Rhapsody

Doineann

Connemara -- im Besitz seit 09/2016 -- von Stormbringer -- Aa Ee Crcr Gg

Doineann
Rhapsody, 15 Okt. 2017
Calypso, Zaii, Occulta und 2 anderen gefällt das.
    • Rhapsody
      Alte Pflegeberichte
      1/9

      Fohlenzeit
      04. April 2016 -- Ravenna

      “Bellamy!” rief ich den Namen des Jungen, warf den abgebrochenen Besenstiel zu ihm hinüber noch bevor er richtig reagiert hatte. Trotzdem schoss sein Arm nach oben, sicher fing er den Stock auf. Sah dann in einer Mischung aus Wut und Verwirrung zu mir hinüber. Zwei Schritte brachten mich näher an ihn heran, mein Ende des Besenstils berührte den seinen. “Was soll das werden?” fragte der junge Mann gereizt, sein Blick flackerte hinüber zu seiner Schwester Octavia, die sich mit einem der anderen Häftlinge unterhielt, dessen Namen ich nicht mehr wusste. Bellamy war einen ganzen Kopf größer als ich, sich mit ihm einzulassen ohne den Besen würde ich wohl nicht ohne blaue Flecken überleben. “Nicht das du mich falsch verstehst, deine Schwester ist wirklich ein hübsches Mädchen.” er sog scharf die Luft ein, betrachtete mich “du tust gut daran sie beschützen zu wollen. Aber verschwende deine Zeit nicht, wenn sie es nicht möchte, oder lass dich zu sehr davon einnehmen. Du bist ihr Bruder, ein Schutzinstinkt ist normal, aber lass ihn dich nicht fressen. Du stehst dir selbst im Weg. Vielleicht kommt eines Tages der Punkt an dem sie dich satt ist wegen diesem Verhalten. Lass dir das von jemand älterem sagen….lass das nicht zwischen euch kommen.” Bellamy sah hinüber zu Octavia, die sich jetzt lächelnd umdrehte zu uns winkte und dann wieder an ihre Arbeit ging. Über Bellamys Züge huschte ein zufriedenes Lächeln als er mich wieder ansah “Woher willst du wissen das ich mir selbst im Weg stehe, he?” Wieder tickte ich leicht gegen seinen Stock “Ich habe Augen im Kopf, einen Verstand der denkt und ich war auch einmal ein älterer Bruder!” Wir tauschten einige Schläge untereinander aus, der Junge hatte mich vor zwei Tagen auf den Weiden gesehen als ich mit meinem Langschwert gegen einen unsichtbaren Gegner gekämpft hatte. Bellamy wollte lernen, jetzt hatten wir damit begonnen.”War?” fragte er, als er meinen Schlägen eher auswich. “Krebs, vor vier Jahren. Vorher hatten wir uns heftig gestritten über ihren Freund den ich nicht passend fand. Ich war der letzte der von ihrem Tod erfuhr.” Erst sah er mich schockiert an, dann huschte sein Blick zu Octavia und er kassierte einen Schlag auf die Hand am Stock. “Heey!” “Aufmerksamkeit zu mir, wenn du wirklich lernen willst!” Vielleicht war es nicht die beste Idee einem Sträfling die Kunst des Schwertes näher zu bringen, aber hier konnte er seine Aggressionen auf Sinnvollere Art abbauen. Erst rieb er sich die Hand musterte mich bevor er mit heftigen Schlägen auf mich zu ging. Mühelos wich ich ihm aus, landete einen Treffer auf seinen Rücken der ihn stolpernd in den Dreck fallen ließ. “Beherrsche deine Wut, denn bisher beherrscht sie dich. Bewahre einen klaren Kopf. Reagiere nicht auf mich agiere mit mir, das ist die Kunst eines guten Kriegers. Für heute reicht es. Lass uns die Jungpferde auf den unteren Paddock bringen, dann können wir den Rest fertig machen. Erinner mich bloß daran das wir noch den südlichen Zaun reparieren wollten. Bevor die tragenden Stuten da rauf kommen muss das gemacht werden. Die Schneemassen haben dem ganz schön zugesetzt. Hab das gestern gesehen als ich mit Braum und Bucks spazieren war.”
      Bellamy nickte besonnen als wir uns weiter daran machten das Fohlenpaddock zu säubern. Ich hatte dabei meine liebe Freude, seit knapp zwei Wochen ritt ich nun zusätzlich zu einigen der Vollblüter auch den ein oder anderen Quarter. Muskelkater gehörte momentan zu meinem täglichen Begleiter, ein gutes hatte die Sache allerdings schon - Verena war meine Lehrerin. In meiner ersten Zeit auf der Ranch hatten wir nicht viel Zeit gehabt,es gab durch ihre Abwesenheit viel zu organisieren. Auch so hatte eine Ranch mit knapp 70 Pferden viel zu tun. Zumindest begann bald die Weidesaison,in der würden alle tragenden Stuten und die älteren auf den südlichen Wiesen sein. Dort lebten sie zwar fast halbwild den gesamten Sommer über,aber Verena erzählte mir das es ihnen auch unheimlich gut tat.
      Schließlich machte ich mich auf zu einem meiner neuen Schützlinge. Moon´s Pumpkin lautete ihr Name, sie war die Tochter von Moon mit ihren drei Jahren fertig sie einzureiten. Sie war eher durch Zufall zu uns mir gelangt. Verena hatte fast vergessen gehabt, das die Stute im letzten Jahr von ihrem Hengst Stormbringer gedeckt worden war. Als sie der mir unbekannten vom Tod des Vaters berichtet hatte, machte sie ein Geständnis - sie fühle sich nicht in der Lage die tragende Stute und das kommende Fohlen auf ihrem Hof bestens zu versorgen. Also hatten wir Moons Tochter kommen lassen, sie würde bald zu den Stuten auf der südlichen Weide gehören. Sanft strich ich der jungen Stute über die Nüster, schob ihr einen Spalt des Apfels zu den ich noch in der Jackentasche hatte. Wir waren beide gespannt, denn auch Yoomee und Argo trugen Fohlen in sich. Yoomees Fohlen würde ebenso wie das von Pumpkin von Moon abstammen, bei Argo kannten wir kaum die Vorfahren, über sie fand man nichts im Internet. Hatte Moon auch diese Welt verlassen, so ließ er uns seine Nachkommen hier. In der jungen Stute erkannte ich oft das Gemüt des braunen Hengstes wieder. Ich betrachtete das Armband aus seinen Schweifhaaren. “Du wirst uns nie ganz verlassen, wache über die ungeborenen Fohlen, hörst du?” Natürlich vermochte er nicht mir zu entworten, aber mir gefiel die Vorstellung das er dort oben auf den Weiden Asgards umher tollte. Seelig lächelte ich, strich Pumpkin wieder über die Nüster, fasste an die Seite der Stute und fühlte das Fohlen darin. Wir waren außerordentlich gespannt welche der Stuten zuerst Fohlen würde.
      “Svejn? Kommst du wir wollten die Weiden machen!” es war nicht Bellamy, sondern seine jüngere Schwester Octavia, die mir Bescheid gab. Ihr Bruder saß am Steuer des Jeep auf der Ladefläche befand sich alles was für die Reparatur gebraucht wurde. Ich genoss die Sonne, der Winter hatte sich hier lange gehalten, aber langsam schafften es die Strahlen mir die Haut zu wärmen. “Du kommst mit?” Octavia nickte eifrig, ließ sich bei dem Beifahrer auf den Sitz sinken - ich hatte mich schon auf die Ladefläche gesetzt. Bellamy gab Gas, die Strecke für die wir sonst zu Fuß eine gute halbe Stunde brauchen würden kam mir kürzer vor als gedacht. Jetzt war es an mir zu bestimmen, wo die Löcher im Zaun gewesen waren, dann als wir sie sahen - kaum zu übersehen - machten wir gemeinsam einen Plan. Schweigend ging uns die Arbeit von der Hand,wobei Octavia alsbald dabei war den Zaun nach kleineren Löchern abzusuchen. “Du siehst sie anders an.“ bemerkte Bellamy irgendwann als ich mit meinen Gedanken ganz woanders war,mein Blick ging in die Leere. “Mhm?“ fragend drehte ich mich dem jungen Mann entgegen.Mit dem Hammer deutete er wage in Octavias Richtung “Du siehst sie nicht an wie andere Männer, eher so wie Riley. Nicht das du wie er wärst aber irgendwie. Ach vergiss es!“ er winkte ab als ich zu Lächeln begann. “Sie ist jünger als ich, eher wie meine Schwester...deswegen seheich sie anders an,nicht als wäre sie ein mögliches Ziel. Außerdem..“ kurz verstummte ich dachte darüber nach was ich im Begriff war mir selbst einzugestehen “gehört mein Herz einer anderen.“ Bellamy zog die Nase kraus, grinste verwegen. “Also hatte Riley Recht!“ “Womit?“. Ein roter Schatten lief über sein Gesicht,zwischen zwei Hammer schlägen leckte er sich mit der Zunge über die Lippen als könne er sonst nicht sprechen. “Das du Schottland für die Chefin aufgegeben hast!“ Ich gab ihm keine direkte Antwort bis auf das breite Lächeln auf den Lippen,es schien dem jungen Mann zu reichen er sagte dazu nichts mehr. Nach drei Stunden kehrten wir mit dem Wagen wieder zurück zum Hof, Bellamy hatte ich das Versprechen abgenommen mit niemandem über meine aufkeimenden Gefühle für Verena zu sprechen. Es war schon so kompliziert genug mitihr auszukommen. Wie oft wollte ich sie in stillen Momenten einfach zu mir ziehen und küssen! Da meine Arbeit für heute erledigt war machte ich mich auf den Weg zu Thjalfe ich wollte ein wenig Ablenkung...einen Ausritt um die Gedanken frei zu bekommen.
      Angekommen bei Thjalfe schaute ich auf den blinden Freund meines großen Hengstes, Bucks tat sich schwer mit fremden Pferden. Mein Verkauf von Braum vor dem Umzug hatte auch zur Folge das ich ihn ständig allein ließ sobald ich Thjalfe aus dem Paddock nahm. Wir hatten schon probiert ihn mit einem anderen der Pferde hier zusammen zu stellen, die Versuche waren aber eher gescheitert. Manchmal lief der kleine Schecke etwas planlos, was die Hollywood King Gun und auch Possibility ziemlich verwirrt hatte. Jetzt stand ich also am Paddock der beiden, als mich jemand von hinten ansprach. “Du könntest es ja mal mit Gipsy probieren, ist schließlich auch ein Wallach, vielleicht verstehen sie sich?” es war Alexis und als ich mich zu ihr umdrehte stand dort neben ihr der hübsche Wallach von Verena. Ich kratzte mich kurz am Kinn, deutete auf den Sattel auf dem Rücken des Pferdes. “Dann bringen wir das da erstmal wieder weg, anschließend können wir es ja mal probieren.”
      Tatsächlich schien sich sich Bucks mit Gipsy ganz gut zu verstehen, also schnappte ich mir Thjalfe für einen ausgiebigen Ausritt. Die Sonne schien angenehm vom Himmelherab, satte Wolken schwebten über den Aprilwäldern um mich herum, sodass der Weg vor mir erschien wie ein Gang in goldenen Raum. Kein Luftzug wehte, kein Zweig rieb sich am Holz andrer Äste, allein ein dürres Rinnsal rauschte in der Tiefe eines Talgrundes. Ihm folgte ich eine Weile, geführt allein durch den Instinkt meines OPferdes, denn meine müden Augen waren kaum noch offen zu halten im taumelnden Schritt des Tieres. Ich war froh mich im Sattel einem dumpfen Halbschlaf hingeben zu können, ungestört von allem was außerhalb meiner Gedanken geschah. Dies jedoch änderte sich beinahe schlagartig als ich zum Stall zurück kehrte, dort nämlich wurde ich von einer aufgeregten Verena in Empfang genommen. “Los komm schon, schnell! Das musst du dir ansehen!” Ich war gerade erst wieder am herausdämmern aus meinnem dumpfen Halbschlaf, fand mich plötzlich am Eingang der südlichen Weiden wieder. Kurz nachdem wir wieder gekommen waren mussten alle anderen beschäftigt gewesen sein um die trächtigen Stuten und jene die Turnierpause hatten auf die Wiese zu bringen. “Schau, da!” Dort sah ich Pumpkin wie sie ein kleines Bündel auf dem Boden sauber leckte. “Ist das nicht verblüffend? Yoomee hat vor zwei Stunden ihr Fohlen bekommen und Pumpkin erst jetzt. So oft ich es jetzt gesehen habe, es ist immer noch so faszinierend!” Ich beobachtete das kleine Stutfohlen bei seinen ersten Versuchen aufzustehen. “Noch viel faszinierender ist das beide von Moons Nachfahren am selben Tag geboren wurden, diese kleine wird seinen Namen weiter tragen Moon´s Gealach. Von dem wenigen Gälisch das ich aufgeschnappt habe, bedeutet der Name nichts weiter als Mond. Vielleicht doppeltgemoppelt aber was solls. Hast du schon einen Namen für das Fohlen von Yoomee und Argo?” Argo hatte vor etwa zwei Tagen einen wunderschönen Hengst geboren, der wie Gealach Stormbringer als Vater hatte. “Rising of Storm für das Hengstfohlen und Yolie Wisp für das von Yoomee.” Wir beobachteten noch einige Minuten wie Pumpkin dem kleinen Wesen auf die Beine half, dann rissen wir uns los. Ich hatte noch Thjalfe zu versorgen. Verena folgte mir dabei unaufgefordert, ich spürte das verlangen etwas zu sagen um irgendwie die Stille zwischen uns zu überbrücken, doch wenn man nichts besseres zu sagen hatte schwieg man besser einfach. “Ihr habt Gipsy zu Bucks gestellt?” Ich nickte, erklärte die Situation wenn ich mit Thjalfe raus ging “Nehm das Kerlchen zwar auch manchmal als Handpferd mit, aber heute hab ich das einfach mal gelassen.” Verena nickte befließen, lächelte dann “Sie kommen langsam hier an...du auch? Wie ist es mit den anderen die Wohnung zu teilen?” “Etwas ungewohnt um ehrlich zu sein, aber es geht Bellamy scheint ein ganz netter Typ zu sein.” Verena lachte nn viel breiter, nahm mir die Trense aus der Hand und Seite an Seite gingen wir in die Sattelkammer, blieben allerdings halb im Türrahmen hängen. “Du nimmst dich seiner an, das finde ich gut. Er hat noch nie so fleißig gearbeitet seitdem er hier ist wie unter deiner Fuchtel. Caleb…” sie schwieg, schluckte und setzte dann ein “er hat sich durch Dominanz Gehör verschafft. Keine Ahnung wie du das machst, aber du kommst näher an ihn heran als ich.” Ich hievte den Sattel nach oben auf den Sattelhalter, setzte die Kappe ab und drehte mich zu Verena um, die fast direkt hinter mir gestanden hatte. Dann schmiss ich alle meine Vorsätze einfach über den Haufen, legte meine Hand unter ihr Kinn und…..


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      Der Ernst des Lebens beginnt
      13. Mai 2016 -- Ravenna

      Bei angenehmen Morgentemperaturen ging es heute für mich auf die Südweiden, dort genossen meine vier Schützlinge ihre freie Zeit, drei davon waren noch nicht lange auf dieser Welt. Trotzdem sie den ganzen Sommer reichlich unbeschwert auf den Weiden verbringen würden, verbrachte ich so viel Zeit wie möglich mit ihnen. Holte die Mutterstuten samt Fohlen an der Seite zur Ranch hoch um sie an den Menschen zu gewöhnen. Dabei stellten sich die drei Fohlen jeder unterschiedlich an.

      Gealach zeigte sich als äußerst neugierige Stute, die sich auch durch ungewohnte Situationen nicht schnell aus der Ruhe bringen ließ, ein deutliches Indiz zur Verwandschaft mit Moon. Auch die Halbschwester Yolie Wisp zeigte diese Neugierde, jedoch gepaart miteiner ordentlichen Portion Temperament. Rising of Storm war aufgrund seines Hengstdarseins schon jetzt ein wenig frech, sehr bezogen auf den Menschen und trotzdem manchmal ziemlich ungestüm. Nichtsdestotrotz machte die Arbeit mit ihnen Spaß. Alle drei ließen sich von mir berühren, das Halfter überstreifen das sie nun öfters für einige Stunden am Tag trugen. Yolie jedoch war bisher die einzige, die sich von mir auch führen ließ, musste am Vorwärtsdrang liegen. Rising und Gealach folgten mir zwar prinzipiell ohne Strick, aber die komische “Schlange” am anderen Ende fanden beide nicht so super, die beiden schienen etwas stur zu sein….oder bestrebt darin ihren eigenen Willen zu bekommen. Anbinden hingegen war für alle drei kein Problem. Heute wollten Bellamy und ich einen kleinen Spaziergang mit Yolie wagen in der Begleitung von Yoomee, sodass auch die junge Mutter endlich wieder raus kam. Manchmal schien es als würde die Stute ihr Mutter dasein nicht so sehr genießen wie Argo oder auch Pumkin es taten. Mit den Fohlenhalfter bewaffnet, nährte ich mich der kleinen Stute, streifte es ohne weiteres über. Zwei Meter von mir entfernt, hatte auch Bellamy die Stute aufgehalftert. “Nur eine kleine Runde um die Weide herum, das reicht für den Anfang, wir müssen es nicht übertreiben” Ein Rundgang würde knapp eine halbe Stunde dauern, wobei wir dabei nicht richtig herum gingen sondern die Stuten einfach am südlichen Eingang wieder auf die Koppel ließen, dort hatten wir ein Abteil abgesteckt in dem zwei Pferde auf uns warteten. Einmal der Hengst Stormy den ich geritten war und natürlich mein treuer Thjalfe. Bucks stand nun mit Gipsy zusammen auf dem Paddock, damit er nicht allein war.

      Mit dem aufgeregten Fohlen verließen wir die Wiese, schlossen das Tor und hörten das tiefe Wiehern von Argo die empört schien das ihre Freundin sie verließ. Aufgeschreckt davon sprang Rising auf die spindeldürren Beine, raste einmal um seine Mutter herum und sah dann seine Spielgefährtin mit uns weg gehen. “Na die werden jetzt am Rand des Zaunes mit kommen” kommentierte Bellamy, denn genau so lief es ab. Während wir den Trampelpfad neben der Wiese nutzten um mit Yolie und Yoomee zu laufen, stiefelten im inneren der Koppel auch Argo und Sohn einher. “Dann haben wenigstens alle vier Bewegung.” kommentierte ich das ganze lachend, schüttelte den Kopf und setzte den Weg stoisch fort. Am nördlichen Eingang hatte ich auch eine Box platziert mit ein wenig Putzzeug mit dem ich die Fohlen öfter berührte und bekannt machte. Alles in allem entwickelten sich meine Schützlinge ganz zu meiner Zufriedenheit. Da Yolie am weitesten von ihnen war, stand mit der Stute demnächst eine kleine Fohlenschau an.


      3/9

      Das Glück der Iren
      28. September 2016 -- Rhapsody

      Wach wurde ich an diesem Morgen, weil der Regen sanft gegen mein Fenster prasselte. Sanft war dabei objektiv – es klang eher, als würde jemand ununterbrochen mit langen Acryl-Fingernägeln an mein Fensterglas tappen. Morgen war auch objektiv; mein Wecker zeigte an, dass es zehn vor fünf war. Dank des Wolkenbruches war aber nicht mehr an Schlaf zu denken, dementsprechend schlug ich die Bettdecke zurück (weckte dabei Khaleesi auf, die mit einem lauten Grunzen aufschreckte und vom Bett sprang) und schlüpfte schnell in eine Jogginghose. Für Frühstück war es noch zu früh, also machte ich mir nur eine Tasse Kaffee und startete den Laptop.

      Wie ein normaler Erwachsener, der um fünf Uhr von Regen geweckt wurde, checkte ich dann erst einmal meine E-Mails. Zum einen hatte mir Svejn Álfarsson spätnachts noch einmal die genauen Details des Pferdetransports von einem kleinen Connemarahengst geschickt; vor ein paar Wochen hatte ich Rising of Storm von ihm erstanden, jetzt machte er sich auf den Weg von Calgary. Das waren – bei wenig Verkehr – schon zehn Stunden Fahrt. Damit das alles reibungslos klappte, war fast alles schon vorbereitet worden. Declan und Lesja würden nachmittags Gambit von der Weide holen, damit er zusammen mit dem Neuen den Winter über zuhause stehen konnte. Zumindest hatte ich mir das bis jetzt so ausgemalt; das Leben kam ja oft dazwischen und sollten sich die zwei aus irgendwelchen Gründen nicht verstehen, musste eine Notlösung her.

      Über Notlösungen philosophierte man aber nicht um kurz nach fünf, weswegen ich das erstmal in den hintersten Winkel meines Gehirns schob. Später. Auch, dass neben Storm auch noch Peggy samt ihrem Corgi – von dem jeder bis auf Lesja wusste; der Diskussion wollten wir so lang wie möglich aus dem Weg gehen – heute hier offiziell einziehen wollte (und sich täglich 1,5 Stunden Pendeln aussetzen wollte) rutschte mehr oder weniger weit nach unten auf meiner To Do Liste. Irgendjemand würde schon hier sein und irgendjemand würde ihr schon Adèles altes Zimmer zeigen. Irgendjemand. Vielleicht Zoe, vielleicht auch nicht. Das würde man sehen.

      Die Spam-Mails verschob ich in den Papierkorb, von Svejns E-Mail schrieb ich mir alle Daten raus, dann leerte ich die Kaffeetasse in einem Zug und beschloss, dass man mit einem angeheilten, aber doch noch gebrochenem Handgelenk ruhig das Ausmisten schon mal probieren konnte.

