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Rhapsody

Capulet, Lewitzer *

im Besitz seit 04/2015 - gekört - Aa Ee Toto

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Capulet, Lewitzer *
Rhapsody, 20 Juli 2016
Veija und Zaii gefällt das.
    • Rhapsody
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      Ein bunter Neuankömmling - © Samarti
      | 28. Februar 2015
      Elena hatte mich ja schon davor gewarnt, dass Capulet, meine neueste Errungenschaft, kein Deutsches Reitpony war und mich eindeutig für blöd erklärt. Die Blondine machte ihrer Haarfarbe alle Ehre, als sie mich völlig überstürzt angerufen und mir nur irgendwelche Sätze an den Kopf geworfen hatte, dass das „Katapult“, wie sie den Hengst, der Jojos und meine zukünftige Zucht bereichern sollte, nannte, weil sie sich den Namen nicht merken konnte, ja überhaupt nicht in mein sogenanntes „Beuteschema“ passen würde, weil … na ja, er war halt einfach kein Deutsches Reitpony und das reichte für Eli schon als triftiger Grund, dass ich krank wäre und sie sich ja so Sorgen um mich machen musste!
      Nicht anders verhielt es sich mit Gwen und Joline, mit denen ich in Reih und Glied auf dem Hof stand und auf das Auto mit Pferdehänger wartete, in welchem sich Capulet befinden sollte.
      Jojo hatte ich schon zuvor darüber informiert und sie war es auch, die sich am meisten freute und es überhaupt nicht unrealistisch fand, dass ein solches Pferd auf mein Gestüt fand. Besonders den Namen des Pferdes fand sie total klasse und während ich mit ihr telefoniert hatte, hatte sie ständig nur ein unproduktives „Capulet ist so ein toller Name!“ eingeworfen.
      Als aus der Ferne dann ein Motorengeräusch ertönte, das sich dem Gestüt langsam näherte, begannen Jolines Augen schon, zu glänzen, weil sie genau wusste, dass der Scheckhengst ein Kandidat für sie sein würde, war er doch auf das Westernreiten spezialisiert. Dennoch wusste sie nur das und kannte den Namen des Hengstes, viel mehr hatte selbst sie noch nicht erfahren.
      Schnell stellte sich heraus, dass das sich nähernde Auto nur Matthew war, der vom Einkaufen zurückgekommen war. Mit Einkaufstüten beladen stieg er aus dem Auto und als er unsere genervten Blicke, die sich gegen ihn richteten, realisierte, betrachtete er uns nur verdutzt, tat unser Verhalten dann mit einem Kopfschütteln ab und hievte lieber die Einkäufe in das Haus.
      Nach einer weiteren Viertelstunde, in der wir uns ungeduldig die Hände abgefroren hatten – verdammt, es war noch immer zu kalt in Kanada! –, traf dann endlich das langersehnte Auto ein, das einen Anhänger hinter sich herzog. Sambuca, die auf der Weide stand, hob interessiert den Kopf und nachdem sie erkannt hatte, worum es sich dort handelte, ertönte aus ihrer Richtung ein helles, lautes Wiehern, welches von Capulet mit einem ebenso geräuschvollen Wiehern beantwortet wurde.
      „Oooh, hat der aber ein schönes Wiehern!“, schwärmte Joline, die bereits jetzt schon total verliebt in das Pferd war, obwohl sie es noch nie gesehen hatte, doch Gwen und ich beachteten dies gar nicht weiter. Unser Anblick musste für den Fahrer wahnsinnig lustig aussehen, wie wir dort wie drei Erdmännchen nebeneinanderstanden und versuchten, einen Blick in den Pferdehänger werfen zu können,während der Fahrer das Gefährt wendete.
      Nachdem er eingeparkt und uns begrüßt hatte, öffnete er die Rampe des Hängers und zum Vorschein kam ein schwarzer Schweif, der zu einem kräftigen Braunen mit weißem Fleck am Hintern gehörte.
      „Wow!“, hauchte Joline nur und aus dem Augenwinkel bemerkte ich, wie Gwen mit dem Kopf schüttelte.
      Nach der Übergabe des Pferdes und dem Abklären aller nötigen formellen Informationen fuhr dann auch der Fahrer mit einem leeren Pferdehänger wieder vom Hof und ich, die den Strick des bunten Hengstes in der Hand hielt, betrachtete Gwen, die sich skeptisch die Papiere von Capulet durchlas.
      „Ähm, Elisa? Bist du sicher, dass das das richtige Pferd ist?“ Misstrauisch runzelte sie die Stirn und hob die Augenbrauen. „Oder hat man dir hier etwa ein falsches angedreht?“, fragte sie mich vorsichtig und deutete dann auf eine Zeile im Pferdepass.
      „Wieso?“ Verwundert schüttelte ich den Kopf und blickte sie an, völlig ratlos und irgendwie verstand ich gar nicht, worauf sie hinaus wollte.
      „Bist du krank? Hast du deine Brille verloren? Wer hat dir das Gift unters Essen gemischt? Was hat Jojo bitte für einen Einfluss auf dich? Das ist verdammt nochmal kein Deutsches Reitpony!“
    • Rhapsody
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      Reitponyzuwachs (mal wieder) - © Samarti
      | 08. März 2015
      „Ähm... Überraschung?“, stammelte ich nervös vor mir her, als ich Julien gegenüber stand, der völlig entsetzt die Hände in den Himmel riss. „Gott, mach, dass es aufhört! Ich flehe dich an!“ Seine weinerliche, verzerrte Stimme klang wie aus einer anderen Welt und ich zog die Augenbrauen aus Reflex zusammen.
      „Hä? Wer ist das denn? Die kenne ich ja gar nicht!“, quiekte Joline dann empört und fuhr der gepunkteten Stute neben mir dann über die samtweichen Nüstern. Das Pony antwortete mit einem erfreuten Brummeln und lehnte ihre Nase ihn Jolines Handfläche, um dann ihren warmen Atem dort hineinzublasen.
      „Das, meine Liebe, ist Rapsouls und Monstas Mutter. Darf ich vorstellen? Ocean Water, eine alte, aber quicklebendige Dame.“ Stolz tätschelte ich den Hals der Stute, auf dem nur wenige Flecken zu finden waren und beobachtete, wie die kurze Turniermähne auf und ab wippte.
      „Und was macht die hier?“ Sobald Joline realisiert hatte, dass es sich um ein Deutsches Reitpony handelte, wurde sie skeptisch.
      „... Das Leckerli fressen?“
      „Nein, ich meine generell.“
      „Rumstehen?“
      „Elisa!“
      „OKAY!“ Empört stemmte ich die Arme in die Seite und stampfte mit dem Fuß auf dem Boden auf. „Die wohnt jetzt hier!“
      Augenrollend drehte Julien sich weg und verständigte sich pantomimisch mit Joline, was mit zum Auflachen brachte. Dennoch erlangte ich meine Fassung relativ flott wieder und kurz darauf starrten mich zwei paar Augen an, die mich mahnend beobachteten.
      „OKAY, ja, ich habe gesagt, ich will nicht mehr so viele Pferde, aber guckt sie euch doch mal an!“, protestierte ich lautstark, woraufhin Ocean mich mit ihren dunklen, niedlichen Augen betrachtete.
      „Wieso frage ich eigentlich noch.“ Es war mehr eine Aussage als eine Frage, was Joline da feststellte, und mit einem wilden Kopfschütteln verschwand sie dann im Stallgebäude, in welchem auch unser neuer Lewitzerhengst Capulet untergebracht war. Das hieß wohl, dass sie sich wieder mit ihrem neuen Liebling beschäftigen würde, den sie nicht mehr aus den Augen ließ. Sie hatte einen wahren Narren an dem Hengst gefressen, der aber an sich gar nicht so nett war, wie er immer tat – zwar schien er ein recht freundlicher Geselle zu sein, dies jedoch nur, solange man sich nicht auf seinem Rücken befand. Denn sobald dies der Fall war, machte er dem Klang seines Namens total Ehre. Tatsächlich konnte man ihn als Katapult bezeichnen, der jeden Reiter in den Sand katapultieren wollte. Hihi, wehe, den Witz habt ihr nicht verstanden!
      Ich musste ja sogar gestehen, dass der Gute echt ein Prachtexemplar war; zumindest rein äußerlich. Die kräftige Farbe und die außerordentlich schicke Tobiano-Scheckung, die seinen ganzen weißen Kopf umfasste, ließen ihn noch viel anmutiger wirken, als er es ohnehin schon tat. Auch der muskulöse Körperbau, der, zugegebenermaßen, typisch für einen Hengst war, ließ ihn noch viel imposanter aussehen. Das wusste Capulet auch, und selbst, wenn er ein wenig eingebildet war, so hatte er Joline doch ebenso lieb gewonnen wie sie ihn. Wir beide konnten es kaum erwarten, ihn auf einer Körung vorzuführen und, bei Erfolg, die ersten Zuchtfohlen aus ihm zu ziehen – denn wenn sie nur halb so schön wurden wie ihr Vater, hatten wir schon gewonnen.
      Ocean stupste mich mit ihrem dunklen Maul liebevoll an, um mir mitzuteilen, dass sie die saftige Möhre inzwischen verschlungen hatte. Lächelnd kraulte ich sie hinter den Ohren und schließlich am Mähnenkamm, was dazu führte, dass sie mir ihren Kopf entgegenstreckte und mir somit andeutete, dass ich sie unter dem Kopf kraulen sollte. Als ich tat, wie sie wünschte, lehnte sie ihren Kopf auf meine Schulter, verlagerte ihr Gewicht darauf, schloss die Augen und döste genießerisch, um sich zu entspannen.
      Ich wusste jetzt schon, dass die Zeit mit ihr nicht nur schön, sondern auch reichlich entspannend sein würde.
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      Erster April mal anders - © Gwen
      | 01. April 2015
      „Woah, ich bin so aufgeregt!“, jauchzte ich fröhlich und wurde von meiner Familie nur verständnislos angestarrt. Leise sackte ich auf meinem Stuhl zusammen, frühstückte zu Ende und sauste dann hinaus in den Stall. Seit circa zwei Stunden war ich endlich aus Winnipeg zurück. Ich hatte dort eine elende Studienfahrt ertragen müssen und man glaubt es kaum, aber drei Tage können sich wie eine Ewigkeit anfühlen, wie eine schlimme Ewigkeit. Es zog nämlich momentan auch ein tolles Orkantief über Manitoba, was alles mitbrachte: Sturm, Regen, Hagel und natürlich auch noch einmal Schnee! War ja nicht so, als ob wir alle glücklich über den Frühlingsbeginn gewesen wären. So huschte ich auch jetzt durch einen unangenehmen Nieselregen hinein in den Stall. Dort wartete schon Arriba auf mich. Lächelnd holte ich die Stute aus der Box und begann sie fix zu putzen, denn wie immer war ich doch recht spät dran. Aber da sie über Nacht in der Box stand war sie verhältnismäßig sauber und so schnell geputzt und gesattelt. Dann zog ich mir meine regenfesten Sachen an und verließ mit der Stute den warmen Stall hinaus in das typische Aprilwetter. Schnell schwang ich mich in den Sattel, ehe er zu nass wurde und dann ritten wir los in Richtung Elisa. Wir wollten den ersten April ordentlich „feiern“, dementsprechend trafen wir uns alle auf Crown Hill: Elisa, Elena, Zai, Juli und ich. Und ich freute mich schon, alle mal wieder zu sehen! Bisher trafen wir uns immer noch zu selten.
      Da ich recht spät kam, waren wir ausnahmsweise schon einmal fast vollständig. „Nicht dein Ernst!“, rutschte es mir direkt als erstes heraus, als ich Elisa sah. Sie saß auf ihrem Schecken Capulet. Im Westernsattel. Mit Westernhut. Auch Elena rümpfte die Nase und meinte nur „Das sieht richtig schei- nicht schön aus“, murmelte sie und schwang sich in den Sattel von Cresant Moon. „Oh“, murmelte ich nur grinsend als ich da Cressi sah und Elisa rebellierend mit ihrem Cowboyhut, da hatte es wohl schon wieder Diskussionen ums Pferd gegeben. „So, und wo sind Zai und Juli?“, fragte ich neugierig und schaute mich um, zu lange wollte ich nicht im Regen stehen bleiben, sondern wenigstens eine Gangart anschlagen. Doch die beiden enttäuschten uns nicht, nach ein paar Minuten kamen Zai auf Adrian und Juli auf Vendetta um die Ecke und direkt begannen Elisas Augen noch mehr zu leuchten. Das erste Gesprächsthema war somit direkt belegt mit „Wisst ihr wie süß ein Fohlen von Cressi und Vendetta wäre?!“, schwärmte sie fast eine halbe Stunde und der Rest schüttelte nur lachend den Kopf. „Ist deine Verkleidung eigentlich auch ein Aprilscherz?“, fragte Juli nach und musterte Elisa, die sich anscheinend langsam doof vorkam. „Pff“, knurrte sie nur und ließ Capulet antraben und dann angaloppieren, um uns alle im Regen stehen zu lassen.
      Wir waren über eine Stunde unterwegs und erlebten so etwa jedes mögliche Wetter. Erst regnete es, dann kam plötzlich Hagel. Dann lichtete sich der Wolkenhimmel und die Sonne schien. Plötzlich fing es an zu stürmen und dann regnete es wieder und dann kamen uns auf einmal riesige Schneeflocken entgegen. „Unglaublich!“, stotterte Zai, als wir endlich wieder in Nähe des Stalles kamen. Denn inzwischen waren wir alle pitschnass und durchgefroren. Schnell ritten wir in den warmen Stall und versorgten erst einmal die Pferde. Nachdem die dann zufrieden in ihren trockenen Boxen waren, verzogen wir uns in Elisas gemütliche Reiterstübchen, wo wir unsere nassen Jacken auszogen und uns erst einmal aufwärmten. Dabei begann es mit Tee, ehe wir irgendwann zu Fruchtsecco und Cocktails überschwenkten. Ich erinnere mich nicht mehr wirklich wann und warum und vor allem woher Elisa das Zeug hatte, aber es wirkte und wir wurden (leider) zunehmend lustiger.
      „Ey Elisa! Heute ist der erste April, weißt du was voll geil wäre?“, fing ich an zu kichern und konnte dann vor Lachen nicht mehr weiter reden, obwohl Elisa die ganze Zeit „Was? Was! Was!“, quietschte. Zai schaute auf und grinste verschmitzt, „Sag mal zu Matthew, dass du ihn voll gerne hast und das schon seit längerer Zeit und gerne mit ihm reden willst“ – „Uh wie gemein!“, grinste Elena. Zai war momentan nicht sonderlich gut auf Kerle zu sprechen, wie eigentlich alle von uns und dementsprechend schmiedeten wir schon leicht beschwippst einen wunderschönen Aprilscherz.
      Eine halbe Stunde später liefen wir gackernd durch den Stall und trafen dann plötzlich auf Matthew. Tja und dann nahm das Unglück seinen Lauf. Wir kicherten fröhlich vor uns hin und schubsten Elisa vor, wie kleine 6. Klässler. Elisa stotterte unruhig etwas und scheuchte uns dann weg, also verzogen wir uns kichernd (Gott wir müssen so dämlich gewirkt haben!), um die Ecke. Dann hörten wir Elisas plötzlich ernste Stimme und eine Sekunde später fing sie schallend an zu lachen. „April! April!“, rief sie und rannte feiernd zu uns. Matthew starrte ihr mit offenen Mund hinterher und war völlig außer sich. „Rudolph, the red-nosed Reindeer!“, fing Juli an zu singen, als sie sah, dass Matthew rot wie eine Tomate wurde. Ich gab ihr einen sanften Seitenknuffer, aber sie gackerte nur weiter und dann feierten wir alle. „Ihr wollt mich doch verarschen…Weiber…langsam habe ich genug“, murmelte Matthew, schnappte sich die Zügel von Rapsoul und stampfte wütend aus dem Stall.
      So viel ich noch weiß, verzogen wir uns in Elisas Haus und feierten dort noch ein bisschen weiter, schauten zum gefühlt fünfzigsten Mal Spirit und sangen johlend die Titelmelodie mit. Es war schön, zumindest für uns, für die Außenstehenden übernehme ich natürlich keine Garantie!
    • Rhapsody
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      Ankunft von Capulet
      | 12. April 2015
      „Ein Tausch.“
      Elisas Augen blitzten auf. „Ein Tausch!“
      Capulet neben ihr schnaubte, als wolle er ihr zustimmen.
      Das Angebot war verlockend; zwar war ich selbst noch nicht auf dem Lewitzer gesessen, doch ich hatte gesehen, was Joline mit ihm gemacht hatte, vorausgesetzt, er war nicht buckelnd über den Platz gefegt. Nicht umsonst nannte man ihn das Katapult.
      Und gut, wenn ich ehrlich war, hatte er mir schon gefallen, als er bei Elisa auf den Hof kam. Perfekt für unsere Zucht, da sollte er nämlich ein wenig Feuer hineinbringen. Außerdem konnten wir so fast schon garantieren, dass seine Fohlen gehorsam wurden – immerhin war er ein Westernpferd.
      Und im Gegenzug wollte Elisa Vendetta. Früher oder später wäre es eh darauf hinausgelaufen; und eigentlich hatte ich schon selbst mit der Idee gespielt, Vendetta an Elisa zu geben.
      Gut, dass sie natürlich wieder mal schneller geschaltet hatte als ich.
      Jetzt stand sie vor meiner Haustür zusammen mit Capulet und hatte mich natürlich dabei erwischt, als ich gerade vom Einkaufen kam (Gott, war ich erwachsen). Dabei hatte ich heute früh gesehen, dass ich vier Nachrichten auf dem AB hatte und hoffentlich hatte sich Ellas wahrer Besitzer gemeldet.
      Außerdem sah Elisa so verdammt hoffnungsvoll auf, dass ich nur die Augen rollte. „Von mir aus, stell ihn neben Muraco in die Box. Wegen Vendetta komm ich gleich.“
      Elisas Quieken überhörte ich geschickt und ließ hinter mir die Tür ins Schloss fallen. Ella begrüßte mich bereits – sie war sofort zutraulich gewesen und hatte sogar die erste Nacht vor meiner Schlafzimmertür geschlafen – und folgte mir ebenso jetzt in die Küche.

