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Samarti

Audio Delite at Low Fidelity, Criollo-Tinker-Mix

*2008, im Besitz seit dem 26. Dezember 2013

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Audio Delite at Low Fidelity, Criollo-Tinker-Mix
Samarti, 26 Juli 2015
    • Samarti
      RIVER DALES STABLES
      Doch wieder ein eigenes Pferd?
      alter Bericht - von Monsterflosse
      'Oh neee', seufzte ich und schlug auf den Wecker. Was nicht sehr klug war, denn er viel krachend zu Boden, wodurch dann selbst mein sonst so verschlafener Hund aufwachte. Dieser tapste dann natürlich auch sofort aus seinem Körbchen und sprang zu mir ins Bett. Auf mich drauf. Er hielt sich ja immer noch für ein kleines Schoßhündchen, und nicht für einen Pitbull mit stattlichem Gewicht. 'Coletto!', stöhnte ich und schob ihn von mir runter, nicht ohne ihn nochmal hinter den Ohren zu kraulen. 'Du bist ein Clown, wusstest du das?'
      Natürlich folgte kurz danach auch Krümmel, mein Kater - das konnte er sich doch nicht entgehen lassen!
      Nach einer kurzen Schmusestunde mit den beiden konnte ich mich dann aber doch überreden, mich aus dem Bett zu kramen und mich anzuziehen.
      Als ich Coletto sein Halsband umgelegt und die Leine eingeschnallt hatte, beschloss ich, einfach mal Eddi zu besuchen. Sie kannte Coletto ja noch gar nicht! Außerdem könnte ich auch mal wieder Joyce besuchen, sie gehörte ja mal mir und ich war aufgrund ihrer Rassen-Mischung sehr gespannt, zu was sie sich einmal entwickeln würde.

      Da Eddi's Hof nicht sehr weit weg war, waren wir auch in kurzer Zeit da. Sofort stürmten uns Mylo und Nessie, Eddi's beiden Hunde, bellend entgegend. Coletto dagegen war erst ein wenig verunsichert. Ich lachte. 'Coletto, die wollen aber nichts böses von dir!' Ich fuhr den beiden kurz mit den Fingern durch das ungewohnt lange Fell und als ich merkte, dass die Hunde sich anscheinend ganz gut verstanden, hakte ich die Leine aus Colettos Halsband aus. Neugierig wurde geschnüffelt und gespielt. Bis eine Truppe dieser 'Elitereiterinnen', die immer nur den neusten Kram und die besten Pferde, die sie aber alle paar Monate austauschten, hatten, vorbeikam. Hysterisch kreischten die: 'NEHM VERDAMMT NOCHMAL DEINEN KAMPFHUND DA WEG!' und deuteten auf Coletto. Der stellte das Spiel mit Mylo und Nessie ein und guckte verunsichert zwischen den Reiterinnen und mir hin- und her. Dann entschied er sich, die drei erst einmal zu begrüßen und trabte auf sie zu. Hysterisch fingen die an zu kreischen - nun konnte ich mich endgültig nicht mehr halten und lag vor Lachen beinahe auf dem Boden. Kichernd brachte ich noch ein 'Coletto, hierhin!' herraus, um die drei vor meinem ach so gefährlichen Kampfhund zu retten. Der stürmte natürlich auch furchteinflößend schnell auf mich zu und sprang mir - ganz schoßhündchenlike - auf meine Beine. 'Du kannst doch nicht einfach so einen gefährlichen Hund hier frei rumlaufen lassen!', fuhren mich die drei an. 'Jaa, ganz gefährlich.', gluckste ich und kraulte Coletto hinter den Ohren, der darauf wohlig grunzte und seinen Kopf auf meine Knie legte. 'Du hast doch keine Ahnung von Pferden! Die erschrecken sich doch!' - 'Ach ja, und son kleiner quirliger Jack Russel Terrier als Hofhund ist erlaubt, hm?' - 'Der erschreckt die Pferde ja auch nicht! Die sind doch nur ganz klein und ruhig!' - 'Ach, und Ahnung von Hunden haben wir auch?' Ich schüttelte mit dem Kopf. Was eine geballte Dummheit manche Menschen doch von sich geben konnten. Ich schob Coletto sanft bei Seite (der die Chance nutzte, um weiter mit Mylo und Nessie herumzutoben) und stellte mich wieder hin. Schon kam der nächste Wortfluss aus deren Mund. 'Du hast doch keine Ahnung!' - 'Natürlich nicht. Wenn man sich die Haare färbt und sich anders anzieht als früher vergisst man auch alles was man jemals über Pferde und Hunde gelernt hat.' Ein großes Fragezeichen stand im Gesicht der drei. Ich nutzte die Chance. 'Vielleicht solltet ihr in Zukunft eher nachdenken, bevor ihr irgendwen so anfahrt.' Ich guckte den dreien süffisant ins Gesicht und ging zu Eddi, die gerade um die Ecke bog und von den drei Hunden stürmisch begrüßt wurde. Die drei Reiterinnen, die leise 'Monsterflosse?' fragten, ignorierte ich dabei einfach.
      'Heey Monsta!', wurde ich von Eddi begrüßt. 'Hey Eddie', grinste ich, während Coletto sich bettelnd an mich schmiegte. 'Deiner?' - 'Ja, seit neustem', lächelte ich und kraulte Coletto hinter den Ohren. 'Eigentlich wollte ich dich fragen, ob ich mal einen Spaziergang mit Joyce machen kann?' - 'Klar! Schnapp dir einfach ihr Halfter, ich muss mich erstmal um Julä kümmern, wir sehen uns ja bestimmt nachher nochmal'
      Also ging ich mit Coletto bei Fuß zum Laufstall und rief nach Joyce, die auch gleich auf mich zugelaufen war und freudig wieherte. 'Naa, kennst du mich noch Süße?', sagte ich zu ihr und kraulte ihr die Stirn, bevor ich ihr das Halfter umlegte, den Führstrick einrasten ließ und Coletto an die Leine nam. Der kleine war doch tatsächlich verunsichert von dem bunten Fohlen. Ich grinste 'Gefährlicher Pitbull, jaja' und band Joyce, die Hunde ja zum Glück schon kannte, an den Putzplatz, um das Putzzeug zu holen. Als ich zurück kam und den Anblick sah, konnte ich mich nicht mehr halten. Coletto und Joyce schmusten doch tatsächlich miteinander! Joyce beknabberte Coletto's Hintern, während Coletto sich dicht an Joyce' Fell schmiegte und mit seiner Schnauze ihren Bauch kraulte. Um die beiden nicht zu stören, umrundete ich Joyce erst einmal und fing auf der anderen Seite mit dem Putzen an.

      Nach dem Putzen nahm ich dann beide Tiere an die Leine und wie verließen den Hof. Langsam schlenderten wir in Richtung Green Hills, meinem ehemaligen Gestüt. Leider war davon nurnoch der Offenstall am See und ein paar Weiden übrig, denn ein Brand hatte alles zerstört, weshalb ich auch alles aufgegeben hatte. Angeblich brannte es aufgrund eines Kurzschlusses, aber ich wagte das immernoch zu bezweifeln. Zum Glück saß der, den ich für verantwortlich hielt, mittlerweile im Gefängnis, wegen Belästigung, Diebstahl, Drogenbesitz,...
      Als wir am See waren, direkt neben einer der übrig gebliebenen Weiden, sah ich von weitem schon die kläglichen Überreste. Ich seufzte. Zum Glück haben alle Tiere und Menschen das überlebt.
      Plötzlich hörte ich donnernde Hufe und einen Mann, der wild schrie. 'Bleib stehen!'
      Ich drehte mich um. Da kam doch tatsächlich ein Pferd auf mich zu! Intuitiv stürzte ich zur Weidetor und öffnete es, Zusammen mit Joyce und Coletto versperrte ich alle weiteren Auswege, so dass das Pferd direkt in die Weide laufen musste. Und das tat es dann auch. Schnell schloss ich die Weide wieder. Das Pferd begriff, dass es nun eingeschlossen war, und rannte wütend auf der Weide herum.
      Kurz danach kam mir der Mann entgegen. 'Danke fürs Einfangen. Dieses Mistvieh!' - 'Wenn ich fragen darf, was ist denn mit dem?' Skeptisch betrachtete ich das aufgebrachte Pferd, welches noch Halfter und Führstrick - mit Führkette - angelegt hatte. 'Ist ne Stute. Macht nicht das was man will, wiedersetzt sich wo sie kann, hört auf gar nichts, ist ungehorsam...' - 'Reicht.', unterbrach ich ihn und band Joyce am Zaun an, drückte dem Mann Colettos Leine in die Hand und sprang über den Zaun. 'Passen Sie auf, die ist...', sprach der Mann eine Warnung aus, die ich kaum noch hörte, denn die eigentlich so wunderschöne Stute kam in vollem Galopp auf mich zugeprescht. Ich blieb aber aufrecht stehen, ohne Angst zu zeigen, und der Plan ging auf. Kurz vor mir blieb die Stute verwundert stehen. Den Moment nutzte ich, um ihr das Halfter abzunehmen und die Wunden, die das zu kleine Halfter und die Führkette verursacht haben, zu begutachten. Beruhigend sprach ich auf die zitternde Stute ein, die sich auch nach und nach beruhigte. Um sie noch ein wenig weiter zu beruhigen, holte ich Joyce mit auf die Weide und ließ sie frei laufen. Doch die Stute interessierte sich nur wenig für Joyce. Sie starrte mich mit weit aufgerissenen Augen und bebenden Nüstern an. Ich kramte langsam in meiner Tasche. Irgendwo hatte ich doch noch....ah, da war es ja, das Leckerchen! Ich legte es auf meine flache Hand und streckte sie behutsam zur Stute. Nur ganz vorsichtig näherte sie sich meiner Hand und zog ihren Kopf sofort wieder weg, als sie das Leckerchen hatte. Ich entschied mich, sie erstmal in Ruhe zu lassen, drehte mich um und wandte mich zu dem Mann. 'Was ist das für eine Stute, wie heißt sie?' - 'Das ist Filly, fünfjährig, Criollo-Tinker-Mix. Mehr oder weniger Weideunfall. Zu nix zu gebrauchen.' Skeptisch blickte ich ihn an. 'Gehört sie Ihnen? Ich meine, wenn sie zu nix zu gebrauchen ist, warum verkaufen Sie sie nicht an einen netten Freizeitreiter?' Er schnaubte. 'DIE Stute? Ham sie doch gesehen was die macht!' Ich schüttelte den Kopf. 'Nicht ohne Grund' - 'Wollen sie mir jetzt Vorwürfe machen?!', fuhr mich der Mann an, 'Sie kennen sich doch wahrscheinlich noch nimmals mit Pferden aus!' Ich bemühte mich, ruhig zu bleiben. 'Doch, ich kenne mich mit Pferden aus.' - 'Achja? Und schicken ein fremdes Pferd einfach so auf eine fremde Weide? Meinen sie das ist erlaubt?! Sie kennen die Besitzerin ja noch nimmals!' - 'Naja, anders wär Filly ihnen wohl weiterhin entwischt. Und glauben sie mir - ich kenne die Besitzerin. Die steht nämlich direkt vor ihnen.' Er starrte mich an. 'Mir hat das Gut hier gehört. Ich hatte einige Pferde, allerdings ist es vor einem Jahr fast vollständig abgebrannt. Das einzige, was mir blieb, waren diese paar Weiden und einer der Offenställe. Dann hab ich aufgehört mit dem eigenen Gut und den eigenen Pferden, die leben jetzt alle wo anders. Dieses Stutfohlen da, übrigens auch ein Criollo-Tinker-Mix, gehörte auch mal mir. Jetzt hat sie's aber besser glaub ich, ich hatte einfach zu viel Stress mit den vielen Pferden.' Er nickte. Plötzlich kitzelte mir etwas im Nacken. 'Was...?' Ich drehte mich um. Tatsächlich war es die Stute, die gerade meinen Nacken beschnüffelt hat! Vorsichtig legte ich meine Hand auf ihr Maul. Sie senkte den Kopf, sodass ich ihren Schopf kraulen konnte. Innerlich freute ich mich sehr, versuchte aber ruhig zu bleiben, um die Stute nicht zu verschrecken. Aber das war gar nicht nötig, denn mittlerweile war sie offen und frech zu mir. 'Wollen sie die Stute dann nicht haben?', fragte der genervte Mann. Ich musste entgegnen 'Nein sorry, ich möchte keine Pferde mehr.' - 'Reiten sie sie doch wenigstens einmal!' - 'Na gut', seufzte ich und schwang mich ohne große Mühe auf ihren Rücken. Der Mann machte große Augen. 'Ohne Sattel und Trense? Noch nimmals ein Halfter?' - 'Unnötig.' - 'Bei IHR', er deutete auf die Stute, 'definitiv nicht. Die ist schon mit Sattel und Trense so biestig.' - 'Sehen wir.' Vorsichtig gab ich ihr einen leichten Schenkeldruck und sie setzte sich sofort in Bewegung. Ein schöner, raumgreifender Schritt. Schnell enstspannte sie sich und senkte ihren Kopf. Ich versuchte, auf der doch recht unregelmäßigen Koppel ein paar Bahnfiguren zu reiten, was auch einwandfrei klappte. Auch das Anhalten gelang mir - trotz Halfterlosigkeit und langer Reitpause - einwandfrei. Ich wagte mich an den Trab. Auch bei diesem gab es keinerlei Probleme. Ich spürte, wie die Stute immer mehr vertraute und aus ihrem Schludertrab wurde ein wunderschöner, raumgreifender Trab mit viel Knieaktion, ganz wie man ihm von einem Pferd von mehr oder weniger iberischer Abstammung erwarten würde. Lobend klopfte ich ihren Hals und parierte zum Schritt - Galopp war mir so ganz ohne Trense dann doch zu gefährlich. 'Ahja, so biestig?', schmunzelte ich. Der Mann war fassungslos. 'Vielleicht mochte sie es einfach nur nicht, als unnützes Vieh dahin gestellt zu werden, weil sie ja nicht reinrassig ist. Und vielleicht mochte sie es auch nicht, ständig ein viel zu enges, schubberndes Halfter mit Führkette zu tragen. Und ich weiß ja nicht, wass sie sonst so mit ihr gemacht beziehungsweise nicht gemacht haben.'
      'Dann behalten Sie das verdammte Vieh doch, wenn Sie meinen Sie können das besser!' - 'Aber eigentlich...' Ich war tatsächlich am schwanken. Die Stute gefiel mir tatsächlich besser als ich dachte. Ich müsste dann ja aber auch noch mindestens ein zweites Pferd oder Pony kaufen, damit sie nicht so allein steht... 'Warten sie kurz hier? Ich komme gleich wieder...'
      Mit diesen Worten ging ich zum Offenstall. Dort hatte ich immer noch ein paar Halfter und Stricke gehabt, eigentlich sollten sie noch da sein. Und tatsächlich, dort hingen noch meine paar 'Nothalfter', ein paar Pony, ein paar Vollblut, ein paar Warmblut und tatsächlich auch noch ein Kaltblut. In pink. Naja, würde ihr mit Sicherheit stehen. Jetzt noch zwei Führstricke dazu...
      'Haben Sie was dagegen wenn ich mal kurz ausreite und 'ne Freundin besuche?', fragte ich den Mann. Da dieser einwilligte, legte ich der Stute das Halfter um, und hakte beide Stricke ein. Als ich aufgestiegen war, fragte ich den Mann noch einmal: 'Wissen sie eigentlich noch irgendetwas über die Stute? Eltern vielleicht?' - 'Joa, Mutter ist Ink and Feathers, Vater ist Fleck.' Ich lächelte. Inki war mal meine gewesen. 'Passen sie auf meinen Hund auf, ja? Das Fohlen kann ja so lang hier auf der Weide bleiben.' Der Mann öffnete mir freundlicher Weise das Tor, ich ritt raus und er schloss es wieder.
      In einem lockeren Schritt ritt ich zu Eddi auf den Hof. Die staunte nicht schlecht. 'Du doch mal wieder auf dem Rücken eines Pferdes?' Ich seufzte. Musste dann aber auch lachen. 'Eigentlich wollte ich dich fragen, ob ich mal deinen Reitplatz benutzen darf und ob du vielleicht mal einen Blick auf die Stute hier werfen kannst. Ich muss ja zugeben...ich mag sie. Und sie wird im Moment wie ein Stück Mist behandelt, weil sie nicht reinrassig ist, dabei hat sie an und für sich eine ganz gute Abstammung.' - 'Klar, ich gucke mal'
      Daraufhin gingen wir zur Reithalle und ich probierte noch einmal Schritt und Trab, Bahnfiguren und da ich jetzt mehr Sicherheit dank Halfter hatte auch Galopp. Dieser war wunderbar zu sitzen, viel Schwung, aber nicht so viel, dass man regelrecht runter geworfen wurde.
      Nach ein paar Runden parierte ich sie wieder zum Schritt. 'Eddi? Was meinst du?', grinste ich. Auch Eddi grinste 'Wunderschöne Stute und einwandfreie Gänge. Darf ich annehmen dass wird dich bald wieder zu den Pferdebesitzern zählen dürfen?' - 'Ich glaube schon. Kommt drauf an was der Herr zum Preis sagt. Apropos, der wartet bei mir an der Weide, ich glaube ich reite dann mal wieder zurück, zum Verhandeln'
      Im Trab machte ich mich auf den Rückweg und kam bald bei dem wartenen Mann an. Natürlich ließ ich mir erstmal nicht anmerken, wie gut mir die Stute gefiel. Ich klopfte ihren Hals und sprang ab. 'Wieviel möchten sie denn für sie haben?' - '10 Tausend?' Ich prustete. 'Sie hassen die Stute, finden sie nichtsnutzig, und möchten von mir mehr als den Schlachtpreis?' Beruhigend kraulte ich den Schopf der Stute. Schließlich war sie mit Sicherheit mehr wert als den Schlachtpreis, auch wenn ihr Besitzer das anders sah. 'Na gut', grummelte dieser, 'den Schlachtpreis' Nun grinste ich über beide Backen. 'Abgemacht. Holen sie Papiere und Kaufvertrag?' - 'Natürlich...', meinte der Mann, drückte mir Coletto wieder in die Hand und machte sich auf den Weg. Währenddessen entließ ich die Stute auf die Weide und rief bei Eddi an. 'Ich hab sie! Für den Schlachtpreis!', kreischte ich ins Telefon. Eddi lachte. 'Ich wusste es doch.' - 'Sag mal, darf ich mir ein wenig Stroh und Futter leihen? Hab ja nichts mehr und bis die Lieferung da ist...dann kann ich gleich einstreuen und so, ist ja im Moment nichts da, alles blank...' - 'Klar darfst du, ich bring dir gleich was vorbei, kay?' - 'Wäre super nett von dir'
      Da kam der Mann auch schon wieder. Ich warf noch einen kurzen Blick in die Papiere, prüfte einmal provisorisch Gelenke und sonstige Gesundheit der Stute (auch wenn das keine AKU ersetzen konnte, wenigstens hatte die Stute jetzt einen guten Platz und selbst wenn sie krank wäre würde ich sie behandeln lassen - der ehemalige Besitzer hat ja zum Glück nichts an ihr verdient), las den Vertrag durch und unterschrieb ihn. Der ehemalige Besitzer rauschte darauf hin auch ohne ein Wort ab. Und ich ging in den Stall, denn ich hatte dort irgendwo noch einen angefangenen Sattel rumliegen. Einen Westernsattel, damals eigentlich für Joyce gedacht, wenn sie mal groß wäre. Aber wer weiß, vllt passte er mit der richtigen Polsterung auf Delite? Dann brauchte ich auf jeden Fall keinen neuen kaufen, und auch keinen komplett neuen anfangen. Hier war wenigstens der Baum fertig und weitestgehend bezogen. Vorsichtig kramte ich ihn aus einer staubigen Ecke, wischte kurz mit der Hand darüber, um den gröbsten Staub zu entfernen, ging auf die Weide und rief nach Delite. Die kam daraufhin auch und ich legte ihr den unfertigen Sattel auf. Und tatsächlich, er passte soweit! Es war also nicht viel Arbeit, bis ich sie auch mit Sattel reiten konnte. Schnell nahm ich ihr den Sattel wieder ab und holte die letzte Westerntrense, die ich fertiggestellt hatte, bevor der Hof abbrannte. Dazu noch das Snaffle Bit, dass ich schnell in die Trense einschnallte....
      Und auch das passte Delite wie angegossen! 'Perfekt', dachte ich mir und befreite Delite wieder von der Trense, um diese wieder in den Stall zu bringen. Dann kam auch Eddi dazu und half mir schnell beim Einsträuen des großzügigen Offenstalls. 'Jetzt bräuchte sie nurnoch einen Wiedekumpanen....so alleine kann ich sie ja unmöglich stehen lassen. Wenn ich jetzt wüsste dass wer ein Pony verkauft, am liebsten ne Stute...Schön lieb, gerne ein wenig faul, dann vllt noch ne RB für das Ponychen damits nicht einfach nur so rumsteht...oder Tricks beibringen....oder wenn groß genug selbst reiten...' - 'Hmmm.' - 'Naja, ich muss noch mal eben zum nächsten Reitsport-Geschäft. Ich brauch dringend wieder ne Reithose, Stiefeletten, Chaps, Helm und Putzzeug! Ich hab das doch alles abgegeben.' - 'Mach das, wir sehen uns' - 'Ich muss dir ja eh noch Joyce wiederbringen, gerade toben die beiden hier so schön', lachte ich, 'bis nachher!'

