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Gwen

Avenger

New Forest Pony ♂

Avenger
Gwen, 30 Dez. 2016
Zaii, Veija und Samarti gefällt das.
    • Gwen
      Erinnerungen

      Avenger im vernachlässigten Zustand.
      Zubehör © sweetvelvetrose
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      Avenger nach dem Aufpäppeln.
      Zubehör © Jackie | Hintergrund © Samarti
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      Avenger und What does the Fox say.
      Bewegungen © Gwen
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    • Gwen
      Pflegebericht 20.04.2014 - Wenn sich unerwartet Schicksale kreuzen

      „Halt! Warten Sie!“ rief ich völlig außer Atem und lief dem Bus noch etwa 10 Meter hinterher, doch der Blick des Busfahrers im Rückspiegel genügte mir, um zu wissen, dass er definitiv nicht mehr anhalten würde. Übellaunig machte ich auf den Absatz kehrt und setzte mich auf die Bank an der Bushaltestelle. Es war 17 Uhr und das war der letzte Bus in meine Richtung gewesen, welcher heute noch gefahren wäre. Mama und Kathy waren nicht zu Hause, sondern bei neuen Bekannten zum Osteressen unterwegs und ich saß hier nun alleine in Dauphin. Dabei war der Busfahrer fünf Minuten zu früh losgefahren! Nur weil er eher Feierabend machen wollte, konnte er doch nicht einfach die Regeln brechen, oder? Zum Ostersonntag war in Dauphin immer viel los und es wurde eine große Eiersuche im Park veranstaltet. Meine Freundin Amber und ich hatten uns als freiwillige Helfer gemeldet und fleißig Ostereier versteckt, es war ein wirklich schöner Tag gewesen und nun endete er so. Das schlimmste war jedoch, dass ich an keine Mitfahrgelegenheit mehr kommen würde, denn alle waren schon längst zu Hause, da das Ganze schon 16 Uhr zu Ende gewesen war und ich mir in der Stunde Wartezeit was zu Essen geholt hatte. Der einzige Weg nach Hause war also laufen und das etwa eine Stunde lang. Wenigstens war es schönes Wetter und inzwischen war es ja auch am Abend noch lange hell, so dass ich mir keine Sorgen machen musste, von Pumas oder Bären angegriffen und gefressen zu werden. Um ein wenig Energie zu tanken, holte ich mir an einem kleinen Imbiss noch flott eine Wasserfalsche und ein Sandwich für den bevorstehenden Weg. Den Nationalpark hatte ich schon nach 20 Minuten erreicht, aber dann kam ja erst die längste Strecke nach Hause. Im Kopf hatte ich in etwa den Überblick vom Nationalpark und ich wusste, wenn ich die Hauptstraße langlief, würde ich wesentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen, als wenn ich die Nebenstraßen und Waldwege nutzte. Dank meiner ausgiebigen Ausritte kannte ich mich im Park schon sehr gut aus und wusste wo die Seen lagen, an welchen ich mich bestens orientieren konnte. So marschierte ich durch den allmählich grünenden und blühenden Wald, begleitet von Sonnenschein und Vogelgezwitscher, was meine Stimmung direkt wieder hob. Nur den Ausritt mit meinem geliebten Altair würde ich heute wohl dann vergessen können und auf Morgen verschieben müssen. Aber dank meines Abiturs hatte ich nun Zeit wie Heu, denn außer ein paar wenigen Konsultationen stand kaum mehr was an und ich war fast die ganzen Wochen zu Hause, was ich sofort für die Pferde ausnutzte.
      An irgendeiner Abzweigung musste ich dank meiner Träumereien falsch abgebogen sein, denn plötzlich kam mir alles ziemlich neu vor. Da aber 90% der gesamten Wege zu den beliebten Seen führten, folgte ich dem Pfad einfach weiter. Doch irgendwann landete ich in einer Sackgasse, welche mir ganz und gar nicht sympathisch erschien. Vor mir erstreckte sich tiefer Wald inmitten eine alte verfallene Hütte stand, deren Dach schon so schief vom Wind und Wetter geworden war, dass man es kaum noch für möglich hielt, dass dieses Gebäude noch stand. Unsicher schaute ich mich um, denn von solchen Orten hielt ich bevorzugt Abstand. Das einzige, was mich gerade an diesem Ort festhielt, war der Geruch. Es stank nach morschen und altem Holz, Moos und den Kräutern des Waldes, doch dazwischen roch es nach etwas anderen, nämlich nach Pferd. Stirnrunzelnd blickte ich mich um, denn ich konnte mich auch irren und einen armen Elch oder Rehe von ihrem Platz verscheuchen, doch ich wollte lieber auf Nummer sicher gehen. Leise und vorsichtig wanderte ich um die verfallene Scheune, um eine Blick dahinter werfen zu können. Vor mir baute sich ein großer Holzzaun auf, der beinahe größer war als ich und aus dicken Pfosten und breiten Holzbrettern gebaut worden war. Als ich ihn nach sein er Standhaftigkeit testen wollte und um das eine Holzbrett griff, zog ich meine Hand schmerzerfüllt zurück. Stöhnend blickte ich nach unten und sah einige kleine rote Punkte, welche binnen Sekunden anfingen zu bluten. Ich schnappte mir ein Taschentuch und wickelte meine Hand ein, ehe ich mich nach der Ursache meiner Verletzung umschaute. Tatsächlich hatte irgendein Unhold an den gesamten Brettern Stacheldraht befestigt und der sah ganz und gar nicht mehr sympathisch aus. Während ich den Zaun genauer musterte, merkte ich erst gar nicht die nächste Gefahr, welche sich mir näherte. Nur knapp entging ich den zuschnappenden Zähnen vor mir und vor Schreck wäre ich am liebsten in den Wald gerannt und hätte mich hinter den nächsten Baum versteckt.
      Vor mir stand ein Pferd, was mich hasserfüllt anstarrte und mich anscheinend am liebsten direkt auseinander genommen hätte. „Oh nein…“ murmelte ich und kam ein wenig näher, um zwischen den Brettern durchzublicken. Dieser Verschlag war der Heimatort eines Pferdes, eines ziemlich verwahrlosten Pferdes! Der Boden war über und über mit Kot bedeckt, doch mehr bekam ich nicht zu sehen, denn erneut stellte sich mir das dort lebende Wesen in den Weg. Ich schaute mich um und entdeckte einen alten Wassertank, welcher neben der Scheune stand. Mühevoll hievte ich mich auf das vergammelte Teil und hatte nun einen klaren Blick über alles, was sich vor mir abspielte. Das Pferd war eindeutig ein Hengst, wie ich schnell entdeckte, und sein Fell – wenn es denn noch an manchen Stellen vorhanden war – war übersäht von alten und frischen Wunden. Eine Mähne war kaum vorhanden, während der Schweif über den Boden schliff. Mit einer Mischung aus Angst und Wut blickte der Fuchshengst zu mir auf, anscheinend schien er mich schon dafür zu hassen, dass ich hier draußen war und er da drin sein musste, was nur allzu verständlich war. Ich zückte mein Handy und wählte direkt die Nummer, welche mir am ehesten helfen würde: Elisa. Ich schilderte ihr nur grob die Umstände und meine Freundin war sofort bereit, sich auf die Suche nach uns beiden zu machen. Sie brachte auch einen Pferdehänger mit, wobei ich gleich meinte, dass diesen Kerl niemand auf einen Hänger bringen würde, doch Elisa ließ sich nicht entmutigen. Meine ungefähre Lage hatte ich ihr schildern können, dennoch würde es wohl Ewigkeiten dauern, ehe sie uns finden würden. Noch schien die Sonne, doch sie neigte sich schon langsam dem Horizont zu. Ich schaute herab zu dem hilflosen Wesen und überlegte verzweifelt, wie ich ihm helfen konnte. Dann fiel mir die Wasserflasche in meinem Rucksack ein und sprang vom Tank herunter. Genau musterte ich die Umgebung und deren Bäume und entdeckte sogar einen verwilderten, aber schon blühenden Apfelbaum. Mühsam brach ich einige Zweige ab und entschuldigte mich auch inständig bei dem Baum, doch es war für einen guten Zweck. Danach traute ich mich sogar in die Scheune, wobei ich beim Anblick der ganzen Ratten am liebsten gleich wieder umgekehrt werde. Doch ich war auf der Suche nach einem Eimer und ich fand sogar einen, wenn auch er nicht mehr sonderlich schön war. Ein altes Seil war auch schnell gefunden, welches ich am Henkel des Eimers befestigte, dann befüllte ich ihn mit meiner ein Liter Wasserflasche und kletterte wieder auf den Wassertank. Von dort aus ließ ich den Eimer vorsichtig am inneren des Zaunes herab und versuchte nicht am Stacheldraht hängen zu bleiben. Zweimal kippte er mir fast um, doch dann stand er endlich sicher auf dem Boden. Mein neuer Schützling betrachtete den Eimer misstrauisch, trat vorsichtig heran und schnupperte an ihm, ehe er sein Maul im Wasser versenkte und fast innerhalb von Sekunden den Inhalt des Eimers verschlang. Ich wollte mir gar nicht vorstellen, wie lange er ohne Wasser und Futter gewesen sein musste. Als er fertig war, hob ich meine gesammelten Zweige auf und versuchte sie über den Zaun zu werfen, beim dritten Versuch klappte dies auch. Sie sollten als kleine Nahrungsquelle für den Hengst dienen, aber er sollte nicht gleich zu haltiges bekommen, weshalb die noch recht kargen Äste für mich eine gute Lösung waren.