      ***

      Keine halbe Stunde später führte Elisa Vendetta über die Straße auf ihren Hof. Fast tat mir der Anblick weh; aber zumindest wusste ich, dass Vendetta es dort gut ging. Und Capulet würde es hier gut gehen – dafür hatte Elisa schon gesorgt („Ach ja, Joline guckt hier immer mal wieder vorbei. Ich hab ihr gesagt, dass sie ihn nach wie vor reiten kann – cool?“).
      Und jetzt hatte ich einen Hengst mehr im Stall stehen. Einen ziemlich unberechenbaren noch dazu. Man würde ja sehen, wohin das führen würde.
    • Rhapsody
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      Die Neuen
      | 18. Mai 2015
      Der einzige Grund, warum der Mai nervte, war, dass ich nun offiziell viel zu früh von der Sonne geweckt wurde. Es war gerade einmal 10 vor 6, da kitzelten mich die ersten Sonnenstrahlen und ließen mich einfach partout nicht mehr einschlafen. Mit einem lauten Seufzer schlug ich die Bettdecke zurück und warf der Sonne, die durch mein Fenster lachte, einen bösen Blick zu. Ich war vor ein paar Tagen erst heimgekommen, was bedeutete, dass das Jetlag immer noch ein bisschen nervte. Deswegen war ich gestern Nacht erst um halb vier eingeschlafen.

      Und gerade einmal zweieinhalb Stunden wieder wach. Wie ein Zombie tappte ich in die Küche und machte mir erst einmal eine Tasse Tee – schwarz, mit ein bisschen Milch und reichlich Zucker, damit ich wenigstens ein bisschen wach wurde. Nebenbei nahm ich mir den Block aus dem Regal, der als Kalender diente. Und für heute standen allerlei Sachen darin.

