Rhapsody

Bucky *

Holsteiner -- im Besitz seit 10/2015 -- Staatsprämienstute -- Aa EE

Bucky *
Rhapsody, 24 Aug. 2016
Bracelet und Ally gefällt das.
    • Rhapsody
      Steenhof, 29. September
      Charon, Bohème, Balboa, HGT's Saevitia, A Touch Of Peace, Benihana, Bucky, Calina
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      Eigentlich war Hauke immer der Morgenmuffel gewesen.

      Nein, das war falsch. Hauke war kein Morgenmuffel, Hauke war ein Muffel.

      Auf jeden Fall war ich immer das komplette Gegenteil gewesen – schon kurz nach dem Aufstehen und auch nach nur ein paar Stunden Schlaf konnte ich vor mich hinplappern, war aktiv und konnte klare Gedanken fassen. Hauke eben nicht.
      Deswegen blieb ich wie vom Blitz getroffen stehen, als ich ihn um kurz nach sechs (Uhr. Morgens.) pfeifend im Stutenstall traf. Er war in der Sattelkammer, die Spinde von Bucky, Calina und Benihana sperrangelweit offen.

      Als er mich entdeckte, grinste er breit. „Moin!“

      Ich starrte ihn nur ungläubig an. Ihm fiel nach und nach das Grinsen aus dem Gesicht.

      „Ist was passiert?“

      Jelly schlängelte sich an meinen Beinen vorbei und begrüßte Hauke mit Popowackeln (mit dem Schwanz wedeln konnte die Gute ja leider nicht, immerhin war sie ein Pembroke und kein Cardigan) und präsentierte ihm sogleich den Bauch.
      Hauke, der die Hunde meistens nur tolerierte und solche offenen Zuneigungsgesten gekonnt ignorieren konnte, packte sofort die Bandagen, die er gerade in der Hand hielt, wieder in Buckys Spind und kniete sich hinunter zu Jelly.

      Gut, er packte die Babystimme nicht aus, die ich und so ziemlich jeder normale Mensch hatte, wenn er mit den zwei Corgis konfrontiert wurde (und dann noch so niedlich auf dem Bauch liegend! Wäre ich nicht so in meinen Grundfesten erschüttert worden, hätte ich sofort mein Handy aufgepackt und alles gefilmt), aber er kraulte Jellys Bauch.

      „Wer bist du,“ sagte ich langsam, immer noch in der Tür zur Sattelkammer zur Salzsäule erstarrt, „und was hast du mit Hauke gemacht?“

      Hauke sah von Jelly auf, hörte aber nicht auf, die Hundedame zu streicheln. „Was?“

      Ich verengte meine Augen zu Schlitzen. „Du bist mir viel zu gut drauf.“

      Er rollte mit den Augen. „Gewöhn dich nicht dran, das ist eine Ausnahme.“

      „Bitte, wenn du noch mehr redest, fall ich wahrscheinlich in Ohnmacht. Bist du vielleicht krank?“

      Das anfängliche Grinsen fiel endgültig aus seinem Gesicht. „Sag mal, hast du nicht irgendwas zu tun?“ Er hatte mit den Krauleinheiten aufgehört, und Jelly drehte sich mit einem Grunzen wieder auf den Bauch zurück.

      Ich löste mich aus meiner Schockstarre, denn ja, ich hatte tatsächlich etwas zu tun. In ein paar Stunden mussten wir die Fohlen samt Mamas einpacken und nach Elmshorn aufs Fohlenbrennen fahren. Und davor sollte natürlich jegliche Arbeit erledigt sein, die sonst im Laufe des Tages anfallen würde.
      Ein bisschen Husch Husch machte ich also meine Morgenrunde und nach dem Frühstück auch noch kurz auf den Koppeln der Jungstuten. Viel Zeit würde zumindest Saevitia und Touch of Peace nicht mehr haben, dann ging es aufs Gestüt und langsam aber sicher begann der Ernst des Lebens. Das hatte ich mir als Aufgabe gesetzt – Charon würde dieses Jahr noch in die Hengstaufzucht kommen, die zwei Stutfohlen nächstes Frühjahr, und mir sollte ja nicht langweilig werden. Sobald das Fohlenbrennen vorbei war, würde ich auch damit beginnen, Saevitia und Touch of Peace immer mal wieder für ein, zwei oder drei Stunden von der Koppel zu holen, damit der Bruch am Ende nicht ganz so hart und plötzlich war. Während ich so drüber nachdachte, fiel mir auf, dass da wohl ein ganzer Batzen Arbeit auf mich zukam, bis ich auch nur daran denken konnte, die beiden anzureiten. Vielleicht hatte ich mir da ein bisschen viel vorgenommen.

      (Andererseits war die Turniersaison auch bald vorbei und Jette sollte ja auch nicht langweilig werden.)

      Die Temperatur war morgens nach wie vor frisch, aber sobald die Sonne rauskam, fühlte es sich an, als ob der Sommer gar nicht Lebewohl sagen wollte – selbst bei uns im Norden. Missmutig hatte ich die Arme vor der Brust verschränkt, und während die Jungstuten seelenruhig um mich herum grasten (oder es zumindest versuchten, nachdem eh fast alles unter der Sonne verbrannt war), starrte ich mit finsterer Miene gen Himmel.
      Erst Hauke, jetzt auch noch das Wetter. Ob das mal keine bösen Omen waren.

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      Gestern Abend hatte ich nur die Fohlen schon einmal eingeflochten. Ich hatte erwartet, dass das um einiges länger dauern würde als das normale Einflechten und die Fohlen hatten mich auch nicht enttäuscht. Zum Glück hatte das Ganze gehalten. Jetzt fehlten nur noch die Damen. Und passenderweise war Hauke unauffindbar. Super. Dafür hatte Fiete das Pech gehabt, gerade in den Laufstall zu kommen, als ich Calina und Charon herausführte, und so wurde er schnell dazu verdammt, Benihana und Bohème zu übernehmen.

      Ich hatte gestern Abend gehofft, dass es mit ein bisschen putzen und einflechten getan war. Calina, ihres Zeichens professionelle Schmutzaufschnüfflerin und -mitganzemkörpereinsatzbekämpferin, bewies mir das Gegenteil. Ich stiefelte also los in den Hengststall, zu Calistos Spind, um den Schimmelstein zu holen. Schlechte Idee, nicht für jeden Schimmel einen angeschafft zu haben, Fritzi. Ganz bescheuerte Idee.
      Wenigstens Charon war präsentabel und mit ein paar Bürstenstrichen auch schon fertig. Nach viel zu langer Zeit war dann auch seine Mutter fertig und ich konnte mich auf Bucky konzentrieren. In einer Hand führte ich die Stute, in der anderen hatte ich die Fohlenhafter und noch dazu drei Paar Transportgamaschen unter die Achseln geklemmt.

      Als dann alle drei Stuten geputzt, (halbwegs) sauber und eingeflochten waren, schlenderte dann auch Hauke langsam und gemütlich auf den Vorplatz des Stalls, auf dem Fiete und ich uns ausgebreitet haben. Bevor er aber einen dummen Kommentar abgeben konnte, deutete ich zurück auf die Straße. „Transporter holen. Jetzt.“

      Er hob abwehrend die Hände, drehte aber ohne einen Kommentar um und wenige Minuten später stand der Transporter dann auch schon bereit.

      Ein Blick auf die Uhr verriet, dass wir uns auf gar keinen Fall weiter verspäten durften. Hauke und Fiete verluden also dreimal Stute und Fohlen, während ich Trensen, Bandagen und alles, was wir sonst noch brauchten, aus der Sattelkammer holte.

      In weiser Voraussicht, dass wir wohl ein bisschen Zeitprobleme kriegen würden, hatte ich Fiete und Hauke schon letzte Woche freundlich darum gebeten (also gezwungen), die passende Kleidung fürs Brennen im Stall zu deponieren. Wie ein Packesel joggte ich also aus dem Stall, verstaute alles im Transporter und schob Fiete und Hauke dann vor mich her – wir hätten eigentlich vor fünf Minuten losfahren müssen.

      Deswegen waren wir dann auch mit etwa fünf Minuten Verspätung am Turnierplatz. Weil ich natürlich ein so wundervoller Organisator war, hatten wir aber immer noch genug Zeit, um die Pferde so ruhig wie möglich auszuladen – die Fohlen waren vom Transporter nicht so ganz überzeugt und würden am liebsten alle drei sofort von der Rampe springen, sobald sie konnten – und uns selbst ins Brennoutfit zu schmeißen.

      Der Plan war folgender: Fiete würde Charon und Calina vorstellen, weil ich damit rechnete, dass Charon die Juroren absolut verzaubern würde. Hauke machte Benihana und Bohème und ich versuchte, alle von Balboa zu überzeugen. Ich persönlich sah in ihr zwar, dass sie später eine große Karriere im Springsport vor sich hatte – aber ganz ehrlich, der Trab war ausbaufähig und das war ja heute das wichtigste.