      Es dämmerte bereits, als ich plötzlich Motorgeräusche hörte. Die letzte Stunde hatte ich neben dem Zaun gesessen und mit dem auf den Ästen herum kauenden Hengst geredet. Er hatte kaum Notiz von mir genommen, aber zumindest ich hatte mich nicht alleine gefühlt. Nun sprang ich auf und eilte vor die Scheune, um Elisa hierherzuwinken. Die junge Frau stieg aus und schaute sich unruhig um, auch ihr schien dieser Ort nicht zu gefallen. „Und wo ist der arme Kerl?“ fragte sie mich und ich führte sie um die Scheune herum. Gemeinsam bestiegen wir den Wassertank, damit auch sie sich einen Überblick verschaffen konnte. „Hm, das sieht gar nicht gut aus.“ Murmelte sie und starrte den Hengst an. Da sie meiner Meinung nach mehr Erfahrung hatte, fragte ich sie direkt danach, was wir nun machen sollten, doch auch sie blickte mich nur fragend an. Doch dann schmiedete sie einen Plan und schnappte sich ihr Handy. Der erste Anruf galt der Stadtverwaltung Dauphins, welche für die Grundstücke im Nationalpark verantwortlich waren. Sie wollte den Besitzer herausfinden und diesen ausfindig machen. Der Witz war nur, dass es keinen Besitzer gab und das Grundstück schon seit Jahren leer stand. In Kanada gibt es auch niemanden, der sich für solche Tiere verantwortlich fühlt und die Frau am Telefon meinte, wir sollten einfach den Zaun öffnen und das Pferd freilassen oder es mit nach Hause nehmen, wenn wir wollen, eine Besitzerurkunde würden sie ausstellen. Ich zögerte nicht lange, sondern stimmte zweiterer Idee zu, auch wenn Elisa mich mit Blicken tötete. Kurz darauf folgte die Moralpredigt. „Das Tier ist der Tod auf vier Hufen! Und genauso unberechenbar, das wird nie was!“ meinte sie, doch ich winkte ab. Ich wollte dem Hengst helfen und aus irgendeinem Grund übte er eine große Faszination auf mich aus, welcher ich nur zu gern nachgab. Elisa ließ mich aber trotz meiner Entscheidung nicht im Stich, sondern half mir. Ich wollte den Tierarzt rufen, doch an den Osterfeiertagen war das wohl sinnlos. Elisa winkte ab und holte aus ihrem Jeep ein Gewehr, was mich direkt zusammenzucken ließ. „Keine Sorge, das ist ein Betäubungsgewehr, umfunktioniert zum Beruhigungsgewehr, also es ist ein Beruhigungsmittel in den Pfeilen.“ Meinte sie grinsend. Auf meine Frage hin, wozu sie das hatte, lachte sie nur und erzählte mir von einigen Wildtieren, welche irgendwann herausgefunden hatten, dass es auf Crown Hills kostenloses Futter um Stall gab. Kurz darauf gab Elisa uns allen eine Kostprobe ihrer Schießkünste und der Pfeil landete zielsicher im Hals des Hengstes. Die Spritze brauchte nicht lange, bis sich ihre Wirkung entfaltete und schnell wurde der aufgeschreckte Hengst ruhiger. „Und nun?“ murmelte ich und beobachtete ihn. Matthew sprang mit einer Rohrzange aus dem Auto und begann die Holzbretter eines Abschnittes du zerstören und zu entfernen. Elisa fuhr derweil den Jeep um die Scheune und mit viel Geschick – und Fantasie! – fuhr sie den Hänger an die Stelle, an welcher Matthew gerade tatkräftig am Werkeln war. Statt blöd zu klotzen kam auch ich auf die Idee, mitzuhelfen. Kurzerhand war der Weg frei und wir ließen die Klappe des Hängers herunter. Zum Glück passte er genau in die Lücke, welche Matthew in den Zaun geschlagen hatte. „So Leute! Jetzt heißt es Teamwork.“ Meinte Elisa und warf mir und Matthew eine Longe zu. Kurz erläuterte sie ihren Plan. Matthew und ich bildeten mit der Longe eine Barriere, welche den Hengst in den Hänger schieben sollte, während sie direkt neben dem Hänger stand und nur darauf warten würde, die Klappe zu schließen. Wir nickten und dann begann das Hin und Her. Wie eine unsichtbare Wand kamen wir von hinten auf den Hengst zu und durch die Bedrängnis der Longe bewegte er sich müde vorwärts, das Beruhigungsmittel hatte also seine Dienste geleistet! Anfangs versuchte er vor dem Hänger zu fliehen, doch wir gaben ihm keine Chance und mit einem Satz stand er plötzlich Hänger. Geschwind rammelten wir alle drei los und schlossen die Klappe und schon war der Hengst im Hänger. Seufzend blickte ich mich um, denn dieser Ort war keines auch nur annähernd noch lebenden Wesens würdig. Man sah an vielen Stellen des Zaunes, wie der Hengst verzweifelt versucht hatte, seinem Gefängnis zu entfliehen, denn hier und dort hingen Fellfetzen oder man sah einige rote Streifen.
      Fröstelnd drehte ich mich um und stieg neben Elisa ins Auto. So schnell wie möglich verließen wir bei anbrechender Dunkelheit diesen bösen Ort. Während Elisa und ich diskutierten, wie es nun weitergehen würde, grummelte Matthew vor sich hin, dass er Hunger habe. Kurze Zeit später warf ich ihm mein Sandwich gegen den Kopf, da sein Gejaule unerträglich geworden war, mir aber auch nicht eher eingefallen war, dass ich ja noch was hatte. „Ich würde ihn ja auf eine meiner Hengstweiden stellen, aber erstens weiß ich nicht, wie wir ihn dann zu dir bekommen sollen und zweitens ist es bei euch einfach ruhiger. Ich glaube der Crown Hills-Stress wird ihm nicht zu Gute kommen.“ Meinte Elisa und sie hatte Recht. „Wie wäre es, wenn er die Nacht bei uns in der Halle verbringt und ich mache für die kommenden Wochen eine Weide für ihn fertig, indem ich dort den Zaun mit Elektrodraht erhöhe?“ murmelte ich meine Gedanken laut. Elisa nickte begeistert und so fuhren wir auf meine Ranch. Zu meiner Erleichterung besaß die Halle zwei Eingänge und war so auch für größere Fahrzeuge von außen zugänglich, so konnten wir wieder den Hänger in den Eingang fahren, die Klappe öffnen und den Hengst in die Halle lassen. Danach verschlossen wir schnell die Tür und Matthew fuhr den Hänger weg. „Hoffentlich erreiche ich Morgen einen Tierarzt, ansonsten müssen die alternativen Heilmittel erst einmal her.“ Seufzte ich und doch war ich froh, den Hengst erst einmal in einer sicheren Umgebung zu wissen.
      Ich bedankte mich ausgiebig bei Matthew und Elisa für ihre Hilfe, als plötzlich ein vorwurfsvolles Wiehern erklang. „Verdammt! Unsere Pferde sind ja auch noch draußen!“ lachte ich und mit Hilfe von meinen beiden Freunden schafften wir schnell alle Vierbeiner in den Stall. Gerne hätte ich sie 24 Stunden am Tag draußen gelassen, doch nachts war mir die Gefahr von Raubtieren einfach zu groß, da wir sehr nahe an den wirklich unberührten Teilen des Parks lebten und hier oft Pumas oder ähnliches unterwegs war. Ich verabschiedete Elisa und Matthew und fütterte dann erst einmal unsere Pferde. Als das geschafft war, schob ich einen Heuballen vom Boden und schleifte ihn zur Halle, welche Gott sei Dank auch vom Stall aus betretbar war. Das Heubündel verteilte ich ein wenig am Halleneingang als Futter für den immer noch unter Beruhigungsmitteln stehenden Hengst. Seine Ruhe nutzte ich direkt aus, um einen großen Wasserpot, der eigentlich für die Weiden gedacht war, in die Halle zu ziehen und mit dem Wasserschlauch zu füllen. Da er die Nacht so verbringen musste, holte ich als Nahrung auch noch ein Strohbündel, doch mehr würde er erst einmal nicht bekommen. Wenn er erst ewig nichts hatte und dann plötzlich zu viel, würde das seiner Gesundheit mehr schaden als alles andere. Als ich ihn dann zumindest einigermaßen als versorgt ansah, schaltete ich das Licht aus und schloss die Stalltüren. Müde wanderte ich ins Haus, wo ich direkt in meinen Schlafanzug schlüpfte und direkt ins Bett stieg. Meinen Wecker stellte ich extra früh, um direkt den Tierarzt anzurufen und vor allem zu verhindern, dass Mama oder Kathy unseren neuen Gast erschrecken würden. Danach schlief ich aber auch schon innerhalb von Sekunden tief und fest ein.
    • Gwen
      Tierarztbesuch 21.04.2014 - Clinic Caen
      © Edfriend

