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Sammy

Arriba

Criollo | Stute | gekrönt || WE: S*** (10) | DI: A (1)

Arriba
Sammy, 23 Mai 2017
Zaii, Cascar und Veija gefällt das.
    • Sammy
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      Berichte aus Ari's Zeit auf der Nahanni Rivers Ranch bei Gwen
      Das Jahr 2015
      Tierarztbesuch 13.01.2014 - Equine Hospital CHH
      © Cooper
      Erneut erhielt ich schnell nachdem neue Aufträge frei waren wieder neue Aufträge. Ich war verblüfft und wirklich froh darüber das es so gut lief. Ich aß am späten Nachmittag noch was und rauschte los zum Veterinärvan. Voller Elan sagte ich Zasa bescheit das ich bald bei ihr war und schon war auch die Autofahrt vorbei. Ich war schonmal bei Zasa auf dem Hof Luggala, als ich noch bei Eddie in ihrer Tierarztklinik arbeitete. Heute war ich selbst als Leitende Tierärztin bei ihr und sollte ihre Criollistute Arriba, die Grundimmunisierung verpassen, sowie Chippen. Dies würde nicht lange dauernd. Zasa begrüßte mich freundlich mit einer Umarmung, denn wir kannten uns auch privat gut. "Also Arriba heißt sie?" frug ich und Zasa nickte. "Ja genau. Sie ist grade neu auf meinem Hof und ich weiß nicht wie sie auf Tierärzte reagiert. Sie sollte aber recht leicht zu bendigen sein" sagte Zasa und holte die schöne Stute aus ihrer Box und band sie an. Ich streichelte Arriba und lernte sie erstmal kennen. "Ja gut, also meinetwegen können wir Anfangen" sagte ich und füllte die Ampullen mit den entsprechenden Flüssigkeiten. Die Impfungen waren mit Überredenskunst und Äpfeln relativ schnell Erledigt und ich konnte ihren Impfpass aktualisieren. Das Chippen hingegen war schwierig, denn verständlicherweise wollte Arriba nicht nochmal einen Pieks und dann vor allem nicht so einen großen. "Na komm kleine, das ist in zwei Sekunden getan" sagte ich und versuchte mir Zasa die Stute zu beruhigen. Sie schob mich einige Male hin und her, bis sie endlich still stand und ich in einem Glücksmoment den Chip am Hals plazieren konnte. "Jetz nurnoch schauen ob er erkannt wird" sagte ich und scannte. Die Identifikationsnummer wurde angezeigt und somit hatte sich die Sache. "Super danke" sagte Zasa, brachte die Stute in die Box nachdem ich mich entschuldigte und verabschiedete und half mir mit aufräumen. "Schmeiß da rein, ich muss den eh wieder aufräumen" sagte ich lachend und schloss die Tür. "Wenn noch was ist, einfach Anrufen" sagte ich umarmte Zasa und verließ das Gestüt Luggala.

      Pflegebericht 29.01.2015 - Herzlich Willkommen! - by Gwen
      "Das ist doch nicht wahr...", grummelte ich und schnaubte noch einmal aus tiefster Seele in das Taschentuch. Ich hatte eigentlich die Hoffnung gehabt, mit viel Ruhe und Trinken würde die Erkältung innerhalb 1-2 Tage wieder weg sein, aber von wegen! Genervt sammelte ich die ganzen benutzten Taschentücher rund um die Couch ein und brachte sie zum Mülleimer. Mum und Kathy hielten inzwischen schon gebührenden Abstand, damit sie nicht auch meinen Infekt abbekamen.
      Seufzend starrte ich aus dem Fenster - der Himmel strahlte leuchtend blau, die Sonne schien und die Vögel zwitscherten. Ein wundervoller verschneiter Januarmorgen! Und ich saß schniefend im Haus fest! noch viel schlimmer war aber die Tatsache, dass ich meine neue Stute heute nicht selbst entgegen nehmen und versorgen konnte.
      Sie stammte aus den Ställen von Luggala und hatte dementsprechend eine lange Reise hinter sich. In ein paar Stunden würde sie in Kanada eintreffen und sich dann auf den Weg zu unserer Ranch machen. Kathy hatte sich bereit erklärt, die Box vorzubereiten und die Stute zu versorgen, dennoch wäre es mir viel lieber gewesen, wenn ich das hätte selbst machen können.
      Es dämmerte bereits, ehe ich den Trailer auf die Ranch fahren hörte. Es hatte Komplikationen im Flughafen gegeben, weshalb sich die Reise von Irland nach Kanada noch einmal um zwei Stunden mehr gezogen hatte.
      Dementsprechend war die sonst so ruhige Stute auch drauf. Ich hatte mich dick eingepackt und war mit hinausgegangen, denn ich wollte Kathy ungern mit dem Energiebündel alleine lassen, auch wenn ich in meinem Zustand eh nicht viel ausrichten konnte. "Lass sie erst einmal auf die Weide! Sie braucht Bewegung.", ordnete ich an und Kathy tat sofort wie geheißen.
      Die Criollostute fegte aufgeregt durch den Schnee und vollführte einige amüsante Bocksprünge, ehe sie sich langsam beruhigte. Nach einer halben Stunde brachten wir sie als erste in den Stall und fütterten sie, ehe wir die anderen reinholten.
      Doch dann zeigte sich wieder das ruhige Gemüt der Stute, welche unbeirrt ihr Müsli futterte und die anderen Pferde neugierig schauen ließ. "Wie heißt sie eigentlich?", fragte Kathy und ich ich meinte lächelnd: "Arriba."

      Pflegebericht 10.02.2015 - Unser erster Ausritt - by Gwen
      Dieses Wochenende stand für unseren Connemarahengst Wish ein ganz besonderer Gast auf der Liste. Zufällig hatte ich seine ehemalige Züchterin ausfindig gemacht und war mit ihr in Kontakt getreten. Mockingjay war wirklich eine wunderbare Person, die direkt von Anfang an sympathisch war. Schnell tauchten wir Bilder über Wish aus: Ich bekam Bilder aus seiner Fohlenzeit und im Gegenzug schickte ich Mockingjay aktuelle Bilder von Wish.
      Irgendwann kam ich auf die Idee, sie doch einmal zu uns nach Kanada einzuladen, immerhin hatten wir ein großes Gästezimmer und Kanada war schließlich auch einmal sehenswert. Sofort nahm Mockingjay das in ihre Planungen auf und spontan kam sie tatsächlich für ein Wochenende hierher!
      Bereits gestern Abend war sie hier angekommen, jedoch war es schon sehr spät gewesen und sie selbst hundemüde, als dass wir noch einmal in den Stall gegangen wären. Dafür war sie dann heute Morgen ausgeschlafen und während des Frühstücks sichtlich aufgeregt, ihren kleinen Hengst sehen zu dürfen und so gingen wir direkt nach dem Frühstück raus in den Stall.
      Gemeinsam schlenderten wir die Stallgasse entlang und natürlich wollte Mockingjay auch die anderen Pferde kennenlernen. Besonders Wish' Halbschwester Minou interessierte sie sehr, doch dann kamen wir endlich an die lang ersehnte Box. Mockingjay quietschte kurz auf, als sie den großen stattlichen Connemarahengst vor sich stehen sah. "Oh Wish, bist du hübsch geworden!", meinte sie lachend und streckte dem Hengst ihre Hand hin.
      Natürlich wollte ich Mockingjay in der Zeit die sie hier war, etwas bieten und so hatte ich einen Ausritt geplant. Mit dieser Idee überraschte ich sie dann heute Morgen und natürlich sagte sie nicht nein. Klar war auch, dass sie Wish reiten durfte und darüber schien sie auch überglücklich. "Apropos! Ich habe Wish etwas mitgebracht!", meinte sie lächelnd und zeigte mir eine nagelneue braune Trense und eine wundertolle grüne Schabracke. "Oh Gott, das wird ihm toll stehen!", meinte ich grinsend.
      Wir machten in aller Ruhe die Pferde fertig und Mockingjay kleidete Wish direkt in seine neuen Sachen ein. Ich hatte mir für den Ritt Arriba ausgesucht, denn natürlich wollte ich meine noch recht neue Stute auch kennenlernen und da Arriba ja ein absolutes Verlasspferd war, war ich gewiss, dass der Ausritt sehr entspannt werden würde. Anfangs starrte Mockingjay mich etwas zweifelnd an, dass ich Stute und Hengst gemeinsam nebeneinander laufen lassen wollte, aber dann vertraute sie einfach auf Wishs gute Manieren und alles lief prima ab.
      Ich zeigte Mockingjay die riesigen verschneiten Wiesen des Riding Mountain Nationalparks, meinen heißgeliebten Fluss, an welchem wir sogar eine Elchkuh entdeckten und wir wagten uns sogar bis zu einem der kleineren Seen vor. Alles in allem war es ein wunderbarer Ausritt und Mockingjay war absolut begeistert von Wish. Auch ich war sehr zufrieden mit meiner Criollostute, denn Arriba benahm sich vorbildlich und war wirklich sehr angenehm zu reiten. Sie war geduldig, immer ruhig und sehr trittsicher - einfach traumhaft!
      Natürlich konnte man im Winter nicht ewig draußen herumreiten, denn auch, wenn die Kälte hier regelrecht angenehm war, war sie für Mockingjay doch sehr ungewohnt.
      Wieder zu Hause versorgten wir die Pferde und gaben ihnen ihre Portion warmes Mash, ehe sie in ihre Boxen durften. Danach eilten wir zurück ins Haus, wo Mama schon mit heißer Schokolade und Pancakes auf uns wartete. "Oh, wenn du magst, kannst du gerne auch mal im Sommer kommen! Dann können wir auch einen Wanderritt bis zum Clear Lake machen, das wird toll! Es gibt hier so viel zu sehen!", schwärmte ich und Mockingjays Augen begannen zu leuchten.

      Hufschmiedbesuch 11.03.2015 - Hufschmiede "OSR" - by Abajo
      Nachdem ich auf dem Gestüt Sa Diyos war, führte mich mein
      Weg weiter zur Nahanni Rivers Ranch, wo die Gestütsleiterin Gwendolyn Campbell vermutlich schon auf mich wartete. Drei Pferde standen auf meiner Liste, weshalb dies auch der letzte Auftrag Heute sein würde.
      Am Hof stellte ich mich der Gestütsleiterin gleich als Clarissa vor, worauf sie mir freundlich anbot, dass ich sie Gwen nennen könne. So hat man das gern, dachte ich mir freudig und ließ mich von ihr zu den Pferden führen. „Welche Pferde stehen denn Heute auf der Tagesordnung?“, fragte ich, um das Gespräch am Laufen zu halten. „2 Hengste und eine Stute.“, antwortete Gwen und um die nächste Ecke konnte ich auch schon den ersten Hengst sehen. Gwen stellte sich zu New Forest Hengst und tätschelte seinen Hals. „Das ist Ohnezahn.“, erklärte sie und erzählte mir dann von seiner ungemütlichen Vergangenheit. „Verstehe, ich versuche behutsam mit ihm umzugehen.“, versprach ich und legte mir dann mein Werkzeug zurecht. Der Hengst beobachtete mich skeptisch, weshalb ich extra darauf achtete, mich ruhig und gelassen zu bewegen. „Na du Hübscher?“, säuselte ich dem Hengst zu und bot ihm dann eine Bestechungskarotte an. „Wirst sehen, das alles ist schnell wieder vorbei.“ Es dauerte eine Weile, bis der Hengst sich dazu entschlossen hatte, meine Bestechung anzunehmen. Dann streichelte ich ihn über den Hals bis runter zum Bein und zum Huf, um seine Reaktion auf meine Berührung zu testen. Zwar beobachtete er mich weiterhin misstrauisch, doch er schien nicht den Eindruck zu machen, dass er sich allzu unwohl fühlte. Also stellte ich mich neben seinen linken Vorderhuf, führte meine Hand nochmals vom Bein bis zum Huf hinunter und schnalzte mit der Zunge, worauf Ohnezahn seinen Huf bereitwillig hochhob. Während ich das Bein auf meinem Oberschenkel ablegte, beobachtete ich die Reaktionen des Hengstes und sprach zu Gwen: „Bleib am besten bei seinem Kopf stehen und beruhige ihn, wenn er nervös wird. Und wenn es ihm zu viel wird, sag Bescheid, dann legen wir eine kleine Pause ein.“ Doch soweit kam es nicht, denn der Hengst schien trotz seiner Vergangenheit schon einiges gelernt zu haben. Zuerst betrachtete ich den Huf kritisch, schätzte die Arbeit ab und zwickte schließlich die zu langen Teile des Hufes mit der Zange ab. Das Geräusch schien Ohnezahn erst etwas gruselig, er gewöhnte sich aber schnell daran. Dann nahm ich das Hufmesser in die Hand, schnitt die abgestorbenen und überstehenden Teile der Sohle weg und pustete die Stücke sorgfältig weg. Als letztes raspelte ich noch die Ecken und Kanten rund und kontrollierte nochmals gründlich den Huf. „Guter Junge.“, lobte ich und ließ seinen Huf langsam zum Boden. Auch die anderen Hufe ließ er brav bearbeiten. Nur beim letzten schien es ihm schon etwas zu lang zu werden, denn er versuchte ihn mir zu entziehen, worauf Gwen ihn nochmals mit einer Karotte ablenkte. Noch 3 schnelle Handgriffe und auch der letzte Huf sah aus wie neu. „Super, das hat ja echt gut geklappt. Den Kerl hast du gut hinbekommen.“, sagte ich anerkennend zu Gwen.
      Als nächstes holte Gwen Avenger und band ihn links und rechts an die Stallgasse. Ich hätte nicht damit gerechnet, noch ein Pferd aus schlechter Haltung kennen zu lernen, aber Avenger war noch viel weiter zurück mit seiner Ausbildung als Ohnezahn. „Da verlangst du mir ja echt was ab.“, lachte ich, als Gwen mir von ihm erzählte und auch, dass er mein letzten Hufschmiedbesuch sediert war. „Na mal schauen, wie wir das hinbekommen.“, sagte ich motiviert und näherte mich Avenger langsam, aber ruhig und bestimmt. Sofort legte der Hengst die Ohren an und trat einen Schritt zurück, um sich meiner Nähe zu entziehen. „Ist ja gut, Hübscher, ist ja gut.“ Gwen unterstützte mich, indem sie sich an seinen Kopf stellte und ihm den Hals kraulte. Auch das eine oder andere Leckerlie erwies sich als nützlich, als ich schließlich neben ihm stehen konnte und meine Hand auf seinen Hals legte. „Ich werde versuchen ihm Freiraum zu lassen und ihn zu nichts zu zwingen. Ich werde ganz langsam und vorsichtig arbeiten, damit er sich an mich und an die Geräusche und Bewegungen gewöhnt.“ Nach meiner Erklärung an Gwen strich ich mit meiner Hand das linke Vorderbein hinunter. Mit einem Zungenschnalzen und leichtem Zug nach oben, hob Avenger seinen Huf. Seine Ohren waren immer noch angelegt und er beobachtete jeden meiner Bewegungen, als müsste er nebenbei überlegen, ob er flüchten sollte oder doch nicht. Ruhig nahm ich die Hufzange zur Hand, legte sie an den Huf und zwickte. Sofort zuckte Avenger am ganzen Körper zusammen, entriss mir den Huf und blähte die Nüstern ängstlich auf. „Okay so geht das nicht.“, sagte ich und stellte mich dann vor den Hengst, nachdem ich ein Stück Draht aus meinem Koffer geholt hatte. „Ich versuche ihm erst mal die Angst vor dem Geräusch zu nehmen.“ Gesagt getan, ich zwickte ein paar Mal den Draht in Stücke und mit jedem neuen Klacken wurde er etwas ruhiger. Beim letzten Mal schien er sogar interessiert daran, was ich denn da überhaupt veranstaltete, was Gwen sofort mit einem Leckerlie lobte. „Versuchen wir es gleich nochmal.“ Gwen sprach beruhigend auf den Hengst ein, während ich seinen Huf wieder nach oben auf meinen Oberschenkel zog. Dieses Mal ließ er das Zwicken tatsächlich über sich ergehen, wenn auch eher unwillig. Bei kleinen Zuckereien des Beines hielt ich ihn fest, nur wenn er wirklich stark zog, ließ ich den Huf lieber los, um ihn zu nichts zu zwingen. Dann versuchten wir es einfach noch einmal. So brauchten wir sehr lange, um schließlich auch noch den Huf auszuschneiden und zu Raspeln, aber die Taktik funktionierte einigermaßen. Nach dem ersten Huf schwitzte ich schon und musste mir kurz über die Stirn wischen, bevor ich mich an den nächsten Huf machte. Die Prozedur kannte Avenger ja schon und er schien zu verstehen, dass ich ihm nichts Böses wollte. Dennoch stand er ständig unter Spannung, bereit, davonzustürmen. Bei den hinteren Hufen musste Gwen ihn nochmals mit einem Leckerlie bestechen, denn er wollte gar nicht mehr mitarbeiten und hob seinen Huf schließlich nur widerwillig. Auch hier entzog er mir öfters den Huf, einmal riss er sogar den Kopf hoch und rollte ängstlich mit den Ohren. Es gefiel ihm gar nicht, dass ich da hinten herumwerkelte. Aber was sein muss, muss sein. Als ich schließlich den letzten Huf losließ, stampfte er so stark mit dem Huf auf, dass er vor seinem eigenen Geräusch zusammenzuckte und panisch tänzelte. Sofort machte ich 2 große Schritte aus seiner Reichweite, um ihn nicht noch mehr zu verunsichern. Während Gwen den Hengst beruhigte und schließlich weiterhin tänzelnd zurück in die Box führte, atmete ich mehrmals ruhig ein und aus. Der Hengst kann froh sein, so eine tolle Besitzerin zu haben. Andere hätten ihn bestimmt schon längst aufgegeben.
      „Zum Ausgleich hab ich jetzt noch eine Stute. Sie wird dir gefallen.“, lachte Gwen und ich war mir erst unsicher, ob sie das ironisch meinte. Als ich Arriba dann erblickte, war ich erleichtert. „Das Beste zum Schluss!“ Sofort machte ich mich an die Arbeit, legte mein Werkzeug zurecht und stellte mich bei der Criollostute mit einem Streicheln vor. „Du bist ja eine Hübsche.“, stellte ich fest und hob dann ihren ersten Huf auf meinen Oberschenkel. Die Stute war sehr ruhig und schien sich kaum an mir zu stören, was mir die Arbeit unheimlich erleichterte. So konnte ich wesentlich schneller meine Handgriffe machen als bei Ohnezahn und vor allem Avenger. Alle 4 Hufe wurden erst gekürzt, ausgeschnitten und geraspelt, bis keine Ecken und Kanten mehr zu spüren waren. Als ich schließlich auch den letzten Huf gecheckt und abgesetzt hatte, tätschelte ich der Stute den Hals und gab ihr ein Stückchen Karotte. Grinsend drehte ich mich schließlich wieder zu Gwen. „Das nächste Mal hätte ich gerne mehr von dieser Sorte!“ Auch Gwen grinste jetzt erleichtert, auch für sie waren die letzten Stunden anstrengend und aufregend gewesen. Kurz darauf hatte ich meinen Koffer auch schon wieder in der Hand und ließ mich zurück zum Auto begleiten. „Ich wünsche dir noch einen schönen Abend, bis zum nächsten Mal.“, verabschiedete ich mich und rollte dann mit meinem Auto vom Hof.
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      Pflegebericht 29.03.2015 - Der Sturm ist vorbei - by Gwen
      Das Orkantief hatte bei uns allerhand angerichtet und so hatte ich diesmal wirklich alle Hände voll zu tun. Zum Glück war Ostern, so dass Mama und Kathy auch frei hatten und so wollten wir uns nach dem Frühstück direkt an die Arbeit machen. Kurz nach sechs klingelte bereits mein Wecker. Dank der Zeitumstellung war es draußen dennoch schon hell und ich stieg mühsam aus dem Bett. Im Bad machte ich mich in aller Ruhe fertig, ehe es hinunter in die Küche ging.
      Dort war Mama schon dabei, das Frühstück zu machen und auch schon Sandwichs für den Lunch vorzubereiten. Wir frühstückten zu dritt und dann ging es hinaus in den Stall, Pferde füttern und misten. Leider mussten die Vierbeiner erst einmal im Stall bleiben, denn die Zäune musste ich erst abreiten. Dafür holte ich mir Arriba aus der Box und sattelte die Criollostute, denn so war ich wesentlich schneller als alleine. Und damit wir auch möglichst schnell alle abhandeln konnten, halfen Elisa und Matthew mir. Dementsprechend erwarteten mich vor dem Stall auch zwei weitere Reiter.
      Matthew saß auf der hübschen Filly und Elisa war mal wieder mit ihrem Farbtopfeimer Rebel anzutreffen. Ich begrüßte die beiden knapp und dann ging es los. Am Anfang der Weiden teilten wir uns auf, Elisa und ich ritten links entlang und Matthew rechts. Die drei Weiden nahe des Stalls hatten zum Glück nichts abbekommen, nur die Weide direkt neben dem Stall zierte ein großer Ast, der vom Baum gestürzt war.
      Die beiden Weiden neben dem Stall sahen nicht so gut aus. Dort war zum einen der umgekippte Baum, der auch Ohnezahn eingeschlossen hatte, sowie zwei weitere Zerstörungen im Zaun. Matthew ließen wir direkt dort und er kümmerte sich darum, die umgefallenen Bäume in kleine Stücke zu sägen und schon einmal zu stapeln. Elisa und ich ritten die letzten beiden Weiden ab. Danach hieß es Zäune reparieren und per Pferd und Wagen das Holz von den Weiden zu transportieren, dafür waren unsere drei Westernpferde zuständig.
      Mama und Kathy packten auch tatkräftig an und so waren bis zum frühen Nachmittag alle Weiden wieder in nutzbaren Zustand und die Pferde konnten endlich raus. Dementsprechend wollte ich die Zeit gleich noch nutzen, um einige Pferde zu bewegen. Gemeinsam mit Elisa kümmerten wir uns um die beiden Ladys Ginny My Love und Sinfonie. Beide wurden geputzt und dann gingen wir eine kleine Runde spazieren, ehe die Schecken auf ihre Weide durften.
      Danach statteten wir Pinero einen Besuch ab und Elisa freute sich doch sehr, ihren kleinen Tigerschecken mal wieder zu sehen. Und der Kleine erkannte sie sogar noch! Neugierig kam er zum Eingang der Weide und begrüßte uns, dann verzog er sich auch wieder. "Oh, wenn du gerade da bist, können wir noch mit Minou arbeiten!", rief ich erfreut und machte Elisa mit der Connemarastute bekannt. Diese war inzwischen vier Jahre alt und sollte nun allmählich eingeritten werden. Den Sattel kannte sie inzwischen und nun sollte das Reitergewicht kommen, kurz: Elisa.
      Also putzten wir die Stute und sattelten sie, dann gingen wir gemeinsam in die Halle. Dort waren wir zu dritt und so konnte eigentlich kaum etwas passieren. Matthew nahm Minou an die Longe, Elisa lief neben ihr und ich schwang mich todesmutig in den Sattel. Erst legte ich mich nur vorsichtig quer über den Sattel und dann wagte ich mich drauf.
      Und siehe da! Minou war ein wahrer Sonnenschein, sie war lieb, rücksichtsvoll und schien gar keine Angst zu haben. Brav lief sie im Schritt auf beiden Händen an der Longe und dann führte Elisa uns noch einmal durch die Halle, ehe wir sogar ein kleines Stück alleine im Schritt schafften, auch wenn Elisa immer noch neben uns her lief. "Ich glaube mit der Kleinen wirst du keine Probleme haben", meinte Matthew und tätschelte der braunen Stute sanft den Hals. Auch Elisa nickte zufrieden. Glücklich versorgte ich Minou und brachte sie dann auf die Weide. Elisa und Matthew mussten wieder nach Hause, denn auch sie hatten noch allerhand zu tun. Ich half derweil noch bei uns weiter mit.

      Pflegebericht 01.04.2015 - Erster April mal anders - by Gwen
      „Woah, ich bin so aufgeregt!“, jauchzte ich fröhlich und wurde von meiner Familie nur verständnislos angestarrt. Leise sackte ich auf meinem Stuhl zusammen, frühstückte zu Ende und sauste dann hinaus in den Stall. Seit circa zwei Stunden war ich endlich aus Winnipeg zurück. Ich hatte dort eine elende Studienfahrt ertragen müssen und man glaubt es kaum, aber drei Tage können sich wie eine Ewigkeit anfühlen, wie eine schlimme Ewigkeit. Es zog nämlich momentan auch ein tolles Orkantief über Manitoba, was alles mitbrachte: Sturm, Regen, Hagel und natürlich auch noch einmal Schnee! War ja nicht so, als ob wir alle glücklich über den Frühlingsbeginn gewesen wären. So huschte ich auch jetzt durch einen unangenehmen Nieselregen hinein in den Stall. Dort wartete schon Arriba auf mich. Lächelnd holte ich die Stute aus der Box und begann sie fix zu putzen, denn wie immer war ich doch recht spät dran. Aber da sie über Nacht in der Box stand war sie verhältnismäßig sauber und so schnell geputzt und gesattelt. Dann zog ich mir meine regenfesten Sachen an und verließ mit der Stute den warmen Stall hinaus in das typische Aprilwetter. Schnell schwang ich mich in den Sattel, ehe er zu nass wurde und dann ritten wir los in Richtung Elisa. Wir wollten den ersten April ordentlich „feiern“, dementsprechend trafen wir uns alle auf Crown Hill: Elisa, Elena, Zai, Juli und ich. Und ich freute mich schon, alle mal wieder zu sehen! Bisher trafen wir uns immer noch zu selten.
      Da ich recht spät kam, waren wir ausnahmsweise schon einmal fast vollständig. „Nicht dein Ernst!“, rutschte es mir direkt als erstes heraus, als ich Elisa sah. Sie saß auf ihrem Schecken Capulet. Im Westernsattel. Mit Westernhut. Auch Elena rümpfte die Nase und meinte nur „Das sieht richtig schei- nicht schön aus“, murmelte sie und schwang sich in den Sattel von Cresant Moon. „Oh“, murmelte ich nur grinsend als ich da Cressi sah und Elisa rebellierend mit ihrem Cowboyhut, da hatte es wohl schon wieder Diskussionen ums Pferd gegeben. „So, und wo sind Zai und Juli?“, fragte ich neugierig und schaute mich um, zu lange wollte ich nicht im Regen stehen bleiben, sondern wenigstens eine Gangart anschlagen. Doch die beiden enttäuschten uns nicht, nach ein paar Minuten kamen Zai auf Adrian und Juli auf Vendetta um die Ecke und direkt begannen Elisas Augen noch mehr zu leuchten. Das erste Gesprächsthema war somit direkt belegt mit „Wisst ihr wie süß ein Fohlen von Cressi und Vendetta wäre?!“, schwärmte sie fast eine halbe Stunde und der Rest schüttelte nur lachend den Kopf. „Ist deine Verkleidung eigentlich auch ein Aprilscherz?“, fragte Juli nach und musterte Elisa, die sich anscheinend langsam doof vorkam. „Pff“, knurrte sie nur und ließ Capulet antraben und dann angaloppieren, um uns alle im Regen stehen zu lassen.
      Wir waren über eine Stunde unterwegs und erlebten so etwa jedes mögliche Wetter. Erst regnete es, dann kam plötzlich Hagel. Dann lichtete sich der Wolkenhimmel und die Sonne schien. Plötzlich fing es an zu stürmen und dann regnete es wieder und dann kamen uns auf einmal riesige Schneeflocken entgegen. „Unglaublich!“, stotterte Zai, als wir endlich wieder in Nähe des Stalles kamen. Denn inzwischen waren wir alle pitschnass und durchgefroren. Schnell ritten wir in den warmen Stall und versorgten erst einmal die Pferde. Nachdem die dann zufrieden in ihren trockenen Boxen waren, verzogen wir uns in Elisas gemütliche Reiterstübchen, wo wir unsere nassen Jacken auszogen und uns erst einmal aufwärmten. Dabei begann es mit Tee, ehe wir irgendwann zu Fruchtsecco und Cocktails überschwenkten. Ich erinnere mich nicht mehr wirklich wann und warum und vor allem woher Elisa das Zeug hatte, aber es wirkte und wir wurden (leider) zunehmend lustiger.
      „Ey Elisa! Heute ist der erste April, weißt du was voll geil wäre?“, fing ich an zu kichern und konnte dann vor Lachen nicht mehr weiter reden, obwohl Elisa die ganze Zeit „Was? Was! Was!“, quietschte. Zai schaute auf und grinste verschmitzt, „Sag mal zu Matthew, dass du ihn voll gerne hast und das schon seit längerer Zeit und gerne mit ihm reden willst“ – „Uh wie gemein!“, grinste Elena. Zai war momentan nicht sonderlich gut auf Kerle zu sprechen, wie eigentlich alle von uns und dementsprechend schmiedeten wir schon leicht beschwippst einen wunderschönen Aprilscherz.
      Eine halbe Stunde später liefen wir gackernd durch den Stall und trafen dann plötzlich auf Matthew. Tja und dann nahm das Unglück seinen Lauf. Wir kicherten fröhlich vor uns hin und schubsten Elisa vor, wie kleine 6. Klässler. Elisa stotterte unruhig etwas und scheuchte uns dann weg, also verzogen wir uns kichernd (Gott wir müssen so dämlich gewirkt haben!), um die Ecke. Dann hörten wir Elisas plötzlich ernste Stimme und eine Sekunde später fing sie schallend an zu lachen. „April! April!“, rief sie und rannte feiernd zu uns. Matthew starrte ihr mit offenen Mund hinterher und war völlig außer sich. „Rudolph, the red-nosed Reindeer!“, fing Juli an zu singen, als sie sah, dass Matthew rot wie eine Tomate wurde. Ich gab ihr einen sanften Seitenknuffer, aber sie gackerte nur weiter und dann feierten wir alle. „Ihr wollt mich doch verarschen…Weiber…langsam habe ich genug“, murmelte Matthew, schnappte sich die Zügel von Rapsoul und stampfte wütend aus dem Stall.
      So viel ich noch weiß, verzogen wir uns in Elisas Haus und feierten dort noch ein bisschen weiter, schauten zum gefühlt fünfzigsten Mal Spirit und sangen johlend die Titelmelodie mit. Es war schön, zumindest für uns, für die Außenstehenden übernehme ich natürlich keine Garantie!

