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Samarti

Audio Delite at Low Fidelity, Criollo-Tinker-Mix

*2008, im Besitz seit dem 26. Dezember 2013

Tags:
Audio Delite at Low Fidelity, Criollo-Tinker-Mix
Samarti, 26 Juli 2015
    • Samarti
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      Zurück nach Deutschland
      27. Juli 2014
      Momentan stand ich wirklich unter Stress, und das bekamen leider auch meine vierbeinigen Lieblinge zu spüren. Ich beschäftigte mich kaum noch mit ihnen, ließ vielmehr mein Personal alles mit ihnen machen und sie trainieren und das nur, weil ich kurzerhand zurück nach Deutschland reisen musste, um dabei zuzusehen, wie meine Tante ihre letzten Stunden mit ihrer Familie verbrachte. Sie leidete schon länger an Krebs, der inzwischen so weit fortgeschritten war, dass ihr nicht mehr viel Zeit blieb – genauer gesagt erwarteten die Ärzte ihren Tod in wenigen Tagen, weshalb ich auch noch einmal anreisen wollte, um sie ein letztes Mal zu sehen.
      Während sich Rapsoul, Casey, Beverly, Audio Delite at Low Fidelity, Pushin' Jazz for Cash, Skyrim, Dajeen, Burnin' Unbridled Dreams, Sambuca, Sonic Syndicate, Romantica, Nacromancer in the Dark, Monsta, Nickles 'n Dimes, Ace of Clubs, Firebird, Trés Jolie, Santa Fee (die vor kurzem wieder zu uns zurückgekehrt war), Herbsblatt, Pamino, Dahiba, Da Vinci, Star's Diamond, Star, Zauberhaft, Goldherz, Dancer in the Moonlight, Kronjuwel, Darym, Yanetha, Casablanca, Laurencio, Fine Frenzy, Draugsa, Silenc Dream und Season's Princess also in Kanada auf den weitläufigen Weiden fröhlich ihre Bäuche vollschlugen, verbrachte ich meine Zeit in meinem Heimatland. Und erst dann wurde mir klar, wie sehr ich meine Familie vermisst hatte – dennoch zog es mich zurück nach Kanada.
    • Samarti
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      Schwarzbären, Bisons & Co
      10. September 2014 - von Gwen
      Schon seit heute Morgen wuselte ich über das Gestüt und hatte immer noch allerhand zu tun. Joline half mir bei der Vorbereitung für die Gäste, welche heute Nachmittag bei uns eintrudeln würden, denn es stand wieder eine neue Veranstaltung an, welche ich schon seit längerem plante: Ein dreitägiger Wanderritt durch Kanada.
      Die Anmeldung im Internet hatten wir keine Stunde lang offen lassen können, schon waren Formulare über Formulare eingetrudelt und wir mussten sie direkt wieder schließen. Der Wanderritt war nur für sechs Leute konzipiert, so dass wir lediglich vier der ganzen Mails annehmen konnten.
      Das Ganze war nun schon einige Wochen her und so hatte sich jeder der Teilnehmer individuell auf den Wanderritt vorbereiten können. Sie durften gerne eigene Sachen mitbringen, aber für die Grundausstattung sorgten wir – schon aus dem Grund, dass die Pferde nicht unter zu viel Kram zusammen brechen sollten.
      Während wir hier nun jedoch alles vorbereiteten, war Elisa gar nicht da. Momentan war sie überall unterwegs, nur nicht auf ihrem eigenen Gestüt. Dieses stand momentan unter der Leitung von Matthew, aber dem sollte man eher weniger zu nahe kommen, denn warum auch immer hatte er eine tierisch schlechte Laune.
      Auch Joline hatte die Nase schon wieder gestrichen voll. „Weißt du, ich wollte ihn nur fragen, ob er die Boxen vorbereitet“, schimpfte sie, „aber stattdessen grummelt er mich nur an, steigt auf Capri und haut ab“, kopfschüttelnd bereitete Joline mit mir das letzte Gästezimmer vor, während sie noch lange über Matthews Verhalten echauffierte.

      Die Zeit verging ruckzuck und Mittag war schon lange vorbei. Die Gästezimmer hatten wir nun hinter uns gebracht, dennoch waren wir noch nicht annähernd fertig.
      „Joline? Kannst du dich um das Essen kümmern? Unsere Gäste werden nach der langen Reise sicherlich hungrig sein“, meinte ich zu ihr und verließ dann das Gästehaus. Da Matthew sich nicht für unsere Besucher verantwortlich zu fühlen schien, musste ich mich um die vier Boxen kümmern.
      Während ich noch die Heunetze füllte, hörte ich schon das erste Auto auf den Hof fahren. Es war die bekannte Züchterin Tassila, welche das erste Mal auf unser Gestüt kam.
      Dementsprechend war sie kurzerhand an dem Parkplatz vorbeigefahren. Lächelnd erklärte ich ihr den Weg und lief dem fahrenden Auto hinterher.
      Auf dem Parkplatz begrüßte ich sie erst einmal in aller Ruhe und dann luden wir auch schon ihr Pferd aus. „Das ist Joaquin“, stellte sie mir ihr PRE vor. Der Hengst war ein Perlino und wunderschön.
      „Solche Pferde sieht man nicht oft in Kanada“, lachte ich und kraulte ihm kurz die Stirn, ehe ich Tassila und ihrem Pferd den Weg zu den Stallungen zeigte. Joaquin schien die neue Umgebung keineswegs zu stören, stattdessen blickte er sich neugierig um und war schon auf Erkundungstour unterwegs.
      Der Hengst kam in eine große helle Box mit Paddock und er machte sich direkt an dem frischen Heu zu schaffen. „Ich habe mir gedacht, dass es ganz gut wäre, wenn die Pferde die erste Nacht in eine unserer Boxen verbringen“, erklärte ich Tassila lächelnd und sie nickte mir zustimmend zu.
      Kurz darauf leitete ich sie an Joline weiter, welche ihr das Gästezimmer zeigen würde, denn ich musste zurück zum Parkplatz, um den nächsten Gast zu begrüßen.
      „Hey Maren!“, rief ich erfreut und winkte der Fahrerin schon von weiten zu. Bisher war sie bei allen Veranstaltungen von WHT dabei gewesen und anscheinend änderte sich daran auch so schnell nichts.
      „Na, wen hast du diesmal mit?“, fragte ich neugierig und linste in den Hänger hinein. „Das ist For an Angel, eine junge Vollblutstute“, erklärte Maren mir und lud sie aus. Sie war ein wunderschönes braunes Tier mit einigen Spots und einfach ein wahrer Hingucker!
      „Ein hübsches Pferd“, meinte ich und Maren lachte mir zu. „Und ein richtiges Arbeitstier! Manchmal habe ich Angst, dass sie sich selbst übernimmt, deshalb wollen wir auch bei dem Wanderritt mitmachen“, seufzte Maren und tätschelte der Stute den Hals.
      Auch jetzt war die Stute schon wieder voller Elan und wuselte erst einmal durch ihre Box, ehe sie sich entspannte und anfing, die neue Gegend zu erkunden. Maren zeigte ich direkt ihr Zimmer, wo schon ihre Zimmergenossin Tassila ihre Sachen auspackte.
      „Unten im Speisesaal gibt es dann erst einmal etwas zu Essen und danach geht es an die Besprechungen“, klärte ich die beiden auf und ließ sie dann kurzerhand alleine.
      Zwischendurch traf ich Joline, welche auch ständig unterwegs war und alles vorbereitete – dort noch Handtücher hinbrachte und bereits den Tisch deckte. „Mache dir nicht so viel Stress!“, meinte ich lachend und lief zurück zum Parkplatz.
      Dort kam auch schon Zairina eingetrudelt. „Na auf dich habe ich ja gewartet!“, grinste ich und umarmte meine gute Freundin herzlich. „Wie ich hörte, ist Elisa gar nicht zugegen?“, fragte sie ironisch und lachte. Ich schüttelte nur grinsend den Kopf und lud mit ihr gemeinsam ihre Stute aus.
      Scylla brachten wir dann direkt in ihre Box, welche neben der von Angel lag, so dass die beiden nicht alleine waren. Scylla war ganz ruhig und entspannt und schien keinen Stress an sich heran zu lassen.
      Ich brachte Zai in ihr Zimmer. „Wundert euch nicht, ihr verbringt die Nacht zu dritt in einem Zimmer, aber es ist nur eine Nacht und unser vierter Mitreiter ist eben ein Kerl und ehe jemand alleine schlafen muss“, mehr schien ich nicht sagen zu müssen und die Mädels grinsten mich nur an.
      Auf den genannten Kerl durften wir dann auch noch ziemlich lange warten. Die drei anderen Mitreiterinnen saßen bereits im Saal und aßen, als der letzte Wagen endlich auf den Hof fuhr.
      Sarah hatte mich schon vorgewarnt, dass ihr Freund Cayden momentan etwas launisch sein könnte. Seit dem Ritt durch Schottland hatten die beiden sich ziemlich zerstritten und Cayden schien momentan einiges an Abstand zu gebrauchen, so dass er nach Kanada gereist war.
      Aber Cayden war tatsächlich ein richtiger Stinkstiefel. „Na du wirst dich ja prima mit Matthew verstehen“, murmelte ich zu mir selbst, nachdem Cayden mich nicht einmal wirklich begrüßt hatte, sondern nur sein Pferd auslud.
      „Wo soll sie hin?“, fragte er unruhig und ich zeigte ihn den Weg zu Willows Box. Die schwarze Stute orientierte sich erst einmal ein Weilchen und schließlich sprach Cayden doch noch ein Wörtchen mit mir.
      „Willow ist auf der rechten Seite so gut wie blind“, erklärte mir Cayden und ich blickte ihn stirnrunzelnd an. Mit so einem Pferd wollte er bei einem Wanderritt mitmachen? „Na ja, ganz so schlimm ist es nicht. Sie scheint noch Licht und Schatten zu erkennen und da sie vom Gemüt her einfach wunderbar ist, kommt sie sehr gut zurecht“, beruhigte er mich und ich nickte zu.
      „Also keine Pferde auf der rechten Seite?“, fragte ich noch einmal nach und Cayden nickte. Na ja, so wirklich zum Reden würde er auf dem Ritt eh nicht zu gebrauchen sein, da war es nicht so wild, wenn Willow alleine lief, ohne jemanden an ihrer Seite.