      Schon sehr früh am Morgen erreichte mich ein dringender Anruf von einer erst kürzlich dazugekommenen Kundin. Die junge Frau erzählte mir leicht verstört von ihrem neuen Schützling und dass ich doch so schnell wie möglich vorbeikommen sollte. Natürlich nahm ich mir das direkt zu Herzen und begann meinen Arbeitstag eher als sonst. Da sie von einem Notfall sprach, packte ich auch meine große Arzneitasche mit ein und fuhr dann los. Laut der Besitzerin würden wir den Hengst nur mit Beruhigungsmittel gebändigt bekommen, so dass ich mich schon auf einen kleinen Kampf einstellte, denn so wie es klang, war er nicht gerade das einfachste Pferd.
      Nach einer quälend langen Fahrt kam ich endlich auf der kleinen und ruhigen Ranch an. Ich schaute mich um, doch ich konnte niemanden entdecken, auch als ich am Haus klingelte, öffnete keiner. Also machte ich mich eigenständig auf den Weg zum Stall, als plötzlich Gwen angelaufen kam. „Hallo! Tut mir leid, aber meine Familie ist im Osterurlaub und ich bin alleine.“ meinte sie ein wenig gestresst, anscheinend hatte sie gerade die Pferde auf die Weide gebracht. Ich nickte verständnisvoll und ließ mich von ihr zu meinem Patienten führen. „Er ist sehr scheu und lässt niemanden an sich ran.“ murmelte sie und lief quer durch den Stall zu der angebauten Halle. Kurz erklärte sie mir, dass es sie es sicherer gefunden hatte, ihn erst einmal in der Halle zu lassen. Die Hallentür konnte man halbieren und nur oben öffnen wie diese alten Boxentüren. So konnte ich mir den Hengst erst einmal anschauen. Er stand in der hintersten Ecke und blickte mit kaltem Blick in unsere Richtung. „Ich habe ihn heute noch nicht gefüttert, denn ich dachte, dass könnte uns eventuell helfen.“ erklärte Gwen und ich dankte ihr, denn so wie der Hengst wirkte, schien er sich nicht gerne anfassen zu lassen. Vorne neben der Tür stand ein großer Wassertrog und daneben lagen noch ein paar Heuhalme. „Da hat aber jemand Hunger, oder?“ meinte ich lächelnd und Gwen nickte, um schnell ein Heubündel zu holen. Gemeinsam verteilten wir es direkt hinter der Tür und dann hieß es warten. Lange ließ der Hengst sich nicht blicken, doch irgendwann übermannte auch ihn der Hunger und so kam er in unsere Richtung, um sich gierig auf das Heu zu stürzen. Wir ließen ihn im Glauben, dass wir uns nicht für ihn interessieren würden, bis ich mit meiner linken Hand hervorschoss und ihn innerhalb von Sekunden die Beruhigungsspritze verpasste. Erschrocken sprang er zur Seiten und blickte uns böse an, doch irgendwann sank er in einen Halbschlaf. Ich bat Gwen um Halfter und Strick und ohne Probleme konnten wir den Hengst holen und in der Stallgasse anbinden, momentan konnte er keiner Fliege mehr was zu leide tun.
      Ich begann direkt mit der Untersuchung seiner Wunden und das Ganze sah gar nicht gut aus. Stirnrunzelnd fragte ich Gwen, ob sie wisse woher das kam und ihre Antwort beruhigte mich keines Wegs. Der Hengst hatte sich diese gesamten Wunden an einem alten Stacheldraht zugezogen und so war klar, was nun als erstes gemacht werden musste. Er brauchte dringend seine Impfungen, wenn er nicht sogar schon infiziert war. Die vier Spritzen gegen Influenza, Tetanus, Herpes und Tollwut verpasste ich ihm innerhalb von Sekunden. Allesamt waren Passivimpfungen, so dass der Hengst erst einmal körperfremde Antikörper gegen Bekämpfung der Infektionen bekam. „Wir werden auf jeden Fall noch einen Termin für die aktiven Impfungen ausmachen müssen.“ erklärte ich Gwen. „Und dann wäre auch eine Untersuchung von Zähnen und Augen günstig.“ fügte ich noch hinzu und die Besitzerin erklärte sich sofort bereit. Nun bat ich sie um einen Eimer warmen Wassers und saubere Lappen und dann begannen wir mit der Arbeit, denn die gesamten Wunden mussten gesäubert werden, da sich eine dicke Dreckkruste über den Grind gebildet hatte. Eine Wunde war besonders böse und man hätte fast meinen können, der arme Kerl hätte ein Loch in der Flanke. Während Gwen sich weiter um die kleineren Wunden kümmerte, säuberte ich gründlich diese große Fläche und schmierte sie dann mit Wundsalbe ein. Kurz danach bekam der Hengst einen Druckverband auf die große Wunde und ich verband das Ganze noch so gut es ging, damit er ja nicht auf die Idee kam, daran herumzuspielen. Danach waren die anderen Wunden an der Reihe, die größeren sprühten wir mit Blauspray ein, während die kleineren nur noch mit Wundsalbe eingerieben wurden. Beides hatte Gwen auch zu Hause in der Stallapotheke, so dass ich ihr nicht dalassen musste. Als das geschafft war, machte ich mit der Untersuchung weiter und entdeckte schnell das nächste Wehwehchen. Durch sein Gefängnis im Schlamm hatte der Hengst an zwei Beinen Mauke bekommen. Direkt musste er sich von seinem verfilzten Behang verabschieden, welchen ich bis auf wenige Millimeter abschnitt. Danach kam eine eher altmodische Behandlungsmethode, denn erst säuberte ich die Fesselbeugen und dann reinigte ich die mit einer starken alkoholischen Lösung. Der Grund dafür war, dass Gwen nicht so schnell wieder an den Hengst rankommen würde und alle anderen Mittel zu schwach waren, als das eine einmalige Behandlung etwas gebracht hätte.
      Danach war der Hengst im Großen und Ganzen erst einmal grundversorgt, nur die Wurmkur musste er noch schlucken und beim Abtasten seines Körpers fand ich einige Zecken, welche es sich schon seit langem gemütlich gemacht haben mussten. Gwen nutzte den ruhig stehenden Hengst noch dazu, ihm den Schweif zu kürzen, da dieser über den Boden schliff. Danach schienen wir auch schon fertig. „Ich würde sagen, ich komme in einer Woche oder zwei Wochen noch einmal vorbei und dann wird es wohl noch einmal die gleiche Prozedur wie heute. Wie willst du eigentlich mit ihm verfahren?“ fragte ich Gwen und sie erklärte mir ihren Plan, den Zaun der Stallweide zu erhöhen und ihn dort hinauszulassen, damit er ein wenig mehr Freiraum hatte. Ich nickte und ermutigte sie, dass er nicht gleich durch den Zaun stürmen würde, um abzuhauen. „Musst nur schauen, wie du ihn da raus bekommst.“ lachte ich und wir ließen den Hengst zurück in die Halle. Dort trottete er schläfrig davon, um sich dann dem Heu zuzuwenden. „Und bei der Fütterung musst du sehr vorsichtig sein, nicht dass er eine Kolik erleidet.“ warnte ich noch kurz, ehe ich mich dann auch schon verabschiedete und mich auf den Weg zum nächsten Patienten machte.
    • Gwen
      Pflegebericht 27.04.2014 - Neue Freiheiten?

