Quinzel

Bahar

Arabisches Vollblut, 6 Punkte

Bahar
Quinzel, 26 Apr. 2018
Cascar gefällt das.
    • Quinzel
      Alte Berichte:

      September 2014, by unbekannt
      Geburtsbericht Saddy

      Heute stand ein großes Ereignis an. Schon vor einigen Wochen hatte Jani mich angerufen und mir Bescheid gegeben, dass ihre Araberstute Saddy bald abfohlen würde. Seitdem nahm ich weniger Termine pro Tag an, um immer absprungbereit zu sein.
      Heute war es dann so weit: Kurz nach 17 Uhr klingelte mein Handy und auf dem Display stand 'Jani'. Sofort nahm ich ab und hörte eine aufgeregte Stimme, welche von Saddys neuem Verhalten berichtete, anscheinend war es heute tatsächlich so weit!
      Ich machte mich direkt auf den Weg zum Arabergestüt, selbst ziemlich aufgeregt. Auch als Tierärztin war die Geburt eines Fohlens etwas ganz besonderes und es konnte auch allerhand schiefgehen.
      Doch als ich auf dem Gestüt ankam, schien alles noch relativ ruhig. Jani führte mich zu der großen Box der gescheckten Stute, welche sich gerade unruhig im Kreis drehte. Für uns hieß es nun warten und geduldig sein.
      Ganz so lange mussten wir nicht warten, bis Saddy auf die Knie sank und sich dann im Stroh niederließ. Erst lag sie noch ruhig da und knusperte an ihrem Heu, doch irgendwann lag sie flach auf der Seite. „Ihr wievieltes Fohlen ist das?“, fragte ich bei Jani nach. „Ihr fünftes.“, meinte diese ruhig und ich nickte. Saddy war schon sehr erfahren und würde genau wissen, was zu tun war.
      Und so kam es auch, dass die Geburt ohne großartige Komplikationen ablief und wir Saddy den größten Teil machen ließen. Erst als das Fohlen es schon beinahe geschafft hatte, half ich noch etwas nach.
      Und dann war es da – das kleine nass Fellknäuel, welches im Stroh lag und sich erst einmal orientierte. Es war gescheckt wie seine Mutter und das schien Jani anscheinend auch zu freuen. Liebevoll kümmerte sich Saddy um ihr kleines Fohlen, ehe sie sich erhob und ihr Fohlen ermutigte, das gleiche zu versuchen.
      „Im Übrigen, es ist ein kleiner Hengst.“, meinte ich lächelnd zu Jani, welche mich angrinste. Auf wackligen Beinen machte der kleine Araber sich auf den Weg zu der Muttermilch und während er trank, rubbelten Jani und ich ihn vorsichtig mit Stroh trocken.
      Ich blieb noch ein Weilchen da, um das ganze noch etwas zu beobachten. „Oh Jani! Schau mal, er hat eisblaue Augen!“, meinte ich lächelnd, denn zum ersten Mal blickte der kleine Hengst nun in unsere Richtung. „Wunderschön...“, lächelte sie und konnte gar nicht anders, als über das ganze Gesicht zu strahlen.
      Meine Arbeit war hier getan und der nächste Tierarztbesuch für den Kleinen würde erst in sechs Monaten anstehen, nun hatte er viel Zeit, sich auf der Welt zurechtzufinden.

      Januar 2015, by unbekannt
      Einmal sauber machen bitte

      Heute ging es zu Bintus Sohn Bahar er sollte Bald verkauft werden also musste ich das Schlamm Monster etwas auf hübschen und entschied mich zu einer erfrischenden Ganzkörperdusche die durch das gewärmte Wasser nicht ganz so eisig ausfallen würde danach dann unter das Solarium packen und alles wäre super denkste , der Junge Mann war der Meinung das man doch super in den schlauch beißen kann egal ob man dann das ganze Wasser im Maul hat - Resultat des ganzen war das ich genau so nass war wie das pferdchen und ich mich umziehen musst während er unter dem Solarium Heu knabberte ...
      nach dem er trocken war striegelte ich ihn bis er trotz Winterfell glänzte und auch die schon längere Mähen bearbeitet ich mit ganz spray und viel liebe , ab jetzt würde er nur noch mit regen decke auf den Paddock kommen um das schlimmste von ihm fern zu halten - zu frieden brachte ich ihn wieder in seine Box mit Paddock zu gang und entschloss mich den kleinen nun zu inserieren und auf einen Käufer zu warten ...

      März 2015, by sweetvelvetrose
      Molotowcocktail

      Prolog
      Leise schlich sich der schwarze Schatten über den Hof zu den Ställen. Der Schatten wollte Schaden anrichten so viel wie möglich.
      In der ausgebeutelten Tasche seines Kapuzen Shirts holte er eine Flasche raus öffnete sie und stopfte einen Lumpen rein, das Feuerzeug Klickte leise und eine Rote wärme spende Flamme flackerte schwach im Wind.
      Es war nur ein Test ob das Feuerzeug Funktionierte denn jetzt musste es schnell gehen, die Pferde durften ihn nicht Wittern.
      Der Schatten huschte gegen den Wind zum Stall , der Zuchtstall , er wusste wo was war und er wollte die Futterkammer und die daneben liegenden Boxen treffen ,das Heu würde brennen wie Zunder , die Pferde waren ihm egal es sollte Schaden angerichtet werden.
      Mit einem Satz war er über den Zaun und kauerte sich unter das Fenster zur Futterkammer sie lag Zentral zu beiden Ställen und war normaler weiße on einem Bewegungsmelder mit Licht gesichert doch diesmal nicht dafür hatte er gesorgt. Erneut flackerte das Feuerzeug mit einem leisen Klick auf diesmal hielt er es an den Lumpen der Augenblicklich anfing lodernd zu brennen mit einer kurzen Bewegung zerschlug er die Scheibe und schmiss den explosiven Cocktail in die Futterkammer und verschwand mit dem Lauten knall in der Dunkelheit.

      Der Morgen des Grauens
      Mit einem Ruck war ich wach, Himmel hatte ich komisch geträumt es hatte eine Explosion geben, sie war so real das ich noch den Geruch in der Nase hatte .Kopfschüttelnd blickte ich auf die Uhr 3 Uhr in der frühe so ein Mist, mein Blick wanderte zum Fenster warum war es draußen schon hell?
      Langsam Dämmerte es mir mein Herz rutschte mir in die Hose mein Hund fing an zu Jammern und zu Bellen oder hatte er das schon die ganze Zeit getan? Mit einem Satz war ich am Fenster, der Stall Brannte!
      Jetzt war ich hell wach und rannte los das Handy in der Hand tippte ich den Notruf und bestellte die Feuerwehr und Polizei her , kaum hatte ich den Anruf beendet tippte ich die Nummer von Eddi, doch nur der Anrufbeantworter ging ran „ Hallo hier ist Jani , du musst so schnell wie möglich kommen bring auch Hilfe mit der Stall brennt ! „ Atemlos legte ich auf und rannte rüber zum stall Öffnete die Tür und Rauch kam mir entgegen die Vorderen Boxen könnte ich fix Öffnen Duke, und Tiri Packte ich in die Halle bis auf Husten war bei ihnen alles gut.
      Bei den anderen sah es nicht so gut aus viele hatten ihre Decken auf die Feuergefangen hatten Die hintern Boxen standen Komplett in Flammen kein Laut kam mehr aus den Boxen von Ice und Davinci ein kurzes schluchzen von mir och die andere Pferde schrien vor Schmerz Antar war nicht mehr zu retten er klappte vor meinen Augen zusammen und bleib regungslos liegen .
      Bintu , Kadihr, Arsil, Holte ich auch raus 3 aufgebrachte Hengste zu führen war gar nicht so einfach doch es lang mir irgendwie sie rauszuholen und Zu Duke in die Halle zu stecken …
      Jetzt spurtete ich Los zu dem Stute Trakt Holte Baraka raus die ganz vorne stand dann Shady, Teasie Saddy, Farasha und Cardiac dann Stockte mir der Atem Badriyah lang am Boden und schnaufte sehr schwer.
      Ich brachte sie alle raus rannte in den Stall nahm einen Wasser Eimer und ein Tuch mit machte das Tuch klitsch nasse und legte es der Stute über Nüstern und Augen redete auf sie ein das sie aufstehen muss und sie tat es sie schwankte doch sie lief mir Blind hinterher draußen angekommen schnappte ich nach Luft der Qualm war unerträglich endlich hörte ich auch die Sirene der Feuerwehr mehr kam alles so Unendlich lang vor doch waren grade mal 10 min vergangen seit meine Anruf. Badriyah war draußen wieder zusammen gebrochen, ich nahm ihr die Decke am die viele Verrannte stellen auf Wies auch das darunterliegende Fell war verbrannt doch nur ein paar wenigen stellen die Haut mit.
      Bahar und Shamal hörte ich rufen sie waren nicht im Stall gewesen sondern auf der Jungspund weide abseits die einen Unterstand besaß.
      Auch sie holte ich zu den Hengsten in die Halle. Dort untersuchte ich die andere Pferde viele hatten tiefe Blessuren von dem treten gegen die Boxenwand und auch leichte Brand Verletzungen, alle Atmenden schwer doch schienen sie soweit ok zu sein.
      7 Pferde fehlten sie waren wohl noch im Stall dieser war aber als solcher nicht wieder zu erkennen …
      Die 4 neuen Pferde Standen auf den Offenen Paddocks und waren gesund.

      Juli 2015, by Sevannie
      Auf Reisen
      Heute wurde ich gebeten von sweetvelvetrose ihre Pferde oder eher einige davon bitte doch zu verpflegen. Sie war für einige Tage weg und somit war ich heute für einige Pferde zuständig. Natürlich hatte ich damit kein Problem, im Gegenteil ich war auf die Pferde gespannt. Sie hatte zu mir gemeint sie teilt mir einige Araber zu. Araber – diese edlen Geschöpfe. Schmunzelnd fuhr ich auf den Hof und parkte dort auf den vorhergesehenen Parkplatz. Ich blickte mich um und lief dann in den Stalltrakt. Dort sah ich eine große Tafel, also ging ich auf diese zu. Ein Zettel: Joyce: Bahar, Shamal, Khadir, Barakah al Sanaa, Zanyha und Baraijra. Anscheinend die Pferde, welche ich heute übernehmen sollte. Die Namen klangen alle nach Arabern. Ein erneutes Lächeln legte sich auf meine Lippen. So blickte ich mich kurz im Stall um, dann wieder auf den Zetteln. ,,Mach was du willst, du darfst sie auch gerne reiten. Auf der Rückseite sind noch einige Charakterbeschreibungen damit du weißt was auf dich wartet.'' - Ok. Gut zu wissen. So blickte ich auf die Rückseite: ,,Bahar & Shamal: Bahar hat einen guten Einfluss auf Shamal, sonst ich Shamal schon ein frecher Hengst der es gerne darauf anlegt. Er besitzt viel Temperament, Bahar hingegen ist eher der ruhiger.'' - Wie Yin und Yang also? Niedlich. So lief ich durch die Stallgasse und suchte die beiden Pferde auf, doch hier standen sie anscheinend nicht dabei, wenn ich mich so umsah schienen mir die Pferde hier drin alle Araber und erwachsen. Hatte sie vielleicht einen Stall für die Jährlinge/Fohlen? So lief ich also wieder auf den Hof und blickte mich erneut um. Als ich ein Wiehern vernahm, welches nicht von hinter mir stammte, lief ich zu dem nächsten Gebäude. Recht sollte ich behalten, zwei Jährlinge, Araber wie mir schien und sie standen in Offenställen. So lief ich zu den beiden und auf dem Boxenschild stand auch:Bahar. Auf dem anderen daneben: Shamal. ,,Jetzt hab ich euch also gefunden, verstecken gilt nicht!'',meinte ich lächelnd und blickte die beiden an. Ein Fuchs und ein Brauner. Ein Rappe und ein Pferd welches ausschimmelte wären da klischeehafter gewesen. Naja auch gut, ich war auch mit diesen beiden Prachthengsten zufrieden. ,,So was machen wir drei hübschen?'',fragte ich nach und sie brummelten kurz. Hm. Keine tollte Antwort. Spazieren gehen wollte ich ungern, weil Shamal ja seine Grenzen gerne testete.. nachher haute er mir noch ab? Oh nein, Spazieren gehen käme nicht in Frage. Hm ein paar Tricks lernen in dem großen RoundPen das ich vorhin gesehen hätte, das wäre doch was! Da ich die zwei irgendwie ungern trennen wollte suchte ich also als erstes die Sattelkammer, dort würde ich bestimmt die Putzkisten finden. So suchte ich die Sattelkammer auf und diese war auch schnell gefunden. Mit zwei Putzkisten bewaffnet machte ich mich wieder in den Stalltrakt wo die beiden Jährlinge drin standen. Ich platzierte die Kisten vor den Boxen, schnappte mir dann das Halfter von Shamal. Ihn wollte ich als erstes putzen. Ich trat an seine Box heran und öffnete diese. Vorsichtig streckte ich die Hand aus, jedoch keinenfalls ängstlich. Als er sich von mir streicheln ließ hob ich dann das Halfter an und halfterte ihn auf. Na wenn das weiterhin so ging war ich froh. Nachdem ich ihn aufgehalftert hatte band ich ihn fest. Ich blieb mit ihm in der Box. Es war gewohntes Umfeld, abgesehen davon wusste ich nicht wo der Putzplatz war oder ob sie einfach auf der Stallgasse putzte. Misten müsste ich eh also von daher. Ich nahm mir eine Bürste nach der anderen und schrubbte den Fuchs sauber. Auch das Hufeauskratzen ging einigermaßen gut von statten. Er zog mir ab und an einfach den Huf weg, aber sonst war alles gut. Etwas frech eben. Als ich mit Shamal fertig war, begann ich dann Bahar zu putzen. Nach einer Viertelstunde war auch dieses Pferd fertig. Ich holte beide Pferde aus den Boxen, zum Glück war das Tor groß genug mit beiden gleichzeitig heraus zu gehen. Shamal blieb ruhig und ließ sich artig führen, nur zupfelte er etwas an meinem Ärmel herum. Im Round Pen angekommen ließ ich beide vom Strick, als das Tor natürlich geschlossen war. Sie durften sich als erstes umschauen, die Leckerlis in meiner Bauchtasche schienen aber für Bahar interessanter. ,,Die gibt’s später!'',meinte ich lächelnd und schickte ihn wieder weg. Nachdem sich beide umgeschaut hatten nahm ich einen Strick in die Hand und schleuderte ihn etwas. So bewegten sich die Jünglinge auch gleich in den Trab. Sie trabten ihre Runden und Shamal versuchte immer wieder Bahar etwas zu schnappen, jedoch nur rein aus Spaß so wie es mir schien. Sie trabten freudig ihre Runden, doch nach einigen Minuten parierte ich sie in den Schritt und holte Bahar zu mir. ,,So jetzt gibt’s die Leckerlis wenn du alles gut machst!'',schmunzelte ich und streichelte ihn. Ich begann als erstes den vorderen, linken Huf zu nehmen und zog dieses vorsichtig etwas nach vorne, also nicht wie beim Hufe auskratzen. Brav machte Bahar dies mit und streckte das Bein dann auch schön lang. Das gleiche passierte mit dem anderen Vorderbein, dann gab es ein Leckerli. Mit den Hinterbeinen sah es ähnlich aus nur das er diese nach hinten strecken sollte, was er dann auch brav tat. Sanft streichelte und lobte ich ihn, ehe er dann wieder ein Leckerli bekam. ,,So ist's fein!'',schmunzelte ich und drückte ihn ganz sanft in die Flanke, brav tat er das was er machen sollte. Er ging einen Schritt zur Seite aber nur mit der Hinterhand. Dies führte wir fort, bis er dann nur noch auf ein leichtes Tippen reagierte. Auf der anderen Seite klappte das nicht ganz so gut, aber der Ansatz war da. ,,Fein gemacht!'',lobte ich ihn und gab ihm erneut ein Leckerli. Das gleiche machte ich dann auch mit Shamal wobei dieser sich schon beim Strecken etwas zierte. Doch das Hinterhanddrehen klappte schon etwas besser wie bei Bahar. Jeder hatte wo anders seine Stärken. Ich schmunzelte und lobte auch Shamal, welcher mich dann Schnappen wollte. ,,Nein, das kannst du von mir aus mit Bahar machen. Dieses Spiel spiele ich nicht!'',meinte ich lachend und schickte ihn wieder heraus. Ich ließ die beiden noch etwas hin und her laufen im Round Pen, im Trab, Galopp und Schritt. Nachdem sie dann noch am Ende 5 Minuten sich umschauen durften und entspannt im Schritt umher trottelten, führte ich sie auch schon wieder zu ihren Boxen. Ich schloss auf dem Paddok aus und begann dann rasch zu misten. Als die Boxen sauber waren und frisch eingestreut gewährte ich ihnen wieder den Zugang der Boxen. Nun sollte es an die anderen Pferde gehen die ich noch machen musste. Also lief ich wieder in den anderen Stalltrakt, nachdem ich mich versichert hatte das die Boxen der Jährlinge auch wirklich verschlossen waren. Für den Hengst Kadir und die Stute Baraija hatte ich mir was besonderes überlegt. Ich wollte mit den beiden Ausreiten und Baraija als Handpferd mitnehmen. Auf dem Zettel stand nämlich das sie sehr umgänglich wären, auch zu anderen Pferden und ich denke das die beiden sich schon auf dem Reitplatz oder sonst wo schon begegnet sind. So machte ich mich als erstes zu Khadir um diesen zu putzen. Ich dachte der Schimmel wäre dreckiger aber die Araberschimmel schienen nicht solche Dreckbuben wie die Hannoveraner- oder Kaltblüterschimmel zu sein. Ein Lächeln schlich sich auf meine Lippen als ich daran dachte wie Tyler gestern sich abgequält hatte als er Jaela putzte. Als der Hengst sauber war stellte ich ihn auf die Stallgasse und band ihn dort an. Ich holte schon mal den Sattel und den ganzen Rest, bevor ich die Stute putzte. Bei ihr ging auch alles recht flott und sie war unheimlich brav und verschmust. Richtig süß. Nachdem ich dann beide Pferde sauber hatte, sattelte ich Khadir auf und brachte die Trense an, sowie Gamaschen. Als ich ihn wieder fertig hatte trenste ich die Stute auf, zog über die Trense noch ein Halfter und hakte dort den langen Strick ein. Ich lief mit beiden Pferden hinaus und dort durften sie sich noch einmal kennenlernen. Es gab ein Gequieke aber das war auch schnell wieder vorbei und sie schienen sich abzukönnen. Somit war doch jede Voraussetzung für den Ausritt getroffen. Nachdem ich meinen Helm anhatte stieg ich dann auch auf Das erste Mal sein langen das ich wieder auf einem Araber saß und es fühlte sich so gut an! Schade eigentlich das ich meinen kleinen Abendprinz abgegeben hatte.. Nun denn. Ich nahm die Zügel auf und Band den Strick am Sattel fest, so wie ich es bei mir auch immer Zuhause machte wenn kein vorhergesehener Platz dafür da war. Als der Strick auch wirklich fest war lief ich los. Baraija lief brav mit. Somit ritten wir vom Hof und einen Feldweg entlang. Ich wollte es vermeiden in den Wald zu gehen, weil ich die Gegend nicht kannte und mir die Felder übersichtlicher waren. So ritten wir einige Zeit Feldwege entlang, bevor wir vor einem kleinem Hügel standen. Wir waren schon getrabt also könnten wir den sicherlich hoch galoppieren. Ich galoppierte grundsätzlich nur Hügel/Berge hoch. Bei uns im Gelände war dies ja auch kein Problem und hier auch nicht. So nahm ich die Zügel weiter auf und blickte Baraija an, diese schnaubte kurz und schnippte eine Bremse weg. ,,Dann mal los ihr zwei Süßen!'',meinte ich und drückte meine Beine etwas mehr an Khadir's Bauch, kurz darauf trabte er los und galoppierte im nächsten Moment. Ich fiel in den leichten Sitz und Khadir preschte los, Baraija brav hinter her und es schien ihnen unehimlichen Spaß zu machen mal das Vollblut in ihnen kräftig heraus zu lassen. Bevor wir an der Spitze des Hügel's ankamen versuchte ich mich wieder etwas in den Sattel zu setzen damit Khadir auch wieder langsamer wurde. Dies klappte und auch Baraija achtete darauf in welchem Tempo Khadir lief. Somit fielen wir in den Trab und dann in den Schritt. Ich lobte beide mit Stimme und Hand. ,,Fein ihr beiden, sollte ich nochmal kommen dann wiederholen wir das!'',meinte ich begeistert und wir traten dann auch wieder den Rückweg an. Ein Blick auf meine Uhr verriet mir das wir auch schon mehr als eine Stunde lang unterwegs waren. Im Stall wieder angekommen stieg ich ab und brachte die Pferde wieder in die Stallgasse. Zuerst machte ich Baraija fertig und danach Khadir. Als beide von ihrer Ausrüstung entledigt waren sperrte ich auch sie aus in ihre Paddok's. Ich mistete rasch und ließ sie wieder dann auch wieder in die Boxen als das frische Stroh wieder eingestreut war. Ich verschloss die beiden Boxen und blickte zu der nächsten Schimmelstute. Zanyah. Sie wollte ich etwas longieren. Also holte ich mir ihr Putzzeug und putzte sie, auch sie machte keine faxen beim Putzen, außer das sie mich immer wieder anstupste. Entweder wollte sie Leckerlis oder Streicheleinheiten. Ich knuddelte sie noch kurz, bevor ich dann ihr das Halfter anlegte und eine Longe holte. Wir liefen zum Round Pen wo ich sie dann nach draußen schickte. Sie durfte sich zuerst warm laufen, ehe ich sie dann traben ließ. Danach kam auch diese Streckübungen wie bei den Jährlingen. Als diese dann fertig war, bekam sie noch ein Leckerli und durfte dann wieder laufen. Sie sollte traben und dann galoppieren. Auch sie ließ beim Galopp etwas die Sau raus. Nach einer halben Stunde des weiteren galoppieren und traben, sowie einigen Schrittpausen lief ich mit ihr wieder in den Stalltrakt. Wie bei den vorherigen Pferden sperrte ich sie aus und mistete dann, dann durfte sie wieder rein. Somit war dieses Pferd auch fertig. Nur nochBarakah al Sanaa. Die Stute im besonderen Fellkleid. Was sollte ich mit ihr machen, reiten wollte ich sie nicht. Longieren oder einfach nur frei laufen lassen im Round Pen auch nicht.. Mir fielen die zahlreichen Schleifen auf, auch Springschleifen. Hm.. Freispringen wäre doch eine klasse Idee. So suchte ich die Halle auf. Ich fand diese und baute einen kleinen 'Freispringpacours' auf, ehe ich dann Barakah putzte und ihr die Trense aufzog. In der Halle angekommen longierte ich sie erst etwas warm, ehe ich die Zügel abmachte von der Trense und sie dann freilaufen ließ. Sie trabte freudig umher und blickte sich immer wieder um. Ich schnappte mir eine Peitsche und führte sie mit dieser dann in die Bahn. Sie nahm die Hindernisse mit Bravour. Ich ließ sie zwischen den Durchgängen auch immer wieder so etwas traben und galoppieren, danach sollte sie noch Schritt gehen bis ich die Hindernisse und alles andere weggeräumt hatte. Ich lief mit der Stute in den Stalltrakt und erneut ging das große Misten los. Danach verabschiedete ich mich noch von allen Pferdchen und setzte mich in mein Auto um wieder nach Hause zu fahren. Meine Arbeit war damit getan.

      Oktober 2015, by sweet
      Jolympia

      Leicht verschwitzt und außer atem ging ich in den Hengst Stall und stand vor Dukes Box „ hallo Dicker , jetzt geht’s los „ Sättel/ Trensen und Co war verstaut jetzt sollte es mit dem Transporter und 3 Pferden auf lange Fahrt gehen .Es sollte zu dem Tunier Jolympia gehen in Vielseitigkeit Duke war bestens geeignet dafür doch wen noch ? Ich ging im Kopf die Vorzüge meiner einzelnen Pferde durch Triamisu hatte sich sehr gut gemacht ihn würde ich noch mit nehmen und eigentlich wollte ich Badriah mit nehmen doch sie war noch tragend mindestens eine Woche oder länger. Bara war zu Jung auch wenn sie mit viel Ehrgeiz zeigte, überfordern will ich sie aber nicht. Hestia und Asfari waren noch nicht so lang in meinem Stall und sollten sich noch eingewöhnen sie vielen daher auch aus
      Grübelnd stand ich vor Zanhya sie zeigte viel Potenzial war aber in neuer Umgebung meist etwas unsicher , Famina war auch noch zu frisch bei mir und passte eher zu einem Ruhigen Tunier .
      Rubina war ebenfalls tragend also viel sie auch aus, ich schüttelte den Kopf jetzt hatte ich den ganzen stall voller Pferde und keins Konnte mit zum Turnier.
      Saddy war auch nicht das mädel was ich mit nehmen wollte da sie doch mal zu beißen konnte es musste einfach ein Team sein was passt , das sollte doch möglich sein Teasy hatte erst ein Fohlen und wurde nun erste wieder antrainiert zu viel wäre nicht gut für die kleine .
      Bei der nächsten Box blieb ich stehen und blicke Shady an ja sie sollte mit das würde passen Duke und shady und wen noch ?
      Baraka, Dukes große Liebe eigentlich würde ich sei gern mit nehmen aber dann wäre Duke nicht bei der Sache Farahsha hatte sich den Fuß verstaucht oder geprellt sicher waren wir uns da nicht und Cardiac sollte am Wochenende Rossig werden das wäre ungünstig.
      Bei den Fohlen blieb ich stehen und tütelte ein wenig mit ihnene rum bald würde ich sie trennen müssen nicht das der kleine seine Halbschwester Deckt . Weiter ging es wieder bei den Hengsten Tiramisu war ja schon eigentlich die zweite wahl gewesen aber er war jetzt so oft auf Tunieren gewesen und erst zu letzt die Körung die er erfreulicherweise gewonnen hatte, ich beschloss erst mal weiter zu schauen und zu überlegen . „ hey Bintu du Ekelpackt „ begrüßste ich dne Hengst denn dieser schoss hervor mit gebleckten Zähnen das war auch schon mal besser gewesen dachte ich bei mir und setzt ihn auf die Liste für kleine Veranstaltungen . Arsil soll Cardiac am Wochenende decken da muss er leider dableiben. Kadihr war und ist ein Träumer und ein schatz doch wär es für ihn zu anstrengend ( und für mich auch gestand ich mir schmunzelnd ein)
      Da ich schon auf meiner Runde war ging ich auch zu den Jungspunden Shamal und bahar kraulte ihnen die nasen und meine „ Bals bekommt ihr einen Icebraker sohn zu euch ihn die Runde seit schön lieb zu ihm – Shamal der viel von bahar übernommen hatte war kaum wieder zu erkennen anhänglich und Sanft legte er den kopf auf meine schulter und lies sich Kraulen.
      Auch in den Westernpferde Stall ging ich um zu schauen das alle Fit sind und ich mir keine Sorgen machen musste wenn ich nicht da war .
      Gerlie, Jade, Caresse, Keep the Faith, Kajano und Shlush standen verstreut in den Boxen oder auf dem Paddock.
      Ich machte mich dran noch eine Ladung Heu in die Raufen zu geben und Füllte den Futter Automat auf Natürlich wären die Pferde nicht allein mein Pfleger war ja auch noch da und würde Misten und alles doch wo man ihm arbeit abnemen konnte tat ich das .
      Nun holte ich Tiriamisu raus Packte ihn in Reise Decke und Gamaschen ein. Danach folgte Duke den ich ebenfalls gut verpackte , jetzt folgte das stütchen Shady auch sie kleidete ich ein, überblickte noch mal das eingepackte Material und auch den Wanderstrom Zaun hatte ich dabei war ich doch fast einen Tag unterwegs .
      Futter und auch die Sättel der andere Pferde waren dabei Duke musste mit dem Dressursattel von Triamisu Vorlieb nehmen aber für einmal würde es gehen .
      Shady hatte Zahays Sattel – Spring und Dressursattel einen VS sattel hatten sie alle selbst.
      Dann ging die große fahrt los ….

      Januar 2016, by sweet
      Ein grauer Morgen und doch ein guter Tag

      Aufgewacht der regen tratschte gegen die Schreibe und ich hatte so gar keine Lust raus zu gehen und doch heute war ich mit stall dienst dran.
      Nach dem Anziehen ging ich raus in den Stuten stall Mistet den Paddock von Fada Fid ,Hestia, Baraija, Zanyah, Best Look mein gast Pferd , Famia, Rubina Badriyah, Saddy,Teasie, Shady,Farahsa,Baraka Cardiac und meine Jungstute Cassi, bei Moulan meinen Englischen Volli streute ich auch neu ein brachte frisches Heu mit dem Trekker in die paddocks ,dann Kümmerte ich mich um die drei Jung Hengste Shamal und Bahar so wie Ironic, die beiden Pfelgis Cola und Wihte Boy bekamen auch ihre ration Shamal und Bahar und Ironic durften sich im frei speigen aus toben.
      Meine Western Pferden bekamen auch ihre Ration und durften sich in der Kleinen Halle die Beine vertreten brav nach ein andern oder auch mal zusammen.
      Erst Gerlie Faithe Jade und Caresse dann die beiden Hengste Slush und Kajano, dann ging es zu meinen Araber hengsten Duke, mein neuer und nun bester Freund von Duke Amore , dann Ashqar mit Tiri danach Bitu allei n da er grad wieder eine Phase des ich bin blöd zu anderen hatte danach Asfari mit Kadihr und Arsil danach ging ich mit dem Hund und Amore und Duke noch im Regen spatzieren und freute mich nach einem Anstregenden langen Tag auf ein Heißes Bad und ein Buch.

      Mai 2016, by sweet
      Koppelbesuch

      Die Sonne schiehn und es war warm Vöglein zwitscherten und man spürte einfach das Frühling war. Ich schlenderte über den Hof und überlegt mit wem ich heute was machen könnte der jnge Hengst Ironic stand auf dem Paddock und schaute mich spitzbübich an er würde Bald in sein neues Zuhause um Ziehen wo er seiner rasse gerecht trainiert und ausgebildet wird hier unter den Arabern würde er auf dauer nicht glücklich werden wobei er ja einen Narren an Casanova gefressen hat dieser stand zur Zeit auf der gemähten Apfel weide bzw ehere Garten aber genau Richtig für den kleinen Kerl er hatte aktuell gesellschaft von noch einem Shetty Hengst dieser kam mit einer Stute zusammen auf den Hof die stute stand jetztz mit Magical meinem neuen tinker auf der Mittleren weide zum eingewöhnen die Araber Stuten waren alle saamt auf der großen sommer weide mit Unterstand die Mädels würde ich aktuell nicht stören esseiden eine der Ladys soll gedeckt werden doch aktuell war die nachfrage nach Arabern sehr gering wie überhaupt nach Fohlen, somit haten die Stuten erstmal Pause. Die Hengste standen in 2 Gruppen auf den Kppeln da esi n der ganz großen Gruppe häufig zu Keilereien kam musste ich sei aufteilen so war aber aktuell Ruhe Duke stand mit Ashqar und Amor und dne beiden JungHengsten Bahar und Shamal zusammen. Ich entschied mich meinen geliebten Hengst Duke zu holen und auszureiten das Wetter war einfach zu verlockend vielleicht nehm ich Amor als Handpferd mit ? oder Bahar ja Bahar würde es werden ich holte beide von der mittleren Koppel und stellte sie am Putzplatz ab. Nach einer Hlben studne hatte ich beide geputzt Duke gesattelt udn getrenst und Bahar auch die Trense an geszogen seit langem würde der Junge Hengst mal wieder rauskommen da war mir nur das Halfter dann doch zu unsicher. Ich sitieg auf und Ritt los in Richtung kleinem Gebirege dort gab es eine leicht ansteigende galopp strecke dort wurde ich sicher mal galoppieren können ohne das Beide in Raserei verfallen. Nach gut 2 Stunden kam ich mit zwei geschwitzen aber Glücklichen Pferden wieder zurück duschte beide ab und entlies sie wieder auf die Koppel Wo sie erst mal Lustig rum Bockten udn sich im Sand wälzten. Für heute war ich jetzt erst mal fertig die Stall PFlege machte heute der Simon bzw er war schon fertig morgen würden wir einen Heuballen bei den Stuten vorbei Bringen. Über die webcam kontoleierte ich ob es allen gut ging und schloss dann das reiter stübchen ab und ging ins Haus die Hunde brauchten noch ihr fressen und ich hatte mitlerweile auch Hunger.

