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Rhapsody

Calina *

im Besitz seit 08/2011 - von Cadoc - Aa Ee Gg

Calina *
Rhapsody, 27 Jan. 2019
Any, Eddi, Snoopy und einer weiteren Person gefällt das.
    • Rhapsody
      Alte Pflegeberichte
      1/10

      Ein Tag auf Arijas Hof
      02. Juni 2010 -- Rhapsody

      Viel hatte Arija ja nicht ändern können – oder?
      Ich schüttelte den Kopf. Ich machte mir unnötige Sorgen. Calina war zwei Tage wieder ‚daheim’ – viel machen konnte man da ja nicht.
      Zwei Tage? Mir kam es vor wie eine Ewigkeit.

      Vor zwei Tagen hatte ich mit schweren Herzen, aber gutem Gefühl, meine Traumstute Calina wieder zu Arija gegeben. Ich durfte wieder Reitbeteiligung spielen, für Calina und Red Diamond. Heute war also der Tag.
      Ich bog gerade mit meinem alten Fahrrad auf Arijas Gestüt ein, als ich von der Weide schon nervöses Wiehern hörte. Hatte sie mich erkannt?!
      Etwas enttäuscht merkte ich jedoch, dass es nicht Calina, sondern Oceans Avenue. Die Stute ließ sich von mir streicheln, dann wandte sie sich gelangweilt ab.
      Mit glühendem Gesicht ging ich auf das Reiterstübchen zu, indem sich Arija meistens aufhielt. Zaghaft klopfte ich und biss mir auf die Zunge.
      Die Stimmen drinnen verstummten und eine Person lief auf die Tür zu. Als sie mich draußen sah, sagte sie etwas zu den anderen im Reiterstübchen, dann trat sie hinaus.
      Das braune Haar glänzte und die braunen Augen sahen mich freundlich an. Arija umarmte mich, dann lächelte sie. „Schön, dass du da bist. Willst du gleich zu deinem Pferd?“
      Lächelnd nickte ich. Die Anspielung mit „deinem Pferd“ überhörte ich ganz einfach. Meine Freunde hatten mir alle abgeraten, Calina wieder zurück zu bringen, doch ausnahmsweise hatte ich nicht auf sie gehört.
      Ich folgte Arija schüchtern in den Stall und sah mich um. Es war fast so hell wie draußen, man meinte, die Sonne schien auch hier drinnen.
      Es standen nicht viele Pferde in ihren Boxen, aber doch ein paar. Arija stellte sie mir alle vor, obwohl ich schon fast die Hälfte kannte.
      Bei der Box einer Stute blieb sie stehen. „Ich wünsche euch viel Spaߓ sagte sie grinsend. „Ihre Sachen sind wieder am alten Platz. Du wirst sie finden, überall sind Fotos von ihr“ Arija drehte sich um und lief in die Sattelkammer.
      Calina streckte mir verschlafen ihren edlen Kopf entgegen. „Hallo, meine Süße!“ flüsterte ich heiser und strich über ihre Stirn. Calina stupste mich freundlich an und scharrte, als wolle sie mir sagen: Komm, lass uns etwas unternehmen! Ich habe schließlich den ganzen Tag auf dich gewartet!
      Lachend nahm ich ihr schwarzes Lederhalfter von der Boxentür und öffnete diese. Calina kam mir sofort entgegen und ließ sich aufhalftern. Ich warf den Strick locker über ihren Rücken und lief nach draußen auf den Putzplatz.
      Ich holte mit dem Putzzeug gleich den Sattel und die Trense mit. Calina sah mir entgegen und brummelte. Sie genoss das Putzen sehr.
      Als ich fertig war, nahm ich den unveränderten Sattel und die Trense und machte mein Schatz reitfertig. Ich schnappte mir meinen Helm und meine Gerte, nahm Calinas Zügel und führte sie auf den Innenhof.
      Arija saß bereits auf ihrem Hengst Cadoc und winkte mir zu. „Was hast du vor?“ fragte sie mich. Lächelnd klopfte ich Calina beruhigend den Hals. „Mhm, naja, vielleicht ein wenig Springen und danach einen kleinen Spazierritt im Schritt durch den Wald…“ überlegte ich. Ja, die Idee gefiel mir.
      Arija nickte. „Gut, der Reitplatz ist im Moment frei. Da scheint dir die Sonne auch nicht so sehr auf den Kopf. Wir sind am Strand“ sagte sie und tätschelte dem Hengst unter ihr sanft die Schulter. „Viel Spaߓ wünschte ich grinsend, dann führte ich Calina zum Sandplatz.
      Ein paar Cavalettis lagen an der Seite. „Perfekt“ meinte ich murmelnd und als Calina auf der Mittellinie stand, holte ich erstmal ein paar Trabstangen, die ich bei E in den Sand rollte, und ein Cavaletti, welches ich auf X stellte.
      Calina besah sich das ganze neugierig und ging mit wachsamen, aber freundlichen Blick an den Stangen vorbei. Trotzdem ließ sie sich super aufwärmen.
      Ich wusste ja selbst, wie hübsch Calina war, aber wie sie auf andere wirkte, die nicht wussten, woher sie diese äußerliche und innerliche Schönheit hatte, wusste ich nicht. Ein paar Schaulustige hatten sich am Zaun aufgereiht, doch ich beachtete sie nicht und ließ Calina antraben.
      Calina riss kein einziges Mal den Kopf hoch, als ich sie über die Stangen laufen ließ. Ich hatte auch keine Ausbinder drinnen. „Gut gemacht!“ lobte ich sie und fing wieder an, leicht zu traben. Calina würde liebend gerne gleich über das Cavaletti springen, doch ich hielt sie erfolgreich zurück.
      Erst, als ich mit ihr angaloppierte, lenkte ich sie näher ans Cavaletti und testete somit ihren Willen. Aber Calina warf nur neugierige Blicke auf das rotweiße Ding. Alles in einem ließ sie sich aber gut arbeiten.
      Zur Krönung galoppierte ich sie auf die Mittellinie und ging in den leichten Sitz. Calina zog kräftig an und kurz vor dem ‚Hindernis’ tickte ich ihr meine Fersen in den Bauch. Calina sprang ab und flog über das Hindernis.
      Ich lobte sie, stieg kurz ab und räumte die Sachen auf. Jetzt ging es erstmal in den kühlen Wald.
      Die Füße baumelten leicht an Calinas Seiten, die Zügel ruhten locker auf ihrem Hals. Die Schimmelstute ging ruhig vor sich hin, sie döste wahrscheinlich selbst gleich ein. Der Wegesrand war gesäumt von blühenden Apfelbäumen, Birnenbäumen, Kiefern und Büschen.
      „Bevor du einschläft“ meinte ich sanft und wendete Calina zurück zu Arijas Gestüt.

      Ich bürstete sie über, legte ihr ihre Fliegendecke um und führte sie dann zur Weide. Sie wurde von Lacura begrüßt. Auch ihre Mutter Spring Break trabte zu ihrer Tochter. „Bis später“ flüsterte ich und klopfte Calina auf die Kruppe. Sie brummelte wohlig vor sich hin, dann raste sie buckelnd über die Weide. Ich musste jetzt weiter zu meiner nächsten Reitbeteiligung.

      Red Diamond II stand auf der Weide. Durch einen kleinen Pfiff trabte er mit gespitzten Ohren auf mich zu und ließ sich einen Apfel zu stecken. „Feiner Hengst“ lobte ich ihn und nahm sein Halfter mit dem Führstrick.
      Am Putzplatz fing ich an, sein dunkelbraunes Fell wieder auf Hochglanz zu bringen. Während ich den Schweif verlas, machte ich mir Gedanken, was wir machen könnten. Bestimmt würde ihm ein kleiner Spaziergang gut gefallen.
      Ich holte mir die Longe, damit Diamond weit laufen konnte.
      Der Hengst beschnupperte das rote Seil freundlich und folgte mir mit klackernden Hufen vom Hof.

      „Na, das gefällt dir besser als am kurzen Strick, was?“ sagte ich lächelnd, als Diamond wenige Meter von mir entfernt ruhig lief. Er hatte den Kopf locker nach unten genommen und inspizierte den Boden des Waldweges aufmerksam. Ihm entging kein einziger Mucks, war es eine Ameise oder eine Biene, die auf dem Boden landete.
      Als der Weg sandiger wurde, hellte sich meine Mine auf; wir waren gleich am Strand, da konnte Diamond ein wenig im Wasser plantschen. Der Hengst hörte anscheinend auch das Wasser, er wurde nämlich immer schneller.
      Am Strand war kaum etwas los, obwohl heute ein perfekter Wassertag war. Schulternzuckend lief ich auf das Meer zu. „Naja, das ist besser für uns“ meinte ich tonlos und sah Diamond grinsend zu, wie er ins kühle Nass watete.
      Nach einer halben Stunde Wasserspaß rappelte ich mich aus dem Sand hoch. Erschrocken sah ich auf die Uhr. Ich musste mich beeilen!

      Als wir wieder auf Arijas Gestüt waren, putzte ich Diamond noch schnell, dann brachte ich ihn zurück auf die Weide.

      Diamond war rundum zufrieden, er wälzte sich bereits wieder im Matsch. Während ich grinsend meine Sachen zusammen packte, lief ich nochmal zu Calina. Sie stand bereits am Zaun. „Tut mir leid, meine Süße. Aber deine Freunde wollen mich heute auch noch sehen“ Ich drückte ihr einen Kuss zwischen die Nüstern, dann verabschiedete ich mich noch kurz von Arija und fuhr vom Hof.
    • Rhapsody
      Alte Pflegeberichte
      2/10

      Dressurtraining mit Red Diamond & Fotoshooting mit Calina
      04. Juni 2010 -- Rhapsody

      Die Plastiktasche hüpfte auf und ab. „Hoffentlich gefallen Arija, Calina und Diamond die Sachen“ dachte ich und lächelte. Mein Rad rollte aus.
      Auch bei dem grauen Wetter musste ich natürlich zu meinen Reitbeteiligungen Calina und Red Diamond II gehen. Die beiden wollten natürlich bewegt werden. Aber nicht nur deswegen besuchte ich sie, so oft ich konnte; ich wollte einfach in der Nähe der zwei wundervollen Warmblüter sein.

      Calina döste auf der Weide, also wollte ich mit Red Diamond anfangen. Auch er stand auf der Weide, war jedoch ziemlich in Bewegung.
      Brummelnd lief er zum Tor, als ich vorbeilief. „Komme gleich, mein Schöner.“, liebäugelte ich, „ Ich sag nur deiner Besitzerin Bescheid, dass ich da bin. Und zeig ihr gleich eure neuen Sachen“
      Ich fand Arija in der Sattelkammer. Hinter ihr lag ein Berg alter Sachen; abgenutzte Gamaschen, zerschlissene Satteldecken und brüchige Trensen.
      „Hey!“ begrüßte sie mich und wir umarmten uns. „Hi. Na, sortierst du aus?“ fragte ich und zeigte auf den Haufen.
      Arija verzog das Gesicht zu einer Grimasse. „Ja, da liegen zum Teil noch Sachen vom alten Besitzer!“, Sie hob ein hannoveranisches, brüchiges Reithalfter hoch, „Da zum Beispiel. Ist echt schlimm!“
      Ich grinste. „Ach so, ich dachte, du machst für die neuen Sachen Platz.“
      Arija sah mich fragend an. „Neue Sachen?“ Dann sah sie die Plastiktüte an, als ob sie etwas verraten könnte. „Lass Plastik aus der Sache raus.“ sagte ich gespielt ernst, „Er hat nur etwas ‚gefressen’“
      Grinsend öffnete ich die Tüte und ging zu einem kleinen Tisch. „Als erstes Sachen für Red Diamond“ murmelte ich und griff in die Plastiktüte. Zum Vorschein kamen zwei azurblaue Streichkappen, ebenso blaue Gamaschen, weiße Bandagen und ein neues, hellblaues Halfter. „Ach Gott, und das bei Diamond, wo der sich doch jeden Tag in der größten Schlammpfütze wälzt!“ rief Arija lachend, als sie das Halfter sah.
      Ich wurde rot. „Echt? Oh Gott, tut mir leid! Wir können es auch noch umtauschen…“ Doch ich wurde unterbrochen. „Nein, nein. Hauptsache, es ist waschmaschinentauglich“ stoppte Arija meinen Redeschwall lachend.
      Ein Stein fiel mir vom Herzen. „Gut. Dann wollen wir mal mit Calinas Sachen weitermachen…“
      Calina bekam von mir eine blutrote Schabracke, Apfel-Zimt-Leckerlies, orangene Bandagen, ein kirschrotes Ohrennetz, eine schwarze Dressurgerte mit kleinen Strasssteinchen, eine neue Longe und noch eine rote Abschwitzdecke.
      Als ich die Tüte grinsend zusammenfaltete, griff Arija nach einem Kartonstück und kam zu mir. „Du hast echt ’nen Vogel!“ rief sie lachend und haute mir den Karton einmal auf dem Kopf. Ich duckte mich vor weiteren Angriffen und schnappte nach Luft. „Lass mich doch!“ rief ich lachend und kroch aus der Sattelkammer.
      Als ich auf der breiten Stallgasse stand, klopfte ich mir den Staub aus der Reithose, dann lief ich zur Weide. Diamond stand wahrscheinlich immer noch am Tor und wartete.

      Genau das tat er. Er blickte mir freundlich entgegen und brummte. „So, jetzt bin ich für dich da“ flüsterte ich grinsend und nahm mir seinen Führstrick.
      Diamond beschnupperte meine Hand, als ich ihn von der matschigen Weide zum Putzplatz führte. Auf dem dunkelbraunen Rücken des Hengstes klebten getrocknete Matschspritzer. „Toll gemacht!“ brummte ich sarkastisch und band Diamond an.
      Auch seine Beine waren bis hinten bis über das Sprunggelenk mit Schlamm und Dreck beschmutzt. Dem Hengst machte es anscheinend nichts aus, dass es aussah, als käme er aus dem Schweinestall. „Tut mir Leid“ entschuldigte ich mich und holte den Schlauch.

      Nach einer halben Stunde trat ich ein paar Schritte nach hinten und betrachtete mein Werk. „So, jetzt schaust du wieder besser aus!“ sagte ich grinsend und schnappte mir den Hufauskratzer.
      Diamond sah mir neugierig entgegen, als ich mit seinem Sattel ankam. „Ja, Süßer, heute wird mal geritten“ erklärte ich ihm und legte ihm sanft den Sattel auf den Rücken. Ich schloss den Sattelgurt und stellte meine Steigbügel ein, dann holte ich Diamonds Trense.
      Als auch ich meine Reitsachen anhatte, führte ich Diamond erstmal zum Stalleingang. Ich klopfte an der Sattelkammertür, bis sie sich öffnete. „Ah, die Verrückte“ begrüßte Arija mich grinsend. „Was wollt ihr denn machen?“
      Lächelnd sah ich auf Diamond. „Ich hab mir gedacht, wir machen heute mal ein bisschen Dressur. Würde ihm auch nicht schaden“ Mein Lächeln wurde zum Grinsen.
      Arija nickte. „Okay, ich glaube, die Reithalle müsste frei sein. Wenn nicht, der Platz ist ab halb drei auch frei. Da“, Arija grinste in sich hinein, „bin ich ein wenig mit Leben. Also, wenn du Hilfe brauchst…“ Sie drückte mir eine Gerte in die Hand, dann drehte ich mich um und lief hinaus.
      Die Halle war frei, also trödelte ich nicht lange und gurtete nach. Red Diamond war ebenfalls guter Dinge und sah nicht so aus, als würde er faul sein. Hoffentlich war es wirklich so.
      Als ich auf dem Rücken des Hengstes saß, nahm ich die Zügel auf und ließ ihn antreten.
      Diamond hörte wunderschön auf meine Hilfen und ging gleich in die Anlehnung.
      „Fein“ lobte ich den Hengst leise und tätschelte seinen Hals. Diamond prustete zufrieden und ließ sich versammeln.
      Erst, als er richtig locker war, ließ ich ihn antraben. „Warum haben wir es denn heute so eilig?“ fragte ich überrascht und nahm ihn etwas zurück. Diamond strotzte nur so vor Tatendrang und ließ sich beim Traben kaum zurückhalten. Mit eiserner Mine setzte ich mich tief in den Sattel ein. Sträubend wurde Diamond langsamer, aber auch, als ich dann wieder leicht trabte, blieb er ruhig.
      Nach ein paar Seitwärtsgängen und Schenkelweichen gönnte ich dem Hengst eine Schrittpause am langen Zügel. Er hatte die ganze Zeit wunderbar mitgearbeitet.
      Fünf Minuten später ließ ich Diamond wieder antraben und dann lenkte ich ihn auf den Zirkel. Bei X gab ich die Galopphilfe und Diamond galoppierte perfekt an. Grinsend gab ich ein wenig Zügel nach und stellte mich in die Steigbügel.
      Klar, in der Halle suchte man das richtige Galopp-Feeling vergebens. Aber trotzdem war es einfach umwerfend, und das seit einem Jahrzehnt.
      Nach ein paar Runden parierte ich Diamond wieder durch und lobte ihn. „Toll gemacht“ flüsterte ich und nahm die Arbeit wieder auf.
      „Okay, das war’s“ Nach einer gelungenen, letzten Traversale ließ ich die Zügel lang und ritt Diamond ab.
      Nach dem Reiten führte ich ihn zurück zum Putzplatz, sattelte ihn ab, putzte ihn über und brachte ihn dann auf die Weide.

      Jetzt war mein Schatz Calina dran. „Was wollen wir machen?“ fragte ich die Stute, als ich im warmen Gras saß und sie neben mir ruhig graste. Kurzerhand zückte ich die Kamera, damit ich ein schönes Bild für ihr Album hatte. Grinsend dachte ich an Arijas Aussage, als wir Calinas Sachen zu ihr brachten. „So…viele…Bilder…von…Calina!“ hatte sie geflüstert. Dann hatte sie mir ein Grinsen geschenkt. „Ich wusste schon immer, dass du verrückt bist!“
      Calina hielt anscheinend nicht viel von Arbeit, aber ich war schließlich nicht zum Löcher in die Luft starren gekommen. Entschlossen sprang ich auf und zupfte an Calinas Führstrick. „Komm, faules Pferd“ sagte ich lachend, als Calina mich anstarrte. In ihrem Blick lag eine Mischung aus „Nee, ist jetzt nicht dein Ernst, oder?!“ und „Muss ich mich jetzt bewegen?“.
      „Zu beidem: Ja!“ rief ich lachend. Calina entschied sich doch, mir zu folgen; vielleicht hatte ich ja Leckerlis.
      Gedankenverloren strich ich über das weiße Fell. „Was wollen wir denn machen?“ flüsterte ich fragend der Stute zu. Sie schüttelte den Kopf und döste weiter.
      Da kam mir eine Idee: ich könnte doch meine neue Longe einweihen! Sofort rannte ich in den Stall, belud mich mit Putzzeug, Trense, Longe, Longierpeitsche und Handschuhen. Wäre Calina ein Mensch, hätte sie jetzt geseufzt oder die Hände (bzw. Hufe) über den Kopf zusammen geschlagen.
      Sie machte aber doch geschlagen das Maul auf und ließ sich auftrensen. Kurz kaute die Stute auf dem Gebiss, dann schloss sie wieder die Augen. „Nein, Süße, wir arbeiten jetzt“ sagte ich entschlossen, legte mir die Longe über die Schulter, nahm die Zügel und führte Calina zum Reitplatz.
      Vor dem Tor stoppte ich. Ein kleines Mädchen saß auf einem Pony, das um Arija trabte. Als die Besitzerin von Calina mich erkannte, tippte sie sich ans Armgelenk. Mit den Lippen formte sie die Worte „Tut mir Leid! Ist dazwischen gekommen“
      Ich lächelte und nickte. Das letzte Mal hatte ich eine wunderschöne Wiese am Waldrand entdeckt, die es auch fürs Longieren tat.
      Als ich sie nach einem Fußmarsch von 5 Minuten erreichte, stellte ich mich gleich (natürlich mit Kamera bewaffnet) in die Mitte und trieb Calina nach außen. Sie drehte die Ohren nach hinten und sah nicht gerade begeistert aus. „Tut mir Leid, Süße!“ lachte ich. „Aber wir können später kuscheln“
      Ich schnalzte mit der Zunge und schwang die Longe etwas. Calina lief, nicht gerade freudig, im Schritt los. Leider etwas lahm.
      Als sie auch auf weiteres Zungenschnalzen nicht reagierte, ließ ich die Peitsche sanft, aber doch so laut, dass sie es hörte, einen Schnalzer hinter ihr machen. Calina schnaubte gelangweilt, ging aber dann zackiger. Erkannte ich da auch einen kleinen Freudenfunken in ihren Augen?
      „Terab!“ rief ich zehn Minuten später, schnalzte kurz darauf mit der Zunge und ließ die Longe ein wenig schwingen. Calina hörte, nahm anmutig den Kopf hoch und trabte an.
      „Fein!“ lobte ich, stoppte Calina und klopfte ihren Hals. Er war feuchtwarm, aber nicht nass. „Wenn du jetzt noch brav mitarbeitest, gehen wir später noch spazieren“ versprach ich und die Stute spitzte sofort die Ohren. Grinsend trieb ich sie wieder nach draußen. Geht doch!
      Nach einer Galopprunde longierte ich sie noch ein wenig im Trab, dann beendete ich die Arbeit.
      Ich wollte schon nach Hause laufen, doch Calina stupste mich an. Verwundert sah ich die Stute an. „Der Spaziergang!“ rief ich und klopfte ihren Hals.
      Weit ging ich nicht mehr, ich ließ Calina auf der Wiese noch etwas grasen, drehte eine kurze Runde um den Teich im Wald und ging dann zurück.