      Mein Wecker hatte 6 Uhr geklingelt und mich aus meinem Schlaf gerissen. Meine erste Amtstat war der Anruf beim Tierarzt gewesen und zu meinem Glück hatte Dr. Canary uns direkt einen Termin für heute um acht Uhr gegeben. Die Zeit bis dahin hatte ich mit dem Frühstück und der Versorgung der anderen Pferde verbracht und dann war die Tierärztin auch schon dagewesen. Den Fuchshengst hatten wir unter Beruhigung gestellt, damit er in Ruhe untersucht werden konnte, was auch ganz gut geklappt hatte. Nun war Dr. Canary bereits gefahren und ich suchte verzweifelt nach unserem Elektrozaun und dessen Pfosten. Ich wollte so schnell wie möglich die Weide vorbereiten und wenn ich Glück hatte, würde der Hengst noch ein wenig unter den Beruhigungsmitteln stehen. Doch nun durchwühlte ich erst einmal die gesamte Sattelkammer, bis ich endlich die Rolle gefunden hatte. Da wir hier über feste Zäune verfügten, hatten wir schon lange keinen Elektrozaun mehr benötigt, weshalb sich dieser in den tiefsten Untiefen der Sattelkammer befunden hatte. Nun konnte ich beginnen, unseren Zaun der Stallweide zu erhöhen, wenn ich auch noch nicht wusste, wie.
      Zum Glück wurde eine Seite sowieso von der Reithalle begrenzt, so dass für mich nur noch drei Seiten übrig blieben, um welche ich mich kümmern musste. Wir besaßen solche kleinen Halterungsringe, die man in alles Mögliche hineinbohren konnte und meine Opfer waren heute die Bäume. Die gesamte Weide war umringt von Bäumen und viele standen direkt hinter dem Zaun, so dass ich sie als Pfähle nutzen konnte. Es ging problemloser von Statten als gedacht und obwohl ich manchmal für einen ziemlichen Kabelsalat sorgte, kam ich doch vorne beim Tor an. Ich wusste, dass Mama mich fertig machen würde, dennoch bohrte ich die letzte Halterung in den Balken des Fachwerks der Reithalle. Mama mochte solche Verschandelungen ihrer Gebäude gar nicht, aber es war ja immerhin für einen guten Zweck. Danach war noch eine Litze über dieser an der Reihe und noch einmal ging ich die gesamte Weide ab, ehe das auch geschafft war. Zufrieden betrachtete ich mein Werk und ich hatte es sogar geschafft, dass alles durchgängig verbunden war, obwohl eine Seite theoretisch fehlte. Vorne bastelte ich noch die Halterungen für die Toröffnung hinein und dann holte ich das Stromgerät.
      Ich hatte es auf die schwächste Einstellung gestellt, denn ich wollte den armen Kerl nicht zu sehr verschrecken, sollte er doch an den Zaun kommen, wobei ich ja hoffte, dass er aus den Erfahrungen seines alten Gefängnisses gelernt hatte. Nun kam der Moment, wo ich mir überlegen musste, wie ich den Hengst aus der Halle auf die Weide bekam. Ein Blick über die Hallentür zeigte mir, dass er nicht mehr ganz so schläfrig war, sondern schon wieder wesentlich aktiver. Ich beschloss eine Gasse zu bauen, welche ihm gar keine andere Möglichkeit ließ, als nur den Weg auf die Weide zu nehmen. Zuerst sperrte ich die Abbiege in der Stallgasse mit Heu- und Strohballen zu – die würde ich nachher fürs Ausmisten sowieso noch gebrauchen -, danach musste ich es irgendwie schaffen, dass er hinter der Stalltür nach rechts auf die Weide abbog. Ich baute eine Gasse aus den Plastikpfosten des Elektrozauns und des Elektrozauns selber. Da er dort aber mit Sicherheit eiskalt durchbrechen würde, wenn er Lust dazu hätte, holte ich Flatterband aus der Sattelkammer. In dem Moment war ich froh, dass ich so viel Gelassenheitsübungen mit meinen Pferden machte und dafür auch genügend Zeug da hatte. Der Zaun wurde also mit dem Flatterband verstärkt und ich war mir sicher, dass der Hengst das nicht kannte. Auf die Ecke des Zaunes setzte ich eine Pylone, damit er sehen würde, dass es um die Kurve ging und dann konnte ich nichts weiter tun, als zu hoffen, dass er meinem Weg folgen würde und eventuell einfach ohne Probleme auf der Weide stehen würde.
      Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch öffnete ich die Tür der Reithalle und sofort schoss der Kopf des Hengstes in die Höhe. Misstrauisch blickte er in meine Richtung und zum ersten Mal wurde mir das eigentliche Problem bewusst, denn er würde niemals freiwillig die Reithalle verlassen. Seufzend versuchte ich mir was schlaues einfallen zu lassen, doch außer ihn hinauszuscheuchen, fiel mir nichts ein. Allerdings war er Menschen gegenüber ja nicht sonderlich positiv gesinnt, so dass ich garantiert einiges abbekommen würde, wenn ich ihm zu nahe kam. Also klaute ich ihm erst einmal seinen Wassertrog und die Reste des Heus, so dass er kaum noch einen Grund sehen konnte, in der Halle bleiben zu wollen. Dennoch stand er immer noch in der hintersten Ecke. Ich entschied mich für warten und ich wartete lange. Irgendwann schaute dann aber doch ein fuchsfarbener Kopf aus der Reithalle und blickte um sich. Ich versuchte mich so gut wie nicht zu rühren, erschrak aber unwiderruflich, als der Hengst mit einem Satz die Halle verließ und davon preschte. Vorsichtig eilte ich ihm nach und wäre nach der Abbiegung der Stallgasse fast in sein Hinterteil gerannt, denn der Kerl war stehen geblieben und begutachtete die Box von unserer Stute Nayala. Er ging hinein und wühlte das Stroh ausgiebig herum. Am liebsten hätte ich mich geohrfeigt, wieso hatte ich nur vergessen die Stalltüren zu schließen? Nachdem sich der Hengst ausgiebig in dem Stroh von der Stute gewälzt hatte, preschte er erneut los, schaffte es aber diesmal bis zur Stalltür ohne Zwischenstopp. Das Flatterband und die Pylone schien ihn zu irritieren und er war kurz dabei, umzukehren, doch ich schien für ihn noch eine größere Bedrohung, als tänzelte er an den gefährlichen Dingen vorbei und ehe ich mich versah, stand er auf der Weide.
      Ich hätte vermutet, dass er erst einmal umhergeprescht wäre und Theater gemacht hätte. Doch der Fuchs trabte nur einmal kurz die Umzäunung ab und begann dann zu grasen. Erleichtert beobachtete ich ihn und machte mich dann daran, den Wasserpot hierher zu bringen. Zwar besaßen unsere Weide alle eine automatische Tränke, allerdings war ich mir ziemlich sicher, dass der Hengst keinen Ahnung hatte, wie man so etwas nutzte. Damit er ein wenig vom Gras abgelenkt wurde, bekam er auch noch einen Arm Heu auf die Weide und dann schloss ich Tor und die oberen Litzen. Mühsam baute ich alles wieder ab und brachte es an seinen Platz zurück. Danach machte ich mich daran, erst einmal die Reithalle wieder in Ordnung zu bringen. Der Hengst hatte dort für ziemliche Unordnung gesorgt, so dass ich erst einmal abäppeln musste, dann die Heureste entfernte und zum Schluss die Löcher im Sand füllte, welche er hineingescharrt hatte. Danach machte ich mich daran, die Boxen auszumisten, wobei ich bei Nayala alles rausnehmen durfte, denn man konnte das dreckige Stroh nicht mehr von dem sauberen unterscheiden, dank einem gewissen Hengst. Als das geschafft war, streute ich wieder mit frischen Stroh ein und platzierte schon die Heuportionen für heute Abend. Dann kehrte ich die Stallgasse und brachte alles in Ordnung. In der Futterkammer stibitzte ich einen Apfel und machte mich auf den Weg zum Fuchshengst.
      Vorsichtig kroch ich unter dem Zaun durch und setzte mich an die vorderste Ecke, um ihn zu beobachten. Anfangs warf er mir immer einen warnenden Blick und ein Kopfschütteln zu, doch irgendwann akzeptierte er meine Anwesenheit einfach, solange ich ihm nicht näher kam. Doch genau das war mein Ziel und vorsichtig schlich ich mich am Zaun entlang zu ihm hin. Falls er wieder so aggressiv werden würde wie gestern, wäre ich ganz schnell durch den Zaun weg. Doch außer seinen Drohgebärden folgte nichts. Eigentlich wollte ich ihm auch nicht zu nah kommen und als noch einige Meter zwischen uns waren, warf ich ihm den Apfel zu. Erschrocken hüpfte er beiseite, als der Apfel auf dem Boden aufkam. Dann schlich er sich vorsichtig heran und schnupperte erst einmal an dem seltsamen runden Teil, ehe er hineinbiss und genüsslich anfing zu schmatzen. Für einen kurzen Moment stellten sich seine Ohren nach vorne auf und er blickte neugierig in meine Richtung, doch dann erinnerte er sich wieder, die Ohren flogen nach hinten und er drehte mir sein Hinterteil zu. Seufzend machte ich Kehrt und verließ die Weide, gerade als ich durch den Zaun schlüpfte, hörte ich vorne ein Auto. „Mama und Kathy sind wieder da!“ murmelte ich und lief direkt durch den Stall zum Hof. Mama fragte mich erst einmal aus, ob denn alles gut gegangen wäre und ich nickte nur genervt. Dann versuchte ich den beiden von meinem neuen Schützling zu erzählen, indem ich sie einfach zu der Weide schleifte. Ich glaube Mama wäre beinahe vor Schreck umgekippt, während Kathy eigentlich ganz begeistert von der ganzen Geschichte war. Mama schüttelte nur seufzend den Kopf, aber sie konnte es mir nicht verbieten, denn seit einem Monat war ich 18 und hatte das Recht, diese Hübschen hier mein eigen zu nennen. Sie akzeptierte die Tatsache und bedauerte den Kerl eher, nachdem sie seine Geschichte erfahren hatte. Danach ließen wir ihn erst einmal in Ruhe und ich half den beiden beim Auspacken ihrer Sachen.
    • Gwen
      Pflegebericht 05.05.2014 - Touché