      Pflegebericht 01.05.2015 - Der eigentlich in Kanada gar nicht vorhandene 1. Mai - by Gwen
      „Und was feiern wir heute nochmal?“, fragte ich wahrscheinlich nun zum gefühlten hundertsten Mal meine Mitreiterinnen. „TAG DER ARBEIT.“, buchstabierte mir Jojo und verdrehte genervt die Augen. Ihr Blick sprach Bände was mit mir passieren würde, wenn ich noch einmal fragen würde. Dementsprechend schwieg ich die nächsten fünf Minuten und wir ritten still nebeneinander her. „Aber feiert man den überhaupt in Kanada?“, war meine nächste Frage, irgendwie klang der 1. Mai so ein bisschen nach einem dieser bayrischen Feiertage zum Biertrinken. „Nope. Aber da wir Deutsche in Kanada sind, dürfen wir das“, meinte Elisa lachend und strahlte mich und besonders Jojo an, die aber schüttelte nur den Kopf.
      „Aber warum ist der Tag der Arbeit frei? Ich meine, es ist der Tag der Arbeit, arbeitet man da nicht eher?“ – „BOAH Gwen! Noch ein Wort aus deinem Mund und ich verspreche dir bei Gott, ich schmeiß dich vom Pferd!“ – „Okay“, murmelte ich kleinlaut und schwieg ab dem Moment.
      „Ich hab Hunger!“, warf Elisa total passend ein und entschied, dass wir in die Stadt ritten und dort einen Snack vertilgen würden. Gesagt getan und damit es schneller ging, ließ Elisa Ocean Water antraben. Jojo folgte ihr direkt mit Favorita, während ich lieber ein wenig Sicherheitsabstand zu ihr hielt. „Ich glaube die Drohung war ernst gemeint“, flüsterte ich Arriba ins Ohr und hielt meine Criollostute zurück.
      Als wir in der Stadt ankamen, brannte schon die nächste Frage in meinem Mund, nämlich warum eigentlich Zaii und Elena nicht da waren, aber mein Überlebensinstinkt warnte mich davor, auch nur daran zu denken. Also bestellte ich lieber ein Baguette mit Hühnchen und verspeiste zufrieden das von Elisa gesponserte Mittagessen.
      Da der 1. Mai in Kanada nicht gefeiert wurde, war auch in der Stadt nichts los und so beschlossen wir uns wieder auf den Heimweg zu machen. Immerhin hatten wir ja nun unseren Maiausritt gemacht und waren sichtlich zufrieden. Auch Jojo entspannte sich allmählich wieder und ich war froh, dass sie nicht auf solche Ideen wie Elena kam. Zum Beispiel mich mit Steinchen zu bewerfen.
      „Hast du inzwischen rausgefunden woher Elena immer die Steinchen hat?“, fragte ich Elisa neugierig, welche jedoch traurig verneinte, ob denn nicht jemand von uns was gesehen hätte. „Ich wette sie kann zaubern“, meinte Jojo knapp und grinste dann. Meiner Meinung nach gingen ihre Gedanken grad wieder zurück zu unserer letzten Feier, als sie den Feuerteufel gespielt und Elena uns mit super tollen Zaubertricks überrascht hatte (nachdem sie eventuell schon etwas zu viel getrunken hatte, eventuell).
      Ob Zaii immer noch mit einem Kater zu Hause lag? Tatsächlich wagte ich es, eine weitere Frage zu stellen und bekam gar keine drauf! Stattdessen philosophierten wir den restlichen Ritt darüber, wie weit es Zaii am Tag darauf überhaupt geschafft hatte. Vielleicht irrte sie immer noch durch die kanadischen Wälder und war dementsprechend nicht auffindbar. „Und was machen wir mit Elena?“, fragte ich, denn die war ja auch nicht da. „Vielleicht sitzt sie bockend zu Hause vor Cressis leerer Box. Sie hat schon wieder vergessen ihn mitzunehmen“, meinte Elisa unschuldig und grinste.
      „Ein Fall für…“, begann Jojo und Elisa meinte nur: „…uns!“ – „Klappe, Else Belse“

      Pflegebericht 10.05.2015 - Muttertag! - by Gwen
      Pünktlich um sieben klingelte mein Wecker. Sonntagmorgen.
      Begeistert war ich davon nicht und hundemüde war ich außerdem, allerdings konnte ich mich nicht wieder ins Bett fallen lassen und friedlich bis um neun weiterschlummern, sondern musste aufstehen, mich anziehen und in die Küche. Das dachte ich noch, ehe ich schon wieder einschlief.
      Leider war mein Wecker mir einen Schritt voraus (oder mein Ich von gestern), denn fünf Minuten später klingelte es erneut und da ich wusste, dass dieser 5-Minuten-Takt die nächste halbe Stunde anhalten würde, stieg ich mühsam aus dem Bett und huschte ins Bad.
      Nachdem ich fertig war, verließ ich das Zimmer und weckte Kathy, die genauso genervt dreinschaute wie ich. Dann huschte ich herunter in die Küche, setzte den Kaffee auf und schob die Brötchen in den Backofen. Zehn Minuten später war auch Kathy anwesend und wir bereiteten Mama ein herrliches Muttertagsfrühstück vor mit all ihren Lieblingsessen (die man zum Frühstück aß). Leider mussten wir so früh aufstehen, weil Mama Frühaufsteherin war. Leider, oder zum Glück, hatte sie das keiner ihrer Töchter vererbt, so dass wir immer zu tun hatten, sie einmal zu überraschen.
      Aber heute geling uns das! Und Mama freute sich riesig über das Frühstück, die Blumen & Pralinen und das Wellnesspaket. Aber wir hatten noch viel mehr vor. Nach dem Frühstück beschäftigte Kathy unsere Mutter, während ich in den Stall hinaus huschte und die Pferde fütterte und dann die drei Stuten putzte und sattelte. Für Mama hatte ich Arriba vorgesehen, sie würde sie sicher durchs Gelände tragen. Kathy ritt wie immer Magical Touch, die Tinkerstute war inzwischen fast wie ihr eigenes Pferd und ich nahm mir Minnie Maus.
      Als alle drei Pferde fertig waren schrieb ich Kathy eine SMS und schon schleifte die Mama aus dem Haus. Die war total überrascht von unserer Idee und während sie sich noch wand, kontrollierte ich ein letztes Mal alle Satteltaschen, ehe es auch schon losging.
      Mama konnte reiten und das sogar gut, aber wie das nun einmal bei Müttern war die einmal stürzten, wollten sie das Risiko am liebsten komplett meiden. Ab und an bekamen wir sie trotzdem aufs Pferd und heute bei dem herrlichen Wetter bereute sie es definitiv nicht. Zudem war Arriba wirklich herzenslieb und schritt brav zwischen Magic und Minnie daher. Wir waren fast zwei Stunden unterwegs, aber das lohnte sich! Denn dann waren wir endlich da.
      Vor uns erstreckte sich die große Lichtung und man hörte das Rauschen des kleinen Wasserfalls. Wir ritten auf die Lichtung, stiegen ab und sattelten die Pferde ab. Die Stuten ließen wir grasen, während Kathy und ich eine Decke ausbreiteten, denn jetzt hieß es picknicken! Ich hatte gestern extra Nudelsalat gemacht, es gab aber auch Obst und Kuchen, für jeden war etwas dabei! Und so genossen wir den herrlichen Muttertag. Kathy überraschte Mama dann auch noch mit dem heutigen Kinoabend in einen ihrer Lieblingsfilme und damit war der Tag perfekt!

      Pflegebericht 14.06.2015 - Morgendlicher Besuch - by Gwen
      Heute stand der monatliche Besuch bei meinen beiden Haflingerchaoten an. Was Haflinger betraf, sollte man in Elenas Gegenwart übrigens immer schweigen, denn Haflinger hasste sie noch mehr als Isländer und das sollte was heißen. Dementsprechend informierte ich dann auch lieber niemanden über meinen Ausritt, denn die quasselnde Gruppe und Elenas Kommentare konnte ich mir sparen (In meinem Kopf spielten sich schon wieder Szenarien über Szenarien ab!).
      Stattdessen zog ich mich an und machte mich auf den Weg in den Stall, um Arriba aus der Box zu holen und gründlich zu putzen. Der Sommer war toll: Die Pferde verloren kein Fell mehr und waren fast immer sauber. Dementsprechend schnell war Arriba auch geputzt und ich konnte sie satteln. Dann legte ich ihr die Satteltaschen an und schwang mich auf ihren Rücken. Es war erst kurz nach sieben Uhr morgens, aber ich wollte den einigermaßen frischen Morgen nutzen, um der Hitze zu entgegen, momentan war das hier nämlich echt kaum noch auszuhalten.
      Dann ritten wir auch schon los. Wenn wir schnell wären, würden wir nur eine halbe Stunde hin brauchen, je nachdem wie sich der Aufstieg gestaltete. Ein wenig melancholisch wurde ich bei dem Ritt aber schon. Vor einer Woche hatte ich unsere Mixstute Ravi abgegeben, denn wenn der Stall nur 20 Boxen hatte, konnte man keine weiteren herbeizaubern und da ich mich dann doch lieber auf meine Waldponys spezialisieren wollte, musste sie gehen.
      Dafür kam sie aber auf einer Ranch unter, wo es ihr sicherlich an nichts fehlen würde und Ersatz an geduldigen Pferden, die jeden Quatsch mitmachten, hatte ich inzwischen auch. Zum Beispiel Arriba. Die trug mich seelenruhig durch das Gelände, obwohl ich mit meinen Gedanken sonst wo war, aber definitiv nicht bei ihr. Dennoch trottete sie mutig die steilen Hänge hinauf und tatsächlich hatten wir es auch bald geschafft.
      Die Sommerweiden waren verdammt riesig und so ritten wir noch ein Stückchen weiter, ehe ich meine beiden Chaoten überhaupt fand. Andvari entdeckte uns als erster und war ziemlich schnell da, denn er wusste, dass ich Leckerlis mithatte. Als auch Nimué das mitbekam, kam auch sie angesaust. Beide sahen bestens aus, vielleicht ein wenig runder als sonst, aber so lange sie nicht fett waren, ging das.
      Die beiden Hafis grasten in unserer Nähe und auch Arriba hatte die Nase ins Gras gesteckt. Ich aß währenddessen das Frühstück, was ich mir mitgenommen hatte und genoss die Ruhe hier oben. Die Sonne machte sich leider recht schnell bemerkbar, so dass sich Vari und Mo wieder in Richtung Schatten verzogen und ich mich samt Pferd auf den Heimweg machte.
      Der war dann schon wesentlich anstrengender, denn die Hitze ließ nicht lange auf sich warten. Dementsprechend nahmen wir den Weg entlang des Flusses, so dass Arriba sich auch regelmäßig erfrischen konnte. Nach einer guten halben Stunde mussten wir ihn nur noch durchqueren und dann waren wir auch schon fast zu Hause. Dort warteten auf Arriba ihre pferdigen Freunde und die grüne Weide und auf mich eine Menge Stallarbeit.

      Pflegebericht 25.07.2015 - Schlechtwetter-Turnier - by Gwen
      Seit einiger Zeit ging ich auch mit Arriba auf kleinere Westernturniere in unserer Umgebung. Zwar waren wir beide noch längst nicht so ein eingespieltes Team, aber langsam wurde es. Auch heute wollten wir nach Winnipeg zu einem Turnier fahren. Es war sogar etwas größer als die letzten, dementsprechend sah ich es eher als Probe an. Ich musste auch ehrlich zugeben, dass unsere bisherigen Schleifen eher mau ausgefallen waren, aber wir arbeiteten dran!
      Auch heute und genau deshalb stand ich bereits kurz nach fünf auf, wenn man das aus dem Bett kriechen denn so nennen konnte, und machte mich im Bad fertig. Dann packte ich meine Turniersachen zusammen – komische Klamotten die man auf Westernturnieren trug – und huschte hinunter in die Küche.
      Mama, meine Fahrerin und Turnierhelferin war natürlich schon hellwach und schob mir direkt meine Tasse Cappuccino hin. Selbst Kathy wuselte schon umher. Sie wollte heute tatsächlich mal wieder mitkommen. Seit zwei Wochen hatte sie Ferien und dementsprechend langweilte sie sich allmählich. Eigentlich schade, dass sie sich nur so semi für Pferde interessierte, ich könnte sie gut täglich im Stall gebrauchen.
      Das sollte jetzt nicht heißen, dass Kathy nicht gerne ritt oder hie und da mal ein Turnier mitging, aber sie gehörte eben zu den Mädchen, die dann doch lieber die Shoppingtour bevorzugten. Ich meine, ich ging auch gerne shoppen, aber seitdem Elena in Kanada wohnte, war das nur noch schwerlich alleine möglich.
      Seufzend machte ich mich auf den Weg in den Stall, nützte ja nichts, wir mussten fertig werden. Arriba hatte ich gestern komplett gewaschen, eingeflochten und eingedeckt. Vorbildlich hatte die Criollostute im Stehen geschlafen und sah dementsprechend noch genauso schick aus wie gestern.
      Im Schnelldurchgang fütterte ich alle Pferde mitsamt Arriba. Dann kamen die anderen auf ihre Weiden, damit ich mich dann in Ruhe Arriba widmen konnte. Das hieß Transportgamaschen an und Halfter drauf. Mama und Kathy hatten den Hänger schon eingeräumt, fehlten also nur noch Pferd und Reiter. Die waren auch schnell verladen und so konnte es dann endlich losgehen.
      Bisher war der Sommer in Kanada eigentlich schön verlaufen und auch heute hatte die Sonne scheinen wollen, doch als wir über den großen Highway fuhren, sah man nur eine dicke, graue Wolkenschicht am Himmel und hier und da war auch der Boden noch nass von Regen. Ich betete ja inständig, dass der Turnierplatz nicht so aussah, aber leider wurden meine Gebete nicht erhört.
      In Winnipeg goss es aus Eimer und ich hatte direkt von Anfang an die Schnauze voll. Für Arriba bauten wir den kleinen überdachten Paddock auf, damit sie zumindest trocken stand und wir verkrümelten uns in den Hänger. Dementsprechend weit zögerte ich auch das Warmreiten heraus, denn es wollte einfach nicht aufhören zu regnen!
      Ein Nachteil vom späten Warmreiten? Wir waren nicht wirklich warm. Arriba war spannig und unmotiviert und bei mir sah es nicht anders aus. Außerdem war die Konkurrenz auch ganz und gar nicht motivierend. Es waren allerhand Reiter dabei, die eigentlich nicht mehr in diese Westernklasse gehörten, aber das hatte man bei kleinen No Name – Veranstaltungen leider öfter.
      Schlechtes Wetter, unfaire Bedingungen, was konnte denn noch schiefgehen? Ach ja, eine kleine, aber feine Änderung der Pattern wegen des Wetters. Hatte ich (und viele andere) nicht mitbekommen und so bekamen wir so sowieso schon Punktabzug. Arriba wurde nicht viel lockerer und im Gegensatz zu sonst war sie einfach nur schreckhaft. Am Tor gab ich dann auf, ich wollte diese blöde Prüfung nicht auf Teufel komm raus durchführen. Wir beide wollten nicht, das merkte ich genau und eine Platzierung hatten wir eh schon nicht mehr. Also verließen wir erleichtert den Platz.
      Am Hänger machten wir uns alle schnell fertig und wieder auf den Heimweg. Vier Stunden Fahrt waren also vollkommen umsonst gewesen. Pferd und Reiter waren lediglich nass und genervt. Juche. Davon sollte ich den anderen wohl besser nichts erzählen, wobei das leider durchaus eine Situation war, mit der man als Reiter öfter zu kämpfen hatte. Ein wenig übellaunig war ich noch, als wir zu Hause ankamen, aber die angebotene heiße Schokolade und der Film im warmen Wohnzimmer machten dann eigentlich auch das ganz schnell wieder wett und schon war dieses mistige Turnier vergessen.

      Pflegebericht 26.08.2015 - Stroh und Heu kommen! - by Gwen
      „Gwendolyn! Kathlyn! Aufstehen, jetzt!“, tönte es die Treppe hinauf. Entnervt drehte ich mich auf die andere Seite, aber Mama hörte ich immer noch, manno. Also schob ich seufzend meine warme Decke von mir und streckte mich. Ich war kein Frühaufsteher und würde es auch nie werden. Gestern war schon wegen der Klausur reine Tortur gewesen und nun heute noch einmal! Dagegen sollte es eindeutig ein Gesetz geben, zum Wohle der Menschheit.
      „Uh!“, als ich die Gardinen zur Seite zog und das Fenster ankippte, begrüßte mich Sonnenschein und blaue Himmel, na das würde doch ein richtig schöner Tag werden! Begeistert huschte ich ins Bad, Waschen und Zähne putzen. Dann durchwühlte ich meinen Schrank nach etwas Anziehbaren und sah ein, dass ich allmählich mal wieder waschen musste. Ein Top und eine Jeans fand ich trotzdem noch, also hatte ich für heute ausgesorgt.
      Unten erwartete mich dann bereits ein gedeckter Frühstückstisch und mit gerunzelter Stirn musterte ich Mama. „Was ist heute?“, fragte ich etwas unruhig und warf einen Blick auf den Kalender. „Och nee“, stöhnte ich und ließ mich auf meinen Platz fallen. Kathy nickte mir traurig zu und Mama grinste nur. „Wer wollte hier denn die Pferde?“, doch der Spruch ging dann wohl auf ihre Kosten, denn sie war mit uns nach Kanada gezogen und hatte die Vierbeiner angeschleppt. „Nun gut…“, versuchte sie sich rauszureden, aber ich winkte nur ab und schmierte stattdessen mein Brötchen mit Honig ein.
      „Wenn wir es weghaben, ist es weg“, meinte ich und biss ab. Nach dem Frühstück würde als das Heu kommen und heute Nachmittag dann das Stroh, na das würde ein spaßiger Tag werden und ich freute mich jetzt schon auf die heiße Dusche heute Abend. Doch bevor das Zeug auf den Stallboden würde kommen können, mussten erst einmal Pferde gefüttert und dann auf die Weiden gebracht werden und dabei half mir heute sogar Kathy!
      Dann misteten wir die Boxen aus, ehe ich vorsichtig einen Blick auf den Heuboden warf. Oha, der war tatsächlich inzwischen so gut wie fast leer, aber eigentlich gut, denn so würde zumindest alles reinpassen. Pünktlich fuhr der große Anhänger auf unseren Hof und parkte direkt vor dem Stall. Ich öffnete von oben die große Luke und dann stritten wir uns erst einmal kurz, wer welche Position übernahm. Mama warf letztendlich die Bündel hoch, Kathy fing sie und warf sie mir zu und ich hatte die tolle Ehre, den ganzen Mist bis unter die Dachziegel stapeln zu dürfen, wie toll.
      Fast drei Stunden gingen für das Heu drauf und es war dann schon fast Mittag, als ich endlich das letzte Bündel entgegen nahm. Meine Hände waren trotz der Handschuhe von den Stricken wundgerieben und mich juckte es überall, weil das elende Heu so fein war, dass es überall landete. Erschöpft ließ ich mich neben Kathy sinken und atmete erst einmal durch. „Wie wärs mit einem Ritt zum See und baden?“, fragte mich Kathy lachend und ich schaute sie begeistert an, das war DIE Idee! Nachher würde zwar eh wieder das Stroh überall kleben, aber für jetzt war das genau das richtige.
      Also holte ich Arriba und Minnie Maus von der Weide und putzte kurz über beide Stuten drüber, ehe sie an ihr Halfter die einfachen Zügel dranbekamen und Kathy und ich uns umzogen. Nur mit Bikini ging es hoch aufs Pferd und runter zu unserem kleinen See.
      Anfangs zögerten die Stuten etwas, aber nachdem sie merkten, dass der See nicht so kalt war wie gedacht, stiefelten sie zufrieden hinein und nach einigen Plantschaktionen (Minnie hatte sich natürlich auch mal wieder hinlegen müssen…) konnten wir sogar ein paar Ründchen schwimmen. So ganz geheuer war mir das selbst jetzt noch nicht, aber irgendwann würde ich mich schon daran gewöhnen.
      Nach einer halben Stunde verließen wir das Wasser wieder und während die Stuten am Ufer grasten, trockneten Kathy und ich in der Sonne. Das war wirklich herrlich und wir genossen die Pause, zumindest so lange, bis Mama uns rief, denn das Stroh war im Anmarsch, also Pferde zurück auf die Weide, umziehen und wieder ran an die Arbeit.

      Pflegebericht 25.09.2015 - Master of Desaster - by Gwen
      Normalerweise hätte ich diesen Titel an Elena oder Elisa gegeben, wahrscheinlich hätten sie ihn beide bekommen, eventuell hätte sogar Jojo gute Chancen gehabt mit ihren regelmäßigen Sterbeaktionen (momentan lag sie mit Bauchkrämpfen irgendwo und war zu faul für eine Wärmeflasche), aber dieses Mal ging der Master of Desaster wohl an mich. Spätestens in dem Moment, in dem ich mein Internet dazu bekam, mir zu verraten, wie meine Klausur ausgefallen war. Ich hätte die Augen lieber zulassen sollen…
      Spätestens nach dem dritten „Du verarschst uns doch?“, hatte auch Elisa eingesehen, dass ich glatt durchgefallen war. Kein „Ups, knapp vorbei“, sondern ein ziemlich weeites dran vorbei. Aber für sowas hatte man ja zum Glück immer eine zweite Chance und wenn es ich mich nicht täuschte, auch eine dritte. Da ich mein Studium aber nicht unnötig in die Länge ziehen wollte, hatte ich mir die Unterlagen meiner Kommilitonin besorgt und seit zwei Tagen hockte ich nun an den Mitschriften und fing mit dem Lernen an, denn die Nachschreibeklausur konnte jederzeit kommen, wann, stand nämlich noch nicht fest (oder doch, aber das erfuhr man als Student halt noch nicht).
      Also erarbeitete ich mir nun fleißig die Themen, die ich im August ignoriert hatte, immerhin kam mir allerhand bekannt vor, das war schon einmal beruhigend, allerdings hatte ich auch mit dem angefangen, was ich vorher schon mochte und konnte, aber das musste auch noch ausgearbeitet werden. So saß ich also täglich gut zwei Stunden an meinem Schreibtisch (Gott, der Arme hatte mich so lange nicht gesehen!), bis dann Elisa oder Elena oder alle zusammen aufkreuzten.

