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Samarti

Casey, DRP

*2008, im Besitz seit dem 03.06.2011

Casey, DRP
Samarti, 15 Jan. 2018
Ezi, Jeanne, Mohikanerin und 2 anderen gefällt das.
    • Samarti
      [​IMG]
      Vergangenheit
      06/2011 - 10/2011 | 9 Berichte
      Drei kleine Fohlen
      06/2011 | 2032 Zeichen
      „Okay, ich denke, wir können." Ich grinste und stand auf. Michelle, die neben mir saß, hatte wohl genug von dieser Hitze. Man konnte ja sowieso mit den Ponys und Pferden nichts machen, das war viel zu warm! Diese Wärme war schon beinahe zu heiß.
      Ich ging zum Telefon und rief Jakota an. „Hey, meinst du, du könntest jetzt die drei vorbeibringen?", wollte ich wissen. Jakota bejahte und meinte, sie würde gleich vorbeikommen. Dann beendeten wir das Gespräch.
      „So, Michelle. Jak kommt gleich und bringt die drei vorbei. Solange haben wir noch Zeit, den Zaun zu kontrollieren. Nicht, dass sie uns noch weglaufen." Michelle seufzte, stand aber widerwillig auf und wir gingen auf die Fohlenweide, auf der zurzeit noch keine Ponyfohlen standen. Doch das würde sich später ändern.
      Nachdem wir wieder auf dem Hof waren und die Weide kontrolliert hatten, fuhr Jak mit ihrem Anhänger auf den Hof. Sie hielt an und stieg aus. Wir begrüßten uns, dann nahm jeder von uns dreien ein Fohlen und führte es aus dem Hänger. Ich hatte Casey am Strick, das kleine Stütchen schnaubte aufgeregt und tänzelte herum. Ich versuchte, sie zu beruhigen, während Michelle und Jak die beiden Hengstfohlen Absinth und Pamino aus dem Hänger holten. Die drei verstanden sich schon immer sehr gut, sie kannten sich auch schon fast ihr ganzes Leben lang, sie waren miteinander aufgewachsen.
      Wir brachten die drei Fohlen auf die Weide und ließen sie sich eingewöhnen. Sie tobten sogleich über die Weide und jagten sich gegenseitig. Aber später beruhigten sie sich und senkten die Köpfe, um sich das saftig grüne Gras schmecken zu lassen.
      Jak, Michelle und ich gingen auf die Terrasse und tranken Cola, doch dann musste Jak weg und wir verabschiedeten uns.
      Anschließend saßen nur noch Michelle und ich da. „Und jetzt?", fragte ich und drehte meinen Kopf zu ihr. Sie zuckte mit den Schultern. Dann murmelte sie: „Was ein Tag. Ist doch eh zu warm um irgend etwas Vernünftiges zu machen." Ich stimmte ihr seufzend zu, legte mich auf die Liege und sonnte mich.
      Was ein Tag!

      Beschäftigung mit den Vierbeinern
      07/2011 | 2605 Zeichen
      Ich hatte heute leider nicht allzu viel Zeit, doch die Ponys mussten gepflegt werden. Ich trommelte also meine Pfleger zusammen und beriet mich mit ihnen. Wir kamen zu dem Entschluss, dass alle Ponys bewegt werden würden und die Fohlen eine Weile auf den Paddock kamen.
      Wir begannen mit den Stuten. Sonnenschein, die vor kurzem erst angekommen war, wurde eine Weile von Lars, einem der Pfleger, longiert. Währenddessen schnappte ich mir Larissa und machte etwas Bodenarbeit mit ihr. Adore you wurde ebenfalls longiert, als Lars mit Sonnenschein fertig war. Else wurde kurz trainiert, da sie demnächst ihre ersten Turniere, seit sie bei mir war, bestreiten würde.
      Als die Stuten alle bewegt worden waren, knöpften wir uns die Hengste vor. Ich schnappte mir Allelujah und machte den schicken Hengst fertig. Dann ritt ich mit ihm und Michelle, die sich Rapsoul fertig gemacht hatte, ein wenig aus. Wir ritten an Waldwegen und auch an der Hauptstraße entlang, die Ponys zuckten nicht einmal mit der Wimper.
      Als wir zuhause ankamen, kamen Allelujah und Rapsoul auf eine Weide. Die beiden Hengste verstanden sich gut, also mussten wir keine Angst haben, dass es zu Unstimmigkeiten kam.
      Bel Homme, mein einziger Wallach, der im Moment an einer Wallachschau teilnahm, brachte ich auf den Springplatz. Ich machte mit ihm ein wenig Freispringen. Nach einer halben Stunde beschloss ich, dass es reichte. Ich brachte auch ihn zu Allelujah und Rapsoul. Bel Homme war ein Wallach und wusste, wie man sich benehmen musste. Wenn es sein musste, würde er den beiden Hengsten schon Manieren beibringen.
      Black Hero, der immer noch ziemlich vernachlässigt aussah, wurde nicht bewegt. Ihn putzte und wusch ich stattdessen gründlich und führte ihn ein wenig im Schritt. Ich durfte ihn nicht überfordern, denn seine Gesundheit war immer noch im ziemlich schlechten Bereich.
      Lucane und Herbstblatt wurden ebenfalls longiert, die beiden waren wirklich lieb und ließen mich sogar auf ihrem blanken Rücken reiten, während sie longiert wurden.
      Nacromancer in the Dark holte ich aus seiner Box und putzte ihn. Dann sattelte ich den Hengst auf und sprang ein wenig mit ihm. Es machte mir und auch ihm riesen Spaß. Er sprang unheimlich gerne, und auch gut.
      Die drei Fohlen Absinth, Casey und Pamino waren schon einigermaßen ausgebildet, sodass man sie putzen und auch gut führen konnte. Selbst die Hufe gaben sie von allein. Dann wurden sie auf den Paddock gebracht.
      Es war ein anstrengender Tag gewesen, doch die Zeit war schnell vergangen. So bemerkte ich erst, als ich aus dem Fenster meines Hauses schaute, dass es bereits dämmerte.

      Einreiten
      07/2011, von cavallo92 | 3898 Zeichen
      Der Regen prasselte unaufhörlich gegen meine Windschutzscheibe, wo die Scheibenwischer nur mit Mühe gegen die Sintflut von Nass ankämpfen konnten. So erreichte ich Samarties Hof Gestüt Victoire´s mit einer halben Stunde Verspätung. Samarti die gleich am Hofeingang wartete hielt zwei kleine, mittlerweile schon triefend Nasse DRP am Strick fest. Die Stute Casey und der Hengst Absinth. Ich entschuldigte mich bei der geduldigen Besitzerin, wickelte mit ihr noch vor Ort den ganzen Papierkram ab. Ich nahm die zwei schönen Ponys am Strick und führte sie in den eigens für zwei Pferde angefertigten Anhänger. Dort stürzten die beiden sich sofort auf das Heu das ich reichlich in die Hänger raufe geschüttet hatte. Nach der Verabschiedung ging es innerhalb einer Stunde zum heimatlichen Stall, der Regen hatte zum Glück nachgelassen.
      Dort angekommen brachte ich die Ponys in die luftigen Padockboxen. Für heute sollten sie sich erst einmal eingewöhnen.
      Der nächste Tag begann schon sehr früh bereits um 5 Uhr morgens hechtete ich in den Stall um die rund 40 Pferde zu versorgen. Weil mein Stallbursche gerade mal wieder im Urlaub war. 3 Stunden später konnte ich mich endlich den zwei Neulingen widmen die schon gespannt durch das Boxenfenster lugten. Ich nahm als erstes Casey zum putzen aus ihrer Box. Sie war gegenüber mir sehr misstrauisch und so ging ich das putzen langsam mit ihr an. Wenig später stand die silbergraugescheckte Stute glänzend am Platz und sah mich neugierig an. So nun holte ich den Hengst aus der Box und Band ich etwas weiter entfernt von der Stute auch auf den Putzplatz. Die zwei beäugten einander und wieherten sich zu als würden sie miteinander plaudern. Sie kannten sich ja schon von der Fohlenweide. Als ich den kleinen Braunen Absinth auch noch fertig geputzt hatte ging ich mit beiden in die Reithalle, da der Boden draußen noch zu matschig war. In der Halle begann ich einem nach dem anderen zu Longieren, damit sie ihren Bewegungsdrang mal abbauen konnten. Danach legte ich Casey einmal sanft die Satteldecke auf den Rücken sie zappelte etwas doch beruhigte sich schnell. Gleich nach der Satteldecke erhöhte ich das Level beträchtlich und gab ihr einfach den leichten Ausbildungssattel auf den Rücken. Wieder zappelte sie, doch als sie stillstand gab ich ihr eine Belohnung. Das gleiche wiederholte ich mit Absinth der wesentlich gelassener auf die Ausrüstung reagierte. Nun war der erste wichtige Schritt getan. Ich holte die Zaumzeuge und probierte auch hier schön vorsichtig, diese in die Pferdemäuler zu schieben. Casey sperrte sich und hielt das Maul fest verschlossen, erst als ich mit einem zweiten Leckerli ankam nahm sie brav die Trense ins Maul. Absinth war auch hier wesentlich leichter zu handeln, er nahm gleich beim ersten Mal die Trense genüsslich ins Maul als kaue er auf einen Leckerli. Erst mal an die Ausrüstung gewöhnt longierte ich die beiden wieder. Nun kam der schwerste Schritt das gewöhnen an das Reitergewicht. Ich legte mich seitlich über den Sattel von Absinth er blieb zum Glück ruhig, später stieg ich dann ganz auf. Auch das war kein Problem für den kleinen Hengst er ging jetzt schon sehr gut unterm Sattel. Die gleiche Prozedur wiederholte ich mit der Grauscheckenstute, sie reagierte ähnlich jedoch nicht so ganz ruhig. Das endete damit das ich unsanft auf dem Hallenboden zum liegen kam und eine kleine freche Jungstute durch die Bahn jagte. Ich fing sie wieder ein und machte Schluss für heute. Dieses Training baute ich Tag für Tag immer mehr aus und kombinierte es am Ende sogar mit kleinen Cavaletti Sprüngen.
      Gute 3 Wochen nach Ausbildungsbeginn waren die beiden fertig eingeritten und beherrschen das Grundwissen in Dressur, Springen und Geländereiten.
      Ich war stolz auf meine Arbeit und brachte die beiden zurück zu Samarti die sie schon sehnlichst erwartet hatte. Samarti bezahlte und ich Fuhr wieder zurück nach Hause.

      Unerwarteter Neuzugang
      07/2011 | 10.709 Zeichen
      "Else, guck mal, wen ich hier hab!"
      Ich drehte mich um und erblickte eine Schimmelstute. Dahiba. Ich erkannte sie sofort, schließlich hatte sie früher einmal Töff gehört. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus und begann ungewollt zu stottern. "A-aber w-wo hast du d-die denn her?", brachte ich schließlich heraus. "Von rawr. Sie hat sie mir verkauft. Naja, sie war schon ziemlich teuer, finde ich, aber sie ist ja bereits gekrönt." Ich lächelte. "Allerdings. Und sie ist eine richtig Hübsche." Zaghaft streichelte ich Dahibas schönen Hals. "Dann wollen wir sie doch gleich mal in eine Box bringen, mh?", fragte ich und tätschelte noch einmal ihren Hals, dann führte Michelle Dahiba in eine Box. Den Schimmel interessierte das scheinbar kaum, denn er lief ruhig neben Michelle her und ließ sich in die neue, unbekannte Box führen. Dort angekommen machte Dahiba sich gierig über ihr Futter her. So, nun ab zu den anderen Pferden.
      Gesagt, getan. Schon bald befand ich mich vor Absinths Box. Der Hengst war frisch eingeritten und somit konnten Michelle und ich mit ihm und Casey, seiner Halbschwester, die jetzt auch eingeritten war, einen Ausritt starten. Da meine Casey noch etwas unruhiger als Absinth war, beschlossen wir, dass ich Casey und Michelle Absinth nehmen würde.
      Ich ging zu den Halftern und suchte Absinths heraus, dann stand ich auch schon wieder vor seiner Box. "Hey Kleiner", säuselte ich und das Pony drehte sich um. Er hatte inzwischen das Endmaß für ein Pony erreicht und war stolze 1,48m groß. Ich wusste nicht, ob ich davon begeistert sein sollte, denn er würde ja wahrscheinlich noch mehr wachsen. Aber egal. Ich öffnete die Boxentür und ging in seine Box. Danach zog ich ihm das Halfter über den Kopf und streichelte Absinths kräftigen Hals. Das Reitpony war gut gebaut und hatte sich sehr gut entwickelt, seit er geboren wurde. Als ich mit Absinth zum Putzplatz ging, erwartete Michelle mich schon. Sie hatte inzwischen die Putzkästen und das Sattelzeug sowie die Trensen geholt. Nun stand sie dort und wartete. Nur auf Absinth. Ich lieferte Absinth also bei ihr ab und lief dann nochmal zu den Halftern, daraufhin ging ich zu Casey, öffnete die Boxentür und halfterte auch den Grauschecken auf. Auch sie hatte sich sehr gut gemacht, ich war mir sicher, dass aus ihr irgendwann ein gutes Springpony werden würde. Die Veranlagungen dafür hatte sie ja bereits. Sie stammte von guten Eltern ab... Meiner Goldherz. Wie ich sie vermisste. Ich würde alles dafür geben, sie wieder zu besitzen. Sie war mein Lieblingspony gewesen. Aber was geschehen war, war geschehen. Ich konnte sie nicht so einfach von der Gnadenweide holen. Gelassen führte ich Casey zum Putzplatz, wo ich sie anband und dann begann, das Fell der Ponystute zu striegeln. Dann legte ich den Striegel weg, benutzte die anderen Bürsten, kratzte die Hufe aus, verlas den Schweif und kämmte die Mähne. Dann benutzte ich das Fliegenspray. Als ich sprühte, schlug das Pony unwillig mit dem Schweif und tänzelte herum. Ich beruhigte sie, sprühte erneut und lobte das Pony. Als sie sich dann beruhigt hatte, konnte ich sprühen, wie ich wollte und das Stütchen blieb stehen. Stolz lobte ich sie und Casey forderte ein Leckerli, was sie auch bekam. Ich hatte nicht vor, sie zu verhätscheln, doch sie war so ruhig gewesen beim sprühen, da hatte sie sich auch schon ein Leckerli verdient.
      Michelle hatte wesentlich Probleme mit Absinths langer Mähne. Sie war wirklich schnell gewachsen, jetzt ging sie ihm bis unter die Schulter. Auch der Schopf war ziemlich lang. Zusätzlich war sein Langhaar sehr dick, was die Sache erheblich erschwerte. Ich gab Michelle ein Spray, damit sie besser die Mähne und den Schopf kämmen konnte und sie trug es auf. Und siehe da: Es funktionierte! Innerhalb weniger Zeit fiel Absinths Langhaar seidig herunter. Nun sattelten Michelle und ich meine beiden Ponys auf, sie blieben erstaunlich ruhig. Umso besser für uns. In Windeseile hatte Michelle Absinth aufgetrenst. Ich brauchte bei Casey hingegen etwas länger. Zuerst weigerte sie sich, ihr Maul zu öffnen und hielt es geschlossen. Sie war strikt dagegen, dieses Ding ins Maul zu nehmen! Doch nach einigem guten Zureden klappte es dann doch schließlich. Wir gurteten noch einmal nach, dann setzten wir unsere Reitkappen auf, zogen die Reithandschuhe an und stellten die Bügel auf die richtige Größe. Anschließend stiegen wir auf und ritten in Richtung Ausreitgelände. Den Waldweg wollten wir nicht unbedingt reiten, da es an einer Straße endete und man dann ziemlich lange an dieser entlang reiten musste. Michelle und ich konnten ohne Probleme nebeneinander reiten, da Absinth gute Manieren hatte und Casey nie etwas antun würde. Andersrum erst recht nicht. Ruhig bewegten wir uns auf dem ersten Weg des Ausreitgeländes fort, einem kurzen Waldweg. Dieser führte, wie der Name schon sagt, in einem Wald entlang und endete anschließend an einem Feld, wo eine unserer Galoppstrecken lag.
      Als wir aus dem Wald heraus waren, spitzten beide Ponys die Ohren, weil sie die Galoppstrecke sahen. Anscheinend dachte Michelle das Gleiche wie ich, denn sie sah mich fragend an. Ich nickte. "Auf Los gehts Los?", fragte ich. Sie bejahte, dann rief ich: "Los!" und die Ponys preschten mit uns davon. Ich liebte es. Mehr konnte man nicht sagen. Ich liebte das Gefühl, wenn der Wind durch meine Haare wehte. Und es gab mir irgendwie einen Adrenalinstoß, immer und immer wieder, wenn ich mein Pony so laufen ließ und es praktisch vorwärts preschte, als wäre es auf der Flucht. Es fühlte sich an, als ob Casey über das Feld schweben würde. Als ich zur Seite sah, rauschte alles verschwommen an uns vorbei.
      Nachdem wir mit den Ponys wieder zuhause angekommen waren, verpflegten wir die beiden noch, dann kamen sie auf die Weiden. Anschließend holten wir uns Lucane und Rapsoul, auch die beiden würden heute geritten werden. Michelle ritt auf Lucane etwas Dressur, während ich auf Rapsoul etwas auf dem Springplatz sprang. Ich beobachtete Michelle und den Hengst ab und zu und führ den Anfang sah es schon ganz okay aus. Zugegeben, Lucane war etwas paddelig und das sah man ihm auch an. Aber dafür, dass er eigentlich nicht so dressurbegeistert war, war er gut bei der Sache und konzentrierte sich wirklich. Er versuchte, alles umzusetzen was Michelle ihm sagte und die beiden harmonierten miteinander.
      Rapsoul sprang wirklich gerne. Im Moment war er noch auf E-Niveau, da wir noch auf keinen Turnieren gestartet und er noch vom keinem Trainer besucht worden war. Trotzdem übersprang er locker ein L-Niveau. Das Pony hatte wirklich Talent, wenns um Springreiten ging. Dennoch beließ ich es bei einigen Sprüngen, denn ich wollte Rapsoul nicht überfordern. Er hatte heute gute Arbeit geleistet, war total gut gelaufen und hatte super auf mich gehört. Ich war der Meinung, man sollte das Training immer mit einer guten Erfahrung beenden, deshalb tat ich das jetzt.
      Nachdem auch die beiden bewegt wurden, kamen auch sie auf die Weide und ich rief Eddi, Monsta, Zämb und Midi an und fragte, ob sie Lust auf einen Ausritt hätten. Alle vier bejahten und trafen ungefähr eine halbe Stunde später einzeln auf dem Hof ein. Dann suchten sie sich die Ponys aus. Michelle ritt auf Delicius, Monsta auf Larissa, Zämb auf Nacromancer in the Dark, Eddi auf Allelujah und Midi auf Bel Homme. Schlussendlich saß ich dann auf Else und wir ritten los.
      Es ging durch das Ausreitgelände. Als wir wieder an unserer Galoppstrecke ankamen, machten wir ein Rennen. Auf Los galoppierten alle Ponys los. Zuerst hatten Bel Homme und Larissa die Nase vorn, doch Delicius holte auf. Die drei Ponys waren nun gleichauf und ich ließ Else ruhig galoppieren. Nacro war etwas vor uns, genau wie Allelujah, somit waren Else und ich die letzten. Dann ließ ich Else beschleunigen und ließ sie einfach laufen, ich vertraute ihr vollkommen und das Pony holte mit großen Schritten auf und streckte sich immer weiter. Wir waren nun auf der gleichen Höhe wie Larissa, die sich an die erste Stelle gekämpft hatte. Ich wagte einen Blick zur Seite und grinste Monsta an, die Larissa ebenfalls laufen ließ. Die beiden Ponys kämpften um den ersten Platz, doch schließlich gewann Else. Ich parierte sie am Ende der Galoppstrecke durch und lobte sie kräftig. Mein Pony war das einzige, was wirklich für Galopprennen geeignet war und hatte somit einen riesen Vorteil. Wir ritten zum Hof zurück und die Ponys wurden fertig gemacht, auf die Weide gebracht und Larissa, Zämb und Midi verabschiedeten sich wieder. Nachdem Eddi und ich noch etwas gelabert hatten, verschwand sie auch.
      Michelle und ich entschieden uns dafür, dass wir mit Sonic Syndicate nur einen kurzen Spaziergang unternehmen würden, Herbstblatt würde mitkommen. Der Hengst hatte fast die gleiche Vergangenheit wie Sonic erlitten. Wir holten die beiden Ponys von der Weide und machten lieber zwei Hengstketten drauf, da es uns zu unsicher war, sie nur mit Halfter zu führen. Bei Sonic konnte man ja nie wissen, wie es ihm nach seiner Vernachlässigung ergangen war und ob er schreckhaft war. Wir unternahmen einen kurzen Spaziergang, damit Sonic seine Bewegung bekam und Herbsblatt wurde so ebenfalls bewegt. Sonic Syndicate war erschreckend ruhig. So kamen wir unbeschwert und froh, es hinter uns zu haben, wieder auf dem Hof an und Sonic kam auf eine Neuankömmlingsweide, damit er auch etwas heraus kam. Herbsti kam auf die Hengstweide. Black Hero longierte ich etwas. Das Pony hatte sich gut erholt, auch er war vernachlässigt worden und wir hatten ihn gerettet. Seitdem hatte er mächtig an Muskeln dazugewonnen und war auch schon etwas dicker geworden, die Rippen waren nun schon nicht mehr zu sehen.
      Die beiden Fohlen Pamino und Love is on Fire wurden auch ein wenig spazieren geführt. Hier und da erschreckten sie sich, doch insgesamt waren sie ziemlich ruhig. Michelle und ich hatten die Beiden gut im Griff. Als sie später auf der Weide standen, spielten sie wie die besten Freunde. Ich wusste, dass sie gut befreundet sein würden!
      Jargo wurde ein wenig longiert. Der Hengst verstand erst nach einiger Zeit, was ich von ihm wollte, doch als er es verstanden hatte, machte er seine Sache großartig. Er wechselte auf Kommando die Gangarten und war auch insgesamt sehr ruhig.
      Michelle saß auf Mrs. Pretty und übte ein wenig Dressur mit der Hafistute. Sie schwebte wortwörtlich über den Platz. Es sah einfach traumhaft aus. Die Stute hatte eine echte Begabung was die Dressur anging.
      Caipirinha und Sonnenschein wurden nur kurz geputzt, denn wir hatten keine Zeit mehr. Sie genossen es sichtlich. Als Michelle und ich die beiden striegelten, schlossen sie die Augen. Der Kopf wurde gesenkt und die beiden Stute dösten. Auch sie kamen danach auf die Weide.

      Ein langer Tag
      08/2011 | 7923 Zeichen
      Verschlafen rieb ich mir die Augen. Es war zehn Uhr morgens und ich hatte schon wieder zu lange geschlafen. Nachdem ich mich an die Dunkelheit gewöhnt hatte, ging ich zum Fenster, schob die Vorhänge beiseite und ließ die Sonne herein. Während ich nach unten ging, summte ich 'Guten Morgen Sonnenschein', obwohl ich diesen Song eigentlich hasste. Aber er passte zu meiner Laune. Unten angekommen ging ich in die geräumige, helle Küche, wo ich mir einen Kakao zubereitete und in den Kühlschrank schaute. Nichts. Absolute Leere. Das Einzige, was man finden konnte, war etwas Milch, Käse und Marmelade. Sonst war alles weg. „Müssen wir wohl mal wieder einkaufen", sagte ich zu mir selbst. In dem Moment wurde die Küchentür geöffnet und Michelle spazierte herein. „Guten Morgen, Else. Gut geschlafen? Ich wollte dich nicht wecken, wo du doch gestern so lange wach warst." „Ja, danke. Den Schlaf hab ich echt gebraucht. Sag mal, Michelle, wir müssen unbedingt wieder einkaufen gehen. Der Kühlschrank ist fast leer. Siehst du?" Demonstrativ öffnete ich die Tür des Kühlschranks erneut und deutete herein. „Ähm Else?" Michelle klang etwas verwirrt. „Ja?" „Hast du wirklich lange genug geschlafen?" Sie sah besorgt aus. Da sie ihre Augenbrauen fragend hochzog, erschienen auf ihrer Stirn Falten. „Wieso?", wollte ich wissen und fragte mich insgeheim, wieso sie so besorgt aussah. „Der Kühlschrank ist voll?! Wir waren doch gestern erst einkaufen! Hast du Halluzinationen?" Ein weiterer Blick in den Kühlschrank bewies mir, dass das Mädchen richtig lag. „Oh..", machte ich nur und sah beschämt zu Boden. Michelle lachte, dann sagte sie: „Auf dem Tisch stehen Muffins. Blaubeere. Lass es dir schmecken." Sie nahm sich einen der besagten Muffins und verschwand dann wieder. Nun war ich wieder ganz allein. Ich lehnte mich an die Wand und trank genüsslich meinen Kakao. So ein Kakao war schon was feines. Als die Tasse leer war, verschwand sie wie von Zauberhand in der Spülmaschine und ich nahm mir einen der Muffins und einen Apfel. Während ich mir die Stiefeletten und Chaps anzog, bemerkte ich dann doch, dass es draußen noch ziemlich frisch war und verschwand wieder im Haus, um mir einen Pullover anzuziehen. Als ich dann endlich draußen war, ließ ich mir den Blaubeermuffin schmecken. Sie waren himmlisch! Ich hatte noch nie so leckere Muffins gegessen. Während ich mit der einen Hand den Muffin und den Apfel festhielt, kramte ich mit der anderen mein Handy hervor und schrieb Eddi eine SMS.
      He du, was hast du denn heute so vor?

      Wir drehten zwei Runden im lockeren Trab, ehe wir angaloppierten und über das erste Hindernis, einen Wassergraben, sprangen. Absinth meisterte das wirklich gut und er entpuppte sich als wahres Springpony. Er sprang beinahe jedes mal perfekt ab, landete sauber und hatte einen passenden Abstand zwischen sich und dem Hindernis. Das nächste Hindernis war eine Mauer aus roten Ziegelsteinen. Viele Pferde und auch Ponys schreckte diese rote Farbe ab, doch Absinth nicht. Der Ponyhengst war ganz gechillt und sprang mit Leichtigkeit über die Mauer. Er hatte anscheinend kein Problem mehr mit leuchtenden oder grellen Farben, seit wir das mit dem Regenschirm geübt hatten. Wir übersprangen noch einige andere Hindernisse. Das letzte Hindernis, was wir übersprangen, war eine Hecke. Auch hier flog Absinth wahrhaftig darüber. Das Pony wollte gar nicht mehr aufhören.
      Nach einer guten halben Stunde hörten wir jedoch auf. Für heute war es genug mit dem Training gewesen. Ich führte ihn noch etwas, bis er trocken war, dann kam der Hengst wieder auf die Weide, damit er wieder ein wenig seine sozialen Kontakte pflegen konnte.
      Alle und ich setzten uns auf die Terrasse, um auf Eddi zu warten, doch da hatten wir noch eine halbe Stunde Zeit. Also gingen wir schon einmal zu Michelle's Pferden, um uns zwei auszusuchen. Als wir uns für zwei entschieden hatten, holten wir die zwei aus dem Stall heraus und banden sie am Putzplatz an. Wir hatten uns für einen Hengst und eine Stute entschieden. Wir putzten die beiden, dann sattelten wir sie auf und trensten sie ebenfalls auf. Gerade, als wir fertig waren und für Alle Reitzeug ausgesucht hatten, kam Eddi mit Pajero auf den Hof geritten. Alle staunte nicht schlecht, als er den hübschen Hengst erblickte. „Wooow...", mehr bekam er nicht heraus. Ich machte ihm deutlich, dass er selbst ein Pferd zum Reiten bekommen hatte und schon darüber froh sein konnte.
      Alle bemerkte dies und verhätschelte dann 'sein' Pferd.
      Eddi stieg ab und hielt Pajero am Zügelende fest, dann umarmten wir uns zur Begrüßung. Zu Alle sagte sie: „Hey, ich bin Edfriend. Na ja, nenn mich einfach Eddi, ist einfacher. Und du bist Alle?" Er nickte. „Dann lass mal los", unterbrach ich die beiden und stieg auf. Die anderen zwei taten es mir gleich und wir ritten los.
      Entschieden hatten wir uns für das Ausreitgelände. Später würden wir mit Sicherheit noch einmal galoppieren, wenn Alle sattelfest war. Doch er erwies sich als ziemlich guter Reiter und deshalb wurde ich misstrauisch. Er meinte eigentlich, er wäre noch nie geritten. Dabei hatte es den Anschein, als hätte er es schon öfters gemacht.
      Wir kamen am Ende des Weges an einem breiten, langen Feldweg an. Das war unsere Galoppstrecke. So ziemlich die einzigste Große, ansonsten gab es nur noch mehrere Kleine. Ich trieb mein Pferd in den Galopp und galoppierte mit ihm erfreut davon, die anderen meterweit hinter mir. Die Stute, die ich ritt, hatte eine raumgreifende Galoppade, doch Pajero und Eddi holten auf, bis sie uns am Ende eingeholt hatten. Doch meine Stute gab nicht auf und zog wieder an den beiden daran vorbei. Eddi und ich kämpften um den ersten Platz, als auf einmal Alle links neben uns her galoppierte und uns dumm angrinste. Dann trieb er sein Pferd erneut und dieses beschleunigte noch einmal. Kurz bevor sie am Ende ankamen, parierte Alle wieder durch und lobte sein Pferd. Eddi und ich waren gleichauf, also beide zweiter Platz.
      Dann ritten wir im gemütlichen Schritt Richtung Hof zurück, natürlich nahmen wir den längeren Weg, damit die Pferde wieder trocken wurden. Es gab doch nichts Schöneres, als im Sommer durch einen Wald zu reiten, wenn die Vögel zwitschern und sich von der Sonne gesprenkelte Schatten auf dem Weg vor dir herbewegten, als würden sie tanzen.
      Nach einer guten Stunde kamen wir wieder beim Hof an und verabschiedeten uns von Eddi. Dann stellten Alle und ich unsere beiden Pferde in ihre Boxen zurück und lobten sie ausgiebig. Sie bekamen beide jeweils einen Apfel und eine Banane. Dann gingen Alle und ich ins Haus und von dort aus auf den Balkon in meinem Zimmer. Wir setzten uns nebeneinander auf die Stühle und beobachteten den Sonnenuntergang. Wir unterhielten uns über dies und jenes, bis ich ihn fragte, wo er reiten gelernt hatte. Er erklärte mir, dass er als kleiner Junge Pferde geliebt habe, aber diese Liebe aufgegeben hatte. Ich wollte wissen, wieso. „Ich hatte Probleme. Aber da möchte ich jetzt lieber nicht drüber sprechen."
      Wir schwiegen geschlagene fünf Minuten.
      Plötzlich griff Alle jedoch nach meiner Hand und hielt diese fest, dann kam er auf einmal auf mich zu und hauchte mir einen Kuss auf die Wange. „Ich muss gehen", sagte er, seine Stimme hörte sich traurig an. Ich war völlig perplex, überrumpelt, lächelte nur matt und brachte nichts heraus. Zu schön war es gewesen. Dann sah ich auf den Boden. „Wir treffen uns demnächst wieder, oder?", wollte ich wissen und als Alle eifrig nickte, war ich zufrieden. Ich stand auf, umarmte ihn und begleitete ihn noch nach unten, dann ging ich ins Badezimmer und duschte. Anschließend legte ich mich ins Bett und schlief auch sofort ein. Heute war ein ziemlich anstrengender Tag gewesen, da bestanden keine Zweifel.
      In der Nacht träumte ich von zwei wunderschönen deutschen Reitponys, beides Schecken, eine Stute und ein Hengst, die fröhlich über eine große, zugewachsene Wiese galoppierten und dabei Fangen spielten.