      Kurz bevor wir an der Reihe waren, fand Hauke mich mit meiner Unterlippe zwischen den Zähnen und einem starren Blick in die Ferne.

      „Wir sollten uns dann auf die Socken machen,“ sagte er. „Wird schon schief gehen.“

      „Das musst du schon sagen, während du auf Holz klopfst. Sonst bringt das nur Unglück.“

      Er hob die Hand, grinste mich schelmisch an und klopfte mir dann zweimal an die Stirn. Ich funkelte ihn an. „Hast du Glück, dass ich dich nicht vor allen Leuten in den Boden rammen möchte,“ drohte ich ihm.

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      Im Grunde war das Fohlenbrennen keine große Sache. Im Grunde. Auch, wenn man das Aufstellen und das Traben bis zum Vergasen geübt hatte – die Situation war für die Babys komplett ungewohnt. Alle drei unserer Fohlen waren ununterbrochen am Wiehern oder Brummeln. Vor allem Balboa war absolut nicht bei der Sache und raubte mir die letzten Nerven, als sie sich um ein Haar vom Führstrick losreißen konnte. Nur in letzter Sekunde und nur, weil ich Buckys Zügel wegschmiss, blieb die junge Stute bei mir. Als wir uns dann wieder gesammelt hatten, übergab mir Fiete wortlos die Zügel, die er aufgefangen hatte. Anscheinend sah man an meinem finsteren Gesichtsausdruck, dass ein blöder Kommentar in einem möglichen Büschebad enden würde – sogar Hauke biss sich auf die Zunge.

      Wenig später waren wir dann alle nacheinander dran. Hauke machte den Anfang und Bohème stellte sich gar nicht so blöd an, wie ich gedacht hatte. Am Schluss beurteilten die Richter das Fohlen sogar mit einer 7,7 und somit hatte ich schon mal mein erstes Prämienfohlen. Charon zeigte sich genauso souverän wie ich erwartet hatte und wurde mit einer 8,1 bewertet. Ich wäre wirklich allzu gerne ausgerastet, aber als er gemeinsam mit Calina zum Brennen geführt wurde, musste ich mich bereithalten. Bucky war die Ruhe selbst – sie stellte sich sofort ordentlich auf, ignorierte das Getummel um sie herum und zeigte mir, was sie als Zuchtstute ausmachte. Am liebsten hätte ich ihr aus Dank einen Kuss zwischen die Nüstern gedrückt. Buckys ruhige Art übertrug sich ein bisschen auf Balboa; die kleine Stute stand für ein paar Augenblicke sogar artig neben ihrer Mama und sah sich nur mit gespitzten Ohren um. Der Kommentator ratterte nebenbei die Abstammungen der beiden Pferde herunter, dann bekam ich das Zeichen und es ging auf die Dreiecksbahn. Bucky lief ordentlich neben mir her, Balboa – ganz Balboa eben – preschte voraus. Bis ich sie wieder eingeholt hatte, galt es, nochmal alles rauszuholen. Und siehe da – was ich so hinter Bucky sah, sah es sogar ganz ordentlich aus.

      Gerade so reichte es mit einer Note von 7,5 auch noch für eine Prämierung. Später, als die Fohlen alle ihren Brand hatten und wir alle die Ruhe vor dem Sturm genossen, lehnte ich mich zufrieden seufzend an den Transporter. Als weder Hauke noch Fiete etwas sagten, öffnete ich die Augen einen Schlitz und klopfte mir stattdessen selbst auf die Schulter.

      Hauke warf mir einen bösen Blick zu, Fiete sah mich nur verwirrt über die Schulter an, während er Benihana die Transportgamaschen anlegte.

      „Was denn?“ fragte ich und zuckte mit den Schultern. „Wenn’s kein anderer macht.“
      Geposted: 26.11.18
      Von: Rhapsody
      Gwen gefällt das.
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      Steenhof, 10. November
      Charon, Bohéme, Balboa, Simplicity of Sophistication, Painted Basquiat, HGT's Saevitia, A Touch of Peace, Calista, Callisto, Andromeda, Ballroom Blitz, Benihana, Ironic, Ares, Bucky, Painted Blur, Calina

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      Es klopfte an meiner Bürotür. Das bekam ich nur sehr peripher mit; meine gesamte Aufmerksamkeit galt dem Video auf meinem Laptop – bis er mir ohne Vorwarnung einfach zugeklappt wurde. Mit verärgertem Gesicht sah ich auf. „Hey, ich hab hier gearbeitet!“

      Jette stand vor mir, gekleidet in einem beigefarbenen Hoodie und karierten Reithosen. Die blonden Haare hatte sie zu einem ordentlichen Zopf geflochten – und somit sah sie wieder aus, als wäre sie gerade nach einer Stunde wieder aus dem Bad gekommen. Ich wusste besser, dass sie gerade vom Training mit Calista kam und dementsprechend gar nicht so makellos aussehen durfte. Verräterin.

      Jette schmunzelte ein bisschen. „Du arbeitest seit Stunden. Es ist Zeit, dass du dich den schönen Dingen des Lebens widmest.“

      „Das war schöne Arbeit,“ murmelte ich und klappte den Laptop wieder auf. „Guck dir mal die Stute an. Hab ich gerade durch Zufall entdeckt.“

      Neugierig ging Jette um den Schreibtisch herum und beugte sich über mich. Mit einem Mausklick spielte ich das Video wieder ab. Darauf trabte eine junge Stute mit hellem Fell über eine Bahn; laut dem Verkaufstext war sie zweieinhalb Jahre alt und musste noch ein bisschen in ihre langen Beine und den hohen Rücken hineinwachsen.

      Jette war komplett auf das Video fixiert. „Was ist das denn für eine Farbe?“

      „Ein Dunskin,“ sagte ich stolz, als hätte ich das nicht selbst nachgucken müssen. „Ein Buckskin mit Falbgen also. Und: ein Holsteiner.“

      Jette sah mich verblüfft an. „Ein deutsches Warmblut in der Farbe?“ fragte sie ungläubig und nahm die Mouse in die Hand. Sie scrollte über die Seite, auf der Suche nach weiteren Informationen.

      „Ich glaub, sie wurde in den Staaten gezüchtet. Da steht sie momentan auch.“ Jette war beim Pedigree angelangt, und bevor sie es selbst lesen konnte, verkündigte ich: „Sie ist Blurrys Nichte.“

      Meine Freundin pfiff leise durch die Zähne. „Das erklärt so einiges.“ Sie klickte sich durch ein paar Bilder, dann richtete sie sich wieder auf. „Und jetzt? Willst du über den Teich fliegen und sie anschauen?“

      Ich sah mir eins der Bilder in der Anzeige an. Ein Portrait – die Stute hatte einen tollen Ausdruck, und irgendetwas sagte mir, dass sie eine Bereicherung sein würde. Trotzdem zuckte ich mit den Schultern. „Ich werde den Besitzern auf jeden Fall schreiben und sagen, dass ich Interesse hab. Aber ich hab eigentlich keine Zeit, um sie mir anzugucken.“

      „Und Hauke killt dich, wenn du die Katze im Sack kaufst.“ Jette seufzte. „Zwickmühle. Umso mehr ein Grund, warum du jetzt wirklich ein bisschen Spaß haben solltest.“

      „Spaß“, grummelte ich. „Den spaßigen Teil hast du doch schon übernommen.“ Den ganzen Tag war Jette im Sattel gesessen – unter anderem, weil ich Papierkram zu erledigen hatte. Für mich stand nur die Arbeit mit den Fohlen auf dem Tagesplan.

      „Und die Fohlen freuen sich, dich zu sehen,“ antwortete Jette, als ich ihr das mitteilte. Da hatte sie ja irgendwo Recht, und viel Zeit blieb mir mit ihnen nicht mehr. Das Wetter war noch nicht in den üblichen Novembermatsch übergegangen, dementsprechend standen die Jungpferde noch auf den Koppeln. Die Kleinsten wurden jeden Tag größer und größer, und vor allem für Charon lief die Zeit ab; erst heute morgen hatte ich die Bestätigung von der Aufzuchtstation bekommen. In etwa vier Wochen sollte es losgehen, deswegen waren wir schon fleißig am Üben. Mama war mittlerweile nicht mehr ganz so wichtig, jeden Tag ein bisschen weniger. Das Putzen klappte verhältnismäßig gut, das Führen altersentsprechend. Alles in allem war ich wirklich zufrieden mit den drei Kleinen.

