mich quälend lang und ich wartete sehnsüchtig auf Fortschritte bei der Fahndung.
      12 Okt. 2017
    • Calypso
      Alte Pflege-, Tierarzt-, Hufschmied-, und Trainingsberichte
      [​IMG] Distanz L-M
      Unbroken Soul of a Rebel, Drømmer om Død, Flintstone, Lovely Summertime, Feline, PFS’ Ljúfa

      Vor uns lag ein ausgiebiges Distanztraining in herbstlichen Temperaturen und mit voraussichtlich dem ein oder anderen Regenschauer. Ich packte deshalb vernünftigerweise eine Regenjacke mit in die Satteltaschen von Rebel. Der gescheckte Hengst war bereits sauber geputzt, mit Gamaschen ausgerüstet und mit einer Kombination aus Knotenhalfter und darüberliegendem gewöhnlichem Snaffle Bit gezäumt. So konnte ich ihn unterwegs anbinden, wenn es sein musste. Das Führseil hatte ich um das Sattelhorn seines Westernsattels gelegt. Ich checkte noch einmal den Sitz der Gamaschen, ehe ich aufstieg. Ich wollte, dass sie nicht zu eng waren, aber sie durften ja auch nicht verrutschen während des Ritts. Jonas schien auch fertig zu sein. Er führte Flint zu uns herüber. „Ready?“ „Jup.“ „Almost!“, kam es von weiter hinten aus dem Nordstall gerufen. Die Stimme gehörte zu Linda, die Dod gerade noch das Knotenhalfter anzog und die Zügel aus dem langen Führseil knotete. „Now we’re good to go“, erklärte sie, als sie kurz darauf zu uns stiess. Wir führten die drei Hengste raus und trafen uns vor den Weiden mit Jason, Lewis und Lisa. Feline, Summer und Ljúfa sahen ebenfalls sauber und fit aus. „Everyone got a rain jacket? It’s probably gonna pour down on us halfway to Llanandras.” “How lucky that not all of us have to go all the way there”, bemerkte Lewis schelmisch. “Well, I’m sure it’s gonna rain enough on the way to Burford already, so you’ll get your share, too.” Wir hatten verschiedene Etappen vor uns, denn nicht alle sechs Pferde waren auf dem gleichen Trainingsstand. Es war so aufgeteilt, dass wir drei Zweiergruppen hatten, die ungefähr 50 km, 70 km und 90 km absolvierten. Ich war mit Rebel in der Gruppe, die nur bis zur ersten Etappe ritt. Uns begleiteten Ljúfa und Lisa. „Okay guys, let’s start. It is 8 o’clock, our target is to reach Llanandras at around ten.” Wir setzten uns in Bewegung. Der Weg führte uns durch den Pinienwald nach Westen. Irgendwann ging der Nadelige Wald in den Wyre Forest über, dann stiessen wir schliesslich auf offene Wiesen, in einer relativ flachen Landschaft. Wir mieden Strassen so gut es ging und hielten uns an Feldwege oder sogar Wanderwege. An manchen Stellen konnte man auch einfach über Felder reiten, aber selbstverständlich nur, wenn diese nicht angesäht waren. Die Pferde waren am Anfang etwas angespannt, als wir bekanntes Ausreitgebiet verliessen. Mit der Zeit entspannten sie sich aber wieder – das lag wohl auch daran, dass sie so viel Bewegung bekamen und in waiser voraussicht ihre Energie nicht allzu verschwenderisch einsetzen wollten. Bis Bickley hielt das Wetter und es war bloss bewölkt dunstig; doch dann begann es zu tropfen und wenig später waren wir durchnässt. Das dämpfte die Stimmung natürlich etwas, aber wir setzten den Ritt nichts desto trotz fort. „I’ll need a good piece of chocolate after this“, motzte Jonas mürrisch. Die Pferde störte das Wetter weniger. Sie behielten die Ohren aufmerksam nach vorne Gerichtet und genossen die Landschaft. Rebels nasses Fell kräuselte sich bei seinem Mähnenansatz. Ich betrachtete die dunklen Haare nachdenklich und kraulte kurz seinen nassen Hals. Es war herrlich still und man hörte nur das Rauschen der Regentropfen auf den Gräsern, oder das gelegentliche Vorbeifahren eines Autos auf einer der Strassen in der Nähe. Ich kam nicht umhin zu lächeln – irgendwie fühlte ich mich trotz des Regens richtig wohl. Jonas ritt direkt neben mir. Flint wirkte zufrieden. Er schritt fleissig vorwärts, obwohl wir schon über zwanzig Kilometer hinter uns hatten. Er war aber auch den ganzen Sommer hindurch auf ausgiebigen Trail Rides gewesen und hatte genug Gelegenheit bekommen, seine Ausdauer zu trainieren. Rebel dagegen war mehr im Reining gefördert worden, sodass er zwar viel Kraft, aber weniger Kondition hatte. Jonas bemerkte mein gedankenversunkenes Lächeln und sah mich liebevoll schief an. Wir tauschten einen Blick aus, dann unterbrach Lewis die Stille. „I can see Burford. We’ve made it to our first stage. And on time, too.” Ich warf einen Blick auf mein eigenes Smartphone. Es war fünf nach zehn. „Nice.“ Wir ritten noch ein Stück weiter, dann trennten sich unsere Wege. Lisa und ich ritten zurück, während die übrigen kurz pausierten und dann ihren Weg fortsetzten. Ich lehnte mich zu Jonas für einen flüchtigen Abschiedskuss. Flint fand die Nähe zu Rebel nicht ganz so toll und legte die Ohren an, aber bevor etwas passieren konnte, gingen Rebel und ich schon wieder auf Abstand. „Have a safe ride.“ „You too.“

      Der Rückweg kam mir irgendwie länger vor, obwohl wir beinahe dieselbe Route nahmen. Damit es nicht zu langweilig wurde, wichen wir natürlich auf andere Wege aus, aber laut Google Maps war die Distanz in Kilometern etwa dieselbe. Ljúfa schien froh, als Pineforest in Sichtweite kam. Die Isistute dampfte im kalten Regen. Für sie war es doch noch ein anstrengendes Stück Arbeit gewesen. Wir sattelten die beiden ab und zogen ihnen Fleecedecken an. Als ich mit Rebel im Nordstall fertig war, ging ich zu den Weiden, um zu sehen wie weit Lisa war. Es regnete noch immer unbarmherzig, also zogen wir uns ins Pflegerheim zurück und gönnten uns eine Tasse Tee. Ich sah zwischendurch auf mein Smartphone, denn Jonas hatte versprochen zu schreiben, wenn sie die nächste Etappe erreichten. An Orleton waren sie schon vorbei, das bedeutete, dass sich auch Dod und Summer mittlerweile auf dem Heimweg befanden. Jonas schickte mir eine Dreiviertelstunde später ein Selfie von Jason und sich, mit der Überschrift „We arrived in Wales, wet and sound“. Gegen zwei Uhr kamen Lewis und Linda auf Pineforest an und wir halfen ihnen, die durchnässten Pferde und Ausrüstungsgegenstände zu versorgen. Danach kümmerten wir uns um die üblichen Stallarbeiten, bis auch die letzten beiden Abenteurer um halb vier Uhr zurück waren. Ich empfing die beiden und half abermals beim Versorgen der Pferde mit. Flint schien noch immer fit und munter. Auch Feline sah man den langen Ritt kaum an – naja, man konnte wegen des regennassen Fells auch kaum erkennen, ob und wie viel sie geschwitzt hatte. Aber etwas feucht war die Sattellage schon, als wir ihr den Westernsattel abnahmen. Die Pferde bekamen wie auch die vorherigen vier ihre Belohnungsäpfel, die sie genüsslich zu Brei zermantschten. Und den Reitern wurde selbstverständlich auch eine wärmende Tasse Tee serviert. Für Jonas gab es sogar ein Stückchen Schokolade dazu.
      31 Okt. 2017

      Schnee, soweit das Auge Reicht
      Drømmer om Død, Baccardi, Donut, Burggraf, White Dream, Phantom, Matinée, Daedra, PFS’ Whirlwind, PFS‘ Challenging Time, PFS‘ Call it Karma, PFS‘ First Chant, Halluzination, Empire State of Mind, Caspian of the Moonlightvalley, Fake xx, Rapunzel, Dakota S, PFS’ Simply Priceless, PFS’ Cupid, PFS‘ Cranberry, PFS‘ Clooney, PFS‘ Skydive, PFS’ Soñando Solas

      Erstaunt klappte mir der Mund auf, als ich an diesem Morgen die Vorhänge des Schlafzimmerfensters öffnete. Pineforest Stable war wieder mit einer etwa zehn Zentimeter hohen Schicht Weiss glasiert. Gestern war doch noch alles grün und bloss verregnet! Es hatte zwar schon ein paarmal geschneit, aber nie richtig angesetzt, und die letzte Schicht war total verregnet worden. Irgendwie gab mir der Anblick der pulvrigen Flocken einen Energieschub, also zog ich mich rasch um und lief fröhlich die Treppe runter, während Jonas noch verschlafen murrte. Ich machte mir eine Schüssel Müsli, dann zog ich mich winterfest an und stapfte raus in den Schnee. Es schneite immer noch leicht und man sah nicht besonders weit. Ich erspähte durch das Küchenfenster Jonas, der mittlerweile auch aufgestanden war. Ich lauerte ihm neben der Haustür mit einem grossen Schneeball auf. Als er rauskam und den Ball angeworfen bekam, sah er mich zuerst mit hochgezogenen Augenbrauen an, dann stürzte er sich auf mich und legte mich in den Schnee. Der Lärm den wir veranstalteten mit Lachen und schreien zog die Aufmerksamkeit der Pfleger auf uns, die gerade vom Pflegerheim rüberkamen. "Don't kill eachother", sagte Lewis im Vorbeigehen. Ich richtete mich auf und klopfte mir den Schnee von den Kleidern, gleich wie Jonas. Wir liefen den Pflegern fröhlich plaudernd hinterher zum Hauptstall, starteten die Morgenrunde und führten sie über den ganzen Hof fort. Soweit war alles im Lot und die Pferde warteten hungrig auf ihr Frühstück. Das Galopptraining der Vollblüter fand heute nicht statt, denn sonntags stand alternatives Training auf dem Plan. Also machte ich mich direkt auf den Weg in den Nordstall, wo ich Burggrafs Putzsachen aus dem Schrank nahm. Ich halfterte den Achal Tekkiner Schecken und band ihn in der Stallgasse an. Die Lampen im Nordstall erleuchteten die sonst noch düstere Morgenstimmung und tauchten das schön gemusterte Holz in honigfarbenes Licht. Zusammen mit dem Schnee draussen vor den Fenstern entstand eine richtig gemütliche Stimmung. Ich striegelte Burggraf gründlich durch, wobei er bei der Brust vorne die Ohren leicht anlegte - offenbar war er verspannt vom gestrigen Distanztraining. Ich massierte und lockerte ihn mit den Methoden die ich kannte und stellte auch eine Besserung fest. Nach dem Hufeauskratzen zog ich seine Beine nach vorne, um sie zu dehnen. Danach wirkte er wirklich zufriedener. Sein sonderbar geschecktes Fell glänzte im Schein der Lampen und war schön glatt, also konnte ich nun satteln. Ich legte einen passenden Springsattel auf den Rücken des Hengstes und gurtete ins erste Loch. Dann zäumte ich ihn mit einem gewöhnlichen englischen Zaum und führte ihn in die Halle. Er lief zügiger neben mir her, als er die anderen Pferde sah, die bereits warmgeritten wurden. Ronja, seine Halbschwester, war auch dabei und wurde von Lisa bewegt. Der Hengst brummelte ihr zu, als wir sie kreuzten, benahm sich aber sonst. Ich führte ihn zur Aufstieghilfe, weil ich zu faul zum Hochklettern war. Danach ritt ich ihn im Schritt warm. Wir machten ein paar Dressurübungen, arbeiteten an der Anlehnung und am gleichmässigen Takt. Weil schon ein paar Hindernisse bereitstanden, nutzte ich die Gelegenheit und machte zu Ende des dank dem Radio musikalisch begleiteten Trainings noch ein paar Übungssprünge. Danach liess ich Burggraf austraben und ritt ihn einige Runden Schritt. Lisa und Ronja wagten sich neben uns, damit wir plaudern konnten. "Ich brauche einen neuen Stallnamen für Burggraf. 'Muffin' passt einfach überhaupt nicht zu ihm, und Namen wie 'Burg' oder 'Grafi' klingen schrecklich...", sagte ich stirnrunzelnd. Lisa meinte lachend: "Du kannst ihn ja 'Burger' nennen, oder 'Grafitti'." Ich stiess ein trockenes "Ha Ha" aus. "Schon gut, ich weiss. Hmm, er ist ja von der Namensbedeutung her sowas wie ein Adeliger. Wie wäre daher 'Royal'?" "Aber wir hatten schonmal einen Royal... Andererseits würde das wieder zu Ronja passen..." "Es wäre perfekt für ihn, so stolz wie er immer ist." "Stolz, hmm. Wie wäre Pride? ...Nee, das klingt doof. Na gut, dann wird es wohl Royal, es sei denn mir fällt noch was Besseres ein." Plötzlich schien Lisa eine Blitzidee zu haben. "Aristo? Kurz für aristocrate?" "Klingt gut! Und passt zu Artemis. Ist gekauft." Zufrieden klopfte ich dem Schecken auf den Hals. "So, Aristo. Oh mann, daran werd ich mich erst gewöhnen müssen... Dann wollen wir dich mal versorgen."

      Ein Auto fuhr auf den Parkplatz, als ich aus dem Nordstall kam. Ich erkannte, dass es sich um Interessenten für Donut handeln musste. Ich hatte den Ponyhengst schweren Herzens zum Verkauf ausgeschrieben, um Platz für andere Pferde zu schaffen. Das klang vielleicht etwas herzlos, aber zum Leben als Gestütsbesitzerin gehörte auch das gelegentliche Verkaufen von Pferden, die einfach nicht mehr so recht dazu passten. Pineforest Stable ohne Donut war für mich noch schwer vorstellbar, aber es gab mittlerweile so viele gute Nachwuchspferde auf dem Markt, die für die Reitponyzucht wertvoll wären, dass ich mich entscheiden musste. Ich hatte Skydive als zukünftigen Zuchthengst, und ich hatte letztens auf einer Schau einen unglaublich schicken Nachkommen von Baccardi entdeckt, aus einer Stute mit wertvollen Blutlinien. Aber ich konnte nun mal nicht immer nur Pferde anschaffen. Jedenfalls begrüsste ich die Familie (es waren ein Mann, dessen Frau und eine 15 jährige Tochter) und führte sie zu Donuts Box. Das Mädchen hatte Ambitionen für den Springsport und brauchte ein talentierteres Pony als ihr bisheriges, um weiter aufsteigen zu können. Da war sie bei dem gut ausgebildeten Donut an der richtigen Adresse. Sie schien auf Anhieb begeistert von dem Pony und wollte ihn probereiten. Also holten wir ihn aus seiner Box, putzten ihn und führten ihn in die Halle. Schon beim Warmreiten bemerkte sie, dass er schön ruhig war, obwohl es draussen wieder zu schneien begonnen hatte und er sie nicht kannte. Auch im Verlaufe des Probereitens schienen die beiden zu harmonieren. Ich sprach den Vater bezüglich des Preises an, wir einigten uns schliesslich bei einer Tasse Tee im Haus. Sie wollten noch eine Ankaufsuntersuchung machen, und wenn diese gut ausfiel, waren sie mit dem Kauf einverstanden. Ich informierte die drei noch wegen Donuts gelegentlichem Headshaking Problem, welches zwar kaum mehr auftrat, aber bei grosser Aufregung manchmal doch noch zum Vorschein kam. Als ich die Leute verabschiedete, war zu meiner grossen Freude herausgekommen, dass Donut vermutlich als Pensionär auf Pineforest Stable bleiben würde. Denn die Familie war mit dem alten Reitstall unzufrieden und fand die Infrastruktur auf Pineforest toll.
      Zurück im Nordstall versorgte ich noch Donuts Putzsachen im Regal neben dem Eingang und checkte, ob der Hengst unter seiner Fleecedecke noch feucht war. "Du wirst tolle neue Leute bekommen, und kannst sogar hier bleiben. Ist das nicht super?" Er nuschelte zufrieden in seinem Heu herum und ich liess ihn in Ruhe.

      Bei den Offenställen traf ich Linda Ashton, eine der neueren Pflegerinnen, mit denen ich noch nicht ganz so viel zu tun gehabt hatte. Sie war eine gute Freundin von Jason und kümmerte sich mit Lewis zusammen unter anderem um die Miniature Horses und Fohlen. Ich nutzte die Gelegenheit, um mal ein wenig mit ihr zu plaudern und schnappte mir eine zweite Mistgabel. Wir tauschten das alte Stroh aus dem Mini-Stuten-Offenstall ganz aus, denn es war langsam nicht mehr so frisch, und füllten neues ein. "Which one of the miniature horses do you like the most?", begann ich unseren Small Talk. "Probably Queenie, because she has beautiful eyes and such a friendly character." "That's true. Mine is Daki, but I really love all of them. It always hurts whenever a Horse has to go, just like this morning..." "Who had to go?" "Donut, I sold him - well, not yet, but it's almost decided." "That's sad to hear... I like those riding ponies, they have a good size. Since I'm not the tallest, it's easier to get on them." "I will sell Baccardi as well, but I'll buy a son of him - at least if everything works out the way I planned." "You'll sell Bacci, too? Hmm..." " Hmm?" "Well, I was looking into buying a pony for myself not so long ago... I mean, it's nice to ride all the horses here, but it's just different to really own one." "Hey sure, think about it. I would gladly sell him to you if you'd like to have him. That way he too could stay here." Sie nickte fröhlich und hievte die letzte Ladung Stroh in den Offenstall, dann versorgten wir Schubkarre und Gabeln. Ich sah auf meine Armbanduhr und beschloss, White Dream schon jetzt zu bewegen, damit ich später mehr Zeit für Phantom hatte. Ich holte die Putzsachen der New Forest Stute, begab mich in den Nebenstall, halfterte sie und band sie auf der Terrasse des Stallgebäudes an. Sie hatte etwas schlammige Beine und ein paar Dreck-Rastas, war aber dank der Regendecke sonst sauber geblieben. Ich striegelte und bürstete sie gründlich durch, kämmte das Langhaar, kratzte die Hufe aus und führte sie anschliessend noch rasch zum Waschplatz, um die Beine sauber zu bekommen. Sie zog den Bauch ein, als das Wasser hochspritzte; das mochte sie nicht so. Ich lobte sie für's trotzdem Stillhalten und brachte sie zum Satteln zurück. Ich wählte zuerst ihren schwarzen Springsattel aus, entschied mich dann aber doch um und beschloss, heute nicht ernsthaft zu trainieren. Das Resultat war, dass ich sie ganz ohne Sattel und nur im Knotenhalfter zur Halle führte. Ich parkierte sie vor ein Cavaletti und stupste sie, damit sie ihre Hinterhand noch ein wenig näher rückte. Dann legte ich vom Cavaletti aus ein Bein über ihren Rücken und zog mich mit Hilfe der Mähne rüber. Weil ich ohne Unterlage auf ihrem Rücken sass, hatte ich sofort einen schön warmen Po. Ich ritt sie im Schritt warm, wobei ich kleine und grosse Volten machte. Nach einer Weile testete ich auch ihre Seitengänge und verlangte Schenkelweichen. Ich achtete auf die Biegung der Ponystute. Traben war nicht so bequem, aber im Galopp konnte ich Ihre Gänge gut aussitzen - also drehte ich einige Runden. Auch über Cavaletti sprangen wir, ohne dass ich das Gleichgewicht verlor. Am Ende übte ich zum ersten Mal spanischen Schritt mit Reiter mit ihr. Dream kannte die Zirkuslektion vom Boden aus, also konnte ich mit einer Gerte touchieren und dazu das entsprechende Bein als Optische Hilfe selbst ausstrecken. Am Boden zeigte ich nämlich die Bewegung auch jeweils mit meinen Beinen vor. Am Anfang verstand sie nicht ganz, was ich von ihr wollte. Sie machte versuchsweise ein paar Schritte rückwärts, denn als Hilfe dafür nahm ich ohne Sattel manchmal auch beide Beine nach vorne zu ihrer Schulter. Als ich sie weiter unten antippte, begriff sie scheinbar und stampfte, vielleicht war es auch eine Frustrations-Reaktion gewesen. Ich lobte die Bewegung jedenfalls sofort und versuchte es erneut. Zufrieden stellte ich fest, dass Dream immer mehr ausprobierte, bis wir drei Schritte am Stück schafften. Das war mir für den Anfang genug, also rutschte ich von ihrem Rücken und kraulte die stolz am Hals.
      Als nächstes war Phantom dran. Der Mustang hatte ein dichtes Winterfell entwickelt und war wie so oft ziemlich schlammig-nass als ich die Weide betrat. Er sah mir zuerst misstrauisch entgegen, beschloss dann aber doch in die Nähe zu kommen und sich einfangen zu lassen. Es gab auch Tage, an denen er lieber auf der Weide bei 'seiner Herde' bleiben wollte - dann lag jeweils ein viertelstündiges Fangspiel vor mir, das ich mit geschicktem draw und release lösen musste. In jedem Fall musste ich mir im Umgang mit dem ehemaligen Wildpferd sicher sein was ich wollte, denn wenn ich zögerte, nahm er mir gerne die Entscheidung ab, auch beim Reiten. Ich zog ihm sein blaues Halfter über und band ihn im Offenstall an. Dann putzte ich Phantom gründlich durch. Im Gegensatz zum Anfang mochte er das Striegeln und Bürsten jetzt richtig gerne und spitzte auch öfter mal genüsslich die Oberlippe. Manchmal versuchte er auch, die Geste zu erwidern, was für mich nicht immer ganz so angenehm ausfiel. Aber er meinte das ja nicht böse, sondern wollte einfach seine Beziehung zu mir pflegen. Er akzeptierte mich (wenn ich nicht zu abgelenkt war) auch willig als Leader und traute sich dadurch auch an für ihn sehr unheimlichen Dingen vorbei, wie zum Beispiel Traktoren. Ich war immer ein wenig auf der Suche nach Herausforderungen für Phantom, damit er davon lernen und daran wachsen konnte. Solch eine Herausforderung bot sich heute in Form eines Schneepflugs, der uns wenig später beim Ausreiten kreuzte. Ich bat den Fahrer, den ich aus der Nachbarschaft kannte, per Handzeichen zum Anhalten und fragte ihn rufend, ob ich mit dem Rappen rasch das Gefährt inspizieren durfte. Er war einverstanden und ich konnte Phantom das 'Monster' mit der Schnauze untersuchen lassen. Es dauerte zwar einen Moment, bis er sich nahe genug heran traute, aber dann beschloss er, dass das Gefährt zwar unheimlich, aber nicht lebensbedrohlich war. Ich bedankte mich und wir ritten in einem zügigen Schritt weiter. Phantom war sehr aufmerksam im Gelände. Seinen dunklen, scharfen Augen entging keine Bewegung, wodurch er auch ab und zu zusammenzuckte. Das machte mir nichts aus, solange er bei mir blieb und sich wieder beruhigte. Ich ritt ihn immer im Knotenhalfter oder Bosal. Das Gebiss kannte er zwar, aber er lief einfach viel entspannter ohne. Wir galoppierten über die Galoppwiese zurück Richtung Pineforest. Das dumpfe Geräusch seiner Barhufe auf dem Boden wurde durch den Schnee gedämpft. Plötzlich rutschte er hinten etwas - als Reaktion darauf grunzte er und machte einen Buckler. Ich musste lachen und richtete mich wieder auf. Sowas machte mir nichts aus, denn es war ja nicht böse gemeint gewesen und ich hatte es locker aussitzen können. Vor der Rennbahn bremste ich Phantom zurück in den Trab und ritt ihr entlang bis zum nächsten Übergang ins Innere des Hofes. Die Minis durften mal wieder frei auf dem Hof herumlaufen; ich entdeckte sie in der Nähe des Roundpens. Daki und Chip zickten einander gerade an, wobei ich bei genauerem Hinsehen erkannte, dass sie nur spielten. Ich steuerte Phantom zur Stutenweide, um ihn wieder in seine Herde zu entlassen. Er schüttelte sich, als ich den Sattel von seinem Rücken zog. Ich war stolz, dass er nicht gleich davon lief, als ich ihm das Halfter nach dem Durchbürsten abzog, sondern mich noch einen Moment lang fragend ansah. Sobald ich zum Abschied seine Kruppe tätschelte, machte er sich aber mit gesenktem Kopf auf den Weg zu seinen Stuten und begann, die Schneedecke nach gefrorenem Gras zu durchstöbern.

