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Samarti

Avanti, DRP *

*2008, im Besitz seit dem 12.05.2015

Avanti, DRP *
Samarti, 22 Feb. 2017
Dir, Veija und Tassila gefällt das.
    • Gwen
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      Vorwärts, vorwärts!
      05/2015 | 3349 Zeichen
      Es war mal wieder einer dieser spontanen Einfälle, die mich dazu gebracht hatten, einen weiteren Hengst auf meinem Gestüt zu begrüßen.
      Blöd nur, dass niemand davon wusste, nicht einmal mehr Matthew. Und als ich dann mit meinem neuen Kauf auf dem Hof stand und von Elena (die komischerweise immer und überall anwesend war – nur bei sich zu Hause traf man sie nie an), Gwen und Jojo (die von Elena hergerufen worden waren) und Joline (die hatte sich einfach dazu entschlossen, sich zu uns zu stellen) umkreist wurde, gesellte sich der Schwarzhaarige dazu.
      „AVANTI AVANTI!“, schrie Jojo laut dazwischen, weshalb Avanti, wie das Reitpony hieß, ein wenig zusammenzuckte und sie verwundert ansah.
      „Was heißt das überhaupt?“, dachte ich laut nach und kassierte von mehreren Seiten misstrauische Blicke.
      „Das ist Italienisch für Vorwärts. Ihr kennt doch 'Avanti avanti'!“ Vorwurfsvoll und wild gestikulierend warf Juli ihre Arme in die Luft und Domenic, der hinter ihr aufgetaucht war, klatschte in seine Hände. „Da hat die Kleine ausnahmsweise mal Recht.“
      „Das kann nicht wahr sein..“, war das Einzige, was Matthew dazu zu sagen hatte, bevor er mir einen Klaps auf den Hinterkopf gab und verschwand, weshalb ich ihm böse hinterher starrte.
      „Immerhin war es nicht der Hintern!“, rief Gwen grinsend dazwischen und versteckte sich dann hinter Dome, der nur belustigt seinen Kopf schüttelte.
      Tja, ich hatte halt echt … tolle Freunde.

      Namida, die Black Snowflake Stute, die seit geraumer Zeit auf dem Gestüt Crown Hill stand, befand sich momentan mitten im Training. Heute lief sie alleine vor der Kutsche; Daniel, einer unserer Trainer im Bereich des Fahrsports, saß auf dem Kutschbock und schlängelte sich mit Namida durch einen Hindernisparcours. Hin und wieder schmiss sie einige Pylonen um oder riss das Hindernis, indem sie es anrempelte und die Kugel von der Spitze fiel, was zu Strafpunkten führen würde, wäre es eine Prüfung.
      Die „unberechenbare“ – wie sie zu Anfang genannt worden war – Ponystute hatte sich nicht als unhändelbar, sondern viel mehr als frech, keck und starrsinnig herausgestellt.
      Ace of Clubs stand, nachdem sie einige Wochen Trainingspause gehabt hatte, nun auch wieder auf dem Plan. Die inzwischen zur Zucht zugelassene Stute wurde langsam wieder gefördert; dennoch stiegen wir nur langsam wieder ins Training ein, damit sie ihre Muskeln wieder aufbauen konnte.
      Die Palominostute Hall of Fame CU wurde zur Zeit besonders von unseren jüngeren Besuchern – überwiegend Feriengäste – verwöhnt. Sie war wahnsinnig beliebt bei ihnen und die Aufmerksamkeit, die sie erhielt, störte sie keineswegs; eher im Gegenteil. Ständig sah man sie mit einem der Kinder herumalbern, kuscheln oder wie sie sich einfach miteinander beschäftigten. Und es war echt beruhigend, zu wissen, dass die Kleineren bei ihr in guten Hufen waren.
      Von Audio Delite at Low Fidelity hörte ich allerdings nicht sonderlich viel. Ich wusste zwar, dass Joline und Julien mehr als genug mit ihr trainierten, auch Domenic nutzte sie oft für das Distanztraining – besonders, wenn es darum ging, neue Pferde anzulernen und deren Ausdauer und Kondition aufzubauen. Filly war dabei wirklich nicht zu verachten, sie machte ihre Arbeit gut, erledigte sie gewissenhaft und wenn sie einen erfahrenen Reiter auf ihrem Rücken trug, war sie ein total entspanntes und geduldiges Pferd.
    • Gwen
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      Die Chaos-Theorie
      05/2015, von Gwen | 3599 Zeichen
      Es gibt eigentlich nur drei Dinge, vor denen ich mich ernsthaft fürchten sollte. An dritter Stelle stand das pleite sein (ja, ein wenig Zukunftsdenken muss auch sein!). An zweiter Stelle stand ein wildes Elena, zumindest so lange, wie man diesem nicht ausweichen konnte. Aber an erster Stelle stand auf jeden Fall eine aufgedrehte Elisa auf einem aufgedrehten Pferd namens Avanti.
      Unwissend der ersten Stelle, da diese erst vor fünf Minuten ihren Platz auf meiner Liste eingenommen hatte, brachten Wishing Well und ich uns beim heutigen Geländetraining ernsthaft in Gefahr eines Herzinfarkts oder Nervenzusammenbruchs.

      Seit einer Woche besaß Elisa einen neuen Reitponyhengst. Der Gute hieß Avanti und machte seinem Namen alle Ehre (Ich zitiere Jojo: „Das ist Italienisch für Vorwärts. Ihr kennt doch: Avanti Avanti!“). Wenn da dann noch eine fröhlich grinsende und begeisterte Elisa drauf saß, war keiner mehr sicher.
      Nach dem ersten Durchlauf, den Wish und ich angeführt hatten, entschied ich mich dafür, immer Elisa den Vortritt zu lassen. Sie war uns während des Ritts beinahe dreimal in den Hintern geritten, zweimal an uns vorbeigejagt und hatte mich beinahe aus dem Sattel geworfen und einmal ist sie auch voll in Matthew und Sambuca, die unser Training beaufsichtigten, gejagt. Da bekam man dann tatsächlich mal was von der globalen Erderwärmung mit, als der Vulkan erst rot anlief und dann ausbrach.

      Und als wäre das nicht genug für unser chaotisches Training traf zufällig eine Viertelstunde später Jojo auf Capulet ein. Der natürlich immer sehr rücksichtsvolle Lewitzerhengst gab sich natürlich beste Mühe sich zu benehmen und das Training nicht zu stören – von wegen. Das Katapult machte wie eh und je auch seinem Namen alle Ehre und setzte bei jedem Sprung, den Elisa oder ich unternahmen, zu einer Buckeltirade an.
      Als dann auch noch ein wildes Elena (siehe Anfang) eintraf und Elisa an den Kopf warf, wie ungesund und tödlich Sport war (hey, da konnte ich ihr aber zustimmen!), war es dann mit meinen Nerven vorbei und mit Wishs auch. Mein Hengst streikte und verweigerte den nächsten Sprung, ehe er so lange rückwärts lief, bis wir im Wald standen.

      „Kein Benehmen haben eure Pferde!“, garstete Elena weiter. „Der eine kann nur buckeln, der andere nur herumrasen und der letzte hat nur noch einen Rückwärtsgang!“, das unterstrich sie mit ausgreifenden Gestikulieren und ihre Mimik war auch nicht von schlechten Eltern.
      „Irgendwie erinnert mich das hier ja gerade an die Chaostheorie!“, meinte Jojo mit erhobenen Zeigefinger und bekam wieder ihren Anfall von wissenschaftlichen Genie. Elena passierte der Fehler, dass ihr ein „Bitte was?!“, herausrutschte, welches Jojo direkt als Anlass für einen zehnminütigen Vortrag hielt.