      Im Reitsportgeschäft waren dann auch schnell die richtige Reitkleidung und das richtige Putzzeug gefunden. Mit dicken Taschen und Hund bei Fuß stiefelte ich aus dem Laden,
      Direkt vor dem Laden stand eine Frau. Mit einem Scheckfohlen am Halfter. Sie sah nicht sehr glücklich aus. Das Fohlen hingegen war regelrecht aufgedreht und wollte am liebsten zu Coletto laufen, um herauszufinden, was das den für ein komisches Wesen ist. Coletto blieb jedoch (zum Glück) brav bei mir. 'Ist irgendwas mit dem Fohlen?' fragte ich die Frau, Daraufhin kam das Fohlen auch schon auf mich zu und schaute mich mit großen Knopfaugen an. Ich konnte nicht anders, als ihm die Stirn zu kraulen, was das Fohlen sichtlich genoss. 'Hm, mehr oder weniger ja. Ich kann ihn leider nicht behalten und finde einfach keinen schönen Platz für ihn. Ich möchte nicht, dass er sein Leben nur im Stall verbringt...wie Totilas zum Beispiel...' Das Fohlen wickelte mich nebenbei komplett um den Finger. Es war einfach zu süß! 'Wie heißt der kleine denn?' - 'Donnerschall' Die Frau lächelte zart. 'Er hat...naja, für ihn denke ich mal leider auch ähnliches Potenzial wie sein Namensgeber. Deswegen melden sich ja auch fast nur die Leute, die ihn eben so halten würden. Die anderen denken, sie könnten ihn sich nicht leisten, obwohl ich nur einen guten Platz für den Kleinen suche...zumindest wo er in Frieden aufwachsen kann' Ich grinste und schüttelte den Kopf. Wie war das mit niemals wieder eigene Pferde? 'Können sie mir ein bisschen mehr über den Kleinen erzählen? Und haben sie was dagegen, wenn ich ihn mal putze, um mir son kleines Bild von ihm zu machen?' - 'Natürlich nicht, putzen sie nur', lächelte die Frau und ich packte den frisch für Delite gekauften Putzkasten auf und begann mein Werk, während mir die Frau ein wenig über den kleinen Hengst erzählte. 'Donner ist ein kleiner Trakehner, noch ein wenig tollpatschig, hat aber ein Riesenpotenzial. Sie müssten nur mal seine Gänge sehen...wenn er Ihnen nicht gerade auf die Füße tritt, läuft er einfach traumhaft', sie lachte, 'Mama ist Marah, ich glaube das sieht man an der Scheckung.' Ich betrachtete das Fohlen ein wenig näher. 'Moment, ist der Papa Don Calandrio?' - 'Ja, woher...?' - 'Calandrio war das erste Fohlen, was ich selbst aufgezogen habe, da erkenne ich wohl seine Söhne und Töchter', lächelte ich. Die Frau runzelte die Stirn. 'Monsterflosse?' Ich nickte. 'Jup, Monsterflosse' - 'Haben sie nicht gesagt, sie wollen nie wieder Pferde haben? Warum haben sie dann gerade einen Putzkasten...' Ich fiel ihr ins Wort. 'Weil ich meinen Vorsatz nicht halten konnte und gerade eben eine wunderschöne, liebe, einfach traumhafte Criollo-Tinker-Mixstute gekauft habe.' Die Frau grinste. 'So leicht wird man den Pferdevirus auch nicht mehr los' - 'Nein, ehrlich gesagt, nein.' - 'Und wo halten sie die Stute jetzt?' - 'Nach dem Brand sind mir noch ein paar Weiden und ein geräumiger Offenstall übrig geblieben, jetzt möchte ich nur noch eine Ponystute kaufen, vor allem damit Delite nicht so einsam da steht.' - 'Würden sie mich wohl mitnehmen? Ich würd' die Stute gerne mal näher sehen' - ' 'Türlich, wenn sie wollen'
      Und so gingen wir den zum Glück nicht allzu langen weg zu viert - die Frau, das Fohlen, Coletto und ich. Naja, und die dicken Tüten, die wohl auch als eine Person durchgehen könnten...
      Als wir ankamen, liefen Delite und Joyce gleich nach vorne und beschnupperten den kleinen Hengst. 'Schöne Stute', lächelte die Frau, 'Und wem gehört das Fohlen, wenn ich fragen darf?' - 'Das ist Joyce, ebenfalls Criollo-Tinker-Mix, gehört Edfriend', lächelte ich und kraulte Joyce durch den Zaun. 'Übrigens auch eine schöne Weide und ein schöner Stall', fügte die Frau hinzu, 'genau so einen würde ich mir für meinen Kleinen wünschen...' Ich seufzte und redete auf mich selbst ein. Monsta, Pony. Stute. Gerne älter. Faul. Plüschig. Klein. Nicht Sportlich. Nicht Jung. Nicht Trakehner. Und schon gar nicht Hengst! Trotzdem überlegte ich. Lange. 'Ich meine, vielleicht...bis er geschlechtsreif ist...ich weiß nicht...er ist ja schon ein tolles Fohlen und auch noch ein Sohn von Cala und....aargh, eigentlich wollte ich ein Älteres. Pony. Eine Stute. Aber...naja, vielleicht könnte ich ihn wirklich nehmen, wenn sie ihn mir anvertrauen würden, zumindest bis er geschlechtsreif wird. Aber ich kann nicht versprechen, dass ich ihn behalten kann, wenn er geschlechtsreif wird...Eigentlich wollte ich auf keinen Fall mehr als zwei, höchstens drei Stuten, und wenn ich ihn bis dahin behalten würde wäre es ja auch ganz gut, einen weiteren Wallach und einen weiteren Wallach oder eine Stute zu haben, damit weder Delite noch der Kleine allein stehen müssten....aber eigentlich wollte ich nicht so viele Pferde', seufzte ich. 'Und was, wenn sie zumindest für die Beistellponys Reitbeteiligungen suchen?' - 'Das wäre wohl eine Möglichkeit...' - 'Und wenn sich das nicht regeln ließe könnte ich Ihnen ja helfen, einen guten neuen Besitzer zu finden....nur dass er eine schöne Kindheit hat...' Damit hatte sie mich entgültig. Naja, fast. 'Wie siehts denn so mit Gesundheit aus?' Daraufhin legte sie mir einige Tierarztberichte vor, alle einwandfrei. Gut, jetzt hatte sie mich wirklich. 'Wieviel möchten sie denn für den Kleinen?' - 'Puh, darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht, ein guter Platz wär mir halt wichtiger und den hat er hier...2.000 Joellen? Damit könnte ich wenigstens einen Teil des Umzugs finanzieren...' - 'Puh, das ist aber weit unter Wert', staunte ich, 'Ich weiß nicht wohin sie ziehen und was sie alles mitnehmen und transportieren müssen, aber 5.000? Mehr kann ich ihnen leider nicht bieten, aber vllt hilfts ihnen ja beim Umziehen, auch wenns immer noch weit unter Wert ist...' - 'Abgemacht', lächelte die Frau, erleichtert, endlich einen guten Platz gefunden zu haben. Sie kramte in ihrer Tasche und züchte schließlich Papiere (die ich natürlich auch noch einmal kontrollierte) und den Kaufvertrag, den ich auch nur kurz durchlaß und dann ohne Zögern unterschrieb. Der Frau schrieb ich ein Vorkaufsrecht zu, denn sie hing sichtlich an dem Fohlen.
      Das Halfter und den Führstrick schenkte sie mir zu dem Fohlen dazu. Wir entließen den kleinen Hengst noch zu den Stuten auf die Weide und verabschiedeten uns voneinandern, die Frau mit einem traurigen Lächeln. 'Sie können Donner jederzeit besuchen kommen, wenn sie wollen', versuchte ich, sie ein wenig zu trösten. Sie lächelte nur dankbar und ging.

      Ich hingegen überlegte, was ich jetzt als erstes tun sollte. Die Bestellung für Stroh und Futter aufgeben? War wohl das beste. Also rief ich die Nummer an, die sich mir so ins Gedächtnis gebrannt hatte, dass ich sie wahrscheinlich auch auf dem Sterbebett noch ohne zu Zögern rausschmettern könnte. Die gewohnte Männerstimme meldete sich, und freute sich, mich widererwarten doch mal wieder zu hören. Ich gab eine Bestellung für Stroh und Futter auf, und der Mann versicherte mir, es morgen bereits zu liefen, wofür ich ihm sehr dankbar war.
      Danach putzte ich die beiden Fohlen und die Stute so gründlich bis alle drei heller schienen als die Straßenlaternen, die so langsam aber sicher angingen. Dann trenste ich Delite mit der noch nie benutzten selbstgemachten Westerntrense, legte Joyce und Donner Halfter und Führstrick an und schwang mich mit beiden Führstricken in der Hand auf Delite's Rücken, um noch einmal Eddi zu besuchen und Joyce zurück zu bringen. Außerdem musste sie doch Donner kennen lernen!
      Von Delites Rücken aus öffnete und schloss ich das Koppeltor und wir zuckelten erst im Schritt, dann in einem gemütlichen Trab, Richtung Eddi's Hof.
      Eddi musste sich wohl schon gewundert haben, so viele Babyhufe zu hören (wurde ihre Joyce etwa zum Sleipnir?). Noch im Schritt glitt ich von Delites Rücken und griff in ihre Zügel. Coletto kuschelte derweil mit ihrem dicken Schweif. Eddi schaute derweil skeptisch zwischen Donner und mir hin und her. Ich grinste breit. Eddi lachte. Wortlose Kommunikation. 'Schönes Fohlen hast du da gekauft' Ich nickte. 'Hmm, und Talent hat er anscheinend auch, ist Sohn von Marah und Cala. Aber eig...naja, er hat mir regelrecht um den Finger gewickelt mit seinen großen Augen, und die ehemalige Besitzeren suchte wegen Umzug dringend einen Platz für ihn, und da konnte ich einfach nicht anders. Zumindest bis er so alt wird, dass Gefahr besteht, dass es bald einen Criollo-Tinker-Trakehner-Mix gibt, mal sehen.' - 'Hmmm. Ich glaube ja nicht so ganz, dass du ihn abgeben wirst.' - 'Ich auch nicht wirklich', lachte ich. 'Jetzt will ich aber wissen wie der kleine so läuft!', grinste Eddi und nahm mir Joyce und Delite ab. Daraufhin liefen Donner und ich ein paar Kreise in allen Gangarten (nachdem er zwei Mal meine Füße getroffen hatte passte ich auch mehr auf). Eddi nickte anerkennent 'Nicht schlecht für sein Alter' Ich lächelte glücklich. Da war ich doch wieder in meinem Element! Wie ich das vermisst hatte.
      'Naja, es wird langsam zu dunkel, ich glaube, Delite, Donner, Coletto und ich begeben uns mal lieber auf den Rückweg.' Eddi nickte nur und wir verabschiedeten uns.
      Daraufhin schwang ich mich wieder auf Delites Rücken und wir trabten Richtung Heimweide. Dort brachte ich die beiden lieber erst einmal direkt in den Stall und befestigte die Stange vor dem Durchgang zur Weide - zumindest für die ersten Nächte schien mir das sicherer. Ich beobachtete noch kurz, wie die beiden sich beknabberten, kraulte dabei Colettos Ohren und ging dann mit letzterem nach Hause. Mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht.

      Vor meiner Haustür stand bereits wer. Es war Angy, sie sah nicht sehr glücklich aus. 'Aaah Monsta, dich hab ich gesucht. Du, ich weiß nicht ob du's mitbekommen hast, aber ich verkaufe ja alle meine Pferde und ich suche ein besonderbesonders gutes Plätzchen für Bonsai und da ich von Eddi gehört habe, dass du evtl noch ein Beistellpony suchst und ich sonst niemanden wüsste, dem ich den kleinen anvertrauen würde...Hey erstmal.', sie redete wie ein Wasserfall. Ich nickte kurz. 'Hey. Ich weiß nicht...lässt du mich ne Nacht drüber schlafen? Ich will jetzt nicht drei Pferde an einem Tag kaufen und ja...weiß halt nicht, muss halt noch überlegen...' - 'Ist in Ordnung', nickte Angy, 'meldest du dich?' - 'Klar' Und wir verabschiedeten uns und ich betrat endlich meine Wohnung, in der ich auch gleich von Schmusekater Krümmel begrüßt wurde. 'Gleich Süßer, ja?', lächelte ich und ging ins Bad, um eine ausgiebige Dusche zu nehmen.
      Danach zog ich meinen Schlafanzug an und legte mich ins Bett. Es dauerte nicht mehr lange bis ich dort nicht mehr allein war...
      Nach dem anstrengenden Tag und mit Hund und Kater im Arm schlief ich dann auch schnell ein und erwartete den nächsten Tag.
    • Samarti
      RIVER DALES STABLES
      Kein Schweinskoppvieh!
      alter Bericht - von Monsterflosse
      In der letzten Zeit hatte sich viel getan. Ich hatte aus Angys Gestütsauflösung Bonsaj und Lady Äppel übernommen. Aus einer weiteren Gestütsauflösung kam Dakini wieder zu mir.
      Außerdem hatten Delilah und ich beschlossen, wieder eine Zucht zu gründen - wo ich doch eigentlich keine Pferde mehr wollte! Aber wer einmal den Pferdevirus hat...
      Wir kauften ein hübsches kleines Gestüt in der Eifel, und dort standen jetzt weitere Pferde, die ich für die Zucht gekauft hatte. Die beiden Welsh Cobs Knives And Pens und Legacy Of Gold, Shettystute Rebellious Dots und Tinkerstute Velours de passé.
      Und wegen der vielen Pferde hatte ich auch wieder Angestellte beschäftigt, Marcel und Daniel. Die beiden sollten sich um die Zuchtpferde und -Anwärter sowie die Ställe dort kümmern, da der Stall doch ein wenig entfernt war und ich nicht jeden Tag dort hinfahren können würde, während meine Privatpferde weiter auf meinem alten Grundstück im Offenstall leben sollten. Als einziges zukünftiges Zuchtpferd sollte Dakini bei mir bleiben, vor allem da er so zusammen mit Donnerschall aufwachsen konnte.


      Das Telefon klingelte und weckte mich. Ich stöhnte. Wer rief schon so früh an?
      Auch Coletto wurde durch das schrille Klingeln aufgeweckt. Als ich keine Anstalten machte, aufzustehen, tapste er los, nahm das Telefon ins Maul und sprang auf mein Bett. Ich lachte lauthals los - Coletto wusste ganz genau, dass er so an Schmuseeinheiten kommen würde!
      Ich drehte mich auf den Rücken und nahm den Anruf an, während Coletto mich fast zerquetschte, in dem er es sich auf meinem Bauch gemütlich machte. Ich grinste und kraulte seine Ohren. 'Hallo? Larissa?', tönte es aus dem Telefon. 'Ääh ja, hei Daniel! Du rufst an wegen der Aufgabenverteilung, oder?' Er bestätigte. 'Aaaaaalso gut', gähnte ich, 'Ich fänd's toll wenn du mal intensiv mit Legacy und Knives arbeitest, Knives über Hindernisse und Legacy vor der Kutsche. Und Marcel soll bitte ein wenig Freiheitsdressur mit Dots machen und kann sich dann noch auf Velours setzen und sie ein bisschen gymnastizieren. Putzen und so ist ja klar. Und morgen am Besten genauso.' - 'Okay, machen wir, viel Spaß noch mit deinen Pferden und beim Konzert heute Abend!'
      Auf einmal war ich hellwach. Stimmt ja, heute Abend war in unserem Kaff ein Konzert, und auch noch von meiner Lieblingsband! Und das Beste: Ich hatte Karten!
      Sanft schob ich Coletto von meinem Bauch, der mürrisch grummelte und vom Bett sprang. Ich dagegen war regelrecht hyperaktiv aufgesprungen - schließlich musste ich dringend die Pferde fertig machen, damit ich früh zum Konzert konnte! Die erste Reihe wartete schließlich nicht.
      Schnell fütterte ich Krümmel und Coletto, frühstückte, trank meinen schwarzen Tee und zog meine Stallklamotten an.
      Als ich fertig war, kraulte ich kurz Krümmel's Ohren und rief Coletto, damit er mit zu den Pferden kam.

      Bei den Pferden angekommen wurde ich auch gleich von Delite begrüßt und kraulte sie hinter den Ohren und kletterte über den Zaun, um zum Offenstall zu gehen und mir das Putzzeug zu holen.
      Wieder zurück guckten mich alle Pferde und Fohlen erwartungsvoll an. Jedoch hatte ich heute nicht so viel Zeit, weswegen ich mir nur Delite schnappen und zur Reitstunde wollte. Da ich bisher fast nur Englisch geritten bin, brauchten Delite und ich ein wenig Unterstützung - und bis jetzt waren alle begeistert von uns!
      Da ich keinen Hänger hatte, putze und sattelte ich Delite und wir ritten zu dem nicht allzu weit entfernten Reitstall. Coletto tapste brav neben uns her, blieb ab und zu mal zum Schnüffel stehen, kam aber immer wieder neben uns.

      Am Reitstall wurden wir bereits freundlich begrüßt, als würden Thomas, der Reitlehrer, und ich uns schon ewig kennen. Dabei hatten wir erst einmal telefoniert, das hier war meine erste Reitstunde. Das erste, was aus seinem Mund kam, war 'Sieht doch schon ganz gut aus! Delite geht schön entspannt und locker und dein Sitz ist gut, sodass es sie nicht stört. Aber lass uns mal auf den Reitplatz gehen, da steht auch mein Wallach.'
      Ich tat was er sagte. Am Reitplatz öffnete er mir die Tür und innen erwartete uns ein wunderschöner, Fuchsfarbener Quarter Horse-Wallach, der freundlich auf Thomas zulief. 'Wie ich das so sehe, wäre es vielleicht am besten, wenn wir anfangs mal die Pferde tauschen und du Flash nimmst. Wie ich das sehe, habt ihr euch beide angewöhnt, zu sehr am Zügel zu arbeiten und die ganze Zeit Kontakt zu haben, und ich denke es ist besser, wenn ich Delite ein wenig korrigiere, während du den Westernstil auf einem gut ausgebildeten Pferd lernen kannst.' Zustimmend nickte ich, stieg ab und machte mich mit Flash bekannt. Einfach auf ein Pferd zu springen - das habe ich noch nie getan. Als ich merkte, dass wir uns verstehen, sprang ich auf. Kurz danach saß auch Thomas auf Delite. 'Einen wunderschönen, gemütlichen Sattel hast du da', bemerkte ich. 'Danke gleichfalls' Er lachte. Stolz grinste ich, schließlich hatte ich Delite's Sattel ja selbst entworfen und gebaut.
      Sanft drückte ich meine Schenkel an Flash und er lief los. Sofort merkte ich, dass meine Zügel zu kurz waren, denn Flash schüttelte sich irritiert. Natürlich gab ich ihm dann mehr Zügel und arbeitete mehr mit Gewicht - ganz ohne Thomas Anweisungen.
      Aber auch Delite machte sich gut und suchte schon bald gar keine Anlehnung mehr. Fast Syncron klopften wir die Pferde. 'Tausch?', schlug Thomas vor, und ich grinste über beide Backen. Wir tauschten also die Pferde. Was ein schönes Gefühl, wieder auf meinem eigenen Pferd zu sitzen! Thomas freute sich zwar auch sichtlich, wieder sein Pferd unterm Po zu haben, bliebe aber in der Mitte stehen, während Delite und ich unsere Bahnen zogen. Immer wieder verbesserte er uns, und ich versuchte, seine Tipps so gut wie möglich umzusetzen. Mein Gefühl sagte mir 'Das ist der Reitunterricht, den du brauchst!'
      Leider war die Reitstunde auch bald vorbei. 'Du hast Talent', grinste mich Thomas an, 'ich sag's dir, in spätestens einem Jahr steht ein Quarter oder Paint auf deiner Weide.' Ich lachte. 'Neeee, kein son Schweinskopfpferd! Delite reicht mir wohl als Westerntier' Sanft klopfte ich auf Delites Hals. 'Aber wir müssen auch, ich hab noch was vor. Bis dann!' Auch er verabschiedete sich und wir ritten zurück zum Offenstall.

      Auf dem Weg schaute ich auf die Uhr. So spät schon! Ich pfiff nach Coletto, der gerade großen Gefallen an einem angepinkelten Grasbüschel fand und galoppierte Delite an.
      Schon bald hatten wir die Weide erreicht. Schnell sattelte und trenste ich Delite ab und putzte sie. Nicht gründlich, aber so, dass der grobe Schmutz weg war.
      Danach eilte ich nach Hause. Coletto und Krümel bekamen schnell ihr Futter und ich zog mich um. Ich konnte ja schlecht in Stallklamotten zum Konzert!
      Als ich dann das Haus verlies, guckte Coletto mir treudoof hinterher. Selten, dass er allein war, und sein Blick brach mir fast das Herz. Aber da musste er auch mal durch, das musste er auch lernen.

      Und tatsächlich bekam ich noch einen Platz mittig der 1. Reihe - die beste Sicht überhaupt!
      Es ging gleich los mit meinem Lieblingslied und ich vergaß - wie jeder andere dort auch - alles andere um mich herum. Lautstark sang ich mit, bis ich heiser war. Es war einmalig!
      Am Ende holte ich mir von jedem der Mitglieder ein Autogramm und ging dann erfüllt, aber müde nach Hause. Dort knallte ich mich auch sofort aufs Bett und schlief ein.



      Am nächsten Tag weckte mich mein Kater mit permanentem Geschnurre. Als ich ein Auge aufmachte, blieb das nicht unentdeckt: Coletto sprang sofort aufs Bett und schleckte mir durchs Gesicht. 'Coletto, Krümel, guten Morgen!' Liebevoll kraulte ich die beiden, als dann auch mein Wecker klingelte. Ich scheuchte die Tiere vom Bett, die nur widerwillig hinuntersprangen, und setzte mir Wasser für den Tee auf, während ich die Futternäpfe füllte und mich duschte und umzog.
      Nachdem ich gefrühstückt hatte, machten Coletto und ich uns wieder auf den Weg zu den Pferden.

      Angekommen übte ich mit Dakini und Donnerschall erstmal das Fohlen-ABC. Allerdings waren die beiden so gut, dass ich sie bald wieder in die Freiheit entließ und mich Delite annahm. Diese putzte und sattelte ich, um mich dann fahrlässig wie ich war auf ihren Rücken zu schwingen und einen kleinen Ausritt zu wagen.