      Arija kam mir auf dem Hof schon wieder entgegen. Grinsend versteckte ich meine Kamera und sah sie fragend an. „Ist etwas passiert?“
      Meine Freundin grinste. „Nee, nichts ist passiert. Ich wollte nur fragen, was das schwarze hinter deinem Rücken ist…“ Neugierig streckte Arija den Hals und versuchte, hinter meinen Rücken zu schauen.
      Verlegen zeigte ich ihr meine Kamera. „Sorry, aber die Landschaft war so schön“ sagte ich grinsend, dann führte ich Calina zurück zum Putzplatz, nahm ihr die Trense ab, räumte Longe und Zäumung weg und spritzte ihr die Beine ab. Noch kurz drüber geputzt, ein Leckerli zugesteckt, dann führte ich Calina zurück auf die Weide. Während sie am Zaun auf und ab galoppierte, sah ich mir die Fotos an. Japp, da waren echt gute dabei!
      Ich verstaute meine Sachen und verabschiedete mich dann von Arija. „Bis zum nächsten Mal!“ rief ich und stieg auf mein Fahrrad.
    • Rhapsody
      Alte Pflegeberichte
      3/10


      21. Juli 2010 -- Arija

      Cadoc, Red Diamond II, Weyganda, Calina, Oceans Avenue, Candy, Polafuchs, Marah, Rubicon, Let me be, Morning Hail, Ithilien, Mahagoni, Little Sweetness, Ividi, Believe me, Spring Break, Brown Bear, Samantha, Ehrengold, Unwritten, Don Pedro, Dark Jewel, Splashed it!, Lacura, Bengelchen, Smetanka, Dark Firestorm, Maroni IX

      Herbstfee, Romy, Fatima, Farin, Donnerkeil´s Closer to Heaven, Black Dew, Finest Selection, Celebrity Skin, Mercudio, Trink aufs Leben, Countdown, Aileen, Thunder, Seana

      Raunchy´s Limited, Stromer, All American Day de la Bryere, Suada de la Bryere, Costa de la Bryere, Arija, Rasputin II, Desert, Petit Canard, East, April, Leona

      Früh klingelte der Wecker. Es war 6.oo Uhr. "Oh Gott. Pflegetag! Raus aus den Federn!" sagte ich mir und stand auf. Ersteinmal ins Bad und frisch machen, ab in die Reitklamotten und in die Küche. Dort machte ich mir ersteinmal einen frischen, leckeren Minzetee und ein Müsli. Idefix war auch schon aufgewacht und setzte sich neben mich auf den gefließten Boden. "Na? Guten Morgen Kleiner!" sagte ich und streichelte ihn liebevoll. "Hier hast du was zu fressen!" sagte ich, stellte meine Tasse auf die Seite und machte seinen Napf voll. Während er diesen leer fraß machte ich mich über mein Müsli her und lass etwas in der Zeitung. Nach einer guten halben Stunde packte ich alle meine Sachen zusammen - Leckerlis, Schlüssel, Geldbeutel, Äpfel und Möhren, zwei genähte Schabracken, eine gewaschene Decke und ein Halfter - und machte mich auf zum Hof. Idefix war nun hellwach und sah aus dem Fenster meines alten Audis, als wir auch schon auf dem Hof ankamen. Freudig sprach er raus aus dem Wagen und schnüffelte auch schon über den Hof, als ich mich daran machte und die Sachen die ich mitgebracht hatte in der Sattelkammer zu verstauen. Dort räumte ich auch ersteinmal auf und kehrte diese sauber herraus. So konnte ich nachher sicher sein, dass ich gut an meine Sachen kam, denn ich wollte heute zumindestens zwei meiner Pferde reiten. Dann machte ich mich daran in den Fohlenstall zu gehen. Ich liebte jedes meiner Fohlen und sah mit wachsendem Erstaunen, dass ich in dieser Saison viele das erste mal reiten werden würde. April und Leona waren hierbei nicht die Einzigen. Zufrieden mit dem Zustand meiner kleinen Schützlinge entließ ich sie in aller Frühe auf die Weide. Sie waren die Einzigen, die über Nacht im Stall blieben, da sie mir noch zu jung waren. Die Hengste und Stuten jedoch standen weitgehend Spätnachmittags, Nachts und am frühen Vormittag auf der Weide, um viel Auslauf zu erhalten und der schweren Mittagshitze zu entgehen. Verspielt stoben die Kleinen auf die Weide und ich überlegte mich eine Alternative zur Boxenhaltung über Nacht. Die Fohlen sollten auch mehr Auslauf erhalten. Ich machte mich schnell daran die Gemeinschaftsboxen auszumisten und neues Streu einzufüllen, sowie frisches, knackiges Heu dazu zu geben. Hier war ich auserordentlich schnell fertig, fegte die Stallgasse und rief nach Idefix. Dieser lag tatsächlich bei Cadoc auf der Wiese an dessen Hals gekuschelt. Beide hatten sie es sich im Schatten der großen Hängeweide gemütlich gemacht und dösten vor sich hin. Idefix ignorierte mich einfach und ich ließ ihn. Ich musste nun ja die Boxen der Stuten und Hengste sauber machen. Damit war ich gut eine Stunde beschäftigt und sah auf die Uhr: 8:23 Uhr. "Ok, jetzt reite ich ersteinmal aus!" dachte ich mir und ging zu Cadoc. Nachdem ich fertig war mit dem Ausritt und auch Weyganda versorgt hatte, holte ich alle Pferde von der Weide herrein und brachte ihnen frisches Futter. Dabei ging ich aber sparsamer um und gab ihnen dafür mehr Heu. Sie waren ja fast den ganzen Tag auf der Weide. Jetzt wollte ich mich um die Habseligkeiten meiner Pferde kümmern und verschanzte mich in der Sattelkammer. Ich nahm mich einen Sattel nach dem anderen und wischte diesen sauber ab. Einige, die ich öfter nutzte, fettete ich auch ein und ließ sie draußen auf der Putzstange im Schatten austrocknen. Auch die Schränke räumte ich komplett aus, wischte sie sauber und räumte alle Sachen wieder ein. Die Gamaschenkiste und das Regal mit den Schabracken machte ich ebenfalls sauber und sortierte die gewaschenen Decken gleich mit ein. Dies dauerte fast den ganzen Tag bis ich fertig war die Stallgasse zu kehren, alle Pferde zu putzen und zu pflegen und wieder auf die Weide zu bringen. "Ide. Jetzt gehts aber ab nach Hause!" sagte ich und verabschiedete mich von meinen Pferden.
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      Alte Pflegeberichte
      4/10

      Es geht wieder los.
      13. Oktober 2010 -- Rhapsody

      Grinsend steckte ich das Telefon wieder in die Ladestation. Ich musste aufpassen, dass ich nicht gleich ausflippte. Denn das, was vor ein paar Jahren schon mal passiert war, hatte sich wiederholt. Ich durfte eine wunderschöne Stute mit erstklassiger Abstammung mein Eigen nennen. Calina gehörte wieder mir. Arija brachte sie in ein paar Stunden vorbei.
      Durch den Torbogen sah ich in die Küche. Am runden Tisch saß gerade wieder mein Pfleger und stöberte die Zeitung durch. Um seinen Hals – er war ein wenig erkältet – fand sich ein blauweißer Schal. Seit Wochen waren Manu und ich nämlich begeisterte Schalke-Fans. Vor meiner Zimmertür hing schon ein großes Emblem, Manu hatte sogar vor, seine Wohnung in blau und weiß zu streichen.
      Als ich ihn rief, sah er nicht auf. „Wir müssten eine Box fertig machen. Calina kommt wieder, mit Anhängsel“ wies ich ihm an und setzte mich zu meinem Pfleger. Neben seinen Füßen lagen zwei Farbtöpfe, blau und weiß. Im Moment hatte er nämlich Urlaub und wollte anfangen, die Pflegerwohnung zu streichen, in der er nun wohnte.
      Manu hörte nur das Wort ‚Calina’ und sah mich mit seinen großen, blaugrünen Augen an. „Calina? Die Mutter von Caba?“ Ich nickte und lugte kurz auf die Zeitung. Wie er es schaffte, wusste ich nicht, aber er las die Gelsenkirchener Zeitung. „Außerdem will Eli gleich kommen, wir gehen mit Cabaniro und Unwritten ausreiten. Und natürlich Fotografieren, das weißt du ja.“ Lachend schlüpfte ich in meine Stallschuhe, öffnete die Tür und ging hinaus.
      Für Anfang Oktober strahlte die Sonne noch einmal kräftig, trotzdem ging ein kalter Wind. Nächste Woche sollte es dann wieder anfangen, zu regnen. Die Reithalle war wieder öfters beleuchtet und der Hufschlag musste öfters nachgezogen werden.
      Immer noch fröhlich nahm ich mir das blaue Halfter vom Außenhaken am Stall und schlenderte dann auf die Zweierweide der Hengste hinter der Pflegerwohnung zu. Auf dieser Weide standen nur zwei meiner Hengste: Cabaniro und Charteaux, für die Kinder Doppel-C. Und vor einer Stunde hatte ich mit meiner Freundin Eli telefoniert, da wir unbedingt zusammen ausreiten wollten. Eli hatte Unwritten wieder von Arija bekommen und musste das sofort ausnutzen. Außerdem konnte Cabaniro nach dem langweiligen Dressur- und Springtraining der letzten Tage auch wieder einmal ausreiten.
      Der Hengst graste und reagierte nur mit Ohrenzucken auf meine Rufe. Seine Null-Bock-Einstellung hielt jetzt schon eine Weile an, aber ab und zu musste man auch etwas klassisch reiten. Dafür durfte er später wieder fetzen.
      Kurzerhand schwang ich die Beine über den Zaun und stiefelte auf den Braunen zu. „Komm schon, Caba. Jetzt können wir ausreiten. Komm, Caba!“ Wieder zuckte er nur ein wenig mit den Ohren. Der Hengst ignorierte mich total. Nur ein flüchtiger Blick kam in meine Richtung, dann trabte er in den Unterstand. Wäre nicht gerade eine Reiterin auf einer gescheckten Stute die Einfahrt hinauf geritten, hätte ich mit einem verstauchten Arm ausreiten gehen können. Cabaniro war einfach im Flegelalter.
      Blonde Haare, ein roter Pulli und blaue Reithosen. Eli war perfekt für den Herbst angezogen. Ihre Stute Unwritten trug eine weiße Schabracke mit goldener Kordel, ein weißes Ohrennetz und einen Vielseitigkeitssattel. Mit einem Grinsen, welches ich auch auf Unwritten Lippen zu erkennen glaubte, parierte Eli ihre Stute vor dem Zaum durch. „Na, bringst du Cabaniro wieder nicht von der Weide?“ Der Schalk blitzte ihr in den blauen Augen.
      Ich grinste schief. „Warte mal ab, er hat Unwritten schon gesehen.“ Und damit behielt ich Recht. Cabaniros braunroter Kopf war in die Höhe gestreckt, er sog die Luft scharf in die Nüstern ein. Ein unsicherer Schritt war schon gemacht, dann trabte er die Wiese hinunter. Caba stellte sich neben mich und stupste mich an, so nach dem Motto: „Worauf wartest du?“ Etwas verdutzt halfterte ich ihn auf, öffnete das Gatter und führte meinen Hengst zum Anbindeplatz. Eli war abgestiegen und ließ Unwritten noch einmal trinken. Parallel unterhielten wir uns über Manuel, der die Boxen ausmistete.
      „Da hast du dir aber einen Hübschling ausgesucht.“ Eli grinste. „Da läuft aber nichts, oder?“ Ich warf ihr einen bösen Blick zu und machte mich dann daran, Cabaniros Hufe auszukratzen. Hoffentlich nahm sie mein Schweigen nicht falsch auf. Aber die gute Eli holte stattdessen Cabaniros Gamaschen und seine neue, von ihr gespendete gelbe Schabracke mit der roten Kordel. Der Sattel hing nämlich schon am Bock, direkt neben der Tür. Mit geübten Handgriffen wechselte Eli die Satteldecken und legte Cabaniro dann den großen Vielseitigkeitssattel auf den Rücken. Ratz Fatz war der Hengst gesattelt und getrenst, dann saß ich auf. Die Zügel locker in den Händen lenkte ich Caba neben Unwritten und Eli und ich verließen einträchtig den Hof. Manuel würde schon alles regeln.
      Erst war Cabaniro absolut hitzig, weil neben ihm eine Stute lief. Er tänzelte zur Seite, blieb nicht stehen und war kurz davor, loszuschießen. Die Zügel wurden immer kürzer, doch als Eli den Sattelgurt nachgurtete, hätte ich am liebsten Kleber dabei gehabt. Cabaniro würde, wenn er traben würde, im Stechtrab laufen. Aussitzen ausgeschlossen, Leichttraben unmöglich.
      „Ich sammle dich wieder vom Boden, vom Stein oder vom Baum ab, wenn er doch ein wenig stürmisch wird.“ versprach Eli, gab Unwritten eine Schenkelhilfe und die Scheckstute trabte an uns vorbei. Erst legte sich Caba aufs Gebiss, das mir die Finger schmerzten, doch als er seinen Kopf wieder normal trug und durchlässig war, wagte ich es auch, ihn anzutraben. Mit Erfolg. Zwar schoss er erst los, sobald wir Unwritten aber eingeholt hatten, ließ er sich auch leicht anlehnen und versammeln, so wie verstärken. „Das Dressurtraining hat wirklich was geholfen“ grinste ich und tätschelte dem Braunen den Hals. Er schnaubte bestätigend und machte den Hals lang. Das war Cabaniros gute Seite.
      Eli hatte die Strecke festgelegt, es ging in den bunten Herbstwald, der hinter meinen Weiden lag. Die Blätter waren zum Teil schon gefärbt; braun, rot, gelb, nur vereinzelt waren noch grüne zu finden. Der Herbst kam schnell und leise. Und dann irgendwann schien es einen Knall zu machen und man bemerkte erst, wenn alles bunt war, dass der Winter nicht mehr weit war.
      Als ein frischer Wind aufzog, parierten wir die Pferde wieder durch. Cabaniro schlug kurz mit dem Kopf, ließ sich dann aber auf einen schmalen Trampelpfad lenken. Unwritten war im Gegensatz zu Caba ‚pflegeleicht’. Sie ließ sich stellen, kaute fleißig auf dem Gebiss und trabte auf Elis Hilfe wieder an. Mein Hengst hörte zwar auch auf mich, doch als ich ihn antraben ließ, schlug er wieder mit dem Kopf. Ein kleiner Dickkopf.
      Der Pfad führte direkt in den Wald hinein. Nach einigen Kurven und Hügeln lag vor uns eine ebene, ziemlich gerade Strecke. Durch kurzen Augenkontakt nahmen wir die Zügel kürzer, gingen jedoch gleichzeitig mit den Händen vor, stellten uns in die Bügel und ließen Cabaniro und Unwritten angaloppieren. Cabaniro war sofort an der Spitze, obwohl die Stute neben ihm ein paar Sprünge nach vorne machte. Ohne ihn groß zu treiben beugte ich mich über Cabas rotbraunen Hals und versuchte, zwischen den schwarzen Strähnen den Weg zu sehen. Er ging ein wenig einen Berg hoch, der jedoch nicht allzu steil war. Ohne Probleme erklomm der Hengst den Berg und blieb oben auf meine Hilfe stehen, um auf Eli zu warten.
      Die ließ sich reichlich Zeit. Als sie dann am Fuß des Berges erschien, hatte sie ein schwarzes Kästchen in der Hand. Eine Kamera!
      Auf dem Gesicht meiner Freundin war ein Siegergrinsen eingemeißelt. „Damit hast du nicht gerechnet, was?“ Sie zeigte auf den Display. „Schau, der perfekte Zeitpunkt.“ Wirklich. Das Foto, dass die Canon von Eli gemacht hatte, war gestochen scharf und zeigte, wie Unwritten einen Satz nach vorne machte und Cabaniro am vorpreschen war. Als ich nichts erwiderte, schaltete Eli die Spiegelreflex wieder aus. „Okay, ich schick es dir heute Abend in ICQ. Jetzt lass uns mal weiter reiten.“
      Im Schritt und Trab ging es durch den Wald, bis wir das rote Dach meines Stalles wieder sahen. Schweigsam saßen wir vor dem Tor ab und führten die beiden Warmblüter auf den Hof. Eli war damit einverstanden, dass ich sie nach Hause fahren würde, Unwritten im Anhänger.
      Gerade, als ich Cabaniro eine Abschwitzdecke überwarf, kam Manuel aus dem Stall. Der Schal war unter seiner Übergangsjacke versteckt, trotzdem sah man ein kleines Stück blauweiß. Eli seufzte und bekam sofort seine ganze Aufmerksamkeit. „Ist was?“ Seine Stimme klang heiser, er hüstelte.
      Grinsend schüttelte meine Freundin den Kopf. „Nein, alles okay.“ Das Grinsen war anscheinend nicht mehr wegzubringen, Eli musste weitermachen.
      Ich strich eine Falte glatt und sah mich um. Manuel war weg, wieder im Stall verschwunden. „Warum hast du gerade so geseufzt?“ Als würde da nichts dran sein. Eli musste lauf auflachen. „Ich find das nur echt witzig, wie er in seinem Urlaub immer noch im Stall ist und arbeitet.“ Das war nicht die ganze Wahrheit, aber mehr würde mir das blonde Mädchen mit den blauen Augen nicht verraten.
      Mein Blick streifte mein Handy. „Ich will dich ja nicht rausschmeißen, Eli, aber…“ Wieder lachte meine Freundin. „Ja, ja, du willst mich loshaben. Dann bring ich Cabaniro zurück auf die Weide, du holst den Wagen und den Anhänger.“ Leichtfüßig sprang Eli neben mich, band Caba ab und führte ihn dann zur Hengstweide. Unwritten sah mich neugierig an, sie erwartete ein Leckerli. Hoffentlich war sie verladefromm.
      Gerade wollte ich Unwritten abbinden, da schallte Elis Stimme von der Hengstweide herüber. „Stell Unwritten in eine Box, ich bleib noch ein bisschen!“ Super. Ich freute mich wirklich, dass sie mich besuchte, aber ich wollte jetzt eigentlich anfangen, zu arbeiten.