      Gähnend streckte ich mich und befreite mich aus meiner Decke. Die Nacht hatte ich äußerst schlecht geschlafen und war von Albträumen verfolgt worden. Die Hauptrolle hatte der Fuchshengst gespielt, denn ich hatte geträumt, dass ich zu spät zu dem verlassenen Hof gekommen war, aber mehr wollte ich mir nicht wieder in den Kopf rufen. Mit Kopfschmerzen lief ich ins Bad und wusch mir erst einmal das Gesicht. Ostern hatte ich gut überstanden und nun stand kommenden Dienstag mein Abitur im Fach Deutsch an, doch so wirklich darauf konzentrieren konnte ich mich nicht. Seufzend zog ich Jeans und ein T-Shirt an, ehe ich mir noch die Haare zu einem Zopf flocht. Danach lief ich hinunter in die Küche, wo meine Mutter bereits den Tisch deckte, so dass ich ihr direkt noch helfen konnte. „Heute soll es endlich mal wieder schöner werden!“ meinte sie lächelnd und ich schaute nur stirnrunzelnd aus dem Fenster. Die letzten Tage war ein böses Gewitter über den Riding Mountain Nationalpark gezogen und selbst jetzt versteckte sich die Sonne noch hinter einer dicken Schicht aus grauen Wolken. „Na hoffentlich.“ seufzte ich nur, denn unser Reitplatz hatte zwar Drainagen und alles, aber selbst die hatten den Litern von Wasser aus den letzten Tagen nicht Stand halten können. Am meisten Sorgen hatte ich mir natürlich um meinen neuen Schützling gemacht, der die Nächte ja auf seiner Weide, statt im Stall verbrachte. Jeden Morgen hatte ich so früh wie möglich bei ihm vorbeigeschaut, doch immer hatte er zwar klatschnass, aber unbeeindruckt auf seiner Wiese gestanden und auf sein Futter gewartet. Viel weiter war ich mit ihm leider noch nicht gekommen. Er wusste zwar inzwischen, dass ich ihm nichts böses wollte, aber mehr als Futter bringen durfte ich auch nicht. Mama hielt so viel Abstand wie möglich von ihm und nachdem er einmal Kathy angegiftet hatte, hielt nun auch sie ausreichend Abstand zu ihm. Ich hatte ihm bereits erzählt, dass er sich damit keine Freunde machte, aber er hatte mir einfach sein Hinterteil zugedreht und war gegangen.
      Kathy kam die Treppe hinuntergeflitzt und blieb völlig außer Atem vor Mama stehen. „Darf ich mit Mira auf das Konzert heute Abend gehen? Sie hat gerade zwei Karten gewonnen!“ plapperte sie los, so dass ich so schnell wie möglich abschaltete und in Ruhe frühstückte. Nach dem Brötchen war ich bei meinem Cappuccino angekommen und war nur noch ein paar Minuten davon entfernt, unangenehmen Fragen bezüglich des Hengstes zu entkommen, aber natürlich war mir das nicht vergönnt. Mama hatte mich heute schon die ganze Zeit mit fragwürdigen Blicken beworfen und Kathy gab ihr wieder die richtige Gelegenheit für ihre Vorwürfe. „Wie willst du ihn eigentlich nennen?“ war nämlich die Frage von meiner kleinen Schwester worauf meine Mutti gleich meinte, dass er sowieso nicht lange bleiben würde. „Und was soll ich machen? In wieder zurückbringen oder frei lassen? Stimmt, er kann sich ja in die Bisonherde eingliedern!“ meinte ich ironisch und schüttelte nur den Kopf. Kathy war zusammengezuckt, als ich so spitz geantwortet hatte, weshalb ich freundlicher zu ihr meinte: „Wenn du einen passenden Namen für ihn findest, kannst du ihn mir gerne sagen.“. Sie lächelte und man sah ihr an, wie es in ihrem Kopf zu rattern begann, heute Nachmittag würde mich wohl eine lange Liste von Namen erwarten. Mama versuchte mich noch einmal auf nettere Art umzustimmen, doch ich blieb stur. „Mama, ich möchte ihm helfen und ich bin mir sicher, dass er ein tolles Pferd wird, also gebe auch du ihm die Chance. Jeder hat eine zweite Chance verdient.“ sagte ich kühl und wusste, dass Mama sich dadurch angesprochen fühlen würde, denn es gab natürlich auch gewisse unschöne Gründe, weshalb wir vor zwei Jahren so urplötzlich nach Kanada gezogen waren. Für mich war das Thema gegessen, ich stand auf, räumte mein Geschirr weg und verließ das Haus, aber nicht bevor ich noch einmal festgestellt hatte, dass der Hengst genau dort bleiben würde, wo er jetzt war.
      Draußen im Stall begrüßten mich gutgelaunte Vierbeiner, die schon ungeduldig auf ihr Frühstück warteten. Ich verschwand in der Futterkammer und mischte gründlich die bestimmten Zusammenstellungen zusammen. Seitdem Nayala so erfolgreich auf Turniere ging, bekam auch die den Sportzusatz wie Altair, während unsere Fohlen immer mehr Müsli bekamen. Gerade Andvari fraß momentan wie eine siebenköpfige Raupe, aber er wuchs im Moment auch unglaublich schnell. Während der Stall in Ruhe frühstückte, machte ich das Futter für den Fuchs fertig. Ich hatte ihm etwas besonderes zusammengestellt, denn er sollte erst einmal von allem was bekommen. Grundvoraussetzung war das Kräutermüsli mit Apfel und Bananenstückchen, welches bei uns alle Pferde bekamen. Dazu gab es aber auch noch frisches Obst und Gemüse, was von Tag zu Tag wechselte. Heute bekam er einen geschnittenen Apfel und zwei Möhren mit dazu. Da ich ein Fan von Leinöl und Schwarzkümmel war, bekam er auch von beiden etwas in sein Frühstück. Das Leinöl half seinem Stoffwechsel wieder auf die Sprünge und der Schwarzkümmel seinem Immunsystem. Zu guter Letzt hatte ich Amy angerufen und sie gefragt, was sie mir für ihn für Kräuter empfehlen würde. Leider hatte ich nicht alles da, sondern nur einen kleinen Vorrat von 3-4 Kräutern, aber Amy hatte mir angeboten, mir noch einige per Post zukommen zu lassen und auch direkt Samen mitzuschicken, so dass ich mir meinen eigenen Kräutergarten würde aufbauen können. Mein Schützling bekam nun noch zu seinem Frühstück zerraspelte Baldrianwurzeln, Gingkoblätter und Hagebutten. Alles half ihm beim Stoffwechsel und beruhigte ihn zumal auch psychisch wieder ein wenig. Gründlich mischte ich seine Portion im Eimer und verließ dann die Futterkammer. Vom Dachboden holte ich noch ein Heubündel, welches ich auf die Schubkarre schmiss und den Eimer daneben stellte. Mit seinem Frühstück machte ich mich auf den Weg zur Weide. Anfangs hatte er mich gar nicht rangelassen, also tat ich das Heu in unsere Heuraufe, welche ich eigens an den Zaun gezimmert hatte und stellte den Futtereimer daneben ab. Der Hengst war auch immer erst an das Futter gegangen, wenn ich wieder im Stall verschwunden war. Mit der Zeit kam er aber schon immer öfter vor und wartete frühs ungeduldig auf sein Futter. Anscheinend hatte da jemand Appetit an dem Müsli gefunden, denn er verschlang am liebsten den ganzen Eimer mit. Da ich nun die Gute war, welche immer das Futter brachte, wurde ich auch immerhin schon mit nicht mehr ganz so bösen Blicken bedacht, auch wenn die Ohren immer noch nach hinten gelegt waren. Ich fragte mich ernsthaft, ob der Hengst die Ohren überhaupt bewegen konnte, anscheinend waren sie in dieser Stellung ja festgewachsen.
      Auch heute am er wieder aus der hintersten Ecke nach vorne gelaufen, als er hörte, dass die Stalltür aufschwang. Mich überwältigte jedoch vollkommen seine weitere Reaktion, denn ich hörte ein hengsttypisch hohes Wiehern, zwar nicht laut, aber laut genug, um zu wissen, dass es mir galt. Natürlich tat ich so, als hätte ich es gehört, denn dem Hengst fiel auch zu spät auf, was er da gerade gemacht hatte. Ich glaube, er hatte sich fest vorgenommen, nie wieder einem Menschen zu nah zu kommen und dieses Wiehern grade war ein großer Verstoß gegen seinen Vorsatz gewesen. Dennoch kam er vor ans Gatter und ich hoffte inständig, er wollte mir nicht gleich wieder mit Bissen oder Steigen seine schlechte Seite zeigen. Stattdessen überraschte er mich erneut, denn ich schob die Schubkarre in die Weide und nahm den Futtereimer um ihn abzustellen, doch der Fuchs stand bereits vor mir und steckte seinen Kopf hinein, obwohl der Eimer sich noch in meinen Händen befand! Ich war vollkommen fassungslos und hatte wohl gefühlte Stunden den Mund offen stehen. Wie immer war der Hengst schnell mit der Portion fertig, welche er hinunterschlang wie nichts. Ich war immer noch ein wenig perplex und wurde erst wieder wachgerüttelt, als mich eine warme Pferdenase an der Hand berührte. „Wie wärs denn jetzt mal, wenn du weitermachst?“ gab mir sein Blick klar zu verstehen, wobei tatsächlich ein Ohr in meine Richtung zeigte. Lächelnd stellte ich den Eimer ab und öffnete das Heubündel, um es in der Raufe zu verteilen. Neugierig beobachtete mich der Hengst und begann dann zu fressen, aber nicht ohne mir noch einmal einen, für ihn, freundlichen Blick zuzuwerfen. Ich schnappte mir ungläubig die Mistgabel und begann die Weide abzuäppeln. Das war sonst immer ein sehr gefährlicher Akt gewesen, denn der Hengst rannte zu gerne mit gebleckten Zähnen auf einen los. Doch heute war ich mir ziemlich sicher, dass ich mich nicht mit einen Hechtsprung über den Zaun retten musste. Als ich fertig war, sammelte ich alle meine Sachen zusammen und wollte gerade die Weide verlassen, als der Hengst mir den Weg verstellte. Ich stöhnte, denn anscheinend hatte seine gute Laune nachgelassen. Doch statt mich ärgern zu wollen, wollte er einfach nur nicht alleine bleiben, denn als ich mich an den Zaun setzte und wartete, kam er zu mir und begann neben mir zu grasen. Ich runzelte die Stirn und überlegte zwanghaft, denn jetzt würden wir wohl bald den nächsten Schritt wagen können. Als er sehr nah neben mir das Gras abrupfte, streckte ich vorsichtig meine Finger aus, um seine Blesse zu berühren. „Du bist so ein Hübscher.“ murmelte ich und war glücklich, dass der Hengst seinen Kopf nicht zurückzog.
      Dennoch mussten auch die anderen Pferde gemacht werden, so dass ich mich schweren Herzens von dem Fuchs verabschiedete und wieder in den Stall marschierte, denn auch die anderen Pferde wollten auf ihre Weiden. Schnell brachte ich gemeinsam mit Kathy alle Vierbeiner auf ihre Wiesen und dann misteten wir noch gemeinsam aus. Da die Pferde den gesamten Tag draußen verbrachten, war da nicht viel zum Ausmisten und wir waren schnell fertig. „Du, Gwen? Ich glaube ich habe den passenden Namen für ihn gefunden.“ meinte Kathy zu mir, als wir die letzte Schubkarre zum Mist brachten. „Und der wäre?“ meinte ich grinsend und war doch schon ein wenig gespannt, denn meine kleine Schwester war immer sehr kreativ. „Avenger!“ rief sie begeistert, doch ich runzelte die Stirn. „Heißt das nicht übersetzt Rache?“ fragte ich sie und fand nicht wirklich einen Zugang zu dem Namen. „Ja, aber auf eine andere Art und Weise passt das! Schau doch wie er sich macht und dass er Vertrauen zu dir aufbaut. Sein Vorbesitzer wollte ihn sterben lassen und dass er jetzt so aufblüht, dass ist die Rache! Die Rache im guten Sinne.“ lachte Kathy überzeugt von sich selbst und letztendlich konnte ich ihr nicht widersprechen, der Hengst hatte so viel Leid getrotzt und das nur, um wahrscheinlich seinem Vorbesitzer nicht den Sieg zu können. „Du hast recht.“ meinte ich und stimmte ihr zu. „Morgen basteln wir ihm ein Boxenschild für seine Weide.“ lachte ich und schüttete den Mist aus. Kathy verschwand danach schnell wieder in ihrem Zimmer, um sich auf das heutige Konzert vorzubereiten. Ich setzte mich mit meinem Laptop und einer Tasse heißer Schokolade auf die Couch und wurschtelte im Internet herum. Einerseits hatte ich schweren Herzens entschieden, dass Apollo uns nun wohl doch verlassen würden und andererseits war gerade der Entschluss gefallen, dass wir einen Gefährten für den Fuchshengst brauchten, denn mit unseren Hengsten würde er sich nie und nimmer vertragen. Also durchforstete ich die gesamten Pferdemärkte, irgendwo musste sich doch was passendes finden lassen!
    • Gwen
      Pflegebericht 08.07.2014 - Das Halfter?