      Schmetterlinge im Bauch
      08/2011 | 27.299 Zeichen
      Cut my Life into pieces...
      Mühsam wachte ich auf und rieb mir die Augen. Es war ein früher Samstagmorgen, 6 Uhr in der Früh. Mühselig stand ich auf, sprang unter die Dusche, zog mir meine Stallsachen an und machte mich fertig. Dann ging ich die Treppe herunter, in die Küche und schnappte mir einen Apfel. Danach machte ich mich auf den Weg nach draußen. Ich suchte Michelle zuerst im Stall vergebens. Doch dann hatte ich eine Idee und lief schnell zur Rennbahn. Dort erblickte ich das Mädchen auch schon, sie stand am Rail und nahm die Zeiten der Rennpferde. Anscheinend hatte sie heute schon einige Pferde selbst im Training geritten, denn sonst säße sie jetzt selbst auf einem. Neben ihr entdeckte ich eine andere Person. Mir wurde schnell klar, dass es ein potentieller Käufer für eines ihrer Verkaufspferde sein könnte und verzog mich ganz schnell wieder. Ich wollte das Gespräch nicht unterbrechen, ich hatte alle Zeit der Welt.
      Nachdem ich einige Gedankengänge beendet hatte, zückte ich mein Handy hervor und sah seufzend darauf. 06:12 Uhr. Viel zu früh, wenn es darum ginge, dass ich aufstehen müsste, aber egal. Die Ponys warteten auf ihr Frühstück und so machte ich mich auf den Weg zu den Stallungen. Zuerst ging ich zu den Stuten. Als ich die Stalltür öffnete und noch mehr Licht in die bereits mit Licht überflutete Stallgasse ließ, brummelten mir die ersten hungrigen Stuten schon zu. Einige andere scharrten ungeduldig im Heu herum und eine wagte es sogar, gegen die Boxentür zu treten!
      Ich dufte aber nicht erfahren, wer das war, denn kaum hatte ich die ersten Futtertröge mit den einzeln zubereiteten Mengen an Kraftfutter für jede Stute mit diesem gefüllt, begannen auf einmal alle, sich zu beschweren, warum sie noch kein Futter bekommen hatte.
      Nachdem ich endlich die Stuten versorgt hatte, machte ich mich auf den Weg zu den Hengsten. Diese hatten sich von der Unruhe der Stuten anstecken lassen und warteten schon auf ihr Futter. Sie verhielten sich dabei, als wären sie beinahe verhungert. Ziemlich müde bewegte ich mich zur Futterkiste hin und machte den einzelnen Hengsten das Futter fertig. Als ich Herbstblatt, dem letzten meiner Ponyhengste, der inzwischen schon ziemlich mürrisch drein blickte, das Futter in den Trog schüttete, war ich erleichtert, dass die Hengste nun auch geschafft wurden.
      Weiter ging es bei den Fohlen. Das waren im Moment nur zwei Love is on Fire und Pamino, die beide von Finelore gezüchtet worden waren. Die zwei verstanden sich blendend. Andauernd spielten sie zusammen Fangen oder beknabberten sich. Wenn man einen von den beiden mitnehmen wollte, protestierten beide.
      Auch ihnen bereitet ich das Futter vor und schüttete es in die Tröge. Dann ließ ich die Fohlen ihr Futter fressen und begab mich zurück auf den Hof. Dort angekommen atmete ich die frische, kühle Luft ein. Die Morgenluft war doch die schönste. Es war nicht schwül und einfach erfrischend. Inzwischen war ich nicht mehr müde und lehnte mich an die Wand des Hengststalls. Doch kurz darauf beschloss ich, zur Rennbahn zu gehen. Ich lief also gemächlichen Schrittes zur besagten Rennbahn, wo Michelle immer noch am Rail stand. Leise bewegte ich mich weiter auf sie zu und stand plötzlich neben ihr. Sie bemerkte mich anfangs nicht, da ihre Aufmerksamkeit einem ihrer Verkaufspferde galt, das sie gerade trainierte. Ich erkannte es nicht.
      Nachdem das Pferd noch etwas trocken geritten wurde, beobachtete ich es ebenfalls. Es hatte raumgreifende, schwungvolle Schritte und war eindeutig ein Englisches Vollblut.
      Michelle blickte zur Seite, weil sie zum Führring sehen wollte, da erblickte sie mich. "Du schon wach?", fragte sie. Ich nickte. "Muss ja auch mal sein. Wollte mich halt mal persönlich um meine kleinen kümmern." Ich lachte, dann sagte ich: "Nun ja, ich wollte dir nur eben Bescheid sagen, dass ich einen morgendlichen Ausritt unternehmen werde. Sag mal, wer war das denn vorhin? Ein Käufer oder so?" "Ja, der war an einem unserer Pferde interessiert", seufzte sie, "aber er weiß noch nicht, welches. Es gab da so einige, die ihm gefallen, meinte er. Aber gut, er will sich auf jeden Fall demnächst nochmal melden." Ich hörte ihr zu, dann erzählte ich ihr, dass Sonic Syndicate, der Hengst, den wir gerettet hatten, schon ein bisschen besser aussah und fragte sie, ob sie sich ihn nochmal anschauen könnte. Michelle sagte zu und ich verabschiedete mich, da ich jetzt zu meinem Ausritt aufbrechen wollte. Also begab ich mich in Richtung Hengststall, nahm mir eines der Halfter und lief zielstrebig auf eine der vielen Boxen zu. Dort erblickte ich einen Buckskinhengst. Am Boxenschild stand Delicius. Ich war immer noch der Meinung, dass dies ein richtig geeigneter Name für dieses Pony war. Ich holte meinen kleinen Liebling aus der Box und führte ihn zum Putzplatz, wo ich ihn putzte und anschließend aufsattelte und die Trense über seinen kleinen Kopf streifte. Er hatte das Maul ohne zu Murren geöffnet, was auf keinen Fall schlimm war. Ich gurtete noch einmal nach, setzte dann meinen Reithelm auf und nahm die Gerte in die Hand. Anschließend stieg ich auf und ritt mit Delicius in Richtung Einfahrt. Ich hatte langsam ehrlich gesagt vom Ausreitgelände und dem Waldweg die Schnauze voll, auch wenn es eine schöne Umgebung war. Zwar mussten wir jetzt ein wenig an der Straße lang, aber Delicius hatte damit absolut kein Problem. Ich stieg vorsichtshalber ab, doch wie sich herausstellte, war es gar kein so weiter weg bis zum nächsten Waldweg. Er war ziemlich breit, sodass eigentlich zwei Pferde nebeneinander Platz gehabt hätten. Auch war der Boden ideal als Reitweg. Delicius war noch nicht warm geritten, also beschloss ich, den Rückweg noch einmal hier entlang zu galoppieren. Wie ich am Ende des Weges bemerkte, war er lang, gerade und einfach perfekt.
      Delicius schien meine Gedanken zu erraten, er tänzelte auf einmal auf dem Weg herum, als wäre hinter ihm etwas explodiert. Ich hielt ihn zurück, sodass er nicht los rennen konnte und murmelte: Später. Ich ritt weiter den Weg entlang, merkte jedoch ziemlich schnell, dass es eine Sackgasse war. Na ja, was hieß hier ziemlich schnell? Wohl eher nach einer guten halben Stunde. Nun gut. Wenn ich noch eine halbe Stunde für den Rückweg einplante, waren wir schon wieder ungefähr eine Stunde unterwegs. Lange genug. Also traten wir den Rückweg an und schon bald waren wir an unserer neu entdeckten Galoppstrecke angekommen. Ich hörte auf, Delicius zurückzuhalten und der Hengst nutzte seine Chance. In einem flotten Galopp, wie ich ihn noch nie zuvor bei ihm erlebt hatte, legte er die Strecke in wenigen Sekunden zurück. Ich liebte dieses Gefühl, wenn der Wind durch meine Haare wehte, auch wenn aufgrund des Reithelms nicht unbedingt viel davon zu spüren war. Irgendwie fühlte es sich an, als würde das Hengstpony über den Erdboden fliegen und wir würden jeden Moment vom Boden abheben und durch die dichten Wolken fliegen.
      Viel zu schnell war es schon wieder vorbei und ich musste Deli durch parieren, was dem Hengst gar nicht gefiel. Er schüttelte entrüstet den Kopf und ich versuchte ihn zu beruhigen, erfolglos. Also ritt ich mit einem Pony, das anscheinend zu viel Hafer gehabt hatte, vom Waldweg herunter und stieg dann an der Straße wieder ab, um zu führen. Es war mir dann doch zu riskant, jetzt zu reiten, wo der Hengst nun schon so aufgeregt war. Er schnaubte protestierend und hatte anscheinend noch gar nicht genug vom Galopp. Ich stieg an der Einfahrt wieder auf und ritt auf Delicius zur Rennbahn, wo Michelle noch stand und sich mit einem der Jockeys unterhielt. Daneben stand noch jemand, den ich aber jetzt gerade nicht erkennen konnte. Ich ritt auf die Rennbahn, die zum Glück frei war und ließ Delicius ein wenig darauf traben. Als wir an den Startboxen ankamen, ritt ich durch eine hindurch und trieb den Ponyhengst in den Galopp. Dieser nutzte die Chance und gab Vollgas. Ich ging in den leichten Sitz und versuchte, Deli so wenig wie möglich zu stören. Ab und zu vollführte der Hengst einige kleine Bocksprünge. Sie waren nicht wirklich extrem, man spürte sie kaum und so konnte ich auch ohne Probleme auf dem Pony bleiben. Nach gut der Hälfte der Strecke wollte ich Deli erneut durch parieren, aber der Hengst reagierte nicht mehr. Also ließ ich ihn laufen, bis er von alleine langsamer wurde. Hoffentlich hatte er sich nun abreagiert.
      Schließlich kam Deli schwer atmend zum Stehen. Ich lobte den Hengst und ritt noch einige Minuten im Schritt etwas herum, sodass er nicht mehr zu sehr schwitzte, wenn er auf die Weide kam. Ich ließ ihn also am langen Zügel und im Schritt einige Runden drehen, bis er nicht mehr schwitzte und stieg dann ab. Während ich Deli von der Rennbahn führte, beobachtete ich aus den Augenwinkeln heraus die andere Person, die ich bisher noch nicht erkannt hatte.
      Alle?! Was machte der denn hier?
      Ich ließ mir meine Überraschung nicht anmerken und tat, als hätte ich ihn nicht gesehen. Meine ganze Aufmerksamkeit schien Delicius zu gelten, ich hoffte zumindest, dass es so herüberkam. Eigentlich beobachtete ich ja Alle, aber das musste dieser ja nicht unbedingt wissen, oder?
      Beim Putzplatz angekommen trenste und sattelte ich Delicius ab, dann gab ich ihm einen Kuss auf die Nüstern und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Von wegen ich hatte ihn lieb und so etwas halt. Es kam mir vor, als würde er es verstehen, denn er nickte kurz mit dem Kopf, dann rieb er diesen sanft an meinem. Ich lächelte leicht, bevor ich ihn auf die Weide brachte. Jetzt hatte der Hengst genug Zeit zum Fressen. Die nächsten Hengste und Stuten würden gleich auf die Weide gebracht werden, damit auch sie was vom Gras hatten.
      Während ich Deli beobachtete, wie er fraß, zuckte ich plötzlich leicht zusammen. Wer hatte mir da gerade auf die Schulter getippt? Ich drehte mich jedoch nicht um, nein, sah die Person nicht einmal an. Insgeheim hoffte ich, dass es Alle war.
      Auf einmal erschien eine Gestalt neben mir. Alle. Er war kaum größer als ich, wie mir auffiel. Letztens hatte ich ihn noch auf circa 1,80m geschätzt, doch jetzt fiel mir auf, dass er ungefähr 1,75m sein musste. Nur wenige Zentimeter größer als ich. Ich blickte ihn immer noch nicht an, tat, als hätte ich ihn nicht bemerkt. "Hey", sagte er dann leise und sah ebenfalls zu meinem Buckskin. Ich drehte meinen Kopf langsam herum, sah ihn dann an und erwiderte seine Begrüßung. Er schaute mich jetzt ebenfalls an und drehte sich dann ganz zu mir um. Auf einmal spürte ich nur noch, wie er mich vorsichtig umarmte, als hätte er Angst, dass ich das nicht wollte. Ich erwiderte seine kurze Umarmung und genoss den Augenblick, der dann leider viel zu schnell verging. Anscheinend merkte man mir meine Enttäuschung an, denn Alle lächelte und sah dann wieder verlegen weg. Verdammt!
      Ich erklärte Alle, dass wir die anderen Ponys auch auf die Weide bringen müssten und er erklärte sich einverstanden. Wir gingen zuerst zum Hengststall, damit Deli nicht allein auf der Weide stehen musste. Ich gab Alle die Halfter von Lucane und Absinth, da ich von den beiden wusste, dass sie lieb und gut zu halten waren. Eigentlich wollte ich Alle Allelujah geben. Alle und Lujah nebeneinander. Ha! Was für eine lustige Vorstellung. Ich grinste innerlich, während ich mir die Halfter von Allelujah und Nacromancer in the Dark holte. Alle wusste schon, wo seine beiden Schützlinge hin mussten und war bereits auf dem Weg zur Hengstweide. Dort ließ er die beiden Ponyhengste laufen und diese freuten sich natürlich sehr über ihre gerade gewonnene Freiheit. Lucane und Absinth waren also schon einmal auf der Weide angekommen. Ich brachte noch Nacro und Absinth hinterher und ehe wir uns versahen, waren wir schon wieder im Hengststall und suchten die Nächsten Ponys heraus.
      Ich nahm Rapsoul und Herbstblatt, während Alle sich mit Black Hero und Bel Homme herum quälte. Eigentlich war Bel Homme ja ein Wallach, aber er stand auch bei den Hengsten und hatte sogar einen ziemlich hohen Rang. Black Hero versuchte die ganze Zeit, Alle auszutricksen und ihn zu dem frischen Gras zu bekommen, wovon Bel Homme sich anstecken ließ und schließlich hatte Alle mit den beiden zu kämpfen. Als der Hengst und der Wallach sich dazu entschieden hatten, dass sie jetzt auf die Weide wollten, kamen sie brav mit und galoppierten sofort ans andere Ende der Weide, als alle sie frei ließ.
      Rapsoul und Herbstblatt ließen sich Zeit, während sie nach hinten gingen. Ab und zu rupften sie sich ein Grasbüschel ab und zerkauten es, dann liefen sie ruhig weiter. Bloß nicht zu schnell laufen, könnte ja was passieren.
      Während Alle und ich nun zum letzten Mal zum Hengststall gingen, um Jargo und Sonic Syndicate der im Übrigen heute zum ersten Mal zu den anderen Hengsten kommen würde auf die Weide zu bringen, unterhielten wir uns über dies und jenes.
      Wir nahmen uns schnell die Halfter und holten unsere beiden nächsten Hengste aus ihren Boxen. Ich nahm vorsichtshalber Sonic, da es mir einfach sicherer war und Alle Jargo, von dem ich wusste, dass er keinen Mist machen würde. Auf dem Weg zur Weide sah Sonic sich genau um und schnupperte in der Luft herum. Ich lächelte und streichelte den Hengst beruhigend. Ob er auch so aufgeregt war wie ich?
      Alle ließ Jargo auf der Weide laufen und der Hengst blieb stumpf stehen. Er wartete auf Sonic. Ich führte diesen auf die Weide und dann liefen die beiden Hengste trabend nebeneinander her. Erleichtert bemerkte ich, dass vor allem Black Hero und Herbstblatt Sonic überraschend gut aufnahmen, was wahrscheinlich daran lag, dass alle drei die gleiche Vergangenheit erlitten hatten.

      Wir saßen in der Küche, wo Alle und ich erst einmal etwas tranken und uns unterhielten. Ich wollte wissen, wieso er gekommen war und von ihm erhielt ich folgende Antwort: "Ich hab dir doch gesagt, wir sehen uns wieder." Ich lächelte glücklich, Alle erwiderte mein Lächeln, als er es bemerkte. Ich genoss diese Momente mit Alle einfach nur noch. Wenn er mir so gegenüber saß, mich anlächelte und sich mit mir unterhielt. Ich seufzte.
      "Was ist los?", wollte Alle wissen und ich antwortete ihm mit einem Lächeln. Ich hoffte, er verstand die Antwort. Ich war gerade unfähig, auch nur ein Wort heraus zu bekommen.

      Alle führte gerade Larissa und Sonnenschein auf die Stutenweide, ich kam mit Casey und Else hinterher. Die vier Ponystuten wurden auf die Weide gebracht, laufen gelassen und das Tor wurde wieder verschlossen. Dann machten Alle und ich uns auf den Weg zu den nächsten beiden Stuten, Mrs. Pretty und Caipirinha. Ich nahm mir das Halfter von der Haflingerstute Mrs. Pretty und zeigte Alle dann, welches das von Caipirinha war. Er nahm dies auch und ging dann zu der Stute in die Box, um sie aufzuhalftern. Caipirinha hielt davon anfangs gar nichts. Sie trickste Alle ununterbrochen aus, sodass er kurz davor war, aufzugeben. Doch irgendwann hatte er es dann doch geschafft und konnte die Stute aus der Box heraus führen.
      Mit Mrs. Pretty hatte ich hingegen weniger Probleme. Ich ging in ihre Box, halfterte die Haflingerstute auf und führte sie heraus. So einfach war das mit dem Ponakel.
      Grinsend ging ich an Alle und Caipirinha vorbei und führte Mrs. Pretty auf die Weide. Die Stute düste sofort zum anderen Ende der Weide. Als Alle Cai dann auch laufen ließ, tat diese es Mrs. Pretty gleich und raste ebenso schnell davon. Hinten angekommen wurden die beiden Stuten von Else und Larissa begrüßt, die auch sofort ihre Köpfe hoben und die beiden beschnupperten. Es dauerte nicht allzu lange, bis Else und Mrs. Pretty sowie Larissa und Caipirinha sich beknabberten.
      Sonnenschein schien das alles nicht zu interessieren, genau wie Casey. Die beiden Ponystuten hatten das Maul im Gras und rupften immer mehr Gras ab, das sie dann genüsslich zerkauten. Ab und zu schnaubten sie mal oder schlugen mit dem Schweif nach Fliegen, die immer mehr wurden, je später es wurde. Hin und wieder stampften einige der sechs Ponystuten mit einem ihrer Hufe auf, weil die Fliegen als auch die blinden Fliegen nervten.
      Alle und ich hatten keine Zeit mehr, den Stuten zuzuschauen, die Fohlen wollten auch auf die Weide. Ungeduldig scharrten sie in ihren Boxen herum und brummelten uns schon eifrig zu, als wie den Stuten- und Fohlenstall betraten, wo die Fohlen hausten. Ich nahm Paminos Halfter, Alle nahm Liofs. Alle ging zu Love is on Fires Box und zog dem Kleinen schnurstracks das Halfter über den Kopf, bei Pamino ging es genauso schnell. Die beiden Fohlen machten keinerlei Terror, sie konnten es wohl kaum erwarten, endlich auf die Weide zu kommen. Auf dem Weg zu der Weide tänzelten sie zwar ab und zu hin und her, doch wir hielten die Stricke mit einem so festen Griff, dass die Fohlen keine Chance hatten, ihn uns aus der Hand zu reißen. Wir kamen bald schon am Weidetor an und öffneten dies. Alle führte Love is on Fire herein und der kleine Hengst sprang schon freudig von einer Stelle auf die Andere. Pamino führte sich nicht so auf, im Gegenteil zu Love is on Fire war er im Moment die Ruhe selbst und ich hatte genug Zeit, das Halfter zu öffnen und ihm vom Kopf zu streifen. Als die beiden Hengstfohlen 'frei' waren, galoppierten sie sofort einige Runden auf der Weide herum, um anschließend abrupt zu stoppen, umzudrehen und fangen zu spielen. Erst nach einigen Minuten begannen sie, sich das Gras schmecken zu lassen.
      Alle und ich entschieden uns dafür, einen kurzen Spaziergang zu zweit zu unternehmen. Er hatte nicht sonderlich viel Zeit an diesem Tag, was mir natürlich gar nicht gefiel...
      Ich ließ Alle entscheiden und er wählte den Waldweg aus. Ich sagte Michelle Bescheid, dass wir etwas länger weg waren und dann gingen wir schon los.
      Wenn man diesen Weg entlanglief, war es schon ein gewaltiger Unterschied zum Reiten. Allerdings kein schlimmer Unterschied, sodass ich jetzt sofort hätte umdrehen müssen. Langsam schlenderten wir den Weg entlang, bis wir an einer Lichtung vorbeikamen, die mir bisher unbekannt gewesen war. Insgesamt hatte ich diesen Weg noch nicht wirklich so erforscht, dass ich behaupten könnte, ich würde ihn auswendig kennen. Vielleicht einen kleinen Teil, mehr nicht.
      Alle schien sich hingegen besser auszukennen. Zielstrebig lief er den Weg entlang und berührte ab und an immer mal wieder meine Hand. Nicht, dass ich was dagegen hätte es fiel mir nur so auf.
      Anscheinend hatte Alle sein Ziel erreicht, denn er blieb auf einmal wie angewurzelt stehen. Ich hatte weniger auf die Umgebung geachtet als auf den Boden. Ständig hatte ich auf den Boden geschaut, in der Hoffnung, Alle würde nicht merken, wie rot ich eigentlich angelaufen war. Zumindest hoffte ich, dass ich es nicht war, aber es fühlte sich an, als würde mein Kopf jeden Moment explodieren. Ich sah also hoch und betete zu Gott, dass ich nicht rot war. Vor mir erstreckte sich ein schmaler Weg, links und rechts davon waren zwei Seen zu sehen, wir standen auf einer saftig grünen Wiese, die bestimmt ein Traum für jedes Pferd gewesen war. Links und rechts von uns verhinderte eine Reihe von Bäumen den Blick auf die Seen. Trotz dessen war es wunderschön. Ich hatte Mühe, nicht mit offenem Mund dazustehen und einfach die Landschaft zu bestaunen. Aber egal. Ich entriss mich auch meinen Gedanken, sah zu Alle und wollte dann wissen, woher er diese Stelle kannte. Ich fügte nicht hinzu, dass ich ganz begeistert davon war. "Na ja", grinste Alle verlegen, "ich hab mich mal so schlau gemacht, wo man sich so gut hin chillen kann und so." Ich verkniff mir ein Lachen und bemerkte dann, dass ich immer noch meine Reitsachen trug. Naja, war jetzt auch nicht zu ändern. Also, was solls?
      Alle fasste mich bei der Hand und zog mich hinter sich her. Ich war ganz geschockt, weil er so plötzlich meine Hand genommen hatte. Ich wusste nicht, wie ich darauf reagieren sollte.
      Achterbahn der Gefühle. Yippie.
      Alle zog mich weiter hinter sich her und irgendwann schaffte ich es dann doch, neben statt hinter ihm zu laufen. Er ging weiter, bis wir an eine Bank gaben mit Blick auf den See. Die Sonne spiegelte sich darin wider und ließ den See wunderschön aussehen. Bei Vollmond musste es hier ein Traum sein.
      Als hätte er meine Gedanken gelesen, sagte Alle auf einmal nachdenklich: "Ich hatte auch schon in Erwägung gezogen, dich bei Vollmond hier mit hinzuschleppen, aber das hätte mir dann doch zu lange gedauert. Der nächste Vollmond ist nämlich erst in drei Wochen." Ich sah ihn kurz erstaunt an, lächelte dann aber. "Setz' dich." Alle machte mit der freien Hand eine einladende Geste auf die Bank und ich ließ mich darauf sinken. Daraufhin tat er es mir gleich und lehnte sich dann an die Rückenlehne der Bahn. Ich stieß einen kurzen Seufzer aus, dann drehte ich meinen Kopf in Alles Richtung. Ich musste schon blinzeln, da ich sonst von der Sonne geblendet worden wäre. Alle drehte seinen Kopf ebenfalls zu mir und sah mir dann in meine Augen. Er hob seine Hand und fuhr mir mit seinen Fingern sanft über die Wange.
      Looping.
      Ich blinzelte immer noch gegen die Sonne, konnte Alle kaum erkennen. Allerdings konnte ich mir schon vorstellen, wie er dort saß. Den Kopf zu mir gedreht, mit der einen Hand hielt er meine immer noch fest und sein Blick war so verträumt.
      Und dann klingelte mein Handy. Genervt verdrehte ich meine Augen und wollte gerade mit meiner freien Hand mein Handy aus der Hosentasche holen, da hielt mich Alle zurück. "Lass es doch klingeln..." "Und wenn es wichtig ist?", fragte ich leicht skeptisch. "Bitte", erwiderte Alle, seine Stimme klang flehend. Ich konnte es ihm nicht abschlagen und ließ mein Handy Handy sein. Trotzdem nervte das Klingeln ziemlich. Ich war gerade so entspannt gewesen und dann bamm! Versaut mein dummes Handy wieder alles. Innerlich verfluchte ich es. Wer konnte denn angerufen haben? Michelle wusste, dass ich mit Alle unterwegs war. Bei anderen konnte ich mir sowieso keinen Reim draus machen, was wollten sie denn? Vielleicht ein Auftrag für meinen Trainingshof? Oder ein Pferd, was ich bei einem Wettbewerb vorstellen sollte oder pflegen musste? Die Fragen gingen mir nicht mehr aus dem Kopf.
      Alle schien wohl genauso zu denken wie ich, denn er seufzte und sackte ein wenig in sich zusammen. Ich strich mit meiner Hand über seine und er öffnete leicht die Augen. Erst jetzt bemerkte ich diese Farbe ein richtig schönes, dunkles braun, beinahe schwarz. Dagegen waren meine langweiligen grün-blau-grauen Augen ja gar nichts. Ich atmete tief ein und wieder aus, dann lehnte ich meinen Kopf auf Alles Schulter und schloss die Augen. Ich war müde. Verdammt müde. Ich war einfach nicht dafür geschaffen, um sechs Uhr morgens aus dem Bett zu steigen und mich um die Pferde zu kümmern.
      Alle strich mir mit einer Hand leicht durch die Haare. "Wie spät ist es?", fragte ich, die Augen halb geschlossen, die Stimme verschlafen. Alle murmelte ein leises "Ist doch egal" und fuhr weiterhin mit seinen Fingern durch meine Haare. Ich versank in meinen Gedanken bekam nichts mehr um mich herum mit. Erst, als mir einige Regentropfen mein Gesicht herunterliefen, wurde ich aus meinen Gedanken gerissen. Oder waren es Tränen? Ich wusste es nicht. Obwohl es gar nicht regnete...
      Alle bemerkte die Tränen und wischte sie weg. "Was ist los...", sagte er, ohne irgendeinen fragenden Unterton in der Stimme, als wäre es gar nicht als Frage gemeint gewesen. Ich bewegte kaum merklich meinen Kopf von links nach rechts. "Ich weiß nicht", flüsterte ich und meine Stimme drohte, zu versagen. Also hielt ich den Mund.
      In Gedanken versunken hatte ich mich anscheinend auf die Bank gelegt. Mein Kopf lag auf Alles Schoß und ich starrte Löcher in die Luft. Ab und zu erkannte ich einige Wolken, die Ähnlichkeit mit Blumen hatten. Ich entdeckte aber auch eine, die wie ein Herz aussah.
      Ich öffnete langsam die Augen und sah Alles Kopf über mir. Leise fragte ich, ob wir nicht langsam mal gehen müssten. Ich wollte es selbst nicht, aber irgendwann mussten wir ja mal zurück. Alle erwiderte nur ein kurzes Wenn du willst und versank danach anscheinend, genau wie ich vorhin, wieder in Gedanken. Während er nachdachte, streichelte er mir immer noch über den Kopf. Ich stieß einen tiefen Seufzer aus, dann nahm ich langsam den Kopf hoch und setzte mich gerade hin. Mir fiel auf, dass ich Alles Hand immer noch festhielt. Ich hatte aber nicht vor, sie wieder so schnell loszulassen.
      Mühsam standen wir auch in liefen dann Hand in Hand zurück zum Gestüt. Dort kam uns Michelle schon entgegen und rief mir entsetzt zu: "Else, wieso bist du nicht ans Handy gegangen? Ich habe deine Hilfe gebraucht!" Ich sah kurz zu Alle, dann schaute ich auf den Boden. "Tut mir Leid...", entschuldigte ich mich. Michelle drehte sich sofort um und lief eiligen Schrittes zurück zum Rennstall. Anscheinend hatte sie in dessen Büro irgendwelche Einschreibungen für verschiedene Rennen herumliegen. Ich beschloss, mit Alle erst einmal ins Haus zu gehen und, dass wir dort weiter schauen konnten. Ich hatte großen Hunger, also beschloss ich, dass wir jetzt erst einmal was essen würden.
      Nachdem wir mit dem Essen fertig waren, gingen wir nochmal kurz nach draußen, um die Pferde wieder hereinzubringen. Es war inzwischen schon 22 Uhr und somit Futterzeit für die Ponys. Wir steckten die Wege zu den einzelnen Ställe ab und öffneten die Tore, vor denen die Ponys schon standen und auf ihr Futter warteten. Der abgesteckte Weg von der Hengstweide führte zum Hengststall, die abgesteckten Wege von Stutenweide und Fohlenweide führten beide zum Stuten- und Fohlenstall. Die Ponys liefen allesamt los und standen dann anschließend auf der Stallgasse. Ich kümmerte mich um die Hengste, während Alle sich den Stuten und Fohlen zuwand und diese in die Boxen einwies. Wir fütterten die Ponys, dann sammelten wir den Zaun wieder ein und verstauten die Plastikpfosten wieder im Hengststall.
      Als wir dies hinter uns hatten, kam Alle zu mir und fasste meine Hand. Wir gingen ins Haus, wo wir uns in mein Zimmer begaben. Ich fragte Alle, ob er unbedingt nach Hause musste. Er meinte, er wäre sowieso schon über den Termin hinaus und habe alle Zeit der Welt. Ich bot ihm an, bei uns zu schlafen, was Alle nicht abschlug. Also verwandelten wir mein Schlafsofa in ein gemütliches Bett, in dem Alle die Nacht schlafen konnte. Wir waren wohl beide ziemlich müde, doch wir setzten uns einfach noch eine Weile nebeneinander und schwiegen. Dann erklärte er mir, dass er den Schlaf wirklich dringend brauchte und jetzt gerne schlafen würde. Ich schlug ihm den Wunsch nicht ab. Ein wenig traurig war ich schon, aber ich ließ es mir nicht anmerken. Ich war ebenso müde wie er und hatte auch morgen wieder einen anstrengenden Tag vor mir. Ich gab Alle einen Gute-Nacht-Kuss und verschwand in mein Bett. Ich war zwar müde, konnte aber gerade wirklich nicht einschlafen. Irgendwann hatte ich es dann doch geschafft.
      Mitten in der Nacht wachte ich von einem Geräusch auf. Ich öffnete verschlafen die Augen und entdeckte einen Umriss an meinem Fußende. Sofort saß ich senkrecht im Bett und schaltete das Licht ein. Dann sah ich, wer dort saß Alle. Fragend zog ich eine Augenbraue hoch und sah ihn an. Er zuckte mit den Schulter, setzte sich neben mich und sah mich an. Ich nahm ihn spontan und den Arm und legte meinen Kopf auf seine Schulter. Irgendwann war ich wohl so eingeschlafen, denn als ich aufwachte, saß Alle immer noch neben mir und strich sanft über meinen Kopf, der auf seinem Schoß lag.

