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Samarti

Bonnie, Dalmatiner

*2017, auf dem Hof seit dem 04.04.2017

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Bonnie, Dalmatiner
Samarti, 4 Apr. 2017
Dir, Zaii, Wolfszeit und 3 anderen gefällt das.
    • Samarti
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      100 Punkte für Kanada
      04/2017 | 7272 Zeichen
      Vor knapp sechs Wochen hatte ich mal wieder meine Zeit auf den verschiedensten Seiten in diesem weltweiten Netz aus Dingen verbracht und war, wie es der Zufall wollte, auf Seiten von Züchtern gelandet.
      Stopp – diesmal war es tatsächlich kein neues Pferd, das ich mir zulegen wollte.
      Stattdessen waren es andere Vierbeiner, kleiner, meistens flauschiger und irgendwie … eine andere Welt. Vielleicht wären Katzenbabys auch gut gewesen, die konnte man sich doch schließlich immer ansehen, auch in ausgewachsen wären die immer noch niedlich, wenn ich an die kleinwüchsigeren Exemplare dachte.
      Na ja, gut, Katzen waren es auch nicht. Matthew zeigte mir mal wieder einen Vogel und tippte nur vielsagend mit seinem Zeigefinger an die Stirn, als er mir über die Schulter sah. In einer Hand hielt er eine Tasse, gefüllt mit schwarzem Kaffee (irgendwann würde ich ihm das auch noch abgewöhnen!), und schüttelte den Kopf, als ich fragend zu ihm sah. Für ihn würde das mal wieder nicht in Frage kommen, aber das war kein Wunder; Matthew war nicht allzu leicht für etwas zu begeistern. In meinem Kopf hingegen spann sich schon wieder eine großartige, überragende und vor allem revolutionäre Idee zusammen.

      In einer Nacht-und-Nebel-Aktion hatte ich mich dann zwei Wochen später vom Gestüt geschlichen und knapp eine Stunde Fahrt auf mich genommen, um meinen Geistesblitz zu verwirklichen. Ob ich mich fragte, ob es die richtige Entscheidung wäre? Nö. Babys waren immer gut. Außer menschliche, aber dazu müsste man erst einmal einen vernünftigen Vater finden.
      Nicht, dass ich irgendetwas in die Richtung vorhatte. Ganz und gar nicht.

      Und jetzt waren nochmal vier Wochen vergangen, ich hatte vor gut drei Stunden nochmal die Fahrt angetreten und kam gerade zurück – mit zwei Neuankömmlingen im Gepäck. Joline hatte mich fleißig unterstützt, die war sofort Feuer und Flamme gewesen. Deswegen saß sie gerade auf dem Beifahrersitz und plapperte mich voll, wie cool das denn alles wäre und dass wir von nun an noch mehr Abwechslung im Hofalltag haben würden. Es war also schon jetzt klar, wer die zwei immerzu beanspruchen würde. Warum zwei? Keine Ahnung. Laut Züchter (natürlich waren sie vom Züchter!) waren die beiden Geschwisterchen unzertrennlich, daher kamen auch die Namen Bonnie und Clyde. Ursprünglich wären sie beinahe seit der Geburt an ein Ehepaar vergeben gewesen, aber da der Mann leider verstorben war, konnte und wollte die Frau die beiden lieber nicht zu sich nehmen und ihnen ein besseres Zuhause bieten. Und da kam ich ins Spiel, gerade rechtzeitig, um beide in Beschlag zu nehmen.
      Bingo.