      Um viertel nach eins assen wir, danach wollte ich, wie ich es beim Frühstück versprochen hatte, mit Lily ausreiten gehen. Ich holte Hallu aus ihrer Box und bürstete das hellrote Fell ausnahmsweise nur rasch durch. Sie war sowieso sauber, weil sie auf der Weide eine Decke trug und geschoren war. Lily nahm für den Ausritt Fake - sie hatte ja noch immer einen Pakt mit Jonas, dass sie das Pony gegen etwas zusätzliches Taschengeld für ihn bewegte. Fakes Fell glänzte, als würde sie gleich zu einer Show gehen. Ich strich mit der Hand über ihre Kruppe und lächelte kopfschüttelnd. "Jonas hat dich wohl wiedermal mit Weichspüler bearbeitet." Wir sattelten die beiden Stuten. Als wir losreiten wollten, kam Lisa herbeigeeilt. "Haaalt, könnt ihr noch fünf Minuten warten? Ich muss Dod nur noch satteln..." Ich warf einen Blick zu Lily und nickte, als ich die Zustimmung des Mädchens hatte. Wenig später zockelten wir also zu dritt ins Gelände, begleitet von Sheela und Zira, die ich während dem Warten herbeigerufen hatte. Jacky lag drinnen vor der Heizung und schlief, daher liess ich sie in Ruhe. Sie war ja auch den ganzen Morgen im Schnee herumgehopst. Wir trabten unter Schneebedeckten Pinien und galoppierten über zwei Felder - es machte wahnsinnig Spass, wie der Schnee dabei aufflog und dem Hinterherreitenden ins Gesicht spickte. Auf dem Rückweg begann es auch noch wieder zu schneien, sodass wir wie in einem Märchen durch das Schneegestöber stapften. Dod wurde etwas übermütig und Machte einen Bocksprung, als wir zum letzten Mal angaloppierten. Wir brachen in Lachen aus, weil Lisa darauf nicht gefasst gewesen war und beinahe auf dem Hals des Criollos zu sitzen kam. Danach trabten wir noch ein Stück, ehe wir in gemütlichem Schritt zurück auf den Hof steuerten.
      Die Pferde mampften zufrieden ihre Karotten, während wir die Ausrüstung wegräumten. Lily verschwand mit den Hunden irgendwohin zum Schlittenfahren (ich hatte vernommen, dass sie sich mit Suri traf), ich hingegen bewegte im Verlaufe des Nachmittags noch Empire und Caspian. Um fünf Uhr, als es bereits immer dunkler wurde, machte ich ausserdem noch etwas Führtraining mit den Stutfohlen. Daedra war dabei ganz schön frech und drängelte dauernd. Sie war ja jetzt die Älteste in der kleinen Herde und hatte daher ganz schön viel Selbstvertrauen entwickelt, wo sie doch die anderen immer herumscheuchen konnte. Whirlwind sah lieber abgelenkt in der Gegend herum, anstatt sich auf mich zu konzentrieren. Karma war brav wie ein Lamm, aber ein elender Angsthase, und Chime hatte heute irgendwie den Schneckengang drin. Besorgt untersuchte ich, ob sie Fieber hatte oder sonst irgendwie gesundheitlich angeschlagen war, aber ich konnte nichts Aussergewöhnliches feststellen. Sie sieht einfach im Vergleich zu den anderen Fohlen so schmal und knochig aus... Ich hatte mal gehört, dass magere Pferde "fauler" waren, weil sie weniger Energie verpuffen wollten. Machte ja auch irgendwie Sinn. Aber wir schafften es nun mal einfach nicht, Chime anständig aufzufüttern, aufgrund ihrer Darmprobleme. Sie schien Lebensfreude und alles zu haben, aber manchmal fragte ich mich, ob sie nicht doch irgendwelche Schmerzen hatte und gequält war. Ich hatte mich mittlerweile auch von dem Gedanken verabschiedet, sie jemals als Rennpferd einsetzen zu können, denn wenn sie zu wenig Energie hatte und zu schwach war, machte es überhaupt keinen Sinn, ihren Körper der grossen Belastung dieses Sports auszusetzen. Die Tierärztin hatte mich auch schon gewarnt, dass die Kleine im Falle einer Krankheit vermutlich schlechte Chancen hätte, aufgrund ihres allgemeinen Zustands. Deshalb musste sie auch konsequent eine Decke tragen und die Pfleger brachten sie nach einem überraschenden Regenschauer manchmal extra unters Solarium im Hauptstall zum Trocknen. Trotz dem Aufwand ohne zu erwartendem Ertrag, kam es für mich nicht in Frage, die Kleine in andere Hände zu geben - sie war mir zu sehr ans Herz gewachsen, und ich hatte Angst, dass sie anderswo die nötige Pflege nicht bekommen könnte. Ich kraulte das schneeweisse Stutfohlen traurig am Widerrist und zog ihr das Halfter aus - sie war ja brav gewesen während den Führversuchen.
      First Chant war das krasse Gegenteil. Das dunkelgraue Araberfohlen stolzierte über die Weide, bog elegant den Hals und preschte von Zeit zu Zeit nach künstlichem Erschrecken mit eingestecktem Schweif durch den Schnee. Einfangen lassen kam nicht in Frage, sie wollte lieber mit mir spielen und sich hinter den anderen verstecken, sobald ich zu nahe kam. Augenrollen hielt ich an und machte eine Verschnaufpause, denn im Schnee war das ziemlich anstrengend. Dann tat ich so, als wollte ich zu Daedra gehen. Als Chant den Trick durchschaute und sich wieder aus dem Staub machen wollte, konnte ich sie in einer Ecke ausbremsen, weil ich nahe genug dran war. In dem ich in dem Moment, als sie mir den Kopf zuwandte, einen draw machte, konnte ich sie schliesslich zu mir locken. Das Führen danach klappte ganz anständig, zu meiner Überraschung. Cranberry war ganz angenehm; sie schien interessiert bei der Sache, als wäre das Training eine willkommene Abwechslung. Im Anschluss sah ich auch bei den Hengstfohlen nebenan vorbei. Cupid wollte wiedermal lieber seinen Kopf unter meinen Arm stecken, als ernsthaft mitzumachen. Simply war ein Musterschüler, wie fast immer. Der bunt gesprenkelte Jungspund reagierte bereits fein und folgte auch ohne doppelte Aufforderung brav am Strick. Ich machte einen Slalom um die Bäume auf der Weide und entliess ihn dann wieder. Clooney war zögerlich aber anständig. Zuletzt spielte ich das Ganze mit Solas durch, der einfach jetzt schon so Muskelbepackt wie ein Quarterhorse schien. Vielleicht war er auch einfach nur fett, aber dagegen sprach der im Verhältnis zu dünn geratene Hals.

      So langsam ging ich ins Haus, um das Abendessen vorzubereiten und noch ein bisschen Papierkram für die kommende Woche zu erledigen. Dabei handelte es sich vor allem um Nennungen für Turniere und Finanzen. Ich konnte es aber nicht lassen, auch noch ein wenig am PC zu surfen. Irgendwann besuchte ich auch die Website einer amerikanischen Wildpferderettungsorganisation, an die ich, seit Phantoms Kauf, immer mal wieder ein wenig spendete. Es waren viele neue hübsche Mustangs ausgeschrieben, die meisten davon frisch gefangen. Klickte durch die Fotos - die Pferdchen taten mir schon ziemlich Leid. Wenn ich daran dachte, was Phantom durchgemacht haben musste, und nun diese vielen verängstigten Pferdeaugen sah... Ich hoffte, dass sie alle ein gutes Zuhause finden würden, aber natürlich war das Wunschdenken. Bei den etwas älteren Einträgen entdeckte ich eine grullo farbene Stute. Sie hatte tiefe Kuhlen über den Augen und machte ein besorgtes Gesicht, ausserdem sah ihr Fell etwas zerzaust aus. Aber irgendwie kam mir die Stute bekannt vor. Irgendwo hab ich dich schon mal gesehen, überlegte ich nachdenklich. Ich klickte weiter und sah den Fang Ort, sowie das Fang Datum der Stute. Sie war bereits kurz vor Phantom eingefangen worden, im selben Gebiet. Ich stellte aber fest, dass sie zu dem Zeitpunkt, als ich dort angekommen war, schon weggebracht worden sein musste, denn sie war bereits adoptiert gewesen. Also war es nicht möglich, dass ich sie dort bei den anderen Pferden gesehen hatte. Aber wo sonst? Ich las weiter. Es stand, dass die Stute ein '3-Strike-Pferd' war, also ein Mustang, der 3 mal wieder zum BLM zurückgebracht worden war. Die Rettungsorganisation suchte nun seit ein paar Wochen verzweifelt ein endgültiges Zuhause für die Stute, denn solche Pferde, die offensichtlich auf irgendeine Weise schwierig im Umgang waren, oder sonstige Leiden hatten – die also, grob gesagt, niemand haben wollte – wurden am Ende billig an einen Schlachter verkauft. Stirnrunzelnd suchte ich weiter nach einem Anhaltspunkt der mir verriet, woher sie mir so bekannt vorkam. Ich googelte nach der Website der Fotografin, bei der ich so viele Fotos von Phantom entdeckt hatte, und der mein Rappe seinen Namen verdankte. Da entdeckte ich es plötzlich: klein und unscheinbar zwischen den anderen Vorschaubildern, stach mir eines ins Auge, auf dem neben Baby-Phantom noch ein weiterer, grauer Fleck zu erkennen war. Ich vergrösserte es und schlug triumphierend auf mein Pult. „Wusste ich es doch!“ Das war eindeutig dieselbe Stute als Fohlen, die zusammen mit meinem Phantom über die Bergwiese tollte. Der grosse, weisse Bauchfleck und das Kopfabzeichen liessen keine Zweifel zu. Ich überflog die Berichte der Fotografin, nach einem Namen suchend, denn bei den Infos der Rettungsstation stand nur eine Tag-Nummer. Matinée. Mir kamen fast Tränen, als ich ein weiteres Mal die Geschichten aus Phantoms Vergangenheit las. Genau, da war es doch. Sie war seine erste richtige Gefärtin – und seine einzige, wenn man von der Stutenherde auf Pineforest absieht… Jonas kam die Treppe hoch. „Occu, hast du einen Moment? Wir brauchen Hilfe mit dem Traktor.“ Ich löste mich vom Bildschirm, schickte rasch Lily ins Bett und folgte ihm dann nach draussen.

      Als wir wieder ins Haus kamen, war es bereits halb elf Uhr. Am Ende hatte ich noch im Hauptstall etwas Zeit mit Winter und Spot verbracht, ohne dabei auf meine Armbanduhr zu sehen. Ich räumte die Küche fertig auf, machte mich Bettfertig, knuddelte die Hunde nochmal durch und schaltete den PC gezwungenermassen aus – es war einfach schon zu spät, ich musste morgen schliesslich wie immer früh aus den Federn. Die Nacht hindurch plagten mich aber mein Gewissen und die Bilder der Stute, die mich bis in meine Träume verfolgten. Ich wusste, worauf das hinauslief: Irgendwas würde ich tun müssen. Ich beschloss, eine Woche abzuwarten und danach, wenn die Stute noch immer ausgeschrieben war, zu entscheiden. Entscheiden - vermutlich über Leben und Tod.
      1 Jan. 2018

      Aftermath
      Satine, Dancing Moonrise Shadows, Ronja Räubertochter, PFS’ Dancin’ to Jazz, Moon Kiddy, Phantom, Fake xx, PFS’ Ljúfa, Estragon Sky, Areion, Co Pilot de la Bryére, Vychahr, Flintstone, tc Herkir, PFS’ Ljóski, Drømmer om Død, Circus Dancer, Feline, Unbreaking Soul of a Rebel, PFS’ Navy Sniper, PFS’ Bacardi Limited, Lovely Summertime, Burggraf, Cantastor, Chiccory ox, Sunday Morning, Rosenprinz, Empire State of Mind, Gleam of Light, Caspian of the Moonlightvalley, A Winter’s Day, Spotted Timeout, Framed in History, One Cool Cat, PFS’ Merino, Simba Twist, PFS‘ Cryptic Spots, Mikke, Khiara El Assuad, Indiana, Vai Alida, Sympathy of the Devil, Campina, Sumerian, Cabinet of Caligari, PFS’ Captured in Time, Kaythara El Assuad, Nosferatu, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire

      Der Tag nach dem Sturm war von Aufräumarbeiten geprägt. Der Forstwart kam gegen Nachmittag vorbei, um die gefallenen Tannen einzusammeln, aber abgebrochene Äste mussten wir selber wegräumen. Damit waren wir den ganzen Morgen beschäftigt, denn es gab reichlich davon. Auch die Zäune mussten kontrolliert werden, bevor wir die Pferde wieder auf die Weiden lassen konnten; dazu schickte ich April los. Jonas, Ajith, Quinn, Oliver, Parker, Lisa und ich liefen die Galoppbahn ab und luden das Geäst in Schubkarren. Hier lag zum Glück nicht so viel Schnee (wenn im Moment auch mehr als sonst), sodass wir gut vorankamen. Insgesamt waren vier Tannen dem Wind zum Opfer gefallen. Sonst hatte es zum Glück aber kaum Schäden gegeben. Gegen Mittag waren wir soweit, dass wir die ersten Gruppen wieder rauslassen konnten. Wir zäunten alle Fluchtwege ab und liessen die Stuten aus dem Nebenstall auf die unterste, lange Weide laufen. Sie mussten nicht zweimal aufgefordert werden: alle trabten oder galoppierten sogar zwischen den anderen Weiden hindurch in Richtung der schneebedeckten Wiese. Satine trottete zuhinterst den anderen nach, offenbar nicht sonderlich bemüht, jemanden einzuholen. Die Stuten aus dem Offenstall kamen wie immer an den Zaun, um ihre Kolleginnen zu begrüssen. Shadow und Ronja steckten die Schnauzen zusammen, aber gingen kurz darauf quietschend wieder auseinander. Jazz beobachtete die beiden interessiert, bevor sie von Moon mit einem warnenden Ohrenspiel verscheucht wurde, weil diese ebenfalls zum Zaun wollte. Besonders Phantom hatte die Nase zuvorderst und schien erfreut über den Besuch. Nach dem Begrüssungsritual begannen die Stuten im Schnee zu scharren, um sich zu rollen, oder unter der weissen Decke nach müden Grashalmen zu suchen, während die Offenstallherde sich wieder unter die Bäume bewegte. Nur Fake und Ljúfa blieben beim Zaun, um miteinander zu spielen. Phantom behielt die schwarze Isländerstute vom Schatten der Bäume aus im Auge, machte sich aber nicht die Mühe, sie zu den anderen zu treiben. Er hatte noch immer ausgeprägtes Herdenverhalten, dass er wohl bis ans Ende seiner Tage behalten würde, doch inzwischen hatte er auch begriffen, dass ‘seine’ Stuten nirgends hinkonnten, weil der Zaun sie eingrenzte. Dadurch war er trotz seiner grossen Herde sichtlich entspannter geworden. Jonas und ich grenzten den unteren Teil des Weges ab und leiteten Mikke, Khiara, Indiana, Vai Alida, Sympathy, Campina, Sumerian, Caligari, Ciela und Kaythara auf die untere der beiden Weiden neben den Miniature Horse und Fohlen Offenställen. Anschliessend durften die übrigen Vollblutstuten auf die Weide daneben. Die Hengste teilten wir ebenfalls auf zwei der grossen Weiden ausserhalb des Hofes auf, auch die aus dem Nordstall. Normalerweise kamen nicht alle Pferde gleichzeitig raus, aber da heute Morgen der Weidegang wegen der Aufräumarbeiten ja ausgefallen war, konnten wir so die Zeit wieder wettmachen und inzwischen nochmal alle Boxen Misten, das Futter vorbereiten, oder die Stallgassen wischen. Das taten wir auch – zumindest bis Ajith mich darüber informierte, dass die meisten der Hengste auf der Weide neben dem Pinienwald verschwunden waren. Verdutzt und ungläubig sah ich ihn an. «U sure they aren’t just under the trees or somethin?» Er schüttelte grimmig den Kopf. Anscheinend waren Artemis, Areion, Donut und Baccardi (Senior) noch dort, aber die restlichen fehlten. «Aaaapril…», rief ich genervt durch den Hauptstall. Die Pflegerin tauchte hinter der nächsten Ecke auf und liess ein unschuldiges «hmm?» hören. «You said you checked ALL the fences, right?» «Well…» «Well what?» «I didn’t walk all the way ‘round of course, I mean, it would have taken me forever. But the parts that I checked looked all real good, so the rest should be fine, too.» «Doesn’t quite seem like it.», konterte ich ungeduldig und schickte Ajith los, um Oliver zu holen. Wir trommelten die verfügbaren Pfleger zusammen und planten die Suche rasch, danach schwärmten alle aus, um entweder per Auto oder per Pferd nach der ausgebüxten Herde zu suchen. Meine Vermutung war, dass die Pferde irgendwo im Pinienwald herumstreunten, oder aber hinter dem Wald auf einer Wiese – allerdings glaubte ich nicht, dass sie sich allzu weit von ihrem Zuhause entfernt hatten. Bevor wir überhaupt mit der Suche anfangen konnten, kam plötzlich Co Pilot, gefolgt von Vychahr, Ljóski, Flint, Herkir und Dancer seelenruhig von den Weiden her über den Kiesweg geschlendert. Unterwegs hielten sie immer mal wieder an, um Grashalme am Wegrand zu zupfen, oder mit den Miniature Horses die Schnauze zusammenzustecken. Ich hörte Lewis, der bereits in diese Richtung unterwegs gewesen war, laut lachen und beobachtete, wie er auf Pilot zuging, um ihn an seinem Halfter zu greifen und ihn zu streicheln, während ich mich selbst zügigen Schrittes auf den Weg dorthin machte. Grinsend stellte ich fest «That’s a fine boy. Brought your buddies home, didn’t ya?» Ich klopfte ihm stolz auf den Hals und nahm dann Ljóski und Herkir am Halfter, während Lewis Pilot und Vychahr führte, sodass die letzten beiden uns einfach folgten. Wir brachten alle zurück in ihre Boxen, wo die (eigentlich) Abendportion Heu auf sie wartete, sodass sie gewissermassen eine Belohnung für ihre freiwillige Heimkehr hatten. Herkir kniff Loki eifersüchtig ins Hinterteil, als dieser vor ihm reindurfte. Vilou wartete geduldig, bis Lewis Pilots Box geschlossen hatte. Dancer lief bereits selbstständig vor seine Boxentür und wartete dort, bis jemand für ihn öffnete, während Flint draussen blieb und neben dem Vorplatz graste, bis ich ihn abholte. Danach schlossen Lewis und ich uns der Suche nach den restlichen Pferden an. Zuerst hatte ich die Idee im Kopf, mit dem Fahrrad zu gehen – das konnte ich aber natürlich gleich wieder abhaken, angesichts des vielen Schnees. Also Rannten Lewis und ich kurzerhand zum Offenstall, schnappten uns Moon und Feline, schwangen Westernsättel über ihre Rücken und ritten im Halfter los. Zira, Sheela und Jacky rannten freudig nebenher, als wir den Weg am Waldrand runtertrabten. Lisa, Elliot und Jonas waren bereits vor Ort, als wir die ersten Pferde fanden. Jonas hatte Rebel an den Führstrick genommen. Er war mit Hilfe von Shadow problemlos an den Hengst rangekommen. Ich war einmal mehr froh, dass wir unsere Hengste so rigoros trainierten und erzogen, damit sie in jeder Situation händelbar und respektvoll blieben, ansonsten wäre die Fangaktion auf diese Weise undenkbar gewesen. Einen Haken gab es: die Neulinge, Sniper und Bacardi, hatten ebendiese Erziehung natürlich noch nicht erfahren. Daher waren sie recht aufdringlich, als wir mit den vielen Stuten in die Nähe kamen. Dennoch schafften wir es, die Gruppe hinter Jonas, Shadow und Rebel zurück zum Hof zu treiben. Sogar Dod lief brav mit, obwohl er ja manchmal recht eigenwillig sein konnte. Wann immer Sniper und Bacardi unseren Reittieren zu nahekamen, legten diese zuverlässig die Ohren platt und wiesen die Jungspunde zurecht. Besonders Moon war im ‘Cutting Modus’ und verstand keinen Spass mit aus der Reihe tanzenden Individuen. Sie machte ihren Hals rund, plusterte sich tänzelnd auf und schlug ab und zu mit dem Schweif, um ihre Gesten zu verdeutlichen. Als wir endlich alle Pferde wieder in ihre Boxen versorgt hatten, war es bereits vier Uhr. «Phew, alright. Thank you guys, let’s go back to work.» Unter zustimmendem Gemurmel zerstreuten sich die Pfleger wieder und Normalität kehrte ein. April schien sich ihren Fehler zwar immer noch nicht so recht einzugestehen, wischte aber gründlicher als sonst. Ich schüttelte den Kopf über dieses Verhalten, beschwichtigte mich selbst aber mit dem Gedanken, dass sie wenigstens sonst gut mitarbeitete.


      Ich sattelte Summertime und führte sie zum Sandplatz. Die Paint Stute hatte beim Striegeln schon ein paar erste Haare verloren, der restliche Plüsch war aber noch voll ausgebildet und glänzte seidig in der Wintersonne. Ich stieg auf und ritt sie ausgiebig warm, dann machte ich ein paar Reiningübungen. Wir arbeiteten am Stop aus verschiedenen Galoppgeschwindigkeiten. Sie beherrschte die Lektion zwar längst; ich wollte sie aber noch weiter verfeinern, sodass es auch auf kleinste Hilfen klappte. Im Schnee machte das echt Spass, weil es richtig schön spritzte, wenn sie gekonnt darauf herumrutschte. Der Schnee hatte genau die richtige Konsistenz dafür, denn er war schön pulvrig und leicht. Auch die Seitwärtsgänge nahm ich mir vor, damit die Stute schön weich am Schenkel wurde und sich auch gut biegen liess. Sie war voll bei der Sache und galoppierte sofort aus dem Schritt an, wenn ich das äussere Bein entsprechend zurücknahm. Manchmal war sie fast etwas zu eifrig und nahm mir die Hilfen vorweg. Dann bremste ich sie jeweils nochmal und versuchte es erneut, bis es zu meiner Zufriedenheit klappte. Während ich mit Summer meine Runden drehte, kam Lisa mit Burggraf dazu und ritt ihn in Dressur. Nach dem Ausbruch-Abenteuer schien der Hengst etwas geladen zu sein; er bockte ein paarmal kräftig, als Lisa Galoppwechsel üben wollte. Ich schmunzelte bei dem Anblick. Aristo war eben ‘voll im Saft’ und spürte wie die anderen Pferde den Schnee – oder den kommenden Frühling – oder den Vollmond - oder was auch immer gerade Grund zum herumhüpfen bot. Summer war inzwischen richtig toll vor dem Bein und galoppierte, wohl auch etwas angesteckt durch Aristo, bereits an, wenn ich nur daran dachte. Ich liess sie schliesslich austraben, wobei sie schön streckte und ihr Rücken mitsamt Popo locker durchschwang. «That’s a good girl». Ich versorgte sie nach dem Trockenführen (mit Winterfell schwitzte man eben doch etwas mehr als sonst, auch wenn der Bauch und die Brust geschoren waren), und machte schonmal alles bereit für’s Jungpferdetraining, doch bevor ich damit loslegen konnte, mussten wir zuerst noch die Pferde von der Weide holen. Also lief das ganze Spiel rückwärts: Wir zäunten alles ab, öffneten die erste der drei grossen Weiden und liessen Cantastor, Chiccory, Sunday, Quick, Empire, Light, Caspian, Winter, Spot, Frame, Cool Cat, Merino, Simba, Cryptic und Mambo, der unterwürfig zuhinterst mitlief, zurück in den Offenstall laufen. Bei so vielen Pferden auf einmal dauerte es einen Moment, bis alle drin waren. Die Pferde aus dem Nordstall hingegen waren ja bereits im Stall; Ajith und Parker hatten auch die restlichen schon reingeholt, damit sie nicht auch noch hatten entwischen können.


