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Occulta

BOS Bintu Al-Bahri, Araber

Stute | bay sabino

BOS Bintu Al-Bahri, Araber
Occulta, 15 Okt. 2020
    • Occulta
      Ein Italiener, ein Franzose und ein deutscher Isländer
      Bayou, Lando di Royal Peerage, Þota von Atomic, PFS' Lyskra, BOS Bintu Al-Bahri, Odyn, Gleam of Light, Caspian of the Moonlightvalley, A Winter’s Day, Raving Hope Slayer, Cabinet of Caligari, PFS’ Straight Alignment, PFS’ Cryptic Spots, PFS’ Strolch, PFS’ A Winter’s Tale, PFS’ Stop Making Sense, Daedra, PFS’ Snap in Style, Stars of Magic, PFS’ Riptide, PFS’ Vivo Capoeira, PFS’ Cupid, Lindwedel, Circus Dancer, Co Pilot de la Bryére, Colour Paint, Thomas, Dancing Moonrise Shadows, PFS’ Otello di Verdi, PFS‘ Murphy’s Law, HMJ Honesty, PFS‘ Móinn

      Der Herbst war schneller gekommen als erwartet. Fast von einem Tag auf den anderen waren die Temperaturen abgesackt und nachts sogar in den einstelligen Bereich gefallen. Für die ganze nächste Woche war ausserdem bereits eine Regenfront angekündigt, die das typische englische Wetter komplettieren würde. Ich war an diesem Morgen extrem motiviert. Schliesslich erwartete ich heute drei Neuankömmlinge - allerdings war nur einer davon mein Eigen. Das Isländerstutfohlen Thota, das aus Deutschland herreiste und hoffentlich Lyskras neue Spielgefährtin werden würde. Ich hatte sie bei einer guten Kollegin erworben, aus deren Zucht auch Meakja stammte. Ihre Ankunft war auf ein Uhr nachmittags angesetzt, aber ich befürchtete, dass sie noch etwas länger in der Kontrolle am Flughafen feststecken würde. Mit etwas Glück würde heute ausserdem Maekjas Fohlen zur Welt kommen. Darauf war ich besonders gespannt. Meine erste Amtshandlung an diesem Morgen war wie immer die rasche Kontrollrunde um Sechs Uhr, bevor ich dem Training der Vollblüter beiwohnte. Es war alles ruhig auf dem Hofgelände. Mittlerweile war es wieder stockdunkel so früh morgens und ich stolperte fast über Kafka, der mir beim Eingang zum Stutenoffenstall um die Füsse schlich. Er fauchte, und ich fauchte fast zurück - "Doofes Vieh, pass doch auf! Du siehst besser als ich." Er trottete mit angelegten Ohren durchs halbhohe Gras davon. Ich schob das Tor auf und begrüsste die gespitzten Ohrenpaare, die sich mir zuwandten. "Hey girls! Did you sleep well?" Shadow brummelte mir zu, richtig niedlich. Ich warf rasch einen Blick über die Gruppe, selbstverständlich sofort Maekja suchend. Sie döste jedoch nur ganz entspannt neben HMJ Honesty. Die beiden Fuchsschecken passten eben zueinander. Ich spazierte leicht enttäuscht aber zufrieden weiter zu den Fohlenweiden. Es war neblig, wie so oft angesichts unserer flussnahen Lage. Irgendwo in der Ferne rief ein Rabe, sonst herrschte verschlafene Stille. Ich mochte diese geheimnisvollen Morgenstunden. Im Herbst wie jetzt waren sie umso spezieller. Die Bauarbeiten an unserem neuen Trainingsschwimmbecken, das ich anfangs Sommer in Auftrag gegeben hatte, waren beinahe abgeschlossen. Im Moment härtete noch der Spezialbelag an den Innenseiten des Beckens vollständig aus, danach musste nur noch das Wasser eingelassen und die Heizung getestet werden. Ich freute mich darauf, zum ersten Mal die Vollblüter hindurchwaten, und natürlich auch schwimmen zu lassen. Wenn alles klappte, würde es