      Im Essenssaal wurde Cayden von den anderen herzlich begrüßt, doch selbst grummelte er nur ein leises „Hallo“, ehe er sich zum Essen mit Abstand zu den anderen niederließ.
      Auch Joline und ich aßen noch etwas, ehe wir mit den Besprechungen beginnen wollten. Es war noch allerhand zu klären, ehe wir uns Morgen auf den Wanderritt begeben konnten und das sollte auch jeden unserer Mitreiter erreichen.
      „So, dann fangen wir mal ganz allgemein an“, meinte ich lächelnd, nachdem ich aufgestanden war. „Morgen früh begeben wir uns dann auf unseren Wanderritt, aber vorher muss noch einiges geklärt werden. Zuerst wird Joline euch über die einzuhaltenden Regeln belehren“, sagte ich und gab das Wort an Joline ab.
      In den Belehrungen ging es vor allem darum, die Gruppe nie ohne Erlaubnis zu verlassen, stets auf uns Führer zu hören und kein Risiko einzugehen. Des weiteren gab es noch einmal einige Formulare, welche ausgefüllt und unterschrieben werden mussten, damit wir keine Probleme mit plötzlich aufmüpfigen Teilnehmern bekamen.
      „Nun habe ich hier für euch noch eine Karte, auf welcher der Standpunkt von CHS und unsere Trailroute eingezeichnet ist. Auf der Rückseite findet ihr auch eine kurze Erläuterung unseres Ritts“, erklärte ich und gab die Karte aus. „Außerdem bekommt ihr noch einen Zeitplan, damit ihr in etwa wisst, wann es losgeht“
      Es dauerte noch lange, ehe wir mit allem fertig waren und dann war es draußen bereits dunkel. Unsere Gäste verschwanden in ihre Zimmer, während wir noch den nächtlichen Rundgang durch die Stallungen machten.
      Danach gingen auch wir früh zu Bett, um Morgen ausgeschlafen zu sein, denn mit einem Wanderritt war nicht zu spaßen.

      Früh um sechs machte ich alle Gäste munter. Während ich bei den Mädels grinsend ein „Guten Morgen!“, hinein rief, beließ ich es an Caydens Zimmertür beim Anklopfen.
      Julien stand in der Küche und kümmerte sich um das Frühstück, während Joline und ich geschwind die Tische deckten. Heute gab es ein typisches Bauernfrühstück à la Rührei, Bratkartoffeln und was alles dazu gehörte.
      Wir hatten dieses deftige Mahl gewählt, da der erste Teil des Ritts anstrengend werden würde und vorher gab es nicht noch einmal etwas zum schnabulieren. Allerdings beklagte sich auch keiner der Gäste – im Gegenteil, sie schlugen richtig zu!
      Schon eine halbe Stunde später waren wir im Stall unterwegs. Die Pferde hatte Matthew schon heute früh versorgt, so dass wir sie nun putzen und satteln konnten. Ich hatte gestern schon meine Tinkerstute Magic mit hierher gebracht, denn sie würde mich auf dem Wanderritt begleiten.
      Nachdem alle Pferde gesattelt am Putzplatz standen, teilten wir die Ausrüstung aus. Jeder bekam große kompakte Satteltaschen und dann eine Liste, worauf alle wichtigen Sachen zum abhaken standen.
      Diese teilten wir nacheinander aus und fragten zum Schluss noch einmal alles ab. „So – noch einmal gut zuhören und sich sofort melden, wenn etwas fällt!“, zog ich die Aufmerksamkeit auf mich. „Wasserflasche. Taschenlampe. Feuerzeug. Lederfett. Zinksalbe. Reparaturset. Seile. Ersatzhalfter. Regencape. Zeltplane. Schlafsack. Isomatte. Ersatzkleidung. Wanderreithalfter unter Zäumung.“, aufmerksam blickte ich mich um. Alle nickten mir zu und so konnten wir uns nun endgültig auf den Weg machen.
      Wir führten die Pferde aus dem Stall und schwangen uns in die Sättel. „Joline und ich reiten voraus. Ihr könnt euch dahinter eingliedern wie ihr möchtet“, erklärte ich lächelnd und trieb Magic an, welche direkt fleißig vorwärts lief.
      Joline ritt ihre Stute Filly neben mich und befestigte gerade das GPS-Gerät an ihrem Sattel. „Alles klar, jetzt kann nichts mehr schiefgehen“, grinste sie mich an und ich konnte nur zurückgrinsen – ich war so gespannt wie der Ritt werden würde!

      Das erste Stück zum Moon Lake legten wir in recht kurzer Zeit zurück, da sowohl Pferde als auch Reiter ausgeruht und motiviert waren. Dennoch legte ich allen stets nahe, dass sie ihre Kräfte sparen sollten.
      „Heute steht für uns noch ein anstrengender Aufstieg an. Dort werdet ihr viel Kraft brauchen“, erklärte ich den Reitern ernst, denn wenn wir hinauf zu Strathclair reiten würden, würde das Gelände sich schnell von riesigen Wiesen in einen steinigen Bergaufstieg wandeln.
      Den Moon Lake erreichten wir nach einer Dreiviertelstunde. Dort machten wir auch kurz Halt und beobachteten eine Elchkuh mit Kalb, welche den Morgen am See verbrachten und ausgiebig tranken.
      Für Joline und mich wurde solch ein Anblick allmählich zur Gewohnheit, doch für die anderen war ein Elch in echt vollkommen neu.
      „Gott, sind die riesig!“, stöhnte Zai und bat darum, den Tieren nicht unbedingt zu nahe zu kommen. Ich grinste sie an. „Ach, da werden wir noch viel furchterregenderes entdecken“, lachte ich ihr zu und Zai starrte mich nur mit großen Augen an.
      Das erste Stück unseres Trails führte uns mitten durch die unberührte Wildnis des Nationalparks. Wir ritten direkt vom Moon Lake hinüber zum Vermillion River und auf diesem Stückchen gingen wir mit unserem Kräften sehr sparsam um. Den größten Teil brachten wir im Schritt und Trab hinter uns, nur manchmal galoppierten wir auch.
      Während wir uns durch die Pampa kämpften, entdeckten wir auch allerhand Tiere. Zuerst stießen wir auf die Bisonherde des Nationalparks. „Sie wurden hier extra angesiedelt und ziehen das gesamte Jahr über durch den Park“, erklärte ich den Reitern, welche staunend die riesigen zotteligen Tiere betrachteten.
      Während die Pferde große Augen machten, beachteten uns die Bisons gar nicht. Sie waren neugierige Wanderer und Reiter gewöhnt, es schien ihnen sogar Spaß zu machen, eine besondere Attraktion zu sein.
      Wir ritten weiter und hatten mit einigen zugewachsenen Pfaden zu tun.
      „Igitt!“, quietschte Maren erschrocken und alle drehten sich direkt um. Maren war vollkommen in Spinnenweben gehüllt, denn ihre Stute hatte spontan entschieden, sich durch eine vermeintliche Lücke zwischen zwei Büschen kämpfen zu müssen, allerdings war das die Heimat einer großen Kreuzspinne gewesen und dementsprechend groß und dicht war auch das Netz.
      Tassila drehte ihren Hengst lachend um und half Maren dabei, sich aus dem Netzgewirr zu befreien. Maren sorgte bei allen für einen lauten Lacher – bei fast allen. Cayden ritt ganz hinten und wirkte ziemlich abwesend. Seufzend wechselte ich kurz einen Blick mit Joline, ehe wir das Tempo wieder aufnahmen und uns weiter durch die Wildnis kämpften.
      „Ab jetzt müsst ihr alle ordentlich hintereinander reiten! Denn manche Stellen hier sind wie eine Art Sumpf, also gut aufpassen!“, rief Joline nach hinten und wartete bis alle ihr zunickten.
      Joline ritt vorne weg und der Rest folgte ihr. Erst Zai, Maren, Tassila und zum Schluss ritt Cayden. Nach ihm hielt ich öfters Ausschau, denn Willow war halbblind und falls etwas von der Seite kommen sollte, wusste niemand, wie die Stute reagieren würde. Aus dem Grunde ritt ich auch als Schlusslicht der Gruppe und überwachte das Ganze.