      Als wir die Gestütseinfahrt hochfuhren und gerade den Jeep in der Garage parkten, kam uns ein fuchsteufelswilder Matthew entgegengerannt. Ich machte mich direkt so winzig wie nur irgendwie möglich, Joline aber stemmte selbstbewusst die Hände in die Hüften und streckte sich ein wenig nach oben.
      „Elisa!“, donnerte Matthew los, wurde aber sogleich von Joline unterbrochen. „NEIN! Schrei nicht so, die armen Hunde!“
      Jetzt wurde der Mann hellhörig. „Hunde?! Du hast mehrere mitgenommen?!“
      „Äh“, stotterte ich nur, „ja.“
      Verzweifelt griff Matthew sich in die Haare und zog an ihnen. Laut seinen Gedanken wäre ich wohl komplett geisteskrank, aber Dalmatiner waren nun einmal unwiderstehlich süß. Hilfe, ich klang schon so naiv wie Elena!
      Joline griff zum Glück wieder ein. „Matthew, du weißt, wer deine Chefin ist, oder? Du stehst hier nicht am oberen Ende der Hierarchie.“
      „Das Gestüt wurde nach mir benannt, ihr … ihr seid doch unmöglich!“
      „Unglaublich“, korrigierte ich, jetzt mit etwas mehr Mut. Matthew verdrehte die Augen und drehte uns überfordert den Rücken zu. „Außerdem“, setzte Joline an, „heißt das hier nur Townsend Acres, weil Cranfield ein dämlicher Name ist.“ Noch ein letztes Mal schüttelte Matthew fassungslos den Kopf, dann verließ er uns mit der Begründung, dass Sophia, Domenic und er sich zum Ausritt mit Avanti, Cardillac und Levi verabredet hatten.
      „HEY!“, wandte ich mich dann gegen Joline und verschränkte die Arme vor der Brust. „Joline, wir müssen gegen Matthew zusammenhalten!“
      Die Engländerin zuckte mit den Schultern. „Ich mein‘ ja nur.“

      Matthew hatte sich zum Ende hin geschlagen gegeben, zumindest einen Hund wollte er akzeptieren. Da ich aber sowieso vorgehabt hatte, Gwen den Rüden anzudrehen, war das kein Problem. Ursprünglich hatte ich nur Bonnie mitnehmen wollen – das kleine Mädchen hatte mir direkt den Kopf verdreht. Aber dann hatte ich Mitleid mit den beiden gehabt, und gerade mit solchen Namen konnte man sie einfach nicht voneinander trennen. Also musste ein Notfallplan her und den hatte ich mir in den letzten vier Wochen zusammengetüftelt. In meinem Kopf war alles perfekt.
      Während Bonnie sichtbar überfordert mit der Gesamtsituation war und nur zitternd mitten im Haus stand, um erst einmal alle Gerüche aufzunehmen, war Clyde da etwas mutiger. Seine Schritte waren zwar noch immer vorsichtig, aber immerhin bewegte er sich selbstständig durch das Haus und schnupperte neugierig überall herum. Seine Schwester beobachtete ihn dabei immer nur verwirrt, warum er denn so mir nichts, dir nichts hier überall herumspazierte, aber immerhin ließ sie sich bedenkenlos von Joline und mir streicheln.
      Als ich den Beiden zwei kleine Näpfe mit Futter hinstellte, kam Fay von der Seite angeschlichen und arbeitete sich mit leisen Tatzen immer näher an Bonnies Napf heran. Bei Clyde war sie erfolglos gewesen, auch wenn Fay eigentlich recht furchtlos war und sich nicht groß für andere Tiere interessierte. Eigentlich sollte ihr ein wehrloser Welpe gar nichts können, mit Beverly, die mehr als doppelt so groß war, verstand sie sich schließlich auch. Aber Clyde hatte wohl eine gewisse Aura, der sie in die Flucht trieb. Katzen.
      Bonnie stand hilflos vor dem Futternapf, den Fay gerade beansprucht hatte, und sah schüchtern zwischen der Katze und dem Futter hin und her. Erst, als ich Fay beiseite hob und aus dem Haus aussperrte, wagte die helle Dalmatinerhündin sich auch an ihr Futter und verschlang es mit großen Bissen. Tja, lange Fahrten machten hungrig. Auch ich könnte eine Kleinigkeit vertragen, aber Joline und ich waren zu Welpensittern mutiert.