      „…dass man nicht alles genau planen, weil immer noch Faktoren eintreten können, die man vorher nicht absehen kann und die alles verändern.“, endete sie und sogar ich hatte da das ein oder andere verstanden und war definitiv auch der Ansicht, dass das hier der Chaos-Theorie alle Ehre machte. Nur das für mich die unvorhergesehenen Faktoren auf jeden Fall das aufgedrehte Elisa-Avanti-Paar, Jojo und Elena waren.
      Irgendwann schaltete sich still Matthew ein, der sich witziger Weise in Elenas Gegenwart benahm – warum war ja klar -, und erklärte das Training für beendet. Dankbar bugsierte ich Wish aus dem Busch. Elisa raste förmlich mit Avanti zurück zum Hof und Jojo ließ Capulet mit einem kleinen Buckler antraben und verabschiedete sich. Letztlich blieb Elena alleine verdutzt auf dem Platz stehen, wie war sie eigentlich hierhergekommen so ohne Pferd?
    • Gwen
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      Springen E-A
      05/2015 | 3506 Zeichen
      „Das kannst du doch jetzt nicht ernst meinen“, murmelte ich zähneknirschend und atmete dann noch einmal tief durch. Ich gab es zu, wenn ich mit Pferden arbeitete, waren meine Nerven beinahe unzerreißbar. Aber eben auch nur beinahe.
      Ich hatte mir zwar schon zu Anfang denken können, dass es mit ihm echt anstrengend werden würde zu Beginn, doch dass er so viel Schwachsinn in seinem Dickschädel unterbringen konnte, daran hatte ich nicht einmal in meinen wildesten Träumen zu denken gewagt.
      Es war nun schon das was-weiß-ich-wievielte Mal, dass Avanti vor ein und demselben Hindernis einfach beschloss, eiskalt zu verweigern. Nach gefühlten Hundert hatte ich dann aufgehört zu zählen. Nicht, dass er das Hindernis nicht überspringen konnte, nö, der werte Herr hatte einfach partout keinen Bock.
      Nachdem ich mich abgeregt und wir ein paar Runden auf dem Springplatz gedreht hatten, sprangen wir erst einmal über einige andere Hindernisse, damit er merkte, dass er das auch schaffen könnte. Momentan waren wir mitten im Training für das A-Springen, an welchem er in einigen Wochen teilnehmen sollte. Sonderlich anspruchsvoll war es nicht, war es doch nur ein A*-Parcours, doch wenn Avanti erst einmal zeigte, dass er keinen Bock mehr hatte, nützte meist gar nichts mehr.

      Die letzte Zeit hatten wir viel mit dem jungen Hüpfer trainiert. Egal, ob auf dem Platz oder auch hin und wieder auf der Geländestrecke, das Springen hatte er für sich gewonnen. Normalerweise. Denn auch das Reitpony hatte hier und da mal einen schlechten Tag, an dem bei ihm gar nichts ging – da musste man ihn wirklich davon überzeugen, dass er es trotzdem schaffen könnte, auch, wenn er mit dem falschen Huf aufgestanden war.
      Hatten wir es anfangs bei E-Sprüngen belassen, so waren wir inzwischen an der Schwelle zwischen E und A angekommen. Zugegeben; das Training war hart und nicht sonderlich einfach, doch wenn ich ihn vernünftig fordern wollte, musste er sein entspanntes Dasein, das nur aus Koppel- und Weidegang bestand, auch irgendwann mal aufgeben. Und die Zeit war inzwischen definitiv gekommen.
      So war es also an der Zeit, dass er die A-Sprünge nun einmal auch näher gebracht bekam und dafür hatte ich sogar Matthew vom Springplatz verbannt, der mir ja sonst nur zu gern Tipps gab. Aber nein, heute brauchte ich meine Ruhe. Besonders bei dem Pulverfass von Pferd, das jede Sekunde in die Luft gehen könnte. Denn Avanti konnte wirklich von der einen Sekunde zur anderen so umschlagen, dass er alles im Parcours umrannte – er war zwar nicht unberechenbar, doch kaum zu stoppen. Und nope. Das musste ich echt nicht provozieren. Das war wohl auch der Grund, weshalb Elena ebenfalls nicht anzutreffen war, und ausnahmsweise mal im Stillen zu trainieren, die Vögel im Hintergrund zwitschern hören und einfach nur das leise Rauschen des Windes vernehmen zu können war definitiv auch mal eine Abwechslung, die ich wohl öfters gebrauchen könnte.

      Inzwischen waren wir mit Avantis Training echt weit fortgeschritten. Gelassen sprang er jetzt die Sprünge auf A-Niveau, egal, ob A* oder auch A**. Bis zu einem Maß von 110 Zentimetern Höhe und 125 Zentimetern Weite bereitete ihm kein Hindernis mehr Schwierigkeiten, doch das hatte auch einiges an Zeit beansprucht.
      Was letztendlich zählte, war jedoch das Endergebnis – und damit war ich durchaus zufrieden. Besonders, als wir den letzten Sprung des A**-Parcours überwanden und ich stolz bemerkte, dass alle Stangen noch dort lagen, wo sie auch zu Beginn des Parcours gelegen hatten.
    • Gwen
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      Military E-A
      06/2015 | 4083 Zeichen
      Auch, wenn das Springtraining mit Avanti anfangs unter keinem guten Stern gestanden hatte, hatten wir es schlussendlich dann doch noch einmal hinter uns bringen können – erfolgreich. Demnach ging es im nächsten Monat für ihn mit dem Geländeritt weiter, denn das Springen sollte für ihn nur eine gewisse Basis darstellen, damit er sich an die Sprünge gewöhnen konnte und das Springen erst einmal für sich gewann.
      Dennoch hatte es schon geholfen, und das bemerkte ich auch beim Geländetraining schon sehr früh und relativ weit am Anfang. Mein Reitpony war sehr viel offener gegenüber den neuen, ihm doch unbekannten Sprüngen und er überwand sie schon am Anfang, ohne groß zu murren oder mich wieder auf die Probe zu stellen. Wahrscheinlich hatten wir uns einfach erst einmal aufeinander einspielen müssen, bevor wir mit dem richtigen Training loslegen konnten. Avanti war da ja doch schon ziemlich eigen, denn der Hengst war noch sehr jung und brauchte eine konsequente Hand, die sich auch durchsetzen konnte. Sonst wurde das sowieso nichts.

      Avanti war wirklich unerschrocken, wenn es um die neuen Hindernisse und Sprünge ging. Gut, sie sahen anders aus und waren sehr viel stabiler und auch fester, das bedeutete, dass er nicht direkt riss, wenn er das Hindernis berührte, denn es war viel unnachgiebiger als die künstlichen Sprünge in der Halle oder auf dem Platz. Im Geländeparcours hingegen war der Großteil unserer Hindernisse natürlich oder eben aus natürlichen Stoffen, also Baumstämmen oder Wassergräben, entstanden und somit nicht sonderlich einfach zu reißen, wenn nicht sogar unmöglich.
      Dass das Pony dadurch anfangs etwas irritiert war, war kein Wunder und auch nicht sonderlich unnormal, denn es war völlig verständlich, dass Avanti sich davon verwirren ließ. Irgendwann hatte er sich das allerdings dann eingeprägt und gemerkt, dass es ihm viel besser ging, wenn er nicht so „schlürfte“, was wohl sein größtes Problem war. Oftmals zog er das eine Vorderbein einfach hinterher, statt wirklich gleichmäßig zu springen. Das sah zwar wirklich lustig aus, aber wir hatten es dann doch darauf abgesehen, uns diesem Problem zunächst einmal zu widmen und ihm die Zeit zu geben, die er benötigte. Wir wollten keinesfalls ein junges Pferd überfordern oder gar „sauer“ machen, also ihm das Springen ganz zu versauen.

      Zu Beginn entschieden wir uns für einen Stilgeländeritt der Klasse A, bei welchem wir Avanti als sogenannten „Abschluss“ des Trainings anmelden wollten. Das brachte natürlich einige Anforderungen mit sich, die es zu bewältigen gab: eine Streckenlänge von 1,5 bis 2,5 Kilometern, ein Tempo von 400 bis 450 Metern die Sekunde und ganze 16 bis 20 Sprünge, die uns erwarteten. Die Sprünge durften maximal einen Meter hoch; 1,20 Meter im oberen Teil und 1,80 Meter an der Basis weit sein; Graben durften eine Weite von bis zu zwei Metern aufweisen. Die Avanti völlig unbekannten Tiefsprünge durften 1,20 Meter vorweisen.
      Tiefsprünge waren auch wohl das, was Avanti am schwersten fiel. Er verstand einfach den Sinn dahinter, irgendwo herunterzuspringen, nicht, und weigerte sich einfach. Mit viel gutem Zureden und einiger Überzeugungskraft und Überwindung seinerseits hatte er es dann zum ersten Mal geschafft, einen solchen Sprung hinter sich zu bringen. Stolz und zufrieden lobte ich ihn, beendete das Training dann für diesen Tag und verlegte den Rest auf einen anderen, um das Training stets mit guten Erfahrungen zu beenden.

