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Occulta

BOS Bintu Al-Bahri, Araber

Stute | bay sabino

BOS Bintu Al-Bahri, Araber
Occulta, 15 Okt. 2020
    • Occulta
      Ein Italiener, ein Franzose und ein deutscher Isländer
      Bayou, Lando di Royal Peerage, Þota von Atomic, PFS' Lyskra, BOS Bintu Al-Bahri, Odyn, Gleam of Light, Caspian of the Moonlightvalley, A Winter’s Day, Raving Hope Slayer, Cabinet of Caligari, PFS’ Straight Alignment, PFS’ Cryptic Spots, PFS’ Strolch, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Daedra, PFS’ Snap in Style, Stars of Magic, PFS’ Riptide, PFS’ Vivo Capoeira, PFS’ Cupid, Lindwedel, Circus Dancer, Co Pilot de la Bryére, Colour Paint, Thomas, Dancing Moonrise Shadows, PFS’ Otello di Verdi, PFS‘ Murphy’s Law, HMJ Honesty, PFS‘ Móinn

      Der Herbst war schneller gekommen als erwartet. Fast von einem Tag auf den anderen waren die Temperaturen abgesackt und nachts sogar in den einstelligen Bereich gefallen. Für die ganze nächste Woche war ausserdem bereits eine Regenfront angekündigt, die das typische englische Wetter komplettieren würde. Ich war an diesem Morgen extrem motiviert. Schliesslich erwartete ich heute drei Neuankömmlinge - allerdings war nur einer davon mein Eigen. Das Isländerstutfohlen Thota, das aus Deutschland herreiste und hoffentlich Lyskras neue Spielgefährtin werden würde. Ich hatte sie bei einer guten Kollegin erworben, aus deren Zucht auch Meakja stammte. Ihre Ankunft war auf ein Uhr nachmittags angesetzt, aber ich befürchtete, dass sie noch etwas länger in der Kontrolle am Flughafen feststecken würde. Mit etwas Glück würde heute ausserdem Maekjas Fohlen zur Welt kommen. Darauf war ich besonders gespannt. Meine erste Amtshandlung an diesem Morgen war wie immer die rasche Kontrollrunde um Sechs Uhr, bevor ich dem Training der Vollblüter beiwohnte. Es war alles ruhig auf dem Hofgelände. Mittlerweile war es wieder stockdunkel so früh morgens und ich stolperte fast über Kafka, der mir beim Eingang zum Stutenoffenstall um die Füsse schlich. Er fauchte, und ich fauchte fast zurück - "Doofes Vieh, pass doch auf! Du siehst besser als ich." Er trottete mit angelegten Ohren durchs halbhohe Gras davon. Ich schob das Tor auf und begrüsste die gespitzten Ohrenpaare, die sich mir zuwandten. "Hey girls! Did you sleep well?" Shadow brummelte mir zu, richtig niedlich. Ich warf rasch einen Blick über die Gruppe, selbstverständlich sofort Maekja suchend. Sie döste jedoch nur ganz entspannt neben HMJ Honesty. Die beiden Fuchsschecken passten eben zueinander. Ich spazierte leicht enttäuscht aber zufrieden weiter zu den Fohlenweiden. Es war neblig, wie so oft angesichts unserer flussnahen Lage. Irgendwo in der Ferne rief ein Rabe, sonst herrschte verschlafene Stille. Ich mochte diese geheimnisvollen Morgenstunden. Im Herbst wie jetzt waren sie umso spezieller. Die Bauarbeiten an unserem neuen Trainingsschwimmbecken, das ich anfangs Sommer in Auftrag gegeben hatte, waren beinahe abgeschlossen. Im Moment härtete noch der Spezialbelag an den Innenseiten des Beckens vollständig aus, danach musste nur noch das Wasser eingelassen und die Heizung getestet werden. Ich freute mich darauf, zum ersten Mal die Vollblüter hindurchwaten, und natürlich auch schwimmen zu lassen. Wenn alles klappte, würde es in einer Woche so weit sein. Bei den Stutfohlen angekommen, öffnete ich auch dort das Tor. Die Jungpferde begrüssten mich etwas stürmischer. Sie freuten sich wie fast jeden Morgen darauf, raus zu dürfen – es konnte gar nicht schnell genug gehen. Ich wartete, bis sie nacheinander an mir vorbeigelaufen waren. Sobald sie Gras unter den Füssen hatten, trabten die meisten an und Lyskra hörte ich sogar übermütig quieken. Ich kicherte amüsiert und setzte meinen Weg zu den Miniature Horses und schliesslich zu den Hengstfohlen fort. Dort verleitete mich Verdi zum Augenrollen. Der goldfarbene Jüngling drängelte sich ungeduldig neben Murphy vorbei und rutschte prompt auf dem Nebelfeuchten Gras aus. Er fiel auf seinen Allerwertesten, strampelte sich verdutzt wieder hoch und stand dann einen Moment still, ein besorgtes Grunzen von sich gebend. Als er danach den anderen im ruhigen Schritt hinterschritt, konnte ich immerhin keine Lahmheit feststellen. „Nix passiert“, murmelte ich schulterzuckend. Man sah vom Hauptstall durch den Nebel nur ein schwaches Licht – darauf steuerte ich zu. Die Jockeys hatten bereits begonnen, ihre Pferde rauszuholen und in den Putzständen oder in der Stallgasse anzubinden. Wir hatten die Gruppen wieder geringfügig umorganisiert, da wir mittlerweile mit Isaiah und Idris um zwei Rennreiter reicher geworden waren und nun mehr Vollblüter gleichzeitig trainieren konnten. Die erste Gruppe heute bestand aus unseren erfahrensten Rennpferden. Dazu zählte auch mein Liebling Winter. Ich ritt allerdings nicht ihn, sondern hatte diesen Monat Caspian zugeteilt bekommen. Der zu klein geratene Schimmelhengst wartete schon sehnsüchtig auf seine Begrüssungs-Karottenhälfte. Ich streifte ihm sein hell-blau-grünes Plüschhalfter über und brachte ihn in die Stallgasse. Er hielt inne um die Nase mit Winter zusammenzustecken. Ich zupfte sanft am Halfter, um ihn an meine Absichten zu erinnern. Winter musste im nächsten Moment sowieso für Quinn herhalten. Die beiden besetzten den vordersten der Putzstände. Wir plauderten während dem Bürsten ausgelassen. Gesprächsstoff gaben die Ideen für die diesjährigen Halloween-Turniere. Jedes Jahr veranstalteten diverse Reitställe in der Nähe kleinere Wettkämpfe wie Kostümspringen oder Patrouillenritte im Dunkeln. Wir nahmen immer gerne teil, denn es war nebst dem Spass eine gute Übung gerade für junge, noch unerfahrene Vierbeiner. Isaiah schlug vor, Odyn eine Kürbis-Grimasse auf den Po zu malen – die Idee gefiel mir ganz gut. „That would make his big butt stand out even more“, stellte ich amüsiert fest. Ein kleiner Tumult entstand, als Charly mit Raver nach dem Satteln an Gleam of Light vorbeiwollte. Der Schwarzbraune legte drohend die Ohren an und bewegte seine Hinterhand bereits in Richtung seines eigentlichen Weidekumpels. Ich vermutete aber, dass keine echte Aggression dahintersteckte, sondern das Theater nur Dominanzgehabe war. Light liess sich zumindest von Rita, die ja nun wirklich nicht die kräftigste war, einfach davon abhalten, Raver einen Tritt zu verpassen. Auch ich zäumte Spy noch rasch, dann konnten wir ebenfalls nach draussen verschieben und zum Aufsteigen hinstehen. Ajith half mir in den Sattel. Als auch alle Stuten der Gruppe ready waren, konnten wir gemeinsam zur Bahn reiten und uns aufwärmen.

