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Samarti

Azrael, DRP

*2007, im Besitz seit dem 03. April 2015

Azrael, DRP
Samarti, 21 Juli 2015
Elii gefällt das.
    • Samarti
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      April, April!
      04. April 2015 - von Gwen
      Schon den ganzen Morgen rannte ich mit einem fetten Grinsen im Gesicht herum. Seit gestern Abend stand ein neuer Vierbeiner bei uns im Stall, aber nur zwischenzeitlich. Heute sollte er nämlich umziehen, zu Elisa. Fröhlich frühstückte ich und kümmerte mich dann um die Stallarbeit. Danach holte ich den neuen Hengst aus seiner Box und band ihn in der Stallgasse an. Gründlich begann ich ihn zu putzen. Erst mit einem groben Striegel einmal komplett drüber, danach mit unterschiedlichsten Bürste erst der Körper, dann die Beine und dann das Langhaar.
      Danach ging es mit einem weichen Lammfell über den Kopf und nochmal komplett über seinen Körper. „Oh er ist so hübsch! Können wir ihn nicht behalten!“, seufzte Kathy traurig, welche sich daran machte, dem Hengst die Hufe schön zu machen, während ich ihm bereits die schwarz-goldene Abschwitzdecke überwarf. Lachend schüttelte ich den Kopf. „Ich glaube Azrael wird es bei Elisa perfekt gehen“, meinte ich grinsend und tauschte das Lederhalfter gegen die Trense. Dann musste Azreal warten, was für ihn aber nicht sonderlich schlimm war, da Kathy ihn die gesamte Zeit betüddelte. Ich putzte und sattelte derweil fix Altair.
      Der sah neben dem schlanken Fuchs wie ein kleines dickes Pony aus. „Aber ich hab dich trotzdem lieb“, meinte ich lachend und umarmte ihn kurz. Dann führten wir die beiden Hengste aus dem Stall, ich schwang mich in Altairs Sattel und Kathy reichte mir Az‘ Führzügel. „Viel Spaß!“, rief sie uns noch zu und dann war sie auch schon außer Sichtweite und wir mitten im Wald. Az lief problemlos neben uns her und gebärdete sich keineswegs, aber das würde noch früh genug kommen, sobald er die Stuten von Elisa erspüren würde. Und so war es dann auch, als wir die Geländestrecke erreicht hatten und wie Weiden in Sichtweite kamen, wurde Az zunehmend aufgeregter und tänzelte neben mir her.
      Ich klingelte Elisa kurz an und bat sie, mir bei einem Problempferdchen zur Hand zu gehen. Sie war natürlich direkt absolut genervt und sah gar nicht ein, sich noch einen Chaoten in den Stall zu stellen. „Sicher, dass du diesen Wunderschönen nicht in deinem Stall stehen haben willst?“, fragte ich sie lachend, als wir vor dem Stall anhielten. Ungläubig starrte Elisa den Fuchshengst an, welcher aufgeregt den Hals gewölbt hatte und dadurch nur noch stattlicher wirkte. „Woah! Der ist ja toll!“, begann sie zu schwärmen. „Tja, April, April!“, meinte ich lachend und erhielt daraufhin direkt einen genervten Blick von Matthew, der gerade von dem Geländetraining kam.
      Er saß auf der hellen Teddy und ehe ich ihn vor Az‘ Hengstigkeit warnen konnte, passierte es beinahe: Az sah Teddy und drehte total auf, er konnte es anscheinend gar nicht fassen so eine schicke Dame zu sehen. Schnell reichte ich Elisa den Führstrick und schwang mich aus den Sattel, um Az an der Trense zu packen, während Matthew von Teddy abstieg und diese davon führte. „Mal sehen, was ich mir von ihm noch anhören darf“, murmelte ich leicht verächtlich und blickte Matthew nach. Momentan war er immer so ein Miesepeter!
      „Was ist eigentlich aus dem immer gut gelaunten Matthew geworden?“, fragte ich Elisa, welche daraufhin nur die Schultern zuckte, sie war vollkommen verzückt von Azrael und gerade nicht ansprechbar. Der Hengst bekam direkt die Box ganz vorne im Stall, wo er alles im Blick hatte und wurde die nächste halbe Stunde ausgiebig betüddelt. „Ich dachte, dass wir vielleicht auch noch einmal auf die Geländestrecke gehen?“, fragte ich Elisa und riss sie so aus ihren Gedanken. Verwirrt blickte sie auf und nickte dann. „Ja ja, klar!“, meinte sie und machte geschwind Levi fertig, so dass wir dann mit unseren beiden Hengsten ins Gelände konnten.
      Gerade hatten wir auch Glück mit dem Wetter, es war zwar grau und bewölkt, aber wenigstens regnete es nicht! Und ab und an schien sogar die Sonne! Dementsprechend wählten wir heute die mittlere Geländestrecke und bewältigten diese relativ gut, obwohl der Boden aufgeweichter war als gedacht und wir mit mehr Bedacht und Vorsicht reiten mussten. Dann trennten sich auch schon unsere Wege, Elisa ritt zurück zum Stall, um weiter Azrael anzuschmachten und ich machte mich zufrieden auf den Heimweg.
    • Samarti
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      Hufschmiedbesuch
      26. April 2015 - von Rhapsody
      Mein erster Auftrag brachte mich, wer hätte das gedacht, gerade einmal über die Straße.

      „Weltweit!“ murmelte ich als ich durch das Stalltor von Elisas Hengsttrakt ging. „Weltweite Hufschmiede und ich muss in Kanada bleiben.“ Wieso nicht Spanien? Oder Griechenland? Oder Deutschland? Wenigstens irgendwo, wo es nicht so windig war wie hier. Und läppische 16°C – da war ich vom April ganz anderes gewohnt.

      Aber naja, das war nun wohl mein erster Auftrag und ich konnte ja kaum absagen. Glücklicherweise war es nur für Barhufer – mein nagelneuer Transporter mit transportablem Ofen wartete also nach wie vor auf seinen ersten Einsatz. Das Huffett, die Raspel und meine anderen Geräte hatte ich alle in einer schicken, alt aussehenden Ledertasche, die Schürze war locker über meinen Arm gehängt. Ich war fertig.
      Nur … war kein Mensch hier.
      Ich rief nach Elisa, Matthew, Joline, sogar nach Charles – aber ich bekam keine Antwort. Eines der Pferde, die ich heute behandeln sollte, war Unbridled Dreams – oder Dajun – den ich schon kannte; schließlich hatte ich ein paar Mal babysitten müssen. Doch als ich an seine Box trat war da auf einmal kein kleines süßes Fohlen mehr, sondern ein halbwüchsiger Hengst. Die Mähne legte sich langsam und allgemein schien es, als würde es nur noch ein paar Monate dauern, bis er nichts mehr von dem liebevollen Baby hatte.
      Da Elisa oder irgendjemand anderes immer noch nicht aufgetaucht war, legte ich kurzerhand meine Tasche und Schürze ab, führte Dajun auf die Stallgasse und band ihn dort an. Das würde mir Elisa bestimmt nicht übel nehmen. Überraschend für einen so jungen Hengst war, dass Dajun kein einziges Mal den Huf zurückzog – er ließ das Ausschneiden und Abraspeln der vier Hufe einfach so über sich ergehen. Vielleicht hoffte er auf Leckerlis für gutes Verhalten, immerhin musste ich für ihn ja die Leckerli-Tante sein.

      Als ich zufrieden war, holte ich mein neues Huffett aus der Tasche und pinselte dem Hengst die Hufe ein, damit sie auch weiterhin gesund blieben.

      Gerade, als Dajun zurück in der Box stand und ich mich nach Azraels Box umgucken wollte, hörte ich, wie jemand meinen Namen rief. Und endlich, da stand Elisa in der Stallgasse mit einem entschuldigenden Lächeln auf den Lippen.
      „Ich hätte nicht gedacht, dass du so früh kommst!“ rechtfertigte sie sich und zeigte mir schließlich Azrael.

