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Rhapsody

Baghira | Arabisches Vollblut - Polnisches Warmblut - Hannoveraner

Baghira | Arabisches Vollblut - Polnisches Warmblut - Hannoveraner
Rhapsody, 18 Aug. 2011
    • Rhapsody
      [quote name='Toffifee' date='31 March 2010 - 09:15 PM']
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      Baghis Ankunft

      ‚Where is your heart? What I really want is to believe you!’ schmetterte mein Handy. Klingelton. Anrufer. WAS?!
      Ich fummelte an meiner Tasche herum, bis ich es endlich hatte. Eine unbekannte Nummer, zeigte mein Handy an. Doch irgendwoher kannte ich diese Nummer…
      Der Klingelton wurde leiser, also ging ich lieber schnell ran. „Hallo?“ meldete ich mich heiser und blieb stehen. Ich war gerade mitten in einem Spaziergang mit Bilijka. Die Stute nutzte die Pause für ein paar Mal Grasrupfen.
      „Hallo, Jojo, hier ist Marie. Ich rufe wegen der Stute an“ sagte eine weibliche Stimme.
      Stute? Grauschimmel? BAGHIRA?!
      „Baghira?!“ fragte ich sofort.
      „Ja, genau, die Grauschimmelstute eben“ sagte die Stimme ein wenig genervt.
      „Haben Sie sich entschieden?“
      „Ja, habe ich. Wäre schön, wenn Sie in ein paar Tagen zu mir kommen würden, dann könnten wir alles regeln und sie könnten Baghira abholen“
      Ich fing an zu strahlen. „Ehrlich? Sie gehört mir?“
      „Solange Sie nichts Dummes mit ihr anstellen, geht der Kauf von meinem Mann aus in Ordnung“

      Gleich am nächsten Tag fuhr ich mit meinem Anhänger auf den Hof dieser Marie. Sie war eine geschäftige Frau, viel zu viel Stress.
      „Baghira steht als letztes noch auf der Weide. Nicht zu übersehen“ sagte sie gelangweilt, nachdem ich den Kaufvertrag unterschrieben hatte. Sie drückte mir ein Halfter in einem verblichenen Gelb in die Hand, sichtlich uninteressiert.
      Die Weide war nicht zu übersehen, so wie das letzte Pferd darauf. Eine großgewachsene Araberstute mit edlem Kopf und toller Fellfarbe.
      „Baghira!“ sagte ich leise und die kleinen Ohren der Stute zuckten nach vorne.
      Als die Stute mich sah, brummelte sie und kam an den Zaun. Lächelnd kramte ich nach einem Leckerli und gab ihr eines. Baghira nahm es mit ihren samtweichen Nüstern und kaute genüsslich darauf herum. „Na du? Du gehörst jetzt mir und somit dem Gestüt Liberté!“ flüsterte ich aufgeregt und gab ihr nochmal ein Leckerli.

      Woher ich sie hatte? Aus dem Internet natürlich. Aber warum es Klick gemacht hatte, ist schwer zu erklären. Sie passte natürlich mit ihrem Mix nicht so sehr in unsere Reitponyzuchtlinie, aber das war mir egal.
      Vor vier, fünf Jahren hatte ich auf einem Reiterhof Reitstunden genommen. Anfänger, damals noch.
      Dieser Reiterhof hatte einen Jährling bekommen, eine Grauschimmelstute mit noch keinem Namen. Auf der Suche kamen sie schließlich auf Baghira und nannten das Stütchen auch gleich so.
      Ich half fleißig beim Trainieren der Stute mit, hörte dann jedoch mit den Reitstunden auf und Baghira wurde an einen ‚Hippie’ und seine Tochter verkauft. Das hätte jeder Passant erkannt, dass dieses Mädchen nicht mit der temperamentvollen, jungen Stute umgehen konnte.
      Also wurde sie anscheinend wieder verkauft. Am Schluss landete sie bei Marie und jetzt bei mir. Wieder vereint.

      Zehn Minuten und fünf Leckerlis später kam Marie angebraust. „Würden Sie das Pferd endlich verladen? Wir haben noch mehr vor!“ zischte sie und ich fasste Baghira am Halfter. „Komm, du Süße“ flüsterte ich und führte sie zu meinem Anhänger.
      Baghira sprang fast in den Hänger, sie wollte anscheinend so schnell wie möglich hier weg.
      Ich erfüllte ihr den Traum nur zu gerne, und ein paar Zubehörteile konnte ich dann doch mitnehmen.
      Baghira kam in eine Box, sie war mir echt wertvoll. Klar, jeden Tag auf die Weide, aber ich wusste nicht warum ich sie in die Box steckte.
      Als wir an meinem Hof angekommen waren, ging Baghira mir mit geblähten Nüstern und aufgestellten, wachsamen Ohren hinterher. Über den Paddock sollte sie die anderen Ponys, Fohlen und Pferde kennen lernen.
      Baghira inspizierte ihre neue Box neugierig und legte sich erstmal auf das Stroh. „Bis später, Süße“ flüsterte ich und verstaute ihre wenigen Sachen.

      Drei Stunden später, es war kurz nach sechs Uhr, wollte ich noch einen kleinen Spaziergang mit meiner Neuen machen.
      Baghira kam sofort an die Boxentür, als ich den Stall betrat. „Na, wie wäre es mit ein wenig Fellpflege?“ sagte ich grinsend, schob den Riegel zurück und fasste Baghi gleich an ihrem Halfter. „Das tauschen wir erstmal“ beschloss ich und kramte in der Sattelkammer, bis ich ein strahlendgelbes Halfter fand. Schnell schmiss ich das Alte weg und legte Baghira das Neue an. Sie schnupperte in die Luft, dann folgte sie mir nach draußen, zum Putzplatz.
      Nach einer halben Stunde Fellpflege band ich Baghira ab und führte sie hinter mir her.
      Eine kleine Runde nur, mehr wollte ich gar nicht. Sie sollte sich erstmal eingewöhnen.

      Aber gegen Fotos war doch nichts zu sagen, oder?
      Ich nahm meine Kamera mit und redete während des ganzen Spaziergangs mit der Stute. „Schau, da drüben ist noch die Weide. Da darfst du in ein paar Tagen auf rauf und ganz viel Spaß haben“ versprach ich der Stute.
      Wir waren bald an unsere Galoppstrecke gekommen. „Rennen ist nicht, Baghi, aber wie wärs mit einem Foto?“
      Ich zückte meine Kamera und Baghira posierte schön. „Fein, Süße“ lobte ich sie und gab ihr ein Leckerli, als es geschafft war. Dann lief ich wieder zurück.
      In der Box bekam Baghira noch ihr Abendessen. „Gute Nacht, Baghi“ flüsterte ich und ging aus dem Stall.

      Das Bild:

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      [quote name='Toffifee' date='02 April 2010 - 09:57 PM']


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      Tierarzt Besuch bei Baghira

      Nach einem endlos langen und verdammt teurem Tiermedizinstudium mit Fortbildung zur Fachtierärztin für Pferde war es nun endlich soweit, ich hatte meine eigene Praxis eröffnet und fuhr nun zu meinem ersten Kunden. Es war ein harmloser Kontrollbesuch und doch war ich nervös wie vor meiner ersten Operation.
      Als ich mit meinem Wagen auf den Hof fuhr sah ich bereits eine junge Frau mit einem zierlichen grauen Pferd auf dem Hof stehen. Ich suchte mir einen geeigneten Parkplatz für meinen Wagen und stieg aus.
      "Hallo", die junge Frau winkte mir zu und lächelte freundlich, "sie müssen Dr. Mao sein, ich bin Toffifee, die Besitzerin von Baghira und das hier ist sie", sie deutete auf das graue Pferdchen.
      Ich begutachtete das Tier kurz und war zufrieden, sie machte einen gesunden ersten Eindruck, glänzendes, glattes Fell, das die Rippen erahnen lies und klare Augen in denen ein lebhafter Vollblutausdruck stand. Die kleine Stute war wirklich schick.
      "Gut", begann ich,"dann fangen wir mal an".

      Zuerst begutachtete ich das Pferd genauer, beobachtete das Auge und Ohrenspiel. Die Stute stupste mich neugierig an und nahm das Stückchen Bestechungsmöhre gerne an, das ich ihr reichte. Ich befühlte ihre Beine, warf einen kurzen Blick ins Maul und auf die Zähne, befand diese für gut und widmete mich nun dem "Innenleben".
      Dazu hörte ich genau ihre Lungen- und Herzgeräusche ab. Lauschte ob etwas seltsam oder unregelmäßig klang. Die kleine Stute stand ruhig da und mir fiel nichts sonderbares auf. Nachdem ich auch noch ihre Atem und Pulswerte, sowie die Temperatur gemessen hatte ging ich erneut zum Wagen.
      Dort holte ich die nötigen spritzen und Mittel die ich zum Impfen benötigte.

      Da die Stute bereits etwas älter war, nahm ich an, dass sie bereits eine Grundimmunisierung erhalten hatte und klopfte auf eine Stelle an ihrem Halsmuskel um ihn etwas zu desensibilisieren. Die Stute zuckte mit den Ohren und schaute etwas skeptisch.
      Nachdem ich ihr gut zugeredet hatte, setzte ich die erste Spritze an, sie ertrug sie geduldig. Bei der nächsten wurde sie schon etwas unruhiger und wich einen Schritt zur seite aus, nachdem Toffifee sie aber beruhigt hatte ging auch diese Prozedur problemlos.
      Bei der letzten Spritze dagegen riss ihr Geduldsfaden und sie begann unruhig hin und her zu tänzeln. Ihre Besitzerin brauchte fast 20 Minuten beruhigender Worte und umherführen, damit sie wieder stillstand. Nachdem ich die letzte Spritze gesetzt hatte und alles fertig war klopfte ich der Stute die Ganasche und verabschiedete mich.

      An Toffifee gewand meinte ich dann "wir sehen uns in 6 Monaten um die Influenza-Impfung aufzufrischen, den Impfpass schicke ich dann per Post".

      Fazit:
      Baghira ist eine schicke Stute die einen kerngesunden Eindruck erweckt. Wenn nichts schief geht steht in 6 Monaten die Influenza-Auffrischung an, ansonsten sehen wir uns in einem Jahr wieder.

      Von Dr. met. vet. Mao =]

      [/quote]


      [quote name='Toffifee' date='07 May 2010 - 08:40 AM']
      Wir alle lieben den Mai!

      „Lass es dir schmecken, meine Süße“ flüsterte ich und klopfte Sheba den Hals. Sofort machte sich die kleine Stute über ihr Müsli her und ich öffnete die Boxentür. Ich liebte meinen neuen Stall! Er war so offen und hell, ganz anders als mein alter.
      Am allerschönsten war es aber, wenn draußen um halb sieben die Sonne schien und durch die großen Fenster und Paddocktüren fiel. Dann war es richtig hell und freundlich. Auch der Geruch von Pferden und Heu lag in der Luft. Ich liebte es einfach!
      „Gut, alle Pferde sind gefüttert“ murmelte ich, dann entdeckte ich Mika, Cassey und M&M auf dem Hof. „Hunger?“ fragte ich lachend und hüpfte die Treppen zu meinem Haus hinauf. Jetzt mussten wir alle vier erst mal gründlich frühstücken, dann konnten wir uns an die Arbeit machen.
      Gegen halb acht schlüpfte ich dann in meine beigen Chucks und schnürte sie fest zu. Seit Jahren war das Paar Allstars meine Begleiter auf Pferd und Pony. Passend dazu hatte ich mir eine beige Reithose und ein weißes T-Shirt gekauft, dass schon manche Tage in der Wäsche verbracht hat.
      Ich hüpfte die Treppen wieder hinab und ging gleich in den Stall. Alle Pferdchen hatten gefressen, manche dösten in der Box, holten sich einen kleinen Nachschlag vom Heunetz oder sonnten sich auf dem Paddock. So wie Baghira.
      Ich schnalzte leise mit der Zunge, nahm das Halfter von der Boxentür und öffnete diese. „Baghi!“ rief ich und schwenkte das Halfter. Der Braunschimmel sah mich schläfrig an und bewegte sich dann in Richtung Box. Aufgehalftert führte ich sie zur großen Weide und dort hakte ich dann den Führstrick aus. Sofort wurde Baghira aufgeweckter und tobte sich auf der frischen Weide aus. Das Gras würde auch wieder saftig grün.
      Baghira folgten Dahiba und CSI Girl, die sich zu dritt gleich jagten. Auch die erfahrene, ältere Elegance ließ sich von der Mailuft verführen und wälzte sich genüsslich im Gras. Herbstfee und Back To Zero hingegen grasten ein wenig nahe am Offenstall.
      Dem Trubel auf der Weide schloss sich Cheeky Sweetness gerne an. Sie war ganz verrückt, als wir kurz vor dem Gatter waren, sie wollte unbedingt mitmachen. Auch die Fohlen Alice Cullen, Chilli Con Carne und Valentines Candy Fireflies ließen sich anstecken und buckelten übermütig über das Gras. Sweet Death sah erst ein wenig misstrauisch nach unten auf das Gras, dann fing sie an, daran zu knabbern.
      Also waren jetzt meine Hengste dran. Take A Bow und Voice of Classic führte ich gleich zusammen hin, damit es später nicht so viel Tumult gab. Aber Voice hatte anscheinend keine große Lust, zu toben, und stellte sich in den Unterstand.
      Londontime, Spirit, Buddy und Everlands Easy Living hingegen gaben sich ganz dem Frühling hin und sprangen vergnügt über die Weide.

      Alle Pferde waren auf der Weide, also ging es erst mal mit ein paar freiwilligen Helfern ans Stallausmisten. Im Nu waren dann auch die 18 Boxen, neun auf jeder Seite, geleert, ich musste nur noch einstreuen.
      Für das Misten versprach ich einigen meiner Helfer Reitstunden, die sie auch später einlösten. Eine davon wollte gleich, ein Mädchen namens Alicia. Sie ritt seit einem halben Jahr, also holten wir beide als erstes Cheeky Sweetness.
      Da Alicia ziemlich klein war, passte sie perfekt auf die Shettystute. Zwar ritt das Mädchen noch nicht lange, aber dennoch schon gut, dass ich sie auf den Platz ließ, während ich am Longierplatz neben an die Fohlen longierte.
      Alicia galoppierte Cheeky gerade auf den Zirkel, als ich Alice, mein letztes Fohlen heute, longierte. Easy Living, Chilli Con Carne und Candy Fireflies hatte ich alle schon durch, die große Alice war jetzt als letztes dran.
      „Alicia, reit sie noch ein paar Runden trocken, dann bring Cheeky wieder zurück, mach sie fertig und bring sie dann auf die Weide, okay?“ rief ich dem Mädchen zu und sie nickte. Da wartete aber schon jemand anderes auf eine Reitstunde.
      Zoey, dreizehn Jahre mit 6 Jahren Reiterfahrung nämlich. Ganz alleine ließ ich sie nicht reiten, aber schon ziemlich selbstständig.
      Zoey liebte Londontime und machte ihn auf mein Okay gleich fertig. London genoss es und war auch ziemlich brav beim Reiten.
      Während das Mädchen auf dem Hengst ihre Schrittrunde auf dem Platz zuckelte, putzte ich ein paar Sättel.
      Das Mädchen und der Hannoveraner waren ein eingespieltes Team und London sprang sogar zuverlässig über ein Kreuz. Normalerweise mochte er Springen nicht so sehr, jetzt hob er richtig freudig ab.
      Grinsend baute ich das Kreuz wieder ab und ließ Zoey abreiten. Die Sättel waren auch fast alle geputzt, aber der Rest kam später. Jetzt war ich erstmal dran.

      Nämlich mit Sweet Death. Die Stute kam schon freudig auf mich zu, ließ sich auf fein putzen, aber als ich dann mit dem Sattel kam, drehte sie die Ohren nach hinten. „Nana, Sweet“ tadelte ich sie und legte vorsichtig den Sattel auf ihren Rücken. Sweet zickte zwar noch herum, aber als sie merkte, dass ich nicht darauf einging, ließ sie es bleiben und machte auf braves Schulpferd.
      Als die Trense angelegt war, führte ich Sweet zum Reitplatz und stieg auf. Sie sah sehnsüchtig zum Feldweg, aber wir mussten heute unbedingt wieder arbeiten. „Das nächste Mal, okay?“ fragte ich versöhnend und lehnte mich im Sattel nach vorne. Als hätte Sweet Death mich verstanden, schnaubte sie und sah nur noch nach vorne. Grinsend drückte ich ihr meine Fersen leicht in den Bauch und sie ging los.
      Am lockeren Zügel machten wir uns beide erstmal warm und locker, ansonsten wurde der Galopp nichts. Erst, als Sweet unter mir gelöst und entspannt trabte, nahm ich die Zügel mehr auf und ließ sich ein wenig in der Anlehnung gehen. Sofort wurden Sweet Schritte eleganter und kraftvoller.
      Auch der Trab wurde nicht mehr so dahin gelatscht, sondern richtig schön anzusehen. Ihre Knieaktion war super und auch ihr Trab wurde nach und nach weicher.
      Als ich sie auf den Zirkel abwendete und sie dort angaloppieren ließ, fiel nichts von dem entspannten Zustand ab. Der sonst so hektische Galopp war heute ruhig und nahezu langsam. Keine Anzeichen von Zickereien. Dabei wurde der Schimmel doch immer ‚Das Böse in Person’ genannt?
      Nach dem entspannten Galopp beschloss ich, Sweet wieder abzureiten. Ich hatte noch einiges vor.

      Sweet graste wieder auf der Weide, also ließ ich ein paar sehr erfahrene Reiter namens Hannah, Leonie und Kathi sich mit Herbstfee, Back to Zero und Baghira beschäftigen, während Elegance und Take A Bow von Lisa und Mina bewegt wurden. It’s the CSI Girl, Dahiba und Voice of Classic wurden von drei Leuten longiert. Und Elisa bekam eine Reitstunde auf Spirit.

      [/quote]


      [quote name='Diabola' date='20 May 2010 - 05:22 PM']
      Hufschmiedbericht für alle Pferde:

      Heute fahre ich auf Toffiffe's Bitte hin zu ihren 19 Pferden.
      Darunter sind auch 6 Fohlen mit denen ich das Hufgeben ein wenig üben werde und schaue wie das Hufwachstum allgemein ist.
      Zuerst will ich nach den Hufen der ausgewachsenen Pferde und Ponys sehen.
      Toffifee kommt mir schon mit einem Mini Shetty entgegen als ich auf den Hof fahre.
      "Hi Toffiffe, alles klar?"
      "Ja, und bei dir?"
      "Bei mir auch^^"
      Der kleine Shetty Hengst Buddy steht brav neben ihr und wartet geduldig.
      Ich hohle mir noch mein Werkzeug und gehe mit Toffifee und Buddy zum Anbindeplatz.
      Ich begutachte die Hufe als Buddy angebunden und ruhig stand.
      Bis auf ein paar Korrekturen an schiefen stellen kann ich nichts gravierendes erkennen.
      Ich bockte seine Hufe nacheinander auf und raspelte die Hufe etwas kürzer und bringe sie in Form.
      Anschließend schneide ich den Strahl noch etwas frei.
      Zum Schluss lasse ich Buddy nochmal vortraben doch der kleine läuft sauber.
      "Buddy ist fertig, der nächste bitte."

      Das nächste Shetty ist dran.
      Ein Wallach namens Spirit.
      Als ich seine Huf anhob schnappt er nach meinem Hintern, sodass Toffifee ihn ermahnen muss.
      auch seine Hufe sehen ok aus, obwohl das kürzen dringend nötig ist.
      Ich raspelte auch seine Hufe ab und schälte den Strahl frei, wobei ich den Zähnen von Spririt ein weiteres Mal knapp entgehe.
      "So kleiner frecher Kerl, auch du bist fertig"
      Als Toffifee den kleinen weg bringt kltschte ich ihm nocheinmal kurz auf den Hintern.

      Nun kommt Toffifee mit einem Pferd.
      Die große Stute Elegance kam schon mit etwas unsauberem Schritt auf mich zu.
      "Toffifee kannst du sie vielleicht mal vortraben lassen?"
      "Klar"
      Sie trabte vor und ich sah das Problem.
      Vorne zieht sie ein Bein etwas nach und läuft allgemein etwas verhalten.
      Ich begutachte den Huf und sehe, dass der Huf zu kurz gelaufen ist.
      Der andere Huf ist auch an der Grenze.
      "Also entweder sie zieht eine Zeit lang Hufschuhe an oder ich mach ihr Eisen drauf."
      "Ähm, dann lieber Eisen"
      Ich raspel alle Hufe ab und schneide auch hier den Strahl wieder frei.
      Dann hohle ich den Ofen und zwei Eisen.
      Nach etwa 10 Minuten hatte ich die richtige Form und nagelte sie ihr an die Vorderhufe.
      "Beim nächsten Besuch können die Eisen vielleicht wieder abgemacht werden."

      Als nächsten kommt Toffifee mit der Stute Back to Zero.
      Sie geht sauber und ihre HUfe brauchen nicht mehr und nicht wenig als ein bisschen in Form gebracht werden.
      Also bocke ich die Hufe nacheinander auf und raspel sie in Form.
      Der Strahl ist frei also brauche ich auch nicht zu schneiden.
      "Ok, das war es schon."

      Toffifee bringt jetzt Herbstfee mit.
      Ihre Hufe haben ein paar Katschen, die ich mir näher ansehe.
      Ich bocke auch ihre Hufe auf und raspel das Horn ab.
      Auch die Katschen bekomme ich weg, obwohl es ganz schön gedauert hat.
      Nun schneide ich auch ihren Strahl frei, denn der ist ganz schon "Zugewachsen".
      "So jetzt bist auch du fertig"

      Die nächste Stute ist dran.
      Sweet Death kommt fast neben Toffifee her getrabt sie war anscheinend nicht so gut drauf.
      Ich begutachte ihre hufe und sie sehen eigentlich ok aus.
      Als ich ihre Hufe anhebe ist noch alles in Ordnung, doch als ich anfange den Strahl frei zu schneiden versucht sie nach mir zu treten.
      "Hey, was soll das"
      Ich gab ihr einen klapps auf den HIntern und mache weiter.
      Sie versucht es noch zwei weitere Male doch ich versuche es zu ignorieren.
      "So du Zicke, auch du bist fertig"

      Nun ein kleiner Hengst namens Take a Bow.
      Seine Hufe sind etwas schief gewachsen und eindeutig zu lang.
      Ich brauche einige Zeit um um sie in Form zu raspeln und auch das freischneiden dauert lange.
      Der kleine Hengst lässt alles mit sich machen und auch als ich etwas fester zupacken muss, weil das Horn so hart ist, bleibt er ruhig.
      "Der kleine hat wirklich gute und harte Hufe!"

      Als nächstes ist die Shetty Stute Checky Sweetnes an der Reihe.
      Sie läuft etwas unsauber als Toffifee mit ihr kommt.
      "Kannst du auch sie mal vortraben?"
      "OK"
      Sie läuft hinten etwas unsauber und ich entdecke auch gleich das Problem.
      Der Strahl ist fast zugewachsen und das Horn stört.
      "Da muss ich einiges Schneiden, aber sie braucht keine Eisen."
      Ich habe mit dem Schneiden einiges zu tun und es sauerte schon ganz schön lange,
      doch die liebe Stute bleibt einigermaßen ruhig stehen.
      Zum Shcluss lasse ich sie ein weiteres Mal vortraben.
      "Jetzt läuft sie besser"

      Jetzt kommt Voice of Classic.
      Der Hengst hat gute hufe und ich brauche fast nichts zu machen.
      Ich raspel nur das alte Horn ab und entferne die großen Kastanien an den Vorderbeinen.
      "Tja, das war's schon."

      Als nächstes ein großer junger Hengst namens Londontime.
      Als er auf mich zukommt sehe ich schon ein Problem.
      "Die Hufe sind aber ziemlich abgelaufen!"
      "Oh, echt?"
      "Da müssen zumindest vorne Eisen drauf"
      Ich hohle zwei neue Eisen und werfe sie in den Ofen.
      Ich raspel die Hufe noch ein wenig in Form und hohle die heißen Eisen.
      Nachdem Ich sie in die richtige Form gebogen habe nagel ich sie fest.
      "Ich denke das Problem wird er vorne länger haben, wahrscheinlich müssen die Eisen vorne beim nächsten Mal auch wieder drauf, denn sie sind seht abgelaufen."

      Die nächste Stute ist dran.
      Toffifee kommt mit Baghira.
      Die Stute kommt neben Toffifee mit hoch erhobenem Kopf her.
      Ihre Hufe müssen allerdings dringend gekürzt werden.
      Nach dem ich sie gekürzt habe schneide ichnoch etwas den Strahl frei und entferne die Kanten an den Seiten.
      Auch bei ihr entferne ich die Kastanien an den Vorderbeinen, die schon recht hervorragen.
      "So, fertig"

      Nun die Stute Dahiba.
      Auch sie stolziert neben Toffifee her.
      Ihre Hufe sehen jedoch ganz in Ordnung aus.
      Ich raspel etwas das Horn ab und muss aber nicht mal schneiden.
      "Das war's"

      Als letztes der erwachsenen Pferde ist nun noch It's the CSI Girl dran.
      Die Stute kommt ruhig auf mich zu und ihr Gang ist sauber.
      Die Hufe haben aber ein paar grobe Kanten, die ich mit viel Raspeln und
      abknipsen mit einer Zange beseitigen kann.
      Nach dem freischneiden des Strahls ist auch das letzte Pferd fertig.
      "So, nun sind die Fohlen an der Reihe!"


      Das erste Fohlen ist Cabaniro.
      Eigentlich ist er ja kein Fohlen sondern ein Jährling hat aber noch keine Erfahrungen mit dem Hufschmied gemacht, genauso wie die anderen Fohlen.
      "Ok, lassen wir es langsam angehen."
      Ich gehe erstmal um ihn herum und berühre seine Hufe.
      Er lässt es sich gefallen also hole ich den Hufbock, den er mit großen Augen beäugt.
      Ich ziehe einen Huf hoch und lege ihn auf den Bock.
      Er zieht ihn wieder weg, doch das ist nicht schlimm.
      Nachdem ich das mit allen Hufen kurz gemacht habe hohle ich eine Raspel und berühre seine Hufe damit.
      Auch das lässt er mit sich machen, sodass ich ein weiteres mal die hufe anhob und sie etwas länger auf dem Bock festhalte.
      Nach etwas zerren bleibt er ruhig stehen und lässt sogar die Raspel an sein Hufe.
      "Ok, dass sollte für's erst Kennenlernen reichen."

      Nun will ich das Prozedere mit dem nächsten Fohlen wiederhohlen.
      Die kleine Stute Chilli con carne ist dran.
      Sie beäugt mich und kommt neugierig auf mich zu.
      Als ich anfange ihre Hufe auf den Bock zu legen versteift sie ihre Beine und starrt mich an.
      Ich halte also das Bein solange fest, bis sie etwas lockerer lässt.
      Nach wenigen Minuten lässt sie locker und ich setzte den Huf ab.
      Ich wiederhohle die Prozedur und nach etwas 4 Mal hat sie verstanden was ich von ihr will.
      "Sie lässt sich nun das Hochheben gefallen, doch mehr sollten wir noch nicht machen."

      Als nächstes ist das Stutfohlen Alice Cullen dran.
      Die freche Stute kam neben Toffifee hergetrabt und war kaum zu halten.
      Auch mit ihr versuche ich das Prozedere duchzuziehen.
      Das Hufe anheben und kurz ablegen funktioniert, doch sie hat angst vor der Raspel,
      was die arbeit eines Hufschmiedes in Zukunft nicht erleichtern wird, wenn es mal nötig ist.
      Ich lege die Raspel auf den Boden.
      "kannst du sie vielleicht kurz losmachen?"
      "Ok."
      Ich lege zu er Raspel ein paar Leckerlies und warte einfach.
      Es dauert seine Zeit doch sie traut sich hin und frisst die Leckerchen.
      Nun kann ich auch ihre Hufe etwas mit der Raspel berühren.
      Ich hebe nochmal alle Hufe hoch und lege sie kurz auf den Bock.
      "Das reicht."

      Nun das nächste Fohlen.
      Das Stutfohlen Sheba kommt mit Toffifee auf mich zu.
      Sie wird angebunden und ich hebe ihre Hufe an.
      Sie macht keine anstalten sich zu wehren also lege ich die Hufe nacheinander auf den Bock, wo sie sie einfach liegen lässt.
      "Da müssen wir wohl nicht viel machen :D "
      Ich zeige der Stute noch die Raspel und berühre die Hufe, doch auch das Stört sie nicht im Geringsten.

      Jetzt das vorletzte Fohlen Valentine's Candy Fireflies.
      Die kleine Stute lässt auch ihre Hufe anheben will sie aber nicht auf den Bock setzten.
      Deshalb warte ich bis sie selbst keine Lust mehr hat ihre Hufe zu halten.
      Es dauert zwar fast 5 Minuten, doch es hilft.
      Sie lässt mich die Hufe einzeln kurz auf den Bock legen.
      Ich wiederhohle das etwas 5 mal und am Ende lässt sie es einfach über sich ergehen.
      "ok, das war's fürs erste."