      Keine Horrorfilme bei Nacht!
      08/2011 | 5658 Zeichen
      Ich lag gerade auf dem Sofa, den Laptop auf dem Schoß und schaute mir Tödlicher Anruf, einen Horrorfilm, an. Ich war auf alles vorbereitet und hatte eine Decke, unter der ich mich notfalls verstecken könnte, falls ich mich erschrecken sollte. Während ich also den Film sah, skypte ich gerade mit Eddi und einigen anderen Freunden. Da ich mich dabei nicht auf den Film konzentrieren konnte, drückte ich bei diesem auf 'Pause' und widmete mich ganz Skype.
      Auf einmal klingelte mein Handy mit einem Klingelton, den ich noch nicht einmal auf meinem Handy hatte genau der Gleiche wie aus dem Film Tödlicher Anruf. Mein Atem stockte und ich sah auf den Display. Unbekannt. Wer würde mich jetzt schon anrufen? Es war schließlich fünf Uhr morgens. Ich hatte noch genug Zeit, um den Film zu Ende zu schauen und dann ab zu den Ponys. Mit zitternden Händen griff ich nach meinem Handy, hielt es in der Hand und sah mit weit aufgerissenen Augen auf den Display. Es klingelte immer noch. Mit einer schnellen, aber auch etwas zurückhaltenden Bewegung drückte ich auf 'Auflegen'. Dann legte ich das Handy wieder weg und beobachtete den Bildschirm meines Laptops. Skype kam mit den Tönen für neue Nachrichten gar nicht mehr hinterher. Immer noch geschockt war ich nicht in der Lage, irgendetwas zu schreiben und starrte gefühlte paar Stunden auf meinen Laptopbildschirm. Dann klappte ich den Laptop zu und versuchte, klare Gedanken zu fassen, atmete erst einmal tief durch und stand dann auf. Jetzt musste ich erst einmal an die frische Luft. Ich stand auf und lief schnellen Schrittes nach draußen. Dort traf ich Michelle, die mich dann erschrocken ansah. Was ist denn mit dir los?, wollte sie wissen und musterte mich von oben nach unten. Später, hauchte ich nur leise und lief in Richtung Ställe. Bei den drei Hauptställen angekommen entschied ich mich für den Hengststall, wo mir aus einer der hintersten Boxen auch schon ein hübscher Ponykopf entgegen sah und zur Begrüßung wieherte. Allelujah.
      Eilig ging ich auf ihn zu und öffnete die Boxentür. Dann schloss ich diese wieder und setzte mich in eine der Ecken der Box. Bis auf das gelegentliche Rascheln des Strohs oder einem Schnauben eines der Ponys war alles ruhig. Ich genoss die Stille, wenn man es denn so nennen konnte, und beobachtete aus den Augenwinkeln heraus Allelujah. Der Hengst sah mich ebenfalls an. Als hätte er meine Gedanken gelesen, kam er auf mich zu und stupste mich sanft an. Seufzend stand ich auf und vergrub mein Gesicht in seiner dichten Mähne. Es kam mir beinahe so vor, als ob der Hengst mich verstehen würde.
      Nach einiger Zeit ließ ich Alle wieder allein, aber nicht, bevor ich ihm noch rasch eine Karotte zugesteckt hatte. Ich hielt den Zeigefinger vor die Lippen und machte Pssst! als Zeichen, dass er es doch nicht den anderen erzählen sollte. Ich fragte mich, warum ich das getan hatte, dabei war ich mir richtig albern vorgekommen. Aber dann wusste ich schon, warum Lujah hatte mich sowieso verstanden. Ich drehte mich nochmal um, als ich bei der Stalltür ankam und sah zurück. Daraufhin bemerkte ich, dass Lujah mir mit seinen Blicken gefolgt war und ich lächelte kurz. Dann machte ich auf dem Absatz kehrt und lief aus dem Stall. Auf dem Hof traf ich Michelle, die dann noch einmal wissen wollte, was genau geschehen war. Ich erklärte es ihr, dann fügte ich noch hinzu, dass die Ponys gepflegt werden müssten. Sie verstand mich und ich ging gleich wieder in den Stall, um Allelujah zu holen. Der Hengst stand immer noch an der Boxentür und erwartete mich bereits. Eilig öffnete ich die Boxentür und ging dann aus dem Stall. Lujah folgte mir sowieso. Der Kleine war anhänglich, folgte aber nur mir ohne alles. Ich ging mit ihm zum Putzplatz, wo ich hin zurechtwies, stehen zu bleiben und er tat es. Dann holte ich das Putzzeug. Ich putzte Allelujah schnell, dann sattelte und trenste ich ihn auf und ritt mit ihm aus. Auf dem Weg machte ich mir Gedanken über alles Mögliche. Schon bald waren wir wieder zuhause angekommen und ich musste Lujah schon wieder auf die Weide lassen. Gesagt, getan. Ich brachte Lujah auf die Weide und entschied mich dafür, Casey, Sonnenschein, Larissa, Else, Mrs. Pretty und Caipirinha etwas auf dem Reitplatz freilaufen zu lassen. Ich holte die besagten Stuten aus ihren Boxen und brachte sie allesamt auf den Reitplatz, wo ich sie einige Runden drehen ließ, ehe die sechs Ponystuten auf die Weide gebracht wurden. Danach brachte ich Black Hero, Delicius, Jargo, Rapsoul, Nacromancer in the Dark und Lucane auf den Reitplatz. Auch sie ließ ich einige Runden laufen und auch die sechs Ponyhengste kamen anschließend auf die Hengstweide. Als nächstes holte ich Bel Homme, machte ihn fertig und ritt etwas auf dem Reitplatz. Auch er war schneller fertig als geplant und so konnte ich mich den beiden Fohlen widmen. Pamino hatte letztens erst seine erste FS-Schleife gewonnen, der Kleine wurde echt immer besser. Ich war mächtig stolz auf ihn. Love is on Fire war sein bester Freund geworden, hatte aber noch keinerlei Siege zu vermerken. Schade eigentlich. Ich ließ die beiden Fohlen ebenfalls auf den Reitplatz, wo sie ganz von allein schon Runden drehten und am Ende waren sie ganz schön warm, aber sie schwitzten dennoch noch nicht. Sie kamen auf die Fohlenweide, wo sie sich erstmal über das Gras hermachten.
      Als letztes sah ich noch nach Sonic Syndicate und Herbstblatt. Herbstblatt wurde heute nicht bewegt, also kam er direkt auf die Hengstweide. Sonic war erst vor Kurzem in die Herde integriert worden und es ging ihm dort sichtlich gut und sein Zustand besserte sich schon enorm. Auch er kam auf die Weide. Demnächst würde sein Training beginnen.

      Geldprobleme
      08/2011 | 1779 Zeichen
      Pfeifend fegte ich die Stallgasse, bis auch der letzte Strohhalm beseitigt war. Ich hatte heute nicht sonderlich viel Zeit, um mit allen meinem Pferden etwas zu unternehmen, doch sie mussten wenigstens auf die Weide gebracht werden. Wegen dem Stress, der inzwischen schon wieder Alltag für mich war, wurden meine Ponys in letzter Zeit ziemlich vernachlässigt. Da ich jedoch knapp bei Kasse war, würde ich mir auch keine Pfleger leisten können. War alles etwas schwer in letzter Zeit.
      Zuerst holte ich die Hengste aus ihren Boxen und brachte sie nacheinander auf die Hengstweide. Zuerst Absinth und Allelujah, dann Black Hero und Delicius, dann Herbstblatt und Jargo, danach Lucane und Nacromancer in the Dark, anschließend Rapsoul und Sonic Syndicate, der sich inzwischen gut erholt hatte. Nachdem die Hengste alle auf der Weide waren, waren die beiden Fohlen Pamino und Love is on Fire an der Reihe. Die beiden kamen auf die Fohlenweide. Als schließlich nur noch Bel Homme und die Stuten im Stall standen, kamen auch er und Caipirinha, Casey und Eiskristall, Else und Larissa, Mrs. Pretty und Smooth'n Angel, die vor kurzem erst angekommen war, auf die Stutenweide.
      Nachdem die Ponys alle auf der Weide waren, machte ich mich daran, die Boxen auszumisten. Da ich heute auf mich allein gestellt war, nahm dies einige Zeit in Anspruch. Schließlich hatte ich es dann doch geschafft und holte die zwanzig Ponys wieder in ihre Boxen. Dann löschte ich das Licht in den Ställen und machte mich auf den Weg ins Haupthaus. Seufzend setzte ich mich an den Schreibtisch und erledigte den Bürokram, dann ging ich noch etwas in Skype on. Allelujah ist online. Ich lächelte kurz, ich wusste, dass er mich gleich anschreiben würde.
      Um Mitternacht ging ich ins Bett und schlief auch sofort ein.

      Erfreuliche Neuigkeiten
      10/2011 | 4491 Zeichen
      Erst vor ein paar Tagen hatte Michelle mir Bescheid gegeben, dass es Sonic Syndicate, dem Reitponyhengst, den wir gerettet hatten, wieder gut ging. Er hatte sich wirklich sehr gut erholt und Michelle hatte mir grünes Licht gegeben. Sonic durfte nun langsam wieder bewegt werden und das Muskeltraining konnte beginnen. Schon bald könnte er wieder in einer Zucht mitwirken und schöne Nachkommen zeugen. Ich seufzte. Die Vorstellung war traumhaft schön. Sonic, wie er dort stand und freundlich brummelte, um ihn herum spielten seine Fohlen miteinander fangen und er beobachtete sie, passte auf sie auf. Während ich auf dem Weg zu Sonic war, schaute ich noch rasch im Verkaufsstall nach. Caipirinha stand dort und lugte vorsichtig über die Boxentür. Sie musste ich leider auch abgeben schweren Herzens. Ich verließ den Verkaufsstall wieder und ging weiter zu Sonic. Der Hengst kam an den Weidezaun getrabt und brummelte mir zur Begrüßung erfreut zu. Er hatte wirklich viel Vertrauen in mich gewonnen, seit ich mich so intensiv mit ihm beschäftigt hatte. Rasch holte ich ihn aus der Box und legte ihm die Führkette an. Dann ging ich mit ihm in Richtung des Waldweges. Reiten würde ich ihn noch nicht, erst einmal mussten seine Muskeln wieder aufgebaut werden und damit begannen wir nun.
      Nachdem wir wieder auf dem Hof ankamen, brachte ich Sonic auf seine Weide und mistete seine Box aus. Dann streute ich sie mit frischem Stroh wieder ein und machte mich auf den Weg zu Dahiba. Ich wurde jedoch aufgehalten, da in dem Moment ein Auto mit einem Pferdehänger hinten dran auf das Gestüt fuhr. Das musste Dia sein. Sie wollte mir Flame vorbeibringen, denn auch sie zog sich langsam von Joelle zurück. Ich seufzte. In letzter Zeit verschwanden immer mehr Alteingesessene von der Bildfläche. Wir luden Flame rasch aus und brachten sie in ihre neue Box im Stutenstall, wo sie jetzt erst mal einige Zeit verbringen würde, bevor sie am nächsten Tag auf eine der kleineren Weiden kam. Sie wurde versorgt, in ihre neue, große Box gebracht und dann erst einmal allein gelassen. Weiter ging es zu Dahiba. Die Stute beachtete mich nicht, bis ich kurz pfiff. Dann hob sie den Kopf und kam langsam auf den Zaun zugetrottet. Ich halfterte sie auf, holte sie von der Weide und band sie am Putzplatz an. Dort machte ich sie schnell fertig und stieg dann, als wir uns im Dressurviereck befanden, auf. Wir übten ein wenig für die bevorstehenden Turniere, dann beschloss ich, dass es Zeit war, nach den anderen Pferden zu schauen. Also machte ich Dahiba schweren Herzens fertig und brachte sie zurück auf die Weide.
      Als nächstes stellte ich Fada Fid, Requiem und Rubina in die Führanlage. Sie sollten zwar nicht verkauft werden, doch ein bisschen Bewegung brauchten auch sie. Runde um Runde drehten sie nun unermüdlich in der Führanlage und sahen ab und zu mal auf die Rennbahn, wo Else gerade trainiert wurde. Smooth'n Angel, Larissa, Eiskristall und Casey ritt ich danach noch. Angel buckelte wie immer herum und versuchte alles, um mich in den Sand zu setzen. Dieses Pony brachte mich noch in die Hölle! Ich ritt mit ihr auf dem Springplatz, wo zur Zeit keine Hindernisse aufgebaut waren. Die Abgrenzung des Dressurvierecks war mir zu niedrig, um dort vernünftig mit Angel trainieren zu können. Mit Larissa und Eiskristall ritt ich zum Geländeparcours, mit Casey übte ich ebenfalls ein wenig für die Dressurturniere. Anschließend kamen auch die vier Damen wieder auf ihre Weide, wo sie sich die Bäuche mit dem saftig grünen Gras vollschlugen.
      Die sechs Reitponyhengste Herbstblatt, Allelujah, Absinth, Delicius, Lucane und Rapsoul wurden ebenfalls in die Führanlage gebracht, nachdem die drei Araber wieder auf der Weide standen. Dort bekamen auch sie ihre Bewegung.
      Einige Zeit später kamen sie wieder auf die Hengstweide.
      Nun longierte ich noch Beck's Experience, ritt mit Bel Homme aus, sprang mit Elanor über einige Hindernisse, die ich aufgebaut hatte, ließ Jargo, Mrs. Pretty und Nacromancer in the Dark in die Führanlage und brachte die zwei Fohlen Love is on Fire und Pamino auf einen Paddock, wo sie einige Runden drehten und sich so austobten. Nachdem alle Ponys und Pferde dann am Abend in ihren Boxen standen und auf ihr Futter warteten, wusste ich, dass mir der Tag gelungen war. Alle waren versorgt und niemand wurde vernachlässigt. Perfekt.
      Der Tag neigte sich dem Ende zu und so beschloss ich, ins Bett zu gehen. Ich war total erschöpft von der ganzen Arbeit am heutigen Tag. Ich schlief sofort ein.
    • Samarti
      [​IMG]
      Vergangenheit
      01/2012 - 05/2013 | 8 Berichte
      Aushilfe
      02/2012, von Pharlap | 651 Zeichen
      Um fünf Uhr morgens läutete mein Wecker. Ich hatte heute viel zu tun, da ich Elisas Pferde ebenfalls füttern musste.
      Draußen war es noch dunkel. Im Stall warteten die Pferde schon ungeduldig in ihren Boxen. Rapsoul klopfte mit den Hufen an die Boxentür. Monster scharrte ungeduldig mit dem Vorderhuf. Nacro und Belle Homme wieherten ungeduldig. Schnell holte ich den Futterwagen und gab allen Pferden ihr Kraftfutter. Fada Fid, Eiskristall, Love is on Fire und Delicius machten sich gierig über ihr Futter her. Dann bekam jedes Pferd noch sein Heu. Ich fegte noch die Stallgasse und verabschiedete mich von Allelujah, Larissa, Else, Casey und Absinth.

      Trainingspläne
      03/2012 | 2162 Zeichen
      Ich war in letzter Zeit ziemlich beschäftigt gewesen, darunter hatten auch meine Pferde leiden müssen. Gott sei Dank hatte Michelle diese einmal gepflegt, sodass ich nicht noch mehr Arbeit zu erledigen hatte. Doch nun war die Zeit gekommen, dass ich mich mal wieder selbst um meine Pferde kümmerte.
      Ich konnte natürlich nicht alle bewegen, deshalb stellte ich einen Plan für das Personal auf, das für das Training und die Bewegung der Pferde verantwortlich war.

      • Rapsoul: Kurzes Springtraining auf E-Niveau (30 Min.)
      • Nacromancer in the Dark: Dressurtraining auf A-Niveau
      • Casey: Vorbereitungen für Stutenkrönungen
      • Absinth: Führring
      • Lucane: Führring
      • Larissa: Geländeritt, 60 Minuten Training (inkl. 15 Min. Schrittphase) auf E-Niveau
      • Allelujah: Springtraining auf E-Niveau
      • Delicius: Lockeres Training, Dressur & Springen
      • Fada Fid: Führring
      • Smooth'n Angel: Freilaufen auf der Koppel
      • Eiskristall: Führring

      Nachdem der Plan für die Stallpferde aufgehangen wurde, setzte ich mich an den für die Zuchtpferde.

      • Herbstblatt: Springtraining auf M-Niveau
      • Pamino: Freilaufen auf der Koppel
      • Jargo: Lockeres Training, Dressur
      • Mrs. Pretty: Ausritt
      • Sonic Syndicate: Ausdauertraining (30 Min.)
      • Dahiba: Freispringen
      • Elanor: Freispringen
      • Beck's Experience: Spaziergang
      • Rubina: Dressurtraining auf E-Niveau
      • Requiem: Springtraining auf E-Niveau
      • Flame: Freilaufen auf der Koppel
      • Chronos: Geländetraining, 45 Minuten Training (inkl. 15 Min. Schrittphase) auf E-Niveau
      • Da Vinci: Freilaufen auf der Koppel (Gewöhnung an das neue Heim)

      Als auch die Liste für die Zuchtpferde vervollständigt war und am schwarzen Brett hing, machte ich mich auf den Weg und sagte allen Bescheid, dass der heutige Plan aushing. Die Trainer und Pferdepfleger machten sich an die Arbeit. Wenn ein Pferd fertig war, wurde es abgehakt, sodass man immer wusste, wer noch Bewegung haben musste und wer bereits das Futter verdient hatte.
      Die Pferde erhielten ihr Futter, als alle bewegt worden waren.

      Gegen 22:30, als die Pferde alle im Stall standen, sah ich nochmal nach den Rechten. Da alles in Ordnung war, machte ich beruhigt das Licht aus und ging ins Bett.

      Abgehauen!
      04/2012 | 4435 Zeichen
      Laut prasselten die dicken Regentropfen an die Fensterscheibe. Der Himmel war von dunkelgrauen, fast schwarzen Wolken bedeckt. Nicht ein einziger Sonnenstrahl durchdrang die dichte, dunkle Schicht. Kein freies Stück Himmel war mehr zu sehen, es war, als ob es nur noch eine einzige, riesige Wolke gab.
      Aus der Ferne hörte man ein lautes Donnern. Gewitter. Und wieder. Blitze waren noch keine zu sehen, doch das würde sich auch noch ändern. Zum Glück waren meine Pferde alle in Sicherheit, doch trotzdem hatte ich eine leise Hoffnung, dass das Gewitter schnell vorbeiziehen würde.
      Nach zwei Stunden war das Gewitter an seinem Höhepunkt angelangt. Meine Gartenstühle und der Tisch waren bereits umgekippt und auch sonst flog so ziemlich alles, was nicht fest am Boden war, durch die Gegend. Hier und dort erblickte ich einen Ast, der vom Wind über die Erde getragen wurde.Von einem lauten Scheppern wurde ich aus meinen Gedanken gerissen. Oh, scheiße! Scheiße, scheiße, scheiße. Der Zaun war gerissen!
      Eh ich mich versah, liefen die Pferde von den Weiden und schon bald wurden sie von dem starken Regenfall, der die Sicht sehr einschränkte, verschlungen. Ich konnte nicht viel erkennen, nur, dass sie alle in verschiedene Richtungen verschwanden.
      Wie vom Teufel besessen schnappte ich mir meinen Regenmantel, schrie im Haus nach Michelle und fuchtelte wie wild mit den Armen herum, als diese nach gefühlten zehn Stunden endlich an der Tür ankam.
      „Die Pferde sind weg!“
      Entsetzt sah Michelle mich an. Sie riss die Augen weit auf, als sie dann endlich verstanden hatte, was ich ihr gerade mitteilte. „Du willst doch jetzt nicht...?“ Ich nickte. Viel zu beschäftigt war ich mit meinem verdammten Regenmantel, der sich natürlich genau jetzt nicht zuknöpfen ließ. Langsam hatte ich wirklich das Gefühl, der Stress in der letzten Zeit war nicht genug gewesen. Wenn ich es nicht besser wüsste, hätte ich wirklich erwartet, dass ich einige graue Haare auf dem Kopf hatte.
      Als ich es dann endlich geschafft hatte, sah ich noch einmal zu Michelle, die immer noch still auf der Stelle stand. „Los, beweg deinen Arsch hier raus! Die Pferde sind weg, mann! Wie kannst du dabei so ruhig bleiben?!“ Und schon war ich aus dem Haus. Ich packte an meine Hosentaschen. Der Schlüssel fehlte. Mein Handy hatte ich auch nicht mit. Egal, die Pferde waren jetzt wichtiger. Ich schnappte mir schnell einige Halfter, von denen ich wusste, dass sie so gut wie allen passten. Zwei Ponyhalfter, ein Fohlenhalfter und ein Pferdehalfter. Gut, soweit hatte ich alles. Aber jetzt … Wohin musste ich? Durch den Nebel, der inzwischen aufgezogen war, verlor ich sogar meinen Orientierungssinn. Wo war ich jetzt bloß?
      Scheiße, Scheiße, Scheiße!
      Ich entschloss mich dafür, einfach in irgendeine Richtung zu laufen, irgendwo würde ich schon herauskommen. Eine Taschenlampe hatte ich natürlich auch nicht dabei, obwohl es schon dunkel genug war. Super. Was hab ich das wieder toll hingekriegt!
      Irgendwann hörte ich das Geräusch eines knackenden Zweiges auf dem Boden. Entweder war ich auf einen Zweig getreten oder ich hatte so viel Glück und hatte das erste Pferd gefunden. Und tatsächlich – trotz des Nebels und der Dunkelheit, die den Wald eingeschlossen hatte, bemerkte ich eine weiß-graue Gestalt, die sich anscheinend irgendwo verheddert hatte und deshalb nicht mehr weiterlaufen konnte. Beim Näherkommen erkannte ich auch, um wen es sich handelte: Casey. Meine süße, liebe Casey. Sie schaute mich aus ihren treuen Augen hoffnungsvoll an, als wüsste sie, dass ich hier war, um sie zu retten. Ich kniete mich auf den Boden und tastete ihre Beine ab. Sie schienen in Ordnung zu sein. Dann suchte ich nach möglichen Stellen, wo sie sich im Gestrüpp verhakt haben könnte. Fehlanzeige. … aber wie? Wieso lief sie dann nicht weg? Hatte sie mich gehört? Casey hatte schon immer eine enge Beziehung zu mir gehabt, ich war so etwas wie ihre Ersatzmutter, nachdem Goldherz weggegeben worden war. Wie auch immer, ich legte Casey eins der Ponyhalfter an und stieg behutsam auf ihren Rücken. Da sie keine Verletzungen hatte, war dies völlig okay. Außerdem wusste ich nicht mal im Geringsten, wo wir waren – mein Pony hingegen schon. Nachdem ich auf ihrem Rücken saß, ging das kleine Pferd schon von allein los. Irgendwann kamen wir dann am Hof an. Ich brachte Casey in ihre Box und wies einen der Pfleger an, sie zu versorgen, dann machte ich mich auf die Suche nach weiteren Pferden.

      Zeitdruck
      06/2012 | 1298 Zeichen
      Da ich in letzter Zeit nicht wirklich viel Zeit hatte, mich um meine Pferde zu kümmern, musste ich mich auch jetzt wieder mächtig sputen. Also erstellte ich nur kurz einen Trainingsplan für meine Pferde und was mit ihnen gemacht werden sollte, damit die Pfleger sie bestmöglich versorgen konnten.

      Zuchtpferde:
      • Herbstblatt: Ausritt
      • Sonic Syndicate: Ausritt
      • Da Vinci: Ausritt
      • Jargo: Dressurtraining, 30 Min.
      • Mrs. Pretty: Springtraining, 45 Min.
      • Dahiba: Dressurtraining, 15 Min.
      • Elanor: Longieren, 30 Min.
      • Beck's Experience: nur Weide
      • Rubina: Ausritt
      • Requiem: Führring, 30 Min.
      • Flame: Dressurtraining, 60 Min.
      • Chronos: Dressurtraining, 30 Min.
      • Pamino: Koppelgang, 45 Min.

      Stallpferde:
      • Eiskristall: Ausritt
      • Smooth'n Angel: Ausritt
      • Fada Fid: Training auf der Rennbahn, 20 Min.
      • Delicius: nur Weidegang
      • Bel Homme: nur Weidegang
      • Allelujah: Springtraining, 30 Min.
      • Larissa: Ausritt
      • Else: Ausritt
      • Nacromancer in the Dark: Geländetraining, 2h
      • Casey: nur Weidegang
      • Rapsoul: Geländetraining, 45 Min.

      Als ich den Trainingsplan an das Schwarze Brett geheftet hatte, ging ich eine Runde durch die Ställe und beobachtete einige Zeit die Pferde. Doch nicht allzu lange und ich musste wieder los ... Also verabschiedete ich mich von meinen Pferden und sagte Tschüss.

      Ablenkung und Training
      09/2012 | 7409 Zeichen
      Laut und hart prasselte der Regen gegen meine Fensterscheibe. Wenn man versuchte, durchzublicken, wurde man enttäuscht – eine dichte Schicht vieler Regentropfen, die die Scheibe herunter liefen, blockierte die Sicht. Genauso wie das Wetter war, fühlte ich mich auch und da gab es nur einen Ausweg: Ablenkung. Ablenkung von allem. Einfach allem!
      Ich beschloss also, mich mit meinen Pferden zu beschäftigen, die meine Aufmerksamkeit in letzter Zeit viel zu wenig genossen hatten. Ich musste mich wieder mehr um sie kümmern!
      Und da ich sowieso nichts zu tun hatte, kam mir die Gelegenheit gerade recht.
      Also schlüpfte ich rasch in meine Reitsachen, schnell noch die Regenjacke an und Kapuze über den Kopf – und schon war ich aus dem Haus. Kaum trat ich vor die Haustür, wurde ich auch schon herzlich begrüßt – von Allelujah! Er hatte wohl gesehen, wie ich aus dem Gebäude herausgegangen war und die Tür zuknallen gehört, denn er stand schon neugierig am Weidegatter und brummelte mir entgegen. Ich hielt mir die Hand über die Augen, um mich zu orientieren. Der Regen war zu dicht, um durchzusehen. Hinzu kam noch, dass ein starker Nebel aufgezogen war. Wo war ich denn hier?! In Schottland, oder wie?!
      Na ja, wie auch immer, Lujah wartete jedenfalls auf mich. Also ging ich kurzerhand in die Sattelkammer, holte mir sein Halfter und ging zurück zur Hengstweide. Spontan öffnete ich das Tor, holte ihn heraus und verschloss das Tor wieder gut, damit auch keiner ausbüxen konnte.
      Lujah genoss es, mal so richtig geputzt zu werden. Trotz der Tatsache, dass er klatschnass war, rubbelte ich ihn mit einem Handtuch trocken, zumindest die Sattellage und den Kopf ein wenig, und sattelte ihn dann. Egal, dass das Wetter so scheiße war, ich wollte jetzt springen. Und da Lujah das sowieso so gern tat – Wieso nicht?!
      Als mein kleiner Hengst also fertig war, führte ich Allelujah zur Reithalle, in der zum Glück noch ein Parcours aufgebaut war, da Michelle wohl gestern auch gesprungen war.
      Allelujah spitzte schon die Ohren, als er auch nur die Hindernisse sah. Ich lächelte leicht, dann stieg ich auf und wir begannen mit dem Training.

      Nach dem Training war es gerade mal neun Uhr in der Früh, sodass ich Casey noch holte. Das Wetter hatte sich um einiges gebessert, die Sonne schien und es war größtenteils nur noch feucht, nicht mehr trocken.
      „Hallo meine Süße!“, begrüßte ich Casey und lächelte ihr leicht zu. Die Stute brummelte und freute sich sichtlich, mich zu sehen, denn sie trabte mit gespitzten Ohren und glänzenden Augen auf mich zu. Sie war einfach mein Lieblingspony, da gab es nichts dran zu ändern.
      Sie ist so lieb und meine beste Freundin, niemand könnte sich dazwischen stelle. Sie war einfach immer für mich da. Immer.
      Und wenn „menschliche“ Freunde kamen und gingen, so war sie immer an meiner Seite.
      Ich öffnete das Weidetor und sie lief heraus, dann schloss ich es wieder. Bei Casey brauchte ich kein Halfter, sie lief frei neben mir her, so lange hatten wir das geübt, bis es endlich klappte. Was war ich stolz auf mein Mädchen!
      Ich lief mit ihr zum Putzplatz, machte sie fertig und ritt dann auf meinem Grauschecken vom Hof. „Hm, Liebling, wo wollen wir denn heute lang?“, fragte ich sie, wie auf Kommando brummelte sie und lief munter in den Wald hinein.Wollte sie unbedingt springen? Sah so aus, denn sie begab sich auf den Weg zum Geländeparcours. Sofort, als wir angekommen waren, spitzte sie die Ohren, beschleunigte und nur mit Mühe brachte ich sie davon ab, in den Trab zu fallen, ganz gelang es mir jedoch nicht. Sie trippelte in kleinen Trabschritten unter mir her und seufzend gab ich nach. Schon fiel sie in einen raschen, aber kontrollierten Galopp. Als sie immer schneller wurde, nahm ich sie wieder zurück, sodass die Galoppsprünge genau passten, als wir auf die Baumstämme, die im Abstand von circa einem Meter voneinander entfernt lagen. Casey sprang ab, landete, sprang, landete, sprang wieder und landete wieder sanft auf dem Boden. Schon zog sie weiter zum nächsten Hindernis, einer Steinmauer, die ungefähr 1,10 Meter hoch war. Auch diese Aufgabe meisterte sie gut und wir übersprangen noch zwei weitere Hindernisse, bis ich einen Weg einschlug, der einer Rennbahn ähnelte. Meine kleine Rennsau Casey wusste, was jetzt kam und da sie schon warm gelaufen war, ließ ich die Zügel locker und ging in den leichten Sitz über. Das Pony legte rasch an Geschwindigkeit zu, die sie lange hielt. Ich musste nach Luft schnappen, so überrascht war ich. Casey war noch nie so schnell gelaufen, anscheinend musste sie sich echt mal wieder auspowern!
      Viel zu schnell kamen wir am Ende der Strecke an, sodass ich durchparieren musste. Casey schnaubte empört, sie wollte noch weiterlaufen! Doch so leid es mir auch tat, wir mussten zurück. Wir waren inzwischen schon gute anderthalb Stunden unterwegs und ich musste mich noch um die anderen Pferde kümmern, sie durften schließlich auch nicht zu kurz kommen.
      Also machten wir uns auf den Rückweg. Immer wieder versuchte meine Stute, wieder schneller zu laufen, doch ich kam ihr zuvor und so gelang es ihr nicht mehr.
      Schon viel zu früh kamen wir wieder am Gestüt an, ich machte Casey fertig und beschäftigte mich noch eine Weile mit meiner Süßen, dann wurde es Zeit, Abschied zu nehmen. Zumindest für heute! Denn abgeben würde ich sie nie, niemals. Mir war jetzt schon klar, dass sie bei mir ihr Gnadenbrot bekommen würde. Schon als Fohlen hatte ich sie geliebt und es war so schön für mich, ihr beim Aufwachsen zuzusehen. Sie war bei mir, seit sie geboren wurde und bereits damals hatte ich sie geliebt. Mehr geliebt als alles andere.
      Wie auch immer, jetzt war zumindest Rapsoul an der Reihe. Auch er wurde etwas verhätschelt, dann wurde er mit Nacromancer in the Dark, Pamino, Sonic Syndicate und Delicius in den Führring gespannt und hatten dort ihre Bewegung für eine halbe Stunde, anschließend wurden sie der Reihe nach aus dem Führring geholt und sie durften freispringen. Mit großer Freude und vollem Körpereinsatz waren sie bei der Sache und ich war erstaunt, wie gut sich Sonic entwickelt hatte, nachdem wir ihn gerettet hatten. Er war ein richtiges Prachtstück!
      Auch Lucane war danach dran, er wurde auf meine Anweisung hier von einem der Angestellten auf dem Dressurviereck abgearbeitet.
      Bel Homme und Herbstblatt wurden von Michelle und mir rasch geputzt, dann stieg ich auf Bel Homme auf und sie auf Herbstblatt. Wir unternahmen einen ruhigen, entspannten Ausritt zu viert.
      Beck's Experience, Chronos, Jargo, Da Vinci und Reqiuem wurden ebenfalls für eine halbe Stunde in den Führring gespannt, dann ließ ich sie ein wenig auf den großen Reitplatz und sorgte dafür, dass sie sich ordentlich austobten.
      Mit Dahiba, Elanor, Fada Fid, Mrs. Pretty, Flame, Larissa und Rubina hatte ich dasselbe vor, auch sie tobten sich ordentlich aus und liefen gefühlte zehn Stunden im Kreis herum, buckelten und freuten sich sichtlich über die Bewegung.
      Smooth'n Angel wurde nur ein wenig von mir geputzt, damit sie sich daran gewöhnte, dass sie nicht mehr so rumzickte und mal etwas artiger wurde. Mit ihr hatte ich noch viel Arbeit vor mir...
      Als ich mit den Stuten fertig war, war ich total k.o und froh, dass der Tag sein Ende genommen hatte. Kurz nachdem ich es mir im Wohnzimmer gemütlich gemacht hatte, fing es auch schon an, wieder zu gewittern. Es regnete im Strömen und ich war so erleichtert, dass ich rechtzeitig fertig geworden war...