      Die zweite Gruppe beobachtete ich nur, nachdem alle schwitzenden Pferde der ersten in der Führanlage beim Trockenlaufen waren, von den Rails aus. Ich hatte keinen von den sechs- und siebenjährigen auf meiner Monatsliste, dafür bei den dreijährigen Cupid. Der Rappe war voller Tatendrang und zappelte schon beim Putzen herum. Als er auch beim Hufegeben nicht stillstehen konnte und mir den Fuss die ganze Zeit wegzog, verlor ich allmählich die Geduld. „Knock it off!“, rief ich aus, und gab ihm einen Klaps auf die Schulter. Ich wusste, dass es vermutlich nichts bringen würde, aber ich war eben doch auch nur menschlich und bildete mir gerne ein Cupid verstünde ganz genau, was ich von ihm wollte. Erstaunlicherweise liess er mich die Hufe danach zuende auskratzen, wenn auch ungeduldig. Das bisschen Winterfell, das der Rappe mittlerweile hatte, fühlte sich samtig an, lud sich aber durch die Berührung mit meinem Faserpelz elektrisch auf. Dadurch blieb der Staub noch mehr daran kleben. Ich gab es rasch auf, ihn ganz sauber bekommen zu wollen und holte einfach den Trainingssattel. Sein Halbbruder Capoeira hatte eine etwas praktischere Farbe, fast gleich wie die Mutter der beiden. Dafür sah man auf Capys Fell sofort Gras- oder Mistflecken. Die optimalste Farbe, überlegte ich während dem Zäumen, ist immernoch ein normales Hellbraun. Oder etwas stark gemustertes, wie bei Cryptic – oder noch besser, Mambo. Bei so vielen Sprenkeln fällt ein bisschen Dreck gar nicht mehr auf. Sprenkel hatte auch die hübsche Rappstute, die ich als erstes erblickte, als ich Cupid rausführte. Allerdings nur auf dem Hinterteil. „Star still has a little mud on her legs“, bemerkte ich tadelnd. Rita entschuldigte sich: „I had to hurry – everyone else was already tacking up…“ „Take your time next time. It’s no good to hurry with horses, especially not young ones.” Wir stiegen auf und ritten abermals zum Galoppweg. Beim Aufwärmen legte sich Cupid bereits kräftig aufs Gebiss, sodass ich versuchte, die Trense immer ein wenig in Bewegung zu halten. So konnte er sich nicht zu sehr abstützen und musste sich selbst tragen. Als netter Nebeneffekt lief er nach einer Weile schön durchs Genick. Wir wechselten auf die Grasbahn und in einen leichten Canter. Cupid zog seine Beine dankbar aus, als ich ihn losliess und das Intervalltraining startete. Er arbeitete über unsere gesamte Trainingsdistanz konzentriert mit, sodass ich ihm das Gezapple von Anfang ohne weiteres vergab. Die elegante, dunkelbraune Stute Riptide, die nun fast ein Jahr auf Pineforest lebte, zog mit kraftvollen Sprüngen an uns vorbei, als ich Cupid abbremste. Das passte ihm gar nicht, und er schüttelte wütend den Kopf. Ich gab ihm eine auffordernde Parade am Zügel, damit er sich wieder einkriegte. Riptide und Parker bremsten ohnehin auch längst ab, also gab es überhaupt keinen Grund zur Aufregung. Cupid gab erst ganz Ruhe, als wir neben den beiden zurücktrabten. Vermutlich hatte ihn nicht die Tatsache aufgebracht, dass Rip ihn überholt hatte, sondern eher dass sie ohne ihn davongelaufen war. „This little Stallion here wants to keep his mares together, it seems”, erklärte ich Parker augenrollend. “Forgive him. He is handsome, and he knows it.” Ich kicherte amüsiert. Wir sammelten uns beim Durchgang zu den Ställen und ritten dann im Schritt zurück. Ajith holte gerade noch Caligari aus der Führanlage, damit diese frei war für unsere Gruppe. Ich nahm Cupid blitzschnell den Sattel ab, tauschte sein Zaumzeug gegen ein gepolstertes Halfter und brachte ihn ins Karussell. Dann versorgte ich in aller Ruhe die Ausrüstung, während die übrigen Jockeys die letzte Gruppe vorbereiteten. Ich legte jeden Sattel fein säuberlich auf seinen Platz, tauschte wo nötig die Satteldecken aus und säuberte die schlammig besprenkelten Lammfellgurten. Auch die Trensen wusch ich und hängte sie dann alle ordentlich auf. Die Pflege der teuren Ausrüstung war wichtig für deren Langlebigkeit. Beim Vorbeigehen streichelte ich Straight Alignment, den grossen Stromer-Sohn mit dem freundlichen Gesicht. Er war kein aktives Rennpferd wie sein Bruder Strolch, der gerade in der Stallgasse gebürstet wurde, aber dafür wurde er im Military ausgebildet und machte sich dort ganz gut. Er musste bei manchen Aufgaben noch etwas mutiger werden, aber er gab sich Mühe und machte auch in der Dressur keine schlechte Falle. Durch seine Grösse wirkten seine Bewegungen imposanter, was wiederum hilfreich war und den Richtern jeweils gefiel. Ich persönlich bevorzugte aber eher kleinere Reittiere – die waren unter anderem zum Aufsteigen deutlich angenehmer. Snap steckte mir seine weiche, grau-rosafarbene Schnauze entgegen, als ich mich unter seinem Anbindeseil durchducken wollte. „Jaa, du bist ein ganz lieber“, murmelte ich und hielt einen Moment inne. Er erinnerte mich irgendwie an Rosenprinz in dessen Anfangszeit als Rennpferd. Die beiden hatten einen ähnlichen Charakter, aber auch die Farbe war ziemlich dieselbe. Nur dass Snap ein wenig ‚wildfarbener‘ war, wie ich zu sagen pflegte. Sein Fell war heller als das von Rosenprinz es je gewesen war, und er hatte sogar leichte Zebrastreifchen an den Beinen, was eigentlich für einen Buckskin atypisch war. Manchmal hielt die Natur sich eben nichteinmal an ihre eigenen Regeln. Andererseits hatte ich erst