Rhapsody

Bucky *

Holsteiner -- im Besitz seit 10/2015 -- Staatsprämienstute -- Aa EE

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Bucky *
Rhapsody, 24 Aug. 2016
Bracelet und Ally gefällt das.
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      Bukephalos
      | 11. Oktober 2015
      Gwen stellte ihre Tasse Kakao ab. „Okay, nochmal. Du hast eine Lewitzer- und Reitponyzucht, zusammen mit Elisa.“

      „Korrekt.“

      „Du bist Mitveranstalter einer Pferdesportveranstaltung, die mitten in der Ausführung ist.“

      „Noch korrekter.“

      „Du hast dir gedacht du könntest dir einfach mal ein Pferd kaufen, dass kein Lewitzer ist und dazu auch noch zehn Zentimeter größer als du, bei dem du weißt, dass es wohl ein ziemliches Buckelproblem hat.“

      „правильно.“ Gegenüber von mir strahlte Elena von einem Ohr zu anderem – das bedeutete, dass sie die impromptu-Russisch-Stunde doch nicht in Obhut eines gigantischen Filmrisses gelassen hatte. Ich gab ihr zwei Daumen nach oben.

      Gwen fuhr jedoch unbeirrt vor. „Und das Pferd, das dieses Buckelproblem hat, heißt zudem noch Bucky.“ Sie drehte ihre Tasse um und zog dann eine Augenbraue (okay, eigentlich beide, aber ich wusste, was sie machen wollte) nach oben. „Dass du immer komischer wirst, weißt du, oder?“

      „Blurry brauchte aber eine Freundin. Und außerdem ist sie schön,“ lautete meine Verteidigung, bis wir von unserer lockeren Runde von einem gewissen Diktator aufgescheucht wurden. Angeblich hatten wir „Arbeit zu tun“, was natürlich völliger Schwachsinn war. Und mein Kakao wurde jetzt auch kalt.

      ***

      Besagtes Pferd – Bucky, mit bürgerlichem Namen eigentlich Waldsteins Beluga aber wer nannte sein Pferd schon einen Wal, eine neunjährige Holsteinerstute – sollte nächste Woche in Kanada landen. Aufgewachsen in good ol‘ Germany wurde sie vor ein paar Jahren in die USA verkauft, und dort hatte ich sie bei einem Besuch auf Eddis Ranch live erleben können.

      Das war natürlich vor Blurry und somit hatte ich keine wirkliche Verwendung für eine Holsteinerstute gehabt, doch jetzt war sie da. Da kam mir die Verkaufsanzeige gerade recht.

      Und ich hatte natürlich schon mit Elenas täglichen Neue-Spitznamen-für-dein-neues-Pferd-SMS gerechnet, die auch jeden Tag um Punkt 8 Uhr eintrafen. Mein Liebling war bis jetzt wohl Bukephalos, auch wenn das ein total männlicher Name war. Er sollte trotzdem passen – welches Pferd konnte schon sagen, dass sein Spitzname des Spitznamens der gleiche wie der Name des Pferdes von Alexander dem Großen war? Nicht viele, genau.

      Bukephalos aka Bucky aka Beluga kam natürlich genau dann, als ich als Aufsicht für Jolympia eingetragen worden war. Aber SMS und Bilder von Adèle und Zoe zeigten mir, dass die braune Stute sich wohl sofort auf den Boden geworfen hatte, um sich zu wälzen, als sie sie auf den Reitplatz ließen. Ein anderes Bild zeigte, wie sie zaghaft an einem Heunetz knabberte.

      Super. Und ich saß hier noch mehrere Stunden fest. Seufzend steckte ich das Handy weg und konzentrierte mich wieder auf die Prüfung vor mir.
    • Rhapsody
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      Honey, I'm Home!
      | 23. Januar 2016
      Gut, es war vielleicht ein wenig fies, niemanden Bescheid zu sagen, dass ich wieder kommen würde. Aber Zoe, Adèle und Declan waren auf dem neusten Stand der neuen Stände, sie hätten also damit rechnen müssen.
      Womit sie nicht rechnen würden, war mein Begleiter.
      Die letzten Monate waren vielleicht nicht so super gewesen, aber ich hatte in Deutschland schnell wieder Freunde gefunden – unter anderem eben Lesja, der sich schon schnell zu einem meiner engsten Vertrauten gemausert hatte und sogar mit nach Kanada gekommen war. Er hatte zwar schon zuvor vorgehabt, ein paar Wochen (jetzt wohl Monate) mit Rucksack durch die kanadische Walachei zu ziehen – jetzt durfte er Mistgabel schwingen und beim Trainieren der Pferde helfen (dank einer kleinen, hartnäckigen Schwester war er wohl ein ganz guter Reiter gewesen).
      Eines führte zum anderen und er hatte sich bereit erklärt, als Aushilfe mit nach Kanada zu kommen. Zwar hatten wir ein bisschen abgespeckt was die Pferdeanzahl anging – alles natürlich unter meiner Supervision, wenn auch aus Deutschland – aber das bedeutete nicht, dass es deswegen weniger Arbeit gab.
      Womit ich natürlich nicht rechnete, war, dass mehr Boxen belegt waren als ich angenommen hatte. Mit Lesja war ich durch den Stall gegangen, um ihm in Ruhe alle Ponys vorzustellen, ehe Zoe, Adèle und Declan uns wieder voll beanspruchten. Wir hatten gerade mit dem Stutenstall begonnen, ich hatte gerade angefangen, Sikari, Cíola, Medeia, Parvati und Tautou vorzustellen, als sich ein sehr dunkelbrauner, zarter Kopf über die Boxentür neben Fleas Box schob.
      „Und sie?“ fragte Lesja sofort und hielt dem Pony, welches ich nur zu gut kannte, die Hand zum beschnuppern hin.
      „Das ist Long Island Icetea und eigentlich gehört sie in den Stall gegenüber,“ antwortete ich zwischen zusammengebissenen Zähnen. Sowohl meine Crew als auch Elisa würden so schnell wie möglich meine Meinung davon erfahren.
      Lesja sah mich nur fragend an. Und da er ungefähr genauso stur war wie ich, kam ich wohl nicht aus der Sache raus. „Eigentlich gehört sie Elisa, die, die direkt gegenüber wohnt. Eigentlich. Aber anscheinend vorerst nicht mehr.“ Daraufhin zogen sich Lesjas dunkle Augenbrauen noch mehr zusammen aber damit musste er jetzt leben – mehr wusste ich auch nicht.
      „Hey, du hast Chepa noch gar nicht kennengelernt! Und Bucky!“ meinte ich daraufhin und versuchte mich an einem nahtlosen Übergang, der jedoch nicht unentdeckt blieb. Lesja rollte die Augen, doch drehte sich dann trotzdem zu der Lewitzerstute um, die ihm gerade den Jackenzipfel zerkaute.
      ***
      Nachdem wir auch Painted Blur, Quixoticelixer, Vaffanculo, Capulet (den Lesja sofort ins Herz schloss, das sah man ihm einfach an), Muraco und Paramour kennengelernt hatten und ich ihm versprach, morgen mit ihm Pacco zu besuchen, lief Lesja entschlossenen Schrittes in Richtung Wohnhaus.
      „Sicher, dass du bereit bist?“ fragte ich ihn zweifelnd. Es würde wohl kaum zu vermeiden sein, dass Zoe und Adèle ein bisschen die Fassung verlieren würden. Doch mit gewohnter Lässigkeit zuckte Lesja mit den Schultern und drückte schließlich auf die Klingel. Sofort fingen Ella und Khaleesi im Haus an zu bellen.
      Dann öffnete sich die Tür.
      ***
      Manchmal fällt einem erst auf, wie sehr man jemanden vermisst, wenn man diese Person wieder trifft. Aber gut, dass wir jetzt wieder im Land waren – auch, wenn es kalt war und der kanadische Winter eine absolute Sau war. Lesja hatte sogar geschafft, sich selbst vorzustellen und wurde natürlich von Zoe ausgequetscht. Declan saß daneben, hielt die Klappe aber hörte aufmerksam zu, während Adèle unsere Wiederkehr mit Kochen feierte. Meine Mutter hatte zwar sichergestellt, dass ich ja nicht verhungerte und deswegen hätte ich wohl auf die Pasta verzichten sollen, die gerade auf dem Herd köchelte.
      Aber ich war schon immer schlecht gewesen im Nein sagen.
    • Rhapsody
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      WHT Ausbildungsbetrieb, Springen E-A - © Gwen
      | 31. Januar 2016
      „Fünf Pferde. Dabei hat der Monat nur vier Wochen!“, meinte ich vorwurfsvoll lachend zu Jojo, welche mir die diesmonatige Liste zum Trainieren zugemailt hatte. Bisher hatte ich die Pferde immer getrennt voneinander trainiert, das hatte jedoch dazu geführt, dass ich jedes Mal im Verzug war und kaum Zeit für etwas anderes blieb, also überdachte ich mein Konzept, und entschied, alle gleichzeitig zu trainieren.
      Die Vorteile lagen auf der Hand: Weniger Zeitaufwand, gleiche Qualität, einiges an Abwechslung. Für Jojo würde es eine Überraschung sein, doch ich bezweifelte, dass sie es großartig stören würde, so lange jedes Pferd noch genügend Aufmerksamkeit und die gute Ausbildung erhalten würde. Das Repertoire für Januar war bunt, denn es ging von der Dressur über Springen bis hin zu Military.
      Letzteres würde durchaus ein wenig komplizierter werden, denn immer noch lag Schnee. Doch darüber würde ich mir Gedanken machen, wenn es dazu kam. Heute erstellte ich erst einmal die fünf Trainingspläne und stimmte sie für mich persönlich aufeinander ab. Da ich bereits alle Pferde kannte, konnte ich mich direkt ohne Probleme auf das Training einstellen, ideal, wenn man immer die gleichen Pferde trainierte und ab Morgen würde es auch direkt losgehen.

      Jojo war ja etwas geschockt, als ich tatsächlich schon kurz nach acht Uhr morgens bei ihr aufkreuzte. Das war für mich eine eher seltene Zeit, um wirklich schon das eigene Haus zu verlassen, aber was tat man nicht alles für die liebsten Freunde! Dazu gehörte eben auch das frühe Aufstehen. Beginnen würde ich heute mit dem einzigen Hengst, der noch meinem Training unterstand: Painted Blur.
      Er war letztes Jahr Jojos Geburtstagsgeschenk gewesen und hatte sich seither auch wirklich gemacht. Momentan strebten wir sogar langsam die M-Dressuren an und Potenzial hatte Blurry allemal. Heute wollte ich aber erst einmal die Grundlagen weiter festigen und vorher musste ich das Pferd putzen und satteln.
      Das Warmreiten gehörte natürlich auch dazu, dementsprechend kam ich erst eine Dreiviertelstunde später wirklich zum Trainieren. Wir arbeiteten heute an seiner Hinterhand. Einerseits sollte er sich mehr auf diese setzen, aber auch die Kraft aus ihr beziehen. An sich konnte das Blurry, aber die Vorderhand als Schub zu nehmen war immer einfach viel einfacher.
      Trotzdem machte der Hengst wirklich gut mit und abschließend fügte ich noch etwas lockere Dehnarbeit für die Bauch- und Rückenmuskeln hinzu. Morgen würden wir dann mit den ersten Lektionen beginnen: dem Schulterherein (das konnte Blurry schon fast) und der Traversale. Es würde morgen auf jeden Fall anstrengender werden.
      Nun ritt ich Blurry aber erst einmal in aller Ruhe ab. Im Stall begegnete ich Zoe, welche mir die Zügel aus der Hand nahm und mich schon zum nächsten Pferd schickte. Ich protestierte zwar, aber Zoe war mit dem Hengst schon entschwunden. Seufzend schaute ich auf meine Liste, als nächstes war Bucky an der Reihe. Hui, das würde ein Spaß werden!
      Diese Stute gehörte definitiv nicht zu meinen Lieblingen und ich trainierte sie nur, weil sie Jojo gehörte. Das waren die beiden einzigen Gründe, denn sonst hätte ich einen riesigen Bogen um diese Zimtzicke von Pferd gemacht. Nein wirklich! Bucky war schrecklich. Kein Wunder, dass laut Jojo auch Stürme nach ihr benannt wurden, zurecht!
      Schon beim Putzen und Satteln war es mir wieder eine Freude, die Stute wiederzusehen. Aber Bucky war an sich ein Verlasspferd, sie ärgerte zwar gerne, besonders wenn sie schlechte Laune hatte (und das war immer!), aber wenn man etwas von ihr forderte, dann erbrachte sie die Leistung zu 99% und das dann auch fehlerfrei.
      Dementsprechend freute ich mich doch schon ein wenig auf das Springtraining. Wir begannen jedoch gefühlt bei Null, weshalb wir heute mit Trabstangen und Cavalettis arbeiteten. Die Grundlage musste erst einmal sitzen, bevor ich mit Bucky einen Parcours bestritt. Die Stute musste sowohl Abstände als auch Höhen einschätzen können, aber Bucky war ehrgeizig und dementsprechend nahm sie selbst die Cavalettis schnell zu ernst.
      Da es heute so gut lief, baute ich dann doch schon ein Kreuz auf, was die Stute auch mit Leichtigkeit nahm. Ich sah uns ja jetzt schon einen A-Parcours durchspringen, wohlgemerkt ohne jegliches Training. Aber da ich zu den vorbildlichen Trainern gehörte, würde ich das natürlich nicht machen. Stattdessen reichte es für heute und Bucky durfte zurück auf die Weide.
      Klug wie ich war, hatte ich mir die fünf Pferde über den Tag verteilt, so dass ich nun in meine wohl verdiente Mittagspause ging und Jojo erst wieder ab 15 Uhr belagern würde und dann auch die letzten drei Stuten für heute nerven würde.

