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Samarti

Chesmu, DRP

*2013, im Besitz seit dem 18.01.2015

Chesmu, DRP
Samarti, 22 Feb. 2017
Jeanne gefällt das.
    • Samarti
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      Rückkehr
      01/2015 | 3103 Zeichen
      Ich erinnere mich noch heute genau an die ersten wackligen Stehversuche, die ersten vorsichtigen, unsicheren Galoppsprünge und das erste schneebedeckte, weiße Maul, welches Chessi so überrascht angestarrt und mit dem er nichts anzufangen gewusst hatte.
      Zwei Jahre war der Reitponyhengst nun alt, und auch, wenn er ein Fohlen meiner Romantica war, die ich nur knappe zwei Monate vorher von Eddi zu mir geholt hatte, so hatte ich ihn doch eine Ewigkeit nicht mehr gesehen. Nachdem Chesmu alt genug war, um abgesetzt zu werden, hatte ich ihn in eine Jungpferde-Herde geschickt, in welcher er sich sichtlich wohler fühlen würde – solch ein buntes Treiben auf einem riesengroßen Gestüt war nichts für ein Fohlen, um das sich gekümmert werden wollte.
      Schon bei der Geburt hatte der schüchterne Hengst eine Menge Aufsehen erregt, mit seiner ausgefallenen Scheckung, besonders im Gesicht, hatten ihn alle direkt ins Herz geschlossen. Auch danach war es nicht besser geworden, ständig war er von allen möglichen Mitarbeitern belagert worden, die sich das kleine Pony mit der schicken Fellzeichnung noch näher betrachten wollten. Gerade diese Aufmerksamkeit war für Chessi bereits damals noch nichts gewesen, lieber versteckte er sich hinter Romantica, bis die Menge sich aufgelöst und er wieder seine Ruhe hatte. Die Unsicherheit und das zurückhaltende Auftreten hatte er unbestreitbar von seinem Vater Cresant Moon geerbt, welcher einst ein ebenso introvertiertes Fohlen gewesen war. Inzwischen war Elenas Hengst jedoch um einiges umgänglicher und selbstbewusster geworden, insbesondere unter dem Sattel – und bei Chessi war ich mir sicher, dass er sich ebenso entwickeln würde.
      Als er als knapp zweijähriger Hengst wieder zu uns gekommen war, war natürlich erst einmal alles neu für ihn, waren wir doch mal wieder umgezogen: Das neue Gestüt in Kanada kannte er dementsprechend nicht. Dennoch ging er beinahe mutig an neue Dinge heran, war sogar auf mich einige Schritte zugekommen, als hätte er mich von damals wiedererkannt.
      Mit dem weißen Gesicht, welches aussah, als hätte er Farbe über den Kopf geschüttet bekommen, die verlaufen war, machte er sich schnell Freunde: Kinder liebten ihn. Das Problem dabei war, dass Chessi noch nicht so viel von Kindern hielt. Während er also der Kinderliebling war, waren die Kinder nicht seine Lieblinge, weshalb ich ihn schon öfter vor den Ferienkindern bewahren musste, damit er sich nicht unwohl oder bedrängt fühlte.
      Mit dem rosa Maul wühlte der Hengst, welcher langsam, aber sicher einiges an Vertrauen zu mir aufgebaut hatte, an meiner Jacke herum und war scheinbar auf der Suche nach meiner Jackentasche. Allem Anschein nach hatte er die Möhren, die sich darin befanden, bereits zuvor gerochen und so zogen sich meine Mundwinkel bei dem Anblick automatisch nach oben.
      „Ach, Chessi“, murmelte ich leise, während ich leicht schmunzelte und dann die saftige Karotte aus der Tasche zog, um sie ihm hinzuhalten. Vorsichtig umschloss er die Möhre mit seinen samtigen Lippen und zog sie dann zu sich, um sie genüsslich aufzufressen.
      „Schön, dich endlich wieder zu haben.“
    • Samarti
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      Tierarztkontrolle
      01/2015, von Eddi | 1265 Zeichen
      Heute machte ich einen flotten Stop bei Elisa. Ich hatte nicht sonderlich viel Zeit, aber sie schob ich doch zu gern in meinen Terminkalender. Es standen vier Pferde an, die dringend mal durchgecheckt werden mussten. Auch wenn bei Elisas Pferden sowieso alles in Ordnung war, brauchten sie diesen Vet-Check für die Leistungsprüfungen. Ich begrüßte Elisa fröhlich, welche mir auch direkt Levi aus der Box holte. Der hübsche Rapphengst hielt vorbildlich still, während ich ihn eingehend untersuchte und abhörte. Er war bei bester Gesundheit, weshalb es direkt die vier Spritzen plus die Wurmkur gab. Levi war gar nicht davon angetan und sehr froh, zurück in die Box zu dürfen. Der nächste Patient war Cardillac, ein wunderschöner Perlino, der mich aber nicht sonderlich zu mögen schien. Während der Untersuchung zappelte er ununterbrochen herum und eine Spritze wäre bei ihm beinahe Verschutt gegangen, weil er einfach nicht stillhielt. Mit den anderen beiden hatte ich es wesentlich einfacher. Rozene und Chesmu waren noch klein, süß und verdammt leicht zu handhaben. Dementsprechend mussten sie die Untersuchung brav über sich ergehen lassen, genauso wie die Impfungen und die Wurmkur. Dafür gab es danach warmes Mash, während ich noch fröhlich mit Elisa quatschte.
    • Samarti
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      Erste Schritte
      02/2015 | 4012 Zeichen
      „Chessi! Nicht!“, wollte ich noch schreien, doch im nächsten Moment wurde meine Sicht durch eine dichte Schicht Schnee auf meinen Brillengläsern versperrt.
      Stöhnen wischte ich mit dem Ärmel darüber, hinterließ dabei zwar einige Streifen auf den Gläsern, doch was ich dann sah, verschlug mir sowieso den Atem. Chesmu stand direkt vor mir, starrte mich mit weit geöffneten Augen an und blies aufgeregt durch die Nüstern. Die Vorderbeine standen weiter auseinander als sonst und auch die Hinterbeine waren ein wenig gespreizt – kurzum sah Chessi in diesem Moment aus, wie es Spirit im gleichnamigen Film einmal getan hatte.
      Und genau das brachte mich dann zum Grinsen, was das Reitpony aus seiner Starre holte und dafür sorgte, dass die braunen Augen sind wieder verkleinerten und auch die aufgeblähten Nüstern beruhigten sich wieder etwas.
      Mit hoch erhobenem Schweif tänzelte der Zweijährige dann einige Schritte von mir weg, als würde er mich dazu auffordern wollen, ihn zu fangen. Dann jedoch preschte er mit seinen langen, schlaksigen Beinen im vollen Galopp von mir fort und während ich noch hoffte, er würde sich nicht selbst ein Bein stellen und stolpern; ähnlich sehen würde ihm das nämlich sogar fast. Denn auch, wenn er sich noch so elegant bewegen konnte, irgendwie steckte doch in jedem ein Trottel, der über seine eigenen Füße (oder in diesem Fall: Hufe) fiel.
      Als der junge Hengst dort so ausgelassen auf der Weide tobte, kam ich nicht drum herum, mich daran zu erinnern, wie er vor knapp anderthalb Jahren in der Reithalle Freude daran gefunden hatte, mit riesigen Bällen zu spielen. Damals hatte ich ihn in der Reithalle freilaufen lassen und nach einer Weile einen Spielball dazu gepackt, der mehr als halb so groß war wie der damals noch sechs Monate alte Hengst.
      Chesmu war ja ganz, wie es sein Vater als Fohlen gewesen war: schüchtern, er stand nicht gern im Mittelpunkt und eher introvertiert. Nach einiger Zeit allerdings blühte auch er auf, auch, wenn er wohl nie derjenige sein würde, der gerne von Kindern betüddelt wird. Inzwischen ging Chessi beinahe mutig und furchtlos auf neue Sachen zu, hatte er „nur“ eine knappe Viertelstunde gebraucht, bis er den ersten Schritt auf den Ball zugemacht hatte. Nachdem er sich seiner Angst dann gestellt hatte, hatte er jedoch auch noch seinen Spaß daran gefunden, den bunten Ball munter durch die Halle zu kicken.
      Ein rosa Maul, welches mich sanft in die Seite stupste, holte mich in die Gegenwart zurück. Chessi stand erneut wieder mir und rieb seine Stirn sanft an meinem Arm, weshalb ich ihn hinter den Ohren kraulte. Inzwischen war der Kleine wahnsinnig verschmust geworden, sobald er mich sah. Dennoch benötigte er immer wieder Zeit, bis er seine Scheu gegenüber fremden Menschen abgelegt hatte, und umso erleichterter war ich gewesen, als er sein Vertrauen mir gegenüber wieder aufgebaut hatte. Das vereinfachte unsere Arbeit erheblich. Auch, wenn ich ihn nicht überfordern wollte und dementsprechend definitiv nicht überstrapazierte und bereits longierte, hatte ich ihn bereits wieder einige Male in der Halle laufen, mit einem Ball spielen oder ein Schrecktraining absolvieren lassen, was ihm scheinbar ziemlich viel Spaß bereitete. Das Deutsche Reitpony war lernwillig, eifrig und sogar relativ intelligent: Er verstand schnell, was er zu tun hatte und wie er dem, falls notwendig, entkommen konnte. Zwar zeigte Chessi es mehr als deutlich, wenn er keine Lust hatte, doch selbst da bemühte er sich stets, den Forderungen „seines“ Menschen nachzukommen und sie so gut wie möglich durchzuführen.
      Bei dem Gedanken an unser letztes Schrecktraining, bei dem ich ihn an raschelnde Plastiktüten gewöhnt hatte (vor denen er zuvor wahnsinnig viel Angst habt hatte!), zogen meine Mundwinkel sich automatisch nach oben und meine Lippen wurden von einem glücklichen Lächeln geschmückt.
      Es war mir egal, wie viel Arbeit uns noch bevorstehen würde und welche Steine uns in den Weg gelegt werden würden – solange wir sie gemeinsam aufhoben und los wurden.
    • Samarti
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      FS 236

