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Eowin

Caipirinha xx - Stute - Englisches Vollblut

Punkte: Abstammung: 6

Caipirinha xx - Stute - Englisches Vollblut
Eowin, 12 Juni 2016
Veija, Zion, Snoopy und 2 anderen gefällt das.
    • Eowin
      Eowin - 10.04.2014

      Abholung von Caipirinha
      Ich schreckte hoch, spürte einen pochenden Schmerz, drehte mich zur Seite ich hörte ein Geräusch, welches mir verdeutlichte, dass etwas herunter gefallen war und nun lautstark auf dem Laminatboden auftraf.
      Moment… Laminat?
      Das letzte, woran ich mich erinnern konnte war, dass wir das Stutfohlen Caipirinha auf den Anhänger führen wollten. Seitdem ist alles weg.
      Langsam richtete ich mich auf, schaute mich um. Ich lag in meinem Bett, die gewohnte Umgebung, die Jalousien so weit hinunter gelassen, dass oben just ein Spalt breit Licht in das Zimmer ließ, welches dennoch so hell war, dass es in sichtbaren Strahlen golden den gesaumten Raum schimmern ließ und die Staubteilchen schweben ließ. Es musste heiligster Tag sein – also warum war ich im Bett?
      Vorsichtig und Zentimeter für Zentimeter schob ich die Beine aus dem Bett, stöhnte auf, als mein Kopf sich anfühlte, als würde gerade ein Presslufthammer darin sein Unwesen treiben, und griff mir aus Reflex an meine Stirn. Schockiert stellte ich fest, dass das, was eigentlich meine Stirn sein sollte, nun einen riesen Buckel darstellte. Es war geschwollen, mindestens faustgroß, in sich unregelmäßig und leicht nach rechts versetzt, sodass er im Prinzip eher auf meiner Schläfe als auf meiner Stirn saß.
      Mit einem Schreckenslaut verbunden blieb mir der Mund offen stehen. Was zur Hölle war passiert? Rasch kroch ich aus dem Bett – etwas zu schnell, sodass mein Kreislauf schlagartig in den Keller sackte, mir schwarz vor Augen wurde und ich mich erst an der Kommode festhalten musste, um nicht umzufallen, doch ich fing mich.
      Nach und nach torkelte ich, als hätte ich letzte Nacht die Party meines Lebens gefeiert, gen Badezimmer und trat – dort angekommen – an den Spiegel.
      Und erschrak.
      Ich sah aus wie der Glöckner von Notre Dam, bei dem sich der Buckel vom Rücken auf die Stirn verschoben hatte. Das wulstige Gebilde sah aus, als wäre es wassergefüllt und war von einer Farbe, die zwischen schwarz, violett, blau, grün und gelb wechselte. Diese Färbung lief mir bis unter das Auge, umsäumte die Narbe an meiner Augenbraue und auf der Nase. Ich hätte so ohne Verkleidung zum Karneval gehen können. Dazu war mein übriges Gesicht kreidebleich und aus meinen Lippen war sämtliches Blut gewichen.
      Vorsichtig, damit ich nicht umfiele, torkelte ich die Treppe hinunter, zog meine Schlappen an und machte mich auf den Weg zum Hof, wo ich immer wieder leise und säuselnd den Namen von meinem Freund säuselte.
      Endlich fand ich ihn – mit einer Handvoll meiner Freunde um einen Tisch herum stehend, allesamt mit einem Bier in der Hand.
      „Schatz! Du bist wach!“, freute er sich ersichtlich, während ein dutzend meiner Freunde sich bereits scheckig über mein Aussehen lachte.
      Nach und nach erfuhr ich, dass Caipirinha mir bei dem Versuch, sie aufzuladen, ordentlich eine gescheuert hatte, ich sofort umgefallen und für eine halbe Stunde weggetreten war. Die Scheckstute nahm natürlich sofort Reißaus, sodass er zusammen mit dem Züchter Leute mobilisierten, um die kleine Vollblüterin zu suchen, während er mich – noch immer bewusstlos und so kooperativ wie ein nasser Sack – in sein Auto lud und ins Krankenhaus fuhr.
      Bei mir war so weit alles okay, mir wurden Schmerzmittel und Entzündungshemmer verschrieben und ich sollte viel schlafen, hatte aber viel Glück gehabt, sodass ich nicht einmal eine Gehirnerschütterung davon getragen hatte.
      Den anderen erging es nicht so gut. Sie brauchten noch den ganzen Tag bis zur Dämmerung (und der Versuch war etwa um 11 Uhr morgens gestartet!), bis sie die Kleine eingefangen hatten. Dann war sie davon überzeugt gewesen, NICHT auf diesen Anhänger zu gehen, sodass sie noch einige Bisse und Tritte verteilte, wie ein Esel stehen blieb und alle zur Weißglut brachte.
      Als es schließlich doch gelang, wanderte sie direkt in eine Paddockbox, wo sie niemand heraus holen musste, bis ich wieder fit war – die Arbeit blieb also dennoch bei mir.
      Ich konnte nicht anders, ich schmunzelte leicht, bis meine beste Freundin mich aus den Gedanken riss.
      „Ehrlich, Maren, vielleicht hast du den Beruf verfehlt. Im Reiturlaub eine Macke am Kopf, die geklebt werden muss, dann brichst du dir die Nase, weil du vom Pferd fällst, dann die Schulter. Jetzt lässt du dir auch noch beim Aufladen eine ballern, also von Glück kann man bei dir echt nicht reden!“
      Wir lachten gemeinsam, aber nur kurz, denn das Geräusch schmerzte in meinem Kopf.
      Deswegen beschloss ich auch, meine Arbeit mit der kleinen Dame auf morgen zu verschieben – in diesem Zustand könnte ich ohnehin nichts Gescheites auf den Pin kriegen.
    • Eowin
      Pedigree von Caipirinha
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    • Eowin
      Jackie - 23.04.2014

      Hufschmiedbesuch
      Maren kam gerade günstig. Sie wollte ihr Stutfohlen Caipirinha untersuchen lassen. Da Maren Tierarzt war, hatten wir ausgemacht das sie vorher noch bei Mrs. Pretty vorbeischauen sollte. Währenddessen kümmere ich mich um die Hufe der kleinen Stute. Als Maren in den Stall verschwand, führte ich das kleine Vollblut über den Hof. Nervös tänzelte es über die Pflastersteine und schlug den Kopf in die Höhe. "Na, na meine Kleine. Du bist aber ganz schön temperamentvoll." bemerkte ich sofort. Das Stutfohlen sprang regelrecht über den Boden, von lahmen keine Spur. Aber auch die Beine waren in einem guten Zustand. Ich zog kurz den Zettel aus meiner Jackentasche den mir Maren vor wenigen Minuten überreicht hatte. "Noch nie beim Hufschmied, neu auf den Hof." grübelnd blickte ich wieder zu der Stute. "Das Erklärt wohl dein Benehmen." Mir wurde bewusst das ich ohne Hilfe die kleine nicht kontrollieren konnte, also rief ich nach Amy. "AMY! KANNST DU BITTE DIE STUTE ABNEHMEN?" ich musste mehrmals rufen bis sie kam. "Was gibt's?" fragte sie trocken. Mit trockenem Hals krächzte ich zurück "Stute, abnehmen" Amy verstand und nahm den Strick. Mit Kräuterleckerchen lenkte sie die kleine ab während ich mit geschickten Bewegungen die Hufe nacheinander anhob und kontrollierte. Es sah alles im Top zustand aus. Natürlich konnte man alles noch ein wenig schöner machen, darum griff ich nach der Raspel um die Hufe nacheinander etwas zu kürzen - was ziemlich schnell ging. Anschließend nahm ich das Hufmesser und schnitt Hufwand und Sohle in Form. Am Hinterhuf angekommen quietschte Caipirinha jedoch völlig fassungslos und schleuderte mir den Huf entgegen. Mit einer geschickten Bewegung wich ich dem Huf aus. "Glaub ja nicht das bin ich nicht gewohnt" bemerkte ich scharfsinnig und schnitt auch die restlichen Hufe in Form.

      Ergebnis: Caipirinhas Hufe sind im Top Zustand, es wurden keine Verletzungen, so wie Fehlstellungen aufgefunden. Die Hufe wurden gekürzt und ausgeschnitten.

      1976 Zeichen
    • Eowin
      Eowin - 22.06.2014

      Teilnahme an der FS 226 für Fohlen mit hellem Langhaar
      Als ich mit meiner Rappscheckstute an der Reihe war, rutschte mir beinahe das Herz in die Hose.
      Caipirinha hampelte wie immer neben mir herum – die Zweijährige musste sich definitiv noch in Geduld üben. Ich war nervös, ich hatte Angst, dass sie ihre alltäglichen Allüren wieder bekäme und so gar nicht zeigen konnte, was für ein wundervolles Pferd sie war.
      Dennoch rang ich mich durch und betrat die Dreiecksbahn.
      Zunächst stellte ich Caipi vor den Richtern auf, damit diese ihr Exterieur beurteilen konnten.
      Sachte strich ich über ihren schneeweißen Kopf (es hatte lange gedauert, bis das Weiße an ihr auch wirklich weiß war und nicht aus einer Mischung von grau, gelb und braun bestand!), während die Richter sich musterten, sich Notizen machten und das Kinn in der Hand wogen.
      Ich griff Wortfetzen auf: Von langbeinig war die Rede, außergewöhnliche Farbe, man fragte sich wohl, ob sie reinrassig sei. Es wurde die schräge Schulter betont, der außergewöhnlich feine Kopf.
      In Gedanken führte ich die Liste weiter mit den Dingen, die ich an ihr so bewunderte: Der klare Blick, das große Auge, die Ohren, die stets nach vorn gestellt waren, die wohlgeformten, harten Hufe, die Art und Weise, wie die Muskeln unter ihrer Haut spielten, wenn sie sich bewegte.
      Diese Stute kam Gott weiß genug zu fressen, dennoch war sie sehnig, drahtig und hatte kein Gramm Fett am gesamten Körper. Man sah die Rippen durchscheinen, ohne dass sie mager erschien – es war einfach ihre Statur.
      Caipi sah mich mit einem Seitenblick an, als wolle sie sagen: „wann geht es endlich los?“
      Und das ging es jetzt. Zunächst eine Runde im Schritt, dann im Trab fegten wir die Bahn entlang.
      Ihr Schritt war schreitend. Schon jetzt suchte sie eine Dehnungshaltung, ihre Bauchmuskulatur stach hervor, man sah die Adern unter ihrer Haut und sie schnaubte zufrieden ab. Ihre Bewegung federte durch den gesamten Körper, der Rücken war frei und beweglich, ihre Halsmuskulatur war unglaublich stark ausgeprägt.
      Im Trab zeigte sich dann abermals, dass sie vielleicht kein Potential für eine S-Dressur hatte, aber dennoch war ihr Trab schwungvoll und frei, eben der Gang eines Rennpferdes. Zu betonen war sicherlich ihr Hinterbein, welches sie kraftvoll unter den Körper katapultierte, bevor sie sich energisch vom Boden abdrückte.
      Nach der Runde lobte ich sie und hielt wieder bei X.
      Den Richtern war mittlerweile eine Kopie der Eigentumsurkunde zwecks Sichtung der Abstammung gegeben worden.
      Ein lautes „Ah!“ ließ verlauten, dass sie erkannt hatten, wo die erstaunliche Farbe her kam.
      Augenbrauen wurden hochgezogen, dann erteilte man mir das Wort.
      „Ich denke, die Abstammung spricht für sich. Wir haben hier eine Stute vor uns, der wir unweigerlich großen Zuchtwert zusprechen müssen. Ihre Karriere wird steil sein und schon jetzt zeigt Caipirinha die Voraussetzungen dafür: Sie zeigt charakterliche Härte, einen unglaublichen Ehrgeiz, aber auch eine Intelligenz, die ihr erlaubt, Problemlösungen zu finden.“
      Dann verließ ich die Halle.