      Heute war es Elisa, die wie immer eiskalt in mein Zimmer gestürmt kam. Ich sollte Mum mal klar machen, dass sie bitte nicht jeden von den Bekloppten direkt ins Haus lassen sollte. Wobei, das würde auch nichts bringen, eventuell würde Elisa dann Steine gegen mein Fenster werfen und über die Größe der Steine brauchten wir gar nicht erst reden…
      Also stand Elisa nun in meiner Tür und schaute sich aufgeweckt um, ehe sie mir Stift und Block entriss und mich dann vom Stuhl zerrte. Ich wehrte mich gar nicht großartig, denn Elisa konnte gefährlich werden, wenn man ihrem Willen nicht folgte. Einzig die Blondine war mächtig genug, um sich mit Elisa anzulegen und selbst dann sollte man lieber nicht im Weg sein, wenn die beiden Titanen aufeinandertrafen.
      „Ich habe überlegt, dass wir einen Ausritt machen!“, meinte Elisa motiviert und deutete dann auf das Pferd, was grasend vor meinem Stall stand: Filly. „Ach, hast sogar dein Freizeitpferd ausgegraben“, murmelte ich so leise, dass es die enthusiastische Elisa gar nicht mitbekam – besser so. Ich wurde dann dazu gezwungen, mir ein Pferd von der Weide zu holen und bitteschön so schnell wie möglich zu putzen und zu satteln.
      Eine Viertelstunde später saß ich auf Arriba, die entspannt auf dem Hof stand, während Elisa sich noch in den Sattel schwang. Unser heutiges Ziel war ungewiss und während wir fröhlich miteinander quatschten, verritten wir uns natürlich auch feierlich. Eigentlich verritt man sich immer, denn keiner von uns beiden hatte wirklich einen Plan, welcher Weg (wenn es denn mal einen gab) wohin führte. Aber irgendwie kamen wir immer wieder heile zu Hause an.
      Das war heute nicht anders, auch wenn wir bei Elena rauskamen. Aber ihr Zuhause war schließlich auch unseres, besonders für Elisa. Die sprang unerwartet von Fillys Rücken, drückte mir die Zügel in die Hand und schlich sich in Richtung Stall. Ich wollte sie noch aufhalten, aber es war zu spät. Kopfschüttelnd gab ich mir gedanklich selbst eine Ohrfeige, denn mit Elisa auf Sanssouci aufzukreuzen, war mehr als nur gefährlich. Denn hier wohnte die wohl größte Droge für Elisa: Cressi.
      Dem Blick zu Folge, mit dem sie wieder aus dem Stall kam, war ihr geliebter Reitponyhengst aber nicht anwesend. Anscheinend hatte Elena (diese Böse!) ihn eiskalt entführt. „Bestimmt jagt sie ihn durchs Gelände!“, klagte Elisa und schon begann Vortrag 321 darüber, dass es Cresse doch auf Townsend Acres viiiiel besser gehen würde (Anmerkung: https://de.wikipedia.org/wiki/TownsendAcres)

      Pflegebericht 24.10.2015 - Dressurarbeit - by Gwen
      Heute war herrliches Wetter: die Sonne schien, der Himmel war blau und es war sogar verhältnismäßig warm. Trotzdem war ich dick eingepackt, ehe ich das Haus verließ, denn ein eisiger Wind wehte über den Hof. Zum Glück war ich im Stall sicher davor, musste aber trotzdem erst einmal Arriba von der Weide holen. Seit langem wollte ich meine Criollostute mal wieder in der Dressur fördern. Schon länger hatten wir uns nicht mehr damit beschäftigt, was zugegebenermaßen an meinem vollen Zeitplan lag.
      Deshalb war heute Arriba an der Reihe. Ich holte die hübsche Stute von der Weide und putzte sie erst einmal gründlich. Im Stall war es ganz angenehm, so dass Arriba sich in aller Ruhe entspannte und die Putzprozedur über sich ergehen ließ. Es dauerte heut relativ lange, bis ich die Hübsche von allem Schlamm befreit hatte, den sie sich auf der Weide geholt hatte. Dann glänzte sie aber endlich wieder und man sah, dass Arriba langsam ihr dickes Winterfell bekam. Sie wurde dann immer richtig kuschelig.
      Nach dem Putzen sattelte ich sie direkt und rüstete auch mich mit Reithelm, Handschuhen und Gerte aus, ehe ich Arriba noch trenste und dann in Richtung Platz marschierte. Draußen war es zwar kalt, aber die Sonnenstrahlen des heutigen Tages wollte ich unbedingt genießen. Ich gurtete nach und kontrollierte die Steigbügel, ehe ich Arriba eine Runde führte und dann aufstieg. Mit allerhand großen gebogenen Linien ritt ich Arriba warm, damit wir schon bald mit der Arbeit beginnen konnten.
      Viel konnte Arriba in der Dressur sind, aber sie war zumindest auf E-Niveau und darauf ließ sich ja aufbauen. Heute wollte ich an Versammlung und Verstärkung arbeiten, denn manchmal war mir die Hinterhand der Stute noch zu unaktiv und dementsprechend war ihre Anlehnung auch nicht immer reell. Durch das Westerntraining hatte Arriba aber inzwischen eine schöne Selbsthaltung und so kamen wir heute richtig gut voran.
      Arriba arbeitete fleißig mit und ich nutzte die Gegebenheiten: An der kurzen Seite nahm ich Arriba zurück und versammelte sie ansatzweise, ehe ich sie auf der langen Seite wieder losschickte. Dieses Wechselspiel schien der Stute sichtlich Spaß zu machen. Nach der Stunde waren wir beide aber auch ziemlich kaputt und da Arriba dank dem schon recht dicken Winterfell und der Sonne sehr schwitzte, machten wir noch eine kleine Schrittrunde ins Gelände, damit sie in der Zwischenzeit schön trocknen konnte.
      Wieder am Stall sattelte ich Arriba ab und bürstete den Schweiß aus ihrem Fell. Arriba sah nach der Arbeit immer so verschwitzt aus, obwohl sie eigentlich schon wieder längst trocken war. Umso dankbarer war ich über die tolle Erfindung des Federstriegels, denn so war das Ganze schnell kein Problem mehr und Arriba konnte direkt wieder zurück auf die Weide.

      Pflegebericht 30.11.2015 - Ausnahmsweise mal Western - by Gwen
      Selten holte ich Arribas Westernsattel aus der Sattelkammer, aber heute war mal wieder einer der Tage, wo mich die Motivation packte. An sich wollte ich eigentlich nur einfach Arribas Potenzial nicht vergeuden. Außerdem liebte die Crollostute die Westerndisziplinen, auch wenn ich persönlich immer gerne zum Hunter under Saddle abschweifte.
      Aber heute wollte ich mich tatsächlich dem Reining widmen. Doch erst einmal musste ich mich durch den tiefen Schnee zur Weide unserer Stuten kämpfen. Dort sammelte ich Arriba an, die gerade gelassen mit den anderen zum Wasser schritt. Deshalb ließ ich sie noch in aller Ruhe trinken, ehe ich sie aufhalfterte und den Rückweg zum Stall antrat.
      Dort band ich sie am Putzplatz an und begann mit dem Putzen. Viel gab es da nicht zu tun, denn dank der Schneedecke waren alle Pferde so gut wie sauber, denn wenn sie sich wälzten, dann taten sie das im Schnee und der war ja bekanntlich weiß und sauber – zumindest hier bei uns in Kanada.
      Also war ich mit dem Putzen wirklich schnell fertig und konnte Arriba satteln. Meine Stute spitzte schon neugierig die Ohren, als sie den Westernsattel sah und wirkte direkt viel motivierter. Ich trenste sie noch auf und ging dann mit ihr in die Halle.
      Dort ritt ich sie erst einmal in Ruhe warm und fühlte mich wieder in den Westernsattel ein, es war ja doch was anderes und die Hauptrolle bei mir spielte immer die englische Reiterei. Sicherlich hätte mir auch das Westernreiten Spaß gemacht, aber auch dort gab es schwarze Schafe und die zur Genüge, außerdem gab es die einen oder anderen Punkte mit denen ich einfach nicht übereinstimmte.
      Gerne wandelte ich darum die Lektionen leicht ab und machte sie pferdefreundlicher. Heute arbeitete ich mit Arriba aber nur an den Gangarten, die im Reining gefordert wurden und außerdem verbesserten wir ihren fliegenden Galoppwechsel. Dort hatte es öfters noch an der Präzision gehapert und manchmal waren wir schlichtweg in einem Beinsalat geendet.
      Heute lief es aber nach einigen Ansätzen wirklich gut. Arriba arbeitete motiviert mit und verstand schnell, was ich von ihr verlangte. Abschließend wollte ich noch eine Lektion machen, die Arriba besonders gut konnte, so dass sie mit einer positiven Intention aus dem Training gehen würde und was konnte Arriba am besten? Die Roll Backs.
      Vielleicht lag das auch daran, dass diese Lektion mir selber wirklich Spaß machte, wer weiß. Arriba führte zumindest alle vier (auf jeder Hand jeweils zwei) Roll Backs fehlerfrei aus und so konnte ich sie guten Gewissens abreiten. Die Stute war sichtlich zufrieden mit unserem heutigen Ritt.
      Da sie dennoch noch vor Energie strotzte, warf ich ihr die Abschwitzdecke über und ritt noch eine kleine Runde über die Ranch. Arriba gefiel das besonders gut und sie schnaubte zur Genüge ab. Wieder im Stall sattelte ich sie ab und wechselte die Abschwitzdecke, trotz dicken Winterfells war Arriba aber schon wieder fast trocken.
      Für sie gab es nun noch zur Belohnung ein wenig Müsli mit Obst und während sie zufrieden fraß und eine riesige Sauerei veranstaltete, verstaute ich ihre Ausrüstung wieder in der Sattelkammer. Für Arriba ging es danach mit verschmierten Maul zurück auf die Weide. Dabei gab ich mir größtmögliche Mühe, sie von mir fernzuhalten, um nicht überall den Brei kleben zu haben.
      Das Auswaschen der Schüssel war dementsprechend auch eine besondere Freude, gerade bei den kalten Temperaturen. Aber als dann alles geschafft war, erwartete mich immerhin auch das warme, kuschelige Haus samt Tee und Sofa.

      Pflegebericht 29.12.2015 - Familienausritt - by Gwen
      Nachdem der ganze Weihnachtsstress vorbei war und auf der Ranch endlich wieder die übliche Ruhe einkehrte, stand auch schon unser gemeinsamer letzter Ausritt für das Jahr 2015 an. Ab und an gab es eben doch Tage, wo ich meine Familie zum Reiten motivieren konnte. Heute, zwischen Weihnachten und Neujahr, war so ein Tag. Um den Neujahrsritt würden sie zwar trotzdem nicht umhinkommen, aber etwas öfter aufs Pferd zu kommen, schadete den beiden auch nicht.
      Mum ritt kaum noch seit ihrem Unfall und Kathy besaß, was das Reiten betraf, ja sowieso eine sehr wechselhafte Laune. Heute waren aber beide tatsächlich mal motiviert. Das gute Wetter war sicherlich mit Schuld daran. Mum ritt wie immer Magical Touch, unserer Tinkerstute vertraute sie immer noch am meisten.
      Kathy hatte sich Arriba von der Weide geholt und ich wählte Wishing Well aus, denn der konnte gut eine Pause von unserem weihnachtlichen Training gebrauchen, ein lockerer Ausritt nur unter Mädels würde ihm bestimmt gefallen. Und so putzten wir unsere drei Pferde in aller Ruhe, ehe sie nach einer halben Stunde sauber und gesattelt waren.
      Eine Route hatte ich mir schon gestern Abend ausgedacht und diese würde ich heute auch direkt umsetzen. Sie führte uns an tollen Orten vorbei, zum Beispiel den Wasserfällen oder der Lichtung, wo zur Winterzeit immer eine Herde Rehe lebte. Außerdem hatte ich auch eine motivierende Galoppstrecke rausgesucht. Alle drei Pferde waren zwar Engel auf vier Hufen, rennen konnten sie aber trotzdem.
      Doch nun machten wir uns erst einmal dick eingepackt auf den Weg. Mum und Kathy waren bester Laune und bei so einem Ausritt konnte man sich zum einen toll unterhalten und zum anderen auch einfach schweigend die Natur genießen. Ich liebte das ja und irgendwo mochten es auch die anderen beiden wirklich sehr.
      Magic und Arriba machten ihren Job verdammt gut und Wish zeigte sich auch von seiner besten Seite. Ich war mehr als zufrieden mit meinem Händchen für solche Pferde und meiner Familie schien es nicht anders zu sein. Ich konnte sie so immerhin immer zu einem Ausritt überreden.
      Erfolgreich absolvierten wir die geplante Strecke und obwohl es zwischenzeitlich im Wäldchen doch sehr kühl wurde, wärmten wir bei dem Galopp durch die Wintersonne schnell wieder auf. Dennoch waren wir alle froh, als wir wieder heile am Stall ankamen. Wir versorgten die Pferde und während die anderen beiden schon ins Haus entschwanden, kümmerte ich mich noch um die Boxen.
      Als ich dann fertig war, huschte auch ich unter die Dusche und dann erwarteten mich in der Stube ein vorgeheizter Kamin und ein wärmender Kakao, so dass wir uns perfekt von unserem Ausritt erholen konnten. „Hach, das ist immer wieder schön“, meinte Mum dann noch lächelnd.
    • Sammy
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      Berichte aus Ari's Zeit auf der Nahanni Rivers Ranch bei Gwen
      Das Jahr 2016
      Pflegebericht 24.01.2016 - Longenarbeit - by Gwen
      Es gab Tage, da hatte man weder Lust noch einen Plan, was man machen konnte. Heute stand Arriba auf meinem Tagesplan und trotz unserer ausführlichen Trainingsdokumentation viel mir nicht wirklich ein, was ich mit ihr machen sollte. An sich war Wochenende und so normalerweise ein Turnier oder etwas in die Richtung, aber seit drei Tagen waren wir eingeschneit und dementsprechend ging es für uns nirgendwohin.
      Natürlich merkten das auch die Pferde, dennoch wollten die gerne beschäftigt werden und so musste ich mir was einfallen lassen. Erst einmal holte ich Arriba von der Weide. Motiviert stampfte sie hinter mir her durch den tiefen Schnee. Wir erreichten schon bald den Stall, wo Arriba sich erst einmal ordentlich schüttelte, um den ganzen kalten Kram vom Rücken zu bekommen.
      Dann band ich sie am Putzplatz an und begann mit dem Putzen. Viel zu putzen gab es nicht, die Pferde konnten sich schließlich nirgendwo dreckig machen und von daher war ich auch recht fix fertig. Doch ich ließ mir noch etwas Zeit und gönnte Arriba eine kleine Massage. Die Handgriffe dafür hatte ich damals auf Heartland gelernt und nicht vergessen. Arriba genoss es auch sichtlich und entspannte sich richtig.
      Danach flocht ich noch ihren Schweif ein, die Mähne war ja leider zu kurz dafür. Obwohl ich kein Fan von kurzen Mähnen war, musste ich ehrlich zugeben, dass diese Arriba immer besser standen als lange. Als Criollo besaß sie sowieso nicht das dickste Langhaar, aber wer brauchte das auch schon, wenn er aus so einem warmen Land wie Argentinien stammte?
      Während ich flocht, entschied ich mich auch für unser heutiges Training: Longieren. Ein bisschen Beanspruchung der Rücken- und Bauchmuskeln würde nicht schaden. Ein wenig grinsen musste ich ja, so leicht wie wir unseren Pferden einen Trainingsplan aufbauten und den durchzogen, während wir selbst uns vor jedem Workout drückten.
      Allerdings besaß Arriba auch mehr Arbeitswillen als ich und machte schon bei den Dehnübungen fleißig mit, ehe sie auch an der Longe ordentlich mitarbeitete. Wir fingen langsam an. Momentan ging die Aufwärmphase immer fast länger als die Arbeitsphase, aber bei den Temperaturen ging es nicht anders.
      Doch fördernd war Schrittarbeit sowieso, dementsprechend war Arriba nach einer halben Stunde auch wirklich gut gearbeitet und ich konnte ihr die Abschwitzdecke überwerfen, um sie dann trocken zu führen. Im Stall gab es dann für sie eine Portion frisches Mash, ehe es für sie auch schon zurück auf die Weide ging.

      Pflegebericht 28.02.2016 - Superhorse-Prüfung - by Gwen
      Die Turniere im Winter waren immer etwas mau. Doch jetzt, wo es allmählich wieder auf den Frühling zuging, wurden auch die Turniere wieder mehr. Heute würde es für mich mal wieder auf ein Westernturnier gehen. Momentan lief Arriba regelmäßig mit mir Turniere. Wir waren vor allen in der Reining vertreten, aber auch in der Western Riding und Trail.
      Heute stand uns aber nichts dergleichen vor, sondern wir würden zum ersten Mal in der Disziplin Superhorse starten. Eine der besonders schweren Arten des Westernsports, aber da Arriba und ich nun bereits schon sehr viel Erfahrung gesammelt hatten und sich Arriba durchaus als sehr vielseitig erwiesen hatte, wollte ich es wagen. Die Grundvoraussetzungen erfüllten wir auf jeden Fall.
      Es war früh um fünf als mein Wecker mich aus meinem Bett warf. Fix ging es ins Bad, wo ich nur das Kurzprogramm durchlaufen ließ, ehe es hinunter in die Küche ging, in welcher ich mir einen Cappuccino und zwei Toast machte. An Turniertagen ging es immer etwas fixer, ich hatte mir gestern Abend bereits eine Brotdose zum Mitnehmen fertig gemacht.
      Da ich jetzt selbst fahren konnte, bestritt ich die Turniere in der Woche oftmals alleine, am Wochenende kam immer gern ein Teil meiner Familie mit. Aber heute war dem nicht so, also musste ich nun Arriba fertig machen und verladen. Arriba hatte ich bereits gestern Abend geputzt, eingeflochten und eingedeckt. Heute kamen also nur noch die Transportgamaschen dran und schon war sie fertig. Das Gleiche galt für Hänger und Auto, beides hatte ich gestern bereits fertig gemacht, wir mussten nur noch einsteigen und los gings.
      Die Fahrt dauerte nur eine Dreiviertelstunde, leider war unsere Prüfung schon sehr früh, weshalb wir uns nichtsdestotrotz beeilen mussten. Ich lief fix zur Anmeldung, ehe ich Arriba auslud und auch schon sattelte. Noch die Abschwitzdecke rübergeworfen und mich selbst umgezogen und dann ging es auch schon auf den Abreitplatz.
      Mit Arriba konnte man das alles locker alleine schaffen, denn sie war wirklich bestens ausgebildet, auch im Umgang. Dementsprechend blieb sie auch dort stehen, wo man sie abstellte. Wohlgemerkt ohne heimlich zu fressen oder ähnliches. Nachdem wir warm waren und auch schon einige Starter vor uns gesehen hatten, ging es für uns in die Halle.
      Das Superhorse war nicht gerade ohne, denn es enthielt Elemente aus den Disziplinen Reining, Trail und Western Riding. Da wir in den drei Sparten sowieso schon erfolgreich starteten, war ich sehr motiviert. Auch die Western Horsemanship würde uns hoffentlich auch keine Probleme machen. Arriba war mehr als talentiert und wirklich ein besonderes Westernpferd.
      Schon auf dem Abreitplatz war ich mehrfach auf sie angesprochen wurden. Auf Rasse, Zuchtlinie und und und. Kaum einer wollte mir glauben, dass Arriba ein richtiger Criollo war. Sie entsprach auch nicht zwingend den typischen Züchtermaßstäben und durch unser regelmäßiges Training hatte sie sich auch körperlich wesentlich ausgewogener entwickelt. Und ihr Westerntalent sprach natürlich sowieso für sich.
      Doch nun startete erst einmal unsere Prüfung. Ein bisschen aufgeregt war ich ja, aber ich vertraute Arriba und schon gings los. Wir mussten allerhand Aufgaben überwinden. Darunter natürlich das Stangen-L, dann aber auch der Slalom im Galopp mit Wechseln zwischendrin, ebenso wie sehr viele Übungen aus der Reining wie Sliding Stops und Spins. Arriba war super konzentriert, genauso wie ich.
      Obwohl ich dieses Turnier nicht zwingend ernst nahm, gaben wir doch unser Bestes und es sollte sich auszahlen. Schon beim Herausreiten wurden wir von vielen gelobt und einige waren noch erstaunter von Arriba. Wir beide brauchten nun erst einmal eine kleine Pause, aber lange würde es bis zu unserer Punktevergabe nicht mehr dauern. Schon fünf Minuten später kam unser Score: 70,00. Mir klappte vermutlich die Kinnlade herunter, denn 70 war mehr als gut, dass hieß, wir waren fehlerfrei geritten und das für eine Superhorse war schon mehr als gut. Dementsprechend wurde Arriba auch ausgiebig gelobt und wie es so sein sollte, erreichten wir auch den ersten Platz!
      Das größte Lob galt natürlich Arriba, immerhin war sie hier das Naturtalent, ich gab mir nur allerbeste Mühe, ihr zum einen nicht im Weg zu stehen und zum anderen da als Hilfe zu agieren, wo sie mich brauchte. Und zusammen kam man dann doch auf ziemlich gute Ergebnisse. Diesen Tag würde ich mir auf jeden Fall merken und insgeheim freute ich mich schon riesig darauf, wenn meine kleine Ginny irgendwann auch einmal auf Westernturniere würde gehen können.

      Pflegebericht 30.03.2016 - Ausritt - by Gwen
      Meine Schwester Kathy stand inzwischen kurz vor ihrem Abitur, aber sie sah das Ganze gelassen – bei ihrem Notendurchschnitt wäre es mir wohl genauso ergangen, denn momentan war sie Klassenbeste. Das hatte ich nie wirklich von mir behaupten können, allerdings waren mir meine Hobbys auch immer wichtiger gewesen, so dass ich für die Schule nicht annähernd so viel getan hatte wie Kathy.
      Nichtsdestotrotz oder vielleicht gerade deswegen, traf man Kathy momentan recht häufig im Stall an, wo sie sich eine Auszeit von all den Abitur- und Zukunftsplanungen nahm. Auch heute lief ich ihr dort wieder über den Weg, als sie gerade Arriba von der Weide holte und am Putzplatz festband. „Was habt ihr vor?“, fragte ich neugierig und als Kathy meinte, sie wolle ausreiten, klinkte ich mich direkt mit ein.
      Kurzerhand holte ich also Ameya von der Weide. Momentan war die Stute gefühlt jeden zweiten Tag auf einem Turnier und war dort auch voll in ihrem Element. Aber dennoch brauchte auch sie Pausen, auch wenn sie das selber sicherlich nicht so sah. Deshalb wollte ich sie heute direkt mit auf den Ausritt mitnehmen.
      In aller Ruhe putzten wir unsere Pferde bei angenehmen Schweigen. Nachdem beide gesattelt waren, machten wir uns noch fertig und dann stiegen wir nacheinander draußen bei der Aufstiegshilfe auf und schon ging es los. Kathy hatte schon eine schöne Strecke rausgesucht, weshalb ich ihr die Führung überließ.
      Entspannt saß sie auf dem Pferd und genoss sichtlich das frühlingshafte, warme Wetter. Ich tat es ihr gleich, denn es war einfach herrlich. „Und was meinst du, was ich später machen soll?“, fragte Kathy mich plötzlich und ich blickte überrascht auf. „Das, was dir Spaß macht“, meinte ich nur knapp. Es war nie meine Art gewesen, irgendjemanden etwas vorzukauen oder Entscheidungen zu treffen, also würde ich heute bestimmt nicht damit anfangen.
      Kathy tat meine Antwort mit einem „Hm.“ ab. „Was würdest du denn gerne machen?“, fragte ich nun umgekehrt, denn anscheinend beschäftigte sie das sehr. „Ich will was Sinnvolles tun. Was Spannendes! Ich finde Psychologie absolut fantastisch, aber es traut mir niemand zu“, seufzte sie und mir schossen direkt einige Erinnerungen über sinnlose Diskussionen am Essenstisch in den Kopf.
      Warum auch immer war Mum dagegen, dass Kathy Psychologie studierte und auch das Feedback ihrer Freunde schien nicht nach ihren Wünschen auszufallen. „Ach, also mal abgesehen von den guten Berufschancen und der Tatsache, dass du mit deinem Schnitt locker in das Studium kommst, würde ich da nicht auf die anderen hören. Selbst Mum. Sie soll froh sein, dass du so etwas Ordentliches einschlägst im Gegensatz zu mir“, meinte ich grinsend und brachte Kathy so sogar erfolgreich zum Lachen. Auch wenn ich mich fragte, was es an meinem Studium zu Lachen gab.
      „Akzeptiert“, meinte sie lachend und ließ Arriba antraben, Ameya und ich folgten ihr. Das Thema kam nicht noch einmal auf und Kathy wirkte danach direkt gelöster, anscheinend hatte ihr das doch sehr auf dem Herzen gelegen. Der Ausritt war dementsprechend sehr entspannt und locker und wir waren beide zufrieden, als wir wieder zu Hause ankamen.

      Pflegebericht 27.04.2016 - Dressurarbeit - by Gwen
      Mit dem Frühjahr kam auch wieder die Motivation und die ließ ich natürlich zu gerne an meinen Pferden aus. Auch Arriba blühte dieses Jahr richtig auf. Über den Winter hatten wir uns viel mit dem Muskelaufbau und dem Westernreiten beschäftigt, aber zugegebenermaßen war das nicht mein Fachgebiet und deshalb hatte ich mir für dieses Jahr vorgenommen, mit Arriba wieder mehr in Richtung Dressur zu gehen. Die Stute wurde sowieso bilingual geritten, von daher war das kein Problem.
      Heute holte ich sie auch extra dafür von der Weide und band sie draußen in der Sonne am Putzplatz an. Zuerst musste ich sie sauber bekommen und eventuell bekam ich auch endlich das restliche Winterfell los, denn immer noch sah man deutlich wo sie geschoren war und wo nicht. Mit dem Langhaar und den Hufen war ich schnell fertig und dann konnte ich sie satteln. Da ihr Dressursattel den Winter über liegen geblieben war, hatte uns letzte Woche die liebe Eli besucht.
      Das Fazit war, der Sattel war zu eng geworden und musste umgepolstert werden. Nun war er wieder in hervorragendem Zustand und wir konnten loslegen. Nachdem die Stute gesattelt war, stieg auch ich noch in meine Stiefel und zog Helm und Handschuhe an. Wir gingen auf den Platz, wo ich die Stute in aller Ruhe warmritt, ehe ich noch einmal nachgurtete und mit der Arbeit begann.
      Zur Abwechslung hatte ich direkt drei Trabstangen hingelegt, aber die würden erst später ins Spiel kommen. Stattdessen ritt ich Arriba momentan locker vorwärts-abwärts, baute viele Volten und Schlangenlinien ein und ließ sie auch ein paar Mal seitwärts übertreten. Erst dann, nachdem sie gelockert und aufgewärmt war, trabten wir an. Erst im Leichttrab und mit Stangen und dann auch im Aussitzen.
      Immer wieder nutzte ich unterschiedlichste Bahnfiguren um meine Stute aufmerksam bei mir zu haben und sie weiterhin geschmeidig zu lassen. Arriba besaß großes Talent und ließ sich traumhaft schön reiten. Da sie auch sehr sportlich gebaut war, war es für sie kein Problem, auch in der Dressur eine gute Figur zu machen. Auch der Galopp konnte sich auf beiden Händen sehen lassen. Die Zirkel waren 1A und ich konnte mich nicht beschweren.
      Nachdem sie sich auch im Galopp entspannt abstreckte und abschnaubte, parierte ich zum Leichttraben durch und ritt sie danach in aller Ruhe ab. Wir gingen auch noch eine kleine Runde um den Hof, so dass sie schon wieder trocken war, als ich sie absattelte und abbürstete. Für Arriba gab es nun noch Mineralstoffe mit Apfel und Möhre, ehe es zurück auf die Weide ging.
      Dort warteten auch die restlichen Stuten schon ungeduldig auf mich, denn es wurde wieder Zeit ein wenig mehr Gras nachzustecken. Schon kommenden Monat würden sie dann auf die Sommerweiden dürfen und wie immer freuten sich meine Vierbeiner dann natürlich riesig.

      Pflegebericht 08.05.2016 - Muttertag - by Gwen
      Der 8. Mai. In Deutschland war das der Muttertag, wie es in Kanada aussah, wusste ich gar nicht genau. Aber Fakt war, dass wir sowieso vieles noch nach den deutschen Tagen feierten und so auch heute. Es war Sonntag, dementsprechend waren Kathy und ich zu Hause, während Mum einen der vollsten Tage die Woche im Café hinter sich brachte. Punkt 15 Uhr würde sie dann hier aufkreuzen.
      Natürlich waren wir fleißige Kinder und hatten alles bereits vorbereitet. Beziehungsweise waren noch dabei. Kathy stand in der Küche und packte die Satteltaschen, während ich die drei Stuten für unseren Ausritt sattelte. Das würde ein richtiger Mädelsausflug werden! Geputzt waren sie schon und ich hatte auch schon alles vorbereitet:
      Wenn Mum dann auftauchen würde, würden wir nur noch auf die Pferde steigen und losreiten müssen. Die Strecke hatte ich bereits vor einigen Tagen geplant und war sie auch schon abgeritten. Wir wollten zum Jackfish Lake und dort ein schönes Picknick machen. Und pünktlich als Mum auf dem Hof aufkreuzte, standen Kathy und ich mit den Pferden vor dem Stall.
      Mit Bedacht hatte ich gewählt: Kathy würde Minnie Maus reiten, Mum Ravi und ich Arriba. Zusammen waren wir eine bunte Truppe, die aber einen sehr entspannten Tag verbringen würde. Mum war sichtlich überrascht als wir sie so abfingen. Schnell zog sie sich um und dann ging es los. Normalerweise ritt sie nicht, nach einem üblen Unfall war ihr die Lust vergangen und das hielt sich bis heute.
      Trotzdem, die Liebe zu den Pferden blieb bestehen und so hatten wir Pferde, nur ritt sie eben kaum noch. Mit Ravi war das jedoch kein Problem, zu kaum einem anderen Pferd hatte Mum so viel Vertrauen. Aber das auch zu Recht, immerhin war Ravi wirklich ein tolles Verlasspferd. Auch Arriba schlich sich schon langsam in Mums Herz, aber noch hatte sie Respekt vor der Criollostute.
      Kathy konnte man hingegen auf jedes Pferd setzen, sie war sattelfest und theoretisch auch eine gute Reiterin. Praktisch waren ihr jedoch ihre Schulnoten und Freunde wichtiger als der Stall. Übel nahm ich es ihr nie, denn, wenn ich ihre Hilfe brauchte, war sie sofort zur Stelle und dementsprechend war ich mehr als glücklich mit meiner Familie.
      Wir kamen eine halbe Stunde später am See an und hatten heute auch mächtig Glück mit dem Wetter, es war trocken und sonnig, fast schon sehr warm in der Sonne, aber der Wind kühlte uns auch wieder ab. Am See bekamen die Pferde ihre Halfter um und die Sättel ab und durften in Ruhe grasen. Die drei blieben ohne Probleme in unserer Nähe.
      Dann legten wir die Decke aus und deckten den „Tisch“. Mum war sichtlich überrascht und auch ich staunte, Kathy war echt begabt, was das Kochen anging und hatte uns ein herrliches Essen gezaubert. Mum war sichtlich glücklich und wir waren auch mehr als zufrieden, dass unsere Überraschung so gut geklappt hatte!
      Wir picknickten in Ruhe, unterhielten uns und genossen den schönen, ruhigen Ausblick. Gut eine Stunde verbrachten wir hier, ehe wir uns langsam auf den Heimweg machten, immerhin wurde es auch langsam Abend und wir alle hatten leider auch noch andere Dinge zu tun.

