Elii

Cloud Nine* -- Hannoveraner

*2004, im Besitz seit: 16. Mai 2015

Cloud Nine* -- Hannoveraner
Elii, 23 Juli 2015
Zaii und Samarti gefällt das.
    • Elii
      Pflegebericht 17. Mai 2015 - Turnierausbeute
      5974 Zeichen

      „Du kannst jetzt nicht einfach ein Pferd anschauen! Wir sind in ein paar Miunten dran!“, schrie Elisa mir nach, doch wer wäre ich, wenn ich auf sie hören würde. Zwar war ich heute eigentlich wegen ihr auf diesem Turnier, aber man konnte ja zwei Minuten zum anderen Springplatz laufen, um sich ein potenzielles neues Pferd anzusehen.
      Der Hannoveraner Hengst war ein Riese im Vergleich zu mir, aber er schwebte förmlich mit seinem Reiter über den Platz. Probegeritten hatte ich ihn vor zwei Wochen schon, doch wollte ich ihn nun im Parcours sehen. Man sah deutlich wie sehr der Hengst vorm Sprung anzog und der Reiter Mühe hatte ihn zurückzuhalten, doch war er immer passend am Sprung und riss kein einziges Mal.
      Später würde er noch an einer Dressurprüfung teilnehmen, die ich ebenfalls nicht verpassen wollte, doch zuerst musste ich selbst aufs Pferd.
      Als ich zurückkam sah ich schon von weitem wie Elisa zeternd hin und her rannte, immer wieder auf die Uhr schaute und kurz davor war ihren Reithelm auf den Boden zu pfeffern. „Bin doch schon da.“, murmelte ich genervt und zog mir Handschuhe und Helm an. „Matthew musste Teddy abreiten! Du weißt ganz genau, dass das nichts wird! Wir haben gerade mal einen Sprung synchron geschafft. EINEN!!!“ Sie hörte nicht mehr auf zu meckern und alles was ich machen konnte war, es mir anzuhören. Mein Mund bildete eine gerade Linie und ich starrte einfach nur gerade aus. Sie würde bestimmt nicht merken, dass ich nicht zuhörte.
      „Wir gehen jetzt los. KOMM!“ Ein letzter Schrei von ihr, dann stieg sie auf Yuki und deutete mit ihrer Gerte auf Teddy, die vom eingeschüchterten Matthew gehalten wurde.
      Ein letztes Mal dehnte ich meinen Nacken nach rechts und links, bevor ich aufsaß und zum Eingang des Springplatzes ritt. Elisa schwatze mir nicht wie üblich das Ohr ab, sondern sah mich nur verächtlich an. Das Abreiten mit Matthew musste ihr die letzten Nerven geraubt haben, auch wenn er wahrscheinlich nicht besser davon gekommen war.
      Die vorherigen Reiter verließen den Platz und wir durften hinein. Wir konnten von Glück sprechen, dass Yuki ein so ruhiges Pferd war, Elisa saß im Moment wie ein aufgescheuchtes Huhn auf ihr und hätte jedes andere Pferd schon völlig verunsichert. Teddy sah sich neugierig nach allen Seiten um, vor allem die Blumentöpfe am Rand des Platzes und das Richterhäuschen waren besonders spannend.
      Als die Klingel ertöhnte stellten wir uns nebeneinander auf und grüßten wie gefordert die Richter. Auf mein Kommando galoppierten wir in einem ruhigen Tempo an und steuerten auf den ersten Steilsprung zu. Auch wenn ich etwas zu weit nach rechts driftete, schafften es beide Pferde zetigleich über das Hindernis und konnten in frischem Tempo auf das Kreuz zugaloppieren. Hier sprang Yuki etwas zu spät ab, jedoch waren wir hinter dem Sprung wieder gleich auf.
      Die restlichen Sprünge konnten wir mehr oder weniger gleichzeitig nehmen, ob es für eine Platzierung reichen würde, würden wir allerdings erst später erfahren. Die Teilnehmerzahl war heute besonders hoch. Während Matthew uns die Pferde hielt, während wir abstiegen und uns dann auch beim Absatteln hielt, suchte ich am Handy heraus wann Cloud Nine, der Hannoveranerhengst, starten würde.
      „Was schaust du jetzt schon wieder?“, zischte Elisa und nahm mir mein Handy ab. Nachdem ich ihr ausführlich erklärt hatte, wieso ich unbedingt zu der Prüfung musste, kam sie, unaufgefordert, mit. Matthew musste wie immer, selbst sehen wie er zurecht kam.
      Bis mein Hengst auftreten sollte, waren es noch gute fünfzehn Minuten, weshalb wir beschlossen solange die anderen Pferde am Dressurplatz zu begutachten. Kaum standen wir, kam ein grau-weißer Hengst herein. Elisa war sofort hin und weg, als er als 13-jähriges Deutsches Reitpony angesagt wurde. Sacramento hieß der Porzellanschecke, den auch bei den anderen Zuschauern viel Zuspruch bekam. Ich stupste Elisa mit dem Ellenbogen in die Seite und deutete auf die weiße Schleife in seinem gleichfarbigen Schweif. Sie war kaum zu sehen, doch sie zeigte an, dass dieses Pferd zum Verkauf stand.
      Nach seinem Aufritt lief Elisa gezielt zum Abreiteplatz um dort Pferd und Reiterin abzufangen. Wie gern ich auch mitgegangen wäre, doch die Prüfung von Cloud Nine konnte ich nicht verpassen.
      Er war in der Dressur deutlich weniger gefördert worden und patzte an mehreren Stellen, auch wenn es nur eine einfache A-Dressur war. Doch auch das würde man mit etwas Training verbessern können und da er sowieso mehr als Springpferd bei mir laufen sollte, spielte es kaum eine Rolle.
      Kurz vor Schluss ging ich bereits zum Abreiteplatz und begrüßte den Besitzer des Hengstes, der schon auf mich wartete. Zwar sagte ich ihm zu, den Hengst zu kaufen, jedoch wollte ich ihn noch ein letztes Mal bei ihm auf dem Hof testen.
      Auch Elisa hatte gute Neuigkeiten, hatte sie doch tatsächlich zugeschlagen und den Schimmelhengst mal eben gekauft. Während ich bei der Prüfung zu sah, ritt sie ihn auf dem Abreiteplatz Probe und sagte ohne lange zu überlegen zu.
      „Weiß das Matthew schon?“, fragte ich vorsichtig, doch sie schüttelte nur grinsend den Kopf. Natürlich. Der arme Kerl musste Elisas Entscheidungen schon lange hinnehmen, egal was er davon hielt.


      Zwei Wochen später kamen zwei Pferdeanhänger hintereinander die Landstraße entlang. Einer bog zu den Corwn Hills Stables ab, der andere kam zu mir. Drinnen befand sich Cloud Nine, bei dem ich nach dem zweiten Probereiten beim besten WIllen nicht mehr nein sagen konnte. Nach der langen Fahrt durfte er erst einmal auf die Koppel und sie dort etwas austoben, das schöne Wetter bot es einfach an.
      Da ich mit Elisa, Gwen und Jojo zum Kaffeetrinken verabredet war, setzte ich mich kurze Zeit später in mein Auto und fuhr zu Elisas Hof. Dort stand der Rest der Gruppe um ein Pferd herum, bei dem es sich um den Porzellanschecken vom letzten Turnier handelte. Auch dieser durfte, nachdem alle einmal gekuschelt hatten, auf die Koppel und sich sein neues Zuhause ansehen.
    • Elii
      Trainingsbericht 31. Mai 2015 - Springen E auf A
      11934 Zeichen, von Samarti

      „Hey Elisa, ich hab was anderes für dich zum Springen!“ Eli war es, die mich beim Seilchenspringen unterbrach und ich hätte sie davor köpfen können. Ich hatte gerade einen Lauf und obwohl ich ein totaler Trottel war, wenn es ums Seilchenspringen ging, war ich momentan sogar besser als Gwen! Das wahrscheinlich aber auch nur, weil sie irgendwie Muskelkater hatte. Konnte ich natürlich gar nicht nachvollziehen, selbst bei Muskelkater musste man alles geben!
      Irgendwie war ich trotzdem völlig außer Atem und schnaufte lautstark, als ich meine Hände auf dn Knien abstützte, mich nach vorn lehnte und erst einmal wieder an Luft kommen musste. Dann wischte ich mir mit dem Schweißband, das ich am rechten Handgelenk hatte (jaha, auch ich dachte hin und wieder mal mit!), den Schweiß von der Stirn, stellte mich aufrecht hin und taumelte einige Schritte vorwärts und wieder zurück, bevor ich wieder ganz bei Sinnen war und mein Gleichgewicht einigermaßen halten konnte.
      „Was willst du?“, fragte ich Eli dann – natürlich mit Verschnaufpausen; niemand hätte von mir erwarten können, dass ich gleich so viel am Stück sagen würde – und zog skeptisch eine Augenbraue hoch. Es war ewig her, seit ich ein Pferd von Eli trainieren sollte, deshalb verzog ich meine Lippen gleich zu einem ebenen und dünnen Strich, als ich den Riesen neben Elena stehen sah. Zugegeben, es war ein irrwitziges Bild, so ein kleines, schmächtiges Ding neben diesem Monster von Pferd (das war wirklich nur auf die Größe bezogen!) stehen zu sehen.
      Es dauerte eine Weile, bis ich das Pferd erkannte, das sich da so groß machte.
      „Hey, das ist ja dieser Hengst da vom Turnier von … vor zwei Wochen!“ Überfordert stammelte und druckste ich herum, bevor meine Augen ganz groß wurden. „Willst du damit … soll ich ihn … ist das dein Ernst?“
      „AUA!“, schrie Eli aber auf, statt mir zu antworten, und sie strafte Gwenny mit einem bitterbösen Blick. Als ich auf Elenas Arm sah, konnte ich auch den Grund dafür erkennen: Vom Ellbogen abwärts zog sich ein roter Striemen, der immer dunkler und schmerzhafter aussah. Auf dem Boden lag eine gackernde Gwenny. Die einzig mögliche Erklärung, die ich mir hierfür geben konnte, war, dass Gwen dadurch, dass sie über Elis Spruch mit dem „Ich hab was anderes für dich zum Springen“ so lachen musste (dabei war der so flach gewesen!), Seitenstechen bekommen hatte und sich dann die Seite hatte halten müssen, weshalb ihr bestimmt das Springseil aus der Hand gerutscht war und Eli getroffen hatte. Oder so. Gwens und Elis Blicken nach zu urteilen war auch genau das geschehen …
      „Du bist so bescheuert! Ich habs euch doch oft genug gesagt! Sport ist Mord! Und das, allerliebste Gwen, war ein verdammter Attentat! Ihr schadet nicht nur euch selbst damit, sondern auch eurer Umwelt, selbst, wenn die nichts damit zu tun haben will! Und mit 'nichts' meine ich rein gar nichts! Weißt du, wie höllisch weh das tut?“, jammerte sie dann herum und wurde zum Ende hin zwar nicht sonderlich stiller, aber irgendwie hatte ich Mitleid mit ihr. Mitleid mit Eli zu haben war aber ungefähr das Schlimmste, was man tun konnte, denn die Blondine war unberechenbar. Und selbst, wenn man es dann nur lieb meinte, konnte es sein, dass man ihr nächstes Opfer wurde.
      „NEIN! Das war doch keine Absicht!“, kreischte Gwen verzweifelt auf, als sich die blonde Furie ihr näherte und dabei sogar Cloud Nines Zügel losließ (!), um die andere quer über den gesamten Hof zu jagen.
      Ich stand also mit Nino ganz allein da, überlegte dann kurz und freute mich innerlich total darüber, dass ich den Riesen selbst einmal reiten durfte, denn bei ihm war Elena normalerweise echt eigen. Dennoch ließ ich das nicht lange auf sich beruhen, stieg kurzerhand in meinen Sportklamotten aufs Pferd – ich war eben ein sehr gutes Vorbild – und stellte mich, sehr gewagt, mit meinen Nikes in die Steigbügel. Würde schon schiefgehen.

