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Rhapsody

Buchanan

Holsteiner -- im Besitz seit 07/2020 -- von Bijou --

Buchanan
Rhapsody, 6 Juli 2020
Nymeria, Wolfszeit, Gwen und 8 anderen gefällt das.
    • Rhapsody
      Steenhof, 15. Juli
      Quintessenz, Blitzkrieg Bop, Quantensprung, Dark Necessities, Antares, Painted Gold, Amalthea, Kobik, Charon, Bohème, Balboa, Simplicity of Sophistication, Painted Basquiat, PFS' Gamble Away, Dante's Wild Lady, Painted Taloubet, Dark Innuendo, Contia Socks, A Touch Of Peace, HGT's Saevitia, Dark Royale, Cover the Stars, Cobain, Buchanan, Cobie, Rosewood, Cassiopeia Z, Mania, Shotgun, Seattle Slew, Hallelujah, Equinox II, Callisto, Calista, Ballroom Blitz, Quarterback, Andromeda, Smooth Gravity, Samarra, Benihana, Ironic, Ares, Bucky, Painted Blur, Calina
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      Als Besitzer eines Reitstalls verbrachte man leider viel zu wenig Zeit bei den Pferden – vor allem im ersten Halbjahr. War die Decksaison erst einmal abgeschlossen, konnte ich es schon eher mal vertreten, mir einen halben Zeit Büroauszeit zu nehmen. Und selbst dann warteten unzählige Arbeiten auf mich, die ich aber wesentlich lieber machte, als von früh bis spät am Laptop zu sitzen.

      Neben Vorbereitungen auf Fohlenschauen, Turnieren und dem ganz normalen Trainingsalltag gab es auch ein paar Neuzuwächse. Während ich mit Manias Besitzerin immer noch am Überlegen war, wie wir die Stute am besten dauerhaft auf dem Steenhof behalten konnten, war Cassiopeia Z schon so gut wie in meinem Besitz – es fehlten lediglich noch die Formalien. Dazu kamen dann noch Jettes neue Trainingspferde, zwei braune Vollblüter aus England. Cobain und Gambit – eigentlich Gamble Away aber wer hatte schon Zeit für den kompletten Namen? Ich ganz sicherlich nicht – sollten in Deutschland als Reitpferde verkauft werden und von Jette jetzt zu genau dem gemacht werden; beides waren Ex-Galopper, die aber eine fundierte Grundausbildung genossen hatten. Beide gefielen mir aber so gut, dass ich überlegte, ob wir sie nicht selbst behalten sollten.

      Zu diesen beiden Herren gesellte sich auch noch ein dritter: ein Sohn von Bucky aus einem wundervollen Dominant-White-Hengst. Ein Palomino names Buchanan, der wundervoll in der Sonne glänzte und hoffentlich ganz viele Schleifen in der gleichen Farbe wie sein Fell mit heimbringen würde. Sechsjährig kannte er schon die Grundlagen – jetzt würden wir ihm beibringen, wie er auch toll übers Hindernis kam. Die Veranlagung dafür war auf jeden Fall da.

      Und damit ich irgendwann nicht nur noch Hengste hatte, würden auch drei neue Stuten einziehen dürfen: zwei Trakehner und ein Holsteiner. Neben einer noch recht unerfahrenen Schimmelstute names Rosewood kam auch die Tochter eines bekannten Trakehnervererbers dazu; Rosewood und Cover the Stars würden später hoffentlich mal die kleine Trakehnerzucht bereichern. Rosewood musste sich da noch mehr unter Beweis stellen; bis jetzt war die Stute nur auf wenigen Turnieren vorgestellt worden, was Jette und ich aber ändern wollten. Und Cover the Venus, die Zweite im Bunde, war noch frisch unterm Sattel. Die dritte Stute, ebenfalls ein Schimmel, hatte schon Einiges mehr an Erfahrung. Cobie hatte ich schon selbst im Parcours erleben können - dementsprechend fackelte ich gar nicht lange, als ich ihre Verkaufsanzeige fand.

      Und apropos Zucht: drei unserer Hengste waren auch langsam für ihre Leistungsprüfung bereit. Seattle Slew unter Marieke hatte sich toll auf dem Hof gemacht und das auch auf den Turnieren gezeigt. Ebenso wie Equinox – während Seattle vor allem in Vielseitigkeiten glänzte, war Equinox Springer durch und durch. Ich freute mich also schon auf die ersten Fohlen aus dem schicken Smoky Cream – die würden dann mit Farbe und Können auftrumpfen. Auch Jette und Shotgun hatten die Saison die ein oder andere Springschleife mitgebracht. Auch bei der Stute träumte ich schon von den kleinen Flugzeugen, die mal von ihr abstammen sollten – Jette war mit ihr auch in der schweren Klasse erfolgreich gewesen, und Shotgun sprang über die 1,60m hohen Stangen, als wäre es das leichteste auf der Welt.

      Insgeheim freute ich mich auf den restlichen Sommer und den Rest des Jahres – jetzt würde es wieder ein bisschen entspannter werden. Ich konnte mich mit Hingabe um die neuen Pferde kümmern, Jette wieder mehr beim Training unterstützen und auch die Jungpferde in der Aufzucht mehr besuchen – das kam in den letzten Wochen leider ein bisschen zu kurz.

      Geposted am: 06.07.2020
      Von: Rhapsody
    • Rhapsody
      Steenhof, 30. September
      Equinox II, Hallelujah, Seattle Slew, Shotgun, Mania, Cassiopeia Z, Rosewood, Cobie, Buchanan,
      Dressur E-A, Dressur A-L, Dressur M*-M**, Springen L-M*, Springen M*-M**

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      Der September brachte die ersten wirklich kalten Nächte, und so manches Pferd bekam auch schon das erste Winterfell. Jette ließ sich vom Raureif auf den Weiden aber nicht davon abhalten, ihren Trainingsplan weiterzuführen. „Zum Glück haben wir eine Reithalle,“ bibberte Cat mir eines Morgens die Ohren voll. Sie kam gerade vom ersten Training des Morgens zurück, an ihrer Hand führte sie Equinox II. „Dann muss ich mir beim Reiten nicht anschauen, wie alles stirbt.“
      Ich teilte Cats Ansichten nicht so ganz; für mich waren die ersten Blätter, die sich färbten, wunderschön. Und auch der Nebel, der noch über den Koppeln lag, erwärmte mir das Herz. „So viel Nihilismus schon vor acht Uhr, Cat?“ scherzte ich. Gemeinsam liefen wir Richtung Hengststall; ich mit einer Schubkarre voller Mist, Cat mit dem hellen Hengst an ihrer Seite. Sie erzählte mir, dass Nox sich toll in der Dressur machte, auch wenn man merkte, dass er nicht ganz so dafür brannte. Trotzdem war er schön durchlässig gewesen, sodass sie sich heute an die ersten M**-Lektionen gewagt hatte. Und die hatten überraschend gut geklappt; Travers und Renvers waren für Nox keine Neuheiten, und war er zuvor gut gelöst worden, machte er diese auch eigentlich fleißig mit.
      Anders, so erzählte mir Cat, war es da bei Shotgun. Jette hatte ihr erlaubt, ihre eigene künftige Zuchtstute teils auszubilden, aber Shotgun war dann doch eben eine Stute. Während Cat Nox nur freundlich zur Mitarbeit bitten musste, musste sie das bei der Holsteinerstute immer und immer wieder machen; zwischendurch folgte dann auch eine größere Diskussion, sodass Cat hoffte, dass Jette ihre eigene Stute bald selbst übernehmen würde. Trotzdem führte sie auch Shotgun an diesem Morgen in Richtung Reithalle; die braune Stute spielte schon nervös mit den Ohren, ich rechnete also damit, dass Cat mir in etwa einer Stunde von einer weiteren Diskussion zwischen den beiden berichten würde.
      Ich hatte eigentlich auch besseres zu tun, wurde aber mal wieder von Jette eingespannt. Mania und Cassiopeia Z hatten diese Trainingsperiode eine kleine Springauszeit – was ihnen gar nicht gefiel, und was ich natürlich ausbaden musste – und sollten sich vermehrt auf L-Lektionen konzentrieren. Dazu gehörten eine erste Außengalopptour, die beide Stuten mehr als verabscheuten. Balance hatten sie eigentlich genug, aber die blöde Versammlung, die dafür gebraucht wurde, fanden beide absolut doof. Nur leider hatten sie das Vergnügen, mit mir darüber zu diskutieren; das endete meist darin, dass sie den Außengalopp machten, mich dafür komplett ignorierten, sobald ich abgestiegen war. Abwechslung bat dann die Kurzkehrt und die ersten einfachen Galoppwechsel. Tempowechsel machten ihnen viel Spaß, und das Angaloppieren fiel dementsprechend häufig ein bisschen heftig aus – vor allem bei Cass – aber solange Jette nicht zusah, war das für mich in Ordnung. Mit ein bisschen Übung wurde das schon besser, da war ich mir sicher.
      Für drei der vier Neuzugänge gab es noch Schonprogramm; so konnte man sich erst einmal kennenlernen und dabei schon die ersten Erfolgserlebnisse einheimsen. Rosewood und Cobie, die zwei Schimmelstuten, waren da schon etwas erfahrener als der Palominohengst Buchanan; er war gerade einmal angeritten und musste daher auch erst einmal die alltägliche Arbeit kennenlernen. Glücklicherweise war er ein ziemlicher Schnellchecker, der mit neuen Aufgaben absolut kein Problem hatte. Als wir ein gewisses Grundlevel an Durchlässigkeit erreicht hatten, waren Schritt-Galopp-Übergänge kein Problem, genauso wenig wie das erste Zügel aus der Hand kauen lassen. Diese Lektionen einer A-Dressur hatte der Hengst zwar schnell raus, seine zwei weiblichen Kollegen waren da aber natürlich schon ein paar Schritte weiter; sowohl mit Rosewood als auch Cobie trainierte ich schon am Verkleinern und Vergrößern des Vierecks – was nicht immer so toll klappte, aber auch hier würde Übung wohl oder übel den Meister machen.
      Neben diesem ganzen Dressurtraining fand natürlich auch Springtraining statt; dieses Mal vor allem für Hallelujah und Seattle Slew. Beide Hengste hatten Spaß und Begabung; das führte gerne mal dazu, dass sie im Parcours etwas ungestüm wurden, vor allem Hallelujah. Bei ihm half es, ihm immer wieder neue Aufgaben zu stellen, damit er sich nicht in einer Routine festbiss. Auch Seattle Slew schien ab einem gewissen Punkt einen Tunnelblick zu haben. Doch Mareike, die mit ihm schon seit seinen Beginnen auf dem Steenhof zusammenarbeitete, hatte dafür bereits ein Händchen und schaffte es, das Vollblut wieder ins Hier und Jetzt zurückzubringen. Das war vor allem im Gelände wirklich Gold wert, dass die beiden ein so gutes Team waren.