      ***

      Eigentlich war der Plan gewesen, dass die Pferde noch ein paar Tage länger ganztägig auf die Weide durften, aber jetzt hatte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nachts wurde es schon ziemlich kalt und gepaart mit dem Regen war das, vor allem für die Warmblüter, die für so teilweise raue Wetterbedingungen (noch) nicht genug Winterfell schoben, eine kleine Zumutung. Also war der Herbst ein paar Tage früher als geplant losgegangen und die Pferde kamen mit Regendecken tagsüber auf die Weide und abends in den Stall.
      Und um ehrlich zu sein, das machte vieles so viel einfacher. Zwar war jetzt wieder täglich misten dran, aber man musste das Pferd nicht erst von der Weide holen, um es zu füttern. Und die Angst vor herumstreunenden Bären war mir auch langsam genommen.

      Nach etwa zwei Versuchen entschied ich mich, dass das Misten jemand anderes übernehmen sollte. Glücklicherweise war Tautou auf dem Paddock gestanden und hatte sich so wenig dafür interessiert, dass die Boxentür sperrangelweit aufstand, aber eine volle (oder, seien wir mal ehrlich, auch eine leere) Schubkarre mit einer Hand zu schieben war, zumindest für mich, utopisch. Viel mehr konzentrierte ich mich dann darauf, erst den Stuten und dann den Hengsten das Frühstück zusammen zu mischen. Wenigstens für etwas war ich noch gut genug.

      Langsam aber sicherte näherten sich die Zeiger meiner Armbanduhr einer humanen Aufstehzeit. Nachdem auch der letzte im Bunde, nämlich Vaffanculo, zufrieden auf Mineralfutter und Äpfel mampfte, erklärte ich meine Mission für hashtag accomplished und stapfte im Regen zurück ins Haus. Wirklich wach war noch immer keiner. In der Küche traf ich nur auf Ella, die geräuschvoll ihren Futternapf quer durch den Raum schob und dann schwanzwedelnd auf mich zukam; die Türen zu den Zimmern waren alle noch verschlossen. Dann war es also an mir, Frühstück zu machen.

      Frühstück und Meeting-das-kein-Meeting-war-aber-so-viel-professioneller-als-Arbeitsverteilung-klingt verliefen mehr oder weniger still; ich war anscheinend nicht die einzige, die vom Regen und Wind geweckt wurde, aber im Gegensatz zu mir hatten die anderen den Fehler gemacht und waren wieder eingeschlafen. Ein wenig mürrisch räumten sie dann das Geschirr weg und auch das auf die Weide bringen verlief eher schweigsam als lebendig (aber gut, hätte irgendjemand den Mund aufgemacht, hätte er den Mund voll kaltem Regenwasser. Dem Schicksal entging man dann am liebsten). Die Pferde hingegen trotzen dem Wetter; als würden wir gerade nicht vor einer neuen Sintflut stehen, rannte vor allem Bucky wie von der Tarantel gestochen über die Weide, zwickte hier mal Medeia , da mal Long Island Icetea oder auch Parvati – im Gegensatz zu mir konnte man an der Holsteinerstute nicht mehr erkennen, dass wir erst vor wenigen Wochen einen kleinen Unfall hatten. Das Bein, mit dem sie gelahmt war, hatte eine kurze Ruhepause von einem Tag Boxenhaft gebraucht und dann war alles wieder in Butter gewesen. Und ich rannte immer noch mit einem lädierten Arm herum.

      Als dann auch die Hengste mit Regendecke auf ihren Koppeln standen, begann die eigentliche Arbeit. Für die anderen. Ich tat derweil mein bestes, das Haus ein wenig in Schuss zu halten, versuchte mich am Staubsaugen und Abwaschen (oder auch: Spülmaschine einräumen). Es wird wohl niemanden überraschen, wenn ich zugebe, dass ich den halben Tag nur herumsaß und wartete, bis der Gips abkam und ich wieder aufs Pferd steigen durfte.

      Unzähliges Rumscrollen auf Rezeptseiten, Ausprobieren von etlichen Sandwiches (die von Lesja, der gerade Zeit fürs Mittagessen hatte, nur mit einer Grimasse gegessen wurden) und fünf Folgen New Girl später erreichten mich dann zwei Notifs auf dem Handy – Peggy sagte kurz Bescheid, dass sie sich jetzt auf den Weg machen würde und auch Svejn und Rising of Storm waren außerhalb von Melville, SK und noch etwa eineinhalb Stunden entfernt. Mit meinem Glück würden beide auch etwa gleichzeitig ankommen. Aber hey, dann ging mein Plan ja irgendwie doch auf!

      Zoe, die heute ursprünglich mit Medeia auf die Geländestrecke wollte aber aufgrund der sintflutartigen Wolkenbrüche, unter denen wir heute leiden mussten, beließ sie es bei einer kleinen Longeneinheit. Das bedeutete, dass sie früher Zeit hatte als erwartet und, dass sie mit mir Adèles altes Zimmer für Peggy herrichtete. Es fühlte sich ein klein wenig komisch an; Adèle hatte wieder einen Job auf dem Gestüt ihres Vaters angenommen und sich ihre Sachen nachschicken lassen. Das Zimmer war also bis auf ein Bett, einen Tisch und eine Kommode relativ leer, aber trotzdem war es jetzt eineinhalb Jahre Adèles Zimmer gewesen. Und da sollte jetzt einfach jemand wieder wohnen? „Gib dem ganzen erst einmal ein paar Wochen Zeit,“ murmelte Zoe, während sie das Bett frisch überzog und mir bei meinem Rumgejammere überraschenderweise geduldig zuhörte. „Spätestens Weihnachten ist alles wieder im Normalen und keiner denkt sich was.“

      Grummelnd machte ich mich wieder daran, den Schrank mit einem feuchten Lappen zu putzen. „Hör auf so rational zu denken.“

      „Das ist mein Charakter.“

      „Haha.“

      ***

      Lesja und Declan waren noch unterwegs, um Gambit abzuholen, da klopfte es um halb vier an die Haustür. Zoe und ich hatten gerade eine Kaffee- und Teepause eingelegt und sahen uns jetzt mit großen Augen an. Ein paar Momente vergingen, dann atmete Zoe tief durch, verdrehte die Augen und setzte ihre Tasse ab. „Na gut, wenn du lieber kindisch sein willst.“

      Als wäre nichts passiert sippte ich dann an meinem Pfefferminztee weiter, ignorierte das Hallo und Wie war die Fahrt und das restliche Blabla, das vom Flur in die Küche drang. Lieber checkte ich noch einmal die letzte SMS von Svejn, räumte ein bisschen auf. Herauszögern? Herauszögern war ein Wort welches man nicht in meinem Vokabular fand weil ich nie im Leben etwas herauszögern würde.
      Früher oder später musste ich mich also doch meinem Schicksal stellen. Die Stimmen waren leiser geworden; Zoe hatte Peggy wohl gerade in ihr Zimmer geführt und machte jetzt ein bisschen Smalltalk, um Sympathiepunkte zu sichern und zu überspielen, dass ihre eigentliche Vorgesetzte in der Küche Zeit schinderte. Ein letztes Mal atmete ich durch, dann schlich ich mich auf leisen Sohlen in den hinteren Teil des Hauses.

      „– frühstücken meistens so bis halb sieben, sieben Uhr, aber eigentlich ist die Küche jederzeit geöffnet und hey, guck mal wer da kommt,“ kündigte mich Zoe mit einem breiten Grinsen an. Neben ihr stand das Mädchen, das ich in den letzten Tagen treffenderweise als Ab-und-zu-für-drei-Stunden-beste-Freundin betitelt hatte, und lächelte mich unsicher an.

      Das letzte Mal, als ich Peggy gesehen hatte, war sie einen halben Kopf kleiner als ich, hatte dunkelbraune Haare und eine kaum bemerkbare, rote Blocksträhne. Dazu eine Zahnspange, ein bisschen übrig gebliebener Babyspeck und schwarze Fingernägel, die sie mit Edding angemalt hatte. Klar veränderten sich Leute und sahen selten Anfang zwanzig so aus, wie sie in ihren Tweens ausgesehen hatten, aber um ehrlich zu sein war ich ein wenig geschockt. Die Peggy hatte einen braunen Ansatz, in den Längen ging die Farbe in ein schönes (aber auch nicht natürliches) Blond über; die Zahnspange war weg, der Babyspeck hatte sich verwachsen. Etwa meine Größe, aber mehr Kurven. Und vor allem trug die Jetzt-Peggy einen kleinen, stockigen Hund auf dem Arm, der mich anzulächeln schien.

      Ohne groß nachzudenken verlagerte Peggy den Hund auf ihren anderen Arm und streckte mir dann – zugegeben, ein wenig formal und gestellt – die Hand entgegen. „Danke nochmal, dass es so kurzfristig funktioniert hat,“ sagte sie mit einem leichten aber gezwungenem Lächeln. „Aber ich hätte es nicht mehr ausgehalten.“

      Ein paar Sekunden verstrichen, ehe ich mich daran erinnerte, dass ich jetzt eigentlich reden sollte. Und aufhören sollte, ihre Hand zu schütteln. „Äh – kein Problem? Also. Natürlich musst du dich jetzt damit abfinden, dass wir alle nach Pferde stinken und irgendwie kaum da sind aber – äh.“

      Hinter Peggy sah ich Zoe die Augen verdrehen. „Was sie sagen will, ist, dass wir dich herzlich willkommen heißen und dir erst mal ein wenig Zeit lassen, um dich ein wenig einzurichten.“ Dann zog sie vielsagend die Augenbrauen hoch, hakte sich bei mir unter und schleifte mich wieder zurück.

      „Du bist schlimm, das weißt du aber?“ zischte sie mir ins Ohr.

      „Tut mir leid, ich hab gerade meine Ab-und-zu-für-drei-Stunden-beste-Freundin nach zehn Jahren wieder getroffen, darf ich da nicht ein bisschen komisch sein?“ murmelte ich und schob meine Unterlippe heraus. Zoe warf mir nur einen langen Seitenblick zu, der so viel bedeutete wie Bitte, reiß dich einmal zusammen.

      ***

      Ich hatte beschlossen, dass es sich am besten auf ein Pferd warten ließ, wenn man auf dem Sofa lag. Nach meinem „Gespräch“ mit Peggy und dann mit Zoe hatte ich mich deswegen sofort ins Wohnzimmer bugsieren lassen und zappte jetzt durch das Spätnachmittagsfernsehprogramm. Khaleesi, die lieber hungern würde als bei Regen und Sturm draußen zu sein, hatte sich auf meinen Beinen zusammen gerollt und döste vor sich hin. Mein Handgelenk juckte gerade nicht, und dank Hund und Decke war mir sogar wohlig warm – und so ließ es sich auch leben, beschloss ich in dem Moment.
      Ein wenig in Gedanken versunken kraulte ich die Bulldogge auf meinen Beinen mit der linken Hand. Wahrscheinlich deswegen hörte ich das Klicken von Krallen nicht, als ein kleines, hellbraunes Etwa an den Fingern meiner herunterhängenden Hand nibbelte. Aus Reflex zog ich die Hand zurück; die Bewegung weckte Khaleesi auf, aber anstatt von meinen Beinen auf den Boden oder den Rest des Sofas zu springen, hatte ich plötzlich 10 Kilo Bulldogge auf dem Bauch stehen, die mir auch noch in die inneren Organe geknetet wurden. Am Boden stand Peggys kleiner Hund, Augen total fixiert auf Khaleesi. Hätte er einen Schwanz gehabt, hätte er damit bestimmt gewedelt; so, wie es war, wackelte er nur mit dem Hintern.

      Kurzerhand hob ich die Bulldogge auf mir hoch und setzte sie behutsam vor den Corgi. Beide standen erst wie angewurzelt da, dann bellte Khaleesi kurz und dann rannten sie auch schon davon. Hund müsste man sein.

      Die zwei mit den kurzen Beinen verschwanden im Flur, der zu den Zimmern führte, zeitgleich vibrierte mein Handy. Svejn und Storm waren da.

      ***

      Mit Hoodie und Windbreaker sah ich mich ganz gut gegen den immer noch anhaltenden Regen gewappnet. Trotzdem peitschte mir das Wasser geradezu ins Gesicht, als die Haustür hinter mir ins Schloss fiel. Auf dem Weg zum Parkplatz wurde ich so ziemlich ganz durchgeweicht, aber das war fast vergessen, als ich den großen Transporter stehen sah.
      Als ich in Sicht kam, öffnete sich die Fahrertür und eine Frau stieg aus – das war dann also schon mal nicht Svejn. Trotzdem begrüßte ich sie mit meinem breitesten Lächeln, als sie sich mit Verena O’Connor vorstellte. Dann schlug noch eine Tür zu und ein großer Hüne, der am Gehstock ging, kam herum und streckte mir auch sofort seine Hand entgegen. „Svejn Álfarsson, wir haben miteinander gesprochen.“
      Zu gerne hätte ich ihn auch noch begrüßt und beide herzlich willkommen geheißen, aber gerade, als ich den Mund öffnete, kam noch ein Transporter auf den Parkplatz gefahren. „Das nenn‘ ich mal Timing,“ grinste ich.

      Declan machte sich an der Rampe unseres Transporters zu schaffen, Lesja – ganz Gentleman – begrüßte erst einmal die Gäste mit einem festen Händedruck (Verena verzog kurz das Gesicht. Dafür würde Lesja heute Abend ein paar Ellenbogen in die Seite bekommen). Ein wenig Smalltalk hin und her, dann klapperte es auf der geöffneten Rampe und Baby Nummer Eins war angekommen. Stolz wie eh und je folgte Gambit Declan, schnupperte an unseren Händen und zog dann in Richtung Hof von dannen. Ellbogen Nummer Eins fand seinen Platz zwischen Lesjas fünfter und sechster Rippe. „Die Box muss noch gemacht werden, das machst du, oder?“ fragte ich zuckersüß und lächelte ihn dann auch noch breit an. Als Antwort bekam ich ein Augendrehen, aber das war für Lesja ein nonverbales Okay, ja, alles was du willst. Man, hatte ich den gut im Griff.

      Jetzt, da alles Wichtige getan war oder gerade getan wurde, konnte Storm endlich ausgeladen werden. Ein wenig staksig folgte der kleine Hengst Verena aus dem Hänger mit gespitzten Ohren. Ein wenig verliebt war ich ja in seinen kleinen weißen Ring ums Auge; der würde zwar bis in ein paar Jahren komplett verschwunden sein, aber wenigstens hatten wir die paar Jahre.

      Etwas steif ging es dann in Richtung Reitplatz – einmal zum Kennenlernen mit Gambit, einmal natürlich, um die Steifheit aus den Beinen zu bekommen. Schon allein auf dem Weg dahin schien der Jährling ein bisschen agiler zu werden, aber noch bevor er das braune Etwas, welches im Regen auf dem Reitplatz herumstöberte, wahrnahm, ging es für Storm erstmal im Schweinsgalopp ans andere Ende. Gambit, aufgeschreckt von der Horde Menschen und dem wildgewordenem Pony, sprang kurz zur Seite und suchte dann erst einmal Schutz am Zaun. Nach ein paar Runden hatte sich Storm ein wenig beruhigt und wandte sich jetzt Gambit zu. Die beiden Hengstfohlen tanzten ein wenig um einander herum, dann beschnupperten sie sich ausgiebig und beschlossen einstimmig, dass sie ja jetzt auch zusammen rumrennen konnten. Mir fiel fast ein Stein vom Herzen – es war noch nichts fest, aber das waren schon einmal gute Voraussetzungen für einen guten Winter.

      Nach ein paar Runden beruhigten sich die beiden und fingen schließlich an, sich in der Mitte der Bahn im strömenden Regen zu beknabbern. Svejn stieß einen kurzen Pfiff aus. „Hätte nicht gedacht, dass das so schnell gehen kann.“

      Mit einem Pfiff kam Gambit an den Zaun, Storm hinterher. „Ich würde sagen, wir bringen sie jetzt erst mal in ihre Box,“ schlug ich vor. „Dann dürfen sie die ein wenig auseinander geben und spätestens morgen dürfen sie sich dann bei den Großen beweisen.“

      ***

      Fürs Vertrag unterzeichnen gingen wir dann lieber ins Haus. Nach einer Tasse Tee war dann auch das meiste geregelt und die zwei Gäste fuhren in Richtung Melville zurück, um dort in einem kleinen Hotel unterzukommen. Kaum waren die Rücklichter hinter den Bäumen verschwunden, sackte ich ein wenig innerlich zusammen. Zu gerne hätte ich mich jetzt in mein Bett verkrochen und wäre erst morgen früh um sechs wieder herausgekrabbelt, aber die Pferde wollten noch Futter und aus dem Regen raus. Also ignorierte ich meine durchgeweichten Schuhe und stapfte zurück auf den Hof.

      Überraschenderweise traf ich im Hengststall auf Peggy. Überraschend aber auch nur, weil sie mit dem Trubel um die zwei Babys ein wenig in Vergessenheit geraten war – eigentlich war es ja vorhersehbar, dass ein Neuling sich erst einmal umsah. Aber zu meiner Verteidigung: sie sah genauso ertappt und überrascht aus, mich triefend in der Stallgasse zu sehen.

      „Ich hab mich nur ein wenig umgesehen,“ sagte sie und hörte ich da eine Spur Trotz? „Und dann hab ich Lesja getroffen und er meinte ich kann helfen –“

      Beschwichtigend hielt ich die Hände hoch und versuchte mich an einem nicht-gezwungenem Lächeln. Das konnte ich eigentlich gut, aber irgendwie fühlte ich mich plötzlich wie eine tollpatschige Elfjährige. „Kein Stress – äh, Lesja?“

      „Bringt gerade die letzten Pferde rein.“

      „Oh.“

      „Ja.“

      Ja, es war genauso unangenehm und peinlich wie es sich gerade lesen lässt. Zum Glück kam mein Retter in verschlammten Stiefeln und nassen Haaren mit Capulet und Quixoticelixer an beiden Händen genau in dem Moment in den Stall und … rettete mich. Indem er mir den Grullohengst in die Hand drückte und mit Cap zu dessen Box durchging. Ein wenig steif brachte ich Quixo in seine eigenen vier (Halb)Wände, nahm ihm die nasse Decke ab und schob die neugierigen Nasen, die von der Box nebenan kamen, wieder über die Trennwand. Q würde ein guter Boxennachbar für zwei freche Jährlinge sein, da war ich mir sicher – für die Koppel war er zwar ein wenig undominant und zurückhalten, aber auch da würden wir eine Lösung finden.

      Ehe ich mich versah, war ich wieder alleine im Stall. Ein wenig zögerlich – und wirklich, wieso fühlte ich mich nochmal komisch auf meinem eigenen Grundstück? – öffnete ich die Tür zur Stallkammer und hing Quixos Decke zum Trocknen auf. Dann hörte man Lachen und Hufe auf der Stallgasse und wirklich Lesja, jetzt schon?

      Der Weg zur Futterkammer wurde ein wenig länger als gedacht, aber so sah ich, dass Lesja und Peggy gerade Painted Blur und Waffel zurück gebracht hatten und, anhand seiner Handbewegungen, Lesja gerade das August-Spaghettidesaster im kleinsten Detail erläuterte. Verräter. Zum Glück konnte ich beim Futter mischen nicht wirklich etwas kaputt machen. Aber auch das war irgendwann abgehakt und getan und aus der Stallgasse kam immer noch leises Murren und Murmeln, das nicht von den Pferden kam. Ein klein wenig arg energisch schob ich die erste Futterschale in den Stall hinein; die Stimmen verstummten, kurz darauf tauchte Lesja in der Tür zur Futterkammer auf, mit zusammengezogenen Augenbrauen. „Alles klar bei dir?“

      Ich formte mit meinen Zeigefinger und Daumen einen Kreis und, um nochmal extra zu betonen, dass es mir A-Okay ging, spreizte ich die restlichen drei Finger so weit wie möglich ab. „Super,“ flüsterte ich, schob ihm die nächste Futterschale zu. „Glaube nur, die Pferde haben Hunger.“

      Immer noch reichlich irritiert – das konnte man bei Lesja immer so gut am Gesicht ablesen, das war schön – hob er die beiden Schalen auf und verschwand dann wieder. Ich seufzte leise und unterdrückte das Bedürfnis, meinen Kopf gegen irgendetwas zu schlagen. Das würde nur unnötig laut werden und dann hätte niemand etwas davon.

      ***

      Eigentlich war ich so gut wie eingeschlafen, da riss jemand meine Tür auf. Und wie das so war, wenn man aus dem Halbschlaf gerissen wurde, saß ich plötzlich aufrecht im Bett und – hatte wieder Khaleesi aufgescheucht. Die Hündin nahm dieses Mal den direkten Weg aus meinem Zimmer und huschte an der dunklen Figur im Türrahmen vorbei.

      „Was zur –“ setzte ich an, doch dann schloss die Figur die Tür hinter sich wieder – und ja, ich wusste, dass das Lesja war, aber das klingt einfach besser und bedrohlicher und ich hatte mich wirklich sehr bedroht gefühlt – und kam in großen Schritten auf mich zu. Mein Gehirn war noch im Halbschlaf, deswegen rutschte ich sofort mit dem Rücken an die Wand, rein aus Reflex; so weit wie möglich weg aus der Gefahrenzone. Dann erkannte auch ich, dass das Lesja war und kein Dieb oder Mörder, denn die Figur hob die Bettdecke und krabbelte darunter.

      „Lesja, das ist nicht dein Bett,“ sagte ich warnend.

      „Es ist kalt, ich bleib da nicht einfach mitten im Zimmer stehen,“ zischte er zurück. Dann streifte etwas meine Wade und ich musste kurz nach Luft schnappen, so kalt war das.

      „Hast du keine Socken an?“ – „Wer schläft denn bitte mit Socken?“ – „Willst du mich jetzt für meine Schlafentscheidungen kritisieren? Um halb zwölf? Wirklich?“

      Lesja wurde plötzlich still, und so langsam gewöhnten sich meine Augen auch wieder an die Dunkelheit. Er lag ausgestreckt auf einer Hälfte des Bettes (in dem eigentlich nicht wirklich Platz war um zwei Menschen zu beherbergen, vor allem nicht, wenn sich einer davon ausbreitete, als wäre er hier zuhause) und sah mich mit ernsten Augen lange an.

      „Was?“ fragte ich leise. Eigentlich wusste ich, was jetzt kommen würde, aber Herauszögern war meine neue Lieblingstaktik.

