Zaii

Dakan El Assuad

* 2012, im Besitz seit 18. September 2014

Dakan El Assuad
Zaii, 21 Aug. 2016
adoptedfox, Bracelet und Friese gefällt das.
    • Zaii
      Alle Wege führen nach Deutschland
      Pflegebericht, 19. September 2014
      Nervös zupfte ich einen kleinen Heuhalm von meinem T-Shirt und schnipste ihn auf den Boden. Dann setzte ich meine unendlichen Runden durch die Stallgasse fort. Imadama, Scylla, Lakim und Litha hatten alle ihre Köpfe über die Boxentüren gestreckt und sahen mir zu, gut vorstellbar, dass sie sich gerade fragten, ob ich denn verrückt geworden war. Aber nein; ich war lediglich aufgeregt. Als ich damals Adrian und Eisvogel wieder übernommen hatte, da hatte ich mich geschworen, mich auf wenige Pferde zu beschränken. Und an diesem Wochenende sollten nun also zwei neue Vierbeiner bei mir einziehen! Nach wie vor war jedes meiner Pferde ein Unikat und mir sehr wichtig, doch ich merkte, dass es alleine kaum noch zu stemmen war, alle Pferde ausreichend zu fördern.

      Dazu kam, dass es in unserer Gegend in letzter Zeit nicht sicher war, Pferde zu halten. Immer wieder machten sich Unbekannte nachts an Weidezäunen zu schaffen, einmal waren sie sogar in einen Stall vorgedrungen und vor kurzem hatten sie Pferde auf einer Weide am helllichten Tag scheu gemacht. Unter diesen Umständen schlief ich die letzten Nächte kaum noch durch und war auch sonst ständig unter Strom. Die Ställe hatte ich vor wenigen Tagen mit Bewegungsmeldern ausgestattet und auch der Unterstand auf der Junghengstweide war aufgerüstet geworden. Drei Kameras hatten nun die gesamte Umgebung im Blick. Trotzdem hatte ich ständig Sorgen darum, dass jemand hier etwas anstellen würde –bei den Junghengsten wäre dies besonders tragisch, da dort nicht nur mein Dreamie, sondern auch die Tiere von einigen anderen Besitzern standen, welche mir ihren Nachwuchs anvertraut hatten.
      Das Knirschen von Autoreifen ließ mich aufhorchen und so beendete ich meinen Marsch durch die Stallgasse und machte mich stattdessen auf den Weg nach draußen. Gerade hatte das Taxi geparkt. An das Auto schloss ein Pferdeanhänger an, von wo schon ein unruhiges Hufe Scharren zu vernehmen war. Sofort stahl sich ein Lächeln auf mein Gesicht „Hallo Mädchen“, flüsterte ich, machte mich dann aber zunächst auf zur Beifahrerseite des Autos, welche gerade wieder ins Schloss fiel. Ausgestiegen war eine junge Frau, ungefähr in meinem Alter, welche sich gerade die wilden, roten Locken zu einem lockeren Pferdeschwanz aus dem Gesicht band. „Hello Alex!“, begrüßte ich sie überschwänglich und umarmte sie. Alex und ich begannen, ein wenig zu plaudern, während der Taxifahrer bereits den Koffer und die Papiere von Rina aus dem Auto lud und alles sorgfältig vor dem Gutshaus abstellte. Ich dankte ihm, dann machte ich mich gemeinsam mit Alex auf, um das Pony auszuladen. Während ich die Rampe öffnete, hörte ich, wie Alex drinnen im Hänger mit Rina sprach, „Good girl!“, ich seufzte. Es würde weder Alex, noch Rina leicht fallen, sich vom jeweils anderen zu trennen..
      Ich konnte mich noch erinnern, als ob es gestern gewesen wäre, als das Handy in meiner Hosentasche begann, in voller Lautstärke „Nants ingonyama bagithi baba - Sithi uhhmm ingonyama“ zu schmettern.
      Kurz hatte ich überlegte, den Anruf einfach zu ignorieren, denn ich mochte meinen Klingelton einfach zu sehr, aber dann entschied ich mich doch, das plärrende Teil aus meiner Hosentasche zu fummeln. Auf dem Bildschirm stand Elisas Name. Es war nicht ungewöhnlich, dass Elisa mich anrief, doch normalerweise tat sie dies nicht mitten am Tag, denn wir hatten beide mit unseren Höfen zu tun; wenn sie nicht gerade durch die Weltgeschichte reiste. Ich runzelte kurz die Stirn, dann strich ich mit dem Daumen über den Bildschirm und nahm den Anruf an, „Elisa, hei, was gibt’s?“, fragte ich ohne Umschweife und lehnte mich an den Zaun der Weide, auf der meine Stuten grasten. Ich war gerade vollkommen zufrieden, denn heute hatte ich Scylla zum ersten Mal mit meinen anderen Stuten zusammen gestellt. Kein Zaun, der die Vierbeiner mehr trennte und trotzdem blieben alle ruhig, als ob sie bereits seit Jahren zusammen stehen würden. „.. und deshalb kann sie sie nicht behalten“, riss mich Elisa aus meinen Gedanken. „Äh, was?“, stammelte ich und nachdem ich mir eine kurze Standpauke von Elisa anhören musste, wiederholte sie ihre kleine Geschichte. Ein paar Mal machte ich „hm“ oder „mhm“ und mein Gehirn begann, einen Plan zu schmieden. Ich war froh, dass sich die Stuten alle gut verstanden, trotzdem sah es amüsant aus, da Scylla fast 20 Zentimeter kleiner war als die anderen Stuten. Und jetzt hatte ich die Möglichkeit, nicht nur eine „kleine“ Freundin für Scylla zu finden, sondern auch noch in einer Notlage zu helfen. Zwar hatte ich Elisa am Telefon vertröstet und ihr erklärt, dass ich mir die ganze Sache erst einmal gründlich überlegen müsse, doch noch am gleichen Abend saß ich vor meinem Laptop und sah mir die Bilder an, die Elisa mir per E-Mail geschickt hatte und kaum eine halbe Stunde später suchte ich mir bereits eine passende Flugverbindung nach Kanada.
      Da ich sowieso für einen Wanderritt mit Gwen und ein paar anderen nach Kanada flog und Scylla mich deshalb begleitete, sagte ich Elisa am nächsten Tag zu, dass ich mir die rote Stute einmal ansehen würde. Diese hatte scheinbar mit nichts anderem gerechnet, denn als ich nach der Adresse des Hofes fragte meinte sie nur „Och, komm einfach zu mir, die Adresse kennst du ja. Ich habe sie schon herbringen lassen“, lachend hatten wir uns nach diesem Gespräch verabschiedet und so war ich kurz darauf auf dem Weg nach Kanada, um einen Wanderritt durch die schönste Landschaft zu machen, die ich je gesehen hatte und, um ein Reitpony anzusehen, das aus einer Stute von Elisa gezogen worden war.
      Der Ritt war schön, aber auch anstrengend gewesen und dementsprechend brauchte ich erstmal eine Nacht Schlaf, ehe ich mich dem potenziellen Neuzugang widmete. Elisa war an diesem Tag einmal gut gelaunt aufgestanden, was wirklich sehr selten passierte, und hatte mich nach einem kurzen Frühstück in den Stall geführt. Dort, zwischen Elisas ganzen DRP-Stuten, sah ein Kopf über die Boxentür, der diesen ganzen Trubel nicht gewohnt zu sein schien. Nun, damit schien die rotbraune Stute nicht alleine zu sein, denn nachdem Elisa „Alex?“, fragend durch den Stall gerufen hatte, tauchte hinter dem Kopf der Stute ein weiterer auf. Alex war etwa in meinem Alter, schlank gebaut und hatte rote, unbändige Locken, welche ihr bis unter die Brust reichen. Kurz schien die junge Frau sich zu überlegen, ob sie sich wieder hinter dem Pony verstecken sollte, doch dann trat sie aus der Box. Ich erinnerte mich an den Namen, denn Elisa hatte ihn öfters während unseres Telefonats genannt. Die Geschichte von Alex und dem Pony trieb durch meinen Kopf..
      Rina hatte einem alten Mann gehört, dessen Wallach schon in die Rente geschickt worden war und der nun nach etwas neuem suchte, für das er Zeit investieren konnte. So war Rina nach der Entwöhnung von ihrer Mutter auf den Hof des Mannes umgezogen, unweit der kanadischen Grenze. Zunächst war alles gut verlaufen, der Mann hatte eine Menge Pferdeverstand und brachte der Stute ruhig und geduldig alles bei. Doch im Winter 2012 hatte der Mann einen Bandscheibenvorfall erlitten und war nach diesem nicht mehr in der Lage gewesen, sich um Rina zu kümmern. So fanden die Stute und Alex zusammen. Die junge Frau war die Nachbarin und hatte dem Besitzer schon des Öfteren ihre Unterstützung angeboten. So setzte Alex die Arbeit mit Rina fort, unter der Anleitung des alten Mannes. Die beiden wurden ein gutes Team. Vor zwei Monaten verstarb der Besitzer der Stute überraschend – zurück blieben Alex und Rina. Auch, wenn er es oft mündlich ausgesprochen hatte, so war der Mann doch stets zu gemütlich für einen Gang zum Notar gewesen – was nun zur Folge hatte, dass Alex Rina nicht geschenkt bekommen sollte, wie es sicher der letzte Wunsch des Mannes gewesen wäre; sondern seine Erben darauf bestanden, die Stute zu verkaufen und so etwas Geld aus ihr zu gewinnen. Und genau dieses Geld hatte Alex nicht.
      So stand sie jetzt vor uns auf der Stallgasse, in der einen Hand Rinas Halfter, in der anderen einen Hufkratzer, der Blick abwesend. „Zairina – Alex; Alex – Zairina“, machte Elisa uns bekannt und fügte dann grinsend hinzu, „Zairina – Zairina“ Tja, das war wahrscheinlich auch einer der wenigen Gründe, weshalb Elisa dieses Pony nicht sofort für sich beansprucht hatte: Die fuchsfarbene Stute trug genau den gleichen Namen wie ich. Dieser Umstand brachte sogar Alex dazu, für einen kurzen Moment zu lächeln und den nutzte ich, um sie über die Stute auszufragen. Nun begann die Rothaarige, richtig aufzublühen und erzählte von dem gemeinsamen Werdegang, Rückschlägen und kleinen Erfolgen. Ich hörte aufmerksam zu und sowohl das Pony, als auch Alex wurden mir immer sympathischer. Schließlich holte Alex Rina aus ihrer Box und zum ersten Mal sah ich die Stute in voller Pracht. „Hach“, seufzte ich. Ich hatte einfach eine Schwäche für Füchse mit großen, weißen Abzeichen! Während Alex das Pony fertig machte, machte ich mich mit der Stute bekannt.
      Das anschließende Vorreiten war gut verlaufen, Rina und Alex arbeiteten als perfekte Einheit und auch unter mir lief die Stute nach kurzer Zeit sehr schön. So kam es zu dem berühmten Handschlag und dem Kauf von Rina stand nichts mehr im Wege..
      Das Getrappel von Rinas Hufen auf der Rampe des Hängers holte mich zurück ins Hier und Jetzt. Ich trat zur Seite und ließ das Pony und Alex auf meinen Hof treten. Beide schauten sich aufmerksam um und nach kürzester Zeit hörte man bereits die Junghengstherde, welche sich im vollen Galopp auf dem Weg zum Zaun befand, um ja nichts zu verpassen. Ich zeigte Alex den Weg zu einer der Weiden, hier hatte ich ein Stück abgetrennt; auf dem anderen hatte Scylla bis gerade eben gegrast, doch nun stand sie mit hoch aufgerichtetem Kopf am Zaun. Wir entließen Rina nach der langen Reise auf die Weide und machten uns auf in den Stall, wo Rinas Box bereits offen stand. Alex sah sich alles genau an, begrüßte auch die anderen Pferde und ließ sich danach interessiert von mir über den Hof führen. Spätestens, als wir im Hengsstall auf Monster trafen, war es um Alex geschehen. Der gescheckte Hengst war unglaublich charismatisch und verstand sich darauf, sich einzuschleimen – bevorzugt bei weiblichen Wesen. Davon blieb auch Alex nicht verschont und so stand sie schon bald in der Box des Irish Draughts und kraulte ihm den Mähnenkamm. Soul Eater genoss die Massage zufrieden, während Adrian und Eisvogel mir zu brummelten, in der Hoffnung auf eine kleine Leckerei.