      Geposted am: 30.10.2020
      Von: Rhapsody
    • Rhapsody
      Steenhof, 31. Oktober
      Buchanan, Cobie, Rosewood
      Military E-A

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      Zum vorläufigen Ende der Geländesaison fuhr der Steenhof noch einmal geschlossen auf den Geländeplatz. Zum einen mit wahren Profis – Seattle, zum Beispiel, aber auch Hallelujah, der sich als wahrer Geländecrack herausgestellt hatte – aber zum anderen auch mit noch kompletten Novizen; so kannte Buchanan bis jetzt noch nicht viel an Geländehindernissen, aber auch Cobie und Rosewood waren wohl noch nicht oft auf einem Geländeplatz.

      Mit insgesamt neun Pferden teilten wir uns auf zwei Termine auf – fünf Pferde an einem Wochenende, vier am anderen. Das erste Wochenende fuhren wir mit Buchanan, Cobie, Rosewood, Hallelujah und Seattle Slew – also auch bunt durchgewürfelt. Während Marieke und Levi mit Seattle und Hallelujah ihr eigenes Ding machten und sich nur ab und zu zur Besprechung mit Jette, die heute am Boden blieb, trafen, hatten Cat, Conni und ich die Aufgabe, den Greenhorns den Geländeplatz ein bisschen näherzubringen.

      Ich selbst saß auf Cobie, während Cat den doch noch etwas unsicheren Buchanan übernahm; Conni ritt hinter uns auf Rosewood hinterher. Zunächst ging es ein paar Runden im Schritt über das Gelände; die zwei Stuten sahen sich zwar alles neugierig an, blieben dabei aber tiefenentspannt, während Buchanan aus dem aufgeregten Schnorcheln kaum noch herauskam. Dementsprechend lösten die zwei Schimmel die ersten Aufgaben – einfaches Galoppieren auf einen kleinen Hügel hinauf und wieder runter – ohne groß mit der Wimper zu zucken; Buchanan fokussierte sich auf andere Dinge, sodass es zwei, drei Anläufe brauchte, bis er das ohne Zwischenfälle mitmachte.

      So steigerten wir uns immer mehr: erste einfache Naturhindernisse, erste Hindernisse mit Borsten, die auch die sonst so abgeklärt wirkende Cobie zeitweise ein bisschen in Stutzen brachten, das erste Wasser. Dabei standen die Stuten dann auch schon längst mit allen vieren im Wasser, bis Cat Boo (was für ein passender Spitzname!) hineinbrachte. Ein paar Minuten blieben wir noch stehen; um den Lerneffekt zu erhöhen, probierte Cat das Reinlaufen noch ein paar Mal, bis auch Boo das einigermaßen flüssig machte. Dann drehte sie noch ein paar Runden im Trab – Aquatraining sollte man mitnehmen wo’s ging, und das Plantschen war auch eine neue Erfahrung. Nachdem Boo dann auch einigermaßen tapfer ins Wasser rein- und rausgaloppierte, erklärte Cat das Training für den jungen Hengst als beendet; er hatte heute genug gelernt und sollte nicht gleich überfordert werden. Rosewood und Cobie hingegen sollten noch ein bisschen arbeiten; auch sie sollten ruhig ins Wasser reingaloppieren und rausgaloppieren, anschließend folgte der erste Aussprung – erst im Trab, dann später im Galopp – und auch das erste Kantenklettern stand noch auf dem Plan. Je nachdem, wie lange der Geländeplatz noch befahrbar war, sollten die drei Youngster auf jeden Fall noch einmal hinfahren, damit sie das Gelernte noch ein bisschen festigen konnten, bevor es in die Winterpause ging.

      Hallelujah und Seattle Slew waren auf dem Geländeplatz voll in ihrem Element und hatten, wenn man ihre wachen Augen beobachtete, die zuckenden Ohren und natürlich das breite Grinsen im Gesicht ihrer Reiter, ein gutes Training hinter sich, als wir uns kurz darauf alle wieder an den Hängern trafen.

      Die Woche drauf nahm Jette fast eine reine Mädelsrunde mit; ihre eigene Stute Shotgun, die zwei Ausbildungsstuten Cassiopeia und Mania und dazu noch den Trakehnerhengst Equinox. Ich wäre zwar gerne mitgefahren, hatte allerdings auf dem Hof noch genug zu tun, sodass ich Conni den Vortritt ließ. Die Pferde der zweiten Runde hatten allesamt etwa gleich viel Erfahrung und machten, bis auf ein paar Aussetzer auf Seiten der Stuten, auf Jette auch einen guten Eindruck. Auch die sollten, wenn das Wetter mitspielte, noch einmal auf den Platz fahren und auch den Winter über an einigen Indoor Cross Country Turnieren teilnehmen.

      Geposted am: 31.10.2020
      Von: Rhapsody
    • Rhapsody
      Steenhof, 10. November
      Молотов, Quintessenz, Blitzkrieg Bop, Quantensprung, Dark Necessities, Antares, Painted Gold, Amalthea, Kobik, Charon, Bohème, Balboa, Simplicity of Sophistication, Painted Basquiat, PFS' Gamble Away, Dante's Wild Lady, Painted Taloubet, Dark Innuendo, Contia Socks, A Touch of Peace, Cover the Venus, HGT's Saevitia, Dark Royale, Cobain, Buchanan, Cobie, Rosewood, Cassiopeia Z, Mania, Shotgun, Seattle Slew, Hallelujah, Equinox II, Callisto, Calista, Ballroom Blitz, Quarterback, Andromeda, Smooth Gravity, Samarra, Benihana, Ironic, Ares, Bucky, Painted Blur, Calina
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      Irgendwann war auch leider die schönste Weidezeit vorbei. Die Hengste tummelten sich in Kleingruppen auf den Paddocks und veranstalteten Wettbewerbe, wer sich am schnellsten und effektivsten dreckig machen konnte; die Stuten hingegen wurde noch ein kleines Stück Gras gegönnt. Das Winterfell war fleißig am Wachsen, die ersten Pferde wurden geschert, die Ställe hingen wieder voll Abschwitz- und, nach dem Mistwetter der letzten Tage, auch Regendecken.

      In diesem grauen und regnerischen Novemberwetter fiel das Absetzen der Fohlen. Ein halbes Jahr oder mehr hatten sie mit ihren Müttern in der großen Gemeinschaft verbracht, jetzt ging es in das erste eigene Abenteuer. Und dieses Jahr würde ich sogar teilweise die Aufzucht übernehmen; mit fünf Stutfohlen hatte ich eine schöne kleine Gruppe beisammen. Die drei Hengstfohlen Quantensprung, Antares und Blitzkrieg Bop, hatte ich in der gleichen Aufzucht untergebracht, in der auch schon Charon vor zwei Jahren einen Platz gefunden hatte.

      Die größeren Fohlen, also Kobik, Painted Gold und auch Amalthea, hatten sich schon länger ein bisschen von den Müttern abgekapselt; sie waren sieben, fast acht Monate alt und gingen größtenteils ihren eigenen Weg. Mit ihnen hatte ich das allein bleiben auch schon intensiver geübt, sodass sie kaum noch mit der Wimper zuckten, als ich Bucky, Andromeda oder Golden Lights aus dem Stall führte. Als ich also Anfang November die drei Fohlen aufhalfterte und zum Übergang in eine umgebaute Box im Ausbildungsstall führte, war da wenig Abschiedsschmerz; die Fohlen folgten mir gespannt über den Hof, die Mütter riefen einmal kurz nach ihnen, aber dann war das Ganze auch schon vorbei.

      Bei anderen Fohlen lief das schon ein bisschen anders ab. Benihana, die ja eigentlich schon eine mehr oder weniger erfahrene Zuchtstute war und nicht zum ersten Mal durch das ganze Absetzen ging, stellte sich als wahre Glucke heraus. Das bedeutete, dass auch Antares das alles nicht so mitmachte, wie ich es mir erhoff hatte – im Endeffekt gab es dann nur viel Aufregung im Offenstall, weil sich natürlich alle anderen Stuten davon anstecken ließen und wie kopflose Hühner über den Paddock rannten. Da war also besondere Vorsicht geboten; Antares war eigentlich ein sehr neugieriges und aufgeschlossenes Fohlen, was wir uns zu Nutze machen konnten. Während Benihana am Putzplatz blieb und dort von Jette oder Cat betüddelt wurde, lenkten Hauke und ich Antares so gut wie möglich ab, damit er gar nicht größer mitbekam, wenn seine Mutter wieder in den Stall verschwand. Mit viel Übung wurde dann die Zeit, die er alleine verbrachte, immer länger, und auch an diesem Novembermorgen gab es nur ein kurzes Abschiedskonzert, ehe die Neugierde überwog und er mir mehr oder weniger freudig in die Box im Ausbildungsstall folgte. Quantensprung und auch Bobby folgten kurz darauf; die Hengstgruppe war also schon einmal fertig zusammengestellt. Alle drei würden heute Nachmittag dann zum Aufzuchtstall gefahren werden – erst, wenn das passiert war, würde ich entspannen können.

      Zu den Stutfohlen gesellten sich dann auch noch Quintessenz und Dark Necessities mit mehr oder weniger Problemen; kurz darauf ging es dann – noch am Halfter, damit kein Fohlen noch schnell auf Weltreise ging – Richtung Weide. Die Stutfohlen würden eine der Weiden beziehen, die an der Auffahrt zum Steenhof lag; dort war genug Platz für die fünf zum Rennen und Toben, bei komplettem Mistwetter konnten sie sich unterstellen und Heu würde auch zu gefüttert werden. Ein kleines Paradies für Jungspunde. Ein paar herzzerreißende Wieherer gingen noch in Richtung Hof; nach einer halben Stunde hatten sich dann aber alle Stutfohlen mit der neuen Situation angefreundet; immerhin kannten sie sich ja untereinander schon und hörten dort auf, wo sie vor einer Stunde im Laufstall aufgehört hatten.