      3000 Zeichen
    • Eowin
      Eowin - 27.06.2014

      Caipirinhas Zukunft
      Wir hatten schnell begriffen, dass wir mit Caipirinha etwas anders verfahren mussten als mit unseren anderen Fohlen. Sie war griffiger, kerniger und hatte einen deutlich stärkeren Willen, sodass uns schnell klar wurde, dass sie von Anfang an in Menschenhand sein müsste, damit sie die Chance bekam, sich zu einem wundervollen Reitpferd zu entwickeln.
      Und dazu kam, dass wir uns viel von ihr versprachen und es uns somit besonders wichtig war, ihr bestmögliche Förderung zukommen zu lassen.
      So hatte ich mich lange hingesetzt, um einen geeigneten Trainingsplan für sie zu erarbeiten.
      Daraus kam eine simple Liste, die ich zuerst mit ihr üben würde. Anschließend würde unser Trainingsfortschritt von unserer Bereiterin und Ausbilderin Angy abgenommen werden, die unser Training auch immer zwischendurch beobachten und kontrollieren würde.
      Ich war der Meinung, dass dies ein sehr gutes Verfahren war – so fixierte sie sich auch nicht allzu stark auf mich, hoffte ich zumindest.
      Ich stellte folgende Liste auf:

      1. Halfter + Führen
      2. Anbinden, Putzen, Hufe geben
      3. Spazieren gehen, Wasser
      4. Decken + Beinschutz anlegen
      5. Sattel und Trense
      6. Anlongieren, Stangenarbeit, Freispringen
      7. Einreiten

      Für jeden Schritt würde ich uns beiden ausreichend Zeit geben und natürlich kannte sie auch schon vieles davon. Aber es war mir wichtig, alle Schritte nochmals genau durchzugehen.

      Jetzt, wo der Plan erst einmal gefasst war, war ich voller Elan und wollte sofort mit ihr beginnen.
      Ich schnappte mir ihr pinkes Halfter aus der Sattelkammer und machte mich auf den Weg zur Weide, wo Caipi momentan friedlich ihr Dasein fristete.
      Eigentlich kannte die Zweijährige all das schon, aber dennoch rief ich sie, wie immer, und lobte sie ausgiebig, als sie auf Pfiff kam. Aufmerksam stellte sie sich vor mir auf und ließ sich artig aufhalftern, allerdings machte sie keinerlei Anstalten dafür den Kopf zu senken, um es mir zu erleichtern. Dennoch konnte ich leicht das Halfter auf ihren Kopf fummeln und schloss den Karabiner.
      Ich lobte, dann führte ich sie von der Wiese und machte auf dem Reitplatz einige Führübungen.
      Ich ließ sie durch eine aus Stangen gelegte Gasse folgen, ging durch einen Slalom, ließ sie rückwärts treten und forderte sie immer wieder auf, mir zu folgen.
      Es klappte hervorragend, sodass ich bald mit meiner Arbeit fertig war und Caipi wieder auf die Wiese brachte.
      Sie schnaubte ausgelassen, wartete aber geduldig, bis ich ihr das Halfter abgenommen hatte und einen Meter zurückgetreten war. Dann jedoch preschte sie im Galopp davon, buckelte, wieherte und gesellte sich zu den anderen Jungpferden, mit denen sie sogleich zu spielen begann.
    • Eowin
      Elsaria - 27.06.2014

      Halftertraining und Führkontrolle
      Ich hatte meine Partnerin gestern beobachten können wie sie die Junge Stute von der weide holte. Von weitem sah ich das Caipi sich zwar aufhalftern lies aber keinen zentimeter den Kopf herunter nahm. Eowin reagierte super und lobte die Stute. Vor einigen Tagen bat sie mich ihre Fortschritte zu überprüfen. Später verschwand sie in der halle wo ich nur kurz zu schaute, da ich mich noch um Thowra kümmern musste. Da Eowin geduldig aber konequent mit Caipi arbeitet und es sehr gut aussah hatte ich keine Bedenken. Heute wollte ich mich um Caipi kümmern natürlich alles mit Eowin abgesprochen. Ich wusste nicht viel von der kleinen außer das sie sehr stark im charakter ist. Ich nahm einige leckerchen mit und ihr pinkes halfter und lief rüber zur Weide. Ich pfiff und rief nach ihrem Namen. Caipi schaute zwar auf reagierte nicht gleich wieso auch? Ich war fremd. „ Na komm Mädchen!“ flüsterte und pfiff nach ihr. Auch beim zweiten mal kam sie nicht.. Darum ging ich etwas näher auf sie zu und pfiff nochmal. Jetzt macht Caipi einen schritt auf mich zu und ich lobte sie sofort. Dann streckte ich ihr erstmal einen apfelschnitz hin und schaute ob sies annahm. Vorsichtig nahm sie es an. Jetzt wiederholte ich diese übung, sie bekam das leckerchen aber erst wenn ihr kopf weit unten war so das man gut halftern konnte und sie auch still blieb. Wenn sie das machte lobte ich sie. Ich halfterte sie dann auf. Zwar war sie noch nicht in dieser Ebene, aber weiter unten als gestern. Also musste ich mit eowin sprechen, das wir das so einige zeit machen und wenn sies dann gut macht mit den leckerchen langsam aufzuhören. Dann führte ich Sie von der Weide. Brav folgte Caipi mir und suchte immer wieder nach was essbaren. Mit einem scharfes Nein und den Kopf wegdrücken unterbinde ich dies. Ich ging mit ihr auch in die Halle und ging mit ihr über den Stagencours. Caipi lies sich sofort händeln blieb stehen, ging weiter, trabte leicht an, rannte dich nicht um oder der gleichen. Ich lobte die Stute ausgiebig und brachte sie zurück und suchte Eowin.
    • Eowin
      Gwen - 27.06.2014