      Cloud Nine sollte also im Springen trainiert werden, und da ich wusste, dass er dort nur auf E-Niveau lief, war mir also direkt klar – schlau wie ich war –, dass ich ihn also auf A trainieren sollte. Übrigens hatte ich, auf dem Springplatz erst einmal angekommen, sofort wieder absteigen müssen. Die Hindernisse waren nämlich, warum auch immer, auf M-Niveau eingestellt und auch wenn Nino sehr groß war, war das (noch) nicht unsere Höhe.
      Als ich die Hindernisse erst einmal auf E und sogar niedriger eingestellt hatte, begann der Kampf mit dem Aufsteigen. Das war vorhin nämlich auch nicht nur einfach 'kurzerhand' gewesen, sondern ein wahrer Kraftakt.
      „Nino, bleib stehen. Ja, genau hier!“, dirigierte ich den großen Hengst vor die Aufstiegshilfe, stellte mich auf diese und – wow! – ich saß innerhalb von wenigen Sekunden im Springsattel des Braunen.
      Nachdem ich mich im Sattel sortiert hatte, wobei Cloud Nine sehr geduldig wartete, ging es dann im Schritt los. „Auf geht’s!“
      Damit der Hengst sich nicht verletzte, musste er natürlich erst einmal aufgewärmt werden, um genügend Gelenkschmiere zu bilden. Wir wollten ja nichts riskieren und so fiel die Aufwärmphase sogar noch länger aus als sonst, denn ich wusste, wie penibel Eli bei ihm war. Eine falsche Bewegung und ich hatte die längste Zeit auf dem Rücken des Pferdes gesessen …
      Irgendwann begannen wir jedoch mit den ersten Sprüngen. Ich bemerkte schon zu Beginn, dass er dennoch einen Vorwärtsdrang aufwies, wenn es auf ein Hindernis zuging, obwohl er sonst die Ruhe selbst war. Anfangs hatte ich teilweise echt Schwierigkeiten, ihn vor dem Sprung vernünftig zu versammeln oder den Abstand vernünftig einzuschätzen, denn der Hannoveraner zog vor dem Sprung sehr stark an und das bereitete mir größte Mühe, bis ich mich darauf hatte einstellen können. Dennoch riss er nicht eine Stange vom Hindernis und immer, wenn ich es wagte, während des Sprungs nach unten zu gucken (denn ein bisschen Höhenangst hatte ich normalerweise schon), konnte ich nur sehen, dass wir mehr als genug Luft zwischen uns und der obersten Stange ließen.
      Demnach hatten wir die Hindernisse nach einiger Zeit einfach mal auf A-Höhe gestellt und auch die Weite angepasst, um zu sehen, wie Cloud Nine damit denn zurechtkam.
      „KIND! Setz den Reithelm auf!!!“, hallte Elis laute, völlig fertige Stimme über den Platz. Sie schrie so laut, dass sie wahrscheinlich morgen irgendwie heiser wäre. „Bist du verrückt geworden, wer zahlt, wenn dir was passiert?!“
      In dem Moment liebte ich Gwenny dafür, dass sie ebenfalls daneben stand, denn sie verzog hinter Eli ihr Gesicht, äffte sie nach und zog Grimassen, weshalb ich einfach nicht anders konnte, als laut loszulachen.
      „Hör auf, zu lachen! Wenn du da herunter fällst, brichst du dir alle Knochen! DUMMHEIT KANN MAN NICHT VERSICHERN LASSEN!!!
      „UND WAS HAST DU DA EIGENTLICH AN?“, schrie Gwendolyn hinterher und mein Lachen verstummte. Alte Verräterin!
      Erst dann bemerkte Elena wahrscheinlich, dass ich nicht nur keinen Reithelm, sondern auch keine Reitstiefel oder eine Reithose trug.
      „So wagst du dich auf mein Pferd?!“, tobte sie und rannte wild gestikulierend auf den Springplatz. Cloud Nine sah sie irritiert an und blieb stehen, als er bemerkte, dass die Blondine geradewegs auf uns zusteuerte. Da half auch kein Treiben mehr, nicht mal, wenn ich es wie verrückt versuchte. Der olle Sturkopf blieb einfach stehen! ARGH!
      „Aaaah! Hör auf! Elena! Du ziehst mich runter!“, kreischte ich verängstigt auf und versuchte verkrampft, mich im Sattel festzuhalten, während Eli an meinem Bein zog, um mich von ihrem Pferd zu schaffen. Meine Fingerknöchel standen schon weiß hervor, so stark versuchte ich, mich irgendwie auf dem Rücken des Hengstes zu halten, der das gesamte Theater nur verwundert beobachtete. Zum Glück war er einfach nur liebenswürdig und ruhig und ließ sich von den Ausbrüchen seiner Besitzerin nicht mehr verunsichern.
      Irgendwann gab ich einfach nach und ließ mich beinahe seitlich von Elena aus dem Sattel ziehen, denn Jojo hatte meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Die kam tatsächlich auf das Dressurviereck zu, erschrak dann, als sie das Schauspiel bemerkte und ihre Augen wurden riesig. Dann zog sie die Augenbrauen voller Ehrfurcht und ziemlich panisch hoch, schüttelte nur noch den Kopf und ging langsam, ohne sich nur irgendwie umzudrehen oder den Blick von uns zu wenden, wieder rückwärts, um schnellstmöglich von der Bildfläche und aus den Augen Elenas zu verschwinden. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Die hatte es vielleicht gut!
      Missmutig klopfte ich mir den Sand von meinen Shorts, als ich, nachdem ich auf den Sandboden geplumpst war, wieder aufgestanden war. Theatralisch seufzte ich auf. „Eli! Ich bin groß genug, um selbst zu entscheiden, wie ich aufs Pferd steige!“
      „Nino ist aber noch sehr viel größer als du und er will das bestimmt nicht! Mein armer, großer Junge. Hat die dich ohne vernünftige Kleidung mal wieder geärgert?“, brabbelte Eli dann liebevoll auf den Braunen ein, der als Antwort mit dem Kopf wippte und bestätigend schnaufte.
      „Verräter!“, wütete ich nun herum und stapfte beleidigt ins Haus, um mir meine Reitklamotten anzuziehen. „Allesamt!“

      In meinem Zimmer angekommen, trampelte ich gleich auf den Kleiderschrank zu und öffnete diesen. Kurzerhand schmiss ich ein Shirt auf den Boden, suchte mir meine schwarze Reithose aus und zog beides an, bevor ich mich gemächlichen Schrittes wieder auf den Weg nach unten machte, um meine braunen Reitstiefel anzuziehen. Dazu würde dann mein hellbrauner Reithelm kommen, damit auch nichts farblich zusammenpasste. Das würde Elena wahrscheinlich noch mehr aufregen als die Tatsache, dass ich in Sportklamotten auf ihr Pferd gestiegen war.
      „Ninoooo!“, säuselte ich, als ich ankam, und entriss Eli die Zügel ihres Pferdes. Dann schritt ich mit Cloud Nine im Gepäck stolz und erhobenen Hauptes auf die Aufstiegshilfe, stellte den Fuß in den Steigbügel und schwang mich in den Sattel des Hengstes.
      „ELIIIISA!“
      Ich ignorierte Elena geflissentlich und trabte Cloud Nine einfach an, um mit dem Training wie zuvor fortzufahren.
      „Was hast du da denn jetzt an?! Kannst du eigentlich irgendetwas richtig machen?“
      Lalalala …
      „Ignorier mich nicht, verdammt nochmal!“
      Drei …
      „ELISA!“
      Zwei …
      „ELISA CRANFIELD!“
      Eins …
      „RUNTER. VON. MEINEM. PFERD!“
      Und Absprung! Der Hannoveraner ließ es sich nicht nehmen, sich mehr als kräftig vom Boden abzustoßen und mich somit etwas aus dem Sattel zu heben, dennoch schaffte ich es, mich wieder zu sortieren und somit auf dem Rücken des Pferdes zu bleiben, während wir über den Sprung mit einer Höhe von einem Meter sprangen. Das war schon gutes Mittelmaß in der Klasse A, denn die Sprünge gingen von neunzig Zentimetern bis zu 110 Zentimetern hoch. Und Nino bewies mir mit diesem Sprung mal wieder, dass es ihn nicht störte, wenn er viel zu viel Luft zwischen sich und dem Sprung ließ. Selbst bei 1,10 Metern hätte er noch genug Freiraum zwischen sich und der Stange gelassen.
      Im gewohnt raumgreifenden Galopp ging es dann auf einen Oxer zu, der ebenfalls schon auf A eingestellt war – mit einer Weite von 115 Zentimetern. Bei der Weite von Sprüngen lag das Maß bei etwa 85 bis maximal 125 Zentimetern, also war das auch schon ein relativ anspruchsvoller Sprung.
      „Hellbraun, dunkelbraun, schwarz und ein neongelbes T-Shirt zu dem Sattelzeug … die Alte leidet an einer verdammten Geschmacksverirrung! Das ist ja Blamage pur, wenn jemand die auf meinem Pferd so sieht!“, schimpfte Eli bei Gwen über mich und ich verdrehte nur noch die Augen.
      Nachdem ich die Trainingseinheit beendet hatte und zu dem Schluss gekommen war, dass Cloud Nine das Training gar nicht nötig hatte, sondern so schon locker A-fertig war und eigentlich nur noch besser werden konnte (er war ja schließlich Elenas supertolles Pferd!), kam ich im Schritt auf Elena zu und vor ihr schließlich zum Stehen, stieg ab und drückte ihr emotionslos die Zügel in die Hand, ehe ich den Reithelm absetzte und die Halle verließ.
      „Hier, heul nicht die ganze Zeit herum und reite ihn ab. Ich hab keinen Bock mehr. Dein Pferd, deine Aufgabe.“
    • Elii
      Trainingsbericht 04. Juni 2015 - Springen A auf L
      9934 Zeichen, von Samarti

      Es war mal wieder einer dieser Tage, an denen man viel zu müde war, um auch nur irgendetwas zu machen. Und trotzdem hatte ich mich dazu aufraffen müssen, in den Stall zu schleichen. Dabei hatte ich es allerdings auch schon geschafft, mir selbst ein Beinchen zu stellen und fast das Gleichgewicht zu verlieren. Das hatte ich nur hatte halten können, indem ich wild mit den Armen in der Luft herum fuchtelte.
      Schlurfend bahnte ich mir meinen Weg durch den Stalltrakt der Hengste und überlegte, um wen ich mich heute zuerst kümmern sollte. Von meinen Pferden benötigte keins mehr eine Stufenerhöhung, stattdessen waren sie momentan beinahe alle mitten im Training und dabei, das Erlernte noch zu verfeinern – kein Grund, sie mit noch mehr Belastung zu überfordern.

      Gerade, als ich mich einfach zu Levi in die Box gesellen wollte, konnte ich das Getrappel von Hufen auf dem Boden der Stallgasse vernehmen. Meine Güte, wer kam denn um sechs Uhr morgens schon in den Stall? Und das dazu noch mit Pferd? Da war wohl jemand fleißig am Arbeiten.
      Falsch gedacht. Wie hatte ich auch nur einen Gedanken daran verschwenden können, dass auch nur irgendjemand am Arbeiten war? Besagte Person war Elena, die neben dem Riesen Cloud Nine schon winzig aussah.
      „Guten Morgen Elisaaa!“, trällerte sie gutgelaunt vor sich hin und trenste dann ihren Hannoveraner ab.
      „Was zur Hölle tust du hier“, grummelte ich nur monoton vor mich hin und fuhr mit meinem Zeigefinger die Einbuchtung zwischen Levis Nüstern entlang, als dieser Elenas Hengst mit einem sanften Brummeln begrüßte.
      „Och, ich dachte mir, du hättest vielleicht zu wenig Arbeit. Bock auf ein bisschen mehr Hüpfen?“
      „Ne. Eigentlich echt nicht.“
      „Ach komm, der kann doch eh alles – ist ja schließlich mein Pferd. Allerdings brauche ich jemanden, der mir bestätigt, dass er wirklich so weit ist! Ich darf das ja nicht. Gesetze und so. Schwachsinn! Wenn ich mein Pferde selbst besser trainieren kann als jeder Trainer, dann soll ich das doch auch bitte tun dürfen!“, rief sie empört aus und band Cloud Nine dann am Anbindering an, um ihm weiter sein Sattelzeug abnehmen zu können.
      „Bitte was hast du da gerade ge-“, setzte ich an, wurde allerdings von einem jähen Aufschrei ihrerseits unterbrochen. Ihr Gekreische war so hell, dass ich das Gefühl hatte, jeden Moment würden die Fensterscheiben zerspringen und meine Ohren anfangen zu bluten.
      „Iiiiih! Da ist gerade eine riesige Spinne zwischen Schabracke und Sattel hervorgebrochen, äh, hervorgekrochen! Bei der Vorstellung, dass die die ganze Zeit mitgeritten ist … NEIN! Pfui!“, brabbelte die Blondine herunter und beobachtete das Monstrum, welches nun auf der Kruppe ihres Pferdes saß, mit Argusaugen, stets darauf bedacht, keine falsche Bewegung zu machen. „Elisa! Mach es weg!“
      „Dazu bin ich also wieder gut genug … Alles klar. Gut zu wissen. Danke auch.“ Mit einem beleidigten Unterton in der Stimme ließ ich Elena alleine im Stall stehen und überließ sie ihrem Schicksal; dem Schicksal, von der Spinne hoffentlich gefressen zu werden.