      Mai 2016, by unbekannt
      Pflegebericht für alle Pferde
      „So, jetzt müssten wir eigentlich gleich da sein!“, sagte ich fröhlich zu meinen vier Mitarbeitern, die mit mir in meinem Auto saßen. Wir waren gerade auf dem Weg zum Gestüt Fearie Hills von Sweetvelvetrose. Diese hatte für heute jemanden gesucht, der sich um ihre 38 Pferde kümmerte und ich war der Meinung, dass uns etwas Arbeit mit fremden Tieren auf keinen Fall schaden würde.
      Ich bog in die Zufahrt ein und stellte das Auto ab. Ich war schon ein paar mal hier gewesen, da ich Sweet schon des Öfteren Pferde abgekauft und auch eines verkauft hatte. Kaum waren wir alle ausgestiegen, kam uns die Gestütsleiterin auch schon entgegen und begrüßte uns herzlich.
      „Ich muss leider auch schon weg, ich hoffe ihr findet euch trotzdem zurecht? Du warst ja schon hier, denkst du das geht so?“, fragte Sweet mich. „Klar, das schaffen wir auf jeden Fall! Bis du wieder hier bist, ist alles erledigt!“, versprach ich ihr lächelnd und führte meine kleine Truppe dann auch sofort in den Stall. Es war erst früher morgen, doch da die Pferde ihr Frühstück bereits beendet hatten, begannen wir sofort damit, sie auf die Koppeln zu bringen. Sweet hatte uns netterweise einen Plan da gelassen, damit wir alles richtig machten. Ich bewunderte Sweet`s Tiere, während meine Lieblingsmitarbeiterin Meg erwartungsgemäß bei Barakah al Sanaa hängen blieb. Die junge Stute stammte aus meiner Zucht und Meg war es nicht ganz leichtgefallen, sie gehen zu lassen. „Meg, schau mal hier! Ihre erste Tochter!“, rief ich die junge Frau zu mir, als ich vor der Box einer wunderhübschen Araberstute namens Baraija ankam. Das Stütchen hatte Barakah`s Fellfarbe geerbt und besaß ein ausgezeichnetes Exterieur. Auch Meg war hin und weg von der Süßen.
      Nachdem wir alle Pferde aus dem Stall raus hatten, begannen wir mit dem Ausmisten der Boxen. Zu Hause übernahmen das immer meine Arbeitsreiter und Stallburschen, doch hier legte ich natürlich selbst mit Hand an. Immerhin hatte ich hier und heute Gott sei Dank einmal keinen Bürokram zu erledigen. Wir waren ein absolut eingespieltes Team und kamen daher sehr gut voran. Schließlich hatten wir alle Boxen ausgemistet, frisch eingestreut, Heu hineingeworfen und die Tränken kontrolliert. Ich holte flott die Kühltasche aus meinem Auto und wir schlenderten zu einer Wiese bei den Koppeln, um dort Pause zu machen. Ich tischte Sandwiches, Obstsalat und Eistee auf und es dauerte nicht lange, bis sich Samuel und Donald um das letzte Schinkenbrötchen stritten. Meg und ich rollten nur mit den Augen, während der stille Brian keine Miene verzog. Er hielt sich aus dem Gehabe der anderen Jungs meist raus, was vielleicht auch ganz gut so war. Nachdem Donald und Samuel ihren „Ich-habe-aber-mehr-gemistet-Streit“ um das Brötchen endlich beendet hatten, packten wir zusammen und kehrten in den Stall zurück, um nun mit den Pferden zu arbeiten.
      Nach einem längeren Blick auf die Trainingspläne hatte ich mich entschieden: Wir würden zuerst einmal mit den Hengsten beginnen – dazu zählten White Boy und Asfari Sharin, die beide im Verkaufsstall standen. „Samuel, Donald? Ihr schnappt euch Slushund Kajano. Letzterer ist wohl ein absoluter Westerncrack, deshalb reitest du ihn, Donald. Ihr geht mit den beiden einfach ein bisschen auf den Platz. Meg, Brian und ich schnappen uns die Shettys Ginnies Casanova und Erutan Wishes, sowie das Hengstfohlen Ironic und machen in der Halle ein bisschen Bodenarbeit. Sind alle damit einverstanden?“, ratterte ich den ersten Teil meines Plans herunter. Alle nickten und so machten wir uns wieder auf zu den Koppeln, damit jeder das ihm zugeteilte Pferd holen konnte. Am Putzplatz trafen wir uns alle wieder und machten die Pferde in aller Ruhe fertig. Brian, der sich um Erutan Wishes kümmerte, stöhnte angesichts der langen, dicken Mähne des Ponies. Aber auch Meg hatte mit Casanova`s dickem Fell gut zu tun, während ich mit dem Hannoveraner Ironic vergleichsweise schnell fertig war. So zogen die beiden Jungs mit den Criollos in etwa zeitgleich mit uns los – Donald im Westernsattel, Samuel in gewohnter Dressurmanier. Wir anderen schlugen dagegen den Weg zur Halle ein. Ich war ganz begeistert von dem Hengstchen an meiner Seite. Ironic blieb brav neben mir und war sehr folgsam. Meg musste da mit Casanova schon ein wenig mehr verhandeln und Brian brauchte eine ganze Weile, bis Erutan an seiner Seite ein wenig zugänglicher wurde. Alles in allem verlief das Training aber sehr gut und so trafen wir eine halbe Stunde später wieder mit den beiden Jungs zusammen. Donald war völlig hin und weg von dem hübschen bunten Criollohengst, während Samuel ein wenig geschafft aussah. „Slush hat es mir anfangs ganz schön schwer gemacht, der kleine Sturkopf hat mich wirklich getestet bis aufs Blut. Aber danach ist er dann wirklich schön gelaufen!“, berichtete er. Wir versorgten die fünf Pferde und entließen sie anschließend wieder auf die Koppeln.
      „Okay meine Lieben, weiter geht’s. Ich dachte wir machen einen kurzen Ausritt mit den nächsten fünf Hengsten. Donald nimmt Duke of Darkness, ich selbst werde Tiramisu reiten, Samuel bekommt Bintu Al-Bahri, Meg Ashqar – wegen der Größe und Brian, du holst dir TC Amor Casdove. Bis auf Duke und Amor könnt ihr euch die Reitweise aussuchen, die beiden werden Western geritten.“
      Wieder kamen wir alle am Putzplatz zusammen, säuberten und sattelten die wunderschönen Hengste und schwangen uns anschließend in die Sättel. Ich hatte mich für Tiramisu entschieden, da der Hengst wohl sehr unsicher wurde, wenn man beim Reiten einen klitzekleinen Fehler machte. Meine Mitarbeiter waren zwar alle ausgezeichnete Reiter, doch ich hatte nun einmal die meiste Erfahrung – und das auch mit schwierigen Pferden. Wir verließen den Hof im gemütlichen Schritt und genossen die warme Maisonne auf unseren Rücken. Die Pferde schritten eifrig aus und überzeugten uns alle von ihrem ausgeprägten Arabertemperament. Als wir auf einem recht breiten, ebenen Weg angelangten, gab ich das Zeichen für den Galopp und wir preschten den Weg entlang. Zu meiner Freude ließ Tiramisu trotz seiner anfänglichen Unsicherheit wunderbar reiten und auch auf den Gesichtern der anderen lag ein zufriedenes Lächeln, als wir auf den Hof zurückkehrten. Wir sattelten die Hengste ab und entließen sie wieder auf ihre Koppeln.
      „Auf in die nächste Runde! Danach machen wir dann kurz Pause. Donald du holst dir bitte Shamal und Meg, du nimmst Bahar. Mit den beiden Halbstarken könntet ihr ein wenig spazieren gehen, wenn ihr wollt. Brian schnappt sich Khadir, Samuel du dirAsfari Sharin und ich selbst werde Arsil nehmen. Für die drei hübschen steht heute Dressurtraining an.“, wies ich meine Mitarbeiter an. Es war nicht ganz einfach, das Training so vieler unbekannter Pferde zu koordinieren, doch bisher lagen wir sehr gut im Zeitplan. „Ach, nur damit sich niemand wundert: Ich habe White Boy nicht vergessen, den nehmen wir dann nach der Pause noch dazu.“ Während ich Arsil`s fuchsfarbenes Fell bürstete, überlegte ich mir schon einmal, was wir schönes mit den Stuten anstellen könnten. Wahrscheinlich würde sich der Plan so ziemlich wiederholen, aber nach einer kurzen Pause sollte das machbar sein. Als der wunderschöne Araberhengst glänzte, legte ich ihm die Dressurausrüstung an und schlenderte mit den beiden anderen zum Platz. Dort stellten wir die Hengste auf der Mittellinie auf, gurteten nach und schwangen uns auf die Rücken der Pferde. Während Samuel erst ein wenig um das Vertrauen des jungen Schimmels Asfari kämpfen musste, kam ich mit Arsil sehr gut zurecht. Der schöne Araber arbeitete sehr gut mit und reagierte auf jede noch so kleine Hilfe wunderbar. Auch Brian kam mit Khadir ausgezeichnet zurecht und wir beendeten die Dressurstunde mit einer kleinen, schnell improvisierten Quadrille. Als wir die drei Hengste gerade zurück auf die Weide brachten, kamen uns Meg und Donald mit Shamal und Bahar entgegen. Beide waren ganz begeistert von den Junghengsten. Shamal war zwar laut Donald sehr aufgedreht gewesen, doch Bahar`s Ruhe hatte sich zu einem guten Teil auf den anderen Hengst übertragen, sodass die vier einen netten Spaziergang gehabt hatten.
      Die anderen setzten sich nun schon einmal an die Stutenkoppeln, während ich die nächste Ladung Sandwiches holte. Die hatten wir uns nach der Arbeit nämlich redlich verdient. Inzwischen war es früher Nachmittag und wir lagen immer noch sehr gut im Zeitplan. „So, ihr Süßen“- ich ignorierte gekonnt, dass Donald, Samuel und Brian bei dieser Anrede die Gesichter verzogen – „lasst uns weiter machen. Wir starten mit einem Ausritt, dann kommt ein weiteres Dressurtraining, noch ein Ausritt, ein bisschen Freispringen und Bodenarbeit. Damit wären wir dann durch für heute. Aber jetzt mal von Anfang an: Meg, du darfst Baraija reiten, ich nehme Badriyah. Donald bekommt Teasie, Samuel Cardiac und Brian Saddy. Auf geht’s!“
      Ca. zwanzig Minuten später hatten wir das Gestüt auf dem Rücken der fünf Stuten wieder verlassen. Ich saß auf der Tochter von meinem preisgekrönten Araberhengst Khamar al Sanaa und war hin und weg von der wunderschönen Badriyah. Auch Meg strahlte auf Barakah`s Tochter mit der Sonne um die Wette und so hingen wir beide völlig unseren Gedanken nach und blendeten das Geplapper der Jungs einfach aus. Zumindest solange, bis Donald lauthals neben mir quengelte, er und Teasie wollten jetzt endlich galoppieren, dieses ewige Schrittreiten sei doch viel zu langweilig. Also nahmen wir alle die Zügel auf und ließen die Pferde angaloppieren. Donald und Samuel lieferten sich auf dem ebenen Weg ein kleines Rennen, während wir anderen einfach die schärfere Gangart genossen. Die Pferde waren zwar alle recht temperamentvoll, ließen sich dabei aber gut händeln, so dass auch dieser Ausritt wirklich schön endete. Als die fünf Stuten wieder auf ihrer Weide waren, schnappten wir unsZanyah, Rubina, Famiah, Hestia und Fada Fid. Donald murrte ein wenig, da er sehr viel lieber Western als Dressur ritt, aber da musste er jetzt eben durch. Ich wusste ja, dass er es konnte. Meg durfte die wunderschöne Famiah reiten, die früher einmal einer guten Freundin von mir gehört hatte, während ich Donald auf Fada Fid setzte. Samuel bekam Rubina und Brian Hestia, also blieb für mich die hübsche Schimmelstute Zanyah übrig. Sie sah meiner geliebten Little Miss Sunshine wirklich sehr ähnlich und ich war gespannt, ob sie sich auch charakterlich ähnelten. Wir putzten die hübschen Damen und machten sie anschließend fertig fürs Training. Dann zockelten wir mit ihnen zum Reitplatz und begannen mit der Arbeit. Soweit ich das von Zanyah`s Rücken aus beurteilen konnte, arbeiteten alle fünf Stuten sehr gut mit und meine Leute kamen gut mit ihnen zurecht. Wir beendeten das Training mit einer kleinen Schrittrunde um den Hof, damit die Pferde abkühlten und entließen auch sie wieder auf die Koppel.
      Als nächstes stand der dritte und letzte Ausritt dieses Tages an. Ich teilte Donald das Quarter Horse Jade zu, Brian bekam die Criollostute Keep the Faith, Meg die Irish Tinker Dame Magical Touch, Samuel Caresse und ich selbst übernahm deren TochterGirlie, ebenfalls zwei hübsche Criollostuten.
      Wir machten die Tiere fertig und schwangen uns in die Westernsättel. Diesmal schlugen wir einen anderen Weg ein, der uns in den Wald führte. Diesmal waren wir sowieso mit einer ein wenig ruhigeren Fraktion unterwegs, sodass wir es bei einem gemütlichen Schrittausritt beließen. Immerhin hatten wir nun doch schon einen recht anstrengenden Tag hinter uns und waren ja noch nicht fertig für heute. Wieder auf dem Hof angekommen, sattelten wir die Stuten ab, versorgten sie und schnappten uns die nächsten fünf Pferde. Nun stand wieder Bodenarbeit auf dem Programm und ich teilte als erstes Brian den Hengst White Boy zu. Die beiden sollten in die Halle gehen, während wir anderen mit den Stuten auf dem Platz trainieren würden. Ich selbst übernahm das Hannoveranerfohlen Cassidy, Meg bekam Tiara Al-Bahri, Samuel Best look for my Weekend und Donald die Shettystute My Hope Nymeria. Brian ließ uns den Vortritt und kümmerte sich erst um White Boy, als wir den Putzplatz verlassen hatten. Ich wollte mit fremden Pferden kein Risiko eingehen, deshalb hatte ich diese Trennung vorgenommen. Wir anderen betraten mit den Stuten den Platz, machten ein wenig Führtraining, übten Seitengänge, richteten die Pferde rückwärts und übten zuletzt das Freilaufen. Nur Cassidy bekam natürlich den Schongang, da das Stutfohlen in ihrer Ausbildung selbstverständlich noch nicht so weit war, wie die anderen vier Stuten.
      Als wir später wieder mit Brian zusammentrafen, verteilte ich die letzten drei Pferde. Inzwischen war es auch Abend geworden, es wurde somit Zeit, die Pferde in den Stall zurückzuholen. „Okay, wir werden jetzt ein kleines Freispringen zum Abschluss veranstalten. Dazu nimmt Samuel bitte Shády, Brian bekommt Farasha und ich selbst nehme Barakah al Sanaa. Meg, Donald ihr kümmert euch bitte schon einmal darum, dass die Pferde in ihre Boxen kommen. Wenn ihr schnell genug seid, könntet ihr auch schon mit der Abendfütterung beginnen. Meg machte ein langes Gesicht, doch ich brauchte Leute, die sich mit dem Springtraining auskannten und Meg war nun einmal Rennreiterin. Mit Springen hatte sie wirklich überhaupt nichts am Hut. Wir holten die drei besagten Pferde von der Koppel, putzten sie und schützten ihre Beine mit Gamaschen und Streichkappen. Eine kleine Springgasse hatte ich in der Halle bereits aufgebaut, sodass wir die Pferde zuvor nur noch aufwärmen mussten. Ich war wirklich froh zu sehen, dass Barakah sich hier so gut eingelebt hatte. Die Stute ging mit gewohntem Ehrgeiz ans Springen heran und auch Shády und Farasha machten ihre Sache sehr gut. Letztere war die Mutter von meinem Araberhengst Wüstentänzer, daher kannte ich auch sie bereits. Wir ließen die drei Stuten ein paar Mal über verschiedene Höhen springen, dann führten wir sie trocken und brachten sie anschließend in ihre Boxen. Im Stall herrschte ein ganz schöner Tumult, da Meg und Donald tatsächlich bereits mit der Abendfütterung begonnen hatten.
      Als schließlich jedes Pferdchen seine Ration im Trog hatte, legte sich die uns gut bekannte, wohltuende Stille über den Stall, in der nur das zufriedene Kauen der Pferde zu hören war. Wir drehten eine letzte Runde durch den Stall und machten uns dann nach diesem langen Tag auf den Heimweg.

      Juni 2016, by Gwen
      Einreiten
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      Seufzend blickte ich aus dem Fenster, denn es goss in Strömen. Wenn ich richtig gezählt hatte, war das nun schon das vierte oder fünfte Sommergewitter was über unsere Ranch zog. An sich war ich ja ganz dankbar um die Abkühlung und auch ein Freund von Gewittern, aber, wenn man mit den Pferden arbeiten musste, kam der ständige Regen und das Donnern nicht ganz so gut an. Noch saß ich am Frühstückstisch, die Pferde waren bereits gefüttert, aber ich musste gleich wieder raus in den Stall.
      Denn heute sollte mein neues Ausbildungspferd ankommen. Der Schöne stammte aus der Araberzucht Fearie Hills, bei welcher ich schon oft unterwegs gewesen war und ich freute mich, mal wieder von Jani zu hören. Bahar war eine ihrer ersten Nachzuchten und ich fand, der Hengst konnte sich sehen lassen. Bisher kannte ich ihn nur noch aus seiner Fohlenzeit und von aktuellen Bildern, dementsprechend war ich mehr als gespannt.
      Jani brachte ihn persönlich vorbei und ich hoffte sehr, dass sie eine gute Reise gehabt hatten bei dem stürmischen Wetter. Doch bevor die beiden ankamen, musste ich mich erst einmal um die Box für Bahar kümmern. Der Gute sollte eingeritten werden und stand dementsprechend direkt bei mir im Stall. Dort war ich nun auch angekommen und machte mich daran, die freie Gastbox einzustreuen, das Heunetz zu füllen und den Trog auszuwischen.
      Schnell war alles gemacht und auch in der Futter- und Sattelkammer war schon Platz für Bahar und da fuhr auch schon der Hänger auf den Hof. Im Regen begrüßte ich Jani und half ihr mit dem Ausladen, damit wir schnell in den trockenen Stall kamen. Bahar war tatsächlich so schön wie auf den Bildern und dass trotz der pitschnassen Mähne.
      Bahar besichtigte erst einmal ausgiebig seine neue Box, während Jani und ich noch die Ausrüstung verstauten. Ich bot ihr zwar einen Kaffee an, aber sie lehnte dankend ab. Verständlicherweise, denn sie würde so schnell wie möglich wieder auf den Heimweg, denn zu Hause wartete ein großes Gestüt auf sie.
      Für Bahar würde es heute ganz entspannt laufen. Den ersten Tag durfte er erst einmal ankommen, ehe wir uns dann miteinander bekannt machen würden und dann ging es langsam in Richtung Einreiten. Bahar würde jedoch so viel Zeit bekommen, wie er benötigte. Bisher war er bei Jani als sehr ausgeglichener und freundlicher Junghengst aufgefallen. Jani plante eventuell sogar ihn als Therapiepferd einzusetzen.

      Am nächsten Morgen gliederte ich Bahar ganz normal in unseren Stallalltag mit ein. Zu meiner Freude war der Himmel auch wieder blau und die Sonne schien, ideal für einen Kennlern-Spaziergang mit Bahar am Nachmittag. Den Vormittag würde er auf einem abgetrennten Stück unserer Hengstweide verbringen dürfen. So hatte er Kontakt mit den anderen, aber dennoch seine Ruhe.
      In der Zwischenzeit kümmerte ich mich um die Stallarbeit und meine zu reitenden Pferde und so verflog die Zeit im Nu, ehe ich auch schon wieder Bahar von der Weide in den Stall holen konnte, um ihn zu putzen. Er machte sich wirklich gut, denn er ließ sich einwandfrei führen und hielt auch am Putzplatz still, das alles war kein Problem.
      Auch während des Spaziergangs war er sehr entspannt und genoss das schöne Wetter anscheinend genauso wie ich. Mit ihm würde das Einreiten auf jeden Fall richtig Spaß machen und ich freute mich schon darauf, den hübschen Schecken einzureiten.
      Für heute begnügten wir uns mit dem Spaziergang, trotz seines ruhigen Gemütes war der Aufenthalt in Kanada für Bahar doch sehr aufregend. Ab Morgen wollte ich dann ernsthaft anfangen. Heute bereitete schon einmal alles vor, damit die kommenden Tage reibungslos verlaufen konnten.
      Den Anfang machten Bodenarbeit und Longieren. Beides kannte Bahar an sich schon, aber es war dennoch wichtig. Ich baute auch gerne noch einmal eine Stunde Schrecktraining ein, einfach, weil es für mich dazu gehörte. Heute wollte ich mit Bahar jedoch erst einmal nur an die Longe und schauen, wie er auf die Stimmenkommandos hörte und sich so von den Muskeln hermachte.
      Zum Einreiten wollte ich, dass er sich möglichst schon gut selbst tragen konnte, eine gute Balance hatte und die nötigen Muskeln. Natürlich hatte Jani ihren Junghengst regelmäßig gearbeitet, aber man sah ihm doch schon an, dass da noch etwas fehlte. Also würde die erste Woche sich lediglich auf Bodenarbeit beziehen.
      Heute baute ich schon einmal Stangen und Gassen mit in das Longiertraining ein, damit Bahars Balance trainiert wurde. Er machte auch super mit und durch seine Gelassenheit konnte man ihm auch sehr gut neue Sachen andrehen, er machte meist ohne zu murren mit. Den Rest des Tages stand er immer mit auf der Weide und abends ging es mit ihm wie für die anderen Vierbeiner in den Stall.

      Um seine Balance und Trittsicherheit zu trainieren, ging es für uns am dritten Tag rüber zu Townsend Acres, denn ich wollte den Extreme Trail in Anspruch nehmen. Dort warteten für Bahar Hügel, Wippen, steile Hänge, Wasser und weitere Hindernisse. Zuerst durfte er sich immer alles in Ruhe anschauen und dann ging es für ihn mit mir zusammen darüber. Er machte wirklich super mit und schien sichtlich Spaß zu haben.
      An dem Tag machte ich am Nachmittag auch noch das Schrecktraining bei uns in der Halle. Ob Regenschirme, Planen oder Luftballons, alles ließ Bahar kalt und er blieb seelenruhig dort stehen, wo ich ihn abgestellt hatte. „Da sag einer mal, Araber wären unruhige Nervenbündel“, grinste ich ihn an und lobte ihn dann ausgiebig.
      Die erste Woche ging so also erfolgreich vorbei und ich hatte Bahar in allem ausgetestet und desensibilisiert. Die zweite Woche diente rein dem Muskel- und Balanceaufbau. So war sie vor allem geprägt vom Longiertraining in den unterschiedlichsten Varianten, damit es Bahar nicht langweilig wurde. Ich arbeitete auch sehr daran, dass er begann sich selbst zu tragen, den Rücken aufzuwölben und die Hinterhand aktiv unter sich zu bringen.
      Bahar war sehr gelehrig und dementsprechend klappte es bald schon sehr gut. Meist zwar nur für ein paar Tritte, aber es wurden immer mehr. Am Ende der zweiten Woche begann ich auch mit etwas Besonderem: Dem Sattel. Den durfte Bahar erst einmal nur vom Schnuppern her kennenlernen und dann nahm ich mir einen Tag dazu, um ihm erst die Satteldecke und dann den Sattel auf den Rücken zu legen.
      Bahar durfte sich alles ausgiebig anschauen und lief auch schon ein paar Schritte mit Sattel. Dieser lag bisher nur lose auf seinem Rücken, aber es lief wirklich gut. Kurz darauf machte ich auch vorsichtig den Sattelgurt fest und mit jedem Tag zurrte ich ihn etwas fester. Bahar blieb entspannt und wurde auch immer ausgiebig gelobt.
      Ähnlich machten wir es mit der Trense. Erst durfte er sie ohne Gebiss tragen, also machte ich ihm nur das Reithalfter über den Kopf und übte, dass er während des Trensens stillhielt und auf leichtes Antippen auch den Kopf senkte. So war das Auftrensen ganz leicht und Bahar akzeptierte sie auch, nachdem ich die Riemen geschlossen hatte.
      Schon bald stand Bahar in voller Montur in meiner Halle und sah schon aus wie ein ganz Großer. Ab sofort longierte ich ihn auch mit Sattel und ging auch mit Sattel und Trense spazieren. So konnte sich der Hengst in aller Ruhe daran gewöhnen und es wurde zum Alltag.
      Muskeln hatte er inzwischen auch wirklich toll aufgebaut und er sah schon ganz anders aus. Bisher lief es wirklich nach Plan. Aber für meinen zweiten Schritt würde ich immer eine zweite Person haben müssen, also rief ich Elisa an und bestellte sie für den nächsten Tag.

      An diesem Morgen machte ich Bahar so fertig wie immer: Ich putzte ihn gründlich, betüddelte ihn etwas und sattelte ihn dann. Nachdem auch die Trense drauf war, schwang ich mich jedoch in meine Reitstiefel und setzte den Helm auf, denn heute wollte ich das erste Mal in seinen Sattel. Aus diesem Grund kam auch Elisa in meinen Stall und begrüßte uns beide fröhlich.
      In der Halle machte ich erst etwas Bodenarbeit mit Bahar, ehe ich ihn mit Longe an Elisa übergab. Während sie ihn nun hielt, stellte ich mich testweise in den Steigbügel. Außerdem übte ich auch manchmal etwas Druck aus und legte mich kurze Zeit später quer über den Sattel. Bisher war Bahar wirklich entspannt.
      Da es sich wirklich gut anfühlte, entschied ich mich, dass ich mich heute doch einmal draufschwingen konnte. Deshalb hob ich mich ganz vorsichtig in den Sattel und lobte Bahar dann ausgiebig von oben. Es waren nur ein paar Sekunden ehe ich wieder abstieg, aber ich war überglücklich, dass es so problemlos klappte.
      Ab sofort würde Elisa immer beim Training dabei sein, denn das Einreiten konnte man nicht alleine bewerkstelligen. Denn als nächstes sollte Bahar einige Schritte mit mir als Reiter auf sich laufen. Elisa hatte ihn wieder an der Longe und motivierte ihn. Vorsichtig trat Bahar an und auch wenn es noch sehr wackelig war, machte er seine Sache prima.
      Das machten wir nun jeden Tag und so langsam wurde Bahar sicherer und Elisa konnte uns im Schritt schon ganze Bahn führen. Ich gab auch immer ganz leichten Schenkeldruck, wenn Bahar antreten sollte und verlagerte mein Gewicht nach hinten, wenn er anhalten sollte. Dementsprechend lernte er die Hilfen direkt mit.
      Schon bald nahm Elisa uns auf dem Zirkel an die Longe und ich musste Bahar teilweise selbst dirigieren. Es klappte aber echt besser als gedacht. Zuerst arbeiteten wir daran, dass er auf meine Hilfen reagierte, was das Antreten und Anhalten betrat und irgendwann wagten wir auch den ersten Trab. Ich war überrascht, wie gut Bahar diese Aufgaben meisterte.
      So waren wir circa eine Woche an der Longe, ehe wir alleine reiten konnten und die Halle unsicher machten, immer noch mit Elisa an unserer Seite. Wir trabten auch das erste Mal alleine und ich war überglücklich, auch wenn es immer maximal eine Viertelstunde war. Es war toll Pferde einzureiten und sie auf ihrem Weg zum Reitpferd zu begleiten.
      In der vierten Woche kam es zum für mich größten Highlight: Der erste Galopp unter dem Sattel! An der Longe lief Bahar schon sehr balanciert, aber mit Reiter war es doch etwas total Anderes. Erst einmal wollten wir nur, dass er auf die Hilfe reagierte und angaloppierte und wenn es nur ein oder zwei Sprünge waren.
      Das funktionierte auch beim ersten Versuch und so schaute ich direkt, ob ich Bahar in den jeweils richtigen Handgalopp bekommen könnte. Dazu legte ich das äußere Bein etwas zurück und gab innen am Zügel nach, damit die innere Schulter frei war und siehe da, Bahar reagierte einwandfrei – sowohl rechts als auch links.
      Da es das größte Lob für ihn war, schwang ich mich danach direkt aus dem Sattel und lobte ihn auch da noch einmal ausgiebig. Nun war die Grundlage geschaffen: Bahar war angeritten. Ab sofort würde Elisa uns nicht mehr jedes Mal bespaßen, war aber noch regelmäßig dabei.
      Immer noch lag der Fokus auf der Longenarbeit, aber ich ritt Bahar jeden Tag circa zehn Minuten und er machte sich toll. So langsam nahmen wir bei unserem alleinigen Training auch Trab und Galopp dazu. Als Unterstützung für die Balance und als Abwechslung sollte Bahar auch bald seinen ersten Ausritt machen.
      Als Handpferd war er schon öfter draußen gewesen, diesmal holte uns Elisa hoch zu Pferd ab und wir gingen eine kleine Runde in die schöne Natur. Auf einem sehr ebenen und geraden Waldweg ließ ich dann Bahar auch das erste Mal im Gelände traben und er machte seine Sache atemberaubend toll!
      Ausritte machten wir natürlich nur mit Begleitung, aber sie klappten einwandfrei und auch in der Halle machte Bahar Fortschritte. So langsam konnten wir auch auf einen Zirkel gehen und durch die ganze Bahn wechseln. Im Schritt funktionierten sowieso schon die meisten Bahnfiguren und wie es bei Jungpferden üblich war, verstand Bahar auch meist auf Anhieb meine Hilfen.
      Wir erarbeiteten uns alles immer erst einmal im Schritt und sobald dort alles mit leichten Hilfen klappte, machten wir die bereits bekannten Übungen im Trab und dann teilweise auch im Galopp. Ich war ja sehr erstaunt, dass Bahar der Galopp so leicht viel, so viele junge Pferde hatten Probleme damit.
      Außerdem machten wir auch öfters Trailaufgaben, damit Bahar auch kopftechnisch gefördert wurde. Wir gingen auch noch einmal in den Extreme Trail und diesmal geritten. Anfangs machten wir nur die einfachen Hindernisse, aber je sicherer Bahar wurde, desto schwerer ließ ich die Aufgaben werden. Der Hengst wurde gerne gefördert und machte auch wirklich gut mit, wenn das so weiterging, sah ich ihn schon bald wieder auf den Weg nach Hause.