      Nachdem sich Alex von Monster hatte losreisen können, nahmen wir den Weg zurück zu der Weide, auf die wir Rina nach der Fahrt entlassen hatten. Die rote Stute weidete zufrieden das dünner werdende Herbstgras ab und auch Scylla, auf der anderen Seite des Zaunes, rupfte zufrieden am Gras. Es war Alex anzusehen, dass sie von der Reise geschafft war, aber auch, dass sie sich für Rina freute. Als wir am Zaun waren schien viel Anspannung von ihr abzufallen und auch ihre Schultern entspannten sich etwas und sanken ab. Ich schlug vor, Alex ihr Zimmer zu zeigen und nachdem sie es abgelehnt hatte, etwas zu essen zog sie sich zurück. Ich ließ ihr ihren Freiraum und machte mich nun daran, die abendlichen Futterrationen zu verteilen. Als alle anderen Pferde schon am Heu knabberten holte ich auch Scylla und anschließend Rina von der Weide in den Stall. Zwar ließ sich die Reitponystute vom anderen Ende der Weide abholen und schlug auf dem Weg über den Hof immer wieder nervös mit dem Schweif, doch als sie in ihrer Box das Heu entdeckte war ich mir sicher, dass Rina die Nacht unbeschadet überstehen würde und so konnte auch ich mich nun zur Ruhe legen.
      Der nächste Tag begann wie immer ziemlich früh und wurde für mich durch meine Wecker eingeleitet. Es gab doch nichts schöneres.. nachdem ich mich aufgerafft hatte, das Bett zu verlassen war ich schnell angezogen und im unteren Teil des Hauses. Dorthin folgte mir auch Alex kurze Zeit später und so genossen wir ein gemeinsames Frühstück, ehe wir gemeinsam die Pferde füttern wollten.
      Während ich mich um die hungrigen Junghengste kümmerte übernahm Alex die etwas gesitteteren Stuten und zum Schluss versorgten wir noch gemeinsam die Hengste. Danach nahm sich Alex etwas Zeit für Rina, während ich meine Mühe dabei hatte, meinen Dreamie aus der Herde der Junghengste zu bekommen. Schließlich hatte ich es jedoch geschafft und so durfte der Zweijährige schon kurz darauf eine Massage genießen, während ich ihm gründlich das schon dichter werdende Fell striegelte.
      Ich kratzte gerade die Hufe des Braunen aus, als mein Handy zu dem altbekannten Lied ansetzte. Schnell nahm ich den Anruf an, denn ganz anders als ich schien Dreamie weniger begeistert von „Circle of life“ aus dem „Lion King“ zu sein. Am anderen Ende der Leitung meldete sich Larissa, welche darauf bestanden hatte, den Champagner-Hengst selbst auf den Hof zu bringen. Noch dazu musste sie mehrere Pferde in ihr neues Zuhause bringen und da lag mein Hof quasi auf dem Weg.
      Larissa erklärte mir, dass sie bereits auf dem Weg sei und es nicht mehr allzu lange dauern würde, bis Dreamies zukünftiger Spielkamerade auf dem Hof eintreffen würde.
      „Perfektes Timing!“, grinste Larissa, als sie aus der Fahrerkabine des Pferdetransportes ausstieg und mir entgegen kam. Gerade hatte ich Dreamie in den Offenstall gebracht, wo ich Daki und ihn erstmal zusammen führen wollte. „Hei, wie war die Fahrt?“, begrüßte ich die Noch-Besitzerin des Zweijährigen und schwatzend gingen wir zu der Rampe des Transporters, welche Larissa geschickt öffnete. Von drinnen blinzelten uns mehrere Augenpaare entgegen, viele davon gehörten Englischen Vollblütern, wie es auch Daki war. Kurz verschwand Larissa zwischen zwei Pferdekörpern, dann hörte man Hufgetrappel und Daki trat neben Larissa aus dem Hänger. „Da ist der Hübsche!“, meinte Larissa zufrieden und begutachtete den champagne-farbenen Hengst noch einen Augenblick, ehe sie mir den Strick überreichte. Kurz machten Daki und ich uns bekannt, dann folgte mir der Zweijährige auch schon entspannt zum Offenstall, als wäre er gerade nicht auf einem fremden Hof angekommen. Larissa folgte uns und beobachtete anschließend auch genau, wie ich Daki das Halfter abnahm, ich wollte Verletzungen vermeiden, und ihn dann zu Dreamie in den Offenstall schickte. Dieser hatte bereits in einigem Abstand darauf gewartet, dass Daki sich rührte und kaum war dies geschehen kam der Braune näher. Die beiden Junghengste reckten die Hälse, nur um dann laut quiekend wieder auseinander zu gehen und sich imponierend durch den Offenstall zu scheuchen. Immer wieder prusteten sich die beiden zu, stoben dann auseinander und kehrten nach kurzer Zeit wieder zum jeweils anderen zurück. Wir entschlossen uns, die Hengste alleine zu lassen, um das Formelle zu erledigen.
      Als wir wieder aus dem Gutshaus kamen, lehnte Alex am Zaun des Offenstalls. Scylla und Rina grasten wieder auf der abgetrennten Weide, auf der die beiden auch schon gestern gestanden waren und auch meine größeren Stuten hatte Alex auf die Weide gelassen. Larissa und ich gesellten uns zu der Rothaarigen und diese erzählte uns, dass die beiden Hengste sich zwischenzeitlich auch angestiegen waren – die Rangordnung war also noch nicht geklärt, doch für den Moment hatten sich beide Junghengste dem Gras gewidmet, das hier und da aus der Erde gewachsen war.
      Larissa verabschiedete sich schließlich wieder und nachdem wir gemeinsam Heu und Wasser für die übrigen Pferde aufgefüllt hatten, rollte der Transporter wieder vom Hof. Alex und ich sahen ihm nach, bis er verschwand, dann verzogen wir uns ins Haus, um eine Kleinigkeit zu essen.
      „See you!“, rief ich dem Taxi nach, das mit offener Scheibe vom Hof fuhr. Für Alex war die Zeit des Abschieds gekommen und sie musste fahren, ehe alle Tränen getrocknet waren. Rina verstand ganz genau, was hier gerade passierte, denn während sich die anderen Pferde nicht von dem Auto stören ließen, stand sie angespannt am Zaun und blickte der Staubwolke nach. Ich seufzte, „Ich bin ja gespannt, wie du das verkraftest!“, murmelte ich, während ich den Fuchs beobachtete, welcher gerade zu einem Wiehern ansetzte. Ich gesellte mich zu Rina auf die Weide und auch, wenn sie sich brav von mir streicheln ließ, so schien sie für den Moment etwas apathisch zu sein. Ich verschob die anstehenden Arbeiten auf den nächsten Tag und blieb bei Rina, bis ich die Stuten wieder von der Weide holte. Heute brachte ich Rina als erste in den Stall, gefolgt von Scylla. Als ich alle Stuten in den Stall gebracht hatte und Rina immer noch dabei war, ihr Heu in der Box zu verteilen, anstatt es zu fressen, seufzte ich. Ich würde wohl in Kanada anrufen, meine Freundin Gwen hatte ein Praktikum auf Heartland gemacht und konnte mir mit etwas Glück einige Kräuter nennen, die Rina die Trennung erleichtern würden.
      Nachdem auch die restlichen Pferde ihre abendliche Heuration erhalten hatten, sah ich auch nochmal bei Daki und Dreamie vorbei. Ich hatte zwei Heuhaufen im Offenstall gemacht, dass jeder ungestört fressen konnte und dies schien ganz gut zu funktionieren. Ich war für den Moment zufrieden, auch, wenn Rina noch immer nur wenige Halme gefressen hatte.
      Nachdenklich verzog ich mich ins Haus und setzte mich gleich an den Laptop, wo schon kurz darauf Skype startete..
    • Zaii
      Neues lernen
      Pflegebericht, 25. Dezember 2014
      „Hallo Babyboys!“, flötete ich, als ich die beiden Halbstarken am Gatter der Weide stehen sah. Daki und Dreamie schoben mir neugierig die Nasen entgegen und sicherten sich somit jeweils sofort ein Stück Möhre. Während die beiden vor sich hin schmatzten kletterte ich durch den Zaun zu ihnen durch und schnappte mir die Halfter, als ich am Unterstand ankam. Nachdem ich den beiden Junghengsten ihre Halfter angezogen hatte, kontrollierte ich noch einmal alle Zäune und auch den Unterstand. Die Vorfälle in der Umgebung hatten sich in der letzten Zeit nur noch gehäuft, anstatt abzuklingen und noch immer hatte die Polizei keine Spur von den Tätern, welche sich sehr geschickt anstellten. Und so blieb den Pferdebesitzern nichts anderes übrig, als auf der Hut zu sein und zu hoffen, dass der eigene Stall nicht zum Zielobjekt der Täter wurde. Mit einem zickigen Quicken holten mich Daki und Dreamie zurück ins Hier und Jetzt und schnell schnappte ich mir die Halfter, um die Hengste daran vor den Hauptstall zu führen, wo ich sie anband und mir anschließend die Putzkisten aus dem Stallgebäude holte. Beide Junghengste verhielten sich im täglichen Umgang mittlerweile vorbildlich, sodass das Putzen schnell von Statten ging und ich auch ohne Probleme die Hufe auskratzen und das Langhaar verlesen konnte. Was nach wie vor abenteuerlich war, war das gemeinsame Führen. An jeder Hand hatte man einen Junghengst, der unbedingt seine Umgebung erkunden wollte oder aber mit dem anderen spielen wollte. So kam es schon ab und zu vor, dass man gleichzeitig in zwei Richtungen gezogen wurde. Heute jedoch legten wir den Weg in die Halle ohne Probleme zurück. Nachdem ich das Tor hinter uns geschlossen hatte, machte ich Dreamie und Daki los und während die beiden Pubertierenden sich durch die Halle scheuchten, rollte ich ein paar Trabstangen auf den Hufschlag und positionierte an der gegenüberliegenden langen Seite einige Ständer auf dem dritten Hufschlag. Die beiden Junghengste machten sich bereits daran, die Ständer auf ihr Gefahrenpotential zu untersuchen und auch an die Stangen trauten sie sich langsam heran. Nachdem ich alles aufgebaut hatte, schnalzte ich kurz mit der Zunge und animierte die beiden Chaoten so wieder zum Trab. Zunächst wichen die Hengste den Trabstangen aus und drehten auch manchmal vor den Ständern um, doch mit jeder Runde wurden sie mutiger und so wagte sich schon bald Daki, und zwei Runden später auch Dreamie, über die Stangen. Die beiden Halbstarken bestimmten Tempo und Richtung selbst und es dauerte so seine Zeit, bis die beiden sich schließlich ausgepowert hatten und wieder zu mir kamen. Wie immer lobte ich dieses Verhalten ehe wir die Halle verließen.