      03/2015 | 3000 Zeichen
      Für Chessi war inzwischen die Zeit gekommen, dass er beinahe zu alt war, um eine Fohlenschau zu bestreiten. Mit seinen zwei Jahren war er mit Sicherheit einer der ältesten Teilnehmer der 236. Fohlenschau, dennoch verhielt er sich wie der jüngste. Ständig tänzelte er hin und her, hob den Schweif an und streckte den Kopf neugierig in die Höhe, um die fremden Gerüche einzuatmen und kurz darauf zu flehmen. Schmunzelnd kraulte ich den jungen Hengst hinter den Ohren, sofort senkte er den Kopf und schloss, wieder einigermaßen entspannt, die Augen; er liebte es, wenn man ihn kraulte, besonders hinter den Ohren hatte ich schnell seine Schwachstelle erkannt.
      Seine lockere Körperhaltung verschwand schnell, als Chesmu die Lautsprecher knacken und knarzen hörte und er gespannt die Ohren spitzte, um das Geräusch zuzuordnen.
      Nachdem wir aufgerufen worden waren, atmete ich einmal tief durch und fummelte Chessis Langhaar und meine Ärmel nochmal an den richtigen Platz, ehe ich los joggte und Chesmu mit seinen langen, gazellenartigen Beinen und großen, raumgreifenden Tritten neben mir her trabte.
      Der Sandboden war glücklicherweise nicht allzu tief, sodass sich die Anstrengung, die ich benötigte, um hindurch zu joggen, noch in Grenzen hielt. Momentan konnte ich noch vernünftig laufen, und trotz meiner miserablen Kondition – die übrigens ungefähr der eines Toastbrots entsprach – schaffte ich es, Chesmu bis zum Bahnpunkt X, welcher die Bahnmitte darstellte, zu bringen und ihn dort zum Halten zu bewegen.
      Nachdem ich die Richter gegrüßt hatte, was immer etwas hilflos aussah – zumindest im Vergleich zum Gruß auf dem Pferd, liefen wir wieder los, diesmal jedoch langsamer, sodass mein Deutsches Reitponyfohlen seinen Schritt zeigte. Zugegeben: Chesmu sah ein wenig unsicher aus, da er sich nicht gern präsentierte (zumindest, wenn er nicht in seinem üblichen Kreis war), weshalb er sich ziemlich nah an mir hielt und immer wieder an mir orientierte. Dennoch würde er mich als „Schutzmauer“ gleich leider aufgeben müssen, da ich nicht schnell genug laufen konnte, um auch seinen Galopp ausreichend vorzeigen zu können.
      Als wir seinen Schritt vorgezeigt hatten, führten wir noch einmal seinen Trab vor. Es war nun schon um einiges anstrengender für mich, mit seinen ausgreifenden Tritten mithalten zu können, weshalb ich nach gut einer Runde schon außer Puste war, obwohl wir noch den Trab auf der anderen Hand vorzeigen mussten. Irgendwie musste ich mich also noch zusammenreißen, was ich dann glücklicherweise auch schaffte.
      Anschließend ließ ich Chesmu noch frei laufen und scheuchte ihn etwas von mir weg. Während er fröhlich seine Runden drehte – das glücklicherweise sogar wie gewollt im Galopp –, erzählte ich etwas über meinen Junghengst.
      Pünktlich, als ich damit fertig war, hatte Chessi sich wieder gefangen und kam ausnahmsweise direkt und geradewegs auf mich zu. Nachdem ich ihn aufgehalftert hatte, verabschiedeten wir uns noch von den Richtern und verließen schnurstracks die Halle.
    • Samarti
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      Die fünf Kleinen plus Mama
      03/2015 | 4784 Zeichen
      Der Schnee begann langsam zu schmelzen und der Frühling hielt endlich ein wenig Einzug, auch, wenn man dies aufgrund der ständigen Unwetter kaum zu glauben vermochte. Dennoch raffte ich mich an diesem Morgen schwermütig hoch, denn mir stand einiges bevor: Meine fünf Jüngsten wollten schließlich beschäftigt werden!

      Dementsprechend machte ich mich schon bald, bewaffnet mit einem Apfel und einem Trinkpäckchen Orangensaft als Frühstück, auf den Weg in jenen Stalltrakt der Nachwuchspferde und ließ um fünf Uhr morgens das erste Licht durch das riesige Stalltor hineinfallen. Es war ruhig im Stall und die Fünf (plus Romantica) waren noch sichtlich müde, denn Beverly sah ich nur dösen und Pina, die zwar hochschreckte und mich neugierig und mit der gewohnten Portion Skepsis und Argusaugen beobachtete, hatte sogar noch einen relativ verschlafenen Blick auf dem Gesicht, bei dem ihr die Augen fast wieder zufielen. Mir bedeutete allein dieser Ausdruck schon eine ganze Menge – vor einem halben Jahr hätte sie die Box zertreten, doch Gwens und mein Training mit ihr tat das Beste, um sie sozialer zu machen. Dies schafften wir auch bisher ganz gut. In der Nähe von uns beiden ließ sie sich inzwischen sogar einigermaßen fallen und das füllte meine Brust mit unbändigem Stolz, der meine Brust wohl auf das Dreifache anschwellen ließ.
      Da es noch sehr früh war, hatten die Ponys noch kein Futter bekommen, weshalb ich die Aufgabe heute einfach mal übernahm, ohne groß zu murren. So ein bisschen Zeit im Stall, wenn die Pferde zufrieden auf ihrem Futter herumkauten, war auch mal etwas schönes und so konnte ich zumindest noch einen dezenten Schönheitsschlaf ergattern, der mir in meinem Zustand echt gut tat. Augenringe bis zum Gehtnichtmehr, meine Haut war irgendwie ein wenig gerötet und würde mich so jemand sehen, würde er denken, ich wäre todkrank.
      Anfangen tat ich mit Burnin' Unbridled Dreams, Rozene und Chesmu, nachdem sie ihr Futter zufrieden aufgefressen hatten und nun glücklich in der Box standen. Die zwei waren nur ein Jahr auseinander, und Chessi sah zwar schon sehr viel weiter entwickelt aus, doch verstehen taten die beiden sich mehr als gut; beinahe prächtig. Dies war auch der Grund, warum sie so oft zusammen laufen gelassen wurden, denn es freute die beiden fast mehr als mich, wenn ich zusehen konnte, wie sie zusammen Fangen spielten oder gemeinsam herum tobten.
      Heute durften Chessi und Dajun zwar „nur“ in die Halle und wurden laufen gelassen, doch man merkte, wie sie sich über die Bewegung freuten und trotz der Tatsache, dass es noch viel zu früh am Morgen war, tobten sie ausgelassen über den Sand und wirbelten diesen hinter sich auf.