      Matthew hatte währenddessen Gwen angerufen, doch die ersten elf Male ging sie nicht an ihr Handy. Erst beim zwölften Mal nahm sie ab: „Alter, Matthew, was willst du?! Ich bin gerade mit Altair im Gelände, hör bitte auf, mich die ganze Zeit zu nerven mit deinen zwanzig Millionen Anrufen! Was ist denn los?!“
      Natürlich gefiel es dem nervigen Anrufer gar nicht, dass er jetzt schon wieder so zur Sau gemacht wurde. „Was los ist?! Deine klasse Nachbarin hat mal wieder eine wunderbare Idee gehabt und nun müssen hier alle drunter leiden. Kannst du bitte mal rüberkommen und sie zur Vernunft bringen? Stell Altair hier in eine freie Box, da stirbt der nicht. Aber mach schnell, sonst, und ich schwöre bei Gott, drehe ich ihr noch den Hals um!“ Gwen dachte wahrscheinlich jetzt, dass ich mir wieder zehn neue Ponys geholt hatte.
      Matthews Gesicht hatte inzwischen eine ungesund rote Farbe angenommen, weshalb ich mir das Grinsen verkneifen musste. Irgendwas sagte mir nämlich, dass Gwen mich ganz und gar nicht zur Vernunft bringen würde, wenn sie erst einmal hier war.
    • Samarti
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      Ein Dalmatiner!
      04/2017, von Gwen | 5691 Zeichen
      Auf Townsend Acres empfing mich ein übellauniger Matthew und eine dümmlich grinsende Elisa. Das war an sich kein besonderer Anblick, sondern harte Realität, aber da Matthew so penetrant bei mir durchgeklingelt hatte, stand ich nun mit Altair in der Stallgasse, sattelte ihn ab und packte ihn in eine der freien Boxen, denn so lange wollte ich gar nicht bleiben.
      „So und was ist hier jetzt los?“, fragte ich und runzelte die Stirn. „Du musst Elisa zur Vernunft bri- ach vergiss es“, meinte Matthew nur, machte eine abwehrende Handgeste, drehte auf dem Absatz um und verließ den Stall. Er musste ja ganz schön verzweifelt sein, wenn er dachte, ich könnte Elisa in irgendeinem Bezug zur Vernunft bringen.
      Stattdessen galt mein vorwurfsvoller Blick nun Elisa. „Schau mich nicht so an! Schlimm genug, dass du wahrscheinlich schon wieder auf unserer Geländestecke herumgestreunert bist. Apropos Streunern, ich hab da was für dich!“, meinte sie begeistert und rief nach Joline.
      Zwei Minuten später kam Joline um die Ecke, halb in der Hocke laufend und in Babystimme redend. Mein ungutes Gefühl wurde nur immer stärker und ich fragte mich ernsthaft, was Elisa ausgefressen hatte. Doch dann musste ich aufquietschen, als zwei Dalmatinerwelpen um die Ecke getrippelt kamen.
      Der eine folgte Joline mit wedelndem Schwanz, während der zweite ein wenig schüchtern hinterherschlich und nicht so viel von Jolines Überredungskünsten hielt. „Das sind Bonnie und Clyde“, stellte Elisa stolz die beiden vor und ich konnte Anbetracht der Namenswahl nur die Augen verdrehen.
      „Und Clyde gehört dir“, meinte Elisa und mir klappte nur die Kinnlade runter. „Also es sei denn du willst ihn nicht, ich meine, eventuell hat Joline ja auch noch Kapazitäten“, meinte sie ganz unschuldig und ich fiel natürlich voll drauf rein und widersprach ihr direkt, dass ich Clyde nehmen würde.
      „Mist“, murmelte ich nur, aber da war Clyde schon bei uns angekommen und ich nahm ihn direkt in Beschlag. Elisa hatte ihr dümmliches Grinsen nicht abgelegt und es galt wieder Matthew, welcher gerade mit einer gesattelten Ocean Water um die Ecke kam.
      „Statt hier immer neue Vierbeiner anzuschleppen, solltest du dich lieber mal um die schon vorhandenen kümmern“, meinte er nur knapp und verließ mit der gepunkteten Stute den Stall. „Viel Spaß mit deinem Dalmatiner!“, rief ich ihm hinterher, weil ich es gerade lustig fand, weil ja Ocean Water auch Punkte hatte und so ja wie ein Dalmatiner aussah, nur halt als Pferd – okay, genug.

