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Julie

Ayumi

Mix ♀

Ayumi
Julie, 25 Juli 2016
    • Julie
      Schottland
      Ehemalige Berichte
      Oktober 2013 - Februar 2016


      Pflegebericht 1 - Ein Neuankömmling

      „Komm Zeus! Ich muss noch viel erledigen!“, rief ich in Richtung Haus, wo der große Schäferhund lag. Ich stapfte durch den Regen in Richtung Stall. Der Hund machte sich gemächlich daran mir zu folgen. Im Stall angekommen schüttelte ich mein Haar, dessen Farbe wieder zu meinem natürlichen Braun wechselte. Dann schnappte ich mir eine Heugabel und stellte sie neben die freie Box In dem Teil des Stalles, der für die Stuten reserviert war. Die Pferde schnaubten unruhig, was mich zu einem Grinsen brachte. „Fütterungszeit ist erst später.“, meinte ich lächelnd und machte mich daran einen Strohballen vom Lager zu holen und ihn zu der leeren Box neben Alice zu schaffen. Die Stute schaute mir neugierig durch das Trenngitter zu, wie ich das Stroh verteilte und blickte mir nach, als ich mich aufmachte einen zweiten Ballen zu holen. Mit gespitzten Ohren verfolgte sie meine Bewegungen und blickte mich neugierig an, als ich zu ihr aufsah, nachdem die Box fertig war. Anschließend nahm ich die Heugabel, die ich bereitgestellt hatte und holte damit einen kleinen Haufen, den ich in die Box schmiss. Nun war die Unruhe im Stall natürlich noch größer. „Hey, der Neuankömmling ist nervös genug, da tut ihm was zu knabbern gut.“, rief ich den Damen zu. Schien ihnen ziemlich egal zu sein. „Verfressene Bande.“, murmelte ich leise konnte mir ein kleines Lachen jedoch nicht verkneifen.

      Am späten Nachmittag kam schließlich Blues Transporter. Einer ihrer Stallburschen stieg aus und öffnete sofort die hintere Klappe. Darin befand sich die 2-Jährige, die ich von Blue gekauft hatte. „Ich mach das schon“, meinte ich zu dem Stallburschen und ging langsam die Rampe hinauf. Ayumi, sah neugierig nach hinten, mit geweiteten Nüstern als wollte sie alles in sich einsaugen. „Hallo mein Mädchen.“, sagte ich freundlich und streichelte sie kurz am Hals. Ich ließ sie mich beschnuppern und klickte schließlich den mitgebrachten Führstrick ein. Dann löste ich sie von der Anbindevorrichtung im Hänger und führte sie langsam hinaus. „Nicht so hastig.“, meinte ich als sie fast stolperte, da sie es so eilig hatte aus dem Hänger zu kommen. Sie streckte den Hals und sah sich neugierig um. Etwas nervös tänzelte sie auf der Stelle und drehte sich in alle Richtungen. „Na komm Kleines, etwas Ruhe wird dir gut tun“, meinte ich und führte sie in den Stall zu ihrer Box. Dort wurde sie von den Damen des Hauses, mit neugierigen Blicken begrüßt. Ich achtete darauf, dass genug Abstand zwischen den neugierigen Pferdenasen und der Stute blieb und verfrachtete sie in ihre Box, wo sie sich sofort dem Heu zuwendete. Während sie daran herumknabberte, löste ich die Transportgamaschen, nahm ihr Halfter und Decke ab und den Schweifschoner. Anschließend legte ich ihr eine leichte Stalldecke auf. Ayumi schien das alles egal zu sein. Was gab es auch wichtigeres wie eine Gabel voll Heu? Von Pferdesicht betrachtet, wahrscheinlich gar nichts. Zufrieden verfrachtete ich das Transportzeug in ihren Spind in der Sattelkammer, quatschte anschließend noch kurz mit Blues Stallburschen und verschwand schließlich mit Zeus im Schlepptau im Haus, nachdem ich mich verabschiedet und bedankt hatte.

      © Julie

      Pflegebericht 2 - Welcome in the Outback!

      Mit einem komischen Gefühl im Bauch wachte ich auf. Es war mir als ob mich wer beobachten würde. „Gruselige Vorstellung.“, dachte ich mir und öffnete die Augen, die direkt in die Augen von Zeus blickten. „Hast du mich etwa die ganze Zeit angestarrt.“, meinte ich und lachte. Zeus grummelte leise und sah mich weiter an. „Jaja ich steh ja schon auf.“, meinte ich und sah erstmal auf den Wecker. Halb 7. „Du bist doch de s Wahnsinns, Hund.“, grummelte ich, während ich mich aus dem Bett schälte. Nach einem herzhaften Gähnen und Strecken suchte ich mir ein paar Klamotten zusammen und machte mich auf den Weg in die Küche, wo ich, wie jeden Morgen, als Erstes die Kaffeemaschine einschaltete. Zeus trottete mir mit erwartungsvollem Blick hinterher. Ich ließ ihn in den Garten, damit ich ihn Ruhe frühstücken konnte und ging im Groben durch was heute so zu erledigen war. Es war der letzte Tag auf meinem Hof. Morgen würde es mit Sack und Pack in Richtung Outback gehen. Ich freute mich schon tierisch darauf, auch wenn mir der Abschied von Zeus und meinem bisherigen Zuhause schwerfallen würde. Doch ich wusste, bei meinem Ex würde er es gut haben. Das Hof war ebenfalls schon verkauft, übermorgen würden die neuen Besitzer einziehen.
      Ich versuchte die aufkommende Wehmut zu verdrängen und leerte meine Tasse. Dann stellte ich sie in den Geschirrspüler, ging zu der Tür die in Richtung Garten führte und rief nach Zeus. Dieser kam sofort angesaust und sah mich erwartungsvoll an. „Na komm, gehen wir eine Runde.“, meinte ich und sofort stürzte der Hund in Richtung Eingangstür wo er sich erwartungsvoll davorsetzte. Geduldig wartete er bis ich Jacke und Schuhe angezogen hatte um schließlich mit der Leine um die Schultern die Tür zu öffnen. Sofort sauste er hinaus und erleichterte sich erstmal beim nächsten Busch. Ich wies ihn an in meiner Reichweite zu bleiben und stapfte dann unsere typische Morgengassirunde mit ihm ab.
      Zuhause angekommen, zog ich mir für den Stall um, pfiff nach meinem Hund und machte mich auf zu den Pferden. Zeus hüpfte wie ein Flummi über den Hof und stürzte dann als erstes übermütig in den Hengststall. Ich folgte ihm lächelnd, holte mir aber vorher eine Schubkarre voll mit Heu.
      Im Stall wurde ich mit einem lauten Wiehern seitens Van Deyk und Ezio begrüßt, der Fürst brummelte wie immer nur leise und Snowflake hatte nur Augen für das Heu. Grinsend ging ich die Reihe durch, kraulte jeden der Pferde kurz bevor ich ihnen ihre Ration Heu hineinwarf.
      Während die Hengste sich sofort dem Grünzeug zuwandten holte ich für jeden noch seine Ration Kraftfutter und warf sie in die Tröge. Dazu kamen noch Karotten.
      Das Heu wurde dann natürlich sofort unwichtig und die Bande versenkte ihre Nasen in den Trögen. Anschließend ging ich hinüber zu den Stuten, die ebenfalls erst ihr Heu und dann ihre Ration Kraftfutter und Karotten bekamen. Auch hier wurde ich teilweise sehr lautstark begrüßt, doch sobald sie ihr Futter hatten war das Wichtigste.
      Während die Pferde fraßen, sah ich mir die Sattelkammer nochmal an. Ich konnte alle Sättel verkaufen und auch die Trensen sollten heute abgeholt werden. Dann spielte ich kurz mit Zeus um auch ihn etwas zu beschäftigen.
      Nachdem die Pferde fertig waren, brachte ich sie mit Hilfe von James auf die Koppel. Das letzte Mal. Wieder ergriff mich Wehmut. „Ach ich freue mich schon so sehr auf Australien aber irgendwie tut es weh, dass alles hier zurückzulassen. Es war eine tolle Zeit.“, seufzte ich. „Ja die wars.“, erwiderte James. Wir standen am Zaun der Stuten und beobachteten sie, wie sie über die Weide tobten. „Ich wollte mich nur nochmal bei dir bedanken. Für die ganze Zeit, wo du mir geholfen hast. Alleine hätte ich das wohl nie geschafft mit den ganzen Pferden.“, meinte ich. „Naja du hast mich ja dafür bezahlt. Ich hab nur meinen Job gemacht.“, entgegnete er lächelnd. „Ja, schon. Aber du bist für mich in der Zeit ein sehr guter Freund für mich geworden und ich finde ich bin dir zumindest ein „Danke“ schuldig.“, meinte ich und sah ihn an.
      Er erwiderte, dass ich ebenfalls eine gute Freundin für ihn geworden war und dass er mich vermissen würde, wenn ich nicht mehr in Deutschland wäre. Dann wünschte er mir noch alles Gute.
      Irgendwie wurde die Stimmung komisch. Also meinte ich schnell um das Thema zu wechseln: „So, die Arbeit wartet nicht. Die Ställe müssen ausgemistet werden. Übernimmst du die Hengste?“ „Klar.“, erwiderte er und stapfte in Richtung Stall davon. Ich folgte ihm und machte mich dann an die Arbeit.
      Wir wurden schnell fertig und während James noch die Zäune kontrollierte und die Tränken auf den Koppeln säuberte, machte ich mich auf ins Büro. Zeus, der auf dem Hof herumgestreunt war, folgte mir und legte sich auf seinen Platz neben der Tür, wo er eindöste. Ich beschäftigte mich mit Papierkram und stand nur kurz auf, als die Sättel und Trensen abgeholt wurden. Nachdem alles verstaut war, machte ich mir erstmal was zu essen um dann wieder im Büro zu verschwinden. So ein Umzug war alles andere als leicht.

      Am nächsten Morgen wachte ich von Nervosität gepackt auf. Heute war es nun soweit. Der letzte Tag. Während ich mir die Klamotten raussuchte, ging ich alle Punkte für heute durch. Ich sollte mir wohl eine Liste schreiben. Mein Kopf schwirrte schon. Ich hatte gestern noch mein ganzes persönliches Zeug gepackt, was ich mitnehmen wollte und nochmal kurz wegen der Schlüsselübergabe telefoniert. Es war alles klar. Ich war fahrbereit.
      Nachdem Frühstück und dem obligatorischen Morgenspaziergang mit Zeus, kam wie verabredet mein Ex. Uns verband nur mehr ein distanziertes Verhältnis, doch ich wusste, dass er Zeus ebenso liebte wie ich. „Ich werde dich vermissen mein Schatz. Schön brav bleiben, ja?“, flüsterte ich leise, während ich Zeus ein letztes in meine Arme schloss. Dann half ich noch beim Verstauen von Zeus Zubehör und machte mich schließlich auf dem Weg zum Hof. Die Pferde hatte James schon gefüttert, also mussten sie nur mehr für die große Fahrt ausgestattet werden. Die Transporter die ich gemietet hatte, sollten um 10 kommen, also blieb nicht mehr viel Zeit. Ich machte mit James aus, dass ich die Hengste übernahm und er die Stuten. Nacheinander, legten wir den Pferden Transportgamaschen, -decken und Hufglocken an. Dann flochten wir noch die Mähnen ein. Während ich dem letzten Pferd gerade den Schweifschoner anlegte, fuhren die beiden Transporter auf den Hof ein.
      Wir begrüßten die Fahrer und luden dann die Pferde ein. Es klappte alles ohne Probleme, nur Ezio stellte sich etwas an. Doch mit ein paar Tricks schafften wir es auch ihn in den Transporter zu bekommen. Nachdem die Klappe zu war, redete ich noch kurz mit den Fahrern und klärte alles bezüglich dem Flughafen.
      Dann war es Zeit Abschied zu nehmen. James würde das mit der Schlüsselübergabe regeln, da die sich anscheinend verspäteten. Er wollte mir dann telefonisch Bescheid geben. Auch die Ställe würde er noch für mich ausmisten und saubermachen.
      Während wir zurück zum Haus gingen, sprachen wir kein Wort. An der Haustür, umarmten wir uns und ich sagte endgültig „Auf Wiedersehen.“
      Ich zog mir die bereitgelegten Klamotten für den Flug an und stopfte mein Stallzeug noch ins Auto. Schließlich kontrollierte ich noch, ob ich alle Dokumente mit hatte. Es fehlte nichts, also konnte es losgehen.
      Am Flughafen angekommen, regelte ich zuerst alles für den Transport der Pferde. Als hier alles ok war, checkte ich ein und wartete schließlich ungeduldig darauf, dass ich an Bord gehen konnte. Schließlich war es soweit. Schwermütig ging ich auf die Passkontrolle zu und betrat schließlich den Flieger. Ich hatte mir was zu Lesen mitgenommen, doch ich wusste jetzt schon, dass ich mich wohl nicht darauf konzentrieren konnte.
      Im Flieger drehten sich meine Gedanken nur darum ob alles geklappt hatte. Kurz vorm Abflug bekam ich eine SMS von James, dass die Schlüsselübergabe einwandfrei funktioniert hatte und ich anrufen sollte wenn ich in Australien angekommen bin. Erleichtert schaltete ich mein Handy auf „Flugmodus“ und schlief schließlich ein.

      Von einer Stewardess geweckt, fuhr ich hoch. Verwirrt sah ich mich um. „Wir sind im Anflug auf Melbourne.“, erklärte mir die Dame freundlich. Ich bedankte mich und sah aus dem Fenster. Wir waren schon relativ tief und nach einer gefühlten Ewigkeit landeten wir.
      Nun hieß es nochmal kurz umsteigen, doch schlussendlich waren wir am Ziel.
      Als erstes ging es zu den Pferden. Sie waren alle wohlauf, nur der Flug hatte sie etwas gestresst. Während ich noch die Pferde grob durchcheckte, kam auch schon Zasa auf mich zu. „Welcome in Australia.“, meinte sie und grinste. „Na an deinem Englisch musst du wohl noch etwas feilen.“, grinste ich. „Alles gut verlaufen? Sind deine Pferde ok?“, fügte ich dann hinzu. Jetzt erst sah ich Zasas Herde, die auf einem abgetrennten Stück Wiese, friedlich graste. „Ja sie sind alle wohlauf und haben es gut überstanden.“, meinte Zasa. „Freut mich. Die Rasselbande hier auch.“, lächelte ich. „Also los auf geht’s, ans Verladen.“ Wir fingen mit meinen Tieren an und packten danach Zasas Pferde in die bereitgestellten Transporter. Dann machten wir uns auf den Weg in Richtung Farm. Von hier bis in unser neues Zuhause waren es noch 100 Meilen. Ich war gespannt wie es dort aussehen sollte. Ich hatte mir kurz vor der Abreise nochmal die Internetfotos angeguckt und hoffte es war wirklich so, wie auf den Fotos. Denn auf denen sah die Farm traumhaft aus.
      Ungefähr bei der Hälfte machten wir eine Pause. Während wir die Pferde kontrollierten meinte ich: „Entschuldige übrigends, dass es länger gedauert hat. Mit der Schlüsselübergabe gab es Komplikationen und mein Flug hatte dann auch noch eine kleine Verspätung.“ „Kein Problem.“, erwiderte Zasa. Die letzten 50 Meilen waren schnell gefahren und meine Vorfreude steigerte sich immer mehr, als wir die asphaltierte Straße verließen und die letzten Kilometer auf den Feldstraßen in Richtung Farm fuhren.
      Dort angekommen, wischte ich mir erstmal mit dem Ärmel meines T-Shirts den Schweiß von der Stirn. „Erinnere mich bitte daran, dass ich mir einen Hut oder dergleichen besorge. Die Hitze ist ja unglaublich“, rief ich während ich mich dranmachte den Transporter zu öffnen. Zasa lachte und wir blödelten noch eine ganze Zeit während wir unsere Pferde nach und nach auf die beiden Koppeln schafften. Als wir fertig waren, sah ich auf die Uhr. 15:00. Ich war hundemüde. „Verdammter Jetlag.“, dachte ich und sah mich auf der Farm um. In echt wirkte alles viel größer und weitläufiger. Ich fands wundervoll.
      Ich schnappte mir meine Koffer und Taschen und zerrte sie ins Haus. Zasa und ich richteten uns etwas häuslich ein und gingen schließlich bald zu Bett. Der Umzug und die Zeitumstellung hatte uns beide geschafft.