      Das geschah dann auch recht schnell und schon saß ich auf Medeia, dem Springass in Jojos Stall. Ich mochte die kleine weiße Stute, auch wenn ich ihre Mistflecken einfach mal so gar nicht aus dem Fell bekommen hatte. Heute würden wir uns mit den Geländesprüngen in der Halle beschäftigen. Medeia war da noch ein totaler Anfänger und musste die Hindernisse erst einmal kennenlernen und dafür nahmen wir uns heute Zeit.
      Medeia war im Springen schon sehr weit ausgebildet, dementsprechend gab es dort an Grundlagen nicht mehr viel zu machen, im Gelände lief sie an sich auch schon ohne Probleme, aber die neuen Hindernisse musste auch das Naturtalent erst einmal kennenlernen, aber das lief besser als gedacht und so ging die dritte Trainingsstunde für heute auch schon dem Ende zu.
      Als nächstes war dann Sikari an der Reihe, ausnahmsweise eine Stute, die ich noch nicht so kannte, bei welcher ich mich aber freute, sie kennenlernen zu dürfen, denn Sikari war ein Sonnenschein, wirklich wahr. Natürlich war sie auch ein bunter Lewitzer, man fand schließlich kaum etwas anderes in Jojos Stall.
      Auch Sikari sollte im Springen trainiert werden, war aber schon weiter als Bucky, weshalb ich den Parcours direkt umbaute und erhöhte. Unser Ziel war diesen Monat die L-Höhe und deshalb begannen wir mit einer leicht erhöhten A-Höhe. Sikari stellte sich auch sehr geschickt an, sprang leicht und schnell, Gott war sie mir sympathisch!
      Motiviert durchritten wir den Parcours zweimal, ehe ich direkt erhöhte und wieder lief es einwandfrei. Bei Sikari war ich mir sicher, dass sie nur die Routine benötigte, alles andere hatte sie bereits von ihrem Stammbaum geerbt. Deshalb endete das Training dann heute auch recht fix und ich machte mich auf dem Weg zum letzten Berittpferd: Parvati.
      Ausnahmsweise ging es jetzt mal wieder im Dressursattel weiter und obwohl ich Parvati schon einige Male trainiert hatte, waren wir erst auf A-Niveau. Nächster Halt war also L und das würden wir diesen Monat auch schaffen. Laut Jojo war die Stute auch mitten im Training, weshalb ich heute direkt mit den ersten Lektionen begann.
      Den Außengalopp und die Kehrtwendungen hatte Parvati laut Jojo schon gelernt, deshalb fragte ich diese heute nur fix ab und konnte einen Daumen nach oben geben. Also widmeten wir uns den versammelten Gangarten und den Galoppwechsel. Ersteres verlief mit Parvati erstaunlich gut, sie ließ sich wunderbar zurücknehmen ohne direkt durchzuparieren und auch der Galoppwechsel war als Reflex bei Parvati schon vorhanden.
      Nach ein wenig Vorbereitungsarbeit klappte der direkt auf Anhieb. Jojo konnte stolz auf ihre hübsche Stute sein! Zufrieden lobte ich Parvati und wiederholte alles noch einmal, ehe wir für heute aufhörten. Meiner Meinung nach war der Tag schon mehr als erfolgreich gewesen. Ich versorgte in aller Ruhe die Lewitzerstute und dann durfte sie auch schon in ihre Box. Kurz schaute ich bei meinen anderen Schützlingen vorbei und erstattete dann noch Jojo Bericht, ehe ich schon meine heiße Dusche und das Bett nach mir rufen hörte. "Du fängst an wie Elena!", meinte Jojo nur vorwurfsvoll, entließ mich aber grinsend.

      Die kommenden Wochen baute ich das Training logischerweise aus. Wir hatten mit dem Wetter auch allerhand Glück, so dass ich mit Medeia öfters mal raus auf die Geländestrecke konnte, nichts ging über waschechte Geländehindernisse! Und Medeia liebte es, fast ein bisschen zu sehr und ich warnte Jojo, dass die Stute es nicht übertreiben sollte, man musste echt hinterher sein und sie zurücknehmen.
      Selbst mit Bucky hatte ich Spaß und die große Stute flog mit Ehrgeiz und Leichtigkeit über die Hindernisse. Genauso wie Sikari hatte sie von Beginn an eine schöne Technik, an welcher ich kaum noch feilen musste. Ab und an ließ ich die beiden Stuten freispringen, so dass sie selber austesten und üben konnten. Als Reiterin verfeinerte ich das Ganze dann meist nur noch mit meinen Hilfen. Das war das Besondere an Springpferden: Das Talent und der Wille mussten vom Pferd ausgehen und das war bei beiden gegeben. Bei Bucky zwar mehr, aber die war ja auch eine ehrgeizige Zimtzicke.
      Aber auch die Dressurler ließ ich nicht hinten runter fallen. Im Gegenteil, mit Blurry und Parvati arbeitete ich fast am liebsten. Blurry hatte so schöne Gänge und ließ sich so toll reiten, ich war mehr als verliebt in dieses Pferd, nur war er mir einfach zu groß. Elena hätte er bestimmt gefallen, deshalb warnte ich Jojo direkt vor, dass sie aufpassen sollte, wo sie Blurrys Talent zeigte, sonst war der Hengst schneller weg als sie schauen konnte.
      Auch Parvati konnte sich am Ende unseres Trainings sehen lassen. Jojo sah sie ja schon auf einer Krönung laufen, aber dafür musste sie doch noch ein paar Punkte sammeln, ansonsten wären die ganzen Mühen umsonst, aber ich war ziemlich zuversichtlich, dass sie auch das packen würden.
      Bei den noch sehr kalten Temperaturen war das Training teilweise echt nervenaufreibend, aber sowohl Jojo als auch ihre beiden Mitarbeiterinnen standen mir mit Tat und Rat zur Seite und nahmen mir auch ab und an das ein oder andere Pferd fürs Warm- oder Abreiten ab. Das machte vor allem Zoe gerne, warum auch immer. Am Ende des Monats konnte ich zumindest fünf einwandfreie Zertifikate ausstellen und Jojo für ihre Akten reichen. Nun würde ich ein wenig Verschnaufpause haben, ehe es demnächst wieder so weiter gehen würde. Es war eben Arbeit über Arbeit.
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      Auswärtsspiel
      | 13. Februar 2016
      Bei einem unserer täglichen Snapchatsbattles (die ich natürlich gewann, da ich die neuen Funktionen hinbekam und Elena dafür einfach nicht eloquent (nein, ich weiß nicht was eloquent bedeutet, Elena) genug war) hatte die Blondine mal eben fallen lassen, dass sie diesen Morgen neuen Sand für die Reithalle bekommen würde. Und das mussten wir natürlich feiern.
      Aber nur Pferde. Nichts unter 148!! nahm sie schließlich als Caption eines Snaps des dritten Fingers ihrer rechten Hand, samt abgeblättertem Nagellack.
      Zum Glück haben wir ja einen Wintersturm und ein Verschwommenes etwas hier war daraufhin meine Antwort, im Hintergrund eine Nahaufnahme meines rechten Auges.
      Deal, diesmal ein Bild von ihren besockten Zehen.
      ***
      Weil Lesja eine totale Heulsuse war und Zoe und Adèle lieber näher am Boden blieben, musste ich Declan leider Gottes an einem nicht ganz so schönen Tag (und bei -15°C Kälte) in den Stall schleppen. Er war wohl mehr als unerfreut, aber die anderen hatten einfach bessere Ausreden.
      „Sicher, dass das nicht so eine Art Mädelsabend ist?“ fragte er schließlich zweifelnd, als wir mit Painted Blur und Bucky fertig auf der (frisch geräumten, Lesja war doch zu was gut!) Hofeinfahrt standen und zum letzten Mal nachgurteten.
      „Erstens ist es nicht mal drei Uhr nachmittags,“ zählte ich auf, aber ohne Finger. Die waren fest damit beschäftigt, die Steigbügelriemen an Buckys Sattel einzustellen und den Helm zu befestigen. „Zweitens bedeutet Mädchenabend zumindest Sekt, da wir bei Elena sind eher Vodka in Sektgläsern, aber das ist bei einem neuen Bodenbelag für die Reithalle wohl nicht so üblich.“ Mit eingefrorenen Zehen schwang ich mich schließlich in den Sattel der 1,66m großen Stute. „Und … aller guten Dinge sind drei aber mir fällt nichts mehr ein.“
      Von Declan kam daraufhin nur Grummeln, als auch er sich endlich auf den Rappen zog. „Aber sobald ich Reitunterricht von Elena kriege, bin ich weg.“
      ***
      „Ihr seid … früher als gedacht da. Declan, ich hoffe, bevor du dich auf irgendeinem Turnier blicken lässt, lässt du dir hoffentlich nochmal Reitstunden geben, oder?“
      Bei der Begrüßung war ich mir hundertpro sicher, dass Declan einen kleinen Halbkreis reiten und sich sofort wieder in Richtung Heimat aufmachen würde, doch er knirschte nur (hörbar, autsch) mit den Zähnen und musterte Elena mit einem kühlen Blick, den ich so von ihm gar nicht gewohnt war.
      Elena selbst saß zwar ausnahmsweise noch nicht auf dem Pferd, doch Coloured Belle stand entlastend neben ihr und Belles Schabracke passte farblich zu Elenas Reithose – beide waren wild geblümt und würden bei manchen Pferden (Capulet und Muraco) Aggressionen auslösen. Bucky und Blurry hingegen standen nur desinteressiert da und guckten sich ein wenig um.
      Für geschlagene drei Minuten mussten wir dann zusehen, wie Elena versuchte, sich grazil in den Sattel zu schwingen. Darauf möchte ich gar nicht so arg eingehen – nur, dass Declan sein fieses Grinsen kaum verstecken konnte und wir mehr oder minder froh waren, als sie dann fest im Sattel saß.
      Als wäre gerade nichts passiert, rückte Elena ihren Helm zurück und ließ Belle antreten.
      ***
      Ausnahmsweise war Elena selbst auf ihr Pferd konzentriert und konnte Declan somit nicht mit ihrem Reitunterricht nerven. Mir hätte das vielleicht gar nicht so gefehlt; Bucky hatte nicht wirklich gute Laune und legte sich ununterbrochen aufs Gebiss und jeder Schenkeldruck wurde mit einem Schnauben quittiert. Declan schien mit Blurry jedoch keine Probleme zu haben. Der Rappe war mal wieder ein Streber und zog mehr als einmal stolz trabend an uns vorbei.
      Ohne uns abzusprechen waren wir alle etwa gleichzeitig fertig. Als wir die Halle verließen, murmelte Elena vor sich hin. Belle hatte sich von einer ähnlichen Seite gezeigt wie Bucky, doch im Gegensatz zu meiner Holsteinerstute war der Hannoveraner wohl irgendwie traumatisiert und dafür eigentlich doch recht fit.
      Auf dem Rückweg zeigte Bucky dann noch einmal ihre Laune mit einem Satz nach vorne und einem anschließenden Buckler, also brachte ich sie, sobald der Sattel und die Trense abgenommen waren, wieder in die Halle, damit sie wenigstens ein bisschen Dampf ablassen konnte. Und was passierte da dann natürlich? Genau. Die Stute wälzte sich und kam dann ganz ruhig und gelassen wieder ans Tor. „Du machst mich fertig,“ flüsterte ich und führte sie zurück in den Stall.
      Befreit von Staub und Dreck und unter einer dicken Winterdecke durfte sie dann zurück auf die Weide.
      Und dort wälzte sie sich gleich noch einmal.
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      WHT Ausbildungsbetrieb, Springen A-L - © Gwen
      | 26. Februar 2016
      Wie immer kam ich erst zum Frühstücken, nachdem die Pferde auf den Weiden standen und der gesamte Stall gemistet war. Und wie immer würde es danach direkt zu meinen Berittpferden gehen, damit diese diesen Monat auch noch ihre Ausbildung abschließen würden. Und weil sich ja schließlich alles durch die Gewohnheit einbürgerte, gab es auch heute wieder mein Standard-Frühstück a la liebevoll zusammengematschtes Porridge, was zwei Minuten seiner kostenbaren Lebenszeit in der Mikrowelle verbracht hatte und nun fast zu heiß zum Essen war, so dass ich mich doch erst einmal für die daneben liegende Banane entschied.
      Nachdem dann auch ich meine Grundbedürfnisse gestillt hatte, zog ich mich um und machte mich auf den Weg zu Jojo. Es war Ende Februar und das weiße Kanada wechselte momentan zu der typischen matschigen Winter-Frühjahrs-Zeit. Deshalb würde der Großteil des Trainings auch hundertpro in der Halle stattfinden, wobei Jojos Reitplatz auch nicht so schlecht aussah, vielleicht konnten wir ja schon die ersten Sonnenstrahlen genießen.
      Wie immer stand Jojos gesamter Stall auf dem Trainingsplan. Nun gut, nicht der gesamte, denn Jojo hatte ausgemistet und immerhin hatten wir auch schon erfolgreich das ein oder andere Pferd durch seine Zuchtprüfung gehauen. Da waren wir auch sehr stolz drauf, aber dennoch gab es noch genügend, die diese noch zu schaffen hatten. Im Stall traf ich erst einmal auf Zoe und Adèle, von Jojo fehlte wie immer jede Spur, die traf man tatsächlich selten an, was aber an ihren ganzen Neuzuwächsen lag. Männer und Hunde waren schlichtweg wichtiger als die olle Freundin Gwen.
      Grinsend schnappte ich mir deshalb direkt das Halfter von Painted Blur. Zu meinem Leidwesen war er der letzte und somit einzige Hengst, welcher von mir trainiert wurde. Danach würde mich die geballte Frauenpower von den zwei restlichen Stuten erwarten. Dabei war das Training mit Blurry immer so angenehm. Mit Leichtigkeit waren wir nämlich bisher zur M-Dressur gelangt, dementsprechend stellte auch die S kein Problem für ihn dar.
      Heute war einer von vielen Trainingstagen, wir waren zwar noch mitten drin und doch neigte sich auch dieses Trainingsintervall allmählich dem Ende zu. In den letzten Wochen hatte ich mit Blurry die Piaffe, die Passage und die Traversalverschiebungen im Galopp erarbeitet und gefestigt. Heute begannen wir doch tatsächlich mal mit etwas neuen: den fliegenden Galoppwechseln.
      Doch erst musste der Hengst geputzt, gesattelt und aufgewärmt werden. So kam ich erst eine Dreiviertelstunde später dazu, meinen Plan auch umzusetzen. Wir begannen mit den einfachen Galoppwechseln auf beiden Händen. Zu meiner Freude war Blurry heute sehr angenehm zu reiten, eine gute Voraussetzung. Ich testete einfach mal an, ob Blurry die Hilfen verstand und siehe da, wenn auch holprig, kam ein erster fliegender Wechsel dabei heraus!
      Am Ende der heutigen Stunde sah es dann schon mehr als gut aus, denn der 1er und 2er saßen, den Rest würden wir die kommenden zwei Tage auch noch schaffen. Doch nun ging Blurry in seinen wohlverdienten Feierabend, nachdem ich noch einmal kurz die Pirouetten im versammelten Galopp abgefragt hatte. Heute war auf jeden Fall viel Galopptraining an der Reihe gewesen.
      In aller Ruhe machte ich Blurry fertig, denn heute hatte ich viel Zeit. Diesen Monat trainierte ich tatsächlich nur drei Pferde von Jojo, denn Medeia war diesmal im Auswärtstraining gewesen. Es war schon eine Erleichterung für mich, zumal Medeia sowieso keine Arbeit in der Halle mochte, da war sie ganz schrecklich, so konnte ich mich also erfolgreich vor der Dressur mit ihr drücken.
      Die stand stattdessen für Parvati auf den Plan und das schon seit Wochen. Nein, Quatsch! Natürlich war auch mein Training abwechslungsreich. Etwas komisch, aber ich arbeitete auch gerne vom Boden aus an der Longe, ging mit den Pferden spazieren oder ausreiten, immerhin brauchten sie trotz des Trainings auch ihre regelmäßigen Ruhetage und das lockere Training zwischendurch. Das würde auch Parvati heute erhalten.
      Nachdem ich die Scheckstute einigermaßen sauber bekommen hatte, sattelte ich sie und dann ging es in die Halle. Dort führte ich sie entspannt einige Runden warm, ehe ich mich in den Sattel schwang und sie noch gut eine Viertelstunde im Schritt aufwärmte. Trotz des getauten Schnees war es nämlich selbst bei uns noch eiskalt und das tat den Muskeln nicht zwingend gut. Die waren steif und brauchten länger als sonst.
      Heute wollte ich Parvati vor allem locker vorwärts und abwärts reiten, um ihren Muskeln vom gestrigen Training ein wenig Entspannung zu gönnen. Gestern hatten wir die Traversale erarbeitet und Parvati war wirklich fleißig gewesen, aber es waren eben neue Muskeln die beansprucht wurden. Um das Training nicht zu langweilig zu gestalten, fragte ich zum einen das Halten aus Trab und Galopp ab sowie das Schulterherein. Letztendlich kontrollierte ich auch noch einmal beim Überstreichen im Mittelgalopp, ob Parvatis Selbsthaltung saß und ich war wirklich zufrieden. Viel fehlte der Stute auch nicht mehr, die Travers und die fliegenden Wechsel standen noch an und schon würde auch Parvati fertig sein.
      Da sich der Monat dem Ende zu neigte, war das aber auch dringend von Nöten. Deshalb eilte ich jetzt auch unter ekligen Regen von der Halle zum Stall, um dort Parvati trocken zu rubbeln und dann noch Bucky zu trainieren. Die hob ich mir ja immer bis zum Schluss auf, denn gerne ritt ich sie wirklich nicht. Ich verstand nicht, warum sich Jojo dieses Teufelspferd in den Stall geholt hatte.
      Apropos, wenn man schon einmal von ihr sprach, kam sie auch direkt unschuldig um die Ecke und half mir fröhlich beim Putzen der braunen Teufelsstute. Diesen Monat stand bei ihr das Springen von A-Niveau auf L-Niveau an. Schon letzten Monat hatten wir da unseren Spaß gehabt und die letzten Wochen hatten nicht viel anders ausgesehen.
      Das Training war geschmückt mit Bucklern, Anhaltern und sinnlosem Gezicke (nicht zwingend alles von Buckys Seite – hust). Aber was tat man nicht alles für die gute Freundin, da trainierte man eben auch das Höllengefährt. Auch die heutige Stunde hatte es wieder in sich, aber immerhin schafften wir es erstmals komplett und fehlerfrei durch einen L-Parcours, auch wenn ich zu Zeit und Technik lieber nichts sagte. Das war wohl das, was uns die kommenden Tage noch beschäftigen würde.