      Demnach ließen wir uns mächtig viel Zeit beim Training. Dass Avanti das nicht störte, merkte ich bereits zu Beginn, denn er genoss meine Aufmerksamkeit sichtlich, nachdem er sich bei uns eingelebt und an mich gewöhnt hatte. Wenn man sich mit dem Hengst erst einmal angefreundet hatte, war er ein treuer Freund; zwar frech, aber er hielt sich zurück und besonders sein Dickkopf schrumpfte ein wenig.
      Dies und noch das zusätzliche Training in der Halle, welches wir immer mal wieder einbauten, sorgten schließlich dafür, dass Avanti im Geländeritt ebenfalls als A-fertig eingetragen werden konnte. Der Stilgeländeritt konnte kommen!
    • Gwen
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      Auswärtstraining
      06/2015, von Gwen | 3530 Zeichen
      Früh aufstehen war definitiv nicht meins. Es war kalt, ich war müde und wollte zurück in mein Bett. Aber nein, stattdessen musste ich sogar schon in meine Reitsachen schlüpfen, was essen und dann die Pferde fertig machen. Heute ging es nämlich zu einem Auswärtstraining. Also zu einem richtigen, nicht nur zu Elisa. Die Idee stammte aber von Elisa, aber die war um die Zeit wahrscheinlich auch wacher als ich.
      Als Pferd nahm ich Wishing Well mit und Ahyoka, aber die sollte einfach nur mal Hänger fahren und einen anderen Hof sehen, damit sie sich daran gewöhnte, dass die Welt größer war als nur unsere Ranch. Unmotiviert packte ich den Hänger und putzte dann erst Wish und dann die Fuchsstute. Beide wurden sicher verpackt und dann fuhren wir auch schon los.
      Es ging auf die Tumbleweeds Ranch und die lag gute drei Stunden Autofahrt entfernt. Dort fand heute ein Kurs im Gelände statt und ein anderer Parcours wäre sicherlich einmal interessant. Deshalb hatten wir aber auch schon um fünf aufstehen müssen, damit wir dann kurz nach neun Uhr auf der Ranch ankamen.
      Dort trafen wir auch auf Elisa und Matthew, die bereits ihre Pferde aus dem Hänger geholt hatten und sie fertig machten. Avanti wirkte ein wenig gehetzt, während Azrael entspannt da stand und sich von keinem Geräusch stören ließ. Da glich er Wish, den interessierte das Ganze auch recht wenig.
      Ahyoka dagegen war total gestresst und überglücklich, als sie sicher in ihrem Paddock stand und ein Heunetz zu ihrer Verfügung hatte. „Oh Gott und die willst du behalten?“, fragte Matthew mit hochgezogener Augenbraue, entlockte mir aber nur ein genervtes Seufzen.
      Ehrlich gesagt hatte ich schon überlegt, ob ich Ahyoka wieder abgab. Inzwischen hatte sie sich ganz gut gemacht, aber sie passte einfach weder zu mir, noch zur Ranch, was sollte sie also bei uns?
      Elisa grinste die ganze Zeit wie ein bekifftes Eichhörnchen und schwang sich dann hochmotiviert auf Az. Der Grund ihres Grinsens wurde mir spätestens dann klar, als ich in die Richtung schaute, in welche sie schaute: Sie hatte unseren Trainer entdeckt und der war definitiv nicht schlecht aussehend. Noch ein Pluspunkt? Er saß auf einem großen Palomino, der definitiv ein Reitpony war.
      Matthew ließ sich nichts anmerken, sondern schwang sich nur schweigend in den Sattel, um sich gemeinsam mit uns aufzuwärmen. Elisa grinste immer noch, bis ich sie warnend in die Seite boxte. „Reiß‘ dich zusammen“, meinte ich lachend, tat es ihr aber gleich, ab und an durfte man ruhig mal Mädchen sein und wenn man damit auch noch Matthew ärgern konnte, war das doch direkt das richtige.
      Das Training war übrigens sehr aufschlussreich für alle Beteiligten. Elisa gab ihr Grinsen auf, als Matthew ihr fröhlich erzählte, dass der Typ schwul war. Das kam spätestens auch heraus, als wir seinen Co-Trainer (und Freund) kennenlernen durften. „Beide gutaussehend, beide schwul, war ja klar“, meinte ich kopfschüttelnd und bekam einen vorwurfsvollen Blick von Matthew. „Soll das etwa heißen, dass nur Schwule gutaussehend sind?“, brüskierte er sich.
      „Na ja, also Az ist auch nicht schwul und verdammt heiß“, meinte Elisa grinsend und warf sich ihrem Hengst an den Hals. Grinsend ritt ich Wish ab und dann machten wir uns auch schon daran, die Pferde wieder zu verladen. Einiges hatten wir auch reittechnisch mitnehmen können, aber irgendwie sah ich immer noch nicht ganz den Sinn darin, dafür 6 Stunden Fahrt auf mich zu nehmen, aber vielleicht hatte Elisa auch einfach nur Matthew ärgern wollen. Ja, ich glaube das war es gewesen.
    • Gwen
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      Vielversprechende Enttäuschungen
      07/2015 | 8726 Zeichen
      „OH MEIN GOTT! ELISA! LAUERST DU MIR AUF?!“ Gwens Geschreie war kaum viel mehr als ein kehliges Quieken, weshalb sie sich gleich einen Schlag in den Nacken von Elena einfing.
      „Nein, aber ich sehe das doch, wenn du auf meinen Ho-“
      Elena unterbrach mich: „Sie lauert dir auf.“
      Mit den Augen rollend brachte ich nur ein gemurmeltes „Jaja“ heraus und drückte dann beiden Frauen jeweils ein Halfter in die Hand. Das eine schwarz, das andere dunkelbraun.
      „Wessen sind das?“, fragte Elena argwöhnisch und betrachtete das schwarze Halfter in ihrer Hand genauestens. „Sacramentos“, ich deutete auf das in Elenas Hand, „und Azraels.“ Diesmal zeigte meine Hand auf das Halfter, welches Gwen sich über die Schulter geworfen hatte. „Und das hier, weil ihr fragt, ist Avantis.“ Demonstrant hielt ich das gelbe Halfter in die Höhe.
      „Haha, ihr werdet genötigt!“, unterbrach Jojo meine Showeinlage, die in dem Moment mit Pacco (oder wie sie ihn noch immer hartnäckig nannte: Pax) daherlief und mich provokant ansah. „Elisa, du solltest doch was mit dem armen Pac-, äh, Pax machen! Der ist so einsam, jetzt musste ich was mit dem machen!“
      „Jojo, es ist dein Fohlen“, entgegnete ich, verdrehte die Augen und stemmte die Hände in die Hüften.
      „Ja, ja. Bla, bla, blaaaaaa“, machte Jojo nur und streckte mir die Zunge raus. „Wir gehen jetzt spazieren. Tschüss! Leb mit deinem schlechten Gewissen!“ Schon war sie wieder von der Bildfläche verschwunden.
      „Und wir hier“, nun deutete ich erst auf Elena, dann auf Gwen und schließlich auf mich, „gehen jetzt ausreiten!“

      Meine drei Hengste hatten wir bald von der Weide geholt, auf der sie zuvor gestanden hatten. Sacramento war direkt auf uns zugekommen und hatte seinen Kopf sogar schon in das Halfter in meiner Hand stecken wollen, also hatte Eli ihn erst davon überzeugen müssen, seine Nase in das in ihrer Hand zu stecken.
      Azrael war zwar nicht davon begeistert, jetzt dieses Ding über den Kopf gestreift zu kriegen, dennoch blieb er auf der Stelle stehen und ließ es ohne zu murren über sich ergehen.
      Avanti hingegen machte sich einen Spaß daraus, vor mir wegzulaufen, dann stehen zu bleiben, auf mich zu warten, und schließlich wieder auf dem Absatz kehrt zu machen. Immer wieder drehte er sich vor mir, galoppierte mit hoch erhobenem Schweif wieder einige Meter weit weg und spielte dieses Spiel eine gefühlte Ewigkeit mit mir. Elena und Gwen, die ihre Hengste inzwischen schon aufgehalftert und neben sich stehen hatten, lachten mich lauthals aus, feuerten Avanti noch mit einem ironischen „Vorwärts, Avanti, vorwärts!“ an und schienen das Schauspiel köstlich zu genießen.