      Die Wochen vergingen und ich arbeitete jeden Tag mit Bahar. Immer sehr abwechslungsreich… Mal gingen wir ins Gelände, mal arbeiteten wir auf den Platz und öfters nahm ich ihn auch noch an die Longe, um an seiner Gangqualität zu arbeiten. Alle Arbeit an der Longe kam immer der Arbeit unter dem Sattel zu Gute. Es dauerte auch gar nicht so lange und ich wagte unseren ersten eigenen Ausritt ohne anderes Pferd.
      Mit Bahar war das fast zu einfach, so entspannt wie er war. Er hörte inzwischen auf die Stimmenkommandos und auch auf die Gewichts- und Zügelhilfen. Ich sah ihn jetzt schon als das ideale Therapiepony, denn er war wirklich ein Engel auf vier Hufen und das als so junges Pferd.
      Nebenbei besaß er auch sehr schöne Gänge, weshalb wir auch fleißig Stangenarbeit machten, sowohl an der Longe als auch unter dem Sattel. Das förderten Takt und Losgelassenheit und nebenbei machte es sowohl Bahar als auch mir Spaß. Es war also ideal.
      Schon lange war Bahar nicht mehr das Jungpferd vom Anfang, sondern inzwischen wirkte er auch schon ganz anders, wenn er auf der Weide stand. Viel selbstbewusster und größer. Er hatte unglaublich an Muskeln zugelegt und sein Charakter hatte sich auch nur zum Besten gewandelt. Ich war mir sicher, dass ihm das Leben als Reitpferd sogar sehr zusagte, so viel Spaß wie er an der Arbeit hatte.
      Und auch wenn ich Bahar am liebsten direkt bei mir behalten hätte, kam irgendwann der Tag, an dem ich dann bei Jani anrief und ihr Bescheid gab, dass ihr schöner Hengst nun schon fertig war. Sie freute sich sichtlich und wir vereinbarten den Termin für die Heimreise. Bis dahin trainierte ich Bahar noch regelmäßig und arbeitete für Jani auch einen fortfolgenden Trainingsplan aus, an welchem sie sich orientieren konnte.
      Schon früh am Morgen wurde Bahar dann abgeholt. Ich hatte ihn bereits fertiggemacht und so konnte er direkt verladen werden. Auch seine Ausrüstung wurde verladen und dann umarmte ich erst Bahar und dann Jani noch einmal zum Abschied, ehe die beiden unsere Ranch wieder verließen.
      Bahar war ein tolles Pferd und er würde mir auch mehr als positiv in Erinnerung bleiben. Ich hatte den Kerl wirklich gern. „Also wenn du mal einen Trainer für ihn suchst, ich wäre sofort da!“, meinte ich noch lachend zu Jani und winkte ihr dann hinterher.

      September 2016, by BellaS
      Pflege
      „Verena, du hast schlicht und einfach zu viele Pferde.“, beendete ich das Telefonat. Den nächsten Tag würde ich wohl oder übel auf der Gips Reminder Ranch in Kanada verbringen, um Verena O‘Connor ein wenig unter die Arme zu greifen.
      Am nächsten Morgen bekam ich von einer abgehetzten Verena mit entschuldigendem Blick eine Liste in die Hand gedrückt. „Du weißt ja wo alles ist.“, meinte sie etwas zerknirscht und hastete direkt davon. Na das fing ja gut an. Ganze fünfzehn Pferde hatte sie mir zugeteilt. Was früher der Trau eins jeden kleinen Reitermädchens gewesen war, war nun purer Stress.
      Ich begann im Stall der Vollblüter. Teasie, My lovely horror Kid, Arsil und Bahar waren allesamt Araber, die nicht unbedingt groß bewegt werden mussten. Ich suchte mir freie Paddocks und lud die vier dort ab. Für ihre Bewegung würden sie heute selbst sorgen müssen und ich hatte schon 4 von 15 Tieren versorgt. Als ich das letzte Pferd auf der Liste sah, Kristy Killings, eine Stute aus dem Zuchtstall, holte ich sie kurzerhand aus ihrer Box und stellte sie zu Teasie. Die beiden würden sich hoffentlich vertragen. Nun widmete ich mich den Pferden aus dem Trainingsstall. Dun Its Smart Investment, genannt Candy, wollte ich meine fehlenden Kenntnisse im Westernsattel nicht antun, daher musste sie an der Longe laufen. Das stellte sich auch schnell als gute Idee heraus, denn sie war eine pure Zicke, mit der ich im unbekannten Sattel wohl nur schwer fertig geworden wäre. Auch der Hengst Hollywood King Gun, genannt Husky, kam an die Longe, da er mir mit seinen drei Jahren noch viel zu jung zum reiten vorkam. Dass Westernpferde in diesem Alter schon längst eingeritten waren und bereits erfolgreich Turniere gingen, erfuhr ich erst am Abend von Verena, als ich ihr von meinem Tag berichtete. Als nächstes kam eine Stute, neben die Verena eine Notiz geschrieben hatte. Sie wurde nämlich unsicher, sobald der Reiter sie nicht führte, ansonsten war die lammfromm. Sweet little Secret war ihr Name. Da ich aber endlich reiten wollte, verzichtete ich einfach auf den Sattel und ging ohne auf den Platz. So war ich wieder vollkommen sicher und konnte die Stute führen, die sich wirklich vorbildlich benahm.
      Zwischendurch machte ich eine kurze Pause um mir etwas zu Essen zu holen und tobte dann mit den vier Fohlen von meiner Liste, Dun Gotta Gun, Bellamy, Wild Berry und Blossom Magic etwas im Roundpen. Anschließend durften auch die Kleinen auf den Paddock, denn ihrem Bewegungsdrang war noch nicht genüge getan. Nun blieben noch drei Pferde. Zwei Stuten und ein Hengst, der aus übler Haltung kam und sich schwer händeln ließ. Zues hieß er. Da ich hier nun wirklich nicht riskieren wollte in den Sattel zu steigen, machten wir ein bisschen Schrecktraining am Boden. Obwohl ich heute eigentlich nichts schaffen musste, erzielten wir ein paar Erfolge und ich war recht zufrieden. Auch wenn ich momentan nicht offiziell trainierte, war doch noch viel vom Trainer in mir übrig. Die zwei Stuten, VK Aquila T Mistery und Snapper Little Lena durften nals letzte sogar einen kleinen Spaziergang genießen. Obwohl beide Stuten es durchaus in sich hatten, konnte ich den kleinen Eindruck Kanadas genießen. Am Abend berichtete ich dann noch Verena. Ich musste eindeutig mal Unterricht im Westernsattel nehmen. Obwohl ich schon hin und wieder auf einem westerngerittenem Pferd gesessen hatte, war ich noch nicht mal ansatzweise sicher und das sagte ich Verena auch. Schließlich war es doch Zeit für die lange Heimreise und erst auf dem Fahrersitz des Leihwagens merkte ich, wie müde ich war.

      September 2016, by Bracelet
      Distanz E - A
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      Fliegen. Das war definitiv keine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Zumindest nicht solange es nicht auf dem Rücken eines Pferdes stattfand. Nervös krallte ich mich in die Armlehne des dunkelgrünen Sessels des Airbusses. ,,Evangeline. Gib's endlich zu du hast Flugangst.'',stieß Joey neben mir augenrollend aus. ,,Ich? Nein. Ich doch nicht.'',tat ich ihn daraufhin genervt ab. Möglichweise hatte er Recht. Doch es half nichts. Ich wollte unbedingt nach Kanada. Ich hatte bereits Fotos gesehen und unser Reiseziel war wirklich absolut traumhaft. Es würde sich lohnen.

      Einige Stunden später hatte ich endlich wieder festen Boden unter den Füßen. Am liebsten hätte ich diesen geküsst, was ich auch tatsächlich beinahe mehr oder weniger freiwillig getan hätte, da meine Knie so unfassbar weich geworden waren. ,,Komm endlich.'',meckerte Joey schon wieder. Ich schnaufte und trottete hinter dem großgewachsenen Schnösel hinterher. Auch wenn er manchmal noch so süß aussah; mit seinen dunkelbraunen, zotteligen Haaren und seinen mittelgrünen Augen, hätte ich mir in diesem Moment nur gewünscht, dass das Karma ein einziges Mal den Richtigen erwischen würde. Immerhin war es nicht okay was er vor kurzem getan hatte.

      ,,Oh guten Tag.'',sagte ich freundlich als wir endlich auf der wunderschönen Ranch angekommen waren und mir die Besitzerin, eine relativ junge Frau, die Hand reichte. ,,Ich habe euch schon zwei Zimmer frei gemacht. Ich zeige sie euch schnell.'',entgegnete sie etwas schüchtern und ging voraus. Ich zog meinen unpassenden, pinken Mädchenkoffer hinter mir her und folgte ihr. Als wir angekommen waren traute ich erst meinen Augen gar nicht. Das Zimmer war wirklich schön. Etwas rustikaler eingerichtet; ganz im Westernstil. Sehr hell und freundlich. Das Bett sah am bequemsten aus und schien mich nach dem Langstreckenzug magisch anzuziehen. ,,Das hier ist deins, Evangeline.'',sagte die Dame und stellte sich mir anschließend als Verena O'Connor vor. Anschließend bot sie mir das Du-Wort an und meinte, wir könnten uns erst mal ausruhen und morgen zeige sie uns dann die Pferde und das Anwesen.

      Nach einer wunderbaren, erholsamen Nacht und einem ausgiebigem Frühstück schlüpfte ich in meine Reitbekleidung. So ging es dann in Verenas Büro und sie zeigte uns die Pferde und das Whiteboard mit den Trainingsplänen. Zusammen mit Joey sollte ich diesen Monat, welchen ich zur Gänze auf der Gips Reminder Ranch verbringen durfte, 11 Pferde trainieren.

      Das erste Training stand eine Stunde später auch schon an. Es ging auf einen mehr oder weniger entspannten Distanzritt. Die beiden Pferde dabei waren zwei edle Vollblüter. Araber. Eine Rasse mit der ich sonst eher wenig zu tun hatte. Dennoch war ich angenehm überrascht als ich begann mit dem schönen Schecken Bahar zu arbeiten. Schon beim Putzen und Satteln stellte sich heraus, dass er ein überaus angenehmes Gemüt hatte. Er war sofort aufgeschlossen mir gegenüber und sehr gehorsam. Joey befasste sich zur selben Zeit mit Teasie. Die ebenso bildhübsche Scheckstute schien allerdings das Stillstehen in der Stallgasse absolut nicht leiden zu können. Genervt scharrte sie mit dem Huf und trippelte auf der Stelle hin und her.

      Der Ritt an sich gestaltete sich für mich sehr angenehm. Bahar ging gut vorwärts und hatte eine absolut atemberaubende Ausdauer. Auch Teasie, deren Vorwärtsdrang von Joey sogar noch gezügelt werden musste, machte eine gute Figur. Wir erkundeten das Gelände im Umkreis der Ranch und kontrollierten immer wieder, bei den regelmäßigen Pausen, die Herzfrequenz der beiden Pferde. Es sah gut aus. Die Distanzklasse A würden sie wohl ohne Probleme erreichen können.

      Als wir nach diesem kleinen Probetraining wieder am Stall ankamen durften sich die beiden auf der Koppel ausruhen, während ich und Joey schon zu den nächsten beiden Kandidaten gingen. Arsil und My lovely Horror Kid, ebenfalls zwei hoch im Blut stehende Pferde sollten ihre Ausdauer verbessern und anschließend auf der Distanzklasse A stehen. Joey entschied sich dabei für Arsil. Ich machte mich mit Horror vertraut, welche ihrem Namen heute höchste Ehre machen sollte. Zuerst zeigte sie sich freundlich und ließ sich beim Putzen verwöhnen. Doch sobald ich mit dem Sattel kam war klar: Diese Stute hatte überhaupt keine Lust mit mir zu arbeiten. Sie schlug genervt mit dem Schweif und warf ihren Kopf immer wieder hoch in die Luft. Einmal versuchte sie mich zu beißen, konnte aber durch den etwas kürzeren Anbindestrick nicht. Als sie dann startklar war und wir zum Platz Warmreiten gehen wollten zeigte sie wunderschöne Seitengänge im Kreis um mich herum. ,,Heey!'',stieß ich energisch auf und gab ihr einen Impuls mit dem Zügel. Es half kurzzeitig. Dann testete sie mich weiter auf meine Führungsqualitäten. Einige Minuten später schien ich mich vom Boden aus durchgesetzt zu haben. Aber kaum saß ich im Sattel begann die Schwerstarbeit von vorne. Zuerst wollte sie mir nicht Schritt gehen sondern Traben. Dann ließe sie sich nicht mehr antraben sondern ging rückwärts. Dennoch blieb ich hart und wir setzten unsere Trainingseinheit fort. Sobald sie etwas müder wurde schien das Problem behoben. Doch dann galoppierte sie wie von einer Biene gestochen an und hielt ganz plötzlich. daraufhin folgte ein fliegender Übergang in eine Galopppirouette. Dann sprang sie hoch in die Luft und riss mir die Zügel aus der Hand. Irgendwie schaffte ich es dennoch mich zu halten und sie einzufangen. Anschließend verhielt sie sich allerdings ungewöhnlich gehorsam und unsere Trainingseinheit wurde unerwartet dennoch ein voller Erfolg. So störrisch sie anfangs auch war. Talent hatte sie allemal und auch Arsil hinkte ihr um nichts hinterher.

      Nach diesem anstrengenden Ritt gönnte ich mir erst mal eine kleine Mittagspause. Anschließend wollte ich etwas Dressurarbeit mit Shiryo, einem Pferd, welches mich in meiner Zeit bei Verena besonders faszinierte. Sie war wirklich ganz besonders; eigen. Ich putzte sie sehr ausgiebig bei unserer ersten Begegnung. Im Glauben der Cremello würde anschließend für längere Zeit weiß bleiben. Nunja - zumindest ein guter Vorsatz war es und die Stute war tip-top für die Dressurstunde herausgeputzt. Anschließend legte ich ihr eine dunkelblaue Schabracke auf den Rücken, sattelte sie und stattete ihre Beine mit ebenso dunkelblauen Bandagen aus. Dann noch schnell getrenst und schon konnte es los gehen. Unsere Trainingseinheit startete mit ausgiebigen zehn Minuten Schritt am langen Zügel. Shio, wie sie von allen liebevoll genannt wurde, genoss die Bewegung und ebenso das gemütliche dahin schleichen während ihr Stallkamerad Firewalker bereits fleißig arbeitete. Er wurde ebenfalls von der Einsteiger- auf die Anfängerklasse ausgebildet und war voll und ganz konzentriert bei der Sache. Shio tat es ihm anschließend gleich während ich unterschiedliche Hufschlagfiguren und Tempiwechsel mit ihr vollführte. Die engeren Volten und Trabverstärkungen lagen ihr besonders gut. Das aus dem Trab anhalten gelang hingegen am wenigsten, was die neuen Lektionen anging. Sie schien sich nicht allzu gerne plötzlich abzustoppen beziehungsweise heute generell stehen zu bleiben. Dennoch verlief das Training erfolgreich und würde wohl bei erneuter Vertiefung bald Früchte tragen.

      Zu guter Letzt für den heutigen Tag folgte eine Springtrainingseinheit mit Dun Its Smart Investment. Die wunderschöne Stute war zwar etwas stur aber dennoch sehr mutig und wendig, was sie für die Anfängerklasse im Springsport natürlich sehr interessant machte. Sie schien Talent zu haben. Möglicherweise konnte man da noch mehr rausholen aber dies würde sich wohl in Zukunft zeigen. In der heutigen Stunde nahm ich zuerst ein paar kleinere Sprünge mit zwei Vorlegestangen aus dem Trab. Dann ein etwas höheres Kreuz mit Vorlegestange aus dem Galopp. Nach einem besonders schönen Sprung ließ ich es für heute gut sein. Sie sollte immerhin mit einem positiven Bild vor Augen die heutige Einheit beenden. ,,Guuuutes Mädchen!'',lobte ich sie und streichelte sie am Hals ehe ich die letzten paar Schrittrunden mit ihr begann.

      Am darauffolgenden Tag begann ich erneut mit Candy, wie Verena sie zu nennen pflegte. Heute sollte es schon etwas anspruchsvoller werden. Ich hatte mir zuvor einen kleinen Parcours aufgebaut, den ich am Ende der Stunde mit ihr absolvieren wollte. Für den Anfang hieß es jedoch wieder fleißig aufwärmen, dann ein paar Bodenstangen auf gerader und gebogener Linie im Trab, ein paar im Galopp, überspringen und anschließend ein kleines Kreuz nehmen. Diesmal ohne Vorlegestange. Da dies so gut klappte ritt ich sie schon bald auf einige Sprünge des Parcours einzeln zu. Sie zog sehr schön und ließ sich jedoch auch immer gut zurück nehmen. Obwohl Springen für Westernpferde wohl eine sehr ungewöhnliche Aufgabe war mauserte sie sich zur Musterschülerin. Der Parcours am Ende überraschte mich noch einmal mehr. Was für ein tolles Pferd!

      Kurz darauf baute ich die Hindernisse etwas höher. Joey würde Gun and Slide im Springen von A nach L trainieren und ich würde vom Boden aus Aaron unterrichten, der mir von Anfang an sehr symphytisch war. Er würde mit meiner Hilfe mit seiner bildhübschen Stute Scarlet Sun eine Klasse höher erreichen. Zumindest hieß es das für die Stute - der Reiter selbst war bereits bis Anfang M sattelfest. Generell fand ich, dass er wirklich gut ritt. Ein paar Kleinigkeiten gab es natürlich auszumerzen aber ich war fest davon überzeugt, dass er Scarlet gut ausbilden würde. Sie war ebenfalls ein sehr artiges Exemplar und machte alles gut mit.

      Nach einer erfolgreichen Reitstunde ging es für mich und Joey dann Mittagessen. Danach longierte ich Shio über ein paar Bodenstangen um ihr ihren Rücken noch ein wenig mehr zu stärken und ihren Vorwärts-Abwärts-Drang etwas zu unterstützen. Danach ging es mit Joey ins Gelände. Er ritt Hollywood King Gun und ich die bildhübsche My Sweet Little Secret, welche im Military von E nach A trainiert werden sollten. Nach kurzer Zeit aufwärmen teilten sich meine und Joeys Wege. Ich ritt mit Sweety gemütlich noch ein wenig Schritt hinaus ins Gelände. Dabei dachte ich darüber nach wie Joe nur auf die Idee gekommen war einfach nicht mehr im Stall aufzukreuzen und dann plötzlich mein Ausbildungspferd mit in ein anderes Gestüt zu nehmen. Ich war absolut enttäuscht von ihm. Die Stute war mir sehr ans Herz gewachsen und er wusste dies. ,,Wiieh.'',riss es mich aus den Gedanken und Sweety unter mir scheute vor einem Baumstamm neben uns. SIe ging mit ihren Vorderbeinen augenblicklich in die Höh, drehte sich und galoppierte wie wildgeworden in Richtung Stall. Ich nahm augenblicklich die Zügel an. Kaum Reaktion. Meine Hilfegebung wurde stärker. Ich zupfte kurz an den Zügeln. Immer noch keine Reaktion. ,,Heeey Ruuhig.'',versuchte ich es noch einmal mit dem Einsatz meiner ruhigen Stimme ehe ich beschloss sie mir vorne umzudrehen. Sie stockte und reduzierte in der Wendung ihr Tempo. Dann ging sie rückwärts. Mir war klar - dies war wohl ein langwierigeres Problem.

      Im Laufe des kommenden Monats trainierten ich und Joey Verenas Pferde weiter. Candy zum Beispiel wurde ein ausgezeichnetes Springpferd, Shio ein tolles Dressurtalent und Sweety lernte mutiger zu werden, über Naturhindernisse der Klasse A zu springen und im Gelände, zumindest unter meiner Leitung, nicht panisch zur Ranch zurück zu laufen, wenn sie vor etwas Angst bekam. Damit war unsere Arbeit auch schon getan und ich und Joey verabschiedeten uns freundlich von unseren tollen Gastgebern.

      Oktober 2016, by Veija
      Auftakt in ein neues Leben
      In den letzten Wochen war viel auf der Ranch passiert. Ein ganzer Haufen Pferde hatte uns verlassen, ein paar waren dazu gekommen. Einige Mitarbeiter und ich hatten an einem Dressurturnier teilgenommen, an dem Aaron und Augen auf! Ich komme, sogar den ersten Platz gemacht hatten!
      Worauf wir besonders stolz waren war, dass Bellamy und Zuckerschock es geschafft hatten, den 3. Platz zu ergattern! Sehr zum Leidwesen von Octavia, die Bellamy regelrecht angeschrien hatte, weil sie eine Platzierung ergattern wollte. Nun waren wieder alle Zuhause und es hätte ja Ruhe einkehren können, wenn da nicht noch immer die Idee wäre, um zu ziehen. Svejn und ich wollten uns heute einen potenziellen Hof anschauen, denn die Ambitionen der Gips Reminder Ranch hatten sich ein wenig geändert, und auch dieser Hof gab nicht mehr das her, was er einmal versprochen hatte.
      "Svejn jetzt komm schon!", sagte ich etwas genervt und drehte den Autoschlüssel in meiner Hand hin und her. "Ich komm ja schon...", sagte er genervt und humpelt voran. Er durfte mittlerweile wieder laufen und auch reiten, aber das Laufen schien ihm noch ziemliche Probleme zu machen, weshalb er seinen Alltag lieber reitend verbrachte- zum Leidwesen seines Physiotherapeuten, denn dieser hatte ihm verboten, zu viel zu reiten. Aber er kannte Svejn mittlerweile ja sehr gut, er konnte nicht ohne reiten.
      Endlich waren wir im Auto und ich konnte los fahren. Die Fahrt verlief eigentlich relativ stillschweigend, denn Svejn musste sich auf sein Handy konzentrieren, um mir den Weg zu sagen- ich musste mich auf die Straße konzentrieren, denn diese Ranch lag wirklich weit ab vom Schuss, aber dennoch in der Nähe der Ferienranch und unserer alten Ranch.
      Dort angekommen schauten wir uns schon skeptisch um, denn die gesamte Ranch wirkte verlassen, überall waren die Zäune kaputt, Hecken und hohes Gras wucherten überall. "Hm, nicht das, was ich mir erhofft hatte.", sagte ich niedergeschlagen zu Svejn, der wohl meine Meinung teilte. "Komm, wir gehen erst mal zum Haus und lassen uns alles zeigen.", meinte er schulterzuckend und zusammen gingen wir zum Haupthaus, wo auch schon auf uns gewartet wurde. "Guten Morgen Mr. & Miss O'Connor.", sagte die junge Dame, die weder Svejn noch ich korrigierten. Svejns Name war einfach zu kompliziert. "Vorweg muss ich ihnen leider sagen, dass die Ranch in keinem guten Zustand ist, denn mein Vater ist vor etwa einem Jahr von uns gegangen und seit dem steht die Ranch leer.", erklärte sie und und fing an, uns eine kurze Runde durch das Haus zu führen. "Warum hatte ihr Vater eigentlich ein so großes Haus?", fragte ich die Dame dann bei der Tatsache, dass hier mein Team dreimal reinpassen würde. "Sie werden gleich bei der Führung sehen, dass sie hier eine riesige Ranch betreten haben. Deshalb ist auch das Haus sehr groß.", sagte sie und führte uns aus dem Haus heraus in die obere Ecke der Ranch. Dort waren zwei Offenställe mit 3 großen Koppeln. "Hier könntest du deine Pferde hin stellen.", sagte ich freudig mit einem Blick auf den Offenstall, bei dem eine große Koppel war. "Und hier könnten die Jungpferde stehen.", schwärmte ich, ehe wir weiter gingen. Es gab ein kleines Gemüsefeld, einen See und nun kamen wir an der Rennbahn an. "Wow.", sagte ich begeistert. Es war um mich geschehen, diese Ranch würde unser neues Zuhause werden. Svejn hatte meinen Blick gesehen und zwanghaft gelächelt, wir würden so viel Arbeit in die Ranch stecken müssen, bevor wir hier einziehen konnten, doch er wusste, dass wir das schaffen konnten.
      Die junge Frau zeigte uns noch den Rest der Ranch, zum Beispiel die drei großen Ställe mit Paddocks und Koppeln, die Offenställe, die Reithalle aber auch die beiden Reitplätze. Neben der Ranch gab es noch einiges an Weideland und einen großen Wald, den wir mit kaufen konnten. "Wir werden uns morgen melden.", verabschiedeten wir uns dann, ehe wir uns auf den Weg nach Hause machten. Diese Fahrt verlief wesentlich lauter. Ich quatschte Svejn die Ohren voll mit der Ranch und dass ich sie unbedingt haben wollte, auch wenn sie einfach viel zu groß für uns war. "Aber wir könnten Einsteller nehmen.", meinte ich dann und er nickte.
      Am Abend erzählte ich meinen Mitarbeitern von der Ranch und schon am nächsten Morgen befand ich mich wieder dort- diesmal in Begleitung von Caleb, damit er sich ein Bild vom Hof machen konnte. Ich legte noch immer viel Wert auf seine Meinung, weshalb ich sein OK haben wollte, bevor ich den Kaufvertrag unterschreiben wollte. Er segnete die Ranch ab und ich unterschrieb den Kaufvertrag, nachdem ich den Preis noch ein wenig gedrückt hatte. Nun kamen die verkauften Pferde der Ranch zugute, denn ohne diesen Verkauf hätten wir die neue Ranch nicht kaufen können und solange wir noch hier lebten, konnten wir die alte Ranch nicht verkaufen.
      So kam es, dass wir eine ganze Weile erst die Pferde auf der alten Ranch versorgten und dann auf die neue Ranch fuhren, um die Zäune zu reparieren, die Stallungen neu zu verputzen, und und und.

      Nun war der Tag des Umzugs endlich gekommen, auf den ich schon so lange gewartet hatte. Leider würde es nur ewig dauern, alle Pferde rüber zu bekommen, denn wir hatten noch immer 63 Pferde. Vermutlich würden bald noch ein paar Pferde den Besitzer wechseln, aber diese 63 Tiere würden allesamt mit auf die neue Ranch kommen. Ein grober Plan, wo welche Pferde hinkamen, war schon gemacht- und da man hier in Kanada oder generell in Amerika nicht so zimperlich war, was Pferde verladen anging, hatten wir uns ein paar einfache Trailer geliehen, in die die Pferde einfach hinein sprangen. Um jedoch trotzdem Verletzungen zu vermeiden, würden alle Pferde Transportgamaschen tragen, denn ganz leichtsinnig musste man ja nicht sein.
      Anfangen wollten wir mit den Jungpferden, da diese am längsten brauchen würden, bis wir sie im Hänger hatten. VK A Gun Colored Lena, Like Twist and Gun, VK Drag's Solo Queen, PFS' Blossom Magic sowie Wimpys Little Devil und ihr Fohlen GRH's Unbroken Soul of a Devil waren die ersten Pferde, die wir verluden und zur neuen Gips Reminder Ranch fuhren. Es dauerte eine ganze Weile, bis wir die Tiere im Trailer hatten, doch sobald alle drin waren, waren wir ruck zuck auf der neuen Ranch und konnten die Tiere auf die Koppel entlassen. Wimpys Little Devil war wirklich ein Ruhepol, was ich nicht gedacht hatte. Ich ließ sie mit ihrem Fohlen noch ein paar Tage bei den Stutfohlen laufen, ehe Devil abgesetzt wurde und die Stute ihre Box im Trainingsstall bezog, denn wir wollten sie wieder aufbauen und im Sport laufen lassen.
      Die nächsten Pferde waren die Hengstfohlen VK Bellas Dun Gotta Gun, Bellamy' O, VK Funky's Wild Berry und PFS' VK' Snap in Style. Zusätzlich fuhren noch Cielos Double Dun It und Chocolate Dream mit. Choco und Gipsy fanden ihren Platz in ihren Stallungen, die anderen Pferde kamen auf die Koppel.
      Nun schauten wir erneut ein wenig nach den Plätzen, wo die Pferde hinkommen sollten, so dass wir in windesweile Arsil, Bahar, Daryl gone Mad, Golden Ebano, Sacramento XX, Scoubidou, Silberstern, Seattle Slew, Turf Runnder, Wildfire, Firewalker, Stiffler, Drag me to Hell, Drama Baby, My lovely Horror Kid, Nyanda, Priamos Ruffia Kincem, Shiryō, Supernova, Teasie, Wolfs Bane, Zuckerschock, Abraham van Helsing, Alan's Psychedelic Breakfast , Cauldron of Renascence , Eldrian Antrax, Funky Powerbabe, Gun and Slide, Hollywood King Gun, Hollywood's Silver Dream, Spooks Gotta Gun, Stormbringer, Amarula van Helsing, Augen auf! Ich komme, Bella Dun Del Cielo, Kristy Killings , Marly's Pluie , Snuff, Blazing Flame, Comeback of a fallen Goddess, Dakota, DunIts Smart Investment, My sweet little Secret, Ocarina of Time, Raspberry, Scarlet Sun, Snapper Little Lena, Striga, VK Aquila T Mistery, Samug, Thjalve van de Jötunheimr und Moon's Pumpkin auf der neuen Ranch hatten. Lediglich bei Zues und Raised from Hell hatten wir unsere Probleme, so dass wir sie beide sedieren mussten, um sie verladen zu können. Sie fanden auch beide einen Platz auf den Koppeln, wo sie 24/7 stehen würden, bis wir mit ihrem Training weiter gekommen waren, dass wir sie anfassen konnten. Zues würde auch bald kastriert werden. Zwar war das schade um seine Abstammung, aber wir konnten das Risiko nicht mehr eingehen und hofften, dass er es als Wallach zumindest ein wenig einfacher haben würde als jetzt als Hengst.
      Erschöpft fiel ich am Abend auf die Couch. "Ich glaube morgen gibts nen freien Tag.", lachte ich und schaute in die Runde, denn noch waren alle Mitarbeiter in der Stube bei mir. "Also.. Pferde misten, füttern und auf die Koppel bringen morgens. Es wir keins trainiert, geritten oder sonst was. Macht, was ihr wollt.", lachte ich und schaute in eine Runde zufrieden nickender Gesichter.
    • Quinzel
      Alte Berichte:
      Hara Artemis

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      Gegen den Wind

      Der Blick aus dem kleinen verstaubten Stallfenster verriet mir, dass es Mittag war. Die Sonne schien bereits jetzt schon sehr extrem. Hätte ich ein Thermometer gehabt, dann hätte mir dies bestimmt über 20 Grad angezeigt. Aber ich hatte keins. Wozu auch.
      Wenn es heute noch wärmer werden sollte, musste ich die Pferde von den Weiden holen. Auch wenn sie als Vollblüter Wärme gut aushalten konnten, war trotzdem der kühle Stall für sie um einiges angenehmer.
      Geschickt verfrachtete ich die letzten Pferdeäpfel aus der Box in eine Schubkarre, legte dann die Mistgabel hinein und machte mich auf den Weg zum Misthaufen. Die alte Eisenschubkarre verursachte ein lautes Scheppern auf dem trockenen Schotter und selbst wenn ich in der Nähe Nachbarn gehabt hätte, hätte es mich nicht interessiert, dass ich zur Mittagszeit solch laute Töne von mir gab. Aber das nächste Haus lag sowieso mehr als fünfhundert Meter weiter, sodass ich noch nie Probleme mit meinen Nachbarn gehabt hatte.
      Die Türken, die waren manchmal schon ein komisches Volk. Das Land war einzigartig, aber die Politik, die Wirtschaft und der Umgang mit Tieren einfach nur widerlich. Schon de Öfteren hatte ich verwunderte Blicke auf meinem Gestüt ruhen sehen. Blicke von Menschen, die Pferde nur angekettet in kleinen Boxen kannten, wo ihnen der eigenen Dreck bis an den Bauch ging. Pferde waren in den Augen vieler vor allem Mittel zum Zweck oder Sportgeräte, ich liebte diese Tiere. Ich liebte mein Leben, seitdem ich es mit ihnen verbringen konnte und das hätte ich mir früher nie vorstellen können.
      Nachdem ich mit einem kraftvollen Schwung die Karre auf dem immer höher werdenden Misthaufen ausgeleert hatte, brachte ich sie zurück ins Stallgebäude, blieb dann einen kurzen Moment überlegend stehen und entschied mich dann dafür, etwas Schönes zu tun. Ich liebte es, schöne Dinge zu tun und ich hatte mir vorgenommen, mindestens einmal am Tag etwas zu tun, bei was ich wirkliche Freude empfand. Das war zum Glück nicht allzu schwer, wenn man einen Hof voller Pferde besaß.
      An Bahars Box hing sein hübsches hellbraunes Halfter. Erst vor kurzem hatte ich meinem jüngsten Pferd eine komplett neue Ausrüstung gekauft und dieses braune Halfter, so schlicht es auch aussehen mochte, war die Spitze des Weihnachtsbaumes gewesen. Der dazu passende Strick komplettierte das Ganze noch.
      Bahar stand zusammen mit seinem älteren Freund und Weidegenossen recht hofnah, sodass ich nicht lange brauchte. Es tat mir für die Pferde Leid, dass ihnen das heiße Wetter des Sommers das ganze Gras genommen hatte und sie so nun seit einigen Monaten auf trockenem Sandboden stehen mussten. Aber nun mit dem anlaufenden Regenwetter kamen Tag für Tag neue kleine Grashalme dazu und ich freute mich für die Pferde, dass das Schlimmste für dieses Jahr überstanden war.
      Es war Liebe auf den ersten Blick gewesen, als der junge Hengst mich aus dem Anhänger heraus angestarrt hatte. Seine großen blauen Augen hatten sich sehnlichst nach einem neuen Zuhause gesehnt und durch sie hindurch hatte ich bis in das Innerste des Pferdes schauen können. Seitdem Zeitpunkt waren wir beide unzertrennlich und auch wenn ich die anderen Pferde genauso in mein Herz geschlossen hatte, war Bahar der Freund, mit dem ich mein Leben verbringen wollte.
      Geschickt schlüpfte ich unter dem Zaun hindurch und kaum hatte ich mich aus der Hocke wieder aufgerichtet, stupste mich eine zarte gescheckte Nase an. Ich musste lächeln, drückte dem Hengst einen kleinen Kuss aufs Maul und wuschelte ihm dann durch seine dicke und gut gepflegte Mähne. Ich bemerkte eine Bewegung aus dem rechten Augenwinkel und keine Sekunde später, drängte auch Arsil seinen Kopf dazwischen. Neben Khadir war der Fuchs einer der wichtigsten Deckhengste des Gestüts und mit seiner gutmütigen Art hatte er bereits einigen bezaubernden Fohlen zum Leben verholfen. Heute wollte ich mich jedoch nur mit Bahar beschäftigen und so schickte ich mit einem deutlichen Zeichen den Hengst von mir. Fast wie ein trauriger Hund ließ er seine Ohren fallen und senkte den Kopf, bevor er sich gekonnt auf der Stelle umdrehte und sich im langsamen Schritt von uns entfernte.Es war erstaunlich, wie schnell die Pferde gelernt und verstanden hatten, dass niemand zu kurz kam, es jedoch bestimmte Regeln gab.
      Bahars Halfter war schnell angelegt und wieder einmal bewunderte ich das schöne Ding an so einem schönen Kopf. »Komm mein Süßer, lass uns einen Ausritt machen.« flüsterte ich ihm zu, bevor ich mit ihm an meiner Seite zurück zum Stall ging.