      Elena hatte den Kampf mit der Spinne (leider) überlebt und war als Siegerin hervorgegangen; so zumindest ihre Geschichte, die sie am Mittagstisch erzählte. Wieso saß sie überhaupt hier? Langsam hatte ich das Gefühl, ihre Möbel würden immer noch in den Pappkartons verweilen, denn sonst hätte sie niemals so viel Zeit hier verbracht.
      Es sah allerdings eher so aus, als wäre Elena hysterisch quiekend aus dem Stall gerannt, hätte Cloud Nine einfach stehengelassen – zum Glück war wenigstens auf ihn Verlass! – und wild durch die Gegend gerannt. Dass dabei Kommentare wie „Oh, ein wildes Elena!“ und „Ich wähle dich, Elena!“ seitens Joline und Julien auf sie einprasselten, störte sie nicht im Geringsten. Wahrscheinlich hatte sie die nicht einmal gehört, sondern gekonnt überhört.
      „Auf jeden Fall hab ich die Spinne dann gepackt und – oh, Matthew, setz dich doch! Ich erzähle gerade nur, wie ich eine Riesenvogelspinne besiegt ha-“
      „Es war eine stinknormale Minispinne“, unterbrach ich Eli, dann verschloss ich meinen Mund wieder, damit sie fortfahren konnte.
      „ … habe, willst du vielleicht mithören?“, beendete sie unbeirrt ihre Frage, während ich nur meinen Kopf entgeistert schüttelte. „Ja, ja – du bist eine wahre Heldin, Elena Reese!“

      Einen Kampf hatte Eli aber wirklich gewonnen: Ich hatte ihr zugesagt, Cloud Nine noch einmal ins Training zu nehmen. Allerdings nur unter der Bedingung, dass ich selbst entscheiden dürfte, wie unser Outfit auszusehen hatte und dass sie sich doch während des Trainings von uns fernhalten sollte. Erst hatte Goldlöckchen lautstark protestiert und damit gedroht, Gwenny anzuhauen, doch ich bezweifelte, dass die sich auf das riesige Pferd wagen würde. Außerdem liebte sie es ebenso sehr wie ich, Elena eins reinzuwürgen. Wenn man mich fragte, grenzte es an ein Wunder, dass wir sie noch nie mit brennenden Fackeln und Mistgabeln quer durch Kanada gescheucht hatten.
      Irgendwie vermisste ich die Zeit, die ich bei Eddi und Feuervogel im stillen Wyoming verbracht hatte. Da hatte man wenigstens keine Elena um sich, die einen 24/7 niedermachen wollte.
      Okay, zurück zum Thema: Elena hatte sich geschlagen gegeben, denn Gwen hatte sich auf meine Seite gestellt! Ha! 1:0 Elisa!

      „Und wir reiten auf dem Hufschlag und nicht mittig.“
      „Ja doch!“, stöhnte ich genervt und biss die Zähne zusammen, um nicht laut lozuschreien. Während ich mich an meinen Teil der Abmachung hielt, tat jemand anderes, jemand Gewisses, das leider gar nicht. Und wie es der Zufall wollte, begann der Name dieses Jemandes mit „E“ und endete auf „lena“. (Wie ich Elena kannte, würde sie sich jetzt einen wahnsinnig schrecklichen Namen ausdenken, der diese Bedingungen erfüllte, aber nicht „Elena“ war – hätte ich ihr von meinen Gedanken erzählt. Hatte ich aber nicht.)
      „Pass bloß auf, dass du ihn nicht zu eng nimmst!“, mahnte Cloud Nines Besitzerin mich und wedelte mit dem Zeigefinger drohend in der Luft herum.
      „Elena“, setzte ich an, „ich weiß, was ich mache. Du musst nicht versuchen, mir zu sagen, wie ich das und das zu machen habe, ich kriege das auch so hin. Halt bitte die Klappe. Verstanden? Gut. Dann sei jetzt ruhig oder verschwinde!“ Meine Stimmlage war knappe zwei Oktaven höher gerutscht, als ich mich so aufregte, aber irgendwann war auch meine Geduld am Ende!
      Zumindest für diese Trainingseinheit hielt Elena sich mit den Kommentaren zurück. Nur irgendwelche Sprüche à la „Boah, so ein tolles Pferd“ und „Das Sattelzeug ist perfekt aufeinander abgestimmt!“ konnte sie sich absolut nicht verkneifen.
      Ich musste für das nächste Mal wirklich an Ohropax denken.

      Die letzte Zeit hatte ich viel mit Cloud Nine trainiert, aber hauptsächlich erst einmal auf A**-Niveau, um ihm wieder einen Einstieg in das Niveau zu bieten. Häufig wurde er nämlich nur mit niedrigeren Sprüngen trainiert, da diese für die grundsätzliche Gymnastizierung völlig ausreichten – nur sollte man sich trotzdem vergewissern, dass Nino die Sprünge auch schaffte, die ihm vor die Nase gesetzt wurden, und nicht einfach verweigerte, weil ihm die einfach viel zu hoch waren.
      Allerdings musste ich nicht einmal viel an seiner Technik feilen, bis ich mit dieser vollends zufrieden war. Da musste ich Elena wirklich mal loben. Auch, wenn ich selbst schon mit ihm trainiert hatte, hatte sie das Training definitiv nicht vernachlässigt, denn Cloud Nine war so fleißig und eifrig bei der Arbeit wie eh und je.
      Die Sprünge in einem L-Parcours schwankten zwischen einer Höhe von 110 bis 120 Zentimetern, die Weite hingegen belegte einen größeren Bereich. Hier konnten die Hindernisse zwischen 105 und 135 Zentimetern weit sein. Im Vergleich zum A**-Niveau waren die Maximalwerte um zehn Zentimeter erhöht worden.
      Nicht nur die Tatsache, dass Nino ganze 180 Zentimeter maß, half ihm im Parcours. Auch seine raumgreifenden Gänge und die Kraft aus der Hinterhand, die für wahnsinnig saubere Sprünge sorgte, unterstützen das Pferd noch zusätzlich. Am liebsten hätte ich mich ja selbst in die Mitte des Parcours gestellt und die Bewegungen des Hengstes genauesten verfolgt, stattdessen saß ich auf seinem Rücken und sorgte dafür, dass er passend absprang, was bei ihm häufig noch ein kleiner Fehler war. Er zog immer noch sehr vor dem Sprung an, sodass ich ihn manchmal nur mit größer Mühe noch passend an das Hindernis heranführen konnte. Dennoch schaffte er es oft genug, noch rechtzeitig abzuspringen, wenn auch teilweise etwas zu früh oder zu spät. Im Laufe des Trainings hatten wir dies jedoch noch so hingekriegt, dass er vor dem Hindernis zwar noch anzog, man dies aber zumindest noch etwas unter Kontrolle behalten konnte, sodass man nicht gleich das Gefühl hatte, Cloud Nine würde im nächsten Moment nur noch Stangen über seinem Kopf schweben sehen.

      Nach einer Weile des Trainings und einer Vielzahl von Trainingseinheiten hatten wir Cloud Nine dann irgendwann so weit, dass er das L-Niveau problemlos springen könnte. Als ich Elena dann mitteilte, dass er also L-fertig war, kam nur ein „Super! Endlich. Das wurde ja auch verdammt nochmal Zeit!“ zurück und ich stemmte die Hände abwartend in die Höhe. Aber wenn ich hier darauf gewartet hätte, dass sie sich noch bedanken würde, hätte man in einigen Jahren schon mein Skelett an genau dieser Stelle vorgefunden.

      „Gwen! Ein Satzbau sieht wie folgt aus: Subjekt, Prädikat, Objekt. Wo ist dein Prädikat abgeblieben?“, lachte ich und Gwen sah mich nur teilnahmslos an, während ich ihre Arbeit Korrektur las.
      „Ausgewandert“, antwortete sie dann mit einem Grinsen im Gesicht und ich schüttelte nur den Kopf.
      „Und hier … 'jedoch einen großen haben'. Einen großen was? Apfel? Ball? Alkoholkonsum?“
      „Oh mein Gott. Ich werde nie etwas von Elisa Korrektur lesen lassen“, stöhnte Eli genervt auf und sah mich protestierend an. „Das ist ein Selbstmordkommando … von Clowns!“
      „Hast du mich gerade mit Clowns verglichen?“
      „Die sind unheimlich!“
      „ELENA, DU DUMMES STÜCK!“
    • Elii
      Pflegebericht 27. Juni 2015 - Kanada sucht den Top Stallburschen
      13884 Zeichen

      Genervt starrte ich aus dem Küchenfenster, die Erdbeerbowle vor mir fest umklammert. Auf meine Haustür bewegten sich langsam aber sicher drei der Apokalyptischen Reiter zu, die sich, wie so oft, selbst eingeladen hatten.

      Auch wenn es hieß, dass Wodka das mindeste sei, wollte ich die anderen fürs erste nicht komplett abfüllen.

      Eigentlich stand heute ein sehr wichtiger Termin auf dem Plan, da mir immer noch ein paar helfende Hände auf dem Hof fehlten. Elisa hatte allerdings die grandiose Idee das Bewerbungsgespräch in eine DSDS Liveshow zu verwandeln und jedem Jurymitglied einen roten Supertalent-Buzzer zuzuteilen. „Die kommen sich nicht verarscht vor.“, hat sie gesagt „Das macht man so in Kanada.“

      Ihre Bastelei war, erstaunlicherweise, schöner als gedacht und auch das „Kanada sucht den Top Stallburschen“-Schild würde von den meist englischsprechenden Bewerbern nicht für Angst sorgen. Gwen, Jojo, Elisa und ich saßen so also alle an einem Tisch. Jeder ein großes Glas Erdbeerbowle in der einen Hand und die umgedrehten, roten Müslischalen unter der anderen.

      „Müssen wir wirklich?“, fragte ich vorsichtig und drehte mich zu den anderen.

      „JA!“, rief Jojo knapp, was mich zu meinem ersten großen Schluck aus meinem Glas verleitete. Jetzt war es sowieso schon zu spät. Wer den Mist ertragen würde, den konnte ich ohne Bedenken einstellen.

      Als erstes stellte sich eine junge Frau vor, gerade mit der Ausbildung zur Pferdewirtin durch, 23, groß. Riesengroß. Viel zu groß. Mit ihren 1,80 m überragte sie mich um Welten und nach einer Weile tat auch schon mein Nacken weh. Jojo hatte sich spontan dazu entschlossen sofort den Buzzer zu drücken und stieß ein verängstigendes „BZZRRRZZZZ“ aus.

      Beim Namen ‚Jacqueline‘ stieg auch Gwen aus. Dass alle immer so voreingenommen waren! Als die Frau Cressi streichelte, ohne (!) ihn um Erlaubnis zu bitten, konnte auch Elisa sich nicht mehr halten und wollte sie sofort des Hofes verweisen.

      Ich atmete tief aus und hätte meine Freunde am liebsten mit irgendetwas abgeworfen. Leider lagen auf meinem Hof keine Steine rum.

      Auf dem Pferd zeigte Jacqueline schließlich dass sie überhaupt nicht rein passte. Der sonst so vorbildlich laufende Fekete latschte auf einmal auf der Vorhand rum und bekam bei jedem Schritt einen Ruck ins Maul und die Sporen in den Bauch. Schneller als gedacht zog ich die Frau vom Pferd und versuchte ihr beizubringen, dass das nichts wird. Niemals.


      „Bei dem Namen konnte das nur schief gehen.“, stöhnte Gwen und gabelte die Erdbeeren aus der Bowle. Dass diese vorher ein ausgiebiges Bad in Alkohol genossen hatten, störte sie anscheinend überhaupt nicht.

      „Als nächstes steht irgend ein Nathan?“, sagte Elisa nach einem ausgiebigen Blick in meine Akten.
      „NATHAN PRESCOTT“, rief Jojo aus, die anscheinend mit jedem Schluck Alkohol lauter werden musste. Natürlich zog ich mit, sonst wäre das ganze hier unerträglich.

      Bevor der Bewerber kommen sollte, verschwand ich noch einmal in der Küche. Härtere Geschütze mussten aufgefahren werden, denn die Erdbeerbowle neigte sich schon jetzt dem Ende zu. Wie zur Hölle bekommen die das hin? Das Jojo wie ein Fass saufen konnte, haben wir beim letzten Sharknado Marathon alle sehen können, auch wenn es kein gutes Ende genommen hatte. Elisa sah man allerdings kaum trinken, was eventuell mit ihrer letzten Eskapade zu tun hatte und Gwen? Gwen betrank sich ausschließlich mit den Erdbeeren, die die ganze Nacht im Alkohol geschwommen sind. Diese hatte sie sich auch aus allen anderen Gläsern geklaut.