      „Und jetzt post du. Posen, Toffi, Posen!“
      Ein wenig irritiert sah ich zu Eli. „Posen? Nein, danke. Du machst mich noch ganz verrückt.“ Angesäuert drehte ich mich wieder um und versuchte, einen Transporter zu erkennen. Als am Horizont plötzlich ein schwarzes Viereck auftauchte, sprang ich kreischend in die Luft. „Sie kommt! Sie kommen!“ Eli versuchte, meinen Ausbruch zu fotografieren, doch die Fotos wurden nichts. Ich sprang zu sehr umher.
      Wenige Minuten später parkte neben Manus BMW und meiner alten Klapperkiste der große Transporter. Das Schwarz glänzte in der Sonne, in großen Lettern stand Gestüt Ammersee auf den Seiten. Eine junge Frau mit dunklen Haaren stieg aus und kam langsam auf mich zu. Es sah jedoch so aus, als ob sie ein Rennen unterdrückte. Ich rannte auf Arija zu und wild umarmten wir uns.
      Nach den Begrüßungen und Umarmungen strich sich Arija eine Strähne aus dem Gesicht. „Es tut mir echt leid, aber ich hab noch ein paar Pferde dabei und muss die schnell ausliefern.“ Sie verzog das Gesicht zu einer Grimasse und ließ dann die Rampe hinunter. Ich war schon durch die Vordertür in den Hänger gelangt.
      Das erste, was ich im Hänger sah, außer Schwärze, waren strahlende Augen. Und die Augen gehörten nur Calina. Sie brummelte mir leise zu und schob ihre Nase in meine Hand. „Hallo, meine Hübsche“ flüsterte ich und versuchte, ihr Fohlen zu erkennen. Arija hatte mir nämlich schon verraten, dass Calina vor ein paar Monaten einer Rappschimmelstute auf die Welt geholfen hatte. Aber ich erkannte nur ab und zu weiße Stellen. Hastig band ich, jetzt meine, Stute ab und führte sie rückwärts die Rampe hinunter. Hinter mir sprang etwas Kleines hinterher. Ein kleines, graues Etwas, mit einer Blesse und weißem Stichelhaar. „Das ist Chloe.“ Arija lächelte. „Du kannst Calina schon wieder reiten, solange du nicht zwei Stunden durchreitest. Die beiden sind schon etwas voneinander getrennt.“ Dann warf sie einen flüchtigen Blick auf die Uhr. „Ich werde jetzt aber auch mal die Fliege machen. Ciao!“
      Fünf Minuten später führten Eli und ich Calina und Chloe im Hof herum. Das Fohlen war dicht an Calina gedrängt und sah sich mit etwas angsterfülltem Blick um. Ihre Mutter ging gleichgültig neben mir her, doch in ihr brodelte es. Sie wollte laufen. „Gleich, meine Süße.“ flüsterte ich ganz leise und blieb dann stehen. „Ich hätte gesagt, wir stellen die beiden jetzt in eine Box und lassen sie sich eingewöhnen. Später kann ich Calina ja mal reiten.“ Eli öffnete mir die Stalltür, ich führte Mama und Tochter hinein und musste gleich wieder stehen bleiben. Manuel hatte die Stute schon gesehen, aber nur auf Fotos oder weiter Entfernung. Jetzt kam er ein wenig schüchtern aus der Sattelkammer und sah sich sprachlos meine Stute an. „Wow.“ flüsterte er, aber nicht, weil er Halsschmerzen hatte. Langsam lief er auf mich zu und ließ Calina an seinen Händen schnuppern. Nach der ersten Analyse stupste die Stute ihn aufmunternd an, er war angenommen. Chloe hingegen versteckte sich hinter ihrer Mutter und ließ sich auch nicht von mir streicheln. Aber wir mussten die Verbindung noch aufbauen.
      Ich schleppte noch ein paar Büschel Stroh herbei und polsterte die Box auf, dann klopfte ich mir den Staub an der Hose ab. „So, Eli, jetzt arbeiten wir aber wirklich.“
      Fünf Minuten später stand Baghira auf dem Putzplatz, daneben Charteaux. Beide wurden auf Hochglanz geputzt, Charteaux’ schwarzes Fell schimmerte schon seiden in der Sonne. Ich hingegen brachte in die Braunschimmelstute nicht wirklich zum Glänzen. Eli meinte zwar, das läge am Pferd, aber ganz glaubte ich ihr nicht. Ich schob alles aufs Winterfell.
      Baghira und Charteaux dösten und ließen sich ein paar Sonnenstrahlen auf den Rücken scheinen, als Eli und ich mit vier der letzten Warmblutzuchtpferde kamen; Victim, der übrigens Chloes Vater war, It’s the CSI Girl, Creepi und Dahiba. Alle drei waren nicht sonderlich dreckig und ich beauftragte Eli, sie sollte mit den Hengsten auf den Reitplatz gehen und sie ein wenig laufen lassen. „Ich geh mit den Stuten dann in die Reithalle. In ungefähr zehn Minuten tauschen wir.“
      Baghira, CSI Girl, Creepi und Dahiba hatten sich früher auf der Weide schon immer prächtig verstanden. Jetzt buckelten sie wild durch die Bahn, hielten plötzlich an und trabten dann mit erhobenem Schweif weiter. Wenn sie einmal stehen blieben, reichte ein kleines Zungenschnalzen, um die wieder in Bewegung zu bringen.
      Als ich ein paar Cavalettis willkürlich in der Bahn aufstellte, sprang CSI gleich als erstes darüber. Zwischen der Stange und ihren Hufen war ein geschätzter Meter Platz, sie übersprang sich auf jeden Fall gewaltig. Baghira setzte mit einem kleinen Hüpfer gleich hinterher und überholte CSI spielerisch. Dahiba und Creepi sprangen, wie sie immer sprangen, und holten CSI ein. Die beiden besten Freundinnen zwickten sich gegenseitig in die Mähne, um dann wieder voneinander wegzurennen.
      Nach genau zehn Minuten klopfte es an der Hallentür, Baghira, Dahiba und CSI wälzten sich gerade genüsslich. Elis blonder Schopf tauchte am Tor auf. „Meine sind fertig. Wie sieht es mit den Stuten aus?“ Ein kurzer kritischer Blick auf die drei Pferde reichte. „Sie sind am Ende immer langsamer geworden. Wir putzen jetzt noch einmal drüber, dann kommen sie zurück auf die Weide.“
      Darauf war Eli wieder verschwunden und als ich am Putzplatz kam, hatte sie Charteaux schon versorgt. Der Hengst stand entlastend am Putzplatz und döste wieder. Victim war auch fast fertig, Eli kratzte gerade die Hinterhufe aus. „Ich helf dir schnell.“ Im Nullkommanichts waren auch die Stuten geputzt und wir führten die ganze Bande zurück auf die Weide.
      Als nächstes krallte Eli sich Parlay, ich Dancer in the Moonlight. Moonlight wurde in wenigen Tagen Vater, Vanilla Twilight würde bald fohlen. Parlay hingegen verstand sich mit seinem Sohn Prejudice prächtig.
      Eli verzog sich mit Parlay auf den Reitplatz, während ich bei Moonlight versuchte, ihn „pferdefreundlich“ zu longieren. Er bekam viel Leine, sobald er ordentlich lief. Mithilfe von Ausbindern bog sich auch ein Rücken auf und der Braune senkte den Kopf. Nach einer viertel Stunde brachte ich ihn dann zurück.
      Danach gammelten wir ein wenig auf den Weiden. Hot n Cold graste ruhig neben Sweet Death, Long Island Icetea und Cresant Moon jagten sich gegenseitig über die Wiese, Spirit lag in der Box, Star verließ diese gerade. Auf der Hengstweide kurierte sich Barquillero Mojito von seinem Husten aus, Vans off the Wall wälzte sich genüsslich. Neben ihnen graste mein „Alter“ Capriciasso. Libertés Prejudice stand am Rand und sah uns fröhlich an. „Oh, ich will das Kinderpony reiten!“ Eli war sofort Feuer und Flamme und holte Pedi von der Koppel, der ihr fröhlich nachstakste. Ich wünschte ihr viel Spaß und schlenderte dann in den Stall. Vor Vanillas Box stand Manu.
      Lächelnd ging ich zu ihm und streichelte meiner Fuchsstute den Kopf. Ihr Bauch wölbte sich weit in die Breite, es würde bald soweit sein. „Wann denkst du, kommt das Fohlen?“ Ich fragte es, ohne ihn groß anzusehen. Mir lag immer noch das von den Sommerferien im Bauch, wenn ich ihn ansah. Manchmal ließ es sich gut verdecken, aber es gab Momente, da konnte ich ihn nicht einmal reden hören.
      „Es könnte vielleicht heute schon soweit sein.“ Seine Stimme war ebenfalls leise und er räusperte sich. „Ich werd’ auf jeden Fall in der Box nebenan übernachten und dich wecken, falls es wirklich soweit ist. Es ist ihre erste Geburt, wenn ich mich recht erinnere?“ Ich nickte und starrte immer noch auf den Strohhalm, der genau unter dem Heunetz lag. „Ja, es ist ihr erstes. Und das macht mir ein wenig Angst.“
      Irgendjemand – ich wusste genau, wer es war – packte mich an den Schultern und drehte mich so, dass ich ihm in die Augen sehen musste. „Komm schon. Hotti hatte auch ihre erste Geburt. Und lebt. Star hatte ihre erste Geburt. Und lebt. Ja, auch Calina“, Bei ihrem Namen wurde sein Blick versonnen, „hatte ihre erste Geburt. Und wenn du mir jetzt erzählst, dass das, was in der Box mit dem Fohlen steht, nicht Calina ist, kündige ich dir.“ Ich wusste sofort, es war so sicher, dass das Calina war. Dass er hier blieb. Dass er hier bleiben wollte. Sanft lächelte ich. „Klar ist das Calina.“ lenkte ich vom Thema ab und befreite mich dann wieder aus Manus Griff. Vanilla zupfte ein paar Halme aus dem Heunetz und schenkte uns weiter keine Beachtung. Ich spürte Manus Blick zwar im Rücken, drehte mich aber um und murmelte im Weggehen: „Ich setz dir Kaffee auf.“
      Als ich wieder auf den Hof lief, sah ich, wie Eli gerade mit Prejudice angaloppierte. Sie würde wohl noch eine halbe Stunde reiten, ich könnte also Calina schon einmal putzen. Aber im Stall war Manu...Zwickmühle.
      Energisch warf ich den Kopf zurück und öffnete wieder die Stalltür. Aber kein Manuel stand mehr auf der Sattelkammer, nirgendwo war er zu sehen. Tief innen war ich beleidigt, doch ich schüttelte den Kopf und ging auf die große Box von Calina zu. Chloe lag im Stroh und machte nicht viel Radau, als ich Calina aufhalfterte und in der Stallgasse anfing, zu putzen. Eli kam bald und half mir ein wenig, sie hatte Prejudice auf die Weide gebracht. „Ich spiel Paparazzi.“ Das Grinsen auf ihrem Gesicht gefiel mir nicht, doch ändern konnte ich es nicht. Grummelnd sattelte ich meine Stute auf, legte ihr die Trense an und führte sie dann auf den Reitplatz.
      Die Sonne versank schon fast hinter dem Horizont als ich mich auf Calina schwang. Sie hatte ein wenig zugenommen – ich schob es aufs Winterfell. Heute hatte ich mir nicht viel vorgenommen, sie sollte einfach nur ein wenig locker werden. Die Zügel lagen locker auf dem Widerrist, der Hals gesenkt, lief sie auf dem Hufschlag und schnaubte ab. Doch trotzdem spürte ich, dass in ihr eine Spannung herrschte. Braves Pferd.
      Auch, als ich die Zügel aufnahm und eine leichte Schenkelhilfe gab, blieb Calina in einem ruhigen Trab. In den Ecken bog sie sich schon jetzt wundervoll, ebenso auf dem Zirkel. Aber das Verspannte verschwand nicht. „Vielleicht kommt es vom Fohlen. Chloe ist vielleicht ein wenig stressig?“ Eli lachte, aber alleine. Sie hatte die Verspanntheit ebenso bemerkt. „Ich steig ab und lass sie mal laufen.“ Eli hatte gegen diesen Vorschlag nichts einzuwenden, also stieg ich aus dem Sattel, nahm diesen ab und klatschte in die Hände. Sofort jagte Calina los – so schnell wie noch nie. Sie umrundete den Black öfter als zehn Mal, bis sie neben mir zum Stehen kam. Dann stupste sie mich an, als wolle sie sagen: So, jetzt geht es wieder. Komm, wir machen weiter, wo wir gerade aufgehört haben!
      Rasch sattelte ich sie wieder auf, stieg auf und nahm die Zügel leicht an. Als ich dann die Schenkel anlegte, trabte sie sofort weich an. Der Kopf war zwar jetzt nicht mehr leicht an die Senkrechte gestellt, aber die Spannung war gewichen. Eli saß auf der Tribüne und schoss Fotos, als hätte sie etwas zu verlieren.
      „Ich reit sie jetzt auch wieder ab.“ sagte ich eine viertel Stunde später und parierte Calina zum Schritt durch. „Ich weiß nicht, wie es um ihre Kondition steht, außerdem noch Chloe…“ Eli grinste, sagte aber nichts. „Dann muss ich jetzt auch noch dich und Unwritten heimfahren…oh Gott, hab ich einen Stress.“ Ich stimmte in Elis Grinsen ein, lenkte Calina auf die Mittellinie und stieg ab. Mit geübten Griffen schob ich die Steigbügel hoch, lockerte den Sattelgurt und nahm die Zügel in die Hand. Eli öffnete mir das Gatter und half mir anschließend, Calina abzusatteln und mit Stroh abzureiben. Als die Schimmelstute in ihrer Box das Heu aus dem Netz rupfte, Chloe neben ihr schlief, fütterten Eli und ich noch schnell die Pferde. Unwritten war schnell verladen und innerhalb einer halben Stunde kochte ich in meiner Küche Kaffee. Manu hatte mir nämlich gerade verraten, dass Vanilla immer unruhiger wurde. Lange würde es also nicht mehr dauern.
      Bald schon duftete meine ganze Wohnung nach Kaffee. Als die schwarze Flüssigkeit endlich fertig war, brachte ich die heiße, dampfende Thermoskanne mit zwei Tassen in den Stall. Manu hatte sich schon neben Vanilla Twilights Box eingefunden und lächelte mir entgegen. Ein wenig verunsichert machte ich es mir neben ihm auf der alten Stallmatratze bequem. Ein wenig unwohl fühlte ich mich schon, doch ich versuchte, es zu ignorieren. Doch ein anderes Gefühl machte sich in mir breit und ich bekam erst wieder etwas mit, als ich unsanft geschüttelt wurde.
      „Hey, jetzt wach schon auf!“ Erst versuchte ich, die leise Stimme zu ignorieren. Schließlich störte mich auch noch das Dämmerlicht und ich öffnete geschlagen die Augen. Vor mir war Manus Gesicht, er grinste. „Ist was passiert?“ Hellwach richtete ich mich auf und wollte schon in die andere Box rennen, doch Manuel hielt mein Handgelenk fest. „Nein. Vanilla hat ganz normal gefohlt, ich musste ihr nicht helfen. Es ist übrigens eine kleine Stute.“ Ein sanftes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Warte noch fünf Minuten, dann kannst du rüberschauen. Die Fellfarbe vom Fohlen hab ich noch nicht gesehen, nur etwas Rotbraunes.“ Ein wenig legte sich meine Aufregung, vielleicht lag es auch an seinem Lächeln. Ich versuchte, es zu erwidern, doch die Mission scheiterte.
      Ich wartete klägliche fünf Minuten, dann sprang ich wieder aus dem Stroh auf. Vanilla Twilight lag noch mit einem rotbraunen Bündel im Stroh, doch die Mutter stand bereits auf. Die neugeborene Stute sah ihre Mutter erst entsetzt an, mich hatte sie noch gar nicht entdeckt. Das Fohlen versuchte, seine Beine zu ordnen und aufzustehen, plumpste jedoch einige Male ins Stroh. Ich wollte schon Vanillas Box stürmen, um der Kleinen zu helfen, doch wieder hielt mich mein Pfleger zurück. „Sie schafft das schon.“
      Tatsächlich. Drei Versuche später stand das Fohlen. Die dünnen Beine wackelten, und ich hoffte, es würde nicht sofort wieder ins Stroh fallen. Doch auch die ersten Schritte klappten perfekt, das Stutfohlen suchte sofort nach der Milch.
      Eine halbe Stunde später lag es schmatzend in der Ecke und döste vor sich hin. Vanilla war sichtlich stolz auf ihre Kleine und bewachte sie wie eine Glucke. Das Fohlen hatte mich vor wenigen Minuten mit einem neugierigen Wiehern begrüßt, wurde aber von seiner Mutter sofort wieder abgeschirmt.
      „Vanilla wird eine ganz schön schlimme Mutter.“ Grinsend ließ ich mich wieder zu Manu ins Stroh sinken. Er grinste kurz und legte seine Tasse weg. „Hast du schon einen Namen für die Kleine?“ Sofort nickte ich und musste ebenfalls grinsen. Verdammt, war es wirklich so ansteckend?! „Klar. Die Kleine soll Nessaja heißen.“

      Wenig später waren die letzten Lichter im Stall erloschen, einträchtig nebeneinander schlenderten Manu und ich die Auffahrt hinauf. Der Sternenhimmel funkelte und glitzerte, es war wirklich fast magisch. Jetzt fehlte nur noch … oh nein.
      Eine warme Hand glitt in meine und für ein paar Augenblicke sahen uns Manu und ich nur in die Augen. Selbst jetzt, in der Nacht, funkelten seine noch wie am Tag. Wenn nicht sogar noch mehr…aber ich verlor mich schon wieder.
      Wir standen bestimmt eine viertel Stunde nur so da, bis im weit entfernten Dorf die Kirchturmuhr schlug. Der schwache Klang zeigte zwei Uhr an. Räuspernd trat ich einen Schritt zurück und dankte allem, dass es dunkel war. Meine Wangen glühten, ich musste mich abwenden. Schnurstracks lief ich die kleine Treppe hinauf, sperrte meine Tür auf und drehte mich im Türrahmen noch einmal herum. Seine Silhouette hob sich nur schwach von der Umgebung ab, doch ich sah ihn. Und dann blitzte mitten in seinem Gesicht etwas Weißes auf. Er grinste. „Gute Nacht.“
      „Gute Nacht, Manu.“ seufzte ich, zog die Tür zu und knipste das Licht an.
    • Rhapsody
      Alte Pflegeberichte
      5/10