      Zwanzig Minuten später war der junge Hengst komplett ausgestattet. Seine gebisslose Trense und der nagelneue Westernsattel, beides natürlich im hübschem hellbraun, ließen Bahar unglaublich edel aussehen. Leider schindete ich diesen Eindruck bestimmt, denn meine dreckige Jeans und das nicht mehr ganz so helle Hemd, sowie meine verfilzten schwarzen Haare (na gut, so extrem sahen sie nun auch nicht wieder aus), hatte ich natürlich nicht ausgezogen.
      Bevor ich aufstieg, versuchte ich mit meiner Hand mein Pony etwas zu richten und meine Haarpracht zu einem geflochtenen Zopf zu verflechten, auch wenn ich um diese Zeit nur wenige Menschen auf der Straße treffen würde.
      Laut, genauso wie der Klang meiner vollen verrosteten Schubkarre, klangen Bahars Hufe auf dem sandigen und steinigen Schotter, als ich ihn die Einfahrt entlang in Richtung Wald ritt. Entspannt hatte der Araber seinen Kopf gesenkt und seine Ohren nach vorne gerichtet und auch ich genoss den frischen und salzigen Wind des Meeres in meinem Gesicht.
      Erst dieses Jahr war der Hengst eingeritten wurden und ich war erstaunt, wie selbstverständlich er mich auf seinem Rücken akzeptierte, ohne sich bis jetzt einmal dagegen gewehrt zu haben.
      Der Weg führte uns zwischen den Feldern entlang. Rechts lag ein großer Kanal und links konnte ich in der Ferne die kleine Stadt Sazköy erkennen. Ansonsten war keine Menschenseele zu sehen, genau wie ich es erwartet hatte. Als das Gelände hügeliger wurde, verschnellerte ich unser Tempo und ließ Bahar antraben. Immer noch wehte ein kleiner Luftzug, sodass die Wärme sogleich viel angenehmer wurde.
      Das Gelände war unglaublich und auch wenn ich in den letzten Monaten bereits jeden Quadratmeter erkundet hatte, war es immer noch eine Augenweide für mich, wenn ich von den grünen Hügeln hinab in das Tal schaute und dahinter das große dunkle Meer lag. Das schwarze Meer passte zu mir wie die Faust aufs Auge. Dunkel und tief, aber trotzdem weich und sanft.
      Erst nach mehr als einer Stunde, als ich bereits einen Sonnenbrand auf meinen Schultern vermutete, schlug ich einen Pfad zurück zum Gestüt ein. Auch Bahar witterte den Geruch seiner pferdigen Freunde und ließ schon von weitem ein Wiehern zu ihnen erschallen.
      Die erste Weide, welche wir passierten, war unsere kleine Stutenweide. Hier standen I‘ll never leave you, sowie Pounts Püppchen und Hestia. Alle drei Stuten reckten ihre Köpfe über den Zaun hinweg, als Bahar mit hoch erhobenem Schweif und aufgeblähten Nüstern an ihnen vorbei tänzelte. Ich ließ ihn gewähren, sollte er doch den Macho raushängen lassen. Ich wusste selbst, dass ich es insgeheim ziemlich cool fand, wenn ein Araber seine Schönheit so zeigte und selbst wenn ich es niemals zugegeben hätte, wäre Bahar ein Mensch, hätte ich mich sofort in ihn verliebt. Dieser Gedanke ließ mich, obwohl keine Menschenseele in der Nähe war, auf einen Schlag rot werden.
      Ich mochte es nicht, wenn ich über solche Dinge wie Liebe nachdachte, das machte mich verlegen und ich wollte nicht verlegen sein, denn ich war Artemis und eine Kämpferin zeigt keine Angst, keine Furcht und keinen Scham.

      Am Nachmittag, als die Sonne hoch über uns stand und auch keine Wolke mehr die größten Strahlen von der Erdoberfläche abhielt, holte ich auch die restlichen Pferde von den Weiden. Bahar und Arsil waren bereits in ihren Boxen und genossen dort die Kühle, welche ich auch den anderen Pferden geben wollte.
      Zanyah und Khadir, zwei der besten Zuchtpferde, folgten kurz darauf. Bei Tiramisu entschied ich mich dafür, ihn draußen stehen zu lassen. Seine Weide besaß als einzige einen großen Schatten spendenden Baum unter welchem der braune Hengst vor sich hin döste.
      Als letzte holte ich die sanfte Badriyah von einer Weide recht nah am Flussufer. Ich sah ihr an, dass sie schleunigst in die Box wollte, wo sie nicht von Mücken gepiesackt werden konnte.
      Erst als alle Pferde gründlich untersucht und versorgt worden waren, schmierte ich mir eine kleine Scheibe Brot und ließ mich, im Schatten des Vordachs, mit einem Buch in meiner Hängematte nieder. Der sanfte Wind blies mir durch die Haare und während ich so da lag, wurde mir wiedereinmal bewusst, wie zufrieden ich war und ich wusste, dass das in der heutigen Zeit ein seltenes Gefühl geworden war.

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      Mit dem Regen

      Heute Morgen wachte ich mit einem komischen Gedanken auf. Ich wusste nicht so genau, ob mich wirklich der Gedanke aus meinem Schlaf gerissen hatte, oder ob es doch nur ein lauter Vogelruf gewesen war, aber der Gedanke war und blieb auf irgendeine Weise beängstigend.
      Auch beim knappen und wenig nahrhaften Frühstück tauchte die kleine Idee immer wieder auf, sodass ich mich irgendwann dazu gezwungen sah, diesen mal genauer zu betrachten. Ich fragte mich tatsächlich, ob es nicht langsam sinnvoll wurde, mir Hilfe anzuschaffen. Ich fragte mich das, ich, die seit Jahren die pure Alleingängerin war und das war echt gruselig. Klar, bis jetzt bekam ich noch alles selbst gestemmt, aber wie lange würde meine Kraft reichen? Wie lange würde ich die Energie finden, jeden Morgen aufzustehen? Wie schnell könnte mein Leben eine unvorhergesehene Wendung nehmen und was würde dann mit all den Pferden werden?
      Bereits nach einer Minute wurde mir der Gedanke an den Gedanken zu viel und ich brach den Strom mit lauter Musik auf den Ohren ab. Für heute reichte es, mit dem Nachdenken über solche Unsinnigkeiten. Ich mochte das allein sein. Punkt.
      Nachdem es die letzten Tage unheimlich angenehmes Wetter gewesen war, leicht bedeckter Himmel mit einem frischen Wind vom Meer, hatte es diese Nacht extrem umgeschlagen. Bereits in der Nacht war das ganze Himmelsdach in einem Blitzregen explodiert und das ständige Grollen des Donners war bestimmt bis auf die andere Seite der Welt zu hören gewesen. Erst in den frühen Morgenstunden hatte sich der Kampf im Himmel gelegt, übrig geblieben war nur noch ein heftiger Regenguss, welcher auch jetzt noch nicht aufgehört hatte. In dem ich mir meine gelben Gummistiefel und meine Regenjacke überwarf, versuchte ich mich die paar Metern bis zum Stallgebäude durchzuschlagen. Mein Plan, nicht nass zu werden, funktionierte unheimlich gut. Scherz. Bereits nach zwei Metern tropfte mir das Wasser von den Haaren und meine Hosen verfärbte sich dunkelblau.
      Ich seufzte, als ich den Stall erreichte und endlich die Stalltür aufschieben konnte. Ich war ein großer Fan des Regens, gar keine Frage, aber jetzt im Herz konnte und wollte ich auf keinen Fall krank werden. Der Nachteil war auch, dass ich meine Pferde so nicht auf die Weiden bringen konnte und ich wusste, dass das die meisten nicht gerade toll fanden. Obwohl die Boxen für türkische Maßstäbe riesig waren, war es auch für die Pferde nichts schönes, den ganzen Tag stehen zu müssen.
      In aller Ruhe, heute würde ich wohl den ganzen Tag im Stall verbringen, begann ich damit, meine Pferde zu versorgen. Erst Heu nachlegen, dann die verschiedensten Futtermischungen und zum Schluss noch die Kontrolle des Wassers. Es war mittlerweile pure Routine für mich und normalerweise brauchte ich dazu auch nicht lange, aber heute nahm ich mir bei jedem meiner Pferde die Zeit, es kurz zu streicheln, ihnen etwas zu erzählen oder einfach nur die Nähe zu den Pferden zu genießen.
      Baraija und Tiara erwärmten mir mal wieder mein Herz, als ich sah, wie nah bei einander die beiden Stuten standen und obwohl eine Trennwand zwischen ihnen war, schienen sie die Wärme des anderen zu genießen. Schon des Öfteren hatte ich mich vorgenommen, die Box etwas umzubauen und nun, da ich sowieso nichts anderes tun konnte, nahm ich es in Angriff. Tiara und Baraija mussten deshalb natürlich in eine andere Box neben Barakah umsiedeln, welche allerdings nichts dagegen hatte, etwas Gesellschaft ihrer Freundinnen zu bekommen. Mit einem Akkubohrer bewaffnet, ich war erstaunt, dass ich den tatsächlich in meiner unordentlichen Werkstatt fand, machte ich mich an die Arbeit, um einige der oberen Holzlatten abzuschrauben. Fada Fid zwei Boxen weiter fand die Lautstärke gar nicht in Ordnung und gerade als ich die letzte Schraube gelöst hatte, trat sie mit aller Heftigkeit gegen die Boxenwände aus Holz. Ich musste schmunzeln, denn so zickig war die Süße sie selten, auch wenn ich sie gut verstehen konnte, nachdem sie bereits eine Nacht mit der Lautstärke des Himmels hatten schlafen müssen.
      Zufrieden betrachtete ich mein Werk und auch wenn ich wusste, dass es nicht gerade eine Meisterleistung gewesen war, würde ich damit Tiara und Baraija eine unheimliche Freude machen.
      Die beiden Stuten waren schnell wieder in ihren eigenen Boxen und gerade als ich die Tür von Baraija schließen wollte, fiel mein Blick auf das verstaubte Boxenschild. Es war noch gar nicht so lange her, als ich sie mir hatte anfertigen lassen, aber anscheinend schien der Stall reichlich viel Staub zu produzieren, sodass bereits die nächste Schicht die Schriftzüge verdeckte. Ich zog die Augenbrauen hoch, blickte einen Moment unschlüssig auf das Schild und entschied mich dann doch dafür, es mal wieder zu putzen.
      Besonders bei Loveletter und seinem Freund Asfari-Sharin war es fettig und staubig, dafür waren die Schilder der beiden Fohlen des Gestüts noch wie nagelneu. Die Hengste waren unheimlich hübsch und ich wusste, dass beide später ein wichtiger Bestandteil meiner Zucht werden würden. Dazu noch die Farben, mein Gott, die wurden jeden Tag aufs Neue schöner. Ich konnte es selbst noch nicht ganz fassen, dass sie mir gehörten. Arias besaß die seltene Farbe Bloody Bay und Antar ibn Dahr war ein bis jetzt noch dunkles Fohlen, welches später definitiv noch ausschimmeln würde.
      Ich fühlte mich unheimlich tatkräftig und das, obwohl es draußen immer noch regnete. Mit einem warmen Kaffee aus dem Büro im Stall, setzte ich mich, an einen Heuballen gelehnt, ins große Tor des Stalls und blickte hinaus in die Welt, in welcher hundert kleine Tropfen, Sekunde für Sekunde vom Himmel fielen und große Pfützen auf dem vertrockneten Boden bildeten. Die Erde schluckte das Wasser, als wäre sie kurz vorm verdursten gewesen und genau das war bestimmt der Fall. Es war selten, dass so spät im Jahr nur so wenig Regen vom Himmel kam, sodass wir diesen nun dringend gebraucht hatten.
      Hinter mir hörte ich ein lautes Wiehern. Bestimmt Arsil, denn kurz darauf folgte ein sanftes Schnauben und das konnte nur Lilli sein, welche gleich in der Box neben an stand.
      Mit einem liebevollen Lächeln auf den Lippen schloss ich die Augen und lauschte den Geräuschen der Natur. Fast schon wäre ich eingeschlafen, als mich ein kleines krächzendes Geräusch vor meinen Beinen wieder aufwachen ließ. Es war, was ich erst nach längerem hinschauen erkannte, unglaublicherweise ein kleines Katzenjunges. Wahrscheinlich erst vor wenigen Wochen geboren, schneeweiß und mit hellblauen Augen. Ich hätte nie gedacht, dass genau dieses kleine Tier, mein Leben um ein vielfaches verschönern würde.

      Eine Katze, noch nie in meinem Leben war ich für so ein kleines Tier zuständig gewesen, aber jetzt, wo es so unsäglich durchnässt, mit bittenden hellblauen Augen vor mir gestanden hatte, musste ich es einfach hoch nehmen und das Junge in meine Jacke wickeln. Ich hätte es nie für möglich gehalten, aber ich bezeichnete den aufkommenden Schwung der Gefühle, als Muttergefühle und das beeindruckte mich selbst wahrscheinlich mehr, als jeden anderen. Durch den Regen rannte ich zurück zum Haus, mit diesem winzigen Jungen in meinen Armen. Es war eiskalt und schon fast befürchtete ich, dass er es nicht schaffen würde. Das erste Mal in meinem Leben bedauerte ich es, dass ich es noch nie für nötig gehalten hatte, mir Internet anzuschaffen, denn jetzt hätte ich dringend einen guten Rat gebraucht.
      Mit aller Mühe versuchte ich die nächsten Stunden das Junge aufzupäppeln und war ein weiteres Mal stolz auf mich, als ich wenig später am Abend dem kleinen Kerl beim Erkunden meiner Wohnung beobachten konnte. Er war zum Glück gut genährt und nur der kalte Regen schien ihn so geschwächt zu haben. Hätte ich ein Auto gehabt, so wäre mein erster Weg der zum Tierarzt gewesen. So musste ich es allerdings auf Morgen verschieben.
      Syntrofos, griechisch für Gefährte, nannte ich ihn, so, als hätte ich schon heute gewusst, dass er mich eine ganz schön lange Zeit begleiten würde.
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      Eine Begegnung der besonderen Art
      Der Junge, der meinem Auto die Reifen wechselte, war komisch. Immer wieder während seiner Arbeit blickte er zu mir hinüber und ich bereute schon die Entscheidung, mir keinen Leihwagen genommen zu haben, sondern einfach in der Werkstatt hatte warten wollen. Zugegeben, schlecht sah er nicht aus, aber diese Blicke brachten mich echt zum Schwitzen. Vom männlichen Geschlecht hatte ich mich schon immer fern gehalten.
      Klar, ich hatte vor Dreck stehende Stallschuhe, eine zerfetzte Jeans und ungekämmte Haare, aber der da am Boden sah mit seiner fettigen Arbeitshose und den schwarzen Hände auch nicht gerade sauber aus, als sollte das eigentlich nicht der Grund für sein Interesse sein.
      Es dauerte gefühlte Stunden bis die alten und abgefahrenen Reifen meines dreisig Jahre alten und ganz zufällig vor kurzem ersteigerten Chevrolet Trucks durch nagelneue ersetzt waren und ich rechnete jeden Augenblick damit, dass er sein Werkzeug fallen lies und mich irgendwo hin verschleppte. Bis er fertig war und sich mit seiner öligen Hand die Haare aus dem Gesicht strich, was eine dunkle Spur quer von einem Ohr zum anderen hinterließ, passierte nichts dergleichen, was mal wieder ein gutes Beispiel dafür war, dass ich einfach zu wenig unter Menschen war.
      Wie um sich von der schweren Arbeit zu erholen, stand er auf und lehnte sich erschöpft an mein blutrotes Gefährt, den einen Arm auf die Motorhaube gelegt.
      "Ein hübschen Wagen hast du hier." meinte er und klopfte mit der einen Hand nickend auf das Blech. Ich reagierte nicht darauf, wie auch, mein Mund war ausgetrocknet bis zum geht nicht mehr und ich wusste nicht so genau, ob das an dem Kerl da einige Meter vor mir lag oder an der genauso ekligen Luft in der Werkstatt, welche mich davon abhielt vernünftig atmen zu können.
      Aber anstatt mich nun nach keiner Antwort meiner Seits nach einem Date, dem Geld für die Reifen oder einem eventuellen Freund zu fragen, Achtung jetzt wird es äußerst unglaublich, spuckte sein Mund folgende Wörter aus: "Hast du am Wochenende Lust auf einen gemeinsamen Ausritt?" Mein bis dahin zugekniffener Mund fiel wahrscheinlich auf, als wäre er aus schwerem Stahl.
      "W-was?" fragte ich wenig elegant und blickte ihn verstörrt an.
      Er zuckte nur mit den Schultern und blieb immernoch ganz gelassen, würde ich übrigens auch gerne können.
      "Weiß nicht, du sahst einsam aus, ich bin einsam und da könnte man doch mal etwas zusammen machen, oder? Ein Ausritt war das naheliegendste, bei der uns gegebenen Situation."
      "Wo-woher weißt du denn, dass ich ein Pferd habe?" fragte ich immer noch leicht geschockt und ziemlich perplex. So als hätte er eine Brille auf, neigte er den Kopf nach unten und schaute dann mit einem leichten Grinsen zu mir hoch. Ich merkte, dass das bei meiner Kleidung und bestimmt auch meinem Geruch nicht gerade schwer zu erkennen war. So ein Mist, ich roch bestimmt meilenweit gegen den Wind, wie peinlich!
      "Nein wirklich! Ich fände es mega cool, wenn wir mal was zusammen machen. Ich bin übrigens-", kurzfristig besann er sich nochmal anders und zeigte mit einem Finger warnend auf mich. "Warte kurz, ja?" und dann huschte er, ohne eine Antwort zu erwarten, zu einem Waschbecken in der hinteren Ecke der Werkstatt, um sich den Dreck von den Händen zu schrubben.
      Witzig, so als hätte ich eine andere Möglichkeit als zu warten, denn immerhin hing mein Truck noch einige Zentimeter in der Luft.
      Ungeduldig trat ich von einem Fuß auf den anderen und wusste selbst nicht so recht, ob ich wollte, dass er schnell oder langsam wieder zurückkam. Schlussendlich dauerte es keine drei Minuten und der ansehnliche junge Mann kam mit sauberen Händen zu mir zurück. Bereits im Gehen kramte er auch einer Hosentasche einen abgerissenen Zettel und einen dreckigen Kuli, mit welchem einige Zahlen auf den Zettel pinselte. "Bittschön", meinte er, reichte mir den Zettel und blieb nur gefühlte 80 Zentimeter vor mir stehen. Ich hasste Jungs! Immer nahmen sie einem die Kraft zum Atmen und so ungerne wie ich es zugab, aber dieser Mechanikerboy, mit den langen lockigen Haaren und den olivgrünen Augen war echt mega heiß.
      Mein Aussehen war mir immer egal gewesen, aber nun strich ich mir nervös meine Haare glatt und tatsächlich war mein erster Gedanke, ob ich ihm gefiel. Aber logischerweise sollte ich das, denn welcher Junge sprach schon ein Mädchen an, was er nicht kannte und was er noch nicht mal als hübsch bezeichnete? Ja genau! Guter Gedanke Artemis! Ich nahm den Zettel nach längerem Zögern an.
      "Also nochmal. Ich bin Altair und es wäre mir eine große Ehre, wenn du mit mir am Wochenende einen Ausritt machen würdest."
      Altair. Ich mochte diesen Namen. Ich zuckte mit den Schultern und schaute kurz unschlüssig zu ihm hoch, bevor ich meinen Blick wieder auf den Zettel in meinen Händen richtete. Bevor ich ihm eine Antwort geben konnte, schallte eine tiefe Männerstimme aus einer der anliegenden Räume und nur wenig später kam ein älterer und sehr grimmig wirkender Mann durch eine Tür getrampelt.
      "Kara was soll das? Da drausen warten fünf weitere Wagen. Willst du deinen Job verlieren? Ja? Kein Problem! Denn wenn ich nochmal sehe, dass du während der Arbeitszeit dich mit anderen Dingen beschäftigst, dann fliegst du schneller hier raus als du denkst!" schrie er fast und zeigte wütend und mit schwabbelnden Fettbauch auf Altair vor mir, bevor er durch die Tür durch die er gekommen war, zurückwatschelte.
      Altair verdrehte genervt die Augen, drehte sich dann aber ohne noch etwas zu sagen um und ließ meinen Wagen mithilfe eines Hebels wieder zu Boden gleiten.
      Stumm bezahlte ich ihn, stieg in meinen Truck und ließ den Motor an. Ich war selbst überrascht von mir, aber bevor ich aufs Gas trat, kurbelte ich das Fenster nochmal nach unten. "Altair!" rief ich und Altair drehte sich nochmal zu mir um, "Ich melde mich bei dir."
      Ein glückliches Lächeln erschien auf seinem Gesicht und er nickte kurz. Dann gab ich Gas und verließ mit neuen Reifen die Werkstatt.
    • Quinzel
      Alte Berichte:
      Hara Artemis

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      Distanz A → L

      Nachdem sich der Regen der letzten Tage wieder gelegt hatte und die Erde nun in neuem Glanz erstrahlte, war es wohl mal wieder an der Zeit, auch wichtige Dinge zu machen. Immerhin wollte ich bereits im nächsten Frühjahr die ersten eigenen Fohlen hier auf dem Hof haben und dazu brauchte man dringend erfolgreiche Eltern. Das bedeutete im Klartext: Training. Ich tat es nicht gerne, viel lieber fühlte ich mich frei und ungezwungen, allerdings brauchte ich dringend ein Fundament und endlich ein eigenes Einkommen, denn noch ein Jahr von dem Geld meines Vaters wollte ich nicht leben. Ich war ihnen, ausnahmsweise, mal dafür dankbar, dass sie mir das Leben hier in der Türkei ermöglichten, was aber nicht hieß, dass ich all die Jahre vergaß, in denen es mir nicht so gut ging.
      Um nicht der Mittagshitze ausgesetzt zu sein, verließ ich in aller Frühe meine Wohnung und bereitete den jungen Bahar auf sein Distanztraining vor. Bereits vor einiger Zeit war er von einer bekannten und sehr guten Trainerin ausgebildet worden und da ich sowieso mit dem Hübschen fast täglich ins Gelände ging, waren seine Muskeln um einiges gewachsen. Bahar hatte ein riesen Potenzial was das Distanzreiten anging und da auch dies eine meiner Lieblingsdisziplinen war, passte das super zusammen.
      Noch lag der Tau auf den trockenen Grashalmen, aber ich wusste, dass es keine zwei Stunden dauern würde, bis auch die letzte Feuchtigkeit verschwunden war.
      Bahar hatte ich erst vor kurzem eine nagelneue Ausrüstung gekauft und nachdem ich diese nun mehrere Tage eingeritten hatte, wurde es Zeit, dass er sie mal bei einem richtigen Distanztraining tragen durfte.
      Wie gerne würde ich mit Bahar ein Stückchen von Zuhause wegfahren, um mit ihm nicht bereits gut bekannten Wege nehmen zu müssen, allerdings war in diesem Moment an einen eigenen Pferdeanhänger noch nicht zu denken. Der alte, welchen der Vorbesitzer des Hofes zurückgelassen hatte, hielt das Gewicht meines Pferdes bestimmt nicht mehr aus.
      Nachdem ich Bahar geputzt und gesattelt hatte, rüstete auch ich mich aus. Meinen Pulsmesser, mein Handy, eine Karte für eventuelle Notfälle und die Checkkarte von dem Hengst, auf welcher ich unsere Werte eintragen würde. So konnte ich auch später noch genau erkennen, wie gut und wie schnell wir uns verbessert hatten.
      Nachdem ich aufgestiegen war, schaute ich auf die Uhr und begann unsere Ritt. Die ersten zwei der für heute zu schaffenden 45 Kilometer gingen wir noch im Schritt, sodass wir beide, aber vor allem Bahar sich warm laufen konnte. Dann gurtete ich noch einmal nach, kontrollierte den Sitz der Ausrüstung und gab ihm das Zeichen zum Trab. Es war ein langsamer und noch gemütlicher Trab, je länger wir jedoch unterwegs waren, desto mehr trieb ich ihn auch an. Bahar hatte das fantastische Talent, dass er nicht nur entspannt langsam laufen, sondern auch entspannt schnell laufen konnte und das war eine gute Grundlage für ein Distanzpferd. Sollte das Training heute gelingen, wollte ich ihn sobald wie möglich an einem Distanzturnier anmelden.
      Mein geplanter Ritt führte mich ein Stückchen durch Sazköy, der kleinen Gemeinde, zu welcher auch mein Gestüt zählte. Am Ende des Dorfes nahm ich allerdings einen Abzweig hinauf in die Berge, wo wir ungestörtes Reitgelände vorfanden.
      Unsere Hauptgangart war und blieb der Trab. Vor allem auf dem ersten Teil der Strecke hielt ich das Tempo noch einigermaßen gering und achtete eher darauf, dass sich Bahar nicht allzu schnell auspowerte. Die ersten 20 Kilometer gingen auch relativ schnell vorbei. Zu meist war unser Weg leicht bergauf gegangen, sodass der Trab sowieso perfekt gewesen war. Nun, im zweiten Teil des Ritts, würde es allerdings viel bergab gehen und mein Plan war deswegen, die dadurch verlorenen Zeit zum Ende hin auf dem flachen Gelände durch einige Galoppstrecken wieder herauszuholen.
      An unserem kleinen Rastplatz entsprang ein kleiner Bergbach. Perfekt also nicht nur für Bahar, sondern auch für mich. Das Wasser war kühl und klar und so konnte ich es genauso genießen wie mein Hengst.
      Nachdem ich Bahars Pulswerte genommen hatte, welche, für die anstrengende Strecke, überaus gut waren, ließ ich ihn einige Minuten grasen, jedoch sagte mir ein Blick auf meine Uhr, dass wir uns mit dem Heimweg beeilen sollten, denn in der puren Mittagssonne wollte und konnte ich keinen so schon anstrengenden Distanzritt machen.
      Schwungvoll und mit viel Motivation saß ich wieder auf, ließ Bahar den letzten Schluck nehmen und trieb ihn dann wieder an.
      Wie ich es vorausgesehen hatte, war der Abstieg nicht gerade einfach. Das noch feuchte Gras war überaus rutschig, die Wurzeln waren eine große Gefahrenquelle und dann kam noch die Anstrengung des steil abfallenden Weges dazu. Trotzdem schafften wir beide es, die viele Ausritte in die Berge schienen nicht umsonst gewesen zu sein, in nicht allzu langer Zeit. Dafür war der Weg am Strand entlang zurück zum Gestüt dann das wahre Paradies. Hier ließ ich die Zügel lang und Bahar galoppierte so frei und gelassen, dass wir die verlorenen Zeit innerhalb weniger Kilometer wieder aufgeholt hatten.
      Als ich die Hara Artemis vor mir sah, parierte ich ihn wieder in den Schritt durch und versuchte seine Pulswerte so schnell wie möglich sinken zu lassen. Meine Uhr sagte mir, dass wir nur knapp 3½ Stunden für die Strecke gebraucht hatten und das war für ein noch unerfahrenes Distanzpferd überaus hervorragend.
      Zurück auf dem Hof warf ich ihm sofort eine Decke über und nahm nun noch einmal seine Pulswerte. Ich hatte ganz knapp Glück, denn seine Werte lagen nur einen Punkt unter dem von 64. Das bedeutete, dass ich kein weiteres Mal messen musste und bei einem richtigen Distanzritt hätte er damit bestanden.
      Glücklich lobte ich den nassgeschwitzten Kerl und brachte ihn dann zur Belohnung in seine Box, wo auf ihn frisches Heu und neues Kraftfutter wartete. Zufrieden zog ich den Sattel von seinem Rücken, putzte ihn kurz trocken und brachte ihn dann nach draußen auf die Weide, wo bereits Arsil unruhig am Zaun entlang lief und auf seinen besten Freund wartete.
      Auch mir hatte der heutige Tag bewiesen, dass ich dazu fähig war, ein Pferd zu trainieren und das gab mir einiges an Mut und Motivation für die Zukunft. Mein liebster Bahar durfte nun in der Distanz auf L laufen.