      Die beste Freundin
      11/2012 | 2283 Zeichen
      Casey stupste mich sanft an. „Hee!“, ermahnte ich sie und stellte die Mistgabel an die Wand. Ich wollte eigentlich die Ställe ausmisten, doch Casey machte mir einen Strich durch die Rechnung. Die Stute machte sich immer wieder bemerkbar, sobald ich mich an die Arbeit machen wollte. Ich glaube, sie wollte Aufmerksamkeit haben.
      „Ja, ich kümmer mich gleich um dich. Versprochen.“
      Casey stellte die Ohren auf und blickte mich beinahe erwartungsvoll an. Dann scharrte sie mit den Hufen, als wolle sie sagen - „he, ich will nicht, dass du dich gleich um mich kümmerst, sondern jetzt!“ und gab sich aber anscheinend doch zufrieden, denn stellte sich an die Seite und sah mir zu, wie ich die Drecksarbeit erledigte, während sie genüsslich auf ihrem Futter herumkaute, das ihr ihr gerade in die Futterraufe geschüttet hatte.
      Als ich fertig war, wischte ich mir – um die Situation etwas dramatischer erscheinen zu lassen – mit dem Handrücken über meine Stirn. Ich wusste nicht, wieso das immer so viele machten, aber es kam so, als hätte man sich sehr angestrengt und genau den Eindruck wollte ich vor Casey erwecken.
      Manche nennen mich verrückt, weil ich mit meinem Pferd umgehe, wie mit einem Freund. Davon wollte ich nichts wissen. Pferde sind genauso Lebewesen wie wir Menschen und Menschen sind viel zu überbewertet.
      » Das Pferd bleibt dir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde. «

      Der kleine Grauschecke schubste mich wortwörtlich über das Gelände, als wolle Casey mich auffordern „Spiel mit mir!“. Ich seufzte. Manchmal war sie wirklich wie ein kleines Kind. Nervig, aber irgendwie auch süß. Ich ließ mich schließlich 'überreden', holte ihr Longierzeug und machte sie fertig. Dann ging ich mit ihr zum Roundpen und begann mit dem Longieren.
      Am Anfang wusste sie nicht genau, was ich von ihr wollte, da es eine Weile her war, seit sie das letzte Mal longiert wurde. Doch nach einer kurzen Eingewöhnungsphase hatte sie auch das schnell wieder in Erinnerung.
      Casey arbeitete gut mit. Wenn es darum ging, sich zu benehmen, wusste sie, dass ich keinen Spaß mehr verstand.
      Nachdem wir mit dem longieren fertig waren, wurde sie entlassen und ich stellte sie auf den Paddock zu Pamino. Da dieser noch ein Fohlen war – und Caseys Bruder –, konnte dementsprechend auch nichts passieren.

      Vorsorgen für Ostern
      03/2012 | 4778 Zeichen
      Laute Musik ertönte und riss mich aus dem Schlaf. Geschockt wurden meine Augen noch ganz groß, ehe ich sie wieder schloss und sie mir verschlafen rieb. Ein kurzer Blick auf die Uhr bestätigte mir, dass ich schon lange hätte aufstehen müssen.
      Langsam stand ich auf, streckte mich noch einmal und begab mich dann auf den Weg ins Bad, um mich fertig zu machen. Ein harter Tag stand mir bevor.

      „Hey, Casey, meine Süße!“, begrüßte ich die hübsche Stute, die erfreut brummelte, als sie mich erblickte. Sanft strich ich ihr über das weiche Fell an ihrem Kopf und lächelte leicht, als Casey leise wieherte. Romantica schnaubte empört – es kam mir beinah ein wenig eifersüchtig vor – und versuchte so einiges, um meine Aufmerksamkeit auf sie zu lenken. Ein schiefes Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen, die Beiden waren einfach zu süß. Man musste sie einfach lieb haben.
      Schon fast schleichend ging ich über die Stallgasse und legte ebenfalls kurze Zwischenstopps bei den anderen Stuten ein, die bereits darauf warteten, endlich in die Freiheit (oder eher gesagt: auf die Weide) entlassen zu werden und sich den Bauch mit leckerem, saftigen Gras vollzuschlagen.
      Nur bei Smooth'n Angel hielt ich mich zurück. Das Pony ließ mich noch immer nicht an sich heran, doch wir waren schon ein wenig weiter als zuvor. Immerhin rastete sie nicht mehr völlig aus, wenn ich in ihre Nähe kam. Das arme Pferd kam mir völlig verstört und hilflos vor, den Grund kannte ich jedoch nicht. Leider.
      Aus der hinteren Ecke der Stallgasse blickte mit ein schokoladenbrauner, zierlicher Ponykopf entgegen. Fröhlich lief ich nun etwas schneller und schloss das süße Pony in meine Arme. Wie sehr hatte ich sie vermisst. Als Weihnachtsgeschenk wurde Goldherz mir wieder von der Gnadenweide geholt. Michelle hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, um sie mir unbedingt wiederzuholen und ich war ihr dafür wirklich sehr, sehr dankbar. Ihr hatte die Zeit auf der Gnadenweide jedoch nicht geschadet, kein bisschen. Sie sah wunderbar aus. Das Fell glänzte leicht, wenn die Sonnenstrahlen von draußen mein Pony erreichten. Liebevoll schmiegte Goldherz ihren Kopf an mich und ich wusste, dass sie mich genauso vermisst hatte, wie ich sie.

      „Mensch, Dahiba, pass auf!“, ermahnte ich die große Schimmelstute und verdrehte die Augen. Sie konnte es überhaupt nicht erwarten, endlich auf die Weide zu kommen und so versuchte sie die ganze Zeit, schneller dorthin zu gelangen, indem sie mich herum schubste. Während ich versuchte, Dahiba davon abzuhalten, ließ Mrs. Pretty, deren Strick ich in der anderen hand hielt, sich davon nicht beeindrucken. Gelangweilt trottete das Haflingerpony neben mir her und beobachtete mit wenig Elan die Vögel im Himmel. Es wurde Frühling, die Vögel kamen wieder und das Gezwitscher ging wieder los. Darauf hätte ich gut verzichten können, vor Allem am frühen Morgen.
      Nachdem ich die Beiden endlich auf der Weide hatte, holte ich noch Flame und Bel Homme und brachte auch die Pferde zu ihren Freunden auf die Weide. Casey, Goldherz und Romantica standen bereits auf der Wiese und ließen sich das leckere Gras schmecken.

      Als ich Pamino und Sonic Syndicate aus dem Stall führte und mit ihnen zur Hengstweide ging, erblickte Pamino seine Mutter, die er sehr lange nicht mehr gesehen hatte. Trotzdem erkannte er sie sofort wieder und zog mich mit seiner ganzen Kraft zum Weidezaun. Goldherz wieherte leise und trabte auf den Zaun zu, wo Pamino seine Mutter mit einem erfreuten Schnauben empfing. Mutter und Sohn schmiegten ihre Köpfe vertraut aneinander und ich wollte die Beiden ungern aus ihrem Wiedersehen reißen, doch Sonic wurde unruhig und so musste ich Pamino und Sonic auf die Hengstweide bringen. Der Schecke regte sich darüber natürlich ziemlich auf, doch mir blieb keine andere Wahl.
      Danach holte ich noch Da Vinci, Chronos, Delicius, Lucane, Allelujah, Rapsoul, Herbstblatt und Jargo, die von dem Weg zur Weide wesentlich mehr angetan waren als Mrs. Pretty. Sie tänzelten allesamt glücklich herum und so musste ich mit jedem alleine gehen. Alles andere wäre mir zu gefährlich gewesen.

      Nachdem alle Pferde auf ihren Weiden standen, machte ich mich an den anstrengenderen Teil des Tages: die Boxen ausmisten. Ich musste insgesamt achtzehn Boxen ausmisten, doch zum Glück packten zwei meiner Stallarbeiter mit an und so wurden aus achtzehn Boxen, die zu säubern waren, sechs. Wir wurden schnell fertig und setzten uns dann ins Reiterstübchen, wo wir einige Zeit lang saßen, bevor wir die Pferde reinholen würden. Gleich würden wir das Osterfeuer anzünden und wenn meine Lieblinge draußen stehen würden, wäre das keine gute Idee. Letztes Jahr hatten die Pferde dabei so einen Terror veranstaltet, dass sie ab jetzt immer im Stall stehen mussten, wenn irgendeine Veranstaltung stattfand.

      Hufkontrolle
      05/2012, von Helly25 | 1632 Zeichen
      Heute überprüfte ich Casey's Hufe. Ich war schon da, denn ich hatte gerade erst Romantica's, Smooth'n Angel's Delicius', Bel Homme's und Rapsoul's Hufe überprüft. Ich half beim Anbinden und kraulte sie kurz hinter en Ohren, bevor ich meine Werkzeuge holte. Sie beäugte mich misstrauisch, als ich an ihren Hufen arbeitete. Zuerst kratzte ich ihr gründlich die Hufe aus, dann überprüfte ich eben jene nach Beschädigungen, Entzündungen oder Ähnlichem. Danach machte ich einen Probeschnitt, bei dem ich feststellte, dass ziemlich viel ausgeschnitten werden musste. Dann entfernte ich das lose Sohlenhorn von allen Hufen, was sie sich ebenfalls misstrauisch gefallen ließ. Danach raspelte ich noch ein wenig an ihren Hufen herum, und schon waren wir auch damit fertig. Ich ließ sie probeweise ein wenig traben und galoppieren. Die Hufe waren jetzt perfekt. Ich streichelte Casey noch einmal, dann bereitete ich die Hufeisen vor. Sie beobachtete mich nun neugierig, während ich das Hufeisen, das ich vorher gründlich angepasst hatte, mit den Nägeln in ihren linken Vorderhuf schlug. Die Nagelenden, die auf der anderen Seite wieder herauskamen, verbog ich mit meinem Hammer, den ich aus meiner Tasche kramte. Diese Prozedur wiederholte ich auch noch mit den anderen 3 Hufen, dann verwendete ich den Knipser, um die noch aus dem Hufende herausragenden Nägel zu entfernen. Als ich fertig war, bekam Casey noch ein Stück Apfel von mir, danach überprüfte ich, ob die Hufeisen auch richtig saßen, indem ich daran zog, zerrte und sie kurz traben und galoppieren ließ. Alles saß, wie es sollte. Kurz darauf verabschiedete ich mich auch von ihr.
    • Samarti
      [​IMG]
      Vergangenheit
      05/2013 - 12/2013 | 7 Berichte
      Von Deutschland nach England
      05/2013 | 18.653 Zeichen
      „Ruhig, Allelujah. Der Hänger tut dir nichts“, versuchte ich, meinen Reitponyhengst zu beschwichtigen, doch der Versuch misslang. Auch, wenn bereits fünf weitere meiner Pferde in dem Pferdetransporter standen, ließ Allelujah sich nicht dazu überwinden, ebenfalls das Fahrzeug zu betreten, damit die Fahrt endlich losgehen konnte. In diesem Moment drehte Goldherz ihren Kopf herum, um sich das Spektakel anzusehen. Auch sie war bereits verladen, was sich bei ihr als keinerlei Problem entpuppte. Sie brummelte dem Hengst leise zu, doch davon ließ sich dieser nur wenig beeindrucken. Seufzend drehte ich mich zu dem Hengst um und klopfte ihm den Hals. Ich versuchte bereits seit zwei Stunden, das Pony in den Hänger zu verladen, doch das wurde einfach nichts. Allelujah war viel zu stur, um sich auch nur einen einzigen Schritt dem Hänger zu nähren. Er tat beinahe so, als würde das Fahrzeug ihn gleich auffressen wollen. Leicht genervt führte ich Lujah zurück in seinen alten Stall, so wurde das nichts. Als er in seiner Box stand, nahm ich ihm das Halfter vom Kopf und sperrte ihn ein. Sonderlich viel Zeit für Streicheleinheiten mit ihm hatte ich jetzt nicht. Durch ihn hatte ich immerhin zwei Stunden an Zeit verloren, in denen ich schon mit den anderen Pferden hätte losfahren können.
      Schnell hatte ich mir das Halfter von Pamino geschnappt, ihn aufgehalftert und aus dem Stall geführt. Zum Glück war der Schecke wesentlich entspannter, was das Verladen antraf, denn ich war mit ihm schon oft zu Wettbewerben gefahren, was mit Lujah noch nie der Fall gewesen war. Schon nach wenigen Minuten hatte ich Pamino in den Transporter geführt und festgebunden. Da seine Box im Transporter direkt neben der seiner Mutter, Goldherz, war, war Pamino davon besonders begeistert. Liebevoll streckte er seinen Kopf, um ihn an dem der Ponystute zu reiben. Sanft lächelte ich. Es hatte so lange gedauert, bis er seine Mutter wieder bekommen hatte, doch schlussendlich war es doch geschafft. 2010 hatte ich sie an Juu zurückgegeben, als ich mir eine Auszeit von meinem Hof nehmen musste. Dort verletzte sie sich so sehr, dass Juu beschloss, sie in den wohlverdienten Ruhestand zu geben. Weihnachten letzten Jahres hatte Michelle sie mir geschenkt. Sie hatte schon immer gewusst, wie sehr mir die Stute fehlte. Sie war schon immer mein Lieblingspony, seit ich hierher gezogen war, und sie würde es auch auf ewig bleiben. Nichts konnte uns mehr trennen.
      „Wir können!“, schrie ich über den Lärm hinweg, den man von überall auf dem Hof entnahm. Erst heute hatte ich eine Verkaufsanzeige für Michelles und meinen alten Hof aufgegeben, und schon jetzt hatten sich mögliche Interessenten gemeldet. Michelle blieb derweil noch daheim, während ich mich darum kümmerte, dass alle meine Pferde verladen wurden. Hierfür hatte ich sage und schreibe drei Transporter mit jeweils sechs Stellplätzen organisieren müssen, damit alle meine Pferde unterkamen. Die Fahrt nach England war lang und so wollte ich die Strecke nicht öfter als nötig fahren.
      Der erste Transporter wurde gestartet, das leise Brummen des Motors ertönte. Langsam kam er ins Rollen und kurz darauf war er vom Hof verschwunden. Im nächsten Moment fuhr der zweite Transporter vor. „Matthew! Die nächsten Pferde!“, rief ich dem Mann zu, der mir zunickte. Er hatte meine Anweisung verstanden. Im Nu war er im Hengststall verschwunden, um die nächsten sechs Pferde zu verladen. Als er wiederkam, hielt er den Führstrick von Bel Homme in der rechten und den Führstrick von Lucane in der linken Hand. Die beiden Ponyhengste hatten glücklicherweise ebenfalls keine Probleme beim Verladen, sodass sie recht schnell in dem schwarzen Transporter verladen worden waren. Mat erschien wieder auf dem Hof und begab sich sofort wieder zum Hengststall, wo er nun Chronos und Jargo mit deren Transportsets ausstattete und dann in den Transporter führte. „Matthew, mach bitte Delicius schon einmal fertig. Ich brauche gleich Hilfe bei Allelujah. Vielleicht lässt er sich ja verladen, wenn Deli dabei ist“, bat ich meine Aushilfe. Auf seine Zustimmung hin ging ich wieder zurück zu Allelujahs Box. „Hey, Lujah.“ Meine Stimme war nur ein leises Gemurmel, als ich den Hengst aus der Box holte. Sein Transportset hatte er noch immer angezogen, sodass ich ihn nicht nochmal damit ausstatten musste. Widerwillig schnaubte der Ponyhengst. Er wusste genau, mit was er nun erneut konfrontiert wurde. Nichtsdestotrotz folgte er mir wie ein kleines Fohlen der Mutterstute, als wir zurück zum Transporter gingen. Matthew stand dort bereits und hielt Delicius' Strick in der Hand. Lächelnd ging ich auf ihn zu und formte mit den Lippen ein „Danke, du bist der Beste“, bevor ich den Versuch startete, Lujah durch gutes Zureden in den Transporter zu führen. Mat stand schmunzelnd neben uns.
      „Darf ich mal?“
      Es war keine Frage, sondern eine Aufforderung. Mürrisch gab ich mich geschlagen, ich würde Allelujah heute sowieso nicht mehr in den Transporter bekommen. Matthew drückte mir den Führstrick von Deli in die Hand und nahm wortlos den von meinem Palominohengst entgegen. Es bedurfte einer ordentlichen Portion Zuspruch von Matthew an Allelujah, bis der Palomino einen ersten Huf auf die Rampe machte, die in das Fahrzeug führte. Verwirrt stand ich daneben und beobachtete das Geschehen. Auch, wenn ich mich fragte, warum der Hengst bei Mat weiter ging als bei mir, war ich erst einmal froh darüber, dass er überhaupt Fortschritte machte. Nach und nach gingen die Beiden immer weiter in den Transporter, ich stand mit weit geöffnetem Mund daneben. Schließlich hatte Matthew es geschafft: Allelujah stand in seiner Transportbox!
      Grinsend kam mir der junge Mann entgegen und entnahm mir Delis Führstrick. Schon nach kurzer Zeit war das Pony ebenfalls in der für es vorgesehenen Transportbox und die Rampe wurde geschlossen. Ich gab dem Fahrer noch das Zeichen, dass er losfahren konnte, doch da sprang der Motor bereits an und der Pferdetransporter fuhr los. Schon kurz darauf war der zweite Transporter ebenfalls vom Hof verschwunden.
      Doch der Dritte ließ auf sich warten.

      „Fuck!“, schrie ich und schlug mit der Faust gegen die Wand. Es war inzwischen 12:30 Uhr, der dritte Transporter war noch immer nicht auf den Hof eingefahren. Matthew stand hinter mir, seine Hand verweilte beruhigend auf meinem Rücken. Doch auch das änderte nichts daran, dass der Transporter nun schon sage und schreibe viereinhalb Stunden Verspätung hatte. Völlig aufgebracht wollte ich den Telefonhörer nehmen, doch Mat war schneller und griff ihn. Er wählte irgendeine Nummer und hielt sich den Hörer ans Ohr.
      „Hello, here's Matthew. Where the fuck are you?!“
      Matthew sprach Englisch, er rief also den Fahrer an. Das wusste ich, weil unser Fahrer ausschließlich Englisch sprach – er kam aus England direkt hierher, um meine Pferde nach England zu fahren. Auch Matthew war aus England hergekommen, er würde mich wieder zurück nach Großbritannien begleiten und mir dort auf meinem Hof unter die Arme greifen. Ich konnte mir ein leichtes Lächeln nicht verkneifen und so entwich es mir. Ein schwaches Lächeln umspielte nun meine Lippen. Mat ging ungeduldig im Zimmer auf und ab.
      „We're waiting for more than four hours now.“
      Sein Ton klang ziemlich vorwurfsvoll, als würde ein Vater mit seinem Sohn schimpfen, der vier Stunden zu spät nach Hause gekommen war. Diesmal war ich es, die dem Mann beruhigend die Hand auf die Schulter legte. Ich wusste, dass Matthew leicht zu provozieren war und wollte dies auf keinen Fall herausfordern. Nicht, dass wir später gar keinen Fahrer mehr hatten.
      „Okay. See you then.“
      Er legte auf und stellte das Telefon zurück in die Ladestation, dann drehte er sich zu mir um. „Er ist auf dem Weg. Steht im Stau“, murmelte er leise und ließ sich auf einen der wenigen Stühle fallen, die noch im Wohnhaus standen. Das Haus war fast vollständig leergeräumt, da meine ganzen Möbel und Gegenstände bereits im neuen Zuhause in Kent, einer Grafschaft im Südosten Englands, waren. Nur die wenigen Möbel, die ich nicht mehr hatte, würden mit dem Grundstück einen neuen Besitzer finden. Ich zog mir einen der anderen Stühle heran und nahm ebenfalls Platz. „Wann wird er da sein?“
      Matthew sah kurz zu mir hoch, ein entschuldigender Blick machte sich auf seinem Gesicht breit.
      „In frühestens zwei Stunden.“
      Ein mulmiges Gefühl machte sich in meiner Magengegend breit. „Na super“, entfuhr es mir. Wir hatten also noch zwei Stunden Zeit, um die sechs Pferde transportbereit zu machen, bis wir sie endlich verladen konnten.
      „Komm mit.“ Ich stand auf, ergriff Matthews Hand und zog ihn mit mir in den Stutenstall, wo ich ihn vor Dahibas Box stellte. „Sattel sie auf“, forderte ich ihn auf und sah zu, wie er Dahiba bereit zum Reiten machte. Währenddessen holte ich Flame aus ihrer Box, nahm sie mit zum Putzplatz und bereitete sie dort vor. Die Lusitanostute genoss die Aufmerksamkeit, ich hatte mich leider in der letzten Zeit viel zu wenig um sie gekümmert. Sie schloss die Augen, als ich mit dem Striegel in kreisenden Bewegungen über ihr glänzendes Fell fuhr, um die Massage zu genießen.
      Matthew hatte Dahiba bereits fertig gesattelt. Da Dahiba Matthew bereits kannte und sich mit ihm angefreundet hatte, war es für sie kein Problem, von ihm geritten zu werden, obwohl sie sonst nur ihre Bezugsperson an sich heranließ. Auch Flame war kurz darauf fertig und so stiegen wir beide in den Sattel. Ich wusste nicht, wie lange es her war, dass ich mit Flame ausgeritten war. In letzter Zeit hatte ich sie beinahe nur trainiert, was mir inzwischen Leid tat. Sie hatte viel zu wenig Aufmerksamkeit von mir bekommen, auch Dahiba erging es leider ähnlich. Ich nahm mir vor, mich in Zukunft wieder mehr um die Beiden zu kümmern, damit es ihnen so gut wie möglich bei mir erging.
      Als wir an Michelle vorbei ritten, bedeutete ich ihr kurz, dass wir auf einen kleinen Ausritt gehen würden, bis der nächste Transporter endlich ankommen würde. Sie verstand und nickte daraufhin. „Viel Spaß“, formten ihre Lippen noch, ehe sie sich wieder den Interessenten für das Gestüt zuwendete.
      „So endet es also“, nuschelte ich leise, doch Matthew verstand, was ich gesagt hatte. Er schenkte mir ein leichtes Lächeln. „Es musste irgendwann so kommen. Das Anwesen ist einfach zu groß für euch geworden, seitdem ihr so viele Pferde in den Ruhestand geschickt habt. In England wird es mit Sicherheit schön.“
      Ich brummelte nur ein gedämpftes „Du hast Recht“ vor mir hin, dann konzentrierte ich mich wieder auf Flame. Sie war wesentlich interessiert an der Umgebung, diesen Weg kannte sie noch gar nicht. Sonst war ich höchstens mit ihr den Weg im Wald geritten, doch jetzt waren wir gerade auf dem Weg zum Geländeparcours. Von dort aus ging es quer über einige verwachsene Felder und schließlich durch den Wald wieder zurück. Es war die perfekte Strecke, um ein wenig abzuschalten. Matthew sah ein paar Mal zu mir herüber, was ich im Augenwinkel wahrnahm. Ich wusste, dass ich mich immer auf ihn verlassen konnte. Er hatte sich vor einigen Wochen bei mir als Stallhilfe beworben, als ich eine Anzeige aufgegeben hatte, doch inzwischen war er viel mehr als das. Er ist mein bester Freund geworden und stand mir immer bei, wenn ich Hilfe brauchte. Zusätzlich hatte er immer ein paar Tipps für mich auf Lager und kannte sich mit Pferden bestens aus, manchmal kam er mit meinen Pferden sogar besser zurecht, als ich selbst. Zudem war er immer dazu bereit, ein wenig zu scherzen und heiterte mich immer wieder auf, wenn es mir nicht so gut ging, wie in diesem Moment. Lächelnd sah ich zu Matthew, dann trieb ich Flame an. Wir hatten bereits die ersten zwanzig Minuten im Wald hinter uns gelassen, wir waren gerade am Geländeparcours angekommen. Die Stute verstand sofort, was ich vorhatte und spitzte erfreut die Ohren. Grinsend schnalzte ich mit der Zunge und schon fiel der Lusitano in einen flotten Trab, der dann dem Galopp wich. Flame hatte ein wahnsinniges Tempo drauf, ich wechselte in den leichten Sitz und genoss den Moment.
      Als ich den ersten Sprung sah, ein Stapel von Baumstämmen, steuerte ich mein Pferd direkt darauf zu. Wir näherten uns dem Hindernis, während ich die Galoppsprünge zählte. Flame versammelte sich vor dem Sprung noch einmal mit großer Sicherheit, im nächsten Moment flogen wir durch die Luft. Auch, wenn dieser Moment nicht von langer Dauer war, schloss ich die Augen und kostete das Gefühl der Schwerelosigkeit vollständig aus.
      Beim Ende des Parcours parierte ich Flame durch. Widerwillig galoppierte sie noch ein Stück weiter zum Wald hin, vollführte ein paar grandiose Bocksprünge, die mich fast aus dem Sattel schmissen und blieb schließlich doch stehen. Mein Atem ging wahrscheinlich genauso schwer wie der von Flame, doch das interessierte mich zu dem Zeitpunkt relativ wenig. Viel mehr achtete ich auf das Hufgetrappel, welches sich uns näherte. Breit grinsend drehte ich mich im Sattel um, um Dahiba und den vor Freude strahlenden Matthew auf uns zugaloppieren zu sehen. Die Hannoveranerstute stoppte so abrupt, dass Matthew fast aus dem Sattel geschleudert wurde, weil er darauf absolut nicht vorbereitet war, doch er konnte sich gerade noch rechtzeitig fangen, um weiterhin auf dem Pferderücken zu bleiben.
      Lobend klopfte ich Flames Hals, was die Stute sichtlich freute. Sie schnaubte und nickte mit dem Kopf, als würde sie sagen wollen „Ich war doch super, oder nicht?!“. Ein Grinsen machte sich auf meinem Gesicht breit. Es war toll, einfach so loslassen zu können, weil man wusste, dass man dem mächtigen und starken Tier unter sich vollständig und blind vertrauen konnte.
      Nachdem auch Matthew Dahiba gelobt hatte und wir sowohl uns als auch den Pferden eine kurze Pause gönnten, ritten wir im Schritt weiter. Der Weg führte uns über Feldwege, an verlassenen Farmen und vergessenen Wiesen und Feldern vorbei. Mit einem sehnsüchtigen Blick auf das fantastische Ausreitgelände entfuhr mir ein enttäuschter Seufzer. Auch, wenn ich wusste, dass es in Kent genauso schön, vielleicht sogar noch schöner werden würde. Shepway lag direkt an der Nordsee, das Grün war endlos und es gab eine große Anzahl an Feldern sowie einen Fluss, der das Bild noch vervollständigte. Ich war bereits mehrmals dort im Urlaub gewesen und hatte mir Eindrücke von der Landschaft verschafft, bis ich vor Kurzem das Anwesen „Terosa“ gekauft hatte. Für mich war es bereits jetzt völlig klar, dass ich dort unbedingt hinziehen wollte – dabei spielte es keine Rolle, dass ich Deutschland dafür verlassen musste. Mein Traum war es schon immer gewesen, endlich nach England zu ziehen. Jetzt hatte ich mir diesen Traum erfüllt, was ich keinesfalls bereute.
      Schon bald wanderte mein altes Zuhause in unser Blickfeld. Wir ritten im langsamen Schritt zurück auf den Hof und stiegen ab. Nach kurzer Zeit waren die beiden Stuten abgesattelt und malmten zufrieden an dem bisschen Heu, was wir ihnen als Belohnung in ihre Futterraufe geschüttet hatten.
      Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es bereits 14:15 Uhr war, also musste der Transporter in einer Viertelstunde endlich da sein.
      Matthew und ich begleiteten Michelle noch ein wenig, die den Interessenten für das Grundstück dieses zeigte. Als wir dann aber den Transporter gesehen hatten, liefen wir schnell wieder in den Stall. Matthew kam mit Mrs. Pretty und Romantica neben sich wieder, ich hingegen holte Casey und Smooth'n Angel. Ich war schon gespannt, was das Pony sich diesmal wieder einfallen lassen würde. Mat hatte keinerlei Probleme damit, die Haflingerstute und Paminos Halbschwester zu verladen, auch Casey ging brav in den Transporter. Ich bereitete mich nun auf das Schlimmste vor, ich kannte es schließlich von Smooth'n Angel, dass sie alle um sich herum in die Hölle schicken wollte. Matthew stand neben mir, um mir zu helfen, falls ich seine Hilfe brauchte.
      Komischerweise ging Angel sofort in den Transporter und ließ sich auch brav von mir in ihre Transportbox bringen. Während ich noch darüber verwundert war und mich fragte, woher ihr plötzlicher Sinneswandel kam, holte Matthew bereits Flame und Dahiba aus dem Stall und verlud auch sie in den Transporter. Zu guter Letzt rannte ich noch zu Michelle und fiel ihr in die Arme. Meine Augen wurden feucht und einige wenige, salzige Tränen bahnten sich ihren Weg über meine Wangen. Michelle wusste sofort, was los war, auch ihre Augen begannen, sich zu nässen und nach weniger Zeit wurde auch ihr Gesicht von glänzenden Tränen geschmückt. Wir verharrten fünf Minuten lang so und standen dort Arm in Arm.
      „Versprich mir, d-dass du mich besuchst“, brachte ich unter Tränen hervor, meine Stimme verlor sich in einem Schluchzen. Das Mädchen nickte nur schwach und flüsterte ein leises „Versprochen“. Ich würde sie unglaublich vermissen, doch meine Tür stand für sie immer offen. „Viel Glück“, murmelte ich, meine Stimme war schwach und gedämpft.
      Ich ließ meine Arme sinken und löste mich aus der innigen Umarmung. Sowohl meine als auch Michelles Augen waren gerötet und angeschwollen, ein geschwächtes Lächeln schmückte meine Lippen. Dann drehte ich mich um, winkte Michelle ein letztes Mal und kletterte in die Fahrerkabine des Transporters, wo Matthew bereits wartete. Auch Loric, ein Freund von mir, der mir schon oft auf dem Hof geholfen hatte, saß bereits im Wagen. Ebenso wie Matthew begleitete er mich nach Großbritannien, um mir dort dabei zu helfen, mir mein neues Gestüt aufzubauen.
      Die sechsstündige Fahrt nach Shepway konnte beginnen.