      Genauso handhabte ich es mit Pina und Bee. Auf der Weide sah man die beiden Roans stets zusammen, fast nie traf man sie allein an – Bee war so etwas wie Pinas beste Freundin, die ihr alles Neue und Unbekannte geduldig gezeigt hatte und sie nun vor allem Bösen beschützte. Irgendwie war der Gedanke daran, dass die nur knapp ein Jahr ältere Stute der jüngeren alles beibrachte und lehrte, verdammt niedlich. Anfangs hatte ich eher daran gedacht, Pina zu Goldherz zu stellen, denn die gute Stute hatte mehr als genug Erfahrung mit Fohlen und jüngeren Pferden, und aufgrund ihrer Gutmütigkeit wäre auch sie wohl mehr als perfekt für diese Aufgabe gewesen. Als ich dann aber gesehen hatte, wie prächtig Bee und Pina miteinander auskamen, brachte ich es nicht mehr übers Herz, die zwei voneinander zu trennen.
      Der Hocker, auf dem ich in der Mitte der Reithalle saß, wackelte zwar etwas hin und her, wenn ich mein Gewicht verlagerte, doch irgendwie hatte ich es geschafft, ihn so tief im Sand zu verankern, dass er still blieb, selbst, wenn ich mich fast komplett nach hinten in den Sand fallen ließ.

      Rozene war die letzte, die an der Reihe war. Sie stand jedoch bei Romantica, da sie noch lange nicht soweit war, entwöhnt zu werden. Dementsprechend hatte ich beschlossen, mit Mutter und Fohlen einen Spaziergang zu unternehmen, der allerdings nur knappe zwanzig Minuten anhielt, denn das kleine Stutfohlen hatte noch lange nicht genügend Ausdauer, um viel mehr auszuhalten. Wer konnte es ihr übelnehmen – sie war erst fast drei Monate alt und dementsprechend noch nicht „das Gelbe vom Ei“.
      Romantica war eine ausgezeichnete Mutterstute, was mir immer wieder bewiesen wurde. Auch jetzt gab sie sich sichtlich gelassen, wenn Rozene sich erschrak, hatte Geduld mit ihr und gab ihr liebevoll den Freiraum, den das Fohlen zum Erkunden der ungewohnten Umgebung benötigte. Rozene dankte es ihr und sprang ausgelassen herum, schnupperte an fremden Büschen und schrak zurück, wenn es im Unterholz raschelte, um sich dann ängstlich hinter Mama zu verstecken. Es war ein wahrlich idyllisches und harmonisches Bild, das das Paar abgab.
    • Samarti
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      Mama über alles
      04/2015 | 7287 Zeichen
      „Wo ist das?!“ Eine aufgehetzte Elena rauschte mit hochrotem Gesicht an mir vorbei und ich spürte sogar einen leichten Windhauch, der meine Wangen kitzelte.
      „Was suchst du?“
      „Mama! Ich brauche Mama! Mamas finden immer alles!“, regte sie sich weiter auf und ließ Jojo und mich rat- und tatenlos nebeneinander stehen. Wir runzelten nur verwirrt die Stirn und als Eli das nächste Mal an uns vorbei zischen wollte, packte Juli sie entschlossen am Unterarm und hielt sie so fest, dass die Blondine gar keine andere Chance hatte, als uns zu sagen, warum sie so orientierungslos durch das Haus raste: „Ich hab letztens so eine Kaffeemaschine gekauft und jetzt suche ich den dämlichen Kassenbon. Wenn man den nämlich vorlegen kann, kriegt man hundert Kapseln gratis. Hundert!“
      Jojo und ich sahen uns nur an und wie aus der Pistole geschossen machten wir abwechselnd Vorschläge, wo sich das Zettelchen versteckt haben könnte.
      „Portemonnaie?“ – „Jackentasche?“ – „Irgendeine Ablage?“ – „Auf den Boden gefallen?“ – „Hosentasche?“ – „Im Unterwäschefach im Kleiderschrank?“
      „Jojo? Wieso Unterwäsche?“, unterbrach ich unser 'Gespräch' (das übrigens wirklich klang, als wäre es einstudiert worden oder so), doch mich empfing nur die pure Ignoranz. Jojo hatte sich inzwischen ihrem Handy gewidmet und Elena lief noch immer total wüst durchs Haus.
      „VERDAMMT! ICH HAB DEN DOCH HEUTE NOCH GELESEN!!!“, tobte sie schließlich und trat so fest gegen einen Mülleimer, dass dieser umkippte. Die Augen der Blondine leuchteten kurz auf, dann stürzte sie sich wie ein hungriger Bär auf den umgekippten Papiermüll; erfolglos.
      „Das war jetzt schon der zweite Mülleimer!“, stöhnte sie völlig fertig auf und raufte sich das Haar. „Ich geh mal im Bad weiter Power Suching machen.“
      „Mach das“, bestätigte ich sie und schüttelte dann den Kopf, als sie verschwunden war. „100 gratis Kapseln... Das sind ja ganze drei Euro!“
      „Drei Euro, mit denen man sich einen Eistee kaufen kann“, erwiderte Jojo protestierend und ich seufzte nickend.
      „Vierzig oder fünfzig Euro trifft es eher!“ Natürlich war Elena wieder da. Und natürlich war sie noch nicht fündig geworden. „Ich sterbeeeee!“
      „Das glaube ich nicht, noch siehst du ganz gesund aus.“
      „Du sagst es: noch! Ich brauche echt Mamas Superkräfte...“