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      Nacht und Sterne

      Steif war mein Blick auf den kleinen Fernseher vor mir gerichtet. Fast schon unbemerkt kraulte ich den kleinen weißen Kater zu meiner Rechten hinter den Ohren. Seit Tagen und Wochen wurden die Nachrichten von Tag zu Tag kurioser. Mein Land, das Land in welches ich gezogen war, es lief dem Untergang entgegen und so langsam schlich sich bei mir die Angst ein. Die Angst, dass der nächste Schritt den Krieg bedeuten würde. Ich hatte Angst um meine Pferde, all diese Pferde!
      Die Tür meiner Wohnung würde quietschend geöffnet und nur wenige Sekunden später ließ sich seufzend Altair neben mir nieder. "Na, schaust du schon wieder Nachrichten?" fragte er mich und machte es sich auf meiner Linken bequem.
      "Bleibt mir leider nicht viel anderes übrig, wenn ich nicht unerwartet von einer Bombe getroffen werden möchte. So weiß ich jedenfalls, wann unser Untergang bevorsteht."
      "Positiv wie immer, die Artemis, was?" meinte Altair neckisch. Ich antwortete nicht sofort.
      "Altair, das ist wirklich kein Spaß. Schau dir das mal an, wir sind in der Vergangenheit gelandet!"
      "Ne nicht ganz, wir haben Popcorn!" meinte er fröhlich und hielt mir eine Plastiktüte mit ziemlich ekligen und süßen Popcorn unter die Nase, welche er definitiv in dem Billigladen um die Ecke gekauft hatte. Altair grinste.
      "Na da sind wir aber weit zurückgerutscht, immerhin wurden Puffmaiskörner gefunden, welche etwa 4000 Jahre alt sind." Manchmal verstand ich selbst nicht, wie Altair es schaffte, mich in meinen schlechtesten Zeit so zum Lächeln zu bringen. Ein Lachen würde er heute nicht von mir zu hören bekommen, aber das Lächeln schenkte ich ihm gerne.
      Altair wechselte das Thema und schaute mich nun mit einem ernsten und nachdenklichen Blick an. "Wenn du das wirklich willst, dass würde ich mich auf die Suche nach einem Platz für unsere Tiere machen, der in einem sicheren Gebiet ist." Ich zog eine Augenbraue hoch.
      "Du machst dich auf die Suche." Zweifelnd blickte ich ihn an. Syntrofos schien sich aus unserer Unterhaltung ausgeschlossen zu fühlen und kletterte auf meinen Schoß, wo er sich laut schnurrend niederließ. Altair zuckte die Achseln. "Ja, ich denke, ich weiß schon, an wen ich mich wende."
      "Willst du mir es vielleicht auch verraten?"
      "Nö, es soll eine Überraschung für Syntrofos werden." Ohne mit der Wimper zu zucken blickte er mich weiter an. "Kommst du jetzt? Ich habe gedacht, du willst deinen neuen Pferden vielleicht eine Box vorbereiten." Mit diesen Worten stand er auf und verließ pfeifend und mit den Hüften schwingend die kleine Wohnung. Wieder erschien ein Lächeln auf meinen Lippen, merkte jedoch gleich den prüfenden Blick des Katers auf mir ruhen. "Schau mich nicht so an! Da läuft nichts zwischen uns!" Syntrofos zog die Läfzen nach oben und schenkte mir ein gruselig aussehendes, aber klar erkennbares Grinsen. "Wir sind nur Freunde!" Energisch verteidigte ich mich. "Er hilft mir bei der Stallarbeit, nur deswegen ist er hier und jetzt runter mit dir! Ausnahmsweise hat Altair nämlich Recht, die Boxen stehen an." Ich schaltete den kleinen Fernseher aus, zog meine grüne Jacke über und verließ dann, gefolgt von meinem weißen Schatten, das kleine Haus.

      Altair hatte bereits in dem kleinen Stalltrakt begonnen die drei restlichen noch leeren Boxen von Spinnenweben und altem Heu zu befreien. In der einen hatte wir über längere Zeit das Kraftfutter gehortet, welches nun allerdings etwas weiter in der neuen Futterstube zu finden war. Schweigend nahm ich mir eine weitere Mistgabel und half ihm dabei. Die Stallarbeit war für uns beide mittlerweile Routine geworden und wir hatten uns still auf eine Teilung des Stalls geeinigt. Seit dem Altair bei mir eingezogen war, seine alte Wohnung war ihm kurzfristig gekündigt worden, half er mir ihm Gegenzug die Pferde zu versorgen und kümmerte sich um die technischen Dinge auf dem kleinen Gestüt.
      Gegen drei am Nachmittag setzte dann ein strömender Regen ein und die dunkle Wand aus dem Westen rückte immer näher. In eine warme Decke eingehüllt saß ich auf einem hölzernen Stuhl am offenen Stalltor und wartete auf die Ankunft der drei neuen Pferde. In letzter Zeit hatte es einige gegeben, die ihre Pferde für nicht allzu viel Geld verkaufen wollten und auch wenn ich innerlich lange mit mir gekämpft hatte, hatte ich mich für drei dieser Pferde entschieden. Shady war schon länger gekauft, Cardiacs Kaufvertrag erst vor wenigen Tagen unterschrieben wurden und kleine Abqa Hasna war eine Rettungsaktion gewesen. Ich hatte natürlich nicht nein sagen können, als mich der Tierschutz darum gebeten hatte, sie aufzunehmen.
      "Artemis, ein Fahrer hat angerufen." Altair gesellte sich zu mir und hockte sich neben mich. Erschrocken drehte ich mich zu ihm um. "Alles gut Süße!" Altair hob beide Hände in die Luft, während ich ihn immer noch angstvoll anblickte. "Die Ankunft verzögert sich nur, sie stehen im Stau." Erleichtert atmete ich aus, zog die heruntergerutschte Decke wieder auf meine Schultern und blickte weiter hinaus in den Regen. "Ich habe gerade Arias und Antar von der weide geholt, die beiden sind völlig durchgefroren. Hilfst du mir, die Beiden mit Handtüchern trocken zu rubbeln?"
      Ich war dankbar für die Aufgabe und folgte Altair zu der größeren Box der beiden Jährlinge, welche sich vom ersten Moment an vertragen hatten.
      "Ich nehme Antar." Bestimmend zog ich den kleinen Kerl zu mir, welcher au dünnen Beinen zitternd vor mir stand. Für einen Araber hatte er recht langes Winterfell, welches durch den Regen jetzt schwer an seinem Körper klebte. Stumm versuchte ich mit dem etwas zu kleinen Handtuch den kleinen Kerl trocken zu kriegen und nach etlichen Schrubben, stand ein völlig verwirrter und zerzauster Hengst vor mir. Auch Arias sah nicht besser aus, dafür waren beide jetzt verhältnismäßig trockener als vorher.
      Da der Regen immer noch noch nicht aufgehört hatte und weit und breit auch kein Pferdeanhänger mit den drei neuen Pferden zu sehen war, entschied ich mich dazu, auch die anderen Pferde nach Hause zu holen. Nur zwei der Hengste, Arsil und Khadir, welche weiter im Innenland geschützt von Bäumen standen, würden den Regen wohl ohne mein Zutun überleben. Während ich Asfari-Sharin und Loveletter von ihrem Paddock holte, nahm sich Altair Bahar und Tiramisu an, welche zur Zeit noch einzeln auf einer Weide in der Nähe des Strandes standen.
      Nach den Hengsten kamen die Stuten. Die Angelegenheit war weniger einfach, da alle auf einer Weide standen. An sich war das ja kein Problem, aber Belaja wollte dort nicht ohne Fada Fid stehen. Fada verlässt die Wiese jedoch nicht ohne Barakah und Barakah wiehert dann Tiara hinterher. Mittlerweile hatte ich wegen dieses Problems jedoch einen Plan aufgestellt, welcher so aussah: Als erstes gehen Belaja und Fada, zusammen mit Barakah und Tiara. Baraija und Bardiyah kommen danach, gefolgt von Püppchen und Lilli. Hestia war eine unserer ältesten Stuten und ich befolgte ihren Wunsch, immer als letzte auf der Weide bleiben zu dürfen.

      Es war ein Wunder, als es wenig später den letzten Regentropfen regnete und nur kurze Zeit später ein großer LKW mit drei Stuten im Gepäck die uneben Einfahrt entlang auf das Gestüt fuhr. Beide Männer waren recht nett und erledigten mit mir im Voraus den Papierkram, währenddessen sich Altair damit beschäftigte, alle drei Pferde aus dem Hänger auszuladen. Ich hatte mit Erstaunen festgestellt, dass Abby ein Kind von meiner geliebten Hestia war und war mir sicher, dass aus ihr eine wahre Pracht werden würde. Shady hatte bereits jetzt mein Herz im Sturm erobert, während Cardiac ziemlich eigenwillig war. Beide waren jedoch hervorragende Zuchtstuten und vielleicht würde es nicht mehr lange dauern, bis auch sie mir Süße Nachkommen schenken werden.
      Nachdem die drei Stuten ausgeladen waren und noch etwas perplex auf dem Hof standen, verabschiedete ich mich von den Pferdebringern und führte die drei zusammen mit Altair zu den neuen Boxen am Ende des Stalls. Es dauerte nicht lange und sie kauten glücklich an dem frischen Heu. Ich freute mich auf die Arbeit mit ihnen, entschied mich jedoch dazu, heute nichts mehr zu tun, außer gegebenenfalls etwas leckeres zu Essen und einen Film zu schauen, der lenkte immer gut von wichtigeren Themen ab. Altair sah ich bis zum Abendbrot nicht wieder und erst als der leckere Geruch von Brokkoliauflauf durchs Haus wabbelte.
      "Wo warst du denn so lange?" Frage ich erstaunt, als sich Altair von hinten näherte und sich dann auf der Arbeitsplatte neben mir aufstützte.
      "Ich sagte dir doch, dass ich unser kleines Problem klären wollte."
      "Und?"
      "Was und?"
      "Na hast du es geklärt?!"
      "Wenn du das sagst, dann klingt das so, als würde das Licht meines Autos nicht mehr gehen."
      "Das Licht deines Autos geht auch nicht mehr,"
      "Stimmt, da hast du nun auch wieder Recht."
      "Also? Was ist nun?"
      "Ich habe hunger."
      "Du Blödmann, du bekommst nichts, bevor ich nichts genaueres weiß!"
      "Jaja schon gut, du musst nicht immer gleich so brutal werden. Ich habe mit Nico gesprochen-" Endlich gab sich Altair geschlagen. Ich seufzte.
      "Mit dem weiteren Blödmann aus Norwegen? Woher kennst du den eigentlich?!?" Bestürzt schaute ich ihn an. Darauf hätte ich ja selbst kommen können, dass er gleich zu diesem "du Martin" rannte, immerhin hatte der ja jede Menge Geld und ich wusste, dass Altair sich gerne vom Geld locken ließ.
      "Ja genau der und Nico ist gar nicht so schlimm wie alle denken. Außerdem hatte ich dir schonmal erzählt, dass ich den im Urlaub vor ein paar Jahren kennengelernt hatte. Ich fand ihn nett und außerdem, was ja für uns der entscheidende Punkt ist, hat er uns seine Hilfe angeboten. Wir können unsere Pferde zu ihm nach Norwegen bringen und das ist immerhin eines der sichersten Länder dieser Welt."
      "Wie hieß das Gestüt? Irgendwas mit "T" oder so, ne?" Ich runzelte die Stirn, während ich aus dem warmen Ofen den lecker riechenden Auflauf holte und diesen eilig, weil ziemlich warm, auf dem Küchentisch abstellte.
      "Tyrifjord Ranch, genau. Unsere Pferde und auch wir wären sicher und mal ehrlich, juckt es dich nicht ein bisschen die Welt kennenzulernen?"
      Ich zuckte mit den Schultern. "Doch schon, ein bisschen."
      "Siehst du, dann steht dem ja nichts mehr im Weg."
      "Aber mein Gestüt-!"
      Altair kam auch mich zu und einen Moment hatte ich Angst, dass er mich küssen würde. Sein Blick lag weich auf meinem Gesicht und ließ mich automatisch einen Schritt nach hinten weichen. Altair legte jedoch nur seine Arme um meine Hüften und zog mich an sich. "Artemis, komm mit mir in den Norden. Öffne die Augen und sehe diese tolle Welt vor dir, nicht immer nur all das Negative."
      Lange Zeit sage ich nichts, ein Markenzeichen von mir, sondern genieße nur den warmen Körper meines Freundes. "Ok, ich komme mit."


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      Galopp E → A

      I'll never leave you | Bahar | Baraija | Tiara Al-Bahri | Asfair Sharin
      Kurz nach sechs, Freitagmorgen. Die Sonne stand schon oder noch am Himmel, das konnte ich nie so richtig einschätzen, seitdem ich hier in Norwegen wohnte. An manchen Tagen schien sie noch nichtmal unterzugehen. Ich gähnte und versuchte mir dann meine Müdigkeit aus den Knochen zu schütteln. Altair war bereits auf den Beinen, als ich die Treppe in den Stall hinunter gestolpert kam. Die Pferde kauten zufrieden an ihrem Heu, während mein Freund hin und her huschte und die letzten Handgriffe machte. Vuyo, Eyvind und Malte hatten sich glücklicherweise dazu bereits erklärt, uns beim Training unter die Arme zu greifen und mit den Arabern die neue Rennbahn an der Ostseite der Insel einzuweihen. Nachdem ich die Pferde verteilt hatte (Vuyo als ehemaliger Jockey würde die junge Tiara reiten, Malte Asfari-Sharin, Eyvind unsere Lilly, Altair natürlich Baraija und für mich blieb nur noch mein unglaublich treuer Bahar), setzte ich allen das Ziel für heute und befahl allen bis zur Deadline von einer halben Stunde mit den Pferden vor dem Tor zu stehen. Natürlich abflugsbereit. Es wurde gemurrt und geknurrt und doch schafften wir es, die Pferde mit den Trainingssätteln auszurüsten und wenig später hintereinander den Weg zur Rennbahn einzuschlagen.
      Die Pferde hatten in den letzten Wochen genügend Einzelstunden gehabt, sodass das heutige Gemeinschaftstraining nur der Feinschliff des Ganzen sein würde. Wir begannen gemeinsam uns im Schritt und Trab aufzuwärmen. Dann gab ich allen ein Zeichen und wir versammelten uns am Start. »Wir beginnen das ganze mit einem kurzen Aufgalopp, lasst danach alle im ordentlichen Tempo rennen und beschleunigt zum Schluss noch einmal. Verstanden?« Alle nickten und zufrieden bereitete ich Bahar auf den Start vor. Das Galopptraining war nicht dafür gedacht, dass die Pferde Siege einbringen mussten. Viele waren dafür schon viel zu alt und untrainiert, aber ich mochte es, wenn die Tiere so vielseitig wie nur möglich ausgebildet wurden und ein Galopptraining konnte da nicht schaden.
      Auf ein Startzeichen trieb ich Bahar an und der junge Hengst reagierte überaus Fein auf meine Angaben, sodass wir uns gleich zu Anfang vorne einreiten. Wie geplant ließ ich ihn nun allerdings neben den anderen Pferden im Trainingstempo galoppieren und hatte kurz Zeit, auch die anderen Pferde aus den Augenwinkeln zu betrachten. Baraija und Altair waren in den letzten Monaten zu einem tollen Team verschmolzen und auch Asfari und Malte schienen ein gutes Miteinander gefunden zu haben. Bei Vuyo brauchte ich mir sowieso nie Sorgen zu machen. Er hatte Ahnung von dem was er tat und schaffte es, die junge Tiara vollkommen mitzureisen mit dem was er tat. Eyvind blieb gerne ein Stück zurück. Er würde wahrscheinlich keinen guten Jockey abgeben, aber Lilli reichte das und so war auch meine Zufriedenheit gestillt. Nach den letzten 400 Metern im angezogenen Galopp parierten wir durch und ließen die verschwitzten und aufgebrachten Tiere m Trab auslaufen. Rechts und links von mir lobten die Reiter ihre Tiere und auch ich klopfte Bahar sacht den Hals. Nachdem wir zum Stehen gekommen waren, rutschte Eyvind aus dem Sattel und nahm flink von jedem Tier die Werte. Für ein erstes Training war diese nicht schlecht. Tiara und Bahar lagen wie erwartet mit ganz vorne, leider schien Baraija heute nicht ganz so gut wie erhofft abgeschnitten zu haben und Altair knurrte enttäuscht. Bei ihr mussten wir im nächsten Monat wohl etwas mehr Acht geben, da die Werte nur ganz knapp unter der 200-Marke lagen. Von Asfari und Lilli hatte ich nicht viel mehr erwartet, beide waren um einiges älter als die Jungspunde, hatten sich aber trotzdem ziemlich gut geschlagen.
      Nach dem Training duschten wir die Pferde ab und brachten sie auf ihre wohlverdiente Weide zu den restlichen Pferden. Dann bedankte ich mich bei meinen Aushilfsjockeys und begleitete diese zu den nächsten Pferden, welche auf dem Plan standen.

      WINTERSCAPE STABLES
      _________________ WCS _________________

      Distanz L → M
      Prolog & Tag 1
      "Einen Reiterhof 'Wiesenhof' zu nennen ist ungefähr so kreativ, wie eine polnische Busgesellschaft 'Polbus'." Marc sitzt auf der Rückbank und bekundet auf diese Weise indirekt sein Unverständnis darüber. "Ach sei still.", meint in dem Moment auch Ann neben mir. Sie fährt - oder besser - manövriert den sperrigen LKW mit immerhin vier Pferden im Bauch heldenhaft über die süddeutschen Autobahnen. Zwei Mal standen wir schon im Stau und wir haben etliche Baustellen hinter uns. Nun aber sind es kaum mehr hundert Kilometer bis zu unserem Zielort - dem besagten Wiesenhof bei Garmisch. Von dort werden wir unsere Alpenquerung beginnen, in diesem Ort steckt quasi die erste rote Pinnadel auf der Wanderkarte, die unser treuer Begleiter sein wird. Ich freue mich schon seit Wochen auf den Wanderritt vor und bin besonders gespannt darauf, unseren fünften Mitstreiter kennen zu lernen - außer uns vieren und dem Bergführer mit seinem Pferd kommt nämlich noch ein Artemis Fortounis mit seinem Araber mit. Deswegen aufgeregt bin ich einerseits, weil Artemis meiner Meinung nach ein Jungenname ist und andererseits, weil die zwei von Hara Artemis kommen, dem Arabergestüt schlechthin.
      Im Moment habe ich aber genug damit zu tun, die lange Adresse des Wiesenhofs in das Nawi einzugeben, während das Auto unebenen Straßenboden überquert. "Soll ich mal?", fragt Marc grinsend, als ich meine Eingabe zum dritten Mal lösche. Ich rolle genervt mit den Augen und bewältige mein Vorhaben schließlich. Kurz darauf verlassen wir die Autobahn und folgen einer Landstraße durch einige Dörfer und Waldgebiete.
      Die Stimmung im Wagen ist - abgesehen von der Vorfreude - ziemlich still. Wir alle vier sind müde von der langen Reise aus Neuseeland; der Grund, warum Paul auf dem Sitz hinter mir so untypisch ungesprächig ist. Erst gestern sind wir nämlich in Frankfurt gelandet und haben dann alle im gemieteten LKW übernachtet. Auf dem Wiesenhof nun werden sich vor allem die Pferde zum ersten Mal seit vielen Stunden wieder richtig die Beine vertreten können, bevor es in fünf Tagen losgeht. Wir haben unsere Anreise aus genau diesem Grund auf den 23. Juli gelegt.

      Gegen 14:00 rollt das große, silberne Ungetüm die gepflegte Schotterauffahrt des Wiesenhofes hinauf. Nachdem der Wagen geparkt und der Motor abgestellt ist, steigen wir vier kurzerhand aus. Aus dem Inneren des Hängers wiehert es laut. "Horch, Dizzy möchte mit.", sage ich und deute mit einem Finger nach oben. Paul nickt müde: "Jaja, ich auch.", und gähnt herzhaft. Ich grinse und folge Ann auf das Hofgelände.
      Als die ersten Stallgebäude in Sicht kommen, pfeift Marc anerkennend. Die Anlage ist sehr weitläufig und modern; das Holz, mit dem die Halle verkleidet ist, ist noch golden und das offensichtliche Wohnhaus zu unserer Linken macht ebenfalls einen sehr gepflegten Eindruck. Zaghaft Tasten wir uns in Richtung der Haustür, um eventuell zu klingeln, und es erschrecken sich wohl alle, als wir wider Erwarten von hinten angesprochen werden. "Hallihallo.", meint da nämlich eine Frauenstimme, sodass ich herumfahre. "Hi.", entgegne ich und trete nach vorn (aus dem einfachen Grund, dass ich die einzige bin, die Deutsch spricht). "Ich bin Cascar Winterscape. Wir sind die Wanderreitgruppe." - "Das dachte ich mir. So viel Englisch hört man in Bayern nicht; ich bin Frau Jonas und mir gehört die Anlage.", darauf macht sie, nicht ohne Stolz, eine ausladende Handbewegung in Richtung der schier am Horizont verschwindenden Weiden. "Habt ihr's gut gefunden?"
      So entwickelt sich ein recht angenehmes Gespräch zwischen Frau Jonas und mir. Es tut mir für den Moment nur leid, dass es die Anderen nicht verfolgen können. Ich werde Ihnen später erzählen, was für eine herzliche Persönlichkeit uns da bei sich wohnen lässt. Rein äußerlich, muss man sagen, traut man jener das kaum zu: Frau Jonas ist etwas untersetzt und dicklich, ungefähr so groß wie Ann (also kleiner als ich), hat hellblond gefärbtes Haar und ein von Wetter und Alter (ich schätze sie auf Mitte Fünfzig) gegerbtes Gesicht. Außerdem zeigen ihre Mundwinkel nur nach oben, wenn sie lächelt und ich schätze sie von ihrer Körperhaltung rein intuitiv als eine sehr konsequente und dominante Person ein. Nichtsdestotrotz hilft sie uns tatkräftig beim Entladen des LKW's und übernimmt am Führstrick gleich Ashqar, der so als erster den Boden der Voralpen betritt. Frau Jonas geht außerdem vorneweg, während ich Kazoom, Paul Himmawallajugaga und Marc Distraction in die vorgegeben Richtung bringen. Ann stellt in der Zwischenzeit den Wagen auf einen dafür ausgewiesenen Parkplatz.
      Die Pferde sind - soweit ich das auf dem kurzen Weg bis zur Weide sagen kann - noch müder als wir: Ashqar ganz vorn ist ganz lammfromm, Kazooms Ohren hängen zur Seite und er trägt den Kopf auf Schulterhöhe. Es ist ihm sogar egal, dass uns zeitweise andere Pferde begegnen.
      Aufregend wird es erst, als wir den Pferden die Halfter abnehmen - das sattgrüne Gras scheint in den Vollblütern neue Lebensgeister zu wecken. Kurzerhand werden da mit wild geschütteltem Kopf Runden im Galopp gedreht, Dizzy muss sich erst einmal wälzen und Himmi hält in eindeutigen Gesten die Hengste auf Abstand. ("Die Henne im Korb … ", murmelt Marc an dieser Stelle.) "Es sind ja doch Vollblüter!", meint Frau Jonas über die Szenerie mit gespielter Überraschung und ich grinse unwillkürlich.
      Nun, da die Pferde glücklich und versorgt sind, überkommt mich die Müdigkeit wie ein Stein. Nur mit Mühe und noch deutlich stillschweigender machen wir es uns in dem LKW bequem, der für uns die nächsten Tage als eine Art Wohnmobil agiert, und beenden diesen Tag vergleichsweise frühzeitig, um 15:30.

      Am 26. Juli trifft ein roter, mir bisher nicht bekannter Wagen mit einem gewöhnlichen Pferdeanhänger ein. Wir putzen gerade sorgfältig unsere (mittlerweile ganz gut erholten) Schützlinge auf dem dafür ausgewiesenen Putzplatz, als uns eine Frauenstimme (!) auf Englisch anspricht: "Hey, ich bin auf der Suche nach einer Miss Winterscape … ?" Ich sehe von Ashqars gerade ausgekratztem Huf auf und unsere Blicke treffen sich. Kurzerhand setze ich den Huf ab, rapple mich auf und versuche auf dem Weg zu der Unbekannten einerseits meine Haare aus dem Gesicht zu streichen, andererseits meine Hände an der karierten Reithose abzuwischen. Schließlich kann ich dem Neuankömmling getrost die Hand hinhalten und mich vorstellen: "Das bin ich. Nur 'Cascar' reicht." - "Artemis Fortounis.", entgegnet mein Gegenüber und ich komme nicht umhin, wissend zu nicken. Meine Überraschung sieht die junge Frau wahrscheinlich aber trotzdem in meinen Augen, denn sie grinst. "Hallo.", macht da auch ein ebenfalls grinsender Paul hinter mir und winkt, auf Himmis Kruppe gestützt. Die übrigen Reiter schließen ihre Begrüßung herzlich an und nachdem alle vorgestellt sind, mache ich mich zusammen mit Artemis auf die Suche nach Frau Jonas - schließlich gibt es ein weiteres Pferd aus einem Pferdehänger zu bugsieren.
      Auf dem Weg zu einem der unübersichtlichen Stallgebäude, durch das geschäftige Treiben des Hofes, unterhalte ich mich mit unserer zukünftigen Wegbegleiterin: "Wie war die Anreise, bist du sehr müde?" - "Ach, nein. Bahar und ich kommen aus Norwegen; mit der Fähre sind es insgesamt anderthalb Reisetage, aber in einer Zeitzone. Und vom Verkehr her sind wir gut durchgekommen. Wie war es denn bei euch, ihr alle seid doch nicht von hier, oder?", steigt Artemis bereitwillig ein. Bei "hier" macht sie mit den Fingern imaginäre Gänsefüßchen in die Luft. Nachdem sie so ein paar Sätze geredet hat, glaube ich nun auch ihren Akzent als norwegisch (oder nicht? Nennen wir es "europäisch") identifizieren zu können. Das ändert erstmal nichts daran, dass Artemis mir durchaus sympathisch ist - sie ist vielleicht ein paar Jahre älter als ich, ich schätze sie auf Anfang zwanzig. Es ist durchaus möglich, dass sie jünger ist, das ist schwer zu beurteilen - die langen schwarzen Haare und das damit gar nicht so nordische Aussehen verleihen der Frau quasi zeitlose Schönheit.
      "Nein, wir kommen ja aus Neuseeland. Da war die Anreise ein bisschen weiter … ", fahre ich scherzhaft fort. "Ist das nicht total stressig für die Pferde?", fragt Artemis und ich glaube ehrliche Besorgnis in ihrem Blick zu erkennen. "Wenn wir mit mehreren Pferden unterwegs sind, reisen wir mit einem Frachtflugzeug. Zum Verladen werden die Pferde sediert und in der Maschine selbst sieht es eigentlich aus wie in einem richtigen Pferdestall. Das ist nicht wie Früher, pro Pferd eine Holzbox.", erkläre ich und schüttle nachdrücklich den Kopf. "Außerdem sind wir schon seit drei Tagen hier und bleiben nach der Alpenquerung noch zwei Wochen, damit sich der Aufenthalt lohnt.", füge ich hinzu und da scheint Artemis beruhigt. Mittlerweile sind wir im Hauptstall des Wiesenhofs angelangt und Frau Jonas lässt tatsächlich nicht lange auf sich warten - sie ist mit einigen Reitschülern gerade dabei, einen Fuchswallach zu putzen, der seinerseits zufrieden döst. "Frau Jonas, das ist Frau Fortounis aus Norwegen.", sage ich unverblümt auf Deutsch, sobald wir nahe genug sind. "Freut mich.", meint Frau Jonas und schüttelt der jungen Frau die Hand. "Alles gut?", fragt sie und Artemis nickt. "Verstehst du Deutsch?", hakt sie nach. Artemis nickt erneut. "Sprichst du Deutsch?", frage ich und sie schüttelt lächelnd den Kopf. So ist das also. Trotz dieser halben Sprachbarriere einigen wir uns schließlich darauf, das Pferd von Artemis vom Hänger zu holen und vorerst auf die Nachbarweide der neuseeländischen Vollblüter zu stellen, um eine allzu heftige Konfrontation zu vermeiden. Und - gesagt, getan - kurz darauf grast Bahar friedlich. Der gescheckte Hengst zeigt bisher ausgezeichnete Manieren und scheint auch sonst einer von der ruhigen Sorte zu sein. In Gedanken gehe ich schon durch, mit welchem Pferd ich Bahar am besten vergesellschafte, um den anfänglichen Rangordnungskampf flach zu halten.

      Am Nachmittag ist es Ashqar, der, nachdem beide Parteien genügend Zeit hatten, um sich zu beschnuppern und zu beschauen, die Seite des Zauns wechselt. Mit mir schauen Artemis und Marc dem wahrhaft bunten Treiben zu: Die beiden Hengste gehen im ersten Moment mit gespitzten Ohren aufeinander zu und berühren sich mit der Nase. Kurz darauf legt Ashqar seine Ohren an und tritt mit dem linken Vorderhuf nach Bahar. Der reagiert mit einem leichten Steigen und dreht dem anderen Hengst warnend die Hinterhand zu. Da dreht mein Pferd ab und beginnt einen imposanten Sprint, dem sich Bahar kurzerhand anschließt. "Man sollte meinen, dass das kein Problem ist. Die sprechen doch beide arabisch.", meint Marc neben mir trocken, während er mit verschränkten Armen das Gerangel beobachtet. "'Kastanie' und 'Meer' ist da nur vielleicht nicht die beste Kombination.", steigt Artemis lächelnd ein. Kaum zehn Minuten später haben sich die Pferde auch beruhigt und widmen sich wieder dem Gras - nicht, ohne sich hin und wieder skeptische Blicke zuzuwerfen, aber das ist unter Hengsten vermutlich üblich. Später, am Abend, wagen wir dann den Schritt und stellen die Araber zu den drei Tekkinern. Wieder gibt es Stress, aber keine ernsthaften Auseinandersetzungen. Schnell ist geklärt, dass Bahar mit seinem ruhigen Temperament den letzten Platz der Rangordnung bekleidet und er seinerseits gibt sich wohl damit zufrieden. "Dein Pferd ist klug.", lobe ich deshalb Artemis. Sie grinst: "Nur manchmal. Es gibt auch Situationen, da ist er eine ganz schöne Pfeife."
      Den Abend lassen wir am Lagerfeuer ausklingen. Morgen ist Packen angesagt und dann wird es schon bald losgehen. Ich bin mehr als gespannt und meine Vorfreude steigt im gelben Schein des Feuers ins Unermessliche.

