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vampyrin

Der Verrückte und die Bärin

Der Verrückte und die Bärin
vampyrin, 6 März 2016
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  • Album:
    Caed Crevan - Fotokiste
    Hochgeladen von:
    vampyrin
    Datum:
    6 März 2016
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  • Pferde: Zasa, sweetvelvetrose
    Decken, Halfter: Jackie
    Transportgamaschen: väämp
    Hintergrund: väämp

    Der Verrückte und die Bärin

    © vampyrin

    „Was meinst du wie sie sich schlagen?“, fragte ich Hansi geistesabwesend. Er schreckte auf. Offenbar hatte ich ihn aus einem Dämmerschlaf gerissen. „Hmm was?“, „Meg und Killian? Du kennst die beiden, arbeiten bei uns? Sind grad auf dem Turnier?“, grinste und knuffte ihn in die Seite. „Behalt die Hände lieber am Steuer.“, murmelte Hansi. „Die schaffen das schon.“, die letzten Worte waren schwer zu verstehen, er schien wohl schon wieder halb zu schlafen. Mit einem Seufzen packte ich das Lenkrad wieder mit beiden Händen. Dann würde das wohl eine ziemlich langweilige Fahrt werden.

    Vor ein paar Tagen hatte ich den Anruf bekommen, dass der ‚Bekannte eines Bekannten‘ zwei Highlandponys zum Verkauf stehen hatte, die sich gut in meiner Zucht machen könnten. Und nun gurkte ich seit heut Morgen um 5 quer durchs Land um mir die beiden anzusehen und im besten Fall gleich mitzunehmen.

    Mit einem herzhaften Gähnen brachte ich den Wagen zum Stehen. Hansi blickte recht verschlafen aus der Wäsche, öffnete wortlos die Beifahrertür und streckte sich erst mal herzhaft. Ich nutzte die Zeit um mich schon mal ein wenig umzusehen. Auf dem Hof herrschte reges Treiben. Er war wesentlich größer und sportlicher als ich erwartet hatte. ´Wie die wohl an Highlander gekommen sind? ‘, überlegte ich belustigt. Sah doch eher nach schnödem Warmblut-Trainingslager aus hier. „Sind wir hier richtig?“, auch Hansi war offenkundig etwas verwirrt vom ersten Eindruck. Ein kleiner, etwas untersetzter Mann mit dickem Schnurrbart wackelte gerade zielstrebig auf uns zu. Kurz bevor er uns erreicht hatte, zog er ein Stofftaschentuch aus seiner Hosentasche und tupfte sich die Stirn ab. „Oscar Smythes“, stellte er sich vor und streckte erst mir, dann meinem Trainer die Hand hin. „Sie müssen Miss McAllister sein?“ „Stimmt. Dann sind wir wohl doch auf dem richtigen Hof.“, grinste ich. Er runzelte kurz die Stirn, verstand wohl meine Anspielung nicht. „Nicht so wichtig.“, murmelte ich. „Hmm... die Ponys die ich Ihnen vorstellen möchte sind gleich hinten im Stall. Wenn Sie mir folgen möchten.“
    Wir überquerten den Hof und immer klarer wurde meine Vermutung. Überall wo man hinsah waren große, schlanke Warmblüter die von einem Platz zum nächsten geführt wurden. Alle top in Form. Alle braun. „Meinst du der hat uns doch verwechselt?“, zischte ich Hansi zu und selbst er konnte sich ein kurzes Lächeln nicht verkneifen.
    „Hier wären wir.“, riss mich Mr. Smythes aus meinem Gedanken. Neugierig wagte ich mich einen Schritt vor und linste durch die Gitterstäbe. Tatsächlich stand dort ein kräftiges, glänzend schwarzes Pony und knabberte desinteressiert auf ein paar Halmen Heu herum. „Das ist Ginnungagap, Ursel steht am Ende des Stalles. Hey, Lambert, Rufus!“, er wedelte wild mit den Wurstfingern. „Kommt doch mal her und macht die beiden Ponys fertig zum Vorreiten!“ Sofort eilten zwei, ganz schön fein aussehende, Herren mittleren Alters herbei und sammelten die Highlander aus ihren Boxen. Jetzt konnte ich endlich auch Ursel sehen, die am anderen Ende des Stalles angebunden wurde. Eine hübsche, dunkelbraune Stute mit wachen Augen, die mich neugierig beäugte, als ich mich langsam näherte und meine Hand ausstreckte. Neugierig fuhr sie mit ihrer weichen Schnauze darüber, streckte die Zunge heraus und sabberte sie von oben bis unten voll. „Bist ´ne ganz schöne Dreckssau, was Bärin?“, lachte ich und kraulte sie hinter den Ohren. Sie war mir jetzt schon sympathisch, während Ginnungagap mir doch etwas eingebildet vorkam. Vielleicht hatten die anderen Pferde auf ihn abgefärbt. Viel war nicht zu tun, die beiden waren bereits strahlend sauber aus ihren Boxen gekommen und wurden, wie es den Anschein hatte, nur Alibimäßig nochmal übergeputzt. Da hatten die Stallburschen bestimmt heute Morgen schon mal ordentlich geackert, überlegte ich. „Bloß keinen schlechten Eindruck hinterlassen.“, flüsterte ich dem Pony zu und erntete einen teils angesäuerten, teils belustigten Blick von dem viel zu gepflegten Stallburschen, der gerade Ursels Sattel an mir vorbeigeschleppt hatte. „Entschuldigung, dürfte ich?“, meinte ich und nahm ihm den Sattel aus der Hand, wofür ich einen weiteren Blick erntete, dem diesmal jedoch die Belustigung fehlte. „Ich weiß immer gern wie ein Pferd auf mich reagiert, bevor ich es kaufe.“, grinste ich entschuldigend. „Wären Sie so nett mir die Trense zu bringen?“ Ich linste zu Hansi hinüber. Während Ursel überhaupt keine Probleme bereitete, schien Ginnungagap doch von einem anderen Schlag. Sättel schienen ihm nicht zu gefallen. Wollte ich mir wirklich wieder ein so stressiges Pferd in den Stall holen? Nun denn, erst mal abwarten.