      Staunend betrachtete Jojo Vendetta, Pina und Beverly, die allesamt fröhlich in der Reithalle ihre Runden drehten, sich gegenseitig in die Hintern zwickten und immer weiter anspornten, noch nicht mit dem Laufen aufzuhören. Wir hatten zwar auch einige kleine Kreuze aufgestellt, um zu sehen, ob sie diese auch überqueren würden, aber das war dann wohl eine Fehlanzeige gewesen – die drei jungen Stuten waren viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass sie die niedrigen Hindernisse auch nur eines einzelnen Blickes würdigen würden.
      „Wahnsinn, wie gut die sich verstehen“, brachte Jojo nach einer Weile hervor und ich versuchte, ihre Gesichtszüge zu analysieren. Man konnte klar sehen, dass sie wahnsinnig stolz auf die Entwicklung Vendettas war, auch, wenn man ein Fünkchen Sehnsucht in ihren Augen ausmachen konnte. Dennoch hoffte ich, dass das Wissen, dass es Vendetta hier blendend ging, der Sehnsucht überlegen war und definitiv überwog.
      Die junge Fuchsstute mit dem schicken blauen Auge hatte es mir von Anfang an angetan, und wenn ich sie so beobachtete, wusste ich auch direkt wieder, wieso: die dynamischen Bewegungen; der neugierige, aufmerksame Blick; dieses kecke Gesicht – sie war nahezu perfekt und auch farblich einfach genau das, was mir zuvor noch so sehr gefehlt hatte.
      Pina blühte immer mehr auf, und auch, wenn sie Jojo anfangs noch eine gesunde Portion Skepsis gegenüber gezeigt hatte, so ignorierte sie sie momentan geflissentlich. Meine neue Nachbarin schien dies nicht zu stören, die betrachtete viel mehr Bee, welche sich mal wieder liebend gern in den Mittelpunkt stellte und versuchte, alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen – wie sie es so oft und gerne tat.
      „Na gut, ich glaube, das reicht für heute“, meinte ich irgendwann und hielt Jojo Vendettas Führstrick hin. „Ich glaube kaum, dass Pina dich an sich ran lässt … und Bee übernehme ich gerne selbst“, zwinkerte ich ihr zu und bemerkte selbst mit nur einem offenen Auge, wie sehr sie sich über die Zeit mit Vendetta freute. Es ging eben nicht spurlos an einem vorbei, wenn man das Pferd, das man aufwachsen sehen und auf seinem Lebensweg begleitet hatte, auf einmal einfach nicht mehr jeden Tag sah, wie es dir von der Weide aus entgegensah und dich liebevoll begrüßte. Dennoch wusste Jojo, dass sie jederzeit willkommen war; und das nicht nur, um sich mit Vendetta zu beschäftigen.

      „Sie hat so eine schöne Farbe!“, seufzte Joline verträumt und kraulte dem kleinen Stutfohlen liebevoll die Stirn; Rozene liebte das. Zwar war sie, wie so viele Fohlen zu Beginn ihrer Zeit, noch etwas schüchtern und zurückhaltend, dennoch stellte sie uns bereits jetzt oft genug auf die Probe und versuchte, uns zu ärgern: wie das eine Mal, als sie einfach ausgebüxt war und Gwen mir helfen musste, sie wieder einzufangen. Rozene hatte total Spaß daran! Trotzdem war sie noch immer ein niedliches Fohlen, das seine täglichen Streicheleinheiten einholen wollte und zu einer ziemlichen Zicke mutieren konnte, wenn sie diese nicht bekam oder sie nicht intensiv genug waren. Deshalb war es bei dem Fohlen von Romantica umso wichtiger, dass man sie nicht einfach so ignorierte, denn das kratzte ziemlich am Ego des Silver Buckskins und sorgte dafür, dass sie tagelang einen auf beleidigte Leberwurst machte.
      „Das hat sie wirklich“, antwortete ich resigniert und betrachtete Rozenes Augen, die die gleiche Farbe hatten wie Rosinen – was dann auch wohl dafür gesorgt hatte, dass sie ihren jetzigen Namen bei der Geburt erhalten hatte. „Ich freue mich schon ehrlich darauf, wenn sie wächst und wirklich größer wird. Es wird bestimmt toll, ihrer Entwicklung zuzusehen – ich meinte: Guck sie dir an!“
      „Allerdings.“ Joline nickte und lächelte mir dann aufmunternd zu. „Das wird wirklich schön. Ich bin auch schon darauf gespannt, was aus ihr für ein Pferd wird.“

      „Cre- … äh, Chessi!“
      „Dass gerade dir so ein Versprecher passiert, ist kaum zu glauben“, kommentierte Zai sarkastisch, als ich gerade auf den jungen Hengst zuging, der noch in seiner Box stand und mich aus großen Augen betrachtete; dabei verfolgte er jede meiner Bewegungen genauestens und inspizierte erst mich, dann Zairina auf der Suche nach Leckerlis. Schließlich wurde er auch fündig und ergatterte eine knackige Möhre, die er genüsslich in seinem Maul verschwinden ließ und sie dann zerkaute, während er uns noch weiter betrachtete. Auch Chesmu war inzwischen bereits mehr als zwei Jahre alt, auch, wenn man es ihm nicht direkt ansah; hatte er doch noch einen sehr unproportionierten Körperbau, der noch immer eher an Fohlen erinnerte als an alles andere.
      „Tja, Kleiner“, murmelte ich gedankenverloren und tätschelte den Hals des Hengstes, „ich hoffe, du bist eines Tages in der Lage, in die Hufabdrücke deines Vaters zu treten.“
      „Oooh, wie süüüüüüüüüüß!“, quiekte Lena und Chessi und ich sahen erschrocken auf und sie an.
      „Hast du gesoffen?“

      MAMA! <3 Kassenbon war an die Pinnwand geheftet, aber da habe ich natürlich nicht nachgeguckt. Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich meine Mami liebe?
    • Samarti
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      Nachwuchs
      05/2015, von Rhapsody | 3032 Zeichen
      Schon vor Wochen (oder mehr noch: vor Monaten) hatte Elisa mich eingeladen. Eigentlich wollten wir ursprünglich Paccos ersten Geburtstag feiern, aber irgendwie hatte es sich immer verschoben. Und heute stand Elisa dann um zehn Uhr vor meiner Tür, mit den Händen in die Hüften gestemmt, und gab mir den keine-Widerrede-Blick.
      Ich wusste natürlich sofort, was sie meinte (ich war ein wahrer Ninja), und sah sie flehend an. „Heute ist schlecht, wirklich!“
      Elisa zog eine Augenbraue nach oben. „Was ist deine Ausrede heute?“
      „Heute Nachmittag kommt die neue Stute, okay, da hab ich –“
      Ohne mich ausreden zu lassen zog Elisa mich schließlich aus dem Haus, schlug die Tür hinter mir zu und steuerte auf die Straße zu. „Gwen und Elena warten schon, die sind deine Ausreden genauso leid.“

      ***

      Ja, Elena und Gwen warteten bereits auf Elisas „Terrasse“ (oder eher der Fläche, auf der ein paar Gartenstühle standen und man eben draußen war), aber sie sahen nicht einmal annähernd genervt aus. Elena hatte es sich in ihrem Stuhl bequem gemacht und hob zum Gruß nur kurz zwei Finger, während Gwen sich an einer etwas älter aussehenden Trense zu schaffen machte.
      Elisa grummelte vor sich hin, dass ich ja eine der schlimmsten Fohlenmamas der Welt war und es wohl besser war, dass Pacco bei ihr stand. „Von dir hat er aber den Namen Pacco,“ konterte ich, während ich mir die Teekanne, die auf dem kleinen Beistelltisch stand, nahm.
      „Pacco klingt besser als Pax.“
      „Lügen,“ kam von Elena, die nicht mal den Kopf hab. Faules Stück.

      ***

      Nach einer Tasse Tee und Klatsch und Tratsch – wahrscheinlich würden wir in ein paar Jahren mit Tupperpartys anfangen und dann uns in Mitdreißiger verwandeln – besuchten Gwen und ich Pax (nicht Pacco. Pax.)
      Er würde noch eine Weile bei Elisa stehen bleiben – dort war er wenigstens in der Nähe und konnte trotzdem mit Artgenossen aufwachsen – bevor er mit etwa zwei Jahren zu mir übersiedeln sollte.
      „Ich bin ja gespannt, wie Para drauf reagiert,“ sagte ich, ohne wirklich zu bedenken, dass ich wahrscheinlich laut dachte.
      Gwen hmm-te nur und versuchte, Rozene anzulocken. Pax stand ein paar Meter weiter weg und beknabberte sich ausgiebig mit Chesmu, Cìolas Halbbruder. Für die zwei komischen Gestalten am Zaun interessierte er sich kaum, und dabei lief er mir sonst hinterher wie ein kleiner Hund.
      Und während wir so dastanden und den Kleinsten zuguckten, wie sie so unbeschwert und ohne Termine über die Weide jagten, klingelte mein Handy.
      „Das war’s dann wohl mit dem Geburtstag feiern,“ bemerkte Gwen grinsend.