in einer Woche so weit sein. Bei den Stutfohlen angekommen, öffnete ich auch dort das Tor. Die Jungpferde begrüssten mich etwas stürmischer. Sie freuten sich wie fast jeden Morgen darauf, raus zu dürfen – es konnte gar nicht schnell genug gehen. Ich wartete, bis sie nacheinander an mir vorbeigelaufen waren. Sobald sie Gras unter den Füssen hatten, trabten die meisten an und Lyskra hörte ich sogar übermütig quieken. Ich kicherte amüsiert und setzte meinen Weg zu den Miniature Horses und schliesslich zu den Hengstfohlen fort. Dort verleitete mich Verdi zum Augenrollen. Der goldfarbene Jüngling drängelte sich ungeduldig neben Murphy vorbei und rutschte prompt auf dem Nebelfeuchten Gras aus. Er fiel auf seinen Allerwertesten, strampelte sich verdutzt wieder hoch und stand dann einen Moment still, ein besorgtes Grunzen von sich gebend. Als er danach den anderen im ruhigen Schritt hinterschritt, konnte ich immerhin keine Lahmheit feststellen. „Nix passiert“, murmelte ich schulterzuckend. Man sah vom Hauptstall durch den Nebel nur ein schwaches Licht – darauf steuerte ich zu. Die Jockeys hatten bereits begonnen, ihre Pferde rauszuholen und in den Putzständen oder in der Stallgasse anzubinden. Wir hatten die Gruppen wieder geringfügig umorganisiert, da wir mittlerweile mit Isaiah und Idris um zwei Rennreiter reicher geworden waren und nun mehr Vollblüter gleichzeitig trainieren konnten. Die erste Gruppe heute bestand aus unseren erfahrensten Rennpferden. Dazu zählte auch mein Liebling Winter. Ich ritt allerdings nicht ihn, sondern hatte diesen Monat Caspian zugeteilt bekommen. Der zu klein geratene Schimmelhengst wartete schon sehnsüchtig auf seine Begrüssungs-Karottenhälfte. Ich streifte ihm sein hell-blau-grünes Plüschhalfter über und brachte ihn in die Stallgasse. Er hielt inne um die Nase mit Winter zusammenzustecken. Ich zupfte sanft am Halfter, um ihn an meine Absichten zu erinnern. Winter musste im nächsten Moment sowieso für Quinn herhalten. Die beiden besetzten den vordersten der Putzstände. Wir plauderten während dem Bürsten ausgelassen. Gesprächsstoff gaben die Ideen für die diesjährigen Halloween-Turniere. Jedes Jahr veranstalteten diverse Reitställe in der Nähe kleinere Wettkämpfe wie Kostümspringen oder Patrouillenritte im Dunkeln. Wir nahmen immer gerne teil, denn es war nebst dem Spass eine gute Übung gerade für junge, noch unerfahrene Vierbeiner. Isaiah schlug vor, Odyn eine Kürbis-Grimasse auf den Po zu malen – die Idee gefiel mir ganz gut. „That would make his big butt stand out even more“, stellte ich amüsiert fest. Ein kleiner Tumult entstand, als Charly mit Raver nach dem Satteln an Gleam of Light vorbeiwollte. Der Schwarzbraune legte drohend die Ohren an und bewegte seine Hinterhand bereits in Richtung seines eigentlichen Weidekumpels. Ich vermutete aber, dass keine echte Aggression dahintersteckte, sondern das Theater nur Dominanzgehabe war. Light liess sich zumindest von Rita, die ja nun wirklich nicht die kräftigste war, einfach davon abhalten, Raver einen Tritt zu verpassen. Auch ich zäumte Spy noch rasch, dann konnten wir ebenfalls nach draussen verschieben und zum Aufsteigen hinstehen. Ajith half mir in den Sattel. Als auch alle Stuten der Gruppe ready waren, konnten wir gemeinsam zur Bahn reiten und uns aufwärmen.