      Der hübsche Fuchs war erst vor wenigen Wochen auf ihr Gestüt gekommen, aber natürlich in aller Munde. Nicht nur war er ein wunderschöner Fuchs, er war schon ziemlich bekannt in der Springszene und als ich ihn das erste Mal gesehen hatte, kam er mir sofort bekannt vor – ich war schon gegen ihn gestartet.
      Als Elisa den Hengst auf die Stallgasse führte, erklärte sie mir, dass er ein totaler Charmeur war. Das bekam ich auch sofort selbst zu spüren. Es schien fast, als plusterte er sich auf, sobald ich einen Schritt in seine Richtung tat. Azrael spitzte die Ohren und sah mich neugierig an. „Na du?“ begrüßte ich ihn und bot ihm ein Leckerli an. Dann ging es an die Arbeit.

      Nach einer ausgiebigen Kontrolle der Hufe begann ich mit dem Raspeln und Ausschneiden der Hufe. Diesmal hatte ich Elisa, die ich als Helfer beauftragen konnte, und so sparten wir ein paar Minuten ein. Als der Tragrand meinen Wünschen entsprach, feilte ich die Sohle noch etwas glatt, ehe es an das Einpinseln galt.

      Und danach, weil ich natürlich keine Zimmer streichen musste, ließ ich mich von Elisa überreden, eine Tasse Tee (aus der dann zwei Kannen wurden) zu trinken. Die Zimmer mussten warten.
    • Samarti
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      Sterben, die Erste
      21. Mai 2015 - von Gwen
      Eigentlich war ich total müde, wiederum konnte ich aber auch einfach nicht mehr einschlafen. Also erhob ich mich grummelnden Hauptes aus dem Bett und schlürfte ins Bad. Das Wasser im Gesicht machte es leider nicht besser und beim Zähneputzen schließ ich beinahe wieder ein. Nachdem dann auch noch der dritte Versuch, einfach einen ordentlichen und nicht verfixten Zopf hinzubekommen, scheiterte, ließ ich die Haare einfach offen und ging noch übel gelaunter hinunter in die Küche.
      Dort empfing mich eine wie immer fröhliche und bereits hellwache Mutter, die aber wenigstens so vorausschauend gehandelt und mir einen Latte Macchiato gemacht hatte. Ich gab noch meine gewohnte Ladung Zimt und Zucker dran, ehe ich ihn schlürfend trank und mir natürlich direkt die Zunge verbrannte. „Der Tag kann nur noch schöner werden!“, meinte ich seufzend. „Oh ja! Elisa hat vorhin angerufen, sie will heute vorbeikommen“, meinte Mama lächelnd, während mir die Kinnlade herunterklappte. Ich hoffte ja inständig, dass Elisa ihre Drohung vom letzten Mal nicht wahr machen würde.
      Dennoch verschwendete ich keinen weiteren Gedanken an sie und machte mich stattdessen an die Stallarbeit, denn die Pferde wollten gefüttert werden. Meine Vierbeiner warteten schon ungeduldig und vor allem Avenger ließ heute den Chaoten heraushängen. So ein Theater hatte er schon lange nicht mehr gemacht, also entschied ich, ihn nach dem Frühstück direkt einmal ein wenig zu arbeiten, nämlich in den Grundlagen Benehmen und Respektieren.
      Während ich kurz darauf tatsächlich mit Avenger auf dem Platz arbeitete, kam Elisa um die Ecke gejoggt und ließ meinen Albtraum wahr werden. „Dein Ernst?“, seufzte ich traurig. „Jap. Und einen Personal-Trainer habe ich auch mitgebracht!“, meinte sie stolz, während es in meinem Kopf Nein bitte nicht! Nein bitte nicht!,tönte. Das war leider umsonst. Zwei Sekunden später knackte es am Waldrand und Matthew kam auf Az herausgeritten. „Na toll“, entfuhr es mir nur noch, ehe ich mich am liebsten irgendwo verkrochen hätte.

      Nachdem mir Elisa Avengers Strick aus der Hand gerissen, seinen Blick war bemerkenswert, und mich gezwungen hatte, mich umzuziehen. Musste ich im Ernst mit Joggen. Avenger und Elisa hatten sich sehr schnell „angefreundet“. Er hatte versucht sie erst zu zwicken und sich dann loszureißen, dementsprechend wurde er jetzt verdonnert, als Handpferd mitzukommen und selber Sport zu machen. Das dabei Matthew die meiste Arbeit hatte, kam Elisa ganz recht, so konnte man Erziehungsmaßnahmen am besten durchsetzen!
      Anfangs ging es tatsächlich so, dass Matthew und Az angenehm trabten und wir nebenherliefen. Dabei sah Matthew wie ein richtiger Profi aus, während er seine Stoppuhr in der Hand hielt. Doch irgendwann gaben wir nach und zu unserem Glück auch Avenger. Der hatte schon bald keinen Bock mehr, brav neben Az herzulaufen und sich von Matthew alles gefallen zu lassen und gönnte uns das ein oder andere Mal eine Gehpause.
      Lange ließ das Matthew leider nicht mit sich machen und dann waren sowohl die Vierbeiner als auch die Zweibeiner dran. Als wir endlich die Strecke geschafft hatten, fühlte ich mich tot. Am liebsten hätte ich mich hingeworfen und verbuddelt. Meine Oberschenkel brannten, meine Waden krampften und Seitenstechen hatte ich natürlich auch. Elisa sah nicht ganz so übel zugerichtet aus, glücklich war sie aber auch nicht wirklich. Nur Matthew, der grinste zufrieden. Dafür hätte ich ihm am liebsten direkt eine reingehauen.

      Zum Glück war Mama wie immer Hellseherin und begrüßte uns mit kühler Zitronenlimonade mit Eiswürfeln (!) auf der Terrasse. Während Elisa und ich uns ausruhten, durfte sich Matthew um die Hengste kümmern, das konnte man schon einmal von ihm verlangen, nachdem er uns so gequält und misshandelt hatte.
      „In drei Tagen noch einmal!“, meinte Elisa begeistert, die sich bereits erholt hatte und grinste mich fröhlich an. Oh Gott.
    • Samarti
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      Springen E-A
      29. Mai 2015
      Missmutig stapfte ich über den Hof.
      Nicht nur, dass ich meinen Wecker überhört hatte; nein, mir wurde als „Strafe“ heute Azraels Springtraining aufgehalst, denn Matthew hatte wohl keine Zeit (was bei ihm wohl ein Synonym für Bock war). Okay, gut, ich hatte länger schlafen können. Aber das war es dann auch schon wieder.
      „Eliiisa!“
      „Lass mich in Ruhe“, grummelte ich genervt und hielt Jojo meine rechte Hand hin. „Sprich mit der Hand.“
      „Okay, hallo Hand! Also, Hand, ich wollte dich nur fragen, ob du Elisa ausrichten könntest, dass ich Newt schon einmal hergebracht habe, der soll ja in Dressur trainiert werden. Danke!“ Mit einem gespielt übertriebenen Luftkuss in Richtung meiner Hand verabschiedete sich Jojo, zwinkerte sogar noch in dieselbe Richtung und machte dann auf dem Absatz kehrt, um mal wieder Vendetta zu besuchen.
      Verdattert blickte ich meine Hand an, die mit ihren Augen auch meine suchte. „Lass dir das nicht gefallen“, ermahnte ich sie und wedelte mit dem Zeigefinger der anderen Hand vor der rechten herum.
      „Keine Sorge, ich werde ihr nicht zur Hand gehen!“, erhielt ich nur als Antwort, allerdings hatte meine Hand gar nicht gesprochen, denn Matthew grinste mich schelmisch an.
      „Haha, ha. Witzig. Jetzt geh, ich hab ein Pferd zu trainieren!“ Mit bitterbösem Blick starrte ich zu Matthew hoch und schüttelte den Kopf, sodass mir mein Zopf ins Gesicht flog und ich mich selbst schlug. Schnellen Schrittes lief ich in den Stall, verbarg mein breites Grinsen somit vor den neugierigen Augen Matthews und machte mich daran, mir Azrael für das heutige Springtraining vorzubereiten.