      Wir folgten den Wegen so wie wir lustig waren. Eine Strecke hatten wir uns nicht überlegt. Und so führte es uns zu einem anderen Gut, auf dem ein paar Pferde standen. Alles sah ein wenig heruntergekommen aus, allerdings hatte der kleine Offenstall riesige Fenster und auch die Weideflächen waren riesig. Jedoch stand am Weidezaun ein Schild:
      'Alle Pferde zu verkaufen!'
      Etwas weiter links direkt vor dem Zaun fiel mein Blick auf eine dunkle Jeans, in der ein ziemlich knackiger Männerhintern steckte. Etwas weiter oben entdeckte ich einen Nietengürtel auch noch lange schwarze Haare und einen großen, schwarzen Hut im Westernstil - was meine guten Vorsätze, bloß nicht anzuhalten, um sich nicht in ein Pferd zu verlieben, entgültig über den Haufen warf.
      Sanft lenkte ich Delite direkt auf den Zaun zu. Der Mann schien uns nicht bemerkt zu haben, er guckte weiterhin auf die Weide. Zumindest gleich musste er uns bemerken, denn Coletto rannte direkt auf ihn zu. 'COLETTOO! BLEIB HIER!', rief ich, aber der Hund war nicht zu bremsen und schmiss sich an den Fremden ran. Schnell sprang ich ab und lief mit Pferd an der Hand zum Hund. 'Entschuldigung, das macht der sonst nie...', murmelte ich peinlich berührt und war dabei, die Leine einzuhaken. Der Mann lachte. 'Lassen sie nur, ist schon in Ordnung, ist ja ein Süßer.' Er sprach beinahe perfektes Deutsch, trotzdem konnte man einen amerikanischen Akzent raushören. Kurz wendete er seinen Blick von der Weide ab und musterte mich. 'Hey, Sie waren gestern auf dem Konzert!' Verwirrt sah ich ihm ins Gesicht und...oh Gott, es war Seth, der Leadgitarrist meiner Lieblingsband! 'Äh...jaa...', antwortete ich, plötzlich ganz kleinlaut. 'Dann können wir uns duzen, nehme ich an?' Ich nickte grinsend.
      Nun musterte er Delite und ließ sie seine Hand beschnüffeln. Obwohl Delite in Sachen Menschen wählerisch ist, schien sie ihn zu mögen und kuschelte sich an ihn. Nun musste ich trotz aller Geschocktheit grinsen. 'Sie mag eigentlich nicht jeden.' - 'Und ich kann eigentlich nicht gut mit Pferden.' Nun lachten wir beide.
      Plötzlich kam ein kleines, fast komplett weißes Fohlen auf uns zugetapst. Neugierig beschnüffelte es erst Coletto und Delite, dann Seth und mich. Auf den ersten Blick war ich fasziniert von diesem Fohlen. Diese blauen Augen, und die paar kleinen braunen Flecken! Es musste einen einfach in seinen Bann ziehen! Vorsichtig hielt ich meine Hand hin und das Fohlen schnüffelte. Seth merkte schnell, wie faziniert ich war. 'Der Kleine heißt Outlaw Torn und ist ein Paint Horse', lächelte er. Erstaunt guckte ich ihn an. 'Woher weißt du das?' - 'Weil ich auch fasziniert von dem kleinen bin und die Besitzer ein wenig ausgefragt habe. Allerdings kann ich kein bisschen reiten und ihn nach Kalifornien zu bringen...das muss nicht sein. Sonst hätte ich ihn wahrscheinlich schon gekauft. Hoffentlich kommt er in gute Hände' Ich nickte verständnisvoll, wusste ich doch genau, wie die großen Turnierreiter mit ihren Pferden umgehen - egal welcher Reitstil.
      Nun kamen auch die anderen Pferde nach vorne. Eine braune Warmblutstute, ein Schimmelwallach und ein geschecktes Pony. 'Hat er hier gar keine anderen Fohlen?' Seth schüttelte den Kopf. 'Armer kleiner Outlaw' Ich kraulte dem kleinen Hengst die Ohren, was er sichtlich genoss. Es drückte seinen Kopf an meinen Bauch und wollte nurnoch näher rücken und schmusen! Leider war der Zaun im Weg, und ich musste mit einer Hand Delite festhalten.
      'Hast du mehrere Pferde?', fragte mich Seth. Ich nickte. 'Ja, Delite steht zusammen mit meinem Welshmix, meiner Haflingerstute, meinem Trakehnerhengstfohlen und meinem Tinkerhengstfohlen auf der Weide.' - 'Hast du nicht noch Platz?'
      Jetzt war ich wirklich perplex. Wollte mir der Leadgitarrist meiner Lieblingsband gerade ein Pferd andrehen? Allerdings war er so süß....beide waren so süß...
      'Eigentlich wollte ich keine Pferde mehr....Fünf Private sind eigentlich schon mehr als ich stämmen kann, dazu kommen noch meine Zuchtpferde auf River Dales, für die ich aber zum Glück Pfleger habe...außerdem kann ich mir den Kleinen wahrscheinlich gar nicht leisten, der Unterhalt ist nicht das Problem, aber momentan geht alles Geld für Renovierungsarbeiten drauf, hier habe ich ja noch nimmals einen Reitplatz...'
      Nun kam eine blonde Frau dazu, anscheinend die Besitzerin der Pferde. 'Monsterflosse!' Sie kannte mich also. Ich lächelte. 'Hallo' Sofort redete sie los. 'Sie interessieren sich für Outlaw? Es würde mich soooo freuen weil...ich weiß dass er es bei ihnen gut hätte und gefördert würde, er hat eine klasse Abstammung und...' - 'Mooooment, eigentlich habe ich nicht vor, noch ein Pferd zu kaufen, auch wenn Outlaw wirklich klasse ist, ich kann es mir nicht leisten.' Sie schien enttäuscht. Da mischte sich Seth ein. 'Und wenn ich ihn bezahle? Dann wüsste ich wenigstens, dass er in guten Händen ist...und für mich sind das Peanuts' Perplex starrte ich ihn an. 'Sie können doch nicht...nein! Das kann ich unmöglich annehmen!' Ich wandte mich an die Besitzerin. 'Was soll er denn kosten?' Die überlegte kurz. 'Ich dachte an so 7.000 Joellen, tiefer kann ich nicht gehen...wegen der Abstammung...der ist von Nacota, Mama ist Saramont...' Ich überlegte. Dann schwang ich mich auf Delite's Rücken. 'Ich muss mal kurz den Kopf freikriegen, ich komme nachher wieder, okay?' - 'Wollen Sie nicht Outlaw als Handpferd mitnehmen?' Ich fand, das sei eine gute Idee und ließ mir den Führstrick mit dem Fohlen am Ende in die Hand geben.
      Entspannt trabten wir durch den Wald, und trotz einiger brenzlicher Situationen blieb Outlaw die ganze Zeit brav und erschreckte sich kein einziges Mal. 'Delite, was meinst du?' Die Stute wieherte. Ich deutete das als 'Kauf ihn!'. 'Aber wie machen wir das mit dem Geld?'
      Langsam trabten wir wieder zu dem Hof. Die Besitzerin und Seth erwarteten uns bereits. Vorsichtig begann ich, mich ein wenig über die Umstände zu erkundigen. 'Weswegen verkaufen sie denn alle Pferde?' Die Besitzerin seufzte. 'Naja komplett alle verkaufe ich nicht...ich hab noch eine Stute, die Sandy, mein absolutes Traumpferd...sie hat so Rückenprobleme und bräuchte einen teuren Maßsattel, das kann ich nicht bezahlen...Außerdem wächst mir der Unterhalt über den Kopf, ich suche schon verzweifelt nach einer neuen Unterstellmöglichkeit, da ich den Hof nicht halten kann...'
      Das brachte mich auf eine Idee. 'Darf ich Delite mal kurz absatteln und mit auf die Weide stellen, damit ich mir Sandy mal anschauen kann?' Verwundert sah sie mich an, nickte aber.
      So gingen wir zu der Stute. Ein wunderschöner Palomino-Araber. Ich machte mich mit der Stute bekannt und betrat die Box, um ihren Rücken abzutasten. 'Hmm...', machte ich, 'vielleicht kann ich Ihnen ein Angebot machen. Ist sie Western- oder Englischgeritten?' - 'Western' Erwartungsvoll guckte mich die Besitzerin an. 'Ich habe Reitsportsattler gelernt und mache auch heute noch die Sättel für meine Pferde selbst, vielleicht kann ich ihnen einen Maßsattel im Tausch gegen Outlaw anbieten? Vielleicht könnten sie Sandy auch mit in den Offenstall zu meinen Pferden stellen, wenn Ihr Hof verkauft ist. Umsonst, sie müssten nur die Kosten fürs Zufüttern zahlen und sich mit mir die Arbeit mit der Instandhaltung der Weide teilen...was meinen sie?'
      Ich hatte ein breites Grinsen auf ihr Gesicht gezaubert, und auch Seth freute sich sichtlich. 'Auf jeden Fall wäre das möglich! Kann ich euch wohl nach Hause begleiten, mit Sandy, damit wir sehen ob die sich verstehen?' Ich nickte, und sie holte Sandys Halfter. Währenddessen sattelte ich Delite und Seth versuchte sich darin, Outlaw einzufangen. Schließlich wollte ich ihn gleich mitnehmen!
      Irgendwann standen wir alle drei am Hofeingang. Da kam mir eine Idee. 'Seth, setz dich doch einfach mal auf Delite!' Er starrte mich mit großen Augen an, als wüsste er nicht, was ich meine. 'Links nebens Pferd stellen, linker Fuß in den Steigbügel und mit dem rechten Bein kräftig abdrücken und dass über den Rücken schwinken. Na los, so schwer ist das nicht! Und Delite ist ganz brav, ich führe sie auch.' Das schien ihn zwar nicht ganz überzeugt zu haben, aber er probierte es. Und schließlich saß er tatsächlich auf Delite, auch wenn er ein wenig unbeholfen aussah. 'Na siehste', grinste ich.
      So gingen wir dann los, bis zu meiner Weide. 'Der Reitplatz und die Reithalle werden wieder aufgebaut, das heißt, bald haben wir auch eine gescheite Möglichkeit zu trainieren. Bis jetzt sind da ja nur die Weiden und der Offenstall, der Rest ist ja abgebrannt' Die Ex-Besitzerin von Outlaw nickte. Ich drückte ihr den kleinen Hengst in die Hand und kümmerte mich erstmal um Delite. Seth sprang (etwas unbeholfen) ab, ich sattelte ab und schickte sie auf die Weide. Dann ließen wir die Pferde sich über den Zaun beschnüffeln. Tatsächlich schien alles gut zu gehen! Also entließen wir auch Outlaw und Sandy auf die Weide. Bei den drei Hengstfohlen war es Liebe auf den ersten Blick, sie fingen sofort an, rumzutoben. Bei den Großen gab es erst ein paar Rangeleien, aber nachdem die Rangordnung geklärt war, grasten sie friedlich nebeneinander. 'Das klappt ja', lächelte Seth. Die Frau guckte auf die Uhr. 'Mist, ich muss weg. Ich nehm Sandy erstmal wieder mit, noch hab ich meinen Hof ja....Outlaw kann ich hier lassen, und tauschen wir schnell Handynummern?' Ich stimmte beidem zu und wir speicherten uns unsere Nummern ein.

      Nun waren die Pferde, Coletto, Seth und ich alleine. Plötzlich wurden wir erschreckt. 'MONSTA, was hab ich dir gesagt mit Paint/Quarter? Und was hast du über 'Schweinskoppviecher' gesagt?' Thomas hatte einen regelrechten Lachflash und umarmte mich begrüßend. Ich war ein wenig perplex, lachte dann aber auch lauthals mit. 'Hey, ich bin Thomas. Und Sie sind?', wandte sich Thomas an Seth. 'Seth', antwortete dieser zurückhaltend. Prüfend musterte Seth Thomas und mich, was mir nicht entging. Ich lächelte leicht, woraufhin Seth anscheinend ein wenig zerknirscht war. Die peinliche Stille breitete sich jedoch nicht weiter aus, denn Thomas musste wieder gehen und verabschiedete sich.
      'Ist Thomas dein Freund?', fragte Seth direkt. Ich schüttelte den Kopf. 'Nein, seit gestern mein Reitlehrer.' Seth's Anspannung schien ein wenig zu weichen und er lächelte wieder. Ich schaute erschrocken fest, dass es Neun Uhr Abends wahr! 'Musst du nicht irgendwann zum Hotel, oder so?', sprach ich Seth darauf an. Er seufzte. 'Ja, eigentlich hast du Recht. Ich muss wohl gehen.' Ich war ein wenig traurig, traute mich aber nicht, nach seiner Handynummer zu fragen.
      Lächelnd nahm er seinen Hut vom Kopf und setzte ihn mir auf. 'Der fehlt dir noch zum Westernreiten, oder?', flüsterte er, lächelte mich noch ein Mal an und ging wortlos.
      Perplex starrte ich ihm nach, wurde jedoch recht bald von Coletto daran erinnert, dass wir auch nach Hause mussten. Schließlich war schon längst Zeit fürs Abendessen!

      Auch Krümmel hatte mich bereits erwartet, also füllte ich schnell die Näpfe und schmierte mir ein Nutellabrot. Während ich dieses aß, guckte ich mir Seth's Hut genauer an. Echtes, weiches, schwarzes Leder, schlicht, ohne großartige Verzierungen. Im Inneren des Hutes stand was. Sein Name und...seine Handynummer!
    • Samarti
      RIVER DALES STABLES
      Zuchtumstellung?
      alter Bericht - von Monsterflosse
      'Hmm. Hmmmm.', machte ich und nahm einen Schluck Tee. Coletto und Krümel stapelten sich auf meinem Schoß, wie sie es gerne taten, und ich kraulte beide nacheinander hinter den Ohren. Währenddessen telefonierte ich mit Delilah, denn wir hatten festgestellt, dass unsere züchterischen Interessen mittlerweile doch ein wenig auseinander gingen. 'Und wenn du River Dales behälst, ich wieder Secret Creek aufmache und wir Partnerzuchten werden, uns also die Zuchtpferde teilen, von den Rassen die wir beide weiterhin haben, also hauptsächlich Shettys?', schlug sie vor. Nach kurzem Überlegen stimmte ich zu, das war wohl das beste. Wir verabschiedeten uns und legten auf.
      River Dales gehörte nun also nurnoch mir. Ich dachte über das Zuchtkonzept nach. Jetzt, da ich privat hauptsächlich Western ritt, waren Welsh Cobs, Tinker und Shettys irgendwie nicht mehr das richtige. Klar, man kann mit ihnen klasse Fahren, mit allen dreien, und besonders mit den Shettys hatte ich viel Spaß an der Bodenarbeit. Tinker machen sich auch unter dem Westernsattel gut. Aber Welsh Cobs mit der riesigen Knieaktion wohl eher weniger... Allerdings liebte ich sie genau deswegen, und sie sind einfach wunderhübsche Tiere. Aber viel mehr konnte ich darüber nicht nachdenken, denn mein Handy klingelte schon wieder. Diesmal war es Thomas, mein Reitlehrer. 'Hey Larissa, wie sieht's aus, heute Zeit für ne Reitstunde?' - 'Klar', lächelte ich, war in Gedanken aber noch bei der Zucht. 'Worüber grübelst du?', hakte Thomas nach. Ich erklärte ihm die Situation. Ich sah förmlich vor meinem inneren Auge, wie er verständnisvoll nickte. 'Und wenn du noch eine Rasse dazu nimmst, die fürs Westernreiten einfach super sind, Quarters zum Beispiel?' Ich überlegte. 'Eigentlich mag ich Quarters ja gar nicht so, ich steh so auf bunte Pfe....hey, vielleicht währen Paints ja was, da hätte ich ja schon einen kleinen Vererber im Stall...' - 'Eigentlich wollte ich dich eh fragen, ob wir die Reitstunde heute nicht sausen lassen wollen und zur Paintzucht, die nur ein paar Kilometer von unserem Reitstall entfernt ist, fahren wollen. Die sind pleite gegangen, haben wohl auch n bisschen Dreck am Stecken, und müssen jetzt alle Pferde abgeben...In dem Sinne gibt's da heute eine kleine Auktion, auch mit Pferden von anderen Höfen. Und ich seh dir an, dass du gerne ein gut ausgebildetes Westernpferd hättest, und solche gibt es da. Du hättest auf jeden Fall genug Talent dazu und es würd sich mit Sicherheit lohnen... Außerdem weiß ich doch mittlerweile, dass du total auf Roans stehst, und da gäb es eine Stute, die Kristy...Paint Horse, Bay Roan Tobiano, wunderhübsch und mit Potenzial, nur etwas schwierig, müsstest du dir angucken. Könnte vielleicht auch ein kleiner Startschuss für die Zucht sein, wir können uns danach ja auch mal vor den Computer hängen und gucken, ob wir noch mehr Paints finden, die dir gefallen könnten, was meinst du? Dein zweiter Offenstall ist doch mittlerweile fertig renoviert und Reithalle sowie Reitplatz doch auch fast und....' - 'MOMENT. Meinst du, ich kann Geld scheißen?' - 'Ich glaube an dein züchterisches und reiterliches Können und würde Anfangs vielleicht mit einsteigen, wenn du magst. Einzige Bedingung wäre, dass ich meinen Flash bei dir unterstellen dürfte, wenn er sich mit deinen Hengsten soweit versteht, und ich eventuell bei dir als Reitlehrer auch für andere Schüler arbeiten könnte... Mit der Paintzucht geht nämlich nicht nur die Zucht an sich pleite, sondern auch der Reitstall, und das ist dieser hier...ich muss hier raus.' Er seufzte tief und ich überlegte. 'Gut, ich komm dann rüber zu euch und wir fahren zu der Auktion. Wenn mir Kristy zusagt, werde ich sie kaufen, und wenn es noch weitere Paints gibt, die mir da gefallen, ließe sich darüber reden, eine Zucht aufzubauen und dich als Reitlehrer einzustellen. Abgemacht? Wann soll ich rüberkommen? Sind Hunde erlaubt?' - 'Meinetwegen kannst du dich auf den Weg machen und ja, du kannst Coletto mitnehmen.' - 'Gut, ich kümmer mich eben noch auf die Arbeitsverteilung auf River Dales und lad dann Coletto ins Auto. Hänger häng ich mal vorsichtshalber an... Ich guck auf dem Weg noch eben auf meiner Weide vorbei und dann komm ich rüber. Bis später!' - 'Bis später!'
      Ich tippte die Nummer von Daniel ins Display. 'Hey Monsta!', begrüßste er mich. 'Hey Daniel. Machen wir's kurz, haste Bock zu Fahren? Dann würd ich vorschlagen du arbeitest Legacy und Morning im Gespann, Marcel kann Knives und Siana zusammen anspannen. Dann könnt ihr euch aufteilen, Dots möchte gerne ein bisschen vom Boden aus gefördert werden und Sorrows soll n bisschen Dressur gearbeitet werden.' - 'Wird gemacht, Chefin.', lachte er ins Telefon, verabschiedete sich und legte auf.

      Ich holte die Leine von Coletto und hakte sie ins Halsband. Mein Blick fiel auf den Hut, den mir Seth geschenkt hatte...kurz betrachtete ich ihn, mit einem schlechten Gewissen, noch nimmals abends eine SMS geschrieben zu haben. Ich redete mir ein, dass ich jetzt eh keine Zeit hätte (was ja auch irgendwo die Wahrheit war) und ging zum Auto, den Hut in der Hand, sozusagen als Glücksbringer. Dort legte ich Coletto sein Geschirr um, schnallte ihn an und hängte den Hänger an. So fuhr ich erst zu meiner Weide, wo alles in bester Ordnung war und alle Pferde friedlich grasten, und danach zum Reitstall, um dort Thomas zu begrüßen. Der sprang auch sofort ins Auto und so fuhren wir zu der Paint Horse-Zucht.
      Da die Auktion erst in einigen Stunden anfing, blieb noch genug Zeit, die Pferde anzusehen. Dank Thomas und seiner Kontakte zu diesem Hof, konnte ich glücklicher Weise darauf vertrauen, dass alle Pferde gesund waren. Er konnte mir zu jedem Pferd einen kleinen Roman erzählen. Als er mir von jedem Pferd erzählt hatte, gingen durch den Stall.

      Mir fiel sofort eine Rappscheck-Stute ins Auge. Ich ließ sie an meiner Hand schnüffeln. Sie war etwas zurückhaltend, aber ganz sanft. 'Ob ich die mal probereiten darf?', hauchte ich, fasziniert von den blauen Augen der Stute. 'Ja klar', meinte eine Männerstimme und drückte mir eine Trense in die Hand. 'Geputzt ist sie ja für die Auktion, der Sattel ist unten rechts in der Sattelkammer.' Während Thomas den Sattel holte, schlüpfte ich in die Box und legte der Stute - die übrigens Mausi gerufen wird, aber eigentlich The Morticians Daughter hieß - die Trense an. Mir gefiel sie voll und ganz, selbst der Name war total nach meinem Geschmack.
      Als Thomas und ich sie aufgesattelt hatten, ließ sie sich ohne Probleme aus der Box auf den Reitplatz führen. Dieser war rappelvoll. In einer Ecke sah ich eine Roanscheckstute, die ihren Reiter nicht aufsteigen ließ, und schmunzelte. Bei Mausi hatte ich mit dem Aufsteigen keine Probleme und bereits nach ein paar Runden war ich regelrecht verliebt. Thomas nahm mir die rosarote Brille ab. 'Wolltest du nicht entweder was ganz gut ausgebildetes oder ein ganz junges mit viel Potenzial? Mausi ist jetzt sieben, also weder super ausgebildet noch ganz jung...' Ich überlegte. Aber ich war doch so verliebt... 'Gucken wir, was der Preis so sagt', meinte ich und sprang ab. Nun konnte ich mir das Schlamassel mit der Roanscheckstute in der Ecke nicht mehr ansehen. Der Reiter hatte es noch immer nicht geschafft, aufzusteigen. Mausi drückte ich Thomas in die Hand und ging zu den beiden. Auf meine Frage, ob er Hilfe bräuchte, erntete ich nur ein zickiges 'machen Sie es doch besser!'. Das ließ ich mir nicht zwei Mal sagen. Ich nahm die Stute aus seiner Hand und führte sie ein paar Runden. Soweit das ging, immer wieder versuchte sie, die Führung zu übernehmen, sei es durch Zwicken oder einfach überholen. Damit hatte ich allerdings gerechnet.
      Nach ein paar Runden stoppte ich sie und stieg geschickt schnell auf, ohne dass die Stute Zeit zum Nachdenken hatte. Ich lächelte süffisant und klopfte sie. Sanft gab ich ihr Schenkeldruck und sie gehorchte aufs Wort und setzte sich in Bewegung. Sie schnaubte zwar missmutig, aber sie tat, was ich von ihr wollte.
      Währenddessen kam Thomas zurück und lachte. 'Du hast Kristy entdeckt. Ich wusste dass du mit ihr klarkommst! Wie gesagt, sie ist nicht unbedingt einfach, hat aber unheimlich Potenzial. Sie bräuchte einfach den richtigen Reiter...und sie würde in dein Beuteschema passen, mit 5 Jahren ist sie noch relativ jung.' Ich nickte überlegend und brachte die Stute zum Traben.
      Nach ein paar Wendungen und Gangwechseln stellte auch ich fest, dass die Stute unheimliches Potenzial hatte und unterm Sattel nicht halb so biestig war, wie im Umgang. Langsam ritt ich zu Thomas, um seinen Rat zu hören. 'Was meinst du?' - 'Ich würde mich freuen, wenn du sie nimmst. Ich habe Angst, dass sie sonst durch zig Hände geht, weil sie eben nicht einfach ist, auch wenn sie unheimliches Potenzial hat... Und du kommst super mit ihr klar, das könnte was werden.' Ich nickte und überlegte mir, wie hoch ich höchstens für sie gehen würde, während ich sie zurück in die Box brachte.
      Ich wollte mich schon so langsam auf die Plätze bei der Auktion begeben, als Thomas mich zurückrief. 'Hey, wenn du eine Zucht aufbauen möchtest...suchst du nicht noch einen Stammhalter, so lange Outlaw noch zu jung ist? Ich hab hier ein ganz besonderes Exemplar von Paint Horse gefunden...'
      In der hintersten Box stand ein schwarzbrauner Hengst. Ich schmunzelte. 'Paint Horse? Ich hätte schon gern nen bunten als Stammhalter...' Thomas grinste. 'Er ist bunt.' Ungläubig beäugte ich Thomas. 'Wo?' - 'Hol ihn mal raus und reit ihn mal Probe, ich glaub er ist klasse, zumindest was Abstammung und so angeht.' Ich tat wie Thomas sagte und legte ihm die Trense an. Als wir die Box verließen, kamen ein vollkommen weißer Hintern und zwei vollkommen weiße Hinterbeine zum Vorschein. Ich grinste. 'Als wäre er in einen Topf Farbe gefallen - genial!' Nun freute ich mich ein wenig mehr aufs Probereiten und auch unter dem Sattel machte er sich 1A. Er war zwar noch nicht perfekt ausgebildet, wie ich es eigentlich wollte, aber dieses Potenzial...unglaublich! Auch für ihn dachte ich mir schon innerlich ein Höchstgebot aus, als wir ihn zurück brachten. Ich MUSSTE diesen Hengst haben!