      Als letztes Fohlen jetzt den kleinen Hengst Everland's Easy Living.
      Schon als er kurze Zeit steht fing er an herum zu zappeln und wurde ungemütlich.
      Ich fange an die Hufe anzuheben, doch das mag er überhaupt nicht.
      Als ich jedoch den Bock unter den Huf stellen schnüffelt er neugierig daran und
      vergisst das er schon länger steht.
      Seine Nervosität schwingt um in Neugier.
      Er will alle s erst abschnüffeln bevor ich ihn damit berühre, doch das finde ich in Ordnung.
      "Ich denke das zappelige bekommen wir nicht einfach weg"

      "So, das waren alle Pferde"
      Ich packe meinen Kram zusammen und packe alles in meinen Wagen.
      Zum Schluss winke ich Toffifee nochmal zu, die gerade Everland's Easy Living zurück bringt und fahre vom Hof.
      [/quote]


      [quote name='Toffifee' date='02 June 2010 - 08:25 PM']
      Kleine Abendfütterung im Stall

      Lächelnd stellte ich die ersten Eimer vor die Futterkammertür. Draußen war zwar noch allerschönstes Wetter, aber bei meinen Stallpferden gab es jetzt erstmal Happa-Happa.
      Alice Cullen freute sich sichtlich über ihr Abendessen. Sie stürzte sich gleich gierig auf den Hafer.
      Lächelnd strich ich über das glänzende, schwarze Fell und ging dann in die nächste Box. Chilli Con Carne wartete ebenso gierig auf den schwarzen Eimer.
      Als Buddy und Spirit ihre Mini-mega-Maxi-Eimer bekommen hatten, schlich ich zu Cabaniro. Auch er wartete ungeduldig auf sein Fresschen.
      Elegance war hingegen ruhiger. Diese Ruhe hatte sich anscheinend auch auf ihre Boxennachbarin Back to Zero gelegt. Herbstfee hingegen war wieder total hibbelig.
      Voice of Classic rannte mir fast die Box ein, als ich mit dem Eimer kam. „Ja, ganz ruhig!“ sagte ich beruhigend und schaffte es gerade noch, nicht gefressen zu werden.
      Sheba war heute ausnahmsweise geduldig, was sie sonst nie beim Fressen war. Sweet Death, Cheeky Sweetness und Take A Bow ließen sich artig füttern. Auch mein kleiner Schatz Valentines Candy Fireflies machte mir ein wenig Platz, damit ich zur Raufe kam.
      Londontime, der große Hannoveranerhengst, machte mir ein paar Zentimeter Platz, ich sollte ja nicht ganz zerquetscht werden. Baghira, Dahiba und It’s the CSI Girl zwickten sich gegenseitig vor Futterneid.
      Die einzig richtig ruhige war Vanilla Twilight. Sie stand dösend in ihrer Box und spitzte die Ohren, als ich den Hafer und das Müsli in ihre Raufe schüttete. Erst, als ich die Box verlassen hatte, ging sie langsam auf das Futter zu und begann, zu fressen.
      Ich kehrte noch kurz durch, strich jedem Pferd über die Nase und knipste dann das Licht aus. Taghell war es nicht mehr, aber man erkannte noch Einzelheiten.
      „Gute Nacht!“ rief ich fröhlich und zog die schwere Stalltür zu. Mika bellte ein zartes Bellen in den kleinen Spalt, dann folgte sie mir hüpfend ins Haus.
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      [quote name='Toffifee' date='21 July 2010 - 02:50 PM']
      Der neue Pfleger - Prominenter Besuch?!


      „Die Engländer, die ham Humor…“ Mein Handy trällerte vor sich hin. Oh Gott, ich liebte dieses Lied. Wir hatten zwar ‚nur’ die goldene Ananas geholt, doch diese WM war einfach traumhaft.
      Ich merkte gar nicht, wie das Lied aufhörte und fünf Minuten später wieder anfing, vor sich hin zu spielen.
      Versunken in den Gesang und den Text merkte ich, dass das ‚Gimme Hope Joachim’ mein Klingelton war.
      Schnell rappelte ich mich auf und drückte auf den grünen Hörer. „Ja, hallo?“
      Ein kurzes Knacken kam in der anderen Leitung. „Hallo? Bin ich hier beim Gestüt Liberté?“
      „Ja, wie kann ich helfen?“ Oh man, wie hörte sich das nur am anderen Ende an? Wahrscheinlich ziemlich vergnügt, denn mein Gesprächspartner gluckste vor sich hin. Als er sich wieder gefangen hatte, antwortete er. „Ich rufe wegen dem Posten als freier Pfleger an. Sie haben ja etwas im Dorf angepinnt.“
      Ich nickte. „Ja, habe ich. Wollen Sie einfach mal vorbei kommen? Heute Nachmittag?“
      Der Mann am anderen Ende schien ebenfalls zu nicken. „Alles klar. Bis dann!“
      Das Freizeichen ertönte und ich nahm das Handy vom Ohr. Yeah, heute Nachmittag hatte ich vielleicht schon einen Pfleger!
      Lächelnd nippte ich an meinem Eistee. Wenigstens war es ein paar Grad niedriger – aber trotzdem noch viel zu heiß.

      Wir hatten gar nicht ausgemacht, wann er kommen wollte. Also saß ich bereits um halb zwei auf der Treppe und spielte mit Mika, M&M und Cassey Stöckchen.
      Ein paar Minuten später bog bereits ein blauer VW auf meinen Parkplatz und ausstieg – ein Double.
      Von wem?
      Dem wohl tollsten Torwart, den ich bisher gesehen hatte.
      Blonde Haare mit dunklen Strähnen, eine große Sonnenbrille und ziemlich durchtrainiert. Dazu noch riesig…waah!
      Erst jetzt klappte ich vor Scham meinen Mund zu. Man starrte Leute, die einen nicht kannten, nicht an. Warum konnte ich mir das nie merken?!
      Überrascht sprang ich auf und pfiff meine drei Shepherds zurück, als sie den Neuankömmling begrüßten. „Ähm, hallo“ sagte ich leise und reichte dem Riese die Hand.
      Er lächelte. „Hallo“ Nachdem er meine Hand geschüttelt hatte, nahm er lässig seine Sonnenbrille herunter. Waah, ich sterbe! Diese blauen Augen!
      Nicht umkippen, nicht umkippen…rief ich mir ins Gedächtnis und atmete tief durch. „Ähm, ja“ stotterte ich und grinste verlegen. Was sollte man denn da noch groß sagen.
      Doch der durchtrainierte, junge Mann schien meine Gedanken zu erraten. „Nein, ich heiße nur wie er“ Dann grinste er.
      „Okay, dann weiß ich schon mal deinen Namen…oh, ist es okay, dass wir Du sagen? Ist hier üblich…nicht so wie auf einem hochmodernen Dressurgestüt.“
      Manuel nickte. „Also, ich bin Manuel. Deinen Namen müsste ich nur noch erfahren…“
      „Nenn’ mich einfach Jojo, da höre ich am meisten drauf. Aber ich hätte gesagt, wir schauen erstmal, wie sehr du dich mit Pferden auskennst“
      „Alles okay. Ich bin mit Pferden aufgewachsen, hab die letzten Jahre in einem Dressurstall geholfen. Da hat es mir aber nicht so gefallen – hat sich wie Arbeit angefühlt“ lachte er und folgte mir dann leise zu den Weiden.

      „Nimm dir das blaue Halfter da unten und fang den großen Rappen ein, das wäre dann der Auftakt.“ sagte ich und wies auf Elegance, die uns neugierig beäugte.
      Entschlossen nahm der Blonde das Halfter, schwang sich über den Zaun und lief dann zielsicher auf Eli zu, die ihm freundlich entgegenblickte. Ohne große Hektik legte er der braven Stute das Halfter an und führte sie über die große Weide.
      Als er neben mir hielt, nickte ich. „Okay, das war schon mal gut. Dann lass sie jetzt wieder frei und hol dir auf der Weide da drüben das schwarze Lederhalfter und den Fuchs mit dem weißen Bein.“ wies ich Manuel an und zeigte auf Cabaniro. Er graste gerade, ein Moment, in dem es echt eine Herausforderung war, ihn zum Hof zu bewegen. Mal sehen, wie Manuel sich schlug.
      Selbstsicher ging er auf den Hengst zu, das Halfter locker in der Hand. Es schwenkte leicht hin und her, Manuel wirkte überhaupt nicht nervös. Argwöhnisch wurde er von Caba beobachtet, doch der Junghengst machte keinerlei Anstalten, den Kopf aus dem leckeren Grün zu heben.
      Manuel wirkte immer noch ziemlich selbstsicher und dominant. Das würde Cabaniro sicher nicht auf sich sitzen lassen, auch bei mir versuchte er, den Macho zu spielen. Mal sehen, was Manuel als nächste machte.
      Er ließ seine dominante Maske nicht fallen, griff unter Cabaniros Hals und stemmte ihn ein wenig hoch, worauf Cabaniro beleidigt den Kopf hochwarf, um ihn zwei Sekunden später wieder ins Gras zu stecken. Doch der neue Pfleger ließ es nicht zu. Sicher packte er Cabaniros Kopf und zog ihm das Halfter über den Kopf. Der Hengst versuchte, nach Manuel zu schnappen, doch dafür bekam er nur ein paar Klapse.
      Schließlich folgte der kleine Hengst dem großen Blonden freiwillig von der Weide – wenn auch nicht begeistert.
      „Na, wie war ich?“ fragte Manuel und lächelte. „Der Kleine ist ein ganz schöner Brocken. Flegelalter?“
      Ich grinste zurück. „Ja, ist gerade hineingekommen. Aber, wenn du ihn schon am Strick hast“, Kurz deutete ich auf den Putzplatz, „kannst du ihn gerne putzen. Auf, auf, ich hole mir auch ein Pferd.“
      Schnell ging ich zur Hengstweide, nahm mir Victims Halfter und band ihn dann neben Cabaniro an. Einträchtig putzten wir die beiden Pferde und holten dann die Sättel. „Wir gehen erstmal auf den Platz. Wenn ich nämlich mal nicht da bin, musst du die Pferde bewegen, okay?“
      Manuel nickte grinsend. „Okay. Aber ich soll wohl nicht alle heute reiten, oder…?“ fragte er beängstigt und hielt mit seinem Bürstenstrich inne.
      Ich lachte. „Nein, natürlich nicht. Du musst dann nur noch jemanden longieren, dann kann ich ja sehen, ob du geeignet bist oder nicht“ fügte ich hinzu und fing dann an, Victims Hufe auszukratzen. Ab und zu spickte ich mal zu Manuel rüber, der perfekt mit Cabaniro auskam. Nicht ein einziges Mal versuchte der junge Hengst, den neuen Pfleger zu beißen, er tänzelte nicht einmal. Victim war natürlich die Ruhe selbst, auch, als es ans Satteln und Trensen ging. Der Braune neben ihm machte jedoch ein paar Mätzchen, Manuel hatte sie aber im Griff. Er war sogar – ohne einen einzigen Fehler – eher mit dem Satteln fertig als ich.
      „Tzz, bloß, weil du ein paar Muckis hast“ murmelte ich gespielt beleidigt, bewunderte seine starken Arme jedoch. Naja, wenn man im Tor stand…
      Mist! Nein, er ist es nicht, du bildest dir alles bloß ein! Er ist kein Torwart. Er ist Pferdepfleger.
      Manuel lächelte. „Das ist einfach die Übung. Aber“ Er sah Victim prüfend an. „bist du dann auch mal fertig?“
      Ich nickte und zog den Sattelgurt nochmal nach. Langsam ließ ich die Steigbügel hinunter und stieg dann in den Sattel. „Ja, guck doch. Ich bin schon lange fertig!“ scherzte ich, nahm die Zügel leicht auf und ließ Victim vorwärts gehen.
      Schweigend ritten wir den Weg entlang, ich beobachtete jeden Schenkeldruck von Manuel. Er hatte seine Sonnenbrille wieder aufgesetzt und sah konzentriert nach vorne. Mit offenem Mund musste ich ihn anstarren, ich konnte nicht anders.
      Gespielt genervt sah Manuel mich an. „Kannst du nicht mal aufhören?“ Dann grinste er.
      „Ähm…Sorry, aber das ist kaum zu unterdrücken“ meinte ich peinlich berührt und hielt Vicci dann an. „Nachgurten und danach traben? Der Weg ist jetzt schön breit“ Manuel nickte und mit einer Parade standen die zwei Hengste einträchtig nebeneinander.
      Als die Gurte fest waren, setzte ich mich zurecht und nahm die Zügel weiter auf. Jetzt hatte ich eine stetige Verbindung zu Victims Maul.
      Mit einem weichen Schenkeldruck trabte der Rappe unter mir an und streckte seinen Hals. Er lief v/a, also perfekt.
      Auch Cabaniro trabte, sogar ziemlich ruhig. Allerdings sah er ziemlich gehalten aus, obwohl die Zügel locker waren. Manuel trieb auch genug, aber Cabaniro verarschte ihn. Und zwar ziemlich.
      Fragend sah mich Manuel an. „Du kannst eigentlich nicht viel machen. Vielleicht stärker treiben, wenn’s gar nicht geht, einmal angaloppieren. Da streckt sich das Baby von alleine“
      Manuel nickte und trieb ein wenig energischer – nichts. Immer noch ging Cabaniro sehr gehalten, also gab es keine andere Lösung. Der neue Pfleger ließ die Zügel locker und gab die Galopphilfe.
      Victim wollte natürlich auch, doch ich ließ Cabaniro vorbeipreschen und hielt meinen Hengst im Zaum. Genervt schüttelte er den Kopf, blieb aber in einem ruhigen Tempo. Dumpf hörte man die Hufschläge auf dem Feldweg, auch, wenn Caba und Manuel nicht mehr zu sehen waren. Aber soviel Vertrauen setzte ich in den jungen Mann, dass er, sobald Cabaniro wieder normal ging, ihn durchparierte.
      Tatsächlich. Als ich einen kleinen Bodenwall hinunter ritt, warteten Manuel und der Hengst unter ihm schon. Cabaniro kaute ungeduldig auf dem Gebiss. Jetzt gehörte er Manuel, nur noch ihm.
      Gespielt neidisch sah ich die beiden an. „Hey, das ist mein Pferd! Es soll dich bitteschön abbuckeln!“ meinte ich und grinste dann.
      Manuel sah mich erst ein wenig verwirrt an, dann kapierte er. „Reiten wir weiter?“

      Nach einem kurzen Schrittstück folgte nochmal Trab, dann kamen wir auf unsere Galoppstrecke. Die zwei Hengste wurden sichtlich unruhig, jetzt wollten sie abgehen. „So. Traust du dir einen Galopp auf dem Teufelpferd zu?“ fragte ich den Mann neben mir, ein Funken Ernst war sogar dabei. Doch Manuel nickte. „Klar. So schlimm wird er ja nicht sein, oder?“ antwortete er und lächelte in den Himmel.
      „Okay, dann…“ begann ich, doch Cabaniro sprang neben mir schon an, aber gewollt. Er drehte die Ohren zurück, hörte auf die kleinste Parade, die er von dem Reiter auf sich erhielt. Faszinierend sah ich den beiden zu, dann reagierte ich und gab Victim die Galopphilfe. „Na komm!“
      Die Galoppstrecke war viel zu schnell zu Ende. Im Schritt ritten Manuel und ich zurück und machten die Pferde fertig.
      „Na, hat es dir gefallen?“ fragte ich und brachte Victims Sattel zurück in die Kammer. Manuel folgte mir. „Ja, war total schön. Cabaniro ist echt toll“ schwärmte er. Okay, er hatte schon mal einen Liebling.
      „Jetzt musst du noch dein Longiervermögen zeigen“ sagte ich zu dem Pfleger, als wir Cabaniro und Vicci zurück zur Weide brachten. Für die nächste Aufgabe musste ich erstmal ein Pferd finden…und schon war die Suche vorbei.
      Manuel folgte mir zur Stutenweide. „Hier, die Halfter. Und hol den Schimmel und den Dunkelfuchs“ wies ich ihn an und zeigte auf Dahiba und CSI Girl.
      Ein paar Minuten später kam er mit den beiden wieder. „Beide longieren?“ fragte er verwirrt, doch ich schüttelte den Kopf. „Du nimmst Dahiba“ sagte ich und zeigte auf den Schimmel.
      Wir putzten die beiden schweigend, und während Manuel mit Dahiba zum Longierzirkel marschierte, ließ ich CSI Girl ein wenig laufen.
      Dahiba war im Gegensatz zu Cabaniro ziemlich leicht zu handhaben. Manuel hatte keine Probleme, er ging einen kleinen Kreis, um im Trab mit der Jungstute mitzukommen. Dahiba hörte auf die kleinste Hilfe, die von der Seite Manuels kam, und Manuel stellte sich extra auf die junge Schimmelstute ein. Er hatte ein prima Händchen für Jungpferde.
      Nach guten zwanzig Minuten führte er Dahiba zum Putzplatz zurück und ich fing CSI ein. Die Stute folgte mir ein wenig wehmütig, dann begrüßte sie ihre beste Freundin neugierig.

      „Okay, das war es dann für heute“ meinte ich, als wir die beiden jungen Stuten zurück gebracht und den Putzplatz gekehrt hatten.
      Manuel sah mich entsetzt an. „Was? Schon?“
      Ich nickte. „Ja, aber morgen kannst du gerne wieder kommen. Also, fühle dich angestellt“ grinste ich und lehnte mich auf die oberste Stange des Stutenzauns.
      Der neue Pfleger grinste. „Dankeschön, ‚Chef’. Morgen wieder?“
      Ich nickte. „Morgen um halb acht, okay?“
      Manuel nickte, dann winkte er. „Bis morgen!“

      Ich sah dem VW hinterher, bis er bestimmt in der Wohnung von Manuel angekommen war, dann stupste mich jemand an. Rasch wirbelte ich herum und sah in Baghiras aufgeweckte Augen. „Willst du ein wenig rennen?“ fragte ich sie und kraulte sie hinter den Ohren. Genüsslich streckte sich die Mixstute, sie liebte es, gekrault zu werden, heute Mrgen war ich noch mit ihr über die gemähten Stoppelfelder gefetzt.
      Die Wärme klang ab und Sweet Death trabte aus dem Unterstand. Hinter hier kam Eli herausgetrottet, die beiden mochten die Hitze überhaupt nicht.
      Die Zuchtstuten dagegen standen eng beieinander. Neben der trächtigen Vanilla Twilight stand die Oma des Fohlens, Star. Creepin Up The Backstairs und Sahnebonbon grasten fast direkt daneben. Aber warte…fehlte da nicht jemand?
      Ja, der kleine Rappe fehlte – Hot n Cold. Und auch ihr Fohlen, Cresant Moon, vermisste ich auf der Weide. Er war vor wenigen Tagen geimpft worden und somit für die weite Welt bereit gemacht. Also durfte er später auch noch zu Valentine’s Candy Fireflies, seiner kleinen Freundin aus dem Stall.
      Auf der Hengstweide war genauso wenig Action. Buddy graste neben seinem Kumpel Spirit, Cabaniro, Sandro und Blaze dösten unter dem großen Apfelbaum und Victim, Parlay, Capriciasso, Dancer in the Moonlight und Place Royal hatten sich in den großen Unterstand verkrochen. Faulpelze.
      Die Stalluhr zeigte bereits halb fünf, ich hatte den ganzen Nachmittag mit Manuel verbracht. Jetzt musste alles ziemlich schnell gehen.
      Hot n Cold stand in der Box und döste vor sich hin, während Cresant Moon versuchte, es seiner Mutter gleich zu tun.
      Ein wenig hektisch betrat ich die Box, worauf das kleine Hengstfohlen zurückschreckte. „Tut mir Leid, Kleiner“ entschuldigte ich mich und ging langsam in die Knie. Meine Hand streckte sich vorsichtig nach der zierlichen Schulter des Fohlens. Er zuckte kurz zusammen, dann ließ er die Berührung zu. Noch lief er hinter seiner Mutter her, doch in ein paar Wochen wollte ich mit der Halftergewöhnung beginnen.
      Also halfterte ich Hot n Cold auf und führte sie aus dem Stall. Cresant Moon folgte ihr ruhig, erst, als wir durch die Stalltür gingen, wurde er unruhig. Er hatte den sicheren Stall noch nicht verlassen, war immer nur auf dem Paddock geblieben. Und jetzt ging es nach draußen.
      Hotti fühlte die Unruhe ihres Sohnes und drehte sich schützend zu ihm um. Leise blies sie ihn ins Gesicht, dann lief sie neben mir her.
      Cresant bekam Mut und stolzierte hinter dem Rappen her. Auf der Stutenweide angekommen, hakte ich den Führstrick von Hottis Halfter und klapste ihr dann leicht auf die Kruppe. Die Stute verstand sofort und trabte ein paar Schritte auf die Herde zu, Moon immer dicht hinter ihr. Er musste zwar ganz schön schnell traben, um seiner Mutter hinterher zu kommen, aber schließlich wurde er von den ganzen Stuten beschnuppert.
      Ängstlich drückte sich das Hengstfohlen an seine Mutter und wieherte leise, doch Hotti stupste ihn kurz zärtlich an. Der White Splashed nahm das als Aufforderung und reckte den Hals, um Baghira abzuschnuppern.
      Ich lächelte, er war also doch nicht so schreckhaft, wie in der Box. Leise drehte ich mich um und ging ins Haus, um zu essen.

      Die Sonne sank bereits gen Horizont, als ich um halb zehn noch einmal aus dem Haus trat, um alle Pferde in ihre Boxen zu bringen. Die Zuchtpferde blieben auf den Weiden.
      Cresant Moon wirkte, als ich Hot n Cold zurück in die Box führte, ziemlich selbstbewusst, er sah sich sogar meine Schuhe von selbst an. Lächelnd brachte ich den kleinen Hengst zusammen mit seiner Mama in die Box, die beiden waren die letzten. „Gute Nacht, meine Hübschen“ flüsterte ich und setzte das Gitter vor die offenen Stalltüren. Morgen wartete schon der nächste warme Tag auf uns, die Nacht würde auch nicht kalt werden.
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    • Rhapsody
      [quote name='Toffifee' date='25 August 2010 - 11:29 AM']
      Liebeswirrwarr

      „Tut mir Leid, Manuel. Du denkst nicht wirklich, dass ich dich allein mit den Kindern lassen will?“ Ich lächelte versöhnlich. „Außerdem tut das Charteaux auch gut. Einfach mal ein bisschen fetzen. Ich kümmer mich derweil um die Ponys.“
      Verlegen strich sich mein Pfleger durch die Haare und setzte seine Sonnenbrille kurz ab. Neben ihm stand der gesattelte Charteaux, dösend. „Komm schon, sei nicht albern.“ Seine Stimme war fest und entschlossen. „Ich kann die Kiddis auch handeln. Und Charteaux…kennt sich hier noch nicht so gut aus. Wie ich.“ Ein Grinsen erschien auf seinen Lippen.
      Ich merkte, wie meine innerliche Mauer brach. „Nein. Nein, nein, nein. Manu, du schnappst dir jetzt Charteaux und dann will ich dich mindestens eine Stunde lang nicht sehen.“ Der Boss in mir brach durch, doch ich lächelte sofort wieder. „Alles klar?“
      Manu war baff. Er setzte seine Pilotenbrille wieder auf und stieg in den Sattel. „Okay, Chef. Bis in einer Stunde.“ sagte er, sichtlich verwirrt, und ließ Charteaux los gehen. Der Scheckhengst ging prustend los.
      Kurz sammelte ich meine Gedanken. Gut, Manuel war ich „los“. Der Pfleger war mir in der kurzen Zeit, die er hier war, schon echt ans Herz gewachsen. Vielleicht würde er ja in die günstige Pflegerwohnung neben dem Stall ziehen. Vielleicht. Dann würde er ein Tor aufstellen und mich zum Fußballspielen einladen. Hm, und ich würde natürlich kein einziges Mal treffen – kein Wunder, er hatte einen Reflex. Den Reflex, den Ball immer zu fangen, egal, aus welcher Position.
      Ich schüttelte den Kopf. Nein, das war der Pfleger Manuel mit den blonden Haaren, den hellbraunen Strähnen und dem unwiderstehlichen Lächeln. Er hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Nationaltorwart, aber nur äußerlich. Ich kannte Manuel Neuer zwar nicht, aber mein Manu war bestimmt von Grund auf anders. Total. Absolut. Absolut zum Schwärmen.
      Zum zehnten Mal erwischte ich mich, wie ich mit verträumter Miene Charteaux und Manu nachstarrte. Nachdem ich den Kopf geschüttelt hatte, sah ich zur Zuchtweide.
      Es würde noch ein wenig dauern, bis meine Reiterferienkinder kamen, da konnte ich noch ein wenig ‚Spaߒ mit meinen zur Zucht zugelassenen Ponys haben.
      Als erstes kam mir die stechend braunrote Farbe von Blaze vor die Linse. Er stand bereits am Zaun und döste, ruhig. Neben ihm, ebenfalls die Augen geschlossen, lehnte Victim. „Na, ihr beiden Faulpelze?“ flüsterte ich zärtlich und strich über die zarten Nüstern der Hengste. Sie öffneten beide ihre braunen Augen und folgten mir zum Gatter. Ich konnte mit den beiden Kumpels ja ein wenig Bodenarbeit machen.
      Nachdem der Rappe und der Braune geputzt waren, führte ich sie beide an ihren neuen Knotenhalftern auf den Reitplatz. Sie sprangen herum, jagten sich und buckelten wild, während ich versuchte, außerhalb ihres Spielbereiches Trabstangen auf den Boden zu legen. Daneben auf dem dritten Hufschlag legte ich eine blaue Plane aus und nochmal daneben lagen eine Reihe Reifen.
      Mit einem Pfiff schossen die Köpfe der zwei Hengste in die Höhe, die Ohren waren gespitzt. „Blaze, komm her!“ rief ich und klatschte kurz in die Hände. Der Braune löste sich von Victim und trabte auf mich zu.
      Rasch hakte ich einen Strick an sein Halfter, damit er nicht die Fliege machen konnte. Er sollte sich nicht vor der Bodenarbeit drücken. Aber die rotweißen Stangen lachten ihn an, da konnte er gar nicht widerstehen. Er trabte schon fast vor mir, euphorisch, mit gespitzten Ohren. Er wäre weiter die Bahn getrabt, wenn ich ihn nicht zurück genommen hätte. Jetzt war schließlich die Plane dran.
      Unbeirrt blieb Blaze auf der Mitte der blauen Plane stehen, senkte seinen Kopf und betrachtete die knisternde Plane. Dann sah er wieder mich an und trabte geschmeidig darüber. Kein Problem eben für meinen Checker.
      Als er mit angezogenen Beinen über die Reifen stolzierte, machte ich ihm den Führstrick wieder ab. Wie ein geölter Blitz schoss er zu Victim, der aber kurz darauf zu mir galoppiert kam.
      Victim war jedoch etwas zurückhaltender als Blaze. Er trabte schön an meiner Seite über die Stangen und blieb danach unschlüssig stehen. Als er die Plane sah, versteinerte der sonst so mutige Rappe.
      „Komm, Vicci“ sagte ich leise und melodisch und zupfte am Führstrick, doch Victim machte keinen Mucks. Er starrte mit entsetzen Blick auf die Plane. Ein Plan musste her.
      Es half auch nicht weiter, als ich mich auf die Plane legte und hin- und herrollte. Auch mit Leckerlis machte Vicci nur einen unschlüssigen Schritt auf mich zu, dann blieb er gespannt stehen. Da musste also Blaze helfen.
      Er blieb schnaubend neben mir stehen und ließ sich auf die Plane führen. Unter seinen Hufen knisterte sie ein wenig, was Vicci noch weiter zurückschreckte.
      Okay, der Plan war schief gelaufen. Jetzt musste ein Neuer her. Da fiel mir ein – hatten Blaze und nicht einmal Zirkustricks geübt?
      „Blaze, lay“ sagte ich leise und zeigte mit einem Leckerli auf die Plane. „Lay“ war das Schlüsselwort zu „Leg dich hin.“ Und Blaze verstand. In Zeitlupe legte er sich auf die blaue Plane, die dadurch noch mehr knisterte. Aber Victim kam zwei Schritte näher, die Nüstern auf dem Boden. Er zeigte Interesse.
      Blaze stand wieder auf und ging ein paar Schritte rückwärts, während Victim unsicher Huf vor Huf setzte, bis es unter ihm knisterte. Und er blieb mitten auf der Plane stehen.
      Mit neuem Mut folgte er Blaze dann über die Reifen, die der erfahrene Braune souverän ein zweites Mal durchlief.
      „Fein habt ihr das heute gemacht“ sagte ich, lächelte und steckte Blaze nochmal ein Stück Brot zu. Victim kaute bereits auf einem harten Stück herum. Sie waren fein geputzt, jetzt kamen sie auf die Weide. Und ich war im Stress.
      Meine nächsten Opfer waren Place Royal und Sandro. Longieren würde wohl reichen, reiten wollte ich lieber nicht probieren. Sandro arbeitete gekonnt mit, während Place Royal trotz Gummiausbinder den Kopf hochbrachte und wie ein aufgescheuchtes Huhn im Longierzirkel stakste. Die Ausbinder wollte ich nicht enger schnallen, das wäre dann doch ein wenig too much.
      Gerade schimpfte ich vor mich hin, als ich Hufschläge hörte. Wahrscheinlich würden ein paar der Tiere den kleinen Steinweg zu den Offenställen krabbeln. Ich machte mir also keine Sorgen.
      Mit Place war ich schon fast wieder fertig, als ich das Schlagen der Tür hörte. „Da hab ich wohl mal wieder nicht richtig zugemacht“ kommentierte ich es nur und seufzte.