      „Määääääääääh“, machte ich gereizt, als ich sah, dass die Hindernisse auf dem Parcours noch nicht einmal auf die richtige Höhe eingestellt worden waren. Im nächsten Moment hielt ich mir die Hand vor den Mund, denn dass ich das laut und langgezogen gesagt hatte, würde mich noch bis an mein Lebensende mit dem Spitznamen „Schäfchen“ verfolgen – wenn es denn jemand gehört hätte. Und ich hoffte inständig, dass dies definitiv nicht der Fall war, auch, wenn ich momentan in meiner Nähe eh keine anderen Personen ausmachen konnte.
      „Na gut, dann wollen wir mal“, seufzte ich schließlich ergeben und bedeutete Azrael, mit mir mitzukommen, denn jetzt würden wir erst einmal durch den Sand stapfen und die Sprünge auf E- und A-Niveau einstellen dürfen. Spaß klang anders, denn ich hatte jetzt schon keinen Bock mehr auf diesen doofen, doofen Tag und freute mich höllisch darauf, heute Abend nur noch in mein Bett zu fallen (obwohl ich das ja vor nicht allzu langer Zeit erst verlassen hatte).
      Irgendwann standen die Sprünge jedoch und ich sah zufrieden den Parcours an. Sah gar nicht mal so schlecht dafür aus, dass ich unmotiviert war.
      Azrael brummelte neben mir und stupste mich mit dem breiten Kopf an. „Ist ja gut, wir legen ja jetzt los!“
      Nachdem der Hengst sich aufgewärmt hatte, begannen wir auch gleich mit den niedrigeren Sprüngen, die noch auf E-Niveau eingestellt worden waren. Das bedeutete in dem Fall: alles, was nicht sonderlich niedrig, aber niedriger als 90 Zentimeter war – oder nicht sonderlich schmal, aber schmaler als 85 Zentimeter.
      Da es ja nicht das erste Training für Az war, sondern er schon fleißig mit Matthew geübt hatte, alles zu überspringen, was nicht weglaufen konnte (okay, wer weiß, ob irgendwelchen Gegenständen hier nicht auch noch Beine wachsen würden, wenn die die zwei in näherer Zukunft auf sich zukommen sahen), waren auch die Höhen und Weiten der Klasse E allem Anschein nach keine sonderlich große Herausforderung für den roten Hengst.
      Die A-Sprünge, die eine Höhe von 90 bis 110 Zentimetern und eine Weite von 85 bis 125 Zentimetern aufweisen konnten, hatten wir dann schon bald erreicht. Und auch, wenn Azrael die Beine ab und zu etwas zu stark heranzog und somit viel zu viel Luft zwischen sich und der obersten Stange ließ, merkte man doch, dass es ihm beinahe schon zu viel Spaß machte, hier so ganz fleißig mir nichts, dir nichts über die Hindernisse zu hüpfen, als wäre es nichts.
      Auch sprang er zwar hin und wieder zu früh oder zu spät ab oder koordinierte seine Beine nicht so ganz, trotzdem sprang er mit einer guten Bascule über jedes Hindernis und wölbte seinen Rücken schön auf, wofür ich ihn immer wieder lobte – und das merkte er sich.
      Azrael war ein Pferd, welches es sich immer, immer, immer ins Gedächtnis rief, was es zu beachten galt, wenn er eine größere Belohnung erwarten wollte. Genau das machte ihn zu einem hervorragenden Lerner, denn immer, wenn er etwas richtig machte und das erstrebte Lob erhielt, so stachelte ihn dies an, nur noch besser zu werden; nur noch mehr erreichen zu wollen. Und das erleichterte das Training total und stellte keine zusätzliche Belastung dar, wofür ich Az ausgesprochen dankbar war, denn sonderlich geduldig war ich nicht, obwohl mich das Reiten schon wieder etwas auf den Boden gebracht und beruhigt hatte.

      Am Abend stand ich grinsend vor Matthew, stolz wie Oskar, strahlend wie ein Honigkuchenpferd: „Tja, siehst du mal, was nur ein einziger Trainingstag mit der tollen Elisa ausmacht! Spring Azrael in ein, zwei Tagen nochmal und du wirst merken, dass ich ja doch die Bessere von uns beiden bin, haha!“
      „Ich will auch gar nicht die Bessere von uns beiden sein. Ich bin kein Mädchen, schon vergessen, Schäfchen?“, schmunzelte er und zwinkerte mir zu, was mich ein wenig … verstörte.
      Da er allerdings schon wieder verschwunden war, konnte ich ihm nichts mehr an den Kopf werfen, schlurfte also nur noch in mein Zimmer, ließ mich mit dem Gesicht zuerst auf mein Bett fallen, sodass mein Kopf total eingedrückt und eingequetscht aussehen musste, und murmelte nur noch irgendein unverständliches Zeug, was ich im Nachhinein selbst nicht mehr beisammen kriege, also kann es gar nicht so wichtig gewesen sein.
    • Samarti
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      Military E-A
      01. Juni 2015
      Unruhig tänzelte Azrael unter dem Sattel herum, als wir an der Weide der Stuten entlang ritten. Es war für ihn mal Zeit, endlich auf die Geländestrecke zu kommen – dazu mussten wir uns aber dem Übel stellen und das Risiko eingehen, dass der Fuchs ein wenig aufgeregt und hektisch seine kleinen Tritte machte.
      Irgendwann hatten wir den Weg allerdings hinter uns gebracht und es bis zur Geländestrecke geschafft. Obwohl die Strecke, die wir bisher zurückgelegt hatten, gar nicht einmal so lang war, hatten wir lange genug dafür gebraucht und Azrael war schon aufgewärmt genug, sodass wir einfach nur noch knappe fünf Minuten etwas Aufwärmübungen machten, bevor es an das eigentliche Training ging.
      Es war die erste Trainingseinheit für Azrael, und so war es nun besonders von Bedeutung, ihn langsam und gewissenhaft an die neuen, unbekannten Sprünge heranzuführen, denn im Gegenteil zu den Sprüngen in der Halle waren diese nun einmal standhaft, man konnte sie nicht direkt reißen und es gab keine Stangen, die auf den Boden fielen; stattdessen waren diese einfach stabiler, fester und sehr viel unauffälliger als die bunten, bemalten Hindernisse im Springparcours.
      Die ersten paar Sprünge waren die „Hochsprünge“ im Gelände: Stapel von Baumstämmen, Mauern, Strohballen und ähnliches, was einfach in die Höhe ragte. Bei den Strohballen versuchte Azrael ernsthaft, diese anzuknabbern! Die Höhe eines Sprungs durfte in einem A-Geländeritt einen Meter betragen, demnach zwar nichts Neues für Azrael, dennoch war er eben jene Hindernisse nicht gewohnt.
      Daraufhin ging es an die weiteren Sprünge und vor allem auch die Wassergräben. Denn die durften ganze zwei Meter weit sein, die „normaleren“ Sprünge nur bis zu 1,80 Metern, also ganze zwanzig Zentimeter weniger – und das machte einen Unterschied!
      Auch die Tiefsprünge waren neu für Azrael, dennoch machte ihm das nicht sonderlich viel aus, „nach unten“ zu springen. Auch, wenn das ganze 1,20 Meter waren (solche Sprünge überwanden wir jedoch erst zum Schluss), trat er tapfer heran und zeigte immer wieder, was für Talent in ihm steckte, wenn er die Sprünge einwandfrei hinter sich brachte.

