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Sammy

Corde de la cerise

Trakehner | Stute | gekrönt || DR: A (0) | SPR: S** (6) | MIL: A (0)

Corde de la cerise
Sammy, 8 Dez. 2019
    • Sammy
      Berichte aus Ceri's Zeit bei Sadasha
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      Trainingscenter Sportpferdegestüt Jasmund | Dressur E-A
      von Friese
      28. März 2017
      Heute ging es wieder zu Kenneth. Dieses Mal standen zwei andere Pferde an der Reihe. Zum einen Morgane, eine Trakehnerstute, und Corde de la cerise, auch eine Trakehnerstute. Zwei wirklich schöne Stuten, wobei ich Morgane auf den Bildern interessanter fand. Ich würde die Pferde heute abholen, da Kenneth leider selbst sehr eingebunden war und sie mir somit nicht bringen konnte. Ich hatte mir sowohl ein Auto als auch einen Hänger für diesen Tag gemietet und nahm beides nun am Flughafen entgegen. Ich verstaute mein Handgepäck im Wagen und fuhr dann zu Kenneth. Er war gerade dabei die Pferde endgültig fertig zu machen. Das Zubehör hatte er bereits auf zwei Wägen platziert. Ich grüßte ihn und fing gleich an die kompletten Sachen zu verladen. Ich hatte auf Kenneth Hof nur 2 Stunden eingeplant und dies konnte relativ knapp werden, wenn man bedenkt was wir alles machen mussten. Er brachte mir noch zwei Heunetze, welche ich in den Hänger band. Dann ging es auch schon weiter mit Zubehör laden. Kenneth war fertig mit den Pferden und führte sie beide noch zur Beruhigung auf den Paddock. Hier konnten sie sich noch entspannen, während ich und Kenneth den Papierkram klärten. Er übergab mir alle wichtigen Papiere für die nächsten Tage und ich verstaute sie sicher in meiner Tasche. Nachdem wir mit allem fertig waren, holten wir die Pferde und brachten sie in den Hänger. Wir banden beide in Ruhe an und klopften den zweien die Hälse. Kenneth verabschiedete sich von den zweien und ich stieg ins Auto. Wir verabschiedeten uns auch und ich fuhr wieder zurück zum Flughafen. Dort musste ich mit den Pferden erst mal durch einige Kontrollen und als letztes noch selbst einchecken. Ich konnte mich während dem Flug nicht wirklich entspannen, da Kenneth mir die bisherigen Informationen über die Pferde mitgegeben hatte und ich diese nun förmlich studierte. Am Flughafen in der Nähe meines Gestüts wartete Simon bereits auf mich. Wir verstauten meine Sachen im Wagen und holten dann die Pferde mit dem Hänger ab. Nach einiger Zeit bekamen wir die beiden auch und konnten auf unser Gestüt fahren. Dort brachte ich die zwei in den Trainings- und Tierarzttrakt. Ich klopfte ihnen den Hals und gab ihnen ein bisschen Heu. Ich öffnete die Tür für den Paddock und die beiden schauten sich um. Ich verstaute ihr Zubehör und schrieb den vorläufigen Trainingsplan an das Whiteboard im Trainingsstall. Ich schaute nochmal nach meinen privaten Pferden und ging dann ins Haupthaus. Ich aß zusammen mit Simon und den anderen, ehe ich ein letztes Mal nach allen Pferden sah. Simon hatte gemeinsam mit Tyler die Fütterung der Pferde schon vorgenommen, nur Morgane und Corde de la cerise wurden noch von mir gefüttert. Hierfür sah ich nochmal in die Mappe von Kenneth und versorgte sie schließlich. Der Tag war sehr lange gewesen und ich wollte den Pferden nun ihre Ruhe gönnen, zudem würde morgen ein Turnier mit meinen eigenen Pferden anstehen und ich müsste wieder früh raus. Die zwei würden noch drei Tage Pause haben, damit sie sich ein bisschen mehr an alles gewöhnen konnten.

      Die ersten Tage waren schon vergangen und die beiden Stuten hatten sich schon ein bisschen besser an alles gewöhnt. Ich hatte sie schon probegeritten und den Trainingsplan nochmal modifiziert. Heute sollte das richtige Training losgehen und ich wollte zuerst mit Morgane anfangen. Mit ihr würde ich als erstes den Mitteltrab und den Mittelgalopp üben. Dies würde ein paar Tage dauern und ich war mir sicher, dass die Stute auch hin und wieder gegen mich arbeiten würde und sich nicht immer als die liebe Stute stellen würde, aber genau das war klar, denn so hatte sie Kenneth mir schon beschrieben. Ich machte sie fertig und ging zusammen mit ihr auf unseren Dressurplatz. Dort ritt ich sie als erstes warm und dann übte ich noch kurz die Grundlagen der E-Dressur. Die Stute war heute recht gut drauf und machte bis jetzt brav mit. Entgegen ihres eigentlichen Charakters, aber das kam mir ja nur zu gute. Sie verstand schnell, welche Hilfen was zu bedeuten hatte und wie sie auf den Druck reagieren sollte. Die Bewegungen waren noch nicht flüssig und wirklich einfach tat sie sich auch nicht, aber das würde schon werden. Anfangs war es immer schwerer als wenn es dann mal komplett klar war, aber das war auch verständlich. Es brauchte meistens einfach nur diesen Moment in dem der Knoten platzte. Ich übte noch den Mittelgalopp und klopfte ihr schließlich den Hals. Morgane kaute mir die Zügel aus der Hand und ich ritt sie in aller Ruhe noch ab. Ich stieg vom Rücken der Stute und führte sie in den Stall. Dort trenste ich sie ab und band sie vor ihrer Gastbox an. Ich klopfte ihr nochmal den Hals und entfernte dann noch das restliche Zubehör. Als nächstes brachte ich sie auf die Weide und holte im gleichen Zug Corde de la cerise von der Weide. Ich lobte sie und band sie vor der Box an. Ich putzte sie und holte das Sattelzeug. Als nächstes machte ich sie für das Training fertig und führte sie nach draußen. Ich stieg auf dem Platz auf den Rücken der Stute und klopfte ihr den Hals. In aller Ruhe wärmte ich sie auf und übte auch mit ihr das gleiche wie mit Morgane. Sie machte brav mit und tat sich ein bisschen leichter als Morgane. Ich lobte sie und nachdem wir ein bisschen den Mittelgalopp und Mitteltrab geübt haben, ritt ich sie ab. Sie hatte relativ gut mitgemacht und nachdem sie sich leichter getan als Morgane, konnte ich das Training früher beenden als wie mit Morgane. Ich ließ ihr die Zügel lang und sie schnaubte in aller Ruhe ab. Ich führte sie in die Stallgasse und machte auch sie dann für die Weide fertig. Ich brachte sie auf diese und räumte schließlich die Reitsachen auf. Ich fegte noch die Stallgasse und machte den Platz sauber. Simon und ich kümmerten uns um alle Pferde, natürlich zusammen mit Tyler, Joyce, Linus und Mercy. Ich war froh, dass wir so tatkräftige Hilfe auf dem Hof hatten und dadurch, dass wir zu sechst waren ging es auch sehr schnell. Abends holte ich meine zwei Kundenpferde von der Weide und gab auch ihnen noch ihre Portion zu fressen.
      Die nächsten Tage über wurde auch kräftig trainiert. Die Bahnfiguren fielen den Pferden leichtern, als die neuen Gangarten, aber das war meistens so. Hin und wieder hatte ich so meine Probleme mit Morgane und das Training zog sich ein bisschen länger hin als mit Corde. Beide hatten ganz individuelle Probleme und Stärken. Neben den Bahnfiguren, kamen nun auch noch andere Lektionen an der Reihe. Ich berichtete Kenneth regelmäßig und hackte nach jeder Einheit diese auf meiner Tafel ab. Hin und wieder nahm ich meine Trainingsstunden auch auf und schickte sie dann an Kenneth. Ich wollte, dass er genau sehen konnte wie sich seine beiden Pferde entwickelten und er schien darüber auch sehr froh zu sein, wie ich bei einem unserer Skypegespräche merkte.

      Am vorletzten Tag kam dann Kenneth vorbei und ich ritt ihm die beiden Pferde vor. Hierbei konnte er sich ein genaueres Bild davon machen und ich erklärte ihm alles genauer. Ich erklärt ihm auch, dass Morgane noch ein paar Probleme mit der 10 Meter Volte hatte, aber dies würde mit der Zeit und mehr Übung auch klappen. Corde hatte dagegen noch ein paar Schwierigkeiten bei der Schlangenlinie mit vier Bögen. Sie fing hier hin und wieder ein bisschen zum Straucheln an, aber mir war klar, dass sich auch das mit Übung beheben lassen würde. Mir war wichtig, dass Kenneth ihnen diese Sicherheit geben würde, schließlich war es ein Unterschied, ob ich als Trainer auf einem Pferd saß oder der eigentlich Besitzer. Ich konnte die Pferde einfach nicht so individuell fördern wie ich es manchmal gerne wollte, da ich sie einfach nicht zu 100 Prozent kannte und die Pferde mir auch meistens gar nicht so vertrauten wie ihren Besitzern. Bei diesen konnten sie sich also doch noch ein bisschen besser fallen und somit auch los lassen. Das Training würde durch mich also vielleicht noch länger dauern, als wenn Kenneth die Lektionen einfach öfter wiederholte. Natürlich konnte ich als Trainer auch Sicherheit übermitteln, aber es war immer noch ein Unterschied zwischen Trainer und Besitzer. Kenneth und ich packten die Sachen in den Hänger und aßen noch zusammen mit den anderen. Er würde über Nacht noch bei uns bleiben und am nächsten Morgen heimfliegen. Mein Job war jetzt getan und ich stellte noch die Zertifikate aus.

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      Ausbildungscenter Beacon Lodge | Military E-A
      von Rinnaja
      30. April 2017
      Ich hatte einen Anruf aus Kalifornien von einen Kenneth Jenkins der mir sagte, dass ich eines seiner Pferde trainieren sollte in Military. Ich mache mich also auf die Reise. Als ich angekommen war stand Herr Jenkins mit der Stute Corde de la Cerise schon da. Er war grade dabei die Stute zu bürsten und sie für mich fertig zu machen. Ich begrüßte ihn herzlich und Herr Jenkins übergab mir die Stute und machte sein Ding auf dem Hof. Ich begrüßte die Stute kurz und sattelte und trenste sie um anschließend mit ihr ein wenig auf dem Reitplatz zu üben. Ich wärmte sie auf. Aber bevor ich anfing mir ihr ein wenig zu springen guckte ich noch mal ob alles saß und zog nochmal den Sattel fest. Es waren schon ein paar Hindernisse aufgebaut worden von den Leuten auf dem Hof. Mir war es nur recht da es mir die Arbeit erleichterte. Ich nahm ein Hindernis nach den nächsten. Sie zickte zwar rum ab und an und bockte, aber es klappte. Also ging ich mit Corde de la Cerise ein wenig ins Gelände und suchte da nach Hindernissen, die ich auch fand. Ich ritt sie an und Corde de la Cerise sprang diesmal ohne zu zicken rüber das machten wir eine ganze Weile so. Nach fast 40min Arbeit im Gelände ritt ich sie noch ab und wir ritten zusammen nach Hause, wo sie ihr Abendbrot bekam.
      Ich räumte alles weg und ging zum Schluss zu Herr Jenkins um ihm alles zu berichten und ihm zusagen dass sie ohne Problem das Military Training bestanden hatte.

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      Tierarztbericht | Zuchtpferde Check-Up & Grundimmunisierung
      von Cooper
      20. Mai 2017

      Nachdem ich einige Tage zurück auf Chattahoochee Hill's war, kamen weitere neue Aufträge rein. "Duuu! Ich glaube es hat sich rumgesprochen das ich wieder arbeite" rief ich Simon von Büro in die Küche zu. "Ja!. Sehr gut! Ich mache Kaffee, ich frage dich einfach gar nicht ob du einen willst, ich weiß das du immer einen willst". Ich lachte und freute mich sehr auf den Kaffee, Simon machte einfach den besten Kaffee, für mich zumindest. Als er mit das Heißgetränk mit Erdbeeren servierte, zeigte ich ihm die Website von Phoenix Valley und dessen Pferde, die keine spezialisierten Rassen hatten, dafür eine sehr bunte Mischung. "Der Auftrag kommt von Lucius und Kenneth Jenkins, sind Brüder, ihr Sitz ist in Kalifornien" murmelte ich als ich deren Internetseite runter scrollte. "Tja, dann ruf ich mal Miguel an, das ihm ein Flug bevorsteht". Ich fragte Simon nicht ob er mitkommen wollte, da er sowas immer von selbst fragen würde, wenn er lust darauf hätte. Meiner Meinung nach, bekam ihm dieses ganze Fliegen einfach nicht, zudem konnte er Jobmäßig auch nicht. Nicht als zu viele Tage später saß ich im Flugzeug. Miguel kümmerte sich um mich, da ich immer noch unter Flugangst litt. Sein spanischer Akzent half, es war immer wieder amüsant ihm zuzuhören. Vor allem wenn er seine Crew herumscheuchte. Vor der Abreise hatte ich erneut eine neue Kundenakte für die Jenkin's, sowie dokumentations Akte für Corde de le cerise angelegt. Diese überprüfte ich im Flugzeug nochmal, um mich abzulenken und gleichermaßen meine Sucht nach Organisation zu stillen. Der Flug war relativ lang, dennoch gab es keine Zeitverschiebung, was angenehm war. Als ich gelandet war kontaktierte ich zuerst Simon um bescheid zu sagen das alles gut ist und machte mich dann auf den Weg, die ganzen medizinischen Mitbringel zu holen. Erneut hatte auch Miguel alles mit dem Zoll geregelt, so konnte ich ohne Probleme viel mitnehmen, leider musste ich aber das große Ultraschallgerät zuhause lassen, auch die Zentrifuge konnte nicht mit, somit musste ich die Blutproben in mein Labor schicken. Abgeholt wurde ich von Lucius Jenkins. Freundlich begrüßte er mich und fragte ob ich einen angenehmen Flug hatte. Ich erwiderte das er angenehm war, ich jedoch Kopfschmerzen hatte. Lucius starrte auf die Straße und gab mir nach dem beenden meines Satzes, einen Blick indem er nur wenige Sekunden seine Augen in meine Richtung schwenkte und sie dann sofort wieder auf die Straße richtete. "Wieso nimmst du dann keine Tablette" sagte er direkt und in einem sehr selbstverständlichen Ton. Für viele Leute kann das als unhöflich empfunden werden, ich hingegen fand es nicht schlimm, er erinnerte mich an Simon. Ich lächelte und gab zu dass das eine gute Lösung ist. Wir hatten uns darauf geeinigt uns direkt zu duzen, da ich gern mit meinen Kunden auf persönlicher Ebene spreche, als so zu tun als wäre ich was besseres, nur weil ich Möglicherweise mehr medizinisches Wissen habe, was nicht immer stimmte Außerdem war es einfach nicht meine Art. Die fahrt auf den Hof war nicht wirklich lang, die Ankunft war sehr angenehm. Da es schon spät war hatte ich mich nur noch Kenneth vorgestellt und ging dann in das Zimmer, was mir zur Verfügung stand.
      Am nächsten Morgen wurde ich früh von dem Weckanruf von Simon geweckt und machte mich dann, nachdem ich mich zurecht gemacht hatte, auf den Weg die Brüder zu suchen. Es dauerte nicht lange bis in ihnen begegnete und diese mich netterweise zu Frühstück baten. Mit beiden konnte ich mich sehr gut unterhalten, aber Kenneth brachte sehr viele Themen auf, mit denen ich mich selbst gern beschäftigte. Nach dem Frühstück führte mich Lucius zu den Trakehner, der schon einige Erfolge erzielt hatte und ein sehr stattliches Aussehen besaß. Die genannte Corde, war nicht das ruhigste Pferd das ich je behandelt hatte, aber war auch nicht das unruhigste. Was mir auffiel ist das sein Fell sehr stark glänzte und allgemein in diesem Stall und im ganzen Gelände, es sich sehr um das Auftreten und Aussehen gekümmert wurde. Als ich die Stute kennen lernte, stellte ich fest das sie keine Vertrauensprobleme hatte, sich gerne anfassen ließ und unglaublich Aufmerksam war. Nachdem alles geklärt war, fing ich mit der Untersuchung an. Der Zuchtpferdecheckup beinhaltete die Prävention A, somit fing ich an die Nüstern, die Mundhöhle, die Ohren und Augen und deren Reflexe zu begutachten und dokumentierte die Ergebnisse. Unruhig tänzelte die Stute, aber es dauerte nicht lange bis ich sie wieder beruhigen konnte und dann mit der Untersuchung fortfuhr. Die Vitalzeichen, sprich Puls, Atmung, Temperatur und Herzfrequenz waren alle in bester Ordnung, auch nach der Untersuchung nach Parasiten oder Verletzungen am kompletten Körper des Pferdes, war nichts zu entdecken. Somit konnte Immunisiert werden, was schnell, aber nicht ganz kampflos von statten ging, da die Stute sich ausgiebig wehrte. Nach der Prozedur beschlossen wir Sie die Stute ein wenig in Frieden zu lassen, wobei wir das mit der Kontrolle ihrer Grundgangarten verknüpften. Diese waren unglaublich raumgreifend und taktmäßig und kamen elastisch aus der Hinterhand des Pferdes. "Alles wie es sich für ein Trakehner gehört". Zum Körperbau konnte man sagen das Corde das Gesamtbild eines Trakehner erfüllte. Sie hatte große Augen, edles und elegantes Auftreten, trockenen und ausdrucksvollen Kopf, großen Gelenken und die Extremitäten waren korrekt und passten in das harmonische trockene Bild des Pferdes. Weiter erfüllte sie auch die Erwartungen des Stockmaßes und Charakters. Ich dokumentiere alles Rassentypische in die Dokumentation, somit konnten die Brüder diese Merkmale nachschlagen und auf Körungen und Zuchten punkten. Nachdem wir das erledigt hatte, nahm ich noch Blutproben, einmal für ein großes Blutbild und einmal für die Auswertung des Prozentsatzes von Östrogen. Ich lobte die Stute und begutachtete danach das Geschlechtsorgan sowie Gebärmutter, auch hiervon nahm ich Proben. "Rein oberflächlich ist alles super. Ich werde die Proben zuhause im Labor untersuchen lassen, dann wissen wir zu hundert Prozent bescheid" sagte ich. "Nun, es fehlen nur noch die Papiere" lächelte ich und Kenneth händigte mir sie aus. Ich kontrollierte ihre Abstammung, wobei drei ihrer Vorfahren bekannt waren. "Schön, ich sehe mittlerweile viele Tiere, die einen unbekannten Stammbaum haben". Kenneth lächelte und berichtete mir erstmal über die Wichtigkeit der Abstammung. Er hatte sich sehr im Thema verfangen und ich war schon fertig mit dem begutachten der Papiere. Ich tat jedoch so das ich sie weiter lesen und kontrollieren würde, damit er aussprechen konnte. Es fehlte nur noch die Wurmkur, die die Stute nicht gern nahm, aber mit einer Banane gezwungenerweise, nahm. Nachdem Kenneth lobte seine Stute und brachte sie auf die Weide. Wir verbrachten den Tag noch mit dem erkunden ihres Geländes und präsentierten mir noch einige ihrer Pferde. Gegen Abend war das Abreisezeit und ich verabschiedete mich. Die Brüder bedankten sich sehr höflich.

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      Vineyard Farrier | Hufschmiedbericht
      von sadasha
      20. Mai 2017

      Ach Felan… Seufzend musterte ich die Schimmelstute, die ich gerade von der Weide geholt hatte um sie zu putzen. Sie hatte sich mal wieder im Schlamm gewälzt und komplett eingedreckt. „Viel Spaß.“ wünschte mir Isaac, der auf der Stallgasse stand und seine Stute Come Back Cupcake striegelte. Es dauerte eine ganze Weile, bis Felan wieder einigermaßen weiß war. Wenigstens war ihr Langhaar nicht ganz so übel dran, da ich das in weiser Voraussicht eingeflochten hatte. Mit ein bisschen Schimmelspray wurde die Tinkerstute wieder ganz weiß. Zumindest bis auf den Behang, den man für die perfekte Weiße einshampoonieren müsste. Dafür war heute aber keine Zeit und gut für die Haut wäre eine tägliche Waschsession eh nicht. Ich löste den Strick und führte Felan zur Schmiede, wo bereits ein neuer Satz Hufeisen auf sie wartete. Immerhin würde sie bald zur Zuchtzulassung kommen. Da sollte sie bestmöglich ausgerüstet sein. Risikoreduzierung nannte ich das. Da die Stute frisch geputzt war konnte ich sofort mit der Arbeit beginnen. Erst löste ich die alten Eisen und schnitt dann die Hufe sorgfältig aus und schliff sie plan. Immer wieder prüfte ich den Sitz der neuen Eisen und schlug sie auf dem Amboss in die richtige Passform. Erst als ich mir sicher war, dass alles stimmte begann ich damit die Eisen nacheinander aufzuschlagen. Ich war gerade fertig als meine Mutter in die Schmiede kam. Sofort fiel mir der kleine Zettel in ihrer Hand auf, von dem sie sogleich ablas. „Ein Herr Kenneth Jenkins hat angerufen, er brauche einen Hufschmied. Hier ist seine Summer, damit du ihn zurückrufen kannst. Die Telefonverbindung reicht ja nicht bis zur Schmiede, sonst hätte ich ihn dir gleich weitergereicht.“ Ich nickte knapp und nahm den Zettel dankend entgegen. Meine Mutter nahm mir meine stille Art nicht übel. So war ich schon immer und sie wusste dass ich wenn es drauf an kam die richtigen Worte fand.

      „Wann brauchst du mich?“ fragte ich wie immer ein wenig mürrisch, da ich die Jenkins Brüder nicht so gern hatte, wie sie es sich wohl wünschten. „Sobald wie möglich?“ Kenneth hatte meinen Tonfall bemerkt und wirkte gleich dagegen indem er etwas herunterfuhr. „Aber wir richten uns da ganz nach deinem Zeitplan.“ meinte er hastig. Suchend blätterte ich in meinem Planer herum. Eigentlich waren die Tage bespickt mit anderen Unternehmungen. Turniere hier und da, ab und an ein Termin zur Zuchtzulassung, Tierarztbesuche und so konnte die Liste ewig weiter geführt werden. Doch dann fand ich eine Lücke. Ein Wochenende, das ich mir eigentlich für etwas andere frei gehalten hatte. „Nur die eine Stute?“ wollte ich wissen, damit ich besser kalkulieren konnte. Er bejahte und so einigten wir uns darauf, dass ich morgens einfliegen würde und mittags sofort wieder nach England aufbrach. So musste ich kein Hotel mieten und verlor nur einen Tag.

      Gesagt getan. Samstags kam ich auf dem Phoenix Valley Gestüt an wo Kenneth bereits wie geplant auf mich wartete. Er hatte eine langbeinige, dunkle Stute mit vier weißen Füßen an der Hand. „Ist sie das?“ fragte ich noch vor dem Hallo. Stolz präsentierte mir Kenneth sein Goldstück. Er hörte kaum noch auf von ihr zu sprechen. Zwischendrin bat ich ihn um ein paar Hilfen wie zB dem Vorführen der Stute in Schritt und Trab oder dem Ablenken, damit sie mich nicht mehr beim Betrachten der Hufe ablutschte, als wäre ich ein Eis. Ich säuberte die Hufe und schnitt sie anschließend aus. Sie war noch nicht beschlagen. Doch so wie ich di Jenkins Brüder mittlerweile kannte, wusste ich, dass Corde de la cerise einen Teilbeschlag bekommen sollte. Natürlich fragte ich noch einmal nach, bevor ich mir alles für den Beschlag zurecht legte. Ich bereitete zuerst die Hufe auf den Beschlag vor, kürzte die Hufwand noch so weit, dass das Eisen die übrige Strecke bis zum Boden übernahm. Einige Minuten später trug die Trakehnerstute ihre ersten Eisen. „Lass sie noch einmal vorlaufen um zu sehen wie sie sich verhält.“ bat ich und beobachtete aufmerksam. Wie erwartet lief sie ein wenig unsicher. Doch sie fand sich schnell ein und hielt es schließlich nur bei einer etwas höheren Aktion. „Das legt sich auch noch. Sieht nur bescheuert aus.“ erklärte ich Kenneth, der nicht wusste ob er lachen sollte, da ihn der Anblick doch verwirrte.

      Planmäßig kam ich wieder in England an und freute mich wahnsinnig als mir Gine mit Slap Happy entgegen kam, als ich aus dem Wagen stieg. Was für eine tolle Begrüßung, nach so einem ermüdenden Tag! Die braune Stute war die letzte noch tragende Stute dieses Jahr. Sie war wirklich spät dran, sollte aber eigentlich jeden Moment abfohlen. „Wie ist ihr PH Wert heute?“ fragte ich und streichelte Scheppi liebevoll. Gine schüttelte den Kopf. „Da tut sich nichts.“ beteuerte sie. Ein paar Tage würden wir ihr noch geben, bis sie in die Klinik müsste. Aber wir hofften weiterhin nur das Beste.