      Das leise Knarren des Gatters des Longierzirkels, welches hinter mir zugezogen wurde, ignorierte ich einfach. Oder ich hörte es nicht.
      Aber was ich und Place Royal hörten war nicht wirklich schön anzuhören. Meinen Hengst hatte ich wieder nach draußen auf den Hufschlag gescheucht, als ich unmittelbar hinter mir einen tiefen Atemzug hörte. Kurz darauf berührten mich eisige Finger, die doch irgendwie sanft waren. Und dann schrie ich, wie ich noch nie geschrieen hatte. „AH! Hilfe!“
      Place stieg einige Zentimeter, während die eisigen Finger meine Arme umschlossen. Von hinten kam nur belustigtes, unterdrücktes Kichern. Der Griff wurde verstärkt, als ich mich wehrte und versuchte, umzudrehen.
      „Chill mal“ ertönte eine bekannte, weiche Stimme und wieder kicherte es. Er. Er…
      Ich streckte meinen Kopf nach oben und sah einen jungen Mann, der grinste. Wie ein Honigkuchenpferd. Und die Sonnenbrille saß locker auf den Haaren.
      „Du bist es.“ stellte ich tonlos fest und sah wieder zu Place, der sich inzwischen beruhigt hatte. Meine Stimme war monoton, ich wollte das Herzklopfen unterdrücken.
      Mein Pfleger fand das wohl ganz komisch. „Ja, ich bin es. Und wie ich weg war, hast du hier die Pferde verrückt gemacht?“
      Ein wenig taute ich auf. „Du hast mich erschreckt! Was kann ich dafür?“ rechtfertigte ich mich und drehte mich um. Er hatte den Griff gelockert und sah mir jetzt lächelnd in die Augen. Aber kein freches, spitzbübisches Lächeln. Ein…sanftes Lächeln.
      Für ein paar Minuten verlor ich mich in seinen grünblauen Augen, dann schlug ich die Augen nieder. „D-darf ich wieder weiter longieren?“
      Manuels Lächeln wurde breiter. „Wenn du mir versprichst, dass du Place gerecht behandelst…?“
      Empörung stand mir ins Gesicht geschrieben. „Ich behandle ihn gerecht!“ Doch Manuel ließ nicht mit sich reden. „Soll ich dir es zeigen?“
      „Nein“ sagte ich entschlossen, doch da hatte er mit seinen eisigen Finger schon die Longe übernommen. Wehren? Unmöglich.
      Ich stand nur neben meinem Pfleger und sah ihm zu, wie er Place Royal longierte. Und siehe da, der Hengst nahm wirklich den Kopf nach unten und kaute auf einem imaginären Gebiss.
      „Wow.“ Es war ehrlich gemeint.
      Manuel lächelte wieder frech. „Dankeschön, Chef. Und jetzt?“ Er machte Anstalten, zu salutieren, doch ich drückte lachend seinen Arm hinunter. „Lass es. Jetzt bringen wir Place zurück zu Sandro. Der müsste jetzt auch gefressen haben.“
      „Ein kleiner Gourmet?“ Die Augen meines Pflegers blitzten und er schob die Sonnenbrille auf die Nase. „Klein ist untertrieben. Der hat schon mal eine halbe Stunde für ein normales Mash gebraucht“ stöhnte ich gespielt mit den Nerven am Ende auf und lehnte mich unwillkürlich an Manus Schulter – er wich nicht zurück.
      Erst, als Place mich anstupste, war ich wieder in der Realität. Manuel hatte sich nicht bewegt, er starrte nur ins Leere. Unentschlossen hatte er den Arm gehoben, um ihn um meine Schultern zu legen. Jetzt streifte er verkrampft mein T-Shirt. „Tut mir leid.“ stammelte er, als ich mich erschrocken um blickte. Er passte auf, dass ich nicht umfiel, aber ging ein paar Schritte zur Seite. Place stupste mich wieder an. „Ich ähm…ich…ich…“ fing ich an, brach dann jedoch ab. Manuel sah in die Ferne, das Gesicht von mir abgewandt. Ich starrte auf meine Stiefelspitzen. „Ich mach Place fertig.“ flüsterte ich so leise, dass es nicht einmal der Hengst hörte, der direkt neben mir stand.
      Stillschweigend machte ich also den Glanzrappen fertig und führte ihn mit Sandro auf die Weide. Manuel stand nicht mehr im Longierzirkel, er war…verschwunden. Irgendwo hin.
      Super gemacht. Jetzt hatte ich ihn verschreckt.
      In manchen Filmen werden die Personen doppelt gezeigt. Die eine macht wie normal weiter, während die andere Person ihr über die Schulter sieht und sich denkt: Verdammt, warum kann ich nichts dagegen tun? Die arbeitende Gestalt hält darauf inne und macht mit etwas anderem weiter.
      Nun, so eine Szene hätte ich mir vorhin gewünscht. Dann hätte ich jetzt gebraucht. Eine kleine Stimme, die mir sagt, dass eine Beziehung zwischen Chef und Angestellten nie gut werden könnte. Und vor allem, wenn der Chef selbst nicht weiß, was er will.
      Ich hatte mich auf die Zuchtweide gekauert und starrte vor mich hin. Nichts spürte ich. Genau so, wie ich es wollte. Ich wollte hier draußen, wenn es sein musste, verrecken.
      Creepi graste vor mir, daneben Sahnebonbon. Beide wirkten zufrieden.
      Aber das war das einzige, was ich sah. Weiß und cremiges Weiß, darunter grün. Mehr nicht. Ich spürte nicht, wie Wind aufkam. Ich sah nicht, wie der Himmel sich verdüsterte. Erst, als die Pferde sich verzogen hatten und ich merkte, wie meine Haut unter dem T-Shirt durchnässt war, wusste ich, dass es regnete, wenn nicht sogar gewitterte.
      Aber das war gut so.
      Mein Blick wurde leerer, ich zog die Knie an und starrte weiter vor mich hin. Das nächste, was ich hörte, war Rauschen, bis es von einer warmen Stimme durchschnitten wurde.
      „Warum liegst du denn hier draußen?!“
      Meine Augen glitten über das Gras zum Zaun. Nasse Chucks, eine Buggy-Jeans und ein ebenso nasses T-Shirt wie meines.
      „W-was m-m-machst d-du denn-n-n h-h-h-h-hier?“ stotterte ich und sah mit leeren Augen in das entsetzte Gesicht meines Pflegers. Er selbst war klatschnass, warum auch immer. Mit einer irren Schnelligkeit, so dachte ich, war bei mir und sein Gesicht erfüllte mein Sehfeld. „Geht’s dir gut? Fühlst du dich schlapp? Krank?“ fragte Manuel und seine grünblauen Augen sahen besorgt aus.
      „M-m-m-mir geht’s gut“ stotterte ich wieder und Kälte durchfuhr mich. „I-i-ich will hier bleiben.“
      „Wenn die Ferienkinder kommen? Du spinnst doch.“ Seine Stimme hörte sich entschlossen an. Etwas unsicher sah er zu Boden und ich fand mich schon bald über dem Boden wieder. Ich schwebte.
      „Lass mich zurück!“ rief ich hysterisch und strampelte in Manus Armen. Er lächelte leicht und verstärkte den Griff um meine Beine noch mehr. „Lass mich bitte gehen“ versuchte ich es dann nett, doch Manuel war damit beschäftigt, die Wohnungstür aufzukriegen. Sanft legte er mich auf die Couch und holte eine Decke.
      „Ich würde dir auch trockene Sachen anziehen, aber naja.“ Auch mein Pfleger wirkte nervös. Unsicher setzte er sich in den Sessel gegenüber mir und betrachtete mich. Ich fühlte mich etwas schwach, aber mehr nicht. „Manuel?“
      „Ja?“ Sofort rutschte er an die Kante des Sessels.
      „Kannst du schnell kommen?“
      Er sprang auf und war in der nächsten Sekunde schon neben mir. „Was ist?“
      Kurz bestand Blickkontakt, wir unterhielten uns nur mit den Augen. Seine grünblauen Edelsteine funkelten, er wollte also auch. Kurz schluckte ich, dann kam sein Gesicht immer näher. Er hatte die Augen halb geschlossen, der Rest seines Blickes war auf meinen Mund fixiert. Sein Gesicht war nur noch wenige Zentimeter von meinem entfernt, ich spürte seinen ruhigen, aber doch irgendwie hektischen Atem.
      Unsere Lippen waren nur noch zwei Zentimeter getrennt, nur noch zwei kleine Zentimeter – da dudelte mein Handy auf der Couchlehne los.
      Mit einem tiefen Seufzen sank Manu auf die Fersen zurück und stützte dann kurz das Gesicht in die Hände. Etwas verwirrt griff ich nach dem Handy.
      „Hallo?“
      „Toffi? Hier ist Bekki!“ Die fröhliche Stimme meiner Freundin hellte meine Miene wieder auf, während ich Manu kurz musterte. Ein kleines bisschen Mitgefühl und Trauer lag in meinem Blick.
      „Hey, Bekki. Was ist los?“ fragte ich und räusperte mich. Meine Augen waren immer noch an den unbewegten, jungen Mann am Boden geheftet.
      „Ach, nichts. Ich wollte dir nur sagen, dass Icetea bereit zum abholen wäre.“ Bekki lachte hell auf und meine Arme wurden steif. „Heißt…?“ Ich spürte, wie meine Stimme brüchig wurde und meine Augen flogen schnell auf die Decke. Manuel hatte sich bewegt und stand auf. Er zeigte auf die Tür und formte mit leisen Bewegungen die Worte: „Bin draußen und kümmere mich um die Pferde.“
      Mit einem Seufzen hörte ich Bekkis ‚Befehl’ zu. „Das heißt, du kommst jetzt sofort zu mir und holst Icetea ab. Sie wartet schon. Und außerdem brauchst du gar nicht so zu seufzen, klar?“ Der Klang ihrer Worte war immer noch liebevoll und belustigt gemeint. Sie schaffte es wirklich, mir jedes Mal ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. „Wegen dir habe ich nicht geseufzt.“ entschuldigte ich mich. „Wegen…etwas anderem.“ Mein Blick wanderte wieder zur Tür, die Manu sorgfältig geschlossen hatte.
      „Ah ja.“ Bekki dachte nach. „Naja, wir sehen uns dann. Bis später!“
      Dann hatte sie aufgelegt. Das Telefon glitt wieder auf den Beistelltisch und ich sah kurz aus dem Fenster. Toll, das Wetter hatte wieder umgeschlagen. Strahlender Sonnenschein.
      Die Schwäche fiel von mir ab und ich legte die rote Decke wieder zusammen. Bevor ich zu Bekki ging wollte ich noch duschen. Und dann, wenn ich wieder da war, musste ich mich bei Manuel entschuldigen.
      Das warme Wasser tat wirklich gut und für ein paar Minuten vergaß ich das Theater von vorhin. Ich zog trockene Sachen an, föhnte meine Haare und schlüpfte dann in meine Stallschuhe – Chucks.
      Long Island Icetea wartete jetzt auf mich. Sie wurde auf Arijas Gestüt geboren, zu Bekki gebracht und jetzt kam sie zu mir. Eine ganz schöne Reise, die die Kleine schon zurückgelegt hatte. Aber ich freute mich wirklich total auf die kleine dunkelbraune Stute.
      Etwas apathisch setzte ich mich ins Auto und fuhr mit starrem Blick und starrem Lächeln vom Hof.
      „Hallo, Toffi“ Bekki lächelte mich schief an, neben ihr stand ein neugierig dreinblickendes Fohlen. Unwillkürlich erwiderte ich das Lächeln. „Hallo, Bekki.“
      Und dann lagen wir uns lachend in den Armen.
      „Schön, dass du wieder da bist“ sagte Bekki gepresst an mein Ohr und dann lösten wir uns voneinander. Das Fohlen hatte uns wieder nur angesehen. „Icetea? Sag ‚Hallo’ zu deiner neuen Futterfrau“ Meine Freundin wirkte feierlich und übergab mir leicht wie eine Feder den blauweißen Strick.
      „Schalke“ bemerkte ich mit einem schiefen Grinsen und wog den Strick etwas in der Hand. Bekki sah mich fragend an und strich nebenbei das krause, weiche Fell des Fohlens. Dann fiel ein Blick auf ihre Uhr. „Oh nein! Mist. Tut mir leid, Toffi, aber…“
      Ich musste lachen. „Ja, ja, ich geh schon. Wir sehen uns oder telefonieren, oder?“ Mit einem leichten Zug folgte mir das Fohlen und prustete Bekki tröstend zu. Als würde es sich verabschieden und sich bedanken.
      Verladen ließ sich Icetea problemlos, sie stöberte sofort durch die leichte Strohschicht am Boden.
      Mit einem Knuddeln verabschiedete ich mich von Bekki und stieg dann ins Auto. Sofort wurde ich wieder apathisch.
      Fast zeitgleich erreichten mich zwei SMS. Eine von Channi02 und eine von Elle, ich konnte meine zwei Hengste abholen.
      Als ich wieder auf meinen Parkplatz parkte musste ich mich sehr an die SMS erinnern. Ich wusste, dass ich sie gelesen hatte, auch ungefähr den Inhalt. Aber trotzdem…war mein Gedächtnis irgendwie leer.
      Der Hof war wie leer gefegt. Der Boden war wieder trocken, die Sonne schien heiß und unerbärmlich herab.
      Icetea folgte mir auf die Stutenkoppel, als wäre sie hier schon immer gewesen. Mit einem kurzen Wiehern begrüßte sie alle und stürmte sofort auf den ängstlichen Cresant Moon los. Später wollte ich mit ihn noch ein bisschen ans Halfter gewöhnen.
      Wie programmiert baute ich die Mittelwand in den Hänger, stieg wieder ins Auto und machte mich sofort auf den Weg zu Elles Gestüt. Sie war wieder nicht da, hinterließ mir aber eine Nachricht:
      Vans wartet auf dem Paddock. Die Sachen sind in der Sattelkammer, wünsche dir viel Spaß mit dem Schönen! 
      Okay, das Pony stand also auf dem Paddock – wirklich schwer ihn zu finden war es nicht. Er streckte mir sofort den Kopf entgegen, in der Hoffnung, etwas Leckeres zu bekommen. „Hallo, Vans“ lächelte ich und strich dem Hengst sanft über die Blesse. Der Name gefiel mir, meine Lieblingsmarke war eben Vans off the wall.
      Ohne Probleme ließ sich der Hengst aufhalftern und auch ohne Zicken verladen. Vans hatte nur das Heunetz gesehen, dann war er fast in den Hänger gesprungen.
      Elle und Channi02 wohnten ziemlich in der Nähe. Aber auch die Besitzerin des Grauens war nicht da. Nur wieder ein Zettel:
      Hallo, Toffi.
      Barquillero Mojito steht in seiner Box. Nimm dir am besten eine Gerte mit rein, sonst kommst du nicht unbeschadet wieder raus. Seine Sachen stehen davor.
      Channi
      Also wieder Pony holen? Seufzend griff ich mir eine Gerte, die an der Wand hing, und öffnete die große Box, an deren Tür in einer großen Schrift Barquillero Mojito prangte. Ich wurde schon gewarnt, der Hengst sei ein wenig stürmisch, aber eigentlich war ich das gewohnt.
      Die Gerte lag aufrecht in meiner Hand, als ich die Tür zurück schob und selbstbewusst ins Stroh trat. Ein wunderschöner Hengst stand in einer Ecke, kauend, er hatte gedöst. Sein Blick war jetzt wach, sein Kopf erhoben. Und er hatte ein Ohr angelegt und das andere gespitzt, als wäre er sich nicht sicher, ob ich im Gutes oder Böses tun wollte. Unentschlossen.
      Langsam kramte ich in meiner Tasche nach Leckerlis. Mojito machte einen langen Hals und ging ein paar Schritte auf mich zu. Die Ohren zuckten nach vorne und nach hinten. Ein Lächeln schob sich auf mein Gesicht, die Gerte versteckte ich hinter dem Rücken. Ein wenig Vertrauen lag in Mojitos hübschem Gesicht und entschlossen fasste ich nach dem schwarzen Halfter, welches er trug. Erst schüttelte der Hengst den Kopf, dann folgte er mir jedoch.
      Vor der Box lag ein weißer Strick, wahrscheinlich für das Pony. Zögernd hob ich ihn auf. War er wirklich für Mojito? Doch dann schüttelte ich den Kopf. Klar gehörte er ihm. Die Sachen von ihm lagen alle vor der Box, sowie der Strick. Es war seiner.
      Vorm Verladen machte ich mir jedoch noch Sorgen. Würde er einfach so in den Hänger spazieren? Sollte er erstmal Vans kennen lernen?
      Letzteres schien mir sinnvoll. Während Mojito graste, lud ich den Fuchshengst aus und führte ihn an den Grasstreifen.
      Barquilleros Kopf schoss in die Höhe, seine Ohren waren flach angelegt. Vans hingegen blieb cool. Er schnaubte gelassen und senkte dann seinen Kopf ins Gras. Der Graue gegenüber dem Fuchs sah diesen nur ungläubig an, dann entspannte sich seine Haltung und er graste ruhig.
      Zehn Minuten später verlud ich die beiden, die sich inzwischen über die Trennwand beknabberten, und fuhr zurück.

      Kurz warf ich einen Blick auf die Uhr. Es war gerade mal kurz nach zwei, die Ferienkinder kamen erst in zwei Stunden. Dann musste ich jetzt die Pferde weiter verpflegen. Allein.
      Sollte ich gleich mit Cresant Moon anfangen?
      Doch ich entschied mich nicht dafür. Die Kiddis liebten es, beim Training mit Fohlen zuzusehen. Aber It’s the CSI Girl und Dahiba, mit den beiden konnte ich wirklich etwas machen. Einen kleinen Spaziergang?
      Doch die beiden Stuten schienen nicht sehr angetan von der Idee. Sie legten die Ohren an, als ich mit ihren Halftern und Stricken die Weide betrat. Das konnte ja heikel werden.
      Letztendlich ließen sich aber beide einfangen und zur Weide bringen. Dahiba kaute noch auf einem letzten Grasbüschel, bevor ich sie anband. „Mit dir fange ich gleich mal an“ meinte ich leicht lächelnd und holte ihre Putzbox. Dahiba war dreckiger als CSI.
      Nach zehn Minuten Dauerstriegeln war ich selbst von Kopf bis Fuß dreckig und staubig. Das Lächeln wurde zu einem breiten Grinsen und dann zu einem hellen Lachen. Dahiba sah mich unverständlich an und prustete, als wolle sie sagen: „Was ist denn mit dir los?“
      Die Beine waren jedoch noch unsäglich dreckig. Ob die Schimmelstute wollte oder nicht, jetzt musste erstmal der Dreck abgewaschen werden. Dahiba tänzelte schon unruhig, als ich den Schlauch holte. „Ruhig, meine Süße“ sagte ich leise und stellte den Schlauch auf einen sanften Strahl ein. Das Wasser war kühl, perfekt für den heißen Tag.
      Nach dem Waschen war ich zum Glück wieder einigermaßen sauber, aber nass. Zum Glück war CSI nicht ganz so dreckig. Nach allein zehn Minuten war sie fertig und es konnte losgehen.
      Die Stricke hingen ein wenig durch als wir durch den Wald streiften. Die beiden Stuten gingen ruhig neben mir her, sie freuten sich in Gedanken schon auf die Wiese. Da durften sie dann nämlich grasen und ein wenig rennen.
      Als wir aus dem Wald traten, blinzelte ich kurz. Die Sonne blendete ungeheuerlich, man konnte kaum glauben, dass es vor zwei Stunden noch geschüttet hatte.
      Bald schon hatten wir die Wiese erreicht. Dahiba und CSI grasten friedlich neben mir, während ich im Gras lag und die Augen schloss. So konnte man das Leben genießen.
      Als ich in keiner weiten Ferne Hufetrappeln hörte riss ich die Augen auf. Hatte ich das Gatter richtig verschlossen?
      Das Geräusch lenkte meinen Verstand zu einer weißen Stute, darauf galoppierte ein junger Mann. Manuel war mit Creepin Up The Backstairs ausgeritten. Okay, dann konnte ich später noch mit den anderen etwas machen.
      „So, meine Süßen. Wir packen es.“ verkündete ich zwei Minuten darauf und rappelte mich aus dem Gras. Etwas beleidigt folgten mir die zwei Stuten dann wieder nach Hause.
      Als nächstes…vielleicht einfach einen Schlag Zuchtpferde laufen lassen? Die Kinder kamen bald, ich musste noch ein paar Ponys fertig machen…Stress pur.
      Sweet Death, Dancer in the Moonlight und Parlay konnte ich ja noch laufen lassen. Sweet war mir als Kinderpferd ein wenig zu hinterlistig, vielleicht würde ich jemand wirklich erfahrenen auf sie setzen. Mal sehen.
      Mit einem Schwung Pferde machte ich mich also auf zum Reitplatz und ließ die drei Hengste und die Stute los. Die viertel Stunde, in denen die Pferde auf dem Platz rasten, konnte ich einen ungewollten Deckakt verhindern. Die Hengste bockten eh immer an der Spitze, es gab also keine Probleme.

      „Zwei vor vier. Okay, ruhig bleiben. Sie tun dir nichts“ redete ich mir ein als ich mir fünf Halfter holte. Die Kinder kamen gleich, Manuel war immer noch verschwunden, obwohl Creepi auf der Weide graste. Die Halfter waren für Star, Charteaux, Spirit und Capriciasso. Es kamen zwar fünf Kinder, aber beim letzten Kind musste ich sehen, ob ich sie auf Sweet setzte oder nicht. Das fünfte Halfter war also eher noch unentschlossen.
      Die ersten Autos bogen um die Ecke und ich half den zwei Mädchen, die sich als Sara und Lisa vorstellten, ihre Koffer in das große Fünferzimmer zu schleifen. „In zehn Minuten treffen wir uns draußen auf dem Hof, dann teil ich euch ein wenig ein und später dürft ihr auch noch zusehen, wie ich mit meinen zwei Fohlen arbeite.“ Dazu noch ein Lächeln und die zwei zehnjährigen Mädchen waren Feuer und Flamme.
      Das nächste Mädchen, das kam, trug den Namen Jessica und war elf Jahre alt. Auch ihr half ich den Koffer hoch zu schleppen und erklärte ihr den vereinbarten Treffpunkt. Dann lief ich wieder hinunter.
      Sara, Lisa und Jessica waren pünktlich in Reiterklamotten auf dem Hof und hörten mir zu, als ich ihnen erklärte, wie es hier ablief. „Frühstück gibt es ab halb acht, aufstehen dürft ihr wann ihr wollt. Um halb elf ist die erste Reitstunde, Mittagessen ist um eins und am Nachmittag reiten wir dann entweder um drei oder um vier. Und…“
      Ich musste unterbrechen, da ein schwarzer BMW um die Ecke fuhr. Darin saßen eine versteifte Mutter im Chanelkostüm und einem strengen Haarknoten mit ihrer Tochter. Die letzte im Bunde, Marie.
      Die Mutter begrüßte mich förmlich und war dann auch wieder abgereist, was mir eigentlich ganz genehm war. Eine angeregte Unterhaltung mit dieser Dame wollte ich weitgehend umgehen.
      Als Maries Sachen verstaut waren, trafen wir uns wieder auf dem Hof. „Also nochmal für alle: Frühstück steht in der Küche – die zeige ich euch noch später – ab halb acht. Aufstehen dürft ihr, wann ihr wollt, aber um halb elf ist die erste Reitstunde. Halb eins gibt’s Mittagessen, Mittagsruhe ist bis zwei. Um drei ist dann die nächste Reitstunde, danach helft ihr mir ein wenig bei den Pferden und im Stall. Um halb sieben gibt es Abendessen und dann werden die Pferde in den Stall gebracht. Wenn wir damit fertig sind, dürft ihr fernsehen oder machen, was ihr wollt. Noch Fragen?“ Aufmerksam sah ich in die Runde. Keine Hand meldete sich, also konnten wir ja mal die Reitkünste der Mädchen testen. „Wie lange reitet ihr denn alle schon?“ fragte ich und umgriff die Halfter stärker.
      Wie sich herausstellte ritt Jessica am längsten und hatte die meiste Erfahrung mit Pferden. „Dann reitest du Sweet Death. Die Schimmelponystute da hinten.“ Kurz drückte ich dem blonden Mädchen das blaue Nylonhalfter in die Hand und schickte sie schon mal auf die Koppel.
      Lisa war die kleinste und zierlichste, sie würde heute also erstmal Spirit reiten. Marie und Sara teilte ich für Baghira und Charteaux ein. Gewissenhaft machten alle ihre Pferde fertig und führten sie dann zum Reitplatz.
      Die Sonne stand schon tiefer und neigte sich immer näher an den Horizont heran, als wir auf den Platz marschierten. Niemand hatte große Probleme beim Aufsteigen und auch im Schritt ging alles gut. Jessica und Sweet Death kamen im Moment noch unglaublich gut aus, die Schimmelstute trottete brav hinter Charteaux her. Auch im Trab klappte alles noch; Baghira an der Tête raste ein wenig, aber Charteaux und Sara hefteten sich im richtigen Abstand an Baghis „Fersen“. Sweet Death hatte zuerst wenig Begeisterung gezeigt, hatte den Kopf nach unten gerissen, doch Jessica brachte es zustande, die Stute nicht buckeln zu lassen. Geschlagen trabte Sweet Death jetzt einen Zirkel. Lisa und Spirit verstanden sich bereits perfekt und das kleine Mädchen konnte den sonst so sturen Wallach allein auf dem oberen Zirkel traben.
      Einen Galopp ließ ich sie noch nicht machen, trotz Hundeblicken und Schmolllippen. „Lernt die Ponys erstmal kennen. Morgen dürft ihr dann vielleicht.“ versprach ich und ließ die Truppe Mädels abreiten.
      Nachdem die Pferde und Ponys auf der Koppel waren schnappte ich mir zwei kleine Halfter. „Jetzt arbeite ich ein wenig mit Cresant Moon und Feuervogel. Wenn ihr wollt, dürft ihr zusehen.“ schlug ich vor und schwang meine Beine über den Zaun. Erstmal war Feuervogel dran. Der kleine Hengst war schon ans Halfter gewöhnt, dann würde ich heute ein wenig Longenarbeit machen, bzw. ihn an die Longe gewöhnen.
      Der Palomino stakste freudig auf mich zu, er hatte gerade mit Icetea gespielt. Gemütlich folgte er mir von der Weide und ließ sich erstmal von den Mädchen betüddeln. Er war nicht arg dreckig, ich musste also nur ein bisschen über ihn drüberputzen.
      Vor der zusammengerollten Longe hatte er also schon mal keine Angst. Auch nicht, als ich sie ihn in das Halfter hakte. Er folgte mir widerstandslos zum Longierzirkel, kein Bocken oder andere Unarten.
      Die Longierpeitsche hatte ich, nachdem Feuervogel sie ohne Interesse beschnuppert hatte, hingelegt und mich neben ihn gestellt. Er sollte die grundlegenden Kommandos mit mir lernen.
      „Scheeritt“ sagte ich leise und ging im normalen Tempo vorwärts. Feuervogel zuckte nicht mit der Wimper und folgte mir. Als ich mich immer weiter in die Mitte stellte blieb er einige Male stehen, doch als ich ein wenig auf der Stelle lief, ging er weiter.
      Nach zehn Minuten stand ich in der Mitte und trieb den kleinen Hengst weiter mit dem ‚Zauberwort’. Ein Ohr hatte er halb zu mir gedreht, das andere gespitzt nach vorne gerichtet. „Das reicht.“ beschloss ich und hielt Feuervogel mit „Brr!“ an.
      Wenig später tollte er wieder auf der Weide. „Dann gehen wir jetzt zu Cresant Moon.“ Die Mädchen folgten mir schweigend und ein überzeugtes „Oh, wie süüüüß!“ entfuhr ihnen, als sie den White Splashed – Hengst sahen. Cresant sprang sofort einen Schritt zurück und versteckte sich hinter Hot n Cold, seiner Mutter. Diese stupste ihn auffordernd an und kam an den Zaun, auf der Suche nach Leckereien.
      Lisa, Jessica, Marie und Sara blieben am Zaun und kraulten die Rappstute. Ihre Blicke waren aber an Cresant Moon und mich gerichtet.
      „Hallo, mein Kleiner“ flüsterte ich zärtlich und streckte meine Hand aus. Das Vertrauen zwischen dem Fohlen und mir war schon viel stärker, er ließ sich jetzt sogar schon leicht von mir streicheln.
      Langsam zog ich das weiße Fohlenhalfter hinter dem Rücken hervor. Cresant beschnupperte es eingehend, ging immer wieder ein paar Schritte zurück, nur um wenig später das weiße Nylonding wieder zu beschnuppern. „Magst du’s mal anziehen? Steht dir bestimmt ganz ausgezeichnet“ meinte ich grinsend und hob das Halfter leicht zum Kopf des Hengstfohlens. Erst zuckte sein Kopf zur Seite und er stieß ein helles Wiehern zum Kopf seiner Mutter aus. Diese schenkte ihm nur einen aufmunternden Schnauber, dann ließ sie sich weiter von den Mädels streicheln.
      „Bleib ganz ruhig. Es tut nicht weh“ Meine Stimme war leise und beruhigend als ich das Halfter sanft über den kleinen Kopf des Hengstfohlens zog. Cresant sog die Luft scharf ein, blieb aber stehen und ließ mich das Halfter verschnallen und anpassen. Als ich mich aus der Hocke erhob und die Zuchtweide wieder verließ fing er an, über die Weide zu bocken und stolz zu wiehern. Als wolle er sagen: „Guckt mal, jetzt habe ich auch so ein Ding!“
      „Kommt, Mädels. Jetzt gibt’s Essen und danach bringen wir die Pferde in die Boxen.“ rief ich den Kindern bei der Rappstute zu und machte mich schon mal auf den Weg zum Haus.