      Im Kühlschrank standen noch zwei Flaschen voll mit Erdbeerlime, ein köstliches Gemisch aus Erdbeeren und Wodka, was sich perfekt dazu eignete, sich zu betrinken um die peinlichen Freunde zu vergessen.

      Als ich nach draußen kam, wurde ein junger, über aus gut aussehender Mann von den anderen umringt. Da mich noch niemand gesehen hatte ging ich schnell die zwei Schritte zurück ins Haus, füllte mir mein Shotglas zwei Mal mit dem Erdbeerlime und ging dann wieder zu den anderen.

      Dass schwarze Haare zusammen mit strahlend blauen Augen - die dem Himmel Konkurrenz machten! - auch so gut aussehen mussten.

      Auch Nathan, führte ich schnell auf dem Hof rum und setzte ihn dann so schnell wie möglich aufs Pferd. Ein Glück hatten wir Matthew, der, komplett nüchtern, die Pferde für die Bewerber vorbereitete und warm machte. Dass er mir dafür noch hundert Gefallen abverlangen würde war mir im Moment egal, den würde ich einfach mit Elisa nach zwei Flaschen Sekt zusammen in ein Zimmer werfen und gut ist.

      Nathan durfte auf Cloud Nine, ritt er auch sonst eher springbetonte Pferde. Er gefiel mir von Anfang an gut auf meinem Wölkchen, was bestimmt nicht nur an seinem Aussehen lag. Da war ich mir fast sicher.

      „Den nehmen wir“, flüsterte Gwen, was mich an ihrer Zurechnungsfähigkeit immer mehr zweifeln ließ.

      „Natürlich, der kann unseren Hof unglaublich bereichern. Selbst wenn er nur rumsteht“, stieg Elisa mit ein. Es wurde unheimlich. „Warum haben wir eigentlich keinen grünen Buzzer?“, fragte Jojo in die Runde. Dass sie nicht mehr zu retten war, wurde auch mir jetzt klar. Leider war unser Jurytisch mit dem Alkohol momentan weit entfernt, so dass ich diesen Moment wahrscheinlich nicht vergessen würde. Leider.

      Nach dem Ritt wollte ich mit Nathan noch unter zwei Augen sprechen, was bei den anderen zu wildem Getuschel und Gekichers führte. Hysterisch fuchtelte ich mit dem Arm in ihre Richtung, sodass meine Seriosität als Arbeitgeberin langsam aber sicher brökelte.

      „Es ist hier nicht jeden Tag so. Normalerweise sind die auf ihren eigenen Höfen und müssen nicht bei mir hausieren.“, erklärte ich mich und sah schon die Absage von Nathans Seite kommen. Dieser lachte allerdings nur und tat das ganze als eine Kleinigkeit ab. „Wenigstens ist hier mal was los.“, lachte er und ich versuchte nicht rot anzulaufen. Anscheinend gelang es mir nicht besonders gut, da Nathan nur noch mehr lachte.

      Nach ein wenig Smalltalk. Alter? Erfahrung? Vorherige Arbeitsstelle? War er schon so gut wie angestellt und es wurde mit einer Flasche Sekt angestoßen.

      Gwen suchte vergebens die Erdbeeren, bevor sie das Zeug angewidert trank. Jojo hatte ihr komplettes Glas anscheinend mit nur einem einzigen Schluck geleert und Elisa konnte ich gerade so daran hindern ihren Anteil in den Rosenstrauch zu schütten. „DU lässt mich nicht allein mit denen.“, flüsterte ich ihr energisch zu und hielt meine Hand fest um ihre und ihr Glas geschlossen.

      Matthew wollte eigentlich auch mit anstoßen, allerdings wurde das schnell von Elisa unterbunden. Er hatte hier schließlich noch zu arbeiten und heim wollte die drei später auch noch gebracht werden.

      Nathan würde schon früh genug erkennen, dass die Männer hier in der Gegend zu tun hatten, was die Frauen wollten. Matthew erklärte ihm das auch gefühlte hundert Male hintereinander. „Du bist dir sicher dass du das mit machen willst? Ich meine, GANZ sicher? Die sind meistens noch schlimmer“, war das einzige was ich hören konnte, doch auch hier unterbrach Elisa das ganze sehr schnell mit einem Tritt ins Schienbein für Matthew und einem Lächeln für Nathan.

      Während die beiden Kerle im Stall verschwanden und Elisas Kerl wahrscheinlich noch die ein oder andere Schauergeschichte von uns erzählte, stand auch schon der nächste auf dem Hof.

      War der zwar ganz nett, so konnte Pete im Umgang mit den Pferden nicht überzeugen. Schon das Führen in die Halle mit Kalzifer veranlasste mich, den Mann direkt vom Hof zu werfen. Die „Erfahrung mit Hengsten“ die laut Lebenslauf mehr als gegeben war, konnte man in der Realität nicht finden und genau das war das A und O hier.

      Es folgten noch die ein oder anderen Damen und Herren, die alle nicht überzeugen konnten oder von meinen Freunden wegen weniger wichtigen Dingen disqualifiziert wurden.


      „Warum muss jeder Cressi anfassen?! Er ist sensibel, da muss man vorsichtig sein“, erklärte Elisa, während sie Cressis Kopf an sich zog und fest an ihre Brust drückte. Der Alkohol machte sie anhänglich, auch wenn wir uns in den letzten Stunden wirklich beherrscht hatten.

      Ich verdrehte, wie schon so oft heute, nur noch die Augen und konzentrierte mich, um meinen Satz ohne Fehler heraus zu bekommen: „Wir haben nur noch einen Bewerber vor uns für heute. Also benehmt euch. Bitte!“


      Colin war sein Name und hatte sofort alle verzaubert. Seine hellbraunen Haare lockten sich leicht und die feinen Sommersprossen auf seinen Wangen, ließen ihn noch niedlicher wirken. Jojo lallte inzwischen nur noch irgendwas von ‚grün‘ und ‚Declan‘, weshalb sie auf das Sofa verbannt wurde. Dass wir den niedlichen Colin nun ganz für uns alleine hatten, passte ihr anscheinend gar nicht, so sehr wie sie ans Fenster klopfte.

      „Ach, die wirst du schon noch kennenlernen.“, erklärte ich, als er sich nach dem verzweifelnden Klopfen umdrehte.

      Wieder das gleiche Spiel. Hof wurde gezeigt, er durfte vorreiten und am Ende kam Elisas Test: Cressi.

      Vorsichtig hielt Colin dem Reitponyhengst seine Hand hin und ließ ihn schnuppern, bevor er behutsam über dessen Stirn streichelte.

      „GOLDENER STERN, BUZZER WAS AUCH IMMER“, schrie die, mehr als angetrunkene, Elisa und tanzte um uns herum.

      Gwen und ich sahen uns kurz fragend an, dann Colin und Cressi - die kuschelnd aneinander klebten - und dann wieder Elisa.

      „Das ist mein Joker, da drück ich drauf und eure Meinungen sind völlig egal“, erklärte sie feierlich und stellte Colin dann provisorisch ein. Provisorisch auch nur deswegen, weil sie nicht wusste, wo der Arbeitsvertrag war, den er unterschreiben musste.

      „Aber… Das ist doch… mein Hof?“, fragte ich, wenn auch vergebens und zog Colin dann in mein Arbeitszimmer. Wenigstens war er bis jetzt noch nicht abgehauen, das war schließlich das wichtigste Kriterium.


      Erneut stießen wir mit Sekt an, erneut suchte Gwen vergebens die Erdbeeren und erneut kippte Jojo das ganze in einem Schluck runter, wie auch immer sie an das Glas kam. Elisa tat es ihr gleich und auch Nathan und Colin waren begeistert dabei.

      „PARTY!“, platzte es dann schließlich aus Gwen heraus, nach dem sie den Pizzadienst geordert hatte und die beiden Neu-Angestellten mit sich an meine Hausbar zog. „Elena, mach mal was gutes.“

      Etwas perplex stellte ich mich dahinter und servierte allen das gewünschte, nur Gwen bekam die Hälfte des angegebenen Alkohols. Sie war noch nicht so trinkfest.

      Matthew führte unterdessen eine Diskussion mit seiner Fast-Angetrauten. „DU darfst nichts trinken, wer fährt uns sonst nach Hause? Jojo kann definitiv nicht mehr laufen“, fauchte Elisa, während sie selbst fast umkippte.

      Als ich Matthew ein Glas Wodka O in die Hand drückte, und erklärte, dass genau Betten für alle vorhanden wären, kassierte ich kurz einen bösen Blick von ihr.

      Ob sie mich durchschaut hatte? Nicht umsonst war das Zimmer mit Doppelbett von mir hergerichtet worden.

      Es wurde später, die Trinkspiele schlimmer, und es kam bald allen so vor, als würden Colin und Nathan seit Jahren dazugehören. Gut gemacht, Elena. Mal wieder die richtige Entscheidung getroffen. Am nächsten Morgen durften die beiden dann zeigen, wie katerresistent sie waren. Arbeiten mussten sie so oder so.

      „Eliiiiiiiiii? Warum ist Declan nicht da?“, säuselte Jojo, während sie immer wieder und wieder an meinem Ärmel zog.

      „Hör auf, du ziehst mich aus! Und wer soll das sein? Ist das der Lederjacken-Typ?“, entgegnete ich grinsend, was die Betrunkene knallrot werden ließ. Anscheinend konnte man sie so zum Schweigen bringen, den mehr als ein Stottern brachte sie anschließend nicht mehr raus.

      Gwen hatte sich unterdessen Colin geschnappt und trank… Tequila?! Unglaublich wie gut sie das vertrug. Wenigstens konnte sie noch reden ohne wie ein Kind zu klingen, auch wenn sie ununterbrochen kicherte. Solange sie mir noch nicht vom Barhocker kippte, war mir das sichtlich egal.

      Ich ließ mich neben Matthew auf dem Sofa nieder, der aussah als würde er schmollen. „Was ist denn mit dir los? Hat Elisa dich doch zum Fahren verdonnert?“

      Mein Lachen verging mir schnell, als er mich bitterböse ansah und auf Elisa deutete, die neben Nathan saß und in mehr als deutlich anflirtete. Nathan hingegen spürte Matthews Blicke deutlich und rutschte sofort von ihr weg, wenn Elisa näher kam.

      Territoriumsüberschreitungen waren unter Männern nunmal nicht gern gesehen. Als er mich sah sprang er schnell auf, legte den Arm um mich und verwickelte mich in ein Gespräch. Wiedersprechen konnte (und wollte) ich nicht, schließlich sollte aus Elisa und Matthew endlich ein paar werden und sich betrunken an andere Typen ranzuwerfen, war dafür nicht förderlich.

      Auch wenn ich mich leider Gottes wegen eines dummen Türklingelns aus Nathans Armen befreien musste, freute ich mich umso mehr, dass jetzt auch Jojos Bekannter Declan vor mir stand.
      „Auf dich haben wir gewartet!“, quietschte ich fröhlich, packte ihn an der Hand und führte ihn zu Jojo. Auch wenn sie sofort rot wurde, konnte sie so fast alle zum Lachen bringen. Nur Matthew schmollte immer noch, doch Elisa pikste ihn gekonnt in die Seite bis er wieder ein Grinsen drauf hatte. Seiner Prinzessin konnte er einfach nicht lange böse sein.



      Wie lange die Feier noch ging, konnte am nächsten Morgen niemand mehr sagen. Colin und Gwen waren allerdings am längsten wach und hatten bis in die frühen Morgenstunden Tequila getrunken, sind sie doch direkt an der Bar eingeschlafen.
      Elisa lag mit dem Kopf auf Matthews Schoß und Jojo hatte Declan auf den Boden verfrachtet, um das Sofa ganz für sich allein zu haben.

      Nathan hatte das ganze wohl am besten verkraftet, denn er stand schon in der Küche, als ich aus dem Schlafzimmer kam.

      „Kaffee ist fertig, willst du die anderen wecken?“, fragte er krächzend, die Runde Singstar war das einzige was ihn zerstört hatte.