      Während meine beiden Jungs sich schon wieder über ihre Weide jagten, welche mit dem schmelzenden Schnee momentan eher einem Matschloch glich, kontrollierte ich noch die Tränken und füllte das Heu auf, ehe ich mich ans Abäppeln der Weide und des Unterstands machte. Auf die Dauer war es wirklich anstrengend, den Hof alleine zu bewirtschaften!
    • Zaii
      Allgemeine Kontrolle
      Tierarztbericht, 23. Januar 2015

      Tierärztliche Klinik Sakura
      Dr. med. vet. Macaulay

      Diesmal durfte ich einmal wieder ein junges Tier untersuchen. Jedes Mal wieder eine nette Abwechslung zu den Tieren, die schon Turniere gegangen waren, da man noch ein wenig spekulieren konnte, wie sich die Tiere entwickeln würden. Es machte mir jedes Mal Spaß die Namen zu notieren und meine Vermutungen und dann ein paar Jahre später die Turnierberichte der jeweiligen Sparten zu durchsuchen ob sich meine Vermutungen bewahrheitet hatten.
      Das junge englische Vollblut von Zairina sah auf jeden Fall schon mal vielversprechend aus. Schöne schlanke Beine, guter und leichter Körperbau – ein Bild von einem zukünftigen Rennpferd! Als ich seine Besitzerin begrüßte schob sich der Junghengst gleich dazwischen um eine Streicheleinheit zu ergattern. Ich musste lachen. Durchsetzen konnte er sich auch schon. Ich streichelte ihn und flüsterte ihm ins Ohr, er sollte seine Durchsetzungsfähigkeit nicht verlieren, später im Rennen würde er sie neben der Schnelligkeit gut gebrauchen können. Und damit ging ich gleich in die Untersuchung über. Von den Ohren über den gut bemuskelten Hals hin zum schon gut ausgeprägten Rücken. Einmal abgetastet – Keine Verspannungen oder spürbaren Fehler in der Muskulatur. Zudem genoss der junge Hengst die Massage außer der Reihe. Runter zum Bauch, ich hörte vorsichtshalber ab, da mir der kleine Kerl einen Ticken zu dünn erschien. Aber dort war nichts negatives zu hören, nur das kräftig schlagende Herz und reguläre Verdauungsgeräusche. Wahrscheinlich war ich bei dünnen Pferden einfach ein wenig übervorsichtig. Auch die Beine waren in Ordnung. Sehnig und dürr, jedoch auch schon gut bemuskelt. Bereitwillig hob er auch die Hufe an, aber erst nachdem er sich noch einmal ausgiebig an mich geschmiegt hatte. Der Kleine war ein süßer, schmusiger Kerl der mir immer mehr ans Herz wuchs, je länger die Untersuchung dauerte. Neugierig sah er zu als ich die Hufe untersuchte, die auch keinerlei Anzeichen eines fehlerhaften Wuchses aufwiesen. Nochmal den flauschigen Hals gekrault und dann warf ich einen Blick auf den hübschen Kopf. Augen waren klar und sahen mich neugierig an und aus den Nüstern schnaubte es als ich sie mir genauer ansah und ihn dabei wohl etwas kitzelte. Noch ein Blick in den Mund – die Zähne sahen sehr gut aus, gleichmäßig abgenutzt und keinerlei Verletzungen im Mund. Alles in allem ein hübscher und gesunder Jungspund, dem keinerlei Hindernisse im Wege standen eines Tages ein großes Rennpferd zu werden.
      SopherlMacaulay
    • Zaii
      Zeit nutzen
      Pflegebericht, 23. März 2015
      Heute ging ich zu Dakan. Ich halfterte ihn auf und putzte ihn. Danach ging ich eine Runde mit ihm spazieren. Zurück auf dem Hof kontrollierte ich nochmal die Hufe, ehe er zurück auf die Weide durfte. Dort gab ich ihm noch eine Möhre.
    • Zaii
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      Allgemeine Kontrolle
      Tierarztbericht, 12. Juli 2015
      Zai hatte mal wieder einen etwas größeren Auftrag für mich, weshalb ich mir einen ganzen Zeit "frei" genommen hatte und mich schon Morgens auf den Weg zu ihrem Gestüt machte. Vierzehn Patienten würden dort begierig auf mich warten und natürlich auch eine hoch motivierte Zai. Die sah dann übrigens genauso verschlafen aus wie ich. "Na? Schlechte Nacht gehabt?", fragte ich grinsend und bekam ein geseufztes "Mmh" zurück. Hach ja, wir hatte es schon nicht leicht! Zai hatte die Pferde bereits gefüttert, sie aber extra noch im Stall gelassen, damit wir keine großen Wege nutzen mussten, dementsprechend konnten wir auch direkt loslegen. "Ich würde sagen: Ladies first!", lachte ich und Zai grinste mich fröhlich an.
      Deshalb begannen wir mit Already. Die hübsche Vollblutstute kannte ich nur zu gut und mal wieder konnte ich Zai für ihren tollen Umgang mit Pferden loben. Already war bei ihr richtig aufgeblüht und ich erkannte das ehemalige NP-Pferd kaum wieder. "Herrlich!", meinte ich glücklich und kraulte Already ein wenig. Dann hieß es aber ran an die Arbeit: Zuerst sollte Zai mir die Stute im Schritt und Trab vorführen, damit ich mir ihren Bewegungsapparat anschauen konnte. Der war sichtlich in Ordnung, also ging es mit der Untersuchung am Putzplatz weiter. Dort warf ich zuerst einen Blick in Ohren, Augen und Maul, um die Schleimhäute zu kontrollieren. Already ließ das alles vorbildlich über sich ergehen und stand brav still.
      Danach hieß es Abhören und Abtasten. Dazu packte ich das Stethoskop aus und kontrollierte Herz-, Atem- und Pulsfrequenz. Alle waren in einem sehr guten Bereich und auch beim Abtasten der Wirbelsäule entdeckte ich keine empfindlichen Stellen. Einwandfrei. Nun noch die Körpertemperatur kontrolliert und schon konnte ich die Stute impfen und entwurmen. Vier Spritzen gab es für die Maus, was mir beinahe etwas leid tat, aber die Grundimmunisierungen mussten gemacht werden, das hieß also Influenza, Herpes, Tetanus und Tollwut. Dann gab es noch die Wurmkur zu schlucken, ehe es Already eine kurze Verschnaufpause erhielt.
      In der schnappte ich mir den Impfpass und trug die neuen Impfungen samt Stempel und Unterschrift ein. Nun hieß es noch Zahnkontrolle. Auch die ließ Already brav über sich ergehen und sie war schnell fertig, denn ich konnte keine Mängel entdecken. So durfte Already als erste raus auf die Weide und während Zai bereits die nächste Kandidatin holte, tauschte ich die alten Materialien gegen frische aus. Denn nun war Damiani an der Reihe. Für die Untersuchung der kleinen Stute würde ich wohl auf die Knie gehen müssen, aber erst hießt es im Schritt und Trab vorlaufen.
      Dann kam der bekanntliche Blick in Ohren, Augen und Maul, ehe ich die kleine Stute gründlich abhörte und abtastete. Wie vorhergesagt landete ich dabei auf den Knien, da ich ansonsten gar nicht an das Mädchen heran kam. Danach kontrollierte ich noch die Körpertemperatur und dann konnte auch Damiani geimpft und entwurmt werden. Nachdem das geschafft war, kam es noch zur Zahnkontrolle und Entfernung eines kleinen Hakens und auch Damiani durfte mich zufrieden verlassen und auf die Weide. Wieder hieß es Nachtragen im Impfpass und Materialien austauschen und ehe ich mich versah, stand auch schon Zairina am Putzplatz.
      "Nochmal!", meinte ich lachend zu Zai, welche mir die Stute wieder brav vorführte. Dann ging es ans Anschauen, Abhören und Abtasten, ehe ich zufrieden feststellen konnte, dass auch die Stute einfach topfit war. Das hieß für sie allerdings vier Spritzen und eine Wurmkur. Danach noch die Maulsperre, damit Zairina mir brav ihre Zähne zeigte, aber dann hatte es auch sie schon geschafft. Fast so problemlos lief auch die Untersuchung von Scylla ab, allerdings war die Connemarastute wiederum gar nicht so begeistert von den Spritzen und machte als erstes Pferd tatsächlich dabei Theater! Und dann musste ich bei ihr leider auch noch einige Haken an den Zähnen entfernen, was mich in der Sympathie der Stute nicht sonderlich steigen ließ, dementsprechend bockend stapfte sie dann auch hinter Zai aus dem Stall hinaus.
      Ich trug lachend die Impfungen ein und tauschte wieder brav aus. Die nächste Patientin machte mir zumindest kaum Probleme. Imadama war typisch Tinker: typisch lieb, typisch geduldig. Ein Traum von Pferd. Sie ließ sich problemlos vorführen, untersuchen und dann auch impfen und entwurmen. Vorbildliches Pferd! Auch den Blick ins Maul ertrug sie sogar ohne Maulsperre und als Dank musste ich bei ihr auch gar nichts machen. SST's Lakim hatte es da dann nicht so gut erwischt. Während sie körperlich eigentlich echt fit war und ohne Probleme auch die Impfungen und Wurmkur erhielt, machten ihr ihre Zähne echt zu schaffen. Ein Eckzahn war etwas schief gewachsen und drückte dementsprechend oben ins Zahnfleisch. Das musste dringend behoben werden und war dementsprechend auch sehr unangenehm, aber was man tat man nicht alles für das Wohl der Pferde. Als Trost gab es dann ein Leckerchen und Lakim hatte es hinter sich gebracht.
      Ihre Weidegenossin Talitha hatte hingegen Glück, bei ihr ging alles schnell von Statten und eine Viertelstunde später stand die Warmblutstute geimpft, entwurmt und mit gerichteten Zähnen wieder auf der Weide und genoss ihre Ruhe, während ich einige Impfungen im Pass nachtragen musste. Die Stuten waren damit geschafft, kamen wir nun zu Zais Zwergen, die uns sicherlich etwas mehr Probleme, ich meine natürlich Spaß!, bereiten würden.
      Dark Dreamer kannte mich und meine Prozeduren schon. Bei den Impfungen und der Zahnkontrolle waren wir uns zwar etwas uneins, aber ansonsten lief die Untersuchung eigentlich ganz passabel ab und der junge Hengst hatte es schnell hinter sich gebracht und wurde entlassen. Dakan El Assuad hingegen war typisch Vollblut und ließ sich von mir nichts sagen. Stillhalten? Nein, danke. Ordentlich vortraben? Lieber auch nicht. Zai und ich hatten alle Hände voll zu tun, damit ich mir ein Bild von Dakans gesundheitlichen Zustand machen konnte. Das Impfen war eine Tortur, die Wurmkur wollte er nicht schlucken und ins Maul schauen lassen erst Recht nicht. Aber wir gaben nicht auf und schließlich hatten wir auch diesen kleine Wildfang gebändigt.
      Da war das Stütchen Esteem wesentlich entspannter drauf. Mit ihrem einen Lebensjahr war sie zwar noch recht schüchtern und unsicher, ließ sich dafür aber problemlos von Zai beruhigen und führen. Auch hielt sie brav während der Untersuchung still, so dass ich sie problemlos abhören und abtasten konnte. Die Jährlingsstute war topfit und konnte so geimpft und entwurmt werden. Beides hielt sie aus, auch wenn vier Spritzen für das kleine Mädchen wirklich viel waren. Auch den Blick ins Maul hielt sie tapfer stand und da sie noch recht jung war, war da auch noch nichts zu machen. Mit Everybody's Dream verlief es ähnlich. Die beiden Stutfohlen waren sich sowieso recht ähnlich und so hielt auch die Knabstrupperstute traumhaft toll still und machte ihrem Namen alle Ehre. Auch wenn die Impfungen böse pieksten und die Wurmkur ekelig schmeckte: Für ihre Besitzerin ging Everybody's Dream auch da durch. Ebenso öffnete sie mir bereitwillig ihr Maule und zeigte mir ihre schönen Milchzähne, die allesamt in Reih' und Glied standen.
      "Ich würde sagen, fast geschafft!", meinte ich lächelnd, als ich Zai den Stapel Impfpässe der Fohlen zurückgeben konnte. Nun waren noch die drei Hengste an der Reihe und dann hätten wir es tatsächlich geschafft. Inzwischen war es aber auch schon früher Nachmittag und zwischenzeitlich hatte Zai uns mit Kaffee und Kuchen durch den Tag gerettet, dafür war ich ihr auch wirklich dankbar. Auch jetzt gönnten wir uns noch einmal eine kleine Verschnaufpause, ehe es motiviert in den Endspurt ging und Zai ihren Hengst Adrian aus der Box holte.
      Adrian war ein alter Hase, was den Tierarzt betraf und dementsprechend viele Flausen hatte er auch im Kopf. Der junge Hengst war immer für einen Spaß zu haben, auch wenn das bei der Untersuchung nicht immer ganz so toll war. So schaffte er es auch beinahe, mir beim Abhören das Stethoskop zu klauen und die Zahnkontrolle verlief bei Adrian auch nicht so problemlos. Letztendlich hatten wir den Hengst aber geimpft und entwurmt und seine Hengstzähne ein wenig zurecht geschliffen. So durfte er auf die Weide und der nächste Patient zu mir: Eisvogel.
      Der Isländerhengst war unerschrocken, ließ das Vorführen, Abhören und Abtasten vorbildlich über sich ergehen und auch das Körpertemperatur messen. Danach war es an der Zeit für die Impfungen und die Wurmkur. Vier Spritzen und etwas Unleckeres ließ der Hengst über sich ergehen und öffnete mir dann dennoch bereitwillig sein Maul für die Zahnkontrolle, so einen Patienten hatte man doch gerne! Letzterer für heute war Soul Eater. Die Impfungen passten ihm nicht sonderlich, aber sonst war auch er brav dabei und nach einer Viertelstunde fertig. Zai und ich übrigens auch. Dementsprechend lud sie mich erst einmal auf ein Päuschen auf ihrer Veranda ein und dazu sagte ich nach dem Arbeitstag definitiv nicht nein! Vierzehn Pferde hatten wir durchgenommen und das war echt kein Zuckerschlecken gewesen.