      © Julie

      Pflegebericht 3 - Regenreiche Aussichten

      Schottland war wirklich wunderschön. Wenn man sich einmal an das Wetter gewöhnt hatte. Warum ich zugestimmt hatte in dieses kalte Land zu kommen, war mir bisher mehr als schleierhaft. Ich hasste Regen. Noch mehr wie Regen, hasste ich die Kälte und den Wind. Alle drei Dinge waren auf der kleinen schottischen Insel, die ich seit kurzem mein Zuhause nennen durfte, vorhanden. Vor allem der Regen. Ich brauchte unbedingt ein Sparbuch. Ein Urlaubssparbuch. Karibik oder Afrika. Zumindest einmal im Jahr für ein paar Wochen brauchte ich die Hitze wenn mir die Sonne auf den Körper scheint. Vor allem jetzt nach Kalifornien vermisste ich die heißen Sonnentage umso mehr. Mir tat es leid, Sora zu verlassen, doch die Chance endlich einen eigenen Ausbildungsbetrieb zu haben, war mir das wert. Da ich es alleine nicht schaffen würde, den Betrieb finanziell zu stemmen, war ich umso froher, dass sich Sarah bereit erklärte, neben ihrem Gestüt mit Kathi den Betrieb mit mir zu führen. Sarah wohnte allerdings mit Kathi in Schottland. Da ich eher nicht verlangen konnte, dass sie ihr ganzes Gestüt einfach mal so versetzten, war ich nun also hier. Doch für meinen Traum verließ ich sogar fast gern die von mir so heißgeliebte Sonne und zog in eine der regenreichsten Gebiete Schottlands.

      So in Gedanken versunken, mistete ich früh morgens die Ställe aus. Während ich mit dem Offenstall der Stuten angefangen hatte, machte sich Liza, meine Stallhilfe, die sich kurz nach der Eröffnung von Legacy als Aushilfe beworben hatte, den Stall der Hengste. Schon immer war ich ein schweigsamer Mensch gewesen, während ich arbeitete und war froh wenn ich keinen unterhalten musste, sondern meinen Gedanken nachhängen konnte, während Handgriffe wie von selbst gingen, aufgrund der jahrelangen Routine.
      Plötzlich bekam ich von hinten einen festen Stupser der mich fast in die halbvolle Schubkarre fallen ließ. Entrüstet und auch ein klein wenig erschrocken drehte ich mich um. Mit gespitzten Ohren und neugierigen Blick sah mich Ayumi an. „Ich hab leider nichts eingesteckt du Fresssack.“, meinte ich, als sie kurz darauf mit spitzen Lippen meine Jackentaschen abtastete. Lächelnd schob ich sie weg. „Wenn du so weitermachst, wird dein Bett nie fertig. Du hast ne riesen Koppel hinter dir, da gibt’s massenhaft Gras.“ Enttäuscht schnaubte die junge Stute und verzog sich wieder zu den anderen, die indessen neugierig zu uns gesehen hatten.
      Nach einem kurzen Blick auf die Uhr, beeilte ich mich fertig zu werden. Nachdem die letzte Schubkarre voll Mist auf dem Kompost gelandet war, ging ich quer über den Hof zu den Pensionspferden. Kurz darauf kam auch Liza, etwas kurzatmig in dem weitläufigen Stall an. Katniss, eine etwas spezielle Stute, die Maren gehörte, giftete Liza postwendend an und schlug energisch gegen die Boxenwände. Das Pferd fraß mir noch die Haare vom Kopf, doch unterm Sattel machte sie sich erstaunlich gut, wenn man mal zu ihr durchgedrungen war. Nun ich war immer noch am graben, doch kleine Erfolge waren schon sichtbar. Liza hatte einfach nur Angst vor der Ponystute. Ich drückte ihr ein Halfter in die Hand.
      „Du kannst Jaya ja schon mal auf die Koppel führen und dann mit ihrem Stall beginnen. Katniss mach ich schon.“
      Ich konnte förmlich hören wie die Erleichterung aus dem Stallmädchen rausströmte. Früher oder später musste sich aber auch mit schwierigen Pferden befassen. Mir war nicht bewusst, dass ihre Angst vor etwas eigenen Pferden, möchte ich mal sagen, so ausgeprägt ist. Doch nun war sie schon hier und feuern wollte ich sie deshalb auch nicht.

      Während Liza die sensible Stute aufhalfterte und auf die Weide brachte, versuchte ich erstmal den kleinen Wildfang zu bändigen. Mit viel Konsequenz und noch sicher einer Tonne Geduld schaffte ich es, Katniss soweit zu beruhigen, dass ich sie aufhalftern konnte. Zur Belohnung steckte ich ihr ein Leckerli zu, was sie mehr als unsanft annahm und brachte sie ebenfalls auf die Weide. Katniss hatte relativ schnell herausgefunden, dass sich Jaya nicht von ihr provozieren ließ, weswegen sie für sich beschlossen hatte, die Trakehnerstute zu ignorieren und nur hinzugiften, wenn ihr die Stute zu nahe kam. Keine ideale Konstellation, aber besser wie Einzelhaft. Jaya könnte nämlich ohne Probleme bei meinen Stuten stehen, doch wenn Maren erfuhr das Katniss allein gestanden hat in der Zeit wo sie auf Legacy war, wäre ich mit Sicherheit mehr als einen Kopf kürzer. Außerdem widersprach es meinen Grundsätzen. Sobald ich der Roanstute das Halfter abgenommen hatte und mich abgewandt, buckelte sie los wie eine Verrückte und fetzte erstmal ans andere Ende der Weide. Der Regen tropfte unaufhörlich auf mich herab während ich die kleine Stute beobachtete wie sie sich ausgelassen wälzte. Ich strich mir die Haare aus dem Gesicht, die schon klatschnass waren und ging zurück zum Stall.

      Nachdem die Boxen von Katniss und Jaya ebenfalls fertig waren und ich gerade gemütlich zum Hengststall schlendern wollte, läutete mein Handy. Sarahs Stimme klang etwas belegt durch den Hörer.
      „Hey Julie. Du weißt ja, dass es Moon nicht so besonders ging. Grade war der Tierarzt da.“
      Ich schluckte. Konnte raushören, wie Sarah gegen die Tränen ankämpfte.
      „Und was ist mit Moon?“, drängte ich sie. Der Ponyhengst war mir ebenfalls sehr ans Herz gewachsen und ich war ebenfalls in Sorge um ihn, seit mir Sarah erzählt hatte dass er sich sehr verändert hatte.
      Am anderen Ende der Leitung war ein Räuspern zu hören. „Er hat Athrose. Schrittausritte sind noch erlaubt, aber mehr nicht.“
      Ich wusste was das für sie bedeutete. „Ach du Scheiße.“, meinte ich leise. Mehr brachte ich gar nicht hervor. Wir redeten noch kurz und vereinbarten dann, dass sie am Nachmittag vorbeikam auf eine Tasse Tee.

      Zusammen mit Liza arbeitete ich anschließend sämtliche Pferde, die heute nicht Pause hatten. Hier hatte jedes Pferd 1-2 mal die Woche Pause wo nichts gemacht wurde, außer eventuell einen kleinen Spaziergang, wenn es die Zeit erlaubte. Die Ausnahme bildeten die Jährlinge und Jungpferde. Hier war es quasi umgekehrt. Die wurden 2-3 mal die Woche kurz gearbeitet und durften die restlichen Tage einfach Pferd sein.
      Nachdem wir durch den Regen zu den Stuten gestiefelt waren, schnappte ich mir Ayumi, die Jüngste im Bunde, während Liza Lady Äppel aufhalfterte. Gemeinsam juckelten wir zu den Putzplätzen, wobei ich leise den anhaltenden Dauerregen verfluchte. Ayumi hatte ich, seit sie abgesetzt war. Mit ihren zwei Jahren hatte sie schon eine Menge gelernt und mich freute es richtig zu sehen, dass sie so motiviert war.
      Nachdem die beiden geputzt waren, ging Liza mit der gesattelten Lady in die Halle um mit ihr in der Dressur zu trainieren, während ich mit Ayumi in den Roundpen verschwand.
      Nach ca. einer halben Stunde befand ich, dass es genug war für heute, lobte sie noch einmal und brachte sie dann zurück zu den anderen, wo sie fröhlich in die Luft ausschlug. Grinsend sah ich ihr kurz zu, wie sie mit fliegender Mähne und etwas chaotisch in Richtung Koppel davongaloppierte.
      Anschließend schnappte ich mir Maestoso, den ich erst seit kurzem hatte. Burberry hatte heute auch Pause und musste heute nur noch für einen Spaziergang herhalten, während Liza nach Lady noch Guinness übernahm. Guinness kam zwar aus schlechter Haltung, weswegen meine Gehilfin etwas Respekt vor ihm hatte, aufgrund des Überraschungspaketes, doch mittlerweile konnte sie ihn ganz gut einschätzen.
      Maestoso war schon älter, jedoch wohl nicht viel geritten worden, weswegen ich ihn, wie auch schon die letzten Tage, nur leicht arbeitete und viel v/a ritt um den Muskelaufbau zu fördern. Er hatte zweifelsohne eine gute Ausbildung genossen, denn er reagierte sehr fein auf meine Hilfen und war sehr bemüht alles richtig zu machen. Leider ließ er sich auch diesmal wieder sehr leicht ablenken. Lady war zwar schon aus der Halle draußen, doch jedes Geräusch und jeder unbekannte Geruch hatte sofort seine Aufmerksamkeit. Durch die Bodenarbeit wurde es zwar besser mit seiner Konzentration doch ich wusste, dass ich noch ein gutes Stück Arbeit vor mir hatte. Die letzten 10 Minuten nutzte ich wie immer um etwas Bodenarbeit zu machen und seine Aufmerksamkeit zu schulen. Anschließend, sattelte und zäumte ich ihn ab und ließ ihn noch etwas in der Halle toben, da Liza mit Guinness sowieso ausreiten gehen wollte.
      Während sich der Lipizzaner in der Halle mit Sand panierte, ging ich um Burberry zu holen. Ich putzte ihm ausgiebig die Matschpanade herunter und verzog die Mähne. Anschließend ließ ich ihn kurz warten um Maestoso zurück auf die Koppel zu bringen. Der weiße Hengst war jetzt natürlich so richtig schön braun. Meine Freude darüber hielt sich natürlich in Grenzen, hatte ich ihn doch vorher so schön geputzt. Aber nun gut, das gehört einfach dazu und so stellte ich den ehemaligen Schimmel zurück zu seinen Kumpels in den Offenstall.

      Da ich mit der Arbeit nun fertig war, schickte ich Liza kurz eine SMS das ich Sarah einen Besuch abstatten wolle. Burberry durfte mit. Der sensible Hengst schien sich richtig auf den kleinen Spaziergang zu freuen. Seit ich ihn gekauft hatte, war ich zu einer richtigen Bezugsperson für ihn geworden und wurde auch immer lautstark von ihm begrüßt wenn ich zum Offenstall kam. Der Kleine hatte sich richtig super gemacht, hatte Muskeln aufgebaut, arbeitete schön fleißig mit, wenn man wusste, wie man mit ihm umgehen sollte und hatte sogar schon einige Schleifen gewonnen. Vor allem das Springen schien ihm richtig gut zu gefallen. Dressur fand er schnell mal langweilig.
      Ich ließ meinen Kopf während eines Spaziergangs immer gern Dinge Revue passieren, weswegen mir eben jetzt genau diese Sachen durch den Kopf schossen, während Burberry gemütlich neben mir herzuckelte und hie und da versuchte einen Grashalm zu erhaschen.
      Auf Caed Crevan angekommen, blickte ich mich suchend um, entdeckte jedoch nur Cayden der eine volle Schubkarre vor sich her schob.
      "Hey Cayden. Weißt du wo Sarah steckt?", rief ich lautstark und winkte ihm zu. Der Angesprochene zuckte erstmal erschrocken zusammen. "Julie! Musst du mich immer erschrecken?!", lachte er und kam auf mich zu. "Naja ich schätze mal du hättest gern einen Platz für Burberry, oder?" "Na wenn ihr einen freien Paddock über habt, wäre das natürlich klasse.", grinste ich. "Na gib schon her. Ich finde schon ein Plätzchen für ihn.", meinte Cayden. Anschließend hörte ich ihn noch leise murmeln. "Das sind Pferde...Pferde...keine Hunde, die man Gassi führt. Jedes Mal dasselbe Theater, wenn sie hier ist. Ohne behuftes Tier gehts wohl gar nicht."
      "Cayden ich kann dein Gegrummel hören!", kicherte ich und machte mich auf in die Richtung zu verschwinden, die er mir als Antwort darauf deutete.
      Sarah fand ich schließlich bei Moon. Wo denn auch sonst? Ich hätte es mir eigentlich denken können. Ich begrüßte die Beiden und steckte dem Hengst ein Leckerli zu.
      Wir unterhielten uns schließlich noch bei einer Tasse Tee über Gott und die Welt bis es sowohl für mich, als auch für sie Zeit zum füttern war.

      © Julie

      Pflegebericht 4 - Urlaub in Schottland

      Ich brauchte ein wenig Abwechslung, um endlich meine Gedanken wieder klar ordnen zu können. Aus dem Grunde nutzte ich die Gelegenheit, gute alte Pferdefreunde auf der ganzen Welt zu besuchen. Fast eine Woche hatte ich bei Abajo in Japan verbracht und es war faszinierend gewesen, eine völlig andere Kultur anzutreffen. Nun war ich über Deutschland zurück allmählich auf den Heimweg, bis ich im World Wide Web eine Nachricht von Julie las. Sie hatte momentan etwas Stress und wäre sehr dankbar gewesen, eine helfende Hand an ihrer Seite zu haben. Schottland war jetzt nicht ein sonderlich großer Umweg, weshalb ich schon ein paar Tage später unangemeldet bei ihr aufkreuzte.
      „Wah, Eddi! Mit dir habe ich ja gar nicht gerechnet!“, lachte sie ungläubig und umarmte mich zur Begrüßung. „Ich mache dir direkt das Gästezimmer fertig.“, meinte Julie und wollte schon ins Haus eilen, doch ich hielt sie zurück. „Kein Stress! Mir reicht ein Bett mit Kissen und Decke und das hat bis heute Abend Zeit.“, meinte ich lachend und erklärte Julie wie es kam, dass ich hier vorbeischaute. Leider hatte Julie mit dem Herbstwetter in Schottland nicht untertrieben, denn ab dem ersten Tag regnete es fast ununterbrochen, dennoch wollte ich Julie vor allem im Stall eine Hilfe sein.
      Momentan zog Julie selbst um und musste deshalb allerhand hin und her transportieren, also versorgte ich in der Zeit die Pferde, während Julie ihre Sachen von A nach B transportierte. Am ersten Tag hatten wir uns so viel zu erzählen, dass wir erst spät Abends in den Stall kamen. Da half ich nur noch flott mit bei der Fütterung und viel dann auch nach dem Abendessen hundemüde ins Bett.
      Der nächste Tag brachte schon wesentlich mehr Zeit mit sich. Schon kurz nach sieben stand ich unten in der Küche und bekam von Julie ein köstliches Frühstück serviert. Gemeinsam frühstückten wir, ehe es hinaus in den Stall ging. Dort standen die alltäglichen Arbeiten an: Erst Füttern, dann auf die Weide und dann Boxen misten. Bei elf Pferden ging das aber ganz fix. Julie verschwand unter die Dusche und verabschiedete sich schon einmal für den restlichen Tag. Ich wollte trotz des Regens die Pferde bewegen.
      Also holte ich eine höchst motivierte Ayumi von der Weide, rubbelte sie einigermaßen trocken und putzte sie gründlich. Die extra Aufmerksamkeit schien dem Stutfohlen zu gefallen und sie genoss es sichtlich. Ich wollte die Kleine longieren und das klappte auch mit uns beiden ganz gut. Danach betüddelte ich die Haflingerstute Amadea, welche dringend Bewegung zu brauchen schien. Also putzte und sattelte ich sie, um mit ihr in der Halle zu arbeiten.
      Als Abschluss für heute holte ich die Zuchtstute Lady Äppel von ihrer Weide, putzte sie gründlich und suchte dann ihren Springsattel heraus. Schon lange war ich selbst nicht mehr gesprungen, weshalb wir klein anfingen und dann immer höher wurden. Nach dem Training war es schon nach Mittag. Ich sprang schneller unter die Dusche und fuhr dann in die Stadt, natürlich wollte ich auch etwas Sightseeing machen! Am Abend kamen Julie und ich beinahe gleichzeitig auf dem Hof an. Von dem Tag erschöpft machten wir uns daran, die Pferde in den Stall zu bringen und zu füttern, für heute reichte es!
      Der nächste Morgen lief fast schon routiniert ab und heute nahm ich mir den ganzen Tag für die restlichen Pferde. Nach der Stallarbeit longierte ich den Hengst Burberry, ehe ich einen Ausritt mit Guinness machte. Zwar wurden wir dabei nass, aber etwas anderes blieb einem in Schottland eh nicht übrig, wenn man mal an die frische Luft wollte. Also hieß es danach erst einmal trocknen.
      Frisch und trocken angezogen verwöhnte ich die kleine Stute Salea und übte mit ihr einige von Julie begonnene Zirkustricks. Damit konnte ich bei Lambardo direkt weitermachen und so waren auch die kleinsten versorgt.
      Als letztes holte ich Maestoso India von der Weide und putzte den schicken Schimmel. Er wurde auch longiert und wir machten viel Stangenarbeit. Da ich heute Julie eine Auszeit gönnen wollte, hörte ich eher mit den Pferden auf und kümmerte mich noch um die anstehenden Stallarbeiten. So war alles schon fertig, als Julie geschafft nach Hause kam. Wir aßen noch gemeinsam und dann verschwanden wir auch schon ins Bett.
      Trotz der anstrengenden Tage war ich schon um sechs hellwach. Ich sprang aus dem Bett und machte mich fertig, denn draußen wartete schon die Stallarbeit. Erneut hieß es Füttern und misten und danach bewegen. Heute durfte ich mich auf den Rücken des edlen Van Deyk schwingen und mit ihm etwas Dressur trainieren. Als wir die Halle wieder verließen, hatte es tatsächlich aufgehört zu regnen! Also sattelte ich spontan Conversano India und machte mit der hibbeligen Stute einen lockeren Herbstausritt. Danach longierte ich noch den jungen Appollino, ehe ich tatsächlich mit allen fertig war.
      Zwei Tage blieb ich noch in Schottland, einen davon verbrachte ich in der Nähe von Julies Gestüt und den anderen mitten in einer großen Stadt. Schottland war ein faszinierendes Land und war froh, diese Chance genutzt zu haben, doch allmählich wurde es auch für mich Zeit, nach Hause zurückzukehren.