      ***

      Medeia hieß die neue Stute, und sie kam direkt aus Irland. Total furchtlos stapfte sie die Rampe des Hängers hinunter, beschnupperte meine (und Elisas und Elenas und Gwens, weil man die drei nie loskriegte, wenn sie einen erstmal gesehen hatten, fast schon wie Zecken) Hand und ging, als ich sie in die Box brachte, schnurstracks auf den Paddock hinaus.
      „Na wenigstens weiß sie, was sie will,“ murmelte ich und sah dramatisch seufzend das liebevoll gestopfte Heunetz in der Ecke baumeln.
    • Samarti
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      Scheibenwischwirrwarr
      06/2015 | 4401 Zeichen

      „Mein Papa hat immer gesagt, wer bei der Theorie durchfällt, sei dumm. Aber bei der Praxis sei das normal, wenn man es nicht direkt schafft“, berichtete Elena mir, als wir gerade darüber sprachen, wie es uns mit unseren Führerscheinen ergangen war.
      „Dein Vater hat mich also dumm genannt“, murmelte ich leise vor mich hin und kickte einen kleinen Kieselstein vor mir her, während Chesmu interessiert jenen Stein beobachtete.
      „Zu Recht!“ Natürlich musste Eli das nochmal betonen, dass ich die Theorieprüfung erst beim zweiten Anlauf geschafft hatte – ebenso war es mir aber bei der praktischen ergangen.
      „Wieso bist du beim ersten Mal bei der Praxis durchgefallen?“, hakte die Blondine dann nach, schenkte ihre Aufmerksamkeit allerdings größtenteils ihrem Reitponyhengst Cresant Moon, der ruhig und gelassen neben ihr herlief. Es war Wahnsinn, wie aus dem zurückhaltenden Fohlen ein aufgeschlossener, junger Hengst geworden war, der Millionen von Herzen für sich erobern konnte. Und das in nur wenigen Sekunden! Man konnte nicht anders als einfach dahinzuschmelzen, wenn er jemanden mit seinen dunkelbraunen, großen Augen so liebenswürdig ansah, dass man ihn am liebsten mit Leckerlis überhäufen würde. Es war sowieso ein Wunder, dass er seine Figur problemlos halten konnte; aber das lag wohl nur an dem harten Training, welchem er stets ausgesetzt wurde.
      „Ich war zu schnell und hab die Kurve nicht gepackt“, erklärte ich ihr die Kurzfassung und zupfte dann sanft an Chesmus Strick, damit er sich nicht selbstständig machte und wieder neben mir herlief, statt sich am Wegesrand irgendwelche wunderschönen Blümchen anzusehen und diese mit geblähten Nüstern zu betrachten. „Und du?“
      „Äh“, setzte sie an, „ich hab nicht gewusst, wo ich in der Ortschaft wenden sollte, war dann am Ende und musste verzweifelt in einem Hof drehen. Das war aber direkt an der Straße, ging bergauf und ich hab immer wieder abgewürgt, während ich einem Nervenzusammenbruch nahe war.“ Schnell ratterte sie das runter und nickte dann sehr ironisch, um zu bekräftigen, wie toll und schlau das ja gewesen war. „Ich hätte einfach nur zweimal nach links fahren müssen, aber naja“, fügte sie dann lachend hinzu und ich grinste nur: „Wenn man aufgeregt ist, passiert das schon mal. Nervosität ist halt echt scheiße.“
      „Ich hab halt auf einen Kreisel gewartet, aber der Fahrlehrer ist mit mir die Strecke noch nie gefahren!“
      Diesmal musste ich laut lachen und brachte Cressi und Chessi so dazu, mich verwundert anzusehen. „Weißt du, das ist genauso doof wie ich bei meiner zweiten Prüfung. Der Prüfer steht draußen und raucht noch eine, ich sitze schon mal im Auto und mache den Motor an, es waren 31 Grad und ich brauchte halt die Klimaanlage. Bin dabei aber versehentlich an den Scheibenwischer gekommen, saß da nur noch total verzweifelt und hab die Scheibenwischer nicht mehr abschalten können, weil ich vergessen hatte, wie das nochmal ging! Und mein Fahrlehrer stand nur draußen vorm Fenster der Beifahrertür, beobachtet das gelassen und grinst mich erstmal an, statt mir zu erklären, wie das funktioniert.“
      Jetzt war es Elena, die sich das Lachen nicht mehr verkneifen konnte und sich dann sogar den Bauch hielt. Wahrscheinlich stellte sie sich das Ganze gerade bildlich vor und hatte vor ihrem inneren Auge eine 17-jährige Elisa sitzen, die mit der gesamten Situation völlig überfordert war.

      „ÜBERRASCHUUUUNG!“
      Als wir nach unserem Spaziergang wieder auf dem Hof eingetroffen waren, empfingen uns Jojo, Gwen, Joline, Matthew, Domenic und sogar Sophia (die aber auch nur, weil sie gerade mit Dajun beschäftigt war) und schmissen buntes Partyzeug in die Luft. Cressi bekam ein Partyhütchen aufgesetzt, was er mit einem skeptischen Blick quittierte und dann nur noch kopfschüttelnd schnaubte.
      Überall war Konfetti verteilt, hier und dort hingen bunte Girlanden und alle auf dem Hof hatten Partyhüte und strahlende Gesichter aufgesetzt.
      Chesmu brachte ich lieber direkt in seine Box, denn hier fühlte er sich gerade anscheinend nicht sonderlich wohl – dem Kleinen war das einfach alles zu viel.
      „Alles Gute zum 5. Geburtstag!“, stand auf einem Plakat, das Gwenny freudig schwenkend in die Luft hielt und ich zog nur die Augenbrauen hoch. So eine Geburtstagsparty für Cressi zu veranstalten … die Idee hätte zwar von mir kommen können, aber das war wohl letztendlich das Ergebnis von Jojos und Gwens wirren Gedankengängen.
    • Samarti
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      Meerjungfrauen
      07/2015, von Rhapsody | 10.003 Zeichen
      #1 Überlebenstipp: Google niemals Traumdeutungsschrott. Vor allem nicht, nachdem du geträumt hast, dass du eine Wirtschaftklausur schreiben musst (ich hatte seit Jahren kein Wirtschaft mehr!), deine Aufsicht deine alte Englischlehrerin ist, die sich irgendwie in einen alten Drachen verwandelt hatte und sie dir letzten Endes das Blatt wegnimmt, angeblich weil du gespickt hattest.

      Das alles wäre nicht mal so verstörend gewesen, wäre da nicht diese Meerjungfrau in der Ecke gesessen, die mich ununterbrochen anstarrte. Das erste außergewöhnliche an der Meerjungfrau war, dass sie gar keinen Fischschwanz hatte. Das zweite, dass es keine Meerjungfrau war, sondern eher ein Meerjung…mann? Es hatte zumindest sehr männliche Züge, komplett mit einem schönen Kiefer (Elena hatte mir die Vorzüge von solchen schönen Kiefern erklärt, aber leider kann ich sie hier aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht aufführen. Fragt Elena selbst) und schönen Beinen (vor allem für eine Meerjungfrau/mann/WAS AUCH IMMER). Und dass er/sie/es mich anfunkelte, als wäre ich persönlich für den zweiten Weltkrieg verantwortlich, das machte mir recht wenig aus. Er sah trotzdem noch gut aus. Anscheinend so gut, dass ich natürlich durch die Prüfung rasselte.