      Ich beschloss, dass ich mir eine kleine Mittagspause verdient hatte. Und nach dem Lärmpegel, der mir bei Betreten meines Hauses entgegenschlug, zu urteilen, hatten sich auch die anderen eine kleine Auszeit gegönnt. In der Küche saßen Cat, Jette, Hauke und Levi, in der Mitte vom Tisch lagen Pizzaschachteln; vier davon bereits aufgeklappt und halb leer, einer noch komplett unangetastet – zielstrebig schnappte ich ihn mir, ließ mich auf einen leeren Stuhl fallen und inhalierte das erste Stück.

      Die anderen diskutierten über das letzte Geländetraining des Jahres, das vor zwei Wochen stattgefunden hatte, und welche Pferde vielleicht von Indoor-Training profitieren könnte – denn natürlich blieb in der Mittagspause das Trainings-Thema nicht aus. Ich klinkte mich da ein bisschen aus und konzentrierte mich lieber auf die Pizza; immerhin musste ich schauen, wie ich ohne großen Schaden drei übermütige Hengstfohlen transportieren sollte. Hänger fahren hatten wir natürlich bereits den ganzen Sommer über geübt, allerdings hatte das nur einwandfrei geklappt, wenn die Muttis dabei waren.

      Während ich noch abwägte, ob ich lieber drei Fahrten machen sollte oder im großen Hänger alle drei Fohlen packen konnte, ohne dass sie sich auf der Fahrt zerfleischten, merkte ich gar nicht, wie die Konversation am Tisch verstummte. Erst, als mir Hauke aufs Schienbein kickte, merkte ich, wie mich vier Gesichter hoffnungsvoll anstarrten.

      „Äh. Was?“

      Cat räusperte sich und blickte mich unsicher an. „Ich hab gerade von meinem Bruder erzählt. Und dass er sich ein Fohlen gekauft hat.“

      „Oh,“ machte ich. Cats Bruder … da klingelte etwas. „Der, der dich hergebracht hat? Mit dem großen Hund? Meintest du nicht, dass er absolut nichts mit Pferden am Hut hat?“

      „Bis vor ein paar Jahren zumindest,“ gab sie zu.

      „Hat ihn nicht davon abgehalten, sich mal eben ein Pferd zu holen,“ kommentierte Levi mit hochgezogenen Augenbrauen, was von Cat mit einem Blick quittiert wurde, der soviel wie „Ich stimme dir zwar zu aber sag bloß nichts Böses mehr über meinen Bruder sonst knallt’s“ sagte. Das schien bei Levi auch soweit anzukommen; er hob beschwichtigend beide Hände in die Höhe.

      „Auf jeden Fall hat Lesja jetzt dieses Hengstfohlen in Mecklenburg stehen, aber er sucht noch einen Aufzuchtsplatz.“ Cat machte eine kleine Pause, sah mich mit großen, runden Augen an. „Und da dachte ich sofort an dich, Fritzi.“


      Ich blinzelte ein paar Mal. „Mich? Ich fahr meine Hengstfohlen doch selber später weg zur Aufzucht.“

      „Und da wäre kein Platz mehr frei?“ bohrte Cat nach.

      „Äh, ich kann höchstens mal anrufen…?“

      Jetzt hatte Hauke die Stirn gerunzelt. „Hast du nicht noch ‘ne Weide frei? Im Wald hinter den Hengsten?“

      „…Theoretisch. Auf was wollt ihr hinaus?“ fragte ich schließlich; langsam beschlich mich das Gefühl, dass da noch mehr dahintersteckte. Hauke schlug sich daraufhin die flache Hand auf die Stirn, Cat und Jette lachten nervös.

      „Was?“ meinte ich, etwas indigniert. „Was habt ihr da schon wieder ausgemacht?“

      Hauke lehnte sich nach vorne und sah mich an, als wäre ich ein kleines Kind, dem er gerade erklären musste, warum man keinen Dreck essen sollte. „Du hast Platz. Du hast vier Hengstfohlen.“

      Jetzt runzelte ich die Stirn. „Ihr wollt, dass ich mich selber um die Aufzucht kümmere?“

      Jette zuckte mit den Schultern. „Warum nicht? Dann sind sie trotzdem unter deinem wachsamen Auge, du bist sofort da, falls was ist, die Babys haben genug Spielkameraden,“ Jette breitete die Arme in einer Voilà-Geste aus. „Es wäre dumm, wenn du es nicht machen würdest.“

      Das musste ich jetzt erst einmal gründlichst überlegen. Klar, Platz war da, und ich hatte selbst die Hand über die weitere Erziehung meiner Hengste; allerdings war mir bei Hengsten vor allem die Sozialisation in einer großen Gruppe wichtig, damit aus den Fohlen später einmal normal funktionierende Pferde würden. Vier waren zumindest schon einmal mehr als drei (wow, Mathegenie coming through!), aber im Aufzuchtstall waren etwa acht bis zehn Fohlen in einer Herde.

      Nach dem Mittagessen gingen alle wieder an ihre Arbeit zurück; für mich bedeutete das erst einmal ein bisschen rumtelefonieren. Zum einen mit dem Besitzer des Stalls, in den ich meine drei Fohlen fahren wollte; der konnte das Fohlen von Cats Bruder definitv nicht noch mit aufnehmen. Und weil ich eine so soziale Person war, setzte ich mich an den Laptop und postete eine Anzeige in diversen Facebookgruppen und Foren, dass ich ein paar Plätze zur Fohlenaufzucht frei hatte.

      Toll. Jetzt durfte ich mich auch noch mit anderen Pferdebesitzern rumschlagen. Danke dafür, Team.

      Als ich Cat davon erzählte, fiel sie mir quietschend um den Hals und rannte dann zurück ins Haus, um sofort ihren Bruder anzurufen. Ich hingegen machte mich auf die Suche nach Hauke; immerhin hatten wir eine Weide auf Vordermann zu bringen.

      Quantensprung, Antares und Bobby kamen für die nächsten Tage doch noch einmal zurück zu den Stuten, bis alles fertig war. Auf die Anzeige meldeten sich tatsächlich eine ganze Handvoll Leute, sodass gegen Ende der Woche sowohl die Stut- als auch die Hengstfohlen auf eine Gruppe von jeweils rund zehn Fohlen angewachsen war. Für die ich jetzt alle die Verantwortung trug. Na klasse.

      Der Tag der Tage kam am Wochenende; Hauke und Cat fuhren früh samt Hänger los, um das Fohlen ihres Bruders in Mecklenburg abzuholen. Jette wäre gerne mit Quarterback ausreiten gegangen, wurde von mir aber dafür verdonnert, mir bei der Ankunft der restlichen Fohlen zu helfen. Ein zweites Mal wurden die drei restlichen Hengstfohlen aus dem Laufstall geholt; dieses Mal ging es sofort auf die Weide. Ich hoffte ja nur, dass sie auch noch so kleine Engel waren, wenn auch die restlichen Fohlen dazu stoßen würden.

      Gegen Nachmittag waren dann auch fast alle Neuzugänge verräumt; gegen 15 Uhr rollten dann auch Hauke und Cat samt vollem Transporter auf den Hof. Sie hatten auch Cats Bruder gleich mitgebracht, der motiviert aus seinem eigenen Auto sprang, sobald dieses hinter dem Hänger zum Stillstand kam. Nach ihm kletterte auch ein langbeiniger Hund mit zotteligem Fell und langer, schmaler Nase hinterher; er blieb jedoch am Wagen stehen und beobachtete sein Herrchen mit einem fast schon entnervten Blick.

      Cat half ihrem Bruder beim Ausladen eines feuerroten Fohlens, das sich neugierig auf dem Hof umguckte und gleich einmal laut alles zusammenschrie; Antwort kam aus dem Laufstall und dem Ausbildungsstall, und auch von dort nicht zu leise.

      Cats Bruder hatte mich entdeckt und stellte sich wie ein Riese vor einem Zwerg vor mich hin. „Hi, du musst Fritzi sein? Vielen Dank nochmal für die schnelle Hilfe.“ Dabei schüttelte er mir die Hand so stürmisch, dass ich fast das Gleichgewicht verlor.

      „Da kannst du deiner Schwester danken,“ meinte ich. „Dank ihr bin ich jetzt Kindergärtnerin.“

      Cats Bruder runzelte die Stirn, aber Cat, die meine mit Sarkasmus und Desinteresse maskierte Nervösität schon von Anfang an als solche erkannt hatte, winkte ab. „Hör nicht auf sie, sie liebt es. Und sie wird den kleinen Molotov genauso mögen.“

      „…Molotov?“ hakte ich nach, das Grinsen stark zurückhaltend. „Wirklich? Molotov?“

      „Passt zumindest von der Farbe gut,“ meinte Hauke, der jetzt dazu gekommen war, ebenfalls mit einem leichten Schmunzeln.

      Cats Bruder ignorierte das entweder oder bekam es gar nicht mit; stolz zeigte er auf das Hengstfohlen, das sich an Cats Hand vor allem schon einmal mit dem Gras am Wegrand bekannt machte, dann auf den langbeinigen Hund, der mittlerweile zu seinen Füßen lag, und anschließend auf sich selbst: „Molotov, Misha, Jelisej. Die rote Gefahr.“

      „Gott, du bist ungefähr genauso ein Jelisej wie ich eine Jekaterina. Fritzi, Hauke, das ist Lesja,“ schaltete sich schließlich Cat ein, mit einem leicht entnervten Tonfall. „Lesja, das sind Fritzi und Hauke.“

      „Freut mich dich kennenzulernen,“ meinte ich trocken. „Sollen wir noch länger hier dumm rumstehen oder wollen wir dein Fohlen aufräumen?“

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      Molotov etablierte sich schnell als Anführer der kleinen Truppe, auch wenn sich Bobby davon erst noch ein bisschen überzeugen lassen musste. Auf dieser Weide, die halb im Wald lag, hatten die acht Hengstfohlen viel Platz zum Spielen und konnten sich auch einmal aus dem Weg gehen. Zum Unterstellen hatten Hauke und ich noch schnell in den letzten Tagen einen kleinen Unterschlupf zusammengezimmert, sodass die Hengstfohlen auch bei Wind und Wetter trocken bleiben konnten.