      „Klar“, antwortete ich grinsend und drehte die Stereoanlage auf die volle Lautstärke. Kraftklub am Morgen war das effektivste für eine Gruppe voller Säufer.
    • Elii
      Pflegebericht 17. Juli 2015 - Das Grauen danach
      16105 Zeichen, von Gwen & Samarti

      „It’s a new day in a new land and it’s waiting for meee! HERE I AAAM!“
      „Elisa, Schnauze.“
      Inmitten ihrer Bewegung blieb Elisa stehen und stockte. Einen kurzen Moment sah sie Gwen verwirrt an, dann schlich sich ein wissendes, schadenfrohes Grinsen auf ihr Gesicht. „Na, aber Gwenny, wer ist denn da so maulig? Schlechten Tag gehabt?“
      Wenn Blicke töten könnten, wäre Elisa vermutlich in dem Moment mit einem leisen Schrei zusammengesackt. Leider war dem nicht so, stattdessen grinste sie Gwen weiterhin überglücklich an, während sich deren Gesichtsfarbe von fast weiß zu kirschrot veränderte.
      „Was ist denn los mit dir? Hast du Colin gestern Abend deine unendliche, unsterbliche Liebe gestanden?“, hakte Elisa weiterhin nach, ohne darauf zu achten (oder sich auch nur in irgendeiner Weise dafür zu interessieren), dass ihre Freundin wohl jetzt schon mehr als nur genervt von ihr war.
      „Boah, ich kotze gleich“, warf Elena, wie immer äußerst passend, in das Gespräch ein und schaute neugierig in die Runde. Anscheinend wollte sie in Erfahrung bringen, ob jemand noch einen schlimmeren Kater hatte als sie. Oder sie wollte einfach, nett wie sie war, indirekt fragen, ob sie noch einen zweiten Eimer mitbringen sollte. Um das Wohl ihrer Mitmenschen kümmerte sie sich nur selten, es sei denn es waren ihre potentiellen Leidensgenossen (ja, Elena hatte ein sehr großes Herz!). Die hatten nämlich höchste Priorität.
      „Bin ich echt die Einzige hier, die gestern kaum was getrunken hat? Oder, bessere Frage: Erinner nur ich mich hier an alles, was ich getan habe?“
      „Ne, ich weiß es auch noch. Aber es wäre besser, wenn ich es nicht tun würde“, stöhnte Gwen völlig entnervt auf und vergrub dann ihr Gesicht in den Händen.
      „Die Position hab ich doch schon mal irgendwo gesehen!“, schrie Elena auf (anscheinend hatte sie auf einmal einen Geistesblitz). „Das erinnert mich an was!“
      Grummelnd hielt Gwen sich die Ohren zu und versuchte, die Lautstärke so zu regeln, dass sie nicht mehr in den Ohren wehtun würde - vergeblich. „Genauso hockte sie gestern auch im Gras“, kommentierte Jojo das Ganze knapp. Das war das erste, was sie heute von sich gab. Anscheinend war sie immer noch sauer auf den Rest der Gruppe - der wiederum verstand natürlich gar nicht, weshalb.
      „Also ich bin ja für einen After-Show-Ausritt. Nach der Party ist schließlich vor der Party!“ Fröhlich tanzte Elisa um die drei anderen herum, stolperte dann über ihre eigenen Füße und landete auf einmal vor dem Sofa, auf dem Elena lag und von dem sie nun mürrisch auf den Boden sah. „Jetzt weiß ich, wie Jojo sich gestern gefühlt hat, als ich die Mauer runtergefallen bin“, nuschelte sie in das Kissen und machte dann die Augen wieder zu, um ein wenig Schlaf zu finden. Wollte sie sich nicht eigentlich einen Eimer holen?
      „Guck nicht so. Der Weg war mir zu weit. Weißt du, wo deine Abstellkammer liegt? DA DRÜBEN, unfassbar“, versuchte sie dann, eine Erklärung zu finden, „außerdem liegt die Küche nicht einmal auf dem Weg, da lohnt sich das Laufen gar nicht.“
      Das war (wie nicht anders zu erwarten) Elena und dementsprechende Blicke bekam sie auch zugeworfen. Elisa ließ sich trotzdem nicht von ihrer Idee abbringen und hüpfte weiterhin - nachdem sie sich wieder aufgerappelt hatte - aufgeregt um das Sofa herum.
      „Mann, Gwen! Das hat doch damals auch voll gut geklappt, als wir mit Namida und dem anderen Pony ausgeritten sind! Ich weiß zwar nicht mehr, wer das war, aber dann kann ja nichts passiert sein, wenn da keine schwerwiegenden Zwischenfälle waren!“ Völlig euphorisch rannte Elisa jetzt auf Gwen zu, packte die bei der Hand und wollte sie hochziehen. „Mit dir gehe ich nirgendwo hin!”, war aber das einzige, was Elisa zurückbekam. Deswegen setzte sie auch ihren, bisher immer erfolgreichen, Dackelblick auf.
      Anscheinend war Gwen aber noch nicht nüchtern genug, um wieder klar denken zu können, denn sie reagierte nicht auf den Blick und für Elisa konnte das nur die einzig logische Erklärung sein, warum ihre Wunderwaffe nicht funktionierte. „MATTHEEEEW! DIE WOLLEN NICHT! HOL DIE WASSEREIMER!“, schrie sie dann lautstark durchs Haus und, wie nicht anders zu erwarten, half diese Drohung allen außer Elena auf die Beine. Während Jojo und Gwen nun also aufgestanden waren und sogar freiwillig nach draußen gingen, um sich irgendwelche Pferde fertig zu machen, lag Elena auf dem Sofa und … schnarchte. Laut. Zu laut, als dass sie wirklich schlief.
      „Elena, wenn du jetzt nicht aufstehst, kippt Matthew dir den Wassereimer über den Kopf. Das Wasser ist eiskalt, dann hast du auch mal die Ice Bucket Challenge gemacht. Yay or nay?“
      „Ist in dem Wasser wenigstens irgendwas Essbares drin?“ Blondchen grummelte nur noch und streckte sich dann irgendwann sogar; daraufhin wollte sie sich auf den Rücken drehen, rollte aber vom Sofa. Das war nämlich nicht ganz so breit wie ihr Bett.
      Als sie noch immer nicht aufgestanden war, geschah alles ganz schnell. „AH! ELISA! ICH HASSE DICH!“ Kreischend sprang Elena auf und versuchte nach dem Eimer zu greifen - wahrscheinlich um ihn Elisa daraufhin über den Kopf zu stülpen. Leider griff sie wirklich vollkommen ins Leere, verlor das Gleichgewicht und lag schon wieder auf dem Boden.
      Das nutzte Elisa als Begründung für eine zweite Ladung Wasser. „Diesmal sogar mit Eiswürfeln. Nur für dich“, lachte sie und schon ergoss sich noch ein Eimer über Elenas Kopf.
      „Du hast gewonnen“, grummelte Eli und hob die Hände in die Luft, um ihre Ergebung zu demonstrieren, „aber du solltest dich um deinen Holzfußboden kümmern. Ehrlich. Sonst quillt der auf.“
      „Ach, das macht Matthew schon“, entgegnete Elisa nur und lächelte dann den Mann an, „oder, Matthew? Nach dem gestrigen Abend schuldest du mir noch einen Gefallen.“ Dass sie Matthew dann zuzwinkerte, schien Elena den letzten Rest zu geben. Sie stolperte geschockt einige Schritte rückwärts, riss die Augen weit auf (und die Blume auf der Fensterbank fast mit) und ihr Blick wanderte zwischen den beiden hin und her. „ELISA! Was hast du getan?! Was für einen Gefallen hast du ih- oh. TMI! TMI! TMI!!!“
      „Bitte was?“, fragte Gwen und streckte den Kopf zur Tür rein.
      „GWEN! GEH DEIN VERDAMMTES PFERD FERTIG MACHEN!“ Elisa wollte ihre Nachbarin gerade zur Tür rausscheuchen, da erwiderte diese nur: „Das ist schon fertig, Sch…-lampe.“
      „Was ist mit der Duschlampe? Als ich heute Morgen geduscht habe, hat die noch funktioniert!“
      „Du hast bei mir geduscht?!“
      „Hä, klar, ich hab auch bei dir geschlafen. Aber ich kann mich nur wiederholen: Dein Wasser ist einfach besser als meins.“
      „Elena, wir kriegen genau das gleiche Wasser…“
      „Nein, meine ist noch nicht angeschlossen. Benutze immer den Gartenschlauch und das Wasser ist eiskalt. So macht duschen keinen Spaß.“
      „Oh mein Gott.“ Gwen schlug sich die flache Hand vor die Stirn, schüttelte den Kopf und murmelte ein „Ich glaube, ich verschwinde lieber wieder“, ehe sie schnell weg lief und die Tür hinter sich zuknallte.
      „Räkelst du dich auch immer bei deiner Gartenschlauch-Aktion? Ich meine, jetzt, wo du Colin hast, findet der das bestimmt total sexy… Von Nate ganz zu schweigen.“
      „Colin hat eh nur Augen für Gwen, auch wenn die es gestern wahrscheinlich ein wenig versaut hat.“ Nun schüttelte auch Elena ihren Kopf, dann ging sie nach draußen. Elisa folgte ihr nur noch wortlos.

      Draußen saßen Gwen und Jojo bereits auf ihren Pferden. Während Elena an Quixoticelixer seelenruhig vorbeischritt, blieb sie ganz entgeistert vor Ohnezahn und seiner Reiterin stehen. „Das ist nicht dein Ernst, oder? DAS DA?!“, fauchte Elena regelrecht und deutete mit ihrem Zeigefinger vorwurfsvoll auf den Fellsattel und das Knotenhalfter, das der Schimmel trug.
      „Ich glaube, ihr solltet euch mal an meinen Mitarbeitern ein Beispiel nehmen. Danke, Domenic!“ Elisa nahm Cardillacs Zügel entgegen und tätschelte den Hals des Perlinos, der daraufhin nur einen Schritt zurückwich und den Kopf schüttelte. Hätte sie mal gefragt, ob sie ihn berühren dürfte. Irgendwie machte sich das nämlich nicht ganz so gut, als sie vor ihren Freundinnen angeben wollte.
      Als Elena weiteres Hufgetrappel hörte, weiteten sich ihre Augen und sie lächelte schon voller Vorfreude, dann allerdings kam Julien mit Levi endgültig um die Ecke gelaufen. „Hier, Elena“, sagte Julien und drückte Eli den Strick in die Hand, „putzen und satteln musst du selbst.“
      Entgeistert und völlig fassungslos starrte Elena auf den Strick in ihrer Hand, während Jojo, Gwen und Elisa sich das Lachen verkneifen mussten.
      „Wie war das mit dem schiefen Turm von Egoisa?“, kicherte Gwen dann los, die sich nicht mehr zusammenreißen konnte und auch Jojo prustete laut los. Nur Elisa ging dann auf Elena zu, patschte unbeholfen mit ihrer Hand auf den Kopf der Blondine und sprach ihr dann beruhigend zu. „Och, Mäuschen, das war natürlich nicht unser Ernst. Cloud Nine ist selbstverständlich auch hier! Also Kopf hoch, Prinzessin Elena von Ego, sonst fällt das Krönchen runter!“
      Beleidigt verschränkte Elena die Arme vor der Brust, schmollte dann aber. „Ich bin kein kleines Kind mehr! Aber wo ist mein Nini?“ Nini? Der Restalkohol in ihrem Blut war nicht zu verleugnen.
      Diesmal gesellte sich Sophia zu uns. Im Gepäck: Cloud Nine. Aufgetrenst und gesattelt.
      „Liebe Sophia!“, plapperte Elena, tätschelte der Ausbilderin den Kopf und nahm ihr wie selbstverständlich die Zügel aus der Hand. Restalkohol? Wahrscheinlich stand Elena immer noch unter vollem Einfluss. Sophia schüttelte nur den Kopf, verdrehte die Augen und machte auf dem Absatz kehrt, ohne ein weiteres Wort zu verlieren. Wahrscheinlich dachte sie sich ihren Teil schon. Und sonderlich positiv würde der nicht sein - ging ja schließlich um Elena.
      Den Blicken der anderen nach zu urteilen, dachten sie alle dasselbe - „Hat die sich eigentlich jemals bedankt?“
      Elena ließ sich hingegen nichts anmerken und schwang sich stattdessen übermütig (und eventuell etwas zu wackelig, als nüchtern gelten zu können) in den Sattel. Nino legte dabei leicht die Ohren an, so als wäre er heute mit seiner Reiterin nicht ganz so glücklich, nahm das Ganze aber doch gelassen hin.
      „So. Können wir? Wer braucht denn da so lange?“
      Einstimmig rollten Jojo, Gwen und Elena mit den Augen, murmelten dann wahrscheinlich irgendwelche Beleidigungen und ließen Elisa (die als letzte aufgestiegen war) dann aber doch mehr oder weniger in Ruhe und ritten ihr widerspruchslos hinterher.
      Während des ganzen Ritts war Elisa allerdings die einzige, die fast pausenlos sabbelte. Gwen starrte mit anteilnahmslosem Blick geradeaus und hatte die Lippen zu einem Strich verzogen; Jojo kümmerte sich um rein gar nichts und Elena lag schlafend auf Ninos Hals.
      Zumindest, bis der kleine (Entschuldigung: große) König eine Schlammpfütze erblickte, sich weigerte, nur einen Millimeter weiter zu gehen und stattdessen einige Schritte rückwärts ging; dabei war ihm egal, dass seine Reiterin da eigentlich anderer Meinung war.
      Womit der Hengst nicht gerechnet hatte, war aber, dass er dann mit einem Hinterbein direkt in eine Wasserpfütze trat und, erschrocken über das kühle Nass, mit einem eher weiblichen Quieken mit allen Vieren in die Luft sprang. Das weckte dann sogar Siebenschläferin Elena auf, die mürrisch Elisa ansah und sie für den Vorfall als schuldig bekannte. „Schade, dass du noch drauf sitzt. Eigentlich hättest du runterfallen müssen.“ Ein Gähnen folgte. Daraufhin legte Elena sich aber wieder auf den Hals ihres Hannoverangerhengstes und wollte weiterschlafen.
      „Dass ihr von dem Gewackel nicht schlecht wird. Die soll bloß froh sein, dass die nicht seekrank ist“, trug Jojo ihren Teil zu der „Konversation“ bei und beobachtete Cardillac, der noch immer unter Elisa herumtänzelte.
      Da weder Gwen noch ihr Pony geistig anwesend waren, merkten sie nicht, wie sich Cardillacs Hinterteil allmählich in ihre Richtung bewegte. Selbst Elisa bekam das nicht sonderlich mit, musste sie sich immerhin über Elena aufregen, die alles nur mit einem „Haha, mein Pferd ist lieb, deins nicht!“ kommentierte und schelmisch grinsend mit dem Zeigefinger auf Cardillac deutete.
      Wenn Jojo mehr Lust auf ein Gespräch gehabt hätte, hätte sie nun sicherlich eingeworfen, dass sich hier gerade eine Kausalitätskette entwickelte, denn Cardillac stieß an Ohnezahn; der hatte von der ganzen Nähe direkt genug (er war schließlich ein Problempferd!) und sprang entsetzt zur Seite. Nur, um dadurch direkt das nächste Pferd anzurempeln. Dabei handelte es sich um niemand Geringeren als Nino, der versuchte, wie ein Fels in der Brandung stehen zu bleiben.
      Leider reichte der leichte Schubs, um die halb schlafende Elena aus ihrem (sowieso nicht vorhandenen) Gleichgewicht zu bringen und beinahe in Slow Motion konnte der Rest beobachten, wie Elena ihren Abgang antrat.
      Mit einem Blick entschieden alle, das Ganze kommentarlos zu lassen. Anscheinend hatte aber Gwen den Blick nicht mitbekommen, denn die begann gerade herzhaft zu gackern. Laut. Zu laut, als dass es Elena entgehen würde, obwohl die sich gerade darüber beschwerte, dass ihr „perfektes“ Outfit versaut war. (Es war ausnahmsweise mal nicht perfekt, irgendwie hatte der Alkohol für einen Knick in der Optik gesorgt.)
      Nach fünfminütigem Jammern und Klagen begann dann aber auch die Blondine, endlich zu verstehen, dass ihr niemand aufhelfen und mit ihr die Kleider tauschen würde. Damit würde sie nun leben müssen, ob sie wollte oder nicht. Wahrscheinlich waren ihr die Kleider der anderen eh nicht genug auf Nino abgestimmt, sodass sie ständig nur gemeckert hätte, dass ja die Farbe des Oberteils nicht zur der der Schabracke passte. Obwohl die Schabracke, die Nino gerade trug, weiß war.