      Sobald auch die letzten, die Nebenstall Stuten, wieder in ihren Boxen standen, kümmerte ich mich um die zukünftigen Rennpferde. Sie wurden nun seit zwei Monaten ‘Trainiert’; das hatte bis anhin beinhaltet, dass sie an der Longe und Doppellonge Muskelaufbautraining mit vielen Übergängen erhalten hatten, und an die Ausrüstung gewöhnt worden waren – alles noch ohne Reiter. Das hatte mehrere Vorteile: zum einen kannten sie nun Stimmkommandos als Hilfe, zum anderen hatten sie bereits ein Startkapital an Muskeln, die ihnen halfen, den Reiter schadlos zu tragen. Heute wollten wir zum ersten Mal versuchen, jemanden auf den Rücken der Jungspunde zu setzen. Ich lief zu Counterfires Box und Streichelte sie zur Begrüssung. Sie musterte mich mit ihren frech, aber freundlich wirkenden Augen und zupfte an meinem Ärmel. Ich schob die Tür auf und streifte ihr das Halfter über, dann band ich sie in der Stallgasse an. Sie spielte mit der Kette, während ich sie striegelte, und brummelte, als Dolly von Quinn ebenfalls in die Stallgasse geführt wurde. Beim noch nicht straff trainierten Bauch fand ich eine Stelle, an der es sie wohl gerade juckte. Sie drehte den Kopf zu mir und spitzte die Lippe, als wollte sie mithelfen. Belustigt gluckste ich und schrubbte kräftiger. Nach dem Putzen zog ich ihr ein Knotenhalfter an und wartete noch kurz, bis die anderen auch fertig waren. Ausserdem holte ich zur Sicherheit eine Sturzweste aus der Sattelkammer. Während dem Warten zupfte Fire an der Regendecke vor ihrer Box herum, untersuchte den Stallboden, untersuchte Jacky, die nicht so recht wusste, was sie davon halten sollte und jeweils hilfesuchend zu mir hochschaute; versuchte Dolly zu nerven, oder scharrte ungeduldig. Ich war es längst gewohnt, dass es für junge Vollblüter, oder überhaupt junge Pferde, einfach nicht schnell genug gehen konnte. Thomas kam mit Mambo um die Ecke und winkte uns, zum Zeichen, dass er fertig war. Wir führten die Vierbeiner, gefolgt von Oliver und Ajith, durch die Stalltüren raus in den Innenhof und an der Führanlage vorbei in Richtung Halle. Es wurde nun immer dunkler draussen, aber in der Halle brannte glücklicherweise schon Licht. Als wir reinkamen, erblickte ich überrascht Lily und Suri, die mit Nosferatu spielten. Suri sass gerade auf Nossis blankem Rücken und wurde von Lily herumgeführt. «Hey girls. I see, you have fun, but would you mind to go out for a bit? We’d like to train the youngsters for a bit, and it would be safer for you not to be around…» «Jup, no probs Occu. C’mon Suri, we go for a walk outside!» Das dunkelhäutige Mädchen nickte und Lily zupfte am Stallhalfter, um Nossi wieder in Bewegung zu versetzen. Wir begannen unterdessen, die Vollblüter warmzuführen und am langen Führstrick ein wenig im Kreis zu schicken. Als ich das Gefühl hatte, dass Counterfire bereit war, zog ich mir die Sturzweste und den Helm an. Dann begann ich, neben der Stute auf und ab zu hüpfen, während ich mich leicht mit einer Hand auf den Widerrist stützte. Ich übte das von beiden Seiten. Als nächstes legte ich meinen Arm über ihren Rücken und klopfte ihr ausgiebig mit der Hand auf die gegenüberliegende Flanke, als Desensibilisierung. Ajith und Oliver stellten unterdessen in der Halle Cavalettis auf, als Aufstieghilfen. Zu solch einem führte ich Fire nun, und stellte mich darauf. Ich beobachtete ihr Ohrenspiel und ihre Körpersprache ganz genau, während ich mich über ihren Rücken lehnte, immer noch auf ihre Flanke klopfend. Ich wollte sie auf keinen Fall überrumpeln, deshalb nahm ich mir viel Zeit und stellte immer sicher, dass sie sich auf mich konzentrierte. Als ich mein Bein über ihren Rücken legte, kamen ihre Ohren zurück und sie drehte ihr Hinterteil vom Cavaletti weg. Ich blieb ruhig und richtete sie neu aus, dann versuchte ich es erneut. Ich liess mich langsam auf ihren Rücken gleiten und lobte sie ausgiebig mit Kraulen, dann stellte ich mich wieder auf das Cavaletti. Ich hatte soeben das erste Mal richtig auf ihrem Rücken gesessen! Total happy wartete ich einen Moment, bevor ich es ein zweites Mal versuchte, wieder erfolgreich. Diesmal blieb ich etwas länger oben und bewegte meine Beine ein wenig. Ich wiederholte das Spiel, bis es für Fire nichts Besonderes mehr war und sie sich vollkommen entspannte. Dann sass ich einfach oben und beobachtete eine Weile die anderen Jockeys. Sarabi hatte demonstrativ das Hinterbein angewinkelt, wobei ich mir nicht sicher war, ob es eine entspannte, oder eine drohende Geste war. Sie hielt aber brav still, während Parker auf ihr herumturnte. Bei den anderen sah es ähnlich aus; Thalia und Mambo untersuchten die Beine ihrer Reiter neugierig. Es sah ein Bisschen so aus, als wollten sie zu verstehen versuchen, was da auf ihrem Rücken vor sich ging. Es war gut, wenn sie sich damit auseinandersetzten, denn das bedeutete, dass sie auch wirklich etwas dabei lernen konnten. Nur Dolly schien nicht so begeistert von der Idee. Sie hatte einen eingeklemmten Schweif und zuckte immer wieder zusammen, wenn Quinn sich unerwartet bewegte. Sie seufzte tief und senkte den Kopf, aber ich sah ihr an, dass sie sich unwohl fühlte. Manche brauchen eben ein bisschen länger, sagte ich mir. Plötzlich bewegte sich Fire unter mir, sodass ich aus meinen Gedanken gerissen wurde. Die Stute hatte offenbar eine interessante Stelle im Sand entdeckt, die sie nun untersuchen wollte. Sie begann zu scharren, und ich dachte mir nichts dabei – bis sie auf einmal vorne in die Knie gehen wollte. «Woa, stop that girl!» ich zupfte am Knotenhalfter, denn ich wollte auf keinen Fall, dass sie schon beim ersten Reitversuch lernte, sich mit dem Reiter hinzulegen. Sie hielt inne und bog auf mein Zupfen hin brav ihren Kopf nach hinten. Ich liess mich von ihrem Rücken gleiten; jetzt durfte sie von mir aus Wälzen. Tat sie auch: wenig später begann sie wieder zu scharren und legte sich genüsslich grunzend in den Sand. Selbst Oliver konnte sich bei dem Anblick ein Lachen nicht verkneifen. Dolly glotzte zu uns rüber und vergass offenbar einen Moment lang Quinn auf ihrem Rücken, nur um dann wieder zusammenzuzucken, als diese abstieg. Als ich zur Glasscheibe des Reiterstübchens hinüberschaute, bemerkte ich belustigt, dass Lily und Suri das Welshpony verräumt hatten, um uns zuzusehen. Ich Winkte ihnen zu und führte Counterfire noch ein Weilchen herum, bis alle fertig waren und wir die Pferde zurück in den Hauptstall bringen konnten. In den nächsten paar Tagen wollten wir das spielerische Aufsitzen wiederholen und bereits ein wenig im Schritt herumreiten, danach erst würden die anderen Gangarten folgen; vor allem aber viel Trabarbeit. Ich war zuversichtlich, dass alles gut gehen würde. Der Tierarzt hatte die Pferde vor kurzem untersucht und als kerngesund befunden, was mir zusätzliche Sicherheit gab. Jacky und Zira waren froh, dass sie mich wieder begleiten durften. Ich hatte sie nicht mit in die Halle gelassen, damit sie die Jungpferde nicht hatten ablenken können. Jonas kam mir mit dem Wegräumen zu Hilfe und fragte mich darüber aus, wie es gelaufen war. «Also gelaufen ist noch nix, aber gestanden, wie ein Musterschüler», scherzte ich. «Klingt toll. Ich hab übrigens vorhin den schwarzen Flohpelz wieder gesehen.» «Flohpelz? Moya?» «Jup. Ist durch die Sattelkammer geschlichen. Da hat’s wohl Mäuse.» Als er wieder davonlief, lief ich ‘zufällig’ an besagter Sattelkammer vorbei. Zuerst entdeckte ich keine Katze, aber dann sah ich einen buschigen Schwanz hinter einer der Putzboxen hervorschauen. Ich schlich mich an und griff zielsicher zu. Meine Hand erwischte tatsächlich Fell, und ich konnte das schwarze Tier triumphierend hochhalten. «Hab ich dich!» Ich hielt sie auf meinem Arm fest; alles Zappeln nützte nichts. Sie hatte plattgelegte Ohren und geweitete Augen, ausserdem schluckte sie entsetzt. Ich streichelte und knetete das rauchschwarze, lange Fell. Es war seidig und weich wie Kaninchenpelz, obwohl es noch nie gebürstet worden war. Andererseits sah man schon die ein- oder andere verfilzte Stelle. Solches Fell war eben eigentlich nicht für Streuner gedacht, sondern für verwöhnte Wohnungskatzen, sodass Moya es so alleine nicht gründlich genug pflegen konnte. Ich trug das Raubtier, das sich inzwischen erstaunlich ruhig hielt (sie hatte wohl aufgegeben) in Richtung Haus. Lisa führte gerade Aristo vom Viereck runter, als sie mich, selbst im Dunkeln, mit der Katze entdeckte. «Waaas?! Ist das Moya? Du hast es echt geschafft sie anzufassen?» Naja, über meine Methoden wollen wir jetzt mal lieber nicht sprechen, aber «Ja, so könnte man es nennen», antwortete ich halb gedacht, halb gesprochen. Mit ihrem typisch faszinierten Gesichtsausdruck kam sie näher und streichelte den Kopf der Katze, die prompt einen neuen Fluchtversuch unternahm - natürlich erfolglos. «Was machst du jetzt mit ihr? Wenn du sie loslässt, ist sie gleich wieder weg, und wird in Zukunft vermutlich noch viel vorsichtiger sein…» «Ich nehme sie ins Haus und sperre sie für’s erste im Badezimmer ein. Du wolltest sie ja schon lange einmal vom Tierarzt impfen und durchchecken lassen. Danach schaue ich weiter.» Lisa nickte begeistert. Die anderen Katzen liess sie, seit sie alt genug dazu waren, regelmässig entwurmen und was auch immer dazugehörte, aber Moya war seit sie selbstständig geworden war praktisch nicht mehr angefasst worden. Ich hatte, wenn ich sie so ansah, auch einen regen Verdacht auf Flöhe oder Haarlinge – aber zu sehr wollte ich darüber jetzt wirklich nicht nachdenken. Ich konnte Lisa, die die entsetzte Katze noch immer mit ihren Händen malträtierte, abschütteln und durch die Haustür schlüpfen. Erst, als wir im Badezimmer waren und ich die Tür fest verschlossen hatte, liess ich das Tier los. Sie stürzte sofort in die hinterste Ecke des Badezimmers, unter die Toilette, und kauerte sich fauchend hin. «Ja ja, du wirst mir schon noch dankbar sein», murmelte ich schulterzuckend und huschte raus, bevor sie entwischen konnte. Ich holte im Pflegerheim eine Schüssel Katzenfutter von Lisa, wobei ich gleich noch ein wenig mit Africa und Blue herumalberte. Die beiden Graupapageien hatten eine Tonne Spielzeug in ihrer Voliere, aber verpassten trotzdem keine Chance auf Beschäftigung und Zuwendung. Ich öffnete die Voliere und kraulte Blues Kopf mit dem Zeigefinger, wobei er genüsslich die Federn aufstellte. Africa versuchte mich eifersüchtig in die Hand zu zwicken, sodass ich das Katzenfutter absetzen und beide gleichzeitig streicheln musste. Africa wollte mir schon auf die Schulter klettern, als sie genug vom Streicheln hatte – aber ich wusste, dass sie dann nur wieder mit meinen Haaren spielen würde (was nicht besonders angenehm war), also zog ich mich zurück und kümmerte mich wieder um die inzwischen jämmerlich miauende Katze im Badezimmer. Ich fand eine alte Haarbürste, welche ich opfern konnte, und ein Anti-Flohmittel für den Nacken, das ich auch für die Hunde benutzte. Der Futterschale wurde während meiner Anwesenheit kaum Beachtung geschenkt. Ich sass eine Weile an die Wand gelehnt und versuchte, Moya anzulocken, aber sie machte keine Anstalten es sich auch nur zu überlegen. Also schnappte ich sie mir wieder, was mir vor allem dank der rutschigen Badewanne gelang, und hielt sie auf meinem Schoss fest, während ich ihr Fell zu kämmen begann. Am Anfang wehrte sie sich wieder mit allem was sie hatte, aber ich hatte vorsorglich Gartenhandschuhe montiert und den langen Pullover anbehalten, weshalb ich gut geschützt war. Nach einer Weile wurde sie ruhiger und ich konnte vorsichtig alle Knoten lösen. Sobald ich fertig war und sie losliess, huschte sie wieder unter ihren Toilettenplatz und funkelte mir böse entgegen. Ich liess sie in Ruhe, denn es war inzwischen acht Uhr und ich hatte noch ein paar Dinge im Stall zu erledigen.
      10 Feb. 2018

      Donnerwetter
      Empire State of Mind, Mikke, Khiara El Assuad, Indiana, Painting Shadows, Chiccory ox, Sunday Morning, Vai Alida, Sympathy of the Devil, Coulee, Rosenprinz, Iskierka, Gleam of Light, Caspian of the Moonlightvalley, Spotted Timeout, Shades of Gray, A Winter’s Day, Campina, Cassiopeia, Sumerian, Framed in History, One Cool Cat, PFS’ Stromer’s Painting Gold, Cabinet of Caligari, PFS’ Captured in Time, Kaythara El Assuad, tc Miss Moneypenny, PFS’ Merino, Simba Twist, PFS’ Cryptic Spots, Primo Victoria, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire, Daedra, Drømmer om Død, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Navy Sniper, Ronja Räubertochter, Silverangel, Satine, Parányi, River’s Lychee, Nera, PFS’ Ljúfa, PFS’ Dancin’ to Jazz, Anubis, Numair, Tayr al-Diyari, Areion

      Es war wiedermal Morgen, sechs Uhr, ein gewöhnlicher Arbeitstag stand bevor. Ich streckte mir die Müdigkeit aus den Gliedmassen, begab mich in die Küche und stellte das Frühstück bereit. Jonas lag noch unter der Decke, und um ihn auf die Beine zu bekommen, musste ich ihn auskitzeln gehen. Selbst dann dauerte es noch einige Minuten, bis er genug Energie fand. Lily schlief munter weiter, sie musste ja wie immer erst um acht Uhr in die Schule. Moya schlich mir hungrig unter dem Küchentisch um die Beine. Ich bereitete deshalb rasch das Futter der rauchig schwarzen Langhaarkatze vor und stellte ihr den Napf hin. Sie nahm es dankbar an. Ich fütterte auch die drei Hunde, die schon mit glänzenden Augen eifersüchtig warteten. Danach ass ich selbst zuende und zog mir meine Reitsachen an. Draussen hörte ich die Pfleger, die gerade plaudernd zum Hauptstall liefen. Ich cremte mich noch rasch gegen die UV-Strahlung ein, dann verliess ich das Haus zusammen mit Jonas, Zira, Sheela, Jacky und Moya, die hinterherhuschte, bevor ich die Tür schloss. Zira blieb bei mir, Sheela folgte Jonas zum Nordstall und Jacky streunerte davon, um Mäuse zu jagen. So war es bei uns fast jeden Morgen – eine Abfolge von Ritualen. Im Hauptstall traf ich auf die Jockeys und Oliver. Sie besprachen gerade den heutigen Trainingsablauf. Ich hörte mit, obwohl ich schon wusste, was der Trainer vorhatte, weil er es immer zuerst am Vortag mit mir absprach. Ich ritt heute im Training auch wieder mit, und zwar in fast allen Gruppen. Als erste war die erfahrene Gruppe mit Chiccory, Sympathy, Coulee, Iskierka, Light, Caspian und Sunday dran. Ich öffnete Lights Box, streichelte den Rappen zur Begrüssung liebevoll und streifte ihm sein Lederhalfter, mit dem goldenen Namensplättchen auf der Seite, über die Ohren. Er folgte mir eifrig aus der Box und scharrte beim Putzen immer mal wieder ungeduldig. „Ja ja, ich weiss, dass es dir nicht schnell genug gehen kann. Aber benimm dich bitte etwas besser“, tadelte ich. Er sah mich nur mit einer Art unschuldigem Hundeblick an. Ich wischte die letzten Staubkörner von seinem Hinterteil, dann kratzte ich die Hufe aus und bandagierte seine Beine. Anschliessend konnte ich bereits satteln. Caspian hatte wieder nichts als Blödsinn im Kopf und zerzauste mir im Vorbeigehen mit seiner Schnauze die Haare. Ich band sie mir zugleich lachend und fluchend neu zusammen, während ich zur Sattelkammer lief. Gesattelt hatte ich schnell, obwohl es jedesmal eine Kunst war, die Pads und Satteldecken faltenfrei und in der richtigen Reihenfolge auf den Rücken zu packen. Aber nach all der Zeit konnte ich die individuelle Zusammenstellung für jedes einzelne Pferd im Schlaf. Ich zäumte Light und führte ihn raus, wo mir Ajith beim Aufsteigen half. Dann liefen wir auch gleich los in Richtung Rennbahn – hier lief einfach alles wie in einem Uhrwerk. Die Pferde gingen brav im Gänsemarsch und benahmen sich auch beim Aufwärmen im Trab und langsamen Galopp. Dann durften sie endlich aufdrehen. Wir machten ein anspruchsvolles Intervalltraining, denn bald war wieder ein wichtiges Rennen für Kierka, Chiccory, Light und Sunday. Coulee verbesserte ihre Zeit auch heute um ein paar Millisekunden. Sogar Iskierka benahm sich ausnahmsweise ganz gut und zickte kein einziges Mal rum. Sunday war nicht ganz auf der Höhe: er war etwas langsamer als am Vortag. Aber das machte nichts, denn die Zeiten hingen von so vielen Faktoren ab – war zum Beispiel gut möglich, dass ihm das etwas feuchtere Gras nicht passte. Ich war auch mit Sympathys Leistung zufrieden, konnte und wollte mich aber nicht so recht auf sie konzentrieren, denn die Stute hatte ich vor kurzem an eine gute Kollegin mit Spitznamen Fuchsel verkauft, zusammen mit ihrem Vater Cantastor. Der kommende Abschied machte mir zwar zu schaffen, aber ich wusste, dass es die beiden gut haben würden, denn Cantastor hatte ich damals von Fuchsel übernommen. Nun hatte sie einen neuen Hof und viel Platz, deshalb begrüsste sie es sehr, als ich sie wegen der beiden angesprochen hatte. Ich brauchte nunmal einfach wieder etwas mehr Luft im Hauptstall, besonders wenn ich in Zukunft noch ein paar Fohlen ausbilden wollte.
      Nach dem Training brachten wir die Pferde in den Freilauftrainer zum auskühlen. Wir beeilten uns mit dem Vorbereiten der nächsten Gruppe genauso, denn es wurde immer wärmer, je länger die Sonne am Himmel stand. Campina, Gray, Winter, Cassiopeia, Spot und Painting Shadows waren diesmal dran. Ich ritt Gray, und die lief grossartig. Sie setzte sich in einem Kopf-an-Kopf Rennen mit Paint klar durch. Aber am beeindruckendsten fand ich diesmal Campina, die ihre Beine so weit auszog, dass es beinahe unnatürlich aussah. Dadurch konnte sie mit jedem Galoppsprung mehr Boden als die anderen gewinnen. Da zeigte sich wiedermal ihr hervorragendes Blut. Ich war schon gespannt, was aus ihrer genetischen Tochter Call it Karma werden würde – von der Kombination aus Cataract und Black Bloom erhoffte ich mir grosses Potential. Winter war nicht herausragend, aber er lief in gewohnter Zuverlässigkeit die 1500 Meter und war gar nicht so sehr verschwitzt danach, wie Spot, der auch eine gute Ausdauer zu haben schien. Cassiopeia war diesen Frühling zu einem richtigen Kraftpaket mutiert. Ihre Schulter war beängstigend stark, aber sie musste im gegensatz zu Spot an ihrer Ausdauer noch arbeiten. Sie war mit Abstand am verschwitztesten von den sechs Pferden.
      Auch für die dritte Gruppe mit Sumerian, Framed in History, One Cool Cat, Cabinet of Caligari, Captured in Time und Kaythara El Assuad reichte es noch, doch danach wurde es bereits zu warm. Wir verschoben daher die letzten zwei Gruppen auf den späten Abend. Ich konnte mich also nach dem Training mit Frame voll und ganz den anderen Pferden auf Pineforest widmen. Zum einen machte ich eine halbe Stunde Reining auf dem Sandplatz mit Dod, wobei ich weiter an unseren Stops und Rollbacks arbeitete. Der Hengst war einfach ein purer Genuss zum Reiten, so feinfühlig und reaktionsfreudig. Wir feilten wirklich nur noch an kleinen Details, denn er war top ausgebildet und lief auf den schwersten Turnieren mit. Als nächstes kümmerte ich mich um Satine und machte einen eineinhalbstündigen Ausritt durch die Pinienwälder mit ihr. Der Schatten der Bäume war dabei eine wohltat, angesichts der immer stärker werdenden Sonnenstrahlen. Es ging gegen Mittag zu und ich wollte vor dem Essen noch rasch Jazz an der Doppellonge arbeiten. Die Stute sprach gut auf diese Art von Training an und war motiviert bei der Sache, völlig anders als noch am Anfang. Sie trabte ohne zu Zögern über die Stangen am Boden und folgte brav den Stimmkommandos für die Übergänge. Oft war sie schon im Galopp, bevor ich das Wort zuende Sprechen konnte.

      Nach dem Mittag ging es für mich weiter mit Bacardi Limited. Der Baccardi Sohn glänzte in der Nachmittagssonne so richtig kitschig. Sein dunkles Fuchsfell schillerte in vielen Orangetönen, und das obwohl ich ihn diesmal nicht ganz so gründlich geputzt hatte. Jonas und Darren begleiteten mich zusammen mit Sniper und Silver auf einen weiteren Ausritt. Wir ritten in Richtung Wilkinson Farm und nutzten den breiten Grasstreifen des Feldwegs nach der Brücke für einen flotten Trab. Bacardi hatte federnd weiche Gänge, sogar noch mehr als sein Vater, weshalb ich wohl den ganzen Ausritt ohne Probleme im Trab hätte machen können. Aber spätestens im Wald kurz nach Rosie’s Gestüt bremsten wir ab, weil uns wiedermal Dirt-Bike-Fahrer entgegenkamen. Zum Glück waren sie anständig und fuhren im Schritttempo an uns vorbei, so dass es keinen Ärger gab. Wenig später begegneten wir auch noch Rosie und Lucas, die mit Numair und Anubis unterwegs waren. Wir plauderten kurz und ich erfuhr, dass Diyari vor noch nicht all zu langer Zeit eine Haltershow gewonnen hatte. Ich gratulierte Rosie herzlich. Der Fuchshengst war wirklich ein Hingucker, und ich hoffte, dass ihre Zuchtpläne mit ihm aufgehen würden.
      Wieder zuhause versorgten wir die Ponys und ich machte bei Ronja weiter. Mit der Achal Tekkiner Stute arbeitete ich ein paar Dressurlektionen durch; nichts besonderes, nur Gymnastizierung. Sie lief am Ende schön vorwärts-abwärts und liess den Rücken schwingen, worüber ich sehr froh war. Vor einer Weile war sie nämlich wieder auf einem Distanzritt mit Lisa gewesen und hatte danach wohl etwas Muskelkater gehabt. Jedenfalls war sie ein paar Tage steif gegangen, aber jetzt schien alles wieder gut zu sein. Lily kam irgendwann nach vier Uhr aus der Schule zurück und begab sich wie immer sogleich zu ihrem Areion. Ich sah nicht, was die beiden heute trieben, weil ich mit Ljúfa auf der Ovalbahn war, aber sie hatte etwas von „Roundpen – Longieren“ gemurmelt. Ljúfa hatte durch unser ausgiebiges Training schon viel mehr Muskeln bekommen und nun kein Problem mehr, Reitergewicht zu tragen; sofern es sich nicht gleich um einen 80-Kilo-Mann handelte. Im Moment ritten eh nur Lisa und ich auf ihr, und wir waren beide halbe Protionen, wie Lewis immer so schön bemerkte. Ljúfa ging heute aber trotz ihrer neu gewonnenen Muskelkraft nicht so fleissig voran. Ich verstand die Stute; mit ihrem pechschwarzen Fell unter der brütenden Nachmittagssonne zu arbeiten, konnte nicht gerade sonderlich motivierend sein. Auch ich hatte keine Lust, noch mehr zu schwitzen. Also verkürzte ich die Töltarbeit und duschte sie nach dem reiten gründlich ab. Ich konnte förmlich zusehen, wie sie wieder trocknete, als ich sie zurück auf die Stutenweide brachte. Auf dem Rückweg zum Hauptstall, wo ich als nächstes Caprice bewegen wollte, bemerkte ich eine dunkelhaarige Frau mittleren Alters. „Ahh, Angelina Moore! …I suppose.“ “Yes, and you must be Occulta Smith?” “Occu is fine. Welcome on Pineforest Stable! I’m embarrassed to say I almost forgot that you planned to come today.” “Oh, don’t be. We were already welcomed by your daughter and husband.” “…Haha, he’s not my husband and Lily not my daughter, either. But close enough. We have kind of a patchwork family.” “Oh, sounds exciting. I have two kids, a daughter and a son. And a typical husband – always working or out with his buddies, so there’s lots of time left for horse riding.” “So, let’s see your black pearl!” “’Course. She’s waiting in the trailer.” Wir schlenderten plaudernd zum Parkplatz. Angy war eine neue Pensionärin. Ihre rappfarbene Murgesenstute namens Nera drehte neugierig den Kopf, als sie unsere Stimmen hörte. Wir öffneten die Klappe des Anhängers und Angy lud sie aus. Ein echtes Prachtexemplar, das mich etwas an die Ritterpferde aus diversen Filmen erinnerte. Sie hatte eine lange, gewellte Mähne und einen prächtigen Schweif. Ausserdem schien sie ziemlich umgänglich zu sein. Angy war meines Wissens zufolge Dressurreiterin und das auch recht erfolgreich. Ich war gespannt, mehr über dieses Pferd-Reiter-Paar zu erfahren. Ich zeigte den beiden ihre Box im Nebenstall und führte sie auf dem Hof herum. Angy hatte sich bisher auf die Fotos auf unserer Website verlassen, war aber nicht minder begeistert von der nun greifbaren Infrastruktur. Ich verliess sie nach einer Weile, um mich endlich um Caprice zu kümmern. Die neue Pensionärin hatte ja noch Lily, die irgendwann dazugekommen war und nun eifrig eine Frage nach der anderen stellte. Zira, die die ganze Zeit treu an meiner Seite blieb und die neue nur misstrauisch beäugt hatte, schien erleichtert darüber, dass wir jetzt wieder unsere eigenen Wege gingen. Sie sass stolz neben Caprice’s Boxentür und hielt Wache, als ich die Fuchsstute putzte. Auch später, als ich auf dem Sandplatz ein paar Trainingshindernisse übersprang, wartete sie neben dem Eingang im Gras liegend und behielt alles in ihrem Blick. Caprice war schön locker vom gestrigen Doppellongentraining. Sie schien allgemein sehr zufrieden und kraftvoll vorwärtszugehen; keine Spur von Anspannung. Die Hindernisse waren ein Kinderspiel für sie, im Vergleich zu jenen in den Military Events. Aber es ging ja nicht darum, die Stute zu überfordern, sondern sie mit interessanten, abwechslungsreichen Kombinationen bei Laune zu halten. Ausserdem konnte es nie schaden, ein wenig an Takt und Timing zu arbeiten. Gegen Ende bekamen wir noch Zuschauer: Lisa und David waren zurück von ihrem Ausritt mit Parányi und Lychee. Sie stellten sich am Eingang des Vierecks zu Zira und beobachteten mich eine Weile, bis es mir peinlich wurde und ich mit dem Austraben begann. „So so. Habt ihr nichts Besseres zu tun?“, tadelte ich freundschaftlich. Lisa entgegnete fröhlich: „Wir dürfen wohl mal Pause machen, oder etwa nicht, Boss?“

      Wenig später gingen wir nochmal mit Empire, Indiana, Rosenprinz, Khiara und Vai Alida raus – Charly und Thomas kamen ebenfalls mit. Danach war es Zeit für die Fortsetzung des Vollbluttrainings. Ein kühler Wind war aufgekommen, ideal für die abendliche Arbeit. Angy war noch hier und folgte ineressiert Oliver und Ajith zur Bahn. Die Jockeys und ich waren unterdessen bereits am Warmreiten. Ich sass in Miss Moneypennys Sattel und trabte so ruhig es ging hinter Simba her. Heute war irgendwie der Wurm drin; die junge Stute war unkonzentriert und viel zu geladen. „Was ist denn los, Penny. Du warst den ganzen Morgen auf der Weide, und gestern haben wir auch schon Intervalltraining gemacht. Trotzdem noch so viel überschüssige Energie?“, murmelte ich, während ich sie beruhigend zu kraulen versuchte. Aber es wurde auch während der Galopparbeit nicht besser. Immer wieder liess sie sich von Kleinigkeiten ablenken und machte Seitensprünge, oder versuchte, ihren Hals steif zu machen. Beim austraben sagte ich deshalb ernüchtert zu Oliver „We’ve seen better days, aye?“ Er nickte zuerst nur mit strengem Blick, meinte dann aber, dass Penny vielleicht in letzter Zeit etwas viel gearbeitet habe und eine kleine Pause brauche. Nicht alle Pferde waren gleich, und manche brauchten einfach einen etwas anderen Trainingsplan als andere. Das respektierte Oliver, und genau deshalb schätzte ich ihn so als Trainer. Primo, Merino, Cryptic und Goldy waren wie sonst auch gelaufen – im Moment keine herausragende Verbesserung, aber immerhin eine stabile Leistung. Die jüngste Gruppe hingegen wollte es wissen: gleich zwei neue persönliche Bestzeiten stellten sie auf (Counterfire und Sarabi), und alle inklusive Angsthase Dolly gingen heute problemlos in die Startmaschine. Mambo und Thalia waren von der Anstrengung viel nasser als die anderen, also duschten wir die beiden gleich nochmal komplett ab und bei den anderen, um die Haut zu schonen, nur die Sattellage und den Rest mit dem Schwamm. Angy war inzwischen nachhause gefahren. Ich ging bei der abendlichen Kontrollrunde, bevor ich ins Haus ging, sicher, dass sich Nera rundum wohlfühlte. Die Rappstute mümmelte zufrieden an ihrem Strohbett herum, also machte ich mir keine Sorgen. „Gute Nacht“, murmelte ich symbolisch an alle Pferde gewannt, dann gesellte ich mich noch ein wenig zu den Pflegern, die mit den beiden Papageien Africa und Blue spielten.
      30 Juni 2018