      Zum einen war heute endlich der Tag, an dem Zoe und Adèle kommen würden. Die Zimmer waren gestern fertig geworden (irgendetwas muss man ja machen, wenn man um 2 Uhr nachts wach ist) und da das Flugzeug ziemlich früh kommen würde, hatten wir genug Zeit, einen Rundgang zu machen. Natürlich mit Besuchen auf Crown Hills, Sanssouci und der Nahanni Rivers Ranch. Das würde super werden. Dann mussten natürlich die Zäune geprüft werden, ehe die Pferde auf die Weide durften – das würde ich wohl gleich morgens machen, während sie ihr Frühstück futterten (man, ich sollte öfters weniger schlafen, da war ich ja glatt ein produktives Genie!).
      Weiter auf der Liste standen ein Spaziergang mit Symbolic Splash und Cìola, Training mit Newt (mal wieder) und ein entspannter Ausritt mit Medeia.

      Doch bevor ich das alles anging, fütterte ich die Pferde und brachte sie zusammen auf die Weiden. Zusammen mit Outside Girl, Bacia und Chepa kam Flea auf ihr Grasquadrat, während Medeia, Lashy, Cíola, Favorita und Star auf die andere Stutenweide durften.

      Bei den Hengsten gestaltete sich das dann schon schwieriger; Val war immer noch der Neue und sollte so auf eine Einzelkoppel. Muraco und Paramour waren beste Freunde, aber Newt sah Paramour als seinen großen Bruder an.
      Am Ende standen Muraco und Paramour, Newt und Attonito und schließlich Vaffanculo auf ihren Koppeln.

      Und dann bemerkte ich, dass ich fast schon zu spät war. Es war keine Zeit mehr, ein Schild mit Zoe & Adèle drauf zu basteln, aber ich hoffte einfach, sie würden mich erkennen. Auf der Fahrt zum Flughafen bemerkte ich dann, dass das Bett in einem Zimmer noch nicht überzogen war – super.
      Trotzdem sollten die beiden Mädels mich erkennen können, wir hatten in den letzten Wochen oft geskypet (teilweise um 3 Uhr nachts – verdammtes Australien).

      Natürlich hatte an einem Tag wie diesem der Flug Verspätung. Das bedeutete, dass es dann nochmal eine extra Stunde dauerte, bis der erste Flug angekündigt wurde. Ich stand keine fünf Minuten in der Halle bis mir auf einmal ein feuerroter Lockenkopf entgegensprang und mich sofort umarmte, als würden wir uns schon ewig kennen.
      Trotz des langen Flugs war Zoe immer noch voller Energie und plapperte ununterbrochen. Dabei strahlten ihre grünen Augen – wieso hatten Rothaarige immer grüne Augen? Das war so fies! – fast so sehr, wie ein ganzer Sternenhimmel. Ja, wir würden wohl gut auskommen.

      Als Adèle dann ankam – Zoe hatte sich gerade einen Kaffee in der kleinen Starbucksfiliale geholt und vibrierte nun scheinbar – wirkte sie abgeschlafft und müde. Sie war hochgewachsen, bestimmt 10+ Zentimeter größer als ich, hatte dunkelblondes, langes Haar, große Augen mit vollen Lippen.

      „Man, du erfüllst das ganze wunderschöne-Französin-Klischee,“ bemerkte Zoe mit einem Grinsen, was Adèles Wangen nur so aufflammen ließ. Trotzdem sah sie aus, als würde sie gleich im Stehen einschlafen, also schlug ich vor, langsam aufzubrechen. Trotzdem dauerte es noch eine geraume Zeit, bis das ganze Gepäck verstaut war und wir endlich auf dem Highway waren. Selbst Zoe wurde langsam ruhiger, kommentierte nur alle paar Minuten die Landschaft. Ein Blick in den Spiegel sagte mir, dass Adèle eingeschlafen war.

      Zurück auf dem Hof wollten die beiden Mädels am liebsten einen Einführungsausritt (okay, Zoe wollte einen Einführungsausritt), aber mit den Worten „Die Pferde sind auch noch da, wenn ihr euren Jetlag ausgeschlafen habt“ zeigte ich den beiden ihre Zimmer und half Zoe noch, ihr Bett zu überziehen.

      Dann waren die beiden verstaut und ich brauchte selbst erstmal eine Pause.
      ***

      Als ich mit Lashy und Cíola zurück kam, sah ich, dass die beiden Mädels immer noch tief schliefen – die Rolläden waren nach wie vor fest verschlossen. Auch nach einem Besuch bei Elisa und einer Spielstunde mit Pax, einer Bodenarbeitsübung mit Bacia (langsam klappte es immer mehr – hoffentlich waren wir bald soweit, dass wir uns an das erste Training unterm Sattel wagen konnten) und einer dreiviertel Stunde Training mit Newt regte sich noch nichts hinter den Fenstern der Gästezimmer.

      Erst, als ich nach einem weiteren Ausritt mit Medeia zurück kam, waren die Rolläden des linken Zimmers oben und ich traf Adèle dann bei den Weiden. Sie wirkte nicht wirklich wacher, sondern eher noch müder – wenn das überhaupt möglich war. Mit einem Leckerli auf der Handfläche versuchte sie, eine der Stuten anzulocken, doch keine der Pferde interessierte sich für viel mehr als das Gras direkt vor ihren Nasen.

      Als sie mich bemerkte, lächelte sie. „Ich hoffe das ist okay, dass ich mich ein bisschen umgeguckt hatte,“ sagte sie. Ihre Stimme war leise, weich, akzentfrei. Ich war ein wenig überrascht, dass sie keine Karriere als Synchronsprecherin verfolgte, sondern mir helfen wollte, Pferdehufe instand zu halten.

      Lächelnd zuckte ich mit den Schultern. „Natürlich, immerhin lebst du hier ja jetzt.“

      Sie sah auf den Boden, fast ein wenig beschämt. Als sie mich wieder ansah, sah sie fast ein wenig … geschockt? aus. „Sollten wir irgendwie nerven, darfst du uns das ruhig sagen, ja? Das ist wohl das letzte, was ich erreichen will.“

      Jetzt musste ich mit den Augen rollen. „Bist du immer so neurotisch?“ Und das brachte ein Lächeln auf Adèles Lippen. Dann bemerkte sie die Connemarastute neben mir und bot Medi das vergessene Leckerli an. Während die Stute es genüsslich zerkaute, wurde ich ins Kreuzverhör genommen; wie lang ich schon hier lebte, wie viele der Pferde vom alten Hof kamen, wo meine ganzen Freunde hier wohnten, etc. Viele Fragen drehten sich aber vor allem über Medeia und, als Adèle langsam wieder ruhiger wurde, drückte ich ihr kurzerhand den Strick in Hand. Erst wusste sie nicht, was sie damit anstellen sollte, doch als ich ihr das Tor öffnete, führte sie die Stute mit einem Grinsen hinein. Danach entschuldigte sie sich da sie sich wieder hinlegen wollte – das war wohl das Beste. Unausgeschlafen konnte man nicht gut misten, und je öfter sie schlief, desto schneller war sie ihren Jetlag los.

      Also machte ich mich mit Schubkarre und Mistgabel bepackt auf den Weg in den Stall.
      ***

      Das nächste Mal sah ich die zwei Mädels, als ich vom Stall hereinkam, weil ich einen Bärenhunger hatte. Draußen war es immer noch wunderschön und warm – danke, Mai! – also wollte ich mir nur noch schnell eine Pizza in den Ofen schieben, duschen und essen.

      Als ich jedoch die Tür aufschloss, saßen Adèle und Zoe in der Küche, schnatterten über Gott und die Welt während auf dem Herd ein Topf vor sich hin köchelte.

      Ein wenig verdutzt blieb ich in der Tür stehen, blieb jedoch nicht lang unentdeckt. Ella, die neben Zoes Stuhl auf dem Boden gelegen war, sprang nämlich lauthals bellend auf und rannte mir entgegen.

      Zoe grinste mich ein wenig beschämt an. „Wir hatten ein schlechtes Gewissen weil wir dir nicht geholfen haben. Und Adèle kennt so ein tolles Rezept für Spargelcremesuppe –“

      „Sorry für’s Verwüsten?“ sagte Adèle und strich sich eine Strähne aus dem Gesicht. Mit einer hochgezogenen Augenbraue sah ich mich in der Küche um; das Waffelessen zur Feier meines neuen Hengstes hatte meine Küche verwüstet, aber von den „Kocheskapaden“ meiner neuen Mitbewohner war rein gar nichts zu sehen.

      „Also,“ sagte ich und löste mich vom Türrahmen, um an den Herd zu gehen. Die Suppe roch genial – ganz anders, als ich sie von daheim gewohnt war, irgendwie … nach anderen, fremderen Gewürzen (was jetzt aber nicht gerade schlecht war, im Gegenteil). „Wenn eure Definition von Verwüstung so aussieht, dürft ihr gern öfters meine Küche verwüsten.“ Mit einem breiten Grinsen drehte ich mich zu den beiden Mädels um und holte dann drei Suppenteller aus dem Schrank.

      „Und zur Feier des Tages essen wir draußen. Hopp hopp!“
      ***

      Nach dem Abendessen hätten Zoe und Adèle mir zwar gern beim Reinholen und Füttern geholfen, doch ich scheuchte sie nur wieder in ihr Zimmer. Diesen Elan durften sie sich für morgen aufheben, da wurden sie dann ordentlich herumgeführt.

      Fürs erste führte ich aber alle Pferde erstmal selbst in ihre Boxen zurück und füllte die Futtertraufen auf.
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      Die Chaos-Theorie - © Gwen
      | 21. Mai 2015
      Es gibt eigentlich nur drei Dinge, vor denen ich mich ernsthaft fürchten sollte. An dritter Stelle stand das pleite sein (ja, ein wenig Zukunftsdenken muss auch sein!). An zweiter Stelle stand ein wildes Elena, zumindest so lange, wie man diesem nicht ausweichen konnte. Aber an erster Stelle stand auf jeden Fall eine aufgedrehte Elisa auf einem aufgedrehten Pferd namens Avanti.
      Unwissend der ersten Stelle, da diese erst vor fünf Minuten ihren Platz auf meiner Liste eingenommen hatte, brachten Wishing Well und ich uns beim heutigen Geländetraining ernsthaft in Gefahr eines Herzinfarkts oder Nervenzusammenbruchs.