      © Eddi

      Pflegebericht 5 - Key kommt an!

      Endlich hatte ich mal wieder einen Grund, um bei Julie in Schottland vorbeizuschauen. Insgeheim hoffte ich ja, dass die Sonne scheinen und man etwas von der herrlichen Landschaft sehen würde. Als ich aber den Flughafen verließ, begrüßte mich bereits der Nebel und machte meine Hoffnungen allmählich zu nichte. Seufzend schaute ich mich um und suchte die Halle Nummer 45. Dort wartete meine Mitreisende auf mich. Diese besaß vier Hufen, konnte wiehern und war der Grund, weshalb wir in Schottland waren. Mit dem kleinen Rettungshof Nasty Past war es allmählich zu Ende gegangen und so suchte nun auch die Vollblutstute Key einen wundervollen Endplatz. Und diesen fand sie hier in Schottland bei Julie und ich hatte mich bereit erklärt, die Hübsche zu begleiten. Bisher war alles planmäßig abgelaufen und auch den letzten Check überstand Key problemlos. So standen wir eine Stunde später gemeinsam auf dem Parkplatz und warteten ungeduldig auf Julie. Key graste in der Zwischenzeit zufrieden auf dem kleinen Fleckchen Grün und zog allerhand neugierige Blicke auf sich. Dann kam endlich Julie und wir konnten uns auf den Weg zum Gestüt machen. Dort war Key die erste auf der Liste ganz oben. Sie wurde versorgt und in ihre neue Box gebracht. Alle mochten sie von Anfang an. Während wir sie glücklich beobachteten, wollte auch ihre Boxennachbarin Lady Äppel Aufmerksamkeit, weshalb ich mich der Haflingerstute zuwand und sie ein wenig kraulte. Danach zeigte mir Julie erst einmal mein Gästezimmer und sagte mir dann Bescheid, wenn es Mittagessen geben würde. Anlässlich meines Besuches hatte Julie extra selber gekocht und es gab köstliche Spaghetti. Frisch gestärkt und umgezogen ging es dann wieder in den Stall und Julie holte die beiden Hengste Van Deyk und Burberry von der Weide. Ich durfte den bequemen Haflinger während unseres Ausrittes reiten. Mir reichten aber auch schon die zwei Stunden im Gelände und ich war dank dem kalten, nassen Wetter direkt durchgefroren. "Wäh, das ist echt nichts für mich!", seufzte ich bibbernd, als Julie mir im Stall eine Tasse Tee anbot. Sie sah aus wie vor dem Ritt und grinste nur. Nachdem ich wieder aufgetaut war, betüddelten wir die beiden Jungpferde Ayumi und Appollino. Erst wurden sie ordentlich geputzt und dann gingen wir zusammen eine kleine Runde spazieren. "Gibts hier auch noch anderes Wetter?", fragte ich ironisch und starrte in den bewölkten Himmel. Nach dem Spaziergang zeigte mir Julie ihre Freiarbeit mit den beiden Zwergen Salea und Lambardo. Es war faszinierend wie die beiden auf ihre Kommandos reagierten, man hätte meinen können, sie wären die Stars von einer dieser großen Pferdeshows. Dann neigte sich der Tag auch langsam dem Ende zu und Julie longierte nur noch flott die Haflingerstute Amadea, ehe wir die Pferde alle in ihre frisch gemachten Boxen brachten und die Abendfütterung machten. Dann gab es auch für uns Zweibeiner Abendbrot. Währenddessen plante Julie schon aufgeregt den nächsten Tag. "Morgen soll tatsächlich die Sonne scheinen! Dann können wir einen Ausritt mit Guinness und Maestoso India machen!", meinte sie grinsend zu mir. "Oh und ich muss dir noch meine neue Stute Conversano India zeigen! Ich liebe sie!", fügte sie noch aufgeregt hinzu. Wir unterhielten uns noch eine Weile, ehe ich fix unter eine heiße Dusche sprang und dann auch schon hundemüde ins Bett fiel.

      © Eddi

      Pflegebericht 6 - Sehr viel Stress

      Da der Tag meines Umzugs immer näher rückte und noch ein Berg Arbeit vor mir stand, hatte ich nicht allzu viel Zeit für meine Pferde.
      Die Morgenarbeiten brachte ich schnell hinter mich, um dann zuerst die Stuten und anschließend die Hengste und meinen einzigen Wallach zu füttern.
      Ayumi und Guinness sahen wie immer aus wie ein Mähdrescher beim fressen. Key schob ihr Kraftfutter herum um sich die guten Sachen herauszupicken und den weniger guten Rest später widerwillig auch zu futtern. Appolino und Van Deyk sahen wie immer aus wie zwei Gentleman beim fressen. Ruhig und bedächtig fraßen sie ihr Kraftfutter und vor allem bei Appolino brachte mich das immer zum Lachen, da es so gar nicht zu dem Hengst zu passen schien.
      Während die Pferde ihr Frühstück vertilgten bekam ich einen Anruf von Sarah, dass sie gleich hier wäre. Moon’s Pumpkin sollte heute auch noch ankommen, eine Nachkommin vom Kürbisvieh und Sarah’s geliebtem Moon. Ich hatte die Stute aufwachsen sehen und war von Anfang an verliebt in sie. Leider konnte ich sie zu damaliger Zeit aus unterschiedlichen Gründen nicht zu mir holen, als sie verkauft wurde, weswegen es mich umso mehr freute, dass ich sie nun endlich mein Eigen nennen durfte.
      Gerade war ich dabei einigen Papierkram zu erledigen, als ich ein Auto hörte. Rasch blickte ich auf und sah schon wie Sarah ausstieg. Cayden war sicher bei den Kindern geblieben. Als mein Handy klingelte, hob ich ohne nachzusehen wer es war, ab und meinte nur: „Bin schon auf dem Weg nach unten.“ „Ok.“, tönte Sarahs Stimme durch den Hörer und legte auf.
      Als ich unten ankam, hatte sie schon den Transporter geöffnet und Pumpkin herausgeholt, damit sie sich etwas umsehen konnte. Nachdem ich sie herzlich begrüßt hatte, gab sie mir den Strick in die Hand und ich entschloss mich sie gleich auf eine angrenzende Weide meiner Stuten zu stellen, da sie sehr ruhig zu sein schien und sich etwas die Beine vertreten sollte, nach der Fahrt. Zufrieden beobachtete ich mit Sarah wie die Connemarastute erstmal quer über die Koppel gerast ist, um dann nach kurzem Wälzen anzufangen zu grasen.
      „Sie fühlt sich schon wie zuhause.“, lächelte Sarah. „Ja es scheint so.“, freute ich mich und lächelte ebenfalls. „Nun gut, ich muss wieder zurück. Cayden muss noch weg und die Kinder sollten nicht allein sein.“ „Ist gut. Schönen Gruß an alle.“, meinte ich und umarmte sie zum Abschied. Sie winkte nochmal kurz als sie in Richtung Auto ging und dann war sie weg.
      Seufzend ging ich wieder zurück zum Papierkram.
      Nachmittags longierte ich Key und Guinness, und ging dann mit Appolino eine kurze Runde ausreiten. Für Van Deyk stand heute Dressur auf dem Programm, doch ich ließ es mir nicht nehmen auch noch mit meinem Schecken eine Runde im Wald zu drehen, als wir mit der Arbeit fertig waren. Nachdem ich mit Ayumi noch etwas Bodenarbeit gemacht hatte, was sie super gemeistert hat, holte ich mir noch Pumpkin von der Weide, die sich schon etwas mit den Stuten angefreundet zu haben schien, putzte sie ausgiebig und ging dann eine kleine Runde mit ihr spazieren. Sie kannte die Gegend, schließlich war sie hier aufgewachsen, doch man merkte ihr an, dass sie einige Zeit weg war.
      Anschließend ließ sich einfach mal zu den Stuten. Es hatten sich bisher alle sehr friedfertig verhalten, also dachte ich, ich könnte diesen Schritt wagen. Ich behielt Recht und Pumpkin wurde ohne Wenn und Aber aufgenommen. Einige Rangstreitigkeiten würden sicher noch kommen, aber es würde sicher nicht schlimm enden.
      Nachdem alle Pferde versorgt waren und an ihrem Heu knabberten, wandte ich mich wieder meiner Arbeit zu, die noch anstand bevor ich umziehen konnte.

      © Julie

      Pflegebericht 7 - Stress lass nach

      Müde wankte ich in den Stall. Der Umzug war stressiger als ich gedacht hatte. Schnell fütterte ich die Pferde und brachte sie dann hinaus. Zuerst kamen Moon, Key und Ayumi auf ihren Paddock, die Koppeln waren über den Winter geschlossen. Anschließend holte ich Appollino, Guinness und Deyk und brachte sie auf den zweiten Winterpaddock. Dort kontrollierte ich schnell ob genug Heu da war und ob die Tränker funktionierten. Zum Schluss mistete ich noch die Boxen aus und ging dann zurück zu meinem Papierkram.

      © Julie

      Tierarztbericht 1

      Da meine Rasselbande demnächst auf die große Reise gehen soll, wollte ich sie vorher alle noch mal durchchecken und die Impfungen auffrischen. Auch entwurmt sollten alle nochmal werden. Also sammelte ich in der Praxis alles zusammen und fuhr auf meinen Hof. Ich hatte schon am Morgen alle Pferde gefüttert und sie danach auf die Weide entlassen. James, ein alter Kumpel von mir, der mir schon ewig auf dem Hof half, tauchte wenig später auf und ich erklärte ihm wie ich die ganze Geschichte anpacken wollte.
      Da ich mir zuerst die Stuten vornehmen wollte, bewaffneten wir uns 2 Stricken und holten nach und nach Strigoi, Ayumi, Maifee und Alice von der Koppel. Alice band ich gleich am Putzplatz an, die anderen brachte ich vorrübergehend in den Stall.
      Dann holte ich mein Zeug und begann Alice erstmal durchzuchecken. Ich betastete ihren Rücken und ihre Beine, sah mir die Zähne an, maß den Puls und die Temperatur. Anschließend ließ ich sie mir noch von James vortraben. Es passte alles wunderbar, also verabreichte ich ihr zuerst die Wurmkur und frischte dann die Impfungen auf.
      Als nächstes kam Maifee dran. Die kleine Stute wurde ebenfalls durchgecheckt, ihr Gangbild angesehen und dann geimpft und entwurmt.

      © Julie

      Tierarztbericht 2
      Als ich in meinen Kalender schaute, stellte ich fest, dass auf meinem Plan heute sieben Pferde zum impfen und entwurmen standen.
      Das war mir sehr recht und angenehm. Sie standen alle auf dem selben Hof, sodass der Termin eigentlich recht schnell gemacht sein dürfte.
      Pfeifend ging ich zum Auto und öffnete den Kofferraum, um meine Bestände an Spritzen, Nadeln und Injektionslösungen zu kontrollieren.
      Es war etwas wenig Influenza-Impfstoff vorhanden und auch die Kombipräparate waren offenbar sehr beliebt in der Nutzung. Rasch füllte ich diese Bestände auf, bevor ich mich langsam auf den Ledersitz des Wagens gleiten ließ, den Schlüssel in das Loch fummelte und ihn anließ.
      Ich hatte eine recht weite Fahrt vor mir und zu allem Überfluss schien es heute gar nicht aufhören zu wollen zu regnen, sodass ich nur schleppend vorankam.
      Aber nach einer guten Stunde Fahrt kam ich auf dem Hof von Julie an.
      Rückwärts lenkte ich das Auto diagonal vor die Stalltür, dann ließ ich den Motos ausgehen und stieg aus, um sogleich raschen Schrittes in den Stall zu waten – auf dem Hof hatten sich bereits knöcheltiefe Pfützen gebildet.
      Überrascht stellte ich fest, dass sowohl Julie als auch meine erste Patientin – Ayumi – bereits auf mich warteten. Julie saß an der Wand gelehnt vor dem Jungpferd und blickte zu dem Rappschecken auf, die interessiert hinab blickte und ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht blies. Sie lachte.
      Als Julie mich bemerkte, schrak sie kurz hoch und erhob sich dann. Schief lächelnd begrüßte sie mich, dann erklärte sie kurz, was zu machen sei.
      „Alle Pferde brauchen Impfungen und Wurmkur. Ayumi hatte die letzte Impfung im Oktober.“
      Ich nickte, dann erklärte ich ihr kurz und bündig: „Gut, dann braucht sie jetzt nur Influenza. Tetanus müsstest du im Oktober noch einmal impfen lassen. Anschließend reichen hier alle zwei Jahre.“
      Sogleich stapfte ich zum Auto und zog eine Spritze mit der richtigen Menge Influenza-Impfstoff auf. Anschließend setzte ich eine neue Nadel auf die Spritze und nahm direkt eine Wurmkur für die Halbblutstute mit.
      Ich klopfte sie zunächst ab, dann desinfizierte ich die Einstichstelle mit dem Alkoholtupfer und injizierte dann die Impfung. Sie zuckte nicht einmal zusammen und blieb vollkommen ruhig stehen.
      „Na, wenn man jedes Jungpferd hierbei so artig bliebe!“, lobte ich und klopfte den Hals nochmals.
      Anschließend stellte ich bei der Wurmkur das richtige Gewicht ein und verabreichte sie ihr, indem ich die Paste tief in ihren Schlund drückte, was sie zum schlucken zwang.
      Auch dieses Prozedere ließ sie überaus artig über sich ergehen.
      Nachdem ich sie nochmals gelobt hatte, durfte sie wieder in die Box, woraufhin Julie just einen Augenblick später mit dem nächsten Patienten ankam.
      Nun war Amadea an der Reihe – eine dreijährige Haflingerstute in auffallend dunkler Jacke.
      Auch sie begrüßte ich als erstes, dann ließ ich mir berichten, wann die Stute das letzte Mal geimpft wurde.
      Es ergab sich, dass hier noch die Grundimmunisierung gemacht werden müsste.
      Folglich zog ich ein Präparat gegen Tetanus und Influenza auf.
      Amadea starrte mich unwillig an, als ich mit der Spritze kam, und quietschte, während sie die Ohren kurz anlegte, blieb jedoch artig stehen, sodass ich lobte und ihr ein Leckerli zukommen ließ. Schließlich sollte sie auch nicht lernen, dass der Tierarzt böse ist.
      „Die Impfung muss in vier bis acht Wochen noch einmal aufgefrischt werden. Dann in einem halben Jahr noch einmal Influenza und in einem Jahr Tetanus“, erklärte ich.
      Auch Amadea bekam anschließend ihre Wurmkur, von der sie nicht sonderlich begeistert war. Murrig kaute sie leer, die Ohren zur Seite hin abgeklappt. Doch immerhin hatte ich die Paste einigermaßen kampffrei in ihr Maul bekommen – das reichte mir schon.
      Sichtlich dankbar war die Haflinger-Dame, als sie wieder in ihren Stall durfte und vom nächsten Pferd abgelöst wurde.
      Dieses war, wie ich mir erklären ließ, die Mutter von Amadea: Lady Äppel.
      „Huch, wo hat Amadea denn diese dunkle Farbe her?“, entfuhr es mir, denn ihre Mutter war wirklich sehr, sehr hell – selbst für einen Haflinger. Aber sie war bildhübsch: Langbeinig, fein gebaut, aber dennoch von gutem Fundament und mit einem erstaunlich zartem Köpfchen mit großen, ausdrucksstarken Augen.
      Julie lachte und zuckte mit den Schultern. „Der Vater ist unbekannt. Da muss sie’s her haben.“
      Das klang einleuchtend. Von Lady hatte sie es jedenfalls nicht.
      Lady Äppfel benötigte ebenfalls die Grundimmunisierung, also bekam sie auch das Kombipräparat Tetanus und Influenza.
      Wie ihre Tochter auch, quietschte sie mich empört an, blieb aber artig stehen.
      Ich lobte die Haflingerdame kurz, dann verabreichte ich auch ihr die Wurmkur. Diese nahm sie ein kleines bisschen schlechter als ihre Tochter – denn sie machte das Maul erst gar nicht auf. Behände griff ich in die Laden und drückte die Tube dann rasch hinein, sodass sie keine Wahl mehr hatten.
      Dann funktionierte das Ganze auch sehr gut.
      Sie kaute deutlich leer, als Julie sie in den Stall brachte und schielte mit einem halben Auge wieder zurück zu mir, als wolle sie sagen: „Das merk ich mir!“ Und ich befürchtete, dass sie dies auch tat.
      Der nächste Kandidat war wieder ein Haflinger.
      Als ich die Abstammung erfuhr, war ich erstaunt – den Vater kannte ich auch. Ich war von diesem Hengst sehr begeistert und schätzte ihn hoch ein. Als Julie mir dann erzählte, dass Burberry bereits auf L-Niveau sprang, wunderte dies mich wenig.
      Offenbar war hier eine sehr gute Anpaarung gewählt worden.
      Auch für Burberry zog ich die Spritze für die Grundimmunisierung auf.
      Als ich auf ihn zutrat, schnaufte er, bummelte dann leicht und trat mit den Vorderhufen hin und her, leicht zappelig. Ich klopfte ihm den Hals, gewarnt, dass er sehr sensibel war.
      Auf die Berührung mit dem kühlen Alkoholtupfer reagierte er mit einem forschen Blick und einem Laut, der sich anhörte wie ein Grunzen. Auf die Impfung an sich hin quietschte er und haute mit der Vorhand aus – seine Wut bekam jedoch nur die Wand zu spüren.
      Dennoch lobte ich ihn dafür, dass er nicht weiter ausgeschweift war.
      Die Wurmkur nahm Burberry erstaunlicherweise sehr gut an, auch wenngleich er mir unmissverständlich zu verstehen gab, dass es endlich mal Wurmkur mit Apfelgeschmack geben solle, indem er die Kiefer einige Male aufeinander schlagen ließ, mit dem Kopf hoch und runter schlug und die Zunge aus dem Mund fallen ließ, um daraufhin ausgiebig zu gähnen.
      „Den kann man bestimmt lange beobachten…“, stellte ich fest, woraufhin Julie lachte und erklärte, dass es immer wieder etwas neues mit ihm gebe.
      Burberry durfte nun wieder in den Stall und wurde von Guiness abgelöst, einem Irish Tinker.
      Bei Guiness warnte Julie mich direkt vor, dass sie nicht wisse, wie er sich verhalten würde. Sie hatte ihn von einem Gnadenhof übernommen, der ihn gerettet hatte, nachdem er ziemlich verwahrlost worden war.
      Dementsprechend trat ich dem Hengst mit gebürtiger Vorsicht entgegen und begrüßte ihn zunächst eingehend, indem ich ihm sanft über den Hals strich und ruhig mit ihm redete.
      Doch ich schien für ihn gar nicht so interessant zu sein. Er ließ sich artig kraulen und horchte auch auf, was deutlich wurde, indem er ein Ohr zu mir drehte. Aber er ließ den Hals fallen und atmete geräuschvoll aus.
      Er benötigte nur Influenza, alles andere wurde bereits bei den Vorbesitzern übernommen.
      Bei der Impfung spannte ich meinen Körper unwillkürlich an, bereit, zur Seite zu springen, sollte etwas sein. Doch er zuckte nicht einmal, er blieb vollkommen gelassen stehen, so als wäre es das normalste von der Welt.
      Ich lobte ihn, dann bekam er seine Wurmkur, die er ähnlich leicht nahm, und dann durfte er wieder in die Box.
      Das nächste Pferd entsprach genau meinen Vorstellungen: „Hach, ist die süß!“, entfuhr es mir, als Julie mit Salea um die Ecke kam. Minishetty, Schecke, kleine Stute mit keckem Ausdruck – genau mein Ding!
      Ich begrüßte die kleine kurz, dann impfte ich sie. Sie bekam die erste Spritze der Grundimmunisierung gegen Tetanus und Influenza.
      Sie war sehr artig dabei und ließ alles mit sich machen, ein kurzes Zucken konnte sie dennoch nicht unterdrücken.
      Auch die Wurmkur nahm sie sehr gelassen und schluckte es artig hinunter, sodass ich mit Salea schnell fertig war.
      Ich lobte die kleine Dame für ihr gutes Benehmen, dann durfte sie wieder in die Box, bevor Julie mit meinem letzten Patienten wieder kam.
      Dieser war Maestoso India, ein Lipizzaner-Hengst.
      Auch ihn begrüßte ich kurz, dann bekam er von mir die Spritze für die Grundimmunisierung und die Wurmkur.
      Beides ließ er mit stoischer Gelassenheit über sich ergehen.
      Ich lobte ihn dafür, dass er so brav war, dann konnte er schon wieder in seine Box.
      Als Julie wieder kam, gab ich ihr einen Terminzettel mit den Angaben, wann welches Pferd welche Impfung wieder brauchte.
      Dann verabschiedete ich mich von ihr, setzte mich in mein Auto und machte mich auf den langen Weg nach Hause.