      Pflegebericht 26.06.2016 - Sommer - by Gwen
      Unmotiviert musterte ich erst Arriba und dann Fagy. Es waren fast 30 Grad und obwohl man dieses Wetter in Kanada gut aushielt, lud es dennoch nicht zu großartiger Arbeit ein. Es war inzwischen Nachmittag, dementsprechend hatte ich alle Pflichtaufgaben längst erledigt. Theoretisch hätte ich etwas für die Uni tun sollen, aber ich war zu faul. Also saß ich gerade auf dem Zaun meiner Stutenweide und pickte mir die nächsten Pferde heraus. Eigentlich hatte ich ernsthaft arbeiten wollen, aber ich sah schon, dass daraus nichts werden würde. Nichtsdestotrotz sammelte ich Arriba und Fagy ein. Beide ließen sich ohne Probleme aufhalftern und folgten mir dann mit in Richtung Stall. Dort war es wie immer schön kühl und schattig, so dass ich mir Zeit ließ, als ich die beiden Stuten putzte. Ein bisschen Hübschmachen war ja nun wirklich drin und die beiden genossen es. Aus Gründen ihrer Unruhe erhielt Fagy auch noch eine Massage und dann ging ich mit beiden Stuten spazieren. Wir gingen eine schöne Runde durch den nahegelegenen Wald und legten dort auch ein Päuschen ein. Kurz darauf schlugen wir einen großen Bogen und kamen an unseren See. Inzwischen war ich auf Arriba aufgestiegen, denn ich hatte keine Lust mehr zu laufen. Aus Gründen der Erfrischung ritt ich nun mit beiden Stuten in den See und die beiden liebten es. Auch wenn Fagy sonst immer sehr zögerlich war, bei Wasser war sie total begeistert und motiviert. Also ließ ich sie auch noch ein Weilchen plantschen, ehe es für uns wieder in Richtung Stall ging. Auf dem Weg lud ich die beiden Stuten direkt auf ihrer Weide ab und hatte dann nur noch die beiden Halfter, die ich zurück zum Stall bringen musste.

      Pflegebericht 29.07.2016 - Und der nächste Bewerber - by Gwen
      Stirnrunzelnd musterte ich die vor mir liegende Liste. So viele Bewerber und wenn man dem traute, was sie schrieben, waren sie auch alle supertolle Pferdemenschen und Reiter. Tja und dann sah man sie live. Allerhand machten tatsächlich einen sehr guten ersten Eindruck, aber entweder scheiterte es im Umgang mit dem Pferd, den reiterlichen Fähigkeiten oder dem Benehmen gegenüber mir.
      Mit meinen 20 Jahren war ich vermutlich nicht das, was sich die hart gesottene Gruppe der Pferdewirte da draußen vorstellte. Und dann kam ich noch daher mit einem eigenen Ausbildungsbetrieb und ein recht … alternatives Studium. Durchaus, ich machte mich damit nicht beliebt, aber das war mir egal, denn was den Arbeitsmarkt betraf, saß dann doch ich am längeren Hebel, besonders, wenn man die Anzahl der Bewerber sah.
      Dementsprechend war ich auch nicht sonderlich motiviert bezüglich des Treffens mit dem nächsten Kandidaten. Zumindest sein Alter stimmte mich positiver. 22 Jahre, viele Turniererfolge und laut meiner Internetrecherche (ja!? Sowas ist wichtig!) hatte er auch einen guten und vor allem pferdefreundlichen Ruf. Gelernter Bereiter, Ausbilder- wie man es auch immer nennen wollte.
      Und einen Funken Hoffnung hatte ich, bis der besagte Mensch aus seinem Auto stieg und mir nur noch ein „Och ne“ entfuhr. Das war sehr professionell, besonders bei der Tatsache, dass er es hörte und mich mit einem „Ihnen auch einen herzlichen guten Tag! Ich bin Ciaran“ begrüßte, aber wenigstens lächelte. Zu meiner Verteidigung: Das war der Mensch, der sich bei einem Turnier über meine Ponys lustig gemacht hatte und bei so etwas verstand ich keine Späße. Oh und er gehörte zu dem Gestüt, von dem ich Ceredwen hatte. Das war ja schon eine richtige, gemeinsame Vergangenheit!
      Nachdem ich den anfänglichen Schock überwunden hatte, brachte ich dann auch eine ordentliche Begrüßung zu Stande und fuhr professionell mit dem Bewerbungs“gespräch“ fort. Gespräch war halt in Form meines Gesuchs für mich sinnlos, ich wollte die Menschen direkt persönlich kennenlernen. Zumindest sammelte Ciaran schon einmal Pluspunkte, als es ihn weder juckte, das Pferd selbst von der Weide einzusammeln, noch es selbst fertig zu machen. So konnte ich es mir nicht verkneifen, von meiner letzten Begegnung mit der guten Frau zu erzählen, die mich total entsetzt angestarrt hatte.
      Dummerweise hatte ich nicht bedacht, meine Großpferde für die Bewerber freizuhalten, also musste er sich heute mit Moon’s Wishing Well begnügen. Aber gut, er wusste ja, bei welcher Ponyreiterin er sich hier beworben hatte.
      „Trägst du mir das immer noch nach?“, fragte er lachend, während er noch einmal nachgurtete. Wir waren recht schnell zum Duzen übergangen, denn mit einem „Sie“ fühlte ich mich immer schrecklich alt. Auf seine Frage verdrehte ich nur genervt die Augen und bat ihn, aufzusteigen und den Hengst einfach warmzureiten und dann locker zu arbeiten.
      Nach einer aufschlussreichen Beobachtung ritt Ciaran den Hengst ab und versorgte ihn. Nachdem dann Wish zufrieden mampfend in seiner Box stand, ging es für uns noch einmal kurz in mein Büro. Dort hatte ich den Lebenslauf und die Bewerbung von Ciaran vor mir liegen und musterte ihn kritisch.
      „Wieso verlässt du das Sportpferdegestüt deines Vaters?“, war direkt meine erste ehrliche Frage. Die brannte mir schon länger auf der Zunge und nun wollte ich sie endlich loswerden. Ein kurzes Seufzen, doch ich erhielt meine Antwort: „Ehrlich gesagt ist einfach nicht genug Platz dort für zwei Menschen, die sich verwirklichen wollen und unsere Ansichten gehen teils doch auch sehr stark auseinander. Ich bin ihm wirklich dankbar für alles, was er mir gegeben und beigebracht hat, aber eigentlich möchte ich gerne mein eigenes Ding durchziehen“, erklärte er knapp und bündig.
      Großartig weitere Fragen hatte ich nicht, also bedankte ich mich herzlich und erklärte, dass ich mich im Laufe der kommenden Tage melden würde. „Dürfte ich noch einmal Ceredwen besuchen? Ich bin neugierig wie sie sich eingelebt hat“, fragte Ciaran vorsichtig. Ich nickte grinsend und führte ihn zu unserer Stutenweide.
      Ceredwen hatte sich prächtig bei uns eingelebt und war eindeutig recht ranghoch, aber auch sehr verträglich. Momentan genoss sie noch ihr Aufbautraining und dementsprechend viel Zeit auf der Weide. Ciaran erkannte sie trotz der Monate, die zwischen dem Verkauf lagen, sofort und kam neugierig zum Zaun, um bei uns vorbeizuschauen.
      Nachdem Ciaran dann die Ranch verlassen hatte, entschied ich mich dafür, noch einen kleinen Nachdenk-Ausritt zu machen und schnappte mir dafür Arriba. Der tat auch wirklich gut, denn momentan stand so viel an. Meine Familie zog weg und ich musste mir jemand neues ins Boot holen und da ich gerne jemanden hätte, mit dem ich mich verstand und der für uns eine Bereicherung war, war es gar nicht so einfach. Am Ende des Rittes entschied ich mich aber doch dafür, alle restlichen Bewerbern abzusagen, meine Entscheidung war gefallen.

      Pflegebericht 19.08.2016 - Zaii vom Blitz getroffen - by Gwen
      „Heute ist es so weit“, erklärte ich Gwen, als diese in Hörweite kam, „Ich kann es spüren!“ „Ganz sicher!“, pflichtete diese mir bei, während sie sich auf den Rücken von Arriba schwang. Scylla brummelte Gwens Vierbeiner neugierig zu, als das Paar sich neben uns gesellte und gemeinsam ritten wir vom Hof in die Richtung, wo Elena heute Morgen die Bisonherde gesehen haben wollte. Denn, ob man es glauben wollte oder nicht, es schien, als sei ich der aus der Sitcom „How I met your mother“ bekannte Blitz – obwohl ich schon seit einem guten halben Jahr in Kanada lebte, war es mir noch nicht gelungen, einen Blick auf die Herde zu werfen. Immer wieder erzählten mir die anderen davon und auch auf Handyaufnahmen konnte ich die großen Tiere schon bewundern, aber live hatte ich sie noch nie erleben dürfen.
      Wir brachten die Strecke über die großen Grünflächen mit einem gemütlichen Plausch hinter uns und auch Arriba und Scylla setzten gemütlich einen Huf vor den anderen, denn in diesem Tempo konnte man am besten versuchen, hin und wieder einen langen Grashalm zu erhaschen.
      „Als ich gestern bei Elisa war, hat ihr Lockmodul doch tatsächlich ein Tauros angelockt“, erzählte Gwen mir grinsend, „Das ist ein Zeichen!“, versicherte ich sofort und war dann doch etwas neidisch, denn ein Tauros hatte es noch nicht in mein Pokedex geschafft. „Wie viele CP hatte de-“, weiter kam ich nicht, denn beide Pferde hatten die Köpfe nach oben genommen und so wurden Gwen und ich zurück ins Hier und Jetzt geholt. Schnell nahm ich die Zügel wieder auf und konnte dann endlich einen Blick auf das werfen, was ich schon so oft gesucht hatte: Mit ordentlich Abstand zwischen uns und doch unverwechselbar einzigartig zeichnete sich die Herde der großen Rinder vor dem Horizont ab. „Wow“, flüsterte ich und konnte es noch gar nicht glauben, dass sich mein Blitz-Fluch endlich gelöst hatte.

      „Die sind ja so groß und die Babys erst! So was Süßes!“, flötete ich auf dem Rückweg, denn der Reiz der wilden Tiere schien mich immer mehr zu packen, je mehr wir uns von ihnen entfernten. Gwen hatte mittlerweile wahrscheinlich schon auf Durchzug geschalten, zumindest nickte sie nur noch in regelmäßigen Abständen und gab zustimmende Laute wie „Mmhm“ oder „Jup“ von sich, doch ich ließ mich davon nicht beirren und setzte meinen schwärmerischen Monolog fort, bis Townsend Acres in Sicht kam. Zuvor waren wir auch schon an Pine Grove vorbei gekommen, doch zu Gwens Pech (wahrscheinlich hatte sie gehofft, mich bei Jojo abgeben und somit endlich Ruhe von meinem Gesülze haben zu können), war niemand da gewesen. Bei Elisa hatte sie mehr Glück; in der Stallgasse saßen Elisa, Jojo und Elena und alle blickten von ihrem Smartphones auf, als wir angeritten kamen. „Bitteschön. Jetzt ist sie euer Problem“, seufzte Gwen erleichtert, als wir unsere Freundinnen erreicht hatten und schwang sich aus dem Sattel ihres Palominos. Der fragende Blick in den Gesichtern der dreien änderte sich bald in eine Mischung aus Genervtheit und Entsetzen als ich ihnen von der Bisonherde erzählte und irgendwann sah Elisa nur noch eine Lösung: Scylla und Arriba bekamen eine Pause auf einer von ihren leeren Weiden, danach aktivierte sie ein Lockmodul. „Hoffentlich erscheint ein Tauros, dann kann sie ihre Kühe mit nach Hause nehmen“, frotzelte Elisa und ich konnte nicht mal beleidigt sein, denn Recht hatte sie ja.

      Tierarztbesuch 25.08.2016 - Klinik Caen - by Eddi
      „Ich glaube wir haben uns ein schlechtes Wetter für den Sammeltermin ausgesucht“, meinte ich grinsend, als ich aus dem Auto stieg und von Gwen in Empfang genommen wurde. Auch sie blickte stirnrunzelnd hinauf zu Himmel. „Es ist schrecklich“, kommentierte sie den strahlend blauen Himmel und den Sonnenschein. Spontan stiegen Ende August die Temperaturen doch noch einmal locker über 30 Grad und dabei erwarteten mich heute bei Gwen 17 Patienten!
      „Die sind alle brav, wir sollten also schnell sein“, beruhigte sie mich grinsend. Außerdem war es in ihrem Stall erstaunlich kühl, so dass es sich definitiv besser ertragen ließ als die letzte halbe Stunde im Auto. „Na dann legen wir mal los!“, meinte ich auffordernd und breitete mich am Putzplatz aus, so dass ich direkt alles griffbereit haben würde.
      Wir begannen mit den Stuten und so durfte ich Ceredwen kennenlernen. Ihre Abstammung erkannte ich sofort und auf meine Frage, ob sie von Cadoc abstamme, erhielt ich ein grinsendes Ja. Anscheinend schien Gwen den schicken Scheckhengst nicht wirklich zu kennen, sonst hätte sie gewusst, wen sie da gerade neben sich stehen hatte.
      Ich bat sie, mir die Stute erst einmal im Schritt und Trab vorzuführen. Danach warf ich fix einen Blick in Augen, Ohren und Maul, ehe ich die Stute einmal komplett abtastete. Zu guter Letzt hörte ich noch Herz und Lunge ab und kontrollierte die Körpertemperatur.
      Gwen hatte recht, zumindest Ceredwen benahm sich vorbildlich und hielt sehr gut still. Ich lobte sie ausgiebig und setzte dann die erste Impfung an. Die Stute benötigte einmal das Komplettpaket: Influenza, Herpes, Tetanus und Tollwut. Danach gab es auch direkt noch die Wurmkur und dann war sie fertig.
      Als nächstes war Ravi an der Reihe. Sie war mit ihren 18 Jahren das älteste Pferd in Gwens Stall, was man ihr aber keineswegs ansah und anmerkte. Dennoch hielt sie während der Untersuchung wunderbar still und zuckte nicht einmal bei den Impfungen zusammen. Auch die Wurmkur nahm sie fast von selbst.
      Das Gleiche konnte man auch von Tawny Bawny sagen, die direkt danach zu mir kam. Auch sie war wirklich umgänglich. Solche Patienten wünschte man sich doch als Tierarzt! Die kleine Nuriya war etwas anstrengender, allerdings kannte sie auch noch nicht wirklich Tierärzte, deshalb sah ich ihr das gerne nach und für ein halbwüchsiges Fohlen, meisterte sie den Besuch doch wirklich bestens.
      Bei Gwen ging es Zack auf Zack. Sie hatte alle Pferde vorher in den Stall geholt und so entstanden gar keine großen Pausen. Dementsprechend waren die Jungstuten Ginny My Love und Sinfonie auch sehr schnell gemacht. Ebenso behielt Gwen Recht, denn keine ihrer Stuten hatte bisher rumgemotzt.
      Auch bei Arriba, Minnie Maus und Minou brauchten wir nichts Schlimmes zu erwarten. Lediglich Nayala zickte etwas rum, was aber auch nur auffiel, weil der Rest von Gwens Stall so schrecklich umgänglich war. Bei anderen Ställen wäre Nayala wohl immer noch der liebste Kandidat gewesen.
      Da nun alle Stuten geimpft und entwurmt waren, gönnten wir uns eine kurze Pause. Sieben Pferde standen noch an, allesamt Hengste, weshalb ich mich doch schon einmal ein wenig wappnete, eventuell würde es jetzt nicht mehr so ruhig bleiben.
      Doch das Theater blieb aus. Kedves stand beinahe gelangweilt am Putzplatz, während ich ihn untersuchte. Altair war sowieso ein alter Hase und döste und auch Moon’s Wishing Well machte keine Probleme. Man hätte die drei beinahe als Wallache abgestempelt. „Deine Pferde sind ja schrecklich! Alle so lieb“, murmelte ich theatralisch und grinste Gwen an, die gerade mit Pinero zurückkam.
      Der Junghengst brachte wenigstens etwas Abwechslung rein, weil er die Impfungen doof fand. Aber selbst er war recht schnell fertig. Andvari machte auch kaum Probleme, war dafür höchst interessant: Ein Haflinger in dunkler Jacke. Sehr hübsch und auch verhältnismäßig groß, man erkannte ihn kaum als Haflinger.
      Papermoon’s Yakari machte auch keine Probleme, sondern ließ sich brav impfen und entwurmen. Und selbst Gwens damaliges Problempferd Ohnezahn stand vorbildlich am Putzplatz und ließ sich untersuchen. Auch die Impfungen und die Wurmkur hielt er tapfer aus und wurde dafür dann auch ausgiebig gelobt.
      „Das ging echt schneller als gedacht“, meinte ich lachend und räumte meine Sachen zusammen, nachdem alle Impfpässe wieder auf dem neusten Stand waren. Gwen bedankte sich ausgiebig bei mir, ehe ich mich bei der Hitze dann wieder auf den Weg nach Hause machte. Dort würde mich mein Pool erwarten und ein Eistee!

      Pflegebericht 30.09.2016 - Der Herbst ist offiziell da! - by Gwen
      Ciaran und ich hatten uns zu unserer monatlichen „Teambesprechung“ im Büro eingefunden. Wenn man es so nahm, fand die jeden Tag am Essenstisch statt, da wir sowieso nur zu zweit waren, aber so war es natürlich direkt noch einmal professioneller. Außerdem konnte man die Zeit gut für Teetrinken nutzen und für heute hatte ich sogar Zimtschnecken gemacht.
      Wir waren inzwischen schon recht weit vorangekommen und der Zimtschnecken-Teller war auch schon fast alle. „Gut. Fazit vom September?“, murmelte ich und kritzelte einige Pferdenamen auf meinen Notizblock. Gerade stand bei uns im Fokus, dass die drei Stuten Minou, Arriba und Tawny Bawny schon bald weit genug für die Prämierungen wären.
      „Minou hat 17 Punkte, Arriba ist ebenso bei 17 und Tawny auch“, grinste Ciaran zufrieden. Das war ein sehr gutes Ergebnis für die diesjährige Turniersaison, denn dort hatten unsere Stuten fleißig ihre Punkte durch Schleifen sammeln können. Erfolge machten meist ja doch viel her.
      „Für Minou ist ab diesem Wochenende zumindest die Distanzsaison offiziell beendet, ein besseres Ergebnis hätten wir uns nicht wünschen können“, meinte ich fröhlich, denn die letzte Distanz über 50km hatte sie mit einem ersten Platz gemeistert, obwohl es am Anfang gar nicht so berauschend hatte ausgesehen.
      Bei den dreien war ich mir noch nicht sicher, ob sie dieses Jahr noch auf die Wettbewerbe geschickt werden würden oder wir 2017 abwarten. Eilen tat es nicht, aber so langsam rückten eben auch andere Pferde in den Fokus. Ciaran las anscheinend meine Gedanken (nein, eigentlich sah man es mir einfach nur mehr als offensichtlich an…) und machte weiter mit den Junghengsten Andvari und Pinero.
      „Na Moment. Ich glaube an erster Stelle steht da Ginny. Immerhin ist sie schon eingeritten. Also fangen wir diesen Winter mit den Grundlagen an und vielleicht kann sie dann im kommenden Frühjahr schon ein kleines Turnier starten“, warf ich ein und Ciaran nickte. Mein kleines Westernpferd war nicht zwingend sein Favorit, aber ich war mir sicher, dass er sie schon noch lieben lernen würde.
      Andvari hatte diesen Sommer ein letztes Mal in den Bergen bei der Junghengstherde verbracht und wir wollten ihn diesen Winter schon einmal an das Sattelzeug gewöhnen und ihn muskeltechnisch per Bodenarbeit und Longieren auf das Einreiten vorbereiten. Das würde ich auch auf das Frühjahr legen, bis dahin wäre er dann weit genug.
      Meine beide Knabstrupper Sinfonie und Pinero würden im nächsten Mai auch offiziell vier Jahre alt werden, aber theoretisch wollte ich ihnen noch etwas Zeit lassen, besonders Sinfonie, denn die Stute war eine Spätentwicklerin. Nichtsdestotrotz würden wir diesen Winter schon einmal mit leichtem Aufbautraining beginnen können.
      Und dann gab es da noch Ceredwen. Die Holsteinerstute war inzwischen fünf Jahre, aber noch fast roh. Sie stammte von dem Gestüt, welches unter der Obhut von Ciarans Vater lag und dementsprechend kannte Ciaran die Stute auch schon lange. Für sie planten wir diesen Winter das Einreiten und Vorbereiten auf die kommende Turniersaison und Ciaran saß schon wie auf hibbeligen Kohlen.
      Ich übertrug ihm die Planung von allem, was Ceredwen betraf und es schien ihn sichtlich zu freuen. „So viel zum Thema, ein neues Sportpferd für mich“, murmelte ich lachend und hakte nun auch den Namen der Stute auf meiner Liste ab. „Aber nun genug geredet, ran ans Pferd!“, meinte ich total streng wie ein Chef nun einmal klang.
      Tatsächlich hatten wir heute noch alle Hände voll zu tun, was bezüglich des Wetters (nämlich Dauerregen und grauen Wolken) ein wenig frustrierend war. Nichtsdestotrotz wollte Ciaran die Scheckstute Ceredwen heute noch einmal ordentlich longieren.
      Ich entschied mich, zeitgleich auch Arriba zu longieren, denn so würden wir beide in die Halle passen und uns trotzdem nicht stören. Ich hatte nämlich wirklich keine Lust, heute nass zu werden. Und da unsere Pferde ja vorbildlich den gesamten Tag draußen standen, waren Ceredwen und Arriba auch pitschnass.
      „Longieren klingt mehr als gut“, murmelte ich seufzend, als beide nebeneinander am Putzplatz standen und wir nur mit Wurzelbürsten über das nasse Fell gingen. Viel zu Putzen gab es da nicht und einen Sattel hätte man da am allerwenigsten drauflegen können.
      „Wann ist der Bau des Solariums geplant?“, grinste Ciaran mich an und ich verdrehte nur die Augen. Tatsächlich hatte ich vor, ein Solarium zu bauen, hatte den Termin aber in en Oktober geschoben, weil ich der Meinung gewesen war, das würde locker noch so reichen vor dem Winter. Haha, war eine dumme Entscheidung gewesen…
      Zu viert gingen wir dann schließlich in die Halle. Ciaran reservierte sich den vorderen Zirkel und ich rückte mit Arriba nach hinten. Zuallererst wärmte ich die Stute in aller Ruhe im Schritt auf beiden Händen auf, ehe wir den Trab mit dazu nahmen.
      Da Arriba es exterieurtechnisch nicht ganz so leicht hatte was Selbsthaltung, Anlehnung und Co betraf, arbeiteten wir besonders daran. Deshalb nahm ich die Longe auch gerne mal kürzer, um sie übertreten zu lassen oder untertreten. Auch übten wir Stellung und Biegung auf diese Weise und ich lehrte Arriba so, wie sie ihren Rücken ganz natürlich aufwölben konnte.
      Das lief auch besser als gedacht und generell war Arriba in der Ausbildung schon sehr weit, dennoch mussten wir immer wieder an der Basis arbeiten. Im Gegensatz zum Criollo fiel es Ceredwen fast schon zu leicht, in korrekter Haltung zu laufen. Schwungvoll trabte sie ihre Kreise rund um Ciaran und wurde dabei vielleicht sogar schon etwas zu aufgerichtet, kein Wunder, sie war auch eine sehr stolze Stute.
      Ich beendete das Training mit Arriba und lobte die Stute ausgiebig, ehe es für sie zurück in die Box ging, wo sie noch etwas trocknen sollte, ehe sie wieder auf die Weide durfte. Kurz darauf kam auch Ciaran wieder und tat es uns gleich. „Wo ist eigentlich Shiva?“, fragte ich neugierig, denn ich sah die schwarze Hündin nirgendwo, während Ivy, unsere Mieze, fröhlich durch die Stallgasse rannte und Heuhalmen nachjagte.
      „Haha, als ob die bei so einem Wetter das Haus verlässt! Am liebsten würde sie wahrscheinlich sogar ihr Geschäft den gesamten Tag zurückhalten“, lachte Ciaran und mir fiel wieder ein, vor dem Kamin ein schwarzes Fellbündel eingerollt liegend gesehen zu haben. „Wenn ich könnte, wäre ich genauso wie sie“, meinte ich grinsend und halfterte Arriba wieder auf, um sie zurück auf die Weide zu bringen.