      „Elisa! Wach auf, wir sind da!“
      Verschlafen öffnete ich meine Augen und blickte in ein paar dunkelbrauner Augen, die vor Freude glänzten. Es waren Matthews. „Wir sind endlich in Shepway“, murmelte er erneut und man konnte ihm das Glück aus der Stimme heraushören. Ein leichtes Lächeln entwich meinen Lippen, als ich sah, was für eine gute Laune der junge Mann hatte.
      Ich stieg auf, verließ den Transporter und befand mich auf dem Hof, den ich zuvor nur auf Fotos gesehen hatte. Es war ein Kauf gewesen, bei dem ich mich von meinem Bauchgefühl hatte leiten lassen und so, wie es momentan aussah, war es kein Fehler gewesen.
      Auf der Weide sah ich bereits Herbstblatt und Sonic Syndicate, die friedlich nebeneinander grasten. Sie wurden bereits auf die Weide gestellt, was ein ziemliches Glück für mich bedeutete. Auch Da Vinci und Rapsoul erblickte ich in der Nähe.
      Nachdem alle anderen Pferde ebenfalls auf der Weide standen, ging ich ins Haus, um mich ein wenig einzuleben. Meine Möbel standen bereits alle im Haus, die Kartons würde ich morgen auspacken. Jetzt war ich viel zu müde, um noch irgendetwas zu machen und ließ mich in mein Bett fallen. Schon nach kurzer Zeit fiel ich in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

      Tierarztkontrolle
      05/2013, von Pharlap | 9517 Zeichen
      Heute hatte ich einen großen Auftrag! Samarti hatte mich gebeten alle ihre Pferde durchzuchecken und zu impfen. Ich machte also schon sehr früh morgens, direkt nach dem wir die Pferde gefüttert und auf die Weiden gestellt hatten, auf den Weg. Ich hatte alle nötigen Sachen in mein Auto gepackt, ehe ich los fuhr. Die Sportpferdezucht Terosa die Elisa mittlerweile leitete war nur eine knappe halbe Stunde von der Pferdeklinik entfernt.

      Um circa halb Neun erreichte ich den Hof. Ich parkierte mein Auto direkt neben dem grossen Zuchtstall, damit ich meine Ausrüstung zur Hand hatte. Da niemand zu sehen war betrat ich den Stall, zuhinterst entdeckte ich dann Elisas Stallburschen, der gerade eine Box ausmistete. "Guten Morgen!", rief ich und ging auf ihn zu. "Wo finde ich denn Elisa?"; fragte ich ihn. "Die ist gerade auf der Weide bei den Ponys", sagte er. Ich dankte ihm, nahm mein Arzt Köfferchen und machte mich auf den Weg zur Weide.
      Doch irgendetwas stimmte nicht. Ich sah Elisa schon von weitem. Sie stand neben dem Wallach Bel Homme und sah sich sein Bein an. Das Pony wirkte apatisch, als hätte es Schmerzen und seine Besitzerin wirkte angespannt. "Elisa", rief ich öffnete das Koppeltor und ging auf sie zu. Sie liess Bel Hommes Bein los und drehte sich zu mir um. "Du kommst gerade genau richtig!", sagte sie. Sie erzählte mir das Bel Homme heute Morgen urplötzlich gelahmt hatte. Gestern war noch alles in Ordnung gewesen, sie hatten eine Springstunde gehabt und der Wallach war super gelaufen. Sie hatten sich für das grosse Sommerturnier in der Umgebung vorbereitet. "Am besten wir bringen in den Stall, dort kann ich ihn mir besser ansehen als hier auf der Koppel", sagte ich ruhig und liess mir meine Bedenken nicht anmerken.

      Wir brachten alle Ponys in den Stall. Ich schnappte mir Romantica und Rapsoul, Elisa nahm Casey und Bel Homme. Elisas Stallbursche nahm Lucane. Wir brachten alle Ponys in ihre Boxen. Bel Homme banden wir auf der Stallgasse an. Elisa hielt den Kopf des Wallaches fest während ich mich niederkniete und sein linkes Vorderbein untersuchte. Bel Homme reagierte sehr schmerzempfindlich auf die leisesten Berührungen, er hatte auf jeden Fall grosse Schmerzen. Das Bein war dick geschwollen und fühlte sich heiss an. "Ich würde ihn gerne mal traben sehen. Am besten du lässt ihn einmal die Stallgasse rauf und runter traben", sagte ich. Elisa nahm den Braunen am Halfter und trabte mit ihm. Er folgte ihr nur unwillig und versuchte das verletze Bein nicht zu belasten, so das er fast nur auf drei Beinen humpelte. Er ging sehr stark lahm. Danach band Elisa den Wallach wieder an.

      „Ich vermute eine Verletzung der Beugesehne. Das ist die lange Sehne auf der Hinteren Seite des Unterschenkel, die über das Karpalgelenk bis hinunter zum Huf geht. Ich vermute das sie gerissen ist, aber ohne einen Kernspin ist es schwer zu sagen ob sie angerissen oder ganz gerissen ist.“, erklärte ich Elisa. Wir schwiegen eine Weile. Wir wussten beide nur zu genau wie schwerwiegend diese Verletzung war. „Ich gebe Bel Homme zuerst einmal ein Schmerzmittel und etwas zur Beruhigung damit er ruhig ist und keinen zusätzlichen Schaden anrichtet“, sagte ich und zog die Medikamente in einer Spritze auf. Ich gab Bel Homme ein Stück Karotte und ihm selben Moment kam die Spritze zum Einsatz, dann war das ganze schon vorbei. „Also es sieht so aus. Ich schiene sein Bein, danach muss sein Bein mehrmals täglich 10 Minuten mit Wasser gekühlt werden und neu eingebunden werden. Ich verschreibe ihm strengst Boxenruhe, er darf sich so wenig wie nur möglich bewegen. Nach einiger Zeit, je nachdem wie gut das Bein verheilt, darfst du anfangen ihn täglich 10 Minuten auf hartem Untergrund zu führen. Es kommt darauf an wie schwer die Beugesehne verletzt ist, es wird aber sicherlich 5 -6 Monate dauern bis das Bein verheilt ist. In dieser Zeit darf er weder auf den Paddock noch auf die Weide oder geritten werden.“ Ich machte eine Pause und fügte dann hinzu: „ Die zweite Möglichkeit wäre in einzuschläfern. Allerdings bin ich zuversichtlich dass er wieder auf die Beine kommt, aber es ist dein Pferd und die Entscheidung liegt bei dir.“

      Elisa schwieg einen Moment dann sagte sie: „ Ich möchte ihn nicht einschläfern …“ Ich nickte und holte meine restliche Ausrüstung aus meinem Wagen. „Eins sollte dir aber klar sein. Bel Homme ist 13 Jahre alt und damit kein junges Pferd mehr. Wenn alles gut verheilt könntest du ihn nach der Aufbauphase frühestens in einem Jahr wieder reiten, wahrscheinlich wir es sogar anderthalb Jahre dauern. Er wäre dann 14 oder 15 Jahre alt und das Risiko einer erneuten Verletzung der Sehne wird trotz allem sehr hoch sein. Eine Springkarriere könntest du mit ihm somit vergessen, du wirst mit ihm noch gemütliche Ausritte unternehmen können. Aber er sollte danach in den Ruhestand geschickt werden“, sagte ich.

      Elisa nickte und sagte dass ihr das klar seie. Danach kühlte ich Bel Hommes Bein, schiente es und gab Elisa Kühlgel und Antibiotika, Schmerzmittel in Pulverform und ein Beruhigungsmittel mit. „Ich komme in einer Woche wieder und sehe ihn mir nochmal an“, sagte ich ihr.

      Nachdem wir eine kurze Pause gemacht hatten, kamen nun die anderen Pferde an die Reihe.

      Als erstes war Romantica an der Reihe. Es handelte sich dabei um eine hübsche, vierjährige Scheckstute. Das junge Tier war aufgeweckt und kerngesund. Beim Impfen zappelte sie ein wenig, mit etwas gutem Zureden und einem Apfel als Erpressung hielt sie allerdings brav still. Danach entwurmte ich sie noch, das passte ihr nicht da die Paste ekelhaft schmeckte.

      Als wir fertig waren durfte Romantica wieder auf die Koppel.

      Der nächste Kandidat war ebenfalls ein Schecke, diesmal handelte es sich aber um einen hübschen 10 Jahre alten Hengst. Lucane liess sich brav überall anfassen und war auch relativ brav als ich ihm ins Maul schaute, allerdings zeigte er klar dass er davon nicht sehr begeistert war. Da Impfen kannte er schon so dass er ruhig dastand und nur kurz zusammen zuckte. Ich klopfte ihm lobend den Hals und auch er bekam einen Apfel. Abschliessend wurde er noch entwurmt, dann schickten wir ihn auf die Hengstweide.

      Den nächsten Patienten kannte ich nur zu gut. Es handelte sich dabei um Rapsoul, der lange meine RB gewesen war und dann auch einige Zeit bei mir gestanden hatte, bevor er zu Elisa umgezogen war. Ich begrüsste das Pony fröhlich und checkte ihn dann durch. Auch er war gesund und munter. Nach dem impfen und entwurmen durfte auch er zu Lucane auf die Hengstkoppel.

      Das letzte Pony aus diesem Stall war Casey. Sie war ebenfalls eine sehr junge Deutsche Reitponystute mit ihren 5 Jahren. Sie war etwas nervös, liess sich aber mit gutem Zureden untersuchen. Beim Impfen hielt Elisa sie fest und fütterte sie mit Karottenstückchen. Ich beeilte mich mit dem Impfen und noch bevor Casey reagieren konnte, war die ganze Prozedur schon vorbei. Nun entwurmten wir sie noch, dabei hob sie den Kopf und lief rückwärts, aber mit etwas Geschick und Elisas Hilfe schafften wir es sie zu entwurmen.

      Danach gingen wir zum Zuchtstall. Die Pferde standen schon ihn ihren Boxen bereit, nach dem Impfen würden wir sie nach draussen auf ihre Weiden und Paddocks bringen.

      Im Zuchtstall fing ich mit Herbstblatt an, einem schwarzem Deutschen Reitponyhengst den Elisa damals aus sehr schlechter Haltung gerettet hatte. Er hatte sich sehr gut erholt und hatte sich zu einem prächtigen Hengst entwickelt. Mittlerweile hatte er im Springen und in der Dressur Klasse S*** erreicht. Vorsichtshalber kontrollierte ich seine Beine besonders gut und liess ihn auch vortraben. Den Rücken sah ich mir auch genauer an. „Es ist wichtig seine Beine immer gut zu Kontrollieren und auch zu schützen. Er ist erst 8 Jahre alt und hat noch eine wahnsinnige Karriere vor sich, aber die hohen Sprünge sind eine enorme Belastung für ein solch junges Pferd“, sagte ich. Da ich nichts finden konnte, impfte und entwurmte ich den Hengst und ging zum nächsten Pferd.

      Als nächstes war Pamino an der Reihe, der Hengst war zwar erst vier Jahre alt, aber schon jetzt ein echter Überflieger. Er hatte eine SW und zwei FS gewonnen und ich hatte das Gefühl das er es noch sehr weit bringen würde. Zudem hatte er edelste Vorfahren. Eine solche Abstammung versprach viel.

      Ich checkte ihn durch, impfte und entwurmte ihn.

      Als nächstes waren die Hafis an der Reihe. Jargo und Mrs. Pretty waren wie alle Haflinger sehr robust und auch sie waren beide kerngesund. Aber ich erwartete auch nichts anderes den Elisa und ihr Team kümmerten sich vorbildlich um ihr Pferde.

      Sonic Syndicate war ein wirklich schickes Pony. Niemand würde denken das er einmal fast gestorben wäre. Wir hatten ihn damals gerettet und mühsam aufgepäppelt. Mittlerweile war er ein stolzer Hengst geworden und hatte sich gut entwickelt. Er war kern gesund und voller Lebensenergie. Ich impfte den Hengst und entwurmte ihn, dann durfte er auf die Hengstweide.

      Nun war Dahiba an der Reihe. Sie war das was man eine echte Schönheit nannte und ich war mehr als begeistert von ihr. Manchmal vermisste ich sie ein wenig, aber bei Elisa hatte sie es gut, wurde geliebt und verwöhnt. Dahiba war gesund, so dass ich sie impfen und entwurmen konnte.

      Dann kamen noch Flame, Chronos, Da Vinci und zum Goldherz. Alle vier waren gesund und munter, so dass ich sie impfen konnte.

      Als wir fertig waren füllte ich noch sämtliche Impfbücher aus und überreichte sie Elisa. Ich wünschte ihr alles Gute und viel Erfolg mit ihrem neuen Hof dann verabschiedete ich mich von ihr.

      Urlaubsvertretung
      07/2013, von Ponyfreak | 10.248 Zeichen
      „Grr, was für ein Wetter“, sagte ich und stieg aus meinem Auto, welches ich gerade auf dem Hof von Elisa Cranfield parkt hatte. Es regnete in Strömen und ein kalter Wind blies über den Hof. Ich zog demonstrativ die Kapuze meiner Regenjacke über den Kopf und marschierte schnurstracks in Richtung Pferdestall,wo ich mit einem lauten Gewieher empfangen wurde. Ich beschloss mich zuerst um Elisas Reitpferde zu kümmern,ehe mich den Zuchtpferden zu widmen. Gleich rechts vom Stalleingang sahen mir vier hübsche Scheckstute entgegen und ich lief näher zu ihnen. Anhand den Boxenschildern konnte ich erkennen, dass es sich um Smooth'n Angel, Santa Fee, Casey und Romantica handelte. Ich beschloss die drei frei in der Halle laufen zu lassen, da das Wetter zu nass war um sie auf die Weide zu stellen. So ging ich in Romanticas Box um diese aufzuhalftern. Anschließend halfterte ich Casey und Angel auf,welche mit angelegten Ohren neben mir herlief. Mit den vier Stuten am Strick lief ich nun in Richtung Halle. Dort angekommen, ließ ich sie laufen und Casey galoppierte sofort los, dicht gefolgt von Romantica und Santa Fee. Die Einzige, welche sich zuerst nicht in das Spiel einmischte,war Smooth'n Angel, welche sich lieber niederlegte und ausgiebig wälzte. Nachdem sie sich wieder aufrichtete,schüttelte sie sich und galoppierte bockend und mit zurückgelegten Ohren den anderen drei Stuten hinterher. Ein Glück, dass die Halle überdacht war! So beobachtete ich eine Weile das bunte Treiben zwischen den vier Stuten,ehe ich sie wieder zurück in ihre Boxen brachte. Nun waren die Hengste an der Reihe. Ich ging zu Delicius in die Box, um diesen aufzuhalftern, was kein Problem war.Anschließend führte ich ihn aus seiner Box und band ihn am Putzplatz an. Ich holte geschwind seinen Putzkasten und begann mit dem Putzprogramm. Zuerst bürstete ich den groben Dreck aus seinem Fell,ehe ich mit der Feinarbeit begann. Nach einer knappen halben Stunde Powerputzen glänzte und blinkte Delicious und ich brachte ihn wieder zurück in seine Box. Sein Boxennachbar Bel Homme erwartete mich schon sehnsüchtig. Als ich den Wallach aus seiner Box führte, um ihn für die Longestunde fertig zu machen, folgte er mir brav ohne zu zicken. Nachdem ich ihn ausgiebig geputzt hatte, legte ich ihm die Ausbinder an und verschnallte diese mit der Trense. Als ich nun fertig war, hakte ich die Longe ein und ging mit Bel Homme in die Reithalle. Ich stellte mich in die Mitte des oberen Zirkels und trieb den Wallach auf den äußersten Hufschlag. Dort angekommen,lief er brav im Schritt auf dem Zirkel. Nach einer Viertelstunde Aufwärmtraining,ließ ich ihn antraben und er folgte brav meinen Anweisungen. Nach einer halben Stunde wechselte ich die Hand und ließ Bel Homme angaloppieren. Dieser machte zu Beginn einen riesigen Satz und preschte buckelnd los. Da merkte man deutlich,dass das Fohlen in ihm durchkam. Nach ein paar Runden verlangsamte er sein Tempo und kaute zufrieden auf seinem Gebiss. Nun longierte ich ihn noch eine halbe Stunde,ehe ich die Longenstunde für beendet erklärte.Ich lobte ihn ausgiebig und brachte ihn zurück in seine Box nachdem ich ihn abgetrenst hatte. Nun wendete ich mich an Lucane, Allelujah und Rapsoul. Nachdem ich ausgiebig ihre Steckbriefe gelesen hatte, kam ich zu dem Entschluss, die drei ebenfalls frei in der Halle laufen zu lassen, da sie sich untereinander verstanden. So halfterte ich die drei auf und brachte sie in die Reithalle. Als ich sie losband, blieben sie zuerst fest angewurzelt stehen,ehe Lucane in einem wahrlich traumhaften Trab mit aufgestelltem Schweif an der Bande entlang zu traben. Daraufhin machte Allelujah einen Hopser nach vorne und wieherte laut hörbar durch die gesamte Halle. Rapsoul blickte daraufhin misstrauisch um sich,ehe er im gestreckten Galopp Lucane folgte, welche immer noch seine Runden auf dem äußersten Hufschlag drehte. Als nun Rapsoul dicht neben Lucane galoppierte, wurde es diesem zu bunt und schlug nach hinten aus. Da Rapsoul eine wahnsinnig gute Reaktion hatte, konnte dieser gerade noch ausweichen. Nun mischte sich Allelujah ein, welcher mit Hengsthals auf die beiden zugetrabt kam. Nochmals blieb er stehen und wieherte durch die Halle. Nun stieg er und ging auf Rapsoul los. Dieser tat es ihm gleich und die beiden Hengste mischten sich in ein Knäuel und man konnte böses Gewieher hören. Mir lief es in diesem Moment kalt den Rücken hinunter,da ich wirklich Angst um Elisas Pferde bekam. Mit einer Gerte bewaffnet kletterte ich über die Bande und ging zwischen die zwei Hengste. Als ich diese nun trennen konnte, nahm ich alle drei beim Halfter und führte diese wieder zurück in ihre Box. Nun ging ich zu Elisas Zuchtpferden. Sofort stach mir ein Schwarzbrauner Ponyhengst in das Auge, welcher laut wiehernd mir entgegensah. Ich schlüpfte in seine Box und halfterte den Hengst auf.Anschließend führte ich Herbstblatt auf den Putzplatz, wo ich ihn für eine Springstunde vorbereitete.Als alles saß,nahm ich die Zügel in die Hand und ging in Richtung Springplatz. Mittlerweile hatte es aufgehört zu regnen und die Sonne spickelte hinter den Wolken hervor. Als wir nun auf dem Springplatz angekommen warn,gurtete ich nochmal nach und schwang mich in den Sattel von Herbstblatt.Mit langen Zügeln ließ ich ihn erst einmal im Schritt gehen.Anschließend nahm ich die Zügel etwas auf und ließ ihn antraben um seine Muskulatur zu lockern und aufzuwärmen. Nach einer 15-minütigen Aufwärmphase ging es an die Arbeit.Wir überwanden Steilsprünge, Oxer,Wassergräben, Kombinationen und diverse andere Sprünge ohne Probleme.Nach einer intensiven Trainingsstunde,lobte ich Herbstblatt ausgiebig, da er seine Aufgabe sehr gut gemacht hatte und führte ihn wieder in seine Box und sattelte ihn ab. Nun ging ich zu seinem Boxennachbar Pamino, welchen ich mit einer kleinen Schmuse-und Streicheleinheit verwöhnte.Anschließend war Jargo, der verschmuste Haflinger an der Reihe.Ich nahm seinen Putzkoffer direkt mit in die Box.In einer knapp einstündigen Putzsession polierte ich ihn auf Hochglanz und flocht sein Langhaar ein.Nachdem ich damit fertig war, ging ich zu Mrs. Pretty, welche als sehr kompliziert galt. Als ich ihre Box betrat,sah sie mich misstrauisch an. Als ich ihr jedoch einen Apfel anbot nahm sie diesen ohne zu zögern und ich beschloss ein wenig Bekanntschaft mit ihr zu schließen. So näherte ich ihr mir immer mehr an und streichelte sie. Als sie mehr Mut gefasst hatte, schwang ich mich auf ihren Rücken und beobachtete, was sie machte. Sie sah interessiert um sich und ich tätschelte sie.Nach einer knappen Stunde verließ ich ihre nun ihre Box und ging mit ein paar Leckerlis bewaffnet zu Sonic Syndicates Box.Als ich die große Boxentüre öffnete, trat der Kohlfuchs in das hinterste Eck seiner Box zurück und kehrte seinen Hintern in meine Richtung. Ich redete beruhigend auf ihn ein,jedoch half dies nichts.So setze ich mich kurzerhand in die gegenüberliegende Ecke und redete munter weiter über alles mögliche. So verflog die Zeit und Sonic wendete sich interessiert zu mir. Eine Weilchen später kam er mit gespitzten Ohren auf mich zu und ich lobte ihn ausgiebig mit meiner Stimme.Dies sollte für den Anfang genügen und so verließ ich wieder seine Box.Als ich zu Dahiba in die Box trat,fand ich diese gelangweilt in einer Ecke stehen.Ich halfterte sie auf und führte sie in die Reithalle,wo ich sie Freispringen ließ. Dahiba war begeistert mit bei der Sache und hüpfte wie ein großer Gummiball über die Hindernisse. Als ich sie wieder zurück in ihre Box führte,schnaubte sie zufrieden und ich lobte sie nochmals ausgiebig. Nun widmete ich mich Flame, welche ausgiebig geputzt wurde, da sie aussah, wie ein kleines Wildschwein. Man sah ihr den letzten Weidegang im Schlamm und Matsch deutlich an und deshalb war heute eine Putzsession auf dem Programm. Nach einer geschlagenen Stunde war es vollbracht und man konnte nichts mehr von Wildschwein erkennen. Nun ging ich zu Chronos, einem schneeweißen Lusitanohengst mit beachtlichem Stockmaß.Als ich seine Boxentüre öffnete,kam mir der sanfte Riese entgegen und ich halfterte ihn auf um ihn auf den Putzplatz zu führen.Als ich ihn fertig für den Ausritt gemacht hatte, begann es wieder zu regnen.Ich gurtete noch einmal nach und schwang mich in den Sattel und nahm die Zügel auf.Nun konnte es losgehen! Im gemütlichen Schritt verließen wir den Hof und ritten in Richtung Wald.Dort angekommen,nahm ich die Zügel auf und setzte mich in den leichten Sitz. Chronos verstand sofort und preschte im vollen Galopp los. Mit enorm kraftvollen Galoppsprüngen rasten wir den Wald hinunter. Wir befanden uns auf einem Art Rundweg,welcher um den Hof ging. Mit der Zeit wurden Chronos' Galoppsprünge etwas gemächlicher und ich verlangsamte sein Tempo,so dass es im flotten Trab weiterging.Nach einer weiteren knappen halben Stunde kamen wir wieder an den Hofeingang. Dieser passierten wir im Schritt und ich lobte den Hengst, da er sehr artig auf unserem gemeinsamen Ausritt war.Als ich ihn abgesattelt hatte,brachte ich ihn in seine Box und verabschiedete mich von ihm.Sein Boxennachbar Da Vinci erwartete mich schon sehnsüchtig. Nachdem ich im rasanten Tempo den kleinen DRP-Hengst für die Dressurstunde fertig gemacht hatte,nahm ich die Zügel der Kandare in die Hand und lief in Richtung Reithalle.Dort angekommen,gurtete ich nochmals nach und stieg dann auf.Die 15-minütige Aufwärmphase verflog wie im Flug und ich machte mich daran mit Da Vinci,welcher sehr kooperationsbereit war, schwierige Lektionen aus der S-Dressur, wie etwa die Piaffe, Passage oder den fliegenden Galoppwechsel, zu üben. Dies klappte sehr gut und ich war begeistert von seinen federleichten und doch sehr kraftvollen Bewegungen.Nachdem ich die Dressurstunde beendet hatte und den Hengst versorgt hatte, war es bereits dunkel geworden. Nun war noch Goldherz an der Reihe, mit welcher ich einen kleinen Spaziergang unternehmen wollte. Ich halfterte sie auf und führte sie in Richtung der Weiden.Ab und zu legten wir während unserem kleinen Spaziergang eine Pause ein, in der die Scheckstute etwas grasen konnte. Nach einer Stunde brachte ich sie wieder zurück in ihre Box und verabschiedete mich von Elisas Pferden. Anschließend stieg ich in mein Auto und verließ den Hof.