      Seit einer Woche besaß Elisa einen neuen Reitponyhengst. Der Gute hieß Avanti und machte seinem Namen alle Ehre (Ich zitiere Jojo: „Das ist Italienisch für Vorwärts. Ihr kennt doch: Avanti Avanti!“). Wenn da dann noch eine fröhlich grinsende und begeisterte Elisa drauf saß, war keiner mehr sicher.
      Nach dem ersten Durchlauf, den Wish und ich angeführt hatten, entschied ich mich dafür, immer Elisa den Vortritt zu lassen. Sie war uns während des Ritts beinahe dreimal in den Hintern geritten, zweimal an uns vorbeigejagt und hatte mich beinahe aus dem Sattel geworfen und einmal ist sie auch voll in Matthew und Sambuca, die unser Training beaufsichtigten, gejagt. Da bekam man dann tatsächlich mal was von der globalen Erderwärmung mit, als der Vulkan erst rot anlief und dann ausbrach.

      Und als wäre das nicht genug für unser chaotisches Training traf zufällig eine Viertelstunde später Jojo auf Capulet ein. Der natürlich immer sehr rücksichtsvolle Lewitzerhengst gab sich natürlich beste Mühe sich zu benehmen und das Training nicht zu stören – von wegen. Das Katapult machte wie eh und je auch seinem Namen alle Ehre und setzte bei jedem Sprung, den Elisa oder ich unternahmen, zu einer Buckeltirade an.
      Als dann auch noch ein wildes Elena (siehe Anfang) eintraf und Elisa an den Kopf warf, wie ungesund und tödlich Sport war (hey, da konnte ich ihr aber zustimmen!), war es dann mit meinen Nerven vorbei und mit Wishs auch. Mein Hengst streikte und verweigerte den nächsten Sprung, ehe er so lange rückwärts lief, bis wir im Wald standen.

      „Kein Benehmen haben eure Pferde!“, garstete Elena weiter. „Der eine kann nur buckeln, der andere nur herumrasen und der letzte hat nur noch einen Rückwärtsgang!“, das unterstrich sie mit ausgreifenden Gestikulieren und ihre Mimik war auch nicht von schlechten Eltern.
      „Irgendwie erinnert mich das hier ja gerade an die Chaostheorie!“, meinte Jojo mit erhobenen Zeigefinger und bekam wieder ihren Anfall von wissenschaftlichen Genie. Elena passierte der Fehler, dass ihr ein „Bitte was?!“, herausrutschte, welches Jojo direkt als Anlass für einen zehnminütigen Vortrag hielt.

      „…dass man nicht alles genau planen, weil immer noch Faktoren eintreten können, die man vorher nicht absehen kann und die alles verändern.“, endete sie und sogar ich hatte da das ein oder andere verstanden und war definitiv auch der Ansicht, dass das hier der Chaos-Theorie alle Ehre machte. Nur das für mich die unvorhergesehenen Faktoren auf jeden Fall das aufgedrehte Elisa-Avanti-Paar, Jojo und Elena waren.
      Irgendwann schaltete sich still Matthew ein, der sich witziger Weise in Elenas Gegenwart benahm – warum war ja klar -, und erklärte das Training für beendet. Dankbar bugsierte ich Wish aus dem Busch. Elisa raste förmlich mit Avanti zurück zum Hof und Jojo ließ Capulet mit einem kleinen Buckler antraben und verabschiedete sich. Letztlich blieb Elena alleine verdutzt auf dem Platz stehen, wie war sie eigentlich hierhergekommen so ohne Pferd?
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      WHT Ausbildungsbetrieb, Distanz A-L - © Gwen
      | 27. Mai 2015
      Für Joline und mich gab es diese Woche noch eine ganz besondere Aufgabe (ich hätte mich mit Fleas Training nicht so beeilen dürfen!), denn der Lewitzer Capulet kam mal wieder auf Crown Hill zu Besuch. Da ich mich vehement weigerte, mich auf Jojos Buckelpferd zu setzen, hatte ich Joline überzeugen können, dass wir gemeinsam trainierten. Ich nahm hingegen lieber Filly, Elisas liebe Westernstute, die eigentlich den Namen Audio Delite at low Fidelity. Den konnte ich mir aber weder merken noch aussprechen, deshalb: Filly.
      Gestern hatten wir das Katapult abgeholt und er hatte die erste Nacht in seiner neuen alten Box verbringen dürfen. Kennen tat er das Gestüt ja schon, dementsprechend mussten wir bei ihm auch nicht sonderlich viel beachten. Stattdessen legten wir am ersten Tag schon los. Wir wollten die beiden in Distanz trainieren.
      Ein kleines Problem gab es leider: Während Filly erst Stufe E besaß, war Capulet schon bei Stufe A. Aber das war eher ein kleineres Problem, wenn Filly war sehr ausdauernd und vor allem ausdauernder als Capulet, der vergeudete seine Kraft sowieso lieber mit anderen Dingen.
      Unsere erste Geländerunde lief locker und vor allem in flachen Gelände ab. Die beiden Pferde sollten sich erst einmal kennenlernen, immerhin würden sie die nächsten Tage miteinander zu tun haben. Und auch wir Reiter mussten uns erst einmal umgewöhnen.
      Obwohl Capulet unter Joline wesentlich weniger buckelte, buckeln tat er dennoch und er sah auch nicht ein, dies nicht zu tun. Ich unterdrückte meinen Dieses bekloppte PferdGedanken und ritt stattdessen schweigend weiter. Wurde Zeit, dass er seine Ressourcen mal für sinnvolle Dinge nutzen musste.
      Dementsprechend schraubte ich unser Pensum rasch höher und forderte beide Pferde manchmal bis an ihre Grenzen. Pausen konnte man immerhin immer und überall machen. Genug Gebirge gab es bei uns auch, also ging es manchmal eine ganze Stunde nur bergaufwärts, dafür aber auch genauso lange wieder hinunter.
      Bergaufwärts zu buckeln war auch sichtlich anstrengender und so unterließ Capulet das zwischenzeitlich. So traute sogar ich mich mal auf den Schecken, als Joline an einem Tag keine Zeit hatte, weil sie zum Arzt musste.
      So artig wie bei ihr lief er keineswegs und wir hatten allerhand Diskussionen über unsere Ansichten des Trainings, aber wir kamen immerhin wieder heil zu Hause an. Während Capulet sich also allmählich seine Buckel-Orgien abgewöhnte, nutzte Filly die Kraft, um mit ihm mitzuhalten und das klappte besser als gedacht.
      Das A-Level hatte sie schnell erreicht, um mit Capulet mitzuhalten musste sie mehr geben. So trainierten wir inoffiziell sogar schon auf L-Niveau, aber pst.
      Am Ende des Trainings waren beide Pferde wirklich fit und die nächsten Distanzturniere würden kommen können. Ich konnte Capulet an seine Besitzerin zurückgeben (welch Erleichterung!) und Filly, ja die blieb eben dort, wo sie schon die ganze Zeit gewesen war.
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      WHT Ausbildungsbetrieb, Western LK5-LK4 - © Samarti
      | 01. Juni 2015
      „So ganz glauben kann ich das immer noch nicht“, entgegnete Elisa mir, als sie kopfschüttelnd beobachtete, wie ich Capulet den schweren Westernsattel auf dem Rücken auflegte und dann mit geschickten Fingergriffen den Gurt festband.
      „Was?“, fragte ich nur, konzentrierte mich aber weiterhin darauf, den Lewitzerhengst für das Training vorzubereiten.
      „Joline“, grinste Elisa nur, „du kannst mir nicht weismachen wollen, dass dir das nicht aufgefallen ist. Du verbringst mehr Zeit mit Capulet als Jojo, und ihr gehört er schließlich.“
      Ja, Capulet gehörte Jojo – aber ich kümmerte mich einfach zu gern um ihn. Selbst, wenn der Hengst mal wieder seine aktiven fünf Minuten hatte, versuchte, mich aus dem Sattel zu buckeln und seinem Spitznamen – Katapult – alle Ehre machte, so konnte ich dem Schecken einfach nicht böse sein. Er war einfach zum Anbeißen!
      So genau würde ich das natürlich nie laut aussprechen.
      „Ich soll ihn ja schließlich auch trainieren“, erwiderte ich stattdessen mit leiser Stimme, wahrscheinlich nahezu schüchtern, obwohl ich bei Elisa und unseren Nachbarn gar keinen Grund mehr dazu hatte, die Gruppe war mir ja doch sehr ans Herz gewachsen.
      „Kleiner, jetzt mach das Maul schon auf“, säuselte ich in Capulets Ohr, als er sich weigerte, das Gebiss anzunehmen, und steckte dann den Daumen in die Maulspalte, um ihn doch irgendwie dazu zu kriegen. Aus dem Augenwinkel sah ich nur noch, wie Elisa ein weiteres Mal ihren Kopf schüttelte und dann einfach verschwand. Zum Glück! Denn auch, wenn sie nicht gerade viel Ahnung vom Westernreiten hatte, so meinte sie doch stets, einen „guten“ Tipp auf Lager zu haben. Im Gegensatz zu Elena war das allerdings noch gar nichts. Zugegebenermaßen war ich etwas froh darüber, dass sie mir noch nicht beim Training zugesehen hatte, sondern nur den anderen und diese regelmäßig einfach plattmachte.

      Capulet hatte sich inzwischen doch schon an mich gewöhnt und war dementsprechend nicht mehr so unberechenbar wie er es bei manch anderem war. Seine Grenzen hatte er schon oft genug ausgetestet und nachdem er zu dem Schluss gekommen, dass es keinen Sinn hatte, sich unnötig zu verausgaben – denn mein Training hatte ich deshalb nicht sonderlich „weicher“ ausfallen lassen. Was auf den ersten Blick nach einem knallharten und strengen Trainingsplan aussah, war in Wahrheit einfach nur die Kunst, Capulet zu zeigen, dass er sich damit nicht vor der Arbeit drücken konnte. Leider war der Hengst schon zu Beginn sehr ausdauernd gewesen und hatte einfach nicht damit aufhören können, es immer wieder aufs Neue zu versuchen. Inzwischen arbeiteten wir jedoch als Team schon recht gut zusammen; zumindest behauptete ich das mal.
      Als ich mit dem Aufwärmen soweit fertig war, gab ich Capulet die Hilfen zum Spin. Hierzu nahm ich die links Hand, in der ich die Zügel hielt, nach rechts, streckte das rechte Bein vom Körper weg und tippte dann mit dem linken Bein an den Bauch des Lewitzers. Wir hatten den Spin inzwischen oft genug geübt; und auch, wenn Capulet anfangs absolut keinen Bock darauf gehabt hatte, sondern viel mehr aufs Buckeln, klappte es doch inzwischen recht gut. Einige Runden in die rechte Richtung später wechselte ich die Richtung noch einmal und dann ging es linksherum, indem ich die Hilfen einfach andersrum gab.
      Nach dem Spin folgte das Back Ups – im Trab ging es über den Platz, dann stoppte ich Capulet und brachte ihn zum Rückwärtsrichten. Ebenso wie der Sliding Stop kannte mein Pony die schon und benötigte nicht mehr viel Übung. Dennoch wiederholten wir beide Manöver mehrmals, bevor ich mich dazu entschied, dass es für diesen Tag genug war.