      „Was ist dein Problem?“ Und das war das Ding mit Lesja. Zwar konnte er rau sein, sarkastisch und vielleicht auch ein bisschen ruppig. Aber wenn es darauf ankam, war er doch ein kleiner Softie, der Fragen stellen konnte, die ohne Kontext vielleicht mehr als provozierend klangen, aber unverstellt und ernsthaft gemeint waren. Was ist dein Problem bedeutete nicht, dass er mich attackierte, kritisierte – er wollte mich einfach nur zum Reden bringen.

      Eine Zeit lang war es still. Im Laufe des Abends hatte der Regen ein wenig abgenommen und peitschte nun nicht mehr ganz so arg gegen mein Fenster, Khaleesis Geschnuffe war gegangen – es fühlte sich an, als würde die Welt um mich herum die Luft anhalten. Nur, damit ich mit den Schultern zucken konnte. Lesja ließ aber nicht locker, blieb still liegen und sah mich nur an, bis ich schließlich nachgab. Es würde ja eh nur zwischen uns bleiben.

      „Es ist komisch,“ gab ich zu, senkte den Blick und zog die Decke ein wenig enger um meine Taille.

      „Wieso?“ kam da wieder von Lesja. Mit einem wütenden Schnauben funkelte ich an; wie viel er davon sah wusste ich nicht, aber es musste sein.

      „Hatten wir das Gespräch nicht schon mal?“

      Jetzt zuckte Lesja mit den Schultern. „Vielleicht. Aber gebracht hat's anscheinend ja nichts.“

      Wieder waren ein paar Augenblicke Stille, dann ließ ich meinen Kopf gegen die Wand fallen. „Weil ich es komisch mache?“

      Uund wieder Stille. Langsam fühlte ich mich unwohl, als würde ich nur mit mir selbst reden, während Lesja zusah. Denn das war alles, was er machte. Selbst, als ich „Bitte hör auf mich anzuschauen“ murmelte, grinste er nur ein bisschen, und als ich ihm drohte, ihn und seine kalten Füße hochkant rauszuschmeißen, schnaubte er nur ein kleines Lachen.

      „Bist du morgen ein bisschen besser?“ fragte er schließlich.

      „Wenn ich jetzt schlafen darf,“ grummelte ich ihn an, schob meinen Fuß in seinen Bauch und versuchte, ihn somit zum gehen zu bewegen. So einfach ließ er sich zwar nicht abschütteln, aber schließlich rollte er sich von meiner Matratze auf und machte sich auf den Weg in sein eigenes Bett. Gerade hatte ich es mir wieder gemütlich gemacht, mit dem Rücken zum Rest des Raumes, da hörte ich das sanfte //Whoosh// der öffnenden Tür, dann eine kurze Pause und schließlich ein leises „Schlaf gut“, dann wurde die Tür endgültig geschlossen.


      4/9

      Fohlen ABC
      16. Oktober 2016 -- Rhapsody

      Ich musste sagen, es war ein wenig enttäuschend, als Lesja auf den Parkplatz fuhr und uns keiner mit einem Transparent überraschte. Dabei kamen wir gerade vom Krankenhaus, das mir jetzt das Reiten wieder ermöglicht hatte – der Gips war ab.
      Ja, blabla, ich sollte es den Oktober noch lassen mit dem Reiten und es langsam angehen und wenn ich meine Übungen nicht machen würde, dann könnte es sich auch noch bis Anfang Dezember ziehen - Ärztegelaber eben. Wir würden schon sehen, ob ich im Oktober nicht schon im Sattel saß.
      Eigentlich hatte ich gehofft, dass diejenigen, die die größten Freudensprünge machen würden, mein Team waren. Immerhin konnte ich jetzt (bald) wieder mithelfen, man musste meinen Anteil nicht mehr aufteilen. Leider schien es so ziemlich keinen wirklich zu interessieren; als Lesja und ich komplett durchgeweicht im Haus ankamen, herrschte Stille. Auf meinen Schmollmund reagierte Lesja nur mit einem angedeuteten Augenrollen, ehe er seine Jacke auszog und mit einer monotonen Stimme verkündete, er würde Tee kochen. Kurz hörte man es in der Küche klappern, dann rief er mir nach: „Sag Peggy Bescheid“ – und zwar in so einem Ton, dass ich mich nicht traute, zu wiedersprechen.
      Ich ließ mir also ein bisschen mehr Zeit als sonst beim Anziehen von frischen Sachen und klopfte dann leise an die Tür des Eckzimmers. Wider Erwarten waren die letzten Tage und Wochen seit Peggys Einzug recht ruhig verlaufen. Gespickt mit erzwungenem Smalltalk, ja, aber ruhig. Wenn Peggy nämlich nicht gerade auf dem Weg zur oder von der Universität war, dann war sie in ihrem Zimmer und lernte. Zoe und vor allem Lesja versuchten zwar ihr Bestes, sie auch aufs Pferd zu setzen (obwohl sie, laut eigener Aussage, auch schon das ein oder andere Turnier bestritten hatte, aber das musste ich erst mal gründlich überprüfen), aber selbst am Wochenende war sie wirklich kaum außerhalb ihres Zimmers anzutreffen. Man mag es kaum glauben, aber sooo unendlich traurig fand ich das jetzt auch nicht. Auf mein Klopfen öffnete sie die Tür, schob aber sofort das Lernen vor. Dafür wartete in der Küche ihr Corgi Butters auf mich, der deutlich sozialer war als sein Frauchen.
      ***
      Es wird wohl keinen überraschen, wenn ich sage, dass ich meinen Tee so schnell wie möglich hinter mich bringen wollte. Nein, ich hatte nicht vor, heute aufs Pferd zu steigen – aber seit ein paar Wochen standen jetzt Rising of Storm und Gamble Away zuhause und genossen Capulets und Quixoticelixers Schule. Die beinhaltete aber leider nicht das Fohlen-ABC. Und außerdem empfand ich das als guten Start zurück ins Reiterleben. Lesja war zwar weniger begeistert, ließ sich aber von mir doch überreden, sich das Ganze wenigstens anzuschauen, bevor er heute Abend noch einmal Ironic longierte.
      Gambit und Donnie (der Spitzname kam von Peggy, die seinen originalen Namen verschmähte und von da an Doineann/Donnie ins Leben rief und verdammt noch mal, das blieb einfach besser im Gedächtnis!) waren fast unzertrennlich geworden – damit das aber nicht überhandnahm, blieb Donnie fürs erste auf der Weide und nur Gambit kam mit uns. Das Halftern und Führen lief schon ganz gut, auch hörte er mittlerweile auf seinen Namen. Das einzig grundlegende, was ihm noch fehlte, war das Anfassen.
      Ich hatte mir immer vorgestellt, dass ein Vollblut zappelte, wenn es eigentlich stehen bleiben sollte. Aber ich hatte fast das Gefühl, dass Gambit dieses Klischee einfach gar nicht erfüllte; bis jetzt wirkte er auf mich immer sehr ruhig. Nicht unbedingt gelassen, aber ich hatte jetzt schon fest vertrauen, dass er in einer brenzligen Situation erst einmal stehen bleiben würde, um sich das Ganze anzusehen.
      Nach dem Putzen wollte ich dann schon mal einen Schritt weiter gehen. Das Anfassen am Kopf fand er zwar immer noch nicht ganz so super, dafür gab er mittlerweile brav die Hufe – das konnte ich also mental schon mal abchecken. Dann war jetzt Zeit dafür, dass wir das Rückwärts laufen in Angriff nahmen. Immer noch etwas vorsichtig benutzte ich die linke Hand, um ihn fest zu halten, und schob ihn dann mit der rechten Hand zurück. Ein wenig verdatzt machte der Jährling einen Schritt zurück – meine Hand stoppte sofort und kramte lieber in der Tasche nach einer Belohnung.
      Am Ende der Trainingseinheit war die höchste Anzahl der Schritte nach hinten zwei. Trotzdem, fürs erste Mal war ich wirklich super stolz auf den Kleinen. Jetzt konnte man nur hoffen, dass seine restliche Ausbildung ähnlich verlief.
      Bei Donnie mussten wir erst einmal gucken. Verladen, Halftern, Führen waren kein Problem, das hatte er jetzt schon gezeigt. Putzen dafür reichlich. Mit der Hand war anfassen okay, sobald es aber mit einer Bürste geschah, wollte der kleine Hengst Reißaus nehmen. Mit Lesjas ungewöhnlich ruhiger Ausstrahlung und meinem absoluten Talent war er aber nach etwa zwanzig Minuten so weit, dass ich mit einer weichen Kardätsche auch kurz über die Beine streifen durfte. Ein kleiner Erfolg, aber trotzdem ein Erfolg.
      ***
      Wer Versprechen machte, der musste sie auch einhalten. Deswegen mummelte ich mich um halb acht abends in eine Riesendecke und pflanzte mich auf die Tribüne in der Reithalle. Hoffentlich würde ich nicht einschlafen; die Bahn war zwar beleuchtet, das Licht für die Sitze hatte ich aber ausgelassen und saß jetzt in einem Licht, das zu einem Nickerchen einlud. Fast wäre ich dann auch weggedöst, hätte sich zu dem Zeitpunkt nicht das Tor aufgeschoben.
      Ironic hatte sehr schnell begriffen, was das lange Seil und die Peitsche bedeuteten und machte sich auf Lesjas Zungenschnalzen auch sofort auf einem großen Zirkel lang. Die Nüstern fast in den Boden versenkt lief der Hengst dann Runde um Runde, ließ sich zurücknehmen, blieb auf Kommando stehen und trat wieder an, als Lesja ihn ließ. Mittlerweile war er in allen drei Gangarten doch recht sicher; er sprang zwar gern und oft noch im Außen- oder Kreuzgalopp an, aber das war zu erwarten (Gwen wartete förmlich nur auf einen Anruf, um uns da auszuhelfen). Immer mit gespitzten Ohren hörte Ironic auf den Longenführer, wechselte durch die Gangarten wie ein kleiner Profi.
      Nach einer halben Stunde beendeten die Jungs ihr Training – und mir fiel auf, dass ich dieses Mal nichts zu bemängeln hatte. Lesja anscheinend auch, denn er grinste mich triumphierend (und ein wenig schadenfroh) an und zeigte mir zweimal ein Thumbs up. Ich verdrehte die Augen, zog die Decke enger um mich herum und lief mit den beiden zurück in den Stall.
    • Rhapsody
      Alte Pflegeberichte
      5/9

      (Post)Weihnachtsfreuden
      28. Dezember 2016 -- Rhapsody

      Weihnachten wurde auf dem Pine Grove Stud nicht groß gefeiert – wenn es nach Lesja, Declan und mir ging, würden wir gar nicht feiern. Sobald es aber einmal Dezember wurde, schien es, als würde Zoe komplett durchdrehen. Plötzlich hatten wir einen Weihnachtsbaum. Plötzlich hing überall Lametta. Plötzlich wurde man in einem Türbogen aufgehalten, weil man unter einem Mistelzweig stand.

      Es ging gar nicht anders, man mutierte einfach zum Grinch. Mit zusammengebissenen Zähnen duldete man das Weihnachtsgedudel, verdrehte nur innerlich die Augen wenn man zum Tee plötzlich Zuckerstangen gereicht bekam. Man zählte die Tage bis zum 24. Dezember – wie ein kleines Kind, das täglich ein Türchen am Adventskalender öffnet und dann eifrig ausrechnet, wie lange es noch dauert, bis das Christkind kam. Nur aus dem komplett gegenteiligen Grund.

      Aber Zoes Weihnachtslust hatte natürlich auch etwas Gutes. Heimlich, still und leise hatte ich mir nämlich überlegt, Lesja einen kleinen Lebenswunsch zu erfüllen. Rein theoretisch war es ein Geschenk ans ganze Team, aber ich hatte das Gefühl, dass es Lesja am meisten gefallen würde.

      Der Tag, an dem der Lebenswunsch dann ankommen sollte, begann relativ unspektakulär und früh. Nach der allmorgendlichen Fütterung ging es erst einmal auf einen ausgiebigen Ausritt mit Painted Blur. Declan und Zoe hatten gestern gedacht, sie könnten Zai und Elena unter den Tisch trinken – wie das ausgegangen war wusste ich nicht, aber da ich von den letzteren beiden schon die ersten Snapchats gekriegt hatte und meine eigenen Mitarbeiter noch nichts von sich hatten hören lassen – nun ja, das sprach wohl für sich. Also genoss ich die seltsame Stille, sattelte Blurry auf und machte mich auf den Weg in den Wald um unseren Hof. Nur eine kleine Runde, mit viel Schritt am langen Zügel, aber so zufrieden wie Blurry abschraubte, musste ihm das gut getan haben. Mit dicker Winterdecke durfte er schließlich zurück auf seinen Paddock.

      Gegen halb 9 zeigte dann auch Lesja mal sein Gesicht. Zusammen mit Peggy, die überraschenderweise einmal nicht an ihrem Schreibtisch festgewachsen war und auch Weihnachten so gut wie möglich mit uns gefeiert hatte, mistete er die Boxen der Stuten und schilderte seine Pläne für die nächsten Tage – nicht ohne einen bösen Seitenblick in meine Richtung. Eigentlich wäre Lesja nämlich über Neujahr gerne nach Deutschland geflogen, hätte Silvester und ein paar Tage mit seiner Familie verbracht. Damit war er aber erst gekommen, als sein Geschenk schon „bestellt“ gewesen war. So hatte ich eine kleine Panikattacke gekriegt und ihm kurzerhand fast schon verboten, den Hof überhaupt zu verlassen (nicht mein glanzvollster Moment, aber ich hoffte einfach, dass das Geschenk ihn das ein bisschen vergessen ließ). Seitdem war eisige Stimmung zwischen uns – ein paar Mal hätte er mich bestimmt auch gerne umgebracht, aber ich musste ja mitspielen. Und wenn das hieß, dass ich den Bösewicht spielen musste, dann war das wohl so.

      Den frühen Nachmittag nutzte ich noch einmal, um meinen beiden Jährlingen noch ein paar Manieren beizubringen. Gamble Away war da wesentlich kooperativer als Rising of Storm; beide waren zwar extrem neugierig, bei Storm ging aber manchmal das kindliche Temperament durch. Deswegen arbeitete ich mit den beiden am liebsten getrennt – auch räumlich. Mit Gambit vertiefte ich ein paar Grundlagen, das Anhalten und Loslaufen auf Kommando und auch das Rückwärtsgehen, auf einem kleinen Spaziergang. Heute war aber irgendwie der Wurm drin, und bei Gambit kam das Vollblut raus. Hinter jedem Busch versteckte sich ein Geist, der nur Pferde angriff – und, anstatt wie sonst ruhig stehen zu bleiben und sich die Situation erst einmal anzugucken, sprang der Junghengst das ein oder andere Mal fast auf meinen Fuß. Humpelnd und missgelaunt trat ich also die Heimreise an und ließ beide – Storm und Gambit – noch ein bisschen in der Halle toben. Storm versuchte verbissen, mit dem langbeinigen Vollblut mitzuhalten, aber das war ziemlich aussichtslos. Das Grinsen konnte ich mir fast nicht verkneifen – immer wieder machte Storm auf halber Strecke kehrt, weil Gambit zu dem Zeitpunkt schon wieder umgedreht hatte. Das ging eine ganze Weile so, bis beide Jährlinge in der Mitte der Halle standen und sich beknabberten. Nach ein paar Minuten musste ich das auch leider auflösen – so lange konnte es gar nicht mehr dauern, bis ich mich auf die Socken machte musste, und bis dahin wollte auch Donnie ein bisschen was getan haben.

      Im Gegensatz zu Gambit arbeitete Donnie toll mit – als hätten die beiden für einen Tag Charakter getauscht. Das Flatterband war gar nicht mehr so gruselig wie vor zwei Tagen, und das Gehorchen klappte auch viel besser, wenn man konzentriert war. So traute ich mich, eine Plastikplane im Sand auszubreiten und ein bisschen mehr in die Richtung Schrecktraining zu machen. Schnorchelnd schnupperte Donnie an der Plane, zuckte kurz zusammen, schnupperte wieder und machte einen kleinen, zaghaften Schritt darauf. Nach ein paar zaghaften Versuchen sprang er auch nicht mehr sofort wieder weg, sondern machte noch einen Schritt. Und noch einen. Schlussendlich stand er mit gespitzten Ohren und allen vier Hufen fest auf der Plane, ohne eine Miene zu verziehen. Ausgiebig lobte ich ihn und beschloss, dass man das Training mit einem Erfolgserlebnis beenden sollte. So durfte Donnie zurück auf den Paddock, und ich stapfte schließlich in Richtung Haus.

      ***

      Als ich nach einem kleinen Ausflug in unbekannte Gefilde (Dauphin) zurückkam, war es schon stockfinster. Ein kurzer Blick in den Hengststall verriet mir auch, dass die Pferde schon ihr Futter bekommen hatten. Zufrieden ließ ich die Leine in meiner Hand ein paar Zentimeter länger. Der gescheckte Welpe daran ließ sich das nicht zweimal sagen, rannte ein paar Schritte vor mir her und beschnupperte alles, was sich beschnuppern ließ. Auf einen kleinen Pfiff stellten sich die dunklen Ohren auf und er guckte mich erwartungsvoll an. Das nannte ich doch mal eine gute Erziehung.

      Mit klopfenden Herz kramte ich den Schlüssel aus meiner Jackentasche. Ein kurzer (creepy) Blick durchs Küchenfenster verriet mir, dass kollektiv gekocht wurde. Super Umgebung, um einen völlig unbekannten Welpen nach Hause zu bringen. Nach fünf Versuchen klickte das Schloss dann endlich und es gab kein Zurück mehr. Schnäuzchen voraus rauschte Mishka in den Flur und weckte dort als aller erstes Khaleesi auf. Komplett verwirrt sprang sie auf, musterte den Welpen (der sie jetzt schon an Höhe übertraf) als dieser in Richtung Küche wanderte, und sah mich dann vorwurfsvoll an. Ich, als reifer Erwachsener, streckte ihr die Zunge aus. Das wurde aber unterbrochen, weil Mishka in der Küche entdeckt wurde und ein kurzer Blick verriet mir, dass alle vier – sogar Declan! – über den Welpen gebeugt waren. Mir fiel ein kleiner Stein vom Herzen. Mit einem Grinsen wurstelte ich mich aus Schal und Jacke, und das auf dem Nachhauseweg geübte „Frohe Weihnachten!“ hörte sich in meinen Ohren auch ziemlich authentisch an. Wurde auch von 75% der Anwesenden erhört; nur Lesja, der sich auf den Boden gepflanzt hatte und jetzt dementsprechend von Mishka belagert wurde, ignorierte mich. Erst, als Khaleesi in die Küche getrapst kam, löste sich der Welpe und rollte sich vor der Bulldogge auf den Bauch. Wieder kam ein verzweifelter Blick zu mir, dann haute Mishka Khaleesi seine Pfote ins Gesicht und sie verkrümelte sich lieber. Der Welpe blickte sich kurz um und – oh Wunder – schmiss sich wieder auf Lesja.

      Als dieser mich dann breit angrinste, war ich mir sicher, dass mein schlechtes Gewissen jetzt die Klappe halten konnte.


      6/9

      Pferdepraxis Sapala
      12. Februar 2017 -- Eddi

      Erst seit kurzem war ich wieder als Tierärztin am Start, denn in meiner Praxis hatte ich einige Veränderungen durchgenommen und ebenso hatte ich mir eine Pause gegönnt. So ging es heute aber nun in alter Frische auf das Pine Grove Stud zu Juli Mayers und ihren Pferden. Ich hatte im Kofferraum alles dabei, was ich brauchte und so konnte ich die etwas längere Fahrt starten.
      Ich kam heil auf dem Gestüt an und wurde dort direkt von Juli empfangen. Lächelnd begrüßte ich meine alte Freundin, schnappte mir dann meinen Koffer und wir gingen gemeinsam in dem Stall. „mit wem wollen wir anfangen?“, fragte sie und ich ging im Kopf kurz die drei heutigen Pferde durch, ehe ich meinte, dass wir mit ihrem Jungspund beginnen würden.
      Also holte Juli den kleinen Connemarahengst aus der Box. Sein Name war Rising Of Storm und er war nun schon gute zwei Jahre. Dank seines Großvaters brachte er einen hohen Blutanteil mit sich und würde vielleicht sogar etwas größer als die anderen seiner Rasse werden. „Der wird auf jeden Fall schön sportlich“, meinte ich grinsend, während Juli mir den Hengst im Schritt und Trab die Stallgasse entlangführte.
      Er hatte einen schwungvollen und großen Schritt und im Trab konnte er sich auch sehen lassen. Donnie, wie Juli ihn gern nannte, war natürlich der typische Junghengst und hatte einige Flausen im Kopf. Deshalb hielt Juli ihn auch während der Untersuchung fest.
      Ich hörte zuerst Herz und Lunge ab, ehe ich mit dem Stethoskop auch noch einmal Richtung Darm ging. Dann schaute ich mir Ohren, Augen und Zähne an und überprüfte, ob alles so war wie es sein sollte. Zu guter Letzt kontrollierte ich die Körpertemperatur und tastete Wirbelsäule und Beine ab.
      Alles war in bester Ordnung, als bekam der Hengst nun seine Impfauffrischungen. Es gab insgesamt vier Stück: Herpes, Tetanus, Influenza und Tollwut. Er muckte ein paar Mal auf, aber dank seiner noch recht handlichen Größe konnten Juli und ich ihn gut bändigen. Abschließend gab es auch noch die Wurmkur und dann war Donnie auch schon fertig.
      Juli brachte ihn zurück in die Box und ich erneuerte den Impfpass des Hengstes. Als nächstes standen ihre beiden trächtigen Stuten an, die schon in geraumer Zeit abfohlen würden. Juli wollte einfach noch einmal sichergehen, dass alles in Ordnung war. Wir begannen mit Medeia, auch ein Connemara.
      Zunächst führte Juli mir auch die Stute im Schritt und Trab vor und ich sah, dass der Bewegungsablauf so war, wie er sein sollte. Dann hörte ich auch bei Medeia Herz und Lunge ab, ehe ich die Körpertemperatur kontrollierte und in Ohren, Augen und Maul schaute. Die Stute selbst war im besten Zustand, also hörte ich ihren Bauch ab und holte dann das mobile Ultraschallgerät heraus. Es dauerte nicht lange, bis wir das Fohlen identifizieren konnten und seinen Herzschlag wahrnahmen. Auch dem Kleinen ging es bestens, es lag normal und seine Werte waren gut.
      Aufmerksam kontrollierte ich Medeias Impfpass und schaute, was alles anstand. Generell konnte ich auch bei Medeia alle Impfungen auffrischen. In der Trächtigkeit war dies besonders wichtig und verhalf auch dem Fohlen später zu einem besseren Immunsystem. Ebenso war es mit der Wurmkur, welche Medeia nun auch noch erhielt. Danach hatte sie es bereits geschafft und wir kamen zur zweiten trächtigen Stute.
      Bucky konnte manchmal sehr unleidlich sein und genau heute war so ein Tag. Schon beim Vorführen legte sie die Ohren an und das Abhören gefiel ihr auch nicht. Noch weniger gefiel es ihr, als ich dann mit dem Stethoskop an ihrem Bauch herumwerkelte und dann auch noch das Ultraschallgerät benutzte.
      Immerhin blieb es beim Ohren anlegen und etwas rumgiften, so dass wir auch schnell Buckys Fohlen entdeckten und sahen, dass alles bestens war. Ich merkte, wie sehr sich Juli schon auf das Fohlen freute und ich hoffte ja etwas, dass es nicht den Charakter seiner Mutter übernahm. Auch Bucky musste nun noch geimpft und entwurmt werden.
      Bei ihr stand das Gleiche an wie bei Medeia und mit den Spritzen machte ich mir Bucky definitiv nicht zur Freundin. Zum Glück sah ich sie so selten, auf dieser Basis hätten wir wohl nie eine Beziehung aufbauen können. Ich lobte sie trotzdem ausgiebig, auch wenn sie dann mit mürrischem Gesicht in der Box verschwand.
      Nun erneuerte ich nur noch deren Impfpässe und ließ Juli zwei Ultraschallfotos da, damit sie etwas hatte. Sie freute sich auch sichtlich darüber, dankte mir herzlich und dann verabschiedete ich mich auch schon. Ich hatte noch einen relativ weiten Heimweg vor mir, also musste ich dann auch los.