      Besuch
      15. November 2010 -- Rhapsody

      Grinsen. Perlweiße Zähne, die im letzten Schein des Herbstes funkelten. Und es war ansteckend.
      „Sieht doch gut aus“ Das Kommentar der Zähne. Meine Augen wanderten über die Grübchen in den Backen, über die Nase, bis zu den Augen. Blaugrüne, strahlende Augen, die ebenso funkelten wie die Zähne. „Ich mag es auf jeden Fall. Gefällt dir dein neues Heim auch?“ Die Augen wurden auf mich gerichtet, würde ich nicht wegsehen und so tun, als würde ich mich interessiert in der neuen Wohnung umsehen, wäre ich ins Stottern gekommen. „Klar, es ist wunderschön“ Mein Grinsen wurde zum Lächeln.
      Manu lachte kurz auf. „Ich werde mich jetzt aber in meine Wohnung verkrümeln. Wir sehen uns spätestens in einer halben Stunde.“ sagte er und lief zur Tür. Als sie in meinem Rücken zuschlug, war ich allein.
      Seufzend nahm ich meine Tasse Tee, setzte mich auf das Sofa und starrte auf das helle braun des Cafétisches. Mein Haus war wirklich schön geworden. Und Manus Wohnung auch. Und die Ställe. Und die Reithalle. Und, und, und. Stolz lächelte ich vor mich hin, zog die Beine eng an mich heran und umschlang sie, die Tasse immer noch in der Hand. Manus Idee, das Caramell Brook Stud umzudekorieren – was für ihn Komplettneuanfang hieß – hatte mich dann nach einigen Überredungen am Abend doch überzeugt. Das Gut war zwar schon seit gut einer Woche fertig, doch ich war noch ein paar Tage länger bei meinen Eltern geblieben. Meine Pferde waren eingezogen, jedoch nur ein Teil der Süßen. Von dem Rest hatte ich mich verabschiedet. Meine Zeit ließ eine so große Herde an Pferden nicht mehr zu, ein paar musste ich jedoch behalten. Unter anderem Vanilla Twilight, Calina, Creepin und Cabaniro.
      Die Dächer waren heller geworden, Photovoltaik sollte auch noch auf den Stall kommen. Manus Wohnung war neben meine gelegt worden, seine Haustür war nur wenige Schritte entfernt. Der Stall wurde aufgelöst; einmal eine Hälfte für die Stuten, dann lag der Putzplatz zwischen den beiden. Erst dann kam man in den Hengststall. Alle Boxen waren riesig, aber ich würde nur gut die Hälfte davon nutzen. Ich wollte keine Pferde mehr haben. Nur noch die, die ich im Moment hatte.
      Pferde. Schnell stellte ich meine ausgetrunkene Tasse in die nagelneue Spüle, schob einen neuen Esszimmerstuhl zurück und schlüpfte dann in meine Stallschuhe. Casey, Mika und M&M waren bereits auf Entdeckungstour gewesen und müssten irgendwo draußen herumstreunen. Bevor ich aus dem Haus trat, betrachtete ich mich im Spiegel. Meine schokobraunen, neu gefärbten Haare standen in wilden Locken ab. Ich musste sie nur einmal in der Woche mit dem Lockenstab bearbeiten, schon hatte ich fast zwei Wochen lang eine Lockenpracht, die sich kaum bändigen ließ – weder von Glätteisen, noch von mehrmaligem Waschen. Schnell band ich mir die abstehenden Dinger zu einem Zopf zusammen, während mein Blick auf mein Outfit wanderte. Ein kakaofarbener Pullover, darüber eine ärmellose, schwarze Weste. Die Jeans, die ich anhatte, war ausgeleiert und hatte ein paar Löcher. Aber sie taugte noch ganz gut.
      Ja, so konnte ich aus dem Haus gehen. Lächelnd drückte ich die Klinke hinunter und trat einen Schritt auf meinen neuen Hof. Links war der Stutenstall, daneben die Boxen für die Hengste. Dahinter lagen die großen Weiden, auf denen sich meine Schätze im Sommer die Zeit vertreiben durften. Rechts von mir lag der große Reitplatz, noch unbenutzt. Der Sand war noch fast ungenutzt; gestern hatte Manu Charteaux longiert. Und nicht im Longierzirkel geradeaus, sondern auf dem neuen Reitplatz. Das Wetter war auch super gewesen. Jetzt nieselte es. Neben dem Reitplatz lag die halboffene Reithalle, daneben war ein kleiner Unterstand für Autos – auch überdachter Parkplatz genannt. Und dann war da die große, breite Einfahrt zu meinem Gestüt. Caramell Brook Stud.
      Etwas Blaugraues tauchte in meinem Blickwinkel auf. Mika rannte auf mich zu, der kleine Casey und die große, schlanke M&M saßen am Tor und wedelten mir freundlich mit dem Schwanz entgegen. Übermütig sprang Mika an mir hoch und bettelte, ich solle ihren Tennisball schmeißen. Lachend tat ich dies ein, zwei Mal, dann lief ich zu meinen großen Schätzen.
      Die neuen Ställe hatten zwar keine Paddocks, dafür waren die Boxen riesig und lichtdurchflutet. Wo man nur hinsah war es hell. Fast schon blendend hell. Die Stalltür quietschte noch nicht, als ich sie öffnete, gerade erst hatte Manu sie geölt. Ein paar Köpfe tauchten über den Boxenwänden auf. Drei große, elegante Köpfe und ein Ponykopf. Zu dem Grauen ging ich als erstes. Barquillero Mojito schnaubte mir fröhlich entgegen; ihm gefiel das neue Gestüt. An den verdächtigen Heuhalmen in seinem Schopf und seinem Winterfell am Kopf und dem Loch in der Heuhalterung erkannte ich, dass er in sein Futter abgetaucht war. „Bitte, bitte, lass mich dich heute nicht putzen“ stöhnte ich, gespielt entnervt, setzte mich ins Stroh. Bari schnaubte erst ein wenig verwundert, ließ sich dann aber auch ins Stroh sinken. Seinen Ponykopf hatte er auf meinem Schoß gebettet und ließ ihn auch da, als ich die kleinen Halme aus dem Schopf piekte.
      Eine gefühlte Ewigkeit saß ich nur da und machte den Grauen wieder sauber. Dann jedoch schlief mein Bein ein, ich musste den zierlichen Kopf des Ponys wegdrücken, aufstehen und mein Bein ausschütteln, bis es aufhörte, zu kribbeln. Auch Barquillero war aufgestanden. Er sah mich neugierig, ja, fast schon bittend an. Leicht lächelte ich, griff über die Boxentür und holte sein blaues Stallhalfter. Als fände er es gut, brummelte er und ließ sich einmal ohne Probleme aufhalftern. Er war viel zutraulicher geworden, seit ich ihn hatte. Von seiner ehemaligen Besitzerin hatte ich gehört, er wäre eine absolute Katastrophe. Naja, der junge Hengst hatte sich bei mir schon öfter unter Beweis stellen müssen, jedoch immer mit Bravour bestanden.
      Von draußen hörte ich lautes Prasseln und Rauschen – es hatte also angefangen, zu regnen. Ich zuckte mit der Schulter und band das Reitpony letztendlich in der Stallgasse an. Fing an, den Hengst ausgiebig zu striegeln, bürsten und die Hufe auszukratzen, bis ich schließlich den Sattel holte. Der Regen, der von draußen in den Stall drang, wurde langsam rhythmisch, ich fing an, eine Melodie zu summen.
      Rasch warf ich eine Regendecke über Barquillero, setzte meinen Helm auf und suchte verzweifelt die Kapuze meiner Jacke. Toll, keine da. Jetzt musste ich im Regen zur Halle rennen, einen nervösen Hengst an der Seite. Als Bari nämlich gemerkt hatte, dass ich vorhatte, ihn zu reiten, hatte er angefangen, zu tänzeln. Oder war es wegen dem Regen? Nein, das wäre unnormal. Seufzend nahm ich die Zügel fest in die Hand, öffnete die Stalltür und führten den Grauen dann schnell hinaus, um hinter mir die Tür wieder zuzumachen. Die Melodie von Stalker ging mir nicht mehr aus dem Kopf, und so summte ich sie, als ich das neue Hallentor aufschob und Bari reinschickte. Auch, als ich ein paar Runden führte, danach meine Dressurgerte von der Tribüne holte (was sie da machte, weiß ich nicht) und nachgurtete, immer hallte mir das ‚Babadabada-oh’ im Ohr. Verdammt.
      Baris Nervosität hatte sich gesteigert. Verzweifelt versuchte er, sich irgendwie aus der Halle zu befreien, schrie seinen Kumpels zu und tänzelte noch nervöser, als gerade eben. Nach dem fünften Anlauf gelang es mir erst, aufzusteigen. Er war ruhig stehen geblieben, als lobte ich ihn kurz. Dann nahm ich die Zügel leicht auf, drückte meine Schenkel gegen den Ponybauch. Zögernd ging der Hengst los, dann wurde sein Schritt aber zackiger und er fing an, sich vor der Hallentür zu erschrecken. Eine Bö wehte ein wenig Wasser zu uns herein und er fing an, sofort in die Mitte zu drängen, sobald es am Tor vorbei ging. Er war absolut steif, bog sich weder auf dem Zirkel, noch in den Ecken oder Volten.
      Als ich vor dem Trab noch einmal durchparierte, war der Hengst bereits durchgeschwitzt. „Armer Bari“ flüsterte ich und strich ihm beruhigend über den Hals. Kurz spitzte er die Ohren, eher neugierig als angstvoll. Lächelnd gurtete ich nach, nahm die Zügel mehr auf und ließ ihn wieder losgehen. Er wirkte etwas entspannter, doch in seinem Gehirn hatte sich bereits festgesetzt: Hallentor = böse, Böses frisst mich.
      Nach ein paar Runden ging er wieder artig auf dem Hufschlag, jedoch kaum am Zügel. Außerdem hatte sich weißer Schaum am Hals und auf der Kruppe gebildet. Und dabei war der Sand schon öfter benutzt worden, als der Sand auf dem Reitplatz. Und wir waren bis jetzt nur Schritt gegangen. Sollte ich einen Trab wagen?
      Tief atmete ich durch, nach die Zügel ein wenig auf und legte meine Schenkel an. Dazu kam ein aufmunterndes Zungenschnalzen, worauf Bari dann wohl besser reagierte, als ich gehofft hatte; er galoppierte an. Aber keinen Galopp voller Angst, sondern eher ein durch Hilfen veranlagtes. Hastig parierte ich ihn durch. Das Pony schnallte anscheinend, dass er falsch reagiert hatte und wurde noch nervöser. Aber ich wollte noch einmal einen Trab probieren. Also legte ich dieses Mal nur die Schenkel an, worauf der Hengst wunderschön antrabte. Er hob seine Beine, ließ sich an den kurzen Seiten versammeln, an den langen verstärken. Auch sein Hals war nun stolz gebogen.
      Da ich mir aber Sorgen machte, er würde sich verkälten (es regnete immer noch ab und zu hinein, außerdem schwitzte er nun wirklich stark), ließ ich ihn am langen Zügel abschnaufen. Als ich ihn dann fünf Minuten später auf der Mittellinie durchparierte, war er ganz ruhig geworden. Fast schläfrig nahm er das Leckerli an und folgte mir wie in Trance aus der Reithalle. Der Regen hatte inzwischen vollkommen aufgehört und die Sonne ließ sich sogar blicken. Rasch putzte ich Barquillero Mojito über und stellte ihn dann wieder in seine Box.

      Ich hatte mich gerade in Victims Box zum Schmusen verabschiedet, als ich hörte, wie jemand die Stallgasse betrat. Kurzerhand richtete ich mich im Stroh auf und blies mir eine lose Strähne aus dem Gesicht. Auf der Stallgasse stand – Manu. Verlegen strich er sich durch die Haare, seine Augen blitzten in meine Richtung. Ich musste wohl ziemlich ertappt aussehen. Auf jeden Fall ging er ein paar Schritte auf mich zu und stützte sich auf die Boxentür ab. Vicci schnaubte ihm neugierig, fragend und abwehrend zugleich entgegen. Als wäre er eifersüchtig und würde in meinem Pfleger einen bösen Menschen sehen. Grinsend betrachtete ich den Rappen, der nur wenige Schritte hinter mir stand und uns argwöhnisch betrachtete. Dann wandte ich den Kopf wieder. Ein winziger Zentimeter trennte unsere Nasenspitzen. Doch Zeit zum Kopfwegziehen hatte ich nicht groß. Zu schnell hatte ich mich in den großen, blaugrünen Augen verloren. Gelähmt.
      Manu schien das nur zu amüsieren. Sein Grinsen wurde breit, er bewegte sein Gesicht noch ein bisschen zu meinem, sodass nur noch ein Haar zwischen uns gepasst hätte. Ich schloss meine Augen, wollte nichts mehr sehen. Versuchte, meinen Atem wieder zu drosseln, das ganze Rascheln und die störende Geräusche um mich auszublenden. Hm, schön wäre es gewesen.
      Von draußen erreichte mich lautes Klingeln, von einem Fahrrad oder ähnlichem. Vicci brummte hinter mir ein wenig erleichtert, dann warf er Manu, der sich verwirrt und verlegen mitten auf die Stallgasse platziert hatte, einen giftigen Blick zu. „Schon gut, Süßer“ flüsterte ich leise, öffnete hastig die Boxentür und rannte dann hinaus. Noch einmal ertönte lautes Klingeln, bis ich sie sah. Zu dritt standen sie auf meinem Hof, alle drei grinsten sie. Jeremy, Keksi und Joey. Meine beste Freundin, ihr ‚Schwager’ und ihr Freund.
      Joey winkte mir verhalten zu, während Keksi und ich uns umarmten. Jeremy bekam nur ein kurzes Grinsen, Keksi sollte nicht eifersüchtig werden. Sie sagte zwar, sie würde es nie werden, aber man weiß ja nie. Jeremys fünfeinhalb Jahre alter Bruder war zwar noch jung, aber schon ziemlich vertraut mit Pferden. Ich erklärte ihm, wo er Spirit und seine Sachen finden konnte, und schickte den Kleinen los.
      Als er um die Ecke verschwand, blieben Jeremy, meine beste Freundin und ich an der Wand stehen zum Hengststall stehen. Keksi grinste mich schon so komisch an, auch ihr Freund musste sich ein Lachen verkneifen. „Was ist los?“ fragte ich überrascht. Vorhin hatte ich doch gar nicht so schlecht ausgesehen.
      „Ich will wirklich nicht wissen, was du gerade im Stall gemacht hast“ kicherte Keksi und zeigte auf meine Haare. Langsam fasste ich mir in die Locken und wurde von etwas gepiekst. Geschickt fädelte ich es aus den wirren Haaren. „Stroh“ Dann stöhnte ich. „Oh man, ich war gerade bei Vicci in der Box und –“ Ich brach ab. Die beiden würden mir eh nicht glauben. Trotzdem versuchte ich es. „Vicci und ich haben ein wenig gekuschelt“
      Keksis Blick verriet mir, dass sie mir nicht glaubte. Und Jeremy musste sich abwenden, um nicht laut loszulachen. „Ihr seit tolle Freunde“ Und dass Manu gerade den Hengststall verließ, aus dem ich vorhin gegangen war, machte die Situation auch nicht gerade besser. Verärgert schob ich die zwei kichernden Erbsen in Richtung Stutenstall und murmelte, sie sollen It’s the CSI Girl und Baghira satteln und sich mit Joey in Richtung Wald verziehen. Eigentlich müsste ich jetzt allein sein. Als die zwei im Stall verschwunden waren, drehte ich mich auf dem Absatz um – und rannte fast in meinen Pfleger.
      Ein paar Minuten standen wir nur da und sahen uns gegenseitig in die Augen. Unbehagen überfiel mich. „Ich…eigentlich wollte…ich geh mit Cabaniro ausreiten“ Als ob Manu mir nicht glauben konnte, sah er mich an. „Allein?“ Stumm nickte ich und versuchte, mich an ihm vorbeizudrücken. Aber er hielt mich fest. Erst an der Schulter, dann glitt seine Hand zu meiner. Wieder sahen wir uns nur an. Bis er einen Entschluss fasste.
      „Ich geh mit“
      Toll. Eigentlich wollte ich mit meinen Gedanken alleine sein. Seufzend sah ich ihn mit meinem Muss-das-sein-Blick an. Und er nickte. Dann erschien ein breites Grinsen auf Manus Gesicht. „Komm, das wird cool!“
      Wenig später putzte ich meinen großen, frisch gekörten Hengst Cabaniro kurz über. Er hatte die ganze Zeit eine Decke über gehabt, war also nicht sonderlich dreckig. Charteaux ebenfalls, mein Pfleger war sogar schneller fertig als ich. Fünf Minuten später – Keksi und ihre Anhängsel hatten den Hof zum Glück schon verlassen – gingen Cabaniro und Charteaux einträchtig nebeneinander über den Hof. Ich wollte nicht viel reden – bitte, erfüll mir den Wunsch, lieber Manu.
      Aber irgendwie klappte gar nichts. „Hör mal…sollten wir nicht langsam darüber reden?“ Seine Stimme war leise und ungewohnt durchdringend. Nicht mehr sanft, weich. Etwas fragend sah ich zu ihm rüber. „Über was?“ Bitte kein unangenehmes Thema…
      Ich sollte wirklich mit so etwas aufhören. Manu war es ebenso unangenehm, aber er konnte über so etwas reden. „Na…das mit uns.“
      Wumm. Bam. Vor die Wand gelaufen. Verwirrt sortierte ich meine Zügel und starrte dann auf Cabaniros Mähnenkamm. „Ähm. Ja. Was…?“
      Manu seufzte. „Ja, du weißt schon. Dieses ganze Verstecken, aber dann doch irgendwie verliebt“ „Können wir das nicht verschieben?“ bettelte ich. „Bitte, sonst werde ich echt verrückt“
      „Wir müssen das jetzt versprechen“ Oh nein. Der Ton, dem man nicht widersprechen konnte beziehungsweise durfte. Seufzend gab ich mich geschlagen. Aber Manu brachte dann auch kein Wort mehr heraus.
      „Wir machen nicht so weiter, wie bisher. Einfach…du weißt schon“ So etwas kam aus meinem Mund? Erstaunt sah ich auf den Weg vor mich. Als wir auf einen breiteren Weg abbogen, war immer noch kein Wort gesagt. Und das sollte sich auch nicht ändern.
      Wortlos bedeuteten wir uns, dass wir antraben sollten, Cabaniro und Charteaux waren heute besonders lieb und achteten auf jede kleinste Hilfe. Oder spürten die beiden Hengste die Spannung zwischen ihren Reitern? Keine Ahnung. Ich war kein Pferdepsychologe.
      Die Sonne bescherte uns gerade eine fast heiße Wärme für November. In meiner Übergangsjacke wurde es langsam warm, die Pferde mit ihrem Winterfell schwitzten – da kam der kleine Pfad, der zum See führte, grade richtig. Stumm zeigte ich darauf, parierte Cabaniro zum Schritt durch und ließ ihn als erstes hinuntergehen. In Windeseile kletterte der Youngster über den Pfad, blieb gut im Gleichgewicht und erreichte schließlich schnaubend die Grasfläche um den See. Hinter mir hörte ich Charteaux’ Hufe ebenfalls dumpf auf dem Gras, Manu war also hinterher gekommen. Vor uns breitete sich eine lange Strecke aus.
      Der Abstieg hatte meine Laune gehoben, als ich mich jetzt zu meinem Pfleger umdrehte und ihm direkt in die wundervollen Augen sah, konnte ich sogar etwas herausfordernd schauen. Dann beugte ich mich über Cabaniros Hals, legte den rechten Schenkel zurück und gab die Zügel vor. Ohne groß zu warten preschte der Hengst vor, machte sich flach und ließ seinen Kumpel Charteaux hinter sich. Bald hörte ich von hinten aber wieder Hufgeräusche – sie holten auf. Ehrgeizig, wie der Braune unter mir war, schlug er einen Haken und wollte noch einmal schneller werden. Doch vor uns lag eine scharfe Rechtskurve, wegen der ich ihn durchparierte. Wir hatten in den letzten Wochen an seiner Durchlässigkeit gearbeitet, bei so etwas hatte sich das ganze Lernen jetzt bezahlt gemacht. Grinsend klopfte ich ihm den Hals und sah dann Manu entgegen, der in einigen Metern Entfernung in einem Affenzahn angeschossen kam und schließlich Charteaux schwer atmend durchparierte. Aber auch er grinste, sein Gesicht hätte gesprengt sein müssen.
      Während Cabaniro und Charteaux ohne Gebiss im Maul grasten, setzten wir zwei uns auf den Steg. Dicht beieinander, aber nicht zu dicht. Unsere Finger berührten sich nur leicht, ein Blatt Papier hätte noch dazwischen gepasst. Keiner sagte ein Wort, unsere Blicke waren stumm auf die glitzernde Wasseroberfläche gerichtet. Dann spürte ich Manus Blick auf mir ruhen. „Ich liebe dich“
      In Zeitlupe drehte ich mein Gesicht ebenfalls so, dass ich ihn sehen konnte. Langsam beugte er sich zu mir herüber, in der nächsten Sekunde spürte ich schon seine Lippen auf meinen. Es dauerte fast ewig, bis wir uns wieder in die Augen sahen.
      „Na siehst du“ grinste ich. „Das Gespräch wäre vielleicht ganz anders ausgegangen.“