      Wie immer wurde ich natürlich pünktlich zu Monatsende mit allen fertig, bei nur drei Berittpferden war das aber ausnahmsweise auch keine Kunst. Bucky lief nun L-Springen (die Frage war nur, ob man sie dabei auch reiten konnte) und Parvati konnte sich schon bald in ihrer ersten M-Dressur zeigen. Blurry mit seinem S-Können in der Dressur setzte dem Ganzen noch das Sahnehäufchen auf und so konnte ich auch diesen Monat guten Gewissens zu Ende gehen lassen.
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      Übermut tut selten gut
      | 27. Februar 2016
      Ich hatte mich an die etwas ruhigeren Tage schon gewohnt. Wie es sich herausstellte, passierte im Winter im Kanada nämlich null komma nichts. Also wirklich gar nichts. Überhaupt nichts. Die Wege sind teilweise zu vereist, um schöne, lange Ausritte zu unternehmen und von den Temperaturen her zieht es einen auch nicht so ganz in die Welt hinaus. Wie ich von den anderen erfahren hatte, gab es auch hier Flauten – also eigentlich nur bei Elena, Gwen war auf Hundesuche. Oder war gewesen, so ganz war ich da nicht auf dem neusten Stand.

      Long story short: es war kalt, es wurde schnell dunkel und keiner hatte Bock, viel zu machen. Die Grundarbeit wurde gemacht, natürlich, aber wirklich jeder auf dem Pine Grove Stud sehnte den Frühling herbei. Ende Februar war er dann zwar noch nicht angekommen, aber die ersten Frühlingsboten zeigten sich auch bei -3°C Kälte und so hatte man dann doch etwas mehr Lust auf Arbeit.

      Oder wohl eher: ich hatte etwas mehr Lust auf Arbeit. Und ich hätte das beim Frühstück nicht so laut sagen sollen, denn prompt schob jeder, der konnte, seine täglichen Pflichten auf mich ab. So war meine erste Handlung des Tages (nach dem Frühstück, aber das gilt nicht. Immerhin wird man erst während des Frühstücks richtig wach), zusammen mit Zoe die Boxen auszumisten. Als Australierin sah man sie sogar bei doch relativ milden Minusgraden plus Sonne, die versuchte, den Schnee (der immer noch fast jede Nacht fiel) ein wenig wegzuschmelzen, nie ohne mindestens zwei Pullis, einem Hoodie und drei paar Strümpfen außerhalb des Hauses. Aber, trotz klirrender Kälte und klappernden Zähnen, hatten wir beide Ställe im Nu gemistet und während Zoe sich im Haus aufwärmen durfte, hatte ich schon mein nächste Date.

      Mein Date hatte aber vier Beine, eine Scheckung und kam schon an den Zaun getrabt, als ich noch mit gefrorenen Fingern den Strick vom Gatter löste. Seelenruhig wartete Paramour, bis ich den lockeren Knoten endlich aufbekommen hatte und das Tor öffnete.

      Wie das Kinderpony, dass er bestimmt geworden wäre, hätte er nicht schon von Anfang an in die Zucht gesollt, folgte mir der Hengst in die Stallgasse. Aufgrund der Farbe meiner Finger (rot. Knallrot.) hatte ich die Hände in die Ärmel meines Pullis versteckt und, damit er nicht so rumbaumelte, den Strick über Paramours Hals gelegt. Und so liefen wir von seiner Koppel mit Blurry in den Stall.

      Bevor ich mit dem Putzen begann, musste ich mir aber Handschuhe holen. 3 Grad minus waren zwar milder als die letzten Wochen, doch trotzdem einfach noch unter Null.
      Das Fell gestriegelt, die Mähne und der Schweif gebürstet (Flechten mit Handschuhen war, pardon, beschissen), die Hufe ausgekratzt und den Dressursattel Marke Eli auf dem Rücken machten wir uns dann eine gute halbe Stunde später auf in die Reithalle. Der Platz war mittlerweile dauergefroren, genauso wie der Roundpen, weswegen uns nur ein Stündchen in der Halle zur Verfügung stand. Also schwang ich mich so schnell wie möglich in den Sattel und los konnte es gehen.
      Das Training in den letzten Wochen hatte sich fast ausschließlich auf unsere Generation II konzentriert – Parvati und Tautou. Deswegen war ich fast überrascht, dass der Hengst trotzdem ohne Murren an den Hilfen stand und mir wieder einmal zeigte, dass Dressur eigentlich auch ganz gut war. Mittlerweile hatten wir zwar mehr Dressur- als Spring- oder gar Vielseitigkeitspferde im Stall stehen, doch für das Dressurtraining war fast ausschließlich Declan, mithilfe von Adèle, zuständig. Dementsprechend hatte ich es selbst schleifen lassen und es zur Aufgabe gemacht, Lesja die Freuden der Reiterei beizubringen.

      Nach einer Stunde ging es dann an die Rück“reise“ in den Stall und, nachdem er wieder trocken war und in einer Winterdecke eingemummelt, für Paramour wieder auf die Koppel. Mit einem herzzerreißenden Wiehern wurde er von Blurry begrüßt, als hätte der Holsteiner ihn schon ewig nicht mehr gesehen hatte anstelle von eineinhalb Stunden.
      Eine kleine Mittagspause gönnte ich mir, dann war das zweite Pferd des Tages dran. Vaffanculo hatte heute eigentlich ein bisschen mit Declan trainieren sollen, aber dank meiner großen Klappe saß ich etwa eine dreiviertel Stunde nach meinem Mittagssandwich schon im Sattel des Dunkelfuchses und versuchte, ihn wenigstens ein wenig zu zügeln. Val hatte mit am schlimmsten auf die Kälte reagiert – die ersten Tage war er nur am Bocken, jetzt äußerte sich das nur durch eine gewisse Spritzigkeit. Trotzdem alles andere als spaßig, denn ich wäre gerne sicher, dass ich nicht gleich über die Bande purzeln würde. Mit vielen Volten versuchte ich, den Hengst ein wenig runterzubekommen und auch mit vielen Übergängen wollte ich ein bisschen mehr Konzentration fordern. Es dauerte, doch mit jeder Minute wurde Val ein wenig ruhiger, konzentrierter, entspannter, sodass er am Schluss auch mal den Kopf runter und den Rücken hoch bekam. Durchaus zufrieden beendete ich das Training (wirklich Dressur war das nicht, aber für ein bisschen Lösungsarbeit war ich definitiv zu verschwitzt) und brachte auch die Rennwaffel zurück auf die Koppel.

      Die nächsten Stunden waren vollgestopft mit „Juli, könntest du mal -?“ und „ich brauch dich hier mal kurz“ und ich hatte wohl noch nie so sehr etwas bereut wie meine Aussage morgen früh. Um halb fünf, als die mittlerweile hinter den Wolken verschwundene Sonne sich langsam in den Wald hinter dem Hengsttrakt versteckte, wäre ich am liebsten ins Bett gefallen und erst morgen Mittag wieder aufgewacht. Stattdessen standen noch zwei Pferde auf meiner Liste und naja, meine Stunden waren begrenzt.
      Während ich gerade überlegte, ob ich Medeia und Long Island Icetea wohl problemlos zusammen in die Halle schmeißen und sie dort ein wenig laufen lassen konnte, setzte sich Lesja neben mich in Reitattire.

      „Ich bin bereit,“ sagte er nur und grinste mich dann breit an.