      Viel Zeit war vergangen, seitdem Avenger nun auf unserer Ranch stand. Ich hatte ihn in der Zeit immer mehr ins Herz geschlossen und ihn abzugeben kam gar nicht mehr in Frage. Auch Mama hatte sich allmählich mit der Anwesenheit des Fuchses angefreundet und so stand es nun fest: Avenger blieb! Immer noch stand er auf der Weide hinter dem Stall, welche natürlich schon ein wenig gelitten hatte, denn seine Lieblingsstelle zum Schlafen war schon zertrampelt. Inzwischen schlief Avenger sogar im Liegen und wenn ich extra früh in den Stall kam und ihm sein Futter brachte, konnte ich manchmal sogar noch sehen, wir er liegend im Schatten der Bäume döste. Auch die Idee mit Foxy war einfach nur genial gewesen! Das Pony hatte sich super mit Avenger angefreundet und obwohl sie immer noch getrennt nebeneinander standen, waren sie schon richtige Freunde geworden. Besser konnte es eigentlich nicht laufen. Leider sah Avenger immer noch arg zerfetzt aus, auch wenn die kahlen Fellstellen allmählich zuwuchsen.
      Einen Abend lang hatte ich an seinem neuen Futterplan gesessen, um möglichst eine gesunde und hilfreiche Zusammenstellung der Kräuter und Aufbaumittel zu finden. Von Amy hatte ich noch einmal einen neuen Packen Heilkräuter zugeschickt bekommen und ich musste sagen, die Kräuter schlugen bei Avenger richtig gut an! In dem letzten Monat hatte er sich richtig gut gemacht und sah schon viel besser aus, langsam wurde er auch wieder runder und sah mehr nach Pferd aus. Nur unsere Beziehung zu einander stand immer noch ein wenig auf Messers Schneide. Bisher hatte ich mich immer brav zurückgehalten, ihn nur versorgt und nur dageblieben, wenn er es auch wirklich wollte. Avenger schien gut damit leben zu können, doch ich wollte heute den nächsten Schritt wagen und ich war schon sehr gespannt, was Avenger sagen würde.
      Immer öfter hatte ich mich zu Avenger setzen dürfen und ab und an hatte er mich sogar besucht. Ich durfte ihn auch manchmal anfassen und sogar streicheln, doch irgendwann war es ihm immer genug gewesen. Erst gestern Abend aber, war er bei mir geblieben und hatte dösend neben mir gestanden. Ich hatte ihn überall anfassen dürfen und plötzlich schien das Eis gebrochen zu sein. Auch jetzt war es schon 18 Uhr und ich machte mich auf den Weg zu seiner Weide. Bei Amy hatte ich ein neues Halfter bestellt in einem wunderschönen blau und in Avengers Größe. Wie jeden Tag setzte ich mich auf meinen beliebten Platz und kurze Zeit später kam Avenger, um sich kraulen zu lassen. Dann hielt ich ihm das Halfter hin, damit er erst einmal in Ruhe daran schnuppern konnte. Avenger schien es nicht besonders zu finden, sondern stupste mich an, weil er wieder gekrault werden wollte. Also wagte ich es, ihm das Halfter überzuziehen. Anfangs war Avenger nicht wirklich begeistert, doch schon bald wurde er ruhig und folgte mir sogar, als ich mit Strick in der Hand loslief.
      „Du bist so ein toller Kerl!“ seufzte ich glücklich und zog ihm das Halfter wieder ab, denn ich wollte ihn nicht zu lange nerven. Avenger schmuste noch ein wenig und verließ mich dann wieder, als es ihm genug wurde. Ich wollte in den kommenden Tagen versuchen, ihn zu putzen, denn langsam war das mal nötig und gut tun würde es Avenger bestimmt auch! Doch für heute hatte er mir genug Vertrauen bewiesen, stattdessen hatte er jetzt wieder seine Ruhe und ich kümmerte mich um die restliche Stallarbeit.
    • Gwen
      Hufschmiedbesuch 26.07.2014 - Hufpflege vom Kleinen Sprung
      © Waiting