      In der darauffolgenden Zeit waren vor allem Roll Backs, der Zirkel, Speed Control und die Galoppwechsel der Mittelpunkt meiner Arbeit. Capulet konnte manchmal tatsächlich außer Kontrolle geraten, besonders, wenn er nicht ausgelastet genug war. Durch das häufige Training war er das zum Glück meistens oder er verspürte nicht diesen wahnsinnig starken Bewegungsdrang. Es kam schon vor, dass ich das eine oder andere Mal tatsächlich auf dem Boden landete, mir beim Aufstehen den Hintern reiben und den Sand von der Hose putzen musste. Nichtsdestotrotz kam Capulet bei mir damit nicht durch und das wusste er. Egal, wie sehr er seine Stellung als Lieblingspferd bei mir auch ausnutzen und genießen durfte (und das durfte er leider viel zu oft), mt allem kam er dann ja doch nicht durch.
      Demnach bestand unser Training sehr oft aus Speed Control, was nicht nur dafür sorgte, dass Capulets Tempo beständiger und sicherer wurde, sondern auch dazu führte, dass er um einiges besser zu kontrollieren war.

      „Ist das Katapult inzwischen eigentlich mal fertig? Kann ich ihn aufstufen?“, empfing mich Jojo, als ich an einem unserer Trainingstage in der Abenddämmerung im Stall eintraf und den Lewitzerhengst gerade absatteln wollte.
      „Ja … ja, ist er. Hat seine Sache gut gemacht, der Dicke“, grinste ich als Antwort und tätschelte den kräftigen, braunen Hals des Hengstes, was nur mit einem empörten Schnauben quittiert wurde. „Capu, sei nicht so eingeschnappt. Natürlich bist du nicht dick.“ Mit den Augen rollend nahm ich den Sattel vom Rücken des Hengstes und legte ihn auf die Ablage, um dem Hengst noch einmal über die sanften Nüstern zu streichen. Als wäre er wahnsinnig beleidigt, zog er den Kopf weg und drehte ihn dann in eine andere Richtung, damit ich ihm auch ja nicht zu nahe kam. Wenn man oft mit dem Hengst arbeitete, lernte man, ihn zu verstehen und so ließ ich ihm lieber seine Ruhe, ehe er wieder zur Diva werden würde. Einem Pferd konnte man leider kein Snickers anbieten.
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      Sharknado und seine Auswirkungen
      | 24. Juni 2015
      Es gab einen Grund, warum ich mich nicht jedes Wochenende volllaufen ließ, und dieser Grund war, dass ich einfach nicht mit Kopfschmerzen und Übelkeit umgehen konnte. Mit Kopfschmerzen noch eher, dafür gab es ja Ibuprofen und Paracetamol. Aber ab einem gewissen Grad Übelkeit hilft einfach nichts mehr, da konnte man nur noch in seinem Elend liegen und beten, dass es schnell vorbei geht. Und mit einer solchen Übelkeit wachte ich meistens auf, nachdem Elisa uns allen ein neues Trinkspiel gezeigt hatte.

      Verdammt nochmal, das nächste Mal sollte ich wohl einfach bei der Cola bleiben.

      Als ich also diesen „Morgen“ (mein Handy sagte mir, dass es 10:56 Uhr war) nur mit einem brummenden Kopf aufwachte, wusste ich sofort, dass etwas falsch war. Mein Magen war eh schon empfindlich wie sonst was, da hatte er den ganzen Alkohol (Elena hatte zwar sicher gestellt, dass wir nur den besten Vodka bekamen, aber das machte Vodka nicht wirklich verträglicher) nicht auch noch nötig.
      Das hieß aber auch nicht, dass ich ihm ganz abschwor. Und deswegen musste ich eigentlich mit einem Morgen-danach-Pitstop im Badezimmer rechnen. Doch – eben bis auf die Mörderkopfschmerzen – fühlte ich mich ganz gut, als ich mich aus Elisas Gästebett rollte und froh war, dass ich Zoe und Adèle gestern Abend schon vorgewarnt hatte und die Pferde bestimmt schon auf den Weiden waren.

      Mein allgemeines Gefühl verschlechterte sich auch nicht wirklich, als ich vertikal war – mein Kopf pochte, mir war etwas schwindelig und meine Beine fühlten sich wie mit Blei gefüllt an, aber das war’s. Keine unerwartete Rebellion meines Magens, nichts. Irgendwas war hier definitiv fishy. (Und fishy war das richtige Wort, denn das Trinkspiel von gestern Abend basierte auf Sharknado und Sharknado 2 – wenn ich so drüber nachdenke, frage ich mich, wie wir alle ohne Alkoholvergiftung überlebt hatten.)

      Als ich aus dem Zimmer getreten war und mich auf den Weg zur Küche machen wollte, schien es mir, als würde der Marsch Stunden, wenn nicht Tage dauern. Dort würde ich zwar die errettenden Kopfschmerztabletten finden, aber ob es der Gang in gleißendem Sonnenlicht, das natürlich nicht wirklich super gegen Kopfschmerzen half, wert war. Wie ein Zombie schlurfte ich den Gang entlang, vorbei an was weiß ich wie vielen Zimmern, quer durchs Wohnzimmer und da konnte ich sie schon sehen, eine Schachtel Ibuprofen, meine Rettung –

      „FÜSSE HEBEN, MEINE FRESSE!“

      Ob die Stimme wirklich so laut gewesen war wie ich sie gehört hatte weiß ich bis jetzt nicht. Doch zu dem Zeitpunkt war es, als wäre jemand mit einem Megafon neben mir gestanden und hätte mir direkt ins Ohr gebrüllt.
      Und bei so einem Effekt darf man schon mal über die eigenen Füße stolpern, okay?

      Mein Kopf fand das natürlich weniger toll und pochte wie verrückt während mein Gehirn versuchte, die Stimme zu identifizieren. Sie klang ziemlich tief, Elisa und der Rest fielen also schon einmal raus. Und Matthew hörte sich auch anders an, da war ich mir sicher. In der Zeit, in der ich grübelnd mitten in Elisas Wohnzimmer auf dem Boden lag, hatte ich nicht bemerkt, dass mein Attacker wohl durchs halbe Wohnzimmer gestapft war und jetzt über die Rückenlehne des Sofas hing, hinter dem ich tragisch kollabiert war.

      Und wow, was für ein Attacker. Dunkelblonde (oder war das schon hellbraun? Haselnuss? Macadamia? Muskat?) Haare, irgendwie ein bisschen zu lang aber nicht störend lang, sondern gerade so lang, dass sie sein Gesicht irgendwie umrahmten. Ein Gesicht mit braunen Augen, die mich aus irgendeinem Grund an Vollmilchschokolade erinnerten – okay, ich war wohl noch ein wenig betrunken.

      Während ich weiter starrte, stammelte der Angreifer irgendetwas vor sich hin – als ob ich zuhören würde – und kam dann ums Sofa rum, um mir aufzuhelfen. Ich könnte jetzt Lobreden über seine Stärke und Muskeln und Männlichkeit schreiben aber so betrunken war ich dann doch nicht (und außerdem wäre das total gelogen – Mr. Angreifer musste sich nämlich auf die Lehne stützen UND ich musste selbst irgendwie noch hochkommen). Als ich dann wieder aufrecht war, war es nicht so wie in den ganzen Filmen. Nein, wir standen nicht Nase an Nase und guckten uns tief in die Augen und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende. Mir war nur herzlichst schwindlig und mein Kopf pochte noch stärker und mein Angreifer war ungefähr 2,5m von mir entfernt und wir waren nicht kurz davor, uns unendliche Liebe zu beschwören.

      Was kompletter Bockmist war, ich wusste nicht mal seinen Namen.

      Ein paar Minuten lang sagte keiner von uns etwas, ich massierte nur meine Schläfen und er tat … irgendwas, ich hatte meine Augen geschlossen. Dann, als es sich anfühlte, als wäre das kleine wütende Männchen, das gegen meine Schädeldecke hämmerte, gegangen, räusperte ich mich und öffnete den Mund.

      Was auch immer ich sagen wollte, es kam nicht wirklich raus. Und weil mein Angreifer nach wie vor (verdient!) aussah, als hätte er aus Versehen einen Hund getreten, konnte ich auch gar nichts sagen weil er mir sofort ins Wort fiel. Männer.

      „Also … sorry, ja? Das wollte ich echt nicht.“

      „Nein, nein, kein Problem,“ murmelte ich und ging einen Schritt in die Küche. „Aber ich hab Mörderkopfschmerzen, also.“ Mit ein paar wilden Handbewegungen gestikulierte ich hinter mich und versuchte mich dann an einem Lächeln.

      Was hieß dass er es erwiderte und wow. Ich war jetzt kein Typ Mensch der bei jedem noch so langweiligen Lächeln dahinschmolz aber … wow. Breit, aufrichtig und er bekam plötzlich ein komischen Glänzen in den Augen und wow, wieso fiel mir das auf?

      Vielleicht weil ich starrte. Meine Güte, da traf ich einmal jemand Neuen und verhielt mich wie ein pubertierendes, zwölfjähriges Mädchen. Glücklicherweise schien das der Typ nicht zu merken. Er sah nämlich immer noch ziemlich besorgt aus, als hätte ich mir bei meinem grazil geplanten Fall ein Aneurysma geholt.

      Aneurysma brachte mich auf Nirvana und Nirvana auf meine immer noch dringlich benötigten Kopfschmerztabletten. Also entschuldigte ich mich mit ein paar wilden Handbewegungen und irgendwelchen Worten – Kopfschmerzen, da funktionierte das Gedächtnis nicht so gut! – und huschte schließlich endlich, endlich, endlich in die Küche.