      Körungsteilnahme
      von sadasha
      21. Mai 2017

      „Eh man, das tat weh!“ beschwerte ich mich, da mein Bruder mir nach einem Wortgefecht gegen die Brust geschlagen hatte. „Nur weil du keine Argeumente mehr hast, musst du nicht gleich ausfällig werden.“ Er lachte nur und wandte sich wieder Corde de la cerise zu, um die sich heute alles drehte. Meine Trakehnerstute war nämlich mehr als bereit für die Zuchtzulassung. „Ich frage mich noch immer, wie du so werden konntest.“ warf ich meinem Bruder an den Kopf und nahm ihm die Zügel meiner Stute aus der Hand um aufzusteigen. Lucius lachte jetzt noch lauter, doch sein Gesichtsausdruck war nicht mehr ganz so von Selbstbewusstsein und Arroganz geprägt. War er verwirrt? Schmunzelnd ritt ich auf den Vorreiteplatz um meine Trakehnerstute warm zu reiten. Als wir aufgerufen wurden betraten wir trabend die Halle und das Publikum wurde schlagartig still. In der Hallenmitte hielt ich meine braune Stute und grüßte die Richter. Im Schritt ritt ich wieder an und führte Cerise auf die rechte Hand. Wir zeigten eine kleine Volte und trabten dann an. Bei der nächsten Gelegenheit ritten wir auf den Mittelzirkel und galoppierten an. Meine Stute war ein wenig angespannt, konzentrierte sich jedoch vorbildlich auf das Wesentliche. Nach ein paar Runden wechselte ich durch den Zirkel auf die linke Hand. Hier ging das Ganze nun in umgekehrter Reihenfolge los. Erst Galopp, dann Trab und schließlich Schritt. Um zur Hallenmitte zu gelanden trabte ich sie allerdings noch einmal an. Im Stand verabschiedete ich mich von den Richtern und verließ im Anschluss die Halle. Draußen ritt ich Corde de la cerise noch ab, bevor ich mich Lucius widmete, der bereits wartete. „Merkwürdige Kür war das.“ bemängelte er kritisch und schob der Trakehnerstute ein Leckerlie zu. „Da wäre ich auch so verklemmt gewesen.“ Ich rollte nur die Augen. „Machs halt besser.“ gab ich zurück. Tatsächlich hatte mein Bruder es noch nicht geschafft eines seiner Pferde kören oder prämieren zu lassen. Genau diese Tatsache fiel ihm wohl in just diesem Moment auch auf. Den Rest des Tages verheilt er sich auffällig ruhig, sodass die Anspannung bis zur Bekanntgabe der Wertnoten noch höher wurde.
    • Sammy
      Eine Herde bekannter Gesichter
      von Occulta
      30.06.2019
      Deadly Ambition, Odyn, Felicita II, Piroschka, Riven in a Dream, PFS' Strolch, PFS' Savory Blossom, PFS' Straight Alignment, Corde de la Cerise, Eismärchen, Blue Moon II, Louvré, PFS' Ljúfa, PFS' Lyskra, Raving Hope Slayer, Co Pilot de la Bryére, Moon Kiddy, Dancing Moonrise Shadows, Iskierka, PFS‘ A Winter's Tale, Empire State of Mind, Senda Oscura, Dourada Estrada, One Cool Cat, Unbroken Soul of a Rebel, Daedra, PFS' Counterfire, Phantom, Mikke, Kaythara El Assuad, All Pride, Nosferatu, Drømmer om Død

      Vor gut einer Woche hatte ich das Team informiert, dass heute «besondere Umstände» unsere unsere Zeit in Anspruch nehmen würden. Die Rede war von der Ankunft einer ganzen Horde von Pferden, die wir von Hunter Crowley und dessen Bekannten übernahmen. Es gab auf den jeweiligen Gestüten eine Umstrukturierung und in Folge dessen waren viele der Pferde zum Verkauf gestanden. Schon vor nicht allzu langer Zeit hatte ich ein paar von Hunters Pferden zu mir geholt, unter anderem den von mir heiss geliebten Vollblüter Raving Hope Slayer. Diesmal waren es aber vor allem Pferde, die ich bereits kannte und die zum Teil sogar auf Pineforest ihre ersten Schritte überhaupt getan hatten. So etwa Savory Blossom, die hübsche Blütenzauber-Tochter. Auch zwei Stromer-Nachkommen waren unter den Rückkehrern: Straight Alignment und Strolch. Auf letzteren war ich besonders gespannt, denn vom Hören-Sagen her glich er seinem Vater auf’s Haar, abgesehen von der leicht dunkleren Fellfarbe. Ally war ein stattlicher junger Hengst mit reichlich Potential für Military, wie ich ihn einschätzte. Piroschka kehrte ebenfalls wieder zurück - sie hatte seit ihrem Verkauf irgendwie ihren Weg zu Hunter gefunden, und nun durfte sie ihre alten Kolleginnen, insbesondere Moon, wiedersehen. Ausserdem war da noch Corde de la Cerise - eine Warmblutstute von, wer hätte es gedacht, Co Pilot. Praktische Grösse, hübsch dunkelbraun mit Dapples und ähnlich sensibel wie ihr Vater. Das war auch einer der Gründe, warum ich sie zu mir hatte nehmen wollen; in fremden Händen wäre ihre Zukunft recht ungewiss gewesen. Da ich aber die Launen und Macken dieser Blutlinie nur zu gut kannte, war ich sicher, damit umgehen zu können. Eine weitere Herausforderung bot sich mit Eismärchen, einer halbblinden Ponystute. Womöglich machte ich mir dazu aber mehr Gedanken als nötig, denn die Stute war laut Hunter unkompliziert und ruhig. Ganz neu war auch Mikado, eine Vollblutstute, die mich rein äusserlich ein wenig an Sympathy of the Devil erinnerte, jedoch charakterlich eher auf der scheuen Seite zu sein schien. Und natürlich der kleine Louvré, den ich schon vor einer Weile gekauft hatte, der aber bis anhin noch bei Hunter auf der Fohlenweide einquartiert war. Zu guter Letzt gab es noch einen Rückkehrer besonders zu erwähnen: Riven in a Dream. Die schwarzbraune Stute war auf dem Bear Brook Gestüt liebevoll umsorgt worden und befand sich körperlich in einem top Zustand. Ich freute mich schon darauf, sie wieder unter dem Sattel zu haben.

      Wir waren schon am Vortag nebst den Routinearbeiten eifrig damit beschäftigt gewesen, die Boxen einzurichten. Ich hatte beschlossen, ein paar Verschiebungen in der Boxenreihenfolge vorzunehmen, damit es bei den Neulingen keine Zankereien mit den benachbarten Pferden gab. Natürlich konnte ich nur raten, wer sich am besten mit wem vertragen würde. Aber meistens hatte ich eine Art Gespür dafür – schliesslich hatte ich es schon öfter mit wählerischen Kandidaten wie zum Beispiel der zuckersüssen Iskierka zu tun gehabt, die ihren ersten paar Nachbaren am liebsten durchs Gitter an die Kehle gegangen wäre und erst Ruhe gegeben hatte, als sie die Box mit nur einseitiger Nachbarschaft, verkörpert durch A Winter’s Tale, bekommen hatte. Das lag vermutlich daran, dass Thalia gegenüber anderen Pferden nicht so aufdringlich war wie viele andere der vierbeinigen Genossen. Jedenfalls hoffte ich, dass sich alle irgendwie arrangieren würden. Vor dem Mittag bereiteten wir nun auch die Transporter vor; den vierplätzigen Camion und zwei gewöhnliche Zweier-Anhänger. Die Fahrt nahmen wir kurz nach dem Mittag in Angriff. Im Nachbardorf trafen wir wie geplant auf Rosie, die ebenfalls zwei Pferde abholen wollte. Unsere Karavane kam ohne tragische Verspätung am Zielort, dem Bear Brook Gestüt, an. Dort wurden wir fröhlich in Empfang genommen, sobald wir organisiert-praktisch auf dem Parkplatz verteilt waren. Um die weniger verladefreudigen unter den Pferden nicht unnötigem Stress auszusetzen, planten wir kurz, wem welche Aufgabe zuteilwurde. Leute hatten wir mehr als genug zur Verfügung. So wurde Schlag auf Schlag ein Pferd nach dem anderen in die Transportvehikel geführt und alles gesichert. Weil wir geschickterweise die mutigeren Kandidaten gleich als Vorbilder voraus verluden, gingen eigentlich alle problemlos rein, sogar die zappelige Cerise. Die Klappen wurden schwungvoll geschlossen und es wurden zufriedene High-Fives oder Schulterklopfen ausgetauscht. «Ich hoffe, wir hören trotzdem bald wieder von euch», wandte ich mich leicht besorgt an Hunter. Der beschwichtigte mit einer Handbewegung und einem Zwinkern. «Keine Angst, wir sind ja nicht von der Welt. Aber in nächster Zeit werden wir nur leider sehr beschäftigt sein.» Ich grinste und nickte wohlwissend, dann verabschiedeten wir uns mit einer freundschaftlichen Umarmung.

      Zuhause wurde es doch noch etwas hektisch. Zwischen dem aufgeregten Wiehern der Pferde und dem tänzelnden Hufgetrappel dirigierte ich so gut es ging die Zweibeiner, während ich selber eine schnaufende Cerise am Strick hatte. Es gab Gequietsche zwischen den neuen Boxennachbaren, und manche der Neulinge drehten zunächst unruhige Runden im Stroh. Als der Heuwagen kam, beruhigte sich die Stimmung deutlich. Ich half noch mit, die Transporter zu reinigen und zu versorgen, dann machte ich eine Kontrollrunde, wobei ich zuallererst zur Fohlenweide stiefelte, um nach Louvi zu sehen. Der junge Hengst wurde wie erwartet aufdringlich beschnuppert und sein helles Fell gründlich inspiziert, aber die Begrüssung schien friedlich zu bleiben. Ich bat Lewis trotzdem, ein Auge auf die Gruppe zu halten. Als nächstes lief ich durch den Innenhof des Hauptstalls und warf einen Blick durch die Fenster. Strolch kaute zufrieden auf seinem Heu herum, aber Ally schien noch immer unruhig zu sein und rührte seinen Haufen nicht an. Ich ging ins Innere des Stalls und betrat die Box des Hengstes. «Hey, big boy. It’s allright, you’re home», murmelte ich, und streichelte seinen dunkelbraunen Hals. Er wieherte mir zum Dank direkt ins Ohr. Ich rieb mir symbolisch die Ohrmuschel und verzog das Gesicht. «Got a tinitus?», lachte Ajith, der mit der Schubkarre durchkam. «Almost…» Der Pfleger kam näher und warf ebenfalls einen Blick in die Box. Dann meinte er: «Don’t worry, I’ll check frequently to see if he’s fine.” Er ahnte, dass ich mir mehr Sorgen als nötig machte, weil ich noch zu genau im Kopf hatte, was mit Allys Vater geschehen war. Ich wusste, dass die beiden Pferde trotz ihrer Verwandtschaft völlig unterschiedlich waren und es bei Stromer einfach Pech gewesen war, aber ich konnte nicht anders als daran zu denken, wenn ich die Nachkommen meines Lieblings so aufgewühlt und gestresst sah. Ich bedankte mich bei Ajith – der Pfleger war in solchen Momenten ein Segen. Mikado und Savory waren ruhig, Riven schien sich auf Anhieb wieder wohlzufühlen. Cerise konnte sich kaum entscheiden zwischen Fressen, Nachbaren beschnuppern und in der Gegend herumglotzen. Ich lachte bei dem Anblick der höchst beschäftigten Stute. Typisch junges Pferd. Wenig später ging ich zur Stutenweide, um Ljúfa zu putzen. Ljúfa und ihre kleine Tochter, um genau zu sein. Das Fohlen war seit ein paar Wochen auf der Welt und bereits ziemlich mutig unterwegs. Sie verlief sich auch öfter mal und folgte dann einer anderen Stute, bis Mama Ljúfa sie mit angelegten Ohren zurückeroberte. Besonders frech in dieser Hinsicht war Chanda. Die Criollo Stute war ein ausgesprochener Fan des Föhlchens und lockte die Kleine jeweils fast schon zu sich. Aber natürlich liess Ljúfa nicht zu, dass das graue, flauschige Ding zu lange von ihrer Seite wich. Anfangs hatte ich die Situation besorgt aufmerksam beobachtet, aber nun waren die beiden aus dem gröbsten raus. Die kleine trug übrigens den Namen Lyskra.

      Gegen Abend wollte ich bereits zum ersten Mal eines der neuen Pferde ausprobieren. Ich entschied mich für Strolch. Sein cremefarbenes Fell war besonders beim Hals vorne ganz weich und hatte einen seidigen Glanz, typisch für Champagne. Vom Farbton her war es dem seines Vaters sehr ähnlich, aber die Haut darunter war an manchen Stellen nicht rein rosa, sondern ganz leicht dunkelgrau gesprenkelt. Von weitem erkannte man das kaum, aber als ich direkt neben ihm stand und mit den Fingern den Nüstern entlangstrich, konnte ich die einzelnen Fleckchen zählen. Strolch spielte mit seiner Oberlippe, als ich den Zeigfinger darauf tippte. Wenig später gähnte er ausgelassen und streckte dabei seine Zunge raus, weil ich eine etwas verspannte Stelle beim Kreuzdarmbein mit dem Striegel traf. Ich massierte dort noch etwas länger und er verzog genüsslich das Maul. «Na du Albino-Giraffe», grüsste Jonas laut, und strich dem jungen Hengst ebenfalls kurz über die Stirn. «Was machst du mit ihm?» «Bisschen auf den Platz, dachte ich.» Ich gab ihm einen Begrüssungskuss. «Ich hab ne bessere Idee.» «Die wäre?» «Ich nehm Empire und wir gehen zusammen zu Rosie rüber. Sie hat uns zu einer Tasse Tee eingeladen.» «Mit Strolch? Er ist gerade erst angekommen, ich weiss nicht, ob das schlau ist…» «Ach was. Das ist nicht anders, als wenn er auf einem Turnier wäre. Sagen wir, ein Patrouillenritt. Oder eine Fuchsjagd.» «’Kay, wenn man es so betrachtet…» «Genau. Ich hab immer recht.» «Stimmt doch gar nicht», protestierte ich lachend, und stupste ihm in die Seite. Wir einigten uns auf einen kurzen Besuch und ich machte Strolch fertig, während er Empire sattelte. Wir liessen die beiden beim Aufsteigen einander beschnuppern – es gab nicht einmal ein Gequietsche. Es schien, als würde Strolch den älteren, erfahreneren Hengst ohne Hinterfragen als Chef akzeptieren. «Cleverer Bursche», murmelte ich und klopfte ihm auf den Hals. Wir ritten los und kamen bis zur Holzbrücke, ehe Strolch dann doch ein wenig Unwohlsein zeigte. Die vom Regen der vergangenen Tage noch etwas feuchten Planken schienen ihm nicht geheuer zu sein. Ich ritt ihn geduldig heran und liess ihn den Untergrund untersuchen, doch auch das überzeugte ihn zunächst nicht von unserer Idee. Schliesslich klappte es, als Empire direkt vorausging und er sich quasi hinter dem Schimmel verstecken durfte. Ich lobte ihn ausgiebig und war froh, ein so wohlerzogenes Lehrpferd an unserer Seite zu haben. Empire konnte zwar auch anders, das wusste ich, aber zumindest im Moment war auf ihn verlass. Wir setzten den Weg fort und kamen in ganzen Stücken bei Rosie an. Die junge Stallbesitzerin empfing uns und wir konnten die beiden Pferde wie gewohnt in zwei ihrer leeren Boxen stellen – derer sie auch nicht mehr so viele hatte, wie ursprünglich. Zwei neue Morgan Horses wohnten nämlich nun auf der Wilkinson Farm, zwei prächtige Tiere. Das eine mit goldgelbem, glänzenden Fell und das andere so schwarz wie die finsterste Nacht. «How do you like them? I must admit - I instantly fell in love when I saw them”, schwärmte Rosie. “They are quite handsome, that’s true. The golden one is a champagne, I suppose?” “Of course. Dourada Estrada. The mottled skin and green eyes are unmistakable. I love that green sheen.” “This is kinda funny. Did you take a close look at my new fellow over there?” Wir wechselten zu Strolch und Rosie musterte ihn neugierig. «He’s a son of Stromer, right?” “Jup.” “He sure looks like his daddy…» «Nah, look at his eyes.” “OH!” Wir lachten herzhaft. “I really didn’t notice – must have been the dim light in here…” “What a coincidence, right?” “Yeah!” Wir blieben noch einen Moment im Stall bei den Pferden (Senda Oscura wurde uns auch noch vorgestellt), dann wechselten wir ins Haus und genossen eine Tasse Tee. Bevor es ganz eindunkelte machten Jonas und ich uns schliesslich auf den Heimweg.

      Bei der letzten Stallkontrolle vor dem Zubettgehen hatte Ally seinen Heuhaufen schliesslich auch ratzeputz aufgefressen, und Savory streckte sich diese Nacht sogar schon entspannt im Stroh aus, was man an ihrem reichlich dekorierten Schweif am nächsten Morgen erkannte. Überhaupt hatten sich viele der Neuen über Nacht schon etwas eingelebt. Wir begannen an diesem Morgen, alle in den gewöhnlichen Tagesablauf zu integrieren. Dazu gehörte natürlich auch Bewegung. Ich ritt am Morgen deshalb nebst One Cool Cat, Rebel, Moon und Phantom auch Riven – allerdings nicht auf der Rennbahn, sondern auf dem Sandplatz. So kurz vor dem Mittag war die Luft schon sehr aufgeheizt und wir schwitzten beide so viel, dass wir nach dem Galopp fast frisch geduscht aussahen. Ich wollte Riven (und mich selbst, mit meiner zarten, bleichen Haut) nicht mehr zu lange der Sonne aussetzen, also verzichtete ich auf allzu ausgiebiges Ausschreiten und steuerte schon den Ausgang an, beziehungsweise Waschplatz. Aber so weit kam ich nicht – mein Smartphone klingelte vorher. Überrascht nahm ich ab. «Cooper?» «Hi Occulta. I have to reorganize my barn and prepare for future breeding projects. Would you like to take back Felicita? And there’s Odyn, too – the son of Mikke. And I have a Mare out of Burning Spring that I’m sure you would like.” “Are you kidding me??” “No, why?..” Ich konnte es nicht fassen – noch mehr Pferde? Die Sonne brannte auf meine Oberschenkel, und Riven scharrte ungeduldig. «Coop?», fragte ich, um zu sehen ob sie noch dran war. «Yes?» «I have to think about it – and discuss with Jonas…” “No Problem. Hey – is it so very hot in England, too? We had to train the horses even earlier in the morning than usual. At eight o’clock it was already 77 °F over here…” “Yeah Cooper, I’m drowning in my own sweat right now. That’s why – let’s hang up, I really need to go take a bath together with my horse”, drängte ich. “Oh my, you’re still out? I’m sitting here with an ice cream, enjoying the fan in front of me.” “Whatever. Bye, I’ll call you back later.” Ich hängte lächelnd auf, dann stopfte ich das Smartphone in die Po-Tasche und ritt Riven zügig zum Hauptstall zurück. Ich sprühte sie gründlich von Huf bis Kopf ab und streifte dann das überschüssige Wasser mit dem Schweissmesser ab. Sie schnaubte ein paarmal und hielt den Hals entspannt waagrecht. «That’s much better girl, right?», murmelte ich liebevoll. Ich wusch mir selbst rasch das Gesicht, dann führte ich die Stute in ihre Box, wo sie bis zum Abend bleiben würde – wir stellten die Pferde im Sommer erst Abends auf die Weide, um sie nicht den Bremsen zu servieren. In der Stallgasse des Hauptstalls war es zum Glück etwas kühler als draussen. Alle Fenster waren geöffnet und eine leichte Brise sorgte für gelegentlichen Luftaustausch. Trotzdem machte ich mir natürlich Gedanken, wie man es den Pferden noch angenehmer machen konnte. Eine Klimaanlage im ganzen Stall kam jedoch leider nicht in Frage – die Stromkosten wären nicht tragbar. Etwas Besseres fiel mir momentan auch nicht ein. Ich begab mich ins Haus, um das Mittagessen, ein Birchermüsli mit Früchten, vorzubereiten. Auf etwas warmes hatte niemand Lust. Zum Nachtisch gab’s dann auch ein Eis. Lily hatte im Supermarkt Wassereis gefunden, in das Gummibärchen eingefroren waren. Unerwartet lecker für ein vermutlich überzuckertes, künstlich gefärbtes Produkt. Ich rollte die Augen beim blossen Gedanken daran und schleckte genüsslich weiter. Beiläufig stellte ich mich neben Jonas und lehnte mich leicht an ihn. Er durchschaute mich sofort. «Was führst du jetzt wieder im Schilde?» «Gar nichts. Verdächtige mich doch nicht immer gleich.» «Dann darfst du mir aber keinen Grund dafür geben.» «…Okay, nächstes Mal. Cooper hat angerufen…» Ich brauchte gar nicht weiterzureden. «Noch mehr Pferde??» Ich stiess ein kleinlautes «Ja» aus. Sein Tonfall wurde ernst. «Wir müssen noch mehr anbauen, wenn das so weiter geht. Der Hauptstall hatte noch nie, seit ich hier bin zumindest, alle Boxen besetzt. Zum Glück ist die Besitzerin von Muskat letztens mit ihm umgezogen, sonst hätten wir sogar eine zu wenig gehabt." "Ich weiss ja... Ich hatte auch nicht vor, so viele aufzunehmen. Aber ich kann doch unsere alten Freunde nicht im Stich lassen! Ich meine - Felicita kommt zurück! Ich kann es kaum fassen, dass ich sie nach so langer Zeit wiedersehe. Ich bin so gespannt darauf wie sie jetzt ist. Sie muss inzwischen richtig erwachsen und zuverlässig geworden sein. Aber sie war sowieso immer schon ein Schatz." "Nichts desto trotz müssen wir aufpassen, dass wir uns nicht zu viel aufhalsen. Vermutlich müssen wir noch einen Pfleger mehr einstellen, und die ganzen Kosten für Tierarztbesuche und Futter darfst du auch nicht vergessen. Bisher kamen wir relativ sorglos über die Runden, aber mit so vielen Mäulern zu stopfen wird das nicht ewig so bleiben." Ich seufzte. Er hatte vollkommen recht, das war mir auch bewusst. Ich sah ihn nicht direkt an, meinte aber: "Die Saison ist noch lange nicht zuende. Iskierka ist dieses Jahr noch stärker als sonst und wir haben mit Counterfire und Daedra gleich zwei ausgezeichnete Jungpferde am Start. Cool Cat und Kaythara sind ebenfalls beinahe ungeschlagen - und vergessen wir mal nicht Raving Hope Slayer, dessen volles Potential wir noch gar nicht kennen. Ich wollte mit Oliver sowieso darüber sprechen, ob wir uns im September mit Counterfire an die St. Leger Stakes in Doncaster wagen können." "Die St. Leger Stakes?? Glaubst du sie hat ne Chance? Das ist ein Gruppe-1 Rennen, und erst noch das älteste der British Classics - Es geht über 2900 Meter! So eine Distanz ist Daedra bisher nie gelaufen." "...und das Preisgeld für den Sieger ist £421,355", stellte ich beiläufig fest. "Und Oliver meint, dass sie das kann?" "Sie ist ungeschlagen, Jonas. Keiner der Zweijährigen konnte ihr das Wasser reichen, und die Dreijährigen können es bisher auch nicht. Oliver wird mir sicher zustimmen."

      "You wanna do WHAT?!?" Oliver sah mich an, als hätte ich mein letztes bisschen Vernunft an die Schwalben unter dem Dach des Hauptstalls verfüttert. "Well, don't you always rave about how she is oh so outstanding and should race group-1?" "That's a completely different story! What you are suggesting ist Great Britain's oldest classic race, the last race of the tripple crown! This is not some freshwater race like the ones that we've done so far. This one is of international importance!" "You fear that she could embarrass you in front of international trainers. You're a coward." "I'm only being realistic!" "I think we should give her a chance to prove herself." "I think you should ask her first, if she wants to run a whole Mile and six furlongs against three-year-olds that were trained specifically for that." "There's still time to train her specifically, too." Schweigen stellte sich für einen Moment ein. Oliver sah nachdenklich aus, und ich überlegte mir, ob ich mit meiner Idee vielleicht doch zu sehr nach den Sternen griff. Schliesslich ergriff Oliver wieder das Wort. "We would have to train hard to achieve this level of stamina. We would have to train her first in the morning, and even then it will still be too warm for that amount of training. You know I will try to fulfill your every wish, but only if you are sure about it. I don't want to hear another harangue from you about how I abuse your precious horsey-babies and about how overambitious I am. You still remember our little discussion after Frame's accident, don't you?" Ich zögerte. "Yes - and you're right, it probably is a stupid idea. I still thought you would be more excited and help me get upbeat about it, too." Er fixierte mich mit ernster Miene. "I AM excited about it. I would gladly try to train a champion horse for a challenge like that. But my experience tells me that you will not let me finish the plan once you realise what you're asking of that horse." Entschieden antwortete ich: "I will. I will agree with whatever you deem necessary, as long as Counterfire does not get hurt in the process. I will keep an eye on you, but I will not blame you if something goes wrong. I promise." "It's decided then. We start tomorrow, we have a lot to catch up on." Ich nickte, unsicher, ob ich erleichtert oder besorgt sein sollte. Auch wenn ich es schönzureden versuchte - ich hatte im Grunde genau das vor, wofür ich so viele andere Rennpferdebesitzer anprangerte: Geldverdienen.