      „Ich hab heute Morgen mal in meiner Steam Bibliothek geguckt und irgendwie … habe ich da ein Survival Game mit Haien drin? Ich weiß nicht, wieso, aber … es ist mit Haien! Und es heißt Depth. Kennt ihr das?“, plapperte ich munter drauf los, während wir auf den Rücken der drei Reitponyhengste saßen und durch die kanadischen Wälder streiften. Wir waren bereits eine knappe halbe Stunde unterwegs und hatten dennoch noch nicht viel zu sehen gekriegt. Irgendwie verkrochen sich die Waldbewohner momentan und versteckten sich vor uns. Aber gut, bei 18 Beinen würde ich das wahrscheinlich auch tun. Und in dem Moment überkam mich die Vorstellung eines Tausendfüßers – angeekelt schüttelte ich mich, erntete deshalb verwunderte Blicke und zuckte nur mit den Schultern. „Was?“, fuhr ich die beiden anderen Reiterinnen an und wandte dann meinen Blick ab, was sie mir gleich taten.
      „Elisa“, setzte Elena an, „wenn du deine Klappe mal halten würdest, würde man sogar das Hufgetrappel der Pferde hören, aber so … nope, is' nich'.“
      Gwen hingegen ließ sich von mir mitreißen: „Das klingt ja cool! Vielleicht können wir das ja später mal zusammen spielen!“ Ihre Augen glänzten begeistert auf und ich wackelte vielsagend mit den Augenbrauen. „JA!“ Dann drehte ich mich zu Elena: „Und du?“
      „Nee. Die Anforderungen erfüllt mein PC bestimmt nicht.“
      „Langweiler“, seufzte ich und wir alle blieben für einen Moment still. „Ich kann dir aber mal den Trailer zeigen, ich hab den auf dem Handy!“, schlug ich ihr dann begeistert vor und Elena sah mich zwar erst skeptisch und mit einer gewissen Portion Misstrauen an, nickte dann aber. „Okay.“
      Nachdem sie den Trailer gesehen hatte, kam nur ein „Oh Gott, kämpfen. Kämpfen kann ich nur bei Lego“ zurück, weshalb ich erwiderte: „Aber du kannst sogar einen Hai spielen.“
      „WAAAAS? Oha, wie cool! OHA!“, empörte sich Elena, änderte aber ihre Meinung nicht, dass sie nicht mitspielen würde. Aufgrund ihrer beleidigten Aussage bekam sie es als letzte mit, dass wir anderen bereits angaloppiert waren und den breiten Sandweg nutzten, um den Hengsten die Möglichkeit zu geben, sich mal wieder richtig auszutoben.

      Nach unserem Ausritt kamen wir alle ziemlich fertig auf dem Hof wieder an, ließen die Hengste wieder auf die Weide und begaben uns dann nochmal in Richtung der anderen Weide – der Weide, auf der Nessaja, der Eistee, Pina und Beverly momentan standen. Icetea und Nessi waren jetzt weitere zwei Stuten, die in die Ausbildung einsteigen würden. Icetea war zwar schon etwas weiter fortgeschritten, aber auch Nessi war inzwischen dreijährig und würde in einiger Zeit dann zumindest an Sattel und Trense gewöhnt werden können. Als ich gehört hatte, dass Nessi sowohl eingeritten als auch eingefahren sein sollte, war mir nichts weiter als ein Kopfschütteln eingefallen. Eddi hatte es mir so erzählt, anscheinend von den Vorbesitzern erfahren, dennoch glaubte und hoffte ich das noch nicht so ganz. Obwohl die Stute schon ziemlich reif und vor allem erfahren für ihr Alter war, war es definitiv noch nicht an der Zeit, sie bereits vollständig eingeritten zu haben.
      Mit Bee könnte es momentan eigentlich kaum besser laufen. Langsam wurde sie inzwischen angeritten, nachdem sie sich endlich an das Sattelzeug gewöhnt hatte und sogar damit an der Longe gelaufen war. Auch die Stimmkommandos saßen inzwischen einwandfrei und stellten kaum noch Probleme dar, sodass wir bald mit dem Reitergewicht einsteigen würden.
      Pina war … Pina. Noch immer ziemlich misstrauisch, wenn es darum ging, mit jemand Anderem als Gwen oder mir zu arbeiten, weshalb wir beide es waren, die sich mit der Ausbildung der Stute auseinandersetzten. Dennoch hatten wir noch einen ziemlich weiten Weg vor mir, weshalb wir uns besonders bei ihr größtenteils auf die Bodenarbeit und die wesentlichen Aspekte des Vertrauensaufbaus beschränkten. Zwar war die kleine Stute nun seit fast einem Jahr bei uns, trotzdem wollten wir nichts überstürzen; gerade wegen ihrer schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit.
      Auch Icetea würde bald wieder ins Training einsteigen können. Obwohl sie zuvor bereits angeritten worden war, so hatten wir noch jede Menge Arbeit vor uns, bis sie wirklich so weit war.
      „Wann wollen wir mit ihr einsteigen?“, fragte Matthew, der neben mir stand, in dem Moment und deutete dann mit dem Kopf in Richtung der dunklen Ponydame.
      Ich zuckte nur mit den Schultern. Eigentlich war Icetea mehr als bereit, aber ich wollte ihr die Zeit lassen, die sie brauchte, besonders wenn es die Umgewöhnung von der Hitze Wyomings zur Kühle Kanadas betraf. Laut Eddi war es die letzte Zeit in Wyoming brechend heiß gewesen und der Umschwung zum vergleichsweise doch ziemlich erfrischenden Kanada war dann vielleicht nicht so das Wahre, um direkt zu beginnen. Das würde wahrscheinlich weder Icetea noch uns zugute kommen.
      „Ich weiß nicht“, erwiderte ich deshalb nur. „Wir werden dann anfangen, wenn sie sich an ihr neues Zuhause gewöhnt hat. Auch, wenn ich noch nicht einmal weiß, wie lange wir noch etwas von ihr haben werden.“ Gleichgültig winkte ich ab, drehte mich dann um und ging zurück ins Haus, um mir nun endlich das langersehnte Haispiel zu downloaden, von welchem wir nur noch knapp drei Stunden haben würden, es war schließlich nur ein Testwochenende! Und Wochenenden endeten nun mal sonntagabends!

      Depth war eine richtige Enttäuschung. Also, so wirklich. Wir hatten uns ausnahmsweise mal bei Gwen verabredet, also hatte ich bald mit meinem Laptop in der Hand in ihrem Wohnzimmer gestanden, alle Anwesenden begrüßt und war dann schon wieder in Gwens Zimmer verschwunden, wo ich sie glücklicherweise angetroffen hatte. Wir beide hatten uns das Spiel schon installiert, aber so wirklich verstehen taten wir es nicht.
      Deshalb hatten wir von den 19 Spielminuten, die uns bei Steam angezeigt wurden, nicht eine einzige gespielt, sondern nur in irgendwelchen öffentlichen Lobbys gegammelt, weil die dämlichen Leiter nie anwesend waren.
      „Deinstallation?“, fragte ich Gwen nach endlos vielen missglückten Versuchen und sah sie abwartend an.
      „Deinstallation“, besiegelte sie es und ich seufzte nur erleichtert auf. Zum Glück.
    • Gwen
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      Nacht-und-Nebel-Aktion
      07/2015 | 11.848 Zeichen
      Mein Plan war ja eigentlich perfekt gewesen: Mitten in der Nacht würde ich, ohne dass es irgendjemand wüsste, Kedves entführen. Dann würde ich mit ihm auf Elenas Gestüt reiten, natürlich nicht, ohne ihm vorher (provisorische) schalldämpfende Säcke um die Hufe zu binden – das hatte ich mal bei Bibi und Tina gelernt. Daraufhin würde ich zu Cressis Box gehen, ich wusste ja, wo sie sich befand, und die beiden Hengste austauschen. Cressi würde vorbereitet werden, Kedves' Zubehör hingegen würde ich dann in der Sattelkammer verstauen und der Hengst würde in Cressis Box dösen dürfen. Auf dem Rücken des Reitponys würde ich mich dann vom Acker machen, mit ihm einen Ausritt durch die wunderschöne Natur unternehmen und ihn dann bei mir zu Hause in der unauffälligsten Box verstecken. Denn wenn man nicht wollte, dass man den Eindruck erweckte, irgendetwas verbergen zu haben, dann musste man es schließlich offensichtlich machen.