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      Schnupperkurs Bodenarbeit
      (c) Gwen | 50.142 Zeichen
      Pünktlich sieben Uhr morgens klingelte mein Wecker. Ein mulmiges Gefühl machte sich in meinem Bauch breit, als ich aufstand und Richtung Bad wanderte, um mich fertig zu machen. In den kommenden Tagen würde sich zeigen, ob mein Traumberuf wirklich für mich geschaffen war oder ob ich mir vielleicht doch lieber etwas anderes suchen sollte. Heute würden die sechs Teilnehmer meines zweitägigen Kurses auf dem Gestüt ankommen und dann würde sich zeigen, ob ich auch das Gelernte an andere Menschen weitergeben konnte. Natürlich plagten mich schon seit längerem Sorgen, denn ich war mir nicht einmal sicher, ob man mich frischgebackene 18-jährige ernst nehmen würde oder ob alle direkt nach der Ankunft kopfschüttelnd wieder nach Hause kehren würden.
      In der Küche begrüßte mich Elisa mit einem fröhlichen Grinsen. Sie wusste natürlich von meinen Befürchtungen und erzählte mir schon seit Tagen nichts anderes, als dass das schon alles klappen würde, mit meiner Vorbereitung ja sowieso. Natürlich hatte ich mir viel Mühe gegeben, damit auch wirklich alles reibungslos ablaufen würde und ich hatte mich schon vor dem heutigen Tag ausführlich mit den Paaren beschäftigt, um mir einen Überblick zu verschaffen. Dennoch war ich mir immer noch sehr unsicher. Viel Zeit blieb mir jedoch nicht zum grübeln, denn 10 Uhr sollten die Teilnehmer hier eintrudeln und es musste noch genügend vorbereitet werden!
      Die Gästezimmer hatten Elisa und ich bereits gestern fein säuberlich vorbereitet. Es waren immer zwei-Bett-Zimmer, denn wir wollten schließlich auch die menschlichen Kontakte fördern und da der Kurs vollständig aus Frauen bestand, war das kein Problem. Für diejenigen, welche dann aber doch vehement alleine bleiben wollten, gab es natürlich auch noch Einzelzimmer. Heute waren dann die Unterkünfte für die Vierbeiner noch an der Reihe. Die kommenden zwei Tage würden die Pferde in einem großen Offenstall verbringen. Dabei hatten wir auch schon festgelegt, wer sich mit wem das Schlafgemach teilen würde, da bei dem Kurs sowohl Hengste als auch Stuten vorhanden waren. Wie auch ihre Besitzer würden sie jeweils zu zweit stehen dürfen, so dass Auseinandersetzungen eigentlich ausgeschlossen wurden. Für den Fall aller Fälle war natürlich auch vorgesorgt, doch wir hofften sehr, dass es kein großen Tiraden geben würde.
      Schneller als gedacht rückte der große Uhrzeiger der zehn entgegen und es dauerte nicht lange, bis der erste Pferdehänger am Eingang des Gestüts zu sehen war. Elisa half mir bei der Begrüßung der Gäste, denn wenn alle auf einmal kommen würden, hätten wir alle Hände voll zu tun. Ein großes Schild wies den Parkplatz aus, zu welchem ich auch direkt eilte, um meine erste Teilnehmerin zu begrüßen. „Herzlich Willkommen auf Crown Hill! Ich bin Gwendolyn Campbell.“ begrüßte ich die junge Frau, welche soeben ausstieg. „Hallo, ich bin Jessica Rheinburg und das dort ist Possibility.“ meinte sie lächelnd und deutete auf den Pferdekopf, welcher neugierig durch das Fenster des Hängers lugte. „Na dann wollen wir ihn mal ausladen.“ meinte sie und nickte zustimmend. Gemeinsam öffneten wir die Rampe und ohne Probleme ließ sich der Hengst rückwärts vom Hänger führen. Vorbildlich stand der Hengst an Jessicas Seite, doch es reichte ein kurzer Blick in sein Gesicht, um zu sehen, dass dieses Benehmen nicht positiv war. Jessica schaute mich traurig an. „Seine Vergangenheit ist nicht spurlos an ihm vorbeigegangen.“ meinte sie und wir liefen gemeinsam Richtung Stall, währenddessen wir uns schon ein wenig unterhielten. Possibility stammte aus schlechter Haltung und seither schien er sich aufgegeben zu haben und war stets so abwesend, wie jetzt eben auch. Ich übergab das Paar Elisa, welche den beiden ihre Unterkünfte zeigen würde, während ich mich schon auf den Rückweg zum Parkplatz machte, um den nächsten Gast zu begrüßen.
      Es war Kathi, welche ich sogar schon vom Hören und Sehen her kannte, da sie gemeinsam mit der Sarah ein Gestüt führte, welche ich auf Heartland kennengelernt hatte. Freundlich begrüßte ich auch sie und musste erst einmal losprusten, als Kathi ihren Ponyhengst auslud. „Hm, du hast ja gesagt, er wäre rundlich, aber dass er so rundlich ist, hätte ich nicht gedacht!“ meinte ich grinsend und musterte Finlay von unten bis oben. Plötzlich gewannen Kathis Worte aus der Anmeldung ein ganz neues Gewicht, so wie auch Finlay es besaß. Ich begleitete die beiden mit zum Stall und zeigte Kathi erst einmal Finlays Offenstall. Das Highlandpony schien sich sofort wohlzufühlen, nachdem Kathi ihn losgemacht hatte. Zufrieden drehte er eine Runde im Offenstall, ehe er sich auch schon am Heunetz zu schaffen machte. „Siehst du, genau das meine ich!“ stöhnte Kathi genervt in meine Richtung, „Der hat nichts anderes als Fressen im Kopf!“. Ich hoffte ja inständig, dass sein Weidekumpane ihn ein wenig auf Trab bringen würde, doch gar so sicher war ich mir da nicht. Kathi zeigte ich noch ihr Gästezimmer, in welchem schon Jessica ihre Sachen auspackte. Beide begrüßten sich freundlich und durch Kathis unkomplizierte Art, kamen sie auch sofort ins Gespräch, so dass ich sie in Ruhe alleine lassen konnte. „12 Uhr treffen wir uns dann alle auf dem Hof bezüglich der Planung!“ sagte ich noch an, ehe ich schon verschwand.
      Als ich das Gästehaus verließ, hörte ich schon Hufgetrappel auf dem Parkplatz, so dass ich mich beeilte. Doch Elisa war schon da und hatte unseren nächsten Gast begrüßt, was auch kein Problem war, denn es handelte sich um Zai! Fröhlich lief ich ihr entgegen und umarmte sie erst einmal. „Toll, dass du hier bist!“ grinste ich fröhlich und Zai nickte: „Na, ich kanns mir doch nicht entgehen lassen, euch mal wieder zu besuchen. Danke übrigens, dass Dreamer ausnahmsweise mitmachen darf.“ zwinkerte sie mir zu. Zai hatte ihren jungen Hannoveranerhengst mitgenommen, welcher eigentlich noch zu jung für den Kurs war, da einen Teilnehmerbedingung für die Pferde ein Alter von 2 Jahren war. Da Dreamer aber nur noch vier Monate fehlten und ich wusste, dass Zai sehr gut mit ihm umging, hatte ich sie dennoch eingeladen, herzukommen und nun standen sie vor mir. „Ich hoffe, ich enttäusche euch nicht mit dem Kurs.“ meinte ich unsicher, doch Zai schüttelte nur lachend den Kopf und führte Dreamer in Richtung Stall. Der kleine Braune war auch der erste, welcher mal die neue Umgebung genauer in Augenschein nahm und sich dafür interessierte. Aufgeregt tänzelte er neben Zai her und stieß ab und an ein leises, aber hohes Wiehern aus. In Dreamers Quartier wartete auch schon jemand, denn er war der Weidekumpane, der Finlay ein wenig auf Trab halten sollte. Auch Zai konnte sich kein Grinsen verkneifen, als sie den Schimmel entdeckte. Dreamer hingegen war aufgeregter als zuvor und trabte in großen Kreisen um Finlay umher, nachdem er ihn erfolgreich vom Heunetz verdrängt hatte. Finlay stand nur genervt da, entlastete ein Hinterbein und schloss die Augen. „Na das wird noch interessant mit den beiden!“ meinte ich grinsend und zeigte Zai noch flott ihr Gästezimmer, ehe auch schon die nächsten Hänger angerollt kamen. „Ach ja und 12 Uhr treffen wir uns auf dem Hof!“ rief ich Zai noch hinterher, ehe ich es vergaß.
      Langsam wurde es schwer, jeden ausgiebig zu begrüßen und ihnen die Unterkünfte zu zeigen. Fynja und Maren kamen beinahe zeitgleich an, doch ich begrüßte zuerst Fynja und bat sie, ihre Stute direkt auszuladen. Fjörgyn blickte sich neugierig um und schien ganz aufgeregt zu sein, nach der langen Fahrt. Die Mausfalbin hatte ich schon jetzt ins Herz geschlossen, denn ein Blick in ihre braunen Augen reichte und jeder, der vorher Isländer nicht gemocht hatte, war plötzlich anderer Meinung, Maren ging es da nicht anders. Sie war soeben ausgestiegen und lief uns entgegen. „Hallo! Ich bin Gwendolyn Campbell.“ stellte ich mich vor und reichte ihr die Hand. Auch von Maren wurde Fjörgyn erst einmal gekrault. Ich klärte die beiden direkt auf, dass ihre beiden Stuten sich einen Offenstall teilen würde und da niemand aufgeregt Luft holte, schien alles okay zu sein. Fjörgyn brachten wir als erstes in den Offenstall und dann reichte ich Fynja an Elisa weiter, welche sie zu ihrem Zimmer bringen würde. Marens Vierbeinerin würde wahrscheinlich nicht ganz so unkompliziert in den Offenstall gehen und zur allgemeinen Stressminderung bat ich Maren, mit dem Hänger direkt an die Offenställe zu fahren. Sie nickte und machte sich auf den Weg, um das Auto zu holen. Als Hilfe hatte ich auch direkt noch Matthew gepackt, denn falls etwas passieren sollte, war ein dritter Mann sicherlich nicht schlecht. Caipirinha hieß die kleine Rappscheckin, welche jetzt schon fleißig Theater in dem Hänger machte. „Ich binde sie erst los und dann öffnen wir den Hänger, okay?“ meinte Maren und wir nickten.
      Als sie das Zeichen gab, ließen wir die Rampe hinunter und wichen sicherheitshalber zur Seite. Aufgeregt trappelte die kleine Stute rückwärts hinunter, wobei sie die letzten Zentimeter einfach übersprang. Maren wurde mehr oder weniger hinterhergeschleift. Umso besser war es, dass wir so nah am Offenstall waren, denn durch unsere indirekte Begrenzung stand Cai schnell und ohne großes Spektakel neben Fjörgyn im Offenstall. Cai sprang ausgelassen in die Luft und trat einmal in unsere Richtung aus, bis sie plötzlich erstarrt stehen blieb und die graue Isländerin vor sich anstarrte. „Na hui?“ meinte Maren grinsend, als Cai plötzlich alles andere als selbstbewusst war, denn Fjörgyn hatte die kleine Stute die gesamte Zeit ruhig beobachtet und das schien Cai nicht sonderlich zu gefallen. Vorsichtig näherte sie sich der grauen Stute und zu unserer Freude schienen sich beide sehr gut zu verstehen. „Ein Wunder.“ murmelte ich, denn eigentlich hatte ich fest mit Problemen gerechnet. Während wir die Stuten zusammengebracht hatten, war auch die letzte Teilnehmerin eingeflogen und stand grinsend hinter uns. „Na, was gibt’s hier denn spannendes zu sehen?“ meinte Alessia grinsend und wurde erst einmal von uns alle herzlich begrüßt. Neben ihr stand der kleine Shettyhengst Erutan Wishes, welcher sich neugierig umschaute. Er würde sich seinen Offenstall mit Possibility teilen. So zeigte ich Alessia direkt die Unterkunft ihres Ponys. Possibility nahm nicht wirklich Notiz von seinem neuen Artgenossen, sondern stand weiter dösend in der Ecke. Ich erläuterte Alessia direkt, dass er aus schlechter Haltung stammte und deshalb ein solch abweisendes Verhalten aufwies. Sie nickte und betrachtete den Hengst noch ein wenig, ehe ich sie in ihr Gästezimmer einweihte. Ich hatte sie mit zu Zai gepackt und die beiden verstanden sich auf Anhieb. Maren teilte sich das Zimmer mit Fynja und schon waren alle gut untergebracht. Wunder, oh Wunder, war es tatsächlich erst kurz nach um elf, so dass mir noch ein wenig Zeit blieb, alles für die Begrüßung vorzubereiten.
      „Herzlich Willkommen auf dem Gestüt Crown Hill, Sitz des WHT Ausbildungsbetriebs!“ meinte ich lächelnd, als wir alle in einem Kreis versammelt auf dem Hof saßen. Von allen Seiten wurde ich neugierig angelächelt und jeder wollte anscheinend wissen, wie es nun weitergehen würde. „Als erstes würde ich gerne die beiden Gruppen ansagen, in welchen wir dann arbeiten wollen.“ meinte ich kurz und wühlte in meinen Unterlagen, um den kleinen Klebezettel zu finden. „Also... In der ersten Gruppe sind Maren, Alessia und Kathi. Somit bilden Jessica, Zai und Fynja die zweite Gruppe.“ Von überall her kam ein zustimmendes Nicken, so dass ich die Tagesabläufe austeilte. „Das ist nur ein grober Zusammenschnitt, außer bei den Essen kann es zu zeitlichen Abweichungen kommen.“ meinte ich lächelnd und reichte jedem sein Blatt.
      Tag 1
      10 Uhr – Ankunft der Teilnehmer, Unterbringung der Pferde und Reiter
      12 Uhr – Begrüßung, Einleitung in den Plan der nächsten zwei Tage
      12:30 Uhr - Mittagessen
      14-15 Uhr – Erste Gruppe
      15-16 Uhr – Zweite Gruppe
      17-18 Uhr – Videoanalyse erste Einheit
      18:30 Uhr – Abendessen

      Tag 2
      9 Uhr – Frühstück
      10 Uhr – Kurze Durchsage zum Tagesablauf
      11-12 Uhr – Zweite Gruppe
      12:30 Uhr – Mittagessen
      14-15 Uhr – Erste Gruppe
      16-18 Uhr – Videoanalyse zweite Einheit, Skripts zum Nachhause nehmen
      18:30 Uhr – Abendessen
      19 Uhr – Abschließender Ausritt mit Traileinlage; Ende am Lagerfeuer