      Eddi
    • Zaii
      Aushilfe
      Pflegebericht, 02. August 2015

      Gut Florentina stand auf dem großen Schild, an welchem wir gerade vorbeifuhren. Ein wenig irritiert drückte ich mir die Nase an der Fensterscheibe platt und fragte mich, ob wir richtig waren. Meines Erachtens hatte ich Zaiis Gestüt unter anderen Namen in Erinnerung, glaubte ich zumindest oder hieß es doch länger schon so? Fast direkt vor dem Haupthaus hielt der Taxifahrer und half mir beim Ausladen meines einen einzigen Koffers. „Danke“, murmelte ich und bezahlte ihn. Warum ich mit dem Taxi kam? Überraschungsbesuch!
      Und der galt Zaii, welche nun gerade ein wenig verdattert in ihrer Haustür stand und mich anschaute. „Ich grüße auch dich ganz herzlich“, kommentierte ich grinsend ihr Verstummen und schleppte meinen Koffer zu ihr herüber. „Ich dachte, ich bringe mal ein wenig Abwechslung in dein ödes Gestütsleben indem ich vorbeikomme!“ – darüber gesprochen hatten wir übrigens öfter, aber ich glaube Zaii hatte es nur als Spaß aufgefasst als ich sagte, in einer Woche würde ich vor ihrer Haustür stehen. Na ja, knapp daneben war halt auch vorbei.
      Irgendwie fand sie ihre Stimme dann doch wieder, umarmte mich kurz und zeigte mir ihr zwar kleines, aber feines Gästezimmer. Wie lange ich bleiben wollte, wusste ich noch nicht. Da würde ich mich wohl nach Zaii richten und der Zeit, die sie mich ertrug. Nun wollte ich mich erst einmal kurz hier einrichten und dann hieß es erst einmal auf die Couch packen und quatschen – immerhin hatte man sich nach so einer langen Zeit doch viel zu erzählen!
      Spontan entschieden wir auch, gemeinsam zu kochen, denn zum einen war ich nach der langen Reise echt hungrig und zum anderen war es sowieso langsam Zeit fürs Abendbrot. Zusammen kochen war außerdem immer gut, es machte Spaß, es kam etwas dabei raus und man konnte nebenbei trotzdem fröhlich weiterquatschen. Da es im Stall auch nichts mehr zu tun gab, verbrachten wir den Rest des Abends im Wohnzimmer, schauten Filme und wie gesagt: Zu erzählen gab es genug.
      Dementsprechend spät war ich dann auch im Bett gelandet und gar nicht motiviert, als am nächsten Morgen der Wecker um halb acht klingelte. Am liebsten hätte ich ihn vom Nachttisch geworfen, doch dann fiel mir ein, dass mein Wecker auch gleichzeitig mein Handy war und ein neues konnte und wollte ich mir dann doch nicht leisten. Also stand ich lieber auf und nahm die Gästetoilette in Augenschein. Wohl mehr ein Gästebadezimmer, denn ich hatte alles was ich brauchte und konnte sogar duschen gehen.
      So kam ich dann frisch und munter kurz vor acht unten in der Küche an, wo Zaii schon den Tisch deckte. „Also so voll war mein Kühlschrank dann doch nicht, also musst du dich mit einem etwas dürftigen Frühstück begnügen“, meinte sie grinsend und deutete auf die paar Gläser auf dem Tisch. Ich winkte mit dem Argument ab, dass es bei mir auch nie anders aussah und ich das sowieso gewöhnt war.
      Nach dem Frühstück ging es in den Stall. Da stand das Übliche auf dem Programm: Pferde füttern, Pferde rausbringen und Boxen misten. Bei allem half ich Zaii und so waren wir dann sogar auch schnell fertig und konnten zufrieden eine Pause einlegen. Natürlich ließen wir es uns nicht entgehen, einen schönen Ausritt zu machen. Dabei durfte ich tatsächlich Adrian reiten. Der hübsche Lusitano konnte manchmal echt unmöglich sein, aber heute benahm er sich tatsächlich. Zaii schwang sich derweil auf Soul Eater und nutzte die Chance, allen drei Hengsten Bewegung zu verschaffen, indem sie Eisvogel als Handpferd mitnahm.
      Das klappte sogar besser als gedacht und außer einmal wurde sie auch nicht aus dem Sattel gezogen, weil der Isländer der Meinung war, eine andere Richtung einschlagen zu wollen. Mit Adrian hatte ich anfangs auch Startschwierigkeiten und er tänzelte aufmüpfig unter mir her. Nach dem ersten Trab war das dann aber auch gegessen und wir konnten den Ausritt tatsächlich genießen. Danach bekamen die drei Hengste bei dem Wetter auch eine erfrischende Dusche und dann ging es für sie schon wieder zurück auf die Weide, während wir uns unserem Mittagessen widmeten.
      Und danach machten wir das, was man am liebsten auf den Gestüten machte: Fohlen bespaßen! Grinsend schaute ich Zaii an, als wir am Zaun der Fohlen standen. Ihre Anzahl von Pferden hatte sich dann ja doch um einige erhöht. Aber ich bekam auch gleich die Gelegenheit nach Khiaras Fohlen zu schauen. Dakan El Assuad war in letzter Zeit unfassbar gewachsen und der Halbwüchsige machte seiner Mama alle Ehre. Auch Zaii war sichtlich stolz, den Hübschen bei sich haben zu dürfen und die beiden verstanden sich ausgesprochen gut.
      Währenddessen Dakan Zaii beinahe vollkommen in Beschlag nahm und keinen anderen ran ließ, versuchten es dann die restlichen Fohlen bei mir. Dementsprechend war ich von drei Warmblutfohlen umgeben, die alle um Krauleinheiten buhlten. Dark Dreamer machte dabei sehr deutlich, dass er als Hengstfohlen den beiden Stütchen kräftemäßig überlegen war, weshalb sich Esteem und Everbody’s Dream gegen ihn zusammenschlossen und er frustriert zu Zaii abzog. So hatte ich nur noch die beiden Stutfohlen und konnte sie so gleichzeitig kraulen. „Dream ist so schön!“, meinte ich lächelnd, während ich die dunkle Schulter des Stutfohlens kraulte. Aber auch Esteem war eine Schönheit für sich, auch wenn ich etwas geschockt war, dass die Kleine aussschimmeln sollte. „Dabei ist sie so ein schöner Brauner“, meinte ich empört, aber ihr Vater würde sich wohl oder übel durchsetzen.
      Nachdem wir beinahe den gesamten Nachmittag bei den Fohlen verbracht hatten, blieb uns gar nicht mehr so viel Zeit, aber dennoch nahm mich Zaii noch für ein wenig Bewegung ihrer Pferde in Beschlag. Deshalb hatte ich dann auch Lakim vor der Nase stehen, während Zaii Talitha putzte. Sie wollte ihre beiden Stuten heute gerne noch ein wenig dressurmäßig arbeiten und meine Versuche, sie davon zu überzeugen, dass ich daran nicht mehr sonderlich talentiert war, klappten leider nicht.
      Tatsächlich klappte es zwischen Lakim und mir besser als gedacht. Ich kam mit der ruhigen Jungstute sehr gut klar und wir wussten von Anfang an, wie man am besten miteinander arbeiten musste. Zaii und Talitha gaben ein traumhaftes Bild ab und so lohnte sich die Stunde Arbeit dann auch für alle vier Beteiligten. Danach hieß es aber die Stuten versorgen und schon stand der abendliche Stress an: Alle Pferde in den Stall holen, füttern und das Heu für die Nacht verteilen. Erst dann konnten wir den Stall guten Gewissens verlassen und uns um unser eigenes Essen kümmern.
      Den nächsten Morgen verschlief ich total, was natürlich überhaupt nicht an dem langen Abend lag. Der komischerweise tatsächlich verhältnismäßig lang geworden war, dafür, dass ich eigentlich schon um 22 Uhr völlig fertig mit der Welt gewesen war. Zaii hingegen war putzmunter und saß schon kauend am Tisch, als ich müde die Treppe herabstieg und versuchte, möglichst nicht hinzufallen.
      Nach dem Frühstück ging der übliche Alltag los und auch heute hatte Zaii wieder allerhand mit mir vor. Den Vormittag verbrachten wir in der Stadt und Zaii zeigte mir begeistert ihre Lieblingsorte, ehe wir uns in einem Café niederließen. Gut, dass ich nach der Stallarbeit nochmal geduscht hatte, denn Zaii hatte mich mit der Idee überrascht und sonst wäre ich wohl mit Stroh in den Haaren durch die Stadt gelaufen.
      Wieder zu Hause wurde es auch allmählich Zeit, sich erneut den Vierbeinern zu widmen. Dabei ließ ich Zaii völlig freies Geleit. Und siehe da, ich durfte Already wiedertreffen! Sie war heute diejenige, die mich sicher durchs Gelände tragen sollte, während Zaii sich ihre Tinkerstute Imadama schnappte. Der Ausritt war an sich entspannt und auch ein wenig peppig durch die herrlichen Galoppstrecken, welche Zaii mir zeigte. Und die beiden Stuten hatten sichtlich Spaß.
      Danach machten wir aus Spaß ein wenig Bodenarbeit mit Scylla und Damiani. Bei Scylla arbeitete Zaii momentan vermehrt daran, dass die Stute endlich ihre höllische Angst vor Wasser verlor. Sie hatte zu dem Thema einige herrliche Anekdoten bereit und irgendwann kam ich aus dem Lachen nicht mehr heraus. Mit der kleinen Damiani machte ich vor allem allerhand Quatsch bezüglich Zirkuslektionen. Ich hätte nicht gedacht, dass es so Spaß machen könnte, mit so einem Zwerg zu arbeiten, aber so war es.
      Da mir inzwischen mein Hinterteil wehtat, ließ ich am Ende des Tages Zaii den Vortritt, ihre Reitponystute zu reiten. „Zairina? Sie heißt wie du, echt?“, fragte ich grinsend, als ich einen Blick auf das Namensschild der Stute geworfen hatte. Zaii verdrehte nur die Augen und hatte schon die nächsten Geschichten auf Lager, bei welchem ihre Freunde die Hauptrolle spielten.
      Zairina hatte tolle Gänge und sprang auch richtig klasse. Das war auch das, was Zaii heute mit ihr machte: Springen. Ich schaute dabei vom Zaun aus zu und gab Zaii nur ab und an einen Rat, wenn mir etwas auffiel. Das war nicht sonderlich viel und eigentlich wollte ich lieber nur still zuschauen, aber Zaii bestand darauf, dass ich etwas sagte.
      Theoretisch lief Zairina erst E-Niveau, aber Zaii wagte sich auch schon an die A-Höhe heran, was die Reitponystute auch traumhaft meisterte. Auch wenn Zairina es ihrer Reiterin nicht immer leicht machte, denn die Stute hatte schon eindeutig ihren eigenen Kopf und manchmal auch vollkommen andere Vorstellungen von dem Training als Zaii. Nach dem Springen waren Reiter und Pferd völlig fertig, so dass ich schon einmal die anderen Vierbeiner von den Weiden holte und fütterte, während Zaii ihre Stute versorgte.
      An dem kommenden Abend hielt ich dann schon länger durch, ich glaube, so langsam gewöhnte ich mich an daran und ich war mir sicher, dass die restliche Zeit mit Zaii auch noch klasse werden würde. So wie ihre Augen leuchteten, hatte sie noch allerhand vor, was wir gemeinsam bestreiten wollten. Pferdetechnisch hatten wir hier ja sowieso alle Möglichkeiten und auch in die Stadt wollte Zaii noch das ein oder andere Mal. Für mich würde es auf jeden Fall ein erlebnisreicher Urlaub werden und das war auch das Ziel meiner Reise gewesen.