      Gegen sieben Uhr Morgens am 28. Juli trifft erneut ein Auto mit Pferdehänger ein - die Reifen des dunkelblauen VW Passat hinterlassen dunkle Spuren im noch taufrischen Gras, als der Fahrer am Rand des Parkplatzes wendet. Er wird von uns, die wir nun zu fünft im Eingang des LKW's stehen, sehnsüchtig erwartet. Alle haben schon Reithosen, Wanderschuhe und die Wetterjacke an, über Pauls rechter Schulter hängen Satteltaschen.
      "Guten Morgen!", ruft der Mann aus dem VW - unser Bergführer - nachdem er den Motor abgestellt und die Tür geöffnet hat. Er ist kleiner als ich, sogar kleiner als Ann und seine drahtige Gestalt erzählt die Geschichte von vielen Bergtouren. Sein schlohweißes Haar und der halblange, aber gepflegte Bart lassen auf ein vergleichsweise hohes Alter schließen, vielleicht Ende 60. Im Folgenden tritt er auf uns zu und begrüßt jeden Einzelnen von uns mit festen Händedruck und entschlossener Mine. "Helga mein Name.", stellt er sich schließlich vor. "Vor- oder Nachname?", flüstert Artemis mir vorsichtig über die Schulter ins Ohr und ich erwidere "Vorname.", denn ich habe die Tour im Internet gebucht. Helgas Nachname ist - glaube ich - Bischof. Der Mann selbst verfolgt unseren englischen Wortwechsel nicht und holt stattdessen sein Pferd aus dem Hänger - augenscheinlich ein Apaloosawallach, der Heu kauend und ein wenig dicklich vor uns steht. Ich liege wohl richtig, wenn ich sage, Pferd und Reiter passen sehr gut zusammen. "In Ordnung. Dann schlage ich das Satteln vor … ?", frage ich Helga und er stimmt mit einem Nicken zu. "Gegen acht geht's los."

      Und so kommt es, dass alle Pferde pünktlich und zumindest gesattelt auf dem Parkplatz stehen. Ann wird abgestellt (sie hat sich freiwillig dazu bereiterklärt) um die zahlreichen Zügel der Pferde festzuhalten, während wir übrigen das Gepäck an den Sätteln befestigen. Ein jeder hat einen Schlafsack mit, Verpflegung für den Tag sowie diverse Taschen mit Pferdefutter und -decken. Unseren eigene Rucksack tragen wir Reiter zusätzlich auf dem Rücken; in ihm sind nur leichte Dinge wie Anziehsachen. Außerdem haben wir alle unser Handy im Rucksack - falls wir vom Pferd fallen und in der Wildnis verloren gehen.
      Die Pferde selbst tragen alle Trensen ohne Sperriemen und Distanzsättel - Ausnahmen bilden Ashqar, Bahar und Helgas Pferd ("Quintus"), die jeweils einen Westernsattel auf dem Rücken wissen. An den Beinen haben alle sechs Gamaschen und außerdem Hufschuhe. So ausgerüstet blicke ich grimmig den Bergen entgegen, während ich nachgurte und dann aufsteige.
      "So. Dann hört mir mal alle zu.", meint Helga, während er Quintus mit dem Kopf gegenüber den Fronten unserer Pferde dreht. "Erstmal herzlich Willkommen zu unserer Alpenquerung und viel Spaß.", meint der Guide förmlich, aber ehrlich. "Für unterwegs gibt es ein paar Regeln, ", fährt er fort, "die da wären: Zum ersten bleiben wir in der Gruppe, egal was passiert - fällt einer vom Pferd, hält die Gruppe an, stürzt jemand ab, geht niemand einzeln hinterher - " Als Helga Artemis und mein erschrockenes Gesicht sieht, lacht er warm und meint: "Keine Sorge, in den dreißig Jahren, in denen ich Reiter über die Alpen bringe, ist noch nie etwas derartiges passiert. Aber ihr müsst davon gehört haben." Das beruhigt mich. Und Artemis, denke ich, auch. "Also. Die Gruppe bleibt zusammen. Zweitens wird bergab ausschließlich im Schritt geritten. Bitte nehmt eure Pferde immer zurück, sie können das zusätzliche Gewicht auf dem Rücken genau so wenig einschätzen wie ihr. Sollte das Pony trotzdem zu schnell werden, biegt es - Volte, laterale Biegung, irgendwas. Lenkt es notfalls den Hang nach oben." Ich nicke und gehe in Gedanken durch, was ich den Neuseeländern dann noch alles auf Englisch erklären muss. "Drittens werden wir Dinge wie Kühe, Viehgatter und Gewitter erleben, die dem Vertrauen zwischen euch in dem Tier viel abverlangen. Schaut euch die Umgebung an, seht neue Dinge vor eurem Pferd, steigt ab, wenn es sich etwas nicht traut. Das war's erstmal, alles weitere erkläre ich am Berg, sofern es nötig ist. Alles klar?", meint Helga zum Schluss und blickt fragend in die Runde. Ich stimm eilig zu und während sich die Karawane in Bewegung setzt, wiederhole ich die Regeln für Marc, Paul und Ann auf Englisch.
      Diese erste Tagestour umfasst bereits vierzig Kilometer und mehrere hundert Höhenmeter. Schon bald nachdem wir den Wiesenhof verlassen haben (von Frau Jonas haben wir uns übrigens schon gestern Abend verabschiedet) treffen wir auf eine Landstraße. Dieser folgen wir im Gänsemarsch - Helga und Quintus vornweg, es folgen Paul und Himmi, Ann auf Kazoom, dann Bahar und Artemis und vor mir noch einzig Marc auf Distraction. Die Pferde sind - mit Ausnahme von Quintus, der seelenruhig am langen Zügel dahindackelt, äußerst aufgeregt und ambitioniert. Selbst Bahar trägt seinen Kopf hoch und Artemis muss ihn mächtig zurückhalten, damit er bei dem leichten Anstieg zu unseren Füßen nicht antrabt. Ashqar indes hat scheinbar Stress, den Anschluss an die Gruppe nicht zu verlieren - zumindest wiehert er hin und wieder und versucht sich aus der Anlehnung zu heben. Im Großen und Ganzen, auch weil wir auf unsere Formation und die vorbeifahrenden Autos achten müssen - verläuft diese erste halbe Stunde in angestrengtem Schweigen. Als wir die Straße schließlich in den Wald verlassen, sind Anns und meine Wangen gerötet.
      Im Wald indes ist es kühl und die Vögel zwitschern. Bisher haben wir mehr als Glück mit dem Wetter, denn bis auf ein paar Cumuluswolken hindert nichts die Sonne daran, auf uns zu strahlen. Unter dem steten Wechsel von Licht und Schatten werden auch die Vollblüter ruhiger (wenn auch nicht ausgelasteter) und der breite Weg erlaubt es uns, in Paaren nebeneinander zu reiten. So ergreift Marc die Gelegenheit beim Schopfe und gesellt sich zu Artemis - seine, für die junge Dame vermutlich etwas aufdringlich wirkende Fülle an Fragen wird unterbrochen, als Helga uns zum Trab auffordert "solange es noch geht". Ich bin mir nicht sicher, wie er das meint, schnalze aber mit der Zunge und lasse Ashqar mehr Kopffreiheit. Der Schecke wittert seine Chance und versucht kurz zu galoppieren, bevor ich ihn einfange und in die langsamere Gangart zwinge. Nicht nur ich habe augenscheinlich mit meinem Pferd zu kämpfen - auch Kazoom wollte einen kleinen Sprint einlegen und Ann zügelt ihn mit einem energischen "Na!". Ich bin zugegebenermaßen beeindruckt von ihrer Konsequenz und dem Einfühlungsvermögen; sie kennt Kazoom eigentlich nur vom Sehen und reitet ihn hier zum ersten Mal und trotzdem scheinen die zwei als eine Einheit zu funktionieren. Das gleiche fällt mir aber wenig später bei Artemis auf und ich treibe Ashqar neben Bahar, um nach dem Durchparieren mit ihr reden zu können. Tatsächlich aber traben wir geschlagene vierzig Minuten - dann wird der Weg schmaler und steinig, wir biegen erneut ab und plötzlich folgen wir im Schritt einer heftigen Steigung des Geländes. "Artemis, hast du noch mehr Pferde oder nur Bahar?", stelle ich schließlich die Frage, die mir die ganze Zeit auf der Zunge gelegen hat. Sie lächelt mir über die Schulter zu, während sich ihr Pferd am langen Zügel hochkonzentriert einen Weg über die großen Steine sucht. "Kennst du Hara Artemis?" - "Ja!" - "Mir gehören da alle Pferde.", sagt sie, nicht ohne Stolz in der Stimme - "Ui!", mache ich. "Und wo kommst du her? Ursprünglich, meine ich.", frage ich weiter und schneide so ein neues Thema an. "Aus Griechenland.", meint Artemis zögernd. 'Das passt. So vom Aussehen und der Statur.', denke ich für mich. "Was hat dich nach Norwegen verschlagen?", fahre ich fort - und in den kommenden Stunden, während unsere Pferde den steilen Pfad durch den Wald nach oben kraxeln, unterhalten wir uns über unsere Lebensgeschichte. So haben Artemis und ich mit der Auswanderei ja so einiges gemeinsam und ich habe das Gefühl, mit der jungen Frau gedanklich auf einer Wellenlänge zu sein.
      Hin und wieder werfe ich einen Blick nach vorn und versuche so den Verlauf unseres Pfades ausfindig zu machen.
      Nach knappen vier Stunden Weg machen wir die erste richtige Pause. Wir befinden uns an einem Bach, die Bäume sind schon ein wenig kümmerlicher als noch vor einigen Stunden und die Pferde schwitzen alle - der Anstieg, die Höhe und das viele Gepäck fordern in dieser Form ihren Tribut. Gierig schlürfen sie alle das klare Gebirgswasser und auch ich bin froh, in meine Schnitte beißen zu dürfen und neue Sonnencreme aufzulegen. (Ich habe bestimmt schon Sonnenbrand auf den Armen, zumindest brennen sie.) Als wir keine Stunde später unseren Weg fortsetzen, reihe ich mich hinter Helga und Paul ein, was meinem Ashqar ein leises Wiehern entlockt - seit einigen Monaten nun werden Himmawallajugaga und der Hengst zusammen trainiert und fahren auf dieselben Turniere. Ich lüge wohl nicht, wenn ich behaupte, Ashqar sei unsterblich in die dunkle Stute verliebt. So versucht er auch auf dem Weg ständig ihre Aufmerksamkeit zu erlangen und ich richte immer mal wieder ein warnendes Wort an ihn. "Na Cassi, alles klar?", fragt Paul zwinkernd nach hinten. "Ja. Mein Pferd mag dein Pferd.", sage ich. "So? Der Reiter mag auch den Reiter, so ein Zufall.", meint er grinsend, während er erst auf sich, dann auf mich deutet. "Wa-", ich bin kurz sprachlos und lache dann, "Du Witzbold. Solche Sprüche sehen dir gar nicht ähnlich!" Sicher, ob Paul das nun ernst meinte oder nicht, bin ich mir aber nicht. Ich nehme deshalb ein neues Thema auf, sein nassgeschwitztes T-Shirt betrachtend. "Ist dir warm?" - "Frag doch was Sinnvolles.", ruft Marc darauf hinter mir. "Aha?", mache ich grinsend. "Frag, was du tun kannst, damit ihm nicht mehr warm ist. Da sagt er dir, du sollst hinter ihm weggehen, jede Wette.", neckt Marc und ich halte Ashqar kurzerhand und lasse ihn an mir vorbeiziehen, nicht ohne ihm verlegen grinsend einen Klaps auf den Arm zu verpassen. "Ich sage nur, wie es ist.", verteidigt sich Marc mit einer erhobenen Hand, Paul schweigt. Ich sehe ja nur seinen Rücken, aber ich nehme an, er lächelt in sich hinein.
      Da sich Ann und Artemis hinter mir angeregt unterhalten, begnüge ich mich für's Erste mit Ashqars Gesellschaft - auf normalen Distanzritten ist das ja auch so. Stunde um Stunde vergehen, ohne dass mir langweilig wird, denn die Landschaft um uns herum ändert sich ständig: Der Wald wird nun überwiegend von Nadelgehölzern und engstehenden Büschen beherrscht und gegen 16:00 verlassen wir diese Landschaft endgültig. Vor uns erstreckt sich einer weiter Wiesenhang mit wenig Steinen im Boden. Am oberen Ende, in vielleicht 3 Kilometern Entfernung, erspähe ich so etwas wie ein Haus. Helga lässt die Gruppe halten. "Das da oben ist unsere Unterkunft, die Lohmerhütte. Sie wird von einer befreundeten Familie im Sommer bewirtschaftet und nimmt regelmäßig meine Gruppen auf - nur falls ihr eher da seid und euch vorstellen müsst.", meint er grinsend. Es stellt sich heraus, dass dies der offizielle Vorschlag für einen Galopp ist. Ich sehe Ashqar prüfend an, während wir die ersten paar Schritte im Schritt zurücklegen - der Hengst schwitzt, die Mähne klebt förmlich am Hals, und seine Nüstern sind gebläht. Probehalber gebe ich ihm eine Trabhilfe, der der Schecke Folge leistet und schließlich auch eine zum Galopp. Da rollt das Pferd den Kopf ein, holt mächtig Schwung und zieht sich mit jedem Galoppsprung kraftvoll den Berg nach oben - nach zwanzig Sekunden hat Ashqar keine Lust mehr, den Rest des noch so langen Weges legen wir im Schritt zurück. Ein Blick nach hinten zeigt mir ähnliche Ergebnisse bei den anderen - die einzigen, die weiter als wir gekommen sind, sind Himmi und Paul. Dizzys Ohren unter Marc hängen vor Erschöpfung zur Seite und der Rappe scheint im Gehen zu dösen, Bahar und Artemis sehen beide recht fertig aus und Ann auf Kazoom rangelt gerade ein wenig mit dem Hengst, weil er augenscheinlich gerne das frische Almgras probieren möchte. "Na Kazoom, wart's ab, bis in dem Gras Kuhfladen liegen, da vergeht dir schon der Appetit!", ruft Marc da dem Dunkelbraunen zu. So kommen wir an diesem Tag letztendlich doch als geschlossene Gruppe an unserer ersten Etappe an.

      Die Lohmerhütte ist eigentlich keine richtige Hütte; das Gebiet im Umfeld ist zwar steinig, aber es wachsen noch Bäume und eigentlich agiert das kleine Haus mit Stallanbau als Wohnhaus für die Familie, die hier tatsächlich einige Kühe und Ziegen betreut (im Sommer sind die aber auf der Alm). Die Versorgung wird trotzdem über einen privaten Lift sichergestellt, wie ich bei der Ankunft feststelle. Sobald das dumpfe Getrappel der Pferdehufe auf der Wiese zu hören ist, öffnet sich die schon angegraute Haustür und ein Mann mittleren Alters - mit ein wenig Bierbauch - tritt uns entgegen. "Grüß Gott!", ruft er und hebt die Hand - wir grüßen zurück und halten vor ihm, sitzen ab. "Herzlich Willkommen auf der Lohmerhütte, ich bin der Jochen und meine Frau ist die Katrin - KATRIN!", ruft er da über die Schulter in das Haus. "JAA!", kommt es zurück und wenig später schütteln wir einer blonden, etwas jüngeren Dame die Hand. "Herzlich Willkommen auch von mir.", meint sie lächelnd. "Da zeige ich euch erstmal die Unterkunft für eure Pferde, was?", erklärt Jochen und geht voraus. Ich mag den Typen, aber ich finde ja auch, dass Menschen mit österreichischem Dialekt (und das, obwohl wir noch in Deutschland sind!) sehr sympathisch sind. Jochen jedenfalls gehört dazu; in aller Ruhe bringt er unsere müde Gruppe hinter das Haus. Dort befindet sich ein Anbau als Unterstand für die Pferde; er ist etwas knapp von der Größe, weshalb der Stallbesitzer uns anbietet, einige Pferde im Kuhstall unterzubringen. Nach einem kurzen Gespräch auf Englisch einigen wir uns darauf, Quintus und Himmi diesen exquisiten Ort beziehen zu lassen, während die Hengste draußen nächtigen.
      Im Anschluss satteln wir alle recht stillschweigend unsere Pferde ab und Putzen sie, um Luft an die Haut zu lassen. Außerdem werden alle Hufe kontrolliert und alle Stellen, an denen die Ausrüstung gerieben haben könnte (bis jetzt ist alles in Ordnung - toitoitoi). Jochen bleibt in der Zeit bei uns und befragt uns über unseren Aufstieg. Er muntert uns außerdem damit auf, dass damit der ärgste Teil, nämlich mehr als 1000 Höhenmeter pro Tag, abgeschlossen sei und der Weg ab jetzt spannender verlaufen würde. Das hebt die Stimmung wieder etwas und den Pferden geht es nach ein paar Schlucken aus dem Kuhtrog und einigen Happen frischen Grases auch gleich sichtlich besser. "Glückwunsch, das habt ihr heute schonmal gut gemacht.", meint Helga dann zu uns, während wir mit unserem ganzen Gepäck zurück zum Hauseingang ziehen. "Und eine Stärkung habt ihr euch redlich verdient.", fügt Jochen hinzu. "Oder, Helga?" Zu unserer Erleichterung pflichtet Helga Jochen bei und wir finden uns keine zehn Minuten später und noch völlig ungewaschen und in Pferdesachen an einer großen Holztafel ein. Katrin stellt bald darauf einen riesigen Topf Spagetti auf den bereits gedeckten Tisch und einen beinahe ebenso großen Topf Tomatensoße. "Ich habe mir überlegt, damit kann man nichts falsch machen.", meint sie grinsend, während sie Platz nimmt. "Nehmt euch ruhig, guten Appetit." Auch ohne Deutsch zu können verstehen diese Aufforderung ausnahmslos alle und für eine halbe Stunde verfällt der Raum in gefräßige Stille. Dann ergreift Paul das Wort: "Wifeile Hohenmaitter legen wir mogen suruck?" und mir fällt beinahe die Gabel aus der Hand, weil er das auf Deutsch fragt und zwar Helga. Der lächelt und überlegt kurz, bevor er erwidert: "Ungefähr 530 nach oben und 270 nach unten. Und von der Strecke her mehr als Heute, so 70 Kilometer." Paul sieht mich da dann doch fragend an und ich übersetze quer über den Tisch ins Englische. Da nickt er lächelnd und sagt zu Helga: "Danke."
      Auch abgesehen davon entwickeln sich allmählich, der Sättigung folgend, Tischgespräche. Helga, Jochen und Katrin kommen ins Gespräch und während ich die drei und uns am Tisch beobachte, frage ich mich, ob die Bauern keine Kinder haben - es macht zumindest den Anschein, so wie sich Katrin um uns kümmert und wie sie und Jochen hier leben. Zu fragen traue ich mich nicht, denn es geht mich eigentlich nichts an. "Hey, Cassi. Spielst du mit Skat?", fragt Marc mich, die Spielkarten schon in der Hand. "Ähm … Ann kann das besser - woher hast du die Karten?", meine ich verblüfft. "Aus meiner Hosentasche.", meint mein Gegenüber, "Damit ich im Fall eines Absturzes und des sicheren Todes zumindest keine Langeweile bekomme." Ich grinse. "Ne du, im Skat war ich noch nie gut. Aber wirklich, frag Ann. Und Artemis kann bestimmt auch Skat." - Artemis nickt schüchtern. So werden Paul und ich zu Zuschauern und wir wechseln die Sitzordnung etwas - Ann, Artemis und Marc setzen sich an das Tischende und beginnen zu spielen, während ich mich neben Paul niederlasse. "Hey.", sage ich und schenke ihm noch Wasser nach. "Na?", fragt er zurück. Wir plaudern ein wenig und schließlich frage ich ihn, ob er mit Himmi klar kommt und ob er Rhodus, seinen Ardennerhengst, vermisst. "Naja", beginnt er, "Ich würde die Tour schon gerne mal mit ihm machen. Aber Himmi ist ein cooles Mädchen und Rhodus' Hufe würden vermutlich gar nicht in die Wegrinne passen.", sagt er scherzhaft. Später frage ich Paul auch, woher er Deutsch kann und er erzählt von seinem Aufenthalt in Deutschland für ein Jahr, wo er ja auch seinen kleinen Trabant gekauft hat, mit dem wir damals zusammen Rhodus vom Flughafen abgeholt haben.
      Insgesamt macht sich an diesem Abend gute Laune breit; wir gehen alle früh schlafen (und alle schlafen in einem Bettenlager!), denn morgen wird der Weg erneut seinen Tribut fordern.

      Tag 2
      Am nächsten Morgen wache ich völlig fertig auf. In unserem Zimmer ist es stickig, weil irgendjemand in der Nacht das Fenster geschlossen hat - es hat gewittert. Nun ist es 6:30 und der Himmel, den ich auf dem Rücken liegend durch das Fenster erspähen kann, ist blau und beinahe wolkenlos. Neben mir liegt Ann, auf der anderen Seite Artemis. Beide schlafen noch und so rapple ich mich möglichst lautlos auf, schnappe mir meine Waschtasche und Anziehsachen und stehle mich in der Kühle des Morgens in das Badehäuschen.
      Ich putze gerade Zähne, als mich das Plautzen der Tür höllisch erschreckt und Paul eintritt. "Hi Cascar.", nuschelt er. Ich gebe - noch mit der Zahnbürste im Mund - einen gurgelnden Laut von mir und Spucke aus. "Ich würde ja gerne duschen gehen …", meint Paul da unsicher. Ich sehe ihn fragend an: "Mach?" - "Umdrehen."
      Wenig später höre ich Paul merkwürdig atmen und er ist erstaunlich schnell fertig, mit dem Duschen. Er fragt von der anderen Seite der getönten Scheibe: "Cassi? Kannst du bitte das Handtuch rüberschmeißen?" Kommentarlos folge ich seiner Bitte und wenig später erklärt er, es gäbe kein warmes Wasser. "Bist du wenigstens wach.", necke ich.

      Nach dem Versorgen der Pferde und einem ausgiebigen Frühstück sattelt zum zweiten Mal jeder seinen Schützling. Schon beim Tragen von Ashqars Westernsattel fällt mir auf, was mir alles wehtut, obwohl die Langstreckenreiterei ja eigentlich nichts Ungewöhnliches für mich ist (wie muss nur denen der Po wehtun, die es nicht gewohnt sind!?). Trotzdem beschwert sich keiner und in weniger als vierzig Minuten sind alle fertig. Wir bedanken und verabschieden uns daraufhin von Jochen und Katrin und steigen dann auf - vor uns liegt der unmittelbare Aufbruch in die österreichischen Alpen.

      Helga führt die Gruppe - wie gestern zu Beginn im Gänsemarsch - einen Pfad abseits der Lohmerhütte entlang. Während der kommenden halben Stunde werden die Bäume kleiner, bis wir die Baumgrenze auf 1800 Metern Höhe überqueren und für einige Minuten die Aussicht genießen. Dann haben wir den Kamm von Katrins und Jochens Hausberg erreicht und steigen über einen Bergpfad wieder in das Tal ab.
      Während dieser ganzen Zeit sind die Pferde erstaunlich ruhig - vielleicht sind sie ja auch noch müde. Auf jeden Fall macht keiner Sperenzchen (außer dass Bahar einmal laut Wiehern muss) und auch sonst erlaubt zum Beispiel das Wetter gute, entspannte Laune. Nach einer guten Stunde ruft Helga von Quintus' Rücken: "Wir sind jetzt in Österreich!" und ab da reiten wir unsere Pferde alle den Berg noch steiler hinunter.
      Es ist tatsächlich schwierig, die Tiere zu zügeln - nicht nur Bahar und Dizzy fallen einmal in den Trab, worauf die Reiter sie jeweils erfolgreich versuchen, quer zum Hang zu stellen.
      Schließlich erreichen wir eine Art Zwischenfuß des Berges, ein Plateau. Es ist eingerahmt von Berggipfeln und hat insgesamt wohl einen Durchmesser von mehreren Kilometern. Es wachsen bräunliches Gras und Wiesenblumen, keine Bäume. Durchzogen wird es von einem kleinen Bach. Schon als ich es zu sehen beginne, muss ich Ashqar halten, um diese Schönheit der Natur für einen Moment still auf mich wirken zu lassen. Es geht - wie ich dabei bemerke - nicht nur mir so, denn auch Artemis und Ann halten mit mir. Danach müssen wir im Galopp zur Gruppe aufschließen - wiederum eine willkommene Abwechslung zu den langen, konzentrationsintensiven Schrittstrecken. Am Rand des Felsenkessels dann folgt logischerweise wieder ein kleiner, felsiger Anstieg. Von dem schließlich erreichten Joch aus erblicken wir einen ausgedehnten, wunderbar türkisblauen Gebirgssee. "Der See da ist unser Ziel. Trinkt alle nochmal was, die nächste richtige Pause gibt es erst dort unten!", warnt Helga just in diesem Moment vor. Wir gehorchen ausnahmslos und die Pferde dürfen ein wenig Gras zupfen, bevor wir uns wiederum auf einen kräftezehrenden Abstieg machen. Glatte zweieinhalb Stunden im Schritt, in ständiger Anlehnung zum Bremsen, später, erreichen wir, aus dem Wald tretend, das Ufer des Sees. Es ist nun Mittag und wir suchen uns ein lauschiges, ausreichend großes Plätzchen und machen eine ausgedehnte Pause; den Pferden nehmen wir sogar zum Grasen und Trinken die Sättel ab. Wir Reiter hingegen packen unsere Lunchpakete aus und lassen es uns schmecken ("Das ist aber eine komische Weintraube." - "Marc, das ist eine Stachelbeere!?"). Helga erzählt uns danach, was wir als nächstes und insbesondere für den heutigen Tag noch vorhaben: "Also. Wir sind jetzt im österreichischen Tirol, etwa auf 1200 Metern über dem Meeresspiegel. Heute haben wir schon etwa 28 Kilometer zurückgelegt, es folgen nochmal so viel. Wir müssen heute noch über den Fernpass und nächtigen dann in einer Pension - keine Angst, es ist eine Pension mit Bauernhof - in Irm." Nach dieser Ansage sind erstmal alle wieder frohen Mutes. Das Satteln geht allen leicht von der Hand und kurz nach unserem Aufbruch traben wir sogar eine ganze Weile, solange wir am Seeufer sind. Als Paul zu Helga aufschließt, um ihm nach einem Bad im See zu fragen, wehrt der aber ab - aus Zeitgründen. Er versichert uns aber, dass wir einmal an einem See nächtigen werden und da noch ausreichend Zeit für Badespaß haben werden.
      Diese Aussicht ist bei knapp 28°C natürlich verlockend.
      Was bei 28°C aber auch passieren kann, und das besonders in den Bergen, ist die Bildung eines Wärmegewitters. Einem derartigen Ungetüm nun sehen wir uns nach einiger Zeit schreckerfüllt gegenüber, als wir den Bergpfad verlassen und auf die Straße einbiegen, die in den Fernpass mündet. "Helga! Was machen wir denn jetzt!", ruft Ann auch gleich ein wenig panisch nach vorn. Kazoom unter ihr dreht auch ein Ohr nach vorn, als würde er eine Antwort ebenso eifrig erwarten, wie seine Reiterin. Helga dreht sich im Sattel um, während Quintus vor den Autos weiter stur im Schritt geradeaus läuft und sagt: "Nichts. Das Gewitter ist noch mehr als 15 Kilometer entfernt. Der Fernpass selbst ist nur circa 20 Kilometer lang. Mit anderen Worten - wenn wir uns beeilen, sind wir im Windschatten des Gewitters, bevor es uns erreicht." Und so bricht ein wenig Stress in der Gruppe aus. Wir halten in einer Nische für den Bus, ziehen alle unsere Regenjacken an und Pferde wie Dizzy, Himmi und Kazoom bekommen vorbeugend Nierendecken. Dann reihen wir uns mit vielen Autos und Motorrädern auf der in Kurven ansteigenden Serpentine ein und traben den Weg nach oben, während in der Ferne der Donner grollt. Niemand möchte gerne mit seinem Pferd in einen Sturm kommen und so treiben wir unsere Pferde ausnahmslos entschlossen zur Eile an; Paul und Himmi galoppieren sogar teilweise, was ich persönlich im Straßenverkehr ja nicht für klug halte, aber … Als wir den Wendepunkt oben erreichen, schwitzen die Pferde in der schwülen Luft, Bahar hinter mir atmet aus weit geblähten Nüstern. Am Horizont sind bereits Blitze zu sehen und das Gewitter ist unüberhörbar. Für jeden von uns ist es in diesem Moment schwer, ruhig zu bleiben. Und trotzdem müssen wir als Reiter eigentlich über der Situation stehen und dem Pferd Sicherheit geben. "Es ist alles gut! Wir reiten jetzt runter und wieder unterhalb der Baumgrenze!", sagt Helga, als die Vollblüter merklich nervös werden. "Im Schritt.", fügt er noch hinzu. Kaum haben wir die gegenteilige Hangneigung von eben abzuschreiten begonnen, setzt der Regen mit dicken, platschenden Tropfen ein. Ich spüre sie zuerst auf meinem Helm und setze rasch die Kapuze auf. Die anderen Reiter tuen es mir nach - und das ist gut so. Denn keine zehn Minuten später prasselt der Regen (abwechselnd in flüssiger Form und als Hagel) auf uns nieder. Der Donner in der Ferne belegt, dass wir in das Gewitter gekommen sind - trotzdem wir uns beeilt haben. Helga weiß das und mahnt die Gruppe, zusammen zu bleiben, während wir quälende zwei Stunden den Fernpass nach unten zockeln. Immer wieder überholen uns Autos mit ihren grellen Scheinwerfern, was die Pferde neben dem Wetter zusätzlich unruhig macht. Andererseits ist es wahrscheinlich gut, dass jeder mit seinem Schützling zu reden und zu tun hat - so muss sich keiner gezwungen fühlen, sich auf das laute Grollen in den Wolken zu konzentrieren.
      Schließlich verlassen wir aber den Pass und biegen wieder auf einen schmaleren Weg in den Wald ab. Ich atme erleichtert aus, weil die Bäume uns nun gewissermaßen schützen. Auch Helga scheint, obwohl ich ja nur seinen Rücken sehe, etwas froh und wir traben ein Stückchen, um geringfügig trockener zu werden. An der nächsten Wegkreuzung steht dann auch ein Wegweiser, der Irm in einer zeitlichen Entfernung von zwei Stunden ausweist. Weil es nach wie vor regnet und wir alle irgendwie nass sind und der Boden es zulässt, entschließen wir uns zu einem einstündigen Trab, mit dem wir die Pension erreichen sollten.

      Tatsächlich verlassen wir bald darauf den Wald und erblicken die Stadt im Tal. Das Gewitter ist wieder auf dem Abmarsch, aber die Feuchtigkeit ist, zumindest mir, bis auf du Knochen gekrochen. Mir ist außerdem kalt.
      Die Pferde schütteln sich der Reihe nach kräftig und das letzte Stück bergab steigen wir ab, um unsere Kameraden zu führen. So erreichen wir letztendlich müde, aber wohlbehalten die Pension "Goldene Feder".

      Unsere Bleibe für diese Nacht verfügt über warmes Wasser. (Ein erleichtertes Aufatmen von Paul.) Das ist in Hinsicht auf unsere Lage ein großer Gewinn. Außerdem haben heute auch die Pferde ein festes Dach über dem Kopf, was wiederum ein Pluspunkt ist; die Pension ist ein gepflegter, gelb verputzter Drei-Seiten-Hof mit rankenden Weinpflanzen an den Hauswänden und insgesamt zwei Ställen. In einem sind Ziegen untergebracht, der andere beherbergt neben vier eigenen Pferden der Hofbesitzer etliche (elf? zwölf?) Gastboxen, von denen sechs für unsere best Buddies hergerichtet sind. Obwohl wir alle frieren (wie ich nach einigen kurzen Gesprächen weiß) lassen wir uns mit dem Absatteln, Eindecken und Versorgen unserer Pferde Zeit. Erst danach widmen wir uns unserer eigenen Körpertemperatur und dem überflüssigen Wassergehalt unserer Kleidung. Zum wiederholten Mal sind wir danach völlig kaputt und ausgehungert.
      Dieses Mal sitzen wir im Gastraum und essen mehr oder minder schweigend à la Carte. Im Anschluss verteilen wir uns auf die drei für uns gebuchten Zimmer: Helga allein, Paul und Marc teilen sich eins und wir Mädels werden demnach das Dreibettzimmer beziehen. Gequatscht wird an diesem Abend dann auch nicht viel, eigentlich nichts von Belang. Ann, Artemis und ich sind wohl nur froh, dass wir uns in ein warmes, trockenes Bett kuscheln und die Augen schließen dürfen.