      Die zweite Gruppe beobachtete ich nur, nachdem alle schwitzenden Pferde der ersten in der Führanlage beim Trockenlaufen waren, von den Rails aus. Ich hatte keinen von den sechs- und siebenjährigen auf meiner Monatsliste, dafür bei den dreijährigen Cupid. Der Rappe war voller Tatendrang und zappelte schon beim Putzen herum. Als er auch beim Hufegeben nicht stillstehen konnte und mir den Fuss die ganze Zeit wegzog, verlor ich allmählich die Geduld. „Knock it off!“, rief ich aus, und gab ihm einen Klaps auf die Schulter. Ich wusste, dass es vermutlich nichts bringen würde, aber ich war eben doch auch nur menschlich und bildete mir gerne ein Cupid verstünde ganz genau, was ich von ihm wollte. Erstaunlicherweise liess er mich die Hufe danach zuende auskratzen, wenn auch ungeduldig. Das bisschen Winterfell, das der Rappe mittlerweile hatte, fühlte sich samtig an, lud sich aber durch die Berührung mit meinem Faserpelz elektrisch auf. Dadurch blieb der Staub noch mehr daran kleben. Ich gab es rasch auf, ihn ganz sauber bekommen zu wollen und holte einfach den Trainingssattel. Sein Halbbruder Capoeira hatte eine etwas praktischere Farbe, fast gleich wie die Mutter der beiden. Dafür sah man auf Capys Fell sofort Gras- oder Mistflecken. Die optimalste Farbe, überlegte ich während dem Zäumen, ist immernoch ein normales Hellbraun. Oder etwas stark gemustertes, wie bei Cryptic – oder noch besser, Mambo. Bei so vielen Sprenkeln fällt ein bisschen Dreck gar nicht mehr auf. Sprenkel hatte auch die hübsche Rappstute, die ich als erstes erblickte, als ich Cupid rausführte. Allerdings nur auf dem Hinterteil. „Star still has a little mud on her legs“, bemerkte ich tadelnd. Rita entschuldigte sich: „I had to hurry – everyone else was already tacking up…“ „Take your time next time. It’s no good to hurry with horses, especially not young ones.” Wir stiegen auf und ritten abermals zum Galoppweg. Beim Aufwärmen legte sich Cupid bereits kräftig aufs Gebiss, sodass ich versuchte, die Trense immer ein wenig in Bewegung zu halten. So konnte er sich nicht zu sehr abstützen und musste sich selbst tragen. Als netter Nebeneffekt lief er nach einer Weile schön durchs Genick. Wir wechselten auf die Grasbahn und in einen leichten Canter. Cupid zog seine Beine dankbar aus, als ich ihn losliess und das Intervalltraining startete. Er arbeitete über unsere gesamte Trainingsdistanz konzentriert mit, sodass ich ihm das Gezapple von Anfang ohne weiteres vergab. Die elegante, dunkelbraune Stute Riptide, die nun fast ein Jahr auf Pineforest lebte, zog mit kraftvollen Sprüngen an uns vorbei, als ich Cupid abbremste. Das passte ihm gar nicht, und er schüttelte wütend den Kopf. Ich gab ihm eine auffordernde Parade am Zügel, damit er sich wieder einkriegte. Riptide und Parker bremsten ohnehin auch längst ab, also gab es überhaupt keinen Grund zur Aufregung. Cupid gab erst ganz Ruhe, als wir neben den beiden zurücktrabten. Vermutlich hatte ihn nicht die Tatsache aufgebracht, dass Rip ihn überholt hatte, sondern eher dass sie ohne ihn davongelaufen war. „This little Stallion here wants to keep his mares together, it seems”, erklärte ich Parker augenrollend. “Forgive him. He is handsome, and he knows it.” Ich kicherte amüsiert. Wir sammelten uns beim Durchgang zu den Ställen und ritten dann im Schritt zurück. Ajith holte gerade noch Caligari aus der Führanlage, damit diese frei war für unsere Gruppe. Ich nahm Cupid blitzschnell den Sattel ab, tauschte sein Zaumzeug gegen ein gepolstertes Halfter und brachte ihn ins