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Samarti

Beverly, DRP *

*2011, im Besitz seit dem 05.11.2013

Beverly, DRP *
Samarti, 31 März 2017
Jeanne, Möhrchen und Occulta gefällt das.
    • Samarti
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      Vergangenheit
      11/2013 - 12/2013 | 6 Berichte
      Eine kleine Biene für den Hof
      11/2013 | 8828 Zeichen
      „Was?!“
      Entgeistert starrte ich Matthew an. Wie kam er denn bitte auf solche Gedanken? War es, weil Harry und ich uns so nahe standen? Er war mein bester Freund gewesen, da kannte man sich nun einmal in- und auswendig. Na ja, zumindest bis zu dem Punkt, bis der Kontakt abgebrochen wurde. Dennoch … er musste das doch verstehen. Ich hatte Harry ewig nicht mehr gesehen und ihn dementsprechend vermisst. Das musste doch nicht gleich bedeuten, dass ich Gefühle für ihn hatte.
      „Ob du ihn liebst“, wiederholte Matthew langsam, seine braunen Augen bohrten sich in meine Grünen.
      „Ähm. Lass mich übe– nein?!“ Skeptisch zog ich meine rechte Augenbraue hoch und dachte, etwas wie Erleichterung in seinem Blick zu erkennen, doch ich konnte mich auch getäuscht haben. Jedenfalls schien er sich zu entspannen, als würde ihm eine riesen Last von den Schulter fallen. Auch sein Kiefer, der zuvor so angespannt war, wurde wieder lockerer und ein tiefer Seufzer war zu hören.
      „Alles in Ordnung?“, fragte ich und ließ meine Augenbraue wieder sinken. Noch immer misstrauisch blickte ich ihm ins Gesicht, ehe er eifrig nickte. Zu eifrig, zumindest meiner Meinung nach. Kopfschüttelnd wollte ich mich umdrehen, doch ich wurde von einer Hand, die sich auf meine Schulter legte, daran gehindert. „Elisa, ich wollte dir nur noch sa–“
      Und in diesem Moment klingelte mein Handy. „Sorry, ich muss da dran“, entschuldigte ich mich und zog meine Handy aus der Hosentasche meiner Jeans. Schnell entsperrte ich den Bildschirm und nahm den Anruf entgegen.
      „Ja? – Was, schon? – Oh, okay. – Ja, ich komme sofort! – Bis gleich.“
      Seufzend legte ich auf und sah ihm in die Augen. Dann begann ich, zu strahlen und umarmte Matthew erfreut. „Niolee hat angerufen. Du weißt, das Fohlen, das wir bei ihrer Zucht in Auftrag gegeben haben? Es ist endlich da.“ Ich lächelte ihn strahlend an und auch er stimmte mit ein. Dann fielen wir uns lachend in die Arme.

      Es war eine lange Reise, bis wir endlich bei dem Gestüt ankamen. Als wir parkten und dann ausstiegen, empfing uns sofort eine gut gelaunte Niolee. Ich hatte sie lang nicht mehr gesehen, genauer genommen, seit ich zum letzten Mal hier war. Und das war, als ich den Auftrag für das Fohlen gegeben hatte. Es war jetzt schon fast ein ganzes Jahr her.
      „Möchtest du sie sehen?“, fragte sie mich mit einem breiten Lächeln und ich nickte eifrig. Eilig lief Niolee in die Richtung eines großes Gebäudes, es schien der Stall zu sein. Das Gestüt war wunderschön, und die ganze Zeit blieben meine Augen an irgendwelchen Dingen hängen. Bis mein Blick plötzlich die kleinen Augen eines Stutfohlens traf und daran kleben blieb.
      „Oh mein Gott, ist sie süß“, brachte ich stockend hervor und flüsterte die letzten Worte nur noch. Das Stutfohlen war wirklich niedlich. Ein Bay Roan, eine Farbe, wie ich sie noch nicht hatte. Ich hatte zwar einige verschiedene Farben, wenn es um meine Deutschen Reitpomys ging, doch einen Roan hatte ich noch nicht dabei.
      Doch es war nicht die besondere Fellfarbe, die mich dazu brachte, mich sofort in das junge, zierliche Fohlen zu verlieben. Nein, es war diese Ausstrahlung. Auch, wenn wir misstrauisch beäugt wurden, so wusste ich doch, dass dies der Beginn einer wunderbaren Zeit mit dieser Stute sein würde.
      „Wie heißt sie?“, unterbrach Matthew plötzlich meine Gedanken und ich bemerkte die Blicke von Niolee und Matthew in meinem Rücken. „Bon Voyage …“, überlegte ich laut und starrte nachdenklich das kleine Fohlen an, das gerade versuchte, sich aufzurappeln, um etwas zu trinken. „Beverly!“, meinte ich plötzlich begeistert und sah weiterhin den Bewegungen des Fohlens zu, das inzwischen auf seinen vier wackeligen Beinen stand und Mühe hatte, sich zu halten. Irgendwann hatte es den Weg zur Muttermilch geschafft und trank gierig die – für sie – lebenswichtige Flüssigkeit.
      Ich kann mich noch immer an diesen Augenblick erinnern. Es war ein Augenblick voller Harmonie, Freude und Zweisamkeit zwischen der Mutter und ihrem Kind. Es zerbrach mir zwar das Herz, zu wissen, dass sie bald, sehr bald voneinander getrennt werden würden, doch die Freude, dieses Fohlen endlich bei mir haben zu können, flickte mein Herz sorgfältig wieder zusammen.

      „Matthew! Harry!“, rief ich die beiden Männer, die sofort aus dem Haus gestürmt kamen, einer hatte es eiliger als der Andere. „Nicht so hastig“, lachte ich und hielt die Beiden davon ab, mich umzurennen. Sie hatten sich in letzter Zeit wesentlich besser verstanden, was mich ziemlich freute. Harry hatte sich eine Wohnung in der Nähe gesucht, doch eigentlich verbrachte er sowieso den ganzen Tag bei uns. Ob ihr es glaubt oder nicht – ich hatte ihn sogar schon auf's Pferd bekommen, und wir drei hatten einen mehr oder weniger gemütlichen Ausritt mit Flame, Dahiba und Chronos hinter uns. Na gut, über das gemütlich teilen sich die Meinungen, doch insgesamt war es ganz schön und … auch lustig. Denn mit den beiden Jungs auszureiten war definitiv amüsant, vor Allem, seit Harry wirklich reiten konnte. Er hatte mir zuliebe sogar Reitstunden genommen und half manchmal sogar auf dem Hof aus, wenn's um Pferde putzen oder ähnliche Dinge ging. Beim Training durfte und wollte er nicht mithelfen, er sagte selbst immer, dass er zu viel Angst hätte, ein Pferd zu verreiten. Und wenn ich ehrlich bin, hätte ich ihn auch niemals beim Training mitwirken lassen, selbst, wenn er gefragt hätte.
      Ich wurde von Matthew und Harry aus meinen Gedanken gerissen, als sie mir mit ihren Händen vor dem Gesicht herumfuchtelten. „Was gibt’s denn jetzt so Dringendes?“
      „Wir können Beverly abholen!“ Mein Gesicht wurde von einem strahlenden Lächeln geschmückt und meine Augen strahlten vor Freude.
      „Beverly?“, fragte Harry, und man sah ihm sichtlich an, dass er keine Ahnung hatte, wovon ich sprach, „machen wir Urlaub?“
      Daraufhin lachte Matthew laut auf und ich schlug ihm leicht mit der Hand gegen den Hinterkopf. „Autsch“, fluchte er spielerisch und rieb sich die Stelle, an der ich ihn getroffen hatte.
      „Beverly ist das Fohlen, das ich vor über einem Jahr bei Niolee und mKay in Auftrag gegeben hab“, erklärte ich ihm, nun ganz ruhig, „Matthew und ich haben sie vor mehr als einem halben Jahr zuletzt gesehen, sonst gab es immer nur Fotos. Aber die Süße hat sich prächtig gemacht!“ Mein letzter Satz war vielmehr ein leises Jubeln, und schnell ließ ich mich auf den Beifahrersitz sinken. Matthew setzte sich hinter's Steuer und Harry … tja, Harry saß eben hinten. Auch, wenn ihm das irgendwie nicht passte. Wenn er nicht schnell genug war … konnte ich da auch nichts für.

      Die Fahrt zog sich länger hin als die erste Fahrt zu dem Gestüt, und während Matthew durchgehend auf die Straße blickte und sich mit Harry unterhielt, war ich ganz in meine Musik versunken und summte leise mit. Irgendwann stimmte auch Harry mit ein, und ich wunderte mich über seine Stimme. So gut hatte er früher nie gesungen. In dem Moment war mir das allerdings ziemlich egal, denn ich hatte Wichtigeres, worauf ich mich konzentrieren musste, und das hieß Beverly.
      „Wir brauchen noch einen Rufnamen für sie“, unterbrach ich mit einem Mal das Gespräch der beiden Männer und sie beide verstummten. Es war mucksmäuschenstill im Wagen, und sie schienen nachzudenken. Auch ich dachte darüber nach, doch mir fiel einfach kein guter Name ein.
      „Bee.“ Harry lachte leise, als er diesen Vorschlag machte und wir stimmten mit ein. Eigentlich war der Name gar nicht so schlecht, und irgendwie süß. Only time will tell, dachte ich und schloss die Augen, um mich wieder der Musik und meinen Tagträumen zu widmen.

      Beverly – beziehungsweise Bee, wie Harry sie jetzt immer nannte – wurde scheinbar schon an den Hänger gewöhnt und beherrschte bereits das Fohlen-ABC,als ich ankam. Demnach verlief alles ganz schnell. Ich musste lediglich niolee das Geld übergeben, welches ich für Beverly hinblättern musste und schon stand einem ruhigen Heimweg nichts mehr im Wege.
      Das Verladen ging schneller vonstatten, als ich erwartet hatte, und schon kurz darauf verschwanden wir wieder auf dem Highway und fuhren nach Hause.

      Das Ponyfohlen beäugte skeptisch die fremde Umgebung und beschloss, sich schleunigst vom Acker zu machen, wobei ich ihr jedoch einen Strich durch die Rechnung machte. So schnell würde Bee mir nicht davonkommen – schließlich hatte ich sie gerade erst bekommen!
      Schon kurz darauf lag das Fohlen in seiner eigenen Box und ich hatte das Tor zum Paddock sorgfältig geschlossen. Sie sollte sich erst ausruhen, bevor sie irgendwelche Faxen machte und sich auf dem Paddock verausgabte, weil alles so fremd und aufregend war. Liebevoll kraulte ich sie an der Stirn, während Beverly dösend im Stroh lag. Anscheinend hatte sie bereits jetzt begonnen, mir ein wenig zu vertrauen. Und den Rest ihres Vertrauens würde ich mir auch noch erarbeiten, denn dieses Fohlen hatte mein Herz im Sturm erobert.

      Hufschmiedbesuch
      11/2013, von Veija | 3550 Zeichen
      Ich war gerade bei einer anderen Patientin fertig, als mich erneut ein Anruf erreichte. „Veija?“, sagte ich fragend in den Hörer und lachte kurz auf. Es war wieder Elisa, die mich nochmal brauchte. „Ist okay, ich bin eh noch in der Nähe“, sprach ich und legte auf. Ich fuhr von der Autobahn ab und auf der anderen Seite wieder auf, sodass ich in ihre Richtung fuhr.
      Elisa empfing mich erneut auf ihrem Hof und brachte mich sofort zu der schönen Grauscheckstute, die schon in der Stallgasse angebunden war. Mit prüfendem Blick hob ich einen Huf nach dem Anderen an, um ihn säuberlich auszukratzen, und nach dem Rechten zu sehen. Mit ihren Hufen war ich sehr zufrieden. Ich holte die Zange raus um den Tragrand abzuknipsen, als die Stute mich misstrauisch beäugte und ihr Bein wegzog. „Lass das“, sagte ich und Lisa hielt ihren Kopf fest, damit sie mich nicht nochmal damit behindern konnte. Schließlich fügte die Stute sich ihrem Schicksal und lies mich meine Arbeit machen. Als ich damit fertig war, machte ich den Probeschnitt, ehe ich die überschüssige Hornsohle herausschnitt. Als ich damit fertig war, betrachtete ich mir noch den Strahl und korrigierte ein wenig mit dem Messer. Zum Schluss raspelte ich mit der groben Raspel einmal alle harten Kanten ab, ehe ich mit der feinen Raspel noch einmal drüber ging. Das selbe Spiel wiederholte ich bei den restlichen 3 Hufen. Fertig war das erste Pferd auch schon.
      Elisa brachte die schicke Stute weg und holte sogleich die schöne Fuchsscheckstute Santa Fee. Auch bei ihr fand ich keine Auffälligkeiten bei der Kontrolle. Das Ausschneiden verlief relativ fix, so dass auch nun das Letzte der drei Pferde an der Reihe war.Romatica. Die Bay Silver Dapple Tobianostute, die wohl heute nicht so freundlich gesinnt war. Ich wollte mit der Kontrolle anfangen, als sie wie verrückt am Führstrick zerrte und sich schließlich trotz aller Bemühungen von Elisa und mir losriss, und reiß aus nahm. Jedoch konnte die Stute nicht weit, da die Tür verschlossen war. Vorsichtig fingen wie sie ein und banden sie wieder an. Diesmal begann ich das Ganze mit langsameren Bewegungen, was auch zu klappen schien. Ich kratzte alle Hufen aus und kontrollierte sie, doch ich fand keine Auffälligkeiten. Ich hob die Zange und schon wieder sprang die Stute panisch rückwärts. Heute hatte sie wohl einen wirklich schlechten Tag, wie mir Elisa vermittelte. Den Tragrand musste ich kaum kürzen, weshalb ich das vermeindliche Monster namens Zange schnell wieder beiseite legen konnte. Als zweites machte ich nun den Probeschnitt, ehe ich mich dann an der Hufsohle zu schaffen machte. Auch hier musste ich nur ein wenig wegschneiden, weshalb ich schnell beim Raspeln angelangt war. Zum Glück benahm sich die Stute und ich war damit schnell fertig. Das selbe Spiel wiederholte ich an den restlichen 3 Hufen, ehe ich alles zusammenpackte und Elisa mit der Stute einmal die Stallgasse hoch und runter laufen lies. Elisa ging einen Weg gemütlich, den anderen lief sie, so dass die Stute traben musste. „Ist okay. Ich wollte nur sehen wie sie läuft, da die Hufen an der Vorderhand ein wenig viel ausgeschnitten sind, da sie um einiges länger waren als die Hinterhufen.“, erklärte ich ihr und fügte dann an: „Pass ein wenig auf beim Ausreiten oder Führen über den Hof wegen großen Steinen..“
      Ich kümmerte mich nun um meine Sachen und suchte alles zusammen.Ich ging zum Auto und lud alles ein. Dann setzte ich mich rein. „Bis zum nächsten Mal“, waren meine letzen Worte, ehe ich ihr zum Abschied kurz hupfte und die Abfahrt hinunter fuhr.