      Während Cat ihrem Bruder noch den restlichen Hof zeigte und Hauke neugierig hinterherschlappte, machte ich mich noch auf den Weg zur kleinen Stutenherde. Auch hier war die größte Aufregung der Neuzugänge mittlerweile abgeebbt. Auf der großen Weide konnte ich vom Zaun aus nur ein paar der Fohlen in der Distanz erkennen, die nebeneinander grasten; zwei erkannte ich noch an der kleinen Hütte. Kurzerhand kletterte ich unter dem Zaun hindurch und machte einen kleinen Rundgang, um mir sicher zu sein, dass alle Stutfohlen auch noch da waren, wo sie hingehörten. Neben meinen eigenen fünf Fohlen hatten sich noch fünf weitere junge Stuten dazugesellt; drei Warmblüter, ein Reitpony und eine junge Schleswigerstute. Viele der neuen Fohlen waren mir gegenüber noch ein bisschen skeptisch, aber die würden schon auch noch herausfinden, wer die Möhrchen verteilte.
      Nach meiner kurzen Zählrunde – alle Stutfohlen waren an Ort und Stelle – fand ich Hauke, Cat und ihren Bruder Lesja an der Reithalle, in der Jette gerade mit Hallelujah trainierte. Cat gestikulierte wild, während Lesja anscheinend aufmerksam zuhörte. Hauke hingegen war der erste, der mich entdeckte und mir entgegenkam.

      „Cat hat gerade vorgeschlagen, dass wir alle noch eine kleine Runde um den Hof machen. Damit ihr Bruder alles nochmal besser kennenlernt. Bist du dabei?“

      Ich guckte auf die Uhr, dann kritisch zum Himmel hinauf. Noch keine Anzeichen von aufsteigender Dunkelheit, aber die Tage wurden immer kürzer. „‘ne kurze Runde bin ich dabei. Jette auch?“

      Hauke sah kurz in die Halle hinein, in der Jette gerade Galoppwechsel übte. Hallelujah, der für ein Warmblut ziemlich gut Winterfell geschoben hatte, war bestimmt schon ziemlich nassgeschwitzt. „Wenn wir noch kurz warten, ist Jette bestimmt zum abreiten dabei.“

      „Na dann los,“ sagte ich.

      Für Cats großen Bruder ein passendes Pferd zu finden, war gar nicht so leicht. Kurzerhand setzten wir ihn – mit Jettes Einverständnis – auf Shotgun. Recht viel größer ging es nicht, und im Gegensatz zu Cassiopeia war Shotgun durchaus verlässlicher. Hauke sattelte sich Dark Royale, Cat wartete mit Saevitia schon auf dem Hof; sie würde Shotgun locker als Handpferd nehmen, für alle Fälle. Lesja hatte nach eigenen Angaben zwar schon die ein oder andere Reitstunde genommen (was Cat wie ein Honigkuchenpferd grinsen ließ vor lauter Stolz), aber sicher war sicher.

      Ich selbst hatte mich für Contia Socks entschieden; die junge Stute hatte tolle Fortschritte gemacht. Mittlerweile konnte man sie schon in der großen Halle reiten und erste leichte Trainingseinheiten üben. Im Gelände war sie noch etwas schreckhaft, aber das wurde von Mal zu Mal besser.

      Nach dem Ausritt beanspruchte Cat noch einen gemeinsamen Filmabend mit Burger und Horrorfilmen. Da zeigte sich, dass sie ihren Bruder komplett um den Finger gewickelt hatte; während Jette und Hauke sich durchaus für die Idee aussprachen, sah man Lesja deutlich an, dass er sich eigentlich auf den Weg machen sollte.

      Kurzerhand schritt ich ein. „Ich glaub, der Tag war aufregend genug. Und Lesja muss ja auch noch heimfahren.“ Über Cats Kopf warf mir Lesja einen dankbaren Blick zu. „Das holen wir wann anders nach.“

      Kurz schob Cat ihre Unterlippe vor und war auch kurz davor, die kleine-Schwester-Karte auszuspielen; dann seufzte sie aber und zuckte mit den Schultern. „Ja, Fritzi hat Recht. Ich bring dich noch zum Auto.“

      Wir verabschiedeten uns kurz, ich versicherte Lesja nochmals, dass ich mich um seinen Molotov kümmern würde wie um meine eigenen und er natürlich so oft zum Besuch kommen durfte, wie er wollte (was Cat dann noch einmal unterstrich, indem sie ihm anordnete, innerhalb der nächsten zwei Wochen wieder aufzukreuzen). Während Cat ihren Bruder also zum Auto begleitete, gingen Hauke, Jette und ich zurück zu den Ställen; für Jette standen noch mindestens zwei Pferde auf dem Plan für heute, Hauke war dafür zuständig, die Pferde auf den Paddocks langsam einzusammeln und ich wollte noch mit Dark Innuendo eine kleine Trainingseinheit starten. Ähnlich wie Contia wurde auch Uno immer sicherer unter dem Sattel und wir arbeiteten schon fleißig an der Losgelassenheit. Wenn das noch etwas mehr gefestigt war, dann sollte auch die ersten kleineren Cavaletti-Sprünge mal dazu genommen werden.

      Nach dem Reiten mit Uno, dem Füttern der Pferde und dann dem Füttern der Menschen (wir holten uns doch noch Burger und machten einen Mini-Filmabend, sorry Lesja), machte ich mich nachts noch einmal zu einer letzten Runde über den Hof auf. Jelly war mir bereitwillig aus dem Haus gefolgt; bei der Abendrunde konnte ich Peanut nur selten dazu überreden, mit rauszukommen; Jelly hingegen schien jetzt erst richtig wach zu werden. Die Nase fest auf den Boden gedrückt, rannte sie gute zehn Meter vor mir umher, einmal in die Büsche, dann wieder zurück zu mir. Gemeinsam gingen wir kurz durch den Ausbildungsstall, Laufstall und den Hengststall, deckten das ein oder andere Pferd noch ein und kontrollierten, ob auch alles in Ordnung war. Auf dem Weg zur Waldweide blieb Jelly dicht bei mir; das war ihr auch nicht so ganz geheuer. Der Weg war nicht ausgeleuchtet, die Bäume wurden immer größer und blockten den Großteil des Mondlichts ab. Mit der Handytaschenlampe kletterte ich durch den Zaun und machte eine mentale Notiz, Hauke morgen mit der Beleuchtung der Weiden zu beauftragen. Das Licht der Taschenlampe reichte nicht weit, also ging es noch einmal quer über die Weide – aber alle Hengstfohlen, die hier sein sollten, waren es auch. Kurz kontrollierte ich noch einmal, ob sie noch genug Heu hatten und ob die Tränken auch funktionierten, dann ging es wieder zurück Richtung Hof, am Haupthaus vorbei, zu den Stutfohlen. Auch hier war alles ruhig und die Fohlen vollständig; das ließ sich schnell zählen, weil sie sich alle schon in die kleine Hütte in einen Kreis gestellt hatten. Auch hier war es nicht besonders hell, auch wenn vom Straßenrand ein kleines bisschen an Straßenlicht ankam. Mentale Notiz Nummer 2: auch hier wegen Beleuchtung anfragen.

      Langsam stieg Nebel auf und umhüllte den Hof. Ich zog meine Jacke enger um mich herum, ignorierte meinen sichtbaren Atem und pfiff nach Jelly, die auch schon kurz darauf angerannt kam. Dann ging es zurück ins Haus – Schluss für heute.

      Geposted am: 07.11.2020
      Von: Rhapsody
    • Rhapsody
      Steenhof, 18. Februar
      Calina, Painted Blur, Bucky, Ares, Ironic, Benihana, Samarra, Smooth Gravity, Andromeda, Quarterback, Ballroom Blitz, Calista, Razita, Callisto, Equinox II, Hallelujah, Fiebertraum, Seattle Slew, Possy Pleasure Mainstream, Shotgun, Mania, Cassiopeia Z, Rosewood, Exciting Force, Cobie, Buchanan, Cobain, Dark Royale, HGT's Saevitia, Cover the Venus, A Touch Of Peace, Contia Socks, Dark Innuendo, Painted Taloubet, Dante's Wild Lady, PFS' Gamble Away, Painted Basquiat, Simplicity of Sophistication, Balboa, Bohème, Charon, Kobik, Amalthea, Painted Gold, Antares, Dark Necessities, Quantensprung, Blitzkrieg Bop, Quintessenz, Молотов
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      Wer behauptete, die Wintermonate waren ruhig und liefen so still vor sich her, der hatte den Winter noch nicht auf dem Steenhof verbracht. Von ruhig und still waren wir so weit entfernt, dass es schon nicht mehr lustig war.

      Neben dem Trainingsbetrieb, bei dem Jette immer wieder meine Unterstützung brauchte, musste ich natürlich auch ein Auge auf meine Mommys-to-be werfen. Der Fohlenjahrgang 2021 würde wahrscheinlich nicht ganz so groß wie der aus dem vorherigen Jahr, aber darum war ich ganz froh. Bis es aber soweit war, dauerte es auch noch eine gute Weile; während Kobik bald schon ihren ersten Geburtstag feierte, würden die Fohlen dieses Jahr hoffentlich in eine etwas wärmere Zeit purzeln. Ob die Stuten dann natürlich auch bis dahin abwarteten, stand auf einem anderen Blatt geschrieben. Aber Anfang März machte keine der Damen Anschein, dass sie von jetzt auf gleich fohlen wollen würde – vielleicht fruchteten meine allabendlichen Ansprachen im Laufstall, die ich vor versammelter (Stuten-)Mannschaft abhielt. Vielleicht gefiel den Stuten auch einfach nur das Programm, das sie momentan bekamen; sowohl die trächtigen als auch die fohlenfreien Stuten genossen leichtes Training, abgewechselt mit gediegenen Ausritten um den Hof. Denn, und hier kam ich zum Punkt Nummer 2: Unsere Jungpferde wollten sich ja auch langsam mal ein bisschen in der Welt bewegen.

      Während Contia Socks höchstwahrscheinlich im Frühjahr schon in Jettes Trainingsrotation kam und dann ordentlich gearbeitet wurde, musste Unos Vertrauen in den Reiter und ihre Umgebung noch ein bisschen gestärkt werden – wir ritten also aus, bis wir die ganzen Strecken nicht mehr sehen konnten, meistens mit einer routinierten Stute, die der Kleinen Ruhe vermittelte. Ähnlich fuhren wir auch bei Taloubet und bei Dante – denn auch die zwei waren über den Winter langsam angeritten worden. Während Taloubet aber bereits einigermaßen frei vor sich hin stapfte, war Dante meist noch als Führpferd mit Reiter unterwegs. Sie würde aber auf jeden Fall den Sommer noch einmal auf der Weide verbringen – noch hatten wir keine Eile und ich war mir sicher, dass sie die Zeit noch einmal gut verkraftete, um dann im Herbst richtig durchstarten zu können. Bei Taloubet hingegen war ich mir noch etwas uneins; der Hengst schien als Reitpferd regelrecht aufzugehen, und früher oder später sollte er ja auch auf die HLP vorbereitet werden. Andererseits war er auf der momentanen Prioliste noch ziemlich weit unten – höchstwahrscheinlich würde ich also auch ihn noch einmal einen Sommer auf die Weide stellen oder zumindest mehr an den Grundlagen feilen, ehe es ans richtige Training ging. Und auch Gambit, das junge Vollblut, war langsam für sein Reitpferdeleben bereit; er war ja bereits auf der Rennbahn gewesen, man musste also nicht komplett von Null auf anfangen, aber daraus ein super Vielseitigkeitspferd zu machen, war dann doch eine Heidenarbeit. Ich hatte mich zwar für die ersten Springstunden bereit erklärt, doch bis jetzt fehlte Jette noch die Ruhe, bis sie den jungen Vollbluthengst an die Stangen ließ.