      7/9

      Crescent Acres Farriery
      23. Februar 2017 -- Zaii

      Für meinen Geschmack etwas zu laut, fiel die Tür meines Wagens hinter mir ins Schloss.
      Dass man mir bei meiner Arbeit zuschaute, war ich natürlich gewohnt, aber seit dem Abschluss meiner Ausbildung war ich nicht mehr von einem anderen Schmied beobachtet worden und Zai hatte ihr Bestes getan, um mir meine Nervosität zu nehmen („Julie wird es sich nicht anmerken lassen, aber sie wird es sehen, wenn du schlampig arbeitest“ oder „Sie hat einen ziemlich hohen Anspruch, du solltest dir Mühe geben“ oder „Lass dich nicht ablenken, wir erfahren alles“). Aber es half ja alles nichts. Als Julie mich heute Vormittag angerufen hatte, sagte ich zu und nun musste ich da durch. Noch einmal tief durchatmen, sich an Hugos Tipp erinnern (eigentlich hatte er gar nichts gesagt, aber sein Blick hatte definitiv eine tiefe Verbundenheit ausgedrückt) und dann erreichte ich auch schon das Stallgebäude, denn ich hatte mir heraus genommen, an dem großzügigen Parkplatz vorbei zu fahren und vor dem westlichen Stalltrakt zu parken.
      Gerade kam mir die zierliche Braunhaarige entgegen getreten und begrüßte mich überraschend freundlich; nach Zais Beschreibung hatte ich eher mit Lucifers kleiner Schwester gerechnet.
      Schnell hatten wir auch ein Gesprächsthema gefunden: Welpen! Julie hatte wenige Tage nach Weihnachten einen Barsoiwelpen auf den Hof gebracht und auch ich hatte ein sabberndes Weihnachtsgeschenk bekommen (brachte man den Menschen nicht mehr bei, dass man keine Tiere verschenken sollte?). Friedrich und Mishka waren im gleichen Alter und wir beschlossen, die beiden bald miteinander bekannt zu machen. Von meinen Bedenken, dass der Dalmatiner den Barsoi zertrampeln würde, sagte ich besser nichts.

      Während unserer Schwärmerei über die flauschigen Welpen, hatte Julie bereits Rising Of Storm, einen zweijährigen Connemara-Hengst aufgehalftert und mir in Schritt und Trab vorgeführt. Ich hatte mir in der Zwischenzeit meine Schürze umgebunden und das nötige Werkzeug aus dem Auto geholt. Julie beschäftigte den Halbstarken mit einigen Leckereien, sodass ich zügig mit meiner Arbeit beginnen konnte. Die Hufe waren regelmäßig gepflegt und kontrolliert worden, deshalb musste ich nur wenig Zerfallshorn ausschneiden. Donnie, wie seine Besitzerin ihn beschwor, hielt bei den vorderen Hufen brav still, von meiner Arbeit an den Hinterbeinen war er aber weniger angetan und so hatte ich einige Mühe, mir von dem Frechdachs nicht die Hufe entziehen zu lassen. Schließlich gelang es aber doch, alle Hufe auszuschneiden und plan zu raspeln.
      „Schon hast du es geschafft“, lobte ich den Flegel und verabschiedete ihn zurück in seine Box, nachdem ich die Gänge als einwandfrei abgenickt hatte.

      Mein zweiter Kunde des heutigen Termins war PFS' Gamble Away. Er war im selben Alter wie Donnie, überragte diesen allerdings bereits.
      Der Braune musterte mich interessiert und zeigte flotte Gänge, als Julie ihn mir vorführte.
      Beim anschließenden Kürzen der Hufwand und auch dem Ausschneiden machte das Vollblut vorbildlich mit und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Nur das abschließende Planraspeln schien ihm nicht ganz so gut zu gefallen, trotzdem beließ er es bei genervtem Ohren anlegen.
      So war ich in kürzester Zeit fertig und als Gambits Gänge auch nach meiner Arbeit keine Unklarheiten aufzeigten, durfte er ebenfalls zurück in seine Box. Julie gönnte den beiden Halbstarken je ein Stück Karotte, während ich mein Werkzeug und die Schürze zurück ins Auto packte.

      Mit dem Versprechen nach einem baldigen Welpentreff verabschiedete ich mich und rollte langsam in meinem Wagen vom Hof. Hoffentlich hatte mich mein Eindruck nicht getäuscht; Julie hatte nämlich einen sehr freundlichen gemacht. So oder so würde Zai es nicht schaffen, ihre Klappe zu halten und so würde ich schon bald über Julies Zufriedenheit informiert werden.


      8/9

      Welpentreff
      31. März 2017 -- Rhapsody

      „Fünf Minuten. Ich möchte, dass du, wenn du das Gatter geschlossen hast, deinen Timer auf fünf Minuten stellst und wenn diese fünf Minuten vorbei sind kommen die Pferde wieder auf ihre Paddocks.“
      Für fünfzehn Sekunden hörte Lesja auf, sein Müsli zu kauen, und sah mich nur an. „Und das muss so akribisch eingehalten werden?“
      Memo an mich selbst: Lesja niemals konfrontieren oder auch nur irgendwie mit ihm kommunizieren, wenn er beim Essen war. Wirklich, das sollte ich mir merken. Bäh. Als er sich den nächsten Löffel in den Mund geschoben hatte, war die Gefahr vorüber und ich konnte endlich wieder antworten. „Muss ich dir jetzt nochmal einen Vortrag über die Gefahr von zu eiweißreicher Fütterung halten? Nach fast eineinhalb Jahren? Wirklich Lesja?“
      Er senkte seinen Löffel und wollte gerade mit dem Reden ansetzen, also machte ich lieber auf dem Absatz kehrt und rannte aus der Küche. „Ach, ich leih mir später Mishka aus, solltest du ihn suchen!“ Seine Antwort bekam ich leider Gottes nicht mehr mit, da fiel die Tür einfach zu laut ins Schloss und Butters und Mishka wedelten so laut mit den Schwänzen, dass ich die Proteste gar nicht hören konnte. So was aber auch.
      Weil uns aufgefallen war, dass wir mittlerweile wirklich alle mindestens einen Hund im Haushalt hatten (oder zwei oder auch drei), hatten Zai, Elena, Gwen und ich uns heute für eine Hundespielstunde entschieden. Nach dem Zwischenfall mit Butters hatte ich mich dagegen entschieden, den Corgi mitzunehmen, und ob Khaleesi wirklich mitwollte, würde sich erst zwei Minuten vor Aufbruch entscheiden. Aber Mishka, der sich als verspielt und als kleiner Trottel herausgestellt hatte, freute sich bestimmt mal, unter Gleichaltrigen zu sein. Naja, zumindest halbwegs gleichaltrig.
      Mit dem Barsoi an der Schleppleine und Butters ein paar Meter vor oder hinter uns, je nachdem, was er gerade schnuppern musste, ging es in Richtung Paddock. Seit ein paar Wochen hatten nun sowohl Bucky und Medeia ihre Fohlen gekriegt – am helllichten Tag, nur, um mir, die wochenlang nachts kaum geschlafen hatte weil sie den Stalllivestream schauen musste, den hocherhobenen Mittelfinger zu zeigen. Medeia hatte ein rotes, jedoch ziemlich großes Fohlen am Rockzipfel hängen. Damit hatten wir schon gerechnet und mit Tierarzt und Tierarzt-in-Spe – ja, auch Peggy hatte mal mitarbeiten müssen, sowas aber auch – war dann Mànas doch recht schnell auf die Welt gekommen. Nicht viele Tage später war dann auch Painted Basquiat, Buckys Fohlen, einfach irgendwann im Stroh gelegen. Lackschwarz und extrem schüchtern hatte sie wohl mehr von ihrem Vater, Painted Blur, geerbt. Aber da Basquiat für die ganzen Amis und Aussies angeblich unaussprechlich war, hatte die kleine Stute schon schnell einen Spitznamen bekommen – Bowie. Ausgestattet mit frischem Wasser und genug Heu behausten die vier jetzt den bislang eh nicht genutzten Reitplatz, damit wir vor allem auch die Mütter schonend anweiden konnten. Früher oder später würden dann auch alle zusammen auf der Stutenweide stehen; bis dahin durften sich die zwei Fohlen erst einmal in der Welt zurechtfinden. Normalerweise wurde mit allen vieren spazieren gegangen, man übte das Aufhaltern mit ihnen, sie kamen täglich irgendwie in Berührung mit Menschen. Heute war das aber auf ein paar Streicheleinheiten beschränkt.
      Bevor ich mich mit den anderen treffen wollte, musste nämlich noch ein bisschen was getan werden. Während ich Boxen ausmistete, Quixoticelixer, Vaffanculo, Paramour, Tautou und Parvati ein bisschen die Mist- und Sandflecken aus dem Fell bürstete, verdrückte sich Butters unter meinem wachsamen Auge ins Haus und Mishka in das Stroh der nächsten Box – ich war also alleine. Bis auf das regelmäßige Schnauben der Pferde was es mucksmäuschenstill; Zoe und Declan gönnten den „Großen“ eine kleine Auszeit und nahmen sich dabei den Kleinen an. Auf dem Weg zum Hengststall sah ich Zoe eine Weile dabei zu, wie sie Cìola longierte. Es sah noch nicht ganz perfekt aus, aber die junge Reitponystute hatte noch genug Zeit, um das richtig zu lernen. Als ich dann Waffel, Q und Paramour einigermaßen sauber hatte – für seine Winterdecken war es mittlerweile einfach zu warm, deswegen war Q putzen eine Challenge, die ich tagtäglich verlor – und zu den Stuten zurück schlenderte, war der Rotschopf verschwunden und stattdessen wurde Ironic longiert. Eigentlich teilte Lesja solche Aufgaben überhaupt nicht gern, blöderweise steckte er sich aber vor vier Tagen mit der Rotzhuststerbseuche an und bekam von mir (und bestimmt auch von den anderen, die aber leider den Mund nicht aufmachen konnten) Arbeitsverbot. Schlimm genug, dass wir alle der Bazillenschleuder ausgeliefert waren, da musste er die Pferde nicht auch noch nerven. Deswegen hatten wir Ironic für die Woche unter uns dreien aufgeteilt. Unterm Sattel war er jetzt zumindest im Schritt und Trab relativ sicher; um das Training aber auch abwechselnd zu gestalten, wurde er heute ein bisschen locker trainiert. Vielleicht würde er dieses Jahr schon seine ersten Turniere gehen – zum Ende der Saison zwar, aber so abwegig war das gar nicht.
      Nachdem dann auch der Stutenstall schön sauber war, Mishkas Fell zu 93% aus Stroh bestand und ich weißes Winterfell in den Augen stecken hatte, gönnte ich mir eine kurze Auszeit. In etwa einer halben Stunde machte ich mich auf gen … Süden. Keine Ahnung, ob Elenas, Zais und Gwens Höfe überhaupt südlich von meinem lagen, aber es ging zumindest runter. Glaubte ich. Um dem guten Herrn ein paar Manieren beizubringen, holte ich PFS‘ Gamble Away von seinem Paddock und befreite ihn schnell von Sand und dem bisschen Winterfell, welches das Vollblut überhaupt besaß. Ob es eine gute Idee war, mit Rennpferd und Rennhund spazieren zu gehen? Bestimmt nicht. Aber irgendwie würde ich das schon gebacken kriegen. Mit Kappzaum, Longe und Schleppleine lief ich dann kurz darauf los.
      Fast schon wie ein Taxi kam ich mir vor, wie ich alle nacheinander abholte. Zuerst Gwen mit ihrer mittlerweile groß gewordenen Nuriya. Eigentlich wollten wir ja vorwiegend unsere Welpen aneinander gewöhnen und vorzeigen, aber weil wir Gwen ja nicht ausschließen wollten, hatten wir – also der Große Rat bestehend aus Zai, Elena und mir – netterweise zugestimmt, dass sie Shiva mitnehmen durfte. Auch, wenn es eigentlich gar nicht ihr Hund war, aber darüber wollte ich jetzt nicht diskutieren. Außerdem war ich auch damit beschäftigt, Mishka davon abzuhalten, sich ganz und gar in seiner Leine zu verheddern. Wie ein … naja, Welpe eben warf er sich an die Füße der schwarzen Hündin, rollte sich auf den Boden, sprang kurz darauf wieder auf und sprang sowohl um Shiva als auch um Gwen selbst, als gäbe es kein Morgen. Erst nach einem scharfen Pfiff beruhigte er sich langsam, und zu sechst machten wir uns auf den Weg zu Elena. Die hatte sich aus heiterem Himmel zwei Shiba Inus geholt – das hatte mich ein wenig verwundert, da Eli zu 110% Katzenmensch war und Hunden eher reserviert – und ehrlich gesagt sahen sie aus, als würden sie gerade aus einem alten Nintendogs-Speicherstand gekrabbelt sein. Neben den beiden Wollknäueln, die sie Yuki und Ayumi nannte (aber nicht erklären wollte oder konnte, was das bedeutete – so ein Amateur) führte sie auch noch Baila Conmigo.
      „Colour GH’s Baila Conmigo,“ verbesserte sie mich stolz. „Je mehr davor steht, desto edler das Pferd.“
      „Aha,“ machte ich und zuppelte am Führstrick meines Vollbluthengstes, der Elis Ponystute schon jetzt um ein paar Zentimeter überragte. „Das spricht aber nicht für deine Zucht.“
      Weil Eli so ein toller Mensch war fing sie keinen Streit auf einem fremden Hof an, sondern hob nur drohend den Zeigefinger und begrüßte dann Zai mit SST’s Lakim. Somit war ich mit meinem Junghengst deutlich in der Minderheit. Gott sei Dank führte der sich heute einigermaßen ruhig auf, schnorchelte nur ab und an einen der Hunde an. Mishka fand die Neuankömmlinge äußert interessant, aber er hatte doch ein paar Manieren und setzte sich lieber vor den braunen Dalmatinerwelpen, als ihn einfach umzurennen. Langsam aber sicher wurde das was mit dem braven Hund.
      In unserer kleinen Truppe ging es dann auf eine Wiese hinter Elis Gestüt, auf der die anderen ihre Hunde freilassen konnten und ich zumindest die Schleppleine ein bisschen länger lassen. Eigentlich rannte nur wirklich Friedrich, Zais-eigentlich-nicht-Zais Dalmatiner, umher; Shiva war damit beschäftigt, Friedrich zu beschäftigen (oder wohl eher, Friedrich um sich herum hüpfen zu lassen bis seine Energie ausgeschöpft war), Friedrich belästigte Shiva, Yuki und Ayumi kauten sich gegenseitig an – und ehrlich, das konnten nur Elenas Hunde sein – und Mishka versuchte, Friedrich von der großen Labradorhündin wegzulocken und stattdessen mit ihm zu spielen. Die Pferde machten sich stattdessen mit dem Gras bekannt.
      Als Friedrich sich geschlagen gebte, beide Shiba Inus schliefen (sowas von Elenas Hunde) und Mishka schon mehr als zehn Minuten neben mir saß und mich dabei beobachtete, wie ich den anderen zuhörte – eine einzige Starrerei, wirklich – beschlossen wir alle, uns langsam auf den Heimweg zu machen. Immerhin hatten wir alle einen Hof mit anderen Pferden als die vier, die wir dabei hatten, und ordentlich Arbeit vor uns. Deswegen war ich auch keine zehn Minuten nach meiner Ankunft auf Ares‘ Rücken. Wirklich einfach gestaltete sich das tägliche Training nicht mit ihm; hatte er einen guten Tag, war alles super, aber wehe wenn nicht. Ehrlich gesagt war ich ein bisschen überrascht, wie wir überhaupt die letzten paar Turniere überlebt hatten. Außerdem arbeiteten wir hart daran, dass er auch auf Dressurturnieren absahnen konnte; zwar war er gemacht für die Vielseitigkeit und hatte wohl auch eine solide Dressurausbildung, andererseits war es auch eine Gratwanderung, irgendwelche Lektionen von ihm abzuverlangen. Das Training verlief mittelmäßig; ein paar Male lief er wirklich schön an der Hand und drehte nicht zu sehr auf. Nach einer dreiviertel Stunde war er klitschnass, mein Kopf war rot wie eine Tomate, also war es Zeit, aufzuhören.
      Bevor auch ich dann zum Abendessen durfte, war erst noch Fütterungszeit. Pacco und Rising of Storm randalierten in ihren Boxen, während ich das Futter in der Futterkammer zusammen mischte, und stürzten sich sofort hungrig auf die Tröge, als hätten sie den ganzen Tag nichts zu futtern bekommen. Männer. Die Stuten dagegen waren pflegeleicht – Cìola sah mir vom Paddock aus zu, wie ich ihr Futter auffüllte, und erst, als ich Buckys und Medeias Portion fertig hatte und den Stutenstall verlassen wollte, stand sie an ihrem Trog und mampfte in sich hinein.
    • Rhapsody
      Alte Pflegeberichte
      9/9

      Willkommen daheim!
      02. April 2017 -- Rhapsody

      Declan sah mich skeptisch an. „Du holst also einen Junghengst von einer Weide hierher, um ihn im Sommer wieder auf eine Weide zu stellen. Nur… hier.“
      „Das klingt jetzt so, als würde das alles keinen Sinn machen,“ maulte ich in mich hinein und stocherte in meinen Maultaschen rum. „Taloubet kommt her, freundet sich ein bisschen mit den Hengsten in seiner Altersklasse an – von denen wir ein paar haben – und kommt dann mit ihnen zusammen auf eine Sommerweide. Das haben wir mit Pax letztes Jahr so gemacht und das werden wir jetzt wieder so machen.“
      „Pff,“ machte Declan. „Mal sehen, wie das ausgeht.“

      ***

      Okay, Declan hatte irgendwie recht. Ich hätte Painted Taloubet, ein Sohn von Blurry, wirklich erst im Herbst oder Winter nach Kanada holen können. Aber das machte ich nicht; deswegen fuhr ich mit Zoe gemeinsam eine Woche später mit dem Transporter zum Flughafen. Um ein Haar hätte ich auch Rising of Storm eingepackt, einfach als Begrüßungskomitee. Im letzten Augenblick fiel mir aber dann doch noch ein, dass Donnie vielleicht nicht der Freundlichste war, und nahm ihm missmutig die Transportgamaschen wieder ab. Dann müsste Taloubet eben den Weg nach Hause alleine überstehen.
      Kaum war der Flieger aus Deutschland gelandet, ging dann alles auch ganz schnell. Mit zittrigen Händen führte ich den Junghengst auf die Rampe und nach drei Versuchen ging es dann auch in den Transporter. Das war wohl Baustelle Nummer eins. Zoe kam unterdessen mit zwei braunen McDonaldstüten aus dem Inneren des Flughafens zurück und machte mich zu ihrer persönlichen Futterassistentin; während sie uns nach Hause brachte, hielt ich ihr alle paar Minuten den Burger vor den Mund oder stopfte ihr ein paar Pommes rein. Wenigstens das konnte ich.
      Als Zoe dann auf unseren Parkplatz einbog, warteten Lesja und Declan schon gespannt. Das würden sie nie zugeben, natürlich, aber beide starrten auf die Rampe des Transporters, als könnten sie es nicht erwarten, Taloubet zu sehen. Wie eine stolze Mama führte ich den Junghengst an ihnen vorbei auf den Weg zu den Paddocks der Jungspunde. Jetzt durften Pacco, Donnie und PFS‘ Gamble Away ihre Gastfreundschaft zeigen; erst einmal über den Zaun, und wenn sich Taloubet dann eingelebt hatte, sollten alle gemeinsam raus. Schließlich sollten zumindest Gambit, Donnie und Taloubet wirklich auf eine Sommerweide kommen, da sollten sie sich wenigstens ein bisschen verstehen. Taloubet machte da heute schon große Fortschritte: mit gespitzten Ohren, den Kopf recht hochgetragen, stellte er sich an den Zaun und reckte die Nase rüber. Wenigstens ging er auf andere Pferde zu, das war schon mal ein Anfang.