      Natürlich war es auch Gwen suspekt vorgekommen, als ich ihr angekündigt hatte, dass ich bei ihr schlafen wollte und sie mir aber besser das Gästezimmer vorbereiten sollte. („Aber besser, du machst mir das Gästezimmer fertig. Ich bin ein bisschen erkältet.“ – „Davon merke ich aber gerade nichts.“ – „Ich bin es aber und ich schnarche deshalb laut!“ – „Ach, deswegen willst du hier schlafen. Damit Matthew dich nicht schnarchen hört.“ – „Ja, ja. Äh, was?!“)
      Irgendwie hatte aber auch meine längste Nachbarin das dann akzeptiert und irgendwann widerspruchslos hingenommen.
      Da lag ich also jetzt im Gästezimmer von Gwens Familie im Bett und starrte an die Decke. Es war halb eins nachts, irgendwann hatte ich mich aber von Gwen abgeschottet und unter ständigem (gespieltem) Gähnen gebeichtet, dass ich müde wäre.
      War ich aber nicht. Gwen war es übrigens auch nicht, sodass ich noch stundenlang auf die Ziffern der Digitaluhr starrte. Bis ich um 2:31 Uhr dann schließlich genug davon hatte und einfach mal auf gut Glück durchs Haus schlich – und tatsächlich unbemerkt blieb! Hatte ich das Haus erst einmal verlassen und die Haustür hinter mir verschlossen, so atmete ich erleichtert aus und joggte dann in Richtung des Stalls, in welchem mich eine warme Atmosphäre empfing. Als hätten sie mich erwartet, brummelten einige Pferde mir zu, darunter auch Kedves, bei dem ich natürlich nicht unbemerkt blieb. Stattdessen beobachtete er mich mit seinen treuen Augen und schnaubte erfreut, als ich doch tatsächlich zu seiner Box ging, die Boxentür öffnete und ihm sein Halfter über den Kopf streifte. Schnell war es verschlossen, der Junghengst hatte sogar schon seinen Kopf hindurch gesteckt, als er es nur gesehen hatte. Ein Blick auf mein Handy verriet mir, dass wir es inzwischen Viertel vor zwei hatten, also müsste ich mich beeilen, wenn ich wollte, dass es wirklich eine nächtliche Aktion war und keine, die zwar laut Uhrzeit nachts war, aber während der es taghell war. Da würde ich auf Elis Gestüt nämlich auffallen, ob ich wollte oder nicht.
      Kedves machte das Ganze glücklicherweise freiwillig mit. Hätte er das Spiel nicht mitgespielt, hätte ich mir letzten Endes wohl doch noch Altair oder so mitnehmen müssen; irgendein Pferd, von dem ich wusste, dass es mehr als zuverlässig war. Junghengst Kedves war allerdings meine erste Wahl gewesen, schließlich stammte er von Elenas Gestüt und so hoffte ich, dass sie abgelenkt genug von ihm sein würde, um Cressis Fehlen erst im Nachhinein zu bemerken.
      Nachdem ich ihn geputzt, aufgesattelt und aufgetrenst hatte, waren noch einmal zwanzig Minuten vergangen, die mir wie drei Stunden vorkamen. Dennoch hatte ich Kedves irgendwann die Säcke um die Hufe gebunden, damit wir lautlos abgehen konnten, und mich in seinem Sattel niedergelassen. Dass Gwen mich wahrscheinlich auch zur Rede stellen würde, war mir in dem Moment gar nicht sonderlich bewusst. Viel eher hatte ich Angst vor Elenas Reaktion, wenn die mich nachts erwischen würde. Aber eigentlich hatte die Besseres zu tun – nämlich schlafen.
      Das Gut Sanssouci lag etwas weiter von Gwens kleiner Ranch entfernt als das Townsend Acres, weshalb wir unsere Zeit brauchten. Normalerweise würde ich zehn Minuten bis zu Elena brauchen, wenn wir im Schritt unterwegs waren. Würde Kedves nicht freudig antraben und auch auf den Galoppwegen im Wald galoppieren, hätten wir wahrscheinlich zwanzig Minuten gebraucht, bis wir angekommen waren, das war allerdings nicht der Fall. So ritten wir zwölf Minuten (und das wusste ich nur, weil ich alle achtzehn Sekunden auf meine Handyuhr starrte), bis wir uns endlich durch das Geäst quälten, welches sich in der Nähe des angestrebten Ziels befand. Wir ritten nicht einmal den Teerweg hoch, stattdessen kamen wir einfach seitlich an und blieben so lange hinter den Gebäuden versteckt und außer Sichtweite, wie es uns nun einmal möglich war.
      Erst einmal im Stall angekommen, stieg ich von Kedves' Rücken und lobte den Hengst für seine außerordentliche Courage, was ihn sichtlich freute. Dennoch war er erleichtert, als er das Sattelzeug losgeworden und in Cresant Moons Box untergebracht worden war. Zweiterer starrte mich erst an, als wäre ich verrückt geworden, weil ich nachts um 3:24 Uhr an seiner Box stand und ihm einfach seinen Schlaf wegnahm. (Vielleicht sollte Elena mir stattdessen mal die Schlüssel zu ihrem Gestüt wegnehmen.) Weiter schien es ihn aber nicht zu stören, denn er kannte das ganze Verfahren schon und ließ sich ohne Probleme aus seiner Box führen und anbinden. Jetzt musste alles ganz schnell gehen – sonderlich dreckig war Cressi nicht. Er hatte nie auch nur einen Strohhalm im Schweif hängen, wenn man ihn aus der Box führte, und er war auch sonst nicht mit Mist übersät. Deshalb brauchte ich bei ihm nicht ganz so lange wie bei Kedves zuvor, doch auch seine Fellpflege beanspruchte Zeit und die musste ich mir wohl oder übel nehmen.
      Die „Hufschuhe“, die der Furioso North-Star zuvor getragen hatte, zog ich nun auch Cressi über und zog sie fest, sodass sie nicht locker saßen und auch nicht rutschen würden. Aufgesattelt, getrenst und hellwach wartete der Schecke dann darauf, dass es endlich losgehen würde.
      Als ich meinen Reithelm aufgesetzt hatte, griff ich nach den Zügeln und führte meinen Liebling aus dem Stall.
      Plötzlich sah ich eine Gestalt am Fenster vorbeihuschen und blieb stocksteif stehen. Was, wenn das Elena war? Ich hoffte sehr, dass dieser Fall nicht eintreten würde, und hielt den Atem an. Auch Cressi gab keinen Mucks von sich.
      Es war allerdings „nur“ Nate. Nicht viel besser, aber als der Mann am Fenster stand und uns ansah, ging ich einfach mit Cressi weg, ohne Nathan zu beachten. Nur, weil ich einen kurzen Blick um die Ecke und in seine Richtung warf, als wir hinter dem Stall in Sicherheit verschwunden waren, konnte ich noch sehen, wie er sich kopfschüttelnd die Augen rieb und dann wieder woanders hin ging. Er dachte also allem Anschein nach, dass er halluzinierte. Gut so.