      Azrael war wirklich tapfer, mutig und unerschrocken; ständig demonstrierte er, wie kraftvoll er war und vor allem, wie viel Potential man da noch ausschöpfen konnte. Er bewies immer wieder Mut, indem er sich von Unbekanntem nicht abschrecken ließ, sondern es einfach probierte, statt lange darüber nachzudenken und sich den Kopf darüber zu zerbrechen, was ihm passieren könnte. Da war es wirklich angenehm, ein Pferd unter sich zu haben, das nicht ganz so ängstlich und ein „Kopfmensch“ war, Azrael handelte und sprang einfach nach Gefühl.
      Dementsprechend hatten wir es nach nur wenigen Wochen bereits geschafft, ihn auf einen Geländeritt der Klasse A so weit vorzubereiten, dass ich ihn höher stufen konnte.
    • Samarti
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      Auswärtstraining
      23. Juni 2015 - von Gwen
      Früh aufstehen war definitiv nicht meins. Es war kalt, ich war müde und wollte zurück in mein Bett. Aber nein, stattdessen musste ich sogar schon in meine Reitsachen schlüpfen, was essen und dann die Pferde fertig machen. Heute ging es nämlich zu einem Auswärtstraining. Also zu einem richtigen, nicht nur zu Elisa. Die Idee stammte aber von Elisa, aber die war um die Zeit wahrscheinlich auch wacher als ich.
      Als Pferd nahm ich Wishing Well mit und Ahyoka, aber die sollte einfach nur mal Hänger fahren und einen anderen Hof sehen, damit sie sich daran gewöhnte, dass die Welt größer war als nur unsere Ranch. Unmotiviert packte ich den Hänger und putzte dann erst Wish und dann die Fuchsstute. Beide wurden sicher verpackt und dann fuhren wir auch schon los.
      Es ging auf die Tumbleweeds Ranch und die lag gute drei Stunden Autofahrt entfernt. Dort fand heute ein Kurs im Gelände statt und ein anderer Parcours wäre sicherlich einmal interessant. Deshalb hatten wir aber auch schon um fünf aufstehen müssen, damit wir dann kurz nach neun Uhr auf der Ranch ankamen.
      Dort trafen wir auch auf Elisa und Matthew, die bereits ihre Pferde aus dem Hänger geholt hatten und sie fertig machten. Avanti wirkte ein wenig gehetzt, während Azrael entspannt da stand und sich von keinem Geräusch stören ließ. Da glich er Wish, den interessierte das Ganze auch recht wenig.
      Ahyoka dagegen war total gestresst und überglücklich, als sie sicher in ihrem Paddock stand und ein Heunetz zu ihrer Verfügung hatte. „Oh Gott und die willst du behalten?“, fragte Matthew mit hochgezogener Augenbraue, entlockte mir aber nur ein genervtes Seufzen.
      Ehrlich gesagt hatte ich schon überlegt, ob ich Ahyoka wieder abgab. Inzwischen hatte sie sich ganz gut gemacht, aber sie passte einfach weder zu mir, noch zur Ranch, was sollte sie also bei uns?
      Elisa grinste die ganze Zeit wie ein bekifftes Eichhörnchen und schwang sich dann hochmotiviert auf Az. Der Grund ihres Grinsens wurde mir spätestens dann klar, als ich in die Richtung schaute, in welche sie schaute: Sie hatte unseren Trainer entdeckt und der war definitiv nicht schlecht aussehend. Noch ein Pluspunkt? Er saß auf einem großen Palomino, der definitiv ein Reitpony war.
      Matthew ließ sich nichts anmerken, sondern schwang sich nur schweigend in den Sattel, um sich gemeinsam mit uns aufzuwärmen. Elisa grinste immer noch, bis ich sie warnend in die Seite boxte. „Reiß‘ dich zusammen“, meinte ich lachend, tat es ihr aber gleich, ab und an durfte man ruhig mal Mädchen sein und wenn man damit auch noch Matthew ärgern konnte, war das doch direkt das richtige.
      Das Training war übrigens sehr aufschlussreich für alle Beteiligten. Elisa gab ihr Grinsen auf, als Matthew ihr fröhlich erzählte, dass der Typ schwul war. Das kam spätestens auch heraus, als wir seinen Co-Trainer (und Freund) kennenlernen durften. „Beide gutaussehend, beide schwul, war ja klar“, meinte ich kopfschüttelnd und bekam einen vorwurfsvollen Blick von Matthew. „Soll das etwa heißen, dass nur Schwule gutaussehend sind?“, brüskierte er sich.
      „Na ja, also Az ist auch nicht schwul und verdammt heiß“, meinte Elisa grinsend und warf sich ihrem Hengst an den Hals. Grinsend ritt ich Wish ab und dann machten wir uns auch schon daran, die Pferde wieder zu verladen. Einiges hatten wir auch reittechnisch mitnehmen können, aber irgendwie sah ich immer noch nicht ganz den Sinn darin, dafür 6 Stunden Fahrt auf mich zu nehmen, aber vielleicht hatte Elisa auch einfach nur Matthew ärgern wollen. Ja, ich glaube das war es gewesen.
    • Samarti
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      Vielversprechende Enttäuschungen
      12. Juli 2015
      „OH MEIN GOTT! ELISA! LAUERST DU MIR AUF?!“ Gwens Geschreie war kaum viel mehr als ein kehliges Quieken, weshalb sie sich gleich einen Schlag in den Nacken von Elena einfing.
      „Nein, aber ich sehe das doch, wenn du auf meinen Ho-“
      Elena unterbrach mich: „Sie lauert dir auf.“
      Mit den Augen rollend brachte ich nur ein gemurmeltes „Jaja“ heraus und drückte dann beiden Frauen jeweils ein Halfter in die Hand. Das eine schwarz, das andere dunkelbraun.
      „Wessen sind das?“, fragte Elena argwöhnisch und betrachtete das schwarze Halfter in ihrer Hand genauestens. „Sacramentos“, ich deutete auf das in Elenas Hand, „und Azraels.“ Diesmal zeigte meine Hand auf das Halfter, welches Gwen sich über die Schulter geworfen hatte. „Und das hier, weil ihr fragt, ist Avantis.“ Demonstrant hielt ich das gelbe Halfter in die Höhe.
      „Haha, ihr werdet genötigt!“, unterbrach Jojo meine Showeinlage, die in dem Moment mit Pacco (oder wie sie ihn noch immer hartnäckig nannte: Pax) daherlief und mich provokant ansah. „Elisa, du solltest doch was mit dem armen Pac-, äh, Pax machen! Der ist so einsam, jetzt musste ich was mit dem machen!“
      „Jojo, es ist dein Fohlen“, entgegnete ich, verdrehte die Augen und stemmte die Hände in die Hüften.
      „Ja, ja. Bla, bla, blaaaaaa“, machte Jojo nur und streckte mir die Zunge raus. „Wir gehen jetzt spazieren. Tschüss! Leb mit deinem schlechten Gewissen!“ Schon war sie wieder von der Bildfläche verschwunden.
      „Und wir hier“, nun deutete ich erst auf Elena, dann auf Gwen und schließlich auf mich, „gehen jetzt ausreiten!“

      Meine drei Hengste hatten wir bald von der Weide geholt, auf der sie zuvor gestanden hatten. Sacramento war direkt auf uns zugekommen und hatte seinen Kopf sogar schon in das Halfter in meiner Hand stecken wollen, also hatte Eli ihn erst davon überzeugen müssen, seine Nase in das in ihrer Hand zu stecken.
      Azrael war zwar nicht davon begeistert, jetzt dieses Ding über den Kopf gestreift zu kriegen, dennoch blieb er auf der Stelle stehen und ließ es ohne zu murren über sich ergehen.
      Avanti hingegen machte sich einen Spaß daraus, vor mir wegzulaufen, dann stehen zu bleiben, auf mich zu warten, und schließlich wieder auf dem Absatz kehrt zu machen. Immer wieder drehte er sich vor mir, galoppierte mit hoch erhobenem Schweif wieder einige Meter weit weg und spielte dieses Spiel eine gefühlte Ewigkeit mit mir. Elena und Gwen, die ihre Hengste inzwischen schon aufgehalftert und neben sich stehen hatten, lachten mich lauthals aus, feuerten Avanti noch mit einem ironischen „Vorwärts, Avanti, vorwärts!“ an und schienen das Schauspiel köstlich zu genießen.