      Die Auktion begann gleich mit Mausi. Sie hatte einige Interessenten und ich fürchtete schon, keinen Zuschlag zu bekommen. Doch ich irrte mich, ich war tatsächlich Höchstbietende! Mausi gehörte MIR!
      Ich war immernoch voller Endorphine, als Kristys Auktion begann. Thomas stupste mich an, damit ich endlich aufmerksam wurde. '1.000 Joellen? Höre ich 1.000 Joellen?' Stille. Niemand bot. 'Niemand? Wirklich niemand für diese wunderschöne Stute?' Promt biestete Kristy ihre Führperson an. 'Irgendwo kann ichs verstehen...ich muss verrückt sein', flüsterte ich zu Thomas und hob endlich meine Hand. '1.000 Joellen von der Dame dort hinten! 1.500? Höre ich 1.500?' Der Auktionator versuchte alles erdenkliche, um mehr herauszuschlagen, doch letztenendes war das Startgebot auch das Höchstgebot und Kristy war meine.
      Immernoch glücklich sah ich, wie der Hengst in die Halle geführt wurde. Die Gebote schallten nur so durch den Raum und es wurde immer mehr. Ich sah ihn innerlich schon in einem anderen Stall, denn mir ging das Geld aus. Doch Thomas schaltete sich ein. 'Was du nicht hast, lege ich drauf', meinte er und hob seine Hand.
      Schließlich wurde 'Unbroken Soul Of A Rebel' das teuerste Pferd des Abends. Trotzdem ging auch er an uns!

      Überglücklich gingen wir zum Auto und öffneten den Hänger. Zum Glück hatte ich gleich das Modell für 3 Pferde mitgenommen. Jetzt mussten sich die drei nurnoch verstehen.
      Wider Erwarten war das jedoch kein Problem und schon kurze Zeit später standen die drei Pferde friedlich nebeneinander. Kristy hatte regelrecht einen Narren an Mausi gefressen...
      Auch auf der Weide zu Hause hatten wir keine Probleme. Ich schnappte mir gleich Bonsaj und Lady, um einen kleinen Spaziergang zu wagen und ein wenig nachzudenken.
      Thomas kam mir auf Flash entgegen und riss mich aus meinen Gedanken (die sich übrigens fast ausschließlich um Seth drehten, obwohl ich mir wohl mehr Gedanken um die Zucht machen sollte). 'Wie sieht's jetzt eigentlich aus mit der Zucht?', lachte er. Ich grinste. 'Mit drei Pferden im Gepäch, die sich alle für die Zucht eignen würden, würde ich wohl sagen....beschlossene Sache. Du kannst hier bald als Reitlehrer anfangen.' Er lächelte, sprang von Flash ab und nahm mich in den Arm. 'Danke', hauchte er mir ins Ohr. 'Ich hab zu danken', lächelte ich und erinnerte ihn an Unbroken, der ohne Thomas jetzt nicht auf meiner Weide stehen würde. 'Ich setz mich heute Abend noch vor's Internet und suche geeignete Stuten und Wallache, für Zucht, aber vor Allem für Reitschule und nicht zuletzt für den Sport. Schließlich wollte ich doch eigentlich ein perfekt ausgebildetes Paint für den Sport, naja', grinste ich. Er lächelte immernoch, musste dann aber weiter und auch ich brachte die beiden Ponys wieder auf die Weide.
      Dort sah ich, wie sich Unbroken und Delite ausgiebig beknabberten und Mausi mit Kristy über die Weide fetzte. Ich lächelte über das Glück, das ich mit den Pferden hatte. Bis jetzt hatte sich jeder mit jedem Vertragen.

      Coletto und ich fuhren im Auto zurück nach Hause. Dort öffnete ich erst einmal eine Flasche Sekt und fütterte Hund und Katze. Danach schaltete ich den PC ein. Während dieser hochfuhr, nahm ich einen Schluck, drehte die Musik aus und spielte mit dem Hut in meiner Hand. Würde bestimmt klasse aussehen, wenn ich dazu einfach eine schicke Röhre tragen würde, Westernboots, einen schicken Pyramidennietengürtel, Lederjacke,... Am besten mit einem schwarzen Sattel mit Trense ebenfalls mit Pyramidennieten.... Mit diesen Gedanken im Kopf schnappte ich mir erstmal Bleistift und Papier und entwarf einen Sattel. Irgendwann würde ich einen solchen für eins meiner Pferde bauen!
      Ich hörte Krallen auf dem Laminat schlürfen und schon bald saß Coletto neben mir. Neugierig betrachtete er den Hut, kam näher, beschnüffelte ihn und stupste auf die Stelle mit Namen und Handynummer von Seth. Schon hatte ich wieder ein schlechtes Gewissen... Tröstend legte Coletto seinen Kopf auf mein Bein und sah mich mit einem Dackelblick an. Sanft kraulte ich ihm die Ohren und überlegte... Rufe ich ihn an? Jetzt noch? Schreib ich ihm ne SMS?
      Ich zog das Handy aus meiner Hosentasche. Speicherte die Nummer ins Adressbuch. Öffnete das Adressbuch. Starrte auf die Nummer. Schloss das Adressbuch. Öffnete es wieder. Starrte wieder auf die Nummer. Schloss es wieder...
      Wenn ich anrufen würde, was würde ich überhaupt zu ihm sagen? Hallo, hier ist son Fan, dem du deinen Hut geschenkt hast, wollen wir uns mal treffen? Sicher nicht. Coletto winselte und auch Krümel gesellte sich zu uns. Als ich das Handy weglegen wollte, biss er mir in den Finger. 'Krümel!', rief ich erschrocken, behielt das Handy aber in der Hand. Endlich drückte ich auf die Nummer. Es tutete. Allerdings nicht lange. 'Hello?' Mein Herz schlug bis zum Hals 'Hallo Seth...', krächzte ich. Sehr sexy. 'Monsterflosse?' ER KANNTE MICH NOCH! Ich nickte, stellte dann aber fest, dass er das nicht hören könnte, und brachte ein schüchternes 'ja...' hervor. 'Ich dachte schon du meldest dich nicht mehr, ich freu mich so! Sag mal hast du irgendwann mal Zeit oder so?' Seine Stimme überschlug sich beinahe, was mich dann doch ein wenig grinsen lies. Also nahm ich allen Mut zusammen und sagte 'ich hab gerade eine Flasche Sekt geköpft und wollte mich vor dem Computer nach Verkaufspferden umschauen, hat sich n bisschen getan was meine Pferdepläne angeht....Interessiert dich wahrscheinlich weniger, aber vielleicht hast du Lust, mir beim Vernichten der Flasche Sekt zu helfen?' Ich hörte förmlich, wie er breit lächelte, und meine Anspannung wich. Ein bisschen zumindest. 'Natürlich, wo wohnst du denn?', fragte er und ich verriet ihm, wo ich wohnte.
      Er machte sich also auf den Weg und ich zog mir noch schnell was feineres an. Dann schloss ich mein Handy an die Anlage an, ein bisschen Musik konnte ja nie schaden.

      Schon bevor es klingelte, rannte Coletto wie von einem Schwarm Bienen verfolgt zur Tür. Etwas perplex stand ich dann schon an der Tür, bevor Seth die Chance hatte, überhaupt zu klingeln.
      Dieser wurde auch sofort von Coletto angewuselt. Lachend griff ich in sein Halsband und zog ihn ein wenig zurück, worauf hin mich Seth lächelnd mit einer Umarmung begrüßte.
      Wir gingen sofort ins Wohnzimmer und ich verteilte ein wenig Sekt. Kaum saßen wir, kam auch schon Krümel und schlich um unsere Beine. 'Ich hoffe du hast nichts gegen Katzen, Krümel ist ein wenig...anhänglich.', lächelte ich schüchtern. Seth lächelte zurück. 'Kein Problem. Was hast du denn jetzt geplant, was die Zucht angeht?' Ich erklärte ihm den kompletten Plan und er hörte gespannt zu. 'Also suchst du noch Shetlandponys und Paints, wenn ich das richtig verstanden habe?', hakte er am Schluss ab. 'Genau.' - 'Ja dann mal los!'
      So öffneten wir das Internet und begaben uns auf die Suche. Das erste Pferd, was uns ins Auge stieß, war eine prämierte Cremelloscheckstute und sofort griff ich nach dem Telefon, um den Besitzer zu kontaktieren. Dieser schien nett und erzählte mir von der angeblich besonders freundlichen, ruhigen Stute. Wir machten ein Termin für den nächsten Tag aus, damit ich mir die Stute ansehen konnte. Während wir telefonierten, hielt Seth Ausschau nach weiteren Pferden. Gerade als ich auflegte, hatte Seth eine weitere Stute gefunden. 'Die sieht besonders aus wie die talentiertesten Paints bei uns in Amerika!', berichtete er begeistert. Und auch ich war sehr angetan. Eine wunderschöne, knallig rotbraun-gescheckte, sehr bemuskelte, gut ausgeblidete Stute. Genau das was ich gesucht hatte! Wir scrollten etwas herunter, um die Beschreibung zu lesen. 'Sie heißt Splattersplatterbloodsplatter', schmunzelte Seth. 'Snow White's Poison Bite, wuhu!', lachte ich. 'Du kennst die?' - 'Klar, ich mag die total.' Seth lächelte 'Ich auch' Und so riefen wir auch ihren Besitzer an, um einen Termin zu vereinbaren.
      'Ich gucke mal kurz meine Mails nach, mittlerweile hat sich meine Suche ja ein wenig herumgesprochen, vielleicht meldet sich ja noch jemand mit Pferden für mich.' Und so war es tatsächlich. So wurde mir ein Graufalb-Shetlandfohlen angeboten, Winnie wollte ihre Jungstute Caramel Sensation abgeben - aber ausdrücklich nur in gute Hände, weswegen sie sich an mich wandte, und RoniChoni hatte einige Shettyzuchtpferde abzugeben. Alle boten mir an, einfach irgendwann vorbei zu kommen. Vielleicht ließe sich das ja morgen noch einrichten, nach den beiden Paintstuten, überlegte ich.
      'Lass uns mal ein bisschen weitergucken, du wirst ja sicher nicht alle angeguckten nehmen', schlug Seth vor. Also surften wir noch ein wenig herum.
      'Woa.', entfuhr es uns beiden, als wir, ziemlich am Ende der Kleinanzeigen angekommen, auf einen Hengst stoßen. Ein Silver Bay Sabino, Stichelhaare, Dapples, weiße Ohrspitzen. Ein wahrer Hingucker. 'Eigentlich hab ich genug Hengste...', überlegte ich, aber Seth klickte schon auf den Verkäufer, um sich den näher anzugucken. 'Vielleicht hat der Verkäufer ja noch ein paar ebenso nette Stuten, und das mit dem Hengst kannst du dir dann überlegen, wenn du ihn dir einfach mal anguckst.' Ich nickte und wir sahen durch die anderen Verkäufe durch. Dort befanden sich zwei als Quarter Pony eingetragene Mischlings-Ponystuten und tatsächlich eine schöne, Roanfarbene Paintstute, die wir uns näher ansahen und entschieden, auch bei diesem Verkäufer anzurufen und einen Termin zu machen.
      Damit wanden wir uns aber entgültig der noch relativ vollen Flasche Sekt zu und fuhren den PC runter. 'Mit wem willst du dir die Pferde eigentlich angucken?', fragte Seth. Ich brauchte da nicht lang überlegen. 'Ich denke mal mit Thomas, ich ruf ihn morgen früh dann gleich an, ob er Zeit hat... Der hat mehr Ahnung als ich, vor Allem was Paints angeht' Seth nickte. 'Kann ich vielleicht mitkommen?', fragte er etwas schüchtern. Ich lächelte. 'Klar, wenn du willst.' Er freute sich, ich mich auch, und wir beide nahmen einen Schluck Sekt.
      Und dann redeten wir. Redeten und redeten, über Tiere, Musik, Motorräder, Haare, einfach über alles. Stunden lang. So lang, dass er plötzlich auf die Uhr sah und feststellte, dass es schon Mitternacht war. Und so lang, dass wir gar nicht bemerkten, wie schnell alles draußen von einer dichten, weißen Schicht überdeckt wurde. So schlichen wir zum Fenster und sahen, mit dem letzten Glas Sekt in der Hand, in eine weite, weiße Landschaft, die von vielen weißen Flocken immer mehr bedeckt wurde. Es war eine wunder, wunderschöne Aussicht.
      Diese trübte sich jedoch bald, als wir auf den Parkplatz sahen, und feststellten, dass das Räumfahrzeug schon da war. Und alle Autos zugeschippt hatte. 'Den krieg ich ja nie da weg...', seufzte Seth. Tatsächlich traf es sein Auto am Schlimmsten. Während hinter meinem nur ein kleiner Berg war, versank das Heck seines Autos regelrecht in einem Schneeberg. Demotiviert ging er zum Stuhl und ließ sich auf diesen fallen. Offensichtlich machte er sich Gedanken, wie er denn bitteschön wieder zum Hotel kam. Ich atmete tief durch. 'Und was wenn du einfach hier bleibst? Ich find schon nen Platz und Decke und Kissen sollten sich auch auftreiben lassen...' Er sah mir in die Augen. 'Ehrlich? Hast du da kein Problem mit? Immerhin bin ich fast n Fremder...' Ich schüttelte mit dem Kopf. 'Passt schon. Du müsstest nur damit klar kommen, nicht allzu viel Schlaf zu bekommen, ich muss nämlich früh raus zu meinen Pferden.' Er lächelte. 'Kein Problem' Ich lächelte ihn ebenfalls kurz an und machte mich daran, Decken und Kissen zu suchen. 'Jetzt müsste man nurnoch ein Gästezimmer oder ein etwas breiteres Sofa haben', seufzte ich und starrte auf mein schmales Sofa, auf dem man unmöglich schlafen konnte. 'Geht schon', meinte er, und ich schüttelte nur mit dem Kopf. 'Ich kann dich da unmöglich schlafen lassen, da bekommt man Rückenschmerzen von, alles schon ausprobiert.' Er stand auf und kam einen Schritt näher. Nachdenklich starrte ich in Richtung meines Schlafzimmers, in dem ein großes Doppelbett stand. 'Und wenn...?', fragte er vorsichtig und folgte meinem Blick. 'Na gut', meinte ich und schleppte Kissen und Decken in mein Schlafzimmer. Er folgte mir.
      Schnell schnappte ich mir meinen Schlafanzug und ging ins Bad, um mich bettfertig zu machen. Wieder angekommen, stand er immernoch dort wie zuvor. 'Ich habe keinen Schlafanzug dabei...', murmelte er fast unverständlich. Ich grinste. 'Meinst du echt ich hätte ein Problem damit, wenn du nur in Unterwäsche schläfst?' Nun grinsten wir uns an. Kurz darauf machte ich es mir schon auf meiner Seite im Bett bequem, er entledigte sich unnötiger Kleidung und legte sich schnell auf die andere, konnte so jedoch nicht ganz meinen bewundernden Blicken entgehen. 'Was sagst du zu Tieren im Bett?', fragte ich vorsichtig. Er lächelte. 'Kein Problem, so lange mich keines rausschmeißt.' Als hätten sie das gehört, kamen Krümel und Coletto angetapst und sprangen mehr oder weniger elegant aufs Bett. Krümel auf die äußere Seite meines Kopfkissens und Coletto machte es sich zwischen Seth und mir bequem. 'Er scheint dich zu mögen', lächelte ich Seth an, und er streichelte dem Hund zärtlich über den Kopf. Dieser grunzte glücklich. Nachdem er seine abendlichen Streicheleinheiten abgeholt hatte, tapste er ans untere Bettende und kuschelte sich ein wenig unter meine Bettdecke. 'Sehr praktisch, wenn man kalte Füße hat', stellte Seth fest. 'Jep, deswegen hab ich ihm auch erlaubt im Bett zu schlafen', lachte ich. 'Gute Nacht' - 'Gute Nacht' So schaltete ich das Licht aus und kuschelte mich gemütlich in meine Decke. Seths und Colettos leisen Atemzügen lauschend schlief ich auch bald zufrieden ein.


      'Piep - Piep - Piep!'
      Das immer lauter werdende gepiepse meines Weckers weckte mich. Und das bleib nicht lange unbemerkt - Coletto kroch sofort hoch zu mir, natürlich unter der Decke, es könnte ja kalt werden. Mit einem Blick auf den noch schlafenden Seth schaltete ich den Wecker aus und begrüßte Coletto, indem ich ihn ausgiebig kraulte. Danach schlich ich mich aus dem Bett, ab in die Küche, das Futter für die Tiere vorbereiten. Ausnahmsweise folgten mir die beiden nicht - Krümel war noch am Schlafen und Coletto schien noch ein wenig bleiben zu wollen. Also stellte ich die vollen Näpfe einfach auf den Boden, zog mir Stallkleidung an und bereitete mit den wenigen Zutaten, die ich im Haus hatte, ein kleines Frühstück vor.
      Danach entschied ich, dass Seth so langsam auch aufstehen musste, und schlich wieder ins Schlafzimmer. 'Guten Morgen', flötete ich. Ein bereits hellwaches 'Guten Morgen' kam zurück und ich sah, wie sich Coletto auf Seths Bauch gemütlich gemacht hatte und gekrault wurde. Ich grinste. 'Frühstück wäre fertig, wenn du Hunger hast.' Seth lächelte. 'Danke, gern, ich zieh mir nur eben was an und komm dann rüber'
      Daraufhin ging ich zurück in die Küche und schnitt ein paar Scheiben Brot ab. Seth gesellte sich schon bald dazu und auch Coletto und Krümel machten sich nun eifrig über ihr Futter her. 'Kann ich dir vielleicht gleich helfen, mit deinen Pferden? Ich kann zwar nicht so gut mit Pferden umgehen aber du hast noch so viel vor heute da kannst du vielleicht ein bisschen Hilfe gebrauchen...' Ich lächelte. 'Klar, gerne'
      Und so setzten wir uns ins Auto und fuhren zusammen mit Coletto zu den Pferden. Der Schnee war mittlerweile wieder weggetaut, es herrschten 8°C und es schien herrlich die Sonne. Verrücktes Wetter.
      Am Zaun wurden wir auch gleich von Unbroken begrüßt. Kurz darauf folgten Mausi, Delite, Dakini, Outlaw, Whiskey und Bonsaj. Nur Kristy galoppierte unbeirrt über die Weide und buckelte ausgelassen. 'Selbst Schuld', murmelte ich und steckte allen Pferden eine Möhre zu. 'Okay, was kann ich tun?', fragte Seth. 'Du könntest schnell das Wasser hier vorne auffüllen, der Hahn ist am Offenstall. Ich hole währenddessen das Heu und...hm so viel war gar nicht zu tun, Arbeiten tu ich die Pferde heute Abend. Bonsaj und Lady haben eh eine Reitbeteiligung, die fünf neuen brauchen Ruhe und Delite schadet ein freier Tag auch nicht, nur die Fohlen brauchen ein bisschen Beschäftigung. Ich rufe mal eben Thomas an, ob er auch mitkommen kann' Seth nickte und ich wählte Thomas' Nummer, der auch ziemlich schnell am Apparat war. 'Hallo?', tönte es durch den Lautsprecher. 'Hi Thomas! Du ich hab mich mal ans Internet gesetzt und ein bisschen nach Pferden geguckt, kurz um, ich habe jetzt Termine bei sechs Leuten, um mir die Pferde anzuschauen. Du hast nicht zufällig Zeit und magst mir ein wenig helfen?' Er lachte. 'Das wird stressig, aber okay. Ich verbring gern Zeit mit dir.' - 'Seth kommt übrigens auch noch mit...' Thomas schien nicht sonderlich begeistert. 'Der Bandtyp da, der Gitarrist? Na wenns sein muss... Treffen wir uns an deiner Weide?' Ich stimmte zu und wir legten auf.
      Bald kam Thomas an - mit seinem großen Trailer - und wir fuhren los.

      Kurze Zeit später kamen wir bei Stute Nummer 1 an. Freundlich kam sie schon am Zaun auf uns zu und wir alle waren schon vom ersten Augenblick von der weißen Stute namens Goodbye Graceful begeistert, sodass nach dem Probereiten schon bald fest stand, dass wir sie mitnehmen würden. Wir wollten sie dann gleich abholen, wenn wir bei den anderen Pferden waren.
      Die zweite Stute, die gut ausgebildete Scheckstute, verschlug uns einfach nur die Sprache. Unheimlich bemuskelt, blutrot, schön und dieses Talent! Damit hatten wir heute schon die zweite Stute gekauft.
      Danach fuhren wir zu mKay, die uns auch sofort freundschaftlich begrüßte und uns die Shetlandponys zeigte, die sie abgeben wollte. Besonders Window, Nabila und Werina hatten es mir angetan und damit waren es heute schon fünf Pferde, die wir kauften. Zum Glück hatte ich viel gespart, um die Zucht aufbauen zu können.
      Das nächsten Pferde, die wir uns ansahen, waren wieder Shettys. Dieses Mal hatte es mir aber nur ein Fohlen namens 'Sweet Present' angetan. Auch für sie unterschrieben wir den Kaufvertrag.
      Bei Caramel Sensation war es keine Frage, ich kannte die Stute ja schon länger bei Winnie und fand sie einfach von Anfang an klasse. Auch sie hatte unheimliches Talent und war einfach wunderschön!
      Unsere letzte Anlaufstelle war der Besitzer des Silver Dapple-Hengstes und der Roanstute. Wir erfuhren, dass auch er seine vier Pferde privat hielt, jedoch in der Landwirtschaft auf Bio Umstieg und für diesen Umstieg viel Geld benötigte und sich die vier somit nicht mehr leisten konnte. Trauig streichelte er die schokobraune Ponystute, die an den Zaun gekommen war. 'Wow, wie ein Miniatur-Quarter', entfuhr es dem sichtlich beeindruckten Thomas. 'Ist ja auch ein Quarter Pony', lächelte der Besitzer traurig. Auch Seth und ich waren schon bald begeistert von der kleinen, wunderschönen Stute. Thomas nahm mich beiseite. 'Wie wäre es, wenn wir noch Quarter Ponys züchten?' - 'Hatte ich auch schon drüber nachgedacht...lass uns mal gucken was er für sie will und so und dann gucken wir weiter' Thomas nickte und wir gingen zurück zu Seth und dem Besitzer. Mittlerweile waren auch noch die drei anderen Pferde am Zaun. Ich ritt alle vier Probe und alle vier begeisterten mich. Noch dazu stellte sich herraus, dass Gisela die Tochter von der heute gekauften Goodbye Graceful ist und so entschied sich schon bald, dass wir alle As War Fades, Nevaeh, Gisela und Abigail übernehmen wollten.