      Tierarztbesuch
      11/2013, von Eselchen | 19.115 Zeichen
      Mit meinem Köfferchen unter dem Arm und einem Lächeln auf den Lippen ging ich durch den trüben Nachmittag zum Stallgebäude des Gestütes „The Mountain Yard“. Der Stall war hellerleuchtet und überall war etwas los.
      „Hallöchen! Du bist Jamie – die Tierärztin, oder?“, fragte mich ein Mann in Arbeitsklamotten.
      „Ja, das bin ich. Aber Sie sind glaub ich nicht Elisa, oder?“, fragte ich spaßhaft und gab ihm meine Hand.
      „Nein – ich bin nicht Elisa.“, sagte er lächelnd. „Ich bin Matthew – stellvertretender Gestütsleiter.“
      „Hallo Matthew. Schön dich kennen zu lernen.“, sagte ich und lachte.
      „Elisa ist gerade noch unterwegs. Sie müsste gleich wieder da sein, aber bis dahin werde ich dich betreuen. Nicht das du dich noch verläufst.“, erklärte er mir und lächelte.
      „Okay. Mit wem wollen wir denn anfangen?“
      „Ich würde sagen, dass wir mit den Kleinen anfangen.“, schlug er vor und ich nickte.
      Also gingen wir durch das große Stallgebäude bis wir im Mutter- und Fohlenstall angekommen waren. Während Matthew das erste Fohlen holte, nahm ich mir mein Stethoskop aus meinem Köfferchen und wartete.
      „Das ist die kleine Beverly. Eine kleine schüchterne Prinzessin.“, sagte Matthew und lächelte. Er band das Stutfohlen an und streichelte den Hals des kleinen Geschöpfes.
      „Sie ist aber eine Hübsche.“, stellte ich bewundernd fest und trat zu ihr. Wie Matthew gerade schon erwähnte hatte, war die kleine Dame sehr schüchtern. Sie war etwas aufgeregt und beobachtete mich skeptisch, während ich mich ihr näherte.
      „Hallo, Hübsche.“, sagte ich leise und liebevoll und kniete mich hin. Nun war ich fast so groß wie das Stutfohlen und ich streckte ihr vorsichtig meine Hand entgegen. Die kleinen Nüstern waren etwas zusammengezogen und verliehen ihr einen fast arroganten und angewiderten Ausdruck.
      „Seh ich heute so schlimm aus?“, fragte ich leise und lächelte.
      „Ist gut, Mäuschen. Jamie ist ganz lieb.“, flüsterte Matthew und streichelte ihren Hals.
      „Genau – ich bin ganz vorsichtig.“, stimmte ich ihm zu.
      Behutsam näherte ich meine Hand ihrem Maul und ließ sie meinen Geruch aufnehmen. Einige Moment lang, hielt ich meine Hand einfach nur still da, während Beverly zaghaft an ihr schnupperte und schließlich einfach nur abwartend dastand.
      „Ich bin wirklich ganz lieb.“, sagte ich und musste leise lachen. „Sie sieht aus, als wenn sie mich total ekelhaft finden würde.“
      „Ja – da hast du recht.“, sagte Matthew ganz trocken und ich blickte ihn empört an.
      Nur wenige Augenblicke später mussten wir beide lachen und Beverly sah mich noch entgeisterter an.
      „Ach Mäuschen. Du bist einfach nur zum Abknutschen.“, sagte ich liebevoll und wagte es nun die kleine Stute am Hals zu berühren. Auch wenn sie sich noch mehr anspannte, blieb sie stehen.
      „Alles gut. Dir passiert nichts.“, sagte ich behutsam und fuhr langsam mit meiner Hand von ihrem Hals bis zu ihrem Rücken. So verbrachte ich dann einige Minuten lang, auf Knien, vor ihr, um mich ein bisschen bei ihr einzuschleimen. Auch ein kleines Leckerchen fand zwischenzeitlich ganz zufällig den Weg zu ihrem kleinen, samtenen Maul.
      „So, Schätzchen! Dann wollen wir doch mal anfangen.“
      Als erstes beurteilte ich den allgemeinen, äußerlichen Zustand von Beverly:
      Ihre Silhouette war typisch für ein Fohlen in ihrem Alter und sie stand gut im Futter. Sie war nicht zu dünn, aber auch nicht zu dick – einfach passend. Ihr außergewöhnliches Fell glänzte gesund und ihre langen, dünnen Beinchen sahen auch gut aus. Ihr Blick war wach und klar – und ihre Aufmerksamkeit hatte sie vorhin schon perfekt zur Schau gestellt.
      „Auf den ersten Blick ist schon mal alles super.“, sagte ich zufrieden und nahm nun mein Stethoskop von meinem Hals.
      „Willst du mal schnuppern, Prinzessin?“, fragte ich liebevoll und hielt ihr das Stethoskop hin. Eigentlich wollte ich dadurch bezwecken, dass sie es ein wenig beschnupperte und als harmlos abstempelte, aber Pustekuchen. Sie fand dieses Monstrum ganz und gar nicht harmlos.
      Auf meine Geste reagierte das kleine Stutfohlen mit geblähten Nüstern und einem Schritt zurück.
      „Bleib stehen, Beverly.“, sagte Matthew bestimmt und stellte sich neben sie. „Stell dich nicht so an.“
      Auch wenn sich Beverly aufregte – um das Abhören kamen wir nicht rum. Also stand ich vorsichtig auf und stellte mich neben sie, legte das Kopfstück des Stethoskops etwas erhöht hinter ihre Achselhöhle und bekam einen schnellen, aber regelmäßigen und kräftigen Herzschlag zu hören.
      „Mein Gott bist du aber aufgeregt!“, stellte ich fest und verschob das Kopfstück, um die Atmung abzuhören.
      Diese war auch etwas schnell, aber dennoch regelmäßig und ohne Beschwerden.
      „Alles super – aufgeregt, aber gesund.“, sagte ich zufrieden und legte mein Stethoskop zurück in mein Köfferchen.
      Nun wollte ich mir die Schleimhäute näher ansehen und bat Matthew darum, mir einmal zu helfen.
      „Sie ist so aufgeregt, da will ich jetzt nicht noch so an ihrem Kopf rumfummeln. Würdest du bitte einmal versuchen das untere Augenlid etwas hinunterzuziehen, damit ich die Farbe sehen kann?“, fragte ich freundlich und erhielt ein Nicken als Antwort.
      Beverly fand das Prozedere nicht toll und wehrte sich gegen Matthews Hände. Ich konnte einen kurzen Blick auf die rosafarbene und glänzende Schleimhaut werfen.
      „Okay, danke. Das reicht schon.“, sagte ich und lächelte. „Ich würde mir gerne noch ihr Zahnfleisch anschauen.“
      „Komm mal her, Süße. Zeig mal deine kleinen Zähnchen.“, sagte Matthew liebevoll und hob die Oberlippe des Fohlens an. Dadurch konnte ich einen Blick auf ein gesund aussehendes Zahnfleisch und kleine Babyzähne werfen.
      „Klasse – danke. Das war auch schon der Teil. Jetzt gibt es noch vier Piekser und dann sind wir fertig.“, sagte ich und ging zu meinem Köfferchen, um die Impfungen vorzubereiten.
      „Bitte halte die Kleine gleich richtig fest, ja?“, wies ich Matthew freundlich an und zog die letzte Impfdosis auf. Dann ging ich mit Desinfektionsmittel und Tupfern wieder zu Beverly und desinfizierte schnell die Stelle, an der ich die Impfungen setzen wollte.
      Die kleine Maus war wirklich angespannt und aufgeregt.
      „So jetzt piekt es einmal.“, warnte ich Matthew kurz und setzte dann die erste Impfung. Langsam drückte ich die Dosis in den Kreislauf des Fohlens und sprach leise auf es ein.
      Als die erste Spritze leer war, tauschte ich sie gegen die zweite Impfung und schließlich auch gegen die Dritte.
      „Das waren schon die Impfungen.“, sagte ich freundlich und brachte die leeren Spritzen zu meinem Köfferchen, ehe ich mir das Päckchen mit dem Chip heraussuchte.
      „Das wird jetzt ein fieser Piekser.“, sagte ich mitfühlend und nahm die Spritze mit dem Chip aus dem Tütchen, in welchem noch einige Strichcodeaufkleber mit der Transpondernummer waren.
      „Wir müssen jetzt einmal kurz Seiten tauschen.“, sagte ich zu Matthew und wenige Sekunden später desinfizierte ich auf der linken Halsseite eine kleine Fläche.
      Dann war es eine Sache von keinen fünf Sekunden und die dicke Nadel mit dem Transponder verschwand unter der Haut.
      „Fertig.“, sagte ich lobend und brachte die Spritze zum Köfferchen.
      „Jetzt muss ich nur noch kontrollieren, ob der Transponder richtig sitzt und dann kann die Kleine schon wieder zurück in ihre Box.“, erklärte ich und holte das Lesegerät aus meinem Köfferchen, um dann damit über die Stelle zu fahren, an der ich den Chip gesetzt hatte. Ein leises Piepsen ertönte und zeigte mir, dass Alles passte.
      „Nächster Patient bitte.“, sagte ich und lächelte, während Matthew Beverly losband und zurück in ihre Box brachte.

      Nun war Dajeen, ein Hannoveraner Stutfohlen an der Reihe.
      Matthew band die schöne Stute auf der Stallgasse an und lächelte, während ich schon mal den ersten Eindruck beurteilte:
      Dajeen hatte ein gutes Exterieur, sah gesund und munter aus. Ihr Fell glänzte und war der Jahreszeit angepasst. Ihre Augen wirkten wach und interessiert, ihre Ohren bewegten sich aufmerksam.
      „Na, Hübsche?“, sagte ich liebevoll und näherte mich ihr vorsichtig. Dajeen beäugte mich skeptisch, aber interessiert. Man sah, dass es in ihrem Kopf arbeitete.
      Ich knie mich, wie auch schon bei Beverly, vor sie und hielt ihr meine Hand hin, die sie interessiert beschnupperte.
      „Gutes Mädchen.“, sagte ich leise und wollte vorsichtig ihren Hals berühren, was sie nicht so toll fand. Fast empört trat sie einen Schritt zurück und blähte ihre kleinen Nüstern.
      „Hey – alles ist gut.“, sagte Matthew beruhigend und führte sie wieder einen Schritt näher.
      Wieder versuchte ich sie zu berühren und diesmal tolerierte sie es. Ihre Augen verfolgten die Bewegungen meiner Hand und ich streichelte vorsichtig über ihren Bauch.
      Nach einiger Zeit ging ich dann zu meinem Köfferchen und holte mein Stethoskop. Wieder bei Dajeen angekommen, hielt ich es ihr hin und sie beschnupperte es interessiert.
      Als ich dann das Kopfstück an ihre Seite drückte, wich sie aus.
      „Nein, Dajeen. Bleib stehen.“, wies Matthew sie an und ich versuchte es erneut.
      Daraufhin bekam ich einen kräftigen und regelmäßigen Herzschlag zu hören. Man merkte, dass die kleine Stute etwas aufgeregt war.
      Dann hörte ich noch die Atmung ab und stellte keine Mängel fest.
      „So – Alles super. Jetzt nur noch die Schleimhäute.“, sagte ich mehr zu mir selbst, als zu Allen anderen.
      Behutsam trat ich an Dajeens Kopf, streichelte vorsichtig über ihren Nasenrücken und zog dann vorsichtig das Unterlid ein wenig nach unten: Die Schleimhaut war rosa und sah gesund aus.
      Nun schaute ich vorsichtig in das Maul des Stutfohlens, welches sich leicht dagegen wehrte und versuchte seinen Kopf aus meinem Griff zu entwenden.
      „Schhhh … Ich bin sofort fertig.“, sagte ich und erhaschte einen Blick auf ein ebenso gesundes Zahnfleisch.
      „Klasse. Jetzt gibt es noch ein paar Piekser und dann bist du auch schon wieder fertig.“, erklärte ich Dajeen und bereitete die Impfungen vor.
      Dann desinfizierte ich kurz die Einstichstelle und verabreichte ihr dann die Impfungen.
      Währenddessen hatte die kleine Maus mehrmals vergeblich versucht sich aus Matthews Griff zu entwinden.
      „So – das waren die Impfungen.“, sagte ich zufrieden und holte die Spritze mit dem Chip. In der Zeit hatte Matthew sich schon wieder auf die andere Seite verzogen und ich konnte in Ruhe die Einstichstelle auf der linken Halsseite desinfizieren.
      „Achtung – jetzt macht das einmal Aua.“
      Langsam schob ich die Nadel unter die Haut des Fohlens und setzte den Transponder.
      Ich überprüfte den Sitz des Chips noch kurz mit dem Lesegerät und dann wurde Dajeen von Matthew schon wieder in ihre Box gebracht.
      „Wer ist jetzt dran?“, fragte ich Matthew freundlich, als er wieder bei mir war.
      „Ich würde sagen, dass wir uns jetzt Monsta schnappen.“, schlug er vor und wir gingen in den Stutenbereich des Stalls.
      Dort angekommen schlüpfte Matthew direkt in die Box des kleinen Reitponys und kurze Zeit später stand Monsta angebunden auf der Stallgasse.
      „Hallo, Mäuschen! Wie geht’s dir heute?“, fragte ich sie liebevoll und hielt ihr meine Hand zum Beschnuppern hin.
      Einige Minuten lang machte ich mich mit der kleinen Stute bekannt, die ab und zu versuchte meine Jacke nach Leckerchen zu durchsuchen.
      „So Süße – jetzt fangen wir aber mal an dich zu untersuchen.“, sagte ich und begann damit, den allgemeinen Zustand des Pferdes zu beurteilen.
      Monsta’s Gebäude sah gut aus, ihr Fell glänzte und das Langhaar, sowie die Hufe sahen gepflegt aus. Die Augen der Stute waren wach und strahlten Lebensfreude aus.
      „Das sieht doch schon mal ganz gut aus.“, sagte ich zu mir selbst und holte mein Stethoskop aus meinem Köfferchen, um die Atmung und die Herzfunktion von Monsta zu überprüfen. Schnell kontrollierte ich noch die makellosen Schleimhäute.
      Alles war voll nach meinen Ansprüchen und ich lächelte.
      „Dann wollen wir das kleine, gesunde Eselchen doch mal impfen.“
      Kurz bereitete ich die Impfungen vor, desinfizierte die Einstichstelle und verabreichte dem deutschen Reitpony dann die Impfdosen. Monsta fand die Angelegenheit nicht so toll: Als die Spritze durch ihre Haut ging, zuckte sie zusammen und schlug kurz mit dem Schweif.
      „So, das war’s schon. Jetzt noch schnell den Chip setzen und dann kannst du wieder in deine Box.“
      Nur wenige Minuten später setzte ich den Transponder unter die Haut der linken Halsseite, während Matthew die Stute zurechtwies. Sie hatte die Ohren angelegt und schaute ihn böse an.
      „Ich weiß, dass das doof ist. Aber jetzt stell dich nicht so an!“, sagte er bestimmend zu ihr und brachte sie dann wieder in ihre Box.
      „Wen darf ich jetzt quälen?“, fragte ich ihn spaßhaft, als er wieder bei mir war und lächelte schelmisch.
      „Santa Fee.“, schlug er vor und verschwand in die nächste Box. Wenige Sekunden später kam er mit einem schicken Fuchsschecken wieder zu mir.
      „Tadaaa – das ist Santa Fee.“, trällerte er und band die Stute auf der Stallgasse an.
      Als erstes begutachtete ich den ersten Eindruck des Pferdes: Santa Fee sah sehr gepflegt und munter aus. Ihre Augen glänzten frech und ihre Ohren überwachten aufmerksam die Geräusche der Umgebung. Ihr Fell glänzte ebenfalls und ihre Hufe sahen sehr gepflegt aus. An den Beinen hatte sie einige kleine Schrammen, die aber allesamt schon wieder verheilt waren.
      „Die Macken da hat sie vom Toben. Ab und zu spackt sie einfach komplett ab und kloppt sich mit den anderen Pferden. Da bleiben die Schrammen nicht aus.“, erklärte mir Matthew und ich trat zum Kopf der Stute, um ihre Schleimhäute näher anzusehen.
      „Du bist also hier die kleine Rabaukin!“, witzelte ich und stellte fest, dass die Schleimhäute bestens aussahen. „Dann wollen wir doch mal deine Atmung und dein Herz anhören.“
      Ich nahm mir mein Stethoskop aus meinem Köfferchen und ging wieder zu der Stute. Auf ihrer linken Seite legte ich das Kopfstück des Stethoskops etwas erhöht hinter die Achselhöhle und bekam einen ruhigen und kräftigen Herzschlag zu hören. Nun hörte ich noch kurz die Atmung ab und war bestens zufrieden.
      „Alles tip top!“, sagte ich und bereitete schnell die Impfungen vor, die ich ihr dann auch innerhalb weniger Minuten verabreichte und wieder aufräumte. Danach bereitete ich das Chippen vor und nur kurze Zeit später war Santa Fee auch schon wieder fertig.
      „Das war klasse. Aber Fee – nächstes Mal zappelst du bitte nicht so und böse angeguckt werden will ich auch nicht.“, tadelte ich sie spaßig und Matthew brachte sie wieder in ihre Box.
      Kurze Zeit später kam Matthew mit dem nächsten Patienten zu mir: Romantica.
      „Du bist aber eine Hübsche!“, sagte ich liebevoll und machte mich ein wenig mit ihr bekannt. Sie beschnupperte meine Jacke und meine Haare und suchte ein wenig nach Leckerchen. Währenddessen bewertete ich innerlich schon den allgemeinen Zustand des Pferdes:
      Romantica’s Fell glänzte gesund und ihre Hufe sahen gepflegt aus. Ihre Augen schauten sich neugierig um und sie war aufmerksam.
      „Dann schauen wir uns doch mal deine Schleimhäute an.“, sagte ich leise und trat wieder zu ihrem Kopf. Ich konnte keine mängel feststellen – eine kräftige rosa Färbung und eine ansprechende Kapillarfüllzeit sprachen für einen guten Zustand.
      Kurz hörte ich die Atmung und die Herzfunktion ab und bereitete dann die Impfungen vor. Nur wenige Minuten später war Romantica wieder komplett geimpft und ich musste nur noch den Chip setzen. Gekonnt setzte ich die große Nadel und es war eine Sache von keinen zwei Sekunden, ehe der Transponder richtig saß und ich mit dem Lesegerät den Sitz überprüfte.
      „Klasse! Sie ist fertig.“, sagte ich zu Matthew und räumte auf.
      Nun war Casey an der Reihe. Matthew brachte die hübsche Stute zu mir und band sie auf der Stallgasse an.
      „Hallöchen, Hübsche!“, sagte ich freundlich und hielt ihr meine Hand zum Beschnuppern hin. Etwas schüchtern schnupperte sie an mir und zog sich dann zurück.
      „Also - entweder stinke ich heute, oder irgendwas stimmt nicht.“, witzelte ich gespielt beleidigt und musste dann lachen.
      Casey sah gut aus: Ihr Fell glänzte und war dicht gewachsen. Ihre Hufe sahen gut aus und ihr Langhaar war gepflegt. Ihre Augen – hübsche Augen übrigens – beobachteten mich aufmerksam und erschienen klar.
      Behutsam schaute ich mir die Schleimhäute der Stute an, die mich einfach machen ließ, auch wenn man ihr ansah, dass sie mir ein wenig misstraute.
      Auf jeden Fall sahen die Schleimhäute gut aus und ich konnte nun die Atmung und das Herz abhören. Beides sprach zu meiner vollsten Zufriedenheit und ich konnte der schönen Dame mit gutem Gewissen die Impfung verabreichen.
      Danach chippte ich sie noch kurz und überprüfte den Sitz des Transponders mit dem Lesegerät, welches ein Piepen abgab und mir die Nummer anzeigte.
      „So. Das ging ja fix! Bist schon fertig.“, sagte ich liebvoll zu ihr und räumte meine Sachen auf.
      Gerade als Matthew mit Casey in der Box verschwand, kam eine junge und sympathische Frau auf mich zu.
      „Jamie! Es tut mir leid, dass ich jetzt erst hier bin, aber ich musste noch was wegen meinem Neuzugang klären.“, entschuldigte sie sich und gab mir die Hand.
      „Du bist Elisa, oder?“, fragte ich lächelnd. „Und das ist doch nicht schlimm. Matthew hat mir bestens unter die Arme gegriffen. Wir sind gerade fertig geworden.“
      „Oh ja – ich bin Elisa.“, sagte sie und lächelte. Matthew kam auf uns zu.
      „Jamie? Du könntest nicht ganz zufällig noch nach meinem Neuzugang schauen, oder?“, fragte sie mich hoffnungsvoll und mir blieb nichts anderes übrig, als mit einem beschwingten Lächeln hinter Elisa herzugehen.
      „Es geht um Nacromancer in the Dark. Ich hab ihn noch nicht allzu lange und er soll bald zur Körung, aber er müsste noch geimpft und gechippt werden.“, erklärte sie mir und wir blieben vor einer Box stehen, aus der ein hübscher, brauner Pferdekopf lugte.
      „Hey Süßer!“, sagte ich liebevoll und hielt ihm meine Hand entgegen, die er – wie es sich für einen Charmeur gehört – direkt ableckte.
      Ein Lachen entfuhr mir und Elisa stimmte ein.
      „Nacro! Das macht man nicht!“, tadelte sie ihn spaßig und kurze Zeit später stand der Hengst auf der Stallgasse.
      Sein äußeres Erscheinungsbild sprach mir sehr zu. Der DRP-Hengst stand gut im Futter, sah sportlich aus und sein Fell glänzte. Seine Hufe und sein Langhaar waren gepflegt und sein Blick wach und aufmerksam.
      Seine Schleimhäute konnte ich ohne Probleme kontrollieren und auch die Atmung und das Herz gaben mir keinen Grund zur Sorge.
      „Alles bestens! Du hast ein quietsch-gesundes Hengstchen.“, sagte ich freundlich und bereitete die Impfungen vor, die auch direkt ihren Weg in Nacro’s Kreislauf fanden.
      Wenige Minuten später, saß auch der Transponder an der richtigen Stelle und ich räumte meinen ganzen Kram in mein Köfferchen.
      „Das war’s auch schon wieder.“, sagte ich zufrieden und suchte die passenden Wurmkuren aus meinem Köfferchen. „Also, ich hab deine Schätzchen jetzt alle geimpft und gechippt. Die Wurmkuren gibst du allen bitte in sechs bis acht Tagen, wenn die die Impfung verkraftet haben. Die Paste dosierst du bitte nach der Packungsbeilage und schmierst deinen Mäuschen das Zeug dann in das Maul. Wenn du das nicht schaffst, kannst du das auch über einen Apfel oder ein Brötchen verfüttern. Hauptsache ist, dass die das in den Magen bekommen. Okay?“, erklärte ich Elisa freundlich und drückte ihr die Wurmkuren in die Hände.
      „Alles klar, Chef!“, sagte sie, lächelte und ich verabschiedete mich.

