1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen
Rose1

Belmiro

Belmiro
Rose1, 12 Apr. 2020
Cooper und Bracelet gefällt das.
    • Rose1
      Aufgeregt zappelte ich herum, als ich den Pferdehänger meines neuen Trakehnerhengstes auf den Hof fahren sah. Den ganzen Tag hatte ich mich gefreut wie ein kleines Kind und immer wieder aus dem Fenster gesehen. Leider waren ich und Sacred nicht im selben Wagen nach Deutschland gekommen und mein Auto war etwas früher da.
      Um genau zu sein waren es ganze zwei Tage Unterschied gewesen, da der Transporter noch in Schweden eine Panne hatte.
      Umso mehr juckte es mich jetzt in den Fingern endlich mit meinem HMJ Pferd zu arbeiten.
      „Er ist da!“, rief ich schließlich aufgeregt und rannte nach unten auf den Hof.
      Der schwedische Fahrer stieg bereits aus seiner Kabine und lief nach hinten um Sacred auch zu befreien. Leider sprach er kein Deutsch –das hatte ich bereits beim Telefonat wegen der Panne feststellen müssen- und ich kein Schwedisch, also konnte ich ihn nur auf Englisch warnen.
      Hoffentlich verstand er mich trotzdem.
      „Stop! The horse is dangerous. He is really scared of people!”, rief ich aufgeregt und rannte auf den großgewachsenen blonden Mann zu.
      Echt ein typischer Schwede, dachte ich mir still als ich er sich zu mir umdrehte.
      „Oh sorry, I didn’t know that. Can I help you take him out of the truck?“, fragte er freundlich.
      Mir wurde klar, dass ich mir darüber selbst noch nicht so viele Gedanken gemacht hatte.
      In meiner Vorstellung galoppierte Sacred erleichtert auf mich zu um mich dann liebevoll anzuknabbern. Leider waren wir davon noch meilenweit entfernt.
      „Can you drive your truck in front the gate there?“. Ich deutete in Richtung einer der größeren Koppeln, etwas vom Hof entfernt. Der Schwede nickte und setzte sich wieder in seinen Wagen.
      Hoffentlich wusste er welches Tor ich meinte. Hier gab es schließlich viele Weiden und noch viel mehr Tore. Englisch war mir damals in der Schule wirklich leichter gefallen musste ich zugeben.
      Früher hätte ich noch beschreiben können welches Tor es genau war und wie genau er den Wagen davor platzieren sollte.
      Genervt von meiner eigenen Unfähigkeit verdrehte ich die Augen bevor ich dem Pferdetransporter schließlich folgte. Der Fahrer schien sich denken zu können was ich vorhatte, denn er platzierte sich mit der Rampe in Richtung Tor.
      Anerkennend grinsend kam ich am Tor an. „Perfect. Thank you really much“, meinte ich zufrieden und öffnete das Koppeltor.
      Er nickte und grinste zurück. „You’r welcome.“
      Ich wurde langsam nervös als ich auf die Klappe des Transporters zulief.
      Hoffentlich stürmte Sacred nicht sofort nach draußen und überrannte mich.
      Langsam ließ ich die Rampe herunter und warf einen Blick auf den dunkelbraunen Hengst im Inneren des Lasters. Sein Fell war schweißverklebt und ich sah wie sich sein Brustkorb angestrengt hob und senkte. Dicht gedrängt in die hinterste Ecke musterte er mich aus seinen dunklen Augen.
      In mir wuchs der Wunsch etwas zu sagen, ihn zu beruhigen, aber ich wusste, dass das Einzige, das ihm in diesem Moment helfen würde, Ruhe war.
      Ich trat zur Seite und ließ dem Hengst freie Bahn.
      Kurz blieb er noch in seinem Hänger, doch dann galoppierte er fast schon panisch nach draußen, möglichst weit weg von den Menschen.
      Nachdenklich beobachtete ich sein Verhalten. Anders als die meisten Pferde brachte Sacred seine Freude über die wiedergewonnene Freiheit nicht in Bocksprüngen oder Kapriolen zum Ausdruck, sondern stellte sich möglichst weit von uns entfernt bewegungslos in eine Ecke.
      „Look’s like a hard job“, murmelte der Mann und schloss die Klappe wieder. „That will be a hard job“, erwiderte ich knapp und nickte ihm zu.
      „Bye and good luck with your horse!“, meinte der Fahrer noch zum Abschied und winkte mir kurz zu. Auch Sacred bekam ein strahlendes Lächeln geschenkt, was dieser jedoch nicht wirklich zur Kenntnis nahm. „Thank you. Goodbye.“ Der Schwede stieg wieder in das Fahrerhäuschen des Pferdetransportes und ließ mich bei meinem neuen Tier stehen.
      „Ach Sacred, was machen wir nur mit dir…“, murmelte ich leise und beobachtete das nervöse Ohrenspiel des jungen Hengstes.
      Nach einem abschließenden prüfenden Blick zu dem hübschen Brauen lief ich zurück zum Stall. Auch wenn Sacred aktuell mit Abstand das komplizierteste Pferd hier war, hatten Brown like Chocolate, La Fée de la Neige und Belmiro auch Aufmerksamkeit verdient.
      Jetzt war schließlich Fütterungszeit für sie und ich hörte schon genervtes Wiehern aus dem Aktivstall und auch vom Hengstpaddock.