      Tag 3
      ab 7 Uhr – Frühstück möglich
      Abfahrt je nach Belieben
      „Gibt es noch Fragen?“ fragte ich, als alle das Blatt einigermaßen überflogen hatten. Kathi meldete sich und stellte ihre Frage: „Und die Pferde haben auch Vollpension?“ - „Ja, darum braucht ihr euch keine Gedanken zu machen. Sollte noch etwas wichtiges bei euren Vierbeinern zu bedenken sein, dann könnt ihr mir das sagen und ich werde es weiterleiten.“, Kathi schien zufrieden mit meiner Antwort und lehnte sich wieder zurück. Auch die anderen sahen zufrieden aus. „Na dann würde ich sagen, dass es jetzt erst einmal eine Stärkung gibt, ehe die erste Gruppe auch schon an der Reihe ist!“ meinte ich grinsend und erhob mich. Der Kurs folgte mir brav wie Schüler ihrem Lehrer, wovon ich sie eigentlich anfangs abhalten wollte, bis mir einfiel, dass sie noch gar nicht wussten, wo der Essensraum – oder wie Elisa es gerne nannte, das Mini-Restaurant – war. Zu Essen gab es Hefeklöße mit Vanillesoße und Kirsch-Kompott. Zufrieden saßen alle vor ihren Tellern und aßen, aber auch rege Gespräche waren zu hören, als ich mich auf den Weg zu Elisa an den Tisch machte. „Und wie läufts?“ fragte sie neugierig und ich nickte glücklich. „Anscheinend besser als ich dachte.“ meinte ich lachend und begann zu essen.
      Schon zehn Minuten vor Beginn der ersten Einheit war die kleine Gruppe vollständig, so dass ich sie erst einmal für ihre Pünktlichkeit lobte. Wir hatten uns in der Halle zusammengefunden, da wir so die nötige Ruhe in die Gruppe bekommen konnten, ohne dass die Pferde von äußeren Einflüssen abgelenkt werden konnten. „In der ersten Stunde möchte ich vor allem auch erst einmal einen Einblick in die Theorie geben, denn nur wenn man weiß, wie etwas richtig geht, kann man es auch richtig machen.“ meinte ich und stellte der Gruppe mein „Vorführ“pferd Altair vor. Der braune Ponyhengst stand entspannt neben mir und wartete geduldig, bis ich mich mit ihm beschäftigen würde. „Ich habe mich schon ein wenig mit euren Problemen beschäftigt und auch schon einige Ideen gesammelt, allerdings finde ich es dennoch wichtig, dass ihr erst einmal die Grundlagen kennt, denn wenn wir mitten in dem ganzen Wirrwarr anfangen, tut das weder euch noch den Pferden gut.“ mit diesen Worten holte ich mir ein einstimmiges Nicken.
      „Zu Beginn würde ich gerne etwas über die Hilfsmittel und deren richtigen Umgang erzählen, denn vielen ist nicht bewusst, warum man ein anderes Halfter nehmen soll.“ Nun kam Altair zum Einsatz, denn an ihm zeigte ich die unterschiedlichen Hilfsmittel. Den Beginn machte wie immer das Knotenhalfter. Ich zeigte an Altair leicht, wie sich das dünnere Seil sich auf das Pferd auswirkte und erläuterte auch noch einmal die Gefahren dieses Halfters bezüglich der Weide oder des Anbindens. „Das Knotenhalfter wirkt schärfer als ein Stallhalfter und dem Pferd wird nicht die Möglichkeit gegeben, dass es sich bei Widerwillen in das Halfter legen und abstützen kann, da die Auflagefläche nicht annähernd so groß wie die eines Stallhalfters ist.“ erklärte ich und zeigte als Vergleich ein normales Stallhalfter, der Unterschied war eindeutig und auch am Material konnte man dies festmachen. „Oft hört man, dass die Knoten „Akupunkturpunkte sind. Allerdings ist das ein Irrglaube, denn die Knoten sind schlichtweg notwendige Kreuzungspunkte, da die Knotenhalfter geknüpft werden und sonst würde es nicht halten. Wahr ist natürlich, dass diese Knoten Druck ausüben, allerdings hat der keinen besonderen Zweck.“. Meinte ich lächelnd und erntete natürlich einige verwunderte Blicke. „Und was ganz wichtig ist, ist der richtige Sitz eines Knotenhalfters, denn sonst kann die schärfere Wirkung auch ganz schnell gefährlich werden. Klingt jetzt doof, aber ein maßgefertiges Knotenhalfter ist immer die beste Lösung.“ sagte ich und deutete auf Altairs, welches auch maßgefertigt war.
      Als nächstes folgte das Rope. „Wichtige Punkte bei dem Rope sind der Verschluss, das Material und die Länge.“ erklärte ich und zeigte den Teilnehmern Altairs Rope. „Der Verschluss sitzt fest und kann sich nicht von selbst lösen, dass ist besonders wichtig bei der Bodenarbeit. Das Material muss natürlich griffig sein, denn dieses Seil stellte die Verbindung zwischen und und dem Pferd her. Und auch die Länge ist wichtig, denn sie werden später bei den Übungen noch sehen, wie viele Dinge auf Distanz trainiert werden und dennoch soll die Verbindung ja bestehen.“ erklärte ich, während ich Altair als Beispiel von mir wegschickte, ihn anhalten und zurückkommen ließ. Als letztes erklärte ich noch, warum ein Stick so praktisch war und vielleicht auch günstiger als eine Gerte. „Durch seinen anderen Sinn besitzt er auch eine andere Beschaffenheit als eine Gerte, er liegt auch ganz anders in der Hand.“ Ich reichte meinen Stick einmal in der Runde herum und entdeckte einige Ah-Blicke.
      „Aber genug Theorie für das erste! Nun würde ich gerne auf praktische Art und Weise mit den Grundlagen beginnen. Hat wer denn schon eine grobe Vorstellung?“ fragte ich in die Runde, um meine Teilnehmer munter zu machen. Fynja meldete sich direkt. „Also ich habe immer gelernt, dass Vertrauen und Respekt die Grundsteine der Bodenarbeit sind.“ meinte sie und ich nickte. „Das stimmt vollkommen. Allerdings geht es bei dem Respekt nicht um dieses typische „Mensch ist der Chef und Pferd ist der Untertan“, sondern viel mehr um den gegenseitigen Respekt. Es ist zwar schön und gut, wenn unser Pferd die von uns verlangten Dinge tut, weil es sich uns unterwirft, aber ein gemeinsames Arbeiten ist in meinen Augen der sinnvollere Weg.“ Während meiner Worte kraulte ich Altairs Stirn. „Altair zum Beispiel ist nicht einfach mein Pferd, er ist mein Partner. Wir finden es immer toll, wenn Tiere sofort spüren wie es uns geht und wie wir denken, doch das gleiche verlangen diese auch von uns und ich finde es nur gerecht, wenn wir ihnen in dieser Weise entgegen kommen.“ erklärte ich und musterte kurz die drei Paare vor mir.
      Finlay stand sehr unmotiviert da und schien neben Kathi einzuschlafen. Der kleine Erutan zappelte ständig umher und wollte anscheinend endlich ein wenig Aktion und zu Caipirinha schaute man am besten gar nicht. Die kleine Stute hatte die Ohren angelegt und den Schweif zwischen die Hinterbeine geklemmt, sobald Maren unaufmerksam sein würde, würde die Stute ihr eins auswischen, das sah man sofort. Also wurde es dringend Zeit für einige praktische Übungen. „Pat Parelli ist euch bestimmt allen ein Begriff. Es baut auf den Seven Games auf, welche die Grundlage des fortführenden Pat Parelli bilden. Das erste Spiel ist das Friendly Game, es beruht auf dem simplen Streicheln des Pferdes, welches sich überall anfassen lassen soll, ohne zu weichen oder zu zappeln.“ Während ich erzählte, machte ich es bereits mit Altair vor, welcher vorbildlich mitmachte. „Das ist Teil des Gehorsamkeits-Trainings und zeigt dem Pferd, dass Menschenhände nichts böses sind. Eure Tierärzte und Hufschmiede werden euch für ein solches Pferd lieben.“ meinte ich lächelnd und ließ der Gruppe Zeit, um sich mit ihren Pferden zu beschäftigen. Kathi hatte am wenigsten Probleme damit, denn Finlay interessierte das gar nicht. Alessia hatte schon mehr zu tun, denn Erutan war ein wenig ungeduldig und überall anfassen lassen wollte er sich auch nicht. Doch bei den beiden lief es im Gegensatz zu Maren gut. Cai sprang immer davon und wollte sich gar nicht anfassen lassen. „Lass ihr Zeit. Du hattest gesagt, sie ist noch neu bei dir? Dann kennt sie dich auch noch nicht.“ erklärte ich Maren. „Fang erst einmal mit etwas ganz simplen an. Vielleicht ihr einfach durch die Mähne zu wuscheln, wenn sie neben dir steht. Ich denke bei euch beiden wird das ein Weilchen dauern.“ meinte ich aufmunternd, denn Cai war vom Charakter her wirklich kein leichtes Pferd.
      Als nächstes stand das Abhärten an der Reihe, beziehungsweise wurde das von allen gerne Anti-Schreck-Training genannt. Die Pferde sollten lernen, dass auch die Sachen aus dem Alltag kein Problem waren. Dazu gehörten Holzpaletten, Plastiktüten, Fahnen, Flaschen. Alle drei Pferde dieser Gruppe hatten damit allerdings auch kein Problem und so konnten wir schnell weiter machen.
      „Jetzt kommen Übungen für den Respekt zwischen Mensch und Pferd. Dazu gehört das Porcupine Game, das Driving Game und das Yo-Yo Game. Mit Altair machte ich die ersten Übungen vor. Bei dem Porcupine Game handelte es sich um simple Spiele, welche auch in der Natur in wilden Herden stattfanden. Dazu gehörten simple Bewegungen wie das Halsbiegen, das Kopfsenken oder das Rückwärtsgehen. Alle durften es einmal ausprobieren, wenn es nicht direkt klappte, gab ich den ein oder anderen Tipp. „Und alles geht von einer gewissen Distanz aus.“ erklärte ich und so bekam auch Maren die Chance, mit ihrer Stute zu arbeiten, denn aus der Distanz hinaus wurde es keinem von beiden gefährlich. „Pause!“ rief ich erneut und die Teilnehmer beendeten noch die Übung, ehe sie ihre Pferde neben sich „parkten“. „Wir machen aber ziemlich oft Pausen!“ stöhnte Alessia, welcher schon wieder ein nervender Erutan am Rockzipfel hing. „Ja, aber das hat auch einen Grund. Die Pausen sind wichtig, um das Vertrauen zwischen euch und euren Pferden zu stärken, denn in dieser Zeit könnt ihr euch mit ihnen unterhalten, sie kraulen und einfach entspannen, ehe die nächste Übung gefordert wird.“ Schon nach zwei Minuten ging es wieder weiter.
      „Leider werden wir heute nicht alle Spiele schaffen, doch ich werde euch ein Skript zuschicken, auf welchem ihr alle Spiele finden könnt. Zum Schluss gibt es noch drei Spiele für die Respekt- und Vertrauensarbeit und da alle Pferde hier noch in einer kritischen Phase befinden, würde ich gerne diese drei Spiele ausführlicher machen wollen.“ erklärte und und wir begannen mit dem Circling Game. Dabei lief Altair im Zirkel um mich rundrum, auch ohne dass ich ihn ständig in den Augen behielt. Das Sideways Game war komplizierter, denn wer hier nicht vorsichtig genug war, hätte schnell ein scheuendes Pferd. Zum Schluss kam noch das Squeeze Game, für welches ich erst einmal ein simples Stangen-L aufgebaut hatte. Nur kurz führte ich alles mit Altair vor, um den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, die gesamte Zeit ausführlich nutzen zu können. Besonders bei Maren und Cai warf ich einen Blick darauf. Die kleine Stute zeigte sich sehr widerstrebend und nur kaum etwas klappte wirklich. Zudem war sie sehr abgelenkt durch die anderen Pferde und anscheinend auch aufgeregt durch die neue Umgebung. „Maren? Wenn du magst, können wir heute Abend nach dem Essen noch eine kleine Extra-Stunde einlegen, denn Cai ist ja doch ein ziemlicher Sonderfall für sich.“ meinte ich und musterte die Vollblutstute. Maren schaute mich dankbar an. „Das wäre toll!“ meinte sie begeistert und nickte glücklich. „So! Die erste Stunde ist beendet. Ich hoffe ihr könnt alle etwas mitnehmen!“ meinte ich lächelnd und entließ die Teilnehmer, denn die nächsten warteten schon vor der Tür.
      Die zweite Gruppe war wesentlich ruhiger und während die Reiter meinen Erklärungen lauschten, standen die Pferde ruhig da, außer Dreamer, der natürlich fleißig am umherschauen war. Wie auch der ersten Gruppe erläuterte ich hier die Hilfsmittel und deren korrekten Umgang. Erneut war Altair mein Versuchskaninchen und zeigte den Teilnehmern, weshalb, warum und wieso wir diese Ausrüstung nutzten. Alle nickten während meines Vortrages und waren gleich von Anfang an begeistert. „Da in der vorherigen Gruppe die Frage kam, werde ich sie direkt im Voraus erläutern. Der praktische Teil ist mit vielen kleinen Pausen gespickt, welche den Pferden und auch euch die Möglichkeit geben soll, zu entspannen und bereit für neue Informationen zu sein. Das ist auch im ganz normalen Training wichtig.“ erklärte ich lächelnd und Zai schien sofort zu wissen, was ich meinte.
      Nachdem der theoretische Teil geschafft war, wechselten wir zum praktischen Teil, nämlich den Seven Games. Erneut erklärte ich diese und zeigte die an Altair. Wir schnitten jedes Spiel grob an, doch bei dieser Gruppe konzentrierte ich mich vor allem auf die Übungen zum Vertrauensaufbau. Viel Wert legte ich erneut auf das Friendly Game, welches von allen genaustens ausgeführt werden sollte. Aber auch das Circling und Squeeze Game waren mir wichtig, damit die größtenteils jungen Pferde erst einmal weiter Vertrauen aufbauen konnten. Zai war vollkommen begeistert, wie gelehrig ihr kleiner Dreamer war und dass er doch ein wirklich gutes Benehmen an den Tag legte, bis Dreamer plötzlich der Meinung war, um sie herumzupreschen und sich loszureißen. „Konsequent bleiben! Hol ihn wieder zu dir und mache erst noch einmal das Yo-Yo Game, danach eine Pause und dann versuche noch einmal das Circling!“ erklärte ich ihr. Bei Fynja und Fjörgyn lief auch alles wunderbar und sie hätten am liebsten schon weitergemacht und auch die Pausen durch gemacht. „Fjörgyn ist wirklich sehr lernwillig, aber dennoch solltest du aufpassen, dass du sie nicht überforderst.“ erklärte ich Fynja, denn beide waren mir manchmal zu motiviert. Possibility und Jessica funktionierten auch gut, doch wirklich zu dem Hengst durchdringen konnte die junge Frau nicht. „Lass in mal wirklich von alleine zu dir kommen. Er muss sich mit einbauen können, wenn das klappt, dann wird er eventuell auch wieder mutiger.“ ermunterte ich Jessica, welche inzwischen genauso betrübt aussah wie ihr Hengst.
      Auch mit der zweiten Gruppe lief es wunderbar und man merkte, dass viele indirekt schon dem Verhältnis zwischen Pferd und Mensch folgten, wie es auch bei Pat Parelli und Horsemanship wichtig war. Zufrieden entließ ich so auch die zweite Gruppe. Alle hatten nun eine Stunde Zeit, um zu entspannen, sich selbst frisch zu machen oder sich um ihre Pferde zu kümmern, denn dann würde es vor dem Abendessen zu Auswertung der heutigen Stunden kommen.
      Wie immer waren alle Teilnehmer pünktlich dort, wo sie sein sollten. Ich hatte in der letzten Stunde die mitgeschnittenen Videos auf meinen Computer gezogen und in einem kleinen gemütlichen Raum den Beamer angeschmissen, so dass die Videos auf Großbild zu sehen sein würden. Nun konnte die Videoanalyse beginnen. „Es ist immer sehr interessant, wenn man sich selbst bei der Arbeit mit den Pferden beobachtet und es fallen einen da so einige Eigenheiten auf, manche positiv, aber manche auch negativ.“ meinte ich lächelnd und ließ das erste Video laufen. Alle schauten erst einmal ein wenig geschockt, als sie sich dort selbst vorne auf der Leinwand sahen und ich wusste nur zu gut, wie sich fühlten, als ich mich das erste Mal so gesehen hatte, hatte ich mich auch komisch gefühlt. „Beginnen wir mit der ersten Gruppe, in welcher Maren, Alessia und Kathi waren.“ meinte ich und drückte Play. Erst einmal ließ ich die Teilnehmer so zuschauen, ohne etwas zu sagen und dann spulte ich noch einmal zu Anfang. „Ich beginne jetzt einmal mit Kathi. Bei dir sieht man, dass du inzwischen auch nicht mehr gar so vor Motivation strotzt, wenn du neben Finlay stehst oder etwas mit ihm machst.“ erklärte ich und drückte Stopp, so dass wir eine Momentaufnahme hatten, auf welcher Mensch und Pferd beinahe gleich unmotiviert schauten. „Wichtig wäre es, dass auch du wieder Spaß an der Arbeit findest, denn nur so kannst du sie auch Finlay schmackhaft machen.“ fügte ich hinzu. Kathi war ein wenig erschrocken, doch sie verstand, was ich meinte. „Was Finlay selbst dann motiviert mitzumachen, dazu werden wir erst morgen kommen.“ versicherte ich ihr. Nächstes Augenmerk legte ich auf Maren und Cai. „Sehr gut finde ich dein konsequentes und selbstbewusstes Auftreten gegenüber der Stute, denn das wirst du auf jeden Fall brauchen. Allerdings sind bei euch die Positionen nicht geklärt, damit meine ich nicht die Chefposition, sondern euer Miteinander. Du verfolgst immer ein wenig den Sinn, Cai zu unterwerfen. Nun ist sie aber eine Stute die das gar nicht akzeptiert, ihr müsst euch auf die gleiche Stufe stellen. Den gleichen Respekt, welchen du von ihr verlangst, musst du ihr auch zurückgeben.“ erklärte ich und zeigte eine Szene, wo man gut sah, wie die beiden sich anlegten und keiner aufgeben wollte. Nun war noch Alessia an der Reihe und ich spulte erneut zurück. „Bei euch ist es so, dass es zwar schön ist, wenn ihr motiviert alles sofort machen wollt. Allerdings rührt von deiner Unruhe auch die Unruhe von Erutan her. Wenn du immer am liebsten keine Pausen machen willst, dann wird auch er ungeduldig. Es wäre wichtig, dass du mehr Ruhe in die Arbeit bringst, so dass er dich als Fels in der Brandung sehen kann.“ erläuterte ich anhand der Bilder.
      „Nun, die zweite Gruppe!“ meinte ich grinsend und öffnete die zweite Videosequenz. „Hier würde ich mit Jessica anfangen. Wie man gut sehen kann, macht Possibility alles mit, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Problem ist aber, dass er es so gesehen nicht freiwillig macht, sondern weil er weiß, dass ihm dann nichts passiert. Es ist schwer eine Schnecke aus ihrem Haus zu locken und es wird eine Weile dauern, ehe du ihn wieder da hast, wo er sein soll, Jessica. Bodenarbeit ist für ihn auf jeden Fall gut, denn über kurz oder lang wird er sich einbauen müssen, denn zum Beispiel auch das Pat Parelli baut auf soziale Kontakte zwischen Pferden auf und wenn du alles ruhig angehst, müsste er sich öffnen.“ erklärte ich ruhig und Jessica nickte. Als nächste schnappte ich mir Zai. „Hier sehen wir einen typischen Junghengst, der doch einmal zu gerne verhätschelt wird.“ meinte ich grinsend und alle lachten. „Also wichtig ist, Zai, dass du wirklich immer konsequent bleibst. Dreamer ist jetzt in einem Alter, wo er jeden kleinen Fehlschritt deinerseits ausnutzt, um seinen Kopf durchzusetzen. Dann lieber noch mehr Pausen machen, damit auch immer wieder die Aufmerksamkeit bei beiden Seiten da ist. Wichtig ist dabei auch deine Körperhaltung, diese muss immer aufgerichtet und präsent sein. Du darfst niemals in dich hineinsacken, denn ab da verlierst du deine Präsens.“ erzählte ich zu dem Video, welches im Hintergrund lief. „Zu guter Letzt noch Fynja. Eigentlich hatte ich dir fast alles schon in der Stunde gesagt. Es ist wichtig, dass ihr es nicht übertreibt, denn sonst werdet ihr schnell den Spaß an den neuen Dingen verlieren. Wichtig ist, dass Fjörgyn die Übungen nicht nur kann, sondern auch perfektioniert und es geht um das Zusammenspiel zwischen Mensch und Pferd und nicht das, was sie anderen zeigen kann.“ erklärte ich und Fynja schaute mich ein wenig betrübt an. Ich wusste wie gerne sie mit der Stute voran kommen wollte, doch ein wenig Zeit musste sein.
      Alle schienen zufrieden mit den neuen Informationen zu sein und als mein Magen zu Wort meldete, war es auch an der Zeit, über das Abendessen herzufallen. Es gab Spaghetti mit Bolognese, etwas ganz simples was wohl jeder gerne aß. Kurz nach dem Essen fing ich Maren für die kleine extra Einheit ab. „Ich würde wieder in der Halle arbeiten wolle.“ meinte ich lächelnd und half Maren bei dem fertigmachen ihrer kleinen Stute. Wie immer hatte sie alle Hände voll zu tun, um nicht getreten oder gebissen zu werden. Doch irgendwann schafften auch wir es in die Halle. Dort sollte die Cai erst einmal streng umherführen und ihr immer mehr Seil gewähren. Sobald sie jedoch lostrabte oder stehen blieb, sollte der Abstand des Seils wieder verkürzt werden.
      Darauf folgte das Yo-Yo Game, heute Nachmittag hatte Maren einfach nicht die Aufmerksamkeit der kleinen Stute erlangen können, doch jetzt waren sie vollkommen für sich. „Schick sie weg!“ rief ich streng und Maren tat dies sofort. „Nun hol sie wieder her. Lass sie auf dem Zirkel traben.“ ich gab Maren flotte Anweisungen, denn Cai sollte gefordert werden. „Du musst ihr das Gefühl geben, dass die Aufgaben unschaffbar sind. Cai hat einen unglaublichen Willen, sie wird es dir rechtmachen wollen und beweisen, dass sie es kann.“ meinte ich und gab weiter Anweisungen. Mit fliegenden Wechseln sprangen wir zwischen den sieben Spielen hin und her, plötzlich war Cai ganz woanders. Statt sich Maren ständig zu widersetzen, legte sie es darauf an, alle Aufgaben so gut und schnell wie möglich zu erfüllen, um ihrer Besitzerin zu zeigen, dass sie nicht gegen sie ankam. Zur Folge hatte dies, dass Cai auf jede kleine Hilfe reagierte, plötzlich feinfühliger denn je wurde und mit Maren zusammenarbeitete, denn wenn diese keine Aufgaben stellte, konnte Cai ihr nicht zeigen, dass sie besser war.
      Zwanzig Minuten lief dieses kleine Spielchen ab, dann beendete ich das Zusatztraining. „Manchmal muss man die Eigenheiten der Pferde ausnutzen.“ meinte ich lächelnd und wuschelte Cai durch den Schopf, denn diese war noch voll in ihrem Element, alles zu machen, was von ihr verlangt wurde. „Aber für heute reicht es. Du solltest dir aber keine zu großen Hoffnungen machen, es kann sein, das wir Morgen wieder von vorne anfangen müssen.“ warnte ich Maren. Doch nun hieß es erst einmal ab ins Bett. Ich war mir sicher, dass sie Teilnehmer genauso müde ins Bett fielen wie ich.
      Da wir den gesamten kommenden Tag für uns hatten und ich frühes Aufstehen nach den gestrigen Anstrengungen unsinnig fand, hatte ich das Frühstück auf 9 Uhr gelegt. Ich stand dennoch zwei Stunden vorher auf, um mich mit Elisa um die Gastpferde zu kümmern, welchen unsere besondere Aufmerksamkeit zu Teil wurde. Für alle gab es zum Frühstück frisches Heu und da von den Besitzern gewünschte Kraftfutter.
      Bei Possibility und seinem kleinen Gefährten war es noch sehr ruhig, denn die beiden Hengste dösten noch friedlich und wurde erst aktiv, als es Futter gab. Elisa kümmerte sich darum, ihren Offenstall abzuäppeln, während ich schon einmal weiterging. Für Finlay und Dark Dreamer gab es nur Heu und ihren Offenstall wurde von mir gemistet. Dreamer war schon wieder ganz aktiv und schon wach, bevor ich kam. Die Kuhle im Stroh zeigte jedoch, dass er anscheinend tief und fest geschlafen haben musste. Anscheinend war Finlay ein guter Babysitter und schaute auch neugierig drein, statt genervt zu sein. Den letzten Offenstall machten Elisa und ich gemeinsam, schon aus dem Grund, dass irgendjemand immer Cai im Auge behalten musste, denn die kleine Vollblutstute war nicht nur ihrer Besitzerin gegenüber recht kompliziert, sondern alle anderen Menschen gegenüber auch. Fjörgyn war stattdessen neugierig und schmusig und tippelte uns ständig hinterher.
      Als wir dann mit allen Pferden fertig waren, hieß es kurz duschen und dann auf zum Frühstück. Dort trudelten nach und nach auch alle sechs Teilnehmer ein und deckten ihre Teller kräftig ein, um Kräfte zu sammeln. Es war schön zu sehen, wie alle miteinander wunderbar auskamen, ohne das es zu Streitereien kam, stattdessen wurden gegenseitig unterschiedliche Ansätze für den Umgang mit Pferden und bezügliche Erfahrungen ausgetauscht. Für das Frühstück hatte ich eine Stunde eingeplant, so dass jeder genug Zeit hatte, um sich fertig zu machen. Um zehn trafen wir uns dann auf dem Hof bei herrlichem Sonnenschein. „Heute würde ich gerne mit der zweiten Gruppe um 11 Uhr anfangen. Dann gibt es zwischendurch Mittagessen, ehe 14 Uhr die erste Gruppe an der Reihe ist. Wer während seiner Freizeit Langeweile bekommen sollte, kann gerne einen Rundgang über das Gestüt machen oder ein Sonnenbad im Garten hinter dem Gästehaus nehmen, es ist für alle was da.“ meinte ich lächelnd und alle nickten wir zufrieden zu. Ich machte mich als erstes auf den Weg in die Halle, um die Bodenhindernisse für die heutigen Lektionen auf zu bauen. Danach ging es direkt zum Stall, um Altair für unsere erste Einheit fertig zu machen, denn in einer knappen halben Stunde würde es losgehen.