      Nachdem wir alle Pferde abgeholt und mit den anderen bekannt gemacht hatten, setzten wir uns alle auf den Zaun und genossen den Anblick tobender Pferde vor einem wunderschönen Sonnenuntergang. Zum Glück hatten sich wieder alle vertragen. 'So, ich muss mich jetzt noch um den Verkauf meiner Welshis kümmern, auch wenns mir schwer fällt, und dann kann's so langsam los gehen mit River Dales', seufzte ich. 'Ich freu mich schon drauf, vor allem auf unsere Zusammenarbeit, auch wenn das mit dem Geld wohl ein wenig knapp wird, aber irgendwie schaffen wir das schon.' Auch ich freute mich bereits. 'Joa, die anderen Weiden und die Abfohlbox und ein Hauptgebäude müssen wohl erst einmal warten, wenn überhaupt', gab ich von mir. Da schaltete Seth sich ein. 'Vielleicht kann ich euch ein wenig behilflich sein? Wenn ich dafür Reitunterricht bekomme und n bisschen Einfluss habe. Meine Eltern haben mal erfolgreich Border Collies gezüchtet, da hab ich auch ein wenig Erfahrung, auch wenns was anderes ist als so ein Pferd, aber im Grunde...'
      Das würde Thomas und mir natürlich sehr helfen, und ich fand die Idee grunsätzlich gut, nur machte ich mir Sorgen um Thomas' Meinung. Doch nachdem ich ihn ansah, schien ihm die Idee doch zu gefallen, und so konnte ich beruhgt sagen: 'Meinetwegen gern!' Seth grinste breit. 'Dann seh ich auch meinen kleinen Outlaw öfter mal' Ich nickte.
      Thomas züchte eine Sektflasche und drei Plastikgläser. 'Darauf müssen wir anstoßen!'

      So ließen wir den Abend ausklingen und fuhren dann alle Richtung zu Hause. Bei mir angekommen schaute Seth ein wenig bedröppelt. 'Ich denke ich muss mich mal wieder bei meiner Band blicken lassen. Wir sehen uns ja hoffentlich...morgen oder so?' Traurig nickte ich. 'Bis morgen', verabschiedete ich mich. Seth sah mir einen Moment in die Augen und drückte mich dann zärtlich. 'Bis morgen', flüsterte er mir ins Ohr und ging.
    • Samarti
      RIVER DALES STABLES
      Es geht voran
      alter Bericht - von Monsterflosse
      'Uaaaaa!', gähnte ich. Der Wecker hatte gerade geklingelt und wollte mich auffordern, aufzustehen. Was er aber nie schaffte. Also schlug ich einmal fest auf seine Oberseite und er gab sich geschlagen. Die Ruhe hielt jedoch nicht lang, denn schon hörte ich Hundekrallen auf Laminat klackern. Coletto drückte sich einmal kräftig ab und landete direkt auf mir. Lachend kraulte ich ihm die Ohren und empfang auch gleich Krümel. Nach ein paar Schmuseminuten bequemte ich mich dann doch mal aus dem Bett, richtete das Essen für Hund und Katze an, duschte, zog meine Pferdeklamotten an und schlang mein Frühstück in mich hinein. Heute würde ein einigermaßen entspannter Tag werden - keine großen Ausflüge, nur Pferdepflege und ein wenig Reiten. Und natürlich den neuen Reitplatz einweihen. Dachte ich zumindest.
      Gemütlich schlug ich die Anzeigenseite der Zeitung auf und entdeckte drei Anzeigen von Freundinnen. Sweetvelvetrose wollte ihren Bestand ein wenig verkleinern, Sammy gab einen Quarter Pony Hengst ab und mKay verkaufte einen Shettyhengst und ein Reitpony. Das Reitpony lag nicht in meinem Interessenbereich, aber da ich mit einem Shettyhengst in der Zucht nicht weit kommen würde und Sweetvelvetrose einige Paint Horses besaß, beschloss ich, den beiden einen kleinen Besuch abzustatten.
      Noch dazu fielen mir Anzeigen über zwei Paint-Hengste und ein Quarter Pony auf. Ich beschloss, mir auch die beiden mal anzusehen. Vielleicht würde der Tag doch nicht so ruhig werden.

      Doch erstmal packte ich Coletto ins Auto und war schon bald bei den Pferden.
      Dort ließ ich ihn von der Leine, er blieb eh immer in meiner Nähe, und versorgte die Pferde mit frischem Trinkwasser und Heu. Schon bald kam Thomas um die Ecke und wir machten uns daran, die Pferde zu trainieren. Das Fohlen-ABC saß bei Dakini, Outlaw, Whiskey und Present schon, Bonsaj, Lady Äppel, Sorrows und Morning hatten Reitbeteiligungen und Delite, Grace, Sensation und Nevaeh hatten Ruhetag, also entschieden wir uns, mit Mausi und Kristy zu beginnen. Da Thomas mit Kristy seine lieben Probleme hatte, schnappte er sich Mausi.
      Es dauerte ein wenig bis ich Kristy eingefangen hatte und Thomas war schon längst mit Mausi fertig, deshalb kam ich ein wenig nach ihm auf den Reitplatz. Als ich mich aufs Pferd schwang, ritt Thomas direkt neben mich und wir wärmten die beiden Stuten auf. 'Ach Monster?' - 'Hm?' - 'Ich habe für heute ein paar kleine Westernreiter eingeladen....ich hoffe das war okay? Ich dachte, ich könnte vielleicht schonmal die Shettys leihen...' Ich lächelte. 'Klar darfst du das, so hatten wir das vereinbart. Für größere Westernreiter dürftest du dir auch gerne mal die Grace, Mausi, Nevaeh, Abigail und Gisela leihen, und bei besonders talentierten gerne auch die anderen' Er lächelte. 'Danke, ich schnapp mir dann die Gisela, wenn wir ausreiten wollen - dann bin ich nicht so ganz viel über den Kleinen' Er lachte herzlich.
      Wir trabten noch ein bisschen und begannen mit einfacheren Figuren. Beide Pferde waren noch relativ untrainiert für ihr Potenzial und so begannen wir, den beiden Rückwärtsrichten und Schenkelweichen beizubringen und korrigierten uns gegenseitig.
      Nach ein paar geglückten Versuchen beschlossen wir, dass das genug für heute war, brachten die beiden zum Putzplatz, entfernten Zaumzeug, putzten sie und entließen sie in die Freiheit.
      Dann schnappte ich mir Bloody und Thomas sich Rebel. Die beiden waren schon weiter, also war unser Training mit den beiden insgesamt rasanter, aber auch anstrengender.
      Nachdem wir die beiden trainiert hatten, schnappte ich mir As War Fades und Thomas widmete sich der Horde Kinder, die gerade auf den Hof spaziert kamen. Er zeigte ihnen kurz alles und ging dann zur Weide - mittlerweile hatte ich Ass schon wieder auf die Weide gebracht, begrüßte die Kinder ebenfalls und half, die Halfter auszuteilen. Beim Putzen und Satteln half ich noch dabei, die Kinder einzuweisen und zu beaufsichtigen. Es war wirklich schön zu sehen, wie liebevoll die Kinder mit den Ponys umgingen, und wie brav die Ponys waren.
      Den Reitunterricht musste Thomas dann aber alleine schmeißen. Wir waren noch kurz auf dem Platz, ich mit Abigail, aber dann musste ich gehen, um mir einige Verkaufspferde anzugucken und Thomas hatte sich bereits Gisela geschnappt, um mit den Kindern einen kleinen Ausritt zu wagen.

      Da es doch einige Pferde zum Anschauen waren, machte ich mich gleich mit dem großen Trailer auf den Weg. Ich plante schnell, in welcher Reihenfolge ich fahre, und fuhr dann los - natürlich auch mit Coletto auf dem Beifahrersitz.
      Mein erster Weg führte mich zu sweet. Da sie nicht zu sehen war, ging ich gleich zur Weide mit den Verkaufspferden. Mein Blick fiel auf einer Braunscheckstute mit langem Langhaar - Ice Coffee hieß sie, ich kannte die Stute bereits. Sweet kam um die Ecke und begrüßte mich. 'Du möchtest Ice Coffee verkaufen?', fragte ich und sie nickte. Kurz danach wusste ich so ziemlich alles, was es über Ice zu Wissen gab, und wir vereinbarten einen kurzen Proberitt mit Ausritt. Da Ice Coffee anscheinend nichts gegen Hunde hatte, ließ ich Coletto gleich nebenher laufen. Die Stute gefiel mir, auch wenn sie ab und zu scheute. Aber Colettos und meine selbstsichere Ausstrahlung beruhigte sie schnell wieder - was für mich hieß, dass sich daran arbeiten ließe. Auch war sie noch unbeholfen und nicht ganz ausbalanciert, allerdings kann mal von einer dreijährigen Stute auch keine Wunder erwarten. Da wir gut miteinander klar kamen, unterschrieb ich auch sofort den Kaufvertrag, als wir wieder zurück auf dem Hof waren. 'Ich wollte mir noch ein paar andere Pferde angucken - ich komme zurück, um sie abzuholen, okay?' - 'Klar', lächelte Sweet und ich sprang mit Coletto ins Auto und wir machten uns auf dem Weg zu der Quarter Pony-Stute.
      Auch diese ritt ich Probe und entschied, sie zu kaufen. Written In The Stars würde einge gute Ergänzung für Zucht und Reitschule sein.
      Danach ging es zu einem der Painthengste, Als ich auf den Hof fuhr, wurde gerade ein Graufalbscheck-Wallach über den Hof vorbei an einer offensichtlich rossigen Stute geführt, der mir auch sehr gefiel - jedoch hatte ich keinen Platz für einen Wallach, für den Reitunterricht hatte ich bereits genug Stuten und der restliche Platz war für weitere Zuchtpferde reserviert, also schlug ich ihn mir bereits aus dem Kopf. Als ich ausstieg - Coletto blieb dieses Mal im Auto, weil ich den Hof nicht kannte - wurde ich auch bereits von dem Mann mit dem Wallach am Halfter begrüßt. 'Hallo', lächelte er freundlich, 'ich bin Matthew Moore, Chef und Besitzer hier. Kann ich ihnen helfen?' Ich war froh, gleich den zu treffen, den ich suchte. 'Hallo, ich bin Monsterflosse. Ja, ich habe ihre Anzeige gesehen und wollte mir ihren Hengst angucken, 'Dissident Aggressor' heißt er glaube ich' Herr Moore lächelte breiter. 'Der steht direkt neben mir.' Mir fiel die Kinnlade runter. Hengst? So ruhig? Neben rossiger Stute? Nun lachte er. 'Ja, das denken viele, Hengstmanieren hat er wirklich nicht. Wenn sie wollen, können sie ihn gerne mal nehmen und zum Putzplatz bringen, der ist gleich dort drüben. Dann können Sie ihn mal putzen, satteln und Probereiten, meinetwegen können Sie auch ins Gelände mit ihm.' Dankbar erwiderte ich sein Lächeln und übernahm den prächtigen Hengst. Beim Putzen blieb er vollkommen ruhig und genoss, und auch beim Satteln stand er wie eine 1. Ich freute mich schon aufs Probereiten - und das überzeugte mich entgültig. Dieser Hengst was so ruhig und hatte so ein Potenzial - er war perfekt für die Zucht und als Sportpferd für mich! Ich erkundigte mich nach dem Kaufpreis, handelte ein wenig und unterschrieb letzten Endes den Kaufvertrag. 'Kümmern Sie sich bitte gut um ihn, er ist meine eigene Aufzucht', seufzte Herr Moore. 'Ich werde mein bestes geben und Sie werden mit Sicherheit von uns hören', beruhigte ich ihn und sprang ins Auto, um zu Sammy zu fahren.
      Dort lief es dann auch ähnlich. Auch Absolute Zero, so hieß der Quarter Pony-Hengst, hatte unheimliches Potenzial und ich unterschrieb den Kaufvertrag. So fuhr ich auch weiter zu mKay, um mir ihren Shettyhengst anzusehen - Down Under hieß er, war ein Braunschecke und würde sich damit farblich super zu den Paints und Quarter Ponys gesellen. Auch bei ihm unterschrieb ich schnell den Kaufvertrag und lud den kleinen Hengst auch sofort ein, schließlich war er das letzte Pferd, was ich mir angucken wollte.
      Ich fuhr die Route zurück und lud bei Sammy auch Zero ein. Bei Herrn Moore wollte ich Aggressor abholen. Doch als ich ankam, sah Herr Moore ziemlich fertig aus. 'Was ist passiert? Ist was mit Aggressor?' Er schüttelte den Kopf. 'Nein, nicht mit Aggressor...ich hatte nur einen kleinen Streit mit meiner Frau... Ich frage nur ungern, aber hätten sie nicht zufällig Interesse an einem zweiten Hengst? Peckinpah heißt er...ich möchte ihn eigentlich nicht behalten, aber wir können ihn uns nicht leisten...da er aus unserer Zucht stammt und zu nah mit den meisten Stuten verwandt ist, können wir ihn nicht zur Zucht nutzen und so zum Spaß...ich wünschte es ginge, ich hänge so sehr an ihm, aber es geht einfach nicht mehr..und bei ihnen hätte er es sicher gut..' Er sah zu Boden und ich überlegte. 'Eigentlich habe ich schon mehr als genug Zuchthengste...aber vielleicht zeigen sie ihn mir einfach mal, dann überleg ich es mir vielleicht noch anders.' Er lächtelte leicht und ging Richtung Stall - ich folgte ihm. Er holte schnell ein Halfter aus der Sattelkammer und ging dann zu einer Box, in der ein Cremello stand. Moment mal...er war gar kein Cremello! Ganz leicht sah man eine hübsche Overoscheckung, die auch seinen Kopf wie in Farbe getaucht aussehen ließ, in seinem sonst hell fliegenschimmelfarbenen Fell. Er erinnerte mich ein wenig an Vanillecreme mit Sahne.
      Als Herr Moore ihn raussah, durfte ich einen doch relativ schlank gebauten, aber dennoch gut bemuskelten, schönen Paint Horse-Hengst begutachten. 'Er hat einen hohen Vollblutanteil, deswegen ist er relativ leicht gebaut. Sieht man auch gut an seinem feinen Kopf', mit den Worten strich er dem Hengst traurig über die Nüstern. Kurz darauf übergab er mir den Strick.
      Beim Putzen blieb Peckinpah ruhig, er genoss es, besonders, als ich seine wunderschöne, reinweiße Mähne enthedderte. Der Sattel passte ihm nicht richtig, dennoch ließ er ihn sich ohne Widerstand auflegen.
      Auch unter dem Sattel war er sehr begabt und ruhig. Selbst als Coletto aus dem Trailer ausbrach, quer über den Reitplatz stürmte und vor mir aufs Pferd sprang (anscheinend hatte er Sehnsucht), zeigte er keine Anzeichen von Angst, was mich sehr beeindruckte. Für den Geländeritt war leider keine Zeit mehr, da ich ja bereits andere Pferde im Trailer hatte, aber meine Entscheidung war bereits gefällt - ich würde ihn kaufen. So unterschrieb ich auch schnell den Kaufvertrag und lud ihn ein. Danach ging es noch schnell bei Sweet vorbei, um Ice einzuladen.

      Zu Hause ließ ich alle Pferde aus und brachte sie auf die Weide - glücklicher Weise vertrugen auch sie sich auf Anhieb mit meiner mittlerweile verdammt großen Herde. Thomas kam gerade um die Ecke, um meinen Fang zu bewundern, als mein Telefon klingelte. Meine ehemalige Zuchtpartnerin, als Green Hills noch stand, Flair, war dran. Sie klang aufgeregt. 'Monster...züchtest du noch Vollblüter?' Ich blieb ruhig, um sie zu beruhigen. 'Was ist los?' - 'Es gab einen Brand bei mir und ich muss alle Pferde irgendwo unterbringen...ich möchte sie auch nicht mehr, so leid es mir tut, ich kann es nicht...' 'Oh Gott', hauchte ich. 'Kannst du sie vielleicht nehmen?' Ich überlegte kurz und sah mich um. Ich hatte noch eine freie Weide mit Offenstall, beides sollte eigentlich genug Platz für alle Pferde bieten - zumindest vorrübergehend. 'Thomas, hast du deinen Pferdeauflieger noch?' Er nickte. 'Wieso?' - 'In meinen Trailer passen nur 5 Pferde, das reicht nicht.' Er machte große Augen. 'Ich erklärs dir später. Flair? Ich bereite alles vor und komme dann gleich vorbei.' - 'Okay', meinte sie etwas ruhiger und verabschiedete sich. 'Thomas, Flair hatte einen Brand. Sie kann und möchte ihre Pferde nicht mehr halten und hat mich gebeten, sie zu mir zu nehmen. Lass uns eben auf der Weide neben dem See den Stall einstreuen und den Zaun kontrollieren und dann...könntest du mir mit deinem Auflieger helfen, alle rüber zu bringen?' Er nickte leicht schockiert und machte sich sofort auf den Weg zur Weide. Ich schnappte mir noch schnell so viele Ballen Stroh wie ich tragen könnte und folgte ihm.
      Wir streuten eilig den Stall ein, füllten Wasser in die Tröge und gingen den Zaun ab. Zum Glück war er unbeschädigt. 'Fahr schonmal vor, ich hole meinen Trailer und komme dann nach', schlug Thomas vor. Sofort ging ich zu meinem Trailer.
      Schon bald kam ich bei Flair an, die mich aufgebracht erwartete. Nach und nach luden wir die ersten fünf Pferde - die Stuten Ace Of Spades, Black Pearl, Pirate Island, Blue Rag und Pia Facette - in meinen Trailer. Kurz darauf kam Thomas mit seinem Auflieger, in den wir die Hegste luden - El Davino, Warrior, Tschiwabschischi, El Racino, Baceno, Bloody Autumn, Magic Attack, Lord Of The Rings, Riverside, Desperados und Shyguy waren nun sicher verstaut. Auch die Sättel, Trensen, Bandagen, Gamaschen, Halfter und Decken verteilten wir auf Trailer, Auflieger und Fahrerhaus, was ein wenig Packtalent erforderte, das weder Flair noch ich hatten, doch zum Glück hatten wir Thomas.
      Bevor wir losfuhren, ging ich noch einmal durch Trailer und Auflieger und kontrollierte die Pferde. Einige kannte ich noch aus der Zeit, in der Flair und ich zusammen züchteten, El Racino war sogar eins unserer gezüchteten Pferde. Ich wurde ein wenig wehmutig, hatte jedoch nicht großartig Zeit zur Wehmut, denn wir mussten dringend los - wir wollten nicht unbedingt bis spät in die Nacht Pferde ausladen.
      Als wir wieder bei mir ankamen, parkten wir mitten auf dem Weg und fingen an, die gestressten Pferde auszuladen. Wir hatten bei manchen Pferden unsere liebe Mühe und wurden neugierig von meiner bestehenden Herde beäugt, letztenendes standen aber alle Vollblüter und Holsteiner auf der Weide. Thomas und ich lehnten uns an den Zaun und beobachteten, wie die Pferde die neue Weide erkundeten. Sie war ein wenig zu klein für alle. 'Und was hast du jetzt mit denen vor?', fragte Thomas. Ich seufzte. 'Ein paar werde ich vielleicht behalten...aber alle kann ich nicht behalten. Ich denke mal, ich rufe morgen mal Edfriend an, ob sie nicht eventuell Interesse an ein paar Pferden hätte. Sammy vielleicht auch noch. Und dann...mal sehen.' El Davino kam vorsichtig angetapst. Ich strich ihm über seine hübsche Blesse. 'Ich glaube, dich werde ich behalten. Ein wenig hast du mir ja gefehlt, seitdem Green Hills nicht mehr existiert, Süßer. Aber ich weiß noch nicht, was ich mit deinen Freunden mache.' Er schnaubte.
      Thomas ging und ich blieb noch ein wenig, beobachtete die Pferde im Sonnenuntergang und machte mich schließlich zusammen mit Coletto auf den Weg nach Hause.
      Dort kritzelte und codete ich noch einige Ideen für die Website für die neue Zucht und fiel dann erschöpft ins Bett.

      Am nächsten Tag machte ich mich bereits früh auf den Weg zu den Pferden, selbst Coletto war noch nicht ganz wach. Thomas brauchte heute so ziemlich alle Pferde für seinen Reitunterricht, dieses Mal waren unter seinen Schülern auch ältere, fortgeschrittene Reiter, und auch um den Rest meiner Pferde würde er sich kümmern, sodass ich mich voll und ganz um den Verbleib der Vollblüter kümmern konnte.
      Über Nacht hatte ich bereits beschlossen, dass ich noch einen zweiten Hengst behalten konnte, mehr aber nicht.
      Als ich am Gatter stand, hatten sich die Voll- und Warmblüter schon deutlich beruhigt. Flair hatte mir per Mail ein paar Informationen über die Vollblüter geschickt und in Frage kamen Ghostbuster und Bloody Autumn. Vielleicht war dies nicht der richtige Zeitpunkt für einen Proberitt, aber etwas anderes blieb mir nicht übrig, also schnappte ich mir ein Halfter und holte zuerst den Schimmelhengst von der Weide, putzte und sattelte ihn.
      Auf dem Platz war ich als einziger Englischreiter unter vielen Westernreitern heute der Außenseiter. Ich war froh, dass ich die englische Reitweise nicht verlernt hatte. Ghostbuster war mit Sicherheit ein sehr lieber, talentierter Hengst, aber ich wollte auch Autumn noch ausprobieren. Also brachte ich Ghost zurück auf die Weide und brachte seinen Sattel zurück. In der provisorischen Sattelkammer betrachtete ich Autumns Sattel eine Weile. Ein sehr hochwertiger, schöner Dressursattel, besonders weiches Leder, atemberaubende Qualität. Ich griff jedoch zuerst zum Halfter neben ihm, um mir dieses mal den gestiefelten Dunkelfuchs zu holen.
      Bereits am Putzplatz erwies er sich als nervös und temperamentvoll, und das war er auch unterm Sattel. Aber ich fühlte mich sofort wohl. Seine Gänge waren atemberaubend, ich hatte Mühe, auszusitzen, ich spürte sein ganzes Temperament und seine ganze Stärke unter mir. Selbst die anwesenden Westernreiter, die gerade Unterricht nahmen, schenkten uns beeindruckte Blicke. Meine Entscheidung war gefallen.
      Ich putzte den Hengst noch schnell und brachte ihn zurück auf die Weide, wo er freudig von Davino begrüßt wurde, um schnell zwei Anrufe zu tätigen. 'Hallo?', schallte es durch den Hörer. 'Eddi? Ich bins, Monster...' Ich schilderte ihr mein Problem genauestens. 'Ich suche noch ein oder zwei Vollblüter für meine Herde...kann ich nachher mal vorbei kommen?' - 'Klar', willigte ich ein und verabschiedete mich.
      Nun rief ich bei Sammy an. Auch ihr schilderte ich mein Problem, woraufhin sie vorbeikommen wollte.
      Eddi und Sammy kamen ungefähr zur gleichen Zeit vorbei und sahen sich die Pferde an. Kurz besprachen wir, wer Interesse an wem hatte, und die beiden verschwanden auf den Platz, zum Probereiten. Am Schluss stand fest: Eddi würde Ace Of Spades und Lord Of The Rings nehmen und Sammy würde mir mit Pirate Island, Black Pearl, Warrior, El Racino, Ghostbuster und Tschiwabschischi ebenfalls einige abnehmen. Wir einigten uns darauf, dass die beiden die Pferde die nächsten Tage direkt abholten, damit sie nicht noch mehr Stress wegen des geringen Platzes und mangelnder Auslastung aufgrund meines Zeitmangels hatten.