      Als alle Pferde frisches Heu hatten und die Fohlen und Jährlinge auf einer, vom Aktivstall abgetrennten, Weide standen machte ich mich wieder an die unschöneren Arbeiten auf dem Hof. Das gehörte schließlich auch dazu.
      Die Untersuchungsräume mussten gereinigt werden und der Frühlingsputz im Stall war auch längst überfällig. Bei einem Aktivstall hatte man deutlich mehr zu putzen, aber trotzdem war ich unglaublich stolz auf das moderne Haltungskonzept meines Hofes.
      Ich hatte den alten Kuhstall für die Pferdehaltung umgebaut und jetzt bot er genug Platz für ungefähr dreißig Stuten und Wallache. Bald sollten jedoch noch zwei größere Weiden, eine Heuraufe und ein Offenstall zum ganzen Komplex hinzukommen, was dann für zehn weitere Tiere Platz bot.
      Für die Hengste arbeitete ich gerade noch ein Konzept aus.
      Auch die Reithalle war neugebaut und dadurch wesentlich luftiger und heller als der Durchschnitt.
      Ohne das sehr große Erbe meines Bruders hätte ich diese Kosten niemals stemmen können.
      Zwar war er wie ich auch in der Mittelschicht aufgewachsen und hatte später sogar den sehr schlecht bezahlten Beruf Landwirt ergriffen, doch Joe hatte einige Millionen mehr auf dem Konto gehabt als ich. Das lag daran, dass seine, tragischer Weise ebenfalls früh verstorbene, Frau Marina aus einer alten Adelsfamilie stammte und selbst ziemlich prominent war.
      Auch bei Lucy hatte ich entschieden, dass sie weiterhin einen Doppelnamen tragen sollte: Lucia von Schneebrunn-Beaulieu. Da ich denselben Namen wie mein Bruder trug war das möglich und Lucy musste sich nicht mühsam umgewöhnen.
      In Gedanken versunken kehrte ich weiter den Stallboden, als ich plötzlich eine Hand auf meinem Rücken spürte. „Buh!“, hörte ich eine mir gut bekannte Mädchenstimme sagen und drehte mich lachend um.
      „Oh Gott Lucy, ich hab mich furchtbar erschrocken“, murmelte ich und grinste dann.
      „Aber jetzt wo du schon mal da bist kannst du mir ja helfen.“
      Das kleine Mädchen verdrehte die Augen, schnappte sich dann aber einen Lappen und rieb den Dreck von den Stangen der Heuraufen.
      „Ist Sacred schon angekommen?“, fragte sie wenig später interessiert.
      „Ja, aber ich wollte ihm erstmal ein wenig Zeit zum Eingewöhnen lassen. Morgen oder übermorgen geh ich wieder zu ihm auf die Weide und danach möchte ich ihn mal röntgen. Vielleicht hat er durch zu frühes und zu intensives Training Spat oder Arthrose entwickelt.“
      Lucia nickte kurz und putze weiter.
      Seit sie sich regelmäßig mit den Pferden beschäftigte fand ich einen besseren Draht zu ihr und wir hatten endlich ein Gesprächsthema.
      „Kann ich einen kleinen Ausritt mit Belmiro machen?“, bat sie einige Minuten später als sie mit den Heuraufen fertig war.
      „Klar, er braucht schließlich auch wieder mal Bewegung.“
      Als auch der Boden wieder glänzte entschloss ich mich, Schoko und Fee einen kleinen Besuch abzustatten. Dann könnte ich auch nochmal bei Sacred vorbeischauen.
      Für die beiden Kleinen hatte ich spezielle Fohlenleckerlies dabei und für Sacred nahm ich eine große Karotte mit. Er würde mir sie zwar, anders als die beiden Stuten, nicht aus der Hand fressen, aber er hatte auch einen kleinen Nachmittagssnack verdient.
      Lächelnd ließ ich mir die Sonne ins Gesicht scheinen, als ich zur Weide der zwei Stuten lief.
      Ich hatte mich entschieden die Beiden die nächsten zwei Tage noch auf dieser Weide zu lassen um im Aktivstall ein wenig weiter zu putzen und zu werkeln.
      Wie es schien, hatten sie jedoch auch auf dieser Koppel ihren Spaß und spielten Fangen.
      Als ich einen leisen Pfiff ausstieß, trabten sie jedoch neugierig zum Zaum.
      „Hey ihr Süßen“, murmelte ich leise und kraulte Brown like Chocolate am Kopf.
      Genüsslich schloss die kleine Jährlingsstute die Augen und ließ die Unterlippe hängen, was mir ein kleines Schmunzeln entlockte. La Fée de la Neige forderte auch Streicheleinheiten und stieß mir mit ihrem kleinen Köpfchen gegen den Unterarm.
      Ich lachte nur und kraulte sie auch ein wenig.
      Den Beiden konnte man einfach nicht böse sein.
      Etwa zehn Minuten später gab ich Fee und Schoko noch je ein Leckerli und lief dann weiter zu Sacred.
      Aus der Ferne erkannte ich, dass der junge Hengst übermütig auf der Weide herumtollte und mir wurde klar, dass ich definitiv die richtige Entscheidung damit getroffen hatte, ihn nach Deutschland zu bringen. Leider hörte er auf, als ich mich der Weide näherte und sah vorsichtig zu mir.
      Wenigstens floh er nicht sofort. Als ihm dann aber endgültig klar wurde, dass ich zu ihm wollte rannte Sacred wieder mal in die hinterste Ecke der Koppel.
      Seufzend stellte ich mich an den Zaun und warf die Karotte hinein.
      Der Trakehner würde sie vermutlich erst fressen wenn ich weg war, aber so schnell ließ ich mich hier nicht vertreiben.
      Sacred musste sich daran gewöhnen, dass ich bei ihm war und ich hatte beschlossen, jede Gelegenheit dafür zu nutzen.
      Irgendwann fing er an zu grasen und ich setzte mich auf den Boden.
      Es entspannte mich immer Pferden beim Fressen zuzusehen und es war ein angenehmer Tagesausklang. Zum Glück war es inzwischen auch nicht mehr so heiß wie den ganzen Tag über und es ließ sich hier gut aushalten.
      Der Himmel rötete sich schon leicht und die Sonne stand sehr tief, was dem ganzen Moment ein fast schon magisches Ambiente verlieh. Auch, dass Sacreds Angst sich nicht zeigte freute mich sehr und fast zwangsläufig erschien ein breites Grinsen auf meinem Gesicht.
      Die Kirsche auf meinem ganz persönlichen Sahnehäupchen, war dann noch, dass der Hengst schließlich eine halbe Stunde später die Karotte fraß.
      Das war zwar mit einigen ängstlichen Blicken in meine Richtung verbunden, doch er schien sich immer mehr zuzutrauen.
      Morgen würde ich mich zu ihm auf die Weide setzen und ein neues Buch beginnen.
      Dann könnten wir bald auch mit dem richtigen Training beginnen.
      Zuerst wollte ich Sacred die Grundsachen beibringen oder herausfinden wie viel er noch konnte.
      Das bestand aus Führen, Hufe geben und Putzen.
      Es juckte mich in den Fingern den ganzen Dreck aus Sacred verklebten Fell zu bürsten und seine wahre Schönheit zu entdecken.
      Auch wenn er auch so schon wirklich hübsch war, ein anständiges Styling würde dem Ganzen noch die Krone aufsetzen.
      Vielleicht könnte er dann auch Lucia kennen lernen.
      Oft hatte Kinder eine bessere Körpersprache als Erwachsene und kamen so manchmal besser mit vermeidlichen Problempferden zurecht.
      Es war sicher einen Versuch wert, auch wenn ich letztendlich natürlich den größten Teil der Arbeit übernehmen musste.
      Glücklich lief ich wieder in unser Haus.
      Aus Lucias Zimmer dudelte laut der Ton einer Fernsehserie, also war sie wohl bereits nach Hause gekommen. Ich fuhr meinen Laptop hoch und sah sofort in mein E-Mail Postfach.
      Erstaunt bemerkte ich, dass ich tatsächlich eine Nachricht erhalten hatte.