      Das einzige, woran man erkannte, dass es sich um eine Meerjungfrau handelte, war, dass er sich alle paar Minuten einen Eimer Wasser über den Kopf schüttete. Und eigentlich machte es nicht mal das verständlich, aber im Traum wusste ich einfach, dass es eine Meerjungfrau war. Eine ziemlich heiße, um ganz ehrlich zu sein. Aber nach wie vor ein Hirngespinst.

      Und Google spuckte mir dann am nächsten Morgen sagen wie „Bedürfnis nach einer starken vollkommenen erotischen Liebesbeziehung“, „Beziehung zwischen dunklen Kräften und dem bewussten Selbst“, „Gefahr vom anderen Geschlecht“ und „hüte dich vor verführerischen Frauen“ (wobei – kann man das überhaupt anwenden, wenn die Meerjungfrau ein Mann war?) aus. Es war zwar nicht so, dass ich solchem Zeug immer glaubte, aber die potentielle Bedeutung zog mich runter. Dunkle Kräfte? Von einer Meerjungfrau ausgehend?!

      ***

      In solchen schweren Zeiten (heißer unerreichbarer Traumkerl, böse Meerjungfrauen, allgemeine SOMMERHITZE) blieb ich gern so lang wie möglich im Haus, legte mich zusammen mit Ella ins Bett (natürlich nachdem die Pferde gefüttert und versorgt waren), aufs Sofa oder, wie heute, einfach nur auf den Boden. Zoe machte ein paar Anstalten, um mich herum zu gehen, bis sie schließlich einfach nur noch über mich drüber stieg.

      Gegen 3 Uhr nachmittags – außen waren es wohl um die 34°C – gesellte sie sich dann zu mir und spielte mit dem Henkel einer Tasse. Die war wahrscheinlich mit Tee gefüllt. Australier waren komisch; laut Zoe war es nämlich noch gar nicht heiß, sondern nur schön sonnig. Verdammte Australier.

      „Verrätst du mir wieso du am Boden liegst und an die Decke starrst?“ fragte sie so ganz nebenbei, trank einen Schluck und kraulte Ella den runden Bauch.

      „Ich möchte nicht mehr träumen,“ sagte ich und klang dabei eher wie ein kleines Kind als wie ein Erwachsener. „Träume nerven.“

      „Ich glaub, wenn du aufhörst, solche Sachen nachzuschlagen, wird dein Leben leichter.“

      Ja, und wenn Amerika aufhören würde, ein Arschloch zu sein, dann würde es vielen Amerikanern leichter gehen. Super Logik, Zoe!

      „Um was ging es diesmal?“ hakte sie dann nach und legte sich neben mich. Ella drehte sich wieder auf den Bauch, stand auf und rollte sich direkt neben Zoe nebeneinander. Pff, treuloses Pack.

      „Meerjungfrauen, die böse auf mich sind und Wirtschaftsklausuren aus der Hölle,“ murmelte ich und rieb mir die Augen. Das Wetter machte mich müde. Vielleicht sollte ich noch ein Nickerchen machen. „Ich leg mich hin.“

      Zoe rollte mit den Augen, blieb selbst aber auf der kühlen Fliese im Flur liegen.

      ***

      Gegen 7 wurde es dann endlich kühler, und nachdem ich die Ponys auf die Weide gebracht hatte machte ich mich auf den Weg zu Pacco. Pax. Meine Güte. (Und ganz nebenbei ging ich dabei auch das volle Risiko ein, dass Declan mich aufhalten würde und wieder irgendetwas probieren würde. Ich war ja so aufopfernd!)

      Keine drei Schritte auf Elisas Gelände traf ich dann zuerst auf Elena, die ein wenig … verstört war wohl nicht der richtige Ausdruck, dann doch eher nur verwirrt aussah. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hatte sie auch meinen „Wieso bist du eigentlich noch nicht eingezogen?“-Kommentar überhört, sie nickte nur abwesend und starrte weiterhin angestrengt auf den Boden, als hätte sie etwas verloren.

      Jetzt war ich diejenige, die verwirrt war. „Suchst du was?“ fragte ich, woraufhin Elena nur nickte aber mich mit ihrer Hand in Richtung Pampa schickte. Alles klar. Irgendwie war wohl der ganze Tag heut ein wenig komisch.

      ***

      Es tat mir schon fast leid, Pacco bei diesem Wetter von seiner wohlverdienten Weide zu holen, aber immerhin wollte ich später nicht diese komische Gestalt sein, die er kaum kannte, also musste er mir wohl oder übel von der Koppel folgen.

      Als Entschädigung nahm ich auch noch gleich Chesmu mit. Dem würde ein kleiner Spaziergang auch nicht schaden und außerdem war er Cíolas kleiner Halbbruder, das war ja wohl Grund genug.

      Ich traute mich schon fast nicht, beim Putzen Geräusche zu machen. Im Grunde war ja nichts gegen Declan auszusetzen (außer natürlich, dass ich ihm die Jacke vollgekotzt hatte, super Zug Jojo!), aber … keine Ahnung. Ich kannte ihn kaum (und dass ich ihm total aus dem Weg ging machte das natürlich besser). Ich war nicht gut im Kommunizieren mit Fremden.

      Und wenn ich das Elisa sagen würde, würde sie mich entweder auslachen oder wäre total genervt, deswegen behielt ich das lieber für mich. Und ging jedem und allem aus dem Weg, was nicht weiblich war oder vier Beine hatte.

      (Oder eine männliche Meerjungfrau. Der würd ich nämlich ohne Umschweife sofort hinterherlaufen.)

      Pax wohl eher nicht; als wir endlich losgingen, blieb er alle paar Schritte stehen. Erst dachte ich, er würde einfach nur die Landschaft bewundern oder sonst was, doch mir wurde schnell klar, dass er stehen blieb weil er stehen bleiben wollte. Das war ich zwar so nicht ganz von ihm gewohnt, aber mit einem etwas kürzer genommenen Führstrick und dem besten Kumpel, der brav neben mir herlief, konnten wir dann unbeirrt weiterlaufen.

      ***

      Abends dann war ich wieder auf Elisas Gestüt, weil Elisa einen weiteren Trashfilm aufgegabelt hatte. Diesmal waren es aber Vampire und keine Haie, und es gab auch keine Tornados. Also eigentlich … ein wenig harmloser.

      Könnte man denken.

      Elena hatte natürlich wieder ihren tollen Freund aus Russland mitgebracht (von dem ich mich diesmal fern hielt) und war jetzt voller Überzeugung, sie könnte perfekt russisch sprechen. Als ich sie gefragt hatte, ob sie was auf dem Boden gefunden hätte, antwortete sie nur mit „Да. Я потерял сережку“ und nahm dann die Flasche vom Tisch. „на здоровье.“

      „Ich verstehe kein Kyrillisch,“ beklagte Elisa gewohnt trocken von ihrem Platz ein paar Meter vor dem Fernseher, den sie zusammen mit Gwen keine 2 Minuten nach Beginn des Films beschlagnahmt hatte. Auch die beiden hatten eine Flasche von Elenas Freund gekriegt und so hörte man von ihnen ungefähr nichts außer Kichern und ab und zu ein „VAMPIRE!! AUF EINEM SEGWAY!!!!“

      Pebbles und Fae störte es wohl weniger, dass die Menschen um sie herum ein bisschen komisch wurden; Pebbels lag zusammengerollt neben mir, Fae schnurrte um Elena herum (die sie ununterbrochen Кошка nannte) und störte sich nicht daran, dass alles ein wenig … komisch roch.

      Auf jeden Fall hatte ich mehr oder weniger allen kollektiv von der tollen und wunderschönen und heißen und traumhaften Meerjungfrau erzählt. Weil man so etwas seinen Freunden nicht verheimlicht!

      Doch das hatte jetzt dazu geführt, dass die allgemeine Unterhaltung von zweisprachig zu einsprachig und von filmrelevant zu … spongebobrelevat wechselte.