      Wenig später saßen wir wieder auf und ritten gemütlich zurück. Wieder sagte niemand ein Wort; warum auch immer. Ich hatte nicht das Bedürfnis dazu, Manu ebenso nicht. Cabaniro und Charteaux gingen artig nebeneinander her und blieben brav im Schritt.
      Kurz vor dem Gestütstor stiegen wir ab. „Kein Wort zu Keksi und Jeremy“ schärfte ich Manu ein. Meine beste Freundin würde es eh in ein paar Tagen wissen – solang konnte man es ja noch rauszögern. Manu nickte, grinste und öffnete mir das Tor. Cabaniro folgte mir wie ein Hund in den Stall und ließ sich auch brav absatteln. Keksi und Jeremy waren auch schon da, hatten uns kurz gegrüßt und die Pferde dann auf die Weide gebracht. Wir wollten uns gleich treffen und besprechen, was zu tun war.
      Als Cabaniro und Charteaux als die Ersten auf der neuen Weide standen, seufzte Manu. „Ihr könnt ruhig reiten, ich werde mich dann ans Ausmisten machen. Außerdem muss ich mich von den Springstunden erholen. Wir sehen uns dann“ Ein kurzer, intensiver Blick – mehr nicht, denn wir wurden beobachtet. Gerade, als Manuel im Stutenstall verschwand, die Schubkarre vor sich hinschiebend, tauchten Keksi, Jeremy und Joey auf. Der Kleine rannte auf mich zu und fand sich bald auf meinem Arm. „Wir sind sogar galoppiert!“ berichtete er mir stolz und erklärte mir noch ein wenig, was er heute gemacht hatte. Bis Keksi und Jeremy kamen. „Na, was haben wir noch vor?“ witzelte ich und sah meiner besten Freundin direkt in die Augen. Hey, das klappte ja immer besser!
      „Mhm. Wen gäbe es denn noch zu reiten?“ Sie grinste. Kurz musste ich überlegen. „Also…die Fohlen müssen beide noch beschäftigt werden. Und Baghira und Calina, Creepi, Vicci, Dahiba, CSI Girl und Vanilla. Die teilen wir jetzt gerecht auf. Keksi, du schnappst dir jetzt Baghira, putzt sie und sattelst sie. Wenn du fertig bist gehst du dann auf den Platz. Jeremy, dir überlasse ich Dahiba. Sie ist noch ein wenig scheu und unerfahren, aber reiten kannst du sie schon. Und ich nimm mir CSI Girl“, Joey sah mich traurig an, „Okay. Und du, Joey, darfst mir helfen“ Und schon war ein Lächeln auf dem Gesicht des 5 ½ jährigen. Zu dritt – Joey lief nicht – machten wir uns auf zum Stutenstall. Aber kein Manu mistete aus – er hatte also schon in den Hengststall gewechselt. Eigenständig machte sich jeder von uns dreien in eine Box aus. Keksi fing an, die Braunschimmelstute zu putzen, und sprach dabei leise mit ihr. Baghira fing schon bald an, auf der Stallgasse zu dösen.
      Jeremy ging in die Box gegenüber Baghiras und neben meiner. Die Schimmelstute Dahiba erwartete ihn bereits und Jeremy ließ sich artig von ihr beschnuppern, ehe er ihr das Halfter über den Kopf zog und sie ebenfalls auf der Stallgasse anband. It’s the CSI Girl wartete ebenfalls auf mich; laut prustend rief sie nach mir und wurde unruhig. Hui, ich hatte das aufgekratzte Pferd erwischt. Naja, man musste wohl das Beste draus machen.
      Alle redeten wild durcheinander, Joey half mir beim Striegeln und nahm sogar meine Gerte mit, als ich aus der Sattelkammer Sattel und Trense von CSI Girl holte.
      Fast zeitgleich wurden wir alle drei fertig. Joey durfte auf CSI’s Rücken sitzen, solange wir noch eine Runde auf dem Platz führten. Ich lief eigentlich nur neben ihm her. Damit ich nicht so unproduktiv war, legte ich ein paar Trabstangen in die Mitte, die Keksi mit einem lauten „NEIN!“ kommentierte. Sie hasste Springreiten und bekam von Manu immer ein paar Springstunden. Heute nicht, aber man konnte ja doch ein wenig machen.
      Keksi und Jeremy waren schon längst aufgestiegen und ritten gerade ihre zweite Runde Schritt, als Joey und ich Platz wechselten. Er stellte sich in die Mitte, so, dass er niemanden störte, und gab manchmal sogar ganz nützende Tipps, wie „Absatz tief“ oder „Hand nachgeben“. Dieser kleine Junge war keine fünfeinhalb!
      Keksi mied es, über die Stangen zu traben. Jeremy und ich jedoch hatten schon so viel Übung darin, dass wir fast von Natur aus in den Entlastungssitz gingen. Keksi jedoch war etwas verunsichert. Baghira spürte das sofort, wurde es ebenfalls und wich aus. „Schenkel ran und mutig bleiben“ war mein Tipp, als sie mit der Rase-Baghira an mir vorbeitrabte. Atemlos nickte sie, lenkte auf die Mittellinie ab und ich merkte, dass sie sofort mutiger auf dem Pferd saß. Den Schenkel hätte sie sich sparen können – Baghira trabte jetzt mit Fleiß über die Stangen.
      Zehn Minuten später saß ich tief in den Sattel ein, gab die Hand vor, legte den äußeren Schenkel zurück und gab einmal kräftig Druck mit den Beinen. CSI Girl nahm anmutig den Kopf an und fing an, raumgreifend zu galoppieren. Sie wollte auf die Stangen zurasen, doch ich hielt sie gekonnt zurück. Als Keksi und Jeremy galoppiert waren, stieg ich noch einmal kurz ab, um ein kleines Kreuz aufzustellen. Mal sehen, was Keksi dazu sagte.
      Nichts, außer einem nachgebendem Schnauben. Und sie sprang sogar als erste! Flüssig, wie geschmiert, und Baghira landete federweich auf der anderen Seite. Jeremy war als nächstes dran; Dahiba war ein wenig verunsichert, oft war sie noch nicht gesprungen. Doch ihr Reiter überzeugte sie, dass das Hindernis keine weißen Hannoveranerstuten fraß. Etwas haperig sprang sie letztendlich drüber.
      CSI wollte mir da jedoch einen Strich durch die Rechnung machen. Gerade wollte ich in einem geregelten Galopp auf das Hindernis zureiten, sie antreiben und darüber springen, da fing sie an, seitwärts zu galoppieren und sich am Kreuz vorbei zu stehlen. Ein etwas energischer Schenkeldruck, ein Zügel, der sie wieder auf den Hufschlag lenkte, und schon war das Kreuz vor uns. CSI wollte stehen bleiben, verweigern. Ich spürte es jedoch schon und kam rechtzeitig mit Schenkeldruck. Als sie darauf kaum reagierte, kam eine Gertenhilfe. Dezent eingesetzt, aber wirkvoll. Sie übersprang sich, landete etwas wackelig auf der anderen Seite und galoppierte noch ein Stück verwirrt weiter. Dann parierte ich sie zum Schritt durch und ritt ab. Das Hindernis blieb stehen, später wollte ich es noch aufräumen.
      Joey durfte CSI abreiten und half mir dann beim fertig machen. Kurzes Schmusen, dann brachte ich die Stute auf die Weide. Dahiba und Baghira folgten ihr schon bald.
      „So, jetzt wären noch die Fohlen übrig, Calina und Vanilla. Wir könnten ja auch einfach einen großen Spaziergang machen“ schlug ich vor, als wir uns zu viert im Stutenstall versammelt hatten. Er war jetzt komplett leer, alle Stuten, Fohlen und der Wallach standen auf der Weide. „Ich führ dann Chloe!“ rief Keksi begeistert. „Die läuft Calina hinterher“ entgegnete ich frech. „Es müssten eigentlich nur zwei führen; einer Calina und einer Vanilla“ „Ich bleib hier und seh mal, was es noch zu tun gibt“ sagte Jeremy, also ging es. Joey wollte auf Vanilla Twilight reiten, also durfte er.
      Die zwei Stuten begrüßten uns wiehernd. Calina besonders laut, sie liebte kleine Kinder und mich. Keksi und sie kannten sich kaum, meine Freundin hatte zu große Ehrfurcht vor der anmutigen Stute. „Das nächste Mal führst du sie“ entschied ich, da sie sich bereits Vanillas Halfter gekrallt hatte. Das Fohlen der Fuchsstute, welches fast die gleiche Fellfarbe hatte, tauchte hinter Vanilla auf. „Hallo, Nessi, begrüß mal deine Namensverwandte!“ rief Keksi lockend und hielt ihr auf der flachen Hand ein Stück Banane hin. Der Rest der gelben Frucht war an die junge Mutter Vanilla gegangen. Vorsichtig ging Nessaja einen Schritt auf Keksi zu, schnupperte und bekam dann mehr Mut. Fröhlich trabte sie meine Freundin fast um, nahm mit weichen Lippen die Banane und stupste sie wieder an. Mehr! Keksi kicherte. „Tut mir leid, meine Kleine, mehr gibt’s nicht. Vielleicht später“ Dann hob sie Joey auf Vanillas Rücken, halfterte die Stute auf und führte sie von der Weide.
      Chloe, Calinas Stutfohlen, hatte mich bereits spielerisch begrüßt und wollte, dass ich mit ihr ein paar Runden um die Weiden drehte. „Nee, Süße, heute nicht. Jetzt geht’s spazieren!“ Aufmunternd schnalzte ich mit der Zunge, sobald Calina ihr neues, lilafarbenes Nylonhalfter hatte. Chloe schien erst enttäuscht, merkte dann aber, dass auch ihre Freundin Nessaja mitging, und tapste übermütig voraus.
      Keksi und ich entschieden uns für einen kurzen Grasweg um den Hof. Ab und an steckten die Fohlen die Nase ins Gras, um so zu tun, als würden sie es fressen. Dann spuckten sie es doch nur angeekelt aus und trabte zurück zu ihren Müttern. Mit Keksi redete ich über Gott und die Welt – alles also. Das Turnier in ein paar Wochen mit Calina und Cabaniro, das neue Gestüt und über ihre neuen Ponys Sweet Death und Prejudice. Beide waren aus meiner ehemaligen dt. Reitponyzucht gewesen und hatten mir gehört – bis vor kurzem. Außerdem hatte ich ihr noch eine gekörte Stute, Askana, geschenkt. Sie hatte Finelore gehört, die jetzt aber gegangen war, zusammen mit Fratzi, einer guten Freundin von mir. Und da ich keine Verwendung für die Lusitanostute gefunden hatte, hatte ich sie Keksi geschenkt.
      Das Thema Manu schnitt keine von uns beiden an. Langsam fing es an zu dämmern, und als wir den Hof wieder betraten, musste ich das Hoflicht anschalten. Schnatternd und kichernd über das letzte Turnier putzten wir die zwei Stuten, deckten sie und die Fohlen ein und führten sie dann in ihre Boxen. Die anderen - Spirit, Dahiba, It’s the CSI Girl, Creepin Up The Backstairs und Baghira – standen schon heumampfend in den Boxen. Auch im Hengststall war alles schon in seinen Boxen – Cabaniro, Barquillero Mojito, Charteaux und Victim. Beruhigt schloss ich die Stalltüren und setzte mich dann mit Keksi, Jeremy und Joey in das kleine Reiterstübchen. Jeremys kleiner Bruder schlief in Keksis Armen ein. Und – ein Wunder – Manu kam auch bald.
      Ich sah nicht auf die Uhr, als ich ins Bett fiel. Es war auf jeden Fall ein langer Tag gewesen – aber auch ein schöner.
    • Rhapsody
      Alte Pflegeberichte
      6/10

      Ein Tag auf dem neuen Gestüt
      30. Januar 2011 -- Rhapsody

      Fünf lange Minuten stand ich vor der Box. Das kleine Fohlen sah mich mit seinen braunen Augen brav an, als ob es keiner Fliege was zu Leide tun könnte. „Kabel, mich brauchst du nicht zu veräppeln, ich kenne dich.“ wiederholte ich. Die Krümelspuren führten eindeutig zu der großen Laufbox des Fohlens uns seiner Mutter. Dabei war das Brot doch für die Neuankömmlinge gewesen!
      Seufzend öffnete ich die große, hölzerne Boxentür, zog meine Winterjacke noch enger zu und lief an dem braunen Fohlen vorbei. Er wieherte mir hoch hinterher und hängte sich an meine Fersen. Dabei wollte ich nur auf den Paddock zu seiner Mutter. It’s the CSI Girl ließ sich die Januarsonne auf den blanken Rücken scheinen, hatte die Augen geschlossen und öffnete sie nur kurz, als sie mich bemerkte. Cabal and Love, der liebevoll Kabel genannt wurde, stolzierte auf seine Mutter zu und ließ sich in den Sand plumpsen.
      „Na, meine Hübsche?“ begrüßte ich die junge Stute flüsternd. Ohne die Augen zu öffnen legte sie ihren schweren Kopf auf meine Schulter und schnaubte mir ins Ohr. So machte sie es seit Wochen, sobald ich die Wörter ‚hübsch’ oder ‚Hübsche’ sagte. Sie wusste anscheinend, was sie bedeuteten, und freute sich jedes Mal. Sanft schob ich ihren Kopf von meinen Schultern, pfiff Kabel kurz zu und lief dann wieder langsam in die Box. Das Fohlen war sofort aufgesprungen und mir hinterher gerannt, während CSI sich Zeit ließ. Die Stalluhr zeigte kurz vor halb zwei, Saabhra und Topar würden ungefähr um vier Uhr kommen. Ich hatte also noch genug Zeit, einige Pferde zu bewegen und den Rest in der Halle laufen zu lassen.
      Als ich CSI aufhalfterte, erklang Hufklappern auf der Stallgasse. Wenige Sekunden später tauchte Eli auf, neben ihr eine verschwitzte und schnaufende Unwritten. Elis blonde Haare waren verstrubbelt und auch ihr war heiß, denn sie hatte ihre Jacke geöffnet. „Lief das Springtraining gut?“ fragte ich und öffnete die Boxentür. Auf Elis Gesicht erschien ein ironisches Lächeln. „Klar. Wir haben nichts gerissen und nicht gebockt.“ Sie verzog kurz das Gesicht, murmelte etwas von „Nur wegen dem Schnee“ und dann wandelte sich das ironische Lächeln in ein ehrliches. „Aber wenigstens haben wir ein wenig Spaß gehabt. Stimmt’s, Ritty?“ Die Scheckstute brummelte zufrieden, ehe sie ihrer Besitzerin die Stallgasse weiter folgte. Unwritten stand direkt neben Calina, die beiden Stuten hatten sich im Laufe der Zeit, in der sie Boxennachbaren waren, angefreundet. Auch jetzt erschien wieder lautes, ohrenbetäubendes Gewieher von Seiten Rittys, als sie ihre neue Freundin entdeckte. Stöhnend führte ich CSI raus, Kabel sprang seiner Mutter hinterher. „Jetzt aber los zu den Weiden, sonst werden wir hier noch taub“