      Hallo Nina,
      ich hoffe mal ich darf dich duzen.
      Ich bin Karolina Wittberg und ich denke, dass ich deinen Hengst Sacred erkannt habe. Früher hieß er aber noch Loverboy und stand in einem sehr erfolgreichen Turnierstall in Brandenburg.
      Mein eigenes Pferd El Amor steht schon seit einigen Jahren dort und ich habe bereits viele Pferde kommen und gehen sehen. Loverboy oder auch Lovely wird mir aber immer in Erinnerung bleiben.
      Zum ersten Mal habe ich ihn auf einer Auktion ganz in der Nähe meines Ortes gesehen.
      Er damals gerade fünf geworden und hatte noch nie einen Reiter auf seinem Rücken gespürt.
      Der Züchter wollte ihn schonend ausbilden und setzte große Hoffnung in das Fohlen seiner Lieblingsstute. Leider verstarb er und alle Pferde wurden versteigert. Dein Hengst gehörte mit zu Preisspitze. Er präsentierte sich selbstsicher und temperamentvoll. Viele der örtlichen Züchter zückten die Scheckhefte, doch schließlich machte Martin Gabler, ein ziemlich unseriös wirkender Pferdehändler, ein unschlagbares Gebot und kaufte den Hengst zu einem sehr hohen Preis.
      Er setzte anscheinend große Hoffnungen in das schöne Tier und ich glaubte schon, dass ich Loverboy nie wiedersehn würde.

      Doch überraschenderweise wurde er nach seiner „Ausbildung“ an ein junges Mädchen verkauft, ich denke sie war damals ungefähr fünfzehn oder sechzehn. Ihr altes Pferd war für die hohen Klassen nicht geeignet, also musste Nachschub her.
      Den fand sie auch in Loverboy. Leider hatte Olivia durch das ständige harte Training auch viel kaputtgemacht. Oft kamen unterschiedlichste Bereiter und Training zu dem jungen Hengst, die ihm zu Höchstleistungen verhelfen sollten. Der Dopingverdacht stand oft im Raum, aber nie hat jemand Nachforschungen angestellt. Vermutlich wurde die ganze Sache von ihrem Vater organisiert, der sich für seine Tochter anscheinend nichts sehnlicher wünschte als Ruhm und Erfolg.
      Ich hatte Mitleid mit dem Tier. Die noch nicht ganz verheilten Wunden an seinen Beinen deuteten auf Blistern und Barren hin, was vermutlich noch davor von Herr Gabler durchgeführt wurde.
      Ich denke Lovely ist wirklich immer an die schwärzesten Schafe geraten.
      Irgendwann wurde es ihm zu viel und er begann die Hindernisse zu verweigern.
      Einer der Trainer kam auf die Idee, ihn jedes Mal im letzten Moment über das Hindernis zu zwingen.
      Ich weiß noch heute, dass ich damals gerade von einem Ausritt zurückkam, als ich Schreie und schrilles Wiehern aus der Halle hörte.
      Loverboys Satz war nicht groß genug gewesen, er war mitten in das Hindernis gestürzt und hatte nicht nur sich, sondern auch seine Reiterin schwer verletzt.
      Olivia brach sich damals kompliziert das Handgelenk und einige Finger und Lovely hatte einen Haarriss. Er hat auch wirklich nur Pech in seinem Leben.
      Zum Glück hat sich ein kleines Mädchen auf dem Hof in ihn verliebt und kaufte ihn für wenig Geld.
      Sonst wäre er vermutlich zu Schlachter gegangen.


      Nach der langen Heilungsphase fing sie an ihn wieder anzutrainieren.
      Leider hatte sie auch große Probleme mit dem Hengst und stürzte mehrfach. Zum Glück trug sie nie größere Verletzungen davon. Schlussendlich schob ihr jedoch ihre Mutter den Riegel vor.
      Sie empfand Lovely, richtigerweise, als zu panisch und übergab ihm anonym dem Tierschutz.
      Dann muss er als Sacred zum HMJ gekommen sein und so schließlich zu dir.


      Ich freue mich sehr von dir zu hören und wünsche euch beiden Alles Gute für den Weg der euch bevorsteht. Loverboy mag kein einfaches Pferd sein, aber hättest du ihn auf der Auktion damals gesehen, würdest du wissen, dass es sich lohnen wird ihn gut und liebevoll auszubilden.
      Ich bitte dich darum, mich regelmäßig mit Fotos und Neuigkeiten von ihm zu versorgen, da ich ganz furchtbar gespannt auf den Kleinen heute bin.
      Gib ihm eine Möhre von mir!


      Ganz liebe Grüße,
      Karo


      Ich schluckte. Was Karolina da berichtete hatte war schlimmer als alles was mir vorschwebte.
      Sacreds Ängste waren bei dieser Vergangenheit wirklich verständlich.
      Obwohl er eingeritten war, mussten wir vermutlich bei null beginnen, denn eine wirkliche Ausbildung war diese Tierquälerei nicht.
      Vermutlich hatte Sacred große Angst vor Hindernissen und Stangen, was einige Übungen und besonders die spätere Ausbildung natürlich erschwerte.

      Hallo Karolina,
      um ehrlich zu sein bin ich ein wenig geschockt. Sacred oder Loverboy hat anscheinend schon wirklich viel durchmachen müssen. Er scheint auch Angst vor anderen Pferden zu haben, kennst du vielleicht den Grund?


      Sacred ist heute gerade auf dem Rosenhof angekommen. Davor waren wir ein wenig in Schweden und haben dort sogar kleine Fortschritte erzielt.
      Ich hatte gehofft Sacred als Springpferd auszubilden, aber bei dem Trauma, dass du da beschreibst wird das wohl sehr schwer.
      Bis jetzt akzeptiert er gerademal meine Gegenwart und kommt auch freiwillig in meine Nähe.
      Anfassen darf ich ihn jedoch noch nicht und von Führen oder gar Reiten wollen wir nicht sprechen.
      In einigen Tagen werde ich wohl versuchen ihn auf einen abgegrenzten Teil der Weide zu bringen und dort ein herumzuschicken und anzufassen.
      Erst wenn das funktioniert kann ich ein Halfter dazu nehmen.
      Hast du noch Kontakt zu seiner ehemaligen Besitzerin (also der Letzten)?
      Wenn sie zu Sacred immer nett war, hat er bestimmt ein wenig Vertrauen zu ihr gefasst, was bei der späteren Ausbildung sicher nützlich wäre.