      Nachdem mich Gwen angerufen hatte mit der Bitte, dass ich nach Avengers Hufen schauen sollte, dieser aber eine schlimme Vorgeschichte hatte, setzte ich mich mit einem Tierarzt in Verbindung. Diesem erklärte ich die Situation und bat ihn, mich zu diesem Termin zu begleiten um das Tier notfalls zu sedieren.
      Angespannt, aber doch neugierig fuhr ich mit dem Tierarzt auf dem Beifahrersitz zu Gwen. Dort angekommen begrüßten wir uns und Gwen zeigte uns Avenger. Wir blieben auf Abstand, um das Tier nicht unnötig zu stressen. Wir besprachen die Abfolge, dann machten wir uns an die Arbeit. Gwen halfterte Avenger auf und führte ihn aus dem Stall. Ich wartete am Auto und der Tierarzt hielt die Spritze mit der Sedierung in der Hand bereit. Gwen lenkte Avenger ab, indem sie ihn kraulte und der Tierarzt setzte die Spritze. Dies hatte zum Glück gut funktioniert, Avenger blieb ruhig. Er war zwar gar nicht begeistert von uns, aber die Sedierung erfüllte bald ihren Zweck. Als Avenger schläfrig wurde, holte ich mein Werkzeug und meinen Hufbock aus dem Auto. Ich streifte mir meine Lederschürze über und bat den Tierarzt und Gwen Avenger zu stabilisieren, damit er nicht in die Gefahr geriet, umzukippen. Ich legte seinen ersten Huf auf den Hufbock und begann mit dem Hufmesser das Zerfallshorn abzuschaben. Danach kürzte ich mit meiner Zange die Trachten und Hufwände auf Sohlenniveau und raspelte Unebenheiten und eventuelle scharfe Stellen ab. Dann fertigte ich noch die Mustang-Role an. Schon war der erste Huf erledigt. Auch die anderen 3 gingen ohne große Zwischenfälle von statten. "Das Hufchaos wird leider noch eine ganze Weile bleiben, aber wenn du sie regelmäßig ausschneiden und kontrollieren lässt, bewahrst du ihn vor dem Schlimmsten.", erklärte ich Gwen und seufzte. "Er wird wohl nie super tolle Hufe haben, aber die Chance darf man sich nicht entgehen lassen. Und in nächster Zeit solltest du darauf achten, ob er gut läuft. Bewegung ist hier besonders wichtig. Er wird das neue Gefühl der Hufe zwar erst irritierend finden und eventuell empfindlich sein, aber das legt sich. Hufe wässern und Beine kühlen hilft. Soweit das bei ihm möglich ist, natürlich. Ich wünsche euch beiden das Beste!", lächelte ich und übergab dem Tierarzt das Wort, welcher Gwen erklärte, dass Avenger bis zum nächsten Tag Boxenruhe habe und bis zum Abend nichts fressen dürfe. Es würde die Gefahr bestehen, dass eine Schlundverstopfung auftritt durch die Sedierung. Gwen verabschiedete sich von uns und versorgte Avenger. Der Tierarzt und ich räumten unsere Sachen ins Auto und fuhren erschöpft nach Hause.
    • Gwen
      Pflegebericht 19.08.2014 - Annäherungen und Abschiede

      Genüsslich kaute ich auf dem Salat herum. „Hmm – mit diesen Brotwürfeln und dem Dressing schmeckt das Grünzeug sogar richtig gut!“ grinste ich Amber an. Sie hatte mich zum Mittagessen nach Dauphin in unser Lieblingscafé eingeladen und mich eingiebig gebeten, ihren Lieblingssalat zu probieren.
      Ich war definitiv kein Salatesser, ich hasste dieses Grünzeug, aber ausnahmsweise verputzte auch ich mal einen ganzen Teller.
      Seufzend starrte ich Amber an. Vielleicht würde das hier eines unserer letzten Treffen sein. Nach dem Abitur hatte natürlich auch sie ihre Pläne und ab Oktober wurden wir alle verstreut, dann waren unsere langen Ferien vorbei.
      „Aber Gwen, weißt du, das Tanzen ist mein Leben!“ seufzte sie glücklich und ließ mich von ihrem Lächeln anstecken. „Ich wünsche dir so viel Glück!“ lächelte ich und drückte sanft Ambers Hand.
      Sie wollte nach Sydney an die Dance Academy, um dort eine dreijährige Tanzausbildung zu absolvieren. Einerseits würde ich sie sicherlich vermissen, andererseits freute ich mich riesig, immerhin war sie auch eine der besten im Vortanzen gewesen.
      „Aber was ist, wenn ich durchfalle oder so? Australien ist so weit weg!“ stöhnte sie und schüttelte den Kopf.
      Im Gegensatz zu mir war Amber noch nie länger als zwei Wochen von zu Hause weg gewesen. „Ach komm, ich besuche dich oft!“ meinte ich grinsend. „So, wollen wir noch zu mir?“ fragte ich und schnappte mir meine Tasche – Amber musste dringend auf andere Ideen gebracht werden.

      Leider hatten wir den Bus gegen eins verpasst und waren so noch ein wenig in der Stadt umhergewandert. Dabei hatte ich direkt einen Bund frische Möhren gekauft. „Foxy wird sich so freuen.“ lachte ich und packte sie in meine Tasche.
      Eine Stunde später kamen wir endlich auf der Ranch an. Zu unserem Glück hatten wir mal schönes Wetter, die Sonne schien und der kühle Herbstwind ließ uns heute auch einmal in Ruhe.
      „Ist dir schon aufgefallen, dass es Morgens jetzt immer kühler ist?“ meinte Amber und fröstelte leicht. Ich nickte, denn wenn ich früh in den Stall lief, musste ich mir nun schon immer die Strickjacke überziehen.
      Wir liefen geradewegs durch den Stall zu unserem kleinen Shetty Foxy, denn Amber hatte sich vom ersten Tag an in das kleine Fellknäuel verliebt.
      Doch als wir um die Ecke bogen, stand Foxy nicht auf seine Weide. „Oh Gott! Wo ist er?“ quietschte Amber direkt und auch mir rutschte das Herz in die Hose.
      Verzweifelt blickte ich mich um und rief laut den Namen des Ponys. Dann hörte ich es hinter mir wiehern und drehte mich um.
      Foxy war durch den Zaun hinüber zu Avengers Weide gekrochen und verbrachte nun die Zeit mit seinen neuen Freund. „Wah! Nicht das Avenger ihn verletzt.“ stöhnte Amber und hyperventilierte beinahe.
      „Nun entspann' dich.“ lachte ich und beobachtete das junge Paar an Hengsten. Foxy war damals hergekommen, um Avenger auf der Nachbarweide Gesellschaft zu leisten und nun kamen sie tatsächlich zusammen! „Schaut mal was ich habe!“
      Als ich mit den Möhren wedelte, spitzte sogar Avenger mal die Ohren. Während Amber das kleine Shetty knuddelte und fütterte, durfte ich tatsächlich Avenger die Möhren reichen. Er war inzwischen so zahm geworden, dass ich es kaum glauben konnte, ihn so normal anfassen durfte, ohne dass er sich umdrehte und abhaute.
      „Wie wärs, wenn wir uns einfach zu ihnen setzen und entspannen?“ meinte Amber lächelnd und kletterte über den Zaun. Anfangs noch verdutzt, dann aber erfreut folgte ich ihr.
      „Gwen? Ich habe dir damals nicht die Wahrheit erzählt – was das Reiten betrifft...“ seufzte Amber und starrte mich traurig an. Ich lächelte nur. „Ach komm, so schlimm kann es nicht sein.“ meinte ich grinsend.
      Und dann erzählte mir Amber davon, wie sie mit dem Reiten aufgehört hatte, da es eine zu große körperliche Gefahr für das Tanzen war und so ihr Pony verkaufen musste. Dieses Pony war eine junge goldene Stute, welche Amber nur in den besten Händen hatte sehen wollen und seit einem Jahr stand diese Stute nun schon in meinem Stall – Nayala.
      „Ach Amber! Warum hast du mir das nie erzählt?“ seufzte ich und nahm meine nun weinende Freundin in den Arm. „Es war so schwer Nali abzugeben, aber ich war so froh, dass sie bei euch stand, ich wollte es nicht dadurch kaputt machen.“ erklärte sie nur.
      Ich entschied, dass es für so eine Situation hier draußen viel zu kalt war und den Ponys war es auch unangenehm, denn sie wussten nicht, wie sie sich verhalten sollten.
      „Magst du heute bei mir übernachten? Mal wieder ein Mädelsabend mit Cola und Popcorn auf der Couch? Wir sollten uns dringend die Golden Steps Trilogie reinziehen – jetzt wo du eine Startänzerin wirst.“
      Grinsend half ich Amber auf, welche nun schon wieder lächelte und sich die Tränen von der Wange wischte. „Ich glaube jetzt wirst du doch ohne Heimweh nach Australien ziehen können.“ lächelte ich und zog Amber hinter mir her, dieser Abend sollte noch einmal fantastisch werden!
    • Gwen
      Pflegebericht 20.08.2014 - Über die Selbstverständlichkeit, mit Pferden zu sein

      Ich fahre auf die Koppel, mein Pferd kommt mir entgegen. Oder zumindest lässt es sich brav einfangen, selbstverständlich.
      Ich halftere es auf, führe es am losen Strick hinter mir her, selbstverständlich. Wenn es zieht, ziehe ich zurück und bremse es. Wenn es zu langsam ist, treibe ich es vorwärts. Immerhin möchte ich heute noch ankommen! Es muss sich selbstverständlich an MICH anpassen.
      Am Putzplatz steht mein Pferd geduldig still, selbstverständlich. Das Putzen ist ja auch angenehm. Und die Stellen, an denen es kitzelt, na, da soll es sich bitte dran gewöhnen. Es muss zu einer Selbstverständlichkeit werden.
      Ich streichle mein Pferd, das ist ganz normal. Im Gesicht, am Bauch. Selbstverständlich kann ich es überall ohne Probleme berühren und anfassen.
      Beim Satteln steht mein Pferd selbstverständlich still und beim Trensen lässt es den Kopf selbstverständlich auch unten bei mir, öffnet ohne Murren das Maul, um das Gebiss aufzunehmen.
      Ich steige auf. Selbstverständlich steht mein Pferd auch hier solange still, wie ich es sage. Es ist ja gut erzogen!
      Es trägt mich. Auf dem Platz, in der Halle, das ist normal. Selbstverständlich gehen wir auch ins Gelände, wenn wir keine Lust haben, zu arbeiten.
      Nach dem Reiten sattle ich mein Pferd ab, lobe es und bringe es wieder auf die Weide.