    Kurz darauf standen beide Ponys gesattelt auf einem gewaltigen Reitplatz, wo bereits zwei blonde, sehr zierliche Frauen ihre Kreise zogen. „Ich würde gerne zuerst selbst ein paar Runden drehen um zu sehen wie sie auf fremde Reiter reagieren, danach wäre es schön, wenn jemand sie vorreiten könnte, damit ich mir die Gänge mal genauer anschauen kann.“ Der Besitzer der Anlage nickte höflich und wies mit einem leichten Nicken seine Stallburschen an, uns die Zügel in die Hand zu drücken. Hansi würde mit Ginnungagap beginnen, ich mit Ursel, dann wollten wir wechseln. „Hansi!“, ich schnippte mit den Fingern. Ihn schienen die beiden Damen offenbar mehr zu interessieren. „Konzentrier dich.“, ermahnte ich ihn und kletterte auf die Bärin. Hansi hatte bereits ein wenig zu kämpfen, denn der schwarze Hengst wollte ganz offensichtlich lieber meiner Stute Gesellschaft leisten als zu arbeiten. Passte offenbar gut zu Hansi. Ursel wirkte doch allmählich etwas unruhig. Sie ließ es sich nicht nehmen, dem Rappen einige Male zu drohen und schnappte sogar zwei Mal nach ihm. Sein Glück dass er außer Reichweite war. Ich atmete ein paar Mal tief durch und hoffte dass meine Ruhe auf sie abfärbte mit nur mittelmäßigem Erfolg. Trotz ihrer eindeutigen Nervosität ließ sie sich jedoch die ganze Zeit über gut händeln, arbeitete bereitwillig mit und brauchte nur selten eine Extraaufforderung. Zwischendurch schielte ich zu Hansi hinüber, der Ginnungagap inzwischen unter seine Kontrolle gebracht hatte. Offenbar testete er einfach gerne. Unter meinem Trainer lief er doch ziemlich gut. „Tauschen?“, rief ich zu ihm hinüber und meinte ein Nicken erkennen zu können. Wir trafen uns in der Mitte wo wir abstiegen und die Pferde wechselten.
    „Hui, ein ganz schöner Unterschied.“, musste ich zugeben. Während Ursel sich leicht und locker reiten ließ, war bei Ginnungagap doch etwas mehr Arbeit zu tun. Tatsächlich versuchte er mich einige Male zu überrumpeln, testete meine Sattelfestigkeit und Durchsetzungsvermögen und rief der Bärin zu. Glücklicherweise wurde es etwas einfacher, nachdem er verstanden hatte, dass er mich nicht einfach herumschubsen konnte, auch wenn da wohl noch etwas Arbeit vor uns liegen würde.
    Nun wollte ich mir beide nacheinander noch einmal vorreiten lassen.