      Natürlich halte ich dich gern auf dem Laufenden und in den Anhängen findest du einige Fotos von Sacred. Vielleicht kannst du ja auch mal nach alten Bildern Ausschau halten und sie mir dann schicken?

      Liebe Grüße,
      Nina


      P.S.: Natürlich bekommt er eine extra große Möhre von dir. J

      Mit gemischten Gefühlen drückte ich auf „Senden“. Einerseits schien Karolina wirklich nett und es freute mich sehr, dass jemand auf meine Anzeige reagiert hatte, andererseits schockte mich Sacreds Vergangenheit sehr. Er hatte wirklich viel erlebt und das alles in nur einem einzigen Lebensjahr.
      Das zeigte mal wieder wie schnell Menschen ein Pferd doch innerlich und äußerlich kaputt machen können.
      Nachdenklich kaute ich auf meiner Unterlippe herum, bevor ich schließlich herunter ging um Essen zu machen. Es war schon ein wenig spät geworden und Lucy hatte bestimmt schon großen Hunger.
      Heute würde es Reis mit Gemüsecurry aus unserem Garten geben.
      Vollkommen in Gedanken versunken säuberte ich Paprika, Tomaten und Kartoffeln und suchte die benötigten Gewürze heraus.
      „Lucia! Willst du mir beim Kochen helfen?“, rief ich fragend.
      „Ja ich komme sofort“, hörte ich als Antwort und wenig später hörte ich eilige Schritte auf der Treppe. „Du kannst schon mal die Kartoffeln schälen und die Paprika und die Tomaten klein schneiden, ok?“, meinte ich und drückte ihr das Gemüse in die Hand.

      Wenig später standen die dampfenden Teller auf dem Tisch und wir löffelten was das Zeug hielt.
      „Wirklich gut gekocht Mama“, mampfte Lucia mit vollem Mund und zeigte mir einen Daumen nach oben. „Das kann ich nur zurück geben“, schmunzelte ich.
      Meine Tochter hatte mich wirklich toll unterstützt und ohne ihre Hilfe wäre das Curry bestimmt nicht so gut geworden.
      „Steht morgen eigentlich etwas Bestimmtes bei dir an?“
      Lucia schielte überlegend nach oben. „Ja wir haben einen Mathetest“, meinte sie dann und zuckte mit den Schultern. Um die Noten musste ich mich bei Lucy zum Glück fast gar nicht kümmern.
      Sie war sehr gut in der Schule und wurde von ihrer Klassenlehrerin auch regelmäßig gelobt.
      „Ich hoffe du hast gelernt“, entgegnete ich dennoch.
      Lucia nickte. „Klar. Kann ich morgen ein bisschen mit Belmiro arbeiten? Ich würde mit ihm gern ein wenig im Gelände springen.“
      Auch ich nickte nun. „Ja kannst du. Bitte pass aber auf. Belmiro würde dich zwar nicht absichtlich verletzen, aber wenn du ihn über zu hohe Sprünge treib und er es nicht schafft…“
      Sorgenvoll sah ich sie an. Vermutlich war ich durch Joes Tod ein wenig übervorsichtig geworden, denn ich machte mir fast immer Sorgen um meine Tochter.
      Egal ob sie bei Freundinnen war oder einfach nur kurz alleine einkaufen, ich hatte furchtbare Angst um sie. Schon oft hatte ich überlegt ob ich vielleicht eine Therapie beginnen sollte oder mich zumindest beraten lassen, aber bis jetzt hatte mir dafür immer die Zeit und vor allem der Mut gefehlt.
      „Klar Mama, ich will ihm ja nicht wehtun“, antwortete Lucy lächelnd und begann schon mal damit den Tisch abzuräumen.
      Auch ich stellte meinen Teller in die Spülmaschine und schickte meine Tochter dann hoch in ihr Zimmer. Ausreichend Schlaf ist wichtig, pflegte mein Bruder immer zu sage und ich teilte seine Meinung in dieser Hinsicht.
      Außerdem konnte ich jetzt in Ruhe meine Lieblingsserie sehen.

      Am nächsten Morgen wachte ich erst auf als Lucy bereits in der Schule war.
      Es war wohl ein wenig spät geworden, aber das Staffelfinale hat mich einfach viel zu sehr gefesselt.
      Müde mischte ich mir ein Müsli zusammen und setzte mich nach draußen.
      Ich hatte einen Zettel und einen Stift mitgenommen um die heutigen Tagesaufgaben zu planen.

      1. Eier einsammeln
      2. Hühner, Ziegen, Pferde und Kühe füttern
      3. Mit Belmiro Platzarbeit machen
      4. Weiden abäppeln
      5. Mit den Fohlen halftern und führen wiederholen
      6. Sacred Karolinas Möhre vorbeibringen
      7. Buch auf Sacreds Koppel lesen


      Seufzend setzte ich auch noch „8. Aktivstall putzen“ auf die Liste.
      Putzen war wirklich eine meiner unbeliebtesten Arbeiten hier auf dem Hof.
      Aber ich konnte den Rosenhof ja auch nicht vollkommen verstauben und vermüllen lassen.
      Joe hatte damals immer viel Wert auf Sauberkeit und Ordnung gelegt.
      Seine Tiere waren sein ganzer Stolz und nach Marinas Tod auch eine wichtige Stütze gewesen.
      Deshalb hatte ich es auch nicht übers Herz bringen können sie zu verkaufen.
      Die meisten Kühe hatte ich an verantwortungsvolle Privatzüchter geben können und den Rest, sowie die Hühner und Ziegen, hatte ich einfach hierbehalten.
      Leider waren sie ziemlich viel Arbeit und das Eiereinsammeln gestaltete sich auch als zeitaufwendig, da die Hühner ein sehr großes Gehege hatten und ihre Eier in alle möglichen Ecken legten.
      Als ich eine halbe Stunde später endlich alle Orte abgesucht hatte und auch gefüttert hatte machte ich mich direkt an die nächste Aufgabe. Die bestand darin, allen anderen Tieren auch ihr Futter zu geben und bei der Gelegenheit auch den Gesundheitszustand kurz zu kontrollieren.
      Die Weide der Kühe und Ziegen und ein kleiner Stall waren etwas entfernt und ich entschied umweltfreundlich mit dem Pferd zu kommen.
      Dafür musste ich Belmiro jedoch erstmal putzen und fertig machen.
      „Belmiro! Komm her Kleiner“, rief ich vom Zaun des Hengstpaddocks.
      Der Lusitanohengst trabte neugierig auf mich zu und schnüffelte mich erstmal ab.
      Ich zog ihm währenddessen das Halfter über und schwang mich auf seinen bloßen Rücken.
      Nur mit Gewichts- und Schenkelhilfen steuerte ich ihn vorsichtig zum Putzplatz.
      „Feiner Junge“, flüsterte ich und sprang von seinem Rücken.
      Das Putzzeug und Belmiros Ausrüstung hatte ich schon vorher bereitgestellt und somit war Belmiro sehr schnell fertig.
      Ich nahm noch einige Karotten und Äpfel mit und schwang mich in den Sattel.