      Fohlenfreu(n)de
      11/2013 | 3035 Zeichen
      Das kleine Fohlen blähte aufgeregt die Nüstern und prustete lautstark, als ich mich ihm näherte. Sanft lächelnd kniete ich mich vor sie, streckte ihr meine Hand entgegen. Beverly kannte mich inzwischen, wusste, dass ich ihr nichts tun würde – und nur das Beste für sie wollte. Sie war mein kleiner Schatz geworden und ich würde alles tun, damit es ihr gut ging.
      Langsam schritt sie einige Zentimeter in meine Richtung und machte ihren Hals lang, um mich sorgfältig zu beschnuppern. Meine Hand blieb ausgestreckt, wartete darauf, Kontakt mit ihrem samtweichen Maul zu machen. Es dauerte nicht allzu lang, bis sie sich schließlich vor mir stellte und ihr Maul in meine Handfläche senkte, bevor sie einen Schwall warmen Atems hineinblies. Mein Lächeln wurde breiter und ich hob die andere Hand langsam, darauf bedacht, in ihr nicht den Eindruck zu erwecken, dass ich sie schlagen wollte. Ihre Augen verfolgten genau meine Bewegungen, während ich meine freie Hand schließlich auf ihr schönes Fell senkte und sie sachte streichelte.
      „Na gut, meine Süße“, murmelte ich ihr beschwichtigend zu und stand dann gemächlich auf, um sie nicht zu verschrecken. Meine Bewegungen waren bedachtsam und ich spürte, wie die Blicke der jungen Ponystute auf mir lagen, während ich die Box verließ und das kleine Halfter des Roans holte. Sie hatte sich bereits an das Halfter gewöhnt und ließ sich problemlos führen, dies hatte sie bereits auf niolees und Veprs ehemaligen Zuchtgestüt ʻRiver Dance of the Championsʼ erlernt. Deshalb war es keine Meisterleistung, ihr dieses umzulegen und sie schließlich aus der Box und ins Freie zu führen. Mit ihren kleinen Schritten lief sie eilig neben mir her, als wir auf den überdachten Round-Pen zusteuerten. Dort verfrachtete ich sie hinein, wo sie zugleich auf Dajeen traf, die Matthew vorhin ebenfalls hierhin geführt hatte. Die beiden Fohlen kannten sich zwar schon, hatten aber nie sonderlich viel miteinander zu tun gehabt, da Dajeen sich auf der Weide noch immer lieber an Dahiba hielt, während Beverly eine Ersatzmutter in Goldherz gefunden hatte.
      Matthew und ich stellten uns außerhalb der Sandfläche hin und betrachteten die Fohlen aus einiger Entfernung. Man konnte die Rassen- und Altersunterschiede der Beiden ohne große Mühen erkennen – war Dajeen doch ein Großpferd und um einige Monate älter als Beverly, so sah man ihr dies auch sofort an. Das Scheckfohlen, unerschrocken und mutig, trippelte sofort einige Schritte auf das Roan-Fohlen zu und streckte ihm neugierig den Kopf entgegen, um kurz darauf, als die Nüstern der zwei Tiere sich berührten, zu quieken. Dies ging auch an Beverly nicht unbemerkt vorbei, auch sie stimmte in das Quieken mit ein. Kurz darauf verstummte dieses jedoch und man sah nur noch zwei fegende Blitze, die den Sandboden aufwirbelten und den ganzen Round-Pen verstaubten, indem sie fröhlich im Trab und Galopp ihre Runden drehten. Sie waren momentan die einzigen Fohlen auf dem Gestüt, weshalb es für mich umso wichtiger war, dass sie sich anfreundeten und gut verstanden.

      FS 217
      12/2013 | 8320 Zeichen
      Erst gestern waren wir von Nacros Körung zurückgekehrt – um nun wieder auf einem anderen Gelände Rast zu machen. Diesmal fand eine Fohlenschau statt, an der ich mit Beverly teilnehmen würde. Ich errechnete mir, um ehrlich zu sein, nicht sonderlich hohe Siegeschancen, schließlich war Bee noch unerfahren und wusste kaum, wie sie vor so einer großen Menschenmenge reagieren musste. Dennoch freute ich mich auf die Vorführung, denn Erfahrungen halfen immer weiter. Da war es von Vorteil, wenn Bee diese bereits sammeln konnte, wenn sie noch ziemlich jung war.
      Trotz ihrem zarten Alter von nur sieben Monaten hatte sie sich prächtig entwickelt, ihr Fell war noch weicher geworden und es sah aus, als hätte sich eine weiße Schneedecke auf ihrem braunen Fell niedergelassen, obwohl dies lediglich ihre Fellzeichnung war.
      Die Wintersonne schien grell auf die Erde und es war das erste, was ich sah, als ich aus dem Stalltrakt für die Fohlen trat. Ich hatte mich ausnahmsweise von Matthew überreden lassen, das Gelände zu verlassen und einen Ausflug in die nahegelegene Stadt zu machen. Zugegebenermaßen war ich wirklich ausgepowert, die langen Fahrten hatte mir mehr zugesetzt, als ich es erwartet hatte. Trotz alldem war ich jedoch wahnsinnig stolz über Nacros Vorführung bei der Körung und besonders Matthew war der Meinung, dass wir uns eine kleine Auszeit verdient hätten. Ich hatte etwas widerwillig zugestimmt, eigentlich wollte ich Bee nicht allein lassen. Joline, die uns begleitete, hatte sich aber dazu bereit erklärt, ein wenig auf meine Kleine aufzupassen.
      Es war ein ziemlich langer Weg bis in die Stadt. Ein Hotel hatten wir hier zwar auch – aber das lag in der entgegengesetzten Richtung und somit kannte ich diesen Teil der Umgebung noch nicht einmal vom Sehen her.
      Lange dauerte es nicht, bis wir in der Stadt, die man allerdings eher als Dorf bezeichnen konnte, ankamen. Es war gemütlich und klein und ich fühlte mich sofort wohl.
      Der Wind blies mir kalt um die Ohren und ich zog die Jacke etwas enger um meinen Körper, während wir durch die Straßen schlenderten. Hier und da betraten wir mal ein Café, wärmten uns mit leckerem Kakao, verließen die Gebäude aber bald wieder. Auch einige Kleidungsläden gabelten wir auf und spaßten dort herum, indem wir die lächerlichsten Sachen anzogen. Es machte wirklich Spaß, lange hatte ich mich Matthew nicht mehr so nah gefühlt – hatten wir doch in letzter Zeit extrem viel Stress auf dem Gestüt durch meine vielen Aufträge und die vielen Shows und Turniere, auf denen wir unsere Pferde vorstellten.
      Kurz gesagt, wir hatten eine wahrhaftig schöne Zeit in diesem kleinen Städtchen, das sich später als größer entpuppte, als es auf den ersten Blick zu sein schien. Wir alberten fast durchgehend herum, waren entspannt und hatten einfach nur Spaß dabei.
      Nach einigen Stunden, die wir dort tatsächlich verbracht hatten, war es allerdings wieder Zeit für uns, noch einmal nach Bee zu sehen und schließlich im Hotel zu verschwinden. Wir mussten für den morgigen Tag gut ausgeruht sein, um mein Fohlen von seiner besten Seite präsentieren zu können.

      Bei der Ankunft im Hotel schubste Matthew mich stumpf mit in sein Zimmer herein. Mit einem skeptischen Blick betrachtete ich ihn, verschränkte schließlich meine Arme vor der Brust und runzelte die Stirn.
      „Was soll das?“
      „Was soll was?“
      „Dass du mich mit herein ziehst.“
      „Wieso denn nicht?“
      Seufzend vergrub ich mein Gesicht in meinen Händen. „Matthew, du bist unmöglich!“, entfuhr es mir schließlich und ich öffnete die Tür, um auf mein eigenes Zimmer zu gehen. Tja, ich hatte die Rechnung ohne den Mann gemacht. Er hatte sich bereits eine Jogginghose und ein anderes T-Shirt angezogen und trottete mir nun langsam hinterher bis zu meinem Übergangsheim.
      Belustigt, aber auch irgendwie genervt, schlug ich ihm mit der Faust gegen die Schulter und grinste ihn schelmisch an. „Du darfst wieder gehen.“
      „Und was, wenn ich nicht will?“ Er kam mir einen Schritt näher und ich rückte reflexartig zurück. Mir fehlte eine Antwort auf seine Gegenfrage, wollte ich doch nicht entgegen, er müsste – das war nicht meine Art.
      Also nahm ich mir nur stumm mein Schlafzeug, verkroch mich ins Bad und stand schon kurz darauf unter der Dusche. Das warme Wasser prasselte auf meine Haut und ich entspannte mich augenblicklich, all die Anspannung löste sich inzwischen von mir. Sie kam aber mit einem Male wieder, als die Tür aufgerissen wurde, ein leises „Sorry“ erklang und schnell wieder geschlossen wurde. Erneut seufzte ich, während ich mir ein Handtuch schnappte und mich damit abtrocknete, meine Sachen anzog und schließlich im Schlafraum verschwand. Matthew hatte es sich auf meinem Bett bequem gemacht und spielte an seinem Handy herum.
      Als er mich sah, blickte er kurz auf und zwinkerte mir zu. Ich hingegen schüttelte nur den Kopf, legte mich neben ihn ins Bett und kuschelte mich in die Decke. Dass Matthew neben mir war, interessierte mich nicht – er würde schon noch gehen. Ich brauchte jetzt meinen Schlaf; schließlich musste ich morgen ausgeruht sein.
      Gegangen war er nicht. Das Letzte, was ich vor dem Einschlafen noch mitbekam, war, wie er seine kräftigen Arme um meine Taille schlang und näher an mich heran rückte. Dagegen unternehmen tat ich allerdings nichts, weil ich schon viel zu müde dafür war und schon kurz darauf im Traumland versunken.

      Schüchtern beobachtete Bee, wie das letzte Fohlen aus dem Ring kam. „Richtig, jetzt bist du dran, Süße“, flüsterte ich ihr zu und strich ihr sanft über die flaumartige Mähne, die wir bereits eingeflochten hatten. Sie sah unendlich zauberhaft aus mit den kleinen Zöpfchen – ein Turnierpferd im Mini-Format.
      Nun ging es für uns in die Reithalle. Bee beäugte interessiert und stolz die Zuschauer, die weit genug weg saßen, dass sie sich präsentieren wollte, aber nicht so nah, dass sie schüchtern würde.
      Ich spürte, dass sie sich auf die Hinterhand setzte und antraben wollte, hielt sie jedoch mit sanftem Druck auf das Halfter zurück. Es war noch nicht die Zeit gekommen.
      So gingen wir langsam im Schritt zu den Richtern und grüßten. Ich blinzelte – die Sonne stand tief am Winterhimmel und schien so durch die Oberlichter der Halle, dass sie mich blendete. Zugleich fiel das mattgoldene Licht jedoch auf das Ponyfohlen und ihr mehrfarbiges Fell erstrahlte in tausend Farben zwischen Rot, Schwarz und Weiß. Sie war wunderschön wie sie da stand – den Hals hoch gereckt, die Ohren aufmerksam gespitzt, mit leicht geblähten Nüstern und einem alles beobachtenden, wachen Auge.
      Ich hoffte, dass wir nun beginnen konnten und ich ambitionierte das kleine Pferdchen anzutraben. Sie war sofort mit Elan bei der Sache und trabte vorbildlich neben mir her, während ich auf die Linie der ganzen Bahn trat. Ihr Trab war schwungvoll und raumgreifend, die Bewegung elastisch und harmonisch.
      Nach einer Runde wechselten wir die Hand, sodass ihr Bewegungsablauf auch hier begutachtet werden konnte. Anschließend parierten wir durch zum Schritt und wendeten auf den Zirkel ab. Sie hatte für ihr Alter bereits eine sehr gute Balance und konnte ihre Beine gut koordinieren. Zudem war ihr Schritt klar und rund, sie griff mit dem Hinterbein weit unter den Körper – hier gab es nichts zu meckern.
      Ich hielt sie bei X an, lobte sie kurz, indem ich ihr den Hals klopfte und löste dann den Führstrick vom Halfter. Durch vorsichtiges Schwingen desselben schickte ich sie von mir hin, ein Schnalzen brachte sie in den Galopp. Vorbildlich blieb sie auf dem Hufschlag, schnaubte ab und galoppierte artig neben den Zuschauern und Richtern her. Hierbei zeigte sie bereits eine hervorragende Bergauftendenz und einen frei mitschwingenden Rücken. Man konnte ihr bereits sehr gut ansehen, dass aus ihr bald ein wundervolles Pferd werden würde. Von ihrem herausragenden Potential ganz zu schweigen.
      Auf einen Pfiff hin spitzte sie die Ohren, parierte durch zum Trab und kam auf gerader Linie wieder zu mir hin. Kurz vor mir blieb sie stehen, schnaubte und wartete, dass ich sie wieder am Führstrick festmachte und ihr dabei kurz über die kleinen, weichen Ohren strich. Sie liebte das.
      Anschließend traten wir wieder zu X.
      Hier hatten die Richter noch einmal die Gelegenheit, die Kleine genauer zu mustern. Außerdem befanden sie ihre Abstammung für „sehr gut“.
      Dann lobte ich mein Fohlen und verließ stolz die Halle.