      Der grösste Backofen der Welt
      Vai Alida, PFS’ Colours of Life, Lindwedel, Burggraf, Circus Dancer, Estragon Sky, Drømmer om Død, tc Herkir, Ljóski, PFS’ Bacardi Limited, PFS’ Navy Sniper, Nosferatu, Halluzination, Cambria, Ronja Räubertochter, Fake my Destiny, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, Nimué, Moon Kiddy, Chanda, Farasha, Numair, Islah, Tayr al-Diyari, Brendtwood

      Ich betrachtete den rissigen Boden unter mir. Das kurze Gras darauf war an manchen Stellen braun, und jedes Fleckchen Erde, das ich sehen konnte staubtrocken. Schon allein vom Betrachten dieses Trauerspiels lief mir der Schweiss runter. Wir waren seit Tagen am Wässern und versuchten, den englischen Rasen wieder einigermassen grün werden zu lassen . Und noch war kein Regen in Aussicht, ausser vielleicht ein kurzes Gewitter. Es war so heiss, dass wir den Pferden zum Teil Hitzefrei gaben und wenn dann erst abends oder früh morgens ritten. Das Vollbluttraining fand noch etwas früher als sonst statt, dafür konnten die Pferde den ganzen Tag durch verschlafen. Es hatte vor ein paar Wochen geregnet, und zwar gar nicht mal wenig. Aber danach war der Sommer nochmals zurückgekehrt, um uns ein letztes Mal daran zu erinnern, warum wir uns auf den Herbst freuten. Im Moment war Nachmittag, und ich chillte in meiner Hängematte hinter dem Haus. Wir machten wirklich nur das nötigste Tagsüber, wie Misten und Füttern. Aufgeräumt und gewischt wurde auch erst abends. Ich beobachete die Blätter über mir, auf denen Ameisen emsig umherkrabbelten. Es kam mir bewundernswert vor, wie fleissig sie trotz der Temperaturen waren. Ein Bellen liess mich über den Stoffrand blicken. Jonas war zurück vom Einkaufen und wurde von einer übermütigen schwarzen Labradorhündin begrüsst. Auch Zira stand von ihrem Platz im kühlen Gras neben der Hängematte auf und spitzte die Ohren. "Sheela! Come here girl", rief ich. Sie liess von Jonas ab und kam hechelnd zu mir gerannt. "See? It's far too hot to freak out like that." Sie legte sich zu Zira in den Schatten. Jonas brachte die Einkäufe uns Haus, dann kam er mit zwei Wasserglacen raus und streckte mir eine hin. Ich nahm sie dankbar. "Wann wollen wir die Pfleger zurück in den Stall holen?" "5 Uhr? Ein paar sind mit Lewis ins Schwimmbad gefahren." "Dann hätten wir noch etwas Zeit übrig... Ich hatte da so eine Idee", überlegte er laut. "Erzähl?" "Hab in der Zeitung gesehen, dass heute ne Sportpferdeauktion nahe London ist. Lust da vorbeizusehen?" "Wofür denn? Ich brauch kein weiteres Pferd im Moment..." "Wir müssen ja nix kaufen. Ich dachte, man könnte sich so vielleicht ein Bild davon machen, welche der aktuell im Trend stehenden Hengste etwas taugen. Da sieht man deren Nachwuchs mal live und das wäre vielleicht nützlich." "Stimmt. Ist die Halle klimatisiert?" Er lachte. "Also ob." Ich stöhnte symbolisch und legte mich noch mal in die Hängematte zurück, dann stand ich auf. "Okay. Gehen wir, sonst wird es zu spät." Jonas hatte die Autoschlüssel noch in der Hosentasche, also mussten wir nichteinmal ins Haus gehen. Lily war mit Suri unterwegs im Pinienwald - die beiden hatten sich aus Ästen und Steinen ein Lager gebaut und die halben Ferien darin verbracht. Einmal hatten sie sogar darin übernachtet. Manchmal ritten sie mit Nossi und Fake rüber, aber das erlaubte ich nur, wenn sie nicht länger als zwei Stunden blieben - den Ponys zuliebe. Jonas und ich fuhren also über die Autobahn Richtung London und erreichten den Vorort mit der Auktionshalle. Der Parkplatz war voll, also mussten wir den Wagen an einem Strassenrand abstellen und ein Stück zu Fuss gehen. Es hatte reichlich Leute, zu meinem Bedauern. Ich mochte keine Menschenmengen, erst recht nicht, wenn es heiss war. Jonas wusste das und steuerte von Anfang an auf eine Stelle am Rand der Tribüne zu, an der nicht so viele Leute sassen. Von dort aus sah man zwar nicht ganz so viel, aber dafür hatte ich meinen Frieden. Die Auktion war bereits in vollem Gange, als wir uns setzten. Jonas hatte unterwegs ein Infoheft geschnappt und studierte es nun. "Der da ist ein Saphir Royal Sohn. Von denen sieht man in letzter Zeit viele, nicht wahr?" "Jup. Aber der ist rein dressurgezogen. Ich interessiere mich mehr für Springpferde." "Was ist dann mit dem da? Raloubet du Bouqet aus einer Erdbeercornet Obolenski-Mutter?" "Das wäre schon eher mein Fall. Aber der Kopf gefällt mir nicht, und der hat Bockhufe hinten." In diesem Stil nahmen wir die nächsten zwanzig Jungpferde, die vorgestellt wurden kritisch unter die Lupe. Die meisten hatten eine Sache gemeinsam: sie wurden schon mit ihren zarten drei Jahren rund geritten und mussten Trabverstärkungen und imposante Knieaktion zeigen. Deshalb mochte ich solche Auktionen nicht sonderlich. Denn die Jungpferde hatten noch gar nicht genug Muskeln, um in solcher Versammlung und Aufrichtung zu laufen. Die Hinterhand wurde so schon früh abgehängt und schaufelte hinten raus, die weichen, raumgreifenden Gänge (besonders der Schritt) wurden förmlich kaputtgeritten. Die unschuldigen Grünschnäbel taten mir leid, denn viele hatten eigentlich alles in die Wiege gelegt bekommen, um federleicht durch die Bahn zu schweben - sobald sie die Kraft dazu hatten, auch mit dem Reiter. Aber hier an der Versteigerung mussten sie natürlich 'hübsch laufen', damit sie einen möglichst hohen Preis erzielten.

      Ich fand viele der Jungpferde süss und gut, aber ihnen fehlte das gewisse Etwas, um mir wirklich aufzufallen. Bis eine Stute hineingeführt wurde, auf die ich insgeheim gewartet hatte. Im Infoheft hatte die Abstammung mein Interesse geweckt. Nun, mir war bekannt gewesen, dass der Grossvater, Cadoc, oft Schecken hervorbrachte. Aber diese Stute hatte eine solch harmonische, angenehm anzusehende Verteilung von weissen Flecken im hinteren Körperbereich, dass ich einfach sofort begeistert war. "Aber das ist Tobiano, oder Tovero - nicht Sabino, oder?", fragte ich Jonas verwundert, wissend, dass Cadoc ein Sabinoschecke war. Jonas zuckte mit den Schultern. "Du bist hier die Farbexpertin. Aber ja, ich hätte auch gesagt, dass es mehr nach Plattenschecke aussieht." "Ach stimmt ja! Der Papa ist Pajero, der ist ein Tobiano. Also hat sie's von ihm." "Gefällt sie dir?", fragte er verschwörerisch. "Darfst dreimal raten." "Gibt aber nur 2 mögliche Antworten. Ausser du zählst 'ich weiss nicht' dazu." "Tüpflischisser." Ich beobachtete das Gangbild der Stute. Cambria hiess sie, und ein reiner Holsteiner war sie, obwohl gescheckt. Je länger ich sie betrachtete, desto besser sah sie aus. Zwar lief auch sie bereits leicht hinter der Senkrechten und strampelte sich ihren Weg durch die Halle, aber sie wirkte konzentriert und arbeitswillig, trotz der vielen Leute auf den Tribünen. "Wie gross ist unser Budget?", fragte Jonas verheissungsvoll. "Eigentlich hatte ich nichts eingeplant..." Er sah mich tadelnd an. "Du hast doch nicht ernsthaft geglaubt, dass dir hier kein einziger Blickfang begegnen könnte? Aussserdem hab ich dein Gespräch mit Elliot schon mitgehört. Von wegen du wollest dich irgendwann nach einem weiteren Springpferd umsehen, um Robin zu fördern." Es stimmte. Ich hatte Elliot darauf angesprochen, was er davon halte, Charlys Schwester, die offensichtliches Talent zeigte, entsprechend zu fördern. Mit ihr selbst hatte ich darüber allerdings noch nicht gesprochen. Als hätte er meine Gedanken gelesen, schlug er vor: "Wenn die beiden nicht zusammenpassen, kannst du sie ja selber reiten und Robin Satine überlassen. Oder du verkaufst sie eben wieder..." "Na gut", gab ich nach. " 12'000, höher gehe ich für das gerade erst ausgebildete Jungpferd nicht." Jonas grinste verschmitzt, "Wusst ich's doch" stand ihm wie mit Edding quer über's Gesicht geschrieben. Ich überliess ihm den Sieg für heute und wartete erstmal ab, wie viel die Leute für Cambria boten. Meiner Erwartung entsprechend war sie nicht nur mir aufgefallen, und ihr Preis stieg rasch auf 11'000. Als es einen Moment ruhiger wurde, hob ich das Infoheft deutlich hoch. Sofort wurde ich wieder überboten. Ich sah Jonas schulterzuckend an, "Kann man nix machen." "Du gibst so schnell auf?" Entschlossen nahm er mir das Heft ab und streckte es abermals hoch. Als ihr Preis schliesslich auf 13'000 anstieg, bat ich ihn aufzuhören. "Ich möchte wirklich nicht mehr ausgeben. Für den Preis kann ich längst auch selbst ein Fohlen züchten und ausbilden. Dann hätte das eben kein neues Blut, ist doch egal." Etwas enttäuscht war ich trotzdem. Wir sahen noch eine Weile zu, dann tippte ich auf meine Armbanduhr und wir verliessen die Tribüne, denn es war schon halb fünf. Wir nahmen den Umweg durch die Stallungen, um zum Parkplatz zu gelangen. So konnten wir uns die Pferde nochmal flüchtig aus der Nähe ansehen. "Hey, rate mal wer da vorne steht." Ich wandte meinen Blick durch die Stallgasse und sah ein weisses Hinterteil. "Schade, jetzt sehe ich sie auch noch von Nahem und ich wette, sie wird mir so noch viel besser gefallen... Hoffentlich hat sie einen Makel, irgendeine Warze oder einen Bockhuf, den man vorhin nicht so gut sah", murmelte ich zu Jonas. Wir liefen stumm vorbei und schnappten ein paar Worte des Gesprächs der Anwesenden auf, die mich aufhorchen liessen. "A pity. She's really my type. But it's absolutely shameful to try and sell her like this." Die Neugier packte mich. "Excuse me Sir, what's the matter?" Der bärtige Typ drehte sich zu mir um und hob erstaunt die Augenbrauen. "Occulta?" Ich brauchte einen Moment länger, ehe ich realisierte, dass es sich um Fabrizio Martell handelte, einen bekannten Züchter aus Oxford, den ich noch vom Studium her kannte. Mit Bart sah er ganz anders aus, als ich es in Erinnerung gehabt hatte. "Long time no see, everything's fine at your place?", fragte ich nach einem kräftigen Händedruck. "Yes yes, I can't complain. The foals are growing and the fools still going, what else can we wish for?" Ich lachte bei seinem Wortspiel ernsthaft und vergass fast, dass Jonas noch hinter mir stand. "Ah yeah, this is Jonas, he's my... Boyfriend, I guess? I'm sorry, it feels more like we've been married for years, even though we aren't." "Ahh, nice to meet you. When I heard about Jack's death, I honestly didn't expect Occu to ever be in a relationship again. She was such a reserved, cold girl at university, ya know." "Hey!" Diesmal lachte Jonas laut, während ich empörte Blicke mit beiden austauschte. "Alright, alright now. So what's the matter with this beauty here?" "She's been drugged with painkillers to hide a sore foot. Look at this hoof. It already looks painful. My vet Bob confirmed it for me." Bob nickte mir bestätigend zu. Ich warf einen Blick zu dem Mann, der offenbar Besitzer der Stute war. Er stand etwas abseits und diskutierte mit einem der Auktions- Organisatoren. Vermutlich versuchte er sich irgendwie herauszureden. "So what now?" "I obviously won't buy her like this. And surely not for that price. I guess he will take her back home and try to sell her on the internet." Ich hakte bei Bob nach: "Do you think that hoof is treatable? It's not something genetic or chronic, right?" Er erklärte, dass es nach einem Abzess aussehe, der eine Weile brauchen würde um herauszuwachsen, aber um sicher zu sein, müsse man weitere Abklärungen treffen. Ich kniff nachdenklich die Lippen zusammen. Cambria stand ruhig da und zuckte mit dem Widerrist, um ein paar Fliegen zu verscheuchen. Ihre dunklen Augen blickten eher sorgenvoll und müde, nicht, wie es sich für ein Jungpferd gehörte, aufmerksam und neugierig. Ahh, jetzt ist es geschehen. Ich habe Mitleid mit ihr... Es hatte keinen Sinn, dagegen anzukämpfen, ich wusste genau, wie das hier ausgehen würde. Ich sah sie mir wenigstens nocheinmal ganz genau an, bevor ich zu ihrem Besitzer lief und die entscheidenden Fragen stellte. Ihre Kruppe hätte deutlich bemuskelter sein sollen für ihren angeblichen Ausbildungsstand und der Rücken zeigte Anfänge von leichten Kuhlen, dort wo die Sattelkissen normalerweise lagen. Aber ihre Schulter und der Hals sahen okay aus, und das wichtigste: ihre Beine waren trocken und hatten weder Klümpchen noch schwammige Bereiche. Nichts also, was ich mit anständiger Hinterhandaktivierung und einem passenden Masssattel nicht beheben konnte. "Excuse me Mr?" Er drehte sich zu mir herum. Ich stellte mich rasch vor und verkündete mein Interesse an der Stute, wobei ich jedoch möglichst gleichgültig zu klingen versuchte. Ich wollte den Preis ihrem Momentanen Zustand entsprechend runterhandeln, da durfte ich nicht den Eindruck erwecken, dass ich sie auch für mehr nehmen würde - was tatsächlich auch so stimmte. Nicht, dass ich sparen musste, aber ich war nicht gewillt, dem Typen auch nur einen Penny unnötigerweise zu überlassen. Zu meinem Glück ging mein Plan auf und ich bekam Cambria unter ihrem eigentlichen Wert. Die Veranstalter waren zwar nicht begeistert, dass ich die Stute kaufte, obwohl der Typ gegen die Vorschriften verstossen hatte, aber sie gaben ihr okay. Mein Gefühl sagte mir, dass wir den Huf mit etwas Pflege wieder hinbekommen würden. Wenn ich Recht hatte, bekam Robin ein klasse Sportpferd zu einem Schnäppchenpreis. Wenn nicht - nun, darüber dachte ich lieber nicht nach. Aber so hatte ich wenigstens nicht ganz so viel Geld in den Sand gesetzt im Falle eines Falles. Wir einigten uns darauf, dass ich Cambria in ein paar Tagen abholen kommen würde. Fabrizio sah nachdenklich aus, als ich zurück zu den Männern stiess. "Did I make a mistake? If Occu buys her, then there must be something about her", meinte er scherzhaft. "Nah, I just like her colour, that's all", spielte ich meine Entscheidung herunter. Das war nicht die volle Wahrheit, denn ich sah ausserdem Potential in der seltenen Blutlinienkombination. Aber das brauchte er vorerst nicht zu wissen, jedenfalls nicht, bis sich abzeichnete, ob ich richtig lag oder nicht. "Alright, we've got to be on our way now. It was nice to see you again; I hope we'll meet more often at competitions from now on. My Daughter has only just started her career as a show jumper." "Good to hear, Rachels Daughter Lily is also quite ready to go to shows more frequently. So there's a good chance we'll meet at some lower class competitions next year." Wir verabschiedeten uns mit einem herausfordernden Händedruck und gingen getrennte Wege zum Parkplatz. Ich spürte Jonas' schelmischen Seitenblick während dem Laufen. "Ist ja gut, bist du jetzt zufrieden? Wir haben sie." "Ich muss nicht zufrieden sein. Du musst zufrieden sein." Ich antwortete lächelnd "das bin ich" und gab ihm einen Kuss.


      Natürlich waren wir später zurück auf dem Hof als ursprünglich geplant. Ich war in letzter Zeit ohnehin schlecht darin, pünktlich irgendwo zu sein. Selbst an Turniere fuhren wir regelmässig 'last minute'. Das hatte aber nichts daran geändert, dass meine beiden jungen Reitpony-Hengste auf ihren allerersten Turnieren gleich beide in mehreren Disziplinen auf den ersten drei Plätzen klassiert gewesen waren. Bacardi Limited zum Beispiel, machte seiner Abstammung alle Ehre und gewann sowohl in seinem ersten Synchronspringen, als auch im kurz darauffolgenden Dressurturnier und räumte zwei Wochen später, um das Resultat zu bekräftigen, auch gleich noch den zweiten Platz im Militaryturnier ab. Trotz der anhaltenden Hitze, beziehungsweise des hartnäckigen Regens während letzterem. Und Sniper hatte überraschenderweise in einem Fahrturnier den Sieg geholt, obwohl wir ihn nur mit der Doppellonge und später zum Spass mit einem Sulky eingefahren hatten, weil ich es für gutes Aufbautraining hielt. Jedenfalls hatte er so als Nebeneffekt wohl auch gleich seine Ausdauer mittrainiert, denn sogar bei einem Einsteiger-Distanzturnier schaffte er es aufs Treppchen. In der Dressur und im Springen war er schlichtweg noch nicht so weit wie Bacardi, der schon ein paar Monate mehr unter dem Sattel lief. Er musste zuerst noch lernen, ruhiger und taktvoller zu gehen; mehr Balance entwickeln. Dann würde ohne Zweifel auch er erste Erfolge im Springen verzeichnen können, so war ich mir sicher.

      Ich machte mich auf den Weg zu Circus Dancers Box. Der beinahe ganz weisse Knabstrupper sah gerade mit tiefgründigem Blick zu seinem Boxenfenster hinaus, als ich die Tür aufschob. Er hatte mich wohl nicht kommen sehen, denn er drehte sich beim Geräusch der Tür um und sah mich mit grossen, schwarzen Augen an. Dann brummelte er freudig und kam näher. Ich streichelte seinen Nasenrücken und gab ihm ein Karottenstück zur Begrüssung. Als nächstes streifte ich ihm das Halfter über und band ihn im Stallgang an. Allein vom in-der-Box-stehen hatte er eine schweiss-feuchte Brust. "Du armer. Keine Angst, wir machen nichts verrücktes heute, mir geht's ja genau gleich wie dir." Ich bürstete ihn nur rasch mit der normalen Bürste durch, denn dreckig war er sowieso nicht - höchstens staubig. Auch seine Hufe waren so gut wie sauber, dafür nahm ich mir die übrige Zeit um seine Mähne mal wieder gründlich zu entwirren und zu flechten. Die weissen Haare waren noch leicht gewellt vom letzten Mal, aber wiedermal reichlich verknotet. Ich sattelte den Knabstrupper und ging mit ihm auf einen Ausritt im Schatten der Pinien - das einzige halbwegs angenehme, was man im Moment tun konnte.

      Anschliessend war es bereits sieben Uhr und endlich kräuselte ein erlösendes Lüftchen meine unter dem hochgebundenen Dutt vorstehenden Nackenhaare. Ich holte Artemis raus, um mit ihm ein Intervalltraining zu machen, bevor die Vollblüter ihr Abendtraining starteten. Er war trotz der warm-feuchten Luft am Ende gar nicht so verschwitzt, wie ich gedacht hätte. Das zeigte mir, dass er mittlerweile eine ziemlich gute Kondition haben musste. Der Schimmel lief brav neben mir her, während ich ihn zum Abspritzplatz führte. Ich hatte seit seinem Einzug auf Pineforest Stable schon einiges mit ihm erlebt - unsere Amerika-Reise war gewiss ein Highlight gewesen, das ich nie vergessen würde. Der Schimmel hatte dabei gelernt, mir zu vertrauen und war seither zu einen treuen Verlasspferd geworden. Er hatte zwar wie jeder andere auch mal etwas schlechtere Tage, aber die waren selten, und es konnte schliesslich nicht immer alles perfekt laufen. Ich wusch ihn mit einem grossen Schwamm und einem Eimer Wasser ab - mehr war gar nicht nötig. Dann brachte ich ihn zurück in den Nordstall. Auch mein zweiter Achal Tekkiner Hengst, Burggraf, war unterdessen bewegt worden. Lisa hatte sich um ihn gekümmert. Ich liess den Blick durch die Boxen schweifen, bis er auf die beiden Isländern fiel. Als hätte er meine Gedanken laut gehört, betrat Jonas den Nordstall und deutete fragend auf Herkir. Ich nickte grinsend, also holten wir die beiden raus und begannen mit dem Putzen. "Unsere Telepathie wird immer besser", meinte Jonas während dem Bürsten auf meine Bemerkung hin, dass ich gerade ans Ausreiten gedacht hatte, bevor er reingekommen war. "Telepathie? Du meinst wohl meine unausgesprochenen Befehle." "Hmm, okay. Das musst du mir dann aber auch noch beibringen, jetzt wo ich offiziell dein Stellvertreter bin." Ich nickte belustigt. Letzte Woche hatte ich wiedermal einen der weniger vollgepackten Tage genutzt, um eine Mitarbeiterversammlung einzuberufen und die Pläne für Ende 2018 bekanntzugeben. Dabei hatte ich auch gleich ein paar Umstrukturierungen vorgenommen. Jonas war zum stellvertretenden Gestütsleiter ernannt worden, Elliot war jetzt vollzeitmässig Reitlehrer und Ansprechpartner für die Vermietung unserer Infrastruktur. Er kümmerte sich um sämtliche Reitstunden für Auswärtige und Clubs, die unsere Halle oder die Galoppbahn nutzen wollten. Lisa verwaltete die Trainingsaufträge für Berittpferde und organisierte zudem kleinere Events wie Gymkhanas und Geländeritte auf Pineforest. Dies nahm mir etwas Arbeit ab und erlaubte es mir, mich noch mehr auf die Pferde selbst zu konzentrieren. Bezüglich Pferde hatte sich auch noch etwas getan: ich hatte Vai Alida symbolisch an Oliver verkauft. Sie blieb natürlich hier auf Pineforest und diente in Zukunft auch unserer Zucht, aber der Cheftrainer hatte solch einen Gefallen an der braunen Stute gefunden, dass er mich darum gebeten hatte. Er war in den letzten paar Jahren nicht mehr so viel selbst in den Sattel gestiegen. Nach eigener Aussage gab ihm Alidas Kauf die Motivation, wieder mehr dergleichen zu tun, erst recht, wenn sie irgendwann von ihrer Rennkarriere pensioniert wurde. Ich hatte nicht lange überlegen müssen - das passte einfach und brachte für beide Seiten nur Vorteile. PFS‘ Bring me to Life, der eigentlich bereits verkauft war und nur noch bis zur Abholung auf Pineforest stehen sollte, gehörte nun offiziell den beiden Fox-Brüdern. Die ursprüngliche Käuferin hatte mich mehrfach wegen des Geldes für den ihn vertröstet und auch nie mehr Anstalten gemacht, ihn abzuholen. Also hatte ich den Vertrag aufgelöst. David und Darren hatten mich daraufhin angesprochen und ihr Interesse an dem Hengst geäussert, als ihr erstes eigenes Pferd. Sie teilten sich ihn und kümmerten sich liebevoll um Life, später wollten sie sogar mit ihm im Militarybereich starten. Auch einen neuen Namen hatte der Hengst mit meinem Einverständnis bekommen: Colours of Life, was ich sehr passend fand. Und dann waren da noch meine beiden Haflinger, die ich an Lisa verkauft hatte. Sie war offensichtlicher Hafi-Fan, und zwar seit sie ein kleines Mädchen war. Die Blonden Mähnen und herzförmigen Popos hatten es ihr einfach angetan. Auch wenn Nim und Woody etwas schlankere Typen waren, so war Lisa doch von Anfang an begeistert von den beiden gewesen und da ich selbst keine Haflingerzucht anfangen wollte, geschweigedenn viel mit den beiden Anfangen konnte, wollte sie sie als vielseitige Sport und Freizeitpferde ausbilden und sogar hin und wieder für Sommer-Reitcamps einsetzen.