      Fast drei Stunden ritten wir durch die Pampa, ehe sich die Vegetation allmählich lichtete und die Bergkette am Horizont immer näher kam. Plötzlich merkten die Reiter auch, dass der Aufstieg höher werden würde als gedacht.
      „Die werden ja immer größer!“, lachte Tassila unruhig und blickte zur Bergspitze hinauf. Niemand erwartete so eine Bergkette mitten in einem Nationalpark, doch Kanada hatte allerhand zu bieten.
      Eine halbe Stunde später waren wir auch endlich am Fuß des Aufstiegs angelangt. Wir erklärten den Teilnehmern, wie sie ihren Pferden den Aufstieg erleichtern konnten und dann ging es auch schon los.
      Joline ließ ich wieder vorne reiten, während ich mich als Katzenauge an das Ende der Gruppe setzte und mit Magic als letzte den Aufstieg bewältigte.
      Der Weg war sehr verschlungen, aber so ging der steile Hang viel besser von Statten. Wir benötigten dennoch beinahe eine Stunde, ehe wir endlich oben ankamen. Zwischenzeitlich hatte sich Angel geweigert, weiter zu gehen, als ihr der Aufstieg zu anstrengend wurde.
      Doch Maren hatte nicht lange gebraucht, um ihre Stute zu überzeugen, dass es nicht so unendlich war wie es schien und dann waren wir endlich oben. Dort machten wir auch eine ausgiebige Pause am Vermillion River. Die Pferde wurden abgesattelt und durften erst einmal ausgiebig trinken und im Wasser plantschen, ehe sie grasen durften.
      Wir setzten uns neben sie und packten selber unser Mittagessen aus, denn auch uns knurrte der Magen! Die drei Mädels unterhielten sich angeregt, während sich Cayden wieder mit Willow etwas abseits gesetzt hatte. Doch wir ließen ihn in Ruhe, denn die schien er jetzt am meisten zu brauchen.
      Lange hielt die Pause aber nicht an, denn daran sollten sich weder Zwei- noch Vierbeiner gewöhnen. „Aufsatteln!“, kündigte Joline unseren Weiterritt an und auch wir machten unsere Pferde fertig. Filly und Magic waren nicht annähernd kaputt, allerdings gingen sie auch regelmäßig Wander- und Distanzritte mit.
      Dieses Glück hatte auch Willow, welche aktiv auf Distanz trainiert wurde. Scylla schien den Ritt auch ganz gut zu verkraften. Bei Joaquin und Angel sah man jedoch schon, dass sie so etwas kaum gewöhnt waren.
      Durch das relativ ruhige Tempo hielten alle Pferde aber sehr gut aus und die frische Bergluft brachte wieder Leben in die müden Glieder. 15 Kilometer würden wir dem Trail „Strathclair“ folgen, also hatten wir noch allerhand vor uns.
      Doch die Aussicht ließ alle den langen Ritt vergessen. Von hier oben konnte man beinahe über den gesamten Nationalpark blicken und wir entdeckten so viele neue Tiere!
      Die Steinböcke hüpften mit einer unglaublichen Leichtigkeit die Hänge hinauf und herab, auch die Murmeltiere zeigten sich in unserer Gegenwart und von Weiten konnten wir auch die Silhouette eines Luchses entdecken, der jedoch wieder sehr schnell verschwand.
      „Irgendwie sehen kanadische Luchse anders aus, als unsere europäischen“, meinte Tassila stirnrunzelnd und ich nickte ihr zu. „Oh ja, vom Körperbau sind sie auch anders. Sie haben viel längere Glieder, sind aber trotzdem wesentlich kleiner als sie eurasischen Luchse. Und sie haben natürlich viel dickeres Fell“, erklärte ich lachend und Tassila nickte begeistert.
      Wir waren lange zwischen den schroffen Bergwänden unterwegs, welche sich stetig mit einigen Bergwiesen abwechselten und auch die Überreste einiger Gletscher bekamen wir zu sehen, ehe der Abstieg allmählich in Sicht kam.
      Erneut erklärten wir, was die Reiter zu beachten hatten und dass sie ihre Pferde möglichst selbst entscheiden lassen sollten, wie sie den Abstieg bewältigten. So kamen wir auch alle unbeschadet am Fuß des Berges an und standen direkt im Wald.
      „Hier gibt es echt jede Vegetation!“, staunte Maren und schaute sich um, denn rund herum standen nun große Laub- und Nadelbäume. Einige färbten sich inzwischen schon bunt, denn der Herbst hielt allmählich Einzug in Kanada.
      Wir ritten noch einige Zeit durch den Wald und Joline erzählte einiges über die Entstehung des Riding Mountain Nationalparks, aber auch einiges über die Flora und Fauna. Ich war ab und an einige interessante Hinweise ein und so brachten wir auch dieses Stück des Rittes hinter uns.
      Bisher waren alle noch bester Laune, auch wenn die Müdigkeit ab und an schon einzusetzen drohte. Dann weckten wir Pferd und Reiter mit einem flotten Trab auf und schon ging es munter weiter.
      Wir erreichten den Minnedose River, wo die Pferde kurz pausieren und trinken durften. Alle wateten auch kurz in den Fluss hinein, außer Scylla und wie wir schnell erfuhren, war die hübsche Stute wasserscheu.
      „Das sollte sie schnell ablegen, denn am Clear Lake müssen wir durch das Wasser“, meinte Joline lachend.
      Den Rest des Rittes schafften wir dann schneller als gedacht. Durch einen kleinen Umweg gelangten wir noch an den Long Lake, ehe wir uns auf den Weg zu unserem Nachtlager machten. Die Reiter waren begeistert von der herrlichen Landschaft und den ganzen Seen. Tiere konnte man eigentlich überall sehen, wenn man nur aufmerksam die Umgebung beobachtete. Für die Pferde war der Ritt natürlich auch eine vollkommen neue Erfahrung und jeder schien auf seine eigene Art damit umzugehen.
      Es war kurz vor sechs Uhr abends, als wir endlich unseren Rastplatz am Lake Audy erreichten. Inzwischen dämmerte es schon langsam und alle fielen müde aus ihren Sätteln. Dennoch waren alle bereit, noch einmal die Kräfte zu sammeln. Erst wurden die Pferde versorgt – abgesattelt und gefüttert.
      Am Lake Audy gab es den Luxus von kleinen Paddocks für die vierbeinigen Freunde von uns Reitern. So mussten wir uns keine Gedanken um Willow machen, welche laut Cayden zu gerne Knoten löste. Stattdessen bekam jedes Pferd seinen eigenen kleinen Corral und so konnten wir beruhigt gehen.
      Nachdem die Pferde gründlich versorgt waren und bereits dösten, machten wir uns an den Aufbau der Zelte. Dabei teilten sich immer zwei Leute ein Zelt. Zai und Tassila zogen gemeinsam in eins, Maren und Joline packten sich eins und ich teilte mir eines mit Cayden.
      „Und wehe ich höre dich einmal meckern“, meinte ich warnend, grinste ihn aber an und warf ihm drei Heringe zu. Inzwischen schien er wieder etwas lockerer zu werden und lächelte zaghaft zurück.
      Als unsere Unterkünfte standen, machten wir uns an das kleine Lagerfeuer, um welches wir dann den restlichen Abend verbrachten und unser Abendbrot aufwärmen konnten.
      Während wir Frauen schon unsere Dosensuppe schlürften, sprang Cayden am Ufer des Sees herum und keiner von uns wusste, was er da trieb. Erst als er eine Viertelstunde später zurückkehrte und uns stolz angrinsten, wussten wir, was er gemacht hatte.
      „Tada! Eine Forelle und was für ein Prachtstück!“, meinte er stolz, schlug den quirligen Fisch kurz auf das Genick und machte sich sein Abendbrot fertig. Wir konnten ihn dabei nur grinsend beobachten.
      Während des Abends am Lagerfeuer wurde der vorher sehr ruhige Cayden wieder etwas gesprächiger und erzählte uns allerhand Geschichten aus Schottland. Ebenso taute Tassila immer mehr auf und begann von ihrem Zuhause zu erzählen, was natürlich alle brennend interessierte, da sie noch einmal aus einer vollkommen anderen Ecke der Erde kam.
      Doch auch an diesem Abend gingen wir früh zu Bett, denn Morgen würde es wieder in aller Frühe losgehen und Morgen stand auch ein ganz besonderes Event an.

      Am nächsten Morgen klagten alle über steife Glieder, doch als sie aus den Zelten kletterten und den Sonnenaufgang über dem See entdeckten, waren alle Schmerzen vergessen. „Unglaublich!“, meinte Zai nur, welche sich allmählich in die kanadische Landschaft zu verlieben schien.
      Joline und ich beobachteten alle nur grinsend und dann machten wir uns fertig. Für die meisten war es ungewohnt, mitten in der Wildnis Zähne zu putzen und sich am See zu waschen, doch auch daran gewöhnte man sich schnell.
      Dann gab es für Pferde und Reiter ein ausgiebiges Frühstück, ehe die Zelte abgebaut und die Pferde gesattelt wurden. Schon saßen wir wieder alle auf unseren Vierbeinern und waren bereit zum Abmarsch.
      „Den ersten Teil der Strecke geht es wieder durch dichten Wald. Danach folgt ein etwas freieres Gelände, ehe wir auch schon am Clear Lake ankommen“, erklärte Joline den Reitern, wendete dann Filly und ritt voran.
      Der Rest folgte ihr still, alle waren noch recht müde und so gingen wir den zweiten Tag auch etwas ruhiger an. Im Wald war es noch recht kühl, so dass bald jeder seine wärmere Jacke angezogen hatte.
      Das eigentlich kurze Stück zum Clear Lake zog sich wegen des Geländes ins Unendliche. Wir mussten steinige Hänge erklimmen und wieder hinabsteigen und uns durch unwegsames Gelände kämpfen, doch dann wurden wir erneut belohnt.
      Wir kamen auf eine Anhöhe von welcher wir über den gigantischen Clear Lake blicken konnten. „Und diesen Fluss umreiten wir“, meinte ich lachend und zog die Linie des Weges nach, welchen wir vor uns hatten.
      Ungläubige Blicke trafen mich, doch dann packte alle die Motivation. Da das Gelände wieder viel angenehmer war, konnten wir auch traben und galoppieren und so kamen wir schnell zu unserem Ziel: dem Wasagamack-Indianerreservat.
      Damit hatte wohl kaum einer gerechnet und alle waren fasziniert, als sich vor uns tatsächlich Tipis aufbauten und Indianer umherliefen. Von dem Häuptling wurden wir herzlich in Empfang genommen und kurzerhand wurden unsere vierbeinigen Freunde versorgt und auf Paddocks untergebracht.
      Natürlich war vieles nur Show für Touristen wie uns, denn heutzutage lebten auch die Ojibway-Indianer in normalen Häusern und trugen normale Kleidung, dennoch blieb sie am meisten mit der Natur verbunden und das merkte man dem Reservat auch deutlich an.
      Wir blieben zum Mittagessen und wurden mit einem feierlichen Indianertanz begrüßt. Danach saßen wir alle um einen großen Kessel herum, aus welchem ein köstlicher Duft herausstieg.
      Die lange Pause genossen alle sichtlich und nebenbei erfuhren wir noch viel über die Geschichte der kanadischen Indianer. Sie lebten schon lange in diesem Teil von Manitoba bis sie 1937 vertrieben wurden.
      Erst als das Wasagamack-Indianerreservat gegründet wurde, kehrten die Ojibway-Indianer zurück. Sie hatten ihre eigene Bräuche und einige durften wir heute sogar kennenlernen. Auch wenn die Ojibway lieber für sich waren, fanden sie es dennoch schön, dass auch andere Menschen sich für ihr Volk interessierten.

      Es war bereits Nachmittag, als wir wieder die Pferde sattelten und uns auf den Weg machten. Wir würden noch einen Teil des Clear Lakes umrunden, um dann an einem eingezeichneten Platz unser Nachtlager aufzuschlagen.
      Durch das Indianerreservat hatten wir einiges an Zeit eingebüßt, weshalb Joline und ich den heutigen Ritt kürzer als die anderen Tage geplant hatte und das auch zu recht.
      Den Clear Lake zu umreiten war gar nicht so einfach, denn manche Stellen waren überflutet oder gar nicht mehr passierbar. Doch wir kamen für unsere Verhältnisse recht schnell vorwärts bis wir zur großen Überquerung kamen.
      Der Clear Lake und der South Lake waren miteinander verbunden und genau an dieser Stelle mussten wir rüber. Joline ritt mit Filly voran, welche fleißig durch das Wasser stapfte.
      Cayden folgte ihr mit Willow ohne Probleme und auch Maren bekam ihre Stute schnell dazu, durch das Wasser zu gehen. Für Joaquin war auch diese Überquerung ein Kinderspiel und Tassila war sichtlich stolz auf ihre Andalusierhengst.
      Nur Scylla weigerte sich unentwegt, auch nur einen Schritt in das kühle Nass zu machen, bisher hatte sie alle anderen Gewässer auch erfolgreich umgehen können. Ich war eiskalt und ritt mit Magic hinüber und hinsichtlich der Tatsache, dass nun alle ihre Pferdefreunde auf der anderen Seite des Wassers waren, setzte Scylla zum Sprung an – keine Ahnung, was sie sich dabei dachte! - und plantschte direkt in die tiefste Stelle des Wassers.
      Zai und sie wurden pitschnass und Scylla schwamm todesmutig zum anderen Ufer. Wir anderen mussten uns ein Grinsen verkneifen, denn während unsere Pferde durch die flachen Stellen gewatet waren, hatte sich Scylla den nassen Weg gewählt.
      Wir legten eine kurze Pause ein, damit Zai sich trockene Sachen anziehen konnte und machten uns dann auf den weiteren Weg. Bis zum Campingplatz war es noch ein Stück und wir waren noch gut zwei Stunden unterwegs.
      Diesmal kamen wir etwas eher am Nachtlager an und hatten mehr Zeit, welche wir aber auch brauchten. Hier gab es nicht den Luxus von Corrals, also mussten Seile gespannt werden.
      Zuerst eines, an denen die Pferde befestigt wurden. Willow wurde mittels zwei Stricke befestigt und damit sie auch nicht abhauen konnte, falls sie sich doch lösen sollte, bauten wir aus den restlichen Seilen eine Art Paddock um die Pferde rundherum.
      Als das geschafft war, wurden wieder die Zelte aufgebaut und alle Sachen sicher verstaut. „Und packe dein Essen schön weg, nicht das die Grizzly-Bären kommen“, ärgerte ich Zai grinsend und machte mich daran das Lagerfeuer aufzubauen.
      Heute fing Cayden für uns alle einen Fisch, wir versuchten es alle, aber außer Tassila hatte sonst niemand Glück, einen der flinken Fische zu fangen. Das ausnehmen der Fische überließen wir zudem Cayden, denn darauf hatte keiner von uns wirklich Lust.
      Dennoch schmeckte es wirklich köstlich und als Extra gab es noch Brot dazu und so konnte man es sich mitten in der Wildnis doch richtig gut gehen lassen!