      Ein letzter Blick auf die Verkaufsanzeige, dann folgte ich Jette aus dem Haus. Im Laufstall wurde ich von den Fohlen schon begrüßt – ganz vorne dabei Balboa. Sie war mit Abstand die selbstständigste und schön extrovertiert. Als ich ihr das Halfter überzog, sträubte sie sich nur kurz, folgte mir aber brav nach einem kurzen Zupfen am Führstrick. Auch Bohème und Charon ließen sich aufhalftern und zu viert marschierten wir über den Hof zur Reithalle, wie eine Kindergartengruppe. Was anderes war das auch nicht – für etwa dreißig Minuten durften die drei in der Reithalle spielen, dann ging es wieder zurück zu den Mamas. Abwechselnd wurden einmal die Mütter, einmal die Fohlen herausgenommen. So sahen Bucky, Benihana und Calina einmal etwas anderes und die Fohlen wurden nicht vom Workload überladen. Heute stand deswegen auch nur reines Spielen auf den Plan – und Balboa hatte das sofort verstanden. Wie von der Tarantel gestochen flitzte sie durch die Bahn, hetzte dem Ball hinterher und dabei zufälligerweise auch auf die Plastikplane, die ich auf dem Boden ausgebreitet hatte. Die anderen zwei Fohlen sahen ihrer Freundin erst ein bisschen zaghaft hinterher, dann stieg aber auch Charon ein. Bohème interessierte sich zum Großteil für die Plane, erschrak aber nur kurz und buckelte dann den anderen hinterher. Als ich den dreien so zusah, freute ich mich schon auf die nächsten Jahre mit ihnen – auch, wenn ich vor allem Charon erst mal wirklich vermissen würde. Die Aufzuchtstation gehörte zu dem Gestüt, auf dem auch Callisto herkam, aber die eineinhalb stündige Fahrt war für den Alltag doch ein bisschen viel. Charon würde es da super gehen, so ganz unter Gleichgesinnten – aber mir brach es ein bisschen das Herz, den jungen Hengst abgeben zu müssen. Balboa und Bohème durften noch ein paar Monate länger bleiben – zum Frühjahr kamen sie in eine Herde mit sieben anderen Stuten, zuerst in einen Laufstall, später dann auf eine unserer Weiden. Wenn ich so darüber nachdachte, wurde ich wieder ein bisschen traurig. Erst mit drei Jahren kamen sie dann wirklich zurück, und das war noch so lange hin!

      Mein Handywecker kündigte das Ende der Spielstunde an. Die drei Fohlen hatten sich beruhigt; Balboa hatte sich genüsslich gewälzt während Charon und Bohème sich gegenseitig beknabberten. Ohne Zwischenfälle zog ich ihnen die Halfter auf und brachte sie zurück in den Laufstall.

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      In einem normalen Jahr wäre die Weidesaison schon seit Wochen beendet, weil das Matschwetter angefangen hätte. Der Sommer wollte aber selbst im Oktober noch nicht gehen, weswegen die Weiden erst in den nächsten Tagen geschlossen werden. Für Peace und Saevitia war der Spaß des Lebens mit dem heutigen Nachmittag aber zuende. Während die Zweijähirgen, also Simplicity of Sophistication und Painted Basquiat mit ihrer Herde, demnächst die Reise in ihre Aufzuchtstation machen würde, würde für die drei Großen das schöne Lotterleben vorbei sein.

      Sie hatten die letzten Jahre in ihrer Herde verbracht, mit minimalem Kontakt zu Menschen. Mich kannten sie von den regelmäßigen Check Ups, und natürlich kannten sie auch noch das Fohlen ABC – in Peaces Fall sogar schon die regelmäßige Arbeit mit den Menschen. Trotzdem war es ganz schön Arbeit, beide Stuten einzufangen und von der Herde zu trennen. Herzzerreißendes Wiehern von beiden Seiten begleitete unseren Weg zum Hof, und ich war mir ziemlich sicher, dass ich taub werden würde, wenn Saevitia mir noch einmal ins Ohr schreien würde. Die schöne Buckskinstute schien es am schlimmsten zu treffen – Peace antwortete ihren Kumpels nur einmal, dann war der Schecke still und lief mit gespitzten Ohren neben mir her.

      Der Stutenstall bestand zum einen aus dem Laufstall und zum anderen aus drei großen Boxen. Eigentlich gedacht zum Abfohlen oder für ein krankes Pferd – jetzt aber erst mal als Unterbringung für die zwei jungen Stuten. Dafür hatte ich extra die Boxenwand zwischen den Boxen herausgemacht (oder herausmachen lassen – danke, Hauke!), sodass sie sich gemeinsam an die neue Situation gewöhnen konnten. Nachdem ich die Tür zum Stutenstall hinter mir zugezogen hatte, ließ ich auch beide Führstricke erst einmal los – zum einen, damit sie sich ein bisschen frei im Stall bewegen konnten, zum anderen, weil ich nicht mal versuchen wollte, mit zwei Pferden an den Händen eine Boxentür zu öffnen und besagte Pferde dann hineinzuführen. Das konnte nur schief gehen. Also ließ ich mir alle Zeit der Welt, während Saevitia und Bucky schon einmal erste Bekanntschaft über die Wand der Laufbox machten. Inklusive Gequietsche und Gegen-die-Wand-treten. Diese Zusammenführung würde bestimmt lustig werden.

      Peace lief von allein in die Box, während ich Saevitia von ihrer wirklich wichtigen Diskussion mit der braunen Holsteinerstute wegbringen musste. „Ihr habt noch genug Zeit dafür,“ grummelte ich, als ich endlich den Führstrick zu fassen bekam. Für die zwei jungen Stuten warteten zwei Eimer Mash – Peace hatte sich schon gleich auf einen Eimer gestürzt, und auch für Saevitia gab es kein Halten, als sie den Plastikeimer entdeckte. Jetzt mussten wir nur mal gucken, wie sich die zwei mit ihrer neuen Situation anfreunden würden. Ich wollte sie nicht gleich überfordern – das Training sollte erst beginnen, wenn sie einigermaßen in die große Stutengruppe integriert waren. Bis dahin kamen sie noch gemeinsam auf ein Paddock oder für eine Stunde in die Halle zum Füße vertreten.

      Das klang nach einem guten Plan.

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      Nach meiner Abendrunde schlüpfte ich ungraziös aus meinen Stiefeletten und schubste sie in die Ecke meines Flurs. Morgen früh würde ich sie wieder suchen, aber das war ein Problem für Zukunfts-Fritzi. Auf den Weg ins Wohnzimmer kam ich am Büro vorbei, indem noch eine kleine Tischlampe brannte. Gerade, als ich sie ausknipsen wollte, fiel mein Blick auf den Bildschirmschoner meines Laptops, der fröhlich hin und her sprang. Plötzlich erinnerte ich mich an die schöne Jungstute von heute morgen. Den Tag über hatte ich leider keine Gelegenheit gehabt, um Hauke nach seiner Meinung zu fragen – aber trotzdem setzte ich mich an den Schreibtisch, gab mein Passwort ein. Die Verkaufswebsite war noch geöffnet, also klickte ich schnell auf den Kontakt-Button und schrieb dem Besitzer.
      Geposted: 28.12.18
      Von: Rhapsody

      Eddi gefällt das.
    • Rhapsody
      Steenhof, 09. Juni
      Charon, Bohème, Balboa, Simplicity of Sophistication, Painted Basquiat, Contia Socks, HGT’s Saevitia, A Touch Of Peace, Calista, Callisto, Andromeda, Ballroom Blitz, Benihana, Ironic, Ares, Bucky, Painted Blur, Calina
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      Der Sommer hatte sich allmählich auch nach Schleswig-Holstein geschlichen. Doch heiße Tage bedeuteten nicht, dass man sich ausruhen konnte. Verletzte Pferde mussten umsorgt werden, was ein bisschen Stillstand in die Ausbildung von Ballroom Blitz und Andromeda brachte. Ich war allerdings guter Dinge, dass sie in zwei Wochen wieder starten konnten. Nebenbei waren auch noch die jungen Stuten langsam an ihr neues Leben als Reitpferd herangeführt worden – Saevitia und auch Peace machten sich vorbildlich unterm Sattel! Die richtigen Youngster, also Bohème, Balboa und Charon, standen jetzt schon in ihren Herden und genossen die warmen Tage auf einer großen Weide mit Gleichaltrigen. Vor allem Balboa war in die Höhe geschossen – bei ihr hoffte ich immer noch auf ein tolles Springpferd. Und während die restlichen Pferde sich die Sonne auf den Bauch scheinen ließen, war ich drauf und dran, die Holsteinerstute aus Amerika nach St. Margarethen zu schiffen. Wenn sowohl Barney als auch Andromeda verletzungsbedingt ausfielen, musste ich schauen, dass ich solchen Papierkram endlich zustande brachte – immerhin hatte ich jetzt keine Ausrede mehr dafür.
      Geposted: 09.06.19
      Von: Rhapsody
    • Rhapsody
      Steenhof, 17. August
      Charon, Bohème, Balboa, Simplicity of Sophistication, Painted Basquiat, Dante's Wild Lady, Contia Socks, HGT's Saevitia, A Touch of Peace, Calista, Callisto, Andromeda, Ballroom Blitz, Smooth Gravity, Samarra, Benihana, Ironic, Ares, Bucky, Painted Blur, Calina

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      Mittlerweile war es August geworden, und auch, wenn ich es nicht wahrhaben wollte: die Tage wurden kürzer, die Temperaturen fielen und die Bäume, die den Straßenrand zum Steenhof hinauf säumten, hatten schon ein paar bunte Blätter.