      Wenig später war ich mit den meisten Aufgaben der Liste fertig, um genau zu sein mit allen bis Nr. 6, also schnappte ich mir eine extra große Möhre und mein Buch und lief zu Sacred.
      Es entspannte mich immer Zeit bei ihm zu verbringen.
      Lächelnd warf ich die Möhre auf die Koppel und kletterte über den Koppelzaun zu Sacred.
      Der hübsche Dunkelbraune floh wie üblich vor mir und ich begann zu lesen.
      Das Buch war sehr fesselnd geschrieben und klappte es erst wieder zu als es zu dunkel zum Lesen wurde.
      „Scheiße, ich hätte ja auch noch putzen müssen!“ Leise fluchend stand ich wieder auf und verließ die Weide. „Gute Nacht mein Kleiner“, rief ich dem Trakehnerhengst noch zu und machte mich wieder auf den Weg nach Hause.
      Heute hatte ich keinen nennenswerten Fortschritt bemerkt, aber ich war trotzdem nicht enttäuscht.
      Sacred brauchte eben seine Zeit und das war auch vollkommen normal bei einem so traumatisieren Pferd.

      Als ich mein Haus betrat führte Lucia mich grinsend zum Esstisch.
      „Du warst so lange weg, da hab ich einfach schon mal gekocht“, erklärte sie und legte mir einen Pfannkuchen auf den Teller. „Mmmh, das sieht wirklich köstlich aus Schatz.“
      Ich umarmte sie und machte mich daran den Pfannkuchen zu vertilgen.
      Auch Lucy haute ordentlich rein, kein Wunder bei der ganzen Menge Marmelade, die sie auf ihren Pfannkuchen klatschte.
      Wenig später dösten wir beide kugelrund auf dem Sofa. „Wie ist eigentlich der Mathetest gelaufen?“, fragte ich misstrauisch. Vielleicht war das ganze nur ein Ablenkungsmanöver gewesen.
      „Gut“, meinte Lucy kurz und zuckte mit den Schultern.
      Ich zog eine Augenbraue hoch, ging jedoch nicht darauf ein.
      Im Falle eines Falles würde ich das Ergebnis ja in einigen Tagen sehen, wenn die Lehrerin den Test zurück gab und er unterschrieben von werden sollte.

      Einige Minuten später schickte ich Lucy ins Bett und schaltete meine Lieblingsserie ein, bei der ich wohl wieder einschlief, denn am nächsten Morgen wachte ich wiedermal auf der Couch auf.
      Ein Blick auf die Uhr zeigte: Lucia war bereits in der Schule.
      Ich stieß einen leisen Fluch aus. Eigentlich wollte ich ihr heute Pfannkuchen oder Spiegelei machen.
      Heute mussten fast dieselben Aufgaben wie gestern erledigt werden, aber diesmal war auch der Aktivstall dran. Als alle Tiere zufrieden mampften und auch die Weiden abgeäppelt waren begab ich mich in den Stall.
      Heute stand eine Hochdruckreinigung an.
      Das war ziemlich anstrengt, wie ich schon nach zwanzig Minuten merkte.
      Meine Arme schmerzten und der Schweiß lief mir aus allen Poren.
      Jetzt hatte ich mir definitiv eine Pause verdient.
      Grinsend holte ich mir einen Jogurt aus dem Kühlschrank und setzte mich nach draußen.
      Die Sonne schien mir warm ins Gesicht und am liebsten würde ich für immer hier sitzen, aber die Arbeit rief.
      Seufzend stand ich auf und brachte meinen Müll weg, bevor es wieder in den Aktivstall ging.
      Zum Glück hatte ich den Großteil schon fertig gesäubert und nach weiteren zehn Minuten glänzte der ganze Stall.
      Jetzt musste ich nur noch desinfizieren. Dafür musste ich Schutzkleidung tragen, denn die meisten Inhaltsstoffe der Mittel waren nicht gerade gesundheitsfördernd und konnten auch die Atemwege und Augen verätzen.
      Eine Maske, eine Schutzbrille, Handschuhe und der Schutzanzug waren Pflicht.
      Erst als ich alles übergestreift hatte, trug ich das Desinfektionsmittel überall auf.
      Danach war ich wegen den heißen Temperaturen vollkommen verschwitzt und entschied mich erstmal unter die Dusche zu springen.
      Erfrischt und nach Rosen und Lavendel riechend machte ich mich danach wieder an die Arbeit.
      Beziehungsweise ging ich zum Lesen auf Sacreds Koppel.
      Wie üblich packte ich davor noch eine Möhre ein.
      Dieses Mal lief Sacred nicht davon, sondern blieb etwas entfernt stehen.
      Ich warf die Karotte auf die Koppel und kletterte dann hinterher.
      Am liebsten würde ich direkt etwas mit dem jungen Hengst unternehmen, aber leider war diese Trainingsmethode ziemlich passiv, fast schon langweilig.
      Trotzdem war das für Sacreds Zukunft sehr wichtig und ich musste jeder Phase auch positives abgewinnen.
      Heute näherte er sich sogar ein wenig und als ich eine Stunde später wieder ging stand Sacred nur etwa sieben Meter entfernt.
      Zufrieden lief ich nach Hause.
      Leider folgte dort ein Schockmoment, denn Lucy war nicht aufzufinden.
      Als ich dann auch noch zehn verpasste Anrufe von ihr sah, begann mein Herz zu rasen.
      Was wenn… Ich wollte nicht weiterdenken.
      Mit zittrigen Fingern klickte ich auf den Chat.
      Lucia hatte mir geschrieben. Sie war diese Nacht bei einer Freundin.
      Erleichtert atmete ich auf. Ich kannte die kurzfristigen Aktionen meiner Tochter, doch dabei stand ich jedes Mal kurz vor einem Herzinfarkt.
      Erleichtert schrieb ich ihr zurück.