      Wir hatten einen Traumhaften Ausritt in der Dämmerung. Man hörte nebst dem dumpfen Geräusch der Hufe auf den Feldwegen kaum etwas, höchstens ab und zu ein leise entferntes Brummen von Autos, je nachdem wie nahe wir dem Dorf kamen und wie die kühle Brise wehte. Irgendwann begann auch noch ein Käuzchen die Stille mit seinen Rufen zu durchbrechen, und eine Weile lang lauschten wir nur, ohne zu reden. Herkir und Loki schienen dasselbe zu tun. Ihre Ohren waren aufmerksam nach vorne gerichtet und ihre Köpfe nickten leicht mit ihren Schritten mit. Sie machten einen zufriedenen, ruhigen Eindruck, auch wenn sie sich teilweise wieder ein übermütiges Schrittrennen lieferten, bis Jonas und ich sie daran erinnerten, dass wir auch noch da waren. Wir kamen im Dunkeln nach Hause, aber im Nordstall brannte Licht und als wir reinkamen, war Darren gerade dabei, Dods Hufe auszukratzen. Er hatte den Criollo an der Doppellonge unter Lisas Aufsicht durch einen Trail Parcours gelenkt, zusammen mit zwei weiteren Pflegern, mit Moon und Chanda. Wir sattelten die beiden Isländer ab und gaben ihnen Karotten aus einer Kiste beim Eingang, zur Belohnung. "Hast du Fake heute eigentlich schon bewegt?", fragte ich Jonas beiläufig. "Nö, Lily hat das für mich gemacht." "Faulpelz." "Du bewegst deine Pferde ja auch nicht alle selber." "Ich hab aber auch..." Ich brauchte gar nicht fertig zu reden, denn er grinste nur schelmisch und legte einen Arm über meine Schultern. Wir schlenderten zusammen zum Nebenstall, denn ich musste als allerletztes noch Halluzination bespassen, bevor der Tag 'zuende' war. Im Nebenstall waren Blue's und Sweets' Boxen leer, also vermutete ich, dass beide entweder in der Halle oder auf einem Abendausritt waren. Jonas liess mich in Ruhe machen und ging schonmal ins Haus, um mit Lily zusammen das Abendessen vorzubereiten und Hausaufgaben zu machen. Ich war sehr dankbar dafür, dass er so verlässlich war und sich um meine Nichte kümmerte. Die beiden kamen so gut zusammen aus, dass niemand auf die Idee kommen würde, dass das Mädchen gar nicht seine Tochter war. Ich fragte mich insgeheim trotzdem immer wieder, wie sehr Lily ihre richtigen Eltern vermisste. Sie machte eigentlich immer einen glücklichen, unbesorgten Eindruck, aber ich wusste auch, dass sie eine sehr gute kleine Schauspielerin sein konnte, und oft nicht verriet, was sie wirklich beschäftigte. So gedankenversunken bürstete ich Hallus Fuchsfell im Schein der Lampen unter dem Dach des Nebenstalls. Während der Dressurarbeit danach lief sie wiedermal etwas eigenwillig und sah in jeder Ecke Monster. Es war anstrengend, sie so zu beschäftigen, dass sie keine Zeit für Mätzchen fand. Wir galoppierten viel, um Energie abzulassen und als das auch nicht weiterhalf, stieg ich rasch ab und legte ein paar Stangen aus. Über diese ritten wir anschliessend im Trab und Galopp aus verschiedenen Winkeln und Kurven, sodass sie auf ihre Füsse achten und einen besseren Takt finden musste. Sie versuchte zwar trotzdem, zwischendurch einfach über die Stangen drüber zu rennen, aber im Grossen und Ganzen ging mein Plan auf und wir hatten eine halbwegs anständige halbe Stunde. Ich liess sie ausgiebig austraben, um sie weiter zu beruhigen, damit wir mit einem lockeren vorwärts-abwärts Trab aufhören konnten. Die Stute war manchmal einfach launisch und hatte ihre eigenen Vorstellungen von Arbeit. Aber an Turnieren war sie meistens kooperativ, sodass ich darüber hinwegsehen konnte.

      Ich tätschelte Hallu nochmal auf die Kruppe, dann liess ich sie in Ruhe in ihrem Stroh herumstöbern und ging ins Haus zum Abendessen. Lily und Jonas sassen bereits am Tisch und diskutierten eifrig über Arabische Pferde. "Ich glaube die sind schneller als unsere englischen. So wie Diyari heute abgegangen ist!..." Ich unterbrach Lily interessiert. "Wie ist er denn 'abgegangen'?" Sie erzählte es mir natürlich eifrig. "Ich war heute ja mit Suri unterwegs, wir haben Fake und Nossi genommen. Bei der Verzweigung mit dem Galoppweg, der mit dem breiten Grasstreifen am Waldrand-" "Jup, ich weiss welchen du meinst." "...Ist uns Rosie begegnet. Sie war eben mit Diyari unterwegs und wir haben eine kurze Strecke gemeinsam gemacht - nunja, bis eines dieser Dirtbikes kam." Mir dämmerte bereits, was passiert sein musste. "Diyari hat sich erschrocken und ist durchgebrannt. Rosie hatte keine Chance den zu halten, wir haben nur noch den Fahnenschweif gesehen." "Hat sie sich verletzt?", fragte ich wie aus der Pistole geschossen. "Nö, sie ist sogar oben geblieben. Wir sind ihnen langsam hinterhergeritten und haben sie ein paar Felder weiter eingeholt. Rosie konnte ihn bremsen, indem sie ihn auf eine Kurve gelenkt hat, so Schneckenhaus-mässig." Ein komisches, grunzendes Geräusch kam von Jonas. Wir wandten uns ihm fragend zu. "Ach nichts, nur... Schneckenhaus - um dein Pferd zur Schnecke zu machen?" Ich sah ihn mit meinem "ernsthaft?"-Blick an und Lily stöhnte entnervt, aber doch leicht belustigt. "...Jedenfalls hat sie dem Dirtbike-Fahrer alle Schande gewünscht, denn der hat es lustig gefunden, extra mit dem Gas zu spielen. Deshalb ist Diyari ja überhaupt erst geflüchtet. Wir sind dann noch mit ihr bis zur Wilkinson Farm geritten, weil sie uns auf eine Tasse Tee und Cookies eingeladen hat. Suri durfte sogar ein bisschen Bodenarbeit mit Lindwedel versuchen. Und ich hab deine alte Zicke Islah besänftigt, als Farasha sie zurechtgewiesen hat." "Du bist aber nicht etwa dazwischengegangen, oder??" "Nein, natürlich nicht. Ich bin ja nicht doof." "Das hoffe ich sehr." "Numair kommt übrigens ans selbe Distanzturnier wie Ronja nächste Woche!" "Ich weiss, ich hab ihn auf der Startliste gesehen" "Warum hast du die Araber jetzt ganz an Rosie verkauft? Die waren doch so hübsch...", motzte sie. "Sie sind ja nicht weg, bleiben auf der Wilkinson Farm. Es ist nur etwas praktischer für Rosie auf diese Weise, wegen Papierkram und so. Ich kann sie immernoch ab und zu reiten gehen, wenn ich Lust habe. Und ganz alle hab ich ja nicht verkauft; ich hab noch first Chant, und die geb ich nicht mehr her", meinte ich lächelnd. "Zum Glück!" In der Kraft dieser Aussage zeigte sich einmal mehr, dass meine Nichte Schimmel-Fan war, oder eher von hellen Pferden im Allgemeinen. Jonas schenkte uns einen "ich-bin-jetzt-müde-und-geh-ins-Bett"-Blick und stand auf. "Du gibst schon auf?", fragte ich triezend. Er winkte nur symbolisch mit der Hand und gähnte dazu. Das löste bei Lily und mir eine Kettenreaktion aus, sodass wir am Ende alle gähnend im Badezimmer standen und uns die Zähne putzten. Es war eben schön, das Leben auf dem 'Ponyhof', aber auch anstrengend.
      14 Sep. 2018
    • Calypso
      Alte Pflege-, Tierarzt-, Hufschmied-, und Trainingsberichte
      Reitsportlager auf Pineforest Stable
      PFS’ Captured in Time, Kaythara El Assuad, tc Miss Moneypenny, PFS’ Merino, Simba Twist, PFS’ Cryptic Spots, Primo Victoria, PFS’ Sarabi, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Subsyndromal Symptomatic Depression, PFS’ Counterfire, Daedra, Areion, Circus Dancer, Co Pilot de la Bryére, Drømmer om Død, Vychahr, tc Herkir, Ljóski, Nosferatu, Cambria, White Dream, Yoomee, Silverangel, Fake my Destiny, River’s Lychee, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, PFS’ Shadows of the Past, Nimué, Moon Kiddy, Lovely Summertime, Phantom, Matinée, Cinnemont’s History, All Pride, Unbroken Soul of a Rebel, Diarado, Flintstone, PFS‘ Beck’s Daisy Orchid, Silhouette of a Rose

      Seit ich beschlossen hatte, ein Reitlager durchzuführen, hatte sich einiges getan, allerdings bei weitem nicht schnell genug. Aus dem Herbstlager war ein Winterlager geworden, weil es nebst den ganzen Turnieren einfach nicht für anständige Planung gereicht hatte. Lisa und Elliot hatten ihre Reitschüler mobilisiert und auch im Internet und in der lokalen Zeitung hatten wir es ausgeschrieben. Allerdings hatten wir nirgendwo erwähnt, dass ich auf der Suche nach Turnierreitern war. Das war Teil meines Plans – ich wollte sehen, wie die Jugendlichen sich natürlicherweise benahmen, nicht wie sie sich verstellten, um den ‘Job’ zu bekommen. Ausserdem war so sicher niemand enttäuscht, denn ich konnte die Kids später privat anfragen, ohne es an die grosse Glocke zu hängen. Das Lager würde in wenigen Tagen stattfinden und im Moment liefen noch die letzten Vorbereitungen. Aber vom Lager abgesehen, war die wohl grösste Veränderung seit langem der geplante Neubau eines weiteren Stallgebäudes. In Grobplanung war es schon länger gewesen, aber ich hatte zuerst die nötigen Bewilligungen einholen müssen. Es war sozusagen eine Erweiterung des Nordstalls, denn dort wurde langsam der Platz knapp, die Nachwuchshengste eingerechnet, die ich noch auf der Fohlenweide hatte. Wie ich die so geschaffenen vier grossen Boxen in dem halboffenen Gebäude verplanen wollte, wusste ich noch nicht genau. Aber ich hatte eine Idee im Kopf, daraus eine Art Ponystall zu machen, für die kleineren Sportponys. Das wäre auch praktisch für zukünftige Ferien-Reitlager, und so konnte ich die Boxen im Nord- und Nebenstall vollständig für die grösseren Pferde nutzen, so meine Überlegung. Ich hatte im Sinn, erstmal Herkir, Loki, Fake und Nossi dorthin umzusiedeln. Es würde aber noch eine Weile dauern, denn der Stall sollte erst im Frühling gebaut werden.

      Schliesslich war es so weit, der erste Tag des Lagers stand vor der Tür. An diesem Morgen fand ich England in einer dicken Nebeldecke eingehüllt vor. Die Luft war so feucht, dass sich Tautropfen an Jonas’ Augenbrauen bildeten, die zudem zu gefrieren drohten, als wir auf unserem morgentlichen Rundgang zu den Weiden liefen. Und das obwohl es seit etwas mehr als einer Woche nicht mehr geregnet hatte. Es war irgendwie komisch zu sehen, dass der Boden im Licht der Lampen an den Stallungen schon wieder trocken und rissig war, während die Luft und das Gras sich so feucht anfühlten. Es war bitterkalt. Ich schob das Tor des Stutenoffenstalls auf und begrüsste die Pferde. Moon und Phantom kamen sofort näher und besonders der Rappe machte auf mich einen eifrigen Eindruck, als wartete er nur darauf, dass ich ein Halfter zückte und ihm eine Aufgabe gab. Moon hingegen war noch etwas verschlafen und rieb erstmal ihre Stirn gegen meine Hand, als ich sie unter ihrem langen Schopf streichelte. Die Stute war eben im Vergleich zu Phantom und besonders Matinée immer noch viel zutraulicher, aber auch frecher zu mir. Sie kannte den Umgang mit Menschen wie die meisten domestizierten Pferde seit dem Fohlenalter, vermutlich seit ihren ersten paar Minuten in dieser Welt. Die anderen Stuten belagerten mich nun ebenfalls neugierig, in der Hoffnung, ich hätte etwas Leckeres dabei. «Später Ladies, später», versprach ich. «You will all get your carrots.» «Das ist so süss, wie du mit ihnen sprichst», bemerkte Jonas kichernd. «Machst du doch auch.» «Ja klar, hab ja nicht gesagt, dass es schlecht ist. Ich find’s toll. Sie verstehen zwar kein Wort, aber ich bin sicher, dass sie die Aufmerksamkeit geniessen.» «Ich glaube schon, dass sie was verstehen. Zum Beispiel spitzen die meisten ihre Ohren, wenn ich ‘apple’ sage.» Just in diesem Moment kam Summer einen Schritt näher und verdrehte bettelnd ihren Kopf, als wollte sie meine Theorie untermauern. Wir lachten beide los. Manche der Pferde machten die lustigsten Grimassen, wenn sie etwas zu Fressen erwarteten. Summer verdrehte ihren Kopf und streckte ihre Lippen, weil ich ihr vor einiger Zeit das Lächeln beigebracht hatte, und sie es nun manchmal einfach so anfing, zum Betteln eben. Ich hatte nichts dagegen, wenn die Pferde so verspielt und erwartungsvoll waren, solange es nicht in ein Scharren oder aggressives Verhalten ausartete. Mit Cambria hatten wir deswegen etwas Ärger, denn die Scheckstute scharrte in der Stallgasse dauernd, sobald jemand durchlief. Es war gar nicht so leicht, ihr das abzugewöhnen, und es gab meines Wissens nach auch keinen Spezial-Trick dafür. Alles, was ich tun konnte war, sie möglichst anderweitig zu beschäftigen und ihr gezielt Tricks beizubringen, als Ersatz für das Scharren. Wenn sie nie etwas dafür bekam, dann gab sie es vielleicht irgendwann auf. Jonas und ich machten uns auf den Weg um die Runde zu beenden. Ich sah noch bei Zebra Thairu und Zazou dem Esel rein. Soweit ich durch die Dunkelheit und den Nebel hindurch erkannte, standen sie beide unter ihrem Unterstand und dösten noch, also liess ich sie gleich wieder in Ruhe. Es war nun sowieso Zeit, in den Hauptstall zu gehen und dem Vollbluttraining beizuwohnen. Dort war man bereits emsig dabei, die Pferde zu putzen. Ich beeilte mich damit, Dolly aus ihrer Box zu holen und in der Stallgasse anzubinden. Die junge, roanfarbene Stute war in Spiellaune und nahm die Anbindeketten ins Maul, während ich sie Bürstete. Als ich ihren Bauch säubern wollte, schlug sie missmutig mit dem Schweif, als wollte sie eine Fliege verscheuchen. «Hey, reiss dich zusammen – ich bin schneller fertig wenn du mich machen lässt», schimpfte ich. Sie runzelte ihre Nüstern und trampelte weiterhin ungeduldig herum. Ich wollte sie nicht zu sehr provozieren, aber ich musste weitermachen, bis sie stillhielt, damit sie nicht mit der Unart Erfolg hatte. Als sie endlich einen Moment ruhig war, hörte ich auf und machte mit einer Stelle am Hals weiter, die sie mochte. Danach wandte ich mich dem Langhaar zu, und natürlich den Hufen. Bei den Hinterhufen brauchten wir heute drei Versuche, bis ich sie wirklich hochnehmen konnte. Da war es auch nicht sonderlich hilfreich, dass wir heute allen Rennpferden Stollen eindrehen mussten, weil der Rasen im Gegensatz zum Boden selbst nebelfeucht war. Sie wollte kaum stillhalten, als ich mir Eisen für Eisen vornahm. Ich fragte mich langsam, ob die Stute schlecht gelaunt war, aber wenn ich ihren Blick richtig deutete, so schien das nicht der Fall zu sein. Ausserdem genoss sie es wie immer, wenn ich sie an ihrem Unterhals kraulte. «Der muss noch etwas weniger kräftig werden», bemerkte ich dabei liebevoll murmelnd. Als das gestichelte Fell sauber war, holte ich die Trainingsausrüstung. Ich legte eine Anti-Rutsch Unterlage, dann eine gut gepolsterte Satteldecke auf Dollys Rücken und zuletzt den Trainingssattel. Den Gurt schlaufte ich durch eine Lammfellpolsterung, bevor ich den Sattel damit befestigte. Ein Vorgeschirr brauchte die Stute nicht, denn bisher war der Sattel bei ihr noch nie wirklich nach hinten gerutscht. Ich legte ihr ein Kopfstück mit gewöhnlicher, einfach gebrochener Trense an und führte sie anschliessend nach draussen. Die Jockeys bekamen von Oliver und Ajith ein leg-up. Wir ritten alle hintereinander zum Galoppweg, vorbei an ein paar Transportern, die auf dem Parkplatz standen. Für heute hatte sich wiedermal ein auswärtiger Trainer angemeldet, der die Bahn nutzen wollten, um seine Jungpferde an fremde Situationen zu gewöhnen. Sie würden mit uns trainieren – eine gute Gelegenheit, um die unsrigen mit dem fremden Nachwuchs zu vergleichen. Wir wärmten die Gruppe ganz normal ein und ritten dann auf den kurz gemähten, sorgfältig gepflegten Rasen. Die Startmaschine liessen wir weg, weil es mit den fremden Pferden ohnehin zu wenig Plätze für alle hatte. Stattdessen machten wir einen freien Start und liessen die Pferde auf eine nicht ganz so ernste Weise gegeneinander antreten. Es ging nicht darum, Höchstgeschwindigkeiten herauszulocken, sondern viel eher, ein anstrengendes, ertragreiches Training durchzuführen und am Ende zu sehen, welche Pferde noch fit waren. Trotzdem stachelten sich die Jockeys gegenseitig etwas an, und Oliver musste sie ein paarmal mit strengen Rufen daran erinnern, die Pferde nicht zu überfordern. Besonders Parker liess sich provozieren, von einem Typen mit einer ebenfalls schwarzen Stute, die man angesichts der Wetterlage und der Tageszeit kaum von Daedra unterscheiden konnte. Ich sah nur, dass die beiden die längste Zeit Kopf-an-Kopf liefen, und alle anderen hinter sich gelassen hatten. Mambo und Sarabi liefen dicht bei mir und Dolly, sodass ich sie gut im Blick hatte. Ihre Bewegungen schienen kraftvoll und raumgreifend, soweit sah also alles richtig aus. Counterfire schien aber irgendwie nicht so richtig in Fahrt zu kommen, und auch Thalia war weiter hinten; ich hörte Oliver einmal rufen, dass Charly sie endlich vorwärtsschicken solle. Ich fragte mich, was da los war, denn normalerweise waren beide Pferde eigentlich ziemlich fleissig und eher vorne mit dabei. Zurückschauen konnte ich aber nicht gut, weil ich mich auf Dolly konzentrieren musste, die schon wieder ein Ungeheuer im Gebüsch zu sehen glaubte und nach links drängeln wollte. Dann liess sich Mambo auch noch von dem Getue anstecken und begann, sich gegen Quinns Zügel zu wehren. «Was ist denn heute nur los!», rief ich aus und richtete Dolly so gut es ging wieder gerade. Die fremden Pferde liefen weiter, als wäre nichts gewesen. Sie spulten einfach ihr Programm ab, ohne den Kopf zu heben. Später sah ich Oliver nach dem Training den Kopf schütteln und seinen typischen, unzufriedenen Ausdruck präsentieren. Ich seufzte nur, denn es brachte sowieso nichts, etwas zu sagen. «What the hell was wrong with you guys? That was a perfect disaster! I’m sure the others will have a lot to laugh about on their way home.” “Oliver.” Ich sah ihn mahnend an. Es war nicht förderlich für die Motivation der Jockeys, wenn er solche Sprüche von sich gab, auch wenn wir uns das einigermassen gewohnt von ihm waren. Alle schwiegen, die Stimmung war nicht gerade auf dem Höhepunkt. «Look, we train our horses differently, so that was to be expected. They don’t have to run with their Heads tied down, they don’t have to blindly follow stupid orders and don’t get a beating if they misbehave only a little. You could say that they are spoiled and sassy. In the end however, we won’t have broken machines that only work because they have to, but horses that want to win and still have their personality and pride. That is exactly the difference between a champion and an ordinary racehorse, that gets sorted out after a few races because it has no more will to please. If anyone is unhappy with the way we work, then please say so and start looking for a new racing stable.” Meine kleine Rede zeigte Wirkung. Die Jockeys nickten zustimmend, und Oliver wirkte nachdenklich, als sei ihm bewusst geworden, dass er womöglich überreagiert hatte. Damals, als ich Oliver eingestellt hatte und ins Renngeschäft eingestiegen war, hatte ich von Anfang an ganz klare Forderungen an den Trainer und die Jockeys gestellt. Pineforest hatte eine lange Tradition als Rennpferdegestüt, aber ich hatte es nach meinen Vorstellungen umstrukturiert und damit begonnen, die Pferde auf meine Weise auszubilden; mit der skrupellosen Geldmacherei der Rennindustrie wollte ich nichts zu tun haben. Mir ging es nur um die Freude am Rennsport selbst. Mir genügte es, meine athletischen, gesunden und vor allem psychisch zufriedenen Rennpferde über die Bahn fliegen zu sehen, völlig gleich, ob sie nun als erste oder als letzte ins Ziel kamen. Aber ich brauchte mir gar keine Sorgen um die Reputation des Gestüts zu machen, denn die Pferde gewannen regelmässig und konnten gut mit den ‘auf die herkömmliche Weise’ Trainierten mithalten. Das war auch Oliver, der mich anfangs noch belächelt hatte, über all die Jahre bewusst geworden, und deshalb hatte der ehrgeizige Trainer nicht längst zusammengepackt. Nur musste ich ihn gelegentlich daran erinnern. Weil ich irgendwodurch eine sehr sture und selbstsichere Persönlichkeit hatte, fiel es mir auch überhaupt nicht schwer, dem fremden Trainer mit einem zufriedenen Lächeln gegenüberzustehen und zum Abschied die Hand zu schütteln. In meinen Augen hatten wir alles richtig gemacht. Und nur so nebenbei hatte Daedra gegen den anderen Rappen gewonnen, aber das Gefühl dieses süssen Triumphs behielt ich für mich.

      Wir brachten es auf die Reihe, ziemlich gut gelaunt mit der zweiten Gruppe ein Kopf-an-Kopf Training durchzuführen. Die Stimmung schwappte auf Primo, Merino, Simba, Cryptic, Penny und Ciela über und sie liefen hervorragende Zeiten für uns. Nun hatte sich auch Olivers Stimmung wieder aufgehellt. Er trank, nach dem die Pferde zum Trocknen in den Freilauftrainer gebracht worden waren, mit uns Tee und gab wieder sachliche, nützliche Tipps anstelle von gehässigen Sprüchen. Als er fertig geredet hatte, sah er mich einen kurzen Moment an, und ich nickte lächelnd. So machte das Rennpferdetraining Spass.