      © Eowin

      Tierarztbericht 3
      Heute hatte ich einen Großauftrag, welcher mich mal wieder zu Julie nach Schottland führte. Etwas müde stieg ich aus dem Auto und wurde kurz darauf auch schon in Empfang genommen worden. Erst kürzlich war ich wegen Maestoso India hier gewesen, heute sollten die restlichen an der Reihe sein. Aber bei dem Lipizzaner würde ich auch noch einmal vorbeischauen müssen, denn auch er sollte noch gechippt werden.
      Aus dem Grund begannen wir auch direkt bei dem Schimmel, für welchen ich gerade das Präparat vorbereitete. Danach suchte ich mir die passende Stelle am Hals und nach einer Minute war das Ganze vorbei. Der Chip war unter der Haut und auch wenn India kurz zusammengezuckt war, hatte er es kaum gemerkt. Nun fuhr ich zur Kontrolle mit dem Lesegerät über besagte Stelle. Dieses erkannte den Chip und so konnte ich die Nummer auch direkt in Indias Pass schreiben und der erste Patient war fertig.
      Da für die kommenden wesentlich mehr anstand, bereitete ich mir auf einem kleinen Beistelltisch alles vor, damit ich es direkt griffbereit hatte und so wesentlich schneller hantieren konnte. Als erstes war eine mir bereits bekannte Stute an der Reihe: Key. Die hübsche Vollblutstute schien sich inzwischen bestens eingelebt zu haben und begrüßten mich mit einem leisen Brummeln. Zu Beginn bat ich Julie auch direkt, mir die Stute im Schritt und Trab auf der Stallgasse vorzuführen. Die Gänge waren klar und schwingend, dementsprechend bezweifelte ich, dass Key irgendwelche Probleme zu haben schien.
      Nun ging es mit dem Blick in Ohren, Augen und Nüstern weiter. Der Kopf des Pferdes konnte sehr viel über die momentane Gesundheit aussagen und so war es auch bei Key der Fall. Sie war kerngesund, so konnten wir direkt zur Zahnkontrolle übergehen. Das bedeutete Maul auf, Maulsperre rein, einmal durchleuchten und Maulsperre wieder raus. Key hatte sehr gute Zähne, was ich bei ihrer Vergangenheit immer wieder bewundernd fand.
      Nun machten wir weiter mit dem Abhören und Abtasten. Vor dem Stethoskop hatte Key ein wenig Angst, aber sie bemühte sich, ruhig zu halten und so konnte ich die Frequenzen ganz gut kontrollieren. Danach tastete ich sie noch vom Genick an die Wirbelsäule entlang ab, ehe zu guter Letzt noch die Körpertemperatur kontrolliert wurde. Key war fit wie ein Turnschuh und nun kamen wir zum unangenehmeren Teil.
      Wir begannen mit dem Röntgen. Das ging mit Key ganz fix, denn sie stand wie eine Statue da und so klappte jedes Bild auf Anhieb. Danach musste ich ihr leider etwas Blut abnehmen, das fand sie nicht sonderlich toll, hielt es aber tapfer aus. Nun stand das Chippen an. Wieder eine große Nadel vor der Key sichtlich Respekt hatte. Sie hielt aber still und so war der Chip schnell unter der Haut.
      Laut ihrem Impfpass mussten Influenza und Herpes erneuert werden. Ich bereitete beide Spritzen vor, desinfizierte die neue Stelle am Hals und dann ging es zackzack und Key war geimpft. Nun gab es nur noch die Wurmkur und Key hatte das riesige Paket an Untersuchungen und Spritzen geschafft. Während Key mich verließ, erneuerte ich die Materialien und dann stand auch schon Appollino vor mir, ein kleiner, hübscher Mixhengst.
      "Och ist der süß", meinte ich lächelnd zu dem Fuchs, der mich aufmerksam beobachtete. Auch bei ihm begannen wir mit dem Vorführen, ehe ich den Kontrollblick am Kopf tat und dann direkt mit der Zahnkontrolle weitermachte. Appollino hatte einen Haken am rechten Hengstzahn, welchen ich vorsichtig wegfeilte, ehe er Unheil anrichten konnte. Ansonsten sahen seine Zähne aber wunderbar aus, so dass ich mit dem Abhören und Abtasten direkt weitermachen konnte.
      Bei beidem hielt Appollino wunderbar still und dann bekam er eine kurze Pause, ehe wir mit dem Röntgen weitermachten. Bei Appollino machte ich zu den normalen Aufnahmen noch zusätzliche Bilder seines vorderen Beines an welchem er einen Sehnenschaden gehabt hatte. Julie wollte natürlich auf Nummer sicher gehen, dass auch dort alles in Ordnung war.
      Dann hieß es Blut abnehmen, ehe auf Appollino schon sein ganz persönlicher Chip wartete. Spritzen mochte der junge Hengst nur leider gar nicht und von dem Blutabnehmen hatte er eindeutig schon genug, sodass er großes Theater bei den weiteren Spritzen machte. Chippen und Impfen waren daher eine wahre Herausforderung. Die ich erst nach einer halben Stunde endlich bewältigt hatte.
      Ein wenig entnervt gab ich Appollino dann noch seine Wurmkur und er durfte gehen. Ich erneuerte den Impfpass, während Julie mir das Pferd austauschte. Nun stand Van Deyk vor mir. Mit seinen 170cm Stockmaß überragte er mich um längen und ich hoffte inständig, dass er einer von der braven Sorte war. Julie konnte mich aber beruhigen, anscheinend schien Van Deyk problemlos zu sein, so lange seine Bezugsperson in der Nähe war. Perfekt.
      Wir begannen wieder mit dem ganzen Prozedere: Vorführen, dann kurz anschauen, abhören und abtasten. Danach war die Zahnkontrolle an der Reihe, wobei ich bei Van Deyk wesentlich mehr zu tun hatte, da er sich eine Kaufläche schief abgenutzt hatte. Das dauerte schon sein Weilchen das wieder zu richten. Danach konnten wir aber direkt mit dem Röntgen und Blutabnehmen weitermachen. Van Deyk ließ sich wunderbar von Julie beruhigen und so waren auch Chippen und Impfungen kein Problem. Auch die Wurmkur wurde vorbildlich geschluckt und schon war Patient Nummer vier fertig.
      Nun war Guinness an der Reihe. Der ruhige Tinker war eine willkommene Abwechslung, denn bei ihm lief alles problemlos ab. Die Untersuchung ergab, dass er kerngesund war und auch an seinen Zähnen musste ich nichts machen. Das Röntgen ließ er vorbildlich über sich ergehen und die Spritzen schien er nicht einmal zu merken. Dementsprechend waren wir mit ihm wohl fast am schnellsten von allen fertig und schon durfte er gehen.
      Als letztes war nun nur noch Ayumi an der Reihe. Auch wenn ich langsam fertig werden wollte, ließ ich mir für das Stutfohlen viel Zeit, damit sie keine Angst haben musste. Das Vorführen und die Untersuchungen machte sie auch ganz toll mit. Beim Röntgen blieb sie brav stehen, nur vor den Spritzen hatte sie etwas Angst. Aber sie hielt still, auch wenn sie am ganzen Leib zitterte. So war auch Ayumi am Ende gechippt, geimpft und entwurmt.
      Ich packte meine Sachen zusammen und verabschiedete mich dann von Julie, die Ergebnisse vom Röntgen und vom Blutbild würde ich ihr heute Abend zuschicken.

      © Eddi

      Hufschmiedbericht 1
      Heute hatte mich Julie gebeten, mich um die Hufe ihrer Pferde zu kümmern. Ich war schon anwesend, denn ich hatte mich vorher schon um einige andere Pferde gekümmert. Ayumi wurde gerade angebunden. Ich streichelte sie kurz, dann holte ich meine Werkzeuge. Sie beäugte mich nervös, die Ohren leicht angelegt, während ich an ihren Hufen arbeitete. Zuerst kratzte ich ihr gründlich die Hufe aus, dann überprüfte ich eben jene nach Beschädigungen, Entzündungen oder Ähnlichem. Danach machte ich einen Probeschnitt, bei dem ich feststellte, dass sehr viel ausgeschnitten werden musste. Dann entfernte ich das viele lose Sohlenhorn von allen Hufen, was sich Ayumi ebenfalls nervös, aber schließlich doch brav, gefallen ließ. Danach raspelte ich noch ein wenig an den Hufen herum. Das gefiel ihr gar nicht, sie fing an, unruhig zu zappeln und mir die Hufe allesamt immer wieder aus den Händen zu reißen. Nur mittels beruhigender Worte und Kraulen hinter dem Ohr konnte ich sie dazu bringen, still zu halten. Schließlich, nachdem alles durchgestanden war, ließ ich sie probeweise ein wenig herumlaufen. Die Hufe waren gut, so wie sie jetzt waren. Ich streichelte Ayumi noch einmal und sie bekam eine Möhre von mir. Kurz darauf verabschiedete ich mich von Ayumi, und fuhr vom Hof, meine Sachen sicher im Kofferraum meines Autos verstaut.

      © Helly25

      Hufschmiedbericht 2
      Ich ließ mich in den Bully fallen, ließ den Motor an und schaltete als allererstes das Radio an, Sender umschalten, die passende Musik an. Check!
      Ich hatte eine relativ weite Fahrt vor mir – und das fiel mit Musik einfach leichter. Zumal diese auch das Geklapper der Hufeisen überdeckte, das konnte nämlich ganz schön nerven.
      Rückwärtsgang rein, laut mitsingen, ab geht’s!
      Nach rund einer Stunde Fahrt war ich endlich auf dem kleinen Gestüt von Julie angekommen, parkte meinen Bully direkt vor dem Stall und begrüßte Julie kurz. Ich ließ mir die Pferde zeigen, welche ich machen sollte, dann musste sie sich verabschieden, da sie noch Termine hatte.
      Als erstes stand Van Deyk auf den Plan. Den Hengst kannte ich bereits, sodass wir kein großes Problem miteinander hatten.
      Ich band ihn an, streichelte ihn kurz und holte dann meine Ausrüstung. Zuerst musste ich die alten Eisen entfernen, dann kürzte ich den Huf und feilte ihn in die richtige Form.

      © Eowin

      Hufschmiedbericht 3
      Mit Jetlag und nach einem langen Arbeitstag von Birmingham nach Schottland zu fahren war vielleicht nicht die beste Idee, die ich jemals hatte. Sie war auch nicht wirklich in den Top 10 – nicht mal in den Top 20. Aber es führte nichts daran vorbei.

      Zum Glück hatte ich meine Winterjacke eingepackt. Ich traute dem Herbst auf der Insel nicht, vor allem nicht, nachdem Adèle mit einer Erkältung nach Hause gekommen war. Also packte ich mich dick ein, legte mich mit einer extra Decke in das gemietete Motelzimmer und zappte ein wenig durchs britische Fernsehen.

      ***

      Ich hatte keine Ahnung, wie und wann ich einschlief, aber plötzlich piepte mein Wecker lautstark in mein Ohr, sodass ich für ein paar Sekunden befürchtete, taub zu sein. Mögliche Hörschäden hin oder her, mein Job wartete und somit auch meine Klientin (sagte man das überhaupt?).

      Der Kaffee einer bekannten amerikanischen Coffeeshop-Marke und das gekaufte Croissant sollten dann für den nötigen Energieschub sorgen. Trotzdem gähnte ich noch, als ich auf Julie Callahans Gestüt ankam. Was natürlich aber an der Kälte lag – Gott, war ich froh, meine Winterjacke mitgenommen zu haben!

      Immer noch meinen Latte mit zwei Espresso Shots schlürfend wurde ich schließlich von Julie begrüßt. Da das ja heute ein Großauftrag werden sollte, hielten wir uns aber nicht weiter mit Smalltalk auf, sondern gingen sofort in den Stall.