Karussell. Dann versorgte ich in aller Ruhe die Ausrüstung, während die übrigen Jockeys die letzte Gruppe vorbereiteten. Ich legte jeden Sattel fein säuberlich auf seinen Platz, tauschte wo nötig die Satteldecken aus und säuberte die schlammig besprenkelten Lammfellgurten. Auch die Trensen wusch ich und hängte sie dann alle ordentlich auf. Die Pflege der teuren Ausrüstung war wichtig für deren Langlebigkeit. Beim Vorbeigehen streichelte ich Straight Alignment, den grossen Stromer-Sohn mit dem freundlichen Gesicht. Er war kein aktives Rennpferd wie sein Bruder Strolch, der gerade in der Stallgasse gebürstet wurde, aber dafür wurde er im Military ausgebildet und machte sich dort ganz gut. Er musste bei manchen Aufgaben noch etwas mutiger werden, aber er gab sich Mühe und machte auch in der Dressur keine schlechte Falle. Durch seine Grösse wirkten seine Bewegungen imposanter, was wiederum hilfreich war und den Richtern jeweils gefiel. Ich persönlich bevorzugte aber eher kleinere Reittiere – die waren unter anderem zum Aufsteigen deutlich angenehmer. Snap steckte mir seine weiche, grau-rosafarbene Schnauze entgegen, als ich mich unter seinem Anbindeseil durchducken wollte. „Jaa, du bist ein ganz lieber“, murmelte ich und hielt einen Moment inne. Er erinnerte mich irgendwie an Rosenprinz in dessen Anfangszeit als Rennpferd. Die beiden hatten einen ähnlichen Charakter, aber auch die Farbe war ziemlich dieselbe. Nur dass Snap ein wenig ‚wildfarbener‘ war, wie ich zu sagen pflegte. Sein Fell war heller als das von Rosenprinz es je gewesen war, und er hatte sogar leichte Zebrastreifchen an den Beinen, was eigentlich für einen Buckskin atypisch war. Manchmal hielt die Natur sich eben nichteinmal an ihre eigenen Regeln. Andererseits hatte ich erst kürzlich von einem non-dun1 Gen erfahren, das scheinbar genau solche falschen Dun-Abzeichen auslöste. Cupid hatte das mit ziemlicher Sicherheit, denn wenn man genau hinsah, waren die seitlichen Haare bei seiner Schweifrübe leicht aufgehellt und man erkannte je nach Fellwechsel einen feinen Aalstrich. Ich wollte ihn irgendwann darauf testen lassen, aus reiner Neugier. Vielleicht würde ich dann Snap gleich mittesten. Nun wechselte ich aber erstmal in den Stutentrakt, um zu sehen, wie weit die Jockeys dort waren. Daedra und Thalia wurden gerade gesattelt, die anderen sahen auch fast ready aus. Ich klopfte Daedra auf deren muskelbepacktes Hinterteil und setzte meinen Weg zufrieden Summend fort. Für mich wurde es jetzt Zeit, den ersten Neuankömmling in Empfang zu nehmen. Der Transporter liess allerdings noch einen Moment auf sich warten, weshalb ich mir in der Zwischenzeit eine Tasse Tee gönnte. Lily war unterdessen auch aus den Federn gekrochen und hatte sich in die Schule gezwungen. Jonas ritt vermutlich gerade Circus Dancer in der Halle, ich hatte jedenfalls vorhin gerade noch etwas Weisses hinter der Ecke des Nebenstalls verschwinden sehen. Ich schlürfte also ganz alleine aus der Tasse, wenn man die Hunde ausser Acht liess, die mich wachsam beobachteten, weil ich in der Küche herumlief. „You’ve already had your breakfast“, stellte ich klar, aber Sheela packte dennoch den perfektesten Bettelblick aus, den sie hinbekam und fiepte ganz leise. Ich liess mich nicht erweichen. Auch Moya schlich mir um die Beine. Ich hob sie auf meinen Arm und kraulte sie. Am Anfang hätte sie dies nie toleriert, aber mittlerweile liess sie sich von mir nur allzugerne streicheln und verwöhnen. Sie war zu einer richtigen Wohnungskatze mutiert, besonders jetzt, wo es