kürzlich von einem non-dun1 Gen erfahren, das scheinbar genau solche falschen Dun-Abzeichen auslöste. Cupid hatte das mit ziemlicher Sicherheit, denn wenn man genau hinsah, waren die seitlichen Haare bei seiner Schweifrübe leicht aufgehellt und man erkannte je nach Fellwechsel einen feinen Aalstrich. Ich wollte ihn irgendwann darauf testen lassen, aus reiner Neugier. Vielleicht würde ich dann Snap gleich mittesten. Nun wechselte ich aber erstmal in den Stutentrakt, um zu sehen, wie weit die Jockeys dort waren. Daedra und Thalia wurden gerade gesattelt, die anderen sahen auch fast ready aus. Ich klopfte Daedra auf deren muskelbepacktes Hinterteil und setzte meinen Weg zufrieden Summend fort. Für mich wurde es jetzt Zeit, den ersten Neuankömmling in Empfang zu nehmen. Der Transporter liess allerdings noch einen Moment auf sich warten, weshalb ich mir in der Zwischenzeit eine Tasse Tee gönnte. Lily war unterdessen auch aus den Federn gekrochen und hatte sich in die Schule gezwungen. Jonas ritt vermutlich gerade Circus Dancer in der Halle, ich hatte jedenfalls vorhin gerade noch etwas Weisses hinter der Ecke des Nebenstalls verschwinden sehen. Ich schlürfte also ganz alleine aus der Tasse, wenn man die Hunde ausser Acht liess, die mich wachsam beobachteten, weil ich in der Küche herumlief. „You’ve already had your breakfast“, stellte ich klar, aber Sheela packte dennoch den perfektesten Bettelblick aus, den sie hinbekam und fiepte ganz leise. Ich liess mich nicht erweichen. Auch Moya schlich mir um die Beine. Ich hob sie auf meinen Arm und kraulte sie. Am Anfang hätte sie dies nie toleriert, aber mittlerweile liess sie sich von mir nur allzugerne streicheln und verwöhnen. Sie war zu einer richtigen Wohnungskatze mutiert, besonders jetzt, wo es draussen vermehrt kalt und nass war. Offenbar waren ihr die Vorzüge der geheizten, überdachten Wohnung mit dem ständigen Futterangebot bewusst geworden. Am liebsten sass sie auf meinem Schoss während ich Papierkram erledigte, oder wenn ich auf dem Sofa ein Buch las. Auch wenn wir abends einen Film schauten fehlte sie nicht. Bei Lily ging sie allerdings nie auf den Schoss, immer nur bei mir oder selten bei Jonas. Ein Blick aus dem Fenster verriet mir kurz darauf, dass der Transporter vorgefahren war. Ich schnappte meine Jacke und liess die Tasse stehen. Hinter dem Transporter fuhr ein silberner PW her, in dem die Besitzer des Ponys sassen, das gerade hergebracht worden war. Neue Pensionäre. Es handelte sich um ein Mädchen im selben Alter wie Lily. Sie hiess Anna, und ihre Mutter Sibylle war eine von den Müttern, die ihre Töchter bedingungslos förderten. Von dem, was ich bisher mitbekommen hatte, wäre Sibylle früher wohl selber gerne Turniere geritten, es war ihr jedoch aus irgendeinem Grund verwehrt geblieben, sodass sie nun stattdessen alles in die Reitkarriere ihres Töchterleins steckte. Mich kümmerten die Angelegenheiten dieser Leute eigentlich nicht besonders; alles was für mich zählte, war das teure französische Sportpony, das in dem Transporter wartete und in wenigen Augenblicken seine neue Box auf Pineforest beziehen würde. Der Fahrer und ich luden das Tierchen aus: ein hübscher Wallach, dunkelbraun mit hellem Schweif – also vermutlich Silver-Einfluss. Ich musterte ihn natürlich sofort genauer, als er auf dem Parkplatz stand und Anna seinen Strick übernahm. Er sah gut aus, etwas überbaut hinten und ein wenig Unterhals, aber immerhin kräftig und sein Fell glänzte schön. Meiner Meinung nach hätte er noch mehr Rückenmuskeln vertragen für ein Pony, das scheinbar 1.10 Meter sprang. Aber sie hatten ihn sowieso erst seit kurzem importiert und begannen gerade erst zusammenzuwachsen. Ich lief mit ihnen zur freien Box im Ponystall gleich neben dem Nordstall. Sie wussten bereits wo alles war, denn sie waren ja im Voraus vorbeigekommen, um sich alles anzusehen. Ich zeigte ihnen noch, wo sie ihre Ausrüstung verstauen konnten, dann liess ich sie in Ruhe ankommen. Anna hatte Freude an Lindwedel, der neugeirig seinen Kopf reckte, um ihr Pony Bayou zu begrüssen. Suri würde wie auch Lily erst am Nachmittag nach der Schule Zeit für die Ponys haben. Ich kümmerte mich bis zu Thotas geplanter Ankunftszeit um Co Pilot. Der Schecke hatte etwas Dressurarbeit nötig. Er war letztens regelrecht verwöhnt worden – dreimal nacheinander waren wir draussen im Gelände gewesen. Heute wollte ich ihn mit Seitengängen und Galopp-Schritt-Übergängen gymnastizieren. Er arbeitete wie fast immer gewissenhaft. Mit seinen zwölf Jahren gehörte er auch zu den erfahreneren, vernünftigen Reittieren. Trotzdem konnte auch er sich zwischendurch über eine etwas dunkle Hallenecke oder eine aufflatternde Taube aufregen, wenn ihm danach war. Ich versorgte ihn nach einer Dreiviertelstunde mit einer Abschwitzdecke bepackt zurück in seine Box. Weil ich fast schon etwas knapp in der Zeit lag, hastete ich zurück ins Haus um die Autoschlüssel zu holen. Vor mir lag eine immerhin zweieinhalbstündige Fahrt nach Portsmouth. Ich hatte keine Nachricht über eine allfällige Verspätung von Thotas Fähre erhalten, also ging ich davon aus, dass alles nach Plan verlaufen würde. Mittagessen wollte ich bei meiner Ankunft am Hafen. Ich winkte Jonas zum Abschied, der draussen vor dem Nordstall den wolligen Thomas anband und zu putzen begann.