      Und jetzt zu Punkt 3 und der wichtigste Grund, warum dieser Winter doch mehr Arbeit machte, als ich eigentlich dachte: Der Steenhof wuchs so gesehen exponentiell. Neben ein paar neuen Zuchtpferden – zwei Warmblutstuten, ein Vollbluthengst – und einem neuen Vollbluthengst für Jette hatte ich nämlich eines verhängnisvollen Tages eine Schicksalsnachricht von meinem Vater bekommen.

      Schon als ich seinen Namen auf dem Display sah, machte mich das stutzig. Lasse Tersteegen war ein typischer Technik-Feind, hatte nur unter großem Murren ein Smartphone akzeptiert und nutzte es auch eigentlich nur im äußersten Notfall. Und Telefonieren war eh nie sein Metier gewesen – das überließ er lieber Mama. Als ich also seinen Namen auf dem Display sah, fiel mir fast das Handy in den Matsch. Ich konnte es aber gerade noch so fangen und nahm so schnell wie möglich ab. „Was ist los?“

      Ein paar Sekunden Stille, dann die grummelige, tiefe Stimme meines Vaters. „Mach dir nicht in die Buchse, alles gut. Aber – ich hab doch erst mit Janssen geredet, nicht?“

      Ich stutzte ein wenig. „Ja, das hast du wohl mal erwähnt…?“ Wollte mein Vater jetzt mit mir über seine alten Arbeitskollegen sprechen? Dann war heute deutlich unpassend – ich war gerade dabei, die Jährlinge auf ihren Koppeln mit neuen Heuballen zu versorgen, war gerade erst vom Trecker geschrieben und hatte Hauke noch fünf Minuten zuvor versprochen, mich zu beeilen, damit wir noch den Platz abziehen konnten, der mittlerweile wieder aufgetaut war und dementsprechend eine einzige Seenplatte war. „Papa, sorry, aber ich hab echt zu tu–“

      „Ist wichtig, solltest also dran bleiben,“ meinte mein Vater sofort. Also gut. Hauke würde sich ein paar Minuten gedulden müssen. Ich kletterte auf den Trecker und schaltete ihn aus. Die kleinen Hengste sahen mich vorwurfsvoll an – immerhin warteten sie auf ihr neues Futter. Aber auch die mussten sich wohl kurz gedulden.

      „Janssen hat da einen alten Freund, der seine Ponys irgendwo unterstellen muss. Sind insgesamt zehn. Schon, oder?“

      Mir dämmerte es. „Papa, was hast du gemacht?“

      Und so kam es, dass ich von heute auf morgen eine meiner Koppeln abgeben musste, weil mein Vater dem Bekannten eines alten Freundes und seinen Welsh-Ponys versprochen hatte, dass sie auf dem Steenhof Platz finden würden. Insgesamt waren es sechs Stuten und vier Hengste. Und ausnahmsweise waren die Hengste das kleinste Problem; im Hengststall waren noch genug Boxen frei, und auch auf die Paddocks und Weiden konnte man sie irgendwie verfrachten. Aber sechs Stuten wollten auch noch einen Platz finden. Der Laufstall selbst platzte eigentlich schon aus allen Nähten. Es blieb also nichts anderes übrig, als auf eine der verbliebenen Wiesen einen Unterschlupf zu bauen. Ich konnte Haukes Begeisterung dafür jetzt schon spüren. Wenigstens hatten wir noch genug Zeit, um alles noch herzurichten, einen ordentlichen Unterstand zu bauen und Papa weiterhin ein schlechtes Gewissen zu machen, bis er mir schließlich eine seiner eigenen Weiden zur Verfügung stellte; im Herbst würden dann die bis dahin einjährigen Stuten umziehen, um Platz für die diesjährigen Fohlen zu machen.

      Doch langsam aber sicher musste ich mir bewusst machen, dass sich der Steenhof wohl vergrößern musste. Und das ging einher mit neuem Personal.

      Yay, Bewerbungsgespräche.

      Geposted am: 31.03.21
      Von: Rhapsody
    • Rhapsody
      Steenhof, 31. März
      Buchanan
      Springen E-A

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      Winter bedeutete für die meisten Sportpferde eine gewisse Verschnaufspause – die Menschen hatten genug um die Ohren und bis die Saison anfing, konnte man sich das ja mal gönnen. Auch Jette sah tatsächlich einen Sinn darin, um die Motivation aufrechtzuerhalten. Sie meinte damit bei den Pferden. Ich glaubte ja, dass das auch beim Menschen nicht zu vernachlässigen war.

      Die Arbeit den Winter über war dementsprechend ein bisschen leichter. Augenmerk lag vor allem daran, die Grundlagen aufzubessern: den Takt, die Aufrichtung, die Geraderichtung. Da die Fohlensaison später als sonst anfangen würde, wurden auch die Zuchtstuten mit eingebunden. Manchen merkte man richtig an, wie sehr sie daran Spaß hatten, auch wenn es “nur” einfache Dressurübungen waren. Und wenn das Pferd unter einem selbst unheimlich motiviert war, machte die Arbeit dem Reiter umso mehr Spaß. Ich freute mich den gesamten Winter über, wenn ich Bucky satteln konnte und die nächsten vierzig Minuten mit einer super losgelassenen Stute an den Basics arbeiten konnte. Bei anderen Stuten war das hingegen ein kleiner Kampf; Andromeda, absolut springbetont und -verrückt, hatte die meiste Zeit keine Lust auf Verstärkungen, Traversalen und Schrittpirouetten, und diskutierte dann gern aus. Ähnlich war es auch mit Samarra – die Trakehnerstute besaß einen ziemlichen Dickschädel und klare Vorstellungen, wie sie ihre Zeit verbringen wollte: ganz sicher nicht in der Reithalle, in ordentlicher Aufrichtung und Mitteltrab.
      Bei den Zuchtstuten ging es auch gar nicht wirklich darum, dass sie bestimmte Lektionen lernen sollten. Vielmehr galt es, ihnen ein bisschen Abwechslung zu bieten, sie daran zu erinnern, was sie eigentlich so konnten, um dann idealerweise nach dreißig bis vierzig Minuten von einem zufriedenen Pferd zu steigen. Das sah bei anderen Pferden natürlich anders aus. Die Neuzugänge Razita, Possy Pleasure Mainstream und Exciting Force mussten nach der Eingewöhnungsphase oftmals erst noch die Beine sortieren und langsam ihren Takt finden. Weil das ein bisschen mehr Können brauchte, als ich das selbst hatte, war das vor allem Cats Aufgabe, und die erfüllte sie hervorragend. Nach nur wenigen Wochen sah man vor allem bei Razita und Possy, welches Potenzial in ihnen steckte und was sie vor ihrem Leben als Zuchtpferde so machten. X, wie wir den knuffeligen Vollbluthengst schnell getauft hatten, hatte noch ein bisschen Probleme mit dem Abwärts – dafür mangelte es nicht am Vorwärts. Hier kam das Vollblut schon ordentlich durch. Bis X erfolgreich auf Turniere gehen konnte, würden wohl noch ein paar Wochen vergehen – aber da gab es keine Eile. Genauso bei Cobain, dem Vollblut aus England, der das Reitpferdesein noch üben musste.
      Auch keine Eile gab es bei Equinox, Hallelujah und Cassiopeia; die drei kannten den alltäglichen Trubel mittlerweile ganz gut. Equinox stach hier ein bisschen heraus und meisterte die Lektionen der schweren Klasse mit einer Leichtigkeit, die ich sonst nur von Quarterback kannte. Das komplette Gegenteil: Hallelujah, der lieber seinen Dickkopf durchzusetzen versuchte, statt ordentliche Traversalen zu gehen.
      Auch ein paar Jungspunde lernten neue Dinge dazu. Dark Royale und Saevitia zählte ich auch noch dazu, obwohl beide schon ihre ersten M*-Lektionen lernten. A Touch Of Peace hingegen wurde auf die ersten L-Dressuren vorbereitet – mit viel Geduld und Ruhe, versteht sich, sodass diese Dressurturniere wohl noch eine Weile auf sich warten ließen. Peace war nicht untalentiert, aber mit ihren sechs Jahren doch noch ein bisschen grün hinter den Ohren. Neben den L-Lektionen warteten deswegen viele Übungen zur Ausbildungsskala auf sie, damit sie sich auch reell versammeln konnte. Und auch mit Contia Socks und Venus arbeitete vor allem ich an den Grundlagen der Dressur, die der einen mehr, der anderen weniger gefielen. Aber die Grundlagen mussten sitzen, damit sie gesund blieben – also Augen zu und durch.

      Das Springen kam natürlich auch nicht zu kurz – aber deutlich kürzer als im Sommer. Denn die meiste Zeit war der Springplatz nicht wirklich nutzbar, sodass wir auf die Halle ausweichen mussten. Die Halle war zwar angenehm groß, doch wirklich Parcoursspringen, wenn auch nur klein, waren nur selten möglich – nämlich dann, wenn kein anderer etwas in der Halle machen wollte. Wir konzentrierten uns also darauf, vor allem den Rhythmus zu verbessern, mit viel Springgymnastik und nur wenig Höhe. Das tat sowohl den routinierten Springern, wie Seattle Slew und Smooth Gravity, wie auch den Novizen wie Buchanan und Rosewood ganz gut. Und Fiebertraum, dem neuen Palominohengst, eh.

      Ein paar ausgewählte Pferde durften im Winter sogar über Geländehindernisse springen. Jette war ja darauf bedacht, den Pferden viel Abwechslung zu bieten. Solange es also ging, ging es fast wöchentlich auf einen Geländeplatz und als die nicht mehr begehbar waren, ging es zum Training zu Vereinen. Die zwei auserwählten Stuten waren Jettes eigene, Shotgun, und Mania; vor allem die Fuchsstute hatte sich in den letzten Monaten gut gemacht, und auch wenn sie sich in einem normalen Springparcours deutlich wohler fühlte, machte sie auch auf der Cross Country Strecke keine schlechte Figur.