      Cressis und mein Weg führte uns erst einmal durch den Wald zurück, dann ritten wir einfach dorthin, wo unsere Herzen uns hintrugen (wow, dass ich um die Uhrzeit so poetisch sein konnte … kaum zu glauben!). Gemütlich durchquerten wir Wälder, kleinere Gebüsche, galoppierten lange Feldwege entlang und beobachteten später am See, wie sich der Sonnenuntergang in tausend Farben auf der Wasseroberfläche spiegelte und das ganze Gewässer in ein buntes Spektrum voller warmer Farbtöne verwandelte. Kurz hielt ich Cressi an und beobachtete das Spiel fasziniert, war aber auch froh darüber, dass wir hier nur zu zweit waren. Elena hätte den Moment wahrscheinlich zerstört, indem sie unpassende Kommentare gemacht hätte („Lila und rot passen aber mal gar nicht zusammen, was hat die geschmacklose Mutter Natur sich dabei nur gedacht?!“), Gwen wäre noch akzeptabel gewesen, aber Jojo wäre wahrscheinlich einfach umgedreht und abgehauen, weil es ihr zu viel Kitsch gewesen wäre. Dabei musste man sie nur auf Declan ansprechen und sie wurde rot wie eine Tomate. Wie eine überreife Tomate, um es genau zu nehmen.
      Doch so schön der Anblick auch war, wir mussten trotzdem wieder weiter, wenn wir nicht erwischt werden wollten. Cressi schritt unter mir also gemächlich den Waldweg entlang und trat dabei hin und wieder auf Äste, die unter seinem Gewicht knackend zerbrachen, hielt aber entspannt den Kopf gesenkt und schien unseren spontanen Ausflug ebenso zu genießen, wie ich es tat.
      Es kam aber, wie es kommen musste: Wir kamen sogar pünktlich noch auf Townsend Acres an! Es war 5:47 Uhr, als wir den Hengststall betreten hatten. Leider blieb mir aber keine andere Wahl, als Cressi einfach in die Box von Avanti zu stellen, denn die sahen sich wohl noch am ähnlichsten, auch wenn Cressis Kopf komplett weiß war – Avantis hingegen nicht. Mein Hengst (ich sprach von Avanti, welch Zwickmühle!) war aber viel zu müde, um zu protestieren, und ließ sich sogar ziemlich gelassen aus seiner Box führen und in eine anderen verfrachten. Normalerweise hätte er wohl versucht, irgendwie seinen Bewegungsdrang auszugleichen, aber momentan sah es ganz danach aus, als wäre er einfach nur zu erschöpft, um in irgendeiner Art und Weise zu protestieren, nicht zurück in die Box zu gehen und in den Schlaf zu fallen. Zufrieden steckte ich dem Pony eine Karotte als Belohnung zu, weil er ebenfalls so brav gewesen war, und wandte mich dann wieder Cressi zu, den ich vorsorglich in der Stallgasse angebunden hatte. Er brummelte mir zu, weshalb ich den Zeigefinger auf die Lippen legte und nur „Shhht“ machte. Kopfschüttelnd wandte Cressi sich wegen meiner Geste von mir ab und sorgte so dafür, dass seine geschnittene Mähne nur so durch die Luft flog und dann völlig wild durcheinander auf seinem Hals lag, was mich zum Schmunzeln brachte. Dann sah er mich durch seinen verwuschelten Schopf mit einem niedlichen Blick an, der mich dann hingegen zum Schmelzen brachte. Eine Zeit lang stand ich nur da und schmuste mit dem Hengst, der die Aufmerksamkeit sichtlich genoss, dann aber brachte ich ihn in die Box und verstaute endlich das Sattelzeug in der Sattelkammer, irgendwo zwischen dem restlichen Zeug, damit es mittendrin war und nicht direkt auffallen würde.
      Um Punkt halb sieben fiel ich dann müde ins Bett. Wenigstens vier Stunden Schlaf würden mir noch vergönnt sein, bis eine wütende Elena auf meinem Gestüt auftauchen und mir die gestrige Nacht zunichte machen würde.

      Tja, leider war mein Plan nur eigentlich perfekt. Und auf jedes „Eigentlich“ folgt dann ein „Aber“. Dieses Aber kann verheerend und weniger verheerend ausfallen, je nach Situation.
      Mein Aber ging so weiter, dass Elena natürlich sofort geschaltet hatte, dass Cressi bei mir sein müsste. War vielleicht doch keine so gute Idee gewesen, ihn nicht einfach in Kedves' Box zu stellen, wenn ich mich auf den Heimweg zu Gwen gemacht hatte. Das war nämlich Fehler Nummer zwei gewesen: Gwen hatte mich wecken wollen, ich war nicht anwesend gewesen und sie hatte mich überall gesucht. Bis sie bemerkt hatte, dass ihr Junghengst nicht in seiner Box stand. Daraufhin hatte sie wohl zuallererst Elena angerufen, die aber gesagt hatte, dass sie auch nicht wüsste, wo ich steckte. Jojo hatten sie nicht erreichen können, die schlief wohl wie ein Stein.
      So hatten sie eben ihren eigenen Suchtrupp gebildet. Wahrscheinlich waren sie nur deshalb auf die Idee gekommen, zunächst bei mir zu Hause aufzukreuzen. Leider hatte nicht nur ich die Schlüssel für Elis Gestüt, sie hatte auch meine. Eine Entscheidung, die wir beide vielleicht mehrmals und gründlicher hätten überdenken sollen.
      Denn als ich morgens aufwachte, belagerten mich zwei Weiber, Elena mit einem wütenden Ausdruck im Gesicht; Gwen zwar auch irgendwie sauer, aber selbst mit nur halb geöffneten Augen konnte ich sehen, dass sie sich viel mehr darauf freute, was Elena gleich Böses mit mir anstellen würde.
      Jetzt wusste ich, warum mein Plan eine Lücke hatte.
      Scheiße.
    • Gwen
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      Springen A-L
      07/2015 | 3318 Zeichen
      Die Anzahl der Pferde, die ich im Juli zu trainieren hatte, schien scheinbar ins Unermessliche zu steigen. Da warteten Cardillac und Azrael, Sacramento, Avanti, Namida und Yuki, Vaffanculo, Capulet, Quixoticelixer, Morning Sun, Cover the Sun, Feuervogel, Sun is Shining, Medeia, und und und … die Liste wollte partout keine Ende nehmen.
      Dennoch nahm ich mir die Zeit für die Pferde, die sie brauchten, und hatte es tatsächlich geschafft, noch einige der Patienten an meine Mitarbeiter und Gwen abzutreten.
      Heute sollte aber vor allem mal wieder Avanti trainiert werden, denn der gute sollte im Springen jetzt auf L-Niveau antreten können.

      Es waren insgesamt acht Hindernisse, die in der Halle Platz gefunden hatten. Die eine Hälfte davon bestand aus Hochsprüngen, die andere aus Weitsprüngen. Somit war dies klar aufgeteilt und die Hoch- oder Weitsprünge würden nicht benachteiligt werden.
      Der erste Sprung war ein Rick, das aus bunten Stangen bestand. Es war noch auf A-Höhe, also stellte er kaum ein Problem dar. Dies klappte ganz gut und wir wandten uns dem nächsten Hindernis zu, ebenfalls ein Hochsprung. Er war knapp hundertzehn Zentimeter hoch, also zehn Zentimeter höher als der vorherige. Auch dieser Sprung raubte Avanti nicht viel Anstrengung.
      Daraufhin folgte ein Oxer mit einer Weite von hundertzwanzig Zentimetern, der schon etwas anspruchsvoller war. Allerdings stellte auch dies kein sonderliches Problem für Avanti dar. Er stieß sich kraftvoll mit seinen Beinen vom Boden ab, während ich versuchte, ihm so gut zu helfen, wie es mir möglich war. Für einen kurzen Moment schwebten wir förmlich und überflogen das Hindernis, im nächsten Moment landeten wir jedoch sanft wieder auf dem Boden. Avanti strauchelte ein wenig, sammelte sich aber kurz darauf wieder und wir galoppierten auf den nächsten Sprung zu, erneut ein Weitsprung. Dieser war etwas kürzer als der Vorherige, aber dennoch nicht zu unterschätzen. Trotzdem überwand Avanti auch diesen Sprung, ohne eine Stange zu reißen. Dafür riss er beim nächsten Hindernis gleich mehrere – es war diesmal ein weiterer Hochsprung und dem Anschein nach hatte der Hengst die Höhe nicht passend eingeschätzt, was dazu führte, dass er die Stangen riss.
      Wir übten noch eine Weile weiter, bis ich beschloss, dass es für den heutigen Tag genug wäre.