      „So, den nehme ich mit“, meinte ich fröhlich, als Altair wieder gesattelt war und wir uns auf den Heimweg machen konnten. Clyde spielte gerade noch mit Bonnie auf dem Hof und beide achteten gar nicht auf die Zweibeiner, die gerade versuchten, ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
      Mit ein paar Leckerlis und Überredungskünsten folgte Clyde mir dann aber doch. Ich führte Altair auch extra, um im Falle des Falles den kleinen Welpen doch an die Leine zu nehmen, wobei er am Ende eh nur zurücklaufen würde. Viel mehr gab es hier in Kanada ja auch nicht.
      Auf meinem eigenen Hof angekommen, kam direkt Shiva um die Ecke gestürmt, die natürlich direkt mitbekommen hatte, dass etwas anders war. Die ersten paar Meter wirkte sie auch noch recht angriffslustig, bevor ihr Rennen in ein fröhliches Hüpfen umschwang und sie mit dem Schwanz wedelte.
      Clyde zeigte sich als erstes recht unterwürfig, nachdem sich beide aber beschnuppert hatten, jagte er mit der schwarzen Hündin auch über den Hof. Ich führte Altair in den Stall, machte ihn fertig und brachte ihn auf die Weide. Dann gesellte ich mich zu Ivy auf die Treppe der Veranda.
      Die Katze beobachtete etwas verwirrt die Hunde und schien nicht sonderlich angetan von dem Bild vor ihr zu sein. Kurz darauf kam auch Ciaran mit Ginny My Love von seiner Geländerunde zurück. So verschwitzt wie die Stute war, hatte er an ihrer Ausdauer gearbeitet.
      Er schwang sich aus dem Sattel und erwartete anscheinend die übliche Begrüßung von Shiva. Als diese jedoch ausblieb, schaute er sich irritiert um. Dann sah er Clyde und dann sah er mich. Und dann schaute er böse. Oh bitte, was hatten die Männer eigentlich immer gegen Tierbabys?
      „Wie viel?“, fragte er mich nur. „Wie bitte?“, fragte ich zurück. „Wie teuer der war“, konkretisierte Ciaran seine Frage und deutete auf Clyde. Ich verstand immer noch nicht was er wollte und reagierte dementsprechend auch mit einem „Bist du blöd? Der ist geschenkt, Elisa hat ihn mitgebracht“ und erntete dadurch nicht gerade Ruhm.
      Ciaran atmete einmal tief ein und aus, ehe er mir erklärte, dass Clyde ein Lemon Dalmatiner war und die an sich eigentlich doch ein gutes Sümmchen kosteten. Ich guckte nur zwischen Hund und Mann hin und her. Bisher hatte ich mich nur gefreut, dass Clyde total süß war und ich wollte schon immer einen Dalmatiner.
      „Passt doch, so passt er perfekt zu Sinfonie!“, meinte ich fröhlich und Ciaran gab auf, noch irgendetwas sinnvolles beitragen zu wollen. „Ich vermute Matthews Freude ist riesig?“, meinte er nur knapp und versorgte dann erst einmal Ginny, die ein wenig genervt neben ihm stand.
      Ich grinste nur fröhlich vor mich her. Jetzt hatte ich auch einen eigenen Hund und der hörte sogar! Zwar auch nur, weil er wusste, dass ich Leckerlis hatte, aber man musste ja klein anfangen. „Komm Clyde, ich zeig dir mal deine Verwandten!“, meinte ich fröhlich und lief den Weg hinunter zu den Weiden, während mir die Hunde spielend folgten.
      Auf der kleinen Frühlingsweide stand dann auch schon Sinfonie, die sich aber, wie die anderen Stuten auch, nicht sonderlich für Clyde interessierte. Der hingegen war total begeistert von Pferden und hüpfte wild vor dem Zaun auf und ab. Er passte eindeutig perfekt zu uns!
    • Jeanne
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      Tierarztkontrolle