      Als ich kurz nach Mittag in Portsmouth eintraf, waren ein paar Wolken aufgezogen, aber es blieb nachwievor trocken. Ich suchte mir etwas zu Essen und setzte mich dann auf eine Mauer in der Nähe des Wassers, während ich auf die Ankunft meines Isländerfohlens wartete. Pünktlich um ein Uhr legte die Fähre an und ich fuhr mit dem Transporter über das riesige Hafengelände möglichst nahe zu ihr. Ich musste mich noch eine Weile gedulden, dann wurde endlich auch der Boxencontainer ausgeladen. Thota hatte die Reise gut überstanden und wirkte munter. Erleichtert nahm ich sie entgegen und verlud sie erneut. Allerdings verliess ich die Autobahn bei Hightown für einen Stopp, um der armen Jährlingsstute eine Reisepause zu gönnen. Sie durfte sich einen Moment die Füsse vertreten und ein wenig grasen. Die keine war natürlich aufgeregt, aber sie schlug sich tapfer angesichts der völlig fremden Umgebung. Es tat mir etwas leid, dass sie für den Augenblick ohne Kumpel klarkommen musste, aber ich hatte nicht extra noch einem Pferd die lange Fahrt zumuten wollen. Ich setzte die Fahrt nach einer Viertelstunde fort. Wir kamen wohlbehalten zuhause an und Thota war sichtlich erleichtert, als sie die übrigen Fohlen auf den Weiden entdeckte. Da sie vor der Überfahrt bereits in Quarantäne gewesen und tierärztlich durchgecheckt worden war, verzichtete ich auf eine erneute Isolierung und liess sie direkt zu den anderen Stutfohlen. Ich blieb einen Moment dabei um sicherzustellen, dass sie nicht zu sehr gejagt wurde nach den Strapazen der langen Reise. Danach übergab ich die Überwachung an Lewis. Lyskra schien sich noch nicht auf Anhieb mit Thota anzufreunden; sie legte erstmal drohend die Ohren platt, als ihre neue Spielgefährtin näher kam. Bestimmt war sie nur unsicher und wollte zuerst herausfinden, wie die Neue tickte. Ich verliess das Theater und begab mich nach einer erneuten Teepause, bei der ich Details zur Fahrt mit Jonas austauschte, zur Stutenweide. Dort wartete bereits Shadow auf mich. Ich machte einen ausgiebigen Ausritt mit ihr, wobei ich Honesty als Handpferd mitnahm. Lily und Suri waren inzwischen aus der Schule zurück und heckten wieder irgendwas aus. Soweit ich verstanden hatte, handelte es sich dabei um Halloween-Vorbereitungen. Ich hielt mich da raus und schmunzelte nur. Shadow begrüsste mich mit einem Brummeln und liess sich sofort aufhalftern. Honesty schien ganz erstaunt dass ich sie auch noch holte, obwohl wir das nicht zum ersten Mal machten. Ich band beide Stuten am Zaun fest und putzte sie, bis von den Dreckkrusten der letzten ausgiebigen Roll-Party nichts mehr übrig war. Shadows Fell blieb etwas staubig – auf dem dunklen Hintergrund sah man es einfach zu gut. Ich nahm mir besonders viel Zeit, ihren Schweif zu sortieren. Ich verpasste ihm eine gehörige Portion Glanzspray, dasselbe tat ich auch bei Honesty. Langsam aber sicher rückte das Finale des Makeovers näher. Es war mehrfach verschoben worden, doch ich gab die Hoffnung nicht auf, dass es doch noch etwas wurde. Wenigstens waren wir inzwischen optimal vorbereitet. Ich sattelte Shadow mit ihrem Westernsattel und zog ihr ein Bosal an, Honesty nahm ich ans Knotenhalfter. Die beiden verstanden sich und liefen ohne Zankerei nebeneinander durch die herbstliche Landschaft. Ich genoss die vielen Farben der Bäume und die wärmenden Sonnenstrahlen. Weil der Boden so schön feucht war, konnten wir auf den Feldwegen viel traben. Beide Stuten waren ja barhuf, also wich ich normalerweise wo immer möglich auf Feldränder oder grasbewachsene Mittelstreifen aus. Manchmal zog ich ihnen auch Hufschuhe an, etwa wenn die Hufe frisch gefeilt waren. Aber heute war das nicht nötig gewesen. Als wir zurückkehrten, traf auch der dritte Neuankömmling noch ein. Ein junger Murgesenhengst namens Lando. Er gehörte, wie hätte es anders sein können, Angelina Moore. Sie hatte die Begeisterung für diese Rasse offenbar auch nach dem Verkauf von Nera nicht verloren und nun trotz allem wieder einen Vertreter geholt – ausgerechnet den erstgeborenen Sohn ihrer ehemaligen Stute. Ich wohnte gespannt der Ankunft des hübschen Rappen bei. Er glich seiner Mutter aufs Haar, aber bestimmt würde er noch etwas kräftiger werden als sie. Ich begleitete Angie und Lando zu den Hengstfohlen, wo er seine Tage bis zum Einreiten geniessen durfte. Wir plauderten noch ein wenig, ehe ich ins Haus ging und meine E-Mails checkte. Ich musste noch die Steuererklärungen ausfüllen und ein paar organisatorische Aufgaben erledigen, aber das verschob ich auf den Abend. Stattdessen telefonierte ich mit Rosie wegen des kommenden Westernturniers, an dem wir beide teilnehmen wollten. Sie hatte ausserdem spannende Neuigkeiten: auch sie hatte wieder ein neues Fohlen erworben. Als die den Namen Bintu Al-Bahri nannte, dachte ich zuerst, sie hätte sich verplappert. Aber das Stutfohlen hiess tatsächlich gleich wie der Hengst, den sie vor ein paar Jahren verkauft hatte. Fasziniert runzelte ich die Stirn und gratulierte ihr zu dem Zufall. Als wir alles weitere geklärt hatten, legte ich auf und gab den Hunden ihr Abendessen. Dann wollte ich mich als letzte Amtshandlung des Tages um Colour Paint kümmern gehen. Doch ein Notfall kam dazwischen: Maekjas Fohlen war auf dem Weg. Allerdings schien es verdreht zu liegen und es kam zu Komplikationen. Ich rief den Tierarzt herbei und konnte von da an nur noch abwarten und hoffen. Zuerst sah es gut aus; das Fohlen lebte noch und der Tierarzt schaffte es, das Fuchshengstchen trotz falscher Lage auf die Welt zu holen. Während Jonas bei den beiden blieb und sie im Auge behielt, bewegte ich Colour Paint doch noch. Ich longierte ihn in der Halle, zu mehr fühlte ich mich angesichts der ganzen Aufregung nicht im stande. Colour Paint war auch nicht wirklich bei der Sache. Ich kannte den Fuchshengst mittlerweile viel besser und wusste Bescheid um seine gelegentlichen Flausen. Manchmal war er zum Beispiel scheinbar grundlos guckig. Abgesehen davon verhielt er sich aber brav und willig. Auch unter dem Sattel war er eigentlich ein Träumchen. Leistungsbereit und motiviert. Ich war froh, ihn gekauft zu haben. Fohlenpläne hatte ich zwar noch keine mit ihm, aber ich war mir sicher, dass seine Nachkommen eine gewisse Springbegabung erben würden. Die Arbeit mit dem Fuchshengst half mir, mich zu entspannen. Ich konnte ihm so schön zusehen, wie er um mich herum seine Runden drehte, in einem gleichmässigen Takt. Die weissen Beine hatten etwas hypnotisierendes, wie sie so vor- und zurückschwangen. Als ich ihn versorgte, war ich deshalb wieder guter Dinge und sah zuversichtlich nach Maekja und ihrem kleinen Sohn. Jonas, Lewis und Lisa waren auch bei ihr und beobachteten die beiden wachsam. Leider verstarb zu unser aller Schock die Isländerstute nur eine halbe Stunde später, vermutlich an einer inneren Blutung. Viel Zeit zum Trauern blieb nicht; wir setzten alle Hebel in Gang um den kleinen Móinn, wie ich ihn genannt hatte, zu retten und ihm vielleicht sogar eine Ammenstute zu finden. Aber es war fast unmöglich um diese Jahreszeit – die Fohlensaison war schlichtweg vorbei. Ich telefonierte eifrig herum und fragte alle meine Züchterkollegen um Rat. Doch es konnte mir am Ende niemand weiterhelfen, wie erwartet. Es würde also wohl nichts anderes übrig bleiben, als den kleinen mit der Flasche grosszuziehen. Der Tierarzt kam nochmals vorbei um uns das Ersatzmilchpulver zu bringen und zu erklären, wie genau wir es anrühren mussten. Es war mit grossem Aufwand verbunden, ein Fohlen von Hand aufzuziehen. Schlussendlich blieb uns aber nichts anderes übrig, denn ich wollte den kleinen auf jeden Fall behalten. Ich liess alles, was ich noch im Büro hatte erledigen wollen auf dem Schreibtisch liegen und verbrachte stattdessen den ganzen Abend bei dem kleinen. Die anderen Stuten kamen immer wieder neugierig heran, liessen es aber bei einem freundschaftlichen Beschnuppern bleiben. Weil ich es nicht über’s Herz brachte, ihn alleine im Dunkeln liegen zu lassen, und mir auch zu viele Sorgen machte, verbrachte ich schliesslich auch die Nacht im Offenstall. Jonas holte mir dazu einen Schlafsack und eine warme Kuscheldecke aus dem Haus – schliesslich herrschten eisige 5 Grad. Ihn selbst schickte ich ins Haus. Er frohr sonst schon dauernd und brauchte sich nicht hier draussen zu erkälten, ausserdem musste er Lily ins Bett verfrachten. Er gab mir einen tröstenden Gute-Nacht-Kuss, dann schob er das Tor hinter sich zu und es wurde Still, bis auf das gelegentliche Schnauben oder Rascheln einer Stute. Móinn atmete gleichmässig, was mich ein wenig beruhigte. Ich legte mich direkt neben ihn und kraulte ihn noch eine Weile, dann fielen mir die Augen zu.
    • Occulta
      Winter-Comeback
      Iskierka, Daedra, PFS’ Vivo Capoeira, Diarado, Vychahr, Co Pilot de la Bryére, Flintstone, Ljóski, Brendtwood, Bayou, PFS’ Ravissante, PFS’ First Chant, Nimué, Piroschka, Chanda, Dancing Moonrise Shadows, PFS’ Dancin’ to Jazz, Namuna, Mansur, Fallen Immortality, Farasha, BOS Bintu Al-Bahri, Tayr al-Diyari, Beck’s Experience, Glenns Caress, Dakota S, Lady Diva from the Sky, Chocolate Chip, Silhouette of a Rose, Papillon d’Obscurité, Tigrotto, Snottles Peppermint, Blue Dawn’s Nachtfalke, PFS’ Arctic Silver Lining, PFS’ Arctic Rainstorm, PFS’ British Oreo Rascal, PFS’ Glenn’s Dare to Shine, Beck’s Daisy Orchid, Tic Tac, PFS’ Kicks-a-Lot, PFS’ Reverie, Cabaret, Louvré, PFS’ Murphy’s Law, PFS’ Global Riot, PFS’ Pinot Noir, PFS’ Dahu, PFS’ Baila, PFS’ Rune, PFS’ Faro, PFS’ Charivari, PFS’ Nemo, PFS’ Otello di Verdi, PFS’ Braemble, HMJ Honesty, BR Wherigo, PFS’ Móinn, Lando di Royal Peerage