      Jessica, Sara, Lisa und Marie hatten sich gerade vor den Fernseher gehockt, um Galileo zu sehen, also konnte ich die Pferde alleine in ihren Stall bringen.
      Es sah wieder nach Regen aus, also sollten alle Pferde in die Boxen.
      Gerade, als ich nach den ersten Halftern greifen wollte, sah ich mir den Boden überrascht an. Kein einziges Halfter lag mehr auf der Hengstweide! Auf der Stutenweide war es genau dasselbe, alle Stallpferde waren weg. Auch die Zuchtpferde waren nicht mehr auf ihren Koppeln.
      Verwundert öffnete ich die Stalltür – und sah Manu, wie er gerade das letzte Pferd fütterte. Als er mich bemerkte lief er rot an und fing an zu stammeln. „Ehm…ich hab die Pferde schon mal rein gebracht…“ Er sah genauso verdattert aus wie ich.
      „Okay…danke.“ bedankte ich mich und trat einen Schritt auf die Stallgasse. Die Stalltür schlug zu und Manuel sah erst hinter mich, dann fiel sein Blick auf mich.
      Wir näherten uns und die grünblauen Edelsteine waren auf mein Gesicht fixiert. Seine Lippen waren halb geöffnet, er nahm meinen Kopf sanft in die Hände. Als ich die warmen, weichen Lippen auf meinen spürte, schloss ich die Augen und genoss den Moment einfach.
      Nach einer halben Ewigkeit lösten wir uns voneinander. „Es tut…“ setzte mein Pfleger an, doch ich hielt ihm den Zeigefinger vor den Mund. „Nichts da.“ Dann entzog ich mich sanft aus seiner Umarmung. „Jetzt ist aber Schluss. Gute Nacht“ verabschiedete ich mich und drehte mich mit einem sanften Lächeln um. Ich spürte seinen fragenden Blick im Rücken, aber sah ihn nicht mehr an.
      Als ich gerade abwusch und Mika, Cassey und M&M ihr Futter fraßen, hörte ich, wie draußen ein Motor angelassen wurde. Wenig später fuhr ein im kalten Mondlicht schwarzer BMW vom Hof. Manuels Auto.

      [/quote]
      [quote name='Julie' date='29 July 2010 - 11:28 AM']
      Erster Besuch bei Baghira


      Ein störendes Geräusch riss mich aus dem Schlaf. Grummelnd drehte ich mich um und schlug mit der Hand in die Richtung des Geräusches. Ein lautes Scheppern verriet mir dass dies gerade mein Wecker war und dass eben dieser Wecker jetzt nicht mehr ganz so funktionsfähig sein würde, wie vor dem besagten Schlag mit der Hand.. Seufzend setzte ich mich auf und sah mir die Bescherung an. Wunderbarerweise war der Wecker noch ganz. Ich hob ihn auf und blickte auf das Ziffernblatt. 6 Uhr morgens. Die Pferde verlangen einem echt Opfer ab. Ich stand auf, zog mir was über und ging erst mal runter in die Küche. Mit einem Blick ins Wohnzimmer stellte ich fest dass Zeus mal wieder auf der Couch schnarchte. Ich hatte jetzt noch keine Nerven mich mit dem Hund zu streiten daher lies ich ihn erst mal weiterschlafen. In der Küche angekommen schaltete ich erst mal die Kaffeemaschine ein und machte mir mein übliches Frühstück. Während der Kaffee kochte, füllte ich Zeus Futterschüssel auf und zog mich stallfertig an. Danach verdrückte ich schnell mein Brot, schüttete mir den Kaffee runter und brachte Zeus der mittlerweile auch auferstanden war in den Garten. Ich wusste nicht ob auf Jojos Gestüt Hunde gerne gesehen waren darum musste er den Vormittag im Garten abfristen. Zeus war natürlich ganz und gar nicht begeistert von meinem Vorhaben. Sein Jaulen und Winseln begleitete mich bis zum Auto.

      Auf dem weitläufigen Gestüt angekommen, machte ich mich auf den Weg Richtung Stall, wo ich Jojo hoffentlich finden würde. Ich fand sie jedoch schlussendlich auf dem Putzplatz wo sie gerade Dahiba bearbeitete. „Hallo. Ich wäre hier wegen Baghira.“ „Huhu. Du wirst wahrscheinlich Julie sein.“ „Doofie, du kennst mich ja eh.“, erwiderte ich lachend und fügte hinzu „Wo kann ich sie denn finden?“ „Baghira ist im Stall.“, antwortete Jojo und wandte sich dann wieder der Schimmelstute zu. Das Gespräch war beendet. Ich war ja schon vorher ausreichend über die Stute informiert worden. Ich machte mich also auf den weg in den Stall. In der vorletzten Box sah ich schon einen gräulichen Kopf und ging zielsicher darauf zu. Die hübsche Stute fing sofort neugierig an, mich abzuschnobbern. Ich lächelte und schob ihr ein Karottenstückchen zu. Dann streichelte ich sie kurz und holte mir schliesslich das Halfter um sie erst mal überzuputzen. Ich wollte erst mal ins Viereck mit ihr um zu sehen wie sie sich unter dem Sattel benahm. Freudig lässt sie sich das Halfter anziehen, es sah so aus als sei sie froh, dass sich jemand mit ihr beschäftigte. Am Putzplatz angekommen putzte ich sie kurz über und holte dann das Sattelzeug. Ich sattelte und zäumte sie erst mal. Den Wiener Zügel lies ich noch beiseite. Ich wollte sie erst mal warm reiten bevor der Hilfszügel draufkam. Ich führte sie erst mal eine Weile herum und gurtete dann das erste Mal nach. Dann stieg ich auf und lies sie am lockeren Zügel im Viereck herumgehen. Ich baute nur einige Zirkel und Volten ein und gurtete nach 5 Minuten das noch einmal nach. Auch den Dreieckszügel schnallte ich ihr jetzt an. Dann nahm ich den Zügel auf begann sie in der Anlehung gehen zu lassen. Dank Hilfszügel schien das gut zu funktionieren, doch ich sah Anstalten dass Baghira den Kopf hochreißen wollte. Ich gab ihr eine leichte Parade und sie schien den Zügel nun mehr anzunehmen. Im leichten Trab begann ich mit ihr Wechsel und Schlangenlinien zu reiten um
    • Rhapsody
      [quote name='Toffifee' date='15 November 2010 - 03:57 PM']
      Besuch


      Grinsen. Perlweiße Zähne, die im letzten Schein des Herbstes funkelten. Und es war ansteckend.
      „Sieht doch gut aus“ Das Kommentar der Zähne. Meine Augen wanderten über die Grübchen in den Backen, über die Nase, bis zu den Augen. Blaugrüne, strahlende Augen, die ebenso funkelten wie die Zähne. „Ich mag es auf jeden Fall. Gefällt dir dein neues Heim auch?“ Die Augen wurden auf mich gerichtet, würde ich nicht wegsehen und so tun, als würde ich mich interessiert in der neuen Wohnung umsehen, wäre ich ins Stottern gekommen. „Klar, es ist wunderschön“ Mein Grinsen wurde zum Lächeln.
      Manu lachte kurz auf. „Ich werde mich jetzt aber in meine Wohnung verkrümeln. Wir sehen uns spätestens in einer halben Stunde.“ sagte er und lief zur Tür. Als sie in meinem Rücken zuschlug, war ich allein.
      Seufzend nahm ich meine Tasse Tee, setzte mich auf das Sofa und starrte auf das helle braun des Cafétisches. Mein Haus war wirklich schön geworden. Und Manus Wohnung auch. Und die Ställe. Und die Reithalle. Und, und, und. Stolz lächelte ich vor mich hin, zog die Beine eng an mich heran und umschlang sie, die Tasse immer noch in der Hand. Manus Idee, das Caramell Brook Stud umzudekorieren – was für ihn Komplettneuanfang hieß – hatte mich dann nach einigen Überredungen am Abend doch überzeugt. Das Gut war zwar schon seit gut einer Woche fertig, doch ich war noch ein paar Tage länger bei meinen Eltern geblieben. Meine Pferde waren eingezogen, jedoch nur ein Teil der Süßen. Von dem Rest hatte ich mich verabschiedet. Meine Zeit ließ eine so große Herde an Pferden nicht mehr zu, ein paar musste ich jedoch behalten. Unter anderem Vanilla Twilight, Calina, Creepin und Cabaniro.
      Die Dächer waren heller geworden, Photovoltaik sollte auch noch auf den Stall kommen. Manus Wohnung war neben meine gelegt worden, seine Haustür war nur wenige Schritte entfernt. Der Stall wurde aufgelöst; einmal eine Hälfte für die Stuten, dann lag der Putzplatz zwischen den beiden. Erst dann kam man in den Hengststall. Alle Boxen waren riesig, aber ich würde nur gut die Hälfte davon nutzen. Ich wollte keine Pferde mehr haben. Nur noch die, die ich im Moment hatte.
      Pferde. Schnell stellte ich meine ausgetrunkene Tasse in die nagelneue Spüle, schob einen neuen Esszimmerstuhl zurück und schlüpfte dann in meine Stallschuhe. Casey, Mika und M&M waren bereits auf Entdeckungstour gewesen und müssten irgendwo draußen herumstreunen. Bevor ich aus dem Haus trat, betrachtete ich mich im Spiegel. Meine schokobraunen, neu gefärbten Haare standen in wilden Locken ab. Ich musste sie nur einmal in der Woche mit dem Lockenstab bearbeiten, schon hatte ich fast zwei Wochen lang eine Lockenpracht, die sich kaum bändigen ließ – weder von Glätteisen, noch von mehrmaligem Waschen. Schnell band ich mir die abstehenden Dinger zu einem Zopf zusammen, während mein Blick auf mein Outfit wanderte. Ein kakaofarbener Pullover, darüber eine ärmellose, schwarze Weste. Die Jeans, die ich anhatte, war ausgeleiert und hatte ein paar Löcher. Aber sie taugte noch ganz gut.
      Ja, so konnte ich aus dem Haus gehen. Lächelnd drückte ich die Klinke hinunter und trat einen Schritt auf meinen neuen Hof. Links war der Stutenstall, daneben die Boxen für die Hengste. Dahinter lagen die großen Weiden, auf denen sich meine Schätze im Sommer die Zeit vertreiben durften. Rechts von mir lag der große Reitplatz, noch unbenutzt. Der Sand war noch fast ungenutzt; gestern hatte Manu Charteaux longiert. Und nicht im Longierzirkel geradeaus, sondern auf dem neuen Reitplatz. Das Wetter war auch super gewesen. Jetzt nieselte es. Neben dem Reitplatz lag die halboffene Reithalle, daneben war ein kleiner Unterstand für Autos – auch überdachter Parkplatz genannt. Und dann war da die große, breite Einfahrt zu meinem Gestüt. Caramell Brook Stud.
      Etwas Blaugraues tauchte in meinem Blickwinkel auf. Mika rannte auf mich zu, der kleine Casey und die große, schlanke M&M saßen am Tor und wedelten mir freundlich mit dem Schwanz entgegen. Übermütig sprang Mika an mir hoch und bettelte, ich solle ihren Tennisball schmeißen. Lachend tat ich dies ein, zwei Mal, dann lief ich zu meinen großen Schätzen.
      Die neuen Ställe hatten zwar keine Paddocks, dafür waren die Boxen riesig und lichtdurchflutet. Wo man nur hinsah war es hell. Fast schon blendend hell. Die Stalltür quietschte noch nicht, als ich sie öffnete, gerade erst hatte Manu sie geölt. Ein paar Köpfe tauchten über den Boxenwänden auf. Drei große, elegante Köpfe und ein Ponykopf. Zu dem Grauen ging ich als erstes. Barquillero Mojito schnaubte mir fröhlich entgegen; ihm gefiel das neue Gestüt. An den verdächtigen Heuhalmen in seinem Schopf und seinem Winterfell am Kopf und dem Loch in der Heuhalterung erkannte ich, dass er in sein Futter abgetaucht war. „Bitte, bitte, lass mich dich heute nicht putzen“ stöhnte ich, gespielt entnervt, setzte mich ins Stroh. Bari schnaubte erst ein wenig verwundert, ließ sich dann aber auch ins Stroh sinken. Seinen Ponykopf hatte er auf meinem Schoß gebettet und ließ ihn auch da, als ich die kleinen Halme aus dem Schopf piekte.
      Eine gefühlte Ewigkeit saß ich nur da und machte den Grauen wieder sauber. Dann jedoch schlief mein Bein ein, ich musste den zierlichen Kopf des Ponys wegdrücken, aufstehen und mein Bein ausschütteln, bis es aufhörte, zu kribbeln. Auch Barquillero war aufgestanden. Er sah mich neugierig, ja, fast schon bittend an. Leicht lächelte ich, griff über die Boxentür und holte sein blaues Stallhalfter. Als fände er es gut, brummelte er und ließ sich einmal ohne Probleme aufhalftern. Er war viel zutraulicher geworden, seit ich ihn hatte. Von seiner ehemaligen Besitzerin hatte ich gehört, er wäre eine absolute Katastrophe. Naja, der junge Hengst hatte sich bei mir schon öfter unter Beweis stellen müssen, jedoch immer mit Bravour bestanden.
      Von draußen hörte ich lautes Prasseln und Rauschen – es hatte also angefangen, zu regnen. Ich zuckte mit der Schulter und band das Reitpony letztendlich in der Stallgasse an. Fing an, den Hengst ausgiebig zu striegeln, bürsten und die Hufe auszukratzen, bis ich schließlich den Sattel holte. Der Regen, der von draußen in den Stall drang, wurde langsam rhythmisch, ich fing an, eine Melodie zu summen.
      Rasch warf ich eine Regendecke über Barquillero, setzte meinen Helm auf und suchte verzweifelt die Kapuze meiner Jacke. Toll, keine da. Jetzt musste ich im Regen zur Halle rennen, einen nervösen Hengst an der Seite. Als Bari nämlich gemerkt hatte, dass ich vorhatte, ihn zu reiten, hatte er angefangen, zu tänzeln. Oder war es wegen dem Regen? Nein, das wäre unnormal. Seufzend nahm ich die Zügel fest in die Hand, öffnete die Stalltür und führten den Grauen dann schnell hinaus, um hinter mir die Tür wieder zuzumachen. Die Melodie von Stalker ging mir nicht mehr aus dem Kopf, und so summte ich sie, als ich das neue Hallentor aufschob und Bari reinschickte. Auch, als ich ein paar Runden führte, danach meine Dressurgerte von der Tribüne holte (was sie da machte, weiß ich nicht) und nachgurtete, immer hallte mir das ‚Babadabada-oh’ im Ohr. Verdammt.
      Baris Nervosität hatte sich gesteigert. Verzweifelt versuchte er, sich irgendwie aus der Halle zu befreien, schrie seinen Kumpels zu und tänzelte noch nervöser, als gerade eben. Nach dem fünften Anlauf gelang es mir erst, aufzusteigen. Er war ruhig stehen geblieben, als lobte ich ihn kurz. Dann nahm ich die Zügel leicht auf, drückte meine Schenkel gegen den Ponybauch. Zögernd ging der Hengst los, dann wurde sein Schritt aber zackiger und er fing an, sich vor der Hallentür zu erschrecken. Eine Bö wehte ein wenig Wasser zu uns herein und er fing an, sofort in die Mitte zu drängen, sobald es am Tor vorbei ging. Er war absolut steif, bog sich weder auf dem Zirkel, noch in den Ecken oder Volten.
      Als ich vor dem Trab noch einmal durchparierte, war der Hengst bereits durchgeschwitzt. „Armer Bari“ flüsterte ich und strich ihm beruhigend über den Hals. Kurz spitzte er die Ohren, eher neugierig als angstvoll. Lächelnd gurtete ich nach, nahm die Zügel mehr auf und ließ ihn wieder losgehen. Er wirkte etwas entspannter, doch in seinem Gehirn hatte sich bereits festgesetzt: Hallentor = böse, Böses frisst mich.
      Nach ein paar Runden ging er wieder artig auf dem Hufschlag, jedoch kaum am Zügel. Außerdem hatte sich weißer Schaum am Hals und auf der Kruppe gebildet. Und dabei war der Sand schon öfter benutzt worden, als der Sand auf dem Reitplatz. Und wir waren bis jetzt nur Schritt gegangen. Sollte ich einen Trab wagen?
      Tief atmete ich durch, nach die Zügel ein wenig auf und legte meine Schenkel an. Dazu kam ein aufmunterndes Zungenschnalzen, worauf Bari dann wohl besser reagierte, als ich gehofft hatte; er galoppierte an. Aber keinen Galopp voller Angst, sondern eher ein durch Hilfen veranlagtes. Hastig parierte ich ihn durch. Das Pony schnallte anscheinend, dass er falsch reagiert hatte und wurde noch nervöser. Aber ich wollte noch einmal einen Trab probieren. Also legte ich dieses Mal nur die Schenkel an, worauf der Hengst wunderschön antrabte. Er hob seine Beine, ließ sich an den kurzen Seiten versammeln, an den langen verstärken. Auch sein Hals war nun stolz gebogen.
      Da ich mir aber Sorgen machte, er würde sich verkälten (es regnete immer noch ab und zu hinein, außerdem schwitzte er nun wirklich stark), ließ ich ihn am langen Zügel abschnaufen. Als ich ihn dann fünf Minuten später auf der Mittellinie durchparierte, war er ganz ruhig geworden. Fast schläfrig nahm er das Leckerli an und folgte mir wie in Trance aus der Reithalle. Der Regen hatte inzwischen vollkommen aufgehört und die Sonne ließ sich sogar blicken. Rasch putzte ich Barquillero Mojito über und stellte ihn dann wieder in seine Box.

      Ich hatte mich gerade in Victims Box zum Schmusen verabschiedet, als ich hörte, wie jemand die Stallgasse betrat. Kurzerhand richtete ich mich im Stroh auf und blies mir eine lose Strähne aus dem Gesicht. Auf der Stallgasse stand – Manu. Verlegen strich er sich durch die Haare, seine Augen blitzten in meine Richtung. Ich musste wohl ziemlich ertappt aussehen. Auf jeden Fall ging er ein paar Schritte auf mich zu und stützte sich auf die Boxentür ab. Vicci schnaubte ihm neugierig, fragend und abwehrend zugleich entgegen. Als wäre er eifersüchtig und würde in meinem Pfleger einen bösen Menschen sehen. Grinsend betrachtete ich den Rappen, der nur wenige Schritte hinter mir stand und uns argwöhnisch betrachtete. Dann wandte ich den Kopf wieder. Ein winziger Zentimeter trennte unsere Nasenspitzen. Doch Zeit zum Kopfwegziehen hatte ich nicht groß. Zu schnell hatte ich mich in den großen, blaugrünen Augen verloren. Gelähmt.
      Manu schien das nur zu amüsieren. Sein Grinsen wurde breit, er bewegte sein Gesicht noch ein bisschen zu meinem, sodass nur noch ein Haar zwischen uns gepasst hätte. Ich schloss meine Augen, wollte nichts mehr sehen. Versuchte, meinen Atem wieder zu drosseln, das ganze Rascheln und die störende Geräusche um mich auszublenden. Hm, schön wäre es gewesen.
      Von draußen erreichte mich lautes Klingeln, von einem Fahrrad oder ähnlichem. Vicci brummte hinter mir ein wenig erleichtert, dann warf er Manu, der sich verwirrt und verlegen mitten auf die Stallgasse platziert hatte, einen giftigen Blick zu. „Schon gut, Süßer“ flüsterte ich leise, öffnete hastig die Boxentür und rannte dann hinaus. Noch einmal ertönte lautes Klingeln, bis ich sie sah. Zu dritt standen sie auf meinem Hof, alle drei grinsten sie. Jeremy, Keksi und Joey. Meine beste Freundin, ihr ‚Schwager’ und ihr Freund.
      Joey winkte mir verhalten zu, während Keksi und ich uns umarmten. Jeremy bekam nur ein kurzes Grinsen, Keksi sollte nicht eifersüchtig werden. Sie sagte zwar, sie würde es nie werden, aber man weiß ja nie. Jeremys fünfeinhalb Jahre alter Bruder war zwar noch jung, aber schon ziemlich vertraut mit Pferden. Ich erklärte ihm, wo er Spirit und seine Sachen finden konnte, und schickte den Kleinen los.
      Als er um die Ecke verschwand, blieben Jeremy, meine beste Freundin und ich an der Wand stehen zum Hengststall stehen. Keksi grinste mich schon so komisch an, auch ihr Freund musste sich ein Lachen verkneifen. „Was ist los?“ fragte ich überrascht. Vorhin hatte ich doch gar nicht so schlecht ausgesehen.
      „Ich will wirklich nicht wissen, was du gerade im Stall gemacht hast“ kicherte Keksi und zeigte auf meine Haare. Langsam fasste ich mir in die Locken und wurde von etwas gepiekst. Geschickt fädelte ich es aus den wirren Haaren. „Stroh“ Dann stöhnte ich. „Oh man, ich war gerade bei Vicci in der Box und –“ Ich brach ab. Die beiden würden mir eh nicht glauben. Trotzdem versuchte ich es. „Vicci und ich haben ein wenig gekuschelt“
      Keksis Blick verriet mir, dass sie mir nicht glaubte. Und Jeremy musste sich abwenden, um nicht laut loszulachen. „Ihr seit tolle Freunde“ Und dass Manu gerade den Hengststall verließ, aus dem ich vorhin gegangen war, machte die Situation auch nicht gerade besser. Verärgert schob ich die zwei kichernden Erbsen in Richtung Stutenstall und murmelte, sie sollen It’s the CSI Girl und Baghira satteln und sich mit Joey in Richtung Wald verziehen. Eigentlich müsste ich jetzt allein sein. Als die zwei im Stall verschwunden waren, drehte ich mich auf dem Absatz um – und rannte fast in meinen Pfleger.
      Ein paar Minuten standen wir nur da und sahen uns gegenseitig in die Augen. Unbehagen überfiel mich. „Ich…eigentlich wollte…ich geh mit Cabaniro ausreiten“ Als ob Manu mir nicht glauben konnte, sah er mich an. „Allein?“ Stumm nickte ich und versuchte, mich an ihm vorbeizudrücken. Aber er hielt mich fest. Erst an der Schulter, dann glitt seine Hand zu meiner. Wieder sahen wir uns nur an. Bis er einen Entschluss fasste.
      „Ich geh mit“
      Toll. Eigentlich wollte ich mit meinen Gedanken alleine sein. Seufzend sah ich ihn mit meinem Muss-das-sein-Blick an. Und er nickte. Dann erschien ein breites Grinsen auf Manus Gesicht. „Komm, das wird cool!“
      Wenig später putzte ich meinen großen, frisch gekörten Hengst Cabaniro kurz über. Er hatte die ganze Zeit eine Decke über gehabt, war also nicht sonderlich dreckig. Charteaux ebenfalls, mein Pfleger war sogar schneller fertig als ich. Fünf Minuten später – Keksi und ihre Anhängsel hatten den Hof zum Glück schon verlassen – gingen Cabaniro und Charteaux einträchtig nebeneinander über den Hof. Ich wollte nicht viel reden – bitte, erfüll mir den Wunsch, lieber Manu.
      Aber irgendwie klappte gar nichts. „Hör mal…sollten wir nicht langsam darüber reden?“ Seine Stimme war leise und ungewohnt durchdringend. Nicht mehr sanft, weich. Etwas fragend sah ich zu ihm rüber. „Über was?“ Bitte kein unangenehmes Thema…
      Ich sollte wirklich mit so etwas aufhören. Manu war es ebenso unangenehm, aber er konnte über so etwas reden. „Na…das mit uns.“
      Wumm. Bam. Vor die Wand gelaufen. Verwirrt sortierte ich meine Zügel und starrte dann auf Cabaniros Mähnenkamm. „Ähm. Ja. Was…?“
      Manu seufzte. „Ja, du weißt schon. Dieses ganze Verstecken, aber dann doch irgendwie verliebt“ „Können wir das nicht verschieben?“ bettelte ich. „Bitte, sonst werde ich echt verrückt“
      „Wir müssen das jetzt versprechen“ Oh nein. Der Ton, dem man nicht widersprechen konnte beziehungsweise durfte. Seufzend gab ich mich geschlagen. Aber Manu brachte dann auch kein Wort mehr heraus.
      „Wir machen nicht so weiter, wie bisher. Einfach…du weißt schon“ So etwas kam aus meinem Mund? Erstaunt sah ich auf den Weg vor mich. Als wir auf einen breiteren Weg abbogen, war immer noch kein Wort gesagt. Und das sollte sich auch nicht ändern.
      Wortlos bedeuteten wir uns, dass wir antraben sollten, Cabaniro und Charteaux waren heute besonders lieb und achteten auf jede kleinste Hilfe. Oder spürten die beiden Hengste die Spannung zwischen ihren Reitern? Keine Ahnung. Ich war kein Pferdepsychologe.
      Die Sonne bescherte uns gerade eine fast heiße Wärme für November. In meiner Übergangsjacke wurde es langsam warm, die Pferde mit ihrem Winterfell schwitzten – da kam der kleine Pfad, der zum See führte, grade richtig. Stumm zeigte ich darauf, parierte Cabaniro zum Schritt durch und ließ ihn als erstes hinuntergehen. In Windeseile kletterte der Youngster über den Pfad, blieb gut im Gleichgewicht und erreichte schließlich schnaubend die Grasfläche um den See. Hinter mir hörte ich Charteaux’ Hufe ebenfalls dumpf auf dem Gras, Manu war also hinterher gekommen. Vor uns breitete sich eine lange Strecke aus.
      Der Abstieg hatte meine Laune gehoben, als ich mich jetzt zu meinem Pfleger umdrehte und ihm direkt in die wundervollen Augen sah, konnte ich sogar etwas herausfordernd schauen. Dann beugte ich mich über Cabaniros Hals, legte den rechten Schenkel zurück und gab die Zügel vor. Ohne groß zu warten preschte der Hengst vor, machte sich flach und ließ seinen Kumpel Charteaux hinter sich. Bald hörte ich von hinten aber wieder Hufgeräusche – sie holten auf. Ehrgeizig, wie der Braune unter mir war, schlug er einen Haken und wollte noch einmal schneller werden. Doch vor uns lag eine scharfe Rechtskurve, wegen der ich ihn durchparierte. Wir hatten in den letzten Wochen an seiner Durchlässigkeit gearbeitet, bei so etwas hatte sich das ganze Lernen jetzt bezahlt gemacht. Grinsend klopfte ich ihm den Hals und sah dann Manu entgegen, der in einigen Metern Entfernung in einem Affenzahn angeschossen kam und schließlich Charteaux schwer atmend durchparierte. Aber auch er grinste, sein Gesicht hätte gesprengt sein müssen.
      Während Cabaniro und Charteaux ohne Gebiss im Maul grasten, setzten wir zwei uns auf den Steg. Dicht beieinander, aber nicht zu dicht. Unsere Finger berührten sich nur leicht, ein Blatt Papier hätte noch dazwischen gepasst. Keiner sagte ein Wort, unsere Blicke waren stumm auf die glitzernde Wasseroberfläche gerichtet. Dann spürte ich Manus Blick auf mir ruhen. „Ich liebe dich“
      In Zeitlupe drehte ich mein Gesicht ebenfalls so, dass ich ihn sehen konnte. Langsam beugte er sich zu mir herüber, in der nächsten Sekunde spürte ich schon seine Lippen auf meinen. Es dauerte fast ewig, bis wir uns wieder in die Augen sahen.
      „Na siehst du“ grinste ich. „Das Gespräch wäre vielleicht ganz anders ausgegangen.“