      05/2017 | 8830 Zeichen
      Inzwischen ging es für Ms. Vernon und mich zum dritten Mal in die bereits bekannte kanadische Nachbarschaft. Ms. Cranfield, die Besitzerin von Townsend Acres, hatte uns wieder zu sich gebeten. Diesmal würde sie selbst nicht anwesend sein, stattdessen hatte Ms. Vernon mir erzählt, dass uns eine Trainerin zur Seite stehen würde, Joline Carpani. Sie war im gleichen Alter wie ich, was es wieder sehr viel komischer machen würde, sie zu siezen. Aber damit würde ich klarkommen.
      Den Weg kannte ich noch vom letzten Mal, als wir bei Ms. Campbell gewesen waren. Inzwischen würde ich wahrscheinlich fast allein ohne Navi herfinden, ohne dabei große Probleme zu haben.
      Auf Townsend Acres angekommen erwartete Ms. Carpani uns bereits fröhlich lächelnd und während sie auf uns zugelaufen kam, pfiff sie ein Lied. Alles in allem schien sie super gelaunt zu sein, weshalb sie mich direkt damit ansteckte.
      „Hi! Ich bin Joline.“ Sie streckte mir ihre Hand entgegen, die ich sofort ergriff und zur Begrüßung schüttelte. Ms. Vernon stellte mich ihr vor, als hätte ich selbst keine Stimme mehr. Dennoch lächelte ich nur.
      „Also dann – wollen wir mal!“ Beinahe hüpfend lief Ms. Carpani vor uns her zur Weide. „Die Pferde und Ponys stehen inzwischen tagsüber durchgehend auf der Weide“, erklärte sie uns, während sie sich das schöne braune Lederhalfter mit Goldbeschlägen griff, das über dem Zaun hing. Dann pfiff sie einmal kurz, woraufhin sich die Köpfe der drei Ponys, die auf der Weide standen, hoben. Ein lautes Rufen der Name sorgte dafür, dass die Deutschen Reitponys sich gemütlich auf den Weg zum Zauntor machten. Als sie angekommen waren, halfterte Ms. Carpani den leuchtenden Fuchs mit hohen Abzeichen auf. Verspielt wollte er an ihrer Jackentasche knabbern, höchstwahrscheinlich um sich ein Leckerli zu ergaunern. „Das ist Chesmu“, sagte sie, während die Frau mit den rotblonden Haaren die Stirn des Hengstes kraulte. Chesmu war vierjährig und von Ms. Cranfield selbst gezüchtet worden. Jetzt stand für ihn eine Routineuntersuchung inklusive Schutzimpfungen und Wurmkur und eine Zahnbehandlung auf dem Plan.
      Der junge Hengst machte sich ausgesprochen gut. Ms. Vernon ließ mich diesmal die gesamte Untersuchung durchführen, also kontrollierte ich zunächst seine Augen und leuchtete ihm mit der Taschenlampe dagegen, um den Pupillenreflex zu testen. Diese zog sich durch den plötzlichen Lichteinfall zusammen und auch sonst konnte ich keine Probleme erkennen. Die Ohren sahen ebenfalls in Ordnung aus, Milben waren nirgends auffindbar und so hörte ich Herz und Lunge des Ponys noch ab und maß die Körpertemperatur, um die PAT-Werte zu überprüfen. Da ich den Ruhepuls und die Atemfrequenz vorher schon gemessen hatte, wollte ich diese nun noch nach etwas Bewegung testen.
      „Würden Sie ihn mir kurz vorlaufen lassen?“, bat ich Ms. Carpani deshalb, die nur lachte. „Du kannst mich ruhig duzen. Es ist komisch, von jemandem im selben Alter gesiezt zu werden, wenn man noch so jung ist. Aber ja, klar“, grinste sie dann und lief motiviert los. Chesmu folgte ihr etwas gelangweilter, brauchte aber dennoch keine Überredungskünste, um neben ihr herzutraben.
      Sein Bewegungsapparat war ausgesprochen schön, er zeigte keine Taktunklarheiten. Deshalb rief ich Joline und Chesmu zu mir zurück, hörte ihn noch einmal ab und wandte mich dann an Ms. Vernon. Die Zahnbehandlung würde sie durchführen müssen.
      Es stellte sich bei Chesmu heraus, dass bei ihm nur die Schneidezähne etwas gekürzt werden mussten, weshalb Ms. Vernon ihm das Maulgatter ins Maul schob, damit er während der Behandlung nicht kneifen konnte. Es war ihm etwas unangenehm, dass die Tierärztin ihm so im Maul rumhantierte, dennoch hielt er still und ließ es mehr oder weniger erfreut über sich ergehen.
      Nachdem ich ihm anschließend die Impfungen und die Wurmkur verabreicht hatte, konnten wir den Hengst guten Gewissens wieder entlassen und uns um die nächste Patientin kümmern.
      Accomplishment war eine dreijährige Reitponystute in schönem Fell. Sie war ein Palominoschecke mit viel Weiß und allem Anschein nach wusste sie genau, dass sie gut aussah. Genau so verhielt sie sich nämlich, als Joline sie von der Weide geholt hatte. Mit erhobenem Schweif tänzelte sie neben der Frau her und blähte die Nüstern auf. Aufrecht und mit großen Augen starrte sie uns an.
      „Keine Sorge, Lisha tut nur so“, ermunterte Joline mich, als wir das Pony angebunden hatten. Noch immer verfolgte Accomplishment jeden unserer Schritte. „Die ist ganz lieb, präsentiert sich einfach nur zu gern.“