      „Ich hab heute Morgen mal in meiner Steam Bibliothek geguckt und irgendwie … habe ich da ein Survival Game mit Haien drin? Ich weiß nicht, wieso, aber … es ist mit Haien! Und es heißt Depth. Kennt ihr das?“, plapperte ich munter drauf los, während wir auf den Rücken der drei Reitponyhengste saßen und durch die kanadischen Wälder streiften. Wir waren bereits eine knappe halbe Stunde unterwegs und hatten dennoch noch nicht viel zu sehen gekriegt. Irgendwie verkrochen sich die Waldbewohner momentan und versteckten sich vor uns. Aber gut, bei 18 Beinen würde ich das wahrscheinlich auch tun. Und in dem Moment überkam mich die Vorstellung eines Tausendfüßers – angeekelt schüttelte ich mich, erntete deshalb verwunderte Blicke und zuckte nur mit den Schultern. „Was?“, fuhr ich die beiden anderen Reiterinnen an und wandte dann meinen Blick ab, was sie mir gleich taten.
      „Elisa“, setzte Elena an, „wenn du deine Klappe mal halten würdest, würde man sogar das Hufgetrappel der Pferde hören, aber so … nope, is' nich'.“
      Gwen hingegen ließ sich von mir mitreißen: „Das klingt ja cool! Vielleicht können wir das ja später mal zusammen spielen!“ Ihre Augen glänzten begeistert auf und ich wackelte vielsagend mit den Augenbrauen. „JA!“ Dann drehte ich mich zu Elena: „Und du?“
      „Nee. Die Anforderungen erfüllt mein PC bestimmt nicht.“
      „Langweiler“, seufzte ich und wir alle blieben für einen Moment still. „Ich kann dir aber mal den Trailer zeigen, ich hab den auf dem Handy!“, schlug ich ihr dann begeistert vor und Elena sah mich zwar erst skeptisch und mit einer gewissen Portion Misstrauen an, nickte dann aber. „Okay.“
      Nachdem sie den Trailer gesehen hatte, kam nur ein „Oh Gott, kämpfen. Kämpfen kann ich nur bei Lego“ zurück, weshalb ich erwiderte: „Aber du kannst sogar einen Hai spielen.“
      „WAAAAS? Oha, wie cool! OHA!“, empörte sich Elena, änderte aber ihre Meinung nicht, dass sie nicht mitspielen würde. Aufgrund ihrer beleidigten Aussage bekam sie es als letzte mit, dass wir anderen bereits angaloppiert waren und den breiten Sandweg nutzten, um den Hengsten die Möglichkeit zu geben, sich mal wieder richtig auszutoben.

      Nach unserem Ausritt kamen wir alle ziemlich fertig auf dem Hof wieder an, ließen die Hengste wieder auf die Weide und begaben uns dann nochmal in Richtung der anderen Weide – der Weide, auf der Nessaja, der Eistee, Pina und Beverly momentan standen. Icetea und Nessi waren jetzt weitere zwei Stuten, die in die Ausbildung einsteigen würden. Icetea war zwar schon etwas weiter fortgeschritten, aber auch Nessi war inzwischen dreijährig und würde in einiger Zeit dann zumindest an Sattel und Trense gewöhnt werden können. Als ich gehört hatte, dass Nessi sowohl eingeritten als auch eingefahren sein sollte, war mir nichts weiter als ein Kopfschütteln eingefallen. Eddi hatte es mir so erzählt, anscheinend von den Vorbesitzern erfahren, dennoch glaubte und hoffte ich das noch nicht so ganz. Obwohl die Stute schon ziemlich reif und vor allem erfahren für ihr Alter war, war es definitiv noch nicht an der Zeit, sie bereits vollständig eingeritten zu haben.
      Mit Bee könnte es momentan eigentlich kaum besser laufen. Langsam wurde sie inzwischen angeritten, nachdem sie sich endlich an das Sattelzeug gewöhnt hatte und sogar damit an der Longe gelaufen war. Auch die Stimmkommandos saßen inzwischen einwandfrei und stellten kaum noch Probleme dar, sodass wir bald mit dem Reitergewicht einsteigen würden.
      Pina war … Pina. Noch immer ziemlich misstrauisch, wenn es darum ging, mit jemand Anderem als Gwen oder mir zu arbeiten, weshalb wir beide es waren, die sich mit der Ausbildung der Stute auseinandersetzten. Dennoch hatten wir noch einen ziemlich weiten Weg vor mir, weshalb wir uns besonders bei ihr größtenteils auf die Bodenarbeit und die wesentlichen Aspekte des Vertrauensaufbaus beschränkten. Zwar war die kleine Stute nun seit fast einem Jahr bei uns, trotzdem wollten wir nichts überstürzen; gerade wegen ihrer schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit.
      Auch Icetea würde bald wieder ins Training einsteigen können. Obwohl sie zuvor bereits angeritten worden war, so hatten wir noch jede Menge Arbeit vor uns, bis sie wirklich so weit war.
      „Wann wollen wir mit ihr einsteigen?“, fragte Matthew, der neben mir stand, in dem Moment und deutete dann mit dem Kopf in Richtung der dunklen Ponydame.
      Ich zuckte nur mit den Schultern. Eigentlich war Icetea mehr als bereit, aber ich wollte ihr die Zeit lassen, die sie brauchte, besonders wenn es die Umgewöhnung von der Hitze Wyomings zur Kühle Kanadas betraf. Laut Eddi war es die letzte Zeit in Wyoming brechend heiß gewesen und der Umschwung zum vergleichsweise doch ziemlich erfrischenden Kanada war dann vielleicht nicht so das Wahre, um direkt zu beginnen. Das würde wahrscheinlich weder Icetea noch uns zugute kommen.
      „Ich weiß nicht“, erwiderte ich deshalb nur. „Wir werden dann anfangen, wenn sie sich an ihr neues Zuhause gewöhnt hat. Auch, wenn ich noch nicht einmal weiß, wie lange wir noch etwas von ihr haben werden.“ Gleichgültig winkte ich ab, drehte mich dann um und ging zurück ins Haus, um mir nun endlich das langersehnte Haispiel zu downloaden, von welchem wir nur noch knapp drei Stunden haben würden, es war schließlich nur ein Testwochenende! Und Wochenenden endeten nun mal sonntagabends!

      Depth war eine richtige Enttäuschung. Also, so wirklich. Wir hatten uns ausnahmsweise mal bei Gwen verabredet, also hatte ich bald mit meinem Laptop in der Hand in ihrem Wohnzimmer gestanden, alle Anwesenden begrüßt und war dann schon wieder in Gwens Zimmer verschwunden, wo ich sie glücklicherweise angetroffen hatte. Wir beide hatten uns das Spiel schon installiert, aber so wirklich verstehen taten wir es nicht.
      Deshalb hatten wir von den 19 Spielminuten, die uns bei Steam angezeigt wurden, nicht eine einzige gespielt, sondern nur in irgendwelchen öffentlichen Lobbys gegammelt, weil die dämlichen Leiter nie anwesend waren.
      „Deinstallation?“, fragte ich Gwen nach endlos vielen missglückten Versuchen und sah sie abwartend an.
      „Deinstallation“, besiegelte sie es und ich seufzte nur erleichtert auf. Zum Glück.
    • Samarti
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      Fahren A-L
      24. Juli 2015
      Eigentlich war Azrael ja nicht gerade die Art von Pferd, die ich auch tatsächlich vor die Kutsche spannen würde. Vor allem würde ich ihn nicht unbedingt als Zweispänner in Erwägung ziehen. Und das auch ganz besonders nicht in Kombination mit Cardillac; die zwei Casanovas zogen schon so alle Blicke auf sich. Nicht, dass das was Schlechtes war, aber wir alle kannten sie schließlich: Sie wussten, wie sie aussahen und dass sie das wussten, ließen sie wiederum den Rest wissen.