draussen vermehrt kalt und nass war. Offenbar waren ihr die Vorzüge der geheizten, überdachten Wohnung mit dem ständigen Futterangebot bewusst geworden. Am liebsten sass sie auf meinem Schoss während ich Papierkram erledigte, oder wenn ich auf dem Sofa ein Buch las. Auch wenn wir abends einen Film schauten fehlte sie nicht. Bei Lily ging sie allerdings nie auf den Schoss, immer nur bei mir oder selten bei Jonas. Ein Blick aus dem Fenster verriet mir kurz darauf, dass der Transporter vorgefahren war. Ich schnappte meine Jacke und liess die Tasse stehen. Hinter dem Transporter fuhr ein silberner PW her, in dem die Besitzer des Ponys sassen, das gerade hergebracht worden war. Neue Pensionäre. Es handelte sich um ein Mädchen im selben Alter wie Lily. Sie hiess Anna, und ihre Mutter Sibylle war eine von den Müttern, die ihre Töchter bedingungslos förderten. Von dem, was ich bisher mitbekommen hatte, wäre Sibylle früher wohl selber gerne Turniere geritten, es war ihr jedoch aus irgendeinem Grund verwehrt geblieben, sodass sie nun stattdessen alles in die Reitkarriere ihres Töchterleins steckte. Mich kümmerten die Angelegenheiten dieser Leute eigentlich nicht besonders; alles was für mich zählte, war das teure französische Sportpony, das in dem Transporter wartete und in wenigen Augenblicken seine neue Box auf Pineforest beziehen würde. Der Fahrer und ich luden das Tierchen aus: ein hübscher Wallach, dunkelbraun mit hellem Schweif – also vermutlich Silver-Einfluss. Ich musterte ihn natürlich sofort genauer, als er auf dem Parkplatz stand und Anna seinen Strick übernahm. Er sah gut aus, etwas überbaut hinten und ein wenig Unterhals, aber immerhin kräftig und sein Fell glänzte schön. Meiner Meinung nach hätte er noch mehr Rückenmuskeln vertragen für ein Pony, das scheinbar 1.10 Meter sprang. Aber sie hatten ihn sowieso erst seit kurzem importiert und begannen gerade erst zusammenzuwachsen. Ich lief mit ihnen zur freien Box im Ponystall gleich neben dem Nordstall. Sie wussten bereits wo alles war, denn sie waren ja im Voraus vorbeigekommen, um sich alles anzusehen. Ich zeigte ihnen noch, wo sie ihre Ausrüstung verstauen konnten, dann liess ich sie in Ruhe ankommen. Anna hatte Freude an Lindwedel, der neugeirig seinen Kopf reckte, um ihr Pony Bayou zu begrüssen. Suri würde wie auch Lily erst am Nachmittag nach der Schule Zeit für die Ponys haben. Ich kümmerte mich bis zu Thotas geplanter Ankunftszeit um Co Pilot. Der Schecke hatte etwas Dressurarbeit nötig. Er war letztens regelrecht verwöhnt worden – dreimal nacheinander waren wir draussen im Gelände gewesen. Heute wollte ich ihn mit Seitengängen und Galopp-Schritt-Übergängen gymnastizieren. Er arbeitete wie fast immer gewissenhaft. Mit seinen zwölf Jahren gehörte er auch zu den erfahreneren, vernünftigen Reittieren. Trotzdem konnte auch er sich zwischendurch über eine etwas dunkle Hallenecke oder eine aufflatternde Taube aufregen, wenn ihm danach war. Ich versorgte ihn nach einer Dreiviertelstunde mit einer Abschwitzdecke bepackt zurück in seine Box. Weil ich fast schon etwas knapp in der Zeit lag, hastete ich zurück ins Haus um die Autoschlüssel zu holen. Vor mir lag eine immerhin zweieinhalbstündige Fahrt nach Portsmouth. Ich hatte keine Nachricht über eine allfällige Verspätung von Thotas Fähre erhalten, also ging ich davon aus, dass alles nach Plan verlaufen würde. Mittagessen wollte ich bei meiner Ankunft am Hafen. Ich winkte Jonas zum Abschied, der draussen vor dem Nordstall den wolligen Thomas anband und zu putzen begann.