      Nachdem sie sich von ihrem Segelabenteuer erholt hatte, kannte Elena während des gesamten Ausritts dann aber nur noch drei Wörter: ich, habeund Hunger. In genau der Reihenfolge. Später versuchte sie es dann auch ein wenig zu variieren, was ihr aber leider auch nichts brachte. („Haben Hunger ich“ klang jetzt zugegebenermaßen nicht sonderlich überzeugend!)
      Aber die anderen drei Reiterinnen verstanden natürlich die Bedeutung hinter dem Wortwirrwarr und konnten es mühelos entziffern. Niemand wollte riskieren, dass Elena zur Bestie wurde, nur, weil sie ihr heißgeliebtes Essen nicht bekam. Hatte sie heute überhaupt schon gefrühstückt? Wenn nicht, war es definitiv an der Zeit, den Rückweg anzutreten. So schnell wie möglich!
      Schnell war die Gruppe nur indirekt, denn mehr als ein gemächlicher Schritt war bei dem Zustand einfach nicht drin. Elena jaulte sowieso die ganze Zeit herum, dass sie sich eklig und hässlich fühle mit dem ganzen Schlamm. Dass sie den auch im Gesicht hatte, verriet aber ihr niemand.
      „Na, da waren wir aber ganz schön lange unterwegs!“, meinte Elisa stolz und schwang sich aus dem Sattel, ehe ihr auffiel, wie der Rest schaute. „Wir waren, um genau zu sein, 15 Minuten unterwegs. Wir haben es gerade einmal bis zum Ende der Weide geschafft“, korrigierte Jojo seufzend und ließ sich unmotiviert aus Qs Sattel rutschen, bis sie wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Dann zog sie den Hengst schweigend in den Stall, wo sie ihn wohl absatteln wollte. Dabei war der Putzplatz eigentlich in die andere Richtung.
      Es dauerte aber noch zwei Minuten, bis Jojo das verstanden hatte. Auf jeden Fall hatte der Sekundenzeiger auf Elenas Uhr zwei Runden gedreht. Vermutete diese zumindest, vielleicht waren es auch drei gewesen. Oder vier. Oder auch nur eine. Oder die Uhr war nur eine Halluzination.
      Alle starrten fasziniert in Richtung Jojo und das schien für Elena der Anlass zu sein, die Runde zu verlassen - zügig. Etwas ungelenk kletterte sie von Ninos Rücken und schaute sich hilflos um, bis sich ihr Gesicht erhellte, weil sie Sophia entdeckt hatte.
      Die wiederum verstand die Situation nicht schnell genug, um zu flüchten und ließ sich stattdessen auf eine gefühlt endlose Diskussion mit Elena ein. Die hatte dann aber doch ein Ende. Denn Elena schloss den Mund, legte Ninos Zügel um Sophias Hals (die Hände hatte diese hinter dem Rücken verborgen) und trat wortlos den Weg zum Haus an.
      Nur einmal verließ ein Wort ihre Lippen. Und es war nicht schwer zu erahnen, wie dieses Wort lautete.

      „ESSEN!“
    • Samarti
      Trainingsbericht 24. Juli 2015 - Springen L auf M
      7511 Zeichen

      „Lass uns die Wolke vier bitte nie mehr verlassen, weil wir auf Wolke sieben viel zu viel verpassen“, sang ich leise vor mich hin und kickte den Kieselstein (nein, nicht Pebbles) vor meinen Füßen her, während ich mich auf dem Weg zum Hengststall befand. Eigentlich wollte ich meinem Liebling Levi mal wieder ein wenig Aufmerksamkeit zukommen lassen, aber das altbekannte Blondchen mit dem fröhlich-frechen Grinsen auf dem Gesicht durchkreuzte meine Pläne.
      „Ich war da schon einmal, bin zu tief gefall'n; lieber Wolke vier mit dir, als unten wieder ganz allein!“
      „Elisa.“

      Einfach weitersingen, Elisa. Einfach weitersingen.
      „Elisaahaa.“
      Sie wird schon irgendwann wieder verschwinden.
      „Eliiischen.“
      „Ich war da schon einmal, bin zu tief gefall'n; lieber Wolke vier mit dir als unten wieder ganz allein!“
      „Eliihiiihiiisaaaahaaa.“
      „Hab' nicht geseh'n, was da vielleicht noch kommt, was am Ende dann mein Leben und mein kleines Herz zerbombt.“
      „Du hast ein Herz?“, funkte Jojo dazwischen, verschwand aber dann schnell wieder um die nächste Ecke. Irgendwie war Jojo diese Art von Person, die immer da war, aber genauso schnell, wie sie gekommen war, auch wieder verschwand. Ich hatte mich schon mehr als nur ein einziges Mal gefragt, wo sie denn den ganzen Tag steckte, aber wahrscheinlich betüddelte sie einfach nur den lieben, langen Tag ihren Liebling Pacco. (Oder Pax. Aber ich würde niemals aufgeben, Pacco klang einfach so viel besser als Pax!)
      Seufzend ergab ich mich und machte Halt, um mich dann zu Elena umzudrehen. „Was ist?“
      „Ich hab ja verstanden, dass dir Wolke vier lieber ist als Wolke sieben, aber hast du nicht Lust auf Wolke neun?“ Zaghaft sprach sie die letzten Worte aus, fast, als würde sie bereits wissen, was sie für eine Reaktion erwarten würde.
      „Du weißt, dass ich noch viel zu viel zu tun habe“, grummelte ich, nahm dann den Kieselstein (diesmal war es tatsächlich Pebbles) auf den Arm und strich ihm über sein graues Köpfchen. Schnurrend schmiegte sich der Kater gegen meine Brust, wandte sich aber dann bald in meinen Armen, als ich ihn unter dem Bauch kitzelte.
      „Du. Training. Wölkchen. Jetzt. Springen. M. Hopp hopp!“, wies Elena an, doch ich stand nur vor ihr, starrte sie mit geöffnetem Mund an und schüttelte dann wie in Trance den Kopf.
      „Elena, ich bin nicht dein Skla-“ „Sonst gibt es Cressi-Verbot.“
      Zugegeben, ich musste schlucken. Laut. Zu laut, als dass es noch irgendwie dramatisch hätte aussehen können, wahrscheinlich sah ich gerade aus wie irgendein Vollidiot, der gerne Schauspieler wäre. (Innerlich hörte ich schon Jojo sagen: „Das tust du immer.“)
      Dann drückte ich Eli Pebbles in den Arm; wie auch bei mir kuschelte er sich erst an Elena und umklammerte dann aber ihre Hände, haute seine Krallen rein und versuchte, in ihren Daumen zu beißen. An ihrem Gesichtsausdruck sah man ihr aber an, dass sie es viel zu süß fand und die Schmerzen gar nicht weiter interessant waren.
      Katzen – nicht nur die Ägypter hatten sie verehrt.
      Jetzt grübelte ich aber, ob Elena als Kleopatra durchgehen könnte. Mit schwarzen Haaren, der richtigen Schminke und-
      „Du hast ein Pferd zu trainieren, starr mich nicht so an, als wäre ich irgendeine Königin.“
      … Konnte sie Gedanken lesen?
      „LOS JETZT!“
      „JA VERDAMMT, LASS MIR DOCH ZEIT, ALTER!“
      „NEIN, ALTER! TRAINIER JETZT MEIN PFERD!“
      „WIESO MACHT MATTHEW DAS NICHT?!“
      „Der Arme soll sich nicht so überanstrengen, der hat mit dir genug zu tun.“ Fast schon mütterlich verteidigte sie Matthew und drückte dann ihr Gesicht an Pebbles – nur diese Bewegung brachte ihr aber nichts Anderes als Kratzspuren unter dem Auge, auf der Höhe des Wangenknochens und über der Augenbraue ein. „Böser Pebby!“, mahnte sie Pebbles spielerisch mit ihrer „Kätzchenstimme“ (oder auch einfach: Babybstimme) und wedelte mit dem Zeigefinger vor seinem Gesicht herum, was meinen Kater aber nur dazu brachte, auch diesen noch fangen zu wollen.
      „Das ist eine Katze, kein Kind.“
      „Lass mich in Ruhe und mach deinen gottverdammten Job. JETZT!
      „HALLO ELENA!“, ertönte es dann plötzlich hinter mir und verwundert drehte ich mich um. Wieso zur Hölle schrie Gwen übers ganze Gestüt?
      Dann merkte ich, dass sie mich damit rettete.
      Wahrscheinlich wollte sie das nicht einmal.
      Aber sie tat es.
      Also warf ich ihr ein dankbares Lächeln zu, griff nach Pebbles (den Elena nur losließ, weil sie gerade irritiert Gwen betrachtete), rannte einfach weg und setzte den Kater dann auf einem Strohballen ab. Anscheinend war es jetzt üblich bei uns, dass immer ein Strohballen in der Stallgasse herumlag. Aber gut, so kamen wir um eine andere Sitzgelegenheit drum herum.
      Während Gwen und Jojo, die übrigens auf Tawny Bawny und Parvati saßen, nun Elena belagerten und sie dazu überreden wollten, mit ihr auszureiten, war ich schnell in den rettenden Stall verschwunden. Aber der war dann auch nicht mehr so rettend, als Elena zielstrebig den Stutenstall betrat, sich das Halfter von Star's Diamond schnappte und mir ein „Wir gehen ausreiten, viel Spaß beim Training!“ zurief.
      Wenigstens war ich die Gefahr so los.