      Während Oliver und die Jockeys nun die älteren Gruppen trainierten, machten Lily und ich in der Halle Dressur mit Areion und Circus Dancer. Wir übten spielerisch ein ausgedachtes Pas-de-Deux ein, das wir im Verlaufe der Woche auch mit den Lagerkindern einstudieren wollten. Es war eine hervorragende Übung für meine Nichte, weil sie zu jeder Zeit schauen musste, was ich gerade tat und sich gleichzeitig darum kümmern musste, selbst exakt zu reiten. Areion war dabei wiedermal ein richtiger Schatz. Er half Lily immer wieder aus, wenn sie einen Patzer machte und es war so süss wie er sich Mühe gab, um seiner jungen Reiterin zu gefallen. Dafür bekam er am Ende auch eine Extraportion Karotten (nunja, die Portion war eigentlich mittlerweile gar nicht mehr ‘extra’, weil er sie eh fast immer bekam). Auch Dancer sah mich mit einem perfekten Hundeblick an, als ich vom Schrank zurückkehrte und seine Karotten hinter meinem Rücken versteckte. «Hast du dir die verdient?», fragte ich schmunzelnd, woraufhin er seinen Kopf einmal ruckartig auf und ab bewegte, was fast schon einem Nicken glich. Ich erlöste ihn und hielt die Karotten hin, damit er sie aus meiner Hand ziehen konnte. Er kaute geräuschvoll darauf herum. Pilot und Vychahr in den Nachbarsboxen streckten ihre Köpfe natürlich ebenfalls in meine Richtung, aber sie würden sich noch etwas gedulden müssen. Als nächstes holte ich Dod aus seiner Box. Der Criollo stand beim Putzen schön still, zeigte aber wiedermal seine sture Seite, als es darum ging, die Hufe hochzunehmen. Ich schaffte es trotzdem und kratzte alle vier gründlich aus. Mir blieb nicht mehr viel Zeit, denn um zehn Uhr wollte ich die Kids offiziell empfangen. Daher longierte ich ihn eine halbe Stunde in der Halle, sorgte aber dafür, dass er während dieser Zeit trotzdem ordentlich arbeiten musste und sogar ein bisschen ins Schwitzen kam. Ich liess ihn nämlich viele Galoppübergänge machen, was gutes Training für die Hinterhand war. Lisa und Darren waren mit Rebel und Flint ebenfalls in der Halle. Die beiden Schecken liefen fleissig vorwärts, wobei Flint jedoch zwischendurch mit einem Blick durch die Fensterwand abschweifte. Der Nebel war draussen nachwievor hartnäckig. Als ich Dod zurück zum Nebenstall führte, waren bereits die ersten Eltern mit ihren Kindern auf dem Parkplatz. Ich beeilte mich damit, den Criollo Hengst zu versorgen – seine Karotten bekam er natürlich trotzdem. Ich hörte schon ein paar Stimmen, sowohl von Kindern als auch von Eltern schwärmen, was denn das für ein hübscher Rappe sei und musste dabei stolz schmunzeln. Im Norstall fand ich auch gleich Jonas vor, der Diarado für einen Ausritt putzte. Wir planten noch rasch das Mittagessen, dann versorgte ich hastig Dods Ausrüstung. Schliesslich trat ich vor die Anwesenden und begrüsste sie. Zira war wie immer brav an meiner Seite und musterte die Leute mit wachsamem Blick. Shira und Jacky schnupperten schon an der ein- oder anderen Hand und liessen sich streicheln, sehr zur Begeisterung der Kinder. Nachdem ich rasch den Tagesablauf erklärt hatte, erlöste ich ich die Kinder und Eltern von der beissenden Kälte und bat sie ins Pflegerheim. Dort hatten die Pfleger einen Raum für die Kids freigeräumt, sodass diese sich nun gleich einquartieren konnten. Die Pfleger hatten eingewilligt, für die eine Woche etwas näher zusammenzurücken – sonst hätten wir das Lager im Winter gar nicht durchführen können. Im Sommer war sowas kein Problem, weil man dann auch gut im Strohlager oder in Zelten draussen übernachten konnte. Aber bei minus fünf Grad war beides nicht das Wahre. Die Eltern blieben noch einen Moment, um sich umzusehen. Danach verschwanden sie endlich und wir konnten mit dem Programm starten. Es waren insgesamt neun Kinder gekommen, allesamt Mädchen. Darüber war ich ein kleines Bisschen enttäuscht, denn ich hatte gehofft, auch ein paar Jungs für das Lager zu begeistern. Auch Lea, die Lily an der International Horse Show kennengelernt hatte, war wie versprochen mit dabei. Die beiden kicherten jetzt schon die ganze Zeit und warfen sich vielsagende Blicke zu. Wir machten ein paar Kennenlernspiele zum Aufwärmen. Es stellte sich heraus, dass manche der Mädchen sich auch schon aus der Schule kannten. Zudem hatte es einige dabei, die schon oft mit ihren eigenen Ponys in die Reitstunde gekommen waren. Aber zumindest drei Mädchen waren ganz neu, und auch Lea war noch nie hier auf dem Hof gewesen. Als wir unsere Namen schon ein bisschen kannten, führte ich die Gruppe zu den Ponys in den Nebenstall. Spätestens da war das Eis gebrochen. Die Mädchen begannen sofort damit, die neugierig über die Boxentür spähenden Ponys zu streicheln und sich begeistert zu unterhalten. Ich stellte Cinni, Silver, Sweets, Blue, Lychee, Shira, Dream, Yoomee, Nim (die Lisa freundlicherweise zur Verfügung stellte) und Fake vor und genoss dabei aufmerksame Zuhörer. Die wichtigste aller Fragen stand allen förmlich ins Gesicht geschrieben: Welches Pony darf ich reiten? Ich hatte schon im Vorfeld angekündigt, dass jedes Kind sich die ganze Woche um dasselbe Pony kümmern würde, damit ich genau sehen konnte, welche Fortschritte gemacht wurden. Ich erlöste die Kids, indem ich die teils ausgeloste, teils den mir mitgeteilten Reitkünsten angepasste Liste hervorkramte und herunterlas. „Gina will take Shira, since you seem to be the one with the most experience. She’s only four years old, so riding her will be a bit more demanding. But she has a nice temper, so you should be fine. Just keep in mind that she does not know everything yet. Fiona, your pony will be Silver. Rachel takes Cinni, Emma will have to deal with Yoomee, Mariana can ride Sweets. Sheridan, you take Dream. Ruth takes Nim. Where was I? Ah yes, Lea takes Bluebell and Aliyah can have Lychee. Lily, you are stuck with Fake, as always.” Den letzten Teil fügte ich mit einem Zwinkern hinzu. Ich war erleichtert, als ich keine wirklich enttäuschten Gesichter sah – alle schienen mit ihren zugeteilten Partnern zufrieden zu sein. So weit so gut. „What about we start right now and see how good you are?“, schlug ich vor, und bekam begeisterte Rückmeldung. “Fine. Go and get your riding clothes, we’ll meet right here in fifteen minutes.” Ein paar trugen ihre Reitsachen schon und sahen mich fragend an. „You can help me get the grooming stuff here.“ Ich führte sie zu den Sattelkammern im Hauptstall und drückte jedem zwei Kisten in die Finger. Sie waren alle beschriftet – dafür hatten Lily und ich im Vorfeld gesorgt. Als auch die anderen wieder da waren, holten wir die Ponys raus und begannen mit dem Putzen. Ich sah zu und half zwischendurch, aber sie waren natürlich alle ziemlich selbstständig. Lily und Lea plauderten ausgelassen, und auch die anderen begannen immer mehr damit, sich gegenseitig auszutauschen. Nur Ruth putzte schüchtern schweigend ihre Haflingerstute. Ich gesellte mich beiläufig zu ihr und fragte sie ein wenig aus, wobei sie auch etwas auftaute. Ich erfuhr, dass sie kein eigenes Pony hatte, aber manchmal das einer Bekannten reiten durfte. Meine Erwartungen in ihre Reitkünste sanken damit etwas, denn offenbar hatte sie ja noch nicht viel Erfahrung sammeln können. Trotzdem liess ich mich natürlich gerne überraschen. Als die Ponys zufriedenstellend sauber waren, sattelten und zäumten wir sie. Anschliessend liefen wir alle zusammen zur Halle, wo wir eine erste, klassische Reitstunde abhielten. Ich wollte nicht zu wild starten; natürlich hatte ich noch einige weitaus interessantere Pläne für die nächsten Tage. Die Reitstunde kam aber auch schon nicht schlecht an. Ruth überraschte mich tatsächlich: sie hatte einen erstaunlich guten Sitz und schien gut mit Nim klarzukommen. Bei Aliyah haperte es dagegen am Anfang etwas, weil Lychee heute recht feurig war. Sie galoppierte einmal sogar mit ein paar übermütigen Buckelsprüngen an, was Aliyah dann doch gleich etwas Respekt einflösste. Sie blieb zwar oben, war aber deutlich angespannt und unsicher. Ich beruhigte sie so gut es ging und zeigte ihr, wie sie Lychee mit Schulterherein und kleinen Volten so beschäftigen konnte, dass sie nicht wieder auf dumme Gedanken kam. Das funktionierte dann zum Glück auch. Shira machte, sich Lychee als Vorbild nehmend, ebenfalls Anstalten zum Buckeln. Gina konnte das aber gut aussitzen und hatte die junge Stute rasch wieder konzentriert bei der Arbeit. Die anderen Ponys benahmen sich zu meiner Erleichterung vorbildlicher. Ich hätte sie alle gestern nochmal richtig durchkneten sollen, überlegte ich kopfschüttelnd. Aber manchmal hing es auch einfach von der Tageseinstellung ab. Jedenfalls konnten wir nach der ersten Stunde ein durchaus positives Fazit ziehen und die Kids sahen nicht minder begeistert aus – mit Ausnahme von Aliyah vielleicht. Ich beschloss, Lily darauf anzusetzten, ihr später ein wenig gut zu zureden. Wir versorgten die Ponys, wobei Rachel etwas voreilig war und ich sie darauf hinweisen musste, dass Cinni noch nicht genug durchgebürstet sei, um schon die Decke auf ihren Rücken zu packen. Die korrekte Pflege der Ponys war mir sehr wichtig, wichtiger noch als das Reiten selbst. Reitkünste liessen sich schnell verbessern, aber eine persönliche, vielleicht eher bequeme Einstellung in die richtige Richtung zu formen war weitaus schwieriger. Wir assen alle gemeinsam in der Reiterstube zu Mittag. Ich hatte mit Jonas im Vorfeld abgemacht, dass er einen grossen Topf Nudeln kochte und dazu etwas Tomaten- und Pestosauce vorbereitete. Den Salat machten Lily, Lea und ich noch schnell. Am Nachmittag folgte dann eine Theorielektion über den allgemeinen Umgang mit Pferden. Ich versuchte dabei, möglichst bildlich und spannend, immer wieder auch mal lustig zu erzählen, und brachte viele Beispiele, die ich selbst schon erlebt oder beobachtet hatte. Das kam gut an bei den Kids. Nur Lily musste ich ab und zu ermahnen, dass sie nicht zu viel schwatzte. Ich fragte mich schmunzelnd, ob sie in der Schule auch so gesprächig war. Irgendwann machten wir eine Pause mit Tee und Baumnüssen zum selberknacken, dann ging es weiter mit einer Bodenarbeitseinheit. Die Ponys waren etwas erstaunt, dass sie ein zweites Mal arbeiten mussten. Aber das tat ihnen gut, besonders der wilden Lychee, die jetzt schon deutlich ruhiger war als zuvor. Wir stellten Pylonen auf und machten Führünungen. Ausserdem zeigte ich den Mädchen, wie man Pferde an einer Körung oder sonstigen Schau vorstellen würde. Gegen Abend mussten die Kids dann etwas im Stall mithelfen, bis es wieder Essen gab. Auch das fand ich als Einblick in den Alltag mit Pferden eine wertvolle Lektion. Nach dem Abendessen liess ich der Gruppe Freizeit, sodass sie sich ohne mein Einmischen besser Kennenlernen konnten. Ich brachte ihnen aber noch ein paar Kartenspiele, um ihnen einen Anstoss zu geben. Jonas war froh darüber, denn so hatte er mich endlich allein für sich.

      Die folgenden Tage vergingen so schnell, dass es fast schon unheimlich war. Wir studierten die ersten Elemente der geplanten Quadrille ein, machten ein Gymkhana, gingen auf Ausritte im Pinienwald, standen einmal schon früh morgens auf, um das Renntraining mitzuverfolgen und befassten uns sogar mit einfacher Pferdeanatomie. Ich hatte das Gefühl, dass die Kids mächtig Spass dabei hatten. Sie waren jedenfalls längst nicht mehr schüchtern, sondern ein bunter, schnatternder Haufen und zum Teil schon ganz schön frech. Lily schlief ab Mitte Lager nicht mehr bei uns im Haus, sondern bei Lea und den anderen. Ich ahnte schon, dass sie nachts länger aufblieben als geplant, um sich noch Räubergeschichten zu erzählen, oder zu spielen. Ich drückte natürlich beide Augen zu – ich war ja auch mal in dem Alter gewesen, und das gehörte einfach zu einem guten Lager dazu. Tagsüber, wenn wir nicht gerade Programm führten, verbrachten die Kids gerne Zeit bei den Miniature Horses. Sie nahmen Lewis und Lisa sozusagen das Bürsten der Fellkugeln ab. Die Ponys mochten daran wohl besonders, dass jeweils ein paar extra Karotten für sie heraussprangen. Am beliebtesten bei den Mädchen waren Orchid und Rose; das süsse Fohlen überzeugte mit seinem Fohlen-Flausch, und Röschen mit ihrer bestechlichen Schönheit. Die Papageien im Pflegerheim waren übrigens auch so eine kleine Attraktion. Fast in jeder Pause wurden Africa und Blue von der Horde Mädchen bespasst. Ich hatte die beiden dazwischen noch nie so friedlich in ihrem Käfig schlafen sehen; Sie schienen richtig ausgelastet. Auch die Katzen kamen in den Genuss vieler Streicheleinheiten – besonders Gismo. Die anderen liessen sich ja bei weitem nicht so oft blicken, und Moya blieb der Gruppe sowieso vollkommen fern. Und natürlich war auch das Zebra eine der Hauptattraktionen, die regelmässig besucht wurden. Die Mädchen waren eine coole Truppe. Sie kamen gut miteinander aus und machten eigentlich alle super mit. Es kristallisierte sich bald heraus, welche meine Favoriten waren, was die Zukünftige Turnierreiterei anging. Ins Auge gefasst hatte ich insbesondere Gina, Ruth und Sheridan. Und natürlich Lea, aber die war sowieso schon so gut wie dabei, jedenfalls wenn es nach Lily ging. Die hatte sie auch schon darauf angesprochen, sodass Lea bereits Bescheid wusste und es nur noch mit ihren Eltern abklären musste. Aliyah wurde leider auch bis zum Ende des Lagers nicht so richtig warm mit Lychee. Ich schätzte, dass die beiden einfach irgendwie nicht auf derselben Wellenlänge waren.

      Der letzte Tag rückte näher und wir konzentrierten uns noch etwas mehr auf die Quadrille. Wir brauchten besonders lange, um das Timing bei den diagonalen Wechseln mit dem Kreuzen zwischeneinander hindurch hinzukriegen. Auch das reissverschlussartige Einreihen auf der Mittellinie verlangte volle Konzentration von allen. Am letzten Abend blieben die Mädchen besonders lange auf, um nochmal ausgiebig die Zeit miteinander zu geniessen. Ich erlaubte ihnen, einen Film zu schauen und dazu Popcorn in der Mikrowelle zu machen. Gismo blieb dabei den ganzen Abend mit ihnen auf der Couch und liess sich verwöhnen. Am nächsten Morgen folgte dann die Generalprobe. Wir mussten noch ein paar Widerholungen machen und Kleinigkeiten anpacken, dann passte alles. Die Musik zur Quadrille hatten die Kids natürlich selbst ausgesucht (mit meiner lenkenden Beratung). Als die Eltern kamen, herrschte einen Moment lang Chaos, weil alle aufgeregt erzählten und ihre Ponys zeigten. Dann ordneten wir uns und lotsten die Eltern in die Halle, wo wir einen Teil mit Absperrband abgegrenzt hatten. Ich sorgte dafür, dass die Eltern alle warmen Tee oder Kaffee bekamen, weil es wiedermal ziemlich kalt war. Die Mädchen bereiteten sich inzwischen zusammen mit Lisa vor. Dann kamen sie alle hintereinander in die Halle geritten. Alle Ponys trugen weisse Schabracken und Bandagen, die Mähnen waren den ganzen Morgen mühsam eingeflochten worden. Es sah richtig schick aus. Die Quadrille formierte sich und die Musik startete. Es war ein voller Erfolg. Zwar klappten nicht alle Figuren perfekt synchron, und auch beim Kreuzen gerieten die letzten zwei Paare wieder etwas aus dem Takt, aber den Eltern fiel das gar nicht richtig auf und sie klatschten sowieso begeistert, als die jungen Reiterinnen fertig waren. Die strahlten alle stolz und lobten ihre Ponys. Wir liessen uns Zeit mit dem verräumen der Ponys und die meisten der Mädchen liefen sie gemeinsam mit ihren Eltern im Schritt trocken. Dann packten alle noch ihre restlichen Sachen und verabschiedeten sich von ihren Vierbeinigen Partnern. Für die Ponystuten gab es einige Abschiedskarotten und –Äpfel, worüber sie sich natürlich brummelnd und zufrieden kauend freuten.

      Ein paar Tage nach dem Lager fragte ich wie geplant bei Gina, Ruth und Sheridan nach, ob Interesse daran bestünde, die Ponys auch zukünftig zu reiten. Gina lehnte leider ab, da ihre Familie selbst einen kleinen Stall führte und sie bald die eignenen Nachwuchsponys reiten würde. Die anderen beiden nahmen das Angebot aber begeistert an, und so konnten wir Lea Reed, Ruth Crawford und Sheridan Langley neu in unserem Team begrüssen. Eine Überraschung gab es noch: Lea brachte ihren Welsh Pony Hengst All Pride mit nach Pineforest. Das hatten wir in der Vereinbarung so ausgemacht, damit Lea die Infrastruktur nutzen und den Racker auch gleich optimal trainieren konnte. Der kleine braune Hengst war ein hübsches Kerlchen – er gefiel sogar mir. Ich hatte das Gefühl, dass Lily, Suri, Lea, Ruth, Sheridan und die Ponys noch jede Menge Spass zusammen haben würden.
      25 Jan. 2019

      Eine Herde bekannter Gesichter
      Deadly Ambition, Odyn, Felicita II, Piroschka, Riven in a Dream, PFS' Strolch, PFS' Savory Blossom, PFS' Straight Alignment, Corde de la Cerise, Eismärchen, Blue Moon II, Louvré, PFS' Ljúfa, PFS' Lyskra, Raving Hope Slayer, Co Pilot de la Bryére, Moon Kiddy, Dancing Moonrise Shadows, Iskierka, A Winter's Tale, Empire State of Mind, Senda Oscura, Dourada Estrada, One Cool Cat, Unbroken Soul of a Rebel, Daedra, PFS' Counterfire, Phantom, Mikke, Kaythara El Assuad, All Pride, Nosferatu, Drømmer om Død

      Vor gut einer Woche hatte ich das Team informiert, dass heute «besondere Umstände» unsere unsere Zeit in Anspruch nehmen würden. Die Rede war von der Ankunft einer ganzen Horde von Pferden, die wir von Hunter Crowley und dessen Bekannten übernahmen. Es gab auf den jeweiligen Gestüten eine Umstrukturierung und in Folge dessen waren viele der Pferde zum Verkauf gestanden. Schon vor nicht allzu langer Zeit hatte ich ein paar von Hunters Pferden zu mir geholt, unter anderem den von mir heiss geliebten Vollblüter Raving Hope Slayer. Diesmal waren es aber vor allem Pferde, die ich bereits kannte und die zum Teil sogar auf Pineforest ihre ersten Schritte überhaupt getan hatten. So etwa Savory Blossom, die hübsche Blütenzauber-Tochter. Auch zwei Stromer-Nachkommen waren unter den Rückkehrern: Straight Alignment und Strolch. Auf letzteren war ich besonders gespannt, denn vom Hören-Sagen her glich er seinem Vater auf’s Haar, abgesehen von der leicht dunkleren Fellfarbe. Ally war ein stattlicher junger Hengst mit reichlich Potential für Military, wie ich ihn einschätzte. Piroschka kehrte ebenfalls wieder zurück - sie hatte seit ihrem Verkauf irgendwie ihren Weg zu Hunter gefunden, und nun durfte sie ihre alten Kolleginnen, insbesondere Moon, wiedersehen. Ausserdem war da noch Corde de la Cerise - eine Warmblutstute von, wer hätte es gedacht, Co Pilot. Praktische Grösse, hübsch dunkelbraun mit Dapples und ähnlich sensibel wie ihr Vater. Das war auch einer der Gründe, warum ich sie zu mir hatte nehmen wollen; in fremden Händen wäre ihre Zukunft recht ungewiss gewesen. Da ich aber die Launen und Macken dieser Blutlinie nur zu gut kannte, war ich sicher, damit umgehen zu können. Eine weitere Herausforderung bot sich mit Eismärchen, einer halbblinden Ponystute. Womöglich machte ich mir dazu aber mehr Gedanken als nötig, denn die Stute war laut Hunter unkompliziert und ruhig. Ganz neu war auch Mikado, eine Vollblutstute, die mich rein äusserlich ein wenig an Sympathy of the Devil erinnerte, jedoch charakterlich eher auf der scheuen Seite zu sein schien. Und natürlich der kleine Louvré, den ich schon vor einer Weile gekauft hatte, der aber bis anhin noch bei Hunter auf der Fohlenweide einquartiert war. Zu guter Letzt gab es noch einen Rückkehrer besonders zu erwähnen: Riven in a Dream. Die schwarzbraune Stute war auf dem Bear Brook Gestüt liebevoll umsorgt worden und befand sich körperlich in einem top Zustand. Ich freute mich schon darauf, sie wieder unter dem Sattel zu haben.

      Wir waren schon am Vortag nebst den Routinearbeiten eifrig damit beschäftigt gewesen, die Boxen einzurichten. Ich hatte beschlossen, ein paar Verschiebungen in der Boxenreihenfolge vorzunehmen, damit es bei den Neulingen keine Zankereien mit den benachbarten Pferden gab. Natürlich konnte ich nur raten, wer sich am besten mit wem vertragen würde. Aber meistens hatte ich eine Art Gespür dafür – schliesslich hatte ich es schon öfter mit wählerischen Kandidaten wie zum Beispiel der zuckersüssen Iskierka zu tun gehabt, die ihren ersten paar Nachbaren am liebsten durchs Gitter an die Kehle gegangen wäre und erst Ruhe gegeben hatte, als sie die Box mit nur einseitiger Nachbarschaft, verkörpert durch A Winter’s Tale, bekommen hatte. Das lag vermutlich daran, dass Thalia gegenüber anderen Pferden nicht so aufdringlich war wie viele andere der vierbeinigen Genossen. Jedenfalls hoffte ich, dass sich alle irgendwie arrangieren würden. Vor dem Mittag bereiteten wir nun auch die Transporter vor; den vierplätzigen Camion und zwei gewöhnliche Zweier-Anhänger. Die Fahrt nahmen wir kurz nach dem Mittag in Angriff. Im Nachbardorf trafen wir wie geplant auf Rosie, die ebenfalls zwei Pferde abholen wollte. Unsere Karavane kam ohne tragische Verspätung am Zielort, dem Bear Brook Gestüt, an. Dort wurden wir fröhlich in Empfang genommen, sobald wir organisiert-praktisch auf dem Parkplatz verteilt waren. Um die weniger verladefreudigen unter den Pferden nicht unnötigem Stress auszusetzen, planten wir kurz, wem welche Aufgabe zuteilwurde. Leute hatten wir mehr als genug zur Verfügung. So wurde Schlag auf Schlag ein Pferd nach dem anderen in die Transportvehikel geführt und alles gesichert. Weil wir geschickterweise die mutigeren Kandidaten gleich als Vorbilder voraus verluden, gingen eigentlich alle problemlos rein, sogar die zappelige Cerise. Die Klappen wurden schwungvoll geschlossen und es wurden zufriedene High-Fives oder Schulterklopfen ausgetauscht. «Ich hoffe, wir hören trotzdem bald wieder von euch», wandte ich mich leicht besorgt an Hunter. Der beschwichtigte mit einer Handbewegung und einem Zwinkern. «Keine Angst, wir sind ja nicht von der Welt. Aber in nächster Zeit werden wir nur leider sehr beschäftigt sein.» Ich grinste und nickte wohlwissend, dann verabschiedeten wir uns mit einer freundschaftlichen Umarmung.

      Zuhause wurde es doch noch etwas hektisch. Zwischen dem aufgeregten Wiehern der Pferde und dem tänzelnden Hufgetrappel dirigierte ich so gut es ging die Zweibeiner, während ich selber eine schnaufende Cerise am Strick hatte. Es gab Gequietsche zwischen den neuen Boxennachbaren, und manche der Neulinge drehten zunächst unruhige Runden im Stroh. Als der Heuwagen kam, beruhigte sich die Stimmung deutlich. Ich half noch mit, die Transporter zu reinigen und zu versorgen, dann machte ich eine Kontrollrunde, wobei ich zuallererst zur Fohlenweide stiefelte, um nach Louvi zu sehen. Der junge Hengst wurde wie erwartet aufdringlich beschnuppert und sein helles Fell gründlich inspiziert, aber die Begrüssung schien friedlich zu bleiben. Ich bat Lewis trotzdem, ein Auge auf die Gruppe zu halten. Als nächstes lief ich durch den Innenhof des Hauptstalls und warf einen Blick durch die Fenster. Strolch kaute zufrieden auf seinem Heu herum, aber Ally schien noch immer unruhig zu sein und rührte seinen Haufen nicht an. Ich ging ins Innere des Stalls und betrat die Box des Hengstes. «Hey, big boy. It’s allright, you’re home», murmelte ich, und streichelte seinen dunkelbraunen Hals. Er wieherte mir zum Dank direkt ins Ohr. Ich rieb mir symbolisch die Ohrmuschel und verzog das Gesicht. «Got a tinitus?», lachte Ajith, der mit der Schubkarre durchkam. «Almost…» Der Pfleger kam näher und warf ebenfalls einen Blick in die Box. Dann meinte er: «Don’t worry, I’ll check frequently to see if he’s fine.” Er ahnte, dass ich mir mehr Sorgen als nötig machte, weil ich noch zu genau im Kopf hatte, was mit Allys Vater geschehen war. Ich wusste, dass die beiden Pferde trotz ihrer Verwandtschaft völlig unterschiedlich waren und es bei Stromer einfach Pech gewesen war, aber ich konnte nicht anders als daran zu denken, wenn ich die Nachkommen meines Lieblings so aufgewühlt und gestresst sah. Ich bedankte mich bei Ajith – der Pfleger war in solchen Momenten ein Segen. Mikado und Savory waren ruhig, Riven schien sich auf Anhieb wieder wohlzufühlen. Cerise konnte sich kaum entscheiden zwischen Fressen, Nachbaren beschnuppern und in der Gegend herumglotzen. Ich lachte bei dem Anblick der höchst beschäftigten Stute. Typisch junges Pferd. Wenig später ging ich zur Stutenweide, um Ljúfa zu putzen. Ljúfa und ihre kleine Tochter, um genau zu sein. Das Fohlen war seit ein paar Wochen auf der Welt und bereits ziemlich mutig unterwegs. Sie verlief sich auch öfter mal und folgte dann einer anderen Stute, bis Mama Ljúfa sie mit angelegten Ohren zurückeroberte. Besonders frech in dieser Hinsicht war Chanda. Die Criollo Stute war ein ausgesprochener Fan des Föhlchens und lockte die Kleine jeweils fast schon zu sich. Aber natürlich liess Ljúfa nicht zu, dass das graue, flauschige Ding zu lange von ihrer Seite wich. Anfangs hatte ich die Situation besorgt aufmerksam beobachtet, aber nun waren die beiden aus dem gröbsten raus. Die kleine trug übrigens den Namen Lyskra.