      Später am Nachmittag rief ich Cooper erneut an und bestätigte, dass ich Odyn, Felicita und die Stute namens Deadly Ambition bei mir aufnehmen würde. Ich setzte alle Hebel für den Einflug der drei aus Kanada in Gang, dann ging ich in den Stutenoffenstall, um Shadow zu holen; aber vorher zog ich meine Badesachen an. Die Stute hatte mit ihrem schwarzen Fell noch heisser als die anderen und brauchte dringend eine Abkühlung. Und wo bekam man die besser, als bei der Badestelle im Fluss nebenan? Lily, und auch Lea, die gerade um fünf Uhr gekommen war, stiessen begeistert hinzu. Lea durfte einen Badeanzug von Lily ausleihen. Sie nahm ihren Ponyhengst All Pride, während Lily die ebenfalls dunkle Nosferatu auswählte. Die beiden Ponys kannten sich übrigens bereits von früher: sie hatten ziemlich lange auf dem selben Gestüt gelebt. Kurz bevor wir losreiten wollten, kam Jonas in seinen Badehosen über den heissen Asphalt gejoggt - ausrufend, dass er auch noch mitwolle. Er holte Dod aus dem Nordstall. Wir warteten ungeduldig in der heissen Sonne auf ihn, aber er beeilte sich zum Glück. "Man darf die Ladies nicht warten lassen, stimmt's?" Wir rollten allesamt die Augen, dann machten wir uns auf den Weg. Ich war unglaublich froh, als wir das Wasser erreichten, denn ich klebte förmlich auf Shadows Rücken fest und ihr Fell war richtig heiss zum Berühren. Die Pferde stiegen bereitwillig das Ufer hinunter und auch sofort stampfend ins Wasser. Der Fluss führte trotz der Hitze noch relativ viel Wasser, vermutlich weil es zuvor lange geregnet hatte. Wir genossen die Abkühlung eine ganze Dreiviertelstunde lang, ehe die Vierbeiner ungeduldig wurden und wir uns auf den Heimweg machen mussten. Dort lockte nämlich das Kraftfutter.
    • Sammy
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      ♥-Willkommen, Ceri!
      12. Dezember 2020
    • Sammy
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      Neues Jahr, neues Glück?!
      09. Januar 2020
      Gähnend rollte ich mich herum und schlug auf meinen Wecker, um den nervtötenden Piepston auszustellen. Das blöde Ding hatte seit Neustem eine Macke und schaltete automatisch auf diesen Ton um, anstatt mir meine geliebte Aufwachmusik zu gönnen. Es war Anfang Januar und heute hatte ich mir einen trainingsfreien Tag eingeplant. Auf meinem Programm standen heute diverse Planungen für das Jahr und vielleicht der ein oder andere entspannte Ausritt in das herrlich schneebedeckte Gelände, rund um mein Gestüt. Meine englischen Vollblüter hatten heute Morgen frei, daher konnte ich es mir erlauben, länger im Bett zu bleiben. Die Morgenfütterung bekamen meine Angestellten auch ohne mich hin. Ich drehte mich auf den Bauch, legte den Kopf auf die Arme und ließ das letzte Jahr Revue passieren. Es war einiges vorgefallen. Gutes, wie Schlechtes. Das nun kommende Jahrzehnt war das wohl Entscheidendste meines Lebens. Würde ich den richtigen Mann finden? Würde ich Kinder haben? Wie entwickelte sich das Gestüt und vor allem die Zucht? Würden all meine Verkaufspferde ein schönes Zuhause finden? Und ganz aktuell: Wie würde meine schöne Trakehnerstute HMJ 7786 Elfentanz beim Abschlusswettbewerb des Horse Makovers abschneiden? Letzteres war für meine Zukunft als Trainerin natürlich enorm wichtig. Wer sich in diesem Wettbewerb platzierte, würde mit Sicherheit auch in Zukunft genügend Aufträge bekommen. Und auch die Prestige für mein Gestüt wäre enorm. Allerdings zweifelte ich in letzter Zeit daran, ob mein großes Gestüt der richtige Ort für eine sensible Stute wie Elfentanz war. Ich liebte das Stütchen und sie liebte mich, doch ich war mir nicht sicher, ob sie hier wirklich jemals zur Ruhe kommen konnte. Anderen Pferden gegenüber war Elfentanz noch immer sehr scheu und zurückhaltend und gerade von Hengsten hielt sie überhaupt nichts. Auf Springturnieren glänzte mein Makeoverpferdchen absolut, bei der Dressur gingen ihr noch zu sehr die Nerven durch. Daher hatte ich mich auch gegen die Teilnahme an einem Stutbuchwettbewerb entschieden. Es war einfach noch zu früh. Dafür stand mit meinem Elfentanz bereits morgen das Abschlusstraining für den Aufstieg in die Klasse L der Dressur an. Im Training machte sich Elfentanz ganz wunderbar. Sie war intelligent, arbeitete immer fleißig mit und wollte unbedingt gefallen. Zumal ihre Grundgangarten ein echter Traum jedes Dressurreiters waren. Dennoch - momentan spielte ich mit dem Gedanken, die schöne Stute nach dem Wettbewerb an jemanden zu verkaufen, der einen kleineren Hof sein eigen nannte. Oder jemanden, der noch gar kein Pferd hatte und Elfentanz in einem kleinen, ruhigen Pensionsstall unterbringen konnte. Allein der Gedanke mich von dem jungen Pferd zu trennen, bereitete mir Bauchschmerzen, doch ich wollte, dass es Elfentanz an nichts fehlte. Ich seufzte und schlug die Bettdecke zurück. Dann schüttelte ich den Kopf, um den traurigen Gedanken zu vertreiben. Diese Entscheidung musste ich noch nicht jetzt fällen. Elfentanz hatte in den letzten drei Monaten so viele Fortschritte gemacht, vielleicht lernte sie ja noch, mit dem Trubel der mit einem Gestüt wie meinem nun einmal einherging, umzugehen. Ich sprang unter die Dusche, kuschelte mich in meinen Lieblingspulli und eine Leggins und ging hinunter in die Küche. Dort bereitete ich mir ein leckeres Frühstück bestehend aus Obstsalat, Latte Macchiato und Naturjoghurt zu und setzte mich in mein Wohnzimmer auf die Couch. Dort stand schon mein Laptop bereit. Außerdem bedeckten diverse Blätter meinen Wohnzimmertisch. Unter anderem waren das die Baupläne für mein Gestüt. Der Umsatz im letzten Jahr war - vor allem durch meinen Trainingsbetrieb - ziemlich gut gewesen, daher hatte ich mich entschieden, in neue Anlagen zu investieren. Die ein oder andere davon würde mir mit Sicherheit noch mehr Trainingspferde einbringen und auch das Training mit meinen eigenen Vierbeinern erleichtern.
      Die erste und wichtigste Veränderung war ein Umbau der Stallungen. Da ich mich von vielen Pferden trennte, hatte ich für diese Maßnahme endlich den benötigten Platz. Stuten- und Hengsttrakt würden zukünftig komplett voneinander getrennt sein. Der gesamte Hengsttrakt wurde abgerissen, der Stutentrakt blieb bis auf vier neue Putzboxen mit Rotlichtanlagen so wie er war. Direkt an den Stutentrakt sollte eine Reithalle angebaut werden. Vom Stutentrakt aus, kam man in der Mitte der langen Seite in die Halle hinein. An die kurze Seite bei A sollte es einen zweiten Ausgang geben, der direkt an den Hengsttrakt anschloss. So mussten wir bei Regen, Unwetter und im Winter nicht immer über die gesamte Anlage laufen, um mit den Pferden zu trainieren. Weiterhin sollte es auf dieser Seite meines Gestüts einen kleinen Außenreitplatz und einen weiteren überdachten Roundpen geben. Die Anlagen auf der anderen Seite würden immer noch meine Haupttrainingsorte sein, doch gerade wenn ich einmal Events auf meinem Gestüt veranstaltete, gestaltete sich das alltägliche Training meiner Pferde eher schwierig. Auf diese Art und Weise konnte ich den Weg, der zu Koppeln und Stallungen führte einfach absperren und meine Pferde und Pfleger hätten ihre Ruhe. Die zweite große Neuerung war ein Pferdeschwimmbad. Ich besaß viele Sportpferde, die außerhalb der Wintermonate mehr als zwölf Stunden auf den weitläufigen Koppeln verbrachten. Da waren Verletzungen leider keine Seltenheit. Ganz davon abgesehen, war Schwimmtraining eine hervorragende Methode, um Muskeln aufzubauen. Gerade bei Jungpferden, um sie auf das Einreiten vorzubereiten, aber auch bei Sportpferden, die nach einer Verletzung wieder antrainiert werden sollten. Das Schwimmbad kostete mich fast so viel, wie meine großzügige Reithalle, doch es war schon lange mein Traum gewesen, eine solche Anlage mein Eigen nennen zu dürfen. Die vorerst letzte Neuerung war mein ganzer Stolz, da mir nicht bekannt war, dass es in der näheren und ferneren Umgebung eine solche Anlage gab. Das Training meiner Rennpferde hatte mich in diesem Winter vor größte Herausforderungen gestellt, da die Bahn zur Zeit unmöglich zu benutzen war - trotz dem Spezialboden auf meiner Sandbahn. Deshalb hatte ich beschlossen, eine Indoor-Rennbahn zu errichten. Sie würde die Sandbahn ersetzen. Damit war sie zwar ein wenig kleiner, als meine normale Grasrennbahn, doch ich konnte meine Vollbüter im Winter genauso trainieren, wie im Sommer. Früher hatte ich mit den Vollblütern im Winter einfach andere Trainingsschwerpunkte bearbeitet, zum Beispiel hatten vermehrt Bodenarbeit, Spaziergänge und Dressur auf dem Plan gestanden. Doch seit Successful Dream im Training war, klappte das nicht mehr so wirklich. Die junge Stute wurde fürchterlich unleidig, wenn sie nicht richtig rennen durfte. Und das war bei dieser Witterung nunmal weder im Gelände noch auf der Bahn möglich. Daher hatte das junge Vollblut des Öfteren versucht, in der Halle durchzustarten, was beinahe damit geendet hätte, dass wir beide in der Bande hingen. Seit letztem Jahr hatte ich nun ein weiteres Pferd, das so tickte - Little Miss Backyard. Die wunderschöne Scheckstute war beinahe noch eigensinniger als Dreamy und machte das Training zwar interessant, aber auch ein wenig anstrengend. Die beiden Stuten waren im Moment reine Pulverfässer und das wollte ich im nächsten Winter unbedingt vermeiden. Die Investition, die ich für diese Rennbahn war enorm, doch ich hoffte, damit auch ein wenig Geld reinholen zu können. In den USA flog man seine Rennpferde oft in wärmere Staaten, um sie auch im Winter starten zu lassen. Ich bot nun mit meiner Rennbahn englischen Trainern die Möglichkeit, dasselbe hier zu tun. Außerdem würde ich benachbarten Höfen anbieten, ihre Pferde im Winter entweder bei mir einzustellen oder zum Training herzufahren. Das würde natürlich auch wieder Einnahmen bringen. Die Indoor-Rennbahn würde eine bewegliche Startbox und diverse Tribünen besitzen. Außerdem sollte es Kameras geben, um das Training seines Tieres aufzuzeichnen und zu analysieren. Wenn all diese Vorhaben erst einmal in die Tat umgesetzt waren, würde mein Gestüt definitiv eines der bestausgestattetsten in ganz England sein.
      Ich lächelte bei dem Gedanken daran und klappte dann meinen Laptop auf, um den Fohlenkalender zu öffnen. Im letzten Jahr hatte ich mir endlich meinen Traum erfüllt und zwei Stuten von meinem Spitzenhengst Levistino decken lassen. Der Trakehner war der erste und noch immer einzige Gewinner von Jolympia und darauf war ich mächtig stolz. Die Entscheidung darüber, welche meiner Stuten ich von Levistino decken lassen sollte, war mir absolut nicht leicht gefallen. Die beiden Stuten, auf die meine Wahl gefallen war, waren meine Cremellostute Samiyah und meine Chestnut-Frame-Overo Stute Mahira. Beide hatten eine sehr gute Abstammung und bereits einige Schleifen eingeheimst. Außerdem erhoffte ich mir durch ihre Fellfärbung interessante Farben für die beiden Fohlen. Weiterhin war mein absoluter Liebling - Levistino's Enkelin Leveneza trächtig von meinem Trakehnerhengst Cadeau. Ihr Fohlen würde als deutsches Sportpferd eingetragen werden und hoffentlich die Talente seiner Eltern erben. Und dann war da natürlich noch Corde de la Cerise. Occulta hatte die schöne Stute im letzten Jahr von Levistino decken lassen, was bedeutete, dass ich noch ein reinrassiges Trakehnerbaby erwartete. Auch meine beiden Hannoveranerstuten Unannounced Pleasure und Reminiscent Inspiration waren hochträchtig. Während Reminiscent Inspiration von meinem Hannoveranerhengst Incendio gedeckt worden war, hatte ich bei Pleasure meine erste Vollblut-Warmblut-Paarung vorgenommen. Die wunderschöne Buckskin-Tobiano Stute war trächtig von meinem erfolgreichen Vollbluthengst Pawaneeh, der durch seine hervorragende Abstammung glänzte. Auf dieses Fohlen war ich besonders gespannt.
      Aber natürlich würde ich auch einige reinrassige Englische Vollblutfohlen bekommen. Meine Stute Backup war ebenfalls trächtig von Pawaneeh und meine geliebte Kazumi Princess El Assuad, der Nachkomme der berühmten Khiara El Assuad, war trächtig von meinem Rapphengst El Racino. Dies bedeutete, dass hoffentlich bald acht niedliche Pferdebabys meinen Hof bevölkern würden. Die Termine waren von Ende Januar bis Mitte März angesetzt und ich war sehr gespannt, ob meine Stuten sich daran halten würden. Ich checkte die Termine für die Kontrolluntersuchungen der Stuten und nahm mir vor, gleich heute nach den Abfohlboxen zu sehen. Man konnte ja nie wissen, ob eine der Stuten auf die Idee kam, ihr Baby früher auf die Welt zu bringen. Eigentlich hätte ich auch Successful Dream gerne decken lassen, doch die Stute war mir noch zu unausgelastet, um Mama zu werden. Vielleicht würde sie im nächsten Jahr ihr erstes Fohlen bekommen. Ich träumte noch eine Weile vor mich hin und stellte mir die acht niedlichsten Pferdebabys vor, die meine Fantasie hervorbringen konnte. Insgeheim träumte ich ja von einem Silver Buckskin aus der Anpaarung von Levistino mit Samiyah, doch diese Chance war extrem gering. Außerdem wollte ich mit den Fohlen Geld verdienen, was bedeutete, dass ich sie verkaufen musste. Und das würde mir auch schon ohne außergewöhnliche Fellfarben schwer genug fallen...

      ~*~

      "Sammy?! Sagmal, kommst du heute auch mal noch nach draußen? Ich hab Holly und Elfentanz gesattelt. Komm schon, wir wollten doch ins Gelände!", weckte mich Edward, indem er an meine Haustür hämmerte. Ich schreckte von der Couch hoch und wankte zur Tür. Mist, da war ich doch einfach wieder eingeschlafen. Ich rieb mir die Augen und öffnete die Tür. Edward strahlte mich an und zog dann die Augenbrauen hoch. "Ähm Sammy, du hast da Tinte im Gesicht, weißt du?", grinste er. Ich wurde rot. "Ich hab über Fohlennamen nachgedacht und muss dabei eingeschlafen sein.", gab ich zu. Edward rollte nur die Augen. "Reitest du so aus? Ich meine, Elfentanz lässt dich sicherlich auch in dem Aufzug auf ihren Rücken, aber ich stelle mir das doch ein bisschen kalt vor.", zog er mich auf. Nun war es an mir, die Augen zu verdrehen. "Gib mir zwei Minuten, ich komme gleich.", rief ich, während ich schon auf dem Weg nach oben war.
      Kurz darauf stand ich dick eingepackt neben meinem Elfenpferd. Die junge braune Stute schnoberte mich liebevoll ab, als ich behutsam nachgurtete und ihr über den inzwischen recht muskulösen Hals strich. Edward saß bereits auf meiner Trakehnerstute Hollywood Undead II, die zu Elfentanz bester Freundin geworden war. "Wenn du dann mit deinem Liebesgeflüster fertig bist, könnten wir vielleicht los? Ich friere ja schon auf Holly fest.", maulte Edward gespielt genervt. Ich rollte nur mit den Augen, schwang mich auf Elfentanz' Rücken und ließ die Stute sofort antreten. Holly trabte ruckartig an, um zu uns aufzuschließen, was Edward unsanft durchrüttelte. "Blöde Kuh!", schmollte der, aber ich lachte nur. Edward's Eltern hatten Geld wie Heu, hatten ihn aber rausgeschmissen, weil er seinen Job in einem renommierten Stall hingeworfen hatte. Ich hatte den jungen Mann kennengelernt, als ich Elfentanz nach Hause gebracht hatte und ihm angeboten, auf meinem Gestüt mitzuarbeiten und dafür kostenlos hier zu wohnen. Mittlerweile war Edward mein bester Freund. Dass er schwul war erleichterte die ganze Sache, denn alle Mädchen, die ich kannte, verknallten sich sofort in den gut aussehenden Mann. Wir ritten vom Hof in Richtung Heide. Dort war ich im Winter nicht allzu oft, da man aufgrund der Witterung meist nur im Schritt reiten konnte, doch heute stand sowieso nur ein gemütlicher Spazierritt auf dem Plan. Elfentanz schritt ruhig vorneweg und ich konnte kaum glauben, welch große Fortschritte die Stute in den letzten drei Monaten gemacht hatte. Sie war so sehr über sich hinausgewachsen, wie es ich niemals erwartet hätte. Als ein Vögelchen aus einem Gebüsch flog, zuckte Elfentanz kurz zusammen und richtete beide Öhrchen nach hinten, um auf mich zu lauschen. Ich klopfte ihr beruhigend den Hals und es ging weiter. Früher wäre die sensible Stute in solchen Momenten völlig ausgeflippt. Wenn sie so weitermachte, wurde sie noch zum echten Verlasspferd. Das wäre bei ihrer Vergangenheit ein richtiges Wunder.
      Nach fast zwei Stunden kehrten wir auf das Gestüt zurück und versorgten Holly und Elfentanz umsichtig. Die zwei durften gemeinsam auf einen der größeren Paddocks, während ich mal einen Rundgang durch meine Stallungen machte. Heute begann ich im Hengsttrakt. Levistino und Cadeau waren gerade mit Samuel und Donald draußen im Gelände. Brian arbeitete mit seinem Liebling Amayyas in der Halle an ein wenig Bodenarbeit und Patrick ging mit Incendio spazieren. Somit waren die ersten beiden Hengste, die ich begrüßte, der Holsteiner Fantastic Fly und das deutsche Reitpferd Pride & Prejudice. Ich strich beiden über die samtenen Mäuler und ging dann weiter. Pawaneeh und El Racino standen gemeinsam mit Ojos Azules und Negresco auf der Koppel. Die vier Hengste verstanden sich recht gut und ich war sehr froh, dass Racino endlich Artgenossen gefunden hatte, mit denen er auskam. Weiter ging es zu Damon's Dynamo, Khamar al Sanaa und Shamal. Letzterer war heute so liebesbedürftig, dass er mich am liebsten gar nicht mehr gehen lassen wollte. "Heute Nachmittag mache ich auch mit dir einen schönen langen Ausritt, versprochen, mein Hübscher!", tröstete ich ihn, als ich meinen Rundgang fortsetzte. Die Ponyhengste Roi du Soleil, Hollybrook's Cheeky Jot, Rumpelstielzchen, Darkwood's Storm Dancing Feather und GE's Ljósfari begrüßten mich ausgelassen. Auch bei PFS' Artic Alinghi verbrachte ich ein wenig Zeit. Das süße Miniature Horse war mittlerweile fast ausgewachsen und versprach ein wunderschöner Hengst zu werden. In diesem Frühjahr würde ich bei ihm mit dem Dressurtraining beginnen und ihn dann langsam auf eine passende Hengstkörung vorbereiten. Die beiden Westernhengste Dissident Hawk und Golden Indian Summer standen ruhig gemeinsam auf ihrem Paddock und beobachteten das Treiben um sich herum. Im Frühjahr würden sie alle in provisorische Stallungen umziehen, damit der Stall umgebaut werden konnte. Doch noch hatten sie ihre wunderschönen Boxen mit den dazugehörigen Paddocks. Ich blickte mich ein letztes Mal im Hengststall um und ging dann weiter zu den Stuten. Dort begann ich bei den Westernpferden. Meine Criollo's PFS' Devil in Prada und Arriba schmusten ein wenig mit mir, während meine Paint Horse Stute My Golden Heart mich völlig ignorierte. Die schöne Stute war sehr aufmerksamkeitsbedürftig und scheinbar hatte ich ihr in letzter Zeit zu wenig davon gewidmet. The Morticains Daughter und Your possible Pasts standen zur Zeit sehr gut im Training und auch mein Nachwuchspferdchen Grace's Cookie 'n Cream machte sich gut. Die Welsh D Stute PFS' Daydream of Money war nun auch allmählich so weit, angeritten zu werden und ich war sehr gespannt darauf, ob sie so gut zu Roi du Soleil passen würde, wie ich mir das vorstellte. Meine beiden absoluten Lieblinge bei den Stuten waren aber das Trakehnerfohlen Jeune Mariée, die zu einer wunderschönen, eleganten Stute heranwuchs und mein Araberfohlen PFS' Isis. Im Grunde liebte ich sie jedoch alle. Picturesque Diova war wunderschön geworden und auch PFS' Beck's Little Diva und PFS' Glenn's Cookie brachten meine Augen zum leuchten. Beide hatten sich zu einmalig schönen Ponys entwickelt und würden meine kleine Nebenzucht um ein Vielfaches bereichern. Ich ging weiter und erreichte mein neuestes Pferd - Pashmina. Sie sollte die Partnerin für meinen Berber Amayyas sein und ich konnte noch immer kaum glauben, dass die edle Stute endlich mir gehörte. Als ich die Box von Where's Sleep erreichte, war ich nicht überrascht, die schöne Stute mit dem traumhaften Langhaar drinnen vorzufinden, während die meisten anderen Pferde den Nachmittag auf ihren Paddocks verbrachten. Sleepy wurde nicht gerne nass oder dreckig und hielt sich im Winter daher lieber drinnen auf, als draußen herumzutollen. Das war für mich völlig in Ordnung, Hauptsache war, dass die Stute die Möglichkeit bekam, nach draußen zu gehen. Meine Traberstuten Rainbow und Ehawee standen gemeinsam auf einem Paddock, da sie ziemlich unzertrennlich waren. Erst vor kurzem hatte ich entschieden, die beiden doch erst einmal zu behalten. Irgendwie träumte ich eben doch von zwei reinrassigen Dynamo-Fohlen. Cuchara tollte draußen herum und schenkte mir daher weniger Beachtung, aber dafür kamen meine beiden Araberstuten Saddy und My lovely Horror Kid sofort herein, als sie mich kommen hörten. Auch meine Ponys freuten mich, dass ich sie besuchte - obwohl ich das ja jeden Tag tat. Rosewell legte mir den Kopf auf die Schulter und Magical Moment drückte mir ihren Kopf gegen die Brust. Das hatte das wunderschöne Tier schon getan, als sie zu mir auf den Hof gezogen war und seitdem war es ihr Markenzeichen. Allerdings hatte sich mein Goldpferdchen vor zwei Wochen verletzt, weshalb sie nicht mit den anderen Ponies hinaus auf die kleine Koppel durfte. Dort standen also im Moment nur Naboo, Fairylike Facility, Aimiliani, Thousand Sunny, Isola della Pirateria, Porcelain Doll und Miniature America's Narnia. Meine englischen Vollblutstuten standen dafür alle in ihren Boxen, beziehungsweise auf den Paddocks. Princess und Backup würden demnächst in den Abfohltrakt umziehen, damit sie mehr Ruhe hatten. Für Dreamy, Kagami El Assuad, Ace of Spades, Success Story xx, Pirate's Pride, Bearing Spots, PFS' Storm Cat und Little Miss Backyard ging es dagegen mit dem gewohnten Training weiter. Die letzten drei sollten auch gleich Anfang des Jahres bei einem Suttbuchwettbewerb mitmischen, den sie sicherlich erfolgreich absolvieren würden. Nun fehlten nur noch meine heißgeliebten Warmblüter. Natürlich machte ich erst Halt bei meinen hochträchtigen Stuten Corde de la Cerise, Unannounced Pleasure, Samiyah, Mahira, Reminiscent Inspiration und Leveneza. Auch diese sechs Stuten würden demnächst umziehen, damit sie ihre Ruhe hatten. Lamira, Cassidy, Wild Lady Roxanne, Coeur de Lilith und Hollywood Undead II sollten dagegen weiterhin bei den Winterturnieren um den Sieg kämpfen. Vor allem auf Lilith war ich unsagbar stolz. Ihr erstes Fohlen konnte ich kaum erwarten, doch das war frühstens nächstes Jahr soweit, da die junge Stute erst vor kurzem gekrönt worden war. Ich ging weiter und öffnete die Tür zum Abfohltrakt. Alle acht Boxen waren bereits vorbereitet und dick eingestreut. Außerdem war die Wächter-Kammer geputzt und aufgeräumt. So nannten wir das kleine Zimmer, in dem in der heißen Phase immer einer von uns schlafen würde, um die Stuten zu beobachten, ohne sie zu stören. Ich lächelte. Meine Mitarbeiter hatten an alles gedacht und alles vorbereitet, bevor ich auch nur ein Wort sagen musste. Was konnte man sich als Arbeitgeber schon mehr wünschen?
      Als letztes machte ich einen Abstecher zu meinen Verkaufspferden. Auch wenn ich sie verkaufte, bedeuteten sie mir unglaublich viel. Daher tat ich mich bei manchen auch recht schwer, einen Besitzer auszuwählen. Dennoch hatten mich im letzten Jahr einige Pferde verlassen. Noch hier waren aber Hollybrook's Barakah al Sanaa, Candle in the Wind, Girlie, Apaches Tomahawk, Hollybrook's Tiny Girl, Hollybrook's Fairy Bluebird, Hollybrook's Zarin, Cirilla, Middle Ages, Ivory, Wannabe, Pangäa, Chaira, Napayné, Glammy, Eddi's Dead Pop Romance, Dream of Wyoming, BB's Harmony, Wüstentänzer, Juego, Pirate Island, American Baby, Hollywood Undead, Kolibri, Dorina, Branagorn, Hollybrook's Casanova, Hollybrook's Classic Moment, Hollybrook's Bloody Valentine, BMs Caradoc, Black Soul, Angels Fall First, Someone, Mizzi, Pierre, Salwa, Sharley, Little Miss Sunshine, Golden Flair, Precious Scream und Adina De Ra'idah. Dieses Jahr mussten sie unbedingt einen geeigneten Platz finden, denn ich brauchte den Platz für meine Zucht und die neuen Fohlen...
    • Sammy
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      Es geht los!
      20.-27. April 2020
      Aufgeregt flogen meine Augen über den Bildschirm meines Laptops, als ich die heiß ersehnte E-Mail vom Veranstalter des diesjährigen Horse Makeovers las. In diesem Jahr sollte sich im Vergleich zum HMJ 2019 einiges ändern. Die Tiere stammten dieses Mal nicht von der Pferde Mafia, sondern waren vom Tierschutzverein auserwählt worden. Einige hatte man aus schlechter Haltung gerettet, andere waren beim Verein abgegeben worden. Aber auch für uns Teilnehmer gab es viele Neuerungen. Zum einen waren die Pferde diesmal schon im Vorfeld vorgestellt worden, zum anderen hatte man sich auf ein bestimmtes Pferd bewerben müssen. Obwohl ich unbedingt wieder Teil dieses großartigen Projekts hatte sein wollen, stand für mich von Beginn an fest, dass ich mich nur für ein Pferd bewerben würde, das zu meinem Gestüt passen würde. Im letzten Jahr hatte ich mich nämlich so sehr in meine Elfentanz verliebt, dass ich sie um nichts in der Welt wieder abgeben würde. Daher waren nur einige wenige Tiere für mich in Betracht gekommen. Als ich jedoch das Bild der feuerroten Vollblutstute HMJ Blessing gesehen hatte, war ich sofort überzeugt gewesen. Diese Stute sollte es sein. Laut der Beschreibung war Blessing ausgesetzt worden und man vermutete, dass sie früher auch schon Rennen bestritten hatte. Das bedeutete, dass ich es in diesem Jahr nicht mit einem komplett rohen Pferd zu tun haben würde. Seit meiner Bewerbung für Blessing war nun beinahe ein Monat vergangen. Ich hatte keine Ahnung, wie meine Chancen standen. Zwar hatte ich mich im letzten Jahr ganz gut geschlagen, doch ich hatte auch gehört, dass es gerade für Blessing mehrere Bewerber gab. Zu Beginn der Mail gab es einige einleitende Worte und Informationen, doch dann fiel endlich der Satz, auf den ich gehofft hatte: "Samantha O'Neill, das Horse Makeover Team freut sich, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass wir Sie als Trainerin für HMJ Blessing ausgewählt haben!" Ich strahlte. "Ana! Ana, komm doch mal!", rief ich ausgelassen. Kurz darauf rauschte eine kleine blonde Frau in mein Büro und blieb atemlos vor mir stehen. Ein Blick in mein leuchtendes Gesicht genügte. "Du bist dabei!", rief sie freudig. Dann umarmte sie mich stürmisch. Nach und nach kamen auch die Jungs herbei, die gerade mit der Stallarbeit beschäftigt gewesen waren. "Was ist denn hier los?", fragte Donald grinsend. Er fand uns Mädels immer ein wenig albern. Doch auch der rothaarige Trainer strahlte, als wir ihm die guten Neuigkeiten mitteilten. "Was schreiben sie denn noch? Wo und wann holst du Blessing ab?", fragte Brian, der ruhigste meiner Angestellten. Ich errötete. "Ich hab‘ ehrlich gesagt noch gar nicht weiter gelesen. Wollte euch erst die frohe Botschaft übermitteln.", lachte ich. Also drängten wir uns alle vor meinem Laptop, um die Mail zu Ende zu lesen. Momentan befanden sich alle Pferde des Makeovers auf der Lindö Dalen Stuteri in Schweden. Dort fand auch die Eröffnungsveranstaltung des Makeovers statt und wir hatten dann eine Woche Zeit, um unsere neuen Schützlinge auf die Heimreise vorzubereiten. Das gefiel mir ausnehmend gut. Ich kannte zwar die knappe Charakterbeschreibung von Blessing, doch niemand der Anwesenden hatte bisher mit dem jungen Pferd gearbeitet, also konnte auch niemand sagen, wie weit das Vollblut in ihrer Ausbildung war. So konnte ich mein Stütchen erst einmal kennen lernen, bevor ich es auf die stundenlange Reise nach England mitnahm. Außerdem war ich froh über die vergleichsweise kurze Entfernung von England nach Schweden. Die letztjährige Rückreise von Canada war doch recht strapaziös gewesen. Ich lächelte und klappte dann entschlossen meinen Laptop zu. Nun hatte ich einiges zu tun, um meine Abreise und natürlich Blessing’s Ankunft vorzubereiten.