      Auf die Frage, ob er denn mit einem schreckhaften oder sturen Pferd besser klar kommen würde, riss er die Augen weit auf. Und etwa eine Stunde später trabte er ohne vorherige Angstzustände wie bei unserer letzten Runde um den Hof weit vor mir auf der grauen Connemarastute. Icetea hatte schwer zu tun, um Medi hinterher zu kommen, doch letzten Endes war es die Nase der braunen Stute, die den Hof schneller wieder erreichte. Das lag aber eher daran, dass Medeia auf der Zielgeraden ihren Ponydickkopf zeigte und einfach stehen geblieben war. Wie der gute Gewinner, der ich war, wartete ich auf die Nachzügler und begann erst dann, Lesja die Zunge rauszustrecken.

      Für die Abendfütterung waren dann Zoe und Declan dran, während Adèle, Lesja und ich es uns auf dem Sofa mit einer warmen Suppe und den Hunden bequem machen konnten.
    • Rhapsody
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      Frühlingsgefühle
      | 29. März 2016
      „Lesja, wir brauchen keinen dritten Hund.“

      „Aber guck, der hat so einen süßen Punkt auf der Nase!“

      „Ein Windhund auf einem Gestüt ist doch ziemlich fehl am Platz, meinst du nicht auch?“

      „Wir müssen einfach nur das Grundstück einzäunen und … ihm beibringen die Pferde nicht anzugehen?“

      „Nein.“

      „Aber jetzt guck doch mal –“ sprachs und schob mir das Tablet über die Frühstückstheke. Auf dem Bildschirm tollte eine Horde vor allem weißer Welpen (die trotzdem wohl fast eineinhalb mal so groß waren wie Ella oder Khaleesi) mit komischen Schnauzen über ein Areal, dass wohl so groß war wie eine unserer Stutenweiden. Selbst für tapsige Welpen sahen die Tiere doch schon mehr als anmutig aus, wenn auch etwas seltsam und … pferdeähnlich.

      „Die wurden gezüchtet für den russischen Hochadel,“ begann Lesja wieder und ich wusste, dass es in einem halbstündigen Wikipedia-Seiten-Vortrag enden würde, deswegen schloss ich das Video mit einem Seufzen und sperrte das Tablet. „Wir sind weder in Russland noch sind wir Hochadel.“

      „Aber wir würden so aussehen.“

      „Sag mal, hast du eigentlich nichts anderes zu tun?“ fragte ich. Abrupte Themenwechsel waren meine Spezialität. Und ich konnte Lesja damit immer ein schlechtes Gewissen einreden; zum einen, weil er mich von der Arbeit abhielt und zum anderen, weil er selbst nichts machte außer Hundevideos anzuschauen.
      Grummelnd rutschte er vom Barhocker und machte sich, Khaleesi an seinen Füßen hängend, auf den Weg nach draußen.

      ***

      Mittlerweile war Lesja nämlich soweit, dass ich ihn guten Gewissens auf Painted Blur ließ. Es hätte eigentlich von Anfang an sein sollen, aber Blurry war mein Baby und Bucky war absolut ungeeignet für einen Anfänger. Nach langem Überlegen arbeiteten jetzt sowohl Lesja als auch Declan mit dem Hengst, damit ersterer sicher wurde und letzterer Turniere mit ihm starten konnte. Durch die Doppelbelastung war auch der Winterspeck schneller geschmolzen und das Winterfell war schneller verschwunden.

      Apropos Winterfell – ich würde gerne sagen, dass der Frühling langsam einkehrte, aber im Vergleich zu anderen, etwas südlicher gelegeneren Ländern, war es doch noch ziemlich frisch mit knapp 7°C. Das einzige, woran man erkannte, dass es (Zitat Mama) „nauswärts“ ging, war das Verhalten der Pferde. Erst gestern waren Chepa und Parvati wie zwei Osterhasen über die Koppel gehüpft, und Tautou war davon fast kirre geworden. Das Ergebnis waren zwei Osterhasen und ein aufgebrachtes Pony, das mit aufgestelltem Schweif und langen Schritten am Zaun auf und ab trabte. Die restliche Herde ließ sich davon nicht beirren, aber ich hatte eigentlich darauf gewartet, dass Tatze ein Loch im Zaun suchen würde und wir dann auf Pferdesuche in der Dämmerung gehen hätten müssen. Stattdessen war das Spektakel nach etwa einer halben Stunde vorbei – zum Glück.

      Zoe, die mit Tautou in letzter Zeit vermehrt auf Turnieren gestartet war, hatte das Verhalten auch im Training gemerkt. Mittlerweile war jeden Tag der Longierzirkel vor, weil jemand sein Pferd vor dem Reiten lieber ein paar Runden rennen ließ, ehe man sich darauf wagte. Selbst Medeia, deren Sturkopf in den letzten Monaten gar nicht so durchgekommen war, war wieder ihr altes Selbst, weswegen Zoe vor wenigen Tagen einen ungraziösen Abgang vor einem Naturhindernis auf der Geländestrecke gemacht hatte. Glücklicherweise war nichts passiert bis auf ein paar Schürfwunden und hartnäckigen Matschflecken, und auch Medi war seelenruhig stehen geblieben und hatte nach Gras gesucht – aber es war doch ein bisschen unerwartet gekommen.

      Bei den Hengsten war es schwer zu sagen, ob sich das Wetter auf ihre Gemütslage auswirkte. Paramour und Quixoticelixer waren die gewohnten Ruhepole, vielleicht bei der Arbeit einen Ticken unkonzentrierter aber längst nicht so auffällig wie Vaffanculo, Muraco und Capulet. Vor allem bei Cap hatten wir gehofft, dass er vielleicht ein bisschen ruhiger werden würde, doch letztes Wochenende hatte er es sogar geschafft, Joline mehrmals während einer Trainingseinheit in den Sand zu setzen. Nach dem dritten Mal verließ diese dann die Lust und stattdessen ließ sie ihn noch ein wenig beim Freilaufen ausspinnen. Mit Val hatte ich mehr als alle Hände voll zu tun; trotz dass er zusammen mit Quixo auf der Koppel stand kam er mir als besonders unausgelastet vor. Also musste ich zusammen mit Zoe und Declan einen Trainingsplan erstellen, bei dem der Dunkelfuchs keine Chance hatte, sich zu langweilen. Täglich ging es jetzt entweder ins Gelände – meist mit Lesja oder Adèle – oder in die Halle, selten auch auf den Platz. Dressur, Springen, Bodenarbeit, Zirkustricks, alles Mögliche wurde mit ihm unternommen.

      Zu den hormongebeutelten „großen“ Pferden kamen dann noch die Youngsters dazu, wobei ich das Gefühl hatte, dass die gar nicht so schrecklich waren. Von Gwen kam noch keine Beschwerde über Paccos Verhalten in meiner Abwesenheit, und auch Cíola und Long Island Icetea hatten sich noch keine Macken von den Lewitzern in der Herde abgeguckt. Eistee befand sich im Aufbautraining mit Declan. Zwar sollte sie später auch gut und gern Turniere gehen, aber die Grundausbildung war in erster Linie wichtiger. Eine gute Dehnungshaltung, keine Flausen im Kopf – sie war durchaus vielversprechend. Auch mit Cíola ging es langsam los. Einfache Kommandos hatten wir ihr schon beigebracht, jetzt ging es darum, die Kommandos auch umzusetzen. Mit Adèle zusammen hatte die junge Stute schon die ein oder andere Longiereinheit hinter sich und zeigte, dass sie ein schneller Lerner war.

      Und dann wäre da noch Bucky. Von ihr hatte ich eigentlich erwartet, dass sie noch viel mehr … mehr sein würde. Schon vor dem Frühling war öfters mal der ein oder andere Buckler dabei, der manchmal aber auch auf meine Kappe ging. Trotzdem hatte ich gedacht, dass der Frühling sie noch bockiger machen würde, doch irgendwie schien das genaue Gegenteil eingetreten zu sein. Die Ohren waren die meiste Zeit nach wie vor nach hinten gestellt, aber anstatt gleich dicht zu machen, als ich ihr die Beine bandagierte und in die Halle führte – man könnte ja von ihr erwarten, dass man ein bisschen Dressur macht! – kaute sie gleich von Anfang an schön ab und streckte sich nach vorne unten. Declan, der Parvati gerade auf dem dritten Hufschlag abritt, pfiff anerkennend durch die Zähne.

      „Wenn ich sie nicht kennen würde...“ scherzte er.

      „Als ob,“ murmelte ich und verdrehte die Augen. Kurz darauf verließ Declan aber die Halle und ich konnte das Training ungestört fortsetzen. So war mir das eh lieber.

      ***

      Die Abendfütterung fiel auf Adèle und Declan, also saßen wir zu dritt an der Frühstückstheke. Lesja, der anscheinend kein anderes Thema mehr hatte außer Hund und Hochadel (Zaren, Jojo. Nicht nur Hochadel, sondern Zaren!), war drauf und dran, auch Zoe für ein pferdeähnliches Hundegetier zu begeistern. Während ich trotzig in meinen Rigatoni stocherte, sahen die anderen beiden sich Videos über Videos an. Auf mein „Eure Nudeln werden kalt, die muss ich leider essen,“ reagierten sie gar nicht, also schob ich meinen leeren Teller von mir und nahm mir Zoes vor. Solang die beiden auch noch in den Tiefen Youtubes verschwunden waren, nutzte ich die Zeit und das heiße Wasser, ehe ich in aller Ruhe meinen Schrank neu sortierte.

      Laut, vor allem durch Ellas Bellen und Winseln, kamen dann auch Adèle und Declan zum Abendessen. Ich hatte gerade mit den Oberteilen angefangen (und davor hatte ich meinen Schrank angestarrt), aber das konnte ja bis morgen warten.

      Doch als ich in die Küche kam, schien es, als würde Lesja seine Mission weiterführen. Zoe stand am Kühlschrank mit einem breiten Grinsen und verschränkten Armen und sowohl Adèle als auch Declan waren mit staunenden Gesichtern über den Bildschirm gebeugt. Sogar Declan sah begeistert aus.

      „Leute,“ jammerte ich, „wir können uns doch keinen Windhund holen.“

      Als Antwort bekam ich ein lautes „PSCH!“ im Chor und Lesja, der mich triumphierend angrinste.

      Wenigstens ließ sich nicht leugnen, dass wir ein gutes Gemeinschaftsgefühl entwickelt hatten.
    • Rhapsody
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      Hollybrook Stud Training Stables, Military E-A - © Sammy
      | 31. März 2016
      Gähnend stieg ich aus dem Flugzeug, das mich gerade eben in Kanada abgesetzt hatte. Nun musste ich mir nur noch meinen Mietwagen besorgen, bevor ich mich auch schon auf den Weg nach Pine Grove Stud - dem Gestüt von Rhapsody- machen würde. Die liebe Rhapsody hatte nämlich letzten Monat zwei meiner Pferde betreut und dafür würde ich nun eine ihrer Stuten trainieren. Bisher wusste ich lediglich, dass das gute Tier Bucky gerufen wurde und sie im Military von E nach A kommen sollte. Den Rest bekam ich dann sicherlich vor Ort zu hören. Aber zuerst einmal brauchte ich eine Mütze Schlaf. Dringend.

      ~*~

      "Es ist echt toll wieder hier zu sein!", sagte ich lachend, als Rhapsody mich einige Stunden später über ihr Gestüt führte. Auf ihrem Hof war ich zwar genau genommen noch nie gewesen, doch erst im letzten Jahr hatte auf dem benachbarten Hof Jolympia stattgefunden, bei dem ich recht erfolgreich mitgemischt hatte. Momentan war sogar mein Trakehnerhengst Levistino auf besagtem Nachbarshof im Training - wenn alles glatt lief, konnte ich ihn bei meiner Abreise wieder mitnehmen. Momentan waren wir gerade auf dem Weg zum Stall, damit ich mein Trainingspferdchen kennen lernen konnte. "So, erzähl mir doch mal ein bisschen was über Bucky! Immerhin soll das Training ja morgen schon starten, oder?.", fragte ich fröhlich. Rhapsody zog kurz überlegend die Stirn kraus und meinte dann: "Naja, Bucky ist eine neunjährige Holsteinerstute mit guter Abstammung. Ihr Zuchtname ist eigentlich Waldsteins Beluga, aber Bucky passt defintiv viel besser. Eigentlich ist sie ganz lieb und ein absoluter Springcrack - dort geht sie übrigens schon auf L-Niveau. Manchmal ist sie aber , hm wie beschreib ich das am besten? Leicht zickig und hat schlimmere Stimmungsschwankungen als eine hoch Schwangere? Ja das trifft es wohl ganz gut. Und ansonsten überzeugst du dich wohl am besten selber von Bucky`s Qualitäten!", gab Rhapsody grinsend Antwort. Wir betraten den Stall und blieben vor der Box einer recht großen braunen Stute stehen. "Darf ich vorstellen? Bucky!", rief Rhapsody theatralisch und öffnete die Boxentür. Sofort streckte Bucky ihren hübschen Kopf durch die Tür und schnoberte an Rhapsody`s Jacke. Die lächelte ihr Pferd nur an und steckte ihm ein Stückchen Apfel zu. Als nächstes durfte ich Bucky ebenfalls etwas zustecken, dann zeigte mir Rhapsody die Ausrüstung der Stute. "Ich hab noch zu tun, aber du könntest dich ja schonmal ein bisschen mit Bucky beschäftigen, wenn du möchtest? Dann würde ich euch beide nämlich jetzt erst einmal alleine lassen." Ich nickte zustimmend und schnappte mir gleich den Putzkoffer von Bucky. Die Holsteinerstute ließ sich ganz brav aufhalftern und auf der Stallgasse anbinden. Ich putzte Bucky in aller Seelenruhe, kratzte ihre Hufe aus und verlas den dichten, schwarzen Schweif. Die Stute ließ die Prozedur ganz entspannt über sich ergehen, sodass ich ihr noch eine Massage gönnte. Einen kurzen Moment hatte ich tatsächlich gezweifelt, ob ich nicht versehentlich das falsche Pferd aus der Box geholt hatte - von irgendwelchen Zickereien keine Spur. Als ich Bucky zurück in ihre Box brachte, bekam das Stütchen ein letztes Stück Karotte von mir, dann tigerte ich ins Gästezimmer, um noch etwas Schlaf nachzuholen. Morgen stand als erstes das Dressurtraining auf unserem Plan und ich war schon sehr gespannt, wie die Stute sich unterm Sattel verhalten würde.