      ***

      Knapp eine Woche nach Taloubets Einzug durften die vier Junghengste mit Aufpasser Paramour zum ersten Mal gemeinsam aufs Gras. Donnie war der Neuankömmling immer noch etwas suspekt, aber da Gambit sich gut mit ihm verstand, machte er halt widerwillig mit. Dem gemeinsamen Sommer stand also nichts im Weg.
      In großen Sätzen galoppierte Taloubet über die Weide, schlug mal hier einen Haken und legte dort einen Stopp ein. Wie von der Tarantel gestochen fetzte er übers Gras, als gäbe es kein Halten. Langsam verstand ich auch, wieso er auf seinem letzten Hof als Jitterbug bekannt war. Das Blöde an dem Namen war nur, dass ich, wenn ich daran dachte, danach den ganzen Tag Wake Me Up Before You Go-Go von Wham sang. Ob sich das also durchsetzen würde, müsste man sehen. Eigentlich war es ja kein schlechtes Lied; es war nicht Careless Whisper, aber für Menschen, die gerne tanzten, durchaus akzeptabel.
      Ich musste also Tanzen lernen.
    • Rhapsody
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      versteckte nachrichten hihihi

      chapter one | 24. Mai 2017
      PFS' Gamble Away | Rising of Storm
      Eine leichte Brise wehte, spielte mit den sattgrünen Blättern der Büsche, die den Wegrand säumten. Molotov sah bei jedem erneuten Rascheln mit aufgerissenen Augen in das Dickicht, aber wenigstens lief er weiter vorwärts. Leslie ließ ihm die Zügel länger und streckte ihr Gesicht in Richtung Himmel. Durch die Wolken spitzte die Sonne, und der Wind kühlte ihre roten Wangen ein wenig ab. Wirklich anstrengend war das Training nicht gewesen – das letzte Rennen war erst wenige Tage her, also ging es hauptsächlich um lockeres Galoppieren. Das hatte man aber erst einmal Molotov erklären müssen – kaum hatte Leslie sich nicht zu 110 Prozent auf ihn konzentriert, hatte er sich plötzlich langgemacht und wollte einen Sprint hinlegen. Es war ein kleiner Kampf gewesen, aber schlussendlich war Leslie doch zufrieden. Molotov nicht – immer wieder begann er, zu tänzeln und sprang auf die Seite. Glücklicherweise waren um diese Uhrzeit nicht ganz so viele Pferde unterwegs, die den Vollbluthengst nochmal auf andere Gedanken brachte.

      Nach kurzen zehn Minuten auf dem Reitplatz ging es dann in den Stall. In Molotovs Box war gerade Cooper beim Ausmisten; für Leslie hatte er nur ein kurzes, fast schon mitleidendes Lächeln übrig, dann machte er unbeirrt weiter. Schade eigentlich; Leslie war ein Meister im Von-der-Arbeit-ablenken, und solange Heath nicht in der Nähe war, machten alle drei Stallburschen eigentlich gerne mit. Vom Stallmeister war jedoch keine Spur.

      Molotov wurde die Ausrüstung abgenommen, dann führte Leslie ihn in die Waschbox. Auch Beau, der sanfte Riese des A-Stalls, hatte für sie nur einen kurzen Seitenblick übrig. Verdutzt sah sie ihm hinterher. Und jetzt, wo sie so drüber nachdachte, war es verdammt still im Stall. Normalerweise konnten die Stallburschen nicht mal für fünf Minuten leise sein – stattdessen machte jeder still seine Arbeit, ohne groß aufzublicken.

      Gut, da war definitiv etwas faul. Mit zusammengezogenen Augenbrauen spritzte Leslie Molotov ab, ehe sie den Hengst auf die Weide packen und anschließend Detektiv spielen wollte. Leider kam ihr auf dem Weg zur Weide Ezra entgegen. Bevor sie den Trainer in ihre Ermittlungen einbeziehen konnte, versperrte er ihr schon den Weg.

      „Wir müssen reden.“

      Leslie rollte mit den Augen, auch wenn ihr das Herz in die Hose rutschte. Gespräche, die mit diesen Worten begonnen, hatten selten einen guten Ausgang. Das war ja irgendwie Allgemeinwissen. Trotzdem versuchte sie es zu überspielen. „Was ist, machst du Schluss mit mir?“

      Ezra ging nicht darauf ein, verzog keine Miene, seufzte nicht einmal. Okay, vielleicht war wirklich was im Busch. Stattdessen atmete der Trainer tief ein und sah ihr direkt in die Augen.

      „Du bekommst ein neues Pferd zugeteilt.“

      Leslie stockte der Atem, ihre Hände verkrampften sich um den Führstrick. Was? Gut, das letzte Rennen hatte Molotov nicht gewonnen, und ehrlich gesagt war der letzte Sieg schon ein paar Wochen her, aber das war eigentlich noch nie ein Problem gewesen. Sandringham Manor war nicht stur auf das Gewinnen verbissen – vor allem nicht bei den Galoppern. Aber was, wenn doch? Wenn Ezra gerade von einem Meeting kam und Esther Fitzalan entschieden hatte, dass Molotov nicht gut genug war und Gott, Leslie hatte zwei Jahre Schweiß und Blut in dieses Pferd gesteckt für nichts –

      Erst, als Ezra ihr vor die Augen schnipste, wurde sie aus ihren panikerfüllten Gedanken gerissen. „Keine Panik, ja?“
      „Hörst du dir gerade selber zu?“ fauchte sie ihn an und verschränkte die Arme vor der Brust. Das war normal für sie; Panik wich oft Wut, die dann an vielleicht auch Unbeteiligten ausgelassen wurde. „Das hört sich an, als würde er gleich in die Wurst kommen.“

      Ezra rollte mit den Augen. „Nein, und er bleibt auch hier. In ein paar Wochen kommt ein Zweijähriger, für den bist du dann zuständig. Molotov kommt auf die Weide.“

      Leslie warf dem Vollbluthengst einen Blick von der Seite zu. Die letzten Röntgenbilder hatten eigentlich keine Auffälligkeiten gezeigt und auch sonst war Molotov kerngesund. „Einfach so?“

      „Einfach so,“ stimmte Ezra zu. „Ein Jahr, danach soll er in den Busch.“

      „In den Busch“ murmelte Leslie und zog eine skeptische Augenbraue nach oben. „Wirklich.“

      Jetzt seufzte Ezra genervt. „Ja, wirklich. Wurde einstimmig beschlossen. Reg dich drüber auf, wenn’s soweit ist.“ Mit den Worten klopfte er ihr auf die Schultern und lief dann einfach an ihr vorbei in den Stall.

      Super.

      Ein paar Sekunden gönnte sie sich, dann zupfte sie am Führstrick. Molotov, gerade noch die Nase in das Gras am Wegesrand gesteckt, ließ mit einem lauten Seufzen davon ab und folgte ihr zu den nördlichen Weiden.

      Die Wochen vergingen. Tag für Tag würde es ein bisschen wärmer, ein bisschen angenehmer, und Leslie konnte ihr Heimweh vergessen. Molotov ging noch ein Rennen, sein letztes, und als wüsste er das, schien er sich nochmal extra lang zu machen. Schlussendlich gingen Leslie und er nicht als Sieger ins Ziel, aber das störte weder Leslie noch Ezra. Dafür gewann Snafu, Leslies Trainingspartner. Knapp, aber das Foto zeigte es eindeutig. Noch Stunden später konnte er kaum aufhören zu grinsen, nicht einmal, als Hendrix, sein Hengst, ihm auf den Füßen trampelte. Leslie konnte also gar nicht anders, als sich mit ihm zu freuen.

      Nach Molotovs letzten Rennen wurde der Fuchshengst dann offiziell auf die Weide verabschiedet. Das übernahm Esther höchstpersönlich, wie sie es schon immer getan hatte. Das bedeutete, dass Leslie den Tag eigentlich frei hatte und für alles Mögliche nutzen könnte, aber trotzdem stand sie mit Snafu am Zaun der Weide, als die Hofbesitzerin den tänzelnden Hengst neben sich herführte und ihm in aller Seelenruhe das Halfter abnahm. Eine Millisekunde dauerte es, dann sprang Molotov auf die Seite und preschte wildbuckelnd über das Gras. Stillschweigend standen Leslie und Snafu da und erst, als der Vollbluthengst dann den Kopf gesenkt hatte und munter Halme abrupfte, packte Snafu sie am Ärmel. „Komm schon, wir können Ezra nerven, das macht mehr Spaß.“

      Bis dann der Neue kommen sollte, dauerte es immer noch fast eine ganze Woche, in der Leslie wenig zu tun hatte. Rein theoretisch konnte sie ausschlafen, an die Küste fahren, einkaufen gehen; stattdessen stand sie jeden Morgen um fünf Uhr auf und sah Snafu beim Training zu, bis Ezra sie wegschickte. Es fühlte sich komisch an, nichts mehr zu tun zu haben. So komisch, dass Leslie schon fast Freitagvormittag herbeiwünschte. Mittlerweile wusste sie auch, wen sie da reiten sollte – Gamble Away war der Name des jungen Hengstes, aus einer englischen Zucht stammend, die – wenn man Ezras und Snaufs geschockten Blicken – ihr auf jeden Fall etwas sagen wollte, das aber leider nicht tat. Aufgewachsen war er in Kanada und sollte jetzt sein Glück als Rennpferd versuchen. Obwohl schon so mancher seine ersten Rennen in seinem Alter bestritt, hatte Gamble Away noch nicht einmal eine Startbox gesehen.

      Was Esther beim Kauf wieder geritten hatte, wollte Leslie lieber gar nicht wissen. Für sie klang es nicht so, als hätte der Hengst noch eine große Rennkarriere vor sich. In sechs Monaten sollte er sich schon gegen Gleichaltrige beweisen, die definitiv mehr Erfahrung mitbrachten? Davon war sie nicht wirklich überzeugt. Aber schon nach ein paar Tagen ohne Reiten vermisste sie es unglaublich – sie würde also nehmen müssen, was sie kriegte.

      Als dann der Tag kam, war Leslie gewohnt früh wach. Im Erdgeschoss fiel das Tor ins Schloss; Beau fuhr mit Ezra und Esther zum Flughafen, um auch seinen neuen Schützling in Empfang zu nehmen. Fünf Minuten lang blieb Leslie noch liegen, dann schälte sie die Bettdecke zurück und tapste im Dunkeln in Richtung Tür. Nach einer hastigen Katzenwäsche schlüpfte sie schnell in Stallklamotten und beeilte sich danach, schnell in den Stall zu kommen. Isaiah und Cooper sahen kurz auf, als sie in die Futterkammer stolperte. Ein kurzer Salut, ein zustimmendes Brummeln der beiden Stallburschen und schon machte Leslie sich an das Futtermischen.

      Die Arbeit um fünf Uhr morgens hatte eine gewisse Magie. Nicht einmal Cooper pfiff vor sich hin; keiner wagte es, zu viel Lärm zu machen. Man hörte kauende Pferde, ab und zu das Rascheln des Heus und Strohs und die Getreidekörner, die mit einem kurzen sssch in die Tröge fielen. Während die Pferde fraßen, konnten auch die Stallburschen frühstücken. Die Arbeit hatte sie ein wenig von den kommenden Ereignissen abgelenkt; jetzt, als die drei sich auf die Stallgasse setzten und ihr schnell zusammengewürfeltes Frühstück auspackten, kam die ganze Aufregung zurück. Leslie hatte sich nur einen Apfel mitgenommen, aber nach zwei Bissen hätte sie ihm am liebsten einem Pferd in den Trog geworfen.

      Und Cooper machte es nicht besser. Verschmitzt grinste er sie von der anderen Stallgassenseite an. Die ersten Sonnenstrahlen, die durch die Boxenfenster drang, ließ seine Haare fast kupferrot wirken. Sie war sich nicht ganz sicher, aber es schien, als würden seine Augen blitzen. Also seufzte sie vorsichtshalber. „Frag nicht.“

      „Ich hab nichts gesagt,“ meinte Cooper und grinste nur noch breiter.

      „Du brauchst nicht mal was sagen und ich weiß schon, was du denkst. Wow, wir sind Seelenverwandte,“ murmelte Leslie und verdrehte die Augen. „Das ist nichts Großes, ja?“

      „Vielleicht freu ich mich nur für dich.“ Cooper drückte seine geballte Faust an die Brust, als hätte Leslie ihm einen Dolch ins Herz gerammt. „Wieso denkst du gleich, ich will mich über dich lustig machen?“

      Leslie warf ihm einen skeptischen Blick zu. Sogar Isaiah, der nur still sein Sandwich vor sich hin gegessen hatte, zog die Augenbrauen nach oben und sah Cooper aus den Augenwinkeln an.

      „Hm, warum könnte ich das bloß denken.“

      Cooper zuckte mit den Schultern, als wäre er die Unschuld selbst, stützte seinen Ellenbogen auf sein Knie und beugte sich nach vorne über die Stallgasse hinweg. „Aber wir können doch nicht so tun als würdest du heute kein neues Pferd kriegen.“

      „Also ich kann das,“ meinte Leslie zuckersüß. „Das wär‘ mir sogar ganz lieb.“

      Für ein paar Sekunden sah Cooper sie nur ohne Ausdruck aus. „Und Beau konnte nicht aufhören, drüber zu reden. Ihr nervt beide.“

      Isaiah sah zwischen den beiden hin und her, dann stand er unter Ächzen auf. „Bevor ihr euch beide an die Gurgel geht – ich glaub, die Pferde sind fertig.“

      Leslies Blick fiel auf den angebissenen Apfel in ihrer Hand. Vielleicht würde es keinem auffallen, wenn sie den schnell Molotov zusteckte.

      Bevor die Pferde auf die Weide durften, wurden sie von den Stallburschen noch einmal durchgecheckt. Da hielt sich Leslie lieber raus – auch, wenn die Jocks viele Stallaufgaben übernahmen, so war das für Cooper und Isaiah auch einfach Routine und für sie nicht. Nach und nach trudelten dann auch die anderen Jocks ein und machten ihre Pferde für das tägliche Training fertig. Leslie juckte es in den Fingern – sie konnte es jetzt schon kaum erwarten, endlich wieder im Sattel zu sitzen, und dabei waren es erst ein paar Tage, seit sie zuletzt auf Molotov gesessen war. Und trotz ihrer Skepsis freute sie sich auch irgendwie schon auf den Neuen. Zumindest hatte sie dann mal wieder etwas zu tun.
      Als der Stall leer war – manche Pferde im Training, andere auf der Weide – ging es dann ans Ausmisten. Immer wieder blickte Leslie auf ihre Armbanduhr und willte den kurzen Zeiger, sich endlich verdammt nochmal weiterzubewegen, meine Güte. Dass sie mit ihren Boxen weit hinterherhinkte, war ihr komplett egal – das ließ die Zeit wenigstens vorbeigehen. Als sie widerwillig dann die letzte Karre voll nassem Stroh und Pferdeäpfel zum Misthaufen fahren wollte, rannte sie fast in Beau.

      Aufgeregt wie noch nie hüpfte der Hüne von einem Bein aufs andere, grinste breit. Seine blauen Augen blitzten. „Wir laden ihn aus, komm!“

      So schnell konnte sie gar nicht gucken oder reagieren, da hatte er sie schon gepackt und zog sie hinter sich her, quer über das Gestüt. Das musste aussehen – ein Schrank von Mann, der eine zierliche Frau hinter sich her schleifte, die etwa halb so groß war wie er. Trotzdem folgte Leslie ihm weiter, und mit jedem Schritt stieg die Aufregung in ihrem Bauch ein bisschen höher. Am Parkplatz angekommen keuchte sie – Beau dagegen war kaum aus der Puste und kletterte kurzerhand in den großen, weißsilbernen Anhänger. Die Rampe war schon heruntergelassen; um sie herum standen Ezra, Esther und Heath Walsh. Leslie sagte nur kurz „Hallo“, dann lugte sie um die Ecke des Transporters in den Laderaum hinein. Als seelische Unterstützung wurde heute Morgen Donnie, der zweijährige Connemarahengst aus dem A-Stall, mitgenommen. Neben ihm, in einer weißen Transportdecke und mit weißen Transportgamaschen versehen, stand ein Vollblut. Beau war unter die Stange durchgekrabbelt und fitzelte gerade an dem Führstrick herum. Plötzlich war er wieder ganz ruhig, so, wie Leslie ihn eigentlich kannte. Um ehrlich zu sein, kannte sie gar keinen Menschen, der von einem emotionalen Extrem zum anderem so schnell hin und her wechseln konnte wie Beau – einfach, weil er in Gegenwart von Pferden (und vor allem Vollblütern) sofort herunterfuhr, um keinen unnötigen Stress auzulösen. Bestimmt auch nur deswegen ging der Neue so langsam und ruhig von der Rampe. Schritt für Schritt konnte Leslie mehr erkennen – dunkelbraunes, glänzendes Fell, kurze Ohren, die in alle Richtungen zuckten. Und schließlich ein zierlicher Kopf mit wachen, aufmerksamen Augen, die sich sofort überall umsahen. Beau strahlte von einem Ohr zum anderen, strich dem Neuen ein paar Mal über den Hals und übergab den Führstrick dann gleich an den Stallmeister. Um ehrlich zu sein war Leslie ein bisschen sprachlos – zwar war der Gang des Neuen ziemlich staksig, aber trotzdem bewegte er sich fließend fort. Bis jetzt sah er sich auch nur um und wirkte neugierig, nicht aufgeregt.
      Aus ihren Gedanken wurde sie gerissen, als Beau ihr seine Hände auf die Schultern legte und sie kurz mit einem breiten Grinsen schüttelte. Sie schaffte es nicht, das nicht zu erwidern – Beaus Euphorie war schon immer ansteckend gewesen.

      Nachdem auch Donnie ausgeladen worden war und Heath und Beau in Richtung A-Stall verschwunden waren, wrang Leslie mit den Händen. Sowohl Esther als auch Ezra sahen zufrieden aus, scherzten leise miteinander. Erst, als die Hufschritte verklangen waren, räusperte sich Esther und sah Leslie mit ihren stahlgrauen Augen an.

      „Ich hoffe ja, du nimmst mir das nicht so übel,“ sagte Esther. „So fast ohne Vorwarnung.“

      Esther sah sie erwartungsvoll an. Ein paar Sekunden zu spät merkte Leslie, dass sie jetzt antworten sollte. „Uh – ja. Kein Problem, das ging schon.“ Sie spürte Ezras schweren Blick, sah ihn aber nicht an. „Ich hoffe nur, dass das so klappt mit dem Neuen wie Sie sich das vorstellen.“

      Esther winkte ab. „Ich hab‘ da keine Zweifel. Vielleicht drei, vier Monate, dann geht ihr die ersten Rennen.“ Erst, als sie schallend lachte und Ezra einstimmte, kapierte Leslie, dass ihre Chefin das nicht ernst meinte.

      Man konnte ja nie wissen. In Azusa war das Alltag gewesen für die Jungen.

      Das Lachen verstummte langsam, dann räusperte sich Esther wieder. „Ich hab‘ aber nochmal eine kleine Überraschung.“

      Oh Gott, bitte nicht. Leslie hatte langsam wirklich die Nase voll von Überraschungen.

      „Du bekommst einen neuen Mitbewohner,“ sagte Esther und strahlte.

      Hurra.
      15.234 Zeichen
    • Rhapsody
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      versteckte nachrichten hihihi

      chapter seven | 26. September 2017
      Ares | Ironic | Painted Blur | Paramour
      Siana | Benihana | Bucky | Medeia | Cíola
      Dark Royale | Painted Basquiat | Mánas | PFS' Scion d'Or | Dark Innuendo | Painted Taloubet | Rising Of Storm | PFS' Gamble Away | Pacco
      Hi Grams,

      ich hoffe, für dich ist das in Ordnung, dass ich einen Brief schreibe und dich nicht anrufe. Außerdem kann ich mich so ein bisschen sammeln und wirklich alles erzählen, was in den letzten Wochen so passiert ist – so leg ich auf und plötzlich fallen mir 1000 Dinge ein, die ich dir nicht gesagt hab.

      Langsam aber sicher lebe ich mich wirklich ein, und langsam fange ich auch an, mich mit meiner Mitbewohnerin anzufreunden.

      An diesem schicksalhaften Tag, ab dem sich Bernie und Leslie nicht mehr wenn möglich mieden, war eine ganz besonders fiese Aufgabe dran gewesen. Nach zwei Monaten auf dem Sandringham Manor schien es Bernie, als würden die Trainer sie testen wollen. Unter dem Vorwand, Blurrys Kondition aufzubauen, schickten sie das Reiter-Pferd-Duo auf die Geländestrecke, auf den Springplatz, in die Reithalle oder den kleinen Platz beim Stall. Die einzige, die nach den Trainingseinheiten außer Puste war, war jedoch Bernie. An eben diesem Tag war sie mit Frank am Springplatz verabredet.

      England zeigte, dass es nicht umsonst den Ruf für das schlechteste Wetter weghatte. Die Sonne war die letzten Tage kaum rausgekommen und es regnete unentwegt – mal stärker, mal schwächer. Als Bernie Blurry auf dem Reitplatz abritt, begann es gerade, zu nieseln. Eigentlich sollte das ja kein Hindernis sein, dachte sie. Blurry war zwar nicht wirklich begeistert von dem Regen, aber wenigstens war sie konzentriert und ließ sich von dem bisschen Regen nicht ablenken.

      Dachte sie. Innerhalb von zwanzig Minuten klebte ihr das dünne Sweatshirt auf der Haut, sie blinzelte immer wieder Tropfen aus den Augen, und vom Schirm ihres Helmes hing der Nieselregen in ihr Gesichtsfeld. Sie tat ihr Bestes, sich trotzdem auf den Hengst unter ihr zu konzentrieren – ohne Erfolg. Blurry merkte, dass sie nicht komplett anwesend war, und nutzte das aus. Er überlegte sich zweimal, ob er die Schenkelhilfe annahm oder nicht, und so hatte Bernie alle Hände voll zu tun, den Rappen überhaupt in einem annehmbaren Tempo zu reiten.