    Ursel war die erste. Mir fiel direkt auf, dass von ihrer Anspannung kaum mehr etwas zu merken war. Vielleicht mochte sie keine fremden Reiter auf ihrem Rücken? „Ach, die ist nur etwas schüchtern.“, versuchte mich Mr. Smythes zu beruhigen. „Sie mag es nicht alle Blicke auf sich zu ziehen, aber man merkt es ihr kaum an, nicht wahr?“, grinste er. Das stimmte mich doch etwas misstrauisch. War da etwas dran? Und wie würde sie sich dann auf Turnieren schlagen. Hilfesuchend blickte ich zu Hansi hinüber, der jedoch nur mit den Schultern zuckte. Sehr hilfreich.
    Eine Frage brannte mir bereits seit unserer Ankunft unter den Nägeln. „Wie sind Sie überhaupt zu den Ponys gekommen? Ich habe nicht das Gefühl, dass sie zu ihrer Hauptzielgruppe gehören.“
    „Ach, die gehörten meiner Tochter. Sie war viele Jahre im Turniersport unterwegs und nicht gerade erfolglos. Mit den Warmblütern konnte sie sich jedoch nie so Recht anfreunden, ich habe auch nie verstanden warum.“, er lächelte traurig. „Seit ihrem Unfall vor einem Jahr, ist ihr das Reiten leider verwehrt.“, beendete er mit einem leisen Seufzen. „Das tut mir sehr leid.“, meinte ich ehrlich betroffen, unschlüssig ob ich weiter nachhaken sollte. Ich setzte bereits zum nächsten Satz an, doch Hansis strenger Blick belehrte mich eines besseren und so wechselte ich das Thema. „Das heißt, sie haben bereits Erfolge zu verzeichnen?“
    „Ja ein paar kleinere hier und da. Sie waren ihre neuesten Errungenschaften, beide noch recht jung und stehen am Anfang ihrer Karriere. Turniererfahren sind sie allerdings schon, auch wenn sie es bisher noch nicht in die höheren Klassen geschafft haben. Aber ich denke das Potenzial dürfte ihnen nicht entgangen sein.“

    Ginnungagap war nun an der Reihe. Was auffiel waren seine erstaunlich guten Gänge. Auch wirkte er viel imposanter als Ursel, man merkte ihm an, dass er vor Selbstvertrauen strotzte und sich gern präsentierte. Dieser Hengst hatte definitiv Potenzial, wenn auch eindeutig in der Dressur, was weder mein Fachgebiet war, noch zu meinen Zuchtzielen gehörte. Andererseits hatte er eine Wahnsinns Ausstrahlung, die mich bereits ziemlich in ihren Bann gezogen hatte. Ich wusste, es würde verdammt schwer fallen ihn hier zu lassen.

    „Es hat mich sehr gefreut, Sie kennen zu lernen.“, meinte ich freundlich und schüttelte Mr. Smythes die Hand zum Abschied. „Wir werden uns beraten und melden uns dann morgen nochmal.“ Er deutete ein Nicken an und wartete noch bis wir gewendet und das Auto der Ausfahrt zugewandt hatten, bevor er sich umdrehte und davon dackelte.
    „Dann lass uns mal ein Hotel suchen.“, meinte ich und startete den Motor.

    Am Abend saßen Hansi und ich noch in einer örtlichen Kneipe. Wir hatten das Thema Ponys noch nicht zur Sprache gebracht und ich war verdammt neugierig wie seine Meinung dazu war. „Und?“, fragend blickte ich ihn an. Wie immer ließ er sich eine gefühlte Ewigkeit Zeit mit seiner Antwort. „Ich muss ehrlich sagen, dass mir die beiden schon gefallen. Vor allem der Rappe hat’s echt in sich, glaube ich.“
    „Hm, ja gefallen hat er mir gut, aber Dressur? Keiner von uns hat da die Fähigkeiten ihn besonders weit zu bringen.“
    „Was ist mit Eisblume, die geht doch auch Dressur.“
    Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen. „A – ich glaube Ginnungagap hat da doch wohl etwas mehr Potenzial.“
    „Hm..“, er nippte an seinem Bier. „Und was hält dich davon ab, dich mit ihm zusammen fortzubilden? Du könntest einen Trainer engagieren und ihr lernt zusammen, vielleicht kann Eisblume, dann auch noch etwas dazu lernen.“
    „Nun, das wäre schon möglich.. aber selbst wenn wir es zu etwas bringen, was bringt er für die Zucht? Wir haben sonst keine Dressurpferde, mit wem sollen wir ihn verpaaren?“
    Darauf wusste auch Hansi keine Antwort.
    „Vielleicht sollten wir mehr auf Allrounder setzen, als uns auf eine Disziplin festzulegen.“, schlug er zaghaft vor.
    „Vielleicht..“
    „Was hältst du von der Stute? Wirkte doch etwas angespannt unterm Reiter oder?“
    „Schon, ja. Ob das wirklich nur auf Schüchternheit zurückzuführen ist, ich weiß nicht. Andererseits wirkte Mr. Smythes doch recht ehrlich auf mich.“
    Für diese Aussage erntete ich nur ein Brummen.
    „Er verlangt aber auch einen stolzen Preis für ein Pferd, dass vielleicht keine psychischen Probleme hat.“
    „Es ist auch ein stolzer Preis für ein Pferd mit wir vielleicht züchten können.“, konterte ich. „Vielleicht könnten wir sie zur Probe zu uns holen.“, fügte ich nach einer kurzen Denkpause hinzu.
    Auch wenn Hansi bemüht wirkte keine Regung zu zeigen, meinte ich ein leichtes Nicken erkennen zu können.