      Eddi
    • Zaii
      Umzug nach Kanada!
      Pflegebericht, 11. Januar 2016
      Schon länger hatte ich das alles geplant und doch verzögerte es sich nun alles. Für unsere liebste Zai hatte ich ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk, bei welchen ich natürlich auch die drei anderen aus unserer Crew zu Rate und Hilfe herbeigezogen hatte und natürlich waren auch sie von meiner Idee mehr als begeistert gewesen: Zai sollte endlich nach Kanada ziehen! Und wir würden ihr dabei helfen.
      Selbst hatte ich mir noch nie wirklich Gedanken darüber gemacht, wie so etwas überhaupt von Statten ging, da aber Elena und Jojo und selbst Elisa irgendwann mal nach Kanada gezogen waren, konnten sie sich in etwa noch zusammenreimen, auf was wir alles achten mussten. Das A und O waren natürlich die Pferde. Die sollten wohlbehalten und möglichst wenig gestresst in Kanada ankommen, gar nicht so leicht bei dem Weg, welchen sie vor sich hatten!
      Als nächstes wäre da Zai. Die hatte sich bisher ja tapfer geweigert, aber so langsam musste es ja nun einmal vorwärts gehen, also würden wir ihr wohl am besten die Augen verbinden und sie notfalls mit Gewalt nach Kanada schleifen! Lange Zeit hatte sie sich mit den Arbeiten am neuen Gestüt herausgeredet, doch die waren inzwischen alle abgeschlossen.
      Das Gestüt war also bereit für seine Neuankömmlinge und damit auch alles glatt über die Bühne gehen würde, hatten Elena und ich das Gestüt schon gründlich unter die Lupe genommen. Da ein großartiger Möbeltransport nach Kanada sowieso sinnlos war, hatten wir einfach beschlossen, die Einrichtung selbst zu übernehmen. Sehr zur Freude von Elena, die sich richtig austoben konnte.
      Allerhand Tage verstrichen, in denen wir selbst strichen. Nämlich Zais Wände. Aber danach sah es richtig heimisch aus! Und wir waren mehr als zufrieden mit unserem Werk. Der Stall hatte auch einen Fingerschnipp a la Elena hinter sich und sah nun aus wie einer dieser teuren Ställe aus dem Fernsehen, gut, so sahen fast alle von uns aus, aber für die Pferde galt ja auch nur das Beste!
      Den Transport von Zais Pferden erledigten wir wortwörtlich über Nacht. So bekam Zai nichts mit und für die Pferde war es auch das angenehmste. Da sie so aber in den frühen Morgenstunden ankommen würden, mussten wir besonders früh aufstehen, um insgesamt vierzehn Boxen in dem großen Stall vorzubereiten. Zai hatte eine klare Ordnung für den Stall, welche ich ihr irgendwann mal stibitzt hatte.
      Die Pferde waren schnell durch die veterinären Sicherheitskontrollen gekommen und kamen eines Morgens mitten in Kanada an. Gemeinsam mit Elisa und Elena als Fahrerinnen kamen sie dann auch im tiefsten Winter auf ihrem neuen Gestüt an. In aller Ruhe luden wir sie aus und brachten sie in die neuen Boxen. Da Zai lieber auf brave Pferde stand, hatten wir auch kaum jemanden dabei, der Randale machte.
      Am sympathischsten waren mir ja persönlich Already und Lakim. Die beiden waren einfach Engel auf vier Hufen und so ausgeglichen, dass ich schon Sorge hatte, dass es ihnen doch nicht gut ging. Elisa tat wiederum wie immer das, was sie am besten konnte: sich mit dem zickigen Reitpony beschäftigen. Das war nämlich Zairina und auch wenn ich es selbst nicht glauben konnte, sie war teils anstrengender als Scylla. Wie war das nochmal? Zai mochte lieber brave Pferde?
      Die nächsten paar Tage kümmerten wir uns abwechselnd um das Gestüt. Ich am meisten, weil es meine Idee gewesen war und ich am nächsten wohnte. Hoch zu Ross brauchte ich fünf Minuten durch den Wald und schon war ich bei Zai. Deshalb konnte ich mich direkt auch mit ihren Pferden bekannt machen, diese würde ich sicherlich schon bald im regelmäßigen Training wiedersehen, da war ich mir sicher.
      Natürlich erreichte auch Zai die Nachricht, dass ihre Pferde weg waren, aber da standen bereits die drei anderen bei ihr vor der Haustür, während ich in Kanada wortwörtlich die Pferde hütete. Zai wurde samt Klamotten eingepackt und nach Kanada gekutscht. Da der Umzug schon seit Ewigkeiten geplant war und Zai eigentlich schon in den Startlöchern gestanden hatte, gab es auch kaum noch etwas, was sie zu erledigen hatte oder womit sie sich rausreden konnte. Nun war sie in Kanada!
      Es dauerte ein Weilchen bis sie sich eingelebt hatte, aber eigentlich ging das dank uns mehr als schnell. Inzwischen hatten wir schon Silvester hinter uns gebracht und kämpften uns wacker in das neue Jahr 2016.
      Da Zai noch relativ alleine auf ihrem Gestüt war (die Auswahl des richtigen Personals war gar nicht so einfach!), halfen wir ihr. Besonders ich beschäftigte mich zu gerne mit den Fohlen. Everbody’s Dream und Dark Dreamer waren mir ja richtig ans Herz gewachsen. Zweiterer wurde mir persönlich dann aber doch langsam zu groß. Aber auch Esteem und Dakan El Assuad waren klasse Nachwuchspferde. Zais Stall war zwar klein, aber beinhaltete dafür allerhand Schmuckstücke!
      Heute hatte Zai mich zu einem kleinen Ausritt eingeladen und da sagte ich nicht nein, zumal ich auch noch ihren geliebten Adrian reiten durfte! Der Hengst war ein witziger Kerl und ich mochte ihn von Anfang an wirklich sehr. Zai ritt ihren großen Hengst Soul Eater und nahm den Isländer Eisvogel als Handpferd mit.
      Natürlich beklagte sie sich während des Ritts sehr oft darüber, dass ich einfach ohne ihr Wissen gehandelt hatte und wie viele Mühen das doch gewesen waren! Und die Kosten erst! Am Ende hatte ich das Gefühl, sie hätte sich tatsächlich Fusseln an den Mund geredet, aber es war nur der Schnee, welcher uns unerbitterlich ins Gesicht blies, aber immerhin brachte ich Zai mit dieser Metapher zum Lachen und sie hörte auf, sich über meine Ideen zu beschweren. Eigentlich, und da war ich mir doch sicher, war sie froh, endlich bei uns zu sein.
      Wieder am Stall quietschte Zai wütend auf, als sie ihre beiden Hengste gerade hineinführte. „Damiani! Du kleine Ziege!“. Ich war ja ein wenig verwirrt, denn eigentlich war Damiani ein Falabella. Aber als ich Zai folgte, sah ich das Ausmaß der Verwüstung, welche ein Falabella anrichten konnte.
      Da hatte sich jemand aus seiner Box befreit und ein tierisches Chaos im Stall angerichtet. Die Tinkerstute Imadama betrachtete das Schauspiel neugierig von ihrer Box aus, hielt sich aber lieber im Hintergrund. Zai drückte mir derweil die Zügel von Soul Eater und Eisvogel in die Hand, um ihr Pony einzufangen und wieder hinter Riegel und Gitter zu bringen.
      Eine halbe Stunde später waren die Hengste versorgt und der Stall wieder aufgeräumt. Zai hatte sich auch wieder von dem ganzen Stress erholt und konnte über das Geschehene nur noch lachen. Damiani hatte direkt eine extra Kette an ihrer Boxentür. Mir war es sowieso ein Rätsel, wie sie die mit ihrer Größe aufbekommen hatte?
      Während wir jedoch mit Tee in der Stallgasse saßen und uns aufwärmten, entlarvten wir den wahren Übeltäter: Talitha, die Boxennachbarin. Die Hannoveranerstute war für ihren Mut und ihre Neugierde bekannt, beides sorgte dafür, dass sie oft auf dumme Gedanken kam, zum Beispiel am Riegel von Damianis Box herumzuspielen und diesen durch Zufall dann auch noch zu lösen.
      Zai schüttelte nur lachend den Kopf, so etwas hatte sie auch noch nie erlebt. Talitha spielte wirklich nur an der Boxentür herum, allerdings hatte sie sehr wohl gemerkt, was sie vorhin erreicht hatte, nur nicht wie. Bei ihrer eigenen Boxentür kam sie nämlich nicht so an den Riegel heran, dass sie ihn ziehen konnte. Dennoch ging Zai lieber auf Nummer sicher und befestigte mit meiner Hilfe auch noch an Talithas Box eine extra Sicherung. Wir unterhielten uns noch ein Weilchen, ehe ich mich schon verabschiedete, bei mir zu Hause warteten nämlich auch noch einige Chaoten. Zai passte das ganz gut, denn dann konnte sie direkt noch ein wenig mit Talitha arbeiten und sie beschäftigen, damit ihr nicht noch mehr Unsinn einfiel. Nun wohnten wir ja sowieso nebeneinander, da war es ja ein kurzer Weg, um die liebste Zai zu besuchen! Perfekt!
      Gwen
    • Zaii
      Verspäteter Frühjahrsputz
      Pflegebericht, 29. Mai 2016
      "Zai! So lange wohnst du hier doch noch gar nicht!", jammere Eli herum, während sie mit mir die Stallgasse durchkehrte. Zai hatte uns zu einem Frühjahrsputz eingeladen, wenn auch verspätet. Wir waren so doof gewesen und hatten zugesagt. Allerdings hatte sie es auch "Grillen" genannt, erst als wir bei ihr eintrafen, kam die böse Offenbarung und so putzten wir nun gemeinsam mit ihr die Stallung. Es war schon 18 Uhr und so wenigstens schon etwas kühler, allerdings sorgte Jojo sowieso für genügend Abkühlung, während sie mit den Wasserschlauch wild durch die Luft segeln ließ.
      Aber irgendwann waren wir dann auch mit dem Herrichten des Stalls fertig und auch Elenas Ansprüchen genügte dieser. Elisa schickten wir schon einmal vor, damit sie sich um den Grill kümmerte, während wir restlichen drei nun noch die Pferde reinholten. Lena verteilte derweil das Futter, denn sie war die einzige, die den Futterplan auswendig konnte. "Ich hol die Fohlen! Die sind am süßesten!", meinte Eli und verschwand in Richtung der Jungpferde. "Nur weil die Weide am nächsten ist", murmelte Jojo und verdrehte die Augen.
      Während Jojo so todesmutig war und alle drei Hengste Eisvogel, Adrian und Soul Eater mit einmal in den Stall brachte, nahm ich erstmal nur zwei Stuten. Scylla und Zairina reichten auch schon, ich hatte mal wieder die beiden Zicken erwischt und war sehr froh, als sie hinter Gittern waren. Eli kam halb gebückt und rückwärts laufend die Stallgasse entlang. In der Hand hielt sie Möhren und hinter ihr her trippelten Everbody's Dream, Esteem, Dark Dreamer und Dakan El Assuad.
      "Ey! Das geltet nicht, drei davon stammen immerhin auch aus deiner Zucht!", murrte ich und Dakan war hundertpro nur ein Mitläufer, typisch Kerl halt! Dafür musste Eli noch Stuten mit mir holen. Aber auch da schnappte sie sich Lakim und Talitha. "Also du schummelst heute mächtig!", meinte ich nur und sammelte Imadama und Already ein. Die kleine Damiani ließ ich so mitlaufen und so kamen wir alle heil im Stall an.
      Nachdem dann alle Pferde zufrieden futterten, ging es für uns in Richtung Terrasse. Dort hatten Zai und Jojo schon den Tisch gedeckt und wirtschafteten nun gemeinsam mit Elisa am Grill herum. Zum Glück gab es bereits Salat in allen möglichen Formen, also falls das da mit dem Feuer nicht wurde, würden zumindest Eli und ich satt werden.
      Gwen
    • Zaii
      Goldener Oktober
      Pflegebericht, 12. Oktober 2016