      Ich musste mich zusammenreißen, nicht missbilligend zu ihnen hinaufzusehen. Immerhin war das der Lauf der Natur. Und außerdem wäre ich dann wohl gegen den nächsten Baum gefahren und hätte mir auch noch ein neues Fahrrad kaufen müssen. Also versuchte ich einfach, den mir entgegenkommenden Autofahrern keinen Schrecken mit meiner bösen Miene einzujagen und bog in den nächsten Feldweg rechts ab.

      An meinem Fahrrad hing ein kleiner Hänger voll mit Päckchen. August bedeutete nämlich nicht nur, dass der Herbst um die Ecke lauerte, sondern auch Wurmkur. Und nachdem Hauke mit Jette vorgestern in den Urlaub gefahren war, blieb das Ganze dieses Mal an mir hängen.

      Ich hatte heute ja eh nichts vorgehabt.

      Der Feldweg führte zu den Koppeln der jungen Stuten. Die momentane Weide war mit am weitesten entfernt vom Steenhof, gefühlt mitten im Nirgendwo. Als der Feldweg mehr Wiese als Weg war, musste ich wohl oder übel absteigen – mein altes Damenfahrrad mit seinen dünnen Reifen machte da keinen Spaß mehr. In der Ferne sah ich schon ein paar der Stuten und ich schickte ein kleines Stoßgebet gen Himmel, dass wenigstens ein paar der Ladies in laufbarer Nähe standen. Die Weide war nämlich wirklich riesig – Wiese, soweit das Auge reicht, und ein kleiner Wald, der auch noch umzäunt war. Vor allem an den heißen Tagen hatten sich die rund fünfzehn Stuten meist im Wäldchen versteckt – und da mussten sie erst mal gefunden werden.

      Am Gatter angekommen, lehnte ich das Fahrrad ans Tor und begann, die einzelnen Wurmkuren in meine Umhängetasche zu stopfen. Neben meinen eigenen Pferden würde ich nämlich auch die restlichen Stuten gleich mitentwurmen – machte sonst ja auch wenig Sinn. Ein paar der Jungstuten hatten mich schon entdeckt und kamen mir wenigstens ein Stück entgegen, als ich durch den Holz- und Elektrozaun huschte. Die erste konnte gar nicht schnell genug gucken, da hatte ich ihr schon um den Kopf gefasst und ihr die Ladung Wurmkur in den Mund gedrückt. Zur Belohnung gab es danach ein Stück Möhre, und dann war auch schon die nächste dran. So arbeitete ich mich durch die unterschiedlichsten Pferde und Ponys, hatte für jede junge Stute die passende Dosierung im Kopf. (Für irgendwas muss der ja auch gut sein.) Meine Eigenen hatten sich natürlich im Wäldchen versteckt. A Touch of Peace stand noch ziemlich am Waldrand und blieb dort auch, während ich ihr die Paste in den Mund schmierte. Auch sie bekam zur Belohnung ein Leckerli und zermalmte es genüsslich, während ich nach den anderen Ausschau hielt. Simplicity of Sophistication – deren Name übrigens ein komplettes Paradoxon war, an dem Namen war ganz und gar nichts simple – fiel mit ihrem gescheckten Fell schnell auf und kurz darauf war auch die junge Stute versorgt. Painted Basquiat war da schwerer zu finden – im dunklen Wald, mit den eng stehenden Bäumen, war sie perfekt getarnt. Kurz darauf hatte aber auch sie die Wurmkur im Mund und mir fehlten nur noch ein paar wenige Stuten.

      Als ich dann wieder zurück auf dem Hof war, machte ich vor meiner kurzen Mittagspause noch schnell die Hengste. Auch die standen auf den Koppeln, allerdings in Kleingruppen. Ares war wieder aus dem Beritt zurück, sodass er sich wieder seine Weide mit Painted Blur teilte. Blurry war einer der unkompliziertesten Hengste, die ich jemals gesehen hatte – bis jetzt war er in jeder Koppelsituation glücklich und ging Streitereien so gut wie möglich aus dem Weg. Ares war das komplette Gegenteil, hatte aber einen Narren an dem Rappen gefressen.

      Blurry kam mir schon entgegen und nahm die Wurmkur auch tapfer in Kauf, um sich ein paar Streichel- und Krauleinheiten zu verdienen. Ares war da ein bisschen misstrauischer, also schnappte ich mir sein Halfter vom Zaun, um ihn festzuhalten. Auch Callisto und Ironic auf der anderen Koppel waren weniger begeistert – Ballroom Blitz machte dafür bereitwillig das Maul auf und schmatzte auch wohlwollend auf der Paste herum. Mit einem Klapser auf den Hals verabschiedete ich mich von dem großen Dunkelbraunen und lief zurück zu meinem Fahrrad.

      Barney hatte mich in letzter Zeit ein paar Nerven gekostet. Von jetzt auf gleich ging der Hengst lahm – aber wirklich stocklahm. Aber wie der Zufall es wollte, war Dr. Maartens den folgenden Tag eh auf dem Hof und guckte sich den guten Barney als auch gleich noch an. Die Diagnose – Gelenksentzündung – war schnell gefunden, und dadurch, dass sie so plötzlich aufgetreten war, vermuteten wir alle einen kleinen Weideunfall. Das Ende vom Lied war, dass Barney gute zwei Wochen nicht auf die Koppel durfte. Mittlerweile waren wir wieder im Aufbautraining, aber im Gegensatz zu Andromedas Hufgeschwür zog sich so eine Gelenksentzündung doch ganz schön. Zumindest konnte Barney mittlerweile wieder die Weide genießen und hoffentlich in ein paar Wochen dann wieder ins Training.

      Mit einem sanften Klaps auf die Brust verabschiedete ich mich von dem Hengst, bevor er mir noch eine neue Frisur verpassen konnte. Das war seine Lieblingsbeschäftigung und nachdem ich die letzten Wochen immer mal wieder gefühlte Stunden verbringen musste, um mir jegliche Knoten aus den Haaren zu pfriemeln, wollte ich ihm keine Möglichkeit bieten, sich wieder in meinen Haaren verlustigen zu können.

      Das Ende meiner Wurmkur-Runde waren die Stuten. Und hier meinte ich auch wirklich ausschließlich Stuten, ohne Babys oder sonstigen Anhängseln. Charon, Bohème und Balboa waren in ihren respektablen Aufzuchtställen – die zwei Stuten bei einem befreundeten Züchter in der Nähe, Charon dafür ein bisschen weiter weg aber dafür in einer tollen Herden mit Gleichaltrigen. Mindestens einmal in der Woche setzte ich mich in mein Auto und klapperte die zwei Höfe ab, um nach den Babys zu schauen.

      Im Stall der Stuten hatte sich in letzter Zeit auch viel getan. Drei neue Stuten waren in den letzten Wochen angekommen, die nach und nach in die Gruppe integriert werden sollten. Eine stand immer noch mehr oder weniger in Einzelhaft; Dante’s Wild Lady, die wunderschöne Dun-Stute, die ich in Amerika gefunden hatte, war erst wenige Tage auf dem Hof und sollte sich erst einmal einleben, bevor ich sie zu den restlichen Jungstuten auf die Koppel brachte. Dreijährig war sie definitiv noch Kandidatin für das leichte Leben auf der Koppel – erst nächstes Jahr sollte sie langsam unter den Sattel kommen, je nachdem, wie sie sich machte. Dante hatte das Glück, dass sie ihre Wurmkur schon vor der Reise nach Deutschland bekommen hatte – ich strich ihr also nur kurz über die Nüstern und kletterte dann mit den Spritzen bewaffnet in den Laufstall.