      Den letzten Abend hatten wir länger als sonst am Lagerfeuer verbracht, denn das Eis war dann endgültig gebrochen und so kamen wir alle aus dem erzählen nicht mehr heraus.
      Umso mühsamer war dann jedoch das Aufstehen am nächsten Morgen, doch länger schlafen konnten wir uns bei der langen Strecke die noch vor uns lag nicht leisten. Also weckte Joline uns alle streng auf und wir machten uns fertig.
      Morgens kurz nach sechs aus dem Zelt in die nebelige Kälte Kanadas zu steigen, war wirklich nichts für Warmduscher und sich dann noch mit eiskalten Wasser zu waschen – brrr, ich glaube das war für uns alle eine ganz neue Erfahrung.
      An diesem Morgen merkte man, das der Herbst nun endgültig Einzug gehalten hatte. Die Pferde hatten die Nacht auch aneinander gekuschelt verbracht, warteten aber schon gierig auf ihr Frühstück.
      „So, nun ist auch unser Gepäck leichter, wo das gesamte Essen und Futter weg ist“, meinte Maren grinsend und verschnallte gerade ihre Taschen wieder auf dem Pferderücken.
      Die Zelte hatten wir schnell abgebaut und wir saßen auch schnell und vor allem warm eingepackt wieder auf den Pferden. „Bereit zum Abmarsch!“, lachte Cayden und streckte die Faust in den Himmel.
      Die letzten Tage schienen ihm wirklich gut getan zu haben und ich hoffte sehr, dass sich auch in Schottland alles wieder einrenken würde. Doch nun stand noch ein langer Ritt vor uns!
      Unser erstes Ziel waren die Grey Owl's Cabin, welche wir gegen Mittag erreichen würden. Dort wartete eine warme Mahlzeit auf uns und wir konnten uns auch kurz aufwärmen.
      Dennoch war der Weg dorthin weit. Wir mussten noch den restlichen Clear Lake umreiten und dann ging es wieder ein langes Stück durch die Wildnis Kanadas. Dabei entdeckten wir tatsächlich noch einen Grizzly-Bären! Auch wenn nur von weit weit weg, für Zai war furchteinflößend genug, um uns direkt zum weiterreiten zu drängen.
      Oft trafen wir hier unten nun die Wapitihirsche, welche besonders in den Tälern lebten. Doch vor uns stand nun schon der nächste Aufstieg an, denn die Grey Owl's Cabin lagen oben auf der Spitze des Bergs.
      Erneut mussten Pferd und Reiter alle Kräfte sammeln, um auch diesen Berg zu erklimmen. Dafür erwartete uns oben dann eine genug tuende Pause!
      Die Pferde wurden abgesattelt und durften auf kleineren Corrals grasen, während wir Reiter von einer netten älteren Lady bekocht wurden und nun gab es endlich wieder etwas ordentliches warmes zu Essen! Und das würden wir auch brauchen, denn bis zum Hof zurück war es noch ein langes weites Stück.
      Nach der ausgiebigen Pause ging es dann aber auch schon direkt weiter und wir hatten mit dem Abstieg zu kämpfen. Der eigentliche Weg war durch umgefallene Bäume versperrt, also mussten wir uns durch die verwucherten Pfade nach unten kämpfen, das war für alle eine Herausforderung.
      Umso erleichterter waren wir, endlich wieder ebenen Boden unter den Hufen zu haben. Unser nächstes Ziel war der Grayling Lake und hierzu mussten wir ein langes Stück reiten.
      Irgendwann kamen wir auf einen breiten Weg. „Das ist unsere Straße“, erklärte Joline und alle starrten sie ungläubig an. „Aber das ist doch nur ein breiter Trampelpfad?“, fragte Maren ungläubig und schaute sich um.
      Für uns waren diese Straße normal, immerhin sollte durch einen Nationalpark auch nicht zwingend etwas geteert werden, doch für Außenstehende schien das unglaublich zu sein.
      Auf unserem Heimweg begegneten wir noch drei Seen, an welchen wir jeweils eine kurze Pause machten, denn der lange Heimweg forderte die Nerven von jedem. Zuerst kamen wir an den Grayling Lake, danach folgte der Bead Lake, ehe der Tanner Lake folgte. Die Abkühlungen taten allen gut und so ließ sich der lange Weg doch noch erträglich gestalten.
      Unsere Mitreiter unterdrückten ein „Wann sind wir endlich da?“, und versuchten einfach entspannt weiterzureiten und die Landschaft zu genießen. Joline und ich wussten jedoch, dass wir bald da sein würden und forderten die Gruppe zu einem Galopp auf.
      So kamen wir schneller voran und irgendwann sah man von weitem auch schon den Moon Lake. Plötzlich wurde allen bewusst, dass sich der Ritt dem Ende zuneigte und plötzlich wollte keiner mehr nerven, wann wir denn endlich zu Hause ankommen würden.
      Stattdessen wurde die Gruppe ruhiger und jeder ging noch einmal in sich, genoss wirklich die Natur und das Zusammensein mit seinem Pferd. Als wir dann am Moon Lake ankamen, dämmerte es bereits und die Sonne ging allmählich unter.
      Als wir plötzlich vor den Toren Crown Hills standen, hielten wir an und blickten noch einmal zurück. Hinter uns ging die Sonne gerade unter und tauchte alles in ein rötlich-goldenes Licht.
      Still ritten wir auf den Hof und versorgten die Pferde, welche die kommende Nacht wieder in kuschelig warmen Boxen verbringen durften. Wir kümmerten uns um unsere Ausrüstung und als wir mit allem fertig waren, schnappte ich mir meine Teilnehmer und führte sie hinter in den Garten.
      Dort hatte Matthew ein herrlich großes Lagerfeuer aufgebaut und gemeinsam mit Julien hatte er sich um das Essen gekümmert. Es gab ein herrlich hergerichtetes Barbeque und wir stürzten uns wie verhungerte Wölfe darauf.
      Heute würden wir nicht früh zu Bett gehen müssen, heute konnten wir so lange um das Lagerfeuer herum sitzen und reden, bis es wieder hell wurde.
      Auch Matthew gesellte sich zu uns und unterhielt sich vor allem mit Cayden. „Na da haben sich ja zwei gefunden“, meinte ich grinsend zu Joline, welche mir zustimmend zunickte, die beiden sturen Esel passten perfekt zueinander.
      Auch die morgigen Abfahrtspläne waren im Gespräch und alle wollten erst einmal ordentlich ausschlafen und frühstücken, ehe sie sich auf den Heimweg machen wollten. Es war kaum zu glauben, dass die letzten drei Tage sich so schnell dem Ende zugeneigt hatten und wir hier schon an unserem letzten Abend zusammensaßen.
      Auch die anderen konnten es kaum glauben und wollten sich nur schwer von Kanada trennen. Keinem fiel es leicht, daran denken zu müssen, morgen schon wieder nach Hause zu fahren.
      Cayden überlegte sogar noch, ein wenig länger bei uns zu bleiben, anscheinend wollte er noch einiges mit Matthew unternehmen, nachdem die beiden sich nun so prächtig verstanden.
      Plötzlich waren beide wieder voller Tatendrang und planten unendlich viele Sachen, obwohl sie vor drei Tagen noch beide in Grummelstimmung gewesen waren. Aber das verstanden wir eh nicht, es waren eben Männer und die bleiben eben ein wahres Rätsel.
    • Samarti
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      Arbeitslos
      20. September 2014 - POV: Matthew
      Nach meiner Auseinandersetzung mit Joline brauchte ich nur noch eins: Ruhe und einfach nur Zeit für mich.
      „Na? Welche Laus ist dir denn heute wieder über die Leber gelaufen, Heulsuse?“, erklang eine Frauenstimme neben mir, der sarkastische, schadenfrohe Unterton war nicht zu überhören.
      „Sophia, hör endlich auf, dich über mich lustig zu machen“, stöhnte ich und wandte dann meinen Blick in ihre Richtung. Die eisblauen Augen starrten mich frech an, das lange, schwarze Haar wehte ihr ins Gesicht und auch wenn sie es die ganze Zeit versuchte zu verhindern, diese eine störrische Strähne verfing sich ständig wieder in ihren Wimpern.
      Völlig genervt klemmte sie sich die Haarsträhne dann hinter die Ohren und verschränkte die Arme vor der Brust.
      Sophia war eine Person für sich. Sie zeigte nicht gern Gefühle oder konnte sie nicht ausdrücken – was genau es war, wusste keiner von uns, denn sie sprach nicht über ihre Probleme.
      „Hast du Sambuca schon gearbeitet?“
      „Ich war mit ihr vorhin im Gelände, mehr nicht. Ich bin nicht so der Dressurfreak, das solltest du inzwischen wissen. Na gut, vielleicht auch nicht, momentan hast du ja eher die eine rosarote Brille auf der Nase sitzen, die es dir nicht erlaubt, irgendetwas zu bemerken.“ Ein spitzbübisches Grinsen schlich sich auf ihr Gesicht, dann wickelte sie eine Haarsträhne um ihre Finger und lächelte mich vielsagend an.
      „Kümmer dich um deinen eigenen Kram, das geht dich überhaupt nichts an“, knurrte ich genervt, betrachtete dann Sambuca, die sich am Weidetor befand. Die Stute war in der letzten Zeit mehr gearbeitet worden und es wurde auch viel mehr von ihr gefordert als sie es kannte. Mit ihren vier Jahren war sie inzwischen soweit, dass auch ruhig mit ihrem Training begonnen worden konnte, mit ihr wollten wir es nicht übertreiben. Denn obwohl sie eifrig bei der Arbeit war, ließ sie sich noch nicht ganz fallen und bevor wir wirklich mit ihr arbeiten wollten, sollte sie erst einmal mehr Selbstvertrauen in sich haben und ihre Fähigkeiten zu schätzen wissen.
      „Dann werde ich mich mal an die Arbeit machen und mit Filly ein wenig trainieren“, meinte ich dann knapp zwei Minuten nach meiner letzten Aussage. Eigentlich war es schwachsinnig, dass ich mich um Audio Delite at Low Fidelity kümmerte und Sophia sich um Sambuca, schließlich fiel der Mix eher in Sophias Schema und Sambuca in meines. Dennoch hatten wir uns am heutigen Morgen darauf geeinigt.
      „Falsch“, grinste die schwarzhaarige Frau mich an, „ich war mit Filly ebenfalls schon draußen. Distanz ist doch nicht so deine Disziplin?“
      „Du kannst es auch nicht lassen, oder?“, schmunzelte ich dann schon etwas besser gelaunt, auch wenn sie mir die heutige Arbeit so gesehen geklaut hatte.
      „Nein, ich kann dir doch nicht das Training eines Distanzpferdes überlassen“, lachte sie leise, „aber Filly … sie braucht jemanden, der auch Ahnung hat. Machen tut sie sich aber klasse, ihre Ausdauer steigt von Mal zu Mal und generell scheint sie inzwischen sehr viel Spaß daran gefunden zu haben. Übrigens mag sie mich sowieso mehr als dich, also trainiere ich sie lieber.“ Der neckische Unterton in ihrer Stimme war nicht zu überhören, doch es stimmte irgendwie.
      Filly war nicht sonderlich angetan von mir, das zeigte sie mir jedes Mal aufs Neue und dazu nutzte sie auch jede erdenkliche Chance. Sie ignorierte mich so gut es ging, denn ich hatte zu Beginn nicht wirklich Zugang zu ihr gefunden, das war eher Elisa und Sophia gelungen, die beiden wollte sie kaum noch gehen lassen.
      „Für einen Spaziergang hat sie bestimmt noch genug Ausdauer, meinst du nicht?“
      „Wer?“, fragte Sophia verwirrt und zog die Augenbrauen hoch.
      „Na, Sambuca und Filly.“ Mit diesen Worten verschwand ich kurz um die Ecke und als ich dann wieder bei der Frau stand, drückte ich ihr wortlos das Halfter der Sabino-Stute in die Hand.
    • Samarti
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      Weihnachtliche Vorbereitungen
      22. Dezember 2014
      „Star's Diamond und Trés Jolie befinden sich in den Boxen, holst du eben Ace of Clubs und Romantica? Dann kümmere ich mich noch um Monsta und Goldherz. Julien, nimm du bitte noch Beverly und bring sie in die Box!“, bat ich Joline und Julien im Vorbeigehen im Stall, eilte dann zu den Halfterhaltern und zückte die Halfter der beiden Reitponystuten, welche ich in ihre Boxen bringen wollte. Die verbleibenden Stuten Audio Delite at Low Fidelity, Sambuca, Pina, Star, Yuki, Star und neuerdings auch Hall of Fame standen auch nicht mehr auf der Weide.
      Unbridled Dreams, Skyrim und Bacardi Mojito waren schon gut versorgt und standen in ihrem Stall, ebenso wie Pinero.
      Auch die Hengste des Gestüts – Rapsoul, Kronjuwel, Capriciasso, Diggin' in the Dirth, Levi, Unbroken Soul of a Rebel und Cardillac – machten sich bereits eifrig über ihr Futter her.
      Es war ein anstrengender Tag gewesen und die Kälte machte dies nicht besser. Nächsten Samstag sollten es bis zu -25 Grad Celsius werden! Minus!
      Umso glücklicher war ich, als ich endlich mit Julien im Haus verschwinden und mich vor den Kamin schmeißen konnte. Doch natürlich musste diese schöne Stille direkt unterbrochen werden.