      Alte Bekannte
      11/2013 | 8932 Zeichen
      „Damit wären wir fertig!“, triumphierte ich und hörte selbst den Stolz, der in meiner Stimme mitschwang heraus, als ich auf meinen Hof sah. Matthew, der neben mir stand, grinste mich erfreut an. „Ja. Hat auch lange genug gedauert … but we did it!“ Ich lächelte leicht. Er hatte es sich angewöhnt, fast nur noch Englisch zu sprechen, da wir inzwischen in Kent, einem kleinen Küstenort im Südosten Englands, lebten.
      Ich wendete meinen Blick von der Reithalle, die heute Morgen fertig gestellt worden war, ab und begab mich auf den Weg zum Parkplatz, denn wir hatten gerade Besuch bekommen.
      Es war ein braunhaariger, junger Mann. Schon vom Weiten erkannte ich die Grübchen, die entstanden, wenn er grinste. Ohne es zu erkennen, wusste ich, dass seine Augen glänzten, als er mich erblickte.
      „Hey“, flüsterte er mir charmant ins Ohr, als ich bei ihm angekommen und ihm in die Arme gefallen war, „schön, dich zu sehen.“ Ich grinste wie ein Honigkuchenpferd, so froh war ich, ihn wiederzusehen.
      „Hallo, Harry“, murmelte ich in seine Schulter, an der mein Gesicht verweilte, und hob dann wieder den Blick, nachdem ich ein letztes Mal seinen wohlriechenden Duft eingeatmet hatte.
      Er legte die Hände an meine Hüfte und drückte mich leicht weg, um mich zu mustern. Ich fühlte mich ein wenig unwohl, als sein Blick über meinen Körper schweifte, doch dann sah er mir wieder in die Augen, sodass ich sofort in dem Olivgrün seiner versank. „Gut siehst du aus.“
      „Danke, gleichfalls“, erwiderte ich und hielt mich kurz. Er sah wirklich gut aus, hatte er sich ziemlich verändert, seit ich ihn das letzte Mal gesehen hatte. Die dunkelbraunen Haare waren perfekt gestylt, kein Haar stand irgendwie zur Seite ab. Er war ebenfalls ziemlich gewachsen, er war nun um Einiges größer als ich.
      „Wie kommt's, dass du mich besuchst? Ich meine … wir haben uns bestimmt fünf Jahre nicht gesehen.“
      Das letzte Mal, dass ich Harry begegnet war, war ich gerade dreizehn Jahre alt geworden. Er war damals bereits fünfzehn und ich hatte ziemlich lange für ihn geschwärmt. Seine Schwester war damals meine beste Freundin gewesen und so waren wir uns irgendwann näher gekommen und hatten uns ziemlich gut angefreundet, bis er schließlich mein bester Freund war. Nachdem er allerdings mit seiner Familie weggezogen war, als er gerade sechzehn geworden war, hatten wir nur noch per Facebook Kontakt gehabt. Dieser verschwand aber auch immer weiter, bis wir schließlich gar nichts mehr mit dem Anderen zu tun gehabt hatten.
      „Ich habe deinen neuen Hof im Internet gefunden und da wir uns ziemlich lange nicht mehr gesehen haben … hatte ich mir gedacht, komme ich dich einfach mal besuchen.“ Er lächelte mich an und ich konnte nicht anders, als das Lächeln zu erwidern. „Das freut mich“, brachte ich hervor und winkte dann Matthew zu mir, um die Beiden miteinander bekannt zu machen. Matthew schlenderte lässig zu uns rüber, seine Augen blitzten skeptisch auf. „Hallo“, begrüßte er Harry kurz angebunden und hielt ihm anscheinend eher widerwillig als erfreut zur Begrüßung die Hand hin.
      Harry tat, als würde er dies nicht bemerken, schenkte Matthew sogar noch ein freundliches Lächeln und ergriff die Hand. „Hey.“
      Ich wagte einen kurzen Seitenblick zu Matthew, dessen Miene wie versteinert war. Er schien ein ziemliches Problem mit Harry zu haben, doch ich wusste nicht, wieso.
      Mat ging nach einiger Zeit wieder weg und verschwand im Haupthaus, während ich Harry die Ställe zeigte.
      Als wir im Hengststall waren und Harry sich gerade Pamino anschaute, der frech über seine Boxentür blickte, erklang ein kehliges Wiehern aus dem Nebengebäude. Harry blickte auf und ging, ohne irgendetwas zu sagen, in den Stuten- und Wallachstall, wo er auf Casey traf. Die Ponystute hatte es wieder geschafft, ihre Boxentür zu öffnen und stand vor der Box von Goldherz. Dem Anschein nach zu urteilen versuchte sie, Goldherz' Boxentür ebenfalls zu öffnen, doch dies gelang ihr nicht. Ich lächelte leicht, dann brachte ich Casey wieder in ihre Box. Das Pony versuchte, zu protestieren und stemmte zuerst die Vorderbeine in den Boden, doch nach einigen Versuchen gelang es mir, sie wieder in ihre Box zu verfrachten. Dann öffnete ich sowohl das Tor zum Paddock als auch das Verbindungstor zwischen Paddock und Weide. Das Gleiche tat ich auch bei Dahiba, Flame und Dajeen, sodass alle vier Stuten nun auf die Weide gehen konnten. Dajeen wich ihrer Mutter nicht von der Seite, und ich beobachtete lächelnd das Geschehen, ehe ich aus meinen Gedanken gerissen wurde.
      Goldherz scharrte ungeduldig in den Sägespänen herum. Ich ging zu ihr und streichelte sanft über ihre Stirn, woraufhin sie sich an mich schmiegte. Ich liebte diese Stute; und ich wusste, dass diese Liebe bedingungslos war. Sie würde für mich ins Feuer gehen, und ich würde für sie ins Feuer gehen. Leise brummelte Goldherz und schnaubte kurz darauf, bevor sie mich spielerisch anstupste. Lachend trat ich einen Schritt zurück und öffnete die Boxentür, nur, um sie hinter mir wieder zu schließen und auch Goldherz den Zugang zur Weide ermöglichte. Gemächlich schritt die Stute an mir vorbei und beobachtete mich dabei, bevor sie losgaloppierte und mit einer Vollbremsung bei den anderen zum Stehen kam. Kurz darauf hatte sie schon den Kopf gesenkt und fraß genüsslich das letzte Gras, das der Sommer dagelassen hatte. Bald würde der Winter anbrechen und das hieß auch hier, dass es kalt werden würde und die Pferde die Nacht vorerst in ihren Boxen verbringen mussten.
      Auch Santa Fee machte sich nun bemerkbar und als ich auf sie zuging, trat sie energisch gegen die Boxentür. „Pscht!“, zischte ich ermahnend, weshalb das Pony sofort aufhörte. Auch sie hatte ich ziemlich lieb gewonnen. Ursprünglich war sie ein Import aus Amerika, wo eine Farm aufgelöst wurde, doch sie hatte es mir sofort angetan. Weshalb, wusste ich nicht – aber irgendwie hatte sie das gewisse Etwas.
      Kurz darauf begab auch sie sich auf den Weg zu den anderen Stuten auf die Koppel. Auch Romantica gesellte sich kurz darauf zu ihnen.
      Als ich gerade das Stallgebäude verlassen und das Nächste betreten wollte, schlangen sich von hinten zwei kräftige Arme um meine Taille. Heißer Atem kitzelte mir im Nacken und ich begann, zu kichern. „Harry, lass das!“, murrte ich und versuchte, mich aus seinem Griff zu befreien. Wie nicht anders zu erwarten war, schlug der Versuch fehl. Irgendwann ließ der Lockenkopf mich dann doch los und ich durfte in den Hengststall gehen, während er mich wie ein kleiner Hund verfolgte. Schnell waren auch Pamino, Sonic Syndicate, Herbstblatt und Rapsoul auf der Weide verschwunden. Seufzend sah ich Rapsoul hinterher. Er war erst vor einiger Zeit gekört worden, und ich war mächtig stolz auf ihn, doch noch hatte er keine Nachkommen. Ich hoffte, das in naher Zukunft ändern zu können. Auch Da Vinci verließ schnell seine Box und betrat die Weide. Chronos tänzelte schon ungeduldig in seinem Paddock herum, während die anderen Hengste auf die Weide stürmten, deshalb verließ auch er schnell seinen Paddock, als ich das Tor zur Weide öffnete. Zufrieden betrachtete ich die Pferde und Ponys, wie sie friedlich auf der Weide grasten, bevor ich mich Harry zuwandte, der mich grinsend ansah. „Was ist?“, fragte ich verwirrt und sah an mir herunter, konnte jedoch nichts feststellen. „Nichts“, winkte er ab und ich gab mich widerwillig zufrieden. Wenn er meinte. Schweigend gingen wir nebeneinander ins Haus, wo wir uns ins Wohnzimmer setzten und den Fernseher einschalteten. Es lief mal wieder nichts vernünftiges, abgesehen von irgendwelchen dämlichen Soaps, die mich immer wieder an „Mitten im Leben“ oder „Familien im Brennpunkt“ erinnerten, doch sowas wollte und musste ich mir nicht antun.
      Irgendwann bemerkte ich, dass Harry mir immer näher rückte und mich schließlich an sich zog. Müde kuschelte ich mich an ihn und schloss die Augen, bevor ich sie wieder öffnete, um zu sehen, wer die Tür so zugeknallt hatte. Matthew hatte gerade das Haus betreten und sah Harry mit einem finsteren Blick an, weshalb ich nur verwirrt die Augenbrauen hochzog und ihn fragend ansah. Bevor er mich angesehen hatte, war er allerdings schon in sein Zimmer verschwunden.
      „Ich muss da mal hinterher“, murmelte ich leise und löste mich aus Harrys festem Griff, was mir erst nach einigen Versuchen gelang. Unsicher machte ich mich auf den Weg zu Matthews Zimmer. Vorsichtig klopfte ich an die Tür und vernahm nur ein schwaches „Herein“, weshalb ich die Türklinke langsam herunter drückte und die Tür öffnete.
      „Was ist los?“, fragte ich, während ich noch auf Matthew zuging, der auf seinem Schreibtischstuhl saß und den Kopf in die Hände gestützt hatte. Müde blickte er auf und seine Augen waren ungewöhnlich matt.
      „Was ist los?“, wiederholte ich mich, diesmal etwas lauter. Er schüttelte nur leicht den Kopf und stand im nächsten Moment auf. Kurz darauf stand er schon hinter mir und flüsterte mir leise eine Frage ins Ohr, die mich erschaudern ließ.
      „Liebst du ihn?“

      Hufkontrolle
      12/2013, von Veija | 3551 Zeichen
      Ich war gerade bei einer anderen Patientin fertig, als mich erneut ein Anruf erreichte. „Veija?“, sagte ich fragend in den Hörer und lachte kurz auf. Es war wieder Elisa, die mich nochmal brauchte. „Ist okay, ich bin eh noch in der Nähe“, sprach ich und legte auf. Ich fuhr von der Autobahn ab und auf der anderen Seite wieder auf, sodass ich in ihre Richtung fuhr.
      Elisa empfing mich erneut auf ihrem Hof und brachte mich sofort zu der schönen Grauscheckstute, die schon in der Stallgasse angebunden war. Mit prüfendem Blick hob ich einen Huf nach dem Anderen an, um ihn säuberlich auszukratzen, und nach dem Rechten zu sehen. Mit ihren Hufen war ich sehr zufrieden. Ich holte die Zange raus um den Tragrand abzuknipsen, als die Stute mich misstrauisch beäugte und ihr Bein wegzog. „Lass das“, sagte ich und Lisa hielt ihren Kopf fest, damit sie mich nicht nochmal damit behindern konnte. Schließlich fügte die Stute sich ihrem Schicksal und lies mich meine Arbeit machen. Als ich damit fertig war, machte ich den Probeschnitt, ehe ich die überschüssige Hornsohle herausschnitt. Als ich damit fertig war, betrachtete ich mir noch den Strahl und korrigierte ein wenig mit dem Messer. Zum Schluss raspelte ich mit der groben Raspel einmal alle harten Kanten ab, ehe ich mit der feinen Raspel noch einmal drüber ging. Das selbe Spiel wiederholte ich bei den restlichen 3 Hufen. Fertig war das erste Pferd auch schon.
      Elisa brachte die schicke Stute weg und holte sogleich die schöne Fuchsscheckstute Santa Fee. Auch bei ihr fand ich keine Auffälligkeiten bei der Kontrolle. Das Ausschneiden verlief relativ fix, so dass auch nun das Letzte der drei Pferde an der Reihe war.Romatica. Die Bay Silver Dapple Tobianostute, die wohl heute nicht so freundlich gesinnt war. Ich wollte mit der Kontrolle anfangen, als sie wie verrückt am Führstrick zerrte und sich schließlich trotz aller Bemühungen von Elisa und mir losriss, und reiß aus nahm. Jedoch konnte die Stute nicht weit, da die Tür verschlossen war. Vorsichtig fingen wie sie ein und banden sie wieder an. Diesmal begann ich das Ganze mit langsameren Bewegungen, was auch zu klappen schien. Ich kratzte alle Hufen aus und kontrollierte sie, doch ich fand keine Auffälligkeiten. Ich hob die Zange und schon wieder sprang die Stute panisch rückwärts. Heute hatte sie wohl einen wirklich schlechten Tag, wie mir Elisa vermittelte. Den Tragrand musste ich kaum kürzen, weshalb ich das vermeindliche Monster namens Zange schnell wieder beiseite legen konnte. Als zweites machte ich nun den Probeschnitt, ehe ich mich dann an der Hufsohle zu schaffen machte. Auch hier musste ich nur ein wenig wegschneiden, weshalb ich schnell beim Raspeln angelangt war. Zum Glück benahm sich die Stute und ich war damit schnell fertig. Das selbe Spiel wiederholte ich an den restlichen 3 Hufen, ehe ich alles zusammenpackte und Elisa mit der Stute einmal die Stallgasse hoch und runter laufen lies. Elisa ging einen Weg gemütlich, den anderen lief sie, so dass die Stute traben musste. „Ist okay. Ich wollte nur sehen wie sie läuft, da die Hufen an der Vorderhand ein wenig viel ausgeschnitten sind, da sie um einiges länger waren als die Hinterhufen.“, erklärte ich ihr und fügte dann an: „Pass ein wenig auf beim Ausreiten oder Führen über den Hof wegen großen Steinen..“
      Ich kümmerte mich nun um meine Sachen und suchte alles zusammen.Ich ging zum Auto und lud alles ein. Dann setzte ich mich rein. „Bis zum nächsten Mal“, waren meine letzen Worte, ehe ich ihr zum Abschied kurz hupfte und die Abfahrt hinunter fuhr.

      Tierarztbesuch
      12/2013, von Trostpferd | 19.116 Zeichen
      Mit meinem Köfferchen unter dem Arm und einem Lächeln auf den Lippen ging ich durch den trüben Nachmittag zum Stallgebäude des Gestütes „The Mountain Yard“. Der Stall war hellerleuchtet und überall war etwas los.
      „Hallöchen! Du bist Jamie – die Tierärztin, oder?“, fragte mich ein Mann in Arbeitsklamotten.
      „Ja, das bin ich. Aber Sie sind glaub ich nicht Elisa, oder?“, fragte ich spaßhaft und gab ihm meine Hand.
      „Nein – ich bin nicht Elisa.“, sagte er lächelnd. „Ich bin Matthew – stellvertretender Gestütsleiter.“
      „Hallo Matthew. Schön dich kennen zu lernen.“, sagte ich und lachte.
      „Elisa ist gerade noch unterwegs. Sie müsste gleich wieder da sein, aber bis dahin werde ich dich betreuen. Nicht das du dich noch verläufst.“, erklärte er mir und lächelte.
      „Okay. Mit wem wollen wir denn anfangen?“
      „Ich würde sagen, dass wir mit den Kleinen anfangen.“, schlug er vor und ich nickte.
      Also gingen wir durch das große Stallgebäude bis wir im Mutter- und Fohlenstall angekommen waren. Während Matthew das erste Fohlen holte, nahm ich mir mein Stethoskop aus meinem Köfferchen und wartete.
      „Das ist die kleine Beverly. Eine kleine schüchterne Prinzessin.“, sagte Matthew und lächelte. Er band das Stutfohlen an und streichelte den Hals des kleinen Geschöpfes.
      „Sie ist aber eine Hübsche.“, stellte ich bewundernd fest und trat zu ihr. Wie Matthew gerade schon erwähnte hatte, war die kleine Dame sehr schüchtern. Sie war etwas aufgeregt und beobachtete mich skeptisch, während ich mich ihr näherte.
      „Hallo, Hübsche.“, sagte ich leise und liebevoll und kniete mich hin. Nun war ich fast so groß wie das Stutfohlen und ich streckte ihr vorsichtig meine Hand entgegen. Die kleinen Nüstern waren etwas zusammengezogen und verliehen ihr einen fast arroganten und angewiderten Ausdruck.
      „Seh ich heute so schlimm aus?“, fragte ich leise und lächelte.
      „Ist gut, Mäuschen. Jamie ist ganz lieb.“, flüsterte Matthew und streichelte ihren Hals.
      „Genau – ich bin ganz vorsichtig.“, stimmte ich ihm zu.
      Behutsam näherte ich meine Hand ihrem Maul und ließ sie meinen Geruch aufnehmen. Einige Moment lang, hielt ich meine Hand einfach nur still da, während Beverly zaghaft an ihr schnupperte und schließlich einfach nur abwartend dastand.
      „Ich bin wirklich ganz lieb.“, sagte ich und musste leise lachen. „Sie sieht aus, als wenn sie mich total ekelhaft finden würde.“
      „Ja – da hast du recht.“, sagte Matthew ganz trocken und ich blickte ihn empört an.
      Nur wenige Augenblicke später mussten wir beide lachen und Beverly sah mich noch entgeisterter an.
      „Ach Mäuschen. Du bist einfach nur zum Abknutschen.“, sagte ich liebevoll und wagte es nun die kleine Stute am Hals zu berühren. Auch wenn sie sich noch mehr anspannte, blieb sie stehen.
      „Alles gut. Dir passiert nichts.“, sagte ich behutsam und fuhr langsam mit meiner Hand von ihrem Hals bis zu ihrem Rücken. So verbrachte ich dann einige Minuten lang, auf Knien, vor ihr, um mich ein bisschen bei ihr einzuschleimen. Auch ein kleines Leckerchen fand zwischenzeitlich ganz zufällig den Weg zu ihrem kleinen, samtenen Maul.
      „So, Schätzchen! Dann wollen wir doch mal anfangen.“
      Als erstes beurteilte ich den allgemeinen, äußerlichen Zustand von Beverly:
      Ihre Silhouette war typisch für ein Fohlen in ihrem Alter und sie stand gut im Futter. Sie war nicht zu dünn, aber auch nicht zu dick – einfach passend. Ihr außergewöhnliches Fell glänzte gesund und ihre langen, dünnen Beinchen sahen auch gut aus. Ihr Blick war wach und klar – und ihre Aufmerksamkeit hatte sie vorhin schon perfekt zur Schau gestellt.
      „Auf den ersten Blick ist schon mal alles super.“, sagte ich zufrieden und nahm nun mein Stethoskop von meinem Hals.
      „Willst du mal schnuppern, Prinzessin?“, fragte ich liebevoll und hielt ihr das Stethoskop hin. Eigentlich wollte ich dadurch bezwecken, dass sie es ein wenig beschnupperte und als harmlos abstempelte, aber Pustekuchen. Sie fand dieses Monstrum ganz und gar nicht harmlos.
      Auf meine Geste reagierte das kleine Stutfohlen mit geblähten Nüstern und einem Schritt zurück.
      „Bleib stehen, Beverly.“, sagte Matthew bestimmt und stellte sich neben sie. „Stell dich nicht so an.“
      Auch wenn sich Beverly aufregte – um das Abhören kamen wir nicht rum. Also stand ich vorsichtig auf und stellte mich neben sie, legte das Kopfstück des Stethoskops etwas erhöht hinter ihre Achselhöhle und bekam einen schnellen, aber regelmäßigen und kräftigen Herzschlag zu hören.
      „Mein Gott bist du aber aufgeregt!“, stellte ich fest und verschob das Kopfstück, um die Atmung abzuhören.
      Diese war auch etwas schnell, aber dennoch regelmäßig und ohne Beschwerden.
      „Alles super – aufgeregt, aber gesund.“, sagte ich zufrieden und legte mein Stethoskop zurück in mein Köfferchen.
      Nun wollte ich mir die Schleimhäute näher ansehen und bat Matthew darum, mir einmal zu helfen.
      „Sie ist so aufgeregt, da will ich jetzt nicht noch so an ihrem Kopf rumfummeln. Würdest du bitte einmal versuchen das untere Augenlid etwas hinunterzuziehen, damit ich die Farbe sehen kann?“, fragte ich freundlich und erhielt ein Nicken als Antwort.
      Beverly fand das Prozedere nicht toll und wehrte sich gegen Matthews Hände. Ich konnte einen kurzen Blick auf die rosafarbene und glänzende Schleimhaut werfen.
      „Okay, danke. Das reicht schon.“, sagte ich und lächelte. „Ich würde mir gerne noch ihr Zahnfleisch anschauen.“
      „Komm mal her, Süße. Zeig mal deine kleinen Zähnchen.“, sagte Matthew liebevoll und hob die Oberlippe des Fohlens an. Dadurch konnte ich einen Blick auf ein gesund aussehendes Zahnfleisch und kleine Babyzähne werfen.
      „Klasse – danke. Das war auch schon der Teil. Jetzt gibt es noch vier Piekser und dann sind wir fertig.“, sagte ich und ging zu meinem Köfferchen, um die Impfungen vorzubereiten.
      „Bitte halte die Kleine gleich richtig fest, ja?“, wies ich Matthew freundlich an und zog die letzte Impfdosis auf. Dann ging ich mit Desinfektionsmittel und Tupfern wieder zu Beverly und desinfizierte schnell die Stelle, an der ich die Impfungen setzen wollte.
      Die kleine Maus war wirklich angespannt und aufgeregt.
      „So jetzt piekt es einmal.“, warnte ich Matthew kurz und setzte dann die erste Impfung. Langsam drückte ich die Dosis in den Kreislauf des Fohlens und sprach leise auf es ein.
      Als die erste Spritze leer war, tauschte ich sie gegen die zweite Impfung und schließlich auch gegen die Dritte.
      „Das waren schon die Impfungen.“, sagte ich freundlich und brachte die leeren Spritzen zu meinem Köfferchen, ehe ich mir das Päckchen mit dem Chip heraussuchte.
      „Das wird jetzt ein fieser Piekser.“, sagte ich mitfühlend und nahm die Spritze mit dem Chip aus dem Tütchen, in welchem noch einige Strichcodeaufkleber mit der Transpondernummer waren.
      „Wir müssen jetzt einmal kurz Seiten tauschen.“, sagte ich zu Matthew und wenige Sekunden später desinfizierte ich auf der linken Halsseite eine kleine Fläche.
      Dann war es eine Sache von keinen fünf Sekunden und die dicke Nadel mit dem Transponder verschwand unter der Haut.
      „Fertig.“, sagte ich lobend und brachte die Spritze zum Köfferchen.
      „Jetzt muss ich nur noch kontrollieren, ob der Transponder richtig sitzt und dann kann die Kleine schon wieder zurück in ihre Box.“, erklärte ich und holte das Lesegerät aus meinem Köfferchen, um dann damit über die Stelle zu fahren, an der ich den Chip gesetzt hatte. Ein leises Piepsen ertönte und zeigte mir, dass Alles passte.
      „Nächster Patient bitte.“, sagte ich und lächelte, während Matthew Beverly losband und zurück in ihre Box brachte.

      Nun war Dajeen, ein Hannoveraner Stutfohlen an der Reihe.
      Matthew band die schöne Stute auf der Stallgasse an und lächelte, während ich schon mal den ersten Eindruck beurteilte:
      Dajeen hatte ein gutes Exterieur, sah gesund und munter aus. Ihr Fell glänzte und war der Jahreszeit angepasst. Ihre Augen wirkten wach und interessiert, ihre Ohren bewegten sich aufmerksam.
      „Na, Hübsche?“, sagte ich liebevoll und näherte mich ihr vorsichtig. Dajeen beäugte mich skeptisch, aber interessiert. Man sah, dass es in ihrem Kopf arbeitete.
      Ich knie mich, wie auch schon bei Beverly, vor sie und hielt ihr meine Hand hin, die sie interessiert beschnupperte.
      „Gutes Mädchen.“, sagte ich leise und wollte vorsichtig ihren Hals berühren, was sie nicht so toll fand. Fast empört trat sie einen Schritt zurück und blähte ihre kleinen Nüstern.
      „Hey – alles ist gut.“, sagte Matthew beruhigend und führte sie wieder einen Schritt näher.
      Wieder versuchte ich sie zu berühren und diesmal tolerierte sie es. Ihre Augen verfolgten die Bewegungen meiner Hand und ich streichelte vorsichtig über ihren Bauch.
      Nach einiger Zeit ging ich dann zu meinem Köfferchen und holte mein Stethoskop. Wieder bei Dajeen angekommen, hielt ich es ihr hin und sie beschnupperte es interessiert.
      Als ich dann das Kopfstück an ihre Seite drückte, wich sie aus.
      „Nein, Dajeen. Bleib stehen.“, wies Matthew sie an und ich versuchte es erneut.
      Daraufhin bekam ich einen kräftigen und regelmäßigen Herzschlag zu hören. Man merkte, dass die kleine Stute etwas aufgeregt war.
      Dann hörte ich noch die Atmung ab und stellte keine Mängel fest.
      „So – Alles super. Jetzt nur noch die Schleimhäute.“, sagte ich mehr zu mir selbst, als zu Allen anderen.
      Behutsam trat ich an Dajeens Kopf, streichelte vorsichtig über ihren Nasenrücken und zog dann vorsichtig das Unterlid ein wenig nach unten: Die Schleimhaut war rosa und sah gesund aus.
      Nun schaute ich vorsichtig in das Maul des Stutfohlens, welches sich leicht dagegen wehrte und versuchte seinen Kopf aus meinem Griff zu entwenden.
      „Schhhh … Ich bin sofort fertig.“, sagte ich und erhaschte einen Blick auf ein ebenso gesundes Zahnfleisch.
      „Klasse. Jetzt gibt es noch ein paar Piekser und dann bist du auch schon wieder fertig.“, erklärte ich Dajeen und bereitete die Impfungen vor.
      Dann desinfizierte ich kurz die Einstichstelle und verabreichte ihr dann die Impfungen.
      Währenddessen hatte die kleine Maus mehrmals vergeblich versucht sich aus Matthews Griff zu entwinden.
      „So – das waren die Impfungen.“, sagte ich zufrieden und holte die Spritze mit dem Chip. In der Zeit hatte Matthew sich schon wieder auf die andere Seite verzogen und ich konnte in Ruhe die Einstichstelle auf der linken Halsseite desinfizieren.
      „Achtung – jetzt macht das einmal Aua.“
      Langsam schob ich die Nadel unter die Haut des Fohlens und setzte den Transponder.
      Ich überprüfte den Sitz des Chips noch kurz mit dem Lesegerät und dann wurde Dajeen von Matthew schon wieder in ihre Box gebracht.
      „Wer ist jetzt dran?“, fragte ich Matthew freundlich, als er wieder bei mir war.
      „Ich würde sagen, dass wir uns jetzt Monsta schnappen.“, schlug er vor und wir gingen in den Stutenbereich des Stalls.
      Dort angekommen schlüpfte Matthew direkt in die Box des kleinen Reitponys und kurze Zeit später stand Monsta angebunden auf der Stallgasse.
      „Hallo, Mäuschen! Wie geht’s dir heute?“, fragte ich sie liebevoll und hielt ihr meine Hand zum Beschnuppern hin.
      Einige Minuten lang machte ich mich mit der kleinen Stute bekannt, die ab und zu versuchte meine Jacke nach Leckerchen zu durchsuchen.
      „So Süße – jetzt fangen wir aber mal an dich zu untersuchen.“, sagte ich und begann damit, den allgemeinen Zustand des Pferdes zu beurteilen.
      Monsta’s Gebäude sah gut aus, ihr Fell glänzte und das Langhaar, sowie die Hufe sahen gepflegt aus. Die Augen der Stute waren wach und strahlten Lebensfreude aus.
      „Das sieht doch schon mal ganz gut aus.“, sagte ich zu mir selbst und holte mein Stethoskop aus meinem Köfferchen, um die Atmung und die Herzfunktion von Monsta zu überprüfen. Schnell kontrollierte ich noch die makellosen Schleimhäute.
      Alles war voll nach meinen Ansprüchen und ich lächelte.
      „Dann wollen wir das kleine, gesunde Eselchen doch mal impfen.“
      Kurz bereitete ich die Impfungen vor, desinfizierte die Einstichstelle und verabreichte dem deutschen Reitpony dann die Impfdosen. Monsta fand die Angelegenheit nicht so toll: Als die Spritze durch ihre Haut ging, zuckte sie zusammen und schlug kurz mit dem Schweif.
      „So, das war’s schon. Jetzt noch schnell den Chip setzen und dann kannst du wieder in deine Box.“
      Nur wenige Minuten später setzte ich den Transponder unter die Haut der linken Halsseite, während Matthew die Stute zurechtwies. Sie hatte die Ohren angelegt und schaute ihn böse an.
      „Ich weiß, dass das doof ist. Aber jetzt stell dich nicht so an!“, sagte er bestimmend zu ihr und brachte sie dann wieder in ihre Box.
      „Wen darf ich jetzt quälen?“, fragte ich ihn spaßhaft, als er wieder bei mir war und lächelte schelmisch.
      „Santa Fee.“, schlug er vor und verschwand in die nächste Box. Wenige Sekunden später kam er mit einem schicken Fuchsschecken wieder zu mir.
      „Tadaaa – das ist Santa Fee.“, trällerte er und band die Stute auf der Stallgasse an.
      Als erstes begutachtete ich den ersten Eindruck des Pferdes: Santa Fee sah sehr gepflegt und munter aus. Ihre Augen glänzten frech und ihre Ohren überwachten aufmerksam die Geräusche der Umgebung. Ihr Fell glänzte ebenfalls und ihre Hufe sahen sehr gepflegt aus. An den Beinen hatte sie einige kleine Schrammen, die aber allesamt schon wieder verheilt waren.
      „Die Macken da hat sie vom Toben. Ab und zu spackt sie einfach komplett ab und kloppt sich mit den anderen Pferden. Da bleiben die Schrammen nicht aus.“, erklärte mir Matthew und ich trat zum Kopf der Stute, um ihre Schleimhäute näher anzusehen.
      „Du bist also hier die kleine Rabaukin!“, witzelte ich und stellte fest, dass die Schleimhäute bestens aussahen. „Dann wollen wir doch mal deine Atmung und dein Herz anhören.“
      Ich nahm mir mein Stethoskop aus meinem Köfferchen und ging wieder zu der Stute. Auf ihrer linken Seite legte ich das Kopfstück des Stethoskops etwas erhöht hinter die Achselhöhle und bekam einen ruhigen und kräftigen Herzschlag zu hören. Nun hörte ich noch kurz die Atmung ab und war bestens zufrieden.
      „Alles tip top!“, sagte ich und bereitete schnell die Impfungen vor, die ich ihr dann auch innerhalb weniger Minuten verabreichte und wieder aufräumte. Danach bereitete ich das Chippen vor und nur kurze Zeit später war Santa Fee auch schon wieder fertig.
      „Das war klasse. Aber Fee – nächstes Mal zappelst du bitte nicht so und böse angeguckt werden will ich auch nicht.“, tadelte ich sie spaßig und Matthew brachte sie wieder in ihre Box.
      Kurze Zeit später kam Matthew mit dem nächsten Patienten zu mir: Romantica.
      „Du bist aber eine Hübsche!“, sagte ich liebevoll und machte mich ein wenig mit ihr bekannt. Sie beschnupperte meine Jacke und meine Haare und suchte ein wenig nach Leckerchen. Währenddessen bewertete ich innerlich schon den allgemeinen Zustand des Pferdes:
      Romantica’s Fell glänzte gesund und ihre Hufe sahen gepflegt aus. Ihre Augen schauten sich neugierig um und sie war aufmerksam.
      „Dann schauen wir uns doch mal deine Schleimhäute an.“, sagte ich leise und trat wieder zu ihrem Kopf. Ich konnte keine mängel feststellen – eine kräftige rosa Färbung und eine ansprechende Kapillarfüllzeit sprachen für einen guten Zustand.
      Kurz hörte ich die Atmung und die Herzfunktion ab und bereitete dann die Impfungen vor. Nur wenige Minuten später war Romantica wieder komplett geimpft und ich musste nur noch den Chip setzen. Gekonnt setzte ich die große Nadel und es war eine Sache von keinen zwei Sekunden, ehe der Transponder richtig saß und ich mit dem Lesegerät den Sitz überprüfte.
      „Klasse! Sie ist fertig.“, sagte ich zu Matthew und räumte auf.
      Nun war Casey an der Reihe. Matthew brachte die hübsche Stute zu mir und band sie auf der Stallgasse an.
      „Hallöchen, Hübsche!“, sagte ich freundlich und hielt ihr meine Hand zum Beschnuppern hin. Etwas schüchtern schnupperte sie an mir und zog sich dann zurück.
      „Also - entweder stinke ich heute, oder irgendwas stimmt nicht.“, witzelte ich gespielt beleidigt und musste dann lachen.
      Casey sah gut aus: Ihr Fell glänzte und war dicht gewachsen. Ihre Hufe sahen gut aus und ihr Langhaar war gepflegt. Ihre Augen – hübsche Augen übrigens – beobachteten mich aufmerksam und erschienen klar.
      Behutsam schaute ich mir die Schleimhäute der Stute an, die mich einfach machen ließ, auch wenn man ihr ansah, dass sie mir ein wenig misstraute.
      Auf jeden Fall sahen die Schleimhäute gut aus und ich konnte nun die Atmung und das Herz abhören. Beides sprach zu meiner vollsten Zufriedenheit und ich konnte der schönen Dame mit gutem Gewissen die Impfung verabreichen.
      Danach chippte ich sie noch kurz und überprüfte den Sitz des Transponders mit dem Lesegerät, welches ein Piepen abgab und mir die Nummer anzeigte.
      „So. Das ging ja fix! Bist schon fertig.“, sagte ich liebvoll zu ihr und räumte meine Sachen auf.
      Gerade als Matthew mit Casey in der Box verschwand, kam eine junge und sympathische Frau auf mich zu.
      „Jamie! Es tut mir leid, dass ich jetzt erst hier bin, aber ich musste noch was wegen meinem Neuzugang klären.“, entschuldigte sie sich und gab mir die Hand.
      „Du bist Elisa, oder?“, fragte ich lächelnd. „Und das ist doch nicht schlimm. Matthew hat mir bestens unter die Arme gegriffen. Wir sind gerade fertig geworden.“
      „Oh ja – ich bin Elisa.“, sagte sie und lächelte. Matthew kam auf uns zu.
      „Jamie? Du könntest nicht ganz zufällig noch nach meinem Neuzugang schauen, oder?“, fragte sie mich hoffnungsvoll und mir blieb nichts anderes übrig, als mit einem beschwingten Lächeln hinter Elisa herzugehen.
      „Es geht um Nacromancer in the Dark. Ich hab ihn noch nicht allzu lange und er soll bald zur Körung, aber er müsste noch geimpft und gechippt werden.“, erklärte sie mir und wir blieben vor einer Box stehen, aus der ein hübscher, brauner Pferdekopf lugte.
      „Hey Süßer!“, sagte ich liebevoll und hielt ihm meine Hand entgegen, die er – wie es sich für einen Charmeur gehört – direkt ableckte.
      Ein Lachen entfuhr mir und Elisa stimmte ein.
      „Nacro! Das macht man nicht!“, tadelte sie ihn spaßig und kurze Zeit später stand der Hengst auf der Stallgasse.
      Sein äußeres Erscheinungsbild sprach mir sehr zu. Der DRP-Hengst stand gut im Futter, sah sportlich aus und sein Fell glänzte. Seine Hufe und sein Langhaar waren gepflegt und sein Blick wach und aufmerksam.
      Seine Schleimhäute konnte ich ohne Probleme kontrollieren und auch die Atmung und das Herz gaben mir keinen Grund zur Sorge.
      „Alles bestens! Du hast ein quietsch-gesundes Hengstchen.“, sagte ich freundlich und bereitete die Impfungen vor, die auch direkt ihren Weg in Nacro’s Kreislauf fanden.
      Wenige Minuten später, saß auch der Transponder an der richtigen Stelle und ich räumte meinen ganzen Kram in mein Köfferchen.
      „Das war’s auch schon wieder.“, sagte ich zufrieden und suchte die passenden Wurmkuren aus meinem Köfferchen. „Also, ich hab deine Schätzchen jetzt alle geimpft und gechippt. Die Wurmkuren gibst du allen bitte in sechs bis acht Tagen, wenn die die Impfung verkraftet haben. Die Paste dosierst du bitte nach der Packungsbeilage und schmierst deinen Mäuschen das Zeug dann in das Maul. Wenn du das nicht schaffst, kannst du das auch über einen Apfel oder ein Brötchen verfüttern. Hauptsache ist, dass die das in den Magen bekommen. Okay?“, erklärte ich Elisa freundlich und drückte ihr die Wurmkuren in die Hände.
      „Alles klar, Chef!“, sagte sie, lächelte und ich verabschiedete mich.