      Tag 3
      Als ich am nächsten Morgen den Stall betrete, fällt mir augenblicklich Ashqars schlechte Laune auf: Der Hengst macht keine Anstalten mich zu begrüßen und entlastet in seiner Box mit zu mir gedrehtem Po. Sogar als ich mit dem Austeilen des Futters beginne dreht er sich nur zögerlich um, während Bahar und Dizzy schon eifrig kauen. Deshalb geselle ich mich letztendlich zu meinem Pferd.
      Ashqar schielt ein wenig zu mir, während er frisst und ich ihm leise erzähle, dass wir nur noch heute reiten werden und morgen Ruhetag ist und dass das Wetter heute viel besser als gestern ist. Währenddessen streichle ich sanft seinen Hals. "Na? Eine kleine männliche Mimose?", fragt Paul, der sich wohl eher unbemerkt (schon wieder!) angeschlichen hat und nun mit einem Arm an den Gitterstäben des Boxenfensters angelehnt zu Ashqar und mir sieht. "Keine Seltenheit.", erwidere ich trocken. "Hey, ganz ruhig.", wirft er da ein. "Sag mal … Hast du Hunger? Ich kenne dich nur so, wenn du Hunger hast." Und tatsächlich hat Paul vermutlich nicht unrecht; zusammen verlassen wir den Stall und begeben uns zum Frühstück im Speisesaal der kleinen Pension. Die alltäglichen Gespräche nehmen da wieder ihren Lauf; sie beginnen vonseiten Anns mit: "Es soll heute aber nicht gewittern, oder?" Helga beruhigt sie, es sei lediglich Regen vorhergesagt, der gegen 18:00 einsetzen wird. Zu diesem Zeitpunkt befinden wir uns höchstwahrscheinlich schon nicht mehr auf dem Pferderücken.
      Die Frage nach der Route ist dann Artemis' Beitrag zum Morgengespräch. Wieder muss Helga auf einen Biss in seine Käseschnitte verzichten: "Heute legen wir nochmal knapp 70 Kilometer zurück, wir werden circa acht Stunden unterwegs sein. Die Route wird uns allen Einiges abverlangen, besonders da wir schon anfänglich erschöpft sind. Dafür ist unsere Zielhütte am Waldrand gelegen und verfügt über Weiden und Ställe, sodass unser Ruhetag morgen sehr lohnend sein wird.", schließt er. Einzig der lange Weg zu diesem idyllischen Platz dämpft meine Vorfreude.

      Wenig später putzen, satteln und bepacken wir die Pferde beinahe routiniert. Selbst das Anlegen der Hufschuhe wirft keine Fragen mehr auf ("Ist das zu fest?" - "Ist es schlimm, wenn der Klettverschluss da drüber schaut?") und so können wir pünktlich 8:00 aufbrechen.
      Von unserer Pension aus, die ja ein wenig außerhalb von Irm liegt, biegen wir durch das taunasse Gras in Richtung des Stadtzentrums ab. Es stellt sich heraus, dass Irm über eine sehenswerte Altstadt verfügt, die wir quasi im Vorbeigehen besichtigen können. Außerdem fließt dort ein gleichnamiger Fluss durch das Tal, dem wir bis aus dem Städtchen hinaus folgen werden.
      Diesen Plan setzen wir im frühen Sonnenschein und besserer Laune (wäre Ashqar ein Mensch, würde ich sagen, er redet wieder mit mir) direkt um. Demnach ist die Irm ein klarer, breiter Gebirgsbach und schlängelt sich zwischen zahlreichen Felsabbrüchen hindurch. Die Stadt an ihrem Ufer schläft zwar noch, als wir hindurch reiten, sodass das Hufgetrappel noch weit zu hören ist, sieht aber trotzdem einladend und puppig aus. Meiner Meinung nach viel zu schnell verlassen wir die Zivilisation wieder und widmen uns altbekannten, steilen Waldwegen parallel des schmaler werdenden Bachs. Mit zunehmender Höhe haben die Pferde mächtig zu kämpfen, halten sich aber tapfer und im zügigen Schritt. Das einzig Gute an der Höhe ist, dass neben der dünner werdenden Luft auch die Dichte an Ungeziefer abnimmt. So haben wir oberhalb der Baumgrenze immerhin nicht mehr mit Bremsen und Fliegen zu tun.
      Stattdessen öffnen sich vor uns weite Ebenen mit blühenden Blumen aller erdenklichen Farben; gelb, lila, orange, das Blau der Vergissmeinnicht. Um die herrlichen Blüten schwirren andere Insekten wie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge und auch die Pferde würden wohl am liebsten mal die Alpenkräuter kosten - zumindest schaut sich Kazoom neugierig um und Himmawallajugaga wagt in einem Augenblick von Pauls Unaufmerksamkeit einen Bissen in das saftige Gras. Sie kommt ungestraft davon und probiert es ab da immer mal wieder.
      Plötzlich hat Ashqar unter mir einen Stellenschock, indem er heftig zusammenzuckt, den armen Bahar auf sein Hinterteil auflaufen lässt und mit gerecktem Hals nach links schaut. Da bemerke ich auch das braune Murmeltier, das wohl gerade - zu schnell für meinen Hengst - aus seinem Bau aufgetaucht ist und uns nun ebenso entsetzt beobachtet, wie Ashqar es. Ich lache und kraule den Mähnenkamm meines Pferdes; der Hengst mach daraufhin noch einmal einen kleinen Satz, beruhigt sich aber recht schnell wieder und wir können unseren Weg fortsetzen.
      Den ganzen Vormittag bewegen wir uns so im Kraut- und Strauchbereich mit einigen herausragenden Felsen dazwischen. Nach unserer Mittagspause steigen wir dann weiter auf und sehen uns zum ersten Mal mit einem echten Problem konfrontiert: Nach einer Rechtskurve am Hang kreuzt ein riesiges Geröllfeld unseren Weg. Zwischen den grauen, losen Steinen aller Größen ragen zwar Gräser und Blumen hervor - das ist aber (auch laut Helga) kein Garant für die Festigkeit des Bodens.
      Quintus geht mit unserem Reiseleiter im Schritt heldenhaft voran. Wahrscheinlich macht der Wallach das jeden zweiten Tag, denn ich kann richtig beobachten, wie er mit den Vorderhufen Steine auf ihre Festigkeit testet, bevor er einen Schritt macht. Helga lässt ihm dazu den Zügel lang und auch bezüglich der Wegwahl viel Raum. "Macht einfach langsam, wir haben ja Zeit. Steigt lieber ab, wenn es euch zu brenzlich wird.", meint er, bevor wir anderen den steinigen Untergrund betreten.
      Als erstes sind Paul und Himmi an der Reihe. Die Stute tippelt nervös am Weg, kann sich augenscheinlich nicht entscheiden, ob sie bei der wartenden Pferdegruppe bleiben oder Quintus folgen soll. Schließlich macht sie aber mit hoch erhobenen Kopf einen kleinen Satz nach vorn und zockelt dann, ohne viel auf den Weg zu schauen und auch mit einigem Gestolper dem Wallach hinterher. Kazoom wiehert daraufhin, bevor Ann ihn mit einem Schnalzen antreibt. Der Dunkelbraune ist vorsichtiger und bleibt immer wieder stehen und scharrt sogar einmal. Seine Reiterin lobt ihn für seine Experimentierfreudigkeit, steigt aber schließlich ab und führt den Hengst auf die andere Seite, da er augenscheinlich sehr unsicher ist.
      Als nächstes folgt ein gelassener Bahar mit Artemis auf dem Rücken. Die zwei sind augenscheinlich ein eingespieltes Team, denn es gibt kaum eine Diskussion vor den ersten Felsen - der Araber geht einfach behutsam los, auf die Steine zu, und dann trittsicher von einem zum anderen. Artemis lobt ihren Hengst, während mein Ashqar, obwohl Dizzy und Marc noch da sind, nervös tänzelt. "Ist doch gut!", sage ich zu ihm und als Marc mir anbietet, zu zweit loszugehen, willige ich dankbar ein. Auch mein Schecke ist einer von der schnellen Sorte und ich halte ihn zurück, damit er nicht zu traben versucht. Trotzdem tritt Ashqar nicht fehl und agiert auch sonst sehr trittsicher. Distraction lassen wir so hinter uns zurück, aber der Rappe hat allgemein eher die Ruhe weg und lässt sich von Marc bereitwillig navigieren.
      So sind nach etwa zwanzig Minuten alle wohlbehalten auf der anderen Seite angekommen. Helga lobt uns: "Sehr schön. Dann geht es jetzt noch einige Stunden hier oben, auf dem Berg, und nachher auch wieder weiter unten weiter, bevor wir die Hütte erreichen."
      Diese Aussage entlockt mir einen Seufzer, denn meine Konzentration ist ganz schön am Boden. Ich schätze, ich muss einfach mal wieder richtig schlafen. Ashqar scheint das auch zu denken, denn er dümpelt die kommenden Kilometer ein bisschen vor sich hin. Der Weg erlaubt es nun - er ist wieder ein bisschen breiter und ein wenig abfallend, bald tauchen Sträucher neben dem Weg auf.
      Erst gegen 17:00 sehe ich die Hütte hinter dem nächsten Tal, die wir alle eine halbe Stunde später glücklich und erschöpft erreichen.

      Tatsächlich ist dieser Bau, obwohl drin, über der Gaststubentür, ein Schild mit "Diese Hütte wird mit dem Hubschrauber ver- und entsorgt" steht, ziemlich großräumig und modern. Neben dem Haus, das neben uns die betreibende Familie und etliche Wanderer beherbergt, gibt es wie versprochen ein geräumiges Stallgebäude, dessen Eingang auf eine gut befestigte, weiträumige und bisher leere Koppel zeigt. Erleichtert atmen wir auf, als wir die Szenerie im nachmittäglichen Sonnenschein erblicken.

      Heute sind wir so auch sehr schnell mit dem Absatteln, Putzen und versorgen der Pferde, denn die Vierbeiner werden hier alles haben, was sie brauchen. Und auch unserem gemeinsamen Ruhetag sehen wir glücklich entgegen; auf 2000 Metern Höhe können wir heute einen wunderschönen Sonnenuntergang in den Bergen beobachten (der vorhergesagte Regen tritt nicht ein?), Karten spielen und den Tag ausklingen lassen. Beinahe die Hälfte unserer Reise ist schon geschafft.

    • Quinzel
      Alte Berichte:
      Hara Artemis

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      Helle Schatten
      Besorgt strich ich Hestia über die helle Stirn. Entspannt schloss sie die Augen und gab sich meinen Bewegungen hin. "Alles wird gut", flüsterte ich der Stute zu und lehnte vorsichtig meinen Kopf an den ihren. Erschrocken schreckte ich auf, als quietschend die Stalltür aufgeschoben wurde. Es war Addison. Ich war ihm dankbar, dass er sich um Hestia kümmerte, wir hatten nicht das Geld, uns von Außerhalb jemanden mehrmals die Woche auf den Hof zu bestellen. "Hey", sagte Addison und stellte seinen Koffer neben Hestias Box ab. "Hey", sagte auch ich und schob dann den Riegel zur Seite, um Addi in die Box zu lassen. "Ist dir eine Verschlechterung in den letzten Tagen aufgefallen?" Fragt er mich und betritt ihre Box. Ich schüttle den Kopf und erkläre ihm, während er Hestias Augen beleuchtete, wie sie sich in den letzten Tagen verhalten hatte. "Das Auge wird leider nicht mehr zu retten sein", erklärt mir Addi und nimmt mir damit meine restliche Hoffnung. Ich mochte diese Stute sehr und es tat mir Leid für sie, dass sie in der Mitte ihres Lebens ihr Augenlicht verlieren sollte. "Kann man denn gar nichts dagegen tun?" Fragte ich flehentlich. "Natürlich gibt es einige Medikamente dagegen, aber was ich dir raten würde, ist, dass ihr einfach versucht sie so gut wie möglich darauf vorzubereiten und ihr die Sicherheit gebt. Vielleicht holt ihr euch eine andere Stute dazu und gewöhnt Hestia daran, dass das ihre Leitstute ist." Versuchte Addi mich aufzumuntern. Er kam aus der Box und klopfte mir leicht auf die Schulter. "Ansonsten kann ich euch nur raten, so viel Stress und Unruhe wie nur möglich zu vermeiden und der Stute auf ihrem weiteren Weg Beistand zu leisten." Ich nickte. "Danke, wir werden natürlich alles versuchen. Es wird nur immer schwerer für sie in der Herde, vor allem da sie die Leitstute ist." "Ihr schafft das schon!" Sagte Addi aufmunternd und lächelte mich kurz an. "Ich habe gestern Abend Augentropfen für sie bestellt und ich hoffe, dass die nicht lange auf sich warten lassen werden." Dankbar lächelte ich. Es tat wirklich gut, einen Profi an der Seite zu haben, der uns dadurch führen würde. Addi verabschiedete sich von mir und ich blieb alleine zurück. Artemis war mit Bahar unterwegs, mehrere Tage wollte sie eine Trainingseinheit in den Alpen mit ihm machen. Sie hatte lange darauf gespart und ich freute mich für sie, dass sie es endlich geschafft hatte. Erst gestern hatte sie einige Bilder geschickt, von sich und natürlich von Bahar, wie er die steinige Landschaft erklomm. Als nächstes fütterte ich die Pferde. Ich liebte unseren neuen Stall. Vor allem den nordischen Charme und die warme Atmosphäre hatte mich beim ersten Betreten innehalten lassen. Er bot genügend Luft zum Atmen, geräumige Boxen mit so wenig Wand und Gitter wie nur möglich und einem guten Platz für Sättel und restliches Zubehör. Jedes Pferd hatte, wie vom Artemis gewünscht, sein eigenes Paddock und bekam täglich Auslauf. Allerdings machte mir die Arbeit zu schaffen. Oft fand ich zu wenig Zeit für mich oder Artemis und auch wenn Vuyo und Eyvind mehrmals die Woche halfen, so war es doch ein endloser Kreislauf. Ich hatte versucht mit Artemis darüber zu reden, jedoch war es ihr schwer gefallen, auch meine Sicht der Dinge zu verstehen. Sie liebte ihre Pferde über alles und manchmal kam es mir so vor, als würde diese Liebe auch die Liebe zwischen uns übersteigen. Es war nicht so, dass ich die Pferde aufgeben wollte. Ich wollte nur nach neuen Möglichkeit suchen, um auch die andern Dinge im Leben ausüben zu können. Und es gab neue Möglichkeiten, von Reitbeteiligungen bis zu Stallburschen. Es war noch früh am Morgen, die Pferde mussten gefüttert und dann auf die Weide geburracht werden. Eyvind hatte versprochen dann vorbeizukommen und mir zu helfen. Das beruhigte mich etwas. Ich begann bei den Hengsten. Bahars Box ganz vorne war leer und auch die Boxen der Jungpferde Antar ibn Dahr und Arias waren leer, da die beiden auf der Jungpferdeweide mit dem jungen Hengst von Nico standen. Tiramisu stürze sich verzweifelt auf den Hafer, als hätte er die letzten Stunden vor Hunger gequält in der Box stehen müssen. Khadir, Loveletter und Arsil nehmen den Hafer etwas entspannter entgegen, Asfari Sharin ignoriert den gefüllten Trog vollkommen. Nachdem auch die Stuten sind, kommt Eyvind püntklich wie immer zu mir in den Stall. Eyvind ist die gute Seele der Insel und jeder weiß, dass auf ihn immer Verlass ist. Er lebt stets ohne Vorurteile und es gibt niemanden, der sich nicht mit ihm versteht. Umso trauriger ist es, dass Eyvinds Glück in Sachen Liebe schon immer sehr bescheiden war und er seit vielen Jahren alleine lebt. "Du musst etwas raus, unter die Leute kommen, Mädchen kennenlernen!" Hatte ich schon oft zu ihm gesagt, doch er hatte nur den Kopf geschüttelt und mich angelächelt. "Ich bin doch glücklich, so wie es ist." War seine Antwort gewesen. Zusammen brachten wir die Pferde hinaus auf die Weiden. Die Stuten standen zusammen auf dem weitläufigen Gelände und mittlerweile kannten sie den Weg. Jeder von uns nahm immer drei der Stuten. Ich begann auf der einen Seite des Stalls, Eyvind auf der anderen. Cardiac, Abqa Hasna und Shady waren die ersten Kandidaten von mir, während sich Eyvind Hollybrooks's Barakah al Sanaa, Badriyah und Baraija genommen hatte. "Nimmst du nachher selber Hestia?" Rief er mir zu und zeigte mit vollen Händen auf die Stute. Ich nickte deutlich. Als nächstes nahm Eyvind I'll never leave you, Zanyah und Fada Fid, während ich für mich nur Hestia und Tiara Al-Bahri wählte. Addison hatte Recht, Hestia brauchte einen pferdigen Helfer an ihrer Seite und vielleicht war die junge Tiara dafür genau richtig. Eyvind brachte schnell noch Belaja und Pounts Püppchen auf die Weide und dann waren wir mit den Stuten fertig. Aber auch die vier Hengste waren schnell auf ihren Weiden. Schon lange teilten sich Tiramisu und Khadir eine Grünfläche und Asfari und Arsil, normalerweise stand bei den Beiden noch Bahar. Nach getaner Arbeit dankte ich Eyvind für seine Hilfe, wir verabredeten uns jedoch für den Nachmittag wieder zum gemeinschaftlichen Boxenausmisten. Ich war müde, die Arbeit zerrte an meinen Kräften und schon lange habe ich mich nicht mehr wirklich erholt gefühlt. Vielleicht war es ein Fehler gewesen, unsere Wohnung genau über den Stall zu bauen. Umso öfter und länger hielten wir uns deswegen dort auf. Allerdings war es nun auch um einiges leichter, für eine kleine Mittagspause mich einfach aufs Sofa zu legen und für einen Moment die Augen zu schließen. Tröge zog ich meinen Laptop zu mir heran und öffnete Safari. Ich brauchte Hilfe im Stall und vielleicht wurde ich ja im Internet fündig. Es gab genügend Reitbeteiligungen in unserer Nähe und ich markierte einige in den Favoriten, um Artemis bei ihrer baldigen Ankunft vielleicht doch von etwas Zuwachs im Stall überzeugen konnte. Müde schloss ich die Augen und verlor mich im Schatten des Tages.


      WINTERSCAPE STABLES
      _________________ WCS _________________
      Distanz M → S
      Tag 4 & Tag 5
      Gestern haben wir rein gar nichts getan. Sogar ausschlafen konnten wir, denn Helga hat am frühen Morgen für uns den Koppelzaun und die Pferdeanzahl kontrolliert und die Tiere gefüttert. So konnten wir unser Frühstück gegen 10 genießen, als auch die meisten Wanderer schon weitergezogen waren. Das einzig Aufregende, das passierte, war die Ankunft zweier neuer Wanderreiter - in Begleitung eines Braunen (Wallachs) und einer dunklen Fuchsstute.
      Die Pferde zu vergesellschaften, auf dem Terrain und dem eher eingeschränkten Platz, trauten wir uns nicht und so ließen wir den Neuankömmlingen den Stall und sperrten unseren Vollblütern und Quintus jenen ab. Das Wetter ließ es zu und für alle Fälle bekamen die Vierbeiner für die Nacht leichte Decken.
      Mit den Besitzern der Warmblüter kamen wir später noch in das Gespräch - sie machen einen zweitägigen Ritt und kommen aus einem nahegelegenen Tal, das wir auch noch überqueren müssen, zur Hütte und werden sozusagen heute mit uns in die gleiche Richtung reiten.

      So ist unsere Karawane am Morgen noch um zwei Pferde größer, die in der Frühe ihr Heu mampfen, während die Reiter eifrig satteln und Gepäckstücke puzzeln. Ich kann an dieser Stelle sagen, meinem Po hat der Ruhetag gut getan (den Anderen bestimmt auch; es beklagt sich niemand) und ich bin erneut voller Elan und Motivation. Das überträgt sich wohl auf Ashqar, der heute, wie ich beim Losgehen merke, auch schon wieder eine kleine Rennsemmel ist. Allgemein, alle Vollblüter scheinen mir recht aufgeregt und bis wir am Mittag das gesuchte Tal erreichen, ist es für Alle sehr schwer, die Pferde zu zügeln. Schließlich verabschieden wir uns dort aber von unserer warmblütigen Begleitung und folgen erneut einem Fluss flussaufwärts, also auf einem bequemen, breiten Wanderweg durch die karg bebäumte Landschaft. Hier können wir dann auch einige Strecken traben und, auf nicht so steinigem Grund, galoppieren. Das Wetter hält bis hierhin und wir sehen uns lediglich einer neuen Herausforderung gegenüber: Am Ende des Weges gibt es ein Tor, und zwar zu einer waschechten Kuhalm.
      Das Problem ist, als wir davor stehen, dass der Boden ein rostiges Gitter mit dachförmigen Metallstangen ist, unter dem ein Rinnsal aus Wasser entlangfließt. Nach Helga hält das wohl die Rinder vom Ausbruch aus - schlimmer ist, dass auch die Pferde, nicht einmal Quintus, darüber gehen wollen. "Dizzy könnte vielleicht drüber springen.", meint Marc dazu scherzhaft, während der Reihe nach die Pferde alle Viere in den Boden stemmen und partout nicht weitergehen wollen. Marcs Vorschlag ist aber wahrscheinlich aufgrund des Gepäcks nicht ernsthaft umsetzbar, wir probieren es gar nicht erst. Stattdessen steigen ausnahmslos alle ab und führen ihren Schützling, über das Gestänge, während der entsetzte Blicke nach unten wirft und ein wenig schwankt. Auf der anderen Seite stelle ich fest, dass das hier wahrscheinlich ein größeres Hindernis war, als das Geröllfeld vorgestern und Artemis gibt mir recht, während sie Bahars Hals streichelt.

      Unseren Weg, weiterhin durch das Tal am Fluss, setzen wir dann erstmal und erneut auf dem Pferderücken unbeirrt fort. Als wir die ersten Kuhglocken hören, bereiten wir uns auf Helgas Anweisung hin auf einen Ausbruch unseres Pferdes vor. Ashqar spitzt die ganze Zeit neugierig die Ohren, bleibt letztendlich aber ruhig, wenn auch nervös auf Abstand, als neben dem Weg plötzlich eine schwarz-weiße Kuh kauend im Gras liegt.
      Dizzy hingegen bleibt stehen und schaut das fremde Wesen mit gewölbtem Hals an, Bahar ist es wieder, der ungerührt weitergeht und bald darauf hinter Quintus die Gruppe anführt - Kazoom und Himmi haben es auch vorgezogen, einen größeren Bogen zu machen, weshalb Ann und Paul jeweils versuchen von oben Überzeugungsarbeit zu leisten, um ihre Pferde etwas näher an das Schwarzweiß zu bringen. So sollen die zwei den Respekt behalten, aber ihren Argwohn verlieren. (Helga und Artemis sind in dieser Zeit so lieb und warten weiter vorn auf uns.) Nach glatten zehn Minuten wendet sich das Blatt allerdings, da es der Kuh wortwörtlich zu bunt wird und sie deshalb aufsteht. Wir Reiter brechen unsere Annäherungsversuche daraufhin vorsichtshalber ab und beschließen, das Ganze bei nächster Gelegenheit und vielleicht geführt noch einmal zu versuchen.
      Zu unserem Glück (oder Pech?) begegnen wir aber keinen anderen Vierbeinern mehr; die einzigen Almbewohner, die wir noch zu Gesicht bekommen, sind vollkommen außer Reichweite oder wir sehen sie erst gar nicht und hören nur das Gebimmel. Insofern müssen wir jegliche Prozeduren in die Zukunft verschieben und Ann stellt im Weiterreiten fest, dass die ganze Tour eigentlich auch eine Art überdimensionales Schrecktraining darstellt.
      Jedenfalls erreichen wir eine gute Stunde später unbeschadet eine Straße. Sie mündet in Sichtweite in einen auf einer Seite von Fenstern durchbrochenen Tunnel - laut Helga ein weiterer Meilenstein auf dem Weg durch die Alpen. Wir blicken uns alle ein wenig unsicher an, als wir den Asphalt betreten; ein Tunnel, der zu beiden Seiten und nach oben hin geschlossen ist? Mit Pferden als Fluchttieren?
      Noch bevor ich etwas fragen kann, biegt Helga ab und nimmt einen Weg in Angriff, der mit Schotter befestigt ist und schlicht parallel zum Tunnel verläuft. Schon bald wird klar, dass dieser Weg sehr lang und monoton verläuft und wir ihm gut zwei Stunden folgen werden, bevor wir schließlich an der Straße in ein kleines Dorf im Tal absteigen. Dort werden wir im Übrigen auch unser Nachtlager aufschlagen.
      Aber vorerst steht der gelbe Schotterweg mit Tunnel und Berg zur Linken und einen Abhang mit Steinen und Wiese zur Rechten bevor. Hier scheint die Sonne ziemlich stark und es ist nicht windig, sodass Pferd und Reiter schnell in's schwitzen kommen. Außerdem nerven nun wieder Fliegen und Bremsen. Mit anderen Worten - ich bin sehr froh, als der Weg zuende ist und wir uns auf der Straße einreihen. Derartige Benimmproben sind inzwischen für kein Pferd mehr problematisch, nicht einmal für Himmawallajugaga. Und so kommt es auch, dass wir unsere Unterkunft, dieses Mal eine Scheune, am späten Nachmittag und bei strahlendem Sonnenschein erreichen.
      Schnell wird allerdings klar, dass das keine der luxuriösen Gasthäuser ist, in die wir bisher eingekehrt sind - die Räumlichkeiten beschränken sich auf die Fläche in der Scheune, ein Bad hinter einer Trockenbauwand und den vollen Heuboden, der uns als Bett und Nachtlager dienen wird.
      Die Pferde satteln wir also draußen ab und binden sie im Bauch der Scheune an einen etwas maroden Balken an. Er ist lang genug für alle, sodass wir jedem eine gehörige Portion Heu zuschaufeln können. Problematisch ist dann, dass wir noch einmal in den Ort müssen, um im Supermarkt Verpflegung für uns Menschen zu besorgen. Kurzerhand stellen wir auch fest, dass das beste Transportmittel für Nahrung für sechs Leute wohl ein Pferd ist. Bahar ist der unglückliche (und der ruhigste), der daraufhin noch einmal aufgezäumt wird und einen Sattel mit geleerten Taschen aufgelegt bekommt. Er folgt Artemis, Ann und mir ("Die Frauen kochen. Keine Frage." – Marc) ohne zu mucken, macht auch keine Fluchtanstalten und wartet brav mit Artemis vor dem Supermarkt. Außerdem ist er sehr geduldig, während wir Mädels uns nicht auskeksen mit dem erneuten Bepacken der Taschen. (Ann sieht Bahar irgendwann mitleidig an und meint, er habe es als Hahn im Korb wirklich nicht leicht mit uns. Recht hat sie.)
      Nach insgesamt fünfzig Minuten Einkaufsbummel kehren wir schließlich vollbepackt zu den Männern (um das Vokabular beizubehalten: In die "Höhle") zurück und picknicken später ganz spartanisch vor dem Scheuneneingang. Nachdem dann alle satt sind, holt jeder sein Pferd nach draußen und lässt es noch knapp zwei Stunden grasen - dann brich auch schon die Dunkelheit herein. Die Pferde müssen an diesem Tag tatsächlich angebunden schlafen und wir rollen unsere Schlafsäcke eben im Heu aus. Das geht, mal so eine Nacht.

      Tag 6
      Das erste, was ich im Vogelgezwitscher des Morgens feststelle ist, dass ich nicht gut geschlafen habe. Zwar umgibt mich ein wohltuender Geruch nach Pferd und Heu, besagte Tiere kauen aber auch schon geräuschvoll und konnten ihre Hufe allgemein gefühlt die ganze Nacht nicht still halten. Kurzum: Es ist eben mal etwas anderes, mit seinem Pferd in einem Raum zu schlafen.
      Es ist jetzt 5:20 und draußen kriecht die Sonne langsam die steilen Berghänge hinauf. Wir befinden uns jetzt wohl im Herz der Alpen; das alles stelle ich frierend fest, weil ich mal auf's Klo muss. Danach versuche ich erneut geräuschlos, die lange Leiter zum Heuboden zu krabbeln, aber Distraction erkennt mich und wiehert tief. Darauf stimmen Bahar und Ashqar ein und in kürzester Zeit höre ich, wie sich meine Freunde über mir räkeln und zu unterhalten beginnen. Wenigstens haben wir auf diese Weise Zeit, alle nacheinander zu duschen (Das Wasser ist eiskalt!) und uns - danach schon etwas wacher - unser Frühstück schmecken zu lassen.
      Als wir das Scheunentor schließlich gegen sieben öffnen, um mit den Pferden Grasen zu gehen, ist bereits im anfänglichen Sonnenschein eine dichte Nebelbank vom Boden aufgestiegen. Uns scheint, als würden die Wolken sehr tief im Tal hängen. Dafür ist die Luft angenehm frisch und die Vierbeiner sind bald voller Lebensgeister. So trödeln wir nicht, packen unsere Sachen zusammen und brechen noch früher als sonst, etwa halb acht, auf. Übel nimmt mir Gott sei Dank keiner, dass ich unabsichtlich alle so früh geweckt habe.