      Kabel wollte mir schon wieder zum Gatter folgen, doch ich verschloss es sofort fohlensicher hinter mir. Er legte einen Vollstopp aus dem Trab ein, schlitterte kurz vors Tor und sah dann erst das Holz, dann mich verdattert an. „Pass auf, dass du nicht hinfällst, kleines Kabel“ flüsterte ich und wuschelte ihm durch die Stehmähne. Schließlich lag noch Schnee, es hatte in der letzten Nacht sogar nochmal fünf Zentimeter Neuschnee gegeben. Trotzdem war die Sonne irgendwie wärmend, was dem Fohlen auch bald einfiel. Er stellte sich dicht neben seine Mutter, schloss die Augen und nickte irgendwann ein.
      Als ich den Stall wieder betrat, war Ritty bereits wieder weg. Vielleicht hatte Eli sie zum anderen Ausgang zur Weide gebracht. Calina sah mich trauernd an und brummelte mir freudig ins Ohr, als ich ihr Halfter nahm und die Boxentür öffnete. Hinter ihr spitze Chloe hervor, immer noch scheu. Als ich ihre Mutter aus der Box führte blieb sie wie gewohnt darin und wartete ab, bis ich zurückkam, um sie zu holen. Mittlerweile ging es ohne viel Hinterhergeweine, solange Chloe keine halbe Stunde in der Box bleiben musste. Also rückte ich Calinas Decke nur rasch zurecht, hängte ihr Halfter auf meinen Arm und spurtete zurück zum Stall. Chloe hatte schon neugierig ihre schwarze Nase auf die Stallgasse gestreckt und wieherte jetzt hell und glockenrein, als ich sie aufhalfterte und aus der Box führte. Sie hatte jetzt einen Spielkumpel, der ihr gewachsen war und bei dem sie nicht aufpassen müsste, ihn nicht zu überrennen. Jetzt fehlte nur noch Nessaja und Vanilla Twilight, dann waren die Mütter und Fohlen auf den Weiden und ich konnte mich umsehen, welche Pferde ich erstmal auf die Weide brachte und welche ich reiten wollte.
      Vanilla Twilight und ihr Fohlen warteten ebenfalls schon in der Box auf mich und sahen mir gespannt entgegen. Von Nessa sah man nur das kleine Mäulchen, sie konnte noch nicht über die Boxenwand sehen. Weil sie nichts sah, wieherte sie öfters voller Selbstmitleid. Heute sprang sie ihrer Mutter aber sofort hinterher, auch, wenn sie selbstständig zur Stalltür lief. Vanilla rief ihrer Tochter nicht mehr hinterher. Ein wenig ungeduldig wartete das Rabicanofohlen vor der Stalltür und sprang hinaus in den Schnee, als ich sie öffnete. Alle Pferde drehten am Rad, sobald eine dünne Schicht Schnee lag, vor allem, die Fohlen, die ihren ersten Winter erlebten. Vanilla schnupperte lediglich an dem weißen Zeugs, auf dem sie lief, während Nessaja wie wild durch den Schnee buckelte. Auf einem Pfiff trabte Nessa wieder auf uns zu und begleitete ihre Mutter auf die Weide. Sie wurde von Chloe und Kabel lautstark begrüßt, ehe die drei durch den Schnee flitzten.
      Ein eiskalter Wind kam auf, also setzte ich mich zur Beratung in die warme Sattelkammer. Auf jeden Fall musste ich Dahiba und Creepi reiten, damit sie sicherer wurden. Zu Baghira kam heute ihre Reitbeteiligung, also musste ich mich um sie nicht kümmern. Victim bekam ebenfalls Besuch von seiner Pflegerin, auch ihn konnte ich streichen. Calina stand erstmal auf der Weide, so wie CSI und Vanilla Twilight. Spirit konnte ich vielleicht etwas longieren oder laufen lassen, mit anderen Ponys. Ansonsten blieb nur noch Barquillero Mojito. Den musste ich auch reiten, da er bei Beritt war und jetzt ganz anders zu reiten war.
      Voller Vorfreude räumte ich in Putzkastenschrank rum, bis ich Barquis blauen fand. Der Hengst stand ziemlich weit hinten im Stall, also nahm ich mir den Sattel und die Trense gleich mit.
      Er begrüßte mich mit einem dunklen Brummeln, ließ sich aufhalftern und auf der Stallgasse anbinden. Der Grauschimmel war nicht sonderlich dreckig, ein paar Strohhalme musste ich aus der Mähne ziehen, aber sonst nur drüber bürsten. Umso schneller es ging, desto mehr freute ich mich, endlich wieder ordentliche Dressur mit dem Hengst zu machen. Auch er schien aufgeregt, tänzelte unruhig hin und her, als ich ihn sattelte und auftrenste. Dann aber konnte es losgehen. Eli hatte sich zum Boxenausmisten gemeldet, dann war ich morgen dran. Also konnte ich mich ganz auf meine Pferde konzentrieren.
      Als ich aufstieg, war Barquillero ganz ruhig. Vor einem Monat war er noch schrecklich gewesen; drehen, tänzeln, vorwärts laufen. Öfter als einmal war ich wieder unsanft auf dem Boden gelandet. Doch jetzt überkam mich eine Welle Glück, als ich auf dem Ponyhengst saß. Ich brauchte meine Schenkel nur leicht anlegen, schon lief er im Schritt los. Die Halle hatte neuen Sand, der Grauschimmel war also nach wenigen Runden schon am Schwitzen. „Machen wir heute lieber viele Schrittpausen, nicht, dass du mir zusammenbrichst“ sagte ich leise, schnalzte mit der Zunge und ließ Barquillero antraben. Erst trug er seinen Ponykopf noch oben, doch mit vermehrten Paraden senkte er ihn langsam und lief in gesunder Anlehnung. Ob die Traversalen wohl besser klappten als zuvor? Er hatte vor dem Beritt öfters gebuckelt, schon beim Antraben. Bei den Traversalen sprang er zur Seite, dann nach vorne und dann in die Höhe. Mal sehen, ob der Bereiter gute Arbeit geleistet hatte. Ich stellte Barqui nach innen, trieb mit dem äußeren Schenkel und saß aus. Gespannt auf seine Reaktion trieb ich immer mehr, bis wir schließlich zu A sahen und uns seitwärts bewegten. Es hatte geklappt!
      Auf der anderen Hand gönnte ich Barqui eine Schrittpause, ehe es mit der Galopparbeit weiterging. Man hörte nur die Schritte des Hengstes in der Halle, auch von außen drangen keine Geräusche herein. Es war totenstill, als ich Barquillero angaloppierte. Oder war ich so in Gedanken der Freude versunken, dass ich es nicht hörte? Egal. Im Dreiertakt hallten die Schritte durch die Halle, bis ich Barqui wieder durchparierte. Auch der Galopp war ohne Zwischenfälle passiert. Jetzt konnte ich endlich an Turnieren mit ihm teilnehmen.
      Nachdem ich ihn abgeritten hatte und zurück in den Stall gebracht hatte, kam Eli mir mit Dark Firestorm entgegen. „Ich will den Dicken noch ein bisschen reiten und hab mir gedacht, wir können später ausreiten gehen. Topar geht doch auch Western, oder?“ Kurz dachte ich an die Verkaufsanzeige im Netz. „Ja, ich glaub, er geht Western auch. Wieso?“ „Vielleicht könnten wir, wenn Saabhra und er da sind, mal ne Runde ausreiten gehen. Mit Absolute und Topar“ schlug sie vor und hielt ihren aufgezäumten Hannoveraner an. Dark Firestorms Fellfarbe liebte ich, er war ein dunkeler Fuchs, aber kein richtiger Dunkelfuchs. „Ja, klar, wieso nicht?“ stimmte ich zu, hielt Eli kurz entgegen und öffnete ihr die Stalltür. Barqui hatte seine Ladung Hafer gefressen, stand dösend in der Stallgasse und brummelte nur etwas dagegen, als ich ihn abband und zur Weide führte. Die letzten paar Stunden, in denen die Sonne noch strahlte, wollte ich ihm auf der Weide gönnen. Als er dann im Schnee scharrte und nach Gras suchte, fragte ich mich, wen ich zu ihm stellen konnte. Es war vielleicht nur für ein paar Stunden, aber er sollte trotzdem mit jemanden spielen können. Cabaniro kam mir da recht gelegen, er hatte heute seinen freien Tag und vertrug sich mit Barqui. Wenige Minuten später jagten sich die beiden über die große Weide.
      Jetzt widmete ich mich Dahiba. Die Schimmelstute würde ich heute nochmal longieren, ehe ich mich die nächsten Tage draufsetzte. Als putzte ich den Schimmel, der eher an einen Schecken erinnerte. Auf ihrer Flanke prangte ein riesiger Mistfleck, der sich bei dem Winterfell nicht sonderlich beheben ließ. Ein braungelber Rand blieb, genauso wie auf ihrer Kruppe. Als ich ihr noch die Hufe ausgekratzt hatte, konnte ich den Longiergurt, die Ausbindezügel, den Kappzaum und die Longe holen. Dahiba war das ganze schon gewohnt und folgte mir zum überdachten Longierzirkel. Die Ausbinder waren erst noch locker eingeschnallt, sie sollte sich erstmal warm laufen und dehnen. Erst, als ich sie langsam heranarbeiten wollte, schnallte ich die Ausbinder kürzer, sodass ihr Hals rund gebogen war und ihr Kopf leicht angenommen war. Keine Rollkur und nicht zu arg, immerhin war es ein Jungpferd.
      Als ich sie kurz darauf antraben ließ, wurden die Schritte raumgreifender und weicher. Lange ließ ich die Stute jedoch nicht laufen, schließlich wartete noch Creepin auf mich. Ein Blick auf die Stalluhr verriet mir, dass ich ziemlich spät dran war. Reiten würde ich jetzt noch eine gute dreiviertel Stunde, dann musste ich einige Ponys noch laufen lassen, und das dauerte auch seine Zeit. Und es war bereits dreiviertel drei, es musste also schnell gehen. Zum Glück hatte sich Creepin Up The Backstairs nicht sehr dreckig gemacht, ich musste sie also nur kurz überputzen und konnte sie dann aufsatteln. Eli und Dark Firestorm hatten die Halle freigegeben, wir waren also wieder alleine.
      Als ich nachgurtete und die Steigbügel runterließ, beschloss ich, heute vor allem Biegungen und Trab zu reiten. Creepi wirkte verspannt, viele Biegungen würden sie lockern. Und im Trab haperte es noch gewaltig. Ich ritt sie im Schritt warm, bog sie da schon ordentlich auf den Zirkeln und ließ sie dann antraben. Erst lief die Jungstute verklemmt, horchte aber auf meine unterstützenden Hilfen und wurde schließlich in den Bewegungen flüssiger. Als wir die Biegung auch im Trab hinkriegten, parierte ich Creepi durch und ließ sie verschnaufen.
      Als ich Creepi auf die Weide gebracht hatte, zeigte es bereits fünf vor vier an. Mist, ich hatte zulange mit ihr geschmust! Schnell nahm ich den Besen, fegte kurz durch die Stallgasse und hörte dann schon Reifen auf dem Hof. Ein Blick durchs Fenster verriet mir, dass es ein Wagen der Green Hills war. Der Besen wurde unachtsam an die Wand angelehnt und ich stürmte durch die Stalltür, direkt vor Flairs Füße. Wir begrüßten uns kurz, Flair wies auf einen vollen Terminplan hin. „Das Geld hast du ja schon überwiesen, oder? Dann kannst du ihn jetzt holen“ Sie lächelte mir hinterher, als ich in den Hänger kletterte und mir eine graue Nase entgegengestreckt wurde. Topar prustete leise, dann wurde hinter ihm die Rampe geöffnet und ich band ihn ab. Das erste, was er tat, als er aus dem Hänger war, war laut zu wiehern. Ohrenbetäubend schallte sein Gewieher über den Hof, bis von den Weiden eine Antwort kam. Beruhigend tätschelte ich ihm den Hals und führte ihn dann erst einmal eine Runde. Flair lud indessen seine ganze Ausrüstung aus und brachte sie in die Sattelkammer.
      Nach einer Hofrunde brachte ich Topar in seine neue Box neben Victim. Der Rappe sah ihm gutmütig entgegen, seine Reitbeteiligung war also schon hier gewesen, wenn er wieder hier stand. Vorhin war er verschwunden gewesen, und jetzt war sein Fell verschwitzt. Gewissenhaft hatte sein Mädchen ihm eine Abschwitzdecke und eine Thermodecke drauf getan, damit er wieder trocken wurde, schließlich war er geschoren. Kurz strich ich dem Hengst über die Nüstern, nahm Topar dann das Halfter ab und strich seine Decke glatt. „Wir sehen uns später“ flüsterte ich. Draußen hatte ich nämlich wieder ein Auto gehört, ob es Flairs war oder Globalessers, der mir Saabhra brachte, konnte ich nicht hören. Aber doch, draußen stand wieder ein fremdes Auto, Globalesser begrüßte mich freundlich und wir luden den Rappschimmel aus. Er erkannte mich wieder, schnaubte in meine Hand und prustete Globalesser hinterher, als er wieder davonfuhr. Auch ihn führte ich eine Runde um den Hof, ehe ich ihn in seine neue Box brachte.
      Die Sonne wandte sich bereits dem Horizont zu, als Eli mit Absolute Bullet Proof in den Stall kam. „Also, wollen wir jetzt?“
      Leicht geschockt sah ich auf Topar, der seelenruhig sein Heu kaute. „Gib mir zehn Minuten, ich muss das Pony auch noch putzen“ meinte ich leicht verwirrt, lief in die Sattelkammer und krallte mir Topars Putzbox, seine Westerntrense und seinen Westernsattel und machte ihn schnell fertig. Absolute war schon aufgetrenst und –gesattelt und wurde von Eli in großen Kreisen über den Hof geritten.
      Als ich in den Sattel stieg, musste Eli mir die Steigbügel noch einmal einstellen. Ich war lange nicht mehr Western geritten, erinnerte mich aber noch an die Grundlagen. Die Zügel hingen durch, ich trieb vermehrt mit den Schenkeln und dem Gesäß und ließ Topar Freiraum. Eli korrigierte mich ein paar Mal, dann konnte es losgehen.

      Mitten durchs verschneite Tal ging es, Eli und Absolute führten uns. Topar ging eifrig voran, trabte weich und sanft durch den Schnee und galoppierte sofort an, als ich ihm die Galopphilfe gab. Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Absolute, und wir einigten uns schließlich auf unentschieden. Ja, der Ausritt war super.
      „Reiten wir lieber durchs Dorf zurück. Die Sonne ist ja jetzt fast weg, dann haben wir wenigstens etwas Licht“ meinte Eli und wir ließen unsere Pferde auf einen Feldweg, der am schnellsten zum Dorf führte, traben. Kurze Zeit später erreichten wir asphaltierte Straßen und parierten schließlich durch.
      Die Straßen waren wie ausgestorben, eine kalte Bö schlug uns ins Gesicht und ich zog mir meinen Schal bis über die Nase. Topar schien die Kälte nichts auszumachen, aus seinen Nüstern stoben kleine weiße Wölkchen in alle Richtungen und seine Ohren waren gespitzt. Eine ganze Weile ritten wir vor uns her, redeten leise miteinander, bis Eli in die Dunkelheit zeigte. „Schau mal, da steht ein Fohlen. Ganz allein!“
      Ich folgte ihrem Finger mit meinem Blick. An einem Zaun stand ein kleines, zierliches Fohlen, zerrte am Strick und wieherte kläglich. Es wies eine Scheckung auf, die mir irgendwie bekannt vorkam. Aber…konnte das sein?
      Wir kamen näher, das Fohlen hatte uns bemerkt. Jetzt war ich mir sicher; das war Zauberflöte aus meiner ehemaligen Zucht! „Eli, wir müssen sie mitnehmen“ beschloss ich kurzerhand, rutschte aus dem Sattel und lief auf Flötchen zu. Sie erkannte mich wieder, spitzte die Ohren und wieherte leise. Mit flinken Fingern band ich sie ab und führte sie zu Topar und Absolute. Beide machten keinen feindlichen Eindruck, also nahm ich Flötchen als Handfohlen mit. „Und was ist mit ihrem Besitzer?“ fragte Eli. „Hedone? Die werde ich später anrufen und fragen, ob das klar geht, dass Zauberflöte jetzt bei mir wohnt. Sie ist ja längere Zeit nicht mehr hier gewesen, so wie es aussieht.“ Ein Blick auf die dunkle Weide zeigte, dass sie verschmutzt war. Auch Flötchens Beine waren verdreckt. „Na komm, lass uns gehen.“ murmelte ich.

      Es war bereits finster, als wir wieder auf Sanssouci ankamen. Ich band Topar in der Stallgasse an, brachte Zauberflöte schnell in eine freie Box und brachte dann die Pferde in ihre Boxen. Alle begrüßten die Neuankömmlinge laut, sodass ich mir völlig entnervt die Ohren zuhielt. Nach fünf Minuten waren alle ruhig, ich konnte Topar absatteln, putzen und in die Box stellen. Dann ließ ich mir einen Eimer warmes Wasser ein, setzte mich zu dem Scheckfohlen in die Box und besah ihre Beine. Sie waren ziemlich dreckig, weshalb ich sie abwusch und danach trocknete. Es schien Flötchen gefallen, sie senkte ihren kleinen Kopf und prustete laut. Zu guter Letzt legte ich ihr eine kuschelig warme Thermodecke auf den Rücken, hängte ihr ein Heunetz tief in die Box und schüttete etwas Müsli in ihren Eimer, da sie an die Raufe nicht herankam. Als auch die Tränke funktionierte, verließ ich die Box und fing an, jedem Pferd sein Abendessen zu bringen.
      Keine halbe Stunde später schloss ich die Tür auf, zog die Stallschuhe aus und schälte mich aus meinen tausenden Jacken, die ich anhatte. Mika kam auf mich zugerast, genau wie Casey. „Na, meine Süßen?“ säuselte ich und streichelte ihnen beide über die Köpfe. Jetzt brauchten die Hunde noch schnell etwas zu fressen, dann konnte ich mir etwas machen und Hedone anrufen.
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      20. Februar 2011 -- Rhapsody

      Unruhig trommelte ich mit den Fingern auf den Schreibtisch. Eddi schrieb mal wieder einen Roman. Dabei war heute so schönes Wetter, ich hätte eigentlich schon bei den Pferden sein wollen. Viel Zeit war nicht, reiten war ausgeschlossen. Vor ein paar Tagen hatte ich mir eine hartnäckige Erkältung geholt. Da heute aber Ochrasy, eine gekörte Welsh A Stute, ankommen sollte, musste ich raus.
      Endlich kam Eddis Antwort. „Lass dich überraschen, ich komm später vorbei“ las ich halblaut, verabschiedete mich etwas genervt und wickelte mir dann einen grasgrünen Wollschal um den Hals. Eine Extrapackung Taschentücher fand in meinen Taschen auch noch Platz, dann konnte ich endlich in die warme Februarsonne treten. Der Zeitplan war eng, als erstes mussten die Pferde auf die Weide. Eli war wie vom Erdboden verschluckt, ihre Pferde grasten aber bereits auf der Wiese.
      Kurz sah ich auf meine Uhr, steckte ein kleines Quadrat für Ochrasy in der Stutenweide ab und sperrte den Weg vom Stall zur Weide mit Flatterband am. Zum Einzeln-Rausführen war die Zeit nicht da, außerdem fand ich es viel schöner, wenn die Pferde über den Hof rannten und dann buckelnd über die Weide tobten. Ich öffnete die Stalltür und dann die Boxentür aller Stuten. Ein wenig zaghaft betrat Paradise Creepin Up The Backstairs die Stallgasse, ging im zackigen Schritt auf die Stalltür zu und blieb an der Schwelle stehen. Ein verstohlener Blick zu mir, dann quietschte sie laut und bretterte los, den Weg zur Weide. Ihr folgte Dahiba und Baghira, wobei meine Rennsemmel beide Schimmel leicht einholte und sie buckelnd über die Weide scheuchte. It’s the CSI Girl trabte den Weg jedoch nur entlang, sie hatte ja ein Fohlen bei sich. Cabal and Love blieb aber an der Schwelle stehen und wieherte seiner Mutter herzzerreißend hinterher. Den Weg betreten? Nö.
      Erst, als Chloe an ihm vorbeitrabte, setzte das Hengstfohlen einen Huf auf den Weg. Und noch einen, bis er mit allen vier Beinen auf dem Hof stand. Einige Sekunden verstrichen, ehe er freudig quietschte und dem Weg folgte, um zur Weide zu preschen. Als letztes trat Calina aus dem Stall, sie wieherte mir freudig zu und blieb sogar am Flatterband stehen, um sich von mir kraulen zu lassen. Mein Kopf stellte die Erkältung in den Hintergrund, Lust zum Reiten überkam mich. Außerdem brauchte Calina unbedingt wieder ein bisschen Training. „Okay, überredet. Später, wenn Rasy da ist, okay?“ flüsterte ich der Stute zu, die freudig nickte, sich umdrehte und im Schritt zur Weide ging. Hinter ihr schloss ich das Gatter und sperrte dann einen Weg zur Hengstweide ab. Die meisten Hengste wussten, was sie machen sollten, und preschten den Weg entlang. Victim, Cabaniro, Spirit, Barquillero Mojito, Libertés Saabhra und Topar waren wesentlich schneller auf der Weide als ihre weiblichen Artgenossen.
      Ich schlenderte über den Hof und sah gerade zu, wie Libertés Vanilla Twilight sich genüsslich wälzte, während ihr Fohlen Libertés Nessaja mit Libertés Zauberflöte spielte. Mein Handy meldete sich, der Alarm. Seufzend steckte ich es wieder ein und lief zum Hänger.

      Der Weg zu LeFays Hof dauerte nicht lange. Ich war hier schon öfters gewesen, da ich früher eine Reitbeteiligung auf Chramisa hatte. Leider wurde ich nur von einem Stallburschen begrüßt, LeFay war anscheinend schon weg. Er erklärte mir, er würde sich um den Verkauf kümmern und führte mich zu Ochrasy. Ich hatte die kleine Stute schon auf Schauen gesehen, aber als sie vor mir stand, war das ein anderes Gefühl. Sie sah mich frech an, der Schalk lag ihr im Nacken. Zusammen mit dem Stallburschen verluden wir die Scheckstute und ich verabschiedete mich.
      Ochrasy, die bereits den Spitznamen Rasy trug, verhielt sich recht ruhig über die Fahrt und wieherte nur einmal, als wir ankamen. Auf der Weide zickte sie ein paar Fohlen an und legte sich dann erschöpft ins Gras.