      So war es auch. Nachdem ich sie abgehört hatte, ließ Joline die Ponystute vortraben. Wieder schmiss sie ihre Beine praktisch in die Luft und trabte mit hoch erhobenem Schweif neben der Rotblonden her. Aber auch hier konnten weder Ms. Vernon, noch ich irgendwelche Ungereimtheiten erkennen und so fuhren wir mit der Untersuchung fort. Die Augen waren in Ordnung, auch bei den Ohren verlief die Untersuchung ohne Befund. Ms. Vernon kümmerte sich wieder um die Zahnbehandlung, fummelte hier und da etwas im Maul des Ponys rum, musste aber keine großartige Behandlung durchführen, sodass ich mich direkt darum kümmerte, die Impfungen vorzubereiten. Dann suchte ich mir die Einstichstelle heraus, machte kurzen Prozess und verpasste der Stute mit einem kleinen Pieks die Impfungen gegen Herpanus, Tetanus, Influenza und Tollwut. Nachdem ich die Kanüle wieder aus dem Pferdekörper gezogen hatte, massierte ich die Stelle noch kurz, damit sich keine Verklumpungen bildeten und bereitete dann noch die Wurmkur vor, die Accomplishment durch die Maulspalte durch verabreicht bekam. Danach war auch sie fertig und konnte sich der Tortur entziehen.
      Unsere nächste Patientin war eine knapp 16 Wochen alte … Hündin. Obwohl Ms. Vernon auf Pferde spezialisiert war, behandelte sie auch immer wieder andere vier- oder andersbeinige Patienten und diesmal hatte Ms. Cranfield uns gebeten, Dalmatinerwelpe Bonnie ebenfalls zu untersuchen und zu immunisieren. Vor vier Wochen war sie zuletzt geimpft worden, nun standen nur noch das Wiegen, die Auffrischung der Impfungen und eine Wurmkur auf dem Plan.
      Bonnie war ein wenig schüchtern und es kostete sie jede Menge Überwindung, ehe sie schließlich doch zu uns kam. Dann aber genoss sie die Streicheleinheiten, die sie sich bei uns abholen konnte. Das kleine Hundemädchen war einfach goldig. Am liebsten hätte ich sie eingepackt und mitgenommen, aber ich war mir sicher, dass Ms. Cranfield und wohl auch die ganzen anderen Kanadier hier etwas dagegen hätten.
      Ms. Vernon hatte einfach alles in mobiler Ausführung dabei. Aus dem Kofferraum des Autos hatte sie eine Waage entführt, die sie jetzt aufbaute, während Joline und ich uns nicht von Bonnie losreißen konnten. Diese lag inzwischen auf dem Rücken und ließ sich genüsslich von uns unterm Bauch kraulen.
      Nachdem die Waage aufgebaut und einsatzbereit war, verfrachteten wir Bonnie auf die Platte und sorgten dafür, dass sie ruhig stehen blieb. Während die Anzeige noch etwas schwankte, beobachtete Bonnie diese genau und legte den Kopf schief, als würde sie versuchen zu verstehen, was dort vor sich ging.
      „9,3 Kilo“, las Ms. Vernon anschließend vor. „Das durchschnittliche Gewicht im Alter von 16 Wochen liegt bei etwa 11 Kilo, aber einige Schwankungen sind normal. Und sie ist ja auch eine recht zierliche, kleine Hündin, also ist da alles in Ordnung.“ Sie trug das Gewicht auf ihrem Tablet in die Patientenakte ein und vermerkte es dort, um später den Verlauf des Gewichts genau dokumentiert zu haben.
      Bonnie machte insgesamt einen sehr fitten, gesunden Eindruck. Sie war aktiv, verspielt und lebensfroh. Genau deshalb war es etwas schwierig, sie ruhig zu halten, als Ms. Vernon ihr kleines Herz abhörte, denn die Hündin wollte die ganze Zeit in das Stethoskop beißen.
      Nach der grundlegenden Untersuchung bekam Bonnie die Wurmkur noch ins Maul. Schmatzend hielt sie den Kopf in die Höhe und versuchte, die Paste irgendwie loszuwerden, schluckte sie dabei aber zum Glück runter und spuckte sie nicht aus.
      Für die Impfungen gegen H.c.c., Staupe, Parvovirose und Tollwut suchte Ms. Vernon sich die Stelle kurz hinter dem Schulterblatt aus, zog ein Stück Haut nach oben und setzte die Spritze dort. Bonnie sah kurz erschrocken nach hinten, als der Pieks kam, schnupperte dann aber neugierig an der Hand der Tierärztin und schien sich nicht weiter darum zu kümmern, was dort eigentlich geschah. Schlussendlich setzte Ms. Vernon noch den Chip unter die Haut des Welpen und las die Nummer zur Kontrolle nochmal aus, ehe sie sie im Pass eintrug.
      Von Bonnie hätte ich mich am liebsten gar nicht verabschiedet, aber uns erwartete bereits ein weiterer Auftrag. Wenn wir in der Praxis daheim ankommen würden, würde uns ein Patient in der Klinik erwarten, bei dem eine Kastration anstand. Darauf war ich wirklich gespannt.
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  • Album:
    1 - Townsend Acres
    Hochgeladen von:
    Samarti
    Datum:
    4 Apr. 2017
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    Rufname: --
    geboren: Januar 2017 | Alter: 16 Wochen