      Gegen Abend wollte ich bereits zum ersten Mal eines der neuen Pferde ausprobieren. Ich entschied mich für Strolch. Sein cremefarbenes Fell war besonders beim Hals vorne ganz weich und hatte einen seidigen Glanz, typisch für Champagne. Vom Farbton her war es dem seines Vaters sehr ähnlich, aber die Haut darunter war an manchen Stellen nicht rein rosa, sondern ganz leicht dunkelgrau gesprenkelt. Von weitem erkannte man das kaum, aber als ich direkt neben ihm stand und mit den Fingern den Nüstern entlangstrich, konnte ich die einzelnen Fleckchen zählen. Strolch spielte mit seiner Oberlippe, als ich den Zeigfinger darauf tippte. Wenig später gähnte er ausgelassen und streckte dabei seine Zunge raus, weil ich eine etwas verspannte Stelle beim Kreuzdarmbein mit dem Striegel traf. Ich massierte dort noch etwas länger und er verzog genüsslich das Maul. «Na du Albino-Giraffe», grüsste Jonas laut, und strich dem jungen Hengst ebenfalls kurz über die Stirn. «Was machst du mit ihm?» «Bisschen auf den Platz, dachte ich.» Ich gab ihm einen Begrüssungskuss. «Ich hab ne bessere Idee.» «Die wäre?» «Ich nehm Empire und wir gehen zusammen zu Rosie rüber. Sie hat uns zu einer Tasse Tee eingeladen.» «Mit Strolch? Er ist gerade erst angekommen, ich weiss nicht, ob das schlau ist…» «Ach was. Das ist nicht anders, als wenn er auf einem Turnier wäre. Sagen wir, ein Patrouillenritt. Oder eine Fuchsjagd.» «’Kay, wenn man es so betrachtet…» «Genau. Ich hab immer recht.» «Stimmt doch gar nicht», protestierte ich lachend, und stupste ihm in die Seite. Wir einigten uns auf einen kurzen Besuch und ich machte Strolch fertig, während er Empire sattelte. Wir liessen die beiden beim Aufsteigen einander beschnuppern – es gab nicht einmal ein Gequietsche. Es schien, als würde Strolch den älteren, erfahreneren Hengst ohne Hinterfragen als Chef akzeptieren. «Cleverer Bursche», murmelte ich und klopfte ihm auf den Hals. Wir ritten los und kamen bis zur Holzbrücke, ehe Strolch dann doch ein wenig Unwohlsein zeigte. Die vom Regen der vergangenen Tage noch etwas feuchten Planken schienen ihm nicht geheuer zu sein. Ich ritt ihn geduldig heran und liess ihn den Untergrund untersuchen, doch auch das überzeugte ihn zunächst nicht von unserer Idee. Schliesslich klappte es, als Empire direkt vorausging und er sich quasi hinter dem Schimmel verstecken durfte. Ich lobte ihn ausgiebig und war froh, ein so wohlerzogenes Lehrpferd an unserer Seite zu haben. Empire konnte zwar auch anders, das wusste ich, aber zumindest im Moment war auf ihn verlass. Wir setzten den Weg fort und kamen in ganzen Stücken bei Rosie an. Die junge Stallbesitzerin empfing uns und wir konnten die beiden Pferde wie gewohnt in zwei ihrer leeren Boxen stellen – derer sie auch nicht mehr so viele hatte, wie ursprünglich. Zwei neue Morgan Horses wohnten nämlich nun auf der Wilkinson Farm, zwei prächtige Tiere. Das eine mit goldgelbem, glänzenden Fell und das andere so schwarz wie die finsterste Nacht. «How do you like them? I must admit - I instantly fell in love when I saw them”, schwärmte Rosie. “They are quite handsome, that’s true. The golden one is a champagne, I suppose?” “Of course. Dourada Estrada. The mottled skin and green eyes are unmistakable. I love that green sheen.” “This is kinda funny. Did you take a close look at my new fellow over there?” Wir wechselten zu Strolch und Rosie musterte ihn neugierig. «He’s a son of Stromer, right?” “Jup.” “He sure looks like his daddy…» «Nah, look at his eyes.” “OH!” Wir lachten herzhaft. “I really didn’t notice – must have been the dim light in here…” “What a coincidence, right?” “Yeah!” Wir blieben noch einen Moment im Stall bei den Pferden (Senda Oscura wurde uns auch noch vorgestellt), dann wechselten wir ins Haus und genossen eine Tasse Tee. Bevor es ganz eindunkelte machten Jonas und ich uns schliesslich auf den Heimweg.

      Bei der letzten Stallkontrolle vor dem Zubettgehen hatte Ally seinen Heuhaufen schliesslich auch ratzeputz aufgefressen, und Savory streckte sich diese Nacht sogar schon entspannt im Stroh aus, was man an ihrem reichlich dekorierten Schweif am nächsten Morgen erkannte. Überhaupt hatten sich viele der Neuen über Nacht schon etwas eingelebt. Wir begannen an diesem Morgen, alle in den gewöhnlichen Tagesablauf zu integrieren. Dazu gehörte natürlich auch Bewegung. Ich ritt am Morgen deshalb nebst One Cool Cat, Rebel, Moon und Phantom auch Riven – allerdings nicht auf der Rennbahn, sondern auf dem Sandplatz. So kurz vor dem Mittag war die Luft schon sehr aufgeheizt und wir schwitzten beide so viel, dass wir nach dem Galopp fast frisch geduscht aussahen. Ich wollte Riven (und mich selbst, mit meiner zarten, bleichen Haut) nicht mehr zu lange der Sonne aussetzen, also verzichtete ich auf allzu ausgiebiges Ausschreiten und steuerte schon den Ausgang an, beziehungsweise Waschplatz. Aber so weit kam ich nicht – mein Smartphone klingelte vorher. Überrascht nahm ich ab. «Cooper?» «Hi Occulta. I have to reorganize my barn and prepare for future breeding projects. Would you like to take back Felicita? And there’s Odyn, too – the son of Mikke. And I have a Mare out of Burning Spring that I’m sure you would like.” “Are you kidding me??” “No, why?..” Ich konnte es nicht fassen – noch mehr Pferde? Die Sonne brannte auf meine Oberschenkel, und Riven scharrte ungeduldig. «Coop?», fragte ich, um zu sehen ob sie noch dran war. «Yes?» «I have to think about it – and discuss with Jonas…” “No Problem. Hey – is it so very hot in England, too? We had to train the horses even earlier in the morning than usual. At eight o’clock it was already 77 °F over here…” “Yeah Cooper, I’m drowning in my own sweat right now. That’s why – let’s hang up, I really need to go take a bath together with my horse”, drängte ich. “Oh my, you’re still out? I’m sitting here with an ice cream, enjoying the fan in front of me.” “Whatever. Bye, I’ll call you back later.” Ich hängte lächelnd auf, dann stopfte ich das Smartphone in die Po-Tasche und ritt Riven zügig zum Hauptstall zurück. Ich sprühte sie gründlich von Huf bis Kopf ab und streifte dann das überschüssige Wasser mit dem Schweissmesser ab. Sie schnaubte ein paarmal und hielt den Hals entspannt waagrecht. «That’s much better girl, right?», murmelte ich liebevoll. Ich wusch mir selbst rasch das Gesicht, dann führte ich die Stute in ihre Box, wo sie bis zum Abend bleiben würde – wir stellten die Pferde im Sommer erst Abends auf die Weide, um sie nicht den Bremsen zu servieren. In der Stallgasse des Hauptstalls war es zum Glück etwas kühler als draussen. Alle Fenster waren geöffnet und eine leichte Brise sorgte für gelegentlichen Luftaustausch. Trotzdem machte ich mir natürlich Gedanken, wie man es den Pferden noch angenehmer machen konnte. Eine Klimaanlage im ganzen Stall kam jedoch leider nicht in Frage – die Stromkosten wären nicht tragbar. Etwas Besseres fiel mir momentan auch nicht ein. Ich begab mich ins Haus, um das Mittagessen, ein Birchermüsli mit Früchten, vorzubereiten. Auf etwas warmes hatte niemand Lust. Zum Nachtisch gab’s dann auch ein Eis. Lily hatte im Supermarkt Wassereis gefunden, in das Gummibärchen eingefroren waren. Unerwartet lecker für ein vermutlich überzuckertes, künstlich gefärbtes Produkt. Ich rollte die Augen beim blossen Gedanken daran und schleckte genüsslich weiter. Beiläufig stellte ich mich neben Jonas und lehnte mich leicht an ihn. Er durchschaute mich sofort. «Was führst du jetzt wieder im Schilde?» «Gar nichts. Verdächtige mich doch nicht immer gleich.» «Dann darfst du mir aber keinen Grund dafür geben.» «…Okay, nächstes Mal. Cooper hat angerufen…» Ich brauchte gar nicht weiterzureden. «Noch mehr Pferde??» Ich stiess ein kleinlautes «Ja» aus. Sein Tonfall wurde ernst. «Wir müssen noch mehr anbauen, wenn das so weiter geht. Der Hauptstall hatte noch nie, seit ich hier bin zumindest, alle Boxen besetzt. Zum Glück ist die Besitzerin von Muskat letztens mit ihm umgezogen, sonst hätten wir sogar eine zu wenig gehabt." "Ich weiss ja... Ich hatte auch nicht vor, so viele aufzunehmen. Aber ich kann doch unsere alten Freunde nicht im Stich lassen! Ich meine - Felicita kommt zurück! Ich kann es kaum fassen, dass ich sie nach so langer Zeit wiedersehe. Ich bin so gespannt darauf wie sie jetzt ist. Sie muss inzwischen richtig erwachsen und zuverlässig geworden sein. Aber sie war sowieso immer schon ein Schatz." "Nichts desto trotz müssen wir aufpassen, dass wir uns nicht zu viel aufhalsen. Vermutlich müssen wir noch einen Pfleger mehr einstellen, und die ganzen Kosten für Tierarztbesuche und Futter darfst du auch nicht vergessen. Bisher kamen wir relativ sorglos über die Runden, aber mit so vielen Mäulern zu stopfen wird das nicht ewig so bleiben." Ich seufzte. Er hatte vollkommen recht, das war mir auch bewusst. Ich sah ihn nicht direkt an, meinte aber: "Die Saison ist noch lange nicht zuende. Iskierka ist dieses Jahr noch stärker als sonst und wir haben mit Counterfire und Daedra gleich zwei ausgezeichnete Jungpferde am Start. Cool Cat und Kaythara sind ebenfalls beinahe ungeschlagen - und vergessen wir mal nicht Raving Hope Slayer, dessen volles Potential wir noch gar nicht kennen. Ich wollte mit Oliver sowieso darüber sprechen, ob wir uns im September mit Counterfire an die St. Leger Stakes in Doncaster wagen können." "Die St. Leger Stakes?? Glaubst du sie hat ne Chance? Das ist ein Gruppe-1 Rennen, und erst noch das älteste der British Classics - Es geht über 2900 Meter! So eine Distanz ist Daedra bisher nie gelaufen." "...und das Preisgeld für den Sieger ist £421,355", stellte ich beiläufig fest. "Und Oliver meint, dass sie das kann?" "Sie ist ungeschlagen, Jonas. Keiner der Zweijährigen konnte ihr das Wasser reichen, und die Dreijährigen können es bisher auch nicht. Oliver wird mir sicher zustimmen."

      "You wanna do WHAT?!?" Oliver sah mich an, als hätte ich mein letztes bisschen Vernunft an die Schwalben unter dem Dach des Hauptstalls verfüttert. "Well, don't you always rave about how she is oh so outstanding and should race group-1?" "That's a completely different story! What you are suggesting ist Great Britain's oldest classic race, the last race of the tripple crown! This is not some freshwater race like the ones that we've done so far. This one is of international importance!" "You fear that she could embarrass you in front of international trainers. You're a coward." "I'm only being realistic!" "I think we should give her a chance to prove herself." "I think you should ask her first, if she wants to run a whole Mile and six furlongs against three-year-olds that were trained specifically for that." "There's still time to train her specifically, too." Schweigen stellte sich für einen Moment ein. Oliver sah nachdenklich aus, und ich überlegte mir, ob ich mit meiner Idee vielleicht doch zu sehr nach den Sternen griff. Schliesslich ergriff Oliver wieder das Wort. "We would have to train hard to achieve this level of stamina. We would have to train her first in the morning, and even then it will still be too warm for that amount of training. You know I will try to fulfill your every wish, but only if you are sure about it. I don't want to hear another harangue from you about how I abuse your precious horsey-babies and about how overambitious I am. You still remember our little discussion after Frame's accident, don't you?" Ich zögerte. "Yes - and you're right, it probably is a stupid idea. I still thought you would be more excited and help me get upbeat about it, too." Er fixierte mich mit ernster Miene. "I AM excited about it. I would gladly try to train a champion horse for a challenge like that. But my experience tells me that you will not let me finish the plan once you realise what you're asking of that horse." Entschieden antwortete ich: "I will. I will agree with whatever you deem necessary, as long as Counterfire does not get hurt in the process. I will keep an eye on you, but I will not blame you if something goes wrong. I promise." "It's decided then. We start tomorrow, we have a lot to catch up on." Ich nickte, unsicher, ob ich erleichtert oder besorgt sein sollte. Auch wenn ich es schönzureden versuchte - ich hatte im Grunde genau das vor, wofür ich so viele andere Rennpferdebesitzer anprangerte: Geldverdienen.

      Später am Nachmittag rief ich Cooper erneut an und bestätigte, dass ich Odyn, Felicita und die Stute namens Deadly Ambition bei mir aufnehmen würde. Ich setzte alle Hebel für den Einflug der drei aus Kanada in Gang, dann ging ich in den Stutenoffenstall, um Shadow zu holen; aber vorher zog ich meine Badesachen an. Die Stute hatte mit ihrem schwarzen Fell noch heisser als die anderen und brauchte dringend eine Abkühlung. Und wo bekam man die besser, als bei der Badestelle im Fluss nebenan? Lily, und auch Lea, die gerade um fünf Uhr gekommen war, stiessen begeistert hinzu. Lea durfte einen Badeanzug von Lily ausleihen. Sie nahm ihren Ponyhengst All Pride, während Lily die ebenfalls dunkle Nosferatu auswählte. Die beiden Ponys kannten sich übrigens bereits von früher: sie hatten ziemlich lange auf dem selben Gestüt gelebt. Kurz bevor wir losreiten wollten, kam Jonas in seinen Badehosen über den heissen Asphalt gejoggt - ausrufend, dass er auch noch mitwolle. Er holte Dod aus dem Nordstall. Wir warteten ungeduldig in der heissen Sonne auf ihn, aber er beeilte sich zum Glück. "Man darf die Ladies nicht warten lassen, stimmt's?" Wir rollten allesamt die Augen, dann machten wir uns auf den Weg. Ich war unglaublich froh, als wir das Wasser erreichten, denn ich klebte förmlich auf Shadows Rücken fest und ihr Fell war richtig heiss zum Berühren. Die Pferde stiegen bereitwillig das Ufer hinunter und auch sofort stampfend ins Wasser. Der Fluss führte trotz der Hitze noch relativ viel Wasser, vermutlich weil es zuvor lange geregnet hatte. Wir genossen die Abkühlung eine ganze Dreiviertelstunde lang, ehe die Vierbeiner ungeduldig wurden und wir uns auf den Heimweg machen mussten. Dort lockte nämlich das Kraftfutter.
      30 Juni 2019

      Von überlaufenden Fässern
      Iskierka, Raving Hope Slayer, PFS’ Riptide, One Cool Cat, Kaythara El Assuad, PFS’ Counterfire, Daedra, Unbroken Soul of a Rebel, Burggraf, Areion, Diarado, Drømmer om Død, Vychahr, Flintstone, Nosferatu, Cambria, White Dream, Yoomee, Silverangel, Fake my Destiny, River’s Lychee, scs Sugar and Sweets, scs Bluebell, PFS’ Shadows of the Past, Nimué, Moon Kiddy, Chanda, Dancing Moonrise Shadows, Phantom, Matinée, PFS’ Ljúfa, PFS’ Skydive, PFS’ Reverie, Brendtwood, PFS’ Soñando Solas, PFS’ First Chant, PFS’ Clooney, PFS’ Cranberry, Cinnemont’s History, All Pride, PFS’ Karat, PFS’ Lyskra, PFS‘ Savory Blossom, Odyn, PFS‘ Strolch, Eismärchen, Piroschka, Louvré

      Was ist nur aus dem Herbst geworden?, trauerte ich innerlich, als ich zum Fenster hinaussah und feststellte, dass der Tau auf dem Gras gefroren war. Ich sah ausserdem nicht besonders weit, denn eine dicke Nebelwand verechluckte die Gebäude des Hofs. Irgendwie hatte der Herbst diesmal kaum mehr als zwei Wochen angedauert, danach hatte gleich der Winter angeklopft. Es waren sogar schon die ersten Schneeflocken gefallen, jedoch auch gleich wieder verschwunden, kaum dass sie den Boden berührt hatten. Ich rieb mir die Augen, als Jonas das Licht einschaltete. "Warum stehst du hier im Dunkeln rum? Komm runter, Frühstück steht auf dem Tisch." Es war mir ein Rätsel, welches Virus ihn diesmal erwischt hatte, dass er für einmal früher aufgestanden war als ich. Normalerweise musste ich ihn regelrecht aus dem Bett zerren, in der kalten Jahreszeit ganz besonders. Ich zog mich an und stakste die Treppen runter, möglichst leise, um Lily nicht zu wecken. Sie musste wie immer erst um 8 Uhr zur Schule, wohingegen das erste Rennpferdetraining um 6 Uhr begann. Bei so vielen Vollblütern wie wir mittlerweile hatten, konnten wir auch im Winter nicht später anfangen - sonst reichte die Zeit für alles andere nicht mehr. Und den nächste Zuwachs erwarteten wir bereits im Frühling: Felicita, Deadly Ambition und Savory Blossom erwarteten Fohlen. Ich freute mich besonders auf das von Felicita, denn der Vater war Gleam of Light und somit hatte es zwei besonders treue Gefährten aus den Anfängen meiner Zeit auf Pineforest als Eltern. Der Gedanke weckte eine gewisse Nostalgie in mir. Damals waren nur eine Handvoll Rennpferde auf dem Hof gewesen, die Jack und ich mehrheitlich alleine trainierten. Wenn ich mir überlegte, was daraus entstanden war, konnte ich es kaum glauben.
      Wenig später, als ich während dem Müsli-Kauen die Zeitung las, surrte mein Handy. Es war eine Nachricht von Lisa.
      - Komme etwas später, muss meine Mutter zum Flughafen bringen
      Fällt dir auch früh ein, tadelte ich sie stumm kopfschüttelnd.
      - Ok.
      Ich wollte das Handy gerade wieder weglegen, da surrte es erneut.
      - Btw hast du mitbekommen, dass die kleine Icy Rebel Soul gestorben ist??
      Nein, hatte ich nicht. Die Nachricht dämpfte meine Vorfreude auf den Tag ein Stück. Offenbar hatte Lisa um sieben Ecken mitbekommen, dass das Stutfohlen von Rebel nicht einmal zwei Jahre alt geworden war. Die genauen Umstände waren uns nicht bekannt, was es nicht unbedingt besser machte. Ich bereute zutiefst, dass ich im letzten Halbjahr nicht mehr nach ihr gefragt und somit gar nichts von ihrem Zustand mitbekommen hatte. Normalerweise behielt ich unsere Zuchtfohlen immer ein wenig im Auge und las mit Freude von ihren Erfolgen im Sport. Ich stand auf und stellte seufzend meine Müslischüssel in den Geschirrspühler. Jonas hakte nach, was los sei und ich berichtete ihm kurz, was ich so eben erfahren hatte. Auch er war traurig, denn das Stutfohlen hatte uns beiden gut gefallen. Aber so war das Leben nunmal.