      Auch hier warteten zwei neue Stütchen auf mich; Smooth Gravity und Samarra. Gravity war eine stolze Vollblutstute, Galopper und gar nicht daran interessiert, auf Biegen und Brechen zu gefallen. Das mochte ich dafür umso mehr – weswegen ich sie letztendlich auch gekauft hatte. Ihre ehemalige Besitzerin hatte sich intensiv mit der Schimmelstute beschäftigt und sie vielseitig ausgebildet, und ich konnte es kaum erwarten, mich selbst nochmal in ihren Sattel schwingen zu können. Mittlerweile legte sie nicht mehr grundsätzlich die Ohren an, wenn man auf sie zuging – die Wurmkur, die ich ihr schnell ins Maul drückte, fand sie trotzdem nicht so klasse und verzog sich schnell wieder Richtung Koppel. Mein nächstes Opfer fand ich in Bucky, die gerade am Heu stand und auf ein paar Halmen rumkaute. Sie guckte mich nur ein bisschen verwirrt an, wandte sich dann aber lieber wieder ihrem Heu zu – war ja auch spannender, das musste ich ihr schon lassen. Die dritte Stute, die im Paddock stand und nicht auf der Weide graste, war Saevitia. Diese erwartete schon ungeduldig die Belohnungsmöhre und kaute zufrieden auf ihr herum, während ich mich auf den Weg zu den restlichen Stuten machte.

      Saevitia war seit Frühjahr offiziell unterm Sattel, und es machte unheimlich Spaß, die Stute auszubilden. Sie war ein recht neugieriges und lehrbegeistert, was die Ausbildung natürlich um einiges vereinfachte. Trotzdem gaben wir ihr Zeit, sich in die Rolle des Reitpferds hineinzufinden – das Konzentrieren fiel ihr häufig schwer, aber bis sie ihre ersten Turniere startete, sollte das hoffentlich besser werden. Mir war nur wichtig, dass sie noch ihre Ruhetage bekam, so wie heute.

      Weiter hinten im Laufstall, auf der Grasfläche, traf ich dann die restlichen Stuten an. Calista nahm Reißaus, als sie die Spritze in meiner Hand sah – also kamen zuerst Calina und Andromeda ihre Ladungen ab. Dann hatte ich die Fuchsstute auch schnell geschnappt und ihr auch schnell die Paste in den Mund gedrückt. Und nach Benihana war nur noch die letzte Neue dran: Samarra. Auch sie kam aus Amerika, mit deutlicher Luft nach oben. Sammy hatte eine sehr vielseitige Ausbildung genossen, war eingefahren und auch auf einigen Trail-Wettbewerben erfolgreich vorgestellt worden. Dank ihrer Abstammung hatte die Stute aber noch enormes Potenzial im Springen, was ich noch unbedingt fördern wollte. Für die nächsten Wochen bekam sie aber noch eine Schonfrist, um sich ordentlich einzuleben.

      Sammy nahm mir die Wurmkur zum Glück nicht allzu schwer und ließ sich danach noch ein bisschen kraulen. Das bedeute natürlich, dass ich bald von Stuten umzingelt war, die alle ihre Streicheleinheiten einforderten – und leider hatte ich an diesem Tag noch andere Aufgaben. Sie bekamen also alle noch eine kleine Möhre zugesteckt, dann lief ich zurück, kletterte aus dem Laufstall und setzte mich wieder auf mein Rad.

      Auf dem Weg zurück zum Gutshaus blickte ich nochmal zu den Blättern der Bäume hinauf. In diesem Augenblick fegte eine frische Brise über die Straße und ließ mich frösteln. Auch, wenn es mir nicht passte – langsam war er da, der Herbst.

      Geposted: 27.09.19
      Von: Rhapsody

    • Rhapsody
      Steenhof, 15. Dezember
      Charon, Bohème, Balboa, Simplicity of Sophistication, Painted Basquiat, Dante's Wild Lady, Painted Taloubet, A Touch Of Peace, Contia Socks, HGT's Saevitia, Dark Royale, Equinox II, Callisto, Calista, Ballroom Blitz, Quarterback, Andromeda, Smooth Gravity, Samarra, Benihana, Ironic, Ares, Bucky, Painted Blur, Calina
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      Keinen Plan wie, aber irgendwann hatte sich der Winter eingeschlichen. Gefühlt plötzlich dauerte es morgens ewig, bis es hell war – und diese Realisation hatte ich auch erst, als Hauke mich darauf aufmerksam gemacht hatte.

      Während ich schwer damit beschäftigt war, den Hengsten allen ihr Frühstück zu bringen – wobei mich der gute Hauke eigentlich unterstützen sollte, stattdessen guckte er mit grimmiger Miene aus dem Stalltor. Er guckte auf seine Armbanduhr, dann wieder zu dem blassblauen Streifen, den man zwischen den Bäumen gegenüber dem Tor erkennen konnte.

      „Was stört dich denn heute wieder?“ fragte ich, eher im Vorbeilaufen auf dem Weg zu Ironics Box. Der Hengst wartete schon sehnsüchtig auf sein Mineralfutter; konnte ja auch wirklich nicht angehen, dass er da länger als zwei Minuten drauf warten sollte.

      „Es ist halb acht,“ sagte Hauke und richtete seinen grimmigen Blick jetzt auf mich.

      Ich schüttete das Futter in den kleinen Trog und Ironic stürzte sich darauf – als hätte ich mir das Heu, das ich ihm gestern Abend in die Box geschaufelt hatte, nur eingebildet. „Und?“

      „Halb acht und die Sonne ist noch nicht einmal aufgegangen.“

      Das ließ mich innehalten – aber er hatte Recht. Auch meine Armbanduhr zeigte brav die korrekte Uhrzeit an: 07:21 Uhr und ja, das Licht draußen konnte man kaum als mehr als Dämmerung benennen. „Wow,“ sagte ich. „Wann sind die Tage so kurz geworden?“

      „Irgendwann in den letzten eineinhalb Monaten,“ grummelte Hauke. Rhetorische Fragen waren nie seine Forte gewesen. Und während er noch ein paar Minuten grimmig nach außen schaute, hatte ich die Hengste auch schon fast durch. Nur seine eigenen Hengste – Quarterback und Dark Royale – ließ ich ihm übrig.

      Ein bisschen überrascht guckte er schon, als ich ihm die Kelle in die Hand drückte. Auf mich warteten noch andere Pferde.

      Aber im Laufe des Tages fielen mir immer mehr Sachen auf, die ich in den letzten Wochen einfach ausgeblendet hatte. Als die Hengste am Vormittag auf die Paddocks durften, fiel mir plötzlich Barneys veränderte Fellfarbe aus; das Schwarz schien dunkler, während die braunen Stellen am Maul, der Flanke und am Hintern im Gegensatz dazu noch viel heller wirkten. Und ab da konnte ich es nicht mehr ungesehen machen: auch Calista war plötzlich mehrere Schattierungen dunkler; fast schon feuerrot. Ähnlich bei Samarra – und die Schimmel, also Smooth Gravity, Calina und Callisto, wirkten als hätte sie jemand mit Bleiche gewaschen.

      Naja. Abgesehen von den Mistflecken, die bei Schimmeln einfach unvermeidbar waren.

      Diese andauernden Erinnerungen daran, dass es jetzt wirklich Winter war, warfen meinen ganzen Tagesablauf durcheinander. Das Springtraining mit Blurry hatte ich viel früher angesetzt – und dann hatte ich das Gefühl, dem Hengst machte es so Spaß, dass ich auch noch gleich eine viertel Stunde länger machte, als ich eigentlich wollte. Aber Blurry blühte so richtig auf; für ein Platz am Treppchen reichte es zwar nicht, dazu fehlte die nötige Eleganz überm Sprung – man konnte ja auch nicht alles haben – aber solange der Hengst mit gespitzten Ohren auf die Hindernisse zuritt, sollte ich die letzte sein, die ihm diesen Spaß nehmen sollte. Dementsprechend war ich dann aber auch ein paar Minuten zu spät, um die Ankunft unseres neuen Prachtstücks zu sein.