      Die Tabletten waren schnell gefunden und so konnte ich dann gleich weiterhuschen und mich auf der Suche nach Elisa machen und sie zur Rede stellen. So im Sinne von „Das nächste Mal wenn fremde Leute in deinem Wohnzimmer sitzen, die eventuell ganz okay aussehen und gerne Leute erschrecken, sag mir bitte Bescheid sodass ich nicht halbbetrunken in irgendwelche Konversationen mit besagten okay-aussehenden Menschen gezwungen werde“.

      Aber Elisa fand ich nicht so schnell und ich würde diese Unterhaltung gerne fühlen, wenn die Pillen wirkten, also machte ich mich auf den Weg zu Pax. Er stand immer noch zusammen mit Elisas Reitponyfohlen auf einer großen Weide und kam erst abends in seine Box (an der immer noch groß Pacco stand. Elisas Mitarbeiter waren miese Verräter!). Langsam erkannte er mich auch bei jedem Besuch wieder; heute trabte er vergnügt auf mich zu und schnupperte mich sofort nach Leckerlis ab. Da ich ja immer noch meine Klamotten von gestern Abend anhatte, war seine Ausbeute mies und er widmete sich wieder dem Gras vor seinen Hufen. Aponi forderte ihn kurz darauf zu einem Duell/Spiel heraus und ich war ganz vergessen.

      Fast zeitgleich hörte man ein Scheppern aus dem Stutentrakt. Seufzend stand ich auf und machte mich auf den Weg.

      Elisa war viel zu gut gelaunt für jemanden, der gestern ein Sharknado-Trinkspiel überlebt hatte – sie pfiff sogar vor sich hin! Außerdem saß sie mitten in der Stallgasse, spielte mit ihren zwei neuen Katzen und sah somit kaum aus wie die verrückte Katzenladys bei den Simpsons. Als sie aufsah und mich sah, grinste sie mich mit einem solch fiesen Grinsen an dass ich am liebsten gleich wieder gegangen wäre. Bevor ich sie also zur Rede stellen konnte, brachte ich nur ein kleines, mickriges „Was?“ heraus.

      Ich hatte keine Ahnung ob sowas überhaupt möglich war, aber Elisas Grinsen wurde noch fieser. „Nichts. Hab mich nur gewundert, wie’s deinem Magen geht.“

      Gut, Elisa war definitiv übergeschnappt. „Dem geht’s sehr gut, danke der Nachfrage.“ Daraufhin versuchte Elisa sich an einer hochgezogenen Augenbraue, die aber kläglich scheiterte. Damit verschwand auch ihr Grinsen und ich war endlich soweit, dass ich sie fragen konnte.

      „Sag mal – wieso sitzen fremde Männer in deinem Wohnzimmer?!“

      Und Elisas Grinsen war zurück. „Fremd?“

      Jetzt war es an mir, die Augenbraue hochzuziehen. Langsam hatte ich die Lust verloren, von Elisa verarscht zu werden. „Ja, fremd. Definition: unbekannt, nicht vertraut.“

      War es überhaupt möglich, so verdammt selbstgefällig auszusehen? „‘Nicht vertraut‘ würde ich jetzt nicht sagen.“ Ein paar Momente konzentrierte sie sich wieder auf die Katzen und ich konzentrierte mich darauf, dass ich ihr nicht den Kopf abriss. „Warte mal – hast du einen Filmriss?“

      „Ich? Natürlich nicht! Wieso sollte ich einen Filmriss haben?!“

      „Naja,“ Elisa begann sich langsam von den Katzen zu lösen, was bedeutete, dass ich ihre ganze Aufmerksamkeit hatte. „Wenn nicht wüsstest du nämlich, dass dieser ‚Fremde‘ gestern auch dabei war. Oh, und, dass du ihm in seine Lederjacke gekotzt hast.“ Und dann zuckte sie nur mit den Schultern und grinste mich wieder an.

      „Ich habe was?!“ Wenn Elena jetzt dagewesen wäre, hätte sie mich angemault, dass man im Stall nicht kreischt – aber das war ein Notfall (und es waren auch gar keine Pferde drinnen. Keine Ahnung also, wieso Elisa in der Stallgasse saß, wenn sie bestimmt überall anders Arbeit hatte!). Das letzte Mal, dass ich irgendwem in irgendein Kleidungsstück gekotzt hatte, war, als ich 7 Jahre alt war und wirklich krank war und nicht nur zu viel Scheibenwischervodka getrunken hatte.

      „Ich glaub es war zwischen Sharknado 2 und Two-Headed Shark Attack,“ sagte Elisa träumerisch, als würde sie sich gerade an ihre Hochzeit erinnern. „Du wolltest unbedingt raus, da ist dir anscheinend schlecht geworden … und eins führte zum anderen.“

      Ich vergrub mein Gesicht in den Händen. Das erklärte wenigstens, wieso mir nicht schlecht gewesen war. Verdammt nochmal, dass sowas aber natürlich mir passieren musste! „Und die Jacke …?“ fragte ich zaghaft und spitzte zwischen zwei Fingern hindurch auf Elisa.

      Diese winkte mich ab. „Lederjacke, schon vergessen? Ich glaub, Declan hat’s dir auch nicht übel genommen, er fand’s eigentlich ziemlich lustig.“ Dann lachte sie kurz auf, als wäre ihr gerade ein super lustiger Gedanke gekommen. „Ihm haben wahrscheinlich noch nicht so viele Menschen in die Jacke gekotzt. Du bist einzigartig!“

      Mir gefiel die Richtung, in die dieses Gespräch wanderte nicht, also versuchte ich das Thema zu wechseln. Und zwar genauso locker flockig wie alles, was ich tat.

      „Wie heißt der Kerl?“

      „Declan,“ Elisa sah mich skeptisch an. „Nicht gerade ein Name, dem ich meinem Sohn geben würde aber was soll’s – es gibt Menschen, die finden sogar Elisa schrecklich.“ Sie schüttelte ungläubig den Kopf, als könne sie es nicht fassen. Dann sah sie mich wieder neugierig an. „Wieso?“

      „Ach, ich bin ihm nur im Haus begegnet,“ murmelte ich. Den ganzen Zwischenfall mit der total hinterhältigen Attacke behielt ich lieber für mich; wer wusste schon, was Elisa damit anfangen würde. Stattdessen sah ich ‚zufällig‘ auf meine Armbanduhr, zog eine oscarreife Oh-Gott-schon-so-spät?-Show ab, die von meiner Freundin nur mit einer hochgezogenen Augenbraue quittiert wurde, und jogg-rannte dann zurück über die Straße auf meinem Hof.

      Während ich die Tür aufsperrte und mich nach Zoe und Adèle umsah, musste ich doch nochmal an Elisas gruseligen, fremden Wohnzimmergremlin (wirklich? Gremlin? Da hattest du schon bessere Vergleiche, Jojo!) denken.

      Declan. Was für ein dämlicher Name.

      ***

      Zoe fand ich schließlich zusammen mit Ella im Stall. Zoe hatte anscheinend angefangen, die Boxen zu misten, war von irgendetwas abgelenkt worden und hatte alles stehen und liegen gelassen.

      Was bedeutete dass ich in meinem immer noch etwas angetrunkenem Zustand erst einmal voll in den Rechen lief, der auf der Stallgasse lag.

      Mein Leben war also eine einzige Simpsons-Episode. Meine Nachbarin war die verrückte Katzenlady während ich wohl wieder aus dem Gefängnis ausgebrochen war, um einen zehnjährigen Jungen mit einer schrecklichen Frisur zu ermorden. Zoe schien mir zuzustimmen, denn als sie mir entgegen lief, murmelte sie etwas von Sideshow Bob und swear to god this never happened in Australia.

      Als ich wieder aufrecht stand und der böse Rechen zur Seite geräumt war, grinste Zoe mich breit an. „Na, wie war der Shark-Marathon?“

      Ich verdrehte die Augen. „Frag nicht. Anscheinend hab ich einem völlig Fremden die Jacke ruiniert.“

      Zoes Augen blitzten und auch wenn sie noch nicht so lang hier war, das konnte ich schon als schlechtes Zeichen deuten. Sie öffnete den Mund, wahrscheinlich um irgendwelche Details nachzufragen, aber ich schüttelte sofort den Kopf. „Keine Details. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“

      ***

      Nachdem sie also eingeweiht war, verabschiedete Zoe sich mit einem Grinsen (das noch selbstgefälliger als Elisas war, war das überhaupt möglich? Die Realität verwirrte mich heute sehr.) und sagte, sie würde sich Outside Girl schnappen und mit ihr eine Runde um den Hof machen. Was mich natürlich nur daran erinnerte, dass ich immer noch keinen richtigen Ausritt um die ganzen Höfe mit ihnen gemacht hatte.

      „Am Wochenende!“ rief ich Zoe hinterher und widmete mich dann wieder dem Besen, der die Stallgasse rein theoretisch von Stroh befreien sollte. Es schien mir aber eher, als würde ich das Stroh und Heu vor mir hin schieben und so noch mehr verteilen. Ein neuer Besen musste auf meine Einkaufsliste.

      Adèle fand ich mit Cìola in der Reithalle. Zwar war das nicht gerade mein Lieblingsort an einem warmen Frühsommertag wie heute, doch Adèle schien die Luft nichts auszumachen, als sie versuchte, Cìola das Rückwärtsrichten vom Boden aus beizubringen.

      „Du kannst gern mit Symbolic Splash weitermachen,“ rief ich ihr vom Tor aus zu, worauf sie nur die Augen verdrehte. Zwar kannte ich Adèle noch nicht lange, doch ich wusste, dass sie die Aufgabe nur zu gerne übernehmen würde; sie mochte es, mit Jungpferden zu trainieren, und da sie in Bodenarbeitszeugs viel weiter war als ich hatte ich sie in den letzten Tagen auch mit Bacia trainieren lassen. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, die Lewitzerstute heute zum ersten Mal zu reiten – aber ob das mit einem Kater so gut war?