      Nach dem Frühstück ging ich wie immer als erstes in den Hauptstall. Iskierka, Raver, One Cool Cat, Kaythara und Odyn wurden gerade für’s Trainig ausgerüstet. Ich lief durch die Stallgasse und streichelte jeden kurz, wobei ich jeweils einen prüfenden Blick über die ganzen Vierbeiner wandern liess. Besonders bei Odyn und Iskierka nahm ich mir einen Moment Zeit, um die korrekte Ausrüstung in Augenschein zu nehmen, denn die beiden wurden heute von zwei neuen Jockeys geritten. Ich hatte die eine junge Frau, Isaiah Griffiths, schon an mehreren Rennen beobachtet und Oliver hatte mir zugestimmt, dass sie talent hatte. Isaiah hatte mir dann kurz nach meiner Anfrage noch einen Rennreiter namens Idris Shaw empfohlen, sodass ich ihn ebenfalls auf einen Proberitt eingeladen hatte. Die beiden kannten sich anscheinend schon länger. Beide ritten unter Olivers und meinen kritischen Augen hervorragend, sodass ich sie gleich beide eingestellt hatte. Mit den vielen Nachwuchspferden brauchten wir einfach mehr Reiter, damit wir auch alle regelmässig starten lassen konnten. Ich freute mich auf die weitere Zusammenarbeit mit den beiden neuen Jockeys. Nicht nur Zweibeiner waren zu unserem Team gestossen, auch eine Nachwuchsstute von Riven in a Dream und Rosenprinz ergänzte meine „Sammlung“ seit ein paar Wochen. Sie hiess Riptide und war eine braune Stute mit samtigem Fell. Ich hielt bei ihrer Box und schob die Tür auf, denn ich sah eine kleine Schramme an ihrer Schulter. Sie wandte sich sofort neugierig zu mir. „She’s going to be stunning, once she has muscles and starts to race“, bemerkte Ajith hinter mir, und erschreckte mich dadurch fast. “When did you get here? Gee, don’t sneak up on me like that.” “Sorry boss.” Tut dir überhaupt nicht leid, bei deinem Grinsen. „Anyway, is Quinn already here?“ „Why would I know?“, meinte er nur schulterzuckend. Ich runzelte skeptisch die Stirn. “I thought you two had a really good time after the St. Legers?” “We’re not going out, if that’s what you expected. She… Kind of started avoiding me again.” Ich seufzte ungeduldig. “What is wrong with you guys? You obviously belong together.” Er lächelte schief, dann wechselten wir das Thema und evaluierten stattdessen Riptides Futtermenge. Quinn stiess später zu uns, denn sie ritt erst in der zweiten Gruppe mit. Diesmal sattelte sie Strolch. Der helle Palomino mit den auffallenden, grünen Augen spielte mit der Anbindekette, als ich zu ihm kam. Ich streichelte seine weisse Stirn. Die grosse Blesse verlieh seinem Gesicht noch mehr babyhafte Züge als es sonst schon hatte. Er war eines von den Pferden, die man am liebsten knuddeln wollte, wenn man sie sah. Zum Glück war er auch ziemlich verschmust, sodass er die Aufmerksamkeit toll fand. Er war kaum dünkler als Stromer es gewesen war. Auch der Körperbau war mittlerweile ähnlich geworden, anders als bei Ally, der eher grobknochig gebaut war. Alle Stromerfohlen waren recht unterschiedlich – da mischte nunmal jeweils noch ein grosser Teil der Mutterseite mit. Ich mochte sie aber alle wahnsinnig gerne, und alle erinnerten mich auf die eine oder andere Art an meinen verstorbenen Liebling. Wenn es nicht das äussere war, dann dafür umso mehr der Charakter. Ich werde ihn nie vergessen, stellte ich einmal mehr wehmütig fest. Da war es wieder, dasselbe Gefühl wie schon beim Frühstück. Vielleicht bin ich so sentimental weil Weihnachten naht, überlegte ich. Ich beschloss mich selbst etwas aufzuheitern und ging zu Counterfire. Die Stute hatte ihr Wehwehchen am Vorderbein gut überstanden und war wieder voll einsetzbar. Und frech wie immer. Sie zupfte an meinem Schal, als ich sie durchs Boxenfenster streichelte. „You will get to show your talent next year“, versprach ich ihr flüsternd, im hinblick auf die nächste Saison. Daedra hatte ihr dieses Jahr ziemlich die Show gestohlen, mit ihrem unerwarteten Sieg in den St. Leger Stakes. Aber ich war sicher, dass die feurige Fuchsstute auch noch ein paar Überraschungen für uns auf Lager hatte.
      Ich lief vom Innenhof des Hauptstalls zum Nebenstall, denn als erstes wollte ich heute mit Yoomee arbeiten. Die Ponystute wirkte noch ein wenig verschlafen, liess sich aber brav aus der Box führen. Ich bürstete sie gründlich und kämmte ihre kurze Mähne. Auch die Hufe kratzte ich aus; es war aber kaum etwas darin, weil sie noch nicht auf der Weide gewesen war. Danach sattelte ich sie und brachte das vierbeinige Tier zur Halle. Ich stellte ein paar Cavaletti auf, während ich sie herumführte. Als ich mit dem Aufbau zufrieden war, stieg ich in den Sattel und ritt Yoomee warm. Die nächste halbe Stunde nutzte ich, um das Connemara über den Cavaletti zu gymnastizieren. Es war insofern ein guter Tageseinstieg, als sie fleissig mitmachte und die meisten Aufgaben geschickt löste.
      Nach der Arbeit mit Yoomee wechselte ich vom Nebenstall zum Nordstallgebäude, das mittlerweile fertig umgebaut, beziehungsweise erweitert war. Es gab nun im Anbau vier weitere grosse Boxen aus dunklem Holz, in denen vorläufig All Pride, Areion und Skydive hausten. Lily nannte es liebevoll ihren „Ponystall“, auch wenn nicht alle Ponys dort standen. (Wo wir gerade von ihr Sprachen, sie schwang sich in diesem Moment auf ihr Fahrrad und brauste richtung Schule davon. Ich winkte ihr zum Abschied.) Skydive lief mittlerweile übrigens in allen drei Gangarten unter dem Sattel. Wir nahmen ihn im Moment so oft wie möglich auf Ausritte mit, so dass er möglichst viele neue Eindrücke kennenlernte und viel geradeauslaufen konnte. Lily war natürlich wann immer sie zuhause war dabei – sie war sogar schon ein paarmal nachdem ich ihn geritten hatte auf seinem Rücken gesessen, zum trockenreiten. Sie schwärmte jeweils, wie weich sein Schritt war. Ich fand auch, dass er bequeme Gänge hatte, aber nicht aussergewöhnliche. Lily neigte nunmal zu Übertreibungen, wenn es um ihren Liebling ging. Bevor ich heute wieder mit dem jungen Ponyhengst arbeitete, war aber Vychahr dran. Der Dunkelfuchs brummelte mir schon ungeduldig zu, als ich mit seinem Stück Begrüssungskarotte zu ihm kam. Ich bewegte ihn eine Dreiviertelstunde in der Halle und übte an unseren Seitengängen, wobei ich aufpassen musste, Lisa und Darren mit Rebel und Flint nicht in die Quere zu kommen. Die beiden trainierten nämlich ihre Reiningfertigkeiten. Irgendwie kamen wir aneinander vorbei. Ich war jedoch froh, dass ich mit Vilou fertig war, bevor auch noch David mit Aristo, Linda mit Piroschka und Thomas mit Chanda reinkamen, weil es draussen zu Regnen begann. Es war im Winter eben doch etwas mühsam, wenn alle in die Halle wollten. Ich versorgte den Dunkelfuchs und gab ihm seine Belohnung, danach holte ich gleich Dod raus. Ich hatte mich nämlich mit Jonas beim Frühstück auf einen Ausritt um neun verabredet. Angesichts des Wetters verzog ich zwar etwas das gesicht, aber wie man so schön zu sagen pflegte: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Jonas nahm Shadow mit, und wir ritten gemeinsam Richtung Norden zu den Laubwäldern, die inzwischen nur noch einzelne, rotbraune Blätter in den Kronen trugen. Wir trabten den grössten Teil der Strecke über nasses Laub und trotzten dem garstigen Wetter. Shadow und Dod waren nach kurzer Zeit völlig durchnässt und ihr Fell klebte an ihren Hälsen. Es schien sie aber nicht sonderlich zu stören; sie klappten einfach geduldig die Ohren zurück, wenn wieder eine Windböe das Wasser in ihre Richtung zu wehen drohte.
      Nachdem wir Ausrüstung, Pferde und uns selber getrocknet hatten, hastete ich zur Stutenweide um Phantom und Matinée zu holen. Mit beiden gleichzeitig im Schlepptau joggte ich zum Nebenstall und band sie unter dem Dach an. Matinée war klitschnass, weil sie im Regen gestanden hatte. Phantom war wenigstens so gnädig gewesen, sich unter einen Baum zu stellen. Ich trocknete das Winterfell der beiden Mustangs mit einem Frotteetuch so gut es ging, dann kämmte ich noch das Langhaar durch und kratzte die Hufe aus. Jonas übernahm Phantom, sobald er vom Haus zurückkam – er hatte ein Telefonat mit dem Hufschmied geführt. Nasse Weiden bedeuteten viele fehlende Eisen. Zum Glück hatten wir auch viele Barhufpferde, sodass sich das Problem in Grenzen hielt. Wir bewegten die Mustangs, indem wir einfache Reiningübungen mit ihnen machten. Dabei ging es stets vor allem um die Losgelassenheit, besonders bei Matinée. Sie war heute aber gut aufgelegt, sodass sie mir sogar zum ersten Mal im Galopp abschnaubte und den Hals in die Tiefe streckte, als ich die Zügel länger werden liess. Höchst zufrieden lobte ich sie dafür. Allerdings liess sie sich ablenken, als Lisa mit Brendtwood reinkam, und der junge Haflingerhengst erstmal in der Gegend herum wieherte, weil Skydive nicht in der Nähe war. Die beiden klebten ein wenig aneinander, weil wir oft zusammen raus gingen. Ich hoffte, dass es besser werden würde, nun da Skydive im Anbau eingestallt war. Ich holte Matinées Aufmerksamkeit noch für ein paar letzte schöne Schlangenlinien mit korrektem Umstellen zurück, dann liess ich es gut sein. Die Halle füllte sich wieder, als wir raus gingen: Diarado, Nimué und Moon wurden von Anne, Rita und Jason bespasst. Rita und Lisa hatten sich wegen der Haflinger abgesprochen. Jonas und ich brachten die beiden Ex-Wildpferde zurück auf die Weide, wo sich Phantom gleich in den Schlamm legte und genüsslich wälzte. Jonas konnte nicht hinsehen, wie der Rappe sein sauber geputztes Fell wieder ruinierte, und auch ich stöhnte entsetzt. „Morgen dasselbe Spiel wie immer…“, stellte ich fest. „Wenigstens scheint er es zu geniessen, dem entspannten Grunzen nach zu urteilen.“, meinte Jonas dazu. Wir schlurften durch den noch immer strömenden Regen ins Haus, denn es war bereits Mittag. Ich war froh, die nassen Kleider zumindest für den Moment abzulegen. Zum Aufwärmen machten wir uns erstmal eine Tasse Tee, dann kochte ich das Mittagessen. Lily kam kurz darauf rein und tropfte alles voll, sodass ich sie ins Badezimmer scheuchen und ihr die Haare trocknen musste, wie zuvor schon den Hunden. Wir assen zusammen, dann musste sie wieder in den Unterricht. Ich sass noch eine halbe Stunde vor dem PC und checkte meine E-Mails, danach musste auch ich zurück in den Regen. Jonas half bereits eifrig beim Misten, als ich abermals zum Offenstall der Stutenweide kam. „Braucht ihr hier noch jemanden?“ Lewis, der halb hinter Ljúfa versteckt gewesen war, verneinte. „You could start with the foals though.“ Ich nickte, liess es mir aber nicht nehmen, vor dem Gehen die kleine Lyskra zu streicheln. Im Frühling wollten wir sie zu den anderen Fohlen stellen, aber im Moment war sie noch glücklich bei ihrer Mama. Da sie erst im Mai zur Welt gekommen war und mit Mama im Offenstall lebte, hatten wir es nicht eilig, die beiden zu trennen. Bei den Fohlenoffenställen herrschte ein riesen Schlammbad, direkt vor den Eingängen. Die Fohlen hatten die Weide förmlich umgepflügt. Das war aber nicht zum ersten Mal so, wir kannten das Problem längst. Zum Glück wuchs das Gras im Frühling relativ zuverlässig nach, wenn man frühzeitig mit Grassamenausstreuen nachhalf und die besonders geschädigten Stellen so gut es ging abzäunte. Solas, Louvi, Karat und Clooney bedrängten mich gelangweilt, als ich ihr Stroh mistete. Karat schubste einmal sogar fast die Schubkarre um. Ich scheuchte die Gruppe junger Flegel infolgedessen hinaus in den Regen, sodass ich in Ruhe arbeiten konnte. Bei den Stutfohlen waren auch nicht mehr viele übrig; im Moment teilten sich nur Reverie, Chime, First Chant und Cranberry die grosse Weide und den Offenstall, genau gleich viele also wie bei den Hengstchen. Dadurch gab es auch nicht so viel zu misten wie ein paar Monate zuvor, als die jungen Vollblüter noch hier standen.
      Gegen drei Uhr nutzte ich eine vorläufige Regenpause und machte mich zügig auf den Weg zum Nebenstall. Dort wartete die Ponystute Eismärchen auf mich. Ich nahm ihr Halfter vom Haken und öffnete die Boxentür. Märchen drehte die Seite mit dem gesunden Auge ihres Kopfes zu mir und kam einen Schritt auf mich zu. Ich streichelte sie, dann streifte ich ihr das Halfter über. Sie war eigentlich völlig normal im Umgang, wie jedes andere Pferd. Nur hin und wieder merkte man den Unterschied, wenn eine plötzliche Berührung auf der blinden Seite sie zusammenzucken liess. Ich wollte mir ihr ausreiten gehen, solange es noch nicht wieder aus Eimern regnete. Ich band sie draussen unter dem Vordach an und begann, ihr grauweisses Fell zu bürsten. Sie hatte wirklich eine interessante Musterung - eine Mischung aus Appaloosa- und Pintoscheckung. Das Resultat waren weisse Stellen, deren Übergang zum restlichen grauen Fell teilweise verwaschen und gestichelt erschienen. Ich bewunderte die vielseitig abgestuften Grautöne, als ich darüber bürstete. Ihr Winterfell war ausserdem richtig schön weich. „Are you daydreaming?“, drang Jonas‘ Stimme an mein Ohr. „Huh?“ „Ich hab etwa dreimal versucht dich anzusprechen. Du warst richtig schön abwesend“, meinte er schmunzelnd. „Oh, sorry. Ich war wohl tatsächlich etwas Gedankenversunken. Was gibt’s?“ „Ich will nochmal mitkommen, muss noch Cambria bewegen.“ „Na gut, wenn es unbedingt sein muss“, neckte ich. Er holte die Scheckstute raus und putzte sie in Rekordtempo. Zaumzeug und Sattel waren kurz darauf montiert und wir konnten die beiden zum Aufsteigen auf den Kiesweg führen. Der Ausritt führte uns durch den Pinienwald und über ein paar wunderschöne, neblige Galoppwege. Die Hunde Zira, Jacky und Sheela liefen artig mit und inspizierten die zahlreichen Gerüche im Unterholz. Eismärchen war so ein Engel zum Ausreiten. Sie war entgegen der Intuition überhaupt nicht guckig und marschierte selbstsicher voran. Sie verliess sich total auf mich, obwohl wir uns noch gar nicht so lange kannten – vermutlich war ihr das über die Jahre so beigebracht worden. Sie wurde auch nie irgendwie heftig, auch nach dem dritten Galopp nicht. Cambria überholte uns mehrfach, weil sie am liebsten über das feuchte Gras davonbrettern wollte. Als der Hof wieder in Sicht kam, begegneten wir am Waldrand einer ganzen Gruppe von Reitponys. Sheridan, Ruth, Lily, Lea und zu meiner positiven Überraschung auch Suri ritten mit Cinni, Silver, Bluebell, Shira und White Dream aus. Sie hatten ausserdem Sweets und Lychee als Handpferde dabei. Ich war froh, dass Lilys Kollegin Suri nun doch wieder häufiger auf den Hof kam und die Ponys ritt. Sie hatte sich offenbar damit abgefunden, dass Lindwedel weg war, so schade es auch sein mochte. Je näher wir zu der Gruppe kamen, desto mehr fiel mir auf, dass sie offenbar schwierigkeiten mit Sweets hatten. Das braun gescheckte Pony zickte immer wieder gegen Silver und dohte zwischendurch sogar auszuschlagen. Wir hielten kurz an und tauschten uns aus. „She is a total nuisance today“, jammerte Lily. Sheridan, die das Pony am Führseil hatte, bestätigte dies. “You know what? I take her, I will lunge her a bit. It’s okay, you guys can go ahead and enjoy your hack.” Die Mädchen bedankten sich, als ich Sweets Strick übernahm. Die freche Ponystute hampelte zwar auch neben Eismärchen ein wenig, aber ich hielt sie mit der Reitgerte auf Abstand. Zuhause longierte ich sie dann wie beschlossen eine halbe Stunde lang ausgiebig, damit sie sich auspowern konnte. Danach lief sie mir wie ein Lämmchen hinterher. Als ich sie versorgte, begann es gerade wieder zu tröpfeln. Ich rettete mich mit den Hunden ins Haus, aber die Mädchen mit den Ponys wurden nass, denn sie waren noch nicht zurückgekehrt. Lily musste bis zum Abendessen ausserdem noch Nossi und Fake bewegen, danach kam auch sie abermals klitschnass ins Haus. Ich wartete bereits mit einem Frotteetuch auf sie, weil ich sie durchs Küchenfenster hatte kommen sehen. „I think I’ve seen enough water for today“, bemerkte sie naserümpfend. “So you don’t even want to take a hot bath then?” “Ohhh…” Sie wechselte sofort ihre Meinung und schlich ins Bad. Ich sah ihr hinterher und schmunzelte. Sobald sie weg war, kam Moya unter dem Sofa hervor und strich mir um die Beine. Ich nahm sie auf den Arm und streichelte sie, wobei sie laut schnurrte. „Du hast dich auch ganz schön verändert, Kampfkatze“, sprach ich zu ihr. Das warme, weiche Fell verriet, dass sie wohl den ganzen Tag keinen Fuss vor die Tür gesetzt hatte. Katze müsste man sein. Ich sah zum Fenster raus uns seufzte. Es war längst dunkel und schüttete immernoch in Strömen. „Jonas, die Regentonne überläuft schon“, rief ich die Treppe hoch. Von oben kam die Antwort: „Ich weiss, schon seit dem Mittag. Wenn es nicht bald aufhört, sind die Weiden wieder eine ganze Woche lang unter Wasser.“ Ich liess mich auf’s Sofa fallen und schaltete den Fernseher ein, kurz darauf jedoch gleich wieder aus, denn es kam nichts Schlaues. „Ich freue mich auf den Sommer“, bemerkte ich laut. Moya sprang von meinem Schoss runter und tapste zu ihrem Futternapf. Sie ass die letzten paar Krümel von dem, was ich vorher aufgefüllt hatte und verschwand danach die Treppe hoch, vermutlich ins Büro auf den Schrank neben dem Fenster, ihren heimlichen Lieblingsplatz. Dafür kam Jonas runter und setzte sich zu mir. „Machen wir morgen einen Ausflug?“ „Wohin willst du denn bei dem Hundewetter?“ „Ich dachte, wir könnten mit Lily nach Bristol ins Aquarium gehen.“ „Noch mehr Wasser?“, stöhnte ich scherzhaft. Aber eigentlich fand ich es eine gute Idee, nur – „aber ich muss morgen noch so viel erledigen…“ „Genau darum möchte ich ja, dass du eine Auszeit nimmst. Bald fängt der Weihnachtsstress an, und du hast in letzter Zeit non stop gearbeitet. Ich habe bereits mit den Pflegern gesprochen, Lisa schaut, dass alles läuft.“ Ich kuschelte mich dankbar an ihn und gab ihm einen Kuss.

      „Occu, komm endlich!“, rief Lily ungeduldig. „Ja, gleich!“ Ich hastete zu Odyns Box und wechselte rasch dessen Decke zu einer leichteren Stalldecke. Dann sah ich bei Cool Cat rein und stellte fest, dass er ebenfalls noch die schwere Decke trug. „Moment noch!“ „Occu!!“ „Lass Ajith seine Arbeit machen und komm jetzt“, meldete sich nun auch Jonas. „Aber ich muss noch schnell Kaytharas Bein mit Lehm einstreichen! Und Riptide hat auch noch eine kleine Schramme auf der Schulter die ich gestern gesehen habe!“ „Das machen die Pfleger. Sie sind alle informiert. Es wird alles klappen, wirklich.“ Mit einem Seufzen gab ich auf. „Na schön. Aber wehe ich komme zurück und hier herrscht Chaos!“ „So ist’s gut“, meinte Jonas zufrieden lächelnd, und empfing mich, den Arm um meine Schulter legend. „Für alle Pferde ist gesorgt. Du kannst unseren Ausflug in vollen Zügen geniessen.“ „Meinst du?“ „Klar.“ Ich lehnte meinen Kopf an seinen und zwang mich zu einem Lächeln. Lily zog an meiner Hand. „Das Aquarium schliesst um fünf Uhr!“ „Es ist erst zehn Uhr, little Miss Adams.“ „Trotzdem!“ Jonas und ich lachten. Dann liefen wir gemeinsam zum Parkplatz.
      17 Nov. 2019

      Abschied schmerzt
      Simply Priceless, Co Pilot de la Bryére, Estragon Sky, Thomas, Moon Kiddy, Drømmer Om Død, PFS' Sarabi

      Mit einem traurigen Seufzen legte ich das Telefon auf. Die Tierärztin aus dem Tierspital war dran gewesen, wegen Simply Priceless. Der gescheckte Junghengst war vergangene Woche gestorben. Zunächst hatte es so ausgesehen, als würde es ihm wieder besser gehen. Er hatte im Tierspital wieder mehr gefressen und sein Fieber war ebenfalls zurückgegangen. Doch von einem Tag auf den anderen hatte er morgens tot in der Klinik-Box gelegen. Daraufhin hatte ich einer Obduktion zugestimmt, um der mysteriösen Krankheit auf den Grund zu gehen, die ihn geplagt hatte. Gerade hatte mir die Tierärztin mitgeteilt, dass der junge Hengst einen Herzfehler gehabt hatte und am Ende wohl deswegen nicht gegen die bakterielle Lungenentzündung, die festgestellt wurde, angekommen war. Den grössten Teil der Trauer hatte ich bereits hinter mir, schliesslich war Simply schon seit ein paar Tagen verstorben. Trotzdem spürte ich wieder einen Kloss im Hals, als ich daran dachte, dass er schon die ganze Zeit einen Herzfehler gehabt hatte und wir es nicht bemerkt hatten. Wenn er nicht die Lungenentzündung bekommen hätte, wäre er vielleicht einfach plötzlich während dem Training zusammengebrochen. Das wäre auch für den Jockey gefährlich geworden… Ein Funken Wut mischte sich hinzu – Wut darüber, dass man den Fehler nicht bei einer der Standarduntersuchungen beim Impfen festgestellt hatte. Man müsste dabei doch hören, dass etwas nicht stimmt, oder? Jonas kam rein und sah mich prüfend an, als er meinen Blick sah. „Haben sie angerufen?“ „Ja. Bakterielle Lungenentzündung. Und Herzfehler.“ „Oh. Herzfehler?“ „Ja, hat mich auch erstaunt. Ich hätte nie und nimmer gedacht, dass Simply oder irgendeines der Fohlen dieses Jahrgangs ausser Chime so früh stirbt. Dabei war sie doch unser Sorgendkind, nicht er…“ Er schloss mich in die Arme und streichelte tröstend meinen Hinterkopf. „Es ist vielleicht besser so. Wenn er einen Herzfehler hatte, wäre er früher oder später auf der Bahn kollabiert.“ „Das habe ich auch schon überlegt… Trotzdem, er war so ein hübscher Kerl mit seinen Punkten.“ Meine Augen füllten sich ungewollt mit Tränen und ich konnte die letzten Worte nur wiederholen. „Er war doch so, so hübsch…“ „Das war er wirklich. Es ist eine Schande.“ Wir blieben beide einen Moment lang einfach still. Dann murmelte Jonas leise „wenigstens hast du ein paar schöne Fotos von ihm, als Erinnerung.“ Ich nickte nur. Dann krächzte ich „ich mache mir einfach die ganze Zeit Vorwürfe, dass ich ihn ins Tierspital habe bringen lassen. Er war dort ganz alleine, ohne seine Freunde. Was, wenn er deshalb aufgegeben hat? Vielleicht hätte er sich wohler gefühlt zuhause..-" Ich konnte nicht weitersprechen weil mein Hals schmerzte. „Ich glaube nicht, dass er hier überlebt hätte. Es war schon richtig, ihn dorthin zu verlegen. Die Tierärzte dort sind Profis, und wenn ihm jemand hätte helfen können, dann die. So hast du dir wenigstens den Anblick erspart. Sie haben alles getan, was sie konnten – und du auch.“ Ich blieb noch eine Weile an ihn gekuschelt, bis ich mich wieder gesammelt hatte. Ich war unglaublich froh, dass er hier bei mir war; für mich da war.

      Später am selben Tag raffte ich mich dazu auf, einen letzten Ausritt mit Moon Kiddy zu machen. Der Letzte, weil ich die Stute an eine andere Criollozüchterin verkauft hatte. Es tat mir unglaublich weh, aber ich wusste, dass sie dort einen guten Platz hatte und einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung dieser tollen Rasse leisten konnte. Sie zog nicht alleine um: Dod ging ebenfalls mit. So blieben die beiden wenigstens zusammen. Ich hatte nie gedacht, dass ich die beiden einmal weggeben würde, aber die Zeiten änderten sich und so auch Entscheidungen. Übrigens hatte ich auch ein Kaufangebot für Sarabi bekommen, das ich angenommen hatte. Sie kam zu einer guten Kollegin, wo sie im Military gefördert werden würde.
      Nach dem Ausritt, den ich unglaublich genoss, longierte ich Thomas und bewegte danach Artemis in der Halle. Die beiden Hengste waren richtige Engel im Umgang, als spürten sie, dass ich mich nicht so gut fühlte. Sie haarten beide sehr stark – der Frühling war endlich wirklich gekommen. Das viele Striegeln half mir, auf andere Gedanken zu kommen. Der Wechsel auf Sommerzeit bewirkte auch, dass es wieder länger hell blieb abends. Das nutzte ich aus, um gleich nochmal ausreiten zu gehen – mit Co Pilot. Mein Liebling trug mich zuverlässig unter den Pinienwedeln durch und bot mir einen wundervollen Schaukelgalopp über die Galoppwiese. Ich liess ihn dafür die meiste Zeit am Langen Zügel schlendern, was er sichtlich genoss.
      1. April. 2020
    • Calypso
      [​IMG]
      Juni 2020

      Bei uns auf dem Hof lief alles seinen gewohnten Gang. Um 7.30 Uhr fingen wir an die Pferde raus auf die Koppeln zu bringen. Angefangen bei den Hengsten Drømmer Om Død, Chulo, Coreando, Colorido, El Alba Ardiente, Fame, Fantasio, PFS Dreaming of Revenge, Kantarro und Companero. Bei den Hengsten ging es sehr einfach, da wir einfach den direkten Weg zu ihren Koppeln mit einem Absperrband absperrten und sie alle selbst raus laufen ließen. Das funktionierte schon immer sehr gut. Die Stuten mussten wir separat auf die Koppel führen. Erst nahm ich Moon Kiddy und Princess Mononoke mit und Luke nahm Sabandija und Adrenaline. Zu guter Letzt holte ich noch Fermina, Rovina und ZW´s Ashitaka. Dann ging es weiter mit Boxen und Paddocks misten und Heu auffüllen. Bis 11 Uhr schafften wir es mit allem fertig zu werden, setzten uns nochmal mit einem Kaffee raus auf den Hof und besprachen den restlichen Tag. Es gab schließlich immer was zu tun!
    • Calypso
      [​IMG]
      November 2020

      Weihnachten stand vor der Tür und es gab noch viel zu erledigen auf dem Hof. Die Pferde waren auf ihre Winterkoppeln umgezogen und waren bereits so plüschig wie Teddybären. Unsere sieben Stuten Fermina, Rovina, Sabandija, Princess Mononoke, ZW Ashitaka, Adrenaline und Moon Kiddy warteten schon am Koppeleingang auf mich, denn jeden Tag gab es zusätzlich noch Heu auf die Koppel. Ich kam mit meiner großen Schubkarre mit einem Berg von Heu angefahren und öffnete das Tor. Adrenaline kam sofort angetrabt und bediente sich bereits von der Schubkarre. „Moment, Moment, gleich kriegt ihr es“ lachte ich und kippte meinen Heuhaufen auf den Boden. Teils waren die Koppeln schon abgefressen oder das alte Gras schmeckte ihnen nicht mehr so gut. Nach kurzen Streicheleinheiten mit Rovina und Princess Mononoke schnappte ich mir wieder meine Schubkarre und fuhr zurück zum Haupthof. Dort schnappte ich mir den Traktor mit dem Wasserfass und fuhr auf die Koppeln um die Bottiche wieder aufzufüllen. Als ich bei den Hengsten war, tobten und spielten sie gerade wild herum. Companero, Kantarro, Fantasio und Fame jagten sich über die weitläufige Koppel, galoppierten hin und her und machten Bocksprünge. El Alba Ardiente und Coreando stiegen sich spielerisch an und versuchten den jeweils anderen in den Mähnenkamm zu zwicken. Der noch junge Hengst PFS Dreaming of Revenge stieg sofort mit drauf ein und trabte in hengstlicher Manier zu den beiden. Colorido, Drommer om Dod und Chulo beobachteten das Geschehen, doch mir war klar das Chulo sich gleich noch mit anschließen würde. Er ließ keinen Machtkampf aus und musste immer gleich sein Revier markieren. Zum Glück aber alles noch spielerisch ohne ernsthafte Verletzungen. Ich war froh das unsere Hengste im Herdenverband leben konnten. Den Rest des Tages verbrachte ich damit mit Tannenzweigen und Lichterketten den Hof weihnachtlich zu dekorieren.
    Keine Kommentare zum Anzeigen.
  • Album:
    Rook´s Bay Stable - Criollozucht
    Hochgeladen von:
    Calypso
    Datum:
    31 März 2020
    Klicks:
    232
    Kommentare:
    7

    EXIF Data

    File Size:
    96,1 KB
    Mime Type:
    image/jpeg
    Width:
    600px
    Height:
    400px
     

    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).

  • Drømmer Om Død

    ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯

    Rufname: Dod
    Geburtsdatum/Alter: 14.06.2008, 12 Jahre
    Geschlecht: Hengst


    Stammbaum
    ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯


    aus der: Ink and Feathers ~ von: Slush
    aus der: Familar Charms ~ von: Illusive | aus der: Frosting ~ von: Thraw


    Exterieur
    ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯


    Größe: 145 cm
    Rasse: Criollo
    Fellfarbe: Overo Negro (Black minimal splash overo)
    Gencode: EE,aa,Stysty,Splspl



    Interieur
    ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯


    Charakter

    Stur, schlau, nicht für Reitanfänger geeignet

    Beschreibung
    ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯
    ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯

    Drømmer Om Død ist ein ziemlich sturer Hengst. Er lässt sich gar nichts sagen. Wenn man mit ihm anfängt zu diskutieren, hat man verloren. Død macht so lange Mist bis er seinen Willen bekommt. Also muss man gut reiten können um ihn zu bändigen. Bei der Bodenarbeit ist er dafür das liebste Pferd der Welt. Død ist ein ziemlich anstregender Hengst der weiss, dass er mehr Kraft hat. Er macht was er will. Durch sein Mitdenken weiss man nie, was als nächstes kommt. Man muss auf alles vorbereitet sein.


    Vorgeschichte



    Zuchtinfos
    ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯


    [​IMG]
    HK 462

    Gekört/Gekrönt:
    Vorgesehen für die Zucht:
    Leihmutterschaft/Deckaxe: -



    Nachkommen


    PFS' Devil in Prada, PFS' Dreaming of Revenge, PFS' Disparo de Fiasco, PFS' Soñando Solas, Doo Wop

    Besitzer: Calypso
    Vorbesitzer: Occulta
    VKR/Ersteller: Monsterflosse (verfallen)
    Aktueller Wert:

    Trainingsstände
    ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯

    Fohlen ABC ✓ | Eingeritten ✓ | Eingefahren ✗


    Bodenarbeit
    Treiben + Bremsen ✗ | Rückwärtsrichten ✗ | Durchparieren, Antraben/Galoppieren, Halten ✗
    Abstand halten ✗ | Wenden + Handwechsel ✗ | Abruf ✗

    Freiheitsdressur/Zirzensik
    Kompliment ✗ | Knien ✗ | Spanischer Schritt ✗ | Piaffe ✗
    Passage ✗ | Steigen ✗ | Sitzen ✗ | Liegen ✗


    Reitpferde-Ausbildung
    ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯
    Dressur: E
    Galopprennen: E A
    Springen: E
    Military: E
    Fahren: E
    Distanz: E A L M
    Western: LK5 (E), LK4 (A), LK3 (L), LK2 (M), LK1 (S), LK1*, LK1**


    Reining, Trail

    PotentialAufstieg durch Turnier | Training • nicht weiter gefördert


    Erfolge
    ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯

    [​IMG][​IMG][​IMG][​IMG][​IMG][​IMG][​IMG][​IMG][​IMG]
    2. Platz 239.Galopprennen, 3. Platz 165. Distanzturnier, 1. Platz 244. Westernturnier, 1. Platz 248. Westernturnier, 1. Platz 251. Westernturnier, 3. Platz 252. Westernturnier, 3. Platz Westernreiten des 1. Vereinsturnier, 1. Platz Westenturnier des Joelle World-Cup 2015, 3. Platz 1. Westernturnier des Gut 'Dark Academy', Sommerturnier auf der Komaham Ranch - [L+] Western 2. Platz


    Gesundheit
    ¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯¯


    Gesundheitszustand

    Letzter Tierarztbesuch:
    Letzter Hufschmiedbesuch:
    Akute Krankheit/en: ✗
    Chronische Krankheit/en: ✗
    Erbkrankheit/en: ✗



    Hufe/Beschlag

    Beschlag Vorne ✗
    Beschlag Hinten ✗