      Weihnachten auf dem Gestüt
      12/2013 | 6919 Zeichen
      „Unser erstes gemeinsames Weihnachten“, murmelte ich leise und betrachtete den riesigen, noch ungeschmückten Weihnachtsbaum, der den Weg in unser Haus gefunden hatte. Matthew und Harry brummelten mir zustimmend irgendetwas zu, während sie am großen Tisch saßen und Armdrücken spielten. Sie wollten unbedingt wissen, wer von den Beiden der Stärkere war. Seufzend drehte ich mich wieder von ihnen weg und befestigte eine weitere Christbaumkugel an einem der Zweige. Im Hintergrund lief leise Weihnachtsmusik und die letzten Töne von „Let It Snow“ erklangen gerade, als das nächste Lied angespielt wurde.
      „Mach das aus!“, schrie ich nahezu und fuchtelte wild mit den Armen in der Luft herum, was dazu führte, dass mein Gleichgewichtssinn sich verabschiedete. Ich konnte mich gerade noch so auf der Leiter halten, ohne umzukippen und stieg schließlich die Stufen herunter, um mich auf den Weg zum Radio zu machen.
      „Schalt es ab“, wiederholte ich knurrend und suchte den Lautstärkeregler des Radios.
      „Was hast du denn gegen Last Christmas?“ Matthew sah mich verwundert an, seine Augenbrauen schossen fragend in die Höhe.
      „Ich hasse es einfach. Es ist nervig.“
      „Ich finde es schön“, protestierte Lucy und ich warf ihr einen tödlichen Blick zu, um sie zum Verstummen zu bringen. Im nächsten Moment musste sie laut lachen. Nein, meine Blicke konnten leider nicht töten.
      „Macht es einfach aus“, stimmte Joline mir zu, „ich finde es auch scheußlich. Jedes Jahr dasselbe, dämliche Lied. Ich kann es nicht mehr hören.“
      Ich sah sie lächelnd an, dankte ihr dafür und beobachtete Harry, der auf einen anderen Sender umschaltete. Als er sich zu mir umdrehte, zierte ein belustigtes Grinsen sein Gesicht.
      „Da haben sich die Radiosender wohl gegen dich verschworen.“
      Ich stöhnte genervt auf und ließ mich auf einen der Stühle fallen, die im großen Wohnzimmer verteilt standen. Mein Gesicht vergrub ich demotiviert in meinen Handflächen und ein lauter Seufzer verließ meinen Mund. Es konnte doch nicht wahr sein, dass auf jedem gottverdammten Sender dieses nervtötende Lied gespielt wurde! Ein wunderbarer Weihnachtstag, ein wunderbarer Heiligabend wegen diesem wunderbaren Lied. Man bemerke bitte die Ironie in dieser tatkräftigen Aussage.

      „Beverly und Dajeen sind bereits in ihren Boxen. Was ist mit Goldherz und Casey?“ Harry lief unruhig auf und ab, verwirbelte dabei einige Strohhalme in der Stallgasse, die soeben gefegt worden war. „Goldherz steht in ihrer Box. Casey muss noch hereingeholt werden, Romantica auch. Machst du das bitte eben?“, bat ich ihn und händigte ihm die zwei Halfter aus, die für die beiden Reitponystuten bestimmt waren. Er nickte und verschwand nach draußen. Es würde laut Wetterberichten eine kalte Weihnachtsnacht werden, weshalb die Pferde und Ponys die Nacht in den Ställen verbringen würden. Der Regen dürfte in Folkestone auch nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Dieses Jahr gab es wohl keine weiße Weihnacht. Danke, Erderwärmung.
      Nur kurze Zeit später erschien Harry mit den beiden Scheckstuten im Stalltrakt und führte sie in ihre warmen, frisch eingestreuten Boxen. Ich seufzte bei dem Gedanken daran, dass wir wahrscheinlich bald wieder umziehen würden. Eigentlich wollte ich dies nicht, doch ich hatte eine kleine Ranch in Aussicht, ganz in der Nähe von diesem Gestüt. Sie war gemütlich und wurde nur verkauft, weil die ehemaligen Besitzer verstorben und keinerlei Erbanwärter vorhanden waren, weshalb sie schließlich zwangsversteigert werden musste. Ich hatte mich sofort in diese Ranch verliebt, aber … es war schwierig, vom Gestüt The Mountain Yard loszukommen. Schließlich wohnten wir hier erst seit einem halben Jahr, doch ich bemerkte, dass die Anlage einfach zu groß für uns war. Wir hielten nur siebzehn Pferde, und für diese reichte die kleine Ranch in Dover in der Nähe der Kreidefelsen vollkommen aus. Dann würde ich das Gestüt hier wohl oder übel verkaufen müssen.
      Ein wenig Hufgetrappel ertönte, als ich mich umdrehte und nach draußen sah. Dort standen Flame und Dahiba, fertig geputzt und gesattelt. Sie warteten nur noch darauf, ihre Trensen übergezogen zu bekommen, dann würden wir in einen kurzen Ausritt starten. Sie brauchten ihre Bewegung.
      Mein Reithelm saß fest auf meinem Kopf, als ich auf Dahiba aufstieg und Joline neben mir das Gleiche bei Flame tat. Es war kühl und ich fror ein wenig, hatte ich doch nur einen Sweater angezogen, aber das musste nun sein. Augen zu und durch!

      Nach nicht sehr viel Zeit trafen wir wieder auf dem Hof ein. Die Dämmerung brach schon an, als die beiden Stuten in ihren Boxen standen und es schien, als würde sich bald die Nachtdecke über Folkestone niederlassen. Der Himmel war in eine bunte Mischung aus verschiedensten Farben getaucht worden, und kurz gesagt: Es war wunderschön.
      „Rapsoul, Pamino und Sonic Syndicate sind in den Boxen. Holt bitte noch Herbstblatt, Chronos und Da Vinci rein!“, wies Charles Neill und Mason an, die sofort auf seine Anweisung hörten und auf der Weide verschwanden, um besagte Hengste in die Boxen zu bringen.
      „Hat sich Dusk Till Dawn gut eingelebt?“, wandte sich der Ausbilder und oberste Stallmeister nun an mich und ich nickte nur leicht. „Ja. Trotz der Tatsache, dass er erst seit einem Tag hier ist, macht er sich wahnsinnig gut.“
      „Das ist schön zu hören. Monsta muss noch in die Box!“, rief er Harry zu und klatschte in die Hände, um alle auf sich aufmerksam zu machen. „Elisa, hol du Nacromancer in the Dark in den Stall. In Ordnung?“ Ich nickte erneut. Obwohl er für mich arbeitete, war er so etwas wie ein Vater für mich und half mir oft dabei, alles geordnet zu halten.
      Meine Beine trugen mich eilig auf die Hengstweide und mit einem kurzen 'Klick' sprang der Karabinerhaken ein, sodass Nacros Halfter nun fest auf seinem Kopf saß. Es war eigentlich unnötig, denn der Hengst folgte mir auch so. Dennoch ging es so schneller.
      Es war bald schon in seiner Box und die Pferde waren alle versorgt worden – inklusive einer kleinen Weihnachtsüberraschung, die sie in ihren Trögen fanden.

      „Sie erinnert mich an ein kleines My Little Pony“, lächelte ich Matthew zu und deutete auf das Bild einer Criollo-Tinker-Mix Stute, die momentan zum Verkauf stand. Ich hatte sofort ein Auge auf sie geworfen und mich um sie beworben, doch ich war nicht die Einzige, die sie haben wollte. Dennoch hoffte ich auf das Beste.
      „Lass uns zu den Anderen“, murmelte Matthew und strich mir sanft über den Rücken. Ein kleiner Schauer lief mir über diesen und ich musste augenblicklich noch breiter lächeln.
      „Gerne“, erwiderte ich, stand auf und zögerte dann., bevor ich wirklich zu den Anderen ging und ihn hinter mir herzog. Und so verbrachten wir einen ganzen Abend mit leckerem Weihnachtsessen, einer wunderschönen Bescherung und einem ebenso wunderbaren Heiligabend. Trotz der Tatsache, dass wir in England waren, behielten wir noch deutsche Traditionen bei uns – mal sehen, wie lange die noch anhalten würden.
    • Samarti
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      Vergangenheit
      01/2014 | 1 Bericht
      Der Umzug nach Penzance
      01/2014 | 17.375 Zeichen
      Mit emotionslosem Blick betrachtete ich das bunte Treiben auf dem Gestüt The Mountain Yard. Es war noch hektischer und lauter als sonst. Dabei war es erst sechs Uhr in der Früh, doch wir alle mussten uns auf den Umzug vorbereiten. Mit einem lauten Seufzer zog ich mir schließlich meine Jacke über, schlüpfte in meine Schuhe und schnappte mir meinen Schlüssel, bevor die Haustür lautstark hinter mir zuknallte und ich ins Freie trat. Mir wurde kaum Beachtung geschenkt – waren doch alle mit dem Verpacken von Ausrüstung, dem Verladen der Pferde oder sonst irgendwelchem Kram beschäftigt, der uns auf den Umzug vorbereiten sollte. Es standen nur noch vier Pferde auf dem Hof, besser gesagt vier Ponys. Goldherz brummelte mir aus ihrer Box zu, als sie mich erblickte und damit auch die paar Karotten in meiner Hand sah. Ich bewegte mich mit langsamen, ruhigen Schritten auf die Boxentür meiner Stute zu und streichelte sanft über ihr weiches Winterfell, das auf ihrem Nasenrücken wuchs. „Na, Liebling?“, murmelte ich leise und meine Hand wanderte zu ihren Ohren, die ich kraulte. Ein stummes Lächeln schlich sich auf mein Gesicht, als Goldherz ihre Augen schloss, tief ausatmete und den Kopf ein wenig senkte. Dann jedoch wurden ihre dunkelbraunen Augen wieder sichtbar und ein kleiner Ponykopf rieb sich behutsam an meinem Oberarm, bevor Goldherz sich mit ihrem Kopf an mich lehnte und erneut tief ausatmete. Ich entspannte mich für einen Moment, vergaß den Umzugsstress und den Trubel auf meinem Hof und konzentrierte mich nur auf das gescheckte Pony vor mir. Goldherz war schon immer der Liebling meiner Pferde gewesen. Bereits vor einigen Jahren hatte sie ich zuerst erblickt und sie daraufhin gekauft. Ich hatte keine Kosten und Mühen gescheut, um aus ihr die Stute zu machen, die sie heute ist. Ich hatte sie krönen lassen, mit mir hatte sie mehrere Schönheitswettbewerbe und Turniere bestritten und Schleifen nach Hause bringen können. Ich war jedes Mal dabei, wenn sie ein Fohlen auf die Welt brachte. Leider war ich auch diejenige, die völlig überstürzt das Land verlassen hatte. Goldherz fand zwar einen Platz bei Juu, verletzte sich aber beim Springen an der Beugesehne und Juu beschloss, sie zu ihrem Wohl auf die Gnadenweide zu stellen. Niemand hatte eigentlich Hoffnung gehabt, dass die Verletzung wieder abklingen würde – war doch nicht mit ihr zu spaßen. Doch Weihnachten 2012 hatte Michelle mir das wohl beste Weihnachtsgeschenk gemacht, das sie mir hätte machen können. Sie war mit einem Tierarzt und joe zu Juu gefahren, um Goldherz abzuholen. Ihre Verletzung war zu dem Zeitpunkt nicht mehr besonders schwerwiegend gewesen und sie konnte langsam wieder mit dem Training beginnen. Nun, irgendwann hatte Michelle mir erzählt, dass sie eine Überraschung für mich hätte. Ich hätte mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass sie mir tatsächlich Goldherz wiederholen konnte.
      Aus der Nebenbox ertönte ein empörtes Schnauben und Goldherz hob ihren Kopf, um Casey einen giftigen Blick zuzuwerfen. Sie war zwar die Mutter des Grauschecken, doch wenn Goldherz ein wenig Aufmerksamkeit bekam und ihr die jemand wegnehmen wollte, wurde sie zickig und beinahe eigen. Ein erneutes Lächeln zierte meine Mundwinkel, während ich Goldherz eine Möhre zusteckte und sie diese genüsslich zermalmte. Die Zeit nutzte ich, um mich Casey zu widmen. Diese studiere mich aufmerksam, als ich auf sie zulief und mit der Möhre vor ihrem Kopf wedelte. Ihre blauen Augen verfolgten wachsam diese und ich konnte sehen, wie ihr förmlich das Wasser im Mund zusammenlief. Dennoch machte sie keine Anstalten, mir die Karotte aus der Hand zu ziehen, weshalb ich sie ihr schließlich doch selbst gab und ihr den Hals klopfte. Mein Weg führte mich zur nächsten Box, in der sich Romantica befand. Sie war heute Morgen bereits versorgt worden und trotz der Tatsache, dass sie durch den Koppelzaun gesprungen und ihre Verletzung somit erst drei Tage her war, sahen ihre Schnittwunden nicht mehr gänzlich so schlimm aus wie zu Anfang. Auch die Prellung am Bein hatte nachgelassen und sie dürfte die Fahrt problemlos überstehen. Romantica bekam ebenfalls eine Möhre zugesteckt, ebenso wie Monsta, die in der vierten Box im Stutenstall stand. Kurz darauf verließ ich diesen Stalltrakt wieder und lief in die anderen beiden. Es herrschte gähnende Leere. Selbst die Büros im Stall waren bereits ausgeräumt worden, alle Unterlagen waren verschwunden. Hier gab es nichts mehr zu sehen.
      Es tat mir in der Seele weh, zu wissen, dass ich dieses Gestüt verkaufen müsste. Ich wusste nicht, was mich dazu gebracht hatte, das Gestüt mit dem Namen Crown Hill Stables zu kaufen. Es war wahrscheinlich diese Verlockung, wieder etwas Neues zu erleben – aber sie gefiel mir um Längen besser als das Gestüt The Mountain Yard und so beschloss ich, dieses zu verkaufen und einen erneuten Umzug zu wagen.
      „Elisa?“, riss Matthew mich aus meinen Gedanken und ich drehte mich ruckartig um, weshalb ich fast in ihn prallte. „Ja?“, brachte ich heraus und sah ihn mit gerunzelter Stirn an. Auch er schien nicht sonderlich gelassen zu sein, ihn schien der Umzugsstress ebenso mitzunehmen wie mich. Trotz der Tatsache, dass das neue Gestüt sich im Südwesten Englands in Penzance befand, hatten viele meiner Mitarbeiter beschlossen, mich zu begleiten. Bereits zuvor hatte die Mehrzahl von ihnen bei mir auf dem Gestüt gelebt, so würde es auch in Zukunft sein. Mich überraschte dies zwar, doch vielmehr freute ich mich darüber. Die Stallburschen würden mich nicht begleiten, ebenso wie zwei meiner Jockey abgesagt hatten. Dies taten auch drei weitere Ausbilder, was mich zwar etwas trauriger stimmte, aber nicht umbringen würde. In Penzance gab es mit Sicherheit auch gute Ausbilder, die ich mir an Land ziehen könnte.
      Aber Harry würde uns verlassen. Ihn zog es wieder nach London, wo er zuvor bereits gewohnt hatte und wie Matthew mir gerade mitteilte, war es für mich an der Zeit, mich nun von dem Ausreißer zu verabschieden.
      Mit trägen Bewegungen schritt ich auf Harry zu, der bereits auf dem Hof wartete. Als ich seine Koffer erblickte und den grimmigen Taxifahrer sah, wurde mir mulmig und ich versuchte, nicht allzu sehr nach ʻam Boden zerstörtʼ auszusehen. Obwohl ich traurig war, dass er verschwand, wusste ich, dass es besser so wäre. Er gehörte hier nicht hin. Harry gehörte in eine Großstadt, in Clubs und Diskotheken. Nicht auf das Land und ganz besonders nicht auf ein Gestüt.
      Als er mich im Arm hielt und mir sanft mit seinen großen Händen über den Rücken strich, schluchzte ich laut auf. Er war nun eine ganze Weile lang auf dem Gestüt gewesen und ich konnte es mir gar nicht mehr ohne ihn vorstellen. Dennoch war es die einzig richtige Entscheidung, die er treffen konnte.
      Nach gut zehn Minuten vernahm ich ein leises Räuspern seitens des Taxifahrers. Harry wischte mir kurz die Tränen von der Wange, dann gab er mir einen kurzen Kuss auf die Stirn. So, wie er es bereits vor Jahren gemacht hatte, als er und seine Familie von Deutschland nach England gezogen waren und mich zurückließen. Er war schon immer wie ein großer Bruder für mich, der beste Freund, den ich mir wünschen konnte. Wie sollte ich es wieder so lange ohne ihn aushalten?
      Wir ließen voneinander ab und ich setzte ein gezwungenes Lächeln auf. „Pass auf dich auf“, murmelte Harry mir ins Ohr und winkte mir noch einmal zu, während ich nur benommen nickte. Mit diesen Worten drehte er sich um und stieg in das Taxi, das kurz darauf mit brummendem Motor vom Gestüt fuhr.
      Nachdem es hinterm Horizont verschwunden war, drehte ich mich um und setzte ein Lächeln auf. „Dann wollen wir mal die letzten Pferde verladen“, grinste ich Matthew an und dieser nickte nur schnell, bevor er in den Stalltrakt verschwand, in dem sich die vier Ponystuten befanden.
      Meine Gedanken wanderten wieder zu dem Gestüt in Cornwall, während wir die besagten Stuten aus dem Stall holten uns sie auf den Pferdetransporter zuführten, der gerade angekommen war. Allerdings wurde mir das nicht lange erlaubt, denn Casey sträubte sich, das Ungeheur zu betreten. Es verwunderte mich ziemlich, hatte sie doch sonst keinerlei Probleme mit Pferdetransportern gehabt. Erst, als Goldherz vorlief, schritt die Grauscheck Stute ihrer Mutter langsam und skeptisch hinterher und ließ sich in ihre provisorische Box führen.
      Der Transporter verschwand ebenfalls bald von der Bildfläche und so waren es nur noch Matthew und ich, die auf dem Gestüt blieben. Wir mussten noch auf die Immobilienmaklerin warten, die uns dabei helfen wollte, das Gestüt zu verkaufen. Sie hatte bereits einige Zeit Verspätung, doch es machte mir nicht sonderlich viel aus. Ich wollte noch so viel Zeit auf dem Gestüt verbringen, wie es mir möglich war.
      „Ich werde die lila Dächer vermissen“, hörte ich Matthews Stimme und problemlos vernahm ich sein Schmunzeln.
      „Das ist wohl das mindeste“, entgegnete ich grinsend und blickte hinauf zu den Dächern. Sie waren wirklich lila. Ich wusste nicht, was die Leute, die das Haus erbaut oder erbauen lassen hatten, sie dabei gedacht hatten. Es war zwar nicht sonderlich auffällig, aber eigentlich gar nicht mein Fall. Dennoch konnte ich diesen Schönheitsfehler immer gut übersehen und nach einiger Zeit störte es mich schon gar nicht mehr.