      „Du hast also von Meerjungfraumann geträumt?“ kicherte Elena, was aus ihrem Mund ungefähr genauso fremd klang wie russisch.

      Ich rollte nur mit den Augen.

      „Meerjungfraumann braucht dann aber auch einen Buddy,“ warf Gwen ein. Auch sie war nicht mehr wirklich nüchtern, sie saß ein wenig schief auf ihrem Kissen, weswegen ich sie in Schiefer Turm von Manitoba umbenannte. Mental natürlich.

      Für ein paar Minuten war Stille – Denken braucht Ruhe – bis Elisa plötzlich aufsprang und etwas von Matthew und betrunken und letztens redete (dazwischen waren noch mehrere Wörter, die noch unverständlicher als Elenas Russisch waren).

      Elena war dann natürlich sofort vorbei, während der Schiefe Turm von Manitoba und ich uns nur verständnislos ansahen.

      „Was ist mit Matthew?“ fragte ich als Elena und Elisa (es gab wohl einen Grund, wieso Evil mit E beginnt) sich endlich wieder beruhigt hatten. Fae und Pebbles waren verschwunden; das war ihnen dann wohl zu bunt geworden.

      „Matthew,“ begann Elisa und machte es sich auf ihrem … Kissen? War das ein Kissen? Es sah nicht aus wie ein Kissen! bequem, „Matthew ist Blaubarschbube.“

      Alles klar. Dass das nicht so ganz Sinn machte, musste Elisa wohl verstehen.

      „Als wir den Canada-Day nachgefeiert haben?“ versuchte Elisa, uns auf die Sprünge zu helfen. „Als Matthew so hackedicht heimgekommen ist?“

      „Nein,“ sagte ich trocken, „daran kann ich mich nicht erinnern.“ Ich erinnerte mich an einen Canada-Day und daran, dass Matthew gefehlt hatte.

      „Auf jeden Fall war er total betrunken und deswegen ist er jetzt Blaubarschbube,“ fuhr Elisa fort und sah dabei noch total zufrieden aus. Blöde Kuh.

      Elena haute mir ihren Ellbogen zwischen die Rippen. „Verstehst du? Weil er blau war,“ woraufhin Elisa vor Lachen von ihrem Kissen rutschte und auch Gwen losprusten musste. Betrunkene waren verständlicher, wenn man selbst betrunken war.

      „Das nächste Mal trinke ich auch wieder,“ grummelte ich und ließ mich auf die Couch zurücksinken. Und als Elena dann vorschlug, als Abschluss noch den Spongebob Film von 2004 zu gucken, nahm ich ihr den Wodka aus der Hand und behielt ihn für den Rest der Nacht.
    • Samarti
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      Wunderkind
      08/2015, von Rhapsody | 10.030 Zeichen
      Vor ein paar Wochen hatte Elisa verkündet, sie würde eine Kindergartengruppe eröffnen. Wir alle hatten sie ein wenig schief angesehen, da wir gerade von einem unserer legendären Ausritte kamen, bei dem ausnahmsweise Gwen und ihre blühende Romanze mit irgendeinem von Elenas Kerlen – ich war so schlecht mit Namen! So so so schlecht! – der Mittelpunkt war und nicht die Oberblondine, die wohl ein bisschen beleidigt war, dass wir diesmal Gwen ärgerten und nicht sie.

      Auf jeden Fall waren wir ein wenig fertig – wer hätte gedacht, dass der Sommer im Kanada genauso warm war wie in Deutschland? – und entspannten uns an Elisas Pool weil Elisa verrückt war und sich nach Zoes Kommentar wirklich einen Pool hatte bauen lassen. Ich mein wer konnte schon sagen „Oh, ich glaub, ich hab Lust auf einen Pool!“ und konnte ihn einfach bauen lassen?! Verrückt! Elena war (aus Trotz?) so weit gegangen, dass sie ihre Reithose irgendwo in Elisas Wohnzimmer gelassen, sich eine kurze Hose aus Elisas (oder wohl eher Jolines) „geliehen“ hatte und dann einfach eiskalt und ohne mit der Wimper zu zucken in den Pool gesprungen war. Gwen und ich blieben eher im seichten Bereich, während Elisa immer noch auf der Liege lag.

      Und da verkündete sie dann das mit der Kindergartengruppe. Gwen verdrehte neben mir die Augen, fragte dann aber trotzdem ganz geduldig nach.

      „Na, Pacco ist jetzt zwei, Chesmu ist zwei, Pinero ist zwei … die kommen jetzt aus der Krippe und müssen in den Kindergarten!“

      „So ‘n Käse,“ kommentierte Elena, die sich auf dem Rücken treiben ließ. Das war dann aber ihr einziger Input – immerhin hatte sie nur zwei Jährlingsstuten, die ihr Sozialverhalten problemlos ohne Hilfe von fremden Pferden lernen konnten.

      „Andvari hast du vergessen,“ grummelte Gwen und ließ mich allein im Wasser stehen, um sich vor Elisa aufzubauen. „Und du denkst, du bist eine qualifizierte Erzieherin und kannst so einen Haufen Junghengste managen?“

      Elisas Antwort darauf war ein kurzes Grinsen, gefolgt von einem „Nein. Aber dafür hab ich ja euch!“

      Daraus entsprang dann eine Diskussion über die richtige Erziehung – eine Gruppe von Jünglingen oder lieber in eine bestehende Gruppe integrieren? Schlussendlich blieben wir dann jedoch bei der kleinen Herde von vier; Pax (nicht Pacco! Niemals Pacco!), sein Halbbruder Chesmu, der gepunktete Pinero aus Elenas Zucht und noch Gwens Haflinger Andvari.

      „Hoffentlich werden die dann nicht totale Machos wenn sie alt genug sind,“ sagte Gwen, die sich mittlerweile neben Elisa gesetzt hatte und genüsslich in einen Apfel biss. Kurz darauf sah man, wie ihr Gesicht mit einer Idee aufleuchtete. „Ich hab die perfekte After-Ausritt-Beschäftigung! Wir backen einen Apfelkuchen!“

      Von Elena, die immer noch nicht aus dem Pool gekommen war, gab es Applaus. Elisa sah nicht wirklich begeistert aus, was aber daran lag, dass wir auf ihrem Hof waren und somit ihre Küche verunstaltet werden würde. Und für meinen Part – ich war dagegen. „Ich bin für einen Kirschkuchen. Mit Kirschen aus Gwens Garten.“

      Gwen funkelte mich an und drohte, den Apfel an meinen Kopf zu schmeißen. Von Elena gab es auch wieder Applaus – Essen war Essen. Und Elisa sah genauso unbegeistert aus wie bei Gwens Vorschlag. „Können wir solche Aktionen nicht mal bei Elena machen? Wir sind nie bei Elena! Ich will Elenas Küche ins Chaos stürzen!“

      Und das war dann wohl beschlossene Sache und wurde aufgeschoben auf das nächste Mal.

      ****

      Als ich dann ein paar Wochen später Pax besuchen wollte, stand er nicht mehr auf seiner alten Weide. Ich musste auch nicht lange suchen, denn ich hörte Elisa schon meinen Namen rufen (oder eher kreischen). Ein wenig widerwillig folgte ich ihrer Stimme im unlustigsten Marco-Polo-Spiel der Welt („Marco!“ – „Marco? Hast du schon wieder ‘nen neuen Kerl?“ – „MEINE GÜTE DU MUSST POLO SAGEN!“ – „Aber ich hab doch gar keinen Polo?“).