      Egal. Jetzt war erst mal eine Weidenkontrolle angesagt – die konnte ich wenigstens noch allein durchführen. Bei der Kontrolle der Hengstkoppeln, die alle nah beieinander waren aber abgetrennt, lief mir Paramour hinterher wie ein Hund. Ab einem gewissen Punkt wurde es nervig und ich schnappte mir Vaffanculo, um den Braunschecken von mir abzuhalten. Dafür war Val zu haben – er war der Poser auf dem Hof und imponierte gerne Konkurrenten weg. Und da er schonmal draußen war, brachte ich ihn an den Putzplatz und begann, ihn ausgiebig zu putzen. Aus dem Putzen wurde ein Satteln und daraus eine kleine Runde die mich auf Elenas Hof brachte. Elena hatte wohl gerade Mary Poppins angeguckt, denn als ich abstieg, hörte man aus dem Haus ein Lied plärren und jemanden ein bisschen schief mitsingen. Eigentlich hätte ich gedacht, sie wäre ein wenig überraschter gewesen; immerhin war sie diejenige, die auf andern Hofen rumhing. Doch anstatt mit einem verwunderten Blick wurde ich mit einem Grinsen begrüßt (jeez, da hatte jemand doch was ins Wasser gekippt!)

      Bevor sie irgendwas sagen konnte ließ ich mich aus dem Sattel gleiten und verdrehte die Augen. „Spar dir deine Energie, ich habs schon gehört.“

      „Du weißt, dass ich das nicht tun kann,“ erwiderte Elena in einer für sie viel zu tiefen Stimme. Dazu hatte sie natürlich ihr Pokerface aufgesetzt. Meine Güte, meine Freunde waren definitiv zu komisch (Aber gleich und gleich gesellt sich eben gern).

      Elena konnte es dann doch nicht lassen und nannte mich von da an nur noch Spucky oder Captain Kotzerica („Das macht nicht mal Sinn!“ – „Nur weil du es nicht verstehst!“ – „Dann erklär’s mir doch bitte!“ – „Kunst kann man nicht erklären.“). Dafür plättete ich ihren Hintern in der nächsten Stunde mehrere Male bei einer (oder mehreren) Partien Tony Hawk Underground 2. Nachdem Gwen sich geweigert hatte, ihr New Forest Pony Tawny Hawk zu nennen, hatte Elena sich aus Protest eine Playstation 2 aus dem Internet gekauft, komplett mit etwa 6 Spielen der Tony Hawks Reihe. Was nicht bedeutete, dass sie sonderlich gut darin war.

      Nach einer Stunde fiel mir dann aber wieder ein, dass ich ja Aufgaben und ähnliches hatte (und Elenas Sticheleien wollten partout nicht aufhören) und machte mich gemütlich mit Val/Waffel auf den Rückweg. Als ich auf dem Hof angekommen war, mutierte ich dann zur Arbeitsmaschine – zuerst äppelte ich Weiden ab, wobei ich von Paramour und Muraco neugierig gemustert, von Quixoticelixer verfolgt und von Newt und Attonito von der Arbeit abgelenkt wurde, trainierte dann wirklich noch mit Bacia (was besser als erwartet klappte – am Putzplatz übten wir das Sattelauflegen und Trensen, dann ging es in einer einfach gebrochenen Wassertrense und einem Bareback Pad, das mir Elena einmal aus irgendeinem Grund gegeben hatte, ein paar Runden im Schritt auf dem Platz. Man merkte richtig, wie Bacia nach all den Monaten, die sie jetzt schon hier lebte, Vertrauen fasste. Bevor sie mir so hinterherrennen würde wie Chepa würde es zwar nochmal länger dauern, aber das musste ja auch nicht immer sein – solange mir die Braunscheckstute vertraute und nicht mehr vor mir wegrannte, sollten wir gut miteinander auskommen), longierte Capulet (auch er wurde langsam ein wenig ruhiger – seinen Spitznamen Katapult würde er aber so schnell nicht verlieren, Joline landete doch noch ziemlich oft im Sand) und sattelte anschließend Medeia, um mit ihr und Tautou als Handpferd einen gemütlichen Ausritt zu machen, weit weg von Elisas oder Elenas Hof – Gwen war bei solchen peinlichen Angelegenheiten nicht ganz so schadenfroh wie der Rest unserer Gruppe, deswegen wird sie an dieser Stelle nicht erwähnt.

      Beim Zurückkommen – ich war ein bisschen überfordert, Handpferdausritte waren nicht wirklich etwas, was ich oft tat und deswegen ging es auch nur im Schritt, vor allem mit Tautou – sah ich, wie Adèle und Zoe zusammen Outside Girl, Flea, Favorita und Star am Putzplatz angebunden hatten. Flea und Star hatten schon nasses Fell, während Favorita und Siddy gerade abgespritzt wurden. Normalerweise war Favorita ein ganz schöner Feigling was Wasser anging – Tränke okay, Wasserschlauch? Niemals! – doch sie stand wie angewurzelt während Adèle ihr die Fesseln abkühlte. Ein paar Minuten später waren dann auch Medeia und Tautou mit einer kurzen Dusche dran, ehe sie zurück auf die Weide kamen und sich dort natürlich sofort wieder im Staub wälzten. In Tautous Fall fiel das wenig auf, aber Medeia verwandelte sich vor meinen Augen in einen Braunfalben. Ein wenig mitfühlend klopfte mir Zoe auf die Schulter, verkniff sich aber ihr Grinsen nicht. Wirklich, wieso grinsten um mich herum alle so verdammt fies?!

      ***

      Die Sonne stand schon recht tief als ich mich nochmal auf Elisas Hof aufmachte, fest damit rechnend, dass die Spötteleien wohl nicht aufhören würden. Trotzdem – ich musste mich noch um Pacco kümmern. (Und verdammt nochmal, jetzt hatte sich der Name wirklich in meinem Gehirn festgewurzelt. Pax. Pax, Pax, Pax!!)

      Er stand mit den anderen Fohlen noch auf der Weide, kam jedoch sofort angetrabt, als ich nach ihm pfiff. In erster Linie, weil er wusste, dass ich ihm irgendetwas mitgebracht habe. Den Führstrick, dem ich ihn ans Halfter anbrachte, störte ihn schon gar nicht mehr, und er zögerte auch nur für einen Augenblick, ehe er mir frohen Mutes von der Koppel folgte.

      Am Putzplax angelangt übten wir dann das ganze Stillstehen-Trara. Pax fand nämlich, dass das extrem blöd war und versuchte des Öfteren, ein paar Schritte in eine Richtung zu laufen, ehe er bemerkte, dass er angebunden war. Wir arbeiteten jedoch in kleinen Schritten, deswegen brachte ich ihn nach etwa 15 Minuten zurück zu seinen Freunden.

      Dabei fiel mir dann auf einer angrenzenden Weide ein leuchtend roter Fuchs mit einer Laterne auf. Elisa war nirgendwo zu sehen, und Vendetta sah aus, als könne sie eine Dusche (oder zumindest ein paar Streicheleinheiten) gebrauchen, also nahm ich mir kurzerhand ihren Führstrick.

      Vendetta genoss es sichtlich, die Schicht aus Dreck und Matsch abzubekommen, die sie sich im Laufe des Tages angeeignet hatte. Sie genoss auch die Leckerlis, die Zoe letztens gebacken hatte. Und sie genoss es noch mehr, sich sofort wieder in eine Matschpfütze zu schmeißen, sobald sie die Chance dazu hatte.

      Aber gut, das sollte nicht mein Problem sein.


      Was dann aber zu meinem Problem wurde kam mehr oder weniger direkt auf mich zu als ich gerade wieder in Richtung Pine Grove aufbrach. Erst sah es aus, als würde mich Declan gar nicht bemerken als er aus dem Ausbildungsstall kam – was vielleicht das Beste gewesen war. Doch nein, natürlich musste er mich bemerken und natürlich musste er anfangen auf mich zu zu joggen.

      Was ihn nicht wirklich weniger verzweifelt aussehen ließ.

      Ein wenig widerwillig blieb ich stehen. Immerhin hatte ich mich ja noch nicht entschuldigt und meine Mama hatte mich so erzogen; macht man ein Ding von jemand anderem kaputt, dann hat man sich gefälligst zu entschuldigen.

      Als ich mich jedoch zu ihm umdrehte, lächelte er mich breit an. „So früh schon wieder zurück?“

      Ich mochte Smalltalk noch nie, vor allem nicht in solchen Situationen. Mein „Ja.“ kam also ziemlich schnippisch, aber das war mir egal. „Hör mal – wegen gestern …“

      Die Worte zu finden war auch nicht wirklich meine Stärke und ich brauchte erst einmal eine kurze Pause, um alles zu sortieren. Declan machte es nicht unbedingt leichter – er sah mich neugierig an, fuhr sich durch die Haare. „Jaa?“

      „Äh – sorry? Also wegen deiner Jacke.“ Und er sah mich weiterhin so blöd neugierig an, dass ich mich am liebsten verstecken würde. „Ich … bin mir sicher, dass das keine Absicht war.“

      Sein Lächeln wurde zu einem Grinsen (und langsam machte mich das echt verrückt – war heute internationaler Grins-Tag?!) und okay, er war doch ein wenig süß. (Ein wenig. Nur ein bisschen. So süß, wie ein Mann eben sein konnte.)

      „Nichts, was ein paar Stunden in der Waschmaschine nicht zurechtrücken können,“ sagte er und dann verschwand sein Lächeln nach und nach.

      Verdammt, ich hätte eigentlich sofort gehen sollen.

      „Aber – was ich eigentlich fragen wollte … nun ja, ich bin hier noch ein paar Wochen—“

      Ach du heilige Scheiße. Wollte der Kerl mich jetzt wirklich nach einem Date fragen?

      Meine Fresse. „Ähm – sorry aber … ich hab immer ziemlich … viel zu tun? Und äh. Da. Ist das vielleicht –“ Gut, das war jetzt auch nicht mal im mindesten peinlich. Super, Jojo!

      Declan verstand mich aber irgendwie doch – vielleicht war er zu oft gekorbt worden (und bei dem Gedanken tat er mir fast schon leid). Auf jeden Fall hob er ein wenig abwehrend die Hände und ging einen Schritt zurück. „Okay, kein Problem.“

      Weil ich mich doch ein wenig schlecht fühlte versuchte ich es mit einem entschuldigenden Lächeln. Obwohl Declan es erwiderte war ich mir nicht ganz so sicher, obs wirklich so rüberkam.