      Damit der Ofen in der Zwischenzeit aufheizen konnte, machte ich mich erst einmal an die Barhufer. Als erstes war ein Vollblut dran, das auf den Namen Key hörte. Das Vorführen der Stute war kein Problem, weswegen ich mich gleich an ihre Nagelpflege machte.

      Die Hufe waren keineswegs in einem schlechten Zustand, nur ein Stück zu lange. Also nahm ich mir mein Hufmesser und fing an, die Sohle auszuschneiden. Auch der Tragrand war schnell abgeknipst, was bedeutete, das ich mit der Arbeit an der planen Sohle weiterarbeiten konnte. Während ich raspelte und dann noch die Hufwände begradigte, blieb die Stute erstaunlicherweise ruhig stehen – nicht unbedingt das, was ich von einem englischen Vollblut gewohnt war. Julie erklärte mir, dass sie gar nicht für Rennen eingesetzt worden war, sondern ein Springpferd war. Dann musste ich natürlich nachfragen, ob und wie häufig Key auf Turniere ging. „Das ist natürlich anstrengend für die Hufe,“ erklärte ich, als ich den letzten Huf aufbockte und schließlich auch hier noch die Hufwand anpasste, damit der Huf eben auf dem Boden liegen konnte. „Sollte sie wirklich häufiger auf Turniere gehen, wäre es wohl nicht gerade schlecht, über einen Beschlag nachzudenken.“

      Nach einer letzten Kontrolle und dem anschließenden letzten Vorführen brachte Julie dann schon die nächste Stute herbei. Ayumi war gerade einmal zwei Jahre alt und ein bunter Mix – zur Hälfte Araber, zur anderen Hälfte ein Hannoveraner-Pinto-Mix – der beim Vorführen mehr tänzelte als trabte. Es dauerte ein wenig, doch auch dann konnte ich mir ein gutes Bild machen.

      Da die Stute ja noch nicht eingeritten war und relativ gute Hufe hatte, sprach auch hier alles für das Barhuf gehen. Im Gegensatz zu Key war Ayumi ein wenig unruhiger und temperamentvoller; mein Leckerli, dass ich ihr vor der Prozedur anbot, nahm sie jedoch ohne großes Tamtam an. Deswegen machte ich mir erst mal keine Sorgen, sondern ließ mir bei allem einfach ein wenig Zeit. Zwar hatte Ayumi schon einige Hufschmiedbesuche hinter sich, aber das hinderte sie nicht daran, ein paarmal ihr Temperament zu zeigen. So war ihr das Aufbocken nicht ganz geheuer, aber letzten Endes konnte ich ihr auch noch die Hufe mit Huföl einfetten, ehe es mit frischer Maniküre nach einer letzten Kontrolle wieder auf die Weide ging.

      Das nächste Pferd war dann einfach eine Augenweide. Gut, ich war vielleicht mit meinen Lewitzern ein wenig vorbelastet und musste Schecken einfach super finden, aber Van Deyk verkörperte dann noch die sportliche Seite, die ich mit Ponys einfach nicht so hinbekam. Alles in allem war er einfach ein Traum von einem Pferd – deswegen fiel es mir fast schwer, mich wirklich auf die Arbeit zu konzentrieren, als Julie ihn vorführte. Auch bei ihm konnte ich letzten Endes keine Probleme beim Auffußen finden.

      Dass es bei ihm schon ein bisschen länger her war mit dem Ausschneiden sah ich, sobald ich den ersten Huf hochnahm. Ich nahm mir auch hier deswegen mehr Zeit, um ihn gründlich auszuschneiden, bevor ich dann meine Zange nahm und den Tragrand abklipste. Während der ganzen Behandlung, inklusive Raspeln und Aufbocken und sonstiges, blieb Deyk ruhig neben Julie stehen. Aus irgendeinem Grund schien es aber, dass er, sobald sie einen Schritt zur Seite machen würde, hinterher springen würde – er wirkte etwas angespannt, doch Julie beruhigte mich. „Er ist manchmal ein bisschen wie ein Hund,“ scherzte sie, als ich beim letzten Huf angelangt war und nach einem weiteren Vortraben alle vier Hufe noch mit Huffett einpinselte. Dann musste ich mich auch schon wieder von ihm verabschieden – immerhin hatte ich hier noch etwas zu tun.

      Die letzten zwei Patienten – hatte ich als Hufschmied Patienten? War das überhaupt das richtige Wort? – waren einmal ein großer Tinker, neben dem ich mich wirklich mickrig fühlte, und ein kleines Mixpony. Guinness, der Tinker, war zuerst dran und war wohl der härteste Brocken des heutigen Tages. Beim Vortraben war noch alles in Ordnung, doch Julie erzählte mir von seiner schlimmen Vergangenheit und dass er deswegen ziemliche Probleme mit Menschen hatte. Wieder versuchte ich also, langsame, fließende Bewegungen zu machen und den Hengst schon einmal ein wenig zu beruhigen, während ich noch nicht an seinen Huf herumwerkelte.

      Es dauerte dann doch ein wenig, aber wenigstens waren seine Hufe in einem guten Zustand. Ich musste mich natürlich erst einmal durch den dichten, tinkertypischen Behang kämpfen, aber so sahen die Hufe sehr gesund aus. Groß viel Arbeit war er also nicht. Apollino, das Mixpony, war da nicht so glimpflich mit davon gekommen; schon, als er auf mich zukam, sah ich die ausgebrochenen Hufe. Es war nicht schlimm, nur eine kleine Ecke in den Vorderhufen – machbar also. Beim Korrigieren der Hufe gab ich Julie dann Tipps, wie sie die trockenen Hufe pflegen musste, um zu verhindern, dass sie zu viel Wasser verloren.

      „Am besten zwei bis dreimal pro Woche die Hufe abwaschen und anschließend mit Huffett einpinseln,“ sagte ich und setzte den letzten Huf wieder ab. „Trockene Hufe kommen aber auch gerne mal von Mineral- und Vitaminmangel, da kann ich ehrlich gesagt nur ein gutes Mineralfutter empfehlen und dann sollte das in den nächsten Wochen auch schon besser aussehen.“ Dann schenkte ich Julie noch ein Lächeln und bat sie, mir den Hengst einmal vorzuführen.

      Nachdem ich mich vergewissert hatte, dass alles passte wie es passen sollte, packte ich mein Zeug wieder zusammen und verabschiedete mich schließlich von Julie. Immerhin hatte ich einen Flug zu erwischen!

      © Rhapsody

      Ausbildungsbericht 1 - Gelände- & Schrecktraining

      Mit einem etwas schlechten Gewissen bereitete ich heute das Gästezimmer für unseren kommenden Gast vor. Ein neuer Auftrag war schon vor längerer Zeit eingegangen, leider hatte ich diesen hinauszögern müssen, da die nebenherlaufende Uni und die dazugehörige Klausurenphase doch mehr Zeit und Kraft in Anspruch genommen hatten als gedacht. Außerdem handelte es sich bei dem neuen Pferd um eine zweijährige Stute, welche ein Schreck- und Geländetraining samt ihrer Besitzerin absolvieren sollte und das erforderte von mir sehr viel Ruhe und Aufmerksamkeit.
      So kamen Julie Callahan und ihre Stute Ayumi zwei Wochen später als geplant an. Dennoch waren beide bester Laune und überrascht über das doch angenehme Wetter in Kanada. „Ich hätte es mir kälter vorgestellt“, war der erste Satz, den ich von Julie zu hören bekam und musste direkt lachen. Tatsächlich hatten wir momentan immer noch angenehme um die 15°C rum, so dass man selbst die herbstlichen Regenschauer sehr gut überstehen konnte.
      Gemeinsam luden wir nun erst einmal Ayumi aus, die sich die Beine direkt auf ihrer kleinen Extraweide vertreten durfte. Wir hatten gerade eine der Trockenphasen des Tages erwischt, so dass Ayumi ungestüm über die Weide rasen konnte und sich nach der langen Fahrt erst einmal bewegen durfte. Während sie das tat, erzählte ich Julie von meinen Plänen, Ayumi mit zwei meiner Jungstuten zusammenzubringen, damit sie die kommende Woche nicht alleine stehen müsste. Sinfonie und Ginny waren beide sehr ruhig und lieb, da dürfte es keine Probleme geben und außerdem waren sie fast im gleichen Alter.
      Julie war davon begeistert und nachdem Ayumi sich ausgetobt hatte, brachte ich die besagten beiden Jungstuten auf die Nachbarsweide. Heute würden sie sich erst einmal beschnuppern dürfen, ehe es dann abends sowieso in den Stall ging. Morgen würde Ayumi die beiden dann eventuell genauer kennenlernen dürfen. Für Julie ging es nun auch erst einmal in ihr Gästezimmer. Immerhin war schon später Nachmittag und auch sie hatte eine lange Reise hinter sich. Ich ließ ihr auch bis zum Abend Zeit, gegen 18 Uhr wollten wir dann essen und natürlich war Julie herzlich dazu eingeladen.
      „Bei uns geht es dann immer etwas familiärer zu als auf Townsend Acres“, meinte ich lachend abends am Tisch, als Julie mit bei meiner kleinen Familie saß. Wir hatten auch nur ein Gästezimmer, aber gerade für solche Kunden wie Julie und ihre junge Stute war das eigentlich perfekt und Julie konnte sich auch direkt wunderbar mit ins Gespräch einbinden.

      Am nächsten Morgen ging es zumindest für mich früh los, denn trotz des Gasts mussten die eigenen Pferde auch gefüttert und auf die Weide gebracht werden. Um acht war ich mit allen Pferden fertig und die Stallarbeit war auch gemacht, denn nach dem Frühstück wollte ich gemeinsam mit Julie mit Ayumi arbeiten, ehe wir uns auch an die Zusammenführung auf der Weide machen wollten. Der Tag war also jetzt schon fast verplant.
      Doch nun war erst einmal die Stärkung angesagt und auch Julie fand ich am Frühstückstisch. Wir ließen uns auch genug Zeit, immerhin hatten wir den ganzen Tag Zeit. Danach ging es aber für uns beide direkt in den Stall und während wir beide zusammen Ayumi putzten und fertig machten, klärte ich Julie darüber auf, was wir machen wollten.
      So begann unser Training mit einem kleinen Spaziergang über den Hof und durch den Wald. Für Ayumi war das schon spannend genug, immerhin war sie nicht nur auf einem anderen Hof sondern auch in einem anderen Land und das spürte die junge Stute natürlich auch. Außerdem streunte durch die kanadische Wildnis allerhand unbekanntes für sie.
      Nach dieser kleinen Aufwärmphase ging es für uns noch für eine Viertelstunde in die Halle. Dort standen die grundlegenden Dinge des Schrecktrainings auf dem Plan. Als erstes ging es darum, dass Ayumi sich überall mit der Hand berühren ließ. An sich war das für sie nichts Neues, aber ich war fremd und sich von einer fremden Person überall berühren zu lassen, war ihr anfangs etwas unangenehm. Jedoch würde sie sollte Situationen später öfter haben, wenn der Hufschmied oder der Tierarzt kamen, dementsprechend war es wichtig, dass sie sich auch von mir gut führen, anfassen und kontrollieren ließ.
      Aus dem Grunde kam es uns auch zu Gute, dass Julie mit dabei war, so hatte Ayumi den regen Wechsel zwischen bekanntem und unbekannten und lernte beides als sehr positiv kennen. Danach ging es an das Berühren mit der Gerte und dann mit einer Plastiktüte. Ebenso sollte Ayumi problemlos neben Julie nebenher laufen, obwohl diese zum Beispiel einen großen Sack über der Schulter trug oder neben sich etwas herzog. Anfangs hielt Ayumi allerhand Abstand zu ihrer Besitzerin, aber dann akzeptierte sie auch immer ziemlich schnell die neuen Situationen. Für heute reichte es dann aber auch, denn für Ayumi stand noch genug an.
      Nach dem Training ging es für sie auf die bekannte Weide, nur dass dort diesmal meine beiden Stuten standen. Todesmutig schritt Ayumi auf diese zu, es wurde beschnuppert und etwas gequietscht und dann war auch schon Ruhe. Die drei verstanden sich besser als gedacht und gaben auf Anhieb eine hübsche Gruppe ab. Dementsprechend konnte ich auch Julie guten Gewissens in ihren freien Nachmittag entlassen und ich konnte bei meinen Vierbeinern weitermachen.

      Wie immer vergingen die Tage im Nu. Schon vor Ayumis Ankunft hatte ich ihren Trainingsplan ausgearbeitet und diesen auch Julie zukommen lassen, so dass sie gut ihre freie Zeit verplanen konnte, denn 24 Stunden am Stück arbeiteten wir auch nicht mit der jungen Stute. Die erste drei Tage widmete ich jedoch alleine dem Schrecktraining, denn da gab es viel abzuarbeiten. Die grundlegenden Dinge hatten wir bereits am ersten Tag gemacht.
      Als nächstes waren dann die Schreckparcours an der Reihe gewesen. Die hatte Ayumi zum einen mit ihrer bekannten Besitzerin als auch mit mir durchqueren müssen. Man wusste schließlich nie, wann man sein Pferd mal in fremde Hände geben musste und auch dann sollte alles so klappen wie bei der eigenen Besitzerin.
      Danach hatten wir mit den Trailaufgaben begonnen, denn auch Ruhe und Trittsicherheit gehörten zum Schrecktraining dazu. Ayumi lernte Planen, Tore, Wippen und Brücken kennen und dabei benahm sich die junge Stute immer sehr vorbildlich. Anfangs war sie immer etwas scheu, aber so lange sie sich alles in Ruhe anschauen durfte, war das meiste schnell gegessen.
      Täglich machten wir auch immer einen Spaziergang, der sich täglich steigerte, so dass wir auch immer weiter in den Nationalpark eindringen konnten. Bis es zu Fuß etwas anstrengend wurde. Aber dafür hatte ich auch die Lösung: Reiten und Ayumi als Handpferd mitnehmen. Deshalb nutzten wir den Donnerstag zum Vorbereiten auf ihr Leben als Handpferd und da Ayumi so schnell lernte, konnten wir am kommenden Tag schon einen kleinen Ausritt mit ihr machen.
      Ab da lernte sie auch alles möglich lernen: Wälder, Felder, Wiesen, Flüsse durchqueren, Berge erklimmen und wieder hinabsteigen und ein Mass‘ an unterschiedlichen Böden und Unebenheiten. Das tat auch Ayumis Muskeln gut, die hatten da auch ordentlich zu tun.
      Zum Ende der Woche waren wir mit dem Schreck- und Geländetraining so gut wie durch, nur für das Wochenende hatte ich mir noch etwas Besonderes zurechtgelegt, denn eine Sache gab es, die man selten üben konnte, die einem aber fast jedes Mal im Gelände begegnete: Hunde.
      Zur Hilfe kam uns da Mila, die Beagle-Hündin einer guten Freundin, die mir schon öfters gute Dienste geleistet hatte. Mila war inzwischen sechs Jahre alt und mit Pferden aufgewachsen und zudem sehr gehorsam, ihre Besitzerin hatte da eine Bestleistung hingelegt. Und da ich bereits öfters mit der Hündin gearbeitet hatte, kamen wir auch heute wieder einwandfrei klar. Julie selbst hatte auch Hundeerfahrung und nach einer kurzen „Mila-Einführung“ konnten auch sie mit der Hündin arbeiten.
      Wir blieben zuerst auf dem Platz, wo Mila und Ayumi sich kennenlernen durften und dann ging es los mit dem Nebeneinanderlaufen und Hintereinanderlaufen. Außerdem ließ ich Mila sich manchmal an der einen Ecke ablegen und wanderte mit Ayumi in die andere, um den Hund dann zu uns zurufen.
      Beim ersten Mal hatte Ayumi tierische Angst, als der Hund mit fliegenden Ohren und wedelnden Schwanz auf uns zugerannt kam, beim zweiten und dritten Mal wurde das immer besser. Auch im Gelände konnte es gut sein, dass man auf Hunde traf, die nicht sonderlich gut auf ihren Besitzer horchten und dann war es gut, wenn das Pferd gelernt hatte, dem Hund den Kopf zuzudrehen, statt wegzulaufen und auszutreten.
      Das Gleiche trainierten wir dann übrigens auch noch einmal im Gelände, wo es für Ayumi noch wesentlich gruseliger war, wenn Mila einfach mal aus dem Busch gehüpft kam oder einem Eichhörnchen hinterherjagte. Ebenso merkte Ayumi aber auch, dass Mila auf ihr Rudel aufpasste und es so sicherer war und so konnte ich am Ende der Woche sagen, dass Ayumi nicht nur schreck- und geländesicher war, sondern auch hundesicher.
      Julie war auch sichtlich zufrieden mit dem Verlauf der Woche und dankte mir herzlich für die tolle Woche, für sie war sie zum einen lehrreich, aber auch sehr entspannend gewesen, wann kam man schon mal für eine Woche nach Kanada? Und so verließen uns Julie und Ayumi am Ende der Woche mit zufriedenen Gesichtsausdrücken.