      Es dauerte noch eine Weile, bis wir alles mit der Immobilienmaklerin besprochen hatten und endlich auf dem Weg nach Penzance waren. Auf dem Weg in unsere neue Heimat.
      Ich hatte mir zwar schon Fotos von der Landschaft angeschaut, doch als wir in der Grafschaft Cornwall ankamen, überwältigte der Anblick mich dennoch. Raue, steile Felsen zierten die Landschaft, hin und wieder erschienen lange Strände und malerische Buchten. Weite Felder, grüne Wiesen und dichte Wälder vervollständigten das Bild noch und es war der Anblick, der mich schließlich davon überzeugte, das richtige getan zu haben.
      Das Fahrzeug, in dem Matthew und ich schweigend saßen, fuhr einen etwas holprigen Sandweg empor. Links und rechts von uns waren vereinzelt einige Sträucher und Büsche, einige Meter vor uns befand sich das Wohnhaus des Gestüts. Es war nicht sonderlich groß, aber mehrere Stockwerke hoch und bot genug Platz für ein paar Personen.
      Wir erreichten einen kleinen Parkplatz, der sich in der Nähe des Hauses befand und der Motor verstummte, als der Wagen endlich anhielt. Voller Vorfreude sprang ich wortwörtlich aus dem Wagen und stolperte einige Schritte vorwärts, ehe ich mich wieder fangen konnte und mein Gleichgewicht wiederfand. Drei Möbelwagen standen ebenfalls auf dem Parkplatz, doch ich hatte keine Zeit, mich diesen näher zu widmen. Gerade, als ich an der Haustür klopfen wollte, wurde sie mir schon geöffnet.
      Vor mir stand ein grinsender Charles, der bis über beide Ohren strahlte. Matthew fand ebenfalls zu uns und wir wurden ins Haus gezogen. Es war noch ziemlich leer, es waren kaum Möbel vorhanden und das ganze Gebäude wurde mit Pappkartons gefüllt, in denen unser Zeug war.
      Unser Weg führte uns durch einige Zimmer und ich kam mir vor, als würden wir im Kreis laufen, doch nach kurzer Zeit befanden wir uns in einem Raum, der einem Wohnzimmer ähnelte. Dort trafen wir auf Lucy – Charles' Frau – und Joline, die uns ebenso erfreut wie Charles empfingen. „Die anderen sind draußen“, klärte das blonde Mädchen mich auf und ich nickte kurz. Joline war inzwischen eine vollwertige Ausbilderin in meinem Betrieb. Sie hatte ihre Ausbildung auf meinem Gestüt gemacht und als sie sie erfolgreich hinter sich gebracht hatte, bot ich ihr an, dass sie für mich als Ausbilderin arbeiten könnte. Zu meiner Freude sagte sie sofort zu, weshalb sie nun auch vor mir stand.
      Ich sah mich in dem Raum um, um mir ein Bild von meinem neuen Zuhause machen zu können. Im Großen und Ganzen gefiel mir, was ich sah. Die Wände waren in zarten Pastelltönen gestrichen, einfache Holzböden befanden sich unter unseren Füßen.
      „Wollen wir mal weiter?“, fragte Matthew und ich stimmte ihm eilig zu. Auch die anderen beschlossen, uns zu begleiten. Zwar waren sie schon etwas länger hier, doch sie wollten uns die Anlage zeigen.
      Unsere Füße betraten wieder den Sandweg, während wir um das Haus herum und auf das Gestüt zuschritten. Der Anblick überwältigte mich immer wieder. Zwar hatte ich das Gestüt schon besichtigt, doch ich hatte es nicht so groß in Erinnerung. Hinter dem Wohnhaus befand sich ein kleiner Teich, daneben grenzten riesige Weiden an. Zu unserer Rechten befanden sich ebenfalls zwei Weiden. Auf der Weide, die uns und dem Sandweg näher war, zermalmten die Stuten schon zufrieden die Grashalme, die ihren Weg kreuzten. Dahiba bemerkte uns als erste, kümmerte sich jedoch nicht weiter um uns und widmete sich wieder dem Gras. Beinahe zeitgleich flogen auch Audio Delite at Low Fidelitys, Pushin' Jazz for Cashs und Flames Köpfe in die Höhe. Die drei Stuten schritten gemächlich auf den Zaun zu, der sie von uns abgrenzte. Dies allerdings nicht, ohne hin und wieder einen Grasbüschel abzureißen und darauf herum zu kauen. Eine kurze Streicheleinheit holten die drei sich von uns ab, drehten sich dann jedoch wieder um und widmeten sich wieder dem Gras, was anscheinend interessanter war als wir es waren.
      Mein Blick glitt weiter über das Gelände. Geradeaus war das dreiteilige Stallgebäude gebaut worden, aus dem schon jetzt Hufgetrappel, Mistgabeln auf dem Boden und schnaubende Pferde zu hören waren. Soweit ich es beurteilen konnte, befand sich nur noch ein kleiner Teil der Hengste in den drei Stalltrakten. Beverly, Dajeen und Bel Homme waren mit den anderen Stuten auf der Weide; Rapsoul, Da Vinci und Herbstblatt fraßen auf einer anderen das Gras. Daneben befanden sich Pamino, Nacromancer in the Dark und Sonic Syndicate, die auch das Grünzeug aus dem Boden rupften. Die einzigen Pferde, die ich nicht sah, waren Chronos und Edward's Disk till Dawn. Matthew schien dies auch zu bemerken, denn im selben Moment zog er mich mit in den Stall. Unsere Wege trennten sich, als ich in den zweiten Stalltrakt ging, in dem die Sport- und Turnierpferde untergebracht waren. Matthew hingegen begab sich auf den Weg zu den Freizeitpferden.
      Nicht viel später stand er neben dem Tinkerhengst in der Stallgasse und schloss die Boxentür, ehe die beiden „Männer“ nach draußen verschwanden. Edwards Hufe hallten lautstark von den Wänden wider, was Chronos nervöser machte. Er war nun das einzige Pferd im Stall und das konnte er wirklich nicht sonderlich leiden. Schnell führte ich auch ihn auf die Weide, auf der die anderen Hengste standen. Da meine Hengste sich alle inzwischen aneinander gewöhnt hatten und sich hauptsächlich in Frieden ließen und nur hin und wieder herumzickten, konnte ich sie problemlos auf einer einzigen Weide stehen lassen.
      Der Schimmelhengst preschte sofort los, nachdem ich ihm das Halfter entfernt hatte. Er buckelte einige Male, dann ließ auch er den Kopf sinken und wandte sich dem Gras zu.

      „Der Ausbildungsbetrieb gehört dazu. Es wird kein Problem sein, ein paar Pferde mehr hier unterzubringen. Wir haben schließlich genug Boxen“, erklärte Charles und ich nickte zustimmend. „Ja, du hast recht. Es war ja sowieso von Anfang an klar, dass ich den Betrieb nicht aufgeben möchte.“
      „Was ist mit dem Ferienbetrieb? Also der, der hier zuvor schon war? Dass Kinder Reitferien auf dem Gestüt machen können und für eine Woche oder so ein Pferd kriegen, um das sie sich kümmern müssen“, erkundigte sich Lucy, die mit uns am Tisch saß und vor sich die Unterlagen des Gestüts liegen hatte.
      „Wir könnten es doch aufnehmen. Dann bieten wir den Kindern eben Reitunterricht an und reiten, je nach Reiterfahrung und Pferd, hin und wieder mit ihnen aus. Dann machen wir Anfänger-, Amateur- und Fortgeschrittenengruppen. Das lässt sich besser einteilen und ich denke, damit würden wir auch den Feriengästen einen Gefallen tun.“
      „Also möchtest du nur Kinder als Gäste?“, fragte Joline an Charles gewandt, der diesen Vorschlag in die Runde geworfen hatte.
      „Ich persönlich würde mit Kindern anfangen. Schließlich gehen in den Schulferien viele Mädchen in die Reiterferien und bei dieser Gegend dürfte es nicht schwierig sein, welche zu finden, die darauf Lust hätten.“
      Nachdenklich sah ich auf den Tisch und starrte ihn an, bevor ich langsam den Blick hob. Auf mir lagen mehrere Augenpaare, die auf meine Reaktion warteten.
      „Ich finde die Idee gut“, sagte ich schließlich und spielte mit dem Kugelschreiber herum, den ich in der Hand hielt. „Aber nur, wenn wir die Gäste wirklich in Gruppen einteilen. Und auch nur, wenn sich welche dazu bereit erklären, den Kindern die passenden Pferde zuzuordnen und sich um sie zu kümmern. Ich würde das ja übernehmen, bräuchte dabei aber Hilfe, weil ich mich um den ganzen Papierkram und auch noch die Ausbildung kümmern muss. Das würde ich nicht allein schaffen“, sagte ich und blickte in die Runde. Zustimmendes Nicken.
      „Dann wäre das geklärt. Der Ferienbetrieb bleibt bestehen. Er wird allerdings erst wieder aufgenommen, wenn wir den Umzugsstress hinter uns haben“, besiegelte ich den Beschluss und rückte mit dem Stuhl nach hinten, um aufzustehen. Lächelnd trat ich die Treppe hoch und ließ mich in dem Zimmer nieder, das ich als mein Schlafzimmer betitelt hatte. Von hier hatte man eine wunderbare Aussicht auf das Gestüt und während ich auf der breiten Fensterbank saß und das Geschehen beobachtete, wurde mir bewusst, dass die Entscheidung, dieses Gestüt zu kaufen, definitiv die richtige gewesen war.
    • Samarti
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      Kanada, wir kommen!
      03/2014 | 11.962 Zeichen
      Hochwasser.
      Ein Wort, das allein schon dämlich genug klingt – welcher Idiot hatte sich das denn bitte ausgedacht?
      Nachdem Cornwall noch immer unter Wasser stand und unser ganzes Gestüt tatsächlich darunter zu leiden hatte, indem die Weiden, Reitplätze und auch die Reithalle nun völlig verstört worden waren, hatten Matthew und ich uns dazu entschieden, dass etwas Neues her musste. Und das so schnell wie möglich. Es war auch für die Pferde unzumutbar, sie noch im Stall stehen zu lassen, weshalb diese inzwischen schon auf dem neuen Gestüt untergebracht worden waren.
      So sehr es mir auch im Herzen wehtat, aus England wegzuziehen – hatte ich hier doch eine lange Zeit gelebt – so war es dennoch eine Erleichterung, dass wir zumindest unseren treuen Vierbeinern ein vernünftiges Zuhause bieten konnten. Obwohl wir erst vor knapp zwei Monaten nach Penzance gezogen waren, was für mich ein Stich ins Herz war. Ich liebte England, aber besonders nach der Zeit, die wir im ungewünschten Wasser verbracht hatten, wurde mir klar, dass dringend eine Lösung her musste.
      Zu meinem Glück sah Matthew, mit dem ich mich inzwischen wieder ziemlich gut verstand, das Ganze genauso; ebenso meine anderen paar Mitarbeiter. Bei einigen hatte ich Glück, Matthew, Sophia, Charles und seine Frau Lucy hatten beschlossen, mich zu begleiten, da ihnen die Lage in England förmlich zu Kopf stieg. Hätte ich mich zuvor nicht mit Matthew versöhnt, würde er mich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht begleiten.
      So traf es sich gut, dass neben der Ranch Gwen, dessen Hengst Altair ich bereits im Training gehabt hatte, ein leerstehendes Gestüt zum Verkauf stand. Ursprünglich wollte ich nie nach Kanada ziehen – doch das Mädchen hatte mich dann schlussendlich doch überzeugen können und inzwischen war ich mir ziemlich sicher, dass uns eine schöne Zeit bevorstand. Natürlich war ich mir über die Wetterumschwünge in Kanada im Klaren, dennoch würde es mit Sicherheit eine interessante, neue Erfahrung sein.
      Die letzten Umzugskartons waren gerade verpackt, als jemand von hinten seine Arme um meinen Torso schlang und sein Kinn auf meiner Schulter bettete. Ohne hinsehen zu müssen, wusste ich, dass es sich um Matthew handelte.
      „Ich werde England vermissen“, murmelte er leise in mein Ohr. Sein Atem kitzelte auf meiner Haut; jagte mir einen wohligen Schauer über den Rücken und sorgte dafür, dass sich Gänsehaut auf meinem Körper ausbreitete.
      „Ich auch.“ Meine Stimme war kurz vorm Versagen. Ja, ich würde England vermissen – und wie ich das tun würde. In diesem Land hatte ich so viele Erlebnisse machen dürfen, war selbstständig geworden, hatte mein erstes, komplett eigenes Gestüt aufbauen können, hatte neue Freunde gefunden, Bekanntschaften geschlossen, mit Leuten zerstritten, meistens wieder mit jenen Leuten versöhnt, hatte mir eine neue Menge Pferde gekauft, hatte viele Pferde trainiert und, und, und. Ich könnte die Liste ewig weiterführen, doch irgendwas findet alles sein Ende.
      „Wir schaffen das. Zusammen.“ Er stockte kurz und senkte seine Stimme, während sich auf meinem Gesicht ein Lächeln ausbreitete.
      „Zusammen.“

      Endlich hatte ich den ganzen Trubel um den Check-In am Flughafen hinter mir und konnte mich nun auf den Flug nach Kanada begeben. Mein Handgepäck hatte ich rasch in der Ablage verstaut, nachdem ich meine Sitzreihe, F, gefunden hatte. Matthew war mir dicht auf den Fersen, die Anderen waren schon alle längst in Kanada, um das neue Gestüt auf Vordermann zu bringen. Ich seufzte leise und ließ mich dann auf meinen Sitz sinken, ehe ich mir die Ohrstöpsel ins Ohr steckte und Musik hörte. Meine Musik wurde aber leider Gottes nur kurz darauf von den nervigen Ansagen unterbrochen, die man sowieso vor jedem Flug hörte. Ich konnte sie inzwischen schon auswendig, schließlich flog ich nicht gerade selten, um neue Pferde zu holen oder einfach nur an internationalen Turnieren teilzunehmen.
      Zum Glück war die Ansage schon bald beendet und ich startete mein Handy erneut, um mich Flappy Bird zu widmen. Ich hasste dieses Spiel abgrundtief, hing ich doch immer noch bei meinem Highscore von 73 Röhren fest, doch ich wollte eben diesen unbedingt brechen. Das bedurfte nicht nur einer Menge Geduld, sondern auch viel Zeit – zu viel Zeit. Denn irgendwann gab mein Handyakku auf und ich musste mich anders beschäftigen, weshalb ich Matthew anstieß, welcher kurz zusammenzuckte und dann überrascht aufsah. Es dauerte nicht lange und wir waren in eine Unterhaltung darüber vertieft, wie es wohl in Kanada für uns weitergehen würde.