      Als ich kurz nach Mittag in Portsmouth eintraf, waren ein paar Wolken aufgezogen, aber es blieb nachwievor trocken. Ich suchte mir etwas zu Essen und setzte mich dann auf eine Mauer in der Nähe des Wassers, während ich auf die Ankunft meines Isländerfohlens wartete. Pünktlich um ein Uhr legte die Fähre an und ich fuhr mit dem Transporter über das riesige Hafengelände möglichst nahe zu ihr. Ich musste mich noch eine Weile gedulden, dann wurde endlich auch der Boxencontainer ausgeladen. Thota hatte die Reise gut überstanden und wirkte munter. Erleichtert nahm ich sie entgegen und verlud sie erneut. Allerdings verliess ich die Autobahn bei Hightown für einen Stopp, um der armen Jährlingsstute eine Reisepause zu gönnen. Sie durfte sich einen Moment die Füsse vertreten und ein wenig grasen. Die keine war natürlich aufgeregt, aber sie schlug sich tapfer angesichts der völlig fremden Umgebung. Es tat mir etwas leid, dass sie für den Augenblick ohne Kumpel klarkommen musste, aber ich hatte nicht extra noch einem Pferd die lange Fahrt zumuten wollen. Ich setzte die Fahrt nach einer Viertelstunde fort. Wir kamen wohlbehalten zuhause an und Thota war sichtlich erleichtert, als sie die übrigen Fohlen auf den Weiden entdeckte. Da sie vor der Überfahrt bereits in Quarantäne gewesen und tierärztlich durchgecheckt worden war, verzichtete ich auf eine erneute Isolierung und liess sie direkt zu den anderen Stutfohlen. Ich blieb einen Moment dabei um sicherzustellen, dass sie nicht zu sehr gejagt wurde nach den Strapazen der langen Reise. Danach übergab ich die Überwachung an Lewis. Lyskra schien sich noch nicht auf Anhieb mit Thota anzufreunden; sie legte erstmal drohend die Ohren platt, als ihre neue Spielgefährtin näher kam. Bestimmt war sie nur unsicher und wollte zuerst herausfinden, wie die Neue tickte. Ich verliess das Theater und begab mich nach einer erneuten Teepause, bei der ich Details zur Fahrt mit Jonas austauschte, zur Stutenweide. Dort wartete bereits Shadow auf mich. Ich machte einen ausgiebigen Ausritt mit ihr, wobei ich Honesty als Handpferd mitnahm. Lily und Suri waren inzwischen aus der Schule zurück und heckten wieder irgendwas aus. Soweit ich verstanden hatte, handelte es sich dabei um Halloween-Vorbereitungen. Ich hielt mich da raus und schmunzelte nur. Shadow begrüsste mich mit einem Brummeln und liess sich sofort aufhalftern. Honesty schien ganz erstaunt dass ich sie auch noch holte, obwohl wir das nicht zum ersten Mal machten. Ich band beide Stuten am Zaun fest und putzte sie, bis von den Dreckkrusten der letzten ausgiebigen Roll-Party nichts mehr übrig war. Shadows Fell blieb etwas staubig – auf dem dunklen Hintergrund sah man es einfach zu gut. Ich nahm mir besonders viel Zeit, ihren Schweif zu sortieren. Ich verpasste ihm eine gehörige Portion Glanzspray, dasselbe tat ich auch bei Honesty. Langsam aber sicher rückte das Finale des Makeovers näher. Es war mehrfach verschoben worden, doch ich gab die Hoffnung nicht auf, dass es doch noch etwas wurde. Wenigstens waren wir inzwischen optimal vorbereitet. Ich sattelte Shadow mit ihrem Westernsattel und zog ihr ein Bosal an, Honesty nahm ich ans Knotenhalfter. Die beiden verstanden sich und liefen ohne Zankerei nebeneinander durch die herbstliche Landschaft. Ich genoss die vielen Farben der Bäume und die wärmenden Sonnenstrahlen. Weil der Boden so schön feucht war, konnten wir auf den Feldwegen viel traben. Beide Stuten waren ja barhuf, also wich ich normalerweise wo immer möglich auf Feldränder oder grasbewachsene Mittelstreifen aus. Manchmal zog ich ihnen auch Hufschuhe an, etwa wenn die Hufe frisch gefeilt waren. Aber heute war das nicht nötig gewesen. Als wir zurückkehrten, traf auch der dritte Neuankömmling noch ein. Ein junger Murgesenhengst namens Lando. Er gehörte, wie hätte es anders sein können, Angelina Moore. Sie hatte die Begeisterung für diese Rasse offenbar auch nach dem Verkauf von Nera nicht verloren und nun trotz allem wieder einen Vertreter geholt – ausgerechnet den erstgeborenen Sohn ihrer ehemaligen Stute. Ich wohnte gespannt der Ankunft des hübschen Rappen bei. Er glich seiner Mutter aufs Haar, aber bestimmt würde er noch etwas kräftiger werden als sie. Ich begleitete Angie und Lando zu den Hengstfohlen, wo er seine Tage bis zum Einreiten geniessen durfte. Wir plauderten noch ein wenig, ehe ich ins Haus ging und meine E-Mails checkte. Ich musste noch die Steuererklärungen ausfüllen und