      Auch an diesem Tag fiel ich erschöpft ins Bett und schlief sofort ein, sodass ich gar nicht merkte, dass ich schon bald einen Hund und eine Katze im Bett hatte...
    • Samarti
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      My (own) Little Pony
      27. Dezember 2013
      Der Schriftzug „Verkaufe einige Pferde!“ prangte auf der Seite eines internationalen Journals und zog meine ungeteilte Aufmerksamkeit auf sich. Darunter war eine Telefonnummer aufgezeigt, die mir nicht unbekannt war – es war Monsters. Ich musste grinsen und ließ meine Augen weiter über die gedruckten Zeilen gleiten. Sie verkaufte insgesamt neun Pferde, doch auf den ersten Blick war nichts für mich dabei. Es waren verschiedene Rassen, allerdings keine Deutschen Reitponys, auf die ich mich ja mehr oder weniger festgelegt hatte. Ich bereue es noch heute nicht, dass ich einen zweiten Blick gewagt habe und mich an diesem Tag bei Monster meldete. Wir hatten recht schnell einen Termin für den nächsten Tag vereinbart, sodass ich zum Probereiten vorbei schneien und mir einen Blick über die Verkaufspferde verschaffen konnte.

      Der Tag rückte immerhin näher und bereits am nächsten Morgen war ich voller guter Laune, stand sogar schon gegen sieben Uhr morgens auf – eine Sache, die bei mir ziemlich ungewöhnlich und von einem äußerst hohen Seltenheitsgrad war. Ich freute mich allerdings schon ziemlich auf den heutigen Besuch bei Monster und da wollte ich auf keinen Fall zu spät kommen. Vielleicht würde mir dann ja sonst irgendjemand das Pferd, auf das ich ein Auge geworfen hatte, wegschnappen?
      Nun, die Fahrt zu den River Dales Stables war unendlich lang und schien sich zusätzlich noch extrem in die Länge zu ziehen. Glücklicherweise hatte ich Unterstützung von Joline und Neill, die mich unbedingt begleiten wollten. Natürlich hatte ich nichts dagegen einzuwenden und so fuhren wir nun gut gelaunt über den Highway, sangen dreistimmig – laut, falsch und mit Begeisterung – irgendwelche Songs mit, die gerade im Radio liefen.
      Nach einer schier endlosen Fahrt kamen wir auf Monsters Gelände an. Es tummelten sich bereits überall die verschiedensten Leute, doch ich konnte Monsters pinke Haarpracht glücklicherweise direkt ausfindig machen. Na ja, schwer war dies ja nun wirklich nicht. Sie stand vor der Boxentür eines Haflingers, unterhielt sich gerade mit Julie, die ich bereits vom Sehen kannte; deshalb beschloss ich, mich zuerst einmal umzusehen, um sie nicht zu unterbrechen.
      „Elisa!“ Ich drehte mich ruckartig um, um zu sehen, wer da gerade nach mir gerufen hatte, da stürmte Joline bereits mit eiligen Schritten auf mich zu.
      „Hast du schon die süße Stute da hinten gesehen?“
      Verwirrt hob ich die Augenbrauen und ließ mich von dem blonden Mädchen zu einer anderen Box ziehen, hinter der eine Scheckstute stand. Vom Körperbau her erinnerte sie an einen Criollo, doch scheinbar war sie ein Mix, denn sie hatte starken Fesselbehang und dichtes Langhaar.
      „Audio Delite at Low Fidelity“ stand auf dem Boxenschild, das an dem stabilen Holz befestigt worden war und ich warf einen weiteren Blick in das Boxeninnere. Keine Frage – das Pferd war wunderschön. Sofort fiel mir das Birkenauge auf der linken Seite auf, das den wachsamen, aber dennoch skeptischen Blick noch unterstrich.
      „Wie ich sehe, hast du schon Bekanntschaft mit Filly gemacht“, erklang eine mir ziemlich bekannte Stimme hinter mir und ich drehte mich zu der Person um, die sich zu uns gesellt hatte.
      „Jup“, bestätigte ich Monsters Äußerung und begrüßte sie dann kurz, bevor ich sie darum bat, mir etwas über die Stute zu erzählen.
      „Filly ist wirklich etwas Besonderes. Sie ist ein Criollo-Tinker-Mix, weshalb sie Talente im Fahrsport und im Distanzreiten besitzt. Ihr Charakter ist zweispaltig, einerseits tut sie alles für Schmusestunden mit den Menschen, die sie mag – andererseits ist es schwer, sich in ihr Herz zu schleichen und wenn man das nicht innerhalb von wenigen Tagen schafft, wird man es niemals schaffen. Delite ist klug, wahnsinnig intelligent, eignet sich daher auch schnell Unarten an. Sie ist definitiv kein Pferd für Anfänger, aber wenn sie eine Person mag, dann würde sie alles für diese Person tun. Ich bin mir aber, ehrlich gesagt, noch nicht ganz sicher, ob ich sie verkaufen möchte. Ich hatte bisher viele Anfragen für sie, aber es war einfach keine dabei, die mich so richtig umgehauen hat oder wo ich gesagt hätte 'Da gehört sie hin!'. Wenn sich keiner findet, werde ich sie lieber behalten.“
      Ich nickte verständlich, ich wusste genau, was sie meinte. Auch ich kannte diese Problematik beim Pferdeverkauf. Man behielt Pferde lieber, als dass sie in schlechte oder nur drittklassige Hände gingen – wollte man doch immer nur das Beste für jedes Pferd.
      „Oh, ich muss mal eben wieder dahinten hin, ich wurde gerufen. Bin gleich wieder da“, rief Monster mir noch zu und verschwand um eine Ecke, sodass ich wieder mit Joline und Neill allein gelassen wurde.
      „Du musst sie einfach kaufen, guck sie dir doch an!“, bettelte das blonde Mädchen und lugte ein weiteres Mal über die Boxentür auf das Pferd.
      „Um ehrlich zu sein, erinnert sie mich an ein My Little Pony. Du weißt doch, diese kleinen Spielfiguren“, grinste Neill und ich schmunzelte kurz. Er schien sich ja bestens mit den Ponyfiguren oder der Serie auszukennen.
      „Aber sie ist echt schön, ich würde sie mitnehmen wollen“, fügte er schnell hinzu und ich betrachtete die Beiden genau, bevor ich schließlich seufzte und der Stute meine Hand ausstreckte. Zunächst einmal prustete der Criollo-Tinker-Mix empört die Luft durch die Nüstern aus, dann drehte sie mir ihr Hinterteil zu, schenkte mir keinerlei Beachtung. Das brachte nicht nur Joline und Neill, sondern auch mich schlussendlich zum Grinsen, denn nur kurze Zeit später wagte der Schecke einen Blick zu mir. Ich lehnte noch immer vor der Boxentür und streckte meine geöffnete Handfläche aus, bis dann doch noch Delites Neugier die Überhand gewann und sie sich mit geblähten Nüstern und einem wachsamen Blick langsam auf mich zu bewegte. Sie sah aus, als wäre sie auf alles vorbereitet, als sie ihre Nüstern in meine Handfläche sinken ließ und warme Luft hineinblies.
      „Wie es aussieht, scheint ihr euch zu verstehen“, unterbrach Monster uns und ich drehte mich abermals zu ihr um, um ihr ins Gesicht blicken zu können.
      „Ich würde sie gerne kaufen“, murmelte ich so leise, dass es unmöglich war, dass jemand außer uns Vieren diesen Satz gehört hatte. Monster schenkte mir ein leichtes Lächeln, schien dann nachzudenken.
      „Sie würde sich hervorragend auf der Ranch machen, auf die Anfang nächsten Jahres ziehen möchte. Außerdem finde ich sie einfach bezaubernd. Sowohl ihren Charakter, als auch ihr Äußeres. Sie ist toll.“
      Das Lächeln auf Monsters Gesicht wurde immer breiter, bis sie schließlich über beide Ohren zu strahlen schien. „Ich würde sie dir liebend gern geben, ich weiß ja, wie es bei dir auf dem Gestüt aussieht. Dann komm mal bitte mit ins Büro, dort können wir alles Weitere klären. Wenn du magst, kannst du auch deine beiden Freunde-“
      „Das sind übrigens Joline und Neill“, fiel ich ihr ins Wort und grinste vielsagend, „Joline, Neill, das ist Monster.“
      „Schön, dich kennenzulernen“, sagte Joline und auch Monster und Neill taten es ihr gleich.
      „Dann kannst du Joline und Neill gerne mitnehmen“, beendete sie schließlich ihren angefangenen Satz und ich sah die beiden jungen Menschen erwartend an. Sie nickten hektisch und so liefen wir zu viert in Monsters Büro, um das Geschäftliche zu klären.

      „Gut, dann wünsche ich dir viel Spaß mit ihr. Erstatte mir Bericht, wie es so läuft!“, forderte Monster und ich dankte ihr, ehe ich ein letztes Mal winkte und wir schließlich mitsamt Audio Delite at Low Fidelity Monsters Gestüt verließen – und ein Pferd mehr unser Eigen nennen konnten.
      „Ich liebe sie jetzt schon“, murmelte Joline geistesabwesend und trommelte mit den Fingern gegen die Fensterscheibe der Beifahrertür. Der Regen rann nur so die Scheibe herunter, die Scheibenwischer taten ihr Nötigstes, um den Blick einigermaßen frei zu halten. Doch es war mir egal, es änderte nichts an meiner guten Laune. Dann konnte ich das Jahr doch noch gut abschließen – und vielleicht würde noch vor Anbruch des neuen Jahres endlich auch mit Matthew wieder alles beim Alten sein. Zumindest hoffte ich dies, denn ich bemerkte erst jetzt, wie sehr ich ihn an meiner Seite brauchte. Ohne ihn fehlte etwas, das niemand ersetzen konnte. Ich fühlte mich schwächer und verletzlicher als sonst, aber vielleicht bildete ich mir das auch nur ein.