      »Last Christmas I gave you my heart,
      But the very next day, you gave it away.
      This year, to save me from tears,
      I'll give it to someone special.«

      „Mach es sofort aus!“, rief ich verzweifelt und stürzte in Richtung des Radios, um dieses schreckliche Lied endlich zum Verstummen zu bringen. Es war genau wie letztes Jahr, als wir an Heiligabend alle beisammen waren und plötzlich Last Christmas ertönte. Jedes Jahr war es dasselbe, dämliche Lied, welches die Radiosender in Dauerschleife auf und ab spielten, und es nervte mich. Umso schöner war die Stille, wenn die letzten Töne verklungen und ich diese Melodie nicht mehr hören musste.
      Möglicherweise war ich ein Weihnachtsmuffel, den man erst einmal in Stimmung bringen musste, doch genau mit diesem Lied ging es in die ganz falsche Richtung, weshalb das Radio bei uns an Heiligabend ein totales No-Go war.
      „Ich sag' es zwar nicht gern, aber Matthew hat mich geschickt, um dir zu sagen, dass er mit dir reden möchte“, stürmte Joline in das Zimmer und vergewisserte sich erst dann, dass niemand in der Nähe war. Bis auf Julien war dies nicht der Fall – und der konnte es meinetwegen wissen.
      Woher der plötzliche Sinneswandel?“, wollte ich fragen, doch ich hielt lieber meinen Mund und nickte ihr dankend zu, ehe ich zu Matthew ging, von dem ich wusste, dass er sich in seinem Schlafzimmer verkrochen hatte.
      „Hey“, lächelte Matthew mich zaghaft an, nachdem ich sein Zimmer betreten hatte und wir uns einige Minuten stillschweigend und irgendwie steif angesehen hatten. Still erwiderte ich sein Lächeln und seufzte dann.
      „Äh, ich wollte dir nur sagen, dass ich es total schade finde, wie es gelaufen ist und … na ja, es tut mir leid.“ Der Mann hob den Blick und sah mir direkt in die Augen, was mir einen Schauer über den Rücken sandte.
      „Schon … okay“, stammelte ich nervös und nickte dann, „mir tut es auch leid. Vergeben und vergessen?“
      „Ich verspreche dir, ich versuche, mich zu bessern. Du hast mir wirklich gefehlt.“ Angespannt stand er von seinem Stuhl auf und bewegte sich auf mich zu.
      „Ich hab dich wirklich vermisst“, flüsterte ich in Matthews Schulter, als er mich in seinen Arm genommen hatte und ich mich an seine Brust kuschelte. Ich liebte es, wenn Männer gut rochen – und dieses Exemplar tat dies momentan ganz besonders gut.
      Nach einer Weile entfernten wir uns etwas voneinander, doch der Mann vor mir beobachtete mich noch immer ganz genau und sah mir eindringlich in die Augen. Seine Augen wanderten zwischen den meinen und meinen Lippen hin und her, und auch, wenn ich intuitiv wusste, worauf er hinaus wollte, zögerte ich keine Sekunde, als der Abstand zwischen unseren Mündern immer kleiner wurde und schließlich ganz verschwunden war und wir unsere Lippen versiegelten. Und Gott, fühlte sich das gut an!
    • Samarti
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      Santas Helfer
      26. Dezember 2014
      „Blödmann!“, kreischte ich auf, als Matthew mit der einen Hand meinen Kragen packte und mit der anderen eine Handvoll Schnee unter meine Jacke steckte. „Du Mistkerl, das ist verdammt kalt!“, fluchte ich und versuchte, den Schnee loszuwerden, der soeben schmolz und mir eiskalt den Rücken runter lief. Mich schüttelnd nahm ich ebenfalls Schnee in die eine Hand und rannte Matthew hinterher. „Na warte, dich krieg ich noch!“ Drohend beschleunigte ich nochmal und steigerte meine Geschwindigkeit somit. Mein Vorhaben ging jedoch in die Hose – da es so kalt war, waren einige Stellen des Bodens vereist und so war es nicht verwunderlich, dass ich ausrutschte, mit dem Hintern zuerst auf dem Boden landete und mit dem Gesicht voran im Schnee landete.
      Entfernt hörte ich Matthew laut auflachen, merkte aber, wie sich sein Lachen näherte. Während er auf mich zugelaufen kam, erging es ihm aber nicht besser als mir. Auch er rutschte aus, verlor sein Gleichgewicht, fuchtelte mit den Armen wild in der Gegend herum – und landete auf dem schneebedeckten Boden. Nun war ich diejenige, die lachte, stand auf, hielt dem Mann meine Hand hin, um ihm aufzuhelfen, weil ich so nett war.
      Das Angebot verstand Matthew falsch: Er griff zwar nach meiner Hand, nutzte aber die Chance und zog mich dabei zu sich herunter, sodass ich unsanft auf ihm landete. Strampelnd versuchte ich, mich seinem Griff zu entwenden, was jedoch nicht viel brachte, da er mich mit seinen Armen kräftig umfasste und uns dabei so drehte, dass ich unter ihm gefangen war und er sich mit seinen Armen über mir abstützte.
      „Wie hast du mich vorhin genannt?“, hakte der Mann grinsend nach und zog die Augenbrauen erwartungsvoll hoch.
      „Äh, ganz toll und perfekt?“, erwiderte ich eher fragend als aussagekräftig und versuchte, mich somit vor der auf sich wartenden Kitzelattacke zu schützen. Auch dieser Versuch schlug fehl und so lag ich kichernd auf dem eiskalten Boden, schnappte verzweifelt nach Lust und kreischte immer wieder auf. Wieso musste ich auch so kitzlig sein? Und wieso musste Matthew das unbedingt wissen?!
      „Lass mich … endlich … wieder aufstehen!“, keuchte ich schnaufend und spannte meine Bauchmuskeln an, damit Matthew keine Chance mehr hatte, mich weiter zu kitzeln. Vergeblich.
      „Unter einer Bedingung“, schmunzelte er und hielt in der Bewegung inne, um mich anzusehen.
      Mit geröteten Wangen und einer Nase, die wahrscheinlich inzwischen eine knallrote Färbung angenommen hatte, blickte ich ihm skeptisch ins Gesicht und zog meine linke Augenbraue misstrauisch in die Höhe. „Die da wäre?“
      Es war, als stünde die Zeit still. Er sagte nichts, und auch ich hielt ausnahmsweise einmal den Mund, während wir uns nur ansahen und nichts weiter machten. Und als Matthew sich mit seinen Ellbogen neben mir abstützte und mich somit zwischen seinen Armen weiterhin gefangen hielt, näherten sich unsere Gesichter Millimeter für Millimeter immer weiter aneinander an. Die Spannung in der Luft war kaum auszuhalten und ich fühlte mich doch tatsächlich mal, als wäre ich endlich im richtigen Film angekommen.
      Seinen stockenden, wärmenden Atem spürte ich schon lange, bevor seine Lippen kurz davor waren, die meinen zu berühren und vor Nervosität und Aufregung vergaß ich doch glatt selbst das Atmen.
      Genau in dem Moment musste mein Handy klingeln, weshalb ich zwischen meiner Hosentasche und Matthews Augen hin- und hersah. Er seufzte, griff eiskalt in meine Hosentasche und zückte mein HTC, um den Anruf entgegenzunehmen.
      „Hallo, hier ist Elisa. Momentan kann ich leider nicht telefonieren, bitte hinterlasse doch eine Nachricht auf meiner Mailbox nach dem Piep! Piieeeeep!“
      „Du glaubst doch nicht wirklich, dass dir das jemand abkauft“, lachte ich lautlos auf und schüttelte amüsiert den Kopf.
      „Ich nicht“, antwortete der Mann nur und steckte das Handy dann selbst ein. „Hey, das ist meins!“, reagierte ich direkt, doch mir wurde sofort der Mund zugehalten.
      „Jetzt nicht mehr“, hauchte er und sein warmer Atem zauberte Wölkchen in die Luft. Seufzend nickte ich, ergab mich ihm und sobald die Hand von meinem Mund verschwunden war, kam dieser erneut mit etwas in Berührung – diesmal war es jedoch nicht Matthews Hand, sondern seine Lippen. Und auch, wenn wir anfangs etwas gegeneinander arbeiteten, so fanden wir doch bald unseren Rhythmus.
      Ich wusste nicht, wie lange wir dort noch lagen, doch irgendwann wurden wir von dem Getrappel von Hufen unterbrochen. Der helle Aufschrei meiner Nachbarin Gwen ließ mich zusammenzucken.
      „Elisa! Ich habe euch doch gesagt, dass ihr es nicht da tun sollt, wo es alle sehen können!“, brüllte sie quer über das ganze Gestüt, weshalb sich bereits kurz darauf einige Köpfe aus den Fenstern und Türen streckten, die neugierig das Spektakel beobachteten.
      Während ich vor Scham knallrot anlief und wahrscheinlich das Ebenbild einer Tomate sein konnte, so sehr mein Gesicht der Farbe dieser glich, sprang Matthew ebenso überrascht auf und schüttelte sich den Schnee vom Körper. Nicht mal aufhelfen konnte der Blödmann mir, weshalb ich mich hochhievte und mich gerade hinstellte, ehe meine Füße in Richtung Gwendolyn sprinteten.
      „GWEEEN!“ Wild mit den Armen fuchtelnd lief ich auf die Frau zu und in diesem Moment war ich unheimlich froh, dass ich nicht erneut auf eine bösartige Eisfläche traf. Gwen bemerkte die Furie, die sich auf sie stürzen wollte natürlich binnen Sekunden und trieb Ravi an, damit sie gut gelaunt und fröhlich grinsend vor mir her trabten, während ich verzweifelt versuchte, die beiden einzuholen. Hätte ich mir meinen Fuß nicht verstaucht, als ich die blöde Treppe heruntergefallen war, hätte ich auch keine Pause einlegen müssen und meine Kondition wäre nicht ganz so schlimm gewesen – hätte, hätte, hätte. Die Realität sah nämlich anders aus: Nach nur wenigen Metern war ich völlig außer Puste und musste eine Pause einlegen, die so aussah, dass ich mich mit den Händen auf den Knien abstützte und laut schnaufte. Verdammt!
      Irgendwann hatte Gwen Mitleid mit mir und kam auf mich zugelaufen. Ihr Pony hatte sie währenddessen in einer der Boxen untergestellt. Lachend zog die Frau mich mit in Richtung Haus und winkte nur ab, als Joline, die uns entgegenkam, sie verwundert ansah. Auch Matthew folgte uns, was er allerdings nur tat, um mir mein Handy wiederzugeben – danach ließ er Gwen und mich allein im Wohnzimmer und verschwand wieder von der Bildfläche.
      „Was willst du eigentlich schon wieder hier? Dich werd' ich ja nie los!“, maulte ich spielerisch und erntete dafür einen bösen Blick seitens Gwen.
      „Ich hatte mir überlegt, dass wir heute mal einen kleinen Ausritt machen – also wie immer. Unbroken und Filly freuen sich doch bestimmt, Ravi mal kennenzulernen!“ Hochmotiviert sprang sie auf und griff mich am Arm, sodass sie mich problemlos mit sich mitziehen konnte. Auf dem Weg begegneten wir ein weiteres Mal Joline, die auch nicht vor Gwens Motivationsausbrüchen verschont blieb und somit ebenfalls dazu verdonnert wurde, uns zu begleiten.
      Bereits kurze Zeit später standen die drei Pferde in Reih und Glied nebeneinander, schnaubten und steckten neugierig die Nasen in den Schnee. Joline lachte laut auf, als sie auf Filly zeigte, deren Maul von mehreren weißen Flecken bedeckt war, weshalb die Stute den Kopf schüttelte und ihre lange Mähne in die Luft flog. Unbroken begutachtete den Mix dabei aufmerksam, spitzte die Ohren und brummelte nach einiger Weile nur noch vor sich hin, während Ravi ganz damit beschäftigt war, ihren großen Kopf an Gwens Rücken zu reiben, was diese fast aus dem Gleichgewicht brachte.
      Auch, wenn es erst knapp halb vier war, trat die Dämmerung bereits ein und erschwerte uns die Sicht erheblich. Dennoch wollten wir es uns nicht nehmen lassen, diesen Ausritt zu unternehmen – allein, weil Filly und Unbroken schon ewig nicht mehr in die Freiheit entlassen worden waren! Für die beiden war es praktisch ein völlig neues Erlebnis, die kanadische Landschaft im Tiefschnee zu erkunden. Vor einem Jahr hatten wir noch in England gelebt, dort hatten wir nur von Schnee träumen können. Und immer, wenn dann etwas Schnee liegenblieb, war er am nächsten Tag schon vom Regen fortgetragen worden.