ein paar organisatorische Aufgaben erledigen, aber das verschob ich auf den Abend. Stattdessen telefonierte ich mit Rosie wegen des kommenden Westernturniers, an dem wir beide teilnehmen wollten. Sie hatte ausserdem spannende Neuigkeiten: auch sie hatte wieder ein neues Fohlen erworben. Als die den Namen Bintu Al-Bahri nannte, dachte ich zuerst, sie hätte sich verplappert. Aber das Stutfohlen hiess tatsächlich gleich wie der Hengst, den sie vor ein paar Jahren verkauft hatte. Fasziniert runzelte ich die Stirn und gratulierte ihr zu dem Zufall. Als wir alles weitere geklärt hatten, legte ich auf und gab den Hunden ihr Abendessen. Dann wollte ich mich als letzte Amtshandlung des Tages um Colour Paint kümmern gehen. Doch ein Notfall kam dazwischen: Maekjas Fohlen war auf dem Weg. Allerdings schien es verdreht zu liegen und es kam zu Komplikationen. Ich rief den Tierarzt herbei und konnte von da an nur noch abwarten und hoffen. Zuerst sah es gut aus; das Fohlen lebte noch und der Tierarzt schaffte es, das Fuchshengstchen trotz falscher Lage auf die Welt zu holen. Während Jonas bei den beiden blieb und sie im Auge behielt, bewegte ich Colour Paint doch noch. Ich longierte ihn in der Halle, zu mehr fühlte ich mich angesichts der ganzen Aufregung nicht im stande. Colour Paint war auch nicht wirklich bei der Sache. Ich kannte den Fuchshengst mittlerweile viel besser und wusste Bescheid um seine gelegentlichen Flausen. Manchmal war er zum Beispiel scheinbar grundlos guckig. Abgesehen davon verhielt er sich aber brav und willig. Auch unter dem Sattel war er eigentlich ein Träumchen. Leistungsbereit und motiviert. Ich war froh, ihn gekauft zu haben. Fohlenpläne hatte ich zwar noch keine mit ihm, aber ich war mir sicher, dass seine Nachkommen eine gewisse Springbegabung erben würden. Die Arbeit mit dem Fuchshengst half mir, mich zu entspannen. Ich konnte ihm so schön zusehen, wie er um mich herum seine Runden drehte, in einem gleichmässigen Takt. Die weissen Beine hatten etwas hypnotisierendes, wie sie so vor- und zurückschwangen. Als ich ihn versorgte, war ich deshalb wieder guter Dinge und sah zuversichtlich nach Maekja und ihrem kleinen Sohn. Jonas, Lewis und Lisa waren auch bei ihr und beobachteten die beiden wachsam. Leider verstarb zu unser aller Schock die Isländerstute nur eine halbe Stunde später, vermutlich an einer inneren Blutung. Viel Zeit zum Trauern blieb nicht; wir setzten alle Hebel in Gang um den kleinen Móinn, wie ich ihn genannt hatte, zu retten und ihm vielleicht sogar eine Ammenstute zu finden. Aber es war fast unmöglich um diese Jahreszeit – die Fohlensaison war schlichtweg vorbei. Ich telefonierte eifrig herum und fragte alle meine Züchterkollegen um Rat. Doch es konnte mir am Ende niemand weiterhelfen, wie erwartet. Es würde also wohl nichts anderes übrig bleiben, als den kleinen mit der Flasche grosszuziehen. Der Tierarzt kam nochmals vorbei um uns das Ersatzmilchpulver zu bringen und zu erklären, wie genau wir es anrühren mussten. Es war mit grossem Aufwand verbunden, ein Fohlen von Hand aufzuziehen. Schlussendlich blieb uns aber nichts anderes übrig, denn ich wollte den kleinen auf jeden Fall behalten. Ich liess alles, was ich noch im Büro hatte erledigen wollen auf dem Schreibtisch liegen und verbrachte stattdessen den ganzen Abend bei dem kleinen. Die anderen Stuten kamen immer wieder neugierig heran, liessen es aber bei einem freundschaftlichen Beschnuppern bleiben. Weil ich es nicht über’s Herz brachte, ihn alleine im Dunkeln liegen zu lassen, und mir auch zu viele Sorgen machte, verbrachte ich schliesslich auch die Nacht im Offenstall. Jonas holte mir dazu einen Schlafsack und eine warme Kuscheldecke aus dem Haus – schliesslich herrschten eisige 5 Grad. Ihn selbst schickte ich ins Haus. Er frohr sonst schon dauernd und brauchte sich nicht hier draussen zu erkälten, ausserdem musste er Lily ins Bett verfrachten. Er gab mir einen tröstenden Gute-Nacht-Kuss, dann schob er das Tor hinter sich zu und es wurde Still, bis auf das gelegentliche Schnauben oder Rascheln einer Stute. Móinn atmete gleichmässig, was mich ein wenig beruhigte. Ich legte mich direkt neben ihn und kraulte ihn noch eine Weile, dann fielen mir die Augen zu.
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  • Album:
    Wilkinson Farm
    Hochgeladen von:
    Occulta
    Datum:
    15 Okt. 2020
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  • arab. "Tochter des Meeres"