      ~*~

      "Guten Morgen!", begrüßte ich am nächsten Tag fröhlich Rhapsody, die mir gerade aus ihrem Büro entgegenkam. "Ich würde mir jetzt Bucky schnappen und loslegen, wenn du nichts dagegen hast?", fragte ich gleich, da es mich in den Fingern juckte endlich loszulegen. Rhapsody nickte, erkundigte sich noch kurz, ob ich die Reithalle finden würde und machte sich dann wieder an die Arbeit. Da ich heute morgen bereits einen ausgiebigen Spaziergang über das Gestüt gemacht hatte, wusste ich nun, wo ich alles finden konnte. Nur fürs Geländereiten würden wir den Hof wechseln, aber nun stand sowieso erstmal die Dressur an.
      Bei Bucky angekommen, begrüßte ich das braune Stütchen wieder mit einem Stück Karotte, bevor es auch schon ans hübsch machen ging. Wieder ließ ich mir viel Zeit - bei einem Trainingspferd hatte ich wahrlich nicht viel zu tun. Eigentlich fast schon wie Urlaub, wenn ich meine Arbeit hier mit der auf meinem eigenen Gestüt verglich. Wieder ließ Bucky sich vorbildlich fertig machen und so waren wir eine knappe dreiviertel Stunde später auch schon an der Halle. Ich stellte Bucky auf der Mittellinie auf, gurtete nach, stellte die Steigbügel ein und schwang mich dann in den Sattel. Die Stute blieb brav stehen, bis ich mich zurechtgesetzt und ihr das Kommando zum Antreten gegeben hatte. Bucky schritt mit langen Tritten um die Bahn und ich ritt Zirkel, Volten und einfache Schlangenlinien. Bucky reagierte sehr feinfühlig auf sämtliche Hilfen und setzte die Kommandos auch prompt um. Das war schonmal eine sehr gute Voraussetzung. Mit einem leichten Schenkeldruck trabte ich sie an und war gleichdarauf wieder einmal froh, so viele rießige Pferde in meinem Stall stehen zu haben. Bucky legte einen extrem schwungvollen Trab an den Tag und ich brauchte ein paar Sekunden, um mich in den Rhythmus einzufinden. Ich spielte ein wenig mit den Zügeln und zu meiner großen Freude gab Bucky im Rücken nach und senkte den Kopf. "Fein mein Mädchen, toll machst du das!", lobte ich die braune Stute. Wir wechselten durch die ganze Bahn, damit die Stute auch richtig aufgewärmt war, wenn wir mit dem eigentlichen Trainingsprogramm loslegten. Für uns standen heute das Rückwärtsrichten, der Schritt-Galopp-Übergang, die Vorhandwendung und Viereck verkleinern und vergrößern auf dem Programm. So gesehen unterschied sich die Dressur überhaupt nicht von der Einzeldisziplin, doch das würde sich mit den höheren Klassen später ändern. Bei Vielseitigkeitspferden lag der Schwerpunkt in der Dressur einfach mehr bei Durchlässigkeit und Gehorsam, als dass auf spektakuläre Gänge und höchste Versammlung Wert gelegt wurde.
      Ich beschloss mit den Übergängen zu beginnen und fragte erst einmal die Übergänge der Klasse E ab - also Schritt-Trab und Trab-Halten. Beides klappte in beide Richtungen hervorragend, sodass ich Buck kurz darauf wieder im Schritt um die Bahn ritt. In die zweite Ecke der langen Seite gab ich der Stute dann die Galopphilfen. Im ersten Moment wurde Bucky einfach nur ein wenig flotter, doch auf mein aufforderndes Schnalzen und etwas verstärkten Schenkeldruck hin sprang sie dann doch im Galopp an. Ich kraulte ihr postwendend den Hals, ließ sie eine halbe Runde galoppieren und parierte anschließend wieder durch. Dann versuchten wir das Ganze ein weiteres Mal. Als der Übergang saß, war die andere Richtung an der Reihe. Also ließ ich Bucky einfach weitergaloppieren und gab ihr Mitte der langen Seite die Hilfen zum durchparieren. Bucky fiel in den Trab und wehrte sich gegen meine Hilfen, sodass wir fast zwei Pferdelängen brauchten, bis die Stute im Schritt ging.
      "Also so geht das nicht, meine Hübsche. Da lachen sich die Richter ja scheckig, wenn du sowas in der Prüfung machst.", sagte ich in ruhigem Ton, bevor ich ein weiteres Mal angaloppierte. Immerhin klappte das mittlerweile sicher. Diesmal bereitete ich den Gangartwechsel noch ausführlicher vor - vielleicht war ich einfach ein wenig vorschnell gewesen, weil der Übergang vom Schritt in den Galopp so schnell funktioniert hatte. Ich galoppierte Bucky um die Bahn, setzte mich kurz vor der Mitte der langen Seite tief in den Sattel und gab der Stute mehrere halbe Paraden. Der Übergang fiel ein wenig holprig aus, doch immerhin ging Bucky Schritt. Ich lobte sie ausgiebig, bevor ich das Ganze ein weiteres Mal versuchte. "Fein, du süße Maus! Jetzt machen wir erstmal mit was anderem weiter. Die Übergänge können wir zum Schluss nochmal wiederholen!", sagte ich zu dem Stütchen. Auf unserem Programm stand als nächstes Viereck verkleinern und vergrößern. Bucky war gerade sehr aufmerksam, weslhab ich beschloss mit dieser Lektion fortzufahren. Allerdings prüfte ich zunächst das Schenkelweichen ab, das wir ja für die Übung brauchten. Anfangs musste ich Bucky recht deutlich seitwärts treiben, doch nachdem die braune Stute eingesehen hatte, dass sie nicht um die Lektion herumkam, arbeitete sie deutlich williger mit. Ich ritt mit meinem Trainingspferd in die zweite Ecke der kurzen Seite, stellte sie dort schon leicht nach außen und drückte trieb dann mit dem äußeren Schenkel vorwärts-seitwärts, während mein inneres Bein verwahrend hinter dem Gurt lag. So arbeiteten wir uns vorwärts, bis ich Bucky eine Pferdelänge vor E geradeaus richtete, zwei Längen so ritt und das Stütchen anschließend zurück zum Hufschlag weichen ließ. Das hatte schon recht vorbildlich funktioniert, also wiederholten wir die Lektion sofort auf der anderen Hand und schließlich sogar im Trab. Bucky schien zu spüren, dass ich stolz auf sie war, denn mit jeder Wiederholung war die Stute mit mehr Eifer bei der Sache, bis ich schließlich zur nächsten Lektion überging. Um Bucky ein wenig Abwechslung von den Seitengängen zu gönnen, machten wir erstmal mit dem Rückwärtsrichten weiter. Rhapsody hatte mir erzählt, dass Bucky das bereits von der Bodenarbeit her kannte, also musste ich die Übung nun lediglich aufs Reiten übertragen. Dennoch ließ ich mich zuerst aus dem Sattel gleiten, stellte mich vor die Stute, hob den Finger und sagte: "Back!". Bucky hob den Kopf und schaute mich von oben herab an. Ich seufzte, wackelte mit den Zügeln und wiederholte mein Kommando. Unwillig schüttelte die Stute ihren hübschen Kopf, trat aber einen Schritt zurück. Sofort stellte ich das Gewackel ein und lobte sie. Diese kleine Zwischensequenz übten wir an allen möglichen Stellen der Bahn, bis ich mich schließlich wieder in den Sattel schwang. Nun ritt ich Bucky erst ein wenig im lockeren Trab durch die Halle, bevor ich sie bei A zum Halten durchparierte. Anfangs würde uns die Begrenzung durch die Bande eine große Hilfe sein, da es der Stute so leichter fallen würde, gerade nach hinten zu gehen. Ich hob mich leicht aus dem Sattel, ließ die Zügel anstehen und sagte wieder: "Back". Bucky spielte zögernd mit den Ohren, verlagerte jedoch zumindest ihr Gewicht nach hinten. Sofort nahm ich allen Druck weg und lobte sie. Es dauerte nicht lange und Bucky ging die geforderte Pferdelänge einigermaßen flüssig zurück. Um den Feinschliff würden wir uns in den nächsten Tagen noch kümmern.
      "So Buckylein, noch eine Lektion, dann war es das für heute!", sagte ich fröhlich zu dem Stütchen. Ich ritt mit Bucky auf den zweiten Hufschlag und parierte die Stute dort zum Halten durch. Nun war die Vorhandwendung an der Reihe. Dazu stellte ich Bucky leicht nach außen, trieb mit dem äußeren Schenkel seitwärts und legte den Inneren hinter den Gurt. Dann ließ ich Bucky Tritt für Tritt wenden und gab ihr zum Schluss der Lektion eine ganze Parade, damit sie nicht nach vorn lief. Auch diese Lektion wiederholten wir zweimal auf beiden Händen, dann ritt ich die Stute am langen Zügel trocken. Für heute war es genug und Bucky hatte ihre Sache ganz hervorragend gemacht! Wenn das die ganze Zeit so gut lief, hatte ich ein entspanntes Training vor mir.

      ~*~
      Einige Tage später führte ich die fertig aufgezäumte Bucky zum Reitplatz, auf dem ich uns bereits einen netten A-Parcours aufgebaut hatte. Während der letzten Tage hatte ich mit Bucky die Dressurlektionen verfeinert und hatte schon mal ein wenig Stangenarbeit mit der Stute gemacht. Dressurmäßig war sie bereit für den Aufstieg in Klasse A, jetzt fehlten noch das Parcoursspringen und die Geländestrecke. Ersteres sollte für die Stute eigentlich überhaupt kein Problem darstellen, da sie im Springen ja schon auf L-Niveau ausgebildet war. Trotzdem würden wir es langsam angehen lassen. Bucky hatte alle auf dem Hof mit ihrer guten Laune verwundert, doch ich hatte das Gefühl, dass ich sie heute einmal von ihrer anderen Seite erleben würde. Die braune Stute war mürrisch, tänzelte zur Seite weg, als ich mit dem Sattel kam und giftete beim Nachgurten. Auch jetzt machte sie bei jedem Geräusch einen Hüpfer. Na das konnte ja heiter werden.
      Auf dem Platz angekommen, stellte ich Bucky wie gewohnt auf der Mittellinie auf, zog den Gurt nach und schwang mich in den Sattel. Dabei hätte ich fast einen Abgang hingelegt, da die Stute sich in dem Moment, indem ich über dem Sattel war, zur Seite wegdrehte und lostrabte. Nur mit einem beherzten Griff in Bucky`s dichte Mähne und unter viel Gefluche schaffte ich es, mich richtig in den Sattel zu setzen. "So nicht mein Fräulein.", sagte ich bestimmt und ritt Bucky zu unserem Ausgangspunkt zurück. Jedes Mal, wenn die Stute nun einen Schritt nach vorn, zur Seite oder rückwärts machte, ritt ich sie im Kreis , bis wir wieder so standen wie am Anfang. Bucky war dickköpfig, doch nach guten zwanzig Minuten hatte die Stute die Nase voll von dem Spielchen und blieb stehen, bis ich ihr das Kommando zum antreten gab. "Na also, da siehst du mal, wer den größeren Dickschädel hat!", sagte ich lächelnd zu der Stute. Noch wollte ich unser Training nicht als anstrengend abschreiben, noch konnte es toll werden. Doch Bucky belehrte mich während der nächsten Viertelstunde eines besseren. Sie drückte den Rücken durch, hob den Kopf wie eine Giraffe und scheute bei jedem Windstoß. Obwohl es nicht gerade warm war, war ich bereits nach dieser kurzen Zeit völlig durchgeschwitzt und hatte eine knallrote Birne. Ich gab trotzdem nicht auf und gab Parade um Parade, ritt Zirkel, Volten, Schlangenlinien und Übergänge, bis ich endlich merkte, wie die Stute nachgab. Sie nahm den Kopf nach unten und wurde weicher im Rücken. "Fein, so ist es doch viel besser!", lobte ich sie sofort. Auch die am Boden liegenden Trabstangen stellten keine Herausforderungen für die nun ruhige Stute dar, so dass ich mich kurz darauf doch noch an unser eigentliches Trainingsprogramm wagte. Ich versammelte Bucky im Trab noch ein wenig mehr, dann gab ich ihr die Galopphilfen. Die Stute sprang zunächst auch brav wie ein Lämmchen in den Galopp, doch dann riss sie plötzlich den Kopf hoch und schoss über den Platz auf das nächste Hindernis zu. Die Hindernisse waren nicht hoch und auch nicht allzu schwierig, trotzdem wollte ich auf keinen Fall, dass Bucky in diesem halsbrecherischen Tempo darübersprang. Allerdings reagierte die Stute auch nicht auf meine Hilfen. Ich nahm den linken Zügel fester in die Hand und ruckte ein paar Mal kräftig daran, sodass Bucky vor dem Hindernis abdrehte und einen weiten Kreis lief. Nun war die Stute auch ein wenig zugänglicher für meine Hilfen und kurze Zeit später hatte ich sie zum Schritt durchpariert. "Tut mir Leid meine Süße, ich mache das wirklich nicht gerne, aber bessser so, als dass wir beide im Sand landen.", sagte ich zu der Holsteinerstute.
      "Alles in Ordnung bei euch?", schallte da Rhapsody`s Stimme über den Platz. Mit einem kurzen Blick auf ihr Pferd versicherte sie sich, dass Bucky okay war, dann warf sie die Hände in die Luft und meinte: "Verdammt Bucky, du balmierst mich wirklich! Was soll denn dieses blöde Getue auf einmal? Ich dachte wirklich du könntest dich endlich mal benehmen!" "Ach das wird schon, bestimmt hat sie sich jetzt abreagiert. Sie war wohl die letzten Tage einfach zu brav, da hat sich halt viel angestaut.", sagte ich beruhigend. Ich war mittlerweile auch nicht mehr so außer Atem, sodass ich das Training guten Gewissens fortsetzen konnte. Leider war Bucky noch längst nicht ausgepowert. Die Stute versuchte andauernd sich durchzusetzen, doch immerhin ging sie nicht mehr durch.
      Dank der Höhe und dem niedrigen Schwierigkeitsgrad der Hindernisse kamen wir auch gut durch den Parcours, aber auf die Geländestrecke würde ich mit der Stute in dieser Stimmungslage nicht gehen. So beendete ich das heutige Training mit etwas gemischen Gefühlen und beschloss meinen Plan ein wenig umzustellen. Die nächsten zwei Tage standen Bodenarbeit und Spaziergänge auf dem Plan und vielleicht konnte ich zwischendurch auch kurz Levistino besuchen, der auf Elisa`s Hof untergebracht war.