      Okay Schatz.
      Viel Spaß + ich hab dich ganz doll lieb


      Jetzt konnte ich wieder in Ruhe meine Lieblingsserie gucken und dabei eine fettige Tiefkühlpizza genießen. Auch wenn ich Lucy schrecklich vermisste, manchmal wünschte ich mir doch ein wenig kinderfreie Zeit. Eigentlich hatte ich Kinder erst geplant wenn ich eine eigene Praxis hatte und mindestens dreißig war.
      Außerdem wollte ich dafür eigentlich auch den Mann fürs Leben finden.
      Und jetzt saß ich hier, mit gerade einmal 27, hatte eine neunjährige Tochter und war Single.
      Eine wirklich lange Beziehung hatte ich nie geführt, die längste war nach ein und halb Jahren in die Brüche gegangen, und wirkliche Chancen hatte ich als Alleinerziehende auch nicht.
      Aber ich brauchte keinen Mann in meinem Leben, durch Joes großes Erbe hatte ich auch keine Geldprobleme. Also blieben die einzigen männlichen Wesen, die ich wirklich gut kannte Belmiro, drei
      Ziegen, ein Hahn und jetzt auch noch Sacred.
      Vor lauter Nachdenken hatte ich gar nicht auf die Serie geachtet und spulte nun leicht verärgert zurück.
      Vermutlich würde ich sowieso einschlafen und mich an fast nichts mehr erinnern können, aber versuchen könnte ich es doch.
      Dieses Mal waren die Folgen tatsächlich spannend genug um mich wachzuhalten und ich ging mal wieder viel zu spät ins Bett.
      Morgen würde ich definitiv einen Kaffee brauchen, dachte ich mir noch bevor ich in einen tiefen, traumlosen Schlaf fiel.
      Veija gefällt das.
    • Rose1
      Die Sonne ging gerade erst auf, als ich mich früh auf den Weg zu Sacred machte.
      Heute wollte ich wieder auf den Reitplatz gehen und mit Sattel und Trense trainieren.
      Vermutlich würde der junge Hengst nicht sehr erfreut sein, aber irgendwann musste ich mit der richtigen Arbeit beginnen.
      Ich bahnte mir den Weg durch das hohe Dühnengras, das auf den Wegen wucherte, hoch zu Sacreds Weide. Bald würde ich hier wieder mähen müssen.
      Oder Schnee würde das für mich erledigen, bemerkte ich mit einem misstrauischen Blick zur Wolkendecke. Der Himmel war grauschwarz und ein kalter Wind wehte.
      Fröstelnd schlug ich meinen Kragen hoch und steckte meine Hände in die Taschen.
      Sacred schien nicht zu frieren und war gemütlich am Grasen.
      Als er mich sah, lief der junge Hengst zum Zaun.
      Süß, wenn man die Karotte in meiner Tasche vergaß.
      Ich verdrehte nur die Augen, während Sacred den Leckerbissen vertilgte.
      Vorsichtig zog ich ihm ein Halfter über und führte ihn herunter zum Reitplatz.
      Zugebenermaßen war ich etwas nervös, denn ich hatte schon oft ruhige Pferde beim Training mit der Trense völlig durchdrehen sehen.
      Häufig war ein Trauma schuld. Und Sacred hatte in seinem jungen Leben schon viel erlebt.
      Die Narben in seinem Maul zeugte noch heute von seinen Erfahrungen mit der Trense.
      Ich würde zuerst nur gebissloses Zaumzeug verwenden und vielleicht sogar dabei bleiben.
      Für Sacred war schließlich keine Dressurkarriere geplant.
      Ob wir je zum Springen kommen würden, wusste ich jedoch nicht.
      Nachdenklich betrachtete ich den dunkelbraunen Trakehner.
      Der Hengst hatte inzwischen etwas abgespeckt und sah nun wieder mehr nach Sportpferd aus.
      Er schien sich sogar aufs Training zu freuen und schnaubte als wir auf dem Reitplatz ankamen.
      Ich führte den Hengst einige Runden und nahm dann den Kappzaum, den ich auf den Zaun gelegt hatte. Sacred verspannte sich merklich.
      Die Ohren zuckten zurück und ich sah, wie sich seine Augen plötzlich erweiterten.
      Vermutlich kamen gerade einige ungute Erinnerungen an seine Zeit als erfolgreiches Springpferd zurück.
      Ich ließ den Kappzaum etwas sinken und sah betont ruhig zu Boden.
      Sacred sollte erst einmal zur Ruhe kommen, bevor ich mit dem Training beginnen konnte.
      Und das hieß nun mal warten.
      Gelegentlich versuchte ich einen Blick auf den jungen Hengst zu erhaschen um zu schauen ob er sich beruhigt hatte. Nach einigen Minuten senkte er tatsächlich den Kopf und schnaubte sogar leise.
      Daraufhin legte ich den Kappzaum auf den Boden und gab dem Trakehner ein Stück Möhre, dass er erfreut zerkaute.
      Ich versuchte den orangenen Brei, der auf den Boden tropfte, zu ignorieren und den Termin für die Zahnbehandlung in meinem Kopf etwas vorzuverlegen.
      Jetzt, wo Sacred ruhiger war, wollte ich die Übungen der letzten Stunden noch einmal wiederholen.
      Vorsichtig strich ich seinen Rücken entlang bis zu Hinterhand und tastete schließlich sanft seine Beine ab.
      Das wiederholte ich auch bei seinen Vorderbeinen und schließlich hob ich jeden Huf kurz an und kratzte ihn mit dem Hufkratzer aus meiner Tasche aus.
      Zum Glück hatte ich heute daran gedacht, denn beim letzten Mal musste ich die Hufe dreckig wieder absetzten.
      Als ich fertig war, rieb ich mir kurz den Rücken und lobte Sacred schließlich ausgiebig.
      Er bekam ein weiteres Stück Möhre für sein entspanntes Prusten. Auch dieses Mal landete die Hälfte auf dem Boden.
      Ohne das zu beachten griff ich wieder nach dem Kappzaum.
      Dieses Mal schien Sacred jedoch zu wissen, dass ich die Trense nicht verwenden würde und reagierte ruhiger. Nur seine Ohren zuckten weiterhin nervös.
      „Feiner Junge“, murmelte ich leise, immer noch ohne mich zu bewegen.
      Der Hengst senkte seinen Kopf, woraufhin ich den Kappzaum in den Sand fallen ließ.
      Zum Glück war es ein älteres, schon etwas kaputtes Teil.
      Bald wollte ich jedoch für Sacred einen schöneren, neuen Kappzaum zu kaufen, denn bei seinem Ladendruck war an eine echte Trense noch lange nicht zu denken.
      Der junge Hengst schien sich aktuell auch in Gegenwart des Zaumzeugs wohlzufühlen und kratze sich grunzend an mir.
      Grinsend kraulte ich die juckende Stelle und steckte Sacred eine Möhre zu.
      Der Dicke war mir echt ans Herz gewachsen.
      Wobei, so dick war er gar nicht mehr.
      Das magere norddeutsche Gras und die Bewegung hatten den dicken Bauch tatsächlich zum Schrumpfen gebracht. Fast konnte man Sacreds Figur schon normal nennen.
      Ich wiederholte die Übung mit dem Kappzaum noch einige Male und brachte Sacred dann wieder auf seine Koppel. Er war offensichtlich noch nicht bereit für Experimente mit dem Sattel, also ließ ich es für heute gut sein.
      Die anderen Pferde wollten schließlich auch versorgt werden.