      Gerade, als ich Cloud Nine aus dem Stall führte und auf dem Weg zum Springplatz war, konnte ich noch die Rückseiten der drei Ponystuten mitsamt Reitern erkennen, die sich langsam, aber sicher in Richtung des Waldes bewegten. Das bedeutete für mich, dass sie eine ganze Weile unterwegs sein würden – vorausgesetzt, es kam nichts dazwischen. Und bei den drei gelassenen Damen (ich sprach von den Vierbeinern!) war es sehr wahrscheinlich, dass ich meine Ruhe haben würde. Allerdings brachten die drei Reiterinnen mich zum Zweifeln.

      „Ach, Neun“, murmelte ich dann Nino zu und öffnete das Tor des Platzes, damit wir eintreten konnten, „ich wäre eigentlich viel lieber auf Wolke vier geblieben, aber Elena wollte mich mal wieder höher schicken.“ Haha, Elisa. Guter Witz! Innerlich klopfte ich mir dafür gerade lobend auf die Schulter.
      Es reichte aber nicht, dass man auf Cloud Nine schon mehr als hoch saß; nein, für ihn sollte es auch hoch hinaus. Ich wünschte nur, ich hätte keine Höhenangst gehabt, dann würde sie das als viel einfacher herausstellen. Tat es aber nicht.
      Der schicke Hannoveraner brauchte wohl an sich kaum Training. Trotzdem wurde ich von Elena dazu verdonnert, die nächsten Wochen mit ihm zu arbeiten. Halt solange, bis er auf M-Niveau lief – und dann noch weiter. („Immer weiter, damit er auch bloß nichts verlernt!“)
      Die Hindernisse machten einen ganz schönen Sprung. Knappe zwanzig Zentimeter würde er jetzt höher springen müssen – und auch zwanzig Zentimeter weiter. Dennoch hatte Nino Spaß am Springen und machte das mehr als deutlich, wenn er wieder mit gespitzten Ohren auf den Sprung zulief und teilweise wieder etwas zu schnell galoppierte, als dass er sich versammelt dem Hindernis näherte. Wie auch immer, wir tasteten uns langsam heran und ließen uns die Zeit, die Nino dann auch wirklich brauchte. Es brachte nichts, ihn zu überfordern, auch wenn das bei seinem Arbeitseifer viel zu einfach gewesen wäre.
      Doch nicht nur seine Größe, auch seine Stärke, die in ihm steckte, vereinfachten es Wölkchen dann auch, die geforderte Höhe und Weite zu springen.

      „Elena, Nino ist jetzt M**-fertig. Bitteschön. Du kannst ihn wieder mitnehmen.“ – „Nein, nein. Der bleibt hier. Ich sagte doch, immer weiter! Immer schön weiter, du kannst das so gut, Kindchen!“ Mütterlich (irgendwie war sie inzwischen ständig so, sie hatte ja auch schon Colin bemuttert) tätschelte sie meinen Kopf, wenn auch etwas unbeholfen, was mich nur zum empörten Schnauben brachte.
      Jetzt konnten mich nur noch Mandelwölkchen retten.
    • Samarti
      Trainingsbericht 30. August 2015 - Military E auf A
      4568 Zeichen

      Manchmal hatte es tatsächlich etwas Gutes, wenn man seinen Schlafrhythmus nicht mehr unter Kontrolle hatte, denn es war viertel vor zwei – nachts! –, als ein neuer Auftrag einging. Glücklicherweise war dieser allerdings in schriftlicher Form eingereicht worden, denn für ein Gespräch hätte selbst meine Energie um diese Uhrzeit nicht mehr gereicht.
      Nur kurz überflog ich die Anfrage, ehe ich die Augen verdrehte und nach meinem Handy suchte, was irgendwo in Nähe des Bettes zu liegen schien. „ELENA! Was soll der Mist??“, fragte ich genervt, als die Blondine am anderen Ende abnahm. Zurück bekam ich jedoch nur ein Kichern und dann war wieder Stille. Na warte, die Rache würde morgen früh kommen.
      „He, Fay“, murmelte ich leise, „tut mir leid, dich aufwecken zu müssen, aber ich muss ins Bett.“ Sanft kraulte ich die rote Katze, die sich auf meinem Schoß niedergelassen hatte, und hob sie dann hoch, um sie wieder auf den Boden zu setzen. Ganz begeistert war meine vierbeinige Wärmeflasche davon nicht, dennoch ließ sie sich einfach auf die Seite fallen und schlief auf dem Holzboden weiter. Warum auch nicht, wenn es schließlich warm genug für sie war.

      Entgegen meines normalen Tagesablauf, stand ich schon kurz nach acht Uhr auf Elenas Gestüt und ging ihr unaufhörlich auf die Nerven. Das war tatsächlich gar nicht so leicht, denn Elena war im Gegensatz zu mir schon seit zwei Stunden wach.
      Für die Unverschämtheit der letzten Nacht konnte auch ruhig sie mir das Pferd fertigmachen, immerhin war ich hier die Trainerin, von der sie etwas wollte. Wohlgemerkt war der Auftrag pure Ironie, denn ich trainierte Cloud Nine nun schon fast zwei Wochen im Gelände.
      Den großen Braunen musste ich erst einmal an das Springen draußen und die neuen Hindernisse gewöhnen, ehe es wirklich in Richtung Geländespringen ging. Aber wir konnten schon einige Fortschritte vorzeigen, auch wenn die anscheinend nicht zu Elenas Zufriedenheit waren.
      „Hier, du übernimmst“, schob ich die Arbeit an Matthew ab und schenkte ihm ein kurzes Lächeln, um ihn davon zu überzeugen, heute das Training vom Wölkchen zu übernehmen. So würde ich nämlich nun den fehlenden Schlaf nachholen können, indem ich mich klangheimlich zurück ins Haus in mein Bett schlich.

      Da Wölkchen noch nicht sonderlich viel Erfahrung im Bereich des Geländeritts hatte machen dürfen, hatten wir uns erst einmal darauf geeinigt, auf einen Stilgeländeritt der Klasse A hinzuarbeiten. Dieser würde dann später durch regelmäßiges, intensives Training bis zum A-Geländeritt ausgebaut werden können, dennoch wollten wir uns erst einmal darauf konzentrieren, Wölkchen sicher in dieses Gebiet hineinzuleiten und ihm die Hilfestellung anzubieten, die er brauchen würde.
      Ein Stilgeländeritt war da die beste Möglichkeit. Hier lag der Fokus nämlich auf dem Reiter, ob er sich auf dem richtigen reiterlichen Weg befindet und besonders auf dem korrekten und vor allem ausbalancierten leichten Sitz. So würde noch keine allzu harte Wertnote zustande kommen, zudem konnte ich Wölkchen sicher durch einen, verhältnismäßig, einfachen Parcours geleiten, ohne dass wir uns zu sehr hetzen müssten.
      Das war auch gar nicht so einfach, denn mit seinen 181cm Stockmaß hatte ich teilweise wirklich zu tun, das Schiff an Pferd um die schmalen Wendungen zu bekommen. Dafür musste ich mir wiederum selten Sorgen machen, dass wir auch nur irgendeinem Hindernis zu nahekamen, denn dafür sprang unsere Wolke einfach viel zu hoch und zu weit.
      Dadurch, dass der Hengst im Springen sowieso schon auf M-Niveau lief (natürlich von mir höchstpersönlich bis dort trainiert!), konzentrierten wir uns viel mehr auf die Tiefsprünge, denn die fand selbst Cloud Nine manchmal noch etwas gruselig. Um ihn dennoch behutsam an die Hindernisse zu gewöhnen, nahmen wir uns jedes einzeln vor, stets mit Bedacht und Ruhe. So erreichten wir unser Ziel auch schneller als gedacht.
      Die Länge eines Parcours in einem Stilgeländeritt der Klasse A betrug zwischen 1500 und 2500 Metern, weshalb wir uns beim Training langsam herantasteten und auch mit vielen, ausdauernden Ausritten durch die kanadische Landschaft Wölkchens Kondition verbessern wollten. Doch diese anstrengenden Ritte schob ich vorzugsweise auf Matthew ab, immerhin musste ich mich ja auch um die restlichen Begebenheiten kümmern!
      Erfolgreich neigte sich unser Training dem Ende zu und ich war wirklich schon dankbar, wenn ich nicht mehr täglich Elenas nervige Stimme würde hören müssen. Die ersten Turniere auf A-Niveau wollte sie als Besitzerin sowieso selbst übernehmen und so war meine Arbeit hier getan.
    • Elii
      Pflegebericht 30. August 2015 - Wasserscheu
      4005 Zeichen

      Ein letztes Mal ritt ich mit Fekete in der Traversale durch die Diagonale des Platzes, bevor ich Leichttrabte und ihm die Zügel hingab. Auch auf Trense spulte der Hengst seine Lektionen perfekt ab. Der Hengst schnaubte ausgiebig, als ich ihn zum Schritt durchparierte und abstieg. Bevor er wieder auf die Koppel konnte, wollte ich mit ihm als Abschluss eine Runde ins Gelände gehen.
      Zum einen hatte ich keine Lust im Schritt ewig im Kreis reiten, zum anderen war es auch für den Rappe um einiges schöner, nach dem anstrengenden Dressurtraining nach draußen zu kommen.
      Auf meiner Runde begegnete ich Jojo und Gwen, die gerade auf Star’s Diamond und Namida unterwegs waren. In der kurzen Zeit, in der wir nebeneinander ritten, erklärten die Beiden mir, dass Elisa sie dazu verdonnert hatte, da sie mal wieder ihren Tagesplan nicht schaffte.
      Ich winkte zum Abschied, als ich in die Hofeinfahrt einbog und sprang dann von Feketes Rücken. Den Rest des Weges führte ich den Hengst und öffnete währenddessen Gurt und Nasenriemen. Am Putzplatz zog ich ihm schnell die Trense vom Kopf, hob den Sattel vom Rücken und wickelte die Bandagen ab. Während ich die Ausrüstung verstaute blieb der Hengst auch ohne Halfter brav stehen. Um ihn abzuspritzen halfterte ich ihn kurzerhand und sorgte dann dafür dass das kühle Nass überall auf seinem Körper verteilt war.

      Auf der Weide verwandelte er sich kurzerhand in ein Staubmonster, was wäre ein Pferd auch ohne ausgiebige Wälzsession. Cloud Nine kam mit mir zurück zum Stall, auch wenn es für Außenstehende so aussehen könnte, als würde er mich mitnehmen und nicht anders herum. Natürlich (!) war das nicht so und ich konnte ihn ohne Probleme an den Stuten vorbei führen, auch wenn Nate sich mal wieder nicht davon abbringen ließ, den Strick los zu lassen. So führten wir den Hengst also gemeinsam bis zum Hof, auch wenn Nate sich um den Hengst in der anderen Hand kümmern sollte. Dark Intention wurde etwas quengelig als er so ignoriert wurde und bestrafte Nate nun mit Rumhampeln beim Putzen. Colin hatte mit Flavor of the Month keine Probleme, der Schimmelhengst genoss seine Putzeinheit so sehr, dass er eindöste und erst wieder aufwachte, als Colin den Sattel auflegte. Die beiden Herren würden demnächst aufbrechen, um die verbleibende Zeit des noch recht kühlen Morgens zu nutzen und den Geländeparcours zu springen.
      Als sie verschwunden waren, stellte ich die Aufstieghilfe neben Wölkchen, sprang elegant auf seinen Rücken und lenkte ihn vorsichtig in Richtung Weiher. Da er erst gestern noch mit Elisa im Gelände trainiert hatte, war heute sein freier Tag, den wir im Wasser verbringen wollten. Ich zumindest. Der 1,80-Hengst ließ sich kein Stück mehr dazu bewegen, auch nur einen weiteren Schritt in die Nähe des Wassers zu gehen. Ich versuchte es zuerst mit Treiben und als das auf taube Ohren stieß, sprang ich runter und zog an den beiden Stricken, die links und rechts am Halfter hingen. „Jetzt komm doch endlich. Schwimmen macht Spaß.“, nervte ich den Hengst in der weinerlichsten Tonlage, die ich besaß und hoffte, dass er Mitleid mit mir haben würde.
      Nach weiteren zehn Minuten meiner Überredungskunst bequemte er sich schließlich doch noch und tapste mit den Vorderhufen ins Wasser. Wieder musste ich noch eine Weile warten, bis er endlich mit dem Wasser vertraut genug war, um komplett hinein zu kommen. Ich nutzte die Chance und krabbelte erneut auf seinen Rücken. Gemeinsam schwammen wir so ein paar Runden durch den Weiher, bevor Wölkchen beschloss, dass es genug war und im Galopp hinausstürmte. Nach einer Vollbremsung schüttelte er sich einmal komplett und brachte mich so beinahe zum Herunterfallen. Ich hing nur noch seitlich, doch der Hengst lief unbekümmert zum Putzplatz, wo er sich netterweise direkt neben einen Grünstreifen abstellte. So konnte ich, ohne mich zu verletzen, fallen lassen.