      In der Halle konnte ich nun Zai, Fynja und Jessica begrüßen, welche alle voller Motivation mit ihren Pferden an der Seite in der Halle standen. „Wie ihr sehen könnt, wird es heute wesentlich praktischer als gestern.“ erklärte ich und deutete auf die gesamten Hindernisse, welche ich fleißig aufgebaut hatte. „Heute möchte ich die Kommunikation zwischen euch und euren Pferden testen und verbessern. Nachdem wir gestern schon die erste Videoanalyse hatten, wisst ihr ja schon grob, was ihr verändern solltet. Aber genug geredet, fangen wir an!“ meinte ich lächelnd und erklärte erst einmal, dass die Seven Games des Pat Parellis immer eine gute Aufwärmübung für Pferd und Reiter waren, so dass wir uns erst einmal mit den ersten drei Spielen beschäftigen. Nach der gestrigen Einheit klappte das bei allen auch schon viel besser. Bei Jessica und Possibility merkte man, dass sich etwas bei dem Verhältnis geändert hatte. Statt bei dem Yo-Yo Game immer nur blind und taub Jessicas Anforderungen zu folgen, stand der Hengst nun mit gespitzten Ohren da und wartete aufmerksam auf die nächsten Kommandos. Zai war nun wesentlich strenger zu Dreamer, was dieser anfangs gar nicht so toll fand, denn plötzlich durfte er nicht mehr machen was er wollte. Doch schon nach kurzer Zeit akzeptierte er diese Veränderung und arbeitete mit seiner Besitzerin mit. Bei Fynja und Fjörgyn lief alles fließend, doch Fynja ließ sich nun mehr Zeit und entspannte ab und an auch einmal.
      „So!“ rief ich die Gruppe zusammen. „Damit jeder immer etwas zu tun hat, werden wir alle Stationen jetzt einmal zusammen durchgehen und ich zeige und erkläre euch die zu machende Aufgabe. Danach könnt ihr euch dann selbst eure erste Station aussuchen und dann geht es im Uhrzeigersinn einmal rundherum und ich schaue euch allen immer fleißig auf die Hände beziehungsweise Hufe.“ meinte ich lächelnd und alle schauten sich neugierig um. Ich marschierte mit Altair voran zur ersten Übung. „Ehe ihr denkt, dass wir das alles spontan können, muss ich euch enttäuschen. Altair und ich haben das alles auch nicht von Anfang an hinbekommen, sondern bei manchen Übungen auch lange gebraucht.“ erklärte ich grinsend und schon waren wir bei dem ersten Hindernis da. Dies bestand aus einer einzelnen Stange und ich wurde von allen Seiten fragend angeschaut. „Mit einer einzelnen Stange kann man sehr viel machen! Habt ihr schon jemals versucht, mit euren Pferd so zu kommunizieren, dass ihr wirklich jedes Bein einzeln kontrollieren könnt?“ fragte ich und alle drei schüttelten den Kopf. Ich führte Altair über die Stange und ließ ihn direkt dahinter stehen. Mit einem sanften Tick an das rechte Hinterbein und die auffordernde Bewegung für das Rückwärts führten dazu, dass Altair erst einmal nur mit dem rechten Hinterbein über die Stange stieg, erst auf mein Kommando folgte auch das zweite. „Noch interessanter ist das seitwärts über eine Stange.“ meinte ich und führte mit Altair die Übung vor. „Für viele Pferde gar nicht so einfach, für den Menschen ideal, da er sich gut an der Stangen orientieren kann.“ erklärte ich lächelnd. Auch seitwärts konnte ein Pferd über die Stange gehen, was ich meinem Kurs schnell bewies. „Bei dieser Übung ist auch eure eigene Kreativität gefragt und eurer Pferd kann sich auch gerne selbst einbringen!“ meinte ich lächelnd und führte sie zur zweiten Übung.
      „Das Stangen-L kennt ihr bestimmt alle.“ meinte ich und zeigte auf das gelbe L. Mit Altair zeigte ich das simple vorwärts durchgehen, aber auch das rückwärts durchgehen. „Eine sehr gute Übung ist auch das Einfädeln in das L durch eine Vorhandwendung.“. Kurz hinter dem L kam eine Plane mit Pylonen, welche schon jetzt von einigen Pferden misstrauisch begutachtet wurde. „Auf einer Plane kann man alle möglichen Übungen durchführen und das Pferd lernt, dass auch fremde Untergründe nicht böse sind.“ erklärte ich und führte den Kurs zur letzten Station. „Aber hier ist gar nichts?“ meinte Zai stirnrunzelnd. „Wir brauchen auch nichts.“ meinte ich, nahm ein wenig Abstand zu Altair und bewegte ihn lediglich mit meiner Körpersprache rückwärts, zeigte ein fließendes Seitwärts auf der Mittellinie und Renvers an der langen Seite. „Hier ist wirklich die Kommunikation zwischen euch gefragt. Aber jetzt seid ihr dran! Teilt euch auf uns losgehts.“ lächelte ich und scheuchte die Gruppe sanft auseinander.
      Zai und Dreamer fanden sich als erstes bei der Plane wieder, welche der kleine Hengst anfangs gar nicht so toll fand. Jessica und Possibility hatten sich das Stangen-L ausgesucht, da sie dies sicherlich auch schon aus dem Trail kannten. Fynja und Fjörgyn waren bei der einzelnen Stange und begannen direkt mit dem kontrollierten Rückwärts. Die ersten paar Minuten beobachtete ich die drei Paare einfach nur, ehe ich mich auf den Weg vom einen zum anderen machte. Bei Fjörgyn ließ gerade die Aufmerksamkeit nach und das Seitwärts über die Stange klappte nicht mehr einwandfrei. „Lege mal eine Pause ein, spiele das Friendly Game und mache dann weiter.“ meinte ich lächelnd zu Fynja und seufzend nickte sie mir zu. Dreamer hatte inzwischen kaum noch Probleme mit der Plane und Zai wusste nicht weiter. „Übe doch schon einmal für die kommenden Stationen. Rückwärtsrichten, seitwärts gehen, einfach auf deine Kommandos hören.“ Zai dankte mir und machte direkt weiter. Bei Jessica und Possibility lief es auch ganz gut, nur die Vorhandwendung an der Hand schien nicht ganz zu laufen. „Du stehst nicht richtig.“ meinte ich zu Jessica und erklärte ihr, dass sie sich nicht schräg neben Possibility positionieren sollte, sondern vor ihm aufgerichtet stehen bleiben sollte und den Stick als Verlängerung ihres Armes nutzen sollte. Sofort war der Hengst nicht mehr verwirrt von der Haltung seiner Besitzerin und es gelang im doch ganz gut.
      Nach einiger Zeit wechselten die Paare die Stationen und die Arbeit ging von neuem los. Immer wieder besuchte ich die Paare und gab neue Tipps, erklärte das ein oder andere neu und zeigte es gegebenenfalls einmal. Die Stunde war schneller herum als gedacht und trotz des neuen Wissens waren Pferd und Mensch doch froh, jetzt erst einmal Pause haben zu dürfen.
      Nach dem Mittagessen ging es direkt weiter mit der nächsten Gruppe um 14 Uhr. Wieder waren ihr alle in der Halle versammelt. Als erste fragte ich die Kursler, wie ihre Pferde heute drauf waren, das war bei allen drei wichtig. Cai stand bereits mit angelegten Ohren neben Maren, von der gestrigen Trainingseinheit war nicht mehr viel zu sehen. Finlay war erneut am einschlafen und Erutan zappelte munter herum, so wie sie mich gestern verlassen hatten. „Heute geht es direkt mit der Praxis los. Da eure Pferde ungern warten, spare ich mir die Erklärungen und leite jeden selbst ein. Zu Beginn spielt ihr aber erst einmal das Friendly Game und das Yo-Yo Game, damit eure Pferde aufmerksam werden.“ meinte ich lächelnd. Altair hatte ich nicht mit, denn mit den Pferden hier würde ich genug zu tun haben. Als erstes pickte ich mir Kathi und Finlay heraus und brachte sie zu einer von mir gewählten Station, nämlich zu der einzelnen Stange. „Erst einmal machst du Finlay etwas munter. Spiele das Driving Game und bewege ihn in alle drei Gangarten über die Stange, dabei muss er aufmerksam bleiben, denn sonst stolpert er.“ meinte ich grinsend und tätschelte Finlay den Hals. Dann erklärte ich Kathi noch den Sinn der Stange, durch welche sie Finlay Bein für Bein kontrollieren sollte. „Greife ruhig konsequent durch, wenn er auf deine Hilfen nicht reagiert, denn bei Finlay ist das eindeutig Faulheit.“ Kathi nickte mir zu und ich ließ die beiden erst einmal alle. Als nächstes holte ich mir Maren und Cai und brachte sie zum Stangen-L. „Heute wirst du Cai zeigen, dass du die Führerposition in eurer Beziehung besitzt. Gehe erst einmal mehrfach vorwärts durch das L und übe dann zuvor noch die Vorhandwendung, denn mit dieser fädelst du Cai dann in das L ein, um es rückwärts zu durchqueren. Wenn Cai rückwärts gehen muss, muss sie dir automatisch vertrauen und da sie sicherlich gewillt ist, die Aufgabe zu lösen, wird ihr nichts anderes übrig bleiben, als dir zu vertrauen.“ erklärte ich, Maren war jedoch schon voll in ihrem Element, dass sah ich in ihren Augen, so dass ich die beiden in Ruhe ließ. Das letzte Paar waren Alessia und Erutan Wishes. Die beiden schickte ich erst einmal zur Plane, auf welcher sie verschiedene einfache Übungen machen sollten, ehe sie dann an der Bande die Renvers und weitere Seitengänge trainieren konnten.
      Schnell hatte ich alle Paare untergebracht und beobachtete sie aufmerksam. Bei Alessia gab es kaum Probleme, seitdem sie mit mehr Ruhe an die Sache ging und Erutan zu verstehen gab, dass es erst Lob gab, wenn auch ein Signal das Kunststück gefordert hatte. Kathi war mit feurigen Eifer dabei und brachte ein wenig Schwung in den dicken Finlay. Der wurde allmählich munter und bewegte seinen kugelrunden Bauch durch die Halle und schien gefallen an den Seitengängen zu finden, welche ihm aber wirklich lagen. Bei Maren und Cai hatte es zu Beginn nicht geklappt. Cai war gestiegen und hatte sich geweigert, dass L rückwärts zu betreten. Streng hatte Maren sie zurechtgewiesen, in die Anfangsposition zurückbefördert und noch einmal neu begonnen und zwar so lange, bis Cai ihr endlich folgte und die Aufgabe löste. Nach einer Viertelstunde stand dann ein Wechsel der Stationen an und die Arbeit der Paare begann von neuen. Doch wieder waren alle mit Feuereifer dabei. Ich gab hier und da Tipps, erklärte dort noch einmal etwas und nahm auch einmal selbst das Seil des Pferdes in die Hand, um sowohl Reiter als auch Pferd zu helfen. Die Zeit flog davon und schneller als gedacht war auch diese Stunde herum. Ich verabschiedete meinen Kurs bis 16 Uhr, wo es dann zur zweiten Videoanalyse kommen würde.