      ~*~

      Montag – 20. April 2020
      Eine knappe Woche später kam ich mit meinem Pferdetransporter auf der Lindö Dalen Stuteri in Schweden an. Die Fahrt war lang gewesen, aber im Grunde genommen hatte ich sie genossen. Es war schön einmal ganz ohne Stress im Auto zu sitzen. Ana hätte mich am Liebsten begleitet, doch auf dem Gestüt zu Hause lief die Fohlensaison auf Hochtouren, daher war meine rechte Hand dort unentbehrlich. Für mich selbst war es auch nicht ganz einfach gewesen, mich eine Woche aus der Planung herauszunehmen, aber um nichts in der Welt hätte ich mir die Teilnahme am Makeover nehmen lassen. Außerdem hatte ich meinen Laptop dabei, um mein geliebtes Team über alles zu informieren, was hier passierte. Aber natürlich auch, um selbst zu erfahren, was zu Hause auf dem Gestüt so los war. Als ich mein Auto abstellte, wurde ich von einer jungen Frau begrüßt, die mich sofort zu den Ferienhäusern führte und mir mein Heim für die nächste Woche zeigte. Ich bedankte mich, stellte meine Sachen ab und verschwand dann erst einmal unter die Dusche, um mir nach der langen Reise ein wenig Entspannung zu gönnen. Anschließend zog ich mich in aller Ruhe um und schlenderte ein wenig zwischen den Ferienhäusern umher. In einer knappen Stunde würde das Makeover offiziell beginnen und ich konnte es kaum noch erwarten, endlich Blessing zu treffen. Ich traf einige bekannte Gesichter, die ich bereits von diversen Turnierplätzen, Trainingsrunden und natürlich dem letzten Makeover kannte und so verging die Zeit doch wie im Flug. Ich nahm meinen Platz ein und blickte gespannt zu dem Podest, das im Vordergrund aufgebaut war. Nach einer kurzen Ansprache von Nicolaus du Martin wurde auch schon das erste Pferd herangeführt, ein schöner Schimmel. Die neue Besitzerin hatte ich bereits im letzten Jahr kennengelernt, wir waren harte Konkurrenten gewesen. Außerdem hatte sie in diesem Jahr Zwillingsfohlen von meinem geliebten New Forest Ponyhengst Hollybrook's Cheeky Jot gezogen. Als nächstes folgte eine schöne Scheckstute, die an Occulta Smith ging. Die junge Frau führte ihr Gestüt Pineforest Stable - genau wie ich Meines - in England und wir hatten uns schon des Öfteren gegenseitig Pferde verkauft. Außerdem stammte ein Großteil meiner American Miniature Horses aus Occu's Zucht und im letzten Jahr hatte ich es endlich geschafft, eines ihrer begehrten Vollblut-Zuchtfohlen zu ergattern. Auch Caleb O'Dell, der einen interessant gefärbten Schecken in Empfang nahm, kannte ich bereits. Caleb hatte sich bereit erklärt, dass Training meines Nachwuchs-Paint-Horses Grace's Cookie 'n Cream zu übernehmen und war auch beim letzten Horse Makeover schon dabei gewesen. Die nächsten drei Pferdeübergaben bekam ich nur noch verschwommen mit, denn ich hatte im Hintergrund einen großrahmigen Fuchs mit großen weißen Abzeichen entdeckt. Das musste Blessing sein! Tatsächlich wurde ich gleich darauf erwähnt und man übergab mir den Führstrick der schönen Stute. Blessing war hochgewachsen und hatte ein feines Gesicht, mit großen braunen Augen. Sie wirkte zu dünn und ihr Langhaar war stellenweise verfilzt, doch ich war auf den ersten Blick verliebt. Ich zupfte leicht am Strick und das Vollblut folgte mir gehorsam auf die Seite, wo sich bereits die anderen Teilnehmer mit ihren Pferden aufgestellt hatten, um sich den Rest der Rede anzuhören. Blessing's Augen blitzten ab und an ängstlich, ansonsten schien die junge Stute jedoch eher teilnahmslos. Nun ging es um die Unterbringung unserer Tiere, während dieser ersten und so wichtigen Woche und ich hörte aufmerksam zu. Wir durften sämtliche Trainingsanlagen des Lindö Dalen Stuteri benutzen. Außerdem kamen die Pferde auf die Weiden und wurden mit selbst angebautem Heu versorgt. Das war vielleicht mal ein Luxus. Ein erster Blick auf Blessing hatte in mir allerdings auch schon den Entschluss geweckt, die Stute zusätzlich mit Kraftfutter und speziellen Vitaminen zu versorgen, damit sie ein wenig an Gewicht zulegen konnte. Um die quasi nicht vorhandenen Muskeln würden wir uns dann nach und nach zusätzlich durch schonendes Training kümmern. Zuletzt stellte sich noch ein Mann namens Benni Becks vor, der beim Tierschutz arbeitete. Ich sah überrascht auf. Das war neu. Benni würde sowohl angekündigte, als auch unangekündigte Kontrollbesuche vornehmen. Allerdings machte mir das wenig aus. Ich legte sehr viel Wert darauf, dass mein Gestüt gut gepflegt und die Pferde rundum versorgt waren. Daher sollten mir auch spontane Besuche keine Probleme bereiten. Zudem wirkte Benni sehr sympathisch und keinesfalls so, als wolle er uns das Leben schwer machen. Damit wurde die Begrüßungsrede beendet und die Teilnehmer machten sich mit ihren Pferden auf zu den uns zugewiesenen Koppeln. Blessing folgte mir absolut problemlos, schien sich aber auch überhaupt nicht für das Treiben um uns herum zu interessieren. Auf der Koppel angekommen, löste ich den Führstrick und ließ Blessing laufen. Das junge Vollblut trottete mit hängendem Kopf weg und hielt sich auch von den anderen Pferden fern. Nachdenklich blieb ich am Zaun stehen. Ich hatte nun bis zum gemeinsamen Abendessen Zeit zu freien Verfügung, doch da ich mein Zimmer bereits bezogen hatte, konnte ich erst einmal hier bleiben. Ich beschloss, mein neuestes Familienmitglied zunächst nur zu beobachten. Ich wollte sehen, wie Blessing sich verhielt, wenn sie sich unbeobachtet fühlte. Die anderen Teilnehmer verschwanden nach und nach. Entweder, um sich einzurichten oder um sich mit ihren Pferden in Ruhe zu beschäftigen. Ich dagegen setzte mich an den Zaun und sah zu Blessing herüber. Die junge Stute stand abseits, rupfte ab und an ein paar Halme Gras und starrte ansonsten lustlos vor sich hin. Die anderen Pferde ignorierte sie komplett und diese hielten es mit ihr genauso. Wie Blessing so alleine da stand, gab sie ein Bild absoluter Traurigkeit ab und ich fragte mich, was die Stute in ihrem kurzen Leben wohl bereits durchgemacht hatte. Das Makeover Team ging davon aus, dass Blessing ein ehemaliges Rennpferd war. Da die junge Stute jedoch weder ein Brandzeichen hatte und man auch ihren richtigen Namen nicht kannte, war die Suche nach dem ehemaligen Besitzer ebenso erfolglos geblieben, wie die nach eventuell bereits bestrittenen Rennen. Ich runzelte die Stirn und überlegte, wie ich nun weiter vorgehen sollte. Die Sattlerei Royal Peerage hatte sich auch in diesem Jahr die Mühe gemacht, für jedes Makeover Pferd etwas zu spenden. Ich hatte mich für ein Starterset in rot entschieden. Das entsprechende Knotenhalfter trug Blessing bereits. Nun nahm ich die dazugehörige Futterschale und ging hinüber zu den Stallungen, um die Veranstalter nach etwas Leinsamen und Kleie zu fragen, damit ich für Blessing ein Mash anrühren konnte. Einige Vitamin- und Futterzusätze hatte ich mir selbst mitgebracht. Nachdem Nicolaus mir mein Futter übergeben hatte, ging ich zurück zu meinem Zimmer und suchte die Vitaminfläschchen heraus. Zunächst wanderten Vitamin A und K in die Futtermischung. Sie sorgten vor allem für stabile Knochen. Zudem unterstützte Vitamin A auch die Immunabwehr. Auch etwas Biotin fand seinen Weg in die Futterschale. Da Blessing recht poröse Hufe hatte, war das Vitamin sehr wichtig für sie. Sobald wir zu Hause waren, würde ich auch einen Hufschmied beauftragen, damit er sich ihre Hufe ansehen konnte. Ich schüttelte ein kleines Tütchen und gab Sojaprotein in das Futter. Eiweiß war essentiell für den Muskelaufbau und mit Sojaprotein hatte ich bei meinen Pferden zuhause schon sehr gute Ergebnisse erzielt. Ganz zum Schluss fügte ich dem Futter einige essentielle Aminosäuren hinzu, die ein Futterexperte für mich angemischt hatte, nachdem ich ihm von Blessing's Zustand berichtet hatte. Ich war als Gestütsleiterin bei der Futterzusammenstellung zwar selbst recht fit, doch wenn es dann so ins Detail ging, verließ ich mich doch lieber auf echte Fachleute. Dieses Futtergemisch sollte Blessing helfen, ein wenig Gewicht zuzulegen und auch langsam den Muskelaufbau fördern. Ich vermischte das Futter und übergoss es mit warmem Wasser, da das Mash so besonders leicht verdaulich war. Anschließend ging ich mit der Schale hinaus auf den Hof, stellte sie vor der Koppel ab und ging zu Blessing. Die Stute hob den Kopf, als ich an sie herantrat, blieb jedoch stehen und ließ sich einfangen. Ich konnte einfach nicht einschätzen, was im Kopf des jungen Vollbluts vorging. Was für ein riesengroßer Unterschied zu meinem letztjährigen HMJ-Pferd Elfentanz! Der Trakehnerstute hatte man ihre Emotionen quasi am Gesicht ablesen können. Blessing dagegen war viel verschlossener. Ich zupfte am Führstrick und Blessing folgte mir mit etwas Abstand. Dabei hob sie nicht einmal die Füße richtig. Ich schloss das Weidetor, nahm die Futterschale in eine Hand und führte Blessing ein Stück weit weg, damit sie ihr Abendessen in Ruhe genießen konnte. Als ich die Schale vor dem Fuchsstütchen abstellte und den Führstrick lang ließ, um ihr etwas Raum zu geben, senkte Blessing den Kopf und zog geräuschvoll Luft durch ihre geweiteten Nüstern ein. Vorsichtig senkte sie ihr weißes Maul in das Futter und nahm einen Happen.
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      Dann hob sie den Kopf wieder. Ein wenig Mash tropfte von ihrem Kinn und das Stütchen hatte die Ohren zurückgeklappt. Dabei sah sie richtig nachdenklich aus. Ich kicherte, was Blessing dazu veranlasste, mich überrascht anzusehen. Gleich darauf kippten ihre Ohren jedoch wieder zur Seite und sie verlor jegliches Interesse an mir. Ich aber hatte den Eindruck, dass ich gerade einen kurzen Einblick in Blessing's Charakter bekommen hatte: Auf ein aufgeschlossenes, junges Pferd, das neugierig auf die Welt war. Blessing fraß ihr Futter bis auf den letzten Krümel aus und schleckte sogar die Futterschale ab. Also schien es ihr zumindest geschmeckt zu haben, auch wenn man das ansonsten nicht wirklich gemerkt hatte. Ich trat an das Stütchen heran und strich ihm vorsichtig über den dünnen Hals. Um Mähne und Schweif würde ich mich in den nächsten Tagen kümmern, die sehr verfilzten Stellen würde ich aber wohl abschneiden müssen. Zudem hatte Blessing am Widerrist eine aufgescheuerte Stelle. Die würde ich mit Salbe behandeln und gut beobachten. Somit war auch klar, dass ich Blessing die nächste Zeit nicht mit Gurt longieren würde. Zuerst sollte die Verletzung ausheilen. Blessing ließ sich zwar überall berühren, doch als ich über ihren Bauch fuhr, zuckte sie kurz zusammen. Sattelzwang vielleicht? Auch ihre Hufe gab das junge Pferd mir nur ungern, widersetzte sich aber nicht. Ich bekam immer mehr das Gefühl, dass Blessing einfach tat, was von ihr verlangt wurde, um es möglichst bald hinter sich zu bringen. Ich hängte mir den Führstrick in die Armbeuge und begann damit, Blessing mit kleinen Bewegungen zu massieren. Der Kopf der Stute sank tiefer, doch so hatte sie vorhin auch auf der Koppel gestanden. Dennoch konnte die Behandlung Blessing ja nicht schaden, also machte ich weiter, arbeitete mich den dünnen Hals entlang, zur Schulter und das Vorderbein hinunter. Dasselbe wiederholte ich auf der anderen Seite. Dann warf ich einen Blick auf die Uhr und stellte fest, dass ich mich sputen musste, wenn ich rechtzeitig zum gemeinsamen Abendessen erscheinen wollte. Ich führte Blessing auf die Koppel, tätschelte ihr den Hals und ließ sie dann laufen. Blessing schlurfte wieder in ihre Ecke und würdigte die anderen Stuten keines Blickes.
      Ich betrachtete sie noch eine Minute, dann ging ich mit gerunzelter Stirn und ziemlich in Gedanken versunken zum Abendessen. Ich war nicht die Einzige, die etwas zu spät kam und es war ein sehr lustiges Beisammensein. Wir tauschten uns gegenseitig über unsere Pferde und geplante Trainingsabläufe aus, erzählten uns Einzelheiten über unsere jeweiligen Höfe und quatschten über Gott und die Welt. Niemand hielt mit seinen Plänen und Zielen hinter dem Berg, was ich sehr schön fand. Noch war von Konkurrenzdruck keine Spur. Als sich die Runde schließlich auflöste, war ich fix und fertig. Langsam machten sich doch die lange Fahrt und der aufregende Tag bemerkbar. Dennoch sah ich noch einmal kurz bei Blessing vorbei, um mich zu vergewissern, dass es meinem Stütchen an nichts fehlte. Auch jetzt noch stand Blessing abseits der anderen, allerdings hatte sie den Kopf erhoben und schaute über den Zaun hinweg. In dieser Pose sah sie regelrecht anmutig aus und ich ging leise weiter, um die junge Stute nicht dazu zu bringen, zurück in ihre fast schon apathische Haltung zu fallen. Es würden mit Sicherheit interessante drei Monate werden, davon war ich überzeugt.