      Normal kam sie mit Painted Blur super aus. Er kam ihr auf der Weide entgegen und brummelte sie an, wenn sie die Boxentür öffnete. Und normalerweise waren sie auch im Training ein ganz gutes Team. Aber heute rannte er bei jeder Gelegenheit an den Hindernissen vorbei, und ein paar Mal sah sich Bernie schon in die bunten Stangen krachen weil sie den Sprung gerade so geschafft hatten. Von der Mitte der Bahn kam kein einziger Kommentar, keine Hilfe. So viel zum Thema Blurry trainieren – würde es hier wirklich um den Hengst gehen, würde Frank darauf achten, dass er ordentlich lief.

      Stattdessen wurde sie nach einer halben Stunde Qual endlich erlöst. Bis dahin war ihr Sweatshirt komplett durchnässt, auf den Schenkeln ihrer Reithose waren zwei dunkle, nasse Flecken, die Beine fühlten sich schwer und steif an. Während Blurry im Solarium stand, lehnte Bernie sich an die Stallwand daneben. Im Stall war Abendbetrieb; die Stallburschen (deren Namen Bernie sich ums Verrecken nicht merken konnte) liefen mit ihren Schubkarren voll Futtereimer hin und her. Wirklich viel hatte Bernie noch nicht mit ihnen geredet – und wenn, dann war es auch eigentlich nur Cat, die mit ihnen redete, und Bernie, die blöd danebenstand. Das bedeutete, dass Bernie die Sekunden, die Blurry noch brauchte, einzeln herunterzählte.

      Irgendwann war es dann doch soweit. Blurry stand in seiner Box, kaute auf seinem Heu mit seiner Abschwitzdecke auf dem Rücken und wenigstens diese Aufgabe hatte Bernie erfolgreich abgeschlossen. Im Mitarbeiterhaus stand schon eine große Schüssel Spaghetti in der Küche, aber trotzdem schleppte sich Bernie erst einmal in ihr Zimmer. Sie schälte sich aus den nassen Klamotten und schlüpfte in eine bequeme Jogginghose, bis sie sich mit einem Handtuchturban auf dem Kopf auf ihr Bett fallen ließ.

      Sekunden später quietschte die Zimmertür und fiel kurz darauf wieder ins Schloss. Bernie unterdrückte ein Seufzen. In den letzten Monaten hatte sie sich mit ihrer Zimmerpartnerin mehr schlecht als recht angefreundet. Seit Tag 1 hatte sie das Gefühl gehabt, Leslie hätte sie am liebsten auf dem Misthaufen entsorgt. Auch jetzt sagte Leslie kein Wort – Bernie hörte nur ihre Füße über den Boden tapsen, dann das leichte Stöhnen des Drehstuhls als sie sich draufsetzte.

      Gerade wollte sich Bernie aufraffen, die Augen aufmachen und etwas essen, damit sie so früh wie möglich ins Bett und den Tag hinter sich bringen konnte, da klingelte ihr Handy. Für zwei Sekunden starrte sie die Decke über sich an, dann setzte sie sich auf, griff nach dem Handy – und sah, dass Leslie sie wie versteinert anstarrte.

      Ein paar Augenblicke verstrichen. Das Handy verstummte wieder, Leslie räusperte sich und sah auf die Unterlagen vor ihr auf dem Schreibtisch hinab. Bernie öffnete den Mund, wollte sich schon flüchtig entschuldigen, da fing Leslie an.

      „Weißt du, zufällig wollen Snafu und ich später mit der vierten Staffel anfangen. Also –“

      Bernies Mund blieb offen. Sie hatte keine Ahnung, wer oder was Snafu war aber … naja, sie hatte nichts zu tun und sie hatte die vierte Staffel wirklich noch nicht angefangen. Um ehrlich zu sein, hatte sie ihren Netflix-Account noch nicht mal angefasst, seit sie in England war. Und es klang ein bisschen ach einem Friedensangebot, also –

      „Klar, wieso nicht?“ sagte sie und versuchte sich an einem flüchtigen Lächeln. „Aber ich glaub ich muss erstmal duschen. Und essen. Also, wenn das –“

      „Klar! Klar klar, kein Problem.“ Der Stuhl rollte über den Boden, als Leslie aufstand und Richtung Tür lief. „Ich lass dir noch ein paar Spaghetti übrig, ja?“

      Dann fiel die Tür ins Schloss.

      Du brauchst dir also keine Sorgen mehr über mein nicht vorhandenes Sozialleben machen. Ich hab Cat zum Ausreiten und dank Leslie lern ich auch langsam den Rest der Leute hier kennen. Du brauchst mir also keine Links zu fremden Facebookprofilen schicken.

      Was auch neu ist: ich hab jetzt ein echtes eigenes Pferd zugeteilt bekommen. Sein Name ist Ares und er ist so ziemlich das komplette Gegenteil von Blurry. Also – komplett. Das hat meine Trainer aber nicht davon abgehalten, uns gleich mal auf eine Kür zu schicken.

      Nicht nach unten gucken. Nicht zu verkrampft lachen. Bernies Hände klebten an dem Kunstleder der weißen Handschuhe. Sommer war schön, und Turniere waren toll – auf beides zusammen konnte sie aber getrost verzichten. Sie hatte das schwarze Jackett erst angezogen, als sie sich gemeinsam mit Cat auf den Weg vom Abreiteplatz zur Dressurbahn machte, aber trotzdem würde sie es am liebsten wieder ausziehen. In eine Ecke schmeißen und die nächsten paar Wochen nicht ansehen, bis es endlich Herbst wurde.

      Ares war erst vor wenigen Tagen angekommen. Für Bernies Geschmack war es viel zu früh, ihn schon auf einer Schau vorzustellen – sie hatte ihn nur drei Mal reiten können, und wirkliches Training war auch nur die letzte Einheit. Aber wenn Mrs Fitzalan sich etwas einbildete, dann konnte man sie davon nicht abbringen; so viel hatte Bernie bis jetzt gelernt. Deswegen nahm sie entschieden die Zügel auf, lächelte Cat kurz zu und ließ Ares dann in die Bahn traben.

      Seine Gänge waren noch komplett neu für sie. Mit viel Konzentration saß sie sich in den Sattel ein, streckte die Beine nach unten und hoffte, dass sie nicht wie ein Gummiball auf dem Rücken herumhüpfte. Nicht nach unten gucken. Ein bisschen hektisch grüßte sie die Richter hinter dem Buchstaben A, dann ging es erst richtig los.

      Hauptsächlich im Trab bewegte sich das Duo durch die Bahn, anfangs auf der linken Hand. Ares‘ Ohren waren stets gespitzt und für Bernie schien es, als würde er überlegen, ob er lieber brav die Kür weitermachen würde oder ob er eine Show für das Publikum hinlegen sollte. Wirklich sicher war sie sich noch nicht, aber Bernie hatte das Gefühl, dass Turniere mit dem Hengst wirklich Spaß machen würden.
      Im Galopp lenkte sie den Hannoveraner auf einen Mittelzirkel und parierte ihn dann in den Schritt durch. Sie öffnete die Hände ein bisschen, ließ ihm die Zügel länger. Gleichzeitig versuchte sie, nicht zu arg mit der Hüfte mitzugehen; Ares hatte einen weitaus raumgreifenderen Schritt als Blurry, da war die Gefahr groß, wie ein nasser Sack auszusehen. Nach einer Kehrvolte ließ sie ihn auf der rechten Hand wieder antraben. Halbwegs durch.

      Bis der zweite Galopp kam, funktionierte alles noch super. Dann hatte Bernie das Gefühl, Ares‘ Konzentration schien langsam aber sicher zu schwinden. Mit Ach und Krach sahen die Schlangenlinien mit drei Bögen noch halbwegs passabel aus, der Übergang zwischen Schritt und Trab ginge auch schöner, aber letzten Endes steuerte Bernie Ares wieder vor den Richtertisch, verabschiedete sich und trabte schlussendlich aus der Bahn.

      Ares‘ Ohren drehten sich in alle Richtungen als er aus der Arena schritt. Der Moderator kündigte das nächste Paar an, überall auf dem Platz standen andere Pferde und noch viel mehr Menschen. Trotzdem ließ er sich mit einem leichten Zügelzupfen durchparieren. Cat tauchte an seiner Seite aus und half Bernie aus ihrem Jackett.

      Außerdem kann ich jetzt endlich auch mal mit den Youngsters arbeiten – nicht viel, aber definitiv mehr als daheim.

      Von heute auf morgen hatte das Wetter in England von ganz-okay-ich-mein-für-England-ist-das-ganz-gut-auch-wenns-in-Kalifornien-wärmer-und-sonniger-ist-wir-wissens-langsam-Leslie-Sommer in Herbst umgeschlagen. Aber komplett Herbst: Den einen Tag wachte Bernie noch auf, weil ihr die Sonne ins Gesicht schien, den anderen sah sie draußen nur noch grau.

      „Gewöhn dich dran,“ riet ihr Leslie am Frühstückstisch. „Ich hoffe, du hast genug Socken dabei. Und Pullis. Und Regenjacken.“

      Snafu, dessen Gesicht halb in der Cornflakes-Schüssel hin, stöhnte in seine Milch hinein. „Oh mein Gott, Regenjacken.“ Leslie grinste ihn daraufhin breit an, also musste das wohl irgendein Insider sein.

      „Solange ich nicht wieder im Regen Zäune kontrollieren muss,“ grummelte Bernie.

      „Viel besser.“ Leslies Grinsen wurde noch breiter.

      Viel besser stellte sich schnell heraus als halb-freier Tag. Der Hufschmied kam und die Jocks waren dafür zuständig, dass die richtigen Pferde zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Und nachdem die Großen soweit fertig waren, schickte Heath Walsh eine Delegation der Stallburschen und eine Delegation der Jocks auf die Weide der Junghengste.

      Mit Jungpferden hatte Bernie wirklich lange nichts mehr unternommen – zuhause in Boston stand ein Dreijähriger in der Box neben Bernies Pflegepferd, also hatte sie eben auch mal die Box gemistet oder ihn auf die Koppel geführt. Recht viel mehr war das ja jetzt auch nicht, sagte sie sich als sie einem Holsteiner namens Painted Taloubet das Halfter aufzog. Das ließ er zwar ganz gut mit sich machen, aber irgendetwas an ihm sagte Bernie, dass sie später lieber aufpassen sollte.

      Mit vier jungen Hengsten ging es in Richtung A-Stall. Vor Bernie und Taloubet dackelte ein fast schon ausgewachsener Hannoveraner namens Dark Royale, dahinter kamen Leslie mit ihrem Gambit und ein Connemarahengst, der von allen nur Donnie genannt wurde.

      Im Stall angekommen wurden die Stallburschen dazu verdonnert, beim Halten zu helfen. Gerade wollte sich Bernie hinsetzen, da tauchte auf einmal Cat vor ihr auf. Und deswegen war es heute nur ein halb-freier Tag: das Training fiel zwar aus, aber trotzdem rannten alle wie verrückt hin und her. Cat und Bernie halfen im B-Stall aus, trennten die beiden Fohlen in den Außenboxen für ihre Mama, damit vor allem das Hengstfohlen in nächster Zeit in eine Herde mit Gleichaltrigen kam. Der Rotfalbe machte das schon ziemlich routiniert mit, nur das Stutfohlen wieherte immer wieder nach der Mama – die natürlich ebenso herzzerreißend antwortete. Genauso lautstark war dann die Begrüßung, als beide Fohlen zurückkamen.

      Wirklich viel mehr ist in den letzten Wochen nicht passiert. Ich weiß, du kannst es nicht glauben, aber ich möchte dir jetzt nicht jeden Tag einzeln aufdröseln.

      Sag allen daheim liebe Grüße von mir.

      Bernie xx
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      versteckte nachrichten hihihi

      chapter nine | 11. November 2017
      Ares | Ironic | Painted Blur | Paramour
      Minou | Siana | Benihana | Bucky | Medeia | Cíola
      Dark Royale | Painted Basquiat | Mánas | PFS' Scion d'Or | Dark Innuendo | Painted Taloubet | Doineann | PFS' Gamble Away | Pacco
      -- Leslie --

      Oktober war Leslies Lieblingsmonat. September war immer noch ein bisschen Sommer, und November schon fast Winter; der Oktober war noch nicht ganz bitterkalt, die Blätter waren schön bunt – und es war Jagdzeit.

      Am liebsten hätte sie dieses Jahr ja selbst mitgemacht. Nicht unbedingt mit Gambit, natürlich, aber irgendein Pferd hätte sich schon gefunden. Blöderweise fand dieses Jahr die Jagd auf Sandringham Manor statt – und alle Jocks hatten Teilnahmeverbot gekriegt. Irgendwo verständlich, aber wirklich begeistert war Leslie nicht gewesen.

      Also hatte sie das Nächstbeste getan und sich Hals über Kopf in die Organisation geschickt. Zusammen mit Logan war sie die Strecke mehrmals abgeritten, hatte Pferde vom Flughafen abgeholt, auf die umliegenden Höfe verteilt und fuhr diese täglich ab. Das füllte so ziemlich den ganzen Tag, sodass sie jeden Abend todmüde ins Bett fiel – zum Leidwesen von Bernie und Snafu. Bernie, weil sie selbst dann gezwungen war, sich ab acht Uhr abends so leise wie möglich zu verhalten, und Snafu, weil der jetzt mit Goldie alleine trainieren musste.

      Dementsprechend war Leslie am Tag der Jagd auch schon um halb fünf wach. Auf Zehenspitzen schlich sie ins Bad, wusch sich schnell und tapste dann barfuß über den Gang zu Beau und Snafus Zimmer und klopfte sachte an.

      Fast gleichzeitig drückte sich dann auch schon Beau durch einen Minispalt in der Tür (durch den er gar nicht hätte passen sollen – immerhin war er bestimmt dreimal so breit wie Leslie. Mindestens) und schob sie in Richtung Treppe nach unten.

      Frühstück gab es für die beiden nicht. „Cooper ist eh schon angepisst, dass ich andauernd woanders bin,“ flüsterte Beau und steuerte Leslie an der Küche vorbei direkt an die Haustür. Draußen war es noch dunkel; nur ein leichtes, dunkelgraues Band war schon am Horizont zu erkennen. Der Hof rund um das Mitarbeiterhaus war umhüllt von Nebel und es roch nach Regen. Solange der sich für den restlichen Tag verzogen hatte, war Leslie das ganz recht.

      Wie ein kleines Kind schlappte sie Beau hinterher, der zuerst die Tür in die Sattelkammer des A-Stalles aufsperrte. Als er das Licht anmachte, war Leslie für einen kleinen Moment geblendet, dann ging sie die Spinde der Gastpferde durch. Im A-Stall waren nicht wirklich viele Boxen freigewesen; die Junghengste standen seit ein paar Tagen wieder über Nacht in den Boxen und nahmen dementsprechend Platz weg. Ein Paint Horse aus New Mexico, ein Holsteiner und ein Trakehner aus Deutschland bewohnten seit Anfang der Woche die drei freien Boxen und schienen sich ganz gut mit den Boxennachbarn zu verstehen. Dementsprechend kam Beau auch schnell wieder, nachdem er Leslie in der Sattelkammer zurückgelassen hatte.

      Die Spinde waren immer noch verschlossen, beim kurzen Inventarcheck schien auch nichts zu fehlen. „Gehen wir weiter,“ flüsterte Leslie. Wenn man den Geräuschen der Pferde in der Box trauen konnte, waren die zwar eh schon wach und verlangten auch schon langsam ihr Futter, aber irgendwie wollte sie trotzdem so leise wie möglich reden.

      Im C-Stall war dann der Großteil der fremden Hengste untergebracht. Der stand im Winter meistens eh leer – Esther verfolgte die Philosophie, dass auch Hochleistungssportler mal ein bisschen Pause brauchten und nahm deswegen am Anfang Oktober keine Trainingspferde mehr an – und war somit für die restlichen 9 Gasthengste frei. Auch hier checkte Leslie kurz, ob die Spinde nach wie vor verschlossen waren und ob auch wirklich nichts fehlte. Beau knipste das Licht in der Stallgasse an, guckte kurz in jede Box und zog Leslie dann auch schon wieder quer über den Hof.

      Langsam aber sicher meldete sich dann doch ihr Magen. Um kurz nach 5 schalteten sich immer mehr Lampen in den Ställen und Häusern an, und ihre innere Uhr sagte ihr, dass es jetzt wirklich Zeit fürs Frühstück war. Trotzdem trottete sie hinter Beau her und versuchte, das Magengrummeln einfach zu ignorieren.

      Funktionierte semi-gut. Als die beiden im Stutenstall angekommen waren und Leslie gerade Spind Nummer 3 von 7 aufsperrte, knurrte ihr Magen so laut, dass Moses kurz darauf den Kopf in die Sattelkammer steckte.

      „Ich dachte, hier drin ist ein Bär,“ sagte er grinsend, als er Leslie entdeckte. Die verdrehte nur kurz die Augen; Moses war wirklich einer der einzigen Menschen, die sie kannte, der frühmorgens (um 5 Uhr. 5 Uhr morgens frühmorgens) schon zu Witzen aufgelegt war. Einer der Gründe, warum sie den B-Stall mied, bis sie wirklich wach war.

      Gerettet wurde sie von Beau, der sich an Moses vorbeischlängelte und wortlos die restlichen vier Spinde inspizierte. Dann fiel sein Blick auf die Uhr und unter wildem Fluchen stürmte er aus der Sattelkammer. Leslie konnte ihn gerade noch auf dem Weg zum Parkplatz einholen.

      „Keine Frühstückspause?“ keuchte sie ihm hinterher.

      Er öffnete die Fahrertür eines dunkelblauen Yaris‘. „Keine Frühstückspause.“

      -- Idony --

      Wenn man monatelang jeden Tag um die gleiche Uhrzeit aufstand, dann war das irgendwann so in einem drin, dass man an jedem Nicht-Arbeitstag um fünf hellwach war. So ging es Idony heute – Training fiel für die nächsten paar Tage aus und Cam war so nett gewesen und hatte ihr freigegeben, damit sie später bei der Jagd konzentriert mitreiten konnte.

      Trotzdem – sie war um Punkt fünf Uhr wach gewesen und nach ein paar Minuten hatte sich herausgestellt, dass sie das mit dem Weiterschlafen vergessen konnte. Also war Idony zwei Stunden später schon mit den meisten Arbeiten fertig. Benihana versorgen, Benihanas neue Boxennachbarin Minou und die Reitponystute Cíola zusammen auf die Weide stellen, Stallgasse fegen und nett zu den Gästen sein.

      Gegenüber von Billies Box stand eine Scheckstute, die jeden Schritt und jedes Atmen im Stall genaustens im Blick hatte. Jedes Mal, wenn Idony kurz zu ihr hinübersah, stand die Stute woanders – mal im Paddock, mal in der Box, mal genau auf der Schwelle. Idony ließ sie kurz mit sich selbst allein und huschte an die Box des Scheckens. Die Stute hatte in etwa die gleiche Größe wie Benihana, wirkte aber zugleich imposanter als auch gebrechlicher als der Holsteiner gegenüber.

      „Schon mal die Konkurrenz begutachten?“ kam plötzlich von hinten. Idony zwang sich, nicht wie ertappt zu gucken, als sie sich umdrehte und eine junge Frau vor ihr stand – mit einem breiten Grinsen.

      Die Frau streckte auch sogleich ihre Hand aus. „Alexandra Cordes. Und das hinter dir ist Possy Pleasure Mainstream.“

      Als hätte sie ihren Namen verstanden, schnaubte die Stute und schlich sich dann sogleich wieder nach draußen auf den Paddock. Idony räusperte sich und nahm die Hand der Frau. „Idony Berqvist – aber ich bin keine Konkurrenz, ich arbeite hier.“

      „Oooh,“ machte Alexandra. „Und da dürft ihr gar nicht mitmachen? Das ist ja auch schade. Da gibt’s sowas mal und ihr werdet ausgeschlossen.“

      Ein bisschen überrumpelt von den vielen Worten in der kurzen Zeit blinzelte Idony Alexandra erst mal an. Dann registrierte sie die Worte erst. „Ach nein, das ist wirklich nicht schlimm – jetzt im Herbst sind hier so viele Jagden, also wer will—“

      „Oooh,“ machte Alexandra wieder. Possy Pleasure Mainstream kam wieder in die Box und reckte den Hals nach ihr. „Ich werde jetzt auch mal gucken, wo die zweite im Team bleibt – allmählich sollten wir ja mal beginnen, die Pferde fertig zu machen.“

      Mit einem Winken verabschiedete sich Alexandra wieder und ging aus dem Stall. Neben den Stallburschen, die die Futtereimer wieder von vor den Boxen einsammelten, war Idony die einzige im Stall. Also nutzte sie die Gunst der Stunde und richtete Benihana schon einmal so weit her, dass sie dieser später nur noch den Sattel auf- und die Trense anlegen musste.

      -- Leslie --

      Treffpunkt der Reiter war um halb elf auf dem Dressurviereck. Bis dahin hatte Leslie Zeit, den Matsch aus Painted Blurs Fell zu bürsten. Pünktlich hatte sich der natürlich in die nächstbeste Matschpfütze geschmissen – und von denen gab es auf den Weiden gerade genug. Soweit wäre es gar nicht gekommen, wären Leslie und Beau zur Stelle gewesen. So wie es war hatte nämlich Cooper Blurry auf die Weide gebracht, der hatte die Chance ergriffen – und jetzt stand Leslie in der Stallgasse des A-Stalls und versuchte, den noch feuchten Matsch so gut wie möglich aus dem Fell zu bekommen.

      Eigentlich wäre das eine Fall für die Waschanlage, dachte sie und schrubbte an einem Fleck an der Flanke des Hengstes. Eigentlich – nur leider war es kurz nach zehn, und wenn man Bernie und Cat glauben konnte, dann waren die ersten Gäste auch schon am Platz versammelt.

      (Beau hatte sich übrigens verkrümelt und frühstückte. Während Leslie nasse Matschflecken ausbürsten durfte, die vermeidbar gewesen wären. Schöner Tag war das heute.)