      Wenig später saßen wir wieder auf und ritten gemütlich zurück. Wieder sagte niemand ein Wort; warum auch immer. Ich hatte nicht das Bedürfnis dazu, Manu ebenso nicht. Cabaniro und Charteaux gingen artig nebeneinander her und blieben brav im Schritt.
      Kurz vor dem Gestütstor stiegen wir ab. „Kein Wort zu Keksi und Jeremy“ schärfte ich Manu ein. Meine beste Freundin würde es eh in ein paar Tagen wissen – solang konnte man es ja noch rauszögern. Manu nickte, grinste und öffnete mir das Tor. Cabaniro folgte mir wie ein Hund in den Stall und ließ sich auch brav absatteln. Keksi und Jeremy waren auch schon da, hatten uns kurz gegrüßt und die Pferde dann auf die Weide gebracht. Wir wollten uns gleich treffen und besprechen, was zu tun war.
      Als Cabaniro und Charteaux als die Ersten auf der neuen Weide standen, seufzte Manu. „Ihr könnt ruhig reiten, ich werde mich dann ans Ausmisten machen. Außerdem muss ich mich von den Springstunden erholen. Wir sehen uns dann“ Ein kurzer, intensiver Blick – mehr nicht, denn wir wurden beobachtet. Gerade, als Manuel im Stutenstall verschwand, die Schubkarre vor sich hinschiebend, tauchten Keksi, Jeremy und Joey auf. Der Kleine rannte auf mich zu und fand sich bald auf meinem Arm. „Wir sind sogar galoppiert!“ berichtete er mir stolz und erklärte mir noch ein wenig, was er heute gemacht hatte. Bis Keksi und Jeremy kamen. „Na, was haben wir noch vor?“ witzelte ich und sah meiner besten Freundin direkt in die Augen. Hey, das klappte ja immer besser!
      „Mhm. Wen gäbe es denn noch zu reiten?“ Sie grinste. Kurz musste ich überlegen. „Also…die Fohlen müssen beide noch beschäftigt werden. Und Baghira und Calina, Creepi, Vicci, Dahiba, CSI Girl und Vanilla. Die teilen wir jetzt gerecht auf. Keksi, du schnappst dir jetzt Baghira, putzt sie und sattelst sie. Wenn du fertig bist gehst du dann auf den Platz. Jeremy, dir überlasse ich Dahiba. Sie ist noch ein wenig scheu und unerfahren, aber reiten kannst du sie schon. Und ich nimm mir CSI Girl“, Joey sah mich traurig an, „Okay. Und du, Joey, darfst mir helfen“ Und schon war ein Lächeln auf dem Gesicht des 5 ½ jährigen. Zu dritt – Joey lief nicht – machten wir uns auf zum Stutenstall. Aber kein Manu mistete aus – er hatte also schon in den Hengststall gewechselt. Eigenständig machte sich jeder von uns dreien in eine Box aus. Keksi fing an, die Braunschimmelstute zu putzen, und sprach dabei leise mit ihr. Baghira fing schon bald an, auf der Stallgasse zu dösen.
      Jeremy ging in die Box gegenüber Baghiras und neben meiner. Die Schimmelstute Dahiba erwartete ihn bereits und Jeremy ließ sich artig von ihr beschnuppern, ehe er ihr das Halfter über den Kopf zog und sie ebenfalls auf der Stallgasse anband. It’s the CSI Girl wartete ebenfalls auf mich; laut prustend rief sie nach mir und wurde unruhig. Hui, ich hatte das aufgekratzte Pferd erwischt. Naja, man musste wohl das Beste draus machen.
      Alle redeten wild durcheinander, Joey half mir beim Striegeln und nahm sogar meine Gerte mit, als ich aus der Sattelkammer Sattel und Trense von CSI Girl holte.
      Fast zeitgleich wurden wir alle drei fertig. Joey durfte auf CSI’s Rücken sitzen, solange wir noch eine Runde auf dem Platz führten. Ich lief eigentlich nur neben ihm her. Damit ich nicht so unproduktiv war, legte ich ein paar Trabstangen in die Mitte, die Keksi mit einem lauten „NEIN!“ kommentierte. Sie hasste Springreiten und bekam von Manu immer ein paar Springstunden. Heute nicht, aber man konnte ja doch ein wenig machen.
      Keksi und Jeremy waren schon längst aufgestiegen und ritten gerade ihre zweite Runde Schritt, als Joey und ich Platz wechselten. Er stellte sich in die Mitte, so, dass er niemanden störte, und gab manchmal sogar ganz nützende Tipps, wie „Absatz tief“ oder „Hand nachgeben“. Dieser kleine Junge war keine fünfeinhalb!
      Keksi mied es, über die Stangen zu traben. Jeremy und ich jedoch hatten schon so viel Übung darin, dass wir fast von Natur aus in den Entlastungssitz gingen. Keksi jedoch war etwas verunsichert. Baghira spürte das sofort, wurde es ebenfalls und wich aus. „Schenkel ran und mutig bleiben“ war mein Tipp, als sie mit der Rase-Baghira an mir vorbeitrabte. Atemlos nickte sie, lenkte auf die Mittellinie ab und ich merkte, dass sie sofort mutiger auf dem Pferd saß. Den Schenkel hätte sie sich sparen können – Baghira trabte jetzt mit Fleiß über die Stangen.
      Zehn Minuten später saß ich tief in den Sattel ein, gab die Hand vor, legte den äußeren Schenkel zurück und gab einmal kräftig Druck mit den Beinen. CSI Girl nahm anmutig den Kopf an und fing an, raumgreifend zu galoppieren. Sie wollte auf die Stangen zurasen, doch ich hielt sie gekonnt zurück. Als Keksi und Jeremy galoppiert waren, stieg ich noch einmal kurz ab, um ein kleines Kreuz aufzustellen. Mal sehen, was Keksi dazu sagte.
      Nichts, außer einem nachgebendem Schnauben. Und sie sprang sogar als erste! Flüssig, wie geschmiert, und Baghira landete federweich auf der anderen Seite. Jeremy war als nächstes dran; Dahiba war ein wenig verunsichert, oft war sie noch nicht gesprungen. Doch ihr Reiter überzeugte sie, dass das Hindernis keine weißen Hannoveranerstuten fraß. Etwas haperig sprang sie letztendlich drüber.
      CSI wollte mir da jedoch einen Strich durch die Rechnung machen. Gerade wollte ich in einem geregelten Galopp auf das Hindernis zureiten, sie antreiben und darüber springen, da fing sie an, seitwärts zu galoppieren und sich am Kreuz vorbei zu stehlen. Ein etwas energischer Schenkeldruck, ein Zügel, der sie wieder auf den Hufschlag lenkte, und schon war das Kreuz vor uns. CSI wollte stehen bleiben, verweigern. Ich spürte es jedoch schon und kam rechtzeitig mit Schenkeldruck. Als sie darauf kaum reagierte, kam eine Gertenhilfe. Dezent eingesetzt, aber wirkvoll. Sie übersprang sich, landete etwas wackelig auf der anderen Seite und galoppierte noch ein Stück verwirrt weiter. Dann parierte ich sie zum Schritt durch und ritt ab. Das Hindernis blieb stehen, später wollte ich es noch aufräumen.
      Joey durfte CSI abreiten und half mir dann beim fertig machen. Kurzes Schmusen, dann brachte ich die Stute auf die Weide. Dahiba und Baghira folgten ihr schon bald.
      „So, jetzt wären noch die Fohlen übrig, Calina und Vanilla. Wir könnten ja auch einfach einen großen Spaziergang machen“ schlug ich vor, als wir uns zu viert im Stutenstall versammelt hatten. Er war jetzt komplett leer, alle Stuten, Fohlen und der Wallach standen auf der Weide. „Ich führ dann Chloe!“ rief Keksi begeistert. „Die läuft Calina hinterher“ entgegnete ich frech. „Es müssten eigentlich nur zwei führen; einer Calina und einer Vanilla“ „Ich bleib hier und seh mal, was es noch zu tun gibt“ sagte Jeremy, also ging es. Joey wollte auf Vanilla Twilight reiten, also durfte er.
      Die zwei Stuten begrüßten uns wiehernd. Calina besonders laut, sie liebte kleine Kinder und mich. Keksi und sie kannten sich kaum, meine Freundin hatte zu große Ehrfurcht vor der anmutigen Stute. „Das nächste Mal führst du sie“ entschied ich, da sie sich bereits Vanillas Halfter gekrallt hatte. Das Fohlen der Fuchsstute, welches fast die gleiche Fellfarbe hatte, tauchte hinter Vanilla auf. „Hallo, Nessi, begrüß mal deine Namensverwandte!“ rief Keksi lockend und hielt ihr auf der flachen Hand ein Stück Banane hin. Der Rest der gelben Frucht war an die junge Mutter Vanilla gegangen. Vorsichtig ging Nessaja einen Schritt auf Keksi zu, schnupperte und bekam dann mehr Mut. Fröhlich trabte sie meine Freundin fast um, nahm mit weichen Lippen die Banane und stupste sie wieder an. Mehr! Keksi kicherte. „Tut mir leid, meine Kleine, mehr gibt’s nicht. Vielleicht später“ Dann hob sie Joey auf Vanillas Rücken, halfterte die Stute auf und führte sie von der Weide.
      Chloe, Calinas Stutfohlen, hatte mich bereits spielerisch begrüßt und wollte, dass ich mit ihr ein paar Runden um die Weiden drehte. „Nee, Süße, heute nicht. Jetzt geht’s spazieren!“ Aufmunternd schnalzte ich mit der Zunge, sobald Calina ihr neues, lilafarbenes Nylonhalfter hatte. Chloe schien erst enttäuscht, merkte dann aber, dass auch ihre Freundin Nessaja mitging, und tapste übermütig voraus.
      Keksi und ich entschieden uns für einen kurzen Grasweg um den Hof. Ab und an steckten die Fohlen die Nase ins Gras, um so zu tun, als würden sie es fressen. Dann spuckten sie es doch nur angeekelt aus und trabte zurück zu ihren Müttern. Mit Keksi redete ich über Gott und die Welt – alles also. Das Turnier in ein paar Wochen mit Calina und Cabaniro, das neue Gestüt und über ihre neuen Ponys Sweet Death und Prejudice. Beide waren aus meiner ehemaligen dt. Reitponyzucht gewesen und hatten mir gehört – bis vor kurzem. Außerdem hatte ich ihr noch eine gekörte Stute, Askana, geschenkt. Sie hatte Finelore gehört, die jetzt aber gegangen war, zusammen mit Fratzi, einer guten Freundin von mir. Und da ich keine Verwendung für die Lusitanostute gefunden hatte, hatte ich sie Keksi geschenkt.
      Das Thema Manu schnitt keine von uns beiden an. Langsam fing es an zu dämmern, und als wir den Hof wieder betraten, musste ich das Hoflicht anschalten. Schnatternd und kichernd über das letzte Turnier putzten wir die zwei Stuten, deckten sie und die Fohlen ein und führten sie dann in ihre Boxen. Die anderen - Spirit, Dahiba, It’s the CSI Girl, Creepin Up The Backstairs und Baghira – standen schon heumampfend in den Boxen. Auch im Hengststall war alles schon in seinen Boxen – Cabaniro, Barquillero Mojito, Charteaux und Victim. Beruhigt schloss ich die Stalltüren und setzte mich dann mit Keksi, Jeremy und Joey in das kleine Reiterstübchen. Jeremys kleiner Bruder schlief in Keksis Armen ein. Und – ein Wunder – Manu kam auch bald.
      Ich sah nicht auf die Uhr, als ich ins Bett fiel. Es war auf jeden Fall ein langer Tag gewesen – aber auch ein schöner.

      [/quote]
      [quote name='Toffifee' date='13 October 2010 - 08:28 PM']
      Es geht wieder los.


      Grinsend steckte ich das Telefon wieder in die Ladestation. Ich musste aufpassen, dass ich nicht gleich ausflippte. Denn das, was vor ein paar Jahren schon mal passiert war, hatte sich wiederholt. Ich durfte eine wunderschöne Stute mit erstklassiger Abstammung mein Eigen nennen. Calina gehörte wieder mir. Arija brachte sie in ein paar Stunden vorbei.
      Durch den Torbogen sah ich in die Küche. Am runden Tisch saß gerade wieder mein Pfleger und stöberte die Zeitung durch. Um seinen Hals – er war ein wenig erkältet – fand sich ein blauweißer Schal. Seit Wochen waren Manu und ich nämlich begeisterte Schalke-Fans. Vor meiner Zimmertür hing schon ein großes Emblem, Manu hatte sogar vor, seine Wohnung in blau und weiß zu streichen.
      Als ich ihn rief, sah er nicht auf. „Wir müssten eine Box fertig machen. Calina kommt wieder, mit Anhängsel“ wies ich ihm an und setzte mich zu meinem Pfleger. Neben seinen Füßen lagen zwei Farbtöpfe, blau und weiß. Im Moment hatte er nämlich Urlaub und wollte anfangen, die Pflegerwohnung zu streichen, in der er nun wohnte.
      Manu hörte nur das Wort ‚Calina’ und sah mich mit seinen großen, blaugrünen Augen an. „Calina? Die Mutter von Caba?“ Ich nickte und lugte kurz auf die Zeitung. Wie er es schaffte, wusste ich nicht, aber er las die Gelsenkirchener Zeitung. „Außerdem will Eli gleich kommen, wir gehen mit Cabaniro und Unwritten ausreiten. Und natürlich Fotografieren, das weißt du ja.“ Lachend schlüpfte ich in meine Stallschuhe, öffnete die Tür und ging hinaus.
      Für Anfang Oktober strahlte die Sonne noch einmal kräftig, trotzdem ging ein kalter Wind. Nächste Woche sollte es dann wieder anfangen, zu regnen. Die Reithalle war wieder öfters beleuchtet und der Hufschlag musste öfters nachgezogen werden.
      Immer noch fröhlich nahm ich mir das blaue Halfter vom Außenhaken am Stall und schlenderte dann auf die Zweierweide der Hengste hinter der Pflegerwohnung zu. Auf dieser Weide standen nur zwei meiner Hengste: Cabaniro und Charteaux, für die Kinder Doppel-C. Und vor einer Stunde hatte ich mit meiner Freundin Eli telefoniert, da wir unbedingt zusammen ausreiten wollten. Eli hatte Unwritten wieder von Arija bekommen und musste das sofort ausnutzen. Außerdem konnte Cabaniro nach dem langweiligen Dressur- und Springtraining der letzten Tage auch wieder einmal ausreiten.
      Der Hengst graste und reagierte nur mit Ohrenzucken auf meine Rufe. Seine Null-Bock-Einstellung hielt jetzt schon eine Weile an, aber ab und zu musste man auch etwas klassisch reiten. Dafür durfte er später wieder fetzen.
      Kurzerhand schwang ich die Beine über den Zaun und stiefelte auf den Braunen zu. „Komm schon, Caba. Jetzt können wir ausreiten. Komm, Caba!“ Wieder zuckte er nur ein wenig mit den Ohren. Der Hengst ignorierte mich total. Nur ein flüchtiger Blick kam in meine Richtung, dann trabte er in den Unterstand. Wäre nicht gerade eine Reiterin auf einer gescheckten Stute die Einfahrt hinauf geritten, hätte ich mit einem verstauchten Arm ausreiten gehen können. Cabaniro war einfach im Flegelalter.
      Blonde Haare, ein roter Pulli und blaue Reithosen. Eli war perfekt für den Herbst angezogen. Ihre Stute Unwritten trug eine weiße Schabracke mit goldener Kordel, ein weißes Ohrennetz und einen Vielseitigkeitssattel. Mit einem Grinsen, welches ich auch auf Unwritten Lippen zu erkennen glaubte, parierte Eli ihre Stute vor dem Zaum durch. „Na, bringst du Cabaniro wieder nicht von der Weide?“ Der Schalk blitzte ihr in den blauen Augen.
      Ich grinste schief. „Warte mal ab, er hat Unwritten schon gesehen.“ Und damit behielt ich Recht. Cabaniros braunroter Kopf war in die Höhe gestreckt, er sog die Luft scharf in die Nüstern ein. Ein unsicherer Schritt war schon gemacht, dann trabte er die Wiese hinunter. Caba stellte sich neben mich und stupste mich an, so nach dem Motto: „Worauf wartest du?“ Etwas verdutzt halfterte ich ihn auf, öffnete das Gatter und führte meinen Hengst zum Anbindeplatz. Eli war abgestiegen und ließ Unwritten noch einmal trinken. Parallel unterhielten wir uns über Manuel, der die Boxen ausmistete.
      „Da hast du dir aber einen Hübschling ausgesucht.“ Eli grinste. „Da läuft aber nichts, oder?“ Ich warf ihr einen bösen Blick zu und machte mich dann daran, Cabaniros Hufe auszukratzen. Hoffentlich nahm sie mein Schweigen nicht falsch auf. Aber die gute Eli holte stattdessen Cabaniros Gamaschen und seine neue, von ihr gespendete gelbe Schabracke mit der roten Kordel. Der Sattel hing nämlich schon am Bock, direkt neben der Tür. Mit geübten Handgriffen wechselte Eli die Satteldecken und legte Cabaniro dann den großen Vielseitigkeitssattel auf den Rücken. Ratz Fatz war der Hengst gesattelt und getrenst, dann saß ich auf. Die Zügel locker in den Händen lenkte ich Caba neben Unwritten und Eli und ich verließen einträchtig den Hof. Manuel würde schon alles regeln.
      Erst war Cabaniro absolut hitzig, weil neben ihm eine Stute lief. Er tänzelte zur Seite, blieb nicht stehen und war kurz davor, loszuschießen. Die Zügel wurden immer kürzer, doch als Eli den Sattelgurt nachgurtete, hätte ich am liebsten Kleber dabei gehabt. Cabaniro würde, wenn er traben würde, im Stechtrab laufen. Aussitzen ausgeschlossen, Leichttraben unmöglich.
      „Ich sammle dich wieder vom Boden, vom Stein oder vom Baum ab, wenn er doch ein wenig stürmisch wird.“ versprach Eli, gab Unwritten eine Schenkelhilfe und die Scheckstute trabte an uns vorbei. Erst legte sich Caba aufs Gebiss, das mir die Finger schmerzten, doch als er seinen Kopf wieder normal trug und durchlässig war, wagte ich es auch, ihn anzutraben. Mit Erfolg. Zwar schoss er erst los, sobald wir Unwritten aber eingeholt hatten, ließ er sich auch leicht anlehnen und versammeln, so wie verstärken. „Das Dressurtraining hat wirklich was geholfen“ grinste ich und tätschelte dem Braunen den Hals. Er schnaubte bestätigend und machte den Hals lang. Das war Cabaniros gute Seite.
      Eli hatte die Strecke festgelegt, es ging in den bunten Herbstwald, der hinter meinen Weiden lag. Die Blätter waren zum Teil schon gefärbt; braun, rot, gelb, nur vereinzelt waren noch grüne zu finden. Der Herbst kam schnell und leise. Und dann irgendwann schien es einen Knall zu machen und man bemerkte erst, wenn alles bunt war, dass der Winter nicht mehr weit war.
      Als ein frischer Wind aufzog, parierten wir die Pferde wieder durch. Cabaniro schlug kurz mit dem Kopf, ließ sich dann aber auf einen schmalen Trampelpfad lenken. Unwritten war im Gegensatz zu Caba ‚pflegeleicht’. Sie ließ sich stellen, kaute fleißig auf dem Gebiss und trabte auf Elis Hilfe wieder an. Mein Hengst hörte zwar auch auf mich, doch als ich ihn antraben ließ, schlug er wieder mit dem Kopf. Ein kleiner Dickkopf.
      Der Pfad führte direkt in den Wald hinein. Nach einigen Kurven und Hügeln lag vor uns eine ebene, ziemlich gerade Strecke. Durch kurzen Augenkontakt nahmen wir die Zügel kürzer, gingen jedoch gleichzeitig mit den Händen vor, stellten uns in die Bügel und ließen Cabaniro und Unwritten angaloppieren. Cabaniro war sofort an der Spitze, obwohl die Stute neben ihm ein paar Sprünge nach vorne machte. Ohne ihn groß zu treiben beugte ich mich über Cabas rotbraunen Hals und versuchte, zwischen den schwarzen Strähnen den Weg zu sehen. Er ging ein wenig einen Berg hoch, der jedoch nicht allzu steil war. Ohne Probleme erklomm der Hengst den Berg und blieb oben auf meine Hilfe stehen, um auf Eli zu warten.
      Die ließ sich reichlich Zeit. Als sie dann am Fuß des Berges erschien, hatte sie ein schwarzes Kästchen in der Hand. Eine Kamera!
      Auf dem Gesicht meiner Freundin war ein Siegergrinsen eingemeißelt. „Damit hast du nicht gerechnet, was?“ Sie zeigte auf den Display. „Schau, der perfekte Zeitpunkt.“ Wirklich. Das Foto, dass die Canon von Eli gemacht hatte, war gestochen scharf und zeigte, wie Unwritten einen Satz nach vorne machte und Cabaniro am vorpreschen war. Als ich nichts erwiderte, schaltete Eli die Spiegelreflex wieder aus. „Okay, ich schick es dir heute Abend in ICQ. Jetzt lass uns mal weiter reiten.“
      Im Schritt und Trab ging es durch den Wald, bis wir das rote Dach meines Stalles wieder sahen. Schweigsam saßen wir vor dem Tor ab und führten die beiden Warmblüter auf den Hof. Eli war damit einverstanden, dass ich sie nach Hause fahren würde, Unwritten im Anhänger.
      Gerade, als ich Cabaniro eine Abschwitzdecke überwarf, kam Manuel aus dem Stall. Der Schal war unter seiner Übergangsjacke versteckt, trotzdem sah man ein kleines Stück blauweiß. Eli seufzte und bekam sofort seine ganze Aufmerksamkeit. „Ist was?“ Seine Stimme klang heiser, er hüstelte.
      Grinsend schüttelte meine Freundin den Kopf. „Nein, alles okay.“ Das Grinsen war anscheinend nicht mehr wegzubringen, Eli musste weitermachen.
      Ich strich eine Falte glatt und sah mich um. Manuel war weg, wieder im Stall verschwunden. „Warum hast du gerade so geseufzt?“ Als würde da nichts dran sein. Eli musste lauf auflachen. „Ich find das nur echt witzig, wie er in seinem Urlaub immer noch im Stall ist und arbeitet.“ Das war nicht die ganze Wahrheit, aber mehr würde mir das blonde Mädchen mit den blauen Augen nicht verraten.
      Mein Blick streifte mein Handy. „Ich will dich ja nicht rausschmeißen, Eli, aber…“ Wieder lachte meine Freundin. „Ja, ja, du willst mich loshaben. Dann bring ich Cabaniro zurück auf die Weide, du holst den Wagen und den Anhänger.“ Leichtfüßig sprang Eli neben mich, band Caba ab und führte ihn dann zur Hengstweide. Unwritten sah mich neugierig an, sie erwartete ein Leckerli. Hoffentlich war sie verladefromm.
      Gerade wollte ich Unwritten abbinden, da schallte Elis Stimme von der Hengstweide herüber. „Stell Unwritten in eine Box, ich bleib noch ein bisschen!“ Super. Ich freute mich wirklich, dass sie mich besuchte, aber ich wollte jetzt eigentlich anfangen, zu arbeiten.