      Es war eine Weile her, seit der letzte Schnee sich hatte sehen lassen. England war anstelle von weissem Puder in seinen gewohnten grauen Schleier gehüllt gewesen. Kalt und zugig war es dennoch, und an Regen hatte es auch nicht gefehlt. Tatsächlich glichen die Weiden einem Sumpfgebiet und waren so sehr durchnässt, dass wir die Pferde seit gut einer Woche nicht mehr auf sie hatten loslassen können. Es braucht keine übermässige Fantasie um sich vorzustellen, was das bei den heissblütigen Rennpferden auslöste. Unsere Vollblüter waren dieser Tage eine ordentliche Handvoll, und das wohl schlimmste daran war, dass die Grasrennbahn ebenso unbenutzbar blieb. So mussten wir auf Alternativprogramm zurückgreifen und irgendwie versuchen, dem Bewegungsdrang dieser Athleten auf andere Weise gerecht zu werden. Stundenlange Ausritte standen anstelle des Renntrainings auf dem Programm. Wir nahmen jeweils so viele Vierbeiner wie möglich auf einmal mit, die eigentliche Gruppenaufteilung liessen wir für den Moment ausser Acht, denn die Ausritte waren Zeitintensiver als das normale Training. Heute ritt ich Iskierka und Daedra. Erstere explodierte unter dem Sattel fast, vor lauter überschüssiger Energie und Frust über das fehlende Weidegras. Man hatte ihr schon beim Putzen angemerkt, dass sie 'grumpy' war. Daedra war zum Glück nicht halb so ein Biest. Sie hatte zwar auch einen zügigen Schritt, aber hampelte wenigstens nicht die ganze Zeit herum, wenn wir auf die anderen warten mussten. Übrigens nutzten wir während dieser Zeit auch das neue Schwimmbecken intensiv: zwar liessen wir die Pferde nicht schwimmen, denn das wäre bei den Temperaturen unverantwortungsvoll gewesen, aber wir hatten das Becken Karpalgelenk-hoch gefüllt und führten die Pferde einmal pro Tag darin herum, damit sie zusätzlich Energie verpuffen konnten. Ausserdem förderte das Wassertreten die Beintätigkeit und die Kraft. Die meisten Pferde kannten es mittlerweile und gingen gerne hinein, nur ein paar wenige blieben einfach wasserscheu. Capy gehörte gewiss nicht zu ihnen. Der helle Palomino konnte nicht genug vom Pool kriegen, er scharrte und spritzte lieber, als hindurchzuwaten. Leider war er normalerweise auch sehr Schlamm-affin, sodass ich zumindest in seinem Fall ein klein wenig erleichtert über den Weideausfall war. Das Wasser-Waten fand jeweils erst am Nachmittag statt, um die Beschäftigung der Pferde schön über den Tag zu verteilen. In der Zwischenzeit, morgens nach dem Vollbluttraining, kümmerte ich mich um meine übrigen, bunten Pferde. Heute machte ich zum Beispiel Bodenarbeit mit Co Pilot und danach auch gleich mit seinem besten Kumpel Vychahr. Im Anschluss kümmerte ich mich um Diarados Dressurfertigkeiten und brachte vor dem Mittag der jungen Furiosostute Reverie die ersten Schritte im Schulterherein bei. Danach gab es Ofenkartoffeln und Gemüse zu Essen - das war etwas Einfaches, Praktisches und trotzdem Leckeres.
      Den Nachmittag begann ich mit einer Trainingseinheit für HMJ Honesty. Wir hatten unsere Abschlussvorführung längst einstudiert, aber irgendwie war die Auswertung des Wettbewerbs arg im Verzug. Ich fragte mich langsam, ob es überhaupt noch etwas werden würde, und wie Honestys Zukunft aussah, falls nicht. Eigentlich wäre der Plan gewesen, dass sie nach dem Wettbewerb versteigert wird. Aber wenn es so weiter ging, musste sie vielleicht doch andersweitig einen neuen Platz finden. Sie war mir schon ans Herz gewachsen, das war nicht das Problem. Aber ich konnte sie selbst aus Platz- und Zeitgründen nicht behalten. Schon jetzt war ich völlig ausgelastet mit so vielen Pferden. Pineforest platzte aus allen Nähten. So leid es mir tat, bei mir würde sie keinen Platz finden. Dennoch trainierte ich gewissenhaft mit ihr und bereitete sie bestmöglich auf ihre neuen Besitzer vor. Mit der Hilfe meiner Ponyreiterinnen erzog ich sie kindersicher, und auf unseren ausgiebigen Ausritten, wie auch heute, gewöhnte ich sie an allerlei unheimliche Landmaschinen der sonstige Dinge, die einem Begegnen konnten. Nach dem Trainingsausritt füllte ich den Rest des Nachmittags mit den Miniature Horses auf. Daki war in Spiellaune, also perfektionierten wir fleissig unsere Zirkustricks. Lewis und Linda halfen auch gleich mit. Allegra konnte das Kompliment mittlerweile auch schon, mit dem Hinlegen haderte sie noch. Acira wollte nichtmal in die Knie gehen. Sie machte sich lieber gross und zeigte ein herzhaftes Steigen. Das passte auch ein wenig zu ihrem Charakter - sie liess sich von den anderen Herdenmitgliedern nicht unterkriegen. Dennoch entlockte ich ihr mit genügend Geduld ein kurzweiliges Hinunterbeugen, wofür ich sie umso mehr loben musste. Lob sprach ich auch bei Lining viel aus - eigentlich die ganze Zeit. Das Hengstchen zählte zu den besonders schnellen und motivierten Lernern. Ich war bei ihm selbst viel mehr gefordert, weil ich schnell genug neue Kommandos geben musste. Auch das ausdenken neuer Tricks, um ihn bei Laune zu halten, wurde immer aufwendiger. Lewis und Kiwi waren schon fast reif für eine Talentshow. Die beiden waren so süss mitanzusehen; besonders, wenn mal etwas nicht ganz klappte und Lewis auf theatralische Weise versuchte, der kleinen Stute ihren Fehler klarzumachen. Vermutlich verstand Kiwi überhaupt kein Wort ausser "treat" und "no", aber sie legte manchmal zum Betteln den Kopf ein wenig schief, sodass es so wirkte, als höre sie Lewis aufmerksam zu. Ich wiederholte das Tricktraining noch einige male, mit Tigrotto, Rose, Tiki, Chip, Xinu und Nachtfalke. Alle waren unterschiedlich in ihrer Lerngeschwindigkeit, aber alle begriffen irgendwann doch noch, was ich von ihnen wollte. Die meisten von ihnen kannten auch schon eine Menge Tricks, während zum Beispiel Orchid noch fast grün war und erst die Basics des Showmanship lernen musste. Irgendwann gegen vier Uhr war allerdings bei mir die Lust auf Tricktraining erschöpft, also holte ich stattdessen die Mini-Kutsche ins Spiel. Was gab es schöneres, als eine Ausfahrt vor dem Eindunkeln? Lewis stimmte mir zu und holte die zweite unserer beiden Kutschen. Damit auch gleich die restlichen Minis bewegt waren, nahmen wir Lenny und Becks, beziehungsweise Papillon und Darling als Handpferde mit, während Oreo und Diva ziehen mussten. Ausserdem kam Lily, die mittlerweile von der Schule zurück war, ohne Sattel und mit nur einem gewöhnlichen Stallhalfter auf Peppy mit. Die Sonne stand schon tief am Horizont, aber noch war es hell. Ich meinte, hin und wieder eine winzige Flocke fallen zu sehen. Es kam mir so langsam auch etwas kälter vor als am Morgen. Auch Lily schauderte und murmelte "hätte die wärmere Jacke nehmen sollen..." Ich bot ihr meine an, aber sie beteuerte, dass sie noch nicht gleich zu einem Eiszapfen werden würde.