      Ein lautes Aufkeuchen von Joline ließ Gwen, mich und die Pferde abrupt in die Höhe fahren, alle fünf Köpfe schossen hoch und wandten sich Joline schließlich zu.
      „Was sollte das denn jetzt bezwecken?“, grinste Gwen neugierig, während Ravi inzwischen wieder völlig desinteressiert auf ihrem Gebiss herumkaute. Ich hingegen hatte mit Filly zu kämpfen, die hin und wieder einen Schritt vorwärts tänzeln wollte. Ständig verlagerte sie ihr Gewicht nach vorn, weshalb ich sie wieder zurücknehmen musste, um bei den anderen stehenzubleiben.
      Joline, die auf Unbroken saß, welcher ebenso gespannt seinen Kopf in die Richtung wandte, in die auch seine Reiterin starrte, hob völlig paralysiert den Arm und deutete mit zittrigen Fingern auf die schier endlose, völlig verschneite Landschaft vor sich, die hier und dort von einigen blattlosen, kahlen Bäumen geschmückt wurde. Diese Geste veranlasste auch Gwen und mich, in eben jene Richtung zu blicken.
      „Rentiere!“ In diesem Moment fühlte auch ich mich, als wäre ich wieder fünf Jahre alt und würde an den Weihnachtsmann glauben, der mit seinen Rentieren und seinem Schlitten durch den Himmel brauste und die Geschenke verteilte.
      „Wahnsinn“, hauchte auch Gwen entzückt und hielt dann jedoch im selben Moment Joline davon ab, näher an die Tiere heran zu reiten. Joline schob beleidigt die Unterlippe vor und schmollte, weshalb Gwen nur seufzend erklärte, dass Rentiere unheimlich menschenscheu wären und sofort abhauen würden, würden sie uns nur hören.
      Schweigend klinkte ich mich bei der Konversation aus und betrachtete nur die sechs Rentiere, die sich in einiger Entfernung zu uns aufhielten und die Nasen auf der Suche nach Futter tief im Schnee vergraben hatten.
      Nachdem wir uns vom Anblick von Santas Helfern wieder erholt hatten, traten wir auch bald schon den Rückweg an, da wir schon jetzt Probleme damit hatten, überhaupt noch Umrisse in der Ferne zu erkennen. Zwar benötigten wir länger als erhofft, da unser Weg uns durch irgendein Dickicht führte, das weder Gwen, noch Joline oder ich kannten und wir uns somit schon irgendwie ein wenig in der kanadischen Wildnis verloren, dennoch kamen wir noch vor Anbruch des nächsten Tages daheim an und machten die Pferde bettfertig, ehe wir uns ins Haus verzogen und uns auf einen Kakao trafen. Skeptisch blickte ich nach draußen und mir war definitiv nicht wohl bei dem Gedanken, Gwen jetzt noch nach Hause reiten zu lassen, auch wenn sie den Weg kannte wie ihre Westentasche – ich war immer lieber einen Ticken zu vorsichtig als zu nachsichtig und so bot ich ihr für sie und Ravi einen Schlafplatz für die Nacht an, den sie dankend annahm. Aufgrund der Gästezimmer auf dem Gestüt war es auch kein Problem, noch einen Platz für die beiden aufzutreiben.
      Gegen ein Uhr wünschten wir uns allen eine gute Nacht, verschwanden in unseren Zimmern und schon bald war im gesamten Gebäude das Licht gelöscht.
      Kurz vorm Einschlafen spürte ich noch, wie sich meine Bettdecke etwas anhob und sich ein warmer Körper neben mich legte, an den ich mich anschmiegte, weil mich die Wärme praktisch anzog – dennoch war ich viel zu müde, um zu realisieren, wer oder was sich da gerade zu mir gelegt hatte. Und wenn ich ehrlich bin, war es mir zu diesem Zeitpunkt auch relativ egal.
    • Samarti
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      Unsere Heldin des Tages: Gwen!
      28. Februar 2015 - POV: Joline
      „Wie macht sich Filly im Training?“ war das Erste, was ich an diesem Tag von Elisa hörte, als ich sie im Stalltrakt der Stuten antraf, während ich vor der Box von Audio Delite at Low Fidelity verweilte und mir dort ein wenig die Zeit vertrieb. Mir war die bunte Mix-Stute viel zu sehr ans Herz gewachsen, und auch, wenn es mir irgendwie einen Stich ins Herz versetzte, dass sie mir nicht gehörte, war ich froh darüber, dass Elisa sie mir überließ und ich mit ihr so gut wie alles machen könnte. Manchmal vermisste ich es schon, ein eigenes Pferd zu haben, hatte ich es doch auf der alten Ranch meiner Familie nicht anders gekannt. Dennoch hatte ich nach dem Tod meines Wallachs Catatomic, als ich 17 Jahre alt gewesen war, kein eigenes Pferd mehr gehabt. Zu groß war die Angst, ich würde ihn in irgendeiner Art und Weise ersetzen wollen oder gar vergessen.
      „Ganz gut“, erwiderte ich dann endlich, als ich bemerkte, dass Elisa noch immer neben mir stand. „Wir fangen langsam an, aber theoretisch könnte ich in absehbarer Zeit damit beginnen, sie auf LK4 zu trainieren, wenn das gewünscht ist?“, fügte ich fragend hinzu und als Fillys Besitzerin nickte, spiegelte ich ihre Bewegungen und nickte ebenfalls.
      „Alles klar, dann wäre das ja geklärt. Was willst du jetzt machen?“
      „Ich wollte mit Filly zu Gwen reiten und sie auf einen Ausritt mitnehmen, wenn du nichts vorhast, was uns da in die Quere kommen könnte?“, grinste ich dann und Elisa schüttelte lachend den Kopf, wünschte uns noch viel Spaß und verschwand dann in der Box von Romantica, um nach ihr und ihrem Fohlen zu sehen, das neulich erst ausgebüxt war.
      Nachdem ich aufgestanden war und das bunte Pferd vor mir eine Weile dabei beobachtet hatte, wie sie gelangweilt auf einigen Heuhalmen herumkaute, wischte ich mir den Dreck von der Hose, schnappte mir Fillys Halfter, das ich mir zuvor über die Schulter gehangen hatte und öffnete die Boxentür, um den Sabino aufzuhalftern.
      Mit dem Putzen und Aufsatteln konnte ich mir heute besonders viel Zeit lassen, da ich bereits früh im Stall gewesen war und es momentan erst halb elf sein sollte. Gegen zwölf Uhr wollte ich bei Gwen sein, dank des Trampelpfads, der die beiden Höfe verband, brauchten wir nicht sonderlich lange und kamen sogar noch vor der vereinbarten Zeit an.
      Gwen kämpfte dennoch bereits mit dem Sattelgurt von Magical Touch, der anscheinend einfach nicht so wollte wie sie und ich lachte sie schon aus der Entfernung aus, als ich das Spektakel beobachten konnte. Im Lope bewegten wir uns auf das Paar zu und kamen beinahe direkt neben ihnen zum Stehen. Noch immer schmunzelnd begrüßte ich Gwen und deutete auf den Sattel. „Brauchst du Hilfe?“, fragte ich, doch unsere Nachbarin winkte nur ab: „Das muss ich alleine schaffen!“
      Irgendwann war die Heldentat vollbracht und Magical Touchs Sattelgurt war zugezogen, wenn auch auf beiden Seiten im ersten Loch. Dennoch stolzierte Gwen nun selbstsicher und heldenhaft zum Kopf des Pferdes, um die Trense aufzuziehen.
      „Die Gute könnte mehr Bewegung gebrauchen, meinst du nicht?“, grinste ich und musste schon fast leise kichern, weil die Tinkerdame in diesem Moment mit dem Kopf schüttelte, als wolle sie dagegen protestieren. Filly, die Magic etwas skeptisch beobachtete, näherte sie ihr dennoch nach einer Weile an und beschnupperte das helle Pferd. Schon kurz darauf ertönte ein lautes Quieken seitens Filly, was dazu führte, das beide Stuten ihren Kopf in die Luft warfen und die langen Mähnen nur so flogen.
      „Wollen wir dann?“, fragte Gwen irgendwann, als sie im Westernsattel saß und sich geordnet hatte. Man merkte, dass sie eher Wert auf den englischen Reitstil legte, da sie erst einige Zeit lang hin und her rutschte und sich wohl an die Umstellung gewöhnen musste, doch solange sie überhaupt erst damit klarkam, würde ich ihr da auch nicht auf die Füße treten.
      Während wir also im Schritt von der Ranch ritten und die Weiden betrachteten, fiel mir eine witzig gepunktete Gestalt auf, die ich noch gar nicht kannte. „Wer ist das denn da?“, hakte ich neugierig nach und deutete auf das scheinbar noch sehr junge Pferd, das wohl noch als Jährling durchgehen könnte. Das Gesicht, welches zur Hälfte weiß und zur anderen Hälfte hellbraun war, betrachtete uns aufmerksam und folgte uns mit wachsamem Blick.
      „Der Knabstrupper? Das ist Sinfonie, die haben wir erst seit Ende Januar. Total niedlich, findest du nicht? Ist erst anderthalb Jahre alt und dementsprechend sind größtenteils kurze Spaziergänge drin, aber sie ist jetzt schon ein totaler Liebling auf dem Gestüt.“
      „Oh, da kenne ich ja das perfekte Gegenstück!“, grinste ich über beide Ohren und schenkte Gwen einen vielsagenden Blick, während wir weiter durch die verschneite Landschaft ritten.
      „Pinero?“, erwiderte Gwen und verdrehte die Augen nur, als sie den Junghengst, den Elisa ihr „geschenkt“ hatte, erwähnte und ich musste kurz auflachen. „Nein, Sambuca! Ist bestimmt ein cooler Anblick, wenn man mit den beiden gemeinsam durch eine Stadt reitet oder so.“
      Kopfschüttelnd nickte Magics Reiterin nur und stimmte mir zögernd zu. „Bis dahin dauert es aber noch eine Weile, Sinfonie ist schließlich noch nicht einmal zwei Jahre alt!“
      „Jaja“, antwortete ich und schmunzelte, „wir haben ja Zeit.“
      Nach dem doch ziemlich langen Ausritt waren wir vier völlig kaputt und erleichtert, als wir endlich wieder die heimische Gegend erblickten und Gwen auf ihrer Ranch absetzten. Wir verabschiedeten uns noch voneinander, ehe ich mich im Trab mit Filly auf den Weg nach Hause machte. Es war inzwischen schon fünfzehn Uhr und ich hoffte nur, es würde noch Zeit für einen weiteren Ritt mit Unbroken oder einen Proberitt mit Capulet, unserem neuen Hengst, bleiben. Als ich allerdings auf dem Gestüt angekommen war und Filly versorgt hatte, fiel ich todmüde auf das Sofa im Wohnzimmer und schlief ein, noch bevor ich einen weiteren Gedanken an die anderen Pferde verschwenden konnte.
    • Samarti
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      Der Sturm ist vorbei
      29. März 2015 - von Gwen
      Das Orkantief hatte bei uns allerhand angerichtet und so hatte ich diesmal wirklich alle Hände voll zu tun. Zum Glück war Ostern, so dass Mama und Kathy auch frei hatten und so wollten wir uns nach dem Frühstück direkt an die Arbeit machen. Kurz nach sechs klingelte bereits mein Wecker. Dank der Zeitumstellung war es draußen dennoch schon hell und ich stieg mühsam aus dem Bett. Im Bad machte ich mich in aller Ruhe fertig, ehe es hinunter in die Küche ging.
      Dort war Mama schon dabei, das Frühstück zu machen und auch schon Sandwichs für den Lunch vorzubereiten. Wir frühstückten zu dritt und dann ging es hinaus in den Stall, Pferde füttern und misten. Leider mussten die Vierbeiner erst einmal im Stall bleiben, denn die Zäune musste ich erst abreiten. Dafür holte ich mir Arriba aus der Box und sattelte die Criollostute, denn so war ich wesentlich schneller als alleine. Und damit wir auch möglichst schnell alle abhandeln konnten, halfen Elisa und Matthew mir. Dementsprechend erwarteten mich vor dem Stall auch zwei weitere Reiter.
      Matthew saß auf der hübschen Filly und Elisa war mal wieder mit ihrem Farbtopfeimer Rebel anzutreffen. Ich begrüßte die beiden knapp und dann ging es los. Am Anfang der Weiden teilten wir uns auf, Elisa und ich ritten links entlang und Matthew rechts. Die drei Weiden nahe des Stalls hatten zum Glück nichts abbekommen, nur die Weide direkt neben dem Stall zierte ein großer Ast, der vom Baum gestürzt war.
      Die beiden Weiden neben dem Stall sahen nicht so gut aus. Dort war zum einen der umgekippte Baum, der auch Ohnezahn eingeschlossen hatte, sowie zwei weitere Zerstörungen im Zaun. Matthew ließen wir direkt dort und er kümmerte sich darum, die umgefallenen Bäume in kleine Stücke zu sägen und schon einmal zu stapeln. Elisa und ich ritten die letzten beiden Weiden ab. Danach hieß es Zäune reparieren und per Pferd und Wagen das Holz von den Weiden zu transportieren, dafür waren unsere drei Westernpferde zuständig.
      Mama und Kathy packten auch tatkräftig an und so waren bis zum frühen Nachmittag alle Weiden wieder in nutzbaren Zustand und die Pferde konnten endlich raus. Dementsprechend wollte ich die Zeit gleich noch nutzen, um einige Pferde zu bewegen. Gemeinsam mit Elisa kümmerten wir uns um die beiden Ladys Ginny My Love und Sinfonie. Beide wurden geputzt und dann gingen wir eine kleine Runde spazieren, ehe die Schecken auf ihre Weide durften.
      Danach statteten wir Pinero einen Besuch ab und Elisa freute sich doch sehr, ihren kleinen Tigerschecken mal wieder zu sehen. Und der Kleine erkannte sie sogar noch! Neugierig kam er zum Eingang der Weide und begrüßte uns, dann verzog er sich auch wieder. "Oh, wenn du gerade da bist, können wir noch mit Minou arbeiten!", rief ich erfreut und machte Elisa mit der Connemarastute bekannt. Diese war inzwischen vier Jahre alt und sollte nun allmählich eingeritten werden. Den Sattel kannte sie inzwischen und nun sollte das Reitergewicht kommen, kurz: Elisa.
      Also putzten wir die Stute und sattelten sie, dann gingen wir gemeinsam in die Halle. Dort waren wir zu dritt und so konnte eigentlich kaum etwas passieren. Matthew nahm Minou an die Longe, Elisa lief neben ihr und ich schwang mich todesmutig in den Sattel. Erst legte ich mich nur vorsichtig quer über den Sattel und dann wagte ich mich drauf.
      Und siehe da! Minou war ein wahrer Sonnenschein, sie war lieb, rücksichtsvoll und schien gar keine Angst zu haben. Brav lief sie im Schritt auf beiden Händen an der Longe und dann führte Elisa uns noch einmal durch die Halle, ehe wir sogar ein kleines Stück alleine im Schritt schafften, auch wenn Elisa immer noch neben uns her lief. "Ich glaube mit der Kleinen wirst du keine Probleme haben", meinte Matthew und tätschelte der braunen Stute sanft den Hals. Auch Elisa nickte zufrieden. Glücklich versorgte ich Minou und brachte sie dann auf die Weide. Elisa und Matthew mussten wieder nach Hause, denn auch sie hatten noch allerhand zu tun. Ich half derweil noch bei uns weiter mit.
    • Samarti
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      Zimtzicke
      28. April 2015 - von Gwen
      „GWENDOLYN!“, tönte es plötzlich verdammt nah ein meinem Ohr, eindeutig zu nah! Erschrocken sprang ich auf und schubste dabei fast Elisa um, die direkt vor mir stand. „Geht’s noch?!“, meinte ich vorwurfsvoll und schob mir die Sonnenbrille auf den Kopf, ich hatte so schön gedöst! Seufzend nahm ich die Kopfhörer aus dem Ohr und hörte mir einen Fragenkatalog über gefühlte 150 Items von Elisa an. „….Was machen die da? Kannst du nicht mal auf deine Pferde aufpassen?“, fragte sie vorwurfsvoll und deutete auf die Wiese neben dem Stall, wo Andvari und Nimué frei standen und grasten. „Ich mähe Rasen, sieht man doch!“, meinte ich nur knapp und ließ mich zurück in meine Sonnenliege sinken. War ja klar, dass der Tag nicht ewig so schön sonnig und unbeschwert blieb.
      So wirklich Lust hatte ich jetzt nicht, mich mit Elisa zu streiten, immerhin schien endlich wieder die Sonne und es war warm und immerhin wollte ich ein wenig braun werden! Allerdings fielen mir jetzt erst die beiden anderen Reiterinnen auf. Joline saß auf Filly und hielt die Zügel der reiterlosen Sambuca, also vermutlich Elisas Pferd. Und das dritte war der Farbtopfeimer Unbroken, nur seine Reiterin… ihr Name wollte mir partout nicht einfallen, obwohl ich sie schon ab und an gesehen hatte. Elisa schien meinen Blick zu folgen und zu verstehen. „Das ist Sophia“, machte sie uns knapp bekannt. „Eigentlich wollten wir fragen, ob du mit ausreitest?“, kam Elisa nun darauf zu sprechen, als Ruhe eingekehrt war.
      „Äh, ne sorry, hab hier zu tun“, meinte ich entschuldigend und deutete auf die beiden Hengste die grasend auf der Wiese standen. „War ja klar, dass sie keine Zeit hat“, meinte diese Sophia mit einem abschätzigen Blick auf die Ranch. „Wieso wir uns überhaupt die Mühe gemacht haben, zu diesem Häufchen von Hof zu reiten?“, fügte sie an Joline gerichtet hinzu und da reichte es mir schon. „Ich habe dich definitiv nicht eingeladen. Ich habe keinen Bedarf an Zimtzicken auf meinem Häufchen von Hof!“, gab ich fauchend zurück und hätte gern das ein oder andere noch hinzugefügt, wenn Elisa mich nicht zurückgehalten hätte.
      „Hm, ich glaube wir machen uns dann mal wieder auf den Weg“, meinte sie murmelnd und vermied mich anzuschauen. „Das nächstes Mal solltest du deine Raubtiere lieber im Käfig lassen, anstatt sie auf die kanadische Bevölkerung loszulassen“, rief ich noch hinterher, als die drei den Hof wieder verließen. Elisa drehte sich um und musste grinsen, um sich schweren Herzens ein herzliches Lachen zu verkneifen. Grinsend drehte auch ich mich um und sammelte Nimué und Andvari ein, die die ganze Zeit friedlich dort auf der Wiese gegrast hatten ohne Strick und Zaun. „Brave Mäuse“, meinte ich lächelnd und brachte sie zurück auf ihre Weide.
      Dann schnappte ich mir für heute noch Foxy, putzte mein süßes Shetty und wollte heute mit ihm die Doppellonge angehen. Das hatte ich schon länger ausprobieren wollen, aber es hatte nicht wirklich geklappt (aus Faulheit), aber nun wurde es langsam Zeit und so drehten wir eine kleine Runde über den Hof und durch den Wald und das an Doppellonge beziehungsweise Führzügel und Foxy schlug sich wirklich gut. Allerdings drehten wir schon bald um, denn der schwarzhaarigen Schönheit namens Sophia wollte ich ungern noch einmal begegnen, solche Menschen waren mir nicht sonderlich sympathisch. Stattdessen kümmerte ich mich darum, auf den Weiden noch nachzustecken, so dass die Pferde langsam angegrast wurden und danach verkrümelte ich mich mit meinem Buch wieder auf meine Liege in der Sonne.
    • Samarti
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      Vorwärts, vorwärts!
      21. Mai 2015
      Es war mal wieder einer dieser spontanen Einfälle, die mich dazu gebracht hatten, einen weiteren Hengst auf meinem Gestüt zu begrüßen.
      Blöd nur, dass niemand davon wusste, nicht einmal mehr Matthew. Und als ich dann mit meinem neuen Kauf auf dem Hof stand und von Elena (die komischerweise immer und überall anwesend war – nur bei sich zu Hause traf man sie nie an), Gwen und Jojo (die von Elena hergerufen worden waren) und Joline (die hatte sich einfach dazu entschlossen, sich zu uns zu stellen) umkreist wurde, gesellte sich der Schwarzhaarige dazu.
      „AVANTI AVANTI!“, schrie Jojo laut dazwischen, weshalb Avanti, wie das Reitpony hieß, ein wenig zusammenzuckte und sie verwundert ansah.
      „Was heißt das überhaupt?“, dachte ich laut nach und kassierte von mehreren Seiten misstrauische Blicke.
      „Das ist Italienisch für Vorwärts. Ihr kennt doch 'Avanti avanti'!“ Vorwurfsvoll und wild gestikulierend warf Juli ihre Arme in die Luft und Domenic, der hinter ihr aufgetaucht war, klatschte in seine Hände. „Da hat die Kleine ausnahmsweise mal Recht.“
      „Das kann nicht wahr sein..“, war das Einzige, was Matthew dazu zu sagen hatte, bevor er mir einen Klaps auf den Hinterkopf gab und verschwand, weshalb ich ihm böse hinterher starrte.
      „Immerhin war es nicht der Hintern!“, rief Gwen grinsend dazwischen und versteckte sich dann hinter Dome, der nur belustigt seinen Kopf schüttelte.
      Tja, ich hatte halt echt … tolle Freunde.