      Erneut saßen wir in dem kleinen gemütlichen Raum beisammen und beobachteten die bewegten Bilder auf der Leinwand. Die Mädels hatten sich meine Tipps von gestern zu Herzen genommen und sie auch oftmals sehr erfolgreich ausführen können. Manch einer, besonders Kathi, erkannte sein Pferd auf den Videos kaum wieder. Auch Maren war fasziniert, wie fließend das alles zwischen ihr und Cai aussah, obwohl es sich eigentlich gar nicht so angeschaut hatte. „Wichtig ist, und das dürft ihr nie vergessen!, ihr müsst euer Pferd fühlen, nicht nur sehen.“ erklärte ich und zeigte ihnen bestimmte Szenen wo sie immer die Augen auf das Pferd richteten und nicht von ihm abließen. Die Videoanalyse zog sich circa zwei Stunden und jedem Paar hatte ich ein Skript ausgearbeitet, was extra für es gemacht worden war. Dieses konnten sie als Denkstütze mit nach Hause nehmen und ich hoffte sehr, dass es ihnen auch helfen würde.
      Gemeinsam und fröhlich plaudernd wanderten wir in den Essensraum, wo schon frisches Rührei mit Spinat auf uns wartete. Sicherlich nicht von allen das Lieblingsessen, aber es schmeckte wirklich sehr, sehr gut. Da gerade einmal alle da waren, stand ich auf, um noch eine kleine Ansage zu machen. „In einer halben Stunde, also 19 Uhr, lade ich alle ganz herzlich zu einem abschließenden Ausritt ein! Für diejenigen ohne reitbares Pferd ist natürlich auch gesorgt!“ meinte ich lächelnd und alle nickten zustimmend. So ging es nach dem Abendessen direkt hinaus in den Stall, wo alle ihre Pferde fertig machten. Elisa begleitete uns mit ihrer Knabstrupperstute Sambuca, außerdem lieh sie Maren ihre Mixstute Delite und Alessia bekam den Reitponyhengst Sonic Syndicate, welche sich sofort verstanden. Ich machte Altair fertig und hatte meine Tinkerstute Magic für Zai mitgebracht. Als alle fertig auf ihren gesattelten Pferden saßen, ritten wir gemütlich los. Elisa ritt voraus, denn sie kannte das Gelände rund um Crown Hill am besten. Wir anderen ordneten uns bequem ein, so dass immer Zweier-Grüppchen entstanden. Ich ritt mit Altair neben Elisa und besprach mit ihr den Ritt. Locker durchquerten wir den kanadischen Wald und kamen kurze Zeit später an einem breiten Fluss heraus. Elisa wusste natürlich, wo man ihn gefahrenlos überqueren konnte und dieses Erlebnis war für einige Pferde und Reiter vollkommen neu. Genauso wie die Elchkuh, welche weiter hinten am Ufer trank. Im flotten Trab erklimmten wir einen Hang und hatten den schönsten Blick über das gesamte Gelände. „Wow! Da ist eine Bisonherde!“ rief Alessia begeistert und deutete nach unten auf die grünen Wiesen. Elisa und ich grinsten uns an, denn für uns war das inzwischen der Alltag, für andere was dies immer noch etwas unglaubliches.
      Den Heimweg besiegelten wir mit einem kleinen Wettrennen und wir waren wohl alle erstaunt, als sich Finlay für die ersten fünf Minuten an der Spitze hielt, ehe er allmählich langsamer wurde. Gewinnen tat letztendlich Fynja mit der flotten Fjörgyn, welcher das Rennen sehr viel Spaß gemacht haben musste, denn danach war sie aufgeregter denn je. Als wir wieder auf dem Gestüt waren, versorgten wir gründlich alle Pferde und fütterten direkt noch. Dann holte uns auch schon Matthew ab, um die letzte Überraschung zu offenbaren: Für unsere Gäste hatten wir im Garten ein großes Lagerfeuer geplant! Es gab Marshmellows und Knüppelteig für das Lagerfeuer und Matthew grillte sogar für uns. Gemeinsam genossen wir den warmen Sommerabend am Lagerfeuer, lachten und erzählten uns noch viele Dinge.