      Das neue Gestüt war riesig. Mir stand der Mund vor lauter Staunen offen, als ich aus dem Taxifenster blickte und unser großes Gelände erspähen konnte. Überall erstreckten sich lange, grüne Wiesen, dichter Wald umgab uns und hin und wieder sah man einmal ein Feld. Kurzum: Es war unglaublich. Das CHS in England war im Vergleich zu diesem winzig gewesen und ich zweifelte daran, ob es gut war, ein solch großes Gestüt zu besitzen. Schnell schlug ich mir den Gedanken wieder aus dem Kopf. Wir hatten uns vergrößert und würden auch demnächst noch einige neue Pferde erwarten, weshalb so viel Platz vielleicht ein ziemlicher Vorteil war, sollten doch bald eventuell sieben weitere Zuchtpferde von Elena bei uns ankommen, um die wir uns kümmern sollten.
      Mein Weg führte mich zunächst einmal ins Haus, wo Matthew und ich die restlichen Kartons und Koffer ablegten, ehe er mich völlig unerwartet bei der Hand nahm. Ein leichtes Kribbeln breitete sich an der Stelle aus, weshalb ich lächelnd zu Boden sah und ihm nicht ins Gesicht blicken wollte. Er grinste kurz, zog mich dann aus dem Haus heraus und wir standen etwas ratlos auf dem Gestüt herum, da wir nicht wussten, wo was war – weshalb wir uns erst einmal zu dem längsten Gebäude begaben, welches, wie nicht anders zu erwarten, der Stall war.
      Die Pferde standen momentan alle in ihren Boxen und zermalmten zufrieden ihr Heu, während wir an den neuen Außenboxen vorbeiliefen. Diesmal hatten wir uns gegen die Innenboxen und für die Außenboxen entschieden, da die Pferde somit einfach mehr „Luft“ hatten, es schien ihnen allerdings auch zu gefallen. Scheinbar hatten sie alle die anstrengenden Reisen gut überstanden, lediglich Pushin' Jazz for Cash hatte eine kleine Schürfwunde an der Brust, welche jedoch nicht allzu schlimm aussah. Kein Grund, sich Sorgen zu machen.
      Casey brummelte mir freundlich zu und sah neugierig auf, als wir an ihrer Box vorbeiliefen, doch ich streichelte ihre Stirn nur kurz zur Begrüßung und wir liefen weiter. Rapsoul beachtete mich nicht weiter, ebenso Audio Delite at Low Fidelity – sie beide waren nur mit ihrem Heu beschäftigt und hatten keine Zeit für uns übrig. In der Box gegenüber der Mixstute stand eine Kabstrupper-Stute, die ich vor kurzer Zeit von Elena gekauft hatte, aber bisher noch nicht selbst in Empfang nehmen konnte, da sie sofort nach Kanada gebracht worden war, ohne einen Zwischenstopp in England einzulegen. Die Gute hieß Sambuca und wollte sich lediglich einige Streicheleinheiten erbetteln, ehe auch sie sich wieder dem Futter zuwandte.
      Die drei kleinen Fohlen auf unserem Gestüt Dajeen, Beverly und Lunaris schienen sich trotz ihres niedrigen Alters ebenfalls schon ziemlich gut eingelebt zu haben, widmeten doch auch sie sich lieber dem Futter, als mich zu begrüßen. Lediglich der neue Hengst im Bunde, ein Buckskin Roan aus der Zauberhaft, der vor einem Tag geboren worden war und dementsprechend noch wackelig auf den Beinen stand und sich nur bei Zauberhaft in der Box befand, sah mich etwas verängstigt an. Der kleine war ein Nachkomme von dem Deutschen Reitponyhengst Unique Affair, der in der Zucht Burnin' Valentine stand und hatte daher auch seinen Namen bekommen: Burnin' Unbridled Dreams.
      Auch Sonic Syndicate war gut angekommen, ebenso Nacromancer in the Dark und Nickles 'n Dimes, auf den ich inzwischen meine ganzen Hoffnungen setzte. Der schon etwas ältere Kerl hatte eine ausgesprochen interessante Fellzeichnung, die auch der Farbzucht neues Leben einhauchen würde. Romantica und Ace of Clubs, die Farbwechsler-Stute, hatten wir inzwischen wieder auf dem Gestüt, nachdem sie eine Zeit lang bei Lisa auf dem Hof gelebt hatten, wo sie in der Dressur jeweils eine Stufe höher trainiert worden waren. Monsta lag dösend in ihrer Box und schien nicht mehr hungrig zu sein; sie blickte allerdings auch nicht auf, als ich an ihrer Boxentür vorbeiging und kurz herein sah. Das letzte meiner inzwischen sieben Sportponys war nun Firebird geworden, die junge Sooty Palomino-Stute, die ich von kira gekauft hatte.
      Schließlich folgten noch die Zuchtpferde, die wir uns einen Moment lang ansahen und bei denen wir kontrollierten, ob alles in Ordnung war. Beginnend bei Herbstblatt arbeiteten wir uns weiter voran, besuchten Pamino, Dahiba, Da Vinci und auch Star's Diamond nacheinander. Bei Goldherz verharrten wir eine Sekunde – sie brummelte mir erfreut zu und schmiegte sofort ihren Kopf gegen meine Brust, als sie mich sah. Das zwischen uns hatte sich wirklich zu etwas Besonderem entwickelt, so kitschig es sich jetzt auch für Außenstehende anhören mag. Sie war schon immer mein Lieblingspferd gewesen und nichts oder niemand könnte sich jemals wieder zwischen uns stellen, waren wir doch inzwischen beste Freunde geworden. Sie begleitete mich überall hin und das bereits seit fast fünf ganzen Jahren. Um nichts in der Welt würde ich sie jemals eintauschen oder hergeben wollen, so viel stand fest.
      Nachdem ich mich von Goldherz lösen konnte, liefen Matthew und ich zur nächsten Box, in der Zauberhaft ihr Heu fraß. Direkt neben ihr stand der einen Tag alte Hengst von Unique Affair, der es mir schon im ersten Moment angetan hatte. Ich hoffte wirklich, dass aus ihm mal ein ganz Großer werden würde, denn die richtigen Veranlagungen dazu hatte er allemal.
      Die letzten drei vergebene Boxen waren von den drei Neuen belegt worden. Wir hatten sie, wie auch Star's Diamond und Zauberhaft, von Husky kaufen können und so standen sie nun bei uns in Kanada. Ebenso wie Sambuca waren auch sie sofort nach Kanada gebracht worden, sodass ich sie zuvor noch nicht wirklich hatte sehen können.
      Der erste Hengst war ein Brauner, der bereits zwölf Jahre alt war; Dancer in the Moonlight. Der Hengst war ziemlich menschenbezogen, was mir schon in den ersten Sekunden auffiel: Er kam sofort zu mir, drückte sein Maul gegen meine Jackentasche und suchte nach Leckerlis, wollte aber zeitgleich auch gestreichelt werden.
      Daraufhin folgte Kronjuwel, der Papa von meiner Stute Zauberhaft. Er war ein wirklich schöner Buckskin, wurde ebenfalls im Jahre 2002 geboren und sein Charakter ähnlich wie der von Dancer in the Moonlight. Liebenswert, menschenbezogen und einfach ein Prachtkerl, der nicht nur sein faszinierendes Äußeres, sondern auch sein Interieur bisher immer mit vollem Erfolg weitergeben konnte.
      Das letzte der drei neuen Ponys war eine gekrönte Deutsche Reitponystute, die ich bereits von früher nur zu gut kannte. Inzwischen hatte ich eine stolze Zahl von vier gekrönten Deutschen Reitponystuten im Stall stehen, was mich ziemlich erfreute – war es doch vor gut zwei Monaten lediglich Goldherz, die bei mir im Stall stand. Nun jedoch hatte auch Star's Diamonds Mutter, Star, zu uns gefunden, die früher mal Juliane gehört hatte, mit der ich vor einigen Jahren mal das Gestüt Liberté geführt hatte. Ich war besonders froh darüber, sie bei mir haben zu können, strahlte sie doch schon früher solch einen Lebensmut aus, dass er beneidenswert war. Zwar war sie inzwischen schon fünfzehn Jahre alt, führte sich aber dennoch immer noch auf, als wäre sie eine dreijährige Stute, die erst noch eingeritten werden müsste.

      „Scheint, als ginge es ihnen allen gut“, bemerkte Matthew das Offensichtliche und ich lachte als Antwort nur kurz auf. „Ja, da magst du recht haben. Zum Glück haben sie die Reise alle gut überstanden“, seufzte ich erleichtert und fügte dann hinzu: „Aber jetzt werden wir erst einmal unsere neue Nachbarin begrüßen gehen.“
    • Samarti
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      Zurück nach Deutschland
      07/2014 | 1412 Zeichen
      Momentan stand ich wirklich unter Stress, und das bekamen leider auch meine vierbeinigen Lieblinge zu spüren. Ich beschäftigte mich kaum noch mit ihnen, ließ vielmehr mein Personal alles mit ihnen machen und sie trainieren und das nur, weil ich kurzerhand zurück nach Deutschland reisen musste, um dabei zuzusehen, wie meine Tante ihre letzten Stunden mit ihrer Familie verbrachte. Sie litt schon länger an Krebs, der inzwischen so weit fortgeschritten war, dass ihr nicht mehr viel Zeit blieb – genauer gesagt erwarteten die Ärzte ihren Tod in wenigen Tagen, weshalb ich auch noch einmal anreisen wollte, um sie ein letztes Mal zu sehen.
      Während sich Rapsoul, Casey, Beverly, Audio Delite at Low Fidelity, Pushin' Jazz for Cash, Skyrim, Dajeen, Burnin' Unbridled Dreams, Sambuca, Sonic Syndicate, Romantica, Nacromancer in the Dark, Monsta, Nickles 'n Dimes, Ace of Clubs, Firebird, Trés Jolie, Santa Fee (die vor kurzem wieder zu uns zurückgekehrt war), Herbsblatt, Pamino, Dahiba, Da Vinci, Star's Diamond, Star, Zauberhaft, Goldherz, Dancer in the Moonlight, Kronjuwel, Darym, Yanetha, Casablanca, Laurencio, Fine Frenzy, Draugsa, Silenc Dream und Season's Princess also in Kanada auf den weitläufigen Weiden fröhlich ihre Bäuche vollschlugen, verbrachte ich meine Zeit in meinem Heimatland. Und erst dann wurde mir klar, wie sehr ich meine Familie vermisst hatte – dennoch zog es mich zurück nach Kanada.
    • Samarti
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      Weihnachtliche Vorbereitungen

      12/2014 | 3918 Zeichen
      „Star's Diamond und Trés Jolie befinden sich in den Boxen, holst du eben Ace of Clubs und Romantica? Dann kümmere ich mich noch um Monsta und Goldherz. Julien, nimm du bitte noch Beverly und bring sie in die Box!“, bat ich Joline und Julien im Vorbeigehen im Stall, eilte dann zu den Halfterhaltern und zückte die Halfter der beiden Reitponystuten, welche ich in ihre Boxen bringen wollte. Die verbleibenden Stuten Audio Delite at Low Fidelity, Sambuca, Pina, Star, Yuki, Star und neuerdings auch Hall of Fame standen auch nicht mehr auf der Weide.
      Unbridled Dreams, Skyrim und Bacardi Mojito waren schon gut versorgt und standen in ihrem Stall, ebenso wie Pinero.
      Auch die Hengste des Gestüts – Rapsoul, Kronjuwel, Capriciasso, Diggin' in the Dirth, Levi, Unbroken Soul of a Rebel und Cardillac – machten sich bereits eifrig über ihr Futter her.
      Es war ein anstrengender Tag gewesen und die Kälte machte dies nicht besser. Nächsten Samstag sollten es bis zu -25 Grad Celsius werden! Minus!
      Umso glücklicher war ich, als ich endlich mit Julien im Haus verschwinden und mich vor den Kamin schmeißen konnte. Doch natürlich musste diese schöne Stille direkt unterbrochen werden.

      »Last Christmas I gave you my heart,
      But the very next day, you gave it away.
      This year, to save me from tears,
      I'll give it to someone special.«

      „Mach es sofort aus!“, rief ich verzweifelt und stürzte in Richtung des Radios, um dieses schreckliche Lied endlich zum Verstummen zu bringen. Es war genau wie letztes Jahr, als wir an Heiligabend alle beisammen waren und plötzlich Last Christmas ertönte. Jedes Jahr war es dasselbe, dämliche Lied, welches die Radiosender in Dauerschleife auf und ab spielten, und es nervte mich. Umso schöner war die Stille, wenn die letzten Töne verklungen und ich diese Melodie nicht mehr hören musste.
      Möglicherweise war ich ein Weihnachtsmuffel, den man erst einmal in Stimmung bringen musste, doch genau mit diesem Lied ging es in die ganz falsche Richtung, weshalb das Radio bei uns an Heiligabend ein totales No-Go war.
      „Ich sag' es zwar nicht gern, aber Matthew hat mich geschickt, um dir zu sagen, dass er mit dir reden möchte“, stürmte Joline in das Zimmer und vergewisserte sich erst dann, dass niemand in der Nähe war. Bis auf Julien war dies nicht der Fall – und der konnte es meinetwegen wissen.
      „Woher der plötzliche Sinneswandel?“, wollte ich fragen, doch ich hielt lieber meinen Mund und nickte ihr dankend zu, ehe ich zu Matthew ging, von dem ich wusste, dass er sich in seinem Schlafzimmer verkrochen hatte.
      „Hey“, lächelte Matthew mich zaghaft an, nachdem ich sein Zimmer betreten hatte und wir uns einige Minuten stillschweigend und irgendwie steif angesehen hatten. Still erwiderte ich sein Lächeln und seufzte dann.
      „Äh, ich wollte dir nur sagen, dass ich es total schade finde, wie es gelaufen ist und … na ja, es tut mir leid.“ Der Mann hob den Blick und sah mir direkt in die Augen, was mir einen Schauer über den Rücken sandte.
      „Schon … okay“, stammelte ich nervös und nickte dann, „mir tut es auch leid. Vergeben und vergessen?“
      „Ich verspreche dir, ich versuche, mich zu bessern. Du hast mir wirklich gefehlt.“ Angespannt stand er von seinem Stuhl auf und bewegte sich auf mich zu.
      „Ich hab dich wirklich vermisst“, flüsterte ich in Matthews Schulter, als er mich in seinen Arm genommen hatte und ich mich an seine Brust kuschelte. Ich liebte es, wenn Männer gut rochen – und dieses Exemplar tat dies momentan ganz besonders gut.
      Nach einer Weile entfernten wir uns etwas voneinander, doch der Mann vor mir beobachtete mich noch immer ganz genau und sah mir eindringlich in die Augen. Seine Augen wanderten zwischen den meinen und meinen Lippen hin und her, und auch, wenn ich intuitiv wusste, worauf er hinaus wollte, zögerte ich keine Sekunde, als der Abstand zwischen unseren Mündern immer kleiner wurde und schließlich ganz verschwunden war und wir unsere Lippen versiegelten.
    • Samarti
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      „Du hast mich nicht erkannt.“

      02/2015 | 7964 Zeichen
      „Äh, Matthew? Möchtest du mir immer noch nicht verraten, warum du mir aus dem Weg gehst? Was ist passiert?“
      Stirnrunzelnd blieb der Mann vor mir stehen und drehte sich um. War ich ihm gerade eben noch hinterher gerannt, so rannte ich in diesem Moment voll in seinen Rücken, weil ich nicht darauf vorbereitet gewesen war, dass er so abrupt vor mir anhalten würde.
      Nachdem er mich eine Weile lang stumm angesehen hatte, schüttelte er ungläubig den Kopf und lief schnellen Schrittes weiter.
      „Matthew?“
      Er beachtete mich doch tatsächlich nicht! Wütend verschränkte ich die Arme vor der Brust und stampfte mit dem Fuß lautstark auf den Boden auf. Ich hasste sowas!
      „Matthew!“
      Noch immer kam keine Reaktion von dem blöden Kerl, der mich da so eiskalt ignorierte und einfach weiter auf eines der Stallgebäude zueilte.
      „Matthew, verdammte Scheiße!!“, schrie ich völlig genervt über den Hof, sodass sogar Sophia, die sich gerade mit Unbridled Dreams (der momentan von ihr ständig völlig verwöhnt wurde) beschäftigte, erschrocken aufsah und mit ihren himmelblauen Augen direkt in unsere Richtung starrte. Dabei zog sie eine Augenbraue hoch, was sie noch ungefähr tausendmal unsympathischer aussehen ließ – und das sollte schon was heißen. Denn auch, wenn Sophie eine tolle Person war, war sie teilweise allerdings schon fast zynisch und ständig ignorant.
      „Was zur Hölle willst du wissen?! Was du getan hast, als du stockbesoffen warst? Oh, das ist ja gar nicht so viel, lass mich doch mal alles eben durchzählen …“, fauchte er mich völlig sarkastisch an und zählte dann, um mich noch lächerlicher dastehen zu lassen, an seinen Fingern bis sieben.
      „Auf die Schnelle fallen mir da sechs Sachen ein. Und das sind bestimmt noch mehr.“
      „Aber … du hast gerade bis sieben abgezählt!“, korrigierte ich ihn und biss mir im nächsten Moment reuevoll auf die Unterlippe. Du machst es nicht besser, Elisa!
      Wortlos und völlig distanziert betrachtete Matthew mich, um dann mit den Augen zu rollen. „Ich dachte, du willst es wissen?“
      „Tut mir ja leid“, murmelte ich nur kleinlaut und wenig glaubwürdig, „erzähl es mir, bitte!“
      Seufzend gab der Schwarzhaarige nach und deutete dann auf einen Strohballen, der, wieso auch immer, mitten in der Stallgasse rumlag?! Theatralisch ließ er sich auf den Ballen fallen und bedeutete mir dann mit einem Kopfnicken, mich ebenfalls hinzusetzen.
      Knappe zwei Minuten wartete ich nur schweigend darauf, dass er irgendetwas sagen würde – ich hatte auf die Uhr geschaut und mit Adleraugen den verdammten Sekundenzeiger verfolgt!
      Als ich gerade zum Reden ansetzen wollte, begann Matthew mit Punkt Nummer eins: „Du hast mir beim Aussteigen auf meine Schuhe gekotzt!“
      „... Ups?“
      „Nummer zwei: Auf dem Weg vom Auto ins Haus bist du einfach irgendwann verschwunden, kamst dann aus irgendeiner Ecke wieder herausgekrochen und bist quietschend an uns vorbei gerannt. Und während du das getan hast, hast du mir jauchzend mit der Hand auf den Hintern gehauen.“
      „Na ja, komm schon, wer könnte da schon wider-“, fing ich an, hielt dann aber lieber den Mund und nickte Matthew nur entschuldigend zu. „Und weiter?“
      „Als Gwen schon schlafen war, bist du mir die ganze Zeit wie so ein Dackel hinterhergelaufen und hast versucht, mich flachzulegen … oder so. Auf jeden Fall fandest du es wahnsinnig lustig, mich von hinten zu packen und immer wieder mit deiner Hüfte zuzustoßen, während ich mich übers Waschbecken gelehnt habe, um mein Gesicht zu waschen.“ Beim Erzählen der Geschichte verdrehte Matthew die Augen und seufzte dann.
      „Das ist alles?“, fragte ich verwundert, sah ich doch noch nicht wirklich einen Grund darin, dass er wirklich sauer auf mich sein könnte?
      „Du hast vergessen, wer ich bin, als ich euch abgeholt habe!“, beschwerte er sich dann, verschränkte – wie ich es zuvor ebenfalls getan hatte – die Arme vor der Brust und schob schmollend die Unterlippe vor.
      „Hä?“
      „Als ich euch abgeholt habe, hast du nur gepfiffen und gemeint: 'Wer ist denn der heiße Feger? Den würde ich ja zu gerne …' Danach bist du zusammengesackt und eingeschlafen, also weiß ich nicht, was du damit ausdrücken wolltest, aber du wusstest nicht mehr, wer ich bin!“
      „Oh Gott, das ist gerade ja schon fast süß“, musste ich mir eingestehen und nickte dann, um meine Aussage zu bekräftigen. „Aber jetzt los, Pina und Bee brauchen Beschäftigung!“
      „Du findest das 'süß'? Ich finde das nicht ansatzweise lustig! Was, wenn wir irgendwann zu- … äh, ich meine, was, wenn du irgendwann einen Freund hast und den nicht wiedererkennst?!“
      „Du bist ja niedlich“, grinste ich nur und kniff Matthew in die Wange, ehe ich seine Hand schnappte und ihn hochzog, um ihn mit zu den Boxen von Pina und Beverly zu ziehen.