      Als wir schliesslich nachhause kamen, schneite es tatsächlich immer stärker, bis wirklich grosse Flocken auf die Kruppen der Ponys fielen, während wir sie zurück auf die Weiden brachten. Das Gras wurde auch schon mit einer dünnen Puderschicht überdeckt und die Hunde rannten entzückt darüber hinweg. Lilys Hände waren ganz rot von der Kälte. Wir joggten ins Haus und wärmten uns mit einer Tasse Tee auf. Der Tag war noch nicht ganz vorbei, aber die Stimmung draussen war durch den stetig fallenden Schnee irgendwie gedämpft und ruhig. Alles schien wie eingefroren; vollkommen friedlich. Als ich das Haus erneut verliess, begleitete mich nur Zira - Jacky rollte sich entschieden auf ihrer Decke ein. Ich schmunzelte über die wetterscheue Terrier Hündin und begab mich nochmals zu den Weiden, diesmal aber zu den Fohlen. Sie liessen sich im Dunkeln berieseln; ihre Nüstern stiessen Wölkchen aus, als sie mich kommen sahen und ihre Köpfe wandten. Das nasse Langhaar klebte an ihren Hälsen, aber sie schienen unbekümmert und in Spiellaune. Zumindest dachten sie noch nicht im Geringsten daran, sich ins Innere des Offenstalls zurückzuziehen. Ich wusste jedoch um einen äusserst effektiven Trick: ein berüchtigter, blauer Eimer in dem ein klein Wenig Müsli raschelte. Ich schüttelte ihn und rief, woraufhin selbst Verdi sich erbarmte und von der hintersten Weideecke her angetrabt kam. Pinot stiess ein lautes Brummeln aus, wobei er schon fast erwachsen klang, obwohl der halbstarke Junghengst noch nichtmal ansatzweise so aussah. Er war schrecklich überbaut und schlaksig, irgendwie sah alles an ihm unfertig aus. Sogar sein ursprünglich hübscher Fohlenkopf wirkte nun etwas unförmig - die Augen standen irgendwie zu sehr heraus. Bei den anderen Fohlen zeichnete sich ein ähnliches Bild ab. Murphy und Riot hatten beide viel zu grosse Gelenke für die zarten, langen Röhrbeine dazwischen. Aber gewiss würden sie nächstens mehr Substanz entwickeln, und dann waren diese Gliedmassen perfekt für die Aufgabe, die ihnen bevorstand. Am schlimmsten schaute aber die kleine Baila drein, denn sie hatte langes, (von den vielen Raufereien mit Dahu) löchriges Winterfell und wirkte dadurch von weitem fast wie ein alter Klepper. Man sah die Lücken im Pelz bei ihr besonders gut, denn sie stachen Hell zwischen dem stichelhaarig-roten Deckhaar hervor. Aber ihre energievolle, lauffreudige Art passte natürlich nicht zum ersten Eindruck. Ich war gespannt, wie sie sich mausern würde. Ihr Fell gefiel mir jetzt schon unheimlich gut (solange es nicht gerade so mottenzerfressen aussah wie im Moment), wenn sie nun auch noch einen anständigen Körperbau entwickelte, dann wollte ich sie auf jeden Fall behalten und trainieren. Die Ponyfohlen wuchsen nicht ganz so schnell wie ihre frühreifen Vollblutkollegen. Sie sahen noch eher aus wie typische Jährlinge. Braemble und Nemo waren unzertrennlich. Der Graue lief dem Bunten ständig hinterher und das Geschrei, wenn einer mal fehlte, war nervtötend. Rune blieb ebenfalls gerne bei der Gruppe, klebte aber längst nicht so sehr. Sie konnte man auch mal für ein Halftertraining rausholen, ohne gleich eine Tragödie auszulösen. Der "grosse Bruder", Cabaret, war übrigens kein gutes Vorbild. Er war frech wie Oskar und wusste bereits jetzt, wie man Jackentaschen untersuchte und Reissverschlüsse öffnete. Er rupfte immer zur Begrüssung am Schieber bei meinem Kragen herum, wenn ich ihn nicht entschieden wegstiess. Ich hütete mich davor, ihm zu viel Schabernack zu erlauben - ich wollte ihn nicht zu einem Rüpel erziehen. Aber Gänge zeigte er schöne, und er hatte eine kräftige Schulter mit guter Winkelung. Er, Louvré, Lando und Charivari waren die nächsten, die zu Reitpferden ausgebildet werden würden. Aber es dauerte noch eine ganze Weile bis dahin, obwohl die Zeit letztens wie im Flug verging. Bei Wherigo war die Ausbildung noch in weiter Ferne. Manche Trainer ritten ihre Westernpferde zweijährig bereits ein, aber ich hatte keinen Grund dazu und wollte, dass er sich vollständig entwickeln konnte, bevor auch nur ein Sattel in seine Nähe kam. Der Appaloosa war ein richtiger kleiner Schatz, völlig verschmust und gelassen, wenn auch manchmal etwas schüchtern. Und dann war da noch Faro, der Criollo Nachwuchs von Feline. Was ich mit ihm anstellen wollte, wusste ich noch nicht genau; aber er wurde ein hübscher Schimmel. Im Moment sah er noch sehr dunkel aus, bis auf ein paar helle Stellen am Kopf und helleres Langhaar. Ich hoffte eigentlich, dass er möglichst lange so blieb, denn mir gefiel dieses "Grafitgrau". Es war eine schöne Abwechslung zu den vielen hellen Schimmeln in meinem Stall. Dem kleinen Móinn ging es übrigens gut. Seine Zähne waren mittlerweile durchgebrochen und der kleine Racker hatte überhaupt kein Feingefühl mit der Trinkflasche – wir hatten den Aufsatz schon zweimal ersetzen müssen. Aber mir war es lieber, dass er kräftig und frech wirkte. Er schien sich völlig normal zu entwickeln, und ich war dankbar um die hochwertigen Ersatzmilchpulver, die der Tierarzt mir gegeben hatte.