      Am nächsten Morgen sahen wir alle aus wie ein elender Haufen. Fast jeder besaß Augenringe und schien kaum aus dem Bett zu kommen. Es war bereits kurz nach sieben und das Frühstück wartete schon auf einige, denn so mancher hatte heute eine lange Reise vor sich. Die Lunchpakete für alle waren schon gepackt und standen bereit auf einem Tisch, von wo sich jeder eins mitnehmen konnte. Als erste verabschiedete sich Maren schon in aller früh. Wir hatten ihr noch bei dem Verladen von Cai geholfen und dann machte sie sich auch schon auf den Heimweg nach Polen. Kathi und Fynja verabschiedeten sich gegen acht Uhr und fuhren auf eine lange Reise los. Jessica ließ sich noch ein wenig Zeit und genoss stattdessen noch einmal die herrliche Landschaft mit einem kleinen Ausritt gemeinsam mit Possibility. Zai blieb auch noch ein Weilchen bei uns, denn sie war der Meinung nicht gar so lange nach Hause zu brauchen, außerdem schien sie sich sowieso nicht wirklich von Kanada trennen zu wollen. Alessia hatte noch einmal einen Spaziergang mit Erutan gemacht, ehe das kleine Shetty verladen wurde, wir Alessia noch ein Lunchpaket in die Hand drückten und sie verabschiedeten. Gegen Mittag machte sich dann auch Jessica mit ihrem Westernhengst nach Hause. „Es war herrlich bei euch!“ schwärmte sie begeistert und blickte sich noch einmal sehnsüchtig um. Auch Zai verließ uns dann nach kurzer Zeit und plötzlich war es auf dem Hof wieder ganz ruhig. „Na, und wie fühlst du dich?“ fragte mich Elisa grinsend und auch ich strahlte von einem Ohr bis zum anderen. „Es war toll!“ meinte ich glücklich und half Elisa bei der Auffrischung von Gästezimmern und Offenställen. Ein langes, aber wundervolles Wochenende war nun vorüber.
    • Eowin
      Gwen - 28.06.2014

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      Skript - Maren und Caipirinha
      Dieses Skript ist speziell auf dich und dein Pferd zugeschnitten und ist aus der Arbeit der letzten beiden Tage entstanden, in welchen ich euch beobachten konnte. Sicherlich kann es an der ein oder anderen Stelle auch ein wenig ungenau sein, da ich in den zwei Tagen nicht in euer Innerstes schauen konnte, aber als ein kleiner Leitfaden für das weitere Training könnte es sicherlich behilflich sein.
      Liebe Grüße,
      Gwendolyn Campbell

      Positiv aufgefallene Grundlagen beider Seiten:
      Besonders gut gefiel mir von Anfang an dein selbstbewusstes und konsequentes Auftreten sowie Handeln. Im Umgang mit Jungpferden ist dies sicherlich immer von Nutzen und auch von Nöten. Ebenso positiv stach Cais Mut und Wille zur Arbeit hervor, auch wenn sie ihn zu Beginn der Einheiten ungern zeigte.
      Negativ aufgefallene Aspekte:
      Problem euer Beziehung stellte Cais Respektlosigkeit und vor allem Rücksichtslosigkeit dar, welche sich negativ auf euer Verhältnis auswirkte. Wichtig ist hierbei, dass du viele Übungen erst einmal objektiv betrachtest und auch wirklich das erwartest, was von Cai zu erwarten ist und nicht das, was du dir gerne wünschen würdest.
      Fokus für das weitere Training:
      Cai ist eine sehr dominante Stute. Ich denke für die wird es keine feste Rangordnung zwischen Mensch und Pferd geben, sondern sie möchte lieber als gleichgesinnter Partner akzeptiert werden. Den Respekt, welchen du von ihr verlangst, musst du ihr auch zurückgeben.
      Nutze auch ihren Ehrgeiz aus und lass sie sich selbst mit einbringen. Dabei möglichst erst einmal wirklich objektiv bleiben, denn wie wir ja wissen, spüren Pferde alle unsere Gefühlsregungen. Aber ich denke, wenn du immer dran bleibst, dann werdet ihr beide in den kommenden Jahren ein klasse Team!
      Mögliche Übungen:
      Die Seven Games des Pat Parellis sind sicherlich immer eine gute Aufwärmübung und ein super Training für dein Jungpferd. Des weiteren empfehle ich sogar für Cai viel Bodenarbeit, da sie sich dort wunderbar einbringen kann und dir in ihrem bisherigen Alter schon zeigen kann, was sie kann und wie wir gesehen haben, will sie das ja auch. Dazu gehört Stangenarbeit, "Kunststücke" und einfache Dressurlektionen vom Boden aus.
    • Eowin
      Eddi - 02.07.2014