      Pflegebericht 30.10.2016 - Die Bisons - by Gwen
      Glücklich hörte ich dem Knirschen des Weges unter Arribas Hufen zu, während wir hinauf zum Stall liefen. Es war zwar schon später Morgen, aber immer noch lagen weiße Nebelschwaden über der gesamten Ranch und ich hatte meine Stute ein Weilchen auf der großen Weide suchen müssen, ehe ich sie gefunden hatte. Ich genoss die Ruhe, die man hier inmitten Kanadas hatte, sehr.
      Im Stall angekommen, schoben wir sanft Ivy beiseite, die es sich mitten auf unserer Putzbox bequem gemacht hatte. Regelmäßig war ich die letzten Wochen mit dem kleinen Kätzchen beim Tierarzt gewesen und so hatten sich alle Probleme schnell in Luft aufgelöst. Auch ihre Pfote war inzwischen komplett heil.
      Außerdem wuchs sie auch unglaublich schnell, aber das war kein Wunder, so viel wie sie auch verschlang. Zum Glück hatte sie Shiva als Spielgefährtin, sonst wäre sie uns tierisch auf den Keks gegangen, denn ihre Energie kannte keine Grenzen.
      Grinsend schob ich sie erneut zur Seite, als sie mitten in der Putzbox saß, damit ich an den Striegel kam und Arriba putzen konnte. Die Criollostute schob schon ordentlich Winterfell und wurde ganz plüschig und weich. Ich wusste immer noch nicht so recht, wie ich damals überhaupt zu einem Criollo gekommen war, aber Arriba besaß einen besonderen Stellenwert bei uns im Stall.
      Diesen Winter würde ich sie wahrscheinlich wieder scheren müssen, da ich plante, sie auf eine Prämierung zu schicken und dies benötigte auch ein entsprechendes Training und das war recht anstrengend. Aber noch hatte sie etwas Zeit und wenn würde ich auch nur das Nötigste scheren.
      Heute putzte ich sie erst einmal gründlich, um danach einen schönen Ausritt zu unternehmen. Nachdem sie sauber war, sattelte ich sie und packte dann auch mich noch einmal dick ein, ehe ich die Stute aus dem Stall führte und draußen aufstieg. Nach einigen Metern gurtete ich noch einmal nach und dann konnte es losgehen.
      Es war noch ganz kühl und frisch im Wald und ich genoss die Stille, die am Morgen herrschte, wenn sich alle noch in ihre Höhlen und Unterschlüpfe verzogen. Arriba war wie immer sehr aufmerksam und doch gleichzeitig entspannt. Ich hoffte darauf, heute noch einmal auf unsere Bisonherde zu treffen.
      Dementsprechend legte ich auch einen kleinen Galopp ein, um schneller zu den großen Wiesen und der Anhöhe zu kommen. Meine Bemühungen wurden auch entlohnt und so traf ich schnell auf die große Bisonherde. Zwar nur von Weitem, aber ich konnte sie doch gut ausmachen.
      Neugierig beobachtete ich die friedlichen Riesen, wie sie grasten. Im Sommer zogen sie gerne hoch zu den Bergen, aber im Winter waren sie immer hier unten bei uns. Wie immer sah man nur die große Herde aus Kühen und Kälbern, während sich die Bullen wohl woanders aufhielten. Ich war immer noch fasziniert von dieser Einteilung, denn bei den Bisons gab es keinen männlichen Anführer einer Herde. Die Kerle wurden nur interessant, wenn es um die Brunftzeit ging.
      „Damit ersparen sich die Damen garantiert eine Menge Ärger“, meinte ich grinsend zu Arriba und tätschelte ihr sanft den Hals. Von weitem sahen die Bisons immer so schön friedlich aus, aber von Nahem hatte ich großen Respekt vor ihnen und dementsprechend blieb ich lieber weit weg.
      Deshalb entschied ich mich dann auch dafür, wieder den Heimweg anzutreten. Ich nahm eine etwas andere Runde, um dann unten an unserem See herauszukommen und durch den Wald hinauf zum Stall zu reiten.
      Dabei kam ich an der Weide von Andvari und Pinero vorbei, wo ich auch kurz anhielt und meine beiden Junghengste lächelnd beim Spielen beobachtete. Pinero war inzwischen unglaublich gewachsen und wirkte nun schon sehr stattlich und kräftig. Neben dem Haflinger war er zwar immer noch ein Spargel, aber er würde schon bald Andvari überragen.
      Grübelnd musterte ich meinen schokobraunen Haflinger. Ich liebte ihn sehr, aber ich überlegte tatsächlich, ihm ein anderes Heim anzubieten als unsere Ranch. Er kam hier zu kurz und so recht wusste ich auch nichts mit ihm anzufangen. Es tat mir wirklich leid, denn er war nun schon fast vier Jahre bei mir und Prachtkerl, aber vielleicht hätte er es woanders besser.
      Seufzend trieb ich Arriba wieder an und ritt weiter. Wahrscheinlich konnte ich mir mit der Überlegung sowieso noch Zeit bis zum nächsten Jahr lassen. Man musste ja nun nichts übereilen. Stattdessen war nun im Hier und Jetzt erst einmal Arriba an der Reihe, welche versorgt werden musste und dann schließlich zurück auf ihre Weide wollte.

      Hufschmiedbericht 05.11.2016 - Hufschmiede Pine Grove Stud - by Rhapsody
      Zoe kam ins Wohnzimmer, sah mich verdutzt an, ging in die Küche und nach ein paar Momenten wieder zurück.

      „Solltest du nicht schon längst bei Gwen sein?“ fragte sie und checkte noch einmal ihre Armbanduhr. „Ich dachte, ihr hattet halb drei ausgemacht.“

      Meine Augen waren auf den Fernseher fixiert, auf dem Jaden Smiths Charakter gerade einen Zug besprayte. „Ich hab gesagt ich komm später, ich muss die Folge noch fertig schauen,“ antwortete ich und erntete dafür von Zoe nur vorwurfsvolles Schweigen. Anhaltendes vorwurfsvolles Schweigen. Nach zehn Minuten schaltete ich den Fernseher ab und ging an ihr vorbei in den Flur, um meine Schuhe anzuziehen.

      ***

      Dick eingemummelt saß ich kurz darauf hinterm Steuer meines Hufschmiedvans und fuhr die Straße zur Nahanni Rivers Ranch entlang. Noch waren die Temperaturen tagsüber gut über zehn Grad, aber der Wind war eisig und ich war eine bekannte Frostbeule. Gwen wusste das zum Glück, und hatte, als ich aus dem Auto stieg, schon eine Kanne Tee aufgesetzt. „Die gibt es aber erst, wenn ein Pferd fertig ist,“ tadelte sie mich und schob mich bestimmt in Richtung Stall.

      Dort warteten dann auch schon Arriba, Tawny Bawny und Minou. „Hatten wir wirklich alle drei ausgemacht?“ fragte ich ein wenig ungläubig und bekam daraufhin von Gwen einen unsanften Schubs. Das hieß dann wohl ja. Grummelnd machte ich den Ofen an und schnappte mir meine Lederschürze, und Gwen holte das erste Pferd heraus. Minou – sie wollte mich also erst einmal mit dem wohl treuherzigsten („Sie ist nicht treuherzig, hör auf das zu sagen!!!“) Pferd anfangen lassen. Das artete zwar erst einmal in fünf Minuten knuddlen und Babysprache à la „Wer ist ein gutes Mädchen? Du bist ein gutes Mädchen!“ aus, aber damit müssten alle Beteiligten einfach auskommen. Minou gefiel die Aufmerksamkeit, und das war das wichtigste. Während ich dann langsam aber sicher doch meine eigentliche Arbeit machte, erzählte ich der Stute von meinem Tag, als wäre es meine beste Freundin. Sie schnaubte an den richtigen Stellen und brummelte sogar, als ich ihr davon erzählte, dass ihre Besitzerin wohl gleich die Männer in den weißen Kitteln rufen würde. „Total verrückt, nicht wahr?“ murmelte ich und kontrollierte, ob ihr Huf auch wirklich gerade war und plan auflag. Viel mehr war es bei ihr auch gar nicht; sowohl Minou als auch Arriba waren Barhufer und das sollte (und musste) sich auch nicht ändern.

      Während ich die Connemarastute zurückbrachte und gegen einen Criollo tauschte, holte Gwen tatsächlich meinen Tee und kam genau dann zurück, als ich gerade mit dem Ausschneiden begonnen hatte.

      „Hier, den musst du gleich trinken,“ meinte meine Freundin und drückte mir die Tasse in die Hand. Unbekümmert nahm ich einen Schluck und hätte ihn am liebsten sofort wieder ausgespuckt. Kurz darauf fühlten sich auch meine Zähne schon stumpf an.

      „Du weißt, dass ich grünen Tee nicht mag,“ jammerte ich und versuchte ihr die Tasse wieder zurückzugeben. Ohne Gwen. Die verschränkte die Arme nur vor der Brust und sah mich herausfordernd an.

      „Aber er ist gesund.“

      „Weißt du was auch gesund ist? Alge.“

      Da hatte ich wohl etwas Falsches gesagt, denn Gwens Augen blitzten auf. „Willst du lieber einen grünen Smoothie? Mit Chlorella? Die sind wahre Detox-Wunder!“

      Für ein paar Sekunden sah ich sie nur an, dann stellte ich die Tasse ekligen grünen Tee auf die Stallgasse und drehte mich wortlos zu Arriba um. Ein paar Sekunden später nahm Gwen die Tasse Tee und trank sie schließlich selbst. So eine schlechte Gastgeberin.

      Nach Arriba war nur noch Tawny Hawk übrig. Von Gwen gab es dafür eine einen Klaps auf den Hinterkopf, aber wenigstens wusste ich, dass Elena irgendwo jetzt verdammt stolz auf mich war. Aber zurück zur Sache; Tawny war die einzige der drei Stuten mit Hufeisen, und nach kurzer Inspektion entschied ich mich auch für ein neues Set. Das Kürzen ging schon fast von allein, und so war ich schon ziemlich schnell durch. Während ich das erste Eisen anpasste, verschwand Gwen für zehn Minuten im Haus und kam dann nochmal mit Tee zurück. Nach einer kurzen Schnupperprobe erkannte ich den Geruch von Minze und schwor mir, die Tasse nicht so schnell wegzugeben. Doch erst brauchte Tawny die neuen Hufeisen. Mist. Ein Schluck Tee, dann müsste ich das Anpassen und Aufnageln machen und dann gab es bestimmt noch mehr Tee.

      Als dann alles zu meiner Zufriedenheit aufgenagelt und vernietet war, half ich Gwen, die drei Mädels wieder auf die Koppel zu bringen und fegte pflichtbewusst meinen Dreck weg. Aus der einen Tasse wurde dann noch eine ganze Kanne Tee, ehe ich in der Abenddämmerung zurück nach Hause fuhr.

      Pflegebericht 05.11.2016 - 446. Stutenkrönung - by Gwen
      Nachdem ich nun schon gespannt der Kür von Tawny zugeschaut hatte, war ich selbst an der Reihe. Ich stellte heute meine Stute Arriba vor, der kleine Sonderling in meinem Stall, da es sich um einen Criollo handelte. Bei ihr hatte ich mir viel Zeit gelassen, was die Körung betraf, denn diese hatte Arriba auch benötigt. Nun aber waren wir so weit, dass ich guten Gewissens mit ihr starten und auf ein gutes Ergebnis hoffen konnte.
      Zuvor war Ciaran so lieb gewesen und hatte mir Arriba schon ein wenig ablongiert, so dass sie jetzt gesattelt und aufgewärmt vor mir stand und ich mich nur noch in den Sattel schwingen musste. Ein wenig aufgeregt wirkte Arriba, bis mir auffiel, dass das eigentlich nur an mir lag, die gerade etwas sehr hibbelig auf dem Pferd saß und in Richtung Halle ritt. Also einmal tief durchatmen...
      Dann wurden wir schon aufgerufen, so dass ich die Zügel annahm und durch das große Tor ritt. Kurz vor dem Viereck trabte ich an, versammelte Arriba leicht und richtete sie auf. So ritten wir auf die Mittellinie zu X und hielten dort geschlossen an. Ich grüßte die Richter mit einem vorsichtigen Lächeln auf dem Gesicht, ehe ich wieder meine Zügel einsammelte und erneut antrabte.
      Wir gingen zuerst auf die rechte Hand und ritten die lange Seite entlang, ehe wir eine Runde auf dem Zirkel drehten. Dann ließ ich Arriba angaloppieren und ging eine ganze Bahn. Darauf folgte das Durchparieren zum Trab und dann zum Schritt. Im Schritt achtete ich besonders darauf, dass Arriba motiviert vorwärts schritt und nicht den Schwung verlor.
      Wir wechselten aus dem Zirkel auf die linke Hand, ritten noch ein wenig Schritt, ehe wir auch schon wieder antrabten. Küren auf Stutenkörungen waren wohl das absolut unspektakulärste überhaupt, denn es kam letztendlich nur auf die Gangarten an. Arriba präsentierte sich auf jeden Fall von ihrer besten Seite und ich war mir sicher, dass wir unser diesjähriges Ziel erreichen würden: Ihre Krönung.
      Lächelnd ließ ich sie auch links angaloppieren, es war unsere bessere Seite und so waren wir sehr entspannt und motiviert unterwegs. Gut ging es drei Runden auf dem Zirkel im Galopp, ehe wir zum Trab durchparierten. Noch eine ganze Bahn und schon bogen wir erneut auf die Mittellinie ab. Dort hielten wir geschlossen bei X an und ich verabschiedete mich von den Richtern.
      Dann gab ich Arriba den langen Zügel, lobte sie ausgiebig und verließ im Schritt die Halle. Draußen wurden wir schon mit wärmender Decke und Jacke erwartet, denn heute wehte ein eiskalter Herbstwind über das Turniergelände, so dass es allein in Bluse und Jackett schon sehr unangenehm war. Ein wenig bibbernd ließ ich mich aus den Sattel gleiten und versorgte meine Stute.
      Tatsächlich hatte ich heute drei Stuten am Start, jedoch übernahm die dritte auch eine meiner Freundinnen, so dass ich meine Pause nun zur Genüge genießen konnte, ehe es dann wieder zum Schauen auf die Tribüne gehen würde. Wenn alle drei Stuten durchkämen, hätte ich mein Ziel fürs Jahr sowas von geschafft.

      Pflegebericht 19.12.2016 - Ausreiten - by Gwen
      „Ich bin enttäuscht! Niemand von euch hat mich erkannt!“, jammerte ich dramatisch und der Rest der Gruppe nippte schweigend an seinem Glühwein. Nur Elisa grinste fröhlich und brachte mit ihrem Kommentar „Ich habe dich erkannt!“, den Rest der Gruppe in noch mehr Verlegenheit. Einige Sekunden des Schweigens vergingen, bis Zaii mit einem „Na ja, zumindest ich wurde ja erkannt…“ begann. „Du hattest ja auch keine Maske auf. Auf einem Maskenball“, kommentierte Elena das trocken und trank ihren Glühwein mit einem Zug aus.
      Um das Thema zu wechseln, fragte Jojo, was denn heute so schönes anstand. „Ich vermute, dass Ironic nicht umsonst in meinem Stall steht“, meinte ich knapp und erhob mich. „Und ich vermute, dass Elisa, Elena und Lena nur da sind, weil sie auf Essen und ein lustiges Spektakel hoffen“, fügte ich hinzu, lief in den Flur und zog mich an.
      Wie es für das Rudeltier Mensch typisch war, folgte mir der Rest und tat es gleich. Elena hatte vorher aber noch den heißen Glühwein in eine Kanne gefüllt und führte ihn nun mit sich. „Damit mir nicht kalt wird!“, verteidigte sie sich, nachdem wir sie alle vorwurfsvoll angeschaut hatten. Unmöglich!
      Ironic stand dösend in seiner Gastbox und ließ nur kurz ein Ohr nach vorne Wippen, als wir uns vor seiner Box versammelten. Fünf verrückte Frauen, die vor seiner Box lungerten, schienen ihm keine großen Sorgen zu machen, das würde sich aber schon bald ändern.
      Da es Jojos Pferd war, musste sie es auch selber fertigmachen. Leider kam sie da gar nicht wirklich dazu, denn Elena hielt uns nun vorerst einen stolzen Vortrag über Ironics neuen Maßsattel. „Und da er ja nun noch jung ist, ist es auch ein Sattel, welcher sich besonders gut anpassen lässt. Auch wenn ich doch sehr hoffe, dass Jojo schon fleißig an der Rückenmuskulatur gearbeitet hat!“, beendete sie ihre Ausführungen.
      Seufzend entriss Jojo ihr den Sattel und legte ihn auf Ironics Rücken. Der machte das Ganze schon mit wie ein alter Hase. Nach Lesjas Gejammer der letzten Wochen zufolge, hatte der Hengst es aber auch tagtäglich mitmachen dürfen. Stolz führte Jojo dann ihren Hengst in die Halle und wärmte ihn ein wenig auf.
      Kurz darauf entfachte dann die Diskussion, wer denn die „Ehre“ hätte, die erste auf dem fast 170cm großem Warmblut zu sein. Als ich mit meiner tollen Idee kam, dass ich mich auf Jojos Jungpferd und sie sich danach auf meines setzen würde, meldete sich Jojo für Ironic freiwillig.
      Wir übten vorher noch einmal das Stillstehen vor der Aufstieghilfe. An sich konnte er das schon, denn auch das hatte Jojo bis zum Geht-nicht-mehr geübt, aber da meine anders aussah, wollte ich das Jungpferd nun ungern stressen. Ironic machte aber alles seelenruhig mit und schon bald lag Jojo quer über dem Sattel.
      Ironic zuckte kurz ein wenig mit den Ohren, ehe ich ihn ein paar Schritte gehen ließ. Dann half ich Jojo ganz hinauf in den Sattel und auch wenn sie fast vor leichter Panik einen Quietscher losgelassen hätte, blieb Ironic immer noch seelenruhig. Wieder führte ich ihn einige Runden und runzelte dann die Stirn.
      „Entweder der ist echt so brav oder du hast heimlich geübt“, meinte ich grinsend und half Jojo dann wieder aus dem Sattel. Wir hatten nun nicht viel gemacht, aber für Ironic war es nun das einschneidende Ereignis gewesen: Das erste Mal einen Reiter auf seinem Rücken. Und da er es so gut gemacht hatte, bekam er als Belohnung nun auch Feierabend.
      Während Jojo dann ihren Hengst versorgte, holte ich Andvari rein und putzte meinen Haflinger. Kein Pferd war bei uns so umstritten wie Andvari. Er war ein Haflinger und fiel so bei allen theoretisch automatisch durch das Muster. Wiederum war er aber so besonders, dass sogar von Elena ganz selten ein „Süß“ kam und das war für einen Haflinger schon etwas wirklich sehr Besonderes.
      Nachdem auch Andvari gesattelt war, gingen wir erneut in die Halle. Auch Andvari würde heute zum ersten Mal einen Reiter auf seinem Rücken haben – mich. Dementsprechend stellte ich mich nach dem Erwärmen auf die Aufstieghilfe und schwang mich direkt vorsichtig in den Sattel.
      Professionell stand Jojo an Andvaris Kopf und beobachtete mich. Als Andvari vollends entspannt da stand, schnalzte sie ihn an und wir gingen circa zwei kleine Runden im Schritt, ehe ich Andvari ausgiebig lobte und aus dem Sattel sprang. Er war genauso entspannt wie Ironic gewesen.
      „Laaaaangweilig!“, tönte es von der Bande her und es war unverkennbar Elenas Stimme. „Wo ist das Rodeo? Die Kämpfe? Stürze? Das Drama??!“, brüskierte sie sich. Elisa und Zaii stimmten daraufhin ein und ich verließ nur mit einem Augenverdrehen die Halle. Nachdem mein Hengst wieder in seiner Box stand, fragte ich, wer noch Lust auf einen Ausritt hätte.
      Alle waren mit Pferd gekommen, nur Jojo war gelaufen, dementsprechend hatte sie nun niemanden. Fröhlich reichte ich ihr das Halfter von Arriba – glücklich, gleich das nächste Pferd für diesen Tag bewegt zu haben. Ich selber holte mir Ameya von der Weide und dann machten wir alle Pferde fertig, ehe es schon kurz danach auf den Ausritt ging.
      Den planten wir so, dass wir nach einer schönen Runde an jedem Hof vorbeikamen und dort die besagte führende Person samt Pferd abluden, ehe wir den nächsten Hof ansteuerten. Wir waren schrecklich faul, aber zugleich war es eben auch unglaublich effektiv.
    • Sammy
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      Berichte aus Ari's Zeit auf der Nahanni Rivers Ranch bei Gwen
      Das Jahr 2017
      Pflegebericht 31.01.2017 - Mädelstag
      Heute stand für mich ein Mädelstag an – allerdings nicht mit Zweibeinern, sondern mit meinen Vierbeinern. Momentan folgte ich einem straffen Tagesablauf, denn neben den Pferden hatte ich auch viel für das Studium zu tun. Eine Hausarbeit wollte geschrieben, ein Praktikumsplatz gefunden und die Bachelorarbeit angemeldet werden. Es tat mir echt leid, dass da die Pferde etwas kürzer kamen, aber momentan befanden wir uns sowieso im etwas lockereren Wintertraining und außerdem gab es auch noch Ciaran.
      Ich begann heute mit Arriba, welche ich mir aber nun zuerst von der Weide holen musste. Im Stall nahm ich ihr die Weidedecke ab und begann sie zu putzen. Wie fast alle, war auch meine Criollostute geschoren, damit sie nicht so arg ins Schwitzen kam. Ich putzte sie gründlich und sattelte sie dann. Für Arriba stand heute lockere Dressurarbeit auf dem Plan.
      Also ging es für uns in die Halle, wo ich sie in aller Ruhe warmritt und dann erst einmal alle Gangarten in Dehnungshaltung ritt. Erst dann nahm ich Arriba vermehrt auf und wir arbeiteten heute am Verstärken und Zurücknehmen. Immer eine schöne Übung, wenn die Pferde im Winter sowieso vor Energie strotzten.
      Arriba machte wirklich sehr gut mit, war fleißig bei der Sache und zog stets gut an, ließ sich aber auch wieder zurückführen. Ebenso ritt ich viele Zirkel, Volten und Schlangenlinien, um meine Stute locker und durchlässig zu bekommen, ebenso aber auch immer aufmerksam an den Hilfen zu haben. Nach unserem Training lobte ich Arriba ausgiebig und ritt sie ab.
      Im Stall überraschte mich Ciaran damit, dass er mir schon Fagy fertig geputzt und gesattelt hatte. „Vergiss nicht, dass du angeschlagen bist, da sollte man sich nicht übernehmen“, meinte er streng und ich seufzte nur leicht genervt. Ich hatte mir, wo auch immer, mal wieder einen Infekt eingefangen, der zum Glück aber bisher nur ein wenig Schnupfen hervorrief. Aber nur Ausruhen war bei mir eben nicht.
      Stattdessen saß ich nun schon auf Fagy und ritt meine braune Stute warm. Wenn ich daran dachte, was wir anfangs für Probleme gehabt hatten, da konnte ich nun nur noch schmunzeln. Inzwischen konnten wir uns echt sehen lassen und gaben ein wirklich gutes Team ab. Bei Fagy wollte ich heute auch etwas mehr machen, weshalb ich sie ausgiebig aufwärmte.
      Danach widmeten wir uns zunächst den Seitengängen: Ein wenig Schulterherein und dann auch etwas Kruppeherein. Danach Schenkelweichen und dann auch die Traversalen. Fleißig war Fagy bei der Sache und machte gut mit. Außerdem arbeiteten wir heute auch an den einfachen und fliegenden Galoppwechseln und sie war voll dabei.
      Dann ritt ich sie ab und brachte sie in den Stall. Dort sattelte ich Fagy ab und stellte sie unter unser Solarium. Während sie sich schön den Rücken wärmen ließ und abtrocknete, bekam sie von mir zwei Möhren, ehe ich ihre Ausrüstung wegräumte. Wieder trocken, konnte ich Fagy wieder die Weidedecke überwerfen und sie hinausbringen.
      Mein drittes und letztes Mädchen für heute war dann noch Sinfonie. Ich holte mir die Knabstrupperstute von der Weide und band sie am Putzplatz an. Einige Schritte trat ich von ihr weg und musterte sie dann ausgiebig. Sinfonie war unglaublich gewachsen und von der halbwüchsigen Stute des letzten Jahres war nichts mehr übrig. Stattdessen stand vor mir eine schlanke, aufmerksame Stute.
      Sinfonie wurde im Mai offiziell vier Jahre alt. Dann wollten wir sie auch langsam einreiten und mal schauen, was danach so aus ihr werden würde. Heute wollte ich sie aber nur ein wenig longieren und noch an ihrer Selbsthaltung arbeiten. Dafür erwarteten Sinfonie in der Halle dann auch Trabstangen und Cavaletti.
      Doch zuerst führte ich sie einige Runden warm, ehe sie auf jeder Hand in jeder Gangart an der Longe lief. Erst danach nahmen wir auch die Stangen mit dazu. Inzwischen konnte sich Sinfonie schon viel länger konzentrieren und war nicht mehr so leicht mit kleinen Dingen zu überfordern. Durch unser ruhiges und strukturiertes Training hatten wir das schon ganz gut wegbekommen.
      Auch heute machte Sinfonie wirklich gut mit und als es am besten lief, ließ ich sie austraben und lobte sie ausgiebig. Dann ging es noch einige Runden im Schritt, ehe ich Sinfonie trockenführte und in den Stall brachte. Auch sie durfte noch einmal unter das Solarium, ehe es mit Decke zurück auf die Weide ging.