      Der Hengststall füllte sich nämlich stetig. Nach Jettes zwei Jungs war noch ein vielversprechender Youngster eingezogen, der auf den melodischen Namen Painted Taloubet hörte. Und wie der Name schon verriet, war auch er ein Nachkomme meines eigenen Painted Blurs; seine Mutter war allerdings ein ziemlich erfolgreicher Springer gewesen und so wie es aussah, hatte sie das auch an ihren Sohn weitervererbt. Noch sollte der Junghengst seine Zeit auf den Paddocks und Koppeln genießen, bis er dann nächstes Jahr unter den Sattel kam; aber ich war schon gespannt, ob sich meine Hoffnungen in ihn bestätigten.
      Und nach Jitterbug, wie ich Taloubet wenige Tage nach seiner Ankunft getauft hatte, hatte mich dann ein Smoky Cream Hengst komplett verzaubert. Mit außergewöhnlichen Farben war es immer so eine Sache; die meisten Pferde, die nicht in Standard-Braunschwarzrotbraun kamen, waren spezifisch auf diese Farbe gezüchtet – die sportliche Leistung war zweitrangig. Zum Glück galt aber auch hier: Ausnahmen bestätigen die Regel – Jettes Quarterback, der ja jetzt auch eine etwas ausgefallenere Färbung hatte, war mehr als nur ein hübsches Pferd, und so erging es mir auch mit Equinox, dem Smoky Cream. Aufgefallen war er mir natürlich wegen der Farbe – als ich dann aber Videos in Action sah, blieb mir fast die Spucke weg. Als Trakehner war er gezogen für die Vielseitigkeit und schien darin auch wirklich aufzugehen. Ein paar Testritte – einmal ich, einmal Jette und einmal Levi – und alle waren begeistert. Natürlich gab es irgendwo Abstriche, aber seien wir mal ehrlich: das perfekte Pferd wurde eben noch nicht erfunden. Oder gezüchtet. Denn wenn es gerade nicht darum ging, eine Schleife heimzuholen, konnte Equinox fast schon faul sein. Sein Springvermögen hatte mich dann aber letztendlich doch überzeugt, den Kaufvertrag zu unterschreiben; man musste es eben nur aus ihm herauskitzeln. Und wenn ich mich in dieser Einschätzung irren sollte, war er dank seines reinerbig dominanten Cream-Gens für die Zucht trotzdem nicht ganz uninteressant. Win-Win-Situation.

      Als ich am Hengststall ankam, hatte Hauke Equinox schon ausgeladen und ließ ihn gerade seine neue Heimat beschnüffeln. Trotz Trakehnerblutes schien er mir recht entspannt; kein hysterisches Wiehern nach den anderen Pferden, kein aufgeregtes Getänzel. „Auf der Fahrt war er auch echt ruhig,“ bestätigte Hauke, als ich die Beobachtung mit ihm teilte. „Kein Mucks, kein Gestampfe. Kann mir fast nicht vorstellen, dass der im Gelände so abgehen soll.“

      „Wart’s bloß ab,“ riet ich ihm und ließ Equinox dann noch meine Hände beschnüffeln. Die waren schnell uninteressant; er schnoberte mit seiner pinken Schnauze lieber an meiner Jackentasche, wo zufälligerweise ein paar Leckerlis versteckt waren. „Dumm ist er auf jeden Fall nicht.“

      Fürs erste sollte Equinox heute auch in der Box bleiben – auch wenn er so tiefenentspannt wirkte, wollte ich den Bogen nicht gleich überspannen. Und dank Paddockbox konnte er auch ein bisschen Frischluft schnappen. Auf mich warteten noch ein paar Stuten; Dante’s Wild Lady und A Touch of Peace, um genau zu sein.

      Peace war, bevor sie zu mir kam, ja bereits im Sport aktiv gewesen. Nach einer Fissur im Karpalgelenk sollte sie sich erst einmal komplett auskurieren, damit sie danach gestärkt wieder eingesetzt werden konnte. Nach dem letzten Kontrolltermin im Herbst hatte ich grünes Licht vom Tierarzt bekommen und arbeitete mit ihr jetzt am Muskelaufbau. An der Longe lief sie wie eine Eins, streckte sich schön nach unten und lief fleißig vorwärts.

      Im Gegensatz dazu stand Dante. Als Dreijährige musste sie ja noch nicht viel leisten und sollte auf jeden Fall im Sommer noch mal auf die Weide kommen. Trotzdem begann ich schon einmal, sie langsam an die Arbeit heranzuführen. Erst begleitete sie mich als Handpferd auf Ausritten und hatte dabei schnell gelernt, ruhig und gesittet neben einem anderen Pferd zu laufen und auf ein paar Grundkommandos zu hören. Die Freiarbeit, die ich danach anstrebte, klappte auch super; Dante stellte sich als sehr aufmerksame junge Stute mit einem großen Will to please heraus.

      Das Problem lag dann aber beim Longieren. Viele Jungpferde taten sich am Anfang erst einmal schwer, die Linie zu halten – viele klebten dann regelrecht am Longenführer. Dagegen hatte ich eigentlich mit der Freiarbeit begonnen, aber trotzdem blieb Dante höchstens zwei Schritte auf der Kreislinie, bis sie wieder zu mir in die Mitte rannte. Deswegen zog ich mir kurzerhand Jette zu Rate; die hatte eigentlich genug mit den anderen Pferden zu tun, nahm sich aber doch die Zeit, mir zu helfen. Denn natürlich lag das Problem bei mir: die Frei- und Bodenarbeit hatte zwar einen guten Grundstein gelegt, um erfolgreich zum Longieren überzugehen, fehlten aber noch ein paar Übungen – vor allem eben, das Pferd auf Abstand zu halten. Dazu ging ich auch noch gar nicht auf eine wirkliche Zirkellinie, sondern benutzte die ganze Longierhalle dazu. Natürlich bekam Dante auch immer wieder Pausen eingeteilt – wir hatten keinen Zeitdruck, also machten wir uns auch keinen. Also war es erst an diesem (für mich ersten) Wintertag soweit, dass sie die ersten Runden im Kreis um mich herum ging. Nur ein paar, dann schickte ich sie wieder auf die ganze Bahn und stiefelte ihr hinterher. Immer abwechselnd lenkte ich sie zurück auf den Zirkel und marschierte dann geradeaus, immer in einem Abstand etwa zweieinhalb Metern.

      Das Gute an Dante: sie zeigte deutlich, wenn sie nicht mehr aufnahmefähig war. Dann erinnerte sie an einen tollpatschigen Welpen, der seine Pfoten noch nicht ganz unter Kontrolle hatte. Dann war es Zeit, sie noch einmal sich wälzen zu lassen und zurück in den Laufstall zu bringen.

      Nachdem die Weiden über den Winter gesperrt waren, verbrachten Stuten eines jeden Alters den Winter im Laufstall. Die Zusammenführung war manchmal gar keine so leichte Aufgabe – immerhin hatten wir meisten zwei Gruppen, die sich gegenseitig kaum kannten. Deswegen wurde der Laufstall für die ersten Wochen geteilt – so konnten sie sich erst einmal beschnuppern und aneinander gewöhnen, bevor man sie aufeinander los ließ. Und auch dieses Jahr hatte es gut geklappt – die besten Freundinnen waren jungen und älteren Stuten zwar noch nicht geworden, aber keiner wurde durch die Gegend gescheucht.

      Am späten Nachmittag – es war schon wieder fast dunkel, vielen Dank, Winter – konnte ich mich dann kurz losreißen und ins Auto setzen. Meine Fohlen des letzten Jahres waren jetzt schon gut ein Jahr in ihren jeweiligen Aufzuchtställen und wurden dort regelmäßig besucht. Ein bisschen lästig fand ich das Rumgefahre selber – Bohème und Balboa standen glücklicherweise in der Nähe, aber zu Charon war es eine Strecke von etwa 50 Kilometern einfachem Weg. Dort hatte er aber den besten Stall, den man sich vorstellen konnte; gemeinsam mit zehn anderen Hengsten in seinem Alter konnte er im Sommer über eine riesige Koppel rennen, den Winter verbrachte er mit dieser Gruppe in einem Offenstall. Es gab eine gesunde Mischung zwischen in Ruhe lassen und an den Menschen gewöhnen; so konnten die Junghengste ganz normal Kind sein, ohne später keinen Respekt vor Menschen zu haben.

      Die Traube an Jährlingen kam deswegen auch neugierig an den Zaun des Offenstalls, als ich mich daran lehnte. Ein paar Nasen suchten nach ein paar leckeren Äpfeln, ein paar wollten mich nur beschnuppern. Während ich also Nüstern streichelte, versuchte ich im harschen Licht der Baustrahler meinen Hengst zu finden – was sich leichter anhörte, als es tatsächlich war. Schließlich war ich mir aber sicher, dass dieser Rappschimmel vor mir Charon war – diesen treudoofen Blick hatte nur er. Kurzerhand schnappte ich mir einen Strick und holte ihn aus dem Offenstall. Vor ein paar Monaten war das noch der absolute Horror für ihn gewesen. Von der Herde wegführen? Keine Chance. Mit ein wenig Geduld und vielen Leckerlis lernte er dann aber, dass er ja wieder zurückkommen würde. Er lauschte zwar noch jedem Wiehern, das von den anderen Jungs kam, aber sobald wir um den Offenstall herum waren und ich ihn am überdachten Putzplatz anband, war alles vergessen.