      10:15 Uhr ließ sie dann die Bürste fallen und schnappte sich Blurrys Sattel. Weg waren die Flecken zwar nicht, aber sollte sich jemand der Gäste drüber beschweren – naja, dann ließ sie Cooper die Sache handeln. Sie hatte gleich erst mal ein Date mit ihrer Müslischale.

      Gerade hatte Leslie Blurry das Gebiss ins Maul geschoben, als auch schon Esther in den Stall kam. Die drei Gäste, deren Pferde im A-Stall untergebracht waren, hatten sich schon längst auf den Weg zum Viereck gemacht – schön rausgeputzt mit Turnierjackett, hellen Hosen und weißen Schabracken. Leslie wusste also, dass sie spät dran war (und das würde Cooper auch noch den ganzen lieben langen Tag hören, ob er es wollte oder nicht). Dass jetzt aber schon die Chefin nach ihr sah, das hätte sie aber nicht gedacht.

      „Schon fertig,“ rief sie Esther entgegen und steckte den Zipfel des Nasenriemens noch schnell unter die dafür vorgesehene Lasche. „So gut wie’s eben ging,“ murmelte sie dann noch vor sich hin, nahm Blurry die Zügel vom Hals und führte ihn die Stallgasse hinab.

      Esther sah sich den Hengst kurz von beiden Seiten an, seufzte und zuckte dann mit den Schultern. „Sauberer wird er jetzt eh nicht mehr,“ sagte sie und klopfte Leslie kurz auf die Schulter. „Wenn du mir noch kurz helfen könntest?“

      Per Räuberleiter schwang sich Esther in den Sattel und nahm die Zügel auf. „Ich kehr‘ noch schnell, dann bin ich sofort da,“ versprach Leslie, aber Esther winkte ab.

      „Der Dreck liegt später auch noch da, wenn wir weg sind. Du solltest dir das jetzt lieber mit ansehen.“

      Gut, das ließ sich wahrscheinlich niemand zweimal sagen. Hinter dem großen Rappen und ihrer Chefin schloss Leslie das Stalltor und folgte den beiden dann in Richtung Viereck.

      -- Idony --

      „Guten Morgen und natürlich herzlich Willkommen auf Sandringham Manor.“

      Das Stimmenwirrwarr auf dem Dressurviereck verstummte augenblicklich. Neben Idony hörten sogar die zwei Geschwister auf, die schon seit sie aufgetaucht waren die Köpfe zusammengesteckt hatten, zu tuscheln. Fast alle Köpfe drehten sich nach vorne in Richtung Eingang. Vor der Kulisse des Herrenhauses saß Esther im Sattel von Blurry, hinter ihr Logan und Frank.

      „Ich freue mich, euch alle hier begrüßen zu dürfen. Das ist die erste Jagd seit fast 13 Jahren, die auf unserem Gestüt stattfindet, und ich bin sehr gespannt, wie es ausgeht.

      Ich möchte auch gar nicht groß um den heißen Brei herumreden, schließlich wollen wir alle so bald wie möglich los. Wir haben eine Strecke von etwa 15 Kilometern vor uns. Nach etwa sieben gibt es für alle eine kleine Pause auf einem benachbarten Hof. Die Pferde dürfen grasen und für uns Menschen gibt es auch ein paar Snacks. Abschließend treffen wir uns auf der Wiese ein, auf der unser Geländetraining startet. Wer besonders aufmerksam ist, wird auf dem Weg dorthin auch etwas ganz Besonderes im Wald entdecken.

      Die Regeln lauten wie bei jeder Jagd. Um einen sicheren Ablauf zu gewähren, bete ich euch alle, euch gleich euren Platz im Feld zu finden und diesen, wenn möglich, nicht zu verlassen. Und, das ist ganz wichtig: reitet nie quer zu den anderen Reitern. Außerdem dürfen die Master, die euer Feld anführen, niemals überholt werden – die kennen die Strecke und sind dafür zuständig, dass alles gut abläuft. Für die Springer sind meine Kollegen Logan Reid und Frank Montgomery zuständig,“ Esther gestikulierte auf die zwei Trainer hinter ihr, „die Nicht-Springer hören auf mein Kommando.“

      Idony sah sich ein bisschen in den Reihen rum. Einige Reiter hatten ein schmales Lächeln auf den Lippen, andere sahen Esther stockernst ins Gesicht.

      „Zu eurer Sicherheit bilden die Schlusslichter die sogenannten Schlusspiköre. Jeder noch so gute Reiter fällt mal vom Pferd – für den Fall sind die Schlusspiköre da. Sie sind auch ein bisschen die Schiedsrichter, die alles sehen.

      Auf der Strecke gibt es 15 Hindernisse, inklusive Bachläufen und feste Naturhindernisse. Sollte euer Pferd vor dem Hindernis verweigern, dann dreht am besten sofort ab und reitet um das Hindernis herum. So kann es keine Staus geben und ihr und eure Pferde werden nicht verletzt.

      Außerdem bitte ich euch grundsätzlich, aufzupassen. Wir haben einige Pferde dabei, die noch recht jung und stürmisch sind. Wenn ihr die Jagd ohne dickes Knie abschließen möchtet, dann reitet nicht zu arg auf – vor allem nicht, wenn das Pferd eine rote Schleife im Schweif trägt.

      Recht viel mehr gibt es auch nicht zu sagen, also fange ich gleich mit den Feldeinteilungen an.“

      Die ersten Reiter zogen die Gurte nach und ließen die Steigbügel herunter. Esther kramte einen Zettel aus ihrer Jacketttasche hervor und räusperte sich.

      „Feld Eins ist das erste springende Feld mit Philipp Gerdes und Daitona, Nicolaus du Martin und Ghostly Phenomenon, Elena Redling und Couleur du Deuil, Leticia Weidner und Ingénue, Octavia Blake und Raspberry, Mio Wild und Raised from Hell, Malte Tordenvaerson und Belmonts Brock und Gwendolyn Campbell und Neelix. Euer Master ist Logan Reid und euer Schlusspikör ist Idony Bergqvist.“

      Während alle, die gerade aufgerufen wurden, sich auf eine Seite des Vierecks verteilten, blätterte Esther um. „Feld zwei als zweites springende Feld mit Occulta Smith mit Co Pilot de la Bryére, Ciaran Duclair und Shenandoah, Eddi Canary und Pajero, Jonas Moser und Diarado, Lisa Zimmermann mit Halluzination, Isa Neyer mit Jonquil, Ikarus Dragomir mit Pitú, Tassilo Greving und Cover the Sun und Charlotte von Eylenstein mit Grenzfee. Euer Master ist Frank Montgomery, der Schlusspikör ist Katharina Karenin.

      Das letzte Feld mit mir als Master besteht aus Addison Moore mit My Canyon, Janina Lohmann mit Nemax, Elliot Hadley mit Vychar, Bellamy Blake mit Gun and Slide, Franziska Ziegler mit Cadeau, Nate Prescott und Dark Chocolate, Alexandria Cordes und Possy Pleasure Mainstream, Tamara Meyrohe mit Walking in the Air, Marie Wortkötter mit Macaruja, Vuyo Ndour mit Aspantau und Artemis Fortounis mit Bahar. Euer Schlusspikör ist Bree Price.“

      Ein paar Sekunden gab Esther den Leuten, um sich aufzuteilen, dann steckte sie den Zettel wieder in ihre Tasche. „Ihr könnt jetzt aufsitzen. Feld 1 macht sich in wenigen Minuten auf den Weg, ein paar Minuten später Feld 2 und dann Feld 3. Ich wünsche euch eine schöne und angenehme Jagd und natürlich viel Glück.“

      -- Leslie --

      Gemeinsam mit Bernie und Snafu hatte Leslie Esthers kleiner Ansprache vom Rande des Dressurvierecks gelauscht. Als das letzte Feld mit Blurry an der Spitze und Siana als Schlusslicht vom Platz ritt, seufzte Leslie erst einmal laut. Passend dazu grummelte ihr Magen.

      Wie auf Knopfdruck drehten sich Bernie und Snafu zu ihr um. „Schon wieder Hunger?“ scherzte Bernie.

      „Immer noch,“ grummelte Leslie. „Aber ich werd mich jetzt umdrehen und auf schnellstem Weg ins Haus gehen und schön und lange frühstücken.“

      Snafu grinste sie kurz an, dann schweifte sein Blick über ihre Schulter ab. Seine Augen wurden für einen Moment weich – und Leslie wusste genau, was sie erwartete. Mit einem lauten Stöhnen schlug sie sich die Hände vor die Augen.

      „Leslie, fertig soweit?“ kam es von hinter ihr in einer allzu familiären, tiefen Stimme. „Die Millers haben gerade angerufen, wir sollen gleichkommen – hab ich was verpasst?“

      Als sie die Hände von den Augen nahm, sah sie, dass Snafu schon antworten wollte, also ergriff sie lieber selber die Initiative.

      „Nein, gar nichts. Gehen wir.“ Schwungvoll drehte sich Leslie um, packte Beau beim Oberarm und zog ihn hinter sich her in Richtung Parkplatz.

      Schon wieder.

      -- Idony --

      Billie gefiel das Hinterhergetrotte ganz und gar nicht. Während der ersten Trabstrecke hätte die langbeinige Stute gleich mal versucht, einen wuchtigen Draught-Hengst und eine zierliche Buckskinstute zu überholen – also hatte Idony sie auf eine Volte abgewendet und sich tief in den Sattel eingesessen. Sowohl der Mann auf dem Draught als auch die junge Frau auf der Stute schienen ihr das aber nicht übel zu nehmen. Immer wieder versuchte die Holsteinerstute, irgendwie an der Gruppe vorbeizuziehen – bis sie sich dann nach dem ersten Galopp anscheinend damit abgefunden hatte. Ungeduldig kauend, aber wenigstens ein Schritt in die richtige Richtung.

      Idony selbst kam auch dann erst richtig in den Genuss – bis dahin hatte so gut wie jeder seinen Platz in der Gruppe gefunden. Im Schritt unterhielten sich die meisten, lachten miteinander. Wenn Logan das Handzeichen für den Trab oder Galopp gab, verstummten jedoch alle und vor den Hindernissen wurde eine schöne Reihe gebildet. Pferd nach Pferd hüpfte über die Zäune, kletterte einen Wall hinunter und watete durch einen Bachlauf.

      Die Reiter schätzte Idony als ziemlich erfahren ein; keiner kam über den Hindernissen ins Straucheln. Eine Rappstute weiter vorne im Feld schlug den ein oder anderen Haken zur Seite, aber die Reiterin schien sich dadurch nicht aus dem Konzept zu bringen zu lassen. Trotzdem stoppte bei jedem Seitensprung kurz Idonys Herz und sie nahm Billie vorsichtshalber gleich ein bisschen zurück – sollte die Reiterin den Halt verlieren und stürzen, war es immerhin ihre Aufgabe, alle wieder einzusammeln.

      Trotz hakenschlagender Stute erreichten alle Reiter als erstes die Zwischenstation auf dem Bauernhof der Familie Wright ohne Zwischenfälle. Von einem kleinen Wäldchen ging es direkt an den Schaf- und Kuhweiden vorbei, direkt auf den kleinen Platz vor dem Guthaus. Ein paar Stallburschen von Sandringham Manor wuselten schon umher; auf ein paar Aufstelltischen standen Gläser und Wasserflaschen, auf anderen eingewickelte Sandwiches.

      Nachdem den Pferden die Zaumzeuge abgenommen und die Sattelgurte gelockert wurden, gab es für die Reiter dann das verdiente Lunch. Die alte Mrs Wright füllte Wassereimer für die Pferde auf und die Stallburschen verteilten sie schließlich. Nach und nach kamen auch Frank und Esthers Felder an, als allerletzte Cat auf Ironic. Im Gegensatz zu ihrer Gruppe sah sie ein bisschen abgekämpft aus, also machte sich Idony kurzerhand auf den Weg zu ihr.

      Ironic blubberte freundlich, als er Billie entdeckte. Als die ihm aber keinerlei Beachtung schenkte, sondern lieber ein paar vertrocknete Grashalme abrupfte, bekam er sich auch schnell wieder ein und spielte lieber mit dem Wassereimer, dem ihn ein Stallbursche hinhielt.

      Cat lächelte Idony müde an. „Du siehst ja richtig frisch aus.“

      „Kann ich von dir nicht wirklich behaupten,“ sagte Idony. „Schwere Gruppe?“

      „Die Gruppe nicht unbedingt,“ Cat nahm ihren Reithelm ab und fuhr sich durch die Haare. „Eine Stute, ich glaub ein Vollblut. Rote Schleife im Schweif, also sollte ich nicht so überrascht sein, aber im Schritt schien sie noch besser drauf zu sein.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Ich musste noch keinen retten, aber wir haben ja noch ein paar Kilometer vor uns.“

      „Dann solltest du ganz schnell irgendwo Holz finden und drauf klopfen.“

      „Bietest du mir deinen Kopf an?“

      Idony rollte mit den Augen, dann streckte sie die Hand nach Ironics Zügeln aus. „Los, hol dir noch was zum Essen bevor nichts mehr da ist.“

      -- Leslie --

      Ja gut, vielleicht hatte Leslie den Aufwand einer solchen Jagdorganisation ein bisschen unterschätzt. Mittlerweile war es nach 12 Uhr mittags und bis auf ein paar Gurken bei der Essensvorbereitung hatte sie immer noch nichts zwischen die Zähne bekommen. Wenn sie nicht Essen ausgab, dann schleppte sie Getränkekisten, Wassereimer oder was auch immer die alte Wright sie auch machen ließ.

      „Wenn das hier rum ist,“ sagte sie leise und bedrohlich, als Beau ihr noch eine Wasserkiste in die Brust stieß, „dann schuldest du mir ein drei Gänge Menü. Selbst gekocht. Alles andere akzeptiere ich nicht als Entschuldigung.“

      Beau, der sonst eigentlich sehr gefestigt wirkte, bekam seine kleine Sorgenfalte zwischen den Augenbrauen. Jackpot. „Irgendwie sowas sollte ich hinkriegen.“

      „Das hoffe ich für dich.“

      -- Idony --

      Der zweite und letzte Abschnitt begann ein bisschen ruhiger als der erste – zumindest für Idony. Im Schritt ging es wieder zurück in das kleine Wäldchen, an einer Abzweigung jedoch geradeaus statt rechts.

      Wie als hätten die Pferde nie etwas anderes gemacht, kletterten sie einen Wall hinab, galoppierten dann geschlossen und ruhig an und nahmen die ersten paar Hindernisse des letzten Streckenabschnitts mit Leichtigkeit. Erst kurz vor der letzten Galoppstrecke verweigerte eine große Rappstute weiter vorne im Feld. Ihr Reiter fing sich gerade noch über dem Hals hängend. Die Stute ging zwei Schritte mit hochgerissenem Kopf rückwärts. Idony nahm schon Billies Zügel an, kurz davor, einzugreifen – immerhin kamen schon die nächsten Pferde, die auch über das Hindernis springen wollten, und so ein Stau konnte ziemlich blöd hinausgehen – doch dann trieb der Reiter die Stute schon seitlich und machte einen großen Bogen um den Zaun und kurz darauf nahmen beide wieder ihren Platz im Feld ein.

      Als von Logan an der Spitze das Kommando zum Suchen kam, saßen plötzlich alle aufrechter im Sattel. Alle nahmen ihre Pferde zurück, ließen die Galoppsprünge verkürzen, und sahen sich links und rechts im Gebüsch des Waldes um. Wo genau der Fuchsschwanz versteckt war, wusste Idony auch nicht; sie selbst verließ sich also darauf, dass Billie sich mit dem hintersten Platz im Feld abgefunden hatte, stellte sich in die Bügel und reckte selbst den Hals, um besser sehen zu können. Bis auf ein paar orangefarbene Blätter fand sie aber nichts, und auch die Teilnehmer gingen leer aus. Ein wenig enttäuscht setzte sich Idony wieder in den Sattel ein. Billie spielte kurz mit den Ohren, erwartete eine Parade, galoppierte aber dann letzten Endes ruhig weiter.

      Wenige Meter voraus endete der Wald schon; dann waren sie eigentlich schon wieder mitten auf dem Gestüt. An den leeren Paddocks vorbei, um das Haupthaus herum, dann tauchte auch schon das Dressurviereck vor dem Feld auf, mit dem aufgebauten Sprung. Einer nach dem anderen, wie in den letzten Stunden, sprangen die Pferde darüber. Als Idony und Billie auf dem anderen Ende des Hindernisses ankamen, waren die ersten Reiter schon abgestiegen.

      Wenige Minuten, nachdem ein paar Jocks die ersten Eichenbrüche verteilten, kam auch das zweite Feld an – ebenfalls erfolglos, wie sich schnell herausstellte. Trotzdem schien die Stimmung heiter zu sein; die Reiterin mit der nervösen Stute aus Idonys Feld erzählte im größten Detail und mit ausladenden Armbewegungen jedem im Umkreis von fünf Metern, wie sie sich dreimal schon fast am Boden liegen sah.

      Erst, als dann zwanzig Minuten nach dem ersten Feld Esther und ihre Gruppe auf dem Platz eintrafen, schwenkte jemand ein orangefarbenes Stück Pelz hin und her. Als die Gruppe sich dann auch langsam lichtete, bekam Idony einen ersten Blick auf den Gewinner: die Reiterin war noch jung und saß auf einer hellen, schweren Buckskinstute. Sie grinste, umklammerte den Fuchsschwanz eisern und unterhielt sich angeregt mit der Frau, die Idony heute Morgen im Stall getroffen hatte. Auch das Pferd kam Idony bekannt vor – da musste sie später gleich mal gucken, ob die Stute nicht sogar neben Minou einquartiert wurde.

      Esther platzierte sich wieder in die Mitte des Vierecks. Als jeder Teilnehmer seinen Eichenbruch in der Hand hielt, verkündete sie die Siegerin – Tamara Meyrohe aus Deutschland, deren Stute tatsächlich nur ein paar Boxen neben Benihana stand – und bedankte sich bei allen, die irgendwie geholfen hatten. „Und zur Feier des Tages lade ich Euch alle herzlich zum Jagdgericht ein – nachdem die Pferde versorgt wurden, versteht sich.“

      Ein wirkliches Jagdgericht im klassischen Sinn war es nicht – Idony hatte sich noch nicht mit Bree und Cat unterhalten können, ob es in deren Feldern irgendwelche Vergehen gab, aber das konnte sie sich kaum vorstellen – sondern eher ein Dinner im Herrenhaus. Die Piköre waren ebenfalls eingeladen – trotzdem ließ sich Idony viel Zeit im Stall, stopfte Billie Stroh unter die Abschwitzdecke und weichte die Kühlgamaschen in aller Ruhe ein.

      Ein bisschen verspätet und mit eiskalten Fingern kam Idony dann im Speisesaal an. Cat hatte ihr einen Platz freigehalten, direkt vor dem Teller mit Hühnchen. Um sie herum hatten die anderen schon mit dem Essen begonnen, also lud sie sich sofort ein bisschen Fleisch, Gemüse und Brot auf, ohne noch groß nachzudenken. Der Hunger war erst gekommen, als sie vor dem Speisesaal gestanden war und das Essen gerochen hatte. Komisch, wie man einfach vergessen konnte, hungrig zu sein.

      -- Leslie --

      Leslie, auf Cats anderer Seite, lud sich ihren Teller dreimal mit allem Möglichen auf, probierte jedes der drei verschiedenen Desserts und schnappte sich anschließend noch das übrige Mousse au Chocolat von Beaus Teller. Das schuldete er ihr ja schließlich.
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      versteckte nachrichten hihihi

      chapter thirteen | 13. März 2018
      Ironic | PFS' Gamble Away | Quarterback
      Ares | Painted Blur | Paramour
      Dark Royale | Doineann | Pacco
      "Ich glaube," sagte Cat und versuchte sofort wieder, die Haare, die ihr sofort in den Mund geflogen waren, mit Pusten loszuwerden.

      Bernie hatte gleich nach dem ersten Mal gelernt - Putzen musste in den nächsten Wochen stumm vonstatten gehen. Zum Extra-Schutz hatte sie auch nochmal ein Tuch über die Nase und den Mund gelegt. So blieben Blurrys Haare überall aber nicht in ihrem Mund, wenn sie mit dem Striegel über die Kruppe des Hengstes ging.
      Cat schien das lästige Haar losgegangen zu sein. "Ich glaube," fing sie nochmal an, "dass jetzt Frühling ist."

      "Soll ich dich daran erinnern, dass wir letzte Woche noch 'nen Komplettausfall hatten?" fragte Bernie, ihre Stimme ein bisschen gedämpft hinter dem Tuch. Snafu und Beau hatten ihr vor eineinhalb Wochen erklärt, dass England - im Gegensatz zu Neuengland - nicht jeden Winter von unendlichen Schneemassen überschüttet wurde. Sie fand die paar Zentimeter, die alle Schneechaos nannten, zwar eher niedlich, aber anscheinend war das wirklich ein Problem hier.

      Mittlerweile war der Schnee größtenteils geschmolzen, die Rohre enteist und alles war wieder beim alten - inklusive Regen. Auch jetzt sah sie misstrauisch aus dem Stalltor nach außen, dann wieder zu Cat, die gerade Ironics Bauch vom Winterfell befreien wollte. Der Himmel war stahlgrau, es war windig, wenn es auch gerade nicht regnete. "Wenn das der englische Frühling ist, dann weiß ich auch nicht."

      "Das riecht man," machte Cat einfach weiter, als hätte sie Bernie nicht zugehört, als hätte sie nicht mal nach draußen geguckt - als würde ihre Regenjacke nicht über Ironics Box liegen.

      Seufzend ließ Bernie den Striegel wieder in Blurrys Putzbox fallen. Der Hengst hatte gedöst, schreckte von dem Geräusch aber wieder auf. Er genoss das Putzen richtig - im Gegensatz zu Ares, bei dem Bernie aufpassen musste, dass er ihr dabei nicht auf die Füße trampelte. Mit einem Stück Karotte belohnte sie den Holsteiner und stellte ihn dann nochmal kurz in die Box.