      Gerade wollte ich die Tür aufschließen und mir einen Tee machen, als mein Handy wieder klingelte. Diesmal war es Eddi. „Mach dein Tor wieder auf, ich bin gleich da“ sagte sie nur, dann ertönte wieder das Freizeichen. Seufzend öffnete ich wieder das Eingangstor und sah schon, wie Eddis Auto auftauchte. Mit Hänger.
      Stöhnend setzte ich mich auf den Zaun und wartete, bis Eddi parkte. Wir begrüßten uns, ehe meine Freundin mich verstohlen angrinste und dann zum Hänger schob. "Überraschung!" trompetete sie und ließ die Rampe hinunter. Wir sahen direkt auf einen gelockten, langen, vollen Schweif und ein dunkles Hinterteil. „Er heißt Chalil und kommt fast direkt aus Südamerika“ sagte Eddi und führte einen wunderschönen, dunklen Hengst aus dem Hänger. Mir blieb die Sprache weg. „Meiner?“ Eddi nickte und drückte mir den Strick von Chalil in die Hand. Er sah mich treudoof an und prustete mir in die Hand. „Perry“ murmelte ich grinsend. Der Hengst erinnerte mich tatsächlich an den großen Schreckensarzt aus der Serie Scrubs, Perry Cox.
      „Wenn du mir was überweist, dann überweis ich dir es zurück. Aber ich muss jetzt auch gehen“ Eddi verabschiedete sich und ließ mich mit Perry alleine. „Na? Wollen wir dich erstmal auf die Weide bringen?“

      Ein Quadrat war schnell abgesteckt und Chalil freundete sich bereits mit den ersten Hengsten an. Ich war durchgefroren und entschuldigte mich kurz bei Calina. „Das nächste Mal – hoch und heilig versprochen.“
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      Waschtag
      16. April 2011 -- Rhapsody

      Eli seufzte. „Okay, wenn du meinst. Lass uns anfangen“
      Grinsend öffnete ich die Augen, sah kurz zu ihr rüber und sprang dann von den Stufen auf. Genug gesonnt, jetzt sollten die Pferde auch mal den Winterdreck abkriegen. Außerdem würden gleich vier neue Ponys kommen – drei Welsh Ponys und mein über alles geliebter Prejudice.

      Das Wetter heute war perfekt für einen Großwaschtag – Sonne, kein Wind, wolkenfreier Himmel und 25°C. Und wir wollten schnell fertig sein, damit wir noch einen Ritt unternehmen konnten. Fröhlich schnappte ich mir das erste Halfter, welches mir ins Auge stach; azurblau, reißfestes Nylon.
      Ein langer Pfiff ertönte, dann löste sich eine helle Gestalt aus der Stutenherde. Natürlich hatten alle geguckt, aber beherzt weitergegrast, als nicht ihr Name gefallen war. Mit großen Sprüngen galoppierte Dahiba auf mich zu, fiel etwa zehn Meter vorm Zaun in den Schritt und hielt standesgemäß direkt an den Holzbalken. Die feinen, weißen Ohren gespitzt, hoffte sie natürlich auf Leckerlis, ließ sich aber bereitwillig das Halfter überstreifen. Eli selbst war gerade damit beschäftigt, Chante einzufangen, die sich mal wieder auf ein Fangen spielen einstellte. Ein kleines Grinsen konnte ich mir dann doch nicht verkneifen, während Dahiba mir zum überdachten Putzplatz folgte.
      Damit es schneller ging, wollten wir die Pferde immer zu zweit waschen, jeder von uns sollte zwei an der Backe haben. Meine zweite Wahl fiel sofort auf Creepi, CSI war im Moment ja Vollzeitmama. Das Calina-Double freute sich, ihre Freundin nach ‚so langer Zeit’ wieder zu sehen und begrüßte die Schimmelfreundin am Putzplatz lautstark. Grummelnd band ich Creepin Up The Backstairs neben Dahiba an, holte dann den Wasserschlauch, das milde Babyshampoo und normale Shampoo und fing an. Erst wurde Dahiba eingeschäumt und abgewaschen. Obwohl der Putzplatz im Schatten lag, fing ich an, zu schwitzen. Die einzelnen Wassertropfen, die auf mich fielen, kühlten nicht besonders. Genervt pustete ich mir die Strähnen aus dem Gesicht, während ich den bald wieder reinweißen Schweif der Hannoveranerstute ausspülte. Danach war nur noch die Mähne daran, dann konnte ich Dahiba zum Grasen und Trocknen in die Sonne stellen. Wieder gab es ein lautes Wieherkonzert, diesmal fing Creepi aber auch an, zu tänzeln. Gespannt folgte mir Dahiba in die Sonne und ließ sich an einen Zaun in der Nähe der Weide anbinden. Sofort steckte sie die Nase ins Gras und schnaubte zufrieden.
      Kaum eine viertel Stunde später durfte auch Creepi zu ihrer Freundin. Beide grasten sie nebeneinander, friedlich, ohne Anzeichen von Zicken. „Brave Pferde“ flüsterte ich, während ich wieder zur Weide stapfte. Bevor die dunklen Pferde drankamen, wollte ich mit den Schimmeln fertig sein. Bei den Braunen, Füchsen und Rappen brauchte es keine so aufwendige Prozedur; abspritzen, damit der Winterdreck rausging und danach das Langhaar waschen. Die Mistflecken sah man auf braunem oder schwarzem Fell so gut wie gar nicht.
      Als nächstes fanden sich Topar und Spirit auf dem Putzplatz wieder. Beide waren mit Wasser vertraut und mochten es, wenn der kalte Strahl im Sommer nach der Arbeit kühlte.
      Beide shampoonierte ich kräftig ein, wusch zuverlässig jedes kleinste Schaumwölkchen aus und ging dann zum Langhaar über. Nach der Prozedur erinnerte Spirit wieder an einen Schimmel und Topar an einen Apfelschimmel. Doch bevor die zwei grocknen – Mixwort aus grasen und trocknen – konnten, musste ich Creepi und Dahiba kurz verlegen. Die Stuten bekamen nämlich noch ihr Langhaar verlesen und danach die Hufe mit Huffett eingeschmiert, damit alles passte. Die Aufgaben waren ziemlich schnell erledigt, und da beide Schimmel so gut wie trocken waren, stellte ich sie auf den Paddock.
      Spirit und Topar grockneten Seite an Seite, während ich gleich zwei Stuten behandelte. Ochrasy, die kleine Welsh A Stute, sollte später noch mit auf einen Ausritt kommen, während Baghira zu den anderen auf den Paddock durfte. Danach musste nur noch Barquillero Mojito gewaschen werden, und schon waren fast alle Schimmel fertig. Denn als ich den Schlauch aufdrehte, um den Schaum aus der Mähne zu spülen, klingelte mein Handy. Die ersten Takte von Rock’n’Roll Queen. Seufzend stellte ich den Strahl ab, wischte meine Hände an der Jeans und nahm ab. Es war Tesa, eine gute Freundin von mir, über die der Verkauf von Vanity, einer bereits gekörten Welsh A Stute, ging. „Du hast Glück, sie gehört dir. Kann ich sie gleich vorbei bringen?“
      Ich blies die Backen auf und stieß die Luft wieder aus. „Klar, wenn du dich beeilst, könnte ich sie sogar noch waschen. Wenn sie das noch nicht ist“ Tesa verabschiedete sich, ich konnte also weitermachen. Wollte weitermachen. Bis mir etwas einfiel und ich sofort Nessa und Janina anrief. Von beiden bekam ich heute noch Ponys, vielleicht konnte ich die auch gleich abholen.
      Nessa würde eh vorbeikommen, sie konnte Pedi also gleich mitbringen. Und mit Janina machte ich aus, dass Tesa Daim und Tiffi, meine zwei anderen Neuen, auch gleich vorbeibringen würde. Tesa war auch sofort einverstanden und ich konnte entspannt weiter waschen.

      Der Wagen fuhr um kurz vor vier vor. Gerade hatte ich Calina gewaschen und ließ sie jetzt grocknen, als Tesa mit ihren flammroten Haaren ausstieg. Frisch gefärbt, wie mir sofort in den Sinn kam, schlenderte sie auf mich zu, begrüßte aber erst die Stute, die sich aber beim Fressen nicht beirren ließ. Erst dann umarmte sie mich.
      „Ich hab drei kleine Überraschungen für dich“ Tesa schien gut gelaunt und fuhr sich durch die hellroten Haare. „Ich lad sie eben aus, dann kannst du bei Lina bleiben“ Wieder machte sie kehrt und verschwand dann aus meinem Blickwinkel. Calina prustete ins Gras, hob den Kopf und stupste mich an. Ihr Fell war beinahe trocken, ebenso ihre Mähne und der Schweif. Ich hatte bis jetzt noch keine Rampe gehört, noch kein aufgeregtes Klackern, also brachte ich die Stute zurück in ihre Box, später wollten wir noch ausreiten oder auf den Platz gehen. Als ich ihr Halfter an die Boxentür hängte und Calina eine Weile betrachtete, wurde ich doch ein wenig aufgeregt. Jetzt hatte ich neben Ochrasy noch drei weitere Welsh Ponys der Sektion A. Wenn’s so weiter ging, konnte ich locker eine Zucht aufmachen oder vermieten.
      Wenige Sekunden später verließ ich den Stall und sah Tesa, wie sie drei kleine Ponys an ihren Händen führte. Ein Cremello neben einem Schabracktiger, auf der anderen Seite einen Falben. Vanity, Tiffi und Daim.
      Mein Schritt verschnellte sich, ich nahm Tesa sofort alle Ponys ab und kniete mich auf den Boden. Alle drei sahen sie mich neugierig an, schnüffelten an meinen Händen und wieherten lautstark. Vanity und Tiffi schienen sich sofort zu verstehen, ich steckte sie sofort zu Ochrasy auf den Paddock. Und siehe da, die drei schienen sich prächtig zu verstehen!
      Bei Daim wusste ich auch schon einen Weg. Seine Freunde, zumindest seine ersten, sollten ungefähr seine Größe haben. Spirit bot sich da am besten an. Und da der Shettywallach mit Topar auf dem Paddock stand, hatte Daim gleich zwei neue Freunde.

      Nachdem Tesa gegangen war, konnte ich weiter machen mit dem Waschen. Chalil, Cabaniro, Victim und It’s the CSI Girl inklusive Cabal and Love waren ziemlich schnell fertig, auch Vanilla Twilight, Nessaja und Zauberflöte durften nach kurzer Zeit wieder grasen. Und dann kam Nessa. Ohne Jeremy und Joey, wie ich sah, aber dafür mit Anhänger. Sie brauchte Pedi wieder.
      Zusammen mit ihm am Strick kam sie und begrüßte mich erstmal. „Ich bring ihn gleich auf die Weide, wenns recht ist. Und wäre dir Platz auch Recht?“ Sie machte große Kulleraugen und ich zuckte mit den Schultern. „Klar und klar. Ich muss nur noch schnell Calina fertig machen, du kannst dir ruhig nehmen, wen du möchtest“ Ich lächelte und verschwand dann in den Stall. Während ich Calina kurz überputzte, kam Nessa mit Barqui die Stallgasse entlang und putzte auch ihn rasch über, ehe wir beide sattelten und auf den Reitplatz wechselten. Barqui, jetzt ganz ohne Macken, ging unter Nessa erstaunlicherweise sehr gut.
      Sehr lange ritten wir nicht, ließen aber nach der Arbeit die Pferde einzeln freilaufen. Danach sammelten wir sie wieder ein, fütterten noch schnell durch und gingen dann ins Haus, um ein wenig unserer Zweitlieblingsbeschäftigung nachzugehen – dem Essen.
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      9/10

      Wenn mich jemand sucht, ich bin in der Besenkammer und ess' kiloweise Schokolade.
      27. Mai 2011 -- Rhapsody

      Leise knarrte das Leder, als ich mich im Sattel aufrichtete. Ein Blick nach vorne zeigte einen hellen Feuerball, Wärme kroch meine Arme hinauf. Ein zufriedenes Brummeln entfuhr Chalil, ehe er sich freudig in Bewegung setzte. Noch bevor irgendein Trubel losgehen konnte, wollte ich einen Morgenstundenausritt mit meinem Criollo machen.
      Am langen Zügel folgte mein Mr. Saufproblem dem Weg, prustete ab und ab leise, bis ich die Zügel einen Ticken aufnahm und ihn antraben ließ. Eine Weile trabte ich leicht, ehe ich im Sattel aussaß und die Landschaft genoss. Man konnte der Sonne beim Aufgehen zusehen, traumhaft. Perry unter mir wurde langsam munter, sein Trab verschnellte sich. „Heeey, Süßer, wir sind noch nicht auf der Galoppstrecke!“ lachte ich, nahm die Zügel leicht an und gönnte ihm eine ausgiebige Schrittpause. Wälder wechselten sich mit Feldern ab, ehe zu unserer Rechten eine riesige Wiese lag.
      Perry spitzte die Ohren, als ich ihn mit federleichtem Schenkeldruck auf das Gras lenkte und den äußeren Schenkel zurücklegte. Noch gab ich keinen Druck, ich wollte die Reaktion des Criollo abwarten. Seine Muskeln spannten sich an, doch er trabte immer noch locker vor sich hin. Erst, als ich beide Beine an den Pferdebauch drückte und laut in die Luft küsste – schließlich wollte ich mit Perry irgendwann auf Western umsteigen – machte er sich lang, streckte sich unter mir und legte dann los.
      Wind fuhr mir durch die Haare, kühlte mein Gesicht. Es fühlte sich wirklich an, als würde ich fliegen. Klar, das Gefühl war bekannt, doch bei Chalil durchfuhr mich diese bitzelnde Wärme immer wieder. Man merkte ihm seine Schnelle nicht an, so weich war sein Galopp.
      Das Ende der Wiese war viel zu schnell erreicht und ich nahm wieder ebenfalls nur leicht die Zügel an. Dafür saß ich mich tief in den Sattel, ließ die Hilfen weg und sagte in einem langen Atemzug: „Hooooo.“
      Wie eine Eins stand Perry da, den Kopf aufmerksam in die Höhe gereckt. Auf Schnalzkommando ging es dann wieder in Richtung Heimat.

      Kaum hatte ich Perry auf die Weide gelassen, summte mein Handy. Eva, eine Bekannte, bei der ich vorgestern ein Welsh Pony gekauft hatte. Nur eine SMS, die bei mir gleich Bauchkribbeln auslöste.
      Du kannst Siana später abholen! :)
      Bevor ich zum nächsten Pferd ging, schnappte ich mir mein Do-it-yourself-Elektrozaun-Paket und steckte ein kleines Quadrat, passend für eine Ponystute, inmitten der Stutenweide ab. Baghira knabberte sanft an meiner Sweatjacke, bis ich mich grinsend zu ihr umdrehte. Mit ihren braunen Kulleraugen sah sie mich an, ehe sie den Kopf ins Gras senkte. „Jaja“ murmelte ich, lächelte und holte mir einen frischen Kübel Eimer. Wenn ich Siana – so hieß die schöne Welshstute – abholen würde, dann spätestens in eineinhalb Stunden. Danach würden die Straßen voll sein, und mit einer jungen Stute im Gepäck wollte ich nicht unbedingt in einen Stau kommen.
      Sianas Neuheim für die ersten Tage war fertig, also krallte ich mir Baghira. Ein bisschen Longenarbeit, bei Gelegenheit weiter an den Zirkustricks arbeiten. Baghi freute sich, als ich ihr nur den Kappzaum und den Longiergurt anlegte und sie anschließend zum Longierzirkel führte, sodass sie gleich ein paar Bocksprünge hinlegte, kaum dass die Longe ein paar Zentimeter länger war. Sie ließ sich aber sofort wieder beruhigen und die Arbeit konnte beginnen.
      Meine Hand an der Longe spiegelte die Reiterhand wieder; locker, annehmend und nachgebend, nicht zu weich und nicht zu hart. Baghira hob ihren Rücken sauber an, während sie ihre Beine weit unter treten ließ. „So ist’s fein, Baghira“ sagte ich laut, aber sanft, damit sie es als Lob verstand. Leckerli gab es unter der Arbeit nicht, wenn erst am Putzplatz.
      Als Belohnung für ihre tolle Mitarbeit ließ ich die Mixstute am Ende noch ein wenig frei galoppieren. Ohne Longe, ohne Ausbinder, ohne Longiergurt. Übermütig schlug sie ein paar Haken, ehe sie einen Vollstopp hinlegte und sich genüsslich wälzte.
      „So, jetzt ist gut“ unterbrach ich ihr Gescharre im Boden und legte ihr ein bequemes Knotenhalfter an. Die Touchierpeitsche lag ebenfalls bereit, doch noch waren wir bei dem Einfachsten der Zirkustricks; dem Ja-Sagen.
      Der Clicker lag ebenfalls bereit, genauso wie die erforderlichen Belohnungen, kleine Apfelstückchen. Ein kleiner Test folgte natürlich, damit ich wusste, was die Kleine behalten hatte.
      „Bist du ein liebes Pony?“
      Richtig überzeugend schwang Baghi ihren feinen Kopf nach oben, ließ ihn wieder nach unten fallen und immer so weiter, bis ich clickte und ihr ein Apfelstückchen hinhielt. Mit samtweichen Lippen nahm sie es auf, malmte – und guckte mich bettelnd an. „Erst, wenn du sie dir verdienst“ grinste ich und legte die Touchierpeitsche weg. Das nächste Mal konnten wir dann bestimmt schon mit dem Drehen weitermachen.
      Den Hals klopfend brachte ich Baghi zurück, putzte sie kurz über und brachte sie dann zurück. Auf dem Weg zum Auto aß ich mein Schokocroissant, mein Frühstück sozusagen. Der Weg zu Evas Hof war nicht lang, ich kaute immer noch, als ich in der Einfahrt parkte. Ein kleines Gespräch entstand, dann führte Eva mir eine wunderschöne Kohlfuchsstute vor. „Pass gut auf sie auf“ sagte sie leise, als ich die Hängerrampe hochstemmte und mich verabschiedete. Schließlich musste ich daheim noch mit etlichen Pferden etwas unternehmen. Die Fahrt verlief totenstill, wir begegneten kaum einem Auto. Zum Glück. Später würden die Straßen voll sein von Urlaubsreisenden, die zurückkamen, weil sie noch etwas zuhause erledigen mussten.
      Es wurde immer wärmer, meine Sweatjacke verabschiedete sich schon bald von mir. Während Siana ruhig an einem Grasstreifen stand und das frische Grün rupfte, räumte ich den Hänger auf und das Zubehör aus dem Auto. Dressursattel, Springsattel, 2 Schabracken, blaue Bandagen, eine Wassertrense und ein Schenkelgebiss, eine Abschwitzdecke und ein englisches Reithalfter. Fürs erste genug.
      Auf der Weide wurden Siana und ich mit leisem Brummeln begrüßt, Vanity stupste die Kohlfuchsstute sogar aufmunternd an. Verfolgt wurden wir von den meisten Ponys, während Dahiba, It’s the CSI Girl und Creepin Up The Backstairs ruhig weiter grasten. Siana steckte gleich wieder ihren Kopf ins Gras und ließ sich von den Ponys begutachten. Ochrasy, Tiffi und Vanity verließen aber mit mir die Weide und ließen sich am Putzplatz anbinden. Nessa war auch schnell angerufen, einer Kutschfahrt stand also nichts im Wege. Da es aber irgendwie blöd war, drei Pferde einzuspannen, putzte ich Daim ebenfalls und legte den vier Welsh A’s das Kutschgeschirr an. Nessa half mir beim Einspannen, dann setzten wir uns auf den Kutschbock und ließen die vier Ponys losgehen. Daim und Tiffi vornweg, da sie sich am besten verstanden und am längsten kannten, Vanity und Ochrasy hinten. Entspannt zuckelte das Gespann über den Feldweg.
      „Schon mal wieder was von Manu gehört?“ brach Nessa schließlich die Stille und grinste mich an. Ich konnte es nicht verhindern, dass ich feuerrot anlief. „Nein, nichts, aber alleine geht’s viel besser“ konterte ich. Allerlieblingsthema, oh ja. Vor allem von meiner besten Freundin.
      „Wirklich? Keinen neuen…’Pfleger’ in Sicht?“ Nessa kicherte wie ein Mädchen neben mir auf, ehe ich ihr meinen Ellenbogen in die Seite rammte. „Gehen wir lieber zurück, ehe du noch irgendwelche anderen Sachen sagst“ murmelte ich und ließ die Ponys umdrehen. Keine halbe Stute später standen die vier am Putzplatz und genossen das kühle Wasser an ihren Beinen. Nessa wollte noch den ganzen Tag bleiben, die Pferde konnten wir uns aufteilen. Aber erstmal ging es zu den Fohlen.