      Abgehobenes Volk, diese Hengste!

      Trotzdem kam ich wohl nicht drum herum, denn Daniel hatte sich fest darauf verbissen, unbedingt die beiden zusammen vor die Kutsche zu spannen, warum auch immer. Als Erklärung lieferte er nur, dass die zwei total klasse aussahen, sich bestimmt miteinander verstehen würden (eigentlich bezweifelte ich das ja. Arrogant und arroganter trafen bestimmt nicht gern aufeinander, wahrscheinlich würde Ihre Hoheit Cardillac sich eher in seiner königlichen Aura gestört fühlen) und, last but not least, sie liefen beide auf A-Niveau. Zumindest inoffiziell. Das war der einzige Grund, der mich wirklich überzeugen konnte, denn so könnte ich mir, faul wie ich nun mal war, zwei Einzeltrainings sparen und die zwei Hengste gemeinsam trainieren. Ich schlug also zwei Fliegen mit einer Klappe.


      Nachdem wir das Dressurfahren mit beiden bewältigt hatten, ging es dann an das Hindernisfahren, dem Pendant zu den gerittenen Springprüfungen.

      Hierbei galt es für Cardillac und Azrael, einen Parcours möglichst schnell und fehlerfrei zu bewältigen. Dazu mussten sie Tore durchqueren, die an den Seiten durch Kegel begrenzt wurden, auf denen Bälle lagen – berührten sie einen Kegel oder brachten ihn zum Wanken, war die Gefahr groß, dass einer dieser Bälle abgeworfen wurde und eben dieser Vorfall würde Fehlerpunkte einbringen. Auch das Umwerfen eines Kegels brachte natürlich Strafpunkte, weshalb man auch darauf achten sollte, dass die Breite der Tore auf die Spurbreite des Wagens angepasst waren. So musste ein Minimum von 20 Zentimetern Toleranzzugabe gewährleistet sein, um nicht verstärkt Gefahr zu laufen, ein Hindernis zu reißen.

      Erst einmal musste ich Azrael und Cardillac also diese dämlichen, bescheuerten Kegel näherbringen und, dass sie denen ausweichen müssten. Bei Azrael hatte ich ja so ein bisschen das Gefühl, dass er direkt drüber springen würde, läge da noch eine Stange drauf. So springfreudig wie dieses Pferd war, wäre das nicht sonderlich verwunderlich.

      Alleine klappte das auch ganz gut, aber an ihrer Teamfähigkeit mussten wir noch arbeiten, die waren ja teilweise wie Matthew und ich! Als Einzelpersonen super dabei, aber sobald man uns zusammen steckte, waren wir nur noch Schatten unserer selbst.

      Also mussten wir die Zwei zuallererst davon überzeugen, gemeinsam zu laufen. Cardillac gefiel das vor allem gar nicht, weil er nicht alleine im Mittelpunkt stehen konnte, und Azrael war dann direkt genervt von Cardillac, weil der seine Zicken nicht verbergen konnte und das Ganze ziemlich offensichtlich und exorbitant darstellte.

      Dennoch war der Perlinohengst derjenige, der schneller und wendiger unterwegs war, generell war Cardillac vor der Kutsche sehr viel flinker; obwohl Azrael ihn im Springparcours locker schlagen konnte, selbst, wenn sie auf demselben Niveau wären.