      „Und jetzt post du. Posen, Toffi, Posen!“
      Ein wenig irritiert sah ich zu Eli. „Posen? Nein, danke. Du machst mich noch ganz verrückt.“ Angesäuert drehte ich mich wieder um und versuchte, einen Transporter zu erkennen. Als am Horizont plötzlich ein schwarzes Viereck auftauchte, sprang ich kreischend in die Luft. „Sie kommt! Sie kommen!“ Eli versuchte, meinen Ausbruch zu fotografieren, doch die Fotos wurden nichts. Ich sprang zu sehr umher.
      Wenige Minuten später parkte neben Manus BMW und meiner alten Klapperkiste der große Transporter. Das Schwarz glänzte in der Sonne, in großen Lettern stand Gestüt Ammersee auf den Seiten. Eine junge Frau mit dunklen Haaren stieg aus und kam langsam auf mich zu. Es sah jedoch so aus, als ob sie ein Rennen unterdrückte. Ich rannte auf Arija zu und wild umarmten wir uns.
      Nach den Begrüßungen und Umarmungen strich sich Arija eine Strähne aus dem Gesicht. „Es tut mir echt leid, aber ich hab noch ein paar Pferde dabei und muss die schnell ausliefern.“ Sie verzog das Gesicht zu einer Grimasse und ließ dann die Rampe hinunter. Ich war schon durch die Vordertür in den Hänger gelangt.
      Das erste, was ich im Hänger sah, außer Schwärze, waren strahlende Augen. Und die Augen gehörten nur Calina. Sie brummelte mir leise zu und schob ihre Nase in meine Hand. „Hallo, meine Hübsche“ flüsterte ich und versuchte, ihr Fohlen zu erkennen. Arija hatte mir nämlich schon verraten, dass Calina vor ein paar Monaten einer Rappschimmelstute auf die Welt geholfen hatte. Aber ich erkannte nur ab und zu weiße Stellen. Hastig band ich, jetzt meine, Stute ab und führte sie rückwärts die Rampe hinunter. Hinter mir sprang etwas Kleines hinterher. Ein kleines, graues Etwas, mit einer Blesse und weißem Stichelhaar. „Das ist Chloe.“ Arija lächelte. „Du kannst Calina schon wieder reiten, solange du nicht zwei Stunden durchreitest. Die beiden sind schon etwas voneinander getrennt.“ Dann warf sie einen flüchtigen Blick auf die Uhr. „Ich werde jetzt aber auch mal die Fliege machen. Ciao!“
      Fünf Minuten später führten Eli und ich Calina und Chloe im Hof herum. Das Fohlen war dicht an Calina gedrängt und sah sich mit etwas angsterfülltem Blick um. Ihre Mutter ging gleichgültig neben mir her, doch in ihr brodelte es. Sie wollte laufen. „Gleich, meine Süße.“ flüsterte ich ganz leise und blieb dann stehen. „Ich hätte gesagt, wir stellen die beiden jetzt in eine Box und lassen sie sich eingewöhnen. Später kann ich Calina ja mal reiten.“ Eli öffnete mir die Stalltür, ich führte Mama und Tochter hinein und musste gleich wieder stehen bleiben. Manuel hatte die Stute schon gesehen, aber nur auf Fotos oder weiter Entfernung. Jetzt kam er ein wenig schüchtern aus der Sattelkammer und sah sich sprachlos meine Stute an. „Wow.“ flüsterte er, aber nicht, weil er Halsschmerzen hatte. Langsam lief er auf mich zu und ließ Calina an seinen Händen schnuppern. Nach der ersten Analyse stupste die Stute ihn aufmunternd an, er war angenommen. Chloe hingegen versteckte sich hinter ihrer Mutter und ließ sich auch nicht von mir streicheln. Aber wir mussten die Verbindung noch aufbauen.
      Ich schleppte noch ein paar Büschel Stroh herbei und polsterte die Box auf, dann klopfte ich mir den Staub an der Hose ab. „So, Eli, jetzt arbeiten wir aber wirklich.“
      Fünf Minuten später stand Baghira auf dem Putzplatz, daneben Charteaux. Beide wurden auf Hochglanz geputzt, Charteaux’ schwarzes Fell schimmerte schon seiden in der Sonne. Ich hingegen brachte in die Braunschimmelstute nicht wirklich zum Glänzen. Eli meinte zwar, das läge am Pferd, aber ganz glaubte ich ihr nicht. Ich schob alles aufs Winterfell.
      Baghira und Charteaux dösten und ließen sich ein paar Sonnenstrahlen auf den Rücken scheinen, als Eli und ich mit vier der letzten Warmblutzuchtpferde kamen; Victim, der übrigens Chloes Vater war, It’s the CSI Girl, Creepi und Dahiba. Alle drei waren nicht sonderlich dreckig und ich beauftragte Eli, sie sollte mit den Hengsten auf den Reitplatz gehen und sie ein wenig laufen lassen. „Ich geh mit den Stuten dann in die Reithalle. In ungefähr zehn Minuten tauschen wir.“
      Baghira, CSI Girl, Creepi und Dahiba hatten sich früher auf der Weide schon immer prächtig verstanden. Jetzt buckelten sie wild durch die Bahn, hielten plötzlich an und trabten dann mit erhobenem Schweif weiter. Wenn sie einmal stehen blieben, reichte ein kleines Zungenschnalzen, um die wieder in Bewegung zu bringen.
      Als ich ein paar Cavalettis willkürlich in der Bahn aufstellte, sprang CSI gleich als erstes darüber. Zwischen der Stange und ihren Hufen war ein geschätzter Meter Platz, sie übersprang sich auf jeden Fall gewaltig. Baghira setzte mit einem kleinen Hüpfer gleich hinterher und überholte CSI spielerisch. Dahiba und Creepi sprangen, wie sie immer sprangen, und holten CSI ein. Die beiden besten Freundinnen zwickten sich gegenseitig in die Mähne, um dann wieder voneinander wegzurennen.
      Nach genau zehn Minuten klopfte es an der Hallentür, Baghira, Dahiba und CSI wälzten sich gerade genüsslich. Elis blonder Schopf tauchte am Tor auf. „Meine sind fertig. Wie sieht es mit den Stuten aus?“ Ein kurzer kritischer Blick auf die drei Pferde reichte. „Sie sind am Ende immer langsamer geworden. Wir putzen jetzt noch einmal drüber, dann kommen sie zurück auf die Weide.“
      Darauf war Eli wieder verschwunden und als ich am Putzplatz kam, hatte sie Charteaux schon versorgt. Der Hengst stand entlastend am Putzplatz und döste wieder. Victim war auch fast fertig, Eli kratzte gerade die Hinterhufe aus. „Ich helf dir schnell.“ Im Nullkommanichts waren auch die Stuten geputzt und wir führten die ganze Bande zurück auf die Weide.
      Als nächstes krallte Eli sich Parlay, ich Dancer in the Moonlight. Moonlight wurde in wenigen Tagen Vater, Vanilla Twilight würde bald fohlen. Parlay hingegen verstand sich mit seinem Sohn Prejudice prächtig.
      Eli verzog sich mit Parlay auf den Reitplatz, während ich bei Moonlight versuchte, ihn „pferdefreundlich“ zu longieren. Er bekam viel Leine, sobald er ordentlich lief. Mithilfe von Ausbindern bog sich auch ein Rücken auf und der Braune senkte den Kopf. Nach einer viertel Stunde brachte ich ihn dann zurück.
      Danach gammelten wir ein wenig auf den Weiden. Hot n Cold graste ruhig neben Sweet Death, Long Island Icetea und Cresant Moon jagten sich gegenseitig über die Wiese, Spirit lag in der Box, Star verließ diese gerade. Auf der Hengstweide kurierte sich Barquillero Mojito von seinem Husten aus, Vans off the Wall wälzte sich genüsslich. Neben ihnen graste mein „Alter“ Capriciasso. Libertés Prejudice stand am Rand und sah uns fröhlich an. „Oh, ich will das Kinderpony reiten!“ Eli war sofort Feuer und Flamme und holte Pedi von der Koppel, der ihr fröhlich nachstakste. Ich wünschte ihr viel Spaß und schlenderte dann in den Stall. Vor Vanillas Box stand Manu.
      Lächelnd ging ich zu ihm und streichelte meiner Fuchsstute den Kopf. Ihr Bauch wölbte sich weit in die Breite, es würde bald soweit sein. „Wann denkst du, kommt das Fohlen?“ Ich fragte es, ohne ihn groß anzusehen. Mir lag immer noch das von den Sommerferien im Bauch, wenn ich ihn ansah. Manchmal ließ es sich gut verdecken, aber es gab Momente, da konnte ich ihn nicht einmal reden hören.
      „Es könnte vielleicht heute schon soweit sein.“ Seine Stimme war ebenfalls leise und er räusperte sich. „Ich werd’ auf jeden Fall in der Box nebenan übernachten und dich wecken, falls es wirklich soweit ist. Es ist ihre erste Geburt, wenn ich mich recht erinnere?“ Ich nickte und starrte immer noch auf den Strohhalm, der genau unter dem Heunetz lag. „Ja, es ist ihr erstes. Und das macht mir ein wenig Angst.“
      Irgendjemand – ich wusste genau, wer es war – packte mich an den Schultern und drehte mich so, dass ich ihm in die Augen sehen musste. „Komm schon. Hotti hatte auch ihre erste Geburt. Und lebt. Star hatte ihre erste Geburt. Und lebt. Ja, auch Calina“, Bei ihrem Namen wurde sein Blick versonnen, „hatte ihre erste Geburt. Und wenn du mir jetzt erzählst, dass das, was in der Box mit dem Fohlen steht, nicht Calina ist, kündige ich dir.“ Ich wusste sofort, es war so sicher, dass das Calina war. Dass er hier blieb. Dass er hier bleiben wollte. Sanft lächelte ich. „Klar ist das Calina.“ lenkte ich vom Thema ab und befreite mich dann wieder aus Manus Griff. Vanilla zupfte ein paar Halme aus dem Heunetz und schenkte uns weiter keine Beachtung. Ich spürte Manus Blick zwar im Rücken, drehte mich aber um und murmelte im Weggehen: „Ich setz dir Kaffee auf.“
      Als ich wieder auf den Hof lief, sah ich, wie Eli gerade mit Prejudice angaloppierte. Sie würde wohl noch eine halbe Stunde reiten, ich könnte also Calina schon einmal putzen. Aber im Stall war Manu...Zwickmühle.
      Energisch warf ich den Kopf zurück und öffnete wieder die Stalltür. Aber kein Manuel stand mehr auf der Sattelkammer, nirgendwo war er zu sehen. Tief innen war ich beleidigt, doch ich schüttelte den Kopf und ging auf die große Box von Calina zu. Chloe lag im Stroh und machte nicht viel Radau, als ich Calina aufhalfterte und in der Stallgasse anfing, zu putzen. Eli kam bald und half mir ein wenig, sie hatte Prejudice auf die Weide gebracht. „Ich spiel Paparazzi.“ Das Grinsen auf ihrem Gesicht gefiel mir nicht, doch ändern konnte ich es nicht. Grummelnd sattelte ich meine Stute auf, legte ihr die Trense an und führte sie dann auf den Reitplatz.
      Die Sonne versank schon fast hinter dem Horizont als ich mich auf Calina schwang. Sie hatte ein wenig zugenommen – ich schob es aufs Winterfell. Heute hatte ich mir nicht viel vorgenommen, sie sollte einfach nur ein wenig locker werden. Die Zügel lagen locker auf dem Widerrist, der Hals gesenkt, lief sie auf dem Hufschlag und schnaubte ab. Doch trotzdem spürte ich, dass in ihr eine Spannung herrschte. Braves Pferd.
      Auch, als ich die Zügel aufnahm und eine leichte Schenkelhilfe gab, blieb Calina in einem ruhigen Trab. In den Ecken bog sie sich schon jetzt wundervoll, ebenso auf dem Zirkel. Aber das Verspannte verschwand nicht. „Vielleicht kommt es vom Fohlen. Chloe ist vielleicht ein wenig stressig?“ Eli lachte, aber alleine. Sie hatte die Verspanntheit ebenso bemerkt. „Ich steig ab und lass sie mal laufen.“ Eli hatte gegen diesen Vorschlag nichts einzuwenden, also stieg ich aus dem Sattel, nahm diesen ab und klatschte in die Hände. Sofort jagte Calina los – so schnell wie noch nie. Sie umrundete den Black öfter als zehn Mal, bis sie neben mir zum Stehen kam. Dann stupste sie mich an, als wolle sie sagen: So, jetzt geht es wieder. Komm, wir machen weiter, wo wir gerade aufgehört haben!
      Rasch sattelte ich sie wieder auf, stieg auf und nahm die Zügel leicht an. Als ich dann die Schenkel anlegte, trabte sie sofort weich an. Der Kopf war zwar jetzt nicht mehr leicht an die Senkrechte gestellt, aber die Spannung war gewichen. Eli saß auf der Tribüne und schoss Fotos, als hätte sie etwas zu verlieren.
      „Ich reit sie jetzt auch wieder ab.“ sagte ich eine viertel Stunde später und parierte Calina zum Schritt durch. „Ich weiß nicht, wie es um ihre Kondition steht, außerdem noch Chloe…“ Eli grinste, sagte aber nichts. „Dann muss ich jetzt auch noch dich und Unwritten heimfahren…oh Gott, hab ich einen Stress.“ Ich stimmte in Elis Grinsen ein, lenkte Calina auf die Mittellinie und stieg ab. Mit geübten Griffen schob ich die Steigbügel hoch, lockerte den Sattelgurt und nahm die Zügel in die Hand. Eli öffnete mir das Gatter und half mir anschließend, Calina abzusatteln und mit Stroh abzureiben. Als die Schimmelstute in ihrer Box das Heu aus dem Netz rupfte, Chloe neben ihr schlief, fütterten Eli und ich noch schnell die Pferde. Unwritten war schnell verladen und innerhalb einer halben Stunde kochte ich in meiner Küche Kaffee. Manu hatte mir nämlich gerade verraten, dass Vanilla immer unruhiger wurde. Lange würde es also nicht mehr dauern.
      Bald schon duftete meine ganze Wohnung nach Kaffee. Als die schwarze Flüssigkeit endlich fertig war, brachte ich die heiße, dampfende Thermoskanne mit zwei Tassen in den Stall. Manu hatte sich schon neben Vanilla Twilights Box eingefunden und lächelte mir entgegen. Ein wenig verunsichert machte ich es mir neben ihm auf der alten Stallmatratze bequem. Ein wenig unwohl fühlte ich mich schon, doch ich versuchte, es zu ignorieren. Doch ein anderes Gefühl machte sich in mir breit und ich bekam erst wieder etwas mit, als ich unsanft geschüttelt wurde.
      „Hey, jetzt wach schon auf!“ Erst versuchte ich, die leise Stimme zu ignorieren. Schließlich störte mich auch noch das Dämmerlicht und ich öffnete geschlagen die Augen. Vor mir war Manus Gesicht, er grinste. „Ist was passiert?“ Hellwach richtete ich mich auf und wollte schon in die andere Box rennen, doch Manuel hielt mein Handgelenk fest. „Nein. Vanilla hat ganz normal gefohlt, ich musste ihr nicht helfen. Es ist übrigens eine kleine Stute.“ Ein sanftes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Warte noch fünf Minuten, dann kannst du rüberschauen. Die Fellfarbe vom Fohlen hab ich noch nicht gesehen, nur etwas Rotbraunes.“ Ein wenig legte sich meine Aufregung, vielleicht lag es auch an seinem Lächeln. Ich versuchte, es zu erwidern, doch die Mission scheiterte.
      Ich wartete klägliche fünf Minuten, dann sprang ich wieder aus dem Stroh auf. Vanilla Twilight lag noch mit einem rotbraunen Bündel im Stroh, doch die Mutter stand bereits auf. Die neugeborene Stute sah ihre Mutter erst entsetzt an, mich hatte sie noch gar nicht entdeckt. Das Fohlen versuchte, seine Beine zu ordnen und aufzustehen, plumpste jedoch einige Male ins Stroh. Ich wollte schon Vanillas Box stürmen, um der Kleinen zu helfen, doch wieder hielt mich mein Pfleger zurück. „Sie schafft das schon.“
      Tatsächlich. Drei Versuche später stand das Fohlen. Die dünnen Beine wackelten, und ich hoffte, es würde nicht sofort wieder ins Stroh fallen. Doch auch die ersten Schritte klappten perfekt, das Stutfohlen suchte sofort nach der Milch.
      Eine halbe Stunde später lag es schmatzend in der Ecke und döste vor sich hin. Vanilla war sichtlich stolz auf ihre Kleine und bewachte sie wie eine Glucke. Das Fohlen hatte mich vor wenigen Minuten mit einem neugierigen Wiehern begrüßt, wurde aber von seiner Mutter sofort wieder abgeschirmt.
      „Vanilla wird eine ganz schön schlimme Mutter.“ Grinsend ließ ich mich wieder zu Manu ins Stroh sinken. Er grinste kurz und legte seine Tasse weg. „Hast du schon einen Namen für die Kleine?“ Sofort nickte ich und musste ebenfalls grinsen. Verdammt, war es wirklich so ansteckend?! „Klar. Die Kleine soll Nessaja heißen.“

      Wenig später waren die letzten Lichter im Stall erloschen, einträchtig nebeneinander schlenderten Manu und ich die Auffahrt hinauf. Der Sternenhimmel funkelte und glitzerte, es war wirklich fast magisch. Jetzt fehlte nur noch … oh nein.
      Eine warme Hand glitt in meine und für ein paar Augenblicke sahen uns Manu und ich nur in die Augen. Selbst jetzt, in der Nacht, funkelten seine noch wie am Tag. Wenn nicht sogar noch mehr…aber ich verlor mich schon wieder.
      Wir standen bestimmt eine viertel Stunde nur so da, bis im weit entfernten Dorf die Kirchturmuhr schlug. Der schwache Klang zeigte zwei Uhr an. Räuspernd trat ich einen Schritt zurück und dankte allem, dass es dunkel war. Meine Wangen glühten, ich musste mich abwenden. Schnurstracks lief ich die kleine Treppe hinauf, sperrte meine Tür auf und drehte mich im Türrahmen noch einmal herum. Seine Silhouette hob sich nur schwach von der Umgebung ab, doch ich sah ihn. Und dann blitzte mitten in seinem Gesicht etwas Weißes auf. Er grinste. „Gute Nacht.“
      „Gute Nacht, Manu.“ seufzte ich, zog die Tür zu und knipste das Licht an.

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    • Rhapsody
      [quote name='Toffifee' date='30 January 2011 - 08:18 PM']
      Ein Tag auf dem neuen Gestüt

      Fünf lange Minuten stand ich vor der Box. Das kleine Fohlen sah mich mit seinen braunen Augen brav an, als ob es keiner Fliege was zu Leide tun könnte. „Kabel, mich brauchst du nicht zu veräppeln, ich kenne dich.“ wiederholte ich. Die Krümelspuren führten eindeutig zu der großen Laufbox des Fohlens uns seiner Mutter. Dabei war das Brot doch für die Neuankömmlinge gewesen!
      Seufzend öffnete ich die große, hölzerne Boxentür, zog meine Winterjacke noch enger zu und lief an dem braunen Fohlen vorbei. Er wieherte mir hoch hinterher und hängte sich an meine Fersen. Dabei wollte ich nur auf den Paddock zu seiner Mutter. It’s the CSI Girl ließ sich die Januarsonne auf den blanken Rücken scheinen, hatte die Augen geschlossen und öffnete sie nur kurz, als sie mich bemerkte. Cabal and Love, der liebevoll Kabel genannt wurde, stolzierte auf seine Mutter zu und ließ sich in den Sand plumpsen.
      „Na, meine Hübsche?“ begrüßte ich die junge Stute flüsternd. Ohne die Augen zu öffnen legte sie ihren schweren Kopf auf meine Schulter und schnaubte mir ins Ohr. So machte sie es seit Wochen, sobald ich die Wörter ‚hübsch’ oder ‚Hübsche’ sagte. Sie wusste anscheinend, was sie bedeuteten, und freute sich jedes Mal. Sanft schob ich ihren Kopf von meinen Schultern, pfiff Kabel kurz zu und lief dann wieder langsam in die Box. Das Fohlen war sofort aufgesprungen und mir hinterher gerannt, während CSI sich Zeit ließ. Die Stalluhr zeigte kurz vor halb zwei, Saabhra und Topar würden ungefähr um vier Uhr kommen. Ich hatte also noch genug Zeit, einige Pferde zu bewegen und den Rest in der Halle laufen zu lassen.
      Als ich CSI aufhalfterte, erklang Hufklappern auf der Stallgasse. Wenige Sekunden später tauchte Eli auf, neben ihr eine verschwitzte und schnaufende Unwritten. Elis blonde Haare waren verstrubbelt und auch ihr war heiß, denn sie hatte ihre Jacke geöffnet. „Lief das Springtraining gut?“ fragte ich und öffnete die Boxentür. Auf Elis Gesicht erschien ein ironisches Lächeln. „Klar. Wir haben nichts gerissen und nicht gebockt.“ Sie verzog kurz das Gesicht, murmelte etwas von „Nur wegen dem Schnee“ und dann wandelte sich das ironische Lächeln in ein ehrliches. „Aber wenigstens haben wir ein wenig Spaß gehabt. Stimmt’s, Ritty?“ Die Scheckstute brummelte zufrieden, ehe sie ihrer Besitzerin die Stallgasse weiter folgte. Unwritten stand direkt neben Calina, die beiden Stuten hatten sich im Laufe der Zeit, in der sie Boxennachbaren waren, angefreundet. Auch jetzt erschien wieder lautes, ohrenbetäubendes Gewieher von Seiten Rittys, als sie ihre neue Freundin entdeckte. Stöhnend führte ich CSI raus, Kabel sprang seiner Mutter hinterher. „Jetzt aber los zu den Weiden, sonst werden wir hier noch taub“

      Kabel wollte mir schon wieder zum Gatter folgen, doch ich verschloss es sofort fohlensicher hinter mir. Er legte einen Vollstopp aus dem Trab ein, schlitterte kurz vors Tor und sah dann erst das Holz, dann mich verdattert an. „Pass auf, dass du nicht hinfällst, kleines Kabel“ flüsterte ich und wuschelte ihm durch die Stehmähne. Schließlich lag noch Schnee, es hatte in der letzten Nacht sogar nochmal fünf Zentimeter Neuschnee gegeben. Trotzdem war die Sonne irgendwie wärmend, was dem Fohlen auch bald einfiel. Er stellte sich dicht neben seine Mutter, schloss die Augen und nickte irgendwann ein.
      Als ich den Stall wieder betrat, war Ritty bereits wieder weg. Vielleicht hatte Eli sie zum anderen Ausgang zur Weide gebracht. Calina sah mich trauernd an und brummelte mir freudig ins Ohr, als ich ihr Halfter nahm und die Boxentür öffnete. Hinter ihr spitze Chloe hervor, immer noch scheu. Als ich ihre Mutter aus der Box führte blieb sie wie gewohnt darin und wartete ab, bis ich zurückkam, um sie zu holen. Mittlerweile ging es ohne viel Hinterhergeweine, solange Chloe keine halbe Stunde in der Box bleiben musste. Also rückte ich Calinas Decke nur rasch zurecht, hängte ihr Halfter auf meinen Arm und spurtete zurück zum Stall. Chloe hatte schon neugierig ihre schwarze Nase auf die Stallgasse gestreckt und wieherte jetzt hell und glockenrein, als ich sie aufhalfterte und aus der Box führte. Sie hatte jetzt einen Spielkumpel, der ihr gewachsen war und bei dem sie nicht aufpassen müsste, ihn nicht zu überrennen. Jetzt fehlte nur noch Nessaja und Vanilla Twilight, dann waren die Mütter und Fohlen auf den Weiden und ich konnte mich umsehen, welche Pferde ich erstmal auf die Weide brachte und welche ich reiten wollte.
      Vanilla Twilight und ihr Fohlen warteten ebenfalls schon in der Box auf mich und sahen mir gespannt entgegen. Von Nessa sah man nur das kleine Mäulchen, sie konnte noch nicht über die Boxenwand sehen. Weil sie nichts sah, wieherte sie öfters voller Selbstmitleid. Heute sprang sie ihrer Mutter aber sofort hinterher, auch, wenn sie selbstständig zur Stalltür lief. Vanilla rief ihrer Tochter nicht mehr hinterher. Ein wenig ungeduldig wartete das Rabicanofohlen vor der Stalltür und sprang hinaus in den Schnee, als ich sie öffnete. Alle Pferde drehten am Rad, sobald eine dünne Schicht Schnee lag, vor allem, die Fohlen, die ihren ersten Winter erlebten. Vanilla schnupperte lediglich an dem weißen Zeugs, auf dem sie lief, während Nessaja wie wild durch den Schnee buckelte. Auf einem Pfiff trabte Nessa wieder auf uns zu und begleitete ihre Mutter auf die Weide. Sie wurde von Chloe und Kabel lautstark begrüßt, ehe die drei durch den Schnee flitzten.
      Ein eiskalter Wind kam auf, also setzte ich mich zur Beratung in die warme Sattelkammer. Auf jeden Fall musste ich Dahiba und Creepi reiten, damit sie sicherer wurden. Zu Baghira kam heute ihre Reitbeteiligung, also musste ich mich um sie nicht kümmern. Victim bekam ebenfalls Besuch von seiner Pflegerin, auch ihn konnte ich streichen. Calina stand erstmal auf der Weide, so wie CSI und Vanilla Twilight. Spirit konnte ich vielleicht etwas longieren oder laufen lassen, mit anderen Ponys. Ansonsten blieb nur noch Barquillero Mojito. Den musste ich auch reiten, da er bei Beritt war und jetzt ganz anders zu reiten war.
      Voller Vorfreude räumte ich in Putzkastenschrank rum, bis ich Barquis blauen fand. Der Hengst stand ziemlich weit hinten im Stall, also nahm ich mir den Sattel und die Trense gleich mit.
      Er begrüßte mich mit einem dunklen Brummeln, ließ sich aufhalftern und auf der Stallgasse anbinden. Der Grauschimmel war nicht sonderlich dreckig, ein paar Strohhalme musste ich aus der Mähne ziehen, aber sonst nur drüber bürsten. Umso schneller es ging, desto mehr freute ich mich, endlich wieder ordentliche Dressur mit dem Hengst zu machen. Auch er schien aufgeregt, tänzelte unruhig hin und her, als ich ihn sattelte und auftrenste. Dann aber konnte es losgehen. Eli hatte sich zum Boxenausmisten gemeldet, dann war ich morgen dran. Also konnte ich mich ganz auf meine Pferde konzentrieren.
      Als ich aufstieg, war Barquillero ganz ruhig. Vor einem Monat war er noch schrecklich gewesen; drehen, tänzeln, vorwärts laufen. Öfter als einmal war ich wieder unsanft auf dem Boden gelandet. Doch jetzt überkam mich eine Welle Glück, als ich auf dem Ponyhengst saß. Ich brauchte meine Schenkel nur leicht anlegen, schon lief er im Schritt los. Die Halle hatte neuen Sand, der Grauschimmel war also nach wenigen Runden schon am Schwitzen. „Machen wir heute lieber viele Schrittpausen, nicht, dass du mir zusammenbrichst“ sagte ich leise, schnalzte mit der Zunge und ließ Barquillero antraben. Erst trug er seinen Ponykopf noch oben, doch mit vermehrten Paraden senkte er ihn langsam und lief in gesunder Anlehnung. Ob die Traversalen wohl besser klappten als zuvor? Er hatte vor dem Beritt öfters gebuckelt, schon beim Antraben. Bei den Traversalen sprang er zur Seite, dann nach vorne und dann in die Höhe. Mal sehen, ob der Bereiter gute Arbeit geleistet hatte. Ich stellte Barqui nach innen, trieb mit dem äußeren Schenkel und saß aus. Gespannt auf seine Reaktion trieb ich immer mehr, bis wir schließlich zu A sahen und uns seitwärts bewegten. Es hatte geklappt!
      Auf der anderen Hand gönnte ich Barqui eine Schrittpause, ehe es mit der Galopparbeit weiterging. Man hörte nur die Schritte des Hengstes in der Halle, auch von außen drangen keine Geräusche herein. Es war totenstill, als ich Barquillero angaloppierte. Oder war ich so in Gedanken der Freude versunken, dass ich es nicht hörte? Egal. Im Dreiertakt hallten die Schritte durch die Halle, bis ich Barqui wieder durchparierte. Auch der Galopp war ohne Zwischenfälle passiert. Jetzt konnte ich endlich an Turnieren mit ihm teilnehmen.
      Nachdem ich ihn abgeritten hatte und zurück in den Stall gebracht hatte, kam Eli mir mit Dark Firestorm entgegen. „Ich will den Dicken noch ein bisschen reiten und hab mir gedacht, wir können später ausreiten gehen. Topar geht doch auch Western, oder?“ Kurz dachte ich an die Verkaufsanzeige im Netz. „Ja, ich glaub, er geht Western auch. Wieso?“ „Vielleicht könnten wir, wenn Saabhra und er da sind, mal ne Runde ausreiten gehen. Mit Absolute und Topar“ schlug sie vor und hielt ihren aufgezäumten Hannoveraner an. Dark Firestorms Fellfarbe liebte ich, er war ein dunkeler Fuchs, aber kein richtiger Dunkelfuchs. „Ja, klar, wieso nicht?“ stimmte ich zu, hielt Eli kurz entgegen und öffnete ihr die Stalltür. Barqui hatte seine Ladung Hafer gefressen, stand dösend in der Stallgasse und brummelte nur etwas dagegen, als ich ihn abband und zur Weide führte. Die letzten paar Stunden, in denen die Sonne noch strahlte, wollte ich ihm auf der Weide gönnen. Als er dann im Schnee scharrte und nach Gras suchte, fragte ich mich, wen ich zu ihm stellen konnte. Es war vielleicht nur für ein paar Stunden, aber er sollte trotzdem mit jemanden spielen können. Cabaniro kam mir da recht gelegen, er hatte heute seinen freien Tag und vertrug sich mit Barqui. Wenige Minuten später jagten sich die beiden über die große Weide.
      Jetzt widmete ich mich Dahiba. Die Schimmelstute würde ich heute nochmal longieren, ehe ich mich die nächsten Tage draufsetzte. Als putzte ich den Schimmel, der eher an einen Schecken erinnerte. Auf ihrer Flanke prangte ein riesiger Mistfleck, der sich bei dem Winterfell nicht sonderlich beheben ließ. Ein braungelber Rand blieb, genauso wie auf ihrer Kruppe. Als ich ihr noch die Hufe ausgekratzt hatte, konnte ich den Longiergurt, die Ausbindezügel, den Kappzaum und die Longe holen. Dahiba war das ganze schon gewohnt und folgte mir zum überdachten Longierzirkel. Die Ausbinder waren erst noch locker eingeschnallt, sie sollte sich erstmal warm laufen und dehnen. Erst, als ich sie langsam heranarbeiten wollte, schnallte ich die Ausbinder kürzer, sodass ihr Hals rund gebogen war und ihr Kopf leicht angenommen war. Keine Rollkur und nicht zu arg, immerhin war es ein Jungpferd.
      Als ich sie kurz darauf antraben ließ, wurden die Schritte raumgreifender und weicher. Lange ließ ich die Stute jedoch nicht laufen, schließlich wartete noch Creepin auf mich. Ein Blick auf die Stalluhr verriet mir, dass ich ziemlich spät dran war. Reiten würde ich jetzt noch eine gute dreiviertel Stunde, dann musste ich einige Ponys noch laufen lassen, und das dauerte auch seine Zeit. Und es war bereits dreiviertel drei, es musste also schnell gehen. Zum Glück hatte sich Creepin Up The Backstairs nicht sehr dreckig gemacht, ich musste sie also nur kurz überputzen und konnte sie dann aufsatteln. Eli und Dark Firestorm hatten die Halle freigegeben, wir waren also wieder alleine.
      Als ich nachgurtete und die Steigbügel runterließ, beschloss ich, heute vor allem Biegungen und Trab zu reiten. Creepi wirkte verspannt, viele Biegungen würden sie lockern. Und im Trab haperte es noch gewaltig. Ich ritt sie im Schritt warm, bog sie da schon ordentlich auf den Zirkeln und ließ sie dann antraben. Erst lief die Jungstute verklemmt, horchte aber auf meine unterstützenden Hilfen und wurde schließlich in den Bewegungen flüssiger. Als wir die Biegung auch im Trab hinkriegten, parierte ich Creepi durch und ließ sie verschnaufen.
      Als ich Creepi auf die Weide gebracht hatte, zeigte es bereits fünf vor vier an. Mist, ich hatte zulange mit ihr geschmust! Schnell nahm ich den Besen, fegte kurz durch die Stallgasse und hörte dann schon Reifen auf dem Hof. Ein Blick durchs Fenster verriet mir, dass es ein Wagen der Green Hills war. Der Besen wurde unachtsam an die Wand angelehnt und ich stürmte durch die Stalltür, direkt vor Flairs Füße. Wir begrüßten uns kurz, Flair wies auf einen vollen Terminplan hin. „Das Geld hast du ja schon überwiesen, oder? Dann kannst du ihn jetzt holen“ Sie lächelte mir hinterher, als ich in den Hänger kletterte und mir eine graue Nase entgegengestreckt wurde. Topar prustete leise, dann wurde hinter ihm die Rampe geöffnet und ich band ihn ab. Das erste, was er tat, als er aus dem Hänger war, war laut zu wiehern. Ohrenbetäubend schallte sein Gewieher über den Hof, bis von den Weiden eine Antwort kam. Beruhigend tätschelte ich ihm den Hals und führte ihn dann erst einmal eine Runde. Flair lud indessen seine ganze Ausrüstung aus und brachte sie in die Sattelkammer.
      Nach einer Hofrunde brachte ich Topar in seine neue Box neben Victim. Der Rappe sah ihm gutmütig entgegen, seine Reitbeteiligung war also schon hier gewesen, wenn er wieder hier stand. Vorhin war er verschwunden gewesen, und jetzt war sein Fell verschwitzt. Gewissenhaft hatte sein Mädchen ihm eine Abschwitzdecke und eine Thermodecke drauf getan, damit er wieder trocken wurde, schließlich war er geschoren. Kurz strich ich dem Hengst über die Nüstern, nahm Topar dann das Halfter ab und strich seine Decke glatt. „Wir sehen uns später“ flüsterte ich. Draußen hatte ich nämlich wieder ein Auto gehört, ob es Flairs war oder Globalessers, der mir Saabhra brachte, konnte ich nicht hören. Aber doch, draußen stand wieder ein fremdes Auto, Globalesser begrüßte mich freundlich und wir luden den Rappschimmel aus. Er erkannte mich wieder, schnaubte in meine Hand und prustete Globalesser hinterher, als er wieder davonfuhr. Auch ihn führte ich eine Runde um den Hof, ehe ich ihn in seine neue Box brachte.
      Die Sonne wandte sich bereits dem Horizont zu, als Eli mit Absolute Bullet Proof in den Stall kam. „Also, wollen wir jetzt?“
      Leicht geschockt sah ich auf Topar, der seelenruhig sein Heu kaute. „Gib mir zehn Minuten, ich muss das Pony auch noch putzen“ meinte ich leicht verwirrt, lief in die Sattelkammer und krallte mir Topars Putzbox, seine Westerntrense und seinen Westernsattel und machte ihn schnell fertig. Absolute war schon aufgetrenst und –gesattelt und wurde von Eli in großen Kreisen über den Hof geritten.
      Als ich in den Sattel stieg, musste Eli mir die Steigbügel noch einmal einstellen. Ich war lange nicht mehr Western geritten, erinnerte mich aber noch an die Grundlagen. Die Zügel hingen durch, ich trieb vermehrt mit den Schenkeln und dem Gesäß und ließ Topar Freiraum. Eli korrigierte mich ein paar Mal, dann konnte es losgehen.