      „Was kann ich dafür, dass Jojo kein Englisch kann?“, keifte Elena entschlossen in die Runde, während Jojo sich hinter Gwen in Sicherheit brachte. Heute hatte ich alle zu einem gemütlichen Frühstück bei mir eingeladen, denn ich wollte meinen Freundinnen eröffnen, dass mein kanadischer Hof nun endlich einen Namen trug (ich war ja schließlich auch erst vor zehn Monaten umgezogen!). Das ganze hatte sich nach der Bekanntgabe des Namens aber nicht ganz so entwickelt, wie geplant: Während Elisa und Gwen mir zu dem wohlklingenden Namen gratulierten, nickte Jojo nur; Elena fand als erste ihre Sprache wieder und hielt nun einen Vortrag darüber, dass ihr über alles geliebter Cressi ja eigentlich auch diesen Namen tragen sollte und dieser deshalb nur ihr alleine vorbehalten war. Tatsächlich gab es eine gewisse Ähnlichkeit zwischen ‚Crescent Acres‘ und ‚Crescant Moon‘, allerdings wusste ich bisher noch nicht, dass Jojo einmal so eine Niete in der englischen Sprache gewesen war, dass in die Halbmondsichel ein A anstelle eines E gerutscht war. „Ups..“, grinste ich nur entschuldigend, als Elena eine kurze Pause einlegte, um Luft zu holen. Jojo hingegen durfte sich den restlichen Vormittag über, so lange erstreckte sich nämlich unser ausgiebiges Frühstück, anhören, dass sie alleine die Schuld an diesem furchtbar schrecklichen Unglück trug und dafür wahrscheinlich auf ewig in der Höhle schmorren musste. Ein Glück, dass Jojo trotz dieser Aussicht noch genüsslich in ihr Brötchen beißen konnte.