      Also: schnell raus hier. Mit ein paar wilden Handbewegungen und ein paar Wörtern die ich nie im Leben wieder identifizieren könnte machte ich ein paar Schritte in Richtung von meinem Hof. Ein letztes Lächeln von Declan, ein fast schon scheues Winken, dann drehte er sich um und ich konnte zurück auf meinen Hof rennen.

      Meine Güte. Da war dann wohl sogar Elisa talentierter im Umgang mit okay-aussehenden Menschen. Und die hatte es nach – Monaten? Waren es schon Jahre? – immer noch nicht wirklich mit Matthew geschafft und wurde wieder zwölf, wenn man sie darauf ansprach.

      ***

      Adèle und Zoe lachten mich natürlich sofort aus, als sie von dem Vorfall erfuhren. Und Gwen, Elisa und Elena (und Lena natürlich) würden das gleiche tun, wenn es ihnen irgendjemand steckte. Doch den dreien konnte ich nicht die Abenddienst im Stall aufschieben; Zoe und Adèle schon.

      Das bedeutete für mich: ein entspannter Abend mit Ella auf dem Sofa, ganz ohne Vodka und ohne irgendwelche Kotzzwischenfälle.

      So, wie es immer sein sollte.
    • Rhapsody
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      Seilenspringen - © Gwen
      | 22. Juli 2015
      15 Uhr bei mir! Hab eine klasse Idee!, hatte in der Nachricht von Elisa gestanden und natürlich war ich sofort Feuer und Flamme. Also erhob ich mich vom Sofa, zog meine Stallsachen an und huschte dann hinaus, um mir Minnie Maus fertig zu machen, denn irgendwie musste ich ja rüberkommen. Minnie Maus stand dösend in der Stallgasse, während ich sie gründlich putzte und dann sattelte. Danach setzte ich mir noch fix meinen Helm auf und schon konnte es losgehen.
      Im gemütlichen Schritt ging es Richtung CHS – ach Quatsch! TSA! Weil eine andere Firma Anzeige erstattet hatte, musste Elisa ihr Gestüt umbenennen, eigentlich kam ihr das aber auch genau richtig und so machten wir uns neuerdings immer auf den Weg nach Townsend Acres. Passte ja auch viel besser zu dem Gestüt.
      Leider hatte Elisa deshalb noch einmal den Wikipedia-Eintrag der Deutschen Reitponys umändern müssen in
      „Deutsche Reitponys fühlen sich am wohlsten unter ihresgleichen. Das ist die Philosophie unseres Gestüts Townsend Acres (ehemalig CHS) – deshalb sind wir die beste Anlaufstelle für alle möglichen Pferde der Rasse Deutsches Reitpony (Mixe werden nicht angenommen)“
      Das war dann leider auch nicht ganz ungesehen passiert und nun hatte Elisa die nächste Anzeige an der Backe. Aber ich glaube, das nahm sie gar nicht wahr, Hauptsache, es stand so im Internet, dafür würde sie immerhin alles tun! Während ich darüber philosophierte, ritt ich auch am neuen Schild vorbei, das sah wesentlich schicker aus als das alte, wenn auch einfacher gehalten.
      Matthew hatte nur genervt die Augen verdreht und gar keinen Kommentar dazu abgelassen, also eigentlich schon, aber Elisa hatte das ziemlich schnell beendet:
      „Elisa, wieso steht auf dem Schild auf einmal Townsend Acres statt Gestüt Crown Hill…?“
      „Halt die Klappe, Matthew. Mir war danach!“
      Danach war Matthew schweigend zurück in den Stall gegangen und hatte Kronjuwel trainiert. Seitdem war er immer noch recht Schweigsam was den Namenswechsel betraf und war sich irgendwie nicht wirklich sicher, was er davon halten sollte. Dementsprechend knapp antwortete er mir auch heute, als ich mit ihm die Termine für das Training kommende Woche absprechen wollte.
      Genervt verdrehte ich die Augen und ließ den Kerl mit seinen Gefühlen alleine, denn ich musste Elisa suchen. Wo die war, wusste er natürlich auch nicht. Wusste er überhaupt etwas? Wozu arbeitete er hier eigentlich? Zum rummeckern?
      „GWENNY! HIER!“, quietschte es plötzlich vom Reitplatz und ich stand schnell einer grinsenden Elisa gegenüber. Neben ihr stand Filly und döste in der Sonne. Minnie Maus musste erst einmal ein wenig Theater machen und rumquietschen, aber dann war auch gut. Derweil erzählte mir Elisa von ihrer Idee und zeigte mir ein Video.
      Das Video zeigte zwei Pferde und eines, was für ein Seil sprang, während das zweite es so gesehen hielt. „DAS MACHEN WIR AUCH!“, meinte Elisa begeistert und auch ich grinste von einem Ohr zum anderen, so eine Dummheit konnte nur gut ausgehen!
      Elisa hatte das Seil am Halsring von Filly befestigt, die stand eh dort, wo sie stand. Das Seil war gute 4 Meter lang und dementsprechend weit entfernte sich Elisa auch von ihrer Stute, ehe sie das Seil testweise schwang. „Klappt gut!“, kommentierte sie knapp und motivierte mich mit wildem Gestikulieren, dass ich aufstieg.
      Das tat ich auch und testete mit Minnie Maus einmal den Anlauf und dann ging es los! Wir sprangen über das schwingende Seil, ritten eine Volte um Elisa und sprangen gleich nochmal, dann eine Volte um Filly und so ritten wir wahrscheinlich die coolste Acht auf dem gesamten Reitplatz.
      „Was um Himmels Willen für einen Dreck macht ihr da?“, ertönte plötzlich eine vorwurfsvolle Stimme und wer stand am Zaun? Elena! „Mach mit!“, quietschten wir nur vergnügt und ich schwang mich aus dem Sattel und hielt Elena die Zügel hin. Die verdrehte zwar die Augen, nahm aber die Zügel und schwang sich in den Sattel.
      Fünf Minuten später galoppierte sie mit meinem Pony über das Seil und quietschte genauso bekloppt rum wie wir. Matthew kam zwischenzeitlich auch mal vorbei, gab aber keinen Kommentar ab. Hingegen war Jojo auch mal wieder zur Stelle. Sie hatte sich schweigend an den Zaun geschlichen und beobachtete das Geschehen.
      „Elena, ich bin enttäuscht, ich hätte nicht gedacht, dass du so kindisch bist!“, meinte sie knapp und schwang sich dann wieder in den Sattel von Capulet, um mitzumachen. „Synchronspringen“, meinte Elisa motiviert.
      Da hatte Jojo nur die Rechnung ohne Capulet gemacht. Während Minnie Maus immer noch mutig sprang, blieb Capulet mitten im Seil stehen, so dass Jojo bei der zweiten Umdrehung das Seil voll gegen den Kopf bekam. Das veranlasste uns anderen, einfach nur laut loszulachen, was Capulet wiederum als Anlass zum buckeln nahm und da Jojo sich gerade mit einer Hand den Kopf hielt, war nicht viel Gleichgewicht vorhanden und schon lag sie unten und wir mussten noch mehr feiern.
      „Tolle Freunde seid ihr, echt“
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  • Album:
    9 | Gnadenweide
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    Rhapsody
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    20 Juli 2016
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  • Capulet


    Von: Golden Ebano
    Von: Call Him Crack
    aus der: Shew O'gold


    Aus der: Seiryu
    Von: unbk
    aus der: unbk



    Rasse: Lewitzer (veredelt)
    Geschlecht: Hengst
    Stockmaß: 144cm
    Geburtsdatum/Alter: 22. Februar, 8 Jahre
    Fellfarbe/Genotyp: Braunschecke [Aa Ee Toto]


    Zuchtzulassung: [HK 476]
    Decktaxe: nicht für die öffentliche Zucht vorgesehen
    Nachkommen: -


    Letzter Tierarztbesuch: 08. Oktober 2015 [Klinik Caen]
    Letzter Hufschmiedbesuch: 09. Oktober 2015 [Hufschmied PGS]


    Den Spitznamen Katapult hat Capulet durchaus verdient. Es ist nicht so, dass er Menschen nicht vertraut oder bösartig ist – das ist ein Pferd fast nie. Doch jedes Pferd geht mit neuen Situationen anders um, und Capulets erster Impuls ist eben das Bocken. Deswegen kann man den Hengst als durchaus impulsiv beschreiben, manchmal auch als schreckhaft. Trotzdem ist er kein Problempferd, das nur durch Monty Roberts heilige Hände (Achtung, Ironie) geheilt werden kann – nachdem er den Reiter eventuell in den Sand katapultiert hat, ist er sofort wieder zu fassen und mit viel Glück war das dann der einzige Abstieg für die Dauer des Rittes. Sein Rücken, die Zähne und der Sattel passen; er ist also nicht übersensibel. Was gut ist, denn er wurde in der Westernreitweise ausgebildet, trägt also einen schwereren Sattel und ab und an ein bisschen schärferes Gebiss. Auf Westernturnieren ist er ein Star dank des bunten Fells; mit den Profis kann er zwar nicht durchhalten, doch die starken Nerven, die die Rasse mit sich bringt, ist auf Turnieren ein klarer Vorteil.
    Irgendwo in seiner Linie müssen wohl auch ein paar Vollblüter stark vertreten sein, denn anders kann man sich das feurige Temperament des Hengstes kaum erklären. Er ist unruhig, tänzelt und, wie schon erwähnt, bockt viel. Das kann man natürlich auf das Blut schieben; doch es könnte auch einfach nur Hengstverhalten sein, denn davon hat Capulet reichlich. Doch viele Hengstbesitzer machen bei dominanten Hengsten den Fehler, dass sie ihn alleine halten. Für sie gilt jedoch das gleiche wie für andere Pferde: Sozialkontakte sind das A und O. So sollte Capulet trotzdem in einer Herde mit Gleichgesinnten leben; das könnte sein Hengstverhalten auch ein wenig ausgleichen.


    Qualifikationen & Erfolge
    Fohlen ABC – eingeritten – eingefahren – Western
    Eignung: Reining

    Reining LK1 – Distanz M – Fahren L

    208. Distanzturnier
    209. Distanzturnier
    300. Westernturnier
    303. Westernturnier



    Besitzer: Rhapsody
    Ersteller/VKR: Samarti

    Offizieller Hintergrund