      Im Laufe der Zeit hatten wir es geschafft, dass Avanti immer mehr Spaß am Springen bekam und sich bereits freute, wenn er nur eine Hindernisstange erblickte. Seine Ohren begannen dann, hin und her zu zucken, die Augen blitzten erfreut auf und er wurde etwas unruhig. Dennoch achtete er noch konzentriert auf seinen Reiter; er freute sich einfach nur.
      Wir hatten eine Weite von maximal einem Meter und vierzig Zentimetern erreicht, was sogar schon das M-Niveau ankratzte. Die Höhe hatten wir bis einen Meter und zwanzig Zentimeter steigern können, doch höher hatten wir die Hindernisse noch nicht gestellt. Das war bisher noch nicht unser Ziel, denn erst einmal sollte Avanti in der nächsten Zeit seine Fähigkeiten vertiefen. Denn obwohl er bereits auf L-Niveau sprang, ließ man es dann doch lieber noch langsamer angehen – besonders, weil er dennoch gerne vor dem Sprung anzog und immer hektischer in seiner Bewegung wurde, als er es sein sollte. Trotzdem konnte ich ihn schon bald als L-fertig eintragen.
    • Gwen
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      Der mystisch-magische Distanzritt
      08/2015, von Gwen | 5475 Zeichen
      „Cool, Elena hat rausgefunden, wie man sich teilen kann!“, meinte Jojo aufgeregt, während sie zu uns zurückgerannt (eher gestolpert) kam. In den Händen hielt sie die Teilnehmerliste und zwar die Teilnehmerliste für das heutige Distanzturnier. Elena, Elisa und ich wollten mitmachen und natürlich wie immer unter die ersten drei kommen, wenn schon denn schon! Lediglich Jojos Aussage verunsicherte uns nun.
      Elena hatte bereit ihren „Oh Mist“-Blick aufgesetzt und dementsprechend vorwurfsvoll entriss Elisa Jojo die Liste und überflog sie. Fünf Sekunden später ertönte ein „ELENA?! Bist du bescheuert?!“ und ab da wollte natürlich auch ich gerne wissen, was hier denn eigentlich los war. „Haha!“, kommentierte ich das Ganze nur lachend, nachdem auch ich die Liste überflogen hatte. „Elena du bist dämlich, hast du noch geschlafen oder was?“
      Neben den anderen Teilnehmern (die alle unseren Staub fressen würden), gab es einmal eine Teilnahme Gwendolyn Campbell mit Minou, eine Elena Reese mit Avanti und (oho!) eine Elena Reese mit Sacramento. Die Diskussionen begannen in 3, 2, 1 und los!
      Da wir jedoch eh schon wie immer ziemlich knapp an der Zeit waren, verlegten wir die Diskussionen auf nach dem Putzen und Satteln. Minou stand entspannt da und ließ sich von niemanden stören, für ihr junges Alter war sie die Ruhe pur und das trotz der beiden Hengste neben sich. Die war da wesentlich aufgeregter, wobei sie wahrscheinlich auch einfach nur genervt von ihren Reiterinnen waren.
      Zwischen Elisa und Elena war erneut ein Handgemenge ausgebrochen und dazwischen befand sich Avantis Kopf, das fand der Reitponyhengst nicht ganz so toll und brachte dies auch zur Geltung, als er Elena eine Kopfnuss verpasste, Die entrüstete Blondine hielt sich jaulend den Kopf und Jojo besorgte ihr schnell etwas Eis. Jojo war übrigens heute unser Laufbursche, sie hatte nicht teilnehmen dürfen, weil es eben nur drei Schleifenplätze gab und dann hätte zwangsweise einer von uns verloren. Dem hatte sie grummelnd Recht gegeben und war dann still gewesen.
      Elisa hatte nun entschieden, dass sie dann eben als Elena Reese 2.0 mitritt, anscheinend fiel das eh niemanden auf und hey, wir waren in Kanada, es gab weitaus schlimmere Verbrechen. Also standen wir eine halbe Stunde später am Start. Ich auf Minou und links und rechts neben mir jeweils eine Elena. Ich diente als Puffer, damit die beiden sich nicht wieder gegenseitig beschimpften.
      Und dann schellte auch schon die Startglocke! Es war eine kurze Strecke, circa 30km galt es zu bewältigen und insgesamt drei Stopps, die wir mit guten Werten erreichen mussten. Im Gegensatz zu vielen anderen ließen wir unsere Pferde zu Beginn nur gemütlich traben, während der Rest beinahe übermotiviert im Stechtrab oder Galopp losschoss. Also entweder hatten sie keine Peilung von Distanzritten oder einfach nur ihre Pferde nicht unter Kontrolle, egal, das waren alles Vorteile für uns.
      Den ersten Stopp erreichten wir drei noch gemeinsam. Sacramento und Minou hatten perfekte Werte und musste nur eine kurze Zeit verweilen. Avanti schien etwas aufgeregter zu sein und bekam ein paar Minuten mehr. Dementsprechend trennten sich hier schon allmählich unsere Wege. Auf den nächsten zehn Kilometern wurde das auch nicht besser, man sah sich ab und an, aber ab jetzt hieß es eben auf die Bedürfnisse des Pferdes achten und die drei waren sehr unterschiedlich, so dass auch die Pausen anders gestaltet wurden. Mal waren wir vorne, mal Elena eins und mal Elena zwei.
      Wir trafen uns immer seltener uns so langsam klärte sich auch das Feld und die Reihenfolge wurde immer genauer. Für Elisa war der letzte Stopp besonders ärgerlich. Irgendeine Zippe hatte ihre rossige Stute nicht unter Kontrolle, welche fröhlich durch das Lager fegte und Sacramento nervlich echt fertig machte, so dass die beiden wesentlich länger als geplant pausieren mussten. Elisa ließen wir also mit säuerlicher Miene zurück und nun ging es zum Endspurt!
      Es war nicht verwunderlich, dass Elena es als erste ins Ziel schaffte. Avanti trug seinen Namen nicht grundlos und den Endspurt hatte er in einem locker-flockigen Galopp hingelegt und kam dennoch ruhig atmend ins Ziel. Minou und ich schlugen uns für das erste gemeinsame Distanzturnier aber auch nicht schlecht und kamen einige Minuten später als zweite ins Ziel! Und was Elisa leistete war echt beachtlich! Trotz der Verzögerung hatte sie auf den letzten Kilometern mindestens fünf Reiter überholt und ergatterte sich samt Sacramento den dritten Platz. Der war etwas geschaffter als Avanti, aber immerhin hatte er auch aufholen müssen und nicht an der Spitze chillen dürfen. Gemeinsam mit Elisa regten wir uns noch über die dumme Kuh auf, die ihr Pferd nicht unter Kontrolle gehabt hatte. Ohne die, wäre nämlich eher ich auf dem dritten Platz gelandet und Elena und Elisa hätten sich ein Battle geleistet. „Nächstes Mal“, meinte Elisa dann aber grinsend und ließ sich aus dem Sattel gleiten.
      Gemeinsam machten wir uns wieder auf den Weg zu Jojo, um die Pferde zu versorgen, immerhin hatten die drei heute echt was geleistet. Tja und dann kam die Siegerehrung und trotz dem zweimaligen Aufruf einer Elena Reese schien sich niemand zu wundern. „Wer weiß, wie oft es dich in Kanada gibt“, flüsterte ich Elena grinsend ins Ohr, die schaute mich nur geschockt an, denn sie konnte es gar nicht leiden, dass es auch noch andere Elenas auf der Welt gibt. „Nächstes Mal sollten deine Eltern sich den Namen patentieren lassen“, lachte Elisa.
    • Gwen
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      Military A-L
      08/2015 | 6663 Zeichen
      Gelassen schnaubte Ocean Water unter mir und ließ den Kopf sinken. Ihre Schritte wurden direkt ein wenig gemütlicher, als wir den Reitplatz verließen, denn die Stute war nicht dumm – sie wusste, dass sie ihre Arbeit für den heutigen Tag getan hätte. Das gutmütige Reitpony ließ ich trotzdem nach dem Training nicht einfach wieder auf die Weide, stattdessen hatte ich mich dazu entschieden, mit ihr noch eine ruhige Runde durchs Gelände als Ausklang zu drehen. Ausnahmsweise begab ich mich ganz allein auf den Weg, was mir aber zugegebenermaßen ganz gut tat. Nach der Alkoholexzessparty, getarnt als sogenannten Grillabend, wollte ich erst einmal niemandem mehr unter die Augen treten. Ich war mir nämlich nicht mehr ganz sicher, ob ich nicht doch die ein oder andere Lücke im Gedächtnis hatte.