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      Prophylaxe und Chiropraxis
      Unruhig huschte ich durch mein Büro und war verzweifelt auf der Suche nach meinem Terminplaner. Mein Kater saß mit einer Seelenruhe auf der Kommode und betrachtete mich amüsiert. „Eddi? Suchst du den hier?“ fragte mich eine wohlbekannte Stimme von hinten und ich fuhr herum. In der Tür stand Mia und hielt meinen Planer in Händen. „Wah, ja! Danke!“ seufzte ich glücklich, schnappte ihn mir und blätterte die aktuelle Woche auf. Momentan war so viel zu tun, dass ich ohne das Teil vollkommen den Überblick verlor.
      Dementsprechend war ich dank der Suchaktion auch recht knapp für meinen nächsten Termin dran. Ich packte geschwind alle Sachen ins Auto und machte mich dann auf den Weg zum Gestüt Federsee. Heute würde ich Maren einen Besuch abstatten dürfen und dabei direkt ihre neue Jungstute kennenlernen dürfen. Leider verspätete ich mich durch einen wundervollen Stau dann doch noch um eine halbe Stunde!
      Maren nahm mir das aber nicht übel, sondern begrüßte mich herzlich und führte mich direkt in den Stall. Sie war selbst Tierärztin und es gab auch einen bestimmten Grund, weshalb sie mich geholt hatte und nicht selbst ans Werk ging. Ihre kleine Stute hatte sich anscheinend verrenkt und da ich die Grundkenntnisse der Chiropraxis besaß, sollte ich die Ursache ausfindig machen.
      Erst einmal war es gar nicht so einfach, Caipirinha zu überzeugen, sich von mir anfassen zu lassen, denn die Stute war nicht gerade einfach. Ich musste mich schon ziemlich einschleimen, bis ich sie abhören und abtasten durfte. Als ich die empfindliche Stelle traf, war es aber gleich wieder vorbei und sie ließ mich gar nicht mehr ran, sondern drohte mir viel lieber.
      „Hm.“ seufzte ich und musterte Caipi kurz. „Die Gute muss sich ihr Ileosacralgelenk verrenkt haben, denn von dort wird auch die Blockade kommen.“ erklärte ich Maren und sie nickte. „Kannst du sie vorne festhalten und ablenken?“ fragte ich die Besitzerin, denn die Lockerung der Muskeln könnte für die kleine Stute am Anfang doch etwas unangenehm werden. Doch Maren war sehr erfolgreich mit ihren Ablenkungsmanövern und ich konnte meine Arbeit beginnen.
      Allmählich arbeitete ich mich immer näher an die Problemzone heran, indem ich die umliegende Muskulatur massierte und lockerte, nur so konnte ich auch die verletzte Stelle wieder in Griff bekommen. Anfangs zuckte Caipi gerne weg und einmal legte sie es auch darauf an, mich treten zu wollen. Doch dann hatten wir den schlimmsten Bereich plötzlich mit einem Zuck hinter uns und das Gelenk war frei.
      Man sah, wie Caipi vorsichtig versuchte, ihre Hinterhand zu bewegen und anscheinend spürte sie keinen Widerstand mehr. „Kannst du sie mir mal vorführen?“ fragte ich Maren lächelnd und schon konnte ich mir die kleine Vollblutstute im Schritt und im Trab die Stallgasse entlang anschauen. „Ganz taktklar läuft die noch nicht, aber das wird jetzt in den nächsten Tagen besser werden. Wichtig ist, dass du viel mit ihr arbeitest und auch die Muskulatur der Kruppe aufbaust. Am besten mit viel Stangenarbeit.“ erklärte ich und tätschelte Caipi den Hals. Fertig war die Hübsche trotzdem noch nicht, denn jetzt ging es erst mit der Untersuchung los.
      Ich warf einen gründlichen Blick in Augen und Maul, um die Farbe der Schleimhäute zu kontrollieren, auch die Zähne schaute ich mir kurz an, auch wenn Caipi davon gar nicht begeistert war. Danach hörte ich Herz, Lunge und Darm ab, aber alles hörte sich gesund an. Zufrieden tastete ich noch die Beine ab und dann war nur noch die Körpertemperatur an der Reihe.
      Als alles okay war, konnte ich beruhigt impfen. Die kleine Lady bekam drei Spritzen, wobei sie zuerst den Kombistoff Herpes & Influenza bekam. Danach folgten noch Tollwut und Tetanus und schon hatte sie die Impfungen geschafft. Ganz unbeschadet wie sie war ich jedoch nicht davon gekommen, denn einmal hatte sie mich bei ihren Zwickattacken doch erwischt, genau in den Oberschenkel. Es zwickte zwar, war aber sonst nicht weiter tragisch.
      Stattdessen bekam die Stute noch die Wurmkur ins Maul geschoben und dann durfte sie auch schon zurück auf ihre Weide. Maren bedankte sich bei mir und ich machte mich dann auch direkt auf den Weg zum nächsten Patienten, denn mein Zeitplan war heute knapp.
    • Eowin
      Eowin - 04.08.2014

      Pflegebericht für die Weidepferde
      Fröhlich pfeifend öffnete ich das Tor zum Offenstall hin. Viele Augenpaare starrten mich an.
      „Ja, bis es was zu futtern gibt, müsst ihr noch etwas warten!“, lachte ich, denn zunächst musste ich die Pferdeäpfel vom Auslauf einsammeln und die Tränken kontrollieren und säubern.
      Ich begann rasch mit meiner Arbeit und schaute auch nach, ob die Zäune noch in Ordnung waren. Dann brachte ich den Mist auf den Misthaufen und fuhr einiges frisches Stroh in die verschiedenen Unterstände der Pferde, sodass sie immer weich liegen konnten.
      Anschließend wurden die Weiden geöffnet.
      Wir hatten mehrere, da auch mehrere Offenställe angelegt waren und unsere Pferde so in kleinen Gruppen gehalten werden konnten.
      Doch die Reaktion aller Pferde war – wie jeden Morgen – gleich. Obgleich sie sich stets bewegen konnten wie sie wollten, rief die Weide immer wieder ein hohes Maß an Freude hervor.
      Und so gallerten im Affenzahn alle Pferde auf die Weiden. Also Cheero, Black Eyed Smokey, Kätzchen, For an Angel, Rebia, Esmeraldas Topside, Prai, Lithium, Dauthdaert, Ahira, Saevitia, Havanna Club, Altair Ibn La-Ahad, Fly Through Jerusalem, Caipirinha, Eypor, Mellow Billow, Lunaris, Falling in Love, Sissi di Royal Peerage, Tilly, Moon’s Neala und Peeta.
      Auf die Entwicklung von letzterem war ich besonders stolz. So schlecht er aussah, als er bei uns ankam, umso besser sah er jetzt aus. Sein Fell begann zu glänzen und sein Allgemeinzustand war deutlich besser. Er liebte es über die Weiden zu galoppieren und mit den anderen Hengsten zu toben, obwohl er immer eher ein ruhiger Vertreter war.
      Nun, wo mir nicht mehr alle Pferde auf den Hacken hingen, konnte ich die Heubestände auffüllen. Es gab zahlreiche, weit auseinander platzierte überdachte Heuraufen, die garantieren sollten, dass auch rangniedrige Pferde stets einen Platz zum Fressen fanden.
      Ich war nach dieser Arbeit klatschnass, so sehr hatte ich geschwitzt. Es war wieder einmal brütend heiß heute.
      Die Pferde waren offenbar ähnlicher Ansicht, denn viele von ihnen trotteten nach und nach wieder in die Unterstände und stellten sich in den Schatten. Offenbar auch in der Hoffnung, sich vor den lästigen Insekten zu verstecken.
      Grinsend beobachtete ich sie – nur bei diesem Wetter kam es vor, dass die Pferde nicht wann immer sie konnten auf der Weide standen. Nun nagten sie hier und da sogar am Stroh.
      Es beruhigte mich immer sie so zu sehen. Dennoch wandte ich mich lächelnd ab – auf einem so großen Hof war noch viel zu tun.
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  • Kategorie:
    Himmel - ungepflegte Pferde
    Hochgeladen von:
    Eowin
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    12 Juni 2016
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  • PNG | Puzzle | Fohlenbild

    Caipirinha xx

    Von: Cantastor
    Von: Cataract
    Aus der: Belinda


    Aus der: Delta Queen
    Von: Solo xx
    Aus der: Desecration Smile xx


    Rasse: englisches Vollblut
    Stockmaß: Endmaß geschätzt 1,63m
    Fellfarbe: Rappschecke
    Gencode: Ee aa Toto
    Geschlecht: Stute
    Geburtsdatum: 05.04.2012

    Ersteller: Ofagwa (Fohlen), Kira (Erwachsen)
    VKR: Kira
    Besitzer: Eowin
    In meinem Besitz seit: 05.04.2014

    Eignung: Noch unbekannt. Vermutet: Galopp, VS
    eingeritten? Nein
    Fohlen-ABC: Ja, bis leichte Bodenarbeit

    Beschreibung:
    Caipirinha ist bereits sehr gut aufgestellt geboren, langbeinig und mit einem schönen Kopf. Gesegnet ist sie mit harten, widerstandsfähigen Hufen. Sie hat ein großes, klares und aufmerksames Auge, kleine Ohren sind stets gespitzt, die Gelenke sind trocken und groß, der Kopf gerade und mit einer breiten Schulter.Mit ihrem eher kurzen Rücken wirkt sie quadratisch, der Hals ist etwas hoch angesetzt, aber von schöner Form.Von Anfang an fiel diese Stute durch ihre unwahrscheinliche Härte auf. Sie war noch nie krank, aber auch charakterlich ist sie hart und strikt. Sie ist enorm willensstark - eine Eigenschaft, mit der sie nie in eine unkundige Hand gehören wird. Was sie will setzt sie stets durch und zwar mit einem solchen Elan, dass man sagen könnte, sie ginge dabei "über Leichen". In diesen Situationen ist sie rücksichts- und respektlos. Dies spricht aber auch für ihren Protektionismus und Ehrgeiz.Obgleich sie im Umgang nicht sehr leicht ist, ist sie sehr sensibel und spürt schnell die Stimmung ihres Gegenübers. Sie hat eine unglaubliche Fähigkeit, sich auf dies einzulassen und wird, wenn sie keinen Leistungsdruck hat, enorm anhänglich, fromm und treu.Außerdem hervorzuheben ist ihre absolute Unerschrockenheit. Sie ist mutig, keck, selbstbewusst und souverän, sodass sie jede Situation selbstständig meistert. Bis man sie scheuen sieht, muss schon die Apokalypse über die Welt hinein brechen!Dazu ist sie temperamentvoll, feurig, lauffreudig. Wie man so schön sagt: "Die geht ab!" Auch das macht sie jedoch nicht gerade einfacher, da ihre Bremse schon beim Führen öfters mal kaputt ist.Ihr Gang ist nicht der eines S-Dressurpferdes, aber sie ist drahtig, sehnig und sehr verlässlich. Der Gang ist klar, weist einen guten Takt ohne Phasenverschiebung vor und sie "kommt von hinten": Ihre Hinterhand ist ganz besonders hervorzuheben; legt sie einmal los, schnellt sie hervor wie eine Dampflok.Sie laufen zu sehen ist Faszination, wie Adern unter ihrer Haut hervor stechen, wie energisch sie vorfasst und untertritt. Dabei zeigt sie eine interessante Galoppade, bei der sie die Vorhand weit nach vorn holt und rudernd wieder hinunter schnellen lässt.Was wir von ihr erwarten:Caipirinha stammt aus einer absoluten Leistungslinie, in der sich viele Elitehengste finden. Neben einigen Schleifensammlern sind es ausnahmslos Tiere, deren Namen man schon mal gehört haben sollte.Über ihre Mutter "Delta Queen", die selbst im Galoppsport hoch erfolgreich ist, führt sie das wertvolle Blut des "Solo xx", der Vater des sehr bekannten "Ehrengold xx"; ist. Auch Solo xx brilliert im Galoppsport und ist im Vielseitigkeitssport ein erfolgreicher Hengst.Über die Vaterlinie führt Caipirinha Blut, welches vor allem auf Schauen sehr gefragt ist. So konnte "Cataract" gleich drei Schönheitswettbewerbe für sich gewinnen.Ähnlich verhält es sich bei "Belinda", welche zusätzlich noch Erfolge in der Distanz aufweisen kann.Mit "Shirocco xx" führt sie Blut, was bekannt dafür ist, vielseitig veranlagte Pferde zu erbringen. Der Hengst selber sammelte Schleifen in allen Bereichen der Reiterei.So liest man dieses Pedigree mit hohem Genuss. Da ist doch nur logisch, wie hoch die Erwartungen an diese kleine Stute in Sonderlackierung sind. Wir werden sie breit gefächert fördern, um ihr alle Chancen zu geben. Für uns ist die Kleine jedoch schon jetzt Gold wert!