      Zum Glück hatte Harry Brown like Chocolate und La Fée de la Neige schon versorgt, also stattete ich den zwei Fohlen nur einen kurzen Besuch ab und lief dann weiter zu Greased Lightning.
      Der Vollblüter war erst vor wenigen Tagen angekommen und da er sich sehr aggressiv präsentierte, hatte ich ihn zunächst auf die Weide gestellt.
      Bald würde ich auch hier mit der Arbeit beginnen, doch das würde wohl noch dauern.
      Ich seufzte leise und lief weiter zu BOS Feuerherz. Der junge Hengst stand aktuell mit Belmiro auf einem Paddock, da Greased Lightning die Hengstweide für sich beanspruchte und sich Darkness Lord noch nicht vergesellschaften ließ.
      In naher Zukunft wollte ich alle Hengste zusammenhalten, wie es bereits viele große Gestüte taten.
      Nur bei Sacred war ich mir nicht ganz sicher, wie ich sein Problem mit anderen Pferden lösen sollte.
      Ich vertrieb die trüben Gedanken und holte BOS Feuerherz von der Koppel.
      Früher war der hübsche Hengst meine Reitbeteiligung gewesen und meine Beziehung zu ihm war noch heute deutlich besser, als die zu manch anderen Pferden hier.
      Inzwischen war der Trakehner bereit für Turniere und bereits für das nächste Wochenende hatte ich eines geplant. Es war nicht sein erster Wettkampf, aber trotzdem wollte ich heute einen ganzen Parcours durcharbeiten, um die letzten Ängste zu zerstreuen.
      Da mir die anstehende Geländeprüfung mehr Sorgen bereitete, hatte ich mich entschieden die Vielseitigkeitsstrecke zu nutzen und wollte Arthur schnell fertig machen.
      Der Hengst genoss das Bürsten jedoch und so steckte ich doch mehr Zeit hinein, als ich geplant hatte.
      Es war inzwischen Mittag und die Sonne hatte sich ihren Weg durch die Wolkendecke gebahnt.
      Ich fing an in meiner Winterjacke und der Sicherheitsweste zu schwitzen.
      Arthur dagegen war leistungsfähig wie immer.
      Ohne zu zögern sprang er über Baumstämme und Büsche, nur der in der Sonne glitzernde Wassergraben schien dem sonst so abgeklärten Hengst noch Schrecken einzujagen.
      Er bremste ab und schien mich fragen zu wollen, ob er wirklich über dieses Ungetüm springen musste. Doch ich schnalzte nur auffordernd und schließlich gab sich Arthur geschlagen.
      Mit einem riesigen Satz überwand er das vorletzte Hindernis.
      Jetzt kam nur noch das Eulenloch. Das war zweifelsohne eine Herausforderung, aber BOS Feuerherz schien nicht einmal zu blinzeln.
      Ich hatte die Zeit gestoppt und war ziemlich zufrieden. BOS Feuerherz würde vermutlich nie das schnellste Pferd in meinem Stall werden, aber für ihn war sein Ergebnis nicht schlecht.
      Als wir fertig waren, lobte ich den Hengst zufrieden und trieb ihn in einem gemütlichen Schritt zurück zum Haus und seinem Paddock.

      Einige Minuten später stand der Hengst bei Belmiro und ich war in der Küche, wo ich eilig einige Sandwiches vertilgte.
      Heute hatte ich nur wenig Zeit, denn am Abend wollte ich heute mit Lucia ins Kino gehen.
      Deshalb hatte Harry heute versprochen mir die meiste Arbeit abzunehmen und ritt gerade mit Belmiro etwas Dressur auf dem Reitplatz. Später wollte er mit River’s Baghira ins Gelände gehen und Sacarina als Handpferd mitnehmen. Seine eigene Stute Elsa hatte er bereits am Morgen versorgt und trainiert.
      Sie macht sich immer besser als Springpferd, hatte er noch zu mir gesagt.
      Auch Lucy würde mir etwas abnehmen und California Dream reiten. Die Ponystute war sowieso eigentlich zu klein für mich.
      Das bedeutete, dass ich mich nur noch um Darkness Lord kümmern musste und nochmal zu Sacred konnte.
      Dafür musste ich mich jetzt aber beeilen, stellte ich mit einem kurzen Blick auf die Uhr fest.
      Es war bereits früher Nachmittag.
      „Scheiße“, entfuhr es mir, als ich die Treppen hinunter raste und mich eilig auf den Weg zu Darkness Lord machte. Der Rappe war kaum von mir geritten worden, aber longieren und Bodenarbeit klappte bereits. Deshalb hatte ich heute vorgehabt ins Gelände zu gehen um das Warmblut dort austesten zu können.
      Erst danach würde die richtige Dressurarbeit beginnen und später würde ich dann auch Darkness Lords Springtalent testen.
      „My Lord!“, rief ich schmunzelnd in Richtung einer kleineren, abgelegenen Weide.
      Wie so oft, kam von dem schwarzen Warmblut keine Reaktion.
      Ich schüttelte seufzend den Kopf.
      „Unhöflich, besonders für einen Lord“, murmelte ich, während ich mich über den Zaun schwang.