      Pina hob inzwischen sogar den Kopf, wenn ich an ihre Box kam. Während Matthew sich mit Bee beschäftigte, die er gewissermaßen unter seine Fittiche genommen hatte, wollte ich mich lediglich ein wenig um Pina kümmern.
      „Wollen wir die Beiden einfach in der Halle laufen lassen?“, wandte ich mich an Matthew, der seinen Kopf zu mir drehte und mir bestätigend zunickte. „Gute Idee. Dann können wir Fame gleich mit reinlassen, meinst du nicht?“
      Diesmal war ich diejenige, die nickte. Da die drei Stuten untereinander inzwischen wohl auskamen und auch auf der Weide ziemlich oft zusammen spielten, sollte es kein Problem sein, Pina, Beverly und Hall of Fame CU gemeinsam in die Reithalle zu lassen.
      Nachdem wir also die beiden jüngeren Stuten zunächst einmal in die Reithalle verfrachtet hatten und Matthew Fame holte (ich wollte ihn nicht mit Pina alleine lassen, denn die kleine Stute akzeptierte noch immer nur Gwen und mich), sorgte ich dafür, dass sich die beiden Roans schon einmal austobten.
      Mit beiden wurde momentan mehr als genug Bodenarbeit gemacht. Bei Pina, um ihr Vertrauen wieder aufzubauen und ein gewisses Vertrauensfundament errichten zu können; bei Bee, um sie langsam aber sicher an Sattel und Trense zu gewöhnen und deren Gewicht ebenfalls mit einzubeziehen. Beide steckten momentan in einer Phase, in der sie vieles zu lernen hatten; dennoch gab es noch immer viel zu viel zum Entdecken.
      Ruhig und gemütlich kam der Palomino mit der kurzen Stehmähne in die Halle geschritten, mit hoch erhobenem Kopf beobachtete sie dann interessiert das Treiben in dieser. Als die inzwischen fünfjährige Stute die beiden anderen Ponys erblickte, schnaubte sie und scharrte mit dem Huf, darauf wartend, dass Matthew ihr das Halfter abstreifte. Obwohl sie unter dem Reiter ein Traumpferd war und auch charakterlich total klasse, hatte sie doch noch ihre kindlicheren Momente, in denen sie es liebte, mit den anderen Pferden durch die Halle zu toben und sich einmal richtig auszulassen. Beinahe direkt, nachdem der Mann ihr das Halfter abgezogen und sie verabschiedet hatte, preschte sie im Galopp auf die anderen beiden Stuten zu.
      Während die drei Reitponys sich gegenseitig immer weiter hochschaukelten und kaum zur Ruhe kamen, weil sie immer wieder mit dem Buckeln anfingen, standen Matthew und ich in der Reithallenmitte und verfolgten die Ponys mit unseren Augen.
      „Gibt dir das wirklich zu denken? Dass ich dich nicht erkannt habe, meine ich?“, hakte ich dann nach einer Zeit nochmal nach und hob meinen Blick, um Matthew anzusehen. Da er seinen Blick stur geradeaus hielt, konnte ich nur sein Profil mehr als gründlich studieren und ließ mir diese Möglichkeit dann auch nicht nehmen.
      „Wenn du dann mit dem Starren fertig bist, möchtest du noch eine Antwort?“, grinste der Mann und schmunzelte dann nur noch leichte.
      „Ja“, erwiderte ich und senkte meinen Blick wieder, sah Matthew danach aber erneut an.
      Ein leise gemurmeltes, kaum hörbares „Ja, tut es“ war das Letzte, was ich von Matthew hörte, ehe er auf dem Absatz kehrtmachte und die Halle verließ. Völlig überrumpelt starrte ich ihm hinterher, beobachtete ihn, wie er das Hallentor hinter sich schloss und Joline im nächsten Moment hereingeplatzt kam.
      „Matthew hat gesagt, du bräuchtest gleich Hilfe beim Pferde zurückbringen?“
    • Samarti
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      Die fünf Kleinen plus Mama
      03/2015 | 4784 Zeichen
      Der Schnee begann langsam zu schmelzen und der Frühling hielt endlich ein wenig Einzug, auch, wenn man dies aufgrund der ständigen Unwetter kaum zu glauben vermochte. Dennoch raffte ich mich an diesem Morgen schwermütig hoch, denn mir stand einiges bevor: Meine fünf Jüngsten wollten schließlich beschäftigt werden!

      Dementsprechend machte ich mich schon bald, bewaffnet mit einem Apfel und einem Trinkpäckchen Orangensaft als Frühstück, auf den Weg in jenen Stalltrakt der Nachwuchspferde und ließ um fünf Uhr morgens das erste Licht durch das riesige Stalltor hineinfallen. Es war ruhig im Stall und die Fünf (plus Romantica) waren noch sichtlich müde, denn Beverly sah ich nur dösen und Pina, die zwar hochschreckte und mich neugierig und mit der gewohnten Portion Skepsis und Argusaugen beobachtete, hatte sogar noch einen relativ verschlafenen Blick auf dem Gesicht, bei dem ihr die Augen fast wieder zufielen. Mir bedeutete allein dieser Ausdruck schon eine ganze Menge – vor einem halben Jahr hätte sie die Box zertreten, doch Gwens und mein Training mit ihr tat das Beste, um sie sozialer zu machen. Dies schafften wir auch bisher ganz gut. In der Nähe von uns beiden ließ sie sich inzwischen sogar einigermaßen fallen und das füllte meine Brust mit unbändigem Stolz, der meine Brust wohl auf das Dreifache anschwellen ließ.
      Da es noch sehr früh war, hatten die Ponys noch kein Futter bekommen, weshalb ich die Aufgabe heute einfach mal übernahm, ohne groß zu murren. So ein bisschen Zeit im Stall, wenn die Pferde zufrieden auf ihrem Futter herumkauten, war auch mal etwas schönes und so konnte ich zumindest noch einen dezenten Schönheitsschlaf ergattern, der mir in meinem Zustand echt gut tat. Augenringe bis zum Gehtnichtmehr, meine Haut war irgendwie ein wenig gerötet und würde mich so jemand sehen, würde er denken, ich wäre todkrank.
      Anfangen tat ich mit Burnin' Unbridled Dreams, Rozene und Chesmu, nachdem sie ihr Futter zufrieden aufgefressen hatten und nun glücklich in der Box standen. Die zwei waren nur ein Jahr auseinander, und Chessi sah zwar schon sehr viel weiter entwickelt aus, doch verstehen taten die beiden sich mehr als gut; beinahe prächtig. Dies war auch der Grund, warum sie so oft zusammen laufen gelassen wurden, denn es freute die beiden fast mehr als mich, wenn ich zusehen konnte, wie sie zusammen Fangen spielten oder gemeinsam herum tobten.
      Heute durften Chessi und Dajun zwar „nur“ in die Halle und wurden laufen gelassen, doch man merkte, wie sie sich über die Bewegung freuten und trotz der Tatsache, dass es noch viel zu früh am Morgen war, tobten sie ausgelassen über den Sand und wirbelten diesen hinter sich auf.

      Genauso handhabte ich es mit Pina und Bee. Auf der Weide sah man die beiden Roans stets zusammen, fast nie traf man sie allein an – Bee war so etwas wie Pinas beste Freundin, die ihr alles Neue und Unbekannte geduldig gezeigt hatte und sie nun vor allem Bösen beschützte. Irgendwie war der Gedanke daran, dass die nur knapp ein Jahr ältere Stute der jüngeren alles beibrachte und lehrte, verdammt niedlich. Anfangs hatte ich eher daran gedacht, Pina zu Goldherz zu stellen, denn die gute Stute hatte mehr als genug Erfahrung mit Fohlen und jüngeren Pferden, und aufgrund ihrer Gutmütigkeit wäre auch sie wohl mehr als perfekt für diese Aufgabe gewesen. Als ich dann aber gesehen hatte, wie prächtig Bee und Pina miteinander auskamen, brachte ich es nicht mehr übers Herz, die zwei voneinander zu trennen.
      Der Hocker, auf dem ich in der Mitte der Reithalle saß, wackelte zwar etwas hin und her, wenn ich mein Gewicht verlagerte, doch irgendwie hatte ich es geschafft, ihn so tief im Sand zu verankern, dass er still blieb, selbst, wenn ich mich fast komplett nach hinten in den Sand fallen ließ.

      Rozene war die letzte, die an der Reihe war. Sie stand jedoch bei Romantica, da sie noch lange nicht soweit war, entwöhnt zu werden. Dementsprechend hatte ich beschlossen, mit Mutter und Fohlen einen Spaziergang zu unternehmen, der allerdings nur knappe zwanzig Minuten anhielt, denn das kleine Stutfohlen hatte noch lange nicht genügend Ausdauer, um viel mehr auszuhalten. Wer konnte es ihr übelnehmen – sie war erst fast drei Monate alt und dementsprechend noch nicht „das Gelbe vom Ei“.
      Romantica war eine ausgezeichnete Mutterstute, was mir immer wieder bewiesen wurde. Auch jetzt gab sie sich sichtlich gelassen, wenn Rozene sich erschrak, hatte Geduld mit ihr und gab ihr liebevoll den Freiraum, den das Fohlen zum Erkunden der ungewohnten Umgebung benötigte. Rozene dankte es ihr und sprang ausgelassen herum, schnupperte an fremden Büschen und schrak zurück, wenn es im Unterholz raschelte, um sich dann ängstlich hinter Mama zu verstecken. Es war ein wahrlich idyllisches und harmonisches Bild, das das Paar abgab.
    • Samarti
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      Mama über alles

      04/2015 | 7287 Zeichen
      „Wo ist das?!“ Eine aufgehetzte Elena rauschte mit hochrotem Gesicht an mir vorbei und ich spürte sogar einen leichten Windhauch, der meine Wangen kitzelte.
      „Was suchst du?“
      „Mama! Ich brauche Mama! Mamas finden immer alles!“, regte sie sich weiter auf und ließ Jojo und mich rat- und tatenlos nebeneinander stehen. Wir runzelten nur verwirrt die Stirn und als Eli das nächste Mal an uns vorbei zischen wollte, packte Juli sie entschlossen am Unterarm und hielt sie so fest, dass die Blondine gar keine andere Chance hatte, als uns zu sagen, warum sie so orientierungslos durch das Haus raste: „Ich hab letztens so eine Kaffeemaschine gekauft und jetzt suche ich den dämlichen Kassenbon. Wenn man den nämlich vorlegen kann, kriegt man hundert Kapseln gratis. Hundert!“
      Jojo und ich sahen uns nur an und wie aus der Pistole geschossen machten wir abwechselnd Vorschläge, wo sich das Zettelchen versteckt haben könnte.
      „Portemonnaie?“ – „Jackentasche?“ – „Irgendeine Ablage?“ – „Auf den Boden gefallen?“ – „Hosentasche?“ – „Im Unterwäschefach im Kleiderschrank?“
      „Jojo? Wieso Unterwäsche?“, unterbrach ich unser 'Gespräch' (das übrigens wirklich klang, als wäre es einstudiert worden oder so), doch mich empfing nur die pure Ignoranz. Jojo hatte sich inzwischen ihrem Handy gewidmet und Elena lief noch immer total wüst durchs Haus.
      „VERDAMMT! ICH HAB DEN DOCH HEUTE NOCH GELESEN!!!“, tobte sie schließlich und trat so fest gegen einen Mülleimer, dass dieser umkippte. Die Augen der Blondine leuchteten kurz auf, dann stürzte sie sich wie ein hungriger Bär auf den umgekippten Papiermüll; erfolglos.
      „Das war jetzt schon der zweite Mülleimer!“, stöhnte sie völlig fertig auf und raufte sich das Haar. „Ich geh mal im Bad weiter Power Suching machen.“
      „Mach das“, bestätigte ich sie und schüttelte dann den Kopf, als sie verschwunden war. „100 gratis Kapseln... Das sind ja ganze drei Euro!“
      „Drei Euro, mit denen man sich einen Eistee kaufen kann“, erwiderte Jojo protestierend und ich seufzte nickend.
      „Vierzig oder fünfzig Euro trifft es eher!“ Natürlich war Elena wieder da. Und natürlich war sie noch nicht fündig geworden. „Ich sterbeeeee!“
      „Das glaube ich nicht, noch siehst du ganz gesund aus.“
      „Du sagst es: noch! Ich brauche echt Mamas Superkräfte...“

      Staunend betrachtete Jojo Vendetta, Pina und Beverly, die allesamt fröhlich in der Reithalle ihre Runden drehten, sich gegenseitig in die Hintern zwickten und immer weiter anspornten, noch nicht mit dem Laufen aufzuhören. Wir hatten zwar auch einige kleine Kreuze aufgestellt, um zu sehen, ob sie diese auch überqueren würden, aber das war dann wohl eine Fehlanzeige gewesen – die drei jungen Stuten waren viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass sie die niedrigen Hindernisse auch nur eines einzelnen Blickes würdigen würden.
      „Wahnsinn, wie gut die sich verstehen“, brachte Jojo nach einer Weile hervor und ich versuchte, ihre Gesichtszüge zu analysieren. Man konnte klar sehen, dass sie wahnsinnig stolz auf die Entwicklung Vendettas war, auch, wenn man ein Fünkchen Sehnsucht in ihren Augen ausmachen konnte. Dennoch hoffte ich, dass das Wissen, dass es Vendetta hier blendend ging, der Sehnsucht überlegen war und definitiv überwog.
      Die junge Fuchsstute mit dem schicken blauen Auge hatte es mir von Anfang an angetan, und wenn ich sie so beobachtete, wusste ich auch direkt wieder, wieso: die dynamischen Bewegungen; der neugierige, aufmerksame Blick; dieses kecke Gesicht – sie war nahezu perfekt und auch farblich einfach genau das, was mir zuvor noch so sehr gefehlt hatte.
      Pina blühte immer mehr auf, und auch, wenn sie Jojo anfangs noch eine gesunde Portion Skepsis gegenüber gezeigt hatte, so ignorierte sie sie momentan geflissentlich. Meine neue Nachbarin schien dies nicht zu stören, die betrachtete viel mehr Bee, welche sich mal wieder liebend gern in den Mittelpunkt stellte und versuchte, alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen – wie sie es so oft und gerne tat.
      „Na gut, ich glaube, das reicht für heute“, meinte ich irgendwann und hielt Jojo Vendettas Führstrick hin. „Ich glaube kaum, dass Pina dich an sich ran lässt … und Bee übernehme ich gerne selbst“, zwinkerte ich ihr zu und bemerkte selbst mit nur einem offenen Auge, wie sehr sie sich über die Zeit mit Vendetta freute. Es ging eben nicht spurlos an einem vorbei, wenn man das Pferd, das man aufwachsen sehen und auf seinem Lebensweg begleitet hatte, auf einmal einfach nicht mehr jeden Tag sah, wie es dir von der Weide aus entgegensah und dich liebevoll begrüßte. Dennoch wusste Jojo, dass sie jederzeit willkommen war; und das nicht nur, um sich mit Vendetta zu beschäftigen.