      Nach ein paar Kuscheleinheiten durfte Wölkchen wieder auf die Koppel und sich nach Herzenslust in den Schmutz werfen, wie er es am liebsten tat.
      Samarti gefällt das.
    • Elii
      Pflegebericht 16. September 2015 - Dating Queen
      3269 Zeichen

      „Elisa ist …Was?!“ - „Sie hat ein Date mit Matthew.“, erklärte ich Gwen jetzt zum zweiten Mal, doch sie hatte immer noch große Fragezeichen über ihrem Kopf schweben. „Sie hat es ihm wohl bei der Grillparty zugesagt. Mehr konnte sie auch nicht sagen, war ja völlig besoffen.“
      Ich zuckte mit den Schultern und nahm dann die Zügel wieder auf. Auch Gwen tat es mir gleich und trabte Ameya an, schließlich würden wir bald die Galoppstrecke erreichen. Poppysmic tippelte brav hinterher und wir konnten zeitgleich angaloppieren, als Gwen und ich uns zunickten. Die zwei Stuten hatten ihren Spaß, so dass auch der ein oder andere Freudenbuckler dabei war. Das Durchparieren war nach einigen Metern auch endlich vollbracht und die heimischen Höfe nicht mehr weit entfernt.

      Während Poppysmic sich mit einem Paddock begnügen musste, durfte Ameya zurück auf die Koppel, wo Sinfonie schon am Zaun stand und wartete. Die junge Stute hatte wieder um einiges an Größe zugelegt, seit ich sie das letzte Mal gesehen hatte, trotzdem kam sie sofort zu mir und holte sich ihre Streicheleinheiten ab.
      Mein Plan mich selbst zum Essen einzuladen hatte (mal wieder) einwandfrei geklappt und ich konnte mich mit ein, zwei, drei Portionen Spaghetti endlich wieder voll essen, ohne den Abwasch zu machen. Leider wurde ich relativ schnell wieder rausgeworfen. ‚Ich hab noch genug anderes zu tun.‘ ‚Nein, du kannst nicht dabei sein.‘ und ‚Daheim wartet dein Bett, mach da ein Nickerchen‘ waren nur ein paar der Sätze die Gwen an einem Stück herunter ratterte.
      Geknickt sattelte ich erneut Poppy und ritt zurück nach Hause, aber den Umweg über Elisas Hof konnte ich mir nicht verkneifen. Ich war zu gespannt, ob sie bereits zurück von ihrem heißen Date mit ihrem Fast-aber-doch-nicht-Freund zurück war. Schließlich konnten sie nicht den ganzen Tag in der Stadt verbringen. Ein Date am Morgen war schon komisch genug, wie sollte man sich volllaufen lassen, wenn es eine Katastrophe war?
      Zuhause kam ich einem mürrischen Nate entgegen, der auch noch von Kopf bis Fuß mit Sand beschmutzt war. Hoffentlich ist er so nicht geritten. Als ich abgesattelt hatte, und Poppysmic auf der Koppel verstaut war, kam er auf mich zu und begann sich über mein Wölkchen auszulassen: „Es ist ja toll, dass Cloud Nine so gerne springt, aber wie zur Hölle soll man den in den Kurven bremsen?! Du kannst froh sein, dass er nicht unter dem Zaun durchgerutscht ist, genug Schwung hatte er dafür.“ Entsetzt starrte ich Nate an und rannte zu meinem Hengst auf die Koppel. „Du hast dir doch nichts getan Kleiner, oder?“, bedröppelt sah er mich an und setzte, absichtlich oder nicht, den traurigsten Blick der Welt auf. Nate konnte man in der Ferne fluchen hören und ich auch ein ‚Dem blöden Pferd gehts gut!‘ war zu vernehmen. Nichtsdestotrotz kuschelte ich mich in das Fell des Hengstes und stopfte ihn weiter mit Leckerlies voll.
      Kurze Zeit später klingelte mein Handy und es war, wie erwartet, Elisa.
      „ICH WILL NICHT WISSEN WENN WAS GELAUFEN IST“
      „HALT DIE FRESSE, DAS WÜRDE ICH DIR NCIHT ERZÄHLEN“
      „DANN SCHREIB MICH DOCH NICHT AN“
      „DU HAST ANGEFANGEN“
      „NEIN“
      „DOCH“
      „NEIN“

      „Ich wollte nur fragen ob du heute Abend vorbei kommst, ok.“
      „Muss ich was zu trinken mitbringen?“
      „Schadet bestimmt nicht.“
      Wir lieben uns.
    • Samarti
      Trainingsbericht 27. September 2015 - Dressur E-A
      4471 Zeichen

      Ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf die blöde Idee gekommen war, ein Springpferd in der Dressur trainieren zu wollen, aber vermutlich hatte Eli wieder ihre Finger im Spiel gehabt. Tatsächlich waren die ersten Trainingseinheiten mit Cloud Nine unter dem Dressursattel mehr als holprig gewesen, denn dieses Pferd verfügte einfach über zu viel Schwung!
      Eli kommentierte das nur mit einem knappen „Ach, ich kann den auch aussitzen, hab dich nicht so!“, nur mit dem Unterschied, dass ich sie noch nie auf dem Pferd im Dressursattel gesehen hatte. Und das war auch nicht sonderlich verwunderlich, denn während Wölkchen über zwei unterschiedliche Ausführungen an Springequipment verfügte, sah es da bei der Dressur für Eli-Verhältnisse mau aus.
      „Nur drei Schabracken?? Wie soll ich ihn da gescheit trainieren?“, trällerte ich laut durch den gesamten Stall und Eli verdrehte nur die Augen. „Es ist halt nicht so leicht, Schabracken in seiner Größe zu finden“, meinte sie und drohte mir warnend mit ihrem Zeigefinger. „Außerdem zählen die beiden weißen Turnierschabracken auch!“, fügte sie hinzu, denn ein bisschen hatte ich ihr Ego wohl doch angekratzt.

      Hatte Cloud Nine zu Beginn des Trainings lediglich die drei Grundgangarten und etwas Schulterherein und Seitengänge beherrscht, so konnte er inzwischen eine Schlangenlinie mit vier Bögen und zehn Meter-Volten im Trab korrekt ausführen. Auch diese waren Bestandteil einer A-Dressur und obwohl sie sich so leicht anhörten, waren sie teilweise schwer zu erreichen. Ständig stand Elena am Zaun, beobachtete uns und kommentierte natürlich auch brav alles, was es zu kommentieren gab.
      Die Gangarten waren schon von Anfang an kein sonderliches Problem gewesen, sowohl der Mittelschritt, als auch der Trab und Galopp im Arbeitstempo ließen sich gut regulieren und auch das Leichttraben im Arbeitstrab war keine Hürde, welche nicht zu bewältigen war. Somit konnten wir uns mit den ersten Tempo-Übergängen beschäftigen, dem Schritt-Trab-Übergang und dem Trab-Galopp-Übergang, die in einer E-Dressur des Öfteren gefordert wurden. Je häufiger wir die Übergänge wiederholten, desto elastischer und bewegungsfreudiger wurde Wölkchen. Auch das Halten aus dem Trab war nicht schwierig zu erreichen, nachdem der große Hengst das Prinzip erst einmal verstanden hatte und so konnten wir mit den Gangarten der A-Dressur anfangen, dies würden wir allerdings erst in den nächsten Trainingseinheiten machen, damit wir auch nichts überstürzten.

      Während Elena – freiwillig! – Wölkchen aufwärmte, um seine Bewegungen fließender werden zu lassen, sodass sie sich sicher sein konnte, dass sich auch genug Gelenkschmiere gebildet hatte, beobachtete ich die beiden von der Bande der Reithalle aus. Momentan wechselte das Wetter zwischen wunderschönem Sommerwetter und einfach nur verregneten Tagen. Heute hatten wir es leider mit zweiterem zu tun. Nachdem der Vierbeiner sich aufgewärmt hatte, wechselten Eli und ich Plätze.
      Die neuen Gangarten, bei denen es sich um den Mitteltrab und den Mittelgalopp handelte, waren jedoch nach nicht allzu langer Zeit auch angeeignet. Um den Mitteltrab zu erreichen, legten wir einige Hindernisstangen auf den Boden, damit der Hannoveraner lernte, seine Beine vernünftig zu strecken und auf einen guten Mitteltrab hinzuarbeiten. Bei seiner Größe musste ich jedoch eher aufpassen, dass es nicht zu viel Verstärkung wurde.
      Im Galopp arbeiteten wir uns auch an das Vergrößern und Verlängern der Galoppsprünge heran und hatte da ebenso Erfolg. Auch wenn Eli fest der Meinung war, das läge nur an ihren super tollen Tipps, welche sie immer brav von der Bande zu uns hineinrief. Ab und an setzte ich nun auch gerne mal sie auf das hohe Ross und fragte einige der Lektionen ab.
      Natürlich nur, um zu sehen, dass Wölkchen das auch unter einem anderen Reiter konnte, nicht, um Eli lustig im Sattel herumhüpfen zu sehen. Nein, niemals!

      „Ist dir eigentlich bewusst, dass wir mit dem Training bald durch sind?“, fragte ich sie, als wir nebeneinander herliefen, während wir auf dem Weg zu Wölkchens Box waren. Der schien schon auf uns zu warten und streckte den Kopf über die Boxentür.
      „Ja ja, nun bring es erst einmal zu Ende“, meinte Eli knapp und reichte mir grinsend Wölkchens Halfter. „Ich habe gehört, die positive Bindung zwischen Pferd und Trainer ist sehr wichtig!“, meinte sie nur amüsiert und verschwand dann. Es war doch immer wieder eine Freude dieses Pferd zu putzen, welches sogar mich noch locker überragte.
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  • Album:
    1.7 Hengste in der Zucht
    Hochgeladen von:
    Elii
    Datum:
    23 Juli 2015
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    EXIF Data

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    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).

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    Rufname: Nino, Wölkchen
    geboren: März 2004

    von: Cicero – Hannoveraner
    aus: Heaven’s Gait – Hannoveraner

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    Rasse: Hannoveraner
    Geschlecht: Hengst
    Farbe: Brauner
    Stockmaß: 181 cm

    Besitzer: Elii
    Ersteller: Elii
    Vorkaufsrecht: Elii

    Beschreibung
    Es ist manchmal gar nicht so einfach, auf ein Pferd mit einem Stockmaß von 180 Zentimetern aufzusteigen – Cloud Nine aber tut sein Bestes, um es seinem Reiter so einfach wie möglich zu gestalten.
    Und selbst, wenn man es dann nur mit Ach und Krach schafft, so ist die ganze Anstrengung vergessen, sobald man auf dem Riesen sitzt. Denn die langen Beine tragen nicht wenig dazu bei, dass man sich fühlt, als würde man schweben; das Auftreten der kräftigen Hufe auf dem Boden ist kaum spürbar.
    Doch nicht nur die weichen Gänge sind es, die dafür sorgen, dass Cloud Nine jede Menge Bewunderung erntet; der Hengst weiß genau, wie und wann er seinen Charme am besten einsetzt. Es dauert nicht lange, bis man jenem Charme verfällt und der Braune, der seinem Namen somit alle Ehre macht, förmlich mit Herzchenaugen angesehen wird. Dennoch wirkt er nicht abgehoben, lässt sich das Ganze nicht zu Kopfe steigen und wäre wahrscheinlich sogar ein Kandidat für die ganz kleinen Reiter unter uns – wäre er nicht ganz so riesig.

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    Erfolge
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    Gewinner [SW 424]


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    3. Platz 87. Synchronspringen
    3. Platz 90. Synchronspringen
    1. Platz 321. Springturnier
    3. Platz 93. Synchronspringen
    2. Platz 348. Springturnier
    2. Platz 255. Militaryturnier

    Springen S* – Military A – Dressur L

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    Gewinner [HK 483] Hengste ohne Eltern


    Decktaxe: 109 Joellen
    Zuchtverleih: //
    Nachkommen:
    Clouded Sky* / Hannoveraner [2010] - aus Epona / Hannoveraner

    offizieller Hintergrund
    Zubehör