    Offizieller HG

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    Vom: Arsil

    Vom: Azón
    Aus der: Nayl


    Aus der: Bittersweet

    Von: Joe ox
    Aus der: Indira ox



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    Auch bekannt als "BOS Bintu-l-Bahri"
    Rufname: Bintu, Bahri
    Geburtstag: 25.10.
    Alter: 1 Jahr
    Stockmaß: 1.55 m
    Rasse: Arabisches Vollblut
    Geschlecht: Stute
    Fellfarbe: bay sabino
    (Ee,Aa,Sbsb)
    Abzeichen: unregelmäßige Blesse, 3x weiße Fessel, vr Hochweiß, Bauchfleck
    Gesundheit: sehr gut


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    neugierig, klug, verschmust


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    Bintu Al-Bahri ist das Wunschfohlen schlechthin. Gezogen aus zwei tollen Arabern, bereicherte das Stutfohlen ihren Heimatstall, die Black Oak Stables, bevor es auf die Wilkinson Farm kam. Bahri ist ein sehr kluges und neugieriges Fohlen, welches am liebsten den ganzen Tag bekuschelt werden mag.


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    Besitzer: Occulta (Rosie Wilkinson)
    Ersteller: Laraya13
    VKR: Laraya13
    Verkäuflich: Nein


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    Gekört: Nein
    Nachkommen: -


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    Galopprennen Klasse: -
    Western Klasse: -
    Spring Klasse: -
    Military Klasse: -
    Dressur Klasse: -
    Distanz Klasse: -

    Eignung: Dressur, Distanz
    Eingeritten: nein


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    Bintu's Spind​