      © Gwen

      Gestüt Sapala
      Frühjahrsputz
      02. April 2016
      (c) Eddi

      Kurz nach Neujahr hatte unser Umzug stattgefunden, so dass wir nun seit fast vier Monaten in Holland lebten. Wie ich es bereits gewohnt war, zog sich alles unglaublich. Es hatte gut zwei Monate gedauert, bis alle Pferde umgezogen waren und ein festes Team hatte ich auch noch nicht, da war ich noch fleißig auf der Suche, aber trotzdem kehrte allmählich eine Routine ein. Und ich liebte unser Gestüt. Den Namen hatte ich so übernommen und so lebten wir nun auf Gestüt Sapala.
      Es lag zwischen Wäldern und Wiesen, ziemlich im Abseits und stellte eine herrliche Anlage da. Das wichtigste war zu Hauf vorhanden: Weiden. Zudem besaßen wir zwei Reitplätze und zwei Hallen plus weitere Trainingsmöglichkeiten wie eine Führanlage und zwei Longierzirkel. Und natürlich gigantische Stallungen, was für uns nun mehr als nötig war. Ganz nebenbei war ich ja in mein Wohnhaus verliebt, hier konnte man sich wohlfühlen!
      Den Pferden gefiel es auch, das spürte man deutlich und das Gelände war auch einfach mehr als idyllisch, denn außer unseren Heuwiesen gab es rundum kaum etwas anderes als Felder, Wiesen und Wälder. Ich war endlich in meinem Traumzuhause angekommen und wenn man sich etwas mehr Zeit nahm, war man mit einem halbstündigen Ritt auch direkt am Meer. Wir befanden uns im Friesland, genauer gesagt in Aurich und ziemlich nah an der Küste.
      Die frische Meeresluft tat allen gut und momentan arbeitete ich auch eine lange Liste an Bewerbungen ab, denn wir waren begehrter als gedacht. Nun war schon April 2016 und wie immer erfasste mich die Frühjahrsputz-Laune. Es gab schließlich immer etwas zu tun und es gab auch noch genug Kisten, die noch ungeöffnet irgendwo standen. Besonders in den Sattelkammern hatte ich bisher nur das Nötigste untergebracht, meine Pferde hatten zu viel Kram!
      Die waren momentan übrigens alle in ihrer Schonfrist. Der Umzug war auch für die kräftezehrend gewesen, aber glücklich waren wir alle. Außer ich in dem Moment, denn gerade klingelte mein Wecker – 5 Uhr in der Früh. Bisher sah es an Mitarbeitern noch mager aus, dementsprechend musste ich selber kräftig mit anpacken was Fütterung, Rausbringen und Misten betraf. Dazu kamen der Papierkram und die Vorstellungsgespräche und so bekam ich kaum noch die Gelegenheit zum Reiten.
      Angezogen, frisch gemacht und gefrühstückt tauchte ich im Stall auf und grüßte knapp die anderen Pfleger, die bereits angetanzt waren. Es war kurz nach sechs und draußen tatsächlich schon hell. Oh ich freute mich so auf den Sommer! Dann würden die Pferde auch 24 Stunden auf den Weiden stehen und wir hätten ein bisschen Arbeit weniger. Aber wirklich nur ein bisschen, denn im Sommer wollte ich alle wieder in Höchstform sehen – mich eingeschlossen.
      Füttern und Rausbringen fraß Zeit. Nachdem dann auch gemistet war, war es schon fast 10 Uhr und ich würde mich für das nächste Vorstellungsgespräch fertig machen müssen. Leider überzeugte mich der Herr um die 30 Jahre weder im Gespräch noch auf dem Pferd. Als Dressurtrainer hatte er sich beworben, weshalb ich ihm für den Proberitt Aristo ausgesucht hatte, einer unserer Dressurässer. Doch sein „Was, ein Barockpferd?“ hatte mich eigentlich direkt abgeschreckt und so hatte ich zwar ein freundliches „Ich melde mich noch einmal bei Ihnen“ herausgebracht, war aber erleichtert, als er weg war.
      Stattdessen ging der Stress direkt weiter, denn heute sollten einige neue Pferde kommen. Ich war dafür bekannt, regelmäßig aufzustocken und da meine liebe Freundin Julie aus privaten Gründen ihren Hof auflöste, kamen einige Pferde aus Schottland zu uns. Zum einen Van Deyk, ein toller Trakehnerhengst mit großem Potenzial, auf dessen Dasein ich mich schon jetzt freute. Des weiteren Ayumi, ein tolles Fohlen aus der Zucht von Siobhan, was mit einer tollen Abstammung daher kam. Dann noch Key, eine Vollblutstute, welche ich noch aus meiner Nasty Past Zeit kannte. Und als letztes was ganz witziges: Ridcully, ein American Miniature Horse. Er sollte das Gegenstück zu meiner Hollybrook’s Tiny Girl werden und dementsprechend war er sofort eingezogen.
      Heute tanzten die drei an, doch während ich noch gut eine Stunde Zeit hatte, schaute ich bei den ehemaligen Neuzugängen an. Die beiden Vollblutfohen Hidden Flyer und Exciting Force waren mir sehr schnell ans Herz gewachsen und entwickelten sich prächtig, ich hatte mich in beide wirklich verguckt. Da wir ja ein riesiges Gestüt hatten, kamen auch Anfang des Jahres zwei Reitponys zurück. Elisa hatte leider verkleinert und so kehrten Never look back und Raunchy’s Limited zurück. Hatte ich sie noch als zerzauste Jungpferde nach Townsend Acres gegeben, kamen sie nun als schicke Turnierponys zurück. Elisa verstand eindeutig etwas von ihrer Rasse und ihrem Geschäft.
      Dementsprechend hatte sie sich auch über Absinth’s erfolgreiche Körung gefreut und war sich sicher, dass Allelujah und Morning Sun genauso schnell ihre Punkte sammeln würden. Ich hatte da ja noch allerhand zu tun, denn sie waren nicht die einzigen Pferde, die in eine Körung geschickt werden sollten. Priorität hatte auch immer noch Feuervogel, den hätte mir Elisa sicherlich auch trotz Verkleinerung aus den Händen gerissen.
      Selbst bei unserem zerstruppelten Neuzugang Cola hatte sie bei ihrem Besuch (natürlich hatte sie ihre beiden Schätze eigens vorbei bringen müssen) neugierig begutachtet. Sie sah das Potenzial, was hinter dem vernachlässigten Pferd steckte. Wir beide kannten Cola schon sehr lange vom Sehen und Hören. Ich musste auch sagen, dass er sich wirklich ganz gut machte, genauso wie seine Leidensgenossin Autumn Leave in the Sky. Beide stammten aus schlechter Haltung und wurden bei uns nun wieder aufgebaut.
      Bei ihrem Besuch hatte Elisa natürlich meine Reitponys auf den Kopf gestellt. Paddington hatte sie unbedingt einen Besuch abstatten müssen und gestaunt, wie schnell der kleine Kerl wuchs. Mit Hugo Boss und Carachillo hatten wir einen entspannten Ausritt gemacht und ausgiebig geplappert, so wie es sich für zwei Frauen gehörte, ehe sie auch noch ihren Senf zu Naimibia und Sika gegeben hatte.
      Naimibia war schon gekört und bereits von ein paar Fohlen stolze Mutter, bei Sika sah ich das ja noch nicht so, doch Elisa ermunterte mich und sah die Rappscheckstute auch schon gekört. Während ich so schön in Gedanken schwelgte, kam der Transporter an und die neuen Pferde mussten versorgt und ausgeladen werden.
      Während Van Deyk erst einmal seine Box mit Paddock bezog, wollte ich Ridcully und das Stutfohlen direkt vergesellschaften. Auf einer kleineren Weide traf Ridcully auf Heartbreaker. Mein Welshhengst war der Chef unserer Zwergengruppe und wenn er Ridcully akzeptierte, würde das auch der Rest tun. Der Rest, das waren Window und Hoppla auch beide problemlos und so stand Ridcully eine halbe Stunde später bei unseren Zwergenhengsten und genoss das herrliche Wetter.
      Ayumi sollte heute nur auf CH’s Destiny Horror und Mon petit écrou treffen. Beides eher ruhigere und ältere Jungpferde und dementsprechend perfekt geeignet und siehe da, es klappte wirklich gut und auch das Fohlen war untergebracht. Um auch Van Deyk noch etwas Abwechslung zu bieten, ging ich mit dem Schecken eine kleine Runde über das Gestüt und kennte ihn etwas lernen.
      So wirklich zum Frühjahrsputz kam ich heute ja nicht, denn es standen noch zwei Schnupperstunden an. Ich hatte entschieden, im kleinen Rahmen gutes Reiten anzubieten und nutzte die Chance einer Ponyschule, um meine Zwerge unter einen Deckel zu bekommen. Da die Ponyhengste heute aber schon genug Aktion hatten, waren die Mädels an der Reihe.
      Tatsächlich hatte sich sogar jemand für Little Chocolate Chip gefunden. Ein kleines dreijähriges Mädchen schwärmte von Ponys und ihre Mutti schien selbst pferdevernarrt zu sein und so kamen sie heute mal zu Besuch. Auch Mondscheinsonate, Occani und Werina waren heute an der Reihe. Alle Kinder waren unter 10 Jahre und bekamen beim Putzen und Satteln die Unterstützung von mir und ihren Eltern (zumeist die Mütter).
      Als alle fertig waren, gingen wir auf den Reitplatz, wo wir erst ein kleines bisschen Theorie paukten und es dann endlich in den Sattel ging und wir die ersten kleinen Runden drehten und auch allerhand Übungen machten. Die Ponyschule war eine schöne Idee, aber ich brauchte auf jeden Fall Helfer. Zum Glück waren es heute nur Schnupperstunden, aber Kinder und Eltern waren mehr als begeistert und so war auch ich glücklich.
      Zweiteres war eine Reitstunde für Fortgeschrittene und unter 18-Jährige. Altersbeschränkungen waren mir an sich egal, aber für das Klima in der Stunde war so etwas doch immer sehr angenehm und die Erwachsenen waren auch immer lieber unter sich. Als Schulpferde hatten sich bereits damals unsere Lewitzer bewährt und auch heute wählte ich fünf von ihnen. Cheveyo, Donatella, They call her Fiorina, Piccolo’s Blaze und Elliot. Die Mädels waren begeistert von ihren Schecken und auch davon, dass man bei uns die Pferde selbst holte und fertig machte.
      Natürlich kontrollierte ich alles und gab Tipps, aber sie machten das wirklich gut. Auch im Viereck konnten sich die fünf Reiterinnen sehen lassen. Natürlich hatten sie ihre Fehler und Probleme, aber genau deshalb kamen sie ja zu uns. Anscheinend kamen diese Schnupperstunden mehr als gut an und während die Mädels quatschend abritten, baute ich meine Geschäftsidee aus, indem ich auch Reitstunden für reine Jungsgruppen und Senioren anbieten wollte. Alles Gruppen, die man so anlocken konnte.
      Mein Prinzip war lediglich, dass für das Pferd pro Reitstunde mind. zwei Korrekturstunden kamen, so dass einerseits sehr gute Schulpferde vorhanden waren, aber eben auch diese nicht überstrapaziert worden. Also würde sich das Pensum auch mehr als Gering halten. Nachdem alle Pferde versorgt waren, ging ich Lewitzerliste kurz durch:
      Vertigo wollte ich im Turniersport, so fiel er als Reitpferd für Schüler weg und bei Talya war ich mir auch nicht sicher, ob es das Richtige war. Genauso wie bei Elliot. Er hatte seine Sache heute gut gemacht, aber ich glaube, Caillou konnte ich mir da besser vorstellen. Und Amazed Marlin ließ ich bisher auch lieber außen vor, sie sollte sich auf ihre Krönung konzentrieren.
      Zum Glück hatten die Fohlen nicht solche Probleme. Sowohl Amadahy, Frozen Bubble, Nabiri und Rosewell als auch die beiden Hengstfohlen Panta Rhei und Calimero II tobten mit dem Rest zufrieden über die Weiden. Aber irgendwann würde auch für sie der Ernst des Pferdelebens kommen. Obwohl, sie hatte noch Zeit.
      Den Nachmittag verbrauchte ich im Büro und plante für die Fohlen. Das machte ich gerne und es war auch nötig, denn so erinnerte ich mich wieder daran, dass ich einige „Fohlen“ hatte, die schon längst nicht mehr so klein waren wie ich dachte, sondern schon mehr als bereit. Hollybrook’s Fairy Bluebird war eine tolle Ponystute geworden, nun bald sechs Jahre, hatte bisher aber noch keinen Reiter gesehen.
      Das Gleiche galt für Prazzy’s Goldbell, dabei wollte ich meinen geliebten Pajero-Sohn gerne langsam unter dem Sattel sehen, er würde seinem Vater alle Ehre machen! Apropos, einen Ausritt mit Pajero würde ich mir heute Abend noch gönnen müssen, zum Glück blieb es immer länger hell. Ach, ich war doch ganz froh, den Winter hinter mir zu haben, auch wenn der Sommer sicherlich wieder heiß werden würde.
      Bei Outlaw Torn war ich mir bezüglich der Ausbildung sehr unschlüssig. Er war bald vier und schon sehr weit, eben weil das bei Paint Horses so gehandhabt wurde, aber genau deshalb wollte ich ihm Zeit lassen und es war ja nicht so, als wäre das Reiten für ihn essentiell wichtig. Das sahen HGT’s Unitato und Cruel Twist of Fate nicht anders und so ließ ich meinen Westernpferden gerne mehr Zeit.
      Und dann gab es da noch meine Welshnachkommen. Alle behalten, nachdem die ältere Generation verkauft worden war. Herbstmond und Acariya waren bisher immer noch meine Favoriten, aber auch Sacre Fleur liebte ich, ebenso wie Shawnée und Sibiria, auch wenn ich nicht recht wusste, was ich mit zwei Welsh D Stuten anfangen sollte, aber irgendwas würde sich schon finden.
      Dann gab es da nur noch Abendprinz und Caruso. Zwei Fohlen sondergleichen, die ich beide sehr liebte. Geplant war in weiter Zukunft ein Fohlen aus Fairy von Zarin, welches als Gegenstück für Caruso dienen sollte, aber im Gegensatz zu Zarin war Fairy noch nicht gekört.
      Und dann hatte ich mich in die Araber verguckt, neben Abendprinz gab es bisher zwei Stuten: Scheherazade und CH’s Sun is Shining. Zwei wunderbare Tiere und eine sogar schön gekrönt. Aus der Zucht meiner besten Freundin Sammy würde mich auch noch ein wahrer Wüstenstürmer erwarten, aber bisher war er noch nicht so weit, ich freute mich aber schon auf ihn.
      Den heutigen Abend verbrachte ich zu meiner Freude dann doch noch auf den Pferd und erkundete mit Pajero die neuen Wege rund um das Gestüt und freute mich natürlich riesig, denn es war so toll! Irgendwann mussten wir einen großen Ritt ans Meer machen, aus unserer Frankreich-Zeit wusste ich, wie sehr Pajero das liebte.

      Am nächsten Morgen ging es wieder früh raus und wieder war viel los, wie eigentlich jeden Tag auf dem Gestüt. Zur Abwechslung beschäftigte ich am Morgen aber erst einmal Thorondor mit viel Bodenarbeit, damit mein Berber nicht verrückt wurde, denn nur Weide war für ihn einfach gar nichts und so war er einer der wenigen, die mich mindestens fünfmal die Woche zu Gesicht bekamen.
      Ach und die Führanlage hatte ich sehr schnell ins Herz geschlossen. Spätestens als sie Pawaneeh und Golden Ebano die nötige Bewegung verschaffte. Bei Classic Gold und Khiara El Assuad war die aber noch wichtiger. Die Vollblüter wären mir sonst explodiert. Wer witzigerweise auch richtig Gefallen daran fand, war Freeway, unsere Tinkerstute. Eigentlich ein Pferd, was ich nie in die Führanlage gepackt hätte, aber sie liebte es.
      Heute war mal wieder Bewegungstag, gestern hatte ich ja Pause gehabt. Am Morgen longierte ich Deep Silent Complete und Herbsttraum, ehe ich mit Come Whatever May auf den Springplatz ging. Flott weiter ging es mit einem Ausritt: Apaches Tomahawk als Reitpferd und Caribic Sue als Handpferd. Was die Bewegung betraf, kamen mir die Schnupperstunden recht. Heute war wieder eine und so waren Kürbis, Lila Wolken, Milka Luflee, Walking in the Air und Quintesse beschäftigt und ich auch.
      Danach hätte ich zu gerne eine Pause gehabt, raffte mich aber noch auf Like Honey and Milk zu longieren. Ihre Vorbesitzerin war immer sehr hinterher, dass es der Stute gut ging und so kam sie auch jetzt definitiv nicht zu kurz. Eine Pause stand an und die genoss ich auch wirklich, denn heute Abend hatte ich etwas Besonderes für meine treuen Pfleger geplant. Bisher dachten sie, sie würden zu einer Besprechung antanzen müssen, dementsprechend ahnten sie nichts.
      Doch als es dann so weit war, eröffnete ich ihnen einen Ausritt an den Strand und alle waren begeistert. Wir waren zu elft, also eine ziemlich große Mannschaft, die gute und ruhige Pferde benötigte. Guten Gewissens hatte ich mir direkt Schneeleopard rausgepickt und dann die beiden Westernstuten Ice Coffee und Kisshimbye. Flintstone und Joyce kamen auch zum Einsatz. Die Hälfte war abgedeckt. Für mich hatte ich Fandango rausgesucht, mein kleiner Sonderling im Stall und so fehlten nur noch fünf Pferde und wir waren vollständig. Call me a Twist und Dissident Aggressor waren sowas von mit dabei und dann nahm ich noch Bandit und Albertino mit. Als letztes hatte Varulv die Ehre und so ging es gefühlt auf einen Riesen-Ausritt, den alle Beteiligten sehr genossen, denn am Strand erwartete uns auch noch ein Lagerfeuer.