      Mitten durchs verschneite Tal ging es, Eli und Absolute führten uns. Topar ging eifrig voran, trabte weich und sanft durch den Schnee und galoppierte sofort an, als ich ihm die Galopphilfe gab. Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Absolute, und wir einigten uns schließlich auf unentschieden. Ja, der Ausritt war super.
      „Reiten wir lieber durchs Dorf zurück. Die Sonne ist ja jetzt fast weg, dann haben wir wenigstens etwas Licht“ meinte Eli und wir ließen unsere Pferde auf einen Feldweg, der am schnellsten zum Dorf führte, traben. Kurze Zeit später erreichten wir asphaltierte Straßen und parierten schließlich durch.
      Die Straßen waren wie ausgestorben, eine kalte Bö schlug uns ins Gesicht und ich zog mir meinen Schal bis über die Nase. Topar schien die Kälte nichts auszumachen, aus seinen Nüstern stoben kleine weiße Wölkchen in alle Richtungen und seine Ohren waren gespitzt. Eine ganze Weile ritten wir vor uns her, redeten leise miteinander, bis Eli in die Dunkelheit zeigte. „Schau mal, da steht ein Fohlen. Ganz allein!“
      Ich folgte ihrem Finger mit meinem Blick. An einem Zaun stand ein kleines, zierliches Fohlen, zerrte am Strick und wieherte kläglich. Es wies eine Scheckung auf, die mir irgendwie bekannt vorkam. Aber…konnte das sein?
      Wir kamen näher, das Fohlen hatte uns bemerkt. Jetzt war ich mir sicher; das war Zauberflöte aus meiner ehemaligen Zucht! „Eli, wir müssen sie mitnehmen“ beschloss ich kurzerhand, rutschte aus dem Sattel und lief auf Flötchen zu. Sie erkannte mich wieder, spitzte die Ohren und wieherte leise. Mit flinken Fingern band ich sie ab und führte sie zu Topar und Absolute. Beide machten keinen feindlichen Eindruck, also nahm ich Flötchen als Handfohlen mit. „Und was ist mit ihrem Besitzer?“ fragte Eli. „Hedone? Die werde ich später anrufen und fragen, ob das klar geht, dass Zauberflöte jetzt bei mir wohnt. Sie ist ja längere Zeit nicht mehr hier gewesen, so wie es aussieht.“ Ein Blick auf die dunkle Weide zeigte, dass sie verschmutzt war. Auch Flötchens Beine waren verdreckt. „Na komm, lass uns gehen.“ murmelte ich.

      Es war bereits finster, als wir wieder auf Sanssouci ankamen. Ich band Topar in der Stallgasse an, brachte Zauberflöte schnell in eine freie Box und brachte dann die Pferde in ihre Boxen. Alle begrüßten die Neuankömmlinge laut, sodass ich mir völlig entnervt die Ohren zuhielt. Nach fünf Minuten waren alle ruhig, ich konnte Topar absatteln, putzen und in die Box stellen. Dann ließ ich mir einen Eimer warmes Wasser ein, setzte mich zu dem Scheckfohlen in die Box und besah ihre Beine. Sie waren ziemlich dreckig, weshalb ich sie abwusch und danach trocknete. Es schien Flötchen gefallen, sie senkte ihren kleinen Kopf und prustete laut. Zu guter Letzt legte ich ihr eine kuschelig warme Thermodecke auf den Rücken, hängte ihr ein Heunetz tief in die Box und schüttete etwas Müsli in ihren Eimer, da sie an die Raufe nicht herankam. Als auch die Tränke funktionierte, verließ ich die Box und fing an, jedem Pferd sein Abendessen zu bringen.
      Keine halbe Stunde später schloss ich die Tür auf, zog die Stallschuhe aus und schälte mich aus meinen tausenden Jacken, die ich anhatte. Mika kam auf mich zugerast, genau wie Casey. „Na, meine Süßen?“ säuselte ich und streichelte ihnen beide über die Köpfe. Jetzt brauchten die Hunde noch schnell etwas zu fressen, dann konnte ich mir etwas machen und Hedone anrufen.
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      [quote name='Cama' date='07 January 2011 - 10:49 PM']
      Neue RB
      „Guten Morgen, Toffi", begrüßte ich meine Freundin, als ich ihren Hof betrat. Es war Tauwetter und roch nach Regen. Ich besuchte die Halbblutstute Baghira. Toffifee hatte sie damals kaufen wollen, doch sie hatte leider nicht genug Geld. Deswegen schenkte ich ihr das hübsche Stütchen zu Weihnachten. Gemeinsam mit meiner Freundin schlenderte ich durch ihre Ställe hin zum riesigen Offenstall. Dort stand Baghira. Mit ihrem dicken Teddyfell schaute sie uns verstutzt an. Wie als wenn sie fragen wolle: „Was macht ihr denn hier?". Toffi drückte mir Baghis Halfter in die Hand. „Herein spaziert.", sagte sie und öffnete mir das Tor. Vorsichtig ging ich zu dem Braunschimmel und legte ihr das Halfter an. Langsam führte ich sie vom Paddock. Es war ziemlich glatt. Toffi begleitete uns zum Putzplatz, wo bereits eine grüne Putzkiste für uns bereit stand. Ich putzte den kleinen Teddybär und hätte sie am liebsten noch mit rosa Schleifchen geschmückt, doch das ließ ich dann lieber. Sonst hätte mich Toffi noch für verrückt erklärt! Ich machte der Stute ein Knotenhalfter drauf und führte sie in eine große Reithalle. Dort führte ich die Stute einige Runden warm, bevor ich sie zum ersten Mal traben ließ. Toffifee erklärte mir, wie ich sie antraben konnte vom Boden, sowie das Galoppkommando. Mehr konnte die junge Stute vom Boden bisher anscheinend nicht so. Ich entschied mich, ein wenig Parelli- Bodenarbeit zu machen. Dazu nahm ich mir meinen ‚Stick' und stellte mich gerade vor der Stute auf. Mit „Schwiegermutterblick" und Fingerwackeln begann ich, ging dann aber zum Stick über. Nach heftigerem ‚Schlagen', womit natürlich nicht das Pferd, sondern der Boden gemeint war, ging Baghira einen Schritt zurück. „Klasseee!", lobte ich sie und wiederholte das Rückwärtsrichten. Nach einigen Wiederholungen zeigte Baghira einen „Positiven Reflex" und ging bereits früher zurück als die Male davor."Primaa!", lobte ich das Stütchen und gab ihr ein Stück Möhre. Dann führte ich sie wieder eine halbe Runde, hielt an und richtete sie erneut rückwärts. Zu Anfang einen Schritt, was ich später dann steigern wollte. „Sag mal, Cama?", fragte meine langjährige Freundin mich. „Ja?", erwiderte ich die Frage und schaute sie an. „Ihr kommt so gut miteinander klar, möchtest du nicht vielleicht ihre Reitbeteiligung sein?" Ich war sprachlos, doch wollte nicht vorzeitig handeln. „Grundsätzlich schon, klar. Aber lass mich bitte eine Nacht darüber schlafen, ok?", sagte ich mit einem Lächeln. Toffifee nickte mir zu. Ich arbeitete weiter. Wieder ‚sendete' ich die das Halbblut einen Schritt zurück. Für jeden richtigen Schritt belohnte ich das Jungpferd mit einer kurzen Pause. „So ist' s brav.", sagte ich und kraulte sie unterm Schopf. „Genug für heute.", sagte ich. „Nun darf sie noch ein bisschen freilaufen." Ich machte das Halfter ab und trieb sie ein wenig ‚Leithengst'mäßig durch die Halle. Schließlich wollte ich auch mal ihre Gänge sehen! Sie wirbelte mit ihren Galoppsprüngen den Hallenboden auf. Es sah einfach toll aus. Natürlich machte ich davon auch ein Foto, was ich Toffi bald schicken wollen würde. Ich ließ die kleine Stute sich in Ruhe abreagieren und halfterte sie, als sie direkt vor mir stand und mich wartend anguckte, wieder auf. „Feine Maaus.", lobte ich den Braunschimmel und drückte ihr ein Küsschen auf die Nase. Toffifee gab mir Baghira's Abschwitzdecke, da sie doch leicht nass geschwitzt war. Ich legte ihr die Decke auf und führte sie dann zusammen mit Toffi eine Runde spazieren. Toffi schnappte sich Calina und nahm sie mit zum Spaziergang. Im Schritt gingen wir durch den Wald und unterhielten uns angeregt. Calina zeigte ein wenig Lebensfreude, doch Toffi hatte sie gut unter Kontrolle und konnte sie, wie auch immer sie das schaffte, vom Steigen abhalten. Baghi hingegen, die bereits alle Aggressionen, Power und sonstige Überflüsse ‚abgelassen' hatte, war ruhig. Toffi und ich gingen vorbei an einem See, der gerade auftaute. Daraus tranken die beiden Stuten ein wenig, auch wenn es wohl eiskalt gewesen sein muss. Auf dem Rückweg verlief alles gut. Baghira war lediglich ein wenig flotter unterwegs, da sie wahrscheinlich merkte, dass es nach Hause zurück ging. Zurück im Stall nahm ich der Stute die Abschwitzdecke ab und putzte sie nochmal ein wenig über. Ich stellte sie zurück in den Offenstall und verabschiedete mich liebevoll von ihr. „Tschüssi, Kleine.", sagte ich und kraulte sie ein wenig am
      Mähnenansatz. Auch von Toffifee verabschiedete ich mich. „Ich ruf dich morgen an." Dann fuhr ich nach Hause und versorgte meine eigenen Pferde. Dann krauchte ich in mein Bett. Von der ganzen Arbeit war ich ziemlich geschafft. Am nächsten Morgen wachte ich schon früh auf. Strahlender Sonnenschein begrüßte mich. Rasch huschte ich durch die Ställe und versorgte meine Pferde. Dann ging ich zum Haus und frühstückte genüsslich. Nebenbei wählte ich Toffis Nummer. „Ja?", fragte eine müde Stimme. „Hier ist Cama. Habe ich dich geweckt? Ich wollte eigentlich nur sagen, dass ich auf dein Angebot zurückkommen möchte und Baghi gern als Reitbeteiligung hätte." – „"Ja, ok. Gute Nacht.", antwortete sie mir und legte auf. Anscheinend hatte ich meine Freundin wirklich geweckt. ‚Was soll' s. ' , dachte ich und machte mir noch einen Kakao.
      [5258 Zeichen mit Leerzeichen, © Cama]


      Natürlich habe ich das Foto gleich Zuhause ausgedruckt und Toffi in den Briefkasten gesteckt.
      [​IMG]


      [/quote]​
    • Rhapsody
      [quote name='Toffifee' date='27 May 2011 - 09:27 PM']
      Wenn mich jemand sucht, ich bin in der Besenkammer und ess' kiloweise Schokolade.


      Leise knarrte das Leder, als ich mich im Sattel aufrichtete. Ein Blick nach vorne zeigte einen hellen Feuerball, Wärme kroch meine Arme hinauf. Ein zufriedenes Brummeln entfuhr Chalil, ehe er sich freudig in Bewegung setzte. Noch bevor irgendein Trubel losgehen konnte, wollte ich einen Morgenstundenausritt mit meinem Criollo machen.
      Am langen Zügel folgte mein Mr. Saufproblem dem Weg, prustete ab und ab leise, bis ich die Zügel einen Ticken aufnahm und ihn antraben ließ. Eine Weile trabte ich leicht, ehe ich im Sattel aussaß und die Landschaft genoss. Man konnte der Sonne beim Aufgehen zusehen, traumhaft. Perry unter mir wurde langsam munter, sein Trab verschnellte sich. „Heeey, Süßer, wir sind noch nicht auf der Galoppstrecke!“ lachte ich, nahm die Zügel leicht an und gönnte ihm eine ausgiebige Schrittpause. Wälder wechselten sich mit Feldern ab, ehe zu unserer Rechten eine riesige Wiese lag.
      Perry spitzte die Ohren, als ich ihn mit federleichtem Schenkeldruck auf das Gras lenkte und den äußeren Schenkel zurücklegte. Noch gab ich keinen Druck, ich wollte die Reaktion des Criollo abwarten. Seine Muskeln spannten sich an, doch er trabte immer noch locker vor sich hin. Erst, als ich beide Beine an den Pferdebauch drückte und laut in die Luft küsste – schließlich wollte ich mit Perry irgendwann auf Western umsteigen – machte er sich lang, streckte sich unter mir und legte dann los.
      Wind fuhr mir durch die Haare, kühlte mein Gesicht. Es fühlte sich wirklich an, als würde ich fliegen. Klar, das Gefühl war bekannt, doch bei Chalil durchfuhr mich diese bitzelnde Wärme immer wieder. Man merkte ihm seine Schnelle nicht an, so weich war sein Galopp.
      Das Ende der Wiese war viel zu schnell erreicht und ich nahm wieder ebenfalls nur leicht die Zügel an. Dafür saß ich mich tief in den Sattel, ließ die Hilfen weg und sagte in einem langen Atemzug: „Hooooo.“
      Wie eine Eins stand Perry da, den Kopf aufmerksam in die Höhe gereckt. Auf Schnalzkommando ging es dann wieder in Richtung Heimat.

      Kaum hatte ich Perry auf die Weide gelassen, summte mein Handy. Eva, eine Bekannte, bei der ich vorgestern ein Welsh Pony gekauft hatte. Nur eine SMS, die bei mir gleich Bauchkribbeln auslöste.
      Du kannst Siana später abholen! :)
      Bevor ich zum nächsten Pferd ging, schnappte ich mir mein Do-it-yourself-Elektrozaun-Paket und steckte ein kleines Quadrat, passend für eine Ponystute, inmitten der Stutenweide ab. Baghira knabberte sanft an meiner Sweatjacke, bis ich mich grinsend zu ihr umdrehte. Mit ihren braunen Kulleraugen sah sie mich an, ehe sie den Kopf ins Gras senkte. „Jaja“ murmelte ich, lächelte und holte mir einen frischen Kübel Eimer. Wenn ich Siana – so hieß die schöne Welshstute – abholen würde, dann spätestens in eineinhalb Stunden. Danach würden die Straßen voll sein, und mit einer jungen Stute im Gepäck wollte ich nicht unbedingt in einen Stau kommen.
      Sianas Neuheim für die ersten Tage war fertig, also krallte ich mir Baghira. Ein bisschen Longenarbeit, bei Gelegenheit weiter an den Zirkustricks arbeiten. Baghi freute sich, als ich ihr nur den Kappzaum und den Longiergurt anlegte und sie anschließend zum Longierzirkel führte, sodass sie gleich ein paar Bocksprünge hinlegte, kaum dass die Longe ein paar Zentimeter länger war. Sie ließ sich aber sofort wieder beruhigen und die Arbeit konnte beginnen.
      Meine Hand an der Longe spiegelte die Reiterhand wieder; locker, annehmend und nachgebend, nicht zu weich und nicht zu hart. Baghira hob ihren Rücken sauber an, während sie ihre Beine weit unter treten ließ. „So ist’s fein, Baghira“ sagte ich laut, aber sanft, damit sie es als Lob verstand. Leckerli gab es unter der Arbeit nicht, wenn erst am Putzplatz.
      Als Belohnung für ihre tolle Mitarbeit ließ ich die Mixstute am Ende noch ein wenig frei galoppieren. Ohne Longe, ohne Ausbinder, ohne Longiergurt. Übermütig schlug sie ein paar Haken, ehe sie einen Vollstopp hinlegte und sich genüsslich wälzte.
      „So, jetzt ist gut“ unterbrach ich ihr Gescharre im Boden und legte ihr ein bequemes Knotenhalfter an. Die Touchierpeitsche lag ebenfalls bereit, doch noch waren wir bei dem Einfachsten der Zirkustricks; dem Ja-Sagen.
      Der Clicker lag ebenfalls bereit, genauso wie die erforderlichen Belohnungen, kleine Apfelstückchen. Ein kleiner Test folgte natürlich, damit ich wusste, was die Kleine behalten hatte.
      „Bist du ein liebes Pony?“
      Richtig überzeugend schwang Baghi ihren feinen Kopf nach oben, ließ ihn wieder nach unten fallen und immer so weiter, bis ich clickte und ihr ein Apfelstückchen hinhielt. Mit samtweichen Lippen nahm sie es auf, malmte – und guckte mich bettelnd an. „Erst, wenn du sie dir verdienst“ grinste ich und legte die Touchierpeitsche weg. Das nächste Mal konnten wir dann bestimmt schon mit dem Drehen weitermachen.
      Den Hals klopfend brachte ich Baghi zurück, putzte sie kurz über und brachte sie dann zurück. Auf dem Weg zum Auto aß ich mein Schokocroissant, mein Frühstück sozusagen. Der Weg zu Evas Hof war nicht lang, ich kaute immer noch, als ich in der Einfahrt parkte. Ein kleines Gespräch entstand, dann führte Eva mir eine wunderschöne Kohlfuchsstute vor. „Pass gut auf sie auf“ sagte sie leise, als ich die Hängerrampe hochstemmte und mich verabschiedete. Schließlich musste ich daheim noch mit etlichen Pferden etwas unternehmen. Die Fahrt verlief totenstill, wir begegneten kaum einem Auto. Zum Glück. Später würden die Straßen voll sein von Urlaubsreisenden, die zurückkamen, weil sie noch etwas zuhause erledigen mussten.
      Es wurde immer wärmer, meine Sweatjacke verabschiedete sich schon bald von mir. Während Siana ruhig an einem Grasstreifen stand und das frische Grün rupfte, räumte ich den Hänger auf und das Zubehör aus dem Auto. Dressursattel, Springsattel, 2 Schabracken, blaue Bandagen, eine Wassertrense und ein Schenkelgebiss, eine Abschwitzdecke und ein englisches Reithalfter. Fürs erste genug.
      Auf der Weide wurden Siana und ich mit leisem Brummeln begrüßt, Vanity stupste die Kohlfuchsstute sogar aufmunternd an. Verfolgt wurden wir von den meisten Ponys, während Dahiba, It’s the CSI Girl und Creepin Up The Backstairs ruhig weiter grasten. Siana steckte gleich wieder ihren Kopf ins Gras und ließ sich von den Ponys begutachten. Ochrasy, Tiffi und Vanity verließen aber mit mir die Weide und ließen sich am Putzplatz anbinden. Nessa war auch schnell angerufen, einer Kutschfahrt stand also nichts im Wege. Da es aber irgendwie blöd war, drei Pferde einzuspannen, putzte ich Daim ebenfalls und legte den vier Welsh A’s das Kutschgeschirr an. Nessa half mir beim Einspannen, dann setzten wir uns auf den Kutschbock und ließen die vier Ponys losgehen. Daim und Tiffi vornweg, da sie sich am besten verstanden und am längsten kannten, Vanity und Ochrasy hinten. Entspannt zuckelte das Gespann über den Feldweg.
      „Schon mal wieder was von Manu gehört?“ brach Nessa schließlich die Stille und grinste mich an. Ich konnte es nicht verhindern, dass ich feuerrot anlief. „Nein, nichts, aber alleine geht’s viel besser“ konterte ich. Allerlieblingsthema, oh ja. Vor allem von meiner besten Freundin.
      „Wirklich? Keinen neuen…’Pfleger’ in Sicht?“ Nessa kicherte wie ein Mädchen neben mir auf, ehe ich ihr meinen Ellenbogen in die Seite rammte. „Gehen wir lieber zurück, ehe du noch irgendwelche anderen Sachen sagst“ murmelte ich und ließ die Ponys umdrehen. Keine halbe Stute später standen die vier am Putzplatz und genossen das kühle Wasser an ihren Beinen. Nessa wollte noch den ganzen Tag bleiben, die Pferde konnten wir uns aufteilen. Aber erstmal ging es zu den Fohlen.

      „Alle drei sind ans Halfter gewöhnt, ich würde jetzt gern mit dem Longieren anfangen“ teilte ich Nessa mit, als wir Chloe gerade für die Arbeit fertig machten. Die fast Einjährige war schon an die Longe gewöhnt, Cabal an Love, Nessaja und Zauberflöte jedoch nicht. „Ich hol Kabel schon mal, wenn du auf dem Platz bist“ seufzte meine Freundin und überreichte mir die Longe. Chloe quietschte freudig und folgte mir dann zum Reitplatz. Erst, wenn sie älter war, ging es in den Longierzirkel.
      Die Euphorie, die das Stutfohlen umgab, war fast ansteckend. Brav hörte sie auf jedes Stimmkommando, galoppierte sogar richtig an. Ein Ohr war zu mir gedreht, das andere gespitzt nach vorne gerichtet. Ihre kleinen Hufe wirbelten ein wenig Sand auf, ehe ich sie mit einem lauten „Wooooooohoo“ wieder zum Schritt durchparierte. Danach wechselte ich die Hand und ließ Chloe nochmal ihre drei Gangarten vorzeigen, ehe sie zurück zum Putzplatz kam. Nessa putzte gerade den Zappelphilipp über und übernahm dann den Rappschimmel. „Viel Spaß, er sieht sehr motiviert aus“ seufzte sie.
      Es dauerte eine geschlagene dreiviertel Stunde, bis Cabal es langwierig gecheckt hatte, dass er in einen großen Zirkel um mich herum laufen sollte. Nessa half mir eine Zeit, bis sie dann mit Nessaja, ihrer Namensverwandten, zum Reitplatz stiefelte. Eine Weile arbeiteten die beiden miteinander, ehe ich und Zauberflöte ebenfalls den Platz betraten. Nessa wechselte gerade die Hand und bemerkte mich erst gar nicht. „Willst du nicht mit Zauberflöte weitermachen? Bei dir klappt das viel besser, ich bin eher fürs Einreiten geeignet“ bat ich grinsend. Meine Freundin zuckte zusammen, nickte dann jedoch. „Ja, von mir aus. Aber einreiten musst du alle alleine“ Sie lachte ebenfalls und beendete wenige Minuten später die Arbeit mit dem Rabicano-Stutfohlen. Nessaja hatte ordentlich geschwitzt, aber sie sah glücklich aus. Nessa und ich tauschten die Fohlen aus und ich brachte das kleine Fohlen zurück zum Putzplatz. Wasserfest war sie, also war das kurze Abspritzen kein Problem für Saja. Danach putzte ich sie über und brachte sie zurück in den Fohlenoffenstall, in dem Chloe und Cabal munter kabbelten. Das kleine Ponyfohlen nahmen sie sofort auf und jagten sich gegenseitig über das Grasstück.
      Es dauerte nicht lange, da brachte auch Nessa Zauberflöte zurück. Anscheinend konnte die kleine Scheckstute schon ziemlich viel und hatte bei Hedone eine gute Ausbildung genossen. Trotzdem, erstmal sollte sie alles von vorne lernen, damit sie perfekt auf meinen Hof passte.

      „Und jetzt?“ Nessa grinste. „Ausritt?“
      Mein Blick fiel auf die Weiden. „Okay, Ausritt. Wen nehmen wir?“
      „Ich reite Creepi“ entschloss sich meine Freundin, stiefelte los und nahm sich ein Halfter. Grinsend rannte ich hinterher, meine Entscheidung war auf Dahiba gefallen.
      Keine viertel Stunde später sattelten wir die beiden (Fast-)Schimmel und verließen den Hof in Richtung Wald. Inzwischen war es warm geworden, es ging auf Mittag zu. Dahiba und Creepi waren vollkommen locker geworden, vor wenigen Wochen waren beide noch total verkrampft und aufgeladen unterm Sattel gewesen. Auch im Trab konnten wir die Zügel lang lassen und die schließlich locker angaloppieren. Die beiden Stuten genossen es, über die Felder zu rasen und Creepi buckelte einmal übermütig. Nach fast eineinhalb Stunden kehrten wir zurück, machten Creepin Up The Backstairs und Dahiba fertig, brachten sie zurück und aßen erstmal was.
      Weitere eineinhalb Stunden beschlossen wir, Siana ein bisschen laufen zu lassen. Schließlich sollte sie sich mal richtig austoben, damit ich die nächsten Tage gleich ein bisschen mit ihr üben konnte. Putzen musste man den Kohlfuchs nicht, schließlich sollte sie dreckig werden, bzw. sich wälzen.
      Wir brachten sie in den großen Round Pen und ich nahm gerade rechtzeitig meine Kamera hoch und fokussierte. Siana schlug mit dem Kopf und fing an, wild zu buckeln. „Yeeaaah!“ rief Nessa und klatschte in die Hände. Wie von der Tarantel gestochen raste Siana über den Sand, machte eine Vollbremsung und machte kehrt. Fast eine viertel Stunde lang, ehe sie trabend auf uns zukam, einen Meter von meinen Füßen stoppte und sich genüsslich wälzte. Sie fühlte sich also wirklich wohl.

      „Ich hab Calina einen Ausritt versprochen. Wir müssen also noch einmal“ grinste ich, als wir Siana zurück brachten. Nessa seufzte. „Klar, wenn bis dahin noch ein Pferd frei ist? Aber bitte an irgendein Wasser, es ist unsäglich heiߓ
      Ich nickte, entließ Siana auf ihren Paddock und legte dann ihr Halfter zu den anderen. „Soweit wie ich gerechnet habe, müssten noch 4 Ponys bewegt werden. Spirit fällt weg, mit dem gehen wir später noch grasen, da können wir Siana auch nochmal mitnehmen. Dann müssten wir noch Vanilla Twilight, Prejudice, Topar und Barquillero Mojito frei sein. Und eben noch Victim und Calina“
      Eine Weile überlegte meine Freundin. „Mit Victim und Barqui könnten wir mal wieder springen, außerdem hab ich grade Lust drauf. Und wolltest du Topar nicht mal tölten? Dann machen wir mit ihm und Prejudice ein bisschen Gymnastik-Dressur, Pedi ist ganz schön fett geworden“ Sie grinste und wich noch schnell aus, ehe ich sie wegstoßen konnte. „Und mit Calina und Twilight machen wir dann einen schönen, entspannten Ausritt“ schlussfolgerte ich. „Na, dann mal los!“
      Nessa nahm – welch große Überraschung – Victims Halfter und lief gut gelaunt auf den großen Rappen zu. Die beiden waren irgendwie schon ein Dreamteam, außerdem wollte ich im Moment lieber keinen anderen auf Barqui setzen, bis er wieder besser lief. Es ging bergauf, er buckelte nur noch selten, aber den unkontrollierten Galopp hatte er noch drauf.
      Zehn Minuten später führte ich Barqui hinter dem großen Rappen in die Reithalle, in der eine angenehm kühle Temperatur herrschte. Während Nessa bereits aufsaß und ihre Aufwärmrunden drehte, stellte ich den Grauen auf die Mittellinie und baute Cavalettis und Trabstangen auf, die richtigen Hindernisse kamen erst später. Barquillero blieb die ganze Zeit auf seinem Platz stehen und ging erst fleißig los, als ich auf ihm saß und die Schenkel anlegte. Ziemlich zügig wärmten wir die Pferde auf, ließen sie über die Trabstangen laufen und auch vereinzelt über die Cavalettis springen. Für Victim waren sie nichts, er galoppierte erst über sie, als zwei aufeinander standen. Barqui brauchte jedoch die Unterstützung der Hilfe, vor allem bei zweien. Aber irgendwann ging es flüssig und wir gönnten den beiden Hengsten eine kurze Pause. Zusammen bauten Nessa und ich erstmal kleine Hindernisse auf, nachdem die Trabstangen und ein paar Cavalettis aus der Bahn verschwunden waren. Sie waren hoch genug für den Anfang. Bei einem Oxer hatten wir zwei extra Stangen draufgelegt – für den Fall der Fälle.
      Da es gleichzeitig ein wenig blöd war, wechselten wir uns ab. Der andere konnte dann etwas Reitlehrer spielen. Nessa wollte anfangen, was mir ganz recht war.
      Sie lenkte Viccie auf den Zirkel, galoppierte ihn an und stellte ihn dann auf einen kleinen Steilsprung. Die Ohren des Hannoveraners zuckten augenblicklich nach vorne, seine Galoppsprünge wurden raumgreifender und in einem Zug sprang er über die blau-weißen Stangen. Sofort war der Blick auf das Nächste, ein kleines Kreuz, gerichtet. Ebenso schwungvoll nahm er es, ließ sich versammeln und für die Kombination vorbereiten. Ohne Probleme nahm er auch die zwei Hindernisse und fiel danach in den Trab und schließlich in den Schritt. Victim atmete heftig, aber er sah nicht müde aus. Nessa ließ die Zügel ein Stück länger, damit er sich ein wenig strecken konnte. „Na, sah das nicht toll aus?“
      Ich grinste. „Sehr toll. Wirklich, ich hab nichts zu meckern.“
      „Okay, dann seid ihr wohl dran. Ich verkleinere die Hindernisse schnell, du kannst ihn ja schon mal ein bisschen vorbereiten“

      Zehn Minuten später war Nessa dann endlich fertig. Barquillero hatte sich beim Vorbereiten anständig aufgeführt, war in schöner Anlehnung gegangen und hatte kaum gespackt. Wie Nessa vorhin ritt ich ihn auf den Zirkel, galoppierte an und steuerte das Kreuz, dass ich als erstes nehmen wollte, an. 5, 4, 3, 2, 1 – hopp, wir waren drüber.
      Beim Steilsprung und der anschließenden Kombination machte er sich richtig schön rund und galoppierte danach noch freiwillig eine Runde. Danach ritten wir noch trocken, ehe Victim und Barqui die Freiheit auf der Weide genossen.