      Es herrschte Feierabendstimmung auf dem Hof, aber ich wollte noch ein letztes Mal in den Sattel steigen, bevor ich mich ins Haus zurückzog. Mein Opfer war mit Piroschka eben genau einer dieser zuvor erwähnten, hellen Schimmel. Ich sattelte sie nach einer raschen, herzhaften Putzsequenz, und führte sie in die Halle. Zuerst dachte ich, ausser uns sei niemand mehr da. Aber dann entdeckte ich Robin mit Ravissante. Sie war hoch konzentriert und bemerkte mich auch erst, als die braune Stute den Kopf aus der Anlehnung hob und die Ohren spitzte. „Oh, good evening!“, rief sie rüber, und ich erwiderte es fröhlich. „What are you practising?“ „Just some extended trot. I’m not really happy with how she does that yet.” “What do you think is the problem?”, hakte ich weiter. “She is going too fast. Instead of lifting her shoulder, she just runs off.” “Show me.” Robin trabte an und sammelte Ravissante auf der kurzen Seite der Bahn. Dann bog sie auf die Diagonale. „Don’t drop your contact on the reins! Sit back a little more. Come around again, but this time ask for a leg yield before doing the medium trot. That will help loosening up her shoulder.” Sie nickte und versuchte umzusetzen, was ich vorgeschlagen hatte. Die ersten beiden Versuche brachten noch keinen wirklichen Fortschritt, aber dann ‚machte es Klick‘ und Ravissante erweiterte ihren Rahmen. „Now you got it. Try working on that, but not for too long – don’t spoil it for her.” “Okay, thanks.” Inspiriert von der Idee, übte ich wenig später, nach dem Einwärmen und ein paar Runden Galopp, mit Piro dasselbe. Die Criollostute hatte zwar eine ganz andere Gangmechanik als Ravi, aber auch bei ihr zeigte die Methode eine kleine Verbesserung der Rahmenerweiterung. Wir arbeiteten eine Dreiviertelstunde an verschiedenen Lektionen, jedoch mit vielen kleinen Pausen dazwischen. Am Ende liess ich meine Schimmelstute zufrieden strecken und sie schnaubte ab. „Well done“, murmelte ich beim Absteigen und kraulte ihre Stirn, während sie sogleich versuchte, sie an mir zu reiben. Sie hatte ein wenig Schaum auf den Lippen, den sie natürlich schön an meinem Pullover abstrich. Aber das war nicht so schlimm, der musste ohnehin in die Wäsche – und ich unter die Dusche. Um neun Uhr hatte ich noch ein Meeting mit den Pflegern für die Planung der kommenden Woche. Wir hielten diese Besprechungen halb online ab, denn nicht alle Mitarbeiter wohnten in der Pflegerunterkunft und die meisten waren längst nachhause gefahren. Ich warf mich mit noch nassen Haaren auf das Sofa im Aufenthaltsraum des ‚Pflegerheim‘ und beobachtete die beiden Papageien Africa und Blue, wie sie ein paar Erdnüsse knackten, die ihnen Quinn gegeben hatte. Es war faszinierend, wie geschickt sie ihre Klauen und Schnäbel einsetzen konnten, und danach die Nuss mit der grauen Zunge aus der Schale rausangelten. Ajith und Lewis kamen rein, hinter ihnen folgte der Rest. „Are we complete? Fine.“ Ich informierte rasch über alle besonderen Events und alles, was vom gewöhnlichen Ablauf abwich. Viel gab es nicht zu erzählen, denn im Moment gab es wegen der Pandemie noch immer kaum Turniere. Nach dem Offiziellen Teil plauderten wir noch bei einem Feierabendbier. Lewis und Rita gesellten sich zu mir und erzählten, dass sie heute auf dem Ausritt im Halbdunkeln einen Dachs gesehen hätten. „Oh cool, I haven’t seen one in ages.“ „He came out oft he bushes left to us, made some grumpy noise and left quickly. I bet he was as surprised as we were.” “First a fox, now a badger. What is going on with wildlife these days?”, fragte ich mich lachend. “No plan. But Shadow was not even scared of it.” Rita ergänzte, “Unlike Jazz… The poor filly almost skipped a heartbeat.” Ich schmunzelte bei der Vorstellung daran, welch grosse Augen Jazz gemacht haben musste. „Heard anything from Rosie these days?“, wollte Lewis wissen. „Nah, not really-“ Parker unterbrach uns. “I did. I met her yesterday when I was stolling about with Sumerian. She’s fine, they are practising for some upcoming trail-competition. Mansur is almost ready for his final studbook qualification, too. But she mentioned that Farasha was a bit out of spirits, some kind of fever I believe.” “Oh, I hope she recovers soon. I know which competition she was talking of; we’re going to participate as well, with Flintstone. She is taking Namuna and Mansur, I believe?” “No, she said Tayr and Mansur.” Ich hob die Augenbrauen. “Huh, I guess there aren’t enough Arabian-Races to keep him occupied..” “She was riding out with Fallen Immortality by the way. That mare looks gorgeous! I love her little spots”, schwärmte Parker. “Yes, that one is a beauty. But I think her Filly Bintu will turn out pretty as well. She has a nice head.” Lewis mischte sich ein, “Of course we have our own beauty queen as well. Do not forget about Chia.” “Damned Arabians. They do look so refined with their arched heads and long necks. But I like how sturdy they are nevertheless”, rief Charly aus, der mitgehorcht hatte. Dann kam auch noch Lisa dazu. “ Haflingers have Arabian blood, too. If you look at Nimués straight nose it is unmistakable.” Lewis lachte. “Whereas Woody has a bit more of a Percheron, wouldn’t you agree?” Wir amüsierten uns alle über Lisas empörte Reaktion. Ich stand auf und streckte mich; so langsam wurde es Zeit für’s Bett. Bevor ich mich auf die Socken machte, fiel mir jedoch aus dem Augenwinkel Alan auf, der alleine in einer Ecke sass und vor sich hingrübelte. Ich stellte mich neben ihn, woraufhin er aufsah und verlegen lächelte. „Lost in thoughts?“ „Yeah… A little.“ „What’s bothering you?“, hakte ich nach. „Ah, nothing really… Just… Nah. It’s none of my business.“ „Spit it out already.“ Er räusperte sich. „That little sportpony, Bayou. I’m a bit concerned for him.“ „And why ist that?“ “They treat him well and all – but he just seems so shut-down and depressed… I mean, sure the girl, Anna, cares a lot for him. But I don’t think they have a real bond.” “I’m surprised to hear how sensitive you are. It may comforts you to hear that I believe you are right. But I do not want to interfere in other peoples business, unless I see a horse physically abused or suffering. They don’t know as much about horses yet, but give them some more time. They might learn, and I will try to give them a little hint when I see the chance without offending anyone.” Er nickte verständnisvoll. “Thanks.“ Ich klopfte ihm auf die Schulter. „You’re such a sweet guy, Alan. I bet that is why Clooney likes you so much. You should come out of your shell from time to time, though. I’m sure you wouldn’t regret it.” “I know, and I will try, I promise. I’m thankful for how patient you are with me – everyone here is more of a family to me than my real relatives.” Ich wünschte ihm eine gute Nacht, ebenso wie den anderen beim Hinausgehen. Jonas blieb noch einen Moment länger – er war mitten in einer Diskussion mit Ajith.
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  • Album:
    Wilkinson Farm
    Hochgeladen von:
    Occulta
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    15 Okt. 2020
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    640px
     