      ~*~

      Seit unserem kleinen Fiasko auf dem Springplatz waren mittlerweile vier Tage vergangen. Die Spaziergänge hatten sich bei Bucky`s Stimmungswechseln als sehr hilfreich herausgestellt, also hatte ich ein paar mehr eingebaut, als ursprünglich geplant. Heute schien auch richtig schön die Sonne und Bucky war gut aufgelegt - perfekte Voraussetzungen also, um endlich auf die Geländestrecke zu gehen. Immerhin musste ich irgendwann auch mal wieder nach Hause fahren. Ich war die Strecke bereits abgegangen, als ich Levistino besucht hatte. Nun führte ich Bucky zuerst auf den Reitplatz, aufdem immer noch ein paar Hindernisse standen. Hier wollte ich die Stute ein bisschen einspringen, bevor es dann an die festen Hindernisse im Gelände ging. Ich wärmte Bucky auf beiden Händen gut auf, ritt sie über ein paar Trabstangen und sprang dann mit ihr über einen Teil der aufgebauten Hindernisse. Die Stute hatte heute endlich wieder richtig gute Laune, reagierte perfekt auf jede meiner Hilfen und flog in perfekter Springpferdemanier über die Hindernisse hinweg. Kurze Zeit später legten wir schon in flottem Trab die kurze Distanz zwischen den Höfen von Rhapsody und Elisa zurück, bis wir am Anfang der Geländestrecke angelangt waren. Die ersten paar Sprünge waren noch recht einfach gehalten und Bucky war mit Feuereifer bei der Sache. Als wir dann nach einigen niedrigen Hecken, Bürsten und Holsstapeln bei der ersten Kombination angelangten, nahm ich Bucky`s Tempo ein wenig zurück. Der Hinderniskomplex bestand eigentlich nur aus zwei Baumstämmen, allerdings lag der eine einen Galoppsprung vor einem Abhang und der zweite dann am Fuß des Abhangs in einer Art Senke. Wir segelten über den ersten Baum, galoppierten recht verhalten den Hang hinunter, überwanden den zweiten Stamm und preschten dann den Hang auf der anderen Seite hinauf. Um Bucky auf möglichst viele Szenarien vorzubereiten, beschloss ich kurzerhand den Hinderniskomplex auch einmal von der anderen Seite zu springen. Ohne den bremsenden Sprung war es nun wesentlich anstrengender, die junge Stute kontrolliert den Hang hinunterzureiten, dafür klappten die beiden Sprünge wunderbar. Ich lobte Bucky und setzte die Strecke fort. Wir galoppierten übermütig einen recht schmalen Weg entlang, der mir von Jolympia noch gut in Erinnerung war, bevor wir uns vor dem ersten Wasser wiederfanden. Bucky schien nicht wirklich begeistert von dem kühlen Nass und zeigte mir das, indem sie zweimal den Galopp wechselte und den hübschen Kopf in die Luft reckte. Hier mussten wir wirklich einfach nur hindurch reiten, ein Hindernis war erst beim zweiten Wasser aufgebaut. Ich setzte mich ein wenig mehr in den Sattel und schob Bucky bei jedem Galoppsprung vorwärts. Als die Stute leicht nach rechts driftete, drückte ich den rechten Schenkel an und klapste ihr leicht mit der Hand auf die Schulter. Das genügte und Bucky rannte spritzend durch das Wasser. Danach legte sie einen kleinen Bocksprung hin, der aber so harmlos war, dass er mir nur ein kurzes Auflachen entlockte. "Ich kann dich ja verstehen, da wäre ich jetzt auch nicht gerne durchgelaufen.", sagte ich mitfühlend zu der Stute, während ich einen kurzen besorgten Blick zum Himmel warf. Meine schöne Sonne war verschwunden und stattdessen war der Himmel nun von schweren, dunkelgrauen Wolken bedeckt. Wir machten tapfer weiter, doch kurze Zeit später öffnete der Himmel seine Schleusen und Bucky bekam gefühlt von jedem Wassertropfen, der sie traf, schlechtere Laune. Sie überwand die Hindernisse dennoch tadellos und ich war wahnsinnig stolz auf die eigensinnige Stute - hatte ich doch erwartet, dass sie mir nun den Rest des Rittes zur Hölle machen würde. Aber es lief wirklich alles ausgesprochen gut, bis wir an das letzte Wasser kamen. Es war das vorletzte Hindernis, doch Bucky begann schon auszufallen, als das Wasser nur in Sicht kam. "Oh Bucky bitte, vorhin hat es doch auch geklappt. Und du bist ein Vielseitigkeitspferd. Der Boden ist noch gut, da kannst du jetzt wirklich nicht wegen ein bisschen Regen so ein Theater machen.", bettelte ich. Na gut , ein bisschen Regen war eine reine Untertreibung, aber ich wollte der Stute ja immerhin Mut machen. Ich parierte Bucky zum Schritt durch und ritt auf das Wasser zu. Zwei Meter davor rammte die Stute ihre schlanken Beine in den Boden und weigerte sich, auch nur einen Schritt mehr zu machen. Seufzend stieg ich aus dem Sattel und führte die Stute den letzten Rest an das Wasser heran. Die Wasseroberfläche wurde vom darauffallenden Regen bewegt, was Bucky sichtlich Unbehagen bereitete. "Na komm Süße, du kannst das. Ich muss doch jetzt bei dem Sauwetter nicht wirklich mit dir da rein, oder?", fragte ich die Stute flehend. Bucky machte auch tatsächlich einen Schritt nach vorn, dann scheute sie plötzlich und riss mich von den Füßen. Prustend und spuckend rappelte ich mich aus dem Wasser auf - Gott sei Dank hatte ich die Zügel in der Hand behalten. "Toll. Danke. Jetzt bin ich nicht nur nass, sondern auch noch saumäßig dreckig. Aber immerhin kann ich jetzt auch mit dir da durch. Jetzt isses eh egal.", meinte ich leicht verstimmt zu Bucky. Die schaute mich nur mit großen Augen an, folgte mir jedoch immerhin Tritt für Tritt durchs Wasser. Als Bucky erst einmal gemerkt hatte, dass auch vom Regen aufgewühltes Wasser kein pferdefressendes Ungeheuer war, konnten wir das ganze sogar Durchreiten. Der letzte Sprung war dann auch ein Klacks und ich ritt im Trab zu Rhapsody`s Hof zurück. Triefend vor Schlamm und Wasser rutschte ich aus dem Sattel und führte Bucky in den trockenen, warmen Stall. Da kam auch schon Rhapsody um die Ecke. Als sie mich sah, blieb sie wie angewurzelt stehen und fragte dann: "Himmel wie siehst du denn aus? Hat sie dich etwa abgeworfen?" Nun konnte ich mir ein Grinsen doch nicht ganz verkneifen: "Nein, hat sie nicht. Umgeworfen trifft es wohl eher. Madame war der Meinung, dass gleiches Recht für alle gilt und ich gefälligst auch durch diesen unheimlichen Tümpel gehen soll, wenn sie es tun muss." Nun lachte auch Rhapsody, nahm mir aber gleich darauf die Stute ab. "Ich würde sagen, du verschwindest jetzt und legst dich trocken, ich kümmere mich um meine kleine Zimzicke. Danach kannst du mir dann erzählen, wie das Training außer deiner kleinen Schwimmeinlage so gelaufen ist, ja?" Ich nickte dankbar und verschwand im Haus.
      Auch wenn das Training heute nicht ganz so gelaufen war, wie erhofft, hatte Bucky ihre Sache toll gemacht und den Aufstieg in Klasse A des Militarys mit Bravour bestanden. Immerhin war die Strecke bei Regen ja doch sehr viel anspruchsvoller, als wenn die (blöde) Sonne einfach weiter geschienen hätte!
    • Rhapsody
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      Slice of Life
      | 23. April 2016
      Wackeln. Erst gleißendes Licht; eine weiße Fläche wird schließlich zu einer Herdplatte, daneben liegengebliebenes Geschirr, eine Pfanne, Besteck. Geklappere im Hintergrund.

      Die Kamera schwenkt, zeigt plötzlich drei Figuren an einer Frühstückstheke, zwei junge Frauen, ein junger Mann. Der Mann sieht in die Kamera mit zusammengezogenen Augenbrauen, schließlich visiert er einen Punkt hinter dem Objektiv an.

      „Zoe, was soll das werden?“ fragt er schließlich.

      Die Kamera wackelt leicht, dann eine weibliche Stimme aus dem Off: „Ein Video für unseren Channel!“

      Die Blondie sieht nun ebenfalls in die Richtung, in die der Mann eben geguckt hat. „Welcher Channel?“ kommt von ihr, doch ihr Gesichtsausdruck bleibt freundlich, fast schon neutral. Die Brünette, die ein Telefon an ihr Ohr hält, schickt nur einen genervten Blick in Richtung Kamera, dann steht sie auf und läuft aus der offenen Küche in ein kleines Zimmer und knallt die Tür zu.

      Sowohl der Mann als auch die Blondine sehen ihr nach, dann wenden sie sich wieder der Kamera zu. Die Stimme aus dem Off seufzt, ignoriert die vorher gestellte Frage aber komplett. „Ihr seid langweilig. Das soll Entertainment sein! Ein slice of life!“

      Der Mann zieht eine Augenbraue hoch. „Ein Leben auf einem Gestüt ist vielleicht einfach nicht spannend?“ sagt er trocken, worauf die Blondine etwas lächelt. „Vor allem nicht um halb acht morgens,“ fügt sie hinzu.

      Noch ein Seufzer aus dem Off, diesmal ein wenig wehleidiger. „Dann such ich lieber die Hunde. Die sehen vor der Kamera wenigstens gut aus.“

      Schnitt.

      xxx

      Strahlend blauer Himmel, mit ein paar Schäfchenwolken, ist zu sehen. Langsam schwenkt die Kamera nach unten, zeigt Gebäude mit Paddocks, weiße Zäune. Man hört ein Schnuffeln, ein kleines Wuff, dann kommen zwei Hunde in Sicht; ein weißgrauer, etwas zotteliger, und schließlich eine kleine, gefleckte Bulldogge.

      Der Zottel steht einige Meter entfernt auf Pflaster, wackelt mit dem Schwanz. Im Maul trägt er einen gelben Tennisball, und sobald jemand hinter der Kamera mit der Zunge schnalzt, kommt er angerannt und lässt den Tennisball fallen. Die Bulldogge hingegen liegt quer über ein Paar Beine in dunklen Jeans, lässt sich den Bauch kraulen und grunzt dabei.
      Nach ein paar Mal Hin- und Her rennen lässt sich auch der Zottel neben den Beinen nieder und hechelt.