      Während ich allerdings dann mittags auf dem Rücken von Avanti saß und mit ihm durch den Geländeparcours galoppierte, setzte dann auch langsam, aber sicher ein stechendes Pochen in meinem Kopf ein und bereitete mir Kopfschmerzen. Den Bloody Mary, den wir Gwen gestern vorgesetzt hatten, hätte ich nun wirklich gut gebrauchen können.
      Dennoch biss ich die Zähne zusammen und setzte das Training unermüdlich fort. Wahrscheinlich hätte Avanti nichts dagegen einzuwenden gehabt, hätte ich das Training mit ihm bereits etwas früher beendet als sonst, aber solange ich mich noch auf dem Pferd halten konnte, ohne ihn zu behindern, würde ich das auch noch aushalten. Wir waren bereits gute zwanzig Minuten am Trainieren, demnach würde ich den Rest auch noch unbeschadet hinter mich bringen können. Hoffentlich.
      Im letzten Monat hatten wir uns hauptsächlich dem Springtraining gewidmet. Da ich Avanti genügend Abwechslung bieten musste, damit der Hengst nicht Hals über Kopf durch den Zaun rennen und über alle Berge verschwinden würde, gestaltete ich sein Training immer ziemlich variabel. Genau das (und die mangelnde Lust auf den eintönigen Springplatz) war der Grund, warum ich mich dann diesmal für die Geländestrecke entschieden hatte. Hier wollte ich Avanti erst einmal auf das L-Niveau vorbereiten und ihn L-fertig trainieren. Seine Königsdisziplinen waren eben nun mal besonders das Springen und der Geländeritt, vorzugsweise sogar noch zweiteres, da er dann doch relativ flott unterwegs war. Manchmal hatte ich da tatsächlich eher Probleme dabei, dass wir die Zeit nicht unterschritten; Zeitvorgaben gab es nämlich leider zu genüge.
      Die Sprünge auf L-Niveau waren maximal 110 Zentimeter hoch und 2,10 Meter weit, zumindest an der Basis. Im oberen Teil durfte die Weite dann schon „nur“ noch 1,50 Meter betragen; Wassergräben stellten hier eine Ausnahme dar, die bis zu 2,60 Meter messen durfte. Tiefsprünge waren bis 160 Zentimeter erlaubt.
      Unermüdlich nahm mein Reitponyhengst die Sprünge, die sich ihm in den Weg stellten und bewies somit immer wieder, dass er nicht nur gehörig Feuer unterm Arsch hatte, sondern dieses auch mehr als nur deutlich zeigen konnte, wenn er denn gerade Lust darauf hatte. Und die hatte er ungefähr immer.
      Dennoch war ich in diesem Moment mehr als froh darüber, dass ich Avanti schon länger im Geländetraining hatte und es nicht die erste Einheit für ihn war, sondern so gut wie die letzte. Er hatte keine Probleme damit, die Höhen und Weiten zu schaffen, stattdessen ließ er meistens noch ordentlich Luft und demonstrierte feierlich sein Können. Von Gwen, meiner leidenschaftlichen Zockernachbarin, hörte ich da schon Kommentare wie „Cheats!“ und „Hax!“ auf ihn einprasseln. Und hätte sie dann noch sehen können, wie er eine Abkürzung nutzte, wäre ihm auch ein geschnaubtes „Buguser!“ nicht erspart geblieben.

      „Hast du ein schlechtes Gewissen?“, war das Erste, das ich Matthew fragte, als ich den Mann erblickte, der mit dem kräftigen Hengst Azrael auf dem Dressurplatz seine Runden drehte.
      „Nein, aber du kommst mit deinem Zeitplan eh nicht mehr hinterher, wenn ich dir nicht unter die Arme greife“, erwiderte der Rußkopf mit dem IQ eines Weißbrots nur trocken und widmete sich dann wieder dem Training des Fuchshengstes. Der war, im Gegensatz zu Avanti, inzwischen im Dressurtraining und sollte dort A-fertig eingetragen werden können. Zwar lief Azrael doch ziemlich vielseitig (Springen, Military und Fahren boten eine Menge Variabilität, wenn es ums Training ging), die Dressur war allerdings in der letzten Zeit etwas kurz gekommen. Aus dem Grund wurde er nun dazu verdonnert, die langweilige Dressurarbeit auf dem Platz mitzumachen, was dem Macho gar nicht so wirklich passte. Stattdessen blickte er, nachdem Matthew ihn dazu gebracht hatte, nicht immer seinen Dickkopf durchsetzen zu wollen (Matthew war nämlich ein noch viel größerer!), nur noch sehnsüchtig in Richtung Freiheit und brummelte hin und wieder gelangweilt, wenn ihm mal wieder nicht in den Kram passte, was Matthew von ihm verlangte. Das war ja auch viel zu anstrengend!
      Trotz meiner Kopfschmerzen stellte ich mich dann an den Zaun und beobachtete die zwei Männer dann dabei, wie sie sich gegenseitig auf den Keks gingen. In Gedanken hörte ich Elena jetzt schon wieder „WO SIND KEKSE?“ schreien und förmlich auf mich einprügeln, damit sie ihre Kekse bekam.
      Der Fuchshengst hatte sich allerdings schnell damit abgefunden, dass er um die Schlangenlinien mit vier Bögen und die zehn Meter-Volten im Trab nicht so schnell herumkam, denn die baute Matthew nur zu gerne ein. Wahrscheinlich inzwischen auch einfach, weil er wusste, dass Azrael das störte und um den Hengst zu ärgern. Ob der Schwarzhaarige noch Restpegel aufweisen konnte?
      Sowohl der Mitteltrab als auch der Mittelgalopp sahen anfangs etwas holprig aus, konnten sich aber schon bald sehen lassen. Azraels elastische, kraftvolle Gänge zeigten ihn von seiner besten Seite und wahrscheinlich wusste der Flaxen Chestnut selbst ganz genau, wie beeindruckend er gerade aussah. Leicht wehte der dichte Schweif im Wind mit und auch die inzwischen wieder etwas längere Mähne flog auf und ab, während Az über den Sandboden galoppierte.
      Den einfachen Galoppwechsel und das Viereck verkleinern und vergrößern sah ich mir von Anfang bis Ende an, beim Rückwärtsrichten verkroch ich mich dann schnell hinter dem nächsten Baum, um nicht zum Mithelfen verdonnert zu werden. Ich drückte mich vor der Mithilfe beim Training meiner eigenen Pferde. Wow, Elisa. Darauf kannst du stolz sein!
      Dementsprechend verpasste ich dann auch das Zügel aus der Hand kauen lassen.

      Aber ganz ehrlich? Das Wissen, dass Azrael nun A-fertig in der Dressur war, reichte mir völlig aus. Und wenn Matthew jetzt ein „Danke“ dafür erwartete, dass er Azrael das „beibrachte“, was ich mit ihm schon seit langer Zeit übte, dann konnte er lange warten.
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  • Album:
    2.2 - Südstall
    Hochgeladen von:
    Samarti
    Datum:
    22 Feb. 2017
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    Rufname: --
    geboren: September 2008


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    Rasse: Deutsches Reitpony
    Geschlecht: Hengst

    Farbe: Bay Splashed White (Aa Ee Splspl)
    Stockmaß: 144 cm

    Beschreibung:

    Avanti macht seinem Namen alle Ehre und zwar egal, wo. Ob nun auf der Weide, die Stallgasse entlang oder im Parcours - der Hengst ist kaum zu stoppen, wenn er einmal Fahrt aufgenommen hat. Dementsprechend feinfühlig und doch konsequent muss man mit dem Jungspund umgehen, der gerne einmal Flausen im Kopf hat und durchaus frech sein kann.
    Aber obwohl er manchmal seine fünf Minuten hat, ist Avanti ein Pferd, auf das man sich im Notfall immer verlassen kann. Wenn es drauf ankommt, überzeugt er durch seine ruhige und aufmerksame Art. Er versteht sehr schnell, was man sich von ihm wünscht und in den meisten Fällen ist er auch sehr willig, diesen Wünschen nachzugehen.

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    Besitzer: Samarti
    Ersteller: Elii

    Dressur L - Springen S - Military M - Distanz A

    HK 475
    219. Distanzturnier
    330. Dressurturnier
    96. Synchronspringen
    225. Militaryturnier


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    Offizieller Hintergrund

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