    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).

  • arab. "Tochter des Meeres"

    Offizieller HG

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    Vom: Arsil

    Vom: Azón
    Aus der: Nayl


    Aus der: Bittersweet

    Von: Joe ox
    Aus der: Indira ox



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    Auch bekannt als "BOS Bintu-l-Bahri"
    Rufname: Bintu, Bahri
    Geburtstag: 25.10.
    Alter: 1 Jahr
    Stockmaß: 1.55 m
    Rasse: Arabisches Vollblut
    Geschlecht: Stute
    Fellfarbe: bay sabino
    (Ee,Aa,Sbsb)
    Abzeichen: unregelmäßige Blesse, 3x weiße Fessel, vr Hochweiß, Bauchfleck
    Gesundheit: sehr gut


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    neugierig, klug, verschmust


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    Bintu Al-Bahri ist das Wunschfohlen schlechthin. Gezogen aus zwei tollen Arabern, bereicherte das Stutfohlen ihren Heimatstall, die Black Oak Stables, bevor es auf die Wilkinson Farm kam. Bahri ist ein sehr kluges und neugieriges Fohlen, welches am liebsten den ganzen Tag bekuschelt werden mag.


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    Besitzer: Occulta (Rosie Wilkinson)
    Ersteller: Laraya13
    VKR: Laraya13
    Verkäuflich: Nein


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    Gekört: Nein
    Nachkommen: -


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    Galopprennen Klasse: -
    Western Klasse: -
    Spring Klasse: -
    Military Klasse: -
    Dressur Klasse: -
    Distanz Klasse: -

    Eignung: Dressur, Distanz
    Eingeritten: nein


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    Bintu's Spind​