      „Sie hat so eine schöne Farbe!“, seufzte Joline verträumt und kraulte dem kleinen Stutfohlen liebevoll die Stirn; Rozene liebte das. Zwar war sie, wie so viele Fohlen zu Beginn ihrer Zeit, noch etwas schüchtern und zurückhaltend, dennoch stellte sie uns bereits jetzt oft genug auf die Probe und versuchte, uns zu ärgern: wie das eine Mal, als sie einfach ausgebüxt war und Gwen mir helfen musste, sie wieder einzufangen. Rozene hatte total Spaß daran! Trotzdem war sie noch immer ein niedliches Fohlen, das seine täglichen Streicheleinheiten einholen wollte und zu einer ziemlichen Zicke mutieren konnte, wenn sie diese nicht bekam oder sie nicht intensiv genug waren. Deshalb war es bei dem Fohlen von Romantica umso wichtiger, dass man sie nicht einfach so ignorierte, denn das kratzte ziemlich am Ego des Silver Buckskins und sorgte dafür, dass sie tagelang einen auf beleidigte Leberwurst machte.
      „Das hat sie wirklich“, antwortete ich resigniert und betrachtete Rozenes Augen, die die gleiche Farbe hatten wie Rosinen – was dann auch wohl dafür gesorgt hatte, dass sie ihren jetzigen Namen bei der Geburt erhalten hatte. „Ich freue mich schon ehrlich darauf, wenn sie wächst und wirklich größer wird. Es wird bestimmt toll, ihrer Entwicklung zuzusehen – ich meinte: Guck sie dir an!“
      „Allerdings.“ Joline nickte und lächelte mir dann aufmunternd zu. „Das wird wirklich schön. Ich bin auch schon darauf gespannt, was aus ihr für ein Pferd wird.“

      „Cre- … äh, Chessi!“
      „Dass gerade dir so ein Versprecher passiert, ist kaum zu glauben“, kommentierte Zai sarkastisch, als ich gerade auf den jungen Hengst zuging, der noch in seiner Box stand und mich aus großen Augen betrachtete; dabei verfolgte er jede meiner Bewegungen genauestens und inspizierte erst mich, dann Zairina auf der Suche nach Leckerlis. Schließlich wurde er auch fündig und ergatterte eine knackige Möhre, die er genüsslich in seinem Maul verschwinden ließ und sie dann zerkaute, während er uns noch weiter betrachtete. Auch Chesmu war inzwischen bereits mehr als zwei Jahre alt, auch, wenn man es ihm nicht direkt ansah; hatte er doch noch einen sehr unproportionierten Körperbau, der noch immer eher an Fohlen erinnerte als an alles andere.
      „Tja, Kleiner“, murmelte ich gedankenverloren und tätschelte den Hals des Hengstes, „ich hoffe, du bist eines Tages in der Lage, in die Hufabdrücke deines Vaters zu treten.“
      „Oooh, wie süüüüüüüüüüß!“, quiekte Lena und Chessi und ich sahen erschrocken auf und sie an.
      „Hast du gesoffen?“

      MAMA! <3 Kassenbon war an die Pinnwand geheftet, aber da habe ich natürlich nicht nachgeguckt. Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich meine Mami liebe?
    • Samarti
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      Bodenarbeit
      05/2015, von Gwen | 3311 Zeichen
      Wenn sich Trainer untereinander weiterbilden wollen, endet das meistens in Katastrophen. Ich bin ja der Meinung, dass ich da inzwischen aus Erfahrung sprechen kann. Dennoch machte ich jedes Mal wieder den Fehler, aber immerhin bot mir Elisa auch ein Eis an und dazu konnte ich nicht nein sagen! Zumindest wusste ich zu dem Zeitpunkt nichts über die weiteren Konditionen des Vertrags, nämlich dass Matthew mit von der Partie war.
      Den Schock bekam ich erst, als ich mit Ginny drüben auf Crown Hill aufkreuzte und ihn neben Elisa stehen sah. Jetzt war der richtige Zeitpunkt, um zu verhandeln! Mit meinen 162cm baute ich mich vor Elisa auf und sagte mit fester Stimme und auf Matthew deutend: „Nur gegen zwei Eis und Ausfall der nächsten Jogging-Runde!“
      Mein Auftreten musste sehr einschüchternd gewesen sein, denn Matthew verschwand in den Stall, dass er dabei die Augen verdrehte, sah ich nicht, hätte ich mir aber denken können, wenn ich ein wenig klarer im Kopf gewesen wäre, und Elisa sagte sofort ja, auch wenn sie lachte, aber sie war bestimmt nur eingeschüchtert!
      Zwei Minuten später kam Matthew mit Pina und Bee wieder aus dem Stall. Ich sollte den beiden ein paar Grundlagen aus der Bodenarbeit zeigen. Manchmal kam es mir ja so vor, als wäre ich die „Öko-Tante“, weil ich wesentlich mehr von Bodenarbeit, Vertrauen und so hielt, als der Rest. Gut, vielleicht übertrieb ich es manchmal, aber bisher hatte es niemanden geschadet!
      Und bei der scheuen Pina würde ich damit sicherlich Erfolg haben. Als Exempel hatte ich Ginny mitgebracht, denn die dreijährige Stute konnte schon allerhand. Elisa kümmerte sich um Pina, denn ihr vertraute die scheue Stute am meisten und Matthew durfte sich mit Bee beschäftigen.
      Wir begannen mit den Grundlagen: Also dem Führen, Stehenbleiben, Rückwärtsrichten und Weichen auf die kleinsten Kommandos und mit möglichst wenig Druck. Ich machte es mit Ginny vor und die anderen beiden nach. Bee war klug und kannte es schon grob, Pina hingegen tat sich schwer, aber mit viel Ruhe und Geduld gelang es auch bei ihr recht schnell.
      Dann nahmen wir zur Erwärmung ein wenig Kopfdenken dazu und bauten einen kleinen Parcours auf. Dieser bestand aus einer Wippe, einem Stangen-L und vielen mehr. Wir durchließen den Parcours einige Male und dadurch wurden die Jungpferde schnell aufmerksamer und neugieriger auf neue Dinge.
      Also wurden die Anfangsübungen wiederholt und wir nahmen die Seitengängen mit dazu, also zumindest deren Anfänge. Das klappte auch wirklich gut und selbst die scheue Pina fand schnell Gefallen daran, ständig Lob und Leckerlis von Elisa einzuheimsen. Bee hatte es mit Matthew nicht ganz so leicht, aber auch sie hatte schnell den Bogen raus und Ginny riss sich sowieso immer zusammen, vorbildliches Westernpferd eben.
      Wir waren fast eine Stunde auf den Platz und manchmal erzählte ich auch nur viel Theorie und die Jungstuten durften sich ausruhen. Am Ende versprach ich Elisa auch noch, dass ich ab und an mit Pina und Bee noch arbeiten würde, um den beiden weitere Grundlagen beizubringen.
      Als wir fertig waren, schaute ich mich verwirrt um. Schon die ganze Zeit hatte ich mich so beobachtet gefühlt. Und dann klappte mir die Kinnlade herunter: Elena saß mit Sonnenbrille und Zitronenlimonade auf der Veranda in ihrem Liegestuhl und beobachtete uns grinsend.
    • Samarti
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      Von Feen und Kieselsteinen

      06/2015 | 6125 Zeichen
      „Ich vermisse meine Leila“, nörgelte ich herum und bekam beinahe Heimweh an den Gedanken an meine Katze, die noch immer mit dem Rest meiner Familie in Deutschland lebte. Hin und wieder bekam ich Fotos von ihr geschickt; und heute war einer dieser Tage, an denen ich mit Fotos und Videos von meiner schwarzen Kuschelkatze bombardiert wurde. Das tat natürlich sein Übriges und so war ich wirklich kurz davor, in Tränen auszubrechen, den nächsten Flieger nach Deutschland zu nehmen und Leila zu überfallen.
      „Weißt du“, setzte Matthew an, während er mir mit seiner Hand über den Rücken strich, um mich zu beruhigen, „ich glaube, es wäre eine gute Idee, würden wir uns ein, zwei Katzen holen. Meinst du etwa nicht?“
      „Aber dann denkt Leila noch, ich würde sie ersetzen wollen!“, jammerte ich lautstark und zog die Knie an den Körper, um diese dann mit den Armen zu umschlingen und meinen Kopf in meinem Schoß vergraben zu können.

      Matthew hatte es dann doch noch geschafft, mich davon zu überzeugen, dass Katzen vielleicht gar nicht so schlecht waren. In England hatten wir Hunde gehabt, die hatten wir allerdings dort gelassen und an eine wirklich nette Familie verschenkt – ihnen ging es dort super, zumindest laut den Berichten der Familie, die immer mit einer Menge Fotos geschmückt waren.
      Aber egal, wie viele Hunde ich haben würde, ich würde wohl immer ein Katzenmensch bleiben. Da interessierte es auch nicht großartig, dass Katzen ziemlich eigen waren, manchmal sogar fast schon undankbar. Wenn man dann beobachtet, wie die eigene Katze verzweifelt versucht, in einen Schrank zu klettern und es dann schmollend aufgibt, weiß man, dass man Katzen nicht mehr missen möchte.
      Und genau deshalb waren wir jetzt in den nächsten Tierzubehörladen gefahren und hatten erst einmal alles Nötige gekauft: Spielzeug, Futter, Näpfe, zwei Katzenklos, verschiedene Körbe und sogar schon einen ganzen Haufen Leckerlis. Jetzt mussten wir aber einfach fündig werden!
      Das waren wir dann auch tatsächlich geworden. Direkt, als wir im Tierheim angekommen waren, hatten wir Fay gezeigt bekommen – eine dreijährige Katzendame, die bereits eine Weile dort verbracht hatte. Obwohl sie eine total zutrauliche, liebe und freundliche Katze war, war sie einfach vor dem Tierheim ausgesetzt worden und demnach hatte sich der Besitzer nie gefunden. Dennoch schien sie weder frustriert noch total gereizt zu sein, stattdessen sprang sie direkt auf meinen Schoß, als ich mich zu ihr kniete und ihr so die Chance gab, sich mir anzunähern.
      Pebbles war da schon von einer anderen Sorte. Er war ein einjähriger Kater, noch sehr verspielt und frech. Teilweise konnte er seine Kräfte noch nicht ganz einschätzen, und als er mit meiner Hand kämpfte, krallte er sich fest und zog mir einige, zum Glück oberflächliche, Kratzer über den Handrücken. Auch, als er zubiss, spürte ich deutlich seinen kleinen Zähnchen und merkte, wie er sich leicht festbiss. Trotzdem hatte ich ihn dann von meiner Hand lösen können.
      „Den nehmen wir mit!“, teilte ich Matthew und der Aufsicht im Tierheim entschlossen mit und Matthew bemerkte an meiner Stimme, dass ich keinen Widerspruch dulden würde.

      Fay hatte sich um einiges schneller eingelebt als Pebbles. Während die Katzendame nun also schon ständig auf Freigang und immer draußen anzutreffen war, verkroch der graue Kater sich lieber noch im Haus und vertrieb sich seine Zeit mit den Spielzeugmäusen, die nun im gesamten unteren Stockwerk verteilt waren.
      Dennoch hatten beide schon die Bekanntschaft mit Pferden gemacht. Während es bei Fay also Beverly war, der sie sich annäherte, hatte Pebbles sich auf dem Rücken von Unbridled Dreams niedergelassen.
      Die erste Begegnung zwischen den Katzen und den Pferden war also friedlich verlaufen und alle glimpflich davongekommen, obwohl zwei der vier Vierbeiner um einiges größer waren als die andere Hälfte. Bee allerdings wusste, dass sie vorsichtig sein müsste, wenn sie sich der Katze näherte und blieb in sicherer Entfernung zu Fay stehen, die einerseits erschrocken, andererseits mutig und neugierig zu dem großen Kopf des Pferdes hochsah, aber keine Anstalten machte, sofort wegzulaufen. Meine Roanstute senkte langsam den Kopf und kam Fay mit den Nüstern entgegen, um ihren Geruch einzuatmen und sie somit erst einmal zu beschnuppern. Dies sah meine Katzendame als Einladung an und so stand sie schon kurz darauf nur noch auf den Hinterbeinen, um ihre Vorderpfoten an Bees sanftem Maul abzusetzen und sich dort abzustützen. Dann befanden sich die zwei Kopf an Kopf und trotz der Größenunterschiede achteten beide darauf, dem anderen nicht wehzutun – besonders Bee bewahrte lieber etwas Abstand und wartete Fays Bewegungen und Aktionen ab.

      Dajun war der perfekte Ansprechpartner, wenn es um Pebbles ging. Der junge Hengst war zwar neugierig, aber auch nicht aufdringlich und verhielt sich in Gegenwart des kleinen Katers, der beim Anblick von Dajun etwas eingeschüchtert reagierte, sehr zurückhaltend und rücksichtsvoll. Es dauerte aber auch nicht lange, bis Pebbles sich die Möglichkeit, auf Dajuns Rücken zu springen, nicht hatte nehmen lassen und nun siegessicher und wie ein kleiner König auf seinem Thron saß. (Innerlich hörte ich Gwen das Ganze schon mit einem „Das wird Cardillac aber nicht gerne sehen!“ kommentieren.)
      Der Buckskin Roan setzte, als er losging, ziemlich langsam einen Schritt vor dem anderen, als er bemerkte, dass da etwas auf seinem Rücken lag. Hatten wir Pebbles anfangs noch gesichert, da wir nicht wussten, wie Dajun reagieren würde, so ging der Hengst erstaunlich gelassen mit der neuen Situation um und wagte nur einen kurzen Blick nach hinten, um nachzusehen, was es denn war, was sich dort auf seinem Rücken niedergelassen hatte. Als er sich kratzen wollte, drehte er sich ruhig und hob dann das Bein. Pebbles war durch diese Aktion etwas verunsichert und stand lieber auf, um sein Gleichgewicht halten zu können. Tapfer stemmte der kleine Kater seine weißen Tatzen auf dem Rücken des Jungpferdes ab und wartete darauf, dass das „Erdbeben“ verebbte, damit er sich wieder hinlegen konnte – was er dann auch glücklich und zufrieden tat.
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  • Album:
    2.1 - Hauptstall
    Hochgeladen von:
    Samarti
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    31 März 2017
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    Rufname: Bee
    geboren: April 2011 | Alter: 6 Jahre

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    Rasse: Deutsches Reitpony
    Geschlecht: Stute
    Farbe: Bay Roan
    Stockmaß: 146 cm

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    Beschreibung:
    Sobald man diese Stute sieht, ist es nicht einfach, seinen Blick von dem Fell abzuwenden, und dessen ist sich das Jungpferd auch bewusst. Bee versucht immer, die ganze Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen; zumindest, wenn man ihr nicht zu nahe kommt und sie nur beobachtet. Sollte ein Fremder sich ihr auf wenige Meter nähern, so wird sie zurückhaltend und misstrauisch, beinahe schüchtern, doch dies legt sich, wenn man es schafft, ihr Vertrauen zu gewinnen. Denn dann ist sie der liebste beste Freund auf vier Beinen, den man nur haben kann – und den man niemals wieder missen möchte. Ihre liebevolle, anhängliche Art macht sie noch liebenswürdiger als sie ohnehin schon ist.


    Als Fohlen konnte man ihr Talent für das Springen nur erahnen – laufen doch sowohl Vater als auch Mutter erfolgreich in den hohen Klassen des Springreitens. Dennoch hüpfte sie liebend gern auf der Weide herum, sprang über herumliegende Äste und Baumstämme und schien bereits in jungen Jahren Spaß daran gefunden zu haben.

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    eingeritten [] | eingefahren []
    Reitstil: Englisch


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    Dressur M | Springen S**| Gelände A

    SK 449
    103. Synchronspringen
    358. Springturnier
    399. Dressurturnier
    399. Springturnier
    176. Synchronspringen
    283. Distanzturnier
    401. Dressurturnier
    180. Synchronspringen
    383. Westernturnier
    181. Synchronspringen

    zur Zucht zugelassen []
    steht als Leihmutter zur Verfügung [
    ]

    Erreichte Punktzahl: 22

    Gencode: Aa Ee RNrn

    Carenté-Pferd []
    Decktaxe: n. v.


    Besitzer: Samarti
    Ersteller: Samarti

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    gechippt []
    Letzte Kontrolle: 03/2017
    Letzte Impfung: 03/2017 | Letzte Wurmkur: 03/2017


    beschlagen []
    Letzte Kontrolle: 04/2017

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    Fohlenversion | Offizieller Hintergrund


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