      Pflegebericht 28.02.2017 - Bilanz ziehen
      Total gejetlagt saß ich an unserem Küchentisch und starrte müde aus dem Fenster. Mein Studium neigte sich dem Ende zu, doch vorher hatte es noch ein Pflichtpraktikum von mir gefordert. Natürlich hatte ich es nicht eingesehen, den gesamten Monat wo anders zu verbringen und so war ich stattdessen immer für das Wochenende nach Hause gekommen.
      Ciaran hätte den Hof sicherlich auch problemlos ohne mich geschmissen, aber das hatte ich nicht einsehen wollen. Die Rechnung bekam ich jetzt. Gestern war mein letzter Arbeitstag gewesen und nun saß ich hier an einem Dienstagmorgen und wusste gar nicht mehr, wohin mit mir. Von einem Jetlag konnte man theoretisch nicht sprechen und trotzdem fühlte es sich so an.
      Jetlag kombiniert mit einem dreitägigen Saufgelage, so fühlte ich mich und trotz Aspirin und Kaffee (dabei trank ich nie Kaffee!), fühlte ich mich total fertig und wäre sicherlich auf der Stelle wieder ins Bett gekippt, wenn ich mir nicht fest vorgenommen hätte, heute noch etwas Sinnvolles zu meinen Pferden beizutragen.
      Ciaran und ich hatten viel zu besprechen, aber vorher mussten die Pferde gefüttert und dann auf die Weiden gebracht werden. Während Ciaran das Frühstück in den Boxen verteilte, begann ich bereits, den Teil unserer Pferde einzudecken, die wetterbedingt eine Decke benötigten. Ehe ich damit durch war, waren die ersten auch schon fertig.
      Morgens ging es bei uns immer Schlag auf Schlag, damit die Pferde möglichst den gesamten Tag auf den Weiden genießen konnten. Danach stand für uns das Ausmisten der Boxen an, ebenso mussten die Heunetze aufgefüllt und die Stallgasse gekehrt werden. Als wir danach fertig waren, war ich eindeutig bereit fürs Bett.
      Ciaran wollte mit Kedves heute ein wenig Dressurarbeit machen und danach noch Papermoon’s Yakari longieren. Ich verzog mich für die Zeit ins Arbeitszimmer, um schon einmal zu strukturieren, welche Pferde heute alle besprochen werden mussten, immerhin wurde es höchste Zeit, aus dem alten Jahr Bilanz zu ziehen und zu schauen, was für 2017 geplant war.
      Ciaran hatte beide Hengste bewegt und warf sich dann zufrieden in den Sessel gegenüber mir. Ich musterte ihn kurz abschätzend, immerhin warf er sich mit Stallsachen auf meinen teuren Sessel, aber ich hielt den Mund, so war das nun einmal auf einem Pferdehof. Stattdessen schlug ich Hefter Nummer eins auf.
      Ciaran entdeckte sofort den Namen und wie aus einem Mund sagten wir „Neelix“. Ich nickte nur kurz und ging die momentanen Aktivitäten unseres Lewitzerhengstes durch. Neelix war erst seit Ende November bei uns, aber zeigte unglaubliche Leistungen. Wir hatten ihn gefühlt bei allen Hallenturnieren im Winter starten lassen und immer brachte er eine Schleife mit nach Hause.
      Er war im Moment auch wirklich in Topform und so plante ich, ihn demnächst an einer Leistungsprüfung teilnehmen zu lassen. Die Qualitäten, um zur Zucht zugelassen zu werden, hatte er auf jeden Fall. Auch Ciaran stimmte mir zu und wir planten direkt den verstärkten Trainingsplan des Hengstes bis Mitte März, denn da fanden bereits die ersten Hengstkörungen statt.
      Nach unserem kleinen Wunderkind war Ginny My Love an der Reihe. Mit der Paintstute ließen wir es bisher ruhig angehen. Wir schätzten Ginny beide so ein, dass sie zwar sehr gerne gefiel und sich alle Mühe gab, aber genau deshalb auch nicht überfordert werden sollte. Hier und da schickten wir sie bereits auf kleinere Turniere zur Gewöhnung. Momentan startete sie da neben Dressurturnieren auch bei Hunter Under Saddle und Hunter Hack, da wir nicht planten, sie in beiden Reitdisziplinen auszubilden, so dass wir beim englischen Sattel blieben.
      Zu unserer Enttäuschung fand sie bei den Westerndisziplinen bisher mehr Zustimmung. Es war aber auch wirklich schwer, Ginny versammelt und dennoch durchlässig zu bekommen. Sie neigte immer schnell dazu, auseinanderzufallen und Elena hatte sich auch bereits über ihren langen Hals echauffiert und ich konnte es ihr nicht einmal verübeln.
      Aber noch war Ginny ja nicht lange unter dem Sattel und die richtige Turniersaison würde ja erst beginnen, ich war mir also sicher, dass wir aus der Scheckstute noch ein gutes Dressurpferd hinbekommen würden. Einig waren Ciaran und ich uns aber auf jeden Fall dabei, mit ihr viel Stangenarbeit zu machen und sie auch vermehrt an die Longe zu nehmen, um an ihren Gängen zu arbeiten.
      Ich grübelte kurz, wer als nächstes ganz oben auf der Liste stand, doch Ciaran übernahm direkt: „Pinero und Sinfonie“ und ich musste nicken. Beide Knabstrupper wurden dieses Jahr vier und wir planten, sie in diesem Frühjahr anzureiten und auf die nächste Saison vorzubereiten. Ich war sehr gespannt auf die beiden. Zwar waren sie sehr bunt, aber Elena hatte auf Sportlichkeit und Leistung gezüchtet, also müssten die beiden eigentlich ideal für unsere Vorhaben sein.
      Mein kleiner Liebling Nuriya wurde dieses Jahr erst zwei Jahre alt, hatte also noch alle Zeit der Welt. Momentan beschäftigte ich sie regelmäßig mit dem Fohlen-ABC und wollte demnächst mit regelmäßigen Spaziergängen und Schrecktraining anfangen. Das machten wir zwar regelmäßig, aber nun konnte es auch langsam mehr in Richtung Extreme Trail gehen.
      Außerdem wollte ich schon allmählich bei ihr mit der Bodenarbeit beginnen, zunächst nur die leichten Sachen, aber wenn sie drei werden würde, würde es schon mit dem Longieren und dem Vorbereiten auf das Einreiten weitergehen, so viel Zeit blieb uns also nicht.
      „Hast du eigentlich mal wieder was von Andvari gehört?“, fragte Ciaran neugierig und auch ich musste gerade an unseren ehemaligen Haflingerhengst denken. „Hm, ehrlich gesagt nein, ich schreib der guten Frau heute Abend mal noch eine Mail“, meinte ich fröhlich und kritzelte die Notiz auf meine kleine To Do Liste.
      Als nächstes war Ohnezahn an der Reihe. Obwohl er nun schon am längsten zum Stall gehörte, rückte er gerne in den Hintergrund. Lange hatte er seine Vergangenheit aufarbeiten müssen, aber wir waren auf einen sehr guten Weg. Den Winter über hatte ich mich nun vermehrt seinem Training gewidmet und auch Ciaran stempelte ihn nun so ab, dass er demnächst schon einige kleine Turniere mitgehen könnte.
      Somit waren alle aktuellen Pferde schon abgehakt. Der Rest war bereits für die Zucht zugelassen, aktiv in seinem Training drin und würde bald wieder Turniere laufen. Dieses Jahr wollte Ciaran vermehrt mit Fagy und Dead Memories Turniere gehen, er hatte ja an den beiden einen Narren gefressen.
      Ich hatte mir wiederum vorgenommen, die Halbgeschwister Minou und Moon’s Wishing Well in Richtung Distanz zu fördern und auch mich darin weiterzubilden. Das hatte ich bisher immer brav vor mich hergeschoben, aber 2017 schien mir dafür eigentlich ein ganz gutes Jahr zu sein. „Von Wish erwartet dieses Jahr auch eine Stute ein Fohlen“, klärte ich Ciaran auf, der zur Zeit des Decksprungs noch gar nicht hier gearbeitet hatte.
      Die Besitzerin von Argo, der trächtigen Stute, würde mich benachrichtigen, sobald das Fohlen das Licht der Welt erblickt hätte. Ich war ja sehr gespannt, immerhin würde es Wishs erstes Fohlen werden. Generell verlieh ich meine Pferde sehr ungern, weil ich mir nie sicher war, was aus den Nachkommen werden würde.
      So war Nayala bisher auch die einzige gekrönte Stute aus meinem Stall, die ein Fohlen verzeichnen konnte und Nuriya stand ja, wie bekannt, bei uns mit im gleichen Stall. Von Tawny Bawny und Ameya plante ich aber auch irgendwann mal ein Fohlen zu ziehen, die dann aber auch für den eigenen Stall bestimmt wären und nicht für außerhalb.
      Bei Minnie Maus war ich mir da noch etwas unsicher, da mir die Stute doch noch recht jung war und ich sie teilweise gerne einmal vergaß und sie so pro forma mitlief. Das Gleiche galt indirekt für Arriba, wobei ich auch einfach nichts mit einem zweiten Criollo anfangen konnte. Ich liebte Arriba, weil sie so ein Charakterpferd war und deshalb stand sie auch noch bei uns. Und außerdem war es auch mal schön, ein Pferd zu haben, auf das man alles und jeden setzen konnte.
      Deshalb hatte sich Ciaran für unseren jetzigen Ausritt auch Arriba ausgesucht, während ich mir meinen geliebten Altair schnappte, die beiden wollten nämlich auch noch bewegt werden und ein Ausritt bei dem schönen Wetter war sicherlich gut für meine Kopfschmerzen.

      Pflegebericht 31.03.2017 - Fohlenplanung?
      „Was tust du da?“, fragte Ciaran irritiert und lehnte sich neben mich an den Weidezaun. „Ich denke nach“, meinte ich knapp und musterte weiterhin die auf der Weide friedlich grasenden Stuten. Es folgte Schweigen, ehe Ciaran tief einatmete: „Und magst du mir zufällig mitteilen, worüber du nachdenkst?“, grummelte er ungeduldig. „Ich hab überlegt dich zu meinem Geschäftspartner zu machen.“
      Ungläubig starrte Ciaran mich an, doch dann musste ich breit grinsen. „Spaß. Ich hab überlegt, aus welcher Stute ich ein Fohlen ziehen will“, meinte ich und es dauerte, bis Ciaran sich wieder fasste. „Wobei der andere Gedanke auch eine Überlegung wert wäre, aber alleine Chef zu sein ist schon was Tolles“, meinte ich beiläufig und widmete mich dann wieder voll und ganz den Stuten.
      Mein Augenmerk lag auf Ameya, Tawny Bawny und Minnie Maus. Alles drei New Forest Stuten, alle drei mit sehr guter Note prämiert und alle drei bisher komplett fohlenlos. Einerseits wäre es natürlich absolut toll gewesen, aus ihnen Nachzuchten zu ziehen, aber wenn, dann für den Eigenbedarf. Und wenn man dann unseren Stall anschaute, war er momentan einfach bis oben hin ausgebucht.
      „Dann müssen wir anbauen“, meinte Ciaran, der anscheinend das Gleiche gedacht hatte wie ich. „Mmh“, seufzte ich nur – Anbauen war eigentlich unrealistisch, denn ich wollte nicht mehr Pferde, weil ich auch nicht mehr Mitarbeiter haben wollte. Ergo blieb mir nur, den momentanen Bestand zu verkleinern und Platz für Neulinge zu schaffen und das war eine Sache, um die ich am liebsten einen riesigen Bogen machte.
      In meiner Zeit als erfolgreiche Leiterin und Trainerin hatte ich bisher selten Pferde verkauft und den meisten war es danach dummerweise schlecht ergangen, so dass das Wort Verkauf bei mir einen bitteren Beigeschmack erlangt hatte. Der Grund, weshalb ich auch für Avenger und Ravi lieber monatlich die Miete des Gnadenplatzes zahlte, als das Risiko einzugehen, dass sie nicht in die fördernden Hände gerieten, in die sie gehörten. Dann sollten sie lieber ihrer Rente genießen.
      Bisher war Andvari der einzige, den es nach dem Verkauf gut getroffen hatte und bei ihm hatte ich auch ein besonderes Auge darauf und der neuen Besitzerin bei jeglichen Sachen meine Hilfe angeboten. Ein wirklich gutes Bauchgefühl hatte ich zwar leider trotzdem nicht, aber das lag wohl eher daran, dass ich den braunen Haflinger mehr vermisste als erwartet.
      Nun stand also im Raum, ob man für den Nachwuchs Platz machte. Vielleicht sollte ich doch lieber anbauen. Und da das für mich gerade eine Zwickmühle war, auf die ich nicht sonderlich viel Lust hatte, fragte ich Ciaran lieber nach einem Ausritt. Immerhin hatte der Frühling auch endlich Kanada erreicht und momentan war es bei dem Sonnenschein einfach herrlich!
      Wir nahmen Arriba und Minou, es würde also ein entspannter Ausritt werden. „Eigentlich müssten wir auch mal wieder ein Problempferd aufnehmen, wird ja langsam langweilig hier!“, meinte ich theatralisch und schwang mich in den Sattel meiner Connemarastute. Ciaran verdrehte nur genervt die Augen und pfiff nach seiner Hündin Shiva.
      Sofort kam der schwarze Labrador um die Ecke des Stalles geschossen und schloss sich uns an. „Okay Gwen, wir reiten jetzt aus und die dummen Gedanken lassen wir für die zwei Stunden einfach mal sein, okay?“, fragte Ciaran mit warnend tiefer Stimme und ich nickte nur unschuldig. Die Drohung konnte man interpretieren wie man mochte und insgeheim plante ich nun schon, welcher Anpaarungen am meisten Sinn machen würden.
    • Sammy
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      Frisches Blut für Hollybrook!
      04. Juni 2017
      Müde und recht erschlagen lief ich aus dem Flughafengebäude hinaus in die warme Abendluft. Ich kam gerade aus Kanada zurück und hatte meinen Mitarbeitern einige Neuigkeiten zu überbringen. In ein paar Wochen würden nämlich zwei neue Pferdedamen auf Hollybrook einziehen: Arriba, eine bereits gekrönte Criollostute und Ma Belle apasionada, eine Paso Fino Stute, die Nancy Rivers direkt aus Puerto Rico importiert hatte. Während Arriba ein reiner Zufallstreffer gewesen war, war ich bereits seit über einem Jahr auf der Suche nach einer passenden Stute für meinen Zuchthengst Wannabe und hatte mein Glück kaum fassen können, als ich Belle das erste Mal sah und sie tatsächlich zum Verkauf stand. Auf Arriba hatte ich schon lange Zeit ein Auge geworfen, hätte aber nie gedacht, dass Gwendolyn Campbell sich je von der Stute trennen würde. Entsprechend aufgeregt wartete ich nun auf meine Mitarbeiter, die mich vom Flughafen abholen sollten. Mein Flug war - man glaubt es kaum - eine halbe Stunde zu früh gelandet, weshalb ich jetzt ein wenig warten musste. Als ich schließlich den Wagen des Gestüts vorfahren sah, lief ich sofort beschwingt hin. Am Steuer saß Samuel und Meg erwartete mich auf dem Rücksitz. Erleichtert ließ ich mich in das weiche Polster sinken und erzählte den beiden, dass es tolle Neuigkeiten gab, die ich ihnen aber erst vor den anderen eröffnen würde. Daraufhin schmollte Meg und Samuel versuchte den ganzen Weg über, mir etwas zu entlocken, was natürlich nicht klappte. Zu Hause angekommen, war ich erst einmal vollauf damit beschäftigt, all meine Pferde gebührend zu begrüßen, angefangen bei den jüngsten Bewohnern des Gestüts, den Vollblutfohlen Kazumi Princess el Assuad und Successful Dream. Die beiden waren mittlerweile auch schon wieder ein halbes Jahr alt und würden noch diesen Monat von ihren Müttern entwöhnt werden. Darauf freute ich mich absolut nicht, aber es war nun einmal notwendig. Als ich zuletzt meinem Araberhengst Khamar al Sanaa einen Kuss auf die weißen Nüstern gab, hüpfte Meg hinter mir schon von einem Bein aufs andere. "Sammy, das ist nicht fair!", quengelte sie. Ich grinste, streckte ihr die Zunge heraus und rückte endlich mit den Neuigkeiten raus. Die Aussicht auf zwei neue Pferde löste wie immer allgemeine Euphorie aus und die Bilder, die ich mitgebracht hatte, wurden reihum ausgetauscht. Donald war hin und weg von Arriba's hervorragender Begabung fürs Westernreiten, während Brian Feuer und Flamme für das Dressurass Belle war. Die noch junge Stute hatte zwar keinerlei Turniererfahrung und war trainingsmäßig auch noch nicht weit, dennoch strotzte jedes ihrer Bilder in Bewegung von Eleganz und Ausdrucksstärke. Belle's Gänge waren fraglos spektakulär, ich konnte bisher nur davon Träumen, wie sie sich unter der richtigen Anleitung entwickeln würde.