      Langsam und misstrauisch setzte die Stute einen Huf vor den Anderen, während sie den Pferdetransporter verließ und schließlich, als sie im Freien war, die Nase hoch in die Luft reckte, um die fremden Gerüche aufzunehmen. Nur kurz darauf zog sie ihre Oberlippe hoch und flehmte stark, was mich zum Grinsen brachte.
      „Herzlich Willkommen in deinem neuen Zuhause, Filly.“
    • Samarti
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      Tierarztbesuch
      01. Januar 2014 - von Eddi
      Nachdem ich Miss Independent und ihr Fohlen verlassen hatte, machte ich mich nun tatsächlich auf den Weg zu Elisa und ihren Schützlingen. Doch vorher statte ich kurz einer Bäckerei in der nahegelegenen Ortschaft einen Besuch ab, um mir ein Sandwich und einen Kaffee zu kaufen, welche ich während der Fahrt zu mir nahm. So kam ich dann eine halbe Stunde später frisch gestärkt und Elisas Hof an. Sie begrüßte mich herzlich und ich erläuterte ihr kurz, weshalb ich fast zwei Stunden zu spät kam. Zwar hatte ich sie per Anruf informiert, aber da war nicht viel Zeit gewesen. „Ich bin trotzdem froh, dass du es noch geschafft hast.“ grinste sie fröhlich und führte mich in den Stall, denn meine Patienten waren im Gegensatz zu mir pünktlich. „Mit wem fangen wir denn an?“ fragte ich neugierig, als ich mich auf Elisas Putzplatz ausbreitete. „Mit Sonic Syndicate.“ lächelte sie und führte den schicken Reitponyhengst aus der Box, um ihn am Putzplatz anzubinden. Sonic war eher ein schüchterner Kerl, dementsprechend blickte er mich nun an. Zum Glück liebte er Streicheleinheiten und Leckerlies, so dass ich ihn schnell für mich gewinnen konnte. „Na dann wollen wir mal.“ lächelte ich und begann mit der allgemeinen Untersuchung. Da wir uns gerade so schön miteinander bekannt gemacht hatten, begann ich an seinem Kopf. Erst einmal überprüfte ich die Augen und deren Pupillenreflex, davon war Sonic zwar eher weniger angetan, aber wichtig war es. Zum Glück war dort alles in Ordnung und auch seine Nüstern waren unauffällig. Trotz starken Widerwillen des Hengstes, schaute ich ihm auch kurz ins Maul und kontrollierte die vordere Reihe des Gebisses. Er hatte große Hengstzähne, welche sich aber einwandfrei in das Gesamtbild einreihten. Dann schaute ich ihm noch in die Ohren, denn dort versammelten sich gerne einmal unauffällig Milben, aber auch dort war alles in Ordnung. Ich tastete Sonics kompletten Körper ab, damit mir keine auffällige Erhebung oder Eindellung entging. Auch seine Beine überprüfte ich, aber es war alles in Ordnung. „Braver Junge.“ murmelte ich zufrieden und lobte ihn, nachdem ich mit dem Abtasten fertig war. „Nun wird es etwas ungemütlich.“ grinste ich und zückte mein Thermometer und auch Elisa konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Kurz nachdem ich es in Sonics Po gesteckt hatte, konnte ich es auch sicher wieder entfernen. „Genau 37,5°. Alles in Ordnung.“ sagte ich und schrieb mir das Ergebnis kurz auf. Da Sonic rundum gesund war, konnten wir nun mit den Impfungen weiter machen. Es gab insgesamt vier Spritzen und Elisa positionierte sich jetzt schon an Sonics Kopf. Die ersten beiden gingen problemlos, doch ab da hatte der Hengst keine Lust mehr und ich hatte zu tun, die Spritzen noch sicher ans Pferd bringen zu können. Nach einem kleinen Kampf war aber auch das geschafft und Sonic war gegen Tetanus, Influenza, Herpes und Tollwut geimpft, doch der letzte Streich stand noch bevor. „Und jetzt fein A machen.“ lächelte ich und steckte meinen Daumen in Sonics Maulspalte. Ungewollt öffnete er das Maul und innerhalb von Sekunden entleerte ich die Spritze mit der Wurmkurpaste in seinem Maul. Ich ließ ihn los und widerwillig schmatzte Sonic, um den ekeligen Geschmack aus dem Maul zu bekommen. Ich gab ihm als Belohnung ein Stück Apfel, welches er mir nur zweifelnd aus der Hand nahm. „Keine Sorge, ich bin fertig.“ lachte ich und kraulte ihm noch kurz die Stirn, ehe Elisa in fortschaffte. Während sie schon den nächsten Patienten holte, packte ich die neuen Spritzen aus und füllte diese, dann wendete ich mich dem zweiten Kandidaten dazu. Chronos, ein wunderschöner Lusitano, stand vor mir und musterte mich neugierig von oben bis unten. Auch mit dem Kerlchen machte ich mich bekannt, doch Elisa beruhigte mich schon, denn Chronos schien nicht so ein Angsthase wie Sonic zu sein. Dafür war er verdammt neugierig und es war schwer, ihn zu untersuchen. Als ich am Kopf begann, versuchte er permanent, irgendwo an mir herumzuknabbern. Es dauerte ewig, ehe ich mir in Ruhe Augen und Nüstern anschauen konnte, geschweige denn sein Maul. Als ich endlich am Kopf fertig war und auch die Ohren als in Ordnung eingestuft hatte, machte ich weiter. Auch hier machte Chronos es mir nicht leicht, denn er bewegte immer den Kopf hin und her und wechselte ständig die Seite. Elisa hielt ihn zwar fest und schimpfte auch mit ihm, aber dem Schimmel machte das eher weniger aus. Ich ging mit viel Geduld an die Sache heran und nach einer halben Stunde konnte ich auch Chronos als gesund einstufen. Nur das Fiebermessen fehlte noch. Wie immer bereitete ich alles vor und band das Thermometer zuvor am Schweifansatz fest, sicher war sicher. Während ich auf das leise Piepen des Thermometers wartete, machte sich Chronos schon wieder selbständig und bewegte sich unablässig hin und her. Ich versuchte ihn noch anzuhalten, aber da war es schon zu spät und das Thermometer war weg. „Oh nein.“ stöhnte ich und versuchte noch zu retten, was noch zu retten war, doch es war zu spät. „Tja, jetzt hast du das Problem.“ sagte ich zu Chronos und zog mir meinen Handschuh an, schmierte ihn leicht mit Gleitgel ein und machte mich daran, dass Thermometer aus seiner misslichen Lage zu retten. Es war das erste Mal während der Untersuchung, dass Chronos beschämt ganz still stand und sogar die Pobacken zusammenkniff. Ich war dankbar, als das Thermometer wieder in meinen Händen war und ich weitermachen konnte. „Deine Pferde sind wirklich sehr eigen!“ grinste ich Elisa an und begann Chronos noch seine Spritzen zu geben. Auch dies lief schnell und problemlos ab, denn Chronos hielt plötzlich brav still. So konnte ich auch ihn schnell gegen Influenza, Tetanus, Herpes und Tollwut impfen. Zum Schluss bekam auch er noch seine Wurmkur und als Belohnung ein Stück Apfel. Wieder wechselte ich die Spritzen und Werkzeuge aus, während Elisa den Schimmel wegbrachte und ihren Neuankömmling holte. „Ich glaube er ist froh, wieder in seiner Box zu sein.“ grinste Elisa mich an, während sie eine gescheckte Stute am Putzplatz anband. Meine neugierigen Fragen beantwortete Elisa gerne, denn die Gute war neu auf dem Gestüt. Ihr Name war Audio Delite at Low Fidelity und ein Mix aus Criollo und Tinker, also eigentlich genau das Gleiche wie mein Fohlen Joyce. Fremden gegenüber war sie sehr misstrauisch, aber anscheinend schien sie mich sympathisch zu finden, so dass ich sie ohne Probleme überall abtasten konnte. Lediglich ihr eines Auge machte mir ein wenig Sorgen, denn es tränte leicht. Auf Nachfrage erzählte mir Elisa, dass sie erst vor ein paar Tagen gekommen war und schon konnte ich mich beruhigen. Dann war es nur die lange Fahrt im Hänger gewesen, weshalb sie jetzt wahrscheinlich ein wenig empfindlich war. Ansonsten war bei der Stute alles in Ordnung. Auch die Temperatur war prima und konnte ohne Zwischenfälle gemessen werden. „Dann können wir direkt impfen.“ lächelte ich und zog die erste Spritze gegen Influenza auf. Brav ließ Audio die vier Stiche über sich ergehen, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. „Braves Mädchen.“ lächelte ich und als auch die letzte Spritze, die Wurmkur, vollständig geleert war, hatte die Lady es schon geschafft. Elisa brachte die Stute direkt auf die Weide, so dass ich es mehr Zeit hatte und bereits damit begann, die ersten drei Impfpässe auszufüllen. Alle Pferde wurden heute gegen Influenza, Tetanus, Herpes und Tollwut geimpft, so auch die letzte Kandidatin. „Na holla, wie kommst du denn an solche Rassen?“ grinste ich Elisa fragend an, als sie tatsächlich mit einer Hackneystute um die Ecke kam. Während ich die Lady untersuchte und abtastete, erzählte mir Elisa, wie die beiden sich gefunden hatten. Die Stute hieß Pushin' Jazz for Cash und war während der Untersuchung auch ganz brav. Nur ungeduldig war sie und konnte es anscheinend kaum abwarten, wieder auf die Weide zu dürfen. „Na Moment, so schnell geht das nicht.“ lächelte ich und machte mich schnell daran, die Temperatur zu messen. Nach dem Unglück bei Chronos hielt ich das Thermometer jetzt dann doch lieber die drei Minuten fest in der Hand. Nachdem auch Pushin' Jazz for Cash gesund war, konnten wir noch hier impfen. Flott bekam sie alle vier Spritzen, welche sie brav annahm, nur die Tetanusimpfung tat auch ihr ein wenig weh, so dass sie leicht zusammenzuckte und mich vorwurfsvoll anblickte. Nach der Wurmkur hatte sich ihr Blick nicht geändert und wenn sie mich am Anfang gemocht hatte, dann spätestens jetzt definitiv nicht mehr. „Tut mir leid, Kleine, aber alles nur für dein Bestes.“ grinste ich und verabschiedete mich auch von der Stute. Flott füllte ich den letzten Impfpass aus, ehe ich diese Elisa in die Hand drücken konnte. „Rechnung kommt per Post.“ grinste ich sie an und verabschiedete mich dann herzlich von ihr. Als ich mich auf den Weg zum letzten Patienten machte, wurde es bereits dunkel.
    • Samarti
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      Hufschmiedbesuch
      02. Januar 2014 - von NeverTheLess
      Gleich nachdem mein Besuch bei Rose von statten gegangen war, bekam ich gleich den nächsten Anruf von Elisa. Sie hatte auch neulich drei Pferde gekauft und wollte nun, dass ich deren Hufe ausschnitt und korrigierte. Ich machte noch am selbigen Tag den Termin aus und hatte dazwischen sogar noch Zeit, bei Starbucks etwas zu essen und zu trinken, ehe ich mich auf den Weg zu Elisa machte. Auf dem Hof angekommen wartete sie schon mit ihren drei Pferden und nachdem wir uns begrüßten machte ich mich sofort an die Arbeit. Als erstes ging ich zu Edward's Dusk Till Dawn, der kräftige Tinkerhengst beschnupperte mich erst neugierig, ehe er brav den ersten Huf hob. Ich lobte ihn und säuberte mit dem Messer seine Hufe gründlich, ehe ich mit der Hufzange die Form etwas korrigierte und das überstehende Horn abknipste. Dann nahm ich die Feile und feilte den Huf noch etwas aus, damit er gerade auf dem Boden stand. Das wiederholte ich auch bei allen restlichen Hufen und war erstaunt, wie brav der Tinker dort stand. Als ich fertig war ließ ich ihn noch etwas herumgehen und Traben, damit ich sehen konnte, ob er gut auf seinen korrigierten Hufen stand, und als das der Fall war, machte ich mich an die Arbeit mit Pushin' Jazz for Cash. Die hübsche Hackneystute keifte mich kurz an, als ich sie etwas zu hektisch berührte, gewöhnte sich dann aber langsam an mich und ich hob ihren Vorderhuf. Sie brummelte kurz, ließ es aber über sich ergehen und ich schnitt erst gründlich ihre Hufe aus, ehe ich ihn etwas mit der Feile begradigte. Ihre Hufe waren schön sauber und hatten kaum überstehendes Horn, daher beließ ich es dabei und wiederholte das ganze bei allen restlichen Hufen, wobei sie an der Hinterhand etwas empfindlich war und ich dort besonders vorsichtig sein musste. Nachdem ich auch bei ihr nachprüfte, ob sie gut auf den Hufen stand, ging es zu Audio Delite at Low Fidelity. Die hübsch gefärbte Stute war erst etwas skeptisch, aber nachdem ich ihr ein Leckerli zusteckte und Elisa sie etwas streichelte, ließ sie es zu, dass ich ihre Hufe hob. Auch bei ihren Hufen gab es kaum überstehendes Horn und so musste ich nur ein wenig wegknipsen und feilen, ehe sie sauber waren. Ihr rechter Vorderhuf war zwar etwas rechteckig, aber nachdem ich das ein wenig mit der Feile begradigte, wurde er wieder etwas runder. Ich lobte die Mixstute ausgiebig und gab dann auch Edward und Jazz ein Leckerli, bevor Elisa alle drei wieder in die Boxen führte. Ich packte alles zusammen, verabschiedete mich von Elisa und fuhr vom Hof auf den Weg nach Hause, wo ich mir erst einmal etwas richtiges zu essen gönnte.
    • Samarti
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      Der Umzug nach Penzance
      11. Februar 2014
      Mit emotionslosem Blick betrachtete ich das bunte Treiben auf dem Gestüt The Mountain Yard. Es war noch hektischer und lauter als sonst. Dabei war es erst sechs Uhr in der Früh, doch wir alle mussten uns auf den Umzug vorbereiten. Mit einem lauten Seufzer zog ich mir schließlich meine Jacke über, schlüpfte in meine Schuhe und schnappte mir meinen Schlüssel, bevor die Haustür lautstark hinter mir zuknallte und ich ins Freie trat. Mir wurde kaum Beachtung geschenkt – waren doch alle mit dem Verpacken von Ausrüstung, dem Verladen der Pferde oder sonst irgendwelchem Kram beschäftigt, der uns auf den Umzug vorbereiten sollte. Es standen nur noch vier Pferde auf dem Hof, besser gesagt vier Ponys. Goldherz brummelte mir aus ihrer Box zu, als sie mich erblickte und damit auch die paar Karotten in meiner Hand sah. Ich bewegte mich mit langsamen, ruhigen Schritten auf die Boxentür meiner Stute zu und streichelte sanft über ihr weiches Winterfell, das auf ihrem Nasenrücken wuchs. „Na, Liebling?“, murmelte ich leise und meine Hand wanderte zu ihren Ohren, die ich kraulte. Ein stummes Lächeln schlich sich auf mein Gesicht, als Goldherz ihre Augen schloss, tief ausatmete und den Kopf ein wenig senkte. Dann jedoch wurden ihre dunkelbraunen Augen wieder sichtbar und ein kleiner Ponykopf rieb sich behutsam an meinem Oberarm, bevor Goldherz sich mit ihrem Kopf an mich lehnte und erneut tief ausatmete. Ich entspannte mich für einen Moment, vergaß den Umzugsstress und den Trubel auf meinem Hof und konzentrierte mich nur auf das gescheckte Pony vor mir. Goldherz war schon immer der Liebling meiner Pferde gewesen. Bereits vor einigen Jahren hatte sie ich zuerst erblickt und sie daraufhin gekauft. Ich hatte keine Kosten und Mühen gescheut, um aus ihr die Stute zu machen, die sie heute ist. Ich hatte sie krönen lassen, mit mir hatte sie mehrere Schönheitswettbewerbe und Turniere bestritten und Schleifen nach Hause bringen können. Ich war jedes Mal dabei, wenn sie ein Fohlen auf die Welt brachte. Leider war ich auch diejenige, die völlig überstürzt das Land verlassen hatte. Goldherz fand zwar einen Platz bei Juu, verletzte sich aber beim Springen an der Beugesehne und Juu beschloss, sie zu ihrem Wohl auf die Gnadenweide zu stellen. Niemand hatte eigentlich Hoffnung gehabt, dass die Verletzung wieder abklingen würde – war doch nicht mit ihr zu spaßen. Doch Weihnachten 2012 hatte Michelle mir das wohl beste Weihnachtsgeschenk gemacht, das sie mir hätte machen können. Sie war mit einem Tierarzt und joe zu Juu gefahren, um Goldherz abzuholen. Ihre Verletzung war zu dem Zeitpunkt nicht mehr besonders schwerwiegend gewesen und sie konnte langsam wieder mit dem Training beginnen. Nun, irgendwann hatte Michelle mir erzählt, dass sie eine Überraschung für mich hätte. Ich hätte mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass sie mir tatsächlich Goldherz wiederholen konnte.
      Aus der Nebenbox ertönte ein empörtes Schnauben und Goldherz hob ihren Kopf, um Casey einen giftigen Blick zuzuwerfen. Sie war zwar die Mutter des Grauschecken, doch wenn Goldherz ein wenig Aufmerksamkeit bekam und ihr die jemand wegnehmen wollte, wurde sie zickig und beinahe eigen. Ein erneutes Lächeln zierte meine Mundwinkel, während ich Goldherz eine Möhre zusteckte und sie diese genüsslich zermalmte. Die Zeit nutzte ich, um mich Casey zu widmen. Diese studiere mich aufmerksam, als ich auf sie zulief und mit der Möhre vor ihrem Kopf wedelte. Ihre blauen Augen verfolgten wachsam diese und ich konnte sehen, wie ihr förmlich das Wasser im Mund zusammenlief. Dennoch machte sie keine Anstalten, mir die Karotte aus der Hand zu ziehen, weshalb ich sie ihr schließlich doch selbst gab und ihr den Hals klopfte. Mein Weg führte mich zur nächsten Box, in der sich Romantica befand. Sie war heute Morgen bereits versorgt worden und trotz der Tatsache, dass sie durch den Koppelzaun gesprungen und ihre Verletzung somit erst drei Tage her war, sahen ihre Schnittwunden nicht mehr gänzlich so schlimm aus wie zu Anfang. Auch die Prellung am Bein hatte nachgelassen und sie dürfte die Fahrt problemlos überstehen. Romantica bekam ebenfalls eine Möhre zugesteckt, ebenso wie Monsta, die in der vierten Box im Stutenstall stand. Kurz darauf verließ ich diesen Stalltrakt wieder und lief in die anderen beiden. Es herrschte gähnende Leere. Selbst die Büros im Stall waren bereits ausgeräumt worden, alle Unterlagen waren verschwunden. Hier gab es nichts mehr zu sehen.
      Es tat mir in der Seele weh, zu wissen, dass ich dieses Gestüt verkaufen müsste. Ich wusste nicht, was mich dazu gebracht hatte, das Gestüt mit dem Namen Crown Hill Stables zu kaufen. Es war wahrscheinlich diese Verlockung, wieder etwas Neues zu erleben – aber sie gefiel mir um Längen besser als das Gestüt The Mountain Yard und so beschloss ich, dieses zu verkaufen und einen erneuten Umzug zu wagen.
      „Elisa?“, riss Matthew mich aus meinen Gedanken und ich drehte mich ruckartig um, weshalb ich fast in ihn prallte. „Ja?“, brachte ich heraus und sah ihn mit gerunzelter Stirn an. Auch er schien nicht sonderlich gelassen zu sein, ihn schien der Umzugsstress ebenso mitzunehmen wie mich. Trotz der Tatsache, dass das neue Gestüt sich im Südwesten Englands in Penzance befand, hatten viele meiner Mitarbeiter beschlossen, mich zu begleiten. Bereits zuvor hatte die Mehrzahl von ihnen bei mir auf dem Gestüt gelebt, so würde es auch in Zukunft sein. Mich überraschte dies zwar, doch vielmehr freute ich mich darüber. Die Stallburschen würden mich nicht begleiten, ebenso wie zwei meiner Jockey abgesagt hatten. Dies taten auch drei weitere Ausbilder, was mich zwar etwas trauriger stimmte, aber nicht umbringen würde. In Penzance gab es mit Sicherheit auch gute Ausbilder, die ich mir an Land ziehen könnte.
      Aber Harry würde uns verlassen. Ihn zog es wieder nach London, wo er zuvor bereits gewohnt hatte und wie Matthew mir gerade mitteilte, war es für mich an der Zeit, mich nun von dem Ausreißer zu verabschieden.
      Mit trägen Bewegungen schritt ich auf Harry zu, der bereits auf dem Hof wartete. Als ich seine Koffer erblickte und den grimmigen Taxifahrer sah, wurde mir mulmig und ich versuchte, nicht allzu sehr nach ʻam Boden zerstörtʼ auszusehen. Obwohl ich traurig war, dass er verschwand, wusste ich, dass es besser so wäre. Er gehörte hier nicht hin. Harry gehörte in eine Großstadt, in Clubs und Diskotheken. Nicht auf das Land und ganz besonders nicht auf ein Gestüt.
      Als er mich im Arm hielt und mir sanft mit seinen großen Händen über den Rücken strich, schluchzte ich laut auf. Er war nun eine ganze Weile lang auf dem Gestüt gewesen und ich konnte es mir gar nicht mehr ohne ihn vorstellen. Dennoch war es die einzig richtige Entscheidung, die er treffen konnte.
      Nach gut zehn Minuten vernahm ich ein leises Räuspern seitens des Taxifahrers. Harry wischte mir kurz die Tränen von der Wange, dann gab er mir einen kurzen Kuss auf die Stirn. So, wie er es bereits vor Jahren gemacht hatte, als er und seine Familie von Deutschland nach England gezogen waren und mich zurückließen. Er war schon immer wie ein großer Bruder für mich, der beste Freund, den ich mir wünschen konnte. Wie sollte ich es wieder so lange ohne ihn aushalten?
      Wir ließen voneinander ab und ich setzte ein gezwungenes Lächeln auf. „Pass auf dich auf“, murmelte Harry mir ins Ohr und winkte mir noch einmal zu, während ich nur benommen nickte. Mit diesen Worten drehte er sich um und stieg in das Taxi, das kurz darauf mit brummendem Motor vom Gestüt fuhr.
      Nachdem es hinterm Horizont verschwunden war, drehte ich mich um und setzte ein Lächeln auf. „Dann wollen wir mal die letzten Pferde verladen“, grinste ich Matthew an und dieser nickte nur schnell, bevor er in den Stalltrakt verschwand, in dem sich die vier Ponystuten befanden.
      Meine Gedanken wanderten wieder zu dem Gestüt in Cornwall, während wir die besagten Stuten aus dem Stall holten uns sie auf den Pferdetransporter zuführten, der gerade angekommen war. Allerdings wurde mir das nicht lange erlaubt, denn Casey sträubte sich, das Ungeheur zu betreten. Es verwunderte mich ziemlich, hatte sie doch sonst keinerlei Probleme mit Pferdetransportern gehabt. Erst, als Goldherz vorlief, schritt die Grauscheck Stute ihrer Mutter langsam und skeptisch hinterher und ließ sich in ihre provisorische Box führen.
      Der Transporter verschwand ebenfalls bald von der Bildfläche und so waren es nur noch Matthew und ich, die auf dem Gestüt blieben. Wir mussten noch auf die Immobilienmaklerin warten, die uns dabei helfen wollte, das Gestüt zu verkaufen. Sie hatte bereits einige Zeit Verspätung, doch es machte mir nicht sonderlich viel aus. Ich wollte noch so viel Zeit auf dem Gestüt verbringen, wie es mir möglich war.
      „Ich werde die lila Dächer vermissen“, hörte ich Matthews Stimme und problemlos vernahm ich sein Schmunzeln.
      „Das ist wohl das mindeste“, entgegnete ich grinsend und blickte hinauf zu den Dächern. Sie waren wirklich lila. Ich wusste nicht, was die Leute, die das Haus erbaut oder erbauen lassen hatten, sie dabei gedacht hatten. Es war zwar nicht sonderlich auffällig, aber eigentlich gar nicht mein Fall. Dennoch konnte ich diesen Schönheitsfehler immer gut übersehen und nach einiger Zeit störte es mich schon gar nicht mehr.

      Es dauerte noch eine Weile, bis wir alles mit der Immobilienmaklerin besprochen hatten und endlich auf dem Weg nach Penzance waren. Auf dem Weg in unsere neue Heimat.
      Ich hatte mir zwar schon Fotos von der Landschaft angeschaut, doch als wir in der Grafschaft Cornwall ankamen, überwältigte der Anblick mich dennoch. Raue, steile Felsen zierten die Landschaft, hin und wieder erschienen lange Strände und malerische Buchten. Weite Felder, grüne Wiesen und dichte Wälder vervollständigten das Bild noch und es war der Anblick, der mich schließlich davon überzeugte, das richtige getan zu haben.
      Das Fahrzeug, in dem Matthew und ich schweigend saßen, fuhr einen etwas holprigen Sandweg empor. Links und rechts von uns waren vereinzelt einige Sträucher und Büsche, einige Meter vor uns befand sich das Wohnhaus des Gestüts. Es war nicht sonderlich groß, aber mehrere Stockwerke hoch und bot genug Platz für ein paar Personen.
      Wir erreichten einen kleinen Parkplatz, der sich in der Nähe des Hauses befand und der Motor verstummte, als der Wagen endlich anhielt. Voller Vorfreude sprang ich wortwörtlich aus dem Wagen und stolperte einige Schritte vorwärts, ehe ich mich wieder fangen konnte und mein Gleichgewicht wiederfand. Drei Möbelwagen standen ebenfalls auf dem Parkplatz, doch ich hatte keine Zeit, mich diesen näher zu widmen. Gerade, als ich an der Haustür klopfen wollte, wurde sie mir schon geöffnet.
      Vor mir stand ein grinsender Charles, der bis über beide Ohren strahlte. Matthew fand ebenfalls zu uns und wir wurden ins Haus gezogen. Es war noch ziemlich leer, es waren kaum Möbel vorhanden und das ganze Gebäude wurde mit Pappkartons gefüllt, in denen unser Zeug war.
      Unser Weg führte uns durch einige Zimmer und ich kam mir vor, als würden wir im Kreis laufen, doch nach kurzer Zeit befanden wir uns in einem Raum, der einem Wohnzimmer ähnelte. Dort trafen wir auf Lucy – Charles' Frau – und Joline, die uns ebenso erfreut wie Charles empfingen. „Die anderen sind draußen“, klärte das blonde Mädchen mich auf und ich nickte kurz. Joline war inzwischen eine vollwertige Ausbilderin in meinem Betrieb. Sie hatte ihre Ausbildung auf meinem Gestüt gemacht und als sie sie erfolgreich hinter sich gebracht hatte, bot ich ihr an, dass sie für mich als Ausbilderin arbeiten könnte. Zu meiner Freude sagte sie sofort zu, weshalb sie nun auch vor mir stand.
      Ich sah mich in dem Raum um, um mir ein Bild von meinem neuen Zuhause machen zu können. Im Großen und Ganzen gefiel mir, was ich sah. Die Wände waren in zarten Pastelltönen gestrichen, einfache Holzböden befanden sich unter unseren Füßen.
      „Wollen wir mal weiter?“, fragte Matthew und ich stimmte ihm eilig zu. Auch die anderen beschlossen, uns zu begleiten. Zwar waren sie schon etwas länger hier, doch sie wollten uns die Anlage zeigen.
      Unsere Füße betraten wieder den Sandweg, während wir um das Haus herum und auf das Gestüt zuschritten. Der Anblick überwältigte mich immer wieder. Zwar hatte ich das Gestüt schon besichtigt, doch ich hatte es nicht so groß in Erinnerung. Hinter dem Wohnhaus befand sich ein kleiner Teich, daneben grenzten riesige Weiden an. Zu unserer Rechten befanden sich ebenfalls zwei Weiden. Auf der Weide, die uns und dem Sandweg näher war, zermalmten die Stuten schon zufrieden die Grashalme, die ihren Weg kreuzten. Dahiba bemerkte uns als erste, kümmerte sich jedoch nicht weiter um uns und widmete sich wieder dem Gras. Beinahe zeitgleich flogen auch Audio Delite at Low Fidelitys, Pushin' Jazz for Cashs und Flames Köpfe in die Höhe. Die drei Stuten schritten gemächlich auf den Zaun zu, der sie von uns abgrenzte. Dies allerdings nicht, ohne hin und wieder einen Grasbüschel abzureißen und darauf herum zu kauen. Eine kurze Streicheleinheit holten die drei sich von uns ab, drehten sich dann jedoch wieder um und widmeten sich wieder dem Gras, was anscheinend interessanter war als wir es waren.
      Mein Blick glitt weiter über das Gelände. Geradeaus war das dreiteilige Stallgebäude gebaut worden, aus dem schon jetzt Hufgetrappel, Mistgabeln auf dem Boden und schnaubende Pferde zu hören waren. Soweit ich es beurteilen konnte, befand sich nur noch ein kleiner Teil der Hengste in den drei Stalltrakten. Beverly, Dajeen und Bel Homme waren mit den anderen Stuten auf der Weide; Rapsoul, Da Vinci und Herbstblatt fraßen auf einer anderen das Gras. Daneben befanden sich Pamino, Nacromancer in the Dark und Sonic Syndicate, die auch das Grünzeug aus dem Boden rupften. Die einzigen Pferde, die ich nicht sah, waren Chronos und Edward's Disk till Dawn. Matthew schien dies auch zu bemerken, denn im selben Moment zog er mich mit in den Stall. Unsere Wege trennten sich, als ich in den zweiten Stalltrakt ging, in dem die Sport- und Turnierpferde untergebracht waren. Matthew hingegen begab sich auf den Weg zu den Freizeitpferden.
      Nicht viel später stand er neben dem Tinkerhengst in der Stallgasse und schloss die Boxentür, ehe die beiden „Männer“ nach draußen verschwanden. Edwards Hufe hallten lautstark von den Wänden wider, was Chronos nervöser machte. Er war nun das einzige Pferd im Stall und das konnte er wirklich nicht sonderlich leiden. Schnell führte ich auch ihn auf die Weide, auf der die anderen Hengste standen. Da meine Hengste sich alle inzwischen aneinander gewöhnt hatten und sich hauptsächlich in Frieden ließen und nur hin und wieder herumzickten, konnte ich sie problemlos auf einer einzigen Weide stehen lassen.
      Der Schimmelhengst preschte sofort los, nachdem ich ihm das Halfter entfernt hatte. Er buckelte einige Male, dann ließ auch er den Kopf sinken und wandte sich dem Gras zu.

      „Der Ausbildungsbetrieb gehört dazu. Es wird kein Problem sein, ein paar Pferde mehr hier unterzubringen. Wir haben schließlich genug Boxen“, erklärte Charles und ich nickte zustimmend. „Ja, du hast recht. Es war ja sowieso von Anfang an klar, dass ich den Betrieb nicht aufgeben möchte.“
      „Was ist mit dem Ferienbetrieb? Also der, der hier zuvor schon war? Dass Kinder Reitferien auf dem Gestüt machen können und für eine Woche oder so ein Pferd kriegen, um das sie sich kümmern müssen“, erkundigte sich Lucy, die mit uns am Tisch saß und vor sich die Unterlagen des Gestüts liegen hatte.
      „Wir könnten es doch aufnehmen. Dann bieten wir den Kindern eben Reitunterricht an und reiten, je nach Reiterfahrung und Pferd, hin und wieder mit ihnen aus. Dann machen wir Anfänger-, Amateur- und Fortgeschrittenengruppen. Das lässt sich besser einteilen und ich denke, damit würden wir auch den Feriengästen einen Gefallen tun.“
      „Also möchtest du nur Kinder als Gäste?“, fragte Joline an Charles gewandt, der diesen Vorschlag in die Runde geworfen hatte.
      „Ich persönlich würde mit Kindern anfangen. Schließlich gehen in den Schulferien viele Mädchen in die Reiterferien und bei dieser Gegend dürfte es nicht schwierig sein, welche zu finden, die darauf Lust hätten.“
      Nachdenklich sah ich auf den Tisch und starrte ihn an, bevor ich langsam den Blick hob. Auf mir lagen mehrere Augenpaare, die auf meine Reaktion warteten.
      „Ich finde die Idee gut“, sagte ich schließlich und spielte mit dem Kugelschreiber herum, den ich in der Hand hielt. „Aber nur, wenn wir die Gäste wirklich in Gruppen einteilen. Und auch nur, wenn sich welche dazu bereit erklären, den Kindern die passenden Pferde zuzuordnen und sich um sie zu kümmern. Ich würde das ja übernehmen, bräuchte dabei aber Hilfe, weil ich mich um den ganzen Papierkram und auch noch die Ausbildung kümmern muss. Das würde ich nicht allein schaffen“, sagte ich und blickte in die Runde. Zustimmendes Nicken.
      „Dann wäre das geklärt. Der Ferienbetrieb bleibt bestehen. Er wird allerdings erst wieder aufgenommen, wenn wir den Umzugsstress hinter uns haben“, besiegelte ich den Beschluss und rückte mit dem Stuhl nach hinten, um aufzustehen. Lächelnd trat ich die Treppe hoch und ließ mich in dem Zimmer nieder, das ich als mein Schlafzimmer betitelt hatte. Von hier hatte man eine wunderbare Aussicht auf das Gestüt und während ich auf der breiten Fensterbank saß und das Geschehen beobachtete, wurde mir bewusst, dass die Entscheidung, dieses Gestüt zu kaufen, definitiv die richtige gewesen war.
    • Samarti
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      Distanz E-A
      28. Februar 2014 - von Mongofisch
      Die Ankunft
      Wiedereinmal war es Elisa, die mich nach einem freien Platz im Trainingszentrum fragte. Natürlich sagte ich ihr einen Platz zu, sodass wir, nachdem alles besprochen war, einen Termin für die Ankunft ihres Pferdes ausmachten.
      Nur wenige Tage später bereitete ich eine Box im Stutenstall vor, stattete diese mit frischen Stroh und Heu aus und kontrollierte die automatische Tränke. Elisa hatte mir bereits erzählt, dass ich dieses Mal ihre Criollo-Tinker-Mix Stute in Distanz trainieren sollte.
      „So meine Kleine“, sagte ich zu Mieke und hob sie aus dem Kinderwagen. „Dann wollen wir mal schauen, ob schon jemand in Sicht ist.“ Die Sonne schien und erwärmte die Luft zumindest ein wenig, sodass man es draußen aushalten konnte und es sogar richtig schön war. Auf dem Parkplatz war noch nichts los, sodass ich Mieke ins Haus brachte und sie dort Lina gab, die sich den Nachmittag um sie kümmern würde.
      Bis Elisa eintraf, unterhielten Lina und ich uns über das Training ihrer Pferde. Um halb drei hörten wir dann, wie ein Wagen auf den Hof fuhr. Ich gab Mieke noch ein Küsschen und ging dann raus.
      Tatsächlich war es Elisa, die grade aus ihrem Wagen stieg und mir freundlich zuwinkte. „Hallo! Wie geht’s dir?“ Wir schüttelten uns kurz die Hand und machten uns dann ans Ausladen. „Mir geht’s sehr gut. Und wie siehts bei dir aus?“ Elisa führte die Stute rückwärts aus dem Anhänger und erwiderte, dass es ihr ebenfalls gut geht. Wir standen beide etwas unter Zeitdruck, weswegen dir die Stute, mit dem Namen Audio Delite at Low Fidelity, in den Stall brachten und uns dann im Büro zusammen setzten.
      Elisa erzählte mir kurz, wie der Ausbildungsstand der Stute war, was sie zu fressen bekommen sollte und dass ich sie einfach Delite nennen konnte. Ich schrieb mir alles auf, dann musste Elisa auch schon wieder nach Hause, sodass wir uns verabschiedeten und die junge Frau den Hof anschließend verließ.