      ~*~

      Dienstag – 21. April 2020
      Am nächsten Morgen war ich schon vor dem Morgengrauen auf den Beinen. Auf meinem Gestüt Hollybrook Stud trainierte ich Galopprennpferde, daher war ich es gewohnt, vor den meisten anderen wach zu sein. Leichter Nebel hing über dem Lindö Dalen Stuteri und es war noch ziemlich frisch. Ich zog den Reißverschluss meiner Jacke enger und ging mit energischen Schritten los. Auf dem Weg zu den Koppeln begegneten mir nur wenige Leute. Die meisten Teilnehmer schliefen wahrscheinlich noch. Am Koppelzaun hielt ich Ausschau nach Blessing und entdeckte sie an beinahe derselben Stelle, an der ich sie gestern Abend zurückgelassen hatte. Wieder stand das Stütchen mit hängendem Kopf da und schien vor sich hinzudösen. Ich lief zum Aufenthaltsraum, da Nicolaus mir versprochen hatte, dort die Zutaten für Blessing's Mash abzustellen. Solange Blessing unterernährt war, bekam sie das nahrhafte Futter zweimal täglich. Ich fand einen Korb mit meinem Namen darauf und packte alles zusammen, um Blessings Futter anzumischen. Kurz darauf ging ich wieder hinüber zu den Weiden der Makeover-Stuten, schnappte mir Blessing's Führstrick und ging zu ihr hinüber. Wie auch gestern schon, ließ sich das junge Vollblut artig von der Koppel führen und senkte dann sogleich den Kopf in ihre Futterschale. Ich ließ Blessing in aller Ruhe frühstücken, dann band ich sie an einen Pfosten und begann vorsichtig, ihr kupferfarbenes Fell zu striegeln. Man sah Blessing die fehlende Pflege deutlich an. Ihr Fell war stumpf und rau, das Langhaar glanzlos. Doch daran würden wir nun tagtäglich arbeiten und die Futterzusätze sollten ihr Übriges tun. Ich hob Blessing’s Bein hoch, damit ich ihren Huf auskratzen konnte. Die Hufe waren wirklich in schlechtem Zustand. Nicolaus vermutete, dass dies von zu häufig wechselndem Beschlag kam und ich fand die Erklärung plausibel. Wahrscheinlich war Blessing zu früh und zu hart trainiert worden und hatte nicht wirklich menschliche Nähe erfahren dürfen. Das könnte ihre teilnahmslose Haltung verursacht haben. Aber natürlich waren das alles nur Spekulationen, keiner von uns kannte Blessing’s wahre Vergangenheit und so wie es aussah, würden wir auch nie etwas darüber erfahren. In Gedanken versunken stellte ich mir meinen Plan für den heutigen Tag zusammen. Nach dem Frühstück wollte ich mit Blessing in den Roundpen gehen und sie am Nachmittag vielleicht auch schon eine kleine Runde spazieren führen. Wenn das Vollblut nicht gerade geführt wurde, hatte ich noch nie gesehen, dass die Stute sich bewegte. Mal davon abgesehen, dass das ihrem Gesundheitszustand nicht gerade zuträglich war, war es auch ein sehr ungewöhnliches Verhalten für ein solch junges Pferd. Ich fuhr mit den Fingern durch die Teile ihres Schweifes, die nicht verfilzt waren. Dann massierte ich die Stute noch einmal. Für die Fahrt würde ich Transportzubehör benötigen. Der Reitzubehörbedarf Atomic Shop hatte eine spezielle Collection für die Makeover-Pferde angefertigt und bot jedem Teilnehmer 50% Rabatt. Dort würde ich mich später einmal umsehen und das passende Zubehör für Blessing bestellen. Nun hatte ich immerhin die genauen Maße der Stute.
      Ich brachte Blessing zurück auf die Koppel und ging über den Parkplatz hinüber zum Aufenthaltsraum. Dort erwartete mich ein reichhaltiges Frühstücksbuffet und ich traf den ein oder anderen munteren Mitstreiter. Occu war selbstverständlich mit unter den Frühaufstehern, da ja auch sie ihre Galopprennpferde normalerweise früh am Morgen trainierte. Ich lud mir Pancakes auf den Teller und übergoss sie mit Sirup. Dann schnippelte ich mir einen Apfel und ein paar Erdbeeren darüber und setzte mich an einen Tisch. Nachdem ich mein Frühstück genossen hatte, suchte ich mir einen ruhigen Platz um meine Yogaroutine zu absolvieren. Sie gehörte inzwischen fest zu meinem Tagesablauf. Anschließend kehrte ich zur Stutenkoppel der Makeover-Pferde zurück, um mit Blessing das erste Training zu absolvieren. Ich betrat die Koppel und rief Blessing's Namen, doch die junge Stute spitzte nicht einmal die Ohren, geschweige denn, dass sie in meine Richtung blickte. Ich nahm ihren Führstrick vom Haken an der Weide und ging hinüber zu dem Fuchsstütchen. Wie auch zuvor schon folgte mir Blessing brav. Da ich das Stütchen am Morgen schon geputzt hatte, konnten wir nun sofort mit unserer Trainingseinheit beginnen. Mein heutiges Ziel war es lediglich, Blessing ein wenig Bewegung zu verschaffen. Der Roundpen des Lindö Dalen Stuteri war gerade nicht belegt und so führte ich mein Stütchen hinein und schloss das Tor hinter uns.
      Ich löste den Führstrick von Blessing’s Knotenhalfter und die Stute bewegte sich mit langsamen Bewegungen zum Rand des Round Pen. Sie flüchtete zwar nicht vor mir, aber sie wollte eindeutig auch nicht unbedingt in meiner Nähe sein. Ich rollte den Führstrick zusammen, schnalzte auffordernd mit der Zunge und schlug den aufgerollten Strick leicht gegen mein Bein, um Blessing in Bewegung zu setzen. Die junge Stute lief auch gehorsam vorwärts, allerdings fehlten ihr dabei jegliche Energie und Anmut. Sie schlurfte regelrecht dahin und stolperte das ein oder andere Mal sogar über ihre eigenen Füße. Nun war mir natürlich bewusst, dass es viele Pferde gab, die keine schönen Grundgangarten besaßen, doch bei Blessing schien das nicht der Fall zu sein. Viel eher hatte ich den Verdacht, dass das Fuchsstütchen einfach nicht schön laufen wollte. Sie hielt den Kopf hoch erhoben, drückte den Rücken durch und trabte um mich herum.
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      Dabei erinnerte das junge Vollblut mehr an ein Kamel, als an ein junges Rennpferd. Ich trat schräg einen Schritt auf Blessing zu, um sie zum wenden zu bewegen, doch die Stute achtete überhaupt nicht auf mich. Sie drehte ihre Kreise und hoffte wahrscheinlich, dass das Training bald vorüber war. Also ging ich ein paar Schritte auf die Umzäunung zu und winkte mit den Armen, als ich in Blessing’s Sichtfeld kam. Nun drehte die Fuchsstute doch ab und wechselte die Hand. Auch auf dieser Seite machte Blessing im Trab keine gute Figur. Ich schnalzte erneut mit der Zunge und lief in schrägem Winkel zum Pferd, damit Blessing angaloppierte. Doch erst nachdem ich den Führstrick leicht in Blessing’s Richtung schwang, galoppierte die junge Stute verhalten an. Ebenso wie der Trab, wirkte auch ihr Galopp eher ungelenk und verhalten. Als wir auf die rechte Hand wechselten, wurde es noch schlimmer. Es war normal, dass ein Pferd auf einer Hand besser lief als auf der anderen. Doch Blessing war auf der rechten Hand so sehr im Ungleichgewicht, dass ich annahm, dass dieser Unterschied eher am bisherigen Training der Stute lag. Rennpferde liefen im Rennen gegen den Uhrzeigersinn, also auf der linken Hand. Viele Trainer machten sich nicht die Mühe, den Pferden einen ausreichenden Ausgleich zu bieten, sodass der Rechtsgalopp irgendwann ein wenig verkümmerte. Diese Vermutung hegte ich nun auch bei Blessing, da das junge Pferd auf der rechten Hand wirklich vollkommen unbalanciert in die Biegung ging. Ich drehte mich ein wenig von Blessing weg, um ihr zu signalisieren, dass sie das Tempo wieder verlangsamen durfte und die Stute fiel erleichtert zuerst in einen holprigen Trab und dann in den Schritt. Ihre Flanken hoben und senkten sich für einen solch kurzen Galopp viel zu schnell – das Vollblut hatte keinerlei Kondition. Ich holte ein kleines Notizbuch aus meiner Tasche und vermerkte mir alles, was mir auffiel. Dieses erste Training heute diente mir als Bestandsaufnahme, damit ich einen passenden Trainingsplan für Blessing erstellen konnte. Ich hoffte sehr, dass die Stute mir irgendwann ihr Vertrauen schenken würde und verstand, dass ich ihr nichts böses wollte. Dass sie so ungern lief, konnte viele Ursachen haben. Vielleicht war sie von ihren vorherigen Besitzern überfordert worden, vielleicht war sie zu schnell und zu hart vorwärts gedrängt worden oder vielleicht war sie auch einfach enttäuscht von ihren Menschen und hatte deshalb ihre Lauffreude verloren. Irgendetwas sagte mir jedenfalls, dass Blessing’s gesamte Lebenseinstellung sich ändern würde, wenn wir dieses Problem in den Griff bekamen. Meine Vollblüter liebten das Rennen. Würde man ihnen das nehmen, wären sie wohlmöglich genauso lustlos wie Blessing es nun war. Ich nahm mir vor, Blessing in der nächsten Woche – wenn wir dann auf meinem Gestüt in England waren - einmal zur Rennbahn zu führen, wenn meine Englischen Vollblutpferde gerade ihr Training absolvierten. Vielleicht motivierte es die Stute ja, wenn sie beim Training der anderen zusehen konnte. Blessing war stehen geblieben und ich trieb sie sacht wieder vorwärts, damit sie sich im Schritt abkühlen konnte. Die junge Stute schwitzte ziemlich, wobei das natürlich auch vom Stress herrühren konnte. Das Problem war nur, dass man der Stute ansonsten überhaupt nicht ansah, was sie gerade beschäftigte. Wieder machte ich mir einige Notizen und runzelte nachdenklich die Stirn. Blessing würde in jedem Fall schwieriger zu trainieren sein, als Elfentanz im letzten Jahr. Ich hatte ja schon oft mit sogenannten Problempferden gearbeitet, doch Blessing’s Verfassung war etwas völlig Neues für mich.
      Ich rief den Namen der Fuchsstute, doch Blessing ignorierte mich. Also ging ich auf sie zu und befestigte den Führstrick am Halfter, um das Training zu beenden. Ich hatte gesehen was nötig war und das reichte für den Vormittag allemal. Heute Nachmittag wollte ich mit Blessing eine Runde spazieren gehen, um zu sehen, wie sie sich dabei anstellte. Nun jedoch führte ich mein Makeover-Pferdchen ersteinmal zum Putzplatz, band sie fest und füllte einen Eimer mit Wasser, um den Schweiß aus ihrem Fell zu waschen. Blessing schien es gewohnt zu sein, abgewaschen zu werden, denn sie zuckte nicht einmal mit der Wimper, als ich mit dem nassen Schwamm ihren Hals entlangfuhr. Ich arbeitete langsam und gründlich und summte dabei leise vor mich hin. Als ich aufsah, entdeckte ich, dass Blessing ein Ohr nach hinten gedreht hatte und offensichtlich auf mich lauschte. Ich lächelte und summte weiter. Wenn das meinem Pferdchen gefiel, umso besser. Blessings Beine wusch ich besonders gründlich und entfernte all die Flecken, die sich auf den weißen Abzeichen angesammelt hatten und die nur durch die Bürste nicht hatten verschwinden wollen. Blessing’s Fell war zwar noch immer stumpf, aber zumindest nun wieder vollkommen sauber. Ich holte mir einen zweiten, kleineren Schwamm und trat an Blessing’s Kopf. Kurz blitzte das weiße in den schönen Augen der Stute auf und sie warf den Kopf nach oben, dann jedoch fiel sie wieder zurück in ihre unterwürfige Haltung. Ich strich ihr vorsichtig über die Nase und hielt ihr den feuchten Schwamm hin, damit sie daran schnuppern konnte. Doch das schöne junge Pferd interessierte sich nicht dafür. Ich seufzte bedrückt und wusch sachte Blessing’s Gesicht ab. Die Laterne umrahmte ihre wunderschönen großen Augen und direkt über der Maulspalte hatte Blessing einen kleinen grauen Fleck. Ansonsten war das Fell um Maul und Nüstern herum leicht rosa. Ich fuhr zärtlich mit den Fingern über die Ganaschen der Stute, strich ihr über Ohren und Stirn. Blessing schloss die Augen, aber ich konnte nicht sicher sagen, ob ihr die Berührungen gefielen. Das war wirklich schwierig. Nachdem ich das überschüssige Wasser an Blessing’s Körper mit einem Schweißmesser abgezogen hatte, kratzte ich ihre Hufe aus und verlas Mähne und Schweif. Heute Nachmittag wollte ich mich auch um die Kletten kümmern, die sich in den besonders verfilzten Stellen von Blessing’s Langhaar befanden.

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      Während meiner Mittagspause besuchte ich die Seite des Atomic Shop und klickte mich durch die verschiedenen Artikel. Schnell war klar, dass Blessing’s Zubehör blau sein sollte, doch ich brauchte eine Weile, bis ich mich auf einen bestimmten Ton festlegen konnte. Am Ende bestellte ich ein Halfter mit Teddyfell und dazu passendem Führstrick, eine hochwertige Abschwitzdecke aus Fleece, Bandagen und Fesselkopfgamaschen in der klangvollen Farbe „Venice Blue“. Ich hoffte, dass das Zubehör noch vor unserer Abreise ankommen würde, doch die Betreiberin des Shops sicherte mir die pünktliche Lieferung zu. Anschließend rief ich per Skype im Stallbüro an. Es dauerte gar nicht lange, dann sah ich Ana’s hübsches Gesicht in meinem Bildschirm. „Sammy! Wie war es gestern? Wie ist Blessing? Wann kommt ihr nach Hause?“, bombardierte mich die junge Frau sofort mit Fragen. Ich lachte. „Langsam, eins nach dem anderen. Wir kommen erst am Sonntag zurück, ich möchte die Woche gerne voll ausnutzen, damit Blessing sich ein wenig an mich gewöhnt. Sie würde zwar mit Sicherheit auch jetzt schon auf den Hänger gehen, aber ich fürchte, die Fahrt würde sie trotzdem großem Stress aussetzen. Ob das am Sonntag besser ist, sei mal dahingestellt, aber ich möchte es doch wenigstens versuchen. Außerdem habe ich gerade erst Ausrüstung bestellt, damit ich Blessing für die lange Fahrt ordentlich schützen kann. Wäre aber klasse, wenn ihr auf Sonntagabend die Box für Blessing fertig machen könntet. Ich würde sie gerne neben Elfentanz unterbringen. Die wird sie auf keinen Fall bedrängen. So. Ansonsten war der Tag gestern wirklich anstrengend, aber auch sehr schön. Es sind viele interessante Pferde und Teilnehmer dabei, sicher werden es aufregende drei Monate. Außerdem hat sich im Vergleich zum letzten Jahr viel geändert. Gut möglich, dass wir demnächst einmal Besuch von einem Beauftragten des Tierschutzverbandes bekommen. Aber das sollte ja weiter kein Problem sein. Heute Morgen war ich das erste Mal mit unserem Stütchen im Round Pen und ich kann nur sagen, dass das hier mein bisher härtester Fall wird. Blessing wird nie bösartig und zeigt sich auch so gut wie nie ängstlich. Aber sie will nicht laufen, nicht arbeiten, nicht kommunizieren. Später gehe ich mit ihr raus ins Gelände, vielleicht lockt sie das ein wenig aus ihrem Schneckenhaus. Und naja, ansonsten werden wir vor allem an Blessing’s Balance und am Muskelaufbau arbeiten. Viel mehr kann ich dir bisher noch nicht sagen. Aber jetzt bist du dran! Wie läuft es zu Hause? Wie geht es unseren werdenden Mamas? Und was machen Lamira und Lyna?“, berichtete ich eilig. Lyna di Royal Peerage war das erste Fohlen dieses Jahres und zudem auch Lamira‘ erster Nachwuchs. Allerdings warteten wir sehnsüchtig auf den Rest der Fohlenbande. Kagami El Assuad und Succesful Dream waren trächtig von dem Red Roan Hengst Smarty Jones. Levistino hatte Samiyah, Mahira und Corde de la Cerise gedeckt und ich wartete sehnsüchtig auf die Nachkommen meines Spitzenhengstes. Die lackschwarze Leveneza war trächtig von Cadeau. Der englische Vollblüter El Racino würde ebenfalls bald Papa werden, denn meine Vollblüter Kazumi Princess El Assuad und Backup erwarteten Fohlen von ihm. Und dann waren da natürlich noch meine Hannoveranerstuten Unannounced Pleasure und Reminiscent Inspiration. Während erstere von meinem Vollblüter Pawaneeh trächtig war, hatte ich Inspiration von dem Hannoveranerspringpferd Incendio decken lassen. Ich erwartete also noch eine ganze Menge Fohlen. Nun war es an Ana, mich auszulachen. Sie holte tief Luft und sagte: „Du musst grade schimpfen – stellst doch genauso viele Fragen wie ich!“ Dann wurde sie jedoch ernst, da sie wusste, wie viel mir meine Vierbeiner bedeuteten. „Ich persönlich glaube ja, dass es bei Kagami heute soweit sein könnte. Sie ist total unruhig und richtig zickig. Bei Ceri wird es wohl auch nicht mehr allzu lange dauern. Die anderen wanken mit ihren dicken Bäuchen über die Koppeln, aber wir wissen ja alle, wie schnell es im Endeffekt gehen kann.“ Ich biss mir auf die Lippe. Ich hasste es, nicht bei der Geburt der Fohlen dabei sein zu können. Gerade Kagami hatte jetzt einige Jahre lang kein Fohlen gehabt, weil sie bei der Entwöhnung von Princess so schwierig gewesen war. Dennoch war mir klar, dass ich ein super Team daheim auf dem Hof hatte und meine Pferde bestens versorgt waren. Ana deutete mein Schweigen richtig und sagte beruhigend: „Das wird schon alles, Sammy. Wir sind rund um die Uhr da und wechseln uns mit der Nachtwache im Fohlentrakt ab. Es wird alles gutgehen. Und in ein paar Tagen bist du ja auch wieder hier. Ansonsten läuft hier alles wie immer. Wir halten uns an deine Trainingspläne und ich war heute Morgen mit Coeur de Lilith draußen. Sie macht sich wirklich immer besser! Ich freue mich schon so, wenn sie ihr erstes Fohlen bekommt! PFS‘ Storm Cat und Bearing Spots haben heute morgen auch ein tolles Training absolviert und Brian springt grade mit Levistino. Ich glaube der Gute vermisst es, auf Turniere zu gehen.“ Ich lächelte. Mein Spitzenhengst Levistino hatte vor einigen Jahren Jolympia gewonnen und im letzten Jahr hatte ich entschieden, ihn nur noch als Deckhengst einzusetzen. Das aber schien dem Schimmel zu sehr zu langweilen, daher bereiteten wir ihn nun doch auf die kommende Turniersaison vor, damit er im Sommer wieder antreten konnte. Ich sah auf die Uhr und verabschiedete mich erschrocken von Ana. Zuvor nahm ich ihr aber das Versprechen ab, mich zu jeder Tages- und Nachtzeit anzurufen, falls eine meiner Stuten fohlen sollte. Eigentlich hatte ich schon längst wieder bei Blessing sein wollen, um sie für unseren Spaziergang bereit zu machen. Ich klappte meinen Laptop zu, zog mich um und lief hinüber zu den Koppeln. Einige der Makeover-Pferde fehlten. Wahrscheinlich waren sie mit ihren neuen Besitzern beim Training. Ich holte Blessing von der Koppel und überprüfte kurz Fell und Hufe. Da Blessing beinahe sauber war, hatte ich nicht viel zu tun, bevor wir uns auf den Weg machten. Es würde jetzt am Anfang auch noch kein sonderlich langer Ausflug werden, da ich Blessing keinesfalls überfordern wollte. Das Lindö Dalen Stuteri stellte uns sogar seine Rennbahn zur Verfügung, mit der Bitte, für Spaziergänge die innere Bahn zu verwenden. Genau das wollte ich heute Nachmittag tun. Im Grunde waren Blessing und ich uns noch immer fremd und ich wollte es nicht riskieren, dass sie sich womöglich in fremdem Gelände losriss und durchging. Auf der Bahn bot uns die Umzäunung zumindest ein wenig Sicherheit. Ich führte Blessing am Roundpen, dem Reitplatz und der Ovalbahn vorbei, entlang an den noch unbesetzten Hengstweiden und vorbei an meiner derzeitigen Behausung. Der Weg zur Trainingsbahn führte uns durch einen lichten Wald und Blessing hob argwöhnisch den Kopf. Auf dem Gestüt selbst kannte sie sich mittlerweile ganz gut aus, doch verlassen hatte sie es seit ihrer Ankunft noch nicht. Ich achtete ganz genau auf Blessing’s Körperhaltung. Obwohl ihr Kopf schon bald wieder herabfiel und sie weiterhin dahinschlurfte, sah ich, dass ihre wenigen Muskeln angespannt waren und unter dem Fell leicht zitterten. Ich sprach leise auf Blessing ein und lief energisch vorwärts, damit sie sah, dass ich mich vor nichts fürchtete. Bis wir die Trainingsbahn erreichten, lief eigentlich alles glatt. Blessing wirkte zwar nervös, folgte mir aber anständig. Als wir jedoch den Weg erreichten, der zum Überqueren der äußeren Bahn diente, stemmte Blessing die Beine in den Boden und rollte mit den Augen. Okay, das war zumindest einmal eine aufschlussreiche Reaktion. Dass Blessing sich vor der Bahn fürchtete, unterstützte meine Theorie, dass sie falsch trainiert worden war und ihre derzeitigen Probleme davon herrührten. Dies hier war zwar keine klassische Galopprennbahn, aber für Blessing wohl nah genug dran. Sofort verwarf ich meinen Plan, mit Blessing einen ruhigen Spaziergang um die Innenbahn zu machen. Stattdessen wendeten wir uns vom Eingang zur Bahn ab und blieben auf dem Weg, der um die äußere Bahn herumführte. So hatte Blessing die Strecke zwar immer im Blick und wurde so damit konfrontiert, musste sich aber noch nicht ihrer Angst stellen, in dem ich sie auf die Bahn führte. Davon abgesehen musste ich erst mit den Trainern des Lindö Dalen Stuteri sprechen, ob die Bahn einmal für ein bis zwei Stunden frei war. Nur dann konnte ich es wagen, mit Blessing die äußere Bahn zu überqueren. Nicht, dass die Stute sich plötzlich mitten auf der Bahn querstellte. Für heute jedoch reichte mir diese neue Erkenntnis über mein schönes Vollblutstütchen erst einmal aus. Wir hatten nun ganz konkret etwas, woran wir arbeiten konnten. Ich führte Blessing etwa eine Viertelstunde lang am Rand der Bahn entlang, dann machten wir uns auf den Heimweg. Die Stute fiel sichtbar in sich zusammen, als ihr klar wurde, dass es heute nicht auf die Bahn ging und wir wieder auf dem Weg zum Gestüt waren. Irgendwas musste bei ihrem Training auf der Rennbahn wirklich fürchterlich schief gelaufen sein. Mir war jedoch auch aufgefallen, dass Blessing tatsächlich nie aggressiv geworden war und ich glaubte fest daran, dass das junge Pferd sich tief im Innern jemanden wünschte, dem es vertrauen konnte.

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      Freitag – 24. April 2020
      Schon vor dem Weckerklingeln war ich auf den Beinen. Übermorgen würden wir wieder nach Hause fahren! Es war unglaublich, wie schnell die Zeit hier in Schweden vorüberflog. Während der letzten beiden Tage war ich jeweils morgens und nachmittags mit Blessing zur Trainingsbahn spaziert. Zunächst waren wir eine Weile am Eingang gestanden, ohne, dass ich das junge Vollblut dazu gedrängt hatte, einen Huf auf die Bahn zu setzen. Anschließend waren wir dann im Schritt am Rand der Bahn entlanggelaufen. Gestern früh waren gerade zwei Pferde auf der Bahn trainiert worden, doch außer einem kurzen Aufreißen ihrer schönen Augen, hatte meine Blessing überhaupt nicht auf Tiere geachtet, sondern sich nur noch mehr in sich selbst verkrochen. Den Weg zur Trainingsbahn kannte Blessing mittlerweile und verlor daher auch nach und nach ihre sichtbare Anspannung. Das war allerdings auch nur insofern ein Fortschritt, als das mein Pferdchen sich nicht mehr so sehr ängstigte. An ihrer apathischen Haltung änderten auch unsere Spaziergänge an der frischen Luft nichts. Blessing zuckte wohl ab und an zusammen oder sprang zur Seite, wenn sie sich erschreckte, aber ansonsten schien sie ihre Umgebung überhaupt nicht richtig wahrzunehmen. Die einzige Ausnahme stellte unser Stehen am Eingang zur Bahn dar. Dort stand das junge Vollblut völlig unter Strom, rollte mit den Augen und bewegte sich keinen Millimeter. Außerdem begann Blessing jedes Mal stark zu schwitzen, wenn sie dachte, es gehe auf die Bahn. Das bereitete mir das Größte Kopfzerbrechen. Noch war mir nichts eingefallen, womit ich zu der jungen Stute durchdringen könnte, doch ich würde nicht aufgeben. Immerhin war dies unsere erste gemeinsame Woche. Heute sah unser Plan ein wenig anders aus. Am Vormittag wollte ich mit Blessing mal wieder in den Roundpen gehen, um die Stute ein paar Runden traben zu lassen und am Nachmittag wollte ich versuchen, sie wenigstens ein paar Schritte auf die Bahn zu führen. Ich hatte extra mit den Besitzern und Trainern des Lindö Dalen Stuteri gesprochen und sie hatten mir für heute Nachmittag grünes Licht gegeben. Wie jeden Morgen bereitete ich zuerst Blessing’s Frühstück vor uns fütterte die junge Stute. Für die Zeit auf dem Gestüt zu Hause hatte ich bereits einen Termin mit einem Hufschmied vereinbart und später am Tag wollte ich auch einen beim Tierarzt ausmachen. Diesem zusätzlichen Stress wollte ich Blessing allerdings nicht hier in Schweden aussetzen, zumal die Stute keine gesundheitlichen Probleme hatte, die sofortigen Eingriff erforderten. Blessing verputzte ihr Frühstück wie jeden Morgen bis auf den letzten Krümel und ich bildete mir ein, dass sie ganz langsam etwas mehr Gewicht zulegte. Aber es würde natürlich noch eine ganze Weile dauern, bis Blessing wie ein gesundes vierjähriges Vollblut aussah. Nachdem ich mich auch selbst gefüttert hatte, verschwand ich sofort wieder, um Blessing von der Weide zu holen. Mir war klar, dass ich mich gerade ein bisschen von den anderen abschottete, doch in Gedanken war ich einfach die ganze Zeit über bei meinem Makeover-Pferdchen. Ich holte Blessing von der Koppel und band sie am Putzplatz fest. Gestern Mittag hatte ich mich dem roten Langhaar der schönen Stute gewidmet, weshalb sie nun ziemlich wild aussah. Gerade aus der Mähne hatte ich einiges Herausschneiden müssen. Zudem hatte ich die gesamte Mähne auf sportliche Länge gekürzt. So würden die ehemals verfilzten Stellen nicht so lange herausstechen. Auch im Schweif hatte Blessing nun das ein oder andere „Loch“. Das war mir besonders schwergefallen, da Schweifhaare so lange brauchten, um wieder nachzuwachsen. Allerdings war mir auch nichts anderes übrig geblieben. Ich holte mir eine Kardätsche aus der Putzbox und begann damit, Blessings Fell zu Bürsten. Den Striegel hatte ich bisher nie genutzt. Zum einen war Blessing noch nie wirklich dreckig gewesen, zum anderen war sie so knochig, dass ihr die Behandlung mit dem Striegel wahrscheinlich nicht sonderlich gut gefallen hätte. Als Blessing’s fuchsfarbenes Fell in der Morgensonne glänzte, fuhr ich mit den Fingern durch Mähne und Schweif, kratzte die Hufe aus und schnappte mir anschließend meine Schmusebürste, um Blessing’s weißes Gesicht zu reinigen. Wie immer ließ die Stute nicht erkennen, ob ihr die Aufmerksamkeit nun gefiel oder nicht. Da ich seit unserem ersten Spaziergang aber wenigstens wusste, dass Blessing durchaus Angst zeigen konnte, machte ich weiter wie gehabt. Ich wollte Blessing gerade losbinden, da kam Collin auf mich zu. Auf dem Arm hatte er ein großes Paket und ich strahlte. Blessing’s Ausrüstung war da! Ich eilte dem jungen Mann entgegen und nahm ihm dankend mein Paket ab. Dann öffnete ich es, so leise wie möglich, um Blessing nicht unnötig zu erschrecken. Zum Vorschein kam eine Karte mit Glückwünschen für das Makeover. Die Sachen darunter waren in feines Papier gewickelt. Ich packte zuerst die wunderschöne karierte Fleecedecke aus. Dem folgten das Halfter mit Teddyfell, der gemusterte Strick, die Bandagen und zum Schluss die Gamaschen. Glücklich musterte ich mein neues Zubehör. Shopping mal anders. Als ich aufblickte, bemerkte ich, dass Blessing mich mit gespitzten Ohren beobachtete. Als sie meinen Blick bemerkte, sah sie aber schnell weg und ließ die Ohren zur Seite fallen. Ich nahm die Decke hoch und hob sie Blessing vor die Nase. Wie üblich interessierte sich die junge Stute nicht sonderlich dafür. Ich breitete die Decke aus, befühlte den weichen Stoff und legte sie dann über Blessing’s Rücken. Das Zubehör passte perfekt und die Farbe stand meinem jungen Vollblut wunderbar. Glücklich mit meiner Wahl nahm ich die Decke wieder ab und legte Blessing stattdessen die Gamaschen an. Auch sie passten wie angegossen und kamen wie gerufen für das heutige Training. Da Blessing so unkonzentriert war, hatte ich immer Angst, dass sie sich beim Freilaufen selbst in die Hacken trat und sich so verletzte. Dieses Risiko minimierten wir nun mit den Gamaschen. Ich packte die restliche Ausrüstung zusammen und verstaute alles in der Sattelkammer, in der jedem von uns ein kleiner Bereich freigeräumt worden war. Das Lindö Dalen Stuteri hatte wirklich ganze Arbeit für unsere Unterbringung geleistet. „So meine Süße, jetzt lass uns ein bisschen arbeiten!“, sagte ich fröhlich und führte Blessing hinüber zum Roundpen. Die Absprache mit den anderen Trainern funktionierte wirklich hervorragend. Jeder hielt sich an seine Trainingszeiten und jeder konnte alle Trainingsmöglichkeiten für sich und sein Pferd voll ausnutzen. Ich führte Blessing in den Roundpen und schloss das Tor hinter uns. Dann nahm ich der Stute den Strick ab und ließ sie mit einem leisen Schnalzen im Schritt vorwärts gehen. Immerhin brauchte es inzwischen nicht mehr mehr als das, um Blessing in Bewegung zu setzen. Auch sah die Stute durch das regelmäßige Putzen und das gesäuberte Langhaar wesentlich besser aus. Nur an ihrer inneren Verfassung hatte sich noch nichts verändert. Ich seufzte, bis ich an den Augenblick vorhin dachte, in dem Blessing mich beobachtet hatte. Der wache Blick, die gespitzten Ohren. Das war das junge Pferd, das ich hervorlocken wollte. Und eigentlich zeigte das ja auch, dass Blessing sich sehr wohl für mich interessierte und sich bisher nur einfach nicht traute, aus ihrem Schneckenhaus hervorzukommen. Aber im Grunde genommen war jede Sekunde, in der mein Pferdchen Interesse zeigte, ein Schritt in die richtige Richtung. Ich trat einen Schritt auf Blessing zu und forderte sie auf, in den Trab überzugehen. Blessing reagierte beinahe sofort, latschte aber wieder dahin, als wäre sie 35 Jahre alt und leide unter einem Hüftschaden. „Du bist doch so ein wunderschönes Pferd. Und noch so jung. Magst du nicht mal versuchen, ein bisschen anmutiger zu laufen? Ich bin mir ganz sicher, dass du das kannst.“, schmeichelte ich dem jungen Vollblut. Doch Blessing drehte nur weiter stoisch ihre Runden. Sobald wir daheim auf meinem Gestüt waren und der Hufschmied mir grünes Licht gegeben hatte, wollte ich Blessing’s Training mit ein paar Trabstangen bereichern. Damit musste die junge Stute zumindest darauf achten, wohin sie ihre Füße setzte. Vielleicht würde sie diese Herausforderung aus ihrer Lethargie herausholen. Vorerst genügte es mir aber, dass das junge Pferd zumindest ein wenig Bewegung bekam. In den Galopp wollte ich Blessing hier im Roundpen erst wieder bringen, wenn sich ihre Balance gebessert hatte. Sonst würde ich ihr mehr schaden als nützen. Plötzlich knallte irgendwo auf dem Hof etwas. Ich zuckte zusammen und Blessing machte einen Satz nach vorn und rannte im Stechtrab los. Das Ganze hielt nur etwa zehn Sekunden an, doch in dieser kurzen Zeitspanne hatte ich einen Blick auf einen wunderbaren Trab erhaschen können. Blessing hatte die Füße gehoben und war richtig untergetreten. „Ich hatte also recht.“, sagte ich leise. Dann ging ich zu dem schwitzenden Pferdchen hinüber, ließ die Stute anhalten und strich ihr beruhigend über die Stirn. Nur ein leichtes Flackern in Blessing’s Augen und ein kleines Zittern ihrer Muskeln verrieten mir, dass die Stute noch nicht so cool war, wie sie im Moment tat. Ich ließ das Stütchen stehen, den Strick fallen und begann damit, sie zu massieren. Blessing sollte lernen, dass sie nicht bestraft wurde, wenn sie sich erschreckte. Höchstwahrscheinlich war nämlich genau das in der Vergangenheit geschehen. Zumindest würde das erklären, warum Blessing sich so sehr in sich selbst verkroch, auch wenn sie noch Angst hatte. Das war eigentlich völlig untypisch für ein Pferd, lautete die Devise doch: Kampf oder Flucht, wobei Letzteres in der Regel überwog. Ganz allmählich hörte das Zittern unter Blessing’s Fell auf, die Stute schwitzte nicht mehr und ihr Atem wurde ruhiger. Ich ging wieder in die Mitte des Roundpen und forderte sie auf, erneut im Schritt anzutreten. Das war wichtig, damit ich das Training mit einem positiven Erlebnis abschließen konnte. Ich ließ das junge Vollblut nur noch zwei Runden auf jeder Hand laufen, dann hakte ich den Führstrick ein und führte sie zurück zum Putzplatz. Wichtig war ja schließlich nicht die Länge der Trainingseinheiten, sondern die Kontinuität. Ich nahm Blessing die Gamaschen ab und wusch das Pferdchen gründlich. Blessing schloss halb die Augen, was ich einfach einmal als gutes Zeichen wertete. Vielleicht erkannte die junge Stute ja langsam, dass ihr vor mir keine Gefahr drohte.