      Namida, die Black Snowflake Stute, die seit geraumer Zeit auf dem Gestüt Crown Hill stand, befand sich momentan mitten im Training. Heute lief sie alleine vor der Kutsche; Daniel, einer unserer Trainer im Bereich des Fahrsports, saß auf dem Kutschbock und schlängelte sich mit Namida durch einen Hindernisparcours. Hin und wieder schmiss sie einige Pylonen um oder riss das Hindernis, indem sie es anrempelte und die Kugel von der Spitze fiel, was zu Strafpunkten führen würde, wäre es eine Prüfung.
      Die „unberechenbare“ – wie sie zu Anfang genannt worden war – Ponystute hatte sich nicht als unhändelbar, sondern viel mehr als frech, keck und starrsinnig herausgestellt.
      Ace of Clubs stand, nachdem sie einige Wochen Trainingspause gehabt hatte, nun auch wieder auf dem Plan. Die inzwischen zur Zucht zugelassene Stute wurde langsam wieder gefördert; dennoch stiegen wir nur langsam wieder ins Training ein, damit sie ihre Muskeln wieder aufbauen konnte.
      Die Palominostute Hall of Fame CU wurde zur Zeit besonders von unseren jüngeren Besuchern – überwiegend Feriengäste – verwöhnt. Sie war wahnsinnig beliebt bei ihnen und die Aufmerksamkeit, die sie erhielt, störte sie keineswegs; eher im Gegenteil. Ständig sah man sie mit einem der Kinder herumalbern, kuscheln oder wie sie sich einfach miteinander beschäftigten. Und es war echt beruhigend, zu wissen, dass die Kleineren bei ihr in guten Hufen waren.
      Von Audio Delite at Low Fidelity hörte ich allerdings nicht sonderlich viel. Ich wusste zwar, dass Joline und Julien mehr als genug mit ihr trainierten, auch Domenic nutzte sie oft für das Distanztraining – besonders, wenn es darum ging, neue Pferde anzulernen und deren Ausdauer und Kondition aufzubauen. Filly war dabei wirklich nicht zu verachten, sie machte ihre Arbeit gut, erledigte sie gewissenhaft und wenn sie einen erfahrenen Reiter auf ihrem Rücken trug, war sie ein total entspanntes und geduldiges Pferd.
    • Samarti
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      Distanz A-L
      27. Mai 2015 - von Gwen
      Für Joline und mich gab es diese Woche noch eine ganz besondere Aufgabe (ich hätte mich mit Fleas Training nicht so beeilen dürfen!), denn der Lewitzer Capulet kam mal wieder auf Crown Hill zu Besuch. Da ich mich vehement weigerte, mich auf Jojos Buckelpferd zu setzen, hatte ich Joline überzeugen können, dass wir gemeinsam trainierten. Ich nahm hingegen lieber Filly, Elisas liebe Westernstute, die eigentlich den Namen Audio Delite at low Fidelity. Den konnte ich mir aber weder merken noch aussprechen, deshalb: Filly.
      Gestern hatten wir das Katapult abgeholt und er hatte die erste Nacht in seiner neuen alten Box verbringen dürfen. Kennen tat er das Gestüt ja schon, dementsprechend mussten wir bei ihm auch nicht sonderlich viel beachten. Stattdessen legten wir am ersten Tag schon los. Wir wollten die beiden in Distanz trainieren.
      Ein kleines Problem gab es leider: Während Filly erst knapp die Stufe A besaß, war Capulet schon etwas besser trainiert. Aber das war eher ein kleineres Problem, wenn Filly war sehr ausdauernd und vor allem ausdauernder als Capulet, der vergeudete seine Kraft sowieso lieber mit anderen Dingen.
      Unsere erste Geländerunde lief locker und vor allem in flachen Gelände ab. Die beiden Pferde sollten sich erst einmal kennenlernen, immerhin würden sie die nächsten Tage miteinander zu tun haben. Und auch wir Reiter mussten uns erst einmal umgewöhnen.
      Obwohl Capulet unter Joline wesentlich weniger buckelte, buckeln tat er dennoch und er sah auch nicht ein, dies nicht zu tun. Ich unterdrückte meinen Dieses bekloppte Pferd Gedanken und ritt stattdessen schweigend weiter. Wurde Zeit, dass er seine Ressourcen mal für sinnvolle Dinge nutzen musste.
      Dementsprechend schraubte ich unser Pensum rasch höher und forderte beide Pferde manchmal bis an ihre Grenzen. Pausen konnte man immerhin immer und überall machen. Genug Gebirge gab es bei uns auch, also ging es manchmal eine ganze Stunde nur bergaufwärts, dafür aber auch genauso lange wieder hinunter.
      Bergaufwärts zu buckeln war auch sichtlich anstrengender und so unterließ Capulet das zwischenzeitlich. So traute sogar ich mich mal auf den Schecken, als Joline an einem Tag keine Zeit hatte, weil sie zum Arzt musste.
      So artig wie bei ihr lief er keineswegs und wir hatten allerhand Diskussionen über unsere Ansichten des Trainings, aber wir kamen immerhin wieder heil zu Hause an. Während Capulet sich also allmählich seine Buckel-Orgien abgewöhnte, nutzte Filly die Kraft, um mit ihm mitzuhalten und das klappte besser als gedacht.
      Das L-Level hatte sie schnell erreicht, um mit Capulet mitzuhalten musste sie mehr geben. So trainierten wir inoffiziell sogar schon auf M-Niveau, aber pst.
      Am Ende des Trainings waren beide Pferde wirklich fit und die nächsten Distanzturniere würden kommen können. Ich konnte Capulet an seine Besitzerin zurückgeben (welch Erleichterung!) und Filly, ja die blieb eben dort, wo sie schon die ganze Zeit gewesen war.
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  • Album:
    3 - Pferde im Ruhestand
    Hochgeladen von:
    Samarti
    Datum:
    26 Juli 2015
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  • Rufname: Filly
    geboren: Juni 2008