      Obwohl ich weder trank noch irgendwas desgleichen tat, fühlte ich mich am nächsten Morgen verkatert. Ein langer Ritt plus ein langer Abend waren nichts für jemanden, dessen Wecker fünf Uhr morgens klingelte und so kam ich auch fast zu spät zum Proberitt meiner eventuellen neuen Reitlehrerin. Diese hatte ich auf Altyn gesetzt, was etwas fies war, aber mir dann auch direkt zeigte, dass sie die richtige war, denn mein junger Hengst lief unter ihr wirklich traumhaft, nachdem sie zusammengefunden hatten.
      Halb dösend bespaßte ich nach diesem Erfolg Cover the Sun im Longierzirkel mit etwas Stangenarbeit. Die nutzte ich kurz darauf auch noch einmal mit Possy Pleasure Mainstream, um Rücken- und Bauchmuskeln zu aktivieren. Eigentlich war meine Liste heute mehr als lang, aber aus privaten Gründen bekamen Hákur und HGT’s End of Day frei, so dass ich nur mit Dr. Insektor ins Dressurtraining musste und danach eine Pause im Gelände mit Cual Maniaca einlegte.
      „Ich bewundere dich für dein Durchhaltevermögen!“, hörte ich dann am Telefon, als ich mit meiner Mutti bezüglich meines Geburtstags Ende April sprach, denn ich lud sie nach Holland ein. Und bisher waren sie nicht abgeneigt. Währenddessen ließ ich He’s called Trüffel und Hýreygur freispringen, aber trotz maximaler 50cm war zweiterer einfach nicht begabt.
      Mein Abend endete wieder mal auf dem Pferderücken, nämlich auf Morrigans, welcher mich entspannt gen Gestüt trug, nachdem wir einmal über die schöne Waldwiese gejagt waren und nun genüsslich entspannt in unseren Feierabend spazierten.
    • Julie
      Der Tag heute verlief sehr routinemäßig ab. Morgens fütterte ich zuerst die Hengste Appolino und Van Deyk. Anschließend bekam Guinness sein Heu und Kraftfutter und am Schluss noch die beiden Stuten Ayumi und Key.
      Nachdem die Pferde fertig gefressen hatten, stellte ich Guinness mit den Stuten zusammen auf die südliche Koppel, schnappte mir Appolino um ihn zu longieren und etwas Bodenarbeit zu machen und arbeitete dann noch mit Van Deyk im Gelände. Beide arbeiteten konzentriert mit und durften sich auf der nördlichen Weide dann ebenfalls dem Gras zuwenden und Pferd sein.
      Nachdem ich ausgemistet hatte, ging ich mit Guinness eine Runde ausreiten und nahm Ayumi als Handpferd mit. Schlußendlich arbeitete ich mit Key noch etwas auf dem Platz an der Durchlässigkeit und ihrer Schiefe.
    • Gwen
      05.08.2017

      Seit einigen Tagen war ich auf Mansfield Park zu Besuch. Nachdem ich meinen gesamten Prüfungs- und Unistress hinter mir hatte, hatte ich mir einfach ein paar Tage frei nehmen wollen – fernab aller Pflichten. Deshalb hatte ich entschieden, eines meiner ehemaligen Pferde zu besuchen.
      Es war schon lange her, dass Appollino in Kanada zu Hause gewesen war, bevor er nach Schottland zu Julie gezogen war. Dort lebte er immer noch und da ich von Natur aus neugierig war, wollte ich gerne sehen, was aus ihm geworden war.
      Mansfield Park war ein kleiner, schöner Hof, der inmitten im grünen lag und wenn man oben auf Hügel stand, konnte man über den gesamten Hof und die Weide schauen und es sah einfach nur unglaublich schön aus.
      Genau auf diesem Hügel befand ich mich auch heute Morgen wieder, mit einem Buch im Gepäck, wollte ich mich unter einem der großen Bäume niederlassen und den schönen Sommertag genießen. Zusammen mit Julie hatte ich heute Morgen die Pferde versorgt (ein bisschen was musste man für seinen Urlaub immerhin auch tun) und nun gönnten wir uns beide eine Pause.
      Ich hatte schon ein Weilchen gelesen, als ich das Buch zur Seite legte und den Blick über die Weiden schweifen ließ. Julie gehörten insgesamt sechs Pferde und die Einteilung der Weiden galt beinahe Perfektion. Sie hielt ihre Pferde momentan in Zweier-Gruppen und jeder gehörte eine riesige, grüne Wiese.
      Ganz links und etwas fernab standen Van Deyk und Appollino. Beide Hengste und deshalb ein wenig abgeschottet vom Rest, so dass sie in aller Ruhe ihr Hengstdasein genießen konnten. Sie verstanden sich auch erstaunlich gut, wobei Appollino auch nicht mehr der Junghengst von damals war. Mit seinen sechs Jahren war zumindest ganz langsam ein Ende seiner Flegelphase in Sicht.
      Etwas weiter rechts standen Willo’the Wisp und Guinness. Dass waren die beiden Wallache des Hofes, die eher zu den ruhigeren Genossen gehörten und dementsprechend auch lieber für sich waren. Und direkt daneben war die Weide von Key und Ayumi. Zwei wirklich liebe und tolle Stuten, mit welchen ich vorgestern schon die Gegend hatte erkunden dürfen, als Julie mich auf einen Ausritt eingeladen hatte.
      Gerade erklimmte sie den Hügel zu mir hinauf. „Gwen? Lust auf einen Ausritt? Ich glaube Willo und Guinness könnten sich mal die Beine vertreten“, meinte sie grinsend und ich grinste begeistert zurück. Das klang nach einer tollen Idee und bei dem Gelände hätte ich täglich drei Stunden draußen mit den Pferden verbringen können, denn man entdeckte immer wieder etwas Neues!
      Ich durfte heute Willo reiten, was mich besonders freute, denn er war ein Halbbruder zu meinem ehemaligen Hengst Wishing Well. Aber mehr als die Rasse und die Fellfarbe hatten die beiden nicht gemein. Obwohl Willo ein Wallach war, hatte er dennoch mehr Feuer als Wish und war auch wesentlich leichter und sportlicher gebaut.
      Das verdankte er seiner Mutter Shády, bei welcher es sich um einen Araber gehandelt hatte. Als Sportpony war Willo aber ideal und trotz seinem hohen Blutanteils, war er in Anwesenheit von Guinness ein wirklich vorbildliches Pferd, so dass der Ausritt riesigen Spaß machte.
    • Julie
      [1] Mansfield Park

      „Einen großen Cafe Latte to go bitte.“ Die Angestellte hinter der Theke lächelte freundlich und machte sich sofort an die Arbeit. Inzwischen suchte ich mir die benötigten Pfund zusammen und legte sie auf die Kühltheke. Cupcakes in allen möglichen Farben reihten sich darin aneinander und sahen einer leckerer aus wie der andere. Trotzdem war mir gerade nicht nach Süßem.
      Nach einem kurzen „Stimmt so.“, begleitend von einem kleinen Lächeln, nahm ich den Kaffee, bedankte und verabschiedete mich um mich anschließend der Masse an Leuten anzuschließen. Spitalfields war wie immer gut besucht. Touristen und Einheimische vermischten sich zu einer bunten Masse die sich durch die engen Gassen zwischen den Ständen bewegte. Genussvoll nahm ich einen Schluck vom Kaffee und verbrannte mir prompt die Zunge. Grummelnd wischte ich mir über die verbrannte Lippe und schlenderte weiter. Ich liebte diesen Markt, denn neben allerlei Krimskram, fand man hier auch allerlei Schnäppchen. Ich suchte nach neuem Lesestoff und hier wurde ich eigentlich immer fündig.
      Endlich endteckte ich einen Stand, wo ich finden konnte, was ich suchte. Freundlich begrüßte ich den Ladeninhaber und stöberte mich dann durch die Ansammlung an abgegriffenen Büchern. In einigen Büchern, waren am Rand kleine Notizen gekitzelt worden, die ich neugierig beäugte. Schlussendlich kaufte ich dem bei dem älteren Herrn zwei Klassiker englischer Literatur und einen modernen Roman, über eine Antiquariatsbesitzerin aus Sussex. Zufrieden mit meiner Ausbeute, schlängelte ich mich zurück zum Eingang, nippte hin und wieder an meinem Kaffee und schlug dann den direkten Weg zur Liverpool Street Station ein. Die Nachmittagssonne strahlte mir ins Gesicht, während ich den kurzen Weg zur „underground“ schlenderte. Alte und weniger alte Häuser säumten die Straße, in denen sich hauptsächlich Pubs und Hotels befanden.

      Nach ca. einer halben Stunde Fahrt war ich in dem Viertel angekommen, in dem ich wohnte. Meine Wohnung befand sich am Rande von London, die Gegend wurde allgemein als „sicher“ betitelt und meine Nachbarn bestanden hauptsächlich aus schrulligen Rentnern und kleinen Familien. Ich liebte es hier zu wohnen, auch wenn es seinen Preis hatte. In die Wohnung hatte ich mich auf den 1. Blick verliebt und sofort zugeschlagen, nachdem ich sie besichtigt hatte. Dass es dafür öfters mal knapp wurde Ende des Monats nahm ich dafür gerne in Kauf.
      Als ich durch die Eingangstür trat, erklang sofort ein vorwurfsvolles „Mau!“
      Pugsley rannte um meine Beine, den Schwanz kerzengerade in der Höhe und schnurrte wie ein Motor.
      „Hey mein Großer. So lange war ich nun auch wieder weg. Schau doch nicht so vorwurfsvoll. Hast du Hunger?“ Sobald das Zauberwort gefallen war, schoss der schwarz weiße Kater in die Küche.
      Pugsley sah aus, als hätte ihn jemand mit schwarzer Farbe überschüttet. Größere und kleinere Flecken waren auf seinem Rücken verteilt und im Gesicht hatte er eine schwarze Maske die ein wenig an Zorro erinnerte. An den Beinen sah die Zeichnung so aus als ob er Söckchen anhätte. Er war mir zugelaufen und da sich niemand bei meiner Suche nach dem Besitzer meldete, war er nun seit gut einem Jahr mein pelziger Mitbewohner.
      „Mau?“ „Ja, ich komm ja schon.“, murmelte ich. Immer diese Ungeduld. Katzen haben wirklich Diener. Nachdem ich abgelegt hatte und in meine Hausschuhe geschlüpft war, folgte ich dem Kater in die gemütliche Küche, wo er schon ungeduldig zwischen Kühlschrank und Futterschüssel hin und her lief. Sobald er mich sah wurde ich sofort wieder heftigst umschwärmt. „Alter Charmebolzen.“, murmelte ich während ich aus dem Kühlschrank eine Dose mit Futter holte und es in seine Schüssel füllte. Pugsley folgte mit Adlersaugen, jedem meiner Schritte und stolzierte zu seinem Futterplatz, sobald ich die Schüssel hochhob. „So guten Appetitt, der Herr.“, meinte ich, als ich ihm die Schüssel hinstellte. Anschließend machte ich mir eine Flasche Chardonnay auf, füllte ein Glas mit dem Wein und bereitete mir einige belegte Brote vor. Beides nahm ich mit zu meinem Schreibtisch um nebenbei meine E-Mails zu checken. Ich nippte an dem Wein und begann damit den Spam auszusortieren. Ein Blick aus dem Fenster verriet mir, dass es bald zu regnen anfangen sollte und wenig später klatschten dicke Tropfen gegen die Fensterscheiben. Das Wetter wurde seinem Ruf mal wieder gerecht.
      Plötzlich ertönte ein lautes Donnern und zeitgleich flog eine Pelzkugel direkt auf mich zu, sprang auf meinen Schoss und drehte sich zitternd zusammen. „Das ist nur ein Gewitter.“, meinte ich und strich dem Kater beruhigend übers Fell. „Ist gleich wieder vorbei.“ Argwöhnisch sah er kurz zu mir hinauf, um gleich danach den Kopf wieder gegen meinen Bauch zu drücken. Arbeiten konnte ich wohl jetzt vergessen. Zumindest bis das Gewitter vorbei war. Also schaltete ich den PC wieder ab, trank noch einen Schluck Wein, balancierte Glas und Angstkatze zur Couch, platzierte das Glas auf dem Couchtisch vor mir und den Kater wieder auf meinem Schoss und schnappte mir ein Buch, dass in Reichweite lag. Während draußen Weltuntergangsstimmung herrschte, begann ich zu lesen und streichelte Pugsley hie und da beruhigend.

      Am nächsten Tag, ging alles seinen routinierten morgendlichen Gang. Pünktlich um sechs Uhr wünschte seine Majestät sein Frühstück und tat dies wie gewohnt kund, indem er auf meiner Brust thronte und mir stimmgewaltig ins Ohr maunzte. Weckte mich das noch nicht, fing er an mit seinen Pfoten auf meine Brust zu klopfen. Hatte ich dann endlich die Augen offen, sprang er begeistert zu meinen Beinen und fing an sie als Jagdobjekt zu missbrauchen. Anschließend flitzte er blitzschnell und mit einem lauten „Miau!“ in die Küche, wo er ungeduldig auf mich wartete. Während die Kaffeemaschine lief, bereitete ich unser beider Futter vor, was mit einigen wohlig klingenden „Mau’s“ und lautem Schnurren musikalisch untermalt wurde, und verzog mich dann an den Esstisch um zu frühstücken, während der Kater genüsslich sein Dosenfutter verspeiste.
      Nachdem ich den Tisch abgeräumt und die Spülmaschine vollgeräumt hatte, zog ich mir meine Laufklamotten an und startete meine morgendliche Joggingrunde in der Nachbarschaft um wirklich wach zu werden.
      Dank meiner Selbstständigkeit, musste ich mir nicht die morgendliche Rushhour zu Gemüte führen sondern konnte es mir zuhause am Schreibtisch gemütlich machen.
      Als ich zurückkam, wollte ich meinen verschwitzten Körper gleich unter die Dusche bugsieren, Pugsley hingegen war in Spiellaune und sprang mir übermütig an die Beine. Also holte ich sein Spielzeug hervor und spielte eine kleine Rund e „jagen“ mit ihm, bis er sich zufrieden auf meinem Schreibtisch zusammenrollte und einschlief.
      Gerade wollte ich unter die Dusche springen, als mein Handy läutete. Verwundert darüber, wer mich wohl so früh am Morgen schon anrief, blickte ich aufs Display. Bis auf die Vorwahl war mir die Nummer, die dort aufschien, gänzlich unbekannt.

      Mit hochgezogener Augenbraue nahm ich den Anruf entgegen. „Emily Braghnough hier.“, meinte ich kurz und verstummte dann abwartend. Prompt antwortete eine männliche Stimme mit rauem Unterton: „Guten Tag Ms. Braghnough, hier spricht Esmond Gulwoods.“ Der Name kam mir bekannt vor. Doch woher? „Guten Tag Mr. Gulwoods, was kann ich für sie tun?“ „Wie Sie vielleicht noch wissen bin ich seit Jahren mit den rechtlichen Angelegenheiten Ihres Vaters betraut Ms. Braghnough. Leider ist der Grund meines Anrufs kein angenehmer. Ihr Vater ist vor kurzem einem Herzinfarkt erlegen. Mein herzliches Beileid. Es tut mir sehr leid“ Mr. Gulwoods atmete tief ein und räusperte sich kurz. „Ich wurde mit der Betreuung seiner Hinterlassenschaften betraut. Könnten wir uns diesbezüglich sobald als möglich in meinem Büro in St. Agnes treffen?“
      Mit leerem Blick starrte ich kurz auf das Telefon. Hunderte von Fragen schossen mir durch den Kopf. Wie? Warum? War er schon länger krank? Kam es plötzlich? Aus heiterem Himmel? Was war nun mit Mansfield Park?
      Ich hatte seit Jahren keinen Kontakt mehr zu meinem Vater gehabt, aufgrund eines riesen Streites den wir bei meinem Fortgang aus Mansfield Park hatten. Dennoch liebte ich ihn natürlich nach wie vor, denn er war immer noch mein Vater und ihm verdankte ich, dass ich zu dem Menschen geworden bin, der ich bin, auch wenn sich dadurch unsere Wege getrennt haben. Ich hatte oft an ihn gedacht, seit ich in London lebte und viele glückliche Erlebnisse zuhause waren meine Inspiration für meine Romane.
      Auch an die Zeit in Mansfield Park erinnerte ich mich gerne zurück. Das Anwesen war wunderschön und voller glücklicher Erinnerungen und ich wäre auch gerne zurückgekommen. Doch ich konnte nicht zurückgehen. Mit meinem Fortgang hatte sich die Tür nach Mansfield Park und die vom Herz meines Vaters auf immer verschlossen. Dies war jetzt zehn Jahre her.
      Ich seufzte kurz, atmete tief ein um mich zu sammeln. „Das sind sehr schreckliche Neuigkeiten, die Sie für mich haben. Gerne würde ich mich mit Ihnen treffen. Wie ist es denn passiert? War er schon länger krank?“, sprudelte ich hervor, während ich mir eine Tasse Tee zubereitete.
      „Nein, es kam sehr plötzlich. Mr. Braghnough hat sich immer bester Gesundheit erfreut.“, erwiderte der Anwalt.
      Das war zumindest ein kleiner Trost für mich, auch wenn mich der Schmerz traf wie ein Messerstich. Wir verabredeten für nächste Woche noch einen Termin und dann legte ich auf. Gedankenverloren trank ich meine Tasse Tee und ließ den Anruf erstmal sacken. Der Tag war für heute gelaufen.