      Als es Mittag wurde, versuchte ich die gackernden Hühner dann langsam hinaus zu scheuchen. Den Grund dafür wollte ich lieber noch verschweigen, denn wenn die Damen erfahren würden, dass heute ein neuer Mitarbeiter in eines der beiden Mitarbeiterhäuser einziehen würde, würde ich sie nie mehr loswerden! „Im Gegensatz zu euch, schmeiße ich meinen Hof alleine und habe noch ein bisschen was zu tun“, tadelte ich Elisa und Elena, die schon wieder über irgendein DRP sprachen und anscheinend nicht multitaskingfähig genug waren, um sich zeitgleich die Schuhe anzuziehen. Gwen und Jojo hingegen hatten es immerhin schon auf die Veranda geschafft, auch, wenn sie so schauten, als wollten sie bei dem kalten Wind am liebsten wieder zurück ins warme Haus. „Hopp hopp, Tempo!“, forderte ich noch einmal und warf einen Blick auf mein Smartphone, ein Fan von Uhren war ich einfach nicht. Hugo wollte bereits vor fünf Minuten hier sein und ich hatte ihn beim Vorstellungsgespräch und den zwei Terminen zum Probearbeiten als sehr pflichtbewusst kennengelernt.
      „Unfair!“, „Gemein!“, „Mobbing!“, hörte ich durch die geschlossene Haustür, als diese endlich ins Schloss gefallen war und Elena, Elisa, Gwen und Jojo auf der anderen Seite davon standen. Ich schmunzelte zufrieden vor mich hin, doch scheinbar hatte ich mich zu früh gefreut, denn ich hörte ein Auto die Straße zum Hof entlang rauschen und ein Blick aus dem Küchenfenster verriet mir, dass das tatsächlich mein neuer Bereiter am Steuer des SUVs war. „Nein!“, stöhnte ich auf und eilte zur Haustür. Natürlich hatten die Damen es noch nicht weit geschafft und so standen sie nun in einem kleinen Kreis auf dem Hof und reckten „unauffällig“ die Hälse in Richtung des Wagens. Ich riss die Tür auf und versuchte sie von der Veranda aus, durch wedelnde Armbewegungen, zum Gehen zu animieren, aber vergeblich. Ich kniff die Lippen zusammen und lief dem Wagen entgegen, der gerade geparkt worden war. „Hugo, schön dich zu sehen!“, begrüßte ich den blondhaarigen jungen Mann und schüttelte ihm die ausgestreckte Hand. Er grüßte höflich zurück und schenkte meinen Freundinnen (die immer noch auf dem Hof standen) nur einen kurzen, kühlen Blick. Ich hatte das Gefühl, in einer billigen B-Movie-Teeniekomödie zu sein, denn man hätte mir in diesem Moment sicher nicht geglaubt, dass es sich bei den vier weiblichen Wesen auf meinem Hof um über zwanzig Jährige und nicht um pubertierende Mädchen handelte. Ich entschuldigte mich bei dem Kanadier und versuchte, eine Erklärung für diesen Anblick zu finden, der nicht auf mangelnde geistige Gesundheit deuten ließ, doch ich war mir nicht sicher, ob mir das auch gelang.
      Ich übergab Hugo den Schlüssel für das Mitarbeiterhaus und nachdem er es ablehnte, Unterstützung beim Gepäck tragen zu erhalten, verzog ich mich in den Stall. Die Kommentare von den vieren, die immer noch bei mir rumstanden (hatten die auf ihren eigenen Höfen nichts zu tun?), versuchte ich so gut es ging zu ignorieren. „Hier, aufhalftern!“, kommandierte ich, während ich die Mädels der Reihe nach vor den Boxen von Lakim, Talitha, Siri und Scylla abstellte. Wenn sie hier schon nicht weg kamen, konnten sie sich wenigstens nützlich machen. Eli kannte Siri bereits, stammte die Stute doch aus ihrer Zucht und außerdem hatte sie sie aus schlechter Haltung übernehmen müssen. Auch Gwen, als Stammtrainerin des Hofes, und Scylla hatten sich bereits früher kennengelernt. Jojo hatte ich Lakim zugeordnet, da die Stute problemlos zu händeln war und ich nicht die Schuld daran tragen wollte, dass sie ihren Gips noch länger tragen musste. Ich selbst nahm mir Ima und Ani vor, die beiden Stuten waren seit Amis Ankunft ein traumhaftes Team gewesen und harmonierten auch heute noch sehr. Gemeinsam ging es für die Stuten auf die Weide und während Elisa und Jojo nochmal zurück zum Stall gingen, um die Nachzügler Scylla und Already zu holen, schnappte ich mir mit Elena und Gwen im Weststall Dakan, Dreamie und Adrian. „Er hat sich wirklich gemacht“, stellte Gwen staunend fest und betrachtete meinen Hannoveranerhengst, als dieser über das herbstfarbene Gras galoppierte. Er war mein ganzer Stolz, hatte ich ihn doch, seitdem Elena ihn von seiner Mutter abgesetzt hatte. „Er soll im Frühjahr Litha decken“, eröffnete ich meine Zuchtpläne und sicherte mir dabei gleich noch die Unterstützung von Elena zu, denn im Gegensatz zu ihr, würde das mein erstes selbst gezogenes Fohlen werden.
      Zurück beim Stall waren Elisa und Jojo bereits dabei, ihre Stuten Liluye und Tautou zu betüddeln. Neben Gwens Ameya und Elenas Baila Conmigo standen nur noch Zairina, Esteem und Every im Stall. Anfang des Monats hatte ich mit meinen Stuten die letzten Turniere bestritten, nun war die Turniersaison 2016 zu Ende und die Stuten durften den Herbst mit nur leichtem Training genießen. Während die Mädels für mich die beiden Zweijährigen putzten, machte ich Zairina startklar und nachdem auch die anderen Stuten gesattelt waren, saßen wir vor dem Hof auf. Also.. alle, bis auf Jojo, die führte Tautou nämlich, denn mit Gips ließ es sich eher suboptimal reiten. Ich selbst nahm Esteem neben Zairina an die Hand, Every hatte ich ihrer Züchterin Elena angedreht.
      Kaum hatten wir den Hof hinter uns gelassen, trat das ein, was ich schon viel früher voller Furcht erwartet hatte: „Na, Zai, wer war das denn?“, „Deshalb wolltest du uns also los werden?“, „Du hast uns gar nicht vorgestellt!“, „Erzähl doch mal ein bisschen!“ ich setzte mich an die Spitze der Truppe und tat, als würde ich die schnatternden Stimmen nicht hören, doch schnell war ich wieder eingeholt und so ergab ich mich meinem Schicksal und erzählte, was ich so von Hugo wusste. „Aber bitte verhaltet euch ihm gegenüber nicht, als wüsstet ihr das alles schon!“, setzte ich am Ende noch hektisch an, unsicher, ob meine Freundinnen mir noch zuhörten.
      Nachdem die vieren sich wieder beruhigt hatten, war es eine gemütliche Schrittrunde und somit optimal, um Every und Esteem mal wieder ein bisschen was vom Nationalpark zu zeigen, hatte sich das Training mit den Jungstuten während der Turniersaison doch eher sporadisch gehalten.
      Nach und nach verabschiedeten wir uns, als wir auf dem Rückweg am Pine Grove Stud, der Nahanni Rivers Ranch und Townsend Acres vorbei kamen. Als Elena uns an der letzten Weggabelung verließ, stieg ich ab und ging das letzte Stück zu Fuß, zwei Pferde an der Hand waren mir vom Rücken eines dritten dann doch zu waghalsig gewesen.


      Als mein Hof in Sicht kam, trat eine kurze Panik ein, da ich auf dem Reitplatz ein Pferd entdeckte. Gleich darauf machte ich aber auch Hugo auf dem Rücken von Soul Eater aus und die Panik legte sich. Ich würde mich wohl erst noch daran gewöhnen müssen, dass ich nun nicht mehr alleine auf dem Hof war. Ich versorgte die drei Stuten und brachte sie anschließend zu den übrigen auf die Weide, ehe ich mich an die Bande des Reitplatzes lehnte. Der junge Mann saß heute das erste Mal auf dem Rücken des temperamentvollen Hengstes und noch schienen die beiden nicht zu harmonieren, doch Hugo ließ sich von den Buckelattacken des Schecken nicht verunsichern. Ebenso wenig von mir, war ich doch diejenige, die ihn bezahlte. Ich war mir nicht sicher, ob ich so ruhig geblieben wäre, wenn die Situation andersrum stattgefunden hätte. So aber konnte ich mich sorglos in den Weststall verziehen und mich Eisvogel widmen. Der Isländer und ich hatten eine eher durchwachsene Saison hinter uns und ich hatte schon mehrfach überlegt, ihn in den Ruhestand zu schicken, doch auf der anderen Seite war er doch erst fünfzehn Jahre alt und noch immer ein Prachtkerl.
      Heute longierte ich ihn nur eine Runde und traf anschließend im Stall auf Hugo, der gerade Soul Eater absattelte. „Und, Kampf gewonnen?“, scherzte ich und der Blondhaarige rang sich ein Lächeln zu seiner Antwort ab: „Oui, es ‘at ganz gut geklappt für das erste Mal“ Dass er kein großer Geschichtenerzähler war, hatte ich bereits festgestellt. Dafür hatte er diese fast schon gruselig ruhige Art, die ihn immer besonnen und gelassen wirken ließ. So verlief die restliche Zeit im Stall ruhig, wir brachten die Hengste auf die Weide und bereiten bereits die abendlichen Futterrationen vor. Ich war zugegebenermaßen tief beeindruckt, dass er noch fast alle Futterpläne auswendig konnte, obwohl er das letzte Mal vor zwei Wochen hier gewesen war. Das konnte nicht mal ich, dafür hatte ich sie ja schließlich aufgeschrieben. Zu zweit ging das Ganze auch wesentlich schneller von der Hand, als alleine und so, und auch, weil Hugo angeboten hatte, die Pferde am Abend wieder in die Ställe zu holen, konnte ich mich nachmittags noch an den Schreibtisch setzen. Der Papierkram war in letzter Zeit liegen geblieben; ich hatte es ziemlich vor mir hergeschoben, doch so langsam war mein Schreibtisch nur noch zu erahnen und so musste ich ran. „Ich sollte ernsthaft in Erwägung ziehen, jemanden für den Papierkram einzustellen..“, überlegte ich mir, doch davor wollte ich Alex nochmal einladen, es war schon eine Weile her, dass wir uns das letzte Mal gesehen hatten.
    • Zaii
      Guter erster Eindruck
      Pflegebericht, 23. Oktober 2016

      .. Vielleicht lag es aber auch daran, dass meine lieben Freundinnen mein Haus für mich eingerichtet hatten und deshalb bereits vor mir wussten, wie ich in Kanada wohnen würde.
      Trotzdem hatte ich mich breit schlagen lassen, es den Mädels nochmal vorzuführen, bestimmt würden sie mir nur sagen, welchen Möbeln man bereits die Nutzung ansah, und so wischte ich gerade den großen, dunklen Esszimmertisch, als an der Haustür klingelte. Ich warf den feuchten Lappen mit einer gekonnten Bewegung zurück in das Waschbecken in der Küche, wischte mir die Hände an der Hose ab und eilte zur Tür. Kaum war diese offen, zog mich der Rotschopf, der davor stand, bereits in seine Arme. „Hi, Alex“, nuschelte ich in ihre Lockenpracht hinein und legte meine Arme um den Oberkörper der Halbirin. Als wir die Begrüßung beendeten, entdeckte ich hinter Alex ein zweites, mir unbekanntes Gesicht. „Zai may I introduce Theodor to you?“, sagte Alex und drehte sich um, „Theo reicht vollkommen“, übernahm nun der braunhaarige junge Mann das Wort. Sein Deutsch hatte einen leichten Akzent und es klang, als hätte er die Sprache schon länger nicht mehr verwendet. Kurz war ich verwundert, dann erinnerte ich mich, dass Alex mir bereits in einem Telefonat erzählt hatte, dass Theodor eine deutsche Mutter hatte.
      Ich bat die beiden ins Haus und konnte sie gerade noch rechtzeitig vorwarnen, ehe ich auf dem Hof bereits die Stimmen meiner Freundinnen vernahm. Ein kurzer Blick aus dem Fenster verriet mir, dass gerade Gwen und Elena eingetroffen waren. Dazu gesellte sich Hugo, der von seinem Bungalow auf mein Haus zu hielt. Ich dirigierte Gwen mit ihrem Altair und Elena mit Dark Intention in den Weststall und überließ sie dann sich selbst. Sie hatten ihre Pferde schon so oft hier untergestellt, sodass ich nicht mehr erklären musste, was wo zu finden war.
      Zurück im Haus hatten Alex, Theo und Hugo sich schon bekannt gemacht und waren bereits dabei, den Tisch für das Raclette vorzubereiten. Als Gwen und Elena dazu gestoßen waren, wiederholte sich die Vorstellungsrunde und auch Elisa und Jojo, nachdem sie Ace of Clubs und Vaffanculo versorgt und in die Ställe gebracht hatten, kamen nicht darum und durften sich meinen Mitarbeitern vorstellen. So starteten wir unser erstes gemeinsames Essen und kamen von diesen zu jenen Themen. Hugo und Theo schienen ganz froh, sich gefunden zu haben, denn Alex hatte sich schnell in die Gruppe eingefunden und so wäre es alleine sich schwer gewesen, gegen sechs plappernde und lachende Mädchen anzukommen. Der Abend wurde zur Nacht und irgendwann kam jemand (Elena) auf die glorreiche Idee, die Tequilaflasche aus ihrer Tasche „unauffällig“ auf den Tisch zu schmuggeln. Zu acht dauerte es nicht lange und die Flasche wurde leerer, doch zu unserem Glück hatte auch Elisa noch eine dabei. Und zur Sicherheit stand auch in meinem Kühlschrank noch eine, ups.
      Ich hatte zwar Zitronen besorgt, doch mit diesem wahnsinnig hohen Verbrauch hatte ich nicht gerechnet und so mussten wir bei der dritten Flasche von der Alkohol-Salz-Zitronen-Kombi Abschied nehmen. Glücklicherweise störte uns das zu diesem Zeitpunkt nicht mehr sonderlich. Selbst Hugo, der sich am Anfang geweigert hatte und Gwen, der wir das ganze erst ein wenig schmackhaft machen mussten, saßen mittlerweile lachend und mit geröteten Wangen am Tisch. Bei Theo und Hugo hätte ein Außenstehender bestimmt nicht geglaubt, dass sie sich erst seit wenigen Stunden kennen. Die beiden rissen einen dummen Witz nach dem anderen und während Hugo in nüchternem Zustand das totale Gegenteil des dauergrinsenden Theo gewesen war, zeigte er sich nun von einer ganz anderen, wesentlich ausgelasseneren Seite.
      Irgendwann hatte Jojo einen klaren Moment und kam auf die sinnvolle Idee, dass das Raclette nachts um 1 Uhr auch mal ausgeschaltet werden konnte (das erklärte auch die Hitze, die sich im Esszimmer gebildet hatte), was uns wohl davor bewahrt hatte, nachts betrunken noch einmal mit Strom und Hitze in Berührung zu kommen.