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      Als ich mich am Nachmittag in meinem Laptop einloggte, um Ana anzurufen, blieb der Anruf unbeantwortet. Sofort machte ich mir Sorgen. War etwas passiert? Ana und ich hatten diese Zeit ja extra vereinbart, warum nahm sie dann nicht ab? Unruhig tigerte ich auf und ab, bis ich nach einer halben Stunde schließlich das Telefon im Stallbüro anrief. Aufgrund der hohen Telefongebühren tat ich das normalerweise nicht, aber ich machte mir inzwischen riesige Sorgen. Aber auch hier ging keiner ran. Vor meinen Augen spielten sich die schrecklichsten Szenen ab und als plötzlich ein Skype-Anruf einging, ließ ich vor Schreck beinahe mein Handy fallen. „Sammy!!! Es ist eine Stute! Kagami hat ein Stutfohlen bekommen! Und mein Gott, sie ist so schön.“, schrie Ana ins Telefon. Mein Gesicht wurde aschfahl, bevor es sich wieder aufhellte. „Kagami hat gefohlt? Jetzt gerade? Erzähl mir alles!“, verlangte ich atemlos. Kagami war von dem Red Roan Hengst Smarty Jones gedeckt worden und ich hatte mir sehr viel aus dieser Anpaarung versprochen, zumal Kagami’s erstes Fohlen Princess etliche Rennen gewonnen hatte. „Kagami war heute morgen unausstehlich, deshalb haben wir sie vorsichtshalber im Stall gelassen. Kurz nach dem Mittagessen ist dann die Fruchtblase geplatzt und dann ging eigentlich alles ziemlich schnell. Kagami hat ihre Sache ganz toll gemacht. Ich bin mir nur mit der Farbe des Fohlens ein wenig unschlüssig. Es ist entweder ein Palomino oder tatsächlich ein Palomino Roan. Das werden wir aber wahrscheinlich erst in den nächsten Tagen sehen. Auf jeden Fall ist es gesund und munter und schon kräftig am Saugen. Es ist quasi gleich nach der Geburt aufgestanden und hat einfach nicht aufgegeben, wenn es zurück ins Stroh geplumpst ist. Ich glaube, da haben wir eine richtige Kämpferin bekommen.“, sprudelte Ana hervor. Ich lächelte und konnte es kaum noch erwarten, das neue Hollybrook-Baby zu bekommen. „Da du jetzt weißt, dass es ein kleines Stütchen geworden ist, wie willst du sie nennen?“, fragte Ana mich neugierig. Ich grinste. Jeder wusste, dass ich mir schon im Vorhinein immer einige Namen für die zukünftigen Fohlen überlegte, doch ich hielt sie streng geheim, bis das Baby dann da war. Gerade Ana machte das vollkommen wahnsinnig. „Ich habe zwei Namen im Auge. Einer davon wird es wohl werden.“, lachte ich und Ana schnaubte entrüstet. „Naja, du kommst ja übermorgen wieder her, spätestens dann wirst du es uns wohl sagen müssen!“, sagte sie leicht eingeschnappt. Dann machte sie eine kurze Pause und meinte: „Aber Sammy? Kagami macht uns ziemliche Schwierigkeiten. Sie ist fast ausgerastet, als ich die Box betreten wollte, um nach dem Fohlen zu sehen und selbst als wir ihr Futter gebracht und die Einstreu erneuert haben, hätte sie uns fast den Kopf abgerissen. Ich hab von den anderen gehört, wie sie damals bei Princess war und ich fürchte, diesmal ist es noch schlimmer.“ Ich hörte Ana geduldig zu und seufzte. „Ich hatte wirklich gehofft, dass es diesmal besser wird. Wenn sich Kagami’s Verhalten nicht ändert, werde ich sie nicht noch einmal decken lassen. Es ist nicht gut, wenn wir sie andauernd solchem Stress aussetzen. Aber jetzt beruhigt euch alle ersteinmal, immerhin ist das Fohlen gerade mal eine Stunde alt.“, beruhigte ich meine Freundin und Angestellte. „Wie steht es denn mit den anderen Stuten?“, fragte ich dann. Mit Kagami’s Fohlen hatten ja alle schon am Dienstag gerechnet und dann hatte sich die erfolgreiche Palominostute mit der großen Laterne doch noch ein paar Tage mehr Zeit gelassen. „Alles unverändert. Aber wir behalten sie im Auge und ich rufe dich sofort an, wenn es etwas Neues gibt!“, versprach Ana mir hoch und heilig. „Okay, dann gehe ich jetzt mal rüber zu Blessing. Kümmert euch gut um Kagami und ihr Baby und lasst euch von ihrem Gehabe nicht einschüchtern. Immerhin brauchen sie und ihr Kleines jetzt viel Pflege. Ihr könnt mich jederzeit anrufen, falls etwas sein sollte!“, schärfte ich Ana noch einmal ein. Dann verabschiedeten wir uns voneinander und ich ging hinaus zu den Stutenkoppeln. Kagami machte mir zwar Sorgen, aber ich freute mich riesig über das neueste Mitglied der Hollybrook-Familie und konnte es kaum erwarten das kleine Stutfohlen zu sehen. Ich hatte zwei Stutennamen mit „K“ auf meiner Liste, die mir besonders gut gefielen. Karma El Assuad und Khaleesi El Assuad. Sollte Kazumi Princess ebenfalls ein Stutfohlen gebären, würde ich beide Namen vergeben, denn bisher hatte ich mich noch nicht entscheiden können. Auch für einige der anderen Fohlen hatte ich bereits Namen im Kopf, doch endgültig entscheiden würde ich mich erst, wenn ich die Pferdebabys vor mir hatte. So in Gedanken versunken, wäre ich beinahe mit Occu zusammengestoßen, die mich lachend fragte, auf welcher Wolke ich denn gerade gewesen sei. Ich erzählte ihr die frohe Botschaft und sie beglückwünschte mich zu dem neuen Vollblutpferdchen auf meinem Gestüt. Occu besaß selbst Kagami’s Mutter, die berühmte Rennstute Khiara El Assuad und war daher natürlich besonders an deren Nachkommen interessiert. Wir unterhielten uns kurz über die Fohlen, die wir für dieses Jahr geplant hatten, dann ging ich weiter zu Blessing. Das Fell der jungen Stute war noch sauber vom Waschen, daher kratzte ich ihr nur kurz die Hufe aus und legte dem Vollblut Gamaschen an, bevor wir uns auf den Weg machten. Auch dieses Mal blieb ich wieder vor dem Eingang der Trainingsbahn stehen und ließ Blessing Zeit, sich zu beruhigen. Denn noch immer wurde die junge Stute nervös, wenn wir uns dem Bahneingang näherten. Dann führte ich sie ein Stückchen um die Bahn, wendete und blieb wieder vor dem Eingang stehen. Das wiederholten wir solange, bis Blessing sich nicht mehr aufregte, wenn wir den Bahneingang passierten. Ich atmete tief durch und machte einen Schritt auf die Bahn. Blessing warf den Kopf hoch und rollte die Augen. „Na komm mein Mädchen. Dir passiert hier nichts, versprochen. Ich möchte nur, dass du mit allen vier Hufen auf der Bahn stehst, mehr haben wir heute gar nicht vor.“, sagte ich leise zu dem verängstigten Stütchen. Blessing war zur Salzsäule erstarrt und auch ich bewegte mich nicht. Der Strick hing locker durch, denn ich wollte keinen Druck auf Blessing ausüben. Ich wartete in aller Ruhe ab, dass sie den nächsten Schritt machte. Nach einer gefühlten Ewigkeit – mir wurde schon langsam der Arm lahm – nahm Blessing ihren hübschen Kopf herunter und entspannte sich ein wenig. Ich ging einen Schritt rückwärts und das Spiel wiederholte sich. Ich verlor jegliches Zeitgefühl. Einige andere Teilnehmer des Horse Makeovers führten ihre Pferde an uns vorbei, doch Blessing beachtete sie gar nicht. Ihre großen schönen Augen waren einzig und allein auf die Trainingsbahn gerichtet. Allerdings hatte ich auch nicht erwartet, dass sich Blessing von anderen Pferden beeinflussen lassen würde. Die junge Stute stand immer noch stets abseits der anderen Pferde, daher hätte es mich gewundert, wenn sie nun Schutz bei ihnen suchen würde. Irgendwann waren wir soweit, dass Blessing mit den Vorderhufen auf der Trainingsbahn stand. Ich redete geduldig auf sie ein, drängte sie jedoch nicht. Blessing musste wirklich schlechte Erfahrungen auf der Rennbahn gemacht haben, sonst wäre das sonst so apathische Pferd nun nicht so ängstlich. Ich lockte des junge Pferd immer weiter vorwärts, bis wir schließlich in der Mitte der Bahn standen. Genau deshalb hatte ich vorher auch abgeklärt, wann wir unsere Übung durchführen konnten. Blessing sah sich mit geweiteten Augen um und zuckte bei jedem Geräusch zusammen. So kannte ich die junge Stute noch überhaupt nicht und mir tat das Herz weh, bei dem Gedanken, was sie wohl durchgemacht hatte. Ich trat auf Blessing zu und kraulte sie hinter den Ohren. Nach einer Weile senkte das Fuchsstütchen den Kopf. Ich lobte sie ausgiebig und führte sie von der Bahn hinunter. Für heute hatte ich mein Ziel erreicht, doch es würde noch ein langer Weg werden.

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      Samstag – 25. April 2020
      „Brrrrrrrr…Brrrrrrr…Brrrr.“ Erschrocken fuhr ich hoch, als mein Telefon auf dem Nachttisch vibrierte. Es war noch stockdunkel und ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass es drei Uhr in der Nacht war. Sofort war ich hellwach. Wer mich um diese Zeit anrief, hatte mir dringendes mitzuteilen. Ich nahm ab und meldete mich ängstlich. „Sammy?“, schluchzte Ana ins Telefon. Meine Kehle schnürte sich zusammen. Irgendetwas stimmte nicht. Ging es Kagami nach der Geburt vielleicht schlecht? Oder war etwas mit ihrem Baby? „Es geht um Leveneza. Sie hat ihr Baby bekommen. Zu früh. Und es ist so klein und schwach. Außerdem war es eine schwere Geburt, wir mussten den Tierarzt rufen. Gott, ich wünschte, du wärst da. Ich fühle mich so hilflos.“, weinte Ana. Ich schluckte. Leveneza war als eine der letzten Stuten gedeckt worden und hätte noch knapp drei Wochen bis zum Geburtstermin gehabt. „Beruhige dich, Ana. Das Baby lebt und der Tierarzt ist da, ja? Und Leveneza hat es einigermaßen überstanden?“, fragte ich. „Levi ist ziemlich fertig. Aber um ihr Baby mache ich mir mehr Sorgen. Sie steht nicht auf, versucht es nicht einmal. Der Tierarzt sagt, wir sollen sie halten, weil die Stutenmilch in diesen ersten Stunden so wichtig für das Fohlen ist. Aber ich wollte erst dich anrufen.“, berichtete Ana leise. „Alles gut, Ana. Der Tierarzt hat recht. Ihr müsst das Fohlen stützen, damit es Muttermilch bekommt. Levi ist so umgänglich, dass sie euch bestimmt keine Probleme macht. Auch sie will, dass es ihrem Baby gut geht, da bin ich mir sicher.“, versuchte ich die junge Frau zu beruhigen. Es war Ana’s erste Fohlensaison auf einem Gestüt und wenn etwas schief lief war das immer hart. Auch ich musste schlucken. Bisher hatte ich in meiner Laufbahn erst ein Fohlen verloren und das verfolgte mich noch heute. Die Stute damals hatte mir allerdings nicht gehört und an Leveneza hing ich wesentlich mehr. Es wäre furchtbar, wenn ihr Baby es nicht schaffen würde. Eine Träne rollte mir über die Wange. „Kannst du heute Nacht bei dem Kleinen bleiben? Morgen komme ich zurück und dann werden wir alles tun, um das Baby durchzubringen. Aber Ana, bis dahin müsst ihr durchhalten. Brian, Samuel und Donald wissen, was in einem solchen Fall zu tun ist. Das haben wir oft genug durchgesprochen. Gib mir Brian am Besten mal.“, sagte ich mit fester Stimme. Kurz darauf war mein junger Trainer am Apparat. Es wunderte mich nicht, dass all meine Trainingsreiter um diese Unzeit im Stall waren. Sie alle waren mit ganzem Herzblut für die Pferde da. „Natürlich, Sammy. Du hast völlig recht. Wir waren nur so aufgeregt, da haben wir deine Anweisungen einfach vergessen. Aber im Grunde wissen wir ja, was wir tun müssen. Ich verspreche dir, dass ich die Kleine durchbringen werde.“, sagte er. „Die Kleine? Es ist ein Stutfohlen?“, fragte ich heißer. Ich hatte mir für Leveneza irgendwie immer ein Stütchen gewünscht. Eines, das genauso elegant und bezaubernd war, wie die lackschwarze Schönheit selbst. Ich hörte, wie Brian lächelte als er antwortete: „Ja. Eine kleine Fuchsstute mit großen Abzeichen. Sie ist zwar winzig, aber wunderschön.“ Ich schluckte. „Okay, Brian. Dann versuch du bitte die anderen zu beruhigen und kümmere dich gut um das Kleine. Ich bin morgen zurück und dann schaffen wir das schon. Sag vor allem Ana, dass sie sich nicht zu viele Sorgen machen soll. Das hilft dem Baby nichts.“ Mit diesen Worten verabschiedete ich mich und legte auf. Inzwischen war es kurz vor vier, doch an Schlaf war nicht mehr zu denken. Um fünf stand ich für gewöhnlich sowieso auf, dann konnte ich es genauso gut gleich tun. Ich wischte mir die Tränen ab, schwang die Beine aus dem Bett und zog mich an. Da es mitten in der Nacht doch noch ziemlich kalt war, zog ich mir meine Jacke über und lief leise hinüber zu den Koppeln. Auch wenn Blessing mir noch nicht vertraute, ich musste jetzt das weiche Fell und den warmen Atem eines Pferdes spüren. Die Stuten des Makeovers sahen auf, als ich zu dieser unchristlichen Stunde auf der Koppel erschien. Selbst Blessing sah mir von ihrem Platz abseits der anderen entgegen. Ich ging auf das junge Vollblut zu und legte die Hand auf seinen warmen Hals. „Ach Blessing. Eine meiner Stuten hat ein Baby bekommen. Es ist ein kleines Fuchsstütchen, genau wie du. Es hat sogar große Abzeichen, wie du. Aber ich weiß nicht, ob es durchkommen wird. Die anderen sagen, dass es so klein und schwach ist und der Tierarzt hat uns auch nicht viel Hoffnung gemacht. Ich hasse es, mich so hilflos zu fühlen. Am liebsten würde ich sofort nach Hause fahren. Aber im Grunde genommen könnte ich ja doch nichts tun.“, ließ ich meiner Trauer freien Lauf. Blessing hielt ganz still und hatte die Ohren nach hinten in meine Richtung gewandt. Es war das erste Mal, dass sie das tat. Vielleicht brachte mich meine eigene Verzweiflung meinem Makeover Pferd näher. Im Moment genoss ich einfach nur den Augenblick.

      Als ich an diesem Morgen beim Frühstück saß, fragten mich mehrere Teilnehmer, ob es mir gutging. Die letzte Nacht war nicht spurlos an mir vorüber gegangen. Meine Augen waren rot und geschwollen und ich war ziemlich in Gedanken versunken. Ich erklärte ihnen bereitwillig die Situation und alle waren sehr mitfühlend und bemüht, mir Mut zu machen. Das kleine Fohlen, das ich noch nie gesehen hatte, hatte jetzt schon einen Fanclub. Alle wollten, dass das Stütchen überlebte. Als Nicolaus von der ganzen Sache hörte, fragte er, ob ich nicht heute schon abfahren wollte, doch ich lehnte dankend ab. Blessing und ich hatten heute noch einen wichtigen Schritt zu erledigen und ich war mir sicher, dass das Baby daheim bestens umsorgt wurde. Nach dem Frühstück ging ich zu meiner Fuchsstute hinaus und holte sie von der Koppel. Irgendetwas hatte sich verändert. Blessing beobachtete mich nun immer häufiger, wenn sie dachte, ich würde nicht hinsehen. Mir jedoch fiel die Veränderung durchaus auf und ich fragte mich, ob es mit meiner Traurigkeit heute Nacht zu tun hatte. Ich wollte Blessing heute früh nur ein wenig herumführen und heute Nachmittag dann noch einmal mit ihr auf die Rennbahn gehen. Morgen würden wir dann direkt nach dem Frühstück nach England aufbrechen. Immerhin hatten wir einen weiten Weg vor uns. Ich putzte die junge Stute gründlich und legte ihr Gamaschen an. Sie hatten sich in unserem Training schon einige Male bewährt und ich war heilfroh, dass Blessing’s Beine geschützt waren. Eine Verletzung war nun wirklich das Letzte, was wir brauchten. Nachdem Blessing fertig fürs Training war, band ich sie los und schlug heute einmal den Weg in die andere Richtung ein. Wir gingen vorbei an den Koppeln der Pferde des Makeovers und liefen dann einen kleinen Weg entlang, der laut Collin zu den Weiden der Jungpferde führte. Blessing schlurfte zwar immer noch vor sich hin, sah sich aber immer einmal wieder um. Das hatte sie früher nicht getan und dieser Funke von Interesse verdrängte meine trübselige Stimmung ein wenig. Immerhin machte das Fuchsstütchen Fortschritte. Blessing und ich waren nun jeden Tag gelaufen und hatten unsere Distanz allmählich vergrößert. Heute waren wir das erste Mal über eine Stunde unterwegs und legten zwischendurch auch kleinere Passagen im Trab zurück. Blessing begann im Trab zwar recht schnell zu schwitzen, kühlte im Schritt aber auch immer rascher wieder ab. Für mich ein sicheres Zeichen, dass ihre Kondition besser wurde. Wir liefen an den Koppeln entlang und beobachteten die Jungpferde, die dort herumtollten. Hoffentlich würde Leveneza’s Tochter im nächsten Jahr auch so über die Weiden springen können. Ich schüttelte den Kopf, um die Gedanken an das kleine Stutfohlen zu vertreiben. Als das Gestüt wieder in Sicht kam, war es bereits Mittag. Ich versorgte Blessing liebevoll, wusch sie gründlich ab und brachte sie dann zurück auf die Koppel. Blessing schlurfte sofort an ihren Stammplatz, blickte dann aber zu mir zurück, bevor sie ein paar Halme Gras rupfte. Ich lächelte. Wir machten definitiv Fortschritte, auch wenn sie klein waren.