      Der Regen prasselte an das Fenster meines Schlafzimmers, als ich nach einer unruhigen Nacht von Pugsley geweckt wurde. Seine innere Uhr funktionierte wie immer hervorragend, um Punkt sechs Uhr morgens begann er mit ungeduldigem Gemaunze auf meinem Brustkorb herum zu tapsen. Seufzend erhob ich mich. Seit dem Anruf von Mr. Gulwoods hatte ich keine Ruhe mehr. Drew half mir in dieser Situation auch nicht wirklich weiter. Als ich mit ihm darüber reden wollte, kam relativ bald Unverständnis über meine Reaktion. Immerhin hatte mich ja mein Vater damals „im Regen stehen lassen“, wie er es formulierte.
      Nach dem Frühstück zog ich mich an, wusch das Geschirr ab und stellte schlussendlich einen kleine Reisetasche, einen Karton mit Pugsleys Sachen und meine Lieblingshandtasche in die kleine Diele. Dann holte ich meinen Kater, der gerade hingebungsvoll mit einer Staubkugel spielte und steckte ihn in seine Reisebox. Eine Freundin hatte sich sofort bereit erklärt, ihn aufzunehmen, während meiner Abwesenheit. Schnell stopfte ich noch eine Tüte selbstgebackener Kekse als Dankeschön in meine Tasche.
      Nachdem ich Pugsley bei meiner Freundin abgeliefert hatte, holte ich ihm Eiltempo meine Reisetasche und machte mich daran, raus aus der Stadt zu kommen, wo ich einen Langzeitparkplatz für mein Auto gemietet hatte. Ein kurzer Blick auf die Uhr sagte mir, dass ich gerade noch in der Zeit lag, als ich bei meinem Auto ankam. Schnell räumte ich alles ein, trank die Reste meines Kaffees aus und setzte mich dann hinters Steuer.
      Über vier Stunden Fahrt lagen vor mir, darum stellte ich mir meine aktuelle Lieblingsplaylist ein und fuhr los.

      Müde und abgespannt kam ich schließlich in dem kleinen Bed & Breakfast, das etwas außerhalb von St. Agnes lag, an, wo ich mir ein Zimmer genommen hatte. Nachdem ich eingecheckt und mein Zimmer inspiziert hatte, ging ich eine kleine Kleinigkeit essen und fiel anschließend ins Bett, nachdem ich mir noch schnell einen Wecker gestellt hatte.
      Am nächsten Tag erwachte ich wie immer aus einer sehr unruhigen Nacht und zog mich schnell an um zu frühstücken. Auch hier in Cornwall regnete es. Es zog eindeutig der Herbst ein in England.
      Um neun war mein Termin bei Mr. Gulwoods. Nervös betrat ich ein paar Minuten davor die Kanzlei und meldete mich bei der Sekretärin an. Sie wies mich in den Wartebereich, wo ich mich setzte und begann ungeduldig mit dem Knie auf und ab zu wippen.
      Schließlich bat mich Mr. Gulwood, ein älterer Herr mit hellgrauem Haarkranz, dessen Leibesfülle gerade noch durch die Tür passte, hinein.
      Aufgewühlt trat ich einige Zeit später wieder auf die Straße. Was zum Teufel hatte mein Vater angerichtet? Mr. Gulwood meinte er wäre spielsüchtig geworden, kurz nachdem ich Mainsfield Park verlassen hatte. Die Vollblutzucht habe er kurz darauf aufgegeben, stattdessen habe er wahllos Pferde angekauft, die er gerade so versorgen konnte. Mainsfield Park war wohl nicht mehr so, wie ich es aus meiner Kinder- und Jugendzeit kannte. Ländereien habe er keine verkauft, doch es wäre wohl ziemlich heruntergewirtschaftet. Ob ich das Erbe antreten wolle? Ich müsste auch die Schulden mit übernehmen. Ich weiß es nicht. Stockend kamen die Worte über meine Lippen. Ob ich es vorher sehen wolle? Ja bitte. Diese Worte kamen schon leichter aus meinem Mund. Ich bekam sämtliche Schlüssel, damit ich reinkonnte. Wer sich jetzt über die Pferde kümmern würde? Nachbarn und Bekannte. Ich schluckte. Er hat auch kurz vor seinem Tod noch einen Kaufvertrag unterschrieben. Ein Connemara. Gute Abstammung. Kommt von einer Ranch in Alberta. Ein Wallach. In den nächsten Tagen sollte er ankommen. Bezahlt worden wäre alles schon. Von welchem Geld? Ich fuhr mir durch mein Haar, das im Licht rot schimmerte. Erstmal hinfahren und alles ansehen. Die Pferde begutachten. Dann konnte eine Entscheidung getroffen werden.
      Der Gedanke alles aufzugeben, schmerzte mich. Immerhin war dies mein Zuhause gewesen. Es war das Zuhause meiner Familie.
      Während mir all diese Gedanken durch den Kopf schossen, war ich zurückgegangen zur Unterkunft um mein Auto zu holen.

      Mainsfield Park lag außerhalb von St. Agnes abgelegen zwischen den Hügeln. Schnell stieg ich ein und fuhr die bekannten Straßen entlang, bis ich in eine weitläufige Allee einbog, die links und rechts von alten Eichenbäumen gesäumt wurde. Der Anblick schockierte mich. Das Unkraut kletterte die Fassade hoch, die Fenster waren wohl vor Ewigkeiten nicht mehr geputzt worden. Überall lag Dreck und Unrat herum, der Rasen war wohl schon länger nicht mehr gemäht worden. Was zum Teufel hatte mein Vater die letzten Jahre getrieben? Der Garten war sein Heiligtum und ihm war es immer furchtbar wichtig, dass alles gepflegt und penibel sauber war.
      Ich stieg also aus, ging um das imposante Herrenhaus herum und bog beim Teich nach rechts ab. Bald kamen die Ställe in Sicht. Die Galopprennbahn war zugewachsen und komplett verwildert, ebenso der Reitplatz. Der sah aber trotzdem so aus, als würde er zumindest hie und da benutzt werden. Ich betrat den ersten Stall und sah mich um. Pferde konnte ich keine erkennen, dafür jede Menge Staub und Dreck. Im zweiten Stallgebäude war es dasselbe. Also machte ich mich auf die Suche nach den Pferden, die laut des Anwalts hier leben sollten.
      Bei den Weiden wurde ich schließlich fündig. Auf zwei Koppeln standen jeweils ein paar Pferde. Viele waren es nicht. Eine Gruppe bestand aus einem Braunschecken, offensichtlich irgendein Warmblut, einem Ponymix und einem Tinker. Die andere Weide teilten sich ein Overo und ein Brauner. Zweiterer war offensichtlich ein Vollblut. Bei näherem Hinsehen bemerkte ich, dass die 3-er Gruppe männlich war und das Duo weiblich. Sie hatten wohl auch schon mal bessere Tage gesehen, denn ihr Zustand war alles andere als gut.
      „Hey! Wer sind Sie? Was machen Sie da bei den Pferden?“, unterbrach mich das Rufen eines Mannes der wütend auf mich zustampfte. Wohl einer derjenigen der sich um die Tiere kümmerte seit mein Vater das Zeitliche gesegnet hatte.
      Ich versuchte den Mann mit einer Geste zu beruhigen, begrüßte ihn freundlich und stellte mich dann vor. „Guten Tag, mein Name ist Emily Braghnough, ich bin die Tochter des kürzlich verstorbenen Mr. Braghnough. Hier mein Ausweis, falls sie Zweifel haben.“ Ich kramte kurz in meiner Tasche und reichte ihm meinen Führerschein.
      „Ach, dann sind sie also die Erbin von dieser Bruchbude und den verdameldeiten Viechern.“, meinte der Mann mürrisch nach einem kurzen Blick auf meinen Ausweis.
      „Hören sie Lady, dieser Laden ist am Ende. Mit den Viechern ist nix anzufangen. Am besten verkaufen Sie alles und geben die Tiere zum Schlachter. Zu was anderem sind sie nichts mehr nütze.“
      „Dürfte ich vielleicht erstmal Ihren Namen erfahren und die Aufgabe die Sie am Hof meines Vaters innehaben?“, erwiderte ich auf den mürrischen Ratschlag des Mannes. „Bleib gelassen!“, mahnte ich mich, „Lass dich von diesem ungehobelten Kerl nicht auf die Palme bringen.“
      „Ahja natürlich. Mein Name ist Craig Hewridge. Ich bin hier der Verwalter.”
      Ich schrieb mir den Namen im Kopf auf eine Liste. Dieser Kerl musste unbedingt hier weg. Doch diesem Chaos konnte ich auch unter keinen Umständen alleine Herr werden. Verdammte Zwickmühle. Ich atmete tief ein und aus.
      „Nun, Sie scheinen ihre Aufgabe nicht allzu ernst genommen zu haben.“, meinte ich und wies mit dem Arm auf die verwahrloste Anlage.
      „Hören Sie, hat sich nich‘ gelohnt hier großartig zu ackern. Ist ja doch alles am Ende, seit die Rennpferde weg sind und nur diese Klepper hier stehen.“, versuchte sich der Mann auf seine ungehobelte Art und Weise zu rechtfertigen.
      „Das ist für mich kein Argument.“, sagte ich mit fester Stimme.
      „Ich erwarte sie morgen früh im Büro meines Vaters. Dort besprechen wir das weitere Vorgehen. Auf Wiedersehen Mr. Hewridge.“ Ich reichte ihm kurz die Hand und verschwand nach einem gemurmelten Gruß des Mannes in Richtung Koppeln.
      Die Pferde sahen nur kurz auf, als ich die erste Koppel betrat. 2 Hengste und ein Wallach. Sie waren ungepflegt, hatten zu lange Hufe und auch der Tierarzt sollte sich die Tiere dringend ansehen. Außerdem waren sie viel zu dünn. Sie mussten außerdem von der Koppel weg, dieses Dreckloch barg Maukegefahr.
      Ich holte mein Notizbuch und notierte mir stichpunktartig was zu tun war.
      Bei den Stuten sah es ähnlich aus.

      In meinem Notizbuch entstand eine immer länger werdende To-Do Liste. Die Entscheidung ob ich das Erbe annehmen wollte, war schon lange gefällt. Ich wollte mein Zuhause nicht verkaufen. Ich wollte daraus wieder ein Zuhause machen. Auch wenn es teuer werden würde und schwer.
      Doch es sollte gehen. Die Tatsache wie ich das alles meinem Freund erklären sollte, verdrängte ich vorsorglich.
      Ich begutachtete noch den Heuboden und die Futterkammer, wo ich genügend Vorräte in erstaunlich guter Qualität vorfand.
      Bevor ich mich an die Arbeit machte, rief ich noch den Anwalt an. Ich erklärte ihm, dass ich das Erbe antreten würde und ob es reichen würde, wenn ich morgen früh in sein Büro kam um die nötigen Formalitäten zu erledigen. Der Anwalt bejahte dies und schlug einen Termin vor, den ich annahm.

      Anschließend machte ich mich daran die wichtigsten Arbeiten zu erledigen. Ich schnappte mir Eimer, Besen, Schaufel und Tuch und begann den Stall von Staub und Dreck zu befreien.
      Ich kehrte die Spinnweben sorgfältig von den Wänden, kehrte die Stallgasse, brachte das alte Stroh auf den Misthaufen und kehrte anschließend die Boxen aus. Schlussendlich wusch ich noch die Tränken und Tröge aus und putzte die Fenster. Der Stall war unterteilt und beinhaltete insgesamt 12 Boxen, 6 in jedem Trakt. 5 davon, 3 in einem Trakt und 2 in dem anderen richtete ich für die tierischen Bewohner her, streute dick ein, schmiss jedem einige Gabeln Heu hinein und füllte die Tröge mit Hafer. Eine 4. Box im Trakt der Herren richtete ich anschließend noch für Neuankömmling her. Anschließend holte ich die Pferde, die sich bereitwillig einfangen ließen, von der Koppel und brachte sie nacheinander in die Boxen, wo sie sich sofort auf das Kraftfutter stürzten.
      Da es schon Abend war, begnügte ich mich damit ihnen nacheinander noch die Hufe auszukratzen, nachdem ich ca. 15 min nach einem Hufauskratzer gesucht hatte.
      Außerdem hatte ich in der Sattelkammer Namen entdeckt. Van Dey, Guinness, Appolino, Key, und Ayumi. So hießen wohl die 5 da draußen. Ich hatte jedoch keinerlei Ahnung, wer wer war.
      Schulterzuckend, drehte ich das Licht ab, schloss die Stalltür und ging noch kurz zum Haus hinüber. Sicher waren die Papiere der Pferde im Büro meines Vaters. Ich schloss die Tür auf und betrat langsam mein Elternhaus. Alles war noch so wie zu dem Zeitpunkt, als ich es verlassen hatte. Ich sah mich kurz um und ging dann in das kleine Büro, dass sich gleich rechts von der Haustür befand. Das übliche Chaos war auf dem Schreibtisch ausgebreitet und ich musste eine Zeit suchen bis ich die Papiere fand. Endlich konnte ich die Namen zuordnen. Ich machte mir einige Notizen, damit ich mir das merken konnte und verstaute die Papiere dann wieder ordentlich.
      Nachdem ich das Haus sorgfältig abgeschlossen hatte und einen letzten Blick nach den Pferden geworfen hatte, stieg ich in mein Auto und fuhr zurück zu meiner Pension.
      Dort fiel ich nach einem kleinen Abendessen und einer schnellen Dusche sofort ins Bett.
    • Julie
      Da ich am nächsten Morgen anderweitig sehr viel zu tun hatte, um die leidige To Do Liste zu verkürzen, kümmerte ich am auf dem Hof nur um das Nötigste, nämlich die Pferde.
      Außerdem wollte ich kontrollieren ob der Verwalter irgendeinen Finger rührte. Als ich morgens ankam, war, wie ich unbewusst erwartet hatte, nichts gemacht. Also machte ich mich daran die Pferde zu füttern. Zuerst kamen bekamen Guinness, Willo, Van Deyk und Appollino ihren Hafer. Anschließend noch die beiden Stuten Key und Ayumi.
      Während die Pferde fraßen, kümmerte ich mich notdürftig um die Koppeln. Ich erneuerte das Wasser - die Tränker waren kaputt wie ich schnell herausfand, äppelte alles ab und schmiss Heu in die Raufen. "Die Koppeln musste dringend grundsaniert werden.", notierte ich gedanklich erneut in meinem Kopf.

      Nachdem die Pferde gefressen hatten, schnappte ich mir ein Pferd nach dem anderen, kontrollierte die Hufe und kratzte sie aus um sie danach auf die Koppel zu bringen. Dann mistete ich noch die Boxen aus und fuhr nach einem letzten Blick auf die Tiere vom Hof.
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  • Kategorie:
    Himmel - ungepflegte Pferde
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    Julie
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    25 Juli 2016
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    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).

  • Name Ayumi
    Geboren 2013
    __________________

    Von Bergkristall
    Aus der Sunnivah
    __________________

    Rasse Mix [ 25 % Hannoveraner | 25 % Pinto | 50 % Araber]
    Geschlecht Stute
    Farbe Overo Schecke
    Stockmaß 167 cm
    Beschreibung

    Lernwillig, neugierig, freundlich, verschmust, temperamentvoll, Anfängerpferd

    Ersteller BluePearl
    Besitzer Julie
    Vorkaufsrecht BluePearl

    [Noch nicht eingeritten.]

    __________________

    Gekört nein
    Nachkommen

    --​