      Trotzdem: Irgendwann schafften auch Azrael und Cardillac es, ohne zu murren nebeneinander vor der Kutsche zu laufen und je öfter und intensiver wir trainierten, desto besser achteten sie auch aufeinander und das Tempo des jeweils anderen, sodass sie sich sogar aneinander anpassten und nach jeder Menge Zeit und Übungen fast perfekt synchron liefen. So perfekt synchron, dass wir sie beide eine Stufe höher eintragen konnten.
    • Elii
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      Gwens Leiden
      02. August 2015
      Je näher ich dem Haus kam, desto weniger Lust hatte ich darauf mit Elisa einen Film zu schauen. Auch Baila Conmigo, die heute ihren ersten Ausflug aus Elisas DRP verschlingendes Gestüt unternahm, stoppte kurz vorm Stall und rührte sich keinen Schritt mehr. Wer konnte es ihr auch verübeln, als DRP kam man aus dem schwarzen Loch, wie Townsend Acres eigentlich heißen sollte, kaum noch heraus. Urplötzlich stand Elisa mit einem unheimlichen Grinsen vor uns, lotste uns zum Stall und ließ Joline Baila auf die Koppel bringen. Unglaublich dass sie nicht das Pony, sondern mich hinter sich her zog. „Wir schauen Unknown User!“, eröffnete sie mir und wedelte mit der DVD Hülle vor meinem Gesicht herum. Dass ich überhaupt noch daran glaubte irgend ein Mitspracherecht zu haben - lächerlich.
      Im Haus schubste mich Elisa über die Lehne auf das Sofa, sodass ich nun kopfüber darauf hing und ich keine andere Wahl hatte komplett runter zu rutschen. „Ich hasse dich“, zischte ich genervt in Elisas Richtung, auch wenn sie völlig vertieft das Popcorn im Topf beim Ploppen beobachtete. Für mehr als eine dieser schwierigen Aufgaben reichten ihre Gehirnzellen anscheinend nicht aus. Auch das Sturmklingeln interessierte sie nicht, also stürmte Matthew irgendwann entnervt die Treppe herunter und öffnete die Tür. Herein trat eine gut gelaunte Gwen, vollgepackt mit jeder Menge Chipspackungen und einer Tüte Gummibärchen.
      Sie warf ihre Beute in hohem Bogen auf das Sofa, bevor sie neben mich sprang und aufgeregt hin und her hüpfte. „Ich dachte du magst keine gruseligen Filme?“ - „Ach quatsch, so schlimm ist der nicht.“ Sie würde den Satz später noch bereuen. Als die dritte im Bunde endlich fertig mit dem Popcorn war, ging es auch schon los. Der Anfang ließ sehr zu wünschen übrig, weder die schlechte Kameraführung, noch die zwei wollüstigen Teenager konnten uns begeistern. Aber was konnte man von einem Low Low Low Low (…) Low Budget Film schon erwarten, wir waren uns nicht einmal sicher, ob es überhaupt ein Budget gab. Zwischen „Oh mein Gott nervt die“ und „Die würde mich so nerven“, begann ich meine umgedichtete Version von „Sie ist weg“ zu singen - was sollte man sonst auch tun, wenn der Hauptcharakter keine 10 Sekunden auf die Antwort des Freundes warten kann und dann ausrastet.
      Dass die Teenager im Film noch nie etwas davon gehört hatten, aufzuhören zu skypen, wenn jemand Unbekanntes dabei ist, regte uns immer mehr auf. Während wir tausend Dinge aufzählten, die man stattdessen machen konnte, wurde es langsam „spannend“ - kam jetzt eine neue Person dazu und der Geist begann sich zu zeigen. Von Spammails hatte man in diesem Film auch noch nie gehört, aber wer Strg+A und die Enter-Taste nicht beherrschte…
      Während die erste starb, versteckte sich Gwen hinter einem Kissen und hielt sich zusätzlich noch die Augen zu. „Ich gucke nicht mehr so einen Film mit euch!“, rief sie entsetzt und riss die Schüssel mit Popcorn an sich. „Ohne uns wäre das viel schlimmer, glaub mir“, warf ich ein und entwendete die Gummibärchen aus Elisas Händen.
      Der Appetit verging uns im nächsten Moment als eine Hand im Mixer steckte. Und der Arm. Und der Kopf. Zum Glück waren wir alle mehr oder weniger hart im Nehmen und konnten weiter snacken, als der tote Typ endlich ausgeblendet wurde und wir beim „Never have i ever“- Spiel über die Dummheit der restlichen Teenager lachen konnten.
      Als der vorletzte sich ein Messer ins Auge rammte, kam noch einmal ein kurzer Ekelmoment auf, der Tod der Hauptperson aber wieder so langweilig, dass man nur noch Lachen konnte.
      „Ist ja dümmer als Paranormal Activity“, plapperte Elisa und verdrehte die Augen. Gwen hingegen nahm das ganze nicht auf die leichte Schulter: „ BITTE WAS? Ich bin traumarisiert! Werd nie wieder in Ruhe schlafen können.“
      „NOCH EINEN!“, rief ich begeistert, schließlich war die Nacht noch jung und zu dritt waren solche Filme (fast) nie gruselig.
      Wir (Elisa und ich) einigten uns auf „Tödlicher Anruf“, Gwen wäre „Tom und das Erdbeermarmeladenbrot mit Honig“ zwar lieber gewesen, doch da wir mittlerweile Geisterstunde hatten, traute sie sich nicht mehr aus dem Haus. Sie erklärte schon am Anfang sich die Augen zuzuhalten und drohte mit den schlimmsten Sachen, wenn der Katze im Film etwas passieren würde. Ihr passierte was. Doch Gwen sah zum Glück nicht hin und wunderte sich etwas, als ich den Film lauthals beschimpfte und am liebsten die DVD samt des Fernsehers verbrennen wollte.
      Sobald man auch nur erahnen konnte, dass etwas passierte, wurde Gwen immer lauter und übertönte so auch den Fernseher, weshalb Elisa die Lautstärke immer weiter aufdrehte.
      „Könnt ihr euch nicht einmal wie normale Menschen verhalten?!“, schrie Matthew von seinem Zimmer aus und stapfte wütend die Treppe herunter. „Mir ist ja klar, dass ihr bei einem gruseligen Film verrückt spielt, aber dass euer Verhalten komplett entgleist, hätte ich nie gedacht.“
      Kurz wurden wir ganz still und starrten Matthew an. Noch nie hatte ich ihn so genervt gesehen, schon gar nicht wegen uns - Wir waren schließlich liebenswert!
      Als er sich endlich umdrehte und wieder nach oben ging, begannen wir leise zu quasseln, wurden aber sofort laut als erneut ein Mensch starb. Auch in diesem Film waren keine besonders schlauen Menschen unterwegs, dass man sein Handy zerstört, wenn Menschen wegen eines Anrufes starben, war ja mal sowas von klar. Das ein kleines Kind der Verursacher war, machte Gwen schwer zu schaffen, doch das gespielt gequälte Atmen der Hauptperson konnte sie wieder aufmuntern. Nachdem der Detektive durch die Gegend flog, konnte Elisa nichts mehr halten. „VÖLLIG LOSGELÖST, VON DER ERDE!“
      Ihr wunderschöner Gesang wurde von einem lauten Rumpeln im Stock oben drüber unterbrochen, Sensibelchen Matthew gefiel das anscheinend noch weniger, als unser Schreien. Als auch noch das Telefon klingelte verfielen wir alle in eine Angststarre. Todesmutig griff ich nach dem Handy (es war sowieso Elisas und sie würde wenn dann sterben) und ging ran. „Wir sind alle blauuuu!“, rief es mir entgegen und legte im nächsten Moment auf. Emotionslos blickte ich nach links und erklärte, dass es nur Jojo war, die entweder selbst betrunken, oder nur mit einer betrunkenen Meute unterwegs war.
      Als die letzten spannenden Minuten des Films losgingen, klammerten wir und aneinander und waren ab dann untrennbar. „Ich will nach Hause. Zu Mami“, nuschelte Gwen weinerlich und krallte sich immer stärker in Elisas Arm, der morgen übersät sein würde von blauen Flecken. Matthew fuhr das jammernde Häufchen Elend nach Hause, während Elisa und ich noch etwas lustiges anschauten, bevor unsere Übernachtungsparty endete und wir beide ins Bett gingen.
      Am nächsten Morgen hatten wir einen Ausritt geplant und wollten natürlich auch Gwen dabei haben. Vor allem um zu überprüfen, ob sie bleibende Schäden von unseren Gruselfilmen hatte. Wir schrieben sie bei Skype an und riefen sie immer wieder an, auch wenn sie jedes Mal sofort aufjegte.

      „Ich will nicht! Ich hab Angst.“
      „Gwen, es ist 14 Uhr, am helllichten Tag“
      „NA UND?!“
      „Dir kann nichts passieren, wenn du mit uns skypest.“
      „DAS DACHTEN DIE AUCH.“

      Nach langer Diskussion kam Gwen doch noch auf Ameya vorbei und wir konnten als Fuchstrio los. Elisas Aszrael war der Hahn im Korb und benahm sich auch wie solcher. Aufgeregt tippelte neben den zwei Stuten auf und ab, versuchte er doch so sie zu beeindrucken. Elisa oben drauf hatte allerhand zu tun, wenn sie nicht den ganzen Weg piaffieren wollte. Nach dem Galopp benahm er sich deutlich besser, auch wenn er es nicht lassen konnte abwechselnd mit den beiden Damen zu flirten.

      „Nächste Woche machen wir dann einen Hostel Marathon“, verkündete ich fröhlich, als wir wieder zurück waren.
      „Hostel? Was ist das für ein Film? IST DER GRUSELIG?!“, fragte Gwen besorgt, der gestrige Tag hatte sie schwer gebrandmarkt und sie würde wohl nie wieder zu uns kommen zum Filmschauen, wenn ich jetzt nicht lügen würde.
      „Ach was, nein. Der ist lustig.“
    • Samarti
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      Dressur E-A
      30. August 2015
      Gelassen schnaubte Ocean Water unter mir und ließ den Kopf sinken. Ihre Schritte wurden direkt ein wenig gemütlicher, als wir den Reitplatz verließen, denn die Stute war nicht dumm – sie wusste, dass sie ihre Arbeit für den heutigen Tag getan hätte. Das gutmütige Reitpony ließ ich trotzdem nach dem Training nicht einfach wieder auf die Weide, stattdessen hatte ich mich dazu entschieden, mit ihr noch eine ruhige Runde durchs Gelände als Ausklang zu drehen. Ausnahmsweise begab ich mich ganz allein auf den Weg, was mir aber zugegebenermaßen ganz gut tat. Nach der Alkoholexzessparty, getarnt als sogenannten Grillabend, wollte ich erst einmal niemandem mehr unter die Augen treten. Ich war mir nämlich nicht mehr ganz sicher, ob ich nicht doch die ein oder andere Lücke im Gedächtnis hatte.