      ~*~

      Als endlich der Tag gekommen war, an dem die beiden Stuten aus Kanada eintreffen sollten, kontrollierte ich schon früh am Morgen die beiden Boxen. Arriba durfte neben meiner Jungstute Devil in Prada einziehen, während Belle die Box neben der Andalusierstute Cuchara bezog. Als ich mich vergewissert hatte, dass alles bereit war, setzte ich mich mit Meg ins Auto und fuhr zum Flughafen. Glücklicherweise hatte der Tierarzt in Kanada alles geklärt, sodass die Pferde nicht in Quarantäne mussten und wir sie sofort mitnehmen konnten. Am Flughafen mussten wir noch eine knappe Stunde warten, dann wurden wir mit dem Pferdehänger aufs Rollfeld gelassen. Ich fuhr so dicht wie möglich an die Kontainerbox heran, die gerade aus dem Flugzeugladeraum gehoben wurde und stieg mit klopfendem Herzen aus. Ich ließ meine Pferde nicht gerne fliegen und hoffte, dass Arriba und Belle die Reise gut überstanden hatten. "Übernimm du Arriba, Gwen hat mir versichert, dass sie ein absolutes Verlasspferd ist. Bei Belle bin ich mir da nicht so sicher.", wies ich Gwen an, als wir den Kontainer betraten. Insgesamt vier Pferde waren hier untergebracht und ich war froh, dass wir vor den anderen Pferdebesitzern angekommen waren, sonst müssten unsere Pferde noch länger warten. Ich sah zu, wie Meg die wunderschöne Criollostute Arriba losband und aus dem Kontainer führte. Der Palomino hob den Kopf und sog die Luft durch die zitternden Nüstern ein, blieb aber völlig ruhig. Unten an der Rampe blieb Meg stehen und wartete wie besprochen auf mich. Also trat ich in die Box der bildhübschen Paso Fino Stute in windfarbener Jacke und band sie los. Belle tänzelte sofort mit hoch aufgerichtetem Kopf aus der Box und die Rampe hinunter. Unten angekommen blieb sie kurz stocksteif stehen und wirbelte dann herum, wobei sie mir den Strick ein Stück durch die Hand zog und Arriba mit der Hinterhand anrempelte. Daraufhin legte die gutmütige Stute drohend die Ohren an und Meg führte sie auf mein Zeichen flott vorwärts. Belle folgte sichtlich nervös und machte auch vor dem Hänger Theater. Ich führte sie energisch vorwärts und eine Windböe von hinten gab dem Aufstand der jungen Stute den Rest. Erleichtert band ich sie fest und schlüpfte aus dem Hänger, um die Rampe zu schließen. Nun ging es endlich nach Hause.
      Zurück auf dem Gestüt wurden wir von allen begrüßt und die neuen Hollybrook-Stuten wurden ausgiebig bewundert. Arriba und Belle sonnten sich sichtlich in der Aufmerksamkeit und langsam ließ die Anspannung der Paso Fino Stute nach. Arriba steckte in ihrer Box sofort den Kopf mit Prada zusammen, Cookie giftete ihre neue Boxennachbarin erst einmal an. Aber das hatte nichts zu sagen. Ich vergewisserte mich noch einmal, dass meine beiden neuen Schützlinge auch gut versorgt waren, dann ging ich in mein Büro, um ihre Papiere einzusortieren. Mal sehen, was die nächsten Tage so bringen würden...
    • Sammy
      Schnelle Pflege für alle Pferde
      Gähnend betrat ich die Stallungen und fing gemeinsam mit meinen Mitarbeitern an die Pferde auf die Koppeln zu bringen. Wir führten Levistino, Branagorn, Black Soul, Fantastic Fly und Pride and Prejudice auf die Weiden. Meg und Brian kümmerten sich solange um Glammy, Wild Lady Roxanne, Samiyah, Mahira, Unannounced Pleasure, Reminiscent Inspiration und Angels Fall First. Weiter ging es bei den Englischen Vollblütern. Meine wundervollen Rennpferde durften diesen schönen Sonnentag natürlich auch draußen verbringen. Wir holten Ghostbuster, Tschiwabschischi, El Racino, Pawaneeh, Success Story xx mit Successful Dream, Kagami El Assuad mit Kazumi Princess El Assuad, Backup, Pirate Island, Ace of Spades und Far Cry aus ihren Boxen und führten sie hinaus. Gleich darauf folgten meine Wüstentänzer Amayyas, Pangäa, Cirilla, Ivory, Candle in the Wind, Khamar al Sanaa, Shamal, Wüstentänzer, Sahira, My lovely Horror Kid, Saddy, Haadeh, Little Miss Sunshine, Bittersweet, Sharley, Fallen Immortaliny, Adina De Ra'idah und Melody's Girl. Als das geschafft war holten wir meine Baletttänzer nach draußen - also die Warmblütern, deren Ausbildungsschwerpunkt in der Dressur lag. Das waren Negresco, Ojos Azules, Cuchara, Slaters Secret, San Salvador, Benjilala, Pierre und Salwa. Anschließend folgten die Bewegungskünstler Damon's Dynamo, Rainbow, Ehawee, Middle Ages, GH's Safriko, Mizzi, Someone, Paradises Raffinesse, Shekitt Quinn, Wannabe, Fair Prince, Intolerable Life, Fatimah und Dark Misery. Gleich darauf kamen die ganz kleinen: Rumpelstielzchen, Darkwood's Storm Dancing Feather, Miniature America's Narnia, Hollybrook's Tiny Girl, Juego, Mississle, Little Big Girl, Hollywood Undead, Kolibri und Napayné. Fehlten nur noch drei Sparten. Als erstes waren meine Westernpferde an der Reihe. Das waren Arriba, Dissident Hawk, The Morticains Daugther, My Golden Heart, Golden Indian Summer, American Baby, Girlie, Cazador, BB's Harmony, My possible Pasts, Chaira, Dream of Wyoming und Apaches Tomahawk. Danach folgten meine Vielseitigkeitsponys Panta Rhei, Rosewell, Hollybrook's Cheeky Jot, Hollybrook's Casanova, Hollybrook's Bloody Valentine, BMs Caradoc, Orfino, Hollybrook's Zarin, Hollybrook's Classic Moment, Hollybrook's Fairy Bluebird, Magical Moment, Thousand Sunny, Isola della Pirateria, Aimiliani, Naboo, Fairylike Facility, Everybody's Darling, Golden Flair, Walk of Fame, Precious Scream, Daemon, Dorina, Cinnemont's History und Eddi's Dead Pop Romance. Nun fehlten nur noch die Pferde, die noch nicht gekört waren. Das waren Ma Belle apasionada, Porcelain Doll, Ala' Forza, PFS' Glenn's Cookie, Grace's Cookie 'n Cream, GE's Ljosfari, Siberia, Shawnée und Devil in Prada. Sie alle durften diesen herrlichen Tag draußen verbringen und hatten somit frei. Meine Mitarbeiter und ich machten uns dagegen an die Stallarbeit...
    • Sammy
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      Es wird kalt auf Hollybrook!
      30. Oktober 2017
      Bibbernd zog ich meine gefütterte Stalljacke enger um meine Schultern, als mir beim Verlassen des Hauses ein eisiger Wind entgegen schlug. Mittlerweile war es Ende Oktober und der schöne Sommer war endgültig vorüber. Letzte Woche hatte es angeblich noch zwei sonnige Tage gegeben, doch nun regnete es seit Tagen beinahe ununterbrochen. Die Koppeln waren reine Schlammwiesen und meinen Pferden schlug das Wetter ebenfalls auf die Laune. Dazu kam, dass ich in den letzten Monaten sehr viel unterwegs gewesen war. Erst vor zwei Stunden war ich aus dem Flieger gestiegen und mich nach kurzem Überlegen entschlossen, zuerst meine Lieblinge zu besuchen. Meine Mitarbeiter hatten zwar die Pflege und das Training der Pferde übernommen, doch weiter ausgebildet hatten sie sie selbstverständlich nicht. Sie hatten lediglich den Auftrag bekommen, sie in Form zu halten und alte Lektionen zu festigen, sowie die Gehorsamkeit und Beweglichkeit zu schulen. Ich hoffte, dass ich nun auf den Winter hin wieder mehr Zeit auf meinem geliebten englischen Gestüt verbringen konnte, um meine Pferde während der Turnierpause weiter auszubilden. Auch die Arbeit mit den Fohlen würde dann an vorderster Stelle stehen. Kazumi Princess El Assuad und Successful Dream wurden bald ein Jahr alt und auch die beiden Pineforest Stable Fohlen PFS' Isis und PFS' Beck's Little Diva hatten ihr erstes Lebensjahr bald hinter sich. Devil in Prada, Shawnée und Siberia durften Anfang des Jahres unter den Sattel und auch für Ljósfari wurde es demnächst ernst. Grace's Cookie n' Cream, Ala' Forza, PFS' Glenn's Cookie und PFS' Daydream of Money mussten auf ihre ersten Fohlenschauen vorbereitet werden und meine kleine Porcelain Doll gewann hoffentlich ihre zweite. Ansonsten mussten selbstverständlich die Anwärter Ma Belle apasionada, Lamira, Incendio und Roi du Soleil für ihre Körungen bzw. Stutbuchwettbewerbe trainiert werden.
      In diesem Moment wurde ich unsanft aus meinen Überlegungen geholt, als mich ein besonders heftiger Windstoß beinahe von den Füßen riss. Ich biss die Zähne zusammen und legte den Rest zum Stall im Laufschritt zurück. Drinnen wurde ich wie gewohnt von warmer Luft und vielstimmigem Gebrummel empfangen. Glücklich schloss ich die Augen und so den herrlichen Stallgeruch ein, der mir entgegenschlug. Bei all dem Stress in letzter Zeit war es einfach herrlich, mal wieder einen ganzen Morgen in aller frühe mit meinen geliebten Vierbeinern zu verbringen. Mein erster Weg führte mich heute zu meinen Vielseitigkeitschampions. Levistino drückte liebevoll sein weiches Maul in meine Hand und ich kraulte ihm seine Stirn und strich seinen langen weißen Schopf aus seinem Gesicht. Gleich darauf wechselte ich zu meinem Holsteinerhengst Fantastic Fly, der mich erst einmal ein paar Sekunden lang ignorierte. Dann hielt der schöne Fuchs es jedoch nicht länger aus und empfing mich mit einem leisen Brummeln. Auch das deutsche Reitpferd Pride and Prejudice ließ sich erst ein wenig betteln. Einige meiner Pferde waren extrem eigen und das zeigte sich eben, wenn ich einmal nicht so viel Zeit für sie hatte wie sonst immer. Nachdem ich auch mit meinen Hannoveranerhengsten Black Soul, Incendio und Branagorn gekuschelt hatte, waren meine Vollbluthengste an der Reihe. Da waren die englischen Vollblüter Ghostbuster, Pawaneeh, Tschiwabschischi und El Racino, der Achal Tekkiner Candle in the Wind, der Berber Amayyas, die Araber Khamar al Sanaa, Wüstentänzer und mein Nachwuchstalent Shamal. Sie alle bekamen eine extra Portion Streicheleinheiten und vor allem bei dem schönen Araberschimmel Khamar entschuldigte ich mich. Der Hengst war schon lange Zeit bei mir und hatte einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. Weiter ging es mit den Andalusiern Negresco und Ojos Azules, den Barockpintos Slaters Secret und San Salvador, dem Lusitano Pierre, dem Traber Damon's Dynamo, den Saddlebreds GH's Safriko und Someone, dem Paso Fino Wannabe und den Isländern Fair Prince und Intolerable Life. Als ich gerade durch die dicke Mähne des Rappschecken fuhr, stieß mein Liebling bei den Ponys - Hollybrook's Cheeky Jot - ein entrüstetes Wiehern aus. Der schöne Hengst hasste es, ignoriert zu werden und anscheinend hatte ich mir für seinen Geschmack mit den anderen zu viel Zeit gelassen. Also wandte ich mich dem schönen Hengstchen zu und schlang ihm die Arme um den kräftigen Hals. Meine Mitarbeiter hatten wirklich ganze Arbeit geleistet, meine Pferde sahen wunderbar aus. Nach Cheeky war sein Sohn Hollybrook's Casanova an der Reihe, dann Hollybrook's Bloody Valentine, Hollybrook's Classic Moment, Hollybrook's Zarin, BMs Caradoc, Orfino, Panta Rhei, der Neuzugang Roi du Soleil, Eddi's Dead Pop Romance und Daemon. Als nächstes wurde meinen Minis Aufmerksamkeit zuteil. Die Miniature Hengste Rumpelstielzchen und Darkwood's Storm Dancing Feather waren als erstes dran, dann ging es mit Juego und Hollywood Undead weiter. Nachdem ich auch meine Westernpferde Dissident Hawk, Golden Indian Summer, Dream of Wyoming und Cazador geknuddelt hatte, bekamen meine Schätze ihr Frühstück.
      Da ich bei den Hengsten mit den Westernstars aufgehört hatte, waren die Stuten unter ihnen nun als erstes an der Reihe. Ich besuchte die Criollos Chaira, Arriba und Girlie, dannach Apaches Tomahawk, American Baby, BB's Harmony, Your possible Pasts, My Golden Heart und The Morticains Daughter. Auch die Minis des Hofes, Miniature America's Narnia, Hollybrook's Tiny Girl, Mississle, Little Big Girl, Napayné und Kolibri bekamen ihre Streicheleinheiten. Die Traber Rainbow, Ehawee und Middle Ages interessierten sich herzlich wenig für mich, sondern eher für die Möhren, die ich ihnen zusteckte. Meine Saddlebred Stute Shekitt Quinn genoss die Aufmerksamkeit dafür umso mehr. Genauso wie Paradises Rafinesse, Mizzi, Ma Belle apasionada und die Isländer Fatimah und Dark Misery. Gleich im Anschluss daran ging ich weiter zu Cuchara, Benjilala, Salwa, Pangäa, Cirilla, Ivory, Sahiar, My lovely Horror Kid, Saddy, Haadeh, Sharley, Bittersweet, Little Miss Sunshine, Fallen Immortaliny, Adina De Ra'idah und Melody's Girl. Nun fehlten nur noch die Ponys, die Englischen Vollblüter und meine Militarypferde. Erstere waren gleich an der Reihe. Rosewell, Hollybrook's Fairy Bluebird, Magical Moment, Thousand Sunny, Aimiliani, Naboo, Isola della Pirateria, Fairylike Facility, Everybody's Darling, Golden Flair, Walk of Fame, Precious Scream, Dorina und Cinnemont's History freuten sich sichtlich über die Aufmerksamkeit. Vor allem Isola, Darling und Fame bekamen nicht so viele Streicheleinheiten, wenn ich nicht da war. Aber auch die Vollblüter, um die sich vor allem Meg heiß und innig kümmerte, freuten sich über meine Anwesenheit. Backup, Success Story xx mit ihrem Fohlen Successful Dream, Kagami el Assuad mit Kazumi Princess El Assuad an ihrer Seite, Pirate Island, Ace of Spades und Far Cry bekamen alle eine kurze Rückenmassage, bevor ich weiter zu meinen Warmblütern ging. Der Neuzugang Lamira war zuerst dran, dann folgte die Leitstute Samiyah, Mahira, Unannounced Pleasure, Reminiscent Inspiration, Angels Fall First, Wild Lady Roxanne und Glammy. Nachdem ich all meine Stuten gefüttert hatte, setzte ich mich bei Everybody's Darling in die Box und döste ein wenig neben dem Fuchsstütchen. Geweckt wurde ich vom spitzen Schrei meiner Freundin und Angestellten Meg, die mich als erstes entdeckt hatte. "Du kommst mitten in der Nacht zurück und hast dann nichts besseres zu tun als die Pferde zu füttern? Du hättest mich wecken können!", beschwerte sie sich. "Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es sich nicht mehr lohnt, ins Bett zu gehen. Außerdem musste ich doch meine Babys begrüßen! Und jetzt erzähl mir alles. Jedes Detail, ich muss alles wissen.", wies ich Meg grinsend an.
    • Sammy
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      April, April, der weiß nicht was er will
      30. April 2018
      Mit einem leichten Stirnrunzeln sah ich von den Unterlagen auf, die ich gerade durchging. Es war Frühling auf Hollybrook und dementsprechend gab es eine ganze Menge zu tun. Die Turniersaison begann, für die frischgebackenen Jährlinge musste ein Trainingsprogramm erstellt werden und natürlich erwarteten einige meiner Stuten auch dieses Jahr wieder ein Fohlen. Die letzten Tage war es brütend heiß gewesen, die Frühlingstemperaturen waren wohl an England vorbeigegangen. Wir hatten die Pferde angeweidet und sie tollten momentan alle auf ihren Koppeln herum, während meine Mitarbeiter die Stallarbeit erledigten. Für ernsthaftes Training war es an diesem Aprilnachmittag sowieso viel zu heiß. Gerade eben hatte mich jedoch ein bedrohliches Grollen aus meiner Konzentration gerissen und nach einem Blick aus dem großen Fenster sprang ich sofort auf. Der bisher wunderbar blaue und wolkenlose Himmel war nun stahlgrau, um nicht zu sagen schwarz. Wind kam auf und schon zuckten die ersten Blitze über den Himmel. Und ich hatte sage und schreibe 129 Pferde auf den Weiden stehen. Mit zwei großen Schritten war ich aus der Tür hinaus und eilte über den Hof zu den Stallungen, um meine Mitarbeiter zusammen zu trommeln. Im Stalltrakt der Stuten lief laute Musik, weshalb das drohende Unwetter bisher unbemerkt geblieben war. Ich schaltete den Lärm ab und beschleunigte alle. Immerhin hatte ich einige höchst nervöse Tiere auf dem Hof, die mit Gewitter überhaupt nichts anfangen konnten. Wir begannen mit meinen Englischen Vollblütern. Zuerst kamen Kagami el Assuad und Success Story xx in den Stall. Die beiden Pferdedamen waren vor einem halben Jahr von ihren Babys getrennt worden und gerade Kagami war seitdem nicht unbedingt einfacher geworden. Meg und ich führten sie in die Boxen und schlossen hastig die Türen. Patrick eilte währenddessen durch die gesamten Stallungen und schloss alle Türen zu den Außenboxen. Gleich nach uns folgten Pirate Island, Ace of Spades, Backup und Far Cry. Auch die vier Hengste Ghostbuster, Tschiwabschischi, El Racino und Pawaneeh waren blitzschnell von den Koppeln geholt. Als wir den Stall das nächste Mal verließen, um die anderen Vollblüter einzusammeln, mussten wir uns schon regelrecht gegen den Wind stemmen. Ich schnappte mir zuerst Amayyas, den stolzen Berberhengst. Der Roan ließ noch immer nur Brian und mich an sich heran und Brian war gerade mit dem Araberhengst Wüstentänzer zugange. Meg folgte mit Ivory, Patrick nahm Candle in the Wind, Donald führte Cirilla und Samuel Khamar al Sanaa. Gleich darauf waren Shamal, Pangäa, Sahira, My lovely Horror Kid, Saddy und Barakah al Sanaa dran. Letztere war erst vor einer Woche auf mein Gestüt zurückgekehrt und noch von den anderen Stuten separiert. Mit Horror, Sahira und Saddy hatten wir bereits ganz schöne Probleme und auch der junge Araberhengst Shamal spielte sich ziemlich auf. Ich atmete erleichtert auf, als ich die Tür hinter dem temperamentvollen Tier schloss und auch die anderen die Stricke vor die Boxen warfen. Haadeh und Little Miss Sunshine konnte man gemeinsam führen, sodass mit ihnen auch Bittersweet, Sharley, Adina De Ra'idah, Fallen Immortaliny und Melody's Girl in die sicheren Stallungen kamen. Damit waren sämtliche Vollblüter versorgt. "Und jetzt?", fragte Meg atemlos, als sie die Tür hinter Melody schloss. "Die Vielseitigkeitspferde. Gleich danach die Traber und die Jungpferde bzw. Fohlen. Die Ponies kommen zum Schluss, weil wir die noch am besten händeln können.", gab ich meine Anweisungen wie aus der Pistole geschossen. Wir hatten gerade Lamira, Incendio, Mahira, Samiyah, Levistino, Branagorn, Black Soul, Unannounced Pleasure, Reminiscent Inspiration, Angels Fall First, Fantastic Fly, Wild Lady Roxanne, Pride & Prejudice und Glammy im Stall, als der Regen einsetzte. Ich fluchte reichlich undamenhaft vor mich hin uns sprintete los, um meinen Traberhengst Damon's Dynamo von der Koppel zu holen. Der sonst so sanftmütige Hengst hasste Regen und galoppierte bereits mit geblähten Nüstern und angelegten Ohren am Zaun seiner Koppel entlang. Ich hatte dennoch keine Mühe ihn einzufangen, glücklicherweise besaß Dynamo wirklich ausgezeichnete Manieren. Dennoch war ich sehr erleichtert als er, Ehawee, Rainbow, Middle Ages, GH's Safriko, Someone, Paradises Rafinesse, Mizzi, Shekitt Quinn, Ma Belle apasionada und Wannabe im Stall standen. Wie angekündigt folgten nun die Jungpferde Devil in Prada, Shawnée, Siberia, GE's Ljósfari, Grace's Cookie 'n Cream, PFS' Beck's Litte Diva, Ala' Forza, PFS' Glenn's Cookie, Porcelain Doll, PFS' Isis, PFS' Arctic Alinghi, PFS' Daydream of Money, Kazumi Princess El Assuad, Successful Dream und Picturesque Diova. Diova hatte ich zusammen mit Barakah von Canyon übernommen und freute mich schon sehr auf die Arbeit mit der jungen Stute. Princess lief mir vor lauter Aufregung fast in die Hacken. Dies war das erste richtige Gewitter, dass die junge Stute ohne ihre Mutter durchleben musste. Dreamy spielte dagegen völlig verrückt. Die junge Stute stieg auf die Hinterbeine und sprang im Kreis um Brian herum. Ich führte Princess schneller, um Dreamy zu überholen und hoffte darauf, dass die braune Stute ihrer Freundin folgen würde. Glücklicherweise war dies der Fall, auch wenn Dream dabei Brian hinter sich zurückließ und plötzlich neben mir bei Princess in der Box stand. Ich beschloss die beiden während des Gewitters zusammen stehen zu lassen, Dream hätte mich sonst wahrscheinlich sowieso gefressen. Immer schneller zuckten die Blitze nun über den Himmel, als wir die Andalusier Negresco, Cuchara und Ojos Azules, die Lusitanos Salwa und Pierre und die Barockpintos Slaters Secret, Benjilala und San Salvador vor dem Sturm retteten. Von den übrigen Pferden erschallte nervöses Gewieher und ich musste mich sehr zusammenreißen, um nicht in Panik zu verfallen. Der Regen schlug uns hart ins Gesicht, während wir begannen, die Ponies herein zu holen. Da waren der klatschnasse Hollybrook's Cheeky Jot, Hollybrook's Casanova, Hollybrook's Classic Moment, Hollybrook's Bloody Valentine, Hollybrook's Zarin, Orfino, Blue Moon's Caradoc, Panta Rhei und Rosewell, Hollybrook's Fairy Bluebird, Magical Moment, Thousand Sunny, Aimiliani, Naboo, Isola della Pirateria, Fairylike Facility, Everybody's Darling, Golden Flair, Walk of Fame, Precious Scream, Eddi's Dead Pop Romance, Daemon, Dorina, Cinnemont's History, Dark Misery, Fair Prince, Intolerable Life, Fatimah und die Minis Rumpelstielzchen, Darkwood's Storm Dancing Feather, Miniature America's Narnia, Hollybrook's Tiny Girl, Juego, Mississle, Little Big Girl, Hollywood Undead, Napayné, Kolibri und Roi du Soleil. Fehlten nur noch die Westernpferde. Als wir dieses Mal den Weg zu den Koppeln gingen, begann es zu hageln. Ich zog den Kopf ein und legte noch einmal einen Zahn zu. Meg, Brian, Samuel und ich kümmerten uns um Arriba, Chaira, The Morticains Daughter, My Golden Heart, Your possible Pasts, BB's Harmony, American Baby, Girlie und Apaches Tomahawk. Die anderen holten Cazador, Dream of Wyoming, Golden Indian Summer und Dissident Hawk hinein. Völlig erledigt ließ ich mich auf den Boden vor Golden's Box sinken und atmete erst einmal tief durch. Die Pferde waren nervös und ein Großteil von ihnen klatschnass, aber immerhin waren wir nun alle geschützt vor diesem ekelhaften Unwetter. Der Donner grollte pausenlos und durch die Stallfenster sah man alle paar Sekunden Blitze aufleuchten. Ich teilte jedem ein Stallende zu und wir begannen damit, die Pferde trocken zu reiben. Die Westernpferde hatte es am Schlimmsten erwischt, Harmony und Daughter stellte ich als erstes unters Rotlicht, nachdem ich ihnen mit einem Schweißmesser das gröbste Wasser aus dem Fell geholt hatte. So arbeiteten wir uns schweigend durch den Stall, beruhigten die Pferde und auch selbst und warteten, bis das Gewitter vorbei war. Der ganze Spuck dauerte nicht einmal zwei Stunden, dann wurde der Himmel wieder hell und eine knappe Stunde später war auch die drückende Hitze wieder da. Nach einem kurzen Blick in den Wetterbericht entschied ich dennoch, die Pferde für heute nur noch auf die Paddocks hinaus zu lassen. Eine Wahnsinnsaktion pro Tag reichte mir vollkommen.
    • Sammy
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      Bunte Blätter, Nieselregen und schwerwiegende Entscheidungen
      21. Oktober 2018
      Fröstelnd zog ich den Reißverschluss meiner Softshelljacke höher und zog die Kapuze tiefer ins Gesicht. Der Herbst hatte mit voller Wucht Einzug auf Hollybrook Stud gehalten. Innerhalb kürzester Zeit hatten sich die Blätter der Bäume orange, rot und gelb gefärbt und regneten in Scharen zu Boden. Während es tagsüber meist noch angenehm warm war, erreichte es nachts schon Minusgrade. Fünf Uhr morgens war praktisch nachts, also fror ich erbärmlich. Erleichtert schlüpfte ich in die behaglich warmen Stallungen und vernahm sofort das beruhigende Rascheln der Pferde im Stroh. In ein paar Minuten würden meine Angestellten mit dem Training der Vollblüter beginnen, danach folgte die Morgenfütterung. Ich aber hatte heute ein paar wichtige Dinge zu entscheiden und so verzog ich mich gleich in mein Büro und schloss die Tür hinter mir. Die Zucht lief nicht wie geplant. Gerade nach den selteneren Rassen bestand kaum Nachfrage, dafür kostete der Unterhalt von knappen 150 Pferde eine ganze Menge. In letzter Zeit hatte ich auch nicht mehr das Gefühl, meinen Lieblingen unter den Pferden gerecht werden zu können. Hatte ich mich früher ausschließlich selbst um das Training der Fohlen und Jungpferde gekümmert, so musste ich nun schon allen wegen des ganzen Verwaltungsaufwands immer mehr darauf verzichten. So konnte es nicht weitergehen. Also hatte ich schweren Herzens beschlossen, meine Zucht rein und allein auf die englischen Vollblüter und meine Vielseitigkeitspferde zu beschränken. Alle anderen mussten gehen. Ein paar Pferde hatten sich auch definitiv ihren Ruhestand verdient und ich hatte schon ein wunderschönes Gehöft in zweistündiger Entfernung ausgemacht. Dort wurde armen und benachteiligten Kindern der Umgang mit Pferden ermöglicht. Sie durften die Tiere putzen, mit ihnen spazieren gehen und teilweise auf ihnen reiten. Das war genau das richtige, für einige meiner Lieblinge.
      Seufzend zog ich die Listen mit den Namen meiner Pferde aus der Schublade. Leicht wurde dieses Unterfangen dennoch nicht, ich hing an allen meinen Schützlingen.
      Definitiv verkaufen wollte ich Hollybrook's Barakah al Sanaa, Bittersweet, Wüstentänzer, Far Cry, Candle in the Wind & Ivory, Pierre und Salwa, Someone & Mizzi, Dream of Wyoming, American Baby & BBs Harmony, Daemon, Dorina und Eddi's Dead Pop Romance, Kolibri, Hollybrook's Tiny Girl, Precious Scream, BMs Caradoc, Hollybrooks Classic Moment, Hollybrook's Bloody Valentine, Hollybrook's Zarin, Hollybrook's Fairy Bluebird und Hollybrook's Casanova. Gerade bei Letzterem zeriss es mir beinahe das Herz, so sehr liebte ich den jungen Hengst. Allerdings konnte ich es mir nur erlauben einen New Forest Hengst zu behalten und das war unstreitig Hollybrook's Cheeky Jot, das erste Fohlen der Hollybrook Zucht. Niemals könnte ich mich von ihm trennen. Außerdem hoffte ich für Casanova und all die anderen Käufer zu finden, die die Tiere gut förderten und ihnen ein schönes Zuhause schenkten. Auch bei Wüstentänzer fiel mir die Entscheidung alles andere als leicht. Jedoch hatte ich mit Khamar al Sanaa und Shamal zwei Araberhengste die weitaus besser zu meinen künftigen Plänen passten. Rosewell und Panta Rhei würde ich Eddi anbieten, immerhin hatte ich die beiden damals im Fohlenalter von ihr übernommen und großgezogen.
      Dann gab es in den letzten Jahren leider auch einige Verluste zu beklagen. Meine wunderschöne Berberstute Cirilla hatte sich beim Toben eine Sehne gerissen, die nie mehr richtig verheilt war. Auch die Fohlen Ala Forza und Shawnée würden niemals in einer Zucht mitwirken können. Apaches Tomahawk und Girlie hatten sich den Ruhestand dagegen redlich verdient. Mississle war nach einem Kutschunfall nicht mehr dieselbe. Sie kam nicht mehr mit dem Trubel auf dem großen Gestüt zurecht und obwohl ich so viele Hoffnungen in die süße Stute gesetzt hatte, würde ich sie gehen lassen. Selbes galt für Chaira, Cazador, Napayné, Wannabe, Juego und Little Big Girl. Sie hatten alle tolle Arbeit geleistet und sich ein wenig Entspannung mehr als verdient. Meine Traberstute Middle Ages war während eines Rennens gestürzt und hatte sich das Röhrbein gebrochen. Ich hatte gehofft, dass sie sich nach einer ausgiebigen Ruhepause so weit erholen würde, um Mutter werden zu können, doch der Tierarzt hatte mir davon abgeraten. Das Gewicht eines Fohlenbauches wäre zu viel für das Bein. Bei Shekitt Quinn, GH's Safriko, Paradises Rafinesse und Ma Belle apasionada war ich mir noch nicht sicher, was ich tun sollte. Sie passten nicht mehr auf den Hof, aber ich hing doch sehr an jedem von ihnen. Gerade Belle hatte ich ja noch gar nicht so lange in meinem Besitz. Hollywood Undead, Orfino, Dark Misery, Fair Prince, Sahira, Hadeeh, Slaters Secret, Little Miss Sunshine, Sharley, Golden Flair, Walk of Fame und Melody's Girl lag der Umzug ebenfalls am Alter. Der Mix San Salvador machte mir zur Zeit Sorgen. Er hatte hohes Fieber und stand mittlerweile sogar in Quarantäne. Der Tierarzt machte mir nicht allzu viele Hoffnungen. Und falls sich der junge Hengst erholte, würde er wohl nicht mehr im Sport mitmischen können. Mein Flaschenfohlen Everybody's Darling litt an der gleichen Krankheit wie Salvador, nur dass es ihr noch wesentlich schlechter ging. Bei ihr rechnete ich schon nicht mehr damit, dass sie sich noch erhohlen würde. Fallen Immortaliny und Adina De Ra'idah waren für das hektische Gestütsleben einfach nicht gemacht. Sie waren unzufrieden und sollten deshalb in ein ruhigeres Heim umziehen. Ich macht Haken und Kreuze, schrieb neue Listen, teils mit, teils ohne Fragezeichen dahinter. Schließlich war ich soweit, dass ich nur noch die Pferde auf einer Liste hatte, die definitiv bleiben sollten.
      Inzwischen war die Morgenfütterung vorbei und ich trat hinaus auf die Stallgasse, um alles über das Training der Vollblüter zu erfahren. Pawaneeh, Ghostbuster, Tschiwabschischi und El Racino waren heute ein Trainingsrennen gegeneinander gelaufen, was anscheinend auch hervorragend geklappt hatte. Es überraschte mich nicht, dass der ehrgeizige Racino als Sieger daraus hervorgegangen war. Für Pirate Island, Ace of Spades und Backup hatte heute nur leichtes Galopptraining stattgefunden, während Kagami El Assuad und Success Story xx alles hatten geben dürfen. Die Fohlen der beiden waren mittlerweile fast zwei Jahre alt und bereiteten mir täglich mehr Freude. Kagami und Story waren wieder ganz die Alten und gaben auf der Bahn alles. Auch wenn sie eigentlich nicht mehr aktiv im Galopprennsport liefen, brauchten sie das schnelle Training auf der Bahn ab und an einfach. "Sammy! Kagami war der absolute Wahnsinn!", rief Meg mit strahlenden Augen. Ihr Herz schlug vor allem für das Rennreiten und sie war völlig aus dem Häuschen gewesen, als ich sie schließlich auf die äußerst talentierte aber auch besonders schwierige Kagami gesetzt hatte. Ich grinste und zeigte ihr den erhobenen Daumen. "Bereit für die Vielseitigkeitsstars? Donald nimmt wie üblich Fantastic Fly und Brian Black Soul. Für die beiden steht heute Dressurarbeit auf dem Programm. Lasst euch nicht veralbern, die haben das Dressurtraining dringend nötig. Samuel nimmt Levistino und Meg Angels Fall First. Mit den beiden geht es heute mal wieder ins Gelände. Zieht euch warm an und wärmt die zwei gut auf, es ist verdammt kalt heute." gab ich meine Anweisungen. "Oh und Patrick? Du schließt dich mit Branagorn an. Du bist so weit und Branagorn passt auf dich auf.", sagte ich zu dem unerfahrensten Reiter in meinem Team. Der konnte sein Glück kaum fassen. Ich selbst schnappte mir die Cremellostute Samiyah und machte sie fürs Springen fertig. Sami war eine echte Diva, aber eine Sportskanone sonder gleichen. Ich packte mich dick ein und warf der Stute eine Fleecedecke über den glänzenden Rücken, bevor wir uns zum Springplatz aufmachten. Der leichte Nieselregen störte Samiyah zwar, doch da musste sie durch. Ich hatte gestern bereits mit meinem deutschen Reitpferd Pride & Prejudice trainiert, weshalb der Parcours noch aufgebaut war. Der schöne Schecke hatte seine Sache wirklich gut gemacht und ich erwartete von Samiyah dasselbe. Ich ritt die Stute im Schritt am langen Zügel um den Platz und ignorierte den schlagenden Schweif und die zeitweise angelegten Ohren. Sami war eine ausgemachte Zicke, wenn ihr etwas nicht passte und dieses Gehabe hatte uns bei schlechtem Wetter schon den ein oder anderen Turniersieg gekostet. Ich ignorierte es und wärmte Samiyah in aller Seelenruhe auf. Beim Angaloppieren buckelte die Stute, doch darauf war ich schon gefasst gewesen und saß tief im Sattel ein. Als ich das Tierchen endlich auf den ersten Sprung zusteuerte musste Sami sich konzentrieren. Immerhin sprangen wir hier einen Parcours auf S-Niveau. Das Gezicke wurde weniger und ich hatte endlich mein arbeitswilliges Stütchen unter mir. Sami flog über die Sprünge des Parcours, als wären sie überhaupt nicht vorhanden und riss bis auf die letzte Stange kein Hindernis. Ich klopfte ihr den feuchten Hals, sprang aus dem Sattel und führte sie zum Stall. Der Regen war stärker geworden, so würde Samiyah sowieso nicht trocken werden. Im Stall angekommen, befreite ich sie von Sattel und Zaumzeug, legte ihr ihre Abschwitzdecke auf und führte sie die Stallgasse auf und ab, damit sie abkühlte. Dann brachte ich sie in die Box zurück. Zwischenzeitlich standen auch Fantastic Fly und Black Soul wieder in ihren Boxen. Für Mahira, Unannounced Pleasure und Reminiscent Inspiration - die drei Jungspunde bei den Warmblütern - stand heute ebenfalls Dressurtraining an. Brian übernahm Pleasure, Donald Inspiration und ich selbst holte die Scheckstute Mahira aus ihrer Box. Meg und Samuel sollten später Glammy und Wild Lady Roxanne longieren und damit waren wir mit den Vielseitigkeitspferden dann auch schon durch.
      Nur neun Hengste gemischter Rassen sollten endgültig auf Hollybrook bleiben. Darunter war natürlich mein gliebter Traberhengst Damon's Dynamo. Er war gestern erster bei einem Gangturnier geworden und hatte sich daher heute einen freien Tag verdient. Mit den beiden Andalusiern Negresco und Ojos Azules arbeiteten Brian und ich zu Zeit an einem Pas de deux. Ich hatte vor in naher Zukunft beim Fohlenverkauf und auch auf Turnieren eine kleine Show aufzuziehen, wobei die beiden Hengste eine große Rolle spielten. Ich liebte meine Spanier und könnte mich niemals von ihnen trennen. Dann waren da noch die beiden Westernhengste Golden Indian Summer und Dissident Hawk. Bei ihnen hatte ich sehr lange überlegt, ob ich sie nicht in eine gute Zucht geben sollte, aber da ich auch zwei Paint Horse Stuten behalten würde und einfach an den beiden hing, durften sie bleiben. Auch der Berberhengst Amayyas hatte seinen festen Platz auf meinem Hof gefunden. Der Red Roan war immer noch schwer zu händeln und ließ außer Brian und mir keinen auf seinen Rücken. Er hatte allerdings so unglaublich viel Charakter, dass die Arbeit mit ihm viel Freude machte. Auch er sollte irgendwann in der Hengstparade mitlaufen, genau wie die beiden Araber Khamar al Sanaa und Shamal. Der Schimmel Khamar gehörte schon so lange zum festen Bestandteil des Hofes, dass all meine Mitarbeiter ihn abgöttisch liebten. Er war zwar auch temperamentvoll, aber wunderbar feinfühlig zu reiten. Bei Shamal musste man sich noch etwas mehr durchsetzen, doch der Hengst war trotz seiner ganzen Erfolge ja auch noch immer ein Jungspund. Zuletzt blieb mein Isländerhengst Intolerable Life. Bei ihm hatte ich lange überlegen müssen, ob ich ihn und seine Zwillingsschwester Fatimah behalten sollte. Allerdings waren die Zwillinge für mich etwas so Besonderes, dass ich mich nicht von ihnen trennen konnte. Sie waren die ersten Fohlen meines allerersten Zuchtpferdes. Zuletzt ging ich bei Hollybrook's Cheeky Jot vorbei. Der New Foresthengst hatte heute ebenfalls seinen freien Tag, bekam aber wie üblich seine Schmuseeinheit von mir.
      Als nächstes waren die verbliebenen Stuten an der Reihe. Donald, Samuel, Brian, Patrick und Meg kümmerten sich um die Westernpferde Arriba, My Golden Heart, The Morticains Daugther und Your possible Pasts. Da der Regen nachgelassen hatte, würden sie einen schönen ausgiebigen Ausritt mit den vier Stuten machen. Ich dagegen kümmerte mich in dieser Zeit um das Dressurtraining der Berberstute Pangäa, der Andalusierdame Cuchara und der Barockpintostute Benjilala. Die Dressurchracks liebten das Training und grade Cuchara war der unangefochtene Star im Stall. Als ich mit dem Training der drei Stuten fertig war, kamen auch die Westerndamen wieder auf den Hof zurück. Ich nahm Samuel und Brian Heart und Daugther ab und übergab ihnen dafür die Traberstuten Ehawee und Rainbow. Auch für sie stand ein schön langer Ausritt auf dem Programm. Nach kurzem Überlegen schickte ich Donald und Meg auf den Araberstuten Saddy und My lovely Horror Kid hinterher. Patrick wirkte etwas enttäuscht, aber keine der Stuten war ruhig genug, um sie mit ihm ins Gelände zu schicken. Ich winkte ihn heran. Die sechs verbliebenen New Forest Stuten Magical Moment, Aimiliani, Isola della Pirateria, Thousand Sunny, Naboo und Fairylike Facility sowie die Isländerstute Fatimah durften heute ein bisschen in der Halle laufen. Immer zu zweit, bzw Aimi, Magic und Fatimah zu dritt. Magic, Aimi und Sunny bildeten einen Teil meines Feenpferdchen-Programms mit ihren langen, wallenden Mähnen. Sie würden zusammen mit Fairy und Fatimah auch für Ausritte potentieller Gäste zur Verfügung stehen. Ich ging nun mit der Ministute Miniature America's Narnia ein wenig in den Round Pen, während Patrick Rumpelstielzchen und Darkwood's Storm Dancing Feather frei laufen ließ. Die Minihengste hatten schon einige Erfolge für sich verbuchen können und ich hoffte, bald schon die ersten Fohlen von ihnen auf dem Hof begrüßen zu dürfen.
      Nun fehlten nur noch die Pferde in den Nebenstallungen, also die, die noch nicht gekört waren. Ich setzte Patrick auf den dressurbegabten Welsh D Hengst Roi du Soleil, während ich selbst den Hannoveraner Incendio sattelte. Beide waren von ihrem Trainingsstand her bald soweit, eine Körung zu bestreiten. Die Hannoveranerstuten Lamira und Cassidy brauchten dagegen noch ein wenig. Mit ihnen gingen wir heute eine Runde um das Gestüt spazieren, was bei dem Herbstwetter, wo alles raschelte und zappelte, eine ganz schöne Herausforderung war. Sowohl Lamira als auch Cass waren nämlich nicht unbedingt nervenstark. Als wir die Stuten gerade wieder in ihre Boxen brachten, kamen die ziemlich durchgefrorenen Geländereiter wieder zurück. "Bitte, bitte schick uns nicht gleich wieder raus. Ich brauch nen Tee!", sagte Samuel bibbernd und rutschte aus dem Sattel seiner Stute. Im Gegensatz zu meinen Mitarbeitern machten die Stuten einen recht munteren Eindruck. Gerade Horror Kid sah überhaupt nicht aus, als hätte sie sich anstrengen müssen. "Keine Sorge, wir sind schon durch. Fehlen nur noch die Babys. Aber versorgt ihr erstmal eure Pferde und wärmt euch auf. Patrick und ich nehmen solange Prada und Ljósfari mit.", beruhigte ich sie grinsend. Gesagt getan. Patrick holte die Criollostute, die mit vollem Namen PFS' Devil in Prada hieß und ich übernahm den Isländerhengst GE's Ljósfari. Die beiden wurden zur Zeit schonend eingeritten, doch heute stand nur ein kleiner Spaziergang an. Im Gegensatz zu den Hannoveranerdamen blieben die beiden aber vollkommen ruhig. Grade Prada war ein absoluter Fels in der Brandung und ich freute mich schon, sie und Arriba auf schöne lange Ausritte mit Gästen des Gestüts zu schicken.
      Die Ministute Porcelain Doll hatte heute frei, da sie gerade eingefahren wurde und gestern gewaltige Fortschritte gemacht hatte. Genauso verhielt es sich mit der Welsh B Stute Siberia und dem Paint Horse Grace's Cookie 'n Cream. Nun blieben nur noch die "Fohlen" übrig. Das waren die fast dreijährigen PFS' Daydream of Money, PFS' Arctic Alinghi und PFS' Glenn's Cookie und die fast zweijährigen Picturesque Diova, Kazumi Princess el Assuad, Successful Dream, PFS' Isis und PFS' Beck's Little Diva. Für Princess und Dream würde es bald ernst werden, da sie in die Fußstapfen ihrer Mütter treten und auf der Rennbahn großes vollbringen sollten. Die anderen hingegen hatten noch eine Weile Ruhe, da ich meine Pferde erst vierjährig einritt. Dafür standen Schrecktrainings, Spaziergänge und Gehorsamkeitsübungen an. Als alle Pferde wieder gut versorgt in ihren Boxen standen, eröffnete ich meinen Mitarbeitern meine Pläne. Die Reitponystute Cinnemont's History war sogar vor einigen Tagen schon zu Occulta umgezogen, was viele überrascht hatte. Normalerweise trennte ich mich so gut wie nie von meinen Pferden, da kam dieser Rundumschlag doch sehr überraschend. Wie erwartet wurde viel Protest laut, Meg fragte sogar, ob sie die Araberstute Melody's Girl nicht kaufen konnte. Doch ich schüttelte den Kopf. Melody war krank und Meg hatte nicht das Geld, um sie ordentlich zu versorgen und hätte ich es, hätte ich die schöne braune Stute behalten. Die anderen sahen abwechselnd zwischen Meg und mir hin und her. Wir hatten uns noch nie gestritten und waren selten nicht einer Meinung gewesen. Dies war das erste Mal, dass Meg zu spüren bekam, dass der Hof mir gehörte und nicht ihr. "Meg, glaub mir, das fällt mir auch nicht leicht. Aber ich habe alles durchgerechnet und so geht es nicht weiter", setzte ich an, doch Meg drehte sich einfach um und ging. Die anderen sahen ihr bestürzt hinterher. "Die kriegt sich schon wieder ein. Mach dir keinen Kopf Sammy. Wir verstehen das alle.", sagte Samuel leise. Dennoch blieb ein bitterer Nachgeschmack.
    • Sammy
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      Dressurstar & Windgeist
      19. April 2019
      "Mensch, wenn die alle gehen, wird es hier ja richtig leer.", sagte Samuel mit leisem Bedauern in der Stimme. Ich nickte mit einem Klos im Hals. Aber ich hatte mich entschieden. 42 Pferde wurden zum Verkauf angeboten, außerdem war meine Araberstute Fallen Immortaliny bereits für Occulta reserviert. Zunächst war ich mir nicht sicher, ob ich mich von der hübschen Schimmelstute trennen konnte, doch Occulta hatte mir ein unschlagbares Angebot gemacht und so würde das Stütchen demnächst in einen anderen Teil Englands umsiedeln.
      Auch Mississle, Rosewell, Panta Rhei, Napayné und Apaches Tomahawk hatten bereits einen Platz gefunden. Sie würden zu Eddi zurückkehren. Es tat mir sehr Leid, dass ich die Pferde, die mir meine Freundin anvertraut hatte, nicht behalten konnte, doch es war einfach höchste Zeit für einen Umbruch.
      Für Hollybrook's Barakah al Sanaa, Candle in the Wind, Girlie, Hollybrook's Tiny Girl, Hollybrook's Fairy Bluebird, Hollybrook's Zarin, Cirilla, Middle Ages, Ivory, Wannabe, Pangäa, Chaira, Far Cry, Glammy, Eddi's Dead Pop Romance, Dream of Wyoming, BB's Harmony, Wüstentänzer, Juego, American Baby, Hollywood Undead, Kolibri, Daemon, Dorina, Hollybrook's Casanova, Hollybrook's Classic Moment, Hollybrook's Bloody Valentine, BMs Caradoc, Someone, Black Soul, Mizzi, Pierre, Salwa, Little Miss Sunshine, Bittersweet, Sharley, Golden Flair, Precious Scream und Adina De Ra'idah hatte ich bereits Inserate geschaltet und auch schon einige Angebote bekommen.
      Bei Branagorn, Ghostbuster, Tschiwabschischi, Naboo, Rainbow und Ehawee war ich mir noch nicht sicher, ob ich sie verkaufen oder behalten wollte. Gerade Naboo war aufgrund ihres Charakters nicht einfach zu vermitteln, passte aber eigentlich auch nicht mehr auf das Gestüt. Das hatte nun nämlich eine klare Linie. Mein Hauptaugenmerk lag darauf, ausgezeichnete Deutsche Sportpferde für die Vielseitigkeit und Englische Vollblüter für Galopprennen und Vielseitigkeit zu züchten. Daneben wollte ich eine eigene Gestüts-Show aufziehen, zu der auch eine aufwändige Hengstparade gehörte. Diese Pferde würde ich zum großen Teil auch für Filmprojekte zur Verfügung stellen. Sie sollten den Bekanntheitsgrad des Gestüts erhöhen. Dann gab es natürlich noch meine Feenpferdchen, die Minis auf dem Hof. Von ihnen hatte ich mich auch nach langem Überlegen nicht trennen können und sie somit kurzerhand in der Show eingeplant. Blieben zu guter Letzt nur noch die Ranchpferde, soll heißen meine Westernstars. Auch bei ihnen hatte ich lange hin und her überlegt, ob ich sie weggeben oder behalten sollte. Schließlich hatte ich mich dafür entschieden, geführte Ausritte für geübte Reiter anzubieten. Außerdem hatte ich ja Donald, der sich liebend gerne um die Turnierteilnahmen der sieben Pferde kümmern wollte. Mit dieser Umstrukturierung würde hoffentlich wieder mehr Geld in die Kassen fließen, denn ich wollte einige Umbauten am Gestüt vornehmen. Weiterhin hatte ich die Hoffnung, selbst wieder etwas freier atmen zu können. In den letzten Jahren hatte sich alles nur noch um Geld, Training und Turniere gedreht. Ich war jeden Tag auf unzähligen Pferden gesessen und hatte mich überhaupt nicht mehr richtig mit meinen Lieblingen beschäftigen können. Das Reiten war zum Job geworden, zur Verpflichtung, die nunmal erfüllt werden musste. Davon wollte ich wieder wegkommen, daher die drastischen Maßnahmen.
      Ana, meine neuste Trainingsreiterin gesellte sich zu uns und legte mir den Arm um die Schultern. "Manchmal sind Veränderungen nötig. Wer das nicht sieht, hat in diesem Geschäft nichts verloren. Du hast das gründlich durchdacht, also ist es auch das richtige.", sagte sie tröstend und ich lächelte sie an.
      Ana war als Ersatz für Meg hier und auch wenn sie ihren Platz nie ausfüllen konnte, hatte ich die junge Frau ins Herz geschlossen. Sie ging toll mit den Pferden um und war der Sonnenschein des Gestüts. Außerdem hatte ich mit ihr endlich wieder eine Frau auf dem Hof. Nichts gegen meine Jungs, aber es war halt doch nicht dasselbe. "Komm, ich stelle dir endlich alle vor!" Eigentlich unternahm ich diesen Rundgang mit meinen neuen Angestellten gleich am ersten Tag, doch da hier gerade alles im Umbruch war und Ana mir sowieso mit meinen beiden Nachwuchsstars Successful Dream und Kazumi Princess El Assuad geholfen hatte, waren wir noch nicht dazu gekommen. Das wollten wir nun jedoch nachholen. Zunächst machten wir einen Abstecher zur Mini-Weide. Hier standen der Überrest meiner ehemaligen New Forest Pony Zucht und natürlich meine American Miniature Horses. Magical Moment kam sofort an den Zaun, dicht gefolgt von Aimiliani und Thousand Sunny. Meine drei Mähnenwunder ließen sich ausgiebig kraulen und Magic giftete Sunny an, als diese sie wegschieben wollte. Die drei Stuten wirkten in der Dressurquadrille mit und Aimiliani war sogar schon einmal bei einem Filmdreh dabei gewesen. Ich pfiff leise durch die Zähne und die beiden anderen New Forest Damen Fairylike Facility und Isola della Pirateria kamen ebenfalls zu uns. Facility war eine echte Lebensversicherung unter dem Sattel, war aber eher für spritzige Ritte durchs Gelände und spannende Springparcours geschaffen, als für eine ausdrucksstarke Dressurkür. Daher übten wir mit ihr eine Stuntnummer ein. Isola dagegen war schon immer mein Problemkind gewesen und seit sich Darling die Hüfte gebrochen hatte und eingeschläfert werden musste, war die Rappstute nur noch schwieriger. Ich strich ihr behutsam den schwarzen Schopf aus der Stirn und streichelte ihr samtenes Maul. Als Ana ebenfalls die Hand ausstreckte, hielt ich sie zurück. "Bei Isola musst du aufpassen. Sie lässt sich fast ausschließlich von mir anfassen und braucht viel Zeit, um einen Menschen zu akzeptieren. Sie hat schon sehr viel mitgemacht, daher gebe ich ihr diese Zeit.", erklärte ich der jungen Frau. Ana nickte und bat um die Erlaubnis, sich ab und an mit Isola beschäftigen zu dürfen. Freudig willigte ich ein. Es wäre toll, wenn Isola eine zweite Bezugsperson finden würde. Nun schenkten wir unsere Aufmerksamkeit den Minis. Prämiert war hier nur Miniature America's Narnia, meine wunderschöne Silver Dapple Stute. Doch auch Porcelain Doll, das eitle Scheckstütchen sollte bald ihren Stutbuchwettbewerb bestreiten. Da die junge Stute unglaubliches Talent besaß, sah ich dem Ereignis zuversichtlich entgegen. Schließlich gab es da noch meine Halbstarken, die ebenfalls mit den Ponys auf der Weide standen.
      Das waren die Welsh D Stute PFS' Daydream of Money, das Paint Horse Grace's Cookie 'n Cream, das deutsche Sportpferd Picturesque Diova, die Minis PFS' Glenn's Cookie und PFS' Beck's Little Diva und nicht zu vergessen natürlich mein kleiner Liebling PFS' Isis. Wobei keines der Jungpferde mehr wirklich klein war. Sie alle waren ausgewachsen und sollten demnächst eingeritten werden. Bis auf Diova waren sie alle absolute Liebhaberpferde, die irgendwann bei der Gestütsshow mitwirken sollten. Besonders auf Isis war ich sehr gespannt, da die kleine Stute sich einfach prächtig entwickelte.
      Wir schlenderten über den Hof und gelangten schließlich zur großen Hengstkoppel. Hier standen alle Hengste, die verträglich waren. Meine Raufbolde hatten dagegen ihre eigenen, kleinen Koppeln. Wieder zeigte ich zuerst auf die Miniature Pferde. Hier stand auch der letzte Jungspund, PFS' Arctic Alinghi. Der winzige Tigerschecke stolzierte stolz hinter seinem alten Kumpel Rumpelstielzchen her und zwickte spielerisch nach dem älteren Hengst. Darkwood's Storm Dancing Feather, mein dritter Minihengst, hatte seine eigene Koppel, da der kleine Mann extrem hengstig war und sogar auf die ganz Großen losgehen wollte. Dafür kam nun mein geliebter Isländer GE's Ljósfari an den Zaun. Mein Lichtbringer. Der Ponyhengst gehörte mir nun schon eine ganze Weile und hatte mich mit seinem Charme völlig in seinen Bann gezogen. Auch wenn ich meine anderen Isis, inklusive den Zwillingen Intolerable Life und Fatimah hergegeben hatte, von Ljósfari würde ich mich niemals trennen können. Der Fünfgänger war mit seinen spektakulären Gängen aber auch ein wichtiger Punkt der Show, weshalb ich mich gar nicht groß rechtfertigen musste. Auf dieser Koppel standen auch meine beiden Westernhengste Dissident Hawk und Golden Indian Summer. Die beiden waren Donalds erklärte Lieblinge, was ich Ana schnell erklärte, als ich ihren verliebten Blick auf Hawk ruhen sah. "Westernreiten ist eh nicht so mein Ding. Da fühle ich mich auf der Rennbahn doch wesentlich wohler.", lachte die junge Frau. Ich ließ den Blick über meine wundervollen Hengste schweifen und zeigte schließlich auf Damon's Dynamo. Der Hengst sah auf, spitzte die feinen Ohren und kam mit federnden Schritten auf uns zugetrabt. "Oh, ist der aber schön!", hauchte Ana, als Dynamo sein weiches Maul in ihrer Hand vergrub. "Das ist er. Und ein absoluter Schatz. Dynamo ist zur Zeit unser Schleifensammler. Er räumt einfach alles ab.", sagte ich stolz, während ich den muskulösen Hals des Hengstes streichelte. Ich wimmelte Dynamo ab und zeigte auf meine beiden Spanier. Die Andalusierhengste Negresco und Ojos Azules. Die beiden waren seit Negresco's Ankunft hier unzertrennlich und wir übten gerade ein schwieriges Pas de deux mit ihnen ein, da sie beide absolute Dressurtalente waren. Zu den Dressurkünstlern zählte auch der Welsh D Hengst Roi du Soleil. Ausgebildet war er für die Vielseitigkeit, doch sein Talent lag ganz eindeutig in der Dressur, weshalb ich den Schwerpunkt der Ausbildung auf diese Disziplin gelegt hatte. Ich strich Negresco ein letztes Mal über die Stirn und wandte mich dann Hengstkoppel Nummer zwei zu.
      Hier standen zunächst einmal der englische Vollbluthengst Pawaneeh. Der schöne und talentierte Schimmel war Papa meiner über alles geliebten Kazumi Princess El Assuad. Da Ana diese im Training und auch bei dem bald anstehenden Stutbuchwettbewerb ritt, war sie an Pawaneeh besonders interessiert. Der Hengst lief mit seinen 12 Jahren längst nicht mehr im Galopprennsport, doch er machte sich sehr gut als Vielseitigkeitspferd. Ich hoffte, dass er dieses Talent an seine Tochter vererbt hatte. Auch der Hannoveranerhengst Incendio und mein Spitzenhengst Levistino standen hier. Levistino war der erste Gewinner von Jolympia und erst kürzlich hatte ich seine Enkelin auf mein Gestüt holen können. Es war unglaublich, wie ähnlich sich die beiden waren. Wir schlenderten um die Ecke des Stalls herum und kamen bei den Einzelkoppeln an. Sofort ließ mein New Forest Pony Hengst Hollybrook's Cheeky Jot ein lautes Wiehern vernehmen. Das Punktetier passte tatsächlich wenig zum neuen Zuchtziel, doch von Cheeky würde ich mich niemals trennen können. Der Abschied von seinem Sohn Casanova fiel mir schon schwer genug. Auch mein stürmischer Berberhengst Amayyas stand hier in Einzelhaft. Obwohl der Hengst nun schon einige Jahre auf Hollybrook lebte, war er immer noch oft unberechenbar und ging liebend gern auf andere Hengste los, wenn ihm der Sinn danach stand. Ich strich ihm den langen roten Schopf aus der Stirn und riss erstaunt die Augen auf, als das eigensinnige Tier sich von Ana anfassen ließ. Normalerweise gestattete Amayyas das nur Brian und mir, bei allen anderen machte er zunächst ein rießiges Tamtam. "Samuel, Donald und Patrick werden dich küssen, wenn sie wegen dir Amayyas nicht mehr von der Koppel holen müssen.", lachte ich. Hinter der nächsten Hecke erwarteten uns meine beiden Arabischen Vollbluthengste Khamar al Sanaa und Shamal. Khamar war eigentlich sehr verträglich, doch da Shamal nur ihn an sich heranließ, hatte ich die beiden kurzerhand zusammengepackt. Das funktionierte sehr gut und so musste der Junghengst Shamal nicht alleine stehen. "Gehen sie auch im Rennsport?", wollte Ana mit leuchtenden Augen wissen. Ich nickte. "Beide, ja. Außerdem nehme ich mit ihnen an Distanzritten teil. Dressur- und Springtechnisch haben sie aber auch ganz schön was drauf. Die beiden sind meine Allrounder.", sagte ich, während wir uns El Racino zuwandten. Das englische Vollblut galoppierte mit hoch erhobenem Schweif über seine Koppel und genoss die warme Aprilsonne. "Den darfst du morgen früh im Training reiten. Aber Achtung, er ist ein Hitzkopf.", sagte ich. Ana lachte nur: "Kann er sein. Ich bin selbst einer, wie könnte ich ihm das dann vorwerfen." Ich grinste und führte sie zu den beiden letzten Koppeln. "Das sind Fantastic Fly und Pride & Prejudice. Sie gehen beide Vielseitigkeit und kommen so gar nicht mit anderen Hengsten klar.", stellte ich den Holsteiner und das deutsche Warmblut vor und verdrehte dabei die Augen. Fly war Samuel's erklärter Liebling, während ich sehr an Pride hing. Die stahlblauen Augen des Hengstes hatten mich einfach von Beginn an verzaubert. "So das wars mit den Hengsten. Weiter gehts mit den Damen!", sagte ich fröhlich und führte Ana zu den Stutenkoppeln.
      Auf Koppel Nummer eins befanden sich meine Ranchpferde. PFS' Devil in Prada kam sofort zum Zaun und suchte uns nach Leckerchen ab. Die junge Criollostute war extrem anhänglich und mindestens ebenso talentiert. Ihr Name passte wirklich überhaupt nicht zu ihr, denn Prada war ein Engel. Selbes traf auf My Golden Heart zu. Die Stute begleitete mich seit ihrer Geburt und hatte schon so viele Erfolge eingeheimst, dass ich sie kaum noch zählen konnte. Zeitgleich war sie unglaublich sanft und liebesbedürftig. Auch Your Possible Pasts, Arriba und The Morticains Daugther kamen nun zum Zaun, um zu sehen, ob wir nicht eine Kleinigkeit dabei hatten. Lachend schob ich ihre Nasen zur Seite und stellte sie alle der Reihe nach vor.
      Koppel Nummer zwei beherbergte die Showpferde. Dazu gehörte natürlich mein Andalusierstar Cuchara. Die Stute hatte mir in ihren wilden Jahren recht spektakulär das Bein gebrochen, doch inzwischen hatte sie sich zum Dressurass gemausert. Auch die arabischen Vollblutstuten My lovely Horror Kid und Saddy waren auf dieser Koppel zu Hause und demnächst würde auch Isis hierher umsiedeln. Wieder leuchteten Ana's Augen. Sie war genauso begeistert vom Rennsport wie Meg. Stolz zeigte ich auf eine große Stute, deren lange lockige Mähne bis weit über die Schulter reichte. "Das ist unser Neuzugang, Where's Sleep. Ich hab sie gesehen und war verliebt. Sie passt einfach wunderbar hierher und ist dressurtechnisch am weitesten fortgeschritten. Ich plane ein Pas de deux mit ihr und Cookie. Die zwei würden zusammen sicher fantastisch aussehen.", schwärme ich. Where's Sleep war tatsächlich ein absoluter Spontankauf gewesen. Ungeplant und daher umso schöner. Für die Stute hatte es viele Bewerber gegeben und als ich schließlich den Zuschlag erhalten hatte, hatte ich mein Glück kaum fassen können. Ich lockte die Stute zum Zaun und das schöne Tier kam anmutig auf uns zu. Ich kämmte ihr mit den Fingern die langen Strähnen des schwarzen Schopfes aus den Augen und hauchte einen Kuss auf die samtigen Nüstern. Where's Sleep war defintiv etwas ganz Besonderes und ich konnte es kaum erwarten, endlich mehr Zeit für die schöne Stute zu haben.
      Nun waren noch zwei Koppeln übrig. Zuerst kamen wir an die meiner englischen Vollblutstuten. Natürlich kamen Successful Dream und Kazumi Princess El Assuad zuerst an den Zaun galoppiert. Sie überholten sich auf dem Weg zu uns immer wieder gegenseitig und buckelten übermütig. Meine beiden Wildfänge. Ich liebte sie abgöttisch, zumal sie von meinen eigenen Stuten stammten. A propos - da kamen auch schon die stolzen Mamis Kagami El Assuad und Success Story xx. Kagami giftete ihre Tochter an, woraufhin die sich flott zurückzog, doch Successful Dream warf den Kopf nach oben und bleckte die Zähne. Ich verdrehte die Augen. Dream war sozial absolut unverträglich und ich hatte gehofft, die Zeit bei den Großen würde ihr ein paar ihrer Flausen austreiben. Zu meinem großen Erstaunen war es jedoch Kagami, die zurückwich und dafür nach der Rappstute Ace of Spades schnappte. Kagami gesellte sich schließlich zu ihrer Freundin Backup, während Successful Dream sich genüsslich den Hals kraulen ließ. Die schicke Falbstute Pirate Island hielt sich wie immer im Hintergrund und wartete darauf, dass der Pferdeauflauf sich auflöste. Sie mochte keine Konflikte und ich stellte mich schnell etwas abseits, um sie zu streicheln.
      Nun fehlten nur noch meine Warmblutstuten. Hier hatte sich in letzter Zeit einiges getan. Zuerst stellte ich Ana die alten Hasen vor. Zu denen gehörten zweifellos und als erstes Wild Lady Roxanne und Angels Fall First, dicht gefolgt von Samiyah und Mahira und schließlich den Hannoveranerstuten Reminiscent Inspiration und Unnanounced Pleasure. Cassidy gehörte zu den jüngeren Stuten hier, gleich danach folgte die wunderschöne Rappstute und Enkelin von Levistino - Leveneza. An diesem Pferd konnte ich mich überhaupt nicht satt sehen und Ana ging es genauso. Ehrfürchtig streichelte sie Leveneza's feinen Kopf und strich dann den glänzenden Hals entlang. Das Stütchen war zwar durch zwei gewonnene Fohlenschauen bereits prämiert, doch so langsam startete ich ihre Turnierkarriere. Und das sehr erfolgreich. Leveneza hatte sich in allen drei Prüfungen, in denen sie bisher gestartet war, plaziert und ich könnte nicht stolzer sein. Dann gab es da natürlich noch die beiden unprämierten Damen. Zum einen das Schimmelchen Lamira. Die Hannoveranerstute war nun aber körfertig und sollte schon an diesem Wochenende ihren Stutbuchwettbewerb bestreiten - den sie wohl auch erfolgreich absolvieren würde. Und dann war da noch meine große Liebe Lilith oder wie sie mit vollem Namen hieß: Coeur de Lilith. Die wunderschöne Fuchsstute mit den strahlend weißen Abzeichen war erst gestern auf meinem Gestüt angekommen und daher noch von den anderen Stuten separiert. Lilith hatte ich im Tausch gegen Fallen Immortaliny bekommen und ich bereute diesen Handel keine Sekunde. Die sanften braunen Augen der Stute taxierten uns und forderten uns quasi auf, näher zu kommen. Als wir auf sie zugingen, ließ Lilith sich kurz streicheln und wirbelte dann herum, um mit wilden Sprüngen über die Koppel zu laufen. Lilith - der Windgeist. Einen passenderen Namen hätte man diesem sprunghaften, stürmischen Pferd wahrlich nicht geben können. Die junge Stute präsentierte sich nun in ihrer ganzen Pracht vor uns. Sie trabte am Zaun entlang, der rote Schweif wehte wie eine Flagge hinter ihr her. Plötzlich stoppte das Holsteinerstütchen, wirbelte auf der Hinterhand herum und begann die Parade von neuem. Ich war völlig hingerissen. Bald schon würde ich mit dem Einreiten beginnen und ich konnte es kaum erwarten auf dem Rücken dieses Traumpferds zu sitzen. Lilith stammte von Leitz, dem Hengst einer guten Freundin und Colored Belle, einer Stute mit eigensinnigem Charakter und toller Abstammung ab. Diese Anpaarung war vor langer Zeit mein Wunsch gewesen und ich konnte mein Glück noch immer kaum fassen, dieses Traumgebilde nun vor mir auf und ab traben zu sehen. Lilith würde mir sicher noch sehr viel Freude bereiten, davon war ich überzeugt.
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    Ranchpferde
    Hochgeladen von:
    Sammy
    Datum:
    23 Mai 2017
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    EXIF Data