    Herkunft: Exotic Spots Dalmatinerzucht, Kanada
    Züchter/Ersteller: Samarti


    Aktueller Standort: Townsend Acres, Kanada

    Besitzer: Samarti



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    Rasse: Dalmatiner
    Geschlecht: weiblich
    Farbe: weiß/Lemon, Braunträger (Bb ee)
    Stockmaß: im Wachstum


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    Bonnie und ihr Bruder Clyde sind, wie die Namen der beiden bereits verraten, (fast) unzertrennlich. Genau das war auch der Grund, warum nicht nur die kleine Hündin, sondern auch der etwas kräftigere Rüde in die Nachbarschaft gefunden haben.
    Das gepunktete Mädchen ist sehr lebensfreudig und aktiv. Sie reagiert allerdings empfindlich auf Druck und Stress, und obwohl sie klug ist und schnell lernt, kann es dadurch auch mal vorkommen, dass sie lieber auf Durchzug schaltet. Schon jetzt braucht Bonnie viel Liebe und Zuneigung, fordert aber mindestens genauso viel psychische oder physische Beschäftigung in ihrem Tagesplan. Wenn das nicht der Fall ist, zeigt sie immer mal wieder, wie faustdick der gepunktete Vierbeiner es hinter den Ohren hat.
    Ist sie dann ausgelastet, krabbelt sie gern unauffällig immer näher an jemanden heran und kuschelt sich ein.



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    gechippt []

    Letzte Kontrolle: 05/2017
    Letzte Impfung: 05/2017 | Letzte Wurmkur: 05/2017


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