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      An diesem Nachmittag telefonierte ich zuerst mit Ana. Samuel war gerade bei Leveneza und ihrem Baby und Brian hatte sich ein wenig hingelegt, da er die Nacht über und den ganzen Morgen auf die zwei Stuten aufgepasst hatte. Stündlich stellten sie das Babypferdchen auf, damit es ein wenig Muttermilch zu sich nehmen konnte und Leveneza unterstützte sie nach Kräften. Immerhin zog die junge Stute mit. Leider gab es auch immer wieder Stuten, die sich um solch schwächliche Fohlen nicht kümmerten. Ich war heilfroh, dass dies bei Leveneza eindeutig nicht der Fall war. „Jeder liebt die Kleine. Aber bei Kagami’s Fohlen ist es nicht anders. Es ist übrigens tatsächlich ein Roan! Wie toll, dass deine Wunschfarbe bei der Anpaarung herausgekommen ist. Das Kleine ist putzmunter und springt schon in der Box herum. Aber wir alle sind froh, wenn du wieder hier bist. Noch so eine Geburt möchte keiner von uns ohne dich erleben.“, schloss Ana ihren Bericht ein wenig traurig. „Ach Ana, so etwas wollen wir auch nicht noch einmal erleben, wenn ich da bin. Ich hätte das Ganze ja auch nicht verhindern können. Aber die erste Nacht hat das Baby überstanden, das ist schon einmal ein gutes Zeichen. Ich fahre morgen gleich nach dem Frühstück mit Blessing hier los. Vergesst ihr nur bitte über den ganzen Trubel nicht, die Box für unser Makeover-Pferdchen herzurichten. Blessing zeigt endlich ganz langsam Interesse an mir und ihr soll es an nichts fehlen. Ana hörte mir aufmerksam zu und sagte, dass die Box schon vorbereitet sei. „Wir müssen sie morgen nur noch einstreuen und Heu hineinlegen. Alles weitere ist erledigt.“, beteuerte sie mir. Wir verabschiedeten uns und Ana wünschte mir schon einmal eine gute Fahrt, da wir uns vor meiner Abfahrt morgen wohl nicht mehr hören würden. Wenn nichts Schlimmes dazwischen kam. Sofort schalt ich mich in Gedanken selbst. Solch eine negative Denkweise passt eigentlich überhaupt nicht zu mir und ich hatte ganz sicher nicht vor, mir diesen Zug anzueignen. Ich zog mich um, schnappte mir einen Apfel und ging hinüber zur Stutenkoppel. Blessing hob kurz den Kopf, als sie mich sah und ein Lächeln huschte über mein Gesicht. Ich hielt ihr den Apfel hin und nach kurzem Zögern nahm sie ihn mir vorsichtig von der Hand. Liebevoll strich ich Blessing über die weiße Stirn und führte mein Pferdchen dann von der Koppel. Wie gewohnt machte ich Blessing in aller Ruhe fertig und führte sie dann den Weg zur Trainingsbahn entlang. Inzwischen war das junge Vollblutpferd schon wesentlich entspannter, wenn wir hier entlang kamen. Vor dem Eingang der Trainingsbahn zögerte Blessing jedoch wieder und es dauerte wieder einige Zeit, bis ich sie auf der Bahn hatte. Anstatt das Training nun jedoch wie am gestrigen Tag zu beenden, führte ich Blessing weiter, um auf die innere Bahn zu gelangen. Wir würden nach unserem ausgiebigen Spaziergang heute Morgen jetzt nicht mehr viel machen, ich wollte lediglich, dass Blessing ein paar Schritte um die Bahn lief, um zu sehen, dass ihr dabei nichts passierte. Ein Zittern lief über den Körper der jungen Stute, doch dann setzte sie sich in Bewegung und folgte mir an der Hecke entlang. Ich ging nur etwa zweihundert Meter mit Blessing, dann drehten wir um und liefen dieselbe Strecke in die andere Richtung. Zum Schluss stellte ich mich mit der Fuchsstute an den äußeren Rand der Bahn und massierte sie ein wenig. Dazu hängte ich mir den Führstrick in die Armbeuge – man konnte ja nie wissen. Nach diesem Etappenerfolg führte ich Blessing wieder zurück zum Hof, befreite sie von ihrer Ausrüstung und bereitete ihr abendliches Mash zu. Dann rieb ich ihr sachte über das weiche, rosarote Maul und führte sie zurück zur Koppel. „Genieß deine letzte Nacht in Schweden, mein Mädchen. Morgen fahren wir nach England, in dein neues Zu Hause!“, sagte ich dann leise zu ihr, bevor ich zum Abschlussabendessen in den Aufenthaltsraum ging. Es war toll gewesen, sich jeden Tag mit den anderen Teilnehmern auszutauschen und das Training mit nur einem einzigen Pferd war pure Erholung für mich gewesen. Dennoch freute ich mich auf die morgige Heimfahrt und darauf, meinen Hof, meine Tiere und meine Angestellten wiederzusehen. Und natürlich freute ich mich ganz besonders auf die beiden neuen Hollybrook-Fohlen!

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      Sonntag – 26. April 2020
      Ich fütterte Blessing an unserem letzten Tag wie gewohnt früh am Morgen. Danach ging ich zurück in mein Zimmer und packte meine Sachen zusammen. Als ich zum gemeinsamen Frühstück aufbrach, war mein Zimmer bereits geputzt und all meine Sachen waren sicher im Auto verstaut. In der Sattelkammer befanden sich nun nur noch Blessing’s Halfter und Führstrick, die Fesselkopfgamaschen für vorne und hinten, sowie die Fleecedecke. Den Transporter hatte ich mit einem Heunetz ausgestattet, damit Blessing auf der langen Fahrt ein wenig Futter hatte. Wir hatten immerhin knapp fünfzehn Stunden Fahrt vor uns. Ich frühstückte, bis ich pappsatt war und packte mir mit Collins Erlaubnis ein Lunchpaket für die Fahrt. Einen Kanister mit Wasser für Blessing hatte ich selbstverständlich auch dabei. Nach dem Frühstück verabschiedete ich mich vergleichsweise schnell von den anderen Teilnehmern. Manche hatten eine noch längere Anreise als ich, andere hatten einen recht kurzen Weg. Dann holte ich Blessing von der Koppel, putzte sie kurz über, kratzte die Hufe aus und legte ihr dann Gamaschen und Decke an, um sie für den Transport vorzubereiten. Ich hatte mich gegen eine Sedierung entschieden, da Blessing bisher immer sehr ruhig gewesen war. Ich öffnete meinen Transporter und führte Blessing zur Rampe. Die Stute zögerte kurz, ging dann jedoch mit gesenktem Kopf die Rampe hinauf. Scheinbar war sie schon des Öfterem im Transporter gefahren. Ob das nun gut oder schlecht war, würde sich noch zeigen. Ich band mein Vollblut-Stütchen fest, versicherte mich, dass es ihr an nichts fehlte und schloss dann sorgfältig die Rampe. Dann verabschiedete ich mich nochmals von den anderen Teilnehmern und auch von den Veranstaltern. Benni versicherte uns allen grinsend, dass wir uns ja bald wieder sehen würden. Ich schmunzelte, stieg in mein Auto und fuhr winkend vom Hof. Dann drehte ich die Musik auf und stellte mich auf die Fahrt ein. Die Fahrt durch Schweden verlief relativ kurz und ereignislos. Schon nach knapp drei Stunden waren wir am Fähranleger von Rodby. Ich war ein wenig besorgt, wie gut Blessing die Überfahrt verkraften würde, zumal wir ja heute gleich zweimal mit der Fähre unterwegs sein würden. Daher hatte ich mich schon bei der Hinfahrt darauf eingestellt, auf dieser Route während der Überfahrt unter Deck bei meinem Pferd zu bleiben. Wir bekamen einen Platz auf der nächsten Fähre und ich steuerte mein Auto samt Hänger vorsichtig auf den uns zugewiesenen Platz. Sobald wir sicher standen, stellte ich den Motor ab, schloss das Auto zu und ging zu meinem jungen Vollblut in den Hänger. Blessing’s Augen wurden groß, als der Motor der Fähre lauter wurde und wir uns langsam in Bewegung setzten. Es war ein großes Schiff und dennoch war der Wellengang deutlich zu spüren. Ich strich meinem Stütchen beruhigend über den Hals und massierte sie ausgiebig, während ich leise vor mich hinsummte. Glücklicherweise dauerte die Überfahrt von Schweden nach Deutschland nicht allzu lange. Von Puttgarden, wo die Fähre anlegte, ging es quer durch den Norden Deutschlands, vorbei an Hamburg, Bremen und Dortmund. Auf den Straßen war nicht viel los und darüber war ich mehr als dankbar. Blessing war auf der Fahrt ziemlich ruhig und schwitzte auch nicht, als wir kurz vor der niederländischen Grenze eine längere Pause einlegten. Zu diesem Zeitpunkt waren wir bereits acht Stunden unterwegs. Das junge Pferd schlug sich jedoch sehr gut. Ich füllte erneut Blessing’s Wassereimer, entfernte Pferdeäpfel aus der Streu und füllte Heu nach. Außerdem band ich Blessing los und führte sie ein wenig auf dem Parkplatz des Autohofs herum. Ich hatte mich extra nicht für eine Autobahnraststätte entschieden, damit wir ein wenig mehr Ruhe hatten. Nachdem ich Blessing’s Muskeln gelockert hatte, bekam sie ihr Mash, wofür ich extra meinen Wasserkocher eingepackt hatte. „Nur noch knapp sieben Stunden mein Mädchen, dann sind wir endlich zu Hause.“, sagte ich liebevoll zu dem Pferdchen. Ich genehmigte mir einen großen Kaffee und besorgte mir im Drive In ein paar Burger. Dann ging es auch schon weiter. Wir durchfuhren ein Eckchen der Niederlanden und durchquerten anschließend Belgien. Nur noch ein Land lag zwischen uns und meinem geliebten England. Als wir den Fähranleger in Calais, in Frankreich erreichten, war ich ganz schön fertig. Nur noch drei einhalb Stunden, aber eine davon konnte ich mich auf der Fähre ausruhen. Ich holte mir einen weiteren Kaffee und ging schnell zur Toilette, während weitere Autos auf die Fähre fuhren. Wir waren unter den ersten gewesen, daher hatte ich einige Minuten Zeit, bis wir ablegen würden. Anschließend ging ich mit meinem Kaffee, zwei Brötchen und einem Apfel zu Blessing in den Hänger. Ich verfütterte den Apfel an sie und setzte mich auf den Boden. Blessing stand mit gesenktem Kopf da und döste vor sich hin und ein paar Minuten später war ich selbst eingeschlafen. Erst als die durchdringende Ansage über das Parkdeck schallte, dass wir in wenigen Minuten anlegen würden, wachte ich wieder auf. Nach diesem kurzen Schläfchen fühlte ich mich wieder frischer und war bereit für die letzte Etappe unserer Reise. Blessing machte zwar einen sehr müden Eindruck, ansonsten schien es der jungen Stute jedoch gut zu gehen. Ich strich ihr über die samtene Nase und setzte mich dann ans Steuer, um den Verkehr nicht aufzuhalten, sobald wir das Schiff verlassen durften. Nun ging es vorbei an London und Winchester, bis wir bei Southampton schließlich die Schnellstraße verließen. Kurz darauf fuhr ich auf der Landstraße durch den Wald und eine halbe Stunde später kam die Zufahrt zu meinem Gestüt in Sicht. Ich seufzte erleichtert auf. Eigentlich fuhr ich nie so lange Strecken am Stück, doch ich hatte Blessing keine Nacht im Hänger oder einem fremden Stall zumuten wollen. So war die Tortour zumindest schnell vorüber. Mittlerweile war es kurz nach ein Uhr und ich spürte überdeutlich, dass ich schon seit dem Morgengrauen auf den Beinen war. Als ich den Pferdehänger vor den Stall lenkte, kam mir Ana entgegen. Sie öffnete mir die Tür und umarmte mich. „Du siehst ganz schön fertig aus. Aber das ist ja nach dieser Fahrt auch kein Wunder! Blessing’s Box ist bereit, soll ich sie herausführen?“, begrüßte Ana mich. Ich schüttelte den Kopf: „Nein, das mache ich selbst. Sie kennt mich ja jetzt und hier ist alles neu für sie. Aber ich glaube, Blessing ist genauso müde wie ich, deshalb wird es bestimmt keine Probleme geben.“ Ana ließ die Rampe des Hängers herunter und ich trat zu meinem Pferdchen. Blessing blinzelte mich müde an und ich strich ihr liebevoll über den Kopf. „Na komm meine Süße, wir sind daheim. Du warst wirklich klasse!“, lobte ich sie. Dann band ich Blessing los und dirigierte sie vorsichtig die Rampe des Pferdehängers herunter. Das Stütchen blieb stehen und zog mit zitternden Nüstern Luft ein. Ich tätschelte ihren Hals und führte sie vorwärts zum Stutentrakt. Blessing folgte mir anstandslos und reagierte nicht auf das einzelne müde Wiehern, das uns entgegenschallte. Ich führte Blessing in die Box und nahm ihr Gamaschen und die Decke ab. Ihre Krippe war gefüllt, die Box dick eingestreut und die Tränke funktionierte. Blessing war so erschöpft, dass sie sich gar nicht großaratig umsah und ihre Boxennachbarin Elfentanz ließ sie in Ruhe. Elfentanz war kein aufdringliches Pferd, deshalb war es mir so wichtig gewesen, dass Blessing die Box neben ihr bezog. Ich betrachtete das junge Stütchen noch einen Augenblick lang, dann ging ich leise in den Abfohltrakt, um mir die beiden kleinen Fohlen anzusehen. Ich konnte mich vor Müdigkeit zwar kaum noch auf den Beinen halten, aber ich war eben Pferdebesitzerin mit Leib und Seele, da ging das Wohl der Vierbeiner vor. Leise betrat ich den Stall und lief sofort zu meiner Palominostute Kagami. Das schöne Tier döste stehend in seiner Box und in einer Ecke im Stroh entdeckte ich ein kleines, helles Bündel. „Hallo Baby“, flüsterte ich leise. „Begrüßen werde ich dich morgen, heute lasse ich dich schlafen.“ Kagami hatte die Augen geöffnet und kam vorsichtig zur Tür, um mich zu begrüßen und ich strich der Stute die weiße Mähne aus der Stirn. „Das hast du toll gemacht mein Mädchen. Ich werde mir dein Baby morgen genauer ansehen, okay?“, sagte ich liebevoll. Dann ging ich drei Boxen weiter zu Leveneza und ihrem Stutfohlen. Die Rappstute lag im Stroh, ihr winziges Baby direkt neben ihr. Brian döste in einer Ecke der Box. Als Ana die Boxentür öffnen wollte, schüttelte ich den Kopf. Der junge Mann hatte ein paar harte Tage und Nächte hinter sich und konnte jede Minute Schlaf gut gebrauchen. Zudem wollte ich auch Leveneza und ihr Kleines nicht aufwecken, da sie gerade so friedlich schliefen. Die Größe des Pferdebabys machte mir dennoch Angst. Es sah so klein und zerbrechlich aus, wie es da im Stroh neben seiner stattlichen Mutter schlief. Auf Zehenspitzen schlichen Ana und ich zurück in den Stutentrakt und sahen noch einmal nach Blessing. Das junge Vollblut hatte es sich im Stroh gemütlich gemacht und schlief tief und fest. Ich lächelte. Noch nie hatte ich gesehen, dass Blessing sich zum Schlafen hinlegte. Wahrscheinlich war sie die Weidehaltung mit anderen Pferden zusammen einfach nicht gewohnt gewesen. Ich lächelte und verließ den Stall. Dann wünschte ich Ana eine gute Nacht und ließ mich in Klamotten in mein Bett fallen. Das heute war ein wirklich langer Tag gewesen, aber ich freute mich bereits auf den Nächsten.