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      Weihnachten auf dem Gestüt
      12/2013 | 6919 Zeichen
      „Unser erstes gemeinsames Weihnachten“, murmelte ich leise und betrachtete den riesigen, noch ungeschmückten Weihnachtsbaum, der den Weg in unser Haus gefunden hatte. Matthew und Harry brummelten mir zustimmend irgendetwas zu, während sie am großen Tisch saßen und Armdrücken spielten. Sie wollten unbedingt wissen, wer von den Beiden der Stärkere war. Seufzend drehte ich mich wieder von ihnen weg und befestigte eine weitere Christbaumkugel an einem der Zweige. Im Hintergrund lief leise Weihnachtsmusik und die letzten Töne von „Let It Snow“ erklangen gerade, als das nächste Lied angespielt wurde.
      „Mach das aus!“, schrie ich nahezu und fuchtelte wild mit den Armen in der Luft herum, was dazu führte, dass mein Gleichgewichtssinn sich verabschiedete. Ich konnte mich gerade noch so auf der Leiter halten, ohne umzukippen und stieg schließlich die Stufen herunter, um mich auf den Weg zum Radio zu machen.
      „Schalt es ab“, wiederholte ich knurrend und suchte den Lautstärkeregler des Radios.
      „Was hast du denn gegen Last Christmas?“ Matthew sah mich verwundert an, seine Augenbrauen schossen fragend in die Höhe.
      „Ich hasse es einfach. Es ist nervig.“
      „Ich finde es schön“, protestierte Lucy und ich warf ihr einen tödlichen Blick zu, um sie zum Verstummen zu bringen. Im nächsten Moment musste sie laut lachen. Nein, meine Blicke konnten leider nicht töten.
      „Macht es einfach aus“, stimmte Joline mir zu, „ich finde es auch scheußlich. Jedes Jahr dasselbe, dämliche Lied. Ich kann es nicht mehr hören.“
      Ich sah sie lächelnd an, dankte ihr dafür und beobachtete Harry, der auf einen anderen Sender umschaltete. Als er sich zu mir umdrehte, zierte ein belustigtes Grinsen sein Gesicht.
      „Da haben sich die Radiosender wohl gegen dich verschworen.“
      Ich stöhnte genervt auf und ließ mich auf einen der Stühle fallen, die im großen Wohnzimmer verteilt standen. Mein Gesicht vergrub ich demotiviert in meinen Handflächen und ein lauter Seufzer verließ meinen Mund. Es konnte doch nicht wahr sein, dass auf jedem gottverdammten Sender dieses nervtötende Lied gespielt wurde! Ein wunderbarer Weihnachtstag, ein wunderbarer Heiligabend wegen diesem wunderbaren Lied. Man bemerke bitte die Ironie in dieser tatkräftigen Aussage.

      „Beverly und Dajeen sind bereits in ihren Boxen. Was ist mit Goldherz und Casey?“ Harry lief unruhig auf und ab, verwirbelte dabei einige Strohhalme in der Stallgasse, die soeben gefegt worden war. „Goldherz steht in ihrer Box. Casey muss noch hereingeholt werden, Romantica auch. Machst du das bitte eben?“, bat ich ihn und händigte ihm die zwei Halfter aus, die für die beiden Reitponystuten bestimmt waren. Er nickte und verschwand nach draußen. Es würde laut Wetterberichten eine kalte Weihnachtsnacht werden, weshalb die Pferde und Ponys die Nacht in den Ställen verbringen würden. Der Regen dürfte in Folkestone auch nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Dieses Jahr gab es wohl keine weiße Weihnacht. Danke, Erderwärmung.
      Nur kurze Zeit später erschien Harry mit den beiden Scheckstuten im Stalltrakt und führte sie in ihre warmen, frisch eingestreuten Boxen. Ich seufzte bei dem Gedanken daran, dass wir wahrscheinlich bald wieder umziehen würden. Eigentlich wollte ich dies nicht, doch ich hatte eine kleine Ranch in Aussicht, ganz in der Nähe von diesem Gestüt. Sie war gemütlich und wurde nur verkauft, weil die ehemaligen Besitzer verstorben und keinerlei Erbanwärter vorhanden waren, weshalb sie schließlich zwangsversteigert werden musste. Ich hatte mich sofort in diese Ranch verliebt, aber … es war schwierig, vom Gestüt The Mountain Yard loszukommen. Schließlich wohnten wir hier erst seit einem halben Jahr, doch ich bemerkte, dass die Anlage einfach zu groß für uns war. Wir hielten nur siebzehn Pferde, und für diese reichte die kleine Ranch in Dover in der Nähe der Kreidefelsen vollkommen aus. Dann würde ich das Gestüt hier wohl oder übel verkaufen müssen.
      Ein wenig Hufgetrappel ertönte, als ich mich umdrehte und nach draußen sah. Dort standen Flame und Dahiba, fertig geputzt und gesattelt. Sie warteten nur noch darauf, ihre Trensen übergezogen zu bekommen, dann würden wir in einen kurzen Ausritt starten. Sie brauchten ihre Bewegung.
      Mein Reithelm saß fest auf meinem Kopf, als ich auf Dahiba aufstieg und Joline neben mir das Gleiche bei Flame tat. Es war kühl und ich fror ein wenig, hatte ich doch nur einen Sweater angezogen, aber das musste nun sein. Augen zu und durch!

      Nach nicht sehr viel Zeit trafen wir wieder auf dem Hof ein. Die Dämmerung brach schon an, als die beiden Stuten in ihren Boxen standen und es schien, als würde sich bald die Nachtdecke über Folkestone niederlassen. Der Himmel war in eine bunte Mischung aus verschiedensten Farben getaucht worden, und kurz gesagt: Es war wunderschön.
      „Rapsoul, Pamino und Sonic Syndicate sind in den Boxen. Holt bitte noch Herbstblatt, Chronos und Da Vinci rein!“, wies Charles Neill und Mason an, die sofort auf seine Anweisung hörten und auf der Weide verschwanden, um besagte Hengste in die Boxen zu bringen.
      „Hat sich Dusk Till Dawn gut eingelebt?“, wandte sich der Ausbilder und oberste Stallmeister nun an mich und ich nickte nur leicht. „Ja. Trotz der Tatsache, dass er erst seit einem Tag hier ist, macht er sich wahnsinnig gut.“
      „Das ist schön zu hören. Monsta muss noch in die Box!“, rief er Harry zu und klatschte in die Hände, um alle auf sich aufmerksam zu machen. „Elisa, hol du Nacromancer in the Dark in den Stall. In Ordnung?“ Ich nickte erneut. Obwohl er für mich arbeitete, war er so etwas wie ein Vater für mich und half mir oft dabei, alles geordnet zu halten.
      Meine Beine trugen mich eilig auf die Hengstweide und mit einem kurzen 'Klick' sprang der Karabinerhaken ein, sodass Nacros Halfter nun fest auf seinem Kopf saß. Es war eigentlich unnötig, denn der Hengst folgte mir auch so. Dennoch ging es so schneller.
      Es war bald schon in seiner Box und die Pferde waren alle versorgt worden – inklusive einer kleinen Weihnachtsüberraschung, die sie in ihren Trögen fanden.

      „Sie erinnert mich an ein kleines My Little Pony“, lächelte ich Matthew zu und deutete auf das Bild einer Criollo-Tinker-Mix Stute, die momentan zum Verkauf stand. Ich hatte sofort ein Auge auf sie geworfen und mich um sie beworben, doch ich war nicht die Einzige, die sie haben wollte. Dennoch hoffte ich auf das Beste.
      „Lass uns zu den Anderen“, murmelte Matthew und strich mir sanft über den Rücken. Ein kleiner Schauer lief mir über diesen und ich musste augenblicklich noch breiter lächeln.
      „Gerne“, erwiderte ich, stand auf und zögerte dann., bevor ich wirklich zu den Anderen ging und ihn hinter mir herzog. Und so verbrachten wir einen ganzen Abend mit leckerem Weihnachtsessen, einer wunderschönen Bescherung und einem ebenso wunderbaren Heiligabend. Trotz der Tatsache, dass wir in England waren, behielten wir noch deutsche Traditionen bei uns – mal sehen, wie lange die noch anhalten würden.
    • Samarti
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      Vergangenheit
      01/2014 | 1 Bericht
      Der Umzug nach Penzance
      01/2014 | 17.375 Zeichen
      Mit emotionslosem Blick betrachtete ich das bunte Treiben auf dem Gestüt The Mountain Yard. Es war noch hektischer und lauter als sonst. Dabei war es erst sechs Uhr in der Früh, doch wir alle mussten uns auf den Umzug vorbereiten. Mit einem lauten Seufzer zog ich mir schließlich meine Jacke über, schlüpfte in meine Schuhe und schnappte mir meinen Schlüssel, bevor die Haustür lautstark hinter mir zuknallte und ich ins Freie trat. Mir wurde kaum Beachtung geschenkt – waren doch alle mit dem Verpacken von Ausrüstung, dem Verladen der Pferde oder sonst irgendwelchem Kram beschäftigt, der uns auf den Umzug vorbereiten sollte. Es standen nur noch vier Pferde auf dem Hof, besser gesagt vier Ponys. Goldherz brummelte mir aus ihrer Box zu, als sie mich erblickte und damit auch die paar Karotten in meiner Hand sah. Ich bewegte mich mit langsamen, ruhigen Schritten auf die Boxentür meiner Stute zu und streichelte sanft über ihr weiches Winterfell, das auf ihrem Nasenrücken wuchs. „Na, Liebling?“, murmelte ich leise und meine Hand wanderte zu ihren Ohren, die ich kraulte. Ein stummes Lächeln schlich sich auf mein Gesicht, als Goldherz ihre Augen schloss, tief ausatmete und den Kopf ein wenig senkte. Dann jedoch wurden ihre dunkelbraunen Augen wieder sichtbar und ein kleiner Ponykopf rieb sich behutsam an meinem Oberarm, bevor Goldherz sich mit ihrem Kopf an mich lehnte und erneut tief ausatmete. Ich entspannte mich für einen Moment, vergaß den Umzugsstress und den Trubel auf meinem Hof und konzentrierte mich nur auf das gescheckte Pony vor mir. Goldherz war schon immer der Liebling meiner Pferde gewesen. Bereits vor einigen Jahren hatte sie ich zuerst erblickt und sie daraufhin gekauft. Ich hatte keine Kosten und Mühen gescheut, um aus ihr die Stute zu machen, die sie heute ist. Ich hatte sie krönen lassen, mit mir hatte sie mehrere Schönheitswettbewerbe und Turniere bestritten und Schleifen nach Hause bringen können. Ich war jedes Mal dabei, wenn sie ein Fohlen auf die Welt brachte. Leider war ich auch diejenige, die völlig überstürzt das Land verlassen hatte. Goldherz fand zwar einen Platz bei Juu, verletzte sich aber beim Springen an der Beugesehne und Juu beschloss, sie zu ihrem Wohl auf die Gnadenweide zu stellen. Niemand hatte eigentlich Hoffnung gehabt, dass die Verletzung wieder abklingen würde – war doch nicht mit ihr zu spaßen. Doch Weihnachten 2012 hatte Michelle mir das wohl beste Weihnachtsgeschenk gemacht, das sie mir hätte machen können. Sie war mit einem Tierarzt und joe zu Juu gefahren, um Goldherz abzuholen. Ihre Verletzung war zu dem Zeitpunkt nicht mehr besonders schwerwiegend gewesen und sie konnte langsam wieder mit dem Training beginnen. Nun, irgendwann hatte Michelle mir erzählt, dass sie eine Überraschung für mich hätte. Ich hätte mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass sie mir tatsächlich Goldherz wiederholen konnte.
      Aus der Nebenbox ertönte ein empörtes Schnauben und Goldherz hob ihren Kopf, um Casey einen giftigen Blick zuzuwerfen. Sie war zwar die Mutter des Grauschecken, doch wenn Goldherz ein wenig Aufmerksamkeit bekam und ihr die jemand wegnehmen wollte, wurde sie zickig und beinahe eigen. Ein erneutes Lächeln zierte meine Mundwinkel, während ich Goldherz eine Möhre zusteckte und sie diese genüsslich zermalmte. Die Zeit nutzte ich, um mich Casey zu widmen. Diese studiere mich aufmerksam, als ich auf sie zulief und mit der Möhre vor ihrem Kopf wedelte. Ihre blauen Augen verfolgten wachsam diese und ich konnte sehen, wie ihr förmlich das Wasser im Mund zusammenlief. Dennoch machte sie keine Anstalten, mir die Karotte aus der Hand zu ziehen, weshalb ich sie ihr schließlich doch selbst gab und ihr den Hals klopfte. Mein Weg führte mich zur nächsten Box, in der sich Romantica befand. Sie war heute Morgen bereits versorgt worden und trotz der Tatsache, dass sie durch den Koppelzaun gesprungen und ihre Verletzung somit erst drei Tage her war, sahen ihre Schnittwunden nicht mehr gänzlich so schlimm aus wie zu Anfang. Auch die Prellung am Bein hatte nachgelassen und sie dürfte die Fahrt problemlos überstehen. Romantica bekam ebenfalls eine Möhre zugesteckt, ebenso wie Monsta, die in der vierten Box im Stutenstall stand. Kurz darauf verließ ich diesen Stalltrakt wieder und lief in die anderen beiden. Es herrschte gähnende Leere. Selbst die Büros im Stall waren bereits ausgeräumt worden, alle Unterlagen waren verschwunden. Hier gab es nichts mehr zu sehen.
      Es tat mir in der Seele weh, zu wissen, dass ich dieses Gestüt verkaufen müsste. Ich wusste nicht, was mich dazu gebracht hatte, das Gestüt mit dem Namen Crown Hill Stables zu kaufen. Es war wahrscheinlich diese Verlockung, wieder etwas Neues zu erleben – aber sie gefiel mir um Längen besser als das Gestüt The Mountain Yard und so beschloss ich, dieses zu verkaufen und einen erneuten Umzug zu wagen.
      „Elisa?“, riss Matthew mich aus meinen Gedanken und ich drehte mich ruckartig um, weshalb ich fast in ihn prallte. „Ja?“, brachte ich heraus und sah ihn mit gerunzelter Stirn an. Auch er schien nicht sonderlich gelassen zu sein, ihn schien der Umzugsstress ebenso mitzunehmen wie mich. Trotz der Tatsache, dass das neue Gestüt sich im Südwesten Englands in Penzance befand, hatten viele meiner Mitarbeiter beschlossen, mich zu begleiten. Bereits zuvor hatte die Mehrzahl von ihnen bei mir auf dem Gestüt gelebt, so würde es auch in Zukunft sein. Mich überraschte dies zwar, doch vielmehr freute ich mich darüber. Die Stallburschen würden mich nicht begleiten, ebenso wie zwei meiner Jockey abgesagt hatten. Dies taten auch drei weitere Ausbilder, was mich zwar etwas trauriger stimmte, aber nicht umbringen würde. In Penzance gab es mit Sicherheit auch gute Ausbilder, die ich mir an Land ziehen könnte.
      Aber Harry würde uns verlassen. Ihn zog es wieder nach London, wo er zuvor bereits gewohnt hatte und wie Matthew mir gerade mitteilte, war es für mich an der Zeit, mich nun von dem Ausreißer zu verabschieden.
      Mit trägen Bewegungen schritt ich auf Harry zu, der bereits auf dem Hof wartete. Als ich seine Koffer erblickte und den grimmigen Taxifahrer sah, wurde mir mulmig und ich versuchte, nicht allzu sehr nach ʻam Boden zerstörtʼ auszusehen. Obwohl ich traurig war, dass er verschwand, wusste ich, dass es besser so wäre. Er gehörte hier nicht hin. Harry gehörte in eine Großstadt, in Clubs und Diskotheken. Nicht auf das Land und ganz besonders nicht auf ein Gestüt.
      Als er mich im Arm hielt und mir sanft mit seinen großen Händen über den Rücken strich, schluchzte ich laut auf. Er war nun eine ganze Weile lang auf dem Gestüt gewesen und ich konnte es mir gar nicht mehr ohne ihn vorstellen. Dennoch war es die einzig richtige Entscheidung, die er treffen konnte.
      Nach gut zehn Minuten vernahm ich ein leises Räuspern seitens des Taxifahrers. Harry wischte mir kurz die Tränen von der Wange, dann gab er mir einen kurzen Kuss auf die Stirn. So, wie er es bereits vor Jahren gemacht hatte, als er und seine Familie von Deutschland nach England gezogen waren und mich zurückließen. Er war schon immer wie ein großer Bruder für mich, der beste Freund, den ich mir wünschen konnte. Wie sollte ich es wieder so lange ohne ihn aushalten?
      Wir ließen voneinander ab und ich setzte ein gezwungenes Lächeln auf. „Pass auf dich auf“, murmelte Harry mir ins Ohr und winkte mir noch einmal zu, während ich nur benommen nickte. Mit diesen Worten drehte er sich um und stieg in das Taxi, das kurz darauf mit brummendem Motor vom Gestüt fuhr.
      Nachdem es hinterm Horizont verschwunden war, drehte ich mich um und setzte ein Lächeln auf. „Dann wollen wir mal die letzten Pferde verladen“, grinste ich Matthew an und dieser nickte nur schnell, bevor er in den Stalltrakt verschwand, in dem sich die vier Ponystuten befanden.
      Meine Gedanken wanderten wieder zu dem Gestüt in Cornwall, während wir die besagten Stuten aus dem Stall holten uns sie auf den Pferdetransporter zuführten, der gerade angekommen war. Allerdings wurde mir das nicht lange erlaubt, denn Casey sträubte sich, das Ungeheur zu betreten. Es verwunderte mich ziemlich, hatte sie doch sonst keinerlei Probleme mit Pferdetransportern gehabt. Erst, als Goldherz vorlief, schritt die Grauscheck Stute ihrer Mutter langsam und skeptisch hinterher und ließ sich in ihre provisorische Box führen.
      Der Transporter verschwand ebenfalls bald von der Bildfläche und so waren es nur noch Matthew und ich, die auf dem Gestüt blieben. Wir mussten noch auf die Immobilienmaklerin warten, die uns dabei helfen wollte, das Gestüt zu verkaufen. Sie hatte bereits einige Zeit Verspätung, doch es machte mir nicht sonderlich viel aus. Ich wollte noch so viel Zeit auf dem Gestüt verbringen, wie es mir möglich war.
      „Ich werde die lila Dächer vermissen“, hörte ich Matthews Stimme und problemlos vernahm ich sein Schmunzeln.
      „Das ist wohl das mindeste“, entgegnete ich grinsend und blickte hinauf zu den Dächern. Sie waren wirklich lila. Ich wusste nicht, was die Leute, die das Haus erbaut oder erbauen lassen hatten, sie dabei gedacht hatten. Es war zwar nicht sonderlich auffällig, aber eigentlich gar nicht mein Fall. Dennoch konnte ich diesen Schönheitsfehler immer gut übersehen und nach einiger Zeit störte es mich schon gar nicht mehr.

      Es dauerte noch eine Weile, bis wir alles mit der Immobilienmaklerin besprochen hatten und endlich auf dem Weg nach Penzance waren. Auf dem Weg in unsere neue Heimat.
      Ich hatte mir zwar schon Fotos von der Landschaft angeschaut, doch als wir in der Grafschaft Cornwall ankamen, überwältigte der Anblick mich dennoch. Raue, steile Felsen zierten die Landschaft, hin und wieder erschienen lange Strände und malerische Buchten. Weite Felder, grüne Wiesen und dichte Wälder vervollständigten das Bild noch und es war der Anblick, der mich schließlich davon überzeugte, das richtige getan zu haben.
      Das Fahrzeug, in dem Matthew und ich schweigend saßen, fuhr einen etwas holprigen Sandweg empor. Links und rechts von uns waren vereinzelt einige Sträucher und Büsche, einige Meter vor uns befand sich das Wohnhaus des Gestüts. Es war nicht sonderlich groß, aber mehrere Stockwerke hoch und bot genug Platz für ein paar Personen.
      Wir erreichten einen kleinen Parkplatz, der sich in der Nähe des Hauses befand und der Motor verstummte, als der Wagen endlich anhielt. Voller Vorfreude sprang ich wortwörtlich aus dem Wagen und stolperte einige Schritte vorwärts, ehe ich mich wieder fangen konnte und mein Gleichgewicht wiederfand. Drei Möbelwagen standen ebenfalls auf dem Parkplatz, doch ich hatte keine Zeit, mich diesen näher zu widmen. Gerade, als ich an der Haustür klopfen wollte, wurde sie mir schon geöffnet.
      Vor mir stand ein grinsender Charles, der bis über beide Ohren strahlte. Matthew fand ebenfalls zu uns und wir wurden ins Haus gezogen. Es war noch ziemlich leer, es waren kaum Möbel vorhanden und das ganze Gebäude wurde mit Pappkartons gefüllt, in denen unser Zeug war.
      Unser Weg führte uns durch einige Zimmer und ich kam mir vor, als würden wir im Kreis laufen, doch nach kurzer Zeit befanden wir uns in einem Raum, der einem Wohnzimmer ähnelte. Dort trafen wir auf Lucy – Charles' Frau – und Joline, die uns ebenso erfreut wie Charles empfingen. „Die anderen sind draußen“, klärte das blonde Mädchen mich auf und ich nickte kurz. Joline war inzwischen eine vollwertige Ausbilderin in meinem Betrieb. Sie hatte ihre Ausbildung auf meinem Gestüt gemacht und als sie sie erfolgreich hinter sich gebracht hatte, bot ich ihr an, dass sie für mich als Ausbilderin arbeiten könnte. Zu meiner Freude sagte sie sofort zu, weshalb sie nun auch vor mir stand.
      Ich sah mich in dem Raum um, um mir ein Bild von meinem neuen Zuhause machen zu können. Im Großen und Ganzen gefiel mir, was ich sah. Die Wände waren in zarten Pastelltönen gestrichen, einfache Holzböden befanden sich unter unseren Füßen.
      „Wollen wir mal weiter?“, fragte Matthew und ich stimmte ihm eilig zu. Auch die anderen beschlossen, uns zu begleiten. Zwar waren sie schon etwas länger hier, doch sie wollten uns die Anlage zeigen.
      Unsere Füße betraten wieder den Sandweg, während wir um das Haus herum und auf das Gestüt zuschritten. Der Anblick überwältigte mich immer wieder. Zwar hatte ich das Gestüt schon besichtigt, doch ich hatte es nicht so groß in Erinnerung. Hinter dem Wohnhaus befand sich ein kleiner Teich, daneben grenzten riesige Weiden an. Zu unserer Rechten befanden sich ebenfalls zwei Weiden. Auf der Weide, die uns und dem Sandweg näher war, zermalmten die Stuten schon zufrieden die Grashalme, die ihren Weg kreuzten. Dahiba bemerkte uns als erste, kümmerte sich jedoch nicht weiter um uns und widmete sich wieder dem Gras. Beinahe zeitgleich flogen auch Audio Delite at Low Fidelitys, Pushin' Jazz for Cashs und Flames Köpfe in die Höhe. Die drei Stuten schritten gemächlich auf den Zaun zu, der sie von uns abgrenzte. Dies allerdings nicht, ohne hin und wieder einen Grasbüschel abzureißen und darauf herum zu kauen. Eine kurze Streicheleinheit holten die drei sich von uns ab, drehten sich dann jedoch wieder um und widmeten sich wieder dem Gras, was anscheinend interessanter war als wir es waren.
      Mein Blick glitt weiter über das Gelände. Geradeaus war das dreiteilige Stallgebäude gebaut worden, aus dem schon jetzt Hufgetrappel, Mistgabeln auf dem Boden und schnaubende Pferde zu hören waren. Soweit ich es beurteilen konnte, befand sich nur noch ein kleiner Teil der Hengste in den drei Stalltrakten. Beverly, Dajeen und Bel Homme waren mit den anderen Stuten auf der Weide; Rapsoul, Da Vinci und Herbstblatt fraßen auf einer anderen das Gras. Daneben befanden sich Pamino, Nacromancer in the Dark und Sonic Syndicate, die auch das Grünzeug aus dem Boden rupften. Die einzigen Pferde, die ich nicht sah, waren Chronos und Edward's Disk till Dawn. Matthew schien dies auch zu bemerken, denn im selben Moment zog er mich mit in den Stall. Unsere Wege trennten sich, als ich in den zweiten Stalltrakt ging, in dem die Sport- und Turnierpferde untergebracht waren. Matthew hingegen begab sich auf den Weg zu den Freizeitpferden.
      Nicht viel später stand er neben dem Tinkerhengst in der Stallgasse und schloss die Boxentür, ehe die beiden „Männer“ nach draußen verschwanden. Edwards Hufe hallten lautstark von den Wänden wider, was Chronos nervöser machte. Er war nun das einzige Pferd im Stall und das konnte er wirklich nicht sonderlich leiden. Schnell führte ich auch ihn auf die Weide, auf der die anderen Hengste standen. Da meine Hengste sich alle inzwischen aneinander gewöhnt hatten und sich hauptsächlich in Frieden ließen und nur hin und wieder herumzickten, konnte ich sie problemlos auf einer einzigen Weide stehen lassen.
      Der Schimmelhengst preschte sofort los, nachdem ich ihm das Halfter entfernt hatte. Er buckelte einige Male, dann ließ auch er den Kopf sinken und wandte sich dem Gras zu.

      „Der Ausbildungsbetrieb gehört dazu. Es wird kein Problem sein, ein paar Pferde mehr hier unterzubringen. Wir haben schließlich genug Boxen“, erklärte Charles und ich nickte zustimmend. „Ja, du hast recht. Es war ja sowieso von Anfang an klar, dass ich den Betrieb nicht aufgeben möchte.“
      „Was ist mit dem Ferienbetrieb? Also der, der hier zuvor schon war? Dass Kinder Reitferien auf dem Gestüt machen können und für eine Woche oder so ein Pferd kriegen, um das sie sich kümmern müssen“, erkundigte sich Lucy, die mit uns am Tisch saß und vor sich die Unterlagen des Gestüts liegen hatte.
      „Wir könnten es doch aufnehmen. Dann bieten wir den Kindern eben Reitunterricht an und reiten, je nach Reiterfahrung und Pferd, hin und wieder mit ihnen aus. Dann machen wir Anfänger-, Amateur- und Fortgeschrittenengruppen. Das lässt sich besser einteilen und ich denke, damit würden wir auch den Feriengästen einen Gefallen tun.“
      „Also möchtest du nur Kinder als Gäste?“, fragte Joline an Charles gewandt, der diesen Vorschlag in die Runde geworfen hatte.
      „Ich persönlich würde mit Kindern anfangen. Schließlich gehen in den Schulferien viele Mädchen in die Reiterferien und bei dieser Gegend dürfte es nicht schwierig sein, welche zu finden, die darauf Lust hätten.“
      Nachdenklich sah ich auf den Tisch und starrte ihn an, bevor ich langsam den Blick hob. Auf mir lagen mehrere Augenpaare, die auf meine Reaktion warteten.
      „Ich finde die Idee gut“, sagte ich schließlich und spielte mit dem Kugelschreiber herum, den ich in der Hand hielt. „Aber nur, wenn wir die Gäste wirklich in Gruppen einteilen. Und auch nur, wenn sich welche dazu bereit erklären, den Kindern die passenden Pferde zuzuordnen und sich um sie zu kümmern. Ich würde das ja übernehmen, bräuchte dabei aber Hilfe, weil ich mich um den ganzen Papierkram und auch noch die Ausbildung kümmern muss. Das würde ich nicht allein schaffen“, sagte ich und blickte in die Runde. Zustimmendes Nicken.
      „Dann wäre das geklärt. Der Ferienbetrieb bleibt bestehen. Er wird allerdings erst wieder aufgenommen, wenn wir den Umzugsstress hinter uns haben“, besiegelte ich den Beschluss und rückte mit dem Stuhl nach hinten, um aufzustehen. Lächelnd trat ich die Treppe hoch und ließ mich in dem Zimmer nieder, das ich als mein Schlafzimmer betitelt hatte. Von hier hatte man eine wunderbare Aussicht auf das Gestüt und während ich auf der breiten Fensterbank saß und das Geschehen beobachtete, wurde mir bewusst, dass die Entscheidung, dieses Gestüt zu kaufen, definitiv die richtige gewesen war.
    • Samarti
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      Kanada, wir kommen!
      03/2014 | 11.962 Zeichen
      Hochwasser.
      Ein Wort, das allein schon dämlich genug klingt – welcher Idiot hatte sich das denn bitte ausgedacht?
      Nachdem Cornwall noch immer unter Wasser stand und unser ganzes Gestüt tatsächlich darunter zu leiden hatte, indem die Weiden, Reitplätze und auch die Reithalle nun völlig verstört worden waren, hatten Matthew und ich uns dazu entschieden, dass etwas Neues her musste. Und das so schnell wie möglich. Es war auch für die Pferde unzumutbar, sie noch im Stall stehen zu lassen, weshalb diese inzwischen schon auf dem neuen Gestüt untergebracht worden waren.
      So sehr es mir auch im Herzen wehtat, aus England wegzuziehen – hatte ich hier doch eine lange Zeit gelebt – so war es dennoch eine Erleichterung, dass wir zumindest unseren treuen Vierbeinern ein vernünftiges Zuhause bieten konnten. Obwohl wir erst vor knapp zwei Monaten nach Penzance gezogen waren, was für mich ein Stich ins Herz war. Ich liebte England, aber besonders nach der Zeit, die wir im ungewünschten Wasser verbracht hatten, wurde mir klar, dass dringend eine Lösung her musste.
      Zu meinem Glück sah Matthew, mit dem ich mich inzwischen wieder ziemlich gut verstand, das Ganze genauso; ebenso meine anderen paar Mitarbeiter. Bei einigen hatte ich Glück, Matthew, Sophia, Charles und seine Frau Lucy hatten beschlossen, mich zu begleiten, da ihnen die Lage in England förmlich zu Kopf stieg. Hätte ich mich zuvor nicht mit Matthew versöhnt, würde er mich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht begleiten.
      So traf es sich gut, dass neben der Ranch Gwen, dessen Hengst Altair ich bereits im Training gehabt hatte, ein leerstehendes Gestüt zum Verkauf stand. Ursprünglich wollte ich nie nach Kanada ziehen – doch das Mädchen hatte mich dann schlussendlich doch überzeugen können und inzwischen war ich mir ziemlich sicher, dass uns eine schöne Zeit bevorstand. Natürlich war ich mir über die Wetterumschwünge in Kanada im Klaren, dennoch würde es mit Sicherheit eine interessante, neue Erfahrung sein.
      Die letzten Umzugskartons waren gerade verpackt, als jemand von hinten seine Arme um meinen Torso schlang und sein Kinn auf meiner Schulter bettete. Ohne hinsehen zu müssen, wusste ich, dass es sich um Matthew handelte.
      „Ich werde England vermissen“, murmelte er leise in mein Ohr. Sein Atem kitzelte auf meiner Haut; jagte mir einen wohligen Schauer über den Rücken und sorgte dafür, dass sich Gänsehaut auf meinem Körper ausbreitete.
      „Ich auch.“ Meine Stimme war kurz vorm Versagen. Ja, ich würde England vermissen – und wie ich das tun würde. In diesem Land hatte ich so viele Erlebnisse machen dürfen, war selbstständig geworden, hatte mein erstes, komplett eigenes Gestüt aufbauen können, hatte neue Freunde gefunden, Bekanntschaften geschlossen, mit Leuten zerstritten, meistens wieder mit jenen Leuten versöhnt, hatte mir eine neue Menge Pferde gekauft, hatte viele Pferde trainiert und, und, und. Ich könnte die Liste ewig weiterführen, doch irgendwas findet alles sein Ende.
      „Wir schaffen das. Zusammen.“ Er stockte kurz und senkte seine Stimme, während sich auf meinem Gesicht ein Lächeln ausbreitete.
      „Zusammen.“

      Endlich hatte ich den ganzen Trubel um den Check-In am Flughafen hinter mir und konnte mich nun auf den Flug nach Kanada begeben. Mein Handgepäck hatte ich rasch in der Ablage verstaut, nachdem ich meine Sitzreihe, F, gefunden hatte. Matthew war mir dicht auf den Fersen, die Anderen waren schon alle längst in Kanada, um das neue Gestüt auf Vordermann zu bringen. Ich seufzte leise und ließ mich dann auf meinen Sitz sinken, ehe ich mir die Ohrstöpsel ins Ohr steckte und Musik hörte. Meine Musik wurde aber leider Gottes nur kurz darauf von den nervigen Ansagen unterbrochen, die man sowieso vor jedem Flug hörte. Ich konnte sie inzwischen schon auswendig, schließlich flog ich nicht gerade selten, um neue Pferde zu holen oder einfach nur an internationalen Turnieren teilzunehmen.
      Zum Glück war die Ansage schon bald beendet und ich startete mein Handy erneut, um mich Flappy Bird zu widmen. Ich hasste dieses Spiel abgrundtief, hing ich doch immer noch bei meinem Highscore von 73 Röhren fest, doch ich wollte eben diesen unbedingt brechen. Das bedurfte nicht nur einer Menge Geduld, sondern auch viel Zeit – zu viel Zeit. Denn irgendwann gab mein Handyakku auf und ich musste mich anders beschäftigen, weshalb ich Matthew anstieß, welcher kurz zusammenzuckte und dann überrascht aufsah. Es dauerte nicht lange und wir waren in eine Unterhaltung darüber vertieft, wie es wohl in Kanada für uns weitergehen würde.