      Gerade, als wir Calina und die wieder trächtige Vanilla Twilight von den Weiden führte, bekam ich zwei SMS. Eine von Ivonne, einer ziemlich bekannten Züchterin und Jacqueline. Bei beiden hatte ich für zwei Pferde – einem Holsteinerfohlen und einer Haflingerstute – geboten und anscheinend bekommen. Später, wenn Nessa gegangen war, würde ich Mahira und Little Baby abholen.
      Meine Freundin putze die Fuchsstute, bei der sich noch kein großer Babybauch zeigte und wollte sie später auch bewegen, während ich bei meinem Liebling war. Calina döste und ließ sich die Nachmittagssonne auf den Rücken scheinen, während ich über ihr reinweißes Fell strich. Nur ein kleiner Mistfleck an der Flanke war vorhanden, aber auch nur noch blass. „Feines Schimmelchen“ flüsterte ich und holte dann mit Nessa die Sättel und Trensen. Ein paar Minuten später waren wir auf dem Weg in den schattigen Wald.
      Erst, als der Weg richtig breit und eben war, trabten wir die beiden Stuten an und ließen die Zügel lang. Der Wald lichtete sich, führte zu den Wiesen und Felder um das Gestüt Sanssouci. Hibbelig wie Calina und Vanilla waren, tänzelten sie, bis wir sie endlich lospreschen ließen. Der langbeinige Warmblüter hing das Pony ab und wir mussten schließlich eine Weile warten, bis Nessa und Vanilla wieder da waren.
      Als wir zurückkamen, war es bereits kurz vor halb sechs. Nessa verabschiedete sich recht rasch, sie hatte ja auch eine Herde Pferde und Ponys bei sich stehen. Ich setzte mich ebenfalls ins Auto und machte mich auf den Weg zu Ivonne. Mahira hieß die kleine Trakehnerstute, die ich abholen wollte. Ich hatte mich sofort in sie verliebt, als ich sie entdeckt hatte. Eine kleine Fuchsscheckin mit einer atemberaubenden Aura eben.
      Nachdem wir das Fohlen verladen hatten, fuhr ich noch zu Jacqueline, um die Haflingerstute abzuholen. Sie war gekört und hatte eine wundervolle Fellzeichnung. Bei ihr hatte es den Haben-Blick gegeben und ich wusste, ich musste sie haben. Little Baby fand neben Mahira ihren Platz im Hänger, dann ging es nach Hause.

      Baby band ich für die ersten Minuten an der Stutenweide an, damit sie grasen und ein wenig runterkommen konnte. Mahira, die komplett halfterführig war, folgte mir zum Fohlenoffenstall. Chloe war die Sozialste aus der Gruppe, sie begrüßte die Neue sofort freundlich und verteidigte sie gegen Kabels Angriffe. „Demnächst fangen wir dann mit der Arbeit an, kleine Mira“ flüsterte ich, ehe ich das Tor hinter mir schloss und wieder zur Stutenweide ging. Baby sah mich unschuldig an, aber in ihren Augen blitzte keine Hinterfotzigkeit. Ein wunderschöner Haflinger mit astreinem Charakter. Ihre neue Box war bereits beziehbar, also kam sie als erstes rein, zwischen It’s The CSI Girl und Vanilla Twilight. Die Nächte waren noch zu lau, über Nacht kamen alle Pferde rein.

      Als ich fertig war und die Stalltür für heute schloss, zeigten sich bereits die ersten Sterne auf dem lila-blauen Nachthimmel.
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      [quote name='Toffifee' date='16 April 2011 - 09:56 PM']
      Waschtag​


      Eli seufzte. „Okay, wenn du meinst. Lass uns anfangen“
      Grinsend öffnete ich die Augen, sah kurz zu ihr rüber und sprang dann von den Stufen auf. Genug gesonnt, jetzt sollten die Pferde auch mal den Winterdreck abkriegen. Außerdem würden gleich vier neue Ponys kommen – drei Welsh Ponys und mein über alles geliebter Prejudice.

      Das Wetter heute war perfekt für einen Großwaschtag – Sonne, kein Wind, wolkenfreier Himmel und 25°C. Und wir wollten schnell fertig sein, damit wir noch einen Ritt unternehmen konnten. Fröhlich schnappte ich mir das erste Halfter, welches mir ins Auge stach; azurblau, reißfestes Nylon.
      Ein langer Pfiff ertönte, dann löste sich eine helle Gestalt aus der Stutenherde. Natürlich hatten alle geguckt, aber beherzt weitergegrast, als nicht ihr Name gefallen war. Mit großen Sprüngen galoppierte Dahiba auf mich zu, fiel etwa zehn Meter vorm Zaun in den Schritt und hielt standesgemäß direkt an den Holzbalken. Die feinen, weißen Ohren gespitzt, hoffte sie natürlich auf Leckerlis, ließ sich aber bereitwillig das Halfter überstreifen. Eli selbst war gerade damit beschäftigt, Chante einzufangen, die sich mal wieder auf ein Fangen spielen einstellte. Ein kleines Grinsen konnte ich mir dann doch nicht verkneifen, während Dahiba mir zum überdachten Putzplatz folgte.
      Damit es schneller ging, wollten wir die Pferde immer zu zweit waschen, jeder von uns sollte zwei an der Backe haben. Meine zweite Wahl fiel sofort auf Creepi, CSI war im Moment ja Vollzeitmama. Das Calina-Double freute sich, ihre Freundin nach ‚so langer Zeit’ wieder zu sehen und begrüßte die Schimmelfreundin am Putzplatz lautstark. Grummelnd band ich Creepin Up The Backstairs neben Dahiba an, holte dann den Wasserschlauch, das milde Babyshampoo und normale Shampoo und fing an. Erst wurde Dahiba eingeschäumt und abgewaschen. Obwohl der Putzplatz im Schatten lag, fing ich an, zu schwitzen. Die einzelnen Wassertropfen, die auf mich fielen, kühlten nicht besonders. Genervt pustete ich mir die Strähnen aus dem Gesicht, während ich den bald wieder reinweißen Schweif der Hannoveranerstute ausspülte. Danach war nur noch die Mähne daran, dann konnte ich Dahiba zum Grasen und Trocknen in die Sonne stellen. Wieder gab es ein lautes Wieherkonzert, diesmal fing Creepi aber auch an, zu tänzeln. Gespannt folgte mir Dahiba in die Sonne und ließ sich an einen Zaun in der Nähe der Weide anbinden. Sofort steckte sie die Nase ins Gras und schnaubte zufrieden.
      Kaum eine viertel Stunde später durfte auch Creepi zu ihrer Freundin. Beide grasten sie nebeneinander, friedlich, ohne Anzeichen von Zicken. „Brave Pferde“ flüsterte ich, während ich wieder zur Weide stapfte. Bevor die dunklen Pferde drankamen, wollte ich mit den Schimmeln fertig sein. Bei den Braunen, Füchsen und Rappen brauchte es keine so aufwendige Prozedur; abspritzen, damit der Winterdreck rausging und danach das Langhaar waschen. Die Mistflecken sah man auf braunem oder schwarzem Fell so gut wie gar nicht.
      Als nächstes fanden sich Topar und Spirit auf dem Putzplatz wieder. Beide waren mit Wasser vertraut und mochten es, wenn der kalte Strahl im Sommer nach der Arbeit kühlte.
      Beide shampoonierte ich kräftig ein, wusch zuverlässig jedes kleinste Schaumwölkchen aus und ging dann zum Langhaar über. Nach der Prozedur erinnerte Spirit wieder an einen Schimmel und Topar an einen Apfelschimmel. Doch bevor die zwei grocknen – Mixwort aus grasen und trocknen – konnten, musste ich Creepi und Dahiba kurz verlegen. Die Stuten bekamen nämlich noch ihr Langhaar verlesen und danach die Hufe mit Huffett eingeschmiert, damit alles passte. Die Aufgaben waren ziemlich schnell erledigt, und da beide Schimmel so gut wie trocken waren, stellte ich sie auf den Paddock.
      Spirit und Topar grockneten Seite an Seite, während ich gleich zwei Stuten behandelte. Ochrasy, die kleine Welsh A Stute, sollte später noch mit auf einen Ausritt kommen, während Baghira zu den anderen auf den Paddock durfte. Danach musste nur noch Barquillero Mojito gewaschen werden, und schon waren fast alle Schimmel fertig. Denn als ich den Schlauch aufdrehte, um den Schaum aus der Mähne zu spülen, klingelte mein Handy. Die ersten Takte von Rock’n’Roll Queen. Seufzend stellte ich den Strahl ab, wischte meine Hände an der Jeans und nahm ab. Es war Tesa, eine gute Freundin von mir, über die der Verkauf von Vanity, einer bereits gekörten Welsh A Stute, ging. „Du hast Glück, sie gehört dir. Kann ich sie gleich vorbei bringen?“
      Ich blies die Backen auf und stieß die Luft wieder aus. „Klar, wenn du dich beeilst, könnte ich sie sogar noch waschen. Wenn sie das noch nicht ist“ Tesa verabschiedete sich, ich konnte also weitermachen. Wollte weitermachen. Bis mir etwas einfiel und ich sofort Nessa und Janina anrief. Von beiden bekam ich heute noch Ponys, vielleicht konnte ich die auch gleich abholen.
      Nessa würde eh vorbeikommen, sie konnte Pedi also gleich mitbringen. Und mit Janina machte ich aus, dass Tesa Daim und Tiffi, meine zwei anderen Neuen, auch gleich vorbeibringen würde. Tesa war auch sofort einverstanden und ich konnte entspannt weiter waschen.

      Der Wagen fuhr um kurz vor vier vor. Gerade hatte ich Calina gewaschen und ließ sie jetzt grocknen, als Tesa mit ihren flammroten Haaren ausstieg. Frisch gefärbt, wie mir sofort in den Sinn kam, schlenderte sie auf mich zu, begrüßte aber erst die Stute, die sich aber beim Fressen nicht beirren ließ. Erst dann umarmte sie mich.
      „Ich hab drei kleine Überraschungen für dich“ Tesa schien gut gelaunt und fuhr sich durch die hellroten Haare. „Ich lad sie eben aus, dann kannst du bei Lina bleiben“ Wieder machte sie kehrt und verschwand dann aus meinem Blickwinkel. Calina prustete ins Gras, hob den Kopf und stupste mich an. Ihr Fell war beinahe trocken, ebenso ihre Mähne und der Schweif. Ich hatte bis jetzt noch keine Rampe gehört, noch kein aufgeregtes Klackern, also brachte ich die Stute zurück in ihre Box, später wollten wir noch ausreiten oder auf den Platz gehen. Als ich ihr Halfter an die Boxentür hängte und Calina eine Weile betrachtete, wurde ich doch ein wenig aufgeregt. Jetzt hatte ich neben Ochrasy noch drei weitere Welsh Ponys der Sektion A. Wenn’s so weiter ging, konnte ich locker eine Zucht aufmachen oder vermieten.
      Wenige Sekunden später verließ ich den Stall und sah Tesa, wie sie drei kleine Ponys an ihren Händen führte. Ein Cremello neben einem Schabracktiger, auf der anderen Seite einen Falben. Vanity, Tiffi und Daim.
      Mein Schritt verschnellte sich, ich nahm Tesa sofort alle Ponys ab und kniete mich auf den Boden. Alle drei sahen sie mich neugierig an, schnüffelten an meinen Händen und wieherten lautstark. Vanity und Tiffi schienen sich sofort zu verstehen, ich steckte sie sofort zu Ochrasy auf den Paddock. Und siehe da, die drei schienen sich prächtig zu verstehen!
      Bei Daim wusste ich auch schon einen Weg. Seine Freunde, zumindest seine ersten, sollten ungefähr seine Größe haben. Spirit bot sich da am besten an. Und da der Shettywallach mit Topar auf dem Paddock stand, hatte Daim gleich zwei neue Freunde.

      Nachdem Tesa gegangen war, konnte ich weiter machen mit dem Waschen. Chalil, Cabaniro, Victim und It’s the CSI Girl inklusive Cabal and Love waren ziemlich schnell fertig, auch Vanilla Twilight, Nessaja und Zauberflöte durften nach kurzer Zeit wieder grasen. Und dann kam Nessa. Ohne Jeremy und Joey, wie ich sah, aber dafür mit Anhänger. Sie brauchte Pedi wieder.
      Zusammen mit ihm am Strick kam sie und begrüßte mich erstmal. „Ich bring ihn gleich auf die Weide, wenns recht ist. Und wäre dir Platz auch Recht?“ Sie machte große Kulleraugen und ich zuckte mit den Schultern. „Klar und klar. Ich muss nur noch schnell Calina fertig machen, du kannst dir ruhig nehmen, wen du möchtest“ Ich lächelte und verschwand dann in den Stall. Während ich Calina kurz überputzte, kam Nessa mit Barqui die Stallgasse entlang und putzte auch ihn rasch über, ehe wir beide sattelten und auf den Reitplatz wechselten. Barqui, jetzt ganz ohne Macken, ging unter Nessa erstaunlicherweise sehr gut.
      Sehr lange ritten wir nicht, ließen aber nach der Arbeit die Pferde einzeln freilaufen. Danach sammelten wir sie wieder ein, fütterten noch schnell durch und gingen dann ins Haus, um ein wenig unserer Zweitlieblingsbeschäftigung nachzugehen – dem Essen.
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      [quote name='Toffifee' date='20 February 2011 - 06:23 PM']
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      Unruhig trommelte ich mit den Fingern auf den Schreibtisch. Eddi schrieb mal wieder einen Roman. Dabei war heute so schönes Wetter, ich hätte eigentlich schon bei den Pferden sein wollen. Viel Zeit war nicht, reiten war ausgeschlossen. Vor ein paar Tagen hatte ich mir eine hartnäckige Erkältung geholt. Da heute aber Ochrasy, eine gekörte Welsh A Stute, ankommen sollte, musste ich raus.
      Endlich kam Eddis Antwort. „Lass dich überraschen, ich komm später vorbei“ las ich halblaut, verabschiedete mich etwas genervt und wickelte mir dann einen grasgrünen Wollschal um den Hals. Eine Extrapackung Taschentücher fand in meinen Taschen auch noch Platz, dann konnte ich endlich in die warme Februarsonne treten. Der Zeitplan war eng, als erstes mussten die Pferde auf die Weide. Eli war wie vom Erdboden verschluckt, ihre Pferde grasten aber bereits auf der Wiese.
      Kurz sah ich auf meine Uhr, steckte ein kleines Quadrat für Ochrasy in der Stutenweide ab und sperrte den Weg vom Stall zur Weide mit Flatterband am. Zum Einzeln-Rausführen war die Zeit nicht da, außerdem fand ich es viel schöner, wenn die Pferde über den Hof rannten und dann buckelnd über die Weide tobten. Ich öffnete die Stalltür und dann die Boxentür aller Stuten. Ein wenig zaghaft betrat Paradise Creepin Up The Backstairs die Stallgasse, ging im zackigen Schritt auf die Stalltür zu und blieb an der Schwelle stehen. Ein verstohlener Blick zu mir, dann quietschte sie laut und bretterte los, den Weg zur Weide. Ihr folgte Dahiba und Baghira, wobei meine Rennsemmel beide Schimmel leicht einholte und sie buckelnd über die Weide scheuchte. It’s the CSI Girl trabte den Weg jedoch nur entlang, sie hatte ja ein Fohlen bei sich. Cabal and Love blieb aber an der Schwelle stehen und wieherte seiner Mutter herzzerreißend hinterher. Den Weg betreten? Nö.
      Erst, als Chloe an ihm vorbeitrabte, setzte das Hengstfohlen einen Huf auf den Weg. Und noch einen, bis er mit allen vier Beinen auf dem Hof stand. Einige Sekunden verstrichen, ehe er freudig quietschte und dem Weg folgte, um zur Weide zu preschen. Als letztes trat Calina aus dem Stall, sie wieherte mir freudig zu und blieb sogar am Flatterband stehen, um sich von mir kraulen zu lassen. Mein Kopf stellte die Erkältung in den Hintergrund, Lust zum Reiten überkam mich. Außerdem brauchte Calina unbedingt wieder ein bisschen Training. „Okay, überredet. Später, wenn Rasy da ist, okay?“ flüsterte ich der Stute zu, die freudig nickte, sich umdrehte und im Schritt zur Weide ging. Hinter ihr schloss ich das Gatter und sperrte dann einen Weg zur Hengstweide ab. Die meisten Hengste wussten, was sie machen sollten, und preschten den Weg entlang. Victim, Cabaniro, Spirit, Barquillero Mojito, Libertés Saabhra und Topar waren wesentlich schneller auf der Weide als ihre weiblichen Artgenossen.
      Ich schlenderte über den Hof und sah gerade zu, wie Libertés Vanilla Twilight sich genüsslich wälzte, während ihr Fohlen Libertés Nessaja mit Libertés Zauberflöte spielte. Mein Handy meldete sich, der Alarm. Seufzend steckte ich es wieder ein und lief zum Hänger.

      Der Weg zu LeFays Hof dauerte nicht lange. Ich war hier schon öfters gewesen, da ich früher eine Reitbeteiligung auf Chramisa hatte. Leider wurde ich nur von einem Stallburschen begrüßt, LeFay war anscheinend schon weg. Er erklärte mir, er würde sich um den Verkauf kümmern und führte mich zu Ochrasy. Ich hatte die kleine Stute schon auf Schauen gesehen, aber als sie vor mir stand, war das ein anderes Gefühl. Sie sah mich frech an, der Schalk lag ihr im Nacken. Zusammen mit dem Stallburschen verluden wir die Scheckstute und ich verabschiedete mich.
      Ochrasy, die bereits den Spitznamen Rasy trug, verhielt sich recht ruhig über die Fahrt und wieherte nur einmal, als wir ankamen. Auf der Weide zickte sie ein paar Fohlen an und legte sich dann erschöpft ins Gras.

      Gerade wollte ich die Tür aufschließen und mir einen Tee machen, als mein Handy wieder klingelte. Diesmal war es Eddi. „Mach dein Tor wieder auf, ich bin gleich da“ sagte sie nur, dann ertönte wieder das Freizeichen. Seufzend öffnete ich wieder das Eingangstor und sah schon, wie Eddis Auto auftauchte. Mit Hänger.
      Stöhnend setzte ich mich auf den Zaun und wartete, bis Eddi parkte. Wir begrüßten uns, ehe meine Freundin mich verstohlen angrinste und dann zum Hänger schob. "Überraschung!" trompetete sie und ließ die Rampe hinunter. Wir sahen direkt auf einen gelockten, langen, vollen Schweif und ein dunkles Hinterteil. „Er heißt Chalil und kommt fast direkt aus Südamerika“ sagte Eddi und führte einen wunderschönen, dunklen Hengst aus dem Hänger. Mir blieb die Sprache weg. „Meiner?“ Eddi nickte und drückte mir den Strick von Chalil in die Hand. Er sah mich treudoof an und prustete mir in die Hand. „Perry“ murmelte ich grinsend. Der Hengst erinnerte mich tatsächlich an den großen Schreckensarzt aus der Serie Scrubs, Perry Cox.
      „Wenn du mir was überweist, dann überweis ich dir es zurück. Aber ich muss jetzt auch gehen“ Eddi verabschiedete sich und ließ mich mit Perry alleine. „Na? Wollen wir dich erstmal auf die Weide bringen?“

      Ein Quadrat war schnell abgesteckt und Chalil freundete sich bereits mit den ersten Hengsten an. Ich war durchgefroren und entschuldigte mich kurz bei Calina. „Das nächste Mal – hoch und heilig versprochen.“
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    • Rhapsody
      [quote name='Dressage' date='30 May 2011 - 05:26 PM']
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      __________

      Neuer Tag, neues Glück, dachte ich und stellte mein Navigationssystem ein. Ich hatte heute einen Hufschmiedauftrag bei Toffifee. Ihre Stute, Baghira, sollte neu beschlagen werden. Ich machte mich auf den weg...

      ...Ich fuhr noch nicht lange, da kam ich bei Toffifee an. Es war ein kleiner, gemütlicher Hof, der zum Vorscheinen kam. Trotz der Kleinigkeit hatte er einen schöne, große Wiesen. Ich parkte, wie immer, vor dem Stall und schmiss den Ofen an Mit Hammer bewaffnet ging ich in den Stall. Sie Araber- Mixstute stand schon im Stall und wartete geduldig, ebenso Toffifee. Nachdem ich sie begrüßt hatte und sie mir noch mal etwas von Baghira erzählt hatte ging ich an meine Arbeit. Die Braunschimmel Stute stand still da und hob artig den Huf, als ich sie dazu aufforderte. Ich löste die Nägel und zog, das Hufeisen, vorsichtig vom Huf ab. Nachdem ich dies auch bei den anderen vier Hufeisen gemacht hatte ging ich zu meinem Bulli und schaute nach, ob ich neue Hufeisen fand, die passten. Ich suchte lange und fand dann welche, die passen könnten. Ich nahm sie mit und ging wieder zu der Stute. Sie stand ganz artig und gab wieder den Huf. Leider waren die Eisen etwas zu groß, somit musste ich sie etwas größer machen. Ich ging zum Ofen, nahm meine Zange und legte die vier Eisen in ihn hinein. Nun wartete ich drei Minuten lang ab, damit sie sich aufwärmen konnten. Ich holte sie mit der Zange heraus uns schlug alle vier, nacheinander, auf dem Amboss etwas größer. Nachdem das erste Eisen fertig war ging ich zu der Stute und hielt das glühende Eisen an den Huf. Ich blies den entstehenden Qualm weg und sah, dass die Hufeisen passten. Nun legte ich sie in einen Eimer mit ganz kaltem Wasser, damit sie abkühlen konnten. Nachdem ich sie dort eine Minuten drin hatte nahm ich sie raus und ging wieder zu der Stute. Wieder musste sie ihr bei heben und ich nagelte vorsichtig das Eisen, mit Nägeln und einem Hammer, fest. Nachdem die Nägel durchgeschlagen waren knickte ich sie um und brach die zu langen Enden ab. Nun saß das erste Eisen fest und ich wiederholte es mit den anderen drei Eisen auch. Nun war Baghira fertig und ich packe alle meine Sachen zusammen. „Bitte überweise das Geld auf mein Konto.“, sprach ich zu Toffifee und stieg in mein Auto. Jetzt musst eich weiter fahren.
      __________
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    • Rhapsody
      Kleiner Rundgang im neuen Stall​


      Ein fauler Tag war das heute. Heiß, schwül, zum Faulenzen gemacht. Und das hatten wir heute auch gemacht. Die Pferde und ich.
      Mit ein paar Freunden war ich zu einem Badesee gefahren, hatte da den Tag verbracht und den Pferden eine Auszeit gegeben. Den Nachmittag über waren sie auf den Paddocks geblieben, doch jetzt am Abend sollten sie, zusammen mit den Schulpferden, auf die Weiden kommen.

      Summend bog ich auf den Trampelpfad zum Reitverein Aciano ein, auf dem mein kleines, neues Gestüt Aciano a la salida lag. Meine zwei gepachteten Ställe, einer für die Stuten und einer für die Hengste, lag direkt hinter der Reithalle, zwischen Hof und den 'Berg'weiden.
      Die Sonne versank im Horizont und tauchte den Hof in goldenes Licht. Während ich das Gatter, das verhindern sollte, dass die Pferde, wenn die Stalltür geöffnet war, abhauten. Ich baute es im Sommer früh immer hin und erst, als die Pferde nicht mehr im Stall waren, wurde es wieder aufgeräumt. Bis dahin konnte man es wie ein Weidengatter auf und zu machen.
      Als erstes würden die Stuten auf die Bergweide, die auf einer riesigen, natürlichen Lichtung im Wald hinter beziehungsweise über dem Gestüt lag, kommen. Schulpferde wurden bereits vorbeigeführt, als ich Vanilla Twilight aufhalfterte und sie zusammen mit ihrem Fohlen Vendetta aus dem Stall führte. Das kleine Fohlen war seiner Mutter ziemlich ähnlich, auch vom Charakter her. Als Fohlen ein wenig scheu, jedoch aktiv und übermütig. So rannte es auch vorneweg als ich den Waldweg nach oben lief. Vanilla lief ruhig neben mir, schnaubte ab und zu und begrüßte Freunde von den Vereinspferden. Der Marsch zur Weide war nicht sehr lang, die Hengstweide lag weiter oben.
      Drei kleine Pferde waren als nächstes dran; Spirit, Picasso und Chiada. Chiada und Picasso waren meine neusten Neuzugänge, ein Isländerhengstfohlen und ein Shetlandmixstutfohlen. Zusammen mit meinem kleinen Liebling Spirit folgten sie mir tapfer durch den dunklen, gefährlichen Wald und legten sich sofort ins Gras. Chiada sah man gar nicht mehr.
      Zusammen mit Siana und seiner besten Freundin und Halbtante Chloe sprang Cabal and Love voraus. Neugierig zog er ans Unterholz, schnupperte hier und da und blieb öfters einfach stehen. Dass ich ihm am Halfter führte und noch zwei andere Pferde dabei hatte, das interessierte ihn nicht. Nur mit viel Überzeugungskraft kamen wir voran.

      Durch Kabels Aktion hatte ich ziemlich viel Zeit verloren, die Sonne war schon kaum mehr zu sehen und vor Einbruch der Dunkelheit wollte ich alle Pferde auf den Weiden haben. Der nächste und letzte Schwung Stuten musste irgendwie zusammen gehen. Brenda, meine neue Trakehnerzicke, dackelte ein wenig hinten her, was mir aber auch ziemlich recht war, da sie sonst die anderen – Paradise Creepin' Up The Backstairs, Calina und Baghira – wieder belästigen würde. Brenda war aber noch ziemlich neu und musste sich erst den Platz in der Herde erkämpfen.
      Die Hengste musste ich bis auf ein paar Ausnahmen alleine führen. Aber eine halbe Stunde später grasten Chalil, Cabaniro, Phil's Filou und Prejudice in den allerallerallerletzten Sonnenstrahlen. Und ich war fertig.
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  • Album:
    9 | Gnadenweide
    Hochgeladen von:
    Rhapsody
    Datum:
    18 Aug. 2011
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  • Name: Baghira
    Rasse: Arabisches Vollblut - Polnisches Warmblut - Hannoveraner
    Alter: 7 Jahre
    geboren: Privathof; in Deutschland
    Geschlecht: Stute
    Stockmaß: 168 cm

    von: Big Bang
    von: Broils Best
    aus der: Curryless Girlfriend


    aus der: Collaboration For Rainy Days
    von: Curry is the best spice for bad boys
    aus der: Find your Dreams deep in your soul


    Fellfarbe: Braunschimmel
    Langhaarfarbe: grau | graubraun
    Abzeichen: Blesse | hinten rechts: weiße Fessel
    Augenfarbe: braun | braun

    Erfolge: - -

    Dressur E; Springen E; Military E; Distanz E; Western E; Galopp E

    halfterführig; schmiedefromm; eingeritten; verladefromm

    Charakter | Beschreibung: Baghira erscheint einem sehr zutraulich und verschmust. In der Herde erkämpft sie sich jedoch einen ziemlich hohen Rang und ist gegenüber anderen Pferden oft ziemlich zickig. Ihre besten Freunde findet sie unter Artgenossen, sowie auch unter Menschen. Manche Pferde fürchten sie, manche legen sich mit ihr an, und manche ignorieren die Stute einfach. Baghira geht meistens selbst auf die Pferde zu, mit denen sie Freundschaft schließen will. | Diese Stute hat ziemlich Feuer unterm Hintern. Ihr Kosename ist daher auch Rennsemmel. Baghira ist noch jung und wird im Moment mit Wiener Zügel geritten, da sie sonst den Kopf hochreißt.
    Ihre Gangarten sind jedoch erstaunlicherweise weich und gut auszusitzen. Sie hört schon auf feinste Paraden, obwohl das Durchparieren noch ziemlich hapert. Im Gelände geht diese junge Stute ziemlich ab.
    Für Anfänger ist diese Stute jedoch auch etwas, da sie an der Longe erstaunlich ruhig geht und noch nie ernsthaft Probleme auf dem Reitplatz oder in der Reithalle gemacht hat.
    Sie hat großes Potenzial zum Dressurpferd, da ihre Mutter Collaboration for Rainy Days bereits Klasse S* gegangen war. Von ihrem Vater Big Bang bekam sie das Sprungtalent, das jedoch noch richtig gefördert werden muss. Im Moment springt sie noch ziemlich unkoordiniert über die Hindernisse, Hauptsache, sie ist drüber.
    Baghira liebt Ausritte im Sonnenuntergang oder am Meer. Sie liebt es, in der Brandung loszufetzen, alles hinter sich zu lassen. Sie braucht viel Bewegung und Beschäftigung. Es muss nicht immer Reiten sein sie braucht nur etwas zum Beschäftigen. [-7jährig-]

    Ersteller: Cama | Besitzer: Toffifee | Reitbeteiligung: - -