      Dann gehe ich zu meinem neusten Pony. Es kennt gar Nichts, hatte jahrelang kaum Kontakt zu Menschen.
      Ich betrete die Box. Das Pony hat Angst, will flüchten. Komisch, es ist doch eigentlich selbstverständlich, dass ich zu meinem Pferd kann wann und wie ich will..
      Ich rede mit ihm, das Pony spielt nervös mit den Ohren, ist angespannt. Eigentlich ist es doch selbstverständlich, dass ich mit meinem Pferd rede und meine Stimme als angenehm empfindet...
      Ich strecke die Hand aus, möchte das Pony berühren. Es kriegt Panik, schnaubt empört, rennt kopflos um mich herum. Aber...

      Nein. Es ist nicht selbstverständlich.
      Nichts von alldem ist selbstverständlich. Aber wir vergessen das. Unsere Pferde geben uns so viel. Dulden so viel. Ertragen so viel. Nehmen so viel hin, was sie erst durch uns Menschen und die einhergehende Erziehung kennenlernen.
      Sie vertrauen uns, ordnen sich unter, spielen mit bei unserem Spiel, weil wir es gerne möchten und weil sie uns lieben. Oder weil sie uns einen Gefallen tun. Oder weil sie über physischen oder psychischen Druck dazu gebracht wurden.
      Wir sollten viel dankbarer sein... Nicht alles als Selbstverständlichkeit ansehen, nicht jeden dieser einfachen Tage als "normal" und "üblich" betrachten. Es ist ein ganz großes Geschenk, was uns unsere Pferde jeden Tag machen. Es ist alles andere, als selbstverständlich, dass ein so großes, kraftvolles Tier sich das alles gefallen lässt. Das sollten wir niemals vergessen und es jeden Tag auf's Neue wertschätzen!

      (c) Echt Nesquik - echt ponystark
    • Gwen
      Pflegebericht 02.09.2014 - Die Sprache der Pferde

      „Heute wird es klappen...“ murmelte ich fest entschlossen, nachdem ich meine Stallsachen geschlüpft war und mir unten in der Küche einen Apfel geklaut hatte. Eilig verließ ich das Haus und huschte zum Stall hinüber. Es war gerade einmal kurz nach sieben Uhr, doch ich war voller Tatendrang.
      Seit einer Woche versuchte ich mit Avenger zu arbeiten, doch er verweigerte auf eine ungewöhnliche Art und Weise die Arbeit, ich war beinahe der Meinung, er würde mich auslachen. Inzwischen ließ er sich gut aufhalftern und auch für einige Minuten am Putzplatz betüddeln. Irgendwann reichte ihm das dann aber auch und er wollte wieder zurück auf die Weide.
      Wie die letzten Tage gab es erst einmal Frühstück, ehe ich den Fuchs auf der Weide einsammelt und am Zaun anband. Mir war es lieber, wenn er sich hier losriss, dann konnte er zumindest nicht direkt abhauen. Sonst würde der Kerl garantiert sofort im Wald verschwinden.
      In aller Ruhe putzte ich ihn, kämmte seine kurze Mähne und den Schweif und übte erneut verzweifelt das Hufe geben. Davon war er noch gar nicht begeistert, allerdings musste es bald klappen, denn unsere Hufschmiedin musste bei ihm öfter dran als bei anderen Pferden und so sollte es bald ohne Probleme klappen.
      Avenger zeigte mir deutlich, wann es mal wieder genug war und dann wollte er auch schon verschwinden. „Nein, nein.“ murmelte ich und wechselte das Stallhalfter gegen ein Knotenhalfter mit Rope und marschierte entschlossen mit Avenger auf den Reitplatz. Der lag zum Glück nur einige Meter von der Weide entfernt, so dass ich Avenger schnell und ohne große Probleme dort hatte.
      Auch hier hatte ich den Zaun modifiziert und mit Elektrozaun erhöht, denn sonst würde Avenger mit einem Satz weg sein. „Na dann wollen wir mal.“ meinte ich entschlossen und löste das Rope. Sofort sprang Avenger zur Seite und trabte erhobenen Schweifes von mir weg.
      Dann begann das inzwischen altbekannte Spiel. Er ließ mich bis ein zwei Schritte an sich ran und trabte dann wieder weg. Dabei brummelte er fröhlich und es klang wirklich, als ob er mich auslachen würde!
      „Du kleiner Teufel.“ seufzte ich und versuchte es erneut, doch nichts klappte. Bei diesem Pferd war ich plötzlich mit meinem Latein zu Ende und dabei war das noch nie so gewesen! „Er erinnert mich an Spirit!“ lachte meine Mum, welche plötzlich am Zaun auftauchte.
      Avenger schaute neugierig zu ihr herüber, spitzte die Ohren und – trabte auf sie zu und ließ sich tatsächlich kraulen! Ich wollte meinen Augen gar nicht trauen. „Na toll... Ein Spirit auf unserer Ranch.“ seufzte ich.
      Als ich versuchte mich ihm zu nähern, haute er wieder ab und ich war allmählich der Verzweiflung nahe. „Schatz? Ich verstehe nicht so viel von Pferden wie du, aber ich denke, er möchte mit dir spielen, so wie mit Foxy. Er möchte dich in seine Welt einladen, also nimm die Einladung an und versuche ihn nicht in deine Welt zu ziehen.“ meinte Mum und war plötzlich verschwunden.
      Ein Weilchen grübelte ich über ihre Worte nach. Mum wusste sehr wohl viel über Pferde, mehr als ich in meinem jungen Alter und hinter ihren Worten stand eine Erkenntnis, welche ich erst noch erlangen musste. „Na, dann lass uns spielen.“ seufzte ich und sprang auf Avenger zu.
      Ich lief ihm hinterher, bewegte mich im Gleichschritt wie er und plötzlich spürte ich es: Er arbeitete nicht gegen mich, er arbeitete mit mir – ja, er tanzte mit mir! Lächelnd glich ich mich seinen Bewegungen an. Sprang nach links, nach rechts, drehte mich um mich selbst und rannte auch weg – und Avenger folgte mir!
      Ich weiß nicht wie lange wir miteinander spielten, aber es war fantastisch! Es war eine Erfahrung, die anfangs beängstigend war, doch je mehr ich in seine Welt eintauchte, desto mehr verstand ich ihn. Er wollte mir seine Welt zeigen und mir so seinen Dank ausdrücken.
      Irgendwann kam ich aber an meine menschlichen Grenzen und während Avenger noch Stunden weiter hätte toben können, ging mir die Puste aus. Seufzend ließ ich mich auf den Boden sinken, legte mich hin und schloss die Augen – ein bisschen übertrieben hatte ich es doch.
      Ein paar Minuten später schreckte ich hoch und erstarrte, als ich direkt über mir die Nüstern des Hengstes sah. In seinen Augen leuchtete der Schalk und dann plötzlich etwas anderes. Er strahlte eine unglaubliche Ruhe aus und während er einmal um mich rundherum schritt, fixierte er mich die ganze Zeit und plötzlich ließ er sich auch zu Boden sinken und legte sich neben mich.
      Ich wagte mich gar nicht, mich zu bewegen, bis der Schalk erneut aufblitzte und Avenger begann sich zu wälzen. Schnell sprang ich auf und versuchte der Staubwolke zu entkommen. „Du bist ein Arsch!“ lachte ich und knuffte ihn in die Seite – leider hatte ich nicht damit gerechnet, dass er zurück knuffte und mich so mit dem Hintern in den Sand katapultierte.
      „Ich gebe auf!“ meinte ich grinsend, klopfte mir den Staub ab und brachte Avenger wieder auf seine Weide – ohne Halfter, ohne Strick, einfach mit Vertrauen. „Und ich danke dir.“ seufzte ich. Avenger blickte mir ruhig in die Augen, ehe er sich abwand und zu Foxy trabte.
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  • Album:
    3 - Pferde im Ruhestand
    Hochgeladen von:
    Gwen
    Datum:
    30 Dez. 2016
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    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).

  • Rufname: Avi
    Geburtsjahr: 2003

    Von: unbekannt
    Aus der: unbekannt

    Rasse: New Forest Pony
    Geschlecht: Hengst
    Farbe: Fuchs
    Stockmaß: 1.44m

    Beschreibung:
    Avenger hat in seinem Leben viel erlebt und auch einiges durchgemacht. Als ich das erste Mal auf ihn traf, war er vernachlässigt und aggressiv. Zwei Jahre Arbeit investierte ich in Avenger, um aus ihm wieder ein händelbares Pferd zu machen. Man merkte, dass er vor seiner schlechten Zeit ein gut ausgebildetes und braves Pferd war. Er ist inzwischen gut händelbar, auch wenn er noch seine kleinen Macken hat. Dennoch hat ihn diese kurze, unangenehme Zeit so geprägt, dass ich entschieden habe, ihn Pferd sein zu lassen und er so seine Frührente auf Apple Creek genießen darf.

    ehemaliger Ersteller: Svartur
    Ummaler: sweetvelvetrose
    Besitzer: Gwen
    Vorkaufsrecht: sweetvelvetrose

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