      „Zu den Pfääääärden?“, fragte Elisa. Sie schien kurz zu überlegen, war dann aber der Meinung, dass Gwen damit einen guten Einfall gehabt hatte. Dankbarerweise (zumindest rückblickend betrachtet), konnten Hugo und Theo uns davon abhalten und so verabschiedete Hugo sich kurz darauf in seinen Bungalow, Alex und Theo überreichte ich kichernd und neckend den Schlüssel zu dem zweiten meiner Bungalows. Elena lag bereits auf dem Bauch auf dem Sofa und sang „I have a pen, I have an apple – oh, applepen!“ vor sich hin. Gwen hatte es sich auf dem Teppich vor dem Sofa „gemütlich“ gemacht und lauschte lächelnd ihrem Gute-Nacht-Lied. Jojo war bereits am Tisch eingeschlafen und saß deshalb noch immer auf ihrem Stuhl, den Kopf auf den verschränkten Armen, die auf dem Tisch ruhten. Elisa stolperte mit mir die Treppe hoch, wir schafften es noch in mein Schlafzimmer, doch sich in der richtigen Richtung ins Bett zu legen, war dann doch zu viel Arbeit gewesen..

      „Good morning! Good geschlafen?“, säuselte eine mir bekannte Stimme am nächsten Tag viel zu früh die Treppen herauf. Auch Elisa neben mir drehte sich jammernd und quengelnd um. Dabei landete sie auf meinem Bein, was wiederum ziemlich unbequem war. So war ich wacher, als ich es mir gewünscht hätte, als Alex in das Zimmer trat. „Good geschlafen?“, anscheinend hatte sie es für wichtig gehalten, uns an diesem Morgen mit ihren überzeugenden Deutschkenntnissen zu wecken. Ich versuchte ein Lächeln, Alex‘ Reaktion nach, war es wahrscheinlich aber mehr ein entstelltes Zähne blecken geworden. Sie verließ den Raum und kurz darauf hörte man von unten ein dumpfes Bum, gefolgt von unterdrücktem Lachen. Ich schälte mich aus dem Bett, zog auch Elisa halb heraus und machte mich auf den Weg in das Erdgeschoss. Wow, wer hatte nochmal Treppen erfunden? Ich brauchte um ein Vielfaches länger als gewöhnlich und doch konnte ich unten noch einen Blick auf Jojo werfen, die sich gerade vom Boden aufrappelte und benommen die Leute um sie herum ansah. Verwirrt sah sie auf ihren Arm. Mir blieb der Atem weg. „Bitte nicht!“, meinte ich erschrocken und nahm die letzten Treppenstufen in einem Tempo, das für meinen Kopf wesentlich zu schnell gewesen war. Ich hielt mich am Tisch fest und wartete auf Jojos Antwort, die sich scheinbar erst daran erinnern musste, wie man Wörter bildete. „Äh..“, machte sie, blickte einmal in die Runde, „.. nö!“ Erleichtert ließ ich mich auf einen Stuhl sinken und auch die anderen schienen erleichtert. Nur Alex blickte fragend in die Runde, während sie bereits dabei war, die Teller und Gläser des gestrigen Abends in die Spülmaschine zu räumen. Wir erzählten ihr von Jojos Bruch und stießen anschließend mit stillem Wasser und Kopfschmerztabletten darauf an, dass sie sich den Arm, wenige Tage nach der Entfernung des Gips, nicht schon wieder gebrochen hatte. Das Klirren der Gläser trieb schließlich auch Elisa nach unten, die zudem Hunger zu haben schien, denn noch bevor sie ein Wort gesagt hatte, krallte sie sich eine kalte Kartoffel und bis hinein, als würde sie gerade das beste Gericht ihres Lebens kosten.
      Gemeinsam wurden wir Herr über das Chaos von gestern und gerade, als der Frühstückstisch fertig gedeckt war, kamen auch Theo und Hugo zur Tür rein. Elena setzte bereits dazu an, einen ihrer berühmten Vorträge zu halten, da die Herren ja nicht beim Aufräumen geholfen hatten, wurde aber schnell und unwirsch von Hugo unterbrochen. Verkatert stand er seinem nüchternen Ich also um nichts nach. Nachdem geklärt war, dass die beiden Kerle alle Pferde versorgt hatten, auch Elenas Tiny, konnte gefrühstückt werden.
      Alle machten sich über Rührei, Brot, Speck und Müsli her und man konnte quasi dabei zuschauen, wie das Leben wieder in uns zurückkehrte, denn auch die Kopfschmerztabletten schlugen mittlerweile an. Nur Gwen schien ziemlich verspannt zu sein, der Teppich war wohl nicht so gemütlich gewesen, obwohl er heute Nacht so einladend gewirkt hatte!
      Beim Frühstück hatte man sich darauf geeinigt, dass es eine gute Idee wäre, das Glück um einen kotzfreien Abend weiter heraus zu fordern und so machten wir uns danach auf in Richtung der Ställe. Meine Freundinnen machten ihre Pferde startklar, Alex durfte selbstverständlich ihre Zairina nehmen und Theo und Hugo teilte ich Lakim und Dakan zu, während ich selbst mich für mein Prachtstück Dreamie entschieden hatte.
      Es dauerte nicht lange, da standen wir alle startklar im Hof und saßen auf. Wir hatten uns dazu entschieden, die Mädels nach Hause zu begleiten, so lernten Hugo, Theo und Alex auch direkt die Umgebung des Hofes kennen. So verabschiedeten wir uns zunächst zu Gwen, als diese auf der Nahanni Rivers Ranch von ihrem Tair abstieg und anschließend verließen uns Jojo und Waffel auf dem Pine Grove Stud. Alex staunte sehr über Elisas Townsend Acres, welches wir als nächstes erreichten und kurz schien es, als hätte sie Zairina gerne Säftchen folgen lassen, da Elisa erwähnte, dass sie ein leidenschaftlicher DRP-Messi sei. Den Weg zum Gut Sanssouci, dem Hof von Elena, über, durften wir uns nun Elenas Erzählungen darüber anhören, wie sehr sie unter Elisas Sucht litt und ich hoffte sehr, dass die Geschichten interessanter waren, wenn man sie noch nicht gehört hatte.

      Zurück auf dem Hof halfen Theo und Alex noch, die Pferde auf die Weiden zu bringen, dann verabschiedeten sie sich und auch Hugo schien nach dem gestrigen Abend erstmal etwas Zeit für sich und Abstand zu anderen Menschen zu brauchen. Dies war mir ganz recht, denn mittlerweile machte sich der Schlafmangel der letzten Nacht bemerkbar. So verbrachte ich den Nachmittag über auf dem Sofa, wo mich aber bald eine Nachricht von Elisa aus meinem Mittagsschläfchen riss: „Das nächste Mal ist Hugo fällig!“ Ich hoffte kurz, dass Elisa sauer auf meinen Bereiter sei, doch eine kurze Nachfrage bestätigte mir, was ich befürchtet hatte. Elisa hatte also vor, sich eine weitere Trophäe zu angeln. Von meinem Hof. Keine Ahnung, wie es momentan um Matthew und sie stand, aber das würde sicherlich noch lustig werden!
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  • Album:
    Hengste
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    Zaii
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    21 Aug. 2016
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  • Pferdename Dakan El Assuad (Dakan, arab., "rauchig")
    Rufname Daki

    Von El Davino

    unbekannt x unbekannt
    Aus der Khiara El Assuad
    El Jamarico x Kashida El Assuad

    Rasse Englisches Vollblut
    Geschlecht Hengst
    Geburtsdatum 26. Oktober 2012
    Farbe Classic Champagne
    Stockmaß 171cm

    Genetik Ee aa ChCh

    Dakan El Assuad ist ein außergewöhnliches Hengstfohlen. Allein wegen seiner Abstammung kann man sein zukünftiges Potenzial bereits erahnen. Seine Mutter Khiara El Assuad ist eine Legende des Galopprennsports. Allein offiziell gewann sie viele Turniere, aber vor Allem im Rennverein Joelle Galopp konnte sie sich einen Namen machen. Sie hielt bis zum Ende des Vereins den Bahnrekord und wurde 2012 zum Rennpferd des Jahres gewählt.Aber auch sein Vater El Davino hat schon einige Erfolge feiern dürfen und hat seine Zuchttauglichkeit mit seinem gekörten Sohn El Racino unter Beweis gestellt. Während Khiara eine nicht ganz so umgängliche, kleinere Stute ist, vererbt Davino Ruhe und Größe.
    Sollten sich die Charaktereigenschaften und das Potenzial der beiden Pferde in Dakan so vereinen, wie es bereits im Erscheinungsbild geschehen ist, darf man großes erwarten! Im Alltag zeigt sich Dakan als wahrer Schatz. Natürlich ist er noch verspielt, aber trotzdem bereits zuverlässig im Umgang. Menschenbezogen wie er ist, liebt er sämtliche Aufmerksamkeit und gerade schmusen tut er gerne. Seine Liebe zu Menschen kommt der Arbeit mit ihm zu gute. Sehr enthusiastisch, wenn auch noch von Zeit zu Zeit mit zu viel Eifer, lässt Dakan sich gerne beschäftigen und ist ein dankbarer Partner bei der Arbeit, sowohl vom Boden aus, als auch aus dem Sattel.
    Auf seinen ersten Turnieren zeigte sich der Hengst noch sehr nervös und aufgeschreckt, doch wir sind uns sicher, dass er sich mit etwas Routine auf die gestellten Aufgaben konzentrieren können wird.

    Besitzer Zaii -- Monsterflosse
    Ersteller Monsterflosse
    Vorkaufsrecht Monsterflosse

    Eingeritten Ja
    Dressur S - Springen S - Galopprennen A - Military E

    SW 426
    494. Springturnier | 496. Dressurturnier | 499. Springturnier | 500. Dressurturnier | 503. Dressurturnier | 504. Dressurturnier | 506. Springturnier | 514. Dressurturnier | 514. Springturnier | 515. Dressurturnier | 460. Galopprennen | 517. Springturnier | 518. Springturnier | 519. Dressurturnier | 520. Dressurturnier | 263. Synchronspringen| 524. Springturnier | 525. Dressurturnier | 265. Synchronspringen | 266. Synchronspringen | 528. Springturnier | 267. Synchronspringen | 268. Synchronspringen | 531. Springturnier | 269. Synchronspringen | 533. Springturnier | 536. Springturnier | 542. Springturnier | 547. Springturnier


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    Fohlen

    2 (Abstammung) + 30 (Turniererfolge) + 2 (TA) + 2 (HS) + 2 (Bild) = 38 Punkte