      Und so kamen wir irgendwie durch den Winter. Durch nasskalte Tage, klirrende Nächte, mit Schnee und ohne. Langweilig wurde es uns nicht – zum Glück.

      Geposted am: 31.03.21
      Von: Rhapsody
    • Rhapsody
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    • Rhapsody
      Steenhof, 17. Mai
      Painted Blur, Ares, Ironic, Quarterback, Ballroom Blitz, Callisto, Equinox II, Hallelujah, Fiebertraum, Seattle Slew, Calina, Bucky, Benihana, Flashlight, Smooth Gravity, Samarra, Andromeda, Calista, Razita, Possy Pleasure Mainstream, Shotgun, Cassiopeia Z, Mania, Rosewood, Exciting Force, Cobie, Buchanan, Cobain, Dark Royale, HGT’s Saevitia, Cover the Venus, A Touch Of Peace, Contia Socks, Dark Innuendo, Painted Taloubet, Dante’s Wild Lady, PFS’ Gamble Away, Painted Basquiat, Simplicity of Sophistication, Balboa, Bohème, Charon, Kobik, Amalthea, Painted Gold, Antares, Dark Necessities, Quantensprung, Blitzkrieg Bop, Molotov, Clio, Calamity, Räuberschatz, Caravaggio, Sommernachtstraum, Auftakt, Fürst der Finsternis, Single Malt, BonnyBoy, Herbsttraum, Alice von Landwein, Sally, Nesquik, Nandalee, Acariya
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      Ich hatte seit Neustem einen Schoßhund.

      Dabei handelte es sich aber weder um Peanut, die Knuddeln nur in den wenigsten Fällen genoss, höchstens duldete. Und es war auch nicht Jelly, die ihre Liebe ein bisschen generöser verteilte, für die “Liebe” aber auch selten als Kuscheln interpretierte, sondern viel lieber als Spielen, Toben, Herumrennen. Nein, meine Corgis hatten keine plötzliche Sinneswandlung und ploppten sich bei jeder Gelegenheit in meinen Schoß. Mein Schoßhund wog an die 38 Kilo und hatte mit 83 cm Schulterhöhe eher die Größe eines Minishettys oder Ponyfohlens.

      Die meiste Zeit bekam ich nicht einmal mit, dass Lesja auf dem Hof war – bis sein Hund plötzlich auftauchte und sich wie selbstverständlich auf meine Oberschenkel platzierte und Liebkosungen einforderte. Die ersten paar Male hatte ich mich kaum bewegen können; Misha sah keine Notwendigkeit, wieder abzudampfen, und ich wollte einen Windhund der Größe nicht ruppig von mir wegschieben (denn ich war immer noch ein bisschen fasziniert von dieser Rasse – sie hatten etwas Aristokratisches an sich, so dass ich jedes Mal, wenn ich Misha sah, das komische Bedürfnis hatte, ihn mit “meine Hoheit” anzusprechen). Das einzige, was mir übrig blieb, war also, damit zu leben; um den Hund herum zu arbeiten und zu warten, bis sein Herrchen auftauchte.

      An diesem Tag hatte Misha mich auf meiner kleinen Terrasse am Gutshaus gefunden, auf der ich die ersten Sonnenstrahlen genoss (gut), Quarterback und Callisto auf der Koppel im Blick hatte (gut) und Bewerbungen durchsah (nicht so gut). Bis jetzt hatte sich da noch nicht viel getan, und das war absolut mein Fehler; sobald ich gehört hatte, dass wir einen ganzen Haufen Ponys bekommen würde, hatte ich zwar den Entschluss gefasst, noch ein oder zwei Pfleger einzustellen – die Stellenanzeigen hatte ich aber erst drei Wochen später veröffentlicht. Was bedeutete: die Ponys waren da – der zusätzliche Pfleger noch nicht.

      Gerade wollte ich Misha um seine fachkundige Meinung bitten – würde sich euer Hoheit, Baron Mikhail von Bad Oldesloe, eher für Verena Franke, 35 Jahre alt, gelernte Bürokauffrau aber mit zehn Jahren Erfahrung als Groom auf einem großen Gestüt in Niedersachsen oder eher für Martin Koenig, 48 Jahre, Pferdewirt entscheiden? – da hörte ich laute Schritte aus dem Wohnzimmer. Misha schien den Gang seines Herrchens zu erkennen, zumindest spitzte er kurz die Ohren, machte aber keine Anstalten, seinen Thron zu verlassen.

      “Schon wieder da?” fragte ich Lesja anstelle einer normalen Begrüßung. Normalerweise kam er ein-, höchstens zweimal in der Woche, um sich nach Molotov umzusehen; für mehr Besuche war der Weg zu weit. Diese Woche war er aber schon das vierte Mal hier; langsam wurde ich misstrauisch.

      Lesja ignorierte die Frage komplett. “Guten Tag, Fritzi, ich hoffe dir geht es gut?” sagte er in einem überzogen freundlichen Ton. Er kam um den Gartentisch herum und ließ sich in einen Stuhl fallen, ein Grinsen auf den Lippen. “Ich hab Urlaub und Cat hat angeboten, dass ich bei ihr bleiben kann.”

      “Dass die Wohnung noch voller wird?” meinte ich. Cat wohnte in einer 3-Zimmer-Wohnung mit zwei anderen Mädels. Da dann noch ein Kerl mit locker 1,85m und seinem übergroßen Schoßhund dazu – “Ich glaub, ich weiß warum Cat so viele Überstunden macht.”

      Lesja grinste in sich hinein. “Nein, ich glaub, das hat einen anderen Grund.”

      Ich ließ alle Bewerbungsmappen, die ich in der Hand hielt, auf den Tisch fallen und drehte mich abrupt – so abrupt wie das mit einem 40 Kilo Hund auf dem Schoß ging – zu Lesja um, der sofort die Hände in einer beschwichtigenden Geste hob. “Ich wusste es!” – worauf er nur mit Lachen antwortete.

      Mir war es zuerst um die Weihnachtszeit aufgefallen; komischerweise fand man Cat auffallend oft in der Nähe von Levi. Levi sah zufälligerweise immer öfter beim Training zu – um sich selbst “weiterzubilden”, sagte er, und doch nahm er nicht mehr Unterricht von Jette und überhaupt schien er sich nur “weiterbilden” zu wollen, wenn er Cat zusehen konnte. Sie ritten gemeinsam aus, übernahmen Stallaufgaben grundsätzlich zusammen und schienen im Großen und Ganzen einfach so viel Zeit miteinander verbringen zu wollen, wie nur möglich. Und das bedeutete eben auch, dass beide plötzlich viel länger auf dem Hof anzutreffen waren, als sonst. Cat hatte ich vor wenigen Tagen bei meiner Abendrunde durch die Ställe getroffen (und Levi kurz darauf noch in der Sattelkammer). Und wenn man wie ich war und viel Arbeit, die keinen Spaß machte, zu tun hatte, dann konnte man das Puzzle schneller zusammensetzen. Und jetzt hatte ich meine Bestätigung.

      Als er sich wieder beruhigt hatte, hob Lesja drohend den Finger. “Du weißt nichts. Wir haben nie miteinander gesprochen.”

      “Vielleicht erwische ich sie ja demnächst in flagranti und kann sie dazu zwingen, es wenigstens offiziell zu machen,” meinte ich. Lesja rümpfte die Nase. “Außerdem rede ich nie mit dir. Ich würde mir lieber die Augen ausreißen als mich mit dir zu unterhalten.”

      “Gut, mir geht’s genauso.” Um seine Lippen spielte immer noch ein Grinsen, als er aufstand und wieder um mich herum ging. Kurz pfiff er, woraufhin sich Baron Mikhail von Bad Oldesloe dazu entschloss, seinen Thron (meine Beine) zu verlassen, um gemeinsam mit dem Pöbel (Lesja) die Ländereien zu begutachten. Ich saß also wieder alleine auf der Terrasse und so ganz plötzlich hatte ich auch keine Lust mehr auf Bewerbungen. Genug Bürozeit für heute.

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      Seit wenigen Wochen war der Steenhof das Zuhause der Welsh-Ponyzucht von Waldorf. Papas Bekannter eines Bekanntens hatte die zehn Ponys vor zwei Wochen angeliefert; die Unterstände waren gerade noch rechtzeitig fertig geworden und um ein Haar hätte es auch überhaupt nicht geklappt – die lange Kälte im März bedeutete, dass die Wiesen ein paar Wochen länger gebraucht hatten – aber letztendlich hatte doch alles geklappt. Die Ponys waren mittlerweile angekommen und schreckten nicht mehr bei jedem Vogel oder Menschen auf. Die Stutenherde war ziemlich bunt gewürfelt; neben erfahrenen Zuchtpferden waren auch zwei achtjährige Stuten dabei, die noch relativ grün hinter den Ohren waren – eingeritten und -gefahren, aber doch noch nicht so an die tägliche Arbeit gewöhnt, wie andere Pferde in dem Alter. Bis jetzt wollte das der Besitzer selbst übernehmen, aber Greta hatte schon Interesse bekundet, mit Acariya und Nandalee arbeiten zu wollen. Bis das in trockenen Tüchern war, hatte ich es mir zur Aufgabe gemacht, den beiden Grünschnäbel einmal täglich eine Tour um den Hof zu geben. Beide schienen noch ein bisschen unsicher, weg von der Herde und in fremden Wäldern, aber jeden Tag wich die Spannung der Entspannung und langsam konnten die beiden Stuten auch etwas genießen. Als sie wieder zurück auf der Welsh-Koppel waren, wurden sie von den älteren Stuten lautstark in Empfang genommen.

      Nachdem ich noch kurz kontrolliert hatte, ob die Welshstuten noch genug Wasser hatten, schlenderte ich entspannt zum Laufstall meiner eigenen Stuten. Auch die Ladies hatten ihr Sommerdomizil endlich beziehen dürfen und das fanden sie so toll, dass keine einzige Stute im Stall anzutreffen war. Als ich durch die Lamellen nach außen blickte, sah ich die ganze Horde mit den Schnauzen im saftigen Gras – alles gut also. Und mittendrin staksten auch schon drei Fohlen mit herum; Cassiopeia hatte dieses Jahr den Anfang gemacht und eine hochbeinige Buckskinstute zur Welt gebracht. Für mich stand der Name der kleinen Stute schnell fest – Clio, eine der neun Musen aus der griechischen Mythologie – aber, wie auch letztes Jahr, musste ich diesen Namen erst einmal durchboxen. Während ich bei Clio an eine wunderschöne Frau mit Liebe zur Dichtung dachte, war Haukes erste Assoziation der Renault Clio.