    Aufgeregt trommelte ich mit den Fingern auf das Lenkrad. Vor uns tauchte endlich die Einfahrt zu Caed Crevan auf. Vorsichtig um unsere wertvolle Fracht nicht zu gefährden bog ich um die Kurve und kämpfte mich über den Waldweg.
    Mr. Smythes hatte, trotz anfänglicher Unschlüssigkeit letztlich zugestimmt uns die Ponys für vier Wochen auf Probe zu überlassen unter dem Vorbehalt, dass wir eine beachtliche Anzahlung bereits im Voraus leisteten. Offenbar war er es nicht gewohnt, dass sich die Leute nicht um seine Tiere rissen. Glücklicherweise besaß Hansi ein Verhandlungsgeschick, das man ihm so gar nicht zutraute und so hatte er den Deal für uns rausgerissen. So konnten wir in aller Ruhe sehen, wie die Ponys auf die neue Umgebung reagierten, wie sie sich mit fremden Pferden verstanden und ob sie das Reisen überhaupt verkrafteten, was essenziell für spätere Turnierbesuche war. Ganz davon abgesehen, dass ich so ein Gefühl für die Tiere entwickeln konnte und ob sie zu uns passen würden. Der Motor erstarb mit einem letzten Brummen.
    Hansi war vorausgeeilt und hatte die Hänger Klappe bereits geöffnet, bevor ich überhaupt aus dem Auto gestiegen war.
    „Na, erfolgreich gewesen?“, hörte ich eine tiefe Stimme von meiner Linken her. „Hey Aiden, sieh doch selbst!“, strahlte ich und deutete auf die beiden Hinterteile die den Hänger fast vollständig ausfüllten. „Dann mal raus mit ihnen.“, befahl ich Hansi und während er Ursel hinaus führte, passte ich auf, dass sie nicht von der Rampe stolperte. Gleiches Spiel bei Ginnungagap. Offenbar waren die beiden das Transportieren gewohnt, denn sie benahmen sich vorbildlich.
    Hansi hatte Aiden die Stute in die Hand gedrückt und wollte ihn anweisen ihm in den Stall zu folgen. „Wartet!“, rief ich. „Ich hätte gern noch ein schönes Bild von den beiden Hübschen.“, meinte ich und zückte die Kamera, die ich immer mit mir herumschleppte. „Stellt sie am besten da auf den Hof, dann mach ich kurz ein Bild und die Beiden können ihre Ruhe haben. Lasst sie mal frei stehen, aber Vorsicht, nicht dass sie weglaufen!“ Ich dirigierte ein wenig hin und her, bis ich alle so vor der Linse hatte, wie ich gerne hätte. In dem Moment in dem ich den Auslöser drückte, musste Ginnungagap gleich nochmal beweisen, dass er nicht ganz einfach war. Offenbar hatte er gerade die Stutenweide entdeckt und was viel wichtiger war, die Stuten. Ursel schien nach der langen Fahrt doch langweilig geworden sein und stattdessen hatte Eisblume seine Aufmerksamkeit erweckt. Mit schrillem Wiehern riefen sich die Beiden gegenseitig zu und ehe ich mich versah, war der kleine Hengst schon aus dem Bild spaziert. „Ey!“, rief Hansi und packte den Strick, bevor er noch Unfug anstellen konnte. „Jetzt aber rein mit euch.“, Aiden grinste mir verschmitzt zu und packte wortlos Ursels Strick, bevor die Beiden in ihrem neuen Zuhause verschwanden.

    06 Mar, 2016