      Das neue Gestüt war riesig. Mir stand der Mund vor lauter Staunen offen, als ich aus dem Taxifenster blickte und unser großes Gelände erspähen konnte. Überall erstreckten sich lange, grüne Wiesen, dichter Wald umgab uns und hin und wieder sah man einmal ein Feld. Kurzum: Es war unglaublich. Das CHS in England war im Vergleich zu diesem winzig gewesen und ich zweifelte daran, ob es gut war, ein solch großes Gestüt zu besitzen. Schnell schlug ich mir den Gedanken wieder aus dem Kopf. Wir hatten uns vergrößert und würden auch demnächst noch einige neue Pferde erwarten, weshalb so viel Platz vielleicht ein ziemlicher Vorteil war, sollten doch bald eventuell sieben weitere Zuchtpferde von Elena bei uns ankommen, um die wir uns kümmern sollten.
      Mein Weg führte mich zunächst einmal ins Haus, wo Matthew und ich die restlichen Kartons und Koffer ablegten, ehe er mich völlig unerwartet bei der Hand nahm. Ein leichtes Kribbeln breitete sich an der Stelle aus, weshalb ich lächelnd zu Boden sah und ihm nicht ins Gesicht blicken wollte. Er grinste kurz, zog mich dann aus dem Haus heraus und wir standen etwas ratlos auf dem Gestüt herum, da wir nicht wussten, wo was war – weshalb wir uns erst einmal zu dem längsten Gebäude begaben, welches, wie nicht anders zu erwarten, der Stall war.
      Die Pferde standen momentan alle in ihren Boxen und zermalmten zufrieden ihr Heu, während wir an den neuen Außenboxen vorbeiliefen. Diesmal hatten wir uns gegen die Innenboxen und für die Außenboxen entschieden, da die Pferde somit einfach mehr „Luft“ hatten, es schien ihnen allerdings auch zu gefallen. Scheinbar hatten sie alle die anstrengenden Reisen gut überstanden, lediglich Pushin' Jazz for Cash hatte eine kleine Schürfwunde an der Brust, welche jedoch nicht allzu schlimm aussah. Kein Grund, sich Sorgen zu machen.
      Casey brummelte mir freundlich zu und sah neugierig auf, als wir an ihrer Box vorbeiliefen, doch ich streichelte ihre Stirn nur kurz zur Begrüßung und wir liefen weiter. Rapsoul beachtete mich nicht weiter, ebenso Audio Delite at Low Fidelity – sie beide waren nur mit ihrem Heu beschäftigt und hatten keine Zeit für uns übrig. In der Box gegenüber der Mixstute stand eine Kabstrupper-Stute, die ich vor kurzer Zeit von Elena gekauft hatte, aber bisher noch nicht selbst in Empfang nehmen konnte, da sie sofort nach Kanada gebracht worden war, ohne einen Zwischenstopp in England einzulegen. Die Gute hieß Sambuca und wollte sich lediglich einige Streicheleinheiten erbetteln, ehe auch sie sich wieder dem Futter zuwandte.
      Die drei kleinen Fohlen auf unserem Gestüt Dajeen, Beverly und Lunaris schienen sich trotz ihres niedrigen Alters ebenfalls schon ziemlich gut eingelebt zu haben, widmeten doch auch sie sich lieber dem Futter, als mich zu begrüßen. Lediglich der neue Hengst im Bunde, ein Buckskin Roan aus der Zauberhaft, der vor einem Tag geboren worden war und dementsprechend noch wackelig auf den Beinen stand und sich nur bei Zauberhaft in der Box befand, sah mich etwas verängstigt an. Der kleine war ein Nachkomme von dem Deutschen Reitponyhengst Unique Affair, der in der Zucht Burnin' Valentine stand und hatte daher auch seinen Namen bekommen: Burnin' Unbridled Dreams.
      Auch Sonic Syndicate war gut angekommen, ebenso Nacromancer in the Dark und Nickles 'n Dimes, auf den ich inzwischen meine ganzen Hoffnungen setzte. Der schon etwas ältere Kerl hatte eine ausgesprochen interessante Fellzeichnung, die auch der Farbzucht neues Leben einhauchen würde. Romantica und Ace of Clubs, die Farbwechsler-Stute, hatten wir inzwischen wieder auf dem Gestüt, nachdem sie eine Zeit lang bei Lisa auf dem Hof gelebt hatten, wo sie in der Dressur jeweils eine Stufe höher trainiert worden waren. Monsta lag dösend in ihrer Box und schien nicht mehr hungrig zu sein; sie blickte allerdings auch nicht auf, als ich an ihrer Boxentür vorbeiging und kurz herein sah. Das letzte meiner inzwischen sieben Sportponys war nun Firebird geworden, die junge Sooty Palomino-Stute, die ich von kira gekauft hatte.
      Schließlich folgten noch die Zuchtpferde, die wir uns einen Moment lang ansahen und bei denen wir kontrollierten, ob alles in Ordnung war. Beginnend bei Herbstblatt arbeiteten wir uns weiter voran, besuchten Pamino, Dahiba, Da Vinci und auch Star's Diamond nacheinander. Bei Goldherz verharrten wir eine Sekunde – sie brummelte mir erfreut zu und schmiegte sofort ihren Kopf gegen meine Brust, als sie mich sah. Das zwischen uns hatte sich wirklich zu etwas Besonderem entwickelt, so kitschig es sich jetzt auch für Außenstehende anhören mag. Sie war schon immer mein Lieblingspferd gewesen und nichts oder niemand könnte sich jemals wieder zwischen uns stellen, waren wir doch inzwischen beste Freunde geworden. Sie begleitete mich überall hin und das bereits seit fast fünf ganzen Jahren. Um nichts in der Welt würde ich sie jemals eintauschen oder hergeben wollen, so viel stand fest.
      Nachdem ich mich von Goldherz lösen konnte, liefen Matthew und ich zur nächsten Box, in der Zauberhaft ihr Heu fraß. Direkt neben ihr stand der einen Tag alte Hengst von Unique Affair, der es mir schon im ersten Moment angetan hatte. Ich hoffte wirklich, dass aus ihm mal ein ganz Großer werden würde, denn die richtigen Veranlagungen dazu hatte er allemal.
      Die letzten drei vergebene Boxen waren von den drei Neuen belegt worden. Wir hatten sie, wie auch Star's Diamond und Zauberhaft, von Husky kaufen können und so standen sie nun bei uns in Kanada. Ebenso wie Sambuca waren auch sie sofort nach Kanada gebracht worden, sodass ich sie zuvor noch nicht wirklich hatte sehen können.
      Der erste Hengst war ein Brauner, der bereits zwölf Jahre alt war; Dancer in the Moonlight. Der Hengst war ziemlich menschenbezogen, was mir schon in den ersten Sekunden auffiel: Er kam sofort zu mir, drückte sein Maul gegen meine Jackentasche und suchte nach Leckerlis, wollte aber zeitgleich auch gestreichelt werden.
      Daraufhin folgte Kronjuwel, der Papa von meiner Stute Zauberhaft. Er war ein wirklich schöner Buckskin, wurde ebenfalls im Jahre 2002 geboren und sein Charakter ähnlich wie der von Dancer in the Moonlight. Liebenswert, menschenbezogen und einfach ein Prachtkerl, der nicht nur sein faszinierendes Äußeres, sondern auch sein Interieur bisher immer mit vollem Erfolg weitergeben konnte.
      Das letzte der drei neuen Ponys war eine gekrönte Deutsche Reitponystute, die ich bereits von früher nur zu gut kannte. Inzwischen hatte ich eine stolze Zahl von vier gekrönten Deutschen Reitponystuten im Stall stehen, was mich ziemlich erfreute – war es doch vor gut zwei Monaten lediglich Goldherz, die bei mir im Stall stand. Nun jedoch hatte auch Star's Diamonds Mutter, Star, zu uns gefunden, die früher mal Juliane gehört hatte, mit der ich vor einigen Jahren mal das Gestüt Liberté geführt hatte. Ich war besonders froh darüber, sie bei mir haben zu können, strahlte sie doch schon früher solch einen Lebensmut aus, dass er beneidenswert war. Zwar war sie inzwischen schon fünfzehn Jahre alt, führte sich aber dennoch immer noch auf, als wäre sie eine dreijährige Stute, die erst noch eingeritten werden müsste.

      „Scheint, als ginge es ihnen allen gut“, bemerkte Matthew das Offensichtliche und ich lachte als Antwort nur kurz auf. „Ja, da magst du recht haben. Zum Glück haben sie die Reise alle gut überstanden“, seufzte ich erleichtert und fügte dann hinzu: „Aber jetzt werden wir erst einmal unsere neue Nachbarin begrüßen gehen.“
    • Samarti
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      Zurück nach Deutschland
      07/2014 | 1412 Zeichen
      Momentan stand ich wirklich unter Stress, und das bekamen leider auch meine vierbeinigen Lieblinge zu spüren. Ich beschäftigte mich kaum noch mit ihnen, ließ vielmehr mein Personal alles mit ihnen machen und sie trainieren und das nur, weil ich kurzerhand zurück nach Deutschland reisen musste, um dabei zuzusehen, wie meine Tante ihre letzten Stunden mit ihrer Familie verbrachte. Sie litt schon länger an Krebs, der inzwischen so weit fortgeschritten war, dass ihr nicht mehr viel Zeit blieb – genauer gesagt erwarteten die Ärzte ihren Tod in wenigen Tagen, weshalb ich auch noch einmal anreisen wollte, um sie ein letztes Mal zu sehen.
      Während sich Rapsoul, Casey, Beverly, Audio Delite at Low Fidelity, Pushin' Jazz for Cash, Skyrim, Dajeen, Burnin' Unbridled Dreams, Sambuca, Sonic Syndicate, Romantica, Nacromancer in the Dark, Monsta, Nickles 'n Dimes, Ace of Clubs, Firebird, Trés Jolie, Santa Fee (die vor kurzem wieder zu uns zurückgekehrt war), Herbsblatt, Pamino, Dahiba, Da Vinci, Star's Diamond, Star, Zauberhaft, Goldherz, Dancer in the Moonlight, Kronjuwel, Darym, Yanetha, Casablanca, Laurencio, Fine Frenzy, Draugsa, Silenc Dream und Season's Princess also in Kanada auf den weitläufigen Weiden fröhlich ihre Bäuche vollschlugen, verbrachte ich meine Zeit in meinem Heimatland. Und erst dann wurde mir klar, wie sehr ich meine Familie vermisst hatte – dennoch zog es mich zurück nach Kanada.
    • Samarti
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      Von getrennten Wegen und langen Reisen
      08/2014 | 5703 Zeichen
      In letzter Zeit hatte ich schon einige Flüge in verschiedene Länder hinter mir – ins regnerische England, ins heimische Deutschland oder auch einfach zurück nach Kanada.
      All dies änderte jedoch nichts daran, dass ich ständig wieder verreiste, um mir Neuankömmlinge anzusehen, die eventuell ein neues Zuhause auf meinem Gestüt finden sollten.
      Bis heute. Denn als ich heute vor meinem riesigen Stallgebäude stand, mir die Pferdenasen ansah, die sich über die Boxentüren streckten, zog sich mein Herz bei diesem Anblick zusammen. Ich wusste, dass ich viele Pferde besaß, und leider Gottes konnte ich mich nicht in vierzig Stücke schneiden und jedem die Aufmerksamkeit geben, die ihnen zustand.
      Umso klarer wurde mir allmählich, dass es so nicht weitergehen konnte. Denn auch, wenn wir massig Platz auf dem Gestüt hatten und jede Menge Leute hier arbeiteten, tat es mir im Herzen weh, zu sehen, wie ich mich nicht persönlich um jedes kümmern konnte. Matthew griff mir tatkräftig unter die Arme, Joline half, wo sie konnte und auch der Rest des gesamten Teams ließ mich nicht im Stich.
      Doch ich wollte es ändern – ändern, dass viele von ihnen vernachlässigt wurden. Zumindest von mir. Es waren meine eigenen Pferde und ich sollte mich wenigstens ab und zu selbst um sie kümmern und nicht einfach abfertigen. Vierzig Pferde kosteten sehr viel Zeit; Zeit, die ich nicht hatte.
      Deshalb fanden sich bisher bereits ganze sieben Pferde wieder, die ich in den Ruhestand entließ. Nicht, weil sie zu alt waren, sondern einfach, weil es ihnen dort besser gehen würde. Ich könnte mich noch immer mit ihnen beschäftigen und sie gesund und munter wissen, brachte ich es doch nicht übers Herz, sie gehen zu lassen. Vier gekörte Hengste standen nun dort gemeinsam mit Bel Homme, Firebird, meiner lieben Casey, Lucane und Nikan. Ich wollte nicht, dass die Hengste überfordert wurden, sie hatten der Zucht lange genug gedient. Nacro war vor nicht allzu langer Zeit gekört worden, doch irgendwie hatte ich nur diese Bestätigung gebraucht, dass er es schaffen könnte. Er sollte nie ein Zuchthengst werden, ihm machte die Arbeit auf dem Platz oder ruhige Ausritte im Gelände viel mehr Spaß. Genau wie Herbstblatt war er in einigen Disziplinen ziemlich stark vertreten, doch dies war nicht mein Verdienst. Nach Jahren stellte sich dann heraus, dass beide in jungen Jahren überfordert worden waren. Herbstblatts Gelenke machten das hohe Niveau nicht mehr mit, er hatte Schmerzen und wollte nicht mehr. Bei Nacro sah das Ganze besser aus, er hatte keine Gelenkprobleme – doch nach der Erfahrung mit dem Schwarzbraunen wollte ich den Braunen nicht demselben Risiko aussetzen, weswegen ich mich dazu entschied, ihn auf eine der weiten Wiesen Kanadas zu entlassen.
      Nikan und Lucane standen dort, weil sie dann doch verhältnismäßig schon alt waren – sie würden dennoch weiter gearbeitet werden, sie waren die perfekten Gefährten für ruhige Ausritte im Gelände.
      Und Casey … Ja, Casey hatte wohl dasselbe Schicksal wie einst ihre Mutter erlitten: eine Verletzung an der Beugesehne. Eines der Ferienkinder des mehr oder weniger unregelmäßig laufenden Ferienbetriebs hatte sie zu der Zeit geritten, und als es über einen Sprung ging, war Casey blöd aufgekommen und erstmal in Quarantäne geschickt worden, da sie stark lahmte. Als der Tierarzt später eintraf, entdeckte er jene Verletzung.
      Seufzend riss ich mich von dem Anblick der acht Pferde los und nahm die Arme vom Zaun, wo ich sie zuvor abgestützt hatte. Mein Koffer stand bereits vor der Haustür, wartete darauf, endlich mitgenommen zu werden. Und während Julien noch vor der Haustür stand und seinen gerade auf den Hof hievte, begab ich mich auf den Weg in seine Richtung, um mir meinen Koffer zu schnappen und mich ein achtes Mal zu vergewissern, dass ich doch wirklich alles dabei hätte. Der fast zehn Jahre ältere Mann lächelte mir aufmunternd zu, als er meinen sehnsüchtigen Blick bemerkte, der in Richtung Casey ging. Die acht würden bald ihre Reise zu einem kleineren Gestüt in der Nähe antreten, wo sie den Rest ihres Leben würden verbringen dürfen.
      Ich hatte mich bewusst dagegen entschieden, Matthew mitzunehmen. Er machte seine Arbeit gut und wir verstanden uns prima, doch nach seiner Abfuhr fühlte ich mich von ihm irgendwie … verarscht, um es auf gut Deutsch zu sagen.
      Apropos gut Deutsch: Unsere Reise war lang, und sie führte uns in verschiedene Länder. Nach Deutschland, um Salera Darym wieder zurückzubringen, von dem ich mich trennen wollte, dann auf Gaitanos Gestüt, die Carachillo wieder zu sich nahm. Mit beiden wurde ich nicht warm, deshalb war es für sie besser, ein neues Heim zu finden, wo sie genügend Aufmerksamkeit bekamen.
      Als ich ein letztes Mal über die Schulter sah und den bunten Haufen der Deutschen Reitponys erblickte, versetzte es mir einen Stich, doch dann wandte ich den Blick nach vorn und auf den dunklen Jeep, der uns zum Flughafen fahren würde.
      Und direkt im Anschluss würde es uns nach Wyoming verschlagen. Julien war total darauf aus, endlich mal wieder Ranchboden unter seinen Füßen zu haben, und da es Eddi auf eine Ranch verschlagen hatte, hatte ich ihn gefragt, ob er mich nicht begleiten wollte. Ich wusste noch nicht, wie lang wir dort bleiben würden, weshalb ich praktisch für einige Wochen ausgerüstet war. Dennoch war ich gespannt, wie Eddis Ranch aussah und wie sie sich bisher so als Einsiedlerin machte – und vor allem, ob die Umgebung nun wirklich so an den Wilden Western erinnerte, wie sie zu sagen pflegte. Zudem schwärmte sie ständig davon, dass ich völlig überwältigt von Wyoming sein würde und sie doch endlich ihren endgültigen Platz gefunden hatte.
      Ich hatte ja keine Ahnung, welch Überraschung mich dort erwartete.
    • Samarti
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      Weihnachtswunsch
      01/2018 | 2377 Zeichen
      „Elisa, du brauchst nicht immer wieder zu betonen, wie sehr du es bereust, Casey in den Ruhestand geschickt zu haben. Das holt sie auch nicht wieder zurück.“
      „Darf ich mich denn nicht umentscheiden?!“, fauchte ich gereizt und warf Matthew einen grimmigen Blick zu. Warum musste er mir immer alles miesreden? Konnte er nicht wenigstens einmal einfach „Ja“ und „Amen“ sagen?
      Matthew seufzte theatralisch. „Du kannst sie doch immer noch besuchen.“
      „Ja, aber das ist einfach nicht das Gleiche. Außerdem hat sie sich in den dreieinhalb Jahren wirklich gut erholt und ich finde, sie hat eine neue Chance verdient.“
      „Du willst sie zurückholen?“ Der Schwarzhaarige starrte mich entsetzt an. „Elisa, bitte! Du hast mehr als genug Pferde, um die du dich kümmern musst. Außerdem wirst du das in spätestens einem halben Jahr eh wieder bereuen, wenn du dich auch mit dem Gedanken jetzt gerade anfreundest.“
      „Ach komm, Casey ist und bleibt mir mein liebstes Goldherz-Fohlen. Und über Nachkommen meiner Goldherz geht für mich rein gar nichts! Also lass mich diese Entscheidung alleine treffen.“ Langsam wurde ich wirklich mürrisch; Matthew konnte mir doch nicht immer vorschreiben wollen, was ich zu tun und zu lassen hatte. Manchmal war er wirklich unglaublich.
      Also stapfte ich entschlossen in Richtung Auto. Ob Matthew mitkam oder nicht, war mir jetzt relativ egal, denn ich hatte meine Entscheidung gefällt. Ob mit oder ohne ihn.
      Aber er kam mit. Er riss die Autotür auf, ließ sich provokant in den Sitz fallen (er wusste, wie pingelig ich mit meinem Auto war) und schlug die Autotür zu. Nachdem wir uns beide angeschnallt hatten, startete ich den Motor und wir fuhren zu dem kleinen Gestüt, auf dem wir unsere Pferde im Ruhestand untergebracht hatten.
      Auf Casey freute ich mich am meisten. Bei ihr war es mir am schwersten gefallen, sie loszulassen, und umso erfreulicher war dann die Nachricht, dass sie sich wirklich gut erholt hatte. Zwar war ich mir immer etwas unsicher gewesen, ob es die richtige Entscheidung wäre, sie wieder zurück „ins Leben“ zu holen, aber heute wollte ich mir mal wieder mein eigenes Bild machen.
      Und mein Bild setzte sich schnell zusammen; Casey würde mit mir mitkommen. Sie verdiente eine weitere Chance. Selbst Matthew sah ein, dass ihre Verletzung verheilt war. Es hatte einige Jahre gedauert, bis ich mir jetzt wirklich sicher war, aber ich war es nun.
    • Samarti
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      Dumm, dümmer, Matthew
      05/2018 | 840 Zeichen
      Hauptstall: Accomplishment, Ace of Clubs, Beverly, Casey, Devina, Kiss me Quick, Liluye, Liberté’s Nessaja, Liscalina, Ocean Water, Pamuya, Pina, Très Jolie, Yuki
      Südstall: Allelujah, Avanti, Cardillac, Chesmu, Intoxicated, Levi, Sacramento, Sergeant Reckless, Sonic Syndicate, Tenacious, Burnin' Unbridled Dreams
      Weststall: Aponi, Flightless Bird
      Nebenstall: Hidden Flyer, Morengo, PFS‘ Empire of Irony, Shrinking Violet

      Matthew war so nervig! Nie konnte man ihm irgendeine Aufgabe überlassen, für die er dann die Verantwortung übernahm. Heute war es die Weideeinteilung gewesen, die zwar seit Monaten feststand, Matthew aber mal wieder verpeilt hatte. Obwohl unsere Grüppchen bei den Hengsten immer dieselben waren, brachte meine rechte Hand es zustande, fast alles komplett durcheinander zu bringen. Ich konnte es kaum fassen, als ich morgens (um 12...) raus ging, um nach allen zu sehen, und Allelujah und Cardillac zusammen standen und sich rauften. Die beiden waren Paradebeispiele für Hengste, die sich einfach nicht ausstehen konnten, weil sie beide immer die Nummer 1 sein mussten.
      Nachdem ich mit Jolines Hilfe alles wieder richtig organisiert hatte, stampfte ich wütend ins Haus und direkt auf unser Büro zu.
      Der sollte sich auf was gefasst machen.
    • Samarti
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      Wow, wir haben keinen Bock auf diesen Knochenjob
      11/2018 | 1960 Zeichen
      Townsend Acres
      Hauptstall: Accomplishment, Ace of Clubs, Beverly, Casey, Devina, Kiss me Quick, Liluye, Liberté’s Nessaja, Liscalina, Ocean Water, Pamuya, Pina, Très Jolie, Yuki
      Südstall: Allelujah, Avanti, Cardillac, Chesmu, Intoxicated, Levi, Sacramento, Sergeant Reckless, Sonic Syndicate, Tenacious, Burnin' Unbridled Dreams
      Weststall: Aponi, Flightless Bird

      Nebenstall: Hidden Flyer, Morengo, PFS‘ Empire of Irony, Shrinking Violet


      Gut Sanssouci
      Hengste im Sport: Räuberfürst, Rockford, Paint it Black, Real Steel, Romerico, Liberté’s Cresant Moon
      Stuten im Sport: Noell, Räubertochter, Show me Heaven, Lichterloh, Dark Chocolate, Long Island Icetea
      Hengste in der Zucht: Dark Decission, Dark Intention, Cloud Nine, Burnin’ Diome, Flavor of the Weak, Flavor of the Month, Clouded Sky, Kalzifer, Csíny, Császári
      Stuten in der Zucht: Colored Belle, Dark Jewel, Minstrel, Alors on Chante, Ékes, Colour GH’s Baila Conmigo, Rockabella, Golden Lights, Jacarta, Dark Rubin, Tavasz, Poppysmic
      Nachwuchspferde: Crescent Jewel, Golden Cascade, Dajeen, Weltwunder, Couleur du Deuil, Éllovas

      Aufzuchtskoppel: Abendsonne, Flavored Coffee, Darkest Hour, Clouded Mind, Cover the Stars, MIllenium Falcon


      - POV: Matthew -
      Elena und Elisa saßen mal wieder mit Wein vorm Kamin. Getan hatten sie heute (wie immer) nichts. Nate, Collin und ich mussten die Pferde versorgen. Alle 46 plus 34 Pferde. Zitat Elena: „Sind das genau 100?“ – Es war also sehr viel Wein. Zu viel. Natürlich hatten wir unseren Job sehr gut gemacht, auch wenn die Turniersaison vorbei war. Aber wir wurden nicht fürs Rumstehen bezahlt. Das betonten die beiden sehr, sehr, SEHR oft. Während sie frauenverachtende Rap- … äh… -videos schauten, waren wir gerade fertig mit den letzten Pferden und freuten uns auf den Feierabend und ein kühles Bier ausnahmsweise, weil wir ja verantwortliche Erwachsene waren. Im Gegensatz zu den bescheuerten Deppen. Wie dem auch sei, alle waren versorgt. Gemistet, geritten und gepflegt.
      Ciao, euer Matthew!
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  • Album:
    2.1 - Hauptstall
    Hochgeladen von:
    Samarti
    Datum:
    15 Jan. 2018
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    Rufname: --
    geboren: 2008 | Alter: 9 Jahre

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    Herkunft: Gestüt Galoppwunder, Deutschland
    Züchter/Ersteller (VKR): Samarti

    Aktueller Standort: Townsend Acres, Kanada
    Besitzer: Samarti


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    Rasse: Deutsches Reitpony
    Geschlecht: Stute
    Farbe: Porzellanschecke
    Stockmaß: 142cm


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    Äußerlich mag man nicht vermuten, dass diese kleine Grauscheck-Stute einer der wenigen Goldherz-Nachkommen ist. Mit ihren grauen Flecken ähnelt sie eher ihrem Vater Caprice on Ice. Sobald man sie aber näher kennen lernt und sich mit ihr beschäftigt, merkt man, dass ihre Mutter sich in Caseys Interieur umso mehr widerspiegelt. Ist sie bei fremden Personen anfangs ebenso zurückhaltend und skeptisch, blüht sie völlig auf, sobald sie jemanden als sympathisch empfindet. Schnuppert sie die frische Morgenluft im Freien in der Früh, ist ihr gesamter Tag gerettet. Sie ist eine Stute, die ihre Freiheit genießt und es nicht leiden kann, in einer Box eingesperrt zu sein. Auf der Weide lebt sie ihre Fohlenmanieren vollständig aus und wird wieder zu dem kleinen, verspielten Fohlen, das sie früher einmal war – trabt und galoppiert sie doch fröhlich über die Weide und animiert ihre Freunde dazu, sich ihr anzuschließen. Auch die anderen Stuten mögen ihre liebenswerte und lebensfrohe Art, weshalb sie auch in der Herde einen der höheren Ränge bekleidet. Dies liegt aber nicht zuletzt auch an ihrer Mutter, die stets für sie da ist, wenn sie von einem anderen Pferd angekeift wird und dafür sorgt, dass wieder Ruhe einkehrt.
    Sie ist eine vitale, kraftvolle Stute und zeigt dies auch, wenn sie gearbeitet wird: Casey ist lernfähig und mit dem Kopf immer bei der Sache, hochkonzentriert. Sie lässt sich nicht durch Kleinigkeiten ablenken und bis sie in Unruhe oder Angst verfällt, dauert es eine ganze Weile.



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    eingeritten [] |
    eingefahren []
    Reitstil: Englisch

    Dressur A | Springen E | Geländeritt A | Fahren E


    Turniererfolge
    172. Distanzturnier

    174. Militaryturnier
    2. Platz 500. Dressurturnier


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    zur Zucht zugelassen []
    steht als Leihmutter zur Verfügung [
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    Momentane Punktzahl: 5 (11) Punkte
    Abstammung: 2 | Trainingsberichte: 0 | Schleifen: 3 | RS-Schleifen: 0 | TA: 0 (2) | HS: 0 (2)| Zubehör: 0 (2)


    Gencode: Ee Aa Gg nTo
    Carenté-Pferd []
    Leihmutterschaftsgebühr: n. v.



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    gechippt []

    Letzte Kontrolle: n. v.
    Letzte Impfung: n. v. | Letzte Wurmkur: n. v.


    beschlagen []
    Letzte Kontrolle: n. v.


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    Offizieller Hintergrund

    Fohlenversion | Vorherige Version