      Bis auf die Grundlagen des Fohlen ABCs sollte Charon aber noch gar nicht so viel können. Putzen war im Grunde kein Problem, das hatte ich schon angefangen, als er noch zuhause auf dem Steenhof war. Eigentlich war das Anbinden bis vor kurzem auch kein Problem gewesen; seit wenigen Wochen war er dann aber nur noch am Zappeln und hin und her rennen. Manchmal war es gar nicht so leicht, dann die Geduld zu behalten – vor allem, wenn es schon einmal so gut geklappt hatte. Betont ruhig korrigierte ich ihn also immer wieder und belohnte es, wenn er dann doch mal stehen blieb und sich seine Umgebung ruhig anguckte. Charon war mittlerweile fast so groß wie ich, und auch, wenn er die Masse eines normalen Pferdes noch nicht hatte, brachte ich ihm lieber gleich bei, dass er auf seine Umgebung aufzupassen hatte und nicht einfach Rumtänzeln konnte, wie es ihm gerade beliebte. Ich beließ es an diesem Tag allerdings beim Putzen; über die Anlage fegte ein eisiger Wind, der mir trotz dickem Schal den Rücken hinunter krabbelte. Nachdem ich die Hufe ausgekratzt hatte und Charon noch einmal belohnte, weil er sie dieses Mal artig gegeben hatte, brachte ich ihn zurück zu seinen Kumpels. Ohne sich noch einmal herumzudrehen stapfte er wieder davon und schmiss sich als allererstes in die nächstbeste Matschpfütze. Ich seufzte. Wenn ihn das glücklich machte, dann sollte er sich doch in jedes bisschen Matsch schmeißen.

      Zum Schluss machte ich mich noch auf zu Balboa und Bohème. Wie schon erwähnt standen sie momentan nur rund fünf Minuten vom Steenhof entfernt, bei einem befreundeten Bauern. Die Gruppe an Jungstuten war etwa doppelt so groß wie Charons Bande, genauso wie er standen sie aber auch auf einer Koppel oder, jetzt im Winter, in einem großen Offenstall. Aufgrund der unmittelbaren Nähe war ich hier ein bisschen öfters als bei Charon – ich beließ es also bei einer kurzen Begrüßung mit Leckerlis und ein paar Streicheleinheiten. Auffallend war, dass vor allem Bohème das sichtlich genoss, war sie doch sonst das eher reservierte Fohlen gewesen. Für Balboa war der Mensch am Zaun nach dem ersten Apfelstück uninteressant gewesen, sie hatte sich lieber wieder dem Heu zugewandt. Bohème allerdings schnoberte an meiner Jacke herum, stupste immer wieder meine Hand an, wenn ich es wagte, auch einer anderen Stute Aufmerksamkeit zu geben. Ich hatte das Gefühl, dass sie schon einen ganz schönen Entwicklungssprung gemacht hatte, den ich bei Balboa noch nicht so ganz sah. Ehrlich gesagt hatte ich ein bisschen Angst gehabt, dass Bohème auf ewig so distanziert blieb – durchaus keine Charakterschwäche, aber ein menschenbezogenes Pferd machte das Heranführen an den Job Reitpferd natürlich um einiges leichter. Doch anscheinend hatte Bohème noch ein paar Überraschungen in petto; mal sehen, was aus der Stute einmal werden würde.

      Wie aber schon angekündigt machte ich mich kurz darauf wieder auf den Weg zurück zum Steenhof. Die Abendfütterung würden Malte und Fiete heute übernehmen, und bis zu meiner letzten Runde durch die Ställe war noch genug Zeit für meine allerallerallerallerliebste Lieblingsbeschäftigung: Papierkram. Auf Jettes Bitten hin hatte ich mich in letzter Zeit wirklich nach Verstärkung umgesehen und jetzt galt es, die Bewerber auszusortieren. Sollte der Hof in den nächsten Jahren wachsen, was ich stark hoffte, brauchten wir auf jeden Fall jemand Geschulten, der den ganzen Bürokram machen konnte. Außerdem noch den ein oder anderen Pfleger dazu, damit Hauke und ich uns guten Gewissens um andere Dinge kümmern konnten. Und wovon man nie genug haben konnte: ein paar qualifizierte Reiter, die die Pferde auch auf Turnieren vorstellen würden. Diese Arbeit gab ich aber nur allzu gerne an Jette selbst ab – ihr Team musste sie selbst aufstellen.

      Geposted am: 01.01.20
      Von: Rhapsody
    • Rhapsody
      Steenhof, 17. Februar
      Charon, Bohème, Balboa, Simplicity of Sophistication, Painted Basquiat, Dante's Wild Lady, Painted Taloubet, Dark Innuendo, Contia Socks, A Touch of Peace, HGT's Saevitia, Dark Royale, Cassiopeia Z, Mania, Seattle Slew, Hallelujah, Equinox II, Callisto, Calista, Ballroom Blitz, Quarterback, Andromeda, Smooth Gravity, Samarra, Benihana, Ironic, Ares, Bucky, Painted Blur, Calina
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      Während Jette alle Hände voll mit ihrem Ausbildungsbetrieb zu tun hatte – vier Pferde waren zur dauerhaften Ausbildung hier, zwischendurch immer mal wieder kurzfristige Aufträge und dann wollten ja auch die eigenen Pferde ordentlich ausgebildet werden – hatte ich Arbeit über Arbeit mit den Stuten. Während auf anderen Höfen die Fohlensaison schon im vollen Gang war, dauerte es auf dem Steenhof immer noch ein paar Wochen. Trotzdem saß ich wie auf heißen Kohlen – ich hatte das Gefühl, es waren noch Tonnen an Arbeit zu tun. Die Kameras im und am Laufstall mussten installiert werden, es mussten noch ein paar Geburtshelfer besorgt werden, ich wollte mich schon mal auf ein paar Namen beschränken, damit die Fohlen so schnell wie möglich registriert werden konnten, wenn sie dann mal da waren.

      Zusätzlich zu meinen eigenen Stuten hatte ich dieses Jahr auch noch ein paar Stuten von befreundeten Züchtern im Stall stehen. Die vier neuen Warmblutstuten hatten sich mehr oder minder schnell in die Gruppe integriert. Vor allem Colored Belle hatte den anderen Pferden schnell gezeigt, wie viel sie von ihnen hielt (nicht viel) – sobald ihr eine Stute zu nah kam, die sie gerade nicht dudelte, wurde der Stute das deutlich zu verstehen gegeben. Auch das menschliche Personal hatte schnell gemerkt, dass mit der dunklen Schönheit vorsichtig umgegangen werden musste – mittlerweile war ich die einzige, die die Stute kontrollierte und auch mal putzte. Am Anfang hatte es ihr auch nicht gepasst, jetzt zum Ende der Trächtigkeit ließ sie es mit angelegten Ohren über sich ergehen. Ich hoffte nur, dass das Fohlen nicht ganz nach ihr kam – trotzdem weigerte ich mich, an der Anpaarung aus Barney und Belle zu zweifeln. Barney war ja auch nicht der Ausgeglichenste und es bestand die Möglichkeit, dass ich da Dynamit gezüchtet hatte – aber Alfred Nobel war ja auch sehr erfolgreich gewesen.
      Glücklicherweise war es mit den anderen Stuten – Dark Rubin, Golden Lights und Minstrel – weniger nervenaufreibend gewesen.

      Es war zwar noch ein paar Wochen hin, aber trotzdem wollte ich heute schon einmal die Abfohlboxen vorbereiten. Nach meinen Morgenrunden um den Hof ging es also ans Putzen; der Stutenstall verfügte neben dem Laufstall, in dem alle Stuten noch vor sich hin kugelten, über eine Handvoll normaler Boxen. Zwei davon waren ein paar Quadratmeter größer und eigneten sich deswegen gut zum Abfohlen. Nachdem die meisten Stuten das Jahr über auch im Laufstall blieben, brauchten die Boxen ein bisschen Liebe, bevor ich hier die neuen Mitbewohner des Steenhofs begrüßen wollte. Und während ich die Tröge auswischte und die Boxen zusammenkehrte – das Stroh würde erst ein paar Tage vor der Geburt reinkommen, wenn dann auch die werdende Mama hier wohnte – freute ich mich fast schon ein bisschen auf die schlaflosen Nächte. Vielleicht bekam ich mit diesem Jahrgang auch eine schöne Herde zusammen und konnte die Aufzucht dann selbst übernehmen. Balboa und Bohéme waren zwar in der näheren Umgebung, aber die Fahrt zu Charons Aufzucht nahm dann doch viel Zeit in Anspruch, die man auch anders nutzen könnte.