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  • Arriba
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    Spitzname: Ari

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    ~ Abstammung ~
    Von: Unbekannt

    V: ?
    M:?
    Aus der: Unbekannt
    V: ?
    M: ?

    --------------------------------------------------

    Rasse: Criollo
    Geschlecht: Stute
    Geburtsdatum: 01. März 2011
    Stockmaß: 1,54 m
    Fellfarbe: Palomino
    Kopfabzeichen: Blesse
    Beinabzeichen: v.l. + v.r. weißer Kronrand, h.l. weißer Stiefel

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    ~ Beschreibung & Charakter ~
    Arriba macht ihrer Rasse alle Ehre: Sie ist eine sehr ruhige und ausgeglichene Stute, welche immer motiviert mit dem Menschen zusammenarbeitet. Arriba besitzt einen sehr großen Ehrgeiz und gibt immer ihr Bestes. Schon in ihren jungen Jahren zieht sie die Blicke auf sich, aber nicht nur wegen ihres Charakters, sondern auch wegen ihrer besonderen Fellfarbe. Alles in allem ist Arriba eine wunderbare Stute, die man einfach liebhaben muss.
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    Besitzer: Sammy
    Vorbesitzer: Gwen
    Ersteller: Zasa
    Vkr: ///

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    ~ Qualifikationen ~
    Western:
    S***
    Distanz: A
    Military: A
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    ~ Schleifen ~
    Gewinnerin der SK[446] Alle Stuten
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    282. WE ~~~303. WE
    [​IMG]~~~[​IMG]


    311. WE~~~318. WE
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    322. WE~~~325. WE
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    335. WE~~~341. WE
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    344. WE | 494. WE
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    240. DI
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    258. MI
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    ~ Sonstiges ~
    Zuchtfähig:
    Ja
    Nachkommen: ///
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    Hintergrund by Samarti! ♥
    Offizieller HG