      Sie war schon fast fertig mit Ares, mit dem Tuch über der Nase und dem Striegel in der Hand, als Cat laut pustend anscheinend mit Ironic fertig war - oder aufgegeben hatte, wie es beim Putzen im März wohl eher der Fall war. "Bist du immer noch nicht fertig?" rief sie grinsend über den Rücken des Hannoveraners hinweg. Bernie winkte ab, ohne Cat eines Blickes zu würdigen.

      Als dann auch der braune Hengst von einem guten Teil des Winterfells befreit war, warf Bernie sowohl Ares als auch Blurry eine Regendecke über - sicher war sicher. Auch Ironic wurde eingedeckt, aber aus eher praktischen Gründen; Ares und Blurry genossen den Deckhengst-Urlaub, wurden nur alle paar Tage geritten und würden in ein paar Wochen Stuten besuchen - Training war also abgesagt. Ironic hingegen sollte so trocken wie möglich bleiben, damit er für seine Leistungsprüfung fit blieb und vor allem: damit er sich nicht komplett einsauen konnte auf dem matschigen Paddock.

      (Heath hatte bei der Begründung natürlich nur mit den Augen gerollt, aber irgendeinen Sinn schien der Stallmeister auch darin zu sehen - immerhin riss er dem Hengst die Decke nicht herunter.)

      Bernie ging mit Ares und Blurry voraus; Cat kam mit Ironic hinterher. Zu dritt konnten die Hengste nicht auf den Paddock; Ares und Blurrys waren zwar beste Buddys, aber Ares war kein Fan von Ironic. Wenn Bernie ehrlich war, konnte sie ihn da auch ganz gut verstehen - Ironic war zu hibbelig, zu unentspannt, um für Ares als Weidekumpel zu passen. Also kamen Bernies Jungs zusammen auf den Paddock, und Ironic zu den zwei Ponyhengsten Paramour und Pacco.

      Als Bernie die beiden Hengste losmachte, stürmte der Braune sofort in großen Sätzen ans andere Ende des Paddocks, legte dort eine Vollbremsung ein und buckelte dann in einem großen Bogen über den Sand. Blurry hingegen blieb bei Bernie stehen, guckte seinem Weidekumpel zu und senkte dann den Kopf, um nach etwas Essbarem zu suchen. In einer Ecke stand eine kleine Heuraufe, überdacht und geschützt; dorthin verkrümelte sich der Holsteiner sofort.

      Ein paar Minuten blieb Bernie am Zaun stehen, dann fiel ihr der erste Regentropfen auf die Nase. Bis sie zurück im Stall war, war aus dem Tröpfeln schon der nächste Schauer geworden.

      Zurück im B-Stall war Cat schon wieder beim nächsten Pferd - dem Neuen mit der außergewöhnlichen Farbe. Er war jetzt schon ein paar Wochen auf dem Hof, hatte aber ein ziemlich dünnes Nervengewand und wurde deswegen erst seit ein paar Tagen trainiert. Und mit Cat hatte er da eigentlich die perfekte Reiterin gefunden - sie hatte irgendwie herausgefunden, wie man ein solches Pferd vor allem in brenzligen Situationen wieder runterbekommt und gleichzeitig konsequent bleibt. Und das konnte sie bei einem Pferd, das bei der Ankunft schon seitwärts vom Transporter gesprungen war und anschließend wie bekloppt über die Anlage gerannt war, gut gebrauchen.

      (Quarterback hatte sich zum Glück nichts getan - das einzige, was angeknackst gewesen war, war Beaus Ich-bin-der-ultimative-Pferdeflüster-und-kann-jedes-Pferd-mit-bloßer-Willenskraft-halten-Ego.)

      Eigentlich sollte Bernie selber mit ihrer Arbeit vorankommen, damit sie rechtzeitig fertig wurde, um mit Leslie später ins Kino zu fahren. Trotzdem streckte sie dem neuen Hengst ihre Finger zum Beschnüffeln entgegen. Mit gespitzten Ohren streckte er sich zu ihr hin, drehte sich aber sofort wieder zu Cat um, als diese neben seiner Schulter auftauchte und den Hufkratzer in die Putzbox warf.

      "Was steht auf dem Plan?" fragte Bernie und lehnte sich an die nächstbeste Box.

      "Für dich?" antwortete Cat und krabbelte unter dem Strick hindurch. "Fegen. Für uns longieren."

      Kritisch musterte Bernie die Stallgasse; ein Mix von schwarzen, rotbraunen und hellbraunen Haaren lag über den Boden verteilt, und wenn das liegen blieb, bis die Stallburschen zurückkamen, würde Cooper sie wohl einen Kopf kürzer machen. Mit einem Seufzen ging sie also in die Futterkammer, krallte sich einen Besen und eine Schaufel.

      Beim Zurückgehen kam ihr eine Idee. "Sag mal, können wir später mal was ausprobieren?"

      Cat hatte mittlerweile mit dem Anlegen der Gamaschen begonnen, blickte aber zweifelnd zu Bernie hinauf. "Irgendwie mag ich nicht, wie das klingt."

      Bernie rollte mit den Augen. "Meine Güte, hab doch mal ein bisschen Vertrauen in mich. Ich wollte nur mal gucken, wie sich Dark Royale so mit anderen Hengsten versteht."

      "Steht er nicht gerade in diesem Moment mit Donnie auf 'nem Paddock?"

      "Ja, aber mal mit einem fremden Hengst. Und vielleicht tut das Quarterback auch mal gut, weißt du? Das ist ja ein bisschen mehr als nur über die Boxenwand beschnuppern."

      Cat war einige Augenblicke still - die Pferde waren alle auf Paddocks verteilt oder bei der Arbeit, man hörte also nur das Geräusch des Besens auf dem Boden und das Öffnen der Klettverschlüsse an den Gamaschen. Dann seufzte Cat. "Von mir aus. Aber nur, wenns gut geht."

      "Du bist der beste Mensch auf der Welt, Cat."

      "Ach, halt doch die Klappe."

      Noch bevor Bernie mit dem Kehren fertig war, verließ Cat den Stall. Und auch Bernie musste wieder hinaus in den Regen und Dark Royale von seinem Paddock holen. Normalerweise teilte er sich diesen mit Doineann und Gamble Away - Gambit war aber mit Leslie unterwegs und somit blieb das Schimmelpony alleine zurück. Bis auf ein kleines Wiehern schien Donnie das aber wenig auszumachen; er hatte seinen Kopf schnell wieder ins Heu gesteckt und schien sich mit Fressen von der Trennung abzulenken. Royale folgte Bernie mittlerweile motiviert und blieb nicht mehr an jeder Ecke stehen, um zu schnuppern.

      Bernie hatte eigentlich gedacht, dass sie sich viel Zeit beim Putzen ließ, aber die Entscheidung hatte ihr Royale schon abgenommen: von oben bis unten war er voll Matsch, teilweise trocken, teilweise noch feucht. So gut wie möglich schrubbte Bernie und befreite den Rappen so von etwa 97% des Matsches - beim Rest verschmierte sie mit jedem Bürstenstrich nur noch mehr Fell mit Matsch. Also zuckte sie mit den Schultern, sagte sich, dass man das auf dem Schwarz nicht so sah, und löste dann die Anbindestricke.

      Im Inneren der Führanlage war ein Longierzirkel, auf dem Cat Quarterback im Schritt freilaufen ließ. "So viel zum Thema Longieren," rief ihr Bernie vom Tor der Führanlage zu. Mit einem kleinen Pfiff machte Cat den Hengst auf sich aufmerksam, ließ ihn zu sich in die Mitte kommen und winkte dann Bernie zu sich. Dark Royale schnaubte, als er das andere Pferd entdeckte, und auch Quarterback hatten den Kopf hoch und die Ohren gespitzt. Nachdem das Tor zur Führanlage geschlossen war, machte Bernie Royale auch schon das Halfter ab - sollten sich die Hengste nicht miteinander verstehen, wollte sie lieber nicht dazwischen stehen. Auch Cat ging ein paar vorsichtige Schritte zurück.

      Dark Royale, ganz der Charmeur, ging mit leichten, federnden Schritten und aufgestelltem Schweif zu Quarterback. Der bunte Hengst schien wie eingefroren; nur seine Ohren spielten hin und her, klappten nach vorne, zur Seite, nach hinten und wieder nach vorne. Ein paar Augenblicke beschnupperten sich die beiden, dann zwickte Royale dem anderen Hengst in den Hals, drehte auf der Hinterhand um und trabte in einem großen Bogen um Quarterback herum. Dieser blieb erst mal kurz verdattert stehen, bis Royale ihn nochmal in den Hals zwickte. Ein paar Runden jagten sie sich gegenseitig durch den Longierzirkel, blieben dann letztendlich stehen - ruhig, nur mit dem ein oder anderen spielerischen Biss in die Schulter oder Brust.

      Als Bernie sich zu Cat umdrehte, sah sich diese das immer noch skeptisch an. "Ach komm schon," sagte Bernie und stupste Cat mit ihrem Ellenbogen an. "Da wird noch eine ganz dicke Männerfreundschaft draus, das sag ich dir."
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      versteckte nachrichten hihihi

      chapter twenty one | 04. Januar 2019
      Cíola | Paramour | Siana | Doineann | Medeia | Minou | Mánas
      Cobain | Quarterback | PFS' Scion d'Or | PFS' Gamble Away | Dark Royale | Painted Taloubet | Dark Innuendo
      Ares
      Das alte Jahr ging auf Sandringham Manor leise zuende. Während über die Weihnachtsfeiertage die meisten bei ihren Familien zuhause saßen, waren zu Silvester wieder alle auf dem Hof. Es gab kein Feuerwerk, um die Pferde nicht unnötig zu erschrecken; allerdings sah man die Raketen der Nachbarn in einiger Ferne den Himmel erleuchten.

      Für Bernie war Silvester nur eine kleine Verschnaufspause – sie arbeitete jetzt fast jeden Tag mit den Jungpferden und Cobain. Vor wenigen Tagen hatte sie den ersten halbwegs erfolgreichen Reitversuch auf dem Vollblut abgelegt. Zwar war es noch weit von dem entfernt, was es einmal sein sollte, trotzdem war Bernie zufrieden mit dem Hengst. Dafür zeigte sich Dark Royale mehr als ehrgeizig unter dem Sattel; mit ein bisschen Glück konnte der Hengst im Frühjahr voller Tatendrang in seine erste Turniersaison starten. Und auch Painted Taloubet und Dark Innuendo schien die Arbeit langsam Spaß zu machen; bis jetzt war es nur ein bisschen Bodenarbeit, denn vor allem Jitterbug hatte noch genug Zeit, um großzuwerden. Ab und zu durfte sich Bernie dann doch noch in den Sattel schwingen und Ares weiter ausbilden. Nach den zwei Monaten, die er jetzt wieder in ihrer Obhut war, hatte sie den großen Hannoveraner auf ein gutes Level gebracht. Auf dem stallinternen Neujahrsturnier würde sie ihn dann in einer M**-Dressur vorstellen; die Lektionen hatten die beiden die letzten Wochen bis zum Vergasen geübt und sie rechnete sich gute Chancen aus.

      Leslie und Snafu waren um diese Jahreszeit oft im Gelände unterwegs. PFS‘ Gamble Away genoss eine Winterpause weg von der Rennbahn, während PFS‘ Scion d’Or den Sommer auf der Weide sichtlich genossen hatte. Nächstes Jahr soll Goldie ähnlich wie Cobain „umgesattelt“ werden, in der Hoffnung, die kleine Stute fühle sich im Busch deutlich wohler als auf der Bahn. Das bedeutete allerdings auch, dass Snafu sie an einen anderen Jock weitergeben müsste – also will er die Zeit, die ihm noch blieb, intensiv mit der jungen Stute verbringen. Gambit hingegen soll sich noch einmal beweisen – ihm macht das Rennen deutlich mehr Spaß und das zeigt sich auch an den Schleifen an seinem Spind. Sowohl Leslie als auch die Senior Trainer sahen in ihm aber noch ganz viel unentdecktes Potenzial, das er früher oder später ebenfalls unter Beweis stellen konnte. Aber jetzt noch nicht, noch darf er mit Leslie über das Gras rennen.

      Cat hat sich bereits nach einer neuen Arbeitsstelle umgesehen, sich dann aber trotzdem erstmal dazu entschieden, bei Quarterback zu bleiben. Mittlerweile sind die beiden ein eingespieltes Team; sollte Cat den Hof doch noch verlassen, plant sie, den Trakehnerhengst zu kaufen. Dafür will sie 2019 so viel Geld wie möglich zurücklegen, um sich diesen Traum zu erfüllen.

      Es wird außerdem gemunkelt, Esther hätte etwas mit den Ponys vor. Mit ihren Enkeln wieder in der Schule. Jemand der Jocks soll gehört haben, wie sie von einem Bekannten in Irland sprach, der wohl Interesse an Doineann, Medeia und Minou geäußert hätte – jemand anderes behauptete, er wolle den Kaufvertrag für Mánas schon unterzeichnet auf Esthers Schreibtisch liegen gesehen haben. Noch sind alle Ponys da, inklusive Siana, Paramour und Cíola – ob und wie lange die Ponys noch bleiben, ist ungewiss.

      Bis jetzt spricht nichts dagegen, dass 2019 ein gutes Jahr für Sandringham Manor wird. Als das Feuerwerk in der Ferne langsam abklingt und die letzten Wunderkerzen heruntergebrannt waren, sammelten alle ihre Sektflaschen und Gläser wieder zusammen und machten sich fertig fürs Bett. Immerhin war morgen ein neuer Tag, und der begann für viele schon um fünf Uhr morgens.
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      versteckte nachrichten hihihi

      chapter twenty two | 09. Juni 2019
      Cíola | Paramour | Siana | Doineann | Medeia | Minou | Mánas
      Cobain | Quarterback | PFS' Scion d'Or | PFS' Gamble Away | Dark Royale | Painted Taloubet | Dark Innuendo
      Der Sommer hatte sich allmählich auch nach England geschlichen. Doch heiße Tage bedeuteten nicht, dass man sich ausruhen konnte. Bernie und Leslie hatten allerhand zu tun – Leslie arbeitete zwar nach wie vor für Sandringham Manor, hatte aber in Absprache mit Esther die ein oder anderen auswärtigen Jobs angenommen und war fast jedes Wochenende auf der Rennbahn. Wenn sie nicht gerade dafür trainierte, half sie Bernie und Cat so gut es ging. Gambits Rennkarriere war noch nicht vorbei, Goldie hingegen sollte langsam an die feine englische Reitkunst herangetragen werden – und einem wenn auch nicht großartig erfolgreichem Renn-Galopper zu sagen, er müsse jetzt ruhig bleiben und am besten noch schön den Hals annehmen, war eine Aufgabe für sich. Bernie hatte als Ausgleich noch mit den noch nicht eingerittenen Jungpferden zu tun und das genoss sie sichtlich. Und auch Cat, die sonst sehr auf ihre Sportkarriere versteift war, musste verletzungsbedingt eine Auszeit nehmen – vor wenigen Wochen war sie vom Pferd gestürzt und hatte sich dabei das Handgelenk gebrochen. Und während das verheilte, packte sie so gut wie möglich im Stall an.
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      versteckte nachrichten hihihi

      chapter twenty three | 02. Januar 2020
      Cíola | Paramour | Siana | Doineann | Medeia | Minou | Mánas
      Cobain | PFS' Scion d'Or | PFS' Gamble Away | Dark Innuendo
      Bernie feierte Silvester alleine. Alleine war zwar das falsche Wort – immerhin waren noch die anderen Jocks und die Stallburschen da, die schon Wochen zuvor eine aufwendige Party geplant hatten – aber die wichtigsten fehlten. Die zweite Hälfte des Jahres hatte viele Veränderungen mit sich gebracht.

      Leslie hatte einen Job auf einem Gestüt angeboten gekriegt. Auf einem Rennen im Herbst, auf dem sie mit Gambit erfolgreich gewesen war, war ein junger Gestütsbesitzer aus Dublin auf sie zugekommen und hatte ihr seine Visitenkarte mitgegeben. Es hatte an ihr gefressen, aber letztendlich hatte sie sich doch dafür entschieden – dort war sie nicht nur Jockey, sondern schnupperte erste Züchter-Luft. Glücklicherweise war Dublin (noch) nicht unmöglich zu erreichen, und so hatte Bernie sie so oft wie möglich in ihrem neuen Zuhause besucht. Und auch, wenn Leslie vor allem Gambit und Goldie vermisste, musste sie doch zugeben, dass ihr die Arbeit auf dem Gestüt außerordentlich Spaß machte.

      Kurz nach Leslies Abreise musste auch Cat sich verabschieden. Nach einem Todesfall in der Familie hatte sie plötzlich schreckliches Heimweh bekommen. Wochenlang bekam sie nichts mehr auf die Reihe, bevor sie sich dann doch eingestand, dass sie Veränderung brauchte. Deutschland war im Gegensatz zu Irland nicht nur einen Katzensprung entfernt, aber über Snapchat und SMS stand Bernie noch immer mit Cat in regem Kontakt. Bis jetzt war sie noch selbst auf Pferdesuche – bisher aber leider erfolglos.

      Und auch Snafu war mittlerweile nicht mehr Teil des Teams, auch wenn er noch immer im Mitarbeiterhaus rumhängte – immerhin war Beau nach wie vor Stallbursche und würde wohl auch nicht für Snafu seinen Job aufgeben. Die beiden hatten eine kleine Wohnung in Dersingham, nur etwa fünf Minuten Fahrt von Sandringham Manor entfernt. Nach seiner Turnierkarriere wollte Snafu einen radikalen Cut machen – seit er Sandringham Manor verließ, war er bis jetzt nicht wieder aufs Pferd gestiegen. Doch erst diesen Morgen hatte er Bernie ein paar Verkaufsanzeigen gezeigt – so ganz ohne Pferde ging es also doch nicht.

      An diesem Silvesterabend versammelten sich die Jocks in einer kleinen Bar in Dersingham, um dort um 12 das Feuerwerk anzusehen. Bernie aber wollte nachkommen und lieber noch einmal nach den Pferden schauen. Die Ställe waren natürlich voll, aber sie hatte vor allem einen Bezug zu Cobain, Dark Innuendo und Leslies zwei Vollblüter, Gambit und Goldie. Cobain war dieses Jahr förmlich aufgeblüht und machte sich langsam aber sicher toll unterm Sattel. In ein paar Monaten konnte er bestimmt seine ersten Turniere bestreiten. Ähnlich bei Gambit und Goldie – beide waren dieses Jahr sporadisch Rennen gegangen, doch jetzt im Winter sollten sie dann endgültig „umgepolt“ werden. Zunächst bedeutete das, dass Bernie sie viel longierte und ihnen dabei beibrachte, schön vorwärts-abwärts zu laufen. Dark Innuendo war da schon ein bisschen weiter – mit ihren fünf Jahren stand das Einreiten auf dem Plan. Sattel und Trense hatte sie gut angenommen, ebenso wie das Reitergewicht. Mit ein bisschen mehr Arbeit sollte sie wohl in den nächsten Wochen dann auch vom Sattel ausgebildet werden. Vor wenigen Tagen hatte Esther allerdings ihren Plan mit der Hannoveranerstute preisgegeben – sobald sie ordentlich eingeritten war, sollte sie verkauft werden.

      Um halb 12 machte Bernie noch eine kleine Runde durch den Stall und streichelte ein paar weiche Nasen, bis sie sich auf den Weg nach Dersingham machte. Das neue Jahr sollte ja gebührend eingeläutet werden.
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  • Album:
    2 | Tullamore Creek
    Hochgeladen von:
    Rhapsody
    Datum:
    15 Okt. 2017
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    Doineann
    Donnie
    "Sturm"
    ehemals Rising of Storm


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    Exterieur & Interieur

    Connemara
    Hengst
    4 Jahre

    140cm
    Schimmel (Buckskin)

    Doineann hat sich zu einem eleganten Hengst entwickelt. Er ist recht schnell ausgeschimmelt; nur ein paar Sommersprossen im Gesicht erinnern noch an seine Grundfarbe. Diese verleihen ihm ein freches Aussehen, das ganz mit seinem Interieur zusammenpasst. Ganz Junghengst testet er gerne, wirkt auf den Laien schnell ungestüm und wild. Man kann aber auch nicht wegsehen, wenn er wild buckelnd und mit stolz gebogenem Hals über die Wiese prescht – trotz dass er nur ein Pony ist und zudem auch kein sehr zierliches, hat er eine gewisse Eleganz, die Freude bereitet. Dazu ist er sehr aufgeschlossen Menschen gegenüber und neugierig.
    Schon jetzt zeigt sich, dass Donnie Nerven aus Stahl hat – mit fremden Umgebungen kommt er gut zurecht und beim Schrecktraining steht er gut und gerne gähnend auf dem Platz. Um ihn herum könnte die Welt untergehen und er würde wohl kaum mit der Wimper zucken. Daher und durch seinen enormen Vorwärtsdrang wird er sich später gut im Sport machen, vor allem wohl im Gelände.
    Alles in allem ist Donnie ein temperamentvoller Ponyhengst, den man auf keinen Fall unterschätzen sollte.


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    Pedigree

    von: Stormbringer
    v: Empire State Of Mind
    v. Empire Freedom
    a.d. Anything Sweet


    a.d. Maera
    v. unbk.
    a.d. unbk.


    aus der: Argo
    v: Heronimus
    v. unbk.
    a.d. unbk.


    a.d. Aurora
    v. unbk.
    a.d. unbk.


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    Training

    Fohlen ABC

    Dressur
    E A L M*

    Springen
    E A L M* M** S*

    Military

    E A L M*

    Distanz

    E A L M* M**



    Erfolge

    Offiziell

    SW 482 - Ponys

    Inoffiziell

    -


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    Stallintern

    Besitzer: (Rhapsody)
    Ersteller/VKR: Elii


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    Zucht


    Aa Ee Crcr Gg
    Decktaxe: -
    Aus der Zucht: privat (Isle of Man, UK)
    Nachkommen: -


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    Gesundheit

    826 4 88 839324537
    Erkrankungen: -
    Letzter Tierarztbesuch:
    12.02.17, Pferdepraxis Sapala


    Fehlstellungen: -
    Beschlag: Barhuf
    Letzter Hufschmiedbesuch:
    23.02.17, Crescent Acres Farriery


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    SpindOffiziell