      Denn die Arbeit ließ nicht nach. Jette hatte, wie schon gesagt, genug Arbeit mit ihren Berittpferden: ein wunderschöner Palominohengst namens Hallelujah, eine Schimmelstute namens Cassiopeia, einem Fuchs der auf den Namen Mania hörte und einem Halbblut, das den weiten Weg aus Kanada angetreten hatte. Prias Colourful Soul war erst seit kurzem unterm Sattel und brauchte noch viel Sicherheit von ihrem Reiter, sodass sie wohl ein paar Monate auf dem Steenhof verbringen würde. Hallelujah und Cassiopeia waren beide schon einen Ticken erfahrener, aber dadurch nicht unbedingt leichter händelbar; was ich von der Stute so gesehen hatte, erfüllte sie jegliche Stutenklischees, und der Hengst war auch ziemlich blütig. Bis jetzt hatte ich mich aus dem Training raushalten können und alles nur peripher mitgekriegt. Levi, der nach etwas Murren ein weiteres Pferd neben Barney angenommen hatte, hörte man öfters Mal aus der Reithalle fluchen. Aber Barney war auch nicht immer das leichteste Pferd gewesen – wenn er sich mit dem Palomino zusammengerauft hatte, würde das auch noch funktionieren.

      Und dann gab es noch ein paar Neuzugänge – auch, wenn Hauke es anders behauptete, handelte es sich dabei um keine Impulskäufe. Mit Dark Innuendo hatte ich mir noch eine Jungstute geholt – und noch eine, die am liebsten den lieben langen Tag alles hinterfragte. Schlau war sie, das war nicht zu leugnen – aber das konnte auch schnell nervig werden. Sobald sie sich eingelebt hatte, hatte ich das erste Longentraining übernommen. Mit fünf Jahren durfte man langsam ans Einreiten denken, und auch psychisch machte sie einen ziemlich gefestigten Eindruck. Ich hatte eigentlich gehofft, dass sie alles aufsaugen würde wie ein Schwamm – stattdessen war sie häufig das Äquivalent zu einem Kind, das jede Handlung mit einem „Aber warum?“ hinterfragte. Ich war nicht dafür bekannt, gut mit Kindern umgehen zu können; dementsprechend musste ich so einige Male mit den Augen rollen, wenn ich mit Uno zusammenarbeitete. Jette war aber ganz angetan von der Stute – sie war eine Bucky-Tochter und ihr Vater, Dark Intention, hatte zahlreiche Preise eingeheimst. Uno war außerdem eine Halbschwester zu Dark Rubin, und die hatte mich in der kurzen Zeit, die sie hier war, schon überzeugt.

      Der zweite Neuzugang war ein echtes englisches Vollblut. Seattle Slew war auch recht erfolgreich auf der Rennbahn gewesen – glücklicherweise aber schon komplett auf Reitpferdmodus umgestellt, sodass er nach seiner Eingewöhnungsphase eigentlich sofort ins Training einsteigen konnte. Außerdem war er zum Glück ziemlich sozialisiert; schon wenige Tage nach seiner Ankunft hatte Hauke ihn mit Ironic aufs Paddock gebracht und es hatte auch nicht lange gedauert, bis die beiden Jungs sich gegenseitig den Mähnenkamm beknabbert hatten.

      Nachdem die Arbeit im Stutenstall getan war und ich mir ein kleines Mittagessen gegönnt hatte, stand noch Arbeit mit den Jungpferden auf dem Plan. Nach Dantes Anlongieren war ich der selbsternannte Longierprofi und Contia Socks hatte das gleich einmal am eigenen Leib erfahren dürfen. Sie entpuppte sich aber als schneller Lerner und war schnell auch auf Dantes Niveau; Taloubet tat sich da ein bisschen schwerer. Spätestens im Sommer sollten aber dann alle mehr oder weniger unterm Sattel sein. Und auch für Simply und Bowie waren die entspannten Jahre auf der Koppel Geschichte, sobald alle Fohlen gesund und munter auf der Welt waren und ich mich dem intensiv widmen konnte.
      Contia, Dante und auch Taloubet machten ihre Sache heute gut und hatten sich danach eine Auszeit auf den Paddocks verdient. Und auch auf meinem Plan stand nur noch eine kurze Runde durch die Ställe, mit dem Laufstall als Letztes. Noch einen kurzen Besuch bei den werdenden Mamas – noch zeigte keine irgendwelche Anzeichen, dass es in nächster Zeit losgehen könnte, und darüber war ich froh. Alle Stuten hatten bis zum erwarteten Termin noch gut Zeit; würde jetzt schon ein Fohlen kommen, wäre das wohl ein Todesurteil.

      Meine Runde endete bei Bucky. Sie war zwar nicht die erste Stute, die Termin hatte, aber ich hatte das Gefühl, dass sie nochmal einen ganzen Ticken runder war als die anderen Damen. „Du lässt dir besonders Zeit,“ flüsterte ich ihr ins Ohr, während sie die Krauleinheiten mit halb geschlossenen Augen genoss. Wenn dieses Fohlen nach Buckys anderen Nachzuchten kam, dann brütete sie gerade einen kleinen Champion aus – und der sollte natürlich so gesund wie nur irgendwie möglich auf die Welt kommen. Mit einem Klaps auf den Hals verabschiedete ich mich dann auch von der braunen Stute, kletterte aus dem Laufstall und löschte das Licht.

      Geposted am: 17.02.2020
      Von: Rhapsody
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  • Album:
    3 | Steenhof
    Hochgeladen von:
    Rhapsody
    Datum:
    24 Aug. 2016
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    Bucky
    benannt nach einer Comicfigur


    PEDIGREE
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    von: Bad Benzedrine

    von: unbekannt

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    aus der: unbekannt

    aus der: unbekannt

    von: unbekannt
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    aus der: Waldsteins Honeybee

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    EXTERIEUR & INTERIEUR

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    Stute
    Holsteiner
    15 Jahre

    166 cm
    Brauner
    breite Blesse | v.l. weißer Stiefel, v.r. weiße Fessel, h.l. weißer Stiefel, h.r. weißer Stiefel

    Grundlos hatte Beluga sich den Spitznamen "Bucky" nicht eingeholt. Vor allem als Fohlen galt sie als absolute Zimtzicke, sträubte sich gegen jede Form von Erziehung. Es brauchte Zeit - mehr Zeit, als vorerst eingerechnet - bis man jemanden mit gutem Gewissen auf den Rücken der Stute gelassen hatte. Dann dauerte es jedoch nicht sehr lange, bis man sie als reitbar einstufen konnte - zwar waren die Flausen nicht ganz weg, aber man hatte ein Pferd, dass man durchaus in einen Springparcours lassen kann, ohne Angst zu haben, sich sämtliche Knochen zu brechen. Auf den ersten Turnieren bemerkte man dann auch schnell, dass Bucky unglaublich ehrgeizig war; es schien, als wäre ihr persönliches Motto 'höher, weiter, schneller'. Diese Eigenschaft macht sie natürlich zu einem begehrten Turnierpferd, mit dem sich viele Schleifen holen lassen - vor allem, da beide Elternteile bis in die hohen Klassen der Dressur und des Springsports ausgebildet waren.
    Als Zimtzicke kann man sie nicht mehr wirklich bezeichnen, die beste Umschreibung wäre wohl "mürrisch". Sie leidet wohl an Stimmungsschwankungen und kann somit doch noch ihrem Spitznamen, der über die Jahre geblieben war, gerecht werden. Doch sie ist trotzdem eine Stute, auf die man sich verlassen kann. Meistens zumindest.


    TRAINING

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    Fohlen ABC | Eingeritten
    Englisch geritten


    Dressur
    E A L M* M** S*

    Springen

    E A L M* M** S*

    Military

    E A L M S*


    ERFOLGE

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    Dressur: 1x E-Platziert, Springen: 1x S*-Platziert


    Turniere
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    380. Dressurturnier

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    119. Synchronspringen – 121. Synchronspringen – 122. Synchronspringen – 129. Synchronspringen – 131. Synchronspringen – 138. Synchronspringen – 140. Synchronspringen – 375. Springturnier

    Andere


    ZUCHTINFORMATIONEN

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    SK 447 – Alle Stuten

    Leihmutterschaft: 188,-
    Genotyp: Aa EE
    Aus der Zucht: Gut Waldstein (Kiel, DE)
    Nachkommen:

    Dark Innuendo (v. Dark Intention) – *2015
    Painted Basquiat (v. Painted Blur) – *2016
    Balboa (v. Leitz)– *2018
    sh Kobik (v. Levistino) – *2020


    GESUNDHEITSZUSTAND

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    276 4 20 441261384
    Chronische Krankheiten:
    Letzter Tierarztbesuch:
    12.02.17 – Pferdepraxis Sapala – Grundkontrolle

    Fehlstellungen:
    Beschlagen:
    Letzter Hufschmiedbesuch:
    14.12.16 – Hufschmiede Pine Grove Stud – Neuer Beschlag


    STALLINTERN

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    Besitzer: Rhapsody
    Ersteller: Elii
    VKR: Elii

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    Offizieller Hintergrund