      “Ich mache Gebrauch von meinem vertraglich geregelten Veto-Recht,” versuchte er, die daraufhin entbrannte Diskussion zu beenden.

      “Vertraglich gere- was?”

      Im Endeffekt hatte ich mich durchgesetzt – ich war die Züchterin, ich war die Besitzerin des Hofes, ich war allen voran Haukes Chefin. Und wenn ich wollte, dass ein Fohlen von mir nach einer Muse und einem kleinen, schnuckeligen, französischen Automodell benannt war, dann war das eben so. Süß war sie trotzdem und mit den Eltern auf jeden Fall prädestiniert für die hohen Springklassen – so wie ich meine Fohlen eben mochte.

      Ein paar Tage nach Clio kam dann Calamity auf die Welt. Mutter war eine Zuchtstute unseres Zuchtpartners in Kanada, Vater unser Equinox. Couleur du Deuil hatte ebenfalls sehr viel Trakehnerblut in sich, sodass ich mir schon bewusst war, dass diese Anpaarung einen kleinen Wirbelwind produzieren würde. Der Name war also Programm – und wurde vom gesamten Steenhof-Team kommentarlos akzeptiert. Vom Auftreten erinnerte mich die kleine dunkle Stute ein bisschen an Bobby aus dem letzten Jahr – allerdings nicht ganz so unberechenbar. Aber sie konnte kaum still stehen – ähnlich wie ihre Mutter, Couleur du Deuil – und galoppierte am liebsten über die Wiese. Da durfte man dann auch manchmal nicht so genau hinsehen, denn nicht jede Kurve funktionierte auch so. Ein paar Schrammen hatte die Kleine sich also schon eingeheimst, aber mit jedem Tag nach der Geburt wurde sie sicherer. Ich konnte es kaum erwarten, sie in ein paar Jahren im Gelände zu sehen.

      Das dritte Fohlen, das bereits in der Herde integriert war, war ebenfalls von einer Gaststute. Räuberschatz, wie ich die dritte kleine Stute taufte, war ähnlich wie ihre Mutter Räubertochter noch ein bisschen reserviert; sie hatte kein Problem mit Menschen und hatte mit mir auch schon Freundschaft geschlossen, aber von selbst würde der kleine Fuchs nicht auf mich zukommen. Ihre Mutter war aber ein durchaus soziales Pferd und lieber mittendrin als irgendwo am Rand, worüber ich sehr froh war – so lernte Räuberschatz schon einmal den richtigen Umgang mit den Artgenossen und ich hoffte, dass das auch im Erwachsenenalter blieb.

      Vor ein paar Tagen erst war Shotguns Fohlen auf die Welt gekommen; einen kleinen Fuchshengst, der schon jetzt, nur rund drei Tage nach seiner Geburt, eines der neugierigsten Fohlen war, die ich je gesehen hatte. Nichts war sicher vor ihm, überall musste er seine kleine süße Nase reinstecken. Und während die drei Stutfohlen beim Führen noch brav bei ihren Müttern blieben, würde es bei dem kleinen Hengst nicht lange dauern, bis er stiften ging. Noch wollte ich mich noch nicht größer mit dem Kleinen beschäftigen – er war ja auch wirklich erst drei Tage alt – aber sobald ich das Gefühl hatte, dass er angekommen war und langsam seine Umwelt wahrnahm, würde ich wohl oder übel mit dem Halftertraining anfangen. Einen Namen hatte der Kleine noch nicht, und da es Shotguns Fohlen war, war es eigentlich Jettes Aufgabe – die hatte mich aber regelrecht angebeten, ihr bei der Entscheidung zu helfen. Noch schwankte sie zwischen Celsius, Caravaggio und Caponi, und ich war ein Fan aller drei Namen. Ich war also eine tolle Hilfe.

      Vier von fünf Fohlen waren also schon auf der Welt; jetzt warteten wir nur noch auf Samarra. Die Dunkelfuchsstute hätte schon vor Shotgun ihren Termin gehabt, machte allerdings keine Anstalten, sich mit der Geburt zu beeilen. Die Nächte verbrachte sie in der Abfohlbox, tagsüber stellte ich sie zu den anderen Stuten auf die Koppel – auch in der Hoffnung, die zusätzliche Bewegung würde den ganzen Vorgang ins Rollen bringen; bis jetzt hatte sie kaum aufgeeutert und nichts sprach dafür, dass es bald losgehen könnte. Auch bei meinem heutigen Check Up war alles im Lot – keine Anzeichen für eine baldige Geburt. Samarra würde ihre Kugel also lieber noch ein paar Tage durch die Gegend schieben. Für mich bedeutete das eine weitere fast-schlaflose Nacht; sobald der ET einmal verstrichen war, saß ich jede Nacht mit einer Kanne Kaffee in der anliegenden Sattelkammer – das Zimmer über dem Laufstall war immer noch nicht renoviert worden – und wartete darauf, dass das Fohlen endlich purzelte.

      Das würde heute meine fünfte Nacht werden. Wie lange konnte ein Mensch mit kaum Schlaf überleben? “Wenn ich vor Schlaflosigkeit sterbe und ihr alle verkauft werdet, ist das nur deine Schuld,” flüsterte ich Samarra drohend ins Ohr, was sie aber nicht sonderlich störte; sie öffnete kaum die Augen, döste weiter in der noch etwas frischen Mai-Sonne und ließ sich von nichts beirren. Pferd müsste man sein.

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      Mittlerweile ging es auf die Abendbrotzeit zu. Shotgun und ihr Fohlen kamen zurück in die Box neben Samarra, wo auf alle drei schon ein Haufen Heu wartete. Hauke füllte gerade die Raufen auf dem Paddock des Laufstalls mit dem Frontlader; auf dem Weg zu den Junghengsten und der zweiten Welsh-Wiese sprang ich hinten auf. Die Welsh-Hengste sahen mittlerweile nicht einmal mehr auf, wenn ein riesiger Traktor in ihre Wiese fuhr, um einen Ballen Heu abzuliefern. Auftakt, Bonny, Single Malt und Fürst (eigentlich Fürst der Finsternis – für ein Welshpony der Sektion B?) hatten sich gut eingelebt und genossen bis jetzt ihr neues Leben auf dem Steenhof sehr; auf ihrer Koppel waren sie fernab des Trubels, aber mit den Junghengsten in der Nähe kam immer wieder jemand vorbei, bei dem man nach Leckerlis betteln konnte. Schlaraffenland, wirklich.

      Auch die Junghengste, mittlerweile alle ein Jahr alt und fest in dem Glauben, sie wären die Könige der Welt, schauten nur noch kurz auf, als der Frontlader plötzlich auf ihrer Wiese stand. Das hatten sie schnell kapiert, dass das Futter bedeutete, und fast schon wie ferngesteuert liefen sie Richtung Raufe und warteten, bis der Ballen abgeladen war. Ein oder zwei der Jungs waren auch immer noch unheimlich verschmust, was dann schnell bedeutete, dass die halbe Herde Halbstarker einem plötzlich hinterher lief als wären sie Hunde – da war ich froh, dass Futter wichtiger war als die Menschen, die noch irgendwie auf der Weide rum rannten.

      Danach kümmerte Hauke sich noch um die Welsh- und einjährigen Stuten, während ich im Hengst- und Ausbildungsstall fütterte. Letzterer war eigentlich für Jettes Berittpferde reserviert; gerade waren wir aber in einer kurzen und seltenen Zeit, in der die Boxen fast leer waren. Lediglich die Vollbluthengste X, Gambit, Cobain und Seattle hatten Boxen bezogen. Auch sie freuten sich über die Gabeln Heu, die ich ihnen brachte. Anschließend ging es für mich zurück zum Gutshaus, um wenigstens noch ein paar Stunden Schlaf zu haben, ehe es für die Nachtschicht zurück in den Laufstall ging.

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      Gegen halb 10 stolperte ich in meine Küche. Hauke hatte die letzten Stunden noch aufgepasst, ob es bei Samarra womöglich los gehen konnte, doch auch er wollte irgendwann nach Hause. Ein dreistündiges Nickerchen machte einen aber nicht wirklich wach, sodass ich auf den Weg zur Kaffeemaschine über einen schwarzbraunweißen Teppich stolperte, der dazu noch laut aufjaulte. Erst eine Sekunde später registrierte mein Gehirn, dass ich gar keinen Teppich in der Küche hatte und stattdessen über einen Hund gefallen war, der sich jetzt mit eingeklemmter Rute bei mir entschuldigte, als wäre es seine Schuld gewesen.

      So schnell wie möglich begab ich mich auf Augenhöhe und nahm Mishas aristokratisches Gesicht in beide Hände. Während ich mich überschwänglich bei dem Rüden entschuldigte, leckte er mir die Nase und über die Lippen – seine Art der Entschuldigung.

      Nach ein paar Augenblicken räusperte sich jemand am Küchentisch. Machte Sinn – wenn Misha noch hier war, dann war Lesja auch noch hier.

      “Immer noch?” fragte ich ihn nur und rappelte mich langsam wieder auf, auch, um Lesja am Küchentisch zu sehen. Er sah nicht besonders genervt aus, und vor ihm stand ein Teller, leer bis auf ein paar rote Streifen, die auf Tomatensoße schließen ließen. Bevor er mir antworten konnte, deutete ich auf den Teller. “Sag mir bitte nicht, dass du mein Stück Lasagne gegessen hast.”

      Schlagartig war ihm das schlechte Gewissen wie ins Gesicht geschrieben. “Das war für dich?”

      “Du bist in meiner Küche,” meinte ich platt und sah ihn ein paar Sekunden lang an. “Das gehört hier alles mir.”

      “Wenn das so ist,” sagte Lesja und schob den Teller demonstrativ weg, “dann ist das auch alles nur Cats Schuld.”