      Das Fertigmachen hatte zum Glück gut geklappt, aber als ich auf Darkness Lords Rücken steigen wollte, biss der Hengst nach mir und drückte den Rücken weg.
      Ich nahm die Zügel etwas weiter auf und schwang mich dennoch auf ihn.
      Vielleicht sollte ich jedoch bald seinen Rücken untersuchen, denn seine Aggressivität konnte auch auf Schmerzen hindeuten.
      Tatsächlich fiel mir im Laufe des Ausritts auf, dass Darks Rücken unbeweglich und hart wie ein Brett war und er außerdem steif zu gehen schien.
      Das war erschreckend ausgeprägt für ein so junges Pferd.
      Darkness Lord war gerade einmal dreieinhalb Jahre alt.
      Ich hoffte, dass nur eine Blockade oder Verspannung dahinter steckte und kürzte die Runde ab, denn ich wollte Darkness Lord nicht noch länger quälen.
      Leider kamen mir dann auch die schlimmeren Diagnosen in den Kopf.
      Arthrose, Ataxien, Nierenentzündungen, Kreuzverschlag, Spat, Kissing Spines, PSSM, RER, Magengeschwüre… es gab viele Möglichkeiten.
      Ich konnte nur hoffen, dass Darkness Lord Glück im Unglück hatte.

      Obwohl ich einen Kreuzverschlag für unwahrscheinlich hielt, wies ich Harry an, den ganzen Abend über nach dem Patienten zu sehen und ihn ins Solarium zu stellen.
      Die Wärme tat verspannten Muskeln gut und schadete auch bei einer Gelenkserkrankung nicht.
      Mit sorgenvollem Blick betrachtete ich den Hengst, der im Solarium döste.
      Hoffentlich war seine Erkrankung gut heilbar, dachte ich nur als ich hoch zu Sacred lief.
      Darks Versorgung hatte mich viel Zeit gekostet, also konnte ich dem Trakehner nur einen kurzen Besuch abstatten. Dieses Mal kam Sacred sofort zum Zaun und holte sich einen halben Apfel ab.
      Dark hatte bereits die andere Hälfte bekommen.
      Doch Sacred schien das gar nicht zu bemerken und ging nach einer kurzen Streicheleinheit bald wieder zum Grasen über.
      Es war Zeit für mich zu gehen.
      Ich lief eilig zum Haupthaus und sprang unter die Dusche.
      Zum Glück hatte ich mir bereits Kleidung herausgesucht und musste meine Haare nur kurz hochbinden. Fünfzehn Minuten später stand ich nachdenklich vor dem Spiegel.
      Der hübsche weiß-gelbe Sweater wollte irgendwie nicht zu meiner Jeans passen.
      Ich entschied mich kurzerhand für eine schwarze Hose, die mir deutlich besser gefiel.
      Nur noch ein wenig Make-up und schon war ich fertig.
      Auch Lucia hatte sich umgezogen und trug statt ihrer Reitklamotten nun eine schwarze Leggings und einen weinroten Pulli. „Hier, zieh dir eine Jacke über“, murmelte ich nur und gab ihr eine dicke Winterjacke.
      Der eiskalte Wind in dieser Gegend war nicht zu unterschätzen, auch wenn der Herbst gerade erst begonnen hatte.
      Auch ich trug Winterkleidung und dicke Wollsocken, die man in meinen Stiefeln zum Glück nicht sah.
      Doch als wir das Haus verließen, begann ich trotzdem bald zu frieren und freute mich schon auf den beheizten Kinosaal.

      Der Film hatte etwas über zwei Stunden gedauert und nun waren wir auf dem Weg nach Hause.
      Ausnahmsweise war ich mit Lucia zu einem Imbiss gegangen, was man an dem Knoblauchgeruch im Auto gut erkennen konnte.
      Meine Tochter hatte ein Faible für Knoblauchsauce und starke Gewürze.
      Ich hatte nur Pommes bestellt, was den Geruch nur umso heftiger für mich machte. Vermutlich hätte ich mir doch etwas von Lucy klauen sollen.
      Wenigsten waren wir jetzt da.
      Ich schaltete das Auto ab und stieg aus der Tür um erstmal durchatmen zu können.
      „Puhh, also nächstes Mal nimmst du was ohne Knoblauch“, lachte ich, als wir hochgingen.
      Als Lucia im Bett lag, schreib ich Harry eine Nachricht um nach Darkness Lords Gesundheitszustand zu fragen. Die Antwort kam nur wenige Sekunden später.
      Zum Glück hatte sich der Zustand des Rappens nicht verschlechtert.
      Erleichtert ging ich ins Bett. Morgen schließlich würde ein harter Tag werden.
    Keine Kommentare zum Anzeigen.
  • Album:
    Meine Pferde
    Hochgeladen von:
    Rose1
    Datum:
    12 Apr. 2020
    Klicks:
    272
    Kommentare:
    2
  • Belmiro
    Spitzname: /
    Geschlecht: Hengst
    Rasse: Lusitano
    Datum Erstellung: 12.o4.2020
    Alter: 8 Jahre
    Fellfarbe: Dunkelbrauner
    Stockmaß: 161 cm
    Gesundheit: sehr gut


    Abstammung
    Unbekannt


    Charakter
    Belmiro ist wirklich eine treue Seele.
    Er ist liebevoll, perfekt für Kinder geeignet und versucht es dem Reiter immer Recht zu machen. Seine guten GGA machen ihn zu einem tollem Barockdressurpferd. Aber durch seine großartige Arbeitsbereitschaft macht der Hengst sich auch toll als Turnierpferd bei anderen kleinen Wettkämpfen, z.B. beim Springen.

    Besitzer und Ersteller

    Besitzer: Rose1
    Ersteller: Rose1
    Verkaufspreis: Gegen Gebot


    Trainingsstand
    Dressur: A
    Springen: A
    Military: A
    Rennen: E
    Distanz: E
    Western: E
    Fahren: E
    Wendigkeit: A

    Schleifen

    [​IMG]
    426. Militaryturnier
    [​IMG]
    583. Dressurturnier

    [​IMG]
    584. Dressurturnier
    [​IMG]
    RS80 Mounted Games
    [​IMG]
    587. Springturnier
    [​IMG]
    588. Dressurturnier
    [​IMG]
    592. Dressurturnier