      Unsere Sicht ist also heute schon in niedrigen Höhenlagen sehr eingeschränkt. Ich kann erkennen, dass Himmi hinter Quintus immer wieder den Hals reckt und die Augen weit aufreißt, um etwas zu erkennen - vergeblich. Unser Weg, der wiederum ansteigend und zwischen niedrigen Bäumchen über Wurzeln und Steine verläuft, taucht immer glatte 80 Meter vor uns aus grundlosem Weiß auf. Die Sichtverhältnisse zwingen uns so zum Schritt und selbst die Geräusche scheinen gedämpft - die Natur hält den Atem an. "Faszinierend.", meine ich irgendwann mal in die Stille und Artemis vor mir nickt mir über die Schulter zustimmend zu. Helga nutzt unsere allgemeine Langsamkeit für einen kleinen Vorhabensbericht: "Heute reiten wir nicht so weit, nur ca. 50 Kilometer. Nach dem Weg hier folgen wir fast die ganze Zeit Straßen und Forstwegen, wir sollten also gut voran kommen. Zeit für Pausen haben wir auch. Unser Ziel ist dann das Krämerjoch, davor gibt es nochmal einen etwas happigen Anstieg, und dann die Krämerjochhütte. Das ist die Unterkunft, an dem es einen See gibt.", den letzten Satz fügt Helga an Paul gewandt hinzu, der nickt. Er scheint ihn verstanden zu haben.
      Mit dieser Aussicht passieren wir schließlich, nachdem der Weg erst gerade, dann leicht abfallend verläuft, eine weitere Kuhalm. Nach knappen zwei Stunden mündet unser Bergpfad in Waldnähe auf die besagte Forststraße, die ebenfalls in Schlängellinien bergab verläuft. Mit zunehmend geringerer Höhe und dem Eintauchen in den Wald wird vorerst auch die Sicht besser und meine Hände werden endlich warm (es sind vielleicht 16°C). Nach einer Pause an einem Bach, der unseren Weg kreuzt und aus dem die Pferde trinken und wir unsere Trinkflaschen auffüllen, geht es aber wieder bergan und wir traben viel, am heutigen Tag. Selbst als wir auf eine Art Serpentinenstraße, dem Fernpass nicht unähnlich, einbiegen, ist so wenig Verkehr, dass wir unsere Reise im Trab fortsetzen können.
      Am frühen Nachmittag schließlich verlassen wir den Wald und die Straßen gerade dann, als ein feiner Nieselregen einsetzt. Nach Helga liegt, in den Wolken versunken, steil über uns das Krämerjoch. Ein steiniger, schmaler Pfad führt im Zickzack dort hin. Wieder fällt das Gekraxel sehr kraft- und zeitintensiv aus und je höher wir kommen, desto stärker wird der Regen. Zeitweise mutiert er sogar zu Graupel, sodass die langen Mähnen von Bahar, Ashqar und Quintus schon bald an den Hälsen kleben. Trotzdem schlagen wir uns alle wacker bis zur Hütte, die praktisch urplötzlich vor uns aus der Wolkenbank auftaucht. Sie ist von einem niedrigen Stromzaun umgeben und wir steigen vor dem Eingangstor ab und führen unsere Pferde durch das Gatter.
      "Servus!" und "Tag." grüßen uns gleich ein paar Wanderer, die unter einem Dach auf der Terrasse sitzen und ein Bier genießen. Alle grüßen höflich zurück. Helga lässt uns anschließend kurz draußen warten und Quintus festhalten, während er uns drinnen anmeldet. Kurze Zeit später taucht er wieder auf und sagt: "Also das Gepäck stellt ihr erstmal hier, unter dem Dach, ab. Die Pferde satteln wir dann ab und lassen sie frei laufen; das Grundstück ist eingezäunt, weil da draußen Ziegen von jemand anderem umherziehen. Die Pferde können jedenfalls nicht weg; Regendecken wären wohl angemessen." - "Gibt es keinen Unterstand?", fragt Artemis direkt im Anschluss auf Englisch, ich übersetze ins Deutsche. Helga antwortet: "Hinter dem Haus steht das Dach gut zwei Meter über, ansonsten nein. Es soll aber auch nicht gewittern, oder so." Artemis ist augenscheinlich nur mäßig überzeugt, aber ihr bleibt nichts anderes übrig, als ihren Bahar abzusatteln, zu putzen, in seine Regendecke zu wickeln und grasen gehen zu lassen. Ich selbst zweifle nicht daran, dass die Pferde die Strapazen der Reise alle gut überstehen werden - schließlich sind es Pferde. Und Vollblüter kommen vielleicht nicht so gut mit Kälte klar, kalt ist es ja aber auch genau genommen nicht. Nur uns Reitern, weil unsere Klamotten bis auf die Haut durchnässt sind.

      Dieses Problem ist nach einer knappen Stunde jedoch behoben und wir können den Abend erneut Karten spielend ausklingen lassen. Ein steter Blick aus dem Fenster beweist außerdem, dass die Pferde (auch im Nieselregen und teilweise bei Wind) sehr zufrieden aussehen und grasen, sodass wir alle einigermaßen beruhigt schlafen gehen können.

      Tag 7
      Eine Woche. Heute seit einer Woche sind wir unterwegs. Es kommt mir viel länger vor, vermutlich durch den ständigen Ortswechsel. Wiederum mit einem Seufzer pelze ich mich daraufhin 5:30 aus dem Doppelstockbett und mache mich in Kuschelsocken und Crocks daran, draußen nach den Pferden zu sehen. Schon während ich die Hüttentür öffne schlinge ich meine Strickjacke eng um meinen Bauch und kann ein Gähnen kaum unterdrücken. Als ich dann die Veranda verlasse, ist es Distraction, der mich - Gras mümmelnd - als erstes erblickt und leise wiehert. Ihm folgt Kazoom; beide Hengste kommen neugierig zu mir gestapft. "Ich bin kein Futterautomat.", maule ich die Pferde kurz darauf voll, mache aber gehorsam in Futterbeuteln das Kraftfutter für alle zurecht. Nachdem die Vierbeiner so versorgt sind, kann ich mich um mich selbst kümmern und finde mich bald darauf - 6:30 - zusammen mit den anderen und schon deutlich wacher zum Frühstück ein. Da passt es, dass uns Helga in unsere Tagesaufgabe einweiht: "So, liebe Leute. Nach so einigen Tagen in Österreich erreichen wir heute den Reschenpass und sind dann schon in Italien!" - "Wie viele Kilometer sind das noch?", frage ich nach. "Bis zum Reschenpass etwa 40 und bis nach Meran, unserem heutigen Aufenthaltsort, insgesamt 70.", gibt unser Tourleiter bereitwillig Auskunft.
      Da habe ich den Salat - erneut nicht weniger als den ganzen Tag im Sattel.
      Als wir aufbrechen, schwimmt die Hütte auf dem Joch noch immer im Nebel und vorerst geht es wieder bergab. Den See, von dem Helga erzählt hat und in dem Paul gerne baden wollte, haben wir nichtmal gesehen. "Sehen" ist ja aber allgemein schwierig - je tiefer wir kommen, desto mehr Wollen türmen sich über uns und als wir kaum eine Stunde unterwegs sind, beginnt es zu regnen. Wir legen deshalb eine Pause ein und legen den Pferden Nierendecken auf und ziehen uns alle eine Regenjacke an.
      Dann geht es aber nahtlos weiter, wir habe eine lange Strecke vor uns. Ich versuche Ashqar möglichst zügig im Schritt zu reiten, auch wenn es bergab geht, damit er nicht auskühlt - denn auch die Temperaturen fallen mit den Höhenmetern. Das Wasser scheint die Grade förmlich aus der Luft zu reißen. Ich wage in einer längeren Pause nahe des Tals schon nicht mehr, meinen Rucksack vom Rücken zu nehmen; das könnte kalt werden. Zum Glück geht es kurz darauf an der Straße weiter, sodass wir traben können; der Leichttrab macht zwar meine Hände nicht warm, aber zumindest Rumpf und Beine.
      Unsere Karawane zockelt so, wie ich an der gelben Ausschilderung erkenne, schon bald den Reschenpass nach oben. Es ist 13:00 und die Regenwolken bleiben undurchdringlich. Auch als wir den Wendepunkt der Straße erreichen und uns alle bergab bemühen, lässt der Niederschlag nicht nach, im Gegenteil, er verwandelt sich zeitweise in kleinkörnigen, schmerzhaften Hagel. "Gut, dass der Wind von hinten kommt.", meint Marc dort auch sarkastisch. Trotz der Kälte und der Nässe muss ich grinsen.
      So ackern wir uns Schritt für Schritt Meran entgegen; weder die Straße, noch die Wolkendecke scheinen ein Ende zu haben. Das Fell an Ashqars Ohren bildet schon kleine Zähnchen vor Nässe und ich lobe ihn immer wieder und hoffe, dass seine Motivation bei dem ganzen Wasser um die Hufe nicht flöten geht.

      Aber die Pferde halten durch - alle.
      Sie scheinen vorhergesehen zu haben, dass unsere Unterkunft an der Rennbahn in Meran für jeden von ihnen eine großräumige, warme und vor allem trockene Box bereithält. Dorthin verfrachten wir unsere Schützlinge, nachdem wir das Fell jeweils gründlich zum Trocknen aufgerauht haben. Die Vollblüter haben außerdem alle eine geliehene Abschwitzdecke mit dem Logo der Rennbahn (quasi ein Werbegeschenk) auf dem Rücken. (Helga hat für Quintus auch eine angeboten bekommen, aber dankend abgelehnt.)
      Nun zupft alles, was vier Beine hat, trocken gelegt und zufrieden an seinem Heu - lediglich wir Reiter sind es wieder, die frieren.

      Tag 8 & Tag 9
      Unser Ruhetag ist dieses Mal um einiges spannender, als der zuvor: Weil Sonntag ist und unsere Pferde in einem Stall der Meraner Pferderennbahn stehen, bekommen wir ein ebensolches Rennen live und in Farbe mit. Ausnahmsweise bin ich da ein ganz normaler Zuschauer - wir sitzen ja normalerweise in der Besitzerloge und schauen unseren eigenen Pferden beim Sport zu. Und ich kann sagen: So und im Kreis von Freunden ist ein Pferderennen sehr viel aufregender. Vor allem das Wetten und gemeinsame Fachsimpeln über das mutmaßliche Siegerpferd ("Der ist groß, macht große Schritte, gewinnt." - "Na Marc, vielleicht kann er aber auch - so wie du - seine Beine nicht koordinieren und wird deshalb … Vierter." – Ann). Außerdem ist das Wetter sehr viel besser als gestern und es ist wieder wärmer. Den Tag können wir also so richtig genießen.
      Wie unsere Pferde, im Übrigen. Den halben Tag stehen sie auf einem Paddock, im Halbschatten, und bekommen nur wenig des Trubels um das Pferderennen mit. Stattdessen werden ihre Boxen vom dortigen Pflegepersonal ausgemistet und wir, die jeweiligen Reiter, widmen uns der Fellpflege in ausgiebigem Maße.
      So geht der Tag erlebnisreich, aber nicht erschöpfend zuende und wir sehen alle gespannt unserer letzten und bisher größten Tagesetappe entgegen.

      Neunzig Kilometer. Neunzig Kilometer bergab bis zum Gardasee. Nach all den Strapazen und Leistungen der vergangenen Tage eine schiere Herausforderung.
      Schon halb sechs stehen Ann, Artemis und ich auf - wir sind die ersten, die das Bad unserer Pension benutzen und auch die, die die Pferde füttern werden. So beeilen wir uns alle mit der Morgentoilette und schweigen die meiste Zeit. Erst im Stall, den wir praktisch mit dem Überqueren der Straße erreichen, werden wir alle etwas gesprächiger. "Na, Bahar, gut geschlafen?", fragt Ann beim Eintreten den gescheckten Hengst, der uns neugierig entgegensieht. "Bestimmt. Gestern den ganzen Tag.", meint Artemis dazu. Wahrscheinlich erinnert sie sich daran zurück, wie das ruhige Pferd während des Putzens in ein tiefes Dösen verfiel.
      Ashqar macht eher heute einen schläfrigen Eindruck und auch die übrigen Pferde - Himmawallajugaga, Kazoom, Distraction und Quintus - werden erst mit dem entsprechenden Futter und dem Aufstieg der Sonne über die Baumwipfel wacher und motivierter. Gegen sechs Uhr zehn sind alle Vierbeiner versorgt und wir gesellen uns zu den Männern ("Eher Jungs, oder?") zum (menschlichen) Frühstück.
      Unser Aufbruch erfolgt kurz darauf und meinerseits auch innerlich mit Pauken und Trompeten, so merkwürdig aufgeregt bin ich. Wir verlassen alle miteinander zu Pferd das Gelände der Rennbahn und reiten im Schritt durch das noch etwas verschlafene Meran. Hinter uns türmen sich die Alpen. Einige Gipfel orange, durch die Sonne, die auf das feste Gestein scheint. Und vor uns erstreckt sich zwar ein bergiges Land, allerdings sind diese Berge niedriger und bewaldet oder führen Obst- und Weinplantagen. Ich merke schon in diesem Moment, dass die Gegend, in die wir reiten, wohl um einiges wärmer und heimeliger sein wird, als es das undankbare Gebirge war.

      Und wärmer wird es wortwörtlich - keine zwei Stunden später haben wir Meran hinter uns gelassen und arbeiten uns zielstrebig gen Süden vor, während die Sonne von einem klaren, blauen Himmel scheint. Es geht zwar die meiste Zeit bergab und zwar auf recht breiten, menschenleeren Schotterwegen, aber trotzdem sind alle Bewegungen recht anstrengend und schweißtreibend - bei Mensch und Pferd. Hinzu kommt die Eintönigkeit der Landschaft, die eben bei den regelmäßigen Pflanzreihen von Wein und Apfelbäumen eine logische Konsequenz ist. Ich muss mich zwingen, immer wieder etwas zu trinken und nicht wegzunicken. Ashqar denkt wahrscheinlich auch darüber nach - er wird lediglich wach gehalten durch die Bremsen, nach denen er beißen oder treten muss.
      Wir alle atmen auf, als wir in einem kleinen Ort eine Pause im Schatten einlegen und für kurze Zeit nichts tun können. Nur danach geht es munter weiter, aber nun im Trab. Neunzig Kilometer müssen ja an einem Tag auch erstmal geritten werden.
      Während das Thermometer gefühlt unerbittlich steigt, bestimmt schon über dreißig Grad, ackern wir uns Straßen, Feldwege und Trampelpfade entlang. Selbst für erfahrene Distanzpferde wie Bahar und Ashqar ist das eine ganz schöne Prozedur, wobei es am härtesten vermutlich den guten Quintus trifft, der die Hitze rassetechnisch ja weniger verträgt als die Araber oder Tekken. Letztere scheinen im Übrigen die Einzigen zu sein, die der Situation etwas abgewinnen können. Kazoom, Distraction und Hinmawallajugaga zockeln eifrig im Trab vorneweg und scheinen gar keine Pause, oder etwa derartiges, machen zu wollen. Sie sind an diesem Tag sozusagen der Motor der Gruppe.
      Das ändert sich bis zum frühen Abend nicht, als wir auf einer Anhöhe halten und in ein Tal schauen. "Aah.", macht Ann undefiniert - denn dort unten glänzt das weite und undurchdringlich blaue Wasser des Gardasees. Wenn wir das Ufer dieses Sees erreichen, haben wir es geschafft und tatsächlich beritten die Alpen durchquert.

      Letztendlich dauert es noch eine gute Stunde, bis wir den breiten Asphaltweg verlassen und die Wellen des Sees wirklich sehen können. Als Helga uns auffordert, abzusteigen und eine Pause zu machen, etwas zu trinken begreife ich erst nicht, dass wir alle es geschafft haben.
      "Wir haben die Alpen durchquert.", höre ich mich da auch zu niemand bestimmten sagen, während ich kurz darauf im Schneidersitz auf dem Boden sitze und Ashqar grasen lasse.
      Artemis scheint sich angesprochen zu fühlen, denn sie nickt, während sie nach unten stiert und hin und wieder etwas aus ihrer geöffneten Wasserflasche trinkt. "Wir haben's echt geschafft.", meint da auch Marc und er scheint - ganz unüblich - regelrecht ehrfürchtig zu sein. Paul indes betrachtet die Berge am Horizont und sagt gar nichts und Ann ist nicht bei uns, sondern mit Kazoom am Wasser und lässt den Dunkelbraunen mit kräftigen Zügen trinken. Helga steht mit Quintus auch etwas abseits und telefoniert - mit unserer Unterkunft, hat er gesagt. Von dort werden wir morgen, und alle Pferde in einem LKW, zurück nach Garmisch fahren; dort parken ja am Wiesenhof unsere Autos und Hänger.
      Weil es jetzt aber noch nicht so weit, sondern erst 18:00 am Vortag ist und wir augenscheinlich gerade Zeit haben, satteln wir die Pferde spontan ab und gesellen uns zu Ann und Kazoom an das Ufer. Es dauert nicht lange und Bahar und Himmi sind mit Artemis und Paul schon im Wasser (schwimmend!), während sich Ashqar und Dizzy noch zieren. Letztendlich überwiegt aber die Sehnsucht nach Abkühlung und wir planschen munter rund eine halbe Stunde. Danach stehen wir ein bisschen doof da, weil unsere Sachen nass sind und wir den Pferden die Sättel natürlich nicht mehr auf die nassen Rücken legen können. Und wieder ist es Helga, der uns mehr oder weniger rettet: Er verkündet, dass es nur noch knapp sieben Kilometer am Seeufer entlang wären, bis zu unserer Pension.
      So bekommen unsere Schützlinge zwar das Gepäck auf den Rücken, aber wir Reiter laufen und führen. Gegen 20:30 erreichen wir so unsere letzte Etappe - am Gardasee - und verbringen anschließend essend, lachend und spielend einen letzten Abend miteinander. Ich selbst betrachte das als (gelungenen) Abschluss unserer Alpenquerung.

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      Pflegebericht
      Bahar, Cardiac, Abqa Hasna, Shady, Hollybrook's Barakah al Sanaa, Hestia, Antar ibn Dahr, Arias, Badriyah, Barija, Khadir, Arsil, Tiramisu, Zanyah, Loveletter, Asfari-Sharin, Tiera Al-Bahri, I'll never leave you, Fada Fid

      Es war ein kühler Morgen als wir auf dem Gestüt Hara Artemis eintrafen. Trotz der Frühe herrschte dort bereits reges Treiben, denn das große Arabergestüt suchte für seine Schützlinge neue Liebhaber. Aus diesem Grund waren auch wir angereist und musterten neugierig die Umgebung. Hier und da wurden bereits Pferde für den Transport fertig gemacht oder auf Anhänger geführt. In Stall und Halle traf man wiederum auf potenzielle Interessenten, welche sich ihre Favoriten vorzeigen ließen. Auch wir wurden direkt herzlich in Empfang genommen und einmal herum geführt. Unsere Interesse betraf einen schneeweißen Araberhengst, einer der Vorzeigepferde des Gestüts. Sein Name war Khadir und mit seine zwölf Jahren war er bereits solide ausgebildet. Außerdem hatte er schon allerhand Nachkommen vorzuweisen, doch für uns war die Zucht nicht interessant. Khadir sollte stattdessen vielmehr als Showpferd fungieren und momentan schien sein Charakter perfekt. Auch beim Vorführen und Vorreiten zeigte er sich von seiner besten Seite und so stand für uns schnell fest: Der sollte es werden. Es wurden alle Einzelheiten mit der Besitzerin besprochen und dann verabschiedeten wir uns auch schon wieder und ließen den wilden Trubel des Gestüts hinter uns. Schon bald würde der hübsche Schimmel bei uns einziehen.
    • Quinzel
      Ein kurzer Besuch
      xxx Buchstaben by Quinzel aus der Sicht von Fay Temiz
      Pflegebericht für: Emperor, BC' Morning Glory, Bintu Al-Bahri, Daw'alshams, Tiara Al-Bahri, Bahar


      6 Uhr früh und mein Handywecker fing an zu piepsen. Sofort war ich hellwach, sprang unter die Dusche und zog meine passende Kleidung an. Nach einem kurzen Frühstück beschloss ich nach meinen Arabern zu schauen. Tiara Al-Bahri, ein Neuzugang und Daw'alshams, meine beiden Stuten standen munter in ihren Boxen. Auch BC' Morning Glory, unserem einzigen Jungtier ging es gut. Bahar, ein weiterer Sproß von Bintu, sowohl Bintu Al-Bahri selbst und Emperor machten sich in letzter sehr Zeit gut. Ich schaute bei allen vorbei und überprüfte die Türen. Als ich nach allen geschaut habe, führte ich mit dem Alltag fort. Alles andere würde ich noch nachholen.
    • Zion
      Kurztripp auf das Al Sahra Anwesen


      “Wie du fliegst in die vereinigten arabischen Emirate?”, fragte Val verwundert. Ich nickte nur kurz und schmiss meine letzten in die Tasche, da ich wie immer spät dran war. “Eine Freundin Fay Temiz ist momentan sehr beschäftigt und schafft es nicht sich um ihre Pferde zu kümmern. Aus diesem Grund fliege ich nun kurzer Hand hin und helfe dort aus.”, antwortete ich schließlich. Willow und Finley blieben auf dem Hof und würden von den anderen versorgt werden.

      Zu allem Glück sprang mein Auto nicht an und es heulte nur kurz auf, als ich die Kupplung losließ. Nach unzähligen Versuche klappte es endlich und ich begab mich zum Flughafen.Erstaunlicherweise verlief die gewohnte Flughafenkontrolle recht schnell und ich konnte meine verlorene zeit wieder aufholen.


      Schon als ich das Flugzeug verließ war es warm und nichts verglichen mit unserem möchtegern Frühling. Mit einem Taxi machte ich mich auf das Al Sahra Stud. Das Anwesen machte einen sehr eleganten und neuen Eindruck, welcher mich kurz schlucken ließ. Es war eine moderne Anlage mit wunderschönen Pferden und gutenArbeitsmöglichkeiten.

      Nachdem ich meine Sachen verstaut hatte, fand ich einen Zettel mit allen Anweisungen und Bitten, den mir Fay hinterlassen hatte. Fay war eine der Distanzreiterinnen des Anwesen und hatte eine gewissen Führungsrolle, weshalb sie mich über alles informierte.

      da ich es nicht schaffen würde alle Pferde zu bewegen, sollte ich sie lediglich versorgen und fing bei den Hengsten an. Bahar ein äußerst hübscher Tobiano Hengst schaute mich mit sanftmütigen Augen an und war sichtbar dankbar über eine kleine Streicheleinheit und das Futter. Auch Bahars Vater Bintu Al-Bahri war in Besitz des Al Sahra Stud. Fay hatte mir mitgeteilt, dass er im Stall nicht wirklich angenehm war, also entschied ich mich ihm einfach sein Futter zu geben und ihn dann in Ruhe zu lassen. Der letzte Hengst des Stalles Emperor stach mir sofort ins Auge, denn er war ein Sooty Palomino mit Splash und passte somit perfekt in mein Schema. Auch er war sichtbar dankbar über das Futter und die Aufmerksamkeit.

      Auf dem weiteren Weg versorgte ich BC‘ Morning Glory, ein hübscher Junghengst, der mir auf süße Art und Weise seine Neugier entgegen brachte.

      Zu guter Letzt beschäftigte ich mit den Stuten des Anwesen. Badriyah, Shady und Zanyah versorgte ich als erstes, erstaunlich waren ihren unterschiedlichen Schimmelfärbungen. Avinaya und Tiara al-Bahri waren als nächstes an der Reihe und bedankten sich mit einem genüsslichen Grummeln. Mahamadou stach mir direkt ins Auge, denn ihre Färbung war äußerstaußergewöhnlich und so verweilte ich einen kurzen Augenblick, bis die Stute mir die Futterkelle aus der Hand zog und lachte. Die letzte Stute kam mir bekannt vor, denn Daw‘alsham war eine Art Weihnachtsgeschenk an das Anwesen und nachdem auch sie versorgt worden war gönnte ich mir eine Pause und trat am nächsten Tag die Rückreise an.
    • Quinzel
      Morgentau in Gold
      3823 Buchstaben by Quinzel aus der Sicht von Fay Temiz
      Pflegebericht für: Emperor, BC' Morning Glory, Bintu Al-Bahri, Daw'alshams, Tiara Al-Bahri, Bahar, Badriyah, Shady, Zanyah, Avinaya, Mahamdou,

      14. September 2019. Die Sonne färbte den Hof in gold. Die Sonne ging grade erst auf. Mit dem ersten Kaffee saß ich am Frühstückstisch und blickte hinaus durch das große Fenster. Jamal, mit mittlerweile sozusagen bester Freund der aber irgendwie trotzdem für meine Familie arbeitete, kam herein. "Fay, sollen wir?", fragte er mich. Sein Englisch wurde immer besser, seine indische Herkunft war kaum herauszuhören. Ich stellte den Kaffee beiseite und wir gingen hinaus. Unser Stall war, mal wieder, massiv gewachsen. Mein Vater spielte mit dem Gedanken, vielleicht bald mit einer Nachzucht zu beginnen. Außerdem war unser junger "Springheld", wenn man ihn so überhaupt als Araber nennen durfte, bald bereit für seine erste Körung. Meine Schwester arbeitete nach wie vor mit Emperor und sie war wirklich besonders Stolz auf ihren kleinen Spatz, also würde wahrscheinlich sie die Körung antreten. Ich lief die Stelle ab und wurde direkt freudig von Avinaya, einem unserer Neuzugänge begrüßt. Der Stutenstall ist am meisten gewachsen. Mein Vater hat drei prämierte Vollblutstuten aus Deutschland ergattert: Badriyah, Shady und Zanyah. Avinaya haben wir hier von einem Händler in Arabien erhalten. Mein persönlicher Schatz ist Mahamadou. Ich sage immer, ich liebe meine Tierchen alle gleich fest. Auch die Katzen auf dem Hof. Aber seit Maha weiß ich, dass stimmt leider nicht. Irgendwie mag ich sie dann doch ein Ticken mehr. Bei ihr angekommen, streichelte ich ihr sanft über die Nase. Sie ist einfach so wunderschön. Auch BC' Morning Glory stand bei den Stuten rum. Er wurde langsam richtig groß, aber er blieb einfach für immer das Fohlen. Hoffentlich gibt es bald Fohlennachwuchs, wer weiß was die Zeit bringt. Jamal war schon fleißig damit beschäftigt alles auf Vordermann zu bringen. "Oh, warte ich helfe dir", rief ich ihm zu und kam zu ihm gerannt, während der zwei Eimer mit Wasser trug. Bis zur Mittagszeit waren wir fertig. Unsere Araber grasten gemütlich auf der Weide. Im Spätsommer war das ein lustiger Anblick, denn drumherum wurde alles Grünzeug ausgetrocknet, nur auf der Weide wurde ein bisschen Gras künstlich am Leben gehalten. Dafür wurde extra ein Gärtnerteam engagiert. Auch die Blumen und Hecken sahen trotz der Hitze relativ frisch aus.
      Im Haupthaus wurde schon das Mittagessen serviert. Wir setzten uns in die Stube, wo meine Schwester schon fleißig Hummus und Brot ich sich schaufelte. "Wir ziehen gleich mit Emperor, Bintu Al-Bahri und Bahar los, passt das? Ich nickte bloß. "Viel Spaß, aber pass auf, es wird nachher nochmal richtig heiß". Sie zuckte nur mit den Schultern, während sie sich noch mehr Brot aus der Küche holte.
      Nach dem Mittagessen kümmerte ich mich um ein oder zwei andere Angelegenheiten auf dem Hof. Bald fing es auch an zu dämmern, also holten Jamal und ich die Araber von der Weide. Als es dunkel wurde, wurde es auch schlagartig kalt. Das war einer der vielen Nachteile der Wüste. Die Tage sind unfassbar heiß und die Nächte unfassbar kalt. Am Abend saßen wir mit der Familie zu dritt am Tisch. Meine Schwester erzählte von ihrem Ausflug mit den Touristen. Als kleines Nebengewerbe bietet unser Hof auch Ritte durch die Wüste an. Im Sommer sind diese nicht so populär, aber jetzt im Herbst fängt das Geschäft an zu brummen. Als ich und meine Schwester dann noch am Abend in der Stube saßen und durch Netflix zappten, schaute sie mich fragend an. "Was?" fragte ich sie etwas patzig. "Was ist eigentlich mit dir und Jamal?" fragte sie mich direkt. Ich schaute sie böse an und bewarf sie mit einem Kissen. Sie lachte nur und verdrehte die Augen. "Schon gut", lachte sie. Nachdem wir eine weitere Folge "Haus des Geldes" gesehen haben, weil man das im nahen Osten selbstverständlich auch schaut, gingen wir ins Bett. Ich kuschelte mich in meine 4 Kissen und schlief schnell ein.
    • Quinzel
      Putzmunter während der Apokalypse
      1850 Buchstaben by Quinzel aus der Sicht von Fay Temiz
      Pflegebericht für: Emperor, BC' Morning Glory, Bintu Al-Bahri, Daw'alshams, Tiara Al-Bahri, Bahar, Badriyah, Shady, Zanyah, Avinaya, Mahamdou, Nahyan


      17. März 2020. Die Welt stand still. Viel geschah während den aktuellen Tagen, jedoch musste ich mich auch an Zeiten wie diesen, um unser Gestüt mitten in der Wüste kümmern. Es war heiß, wie eigentlich jeden Tag, darum stellte ich mir den Wecker an diesem Morgen besonders früh, schließlich war es nachts doch ganz kühl. Ich kümmerte mich um alle, sorgte dafür, dass es allen gut ging und es nicht an Wasser oder Futter mangelte. Den gesamten Tag verbrachte ich zusammen mit meiner Schwester Nahla mit unseren Vollblütern, jedoch war sie nach wie vor noch vernarrt in Emperor, der bald eine Kür antreten würde. Auch unseren Neuzugängen, die mittlerweile schon etwas länger auf Al Sahra Stud standen, ging es gut. Badriyah, Shady und Zanyah sind hier aufgeblüht und fühlen sich pudelwohl. Auch unserem Prestigehengst Bintu Al-Bahri ging es gut, sowie seinen Nachkommen Tiara Al-Bahri und Bahar. Mahamdou und Avinaya entwickelten sich zu sehr guten Freundinnen und standen eigentlich immer zusammen auf der Weide, immer mit einem scharfen Auge auf unser noch einziges Fohlen BC' Morning Glory, aber wer weiß schon was der Frühling bringt? Jamal kümmerte sich heute um Daw'alshams, die auch nahezu bereit für eine Kür war. Es fehlte nur noch der letzte Feinschliff und es konnte losgehen. Auch um Nahyan wurde sich gut gekümmert. Er kam im Rahmen eines Projektes zu uns. Er hat schon viele Fortschritte gemacht, aber es ist noch ein langer Weg bis wir das beste aus ihm herausgeholt haben.
      Als es langsam dämmerte und alle alltäglichen Aufgaben erledigt waren, hockten ich, meine Schwester und Jamal uns zu Dritt in die Stube und schauten eine aktuelle Serie auf Netflix, ehe wir zu Bett gingen und zufrieden einschlummerten, denn morgen erwartete uns der nächste Tag, der ebenfalls viel Arbeit mit sich brachte. Besonders während solchen langen und harten Tagen ist genügend Ruhe und Schlaf wichtig. Also schlief ich tief und fest, bevor mich mein Wecker um 5:30 Uhr am nächsten Tag weckte.
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  • Album:
    2. AS - Hengste
    Hochgeladen von:
    Quinzel
    Datum:
    26 Apr. 2018
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  • [​IMG]
    Rufname: Bahar

    von: Bintu Al-Bahri
    von: Bintu Al Nahra Aus der: Bahirra
    aus: Saddy
    von: unbekannt, aus der: unbekannt

    ————————————————————— —————————————————————
    Exterieur
    Hengst

    2012*

    Rasse: Arabisches Vollblut
    Stockmaß: 157cm
    Fellfarbe: Bay Tobiano
    Geno: Ee Aa Stysty

    ————————————————————— —————————————————————
    Interieur
    Charaktereigenschaften:
    lieb, freundlich. sanftmütig

    Beschreibung:

    Bahar ist ein freundlicher und lieber Hengst, bei dem seine Eltern zum Glück wenig Einfluss auf ihn hatten. Auch sein Kumpel Shamal konnte ihm nicht die Ruhe nehmen, da er ein Ruhepol und ein Sanftgemüt ist.

    Später wird er vermutlich sogar mal als Therapiepferd einsetzbar sein.

    Besitzer: Quinzel
    VKR/Ersteller: Sweetvelwetrose
    VKR Vorrang: Sweetvelwetrose
    ————————————————————— ✤ —————————————————————

    Qualifizierungen + Erfolge

    Trainingsplan:

    Fohlen ABC ✔ | Eingeritten | Eingefahren x
    Springen E
    Galopprennen E
    Dressur E

    Distanz E
    Fahren E
    Military E
    Western E

    Erfolge:
    364. Westernturnier
    Teilnehmer Fuchsjagd Sandringham Manor

    [​IMG]
    ————————————————————— —————————————————————
    Zuchtdaten
    Zur Zucht zugelassen: nein
    Decktaxe: x
    Eingetragene Zucht: Al Sahra Stud, UAE
    Züchter/Herkunft: Hara Artemis

    Nachkommen
    -

    ————————————————————— —————————————————————
    Gesundheitszustand
    Letzter Tierarztbesuch: unbekannt
    Gesundheit: sehr gut
    Letzter Hufschmiedbesuch: unbekannt

    Beschlag vorne: -
    Beschlag hinten: -

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    PNG | Puzzle PNG| Offizieller Hintergrund