      Das Training
      Delite und ich hatten einen straffen Zeitplan einzuhalten, trotzdem nahm ich mir genügend Zeit, um mich mit der Stute vertraut zu machen. Sie war anfangs etwas zurückhaltend und mochte sich nicht so recht mit mir beschäftigen, nur mit viel Geduld und etlichen Leckereien schaffte ich es, das Vertrauen der Stute zu gewinnen. Sie war zwar noch immer etwas schüchtern, hatte sich wohl aber damit abgefunden, dass sie mit mir arbeiten musste.
      Der Sprung von einem E-Distanzritt zu einem der Klasse A war nicht besonders groß, trotzdem musste das Pferd ordentlich auf die lange Strecke vorbereitet werden. Von 25 Kilometern, bis hin zu 40 Kilometern konnte so ein Ritt lang sein, sodass ich Delite auf jeden Fall an die 40 Kilometer ran bringen wollte.
      Zunächst begannen wir aber, etwa 20 Kilometer am Tag zurückzulegen. Dabei gingen wir erst nur Schritt und Trab, nach einer Woche, nahm ich dann den Galopp hinzu. Delite war schon jetzt sehr ausdauern und hatte eine gute Kondition, sodass ich mir sicher war, dass wir das Training ohne Probleme in der von mir gewählten Zeit schaffen würden.
      Zur Abwechslung gingen Delite und ich einige Male spazieren und machten Bodenarbeit. So konnte ich dafür sorgen, dass ich ein ausgeglichenes Pferd unter mir hatte.
      Delite machte große Fortschritte, also konnte ich bei jeder Trainingseinheit die Strecke etwas verlängern. Schon bald hatten wir die 30 Kilometer geschafft und kamen unserem Ziel immer näher.

      Als wir die Hälfte des Training geschafft hatten, meldete ich mich bei Elisa und erzählte ihr, wie sich ihre Stute machte. Sie war sehr erfreut, so gute Neuigkeiten zu hören und freute sich schon, wenn sie Delite abholen könne. Wir beendeten das Gespräch, sodass ich mit dem Training fortfahren konnte.
      Delite hatte sich sehr gut an mich gewöhnt und hatte richtig Spaß an den langen Ritten die wir unternahmen. Die neue Umgebung hatte ihr von Anfang an nichts ausgemacht und auch jetzt waren neue Dinge für sie kein Problem. Noch zwei Wochen hatte ich für das Training eingeplant und war mir sicher, dass wir sogar schon etwas früher fertig sein würden.
      Und tatsächlich, nach weiteren eineinhalb Wochen schafften wir unseren ersten Ritt über 40 Kilometer. Ich war mächtig stolz auf die junge Stute und gönnte ihr die letzten Tage auf dem Hof Ruhe.

      Delite darf nach Hause
      Einige Tage nachdem wir das Training beendet hatten, war der Tag gekommen, an dem Elisa die Stute abholte. Bereits am frühen Nachmittag traf die junge Frau auf dem Hof ein und wir begrüßten uns fröhlich. Zunächst ging es zu Delite, damit Elisa ihre Stute begrüßen konnte. Es war schön die beiden wieder zusammen zu sehen, trotzdem mussten wir das Training noch besprechen, sodass wir ins Büro gingen.
      Elisa freute sich, dass Delite sich beim Training gut benommen hatte und es so schnell geschafft hatte. Ich erklärte ihr jedoch auch, dass sie nun weiter mit der Stute trainieren musste, damit sie ihre Kondition weiter ausbauen konnte. Für Elisa war das selbstverständlich, sodass ich mir keine Sorgen machen musste.
      Zurück im Stall packten wir die Sachen der Stute ins Auto und verluden das Pferd schließlich. Nach einer kurzen Verabschiedung machte Elisa sich dann auf den Weg nach Hause und ich konnte mich auf meinen nächsten Schützling freuen.
      Cooper gefällt das.
    • Samarti
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      Kanada, wir kommen!
      02. März 2014
      Hochwasser.
      Ein Wort, das allein schon dämlich genug klingt – welcher Idiot hatte sich das denn bitte ausgedacht?
      Nachdem Cornwall noch immer unter Wasser stand und unser ganzes Gestüt tatsächlich darunter zu leiden hatte, indem die Weiden, Reitplätze und auch die Reithalle nun völlig verstört worden waren, hatten Matthew und ich uns dazu entschieden, dass etwas Neues her musste. Und das so schnell wie möglich. Es war auch für die Pferde unzumutbar, sie noch im Stall stehen zu lassen, weshalb diese inzwischen schon auf dem neuen Gestüt untergebracht worden waren.
      So sehr es mir auch im Herzen wehtat, aus England wegzuziehen – hatte ich hier doch eine lange Zeit gelebt – so war es dennoch eine Erleichterung, dass wir zumindest unseren treuen Vierbeinern ein vernünftiges Zuhause bieten konnten. Obwohl wir erst vor knapp zwei Monaten nach Penzance gezogen waren, was für mich ein Stich ins Herz war. Ich liebte England, aber besonders nach der Zeit, die wir im ungewünschten Wasser verbracht hatten, wurde mir klar, dass dringend eine Lösung her musste.
      Zu meinem Glück sah Matthew, mit dem ich mich inzwischen wieder ziemlich gut verstand, das Ganze genauso; ebenso meine anderen paar Mitarbeiter. Bei einigen hatte ich Glück, Matthew, Sophia, Charles und seine Frau Lucy hatten beschlossen, mich zu begleiten, da ihnen die Lage in England förmlich zu Kopf stieg. Hätte ich mich zuvor nicht mit Matthew versöhnt, würde er mich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht begleiten.
      So traf es sich gut, dass neben der Ranch Gwen, dessen Hengst Altair ich bereits im Training gehabt hatte, ein leerstehendes Gestüt zum Verkauf stand. Ursprünglich wollte ich nie nach Kanada ziehen – doch das Mädchen hatte mich dann schlussendlich doch überzeugen können und inzwischen war ich mir ziemlich sicher, dass uns eine schöne Zeit bevorstand. Natürlich war ich mir über die Wetterumschwünge in Kanada im Klaren, dennoch würde es mit Sicherheit eine interessante, neue Erfahrung sein.
      Die letzten Umzugskartons waren gerade verpackt, als jemand von hinten seine Arme um meinen Torso schlang und sein Kinn auf meiner Schulter bettete. Ohne hinsehen zu müssen, wusste ich, dass es sich um Matthew handelte.
      „Ich werde England vermissen“, murmelte er leise in mein Ohr. Sein Atem kitzelte auf meiner Haut; jagte mir einen wohligen Schauer über den Rücken und sorgte dafür, dass sich Gänsehaut auf meinem Körper ausbreitete.
      „Ich auch.“ Meine Stimme war kurz vorm Versagen. Ja, ich würde England vermissen – und wie ich das tun würde. In diesem Land hatte ich so viele Erlebnisse machen dürfen, war selbstständig geworden, hatte mein erstes, komplett eigenes Gestüt aufbauen können, hatte neue Freunde gefunden, Bekanntschaften geschlossen, mit Leuten zerstritten, meistens wieder mit jenen Leuten versöhnt, hatte mir eine neue Menge Pferde gekauft, hatte viele Pferde trainiert und, und, und. Ich könnte die Liste ewig weiterführen, doch irgendwas findet alles sein Ende.
      „Wir schaffen das. Zusammen.“ Er stockte kurz und senkte seine Stimme, während sich auf meinem Gesicht ein Lächeln ausbreitete.
      „Zusammen.“

      Endlich hatte ich den ganzen Trubel um den Check-In am Flughafen hinter mir und konnte mich nun auf den Flug nach Kanada begeben. Mein Handgepäck hatte ich rasch in der Ablage verstaut, nachdem ich meine Sitzreihe, F, gefunden hatte. Matthew war mir dicht auf den Fersen, die Anderen waren schon alle längst in Kanada, um das neue Gestüt auf Vordermann zu bringen. Ich seufzte leise und ließ mich dann auf meinen Sitz sinken, ehe ich mir die Ohrstöpsel ins Ohr steckte und Musik hörte. Meine Musik wurde aber leider Gottes nur kurz darauf von den nervigen Ansagen unterbrochen, die man sowieso vor jedem Flug hörte. Ich konnte sie inzwischen schon auswendig, schließlich flog ich nicht gerade selten, um neue Pferde zu holen oder einfach nur an internationalen Turnieren teilzunehmen.
      Zum Glück war die Ansage schon bald beendet und ich startete mein Handy erneut, um mich Flappy Bird zu widmen. Ich hasste dieses Spiel abgrundtief, hing ich doch immer noch bei meinem Highscore von 73 Röhren fest, doch ich wollte eben diesen unbedingt brechen. Das bedurfte nicht nur einer Menge Geduld, sondern auch viel Zeit – zu viel Zeit. Denn irgendwann gab mein Handyakku auf und ich musste mich anders beschäftigen, weshalb ich Matthew anstieß, welcher kurz zusammenzuckte und dann überrascht aufsah. Es dauerte nicht lange und wir waren in eine Unterhaltung darüber vertieft, wie es wohl in Kanada für uns weitergehen würde.

      Das neue Gestüt war riesig. Mir stand der Mund vor lauter Staunen offen, als ich aus dem Taxifenster blickte und unser großes Gelände erspähen konnte. Überall erstreckten sich lange, grüne Wiesen, dichter Wald umgab uns und hin und wieder sah man einmal ein Feld. Kurzum: Es war unglaublich. Das CHS in England war im Vergleich zu diesem winzig gewesen und ich zweifelte daran, ob es gut war, ein solch großes Gestüt zu besitzen. Schnell schlug ich mir den Gedanken wieder aus dem Kopf. Wir hatten uns vergrößert und würden auch demnächst noch einige neue Pferde erwarten, weshalb so viel Platz vielleicht ein ziemlicher Vorteil war, sollten doch bald eventuell sieben weitere Zuchtpferde von Elena bei uns ankommen, um die wir uns kümmern sollten.
      Mein Weg führte mich zunächst einmal ins Haus, wo Matthew und ich die restlichen Kartons und Koffer ablegten, ehe er mich völlig unerwartet bei der Hand nahm. Ein leichtes Kribbeln breitete sich an der Stelle aus, weshalb ich lächelnd zu Boden sah und ihm nicht ins Gesicht blicken wollte. Er grinste kurz, zog mich dann aus dem Haus heraus und wir standen etwas ratlos auf dem Gestüt herum, da wir nicht wussten, wo was war – weshalb wir uns erst einmal zu dem längsten Gebäude begaben, welches, wie nicht anders zu erwarten, der Stall war.
      Die Pferde standen momentan alle in ihren Boxen und zermalmten zufrieden ihr Heu, während wir an den neuen Außenboxen vorbeiliefen. Diesmal hatten wir uns gegen die Innenboxen und für die Außenboxen entschieden, da die Pferde somit einfach mehr „Luft“ hatten, es schien ihnen allerdings auch zu gefallen. Scheinbar hatten sie alle die anstrengenden Reisen gut überstanden, lediglich Pushin' Jazz for Cash hatte eine kleine Schürfwunde an der Brust, welche jedoch nicht allzu schlimm aussah. Kein Grund, sich Sorgen zu machen.
      Casey brummelte mir freundlich zu und sah neugierig auf, als wir an ihrer Box vorbeiliefen, doch ich streichelte ihre Stirn nur kurz zur Begrüßung und wir liefen weiter. Rapsoul beachtete mich nicht weiter, ebenso Audio Delite at Low Fidelity – sie beide waren nur mit ihrem Heu beschäftigt und hatten keine Zeit für uns übrig. In der Box gegenüber der Mixstute stand eine Kabstrupper-Stute, die ich vor kurzer Zeit von Elena gekauft hatte, aber bisher noch nicht selbst in Empfang nehmen konnte, da sie sofort nach Kanada gebracht worden war, ohne einen Zwischenstopp in England einzulegen. Die Gute hieß Sambuca und wollte sich lediglich einige Streicheleinheiten erbetteln, ehe auch sie sich wieder dem Futter zuwandte.
      Die drei kleinen Fohlen auf unserem Gestüt Dajeen, Beverly und Lunaris schienen sich trotz ihres niedrigen Alters ebenfalls schon ziemlich gut eingelebt zu haben, widmeten doch auch sie sich lieber dem Futter, als mich zu begrüßen. Lediglich der neue Hengst im Bunde, ein Buckskin Roan aus der Zauberhaft, der vor einem Tag geboren worden war und dementsprechend noch wackelig auf den Beinen stand und sich nur bei Zauberhaft in der Box befand, sah mich etwas verängstigt an. Der kleine war ein Nachkomme von dem Deutschen Reitponyhengst Unique Affair, der in der Zucht Burnin' Valentine stand und hatte daher auch seinen Namen bekommen: Burnin' Unbridled Dreams.
      Auch Sonic Syndicate war gut angekommen, ebenso Nacromancer in the Dark und Nickles 'n Dimes, auf den ich inzwischen meine ganzen Hoffnungen setzte. Der schon etwas ältere Kerl hatte eine ausgesprochen interessante Fellzeichnung, die auch der Farbzucht neues Leben einhauchen würde. Romantica und Ace of Clubs, die Farbwechsler-Stute, hatten wir inzwischen wieder auf dem Gestüt, nachdem sie eine Zeit lang bei Lisa auf dem Hof gelebt hatten, wo sie in der Dressur jeweils eine Stufe höher trainiert worden waren. Monsta lag dösend in ihrer Box und schien nicht mehr hungrig zu sein; sie blickte allerdings auch nicht auf, als ich an ihrer Boxentür vorbeiging und kurz herein sah. Das letzte meiner inzwischen sieben Sportponys war nun Firebird geworden, die junge Sooty Palomino-Stute, die ich von kira gekauft hatte.
      Schließlich folgten noch die Zuchtpferde, die wir uns einen Moment lang ansahen und bei denen wir kontrollierten, ob alles in Ordnung war. Beginnend bei Herbstblatt arbeiteten wir uns weiter voran, besuchten Pamino, Dahiba, Da Vinci und auch Star's Diamond nacheinander. Bei Goldherz verharrten wir eine Sekunde – sie brummelte mir erfreut zu und schmiegte sofort ihren Kopf gegen meine Brust, als sie mich sah. Das zwischen uns hatte sich wirklich zu etwas Besonderem entwickelt, so kitschig es sich jetzt auch für Außenstehende anhören mag. Sie war schon immer mein Lieblingspferd gewesen und nichts oder niemand könnte sich jemals wieder zwischen uns stellen, waren wir doch inzwischen beste Freunde geworden. Sie begleitete mich überall hin und das bereits seit fast fünf ganzen Jahren. Um nichts in der Welt würde ich sie jemals eintauschen oder hergeben wollen, so viel stand fest.
      Nachdem ich mich von Goldherz lösen konnte, liefen Matthew und ich zur nächsten Box, in der Zauberhaft ihr Heu fraß. Direkt neben ihr stand der einen Tag alte Hengst von Unique Affair, der es mir schon im ersten Moment angetan hatte. Ich hoffte wirklich, dass aus ihm mal ein ganz Großer werden würde, denn die richtigen Veranlagungen dazu hatte er allemal.
      Die letzten drei vergebene Boxen waren von den drei Neuen belegt worden. Wir hatten sie, wie auch Star's Diamond und Zauberhaft, von Husky kaufen können und so standen sie nun bei uns in Kanada. Ebenso wie Sambuca waren auch sie sofort nach Kanada gebracht worden, sodass ich sie zuvor noch nicht wirklich hatte sehen können.
      Der erste Hengst war ein Brauner, der bereits zwölf Jahre alt war; Dancer in the Moonlight. Der Hengst war ziemlich menschenbezogen, was mir schon in den ersten Sekunden auffiel: Er kam sofort zu mir, drückte sein Maul gegen meine Jackentasche und suchte nach Leckerlis, wollte aber zeitgleich auch gestreichelt werden.
      Daraufhin folgte Kronjuwel, der Papa von meiner Stute Zauberhaft. Er war ein wirklich schöner Buckskin, wurde ebenfalls im Jahre 2002 geboren und sein Charakter ähnlich wie der von Dancer in the Moonlight. Liebenswert, menschenbezogen und einfach ein Prachtkerl, der nicht nur sein faszinierendes Äußeres, sondern auch sein Interieur bisher immer mit vollem Erfolg weitergeben konnte.
      Das letzte der drei neuen Ponys war eine gekrönte Deutsche Reitponystute, die ich bereits von früher nur zu gut kannte. Inzwischen hatte ich eine stolze Zahl von vier gekrönten Deutschen Reitponystuten im Stall stehen, was mich ziemlich erfreute – war es doch vor gut zwei Monaten lediglich Goldherz, die bei mir im Stall stand. Nun jedoch hatte auch Star's Diamonds Mutter, Star, zu uns gefunden, die früher mal Juliane gehört hatte, mit der ich vor einigen Jahren mal das Gestüt Liberté geführt hatte. Ich war besonders froh darüber, sie bei mir haben zu können, strahlte sie doch schon früher solch einen Lebensmut aus, dass er beneidenswert war. Zwar war sie inzwischen schon fünfzehn Jahre alt, führte sich aber dennoch immer noch auf, als wäre sie eine dreijährige Stute, die erst noch eingeritten werden müsste.

      „Scheint, als ginge es ihnen allen gut“, bemerkte Matthew das Offensichtliche und ich lachte als Antwort nur kurz auf. „Ja, da magst du recht haben. Zum Glück haben sie die Reise alle gut überstanden“, seufzte ich erleichtert und fügte dann hinzu: „Aber jetzt werden wir erst einmal unsere neue Nachbarin begrüßen gehen.“
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  • Album:
    3 - Pferde im Ruhestand
    Hochgeladen von:
    Samarti
    Datum:
    26 Juli 2015
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    EXIF Data

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    Width:
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    Height:
    400px
     

    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).

  • Rufname: Filly
    geboren: Juni 2008


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    Rasse: Criollo-Tinker-Mix
    Geschlecht: Stute
    Farbe: Flaxen Chestnut Sabino (ee Aa ff Sbsb)
    Stockmaß: 162 cm

    Beschreibung:

    Audio Delite at Low Fidelity - kurz Delite oder Filly - ist eine sehr besondere Stute. Zum einen besticht sie auf den ersten Blick natürlich mit ihrer außergewöhnlichen Farbe, ihren einzigartigem, zweifarbigen linken Auge und ihrer märchenhaften Erscheinung. Aber auch ihr Wesen ist etwas ganz besonderes. Sie ist ein wenig eigenwillig, gibt sich dem Menschen, den sie liebt, jedoch gerne hin und gehorcht auf den kleinsten Wink. Fremde jedoch werden erst einmal misstrauisch beäugt und dann weitestgehend ignoriert. Wenn der Fremde es nicht schafft, in den ersten Tagen Zugang zu ihr zu finden, wird er ihn auch nie finden (was nicht ganz einfach ist, zumal sie nur Menschen an sich heran lässt, die ihr irgendwie sympathisch sind), wenn er es jedoch schafft, wird sie das nicht vergessen und auch in Jahren noch zutraulich zu diesem Menschen sein.

    Das Pferd mag vielleicht nicht das große Spring- oder Dressurtalent wie manche Warmblüter besitzen, dafür ist sie aber unheimlich intelligent. Will sie etwas lernen, tut sie das in Sekunden. Allerdings muss man sie manchmal ein wenig überreden, wenn es um Tricks geht. Sieht sie keinen Sinn darin, wird sie es auch nicht lernen. Genau deshalb muss man auch ein wenig vorsichtig sein, denn sie ist auch schnell darin, sich Unarten anzugewöhnen, weshalb sie nicht unbedingt ein Pferd für Anfänger ist, auch wenn sie sonst in jeder Situation ruhig und geduldig ist.

    Allerdings tut sie alles für Schmusestunden mit den Menschen, die sie gern hat, was die ganze Sache mit dem Lernen dann auch etwas einfacher macht.

    Den beiden Rassen, die in ihr stecken, verdankt Filly nicht nur ihr außergewöhnliches Äußeres, sondern auch ein kleines Talent im Westernreiten. Allerdings möchte sie kein Turnierpferd sein. Wenn sie nicht die nötige Liebe bekommt, wird sie auf Turnieren niemals gut abschneiden.
    Dank ihrem Tinkeranteil würde sie sich mit Sicherheit auch für den Fahrsport eignen. Außerdem ist sie sehr ausdauernd, und weil sie so gerne mit dem Menschen zusammen ist, den sie gerne hat, macht ihr das Distanzreiten großen Spaß.

    Besitzer: Samarti
    Ersteller: Monsterflosse

    Western A -- Fahren A -- Distanz L
    SW 423
    155. Fahrturnier
    300. Westernturnier

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    Offizieller Hintergrund