      Schließlich hört man ein Knirschgeräusch, wie Schuhe auf Kies. Eine tiefe Stimme räuspert sich. „Sag mal, hast du nichts zu tun?“

      Blende.

      xxx

      Das Bild ist stabil, an beiden Seiten sieht man einen Zaun, der ein Grasstück umgibt. Im Vordergrund grasen zwei gescheckte Ponys, im Hintergrund sieht man einen Mist Boy.
      Von links kommt ein rundliches Gesicht ins Bild, den Blick schräg über die Kamera gerichtet. Rote Locken stehen in alle Richtungen ab, die Wangen sind gerötet. Schließlich sieht die Frau in die Kamera, winkt kurz. „So,“ sagt sie schließlich, etwas leise, und räuspert sich. „Hier sind wir auf der Koppel von Paramour,“ sie dreht sich kurz um, zeigt auf den Braunschecken, der in ihre Richtung sieht, „uund Muraco.“ Das andere Pony, der Rappschecke, lässt sich nicht vom Grasen abbringen, nicht einmal, wenn die Frau auf ihn einredet. Nur kurz hebt er den Kopf, zeigt ein stahlblaues Auge und angelegte Ohren.

      „Zoe, pack die Kamera weg und mach deine Arbeit!“ kommt die tiefe Stimme aus der letzten Szene, diesmal weiter weg. Die Frau lässt schließlich von dem weniger interessierten Pony ab und stiefelt zurück zur Kamera, immer näher kommend. Die Kamera wackelt kurz, dann wird das Bild schwarz.

      Schnitt.

      xxx

      Man sieht eine Stallgasse, hell, mit Boxen auf beiden Seiten und einer rostroten Schubkarre vor einer offenen Box geparkt. Im Hintergrund läuft leise Musik.
      Die Kamera bewegt sich auf die Schubkarre zu, jemand summt das Lied mit. Die Schritte hallen laut und es ist erst ruhig, als die Kamera plötzlich stehen bleibt und das Innenleben einer Box zeigt. Der Mann von der Frühstückstheke stößt die Mistgabel in das alte Stroh und bemerkt die Kamera erst, als er aufsieht.
      „Lesja, sag hallo!“ hört man schließlich die Kamerafrau sagen.

      Der Mann guckt erschrocken auf, dann verdreht er seine eben noch weit aufgerissenen Augen. „Langsam denke ich, du bist als Paparazzi in L.A. besser aufgehoben als hier,“ murmelt er schließlich, aber er grinst ein wenig und marschiert unbeirrt auf die Schubkarre zu. Dabei kommt er nahe an die Kamera, für wenige Momente sieht man nur ein Close Up seines Gesichtes, ehe er wieder in die Box geht.

      „Komm schon, sag hallo,“ quengelt die Stimme im Off.

      Mit einem gespielt genervten Gesichtsausdruck sieht der Mann wieder von seiner Arbeit auf, setzt ein gefaktes Lächeln auf und visiert einen Punkt direkt über der Kamera an. Dabei hebt er die Hand und kurz darauf ist seine Hand nur noch verpixelt.

      „Ach komm schon, jetzt muss ich das zensieren,“ jammert es hinter der Kamera.

      Der Mann sticht wieder ins Stroh, transportiert es zur Schubkarre und geht zurück. Noch während sein Rücken der Kamera zugewandt ist, fragt er: „Hast du eigentlich so viel Freizeit, dass du uns alle stalken kannst?“

      „Oh gott,“ kommt es schließlich wieder von hinter der Kamera. „Sag es nicht Declan, okay?“
      Der Mann dreht sich wieder um, mimt einen Reißverschluss vor seinen Lippen und wendet sich seiner Arbeit wieder zu.

      Schnitt.

      xxx

      Das Bild wackelt, man sieht je eine Stiefelspitze auf Sand, während der Kameramann läuft. Von etwas weiter weg hört man Zungenschnalzen, laut, mehrfach hintereinander. Die Kamera wackelt noch mehr, schließlich sieht man die Frau mit den roten Haaren, hinter ihr ein weißer Zaun mit Buchstaben auf Schildern und eine Hecke.

      „So –“ beginnt sie, wird daraufhin aber sofort wieder von der anderen Stimme unterbrochen.
      „Komm! Auf, los –“ Daraufhin wieder Zungenschnalzen. Die Frau mit den roten Haaren beobachtet etwas, was sich hinter der Kamera abspielt, dann grinst sie. Man hört das dumpfe Geräusch von Huf auf Körper.

      „Das hast du jetzt nicht gefilmt oder was?“ fragt die Stimme, etwas genervt. „Das glaubt uns doch keiner!“

      Die Frau seufzt daraufhin, sieht aber wieder direkt in die Kamera. „Wir lassen gerade Capulet und Quixoticelixer ein bisschen laufen und –“

      „Kriegst du Geld dafür wenn du jedes Pferd mit seinem Zuchtnamen anredest? Zahlt Youtube da extra?!“

      Kurz sieht die Frau etwas verwirrt, dann fährt sie fort. „Cap und Q dann eben, Jeez – wir lassen sie ein bisschen Stress abbauen und –“ Das Bild wackelt, schließlich sieht man zwei Ponys im Trab über einen Platz flitzen. Das helle Pony hängt dem Fuchs dicht an den Fersen, wagt es, ab und an in die Flanken zu beißen und kassiert davor angedeutetes Ausschlagen und auch mal den ein oder anderen Tritt. Ab und zu sieht man die Brünette vom Frühstücken ins Bild rennen, wie sie den beiden Ponys hinterher rennt und dabei in die Hände klatscht. Nach ein paar Galoppphasen fallen beide Pferde in den Schritt und laufen nebeneinander her, als wäre nichts gewesen.

      „So hab ich Cap schon lange nicht mehr gesehen,“ sagt die Brünette, die Hände in die Hüften gestemmt.

      „Und ich hab dich schon lang nicht mehr so außer Atem gesehen,“ kommentiert die Stimme hinter der Kamera. „Ich glaub, dir tut ein bisschen Fitness etwas gut.“ Währenddessen kam das Bild der Brünetten immer näher, bis sie mit einer einfachen Handbewegung das Objektiv abdeckt. Die Kamera wackelt kurz.

      Schnitt.

      xxx

      Ein schwarzweißes Pferd trabt locker flockig in einem Kreis. Am Kopf trägt es einen Kappzaum, daran ist eine Longe eingehängt. In der Mitte des Zirkels steht die Blondine und läuft ihren eigenen kleinen Zirkel. Dann ändert sie ihre Körperstellung, stellt sich fast quer zum Pferd, woraufhin dieses in den Schritt fällt.

      Der Blick der Blondine fällt schließlich kurz in Richtung der Kamera, dann konzentriert sie sich wieder auf ihren Schützling. „Das musst du rausschneiden,“ scherzt sie, „wir können nicht einfach unsere Geheimwaffe im Internet zeigen.“

      Die Kamera zoomt auf den Kopf des Scheckens, der ruhig blinzelt und schließlich stehen bleibt. „Adèle, du musst den Namen sagen. Sonst weiß niemand, wie unsere Geheimwaffe heißt!“
      „Sag’s doch selber,“ kommt darauf und das Pony tritt wieder an. Daraufhin wackelt das Bild, man sieht die Frau mit den roten Haaren. Sie guckt ein wenig irritiert, dann grinst sie. „Das war Cíola und wenn wir ihr noch ein paar Jahre geben, dann wird sie jedes Warmblut aus dem Rennen schicken.“ Die Kamera schwenkt wieder auf das Pony, das sich jetzt im Schritt nach unten streckt.

      Vom Inneren des Zirkels hört man: „Aus dem Rennen schicken? Wirklich?“

      Schnitt.

      xxx

      Die Kamera befindet sich auf einer Tribüne einer Reithalle. In der Bahn sieht man ein dunkles Pferd mit federnden Schritten unter seinem blonden Reiter. Man erkennt nicht viel, die Kamera schwenkt auf den Mensch hinter ihr um.

      Die Frau mit den roten Haaren sitzt allein auf der Tribüne mit vollgestopften Backen. Eine Weile kaut sie, sieht dabei neben der Kamera vorbei, ehe sie zum sprechen kommt.
      „Während andere Menschen Mittag machen,“ meint sie und schluckt dann hinunter, „machen Declan und Vaffanculo Dressur.“ In einem Fakeflüstern schließlich: „Bunch’a workaholics, wenn ihr mich fragt.“

      Es ertönt ein dünnes, kaum hörbares „Das hab ich gehört!“, dann grinst die Frau und das Bild wird schwarz.

      Schnitt.


      Das Bild ist durch und durch grün; dann stellt sich der Fokus ein und man erkennt einzelne Grashalme. Während die Kamera richtig positioniert wird, sieht man wieder einen weißen Zaun, der sich diesmal bis außerhalb des Bildausschnittes erstreckt. Auf die Kamera zu kommen zwei Ponys, einmal weiß, einmal weiß-braun gescheckt.

      „Hier haben wir Chepa und Medeia, oder, wie ich sie nenne, die Bosses,“ sagt die Stimme im Off, fast ein wenig stolz. Die beiden Ponys bleiben in sicherer Entfernung stehen und erinnern doch ein wenig an Kühe, die neugierige Zuschauer am Zaun aus sicherer Distanz beobachten.

      Das Bild wird dunkler.

      Blende.

      xxx

      Die Sonne ist längst nicht mehr ganz so gleißend, doch das Bild muss sich erst einmal abdunkeln, während man die Landschaft erahnen kann.
      Man sieht in der Ferne ein Reiter-Pferd-Gespann über ein Naturhindernis springen, ehe sie näher kommen. Das Pferd ist dunkelbraun und, als es mit einer kleinen Reiterin mit rötlichen Locken vorbeirauscht, extrem fokussiert, ehe es ohne zu Zögern über einen kleinen Bach springt.

      Das Bild wackelt. „Äh – meine Güte, wie macht Zoe das – also das war auf jeden Fall Tautou,“, sagt eine andere Stimme, dann schwenkt die Kamera nach unten und zeigt ein hellbraun-weißes Pferd, das entspannt mit den Ohren spielt, obwohl gerade ein Artgenosse in einem Affenzahn an ihm vorbeigerauscht war. „Und das hier ist Parvati, die nicht so gern über Hindernisse geht aber –“ Räuspern. „Einer muss ja am Rand stehen und filmen, nicht wahr?“ Eine Hand mit schwarzen Handschuhen tätschelt den gescheckten Hals, das Pony schnaubt gelassen.
      Schnitt.

      xxx

      Die Reithalle, diesmal auf gleicher Ebene wie die Bahn. In der Mitte steht ein Mann mit blonden Haaren, während der Mann vom Frühstück auf einem großen Rappen sitzt und ein wenig verloren aussieht. Von dem Blonden kommen Anweisungen, die jedoch nicht auszumachen sind.
      Außer eine. „Zoe, weg mit der Kamera.“

      Daraufhin, unter gegrummelten Protest, wird die Kamera gesenkt und man sieht nun zwei Stiefelspitzen. „Lesja kriegt Reitstunden auf Painted Blur,“ flüstert die Stimme aus dem Off. „Aber das darf man nicht filmen weil Declan mir sonst die Kamera mit seiner bloßen Hand zerquetschen könnte.“

      Die Kamera dreht sich, man hört und sieht Schritte. „Gucken wir mal lieber, was Adèle macht.“

      Schnitt.

      xxx

      „Das ist mein absoluter Lieblingspart,“ sagt die Frau mit den roten Haaren, während sie auf etwas kaut. Sie guckt ernst in die Kamera, dann schließlich darüber hinweg. Hinter ihr sieht man die Szene der Küche des Morgens. „Adèle kocht und da keiner da ist, bin ich die einzige, die probieren darf,“ vollendet sie schließlich den Satz, dann schwenkt die Kamera und man sieht die Blondine von hinten beim Salat putzen.

      „Sag mal,“ kommt die Stimme hinter der Kamera, „was hast du eigentlich gemacht?“

      „Mich von dir versteckt,“ antwortet die Blondine und zerrupft einzelne Blätter. Eine Pause, dann seufzt sie und dreht sich schließlich zur Kamera um, sieht darüber hinweg. „Cìola hast du ja mitgekriegt, danach war ich mit Icetea –“

      „Voller Name, bitte.“

      Die Blondie ignoriert das. „Danach war ich mit Icetea eine Runde um die Höfe und jetzt werde ich von dir belagert.“

      Man hört ein Geräusch hinter der Kamera, ein Mix aus Seufzen und Quengeln. „Komm schon, wir müssen doch wissen, von wem du redest!“

      „Wenn’s dir so wichtig ist, sag’s doch selber.“ Die Blondine dreht sich wieder um und widmet sich dem Salat.

      „Aber wie blöd kommt das denn, wenn ich aus dem Nichts jetzt Long Island Icetea sage,“ murmelt die Kamerafrau.

      „Du hast es gerade getan,“ ist die monotone Antwort, dann sieht die Blondine über ihre Schulter. „Komm schon, du kannst mir wenigstens helfen.“


      Geringelte Socken, dann ein gedeckter Tisch mit Schalen in sämtlichen Größen. Aus manchen steigt Dampf auf. Als die Kamera ein wenig hinauszoomt, sieht man schließlich Menschen um den Tisch sitzen, die sich angeregt miteinander unterhalten und lachen. Keinen interessiert die Kamera.

      Schwarz. Schnitt.


      Man hört Hufgeklapper und knirschende Schritte bevor man etwas sieht. Das Licht ist dämmrig und man erkennt erst wirklich etwas, als die Kamera im Stall angelangt ist. Vor der Kamera läuft ein großes, braunes Pferd, davor die Brünette.