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      Montag – 27. April 2020
      Trotzdem ich nach der kräftezehrenden Fahrt erst spät ins Bett gekommen war, war ich am nächsten Morgen gewohnt früh auf den Beinen. Mein erster Weg führte mich natürlich in den Stutentrakt zu meinen Pferden. Blessing stand am hinteren Ende ihrer Box und sah durch ihr Fenster nach draußen. Ich rief nach ihr und sie wandte sich kurz nach mir um, bevor sie mich ignorierte. „Kleine Schritte.“, dachte ich mir. Immerhin hatte Blessing noch vor einer Woche überhaupt nicht reagiert, wenn sie mich sah. Da ich schonmal hier war, begrüßte ich gleich auch noch HMJ 7785 Elfentanz und ihre Freundin, die Palominostute Hollywood Undead II. Die beiden vernachlässigten Pferde waren inzwischen unzertrennlich. Ich ging die Boxenreihe entlang und knuddelte mit meinem Holsteinermädchen Coeur de Lilith, der Hannoveranerstute Cassidy und meiner alten Dame Wild Lady Roxanne. Anschließend betrat ich den Fohlentrakt und ging schnurstracks zu Leveneza und ihrem Baby. Die schöne Rappstute schwang ihren Kopf über die Boxentür und wieherte mir leise zu, als sie mich kommen sah. Ich ging auf sie zu und nahm ihren Kopf in die Arme. „Hallo, meine Schöne. Alles wird gut, ich passe jetzt auf dein Baby auf.“, tröstete ich sie, während ich die Box betrat. Das Pferdebaby lag zusammengerollt im Stroh und blinzelte mich vertrauensseelig an. Das Pferdekind hatte wesentlich mehr menschlichen Kontakt gehabt, als es Fohlen in ihrem Alter eigentlichen hatten. Brian saß immer noch in der Ecke und beobachtete das Fohlen aufmerksam. „Sie steht immer noch nicht alleine auf, aber ich habe trotzdem das Gefühl, dass sie es schaffen wird.“, sagte er leise und gähnte. „Geh schlafen Brian. Ich mache nur noch meinen Rundgang durch den Stall, dann passe ich auf die beiden auf. Du hast in den letzten Tagen mehr als genug getan.“, sagte ich dankbar. Der junge Mann nickte und stand schwankend auf. „Getrunken hat sie erst vor ein paar Minuten.“, sagte er noch. Ich dagegen kniete mich hin und strich dem Baby über den flaumigen Hals. Es schmiegte sich gegen meine Hand und zerfloss beinahe vor Rührung. Wir mussten dieses Fohlen unbedingt am Leben halten. Nur schwer konnte ich mich von Mutter und Kind losreißen, als ich weiter zu Kagami El Assuad und ihrer Tochter ging. Das kleine Tier war tatsächlich ein Palomino Roan und ich konnte mein Glück kaum fassen, diese seltene Fellfarbe gezüchtet zu haben. Die kleine Stute hatte ebenfalls gerade gefrühstückt und sprang nun ausgelassen in der Box herum. In einigen Tagen würden wir die beiden bereits auf die Koppeln hinaus bringen können. Auch Lamira und Lyna machten einen sehr guten Eindruck. Die eigensinnige Schimmelstute hatte ihre erste Geburt sehr gut überstanden und Lyna war ein richtiges Prinzesschen, das von allen auch genau so behandelt wurde. Ich stattete den restlichen trächtigen Stuten einen Besuch ab. Successful Dream stiefelte immer noch recht energisch auf der Koppel herum, während die anderen eher durch die Gegend wankten, wenn sie sich denn einmal bewegten. Ich lächelte. Es wunderte mich überhaupt nicht, dass mein junges Vollblut noch so agil war. Ana, Samuel und Donald machten gerade die Englischen Vollblutstuten PFS‘ Storm Cat, Bearing Spots, Little Miss Backyard, Success Story xx und Ace of Spades zum Training fertig. Von diesem würde ich mich heute allerdings fernhalten, um die Wache bei Leveneza und ihrem Fohlen zu übernehmen. Die Showpferde Where’s Sleep, Rosewell, My lovely Horror Kid, Saddy, Rainbow, Ehawee und Cuchara tummelten sich bereits auf den Koppeln. Sie wurden momentan weniger trainiert als die Vielseitigkeits- und Rennpferde, aber auch das würde sich in nächster Zeit wieder ändern. Auch die Ranchpferde PFS‘ Devil in Prada, Arriba, Your possible Pasts, The Morticains Daughter und My golden Heart waren zur Zeit nicht in intensiven Training. Meist ritten wir mit ihnen aus oder nahmen sie als Begleitpferde für die Jungtiere, die gerade ins Training kamen. Bevor ich meinen Rundgang nun auf den Koppeln fortsetzte, um meine Feenpferdchen, die Trainingspferde und Fohlen zu besuchen, ging ich erst einmal in den Hengststall, um meine Männer zu begrüßen. Die Vielseitigkeitspferde Cadeau, Fantastic Fly, Incendio, Pride & Prejudice und Levistino machten alle einen hervorragenden Eindruck. Auch bei den Showpferden Roi du Soleil, Shamal, Khamar al Sanaa, Negresco, Ojos Azules, Damon’s Dynamo und Amayyas war alles in bester Ordnung. Amayyas hielt wie üblich alle auf Trab, aber ich liebte meinen Geparden abgöttisch. Die beiden Westernpferde Golden Indian Summer und Dissident Hawk knabberten enttäuscht an meinem Ärmel, als sie entdeckten, dass ich ihnen nichts mitgebracht hatte. „Nehmt’s mir nicht übel meine Süßen, ich bin heute noch ziemlich müde. Morgen bringe ich euch etwas Leckeres, versprochen!“, vertröstete ich die Hengste lachend. Meine kleinsten Ponys waren bereits draußen auf den Koppeln. Der Isländer GE’s Ljósfari kam sofort zum Koppelzaun als er mich entdeckte. Das Islandpony war der geheime Liebling bei allen Gestütsbesuchern und hatte auch einen besonderen Platz in meinem Herzen. Die Minihengste Rumpelstielzchen und Darkwood’s Storm Dancing Feather stolzierten über ihre Weide und Hollybrook’s Cheeky Jot ignorierte mich. Der schöne Schecke war wahrscheinlich beleidigt, weil ich ihn solange alleine gelassen hatte. Cheeky und mich verband eine ganz besondere Beziehung und der Hengst hatte noch immer seinen eigenen Kopf. Mein Neuzugang, das spanische Warmblut Vingador stand momentan noch in einem der abgetrennten Hengstpaddocks, da er sich von einer schwerwiegenden Vernachlässigung erholen musste. Auch PFS‘ Arctic Alinghi, der wunderschöne Junghengst unter den Miniature Pferden stand zur Zeit noch alleine, da nicht sicher war, ob er sich mit den beiden älteren Hengsten verstand. Die Stuten unter den Trainingspferden standen noch im Stall. Unter ihnen waren die wunderhübschen Miniature-Pferdchen PFS‘ Beck’s Little Diva und PFS‘ Glenn’s Cookie. Mit beiden wollte ich demnächst das Training beginnen. Pashmina, Pirate’s Pride und die schöne Stute Galantis standen bereits gut im Training, während Picturesque Diova, Successful Glamour und Painted Crown Jewel ihre gesamte Karriere noch vor sich hatten. Letztere waren erst seit knapp zwei Wochen auf meinem Gestüt und ich konnte mein Glück immer noch kaum fassen, zwei solch vielversprechende Stuten ergattert zu haben. Im Fohlentrakt befanden sich derzeit nur noch die fast ausgewachsene Trakehnerstute Jeune Mariée, die Welsh D Stute PFS‘ Daydream of Money und das Araberstütchen PFS‘ Isis. Ganz zum Schluss stattete ich noch meinen Ponystuten Magical Moment, Thousand Sunny, Naboo, Aimiliani, Fairylike Facility, Isola della Pirateria, Miniature America’s Narnia und Porcelain Doll einen Besuch ab. Dann schaute ich noch einmal bei Blessing vorbei. Ich gab dem schönen Tier sein Frühstück und ließ Blessing dann in Ruhe. Heute Nachmittag durfte sie ein paar Stunden auf ein Stück Koppel, dass ich neben der Stutenkoppel abgetrennt hatte. Ansonsten aber hatte mein Makeover-Pferdchen heute frei. Immerhin war der Tag und überhaupt die ganze letzte Woche ziemlich anstrengend gewesen. Da hatte sich Blessing einen freien Tag redlich verdient. Fortschritte würden wir noch schnell genug machen. Ich dagegen hatte heute einiges zu tun. Erst einmal standen nun ein paar Stunden Wache halten bei Leveneza an und später am Tag wollte ich mir Gedanken über Blessing’s Trainingsplan machen, damit das Stütchen sich bald auf meinem Gestüt zu Hause fühlte. Ich hoffte wirklich sehr, dass ich Blessing weiter aus ihrem Schneckenhaus locken konnte und die Stute bald über die weitläufigen Weiden meines Gestüts toben würde. Den Grundstein hatten wir gelegt, nun hieß es behutsam weitermachen und darauf aufbauen. Ich war zuversichtlich, dass Blessing und ich tolle Partner werden würden.
    • Sammy
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      Thousand thoughts, but nothing to say
      22. November 2020
      Pures Adrenalin überrollte mich, als an diesem Morgen mein Wecker klingelte. In der Regel brauchte ich keine Hilfe beim Aufwachen, doch zur Zeit war ich nicht wirklich ich selbst. Es war einfach alles zu viel Stress. Zu Hause in Irland war meine Oma schwer erkrankt und wir wussten nicht, ob sie diesen Winter überstehen würde. Sukzessive gingen all meine elektronischen Geräte in die Knie - zuletzt mein Laptop und ich hatte das Gefühl, von Büchern erschlagen zu werden. Ganz nebenbei lief es auch mit den Pferden nicht super gut. Durch die ganze Krisensituation war der Markt ziemlich eingebrochen und ich hatte kaum Interessenten für meine zahlreichen Verkaufspferde. Daran, die Zuchtfohlen in den Verkauf zu geben, war momentan nicht einmal zu denken. Mit einer enormen Kraftanstrengung wuchtete ich mich aus dem Bett, rannte ins Bad, zog mich an und schüttete meinen morgendlichen - jetzt obligatorischen- Kaffee in mich hinein. Dann war ich auch schon auf dem Weg zu den Stallungen. Sofort liefen zwei meiner Mitarbeiter auf mich zu, berichteten mir von weiteren kleineren und größeren Schwierigkeiten. So kam es also, dass ich schon früh am Morgen durch den Stall hastete, wie das weiße Kaninchen aus Alice im Wunderland. "Keine Zeit, keine Zeit, viel zu tun!", ratterte in Dauerschleife durch meinen Kopf.
      Nachdem die ersten Pannen überwunden waren, kam ich endlich dazu, mich um die Morgenfütterung meiner Lieblinge zu kümmern. Wir begannen bei den Überfliegern: Fantastic Fly, Corde de la Cerise, Hollywood Undead II, Cadeau, Coeur de Lilith, Leveneza, Lamira, Incendio, Cassidy, Mahira, Pride and Prejudice, Unannounced Pleasure, Wild Lady Roxanne, Reminiscent Inspiration, Levistino und Samiyah. Gleich darauf waren meine Blitzstarter, also meine englischen Vollblüter an der Reihe: Backup, Bearing Spots, El Racino, Pawaneeh, PFS' Storm Cat, Little Miss Backyard, Successful Dream, Kazumi Princess El Assuad, Kagami El Assuad, Success Story xx und Ace of Spades. Im Trakt der Showpferde ging es mit Where's Sleep los, dann folgten Roi du Soleil, Rosewell, My lovely Horror Kid, Saddy, Shamal, Khamar al Sanaa, Negresco, Rainbow, Ehawee, Damon's Dynamo, Amayyas, Ojos Azules und Cuchara. Im Trainingsstall erwarteten mich Galantis, Who Loves Candy, HMJ 7786 Elfentanz, Pirate's Pride, Painted Crown Jewel, Picturesque Diova, Successful Glamour, Vingador, PFS' Arctic Alinghi, PFS' Beck's Little Diva, PFS' Glenn's Cookie und Pashmina. Im Fohlenstall standen inzwischen nur noch Lyna di Royal Peerage, Jeune Mariée, PFS' Daydream of Money, PFS' Isis und Grace's Cookie 'n Cream. Ich wischte mir über die Stirn. Fast geschafft. Im Stall der Feenpferdchen strich ich meinem geliebten Isländer GE's Ljósfari über die Stirn, dann ging es weiter zu Porcelain Doll, Rumpelstielzchen, Miniature America's Narnia, Darkwood's Storm Dancing Feather, Naboo, Magical Moment, Hollybrook's Cheeky Jot, Thousand Sunny, Isola della Pirateria, Aimiliani und Fairylike Facility. Auf meinem Hof waren nun nur noch die Ranchpferde zu versorgen: PFS' Devil in Prada, Arriba, Your possible Pasts, Dissident Hawk, Golden Indian Summer, The Morticains Daughter und My Golden Heart. Als nächstes kümmerte ich mich um mein Horse Makeover-Pferdchen HMJ Blessing. Die schöne Fuchsstute machte großartige Fortschritte, aber ich kam momentan einfach nicht dazu, über sie zu berichten. Ich würde mich wohl auch an die Veranstalter des Makeovers richten, um meine Teilnahme zurückzuziehen. Es war einfach zu viel los. Dennoch hoffte ich, Blessing bei mir behalten zu dürfen. Als alle Pferde des Hofes versorgt waren, stieg ich in mein Auto und fuhr die wenigen Kilometer zu den Verkaufsstallungen. Einige der Pferde hier waren schon verkauft, andere reserviert, aber zu viele hatten noch keinen geeigneten Besitzer gefunden.
      Hier standen zur Zeit noch: Hollybrook's Barakah al Sanaa, Candle in die Wind, Girlie, Apaches Tomahawk, Hollybrook's Tiny Girl, Hollybrook's Fairy Bluebird, Hollybrook's Zarin, Cirilla, Middle Ages, Ivory, Wannabe, Pangäa, Chaira, Napayné, Glammy, Eddi's Dead Pop Romance, Dream of Wyoming, BB's Harmony, Wüstentänzer, Juego, Pirate Island, American Baby, Hollywood Undead, Kolibri, Dorina, Branagorn, Hollybrook's Casanova, Hollybrook's Classic Moment, Hollybrook's Bloody Valentine, Black Soul, Angels Fall First, Someone, Mizzi, Pierre, Salwa, Little Miss Sunshine, Sharley, Precious Scream und Adina De Ra'idah.
      Als ich wieder nach Hause kam, war ich schon vollkommen erledigt. Ich war mir nicht sicher, wie lange ich diesen Stress noch aushalten würde und überlegte mir, ob ich nicht einen Großteil meiner Pferde auf einer der großen Auktionen vorstellen sollte - auch wenn mir dieser Gedanke beinahe das Herz brach.
    • Sammy
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      Frühling
      22. Mai 2021
      Lächelnd saß ich auf meiner Dachterrasse und ließ den Blick über anthratzitfarbenen Dächer der Stallungen und die weitläufigen, satt grünen Weiden schweifen, auf denen sich unzählige Pferde tummelten. Der Frühling war einfach meine liebste Zeit des Jahres, auch wenn er zugleich die anstrengendste Phase des Gestütslebens darstellte. Die Hallenturniersaison war endgültig vorbei, endlich starteten die großen Vielseitigkeitstuniere wieder und Hollybrook kam Zuwachs in Form von niedlichen Fohlen mit flauschig weichem Fell. Zudem mussten Trainingspläne erstellt, fremde Trainingspferde eingeplant und notwendige Reparaturen gemanagt werden. Alles in allem hatte ich wirklich viel zu tun. Auch der Tag heute war wieder ereignisreich gewesen. Doch nun war es halb acht am Abend. Die Pferde genossen ihren wohlverdienten Feierabend auf den Koppeln und würden bald als letzte Arbeitshandlung des Tages, zurück in die Stallungen gebracht werden. Noch war es nachts zu kalt, um sie draußen zu lassen. Aber auch das würde sich wahrscheinlich bald wieder ändern. Ich hatte inzwischen nicht mehr sehr viele Pferde, die noch zur Körung mussten, aber diejenigen, die ich gerade darauf vorbereitete machten große Fortschritte. Grace's Cookie 'n Cream würde ich demnächst zu einer renomierten Westernpferdetrainiern geben, um dem schönen Jungpferd die bestmögliche Ausbildung zu verschaffen. In den Westerndiszplinen war ich einfach nicht mehr so bewandert, dass ich ein so vielversprechendes Pferd wie Cookie selbst übernehmen wollte. Für PFS' Daydream of Money wurde es allmählich Zeit, mit der Arbeit unter dem Sattel zu beginnen. Die kleine vorwitzige Stute sollte einmal die Partnerin meines Zuchthengstes Roi du Soleil werden, der zu meinen erfolgreichen Showpferden gehörte. Dann waren da noch die Jüngsten auf dem Gestüt: Das wunderschöne Rappstütchen Lyna di Royal Peerage, das von meinen Angestellten nur noch Prinzessin gerufen wurde und das inzwischen seinen einjährigen Geburtstag hinter sich hatte. Auch die anderen Jährlinge des Gestüts konnten sich durchaus sehen lassen. Die Pferde, die momentan an erster Stelle standen, was das Training betraf, waren meine Köranwärter. In einige von ihnen setzte ich allergrößte Hoffnungen. So zum Beispiel in die Urenkelin meines Jolympiasiegers Levistino, Jeune Mariée. Die Schimmelscheckstute war charmant, eifrig und sehr lernwillig. Mit ihr zu arbeiten machte einfach Spaß, auch wenn Mariées Ausbildung zum Reitpferd noch ganz am Anfang stand. Mein zweiter auserkorener Liebling im Trainingsstall war die Holsteinerstute Painted Crown Jewel. Ich hatte gefühlte Ewigkeiten auf ein Fohlen des bekannten Hengstes Painted Blur gehofft und konnte noch immer kaum fassen, dass mein Traum in Erfüllung gegangen war. Jewel war nun vier Jahre alt und sollte in dieser Saison ihre ersten Turniere bestreiten. Jewel war das, was man in Schülerkreisen einen Streber nannte. Sie wollte in jeder Arbeitseinheit perfekt sein und wurde regelrecht missmutig, wenn sie nicht auf Anhieb verstand, was ich von ihr erwartete. Das bedeutete, dass ich im Training mit ihr behutsam sein musste, sodass wir in jedem Fall jede Einheit mit einem positiven Erlebnis beendeten. Darauf achtete ich in der Regel sowieso, aber bei Painted Crown Jewel war es ein absolutes Muss. Erst heute Mittag waren wir beide in perfekter Harmonie über den Dressurplatz geschwebt und ich strahlte bei dieser Erinnerung. Kaum eines meiner Jungpferde hatte derart vielversprechende Anlagen, im Vielseitigkeitssport einmal zu den ganz Großen zu gehören. Der wunderschöne Cremellohengst Vingador, den ich vor längerer Zeit aus schlechten Verhältnissen gerettet hatte, lebte für die Dressur. Er machte auch auf dem Springplatz eine sehr gute Figur, nur im Gelände tat er sich noch etwas schwer. Ebenso ging es der Hannoveranerstute Successful Glamour. Die inzwischen vierjährige Tochter meiner erfolgreichen Rennstute Success Story xx und meinen Tierschecken Branagorn liebte das Springen, war im Gelände aber noch derart nervös und unsicher, dass wir uns momentan auf lange Spaziergänge beschränkten und uns die festen Geländehindernisse erst einmal vom Boden aus ansahen. Dann war da noch mein Neuzugang, Galantis. Die achtjährige Stute hatte schon einige Erfolge für sich verbuchen können und war fast so weit, dass ich sie zum Stutbuchwettbewerb schicken konnte. Picturesque Diova dagegen hatte gerade erst mit ihrem Training unter dem Sattel begonnen. Die zierliche Jungstute brauchte ein wenig mehr Zeit, als andere Pferde und ich hatte schon immer die Einstellung vertreten, dass man sich mit dem Training am jeweiligen Tempo des Pferdes orientieren musste. Das machte sich nun auch bezahlt, denn Diova entwickelte sich prächtig und zeigte allmählich auch etwas Selbstbewusstsein. Mein erstes Horsemakeover Pferd HMJ 7786 Elfentanz war ebenfalls nicht wiederzuerkennen. Die ehemals scheue und ängstliche Stute klebte immer noch an ihrer Freundin Holly, ließ sich aber inzwischen von allen Mitarbeitern meines Hofes anfassen und sammelte immer mehr Turniererfahrung. Sogar unsere erste Vielseitigkeit wollten wir in diesem Monat bestreiten. Für mich als Züchterin erstklassiger Vielseitigkeitspferde natürlich ein großer Moment. HMJ Blessing, mein Pferdchen aus dem letzten Makeover stand noch etwas weiter am Anfang ihrer Karriere, machte jedoch ebenfalls große Fortschritte. Mittlerweile trainierte Blessing beinahe täglich mit meinen anderen Rennpferden in der Morgenarbeit auf der Rennbahn. Bis ich Blessing das erste Mal unter dem Sattel auf der Bahn hatte, hatte ich viel Geduld, Zeit und Ausdauer investieren müssen, doch es hatte sich gelohnt. Blessing war nun völlig entspannt, solange ich in ihrem Sattel saß und liebte es einfach, zu laufen. Die junge Fuchsstute war aufgeweckter und lebensfroher, als ich sie je vorher gesehen hatte und tollte nun sogar mit den anderen Pferden auf der Weide herum. Ich fand es sehr schade, dass das letzte Horsemakeover aus Zeitgründen hatte abgebrochen werden müssen, doch die momentane weltweite Krise ging auch am Pferdesport nicht spurlos vorbei. Sollte es irgendwann ein neues Makeover geben, wollte ich aber in jedem Fall wieder dabei sein.
      Ich ließ meine Gedanken zurück zu den restlichen meiner Jungpferde schweifen und mir kam PFS' Isis in den Sinn. Die Jungstute machte ihrem Namen alle Ehre und benahm sich, als wäre sie die ägyptische Göttin, nach der sie benannt war. Die auffällig gefärbte Scheckstute war heißblütig, manchmal arrogant und wurde doch von allen verehrt. Schon jetzt zeigte die Stute beim Training wunderbare, schwebende Gänge und machte gerade die ersten Schritte unter dem Sattel. Meine beiden anderen Vollblüter im Trainingsstall waren die Stute Pirate's Island, die auf der Rennbahn schon einige Preise geholt hatte und der Liebling von allen: Who Loves Candy. Nachdem der hypersensible Vollbluthengst seine Rennpferdekarriere ad acta gelegt hatte, arbeiteten wir nun hart daran, aus ihm ein gutes Vielseitigkeitspferd zu machen. Die Anlagen dafür hatte das schöne Vollblut in jedem Fall. Auf dem Reitplatz waren wir inzwischen auch schon ein ganz gut eingespieltes Team, beim Springen und vor allem im Gelände lag aber noch viel Arbeit vor uns. Candy brachte mich zum lachen und ab und an auch zum weinen, aber ich liebte ihn abgöttisch. Die Arbeit mit ihm würde definitiv niemals langweilig werden. Im Übrigen hatte der junge Hengst einen neuen besten Freund gefunden: Die Stallkatze Grey, die eigentlich allen anderen Pferden aus dem Weg ging. Eins Morgens war ich in den Stall gekommen und das graue Bündel hatte seelenruhig auf Candy's Rücken geschlafen, während der Hengst zufrieden an seinem Heu geknabbert hatte.
      Dann war da noch mein Liebhaberpferdchen Pashmina. Die hübsche Berberstute passte absolut überhaupt nicht zu meinem Zuchtziel und sollte stattdessen irgendwann meine Showpferde unterstützen. Ähnlich war es mit den drei American Miniature Horse Pferdchen PFS' Glenn's Cookie, PFS' Beck's Little Diva und PFS' Arctic Alinghi. Alle drei hatten sich zu stattlichen Jungpferden entwickelt und vor allem Alinghi war ein Traum von einem Miniaturpferd. Sie sollten meine inzwischen doch ziemlich große Miniherde bestehend aus Porcelain Doll, Rumpelstielzchen, Miniature America's Narnia und Darkwood's Storm Dancing Feather bereichern. Zusammen mit meinen restlichen Feenpferdchen, dem Islandpony GE's Ljósfari und den New Forest Ponys Hollybrook's Cheeky Jot, Magical Moment, Thousand Sunny, Naboo, Isola della Pirateria, Aimiliani und Fairylike Facility bildeten die Ponys meine kleine Liebhaberzucht, weil ich mich einfach nicht von ihnen trennen konnte und wollte. Ganz ähnlich verhielt es sich mit meinen vierzehn Showpferden. Da war einmal mein Friesian Sporthorse Where's Sleep. Das Mähnenwunder war mein Star in jeder Dressurkür und ich konnte nicht damit aufhören, mir immer wieder neue Frisuren für die schöne Stute einfallen zu lassen. Daneben gab es wie schon erwähnt den Welsh D Hengst Roi du Soleil, der ebenfalls vor allem in der Dressur glänzte. Meine Lewitzerstute Rosewell war in der Vielseitigkeit unterwegs und hatte inzwischen eine Reitbeteiligung namens Amy. Das ehrgeizige kleine Mädchen lebte im Dorf um die Ecke und hatte sich auf den ersten Blick in Rosie verliebt. Da das auf Gegenseitigkeit beruhte, hatte ich ihr Reitunterricht auf der schönen Stute gegeben und Rosie freute sich über die Beschäftigung. Meine vier Vollblutaraber My lovely Horror Kid, Saddy, Shamal und mein Liebling unter ihnen, Khamar al Sanaa bildeten eine tolle Dressurquadrille, gaben aber auch beim Showspringen ein tolles Bild ab. Dagegen waren meine drei Andalusier Ojos Azules, Cuchara und Negresco reine Dressurpferde geworden. Ich hatte sie zwar früher ab und an auf Fahrturnieren vorgestellt, doch ihre eigentliche Begabung lag eindeutig im weißen Viereck. Die Traber Rainbwo, Ehawee und Damon's Dynamo waren nach wie vor echte Allrounder. Sie traten vor allem durch ihre mannigfaltigen Erfolge bei Gangturnieren aus der Masse hervor, gaben jedoch auch vor der Kutsche ein tolles Gespann ab. Vor allem Dynamo war zum absoluten Schleifensammler avanciert, wobei er immer noch ganz Gentleman war. Ich konnte es kaum erwarten, endlich das erste Fohlen aus ihm zu ziehen. Und schließlich gab es da noch meinen Geparden - den Berberhengst Amayyas. Pashmina hatte ich hauptsächlich behalten, um einmal ein reinrassiges Berberfohlen ziehen zu können, denn so in seinen Bann gezogen wie Amayyas hatte mich bisher noch kaum ein Pferd. Der stolze Red Roan war nun zehn Jahre alt, hatte jedoch immer noch ein Temperament wie ein Jungpferd und noch immer seine deutlichen Vorlieben und Abneigungen bei Mensch und Tier. Donald zum Beispiel durfte dem stolzen Tier noch immer nicht zu nahe kommen, obwohl der passionierte Westernreiter dem Hengst nie etwas getan hatte.
      Im Gegensatz zu meinen Showpferden war die nächste siebenköpfige Truppe nicht nur zu Turnier- sondern auch zu Alltagszwecken entstanden. Da gab es meine beiden Criollostuten PFS' Devil in Prada und Arriba, die aufgrund ihrer Trittsicherheit und Unerschrockenheit die perfekten Ranchpferde abgaben. Sie gingen inzwischen nur noch selten auf Turniere, sondern unterstützen uns wirklich auf dem Gestüt. Sie waren auch die absoluten Lieblinge bei unseren Wanderreitgästen, mit denen wir Touren durch den New Forest National Park unternahmen. Dasselbe galt für die restlichen Westernpferde Your possible Pasts, Dissident Hawk, Golden Indian Summer, The Morticains Daughter und My Golden Heart, wobei diese auch noch aktiv bei Westernturnieren in verschiedenen Disziplinen starteten.
      Ich lächelte bei dem Gedanken an ein Fohlen von Dissident Hawk und Cookie. Bei dieser Anpaarung würde mit Sicherheit eine interessante Farbe herauskommen.
      Nun glitten meine Gedanken weiter zum Hauptstamm meiner eigentlichen Zucht: Denn Englischen Vollbütern, die ich nach und nach zu Vielseitigkeitspferden ausbildete beziehungsweise die meine Vielseitigkeitspferde veredeln sollten und meinen Warmblütern, die die geborenen Vielseitigkeitschampions waren.
      Meine Vollbluthengste El Racino und Pawaneeh waren mit den ganzen Stuten absolut in der Unterzahl, weshalb ich es kaum erwarten konnte, das Candy soweit war, um sie zu unterstützen. Die erfolgreichen Hengste waren immer noch im großen Sport aktiv und würden sich ansonsten wohl auch langweilen. Backup, Successful Dream, Kagami el Assuad und Kazumi Princess El Assuad hatten Fohlen an ihrer Seite und waren deshalb im wohlverdienten Mutterschaftsurlaub. Wobei es für Kagami wohl endgültig das letzte Fohlen sein würde. Die temperamentvolle Palominostute kam einfach nicht damit zurecht und wurde richtiggehend aggressiv, wenn sich jemand ihr und ihrem Fohlen näherte. Das Problem hatten wir schon gehabt, als sie Princess bekommen hatte, doch wir alle hatten gehofft, dass es nun einmal nur beim ersten Fohlen so war. Leider hatten wir uns damit getäuscht. Die schon älteren Stuten Ace Of Spades und Success Story xx traten nun allmählich ihren Ruhestand an. Beide hatten ihrer Zeit große Erfolge eingeheimst und von Story hatte ich ja zwei wunderbare Nachkommen im Stall stehen. Ace half momentan noch beim Training der jungen Rennpferde, indem ich sie als Begleitpferd nutzte und um den Jungspunden zu zeigen, wie man an den Rails lief. Die Youngster, die sich momentan gerade einen Namen auf den Rennbahnen des Landes machten war unstreitig Bearing Spots, PFS' Storm Cat und Little Miss Backyard. Vor allem Letztere war nach einem doch sehr schwierigen Start auf der Rennbahn nun zum absoluten Star herangewachsen und lief mittlerweile sogar den Hengsten davon.
      Auch bei meinen inzwischen sechzehn Überfliegern gab es Jungspunde, die sich gerade ihren Namen machten, wie zum Beispiel die feurige Fuchsstute Coeur de Lilith. Leveneza, Corde de la Cerise, Reminiscent Inspiration, Lamira, Mahira, Samiyah und Unannounced Pleasure hatten ebenfalls süße Fohlen an ihrer Seite und daher Trainingsfrei. Die Holsteinerstute Wild Lady Roxanne würde diesen Sommer in Rente gehen und durfte dann ihren Lebensabend auf den weitläufigen Weiden des Gestüts verbringen. Meine Hengste Levistino, Pride & Prejudice, Incendio, Cadeau und Fantastic Fly machten neben dem gelegentlichen Decken der Stuten weiterhin die Turnierplätze Englands unsicher. Ich hatte versucht, Levistino aus dem Turnierbetrieb zurückzuziehen und ihn nur noch für die Zucht einzusetzen, doch der schöne Hengst war damit nicht glücklich gewesen, also hatte er letztes Jahr sein Comeback gefeiert und gleich den ersten Platz bei einer großen Vielseitigkeit ergattert. Cassidy und Hollywood Undead II sollten dieses Jahr gedeckt werden, um nächstes Jahr süße Fohlen zu bekommen.
      Zuletzt dachte ich an meine unzähligen Verkaufspferde. Einige von ihnen hatten inzwischen ein schönes neues Zuhause gefunden, doch für viele gab es auch noch gar keine Interessenten. Ich musste mir jetzt unbedingt überlegen, wie ich bessere Werbung für sie machen konnte. Da waren Hollybrook's Barakah al Sanaa, Candle in the Wind, Hollybrook's Tiny Girl, Hollybrook's Fairy Bluebird, Hollybrook's Zarin, Cirilla, Ivory, Wannabe, Pangäa, Chaira, Glammy, Eddi's Dead Pop Romance, Dream of Wyoming, BB's Harmony, Wüstentänzer, Juego, die eigentlich schon verkaufte Pirate Island, American Baby, Hollywood Undead, Kolibri, Dorina, Branagorn, Hollybrook's Casanova, Hollybrook's Classic Moment, Hollybrook's Bloody Valentine, Black Soul, Angels Fall First, Someone, Mizzi, Pierre, Salwa, Little Miss Sunshine, Sharley, Precious Scream und Adina De Ra'idah. Ich hoffte noch immer sehr, dass ich für sie alle ein schönes zu Hause finden würde, in dem sie noch lieb gehabt und gefördert wurden.
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  • Album:
    Überflieger
    Hochgeladen von:
    Sammy
    Datum:
    8 Dez. 2019
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  • Corde de la cerise
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    Spitzname: Ceri

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    ~ Abstammung ~
    Von:
    Co Pilot de la Bryére
    V: Cor de la Bryére
    M: Larnella
    Aus der: Busted Cherry Cake
    V: ?
    M: ?

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    Rasse: Trakehner
    Geschlecht: Stute
    Geburtsdatum: 02. April 2014
    Stockmaß/Endmaß: 1,68 m
    Fellfarbe: Braunschecke
    Gencode: EE Aa ToTo
    Kopfabzeichen: Stern
    Beinabzeichen: v.l. + h.l. weißer Fuß, v.r. + h.r. hochweißer Fuß
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    ~ Beschreibung & Charakter ~
    Corde de la cerise ist eine hochbeinige Trakehnerstute mit viel Energie. Unter dem Sattel ist sie anfänglich unausgeglichen und sollte ordentlich warm geritten sein bevor man ihr konzentrierte Mitarbeit abverlangt. Die Stute ist sensibel und reagiert schon auf kleinste Hilfen. Corde de la cerise setzt ihren Reiter gern ab, wenn sie merkt, dass sie damit durch kommt. Aus diesem Grund ist die Stute nicht für Anfänger geeignet. Cerise ist ein erfolgreiches Springpferd, hat durch ihr Distanztraining jedoch auch viel Potential für die Geländeprüfung der Vielseitigkeit. Die Stute hat drei schöne, schwungvolle Grundgangarten und wird mit etwas Geduld sicher ein gutes Dressurpferd. Cerise hat bereits zwei Nachkommen, soll nun jedoch erst einmal weiterhin Turnier gehen, bevor sie sich aus dem großen Sport in die Zucht verabschiedet.

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    Besitzer: Sammy
    Vorbesitzer: Occulta
    Ersteller: Occulta
    Vkr: Occulta

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    ~ Qualifikationen ~
    Dressur:
    A
    Springen: S**
    Military : A
    Distanz: L

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    ~ Schleifen ~
    SK[451] Spring- & Dressurorientierte Stuten
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    SW[461] Deutsche Warmblüter
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    177. SynSPR | 180. SynSPR | 181. SynSPR | 184. SynSPR | 188. SynSPR
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    190. SynSPR
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    284. DI | 286. DI
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    ~ Sonstiges ~
    Zuchtfähig:
    Ja
    Nachkommen:
    Cor de Chasse [Trakehner | Stute | 2 Jahre] | von Butterfly Stanley
    Devotion [Trakehner | Stute | 1 Jahr] | von Deo Volente

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    Hintergrund by Samarti! ♥
    Offizieller HG
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