      “Und das soll ich jetzt glauben,” murmelte ich und machte mich wieder an der Kaffeemaschine zu schaffen. Das Stück Lasagne war mir nicht mal sonderlich wichtig. Ich würde schon irgendwo etwas anderes zum Essen finden. Aber Lesja ließ sich viel zu schnell aufziehen und das konnte ich nicht einfach nicht tun. Während ich den Filter in meine Uralt-Kaffeemaschine legte und das Pulver abmaß, erzählte er mir, warum es ausnahmsweise wirklich Cats Schuld war – sie war vor etwa zwei Stunden noch zu einem “kurzen Spaziergang, einmal um den Hof” aufgebrochen und als ihr Bruder dagegen protestierte, weil er “endlich nach Hause wollte, verdammt nochmal”, hatte sie ihn einfach Richtung Küche geschoben und gemeint, da würde er schon irgendwas zum Essen finden und überhaupt wäre sie ja eh nur kurz noch unterwegs, dann könnten sie in ihre Wohnung fahren und Pizza bestellen und –

      “Ist es nicht ein bisschen spät für ‘ne Kanne Kaffee?” unterbrach er sich schließlich selbst. “Oder brauchst du den, um einschlafen zu können…?”

      Mein Gehirn war anscheinend doch noch im Halbschlaf, denn ich suchte verzweifelte Sekunden nach einer blöden Retoure, schüttelte dann aber kurz den Kopf und sagte einfach die Wahrheit. “Ich hab’ heut Nachtschicht, falls unsere letzte Stute sich dazu bequemt und endlich fohlt.”

      “Klingt spaßig,” meinte Lesja in einem flachen, ironischen Ton. Ein paar Sekunden Pause, in denen keiner von uns beiden etwas sagte, nur das Plink-plink-plink der ersten Kaffeetropfen, die in die Kanne liefen. Ich überlegte mir schon einmal, was ich mir schnell kochen könnte, was ich ohne Besteck und Teller im Stall essen konnte.

      “Vorschlag,” schaltete sich dann Lesja wieder ein, stand auf und stellte seinen benutzten Teller in die Spüle. Na schön, wenigstens hatte er einen Hauch Manieren. “Ich besorg dir schnell einen Döner und dann machen wir zusammen Nachtschicht.”

      “Pff,” meinte ich spöttisch, “als ob.”

      “Ich mein’s ernst.” Er verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich gegen die Spüle. “Ich bin ein Glücksbringer. Wenn das Fohlen auf die Welt kommt, dann nur in der Nacht, in der ich dabei bin.”

      Ich vergrub mein Gesicht in beiden Händen. “Vielleicht will ich dich nicht dabei haben, schon mal daran gedacht?” sagte ich in meine Hände und ließ sie dann wieder fallen. “Außerdem bringst du mir absolut gar nichts, wenn du in ein paar Stunden weggeschlafen bist und ich dann alleine rumsitzen darf.”

      In Lesjas Augen blitzte etwas auf. “Das klingt nach einer Challenge.”

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      Eine Stunde später hatte ich meinen Döner und um einen weiteren gewettet. Sollte Lesja einschlafen, würde er mir einen schulden. Würde das Fohlen wirklich heute Nacht kommen, müsste ich ihm einen besorgen. Nachdem bei Samarra aber nach wie vor alles gut aussah, machte ich mir da wirklich keine großen Gedanken.

      Als wir unser Quartier für die Nacht beziehen wollte, rümpfte Lesja aber wieder die Nase. “Du schläfst seit Tagen hier auf dem Boden?”

      Ich zuckte mit den Achseln. “Hier ist es wenigstens wärmer als direkt im Stall. Und das Zimmer über dem Stall ist nach wie vor unbewohnbar.”

      Mit einem Gesichtsausdruck, als hätte er gerade in eine Zitrone gebissen, ließ sich Lesja auf die alte Luftmatratze nieder. “Absolut unakzeptabel,” murmelte er. “Ich kenn mich ja da echt nicht aus, aber macht es nicht Sinn für ein Zuchtgestüt, so etwas zuerst zu renovieren? Bevor man mit anderen Sachen anfängt?”

      “Sonst hat es auch immer funktioniert,” meinte ich trocken, “als ich alleine war und nicht noch auf den Komfort eines Unwissenden achten musste.” Misha und die Corgis, die zunächst erst einmal die Sattelkammer auf mögliche Leckerlis untersuchen mussten, gesellten sich zu uns; Peanut auf dem Boden der Kammer, Jelly eingerollt neben mir und Misha zurück auf seinem Thron. Lesja kommentierte das nur mit einem Augenrollen, das wohl so viel wie treulose Tomate bedeuten sollte – was mich erst recht stolz machte, als Thron seiner königlichen Hoheit, Baron Mikhail von Bad Oldesloe auserwählt worden zu sein. Kurzerhand drückte ich ihm den Geburtsmelder in die Hand und schob ihm den Bildschirm mit den Kamerafeed zu. Noch sah alles aus wie immer; Shotgun stand in einer Ecke mit gesenktem Kopf, während ihr Fohlen sich im Rest der Box breit machte, und auch Samarra döste im Stehen vor sich hin.

      Und so begann die Nacht. Die erste Zeit unterhielten wir uns noch recht angeregt über alles und nichts. Gegen zwei wurden meine Augenlider immer schwerer – Lesja hielt mich aber wach, um auszudiskutieren, ob er die Wette auch gewinnen würde wenn ich einschlafen würde. Das war aber nur von kurzer Dauer (natürlich würde er nicht gewinnen – immerhin ging es bei der Wette um ihn, von mir war keine Rede, und ich hatte es auch verdient, denn immerhin hatte ich seit Tagen kaum geschlafen), dann lullte mich das Halbdunkel der Sattelkammer und das rhythmische Atmen der Hunde wieder ein. Ganz eingeschlafen war ich nicht, eher weggedöst, und das auch nicht lang – dann vibrierte der Geburtsmelder und jemand schüttelte mich wach.

      Ich warf einen verschlafenen Blick auf die Kamera – Samarra hatte sich hingelegt, nichts außergewöhnliches aber wahrscheinlich der Auslöser für den Alarm, wie schon die letzten Tage – und wollte mich gerade wieder in meinen Schlafsack mummeln, als mich wieder etwas schüttelte. Ich öffnete meine Augen wieder und funkelte Lesja wütend an. Er wedelte mit dem Geburtsmelder vor meiner Nase herum.

      “Bleib ruhig, sie hat sich nur hingelegt, da geht das Ding auch an.”

      “Aber sie bleibt nicht liegen. Sie steht immer wieder auf, läuft Kreise und wirft sich dann wieder hin,” sagte Lesja im aufgeregten Flüsterton. “Laut Google sind das erste Anzeichen!”

      Misstrauisch sah ich auf den Kamerafeed – ja gut, da hatte er wirklich recht. Samarra war schon wieder aufgestanden und lief unruhig in der Box herum. Es ging also hoffentlich los. “Endlich.”

      Lesja sah mich erwartungsvoll an und fuchtelte wild mit den Händen, als ich mich nicht weiter bewegte. “Das ist alles? ‘Endlich’ und fertig?”

      Langsam schälte ich mich aus dem Schlafsack. “Ja, das ist alles. Sie muss ein Kind zur Welt bringen, nicht ich,” sagte ich und deutete auf den Feed. “Und solange es keine Probleme gibt, macht sie das auch schön alleine.”

      Lesjas Gesichtsausdruck verriet, dass er sich das Ganze wohl anders vorgestellt hatte. “Oh,” meinte er nur, verschränkte die Arme vor der Brust und starrte auf den Display des Mini-Fernsehers. In der Position verharrte er dann, während ich ihn den Geburtsablauf kurz schilderte: Zuerst einmal würden die Wehen einsetzen, dann sollte die Fruchtblase platzen, dann würde innerhalb von vielleicht einer halben Stunde das Fohlen geboren und schließlich wartete man noch auf die Nachgeburt. Und als Mensch sollte man so wenig wie möglich in den ganzen Ablauf eingreifen und der Stute einfach Ruhe geben. Als Samarra dann aber offensichtlich mit dem Pressen begann, tapsten wir auf leisen Sohlen in den Laufstall. Wenig später lag ein dunkles Fohlen im Stroh, noch ziemlich zerknittert und noch nicht so ganz sicher, wo es denn jetzt war. Die ersten unsicheren Stehversuche folgten auch schon schnell und ohne fremde Hilfe fand es auch den Weg zur Milchbar selbstständig.

      Als schließlich die Geburtscheckliste abgearbeitet war – Nabel desinfiziert, Nachgeburt abgegangen, Fohlen hatte getrunken – holte ich die Hunde aus der Sattelkammer und scheuchte dann Lesja, der noch an der Boxentür stand und dem Fohlen zusah, aus dem Stall.

      “Und jetzt?” fragte er aufgeregt. “Ich kann jetzt unmöglich schlafen.”

      “Das ist schade,” entgegnete ich trocken. “Weil das genau das ist, was ich jetzt tun werde.” Der Himmel verfärbte sich schon zu einem dunklen Indigo, aber ein paar Stunden waren drin. Ich schloss das Gutshaus auf, stolperte hinein und schlüpfte aus meinen Stallschuhen heraus.

      “Und ich?” fragte Lesja von der Haustreppe aus. Ich musste mein Augenrollen unterdrücken.

      “Mi Sofa es su Sofa,” antwortete ich stattdessen. “Und jetzt Gute Nacht.”

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      Ein paar Tage später saß ich in meinem Büro mit Ausblick auf die Hengstkoppeln und füllte die Geburtsmeldungen für den Verein aus. Jette hatte sich endlich auf einen Namen festgelegt – Shotgungs kleiner Hengst würde auf den Namen Caravaggio, benannt nach dem berühmten italienischen Maler, heißen. Und auch für Samarras kleines dunkles Stutfohlen hatten wir schon einen Namen. Sie sollte zumindest auf dem Papier Sommernachtstraum heißen – auf welchen Namen sie dann einmal hören würde, würden wir sehen.

      Und so ging auch die Fohlensaison 2021 zu Ende.

      Geposted am: 03.05.21
      Von: Rhapsody
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    3 | Steenhof
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    6 Juli 2020
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    Hengst
    Holsteiner
    7 Jahre

    169 cm
    Palomino (W20)
    Blesse | v.l., v.r., h.l., h.r. weißes Bein

    folgt


    TRAINING

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    Fohlen ABC | Eingeritten
    Englisch geritten


    Dressur
    E A L M* M**

    Springen

    E A L M* M** S*

    Military

    E A L M* M** S*


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    Dressur: -, Springen: -, Military: -


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    HK/SK Schleife
    HK-/SK-Gewinnerthema


    Decktaxe/Leihmutterschaft:
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    Aus der Zucht: Steenhof (St. Margarethen, DE)
    Nachkommen:


    GESUNDHEITSZUSTAND

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