      „Juli, du musst Bucky noch vorstellen,“ hört man aus dem Off.

      „Das sollte mittlerweile dein Spezialgebiet sein,“ kommt es daraufhin trocken von der Brünetten. Seufzen hinter der Kamera; der Braune wird in seine Box geführt und stürzt sich daraufhin auf das Futter im Trog. Die Brünette hängt das Halfter an die Boxentür.

      „Juli –“ quengelt es hinter der Kamera. Die Brünette streckt als Antwort nur ihre linke Hand nach oben, und kurz darauf ist sie verpixelt.
      „Hör auf dich mit Lesja abzusprechen, das ist uncool. Ihr macht mir unnötige Arbeit!“

      Die Brünette senkt die Hand wieder, rollt mit den Augen. „Das war Bucky und das war es jetzt mit diesem Video. Okay?“

      „Aber –“

      Schwarz. Schnitt.
    • Rhapsody
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      Turnierwochenende
      | 29. Juni 2016
      „Jojo – ich weiß du bist Fahrer und es ist früh und wir sollten eigentlich die Klappe halten. Aber wie oft willst du noch Back to Black anhören? Bis wir da sind?“
      Ich warf Zoe einen kurzen Seitenblick über den schlafenden Declan zu, dann hielt ich meinen Finger auf die Zurück-Taste des CD-Spielers. Bis wir wieder bei Track 1 waren. Bis Rehab die kleine Fahrerkabine wieder füllte. Zoe stöhnte auf und wenn ich das Geräusch richtig deutete, schlug sie auch ihren Kopf gegen die Fensterscheibe. Zwischen uns schnarchte Declan laut auf.
      Und wir hatten immer noch zweieinhalb Stunden Fahrt vor uns.
      ***
      Der Sommer hatte Kanada auch langsam erreicht – was wieder einmal bedeutete, dass Miss ‘Straya die einzige war, die irgendwie funktionierte. Sie war auch die einzige, die sich freiwillig dafür gemeldet hatte, an diesem Wochenende mit den Pferden irgendwelche Turniere zu bestreiten – der Rest des Teams hatte dankend abgelehnt. Außer ich natürlich, denn schließlich war ich loyal und wollte Zoe das nicht allein durchstehen lassen. Nett war es auch, dass Declan uns auch noch begleitete (ich hatte ihn natürlich nicht dazu gezwungen. Das wäre ja fies gewesen!).
      Dass ich schließlich mit Parvati eine Vielseitigkeit nannte schob ich auf einen unerklärlichen Motivationsschub, der mich buchstäblich übermannte. Jetzt durfte ich bei 26°C in einem langärmeligen, schwarzen Polyesterjackett in einem Viereck herumhüpfen. Hatte ich schon erwähnt, dass Vergangenheits-Ich nicht gerade die Netteste ist?
      Aber gut, da mussten wir jetzt durch. Und vielleicht hatte wenigstens Zoe das Glück, dass es während ihrer Prüfung vielleicht schon etwas abgekühlt hatte. Und wenn nicht kam Abkühlung von unten; zusammen mit Medeia bestritt sie ein Geländespringen auf L-Level – happig, aber eigentlich machbar.
      Auf dem Turniergelände außerhalb von Winnipeg angekommen – wirklich angekommen – gab es für Parvati und Medeia erst einmal Wasser und frisches Gras. Wir waren gut durchgekommen; es war etwa neun und ich konnte in aller Ruhe frühstücken und Declan beim Einzäunen zuschauen, während Zoe das ganze Organisatorische erledigte. Nachdem die Breze vernichtet war, erreichten mich die ersten Snaps und Selfies vom Hof. Lesja, umrandet von Chepa und Tautou, die beide versuchten, eine Möhre zu bekommen, die er zwischen die Lippen gesteckt hatte. Eine grasende Bucky, im unteren Bildrand erkannte man Adèles türkislackierte Fußnägel. Eigentlich hätte ich etwas zurückschreiben oder -schicken wollen, aber gerade, als ich Whatsapp geöffnet hatte, kam Zoe und der Ernst des Lebens begann.
      Während Zoe und Declan noch einmal über Parvati drüber bürsteten und auch guckten, dass ihr Sattel keinen Schaden davon getragen hatte, flocht ich mir die Haare zurück und schlüpfte unter akrobatischen Verrenkungen im Fahrerhaus in meine weiße Reithose und debattierte dann geschlagene drei Minuten mit mir selbst, ob ich es moralisch unterstützen konnte, ohne Jackett abzureiten. Wirklich gut stand mir die Turnierbluse mit T-Shirt-Ärmeln nicht, aber dafür sah Parvati umso besser aus.
      Aber es ist nicht alles Gold was glänzt. Der Abreiteplatz war vollgepackt und jedes Pony, das uns einen Zentimeter zu nahe kam, brachte die Stute unter mir komplett aus dem Konzept. Wir hatten eigentlich schon Dressurturniere auf höherem Niveau bestritten und hatten auch schon das ein oder andere Mal eine Schleife mit nach Hause gebracht. Trotzdem lief die Prüfung ziemlich desaströs – vor jedem etwas ungewöhnlichen Geräusch hüpfte Parvati davon, ließ sich kaum versammeln und scheute sogar einmal. Ein guter Turnierstart war das auf keinen Fall. Dementsprechend fiel dann auch die Wertung aus – und das in der Disziplin, die der kleinen Scheckstute eigentlich bisher am leichtesten gefallen war.
      Declan meinte, das würde alles an der Hitze liegen. Pferde seien keine Tiere der Wärme und Hitze, da war es nur natürlich, dass Zeug schief lief. Das munterte mich zwar ein wenig auf – Declan war der Typ Mensch der einem sagte, wenn man etwas falsch gemacht hatte, vor allem, wenn Pferde im Spiel waren – aber große Hoffnung für Zoes Prüfung hatte ich trotzdem nicht. Wieso sollte meine miserable Leistung sich denn nicht auf sie übertragen? Das war doch total logisch! Diese Theorie wurde dann auch bestätigt, als Zoe mit Medeia den 8. Platz holte. Keine ganz so große Blamage wie mein Auftritt, aber auch kein Platz auf dem Treppchen. Mehr oder minder erfolgreich ging dann der erste Turniertag zu Ende – und ich hatte schon fast vergessen, wie schlecht man in einem Pferdetransporter/Wohnwagen schlief.
      Der zweite Turniertag erschien dann von Anfang an als noch schlechter. Es war stickig, schwül – man hätte die Luft meinem Buttermesser zerschneiden können. Parvati und Medeia hatten sich unter das Vordach verkrochen und es tat mir fast leid, als ich Parvati zur Arbeit da wegholen musste. Heute stand das Geländespringen auf dem Plan – der Parcours führte zwar größtenteils auch durch einen Wald, aber das brachte nur ein weiteres Problem auf. Zum Glück hatten wir ein super Fliegenmittel dabei – irgendetwas würde schon helfen.
      Während Declan Parvati von jeglichem Schmutz befreite, schlenderten Zoe und ich zur Parcoursbesichtigung. Ein wenig unwohl wurde mir dann doch; Springen machte Parvati Spaß, aber unter diesen Voraussetzungen konnte das dann durchaus happig werden, vor allem, da der Parcours schon ziemlich anspruchsvoll war – zweimal mussten wir einen Bach überspringen, es gab eine ganze Handvoll Wassergräben und einen Wall. Zum Glück hatten wir morgen noch eine Prüfung – hätte ich nach diesen Hindernissen heimfahren müssen, hätte das wohl in einem Unfall geendet.
      Ich war eine der letzten Starterinnen, konnte also noch in Ruhe frühstücken und mich fertig machen, bevor es dann auf den Abreiteplatz ging. Es bedeutete dann natürlich auch, dass es noch schwüler wurde und mir, als wir uns auf den Weg zum Parcours machten, der Schweiß in Strömen herunter lief. Es wurde etwas besser als wir nur so über die Hindernisse fegten, Parvati scheinbar in bester Form, aber dafür kamen dann die Stechmücken. Und dann wieder die Hitze. Eventuell ein bisschen Abkühlung durch die Bäche, aber alles in allem war es fast schon Tortur. Nichtdestotrotz mischten wir das Teilnehmerfeld ganz schön auf und ritten uns sogar an die Spitze und bekamen so wenigstens noch eine Schleife – Tagessieg Geländespringen. Das katapultierte uns in der Gesamtwertung auch noch mal nach oben.
      Apropos Katapult – von Adèle bekam ich an diesem Abend eine Abundanz an Snapchatvideos, anscheinend von einem Ausritt. Sie selbst hatte sich auf Capulet gewagt und neben ihr trottete Vaffanculo entspannt vor sich hin, im Sattel Lesja. So wie es sich ansah war es ein reiner Schrittausritt gewesen, ohne ungewollte Eskapaden. Vielleicht wurden die beiden Hengste endlich erwachsen.
      Nachts zogen Gewitter über das Veranstaltungsgelände – ein Glück soffen wir nicht ab. Der Springplatz war dann eine andere Sache, voll mit Pfützen und Matsch. Das musste es dann wohl gewesen sein mit den weißen Beinchen und sauberen Gamaschen. Blöd nur, dass Parvati vor jeder Pfütze wegsprang – das Ganze durfte sie dreimal machen, dann war das Turnier offiziell für uns gelaufen. Wenigstens mit einer Schleife im Gepäck ging es dann nach Hause – bei einem derart massiven Gewitter, dass wir für die 3,5h Fahrt fast 5 Stunden brauchten, und das ohne Unfällen auf dem Highway. Sollte jemand fragen, dann war die mickrige Ausbeute dieses Wochenendes natürlich nur dem Wetter zuzuschreiben.
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  • Album:
    3 | Steenhof
    Hochgeladen von:
    Rhapsody
    Datum:
    24 Aug. 2016
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  • [​IMG]
    Bucky
    benannt nach Comicfigur

    PEDIGREE

    [​IMG]
    von: Benzedrine

    von: unbk.
    von: unbk.
    aus der: unbk.

    aus der: unbk.
    von: unbk.
    aus der: unbk.



    aus der: Waldsteins Honeybee

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    von: unbk.
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    aus der: unbk.
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    aus der: unbk.


    EXTERIEUR & INTERIEUR
    [​IMG]
    Stute
    Holsteiner
    13 Jahre

    166 cm
    Brauner
    breite Blesse, v.l. weißer Stiefel, v.r. weiße Fessel, h.l, h.r. weiße Stiefel


    Grundlos hatte Beluga sich den Spitznamen "Bucky" nicht eingeholt. Vor allem als Fohlen galt sie als absolute Zimtzicke, sträubte sich gegen jede Form von Erziehung. Es brauchte Zeit - mehr Zeit, als vorerst eingerechnet - bis man jemanden mit gutem Gewissen auf den Rücken der Stute gelassen hatte. Dann dauerte es jedoch nicht sehr lange, bis man sie als reitbar einstufen konnte - zwar waren die Flausen nicht ganz weg, aber man hatte ein Pferd, dass man durchaus in einen Springparcours lassen kann, ohne Angst zu haben, sich sämtliche Knochen zu brechen. Auf den ersten Turnieren bemerkte man dann auch schnell, dass Bucky unglaublich ehrgeizig war; es schien, als wäre ihr persönliches Motto 'höher, weiter, schneller'. Diese Eigenschaft macht sie natürlich zu einem begehrten Turnierpferd, mit dem sich viele Schleifen holen lassen - vor allem, da beide Elternteile bis in die hohen Klassen der Dressur und des Springsports ausgebildet waren.
    Als Zimtzicke kann man sie nicht mehr wirklich bezeichnen, die beste Umschreibung wäre wohl "mürrisch". Sie leidet wohl an Stimmungsschwankungen und kann somit doch noch ihrem Spitznamen, der über die Jahre geblieben war, gerecht werden. Doch sie ist trotzdem eine Stute, auf die man sich verlassen kann. Meistens zumindest.


    TRAINING
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    Fohlen ABC | Eingeritten
    Englisch geritten

    Dressur
    E A L M* M** S*

    Springen
    E A L M* M** S*

    Military
    E A L M* M** S*


    ERFOLGE
    [​IMG]
    Dressur: 1x M*-Platziert, Springen: 1x S*-Platziert

    Turniere

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    380. Dressurturnier

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    119. Synchronspringen - 121. Synchronspringen - 122. Synchronspringen - 129. Synchronspringen - 131. Synchronspringen - 138. Synchronspringen - 140. Synchronspringen - 375. Springturnier

    Sonstige


    -

    ZUCHTINFORMATIONEN
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    SK 447 - Alle Stuten

    Leihmutterschaft: 188,-
    Genotyp: Aa EE
    Aus der Zucht: Gut Waldstein, Schleswig-Holstein, DE
    Nachkommen:


    Painted Basquiat – von Painted Blur
    Dark Innuendo -- von Dark Intention
    Balboa – von Leitz


    GESUNDHEITSZUSTAND
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    276 4 20 441261384
    Chronische Krankheiten: -
    Letzter Tierarztbesuch: 12. Februar 2017,
    Pferdepraxis Sapala, Dr. Eddi Caen

    Fehlstellungen: -
    Beschlagen: Eisen
    Letzter Hufschmiedbesuch: 14. Dezember 2016,
    Hufschmiede Pine Grove Stud

    STALLINTERN

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    Besitzer: Rhapsody
    Ersteller/VKR: Elii