      „Alle drei sind ans Halfter gewöhnt, ich würde jetzt gern mit dem Longieren anfangen“ teilte ich Nessa mit, als wir Chloe gerade für die Arbeit fertig machten. Die fast Einjährige war schon an die Longe gewöhnt, Cabal an Love, Nessaja und Zauberflöte jedoch nicht. „Ich hol Kabel schon mal, wenn du auf dem Platz bist“ seufzte meine Freundin und überreichte mir die Longe. Chloe quietschte freudig und folgte mir dann zum Reitplatz. Erst, wenn sie älter war, ging es in den Longierzirkel.
      Die Euphorie, die das Stutfohlen umgab, war fast ansteckend. Brav hörte sie auf jedes Stimmkommando, galoppierte sogar richtig an. Ein Ohr war zu mir gedreht, das andere gespitzt nach vorne gerichtet. Ihre kleinen Hufe wirbelten ein wenig Sand auf, ehe ich sie mit einem lauten „Wooooooohoo“ wieder zum Schritt durchparierte. Danach wechselte ich die Hand und ließ Chloe nochmal ihre drei Gangarten vorzeigen, ehe sie zurück zum Putzplatz kam. Nessa putzte gerade den Zappelphilipp über und übernahm dann den Rappschimmel. „Viel Spaß, er sieht sehr motiviert aus“ seufzte sie.
      Es dauerte eine geschlagene dreiviertel Stunde, bis Cabal es langwierig gecheckt hatte, dass er in einen großen Zirkel um mich herum laufen sollte. Nessa half mir eine Zeit, bis sie dann mit Nessaja, ihrer Namensverwandten, zum Reitplatz stiefelte. Eine Weile arbeiteten die beiden miteinander, ehe ich und Zauberflöte ebenfalls den Platz betraten. Nessa wechselte gerade die Hand und bemerkte mich erst gar nicht. „Willst du nicht mit Zauberflöte weitermachen? Bei dir klappt das viel besser, ich bin eher fürs Einreiten geeignet“ bat ich grinsend. Meine Freundin zuckte zusammen, nickte dann jedoch. „Ja, von mir aus. Aber einreiten musst du alle alleine“ Sie lachte ebenfalls und beendete wenige Minuten später die Arbeit mit dem Rabicano-Stutfohlen. Nessaja hatte ordentlich geschwitzt, aber sie sah glücklich aus. Nessa und ich tauschten die Fohlen aus und ich brachte das kleine Fohlen zurück zum Putzplatz. Wasserfest war sie, also war das kurze Abspritzen kein Problem für Saja. Danach putzte ich sie über und brachte sie zurück in den Fohlenoffenstall, in dem Chloe und Cabal munter kabbelten. Das kleine Ponyfohlen nahmen sie sofort auf und jagten sich gegenseitig über das Grasstück.
      Es dauerte nicht lange, da brachte auch Nessa Zauberflöte zurück. Anscheinend konnte die kleine Scheckstute schon ziemlich viel und hatte bei Hedone eine gute Ausbildung genossen. Trotzdem, erstmal sollte sie alles von vorne lernen, damit sie perfekt auf meinen Hof passte.

      „Und jetzt?“ Nessa grinste. „Ausritt?“
      Mein Blick fiel auf die Weiden. „Okay, Ausritt. Wen nehmen wir?“
      „Ich reite Creepi“ entschloss sich meine Freundin, stiefelte los und nahm sich ein Halfter. Grinsend rannte ich hinterher, meine Entscheidung war auf Dahiba gefallen.
      Keine viertel Stunde später sattelten wir die beiden (Fast-)Schimmel und verließen den Hof in Richtung Wald. Inzwischen war es warm geworden, es ging auf Mittag zu. Dahiba und Creepi waren vollkommen locker geworden, vor wenigen Wochen waren beide noch total verkrampft und aufgeladen unterm Sattel gewesen. Auch im Trab konnten wir die Zügel lang lassen und die schließlich locker angaloppieren. Die beiden Stuten genossen es, über die Felder zu rasen und Creepi buckelte einmal übermütig. Nach fast eineinhalb Stunden kehrten wir zurück, machten Creepin Up The Backstairs und Dahiba fertig, brachten sie zurück und aßen erstmal was.
      Weitere eineinhalb Stunden beschlossen wir, Siana ein bisschen laufen zu lassen. Schließlich sollte sie sich mal richtig austoben, damit ich die nächsten Tage gleich ein bisschen mit ihr üben konnte. Putzen musste man den Kohlfuchs nicht, schließlich sollte sie dreckig werden, bzw. sich wälzen.
      Wir brachten sie in den großen Round Pen und ich nahm gerade rechtzeitig meine Kamera hoch und fokussierte. Siana schlug mit dem Kopf und fing an, wild zu buckeln. „Yeeaaah!“ rief Nessa und klatschte in die Hände. Wie von der Tarantel gestochen raste Siana über den Sand, machte eine Vollbremsung und machte kehrt. Fast eine viertel Stunde lang, ehe sie trabend auf uns zukam, einen Meter von meinen Füßen stoppte und sich genüsslich wälzte. Sie fühlte sich also wirklich wohl.

      „Ich hab Calina einen Ausritt versprochen. Wir müssen also noch einmal“ grinste ich, als wir Siana zurück brachten. Nessa seufzte. „Klar, wenn bis dahin noch ein Pferd frei ist? Aber bitte an irgendein Wasser, es ist unsäglich heiߓ
      Ich nickte, entließ Siana auf ihren Paddock und legte dann ihr Halfter zu den anderen. „Soweit wie ich gerechnet habe, müssten noch 4 Ponys bewegt werden. Spirit fällt weg, mit dem gehen wir später noch grasen, da können wir Siana auch nochmal mitnehmen. Dann müssten wir noch Vanilla Twilight, Prejudice, Topar und Barquillero Mojito frei sein. Und eben noch Victim und Calina“
      Eine Weile überlegte meine Freundin. „Mit Victim und Barqui könnten wir mal wieder springen, außerdem hab ich grade Lust drauf. Und wolltest du Topar nicht mal tölten? Dann machen wir mit ihm und Prejudice ein bisschen Gymnastik-Dressur, Pedi ist ganz schön fett geworden“ Sie grinste und wich noch schnell aus, ehe ich sie wegstoßen konnte. „Und mit Calina und Twilight machen wir dann einen schönen, entspannten Ausritt“ schlussfolgerte ich. „Na, dann mal los!“
      Nessa nahm – welch große Überraschung – Victims Halfter und lief gut gelaunt auf den großen Rappen zu. Die beiden waren irgendwie schon ein Dreamteam, außerdem wollte ich im Moment lieber keinen anderen auf Barqui setzen, bis er wieder besser lief. Es ging bergauf, er buckelte nur noch selten, aber den unkontrollierten Galopp hatte er noch drauf.
      Zehn Minuten später führte ich Barqui hinter dem großen Rappen in die Reithalle, in der eine angenehm kühle Temperatur herrschte. Während Nessa bereits aufsaß und ihre Aufwärmrunden drehte, stellte ich den Grauen auf die Mittellinie und baute Cavalettis und Trabstangen auf, die richtigen Hindernisse kamen erst später. Barquillero blieb die ganze Zeit auf seinem Platz stehen und ging erst fleißig los, als ich auf ihm saß und die Schenkel anlegte. Ziemlich zügig wärmten wir die Pferde auf, ließen sie über die Trabstangen laufen und auch vereinzelt über die Cavalettis springen. Für Victim waren sie nichts, er galoppierte erst über sie, als zwei aufeinander standen. Barqui brauchte jedoch die Unterstützung der Hilfe, vor allem bei zweien. Aber irgendwann ging es flüssig und wir gönnten den beiden Hengsten eine kurze Pause. Zusammen bauten Nessa und ich erstmal kleine Hindernisse auf, nachdem die Trabstangen und ein paar Cavalettis aus der Bahn verschwunden waren. Sie waren hoch genug für den Anfang. Bei einem Oxer hatten wir zwei extra Stangen draufgelegt – für den Fall der Fälle.
      Da es gleichzeitig ein wenig blöd war, wechselten wir uns ab. Der andere konnte dann etwas Reitlehrer spielen. Nessa wollte anfangen, was mir ganz recht war.
      Sie lenkte Viccie auf den Zirkel, galoppierte ihn an und stellte ihn dann auf einen kleinen Steilsprung. Die Ohren des Hannoveraners zuckten augenblicklich nach vorne, seine Galoppsprünge wurden raumgreifender und in einem Zug sprang er über die blau-weißen Stangen. Sofort war der Blick auf das Nächste, ein kleines Kreuz, gerichtet. Ebenso schwungvoll nahm er es, ließ sich versammeln und für die Kombination vorbereiten. Ohne Probleme nahm er auch die zwei Hindernisse und fiel danach in den Trab und schließlich in den Schritt. Victim atmete heftig, aber er sah nicht müde aus. Nessa ließ die Zügel ein Stück länger, damit er sich ein wenig strecken konnte. „Na, sah das nicht toll aus?“
      Ich grinste. „Sehr toll. Wirklich, ich hab nichts zu meckern.“
      „Okay, dann seid ihr wohl dran. Ich verkleinere die Hindernisse schnell, du kannst ihn ja schon mal ein bisschen vorbereiten“

      Zehn Minuten später war Nessa dann endlich fertig. Barquillero hatte sich beim Vorbereiten anständig aufgeführt, war in schöner Anlehnung gegangen und hatte kaum gespackt. Wie Nessa vorhin ritt ich ihn auf den Zirkel, galoppierte an und steuerte das Kreuz, dass ich als erstes nehmen wollte, an. 5, 4, 3, 2, 1 – hopp, wir waren drüber.
      Beim Steilsprung und der anschließenden Kombination machte er sich richtig schön rund und galoppierte danach noch freiwillig eine Runde. Danach ritten wir noch trocken, ehe Victim und Barqui die Freiheit auf der Weide genossen.

      Gerade, als wir Calina und die wieder trächtige Vanilla Twilight von den Weiden führte, bekam ich zwei SMS. Eine von Ivonne, einer ziemlich bekannten Züchterin und Jacqueline. Bei beiden hatte ich für zwei Pferde – einem Holsteinerfohlen und einer Haflingerstute – geboten und anscheinend bekommen. Später, wenn Nessa gegangen war, würde ich Mahira und Little Baby abholen.
      Meine Freundin putze die Fuchsstute, bei der sich noch kein großer Babybauch zeigte und wollte sie später auch bewegen, während ich bei meinem Liebling war. Calina döste und ließ sich die Nachmittagssonne auf den Rücken scheinen, während ich über ihr reinweißes Fell strich. Nur ein kleiner Mistfleck an der Flanke war vorhanden, aber auch nur noch blass. „Feines Schimmelchen“ flüsterte ich und holte dann mit Nessa die Sättel und Trensen. Ein paar Minuten später waren wir auf dem Weg in den schattigen Wald.
      Erst, als der Weg richtig breit und eben war, trabten wir die beiden Stuten an und ließen die Zügel lang. Der Wald lichtete sich, führte zu den Wiesen und Felder um das Gestüt Sanssouci. Hibbelig wie Calina und Vanilla waren, tänzelten sie, bis wir sie endlich lospreschen ließen. Der langbeinige Warmblüter hing das Pony ab und wir mussten schließlich eine Weile warten, bis Nessa und Vanilla wieder da waren.
      Als wir zurückkamen, war es bereits kurz vor halb sechs. Nessa verabschiedete sich recht rasch, sie hatte ja auch eine Herde Pferde und Ponys bei sich stehen. Ich setzte mich ebenfalls ins Auto und machte mich auf den Weg zu Ivonne. Mahira hieß die kleine Trakehnerstute, die ich abholen wollte. Ich hatte mich sofort in sie verliebt, als ich sie entdeckt hatte. Eine kleine Fuchsscheckin mit einer atemberaubenden Aura eben.
      Nachdem wir das Fohlen verladen hatten, fuhr ich noch zu Jacqueline, um die Haflingerstute abzuholen. Sie war gekört und hatte eine wundervolle Fellzeichnung. Bei ihr hatte es den Haben-Blick gegeben und ich wusste, ich musste sie haben. Little Baby fand neben Mahira ihren Platz im Hänger, dann ging es nach Hause.

      Baby band ich für die ersten Minuten an der Stutenweide an, damit sie grasen und ein wenig runterkommen konnte. Mahira, die komplett halfterführig war, folgte mir zum Fohlenoffenstall. Chloe war die Sozialste aus der Gruppe, sie begrüßte die Neue sofort freundlich und verteidigte sie gegen Kabels Angriffe. „Demnächst fangen wir dann mit der Arbeit an, kleine Mira“ flüsterte ich, ehe ich das Tor hinter mir schloss und wieder zur Stutenweide ging. Baby sah mich unschuldig an, aber in ihren Augen blitzte keine Hinterfotzigkeit. Ein wunderschöner Haflinger mit astreinem Charakter. Ihre neue Box war bereits beziehbar, also kam sie als erstes rein, zwischen It’s The CSI Girl und Vanilla Twilight. Die Nächte waren noch zu lau, über Nacht kamen alle Pferde rein.

      Als ich fertig war und die Stalltür für heute schloss, zeigten sich bereits die ersten Sterne auf dem lila-blauen Nachthimmel.
    • Rhapsody
      Alte Pflegeberichte
      10/10

      Kleiner Rundgang im neuen Stall
      27. August 2011 -- Rhapsody

      Ein fauler Tag war das heute. Heiß, schwül, zum Faulenzen gemacht. Und das hatten wir heute auch gemacht. Die Pferde und ich.
      Mit ein paar Freunden war ich zu einem Badesee gefahren, hatte da den Tag verbracht und den Pferden eine Auszeit gegeben. Den Nachmittag über waren sie auf den Paddocks geblieben, doch jetzt am Abend sollten sie, zusammen mit den Schulpferden, auf die Weiden kommen.

      Summend bog ich auf den Trampelpfad zum Reitverein Aciano ein, auf dem mein kleines, neues Gestüt Aciano a la salida lag. Meine zwei gepachteten Ställe, einer für die Stuten und einer für die Hengste, lag direkt hinter der Reithalle, zwischen Hof und den 'Berg'weiden.
      Die Sonne versank im Horizont und tauchte den Hof in goldenes Licht. Während ich das Gatter, das verhindern sollte, dass die Pferde, wenn die Stalltür geöffnet war, abhauten. Ich baute es im Sommer früh immer hin und erst, als die Pferde nicht mehr im Stall waren, wurde es wieder aufgeräumt. Bis dahin konnte man es wie ein Weidengatter auf und zu machen.
      Als erstes würden die Stuten auf die Bergweide, die auf einer riesigen, natürlichen Lichtung im Wald hinter beziehungsweise über dem Gestüt lag, kommen. Schulpferde wurden bereits vorbeigeführt, als ich Vanilla Twilight aufhalfterte und sie zusammen mit ihrem Fohlen Vendetta aus dem Stall führte. Das kleine Fohlen war seiner Mutter ziemlich ähnlich, auch vom Charakter her. Als Fohlen ein wenig scheu, jedoch aktiv und übermütig. So rannte es auch vorneweg als ich den Waldweg nach oben lief. Vanilla lief ruhig neben mir, schnaubte ab und zu und begrüßte Freunde von den Vereinspferden. Der Marsch zur Weide war nicht sehr lang, die Hengstweide lag weiter oben.
      Drei kleine Pferde waren als nächstes dran; Spirit, Picasso und Chiada. Chiada und Picasso waren meine neusten Neuzugänge, ein Isländerhengstfohlen und ein Shetlandmixstutfohlen. Zusammen mit meinem kleinen Liebling Spirit folgten sie mir tapfer durch den dunklen, gefährlichen Wald und legten sich sofort ins Gras. Chiada sah man gar nicht mehr.
      Zusammen mit Siana und seiner besten Freundin und Halbtante Chloe sprang Cabal and Love voraus. Neugierig zog er ans Unterholz, schnupperte hier und da und blieb öfters einfach stehen. Dass ich ihm am Halfter führte und noch zwei andere Pferde dabei hatte, das interessierte ihn nicht. Nur mit viel Überzeugungskraft kamen wir voran.

      Durch Kabels Aktion hatte ich ziemlich viel Zeit verloren, die Sonne war schon kaum mehr zu sehen und vor Einbruch der Dunkelheit wollte ich alle Pferde auf den Weiden haben. Der nächste und letzte Schwung Stuten musste irgendwie zusammen gehen. Brenda, meine neue Trakehnerzicke, dackelte ein wenig hinten her, was mir aber auch ziemlich recht war, da sie sonst die anderen – Paradise Creepin' Up The Backstairs, Calina und Baghira – wieder belästigen würde. Brenda war aber noch ziemlich neu und musste sich erst den Platz in der Herde erkämpfen.
      Die Hengste musste ich bis auf ein paar Ausnahmen alleine führen. Aber eine halbe Stunde später grasten Chalil, Cabaniro, Phil's Filou und Prejudice in den allerallerallerletzten Sonnenstrahlen. Und ich war fertig.
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  • Album:
    3 | Steenhof
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    Rhapsody
    Datum:
    27 Jan. 2019
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  • [​IMG]
    Calina
    spanisch: Nebel


    PEDIGREE
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    von: Cadoc

    von: Callboy

    von: unbekannt
    aus der: unbekannt

    aus der: Liana

    von: unbekannt
    aus der: unbekannt

    aus der: Spring Break

    von: Summer Time

    von: unbekannt
    aus der: unbekannt

    aus der: Saphyllis

    von: unbekannt
    aus der: unbekannt


    EXTERIEUR & INTERIEUR

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    Stute
    Holsteiner
    19 Jahre

    173 cm
    Braunschimmel

    Calina ist die unangefochtene Herdenchefin. Sie sorgt für Recht und Ordnung in der Gruppe und kann dann auch ganz schön ruppig werden. Mit Neuzugängen tut sie sich schwer – unprovoziert maßregelt sie allerdings nicht. Auch im Umgang ist sie eigentlich gut händelbar, wenn man ihr die gelegentlichen Zickereien verzeiht.


    TRAINING

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    Fohlen ABC | Eingeritten
    Englisch


    Dressur
    E A L M*

    Springen

    E A L M* M** S*


    ERFOLGE

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    Turniere
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    100. Dressurturnier

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    118. Springturnier – 120. Springturnier

    Andere


    ZUCHTINFORMATIONEN

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    SK 126 – Mixe


    Leihmutterschaft: -
    Genotyp: Aa Ee Gg
    Aus der Zucht: privat (Nähe Ammernsee, DE)
    Nachkommen:

    Cabaniro (v. Blaze) – gekört

    Paradise Creepin' Up The Backstairs (v. Satchmo) – gekört
    Chloe (v. Victim)
    Don't Understand You (v. Don't Touch Me)
    Painted Blur (v. Place Royal) – gekört
    Cambria (v. Pajero)
    Charon (v. Pajero)

    GESUNDHEITSZUSTAND

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    Chronische Krankheiten:
    Letzter Tierarztbesuch:

    Fehlstellungen:
    Beschlagen:
    Letzter Hufschmiedbesuch:


    STALLINTERN

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    Besitzer: Rhapsody
    Ersteller: Muemmi
    VKR: Muemmi

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    Offizieller Hintergrund