      Schlussendlich fand ich sie vor einer kleinen Koppel mit Unterstand, auf der jetzt wirklich Pax, Chesmu, Pinero und Andvari standen. Am Koppelzaun hing ein Schild, auf dem (in Comic Sans!!) Elisas Spielgruppestand. „Dein Humor ist manchmal nicht ganz verständlich,“ bemerkte ich, doch dann erkannte Pax wohl den Klang meiner Stimme oder sowas ähnliches (obwohl sowas natürlich nur in der Wendy passierte). Auf jeden Fall kam er an den Zaun, im Schlepptau natürlich Chesmu. Letztere hielt sich aber im Hintergrund und rupfte nur ein paar Grashalme ab, ignorierte sogar Elisa. Natürlich nahm sie das ein Stück mit – ihr Baby wurde erwachsen und anscheinend war das eine komplette neue Erfahrung für Elisa (nicht, sie übertrieb nur gerne und oft) –aber ich ignorierte das einfach. Stattdessen lockte ich Pax mit Leckerlis und schönen Worten ans Gatter und führte ihn erst einmal auf den Putzplatz. Wenn er schon bei Elisa stand, dann konnte ich auch ihren Hof dreckig machen.

      Weil ich mit Pax schon so viel geübt hatte, blieb er natürlich total ruhig stehen, während ich ihm die Mähne kämmte und die Beine bürstete und die Hufe auskratzte. Danach ging es auf den Platz – jetzt war es auch schon egal, was ich alles auf Elisas Hof beanspruchte.

      Für ein paar Momente stand Pax etwas verloren auf dem Platz, neben ihm ein blauer Gymnastikball. Es schien, als würde er erst einmal die Erlaubnis von mir einholen wollen, eher er den Ball vorsichtig mit der Schnauze berührte. Doch schon bald fegte er über den Platz, stoppte haarscharf und raste dann in die andere Richtung. Das durfte er dann für etwa zehn Minuten machen, bis ich zusammen mit ein paar Trabstangen den Reitplatz betrat. Pax hörte auf, dem Ball hinterher zu rennen und sah mir neugierig zu, wie ich die Stangen auf dem Boden anordnete, später eine Plastikplane auf dem Boden ausrollte und schließlich auch ein paar blaue Tonnen in einem Slalom aufstellte. Auf mein Pfeifen kam mir der Junghengst entgegen und ließ mich den Führstrick auch problemlos wieder anhaken.

      Bevor wir zu irgendeiner Übung kamen, sahen wir uns die ganzen Stationen erst einmal an. Zwar waren die Stangen nicht neu für ihn und auch die Plastikplane kam ihm bekannt vor, doch mit den Tonnen hatten wir zuvor nie gearbeitet. Vor ihnen blieb der junge Lewitzer mit geblähten Nüstern stehen, traute sich jedoch trotzdem, eine von ihnen anzustupsen. Sie wackelte ein wenig, woraufhin Pax natürlich erst einmal zusammen schreckte, dann aber das Ganze wiederholte.

      Nach ein paar Runden Schritt joggte ich schließlich los, der Zweijährige etwas widerwillig hinterher. Das Traben an der Hand hatten wir auch schon fleißig geübt in den letzten Monaten; sobald er mich überholte, wurde ich langsamer und schickte ihn zurück, um es dann noch einmal zu versuchen. Das Resultat: wir beide trabten in ein und demselben Tempo, keiner drängelte. Gut, dann wäre das wohl auch abgehakt.

      Als erstes ging es an die Stangen, erst einmal nur im Schritt darüber. Wir blieben über jeder Stange stehen, sodass Pax sie kurz beschnuppern konnte und dann ging es auch schon weiter. Im Trab war das Ganze auch kein Problem und ich konnte nicht anders als hoffen, dass Pax später wohl mal seinen Platz auf Springturnieren finden würde. Dadurch wäre er zwar ein ziemliches Gegenteil von seinem Papa, aber wer sah schon springende Kühe? (Die Antwort: In Kanada niemand. In Bayern … gibt es durchaus Leute, die springende Kühe gesehen haben wollen. Verrückt, diese Bayern.)

      Bei der Plane brauchte Pax dann einige gut gemeinte Worte ehe er einen Huf auf das blaue Plastik setzte. Nach dem ersten Schock, bei dem er sich scheinbar zu Stein geworden war, seufzte er schwer (das Leben eines zweijährigen Lewitzerhengstes war sooo anstrengend!) und setzte schließlich auch die anderen Hufe auf die Plane. Ganz überzeugt sah er nicht aus, aber wir hatten ja genug Zeit, daran zu arbeiten. Anschließend folgte ein Mix aus den Stangen und der Plane, gefolgt von Führungsübungen. Auf die ersten Kommandos hörte er schon prima, Sachen wie ‚Halt‘ und ‚Scheritt‘ saßen gut, was natürlich nur gut sein konnte für seine weiteren Lebensweg. Immerhin sollte er, sobald er alt genug war, fleißig an der Longe gehen. Das hatte aber noch Zeit – genug Zeit.

      Die letzte Station war der Tonnenslalom. Immer noch nicht ganz überzeugt von ihnen blieb er wie angewurzelt stehen, also ließ ich ihn erst einmal die Situation abschätzen. Dann, langsam und behutsam, führte ich ihn dann an der ersten Tonne vorbei. Dort blieben wir stehen, damit er Zeit hatte, das erst einmal zu verarbeiten. In kleinen Stücken kämpften wir uns durch, bis wir es schließlich geschafft hatten und am anderen Ende herauskamen. Pax‘ Nüstern waren gebläht, doch er wirkte nicht mehr so eingeschüchtert. Also probierten wir es noch einmal, machten eine kleine Verschnaufpause und gingen dann alle drei Stationen noch ein paar Mal an. Danach merkte ich, wie Paccos Konzentration langsam schwand und beschloss, es für heute gut sein zu lassen. Ich führte ihn guter Laune auf den Putzplatz – von Elisa war keine Spur mehr – und machte mich daran, die ganze Putzprozedur zu wiederholen, damit es für den Junghengst zu einer normalen Alltagsbeschäftigung wurde, wenn Menschen ihn an den Beinen, dem Rücken und sonstigen Körperteilen anfassten. Zur Belohnung gab es dann noch einen Eimer voller guter Dinge; Äpfel, Karotten und sogar eine Banane, die sich nur selten in das Futter meiner Pferde verirrte.

      Mit bananenverschmierter Nase durfte der kleine Rappschecke dann letzten Endes zurück in seine Spielgruppe. Und sobald ich ihm den Führstrick abgemacht hatte, war ich für ihn Luft, denn es zählten nur noch seine neuen Kumpels. Das störte mich nicht sonderlich, sondern zeigte mir nur, dass mein erstes Zuchtfohlen einen gut ausgeprägten Sozialsinn hatte. Das bedeutete nicht, dass er mir nicht mehr gehorchen würde, nur, dass Artgenossen gerade interessanter waren also so eine komische Tante am Zaun.

      Apropos Sozialsinn. Es war eindeutig zu lange her, dass wir alle – Gwen, Elisa, Elena und ich – einen Filmeabend gemacht hatten. Es waren bestimmt schon mindestens zwei Wochen und dafür konnte ich nicht stehen.
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  • Album:
    2.2 - Südstall
    Hochgeladen von:
    Samarti
    Datum:
    22 Feb. 2017
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    Rufname: Chessi
    geboren: Januar 2013


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    Rasse: Deutsches Reitpony
    Geschlecht: Hengst

    Farbe: Flaxen Chestnut Splashed White (ee Aa ff Zz Splspl)
    Stockmaß: im Wachstum, ca. 143 cm

    Beschreibung:
    folgt

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    Besitzer: Samarti
    Ersteller: Elii

    Dressur L - Springen M - Gelände E

    SW 467
    366. Galopprennen
    385. Westernturnier
    183. Synchronspringen
    404. Dressurturnier
    406. Dressurturnier
    289. Distanzturnier
    188. Synchronspringen
    190. Synchronspringen

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    Fohlenversion | Jährlingsversion
    Offizieller Hintergrund

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