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    Rasse: Criollo-Tinker-Mix
    Geschlecht: Stute
    Farbe: Flaxen Chestnut Sabino (ee Aa ff Sbsb)
    Stockmaß: 162 cm

    Beschreibung:

    Audio Delite at Low Fidelity - kurz Delite oder Filly - ist eine sehr besondere Stute. Zum einen besticht sie auf den ersten Blick natürlich mit ihrer außergewöhnlichen Farbe, ihren einzigartigem, zweifarbigen linken Auge und ihrer märchenhaften Erscheinung. Aber auch ihr Wesen ist etwas ganz besonderes. Sie ist ein wenig eigenwillig, gibt sich dem Menschen, den sie liebt, jedoch gerne hin und gehorcht auf den kleinsten Wink. Fremde jedoch werden erst einmal misstrauisch beäugt und dann weitestgehend ignoriert. Wenn der Fremde es nicht schafft, in den ersten Tagen Zugang zu ihr zu finden, wird er ihn auch nie finden (was nicht ganz einfach ist, zumal sie nur Menschen an sich heran lässt, die ihr irgendwie sympathisch sind), wenn er es jedoch schafft, wird sie das nicht vergessen und auch in Jahren noch zutraulich zu diesem Menschen sein.

    Das Pferd mag vielleicht nicht das große Spring- oder Dressurtalent wie manche Warmblüter besitzen, dafür ist sie aber unheimlich intelligent. Will sie etwas lernen, tut sie das in Sekunden. Allerdings muss man sie manchmal ein wenig überreden, wenn es um Tricks geht. Sieht sie keinen Sinn darin, wird sie es auch nicht lernen. Genau deshalb muss man auch ein wenig vorsichtig sein, denn sie ist auch schnell darin, sich Unarten anzugewöhnen, weshalb sie nicht unbedingt ein Pferd für Anfänger ist, auch wenn sie sonst in jeder Situation ruhig und geduldig ist.

    Allerdings tut sie alles für Schmusestunden mit den Menschen, die sie gern hat, was die ganze Sache mit dem Lernen dann auch etwas einfacher macht.

    Den beiden Rassen, die in ihr stecken, verdankt Filly nicht nur ihr außergewöhnliches Äußeres, sondern auch ein kleines Talent im Westernreiten. Allerdings möchte sie kein Turnierpferd sein. Wenn sie nicht die nötige Liebe bekommt, wird sie auf Turnieren niemals gut abschneiden.
    Dank ihrem Tinkeranteil würde sie sich mit Sicherheit auch für den Fahrsport eignen. Außerdem ist sie sehr ausdauernd, und weil sie so gerne mit dem Menschen zusammen ist, den sie gerne hat, macht ihr das Distanzreiten großen Spaß.

    Besitzer: Samarti
    Ersteller: Monsterflosse

    Western A -- Fahren A -- Distanz L
    SW 423
    155. Fahrturnier
    300. Westernturnier

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    Offizieller Hintergrund