      Während ich allerdings dann mittags auf dem Rücken von Avanti saß und mit ihm durch den Geländeparcours galoppierte, setzte dann auch langsam, aber sicher ein stechendes Pochen in meinem Kopf ein und bereitete mir Kopfschmerzen. Den Bloody Mary, den wir Gwen gestern vorgesetzt hatten, hätte ich nun wirklich gut gebrauchen können.
      Dennoch biss ich die Zähne zusammen und setzte das Training unermüdlich fort. Wahrscheinlich hätte Avanti nichts dagegen einzuwenden gehabt, hätte ich das Training mit ihm bereits etwas früher beendet als sonst, aber solange ich mich noch auf dem Pferd halten konnte, ohne ihn zu behindern, würde ich das auch noch aushalten. Wir waren bereits gute zwanzig Minuten am Trainieren, demnach würde ich den Rest auch noch unbeschadet hinter mich bringen können. Hoffentlich.
      Im letzten Monat hatten wir uns hauptsächlich dem Springtraining gewidmet. Da ich Avanti genügend Abwechslung bieten musste, damit der Hengst nicht Hals über Kopf durch den Zaun rennen und über alle Berge verschwinden würde, gestaltete ich sein Training immer ziemlich variabel. Genau das (und die mangelnde Lust auf den eintönigen Springplatz) war der Grund, warum ich mich dann diesmal für die Geländestrecke entschieden hatte. Hier wollte ich Avanti erst einmal auf das L-Niveau vorbereiten und ihn L-fertig trainieren. Seine Königsdisziplinen waren eben nun mal besonders das Springen und der Geländeritt, vorzugsweise sogar noch zweiteres, da er dann doch relativ flott unterwegs war. Manchmal hatte ich da tatsächlich eher Probleme dabei, dass wir die Zeit nicht unterschritten; Zeitvorgaben gab es nämlich leider zu genüge.
      Die Sprünge auf L-Niveau waren maximal 110 Zentimeter hoch und 2,10 Meter weit, zumindest an der Basis. Im oberen Teil durfte die Weite dann schon „nur“ noch 1,50 Meter betragen; Wassergräben stellten hier eine Ausnahme dar, die bis zu 2,60 Meter messen durfte. Tiefsprünge waren bis 160 Zentimeter erlaubt.
      Unermüdlich nahm mein Reitponyhengst die Sprünge, die sich ihm in den Weg stellten und bewies somit immer wieder, dass er nicht nur gehörig Feuer unterm Arsch hatte, sondern dieses auch mehr als nur deutlich zeigen konnte, wenn er denn gerade Lust darauf hatte. Und die hatte er ungefähr immer.
      Dennoch war ich in diesem Moment mehr als froh darüber, dass ich Avanti schon länger im Geländetraining hatte und es nicht die erste Einheit für ihn war, sondern so gut wie die letzte. Er hatte keine Probleme damit, die Höhen und Weiten zu schaffen, stattdessen ließ er meistens noch ordentlich Luft und demonstrierte feierlich sein Können. Von Gwen, meiner leidenschaftlichen Zockernachbarin, hörte ich da schon Kommentare wie „Cheats!“ und „Hax!“ auf ihn einprasseln. Und hätte sie dann noch sehen können, wie er eine Abkürzung nutzte, wäre ihm auch ein geschnaubtes „Buguser!“ nicht erspart geblieben.

      „Hast du ein schlechtes Gewissen?“, war das Erste, das ich Matthew fragte, als ich den Mann erblickte, der mit dem kräftigen Hengst Azrael auf dem Dressurplatz seine Runden drehte.
      „Nein, aber du kommst mit deinem Zeitplan eh nicht mehr hinterher, wenn ich dir nicht unter die Arme greife“, erwiderte der Rußkopf mit dem IQ eines Weißbrots nur trocken und widmete sich dann wieder dem Training des Fuchshengstes. Der war, im Gegensatz zu Avanti, inzwischen im Dressurtraining und sollte dort A-fertig eingetragen werden können. Zwar lief Azrael doch ziemlich vielseitig (Springen, Military und Fahren boten eine Menge Variabilität, wenn es ums Training ging), die Dressur war allerdings in der letzten Zeit etwas kurz gekommen. Aus dem Grund wurde er nun dazu verdonnert, die langweilige Dressurarbeit auf dem Platz mitzumachen, was dem Macho gar nicht so wirklich passte. Stattdessen blickte er, nachdem Matthew ihn dazu gebracht hatte, nicht immer seinen Dickkopf durchsetzen zu wollen (Matthew war nämlich ein noch viel größerer!), nur noch sehnsüchtig in Richtung Freiheit und brummelte hin und wieder gelangweilt, wenn ihm mal wieder nicht in den Kram passte, was Matthew von ihm verlangte. Das war ja auch viel zu anstrengend!
      Trotz meiner Kopfschmerzen stellte ich mich dann an den Zaun und beobachtete die zwei Männer dann dabei, wie sie sich gegenseitig auf den Keks gingen. In Gedanken hörte ich Elena jetzt schon wieder „WO SIND KEKSE?“ schreien und förmlich auf mich einprügeln, damit sie ihre Kekse bekam.
      Der Fuchshengst hatte sich allerdings schnell damit abgefunden, dass er um die Schlangenlinien mit vier Bögen und die zehn Meter-Volten im Trab nicht so schnell herumkam, denn die baute Matthew nur zu gerne ein. Wahrscheinlich inzwischen auch einfach, weil er wusste, dass Azrael das störte und um den Hengst zu ärgern. Ob der Schwarzhaarige noch Restpegel aufweisen konnte?
      Sowohl der Mitteltrab als auch der Mittelgalopp sahen anfangs etwas holprig aus, konnten sich aber schon bald sehen lassen. Azraels elastische, kraftvolle Gänge zeigten ihn von seiner besten Seite und wahrscheinlich wusste der Flaxen Chestnut selbst ganz genau, wie beeindruckend er gerade aussah. Leicht wehte der dichte Schweif im Wind mit und auch die inzwischen wieder etwas längere Mähne flog auf und ab, während Az über den Sandboden galoppierte.
      Den einfachen Galoppwechsel und das Viereck verkleinern und vergrößern sah ich mir von Anfang bis Ende an, beim Rückwärtsrichten verkroch ich mich dann schnell hinter dem nächsten Baum, um nicht zum Mithelfen verdonnert zu werden. Ich drückte mich vor der Mithilfe beim Training meiner eigenen Pferde. Wow, Elisa. Darauf kannst du stolz sein!
      Dementsprechend verpasste ich dann auch das Zügel aus der Hand kauen lassen.

      Aber ganz ehrlich? Das Wissen, dass Azrael nun A-fertig in der Dressur war, reichte mir völlig aus. Und wenn Matthew jetzt ein „Danke“ dafür erwartete, dass er Azrael das „beibrachte“, was ich mit ihm schon seit langer Zeit übte, dann konnte er lange warten.
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  • Album:
    3 - Pferde im Ruhestand
    Hochgeladen von:
    Samarti
    Datum:
    21 Juli 2015
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    EXIF Data

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    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).

  • Rufname: Az
    geboren: Juli 2007


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    Rasse: Deutsches Reitpony
    Geschlecht: Hengst
    Farbe: Flaxen Chestnut (Aa ee ff)
    Stockmaß: 148 cm

    Beschreibung:

    Azrael ist ein Hengst, der weiß wie schön er ist und wie leicht man die Zweibeiner um den Finger wickeln kann. Leider hat er damit nicht ganz unrecht, denn zum einen besitzt er eine faszinierende Fellfarbe und zum anderen ist er in den Disziplinen Springen und Military unschlagbar und gewinnt jeden Wettbewerb mit Leichtigkeit für sich.
    Zudem ist er sehr hengstig, so dass er schon unruhig wird, sobald er nur die Anwesenheit einer Stute spürt, immerhin könnte es sich ja um seine Herzensdame handeln!
    Azrael ist oft unerschrocken und wirkt wie der Fels in der Brandung, er wird gerne als Macho angesehen und benimmt sich dementsprechend zu jedem Zeitpunkt auch so.
    Nur bei manchen Frauen zeigt er Schwäche und wird ein sanfter liebenswürdiger Hengst, der sich sogar kraulen lässt, ohne sich nach fünf Minuten genervt umzudrehen. Aber wie gesagt, er ist schlichtweg ein arroganter Frauenheld, da kann man sagen, was man will.

    Besitzer: Samarti
    Ersteller: sweetvelvetrose

    Dressur L - Springen A - Military L - Fahren L

    235. Fahrturnier
    311. Westernturnier
    231. Militaryturnier


    Offizieller Hintergrund